Darmstädter Tagblatt 1910


23. August 1910

[  ][ ]

Abonnementspreis
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
wärts
nehmen die Poſtämter u. die Agen=
turen
Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
ſchriebenen
Tagenwird nicht übernommen.

173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

Inſerafe
werden angenommen in Darmſtadt.
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Vei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.

Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 196.

Dienstag, den 23. Auguſt.

1910.

Die heutige Nummer hat 12 Seiten.

Das konfeſſionelle Problem in Dentſchland.
* Unter dieſer Ueberſchrift veröffentlicht Herr Dekan
Holdermann (Roetteln) in der Frankfurter Zeitung einen
längeren Aufſatz, dem wir das folgende entnehmen:
Wir tragen ſchwer an dem konfeſſionellen Problem,
und die Frage, wie und ob wir darüber hinaus kommen,
iſt eine für das ganze Schickſal und die Zukunft unſeres
Volkes außerordentlich wichtige; vielleicht die wichtigſte.
Die Kraft, die wir hier binden, könnten wir ſehr nötig an=
derweitig
brauchen.
Der einfachſte Weg wäre natürlich die Entwickelung
zur religiöſen Einheit. Aber dazu iſt der konfeſſionelle Ge=
genſatz
zu alt und zu feſt in der Seele des Volkes verwur=
zelt
. Zwar iſt eine gar nicht unerhebliche Uebertritts=
bewegung
aus der katholiſchen zur evangeliſchen zu ver=
zeichnen
, die für das Jahr 1880 mit rund 1600 Uebertritten
beginnend, im Jahre 1890 auf über 3000, für 1900 auf rund
6000 und in den letzten Jahren wohl auf annähernd
10000 Uebertritte geſtiegen iſt, weſentlich mehr, nebenbei
bemerkt, insgeſamt, als das Ergebnis der ganzen Los
von Rom=Bewegung in Oeſterreich. Das ſind Zahlen,
denen die katholiſche Kirche ihrerſeits kaum ebenſo viele
Hunderte von zu ihr aus dem Proteſtantismus erfolgten
Uebertritten gegenüberſtellen kann, wobei noch zu berück=
ſichtigen
iſt, daß auch das Ergebnis der Kindererziehung
aus den gemiſchten Ehen für den evangeliſchen Konfef=
ſionsteil
das günſtigere iſt. Und vielleicht wäre die wer=
bende
Kraft der evangeliſchen Kirche noch viel ſtärker, wenn
in ihr nicht mancherorts ſo viel unfreier, enger Geiſt
herrſchte. Aber dieſe Uebertrittsbewegung, wenn ſie auch
ſeit Jahrzehnten in ſtark wachſender Progreſſion zu beob=
achten
iſt, kann doch gegenüber den Maſſen, um die es ſich
hier handelt 37646852 Proteſtanten und 22109644 Ka=
tholiken
ergab die letzte Volkszählung in Deutſchland
nicht ins Gewicht fallen, zumal ihr die andere Erſcheinung
gegenüberſteht, daß der katholiſche Konfeſſionsteil eine
ſtärkere Zunahme zu verzeichnen hat als der evangeliſche.
Während die Proteſtanten im Reich von 1900 bis 1905 um
rund 2 400000 zunahmen, betrug die Zunahme der Katho=
liken
rund 1800000. D. h. die Vermehrung des katho=
liſchen
Konfeſſionsteiles betrug 8,18 Prozent, dagegen die=
jenige
des proteſtantiſchen nur 6,31 Prozent eine recht
bemerkenswerte Erſcheinung.
Bemerkenswert iſt die konfeſſionelle Verſchiebung
in Preußen. Die Statiſtik zeigt, daß, während vor 1900
der Prozentſatz der evangeliſchen Bevölkerung noch ſtetig
wuchs, von 1900 ab in der konfeſſionellen Verſchiebung bei
der letzteren faſt überall ein Rückgang verzeichnet werden
muß, dagegen der katholiſche Konfeſſionsteil mit Aus=
nahme
von Rheinland und Hohenzollern im ſelben Maß
im Vordringen begriffen iſt. So vor allem ausnahmslos
in allen altpreußiſchen Provinzen. Zu einem Teil iſt dieſe
Erſcheinung wohl auf die ſtarke polniſche Zuwanderung
mit ihrem großen Kinderreichtum zurückzuführen. Sehen
wir von dieſem letzteren Moment ab, ſo bleibt als Er=
gebnis
der neuwirtſchaftlichen Entwickelung die Erſchei=
nung
, daß die konfeſſionelle Miſchung und das gilt na=
türlich
auch für die gewerblichen Gebiete des Südens
immer mehr auch in die urſprünglich konfeſſionell einheit=
lichen
Komplexe einſtrömt.
Die Ausſicht, daß Deutſchland proteſtantiſch werden
würde, iſt alſo nach menſchlicher Vorausſicht nicht zu er=
warten
. Alſo gibt es, wenn wir nicht als Volk ewig unter
der Laſt des konfeſſionellen Problems einhergehen ſollen,
nur den Weg: Wir müſſen uns vertragen und be=
mühen
, miteinander im gleichen Haus wohnen zu können.
Der konfeſſionelle Gegenſatz muß durch ein Höheres über=
wunden
werden. Die Einſicht muß wachſen und immer
ſtärker werden, daß der konfeſſionelle Friede eines unſerer
wichtigſten nationalen Güter iſt.
Allerdings muß der Wunſch, den konfeſſionellen Frie=
den
zu erhalten und zu kräftigen, auf beiden Seiten in
gleicher Weiſe vorhanden ſein und zur Betätigung ge=
langen
.
Zur Frage der Fleiſchtenerung.
* Da die aus den Reihen des Fleiſchergewerbes an die
verſchiedenen Behörden, Miniſterien ſowie an den Reichs=
tag
und die Landtage gerichteten Geſuche um Maßnahmen
zur Verbilligung des Fleiſches ſich als vollſtändig nutzlos
erwieſen haben, ſo haben ſich jetzt, wie die Deutſche Flei=

ſcher=Zeitung meldet, die vereinigten Fleiſcher=
Innungen der Stadt Breslau mit einer aus=
führlichen
Reſolution direkt an den Kaiſer gewandt. In
dieſer Reſolution wird zur Verhinderung weiterer Er=
höhungen
der Viehpreiſe die zollfreie Einführung von
Nutz= und Zuchtvieh aus den Nachbarländern unter Wahr=
nehmung
der nötigen Vorſichtsmaßregeln, ferner der Fort=
fall
der Tuberkulin=Impfung für das aus dem Ausland
ſtammende Schlachtvieh, ſowie die zollfreie Einfuhr von
Futtergetreide und ſchließlich die Abſchaffung der Ausfuhr=
prämien
für Getreide gefordert.
Dieſe Reſolution wird ſämtlichen deutſchen Fleiſcher=
Innungen zugehen mit dem Erſuchen, auch ihrerſeits eine
ſolche Reſolution an den Kaiſer zu richten.
Die Kölniſche Zeitung ſchreibt unter der Ueberſchrift
Fleiſchnotrummel.
Es handelt ſich hier um ſehr ſcharfe, ſchwer zu über=
brückende
Gegenſätze, und es wird unmöglich ſein, ſie zur
Genugtuung beider ſtreitenden Teile auszugleichen. In
dieſem Kampfe der Intereſſen haben bisher Geſetzgebung
und Verwaltung den Agrariern Recht gegeben und ihren
Forderungen weitergehende Rechnung getragen, als denen
der Konſumenten. Die damit unvermeidlichen Nachteile
wurden bisher in den Kauf genommen, aber es fragt ſich,
ob das auch weiter in derſelben Weiſe geſchehen ſoll oder
ob nicht doch gegen das Steigen der Fleiſchpreiſe Maß=
regeln
ergriffen werden müſſen. Die Klagen hierüber be=
zeichnen
die Agrarier ſpöttiſch als Fleiſchnotrummel,
aber ihre Wirkung iſt doch zu tiefgehend, als daß man über
ſie mit verächtlichen Worten hinwegkommen könnte.
Die brutale Tatſache daß die Preiſe geſtiegen ſind, iſt
vorhanden. Sie macht ſich nicht erſt ſeit heute bemerkbar,
ſondern ſeit Jahren, und ſie hat durchaus den Charakter
einer Schraube ohne Ende. Nichts bürgt dafür, daß wenn
heute die Steigerungen eintreten, ſie nicht durch neubevor=
ſtehende
abermals erhöht werden, und daß dadurch Zu=
ſtände
geſchaffen werden, die geradezu unleidlich ſind und
die ernſte Beachtung der Volkswirte verdienen. Dieſe Preiſe
belaſten das Volk, die ungeheuere Menge der Konſumen=
ten
, und zwar um ſo ſtärker je ſchwächer ihre Leiſtungs=
fähigkeit
iſt. Für die Reicheren bedeuten ſie eine große
Unbequemlichkeit, für die Aermeren aber eine Einſchrän=
kung
der Lebenshaltung, die mit der verechtigten For=
derung
, die Lebenshaltung aller Kreiſe allmählich zu er=
höhen
, in ſchroffem Widerſpruch ſteht. Die Folgen ſind
aber nicht nur wirtſchaftlicher Natur, ſondern ſie machen
ſich und auf dieſe Erwägung möchten wir ganz beſonders
hinweiſen auch auf politiſchem Felde bemerkbar.
Als die Finanzreform unſeligen Angedenkens ange=
nommen
wurde, war die Verurteilung in weiteſten Kreiſen
allgemein und ſcharf. Sie ſchuf in ihrer Geſamtheit die
größte Unzufriedenheit, aber man darf die Frage auſwer=
ſen
, ob nicht dieſer mit einem Male vorgenommene
Schnitt in die Intereſſen weiteſter Kreiſe weniger nach=
haltig
wirkt als die ununterbrochenen, ſich täglich wieder=
holenden
Verärgerungen, die aus dem Steigen der Nah=
rungsmittelpreiſe
entſtehen. Wir haben es dabei mit einer
Menge von Einzelwirkungen zu tun, die in ihrer ſteten
Wiederholung den feſteſten Stein aushöhlen.
Was iſt nun zu tun? Es fragt ſich, ob nicht auch Wege
gefunden werden können, die bei vollem Schutze gegen
Seuchengefahr doch die teilweiſe Verſorgung des heimiſchen
Marktes mit ausländiſchem Fleiſch möglich machen. In
anderen Ländern iſt man der Löſung dieſer Aufgabe näher
gekommen als bei uns, und der Grund dafür wird nur
darin zu ſuchen ſein, daß man im Auslande die Intereſſen
der Produzenten und Konſumenten unparteiiſcher als bei
uns abwog und dadurch zu einem gewiſſen Ausgleich ge=
langte
. Die Fortſchritte der Wiſſenſchaft, die zahllos ver=
beſſerten
Verkehrsmittel ſollten zu ernſthaften Prüfungen
der Frage anregen, ob denn nicht doch, ohne unſere Land=
wirtſchaft
in Seuchengefahr zu verſetzen, etwas zur Regu=
lierung
der Fleiſchpreiſe zu machen ſei. Wir erinnern nur
daran, daß eine Vieheinfuhr in Grenzſchlachthäuſer, in
denen das Vieh ſofort geſchlachtet werden kann, doch wohl
mit ſolchen Vorſichtsmaßregeln umgeben werden könnte,
daß eine Anſteckungsgefahr ausgeſchloſſen wird. Aller=
dings
müßte dann auch bei der Verwaltungsbehörde der
gute Wille vorhanden ſein, wirklich größere Fleiſchmengen
nach Deutſchland hineinzulaſſen, denn ſonſt kann das durch
Chikane aller Art doch hintertrieben werden. Wenn die
Regierung zur Ueberzeugung kommen ſollte, daß dem
nun einmal tatſächlich beſtehenden Notſtande abgeholfen
werden muß, ſo iſt es an ihr, mit Vorſchlägen und Maß=
nahmen
hervorzutreten.
Allerdings müßte eine gewiſſe Gewähr dafür geboten
werden, daß die Oeffnung der Grenzen auch den Kon=
ſumenten
wirklich zugute kommen und die Fleiſchpreiſe
auch wirklich herabgeſetzt werden würden.

Die vergeſſenen Gänſeſüßchen.
Eine politiſche Sommerkomödie.
* Eine komiſche Sommerfehde wurde in den letzten
Tagen in der Preſſe wegen des Gratulationsartikelchens,
das Fürſt Bülow zum 80. Geburtstag des Kaiſers Franz
Joſef dem Neuen Wiener Tagblatt geſchrieben hat, aus=
gefochten
. Fürſt Bülow ſoll, ſo hieß es, in einem Glück=

wunſch für Kaiſer Franz Joſef ſeinem Aerger Luft gemacht
und ſich an Kaiſer Wilhelm zu reiben verſucht haben.
So ſchrieb das Berliner Zentrumsblatt Germania, und
auch die freikonſervative Poſt und die Deutſche
Tageszeitung fanden das Schreiben des Fürſten
Bülow, das im Neuen Wiener Tagblatt veröffentlicht
wurde, befremdend und eröffneten eine heftige Fehde ge=
gen
den Fürſten Bülow. Das Neue Wiener Tagblatt
ſchrieb nämlich folgendes:
Gruß aus Deutſchland
Vom deutſchen Reichskanzler a. D. Fürſt
Bernhard v. Bülow
In einer der erſten Reden, die ich im Reichstag gehal=
ten
habe, am 10. Dezember 1897, ſchloß ich meine Aus=
führungen
mit den Worten: An der Spitze des verbün=
deten
und engbefreundeten öſterreichiſch=ungariſchen Rei=
ches
ſteht ein Herrſcher, zu deſſen Weisheit alle ſeine Völ=
ker
mit gleichem Vertrauen emporblicken können. In
den ſeitdem verfloſſenen Jahren haben die unter dem
Szepter des Kaiſers Franz Joſef lebenden Völker oft die
Richtigkeit dieſer Worte erprobt. Mit herzlicher Verehrung
blickt die ganze ziviliſierte Welt auf den greiſen Monarchen,
dem kein menſchliches Leid fernblieb, der aus jeder Prü=
ſung
mit immer gleicher Würde hervorging, Großen und
Kleinen ein Vorbild ſtrenger Pflichterfüllung und ſchlich=
ter
Menſchlichkeit. An ſeinem 80. Geburtstag wird außer=
halb
der Grenzen der habsburgiſchen Monarchie des Kai=
ſers
Franz Joſef nirgend mit wärmeren Wünſchen gedacht
werden als im deutſchen Volke, in allen ſeinen Teilen, bei
allen Parteien, in allen Schichten.,
Norderney, 8. Auguſt.
Wo ſucht ſich Fürſt Bülow an Kaiſer Wilhelm zu
reiben? Man wird danach vergeblich ſuchen. Wie kom=
men
die genannten Berliner Blätter zu ihrem Angriff auf
den Fürſten Bülow?
Die Erklärung liegt in einem vergeſſenen
Gänſefüßchen. Ein Berliner Mittagsblatt hatte ſich
nämlich das Glückwunſchſchreiben des Fürſten Bülow aus
Wien telegraphieren laſſen und daran folgende Bemerkun=
gen
geknüpft:
Kaiſer Franz Joſef hat es wie wenige Fürſten ver=
ſtanden
, wiederholt und gerade in den entſcheidenſten
Augenblicken der inneren und der äußeren Politik
Oeſterreich=Ungarns das Gepräge ſeines Charakters zu ge=
ben
: das Gepräge eines den Forderungen des Fortſchritts
rechtzeitig ſich anpaſſenden verſtändnisvollen Konſervatis=
mus
und der Treue am gegebenen Wort. Ohne nachtra=
genden
Groll hat er nach geſchichtlichen Ereigniſſen von
ewiger Bedeutung mit der Gründung des ſelbſtändigen
Deutſchen Reiches ſich abgefunden, allen Verſuchungen ge=
genüber
an dem politiſchen Bündniſſe mit uns unentwegt
feſtgehalten und ſogar freundſchaftliche Beziehungen zwi=
ſchen
den beiden Reichen und mit dem deutſchen Kaiſer=
hauſe
angeknüpft und bewahrt.
Unglücklicherweiſe war am Schluſſe des Schreibens
Bülows das Gänſefüßchen weggefallen. Nun glaubten
die genannten Blätter, denen weder die Nummer des
Neuen Wiener Tagblattes noch auch ein eigenes Wiener
Telegramm vorlag, die Zuſatzbemekrungen des Mittags=
blattes
ſeien auch vom Fürſten Bülow geſchrieben, und
an dieſen, von ihnen fälſchlich dem Fürſten Bülow zuge=
ſchriebenen
Sätzen nahmen ſie dann Anſtoß.
Die luſtige Geſchichte geht aber noch weiter. Kaum
hatte die Poſt ihre abfällige Kritik an dem Pſeudo=Bülow
geübt, da ergriff auch ſchon der Berliner Mitarbeiter eines
großen auswärtigen Blattes mit lobenswerter journaliſti=
ſcher
Schnelligkeit und Ueberlegenheit die Feder und tele=
graphierte
ſeinem Blatte einen Leitartikel, in dem er unter
allerlei hiſtoriſchen Reminiszenzen den Fürſten Bülow
gerade wegen der nicht von ihm geſchriebenen Sätze mit
Eifer und Geſchick gegen die Poſt verteidigt. Auch andere
Blätter haben den von Poſt und Germania begonnenen
Faden fleißig weiter geſponnen, und wieder andere ha=
ben
ſich bemüht, den Irrtum aufzudecken.
So iſt das verehrliche deutſche Publikum in Nord und
Süd mit einer langen Diskuſſion für und gegen Bülow‟
beglückt worden, an der niemand unſchuldiger iſt als Fürſt
Bülow, der ſich ins Fäuſtchen gelacht haben wird.
Deutſches Reich.
Der Reichskanzler iſt nach Hohenfinow zu=
rückgekehrt
.
Gegen die Reichswertzuwachsſteuer
machen die Landwirtſchaftskammern mobil. Nach der
Schleſ. Ztg. werden die Vorſtände der preußiſchen Land=
wirtſchaftskammern
der Reichstagskommiſſion zur Bera=
tung
der Reichswertzuwachsſteuer bis zum Herbſt eine
Fülle von Material zugehen laſſen, in dem gegen die Faſ=
ſung
des Geſetzentwurfes und zum Teil auch gegen die
Kommiſſionsbeſchlüſſe Stellung genommen wird. Prin=
zipiell
wird gefordert, daß die Aenderungsbeſchlüſſe der

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Auguſt 1910.

Nummer 196.

Kommiſſion, die ſich auf die Beſteuerung des Wertzuwach=
ſes
, der ohne Zutun des Eigentümers entſtanden iſt, beziehen,
in dem Geſetzentwurf Aufnahme finden. Bekanntlich hat die
Kommiſſion die Beſteuerung des Wertzuwachſes dieſer
Art beſchränkt und in den Einzelheiten Verbeſſerungen
vorgeſchlagen. Ueber die Kommiſſionsbeſchlüſſe hinaus
wird aber der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß
die Wertzuwachsſteuer ohne Zutun des Eigentümers noch
weiter beſchränkt und Abänderungen unterworfen wird, die
genügen, um die landwirtſchaftliche Kulturarbeit zu
ſchützen und eine gerade bei landwirtſchaftlichem Beſitz
häufig kulturſchädliche Verzögerung eines Gutverkaufs zu
verhindern. Im allgemeinen wird der Meinung Ausdruck
gegeben, daß der Geſetzentwurf, wie er dem Reichstage
zugegangen iſt, in keiner Weiſe die beſonderen Verhältniſſe
des wirklich land= und forſtwirtſchaftlich benutzten Grund=
beſitzes
berückſichtigt.
Wahlbündniſſe. In den letzten Wochen
haben ſich die Fälle gemehrt, in denen die Aufſtellung von
nationalliberalen Reichstagskandidaten gegen die bisheri=
gen
freiſinnigen Mandatsinhaber beſchloſſen worden iſt;
ſo zuletzt in Zittau. Dieſe Kandidatenaufſtellungen kön=
nen
indes noch nicht als endgültig betrachtet werden, da
zwiſchen den Zentralleitungen der beiden Parteien Ver=
handlungen
über allgemeine Bündniſſe im Gange ſind.
Die Hoffnung iſt daher noch keineswegs aufzugeben, daß
es auch in den gedachten Wahlkreiſen noch zu einer Ver=
ſtändigung
und zu einem gemeinſamen Wahlvorgehen
kommt.
Die badiſchen Sozialdemokraten haben
auf ihrem Offenburger Parteitag mit 136 gegen 36 Stim=
men
die Zuſtimmung ihrer Landtagsfraktion zum Budget
gutgeheißen. Die heſſiſchen Sozialdemokra=
ten
nahmen auf ihrem Parteitag in Gießen mit 48 gegen
30 Stimmen eine Reſolution an, die beſagt, daß die Frage
der Budgetbewilligung nur eine Frage der Taktik ſein
könne und deshalb der Entſcheidung der Landesorgani=
ſation
überlaſſen bleiben müſſe.
Ausland.
Frankreich
Miniſter Pichon über die franzöſiſche
Marokkopolitik. Bei der Einweihung des Denkmals
zu Ehren des 1907 von fanatiſchen Muſelmanen in Mar=
rakeſch
ermordeten Dr. Mauchamp hielt der Miniſter des
Aeußern Pichon eine Rede, in der er darauf hinwies, daß
das Opfer des Lebens Mauchamps eine neue Aera in
der Bekundung der franzöſiſchen Macht in
Afrika eröffnete und Frankreich erlaubte, ſeinen Willen
darzutun, in Marokko keine Antaſtung ſeiner Rechte zuzu=
laſſen
und alle Verpflichtungen zu erfüllen, welche die
bevorzugte Lage Frankreichs mit ſich brächte.
Der Miniſter erinnerte an die Siege der franzöſiſchen
Truppen bei der Durchführung der Abmachungen mit dem
Sultan und ſagte ſodann, daß die internationalen Spal=
tungen
nicht nur der Politik Frankreichs Verlegenheit und
Unruhe bereitet, ſondern auch in einem Augenblick den
Frieden Europas bedroht hätten. Jetzt ſeien die Spal=
tungen
Ententen gewichen, welche die beſonderen Rechte
Frankreichs beſtätigten und auf wirtſchaftlichem Gebiete
allen fremden Regierungen die Garantien geben, die ſie
beanſpruchen können. Wir brauchen alſo, fuhr Pichon
fort, nur im Frieden fortzufahren, denn wir ſind Feinde
aller kriegeriſchen Abenteuer. Unſer Programm hat die=
jenigen
gegen ſich, die aus dem ſchon gefaßten Entſchluſſe
der traditionellen Entwicklung unſerer afrikaniſchen Politik
feindlich ſind, zweitens diejenigen, die ihr eine zu große
Beſcheidenheit vorwerfen, und drittens diejenigen, die da
fürchten, daß ſich ihr Aktionsfeld gegen unſeren Willen
ausbreitet. Aber dieſes Programm entſpricht dem, was
möglich, notwendig, klug und würdig iſt und ſich mit un=
ſern
Mitteln, Erforderniſſen unſeres nationalen Willens
und Sorge um unſere Lage in Europa verträgt. Wenn
der Maghzen die uns gegenüber eingegangenen Verpflich=
tungen
loyal erfüllt und wenn die Stämme, über die ſich
ſein Einfluß erſtreckt, die Sicherheit unſerer Poſten nicht
mehr bedrohen, werden wir uns unſererſeits von jeder

Offenſive fernhalten und uns damit begnügen, etwaigen
Provokationen gebührend Einhalt zu tun. Wenn wir einer
anderen Richtſchnur folgen wollten, ſo hieße das die Er=
gebniſſe
unſerer Weisheit aufs Spiel ſetzen. Ich kann von
der Linie, die ich mir geſteckt und die ich immer befolgt
habe, nicht abweichen, gerade weil ich die Gewißheit habe,
der heiligen Sache des Landes nicht nützlicher dienen zu
können.
Griechenland.
Die Wahlen zur Nationalverſammlung
ſind, ſoweit bisher bekannt geworden iſt, ohne Zwiſchen=
fall
verlaufen. Die endgültigen Ergebniſſe werden nicht
vor Dienstag veröffentlicht.
Amerika.
Die Kämpfe in Nicaragua. Nach aus
Bluefields eingelaufenen Meldungen iſt der Bürger=
krieg
in Nicaragua als beendet anzuſehen. General
Eſtrada iſt es gelungen, Granada zu erobern. Die
feindlichen Parteien verſtanden ſich darauf zu Verhand=
lungen
, die dazu geführt haben, daß Präſident Madriz
zugunſten Eſtradas abgedankt hat. Das Staatsdeparte=
ment
in Waſhington beſtätigte den Sieg der Truppen
Eſtradas. In Managua herrſcht Panik. Madriz iſt
im Begriff, das Land zu verlaſſen.
China
Das neue Reformedikt erregt bei den urteils=
fähigen
Chineſen Enthuſiasmus. Sein Erlaß wird auf die
Europareiſe des Prinzen Tſai Tao und auf die Anſchau=
ungen
zurückgeführt, die er im Weſten geſammelt hat. Der
Prinz hat auch verſtanden, die Kaiſerin=Mutter und den
Regenten, die bisher Neuerungen abgeneigt geweſen ſind,
umzuſtimmen. Der Vizepräſident des Verkehrsamts,
Sheng Kung Pao, der dem Finanzminiſterium zu ſeiner
Unterſtützung bei der Währungsreform beigegeben worden
iſt, glaubt feſt, daß er imſtande ſein wird, dieſe große Auf=
gabe
durchzuführen. Er iſt davon durchdrungen, daß der
Uebergang zur Goldwährung notwendig iſt. Die Regie=
rung
iſt ſogar allem Anſchein nach bereit, ein für chine=
ſiſche
Verhältniſſe unerhörtes Opfer zu bringen, indem ſie
für die erſten Ausgaben zur Währungsreform und zum
Ausbau der Flotte die Gelder bereit ſtellt, welche die ver=
ſtorbene
Kaiſerin=Mutter im geheimen angeſammelt hatte.
Im Auswärtigen Amt ſind auch die Tibetfrage und der
Opiumſtreit Gegenſtand eifriger Verhandlungen. Aber
neue Entſchließungen ſind bisher noch nicht bekannt.

Buenos Aires, 21. Aug. Der panamerika=
niſche
Kongreß nahm einen Antrag des Bureaus der
panamerikaniſchen Union, eine Abteilung für Handel,
Zölle und Statiſtik zu ſchaffen und Grundlagen zu einem
Entwurf vorzubereiten, der die Vereinheitlichung der in=
ternationalen
Handelspapiere, ſowie eine ſtrenge Befol=
gung
des dezimalen Maßſyſtems vorſchlagen ſoll, an. Der
Entwurf wird dem nächſten Kongreß zur Beratung vorge=
legt
werden. Ferner nahm der Kongreß die Fabrikations=
zeichenkonvention
an. Die Arbeiten des Kongreſſes ſchlie=
ßen
am nächſten Samstag ab.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. Auguſt.
Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Oberſt v. Etzel,
Kommandeur des Leibgarde=Inf.=Regts. (1. Großh.
Heſſ.) Nr. 115, den Oberlehrer Dr. Beck von Mainz, den
Kaufmann J. Latſcha von Frankfurt a. M., den Kreis=
amtmann
Reinhart von Alzey, den Profeſſor Sutter
von Lichtenberg i. O., den Oberlehrer Mangold, den
Maler Vollbehr von München, den Privatdozent Dr.
Dammann von Eberſtadt, den Regierungsrat Scriba,
den Finanzrat Bangel; zum Vortrag den Staatsminiſter
Ewald, den Miniſter des Innern von Hombergk zu
Vach, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
traf am Samstag vormittag 11½ Uhr im
Reſidenzſchloß ein, empfing daſelbſt Frau v. Grolman
nebſt Tochter und kehrte hierauf mit S. K. H. dem
Großherzog nach Jagdſchloß Wolfsgarten zurück.
Prinz Max von Baden nahm am Samstag an

der Frühſtückstafel zu Jagdſchloß Wolfsgarten teil.
Prinzeſſin Reuß XV. nebſt Prinzeſſin=Tochter, ſowie
Gräfin Marie zu Stolberg=Wernigerode und
Regierungspräſident v. Meiſter aus Wiesbaden nahmen
am Sonntag an der Frühſtückstafel zu Jagdſchloß Wolfs=
garten
teil. (Darmſt. Ztg.)
C Zur Verleihung des Ordens vom Goldenen Vließ
an den Großherzog. Geſtern nachmittag 2¾ Uhr traf Se.
Kgl. Hoheit Prinz Ferdinand Maria von
Bayern, Infant von Spanien, in Darmſtadt ein,
um Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog den ihm von
Sr. Maj. dem König von Spanien verliehenen Or=
den
vom Goldenen Vließ in feierlicher Audienz zu über=
reichen
. Zum Empfange des Infanten waren auf dem
Bahnhofe anweſend der Großherzog, der mit dem
Auto von Wolfsgarten gekommen war, Staatsminiſter
Ewald Exz., Diviſions=Kommandeur Frhr. v. Strantz
Exz., Oberſtallmeiſter Frhr. Riedeſel zu Eiſenbach
Exz., Generaladjutant Generalmajor Hahn, Komman=
dant
der Stadt Darmſtadt Oberſt v. Randow, Oberſt=
leutnant
v. d. Schulenburg, Kommandeur des Garde=
Dragoner=Regiments, Kammerherr Fr. v. Heſſert, Bei=
geordneter
Mueller, die Flügeladjutanten Frhr. von
Maſſenbach und v. Schröder, ſowie der ſpaniſche
außerordentliche Geſandte und bevollmächtigte Miniſter
Luis Polo de Bernabé mit dem Sekretär der Ge=
ſandtſchaft
Joſé de Landecho und mehreren ſpaniſchen
Offizieren. Nach der Begrüßung und Vorſtellung der bei=
derſeitigen
Gefolge fuhren der Großherzog mit dem In=
fanten
in offenem Zweiſpänner zum Reſidenzſchloß, wo=
ſelbſt
der Infant Wohnung nahm. Großer militäriſcher
Empfang fand am Bahnhofe nicht ſtatt. Heute mittag
um ½1 Uhr findet eine Sonderaudienz ſtatt, in der der
Infant dem Großherzog den Orden vom Goldenen Vließ
übereichen wird. Nach der Audienz, um 1 Uhr, findet im
Reſidenzſchloſſe Galatafel ſtatt.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Karl Freihöffer aus Alsfeld eine Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Rainrod, Kreis Alsfeld, dem Schul=
amtsaſpiranten
Wilhelm Görg aus Nieder=Florſtadt,
Kreis Friedberg, die Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule
zu Stangenrod, Kreis Gießen, dem Lehrer Wilhelm
Rupp zu Utphe, Kreis Gießen, die II. Lehrerſtelle an
der Gemeindeſchule zu Obbornhofen, in demſelben Kreiſe.
* Ernennungen und Verſetzungen. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den ſtändigen Hilfs=
arbeiter
bei dem Miniſterium der Finanzen, Abteilung
für Steuerweſen, Oberfinanzrat Dr. Georg Hellwig,
zum vortragenden Rat bei dieſer Miniſterialabteilung
und den mit den Dienſtgeſchäften eines Hilfsarbeiters
bei dem Miniſterium der Finanzen, Abteilung für Steuer=
weſen
, beauftragten Vorſtand des Finanzamts Mainz I,
Finanzrat Otto Müller, mit Wirkung vom 1. Sep=
tember
1910 ab zum ſtändigen Hilfsarbeiter bei der Ab=
teilung
für Steuerweſen des Miniſteriums der Finanzen
ernannt, ferner den Vorſtand des Finanzamts Bingen,
Finanzrat Karl Damm, vom 1. September 1910 ab in
gleicher Dienſteigenſchaft an das Finanzamt Mainz I,
den Vorſtand des Finanzamts Zwingenberg, Finanzrat
Hermann Schreiner, vom 1. September 1910 ab in
gleicher Dienſteigenſchaft an das Finanzamt Bingen, den
Vorſtand des Finanzamts Homberg, Finanzamtmann
Georg Knab vom 1. September 1910 ab in gleicher
Dienſteigenſchaft an das Finanzamt Zwingenberg ver=
ſetzt
und den Finanzamtmann bei dem Finanzamt Mainz I,
Friedrich Kratz, vom 1. September 1910 ab zum Vor=
ſtand
des Finanzamts Homberg ernannt.
* Militärdienſtnachrichten. Keim, Hauptmann im
Großen Generalſtabe, unter Enthebung von dem Kom=
mando
zur Dienſtleiſtung beim Generalſtabe der 29. Divi=
ſion
, als Kompagniechef in das 3. Oberelſäſſ. Inf.=Regt.
Nr. 172 verſetzt. Milchling von Schönſtadt,
Hauptmann und Kompagniechef im Kaiſer Alexander=
Garde=Grenadier=Regiment Nr. 1, zum Adjutanten des
Kriegsminiſters ernannt. Lauteſchläger, Haupt=
mann
und Kompagniechef im Inf.=Regt. Graf Werder
(4. Rhein.) Nr. 30, als Kompagnieführer zur Unteroffizier=
ſchule
in Weißenfels verſetzt. Der Abſchied mit der geſetz=
lichen
Penſion und der Erlaubnis zum Tragen der Regi=
mentsuniform
bewilligt: dem Major beim Stabe des 2.
Pommerſchen Ulanen=Regiments Nr. 9 v. Schaumann.
Frhr. von Breidbach=Bürresheim, Ober=

Aus dem Herzensroman eines Königs.
** Man nimmt allgemein an, daß die ſchöne Schau=
ſpielerin
Karoline Bauer mit dem damaligen
Prinzen Leopold von Koburg, dem ſpäteren belgiſchen
König Leopold I., in morganatiſcher Ehe verheiratet
war. Sie ſelbſt hat das in ihren Memoiren behauptet
und ihre ſpäteren Biographen haben dieſe Behauptung
als Tatſache hingenommen. In Wirklichkeit feſſelte
aber kein geſetzliches Band den Prinzen an die rei=
zende
Künſtlerin, ſondern ſie lebten in freier Verbind=
ung
, bis Leopold ſich mit der Tochter des franzöſiſchen
Königs Louis Philipp vermählte und den belgiſchen
Thron beſtieg. Das geht aus der ausführlichen Schil=
derung
des Liebesromans hervor, die Marguerite Po=
radowska
auf Grund unbekannter und ungedruckter
Dokumente in der Revue veröffentlicht.
Der Vetter Karolinens von mütterlicher Seite her
war der bekannte Baron Chriſtian von Stockmar, der
intimſte Freund des Prinzen Leopold, ſein Sekretär,
Schatzmeiſter und Hofmarſchall. Er ſpielt bei der An=
knüpfung
dieſes Liebesverhältniſſes den Vermittler;
er iſt die einzige offizielle‟ Perſönlichkeit, die beim
Eingehen dieſes Liebesbundes die Hand im Spiele
hatte. Die Beziehungen Stockmars zu dem Prinzen
ſtammten aus der Jugendzeit her, da ſein Vater, der
Herzog Franz von Sachſen=Koburg, in ziemlich ärm=
lichen
Verhältniſſen in Glochenberg lebte und der Groß=
vater
Chriſtians und Karolinens ſeine recht zerrütteten
Finanzen leitete. Der junge Arzt Chriſtian, der eine
ſolche Vertrauensſtellung bei dem ſchönen Prinzen
Leopold genoß, war für die heranwachſende Karoline
mit einem verführeriſchen Schimmer des Glanzes um=
geben
und galt ihr, der der Vater früh geſtorben war,
als der große Mann der Familie. Der ſehnlichſte
Wunſch des begabten Mädchens war daher, den be=
rühmten
Vetter und ſeinen fürſtlichen Herrn einmal
zu ſehen. So wurde ihre Aufmerkſamkeit früh auf den
Prinzen gelenkt, und als ſie dann ſelbſt eine rühmliche
Karriere als Schauſpielerin machte und durch ihre lie=
benswürdige
Anmut den Berliner Hof und das Ber=

liner Publikum entzückte, rückte der große Moment
ihres Lebens heran: der Prinz Leopold kam als Gaſt
des Königs nach Potsdam.
Der ernſte, bleiche Mann mit den melancholiſchen
Augen, der früh Witwer geworden war, entflammte ihr
erwartungsvolles Herz und ſie entfaltete in ihrem
Spiel all ihre ſchalkhafte Anmut, um den ſchweigenden
Gaſt ein wenig zum Lachen zu bringen wie ihr der
König befohlen. Leopold erinnerte ſich wohl noch ihrer
Mutter, mit der er in Glochenberg zuſammen geſpielt
hatte und er ließ ſich von Stockmar die alte Jugend=
bekannte
und ihre ſchönere Tochter vorſtellen. Der
gute Stocki wie Leopold ſeinen Intimus nannte,
wußte die ſchöne Couſine ins rechte Licht zu ſetzen und
auch die Mutter ließ ſich angelegen ſein, dem hohen
Herrn ihr Kind von der verführeriſchſten Seite zu zei=
gen
. Bald trat Vetter Chriſtian, nachdem er den tiefen
Eindruck geſehen, den Karoline auf den Prinzen ge=
macht
hatte, mit einem offiziellen Vorſchlag hervor.
Er verſprach Karoline den Titel einer Gräfin und eine
morganatiſche Heirat, aber alles ſollte ganz im Ge=
heimen
ſtattſinden, da damals bereits für Leopold die
Ausſichten auf den Thron von Griechenland beſtan=
den
. Der Prinz werde ſich wahrſcheinlich eine Gattin
unter den Prinzeſſinnen Europas wählen müſſen, Ka=
roline
dürfe daher ſich nur vor Gott und ihren Aller=
nächſten
als Gattin des Prinzen anſehen‟ Die ſchöne
Schauſpielerin willigte ein; ſie traf mit dem Prinzen
zunächſt öffentlich auf einem Feſte zuſammen und wurde
dann zu einem geheimen Rendezvous nach der Beſitz=
ung
Fullbach gebracht, die dem Prinzen gehörte. Hier
erklärte ihr Leopold in Anweſenheit Stockmars ſeine
Liebe; eine zärtliche Umarmung folgte; ein Abſchied
von der Mutter, die ihre Tochter als glückliche Braut
mit Segenswünſchen entließ dann warteten ſchon die
Pferde, die das junge Paar forttrugen. Die Flitter=
wochen
wurden in Neapel verlebt.
Aus dieſer Darſtellung geht alſo hervor, daß keine
Trauung ſtattfand und ſich Leopold auch nicht von Ka=
roline
ſcheiden zu laſſen brauchte, als er ſich nach zwei=
jährigem
glücklichen Zuſammenleben von ihr trennte,
um der franzöſiſchen Königstochter die Hand zu reichen.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
C. Meteorologiſches aus Heſſen. (Vgl. Nr.
175 ds. Bl. vom 29. Juli.) Der diesjährige Juli trug
ähnlich wie der vorjährige einen herbſtlichen Charakter.
Infolge faſt ſtändig vorbeiziehender barometriſcher Mi=
nima
herrſchten Trübung des Himmels, Kühle und Näſſe
vor, was beſonders vom erſten Monatsdrittel galt. Die
Temperaturmittel blieben überall erheblich hinter dem
langjährigen Durchſchnitt zurück. Die Gegenſätze ſtellen
wieder die Stationen Mainz und Ulrichſtein dar mit
Mitteln von 17,7 bezw. 13,5 Grad Celſius (Darmſtadt:
16,7). Die höchſte Tagestemperatur wies Worms mit 30,3
am 22. auf, während in Ulrichſtein das Thermometer den
Wert von 24,5 nicht überſtieg. (Darmſtadt: 28,1). Auch
die Zahl der ſogen. Sommertage blieb überall erheblich
hinter dem Durchſchnitt zurück und betrug beiſpielsweiſe
in Darmſtadt nur 5 gegenüber 14 normal, in Ulrichſtein
fehlten ſie ganz, während Mainz mit 7 an der Spitze ſteht.
Die Bewölkung war infolge weit überwiegender weſtlicher
und ſüdweſtlicher Winde überall ſehr beträchtlich. So wei=
ſen
z. B. die Stationen Gießen, Bad Nauheim und
Michelſtadt keinen einzigen klaren Tag auf, wogegen die
Zahl der trüben Tage nirgends unter 12 ſank. In Darm=
ſtadt
mit 2 klaren und 16 trüben Tagen ſtellte ſich der
Prozentſatz der Bewölkung auf 72 gegenüber 55 im mehr=
jährigen
Durchſchnitt. Die Niederſchlagsmengen waren
allenthalben ſehr beträchtlich, wobei ſich indes, da die mei=
ſten
Regen in Begleitung von Gewittern fielen, bedeu=
tende
Unterſchiede zeigten. Die Gegenſätze bilden Wöll=
ſtein
mit 64,2 und Wald=Michelbach mit 202,7 Millimeter
(Darmſtadt: 132,2). Die höchſten Tagesmengen ſchwanken
zwiſchen 11,2 Millimeter in Bad Salzhauſen am 3. und
44,3 in Wald=Michelbach am 7. Die Hagelfälle überſtiegen
nirgends die Zahl 2 und an 30 von 47 Stationen fehlten
ſolche ganz. Hinſichtlich der Zahl der Gewitter ſtehen
Michelſtadt und einige oberheſſiſche Stationen mit 14 an
der Spitze, während der Felsberg nur 2 notiert. ( Darm=
ſtadt
: 7). Infolge der ausgiebigen Regengüſſe wieſen
ſämtliche Flüſſe mit Ausnahme der Lahn Waſſerſtände auf,

[ ][  ][ ]

Nummer 196.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Auguſt 1910.

Seite 3.

leutnant im Küraſſier=Regiment von Drieſen ( Weſtfäli=
ſches
) Nr. 4 vom 1. September 1910 ab auf ein Jahr zur
Geſandtſchaft in Buenos=Aires kommandiert.
* Landesmuſenm. Am 23. d. Mts. bleibt das
Landesmuſeum geſchloſſen, weil die Garde=Unteroffizier=
Kompagnie an dieſem Tag dienſtlich anderweit in An=
ſpruch
genommen iſt.
* Abgeſtiegen ſind im Hotel Zur Traube‟: Se. Exz.
der außerordentliche ſpaniſche Geſandte und bevoll=
mächtigte
Miniſter Luis Polo de Bernabé, ſowie
Sekretär Joſé de Landecho und Gemahlinnen.
Se. Kgl. Hoheit der Großherzog von Baden
wird heute auf dem Truppenübungsplatz Griesheim ein=
treffen
, um der Beſichtigung der 28. Kavalleriebrigade
beizuwohnen.
* Geometer 2. Klaſſe. Das demnächſt erſcheinende
Regierungsblatt wird, laut (Darmſt. Ztg.), eine Be=
kanntmachung
Großh. Miniſteriums der Finanzen ent=
halten
, wonach eine Prüfung für Geometer
2. Klaſſe nach dem Jahr 1913 bis auf weiteres nicht
mehr abgehalten wird. Die Sperrung der Prüf=
ung
auf Zeit war eine dringende Maßnahme. Seit
Jahren iſt der Andrang zum Beruf der Geometer
2. Klaſſe ungewöhnlich groß. So unterzogen ſich im
Jahre 1906 30 Kandidaten, 1907 34, 1908 43, 1909 32
und 1910 52 der Prüfung. Die Ueberfüllung hat be=
reits
im Jahre 1908 Anlaß gegeben, verſchärfte Vor=
ſchriften
über die Annahme von Geometer=Lehrlingen
zu erlaſſen. Der Erfolg dieſer Maßnahme war indeſſen
nicht ſehr groß; zurzeit befinden ſich nicht weniger als
74 Lehrlinge in der Ausbildung. Dabei iſt die Zahl
der Staatsſtellen für Geometer 2. Klaſſe recht gering
und wird auch in Zukunft kaum erheblich wachſen, ſo
daß der größte Teil der geprüften Geometer 2. Klaſſe
auf die Privatpraxis angewieſen iſt, die ſchon jetzt für
viele ausübende Geometer 2. Klaſſe kaum mehr lohnt.
Soll die Konkurrenz für die vorhandenen Geometer
2. Klaſſe nicht in Zukunft geradezu erdrückend werden
und will man den ſich daraus ergebenden ſonſtigen un=
angenehmen
Folgen rechtzeitig vorbeugen, ſo bleibt
hiernach nichts anderes übrig, als die Prüfung für
einige Zeit zu ſperren. Die in der Ausbildung befind=
lichen
Geometer=Lehrlinge dürfen durch eine ſolche
Maßnahme natürlich nicht geſchädigt werden. Nach den
angeſtellten Ermittelungen geht die Lehrzeit der jüng=
ſten
dieſer Lehrlinge im Jahr 1913 zu Ende. Deshalb
ſollen die Prüfungen erſt nach dem Jahr 1913 ausge=
ſetzt
, die Prüfung in 1913 aber ſoll zu einer Zeit abge=
halten
werden, zu der die dermaligen Lehrlinge ihre
Lehrzeit beſtanden haben werden.
n. Die Ferienſtrafkammer verurteilte geſtern die
34jährige Ehefrau des Banaufſehers Chr.
Nikolaus hier, Anna geb. Schneider wegen mehr=
fachen
Rückfallbetrugs, durch den die beiden Beſchwin=
delten
um etwa 2150 Mk. geſchädigt worden ſind, zu
zwei Jahren und ſechs Monaten Zucht=
haus
und 450 Mark Geldſtrafe, eventuell zwei
weiteren Monaten Zuchthaus. Wenn auch ihre Opfer,
die 70 Jahre alte Witwe Koob in Roßdorf und deren
Tochter, ein hieſiges Dienſtmädchen, durch allzu großes
Vertrauen die Ausdehnung des Schwindels erleichtert
hatten und eine gewiſſe Notlage der Angeklagten zu
deren Treiben mitgewirkt hat, ſo werden dieſe günſti=
gen
Momente durch die zahlreichen Vorſtrafen und die
im jetzigen Fall betätigte Gewiſſenloſigkeit bei weitem
überwogen, weshalb das Gericht mildernde Umſtände
verſagte. Die letzte, im Jahre 1908 beendigte Betrugs=
ſtrafe
hatte drei Jahre und acht Monate Gefängnis be=
tragen
; nach ihrer Verbüßung kam die aus Gemmingen
in Baden gebürtige, damals ledige Angeklagte hierher
und half in der Familie Nikolaus, deſſen Frau ſchon
ſeit Jahren krank war und mit Hinterlaſſung von drei
kleinen Kindern in jenem Jahre ſtarb. N. verlobte ſich
im Herbſt mit ihr und heiratete ſie im Jahre darauf,
wodurch die Angeklagte ſeine Tante, die erwähnte Witwe
K., kennen lernte. Die ſchon bei den früheren Betrü=
gereien
mit großer Gewandtheit vorgegangene Ange=
klagte
ſpiegelte vor, ſie habe aus einem ehemaligen
Verhältnis mit einem Freiherrn von G. in Baden für
ſich 45000 Mark und für ihr Kind 40000 Mark zu er=
warten
. Dieſe Vermögen würden binnen kurzem aus=
bezahlt
, nachdem ein Prozeß darüber ſchon gewonnen
ſei uſw. All dies war aus der Luft gegriffen und jenes
Kind bereits ſeit acht Jahren tot. Die angeblichen Ver=
handlungen
mit dem Phantaſiebaron und andere Vor=
wände
dienten der N. dazu, von Herbſt 1908 bis Mitte
1909 fortgeſetzt der K. größere und kleinere Barbeträge,
ſowie zwei Sparkaſſebücher (der Mutter und Tochter)
zu entlocken und aus ihnen Summen zu erheben. Stets
wußte ſie das manchmal wankende Vertrauen der Ge=
täuſchten
zu befeſtigen, und ſie nahm ſo auch einmal die
Witwe K. zu einem vorgeſpiegelten Gerichtstermin
mit nach Karlsruhe, wo ſie ihr eine Villa als Wohn=
ung
ihres Kindes zeigte. Die Tochter K. brachte ſie um
einen goldenen Ring und eine Taſchenuhr; Frau K. iſt

um 1597 Mark, ihre Tochter um etwa 650 Mark geſchä=
digt
, wovon der Ehemann der Angeklagten nachträglich
etwas über 100 Mark erſetzt hat. Die Angeklagte iſt
Mutter zweier Kinder von 15 und ſechs Monaten, wes=
halb
ſie vorläufig auf freiem Fuß belaſſen wurde.
Weiter wurde der 56jährige Kaufmann Karl Wilhelm
Pabſt von Offenbach, der zwecks Erlangung einer
anderen Wohnung ſeine Solvenz durch gefälſchte frü=
here
Mietquittungen vorgeſpiegelt hatte, wegen Urkun=
denfälſchung
zu einer Woche Gefängnis verurteilt.
§ Maß= und Gewichtsreviſion. Die diesjährige
durch einen Polizeibeamten unter Zuziehung des Eich=
meiſters
vorgenommene Maß= und Gewichtsreviſion be=
gann
Anfang Mai und iſt im vorigen Monat beendet
worden. Es wurden außer dem Wochenmarkt die Ge=
ſchäftslokale
von 922 Gewerbetreibenden, mit Ausnahme
der Schankwirtſchaften revidiert. Trotzdem geraume Zeit
vor Beginn der Maß= und Gewichtsreviſion amtlich auf
dieſelbe aufmerkſam gemacht worden iſt, wurden bei der=
ſelben
beanſtandet und konfisziert: 11 Wagen, 289 Ge=
wichte
, 9 Längenmaße und 53 Flüſſigkeitsmaße. Es
mußten deshalb gegen 161 Gewerbetreibende Polizei=
anzeigen
erhoben werden. Bei der Maß= und Gewichts=
reviſion
im Jahre 1907 wurden die Geſchäftslokale von
926 Gewerbetreibenden revidiert. Hierbei ſind beanſtandet
und konfisziert worden: 16 Wagen, 296 Gewichte, 26
Längenmaße, 41 Flüſſigkeitsmaße und 1 Hohlmaß. Gegen
207 Gewerbetreibende mußten Polizeianzeigen erhoben
werden.
Heſſiſcher Fechtverein Waiſenſchutz. Das am
Sonntag im Saalbau abgehaltene Sommerfeſt des
Zweigvereins Darmſtadt nahm bei herrlichem Wetter
einen ſchönen Verlauf. Eingeleitet durch einige Muſik=
ſtücke
der Kapelle des bad. Drag.=Regts. Nr. 20, begannen
alsbald die Kinderſpiele, die alle unter ſehr reger Be=
teiligung
unſerer ſehr zahlreichen Jugend ſtattfanden.
Eine große Ueberraſchung brachte der mit großer Mühe
von Frau Luiſe Löſch einſtudierte Kinderreigen Der
luſtige Krieg‟ Ebenſo machte die Kinderfahnenpolonäſe,
voran die kleinen Trommler, einen ſchönen Eindruck. Für
ihre Leiſtungen erhielten die kleinen Teilnehmer je eine
Brezel und 1 Würſtchen überreicht, die von edlen Mit=
gliedern
geſtiftet wurden. Auch für die Angehörigen
und Gönner des Vereins war für die nötige Unter=
haltung
durch Preisſchießen und Tanz geſorgt.
* Schützenhof. Morgen abend konzertiert die
Kapelle des Garde=Dragoner=Regiments unter Herrn
Mittelſtädts Leitung. (S. Anzeige.)
Ludwigshöhe. Morgen Mittwoch findet im
Anſchluß an das Kurkonzert abends 8 Uhr großes
Sommerfeſt ſtatt. Dasſelbe iſt verbunden mit Illu=
mination
und Reunion. Am Donnerstag, den 25. Auguſt,
findet aus Anlaß des Ludwigstages nachmittags ein
Extrakonzert verbunden mit Kinderfeſt ſtatt. Das
Arrangement hierzu liegt in bewährten Händen. Die
Muſik ſtellt die Kapelle des Herrn Muſikmeiſter Weber.
§ Körperverletzung. Ein im Beſſunger Stadtteil
wohnhafter Taglöhner wurde am Sonntag nachmittag
zwiſchen 12 und 1 Uhr von einem in demſelben Hauſe
wohnhaften Schuhmacher und deſſen Ehefrau derart
körperlich mißhandelt, daß er am Abend gegen 8 Uhr
mittelſt Räderbahre in das ſtädtiſche Krankenhaus ver=
bracht
werden mußte.
§ Einbruchsdiebſtahl. Am Sonntag nachmittag
iſt der wegen Einbruchsdiebſtahl vorbeſtrafte 23 Jahre
alte Kaufmann H. Kl. und ein Schloſſergehilfe St. bei
Verübung eines Einbruchsdiebſtahls bei einem Bankier
in der Rheinſtraße ertappt und feſtgenommen worden.
)( Seeheim, 21. Aug. Man ſchreibt uns: Die Fre=
quenz
des hieſigen Kurortes iſt im Steigen
begriffen, was auf das endlich beſtändige ſchöne Wetter
zurückzuführen iſt. Die Stimmung einer herrlichen Som=
mernacht
an der Bergſtraße wurde geſtern noch durch groß=
artige
Feuerwerkeffekte erhöht, die Herr C. Hufnagel, Be=
ſitzer
des Hotels Viktoria, ſeinen Kurgäſten im Hotelpark
bot. Hierauf wurden die Kurgäſte noch im Saale des Ho=
tels
durch die feinſinnigen pianiſtiſchen und rezitatoriſchen
Vorträge des Schriftſtellers und Komponiſten Ali Bachtiar
unterhalten. Den Schluß der Réunion bildete ein Tänz=
chen
.
Auerbach, 21. Aug. Heute wurde hier der Eigen=
brodt
=Brunnen unter ſtattlicher Beteiligung einge=
weiht
. Nachmittags um 4 Uhr begann die Feier mit
einem Kirchenkonzert, bei dem Frl. Helene Müller=
Auerbach (Sopran), Großh. Muſikdirektor Klaſſert=
Darmſtadt (Orgel) und Violinvirtuoſe Richard Lotter=
mann
=Saarbrücken mitwirkten. Nach Beendigung des
Konzertes wurde die Weihe des Brunnens vorgenom=
men
, der in der Nähe der Kirche ſteht. Nach einer An=
ſprache
unſeres Pfarrers fiel die Hülle; jeder der Feſtteil=
nehmer
, die ſich um das Denkmal aufgeſtellt hatten, trank
von dem Brunnenwaſſer. Pfarrer i. P. Eigenbrodt richtete
herzliche Dankesworte für die Ehrung an die Anweſenden.

Auerbach hatte aus Anlaß des Feſtes Fahnenſchmuck an=
gelegt
.
Offenbach, 22. Aug. Die durch Anordnung vom
9. April 1903, Miniſterium des Innern, Abteilung für
öffentliche Geſundheitspflege, errichtete Stelle für
Ausbildung nicht tierärztlicher Fleiſch=
beſchauer
zu Offenbach und die Prüfungskommiſſion
für die Prüfungen nicht tierärztlicher Fleiſchbeſchauer
zu Offenbach ſind wieder aufgehoben worden.
Mainz, 22. Aug. Zu der Verhaftung des Zi=
geuners
Marx ſchreibt das Tagblatt noch: Marx ſteht
in dem dringenden Verdacht, ſeine Geliebte Ende Mai
dieſes Jahres auf dem Büchelberg bei Aſchaffenburg
ermordet zu haben. Vor einiger Zeit fanden ſpielende
Kinder die Leiche einer unbekannten Frau am Büchel=
berg
bei Aſchaffenburg, die ſchon ſtark in Verweſung
übergegangen war. Die Leiche wies eine Schußverletz=
ung
am Kopf auf. Waffenhändler Ofenſtein in Aſchaf=
fenburg
teilte der Polizei mit, daß kurz vor der mut=
maßlichen
Zeit des Mordes ein Zigeunerpaar bei ihm
7 Millimeter=Lefaucheuxpatronen kaufte, wie eine ſolche
im Kopfe der Getöteten vorgefunden wurde. Gleich=
zeitig
wurde der Aſchaffenburger Magiſtrat von Fürth
aus erſucht, einen umherziehenden Muſiker, Chriſtian
Michels mit Namen, der ſich in Aſchaffenburg aufhalten
ſollte, wegen verſchiedener Delikte in Haft zu nehmen.
Dem Fürther Schreiben lag eine Photographie des
Michels bei, in der Waffenhändler Ofenſtein mit Be=
ſtimmtheit
den Käufer der 7 Millimeter= Lefaucheux=
patronen
wieder erkannte. Der mutmaßliche Mörder
hatte eine gewiſſe Kornelia Reit aus Köln=Ehrenfeld
bei ſich, mit der er umherzog, nachdem er Ende Mai
ſeinen bisherigen Wohnort Mainaſchaff verlaſſen hatte.
Um dieſe Zeit iſt bekanntlich nach dem gerichtsärztlichen
Gutachten der Mord verübt worden. Der früheren
Hauswirtin des Michelsſchen Paares in Mainaſchaff,
einer Frau Zeller, wurden nunmehr die Kleidungs=
ſtücke
, die die Leiche trug, gezeigt. Die Frau erkannte
an gewiſſen Eigentümlichkeiten mit Beſtimmtheit die
Strümpfe wieder, die ſie der Genoſſin des Michels ge=
ſchenkt
hatte, auch den hellgrauen Oberrock und den
ſchwarz=rot=karrierten Unterrock, ſowie ein Paar mehr=
farbige
Pulswärmer und eine ſchwarze Schürze mit
weißen Steifen bezeichnete ſie als das Eigentum der
Kornelia Reit. Auf eine Anfrage der Frau Zeller bei
der Mutter der Reit in Köln=Ehrenfeld, wo ſich die
Tochter befinde, ſchrieb ſie geſtern einen kurzen Brief,
worin ſie mitteilte, daß dieſe ſeit Ende Mai nichts mehr
habe von ſich hören laſſen.
Worms, 22. Ang. Die geſtern abend im Rhein hier
geländete Leiche iſt heute mittag als die der 17
Jahre alten Eliſe Forler, geboren zu Frieſenheim
bei Ludwigshafen, Tochter eines zu Ludwigshafen
wohnhaften Fabrikpenſionärs, von den Angehörigen an=
erkannt
worden. Die Leiche wird hier beerdigt. Aus
welchem Grunde ſich das Mädchen das Leben genom=
men
hat, iſt den Angehörigen nicht bekannt.
Worms, 22. Aug. Großfeuer hat in verfloſſe=
ner
Nacht in der ſogen. Rieſenmühle‟ Eigentum
des Herrn J. Adolf Schach, im Stadtteil Worms=
Hochheim, Mühlpfad Nr. 8, ſtatigefunden. Von dem
ziemlich weit ausgedehnten Anweſen wurden das Müh=
lengebäude
, Maſchinenhaus und Lagerſchuppen mit In=
halt
faſt vollſtändig eingeäſchert, während das Wohn=
haus
im oberen Stock ausbrannte, das Geſindegebäude,
ſowie die Stallungen weniger ſtark beſchädigt wurden.
Durch das große Lager in Futtermitteln ( Erdnußſcha=
len
und dergl.) hatte das Feuer reichliche Nahrung. Das
Vieh konnte gerettet werden, bis auf einiges Feder=
vieh
, das im Feuer umkam. Der Schaden iſt bedeutend.
Der Brandbeſchädigte iſt durch Verſicherung gedeckt.
Der Brand iſt während des um dieſe Zeit herrſchenden
ſtarken Gewitters zum Ausbruch gekommen, und man
vermutet Blitzſtrahl als Entſtehungsurſache. Außer
den freiwilligen Feuerwehren von hier und den Vor=
orten
waren die Fabrikfeuerwehren der Firma C. Heyl
und Doerr u. Reinhart zur Hilfeleiſtung erſchienen;
letztgenannte ſoll nicht in Tätigkeit getreten ſein. Von.
Militär waren etwa 60 Mann angerückt, die fleißig
Pumpmannsdienſte verſahen. Das Feuer konnte ver=
hältnismäßig
raſch gelöſcht werden.
Bad Nauheim, 21. Aug. Der in der Sonntagnacht
in der Frankfurter Straße ausgebrochene Brand in
der Giarſchen Zimmerwerkſtätte hat einen Schaden von
4000 Mark verurſacht. Von den Brandſtiftern fehlt bis
jetzt noch jede Spur. Ebenſo wenig hat man eine Spur
der Einbrecher gefunden, die ſchon ſeit ungefähr zwei
Wochen die nördliche Frankfurter Straße unſicher
machen. Man vermutet, daß Brandſtifter und Ein=
brecher
in der Perſon eines vor 14 Tagen aus der Zel=
lcnſtrafanſtalt
entſprungenen und bis jetzt ſpurlos ver=
ſchwundenen
Sträflings zu ſuchen ſind.
Bad=Nauheim, 22. Aug. Prinzeſſin Ida zu
Reuß ältere Linie iſt zur Kur hier eingetroffen
und hat im Hotel Metropole Wohnung genommen.

wie ſie im Hochſommer zu den größten Seltenheiten ge=
hörten
. Insbeſondere brachte der Rhein ſtarkes Hochwaſſer,
das ſich infolge der Waſſermaſſen, die Oberrhein und Bo=
denſee
nachträglich lieferten, nur langſam verlief und teil=
weiſe
großen Schaden anrichtete. Auch die Einbringung
der Ernte und der Weinſtock litten empfindlich unter der
vorwiegend naßkalten Witterung.
** Die Mode aus dem Oſten. Schon ſeit
einiger Zeit macht ſich in der Mode eine immer ſtärker
werdende Betonung exotiſcher Farben und
bunten Schmucks bemerkbar, die mit einer, deut=
lichen
Anlehnung an den orientaliſchen Farbengeſchmack
entſtanden iſt. Dieſe Tendenzen machen immer wei=
tere
Fortſchritte und werden dem Modeſtil der kom=
menden
Saiſon eine charakteriſtiſche Note verleihen.
Das Gefühl für koloriſtiſche Harmonien iſt ja ſo ge=
ſteigert
, daß die Toilette auch in allen Einzelheiten auf
einen Farbenton abgeſtimmt ſein ſoll; die Dame, die
mach dem Dernier eri gekleidet ſein will, darf ſich
nicht mit einem neuen Hut und einer neuen Toilette
begnügen; ſie muß auch darauf achten, daß ihr Schleier
und ihr Schal, ja auch der Griff ihres Schirmes und
ihrer Handtaſche den allerjüngſten Forderungen ge=
nügen
und ſich dem Rahmen des Ganzen in ſchönem Zu=
ſammenklang
einfüge. Einen ſehr ſtarken und auffäl=
ligen
Akzent von Farbe und Pracht bringen die aus
Gold und Silber gewebten Tuniken mit ſich, die man
über einem reichfarbigen Stoffuntergrund bei Geſell=
ſchaftstoiletten
trägt. An den Beſuchskoſtümen werden
die Tuniken gewöhnlich aus leichterem Material ver=
fertigt
, aber die Garnierung iſt ſtets reich und prun=
kend
und beſteht aus der neuerdings beliebten Metall=
ſpitze‟
. Dieſe Spitze iſt ganz aus Gold= oder Silber=
fäden
gefertigt und wird in dieſem Jahre mehr getra=
gen
, als irgend eine andere Garnierung. Auch von
den Hüten leuchtet ſie vielfach in breitem Bande herab.
Als Napoleon I. Aegypten eroberte, und mit ſeinen
phantaſtiſchen Plänen für den Orient in Paris Stim=

mung machte, da wollte eine Zeit lang die Modedamé
durchaus wie eine Odaliske gekleidet ſein, hüllte ſich in
perſiſche Gewänder und trug indiſchen Schmuck.
Wenngleich heute der Orient bei uns nicht mehr
das Tagesgeſpräch bildet wie damals, ſo macht er doch
im Reich der Mode ſeine Herrſchaft wieder in Tur=
banhüten
und ägyptiſchen Schleiern geltend. Es hat
den Anſchein, als ob dieſe turbanartigen Kopfbedeckung
gen und die durchſichtig bunten Schals im Herbſt und
Winter immer häufiger auftauchen werden. Die neue
Schmuckfreude äußert ſich auch in Schmuckknöpfen, die
mit ihrem unruhigen Schimmer allenthalben auf den
Röcken, Taillen und Schuhen auftauchen. Zeigen doch
ſogar die neueſten Pariſer Strümpfe Muſter von far=
bigen
Knöpfen, die auf ihnen angebracht ſind. Perlen
werden ebenfalls eine große Rolle ſpielen, nicht nur
als Halsbänder, ſondern auch als Haarſchmuck und als
lange Perlenſchnuren, die bis zur Taille heruntergehn.
Eine andere Neuheit, die aus dem Oſten kommt, iſt die
Verwendung von bunten Franſen und langen Quaſten,
die an Handbeuteln und Schals ebenſo erſcheinen, wie
an den Toiletten. Beſonders die Tuniken werden mit
Gold= und Silberfranſen abgeſchloſſen.
* Das verſenkte Orcheſter. Einer Be=
ſprechung
der Münchener N. Nachr. über die dortigen
Wagner=Aufführungen im Prinzregenten=Theater ent=
nehmen
wir folgende eigenartige Neuigkeit: Soll man
es glauben, daß es drunten im myſtiſchen Abgrund, auf
der unterſten Orcheſterſtufe, auch bei der größten Hitze
empfindlich kühl iſt? Es wird mir ſolches allen Ern=
ſtes
verſichert und dabei mitgeteilt, daß die in der letz=
ten
Triſtan=Beſprechung erwähnten Unreinheiten in
der Intonation der Holzbläſer unter anderem auf
Temperaturſchwankungen und Feuchtigkeitsverhältniſſe,
die mit der abnormen Witterung in Verbandung ſtehen,
zurückzuführen ſeien. Eine Heizung des Orcheſter=
raumes
allein wie in Bayreuth ſei nicht möglich.
Die Klarinettiſten müßten deshalb ihr beim Blaſen

warm gewordenes Inſtrument bei jeder Pauſe unter
den Rock ſtecken, um die Temperatur und damit die
Stimmung des Inſtruments zu erhalten. Dem Fagot=
tiſten
ſei in den letzten Meiſterſingern die Blasklappe
ſo verquollen, daß er in den Schlußtakten des zweiter
Aktes ſein Solo im Prügelmotiv mit C ſtatt Cis ge.
bracht habe. Ja, genaue Meſſungen bei leerem Haus
hätten ergeben, daß es auf der Streicher=Stufe des ver=
ſenkten
Orcheſters eine Temperatur von 18 Grad C.,
auf der Holzbläſer=Stufe eine ſolche von 16 Grad und
auf der Blechbläſer=Stufe gar nur eine ſolche von 12
Grad habe. Alſo 6 Grad Unterſchied auf wenige Meter!
Wenn durch Witterungs= oder Unterbau=Verhältniſſe
des verſenkten Orcheſters des Prinzregenten=Theaters
auch nicht gerade alle Ereigniſſe der letzten Triſtan=
Vorſtellung erklärlich werden, ſo handelt es ſich dabei
zweifellos doch um einen argen Mißſtand. Vielleicht
ließe ſich dem durch die Aufſtellung elektriſcher Wärme=
Oefen oder Wärme=Käſten für die Inſtrumente ab=
helfen
.
Jetzt weiß man nicht, ob dies Ernſt oder Spaß iſt.
* Spielplan des Stadttheaters Frank=
furt
a. M. 1. Oper. Dienstag, 23.: Der Barbier
von Sevilla. Mittwoch, 24.: Tannhäuſer. Donners=
tag
, 25.: Die Hugenotten Marcel: Herr Richard
Erdös a. G. Freitag, 26.: Der Graf von Luxemburg
Samstag, 27.: Die luſtigen Weiber von Windfor.
Sonntag, 28.: Die Zauberflöte‟. Saraſtro: Herr
Richard Erdös a. G. Montag, 29.: Die geſchiedene
Frau. Dienstag, 30.: Fidelio 2. Schauſpiel.
Die Wiedereröffnung des Schauſpielhauſes fand am
Montag ſtatt. Dienstag, 23.: Don Carlos‟ Don
Carlos: Herr Krauß als Antrittsrolle. Königin: Frl.
Reubke. Mittwoch, 24.: Der Hüttenbeſitzer‟ Donners=
tag
, 25.: Tantris der Narr. Freitag, 26.: Der Raub
der Sabinerinnen Samstag, 27.: Die Rabenſteino=
rin
. Sonntag, 28.: Egmont Montag, 29.: Heimat
Dienstag, 30.: Wenn der junge Wein blüht.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Auguſt 1910.

Nummer 196.

Trais=Horloff, 21. Aug. Im Ofenhaus der Grube
Friedrich war auf unerklärliche Weiſe Feuer aus=
gebrochen
, das ſich ſehr ſchnell verbreitete und ſchließ=
lich
in den Kohlentrockenapparat gelangte. Die in den
mächtigen Trockenöfen befindlichen Kohlen ſtanden bald
in voller Glut, und trotz eifriger Löſchverſuche konnte
man das Feuer nicht dämpfen. Gegen halb 4 Uhr er=
folgte
plötzlich eine ſchwere Kohlenſtaubex=
ploſion
, durch die Mauern zerriſſen und das Dach
ſtark beſchädigt wurde. Einige Arbeiter erlitten hier=
bei
zum Teil erhebliche Verletzungen. Es war nicht
möglich, bis abends des Feuers Herr zu werden.
Steinfurth, 21. Aug. Unſere Roſenfelder bie=
ten
gegenwärtig einen prächtigen Anblick. Etwa 1000
Normalmorgen prangen im ſchönſten Schmuck. Alle nur
erdenklichen Farben haben unſere weltberühmten
Züchter kultiviert. Sogar ſchwarze Roſen, eine bis
jetzt größte Seltenheit in der ganzen Welt, ſind den,
jahrzehntelangen Miſchungsverſuchen unſerer Gärtner
gelungen. Unſere Gärtnereien, etwa 50 Verſandge=
ſchäfte
, können mit dem Ergebnis ihrer Zucht in die=
ſem
Jahre ganz beſonders zufrieden ſein, denn die
Ausfuhr nach Frankreich, Belgien, Rußland uſw. war
noch niemals größer als gegenwärtig; dementſprechend
waren auch die Preiſe.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 21. Ang. Wegen Ver=
gehens
gegen den Paragraphen 184 des Strafgeſetzbuchs
(Verbreitung unzüchtiger Schriften) waren der Schrift=
ſteller
A. O. Weber, der die Frau von Schönebeck ge=
eiratet
hat, und der Buchhändler Hugo Schildber=
ger
angeklagt. Zur Anklage ſtand ein von A. O.
Weber verfaßtes und im September vorigen Jahres
erſchienenes Buch unter dem Titel Ohne Feigenblatt‟
Vor Eintritt in die Verhandlung ſtellte die Staatsan=
waltſchaft
den Antrag, wegen Gefährdung der Sittlich=
keit
die Oeffentlichkeit auszuſchließen. Das Gericht
beſchloß aber, den Antrag auf Ausſchluß der Oeffent=
lichkeit
abzulehnen. Der Vertreter der Anklage be=
antragte
nunmehr, auf Grund des Paragravhen 175
des Geichtsverfaſſungsgeſetzes, ihm Gelegenheit zu
geben, in nicht öffentlicher Sitzung den Antrag auf
Ausſchluß der Oeffentlichkeit näher zu begründen. Die
Oeffentlichkeit wurde ſodann auf kurze Zeit ausge=
ſchloſſen
. Das Gericht lehnte indeſſen auch den noch=
maligen
Antrag des Staatsanwaltes ab. Das geſamte
Buch ward nun vor Gericht verleſen. Das Gericht er=
kannte
nach kurzer Beratung auf Freiſprechung der
beiden Angeklagten. Durch den Genuß eines
Stechapfels wurden geſtern nachmittag in der
Steglitzer Straße vier Kinder vergiftet und
mußten in bedenklichem Zuſtande nach dem Eliſabeth=
krankenhauſe
geſchafft werden. Geſtern nachmittag
ſpielte die ſieben Jahre alte Tochter Frieda des Arbei=
ters
Wiſchnewski mit der fünfjährigen Maria Stock,
dem fünfjährigen Hans Fiering und ſeiner 3½jährigen
Schweſter Erika, deren Eltern in dem Hauſe Steglitzer
Straße Nr. 8 wohnen, auf dem Hofe. Dabei fand die
kleine W. einen Stechapfel. Sie hielt ihn für eine Ka=
ſtanie
und öffnete die Frucht. Zu ihrem Erſtaunen
fand ſie im Innern eine Anzahl Körner, die ſie nun
gleichmäßig unter die vier Spielgefährten verteilte.
Die Kinder aßen die Körner auf und ſpielten dann
weiter, bis ſich bei ihnen heftige Schmerzen einſtellten.
Nun eilten die Kinder zu ihren Eltern. Alle Vergif=
teten
bekamen heftiges Erbrechen und wanden ſich
krampfartig in ihren Schmerzen, ſo daß zu einem Arzt
geſchickt wurde. Dieſer ſah auf den erſten Blick, daß die
Kinder unter ſchweren Vergiftungserſcheinungen lit=
ten
und ſtellte durch Nachfragen feſt, daß die Kinder
einen Stechapfel verzehrt hatten. Raſch wurden die
Kinder nach dem Eliſabethkrankenhaus gebracht, wo
ihnen geeignete Gegenmittel gegeben wurden. Auch
heute nachmittag war der Zuſtand der Kinder noch im=
mer
bedenklich, doch hoffen die Aerzte, ſie am Leben zu
erhalten. Uebrigens iſt die Herkunft des Stechapfels
bereits aufgeklärt. Im Nachbarhauſe befindet ſich näm=
lich
eine höhere Bürgerſchule. In einer Klaſſe war
geſtern im botaniſchen Unterricht der Stechapfel durch=
genommen
worden. Ein Schüler hatte einen Apfel
mitgenommen und auf der Straße fortgeworfen, wo
ihn ſpielende Kinder fanden. Beim Kentern eines
Ruderbootes auf der Havel in der Nähe von
Schildhorn ſind heute nachmittag ein Herr, zwei Damen
und zwei Kinder ertrunken, während drei Per=
ſonen
gerettet werden konnten. Auf der Spree in
der Nähe von Treptow fielen heute früh zwei junge

Kaufleute beim Balgen aus dem Motorboot ins Waſ=
ſer
und ertranken. Um aus der Strafan=
ſtalt
Plötzenſee zu entweichen, hatte ſich ein Ge=
fangener
folgenden originellen Plan ausgeklügelt. Die
Kartonfabrik Wunderlich läßt in der Strafanſtalt P.
arbeiten. Als ſie geſtern abend auf dem Gefängnishof
fertige Kartons aufladen ließ, wobei die Sträflinge
relfen mußten, kroch der Gefangene in einen der Kar=
tons
und ließ ſich mit verladen. Unterwegs kam er
zum größten Entſetzen des Kutſchers wieder hervor
und entfloh in der Richtung auf Charlottenburg. Der
Mann konnte bisher noch nicht wieder gefaßt werden.
Der entflohene Gefanzene muß zweifellos in der
Strafanſtal: Helfershelfer gehabt haben; denn die
Schwere des Kartons hätte beim Verladen auffallen
müſſen.
Weinheim, 22. Aug. Der 19jährige Fabrikarbeiter
Witermann erhängte ſich geſtern in ſeiner Wohn=
ung
. Auf einem blutgetränkten Zettel fand man die
Mitteilung, daß er eine gewiſſe Eliſe Setzer durch
mehrere Meſſerſtiche im nahen Kaſtanienwäldchen er=
mordet
habe. Man forſchte nach und fand die furchtbar
zugerichtete Leiche der Setzer.
Tuttlingen, 22. Aug. In Thalheim ſind in der
Nacht von Samstag auf Sonntag 10 Häuſer nie=
dergebrannt
. Ein zehnjähriger Knabe iſt in den
Flammen umgekommen. Die Entſtehungsurſache des
Feuers iſt noch nicht bekannt.
Wilhelmshaven, 22. Aug. Nach dem Genuß von
Milchreis iſt eine Familie von ſechs Perſonen an
Vergiftungserſcheinungen erkrankt.
Brüſſel, 22. Aug. Zwiſchen Gräfin Lonyay
und den Gläubigern der Prinzeſſin Luiſe einer=
ſeits
und dem belgiſchen Staate andererſeits ſteht ein
Prozeß um die Hinterlaſſenſchaft des Königs in
Ausſicht, da vom Staate behauvtet wird, daß ein Teil
der der Niederfullbacher Stiftung zugewieſenen Wert=
dem
Kongoſtaate, alſo jetzt Belgien, gehöre und wider=
rechtlich
vom König dieſer Stiftung zugewieſen wor=
den
ſei. Es handelt ſich um das etwa 12 Millionen Fr.
betragende Gründungskapital der Niederfüllbacher
Stiftung, ſowie 23 Millionen ihr übergebener Depoſi=
ten
. Die Prinzeſſin Clementine allein erhebt keiner=
lei
Einſpruch gegen die Forderungen des Staates.
(Frkf. Ztg.)
Paris, 21. Aug. Der um 11 Uhr 20 Min. von hier
nach Beaumont abgehende Perſonenzug
wurde bei der Ausfahrt aus dem hieſigen Nordbahnhof
von einer Maſchine geſtreift welche den Lokomo=
tivſchuppen
verließ. Sieben Perſonen erlitten Ver=
letzungen
. Der Materialſchaden iſt ziemlich bedeutend.
Chamonnix, 22. Aug. Der Direktor des Mont=
Blanc=Obſervatoriums, Vallot, iſt geſtern mit zahl=
reichen
Trägern und Führern nach dem Gipfel des
Mont=Blane aufgebrochen, um dort ſeine wiſſen=
ſchaftlichen
Arbeiten aufzunehmen.
Cherbourg, 22. Aug. Ein mit Baumaterial belade=
ner
großer Kahn, der von Dampfern geſchleppt
wurde, iſt geſtern infolge eines Leckes vor dem Eingang
in den Kriegshafen plötzlich geſunken und verſperrt
die Hafeneinfahrt. Drei von Breſt kommende Torpedo=
boote
mußten infolgedeſſen in den Handelshafen ein=
laufen
. Man iſt bemüht, das Hindernis ſo ſchnell als
möglich zu beſeitigen.
Plymouth, 22. Aug. Der britiſche Schoner Ster=
ling
war durch Stürme 3000 Meilen aus ſeinem
Kurs getrieben worden. Nachdem der Proviant in=
folgedeſſen
ſchon ſeit vier Tagen erſchöpft war, traf ihn
der deutſche Dampfer Prinz Joachim welcher der
darbenden Mannſchaft Lebensmittel, ſowie einen Arzt
an Bord ſandte.
New=York, 22. Aug. Der Herzog Prinz Joſef von
Bayern erlitt geſtern einen Automobil=Unfall, der
leicht die ſchwerſten Folgen hätte haben können. In ſei=
nem
Automobil befanden ſich außer ihm und einer jungen
Dame noch Herr und Frau Longworth. Frau Longworth
iſt bekanntlich die Tochter des Präſidenten Rooſevelt.
Auf abſchüſſiger Chauſſee kam dem Automobil des Herzogs
das Automobil des Millionärs Aſtor in ſchärfſtem Tempo
entgegen. Beide Automobile ſtießen zuſammen, da auf
der ſchlüpfrigen Straße das Automobil Aſtors ins Gleiten
geriet. Aſtors Automobil wurde zur Seite geſchleudert,
dasjenige des Prinzen überſchlug ſich und die Inſaſſen
wurden herausgeworfen, indeſſen nur leicht verletzt.
Aſtor blieb unverletzt.
Chicago, 22. Aug. Daily Chronicle berichtet über die
großen Waldbrände, die ſeit einigen Tagen im
Nordweſten der Vereinigten Staaten wüten und große

Flächen ſtarken Waldes bereits in Aſche gelegt haben. Die
Waldbrände haben ihren Urſprung in der Nähe der klei=
nen
Stadt Wallace. Dieſe Stadt iſt ſchwer bedroht. Seit
drei Tagen fehlt von dort jede Nachricht. Wallace zählt
5000 Einwohner. Da von allen Seiten das Feuer um die
Stadt wütet, kann man nicht in die Stadt hinein und iſt
ohne jede Nachricht über das Schickſal der Bewohner. Die
letzten Nachrichten aus der bedrohten Stadt beſagen, daß
die Stadt von allen Seiten vollſtändig von einem Flam=
mengürtel
umgeben ſei und daß keine Hoffnung vorhan=
den
ſei, die Bewohner zu retten. Die Meldung fügte hin=
zu
, daß die Einwohner verzweifelte Verſuche machen, ſich
zu retten, indem ſie der Eiſenbahnlinie entlang laufen. Da
jedoch die Eiſenbahnbrücken im Oſten und Weſten der
Stadt vollſtändig aus Holz ſind, dem Feuer alſo keinen
Widerſtand leiſten, ſo fürchtet man, daß dieſe Brücken vom
Feuer vernichtet worden ſind und daß die Bewohner da=
durch
verhindert ſind, die Flüſſe zu überſchreiten und ſich
zu retten.

Kongreſſe und Verbandstage.
Generalverſammlung der Katholiken
Deutſchlands.
Augsburg, 21. Aug. Die 57. General=
verſammlung
der Katholiken Deutſchlands nahm
heute vormittag mit einem im Dom zelebrierten Hoch=
amt
ihren Anfang. Seit den früheſten Morgenſtunden
brachte die Eiſenbahn große Menſchenmaſſen in die
Stadt, welche reichen Schmuck angelegt hat. Um 2 Uhr
fand ein Feſtzug ſtatt; den Feſtzug bildeten 556 Ver=
eine
mit 46 Muſikkorps, in ihm waren alle Kreiſe
Bayerns und außer den vielen deutſchen Städten vom
Auslande Salzburg, Chur, Zürich u. a. vertreten. Nach=
her
begaben ſich die Vereine in die verſchiedenen Loka=
litäten
, in denen Verſammlungen ſtattfanden. Abends
war in der 8000 Perſonen faſſenden, dichtgefüllten Feſt=
halle
Begrüßungsabend. Unter den Anweſenden be=
fanden
ſich Freiherr von Hertling, die beiden Bürger=
meiſter
von Augsburg, ſowie die Biſchöfe von Eichſtätt,
Chur und Santanez in Braſilien. Der Vorſitzende,
Juſtizrat Reiſer, eröffnete die Verſammlung mit einer
längeren Anſprache. Oberbürgermeiſter Wolfram hieß
die Verſammlung in Augsburgs Mauern willkommen.
Der öſterreichiſche Miniſter a. D. Dr. Ebenhoch übex=
brachte
die Grüße des katholiſchen Bundes in Wien, der
Biſchof von Chur die der Schweizer Katholiken. Muſi=
kaliſche
Vorträge bildeten den Schluß der Verſamm=
lung
.
* Augsburg, 22, Aug. In der heutigen erſten
geſchloſſenen Verſammlung wurde zum
Präſidenten Oberlandesgerichtsrat Marx=Düſſeldorf,
zum erſten Vizepräſidenten Graf Schönburg=Glauchau
und zum zweiten Vizepräſidenten Reichstagsabgeord=
neter
Speck=München gewählt. An den Papſt, an Kai=
ſer
Wilhelm und den Prinzregenten Luitpold wurden
Huldigungstelegramme abgeſandt. Der ſtändige Kom=
miſſar
des Katholikentages, Graf Droſte=Viſchering,
erſtattete den Bericht des Zentralkomitees. Darauf
wurden mehrere Anträge angenommen, darunter der
von Bachem=Köln begründete Antrag über die
römiſche Frage. Nach Verleſung zahlreicher Begrüß=
ungstelegramme
wurde die geſchloſſene Verſammlung
beendet.

Luftſchiffahrt.
Ueberlandflug Frankfurt=Mannheim.
* Frankfurt, 22. Aug. Das Befinden des Ober-
leutnants
v. Tiedemann, der am erſten Flugtag geſtürd=
iſt
, hat ſich nach ſeinen eigenen Mitteilungen einem Preſſe=
vertreter
gegenüber ſoweit gebeſſert, daß er außer Ge=
fahr
iſt.
* Frankfurt a. M., 22. Aug. Trotz des wenig
günſtigen Weters ſtartete Lindpaintner um 1 Uhr
50 Minuten 21½ Sekunden zum Ueberlandflug. Um
2 Uhr 14 Minuten 1½ Sekunden ſtieg Wiencziers auf.
* Mainz, 22. Aug. Lindpaintner paſſierte
2 Uhr 26 Minuten auf ſeinem Ueberlandflug.
* Mainz, 22. Aug. Lindpaintner iſt um
4 Uhr 21 Minuten vom Großen Sande bei Mainz wie=
der
aufgeſtiegen, beſchrieb eine Schleife und ſchlug dann
die Richtung nach Nierſtein ein, um über Worms nach
Mannheim zu fahren. Wieneziers erlitt bei
Hattersheim Motorſchaden und mußte niedergehen.
Außerdem iſt die Kufe ſeines Schleifapparats gebrochen.
Monteure ſind von Frankſurt unterwegs.

Kleines Feuilleton.
* Im zwanzigſten Jahrhundert! Nach
ziemlich langer Pauſe haben wir in Deutſchland wie=
der
einmal einen richtigen Spuk, und zwar iſt es eine
Großſtadt, die durch allerhand geheimnisvolle Vorgänge
in einem Hauſe in den Zuſtand allgemeiner Aufregung
geraten iſt. Das ſcheint nicht zu viel geſagt, wenn man
hört, daß ſich in der großen See= und Handelsſtadt
Stettin die Volksmenge in jenen Straßen ſtaut, die
zu dem unheimlichen Hauſe führen, und in erregten
Auseinanderſetzungen das Weſen jener dunkeln Mächte
zu enträtſeln ſucht, die Kaffeetaſſen und Bierflaſchen
im Zimmer umherſchleudern, Bettdecken und Kohlen=
ſchaufeln
in unerklärliche Bewegung verſetzen und
ſchließlich ſogar kleine Mädchen in den Arm beißen.
Als den Urheber dieſer letzteren Untat betrachtet man
einen kleinen roten Kobold, der von Zeit zu Zeit aus
dem Kellerloch des unglücklichen Hauſes herausfährt
und bei der Familie des kleinen Mädchens Geld ſucht.
Begegnet er hierbei trotzigem Widerſtand, indem etwa
die Mutter den Schlüſſel zum Geldkaſten bei ſich trägt,
dann wirft er mit feſten Gegenſtänden um ſich und
nimmt ſchließlich zu den erwähnten handgreiflichen
Taten ſeine Zuflucht, deren Eindrücke Aehnlichkeit mit
denen von Katzenpfoten haben ſollen. An alledem nimmt
nun ſeit acht Tagen eine rieſige Menſchenmenge lebhaf=
teſten
Anteil, der ſich teils in wüſtem Johlen radau=
luſtiger
Elemente, teils in geheimnisvoll=ängſtlichem
Raunen der weiblichen Teilnehmerſchaft äußert. Denn
das iſt ja das Bedenkliche und Betrübliche an der Ge=
ſchichte
: ſie findet genug Gläubige, die ihrer inneren
Sympathie für das Wirken geheimnisvoller Kräfte nur
zu gern wieder einmal Ausdruck geben. Die vom Ko=
bold
verfolgte Familie ſelbſt gehört einer Methodiſten=
gemeinde
an, und für ſeine Vertreibung wurden zwei
Schweſtern vom Blauen Kreuz in Anſpruch genommen,
die ihn mehrere Stunden hindurch beſchworen Aber
ſelbſt Leute, die im übrigen gar keine myſtiſchen An=
lagen
zeigen ſollen, wie Briefträger und Vorkoſthänd=
ler
, beſtätigen das geheimnisvolle Umherfliegen von
Pappſtücken und wiſſen davon zu erzählen, wie des Ko=
bolds
hauptſächlichſtes Opfer, das achtjährige Mädchen,
auf ſeinem Schemel ins Wackeln geraten ſei, ſo daß

man es mit aller Gewalt habe feſthalten müſſen. Die
Polizei iſt an der Arbeit, das Dunkel zu lüften und der
See= und Handelsſtadt Stettin ihre Ruhe wiederzu=
geben
. Bisher ohne Erfolg; die Menſchenmaſſen wachſen
und ihre Aufregung ebenſo.
* Das Eiſerne Kreuz als Lebensretter.
Aus Süddeutſchland wird geſchrieben: An einem Feſte,
das in einem kleinen Orte der Bodenſeegegend zu
Ehren der vor vierzig Jahren erfochtenen deutſchen
Siege gefeiert wurde, nahmen auch einige Veteranen
teil, die auf ihrer Bruſt die ehrenvollſte Auszeichnung
des deutſchen Kriegers, das Eiſerne Kreuz, trugen. Unter
vaterländiſchen Reden und Liedern waren frohe Stun=
den
dahingegangen, als ein wegen ſeiner Streitſucht be=
kannter
Burſche von kaum zwanzig Jahren, den man
unter einem Vorwande entfernt hatte, als der Seewein
bei ihm ſeine Wirkung zu tun begann, lärmend wieder
in das Gaſtlokal eindrang und dort einen Streit her=
vorzurufen
ſuchte. Vergebens wollte man den aufge=
regten
Menſchen beruhigen. Als alles gütliche Zureden
nichts half, ſondern der Burſche ſtets ſtreitſüchtiger
wurde und drohende Worte fallen ließ, trat ein Veteran,
ein wegen ſeiner Rechtlichkeit allgemein geachteter
Mann, an ihn heran, und redete ihm zu, das bisher
ſo ſchön verlaufene vaterländiſche Feſt nicht zu ſtören.
In dieſem Moment riß der wie ſinnlos ſich geberdende
Menſch ein Meſſer aus der Taſche und ſtieß es mit aller
Wucht gegen die Bruſt des alten Mannes. Zum Glück
hatte er ſtatt der Bruſt das darauf beſindliche Eiſerne
Kreuz getroffen und zwar mit ſolcher Gewalt, daß die
Spitze des Meſſers abbrach. Natürlich würde der Uebel=
täter
, nachdem zunächſt eine gründliche Lynchjuſtiz an
ihm vollzogen war, ſofort der Polizei übergeben, wäh=
rend
der Veteran, auf deſſen Kreuz ſich deutlich die
Spur des Meſſerſtoßes zeigte, von allen Seiten zu der
Errettung aus der großen Gefahr beglückwünſcht wurde
* Der geſchmuggelte Tabak. Eine amü=
ſante
Geſchichte aus dem Orient, die den Vorzug der
Wahrheit haben ſoll, erzählt ein Pariſer Blatt. Danach
weilten einige franzöſiſche Vergnügungsreiſende kürz=
lich
in einer kleinaſiatiſchen Hafenſtadt und machten
dort einem hohen Beamten, der u. a. auch die Aufſicht
über die türkiſche Tabakregie zu führen hatte, ihre Auf=
wartung
. Selbſtverſtändlich bot der türkiſche Würden=

träger ſeinen Beſuchern Zigaretten an, welche dieſe ſo
ausgezeichnet fanden, daß ſie ihren Gaſtgeber fragten,
wo man ähnliche bekommen könne. Ich muß Ihnen
ein Geſtändnis machen, meinte da der Beamte, das
für inich etwas peinlich iſt. Die Zigaretten, welche ich
Ihnen anzubieten die Ehre hatte, ſind aus geſchmuggel=
tem
Tabak hergeſtellt. Letzterer iſt viel beſſer, als der
in unſeren Regiefabriken hergeſtellte, ich ſelber rauche
prinzipiell nur geſchmuggelten. Leider, und Sie wer=
den
das verſtehen, verbietet mir meine Stellung, Ihner
die Adreſſe anzugeben, wo Sie ihn beſchaffen können.
Aber wenden Sie ſich einfach an einen Fremdenführer,
ſo ein Burſche wird Ihnen zweifellos die richtige
Adreſſe verraten. Die Reiſenden, die über dieſes Ge=
ſtändnis
ein wenig verwundert waren, hielten ſich an
den Rat ihres Gaſtgebers und verſchafften ſich auch
dank der Vermittelung eines Fremdenführers große
Vorräte von geſchmuggeltem Tabak. Vor ihrer Abreiſe
glaubten ſie dem türkiſchen Beamten für ſeine Freund=
lichkeit
noch ihren beſonderen Dank ausſprechen zu
müſſen. An mir iſt es, Ihnen zu danken, meinte je=
doch
der letztere. Sie haben mir eine große Gefällig=
keit
erwieſen. Schon ſeit längerer Zeit konnte ich es
nicht herausbringen, wo der geſchmuggelte Tabak ver=
kauft
wird; ich habe Ihnen Leute nachgeſchickt Sie
werden mir dieſe Freiheit verzeihen und weiß jetzt
dank Ihrer Vermittelung, was ich wiſſen wollte. Die
Reiſenden ſollen ziemlich verdutzte Geſichter gemacht
haben.
* Eine Stadt, die in die Luft gebaut iſt.
Eine merkwürdige, einzigartige Anlage hat die Stadt
Acoma, die drei engliſche Meilen ſüdlich von Meſa
Encantada in Mexiko liegt. Die Stadt iſt auf einem
Felſen erbaut, der ein Prachtbeiſpiel einer phantaſti=
ſchen
Ausnagung durch das Waſſer bildet, denn ſeine
Seiten hängen in einer Höhe von faſt 400 Fuß weit
über. So ſtellt er einen ungeheueren Pilz dar, der nur
in der Mitte geſtützt iſt und ringsherum in der Luft
ſchwebt. Die Stadt, die auf dieſer meerumſpülten luf=
tigen
Höhe errichtet iſt, führt ihren Urſprung in ferne
Vergangenheit zurück; ſie beſtand bereits, als 1540 die
erſten europäiſchen Forſcher ſie beſuchten und einen Be=
richt
von dieſer wunderſamen Anſiedelung und den
intereſſanten Baulichkeiten, die ſie enthält, gaben.

[ ][  ][ ]

Nummer 196.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Auguſt 1910.

Seite’5.

* Paris, 21. Aug. Das Journal hat einen
Preis von 200000 Franken geſtiftet für eine große inter=
nationale
Aeroplan=Rundfahrt Paris- Ber=
lin
-Brüſſel-London-Paris, die im November
1911 zum Austrag kommen ſoll. Das Journal wird den
Club de France erſuchen, die ſportliche Leitung zu über=
nehmen
und wird mit dem gleichen Erſuchen an die Aero=
klubs
Deutſchlands, Belgiens und Großbritanniens heran=
treten
. Das Blatt hofft, daß keine politiſche Empfindlich=
keit
ſich über eine friedliche Invaſion aufregen wird, zu
der die Aviatiker aller Länder eingeladen werden ſollen.
Sollte aber die geplante internationale Rundfahrt uner=
warteter
Weiſe nicht zuſtande kommen, dann ſoll der Preis
von 200000 Franken für eine Rundfahrt durch Frankreich
verwendet werden.
* Paris, 22. Aug. Aus Montagne wird
berichtet: Bei einem hier ſtattgehabten aviati=
ſchen
Feſte kam es zu lebhaften Zwiſchen=
fällen
. Aubrun ſollte gegen 3 Uhr nachmittags
aufſteigen und Zehntauſende von Menſchen war=
teten
auf das Schauſpiel. Um 7 Uhr abends wurde das
Publikum ungeduldig und ſtürmte das Flugfeld, ſodaß
die Gendarmerie einſchreiten und die Halle beſchützen
mußte. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen,
aber nicht aufrecht erhalten. Auf die Vermittelung des
Unterpräfekten hin unternahm ſchließlich Aubrun einen
Flug über der Stadt, worauf ſich das Publikum beruhigte
und dem Aviatiker eine Ovation darbrachte.

Sport.
Fußball. Die erſte Mannſchaft des Fuß=
ballklubs
Olympia‟=Darmſtadt 1898 ſiegte
am vergangenen Sonntag gegen die gleiche Mann=
ſchaft
des Fußballklubs Pfalz=Ludwigshafen
mit 5:2 Toren. Das Spiel, das äußerſt intereſſant
war, zeigte eine merkliche Ueberlegenheit der Darm=
ſtädter
. Die zweite Mannſchaft ſpielte gegen F.=K.
Bensheim I. Das Spiel entſchied, obgleich nur mit
10 Mann ſpielend, mit 4:2 Toren für Olympias
Farben. Die fünfte Mannſchaft ſpielte in Offenbach
nnentſchieden gegen F.=K. Kickers=Offenbach mit 1:1
Toren.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Soeben werden die recht umfangreichen Erdarbeiten
zur Tieferlegung des alten Arheilger Weges gefertigt. Lei=
der
wird dieſer alte ehrwürdige Weg nicht überbrückt
und zwar mit dem Hinweis, er wäre zu ſchwach befahren.
Das iſt ja richtig, aber die Gründe, weshalb, ſind ſehr
naheliegende. Veranlaßt iſt der ſchwache Verkehr durch
die Bahneinſchnitte und deren ſteile Senkungen, die wenig
Rückſicht auf den Fuhrverkehr nehmen. Wenn dieſe ſteilen
Senkungen nicht wären, dann wäre der Weg ſehr ver=
kehrsreich
, denn er iſt der nächſte Weg von Arheilgen in
das Zentrum der Stadt, und würde die zeitweiſe über=
füllte
Frankfurter Chauſſee mit dem ſtarken Auto=
mobilverkehr
, Dampfſtraßenbahn und Tauſende von
Arbeitern aus den Fabriken ſehr entlaſten.
Es gibt in jeder Stadt Gegenden, die auch ohne Pro=
tektion
durch ihre Lage ſich von ſelbſt helfen eine dieſer
Gegenden iſt hier die Hammelstrift, 30 Minuten
vom Schloſſe entfernt, liegt die idylliſche ſchöne Maulbeer=
Allee mit den dunkelgrünen, dichtbelaubten alten Maul=
beerbäumen
und der reizenden Fernſicht nach dem lieb=
lichen
Arheilgen einerſeits und andererſeits dem grotesken
Bilde unſerer Vaterſtadt mit ihren vielen ſchönen Türmen
und den bewaldeten, ſanft anſteigenden Bergen, im Hin=
tergrunde
der Frankenſtein und der Melibokus: ein ſchönes
Bild, das zur Beſichtigung einlädt. Schade, daß der
Verſchönerungsverein noch keine Bänke in der ganz ſchna=
kenfreien
, ſchattenſpendenden Maulbeer=Allee aufgeſtellt
J. C.
hat.

Literariſches.
C Der Naturfreund am Strande der
Adria und des Mittelmeergebieres von
Prof. Dr. Karl J. Cori, Direktor der k. k. zoologiſchen
Station in Trieſt. (Verlag von Dr. Werner Klink=
hardt
, Leipzig. Gebd. 3,50 Mk.) In leicht verſtändlicher
Weiſe, die auf tiefem Wiſſen baſiert, führt uns der Ver=
faſſer
ein in die kleinen und großen Wunder der
Meerestiefe, läßt uns einen Blick tun in das Leben
und Weben der Meeresbewohner, die dem Laien immer
wieder als Wunder der Natur erſcheinen müſſen in
ihrer Zwiſchenſtufe zwiſchen Menſch und Tier. Von der
Entſtehung des Mittelmeeres und der Adria erzählt
uns der Verfaſſer, dann vom Flachſtrande der Lidi
der adriatiſchen Nehrungen, von den Lagunen und
ihrem Leben, von den Zoſterawieſen, der Flachſee, von
Felſenküſten und Schneppnetzfahrten, von Plankton
und planktoniſchen Tieren und von ſolchen der Hochſee.
Zahlreiche Abbildungen und farbige Tafeln erleichtern
das Verſtehen.

Die Poſener Kaiſertage.
* Poſen, 21. Aug. Samstag abend fand im Poſener
Kaiſerſchloß eine Serenade ſtatt, an der 400 Sän=
ger
des Poſener Provinzial=Sängerbundes teilnahmen.
Nach der Aufführung, die etwa 20 Minuten dauerte, ließ
der Kaiſer den Muſikdirektor Gambke, ſowie den Vorſitzen=
den
des Provinzial=Sängerbundes, Rechtsanwalt Dr.

Hartwig und zwei andere Vorſtandsmitglieder zu ſich ru=
fen
, um ihnen ſeine Anerkennung auszuſprechen. Nach dem
Abmarſch der Sänger zog ſich die kaiſerliche Familie von
dem Balkon zurück; nur der Kaiſer blieb noch einige Zeit
auf dem Balkon ſtehen. Die Menge brach in laute Hochrufe
aus und ſang mehrere Male Heil Dir im Siegerkranz
und Deutſchland, Deutſchland über Alles Bei der Ta=
fel
überwies der Kaiſer dem Generalſuperintendenten
a. D. Dr. Heſekiel einen Betrag von 150000 Mark aus
ſeiner Privatſchatulle zu den Baukoſten des Diako=
niſſenheims
.
H. B. Poſen, 22. Aug. Für geſtern nachmittag
war die Vorführung des P. V‟ geplant. Der Plan
mußte jedoch wegen ſtarken Windes aufgegeben wer=
den
. Der Kaiſer verblieb geſtern nachmittag im Schloß.
Um 4 Uhr war Damenempfang bei der Kaiſerin. Es
wurden empfangen die Damen der höheren Militärs,
der höheren Beamten und des landſäſſigen Adels. Zu=
gegen
waren auch die anweſenden Prinzeſſinnen.
* Poſen, 22. Aug. Heute vormittag wurde auf
dem Truppenübungsplatz Poſen eine größere
Gefechtsübung abgehalten. Der Kaiſer begab ſich
im Automobil hinaus und ſtieg um 7 Uhr in der Nähe
des Barackenlagers zu Pferde. Anweſend waren: der
Kronprinz, Prinz Eitel Friedkich, Prinz Auguſt
Wilhelm und Prinz Oskar, ſowie der kommandierende
Generalmajor Graf Kirchbach. Die Leitung der Uebung
hatte Generalleutnant Schack. Es war eine blaue
Partei unter Generalmajor Weſternhagen und eine
rote unter dem Generalmajor Harbou gebildet worden.
Die blaue Partei beſtand aus dem Grenadierregiment
Nr. 6, zwei Bataillonen des Regiments 46, zwei Batail=
lonen
des Regiments Nr. 47, zwei Eskadrons der
Königsjäger zu Pferde und des Feldartillerieregiments
Nr. 20, die rote Partei aus den Infanterieregimentern
Nr. 14 und 148, drei Eskadrons Königsjäger und einem
kombinierten Feldartillerie=Regiment. Es entwickelte
ſich ein lebhafter Kampf mit Kavallerieattacken und hef=
tigem
Artilleriefeuer, der gegen 9 Uhr beendet war.
Nach der Kritik nahm der Kaiſer den zweimaligen
Vorbeimarſch der Truppen unter ſtrömendem Regen,
der inzwiſchen eingeſetzt hatte, ab. Der Kaiſer, von dem
anweſenden Publikum und den zahlreichen Schulen
ſtürmiſch begrüßt, ritt zum Barackenlager, nahm an der
Frühſtückstafel in der Offiziersſpeiſeanſtalt des Lagers
teil und kehrte hierauf um 12½ Uhr mittels Automobils
nach Poſen zurück.
* Poſen, 22. Aug. Die Kaiſerin beſuchte heute
vormittag 9½ Uhr das Diakoniſſenhaus, wo ſie vom
Generalſuperintendenten a. D. Heſekiel und dem Kura=
torium
, dem u. a. Landeshauptmann von Dziembowski
und der Anſiedelungskommiſſionspräſident Gramſch an=
gehören
, ſowie dem Vorſtand des Provinzialvereins
Frauenhilfe mit Frau Gräfin Kirchbach an der Spitze
empfangen wurde und dann einen Rundgang unter=
nahm
. Die Kaiſerin beſuchte ferner das Kaiſerin
Auguſte Viktoria=Haus, wo die hohe Frau von Ober=
präſident
von Waldow empfangen wurde und die Vor=
ſtandsmitglieder
des Provinzialvereins vom Roten
Kreuz und des Verbandes der vaterländiſchen Frauen=
vereine
in der Provinz Poſen und der Stadt Poſen
Aufſtellung genommen hatten. Sodann wurde das
Krankenhaus der Barmherzigen Schweſtern beſucht, wo
die Kaiſerin von der Oberin, der Schweſter Seminski,
empfangen wurde und die General=Oberin Frau Giers=
berg
aus Kulm und Weihbiſchof Dr. Likowski die Kai=
ſerin
erwarteten. Es folgte ein Beſuch des ſtädtiſchen
Bürger=Stiftes, wo Bürgermeiſter Künzer an der Spitze
des Kuratoriums die Kaiſerin begrüßte und danach ein
Beſuch des evangeliſchen Vereinshauſes, deſſen Vor=
ſtand
, Konſiſtorialpräſident Balan, die Kaiſerin empfing.
* Poſen, 22. Aug. Prinzeſſin Eitel
Friedrich von Preußen beſuchte das evange=
liſche
Vereinshaus, deſſen Vorſtand Konſiſtorialpräſi=
dent
Palan iſt.
* Gneſen, 22. Aug. Die Kronprinzeſſin
traf im Automobil, von Poſen kommend, heute vormit=
tag
um 11 Uhr vor Bethesda ein, begleitet von der
Oberhofmeiſterin Freifrau v. Thiele=Winkler und dem
Regierungspräſidenten Dr. v. Günther. Sie wurde
von den ſtädtiſchen Behörden empfangen. Die Be=
grüßungsanſprache
hielt der erſte Bürgermeiſter
Schoppen. Nach der Beſichtigung der Anſtalt erfolgte
um 12½ Uhr die Rückfahrt nach Poſen.

Tetzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 22. Aug. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung meldet: Im Allerhöchſten Auftrage machte am
Sonntag Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter dem
japaniſchen Botſchafter einen Beſuch, um die Teil=
nahme
des Kaiſers anläßlich der Ueber=
ſchwemmungen
in Japan auszuſprechen.
Zu Ehren des ſerbiſchen Miniſters des Aeußern gab
m Montag von Kiderlen=Wächter ein Frühſtück, an
dem der ſerbiſche Geſchäftsträger und eine Reihe poli=
tiſcher
Beamten teilnahmen.
* Metz, 22. Aug. Als der Kommandant der Feſt=
ung
Metz, Exzellenz von Puttkamer, von einem
Beſuch beim Grafen Häſeler in Plappeville zurück=
kehrte
, ſcheute das Pferd des Wagens, der ſtürzte.
Dabei erlitt von Puttkamer einen Bruch des linken
Oberarmes und Verletzungen an beiden Schienen=
beinen
.
* Dresden, 22. Aug. Der König iſt geſtern zu
mehrtägigem Jagdaufenthalt nach Tarvis in Kärnten
abgereiſt.

* Roſtock, 22. Aug. Geſtern verunglückte am
Schlachthofe der neue Opelwagen des Ziegeleibeſitzers
Höppner aus Papendorf. Die Inſaſſen des Automo=
bils
, Höppner jun. und zwei Chauffeure, wurden ſchwer
verletzt.
* Lauterbrunnen, 22. Aug. Die Leichen der drei
an der Jungfrau verunglückten Touriſten Kinſcherf
und Wenner und des Fräulein Farner ſind gefunden
worden und wurden abends hierher verbracht.
* Paris, 22. Aug. Zu der geſtrigen Rede des
Miniſters des Aeußern, Pichon, in Chalon
ſur Saöne äußert ſich heute früh nur die Aurore: Man
weiß, mit welcher Regelmäßigkeit und welcher Aus=
dauer
Miniſter Pichon ſein Marokkoprogramm
durchgeführt hat und zwar nicht ohne heftige Oppoſition.
Heute, wo das Werk vollbracht iſt, läßt es ſich nach
ſeinen Ergebniſſen beurteilen. Wir haben uns mit
Ehren aus einer Situation gezogen, welche zahlreiche
Gefahren in ſich barg. Dieſen Eindruck erweckten die
geſtrigen Ausführungen Pichons bei der Denkmals=
enthüllung
in Chalon ſur Saöne.
* Paris, 22. Aug. Prinz Friedrich Leo=
pold
von Preußen traf heute vormittag 8 Uhr
hier ein und wurde am Bahnhof von dem Geſchäfts=
träger
der deutſchen Botſchaft, Botſchaftsrat Baron
von der Lancken, begrüßt. Um 12 Uhr mittags ſetzte
der Prinz mit dem Südexpreßzug die Reiſe nach Liſſa=
bon
fort.
* Vichy, 22. Aug. Marſchall Hermes da Fon=
ſeca
iſt heute früh 9 Uhr von hier nach Paris abge=
reiſt
, um ſich zu den Kaiſermanövern nach Deutſch=
land
zu begeben.
* Cetinje, 22. Aug. Geſtern abend fand imsfürſt=
lichen
Palais Galatafel zu Ehren des Königs Fer=
dinand
ſtatt, bei der die beiden Herrſcher herzliche
Trinkſprüche wechſelten.
* London, 22. Aug. Das Königspaar von
Spanien iſt von London nach Paris abgereiſt.
* Miſſoula, 22. Aug. Die Wälder im weſtlichen
Montana ſind von ungeheuren Bränden be=
droht
, die bereits ausgedehnte Waldbeſtände vernichtet
haben. In Miſſoula ſind Tauſende von Flüchtlingen
angekommen. Viele von ihnen ſind nur notdürftig
bekleidet, da ſie mitten in der Nacht vor dem Feuer
flüchten mußten. 180 Forſtbeamte werden vermißt.
Man befürchtet, daß ſie verbrannt ſind.
* Wallace (Idaho), 22. Aug. Der Waldbrand
zerſtörte die halbe Stadt. 24 Perſonen ſind ums Leben
gekommen. Das Feuer wütet weiter und bedroht auch
eine andere Stadt.
* New=Orleans, 22. Aug. Nach einer Meldung
aus Managna erließ Joſé Eſtrada eine Pro=
klamation
, durch die den Aufſtändiſchen die Re=
gierung
übertregzen wurde. In Managua ſollen
ſchwere Ausſchreitungen vorgekommen ſein. Die ame=
rikaniſchen
Einwohner fühlen ſich daher beunruhigt.
Die Aufſtändiſchen ſtehen etwa 12 Meilen vor der
Stadt. Aus Bluefields wird gemeldet, daß
Madriz Bluefields geräumt habe, das Eſtrada ſo=
fort
beſetzte.

* Offenbach, 22. Aug. Die Skandale in unſe=
rer
Verwaltung wollen kein Ende nehmen, denn
es ſteht, wie man hört, die Enthüllung einer neuen,
höchſt unangenehmen Affäre bevor, die in die Zeit der
Tätigkeit des jetzt beurlaubten Beigeordneten Walter
fällt. Wie die O. Ztg. erfährt, hat eine Anzahl von
Beamten des Bauamtes eine Eingabe an die Bürger=
meiſterei
gerichtet, in der gegen den Beigeordneten
Walter die ſchwerſten Anſchuldigungen erhoben
werden. Es wird ihm unter Zugrundelgung von etwa
dreißig Fällen vorgeworfen, daß er in der Bearbeitung
von Anzeigen und Baupolizeiangelegenheiten wider
beſſeres Wiſſen mit zweierlei Maß gemeſſen habe. Von
der Bürgermeiſterei iſt die Eingabe an die Staatsan=
waltſchaft
weitergegeben worden, da ſie Anſchuldigungen
enthält, die ſich auf ſtrafbare Handlungen beziehen. Die
Staatsanwaltſchaft hat die Angelegenheit auch aufge=
griffen
und den hieſigen Amtsanwalt mit der Unter=
ſuchung
der Sache beauſtragt, der ſeinerſeits wieder die
Kriminalpolizei mit der Vornahme der Ermittelungen
betraut hat.
* Eſſen a. d. R., 22. Aug. Heute vormittag um 11
Uhr iſt hier das Laboratorium des Krupp=
ſchen
Schießſtandes infolge einer Exploſion
in die Luft geflogen. Der in der Nähe liegende
Pulverſchuppen iſt infolge des ſchnellen Eingreifens
der Feuerwehr verſchont geblieben. Das Feuer
wurde um 12 Uhr gelöſcht. Aus dem brennenden
Kruppſchen Laboratorium wurden drei Tote und
mehrere Schwerverletzte geborgen.

Dankſagung.
Für die uns erwieſenen zahlreichen Be=
weiſe
der Freundſchaft und Anhänglichkeit an=
läßlich
unſerer Goldenen Hochzeitsfeier ſagen
wir auch auf dieſem Wege Allen verbindlichſten
Dank und bitten um gütige Nachſicht, wenn.
jemand in der begreiflichen Erregung vergeſſen
ſein ſollte.
(*20395
Familie Dochnahl,
Großherz. Palais=Inſpektor i. P.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

darmſtädter Tagblatt, Dieustag, den 23. Auguſt 1910.

Nummer 196.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Allen Freunden und Bekannten die trau=
rige
Nachricht, daß heute, nach kurzer Krank=
heit
, meine liebe Frau, unſere gute Mutter,
(16451
Schwieger= und Großmutter
Frau Anna Lehmann
geb. Rüger
im Alter von 72 Jahren, wohlverſehen mit den
heiligen Sakramenten, ſanft verſchieden iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Karlſtr. 115, 21. Aug. 1910.
Die Beerdigung findet Mittwoch 2½ Uhr nach=
mittags
auf dem Beſſunger Friedhofe ſtatt.

Krieger-Verein
Darmſtadt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſer langjähriges Mitglied und Feldzugs=
(16413
kameraden, Herrn
Uch. Geolg Vonderschmlae
Schreiner
aus dieſem Leben abzurufen.
Die Beerdigung findet Dienstag, den
23. Auguſt, nachmittags 5½ Uhr, vom Portal
des Darmſtädter Friedhofs aus, ſtatt.
Sammlung am Friedhof.
Zur Teilnahme an der Beerdigung wer=
den
die Kameraden von Herden bis Kuſchel,
ſowie der VI. Bezirk erſucht.
Der Vorſtand des Kriegervereins
Darmſtadt.

Todes-Anzeige.
Tiefgebeugt mache ich die traurige An=
zeige
, daß meine innigſtgeliebte, herzensgute
Frau, unſere treue Mutter, Tochter, Schweſter,
Schwiegertochter, Schwägerin, Nichte, Couſine
und Tante
(16424
Auguste Diehl
geb. Baldes
nach langem, ſchwerem Leiden, im kaum vollen=
deten
25. Lebenjahre uns durch den Tod heute
früh entriſſen worden iſt.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Diehl.
Darmſtadt, den 22. Auguſt 1910.
Nieder=Ramſtädterſtraße 43 I.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
24. Auguſt, nachmittags 4½ Uhr, vom Eliſa=
bethenſtift
aus, ſtatt. Einſegnung in der Ka=
pelle
daſelbſt 20 Min. vorher.

Tageskalender.
Gartenbauverein: Beſichtigung der landwirtſchaftl.
Verſuchsſtation um 4 Uhr (Zuſammenkunft am Bahn=
übergaug
der Main=Neckar=Bahn).
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 107 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 24. Auguſt.
Hofreite=Verſteigerung der Friedrich Fey Witwe
(Kranichſteinerſtr. 12) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Konr. Stein ( Friedrich=
ſtraße
20) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 10 Uhr Runde=
turmſtraße
16.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr in der
Ludwigshalle‟
Dünger=Verſteigerung um 11 Uhr in der Art.=
Kaſerne (Regiment Nr. 25).
Faſelochs=Verſteigerung um 11 Uhr im Faſelſtall
zu Eſchollbrücken.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die
Mitteilung, daß heute nacht 2 Uhr meine liebe
Mutter, unſere gute Schwiegermutter und
(16444
Großmutter
Ensabeue Dieit
geb. Seibert
im 72. Lebensjahre nach kurzem Leiden ſanft
entſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
j. d. N.:
Wilhelm Diehl.
Darmſtadt, Mainz, den 22. Auguſt 1910.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. Aug.,
nachmittags 5 Uhr, vom Portale des Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Amtlicher Weiterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Die weſt=
liche
Zyklone iſt nordoſtwärts nach Schweden gezogen
und hat bei ihrem Vorüberzug nachts vielfach Regen
hervorgerufen. Auf der Vorderſeite des Wirbels
herrſchte geſtern heiteres und ſehr warmes Wetter; im
Süden Heſſens ſtiegen die Tempeaturen bis 29 Grad.
Veim Abzug des Wirbels und Vordringen des weſt=
lichen
Hochdruckgebietes tritt wieder trockenes Wetter
ein.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, 23. Aug.:
Abnehmende Bewölkung, trocken, etwas kühler.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Kurſe vom 22. Auguſt 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Bf. Staatspapiere.
4 Dſche. Reichsſchatzanw.
3½ Deutſche Reichsanl.
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg.
3½ do. Conſols . . . .
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . .
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. .
do.
do.
4 Hamburger Staatsanl.
4 Heſſ. Staatsanleihe . .
do.
do.
3 Sächſiſche Rente
4 Württemberger v. 1907
3½ do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl
1¾ Griechen v. 1887 .
3¾ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente .

do. Goldrente .
do. einheitl. Rente
Portug. unif. Serie I
do. unif. Ser. III
do. Spezigl.
Rumänier v. 1903 . . 102,00
do. v. 1890. .
do. v. 1905. .
Ruſſen v. 1880 . . . .

In Proz.
100,20
93,00
84,00
100,20
92,90
83,80
101,75
93,60
101,00
91,70
82,75
101,30
.101,50
91,10
80,00
83,40
101,60
92,60
101,25
47,50
97,30
.98,70
93,80
66,50
68,40
11,70
94,50
90,30
91,10


Zf.
4 Ruſſen v. 1902 . . .
4½ do. v. 1905.
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903
do. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente
do. Staatsrente

5 Argentinier .
do.
4½ Chile Gold=Anleihe .
5 Chineſ. Staatsanleihe
4½
do.
4½ Japaner . . . .
5 Innere Mexikaner .
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904
5 Gold=Mexikaner . . .

InProz.
92,00
100,30
92,30
84,10
87,50
94,50
94,20
91,70
101,60
90,50
95,30
102,10
99,30
97,20
99,70
95,00
100,25

Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . .
.142,70
4 Nordd. Lloyd . . . . 109,50
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,40
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 106,40
4 Gotthardbahn

InProz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 158,80
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21,80
4 Pennſylvania R. R.
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 207,50
76,00
Werger=Brauerei
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 484,90
Fabrik Griesheim . . . . 258,00
Farbwerk Höchſt.
. 514,50
Verein chem. Fabriken
Mannheim.
.327,60
Lahmeyer .
119,80
Schuckert .
168,10
Siemens & Halske . . . 250,50
Adlerfahrradwerke Kleyer 435,80
Bochumer Bb. u. Guß . . 234,75
Gelſenkirchen .
. .212,00
Harpener .
. . . 198,30
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
.
. . . . . 235,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,60
4 Pfälzer Prt.
.100,40
3½ do.
92,00
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
do. ſteuerfrei .
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
97,60
3
do. alte .
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,20
4
do.
79,00
do.
29/10
57,50
3 Raab=Oedenburger . . 74,90
4 Ruſſ. Südweſt.
89,50
4 Kronpr. Rudolfbahn . 75,90

In Pryt
31.
2¾0 Livorneſer . . . . . . 75,9)
4 Miſſouri=Pacific
Bagdadbahn Mk. 408 86,60
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . .
Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ. 1689
1 Darmſtädter Bank 130,10
4 Deutſche Bank . . . . 252,75
4 Deutſche Vereinsbank 127,80
4 Diskonto=Geſellſchaft. 186,10
4 Dresdner Bank. 157,70
4 Mitteldeut. Kreditbk. 119,20
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 123,90
104,60
4 Pfälzer Bank.
4 Reichsbank .
1 Rhein. Kredit=Bank 139,20
4 Wiener Bank=Verein 137,50
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
3½ do. S. 19. . . . . 92,30
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
90,50
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,60
3½,
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,00
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,10
do. (unk. 1914) 91,00
3½
4 Südd. Bd.=Kr.=Vk.=Pf. 100,50
3½
do,
92,60

Bf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt
3½ do.
4 Frankfurt .
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
4 München
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
3½ do.
4 Offenbach .
3½ do.
4 Wiesbaden .
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886

Inz:)

. 100,80
96,00
100,50

91,20
91,60

. 100,90
90,00
. 100,20

Bf.
3 Madrider Fs.
4 Meining. Pr.=Pfand=

In Pro;
100 78,30

91,10
. 102,40
. 100,10
. 82,10

Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 160,30
3½ Cöln=Mindner 100
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl. Komm. 100

briefe. .
. . . 135,90
4 Oeſterr. 1860er Loſe 174,00
3 Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fl. 150 99,10

Unverzinsliche
Aulehensloſe.

Fs. 10

Augsburger
fl.
Braunſchweiger Tlr. 20 206,00
Freiburger
Fs. 15
Mailänder Fs. 45
do.
Meininger
ſl. 7
Oeſterreicher v. 1864 100
do. v. 1858 100
Ungar. Staats 100 380,50
Venediger Frs. 30 41,50
Türkiſche
400 179,20
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,39
20 Franks=Stücke
16,19
Oeſterr. 20=Kronen .
16,90
Amerikaniſche Noten .
4,19½
Engliſche Noten .
20,45
Franzöſiſche Noten .
81,00
Holländiſche Noten . . . . 169,45
Italieniſche Noten . . . . 80,65
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,15
Ruſſiſche Noten . . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 81,10
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Zsf. 5½

(16139m
Von der Reise zurück
Dr. Dietz.
Hr. Sehentmn
ist wieder zurückgekehrt.
Von der Reise zurück
Wilhelm Bauer
Großh. Hofdentist (*8402imd
Wilhelminenstr. 33. Telef. 1540.
Von der Reise zurüeſt
Zahnarzt Werner
Ernst-Ludwigstr. 21. (16114a
Von der Reise zurück
Zahnarzt Nieswandt
Wilhelminenſtraße 29. II. (16311a

b. z. verk. Lautenſchlägerſtr. 8, I. (*20332

für Kleider u. Blusen
Schwarze Seidenstoffe
50 cm breit, von Mk. 2.35 an, mit absoluter Garantie für bestes Tragen,
Schwarze Besatzseide das Meter von Mk. 1. 45 an

in schöner glanzreicher Ware empfiehlt in unerreichter Auswahl

Seidenaus EuuardVolz

Musterstücke stehen zu Diensten. Kein Kaufzwang.

[ ][  ][ ]

Nummer 196.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Auguſt 1910.

Seite 37.

Fräulein

geſetzt. Alt. ſucht Filiale, gleich welch. Branche,
z. übern., am liebſt. Zig.=Geſch. Kaut. k. geſt.
werden. Off. u. L. 85 an die Exp. (*20317
ſucht Stelle als Näherin
Fraulein in Aenderungs=Atelier
für ſofort. Offerten unter A. St.,
Eliſabethenſtraße 31, II.
(*20370id
empfiehlt ſich in und
Schneiderin
außer dem Hauſe
Kiesſtraße 49, Seitenbau I. (*20371im

Tücht. Tischler, Polierer, Klavier-
macher
bei höchsten Löhnen
sofort gesucht.
Steinway & Sons, Hof-Pianofortefabrik,
Hamburg, Schanzenstr. 20124. (M16168

empfiehlt ſich im
Schneiderin Anfertigen von
Bluſen und Röcken bei bill. Berechnung.
Näheres bei
(*20380
Schmidt, Rundeturmſtraße 2.
Modistin
ſucht Stelle als 2. Arbeiterin
(B16191
Kätchen Merz, Gau=Köngernheim b. Alzey.
ſucht leichte
Aelteres Mädchen Stellg. in ruh.
Haushalt Waldſtraße 47, 1. St. (*20338
*20334im) Eine Frau ſucht waſch, putzen
u. Aushilfe Große Kaplaneigaſſe 35, Hth., Mſd.
*20327) Frau geht waſchen und putzen
Nieder=Ramſtädterſtr. 52, Stb.
20357) Junge Frau ſucht Kunden i. Waſch.
u. Putz. Aliceſtraße 43, Manſarde.
SWaſchen u. Glanzbügeln wird noch an=
genommen
Soderſtraße 31. (*20350
ſucht Stelle 79 und
Laufmädchen ½10½12 Uhr morgens
Wienersſtraße 40, parterre. (*20347
*20349) Junges Fräulein, im Nähen ſehr
bew., ſucht Stelle. Zu erfr. i. d. Exped.
*20373) Junge Frau ſucht Laufdienſt.
Holzſtraße 24, II.

Solides, reinliches Mädchen
in kleine Familie für 1. September geſucht
16235a)
Frankfurterſtraße 18, II.

46356) Wegen Erkrankung des früheren
Mädchens wird ein fleißiges, ordentliches
Dienſtmädchen
per ſofort geſucht. Näheres zu erfragen in
der Expedition ds. Bl.
*20299ol) Geſetztes, ſelbſtänd. Mädchen,
w. in der Reſtaurationsküche etwas erfahren
u. die Frau abwechſelnd in Küche u. Büfett
vertreten kann, ſofort geſucht. Näh. Exped.
*202563i) Ein ordentliches Mädchen
per 1. September geſucht
Schloßgartenplatz 2.
*20336im) Reinliche Lauffrau od. Mädchen
geſucht Wienersſtraße 80, 1. Stock.

mit gut. Zeugn.
Braves Mädchen ſucht Stelle in
Geſchäftshaus. Stellenbureau Debus,
Karlſtraße 79, Telefon 1737. (*20385
*20382) Stellen ſuchen Alleinmädchen,
welche kochen und nicht kochen, Haus= und
Kindermädchen für 1. September Bureau
Fr. Dingeldein, Schützenſtr. 10½, Telf. 531.
Jg. Mädchen
welches gut bürgerlich kocht, bew. in allen
häuslichen Arbeiten, treu, ehrlich, gute Zeug=
niſſe
beſitzt, ſucht zum 1. Sept. oder ſpäter
gute Stellung. Off. u. M 46 Exped. (*20383
*20375) Ordentliches, tücht. Mädchen
ſucht ſofort Stelle in Privath. oder Geſch.
Stellenbureau Schulz, Schulſtr. 3.
Kaufmann
firm in allen Kontorarbeiten, bilanzſicherer
Buchhalter, deutſcher, engl. u. franzöſiſcher
Korreſpondent, Stenograph, Maſchinenſchr.,
mit la Zeugniſſen und Referenzen, ſucht
Vertrauenspoſten. Gefl. Offerten unter
M 30 an die Exp. ds. Bl.
(*20319

4 tüchtige
Taillenarbeiterinnen
bei höchſtem Lohn für
dauernd geſucht. (16434
L. Cohen,
Wilhelminenſtraße.

für dauernd geſucht
Geübte Arbeiterin
(16323a
D. Marcus, Konfektion,
Ecke Nied.=Ramſtädter= und Mühlſtraße 78.
*20365) Eine Büglerin geſucht. Es
wollen ſich aber nur ſolche melden, die auf
feine Herrenwäſche geübt ſind.
Wäscherei und Neubüglerei Eckhardtstrasse 8.
Poſtkarte genügt.

Kurbelſtickerin
od. Sticker per ſofort für dauernd geſucht
H. Front,
Eliſabethenſtraße 10. (*20394
Juges, auſätrdiges Mädhen
für leichte Lagerarbeiten geſucht (*20342
Emil Wünsche, Wendelſtadtſtr. 28.
geſucht. Konfektion
Lehrmädchen Lina Spieß, Kaſino=
ſtraße
14.
(*20359
können bei ſofort.
Mädchen Verdienſt das
Kleidermachen erl.
Zu erfragen in der Expedition. (16237a
Jüngeres, braves
Dienſtmädchen
am liebſten vom Lande, ſofort oder
zum 1. September geſucht.
(16069t
Näheres Expedition.

Verwalt, Hofbeamte,
Geſuchtwerden Filialleiter, Buchhlt.,
Kontoriſt., Jäger, Förſter, Monteure,
Schloſſer, Dreh., Vorarb., Schachtmſtr.,
ſow. a. Branch. d. d. Stellennachw., Germanig‟‟
(Vakanzenl.) Fraukfurt a. M. Niddastr. 96. (*203354

16431im) Suche für meine
Eiſchräucherei und Export
einen in der Branche gut eingeführten
Vertreter.
Hermann Föh, Fiſchräucherei, Eckernförde.

für an=
Tüchtige Darlehnsvermittler erkannt
reelles Bankhaus ſofort geſucht Sander &
Co., Rixdorf-Berlin, Treptowerstr. 95/96. (M11641

verlange
er Stellung sucht die

Deutſche Vakanzenpoſt
(1449f
Eßlingen 143.

Getreidehändler
lohnende Vertretung
für anerkannt. Original=Saatgut zu vergeb.
Refer. u. Off. unt. J. V. 9058 befördert
Rudolf Mosse, Berlin SW. (M16418

*20337idf) Sucheper ſof. gegen gute Bezahlg.
tüchtigen Schneidergeh.
Hofferbert, Ahaſtraße 10.

geſucht. Offert.
Jg. Bautechmiker mit Zeugn. u.
Gehaltsanſpr. u. M35 an die Exp. (16414im

lst0ſtnch Ein kräſtger underheirateter
Fuhrknecht geſucht.
Näheres in der Expedition ds. Bl.

Jüngerer Hausburſche
Radfahrer, mit prima Zeugniſſen, per ſo=
fort
geſucht
(16430
Speier’s Schuhwarenhaus.

Inh.: P. Wildau.

zur Beſorgung der häuslichen Arbeiten in
der Wirtſchaft eines einz. Herrn für die
Zeit von 28 Uhr nachm. geſucht. Angebote
mit Lohnanſpr. u. M31 an die Exp. (*20331
16412) Geſucht per ſofort ein junges
Laufmädchen. Guter Lohn
Inſelſtraße 42, 1. Stock.
mit nur
Sauberes Dienſtmädchen guten Zeug=
niſſen
, welches etwas kochen und bügeln
kann, in kleinen Haushalt ſofort geſucht.
Näheres im Herrngartenhaus am Teich,
Nr. 8.
(*20368
von morgens 8 Uhr bis
Laufmädchen über Mittag geſucht
*20314)
Annaſtraße 59, 2. Stock.

11142t) Gartenſtraße 26, am Herrn= Hölgesstrasse 1, I. Stock,
garten, ſchöne 4=Zimmerwohnung mit ab=
geſchloſſenem
Vorplatz, Gas und ſonſt. Zu=
behör
ſofort zu vermieten.
Pallaswiesenstrasse 1
eine ſchöne 4=Zimmer=Wohnung ſofort zu
vermieten. Näheres parterre. (15608ids

Oſtviertel.
4 Zimmer (2. Stock), 2 Zimmer (Manſarde)
nebſt Zubehör ſofort billig zu verm. Aus=
kunft
Wendelſtadtſtraße 40, 1. St. (16421ids

B15779t) Ludwigshöhſtr. 55, 3=Zimm.=
Wohn. mit Zubehör zu 300 Mk. zu verm.

16120) Zu älterer Dame wird tagsüber
geſucht,das
zuverläſſiges Mädchen in Haus=
arbeit
(nicht Kochen) u. leichter Pflege erfah.
iſt. Vorz. zw. 4 u. 6 Uhr Friedrichſtr. 21, I.
*20321) Saubere brave Monatsfrau ge=
ſucht

Wendelſtadtſtraße 15, 2. St.
B16447) Es wird ein Mädchen tagsüber
geſucht. Näheres Herderſtr. 19, I.
Kinderfräulein, Haus=
Stellen finden: mädchen, Alleinmädchen
in Privat= und Geſchäftshäuſer. (*20388id
Stellenbüro Nösinger, Magdalenenſtr. 21.
erhalten ſehr gute
Brave Mädchen Stellen. (*20369
Stellenbureau Röse, Karlſtraße 53.
geſucht von Samstag, den
Putztrau 27. bis Mittwoch, den 31. Aug.
Martinſtraße 78, part.
*20387)
und empfehle tücht. Allein=
Suche mädchen, welche kochen u.
nicht kochen in Privat= und Geſchäftshäuſer
ſofort u. ſpäter Frau Weißmantel, Arbeits=
nachweis
, Eliſabethenſtraße 37. (*20386
Hausmädchen und
Köchinnen, Alleinmädchen für
ſehr gute Stellen zum 1. und 15. Septbr.
geſucht Stellenbureau Debus, Karlſtr. 79,
Telefon 1737.
(*20384
Köchinnen,
Suche in großer Anzahl: Hausmäd=
chen
, in Privat= und Herrſchaftshäuſern,
Alleinmädchen, welche kochen, zu zwei Per=
ſonen
, jüngere Mädchen, welche gedient u.
etwas v. Kochen verſtehen, in gute Privat= u. Manſardenwohnung für 2 Leute per ſofort
Geſchäftshäuſer, ferner nach auswärts
Stütze nach Neuſtadt a. d. Hardt, Allein=
mädchen
, welches kochen kann, Beiköchin u.
Küchenmädchen nach Frankfurt, Kinder=
mädchen
zu 2 Kindern nach Wiesbaden,
alle gegen hohe Löhne, für ſofort u. ſpät.
Stellenbureau Frau Dingeldein,
*20381) Schützenſtr. 10½. Teleſon 531.

Eckhardtstrasse 3
Nähe des Schloßgartenpl., ſchöne Drei=
zimmerwohn
., der Neuzeit entſpr. eing.,
ſof. zu verm. Näh. 1. St. r. (*20196soi

11 Neue Niederstrasse 11
neuzeitliche 3=Zimmerwohnung, 1. Stock,
billig zu vermieten. (Weber.) (B14665ids
Heinheimerstrasse 10
ſchöne 3=Zimmerwohnung per 1. Oktober
(13588ids
zu vermieten.
*20141si) Arheilgerſtr. 25 zwei Drei=
Zimmerwohnungen zu vermieten.
*20316id) Ruthsſtraße 16 (Vorderhaus)
Manſardenwohnung, 3 Räume nebſt Zu=
behör
, zu monatl. Mk. 16. ſofort zu verm.
Näheres Ruthsſtraße 16 (Laden).
*20363imd) Stiftſtraße 52 (Hinterhaus)
frdl. 3=Zimmerwohng., neuztl., m. Gas und
reichl. Zubeh., zu verm. Näh. daſ. part.

15885ids) Fuhrmannſtraße 10, eine
2=Zimmerwohnung zu verm., Preis 21 Mk.
monatl. Näheres Val. Ganßert, Seitenbau.
16025if) Kiesſtraße 77 eine 2= Zimmer=
wohnung
per 1. Okt., monatlich 20 Mark.
*20344im) Schießhausſtr. 63 ſchöne Man=
ſarde
, 2 od. 3 Zimmer, per Anfang Oktober
an ruhige Leute zu vermieten.
*20348ims) Neckarſtr. 24, Seitenbau II,
kleine freundl. 2=Zimmerwohnung an kleine
Familie zu verm. Näheres Vorderh. II. r.

One Zimmerzau

15636t) Schützenstraße 6 freundliche
zu vermieten. Näheres daſelbſt im Laden.
15477ids) Fuhrmannſtr. 7 eine freundl.
Wohnung, monatch 14 Mark.
*20340) Hochſtraße 10 kl. Wohnung zu
vermieten, 13 Mk monatlich.

Griesheim
Darmſtädter Chauſſee 23, ganz nahe der
Straßenbahn, ſchöne 3= und 4= Zimmer=
wohnung
, 1. und 2. Stock, mit Gas, ab=
geſchl
. Vorplatz, Kammern u. ſ. Zubeh.,
ſowie Gartenanteil, per ſof. zu vermieten.
(15184ids
Näheres daſelbſt.

15747id) Eliſabethenſtraße 17, Laden
per 1. Sept. zu vermieten.
Laden mit Wohnung
in beſter Lage Beſſungens, für jedes Ge=
ſchäft
geeignet, auch als Filiale paſſend, zu
vermieten. Off. u. M 39 a. d. Exp. (B16426ids

*20323is) Geiſtberg 6 Lagerraum,
hell, trocken. Toreinfahrt.

*20322is) Geiſtberg 6 Keller, gewölbt,
für Wein, Leder ꝛc. Toreinfahrt.

Mene Zimme

12065t) Eliſabethenſtraße 31, 1. Stock,
möbl. Zimmer mit oder ohne Penſion.
16037a) Steinſtr. 24, 1. Et., einf. möbl.
Zimmer mit oder ohne Penſion.
16246a) Marktpl. 7, 1. St., möbl. Zim.

Kiesſtraße 5
ein ſchön möbl. Zimmer, per Woche 3 Mk.,
ſofort zu verm. Näh. part. rechts. (15711t
Mitte der
Pädagogstr. 2, II., Stadt,
1 evtl. 2 ſchön möbl. ung. Zimmer. (*20104fsoi
*20191soim) Kirchſtr., Ecke Schuſtergaſſe,
III., möbl. Zimmer an b. Arbeiter.
16329t) Gartenſtraße 26, I., freundl.
möbl. Zimmer, mit oder ohne Penſion, per
1. September. Näheres parterre.
16211a) Loniſenſtr. 32, II., bei Gg. Wedel,
einfach möbliertes Zimmer mit Koſt.
*20297oim) Waldſtr. 7 einf. möbl. Zim.
gut möbliertes
Waldſtraße 18, part., ſepar. Zimmer
zum 1. September zu verm. (*20285oimd
16396a) Rheinſtr. 47, 2. Hof r., 3. St.,
bei Dörſam, k. 1 Arbeiter ſof. Schlafſtelle
erhalten, per Woche 2,80 Mk. mit Kaffee.
B16395t) Heidelbergerſtr. 29 Koſt und
Wohnung für 10 Mk. pro Woche zu verm
12515ids) Eliſabethenſtr. 23, II., m. Z. z. v.
15381ids) Hübſch möbl. Zimmer an
Beamten oder Kaufmann zu vermieten.
Hügelſtraße 4, 2. Stock.
15923ids) Steinſtr. 8 mehrere möbl. ſchöne
Zimmer mit Gas, zuſ. oder getrennt, mit
oder ohne Küche zu vermieten.
ſchön möbl. Zimmer mit od. ohne Penſion
an beſſ. Herrn p. 1. Sept. zu vm. (15666imds
*19865dsi) Gutenbergſtraße 15, part.,
zwei gut möbl. Zimmer (Schlaf= u. Wohn=
zimmer
) m. Schreibtiſch billig ſof. z. verm.
*20001dsi) Landwehrſtraße 17, p., einfach
möbl. Zimmer, eventl. mit Penſion.
16290ids) Neckarſtraße 16, Gartenbau,
gut möbl. Wohn= u. Schlafz. m. Schreibtiſch.
16285is) Karlſtr. 10, II. St. links, gr.
hübſch möbl. Zimmer.
15403if) Hofſtallſtr. 8, 1. St. l., ſch. möbl.
Zimmer zu vermieten.
15777a) Ernſt=Ludwigſtr. 7, H., einf.
möbl. Zimmer ſof. zu vermieten.
Gut möbliert., ſep. gel. Zimmer,
gegenüber dem Palaisgarten, am 1.
September zu vermieten. Ecke Hügel=
und Zimmerſtr. 11, part. (*20251sid
Abotäimn) Eliſabeihenſtraße 23, Hinerd.,
können 2 anſt. Arbeiter Schlafſtelle erhalten.
Seitenbau, ein möbl. Zim=
Schützenſtr. 18, mer zu verm. (16422ids
B16427t) Heidelbergerſtraße 29, I.
ſchön möbliertes Zimmer mit Penſion für
Mk. 50. zu vermieten.
*20358ids) Bleichſtr. 45, Seitenb ſchön
möbl. Zimmer, ſep., mit 1 oder 2 Betten,
Nähe vom Bahnhof, ſofort zu vermieten.
Luiſenſtraße 6, 2. St.,
nächſt des Theaters u. der Hochſchule,
ſch. möbl. Wohn= u. Schlafz. z. vm. (*20372im
*20366im) Kranichſteinerſtr. 6, Stb. I.
ſchön möbl. Zimmer, pro Woche 3 Mk.
16428a) Riedeſelſtraße 68, 2. Stock,
zwei ſchöne Zimmer ſind an einen Herrn
oder eine Dame ſofort zu vermieten.
*20339) Hochſtr. 10 möbl. Zimmer zu
verm., ſeparat, 3,50 Mk., wöchentl. m. Kaffee.
habe ich mehrere
Wegen Umzug gut erhaltene
Betten, auch ſonſtige Möbel, zu verkaufen.
Zu erfragen Alexanderſtr. 5, part. (16436imd
Lumpen, Flaſchen,
Papier, Eiſen, Me=
Jer Raufe
tall. Zahle die
höchſten Preiſe. Poſtkarte genügt.
*20389im) J. Blum, Obergaſſe 20.
empf. Ernst Crämer,
Obſtpflücker Ludwigsſtraße 7. (16448a

ebr. Kinderwagen 20 zu ver=
kaufen
Parcusſtraße 10, III. (*20374
Aufpolieren von Möbeln
Spezialität: uſw., ſowie alle vorkom=
menden
Schreinerarbeiten. (237a
Adolf Zeller, Schützenſtraße 8.
Dem
Herrn a. Westfalen
(wohnh. a. Marienplatz)
Grüsse
d. d. Schwabenlande.
Nachricht erwünſcht unter A. z. 1910
Stuttgart, hauptpostlagernd. (*20325
Beirdr

Metzger, 25 J. alt, ev., g. Gemüt, mit eig.
Geſchäft a. dem Lande, ſucht ein Mädchen
mit 34 Mille. Nur ernſtgemeinte Offert.
ſind zu richten unter M36 an die Expedit.
dieſes Blattes.
(*20333im
Heirat
Solider, ſtrebſamer Handwerker, mit tadel=
loſer
Vergangenheit, 36 Jahre, kath., 2500 M.
Vermögen, ſucht auf dieſem Wege ein ein=
faches
, tüchtiges Mädchen kennen zu lernen,
zwecks Heirat. Offerten unt. H. K. 720
hauptpostlagernd Mannheim. (116419 77
1 Sperrsitz-Eckplätze
Nr. 89 und 90 abzugeben. Näheres
Rheinſtraße 25, an der Kaſſe. (16411

Ein großer, langhaariger, hellgelber,
deutſcher
Pinscher entlaufen
hört auf den Namen Butz, gegen Be=
lohnung
abzugeben bei Herrn Rittmeiſter
Andrege, Hermannſtraße 41. (B16433

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Auguſt 1910.

Bekanntmachung.
Dienstag, den 30. Auguſt 1910,
vormittags 11 Uhr,
ſollen die der Adolf Theiß Ehefrau, Marie
geb. Laulher dahier zugeſchriebenen Liegen=
ſchaften
:
Flur Nr. qm
I * 239 778 Hofreite Schulſtraße
(Beſſungerſtraße 88)
I 240 98 Grasgarten, daſelbſt,
I 241 556 Grabgarten, daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Wittmann=
ſtraße
1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteigerung
wird auch dann erfolgen, falls ein der
Schätzung entſprechendes Gebot nicht ein=
gelegt
wird und andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen.
Darmſtadt, den 10. Auguſt 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
(D16044,4
Frantz.

HHuHHBEEBGGHBGEEHHGHHBHGHSHEEHGHEHBHEHERGE
E

Das Konkursverfahren
über den Nachlaß des Portiers Peter
Heinrich Fink von Darmſtadt iſt einge=
ſtellt
worden, da eine den Koſten des Ver=
fahrens
entſprechende Konkursmaſſe nicht
vorhanden iſt.
Termin zur Abnahme der Schlußrech=
nung
iſt auf
Samstag, den 17. September 1910,
vormittags 10 Uhr,
Zimmer 217,
(16407
anberaumt.
Darmſtadt, den 19. Auguſt 1910.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.

Steckbrief.

Der unten beſchriebene Einjährig= Frei=
willige
Karl Freiherr von Wilſer der
3. Eskadron Leib=Dragoner=Regiments
Nr. 24, geboren am 8. September 1890 zu
Wien, iſt flüchtig.
Es wird erſucht, ihn feſtzunehmen und
an die nächſte Militärbehörde zum Weiter=
transport
hierher abzuliefern.
Darmſtadt, den 20. Auguſt 1910.
Der Gerichtsherr.
v. Ilſemann,
Oberſt und Regimentskommandeur.
Beſchreibung:
Alter: 20 Jahre,
Statur: ſchlank,
Augen: braun,
Mund: gewöhnlich,
Geſicht: ſchmal,
Sprache: öſterreichiſcher Dialekt,
Größe: 1 m 80 cm,
Haare: dunkelblond,
Naſe: gewöhnlich,
Bart: keinen,
Geſichtsfarbe: blaß.
Beſondere Kennzeichen: Narben im Ge=
ſicht
, von einer Krankheit herrührend.
Beruf: Gymnaſiaſt.
Kleidung: heller Zivilanzug mit Reiſe=
mütze
.
(16408

An dem Konkursverfahren über das Ver=
a
) mögen des Kaufmanns Jacques Gold=
ſtein
zu Darmſtadt ſoll eine Nachtragsver=
teilung
ſtattfinden. Dazu ſind Mk. 3079
32 Pfg. verfügbar.
(16403
Zu berückſichtigen ſind: Mk. 80 780.45
nicht bevorrechtigte Forderungen.
Darmſtadt, den 20. Auguſt 1910.
Karl Dechert.

Dünger=Verkauf.
Am Donnerstag, den 25. Auguſt 1910,
von 9½ Uhr vormittags ab,
wird auf dem hinteren Hofe der alten
Kavallerie=Kaſerne in Darmſtadt die Ma=
tratzenſtreu
von einer Eskadron öffentlich
meiſtbietend verſteigert. (16423im
Garde=Dragoner=Regiment
(1. Großh. Heſſiſches) Nr. 23.

Aus einem Nachlaß ſind folgende Grund=
ſtücke
zu verkaufen:
1. Hofreite Mathildenplatz Nr. 8
Gartenstr. Nr. 18
Gartenstr. Nr. 20
Liebfrauenstr. Nr. 77
Liebfrauenstr. Nr. 81.
Auskunft erhalten Intereſſenten auf
(16429ism
Der Nachlaßverwalter:
Buss, Rechtsanwalt,
Bismarckſtraße 74, I. Telephon Nr. 295.

2.
3.
4.
5.
meinem Bureau.

E
UHHEGHHBGHBHHHHHBRRSBeuuphauaBhGhhhuuunu

Ibocckufoni

Kissenl, gestreifte Stouts, mit 2 Pfund Federn

5
5 Mk.

Kisser, rot Inlett, mit 2 Pfund Federn

Kissell, roter Federcöper, mit 2 Pfund Federn
roter Federcöper, mit 2 Pfund schönen, füll-
Rissell, reichen Federn . . . . . . . . . .

60
T Mk.

30
5 Mk.

Oberbett, z½schläf., gestr. Stouts, mit 6 Pfd. Federn 10 Mk.
0
Oberbett, i½schläf., rot Inlett, mit 6 Pfd. Federn 1.4 Mk.
0
I½schläf., roter Federcöper, mit 6 Pfund
10 Mk.
Operbett, Federn . . .

700
7 Mk.

1½schläf., roter Federcöper, mit 6 Pfund
Oberbett, schönen Federn . . . . . . .

22 Mk.

00

700

O Mk.

E
00
on Mk.
an
OE Pfg.
1 75 an
von Mk.
Bettücher, Biber, weis .
T an
60
von Mk.
2 2.0.
Bettkolter, Baumwolle
50
von Mk.
Bettkolter, wolle
6 an
5
von Mk.
Matratzenschoner.
2 an
100
von Mk.
Kindergeckbetten . .
an
75
Kindermatratzer, Stroh . . von Mk.
J an
975
Kindermatratzen, Seegras . . von Mk.
an
In!
12
IIn!
für Erwachsene, mit Rost
Lisenbettsteile
von Mk. 3 an
für Erwachsene, mit Sprung- 615
Lisenbettstellé federmatratze . . von Mk. 7 an
O30
Kinderbettstellen.
von Mk. 7 an
Mnt
I!
I
HuhehahhesuhehunuhusehGauunhhuhBhhußehnu

Strohmatratzen, 5oXt55 em
Seegrasmatratzen, eintelg, von Mk. 10%
Seegrasmatratzen, 0Xx190 cm, v. Mk. 1.0 an
Steppdecken, 130X155 em
Bettucher, Biber, bunt .

3teilig, mit Keil,

Gobr!

Mocisenu

Markt 2

(16441)

Markt 2.

HeHHHEHEHHHRguLnHeghahesSanHEnERgäbospnpae

Wegen Rückgang einer Verlobung und
ſofortiger Abreiſe ein vollſt. prachtvolles
Bett, Muſchelbettſt., Spiralr., roter Woll=
matr
., Zudecke und 2 Kiſſen, ſowie ein po=
liertes
Vertiko, beides neu u. ungebraucht,
billig zu verkaufen.
Näheres Expedition d. Blattes. (*20392

Diplomat,
Schreibtiſch, nußb. pol.,
Kleiderſchrank, 2=tür., 30 Mk., Trumeauſpieg.
36 M., Chaiſelongue m. Bez. 35 M., Diwan
45 M., 1 Flurſtänder 18 M., 4 Bild., 1 Paar
Gardinen, 4 Paar Vitragen, Chaiſelongue=
decke
billig Gartenſtr. 20, part. (*20379
Schwarzlederne Reiſehandtaſche u. Noten,
gute Sachen, billig zu verkaufen
Karlſtraße 115, 1. Stock.
(*20391

Feine goldene
Herren-Uhrkette
für 30 Mk. zu verkaufen. (16443mdfs
Näheres in der Expedition ds. Bl.

Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 24. Auguſt 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale Zur Ludwigshalle (Obergaſſe), öffentlich
zwangsweiſe gegen Barzahlung:
Mehrere Mille Zigarren, eine Partie Flaſchen Rot= und Weißwein und
Sekt, Tafeltücher, Servietten, verſchiedene Geſchäftsbücher, 1 Vervielfältigungs=
apparat
, Bilder= und Oelgemälde, Papier und Schnittwaren, 5 Hühner mit
Hühnerſtall, 1 Hund, eine Ladeneinrichtung, beſtehend in großem Waren=
ſchrank
, Theke, Zuckerkaſten, Salzkaſten, Hülſenfrüchtekaſten, kleiner
Theke mit Geſtell und Aufſatz und Wandreal, verſchiedene Gashänge=
lampen
, Gasöfen und=Herde, 1 Ring Gasſchlauch, 1 Pianino, ſowie Haus=
mobilien
durch alle Rubriken.
Die Verſteigerung der fettgedruckten Gegenſtände findet beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 22. Auguſt 1910.
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher,
16446)
Friedrichſtraße 24, I.

Stenographie Gabelsberger
Schreibmaschinen=Unterricht.
Neue Kurse beginnen
16425a
Montag, den 5. September und folgende Tage.
Soderstr. 12. Frau Hedwig Opel. Soderstr. 12.

Neue Odenwaldkarte
mit Erläuterungen, 1mal gebr., zu 1 Mk.
zu verkaufen Wienersſtr. 49, pt. (*20262

Cello.

Altes gutes Cello billig zu verkaufen. Näh.
Eſchollbrückerſtr. 1 im Laden. (*20158so)

Nummer 196a

Metzer Mirabellen
das Schönſte und Beſte zum Eſſen und
Einmachen, per Pfd. nur 25 Pfg.
Fichtelgebirgs=Preiſelbeeren
gut verleſene Ware, per Pfd. 23 Pfg.
empfiehlt (*20378
Bernhard Held, Karlſtraße 24,
Telephon 478.

Imillen Magdalenen-Strasse
ſt ein in gutem Zuſtande befindliches
Haus mit Stallungen, Remiſe, für jeden
Geſchäftsmann geeignet, zu dem ſehr billigen
Preiſe von Mk. 56 000 wegzugs=
halber
ſofort zu verkaufen. Nur mit erſt=
ſtelliger
Hypothek belaſtet. Reflektanten
gibt gerne Auskunft das Immobilienbürovon
(*19909
Hermann Marx mst
Telefon 1468. Grafenſtr. 23½ III. Mittelgrosses Haus m. Hinterhaus
oder Seitengebäude
u kaufen geſucht. Mittlere Heinrichſtraße
u. Umgebung bevorzugt. Gefl. Offert. mit
Angabe über Größe, Preis, Mieteingang
rbeten unter L 94 an die Exped. (*20202soi mit großem Garten zum Allein=
Hauls bewohnen evtl. Etagenhaus
gegen Barzahlung zu kaufen geſucht.
Offerten unter M 18 an die Expedition
(*20279oim
dieſes Blattes. Zu verkaufen oder
zu vermieten!
In einem aufblühenden Vorort von
Darmſtadt iſt ein Wohnhaus mit großer,
heller Werkſtatt 56m, anſchl. Büro 42Im gr.,
Stallung, Remiſe, ſchönem Garten, für
jedes Geſchäft geeignet, bei kl. Anzahlung,
zu verkaufen. Gute Hypothek wird in
Zahlung genommen. Offerten u. M 43
an die Expedition ds. Bl. (*20376im Gunſtiger Verkauf!
20 Minuten von Darmſtadt iſt ein gut=
gebautes
Landhaus unter Garantie mit
5 Zimmern, 1 K., 1 Bad, Kloſetts, Hinter=
bau
und großen Garten, ſogleich für den
Preis von 8350 Mark zu verkaufen. An=
zahlung
1500 Mark. Ernſte Reflektanten
möchten Offerten alsbald unter L. 27 an
die Expedition d. Bl. einreichen. (16130a Verkaufeneineschuldenfreien Bauplätze
in Fulda, nehme ein nicht ſo großes Haus
in Zahlung, am liebſten auf dem Lande.
Offerten u. M 44 an die Exped. (*20377im Leleräh Beamter sucht Darlehen
gegen vierteljährliche
von 300 Mk. Rückzahlung. Offerten
unter M 47 an die Expedition. (*20390im Zeren scht Laden geſucht
mit Wohnung für Zigarrengeſchäft.
Offerten mit Preisangaben unter M 17
an die Expedition ds. Blattes. (*20275oi Per ſofort eine
4=Zimmerwohnung
in freier Lage mit Gartenbenutzung in
Waldesnähe von kleine Familie zum Preiſe
von 600800 Mk. geſucht.
Offerten an G. Götz & Cie., Möbel=
(16442im
transport. Telephon 894. für eine kleine Familie, 3 Perſonen, wird
2 eine 2=Zimmerw. oder 2 Zimmer mit
Kab. in Mitte der Stadt oder Johannes=
viertel
zu mieten geſucht. Offert. mit Preis
u. M38 an die Exped. ds. Bl. (16415ids ſucht gut möbliertes
Schauſpieler Zimmer in ruhigem
Hauſe, ruh. Gegend. Off. mit Preis. ſof. an
G. Semler, Celle (Hannover). (16398oi Uterch Moderne Sprachen
Grammatik und Konversation.
:: Aller Art Uebersetzungen. ::
Französisch, Italienisch, Spanisch,
Englisch, Holländisch u. s. w.
:: Nationale Lehrer. ::
Neue Kurse beginnen im August.
Die Instituts-Direktion: (B15055
Professeur J. Berryer, Herderstr. 3. erteilt Nachhilfe in Sprachen, auch
Dame Latein, überwacht Schularbeiten.
Vorzügl. Empfehl. Stundenpreis 50 Pfg.
*20015dif)
Eliſabethenſtraße 44.
wünſcht engliſchen
Eine Engländerin Unterricht z. erteilen
3553a)
Wilhelminenplatz 10, 1. Stock.
Unterricht.
ſucht ſofort Repetitions=
Abiturient unterricht in Engliſch,
Franzöſiſch, Mathematik und Naturwiſſen=
ſchaften
(Chemie). Erteilung der Stunden
möglichſt täglich erwünſcht. Gefl. Offerten
mit Preisangabe unter M 37 an die Ex=
pedition
dieſes Blattes.
(16416im

ründl. Klavierunterricht wird erteilt
für 6 Mk. monatl., zweimal wöchentl.
*19879dsi) Gutenbergſtraße 15, part.

[ ][  ][ ]

1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt
.

36 100.

beu. Mar 180
zeichnen ſich durch ihre
eleganten Formen
und
praktischen Grössenverhältnisse
ganz beſonders aus.
(C6694,55
Infolge fachmänniſcher Beaufſichtigung
leiſte für jedes bei mir gekaufte Stück
weitgehendſte Garantie.
Georg Schintr

Möbel und Dekorationen
Schlossgraben 13a
Gegr. 1879.
Telefon 891.

Altertümer!
Kaufe zu den höchſten Preiſen engl. u.
und franzöſ. bunte Kupferſtiche (15174a
Antiquar Klein,
Rheinstrasse 31.
Ab 1. Oktob. cr. Frankfurt a. M.,
Kaiserstrasse 66.

E2
Aobert
Nußb. Bücherſchrank mit Glas, ovale Sofa=
tiſche
, Schreibtiſch mit Aufſatz, nußb. Waſch=
kommode
mit Marmor, 1 Backenſeſſel mit
Einrichtung, Diwan, Kanapee, Wiener
Stühle, Trumeaux=Spiegel, Ausziehtiſch,
Kleiderſchränke, Küchenſchränke, billig abzu=
geben
.
Karl Frank
Möbel- und Koffer-Haus
Große Ochſengaſſe 13. (16155sdsi

Mochste

Preiſe zahle ich für getragene Herren=
und Damenkleider, Stiefel und Wäſche.
Jeden Mittwoch hier. Off. unt. F 44 an
die Expd. ds. Bl.
(16174dsi

Dienstag, 23. Auguſt.

1910.

Meine neuen Modelle
in kompletten
Schlatzimmern
beſtehend aus:
2stürigem Schrank
2 Bettſtellen
2 Nachtſchränke
1 Waſchkommode mit Marmor und
Spiegelaufſatz
2 Stühle und
1 Handtuchſtänder

zu Mark

Unsere Bureaux befinden sich jetzt nur
Heideibergerstrasse Nr.
(am Marienplatz) parterre. Telephon 359.
Gleichzeitig empfehlen wir uns zum Bezug aller Sorten (15213a
Kohlen - Koks - Briketts - Holz:
in erstklassigen Qualitäten bei billigsten Sommerpreisen.
54
Glückauf
Darmstädter Kohlen-Verkaufs-Gesellschaft
mit beschränkter Haftung.

ſcheient t. 1. le acht.
in grösster Auswahl Schützenstrasse.

Seeen ene aeere

Mabrianwesch m Sarmstaut
der elektrotechnischen Branche
mit neuzeitlich eingerichteten hellen großen Fabrik=, Hof= und Büro=Räumen ſowie
ſchönem Wohngebäude und anſtoßend daran eine prachtvolle mit allem Komfort der
Neuzeit eingerichtete Villa mit ſchönem Luſtgarten unter äußerſt günſtigen Bedingungen
zu verkaufen. Die ſämtlichen offerierten Liegenſchaften werden infolge Auflöſung
der Fabrik auch getrennt abgegeben und bietet ſich für Liebhaber eine ſelten
günſtige Gelegenheit. Selbſtkäufer erfahren Näheres durch das Immobilienbüro von
Hermann Marx, Darmstadt, 23½ III Grafenſtraße 23½ III. Telef. 1468. (P16050

Allein-Verkauf für Darmstadt:
(14812a
Adolf Zachmann, Bleichstr. 46.

(16257
Zu verkaufen
si
1 Schmidt’ſche Waſchmaſchine zum Preiſe
von 5 Mk., 1 Wellenbadſchaukel zum
Preiſe von 8 Mk. Näh. in der Expedition.

In der Obſthandlung Hochſtraße 4
während der Saiſon ſtets
(*20276oi
tiſchreifes Tafelobſt
zu Marktpreiſen.

Feintes
Delikat.-Sauerkraut
Prima Salzgurken
Ia Odenwälder Landbutter
per Pfund 1.20 Mk. (15732a
Täglich friſch feinſte
Süßrahm=Tafelbutter
Friſche bayeriſche
Landeier
Alle Sorfen Käſe
empfiehlt in nur prima Qualitäten
M. W. Prassel,
Grafenſtraße 27.
Telephon 71.
(14500a

Piano=Gelegenheitskäufe.
1 Flügel Schiedmayer & Söhne Mk. 360
1 Flügel Schiedmayer
1100
1 Piano . .
310
1 Piano .
350
1 Piano .
450
460
1 Piano .
Mehrere Tafelklaviere, darunter Firmen
wie Lipp & Sohn, Schiedmayer Stuttgart von
80 Mk. an. Neue Pianos von 480 Mk. an.
Heinrich Arnold
Hofpianofortefabrik
Verkaufsräume u. Fabrik
nur Mühlstrasse 1 bis 3
direkt neben dem Militärlazarett.
5 Ehrendiplome und Medaillen auf ersten Ausstellungen

Kollien &
Ia Hausbrand, ſtückreich, à Ztr. Mk. 1.13
la Nußkohlen II, dopp. geſ. u.
grußfrei
1.30
Ia Nußkohlen III, dopp. geſ. .
1.27
Unionbriketts.
1.05
bei Abnahme von mind. 25 Ztr. frei Keller
gegen Kaſſa, exkl. Oktroi. Offerten unter
K 24 an die Expedition ds. Bl. (B15831

Einen ſchlagenden Beweis
vortrefflicher Wirkſamkeit
liefert
Kocks Wanzentinktur
nur echt mit der Feder
Fl. 50 Pfg.
geſ. geſch.
gegen Ungeziefer aller Art, durch große
Lieferungen in überſeeiſche Länder, welche
von den betreffenden Regierungen nach er=
folgter
Erprobung beſtellt wurden. (12044a
Nur echt zu haben in den Drogerien:
Gebrüder Vierheller, Schuſtergaſſe.
Anton Fischer, Frankfurterſtraße.

Der Pfarrer von Gamsegg.
Roman von Erich Ebenſtein.
(Nachdruck verboten.)
11)
Die neue Vernehmung Jakob Stigls geſtaltete ſich
ſehr intereſſant, wenn ſie auch mehr pſychologiſchen als
kriminaliſtiſchen Wert beſaß. Ewert hatte den ihm
befreundeten Gerichtsarzt, Doktor Hoffmann, gebeten,
dabei anweſend zu ſein.
Den Anfang des Verhörs führte der Gerichtsarzt
faſt allein. Dabei holte er weit aus.
Wer waren Ihre Eltern? Woher ſtammen ſie?
Bauersleute. Der Vater war ein Bayer. Die
Mutter ſtammt aus Weſtfalen.
Leben ſie noch?
Die Mutter ja. Sie iſt ſeit zehn Jahren irr=
ſinnig
und kennt niemanden mehr. Der Vater ſtarb
vor drei Jahren. Danach übernahm mein älterer
Bruder das Anweſen.
Doktor Hofmann nickte, als beſtätigten dieſe Worte
eine Vermutung.
Wann kamen Sie ſelbſt nach Oeſterreich?
Vor neun Jahren.
Ueber das, was Stigl im Laufe der erſten drei
Jahre ſeines öſterreichiſchen Aufenthaltes getrieben
habe, waren ſeine Angaben verworren. Er war als
Schneidergeſelle auf die Wanderſchaft gegangen, hatte
bald da, bald dort gearbeitet und endlich auch in Gams=
egg
, wo es ihm mit Hilfe Dollands dann gelang, die
Meßnerſtelle, die eben frei wurde, zu bekommen.

Wann bemerkten Sie zum erſten Male die Gabe
an ſich, zukünftige Dinge zu ſehen? fragte Doktor
Hofmann.
Stigl dachte nach. Er ſah blaß und müde aus, ſeine
Augen lagen glanzlos in den Höhlen und ein geſpann=
ter
Zug um die ſchmalen Lippen verlieh ihm etwas
Krankhaftes.
Ich weiß es nicht ſagte er endlich. Sie haben
mir ſchon als Kind geſagt, es ſei nicht recht richtig mit
mir ich ſchlief oft ganze Tage mondſüchtig war
ich auch und einmal, daran erinnere ich mich, da
lag ich im Feld, und auf einmal ging ein Leichenzug
vorüber, und die reiche Müllerin Schattlinger ging
weinend hinterher. Als ich ins Dorf kam, begegnete
mir die Müllerin. Wer iſt Euch denn geſtorben, Frau
Müllerin? fragte ich ſie, und ſie ſchaut mich ganz er=
ſtaunt
an: Mir? Niemand, Jakob. Du träumſt wohl?
Und ich hab’s ſelber geglaubt aber acht Tage ſpäter
haben ſie den Müller zu Grabe getragen, und die
Müllerin ging weinend hinter dem Sarg, ganz ſo, wie
ich ſie im Felde geſehen habe
Wie alt waren Sie damals?
Achtzehn oder neunzehn Jahre werde ich wohl ge=
weſen
ſein.
Und dann? Wiederholten ſich dieſe Zuſtände oft?
Nein, nur ſelten. Die Leute lachten mich aus, und
ich ſprach nicht gerne davon.
Hatten Sie ein Vorgefühl vor den Anfällen?
Meiſtens. Ich wurde unruhig und ängſtlich. Einige
Male hatte ich auch epileptiſche Anfälle dabei.

Ah Sie leiden an Epilepſie?
Ja, ſchon von klein auf. Mit den Jahren wurden
die Anfälle immer ſeltener und ſchwächer, dafür aber
wuchs die andere Sache immer öfter ſah ich ver=
borgene
Dinge
Was dachten Sie ſich dabei?
Stigl ſchlug die Augen zum Himmel und ſagte nicht
ohne Pathos: Ich habe es als eine Gnade Gottes an=
geſehen
!
Sie ſollen dieſe Gnade Gottes auch zuweilen
dazu verwertet haben, um den Leuten ihre Zukunft
wahrzuſagen! warf der Unterſuchungsrichter ein.
Stigl warf einen ſcheuen, halb erſchrockenen Blick
auf den Richter und beeilte ſich, haſtig zu ſagen:
O das war nur zwei= oder dreimal und nie für
Geld beſtimmt nie für Geld!
Na, na, ſagte Ewert. Das wollen wir lieber nicht
allzu genau unterſuchen! Sagen Sie uns lieber, ob
Sie mit Pfarrer Dolland immeß auf gutem Fuße
ſtanden? War er mit Ihnen zufrieden?
Stigl ſah beinahe gekränkt auf.
Ich hoffe wohl! Meinen Dienſt verſehe ich mit
größter Gewiſſenhaftigkeit warum ſollte der Herr
Pfarrer nicht mit mir zufrieden geweſen ſein?
Nun es war nur eine Frage. War er Ihnen ein
guter Vorgeſetzter? Ich meine, war er nie heftig?
Schalt er nicht oft?
Nein. Er war ein guter Herr. Sanft und milde.
Doktor Hofmann, den dieſe Fragen nicht ſonderlich
intereſſierten, ergriff nun wieder das Wort.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Auguſt 1910.

Nummer 196.

Bringe meine
Prima I. Qualität, nicht zu fettes
Sammeinelich
in Empfehlung.
96 Pfg.
Keule (wie gewachſen). .
96 Pfg.
Rücken (wie gewachſen) .
90 Pfg.
Rücken (gerollt) . .
90 Pfg.
Schulter und Kamm
60 Pfg.
Ragout .
60 Pfg.
Braten (gerollt)
60 Pfg.
Bruſt.
gehackte K.=Koteletts à St. 20 Pfg.
zu jeder Zeit erhältlich (15761a
Metzgerei Egner
Inhaber: W. Falter
Kirchſtraße 2.
Neue Kärtoſeln
Böhmische Goldgelbe
Kaiserkronen
liefert in Poſten 1 Mk., ſowie in größeren
Poſten frei in die Wohnung
Schwarz, Hofmeierei,
Telephon 184. (14217a

ſGruſtherzagl. Zandeisſiammer Darmſtaht
Gemäß Artikel 23 bezw. 11 des Geſetzes, die Handelskammern betreffend, vom
6. Auguſt 1902, werden die Hebregiſter zur Erhebung der Beiträge zu den Ausgaben Aepler und Dirlich
der Großh. Handelskammer Darmſtadt für das Jahr 1910 in der Zeit von Mittwoch, von zirka 5 Morgen ſind freihändig zu
den 24. Auguſt, bis inkl. Samstag, den 3. September d. J., zur Einſicht der Wahl=
berechtigten
zur Handelskammer des Kreiſes Darmſtadt auf dem Bureau der Großh. verkaufen. Offerten unter M 40 an die
Handelskammer, Rheinſtraße 9, während der Geſchäftsſtunden offen gelegt. Einwen=
dungen
gegen den Inhalt der Hebregiſter ſind innerhalb der erwähnten 10tägigen Friſt
(16440
bei der Handelkammer ſchriftlich vorzubringen.
Der Syndikus:
Der Vorſitzende:
Dr. Human.
C. Parcus.

Frun-Kartorrein
Kaiſerkrone u. Zwickauer
25 Pfd. 1 Mk., empfiehlt
Joh. Walter (15762a
Telefon 1598. Ecke Wieners- u. Rossdörferstr.
Frisch gepflückte
Preiſelbeeren
keine abgelagerte minderwertige Ware, per
Pfund 27 Pfg., inkl. Körbchen von 8 Pfd.
an, verſendet jedes Quantum unter Nach=
nahme
Gustav Schirm, Mannheim-
Neckarau. Poſtkarte genügt. (316381,77
Brenntannäpfel
liefert auf vorherige Beſtellung frei ins Haus
per hI 65 Pfg., bei 10 hI 60 Pfg.
Conrad Appel,
Bismarckſtr. 61. (233a) Telephon 91.
Pianos
gebrauchte von 200 Mk.
neue von 500 Mark an
(5Jahre Garantie) ſtets vorrätig (Teilzahlg.)
Georg Thies, Nachf. Leopold Schutter
Eliſabethenſtraße 12. (232a
Leere Kiſten
und Verſandkartons abzugeben

Größeres Quantum guter
(*20356
Expedition ds. Vl.
friſch abgemachte
Geleeäpfel,
(*20324im
Wacker, Rhönring 35.
Zu verkäufcn.
D1
Das komplette Kaiser-Panorama iſt
umſtändehalber für jeden annehmbaren
(*20351
Preis ſofort zu verkaufen.
Ferner: 30 gut erhaltene Wiener Rohr=
3 Meter, eine von 1,80 Meter, und 3 große
Kiſten. Näh. von 912 und 36 Uhr im
Geſchäftslokal Luiſenplatz 1.
Heue Mober
(16406 Schlafzimmer, Salonſchrank!, prachtv.
Diwans, groß. Schreibtiſch, Bücherſchr.,
Diplomat, eich. Lederſtühle, Ottomane,
m. Decke, Spiegelſchr., Sofa m. 2 Seſſel,
Grosses Festkonzert obiger Kapelle im städt. Saalbau. f. Vertiko, Bilder, Trumeauſpieg., eich.
Flurgarderoben, pitch-pine-Küche, Bett=
ſtellen
, Matratzen, Kleiderſchr., Auszieh=
tiſch
, Küchenſchr., all. außergewöhnl. z. vk.
Sckuthenhol.
*20318) Friedrichſtr. 36, part., Vordh.
zu verkaufen.
Heute Dienstag, abends 8 Uhr:
Ein gut erh. Küchenherd
(*20320
Näh. Kahlertſtraße 30, part.
Ankauf
Grossestiitarkonzere
von nur beſſeren getragenen Herren= u.
Damenkleidern u. dergl. bei reeller Be=
der
Kapelle des Garde-Dragoner-Regiments.
zahlung. Jetzt Donnerstag hier.
Schriftliche Offerten unter H 100 an
Leitung: Herr Musikmeister Mittelstädt.
die Expedition ds. Bl.
(16230fsi
(16438
Bei ungünſtiger Witterung Konzert im Saal.
Wegen Platzmangel ſtehen Karlſtr. 75
nachſtehende Möbel billig zu ver=
kaufen
: Kleiderſchrank 5 Mk., Bett, neu,
30 Mk., Chaiſelongue 12 Mk., Näh=
Verom Städtscher Beamtcn Du Darmptautmaſchine (Hand= und Fußbetrieb) 20 Mk.,
Waſchgeſtell 2 Mk., uſw.
(*20315

Stadtischer Saalbau.
Dienstag, den 23. Auguſt, abends 8 Uhr,
GRosots RUnzEK!ſtühle, 1 Tiſch, 1. Treppenleiter von
der vollzähligen Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61
unter gefl. Mitwirkung des Grossh. Kammermusikers u. Cornet à Piston-Virtuosen
L. Kümmel.
Im Programm: Violinkonzert, Scéne de Ballet von Ch. de Beriot (auf dem
Cornet à Piſton, vorgetragen von L. Kümmel), Rondo Polka Caprice, für Cornet prima Arbeit unter Garantie, hochfein.
à Piſton, von L. Kümmel, vorgetragen vom Komponiſten.
Gewöhnliche Preiſe.
NB. Donnerstag, den 25. Auguſt (Ludwigstag)

Der Vorſtand beehrt ſich, ſeine Mitglieder und deren Familien=
Angehörigen zu dem am 27. Auguſt d. Js., abends 8 Uhr,
Echt. Smyrna-Teppich
im Fürſtenſaal, Grafenſtraße 20, ſtattfindenden
(16435faſt neu, 3:4 m groß, zu allen Jarben
paſſend, wegen Platzmangel, ſtatt 600 Mk.
für 250 Mk. zu verkaufen.
Offerten erbeten unter M 29 an die Ex=
Familien=Abend
pedition ds. Bl.
(*20313i
ergebenſt einzuladen, mit der Bitte um vollzähliges Erſcheinen.
friſch geleert, v. 200 bis
Weinfässer, 600 Liter, billig zu ver=
kaufen
Landwehrſtraße 7.
(15903a

uſtkurort
Nammerbacherher
Post Neckargemünd. Haltestelle der Lokalzüge.
B16324) Beſſungerſtraße 1, Laden. Unſtreitig ſchönſter u. beliebteſter Ausflugsort Heidelbergs. Prachtv.
Heyl&John, Manufakturwaren. (273a Lage am Rande des Waldes. Durch Neubau bedeutend vergrößert.
Reſtauration, Penſion von 46 Mark pro Tag inkl. Zimmer.
(98950) Der Beſitzer: Julius Ebert.
Telephon Nr. 99.
Verlopfe

kaufen am beſten ihre Schlafzimmer=
Einrichtung Saalbauſtraße 27
(leichte Zahlungsbedingungen). (B15882

Wer dort?
hier V. Schatz, Kleine Bachgaſſe 1. 8
Ich komme ſofort und zahle Ihnen für
getragene Kleider, Schuhe, Wäſche, Zahn=
gebiſſe
, alte Federbetten ſtets die höchſten
Preiſe. Telephon Nr. 1924. Poſtkarte genügt.

Soeben erschienen:
Horlzen- uus meillem Kriegstugebuch
von Georg Röder
weil. Leutnant im Grossherzogl. Hess. 4. Infanterie-Regiment.
Bearbeitet und herausgegeben von Dr. Karl Esselborn.
Preis 25 Pfg.
L. C. Wittich’sche Hofbuchdruckerei.
15863fsoi)

Dampfreinigungs-
Anstalt für
Bettfedlern und Daunen.
Gleichzeitig empfehle für
Neue Hüllen:
Drelle, Barchend
und Daunenköper.
J. Böttinger,
Hofſtallſtraße 6, n. d. Mathildenpl.,
Telephon 465.
Aelteſtes, beſteingerichtetes Geſchäft
dieſer Art am Platze.
Umarbeiten von Betten u. Polstermöbeln
gewiſſenhaft und reell in eigener
Werkſtätte.
(12256a

Und jetzt erzählen Sie uns einmal ganz ausführ=
lich
, wie das war, als Sie den Pfarrer an der Leiche
Moosheimers zu ſehen meinten.
Stigls Blick nahm einen geſpannten, ſtarren Aus=
druck
an, als ſuche er das Bild noch einmal recht deut=
lich
ſich zu vergegenwärtigen. Dann begann er mit
leiſer Stimme:
Es war einige Minuten nach halb ſechs Uhr. Ich
ſtand vor der Kirchentür und wartete auf den Pfarrer.
Es wurde ſchon langſam dunkel. Auf einmal packt mich
eine ſeltſame Unruhe es kommt, Jakob, es kommt
wieder denke ich erſchrocken, und im ſelben Moment
iſt mir’s ſchon, als wenn alle Häuſer rundum und das
ganze Dorf in einem tiefen Nebel verſinken würden
und vor mir ſeh’ ich Stigls Stimme ſank zum
Flüſtern einen Wald Bäume und Menſchen
zuerſt erkenne ich ſie nicht auf einmal aber ſehe ich,
wie der eine die rechte Hand hebt, in der etwas blitzt
es iſt der Pfarrer Dolland. Dann fällt der andere, in
dem ich den Herrn Moosheimer erkenne, zur Erde. Er
zuckt noch einmal. dann liegt er ganz ſtill. Der
Pfarrer ſteht ohne Bewegung da, den Revolver noch
immer in der Hand. Jetzt beugt er ſich über den Toten
ſein Geſicht iſt fahl und ganz verzerrt dann dreht
er ſich um und rennt wie gehetzt davon ich will
ſchreien, aber kein Laut kann aus meiner Bruſt, mir iſt,
als hielt mir einer die Kehle zu kaum atmen kann
ich und wieder eine Minute ſpäter iſt alles verſchwun=
den
: der Wald, die Leiche, der Nebel rundum ich
liege, nach Luft ringend, an der Kirchenmauer die
Häuſer ſind wieder da und das Dorf und alles wie
ſonſt. Anfangs redete ich mir ein, das alles ſei nichts
geweſen als ein Traum, biſt vielleicht im Stehen ein=

geſcheſern, dente ic, nder wi der der Pferter dan
zurückgekommen iſt, da hab’ ich’s wohl gewußt, daß es
Wahrheit war
Er ſchwieg. Der Unterſuchungsrichter blickte bald
den Schreiber, bald den Arzt an. Auch die anderen
beiden blickten ernſt drein, und Ewert ſah, daß auch ſie
ſich dem Eindruck des eben Gehörten nicht entziehen
konnten: was der Alte da erzählt hatte, mußte wohl
wahr ſein.
Einige Minuten herrſchte Totenſtille im Zimmer
des Unterſuchungsrichters.
Meiner Treu da könnte einer faſt das Gruſeln
bekommen! ſagte Ewert und verſuchte zu lächeln. Dok=
tor
, was ſagen Sie dazu?
Doktor Hofmann antwortete nicht. Er wandte ſich
wieder an Stigl:
Was hatten Sie unmittelbar nach dem Geſicht für
ein Gefühl?.
Ich war ſehr müde und ſetzte mich auf den Prell=
ſtein
an der Kirchenecke. Als ich nachher den Pfarrer
in den Pfarrhof gebracht hatte, ging ich in meine Woh=
nung
, legte mich nieder und ſchlief die ganze Nacht. Faſt
hätte ich das Frühläuten verſchlafen.
Erklären Sie uns, noch eins, ſagte der Unter=
ſuchungsrichter
. Sie behaupten, es war nach halb ſechs,
als Sie das Geſicht hatten der Mord aber geſchah
ſchon eine Stunde früher!
Stigl zuckte die Achſeln.
Das weiß ich nicht. Ich kann nur ſagen, was ich
geſehen habe.
Haben Sie mit jemand am nächſten Tage über die
Sache geſprochen?
Nein. Ich wollte dem Pfarrer nicht ſchaden

Warum ſagten Sie nichts davon bei Ihrer erſten
Vernehmung?
Ich ich fürchtete, man würde mir nicht glauben.
Und jetzt?
Wieder zuckte Stigl mit den Achſeln.
Ich kann eben nur ſagen, was ich geſehen habe.
Geſtern, als ich betrunken war, kam es mir wider
Willen über die Lippen wenn man mir nicht glaubt,
kann ich’s nicht ändern!
Ueberlegen Sie ſich die Sache gut. Stigl! Man
wird bei der Hauptverhandlung Ihr Zeugnis noch ein=
mal
fordern, und dann werden Sie unter Eid ausſagen
müſſen!
Ich kann nur die Wahrheit ſagen, ſagte Stigl. Und
was ich heute ſagte, kann ich beſchwören.
Gut. Unterfertigen Sie jetzt das Protokoll hier,
dann können Sie gehen.
Als Stigl gegangen war, wandte ſich Ewert aber=
mals
an den Arzt.
Was halten Sie von der Sache, Hofmann?
Der Arzt zuckte mit den Achſeln.
Es iſt ſchwer darüber zu urteilen. Möglich iſt
die Sache nach meiner Meinung. Dieſer Stigl iſt
zweifellos ein belaſtetes Individuum mit krankem
Nervenſyſtem ſeine Mutter ſtammt aus Weſtfalen
dort ſollen ähnliche Vorgänge nichts Seltenes ſein
Ein juriſtiſcher Indizienbeweis iſt es allerdings
nicht aber moraliſch wird er bei der Verhandlung
von tiefem Eindruck ſein.
ſetzung folat.)

in allen Preislagen, feinste enel.
Modelle, größte Auswahl (1150ag
J. Donges & Wiest, Grafenstr. 26.

[ ][  ][ ]

N5 90.
Dienstag, 23. Auguſt.
1910.

Bekanntmachung,
den Kreishaushalt des Kreiſes Darmſtadt betreffend.
Gemäß Art. 43 letzter Abſatz der Kreis= und Provinzial=Ordnung vom 12. Juni 1874 bringen
wir hiermit den Auszug aus der von Großh. Ober=Rechnungskammer revidierten und unverändert ab=
geſchloſſenen
Rechnung der Kreiskaſſe des Kreiſes Darmſtadt für die Zeit vom 1. April 1907
bis 31. März 1908 zur öffentlichen Kenntnis:

Einnahme. Betrag Ausgabe. Betrag 4. (5 Beiträge der Gemeinden und Ge= Beſoldungen . 27 534 84 markungen . . . . . 379 398 Tagegelder und Gebühren 6 623 9 Gebühren für Duplikate von Mi= Botenlohn u. Verkündigungskoſten 236 46 litärpapieren . 34 Für Bureaubedürfniſſe und Gerät= Teilweiſer Erſatz der Entſchädigung ſchaften
4619 90 für an Milzbrand, Rauſch= Kreisunterſtützungen 4 . . . . . 139 590 70 brand und Schweinerotlauf ge= Provinzialumlagen . . . . . 173 390 48 fallene Tiere . . . . . 821 15 Unterhaltung und Erbauung von Kapitalzinſen . 6482 20 Kreisſtraßen . 184 217106 Koſten des öffentlichen Verfahrens 92 75 Entſchädigung für an Milzbrand, Strafgelder zur Belohnung des Rauſchbrand u. Schweinerotlauf Aufſichtsperſonals 7356 - gefallene Tiere
, 1642 30 Erſatzpoſten . 39 254 82 30 Zuſchuß in andere Kaſſen . . 266. 71 11 Beiträge zu Wegbau= und Unter= 31 Uneinbringliche Ausſtände . . -- haltungskoſten 111 627 67 Strafgelder zur Belohnung des 12 Aus Nutzungen von Kreisſtraßen 7138 57 Aufſichtsperſonals 7 342)- 18 Gebühren in Bauangelegenheiten * 9 433) 32 Für Vertilgung ſchädlicher Vögel 1547105 14 Beihilfe für ehemalige Kriegsteil= Koſten der Brandhilfe . . . 234 03 nehmer . 11 860 Koſten der Nahrungsmittelkontrolle 1318 85 16 Strafen aus Uebertretungen des Beihilfe an ehemalige Kriegsteil= Nahrungsmittelgeſetzes . 366) 30 ,
nehmer . 12 159 88 20 Kaſſevorrat aus vorhergehenden Penſionen an Kreisangeſtellte . . 1 233 50 Jahren . . . * . . 67 452 82 Sanitätspolizeiliche Aufwendungen 940 19 Kreisanſtalt für techniſche Verar= beitung und Verwertung der Tierkadaver
, 6 634 31 Für landwirtſchaftliche Zwecke . 891174 Auszuleihende Kapitalien . . . 911 47 Summe der Einnahme . Sla 25 Summe der Ausgabe 515. 150 2

Abſchluß
Die Einnahme beträgt .
641 317 90
Die Ausgabe beträgt
573730 26
61 55 . Sc. 3
Verglichen bleibt Reſt
beſtehend in barem Vorrat.
Darmſtadt, den 18. Auguſt 1910.
Der Kreis=Ausſchuß des Kreiſes Darmſtadt.
I. V.: von Werner.

Bekanntmachung,
die Verwaltung der Kreis=Abdeckerei des Kreiſes Darmſtadt betreffend.
Gemäß Art. 43 letzter Abſatz der Kreis= und Provinzial=Ordnung vom 12. Juni 1874 bringen
wir nachſtehend den Auszug aus der von Großh. Ober=Rechnungskammer revidierten und unverändert
abgeſchloſſenen Rechnung der Kreis=Abdeckereikaſſe des Kreiſes Darmſtadt für die Zeit
vom 1. April 1907 bis 31. März 1908 zur öffentlichen Kenntnis.

Einnahme

Für verkaufte Häute
Für verkauftes Fett
Für Kadavermehl . . . .
Sonſtige Einnahmen

Zinſen aus dem Erneuerungsfonds
Zuſchuß aus der Kreiskaſſe .
Zurückzuempfangende Kapitalien .

Summe der Einnahme

Betrag Ausgabe Betrag 30 3. 7 463 14 Allgemeine Verwaltung 250 8 286 42 Remuneration des Verwalters, 3094 78 Löhne des Perſonals, Kranken= 799 69 und Unfallverſicherung 4 408 32 306 39 Koſten des Fuhrweſens . 6 190 00 6 634 81 Unterhaltung der Gebäude, Reinig= 8824 78 ung der Schornſteine . . . . 500 47 Unterhaltung der Maſchinen, der Schlachthauseinrichtung, Putz=, Pack= und Schmiermaterial . 1431/26 Heizung, Beleuchtung, Reinigung 2 534/56 Wagen und Geräte . 436 81 Steuern, Brand= und Mobiliar= verſicherung . . . . 174180 Telephon, Porto, Inſeratgebühren, Druckſachen . . . . . . 436 30 Tagegelder, Remunerationen . . 100 50 Erneuerungsfonds 5 499 53 Vergütung für gefallenes Vieh 581 60 Erweiterung der maſchinellen Ein= richtungen . . . . 12865. 6 (2241a 01 Summe der Ausgabe e 4

Abſchluß
Die Einnahme beträgt
Die Ausgabe beträgt
Darmſtadt, den 18. Auguſt 1910.
Der Kreis=Ausſchuß des Kreiſes Darmſtadt.
I. V.: von Werner.

35 410 01
35 410 01

(16437

Bekanntmachung.
Indem wir nachſtehende Polizei=Verordnung veröffentlichen, bemerken wir,
daß die in der Polizei=Verordnung vom 3. November 1904 (Meldeordnung) enthaltenen
Vorſchriften über die gleiche Angelegenheit mit dem 1. September l. Js. außer Wirk=
ſamkeit
treten.
Darmſtadt, den 17. Auguſt 1910.
Großherzogliches Kreisamt.
Fey.
Polizei=Verordnung
für die Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt,
die Aufnahme von Fremden in Gaſtwirtſchaften, Fremdenpenſionen und Herbergen
betreffend.
Auf Grund der Artikel 81, 82 und 83 des Polizeiſtrafgeſetzes und des Artikel 78
der Kreis= und Provinzialordnung wird unter Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes und
mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern, zu Nr. M. d. J. 12538
vom 6. Auguſt 1910 für die Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt folgendes
verordnet:
§ 1.
Jeder Gaſt= und Herbergswirt, ſowie jeder Inhaber einer Fremdenpenſion iſt
verpflichtet, alle bei ihm übernachtenden Fremden ohne Unterſchied des Standes und
ohne Rückſicht auf die Zeit, während der ein Fremder bei ihm wohnt, in ein Verzeichnis
(Fremdenbuch) einzutragen. Dieſes muß folgende Einteilung haben:
a) laufende Nummer nach Jahrgängen,
b) Namen,
c) Stand,
d) Wohnort,
e) Begleitung des Fremden,
f) Tag der Ankunft,
g) Tag der Abreiſe.
Das Fremdenbuch muß ferner mit fortlaufenden Seitenzahlen verſehen ſein und
darf nicht eher in Gebrauch genommen werden, als es von der Ortspolizeibehörde
abgeſtempelt und mit Vermerk über die Seitenzahl verſehen worden iſt.
Das Fremdenbuch iſt der Polizeibehörde oder ihren Beauftragten auf Erfordern
jederzeit vorzulegen.
§ 2.
Die Fremden ſind verpflichtet, den Gaſt= oder Herbergswirten oder Inhabern
von Fremdenpenſionen die zur ordnungsmäßigen Führung des Fremdenbuchs erforder=
liche
Auskunft wahrheitsgemäß zu erteilen.
§ 3.
Die Gaſt= und Herbergswirte, ſowie die Inhaber von Fremdenpenſionen ſind
verpflichtet, täglich bis acht Uhr vormittags über alle in den letzten vierundzwanzig
Stunden erfolgten Aufnahmen von Fremden der Ortspolizeibehörde durch Vorlage
eines Auszugs aus dem Fremdenbuche Meldung zu erſtatten. Von dieſer Vorſchrift
können von Großh. Kreisamt Darmſtadt Ausnahmen zugelaſſen werden.
§ 4.
Zuwiderhandlungen gegen die vorſtehenden Vorſchriften werden, ſoweit nicht andere
Strafbeſtimmungen anzuwenden ſind, mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark beſtraft.
§ 5.
Dieſe Polizeiverordnung tritt am 1. September 1910 in Kraft.
Darmſtadt, den 17. Auguſt 1910.
(16326sid
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung,
Infolge der anhaltend abnorm naſſen Witterung in den letzten Monaten hat
ſich die Notwendigkeit eines Umbaues in Abt. 6,06,2 der Kreisſtraße von Darmſtadt
nach dem Einſiedel herausgeſtellt. Die Straße bleibt daher für ſchweres Fuhrwerk
auf die Dauer von ca. 3 Wochen geſperrt.
(16400
Darmſtadt, den 18. Auguſt 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

(15764a

Nachſtehend bringen wir die Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=
übungsplatz
für die Zeit vom 12. bis 24. Auguſt d. Js. zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 12. bis 24. Auguſt 1910.

Datum Tag Truppenteil D
der Abſ
von uer
ſperrung
bis Die Abſperrung
erſtreckt ſich 24. Aug. Mittwoch Inſanterie und
Kavallerie 600 B. 100 N. Bis z. Landgraben

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Spitzhunde, 3 Pinſcher.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Die öffentliche Impfung im Jahre 1910.
Oeffentliche Impftermine für den Stadtbezirk werden, ſo lange das Bedürfnis
dauert, jeden Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, in dem Schulhauſe in der Rundeturm=
ſtraße
abgehalten.
Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahre ſind nach Geſetz die im vorigen Jahre
geborenen Kinder ſowie die rückſtändigen früheren Jahrgänge.
Wir laden die hieſigen Einwohner, die impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung
dieſer öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denſelben vorgenom=
menen
Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich ſind. Wer die Termine nicht be=
nutzen
will, muß die Impfung ſeines pflichtigen Kindes bis zum Jahresſchluß auf
ſeine Koſten bewerkſtelligen laſſen, widrigenfalls ihm im Januar nächſten Jahres zur
Nachholung der Impfung eine vierwöchige Friſt unter Strafandrohung geſetzt wird.
Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwachſene auf ihren
Wunſch, und Kinder, die erſt im laufenden Jahre geboren ſind, auf Wunſch ihrer
Vertreter geimpft. In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als 50 Impf=
ungen
vorgenommen. Alle in einem Termine geimpften Kinder müſſen, bei Meidung
der geſetzlichen Strafe, in dem 8 Tage ſpäter abgehaltenen Termine zur Nachſchau noch=
mals
gebracht werden. Kinder, deren Zurückſtellung von der Impfung wegen Kränk=
lichkeit
beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem Impfarzt vorgeſtellt
werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere Benachrichtigung an
die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Croup, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſenartige Entzündungen oder die natür=
lichen
Pocken herrſchen, dürfen Impflinge zum allgemeinen Termin nicht gebracht
werden. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem Körper und mit
reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 30. Juni 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.
(13276a

Die Leier des Ludwigsfeſtes in der Knaben=Arbeitsanſtalt
findet Donnerstag, den 25. Auguſt, nachmittags 3 Uhr,
ſtatt. Die Eltern und Lehrer der Kinder, welche die Knaben=Arbeitsanſtalt beſuchen,
ſowie alle Freunde der Anſtalt werden hierzu freundlichſt eingeladen.
Zur Unterhaltung der an dem Feſte Teilnehmenden wird, wie in den früheren
Jahren, eine Verloſung, wobei jedes Los einen Blumenſtock gewinnt, ſtattfinden.
Loſe zu 20 Pfg. das Stück ſind von jetzt ab bis zum 24. ds. Mts. einſchließlich
im Stadthaus, Zimmer Nr. 39, zu erhalten. Am Tage des Feſtes werden die Loſe
nur in der Knaben=Arbeitsanſtalt verabfolgt.
Damit die dem Feſte Beiwohnenden den Spielen der Knaben ungeſtört zuſehen
können, wird für beſondere Sitzplätze geſorgt werden, Getränke, Kuchen und andere
Speiſen ſind wie in früheren Jahren erhältlich.
(16266si
Darmſtadt, den 15. Auguſt 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Egenolf.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 24. Auguſt 1910, vormittags 10 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16, Roſenhöhe‟
verſchiedene Möbel, darunter Betten, Waſchkommoden, Sofa mit Umbau
und Spiegel, Vertikos, Büfetts. Diwans, Spiegelſchränke, Kommoden,
Kleiderſchränke, Ausziehtiſch, Stühle, Nähtiſch, Staffelei mit Bild,
4 Bilder, 1 Bücherregal, 1 Nähmaſchine, ferner Ladenkaſſe, Ladenſchränke
und Theken, Pferde, Landauer Coupees 1 Blitzmaſchine, 1 Wolf, 1 Apparat
zur Herſtellung von künſtl. Waſſer, 1 Partie Geſchäftsbücher, Kunſtblätter,
(16445
Falzziegel, Dielen und Stangen
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
Die Verſteigerung der fettgedruckten Gegenſtände findet beſtimmt ſtatt.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher.
Georgenſtraße 11, I.
beteiligt ſich an 1 Waagon (tzut erh. Sitz= u. Liegewagen mit Gum=
Wer Anthraeitkohlen? Offert. unter mireifen billig zu verkaufen (*20393
M33 an die Exped. ds. Bl. (16404im
Lichtenbergſtr. 62, 2. Stock.

[ ][  ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Auguſt 1910.

Nummer 196,

Handel und Verkehr.

E. Frankfurt a. M., 20. Aug. ( Börſen=
wöchenbericht
.) Die Börſe bekundete während der
verfloſſenen Woche eine recht luſtloſe Haltung, die, mit
Ausſchluß der belebteren Induſtrieaktien, zumeiſt Ab=
ſchwächungen
brachte. Die Geldverhältniſſe laſſen wie=
der
viel zu wünſchen übrig, was auch einige Beſorgnis
für den kommenden Ultimo hervorruft, trotz des ver=
hältnismäßig
günſtigen Status der Reichsbank, der eine
ſteuerfreie Notenreſerve von 111,7 Millionen Mark
aufweiſt, gegen 31,5 Millionen Mark am 6. Auguſt.
Es ſcheint, daß eine gewiſſe Ueberſpekulation am Mon=
tanmarkt
ſich geltend macht, denn im Laufe der letzten
Tage haben größere Realiſationen auf dieſem Gebiete
ſtattgefunden.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, ſind
deutſche Renten ſehr vernachläſſigt und teilweiſe um
Bruchteile billiger. Die für die deutſche Volkswirt=
ſchaft
recht erfreulichen Ziffern des Außenhandels
machten nur geringen Eindruck. Der Wert der Aus=
fuhr
Deutſchlands hat nämlich in den erſten ſieben
Monaten des laufenden Jahres eine Steigerung um
541,8 Millionen Mark erfahren. Ausländiſche Staats=
fonds
zeigten wenig Veränderung, ſelbſt Ruſſen ſtill,
aber gut behauptet, trotz den Choleranachrichten. Die
Anweſenheit des türkiſchen Finanzminiſters in Ber=
lin
wurde viel beachtet, umſomehr, da ſich dieſer Mi=
niſter
nicht ſcheute, ziemlich unabhängig von den fran=
zöſiſchen
Intereſſen zu operieren und den Be=
ſchluß
einer neuen Anleihe unter den beſten Beding=
ungen
, gegenüber den früher gemachten Anleihen,
durchzuführen. Ein Beweis für das Vertrauen der
Geldgeber, die eine weitere gedeihliche Entwickelung
des osmaniſchen Reiches vorausſehen. Etwas feſter
lagen auch portugieſiſche Werte auf das Sinken des
Goldagios in Liſſabon bis 6 Prozent gegen 7½ Pro=
zent
in der Vorwoche. Transportaktien waren eher
matter, nur orientaliſche Bahnen höher auf die guten
Ernteausſichten. Baltimore und Ohio waren anfangs
ſteigend auf günſtige Einnahmen, dann aber rück=
gängig
infolge New=Yorker Spekulationsabgaben.
Der Bankenmarkt behauptete ſich gut, beſonders
konnten Berliner Handelsgeſellſchaft im Kurs profi=
tieren
, nachdem die Verluſte mit der Niederdeutſchen
Bank nicht mehr in Betracht kommen. Pfälzer Bank
ſind etwa 1½ Prozent beſſer, da mit einer höheren
Dividende (im Vorjahre 5 Prozent) gerechnet werden
kann. Matter ſchließen hingegen Banque Ottomane.
Man geht wohl nicht fehl, dieſe Einbuße auf die Aus=
ſchaltung
des Inſtituts beim Abſchluß der neuen tür=
kiſchen
Anleihe zurückzuführen.
Montanaktien waren zumeiſt niedriger auf die ver=
minderte
Tätigkeit der Spekulation, auch verſtimmten
die Meldungen von Feierſchichten wegen mangelnden
Abſatzes. Dabei dürfen aber die Preiserhöhungen für
Zink und Stabeiſen nicht unerwähnt bleiben, wie man
für Beginn des September einen Preisaufſchlag für
oberſchleſiſche Hausbrandkohle um 50 bis 60 Pfennig
pro Tonne ſignaliſiert.
Sehr belebt war zeitweiſe der Kaſſainduſtriemarkt,
woſelbſt ſich gegenwärtig das Hauptintereſſe konzen=
triert
. So ſtiegen Moenus bis 375½, Holzverkohlung
bis 242½, Kleyer bis 432¼ u. a. m.; auch Elektrizitäts=
aktien
konnten weiter avancieren, wovon Allgem.
Elektrizitäts=Geſellſchaft bis 283¾ und Felten u. Guil=
leaume
bis 106½. Am meiſten profitierten Höchſter
Farbwerke mit über 30 Prozent bis 519, bei ganz be=
deutenden
Umſätzen; auf die Nachricht, daß dieſe Werke
das Patent Ehrlich=Präparat 606 erworben haben,
woran ſich große Erwartungen knüpfen. In den Han=
del
ſoll das Präparat vorerſt noch nicht kommen, da die
Wirkung des neuen Mittels weiter erprobt wird. Nach
dem Ergebnis der bisherigen Verſuche iſt aber an der
Dauerwirkung des Präparates nicht zu zweifeln, ſodaß
die Maſſenfabrikation wohl bald aufgenommen werden
kann. Ferner ſollen auch die Höchſter Farbwerke, wie
gerüchtweiſe verlautet, ein neues Verfahren zur Her=
ſtellung
von Schwefelſäure auf elektrolytiſchem Wege
erworben haben, das angeblich gegenüber der bisheri=
gen
Herſtellungsweiſe erhebliche Vorteile bieten ſoll.

Kunſtſeide ſchwankten zwiſchen 120106115. Der Ver=
trag
zwiſchen der Allgem. Elektrizitäts=Geſellſchaft und
mit dem Gothaiſchen Staatsminiſterium wegen dem
Bau einer Ueberlandzentrale iſt nunmehr doch defini=
tiv
zuſtande gekommen. Die Geſellſchaft errichtet in
Gotha eine Filiale. Kaliaktien waren befeſtigt auf
einen günſtigeren Stand der Verhandlungen des Syn=
dikats
mit dem Südtruſt.
Von Loſen notieren: Braunſchweiger 206, Augs=
burger
37,90, Finnländer 320, Meininger 36,50 G., Frei=
burger
57,40, Pappenheimer 69, Genua 210, Türkiſche
180,40, Mailänder 45=Fres.=L. 121, Mailänder 10=Fres.=
Loſe 30,30, Ungariſche 381 G., Venediger 40,25 G., in
Reichsmark; Gothaer Präm. I 137,50, Gothaer Präm. II
115,50, Donau=Regulierung 151, Madrider 78, alles in
Prozent. Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918
unkündbar) 102,10, 3½proz. Reichs 92,95, 3proz. Reichs
83,95, 4proz. Heſſen von 1899 100,60 G., 4proz. Heſſen
von 1906 100,80 G., 4proz. Heſſen von 1908/09 101,50 G.,
3½proz. Heſſen 91,20, 3proz. Heſſen 80, 4proz. Darm=
ſtädter
100,10 G., 3½proz. Darmſtädter 91,80 G., 4proz.
Heſſ. Land.=Hyp.=Pf. (Serie 1820) 101,60 G., 3½proz.
Heſſ. Land.=Hyp.=Pf. (Serie 910) 92,20 G., 4proz. Heſſ.
Komm.=Pf. (Serie 1012) 101,60 G., 3½proz. Heſſ.
Komm.=Pf. (Serie 13) 92,60 G., 3½proz. Heſſ. Komm.=
Pfandbriefe (Serie 4) 92,40 G., Darmſtädter Bank
130,40, Südd. Eiſ.=Geſ. 122,25, Baltimore und Ohio
107,10, 4½proz. Ruſſen 100,30, 4proz. 1880er Ruſſen
91,20 G., 4proz. 1902er Ruſſen 91½, 3/oproz. Ruſſen
89,25, 3½proz. Ruſſen 83,70, 3proz. Ruſſen 80,25, 4½proz.
Japaner 97,40, 4proz. Japaner 93,20. Privatdiskont
3¾0 Prozent.
Sport.
sr. Rennen zu Baden=Baden. Eberſtein=
Handicap. 5200 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Frau O.
Gaus Tileing (Weatherdon), 2. Solo (Wurſt), 3. La
Jacquerie (Ryan). Tot. 27:10, Pl. 14, 16:10. Unpl.:
Melie. Leicht 2½2 Lg. Schwarzwald=Rennen.
Preis 6150 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn P.
Pakheiſers King I. (Spear), 2. Maruſchka (Bullock),
3. Eddita (Shaw). Tot. 31:10, Pl. 13, 12:10. Unpl.:
Meluſine. Ueberlegen 421 Lg. Badener Stift=
ungs
=Preis. 35000 Mark, Diſtanz 2200 Meter:
1. Monſ. Mich. Ephruſſis Lama (O'Connor), 2. Orme
du Mail (Curry), 3. Oſſian (M. Barat). Tot. 31:10,
Pl. 11, 23, 12:10. Unpl.: Chateldon (4), Saint Juſt II.
(5.), Lockung (6.), Azarias. Ueberlegen 2½1½ Lg.
Damen=Preis. Ehrenpreis und 4200 Mark, Diſtanz
2000 Meter: 1. Herrn A. von Schmieders Hüon (Herr
W. Schulz), 2. Compendium (Monſ. Bar. Foy), 3. Erl=
könig
(Lt. Braune). Tot. 41:10, Pl. 14, 13, 13:10.
Unpl.: Floreſtan (4.), Prince Albert II., Copley, Mi=
mague
, Romunale, Confederacy, Grenat II., Baby=
lone
, Peking (ſtehen gebl.), Turvey, Ready Wit, Count.
Sehr leicht ¾3½ Lg. Kosmopolitiſches Handi=
cap
. Preis 5000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Frei=
herrn
S. A. von Oppenheims Kohinor (Miller), 2.
Clinquant (A. Carter), 3. Tauſendſchön (Shaw). Tot.
47:10, Pl. 20, 37, 25.10. Unpl.: Malborough, Parſifal,
Oranier, Green Dragon, Saut Perilleux, Lanze, Jack
Horner, Carthago II., Anchovy, Le Guide, Scotch Glee.
Kampf, Kopf1 Lg. Altes Badener Jagd=Rennen.
Preis 10000 Mark, Diſtanz 6000 Meter: 1. Monſ. Pfi=
zers
Hypos (Dr. Rieſe), 2. Quarto (Herr Koch), 3.
Druid Hill (Rittm. Fürſt Wrede). Tot. 17:10, Pl. 13,
28:10. Unpl.: Lucifer (gef.), Creuſotin. Ueberlegen 10
bis 12 Lg. Die Eventualquoten im Badener Stift=
ungspreiſe
waren: Lama 31:10, Oſſian 17110, Chatel=
don
80:10, Lockung 86:10, Azarias und St. Juſt II.
140:10, ſowie Orme du Mail 436:10.
Rennen zu Karlshorſt. Immergrün= Hür=
denrennen
; 2800 Mark, Diſtanz 2700 Meter: 1. Herrn
R. Burmeſters Terxes (E. Francke), 2. Lido (Sterit), 3.
Avanti (L. Torke). Unpl.: Tölz, Sca Sick, Arnulf, Mr.
Con, Diabolo I, Phypa (gef.), Adrette. Verhaltend,
1½2 Lg. Mars=la=Tour=Jagdrennen; Ehrenpreis
und 3000 Mark, Diſtanz 5000 Meter: 1. Leutn. Freyers
Gay Paris (Leutn. Eggeling), 2. Portman (Leutn. F.
von Zobeltitz), 3. Ruſſel Sage (Leutn. Barthels). Un=

plaziert: Dankwart (angeh.). Kampf, Kopf15 Lg.
Berliner Hürdenrennen; 5000 Mk., Diſtanz 2700 Meter:
1. Herrn L. Balls Laertes (Weißhaupt), 2. Littoral:
(Märtens), 3. Adlershorſt (Streit). Unpl.: Eſther,
Faſtrada, Stafette, Bonne. Kampf, Hals-2 Lg.
Herkules=Jagdrennen, Ehrenpreis und 5000 Mark,
Diſtanz 5000 Meter: 1. Herrn Dr. H. von Boſſe und
C. Schwenſens Halcyon Days (Leutn. F. von Zobeltitz),
2. Caſtle Brillant (Beſ.), 3. Saint Mihiel (Beſ.), Un=
plaziert
: Farmley (4.), Fair King. Sicher ¾10 Lg.
Firſchlingspreis; 2500 Mark, Diſtanz 3000 Meter:
1. Herrn P. F. Krauſes Floßhilde (Weißhaupt), 2.
Sieglinde (Stübing), 3. Forelle (B. Streit). Unpl.:
La Echo, Simulant (gef.), Phypa (angeh.), Darling
Sulla (gef.). Ueberlegen 310 Längen. Preis vom
Joachimstal; Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 3200
Meter: 1. Herrn F. von Schmidt=Paulis Laurin (Ltn.
von Schmidt=Pauli), 2. Nathalie (Leutn. v. Baumbach),
3. Vel Vel (Leutn. Graf Holck). Unpl.: Eboli, Neu=
ding
(angeh.), Urahne. Leicht 310 Lg. Preis von
Neuenhagen; 3300 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Geſtüt
Gürzenichs Marga (Jentzſch), 2. Patrize (Warne), 3.
Epſoma (Liſter). Unpl.: Choice, Europa, Eiſenach,
Alpenfex, Principal, Blondine, Delaware, Norton Con,
Regent, Illuſion, Salambo. Leicht 21 Lg.
Rennen zu Dresden. Auguſt=Verkaufs=
Hürden=Rennen. 2500 Mark, Diſtanz 2600 Meter:
1. Herrn Zydowers Schlei (Baſtian), 2. Wer weiß
(Martin), 3. Joſeph II. (Seeliſch). Unpl.: Schwärme=
rin
(4.), Wieſentheid, Miß Wodan (gef.), Redleap,
Bertha. 24 Lg. Preis von Zſchorna. 2500 Mark,
Diſtanz 1200 Meter: 1. Mr. Fairs Boulanger (Goff),
2. Hille Bobbe (Schläfke), 3. Rua (Raſtenberger).
Unpl.: Cascade I. Leicht 1½¾ Lg. Ehrenpreis=
Hürden=Rennen. Ehrenpreis 4000 Mark, Diſtanz
3000 Meter: 1. Herrn Reislands Heiotoho (Kalff), 2.
Argonaut (Adolf), 3. Nilbraut (H. Brown). Unpl.:
Giſela (4.), Neckar, Peene, Heimat, Grandezza. Sicher
¾ Lg. Preis vom Lugturm. Ehrenpreis und
2500 Mark, Diſtanz 3500 Meter. 1. Leutn. O. von
Zobeltitz’ Diving Bell (Leutn. Graf von Schmettow),
2. Germane I (Leutn. v. Stamme), 3. Le Connetable II
(Leutn. Streſemann). Unpl.: Oberin, Magenta. 1½
Kopf. Preis von Königsbrück; 4500 Meter, Diſtanz
2400 Meter: 1. Herrn O. Reislands Lockenkopf
(Schläfke), 2. Laps (Franke), 3. Monſalvat ( Raſten=
berger
). Unpl.: Wiederum, Frascati. Leicht 1¾ Lg.
Erinnerungsrennen; Ehrenpreis und 10000 Mark,
Diſtanz 4500 Meter: 1. Dr. G. Pachalys, Turandot
(Leutn. Graf Bethuſy=Huc), 2. Pois de Senteur (Miſe),
3. Bolzen (Leutn. A. Nette). Unpl.: Medicis, Pride.
Sehr leicht 4½3½ Lg.
Sr. Radrennen in Chemnitz. Großer
Ausſtellungs=Preis, 1 Stunde: 1. Walthour 77,920
Kilometer, 2. Schipke 73,500 Kilometer, 3. Salzmann
68,500 Kilometer, 4. Ryſer 64,500 Kilometer. Kleiner
Ausſtellungs=Preis, 20 Kilometer: 1. Walthour 15 Mi=
nuten
32 Sekunden, 2. Ryſer 420 Meter, 3. Salzmann
950 Meter, 4. Schipke 1900 Meter zurück.
Radrennen zu Leipzig. Hauptfahren:
1. Henry Mayer, 2. Otto Meyer, 3. Rütt, 4. Arend.
Vorgabefahren: 1. Fichs (90 Meter), 2. Lüdicke (120),
3. Schürmann (20), 4. Rütt (0). Tandemfahren: 1.
Otto Meyer=Bettinger, 2. Wegener=Schürmann, 3.
Henry Mayer=Rütt (Kettenſchaden). Stundenfahren,
1. Lauf: Ebert vor Cuzin, Ludwig und Lienart.
2. Lauf: Cuzin vor Ebert, Ludwig und Lienart.
Geſamtreſultat: 1. Ebert 68,930 Kilometer, 2. Cuzin
67,490 Kilometer, 3. Ludwig 65,940 Kilometer,
4. Lienart 41,960 Kilometer.
Rennen um den Großen Preis von
Berlin. Hauptfahren: 1. Peter, 2. Großmann, 3.
Lorenz. Preis von Steglitz: 1. Kudela, 2. Ganzevoort,
3. Schwab. Prämienfahren: 1. Ehlert, 2. Lorenz, 3. F.
Stellbrink. 30 Kilometer=Rennen: 1. van Neck 24:36,2,
2. Gnilka 100 Meter, 3. Herm. Przyrembel 860 Meter,
4. Schön 4400 Meter, 5. di Majo 5520 Meter zurück.
Großer Preis von Berlin, 100 Kilometer:
1. Dickentmann 1113:27 (Weltrekord), 2. Guignard
7070 Meter, 3. Theile 12000 Meter, 4. Demcke 13000
Meter, 5. L. Vanderſtuyft 17500 Meter zurück.

62
Minenalwasser
Natürlicht
IchtnGE

von vorbeugendem Ein-
fluß
bei Gicht,
harnsaurer Diathese,
Diabetes mellitus
(Zuckerkrankheit).

LONI6A
Natürliche Mineralwasel
SCEINGE

von vorbeugendem
Einfluß
bei Erkrankungen
der Verdauungsorgane
(Sodbrennen).

EO NI62
Nafürliches Minenlwaser
ACEINGE

von
vorbeugendem Einfluss
bei
Nieren- u. Blasen-
krankheiten
.

4ONIC2.
Netürliche Mineraluaser
ZachinG B

(K16275,46

Herrenkleider
aller Art werden unter Garantie für tadel=
loſen
Sitz und beſte Verarbeitung billigſt
angefertigt, ſowie alle Reparaturen, Auf=
bügeln
und Reinigen in ſauberer Aus=
führung
zu bekannt billigen Preiſen
erledigt bei
(*20364
Jakob Dingeldein, Kirchſtraße 17.

Ich Romme Sotert
und bezahle wegen dringendem Warenbedarf
konkurrenzloſe höchſte Preiſe für abgelegte
Garderobe, Schuhe, alte Federbetten,
Zahngebiſſe ꝛc.
(16432a
J. Wallach, Schlossgasse 10.
Telephon 1754.
Eiſerner2
Flaſchenſchrank
zu kaufen geſucht. Angebote mit Preis
unter M 9 an die Expedition. (16357soi

Großer, ſehr ſchöner
Herren Schreibtisch
in Eichenholz, mit reicher Bildhauerarbeit
für 225 Mk zu verk. Näh. Exped. (16213t
ehr gut er=
bill
. zu
haltener Paneeldiwan verk.

*20343im)

Schießhausſtraße 63.

Weinfäſſer, friſch geleert, von 100 bis
600 Liter, und 1 Schrotleiter billig
abzugeben Aliceſtr. 24, 1. St. (*20367ms

(Sofa, Schrank, Betten, Tiſche, Stühle,
Kommode, alles tadellos erh., weg. Platz=
mangel
bill. zu verk. Stiftſtr. 52, pt. (*20362imd

Im Sonnenreich der Kunst

von Max Streese.
(245 Seiten, broschiert 2.50, gebunden 3.50 Mk.)
Aus dem Inhalt:

Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes Darmstadt 1910.
Neo-Impressionismus. Hessische Sezession. Künstlerkolonie, Nacktmalerei,
Landschaftsmalerei, Porträtmalerei, Plastik etc. etc.
Ausstellungen in der Kunsthalle am Rheintor. Saison 1909/10.
Holzschnittkunst, Goldschmiedekunst, Bau= und Raumkunst, Archi=
tektur
, Friedhofskunst, Grabmalkunst.
Professor Albin Müller.
(1593ot
Josef M. Olbrich’s Heimgang, Eine Erinnerung.

Zu haben in den Buchhandlungen, in der Aus=
stellung
u. in der Exped. des =Darmstädter Tagblattn.


26 mmmee

Sehee

2e
M

Beerd
äft

Heinrich Georg
5

Dieburgerstrasse 32.

(12043a

Kaufe jede Partie
Schuhe und Wäſche. Zahle gleich Kaſſe.
Schriftliche Offerten unter M 41 an die
Expedition.
(*20361im

65

in Kinderwagen bilig zu verkaufen
Wendelſtadtſtraße 51.
(*20360

Aus Herſchaftshäuſern gut erh. getrag.
Kleider uſw. kauft man am billigſten
Stiftſtraße 59, part. (16003a

den gehrten
Empfehle mich Herrſchaften
für Ankauf von getragenen Kleidern,
Herrenanzügen, Bluſen, Stiefeln, bezahle
hohe Preiſe Flamm, Stiftſtr. 59, pt. (15763a

bei den Blumenſtänden
Aufdem Markt ſtehen die billigen Gold
fiſche und andere.
(*20328

Schöner Landefen zu verkaufen
Näheres Roßdörferſtraße 61. (*20345imc

Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag
treffen regelrecht
la. Fichtelgebirgs-
Preiselbeeren
ein. Durch perſönlichen Einkauf bin ich in
der Lage, nur ſchöne ausgereifte Ware zum
Verſand zu bringen und empfehle zum
billigſten Tagespreis.
Ecke Wieners-
Joh. Walther und Roßdörfer-
Straße. Telephon 1598.
(16449a

Wegen Wegzug bilig zuverkaufen:
1 Bettſtelle mit Sprungrahmen, 1 Kleider=
ſchrank
, 1 Kommode, 1 Tiſch, 2 Stühle,
1 Tellerbrett und verſchiedenes (*20326
Kiesbergſtraße 9, Hinterhaus.

Villige Kleider!
Damen=Kl., ſchwarz u. farb. von Mk. 6.50,
Bluſen von 50 Pfg. an, weiße Röcke, Leinen=,
Empire= und Faltenröcke ſehr billig: Ebenſo
Mäntel, Hüte, Schuhe und noch viel mehr
*20341)
Stiftſtraße 59, part.

Kaſſenſchrank
wegen Wegzug billig abzugeben. Off. unt.
L 173 an die Exped. ds. Bl. (C13469,34

rammophon mit Platten f. 15 Mk. zu
perk. Gutenbergſtr. 43, I. I. (*20352

Febr., noch gut erhaltener Gasbadeofen
zu kaufen geſucht. Offerten unt. M 34
an die Expedition ds. Blattes. (*20330im

Ein noch neues Luſtgewehr billig zu ver=
kaufen
Holzſtraße 26, part. (*20329

illigſt
(4801a
Leingeschirre wilh. Castan, Kirchstr. 5.