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monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
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ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
173. Jahrgang
inren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt.
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den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurg
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
§ 237.
Montag, den 10. Oktober.
1910.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Zur parlamentariſchen Lage in Heſſen.
*X* Obgleich ſich bisher in den geſetzgebenden
Kör=
perſchaften des Landes noch kein Lüftchen regt, ſteht doch
außer Zweifel, daß die Parlamentskampagne ſchon in den
nächſten Wochen ihren Anfang nehmen wird, zunächſt
we=
nigſtens in den parlamentariſchen Ausſchüſſen. Es
be=
ſtand früher und beſteht hoffentlich auch noch heute in den
maßgebenden Kreiſen die Abſicht, in einer längeren
Herbſttagung der Zweiten Kammer einmal
gründlich mit den zahlreichen, noch unerledigten
Geſetz=
entwürfen aufzuräumen, die ſchon ſeit Jahren der
Fer=
tigſtellung harren. Die Zweite Kammer wird vor allem
jetzt alsbald an die Beratung der Städteordnung und der
Landgemeindeordnung herantreten müſſen, die beide ſchon
in der vorigen (33.) Kammerperiode vom Sonderausſchuß
für die Reviſion der Verwaltungsgeſetze nahezu ganz
durchberaten worden waren. Auch der Sonderausſchuß
des gegenwärtigen Landtages hat die beiden
Geſetzesvor=
lagen ſoweit fertig geſtellt, daß die Verleſung der Berichte
erfolgen und nach deren Drucklegung die Plenarberatung
ihren Anfang nehmen kann. Ob es dabei auch gelingen
wird, den dritten der Verwaltungsgeſetzentwürfe, betr.
die Verwaltungsrechtspflege, ebenfalls noch zur
Verabſchie=
dung zu bringen, ſteht ſehr dahin. Neben dieſen Vorlagen
wird ſich die Zweite Kammer hoffentlich noch mit einem
anderen ſehr wichtigen Gegenſtand recht eingehend
beſchäf=
tigen: der Frage der Erſparniſſe im
Staats=
haushalt reſp. in der Staatsverwaltung. Es iſt
aller=
dings kein ſehr günſtiges Zeichen für den Stand dieſer
Sache, daß der ſchon im vorigen Frühjahr mit ſo großen
Erwartungen ins Leben gerufene parlamentariſche
Aus=
ſchuß, der ſich unter dem Vorſitz des Staatsminiſters
kon=
ſtituierte, bis jetzt noch nicht das geringſte von ſich hören
ließ. Wenn die bei Begründung des Ausſchuſſes
ausge=
ſprochene Annahme, daß ſchon im neuen
Staatsvoran=
ſchlag für 1911 eine Reihe von Vereinfachungen und
Er=
ſparniſſen zur Durchführung gelangen möge, noch
verwirk=
licht werden ſoll, ſo wäre es höchſte Zeit, daß der Ausſchuß
wieder zuſammenkäme und mit praktiſchen Vorſchlägen
herausträte.
Ein überreiches Maß von parlamentariſchen Arbeiten
hat demnächſt auch die Erſte Kammer zu bewältigen.
Vor allem ſteht hier noch die Erledigung der
Wahl=
rechtsvorlage und der Gemeindeſteuer=
Reform bevor. Wie verlautet, werden ſich noch in
die=
ſem Monat die zuſtändigen Ausſchüſſe mit den beiden
Geſetzesvorlagen beſchäftigen, worauf dann vorausſichtlich
im November die Erſte Kammer an die Beratung
heran=
treten kann. Für die Gemeinde=Umlagenreform erſcheint
die Zuſtimmung der Standesherren ziemlich ſicher und es
iſt kaum anzunehmen, daß die ſoeben von den heſſiſchen
Handelskammern an das Haus gerichtete Eingabe
Berück=
ſichtigung finden wird. Dagegen erſcheint das Schickſal der
Wahlrechtsvorlage recht fraglich, da namentlich verſchiedene
der von der Zweiten Kammer an der Vorlage vollzogenen
Abänderungen auf Widerſpruch ſtoßen werden, ſo
beſon=
ders die Abänderung über die Zuſammenſetzung der Erſten
Kammer und die Vermehrung der Zweiten Kammer auf
58 Mitglieder. Auch die Zweite Kammer muß ſich
be=
kanntlich noch einmal mit der Wahlrechtsvorlage
beſchäf=
tigen, da ſie bei Beratung der Wahlkreiseinteilung den
bei=
den Gießener Wahlkreiſen noch einen weiteren Vorort
zu=
geteilt hat. Dies hat wieder zur Folge, daß der Artikel 3
der Vorlage über die Landſtände, in dem die Umgrenzung
der Wahlbezirke Gießen mit Zweidrittel=Majorität
geſetz=
lich feſtgelegt wurde, abgeändert werden muß. Jedenfalls
werden bei den abermals bevorſtehenden
Wahlrechtsver=
handlungen noch recht erhebliche Schwierigkeiten zu
über=
zyinden ſein.
Zur Charakteriſtik des poringieſiſchen Volkes.
(** Die plötzlich in Portugal ausgebrochene
Revo=
lution lenkt die allgemeine Aufmerkſamkeit auf das
portu=
gieſiſche Volk. Alle unbefangenen Reiſenden ſtimmen
darin überein, daß es gegen Fremde im allgemeinen ſehr
zuvorkommend und gaſtfrei iſt. In portugieſiſchen
Fami=
lien findet man die freundlichſte Aufnahme, zumal als
Deutſcher. Der deutſche Gaſt wird überall mit einem
Wohlwollen empfangen, deſſen Aufrichtigkeit auf das
an=
genehmſte berührt. Im Gegenſatz zu dem Spanier gilt der
Portugieſe als außerordentlich tierfreundlich; ein Sprich=
wort des Landes lautet: „Wer kein Mitleid für die Tiere
fühlt, kann kein Herz haben.” Auch bei den Stiergefechten
tritt der Unterſchied zwiſchen den beiden Völkern der
iberi=
ſchen Halbinſel ziemlich deutlich zutage. Der Portugieſe
will bei dem Vergnügen kein Blut fließen ſehen, deshalb
darf auch der Stier, deſſen Hörner durch aufgeſetzte
Leder=
kugeln faſt unſchädlich gemacht ſind, nicht getötet werden.
Von ſüdlicher Heißblütigkeit iſt bei den Bewohnern
durch=
weg wenig zu ſpüren, in der Regel zeichnen ſie ſich durch
ein ruhiges, gelaſſenes Weſen aus. Man lobt ihren
Fa=
milienſinn, ihre Anhänglichkeit an den häuslichen Herd
und ihre Mäßigkeit im Eſſen und Trinken. Obwohl ſie
im Paradieſe des Ueberfluſſes leben, ſoweit es ſich um
köſtlichen Rebenſaft handelt, darf reines Waſſer doch als
das eigentlichſte Nationalgetränk angeſehen werden.
Die allſeits anerkannten guten Eigenſchaften der
Por=
tugieſen werden jedoch durch wenig empfehlenswerte ſtark
verdunkelt. Ihr nationaler Dünkel nimmt nicht ſelten
einen Anſtrich von Lächerlichkeit an. Im Bewußtſein der
Ruhmestaten ihrer Vorfahren kennt ihr Stolz keine
Gren=
zen, als ob ſie damit ſich ſelbſt und andere über die wenig
rühmliche Gegenwart ihres Landes hinwegtäuſchen
möch=
ten. Beſonders blicken ſie mit unglaublicher Verachtung
auf ihre Nachbarn, die Spanier, herab, die in ihren Augen
geradezu Barbaren ſind. Ein echter Charakterzug des
por=
tugieſiſchen Volkes, der mit ſeinem Stolze in engem
Zu=
ſammenhang ſteht, liegt in ſeiner maßloſen Vorliebe für
den bloßen Schein, den er nur zu oft dem wahren Weſen
der Dinge vorzieht. Er legt ſich die größten
Entbehrun=
gen auf, um ſich nach der neueſten Pariſer oder Londoner
Mode kleiden und ſich mit Ketten und Ringen, deren er
an jedem Finger hat, ſchmücken zu können. Wer
gezwun=
gen iſt, ſein Brot als Diener zu verdienen, ſträubt ſich mit
ſeinem ganzen angeborenen Nationalſtolz dagegen, in
die=
ſer Eigenſchaft äußerlich zu erkennen zu ſein. Das Wort
„Cacaio” (Lakai) gilt als eine der ſchlimmſten
Be=
ſchimpfungen in der portugieſiſchen Sprache.
Zu den unerfreulichen Eigenſchaften der Portugieſen
muß auch ihre Trägheit gerechnet werden. Das ſüße
Nichtstun betrachten ſie als das vernünftigſte Lebensgeſetz,
am wohlſten fühlt ſich der Portugieſe, wenn er
gemäch=
lich ſtundenlang im Klub oder im Café oder in einer
Apotheke mit Schankberechtigung bei einem Glaſe mehr
oder minder harmloſer Flüſſigkeit, meiſtens Eiswaſſer,
ſeine Zigarette rauchen kann. So wenig wie möglich
ar=
beiten: das iſt auch in den kräftigſten Lebensjahren ſeine
Loſung. Es gibt in ſeinen Augen nichts Törichteres auf
Erden, als ſich abzuquälen, wenn es ſich irgendwie
ver=
meiden läßt. Das gilt freilich mehr von dem Städter
als von dem Landbewohner, der natürlich ſelbſt mit dem
beſten Willen einer anſtrengenden Feldarbeit nicht immer
aus dem Wege gehen kann.
Deuſches Reich.
— Vor bereitung von
Handelsverhrä=
gen. Am 13. Oktober wird die Plenarſitzung des
Wirt=
ſchaftlichen Ausſchuſſes für die Vorbereitung
handelspoliti=
ſcher Maßnahmen ſtattfinden, in der die Grundlinien eines
neuen, mit Schweden abzuſchließenden Handelsvertrages
erörtert werden ſollen. Man darf annehmen, daß nach dem
Abſchluß dieſer Erörterungen, bei denen vielleicht auch
noch beſondere Sachverſtändige werden vernommen
wer=
den, die Unterhandlungen mit Schweden ſoſort werden in
die Wege geleitet werden. Ob ſie ſich ſo ſchnel zu einem
poſitiven Ergebnis werden bringen laſſen, daß ein neuer
Handelsvertrag mit Schweden dem Reichstag noch im
nächſten Tagungsabſchnitte unterbreitet werden kann, was
ja im Intereſſe der gegenſeitigen geſchäftlichen
Beziehun=
gen zu wünſchen wäre, ſteht dahin. Da der gegenwärtige
Vertrag mit Schweden noch bis zum 1. Dezember 1911
läuft, würde ſich gegebenenfalls ſchließlich auch noch die
rechtzeitige Erledigung eines etwaigen neuen Vertrages
in der erſten Tagung des neuen Reichstages ermöglichen
laſſen. Dagegen wird man auf alle Fälle verſuchen, dem
Reichstag in der nächſten Tagung einen neuen
Handels=
vertrag mit Japan zu unterbreiten, weil hier der alte
Vertrag ſchon um die Mitte Juli des nächſten
Kalender=
jahres abläuft. Die Unterhandlungen mit Japan ſind
eingeleitet. Deutſcherſeits werden ſie geführt auf Grund
der Ergebniſſe einer Erhebung, die vom Reichsamt des
Innern vor einiger Zeit in den intereſſierten Kreiſen
ver=
anſtaltet worden iſt und die ein umfangreiches Material
ergeben hat.
— Die polizeilichen Ermittlungen
ge=
gen die Moabiter Demonſtranten werden
nach einer Meldung der Blätter mit großer
Beſchleuni=
gung durchgeführt. Es iſt dies die Folge einer höheren
Anordnung, damit die Akten möglichſt bald der
Staats=
anwaltſchaft zugeſtellt werden können. Auch die
gericht=
liche Unterſuchng ſoll als dringlich behandelt werden. Die
Juſtizbehörde will dadurch erreichen, daß die
Hauptver=
handlungen gegen die Angeklagten nicht zu weit
hinaus=
geſchoben werden, damit den Zeugen Gelegenheit gegeben
wird, ihre Ausſagen noch in friſcher Erinnerung an die
bedauerlichen Vorgänge zu machen. Dem Vernehmen nach
werden die erſten Hauptverhandlungen auf Ende dieſes
Monats angeſetzt werden. Späteſtens Ende November
ſollen ſämtliche Hauptverhandlungen ſtattgefunden haben.
— Zur Fleiſchnot. Wie verlautet, hat der
Bun=
desrat in ſeiner Sitzung den den Vorſitz führenden
Reichs=
kanzler erſucht, der am 13. Oktober ſtattfindenden nächſten
Sitzung des Bundesrates poſitive Vorſchläge zur
Mil=
derung der vorhandenen Fleiſchnot vorzulegen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Zur Fleiſchnot. Die Regierung hat auf eine
Eingabe der Gemeinde Wien die Einfuhr einer
Probeſen=
dung von 25000 Kilogramm argentiniſchen Fleiſches, die
Mitte Oktober in Trieſt eintreffen ſollen, geſtattet. Dieſe
Bewilligung erfolgte unter der Bedingung, daß die
Sen=
dung in Trieſt veterinär= und ſanitätspolizeilich
unter=
ſucht wird und daß das Fleiſch unter Angabe der Herkunft
verkauft wird.
In der nationalen
Ausgleichskommiſ=
ſion des böhmiſchen Landtages erklärte der
Statthalter Graf Coudenhove, daß die Regierung unter
keinen Umſtänden der Einführung des allgemeinen gleichen
Wahlrechts für den Landtag zuſtimmen werde, dagegen
könne man bei der Aufrechterhaltung des Kurienſyſtems
über die Einführung des Proportionalwahlrechts ſprechen.
Spanien.
Im Senat erklärte Miniſterpräſident Canalejas, die
Haltung der Regierung während der parlamentariſchen
Ferien ſei durchaus geſetzlich geweſen. Canalejas ſprach
dann tadelnd über die Haltung des Epiſkopats und der
reaktionären Elemente, die für ſeine Perſon beleidigend
ſei. Er werde gegen die Beleidiger vorgehen. Er laſſe
ſich von niemand einſchüchtern, ſondern werde die
Ver=
wirklichung ſeines Programms eifrig betreiben und
be=
ſonders das dem Senat vorzulegende Sperrgeſetz aufrecht
erhalten. Der Miniſterpräſident beſtritt, daß im Kabinett,
deſſen Mitglieder alle eng verbunden und entſchloſſen ſeien,
zu ſiegen oder zu ſterben, auch nur die geringſte
Uneinig=
keit beſtehe. Canalejas verteidigte weiter das Vorgehen
der Regierung bei dem Streik in Bilbao und bei den
Kundgebungen der Katholiken in Bilbao und San
Seba=
ſtian. Schließlich erklärte der Miniſterpräſident, er hoffe
dem Parlament im nächſten Monat über die
Verhand=
lungen mit dem päpſtlichen Stuhl und Marokko
Aufklä=
rungen geben zu können.
Belgien.
Die Entwickelung der Kongokolonie.
Der offizielle Bericht über die Situation des Kongo, der
ſoeben den Parlamentsmitgliedern ausgehändigt worden
iſt, enthält intereſſante Aufſchlüſſe über die jüngſte
Ent=
wickelung des genannten Gebietes. So hat die weiße
Be=
völkerung, die heute zirka 3400 Mann zählt, im letzten
Jahre eine nicht unbedeutende Vermehrung aufzuweiſen.
Es leben heute im Kongo 2000 Belgier, 320 Engländer, 125
Holländer, 60 Deutſche, 50 Franzoſen, 210 Schweden, 70
Ruſſen, 70 Schweizer, 185 Italiener, zirka 30 Griechen
und einige Spanier, Dänen und Türken. Der Handel
der Kolonie iſt im Jahre 1909 gegenüber 1908 von 89
Millionen auf 106 geſtiegen. Der Spezialhandel beteiligt
ſich in dieſer Ziffer mit 78 Millionen.
Rußland.
Derfinnländiſche Landtag hat die Beratung
der Geſetzesvorlagen übſer die Gleichberechtigung aller
ruſſiſchen Untertanen in Finnland und über die Ablöſung
der Wehrpflicht der Finnländer durch die Zahlung einer
Summe an die Staatskaſſe abgelehnt. Deshalb gab der
Kaiſer den Befehl, auf Grund der am 30. Juli 1910
erlaſſe=
nen Geſetze für Finnland dieſe Vorlagen in der
Reichs=
duma einzubringen.
Südafrika.
Das Programm der Regierung. In ſeiner
Rede, die Botha in Welverdiend (Transvaal) vor ſeiner
Wahl ins Bundesparlament hielt, erklärte er, die
Natio=
galiſten hätten bei den letzten Wahlen einen glänzenden
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Oktober 1910.
Nummer 237.
Platz einem großen reichen Landes mit einem
großen zufriedenen Volke zu verſchaffen. Im Kabinett
weiterhin am politiſchen Leben zu beteiligen und die
Po=
fortzuſetzen. Er warne die Finanzkreiſe von
Johannes=
burg, in der engherzigen Ausbeutung des
Raſſengegen=
ſatzes zu weit zu gehen. Trotz der Haltung der Minen=
Induſtrie werde die Regierung fortfahren, die Minen, den
Handel und die Landwirtſchaft ehrlich und gerecht zu
be=
handeln. Botha kündigte an, er werde zur Entwickelung
der Landwirtſchaft eine ſorgfältige Bodenpolitik
ausarbei=
ten, die Südafrika zum Rivalen Amerikas im
Ausfuhr=
handel machen werde.
Marokko.
Zur Lage. Aus Tanger läßt ſich der Matin
be=
richten: Ein neues ſpaniſches Bataillon in Kriegsſtärke iſt
in Ceuta ausgeſchifft worden, wo die größte militäriſche
Tätigkeit herrſche. Nach Meldungen, die von allen Seiten
eintrafen kann man verſichern, daß Spanien allen amtlichen
Ableugnungen zum Trotz, beinahe offen einen Kriegszug
gegen Tetuan vorbereitet, der übrigens von den
bedeu=
tendſten ſpaniſchen Perſönlichkeiten, namentlich von dem
Senator Maeſtre, der neulich von ſeinem
ver=
trauten Freund Canalejas mit einem wichtigen Auftrag
nach Marokko geſchickt worden iſt, angekündigt wird.
* Wien, 8. Okt. In der Beſprechung des
Beſchluſ=
ſes des Berliner Magiſtrats, einen Platz
in Berlin nachdem Kaiſer Franz Joſef zu
be=
nennen, führt die Neue Freie Preſſe aus: Berlin, das
unſerem Kaiſer mehrmals, insbeſondere bei ſeinem letzten
Beſuch, einen glänzenden Empfang bereitet hat, gibt nun,
wie Wien dem Gefühl der engen Zuſammengehörigkeit
der beiden Verbündeten auch dadurch Ausdruck, daß es
dem verbündeten Monarchen ein dauerndes Gedenkzeichen
an der belebteſten Stelle widmet. Das Neue Wiener
Tagblatt ſchreibt: So haben zwei Metropole des
Bünd=
niſſes innerhalb ihres autonomen Rahmens die freudige
Zugehörigkeit ihrer Bürger zu dem Bündniſſe und zu dem
Freundſchaftsringe, der die Reiche, wie deren fürſtliche
Oberhäupter umſchließt, ſoeben herzlich kundgetan. In
Berlin wie in Wien ſind vornehme Stadtgebiete zu
Mo=
numenten einer verbrüderten Kameradſchaft geworden,
denn auch die Städte ſelbſt ſind einander durch dieſe
herz=
lichen Kundgebungen nähergerückt. Sie ſind Schweſterſtädte
der Allianz. Das Blatt erinnert ſodann an die herzlichen
Empfänge Kaiſer Franz Joſefs in Berlin und ſchließt,
immer ein Gegenſtand freudigſter Bewillkommnung, iſt ſein
Name jetzt zu einem Wahrzeichen Berlins geworden, ſo
wie der Name ſeines Verbündeten zum Wahrzeichen Wiens
geworden iſt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 10. Oktober.
— Ernannt wurden der Ferdinand Beck in
Offen=
bach und der Joſeph Schwally daſelbſt zu
Schreib=
gehilfen bei dem Amtsgericht Offenbach.
— Beauftragt wurde der Großh.
Aſſiſtenzveterinär=
arzt Karl Blume zu Homberg a. O. mit
Wahr=
nehmung der Dienſtgeſchäfte des Kreisveterinäramts
Grünberg und der praktiſche Veterinärarzt Dr. Karl Seitz
zu Groß=Felda mit Verſehung der
Aſſiſtenzveterinärarzt=
ſtelle in Homberg a. O.
— Auszeichnung eines Geſangvereins. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben dem
Männergeſang=
verein zu Hirzenhain in Anerkennung ſeiner
vater=
ländiſchen Vereinsbeſtrebungen zu ſeinem 50jährigen
Jubiläum einen Fahnenſchmuck verliehen.
— Uebertragen wurde der Lehrerin Eva Metzler
zu Bieber, Kreis Offenbach, eine Lehrerinſtelle an der
Gemeindeſchule zu Budenheim, Kreis Mainz.
* Der Königlich Großbritanniſche Geſchäftsträger
Herr Frederie D. Harford hat das Beglaubigungs=
Sieg gewonnen. Er beabſchige, Sidafrila ein Stick ſ ſchreiben, das ihn in gebachter Eigenſchaft bei der Großh.
vorwärts zu bringen und ihm im britiſchen Reich den 1 Regierung beſtätigt, Sr. Exz. dem Großh. Staatsminiſter
Herrn Ewald überreicht.
werde keine Aenderung eintreten. Er beabſichtige, ſich auch die Deutſche Wehrordnung betreffend. 2. Verordnung,
die Abänderung der Verordnung über die Viſitation
der rechnungspflichtigen Kaſſenbeamten vom 6. Mai 1885 Erklärung ſtellte er verſchiedene Behauptungen auf,
litik der Verſöhnung und des Zuſammenarbeitens der Raſſen (Reg.=Bl. S. 85) betreffend. 3. Bekanntmachung, die
Be=
fugniſſe des Steueramts Gernsheim betreffend.
L. Der Provinzialausſchuß verhandelte am
Sams=
tag unter dem Vorſitze des Provinzialdirektors Fey
öffentlich folgende Sachen: 1. Die Heinrich Falter
Witwe von Steinbuch beſitzt in der Gemarkung
Steinbach ein Grundſtück, welches ſie als Erbzinsland des Sachverhalts ſei feſtgeſtellt, ſo ſchreibt hierzu der
anſieht und hat bei der Gräflich Erbach=Fürſtenauer
Rentkammer den Antrag geſtellt, ſämtliche darauf
haf=
tende Gerechtſame abzulöſen. Dieſer Antrag wurde
von der Kammer und vom Kreisausſchuß
zurückge=
wieſen, weil es ſich hier nicht um ein erbliches
Pacht=
verhältnis handele, indem die Standesherrſchaft
jeder=
zeit berechtigt ſei, das Grundſtück ohne Zahlung irgend
einer Entſchädigung zurückzunehmen. Dieſen Beſcheid
focht Juſtizrat Dr. Löb namens der Falter an. Er
vertrat entſchieden die Anſicht, daß das Geſetz
betref=
fend die Ablöſung der Reallaſten und ſonſtigen
Ver=
pflichtungen hier anwendbar ſei. Seit beinahe 100
Jahren ſei das Grundſtück im Beſitze der Familie
Falter und das Verhältnis von Anfang an als
Erb=
zins bezeichnet worden. Sein Antrag geht dahin,
aus=
zuſprechen, daß es ſich hier um ablösbare
Berechtigun=
gen handele, im übrigen die Sache zur Feſtſetzung der
Entſchädigungsſumme zurück zu verweiſen. Geh.
Juſtizrat Maſſot erklärte als Vertreter der Rentkam=
1 mer, daß man es hier nur mit privatrechtlichen
Pacht=
verhältniſſen zu tun habe; dies gehe deutlich aus dem
gemachten Vorbehalt hervor. Die Entſcheidung in
dieſer für Nichtjuriſten ſehr ſchwierigen Sache ſoll am
15. dieſes Monats verkündet werden.
2. In Klein=Krotzenburg fand am 16. April
die Beigeordnetenwahl ſtatt, bei welcher Kilian Jakob
Schwab 210, Johann Martin Appel 171 Stimmen
er=
hielten, 3 Stimmen waren zerſplittert, 14 Zettel
wur=
den weiß abgegeben. Obwohl Schwab hiernach die
Mehrheit erhalten hat, beanſtandete der Kreisrat die
Wahl. Der Kreisausſchuß verſagte gleichfalls die
Beſtätigung, weil Schwab erklärter Anhänger der
So=
zialdemokratie ſei und nach heſſiſcher
Verwaltungs=
praxis in allen Fällen, in welchen der Kreisrat
er=
klärte Mitglieder der ſozialdemokratiſchen Partei nicht
beſtätige, dies für geſetzlich zu erklären ſei.
Rechtsan=
walt Dr. Fulda verfolgte namens des Schwab Rekurs,
ſah jedoch mit Rückſicht auf die mitgeteilte Begründung
von weiteren Ausführungen ab. Die Entſcheidung
lautete dahin, daß das eingelegte Rechtsmittel zu
ver=
werfen, der Beſchwerdeführer zur Zahlung der Koſten,
ſowie einer Gebühr von 5 Mark zu verurteilen ſei.
3. Anfangs Mai wurde in Radheim der
Bürger=
meiſter gewählt. Dabei fielen im erſten Wahlgange
auf Adam Bachmann III. und Valentin Boll II. je
41 Stimmen. Der Wahlkommiſſar ordnete an, daß
nunmehr das Los entſcheiden ſolle. Dieſes entſchied
für Bachmann. Die Wahl wurde angefochten, weil
nicht durch das Los, ſondern in einer Stichwahl die
Entſcheidung hätte herbeigeführt werden müſſen, auch
ſoll es bei der Losziehung an jeder Kontrolle gefehlt
haben und das Protokoll keine Schilderung des
Vor=
ganges, ſondern nur die Feſtſtellung enthalten, daß
Bachmann durch das Los gewählt ſei. Endlich wird
behauptet, daß Wähler durch das Verſprechen
materiel=
ler Vorteile veranlaßt worden ſeien, ihre Stimme
anders als beabſichtigt abzugeben. Der Kreisausſchuß
erachtete die letztgenannte Behauptung für erwieſen
und erklärte die Wahl für ungültig. Namens des
Bachmann legte Rechtsanwalt Dr. Oſann Rekurs ein,
während Juſtizrat Hallwachs die Reklamanten vertrat.
Der bei Bachmann beſchäftigte Dienſtknecht Franz
Höhler, der im Herzen für Boll war, erklärte, daß
ſo=
wohl ihm als auch ſeiner Frau von beiden Seiten Geld
geboten worden ſei, um ſeine Stimme zu fangen. Ein
Anhänger des Bachmann habe ihm geſagt, er ſolle nach
dem Grundſatz wählen: „Wes Brot ich eß, des Lied
ich ſing”. Seine Dienſtherrin habe ihm Freibier
ge=
ſpendet. Seine Ausſage war von der Art, daß
be=
ſchloſſen wurde, die Akten an die Staatsanwaltſchaft
abzugeben, weil anzunehmen ſei, daß hier ſtrafbare
Wahlbeeinfluſſungen vorkamen.
L. Die Strafkammer verhandelte am Samstag
gegen den 40 Jahre alten Fouragehändler Franz W.
Fiſcher von Ober=Ramſtadt, der nach dem Ableben
* Großh. Regierungsblatt. Die Nr. 18 vom ſeines Vaters eine zum Nachlaß gehörige Sparkaſſe=
8. Oktober hat folgenden Inhalt: 1. Bekanntmachung, einlage von 4600 Mark erhoben hatte und verpflichtet
war, ſeinen vier Geſchwiſtern ihren Anteil zu
behän=
digen. Er behielt ſtatt deſſen 2200 Mark für ſich. Zur
die ſich jedoch als unwahr herausſtellten. Er wurde
wegen Untreue zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
— Kein Warennachſchub bei Ausverkäufen. In
ver=
ſchiedenen Zeitungen wurde in letzter Zeit die Frage
erörtert, ob die Ergänzung eines Warenlagers
wäh=
rend eines Ausverkaufs ſtatthaft ſei. Zur Aufklärung
Verband der Detailliſten=Vereine im
Großherzogtum Heſſen, daß nach § 8 des
neuen Geſetzes über den unlauteren Wettbewerb vom
7. Juni 1909 mit Gefängnis bis zu einem Jahre und
mit Geldſtrafe beſtraft wird, wer im Falle der
Ankün=
digung eines Ausverkaufs Waren zum Verkauf ſtellt,
die nur für den Zweck eines Ausverkaufs
herbeige=
ſchafft ſind (ſogenanntes Vorſchieben oder Nachſchieben
von Waren). Jeder Warennachſchub iſt
hier=
nach unterſagt. Das Oberlandesgericht in
Darm=
ſtadt hat auch keine Entſcheidung erlaſſen, durch welche
dieſe klare Beſtimmung des Geſetzes vom 7. Juni 1909
anders ausgelegt würde. Wenn von anderer Seite
behauptet worden iſt, daß das Darmſtädter
Oberlan=
desgericht das Nachſchieben von Waren für zuläſſig
erklärt hat, ſo kann ſich dies nur auf eine Entſcheidung
beziehen, die vor dem Inkrafttreten des Geſetzes vom
7. Juni 1909 ergangen iſt. Dieſe veralteten
Entſcheid=
ungen haben jetzt ſelbſtverſtändlich keine Bedeutung
;mehr. Denn durch das neue Geſetz vom 7. Juni 1909 dieſe frühere Rechtſprechung aufgehoben und das
Nachſchieben von Waren für die Zukunft verboten
wer=
den. Dies iſt gerade der Zweck des neuen Geſetzes.
Eine beſondere Stellung nehmen in dem neuen Geſetz
nur die Saiſon= und die Inventurausver=
* käufe ein, die von der Vorſchrift des § 8
ausgenom=
men ſind. Wie weit bei den Saiſon= und Inventur=
; Ausverkäufen das Nachſchieben von Waren zuläſſig iſt.
iſt beſtritten. Dr. Fuld=Mainz, ein ausgezeichneter=
Kenner des Geſetzes, vertritt mit Entſchiedenheit die
1 Anſicht, daß auch hier eine Beſchränkung gelten müſſe;
i die Inventurausverkäufe dürften ſich nur auf die zur
1 Zeit der Inventur vorhandenen Waren, die
Saiſon=
ausverkäufe nur auf die Waren der alten Saiſon, aber
nicht auf die Waren der kommenden Saiſon erſtrecken.
;Eine Entſcheidung des Oberlandesgerichts iſt darüber,
wie dieſe Frage nach dem Geſetz vom 7. Juni 1909
aus=
zulegen iſt, noch nicht ergangen. Jeder Geſchäftsmann
muß daher auch in dieſer Richtung vorſichtig ſein,
da=
mit er ſich nicht der Gefahr einer Beſtrafung ausſetzt.
Nur auf die Saiſon= und Inventurausverkäufe
be=
ziehen ſich im übrigen die Ausführungen von Dr.
Ro=
ſenthal und Dr. Fuld in den Nummern 12 und 14 der
Zeitſchrift Das Recht, auf welche von anderer Seite
hingewieſen worden iſt.
— Stand der Darmſtädter Volksbank, e. G. m. b. H.,
am 30. September 1910. Aktiva. Kaſſa=Konto u. Guthaben
auf Reichsbank=Giro= u. Poſtſcheck=Konto 71385 M. 23 Pf.
Coupons= u. Sorten=Konto 36845 M. 74 Pf. Bankverkehr=
Konto 524648 M. 09 Pf. Effekten=Konto 474514 M. 74 Pf.
Lombard=Konto 408358 M. 23 Pf. Wechſel= u. Deviſen=
Konto 282438 M. 01 Pf. Konto=Korrent=Konto 2965320 M.
11 Pf. Vorſchuß= u. Vorſchuß=Wechſel=Konto 831289 M.
57 Pf. Haus=Konto und Immobilien=Konto 285331 M.
34 Pf. Mobilien=Konto 2434 M. — Pf. Schrankfächer=
Konto 1 M. — Pf. Haus= u. Immobilien=
Unterhaltungs=
koſten=Konto 2624 M. 24 Pf. Verwaltungskoſten=Konto
44947 M. 98 Pf — Paſſiva. Geſchäftsanteil=Konto
1498282 M. 20 Pf. Reſervefonds=Konto I u. II 371095 M.
68 Pf. Delkredere=Konto 50000 M. — Pf Penſions= u.
Unterſtützungsfonds=Konto 154683 M. 08 Pf.
Akzeptatio=
nen= und Aval=Konto 61 495 M. — Pf. Sparkaſſen= und
Scheck=Konto 3 658 194 M. 17 Pf. Zinſen=Konto 160006 M.
86 Pf. Dividende=Konto 6381 M. 29 Pf. Umſchaa im
September 1910 4916953 M. 72 Pf. Zahl der
Mit=
glieder 1992.
D Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 1. Oktober l. J.
männ=
lich 9558, weiblich 6022, zuſ. 15 580, in Prozenten 61,34,
38,66; am 24. September I. J. männlich 9518, weiblich 6027,
zuſ. 15544, in Prozenten 61,23, 38,77. Der
Kranken=
ſtand betrug am 1. Oktober l. J. männlich 356, weiblich
Die Berliner Univerſität.
(Zum 100jährigen Beſtehen.)
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
Aus der Not der ſchweren Zeit heraus wurde die
Berliner Univerſität geboren. Als nach der 1806
er=
folgten Demütigung Preußens die Lande jenſeits der
Elbe von dem Mutterlande geriſſen waren und auf der
Univerſität Halle drückend die Hand des Eroberers
laſtete, tauchte zuerſt der Plan auf, in Berlin eine
Univerſität zu errichten. Stein, der an der Spitze des
Miniſteriums des Innern ſtand, war der Idee nicht
günſtig, er wollte dem nahen Frankfurt die dortige
Univerſität erhalten wiſſen und fürchtete ferner, daß
das Berliner Leben die Studenten zu ſehr zerſtreuen
könnte — nach ſeiner Anſicht war Potsdam viel
ge=
eigneter als Berlin! Ungeachtet der erheblichen
Gegen=
ſtrömungen eröffneten die vier berühmteſten
Pro=
feſſoren Fichte, Schleiermacher, Schmalz und Wolf im
Winter 1807 in Berlin öffentliche Vorleſungen, die
ſchnell regſten Anklang fanden. Jeder der vier vertrat
gewiſſermaßen eine Fakultät: Fichte las über
Philo=
ſophie und hielt hierbei trotz der franzöſiſchen
Be=
ſatzung Berlins ſeine kühnen Reden an die deutſche
Nation, die den Samen für große Taten ausſtreuten,
Schleiermacher, der auch von der Kanzel der
Dreifaltig=
keitskirche die Wiedergeburt Preußens predigte, las
über Ethik und theologiſche Enzyklopädie, Schmalz über
römiſches und deutſches Recht ſowie über
Staatswirt=
ſchaft, und Wolf über Enzyklopädie der geſamten
Studien des Altertums.
Von allen Klaſſen und Ständen wurden dieſe
Vor=
leſungen gleich fleißig beſucht, Geſandte und Miniſter,
hohe Militärs Gelehrte, berühmte Schriftſteller, ſelbſt
Fürſten und Prinzen, auch viele Frauen fanden ſich ein,
und immer vertrauter machte man ſich mit der
Uni=
verſitätserrichtung, reſp. der Verlegung der Halleſchen
Univerſität nach Berlin. Friedrich Wilhelm III. war
hiermit aber nicht einverſtanden; er äußerte 1807 zu
einer Deputation, die ihm einen derartigen Vorſchlag
machte: „Das iſt recht, das iſt brav, der Staat muß durch
geiſtige Kräfte erſetzen, was er an phyſiſchen verloren
hat. Die Univerſität Halle nach Berlin zu verlegen,
kann unangenehme Berwickelungen nach ſich ziehen)
es muß alſo vielmehr eine ganz neue Univerſität in
Berlin geſtiftet werden!”
Aber bis dahin hatte es noch gute Wege, da noch
immer die Meinungen ſehr geteilte waren, ob Berlin
ſich zu dieſem Zwecke eigne. Hin und her tobte der
Streit und fand in den verſchiedenſten Broſchüren
ſeinen Ausdruck, bis durch die Enthebung Steins von
ſeinem Miniſterpoſten und die Berufung Wilhelm von
Humboldts auf denſelben eine plötzliche Wendung zum
guten eintrat. Humboldt war ein großer Freund der
Idee einer Berliner Univerſität, er reiſte im April 1809
nach Königsberg, um den König zu einem entſcheidenden
Schritte zu beſtimmen, und am 16. Auguſt des
genann=
ten Jahres unterzeichnete Friedrich Wilhelm III. in
Königsberg die Stiftungsurkunde der Univerſität, der
man als Heim das Prinzlich Heinrichſche Palais Unter
den Linden, das Boumann Vater für den Bruder
Friedrichs des Großen von 1754 bis 1764 erbaut hatte,
beſtimmte. Unermüdlich waren ferner Humboldts
Be=
mühungen, einen geeigneten Lehrkörper zuſammen zu
bringen; außer den obigen vier Profeſſoren gewann
er für die neue Univerſität noch fünfzehn andere
Ge=
lehrte, darunter die bedeutendſten Vertreter der
Wiſſen=
ſchaften, wie Savigny, Hufeland, Gauß uſw.
Am 15. Oktober 1810 fand der Beginn der
Vor=
leſungen, zu denen 256 Studenten immatrikuliert
waren, ſtatt, und in vielen von ihnen wurde der Wunſch
Schleiermachers beherzigt, den er bereits 1806 brieflich
geäußert: „Mehr als je ſcheint mir jetzt der Einfluß
höchſt wichtig, den ein akademiſcher Lehrer auf die
Ge=
ſinnung der Jugend haben kann. — Wir müſſen eine
Saat ſäen, die vielleicht erſt ſpäter aufgehen wird, aber
die nur um deſto ſorgfältiger will behandelt und ge=
pflegt ſein.”
Berlins Einwohnerchaft konnte zuerſt nicht die
richtige Stellung zu der Univerſität finden. Bürger
und Studenten ſtanden ſich zumeiſt ſchroff gegenüber,
denn ein Teil der letzteren — die von anderen
Uni=
verſitäten gekommenen „bemooſten Häupter” —
ſtol=
zierte in bunter Kleidung mit langen Rappieren an der
Seite umher und wollte den lauten, ungezwungenen
Ton, der in den kleineren Univerſitätsſtädten herrſchte,
auch in Berlin einführen. Dem widerſetzten ſich die
Berliner, die ſich als „Großſtädter” fühlten, energiſch,
und es kam wiederholt zu blutigen Zuſammenſtößen.
Mancherlei mag auch den Studenten falſch in die Schuhe
geſchoben worden ſein, denn ſie forderten dringend vom
Rektor eine Uniform, damit ſie ſogleich erkannt
würden; dieſe Bitte wurde zwar nicht erfüllt, dafür
erhielt aber jeder Studierende eine Legitimationskarte.
Die Zeit der Freiheitskriege glich vieles, wenn
nicht alles, aus; kaum war in Berlin der Aufruf des
Königs an ſein Volk vom 13. Februar 1813 bekannt
ge=
worden, da regte es ſich gewaltig unter den Studenten,
die Lehrer ſelbſt forderten mit feurigen Worten zum
Ergreifen der Waffen auf, viele von ihnen ſchloſſen die
Vorleſungen, Rudolphi rief ſeinen Hörern die
Ab=
ſchiedsworte zu: „Wenn ich im nächſten Sommer wieder
leſe, ſo hoffe ich, tue ich dies vor einem Auditorium
von Krüppeln!” und ſchon Mitte Februar hatten ſich
258 Studenten zum freiwilligen Eintritt in die Armee
gemeldet, die in einzelnen Trupps — die Unbemittelten
mit Geld von den Profeſſoren unterſtützt — nach
Bres=
lau, wo ſich der König aufhielt, aufbrachen. Und wie
die Studenten, ſo die Lehrer, welche ſich ſogleich zum
Landſturm meldeten; Schleiermacher, Marheinecke,
Fichte, Savigny, Buttmann, Niebuhr und viele ihrer
Kollegen fanden ſich auf dem Exerzierplatze vor dem
Brandenburger Tor zuſammen und übten Gewehrgriffe
gleich den jüngſten Rekruten. Als im Frühjahr jenes
Jahres Böckh im Namen des Rektors die neuen
Stu=
denten begrüßte, da wies er in ſeiner Rede auf die
erſte philippiſche Rede des Demoſthenes an die Athener
hin: „Wer den Staat vor dem mazedoniſchen Dränger
retten wolle, möge ſich aufrichtig hingeben; wer beſitze,
Geld beiſteuern; wer Jugend und Kraft habe, zu den
Waffen greifen!‟ Es bedurfte kaum dieſes Hinweiſes,
denn die Zahl der Immatrikulierten belief ſich auf — 29,
und dieſe waren ſicherlich durch Körperſchwäche oder
andere Fehler nicht geeignet, unter den Waffen zu ſein.
Nach den Befreiungskriegen blühte die Univerſität
deſto friſcher und reger auf, ſie wurde, wie es Humboldt
gehofft, die erſte Deutſchlands. Männer wie Fichte,
Niebuhr, Eichhorn, Ritter, Ranke, Wilhelm und
Alexan=
der von Humboldt, Lichtenſtein, Erman, Ehrenberg,
Raumer, Leopold von Buch, Böckh, Hengſtenberg,
Neander, Hufeland, Jakob und Wilhelm Grimm,
Schelling, Heim, Dieffenbach und viele andere lehrten
an ihr. „Die ſchöpferiſchen Gedanken,” bemerkte
Treitſchke, „welche in der Theologie, der
Rechtswiſſen=
ſchaft und auf dem weiten Gebiete der hiſtoriſch=
philo=
ſopbiſchen Forſchung neue Bahnen brachen, gingen
Nummer 237.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den . 3. Oktober 1910.
Seite 3.
236, in Prozenten 3,72, 3,91; am 24. September I. J.
männ=
lich 370, weiblich 239, in Prozenten 3,88, 3,96. An
Krankengeld wurde gezahlt in der Woche vom
26. Sept. bis 1. Oktr. I. J. 4379,00 Mk., in der Woche
vom 19. September bis 24. September I. J. 4255,85 Mk.
An Wöchnerinnen waren vorhanden am 1. Oktober
I. J. — 16, am 24. September I. J. — 18; Sterbefälle
kamen vor in der Woche vom 26. Sept. bis 1. Okt.
I. J. — 1; vom 19. September bis 24. September I. J. — 1.
* Im Silberkranz. Am 11. Oktober feiern Herr
Tapeziermeiſter Joſef Wüſt und deſſen Frau das Feſt
der ſilbernen Hochzeit.
m. In der Vorſchule des hieſigen Gymnaſiums
wurde wieder eine Herbſtklaſſe aufgelöſt. Im nächſten
Jahre geht auch die letzte Klaſſe ein. Damit hat dann
das Beſtehen der Herbſtklaſſen aufgehört.
m. Turnkurſus. In der Turnhalle in der
Soder=
ſtraße findet vom 17. Oktober bis 12. November unter
Leitung des Großh. Turninſpektors Herrn Schulrat E.
Schmuck ein Lehrerturnkurſus ſtatt. Aus allen
heſ=
ſiſchen Kreiſen ſind ein oder mehrere Lehrer zur
Teil=
nahme am Turnkurſus einberufen worden.
— Vortrag. Fräulein v. Blücher, welche am
Dienstag hier im Fürſtenſaale einen Vortrag halten
wird, gehört auf ſozialem Gebiete zu den
hervor=
ragendſten Führerinnen. Ueberall in Deutſchland haben
ihre anregenden, von glühender Liebe zu Volk und
Vaterland getragenen Vorträge tiefen Eindruck
hinter=
laſſen. Der Vortrag iſt für Damen und Herren gleich
intereſſant. Im Anſchluß daran iſt eine freie Ausſprache
vorgeſehen. Der Eintritt iſt frei.
* Obſt=, Gemüſe= und Kartoffelmarkt vom 15. bis
17. Oktober im „Schützenhof” Zur Ausſtellung
werden zugelaſſen: Ausgewählte Tafelfrüchte, und
zwar je vier Stück einer Sorte: Winteräpfel,
Winter=
birnen, Nüſſe, je ein Teller; Obſtſortimente; verpackte
Früchte; ferner: Apfelwein, Apfelſchaumwein,
Beeren=
wein, Fruchtſäfte, Obſtgelee und Marmeladen.
Obſt=
konſerven, Obſtbranntwein, getrocknetes bezw.
gedörr=
tes Obſt. Einzelne Gemüſeſorten, Kollektionen von
Gemüſe, getrocknetes Gemüſe, Gemüſekonſerven.
Ge=
räte und Hilfsmittel für Obſtbaumpflege, für
Obſtver=
wertung, für Obſtaufbewahrung, für
Gemüſeverwert=
ung. Alle Ausſtellungsgegenſtände ſind baldmöglichſt
und ſpäteſtens bis zum 13. Oktober, nachmittags 5 Uhr,
unter der Adreſſe: Herrn F. Röth Darmſtadt,
Roß=
dörfer Straße Nr. 17, anzumelden. Anmeldeformulare
ſind ebenfalls hier zu beziehen. — Die Loſe ſind faſt
vergriffen.
=gs- Vom Pferde geſchlagen. Freitag früh um
½ 6 Uhr wurde ein bei einer hieſigen Molkerei
beſchäf=
tigter Fahrburſche beim Putzen des Pferdes von dieſem
geſchlagen, wodurch der Fahrburſche einen
kompli=
zierten Oberarmbruch erlitt. Der Verletzte wurde
nach Anlegung eines Notverbandes durch die
Rettungs=
wache mittels Krankenautomobils nach dem ſtädtiſchen
Krankenhaus gebracht.
egs- Selbſtmordverſuch. Am Samstag nachmittag
4 Uhr brachte ſich ein 16jähriger Mechaniker auf der
Griesheimer Chauſſee unterhalb der neuen Brücke in
ſelbſtmörderiſcher Abſicht einen Schuß in die
Herz=
gegend bei. Der Lebensmüde wurde durch die
Rettungswache mittels Krankenautomobils in das
ſtädtiſche Krankenhaus gebracht.
Offenbach, 6. Okt. In der letzten
Stadtverordneten=
ſitzung kam es zu einem ſcharfen Zuſammenſtoß
zwiſchen den bürgerlichen Parteien und dem
Bürgermeiſter Dr. Dullo wegen der Verſetzung im
Straßenbahnamt. Stadtv. Feiſtmann wies darauf hin,
daß die Verſetzungen durch den Bürgermeiſter aus
formellen und materiellen Gründen nicht gerechtfertigt
geweſen ſeien und daß bei den beiden verſetzten
An=
geſtellten, Werkmeiſter Tag und Buchhalter Brandt,
keine Veranlaſſung zu einer ſolchen Maßregel
vorge=
legen habe. Zudem ſei durch die plötzliche, ohne Wiſſen
des Betriebsleiters Ingenieur Langenbeck
vorgenom=
mene Verſetzung Tags die Durchführung der Arbeiten
an der Landesgrenze ſehr geſtört worden, da der
Erſatz=
mann für Tag, der Maſchinenmeiſter des
Elektrizitäts=
werkes, Watz, dieſe Arbeiten nicht ausführen konnte,
ſondern nach drei Tagen der Werkmeiſter Tag auf ſeinen
alten Poſten zurückgerufen werden mußte. Bei
der=
artigen perſönlichen Veränderungen müſſe unbedingt
die Stadtverordnetenverſammlung gefragt werden, da
ſonſt ein willkürliches Verfahren in der Hand des
Bürgermeiſters liege. Stadtv. Kremer führte die
großenteils von Berlin aus. Und nun ſchlug auch die
Hegelſche Philoſophie an der Spree ihr Lager auf, das
letzte der großen philoſophiſchen Syſteme, welche
wirk=
lich gelebt und die Nation beherrſcht haben.”
Auch bis heutigen Tages hat ſich die Berliner
Uni=
verſität ihre führende Stellung zu bewahren gewußt,
Gelehrte von europäiſchem Ruf zählt ſie zu ihrem
Lehrkörper, und nicht nur von nah, auch aus weiteſter
Ferne, aus Frankreich, England und Rußland, aus
Amerika und Auſtralien, aus Japan und Siam,
Indien und China, ſtrömen die Lernbegierigen (
gegen=
wärtig 7902, mit den ſonſtigen Berechtigten aber 12 219,
während die Zahl der Dozenten ſich auf über 500
be=
läuft und der jährliche Etat der Univerſität 4 185 669
Mark — gegen 54146 Taler im Gründungsjahr —
beträgt ?) hierher, um an der Hochburg ernſten
Stre=
bens und gewiſſenhafter Wahrheit der Wiſſenſchaften
teilhaftig zu werden. Die Berliner Bevölkerung aber
ſteht mit der Studentenſchaft ſeit langem auf beſtem
Fuße, nicht zuletzt die weniger bemittelten Klaſſen,
deren Sprachſchatz ſogar einige originelle und
bezeich=
nende Ausdrücke für die — Bedürfnisloſigkeit des
Bruder Studio beſitzt; ſo bezeichnet der Berliner Waſſer
mit „Studentenpomade”, für „Spucke” ſagt er „
Stu=
dentenwichſe” und Roſinen und Mandeln werden als
„Studentenfutter” gekauft. Der richtige Berliner tritt
überall gern für die Studenten ein, ihm verzeiht er
mehr, wie jedem anderen, ihm hilft er mit Vergnügen
„aus der Klemme” ſei es mit der Fauſt, ſei es mit
Nahrung oder auch mit Geld; der ſtudentiſche
Ueber=
mut, der Durſt, der Frohſinn heimeln ihn an, es liegt
*) Wir verweiſen auf das ſoeben zum Jubiläum
erſchienene Buch des umſichtigen und kenntnisreichen
Leiters der Amtlichen Akademiſchen Auskunftsſtelle der
Univerſität, Profeſſors Dr. Wilh. Paszkowski:
„Berlin in Wiſſenſchaft und Kunſt” ein
akademiſches Auskunftsbuch nebſt Angaben über
aka=
demiſche Berufe (Berlin, Weidmannſche Buchhandlung).
Das handliche, außerordentlich ſorgſam zuſammenger
ſtellte Werkchen enthält eine Fülle wichtigen Materials
aus amtlichen Quellen der Anſtalten und ſonſtigen
Darbietungen, die in Groß=Berlin der Pflege von
Wiſſenſchaft und Kunſt dienen. Der Anhang über
aka=
demiſche Berufe iſt von Wichtigkeit für die ſtudierende
Jugend.
Verſetzung auf die vielen Hetzereien von
ſozialdemo=
kratiſcher Seite zurück. Aus politiſchen und religiöſen
Gründen ſeien Ingenieur Langenbeck, Oberkontrolleur
Diedenhoven, Buchhalter Brandt und Werkmeiſter Tag
verfolgt worden, Bürgermeiſter Dullo ſei hier ſchärfer
vorgegangen, als der rigorvſeſte Arbeitgeber, er habe
ſich hier als Herrſcher aller Reußen aufſpielen wollen.
Bürgermeiſter Dr. Dullo verwahrte ſich entſchieden
gegen den Vorwurf, daß parteipolitiſche Gründe ihm zu
der Verſetzung Anlaß gegeben hätten. Für ſo dumm
dürfe man ihn doch nicht halten, daß er 14 Tage vor
den Wahlen Parteipolitik treibe, das überlaſſe er den
Stadtverordneten. Die vielen Anklagen und
Unter=
ſuchungen gegen die Beamten des Straßenbahnamtes
hätten zum Teil viel Unwahres ergeben, es ſei jedoch
auch manches hängen geblieben. Die Verſetzungen habe
er vorgenommen, damit endlich einmal Ruhe und
Ord=
nung in den Straßenbahnbetrieb hineinkommen ſollte.
Stadtv. Ulrich hielt die Verſetzungen für
gerecht=
fertigt. Erwieſen ſei, daß im Straßenbahnamt
Zu=
ſtände herrſchten, die dringend Abhilfe erforderten. Im
Intereſſe der Disziplin ſei zu bedauern, daß das
Vor=
gehen des Bürgermeiſters in dieſer Weiſe kritiſiert
werde. Die ſozialiſtiſchen Redner traten für, die
bür=
gerlichen gegen den Bürgermeiſter auf, dem vorgehalten
wurde, er ſolle auch gegen ſich ſelbſt ſo ſtrenge
ſein, beſonders hinſichtlich der Einhaltung der
Arbeitszeit im Stadthauſe. Zuletzt kam es
noch zu einem Zuſammenſtoß zwiſchen Kremer und dem
Bürgermeiſter, in dem Kremer ſagte, der Bürgermeiſter
habe allen Grund, in ſeinen Aeußerungen vorſichtig zu
ſein, er brauche nur an die Kaiſerhofaktien=Affäre zu
denken. Die Stadtverordneten hätten nicht nötig, ſich
wie dumme Jungen behandeln zu laſſen. Die
Sozial=
demokraten Hamel, Wiehle, Weitert und Beigeordneter
Eißert ergriffen die Partei des Bürgermeiſters.
Mainz, 8. Okt. Geſtern nachmittag erſchoß ſich der
19jährige Sohn einer aus Braunſchweig gebürtigen, jetzt in
Wiesbaden anſäſſigen Witwe. Der junge Mann ſoll, wie
es heißt, Mißgeſchick in einem Examen gehabt und ſich dies
derart zu Herzen genommen haben, daß er beſchloß, ſeinem
Leben ein Ende zu machen. Er ging zu dem auf dem
hie=
ſigen Friedhof befindlichen Grabe ſeines Vaters und führte
dort ſein Vorhaben aus.
Mainz, 8. Okt. Das frühere Mitglied des
Frank=
furter Schauſpielhauſes, Otto Fricke, der zuletzt Leiter
des Offenbacher Stadttheaters war, hat geſtern einen
Selbſtmordverſuch unternommen. Fricke ſprang
hier in den Rhein, konnte aber gerettet werden. Man
brachte ihn in ein Krankenhaus, wo er an hochgradigem
Fieber daniederliegt. Fricke war eine allgemein geſchätzte
und beliebte Perſönlichkeit in Frankfurt. Nachdem er der
Schauſpielbühne Valet geſagt hatte, vertrat er eine große
Verſicherungsgeſellſchaft. Seine Liebe und Luſt zum
Büh=
nenleben wurde aber wieder in ihm wach und er wurde
Direktor des Offenbacher Theaters. Fricke mag wohl
zu=
letzt mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt
haben. Die Tat ſoll er in einem plötzlichen Anfall geiſtiger
Umnachtung ausgeführt haben.
— Nieder=Olm, 7. Okt. Große Aufregung
herrſcht in hieſiger Gemeinde wegen einer ganzen
Reihe von Brandſtiftungen, die in vorletzter Nacht hier
verſucht wurden. Nach den bis jetzt gemachten
Feſt=
ſtellungen gewinnt man die Anſicht, als habe eine ganze
Bande Brandſtifter hier ihr Unweſen getrieben und
verſucht, den Ort an ſeinen vier Enden
anzu=
ſtecken. Dank der Wachſamkeit der Bewohner und der
raſchen Hilfe erreichten die Buben nur in einem Falle
ihr Ziel. Die Scheune der Geſchwiſter Horn brannte
kurz nach 11 Uhr bis auf die Umfaſſungsmauern nieder.
Daß man es hier mit vorbedachter Brandſtiftung zu tun
hat, beweiſt die Tatſache, daß auch in der Scheune der
Witwe Horn Feuer ausbrach. Nur dem Umſtande, daß
die Tenne Tags vorher von allem Stroh zur Aufnahme
von Kartoffeln gereinigt worden war, iſt es zu danken,
daß nur das Scheunentor abbrannte. Auch in der Nähe
der Eulenmühle, ſowie in der Wohnung des kürzlich
penſionierten Oberlehrers Herrn Büchler wurde in
derſelben Nacht Feuer angelegt. Zwei weiteren
Hof=
reiten hatten die Mordbrenner gleichfalls einen Brand
zugedacht. Man nimmt an, daß die Brandſtifter die
Verwirrung infolge des Brandes in der Hornſchen
Hofreite, wo alles hingeeilt war, benutzten, um raſch an
zirka ſechs weiteren Stellen Feuer
anzu=
legen. Die Gauner benutzten zu ihrem verbrecheriſchen
Treiben Kuhhaare, die mit Petroleum getränkt waren.
für ihn etwas Verwandtes darin, und eine Schar flotter
Muſenſöhne darf ſich ihm gegenüber und in ſeiner
Gegenwart weit mehr erlauben, als etwa eine Anzahl
von Kaufleuten, von Offizieren, von Beamten. Selbſt
mit dem Künſtler ſteht der Berliner nicht auf ſo gutem
Fuße, wie mit dem Studio, denn bei letzterem
impo=
niert ihm noch beſonders das Wiſſen, er hält ihn für
fähig, die höchſten Lebensſtellungen zu erklimmen, denn
„er hat ja ſo ville gelernt!”
Frohe Feſttage werden das Jubiläum der
Uni=
verſität umkränzen, tauſende ehemaliger Hörer werden
ſich einfinden und ſich in ungebundene Jugendzeiten
zurückverſetzen, vielerlei Reden werden geſchwungen
werden, und es wird in ihnen nicht an Vergleichen und
an Rückblicken zwiſchen Einſt und Jetzt fehlen!
Da=
mals das kleine, niedergetretene Preußen, heute das
achtunggebietende, ſtolze Deutſche Reich! — Aus der
Gegenwart aber fliegen Hoffnungen und Erwartungen
in die Zukunft, daß die Aufgaben nnſerer Univerſität
ſtets ernſten und feſten Zielen zugewandt ſein möchten
und immerdar ihre ruhmvolle Erfüllung finden, ſo wie
es ſchon Clemens Brentano in der am Gründungstage
vor hundert Jahren geſungenen Feſtkantate gewünſcht:
„Erſchließe dich, du jugendliches Aug’!
Wir wecken dich und zeigen treulich dir,
Was wir von ew’ger Wahrheit ſelbſt erkannt,
Und zeigen dir, wie uns das Licht verwandt.
So iſt der Lehre freier Brauch
Wir wollen euch zu lernen lehren!”
Vorträge.
St. Die freie literariſch=künſtleriſche Geſellſchaft
ver=
anſtaltete am Freitag abend in der Techniſchen
Hoch=
ſchule einen Vortragsabend. Herr Dr. Daniel
Greiner=Jugenheim ſprach über „Die
Decken=
gemälde Michel Angelos in der Siſtina‟
Vor fünf Wochen waren es 400 Jahre, führte der
Redner aus, als Michel Angelo ſeine Deckengemälde
im Mittelfelde der Siſtina vollendete. Von dem
Augen=
blick an, als er den Pinſel niederlegte, waren für Kunſt
und Künſtler die Bahnen beſtimmt, in denen ſie fortan
wandeln mußten. Der erſte, der die eben vollendeten
Bilder ſah — und zwar auf unerlaubte Weiſe ſah
war Rafael, und der Eindruck dieſer Malereien war=
Um die Löſcharbeit zu erſchweren, hatten, ſie die
Schläuche der freiwilligen Wehr mit allerlei
Gegen=
ſtänden verſtopft. Die Gendarmerie entfaltet eine
fieberhafte Tätigkeit, um die Täter zu ermitteln.
— Aus Oberheſſen, 8. Okt. Nachſtehendes
Dank=
ſchreiben des 2. Naſſauiſchen Feldartillerie=
Regi=
ments Nr. 63 zu Frankfurt iſt dem Kreisrat des
Krei=
ſes Schotten zugegangen: An das Großherzogliche
Kreisamt Schotten. Das Regiment unterläßt nicht,
ſeinen ſehr ergebenſten Dank auszuſprechen für die
gute Aufnahme und das freundliche Entgegenkommen,
das gelegentlich der Unterbringung der Stäbe und
Batterien diesſeitigen Regiments in Ortſchaften des
dortigen Kreiſes ſeitens der Ortseingeſeſſenen bewieſen
worden iſt. Auch für die ſorgfältigen, vorbereitenden
Maßnahmen der Ortvorſtände, durch die das
Einquar=
tierungsgeſchäft weſentlich erleichtert wurde, wird
er=
gebenſt gedankt. Um weitere Bekanntmächung des
Dankes wird gebeten. gez.: Beckmann, Oberſt und
Regiments=Kommandeur.
Büdingen, 7. Okt. Der Metzger Wilhelm
Fetz=
berger nahm auf dem Viehhof die Schlachtung einer
an Milz erkrankten Kuh vor. Er nahm
unvorſichtiger=
weiſe das Schlachtmeſſer in den Mund, wodurch er ſich
eine Vergiftung zuzog, die ſeinen baldigen Tod
herbeiführte. Auch der Pächter des Viehhofes, der bei
der Schlachtung Hilfe leiſtete, zog ſich eine Verletzung an
der Hand zu und iſt infolge Blutvergiftung ſchwer
erkrankt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 8. Okt. Die Teilnehmer
an dem ſtudentiſchen Fackelzug, der am
Montag, 10. Oktober, zur Feier des
Univerſitätsjubi=
läums ſtattfindet, werden ſich auf 3000 belaufen. Der
ſtudentiſche Feſtkommers findet am Mittwoch, 12. Okt.,
abends in den Ausſtellungshallen am Zoologiſchen
Garten ſtatt. — Zwiſchen der Kohlenfirma Kupfer
& Co. und ihren ſtreikenden Arbeitern fanden geſtern
Verhandlungen ſtatt, die eine baldige Beilegung der
Differenzen erwarten laſſen. — Die Berliner
Krimi=
nalpolizei hat in der Gaſtwirtſchaft von F. Pilz,
Ro=
ſtocker Straße, vier Arbeiter verhaftet, die im
Verdacht ſtehen, ſich an dem „Femgericht” über den
Arbeiter Wellſchmidt beteiligt zu haben. Auch der
Wirt wurde vorläufig in Haft genommen, da er von
dem Treiben ſeiner Gäſte Kenntnis gehabt haben muß.
Ueber die „Gerichtsſitzung” wird noch folgendes
ge=
meldet: Wellſchmidt wurde in ein finſteres Zimmer
gelockt und dort, ſowie in den Schankräumen ſchwer
gemißhandelt. So oft er ſich hinter den Ladentiſch
flüch=
tete, ſtieß ihn der Schankwirt Pilz wieder hinaus,
worauf die Streikenden ihn von neuem mit
Gummi=
ſchläuchen und Schlagringen bearbeiteten. Die
Strei=
kenden haben auch die Mutter des Wellſchmidt bedroht.
Dieſe hatte, wie wir mitteilten, ihren Sohn bitten
laſſen, nach Feierabend einmal zu ihr
herüberzukom=
men. Sie wunderte ſich, daß er nicht kam, und ſah ihn
dann in Begleitung der Männer, die ihn auf dem Hof
erwartet hatten. Als ſie ihm zurief, ſchrien die
Män=
ner, ſie würden ſie ſelbſt und ihren Sohn totſchlagen,
wenn ſie ſich nicht ruhig verhalte.
Kaiſerslautern, 8. Okt. Die Pfälziſche Preſſe
mel=
det: Nach dem Genuß von Torte ſind bei der
Kirch=
weihe in Pirmaſens 12 Perſonen erkrankt.
Aßmannshanſen (Rhein), 7. Okt. Nach mehr als
50jähriger Militärdienſtzeit trat am 1. Oktober der
weithin bekannte langjährige Hüter des
National=
denkmals auf dem Niederwald, Feldwebel=Leutnant
Hrch. Ebert, in den wohlverdieten Ruheſtand. In dem
Feldzuge 1870/71 wurde er mit dem Eiſernen Kreuz
1. und 2. Klaſſe ausgezeichnet. Im April d. J. wurde
er anläßlich des Kaiſerbeſuches auf dem Niederwald
dadurch beſonders geehrt, daß ihm der Kaiſer ſein Bild
mit eigenhändiger Widmung und Unterſchrift
über=
reichen ließ. Bei ſeinem Uebertritt in den Ruheſtand
wurde ihm das Kreuz der Inhaber des Königlichen
Hausordens von Hohenzollern überreicht.
Bonndorf (Bad. Schwarzwald), 7. Okt. In dem
Dorfe Fützen wurden durch Großfeuer insgeſamt
ſechzehn Anweſen zerſtört, unter ihnen drei
Gaſt=
häuſer. Das Vieh konnte größtenteils gerettet werden,
während von den Fahrniſſen nur wenig geborgen
werden konnte.
— Trier, 7. Okt. Der Senſationsprozeß
gegen den Rennfahrer Joſeph Breuer aus Berlin,
un
auch für dieſen Großen unauslöſchlich und nachhaltig.
Was er ſah, führte ihn zu größter Vertiefung ſeiner
Kunſt. Von dieſer tiefgehenden Wirkung iſt der
An=
blick dieſer Gemälde geblieben bis auf unſere Tage.
Und wenn auch heute noch eine Anzahl Schreiber
und Kritiker — man könnte auch ſagen Schreier und
Kriſcher (sic) — darüber ſtreiten, ob Michel Angelo
oder Rafael der Größere iſt, ſo iſt dieſe Frage doch für
die Gegenwart längſt entſchieden. Wir laſſen jedem
Gerechtigkeit widerfahren. Aber gerade unſere Zeit
neigt dem Florentiner Bildhauer mehr zu als Rafael,
dem Maler. Seine Werke wirken tiefer und
nachhal=
tiger auch auf den modernen Menſchen. Sie bedeuten
vielleicht das Höchſte, was jemals der Menſchengeiſt in
der Darſtellung geleiſtet hat. Darum wird Michel
Angelo von Vielen als der vollkommenere und größere
Künſtler angeſehen. Daß er der Vollkommenſten einer
iſt, iſt natürlich unbeſtritten.
Nach dieſer Einleitung verbreitete der Vortragende
ſich eingehender über die Frage „Wer iſt Künſtler, was
iſt Kunſt überhaupt, was macht ihr Weſen aus?”
Michel Angelo war ein großer Könner. Größer als
irgend einer. Er hat bekanntlich wie ein Steinmetz
ge=
arbeitet, hat ſein Material kennen gelernt durch und
durch. Aus der vollendetſten Beherrſchung der Technik
geht für den Künſtler viel hervor. Der Künſtler muß
in erſter Linie Handwerker ſein. Doch das Können
allein macht den Künſtler nicht. Das wahre
Künſtler=
tum muß dem Menſchen angeboren ſein. Und ein
ge=
borener Künſtler war Michel Angelo. Er beſaß neben
einem ungemein feinen Geſchmack, einem ungeheuren
Intellekt und einem tiefen Bedürfnis nach Logik die
ſeltene Gabe, ſeine Geſtalten ſeeliſch zu erfaſſen. Dabei
war er ein ſeltener Kenner des menſchlichen Körpers,
und er hat ihn mit äußerſter Schärfe und Klarheit
ge=
zeichnet und modelliert in allen ſeinen Werken. Er war
ein Charakterſchilderer wie es nur noch einen gegeben
hat: Shakeſpeare.
Danach führte der Vortragende dem Auditorium,
das ſeinen anregenden Ausführungen mit ſichtlichem
Intereſſe folgte, die wunderbaren Schöpfungen aus der
Siſtina im Lichtbilde vor, dabei deren künſtleriſche
Be=
deutung und ihres Schöpfers Willen und Weſen
ver=
mittelnd. Dem Redner wurde durch reichen Beifall
gedankt.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblätt, Montag, den 10. Oktober 1910.
Nummer 237.
der unter der Anklage ſteht, den Mühlenbeſitzer
Ferdi=
nand Mathonet aus St. Vith in der Eifel vorſätzlich
und mit Ueberlegung getötet zu haben, wird in der
kommenden Woche zum dritten Male das hieſige
Schwurgericht beſchäftigen. Die beiden erſten
Verhand=
lungen haben bereits ein genaues Bild von dem
abſon=
derlichen und anrüchigen Milieu gegeben, in dem ſich
der Angeklagte und ein Teil der Zeugen dieſes
Krimi=
nalfalles zu bewegen pflegten. Schon die erſte
Ver=
handlung gegen Breuer im März 1909 ergab für dieſen
äußerſt verdächtige Momente. Auf Grund der
Beweis=
aufnahme erweiterte der Staatsanwalt die Anklage, die
zunächſt auf Totſchlag gelautet hatte, auf Mord, weshalb
die Sache vor ein neues Schwurgericht verwieſen
wer=
den mußte. Auf Grund eines umfangreichen
Indizien=
beweiſes kamen ſeinerzeit die Geſchworenen zu der
Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten, der
darauf zum Tode verurteilt wurde. Die
Ver=
teidiger legten aber mit Erfolg Reviſion ein, ſo daß alſo
der Prozeß zum dritten Male verhandelt werden muß.
Mit Rückſicht auf das ganze Milieu, in dem ſich die
Vex=
handlungen bewegen, dürfte für die ganze Dauer des
Prozeſſes die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen werden.
Dresden, 8. Okt. An der ſächſiſch=böhmiſchen Grenze
iſt ein großer Juwelenſchmuggel aufgedeckt
worden. Ein Prager Juwelier ſchmuggelte von Berlin
Goldwaren von bedeutendem Werte ein und verſetzte
ſie in einer Pfandleihanſtalt. Die Behörden
verhäng=
ten über den Juwelier eine Geldſtrafe von 31000
Kronen und ordneten ſeine Verhaftung an.
Lieds, 8. Okt. Bei dem Brande des
Stadt=
krankenhauſes brach eine Panik aus. In dem
Krankenhauſe befanden ſich 450 Patienten, darunter 30
Kinder. Es gelang ſchließlich, die Patienten nach einem
anderen Platze zu ſchaffen.
Paris, 8. Okt. Bei dem Neubau eines Hauſes
er=
folgte ein Einſturz. 20 Arbeiter wurden unter den
Trümmern begraben. Bis geſtern abend 11 Uhr ſind
ſechs Schwerverletzte geborgen worden.
Paris, 8. Okt. In der Nähe des Bahnhofes von
Barnes (Departement Loiret) zermalmte ein
Schnellzug zwei Kinder, die auf dem Geleiſe
ſpiel=
ten, ebenſo deren Eltern, die ihnen zu Hilfe eilten.
Warſchau, 8. Okt. Außer dem Brudermörder
Damaſy Macoch iſt ſeine Schwägerin und Geliebte,
Emma Macoch, feſtgenommen und nach Warſchau
ge=
bracht worden. 40000 Rubel, die auf ihren Namen bei
einer Warſchauer Bank deponiert waren, ſind
beſchlag=
nahmt worden.
New=York, 8. Okt. Adolf Rothbart, der
Ver=
treter der Frankfurter Hopfenfirma Rothbarth, welcher
New=Yorker Bankfirmen um faſt 150000 Dollars
be=
trog, indem er durch falſche Angaben über ſeine
Kre=
ditfähigkeit ſich Geld verſchaffte, wurde ſchuldig
be=
funden. Seine Strafe ſoll nicht unter drei und nicht
über ſieben Jahre Gefängnis betragen.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
ſehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Gr. H.Th. Ernſt von Wolzogens Luſtſpiel:
„Die Kinder der Exzellenz”, mit dem der
Dichter heute Montag auf unſerer Hofbühne wieder
zum Worte kommt, gehört den älteren, aber
erfolg=
reichſten ſeiner Werke an und hat vermöge ſeiner
Ten=
denz an Aktualität noch nichts verloren. Die Neu=
Einſtudierung leitet Regiſſeur Hacker; die
Mitwir=
kenden ſind: die Damen Scherbarth, Gothe und
Pre=
voſt, ſowie die Herren Jordan, Jürgas, Wagner
Weſtermann, Schneider, Semler und Schwarze.
— Der Richard Wagner=Verein
eröff=
net, wie bereits mitgeteilt, am nächſten Dienstag ſeine
Winterſaiſon mit einem Abend für Cello und Klavier,
wozu zwei ganz hervorragende Künſtler gewonnen
worden ſind: Altmeiſter Julius Klengel aus
Leip=
zig und die Klaviervirtuoſin Ethel Leginska aus
London. Proſeſſor Klengel iſt neben Hugo Becker zur
Zeit der bedeutendſte Celliſt Deutſchlands; neben einer
grundmuſikaliſchen Auffaſſung und tiefer Empfindung
verfügt er über eine Technik, die ſeinen Ruf in alle
großen Konzertſäle Europas getragen hat. Er iſt ſeit
Jahren als Lehrer am Konſervatorium in Leipzig tätig
und außerdem Mitglied des berühmten Gewandhaus=
Quartetts und des „Leipziger Trios” Fräulein Ethel
Leginska entſtammt einer angeſehenen Familie aus
Hull, kam in ganz jungen Jahren nach Frankfurt,
wo ſie bei Profeſſor James Kwaſt ihr bereits großes
Können noch vervollkommnete. Hier blieb ſie bis zu
ihrem 17. Lebensjahre und ging dann nach Wien, um
bei Profeſſor Leſchetitzky noch einige Jahre zu ſtudie=
ren. Dann begann ſie ihre großen Konzert=Reiſen, die
ſie hauptſächlich nach England und Skandinavien
führ=
ten. In dieſem Winter will die Künſtlerin zum erſten
Male in deutſchen Konzertſälen auftreten.
Parlamentariſches.
* Als Vorort des Heſſiſchen Handelskammertages hat
die Mainzer Handelskammer an die Erſte
Kammer eine Vorſtellung betr. den Entwurf eines
Ge=
ſetzes über die Gemeinde=Umlagen gerichtet, in
der es heißt: Die heſſiſchen Handelskammern begrüßen es
lebhaft, daß die beſtehenden, auf veralteten Grundlagen
beruhenden geſetzlichen Beſtimmungen über die Gemeinde=
Umlagen durch ein neues Gemeinde=Umlagengeſetz erſetzt
werden ſollen. Sie erkennen auch an, daß der vorliegende
Geſetzentwurf, wie er aus den Beratungen der hohen
Zwei=
ten Kammer hervorgegangen iſt, im großen und ganzen den
an ein modernes Gemeindeumlagengeſetz zu ſtellenden
An=
forderungen entſpricht. Insbeſondere halten ſie es für
richtig, daß für die Realſteuern die Vermögenswerte die
Unterlage der Beſteuerung bilden ſollen und daß daneben
den Zuſchlägen zur Einkommenſteuer ihre ſeitherige
Be=
deutung belaſſen werden ſoll. Die ferner vorgeſehene
Be=
ſteuerung des Kapitalvermögens halten ſie zwar für nicht
unbedenklich, ſehen aber davon ab, hiergegen Einſpruch zu
erheben. Mit der Aufnahme von Beſtimmungen endlich,
durch die es den Städten ermöglicht wird, Sonderſteuern
für Warenhäuſer und Filialgeſchäfte einzuführen, können
ſie ſich, ohne damit für dieſe Steuern an ſich Stellung zu
nehmen, aus dem Geſichtspunkte einverſtanden erklären,
daß dieſe Steuern einzelnen Städten unter Umſtänden die
Möglichkeit bieten können, eine durch Anwendung der
all=
gemeinen Gewerbeſteuergrundſätze nicht erzielte
Gerechtig=
keit der Beſteuerung herbeizuführen. Die Handelskammer
Offenbach hat ſich, als grundſätzliche Gegnerin jeder
Son=
derſteuer, auch gegen die bezüglichen Beſtimmungen des
Entwurfes ausgeſprochen. Zu einzelnen Beſtimmungen
des Geſetzentwurfes ſehen ſich jedoch die Handelskammern
veranlaßt, einige Bedenken geltend zu machen. Dieſe
be=
ziehen ſich auf Artikel 3 (Steuer auf Grundbeſitz) und
Artikel 9 u. 10 (Gewerbeſteuer). Es werden folgende
Ab=
änderungsanträge vorgeſchlagen: Artikel 9a: Als
Be=
ſteuerungsmaßſtab dient ein Steuerkapital, das zu ¾ aus
dem in dem Betrieb innerhalb der Gemeinde arbeitenden
Anlage= und Betriebskapital und zu ½ aus dem
Ertrags=
wert des Betriebes beſteht, mindeſtens aber der Höhe
des ganzen Anlage= und Betriebskapitals gleichkommen
muß. Artikel 9b. Das Anlage= und Betriebskapital
wird nach dem mittleren Jahresſtand im übrigen nach den
für die ſtaatliche Vermögensſteuer geltenden Grundſätzen
berechnet, einerlei ob der Betrieb dieſer Steuer unterliegt
oder nicht. Artikel 10. Als Ertragswert gilt bei
einem Ertrag des Betriebes von weniger als 4000 Mark
das 5fache des Ertrages, 4000 Mark bis weniger als 6000
Mark das 10fache des Ertrages, 6000 Mark bis weniger als
8000 Mark das 13fache des Ertrages, 8000 Mark bis
weni=
ger als 10000 Mark das 14fache des Ertrages, 10000 Mark
und mehr das 15fache des Ertrages.
Kongreſſe und Verbandstage.
9. Generalverſammlung des Bundes
Deutſcher Frauenvereine.
— Heidelberg, 7. Okt. Heute trat die
Bun=
desverſammlung in die Erörterung kommunal=
politi=
ſcher Fragen ein. Das Bürgerrecht der Frau in der
Gemeinde behandelte an erſter Stelle Frau Dr.
Eli=
ſabeth Altmann=Gottheiner=Mannheim in
ihrem Referat über die Frage: „Wie erlangen
wir das Gemeindewahlrecht?‟ Die
Redne=
rin führte aus: In dem Kampf um die Erweiterung
ihrer bürgerlichen Rechte, den die Frauen immer noch
zu führen haben, wird in den nächſten Jahren das
Ringen dort am heißeſten ſein, wo es ſich darum
han=
delt, als Kampfespreis das Wahlrecht in den
Gemein=
den davon zu tragen. Drei Argumente laſſen ſich zu
deſſen Gunſten ins Feld führen: 1. die zunehmende
Teilnahme der Frau an der nationalen Arbeit, mit
anderen Worten die Tatſache, daß heute 9½ Millionen
deutſcher Frauen im Erwerbsleben ſtehen; 2. die
günſtigen Erfahrungen, die in Schweden, Finnland,
England, Norwegen und Dänemark mit dem
Ge=
meindewahlrecht der Frau gemacht worden ſind, und
endlich 3. die Tatſache, daß ein beſchränktes
Frauen=
wahlrecht in einer großen Anzahl deutſcher
Einzel=
ſtaaten für Stadt= und Landgemeinden bereits
be=
ſteht. Es gelangte eine große Zahl von Theſen nach
ſehr langer Debatte zur Annahme. Die Mitarbeit
der Frau in der Gemeinde behandelte Frau Alice
Bensheimer=Mannheim.
Die Königsberger Kaiſerrede in ihren
Beziehungen zur Frauenbewegung behandelte ein
An=
trag der bekannten Spandauer Volksſchullehrerin
Maria Liſchnewska mit folgendem Wortlaut:
„Die Generalverſammlung des Bundes Deutſcher
Frauenvereine will auf die Königsberger Kaiſerrede
eine würdige Antwort geben und zu dieſem Zwecke
den Vorſtand des Bundes mit der Faſſung einer
Re=
ſolution beauftragen.‟ Die Referentin unterzog die
Kaiſerrede einer ſehr eingehenden Kritik. Der
Kai=
ſer ſei durchaus ſchlecht unterrichtet, wenn er heute
noch der Meinung ſei, daß die Frau ausſchließlich ins
Haus gehöre und daß die Frauenbewegung, die ſich
der Intereſſen der außerhalb des Hauſes tätigen
Frauen annehme, ſinn= und zwecklos ſei. Die
Stäti=
ſtik der erwerbstätigen Frauen widerlege in jeder
Beziehung die Königsberger Kaiſerrede, und es ſei
deshalb notwendig, von dem ſchlecht unterrichteten
Kaiſer an den beſſer zu Unterrichtenden zu
appellie=
ren. In der Debatte ſprachen ſich ſämtliche Redne=, mit Ausnahme der Vorſitzenden des
Evange=
liſchen Frauenbundes, Frl. Paula Müller=
Hanno=
ver, für den Antrag aus. Dieſe erklärte, den Antrag
und damit eine Kritik der Kaiſerworte mit ihrer
mon=
archiſchen Geſinnung nicht vereinbaren zu können,
Darauf wurde der Antrag angenommen.
Zur Kellnerinnenfrage ſprach die
be=
kannte Heidelberger Frauenrechtlerin Frau
Jelli=
neck, die ſeinerzeit ein gänzliches Verbot des
Kellne=
rinnenberufs verlangt hat und damit in
Süddeutſch=
land einen Sturm der Entrüſtung hervorrief. Auch
die Generalverſammlung vermochte ihren Gründen
gegen die Beſchäftigung von Kellnerinnen nicht
bei=
zupflichten. Man wies vielmehr darauf hin, daß in
Süddeutſchland Tauſende von anſtändigen Frauen
und Mädchen ihr Brot dabei fänden und daß man die
norddeutſche Mißwirtſchaft auf dieſem Gebiete nicht
mit der ſüddeutſchen einwandsfreien Art des Betriebes
zuſammen in einen Topf werfen dürfe.
Luftſchiffahrt.
* Für eine kriegsmäßige
Verfolgung=
der Ballons „Koblenz” und „Mainz=
Wies=
baden” durch Kraftfahrzeuge, die der Mittelrheiniſche
Verein für Luftſchiffahrt und der Wiesbadener
Auto=
mobilklub am 23. Oktober veranſtalten, ſind u. a.
fol=
gende Beſtimmungen vorgeſehen: Zur Verfolgung
werden Kraftwagen ohne Rückſicht auf ihre
Maſchinen=
ſtärke zugelaſſen, ſoweit ſie von Damen oder Herren,
die Mitglieder des Mittelrheiniſchen Vereins für
Luft=
ſchiffahrt oder des Kaiſerlichen Automobilklubs oder
der kartellierten Klubs ſind, genannt werden und deren
Nennende perſönlich in dem Wagen an der Verfolgung
teilnehmen. Es ſind zwei Siegerpreiſe ausgeſetzt.
Er=
innerungsbecher erhalten ſowohl die Ballonführer als
Kraftfahrer, ſobald ſie nicht gegen die Beſtimmungen
verſtoßen haben. Der Aufſtieg der Ballons erfolgt vom
Gaswerk Wiesbaden, Mainzer Straße, aus. Die
Kraft=
wagen haben ſich 9 Uhr 30 Minuten vormittags am
Gaswerk einzufinden, wo die Maximalſtrecke (zirka 70
bis 80 Kilometer) angegeben wird. Auf jedem Wagen
befindet ſich ein Unparteiiſcher. Die Zuteilung der
Unparteiiſchen erfolgt durch die Leitung. Die Ballons
führen je eine rote und eine blaue Flagge und die
Automobiſe werden mit gleichen Flaggen verſehen. Die
Landung der Ballons darf früheſtens nach einer
Stunde Fahrt erfolgen. Die Maximalzeit der Fahrt
beträgt drei Stunden. Waſſer= und Inſellandungen
ſind verboten. Der Siegerpreis fällt einem Kraftfahrer
zu, dem es gelingt, mit ſeinem Unparteiiſchen als erſter
innerhalb 45 Minuten nach der Landung des Ballons
den Ballonkorb zu berühren. Der Siegerpreis fällt
dem Ballonführer zu, wenn innerhalb des Zeitraumes
von 45 Minuten nach der Landung kein zur Konkurrenz
zugelaſſener Kraftwagen den Ballonkorb berührt hat.
Den Zeitpunkt der erfolgten Landung hat der
Unpar=
teiiſche im Ballonkorb genau feſtzuſtellen. Die ſtrenge
Einhaltung der Polizeivorſchriften über den Verkehr
mit Kraftfahrzeugen wird den Nennenden zur
beſon=
deren Pflicht gemacht.
sr. Der Diſtanzrekord für Freiballons,
der am 11. Oktober 1900 von Graf de la Vaulx
aufge=
ſtellt wurde, gibt anläßlich ſeines zehnjährigen
Be=
ſtehens dem Aero=Club de France Veranlaſſung, ein
Ballonrennen zu veranſtalten, das für den 30. Oktober
ausgeſchrieben wird. Es werden ſich ſieben Ballons
beteiligen und um einen 3000 Franks=Preis konkur=
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Die offiziellen Reſultate der
Ober=
ammergaſuer Paſſionsſpiele von 1910 ſind
jetzt bekanntgegeben: Mai: drei Hauptſpiele, drei
Nach=
ſpiele, 25002 Beſucher, 150 721 Mark Einnahmen. Juni:
ſechs Hauptſpiele, zwei Nachſpiele, 33 514 Beſucher,
238562 Mark Einnahmen. Jſuli: ſieben Hauptſpiele,
ſechs Nachſpiele, 50 659 Beſucher, 356 441 Mark
Einnah=
men. Auguſt: neun Hauptſpiele, neun Nachſpiele,
70806 Beſucher, 503883 Mark Einnahmen. September:
fünf Hauptſpiele, ſechs Nachſpiele, 43549 Beſucher,
295 676 Mark Einnabmen. Es wurden alſo in 30
Haupt=
ſpielen und 26 Nachſpielen von 223530 Beſuchern
1 545 283 Mark Eintrittsgelder bezahlt. Im
Jahre 1900 wiurden in insgeſamt 27 Hauptſpielen und
18 Nachſpielen von 173669 Beſuchern 1005157 Mark
bezahlt. Somit iſt im Jahre 1900 ein Plus von etwa
50000 Beſuchern und von mehr als ½ Million
Mark Einnahmen zu verzeichnen.
* Berliner Blätter melden: Neue Goldfunde
in der Eifel erregen großes Aufſehen. In der Nähe
der Ortſchaft Iweldingen wurden an vier Stellen Funde
gemacht.
— Die Theater=Ausſtellung am
Zoolo=
giſchen Garten in Berlin, die vom 1.
Novem=
ber 1910 bis 2. Januar 1911 ſtattfindet, erregt bereits
in ihren jetzigen Vorarbeiten, die es ſicher erſcheinen
laſſen, daß die Ausſtellung zum feſtgeſetzten Termin
auch wirklich fertig wird, großes Intereſſe. Es handelt
ſich um eine doppelte Aufgabe: einerſeits den
Be=
ſchauern in möglichſter Treue die Faktoren
vorzufüh=
ren, die das Zuſtandekommen der ſzeniſchen Leiſtung
ausſchließlich der Perſönlichkeiten der Darſteller
er=
möglichen und bedingen, andererſeits eine Sammlung
der hiſtoriſchen Zeugniſſe zu bilden, die ſich als
Nie=
derſchlag der Leiſtungen der Schaubühne im Laufe der
Jahrhunderte ergeben haben. Es ſind bereits große
Koſtbarkeiten an alten Gemälden, berühmten
Requi=
ſiten, wertvollen Manuſkripten uſw. uſw. eingetroffen,
die unter ſachverſtändiger und liebevoller Behandlung
ihre Plätze finden. Sie gehören zur
theaterhiſtori=
ſchen Abteilung, die ganz beſonders die rege
Anteil=
nahme der Forſcher, Liebhaber und Sammler finden
wird. Es werden hier Raritätenſtücke zur Schau
ge=
ſtellt, die in hiſtoriſcher wie in künſtleriſcher Beziehung
von unſchätzbarem Werte ſind. Die dem praktiſchen
Theaterbetriebe gewidmete Abteilung wird
endlich einmal unſeren Bühnentechnikern,
Dekora=
tionsmalern, Koſtümzeichnern und Kunſtgewerblern
Gelegenheit geben, ihr Können und ihre Fortſchritte
zu zeigen. Das große Publikum wird hier in die Lage
verſetzt werden, ſich über das Zuſtandekommen, die
eigentlichen Urheber, die Schwierigkeiten und Koſten
des bühnentechniſchen und dekorativen Apparates und
Materials ein Urteil zu bilden.
J.B. Ein muſikaliſches Wunderkind.
Aus Wien, 4. Oktober, wird uns geſchrieben: Seit
mehreren Monaten ſchon hält ein Wunderkind die
muſikaliſchen Kreiſe Wiens in Atem, das meteorgleich
plötzlich am Horizont erſchienen iſt und mit einem
Schlage im Mittelpunkte des Intereſſes nicht nur bei
Fachleuten, ſondern auch in den Salons des hohen und
höchſten Adels, ja ſelbſt bei Mitgliedern des
Kaiſer=
hauſes ſtand. Es iſt dies der 13jährige Erich
Wolfgang Korngold der Sohn des Kritikers
der Neuen Freien Preſſe. Der Knabe iſt ein Phänomen.
Nicht etwa, weil er in ſeinem Alter ſchon komponiert.
Das tun viele andere Wunderkinder auch. Das
Un=
faßbare an ihm iſt der Charakter ſeiner Muſik.
Darin liegt nichts Kindiſches, wiewohl mancher
kind=
liche Einfall, nichts Nachempfundenes, keine
Nachahm=
ung gehörter oder erlernter Muſik. Es iſt ein
eigen=
artiges, ſtarkes Talent, das ſeinen eigenen Weg geht,
unbekümmert um einengende Schulmeiſterei, die ihm
gar manches dabei verbieten möchte. Seine Harmonik
befremdet im erſten Augenblick, ſieht man aber näher
zu, dann merkt man eine unbedingt zwingende Logik,
die das ganze Gebäude errichtet. Auch von einer
Alters=
erſcheinung an dem Kinde kann man nicht ſprechen,
denn nicht einzelne Würfe glücken ihm auf dieſem Weg,
ein konſequenter Entwicklungsgang tritt in ſeinem
Schaffen zutage. Von ſeinem letzten Werke, einem
Trio für Klavier, Violine und Violoncell, das ſoeben
in der „Univerſal=Edition” erſchienen iſt, liegen die
erſten Keime ſchon in der Pantomime „Der
Schnee=
mann” die heute in der Hofoper ihre Uraufführung
erlebte.
Der „Schneemann” iſt ſchon vor mehreren Jahren
geſchrieben, alſo ein „Jugendwerk” des kleinen
Kom=
poniſten. Auf eigentümliche Weiſe iſt er entſtanden,
Die Phantaſie des kleinen Erich lebt in Muſik.
Aeu=
ßere Vorgänge, Stimmungen, gewinnen in ihm
muſi=
kaliſchen Ausdruck; was ihn innerlich anregt, malt er
phantaſierend am Klavier. Da gab ihm einſt ein
Freund der Familie die Aufgabe, eine Schneelandſchaft
muſikaliſch zu ſchildern, darin Kinder einen
Schnee=
mann bauen. Dieſe Vorſtellung ließ nun den Kleinen
nicht mehr los. Der Gedanke wuchs, ſpann ſich weiter
aus, nahm immer feſtere Formen an, dieſer und jener
gab ihm einen guten Rat zur ſzeniſchen Ausgeſtaltung,
und ſo entſtand parallel Handlung und Muſik der
Pan=
tomime. Ganz allein gehört dem kleinen Erich die
Muſik. Graziös, charakteriſtiſch in ihrer Zeichnung
der Perſonen und Szenen, dabei verblüffend in ihrer
techniſchen Reife. Die Inſtrumentation ſtammt
aller=
dings von ſeinem Lehrer, dem Kapellmeiſter der
Hof=
oper, Alexander von Zemlinsky. Nun hat das Werk
— der Kleine war bei allen Proben anweſend und ſaß
ſelbſt am Klavier — an der Hofoper ſeine
Uraufführ=
ung erlebt, eine Tatſache, die allein ſchon den Fall weit
über das Alltägliche emporhebt. Und dieſe
Urauf=
führung hatte einen Rieſenerfolg, immer wieder
wur=
den die Mitwirkenden gerufen. Auch das belgiſche
Königspaar war bei dem muſikaliſchen Triumph des
Dreizehnjährigen anweſend.
* Spielplan des Großh. Hof= und
Natio=
naltheaters in Mannhei m. Montag, den
10. Okt., 7½ Uhr: Gelehrte Frauen. Tartüff.
Diens=
tag, 11., 8 Uhr: Maria Magdalene. Mittwoch, 12., 7½
Uhr: Der Barbier von Bagdad. Donnerstag, 13.,
7 Uhr: Tantris der Narr. Freitag, 14., 7 Uhr: Der
Poſtillon von Lonjumeau. Samstag, 15., 7 Uhr: Kyritz=
Pyritz. Sonntag, 16.: Die Jüdin.
Nummer 237.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Oktober 1910.
Seite 5.
nieren, den Graf de la Dautr zur Verſtgung geſtelt
hat. Der Rekord des Grafen, den er in Begleitung
des Grafen Catillon de St. Victor aufſtellte, beträgt
1915 Kilometer, die in 35 Stunden 45 Minuten
zurück=
gelegt wurden. Der Start erfolgte bei Vincennes, die
Landung in Rußland in der Nähe des Ortes
Koro=
ſtyſchew.
* München, 8. Okt. Die für heute angeſetzte
Ab=
fahrt des Luftſchiffes „P IV” nach Bitterfeld und
Berlin wurde wegen ungünſtiger Wetterlage für heute
aufgegeben, nachdem man bis 11 Uhr vormittags immer
noch, gehofft hatte, aufſteigen zu können.
Flugplatz Johannisthal, 9. Okt. Bei
ſchönem Wetter begann heute die Berliner
Flug=
woche. In Gegenwart eines zahlreichen Publikums
fanden fünf Aufſtiege ſtatt.
* Petersburg, 7. Okt. Hauptmann
Mazie=
witſch unternahm in einem Farman=Apparat einen
Aufſtieg. In 1000 Meter Höhe zerbrach aus einem
un=
bekannten Grunde der Apparat. Der Aviatiker ſtürzte
ab und war ſofort tot.
* Petersburg, 9. Okt. Der Luftballon „Waſſili
Korn” der vorgeſtern nachmittag im hieſigen Aerodrom
aufgeſtiegen war, iſt nach 23 ſtündigem Fluge 200 Werſt
öſtlich von Saratow gelandet. Die höchſt erreichte
Höhe betrug 6400 Meter.
Sport.
sch. Der Schach=Wettkampf zwiſchen
Teichmann und Mieſes ergab in der
Fortſetz=
ung der erſten Partie einen Sieg von Teichmann, der
nach dem 45. Zuge das Matt erzwang. In der zweiten
Partie hatte Mieſes den Anzug. Teichmann
vertei=
digte ſich ſehr umſichtig und gewann ein kleines
Ueber=
gewicht. Nach dem 25. Zuge wurde die Partie
abge=
brochen.
Die Einigung in der Werftindnſtrie.
* Hamburg, 8. Okt. Um 11 Uhr heute vormittag
trat eine von über 6000 Perſonen beſuchte
Verſamm=
lung der Streikenden und Ausgeſperrten
zuſammen, um den endgültigen Beſchluß über die von
den beiderſeitigen Kommiſſionen getroffenen Abmachungen
betreffend die Wiederaufnahme der Arbeit zu faſſen. Es
machte ſich eine ſehr energiſche Oppoſition gegen die
Wie=
deraufnahme der Arbeit geltend. Die Führer gaben ſich
die größte Mühe die Verſammlungsteilnehmer für die
Annahme der Beſchlüſſe zu ſtimmen. Es ſchien anfangs,
Sals kämpften ſie auf einem verlorenen Boden. Es wurden
beiderſeits erregte Reden gehalten und ſchließlich war die
Oppoſition ſo energiſch, daß nach dreiſtündiger
Verhand=
lung eine geheime Abſtimmung beſchloſſen wurde.
Dieſe ergab für die Aufnahme der Arbeit 1678
Stimmen und dagegen 1475 Stimmen.
Es hat ſich alſo eine Mehrheit von 203
Stim=
men für die Annahme der Beſchlüſſe ergeben. Die Arbeit
wird demnach am Montag wieder aufgenommen. Die
Reparaturwerkſtätten der Hamburg=Amerika=Linie und der
Woermann=Linie hatten ihre Zuſtimmung inzwiſchen
zu=
rückgezogen und ſchieden bei der Abſtimmung gänzlich aus.
Es wird alſo bei dieſen beiden Betrieben weitergeſtreikt.
* Hamburg, 8. Okt. Die heutige
Werftarbei=
terverſammlung, die über die Vereinbarungen mit
den Unternehmern zu beſchließen hatte, war von etwa
6000 Metallarbeitern aller möglichen Zweige beſucht. Es
wurde zunächſt ein Beſchlußantrag eingebracht, der die
Vereinbarungen mit den Unternehmern als unbefriedigend
ablehnte und wonach die Kommiſſion ermächtigt werden
ſollte, in neue Verhandlungen einzutreten. Eine Abſtim= Es heißt darin, daß die proviſoriſche
Regier=
mung über dieſen Antrag erfolgte zunächſt nicht. Es
wur=
den dann die Anträge der
Verhandlungskom=
miſſion zur Beſprechung geſtellt, die Vereinbarungen
anzunehmen und den Streik aufzuheben. Die Stimmung neuen Verhältniſſen. Die Banken, Zollämter und die
der Mehrzahl der Arbeiter war mit Schärfe gegen dieſen
Antrag und für eine Fortſetzung des Streiks. Faſt alle
Redner außer den Führern bekundeten dies in ſehr be= die von der früheren Regierung eingegangenen
Ver=
ſtimmter Weiſe. Dagegen ermahnten die Führer
zur Beſonnenheit. Man dürfe nicht die Gefühle,
daran denken, daß bei einer Ablehnung Hunderttauſende Allianz Englands anſchließen wird. Das Juſtizweſen
mit hereingezogen würden. Die Hauptſache ſei, daß die
Unternehmer die Organiſation anerkannt hätten. Sie ſeien
Schritt für Schritt vor den Forderungen der
Organiſatio=
nen zurückgewichen, und die Arbeiter ſollten den guten! Mönche und Kloſterſchweſtern würden aus dem Lande
Achtungserfolg durch einen einhelligen Beſchluß für die
Kleines Feuilleton.
nge. Portugieſiſches Hofleben. Der Hof
des Königreichs Portugal war einer der glänzendſten ihrer letzten Geſtalt hauptſächlich das Werk der Königin=
Europas, viel glänzender, als der politiſchen Bedeutung Mutter Amélie, die bekanntlich eine Schweſter des Her=
und den Geldmitteln des Landes entſprach. Mit dem
Gold= und Silbergerät des Königsſchloſſes zu Liſſabon
konnte ſich nicht einmal das der Wiener Hofburg und
des St. Petersburger Winterpalaſtes an Schönheit und diente die Bewunderung aller Beſucher. Die Wagen,
ganzen Armee von Beamten aller Grade zuſammen. ſtammten aus London und Paris, die Pferde aus allen
Zu den oberſten Würdenträgern gehörten u. a. ein
Oberhofmeiſter uund ein Ober=Haushofmeiſter, ein
Ober=
ſtallmeiſter und ein Oberzeremonienmeiſter, ein
Ober=
mundſchenk und ein Oberreiſemarſchall, ein
Oberban=
nerträger, Oberjägermeiſter, Generalintendant,
Groß=
kamen noch das ſehr zahlreiche militäriſche Gefolge und Vegetarierbundes in Karlsruhe ſtatt. Für das
Feſt=
viele Kammerherren. Das portugieſiſche Adelsweſen
wurde vom Hofe ſehr genau geregelt. Den erſten Rang folge aufgeſtellt: Tomaten=Suppe — Leipziger=Allerlei
nahmen die Granden des Königreiches ein, die
Nach=
kommen der „Ricos homens” des Mittelaltes, Herzöge, paſtete garniert — Verſchiedene Salate — Mandel=Auf=
Marquis, Grafen und Vicomtes, Barone, gewöhnliche
Adlige und die geiſtlichen Großwürdenträger. An
zweiter Stelle ſtanden — man darf annehmen, daß die
Republik dieſe Adelsinſtitutionen aufheben wird — die
Vicomtes und Grafen, die nicht Granden waren, an populären Blattes war von Beſuchern ſo überlaufen,
dritter Stelle die durch Verleihung eines Hofamtes Ge= daß er dem Burſchen der Redaktion Auftrag gegeben
adelten und an vierter Stelle die nur für ihre Perſon
ſen, ſämtliche Offiziere der Armee ſund Marine, alle
Univerſitätsprofeſſoren und Beſitzer eines akademiſchen
Grades, die Prieſter vom Subdiakon aufwärts, die 1 haben.” — Gleich danach erſchien eine Dame, die den
höheren Beamten des Staates und der Städte, reiche
Kaufleute und Bankiers. Nicht mit Unrecht hat man
geſagt, im Königreich Portugal wäre jedermann, mit
dem ein Touriſt zu tun hätte, adlig. Da der Hof ſich
ſeit Menſchengedenken in fortwährender Geldnot
be=
fand, wurde mit Titeln und Aemtern ein faſt
öffent=
licher Schacher getrieben. Wer nicht einmal von der
Republik San Marino oder vom Vatikan ein
Ordens=
band oder ein Adelsdiplom erlangen konnte, durfte in
Liſſabon auf eine freundliche Berückſichtigung ſeiner ſei Dank, nicht zu ſein. Was kann ich Ihnen wohl
an=
kenntlich zu erweiſen verſprach. Am äußeren Zuſchnitt 1 Sie denn ſonſt zu zahlen?”
Wiederauſnuahme der Arbeit beſeſtigen. Mehr werde
man ſpäter zu erreichen trachten. Dieſe
Aus=
führungen wurden vielfach mit Rufen, wie „Niemals! volle Zuſtimmung zur Proklamierung der Republik
Schluß!” uſw. unterbrochen. Die Mehrheit für die
An=
träge des Vorſtandes wurde ſchließlich nur dadurch
er=
reicht, daß man lediglich die damals in den Streik
eingetretenen Werftarbeiter zur
Abſtim=
mung zuließ. Alle übrigen, auch die Arbeiter, die
aus=
geſperrt worden waren, mußten den Saal verlaſſen. Sonſt
wären die Anträge des Vorſtandes abgelehnt worden.
* Hamburg, 8. Okt. In einer von mehr als 3000
Arbeitern beſuchten Verſammlung gab der Bevollmächtigte
Otto Franz zunächſt einen längeren Bericht über die
ge=
führten Verhandlungen; er empfahl die Annahme der
Zu=
geſtändniſſe und die Wiederaufnahme der Arbeit. Es
wurde durch Akklamation eine Reſolution
angenom=
men, welche beſagt, daß bei der Hamburg=Amerika= und
der Woermann=Linie die Arbeit nicht
aufgenom=
men wird, weil die beiden Geſellſchaften ſich geweigert
haben, die allgemeinen Bedingungen anzuerkennen. —
So=
dann erfolgte die bereits gemeldete Abſtimmung; die
Ar=
beit wird daher am Montag im allgemeinen mit
Aus=
nahme in den Reparaturwerkſtätten der genannten
Reede=
reien wieder aufgenommen.
Die Revolution in Portugal.
Die Ereigniſſe in Liſſabon.
* Der Korreſpondent des Daily Chroniele ſetzt
ſeinen Bericht über die Ereigniſſe in
Liſſa=
bon fort. Danach wurde der Sieg der Republik mit
der Wegnahme des Flaggſchiffes „Dom Carlos”
ent=
ſchieden. Die Mannſchaft hatte die ganze Nacht
hin=
durch verzweifelt gekämpft, bis die letzte Granate
ver=
ſchoſſen war. Am Mittwoch hißten mit Tagesanbruch
noch die übrig gebliebenen Forts die weiße Flagge und
entmutigten dadurch die königstreuen Truppen. Zuerſt
ergaben ſich die Landungsabteilungen und dann die
Bataillone mit Ausnahme der Munizipalgarden, die in
Maſſe fielen, weil ſie ſich nicht ergeben wollten.
Schließ=
lich mußten ſie ſich ergeben. Eine halbe Stunde ſpäter
wurde die Republik auusgerufen.
Dem Reuterſchen Bureau wurde von ſeinem
Son=
derberichterſtatter in Liſſabon am 7. Oktober
telegra=
phiert: Theophil Braga empfing mich und erklärte:
Dank dem Admiral Reis brach die Revolution zwei
Tage vor dem feſtgeſetzten Termin aus. Da Admiral
Reis anſtelle der verabredeten 31 Kanonenſchüſſe nür.
deren drei hörte, glaubte er, die Bewegung ſei
geſchei=
tert, und verübte Selbſtmord. Die Revolution brach
während des Feſtmahles aus, das der König zu Ehren
des Marſchalls Hermes da Fonſeca auf Schloß Belem
gab. Der König kehrte in das Schloß Neceſſidades
zu=
rück und wurde von den Miniſtern nicht mehr geſehen.
* Liſſabon, 7. Okt. Die Lage iſt hier
wie=
der normal. Die Straßenbahnen haben den Betrieb
teilweiſe wieder aufgenommen. Die Munizipalgarde
und die bürgerliche Polizei ſind aufgehoben worden.
Neue Polizeikorps werden gebildet werden. Für
Con=
dido dos Reis, den Führer der Aufſtändigen, der
Selbſt=
mord verübte, ſund für den ermordeten
Irrenhausdirek=
tor Bomparda ſollen Leichenfeierlichkeiten auf
Staats=
koſten veranſtaltet werden.
Das Programm der neuen Regierunig.
* London, 8. Okt. Der neue portugieſiſche
Juſtiz=
miniſter Alfonſo Coſta ſandte an die Times ein
Tele=
gramm, das das Blatt heute morgen veröffentlicht.
ung auch von den Garniſonen der Provinzſtädte
zu=
ſtimmende Adreſſen erhalten habe. Ueberall herrſche
Ruhe und Ordnung, ſowie großes Vertrauen zu den
anderen Geſchäfte haben ſchon wieder gearbeitet. Die
Regierung verfüge über die notwendigen Mittel, um
pflichtungen zu erfüllen. Die Regierung habe die
Ab=
ſicht, den Schulzwang einzuführen; die nationale
Ver=
ſondern nur den Verſtand ſprechen laſſen, und man müſſe teidigung ſoll durchgeführt werden, die ſich eng an die
werde volle Selbſtändigkeit erhalten und die
Regier=
ung werde alle Mittel ergreifen, um dem
wirtſchaft=
lichen Leben einen Aufſchwung zu verleihen. Die
gejagt und eine ſoziale Armenfürſorge ſolle eingeführt
der Hofhaltung hatte der König Dom Manuel in der
kurzen Zeit ſeiner Regierung nichts geändert. Sie war
ganz nach franzöſiſchem Vorbilde eingerichtet und in
zogs von Orleans iſt. Der portugieſiſche Hof war
viel=
leicht der letzte Europas, an dem die Jagd mit Falken
noch ausgeübt wurde. Der königliche Marſtall ver=
Koſtbarkeit vergleichen. Der Hofſtaat ſetzte ſich aus einer von denen es in allen Größen und Ausführungen gab,
Teilen der Welt, aus dem Lande ſelbſt nur die
berühm=
ten weißen Mauleſel. All’ dieſe Pracht und Herrlichkeit
wird nun wohl zur Vergangenheit gerechnet werden
müſſen. . . . .
— Eine vegetariſche Speiſekarte. In
kaplan, Oberpoſtmeiſter und Oberjagdhüter. Dazu poriger Woche fand der 14. Bundestag des Deutſchen
mahl im „Reform=Reſtaurant” war folgende Speiſen=
— Grüne Bohnen mit Peterſilienkartoffeln —
Trüffel=
lauf — Kompotte — Weinmoſt=Créme in Schlagrahm —
Friſches Obſt — Käſe, Butterbrot.
* Das ſagen ſie alle! Der Redakteur eines
hatte, jeden Beſuch abzuweiſen. „Es geht aber nicht,””
Adligen, nämlich die Inhaber beſtimmter Ordensklaſ= ſagte der Junge, „ſie ſagen, ſie wollen Sie ſelbſt
ſpre=
chen. — „Na,” meinte der Redakteur, „dann ſage nur
zu ihnen: „Das ſagen ſie alle‟. Ich muß meine Ruhe
Redakteur zu ſprechen wünſchte. Der Burſche
ver=
ſicherte, das ſei unmöglich. „Aber ich muß ihn
ſpre=
chen!” rief ſie. „Ich bin ſeine Frau!” — „Bah!”
er=
widerte der Burſche, „das ſagen ſie alle!”
* Das boshafte Auto=Opfer. Ein Mann
war auf der Landſtraße von einem Automobil
umge=
riſſen worden, deſſen Beſitzer ſich um ihn bemühte. „Es
tut mir ſehr leid,” ſagte der Automobiliſt, „daß ich Sie
umgeriſſen habe. Aber verletzt ſcheinen Sie ja, Gott
Wünſche rechnen, vorausgeſetzt, daß er ſich dafür er= bieten?” Und der Mann erwiderte: „Wieviel pflegen
1
werden. Außerdem werde die Trennung von Staat
und Kirche durchgeführt werden. Madeira habe ſeine
gegeben. — Der König und die königliche Familie
haben Portugal verlaſſen und ſind ins Ausland
ge=
flohen. Damit iſt für uns dieſe Frage erledigt.
*,Paris, 7. Okt. Maghelan Lima erklärte
mehreren Berichterſtattern, die neue Regierung
werde das Parlament auflöſen, Neuwahlen
ausſchrei=
ben und das künftige Parlament werde den
Präſiden=
ten der Republik wählen; vorausſichtlich werde die
Wahl auf Bernardino Machado fallen. Die künftige
Verfaſſung wird der franzöſiſchen nachgebildet ſein,
aber fortgeſchrittenere ſoziale Tendenzen haben, und
die Verweltlichung der Schulen, ſowie die Trennung
von Staat und Kirche feſtlegen.
Die Flucht der königlichen Familie.
* London, 7. Okt. Nach einer dem Reuterſchen
Bureau aus Gibraltar von einem Mitglied des
Ge=
folges zugegangenen Nachricht befand ſich König
Ma=
nuel, als das Bombardement begann, im königlichen
Pa=
laſt. Dann begab ſich der König nach Mafra und von dort
nach Ericeira, wo er mit den übrigen Mitgliedern der
königlichen Familie zuſammentraf. Von Ericeira begab ſich
die königliche Familie in einem offenen Boot zu der
könig=
lichen Jacht „Amelie” die dann am Mittwoch nachmittag
6 Uhr direkt nach Gibraltar in See ging. Das Wetter
war ruhig und es wurden während der Fahrt andere
Kriegsſchiffe weder angetroffen noch geſichtet. Die
Köni=
gin=Mutter war bis zur glücklichen Ankunft des Königs
in Ericeira äußerſt beunruhigt. Wegen der Plötzlichkeit
der Unruhen hatte das Gefolge nichts mitgenommen und
mußte erſt in Gibraltar Kleider einkaufen.
Entgegen gewiſſen Gerüchten erklärte
Miniſterprä=
ſident Braga, daß nach authentiſchen Informationen die
Abreiſe des Königs und der königlichen
Fa=
milie von dem Geſtade von Ericeira ſich ruhig und ohne
jeden Zwiſchenfall vollzogen habe, wie es die
republika=
niſche Regierung gewünſcht habe. Der Kriegs= und
Ma=
rineminiſter befänden ſich in voller Uebereinſtimmung mit
allen militäriſchen Streitkräften.
Die proviſoriſche Regierung war rechtzeitig von allen
Einzelheiten der Flucht des Königs Manuel und ſeiner
Familie unterrichtet und traf Vorſorge, daß nicht etwa
durch den Uebereifer von Soldaten der Fluchtplan
ver=
eitelt werde. In den Fluchtplan war auch der engliſche
Geſandte und ein anderes Mitglied des diplomatiſchen
Korps eingeweiht. Der Aufenthalt der königlichen
Fa=
milie im Kloſter Mafra dauerte nur wenige Stunden.
Dann erhielten der König und die Königin=Mutter Amelie
durch einen Vertrauten die Zuſicherung der Regierung, daß
ſie alle Anſtalten getroffen habe, damit die Jacht, die die
Familie nach Gibraltar bringen ſollte, unangefochten die
portugieſiſchen Gewäſſer verlaſſen könne.
* Liſſabon, 7. Okt. Wie das republikaniſche
Or=
gan O Mundo meldet, ſchiffte ſich der Herzog von
Oporto vorgeſtern zwiſchen 5 und 8 Uhr morgens auf
der Jacht „Amelie” ein, die nach Ericeira in See ging; zur
ſelben Zeit begab ſich die Königin Amelie im
Auto=
mobil von Cintra nach Mafra; die Königin Maria
Pia folgte eine Stunde ſpäter. Während der Beſchießung
des Schloſſes Neceſſidades am Dienstag verließ König
Manuel den Palaſt durch eine Hintertüre, begab ſich
nach Cintra und von dort nach Mafra. Um 10 Uhr
mor=
gens machte ſich die Jacht „Amelie” zur Flucht ſegelfertig
und warf auf der Höhe von Ericeira Anker. Die
könig=
liche Familie begab ſich mit zwanzig Schülern der
Militär=
ſchule von Mafra dorthin und traf um 3 Uhr nachmittags
ein. Sie beſtieg in Begleitung von zwei Ziviliſten und
zwei Hofdamen mit Gepäck unverzüglich die Fiſcherboote,
um die auf hoher See liegende Jacht zu erreichen.
* Madrid, 7. Okt. Einer eingetroffenen amtlichen
Meldung zufolge iſt an Bord der Jacht „Amelie” die die
portugieſiſche Nationalflagge führte, die geſamte
kö=
nigliche Familie, alſo der König, die Königin=
Mut=
ter Amelie, die Königin=Witwe Maria Pia und der Herzog
von Oporto in Gibraltar eingetroffen. Die
Fürſtlichkeiten gingen hier an Land, wo ihnen die
Bevöl=
kerung einen ſympathiſchen Empfang bereitete.
* London, 8. Okt. Wie die Blätter melden, werden
Vorbereitungen getroffen, um das Schloß Woodnorton
(Grafſchaft Worceſter), die Reſidenz des Herzogs von
Or=
leans, für die Aufnahme des Königs Manuel
und der Königin Amelie herzurichten. Aus
Ma=
drid wird dagegen gerüchtweiſe gemeldet, daß die Königin
2
Kunſtverein.
II.
Neben der Kollektivausſtellung Ungers hat der
„Bund zeichnender Künſtler” in München, der
eine Anzahl hervorragender Künſtler mit Namen von
längſt feſtgefügtem Ruf in ſeinen Reihen zählt, ausgeſtellt.
Ernſt Liebermann, Otto Ubbelohde, Karl
Schmoll von Eiſenwerth waren in ihren Werken
ſchon oftmals Gegenſtand der Kritik und gern und freudig
gegebener Würdigung an dieſer Stelle. Von dieſen
aus=
gezeichneten Künſtlern läßt ſich oft Geſagtes nur
wieder=
holen. Kraftvolle Künſtlernaturen, die irgenwelchen
Wege=
ebnens längſt nicht mehr bedürfen. Sie ſind auch heuer
mit Bildern vertreten, die durchweg ihr auf hoher und
höchſter Stufe ſtehendes Können zeigen. Ernſt Liebermann
hat neben einigen feinen Radierungen zwei Paſtelle
aus=
geſtellt, die in dem feinen, ungemein ſympathiſchen Kolorit
und in der Kraft der Zeichnung den Meiſter verraten.
Ubbelohde iſt mit zwei ſtimmungsvoll empfundenen
Blät=
tern „Ackermann” und „Tauwetter” vertreten, die ſowohl
techniſch wie in der Kompoſition des Künſtlers Reife
zei=
gen, und Schmoll von Eiſenwerth mit einer Anzahl zart
kolorierter Holzſchnitte, Zeichnungen und Radierungen, die
ſeine Eeigenart trefflich charakteriſieren.
Nach ihnen iſt Emil Anner ſowohl quantitativ als
auch qualitativ überragend. Im Parterreraum hängen u. a.
zwei in ihrer geſunde Phantaſie verratenden Kompoſition
ſehr wirkſame Blätter „Eichenhain” und „Sonnenglanz”
und in dem Raum VI oben noch eine ganze Anzahl
klei=
nerer, techniſch hervorragend durchgearbeiteter
Radierun=
gen, die faſt alle kraftvoll individuell empfunden ſind.
Ein eigenartiger Stimmungsreiz geht von den drei
urdeutſch anmutenden und in ſeltener natürlicher
Schön=
heit kolorierten Bildern „Schnallenbach” und „Donautal
bei Dürrenheim” und „Burg Stein” von O. Grill aus.
Auch Rich. Schaupps „Am Gartenhaus” iſt ein gutes
Bild, während Franz Hochs „Herbſt” für unſer
Empfin=
den etwas hart im Kolorit iſt. — E. L. Hoeß ſtellt ein
Paar ſehr ſauber gearbeiteter Federzeichnungen „Auf
ein=
ſamer Höhe” und „Blumige Aeſung” aus, die auch in
Auf=
faſſung und Kompoſition den feinſinnigen Künſtler
ver=
raten. Gleiches läßt ſich von den Schwarz=Weiß=Blättern
H. Völkerlings und vielleicht auch Otto Bau=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblätt, Montag, den 10. Oktober 1916.
Nummer
Amelie die Abſicht habe, in Villamanrique bei Sevilla ſich
niederzulaſſen, wo ihre Mutter, die Gräfin von Paris, den
größten Teil des Jahres verweilt.
Die auswärtigen Mächte.
* London, 7. Okt. Das Reuterſche Bureau
er=
fährt, daß die über die Haltung der engliſchen
Regierung gegenüber der portugieſiſchen
Regier=
ung und über Verhandlungen zwiſchen den
republi=
kaniſchen Führern und den engliſchen Geſandten im
Auslande verbreiteten Meldungen als vollſtändig
wahrheitswidrig gekennzeichnet ſeien. Dieſe
Meldun=
gen über die republikaniſchen Führer und die engliſche
Regierung ſeien von einem Charakter, der es
überflüſ=
ſig mache, ihnen entgegenzutreten.
* Wien, 8. Okt. Die Politiſche Korreſpondenz
meldet aus Madrid, daß Miniſterpräſident Canalejas
mit dem engliſchen, deutſchen und italieniſchen
Bot=
ſchafter eine Konferenz gehabt hat, in welcher der
Vor=
ſchlag vereinbart worden ſein ſoll, England möge
den Schutz der fremden Untertanen in
Portugal übernehmen und eventuelle Maßnahmen
veranlaſſen.
* Berlin, 8. Okt. Ueber die Anerkennung
der neuen Regierungsform in Portugal
wird von unterrichteter Stelle mitgeteilt, daß die
Liſ=
ſaboner Depeſchen, die von einer verſchiedenen
Halt=
ung der einzelnen Mächte gegenüber der neuen
Re=
gierung ſprechen, vollkommen unbegründet und
unzu=
treffend ſind. Bisher hat keine einzige Macht die neue
Regierung anerkannt, und es dürfte vorausſichtlich
noch einige Zeit vergehen, bevor die Anerkennung
er=
folgt.
(Daß die auswärtigen Mächte vor Zuſammentritt
des portugieſiſchen Parlaments, welches die neue
Re=
gierungsform und das neue Regiment in Portugal
gutheißen und geſetzlich erſt ſanktionieren muß, die
Republik offiziell anerkennen werden, erſcheint von
vorherein als ausgeſchloſſen.)
Letzte Nachrichten
* Liſſabon, 8. Okt. Blättermeldungen zufolge
wurde geſtern abend aus einem Fenſter des
Jeſuiten=
kloſters auf vorübergehende Polytechniker und
See=
leute eine Bombe geworfen. Zwei Matroſen wurden
getötet, einer verwundet. Herzueilende Soldaten
wur=
den von einem Hagel von Exploſivſtoffen empfangen.
Ein ſofort von ihnen auf das Kloſter eröffnetes Feuer
dauerte bis gegen Mitternacht. Zahlreiche Soldaten
wurden verletzt, mehrere Jeſuiten wurden ſchwer
ver=
wundet.
* Liſſabon, 8. Okt. Nach den vorliegenden
Mel=
dungen iſt das Land längs der Eiſenbahn
allenthalben ruhig. Der Durchgangsverkehr an
der Grenze vollzieht ſich wieder ohne Umſteigen; auf
den Stationen ſammelt ſich die Bevölkerung, welche
die Republik begeiſtert begrüßt und die Fahnen ſchwenkt.
In Liſſabon ziehen Patrouillen durch die Straßen.
Auf verſchiedenen Plätzen und Straßen ſind Poſten
auf=
geſtellt. Die am Kampf beteiligte Zivilbevölkerung
be=
hielt ihre Waffen. Die auswärts verbreiteten
Meldun=
gen über die Zahl der Toten ſind übertrieben;
ſie beträgt nur etwa dreihundert. Der Kampf war
über=
haupt auf wenige Stellen beſchränkt. Die Republikaner
hatten mit etwa 1500 Soldaten und 1000 Ziviliſten auf
dem Hügel beim Park Eduard VII. Aufſtellung
genom=
men; von dort aus beſtrich das Feuer der Artillerie und
Infanterie die Avenida da Liberdade, an deren Ende
der Dom Pedro=Platz liegt, wo die treugebliebene
Ar=
tillerie und Infanterie ſtand. Während die
treugeblie=
bene Munizipalgarde den vergeblichen Verſuch machte,
die republikaniſchen Truppen zu umgehen, wurden in
anderen Stadtteilen nur einige Flintenſchüſſe
abge=
geben. Die Einwohnerſchaft ſchloß ſich in den Häuſern
ein und wartete den Ausgang des Bombardements der
Kriegsſchiffe ab, das ſich ausſchließlich gegen den
Königspalaſt richtete.
* Liſſabon, 8. Okt. Kein Teil der Hauptſtadt
außer der Avenida da Liberdade und dem Platze Dom
Pedro hat durch die Kämpfe gelitten; an dieſen beiden
Punkten wurden die Gebäude von Geſchoſſen getroffen.
Die Beſchädigungen ſind ziemlich bedeutende: Mauern
wurden durchſchlagen, Fenſter zerſchmettert. Die
Be=
deutung der durch die Revolution verurſachten
mate=
riellen Schäden iſt alſonicht ſogroß, wie man
ſie ſich im Auslande vorgeſtellt hat. Was die politiſche
Lage anbetrifft, ſo ſcheint das neue Regime keinem
ernſten Widerſtand begegnen zu ſollen. Es mag
zu einigen Zwiſchenfällen kommen, aber ſie werden ohne
Bedeutung bleiben. Man bemerkt nur eine gewiſſe
Er=
regung auf ſeiten der Bevölkerung gegen die Mitglieder
des Klerus. Die Kirchen ſind noch geſchloſſen. Der
Kampf um das Jeſuitenkloſter Guelhas dauert noch an.
* Liſſabon, 8. Okt. Das Dekret über die
Aus=
weiſung der Kongregationen, deren
Mit=
glieder das Land binnen 24 Stunden zu verlaſſen
riedels ſagen, während Albert Welti in ſeinen
Radie=
rungen viel Phantaſtik und Vorliebe für myſtiſche
Sym=
bolik verrät. Nicht alle ſeine Bilder ſind in der Darſtellung
ohne Erläuterung verſtändlich, aber ſie zeugen von reifem
Können. Das beſte dürfte der „Walkürenritt” ſein, in dem
die Bewegung der Wotanstöchter in ihrem Ritt durch die
Wolken vortrefflich charakteriſiert iſt.
Auch Hans Volkert iſt ein phantaſievoller Künſtler,.
doch möchten wir ſeinen prachtvollen „Kopf einer alten
Frau” eine ſehr fein charakteriſierende Studie, höher
ein=
ſchätzen als ſeine anderen Radierungen. Ebenſo wie Harald
Tilberg in dem ganz hervorragend gezeichneten Kopf
Sabinerin” das Beſte gibt, wenngleich auch dieſes
Künſt=
lers übrige Arbeiten ſehr der Beachtung wert ſind. — Ernſt
Kreidolf iſt mit zwei ſchön kolorierten Syltlandſchaften
und einem Zyklus von 12 Blättern aus einem
Märchen=
buch „Wieſenzwerge” vertreten, zu dem er auch den Text
geſchrieben hat. Sowohl in dieſem wie mehr noch in den
ganz reizenden Bildern hat der Dichtermaler den
kindlich=
naiven Ton gefunden. — Mit ſehr fein und zart kolorierten
Holzſchnitten, meiſt Handdrucken auf Japanpapier, ſind
Hans Neumann, Daniel Staſchus und Hans
Ham=
mer vertreten. Blätter, die in der künſtleriſchen Qualität
wohl gleich bewertet werden können, wenn der Künſtler
Individualität ſie auch merklich unterſcheidet. Alles ſind
Arbeiten von künſtleriſcher Reife.
Nachträglich wurde im Parterreſaal noch eine Arbeit
eines Darmſtädter Bildhauers aufgeſtellt, eine
Porträt=
büſte Frl. P.” von Philipp Schwarz. Die Büſte iſt gut
und künſtleriſch aufgefaßt und in der Modellierung fein
und lebendig durchgearbeitet. Ein Vergleich mit dem
Ori=
ginal, der ein Urteil auf die Aehnlichkeit zuließe, iſt uns
leider nicht möglich, jedoch ſcheint das Geſicht gut
charak=
teriſiert.
Alles in allem bringt der Kunſtverein diesmal eine
Ausſtellung, die den ſehr regen Beſuch wohl rechtfertigt.
M. St.
haben, wird morgen veröffentlicht. Die Regierung
wird noch vor Montag außer dem bereits angekündigten
Dekret über die Freilaſſung der wegen ihrer
Zu=
gehörigkeit zu geheimen Geſellſchaften verhafteten
Per=
ſonen Verfügungen erlaſſen über: Amneſtie wegen
Preßvergehen, politiſcher und gemeiner Vergehen
Ver=
urteilter, Wiederherſtellung des Preßgeſetzes des
frühe=
ren Miniſters Barjona Freitas, Aenderung der
Eides=
formel bei der Uebernahme des Amtes, Erſetzung des
Wortes Königlich durch Republikaniſch in den
Proto=
kollen, ſowie über die Verlängerung der zurzeit
ſchwe=
benden Prozeſſe um zehn Tage.
* Paris, 8. Okt. Aus Liſſabon wird mehreren
Blättern gemeldet: Die ärztliche Unterſuchung der
Leiche des Admirals Candido Reis hat ergeben, daß
nicht Selbſtmord, ſondern Mord vorliegt.
* Liſſabon, 8. Okt. Die Königin Amelie,
die beim Ausbruch der Revolution in Eintra im
Palaſte de Pena weilte, wurde von König Manuel,
ſolange ſich dieſer noch im Neuen Palais Neceſſidades
befand, telephoniſch von der Entwicklung des Kampfes
unterrichtet. Als die Königin erfuhr, daß der König
im Automobil nach Mafra abgefahren ſei, beſtieg ſie
gleichfalls ein Automobil und traf mit dem König in
Mafra zuſammen, kehrte aber nochmals nach Cintra
zurück und begab ſich dann wieder nach Mafra. Die
proviſoriſche Regierung traf daraufhin Maßnahmen,
um die Abreiſe der königlichen Familie und ihre
Einſchiffung an Bord der Jacht „Amelia” zu
erleich=
tern. Am Mittwoch nachmittag 4 Uhr traf die
könig=
liche Familie in Automobilen in Ericeira ein und fuhr
dann ſofort zum Ufer. Die Königinnen Amelie und
Pia waren in Schwarz gekleidet; der König, der einen
Zivilanzug trug, ſah ſehr niedergeſchlagen aus und rief
beim Abſchied: „Lebt wohl für immer!‟ Die See war
unruhig. Die Königin Amelie ſagte beim Abſchied:
„Das iſt eine Infamie! Lebt wohl, auf Wiederſehen!”
Einige der Umſtehenden antworteten: „Wir warten!”
* Gibraltar, 8. Okt. Die Königin=Mutter
Amelie, die Königin=Witwe Maria Pia und der
Herzog von Oporto gingen an Land,
unter=
nahmen eine Spazierfahrt und machten Einkäufe.
König Manuel empfing an Bord ſeiner Jacht den
Beſuch des Gouverneurs.
* Liſſabon, 8. Okt. Bei den Angriffen auf
das Jeſuiten kloſter Guelhas, das die engliſche
Flagge gehißt hatte, wurde ein Prieſter getötet. Eine
Anzahl als Bauern verkleideter Mönche wurde
ge=
fangen genommen:
* Liſſabon, 8. Okt. Aus allen Kolonien ſind
Telegramme eingelaufen, nach welchen ſich dieſe für die
Republik erklären.
* Gibraltar, 8. Okt. Es heißt, daß die
könig=
liche Jacht „Amelia” morgen nach Liſſabon in See
gehe, da ſie Eigentum des portugieſiſchen Staates iſt.
König Manuel, die Königin=Witwe und die Königin=
Mutter werden die Gäſte des Gouverneurs ſein.
* Gibraltar, 9. Okt. König Manuel und
Königin Amélie begaben ſich heute vormittag an
Land und wohnten dem Gottesdienſte in der Kirche bei.
Das Publikum begrüßte die Herrſchaften ehrerbietig. Der
Kreuzer „New Caſtle” iſt von Liſſabon hierher
zurück=
gekehrt.
* London, 9. Okt. Das Reuterſche Bureau meldet
aus Gibraltar: Im Gefolge der portugieſiſchen
Königsfamilie befinden ſich ſieben Hofbeamte und
zwei Hofdamen. Man erwartet für morgen die Ankunft
des italieniſchen Kriegsſchiffes, welches die Königin=Witwe
Maria und den Herzog von Oporto wahrſcheinlich nach
Italien bringen wird.
* Liſſabon, 8. Okt. Hier ſind noch mehrere
Näch=
richten über die Angriffe auf die
Ordensnieder=
laſſungen eingelaufen. Da man fürchtet, daß ſich die
Angriffe verallgemeinern werden, ſind
Sicherheitsmaßregeln angeordnet worden. In
zahl=
reichen Häuſern von Anhängern des alten Regimes
wurden Hausſuchungen vorgenommen. Ein Zwiſchenfall
ereignete ſich nicht. Die Perſonen waren abweſend, das
Eigentum wurde reſpektiert.
* Liſſabon, 9. Okt. Die Stimmung gegen die
Kongregationen iſt ſehrgereizt. Zu den Vorgängen
im Kloſter Guelhas wird noch gemeldet, daß Reiterei
und Matroſen in das Gebäude eindrangen; ſie fanden
es geräumt. Das wenig beſchädigte Innere zeigte
deut=
liche Spuren einer eiligen Flucht der Inſaſſen. — In
der vorigen Nacht wurde in das bewaffnete
Frauen=
kloſter Trenas gedrungen, 150 Schweſtern verſuchten,
Widerſtand zu leiſten, im Tumult wurden 12 Nonnen
leicht verwundet; ſie wurden in das
Militär=
krankenhaus gebracht, die übrigen Nonnen wurden in
Wagen weggeführt, man weiß nicht wohin. Das Kloſter
wurde von Militär beſetzt.
* Paris, 8. Okt. Die von der Wohnung
Magel=
haes Limas gehißte grün=rote Fahne wurde
heute wieder eingeholt, und zwar auf Veranlaſſung
Magelhaes ſelbſt, welcher entgegen ſeinen urſprünglichen
Hoffnugen nunmehr die Ueberzeugung gewonnen hat, daß
ihm die diplomatiſche Vertretung Portugals in Paris nicht
übertragen werden dürfte.
* Rom, 9. Okt. Der Papſt erhielt heute, wie das
Giornale d’Italia meldet, die erſte Depeſche des
Nun=
tius aus Liſſabon über die Ereigniſſe in Portugal.
Der Nuntius weilt augenblicklich in Cintra in der
Som=
merfriſche.
* Madrid, 9. Okt. Die Regierung erhielt von
Theophilo Braga eine Depeſche, in der die
Prokla=
mierung der Republik in Portugal zur Kenntnis
ge=
bracht wird.
Spaniſche Kammer.
* Madrid, 8. Okt. In der geſtrigen Sitzung der
Kammer erklärte Miniſterpräſident Canalejas
die Gerüchte von einer beträchtlichen Vermehrung der
ſpaniſchen Truppen im Riff=Gebiet und bei Ceuta für
phantaſtiſch. Man habe von Tauſenden geſprochen,
während es ſich nur um Hunderte handele. Die Pläne
der ſpaniſchen Diplomatie und Armeeleitung könnten
keinen Verdacht und keine Befürchtung hervorrufen.
Ueber die Verhandlungen mit der
marokkani=
ſchen Geſandtſchaft ſagte der Miniſterpräſident,
die Regierung habe ſich infolge der von der
Geſandt=
ſchaft verurſachten Verzögerung veranlaßt geſehen, in
der Form eines Ultimatums eine ſchnelle und
kate=
goriſche Antwort zu verlangen. Die Antwortnote des
Sultans auf die ſpaniſche Note habe die Regierung
nicht angenommen, weil der Sultan ſich geweigert
habe, den zu Recht beſtehenden Reklamationen
Spa=
niens Folge zu geben. Nachdem der Sultan El
Mu=
raza durch El Mokri erſetzt habe, ſeien mit dieſem die
Verhandlungen alsbald fortgeſetzt worden. Er hoffe
auf ein zufriedenſtellendes Ergebnis, falls das gute
Einvernehmen anhalte. Canalejas ſchloß: Wir haben
gehandelt und werden handeln mit Klugheit und in
der Abſicht, an den übernommenen Verpflichtungen
feſtzuhalten und von dem gewonnenen Terrain keinen
Fußbreit aufzugeben und nichts zu tun, was die
natio=
nale Ehre verletzen könnte.
Vom Hoflager in Friedberg.
Homburg v. d. H., 9. Okt. Der Zar traf mit
ſeinen Töchtern heute vormittag 10½ Uhr hier ein und
wurde vor der ruſſiſchen Kirche von der Kronprinzeſſin
von Griechenland und ihrem älteſten Sohne, die von
Schloß Friedrichshof gekommen waren, begrüßt. Die
hohen Herrſchaften wohnten ſodann dem Gottesdienſt in
der ruſſiſchen Kapelle bei und fuhren kurz nach 11½ Uhr
gemeinſamnach Schloß Friedrichshof beiKronberg.
* Kronberg, 9. Okt. Kaiſer Nikolaus traf
heute Mittag kurz vor 12 Uhr mit ſeinen vier Töchtern,
ſowie der Prinzeſſin Heinrich von Preußen
mit ihren beiden Söhnen und der Prinzeſſin Luiſe von
Battenberg in Automobilen hier im Schloſſe ein. Nach
kurzem Spaziergange im Walde am Fuße des
Altkönig=
fand Mittagstafel ſtatt. Um 2½ Uhr erfolgte die
Rück=
fahrt nach Friedberg.
Darmſtadt, 10. Oktober.
C. Die St. Eliſabethenpfarrei beging am geſtrigen
Sonntag die Feier ihres 5jährigen Beſtehens, mit der
die Einweihung des neuen Schweſtern= in dem Anweſen, Gardiſtenſtraße 7, verbunden
wurde. In der eindrucksvollen Feſtpredigt rechtfertigte
Herr Domkapitular Dekan Dr. Elz die Tatſache,
daß=
man ſich vorläufig auf ein kleines Schweſternheim
beſchränkt habe. Nach Beendigung des feierlichen, ſehr
beſuchten Hochamtes, bei dem der Kirchengeſangverein
und der Knabenchor mitwirkte, fand die Benedizierung.
des von Herrn Architekt Scherer neu hergerichteten
Hauſes durch den Herrn Domkapitular ſtatt, worauf ſich
eine Anſprache des Herrn Pfarrer Fink anſchloß, der auf
die hohen Verdienſte der krankenpflegenden Orden um
die leidende Menſchheit hinwies und ſämtlichen an dem
Bau Mitwirkenden ſeinen Dank ausſprach. Das Haus,
in dem vorläufig zwei Schweſtern aus Oberbronn i. Elſ.
einziehen werden, beherbergt ferner eine Kleinkinderſchule
und einen Kinderhort.
* Der Darmſtädter Zitherklub hielt am
Samstag=
abend im kleinen Saale des ſtädtiſchen Saalbaues
unter der Leitung des Herrn Kammermuſikers P.
Dern ſein erſtes Winterkonzert ab, das ſehr
zahl=
reich beſucht war und einen glänzenden künſtleriſchen
Verlauf nahm. Als Künſtlerinnen und Künſtler
par excellence brillierten die Damen Frl. Mathilde
Heißner (Geſang), Frl. Wilhelmine Heißner
(Klavier) und Frl. Hildegard Morian (Spinett),
ſowie die Herren Kammermuſiker Mehmel und A.
Diedrich, deren kunſtvollendete Darbietungen von
den Zuhörern mit reichem Beifall ausgezeichnet
wur=
den. Die von den Mitgliedern des Darmſtädter
Zitherklubs (6 Damen und 6 Herren) auf Zither,
Mandoline, Gitarre, Laute, Spinett und Streichzither
zum Vortrag gebrachten Märſche, Tänze und Lieder
von Hans Gruber und J. Liebig fanden lebhafte
An=
erkennung und brachten ihrem rührigen Dirigenten,
Herrn Dern, neue Lorbeeren. Auch die Soliſten
wur=
den für ihre kunſtvollen Leiſtungen mit
Blumen=
ſpenden ausgezeichnet. An das Konzert ſchloß ſich ein
Ball, der einen ſehr ſchönen und animierten Verlauf
nahm.
Dampfſtraßenbahn. Am Samstag nachmittag
2 Uhr iſt bei der Einfahrt in Eberſtadt die Lokomotive
des Zuges Nr. 44 entgleiſt und umgeſtürzt.
Hierbei wurde der Lokomotivführer Ph. Schmitt aus
Arheilgen an einem Bein leicht verletzt. Sonſtige
Ver=
letzungen von Perſonen ſind nicht vorgekommen. Die
Urſache der Entgleiſung konnte bis jetzt mit Sicherheit
nicht feſtgeſtellt werden. Es iſt wahrſcheinlich, daß ſich
in der Einfahrtsweiche ein Stein oder ein ſonſtiger
harter Gegenſtand feſtgeklemmt hatte und dadurch die
Weiche nicht richtig funktionierte. Nennenswerte Störungen
im Lauf der Züge ſind nicht eingetreten. Die
Auf=
räumungsarbeiten waren um 6 Uhr beendet.
* Polizeihundprüfung. Der Verein für Deutſche
Schäferhunde (S. V.), Ortsgruppe Darmſtadt und
Umgegend, veranſtaltete geſtern eine
Polizeihundprüf=
ung auf dem Gelände der Rennbahn,
Heidelberger=
ſtraße. Die Veranſtaltung, die, wie wir erſucht
wer=
den, mitzuteilen, keinen amtlichen
Charak=
ter trug, hatte zahlreiche Intereſſenten und
Zu=
ſchauer angelockt. Die Leiſtungen der Tiere waren
meiſt gut, teils vortrefflich. Die
Preisverteil=
ung hatte folgendes Ergebnis:
a) Jugen dvorf ühr un g: 1. Preis
Fanny v. Winterfeld, Beſitzer und Führer Eduard
Preis Hex, Be=
Me tz=Ludwigshafen;
ſitzer und Führer F. Voigt=Frankfurt a. M.=
Nie=
derrad; 3. Preis Hella von Winterfeld, Beſitzer und
Führer Schutzmann Müller, Wieblingen in
Ba=
den; 4. Preis Cäſar von Otzberg, Beſitzer und
Füh=
rer Polizeidiener Kopp=Groß=Zimmern; 5. Preis
Cora von Otzberg, Beſitzer und Führer K. Eßwein=
Kl.=Zimmern, 5. Pr. Lux v. Oberwaldhof, Beſitzer und
Führer Lehrer G. Zorbach=Kirch=Brombach i. O.;
7. Preis Berta, Beſitzer und Führer Schutzmann
Eſchwei in Weinheim a. d. B. b)
Polizeihunde=
prüfung: 1. Preis und Ehrenpreis Rolf v. Fenne,
Beſitzer und Führer Ehrich Kirchert in Fenne bei
Saarbrücken, 2. Pr. u. Ehrenpr. Lady v. Groß=Bieberau,
Beſitzer und Führer Polizeidiener Kopp=Groß=
Zim=
mern, 3. Preis Lux v. Rüſtringen, Beſitzer Kreisarzt
Dr. Schwan=Dieburg, Führer Polizeidiener Kopp=
Groß=Zimmern, 4. Preis und Ehrenpreis Hannibal
v. d. Hofwache, gen. Nero vom Flachsmarkt, Beſitzer
C. B. Ganz=Mainz, Führer Schutzmann Benz=
Mainz, 5. Preis Lux, Beſitzer und Führer Schutzmann
Pfahlbuſch=Hanau, 6. Preis und Ekrenpreis Bella,
Beſitzer und Führer Gg. Pfläſterer=Birkenau,
7. Preis Wera, Beſitzer und Führer K. Eßwein=Klein=
Zimmern; 8. Preis Apollo gen. Tell von Darmſtadt,
Be=
ſitzer und Führer Hch. Kunkel=Darmſtadt; 9. Preis
Wolf. Beſitzer und Führer Schutzmann K. Pitzer=Hanau;
10. Preis Prinz, Beſitzer und Führer Schutzmann
Böh=
ler=Hanau; 11. Preis Meta v. d. Roſenhöhe, Beſitzer und
Führer Gaſtwirt Gg. Schellhaas=Groß=Bieberau;
12. Preis Roland von Idaſtein, Beſitzer und Führer
Steueraufſeher R. Struth=Reinheim.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Friedberg, 8. Okt. Von autoriſierter Seite geht
uns die Meldung zu, daß Kaiſer Nikolaus in
der erſten Hälfte des November Kaiſer Wilhelm
in Potsdam zu beſuchen beabſichtigt.
Nummer 237.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Oktober 1910.
Seite 7.
* Berlin, 7. Okt. In der von Katholiken aus
Anlaß der Rede des römiſchen Bürgermeiſters
Nathan veranſtalteten Proteſtverſammlung
wurde eine Reſolution gefaßt, in der es heißt: „Ueber
6000 Katholiken der Reichshauptſtadt erheben ſich
ein=
mütig im flammenden Proteſt gegen die Dir, heiligſter
Vater, und der katholiſchen Kirche jüngſt in Rom
zu=
gefügten Beſchimpfung, die ſie als ihnen ſelbſt zugefügt
empfinden. Sie betrachten die gegenwärtige Lage des
Heiligen Stuhls als eine durchaus unwürdige und
un=
haltbare, die nur durch Herſtellung der vollſten
Unab=
hängigkeit des Heiligen Stuhls gebeſſert werden kann
und muß. Sie geloben ihrerſeits doppelte Treue und
Gehorſam, Verehrung und Liebe gegen das Oberhaupt
der Kirche zu wahren, in welchem ſie den von Gott
ge=
ſetzten oberſten Hirten der Völker im privaten und
öffent=
lichen Leben verehren.” An den Diözeſanbiſchof Dr. Kopp
in Breslau wurde ein Begrüßungstelegramm abgeſandt.
* Berlin, 8. Okt. Die großen
Maſſenverſamm=
lungen der Sozialdemokratie, die heute mittag
12 Uhr in dreizehn Lokalen Berlins abgehalten
wur=
den, waren trotz der verſchiedenen Aufrufe im „
Vor=
wärts” und der Flugblattverteilung am heutigen
Morgen nur von insgeſamt 20000 Perſonen
be=
ſucht. Die Verſammlungen, in denen die
Vor=
kommniſſe von Moabit von bekannten
ſozial=
demokratiſchen Führern beſprochen wurden, waren meiſt
ſchon nach 30 bis 45 Minuten beendet. Die Beſucher
entfernten ſich dann ohne jede Demonſtration, nachdem
überall eine gleichlautende Reſolution angenommen
worden war. Auch die in den Vororten Berlins
ab=
gehaltenen 8 Verſammlungen nahmen einen ruhigen
Verlauf.
Berlin, 9. Okt. Den Morgenblättern zufolge iſt der
Kohlenarbeiterſtreik bei der Firma Kupfer
u. Co. in Moabit beendet. Die Arbeiter nehmen die
Arbeit am Montag wieder auf. — Der „Lokalanzeiger”
meldet: In Mühlheim in Baden brannte das dortige
Artilleriedepot nebſt dem Geſchützſchuppen nieder. 12
Ge=
ſchütze verbrannten.
Köln, 9. Okt. Hier wurden ein aus Ungarn
ge=
bürtiger Kürſchner und ſeine Frau, eine Berlinerin,
wegen Beteiligung an einem großen Pelzdiebſtahl
verhaftet. Gleichzeitig entdeckte man in Köln eine
groß=
artig angelegte Hehlergeſellſchaft und beſchlagnahmte ein
Zigarrenlager im Werte von 30000 Mk., das Hamburger
und Bremer Geſchäften geſtohlen war.
* Bremen, 9. Okt. Das Schulſchiff des Deutſchen
Schulſchiffvereins „Prinzeß Eitel Friedrich”, iſt am
8. Oktober wohlbehalten in Caditz angekommen und
wird am 10. Oktober nach Las Palmas weiterſegeln.
* Altona, 8. Okt. Die Erſte Strafkammer
des Landgerichts Altona verurteilte den
ehe=
maligen Direktor der Altonaer Genoſſenſchaftsbank,
Julius Hohmann, wegen Veruntreuung von
152000 Mark in Verbindung mit ſchwerer,
qualifizier=
ter Urkundenfälſchung zu zwei Jahren und drei
Mo=
naten Gefängnis unter Anrechnung von drei
Mo=
naten Unterſuchungshaft, und drei Jahren Ehrverluſt.
* Schwerin (Mecklenburg), 9. Okt. Heute Nachmittag
entgleiſten auf dem Bahnhof Grieben — Strecke
Kleinen=Lübeck — die drei letzten Wagen des D=Zuges 4
(Stettin=Hamburg). Zwei Paſſagiere erlitten leichte
Hautabſchürfungen. Die Verletzten konnten die Reiſe
fortſetzen. Die Gleisunterbrechung dauerte ſechs Stunden.
Der Verkehr wurde durch Umſteigen aufrechterhalten.
* Brüſſel, 9. Okt. In dem Schnellzuge zwiſchen Köln
und Brüſſel wurden in der letzten Zeit wiederholt große
Diebſtähle ausgeführt. Einem Londoner Rentier
wurden im Zuge eine Handtaſche mit Schmuckſachen im
Werte von 25000 Francs geſtohlen.
* Paris, 8. Okt. Der Nordbahngeſellſchaft
wurden auf ihr Anſuchen 40 Genieſoldaten zur
Ver=
fügung geſtellt, die an Stelle der ſtreikenden
Eiſen=
bahnarbeiter das Verladen der Kohlen und die
Bedienung der Krahnen uſw. beſorgen. Die Polizei traf
Maßnahmen, um Ausſchreitungen der Ausſtändigen zu
verhindern.
* Paris, 9. Okt. An 5000 Maurer hielten heute
eine Verſammlung ab, in welcher ſie ſich verpflichteten,
in den Ausſtand zu treten, falls die Unternehmer die
Bauplätze nicht öffnen und den Neunſtundentag nicht
annehmen wollen.
* Paris, 9. Okt. Es iſt unmöglich, heute die genaue
Tragweite des Ausſtandes der
Werkſtätten=
arbeiter der Nordbahn zu überſehen, da
Sonn=
tags der Dienſt eingeſchränkt iſt und die Werkſtätten
geſchloſſen ſind. Zugverſpätungen ſind faſt gar nicht zu
verzeichnen. Die Ausſtändigen ſind zum Teil durch
Militär erſetzt.
* Krakau, 7. Okt. Heute nachmittag wurde auf dem
hieſigen Bahnhof der Kloſterbruder Macoch aus
Ezenſtochau verhaftet, welcher verdächtig iſt, den
Poſt=
beamten Macoch in einer Kloſterzelle ermordet zu
haben und bei der Beraubung des Muttergottesbildes
in einem Kloſter beteiligt geweſen zu ſein. Macoch hat
den Mord bereits eingeſtanden, leugnet aber ſeine
Teil=
nahme an dem Kirchenraub.
* Athen, 8. Okt. Von der Agence d’Athène wird
die Meldung von der Zurückberufung des
griechi=
ſchen Geſandten in Konſtantinopel, Gryparis, als
unzutreffend bezeichnet und auf Grund
autori=
tativer Informationen erklärt, daß die demnächſtige
An=
kunft des Geſandten nicht als Zurückberufung wegen
angeblicher Beläſtigung griechiſcher Untertanen in der
Türkei aufzufaſſen ſei. Die Berufung des Geſandten
nach Athen ſei vor einem Monat bereits aus rein
dienſt=
lichen Gründen erfolgt und ſeine Abweſenheit von
Kon=
ſtantinopel werde nur kurze Zeit dauern.
* Helſingfors, 8. Okt. Der Landtag wurde
aufgelöſt. Die Neuwahlen wurden auf den 2. Januar
neuen Stils, der Zuſammentritt des Landtages auf den
1. Februar angeſetzt.
* Konſtantinopel, 8. Okt. Der Tanin dementiert
die Meldung eines ausländiſchen Blattes, nach
wel=
cher der Optionstermin des mit der Crédit
Mobilier=
gruppe im Auguſt abgeſchloſſenen
Anleihever=
trages bis zum 28. Oktober verlängert worden ſei.
Das Blatt drückt die Hoffnung aus, daß bis zum 14.
Oktober eine Einigung mit der franzöſiſchen
Regier=
ung über die Garantieformel zuſtande kommen werde,
andernfalls würde die Pforte die Anleihe mit einer
anderen Gruppe abſchließen. Dem
Finanzminiſte=
rium naheſtehende Kreiſe erklären, eine Einigung
könnte durch die Ernennung eines franzöſiſchen
In=
ſpektors bei der Oberrechnungskammer, welche ſeit
dem 14. September nach italieniſchem und belgiſchem
Muſter arbeitet, erzielt werden.
* New=York, 8. Okt. Hier iſt die Meldung
einge=
troffen, daß ein Waldbrand den 1500 Einwohner
zählenden Ort Beaudette zerſtörte. Außer der
Ort=
ſchaft Beaudette iſt auch die Ortſchaft Spooner durch
einen Waldbrand in Minneſota zerſtört worden. Viele
Perſonen ſind umgekommen. Verbrannte Leichen
liegen längs der Bahnlinie. Der Sachſchaden beträgt
mehrere Millionen Dollars.
— Berlin, 8. Okt. Geſtern nachmittag fand der im
Wernerwerk am Nonnendamm beſchäftigte Werkmeiſter
Nehla bei ſeiner Heimkehr in ſeine Wohnung in der
Wattſtraße ſeine Frau und ſeine beiden Kinder im
Alter von acht Jahren und ſieben Wochen infolge
Gas=
vergiftung bewußtlos auf. Die Frau und das
ältere Mädchen waren bereits tot. Das jüngſte
Töchter=
chen ſtarb noch im Laufe des Nachmittags.
Todes=Anzeige.
Heute früh ½7 Uhr entſchlief ſanft im
Alter von 74 Jahren meine liebe Frau, unſere
Schwiegermutter und Großmutter
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Darmſtadt, den 9. Oktober 1910.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
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Die Beerdigung findet ſtatt: Dienstag, den
11. Oktober, nachmittags 3 Uhr, vom
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im Orpheum („Almenrauſch und Edelweiß”).
Konzert zum Beſten der Barmherzigen Schweſtern um
7 Uhr im Saalbau.
Vortrag von Bundesdirektor Paſtor Stuhrmann um
8½ Uhr Mühlſtraße 24.
Generalverſammlung des Frauenvereins Caritas
um 5 Uhr.
Oktoberfeſt um 5 Uhr im „Kölniſchen Hof”.
Konzert um ½8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8¼ Uhr im „Kaiſerſaal”.
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: F. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
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Auf Liebespfaden.
Roman von H. Ehrhardt.
(Nachdruck verboten.)
26)
Es tut mir leid, Ihnen den Spaß verderben zu müſſen,
gnädige Frau! meinte er, ſtärker denn je errötend. Aber
mir iſt Ihr Name ſeit einer halben Stunde nicht mehr
fremd — ganz ohne mein Zutun ward er mir verraten.
Sie wandte ſich ihm zu. Um ihre Lippen lag der
müde, blaſierte Zug, der ſie oft ſo alt erſcheinen ließ.
Ich konnte mir’s ja denken! ſagte ſie herb.
Unſer=
eins kann ja nie irgendwo allein und unbekannt ſein.
Immer hat man die Herde um ſich, und das Geſpenſt des
guten Tones zwingt einen, mit ihr zu laufen, Hunderten
zu geſtatten, ſich einzumiſchen, ſich um das zu bekümmern,
was man tut und läßt. Man rebelliert innerlich dagegen,
aber man läßt ſich’s gefallen. Es iſt wohl die Erziehung,
über die man nicht hinaus kann, vielleicht auch das
Schick=
ſal der Durchſchnittsfrau, die immer nur halb iſt, im Affekt
alles wagen zu können meint und vor der Tat kläglich in
die engen Grenzen zurückkriecht.
Ich meine, es iſt eben die echte Frau, die ſo denkt
und fühlt! warf der blonde Offizier halb tröſtend ein. Der
Frau hat ſchon die Natur engere Grenzen gezogen als
dem Manne, und das Natürliche iſt wohl das Richtige
und das Gute. Ich denke mir ſo in meinem beſcheidenen
Leutnantsverſtand, daß die Frauen, welche die Grenzen
ſches weihlihen leihes ſberſcheite, ahltic doeß ſchr
einſam daſtehen, äußerlich und innerlich, oder glauben
Sie nicht, daß manche Frau, welche die Sitten und
Forde=
rungen der Herde, wie Sie es nennen, mißachtet und
ver=
lacht hat, ſpäter ihr höchſtes Ideal darin ſieht, wieder
zurückzukehren —
Als das berühmte reumütige Schaf. Die junge Frau
hatte ein humoriſtiſches Zucken um die Mundwinkel, die
ſich vorher ſo herbe geſenkt hatten. Ja, das glaube ich
wohl, ich ſelber täte es ja am erſten, denn ich kann, ohne
hochmütig zu ſein, doch nur in einer gewiſſen Luftſchicht
leben — ich will ja auch nicht gleich den großen Sprung
wagen —, aber ſehen Sie, das hätte ich mir ſo nett gedacht,
wir beide, in das Lohengrin=Geheimnis gehüllt — und
Roſenmontag in Mainz — Faſtnachtsſpuk und ſorgloſes
Genießen—
Sie warf ein wenig den Kopf zurück, und im ſeltſam
wechſelnden Spiel ihrer goldbraunen Augen ſtand jetzt
eine große Sehnſucht, als wünſchte ſie den ſchneeweißen
Wolken zu folgen, die ſoeben eilig über den tiefblauen
Himmel ſegelten.
Und das Ende? fragte er unwillkürlich.
Sie kehrte wie aus einem Traum zurück.
Das Ende? wiederholte ſie, mit der Spitze ihres
Schirmes kleine Kieſel beiſeite ſchleudernd, die klappend in
das matte Grün des Raſens fielen und ein paar Sperlinge
aufſcheuchten. Sie wiſſen ja, wie ich darüber denke. Das
Ende iſt immer häßlich und ſchal. Am Aſchermittwoch
ſchen ſich zuet eſelſcoſtemeiſen gegeniher und
er=
zählen ſich, daß es in Mainz wirklich ganz nett geweſen
ſei, und dann machen ſie einen Strich darunter und
er=
innern ſich ſpäter nur „ſehr dunkel” einer Sache, die doch
eigentlich recht unpaſſend war und die man pflichtſchuldigſt
längſt bereut hat. Die Menſchen bereuen immer die
Stun=
den, in denen ſie einmal ganz ſie ſelbſt waren. Das Leben
iſt das Maskenſpiel, und im Mummenſchanz nur zeigt der
Menſch ſein wahres Geſicht. Aber nun ich mein Inkognito
nicht wahren konnte, frag’ ich auch Sie, werter Ritter, wes
Nam’ und Art Sie ſind.
Da ſie einen ſcherzenden Ton angeſchlagen, erleichterte
ſie ihm das Peinliche dieſer befohlenen Vorſtellung.
Der Weg vor ihnen lag menſchenleer. So blieb er
ſtehen, klappte die Hacken zuſammen, nahm den Stock als
Säbel an die linke Seite, lüftete den Hut und ſagte, ſein
ſorgfältig friſiertes Haupt neigend:
Hans Eberhard Nikolaus von Haſſingen, Leutnant im
7. Hannoverſchen Infanterie=Regiment Nr. 187 hat die
Ehre, ſich Frau von Rieding in unbedingter Ergebenheit
zu Füßen zu legen.
Er wußte nicht, wie ſympathiſch er in dieſem Moment
ausſah.
Frühlingsſonne lachte über ſeinem blonden Haar und
in ſeinen hübſchen, länglichen, blaugrauen Augen, die
Stirnfalte ſchien geglättet, die Hochmutslinien verwiſchte
der Leutnantsfrohſinn, neckiſcher Uebermut zuckte um
ſei=
nen Mund,
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Oktober 1910.
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Die junge Frau lachte herzlich auf. Es war kein
lautes, aber ein friſches, natürliches Lachen, das anſteckend
wirkte.
Im Weitergehen lachten ſie wie zwei ausgelaſſene
Kinder und wurden auch nicht wieder ernſt, ſelbſt dann
nicht, als Frau von Rieding erklärte, Haſſingen ſolle ſich
nicht etwa einbilden, daß ſie beide den Roſenmontag in
Mainz allein verleben würden. Nicht nur die ganze
Pen=
ſion „Villa Marie” wo ſie wohne, wolle auch hin,
ſon=
dern auch noch verſchiedene andere Bekannte, ein
Zuſam=
mentreffen mit dieſen oder jenen ſei alſo nicht zu
um=
gehen.
Die Schleichwege liebe ich nicht, Herr von Haſſingen,
ſagte ſie ſtolz. Ich wäre gern mal irgendwo allein und
unbeobachtet, obgleich ich auch da nichts täte, was die
Welt nicht wiſſen dürfte — es wäre mir nur um das
köſt=
liche Gefühl der Freiheit — alſo ich werde meine
Bekann=
ten nicht ſuchen, aber ihnen auch nicht ausweichen.
Der Mann neben ihr war etwas nachdenklich
gewor=
den. Die Schleichwege im Buchenwald lagen im
Mondes=
glanz vor ihm. War ſeine arme, kleine Helene zu
ver=
dammen, daß ſie dieſe Schleichwege geliebt? Andere
können wohl ſtolz den geraden Weg machen, auf dem für
Stiefkinder des Schickſals kein Platz iſt. Ob die Frau
neben ihm mit dem unverkennbaren Dufthauch, dem
Sei=
denraſcheln der eleganten, verwöhnten Weltdame und dem
müden, liebreizenden Lächeln nie ein Gefühl gekannt haben
mochte, das ins Irre führte, aber in eine köſtliche Wildnis?
Ihm ſchien’s nicht, als habe ſie ihren Gatten ſehr
ge=
liebt. Viel umworben, aber tadekloſer Ruf! hatte der
frivole Meiſenberg geſagt. War ſie vom Kampf gegen läſtige
Mücken ſo müde? War darüber Temperament und
Ju=
gend, das ſo oft überraſchend aufloderte und ſo über=
reſchund pibſih wieher veſan, in den binternd
ge=
treten?
Er hatte oft von dem Rätſelweſen der Frau geleſen,
von ihrer Sphinxnatur, ihrem Lachen und Weinen zur
ſelben Minute, aber die ihm bis jetzt begegnet waren,
hatten ihm nie Grund zum Grübeln und Nachdenken
gegeben.
Lena von Rieding war ihm ein Rätſel, das geſtand
er ſich nach dieſem Morgenſpaziergange. Gelangweilt
hatte er ſich wahrlich nicht mit ihr. Sie hatte Sinn für
Humor, einen ſcharfen Blick, ein treffendes Urteil. Sie
war viel gereiſt. Aber ich habe wenig geſehen! hatte ſie
drollig hinzugefügt. Ihr Mann war zuletzt nur noch
Rennfahrer geweſen. Nicht mehr, wo er war, hatte ihn
intereſſiert, ſondern wie raſch er es erreicht, wie
ſchwin=
delnd hoch die Kilometerzahl geweſen, die er an einem
Tage durchmeſſen. Trotzdem ihr dieſe raſenden Fahrten
zum Ekel geworden, hatte ſie ihn faſt ſtets begleitet.
Warum eigentlich? Das verriet ſie weder in Wort noch
Blick. Und dasſelbe Gefühl, das ihn in der Nacht zur
Diskretion gezwungen, band ihm auch jetzt, ſchon im
Be=
griff zu fragen, die Zunge.
Vor dem Bauplatz des neuen Kurhauſes, auf dem
eben die Grundmauern aus der Erde wuchſen, trennten ſie
ſich mit einem kameradſchaftlichen Händedruck und der
Parole: Morgen 2 Uhr auf dem Bahnhof zur Fahrt nach
Mainz!
Leutnant Keßler ſaß ſchon in dem überfüllten kleinen
Weinlokal, wo er mit Haſſingen für gewöhnlich Mittag zu
eſſen pflegte. Billig und gut. Der Weinzwang beſchränkte
ſich auf ein Viertel Moſel zu 30 Pfennige. Es war ein
gemütliches, altes Lokal von einer merkwürdigen Bauart,
ein langer Gang mit zwei Seitenflügeln, nur eine Reihe
Eſche ndr Fuſtereieg aies ſoneit wenigverſichen,
ein wenig verbraucht, aber ſaubere Tiſchtücher und
Ser=
vitten, anſtändige Kellner und gutes Publikum.
Haſſingen aß freilich lieber bei Carlton, daraus machte
er kein Hehl, aber die wenigſten Inſaſſen der „Heilmühle‟
konnten ſich, ihm zum Troſt, dieſen Luxus leiſten.
Der kleine Artilleriſt hatte auch nichts als eine
aus=
kömmliche Zulage. Sein Vater war Oberſt a. D. in
Dres=
den, das mütterliche Vermögen eine Hoffnung auf
Ver=
heiratung zweier Töchter, zu deren Gunſten der Bruder
gern verzichten wollte, ſobald er eine reiche Frau gefunden.
Natürlich ſagte er, nachdem Haſſingen ihm ganz offen
von ſeinem Spaziergang mit der jungen Witwe, deren
Perſonalien ihm Meiſenberg auch ſchon mitgeteilt, erzählt
hatte, mit ſeinem ruhigen Geſicht, in deſſen Augen
beſtän=
dig der Schalk lauerte:
Sehen Sie zu, daß Sie die Frau und ihre Millionen
erwiſchen, mein Lieber! Glauben Sie mir, ich kenne mich
darin aus — ſie iſt reif für eine neue Ehe oder für einen
neuen Geliebten — ich will ihr nicht zu nahe treten —
ich ſage das ganz unter uns, ſelbſtverſtändlich, ich meine
es auch nicht ſo ſchroff — die Frau hat wahrſcheinlich nie
einen Geliebten gehabt im ſchlechten Sinne, aber ihre
Er=
fahrungen in der Liebe hat ſie doch nicht aus ihrer Ehe
— das ſteht bombenfeſt. Sie hat eine Leidenſchaft hinter
ſich, und ſie ſehnt ſich nach der Liebe.
Hans von Haſſingen ſaß ſtarr, die eine Hand am
Weinglas, die andere am nach der Mode über den Lippen
glatt abgeſchnittenen Schnurrbart, den er nervös mit dem
Zeigefinger überſtrich, vielleicht um das leichte Zucken
ſei=
nes Mundes zu verbergen, das ſagen zu wollen ſchien,
was er im Grunde ſelbſt nicht mehr glaubte, daß er eine
andere liebe und ſie ewig lieben werde.
(Fortſetzung folat.!
Nummer 237.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Oktober 1910
Seite 11
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
(19622oi
Bekannt machung.
Die nachſtehende Zuſammenſtellung bringen wir zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 6. Oktober 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 11. bis 15. Oktober 1910.
der Abl
von uer
ſperrung
bis Die Abſperrung
erſtreckt ſich
11. Oktbr.
13. „
15. „ Dienstag
Donnerstag
Samstag Infanterie
Feldartillerie N. 400 N. Bis z. Landgraben
Ueber das ganze
Abſperrgelände.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 4 Pinſcher, 1 Boxer. 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung.
Die Beleuchtung von Einfahrten, Höfen, Treppen, Fluren uſw. betreffend.
Wir weiſen wiederholt auf die den Eigentümern von Grundſtücken obliegende
Verpflichtung hin, die Toreinfahrten, Höfe, Hausflure, Gänge und Treppen,
ſo=
fern und ſolange ſie jedermann zugänglich ſind, während der Dunkelheit ſo
aus=
reichend zu beleuchten, daß für die daſelbſt verkehrenden Perſonen keine Gefahr
beſteht.
Dieſe Verpflichtung liegt namentlich auch den Inhabern von Fabriken,
ge=
werblichen Anſtalten und Arbeitsſtätten, von Vergnügungs=, Verſammlungs= und
Schankſtätten (den letzteren insbeſondere auch hinſichtlich der Bedürfnisanſtalten) ob.
Pflichtwidrige Unterlaſſung der Beleuchtung würde, falls hierdurch jemand zu
Schaden kommt, die Entſchädigungspflicht ſowie die ſtrafrechtliche
Verantwortlich=
keit begründen.
Die obengenannte Verpflichtung kann durch Vertrag auf Hausverwalter,
Mieter uſw. übertragen werden. Dies ſetzt jedoch die übereinſtimmende
Willens=
erklärung beider Parteien, des Vermieters und des Mieters voraus. Eine einſeitige
Erklärung des Vermieters (als ſolche iſt auch der ohne vorherige Verſtändigung mit
dem Mieter erfolgende Aushang einer „Hausordnung” zu zählen) kann die
oben=
genannte Verpflichtung für den Mieter nicht begründen.
Darmſtadt, den 5. Oktober 1910.
(19419fso
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.
Vertilgung der Feldmäuſe.
Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 29. September und mit
Genehmigung Großherzoglichen Kreisamts vom 1. Oktober d. Js. ſollen die in der
Gemarkung in dieſem Jahre maſſenhaft auftretenden Feldmäuſe auf Koſten der Stadt
durch Legen von Gift vertilgt werden. Mit der Ausführung der Maßregel, ſoweit ſie
ſich auf die Feldgemarkung erſtreckt, iſt die ſtädtiſche Güterverwaltung mit
Zuhilfe=
nahme der Feldſchützen und einer Anzahl ſtädtiſcher Arbeiter beauftragt. An die
Grund=
ſtücksbeſitzer, namentlich an die Beſitzer der eingefriedigten Grundſtücke, richten wir das
Erſuchen, die Beauftragten bei der Ausführung unterſtützen zu wollen.
Darmſtadt, den 3. Oktober 1910.
(19390dof
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Ekert.
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von folgenden
Früchten und Verbrauchsgegenſtänden in
der Zeit vom 16. bis 30. September 1910:
Weizen p. Sackà 100 Ko. v. Mk. 21.— bis 24.50
Korn „ „ , „ „ „ „ 15.− „ 17.
Gerſte „ „ „ „ „ „ „ 15.50 „ 17.—
. 17.50
„ 16.−
Hafer
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 8 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück Mk. 1.75
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 8.50
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 2.50
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.—
Heu per 50 Kilo Mk. 3.50
Darmſtadt, den 7. Oktober 1910.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Offenlage der Urliſte für
Schöffen oder Geſchworenen.
Die von uns aufgeſtellte Urliſte
der=
jenigen Perſonen, die zu dem Amte
eines Schöffen oder Geſchworenen
be=
rufen werden können, liegt von Montag,
den 10. Oktober ds. Js. an, eine Woche
lang während der gewöhnlichen
Geſchäfts=
ſtunden im Stadthauſe, Rheinſtraße 18,
Zimmer Nr. 21, offen. In der angegebenen
Zeit kann jedermann die Liſte einſehen und
gegen die Richtigkeit oder Vollſtändigkeit
derſelben ſchriftlich oder durch bei uns
ab=
zugebendes Protokoll Einſprache erheben.
Darmſtadt, den 8. Oktober 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing. (19541sod
Winterſchafweide=Verpachtung.
Die Winterſchafweide auf der ſtädtiſchen
Pallaswieſe, ca. 35 Hektare, und den Wieſen
der früheren Gemeinde Beſſungen, ca.
65 Hektare, ſoll auf dem Verdingungswege
vergeben werden.
Schriftliche Angebote ſind verſchloſſen,
mit entſprechender Aufſchrift verſehen, bis
längſtens
(19620so
Samstag, den 15. ds. Mts.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle, woſelbſt die
Be=
dingungen während der Geſchäftsſtunden
in Zimmer Nr. 39 zur Einſicht offen liegen
und auch erhältlich ſind, einzureichen.
Darmſtadt, den 6. Oktober 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jaeger.
Runkelrüben=Verſteigerung.
Die Verſteigerung der Runkelrüben=Ernte
auf der ſtädtiſchen Pallaswieſe vom 3. ds.
Mts. iſt genehmigt.
(19540so
Die Abfuhrſcheine ſind bei der
Stadt=
kaſſe erhältlich und müſſen bis zum 15. ds.
Mts. abgeholt ſein.
Darmſtadt, den 5. Oktober 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
IJ. V.: Ekert.
ut erhalt. gebrauchte Schreibmaſch. u.
Kaſſenſchrank zu verkaufen. Offerten
unter O. 4 an die Exp. ds. Bl. (16814a
Bekanntmachung.
Montag, den 7. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die der Karoline Diehm dahier
zuge=
ſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
35 1578/100 360 Hofreite Rhönring
Nr. 129,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
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Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der
Ver=
ſteigerung auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 22. September 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(D18571,7
Bekanntmachung.
Es wird hiermit bekannt gemacht, daß
die am 26. v. Mts. ſtattgefundene
Ver=
pachtung von Grundſtücken des
Philipps=
hoſpitals genehmigt worden iſt. (19653
Darmſtadt, den 7. Oktober 1910.
Großh. Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann.
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Technische Untersuchungen, Gutachten etc.
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Anſprüche an den Nachlaß der A. K.
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inner=
halb 2 Wochen bei dem Unterzeichneten
(19531so
einzureichen.
J. V. der Erben:
Alex. Kratz, Rhönring 31.
Rechts=Auskunftel.
Beiſtand und Rat in
Zahlungsſchwierig=
eiten, Erledigung von Kauf=, Pacht=
Schenkungs=, Miet= und Pfandverträgen,
Moratorien, Subhaſtationen, Unterſtützung
mit Rat in Eheſcheidungs=, Alimentations=,
Erbſchafts= und Vormundſchaftsſachen
ebenſo bei Gütertrennungs=Verträgen.
An=
fertigung von Verträgen, Geſuchen,
Rekla=
mationen, Teſtamenten; Einleitung von
Klagen ꝛc. diskret und billig. (18840a
Albert Schmitt & Co.,
Alexanderſtraße 5, 1. Stock.
Bekanntmachung.
Montag, den 24. Oktober 1910, von nachmittags 2 Uhr ab,
beginnt die Verſteigerung im ſtädtiſchen Pfandhaus, Kirchſtraße 9, dahier.
Es kommen zum Ausgebot:
Montag, 24. Oktober, von nachmittags 2 Uhr ab: Weißzeug und Kleidungsſtücke.
Dienstag, 25. Oktober, von nachmittags 2 Uhr ab: Gold, Silber, Brillanten,
Uhren und Ringe.
Mittwoch, 26. Oktober, von vormittags 9 Uhr ab: Photographiſche Apparate,
Muſikwerke, Geigen, Zithern, Operngläſer, Ferngläſer und Reißzeuge.
An demſelben Tage, von nachmittags 2 Uhr ab: Weißzeug und Kleidungsſtücke.
Donnerstag, 27. Oktober, von vormittags 9 Uhr ab: Weißzeug und
Kleidungs=
ſtücke.
An demſelben Tage, von nachmittags 2 Uhr ab: Fahrräder, Nähmaſchinen,
Regu=
lateure, Wanduhren, Weißzeug und Kleidungsſtücke.
Freitag, 28. Oktober, von vormittags 9 Uhr ab und von nachmittags 2 Uhr ab:
Gold, Silber, Uhren, Ringe u. dgl.
Montag, 31. Oktober, von nachmittags 2 Uhr ab: Weißzeug, Gold, Silber, Uhren,
Ringe ꝛc.
Nötigenfalls Fortſetzung der Verſteigerung: Dienstag, 1. November und
an den folgenden Nachmittagen von 2 Uhr ab.
Die zur Verſteigerung heranzuziehenden Pfänder ſind folgende: Nr. 35 245 bis
einſchließlich Nr. 67 794.
(19621soi
Die Verſteigerung findet gegen ſofortige Barzahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 7. Oktober 1910.
Die ſtädtiſche Pfandhaus=Verwaltung.
Paul, Vorſteher.
Verſteigerung.
Der zum Konkurs der Georg Hellmuth Eheleute gehörige
Nachlaß wird Mittwoch, den 12., und wenn nötig Donnerstag,
den 13. Oktober I. J., jeweils vormittags 9 und nachmittags
3 Uhr beginnend im Turnhauſe, Woogsplatz 3 (Kleiner Saal)
öffentlich gegen gleich bare Zahlung verſteigert.
Es kommen zum Ausgebot:
1 goldene Herrenzylinderuhr mit Kette, 1 gold. Damenuhr mit blauem
Emailledeckel und ächten Steinen, goldene Ringe, Broſchen, Ketten,
ſilberne Löffel und Gabeln ꝛc.
1 antike Kommode, 1 Pendule, 1 Säule mit Figur, Tiſche,
Schränke, Betten, Sofas, Waſch= und Nachttiſche mit Marmorplatten,
Teppiche, Bilder, Bücher, Lüſter u. Lampen, Kleider u. Weißzeug u. a. m.
Ferner: 1 große Partie Maskenanzüge aller Art, Masken=
und Kleiderſtoffe, Rohr= und Drahtpuppen ꝛc. ꝛc.
1ganz neue Anſchlagmaſchine für
Kon=
ditoreien ꝛc.
Darmſtadt, den 7. Oktober 1910.
(19545soi
Der Konkursverwalter:
Karl Dechert.
Verſteigerungs-Anzeige.
Dienstag, den 11. Oktober 1910, vormittags 11½ Uhr,
verſteigere ich an Ort und Stelle, Güterbahnhof (Heſſiſche Ludwigsbahn),
öffent=
lich auf Grund des § 373 des H. G. B. gegen Barzahlung:
(19612
Einen Waggon Heu.
Darmſtadt, den 8. Oktober 1910.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.
Lieferungs=Vergebung.
Die in der Zeit vom 1. November 1910 bis 31. Oktober 1911 in den Küchen des
Bataillons erforderlichen Kolonialwaren, Kartoffeln, Gemüſe, Milch und ſonſtigen
Beköſtigungsmitteln (ausſchließlich Fleiſch= und Wurſtwaren), ſowie die Abnahme der
Küchenabfälle (Spülicht, Knochen und Konſervenbüchſen) ſollen vergeben werden.
Die Lieferungsbedingungen können in der Küche des Bataillons (Alexanderſtr.)
eingeſehen werden.
Schriftliche Angebote mit der Aufſchrift: „Angebot auf Lieferung von
Küchen=
bedürfniſſen” und Proben ſind bis zum 17. ds. Mts., mittags 12 Uhr, an die
unterzeichnete Küchenverwaltung einzureichen.
Der Vergebungstermin findet am 22. ds. Mts., 10 Uhr vormittags, im
Unteroffizien Speiſeſaal des I. Bataillons ſtatt.
Darmſtadt, den 8. Oktober 1910.
(19641om
Die Küchenverwaltung
des I. Bataillons Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115.
von Eickſtedt, Hauptmann und Vorſtand.
Kartoffellieferung.
Die Lieferung der Kartoffeln ſoll vom 1. November 1910 ab auf 1 Jahr vergeben
werden. Produzenten erhalten den Vorzug. Lieferungsbedingungen liegen auf dem
Geſchäftszimmer — Ahaſtraße, Mittelbau — zur Einſicht offen.
Angebote ſind mit entſprechender Aufſchrift bis zum Eröffnungstermin — 19. Oktober
1910, vormittags 10 Uhr — verſchloſſen und portofrei ebendahin einzuſenden.
Proben ſind 48 Stunden vorher abzugeben. Zuſchlagsfriſt 5 Tage.
Angebote ohne Proben werden nicht berückſichtigt.
Darmſtadt, den 6. Oktober 1910.
(19590sos
Küchenverwaltung der I. Abteilung Feldart.=Regts. 25.
e
Die Mleferung
des Bedarfs an Kartoffeln, Kolonialwaren (ausſchließlich Kaffee und Konſerven), Eier,
Milch, Butter, Brot, ſowie Abnahme des Spülichts und der Knochen ſoll für die Zeit
vom 1. November 1910 bis 31. Oktober 1911 vergeben werden. Schriftliche Angebote
ſind bis zum 18. Oktober 1910, vormittags 9 Uhr, verſiegelt und mit
entſprechen=
der Aufſchrift verſehen auf dem Geſchäftszimmer (Zimmer 66) abzugeben, woſelbſt auch
die Lieferungsbedingungen eingeſehen werden können.
(19652om
Küchenverwaltung Garde=Dragoner=Regiments (1. Großherzoglich
Heſſiſches) Nr. 23.
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Anmeldungen für ſämtliche Oſterklaſſen und für die oberſte Herbſtklaſſe
(drittes Schuljahr), deren Schüler bei genügenden Leiſtungen im Herbſt 1911 in die
Sexta des Gymnaſiums aufrücken, nimmt der Unterzeichnete Mittwoch, den
12. Oktober von 9—12 Uhr im Direktorzimmer des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums
(Karlſtraße 2) entgegen; dabei ſind Geburtsſchein, Impfſchein und Abgangszeugnis
der bisher beſuchten Schule vorzulegen. — Wenn die Eltern ſchriftliche Anmeldung
vorziehen, erbittet er ſie bis zum 8. Oktober.
Darmſtadt, 19. September 1910.
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Dr. Mangold, Geh. Schulrat.
Darmstädter Pädagogium
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Ich ſage Ihnen meinen beſten Dank
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darf.
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Nummer 237.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Oktober 1910.
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Kaisersaal.
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Dienstag, den 11. Oktober, 8½ Uhr abends,
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Der ledige Hof
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von Ludwig Anzengruber.
Mittwoch, 12. Okt.: Die Kreuzelschreiber
Donnerstag, 13.Okt.: Der Feck auf d. Ehr
Freitag, 14. Okt.: Aus d. Art geschlagen
Samstag, 15. Okt.: Der Fleck auf d. Ehr.
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Großherzogliches Hoftheater.
Montag, den 10. Oktober 1910.
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Abonnement B 8.
Neu einſtudiert:
Die Kinder der Exzellenz.
Luſtſpiel in 4 Aufzügen von E. Wolzogen
und William Schumann.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Mathilde, Freifrau von
Lerſen, Exzellenz
. Fr. Scherbarth:
ihre
Aſta,
. Frl. Prevoſt
Trudi, Töchter .
. . Frl. Gothe
Bodo, Dragoner=Leutnant,
ihr Sohn . .
. Hr. Weſtermann
Major a. D. von Muzell . Hr. Jordan
. Hr. Jürgas
Ralph Normann
Diedrichſen, Muſikdir. a. D. Hr. Wagner
Dr. Hans Diedrichſen, ſein
. Hr. Schneider
Sohn. .
Eberſtein, Inhaber einer
literariſchen Agentur . Hr. Semler
Lautenſchläger, Diener des
. Hr. Schwarze
Majors .
Nach dem 2. Aufzuge findet eine längere
Pauſe ſtatt.
Preiſe der Plätze:
(Kleine Preiſe)
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremdenloge 5 Mk.,
Balkonloge 4.50 Mk., 1. Rang 4 Mk., 2. Rang:
(1. bis 6. Reihe) 2.— Mk., (7. und 8. Reihe)
1.60 Mk., Sperrſitz: (1. bis 13. Reihe) 3.50 Mk.,
(14. bis 20. Reihe) 3.— Mk., Parterre: (1. bis
5. Reihe) 2.20 Mk., (6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk.,
1. Galerie 1.— Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
6 Uhr an.
Anfang 7 Uhr. — Ende 9½ Uhr.
Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Dienstag, 11. Okt. 30. Ab.=Vorſt. C 8.
„Zar und Zimmermann.” Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 12. Okt. 31. Ab.=Vorſt. D 8.
Neu einſtudiert: „Jugend‟. Große
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Donnerstag, 13. Okt. 32. Ab.=Vörſtell.
A 8. PPrima-Ballerina.: Große
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Aus dem Spielplan.
Freitag, den 14. Oktober 1910.
Außer Abonnement.
Schüler= und Volks=Vorſtellung
bei ermäßigten Preiſen.
Anfang 7 Uhr.
Das Nachtlager in Granada.
Romantiſche Oper in 2 Abteilungen nach
Friedrich Kind von Freiherrn von Braun.
Muſik von Konradin Kreutzer.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 2.— Mk., Fremdenloge
2.— Mk., Balkonloge 2.— Mk., 1. Rang
2.— Mk., 2. Rang 1.— Mk., Sperrſitz
1.50 Mk., Parterre 1.— Mk., 1. Galerie
40 Pfg., 2. Galerie 30 Pfg.
Der Kartenverkauf zu dieſer Vorſtellung
findet Dienstag, den 11. Oktober
a) für die Galerien von 1 bis 1¼ Uhr,
b) für die anderen Plätze von 3½ bis 5 Uhr,
ſowie an den darauffolgenden Tagen,
vor=
mittags von 11 bis 1 Uhr, für die noch
vorhandenen Plätze an der Tageskaſſe ſtatt.
Am linken Schalter werden nur
Sperrſitz=
karten abgegeben, am rechten Schalter alle
übrigen Karten.
Anmeldungen auf Neu=Abonnements,
beginnend mit den Vorſtellungen A 12,
B 12, C 12 und D 12 werden ſchon jetzt
von der Hoftheater=Hauptkaſſe
entgegen=
genommen. Kaſſeſtunden an allen
Wochen=
tagen, vormittags von 10—12½ Uhr.
Nummer 237.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Oktober 1910.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 8. „Okt. (
Börſen=
wochenbericht.) Die abgelaufene Geſchäftswoche
brachte verſchiedene Ueberraſchungen, die indes
glück=
licherweiſe mit friedlichem Ausgange enden. Zunächſt
hat die Proklamierung der Republik Portugal keinen
weſentlichen Rückgang der vortugieſiſchen Werte
be=
wirkt, ſondern brachte ſchließlich wieder eine
Erhol=
ung. Sodann iſt die angedrohte Ausſperrung in der
Metallinduſtrie abgewendet, nachdem vermittelnde
Verhandlungen eine gütliche Einigung beſtimmt
er=
warten laſſen. Am Kupfermarkt entwickelte ſich
grö=
ßere Feſtigkeit und die Nachrichten von der New=
Yorker Börſe ſind ebenfalls zuverſichtlich bei höheren
Kurſen, beſonders für Bahnaktien und Kupfer Shares.
Dazu kommt die flüſſigere Geldlage infolge der in den
letzten Tagen ſtattgehabten Rückflüſſe zum Geldmarkt,
wodurch der Privatdiskont von 3¼/——3¾ Prozent.
zurückgehen konnte. Unter den genannten günſtigen
Umſtänden konnten die Börſen in ihrer feſten
Halt=
ung verharren. Wenn auch die Spekulation noch
zurückhaltend blieb und daher der Verkehr weniger
belebt war, ſo iſt dies jedoch darauf zurückzuführen,
daß durch die vorher eingegangenen großen
Engage=
ments eine gewiſſe Ermüdung obwaltet.
Zu den Einzelheiten des Geſchäfts übergehend,
waren deutſche Renten ziemlich feſt; einzelne, wie
Heſſen, um Bruchteile anziehend. Von den
ausländi=
ſchen Staatsfonds waren Portugieſen auf die
Um=
wälzung anfangs um etwa 3½ Prozent niedriger, aber
ſpäter wieder erholt; Paris trat dafür als Käufer auf.
Oeſterreichiſch=ungariſche Renten ebenfalls anziehend,
während die übrigen Gattungen faſt unverändert
ſchließen Transportaktien notieren faſt wie in der
Vorwoche, nur Prince Henri und Baltimore und Ohio
höher. Am Bankenmarkt war durchweg eine feſte
Stim=
mung vorherrſchend, beſonders konnten Nationalbank
für Deutſchland avancieren (128,50).
Das Montangebiet war während der erſten
Wochenhälfte weiter günſtig disponiert, dann erfolgten
größere Realiſationen, von welchen namentlich
Gelſen=
kirchener betroffen wurden, da die vorgeſtrige
Auf=
ſichtsratsſitzung dieſer Geſellſchaft keine beſonderen
Ueberraſchungen gebracht hat. Gegenüber den
vor=
handenen Mehrüberſchüſſen wird ſogar auf das 6
pro=
zentige Dividendebedürfnis für die neuen Aktien
verwieſen. Recht guter Beachtung erfreuten ſich nur
Phönig (248½).
Am Kaſſainduſtriemarkte zeigte ſich ſtärkere
Kauf=
luſt für diejenigen Aktien, deren Geſellſchaften durch
die nunmehr abgewendete Metallarbeiter=Ausſperrung
hätten Schaden leiden können. So ſtiegen Kleyer auf
452, Schuckert auf 164, Allgemeine Elektrizitäts=
Geſell=
ſchaft auf 284, Chemiſche Albert auf 492,50, Siemens
auf 254½. Selbſt Kunſtſeide konnten etwas
profitie=
ren (106½), während Neue Photographiſche
Geſell=
ſchaft (Steglitz) matt lagen (45 Prozent). Die
Sanier=
ung dieſer Geſellſchaft durch Zuzahlung von 30
Pro=
zent dürfte demnächſt erfolgen. Von Kolonialwerten
ſind Anteile der Kolonial=Geſellſchaft für
Südweſt=
afrika wieder höher (bis 1050 genannt), Otavi
notie=
ren 143 und South=Weſtafrika 180.
Von Loſen notieren: Augsburger 37,25,
Braun=
ſchweiger 211,25, Meininger 37,25, Finnländer 310,
Pappenheimer 74,75, Freiburger 57, Ungariſche 388,
Genuger 227, Türkiſche 179,20, Mailänder 45=Fr.=Loſe
134,25, Venediger 41,25, Mailänder 10=Fr.=Loſe 33 in
Reichsmark, Gothaer Prämie I 137, Gothaer
Prä=
mie II 116,50, Donau=Regulierung 150,50, Madrider
78 in Prozent; ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918
unkündbar) 102, 3½proz. Reichs 92,35, 3proz. Reichs
82,30, 4proz. Heſſen von 1899 101,206, 4proz. Heſſen
von 1906 101,20, 4proz. Heſſen von 1908/09 101,35,
3½proz. Heſſen 90,85, 3proz. Heſſen 80,25, 4proz.
Darm=
ſtädter 99,80, 3½proz. Darmſtädter 91,50, Darmſtädter
Bank 131,20, Südd. Eiſenb.=Geſ. 122, Baltimore und
Ohio 108¾, 4proz. Heſſ. Landes=Hyp.=Pfdbr. (S. 18 bis
20) 101,406, 3½proz. Heſſ. Landes=Hyp.=Pfdbr. (S. 9
bis 11) 91,706, 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 10
bis 12) 101,406, 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 1—3) 92,10, 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 4) 91,706, 4½proz. Ruſſen 100,20, 4proz. 1880er
Ruſſen 91,90, 4proz. 1902er Ruſſen 92,65, 3/proz.
Ruſſen 90,50, 3½proz. Ruſſen 84,806, 3proz. Ruſſen
80,25, 4proz. Japaner 97,50, 4½proz. Japaner 93,
4½proz. Portug. Tabaks=Anl. 100,30, 4½proz.
Portu=
gieſen von 1905 83,50, 3proz. I Portugieſen 63,70, 3proz.
III Portugieſen 65,40, 3proz. Spezial=Portugieſen
12,25, I. Rang Portug. Eiſenb.=Prior. 95, II. Rang
Portug. Eiſenb.=Prior. 76, 4proz. Stadt Liſſabon 77,50.
bis 78,50, 3proz. Portug. (Baira=Baixa) 78.
Vermiſchtes.
* Die Verwertung der Fiſchſchuppen. Es iſt wohl
wenig bekannt, daß es auch eine Induſtrie der
Fiſch=
ſchuppen gibt. Meiſt werden ſie ja weggeworfen und
als vollkommen wertlos betrachtet. Unter Umſtänden
können ſie jedoch auch einen mehr oder minder hohen
Wert beſitzen und ſogar der Gegenſtand von Patenten
werden. Das wichtigſte Verwendungsgebiet der
Fiſch=
ſchuppen iſt die Herſtellung künſtlicher Perlen.
Es werden jetzt ſehr gute Nachahmungen in den
Han=
del gebracht, die ohne genauere Unterſuchungen von
den echten Perlen überhaupt nicht zu unterſcheiden
ſind. Sie beſtehen aus kleinen Glaskugeln, die innen
mit Wachs und ſogenannter Perleneſſenz ausgefüllt
werden. Die Perleneſſenz wird aus den Schuppen von
Weißfiſchen, namentlich von den bekannten Lauben, die
zum Beiſpiel in den oberbayeriſchen Seen zu
Hundert=
tauſenden vorkommen, hergeſtellt. Zur Gewinnung
der Perleneſſenz werden die getöteten Fiſche
abge=
ſchuppt, die ſilberglänzenden Schuppen werden im
Waſ=
ſer abgeſchwemmt und das Waſſer bleibt ſo lange ſtehen,
bis ſich der Schiller am Boden abgeſetzt hat. Dieſer
Satz iſt es, der den Wachsperlen die natürliche Farbe
echter Perlen verleiht. Um ein Pfund derartigen
Per=
lenglanzes hervorzubringen, braucht man die
Schup=
pen von etwa 20000 Weißfiſchen. Das erklärt auch den
verhältnismäßig hohen Preis der guten künſtlichen
Perlen. Eine weitere Verwendung finden, wie die
Oeſterreichiſche Fiſchereizeitung mitteilt, die
Fiſch=
ſchuppen bei der Fabrikation der Silbertinktur, die
ebenſo wohl zur Herſtellung künſtlicher Perlen, wie als
Malerfarbe, Signierfarbe uſw. dient. Es laſſen
ſich=
die Schuppen der verſchiedenſten Fiſche zu
Silbertink=
tur verarbeiten.
Gewinnaustug
der
223. Königlich Prenßiſchen Klaſſenlotterir.
4. Klaſſe. 1. Ziehungstag. 7. Oktober 1910.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 192 Mk. gezogen:
1. Gewinn zu 75000 Mk. 200787
1 Gewinn zu 50000 Mk. 186263
1 Gewinn zu 15000 Mk. 78659
2 Gewinne zu 5000 Mk. 253691. 282692
8 Gewinne zu 3000 Mk. 71536 79599 103725 123683
141810 169831 274462 297517
11 Gewinne zu 1000 Mk. 6633 79307 91874 103602
119149 142355 211915 222781 256103 268691 297142
30 Gewinne zu k500 Mk. 1344 4857 36925 44297
60999 57459 57828 62449 64713 66575 111421 126264
131707 135776 3141170 147942 151201 180964 185524
190450 197885 206199 207281 218563 234934 235129
254534 274806 280924 280992
76 Gewinne zu 400 Mk. 6663 24697 31752 33626
35620 47941. 59299 60300 61920 72050 72238 77162
79458 80892 81468 82232 63393 84648 88062 89834
92382 93002 93497 101217 103853 105541 106333
107106 113830 114367 118128 119242 124273 125761
134421 135607 140477 141214 141783. 151336 153445
154910 158988 160492 161641 164871 177308 179969,
183364 185589 187043 188645 190568 191809 195784
200554 204878 213098 221419 237036 237305 246782
252634 255963 258257 268487 263628 281088 283692
286693 287003 288413 292781 293163 297771 301916
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne
über 192 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 10000 Mk. 177492
2 Gewinne zu 5000 Mk. 83275 152631
2 Gewinne zu 3000 Mk. 5017 89342
11 Gewinne zu 1000 Mk. 6068 20463 61235 69624
77245 149641. 153861. 186304 231421 275515 288352
200 Gewinne zu 700 Mk. 11451 58658 64993 69456
94629 130349 131512 134958 147049 151978 162175
165779 180440 183478 213310 219624 237171 252972
256657 294868
79 Gewinne zu 400 Mk. 452 1793 7533 19266
20229 27104 29428 38089 41667 49913 52265 52727
62734 69855 75321 82122 84899 90365 93539 95179
112840 117409 118922 125071 128213 128267 128351
131549 132602 134098 137726 150342. 150362 157422
160003 160565 163717 168387 169461 172047 185390
188106 193819 193999 196482 197981. 199156 206026
211184 213015 216519 216938 219911 224745 226674
228170 232716 233541 236346 237573 241242 243472
250258 253623 253666 261802 261900 266996 267969
271102 274403 275693 281141 281686 265101 268655
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