Darmstädter Tagblatt 1910


15. August 1910

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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 189.
Montag, den 15. Auguſt.
1910.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Der Kampf in der Werftinduſtrie.
Der Kampf, der zwiſchen den Unternehmern und
den Arbeitern der deutſchen Schiffswerften aus=
gebrochen
iſt, hat ein über die unmittelbar betroffenen Ge=
werbe
hinausreichendes allgemeines Intereſſe zu bean=
ſpruchen
. Seine Urſache hat der Werftkrieg an der Waſ=
ſerkante
in dem Verlangen der Arbeiter nach Einführung
einer einſtündigen Verkürzung der Arbeitszeit und einer
Lohnaufbeſſerung. Für die Beurteilung der Bewegung
ſind einige tatſächliche Angaben über die Verhältniſſe der
deutſchen Werften von Wert.
Gegenwärtig ſind auf den 29 größeren Seeſchiffs=
werften
etwa 68000 Beamte und Arbeiter beſchäftigt.
Nach einem Streik im Jahre 1907 waren die Arbeitsver=
hältniſſe
durch ein Abkommen zwiſchen den Zentralorga=
niſationen
der Unternehmer und Arbeiter, das
am 1. Oktober 1907 in Kraft getreten
iſt, geregelt. Bald darauf aber trat eine faſt
zwei Jahre hindurch anhaltende flaue Zeit ein. Die
deutſchen Reedereien wurden von dem geſchäftlichen Nie=
dergang
ſtark betroffen und beſchränkten ihre Aufträge an
Neubauten auf das geringſte Maß. Verſchiedene Werften
bauten auf eigene Rechnung und Gefahr, nur um einen
Stamm geſchulter Arbeiter zu halten. Der Bau von
Kriegsſchiffen für die deutſcher Marine gab nur wenigen
Privatwerften Beſchäftigung. So fanden in den Jahren
1908 und 1909 zahlreiche Betriebseinſchränkungen und in
Verbindung damit Arbeiter=Entlaſſungen ſtatt. Natur=
gemäß
konnte der größte Teil der Geſellſchaften keine oder
nur eine geringe Dividende ausſchütten. Nachdem eine
Beſſerung in der Seeſchiffahrt eingetreten war, hat ſich ſeit
Ende vorigen Jahres auch die Beſchäftigung auf den
Werften wieder gehoben. Beſonders in der jüngſten Zeit
haben mehrere Reedereien große Bauaufträge gegeben, die
auf Werften in Hamburg, Flensburg und an der Weſer
ausgeführt werden ſollen. Die Geſellſchaften erklären
aber, daß die Preiſe auch jetzt noch immer ſehr gedrückt
ſeien. Wenn trotzdem die Werften ihr Perſonal wieder
vervollſtändigt hätten, ſo ſei weniger die gegenwärtige
Lage die Veranlaſſung dazu, als die Hoffnung auf eine
beſſere Zukunft.
Nun haben die am Schiffbau beteiligten Arbeiter=
organiſationen
, an der Spitze der Deutſche Metallarbeiter=
verband
, die jetzige ihnen günſtig erſcheinende Zeit gewählt,
um gemeinſam an die Vereinigung der Werftbeſitzer mit
allgemeinen Forderungen nach Verkürzung der Arbeits=
zeit
, Lohnerhöhung und Neuregelung der Akkordarbeit
heranzutreten. Da die Werftbeſitzer die Forderungen der
Arbeiter abgelehnt haben, wurde die Arbeit auf den Ham=
burger
Werften niedergelegt. Die Folge davon war die
Ausſperrung von 60 Prozent, nicht bloß in Hamburg, ſon=
dern
auch an anderen Orten. Dieſe Maßnahme hat wie=
der
die Arbeiter veranlaßt, ihre Entlaſſung zu fordern
und in den Streik einzutreten. Noch wird zwar auf eini=
gen
Werften gearbeitet, aber in einigen Tagen dürfte es
überall leer und öde werden. Es könnte vielleicht noch
gelingen, ein paar Meiſter und Lehrlinge für die notwen=
digſten
laufenden Arbeiten zu halten, aber der Schiffsbau
ſelbſt wird völlig ins Stocken geraten. Erſatzmannſchaften
in genügender Zahl aufzutreiben, wird kaum möglich ſein,
weil bei dem ſchwierigen Schiffsbau mit ungeſchulten Ar=
beitern
nichts anzufangen iſt.
Noch iſt die Bewegung im Anfangsſtadium, ſodaß
man den Ausgang des Kampfes nicht vorausſagen kann.
Nur ſo viel ſteht feſt, daß die Schiffswerften eine gerin=
gere
Dividende riskieren, während die Arbeiterorgani=
ſationen
befürchten müſſen, daß ſie ihre Kaſſen völlig lee=
ren
. Nachdem die Zentralorganiſationen der Arbeiter die
Einladung der Werftbeſitzer, Vertreter zu einer Beſpre=
chung
zu entſenden, glatt abgelehnt haben, iſt es vollſtän=
dig
ausgeſchloſſen, daß die Beteiligten ohne fremde Unter=
ſtützung
zu einer Verſtändigung kommen können. Es liegt
im Intereſſe nicht nur der deutſchen Seeſchiffahrt und des
deutſchen Seehandels, ſondern auch der beteiligten Indu=
ſtrien
, daß man ſich auf den Werften ſo ſchnell als möglich
einigt.
Kallidres Beſuch in der Schweiz.
** Seitdem Felix Faure den Reigen begann und dem
Zaren ſeine Aufwartung machte, ſind die Präſiden=
ten
der fr anzöſiſchen Republik an zahlreichen

europäiſchen Höfen außer in Petersburg noch in Lon=
don
, Madrid, Liſſabon, Rom, Kopenhagen, Stockholm
und Chriſtiania mit allen einem Staatsoberhaupte
gebührenden Ehren empfangen worden Und nun ſchickt
Herr Armand Falliéres ſich an, einem Spezialkollegen,
dem Präſidenten einer Republik und zwar der ſchweizeri=
ſchen
, ſeine Viſite abzuſtatten. Da er in der Begleitung
des Miniſters des Aeußern Pichon und des Arbeits=
miniſters
Millerand kommt, ſo wird dem Beſuche eine ge=
wiſſe
politiſche Bedeutung beigemeſſen und ſeinem Ver=
laufe
große Beachtung geſchenkt.
Daß Frankreich das Ueberwiegen des deutſchen Ele=
ments
in der Schweiz ſchmerzlich empfindet und daß es
am liebſten die Eidgenoſſenſchaft politiſch und wirtſchaft=
lich
in Abhängigkeit von der franzöſiſchen Republik ſähe,
kann man ſich denken. Aber dieſer Wunſch iſt im Laufe der
Zeit ſeiner Erfüllung um nichts näher gekommen. Auch auf
wirtſchaftlichem Gebiete nicht, ſo viele Mühe die Franzoſen
ſich auch um die Vorherrſchaft auf dem ſchweizeriſchen
Markte gegeben haben. Als Frankreich im Jahre 1893 bei
den Handelsvertragsverhandlungen die Schweiz mit eini=
gen
dürftigen Konzeſſionen abſpeiſen zu können glaubte,
da kam es zum Bruch, d. h. zum Zollkrieg, der bis zum
Jahre 1895 dauerte und ſeitens der Schweiz mit großer
Heftigkeit geführt wurde. Als man in Paris die bittere
Erfahrung machte, daß die franzöſiſche Einbuße auf dem
ſchweizeriſchen Markte hauptſächlich Deutſchland zugute
kam, da gab Frankreich klein bei und bewilligte die For=
derungen
der Schweiz. Auch die zwiſchen beiden Staaten
im Jahre 1906 eingeleiteten Handelsvertragsverhandlun=
gen
geſtalteten ſich ſehr ſchwierig und drohten zu ſcheitern.
Der franzöſiſche Geſandte in Bern ſoll dann ſchließlich auf
die angeblich im ſchweizeriſchen Bundesrat vorherrſchende
Neigung zur Anlehnung der Schweiz an das deutſche Zoll=
gebiet
hingewieſen haben, und erſt dieſes Argumenr war
für die Pariſer Regierung beſtimmend, den ſchweizeriſchen
Wünſchen entgegenzukommen. Vorläufig herrſcht nun
auf wirtſchaftlichem Gebiete Friede, bis die immer höher
gehenden Wogen der ſchutzzöllneriſchen Bewegung in
Frankreich bei ſpäteren Verhandlungen neue Konflikte
heraufbeſchwören.
Der franzöſiſchen Regierung iſt ohne Zweifel daran
gelegen, die Beziehungen zur Schweiz weiter zu feſtigen,
wozu der Beſuch Falliéres in Bern beitragen ſoll. Viel=
leicht
ſieht man den jetzigen Zeitpunkt, wo zwiſchen Berlin
und Bern wegen des Mehleinfuhrſtreites Unſtimmigkeiten
herrſchen, beſonders geeignet dafür, daß Frankreich ſich
in der Schweiz zum Hahn im Korbe macht. Aber an der
abſoluten Korrektheit, durch die ſich die Eidgenoſſenſchaft in
internationalen Dingen von jeher ausgezeichnet hat, dürf=
ten
alle etwaigen ſelbſtſüchtigen Hoffnungen der Fran=
zoſen
ſcheitern.

Der Kulturkampf in Spanien.
* Der ſpaniſche Miniſterpräſident Canalejas hat
dem Pariſer Temps eine Erklärung über die Haltung der
ſpaniſchen Regierung in die Feder diktiert. Wir entneh=
men
dem ſehr umfangreichen Dokument folgendes:
Canalejas erklärt, daß die Bewegung im Norden
Spaniens von den Vornehmen Biscayas, den Kar=
liſten
und den Integriſten ins Leben gerufen worden ſei,
die ſich zuſammengetan und 20= bis 90 000 Proteſtler,
Männer, Frauen und Kinder auf die Beine geſtellt hätten,
die aus einem Fonds von drei Millionen unterſtützt wür=
den
. Mit einem kleinen Heer von 1800 Mann, darunter
die Bürgergarde, habe die Regierung die Kundgedung un=
terdrückt
. Nach dieſem Mißerfolg hätten die Agitatoren
die Abſicht, eine Junta ins Leben zu ruſen Da die Prie=
ſter
in den Dörfern die Häupter dieſer Bewegung ſeien,
habe die Regierung ſowohl den Biſchof von Vittoria, als
auch den Vätikan durch den Geſchäftsträger von dieſem
Vorhaben abſichtlich in Kenntnis ſetzen laſſen. Biſchof
und Vatikan hätten geantwortet, daß das ſie nichts an=
gehe
. Deshalb ſei es billig, daß das Betragen dieſer
Prieſter nicht der kirchlichen, ſondern der ſtaatlichen Ge=
richtsbarkeit
unterſtehe. Canalejas kündigt an, daß er im
Falle, daß die Prieſter die Ordnung zu ſtören verſuchten,
die Bewegung mit einer ſolchen Strenge unter=
drücken
werde, daß Spanien es nie vergäße. Canalejas
führt dann aus, daß er mit großer Befriedigung vernom=
men
habe, daß der Batikan verſöhnlich geſtimmt
ſei. Wenn er die Verſöhnung nicht gleichfalls gewollt
hätte, ſo hätte er ſie nicht vorgeſchlagen, aber er weiche
von dem Standpunkte nicht ab, daß keine neuen religlöſen
Orden eingerichtet werden dürften, bis das Geſetz endgül=
tig
angenommen worden ſei. Er wolle ſeine Macht dazu
benutzen, die bürgerliche Gewalt zur Vorherrſchaft zu brin=
gen
. Eanaleias wendet ſich gegen die Behauptung, daß
die Haltung der ſpaniſchen Regierung durch Eingriffe des
Auslandes, beſonders Frankreichs und Englands, ein=
gegehensſei
. Das hieße ſeinen König=undsauchedie Per=

ſönlichkeiten der Regierung verkennen. Der Geiſt der Ar=
mee
erlaubte, allen Drohungen ruhig entgegenzuſehen.
Canalejas ſelbſt werde vor nichts zurückſchrecken und ſo
lange ſeine Politik ausüben, als er das Vertrauen des
Königs und der Kammern habe.
Der Vertreter des Matin hatte eine Unterredung mit
dem ſpaniſchen Geſandten in Wien, Marugis Herrera, der
gegenwärtig in Karlsbad weilt. Herrera erklärte bezüg=
lich
einer Vermittelung des Kaiſers Franz
Joſef in dem Konflikt zwiſchen Spanien
und dem Vatikan: Der ſpaniſchen Geſandtſchaft ſei
nichts bekannt, daß eine ſolche Vermittelung angeboten
oder erbeten worden ſei. Bezüglich des Verhaltens von
Don Jaime habe die ſpaniſche Geſandtſchaft keine Schritte
bei der öſterreich.=ung. Regierung unternommen. Vom Ka=
binet
Don Jaime erhielt der Vertreter des Matin auf eine
diesbezügliche Anfrage den Beſcheid, daß Don Jaime ſich
für den Augenblick aller Kundgebungen bezüglich der Er=
eigniſſe
in Spanien enthalte, und daß er dieſen Ereig=
niſſen
gegenüber ſeine Reſerve und abwartende Haltung
bewahren werde.
Der Korreſpondent des Daily Telegraph in San Se=
baſtian
hat in den letzten Tagen mehrfach Gelegenheit ge=
habt
, mit hervorragenden Karliſten über die
Lage zu ſprechen. Sie faßten ihre Anſichten folgender=
maßen
zuſammen: Wir ſind vorzüglich organiſiert, und
unſere Parteigänger harren nur des Winkes, um loszu=
ſchlagen
. Wir werden aber niemals gegen die herrſchende
Dynaſtie vorgehen, ſolange der König ſich noch bewußt iſt,
daß er den Titel katholiſcher Monarch trägt. Erſt wenn
die Revolution ausbricht, werden wir einſchreiten. Wir
ſind gerüſtet, ja wir ſind ſchlagfertig. Ehe eine Woche ver=
geht
, können wir 10000 Mann unter Waffen haben. Aber
wir bedenken ſtets das Unheil und Elend, das jeder Bür=
gerkrieg
im Gefolge hat, und werden daher nicht verſuchen,
den Frieden Spaniens zu ſtören. Die Frage der Dynaſtie
kommt für uns erſt in zweiter Linie. An erſter Stelle wollen
wir Spanien die Religionsfreiheit ſichern. Don
Jaime wird keine Gewaltſchritte unternehmen, um auf
den ſpaniſchen Thron zu gelangen, aber er wird mit allen
ihm zu Gebote ſtehenden Mitteln die Rechte der katholi=
ſchen
Kirche in Spanien verteidigen.
Deutſches Reich.
Für den deutſchen Kaiſerbeſuch in
Brüſſel iſt das amtliche Programm nunmehr feſtgeſtellt
worden. Das Kaiſerpaar trifft Montag, den 17. Oktober
auf dem Nordbahnhofe ein, wo ein großer feſtlicher Em=
pfang
durch das belgiſche Königspaar ſtattfinden wird.
Die Fahrt erfolgt zwiſchen den ſpalierbildenden Truppen
der Garniſon Brüſſel nach dem königlichen Schloſſe.
Abends findet Galatafel im Schloſſe ſtatt. Am Dienstag,
den 18. Oktober, erfolgt die Beſichtigung der Weltausſtel=
lung
, an die ſich ein Feſteſſen in der deutſchen Geſandt=
ſchaft
anſchließt. Am Mittwoch, den 19. Oktober, wird
das deutſche Kaiſerpaar noch Tervoeren beſuchen. Hieran
ſchließt ſich eine mehrſtündige Beſichtigung der Sehens=
würdigkeiten
der Stadt Brüſſel und abends folgt Galatafel
im Laekener Palaſte und nach der Galatafel Vorſtellung
in der königlichen Oper. Die Abreiſe des deutſchen Kai=
ſerpaares
erfolgt Donnerstag, den 20. Oktober.
Ueber eine ungehörige Einmiſchung
des deutſchen Geſandten Grafen Quath in
die letzten Ereigniſſe in Teheran berichten
auswärtige Blätter. Die Köln. Ztg. teilt dazu mit: Am
Morgen des Tages, an dem die Kämpfe in Teheran ihren
Anfang nahmen, begab ſich der deutſche Geſandte Graf
Quath von ſeinem Sommerſitz in der Nähe von Teheran
nach der Stadt, um ſich davon zu überzeugen, daß für alle
Deutſchen Sicherheitsmaßnahmen getroffen ſeien, reſp.
daß ſich dieſelben alle in Sicherheit befänden. Er kam
dabei zufällig in den Garten, in dem ſich Sattar Khan
mit ſeinen Leuten aufhielt. Dabei wurde er von Sattar
Khan gebeten, der perſiſchen Regierung eine Botſchaft zu
übermitteln, nach der alles Blutvergießen vermieden wor=
den
wäre. Lediglich der Umſtand, daß das Gewehr eines
der Leute Sattar Khans losging, hatte zur Folge, daß
der Kampf ſeinen Anfang nahm. Alſo hatte Graf Quath
nur die Abſicht, unnötiges Blutvergießen zu vermeiden
und trifft jetzt alle diejenigen, die ſich gegen das Verhal=
ten
des Grafen Quath ausſprechen, der Verdacht, daß ſie
die Zwiſtigkeiten nicht verhindern wollten.
Der türkiſche Finanzminiſter Dſcha=
vid
Paſcha, der in Geſchäften London und Paris be=
ſucht
hat, iſt in Berlin an amtlicher Stelle mit allen
Ehren aufgenommen worden, die ſeinem hohen Rangeund

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Augnſt 1910.

Nunmer 189.

ſeiner bedeutenden Perſönlichkeit gebühren. Es verlautet
aus guter Quelle, daß ſeine Miſſion nicht ohne Erfolg
geblieben iſt. Allerdings heißt es, daß die engliſchen Fi=
nanzmänner
ſich ſehr zurückgehalten haben. Dagegen hat
er, wie wir bereits meldeten, in Paris eine ſehr beträcht=
liche
Anleihe aufnehmen können. Mit der Entrichtung
der Kaufſumme für die beiden an die Türkei übergegan=
genen
deutſchen Linienſchiffe hängt Dſchavid
Paſchas Aufenthalt in Berlin nicht zuſammen. Dieſe An=
gelegenheit
iſt bereits ſeit einigen Tagen vollkommen ge=
regelt
und zu beiderſeitiger Zufriedenheit erledigt.
Zu dem Fehlbetrag von 17 Millionen
Mark im bayeriſchen Staatshaushalt be=
merkt
die Lib. Landtagskorreſp., das Organ der bayeriſchen
Nationalliberalen: Dieſe Zuſammenſtellung iſt unge=
mein
lehrreich zur Beurteilung der Frage, welche Vorteile
das bayeriſche Volk aus ſeinen ſogenannten Reſervatrech=
ten
nicht genießt. Ein unvorhergeſehener Ueberſchuß
von 11 Millionen verſchwindet ſpurlos in dem Rieſen=
Defizit von 27 Millionen, das Bayern allein ſeinen Re=
ſervatrechten
für Eiſenbahn, Poſt und Bierbeſteuerung ver=
dankt
.
Der am 21. Auguſt in Offenburg ſtatt=
findende
Parteitag der badiſchen Sozial=
de
mokratie wird u. a. über einen Antrag des Horn=
berger
Vereins abzuſtimmen haben, wonach in Anbetracht
der auf dem Magdeburger Parteitag der Deutſchen Sozial=
demokratie
zu erwartenden lebhaften Debatte über die
Budgetbewilligung eine Vertretung aller Kreiſe entſpre=
chend
ihrer Stärke für unbedingt erforderlich erachtet wird.
Die Koſten der Vertretung der ſchwächeren Kreiſe ſollen
durch die Landeskaſſe aufgebracht werden Ferner wird
die badiſche Landesorganiſation aufgefordert, gemeinſam
mit den übrigen ſüddeutſchen Landesorganiſationen auf
dem Magdeburger Parteitag die Aufhebung des
Nürnberger Beſchluſſes bezüglich der
Budgetfrage und Ueberlaſſung der Regelung dieſer
Angelegenheit an die einzelnen Landesorganiſationen zu
beantragen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Ausfuhrverbot von Schlachtvieh und
Fleiſch. Der Wiener Rathauskorreſpondenz zufolge be=
antwortete
der öſterreichiſche Handelsminiſter ein wegen
der Fleiſchteuerung an ihn gerichtetes Telegramm
des Vizebürgermeiſters von Wien dahin, daß er tele=
graphiſch
den Auftrag erteilte, unverzüglich Verhandlun=
gen
über das Ausfuhrverbot von Schlachtvieh und Fleiſch
einzuleiten. Gleichzeitig erſuchte der Handelsminiſter den
Miniſterpräſidenten, dem Leiter des Ackerbauminiſteriums
entſprechende Weiſungen zukommen zu laſſen.
Serbien.
Eine ne ue Miniſterkriſis ſteht unmittelbar
bevor, da der Kabinettschef Paſchitſch, der Führer in der
Balkankriſis, amtsmüde iſt und ſich aus dem politiſchen
Leben zurückziehen will. Paſchitſch hat vor ſeiner Abreiſe
ins Bad zu ſeinen allerintimſten politiſchen Freunden ge=
äußert
, daß er ſich vom politiſchen Leben zurückziehen
werde, denn er fühle ſich ermüdet. Dieſer Rücktritt wird
nun nach Beendigung ſeiner Badekur Ende dieſes Mo=
nats
erfolgen. Als Nachfolger im Miniſterpräſidium ſowie
in der Parteiführerſchaft iſt der jetzige Finanzminiſter
Protitſch in Ausſicht genommen, nach Paſchitſch die
bedeutendſte und ausgeprägteſte Perſönlichkeit der altradi=
kalen
Partei. Sollte dieſe Kandidatur aber auf viele
Schwierigkeiten ſtoßen, dann würde das Präſidium der
jetzige Skupſchtinapräſident Nikolitſch, ein angeſehenes

Mitglied der altradikalen Partei, früherer Miniſter und
Geſandter, übernehmen. Dann wird allerdings auch eine
weitere Rekonſtruktion des Miniſteriums erfolgen. Pa=
ſchitſch
dürfte aber nur vorläufig zurücktreten, da er die
Macht ſo leicht nicht aufgibt und ſtets beſtrebt iſt, ſie wieder
zu erlangen. Für den Rückzug dürften ſowohl außer= als
innerpolitiſche Gründe maßgebend ſein.
Bulgarien und die Türkei
Die Agence Bulgare iſt ermächtigt, die Meldung des
Tanin zu dementieren, wonach der türliſche Geſandte in
Sofia wegen des Kommuniqués der bulgari=
ſchen
Geſandtſchaft in London Aufklärungen
verlangt habe, ebenſo die Meldung desſelben Blattes, daß
Bulgarien ſeine Haltung in der Frage der Entwaffnung
der mazedoniſchen Bulgaren auf die Ratſchläge der Mächte
geändert hätte.
Südafrika.
Einführung der allgemeinen Wehr=
pflicht
. Wie der Voſſ. Ztg. aus London gemeldet wird,
befürwortete der Kriegsminiſter im ſüdafrikaniſchen Ka=
binett
, General Smutts, in einer öffentlichen in Prätoria
gehaltenen Rede die Einführung der allgemeinen Wehr=
pflicht
nach Schweizer Vorbild. Er erklärte das Neger=
Stimmrecht für unmöglich, ebenſo wie die aſiatiſche Ein=
wanderung
.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 15. Auguſt.
In Andienz. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den General der
Artillerie z. D. Kehrer von Berlin, den Oberſt v. Etzel,
Kommandeur des Leibgarde=Inf.=Regts. (1. Groß. Heſſ.)
Nr. 115, den Oberſtabsarzt z. D. Dr. Schade, Chefarzt
des Mil.=Kurhauſes in Bad Nauheim, den Leutnant
Mewes vom Feldart.=Regt. Nr. 60, kommandiert von
der Kriegsakademie zur Dienſtleiſtung beim Leibgarde=
Inf.=Regt. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, den Hoflieferanten
Gallinger von Worms, den Medizinalrat Profeſſor Dr.
Groedel von Bad Nauheim, den Oberlehrer Koch von
Rimbach i. O., den Hauptlehrer Frolob von Oppenheim,
den Kammerjunker und Kammerrat Frhrn. Löw von und
zu Steinfurth von Lich, den Forſtaſſeſſor Frhrn. von
Wedekind, den Militär=Intendanturrat Brédan von der
Großb. Heſſ. (25.) Diviſion, den Dekan Schneider von
Weiterſtadt, den Oberbürgermeiſter Köhler von Worms,
den Oberbürgermeiſter Dr. Göttelmann von Mainz;
zum Vortrag den Miniſter des Innern von Hombergk
zu Vach, den Geh. Staatsrat Krug von Nidda, den
Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld, den Geh.
Oberbaurat Profeſſor Hofmann, den Oberbürgermeiſter
Dr. Gläſſing.
* Empfang. Die Großherzoglichen Herrſchaften
empfingen am Freitag vormittag 10 Uhr in Jagdſchloß
Wolfsgarten den Dekan Wehſarg aus Egelsbach.
* Militärdienſtnachrichteu. v. Lindequiſt,
Oberſtlt. beim Stabe des Inf.=Regts. Kaiſer Wilhelm
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, unter Beförderung zum
Oberſten, zum Kommandeur des 1. Hannov. Inf.=
Regts. Nr. 74 ernannt. Heuer, Oberſtlt. im Inf.=
Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, unter
Enthebung von der Stellung als Bats.=Kommandeur
zum Stabe des Regts. übergetreten. Frhr. v. Bibra,
Major beim Stabe desſelben Regts., zum Bat.= Kom=
mandeur
ernannt.
* Kirchliche Dienſtnachrichten. Ernannt wurde:
Pfarrverwalter Schorlemmer zu Bensheim zum
Pfarrverwalter in Geinsheim. Die erſte diesjährige
Theologiſche Schlußprüfung hat ferner beſtanden Georg
Otto Müller von Lengfeld zu Offenbach. Ernannt
wurden: Pfarrvikar Eichenauer zu Raunheim zum
Pfarrverwalter in Dolgesheim, Pfarrverwalter Reichert
zu Offenbach zum Pfarrverwalter in Lengfeld, Pfarr=
amtskandidat
Göckel zu Langen, zum Pfarrverwalter
in Griesheim, Pfarrverwalter Zentgraf zu Steinbach
zum Pfarraſſiſtenten in Schönberg. Geſtorben iſt:
der evangeliſche Pfarrer i. P. Hermann Weigold von
Harxheim zu Wiesbaden am 29. Juni.

* Ehrentafeln in den Kirchen. Das Großh. Oberkon=
ſiſtorium
erläßt folgendes Ausſchreiben an die evangeli=
ſchen
Pfarrämter und Kirchenvorſtände des Landes: Die
40jährige Wiederkehr des Gedächtniſſes der für unſer Volk
und Vaterland ſo ruhmvollen und folgenreichen Schlachten
des Krieges 187071 weckt zugleich aufs neue die Erin=

ſprechende Tafeln bereits ein pietätvolles Zeichen dank=
barer
Erinnerung angebracht. Wo dies noch nicht der Fall
ſein ſollte, ſtellen wir Ihrer Erwägung anheim, ob dies
auf Koſten der Gemeinde= oder Kirchenkaſſe oder durch eine
Sammlung von freiwilligen Gaben zur Ausführung ge=
bracht
werden ſoll. Die Gedächtnistafeln ſind in zwar ein=
facher
, aber künſtleriſch gediegener und dem Charakter der
Kirche entſprechender Form herzuſtellen. Die Ueberſchrift
könnte lauten: Aus unſerer Gemeinde (bezw. aus un=
ſerem
Kirchſpiel) ſtarben im Krieg 1870/71 für das Vater=
land
: Es folgen die Vor= und Zunamen der gefallenen,
der ihren Wunden erlegenen, der infolge von Krankheit
verſtorbenen und der verſchollenen Offiziere und Mann=
ſchaften
in alphabetiſcher Reihenfolge, mit Beifügung des
Dienſtgrades, des Ortes und der Zeit des Todes. Reichs=
adler
, Lorbeer und Eichenlaub können zum Schmuck der
Tafeln Verwendung finden. Das Gleiche gilt bezüglich
der bei den kriegeriſchen Ereigniſſen in China und
Afrika gefallenen oder verſtorbenen Gemeindeangehöri=
gen
. Geeignetenfalles können deren Namen mit den oben
Genannten unter entſprechender neuer Ueberſchrift anf
einer Tafel angebracht werden; ſonſt ſind beſondere Tafeln
anzufertigen. Wo Kirchen unſeres Landes zugleich an
Stelle von Garniſonkirchen benutzt werden, werden die
Koſten der Einrichtung gemäß Verfügung des Kriegsmini=
ſteriums
vom 17. Juni ds. Js. von der Militärverwaltung
getragen; wenigſtens iſt uns dies bezüglich der in China
und Afrika Gefallenen bekannt; vorheriges Benehmen mit
der Militärbehörde hat ſelbſtverſtändlich zu erfolgen. Wo
die Kirche hiſtoriſche Bedeutung beſitzt, iſt vor Einholung
von Plänen uſw. der Großherzogliche Denkmalpfleger um
eine Aeußerung anzugehen.
* Hegzeit der Feldhühner und Wachteln. Auf
Grund des § 3 der Verordnung vom 2. September 1893
wird mit Rückſicht auf den Stand der Ernte und der
Weinberge das Ende der Hegzeit der Feldhühner und
Wachteln für die Provinzen Starkenburg, Rheinheſſen
und Oberheſſen mit Ausnahme der Kreiſe Alsfeld,
Lauterbach und Schotten auf den 21. Auguſt l. J. feſt=
geſetzt
. Für die Kreiſe Alsfeld, Lauterbach und Schotten
behält es bei der allgemeinen Beſtimmung, wonach die
Hegzeit der genannten Wildarten am 31. Auguſt endigt,
ſein Bewenden.
nn. Die Meiſterprüfungen für die Provinz Starken=
burg
für das Jahr 1910 haben nunmehr ihr Ende er=
reicht
. Die Prüfungen dauerten angeſichts der großen
Zahl der Teilnehmer ſieben Monate, wobei 32 Prü=
fungsmeiſter
in Tätigkeit waren. Die feierliche Ueber=
reichung
der Meiſterbriefe wird vorausſichtlich an
einem der nächſten Sonntage im Auguſt im Kaiſer=
ſaal
in Darmſtadt ſtattfinden. An der diesjährigen
ordentlichen Meiſterprüfung beteiligten ſich insgeſamt
152 Prüfungskandidaten, von welchen 21 die Prüfung
nicht beſtanden; fünf Prüflinge waren zurückgetreten,
und einer wurde wegen Betrugsverſuchs ausgeſchloſ=
ſen
. 125 Prüfungskandidaten haben die Prüfung in allen
Teilen beſtanden, u. zw.: 9 Bäcker, 2 Dachdecker, 1 Elektro=
inſtallateur
, 1 Fahrradſchloſſer, 15 Maurer, 7 Metzger,
1 Metalldrücker, 27 Portefeuiller, 2 Sattler, 1 Schind=
ler
, 1 Hufſchmied, 6 Schmiede 1 Schornſteinfeger, 4
Schneider, 1 Schreiner und Glaſer, 14 Schreiner, 4
Schuhmacher, 3 Schloſſer, 1 Schloſſer und Mechaniker,
1 Mechaniker, 5 Spengler und Inſtallateure, 1 Speng=
ler
, 2 Steinmetzen, 2 Wagner, 6 Weißbinder, 1 Maler,
3 Zimmerer, 1 Bleiglaſer und 1 Friſeur. Die Prüfung
nicht beſtanden haben: 5 Bäcker, 2 Maurer, 7 Metzger,
2 Portefeuiller, 1 Schmied, 1 Schornſteinfeger, 2 Schrei=
ner
, 1 Schuhmacher, 1 Wagner, 2 Zimmerer, 1 Mecha=
niker
und Inſtallateur und 2 Friſeure. Zugleich mit
der diesjährigen Feier der Ueberreichung der Meiſter=
briefe
findet auch die Uebergabe der Meiſterbriefe an
die Teilnehmer der Herbſtprüfung 1909 ſtatt, bei wel=
cher
57 Kandidaten die Prüfung beſtanden haben, ſo
daß insgeſamt 182 Jungmeiſter mehr in der Pro=
vinz
Starkenburg ihr Gewerbe ausüben werden. Dieſe
Zahl iſt die größte ſeit der Einführung der Meiſter=
prüfung
und dürfte zweifellos auf die Wirkungen des
kleinen Befähigungsnachweiſes zurückzuführen ſein.

Die Heſſiſchen Volksbücher‟
Herausgegeben von D. Dr. W. Diehl.
Auf der Schule habe ich mich oft gewundert, wenn
verſchiedene meiner Klaſſenkameraden mit Weisheiten
glänzten, die, wenn ihr geiſtiges Eigentum, ſie zu
Genies allererſter Größe gemacht hätten. Mit der Zeit
habe ich bei meinen literariſchen Streifzügen einſehen
gelernt, daß es ſchon für die Herren Primaner Quellen
gab, die ſich in die Reihe der verſchwiegenen ordne=
ten
. Ich glaube, nirgends bewahrheiten ſich die Verſe
des=Mephiſtopheles:
Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
Was nicht die Vorwelt ſchon gedacht?
mehr, als wenn man in der Literaturgeſchichte ein oder
zwei Jahrhunderte zurückblättert und die weniger be=
kannten
oder ungenannten Werke aufſchlägt. Im
Denken haben wir’s wenig weiter gebracht, im Han=
deln
zeigen wir uns oft als würdige Schüler vergan=
gener
Jahrhunderte.
Je tiefer ich nämlich in die einzelnen Phaſen des
Lebens von Johann Heinrich Merck, der den Leſern
dieſer Blätter kein Unbekannter, eindringe, um ſo
mehr erkenne ich die großzügigen Pläne, die dieſen
weitſichtigten Mann beſchäftigten; Pläne, geboren von
einer grenzenloſen Liebe zu ſeinem Vaterlande, einem
ſelbſtloſen Streben, Großes zum Wohle anderer zu
ſchaffen; Pläne, die ihn, auf ſich ſelbſt geſtellt, kühn zu
Taten fortriſſen, die mit ſeinem körperlichen den gei=
ſtigen
Ruin nach ſich zogen. Seine großgedachten Ver=
lagsunternehmungen
(vergleiche Goethe, Jahrb. 1910),
ſeine Baumwollſpinnerei, all ſeine merkantilen Unter=
nehmungen
entſprangen keiner anderen Regung, als
den Machenſchaften und unlauteren Manipulationen
gewiſſenloſer Geſchäftsleute entgegenzuarbeiten, einem
an ſich induſtriearmen Lande zu einer gedeihlichen
Weiterentwickelung weiter zu helfen. Was nützte ihm
die freundſchaftliche Gunſt des Erbprinzen und vor
allem des Prinzen Georg d. J., wenn ihn ſeine Mit=
bürger
im Stiche ließen, für verrückt erklärten, wenn
ihm ſeine Herren Kollegen Schikanen und Hinderniſſe,
ſo viel nur möglich, in den Weg legten! Das hat die
Menſchheit noch immer fertig gebracht durch Intereſſe=
loſigkeit
, Gleichgültigkeit, Anſätze zu großen Werken
im Keime zu erſticken. Das war damals ſo und heute
ſummt die brave Menſchheit in ihrem trägen Schlafe

noch immer dieſelbe Litanei! Wie ein verzweifelter
Schrei eines verzweifelnden Dichters klingt es, wenn
Peter Altenberg in einem Lebensbildchen:
Krankheit (Schaubühne, Berlin 1910, Heft 32/33) aus
bitterer, eigenſter Lebenserfahrung heraus, an der
Schwelle des Wahnſinns einer ſchlafenden, im Alltags=
ſchritt
ſich dahinwälzenden Menge in die Ohren ruft:
Oskar Wilde ſtarb, wie keiner von der Million der
Enterbten je dahingeſtorben iſt; aber viele Jahre nach
ſeinem Tode ſetzte ihm eine Pariſer Dame einen Grab=
ſtein
, der 40000 Franks koſtete. Könnte der Tote ſeine
geniale Hand emporrecken, ſo würde er die wertloſen,
ſteinernen und bronzenen Dekorationen zertrümmern,
die eine Gans ſeinen vermoderten Gebeinen geſetzt
hat. Gebt dem Lebendigen die Kraft, alle Genialitäten
ſeines Hirns, ſeines Herzens für euch Stumpfſinnige,
Keuchende, Kriechende zu verwerten und ausleben zu
laſſen, und überlaſſet die Sorge um die ſechs Rappen,
die den Leichenwagen des zu Tode Gemarterten ziehen
werden, der Entrepriſe des pompes funébres!
An das und ähnliches hab’ ich gedacht, als ich am
Schluß von Band 6 der Heſſiſchen Volksbü=
cher
D. Dr. Diehls Werberede las. Jeder Dorfſchul=
meiſter
jammert über die Schundliteratur beklagt
ſich, daß er ſeinen Schülern keine päſſende Lektüre bieten
könne. Da, nehmt die Heſſiſchen Volksbücher zur
Hand, welches Heftchen Ihr auch aufſchlagt, Ihr wer=
det
überall etwas finden, Euern Sinn für die Geſchichte
unſeres Heſſenlandes zu nähren. Auf keinem Weih=
nachtstiſch
, in keiner Schulſtube, keiner Bibliothek,
keinem noch ſo kleinen Leſekränzchen, keinem Warte=
zimmer
ſollten ſie fehlen. Wir leiſten mehr für das
Andenken an unſere Vergangenheit, an die Geſchicke
unſerer Vorfahren, ihre Sitten und Gewohnheiten,
wenn wir leicht faßliche, friſch und derb natürlich ge=
ſchriebene
, gute Bücher ins Volk bringen, als wenn
wir in Archiven und Kommiſſionen von Gelehrten=
ſchweiß
triefende und fremdwortgeſpickte Weisheit auf=
ſtapeln
, an die ſich in ſpäteren Jahren nur vom Ge=
ſchick
beſonders Begünſtigte heranwagen dürfen.
Es iſt das unbeſtrittene, doch noch viel zu wenig
anerkannte Verdienſt D. Dr. Diehls, dieſe Volks=
bücher
ins Leben gerufen zu haben. Er hat ſich ſeine
Arbeit redlich ſauer werden laſſen, und ohne auch nur
einen Pfennig verdient zu haben, hat er weder Kräfte
noch Zeit geſchont, ganz für das einmal begonnene
Werk einzutreten. Das Unternehmen legt es nicht

darauf ab, durch ſchlechten Druck oder ſchlechtes Papier,
ungebundene Exemplare von zweifelhaftem Werte in
die Welt zu ſenden, um Geld zu verdienen; gutes
Papier, ſauberer, klarer, angenehmer Druck empfehlen
die handlichen Bändchen, die im Jahres=Abonnement
jährlich erſcheinen drei Bändchen! 3 Mark koſten;
gebunden in ſchönen, anſprechenden Leinenband:)
Wenn man allein die Ausſtattung berückſichtigt, muß
man den Preis äußerſt niedrig bemeſſen finden; daß
der Inhalt in nichts dem äußeren Kleide nachſtehe, da=
für
bürgen ſchon die Namen der Verfaſſer der einzelnen
Bände. Von D. Dr. Diehl ſelbſt ſtammen:
Band 3: Bilder aus der heſſiſchen Vergangenheit.
1. Reihe: Der vordere Odenwald in der Zeit vor und
in dem 30jährigen Krieg‟

wig‟

Band 5: Philipp, Landgraf von Heſſen=Butzbach.
Band 6: Aus der Zeit des Landgrafen Ernſt Lud=
Profeſſor Dr. K. Bader gab uns in Band 2:
Heſſiſche Sagen eine gute Auswahl aus J. W. Wolfs
Sammlung, mit einer kurzgefaßten Einleitung. Die
beiden übrigen Bände: 1.: Friedrich Peppler, Schil=
derung
meiner Gefangenſchaft in Rußland, vom
Jahre 1812 bis 1814, und 4.: Johannes Stelz, Selbſt=
biographie
, nach einer Aufzeichnung von Karl Götz,
ſind von Dr. K. Eſſelborn bearbeitet und erläutert.
Ich kann und will hier nicht auf die einzelnen
Bände dieſer beiden Jahrgänge näher eingehen; was
ſie dem Freunde heſſiſcher Geſchichte bieten, ſagen ſchon
die Titel Dieſe müſſen genügen, um jeden wenigſtens
zu einem der Heftchen hinzuziehen.
Nach dem ſchon oben geſtreiften Werberuf D. Dr.
Diehls iſt es unbedingt notwendig, daß ſich noch eine
größere Anzahl von Abonnenten zuſammenfindet, dieſes
durchaus ſelbſtloſe und anerkennenswerte Unterneh=
men
zu unterſtützen. Vielleicht tragen dieſe wenigen
gut gemeinten Zeilen dazu bei, den Heſſiſchen Volks=
büchern
hier und da neue Freunde zu werben; wir
dürfen und ſollen werben, ſind wir doch gewiß, daß die
nachfolgenden Hefte ihren Geſchwiſtern keine Schande
machen werden.
Im Auguſt 1910.
Hermann Bräuning=Oktavio.
*e) Das Titelblatt ziert eine Zeichnung von Prof.
R. Hoelſcher, die uns einen älteren Mann, vertieft in
die Lektüre der Volksbücher, gibt.

[ ][  ][ ]

Nummer 189

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

Seite 3.

Innere Miſſion. Der am 26. September in Darm=
ſtadt
ſtattfindenden 46. Jahresverſammlung des
Landesvereins für Innere Miſſion wird auf beſonderen
Wunſch nachmittags um 3 Uhr noch eine beſondere Ver=
handlung
angefügt werden über die neuerdings entſtehen=
den
evangeliſchen Gemeindeblätter. Referenten
ſind die Herren Pfarrer Hunzinger=Schaafheim, Her=
ausgeber
des dortigen Gemeindeblattes, und Pfarrer Heß=
Michelſtadt, Herausgeber des Dekanatsboten für das De=
kanat
Erbach. Es ſteht ein fruchtbarer Gedankenaustauſch
über dies neueſte Erzeugnis und Förderungsmittel des
Gemeindelebens zu erwarten.
Die Heilſtätte für Alkoholkranke Burgwald
in dem herrlichen Mühltal gelegen, von deren Eröff=
nung
vor ſieben Monaten wir unſeren Leſern berichte=
ten
, hat in dieſer kurzen Zeit ſchon 13 Pfleglinge auf=
genommen
, von denen zwei als vorausſichtlich geheilt
entlaſſen werden konnten. So erfreulich das auch iſt,
ſo iſt doch ſehr zu wünſchen, daß mehr Anmeldungen
erfolgen, iſt doch Raum für 24 Patienten vorhanden.
Nicht nur, daß die trefflich geleitete Anſtalt dann mehr
Kranken zuſtatten käme und ſo ein reicherer Segen von
ihr ausginge, es würde dadurch auch ihre finanzielle
Lage eine weſentliche Beſſerung erfahren, was dringend
von Nöten, ſchon im Hinblick darauf, daß für den Um=
bau
und die innere Einrichtung des Hauſes gegen
10000 Mark aufgewendet werden mußten. Und dieſe
Beſſerung der finanziellen Lage wiederum würde es
ermöglichen, dem tüchtigen Hausvater den Gehilfen,
deſſen er benötigt und den er bis jetzt noch nicht hat
bekommen können, zur Seite zu ſtellen. Der geeignete
Mann wäre da, aber das Geld zu ſeiner Anſtellung
fehlt. Daß es der Heilſtätte an der Teilnahme, deren
ſie wert iſt, nicht mangelt, beweiſen mancherlei Zuwen=
dungen
. So iſt ihr zur Beſtreitung der Koſten einer
Badeeinrichtung ein Betrag von 200 Mark geſchenkt
worden, und erſt in dieſen Tagen hat eine bekannte
Firma unſeres Landes ſie durch das Geſchenk einer
Nähmaſchine erfreut. Aber ſie bedarf weiterer Hilfe.
Wer tut ſeine Hand auf und reicht ſie dar? Die für
eine elektriſche Beleuchtungsanlage nötige Waſſerkraft
iſt vorhanden. Doch es fehlen die Mittel, ſie auszufüh=
ren
. Wer hilft hierzu? Wiederholt ſei darauf hin=
gewieſen
, daß, ſo lange das Haus nicht beſetzt iſt, einige
abſtinente Sommerfriſchler in ſeinen ſchönen, einen
prächtigen Ausblick auf den Wald darbietenden Bal=
konzimmern
als Kurgäſte Aufnahme finden; der Pen=
ſionspreis
beträgt nur 4 Mark täglich bei guter Ver=
pflegung
. Auch das wäre eine Hilfe für unſere Heil=
ſtätte
, wenn von dieſem Anerbieten Gebrauch gemacht
würde. Möge auch dieſer erneute Hinweis auf unſere
Heilſtätte offene Herzen finden!
Der Vorſtand des Darmſtädter Mieter= Ver=
eins
erläßt ſoeben eine Bekanntmachung, wegen Be=
teiligung
an der diesjährigen Stadtverordneten=
wahl
und ſtellt eine zeitgerechte Einladung aller
Mieter zur näheren Beratung in Ausſicht. (Näheres
im Inſeratenteil.)
Zündnadeln In den Schaufenſtern der Firma
Heinrich Lautz, Rhein= und Grafenſtraße Ecke, ſind
ſämtliche Nummern (28) der in der Feldzugszeit von
Herrn Profeſſor Hermann Müller gezeichneten Zünd=
nadeln
ausgeſtellt. Sicher haben die alten Krieger
ſich darüber ſehr gefreut, als ſie wieder einmal ihre
Zündnadeln zu Geſicht bekamen.
Im Katholikenverein findet heute Montag
Konzert ſtatt. (Näh. ſ. Anzeige.)
Heſſiſcher Hof. Man ſchreibt uns: Heute
Montag wird zu Ehren der Veteranen ein Militär=
Extra=Konzert von der Kapelle des Art.=Korps unter
Herrn Mickleys Leitung ausgeführt. Ein patriotiſcher
Teil wird durch eine Fanfare mit Feldtrompeten und
Keſſelpauken (Barbaroſſas Erwachen) eingeleitet. (Siehe
Anzeige.)
Städtiſcher Saalbau. Das nächſte Dienstags=
Konzert im Städtiſchen Saalbau (Kapelle des Großh.
Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61) wird eine hier noch nicht ge=
botene
Abwechslung bringen, indem das dreiteilige Pro=
gramm
die verſchiedenen Arten der deutſchen Militär=
muſik
enthält. Das Programm wird im I. Teil nur
durch Meſſinginſtrumente, im II. Teil durch Holzblas=
inſtrumente
und im III. Teil durch Streichinſtrumente
zur Ausführung gebracht. (S. Anzeige.)
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
der vergangenen Woche: Butter ½ Kg. 1,36 M., in Par=
tien
1,26 M., Eier 67 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20 Pf.,
Handkäſe 610 Pf., neue Kartoffeln Zentner 4 M.,
Kumpf (10 Liter) 70 Pf., ½ Kg. 5 Pf., Obſt u. dgl.
½ Kg.: Aepfel 1216 Pf., Birnen 2025 Pf., Pflaumen
1215 Pf., Zwetſchen 1820 Pf., Aprikoſen 4045 Pf.,
Pfirſiche 3540 Pf., Reineclauden 2025 Pf., Preiſel=
beeren
23 Pf., ½ Ltr. Brombeeren 1215 Pf., Salat,
Gemüſe: Kopfſalat 48 Pf., Endivien 510 Pf., Bündel
Radieschen 2 Pf., Rettiche 48 Pf., Schälgurken 5 bis
20 Pf., Gurken zum Einlegen 100 Stück 0,902,00 M.,

Meerrettich 1030 Pf., Rhabarber ½ Kg. 1012 Pf.,
Zwiebeln ½ Kg. 68 Pf., Roterüben ½ Kg. 8 Pf., Para=
diesäpfel
½ Kg. 25 Pf., Bündel Römiſch=Kohl, Schnitt=
lauch
, Salatgrünes 2 Pf., Bündel Karotten 5 Pf., Kern=
erbſen
½ Kg. 25 Pf., Wirſing 510 Pf., Kohlrabi 3 Pf.,
Blumenkohl 1050 Pf., Rotkraut 1240 Pf. Bohnen
Kg. 815 Pf., Prinzeßbohnen ½ Kg. 25 Pf., Weiß=
kraut
1030 Pf., Spinat ½ Kg. 1520 Pf., Eierſchwämme
Kg. 15 Pf., Steinpilze ½ Kg. 30 Pf.: Geflügel,
Wild: junge Gänſe 56 M., Enten 34 M., Hahnen und
Hühner 2,002,50 M., Tauben 60 Pf., Lapins 1 M.;
Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 1,20 M., Backfiſche 40 Pf.,
Rotzungen 50 Pf., Kabeljau 30 Pf., Schellfiſche 1420 Pf.:
in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch 6064 Pf.,
Hackfleiſch 70 Pf., Rindsfett 50 Pf., Rindswürſtchen
(Stück) 15 Pf.
§ Unglücksfall. Am Freitag nachmittag gegen
7 Uhr fiel auf der Heidelberger Chauſſee in der Nähe
der Reſtauration Waldfriede der Gefreite Hanne=
mann
der 2. Batterie des Feldartillerie=Regiments
Nr. 25 vom Pferde. Gefreiter Hannemann kam unter
die Räder des Batteriewagens, wobei er derart ſchwer
verletzt wurde, daß er gleich darauf ſtarb.
§ Feſtgenommen. Ein 35 Jahre alter Taglöhner
aus Babenhauſen iſt am Freitag hier wegen Diebſtahl
feſtgenommen worden.
§ Diebſtahl. Während einer der letzten Nächte iſt
eine an einem Neubau in der Mühlſtraße angebracht
geweſene Sturmlaterne entwendet worden.
Auerbach, 12. Aug. Man ſchreibt uns: Die Ein=
weihung
des Eigenbrodt=Brunnens in
Auerbach a. d. B. ſoll nunmehr am Sonntag, den 21.
Auguſt ſtattfinden. Der Brunnen wird vom Verſchö=
nerungs
= und Kurverein errichtet zu Ehren ſeines
früheren langjährigen Vorſitzenden, Mitbegründers im
Jahre 1866=und jetzigen Ehrenvorſitzenden, des Herrn
Pfarrer Dr. Eigenbrodt. Vor der feierlichen Ueber=
gabe
des Brunnens an die Oeffentlichkeit findet nach=
mittags
4 Uhr in der Kirche zu Auerbach ein Kirchen=
konzert
ſtatt, wobei Fräulein Helene Müller= Auer=
bach
, Herr Großh. Muſikdirektor Klaſſert= Darm=
ſtadt
und Herr Violinvirtuoſe Rich. Lottermann=
Saarbrücken ihre Mitwirkung freundlichſt zugeſagt
haben. Das Konzertprogramm iſt ſehr gewählt zuſam=
mengeſtellt
und iſt alte und neue Muſik durch ihre her=
vorragendſten
Komponiſten vertreten. Fräul. Helene
Müller, die ſich, ſeitdem wir ſie vor einigen Jahren
hier in einem Wohltätigkeitskonzert aufs vorteilhafteſte
kennen gelernt haben, in der Stille zu einer hervor=
ragenden
Sängerin ausgebildet hat, tritt in dieſem
Konzert hiermit zum erſten Male vor die breitere
Oeffentlichkeit. Herr Muſikdirektor Klaſſert iſt hier
und in Bensheim wohlbekannt und geſchätzt. Er äußerte
ſich in der lobenswerteſten Weiſe über die neue Orgel
in unſerer Kirche und freut ſich, daß ihm ein ſolch vor=
zügliches
Inſtrument zur Verfügung ſteht. Herr
Violinvirtuoſe Rich. Lottermann=Saarbrücken, welcher
von ſeinem Lehrer, Herrn Profeſſor Ottokar Seveik=
Prag, ausgezeichnet empfohlen iſt, tritt hier zum erſten
Male auf. Es geht ihm ein vorzüglicher Ruf als Soliſt
voraus. Der Kartenverkauf iſt bereits ſehr rege.
Fürth, 13. Aug. Der hochbetagte Landwirt Joh.
Helfrich holte geſtern in ſeiner bekannten Gutmütig=
keit
einem Nachbar eine Fuhre Korn nach Haus. Auf
dem Nachhauſewege kam der Wagen zu Fall und be=
grub
den alten Fuhrmann unter der ſchweren Laſt.
Raſche Hilfe beförderte wohl noch den alten Mann
lebend unter dem Wagen hervor, doch hatte er leider
einen komplizierten Beinbruch erlitten.
Aus dem Odenwald, 13. Aug. Allenthalben iſt man
in unſerem Gebirge mit dem Einheimſen des Ge=
treides
beſchäftigt. Wenn es auch hier und da durch
die Ungunſt des ſeitherigen Wetters gelitten hat, ſo
dürfen die Landwirte im allgemeinen mit dem dies=
jährigen
Ertrag wohl zufrieden ſein; denn Stroh
und Körner füllen bei uns dieſes Jahr Scheune und
Speicher.
Offenbach, 13. Aug. In der letzten Stadtverord=
netenverſammlung
brachte Stadtverordneter Böhm
die durch die Neuvermeſſung in eigener Regie
entſtande Ueberſchreitung des Voranſchlags
um annähernd 120000 Mark zur Sprache und ver=
langte
von der Bürgermeiſterei Aufklärung darüber,
Beigeordneter Eißnert mußte die Tatſache der Ueber=
ſchreitung
zugeben. Aber ſowohl er als auch Beigeord=
neter
Porth, der von Beruf Geometer iſt, und Stadt=
verordneter
Ulrich ſuchten ſie damit zu erklären, daß ſie
behaupteten, man ſei ſeinerzeit im Ausſchuß darüber
einig geweſen, daß der vom Großh. Kataſteramt Darm=
ſtadt
aufgeſtellte Voranſchlag zu niedrig ſei; man habe
aber keine Veranlaſſung gehabt, über dieſen Voranſchlag
hinaus mehr zu bewilligen. Dazu bemerkt die F Z.:
Es iſt doch kaum denkbar, daß ſich das Kataſteramt, das
doch am beſten in der Lage war, die Arbeit abzuſchätzen,
ſo gewaltig geirrt haben ſollte. Außerdem lag ja ein

gleichlautendes Angebot eines Privatgeometers vor.
Der Grund der rieſigen Ueberſchreitung iſt einfach
darin zu ſuchen, daß das ſtädtiſche Vermeſſungsbureau
mit ſeinen ſieben Geometern (1 Kataſtergeometer, 3
Geometer erſter Klaſſe und 3 Geometer zweiter Klaſſe)
nebſt fünf Geometergehilfen zu teuer und zu langſam
arbeitet; die Herren haben auch durchaus keinen Grund,
ſich beſonders zu beeilen. Warum hat man denn das
Kataſteramt, das bereit war, die Arbeit für 80000 Mark
auszuführen, nicht beim Wort genommen und ihm die
Ausführung übertragen? Der Stadtverwaltung konnte
es doch gleichgültig ſein, wenn ſich das Kataſteramt in
ſeinem Voranſchlage verrechnet hätte. Daß ein Privat=
geometer
die Arbeit weniger pünktlich ausgeführt hätte,
iſt eine keineswegs ſtichhaltige Behauptung. Auch ein
Privatgeometer iſt vereidigt und zur gewiſſenhafteſten
Ausführung verpflichtet. Außerdem hat ja die Stadt
noch ein eigenes Vermeſſungsamt mit einem Stadtgeo=
meter
an der Spitze; die Möglichkeit einer ſcharfen
Kontrolle war alſo gegeben. Die Angelegenheit bedarf
entſchieden noch einer weiteren Aufklärung.
Offenbach, 13. Aug. Nach einer hieſigen Korreſpon=
denz
des Mainzer Tgbl. ſoll für die nächſten Stadtver=
ordnetenwahlen
zwiſchen den Linksliberalen und
Sozialdemokraten ein Kompromiß abgeſchloſſen wor=
den
ſein, wonach die Sozialdemokraten von den neuzube=
ſetzenden
16 Mandaten 9 und die Linksliberalen 7 erhal=
ten
ſollen. Es wird ſogar behauptet, auch das Zentrum
ſei an dieſem Kompromiß beteiligt, ſodaß demnach eine
ſyſtematiſche Ausſchaltung der Nationalliberalen im Gange
wäre. Etwas beſtimmtes ſei über den Inhalt der Ver=
einbarung
jedoch nicht zu erfahren. Daß die Sozialdemo=
kratie
ſich alle Mühe geben wird, mindeſtens mit den
Linksliberalen zuſammen die Mehrheit zu erlangen, iſt
ſelbſtverſtändlich. Es beſteht ſogar in ſozialiſtiſchen Krei=
ſen
die Hoffnung, daß es gelingen werde, die Mehrheit
aus eigener Kraft zu erzielen, wie dies bei der vorletzten
Wahl der Fall war.
Offenbach, 13. Aug. Zu einem Kampfe zwiſchen
ſtädtiſchen und privaten Intereſſen hat die
geplante Anlage eines Friedhofes bei Bürgel geführt.
Das in Betracht kommende Gelände wurde noch kürz=
lich
von dem Ausſchuß für die Wertzuwachsſteuer auf
30 bis 50 Pfg. für den Geviertmeter geſchätzt und war
bis vor einiger Zeit zu dieſem Preiſe auch verkäuflich.
Nun verlangen die Eigentümer 2 Mark bis 2,50 Mark,
während die Stadtverwaltung höchſtens 1,20 Mark be=
zahlen
will. Da die Beſitzer hartnäckig auf ihren For=
derungen
beſtehen, will die Stadt ein anderes Gelände
erwerben.
Mainz, 13. Aug. Der Polizeibericht meldet: Ein
Amerikaner verlor geſtern in der Rheinſtraße ſeine
Brieftaſche. Sie wurde von einem Arbeiter gefun=
den
und ihm zurückgegeben. Später entdeckte der Eigen=
tümer
jedoch, daß von dem Inhalt der Brieftaſche 280 Mark
in amerikaniſchem und deutſchem Papiergeld fehlten.
Worms, 13. Aug. Wie der W. Ztg. mitgeteilt wird,
ſind die Verhandlungen der Wormſer Kunſtmühle,
Aktiengeſellſchaft, hier, mit der Hefftſchen Kunſt=
mühle
, Aktiengeſellſchaft in Bammenthal bei Heidelberg,
geſtern zum Abſchluß gekommen, ſodaß erſtere demnächſt
an letztere Anſchluß findet. Die außerordentlichen Ge=
neralverſammlungen
beider Geſellſchaften werden voraus=
ſichtlich
noch im Laufe dieſes oder Anfangs nächſten Mo=
nats
die Genehmigung zu erteilen haben. Die hieſige
Mühle ſoll auf eine größere Leiſtungsfähigkeit gebracht
werden, was dem hieſigen Hafenverkehr ebenfalls zum
Vorteil gereichen dürfte.
Friedberg, 13. Aug. Vom 15. an wird das Hof=
marſchallamt
in den Kavalierbau verlegt werden.
Das Militärkommando wird in Maſſenquartieren
untergebracht, man ſpricht von 200 Mann und 5 Offi=
zieren
. Das Fernſprechzimmer im Poſtamt
wurde vom erſten Stock in die Schalterräume verlegt.
Gießen, 13. Aug. Ein hieſiger Offizier gab
ſeinem Burſchen 120 Mark, die er an zwei Hafer=
lieferanten
in Klein=Linden abgeben ſollte. Beim einen
bezahlte er auch die Lieferung, beim anderen ließ er
ſich Rechnung geben und entſchuldigte ſich damit, daß
ihm das Geld zur Begleichung der Forderung nicht
reiche; es müſſe ein Irrtum vorliegen, ſonſt hätte ihm
ſein Hauptmann den richtigen Betrag eingehändigt.
Mit dem Verſprechen, in zwei Stunden wieder da zu
ſein, entfernte ſich der Burſche. Statt des Burſchen
kam aber am Abend ein Sergeant, der nach ihm ſuchte.
Erſt am anderen Tage wurde der Burſche in einem
Nachbardorfe feſtgenommen und wieder in die Kaſerne
eingeliefert. Das Geld hatte er bis zum letzten Pfennig
in Damengeſellſchaft verjubelt.
D Bad Nanheim, 12. Aug. Bis zum 11. Auguſt ſind
26 176 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem
Tage noch 7158 anweſend waren. Bäder wurden bis
um 11. Auguſt 317579 abgegeben.
Bad Nauheim, 13. Aug. Die Polizei ließ in dieſen
Tagen die Vermieter auffordern, vom 15. Auguſt ab
2

Kaiſerin Eugenie in Compiegne
einſt und jetzt.
** Der ſchauluſtige Reiſende, den am letzten Sonn=
tag
ſein Weg vielleicht nach Compiegne führte, wo er
in der Schar von Globetrottern und Ausflüglern durch
die Gemächer des berühmten Schloſſes wandeln wollte,
konnte Zeuge einer ergreifenden Szene werden. In=
mitten
der neugierigen oder wiſſensdurſtigen Beſucher,
die unter der Führung eines alten Beamten den Rund=
gang
durch das Schloß antraten, ſah man eine ſchwarz=
gekleidete
, ehrwürdige alte Dame, die ſich in Begleit=
ung
zweier Herren der bunten, fröhlich plaudernden
Prozeſſion anſchloß. Sie folgte ſchweigſam dem Füh=
rer
, der mit dem ſtereotyp=ſingenden Tonfall ſeines
Berufes gelangweilt die eingelernte Litanei herunter=
murmelte
. Dies iſt das Gemach, in dem Kaiſer Na=
poleon
III. zu arbeiten pflegte‟; Hier gewahren Sie
das Zimmer, wo die Kaiſerin Eugenie ihre Gäſte
empfing uſw. Jedes Zimmer, jeder Raum des Schloſ=
ſes
wurde beſucht; durch die Gemächer, in denen einſt
das Familienleben des letzten unglücklichen Kaiſer=
paares
von Frankreich waltete, zog die plaudernde,
ſorgloſe Karawane der Schauluſtigen; Lorgnetten
klapperten und hier und da ſtellte eine wiſſensdurſtige
Dame eine beſondere Frage an den Führer, um aller=
lei
Intereſſantes aus der Vergangenheit zu erfahren,
wo in Compiégne noch Glanz, Freude und heitere Ge=
ſelligkeit
herrſchten. Niemand hatte der ſtillen Greiſin
in dem Zuge beſondere Aufmerkſamkeit geſchenkt; erſt
jetzt, da die Schar der Beſucher das Arbeitszimmer des
Prinzen Lulu verließ, als die ſchwarzgekleidete Geſtalt
einige Augenblicke einſam in dem Gemach zurückblieb,
während die monotone Stimme des Führers bereits in
der Ferne verklang, da erkannten einige Nachzügler
die Dunkelverſchleierte; es war die Kaiſerin Eugenie,
die unglückliche Mutter, die hier in dem Zimmer ihres

einzigen Kindes ſtand und der Zeiten gedenken mochte,
da die Zukunft noch hell und ſonnig vor ihr zu liegen
ſchien und ihrem geliebten Sohne ein Leben voll Glanz
und Ruhm verhieß. Die Beſucher traten ſtill zur Seite
und ließen die Kaiſerin allein mit ihren Gedanken.
Erſt eine Weile ſpäter trat ſie heraus, verließ ſchwei=
gend
mit ihren beiden harrenden Begleitern das
Schloß, um von der Stätte ihrer ſchönſten Erinnerun=
gen
wieder hinaus zu eilen in die Welt, die der Witwe
und der trauernden Mutter wohl Raum, aber keine
Heimat gewährt. Den Duft des Geweſenen, der heute
über Compiegne liegt, nahm ſie mit ſich; verrauſcht ſind
die fröhlichen Klänge von einſt, längſt erſtorben das
Echo der ſorgloſen Scherze, die damals den Kreis von
Compiégne erfüllten. Denn Compiégne, das hieß das
Abſtreifen des ſtarren Hofzeremoniells, das waren die
Tage, wo das Kaiſerpaar nur den auserwählten nahen
Freunden lebte und wo alle Sorgen verbannt waren.
Nach Compiégne geladen zu werden, das war der
höchſte Ehrgeiz jedes franzöſiſchen Hofmannes. Wenn
am 1. November Napoleon und Eugenie in das an=
mutige
Schloß zogen, da begannen die Tage der Frende
und der ungezwungenen Geſelligkeit. In Gruppen
von 70 bis 80 Gäſten kamen die Freunde des Kaiſer=
hauſes
und verlebten eine Feſtwoche, bis die Stunde
der Abreiſe ſchlug und eine neue Schar von 80 Gäſten
ſie ablöſte. Am Tage der Ankunft war Tafel im Schloß,
am Abend dann fröhlicher Tanz; kein Orcheſter, keine
Streicherkapelle, ja nicht einmal ein Flügel; im Tanz=
ſaal
ſtand ein mechaniſches Klavier, deſſen Kurbel von
den Herren abwechſelnd gedreht wurde, um den andern
die Freuden des Tanzes zu ermöglichen. Es war
nicht immer leicht, dieſes Orgelklavier zu meiſtern;
nicht jeder hat ein natürliches Empfinden für die Ge=
ſetze
des Rhythmus, und oft erſchallten heitere Pro=
teſte
und luſtige Vorwürfe, wenn irgend ein hochſtehen=
der
Würdenträger in ſeinem Eifer unregelmäßig ſpielte
und durch ſeine Tempoſchwankungen die Tänzer in

Verwirrung brachte. Am zweiten Tage herrſchte das
Jagdgewehr, während die Damen in duftigen Toiletten=
auf
grünem Raſen mit der Kaiſerin Wettkämpfe im
Bogenſchießen veranſtalteten, zogen die Herren zum
Weidmannswerk in Park und Wald. Am Abend war
dann Vorſtellung in dem entzückenden, kleinen Theater,
das Louis Philippe, der Bürgerkönig, erbaut und das
das Kaiſerpaar durch eine vrachtvolle Renovierung
verſchönert hatte. Hier ſpielten abwechſelnd die Grö=
ßen
der Comédie, des Odeon, des Gymnaſe, des Vaude=
ville
und des Palais Royal, die abwechſelnd von Paris
nach Compiégne befohlen wurden. Im Theater wurg
den die männlichen Gäſte ſehr ſtiefmütterlich behan=
delt
; nie hat ein Herr in einer vorderen Reihe Platz
nehmen dürfen; der erſte Rang, der zu einer mächti=
gen
, 200 Perſonen faſſenden Loge ausgebaut war, blieb
dem juwelengeſchmückten ſchöneren Geſchlechte reſer=
viert
; die Herren mußten oberhalb der kaiſerlichen
Loge auf Hinterbänken Platz ſuchen, ſo gut es ging.
Am dritten Tag kam dann die Hetzjagd zu ihrem Recht.
Napoleon ſelbſt war zwar kein großer Jäger, und der
Jagdritt reizte ihn wohl wenig. Was ihm Freude
machte, das war das Einherjagen hinter den Hunden;
ob die Meute die Spur verloren hatte und ſich verirrte,
blieb ihm dabei herzlich gleichgültig. Man wußte das,
und ſo gab es auch zwei Meuten. Die eine, von rein
engliſcher Zucht, raſte gewöhnlich ſinnlos dahin, gefolgt
von dem Kaiſer und dem Gros ſeiner Gäſte. Die
Jäger aber, die Freunde des Weidwerks, folgten ge=
wöhnlich
der kleineren, franzöſiſchen Meute, die der
Fährte des Wildes treu blieb und möglichſt ſchnell von
der dahinbrauſenden kaiſerlichen Kavalkade abwich.
Dieſe kleine Schar war es auch gewöhnlich, die am
Schluß Halali blaſen konnte, während der größere
Trupp nach wildem, langem Ritte, den Kaiſer an der
Spitze, in der Regel beutelos, aber mit geröteten Wan=
gen
und in beſter Lanne, heimkehrte.

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Nummer 189,
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

jeden ankommenden Kurgaſt innerhalb dreier
Stunden anzumelden. Es geſchieht das wohl im
Intereſſe einer genaueren Kontrolle anläßlich des
Zarenbeſuches. Seither betrug die Anmeldefriſt ge=
wöhnlich
drei Tage.
Laubach, 13. Aug. Heute nacht verſchied in Laubach
in Oberheſſen nach längerem Leiden J. E. die verwitwete
Gräfin Friedrich zu Solms=Laubach im Alter
von 73 Jahren. Die Verſtorbene, geborene Gräfin
Marianne zu Stolberg=Wernigerode, vermählte ſich am
23. Juni 1859 zu Jannowitz mit dem Grafen Friedrich zu
Solms=Laubach, geſtorben am 1. September 1900.
C) Zahmen (Kreis Lauterbach), 13. Aug. In unſerer
leinen, etwas mehr als 200 Seelen zählenden Gemeinde,
iſt die im Frühjahr dieſes Jahres in Angriff genommene
Hochdruck=Waſſerleitung nunmehr in Betrieb
genommen worden, ſodaß deren Annehmlichkeiten und Vor=
teile
bereits von den Ortseinwohnern empfunden werden
konnten. Die Baukoſten werden ſich auf etwa 21000 Mk.
ſtellen gegenüber dem Voranſchlag von 26000 Mark.
Alle Einwohner ſind an die Leitung angeſchloſſen.
Die Quellen fließen mit natürlichem Druck dem Hoch=
behälter
und dem Ort zu. Das Projekt wurde von der
Großh. Kultur=Inſpektion Gießen aufgeſtellt, die auch die
Ausführungsarbeiten geleitet hat. Die geſamten Arbeiten
wurden von der Firma Hardt in Lauterbach ausgeführt.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 12. Aug. Wie der Ber=
liner
Magiſtrat in ſeiner geſtrigen Sitzung beſchloß,
wird von ihm aus Anlaß des 40jährigen Gedenktages der
Siege bei Metz ein Kranz am Garde=Denkmal vor
St. Privat niedergelegt wurden. Gegen 8 Uhr abends
iſt der Maler Guſtav Schwartze=Petershagen auf dem
Schleſiſchen Perſonenbahnhof bei der Einfahrt eines Vor=
ortzuges
auf dem Bahnſteig, neben dem Zuge herlaufend,
zu Fall gekommen und mit dem Kopfe zwiſchen die Bahn=
ſteigkante
und das Trittbrett eingeklemmt worden, ſodaß.
der Tod auf der Stelle eintrat. Um 22000 Mark
beſtohlen wurde, wie ſchon gemeldet, in der vergan=
genen
Nacht ein hieſiger Herr. Er ſtand ſeit einiger Zeit
mit einem Grundbeſitzer wegen eines Hauskaufes in Ver=
handlung
. Donnerstag nachmittag holte ihn ein Agent
Johannes Gehn, der die Verhandlung vermittelt hatte,
behufs Abſchluſſes des Geſchäftes zu einem Notar am
Alexanderplatz ab. Dort kam der Vertrag zuſtande. Der
Käufer zahlte 10 400 Mark an und hatte darauf noch
22200 Mark in ſeiner Brieftaſche bei ſich. Das Geſchäft
wurde nun zunächſt in der Nähe des Alexanderplatzes
gründlich begoſſen‟ Nachdem der Verkäufer ſich darauf
empfohlen hatte, machte der Käufer mit dem Agenten Gehn
noch eine längere Bierreiſe Um 3 Uhr nachts hörte
ihn ſeine Frau vor der Tür poltern, eilte, böſe Ahnungen
voll, zum Flur und öffnete: o Graus: der
Gatte lehnte ſchwer an der Wand, ſeine Weſte
war geöffnet, Uhr und Brieftaſche fehlten.
Der Beſtohlene ward durch das ſanfte Zureden
der entſetzten Gattin zunächſt etwas ernüchtert und dann
durch den Schreck ob des Diebſtahls bald völlig. Er
glaubte, daß er von drei Männern und zwei Frauen, mit
denen er und der Agent vorübergehend zuſammen geweſen
ſeien, am Friedrichshain gefleddert worden ſei. Die
Kriminalpolizei aber ſchöpfte Verdacht gegen den Agenten
Gehn und ſtellte raſch feſt, daß dieſer ein vielfach vorbe=
ſtrafter
Schwindler iſt, der wegen Unterſchlagung bereits
geſucht wurde. Gehn, der zuletzt in der Invalidenſtraße
wohnte, iſt dorthin nicht wieder zurückgekehrt. Es unter=
liegt
deshalb wohl keinem Zweifel, daß der Betrunkene
nicht von anderen Perſonen, ſondern von dem Agenten
ausgeplündert worden iſt. Auf ſeine Feſtnahme und die
Wiederbeſchaffung des Geldes iſt eine Belohnung von
10 v. H. der wieder herbeigeſchafften Summe ausgeſetzt
worden.
Wiesbaden, 13. Aug. Die fünfte Kompagnie des
hieſigen Füſilierregiments von Gersdorff (kurheſſiſches
Nr. 80) erwarb ſich geſtern auf dem Griesheimer Sande
den Kaiſerpreis des 18. Armeekorps.
Diesbaben, 13. Aug. Anf dem hieſigen Haupt=
bahnhofe
wurde geſtern abend in einem Abteil
zweiter Klaſſe des Perſonenzuges Mainz--Wiesbaden
der Elektrotechniker Wilhelm Gaßner von hier blut=
überſtrömt
aufgefunden. Er hatte ſich in ſelbſt=
mörderiſcher
Abſicht kurz vor der Einfahrt des Zuges
die Pulsader der linken Hand durchſchnitten. Dex
Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus gebracht.
Gera, 12. Aug. Am 11. Auguſt, 5 Uhr 30 Min. nach=
mittags
, wurde auf dem unbewachten Wegübergange
der Nebenbahnſtrecke Triptis=Marxgrün von einem
zehn Achſen ſtarken Perſonenzuge ein leerer Leiter=

wagen des Schweinehändlers Staps aus Moßbach
überfahren. Der hintere Wagenteil wurde völlig
zertrümmert und die auf dieſem ſitzende Ehefrau und
die ſiebenjährige Tochter des Geſchirrführers, des
Schweinehändlers Staps, durch Ueberfahren getötet.
Der auf dem Vorderteil des Wagens ſitzende Staps
und deſſen elfjährige Tochter wurden leicht verletzt.
Die Pferde, welche nach dem Zuſammenſtoß durchgingen,
blieben unverletzt. Offenbar überhörte der Geſchirr=
führer
durch das Geräuſch des in ſchneller Gangart be=
findlichen
Leiterwagens auf der unebenen Straße das
Läuten der Lokomotive.
Kötzſchenbroda, 12. Aug. Als auf ſeinem Grundſtück
der Bildhauer Schulze eine Grube reinigte, wurde er
von den aufſteigenden Gaſen betäubt und ſtürzte
in die Grube. Seinen 11jährigen Sohn, der ihm zu
Hilfe kommen wollte, ereilte dasſelbe Schickſal, ebenſo
einen Hausbewohner, der den beiden Rettung bringen
wollte. Mit Hilfe der Feuerwehr konnte nur noch der
Hauswirt Schulzes lebendig zutage gefördert werden.
Die beiden Verunglückten waren der Brunnengasver=
giftung
erlegen.
Halberſtadt, 13. Aug. Der Arbeiter Stephan
aus Trautenau in Böhmen wurde heute im hieſigen
Gefängnishofe hingerichtet; er hatte die Witwe
des Karuſſellbeſitzers Löttel in Bickendorf bei Egeln er=
würgt
und beraubt.
Hamburg, 12. Aug. Der Dampfer Sparta der
Hamburg=Amerika=Linie ſtieß im Kanal mit dem
holländiſchen Dampfer Hollandia zuſammen, der
unbedeutenden Schaden erlitt und deſſen Paſſagiere in
Sicherheit ſind. Der Dampfer Sparta konnte trotz
ſtarker Beſchädigung mit eigenem Dampf in den Hafen
von Portland einlaufen. Er hat eine Leckage in dem
Raum 3 und 4. Die Pumpen ſind angeſtrengt tätig.
Paris, 13. Aug. Petit Pariſien meldet aus Breſt:
Während einer Nachtübung wurde das Torpedoboot
260 vom Nebel überraſcht und lief in der Nähe der
Inſel Longue auf ein Riff auf; das Torpedoboot erlitt
eine leichte Havarie am vorderen Steuer, konnte
aber ohne Hilfeleiſtung ſeinen Ankerplatz aufſuchen.
Paris, 13. Aug. Aus Grenoble wird gemeldet:
Nach den Alpenman övern der 28. Diviſion iſt bei
einem Bataillon Alpenjäger der Typhus ausgebrochen.
Von 24 Erkrankten iſt bereits einer geſtorben.
London, 12. Aug. Die Tochter des früheren Unter=
ſtaatsſekretärs
von Schottland, Miß Maclod, die mit
dem von Wadaileuten ermordeten Leutnant Noyd ver=
lobt
war, beabſichtigt, eine Expedition nach dem Grabe
ihres Bräutigams auszuführen, um dort einen Kranz
niederzulegen. Ein engliſcher Kolonialbeamter wird
die junge Dame auf ihrer gefährlichen Reiſe begleiten.
London, 13. Aug. Wie der Standard meldet, ſoll
in Kidderminſter eine Rübenzuckerfabrik, welche
im Jahre 30000 Tonnen Rüben verarbeiten kann, mit
einem Kapital von 80000 Pſund Sterling errichtet
werden. Viele Landwirte verpflichleten ſich zum An=
bau
von Zuckerrüben.
London, 13. Aug. Aus Quebeck wird gemeldet,
daß Dr. Crippen und Miß Leneve wahrſcheinlich
nächſten Dienstag nach England eingeſchifft werden.
An dieſem Tage verlaſſen drei Schiffe Montreal. Nach
der Daily Mail zugegangenen Informationen iſt es
ziemlich gewiß, daß Polizei=Inſpektor Dew einen der
drei Dampfer zur Ueberfahrt der beiden Gefangenen
gewählt hat. Miß Leneve hat die Erlaubnis erhalten,
während der Ueberfährt eine Perücke zu tragen, um
ihr abgeſchnittenes Haar zu verdecken.
Kopenhagen, 12. Aug. Auf der geſtrigen Verſamm=
lung
des internationalen Wohltätigkeitskongreſſes
ſtürzte die ruſſiſche Kongreßteilnehmerin Zaslowski
plötzlich in großer Erregung gegen das Präſidium und
forderte, ein Dolchmeſſer in der Hand ſchwingend,
das Wort. Sie klagte laut, daß ſie verfolgt und unrecht
behandelt würde. Sie ſchien vollſtändig von Sinnen.
Die Verhandlungen mußten abgebrochen werden. Die
Dame wurde entwaffnet und in eine Nervenheil=
anſtalt
gebracht.
Tokio, 12. Aug. Durch die Ueberſchwemmun=
gen
in letzter Zeit wurden außerordentlich große Ver=
wüſtungen
angerichtet. Ganze Städte und Dörfer
wurden weggeriſſen. Viele Menſchenleben ſind ver=
nichtet
. In einem Stadtteil Tokios wurden 30000
Häuſer unter Waſſer geſetzt. Die Eiſenbahnverbindun=
gen
der überſchwemmten Gegenden ſind unterbrochen.
An vielen Orten ſind die Bewohner von Hungersnot
bedroht. Der Schaden beläuft ſich auf Millionen Yens.

Veteranen=Appell.
St. Darmſtadt, 15. Aug.
Der durch die Kriegerkameradſchaft Haſſia er=
gangenen
Einladung zu einem Appell über die
Kämpfer in den großen und glorreichen Kriegen, die
zu Deutſchlands Einheit und Blüte den durch Blut
und Eiſen gefügten Grundſtein legten, waren viele
Tauſende alter Veteranen gefolgt. Aus allen Gauen
des Heſſenlandes waren’ſie zur Reſidenz geeilt, die
greiſen Helden aus großer Zeit, um mit den Kame=
raden
, die mit ihnen im Felde geſtanden, mit denen
ſie Schulter an Schulter gekämpft und geſiegt, ein paar
Stunden der Erinnerung an die größten und heilig=
ſten
Stunden ihres Lebens zu pflegen; in ernſter Zeit
geſchloſſene Freundſchaft und Kameradſchaft zu er=
neuern
und ſich am Abend ihres Lebens noch einmal
der großen, einzig daſtehenden Begeiſterung des gan=
zen
deutſchen Volkes zu erinnern, als es 1870 hinaus=
ging
, den Erbfeind niederzuringen und das geliebte
deutſche Vaterland groß und ſtark zu machen.
Heſſens Reſidenz hatte zu Ehren der Helden ein
Feſtgewand angelegt und ſchon am Samstag ſah man
viele der alten Veteranen, die Bruſt mit Orden ge=
ſchmückt
, in den Hauptſtraßen der Stadt. Zum Teil
hatte die Bahnverwaltung Extrazüge eingelegt und
fortwährend traſen neue Trupps am Bahnhof ein.
Aus den größeren Städten Mainz, Worms, Gie=
ßen
uſw. kamen die Veteranen geſchloſſen mit Re=
gimentskapellen
aus ihren Garniſonen, die von den
Militärbehörden bereitwilligſt zur Verfügung geſtellt
wurden. 5500 Teilnehmer waren dem Ausſchuſſe an=
gemeldet
, aber über 6000 trafen an den beiden
Tagen in Darmſtadt ein, darunter auch noch eine
ſtattliche Zahl der Krieger von 1848/49 und 1866, ſo=
wie
auch Veteraninnen, ordengeſchmückte alte
Damen, die im Kriege Krankenpflegerinnen waren.
Der Begrüßungsaben d.
Zu der Vorfeier, die im Rahmen eines Begrüß=
ungsabends
im Städtiſchen Saalbau ſtattfand, hatten
ſich ſchon zirka 121300 Veteranen und zahlreiche
Ehrengäſte, aktive und inaktive Offiziere, darunter
der Kommandant der Stadt Darmſtadt, Oberſt von
Randow, ferner die früheren Stadtkommandanten
von Lyncker und von Eckenbrecher, General
der Artillerie Kehrer, General von Bern=
hardt
, Oberſt von Müller, Major Fink, Pro=
vinzialdirektor
Fey, Oberbürgermeiſter Dr. Gläſ=
ſing
, Regierungsrat Dr. Kranzbühler, Reichs=
tagsabgeordneter
Dr. Oſann eingefunden. Der Saal=
bau
war mit Fahnen, Girlanden und Stoffdraperien
feſtlich geſchmückt. Neben der Bühne ſtanden in Pal=
men
= und Epheuarrangements die Büſten der Füh=
rer
der heſſiſchen Truppen in Krieg= und Friedens=
zeiten
, der drei Großherzöge Ludwig III., Ludwig IV.
und Ernſt Ludwig, und der Kaiſer Wilhelm I.,
Friedrich III. und Wilhelm II. Ein reichhaltiges
und unterhaltendes Programm verſchönte den Abend
und bereitete den alten Kriegern ein paar Stunden
genußreicher Unterhaltung. Mittelalterliche Feſt=
fanfaren
für Heroldstrompeten und Pauken, von der
trefflichen Kapelle unſerer 115er Leibgardiſten unter
Obermuſikmeiſter Hauskes Leitung geſpielt, ent=
boten
den Veteranen ſchmetternden Gruß. Dann lei=
tete
die ſtimmungsvolle Jubelouvertüre C. M. von
Webers die Darbietungen des Abends vielverſprechend
ein. Die Darmſtädter Liedertafel unter der
Leitung ihres Dirigenten, Großh. Kammermuſikers
Adolf Kugler, hatte ihre ſchöne Sangeskunſt bereit=
willigſt
zur Verfügung geſtellt. Der Chor brachte im
Laufe des Abends die Geſänge An das Vaterland‟
von Konr. Kreutzer, Reiters Abſchied von J. Kinkel
und Schwertlied von C. M. von Weber, ferner die
eindrucksvolle Hymne mit Orcheſterbegleitung von
Ernſt, Herzog zu Sachſen=Koburg=Gotha, und Das
Lied vom Deutſchen Reich von A. Kugler in treff=
licher
Weiſe zu Gehör. Weiter hatte Herr Kammer=
ſänger
Georg Weber ſeine geſchätzte Kunſt in den
Dienſt der guten Sache geſtellt. Er ſang zwei Lieder
für Bariton: Der tote Soldat von Goltermann und
Kriegers Abſchied und Heimkehr eine ſtimmungs=
volle
Kompoſition von A. Kugler und riß die Zu=
hörer
zu ſtürmiſchem Beifall hin.
Den Willkommengruß entbot der Vorſitzende der
Vereinigten Kriegervereine, Herr Hauptmann a. D.
Waldecker, in deren Namen und im Namen des
Feſtausſchuſſes den Veteranen und dankte herzlichſt
allen, die an den Vorbereitungen tatkräftig mitgehol=
fen
haben, insbeſondere der Stadtverwaltung und den
Militärbehörden. Die Begrüßungsanſprache klang

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
S.H. Die epidemiſchen Haarerkrank=
ungen
. Die Nachrichten über anſteckende und
epidemiſche Haarerkrankungen treten in
Deutſchland in letzter Zeit immer häufiger auf. Vor
einigen Jahren war es die Schöneberger Haarepidemie,
vor kurzem die Epidemie im Norden Berlins, die die
allgemeine Aufmerkſamkeit auf ſich lenkten, und nun=
mehr
kommt aus Schwerte in Weſtfalen die Nachricht.
von der Erkrankung einer ſo großen Anzahl von Schul=
kindern
, daß ſogar die Schulen geſchloſſen werden muß=
ten
. Ueber die Berliner Epidemie iſt ſoeben der
authentiſche Bericht des bekannten Berliner Dermato=
logen
Dr. Dreuw in den Monatsheften für praktiſche
Dermatologie erſchienen (Sonderabdruck im Verlag von
Voß=Hamburg), der bei der immer größeren Verbreit=
ung
der Haarkrankheit allgemeines Intereſſe erregen
dürfte. Dr. Dreuw hat 101 haarerkrankte Kinder in
ſeiner Poliklinik zu unterſuchen Gelegenheit gehabt,
über die er eingehend berichtet. Von dieſen waren 76
an derſelben Krankheit, der von dem Gelehrten ent=
deckten
Alopecia parvimaeulata erkrankt, die ſich darin
äußert, daß ſtecknadelkopfgroße bis 10=Pfennigſtück große
kahle Flecken entſtehen. Dieſe Flecken vergrößern ſich
allmählich immer mehr und führen, wenn ſie nicht recht=
zeitig
behandelt werden, zu dauernder Kahlheit der be=
troffenen
Stellen. Durch die von dem Verfaſſer ein=
geführte
Behandlungsmethode wurde der größte Teil
der erkrankten Kinder geheilt. Einen wie großen Um=
fang
die Epidemie bereits angenommen hatte, geht aus
dem obengenannten Bericht hervor, nach dem im Nor=
den
von Berlin in den einzelnen Schulen über 150
Fälle konſtatiert wurden, während in den übrigen
Stadtteilen die eine weniger dichte Bevölkerung auf=
weiſen
, nur ſporadiſche Fälle auftraten. Während in
Frankreich ſchon ſeit Jahrzehnten epidemiſche Haar=
erkrankungen
ſo häufig ſind, daß z. B. die Stadt Paris
jährlich 450000 Francs zu ihrer Bekämpfung verwen=
det
, iſt Deutſchland bisher beinahe verſchont geblieben
Es iſt intereſſant, daß in der obigen Arbeit auch ein
aus Paris nach Deutſchland eingewanderter Knabe er=

wähnt wird, der an der epidemiſchen Haarkrankheit litt.
Bei der Schöneberger Epidemie konnte eine Verſchlepp=
ung
aus Frankreich ganz genau konſtatiert werden.
Die Arbeit von Dr. Dreuws ſchließt: Die Prognoſe
ſcheint mir ziemlich günſtig zu ſein, wenn man die An=
fänge
des atrophierenden Prozeſſes rechtzeitig erkennt.
Iſt natürlich im Verlaufe von Monaten und Jahren
das atrophiſche Stadium eingetreten, dann hilft alle
Theraphie nichts mehr. Auch hier erweiſt ſich wieder
die Wahrheit der Anſchauung daß die Prophylaxe der
beſte Schutz iſt. Ueberhaupt ſoll meiner Meinung nach
auf Reinhaltung und gründliche Waſchungen des be=
haarten
Kopfes bei Schulkindern ſeitens der Lehrer
und Eltern ein größeres Gewicht als bisher gelegt wer=
den
, und wenn durch das Bekanntwerden von anſtecken=
den
Haarerkrankungen in weiteren Kreiſen nur das
erreicht würde, daß Eltern und Lehrer auf gründliche
Kopfwaſchungen mehr als bisher ihr Augenmerk rich=
ten
, ſo wäre damit ſchon viel erreicht.
* Die deutſche antarktiſche Expedition,
die zurzeit auf einer Vor= und Probe=Expedition nach
dem Norden begriffen iſt, hat nach einer vom Haupt=
ſchiff
Aeolus aus eingegangenen direkten Nachricht, den
Hafen von Tromſö erreicht. Acht Tage vorher hatten
bereits zwei Teilnehmer der Expedition, der Geograph
Dr. Seelheim aus Berlin und der Geologe Dr. Philipp
aus Greifswald, auf dem Dampfer Blücher der Ham=
burg
=Amerika=Linie verſucht, von Tromſö aus nach
Norden weiter vorzugehen, um in der Advent=Bai das
Gros der Expedition zu erwarten. Eine Landung
auf Spitzbergen erwies ſich für ſie indes als un=
durchführbar
, da die Eisverhältniſſe in dieſem
Jahr dort außerordentlich ungünſtig ſind, während zu
anderer Zeit ſogar die großen Touriſtendampfer ohne
jede Schwierigkeit in die Fjorde Spitzbergens einlaufen
konnten. Schon unter 75½ Grad begegnete der Blü=
cher
den erſten loſen Schollen, während ſich in der
Regel das Eis noch nördlich von Spitzbergen, etwa ber
80½ Grad, hält. Dieſe ungewöhnlichen Eisverhältniſſe
dürften ihren Grund darin haben, daß ſich zwiſchen dem
Franz Joſef=Land und Spitzbergen im letzten Winter
viel Jungeis gebildet hat, das nun durch anhaltend

widrige Winde nach Südweſten um die Südſpitze Spitz=
bergens
herumgetrieben wurde und ſich als ein ſtellen=
weiſe
bis 150 Kilometer breiter Gürtel um das Süd=
land
der Hauptinſel legte. Hierdurch wird natürlich die
Einfahrt in die dortigen Buchten Hornſund, Bellſund
und Eisfjord verſperrt. Vor der letzteren lag ein nur
wenige Seemeilen breiter Streifen, während die Bucht
im Innern eisfrei zu ſein ſchien. Bereits bei der Rück=
fahrt
des Blücher nach Tromſö ließ ſich beobachten,
daß der Rand des zuſammengeſchobenen Eiſes weiter
weſtlich lag als auf der zwei Tage vorher erfolgten
Hinreiſe, wohl ein Zeichen dafür, daß der Wind mitt=
lerweilen
nach Nordoſten umgeſprungen war und daß
er den ganzen Gürtel des Scholleneiſes vor ſich her=
treibt
. Es läßt ſich danach erwarten, daß das Eis von
der Küſte nach Weſten abgedrängt wird und ein wach=
ſender
Streifen eisfreien Waſſers eine Annäherung an
Spitzbergen in nächſter Zeit ermöglicht.
Für die Expedition ergab ſich aus alledem die Not=
wendigkeit
, ſämtliche Teilnehmer und die geſamte Aus=
rüſtung
auf dem Dampfer Aeolus des internationalen
Geologen=Kongreſſes nach Spitzbergen zu befördern.
Bei dem hierdurch hervorgerufenen Platzmangel mußte
man davon Abſtand nehmen, die beiden Ponies mit an
Bord zu nehmen, die der Blücher mitgenommen hatte
und deren Verwendbarkeit für Transportzwecke man
gern erprobt hätte. So ſind nun die Leute der Ex=
pedition
gezwungen, die ſchwerbelaſteten Schlitten ſelbſt
zu ziehen. Die Ausrüſtung der Expedition beſteht
aus zwei Schlitten, 30 Kiſten und Ballen Proviant, aus
Schlafſäcken, Zelten, Waffen, Skiern, Feuerungsmaterial
und den zahlreichen wiſſenſchaftlichen Inſtrumenten.
Die Mitglieder der Expedition ſind: Wilhelm Filchner=
Berlin, Führer der Expedition, Kartograph und Topo=
graph
; Dr. Barkow=Potsdam, Meteorologe und Luft=
elektriker
; Dr. Hans Philipp=Greifswald. Geologe; Dr.
Karl Potpeſchnigg=Graz. Arzt und Zoologe: Dr. E.
Przybyllok=Potsdam, Aſtronom und Erdmagnetiker;
Dr. Heinrich Seelheim=Berlin, Geograph. Am 30. Inli,
abends 9 Uhr, hat der Aeolus die Fahrt nach Spitz=
bergen
angetreten.

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Nummer 189.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

Seite 5.

aus in ein dreifaches Hurra auf Se. Maj. den Kai=
ſer
, das bei den Teilnehmern brauſenden Widerhall
fand.
Danach begrüßte Herr Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſſing die Veteranen namens der Stadt Darm=
ſtadt
mit einer Anſprache etwa folgenden Wortlauts:
Verehrte Anweſende! Im Namen der ſtädtiſchen
Verwaltung, der Großh. Bürgermeiſterei und der
Stadtverordnetenverſammlung heiße ich Sie in unſerer
Stadt herzlich willkommen. Der Gedanke einer ge=
meinſamen
Wiederbegegnung unſerer alten heſſiſchen
Krieger in der Haupt= und Reſidenzſtadt. des Landes
hat dahier begeiſterten Widerhall gefunden. Wir den=
ken
zurück an die große Zeit, in der Sie vor 40 Jah=
ren
, dem Rufe unſeres Oberſten Kriegsherrn folgend,
für unſer Vaterland geſtritten und gelitten haben.
Deutſche Männer mit ſtarker Hand und mutigem Her=
zen
haben, Dank einer ernſten Vorbereitung, Dank
einer ausgezeichneten Führung, Dank der Bündnis=
treue
unſerer Fürſten und dem einmütigen Zuſam=
menſtehen
von Fürſt und Volk, die deutſche Einheit
errungen. Die deutſche Einheit, die ſo lange die Sehn=
ſucht
unſeres Völks war und im Wege der Parlamente
nicht zuſtande kommen konnte, wurde, um mit den
Worten des Fürſten Bismarck zu ſprechen, herausge=
holt
aus dem Donner der Kanonen auf dem Schlacht=
felde
. Groß war die Zeit, die ſolche Mannestugenden
entſtehen ließ und ſolche Männer heranbildete. Wenn
wir mit berechtigtem Stolze auf die Taten unſerer
braven heſſiſchen Krieger zurückblicken und heute mit
Begeiſterung die ergrauten Kampfgenoſſen empfangen,
ſo erfüllt doch auch die Gegenwart die Zuverſicht, daß
in dem Lande der allgemeinen Wehrpflicht ein Volks=
heer
gegeben und unſere Nation von der Vaterlands=
liebe
und dem Pflichtbewußtſein erfüllt iſt. Noch heute
muß es unſere Aufgabe ſein, in dankbarer Anerkenn=
ung
deſſen, was unſere alten Krieger geleiſtet haben,
das Pflichtbewußtſein und die Friſche der Nation zu=
erhalten
. Neben Mut und Entſchloſſenheit, Klarheit
und Feſtigkeit gilt es eine weitere männliche Blüte,
männliche innere, treibende Kraft, die Begeiſterungs=
fähigkeit
des deutſchen Mannes zu pflegen und zu
ſchirmen. Mag auch in Zeiten der Zerriſſenheit und
tiefgehender Bewegung es ſcheinen, als ob die Be=
geiſterung
für die idealen Güter des Volkes beeinträch=
tigt
werde durch die Kämpfe des Tages: die Mannes=
natur
hat ſich doch ſtets in der Stunde der Entſcheidung
gezeigt. Sie hat ſich gerade in der großen Zeit des
Krieges, in dem feſten Zuſammenſtehen von Fürſt und
Volk, zur ſchönſten Blüte entfaltet. Möge die bevor=
ſtehende
Feier, deren Förderung die Stadtverordneten=
Verſammlung unſerer Stadt durch einſtimmige Ent=
ſcheidung
als Ehrenpflicht anerkannt hat, dazu beitra=
gen
, die Erinnerung an die große Zeit heilig zu halten
und die Begeiſterung für unſere nationalen Ideale zu
vertiefen. In der Reſidenz und Hauptſtadt des Lan=
des
, die freudig bewegt iſt bei dem Empfang unſerer
alten Krieger, wollen wir heute die Liebe zu den
Vätern und zum Träger der Krone zum Ausdruck
bringen. Wie Fürſt und Volk zuſammengehören, und
dieſe Zuſammengehörigkeit insbeſondere auch im Krieg
ſich gezeigt hat, ſo wird dieſe Zuſammengehörigkeit
auch in Zukunft einer echten deutſchen Geſinnung ent=
ſprechen
. Die Perſönlichkeit Seiner Königlichen Hoheit
des Großherzogs Ernſt Ludwig iſt uns ein allzeit leuch=
tendes
Vorbild in dem für uns gemeinſamem Beſtre=
ben
, unſer engeres Vaterland zu fördern.
Wir wollen die Treue, Liebe und Anhänglichkeit
an unſer angeſtammtes Fürſtenhaus zum Ausdrucke
bringen, indem wir uns vereinigen in den Ruf: Seine
Königliche Hoheit Ernſt Ludwig, Großherzog von
Heſſen und bei Rhein, Hoch!
Auch das Hoch auf den Landesfürſten fand leb=
haften
Widerhall. Die Rede auf das Vaterland hielt
in kernigen Worten Herr Bruchhäuſer, ſonſt wur=
den
Toaſte nicht ausgebracht.
Herr Profeſſor Trümpert hielt die Feſtrede,
in der er den alten Kriegern in warm empfundenen
Worten die großen Ereigniſſe jener Zeit, die ſie in
ihres Lebens Blüte durchleben durften, ins Gedächt=
nis
zurückrief und kurz die Verhältniſſe beleuchtete,
die den Kriegen folgten bis auf die Gegenwart.
Den Beſchluß des ſehr reichhaltigen Programms
bildete die Darſtellung lebender Bilder Aus
großer Zeit mit begleitender Dichtung von H. En=
ders
, Ehrenmitglied des Kriegervereins Darmſtadt,
1. Gruß den Veteranen, 2. Der Abſchied, 3. Am Mor=
gen
vor der Schlacht, 4. Eingreifen der Heſſ. Diviſion
am Bois de la Cuſſe und die Schlacht bei Gravelotte,
5. Erſtürmung von Schloß Chambord, 6. Am Abend
nach der Schlacht, 7. Die Heimkehr, 8. Huldigung. Der
Text wurde von Frau Käthe Enders= Kuhl=
mann
in gewohnter vortrefflicher Weiſe geſprochen.
Auch das Stellen der Bilder hatte Frau Enders= Kuhl=
mann
geleitet. Die Veteranen dankten für die hüb=
ſchen
Darbietungen mit lebhaftem Beifall. Der Abend
verlief aufs beſte.

Kleines Feuilleton.
* Vom Feuerwehrmann zum Grafen.
In Thames Ditton iſt Auguſtus Arthur Perceval, der
achte Earl von Egmont eines plötzlichen Todes geſtor=
ben
. Bis zu ſeinem 40. Lebensjahre hatte ſich der
ſpätere Earl als Matroſe, Heizer, Bergmann und Haus=
meiſter
durchgeſchlagen. Er war in Neuſeeland als
Sohn eines ſubalternen Offiziers geboren worden und
hat ſich niemals Hoffnung auf den Titel und Reichtum
der Egmonts gemacht, bis ihn der Tod eines Vetters
plötzlich zum Erben beider machte. Jahrelang war er
Heizer an den Spritzen der Londoner Feuerwehr, wo
er ſeinen Kameraden unter dem Namen Guſſy be=
kannt
war. Später wurde er eine Art beſſerer
Hausdiener in einer Tanzhalle. Einmal, als in dieſer
Halle eine Verſammlung von Liberalen ſtattfand,
ſchraubte Guſſy den Schlauch an die Waſſerleitung
und richtete ihn auf die eifrig Debattierenden. Das
koſtete ihn ſeine Stelle, aber gerade damals hatte Guſſy
160000 Mark geerbt und lud die halbe Bevölkerung des
dunkelſten Londons zu einem großen Feſte ein, das
mehrere Tage dauerte. Was dann noch übrig war,
legte er in einem Zementgeſchäft ſo feſt, daß er nie=
mals
einen Penny davon wiederſah. Nun wurde Guſſy
Kohlengräber. 1897 ſtarb der ſiebente Earl von Eg=
mont
, und jetzt kehrte Guſſy als achter Earl nach Lon=
don
zurück und trat das überaus reiche Erbe der Fa=
milie
an. Noch manchmal vergaß Guſſy, daß er jetzt
Earl of Egmont war, und wurde mehrere Male im
Polizeigericht wegen allerhand Skandale abgeſtraft.
Der achte Earl hinterläßt keinen Leibeserben, und das
rieſige Einkommen fällt deshalb an ſeinen Bruder, der
noch bis vor kurzer Zeit ein kleiner Beämter in Na=
tal
war.

Der zweite Tag wurde eingeleitet durch früh
8. Uhr beginnende
Feſtgottesdienſte.
Um 8 Uhr fand in der evangeliſchen Stadtkirche ein
Militärgottesdienſt ſtatt, während für die Katho=
liken
in dem Exerzierhaus auf dem Exerzierplatz eine feier=
liche
Singmeſſe mit Gebet zelebriert wurde. Beide Got=
teshäuſer
waren von Andächtigen überfüllt, beſonders die
Stadtkirche. Zu Beginn des Gottesdienſtes ſang der Mili=
tärkirchenchor
die Cantate Herr erhöre mich wirkungs=
voll
mit Orgel und Muſikbegleitung. Hierauf hielt der Mili=
tärhilfsgeiſtliche
Lie. Lang eine tiefempfundene Predigt,
der er den Pſalm 60, 13., 14. Schafft uns Beiſtand in der
Not, denn Menſchenhilfe iſt nichts nütze! Mit Gott wollen
wir Taten tun. Er wird unſere Feinde untertreten! zu=
grunde
gelegt hatte. In trefflichen Darlegungen ſchilderte
der Redner die Phaſen des Kriegsjahres 1870/71 und die
Schlachten um Metz und Paris und die Erbauung des
Deutſchen Reiches. Nur einen Helfer und einen Bau=
meiſter
, Gott, haben wir Deutſche jetzt und immerdar zu
danken, denn er ſchuf uns Beiſtand in der Not. Mit dem
Gelöbnis, das Erbe von 1870 treu zu bewahren und zu
beſchützen, ſchloß der Redner ſeine tief zu Herzen gehende
Predigt. Ein erhebender Feſtſchlußgeſang des Militär=
Kirchenchors und der Gemeinde beſchloß den heutigen Feſt=
gottesdienſt
.
Nach beendetem Gottesdienſt gings zum eigentlichen
Appell. Eine wahre Völkerwanderung ergoß ſich nach
dem Infanterie=Exerzierplatze, woſelbſt die Veteranen
ſich gegen 10 Uhr zur
Paradeaufſtellung
einfanden. Alles vollzog ſich in beſter Ordnung. Die
Pgradeteilnehmer nahmen in einem offenen Rechteck,
die Breitſeite nach dem Walde zu, Aufſtellung. Auf dem
rechten Flügel ſtanden Offiziere in Uniform und die
Veteraninnen. Die Aufſtellung zur Parade begann um
10 Uhr unter Leitung des Hauptmanns d. L. Schrö=
der
. Die Plätze für die Regimenter und die Kompag=
nien
waren durch ausgeſteckte Fahnen in den Regi=
mentsfarben
kenntlich gemacht. Die Farben ſtimmten
mit denen der Feſtkarten überein. Die Kompagnien
ſtanden in zwei Zügen zu je zwei Gliedern, die Kame=
raden
mit Auszeichnungen im erſten Glied. Jedes
Regiment ſtellte drei Mann zur Fahne die Kompagnie=
fahne
trug der rechte Flügelmann. Die Offiziere ſtan=
den
vor der Front. Die Parade ſtand unter dem Kom=
mando
des zweiten Vorſitzenden der Haſſia, Major
Beck.
Gegen ½12 Uhr erſchien das Großherzogs=
paar
(infolge eines Automobildefektes etwas ver=
ſpätet
). Die hohen Herrſchaften waren im Automobil
von Wolfsgarten angekommen. Am Kaſernentor ſtieg
S. Kgl. Hoh. der Großherzog zu Pferde, während
die Großherzogin und Prinzeſſin Viktoria von
Battenberg in Galawagen Platz nahmen, und zwar
im erſten Wagen Ihre Kgl. Hoh. die Großherzogin
mit den beiden Prinzenſöhnen, im zweiten Prinzeſſin
von Battenberg mit der Prinzeſſin Andreas
von Griechenland, der Prinzeſſin Luiſe und dem
Prinzen Ludwig von Battenberg. Vor den Wagen
ritten Spitzenreiter. Nach dem Abreiten der Front
ritt der Großherzog auf die Veteraninnen zu und lud
die älten Damen ein, an die Wagen heranzutreten. Die
hohen Herrſchaften unterhielten ſich dann einige Zeit
mit den Veteraninnen. Danach ritt der Großherzog in
die Mitte des Paradefeldes und richtete von hier aus
folgende Anſprache an die Veteranen:
Kameraden! In großer Zeit habt Ihr alle mitge=
holfen
, unſer großes Deutſches Reich, unſer deutſches
Volk auf ſeine jetzige Höhe zu bringen. Eure in den
glorreichen Kriegen in zahlloſen Schlachten bewieſene
echt deutſche Treue und Tapferkeit werden uns und allen
kommenden Generationen ein ewig leuchtendes Bei=
ſpiel
bleiben. In dieſm Zeichen deutſcher Treue fordere
ich Euch auf, dem Lenker des deutſchen Volkes ein drei=
ſaches
Hurra auszubringen. Se. Majeſtät der Kaiſer,
unſer alleroberſter Kriegsherr, hurra, hurra, hurra!
Das Hurra auf den Großherzog brachte Major
Beck in folgenden Worten aus:
Unſer allergnädigſter Kriegsherr, der erlauchte
Sohn unſeres glorreichen Führers im Kampfe, Se. Kgl.
Hoheit Großherzog Ernſt Ludwig hurra, hurra, hurra!
Die Muſik ſpielte die Nationalhymne.
Dann folgte der
Vorbeimarſch.
Die Kompagnien formierten hierzu Gruppen=(Sektions=)
Kolonnen; jede Grupe zu vier Rotten. Die Führer der
Regimenter und Kompagnien marſchierten vor dieſen,
Zugführer am rechten Flügel der Züge, weitere Offi=
ziere
vor der erſten Gruppe des Regiments. Auch der
Vorbeimarſch vollzog ſich in tadelloſer Ordnung und
die alten Krieger zeigten eine Disziplin, die ihnen alle
Ehre machte. Auch mehrere Generäle in Uniform mar=
ſchierten
mit im Zuge, u. a. die Exzellenzen Frhr. von

* Die Operette im Warenhaus. Nachdem
ſich Zigeunerkonzerte und Fünf=Uhr=Tees in den Er=
friſchungsräumen
der großen Warenhäuſer gründlich
überlebt haben, wird den vergnügungsſüchtigen Ber=
linern
in dieſem Winter eine neue Senſation geboten
werden, nämlich die Reklame=Operette‟. In einem
großen, wunderhübſch ausgeſtatteten Theaterſaal eines
Warenhauſes, in dem bis vor kurzem noch Möbel, Tep=
piche
uſw. verkauft wurden, wird man das neue Werk
deſſen Libretto bereits fertiggeſtellt iſt und deſſen Muſik
von einem unſerer beliebteſten Berliner Walzerkom=
poniſten
fertiggeſtellt wird, bewundern können. Die
Handlung der neuen Operette, deren Namen noch nicht
bekannt iſt, iſt folgende: Zwei arme Kinder der Straße
ſchlafen in der Chriſtnacht vor den Pforten des Waren=
hauſes
ein. Im Traume erſcheint ihnen der Weih=
nachtsengel
, der die beiden Kleinen durch alle Ver=
kaufsräume
führt und ihnen dort alles ſchenkt, was
ihnen gefällt. Ein größeres Ballett wird zur Bereiche=
rung
des Inhaltes beitragen.
* Ein originelles Preisausſchreiben.
Ein Liebhaber der Mathematik, der nicht genannt ſein
will, hat einen Preis von einhundert Mark für die
richtige und vollſtändige Löſung der Aufgabe ausgeſetzt:
Auf wie viele verſchiedene Arten kann in deutſchen
Münzen ein Taler gewechſelt werden? Löſungen
dieſer Aufgabe ſind bis zum 31. Dezember 1910 an P.
v. Schaewen in Naumburg a. S. einzuſenden. Jeder
Löſung muß die genaue Adreſſe des Löſers beigefügt
ſein. Eine Teilung des Preiſes findet nicht ſtatt. Es
ſind nicht die ſämtlichen Möglichkeiten, einen Taler zu
wechſeln, aufzuzählen, ſondern es ſoll die Anzahl die=
ſer
Möglichkeiten berechnet werden.

Riedeſel zu Eiſenbach, von Lyncker, v. Bern=
hardt
, Frhr. von Heyl, Kehrer, Hanneſſe,
Keim und der frühere Generaladjutant Oberſt von
Küchler. Während der Parade hatten der Diviſions=
kommandeur
Generalleutnant von Strantz Exz., der
Generaladjutant Generalmajor Hahn und der Hof=
marſchall
Frhr. von Ungern=Sternberg zu
Pferde links hinter dem Großherzog Aufſtellung ge=
nommen
. Rechts ſtanden die Wagen. Der Vorbei=
marſch
der Veteranen, der eine Stunde dauerte, geſchah
in folgender Reihenfolge: 1. Infanterie=Regiment
(Leibgarde=Regiment), 2. Infanterie=Regiment ( Groß=
herzog
), 3. Infanterie=Regiment (Leib=Regiment), 4.
Infanterie=Regiment (Prinz Karl), 1. Jägerbataillon
(Garde=Jäger=Bataillon), 2. Jägerbataillon (Leib=Jäger=
Bataillon), 1. ReiterRegiment (Garde=Chevauleger=
Regiment), 2. Reiter=Regiment (Leib=Chevauleger= Regi=
ment
), Feldartillerie (2 ſchwere, 3 leichte und 1 reitende
Batterie), Pioniere, Train, Sanitäts=Detachement,
Feld=Lazarett und Munitionskolonne. Den Beſchluß
bildeten die nichtheſſiſchen Truppen.
Nach dem Parademarſch marſchierten die Teilnehmer
nach der Breiten Allee und dann durch die Rheinſtraße,
am Denkmal Großherzogs Ludwigs IV und dem
Kriegerdenkmal vorbei. Hier ſchwenkten die einzelnen
Abteilungen nach ihren Speiſeſälen ab, wobei die hierzu
beſtimmten Führer die Leitung übernahmen. An den
Denkmälern waren vor der Parade zahlreiche Kränze
niedergelegt worden. In 29 Sälen fanden Feſteſſen
ſtatt. Nachmittags von 4 Uhr ab war im Saalbau
Gartenkonzert. Die ganze Veranſtaltung war vom
herrlichſten Wetter begünſtigt.
Veteranen=Appell und Fahnenweihe in Kaſſel.
* Kaſſel, 13. Aug. Zum Veteranen=Appell
ſind aus dem Regierungsbezirk Kaſſel und weiterher
eine große Zahl Veteranen eingetroffen. Die Stadt hat
Flaggenſchmuck angelegt. Es findet eine Reihe von
Feſtlichkeiten ſtatt. Auf Allerhöchſten Befehl wurde
heute nachmittag im Kgl. Theater als Sondervorſtellung
für die alten Krieger Paul Heyſes Colberg mit den
beſten Kräften des Königlichen Schauſpiels gegeben.
Alle ſchmückte die Kriegsdenkmünze, viele das Eiſerne
Kreuz. Vielfach bemerkte man altheſſiſche und
Schwälmer Bauerntracht. In der Hofloge erſchien,
vom Intendanten Grafen Byland geleitet, der Kaiſer,
in der Uniform des zweiten Leibhuſarenregiments, die=
Prinzeſſin Viktoria Luiſe und Prinz Oskar mit dem
geſamten Gefolge; auch der Kriegsminiſter von Heerin=
gen
war anweſend. Den Kaiſer empfing ein dreifaches
donnerndes Hurra der alten Soldaten. Die ſehr gute
Aufführung fand eine dankbare, beifallsfreudige Zu=
hörerſchaft
. Auch bei der Abfahrt von Wilhelmshöhe
wurden dem Kaiſer herzliche Kundgebungen von den
Veteranen und dem Publikum dargebracht.
* Kaſſel, 14. Aug. Zur feierlichen Nage=
lung
und Einweihung einer Anzahl Fahnen
verſammelten ſich heute vormittag im Thronſaal des
Reſidenzpalais Kaſſel der Kaiſer in der Uniform
eines Generalfeldmarſchalls, die Kaiſerin, die über
einem ſchwarzen Koſtüm das Band des Schwarzen
Adlerordens trug, die Prinzeſſin Viktoria Luiſe, Prinz
Oskar, die Herren des Hauptquartiers und die Damen
und Herren der Umgebungen mit dem Oberhofmarſchall
Grafen Eulenburg an der Spitze, ferner der Kriegs=
miniſter
, der kommandierende General des erſten
Armeekorps v. Kluck, der kommandierende General des
17. Armeekorps v. Mackenſen, der kommandierende
General des 2. Armeekorps v. Linſingen, der Chef=
ingenieur
des Pionierkorps General v. Beſeler und der
Inſpekteur der Infanterieſchulen Generalmajor v.
Wartenberg.
Bei der Ankunft der Majeſtäten erwies vor dem
Palais eine Ehrenkompagnie des Inf.=Regts. Nr. 83 die
militäriſchen Ehrenbezeugungen. Am rechten Flügel
hatten ſich die direkten Vorgeſetzten bis zum komman=
dierenden
General Freiherrn v. Scheffer=Boyadel auf=
geſtellt
. In dem grünen und blauen Saal des Palais
wurde um 11 Uhr die Fahnennagelung folgender
Truppenteile vorgenommen: vom 1. Armeekorps des
Pionierbataillons 1, vom 2. Armeekorps des erſten und
dritten Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 49, des erſten,
zweiten und dritten Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 140,
vom 17. Korps des erſten, zweiten und dritten Bataillons
des Inf.=Regts. Nr. 128, des erſten, zweiten und dritten
Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 129, des erſten, zweiten
und dritten Bataillons des Inf.=Regts. Nr. 141, ferner
der ehemaligen Landwehrbataillone Mühlhauſen ſ. Th.
und Erfurt und der Unteroffizierſchule Jülich. Es
folgte der Weiheakt auf dem Friedrichplatz. Vor dem
Palais war ein Feldaltar errichtet; daneben ſtand die
Militärgeiſtlichkeit des Standortes Kaſſel. Die Ehren=
kompagnie
marſchierte dem Altar gegenüber auf. Den
Friedrichplatz umgaben in einem großen Viereck die
hier anweſenden Truppen der Garniſon und daran
anſchließend die Veteranen, von denen ſich über 5000
einfanden. Hinter den Truppen und Veteranen ſtanden
die Kriegervereine des Stadt= und Landkreiſes Kaſſel
mit ihren Fahnen, dahinter ein vieltauſendköpfiges
Publikum, das auch die Fenſter und Dächer der an=
liegenden
Häuſer beſetzte. Während die Fahnen auf den
Platz gebracht wurden, deren Träger ſich im offenen
Halbkreis an die Seiten des Altars aufſtellten, erſchien
der Kaiſer mit dem Prinzen Oskar zu Fuß; die Kaiſerin
wohnte dem Weiheakt mit Gefolge vom Balkon des
Palais aus bei. Die Kapelle des Infanterieregiments
Nr. 167 ſpielte das Tedeum. Der evangeliſche Feld=
probſt
der Armee Wölfing hielt eine Anſprache und
vollzog dann in Gegenwart des katholiſchen Feld=
probſtes
Dr. Vollmar die Weihe. Eine Batterie des
Feldartillerieregiments Nr. 11 gab einen Salut von
101 Schüſſen ab. Das niederländiſche Dankgebet ſchloß
die Feier. Hiernach ſtieg der Kaiſer auf dem Hofe des
Reſidenzpalais zu Pferde und erſchien von neuem auf
dem Platz, mit ihm der Kommandant des kaiſerlichen
Hauptquartiers v. Pleſſen, der Chef des Militärkabinetts
Frhr. v. Lyncker, die Flügeladjutanten Major Frhr. v.
Holzing=Berſtett, v. Dommes und der kommandierende
General v. Scheffer=Boyadel. Der Kaiſer ritt die Front
der Truppen und Veteranen ab. Die Kaiſerin mit der
Prinzeſſin Viktoria Luiſe folgten im offenen Wagen.
Die Veteranen grüßten die Majeſtäten durch ſtürmiſche
Hurrarufe. Der Kaiſer zeichnete eine große Anzahl
Krieger durch Anſprachen aus.
Es folgte der Vorbeimarſch der Ehrenkompagnie
mit den neuen Feldzeichen und die übrigen Truppen
in Kompagniefront, ſowie der Vorbeimarſch der Vete=
ranen
. Es war ein erhebender Anblick, wie die alten
Leute vor ihrem oberſten Kriegsherrn defilierten.
Manchem wurde es wohl recht ſauer, aber man ſah auch
viele prächtige Geſtalten mit friſchen Geſichtern und
wallendem weißen Haar, die in ſtraffſter Haltung vor=
beikamen
. Die Muſik ſpielte die Wacht am Rhein und
den Pariſer Einzugsmarſch. Der Kaiſer nahm dann
eingReihe militäriſcher Meldungen entgegen. Auf der
Rückfahrt nach Wilhelmshöhe wurden die Majeſtäten

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1916.

Nummer 189.

von ſtürmiſchen Kundgebungen begrüßt. Das Kaſſeler
Publikum ſah ganz beſonders feſtlich aus. Jedermann,
auch die Schutzleute im Dienſt, trugen Kornblumen.
Kaſſel hatte heute den Tag der blauen Blume, an dem
viele hundert feſtlich gekleideter junger Mädchen auf
den Straßen und in den Häuſern Kornblumen zum
Beſten des Kinderhorts feilboten. So hatte auch ſchon
in früher Morgenſtunde eine Gruppe junger Mädchen
von der Wache Einlaß ins Schloß Wilhelmshöhe erhalten
und der Kaiſer und die Kaiſerin, denen ſich die Damen
und Herren des Hofes anſchloſſen, ſpendeten recht nam=
hafte
Beträge. Zur Frühſtückstafel bei den Majeſtäten
in Wilhelmshöhe waren geladen: Kriegsminiſter v.
Heeringen, General v. Scheffer=Boyadel mit Gemahlin,
die Generale v. Kluck, v. Linſingen, v. Mackenſen, v.
Beſeler und v. Wartenberg.
Erinnerungsfeiern an den Schlachtfeldern
um Metz.
Metz, 14. Aug. Mehr als 12000 Kriegs=
veteranen
haben ihre Teilnahme zugeſagt zu den
heute beginnenden und bis zum 18. Auguſt währenden
Gedenkfeierlichkeiten aus Anlaß der 40. Wieder=
kehr
des Jahrestages der Schlachten um Metz. Schon
ſeit mehreren Tagen trafen ſie gruppenweiſe und einzeln
hier ein, und eine Reihe von Sonderzügen wird die
übrigen heute und in den nächſten Tagen hierher führen
aus allen Teilen Deutſchlands. Die Räumlichkeiten in
den Reſtaurants und Hotels reichen natürlich bei weitem
zu ihrer Unterbringung nicht aus; Bürgerquartiere
mußten in Anſpruch genommen werden, und auch
in den Kaſernen finden Tauſende Unterkunft und Ver=
pflegung
. Als Vertreter des Kaiſers wird auch hier
Generalfeldmarſchall Graf Häſeler teilnehmen, der
ſchon ſeit einigen Tagen hier weilt. Auch der preußi=
ſche
Kriegsminiſter v. Heeringen gedenkt am 16. Aug.
hier einzutreffen und bis zum 18. Auguſt zu verweilen
und hat im Hotel de l'Europe Quartier beſtellt. Mehrere
Sonderzüge ſind auf den nach den Schlachtfeldern
führenden Eiſenbahnlinien eingelegt worden zur Be=
wältigung
des zu erwartenden Maſſenandranges. An=
nähernd
400 Kränze ſind von deutſchen Gemeinden,
Vereinen und Regimentern zur Niederlegung an den
Gräbern der in den ruhmreichen Schlachten gefallenen
deutſchen Krieger geſtiftet worden und werden von
Deputationen niedergelegt werden. Der heutige Tag
begann mit der Schmückung der Kriegergräber und Denk=
mäler
auf den Friedhöfen von Metz und auf den öſtlich
von Metz gelegenen Schlachtfeldern bei Colombey und
Noiſſeville, wo vormittags bezw. nachmittags Gedenk=
feiern
ſtattfinden.
Der Souvenir Frangais wird auch in dieſen Tagen
das Gedächtnis der bei den Schlachten gefallenen fran=
zöſiſchen
Krieger begehen durch religiöſe Feiern ( Toten=
meſſe
und Torenveſper) und außerdem durch Nieder=
legung
von Kränzen an den Gedenkſtätten durch ſeinen
Generaldelegierten oder die Vorſteher der Ortsvereine.
Aufzüge werden ſeitens des Souvenir nicht ſtattfinden.
Den in Lothringen anläßlich der Gedenktage eintreffen=
den
Franzoſen iſt das Tragen aller ihrer Ehrenzeichen,
Orden und Medaillen geſtattet worden. Die Zeitung
Le Lorrain hebt dies als einen Akt der Toleranz her=
vor
und regt an, daß auch den deutſchen Veteranen,
die in dieſen Tagen die franzöſiſche Grenze zum Beſuch
der dortigen Schlachtfelder überſchreiten, dasſelbe von
der franzöſiſchen Regierung zugeſtanden werde.
Metz, 14. Aug. Am frühen Morgen begann zur
Einleitung der Feier der Gedenktage der Schlachten um
Metz die Schmückung der Gräber auf den öſtlichen
Schlachfeldern. Von 9 Uhr begab ſich trotz des zweifel
haften Wetters eine zahlreiche Menſchenmenge zu Fuß
und zu Wagen nach Colombey. General=Feldmarſchall
Graf Häſeler, der Beauftragte des Kaiſers, in der
Uniform ſeines Ulanenregiments Nr. 11 (Saarburg) legte
iu Begleitung einer Dragoner=Eskorte den Weg zu Pferd
zurück. Gegen ½11 Uhr hatte ſich in Colombey
eine große Menge am Denkmal des 1. Weſtfäliſchen
Infanterie=Regiments Herwarth von Bittenfeld einge=
funden
. Die Veteranen vom damaligen ſiebenten und
achten Armeekorps hatten vor dem Denkmal Aufſtellung
genommen und brachten in Hochrufen aus, als Graf
Häſeler eintraf. Der Generalfeldmarſchall ſtieg ſodann
vom Pferde, ſchritt die Reihen der Veteranen entlang,
drückte jedem die Hand und richtete an jeden einige
Worte. Mittlerweile wurden am Denkmal der 13er
Kränze niedergelegt, unter anderem von einem Veteran
der Dreizehner. Mit einer kurzen Anſprache und ebenſo
von einem Abgeſandten des Regiments Nr. 13.
Inzwiſchen waren auch der Gouverneur von Metz,
Exzellenz Mudra, und der kommandierende General
des 16. Armeekorps v. Prittwitz und Gaffron,
ſowie Vertreter der Zivilbehörden eingetroffen. Die
Sonne hatte das Gewölk durchbrochen und ſandte ihre
Strahlen heiß hernieder. Um 11 Uhr begann die eigent=
liche
Feier mit einer Anſprache des Vorſitzenden des
Verbandes der Kriegervereine des Bezirks Lothringen,
Comprix, der die Veteranen herzlich willkommen hieß
hier auf der erſten Etappe einer Pilgerfahrt zu Ehren
der auf den Schlachtfeldern um Metz gefallenen Helden.
Er dankte dem Kaiſer, daß er die Gnade gehabt habe, den
Generalfeldmarſchall Grafen Häſeler als ſeinen Stell=
vertreter
zu entſenden und begrüßte mit freudigem Dank
den Grafen Häſeler, der die Mühen der Vertretung auf ſich
genommen habe. Sodann teilte er mit, daß in dieſem Augen=
blick
ein Telegramm an Seine Majeſtät den Kaiſer abge=
ſandt
werde, das folgenden Wortlaut habe: Bei
Beginn der Gedenktage, an denen im Beiſein des Ver=
treters
Eurer Majeſtät des Generalfeldmarſchalls Grafen
v. Häſeler viele Tauſende deutſcher Männer, darunter
zahlreiche Veteranen aus allen Gauen Deutſchlands von
hoher vaterländiſcher Begeiſterung durchglüht, die
40jährige Wiederkehr der Schlachttage bei Metz auf den
Ruhmesſtätten feſtlich begehen, ſowie die Gräber und
Denkmäler der gefallenen Helden pietätvoll ſchmücken,
erneuern wir das Gelübde unauslöſchlicher Liebe und
Treue zu Kaiſer und Reich und bitten Eure Majeſtät,
unſere Huldigung allergnädigſt entgegennehmen zu
wollen. Namens der Vereinigung zur Schmückung und
fortdauernden Erhaltung der Kriegergräber und Denk=
mäler
um Metz=Comprix.
Luftſchiffahrt.
C Darmſtadt, 15. Aug. Der Aviatiker Aug.
Euler führte geſtern einen bedeutſamen Ueberlandflug
aus. Euler flog von ſeiner Halle aus nach Frank=
furt
, um an dem Ueberlandflug nach Mannheim teil=
zunehmen
. Er benötigt für ſeinen Flug ca. ¾ Stunden.
* München, 14. Aug. Der Lenkballon P VI‟
iſt heute Nachmittag 5 Uhr zu der erſten Münchner
Paſſagierfahrt mit insgeſamt 16 Perſonen einſchließ=
lich
der Beſatzung aufgeſtiegen. Nach anderthalbſtündiger
Fahrt landete er glatt vor der Ballonhalle auf dem
Ausſtellungsplatz.

Ay. Der vorletzte Tag der nationalen
Berliner Flugwoche in Johannisthal verlief
verhältnismäßig ſtill, obwohl in den ſpäteren Nach=
mittagsſtunden
der bis dahin friſche und böige Wind
vollſtändig abflaute. Als Erſter ſtartete um 5 Uhr 48
Minuten der Wright=Pilot Engelhardt zum Wettbewerb
um den Dauerpreis. Er blieb bis 6 Uhr 13 Min. in
der Luft, erzielte alſo eine Flugzeit von 25 Minuten.
Nach längerer Pauſe entſchloß ſich dann Jeannin zum
Start mit ſeinem Doppeldecker, blieb jedoch nur 5 Min.
in der Luft. Ebenſo flog Wiencziers nur zwei Runden
in 10 Min. Um 7 Uhr 7 Min. ließ ſich Jeannin noch=
mals
für den Dauerpreis einſchreiben, und flog in
ruhiger Fahrt Runde auf Runde. Gleich kurz nach ihm
ſtartete auch Engelhardt mit einem Paſſagier an Bord.
Jeannin blieb bis 7 Uhr 38 Min. in der Luft und ge=
wann
mit einer Flugzeit von 31 Minuten den täglichen
Dauerpreis, während der zweite Preis an Engelhardt
fiel, der auch den täglichen Paſſagierpreis mit einem
Fluge von 19 Minuten gewann. Kurz vor Toresſchluß
wurde es noch einmal ſehr lebhaft, da auch die beiden
Grade=Apparate von Grade und Plochmann mehrere
Runden abſolvierten, während Engelhardt nochmals
für den Belaſtungspreis, mit 211 Kilogramm an Bord,
ſtartete und einen Flug von 5 Minuten ausführte.
Ebenſo flog Wiencziers mit ſeinem Antoinette=Apparat
nochmals eine kurze Strecke. Nach 8 Uhr, dem offi=
ziellen
Schluß des Tages, ließ ſich Jeannin noch um
den Lanz=Preis einſchreiben.
Der fünfte Tag des Flugmeetings in
Berlin=Johannisthal ſchloß, wie ſchon gemeldet, mit
einer flugſportlich ſehr intereſſanten und hervorragen=
den
Leiſtung des Ellery von Gorriſſen, die in
ihrem Ergebnis als ein Fortſchritt der Aviatik bezeich=
net
werden kann und deshalb für weitere Kreiſe Inter=
eſſe
beanſpruchen dürfte. v. Gorriſſen brachte ſeine
Abſicht, den Tags zuvor verunglückten Aviatiber Heim
im Krankenhauſe in Britz zu beſuchen, zur Ausführ=
ung
; er flog 7 Uhr 12 Minuten abends vom Flugplatz
weg eine ihm vollſtändig unbekannte Strecke und lan=
dete
, ſich von oben orientierend und den Platz zu der
Landung ausſuchend, in möglichſter Nähe des Kran=
kenhauſes
. Nach Abgabe ſeiner Viſitenkarte im Kran=
kenhaus
beſtieg er wieder ſeinen Apparat und flog, in
ganz bedeutende Höhe gelangend, ſein Programm
durchführend zum Flugplatz und direkt zur Stelle, wo
er geſtartet hatte, wieder zurück, wo er 8 Uhr 1 Min.
ankam. Die anweſende Menſchenmenge durchbrach die
Schranken und umfing den mutigen Aviatiker mit
nicht endenwollendem Jubel. Einen gleich durchſchla=
genden
Erfolg hatte Thelen, der den Höhenpreis mit
272 Meter errang.
rs. Eine Intereſſen=Gemeinſchaft für
deutſche Flieger. Anſchließend an den fünften
Tag der nationalen Flugwoche in Johannisthal fand
in ſpäter Abendſtunde im Carlton=Hotel zu Berlin
eine Konferenz faſt ſämtlicher in Berlin anweſen=
der
aviatiſcher Intereſſenten ſtatt. Einberufen war die
Verſammlung von der Leitung der Deutſchen Flug=
platzgeſellſchaft
=Frankfurt, vertreten durch Frau Direk=
tor
Woerner und Rechtsanwalt Klein. Vertreten waren
ferner die aviatiſchen Geſellſchaften Ad Aſtra, Ika=
rus
, Pilot die Aeroplan=Bauanſtalten Rumpler,
G. m. b. H., Albatros=Werke, Behrend, Flugmaſchinen
und Motoren, G. m. b. H., die Flug= und Sportplatz=
Geſellſchaft Johannisthal (durch Major v. Tſchudi) uſw.
Von aktiven Aviatikern waren erſchienen Laitſch ( Voi=
ſin
), v. Goriſſen (Euler), Thelen (Wright), die ſämtlich
an dem gegenwärtigen Meeting teilnehmen, Lange
(Wright), Heller (Eulex). Frau Direktor Woerner er=
läuterte
in kurzen Worten den Zweck der Konferenz.
Es ſei geplant ein finanzieller Zuſammenſchluß zur
Wahrung und Förderung der idealen und materiellen
Intereſſen der deutſchen Aviatik, die gegenwärtig an
einem kritiſchen Wendepunkt angelangt iſt, ja vielleicht
vor einer Kriſe ſteht. Die Leitung der an dieſe Worte
anſchließenden Debatte übernahm Rechtsanwalt Klein=
Frankfurt. Der erfriſchende Widerſtreit der Meinun=
gen
, bei dem ſich die Frage eines engeren oder loſeren
Zuſammenſchluſſes aller Intereſſenten ergab, zeitigte
eine erfreuliche Klärung der Anſichten. An der Debatte
beteiligten ſich faſt alle anweſenden Herren. Es wurde
einerſeits angeregt, eine Vermittlungsſtelle zu ſchaffen,
die alle Intereſſen zu vertreten hätte. Andererſeits
wurde in Vorſchlag gebracht, eine große finanzielle, be=
ſonders
gut fundierte Geſellſchaft zu gründen, die alle
mit der Arkatik in geſchäftlicher Beziehung ſtehenden
Unternehmungen unter einen Hut vereinigte. Als
poſitives Reſultat der Verhandlungen ergab ſich die faſt
einſtimmige Annahme eines Antrages, wonach die Bil=
dung
einer Geſellſchaft zur Förderung der wirtſchaft=
lichen
Intereſſen der deutſchen Flieger in die Wege ge=
leitet
werden ſolle. Zum Zwecke der Ausarbeitung der
organiſatoriſchen Unterlagen wählte die Verſammlung
eine Kommiſſion, in der ſämtliche oben genannte Ge=
ſellſchaften
, ſowie die erſchienenen Flieger verlreten
ſind. Dieſe Kommiſſion, zu deren Vorſitzenden Rechts=
anwalt
Klein gewählt wurde, wird ſofort mit ihren
Arbeiten beginnen.
* Paris 14. Aug. Die offiziellen Zeiten für die
geſtrige vierte Etappe des Cireuit=de l’eſt
Méziéres=Douai, 130 Kilometer, ſind: Aubrun
2 Stunden 19 Minuten, 4¾ Sekunden, Leblanc 3 Stun=
den
, 3 Minuten, 18 Sekunden. Die Geſamtklaſſierung für
die erſten vier Etappen Paris=Douai, 605 Kilometer, iſt
folgende: Erſter Leblane in 9 Stunden, 13 Minuten, 56
Sekunden, Zweiter Aubrun in zehn Stunden, 10 Minuten,
5 Sekunden.
* London, 12. Aug. Der Aviatiker Drexel,
der in Lamark einen neuen Welt=Höhenrekord aufſtellte,
erzählte in einem Interview: Nachdem ich eine Höhe
von 6000 Fuß erreicht hatte, wurde die Luft eiſig kalt, ich
ſtieß jedoch auf keine Schwierigkeiten, bis ich 6700 Fuß
erklommen hatte. Danach brauchte ich ſechs Minuten, um
weiter 50 Fuß zu ſteigen. Jetzt bemerkte ich, daß mein
Schmierölvorrat knapp wurde und hielt es für geraten.
abzuſteigen. Als ich das Höhenſteuer gehoben hatte und
die Maſchine ſich ſenkte, fand ich mich in den Wolken ver=
irrt
. Ich konnte nichts ſehen. So ſtieg ich eine Stunde
lang abwärts, bis ich eine große Waſſerfläche wahrnahm,
ich war 25 Kilometer von Lamark entfernt. Ich ging dann
auch auf dem benachbarten Moor nieder. Ein Farmer kam
zu meiner Hilfe herbei und gab mir heiße Getränke. Zu
meiner Freude bemerkte ich an dem Theodoliten, daß ich
2055 Meter hoch geſtiegen war und damit alle Weltrekords
geſchlagen hatte.

Sport.
Lt. Die deutſchen Lawn=Tennis= Meiſter=
ſchaf
ten in Hamburg wurden am zweiten
Tage infolge des prachtvollen Wetters ſtark
gefördert. In der Herrenmeiſterſchaft ſiegte u. a.
Otto gegen Rahtjen 61, 60, Bruns gegen
Walter 64, 64 und Bergmann gegen Schütt

62, 63 und gegen San Galli 63, 61. In der
Damenmeiſterſchaft triumphierte Frl. Walzen gegen Frl.
Feindel 26, 75, 86 und Frau Dr. Neresheimer gegen
Frl. Bjurſtedt=Chriſtiania 61, 63. In der gemiſchten
Meiſterſchaft unterlag Froitzheim mit Frl. Bartning als
Partnerin gegen Lindpaintner. Frl. Glardon 57, 61,
1113. In der Herren=Doppelmeiſterſchaft gewannen
Froitzheim=Lindpaintner gegen Köpcke=,Grandy 75, 86
und in der Meiſterſchaft von Hamburg triumphierte Froitz=
heim
über B. Lange 64, 64.

Arbeiterbewegung.
* Kiel, 13. Aug. Von der Germaniawerft
wurden heute faſt 2000, von den Howaldtswerken 1200
und von der Firma Stocks und Kolbe 100 Arbeiter aus=
geſperrt
. Von der Germaniawerft legten 600 Nicht=
ausgeſperrte
die Arbeit nieder.
* Enſchede, 13. Aug. Infolge der Einigung
zwiſchen den Verbänden der Unternehmer und der Ar=
beiter
der Baumwollinduſtrie werden die Arbeiter am
Dienstag die Arbeit wieder aufnehmen.
* Paris, 13. Aug. Der Marineleutnant Byaſ=
ſon
hat ſoeben die Beſtallung als Aeroplanführer
erworben. Vier andere Marineoffiziere ſind zur Ausbil=
dung
als Aviatiker ſeit dem 1. Auguſt nach Châlons be=
urlaubt
und noch zwei andere Offiziere, die kürzlich das
Luftſchifferpatent erlangt haben, werden ſich als Aeroplan=
führer
ausbilden; die Marine wird demnächſt alſo über
ſieben Aviatiker=Offiziere verfügen.
* Paris, 13. Aug. Aus Tours wird gemeldet:
Hier hielten geſtern abend 2000 Eiſenbahnbeamte
der Staatsbahn und der Orleansbahn eine Ver=
ſammlung
ab, in der eine Tagesordnung angenommen
wurde, die den Streik billigt und die Entſchloſſenheit
kundgibt, auf das erſte Zeichen hin die Arbeit einzuſtellen.
Die Verſammlungsteilnehmer durchzogen ſpäter die Stadt,
die Internationale ſingend.
* Paris 14. Aug. Wie aus Lorient gemeldet
wird, ſind dort die Trambahnbedienſteten in den
Streik getreten. Man befürchtet Zwiſchenfälle.
H.B. Madrid 13. Aug. Die Lage in Bilbao ver=
ſchlimmert
ſich zuſehends. Trupps von Ausſtändi=
gen
verſuchen in die Stadt Bilbao einzudringen und
dort zu manifeſtieren. Die nach der Stadt führenden
Straßen werden von Kavallerie und Infanterie be=
wacht
, um den Einzug der Streikenden zu verhindern.
Die Grubenbeſitzer, welche beabſichtigten. ihre Gruben
nächſten Dienstag wieder zu eröffnen, ſehen ſich infolge
der drohenden Haltung der Arbeiter gezwungen, ihren
Betrieb von neuem zu ſchließen.

Literariſches.
Talmi, Sittenroman aus dem Offiziersleben von
Franz v. Kraft. Leipzig, K. G. Kummers Verlag.
Preis 3 Mark. Endlich ein Roman aus dem Offiziers=
leben
, welcher weder eine Herabwürdigung, noch eine Lob=
hudelei
des deutſchen Offiziersſtandes iſt. Warmes Leben,
keine Mache wird dem Leſer geboten, ein Spiegelbild von
Begebenheiten und Perſonen, welche nicht Phantaſiegebilde
ſind. Der Verfaſſer beſitzt außer einer ſcharfen Beob=
achtungsgabe
auch die Fähigkeit, das Beobachtete an=
regend
zu ſchildern. Er will helfen und heilen und nicht
nörgeln und hetzen, indem er Mißſtände aus dem Geſell=
ſchaftsleben
durch ſeine Erzählung aufdeckt, die ſchon ſo
überhand genommen haben, daß ſie gar nicht mehr als
ſolche aufgefaßt werden und man ruhig unter ihren ver=
derblichen
Folgen leidet. Inhalt, Sprache und Ausſtat=
tung
des Romans ſind durchaus anzuerkennen. Es iſt
ein hochintereſſanter Roman, für jedermann zu empfehlen,
da er ebenſoviel Genuß wie Nutzen bietet.
Gedichte von Karl Neurath. Der einſamen
Sterne zweite veränderte Auflage. (Verlag Emil Roth
in Gießen). Es iſt zweifellos eine feinempfindende und
ſtarke dichteriſche Perſönlichkeit, die uns in den einſamen
Sternen wiederum entgegentritt. Eine Perſönlichkeit, die
über Leben und Lieben ein eigenes Urteil ſich gebildet,
zu eigener Auffaſſung ſich durchgerungen hat. Zu einer
Auffaſſung aber, die nur die eines Edelmenſchen ſein
kann, die nichts gemein hat mit der gerade in der mo=
dernen
Lyrik ſich breit machenden ungeſunden und vor
allem undeutſchen Lebensauffaſſung. Welch tiefes Ein=
dringen
in die geheimnisvollen Kräfte des Lebens und
des Todes ſpricht aus dem herrlichen Gedicht Se. Maj.
der Tod und welche Jugendſtärke und Kraft aus dem
Ich liebe das Leben Karl Neurath überragt weit den
Durchſchnitt der modernen Lyriker.
Die erſten vier Bände der Ullſtein=
Bücher die zum Preiſe von je 1 Mark gebunden,
Romane von Viebig, Ompteda, Tovote, Stratz brach=
ten
, haben jetzt einen Nachfolger erhalten. Fedor von
Zobeltitz veröffentlicht in der Serie der Ullſtein=Bücher
ſeinen reizvollen Roman Das Gaſthaus zur Ehe‟.
Ein prächtiges Buch des trefflichen Kenners der deut=
ſchen
Ariſtokratie. Der ganze liebenswürdige Humor
und die überlegene Weltkenntnis des Verfaſſers kommt
in dieſem intereſſanten, die Wechſelfälle des Lebens
und der Liebe geiſtvoll wiederſpiegelnden Werke zur
Geltung. Der Roman iſt zum Preiſe von 1 Mark ge=
bunden
in allen Sortiments= und Bahnhofsbuchhand=
lungen
erhähtlich.

Die Cholera.
* Berlin, 12. Aug. Die mit der Ueberwach=
ung
der Choleragefahr betrauten Behörden ſo=
wohl
des Reiches wie der einzelnen Bundesregie=
rungen
, haben bereits ihre beſondere Aufmerkſam=
keit
der immer mehr zunehmenden Cholera=Epidemie in
Rußland zugewendet. Daß unſere preußiſchen Grenzen
bedroht ſind, kann keinem Zweifel mehr unterliegen.
Aus dieſem Anlaß ſind an ſämtlichen Flußläufen, die
mit der ruſſiſchen Grenze in Berührung kommen, die
erforderlichen Vorkehrungen getroffen worden. Eine
Sitzung, die im preußiſchen Kultusminiſterium mit
Vertretern des Reichsgeſundheitsamtes bereits anfangs
Juli ſtattfand, hat alle erforderlichen Anordnungen ge=
troffen
. Sämtliche Bundesregierungen haben deshalb
ihre ſtrompolizeiliche Behörde angewieſen, auf die
Flußläufe, die ruſſiſche Sachen führen oder ruſſiſche
Gefährte ſelbſt tragen, die ſorgfältigſte Obacht zu geben.
So ſind alle Vorkehrungen getroffen, um einer ernſt=
lichen
Gefahr zu begegnen. Daher dürfte zurzeit kein
Grund vorliegen, irgendwelche Befürchtungen zu hegen.
Das Reichsgeſundheitsamt in Berlin erhält über jeden
neu auftretenden Cholerafall, der ſich in Rußland er=
eignet
, durch ihre Organiſation ſofort authentiſche Nach=
richt
, ſo daß die eventuell bedrohten Grenzorte Mittei=
lung
über zu treffende Vorbeugungsmaßregeln unver=
züglich
erhalten können.
* Petersburg, 13. Aug. Die Gouvernements
Mohilew, Wolhynien, Charkow. Orel. Kursk, Woro=

[ ][  ][ ]

Nummer 189.
neſch, Penſa, Jaroslaw, Koſtroma, Ufa, Wjatka, Oren=
burg
und Taurien, die Gebiete Terek und Dagheſtan, die
Städte Kronſtadt und Perm, die Stadthauptmannſchaf=
ten
Sebaſtopol und Nikolajew wurden für cholera=
gefährlich
erklärt; für cholerabedroht die
Gouvernements Niſchnij Nowgorod, Twer, Kutais,
Smolensk, die Gebiete Akmolinsk und Turgai, die
Städte Reval und Riga, die Wolga von Rybinsk bis
Niſchnij Nowgorod, die Flüſſe Kama, Wjatka, Bjelaja
und Wetluga.
* Petersburg, 13. Aug. In den letzten 24
Stunden ſind an Cholera 62 Perſonen erkrankt und
30 Perſonen geſtorben. Die Zahl der Erkrankten
beträgt jetzt 848.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Frankfurt, 13. Aug. Nach dem Vorbilde zahlrei=
cher
Städte und Induſtriezentren des Rheinlandes und
Weſtfalens wurde geſtern hier eine Gutachterkam=
mer
für die Bezirke des Königl. Landgerichts und
Oberlandesgerichts Frankfurt a. M. gegründet.
* Wilhelmshöhe, 13. Aug. Der Kaiſer hörte heute
vormittag die Vorträge des Kriegsminiſters von Heeringen,
der morgens hier eingetroffen war, und des Chefs des
Zivilkabinetts. Zur Frühſtückstafel waren geladen: der
Oberpräſident, Staatsminiſter von Rheinbaben mit Ge=
mahlin
und der Kriegsminiſter mit Tochter.
* Metz, 13. Aug. Auf dem Schießſtand Plappeville
wurde der Gefreite Schmidtke=Harburg von der
10. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 67 beim
Emporklettern am Scheibengeſtell durch einen Schuß
auf der Stelle getötet.
* München, 13. Aug. Der ruſſiſche Miniſter des
Aeußern, Iswolski, traf heute abend aus Peters=
burg
hier ein und reiſte nach Rottach=Egern weiter.
* Nürnberg, 14. Aug. In einem hieſigen Gaſt=
hofe
iſt geſtern abend die Kellnerin Dreſcher tot auf=
gefunden
worden. Anſcheinend liegt Raubmord vor.
* Trier, 13. Aug. Die ſeit Jahren nervenkranke
Frau des Kaufmanns Hans Ritterath richtete
heute vormittag durch die Haustüre den Revolver
auf ihren heimkehrenden Gatten und ſchoß ihm ein
Auge aus.
* Wilhelmshaven, 14. Aug. Die Linienſchiffe
Weißenburg und Kurfürſt Friedrich Wil=
helm
geführt von Kontreadmiral Koch, ſind mit 26
türkiſchen Offizieren an Bord nach der Türkei in
Seegegangen.
* Itzehoe, 13. Aug. Auf dem Truppenübungsplatz
im Lochſtedter Lager wurden vier Infanteriſten
die ſich niedergelegt hatten, von Kreuzottern gebiſ=
ſen
. Einer iſt ſchwer krank.
* Wien, 14. Aug. Wie die Wiener Zeitung meldet,
hat der Kaiſer dem Staatsſekretär des deutſchen Aus=
wärtigen
Amtes von Kiderlen=Wächter das Groß=
kreuz
des Leopolö=Ordens verliehen.
* Wien, 13. Aug. Prinz Jaime vor Bour=
bon
lenkte heute in Begleitung ſeines Adjutanten
und ſeines Chauffeurs ſein Automobil durch die
Luxenburgerſtraße. Er wollte einen Zuſammenſtoß
mit einem anderen Fuhrwerk vermeiden und fuhr
dadurch gegen einen Prellſtein. Die Inſaſſen wur=
den
aufs Plaſter geſchleudert, blieben jedoch unver=
letzt
. Der Prinz fuhr mit der Bahn nach Schloß
Frohsdorf.
Paris, 14. Aug. Der Generaliſſimus Tremeau
hat neuerdings aus Geſundheitsrückſichten einen
dreimonarigen Urlaub erhalten. An ſeiner Stelle
wird, wie der Matin erfährt, das Mitglied des oberſten
Kriegsrates, General Michel, die diesjährigen großen
Manöver leiten.
* Paris, 13. Aug. Präſident Falliére iſt heute
abend nach Beſancon und Bern abgereiſt.
* Paris, 14. Aug. Der Matin befragte den Be=
richterſtatter
über das Kriegsbudget, Clementel,
über das Programm des Kriegsminiſte=
riums
für die Nutzbarmachung des Aero=
plans
für die Landesverteidigung. Cle=
mentel
erklärte: Aus den Mitteln, die dem Kriegs=
miniſterium
für 1910 zur Verfügung ſtehen, wird der
Miniſter unverzüglich 50 Aeroplane der bewähr=
teſten
Typen in Auftrag geben. Die Aufgabe der
nächſten Zukunft iſt die Bildung einer Aviatiker=
gruppe
. Zu den jetzigen drei Uebungsplätzen für Mi=
litärgeroplane
von Vincennes, Sartory und Chalons
werden drei weitere hinzukommen, nämlich in Siſ=
ſonne
, ferner in Reims=Bétheny und ein dritter in
einer Gebirgsgegend. Auf dieſe ſechs Uebungsplätze
werden die jetzigen Aviatiker der Armee verteilt wer=
den
mit der Aufgabe, erſtens Schüler auszubilden,
zweitens ſich ſelbſt zu vervollkommnen und ſich das
höhere Diplom für Aviatik zu erwerben, welches durch
eine Ueberlandfahrt von 100 Kilometern in 600 Meter

Kurſe vom 13. Auguſt 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

Seite 7.

3f. Staatspapiere.
Dſche. Reichsſchatzanw.
3½ Deutſche Reichsanl.
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg.
3½ do. Conſols .
8 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,60
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl.
do.
do.
4 Hamburger Staatsanl.
Heſſ. Staatsanleihe . .
do,
do.
Sächſiſche Rente . . .
Württemberger v. 1907
do.
Bulgaren=Tabak=Anl.
Griechen v. 1887
Italiener Rente . . .
½ Oeſterr. Silberrente .

do. Goldrente
do. einheitl. Rente
Portug. unif. Serie I 66,40
do. unif. Ser. III
do. Spezial . 11,90
Rumänier v. 1903 . . 102,00
do. v. 1890 . .
do. v. 1905. .
Ruſſen v. 1880 .

In Proz.
100,40
*3,00
24,00
100,60
93,20
84,00
63,60
101,50
91,80
83,10
101,80
101,50
80,60
83,40
101,90
92,70
48,30
97,50
93,80
68,00
95,30
90,75

InProz.
3f.
4 Ruſſen v. 1902 . 7 92,00
93,30
4½ do. v. 1905 .
93,30
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 84,00
4 Türk. Admin. v. 1903 87,00
4 do. unifiz. v. 1903 94,30
4 Ungar. Goldrente . . 94,50
4 do. Staatsrente . 91,60
5 Argentinier . . . . . . 101,70
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 95,30
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,40
do.

4½ Japaner . . . . . . . 97,60
5 Innere Mexikaner . . 99,90
3
do,
4 Gold=Mexikan. v. 1904 95,10
5 Gold=Mexikaner . . . 100,20
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
. . . . 142,10
4 Nordd. Lloyd . . . . 110,00
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 121,90
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 118,50
4 Baltimore & Ohio . . 109,75
4 Gotthardbahn . . .

mittlerer Höhe erlangt werden ſoll. Um einen geeig=
nete
Militärgeroplan zu erlangen, wird ein Wett=
bewerb
unter den Konſtrukteuren ausgeſchrieben wer=
den
. Der Militäraeroplan ſoll die Fähigkeit beſitzen,
Fahrten von 200 Kilometern auszuführen mit einer
Tragfähigkeit von mindeſtens drei Paſſagieren in
voller Ausrüſtung und Bewaffnung. Außerdem ſollen
ſich die Apparate leicht und ſchnell montieren und de=
montieren
laſſen, um ſie leicht transportierbar zu
machen. An allen Manövern werden künf=
tig
Militäraeroplane teilnehmen. Für
das Jahr 1911 werden ſofort bei Beginn der parla=
mentariſchen
Arbeiten zwei Millionen
Francs für die weitere Durchführung dieſes Pro=
gramms
gefordert werden. Der Kriegsminiſter be=
hält
ſich vor, nötigenfalls weitere Kredite im Laufe
des Jahres 1911 anzufordern. Die geſamte Aviatiker=
truppe
wird einem einheitlichen Kommando unter=
ſtellt
werden, welches dem General Rocques über=
tragen
werden ſoll.
* San Sebaſtian, 13. Aug. Der apoſtoliſche
Nuntius, Monſignore Vico, iſt heute hier einge=
troffen
. Er hatte mit dem Miniſter des Aeußern eine
Unterredung, welche ſehr herzlich verlief. Der Miniſter
erſuchte um Zuſtellung einer diplomatiſchen Note.
* Kopenhagen, 13. Aug. Der Internationale
Kongreß für öffentliche Fürſorge und private Wohl=
tätigkeit
wurde heute geſchloſſen.
* Sofia, 13. Aug. Heute nachmittag begaben ſich
ſämtliche Miniſter nach dem königlichen Sommerſitz
Sitniakowo, woſelbſt ſich König Ferdinand ſeit
geſtern befindet.
* Sofia, 13. Aug. Wie kompetenten Ortes verlau=
tet
, hat der Miniſterrat in ſeiner letzten Sitzung be=
ſchloſſen
, die Flüchtlingsfrage offen zu laſſen.
Die Regierung dürfte eine abwartende Haltung ein=
nehmen
und keinesfalls einen unfreundlichen Schritt
gegen die Türkei beſchließen. In der heutigen Unter=
redung
des türkiſchen Geſandten mit dem Miniſter des
Aeußern iſt die Frage der Rückkehr in die verlaſſenen
Wohnſtätten erörtert worden. Bis zur endgültigen
Regelung der Frage verfügte die Regierung, daß den
hier anweſenden Flüchtlingen Arbeit verſchafft werde.
* London, 13. Aug. Der Panzerkreuzer Duke of
Edinburgh iſt im Nebel auf einem Felſen vor St.
Catherinas Point (Inſel Wigh) geſtrandet. Die
Lage des Schiffes erſcheint gefährlich.
* London, 13. Aug. Der frühere liberale Miniſter
Earl of Spencer iſt geſtorben.
London, 14. Aug. Miß Florence Nighting=
ale
, die um die Krankenpflege verdiente Philantropin,
iſt geſtorben.
* London, 14. Aug. Der Panzerkreuzer Duke of
Edinburg iſt mit Hilfe eines Schleppers wieder
flott geworden. Das Schiff hat keinen Schaden ge=
nommen
.
* Dover, 14. Aug. Der König von Spanien,
der letzte nacht hier eingetroffen iſt, trat an Bord der
Jacht Giralda um 4 Uhr früh die Rückreiſe an.
* Waſhington, 13. Aug. Der Seismograph der
Georgiown=Univerſität regiſtrierte ein Erdbeben
von 23 Minuten Dauer.
* Buenos Aires, 13. Aug. Bei dem Vortrage, den
hier Clemenceau über das Thema Die Demo=
kratie
und der Krieg hielt, erklärte er ſich als
ein Gegner der Beſchränkung der Kriegsrüſtungen,
denn es gäbe kein ſichereres Mittel, einen Krieg zu
provozieren, als dieſes, da es unmöglich ſei, das Gleich=
gewicht
zwiſchen den Rüſtungen der verſchiedenen
Mächte herzuſtellen. Er wies darauf hin, daß ſich die
Souveräne niemals mit der Frage der Rüſtungsein=
ſchränkungen
befaſſen wollten, wozu er ſie beglück=
wünſche
. Man müſſe ſtändig die Verfolgung des idea=
len
Zieles der Gerechtigkeit im Auge behalten, um die
Wahrſcheinlichkeiten eines Krieges aus der Welt zu ſchaf=
fen
; aber, wie Rooſevelt in Paris geſagt, wenn man
die Wahl habe zwiſchen Frieden und Gerechtigkeit, ſo
dürfe man nicht die Gerechtigkeit opfern. Zwiſchen
der Wahl des Friedens und der Erniedrigung des
Vaterlandes könne man nicht ſchwanken; man muß
alles tun, ſo ſchloß Clemenceau, um einen Krieg zu
vermeiden, aber wir würden töricht ſein, wenn wir
abrüſten wollten in einem Augenblick, wo alle rüſten,
und zwar zu Lande, zu Waſſer und in der Luft. Wir
denken an keine Eroberungen und wollen niemand ein
Leid antun, aber die Würde unſeres Landes legt uns
die Pflicht auf, zu ſeiner Verteidigung bereit zu ſein.
* Tokio, 13. Aug. Die Ueberſchwemmun=
gen
ſind im Zunehmen begriffen. Gas und Elek=
trizität
beginnen zu mangeln. Zehntauſende von
Menſchen ſind obdachlos und ſuchten in Tempeln und
Schulen Zuflucht; ihre Lage iſt überaus traurig. An=
dere
Tauſende ſind dem Regen und Hunger preis=
gegeben
, da es an Booten fehlt, ſie an ſicheren Orten

InProz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 1587
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21,50
4 Pennſylvania R. R. 131,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 205,50
Werger=Brauerei
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 478,50
Fabrik Griesheim . . . . 255,50
. 489,90
Farbwerk Höchſt .
Verein chem. Fabriken
.327,75
Mannheim .
120,00
Lahmeyer .
Schuckert.
168,00
Siemens & Halske . . . 248,80
Adlerfahrradwerke Kleyer 430,50
Bochumer Bb. u. Guß . . 235,75
213,00
Gelſenkirchen .
.198,75
Harpener
Phönix, Yergb. u. Hütten=
betrieb
.
.. 235,25
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,60
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,30
92,00
3½ do.
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
4 do. ſteuerfrei . 98,80
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,60
97,60
4
do.
do. alte .
3
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,20
4
78,40
do.
do.
20/1e
56,70
2 Raab=Oedenburger . . 75,00
Ruſſ. Südweſt.
89,70
4 Kronpr. Rudolfbahn ,

In Proz.
2¼/10 Livorneſer . ... . . . 75,90
4 Miſſouri=Pacific
Bagdadbahn Mk. 408 86,90
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 102,10

Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ.
Darmſtädter Bank
Deutſche Bank .
Deutſche Vereinsbank
Diskonto=Geſellſchaft.
Dresdner Bank .
Mitteldeut. Kreditbk. 119,30
Nationalbk. f. Deutſch
Pfälzer Bank .
Reichsbank .
Rhein. Kredit=Bank
4 Wiener Bank=Verein
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
do. S. 19. . . . .
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126
4 Hamb.=Hypoth.=Bank
do,
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk.
do.
3½,
Meining. Hyp.=Banl
do.
3½
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917)
3½ do. (unk. 1914)
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,40
3½

168,75
131,00
253,25
127,90
188,10
158,10
124,20
101,40
139,30
137,40

unterzubringen. In der Verſorgung mit Gemüſen
und Fiſchen macht ſich Mangel bemerkbar. Der Fluß
Sumida hat faſt die Höhe der über ihn führenden
Brücken erreicht. Man hatte geglaubt, daß der Höhe=
punkt
des Waſſers nachts erreicht werde. Einer von
den drei wichtigſten Dämmen, die Tokio ſchützen, iſt
geborſten. Wenn alle drei einſtürzen, wird halb To=
kio
überſchwemmt. An den bedrohten Orten ſind Trup=
pen
zuſammengezogen. Das Kuruiſawa=Hotel, worin
viele Ausländer wohnen, iſt zerſtört, ohne daß Opfer
an Menſchenleben zu beklagen ſind.
Tokio, 14. Aug., 6 Uhr morgens. Der Höhe=
punkt
des Waſſerſtandes iſt erreicht. Das Waſſer
beginnt zu ſinken. Es iſt feſtgeſtellt, daß bisher
385 Menſchen ihr Leben eingebüßt haben, 500 werden
vermißt.
Köln, 13. Aug. Beim Geſchützexerzieren
ſtürzten zwei Kanoniere des Feldartillerie=Regiments
Nr. 8 von ihren Geſchützen und wurden von den nach=
folgenden
Batterien überfahren. Beide wurden
lebensgefährlich verletzt.
Gneſen, 13. Aug. Die Familie des Arbeiters
Kowalski in Morutſch erkrankte nach dem Genuſſe von
Pilzen. Die Eltern und die Kinder am Alter von
5 bis 9 Jahren ſtarben innerhalb kurzer Zeit.
Yokohama, 13. Aug. Infolge der Ueber=
ſchwemmungen
brach ein Hauptwaſſerrohr. In
Takoma wurde ein ganzes Hotel mit 15 Perſonen in
die See geſpült.

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Vorſtellung im Zirkus Schumann um 8¼ Uhr.
Konzert um 6 Uhr im Katholikenverein.
Konzert um 6 Uhr auf Schuls Felſenkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
Konzert um 8 Uhr im Heſſiſchen Hof
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
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Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Htreeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

92,30
99,60
100,50
90,50
101,60
92,80
101,00
91,00
101,00
91,00
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Der Pfarrer von Gamsegg.
Roman von Erich Ebenſtein.
(Nachdruck verboten.)
Dolland blickte mit ſtieren Augen auf den Sprecher,
und aus ſeiner ſtrammen Hünengeſtalt ſchien plötzlich
alle Kraft gewichen. Angſt, Erſchrecken, Verzweiflung
glitten in raſchem Wechſel über ſein Geſicht. Und dann
trat ein ſeltſames Leuchten in ſeine Augen, und er
atmete tief auf.
Ja, ja, es iſt am beſten, ich gehe mit, ſagte er völlig
ruhig und wie zu ſich ſelbſt, anders geht es nicht
Sein Blick fiel auf Hermann Moosheimer, der kein
Auge von ihm wandte. Raſch trat er zu ihm und
flüſterte ihm ins Ohr: Und wenn ich nicht mehr zurück=
kommen
ſollte nimm Dich um ſie an, lieber Junge
ſie hat dann niemand mehr als Dich.
Entſetzt fuhr Hermann zuſammen.
Vater Dolland, was ſoll das heißen 2
Ein ſchmerzliches Lächeln ſpielte um des Förſters
Mund. Was immer auch mit mir geſchehen wird
das eine glaube mir: Du darfſt Dich mit ruhigem Ge=
wiſſen
meiner Martha annehmen. Lebe wohl, Hermann!
Und er wandte ſich an die Gendarmen: Gehen wir.
Wenige Minuten ſpäter war der Platz vor dem
Forſthaus leer. Nur die alte Magd ſtand noch da und
Hermann Moosheimer, und etwas abſeits, an den
Brunnen gelehnt, Silas Hempel, der Kriminalbeamte
aus Wien.

Hermann bemerkte ihn nicht.
Wo iſt Martha? fragte er die Magd.
Dieſe deutete auf den mauerumgebenen Ortsfried=
hof
, der halben Weges zwiſchen dem Dorf und dem
Forſthauſe lag.
Beim Grab der Mutter. Heut iſt der Sterbetag
der Frau Dolland.
Hermann wandte ſich ſchweigend ab, ſetzte ſich auf
die Hausbank und ſtützte den Kopf in die Hand.
Er merkte kaum, daß der Wiener Kriminalbeamte
neben ihm Platz nahm, bis dieſer ihn aus ſeinem
dumpfen Brüten weckte, als er ſagte:
Verzeihen Sie ich will Sie nicht ſtören, aber
ich habe den Wunſch, Ihnen zu dienen in der grauſamen
Lage, in der Sie ſich befinden, und in der Ihnen viel=
leicht
der Rat eines erfahrenen Mannes unentbehrlich
ſein wird.
Erſtaunt blickte Hermann auf den fremden Herrn,
deſſen Blick in ehrlicher, warmer Teilnahme auf ihm
ruhte.
Ich begreife nicht ſagte er unſicher und doch mehr
und mehr gefangen von der ſeltſamen Art des Mannes.
Sie werden ſogleich begreifen. Hören Sie mich
nur erſt ruhig an und laſſen Sie eine Viertelſtunde
lang alle Formalitäten zwiſchen uns vergeſſen ſein.
Denken Sie, ich ſei ein langjähriger Freund Ihrer
Familie, der es gut mit Ihnen meint.
Herr
Silas Hempel. Ich bin Kriminalbeamter und halte
mich aus beruflichen Gründen ſeit einer Woche in

Bruck auf. Durch meinen Kollegen Sporer wurde ich
heute morgen mit den näheren Umſtänden bekannt, die
dem Leben Ihres Vaters ein Ende bereiteten. Ich
ſah, wie der Verdacht der Täterſchaft ſich immer be=
ſtimmter
auf den Förſter Dolland richtete und hörte
auch, daß Sie, mein Herr, ſich um die Tochter dieſes
Mannes bewerben. Ich gebe viel auf meinen Inſtinkt.
Ihre Lage flößt mir die größte Teilnahme ein.
Hermann ſtöhnte auf. Silas Hempel fuhr fort:
Sehen Sie die meiſten unſeres Berufes ſtus pfen
mit der Zeit ab und werden zu Maſchinen. Ich habe
mir gottlob ein fühlendes Herz bewahrt, und wo ich
gute Menſchen leiden ſehe unter einem unverdienten
Schickſal, da läßt es mir keine Ruhe. Ich muß wenig=
ſtens
den Verſuch machen, auch Ihnen zu helfen. Und
da ich vorausſichtlich noch einige Wochen hier bleiben
muß von Amts wegen, kann ich Ihnen vielleicht doch
von Nutzen ſein. Natürlich war es mir in erſter Linie
darum zu tun, mir perſönlich ein Urteil von dem Weſen
des Verdächtigen zu bilden. Das iſt mir oft ausſchlag=
gebender
als alle Verdachtsgründe.
Und Hermann hob lebhaft den Kopf. Welchen
Eindruck haben Sie empfangen?
Hempel zuckte die Achſeln.
Darüber kann ich momentan nicht ſprechen. An=
fangs
machte er ja den Eindruck eines Schuldigen,
aber dann hm der Mann iſt ſicherlich eines Ver=
brechens
in aufwallender Leidenſchaft fähig. Ob aber
eines kaltblütig geplanten Meuchelmordes? Darf ich
fragen, was er Ihnen zuletzt zuflüſterte?

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

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Hermann nahm keinen Anſtand mehr, dem Frem=
den
wortgetreu des Förſters Bitte mitzuteilen.
Hempel nickte.
Hm hm das ſpricht für ihn. Indeſſen ich kann
noch nicht urteilen. Erſt muß ich die genauen Ver=
hältniſſe
hier ſtudieren immerhin, junger Freund,
laſſen Sie den Mut nicht ſinken! Indeſſen muß ich Sie
bitten, über mein Intereſſe in dieſer Sache gegen
jedermann zu ſchweigen. Ich möchte kein böſes Blut
machen bei den Kollegen hier. Auch ich gehe am lieb=
ſten
ganz unbeeinflußt meine eigenen Wege. Wenn
Sie irgend etwas Neues erfahren, dann, bitte, teilen
Sie es mir ſofort mit!
Er ſtand auf.
Und nun leben Sie wohl. Dort kommt Ihre Braut,
und Ihrer harrt eine ſchwere Aufgabe.
Auch Hermann war aufgeſtanden und drückte ihm
haſtig die Hand. Ich danke Ihnen, mein Herr Gott
gebe, daß alles noch gut wird
Er eilte dem jungen Mädchen entgegen, das lang=
ſam
den Weg zum Forſthaus daherkam. Die blaſſe
Oktoberſonne lag auf ihren braunen Flechten, die ſie
nach Gretchenart um den Kopf gelegt trug, und ließ
ihr ungemein liebliches Geſicht roſig ſchimmern. Als
ſie Hermann erblickte, trat ein frohes Lächeln in ihre
Blauaugen, und ſie beſchleunigte ihre Schritte.
Mit einem ſtrahlenden Lächeln trat ſie ihm ent=
gegen
, und Hermann ſah ſofort, daß ſie völlig ahnungs=
los
war. Sie wußte nichts von dem jähen Tode ſeines
Vaters, und noch weniger ahnte ſie, wie ſchrecklich
dieſes Verbrechen ſeine Schatten auch über ſie werfen
ſollte.
Hermann nahm ſie ſtill an der Hand und führte
ſie hinein in die Stube. Dort teilte er ihr alles mit
und ließ ſie ſich ausweinen an ſeiner treuen Bruſt.

Während der Sohn des Ermordeten mit doppelt
zerriſſenem Herzen die Tochter desjenigen tröſtete, den
die Volksſtimme als Mörder bezeichnete, war die Kunde
der Ereigniſſe wie ein Lauffeuer durch die ganze Ge=
gend
gegangen.
Ueberall beſprach man die Verhaftung des För=
ſters
, und kaum einer zweifelte an ſeiner Schuld.
Dolland war nicht beliebt. Von dem großen Benedik=
tinerſtift
, zu dem die Pfarre Gamsegg und ausgedehnte
Jagdreviere bis weit über das Karerjoch hinaus ge=
hörten
, angeſtellt, hatte er ſich in den zwanzig Jahren
ſeiner Amtstätigkeit durch größte Gewiſſenhaftigkeit und
unermüdlichen Eifer im Dienſt ausgezeichnet, durch
ehrliche Güte gegen jene, die ihm näher ſtanden, aber
auch durch unerbittliche Strenge gegen die in Gamsegg
zahlreichen Wilddiebe.
Vor zwei Jahren hatte er einen Wilderer erſchoſſen
und deshalb auch vor Gericht geſtanden. Die Unter=
ſuchung
häte ſeine völlige Schuldloſigkeit erwieſen,
denn der Wildſchütz hatte, wie durch deſſen eigene Ka=
meraden
bezeugt wurde, zuerſt zwei Schüſſe gegen ihn
abgegeben, Dolland befand ſich alſo im Zuſtande der
Notwehr. Indeſſen lebte dieſe Geſchichte nun, ver=
hängnisvoll
für ihn, im Munde der Leute auf und ließ
ſeine Schuld faſt zweifellos werden.
Nur einer ſchüttelte ſtets den Kopf, wenn von dem
Förſter als Mörder Moosheims die Rede war. Der
Meßner Jakob Stigl glaubte nicht an ſeine Schuld.
Den Mord hat ein ganz anderer auf dem Gewiſſen,
behauptete er hartnäckig, war aber nicht zu bewegen,
mehr zu ſagen.
Viertes Kapitel.
Franz Moosheimer war begraben. Auf dem Gute
Gamsegg ging alles den gewohnten Gang, nur ſtiller,
gleichſam gedämpft durch die Trauer, die über der Fa=

milie lag. Anne=Marie von Porten hatte ſich ent=
ſchloſſen
, vorläufig ganz auf Gamsegg bei ihrer Nichte
und bei Hermann zu bleiben.
Am Tage nach dem Begräbnis hatte ſich Arthur
von Saſſen bei ihr melden laſſen.
Saſſen ſtand im Begriff, in der Nähe Brucks ein
Hammerwerk anzukaufen, und Anne=Marie wußte, daß
er ernſtlich eine Verbindung mit ihr anſtrebte: Auch
ſie war dem hübſchen, gewandten Manue im Herzen
gewogen, und wenn ſie bisher gezögert hatte, ſich öffent=
lich
mit ihm zu verloben, ſo war es nur, weil ſie in
erſter Ehe ſehr unglücklich geweſen und darum nicht
allzu bereit war, eine zweite Ehe einzugehen. Auch
ihr verſtorbener Bruder hatte ihr geraten, dieſe Her=
zensangelegenheit
erſt noch reiflich zu überlegen. Im=
merhin
galt Saſſen allgemein als begünſtigter Be=
werber
um Anne=Maries Hand. Als er ihr nun das
erſtemal in Gamsegg wieder gegenübertrat, ſchien er
ſichtlich verſtimmt zu ſein. Nachdem er ſein tiefes Bei=
leid
ausgeſprochen hatte, fragte er vorwurfsvoll:
Warum ſind Sie hierheraus nach Gamegg übergeſiedelt,
Frau Anne=Marie, da Sie doch wußten, um wieviel
ſchwerer und ſeltener ich Sie nun werde ſehen können?
Anne=Marie blickte ihn ruhig an aus ihren ſchönen,
dunklen Augen, die ſo ſeltſam mit dem rotgoldenen
Haar kontraſtierten. Weil mein Gefühl mir ſagte, daß
ich Eva in ihrem Schmerz jetzt nicht allein laſſen darf.
Auch braucht Gamsegg eine Herrin, Eva iſt in ihrem
jetzigen Zuſtand den Anforderungen, die ein ſo großes
Gut ſtellt, nicht gewachſen.

(Fortſetzung folgt.)

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[ ][  ][ ]

Nummer 189

Seite 11.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910,

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhunde. 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde lönnen von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
1c0, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung.
Schutzmaßregeln gegen die Tollwut betreffend.
Die Tollwut, die bekanntlich durch den Biß tollwütiger Hunde auf den Menſchen
übertragen werden kann, iſt eine zwar außerordentlich ſeltene, aber gefährliche menſch=
liche
Krankheit. In Deutſchland ſterben im Durchſchnitt jährlich 700800 Tiere und
45 Menſchen an Tollwut. Nicht jeder Biß eines tollen Hundes hat die Erkrankung
des gebiſſenen Menſchen zur Folge. Jede Tollwuterkrankung aber, die einmal zum
Ausbruch gekommen iſt (was in der Regel erſt nach Ablauf eines Zeitraumes von 20
bis 80 Tagen nach dem Biſſe geſchieht) verläuft tödlich, wenn nicht rechtzeitig, d. h.
ſobald als irgend möglich, die Paſteur’ſche Schutzimpfung vorgenommen wird. Dieſe
bildet jetzt das einzige wirkſame Heilverfahren gegen die Tollwuterkrankung. Sie macht
den Körper unempfindlich gegen das Tollwutgift und verhindert daher, wenn rechtzeitig
angewandt, bevor das Gift des Biſſes zur Wirkung gelangt, mit faſt völliger Sicher=
heit
den Ausbruch der Krankheit.
Die einzige Stelle in Deutſchland, wo dieſe Schutzimpfungen vorgenommen werden
können, iſt z. Zt. die Wutſchutzabteilung des Königlich Preußiſchen Inſtituts für
Infektionskrankheiten zu Berlin. Die Behandlung, die 2030 Tage dauert, beſteht
in Einſpritzungen, welche täglich einmal vorgenommen werden. Eine Aufnahme der
Verletzten in das Inſtitut iſt in der Regel nicht erforderlich. Wird die Aufnahme des
Verletzten ausnahmsweiſe notwendig oder gewünſcht (wie z. B. bei Kindern, die nicht
von Erwachſenen begleitet ſind, ſo iſt als Entſchädigung für die Verpflegung für ein
Kind unter 12 Jahren der Betrag von 60 Mark, für ſonſtige Perſonen 75 Mark zu
entrichten und im voraus zu bezahlen. Etwaige Erſparniſſe werden zurückvergütet. Die
Vorauszahlung iſt nicht erforderlich, wenn eine behördliche Beſcheinigung vorgelegt
wird, aus der hervorgeht, daß und welche öffentliche Kaſſe für die entſtehenden Koſten
aufkommt. Die Behandlung ſelbſt iſt unentgeltlich.
Im Intereſſe einer ſicheren Wirkung der Behandlung iſt es erforderlich, daß ſie
möglichſt bald nach der Verletzung beginnen kann.
Verletzte, die ſich der Behandlung unterziehen wollen, ſind von der Ortspolizei=
behörde
der Direktion des Inſtituts für Infektionskrankheiten ſchriftlich oder telegraphiſch
anzumelden und haben ſich bei der Direktion unter Vorlegung einer Zuweiſungs=
beſcheinigung
der Ortspolizeibehörde vorzuſtellen.
Bei der Gefährlichkeit der Tollwuterkrankung des Menſchen und den außerordent=
lichen
günſtigen Ergebniſſen der Tollwutſchutzimpfungen muß daher dringend geraten
werden, daß jeder, der von einem tollwütigen oder tollwutverdächtigen Hund ge=
biſſen
worden iſt, ſo raſch als irgend möglich ſich der Schutzimpfung unterzieht und
zu dieſem Zwecke nach vorheriger Anzeige bei der Ortspolizeibehörde des Wohnorts, die
die Anmeldung bei dem Königlichen Inſtitut für Infektionskrankheiten beſorgt, ſich
nach Berlin begibt.
Zur wirkſamen Bekämpfung der Tollwut iſt es ferner unerläßlich, daß die hierauf
bezüglichen Vorſchriften des Reichs=Viehſeuchengeſetzes und ſeiner Ausführungsbeſtim=
mungen
genau beobachtet werden. Es iſt daher vor allem notwendig, daß jedermann,
der davon Kenntnis erhält, daß ein Hund an Tollwut erkrankt oder der Tollwut
verdächtig iſt, namentlich, wenn er andere Tiere oder Menſchen gebiſſen hat, der
Ortspolizeibehörde ſofort Anzeige erſtattet, damit dieſe die weiter erforderlichen
Maßnahmen veranlaſſen kann. Aus dieſen Gründen iſt es erwünſcht, daß die Kenntnis
der Krankheitserſcheinungen bei der Tollwut möglichſt verbreitet wird.
Wir laſſen daher nachſtehend eine Zuſammenſtellung der Kennzeichen der Toll=
wut
der Hunde folgen und empfehlen jedermann, ſich mit ihnen vertraut zu machen.
Darmſtadt, den 10. Auguſt 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
Die Kennzeichen der Tollwut der Hunde.
1. Die Tollwut der Hunde (Hundswut) kommt nicht allein bei großer Sommer=
hitze
oder bei ſtrenger Winterkälte vor, wie viele Leute glauben, ſondern in jeder
Jahreszeit. Sie wird verurſacht auf dem Wege der Uebertragung durch den Biß eines
ollen Hundes. Auf dieſe Weiſe kann die Krankheit von einem tollen Hunde zu jeder
Zeit auf viele andere Hunde und Menſchen übertragen werden.
2. Vielfach findet ſich die Meinung verbreitet, daß Hunde mit ſog. Wolfsklauen,
Hündinnen und kaſtrierte Hunde nicht toll werden können; die Erfahrung lehrt aber,
daß auch dieſe Tiere, wenn ſie von einem wutkranken Hunde gebiſſen werden, nicht
gegen die hierbei mögliche Anſteckung geſchützt ſind.
3. Waſſerſcheu, ein ſehr auffallendes Symptom bei dem in Wutkrankheit ver=
fallenen
Menſchen, fehlt bei dieſer Krankheit der Hunde ſo gänzlich, daß man ſagen
kann: Kein toller Hund iſt waſſerſcheu. Der Durſt iſt zwar bei vielen nur gering,
aber alle lecken oder trinken Waſſer, Milch und andere Flüſſigkeiten, und einzelne tolle
Hunde ſind ſogar durch das Waſſer geſchwommen.
4. Die allgemeine Annahme, daß tolle Hunde Schaum vor dem Maule haben,
iſt ganz unrichtig, denn die meiſten ſolcher Hunde ſehen um das Maul ganz ſo aus,
wie geſunde Hunde, und nur diejenigen von ihnen, denen die Kaumuskeln ſo erſchlafft
ſind, daß ihnen das Maul offen ſteht, laſſen etwas Speichel aus dem Munde fließen.
5. Ebenſo iſt es unrichtig, daß tolle Hunde beſtändig geradeaus laufen, und daß
ſie immer den Schwanz zwiſchen die Hinterbeine gebogen halten.
6. Dagegen ſind als die wirklichen Merkmale der Hundswut oder Tollwut
folgende zu betrachten:
a) Die Hunde zeigen zuerſt eine Veränderung in ihrem gewohnten Benehmen,
indem manche von ihnen mehr ſtill, traurig, verdrießlich werden, mehr als ſonſt ſich an
dunkle Orte legen, andere dagegen ſich mehr unruhig, reizbar und zum Beißen oder
Fortlaufen geneigt zeigen.
b) Viele wutkranke Hunde verlaſſen in den erſten Tagen der Krankheit das Haus
und ihren Herrn und laufen mehr oder weniger weit davon, ſie kehren aber dann,
wenn ſie nicht daran gehindert werden, nach etwa 24 bis 48 Stunden wieder zurück.
c) Die meiſten dieſer Hunde verlieren ſchon in den erſten zwei Tagen der Krank=
heit
den Appetit nach dem gewöhnlichen Futter, aber ſie verſchlucken von Zeit zu Zeit
andere Dinge, welche nicht als Nahrung dienen, wie z. B. Erde, Torf, Stroh, Holz=
ſtückchen
, Lappen und dergl.
d) Alle tollen Hunde zeigen eine andere Art des Bellens, ſie geben nämlich
nicht mehrere von einander getrennte Laute oder Schläge der Stimme, ſondern nur
einen Anſchlag und ziehen den Ton etwas lang in die Höhe. Dieſe Art des Bellens
iſt ein Hauptkennzeichen der Krankheit.
e) Manche Hunde bellen ſehr viel, andere ſehr wenig. Bei den erſteren wird
nach und nach die Stimme heiſer.
f) Faſt alle tollen Hunde äußern eine größere Beißſucht als im geſunden Zu=
ſtande
. Dieſe tritt mehr gegen andere Tiere hervor, als gegen Menſchen, iſt aber
zuweilen ſo groß, daß auch ſelbſt lebloſe Gegenſtände nicht verſchont werden. Doch
behalten die Tiere oft noch ſo viel Bewußtſein, daß ſie ihren Herrn erkennen und
ſeinem Zuruf folgen, zuweilen aber verſchonen ſie auch ihn nicht.
g) Bei manchen tollen Hunden tritt bald beim Eintritt der Krankheit, bald in
deren weiterem Verlaufe eine lähmungsartige Erſchlaffung der Kaumuskeln ein,
infolge deren der Unterkiefer etwas herabhängt und das Maul etwas offen ſteht; doch
können auch dieſe Hunde von Zeit zu Zeit etwas beißen.
h) Alle tollen Hunde magern in kurzer Zeit ſehr ab, ſie bekommen trübe Augen
und ſtrubbige Haare, ſie werden nach etwa 56 Tagen allmählich ſchwächer im Kreuze,
zuletzt im Hinterteile gelähmt, und ſpäteſtens nach 89 Tagen erfolgt der Tod.
Es ergibt ſich hiernach, daß die Erkenntnis der Hundswut nicht immer leicht
iſt. Es iſt daher jedem Beſitzer eines Hundes anzuraten, daß er, ſobald an dem
Hunde irgend welche Abweichungen ſeines gewöhnlichen Zuſtandes oder Ver=
haltens
bemerkbar werden, ſchleunigſt einen Tierarzt zu Rate zieht. (15913so
Sei Vergrößerung des Wagenhauſes Nr. 6 für das Großh. Traindepot hier=
ſelbſt
ſollen die Pflaſterarbeiten in einem Los verdungen werden.
Die Bedingungen und Zeichnungen liegen während der Dienſtſtunden in dem
Geſchäftszimmer des Militär=Bauamts, Riedeſelſtraße 60, II, offen und können die
Verdingungsunterlagen zum Preiſe von 0,45 M. gegen poſt= und beſtellgeldfreie Ein=
ſendung
daſelbſt bezogen werden.
Die ausgefüllten Verdingungsanſchläge nebſt den vorgeſchriebenen Proben ſind
verſiegelt und mit der Aufſchrift Pflaſterarbeiten Trainwagenhaus bis zum
22. Auguſt 1910, vormittags 10 Uhr, an vorgenanntes Geſchäftszimmer, poſt=
(16011
und beſtellgeldfrei einzuſenden, zu welcher Zeit die Eröffnung erfolgt.
Die Zuſchlagsfriſt beträgt 4 Wochen.
Militär=Bauamt Darmſtadt.
echtes Grammophon mit 11 Platten, (Schreibtiſch (Dipl.), Kleider=, Nacht=,
11 Tiſch, 4 Rohrſtühle, gut erhalten, Küchenſchränke, Tiſche, Gasherd
bill. zu verk. Ludwigshöhſtr. 9, Mſd. (*19736oimbilligſt abzugeb. Stiftſtr. 59, part. (*19747

Arbeitsvergebung.
Vorbehaltlich der Genehmigung Großh. Miniſteriums werden hiermit auſ
Grund des Verdingungserlaſſes vom 16. Juni 1893 folgende beim Neubau der Trink=
kuranlage
vorkommenden Arbeiten öffentlich ausgeſchrieben:
1. Erd= und Maurerarbeiten, Los III, Kurbrunnen und Weſtflügel, 3235 cbm
Erdbewegung, 1005 cbm Bruchſteinmauerwerk, 1056 cbm Backſteinmauerwerk, 400 qm
Backſteingewölbe, 381qm Fachwände, 475qm Zwiſchendecken, 407qm Zementverputz uſw.
2. Steinhauerarbeiten, Los III, 293 cbm Muſchelkalkſtein, Los V, Betonbearbeitung.
3. Betonarbeiten, Los II, 812 qm Betonboden, etwa 271 cbm Beton verſchiedener
Art, 884 qm Unterlagsbeton, 550 qm Betondecken uſw. 4. Zementrabitzarbeiten,
976 qm Gewölbe, 71 m Hauptgeſimſe uſw. 5. Zimmerarbeiten, Los III, 137,2 cbm
Tannenholz, 10,2 cbm Eichenholz, zu liefern und zu verzimmern, ferner Geſimſe, Dach=
ſchalungen
uſw. 6. Eiſenlieferung, Los II, 11200 kg T=Träger zu liefern. 7. Grob=
ſchloſſerarbeiten
, Los III, 1900 kg Eiſenzeug. 8. Dachdeckerarbeiten, Los III,
2458 qm Dacheindeckung mit zugehörigen Grat= Firſt= und Kehldeckungen, Schnee=
fanggitter
uſw. 9. Spenglerarbeiten, Los III, 29 m Hängekandel, 50 m Abfallrohre,
5,6 qm Abdeckung aus Kupfer, 42 qm Dichtungen in Blei, 344 m Hängekandel,
120 m Abſallrohre, 82,5 qm Kehleindeckungen und Wandanſchlüſſe in Zink uſw. 10. Blitz=
ableiteranlage
, 2 Auffangſtangen, 120 m Leitungsdraht uſw.
Die Unterlagen ſind während der Dienſtſtunden auf unſerem Amte einzuſehen
(ausgenommen am 25. Auguſt). Arbeitsbeſchreibungen, Bedingungen und, ſoweit mög=
(15974os
lich, auch Zeichnungen, werden zum Selbſtkoſtenpreis abgegeben.
Die Angebote ſind unterſchrieben, mit Aufſchrift der Arbeit, portofrei, bis
ſpäteſtens 2. September 1910, vormittags 11 Uhr, bei der unterzeichneten Be=
hörde
einzureichen.
Zuſchlagsfriſt 4 Wochen.
Bad=Nauheim, den 13. Auguſt 1910.
Großh. Baubehörde für die Neubauten in Bad=Nauheim.
Joſt.

Soeben erschienen:
9llorizen- uus meilen Kriegstügebuch
von Georg Röder
weil. Leutnant im Grossherzogl. Hess. 4. Infanterie-Regiment.
Bearbeitet und herausgegeben von Dr. Karl Esselborn.
Preis 25 Pfg.

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Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag gerichtlich beeidigt. Bücherrevisor.
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[ ][  ][ ]

Seite 12a

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

Nummer 189.

Wahl der Beiſitzer zum
Kaufmannsgericht.
Wir fordern hiermit alle männlichen
Handlungsgehilfen, deren Jahresgehalt mehr
als 2000 Mark bis 5000 Mark einſchließlich
beträgt, auf, ſich,
alsbald und ſpäteſtens bis zum 20. d. M.
unter Angabe ihrer Beſchäftigungszeit inner=
halb
der letzten zwei Jahre, bei Großh.
Bürgermeiſterei Darmſtadt, Waldſtraße 6,
Zimmer 9, zu melden, damit ihre Aufnahme
bei Aufſtellung in die Wählerliſte für das
Kaufmannsgericht geſichert iſt.
Darmſtadt, den 9. Auguſt 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing. (15838fo
Bekanntmachung.
Die Sprechſtunden der Fürſorge=( Be=
ratungs
=)Stelle für Lungenkranke ( Wil=
helminenſtraße
34) finden erſt vom 23. ds.
(15934so
Mts. ab wieder ſtatt.
Darmſtadt, den 11. Auguſt 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.

Offenlage von Stenerhebregiſtern.
Das Gemeinde=und Kirchenſteuer= Nach=
trags
=Hebregiſter Nr. III der Gemeinde
Darmſtadt (Beſſunger Stadtteil) für 1910
liegt vom 15. I. Mts. an acht Tage lang
auf dem Bureau der Stadtkaſſe, Grafen=
ſtraße
28, zur Einſicht auf.
Beſchwerden gegen die Beitragspflicht
oder gegen das angenommene Beitrags=
verhältnis
müſſen binnen der erſten vier
Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfriſt
(ſchriftlich oder mündlich) bei Größherzog=
lichem
Kreisamt vorgebracht werden. Später
vorgebrachte Beſchwerden finden keine Be=
rückſichtigung
.
Darmſtadt, den 12. Auguſt 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt. (15973

Bekanntmachung.
Der Armenarzt, Herr Dr. Kayser,
iſt auf etwa 4 bis 5 Wochen verreiſt und
wird während dieſer Zeit in der Armen=
praxis
durch Herrn Dr. Gros, Rhein=
ſtraße
6 wohnhaft, vertreten. (16007
Darmſtadt, den 10. Auguſt 1910.
Städtiſches Pflegeamt.
Krapp.
Bauarbeiten.
Die bei Errichtung von 8 Brauſezellen
im Baderaum des Gaswerks an der Frank=
furterſtraße
vorkommende Wandplatten=
lieferung
nebſt Anſetzen derſelben (ca. 150 qm)
ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte, Grafen=
ſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die An=
gebotsſcheine
abgegeben werden.
Die Unterlagen werden nach auswärts
nicht verſandt.
Angebote ſind bis
Samstag, den 20. Auguſt 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 11. Auguſt 1910.
Stadtbauamt.
Burbaum. (15899so

Städtiſche Pfennigſparkaſſe.
Einzahlungen in Pfennigbeträgen von
10, 20 Pfg. u. ſ. f. bis einſchließlich eine
Mark werden jeden Samstag, nachmittags
von 2 bis 8 Uhr, von nachverzeichneten
Erhebeſtellen entgegengenommen:
Erhbſtelle
Nr. 1 Praſſel, M. W., Grafenſtraße 25.
2 Landau, M., Mathildenplatz 1.
3 Bopp, K., Heinheimerſtraße 74.
4 Waitz, Pfarrer, Mollerſtr. 23.
5 Roth, G., Dieburgerſtraße 9.
6 Koch, K., Marktplatz 3.
7 Stephan, H., Stiftſtraße 29.
8 Finke, P. C., Ballonplatz 5.
9 Klockow, F., Pankratiusſtraße 26.
10 Schroth, J., Gardiſtenſtraße 15.
11 Scholl, R., Soderſtraße 44.
12 Wernher, L., Beſſungerſtraße 1.
13 Poth, E., Heinheimerſtraße 20.
14 Schwab, T., Ernſt=Ludwigsplatz 4.
15 Supp, A. J., Marktplatz 8.
16 Jarraſch, J., Heinheimerſtraße 35.
17 Seibert, F., Pallaswieſenſtraße 44.
18 Waitz, E., Eliſabethenſtraße 16.
19 Büchler A., Roßdörferſtraße 26½
20 Hebermehl, G., Eliſabethenſtr. 53.
Filialen:
Kiesſtraße 66.
Sandbergſtraße 27.
Lauteſchlägerſtraße 4.
23 Sulzmann, A., Forſtmeiſterſtr. 2.
24 Mattheß, H., Liebfrauenſtraße 58.
25 Erb, O., Alexanderſtraße 17½.
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen Sparkaſſe.
Purgold, Direktor. (1491a

Bekanntmachung.
Montag, den 12. September I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Hofchorſänger Friedrich Edmund
Göllnitz dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
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IV 594¾/100 295 Bauplatz Liebfrauen=
ſtraße
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
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Darmſtadt, den 30. Juli 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (D15133,
älteſter Gerichtsmann.

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u. Kommisbrot empfiehlt (*19767
H. Schmitt, Schwanenſtraße 38.

Bekanntmachung.
Donnerstag, den 18. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Bäckermeiſter Karl Jockel Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
67½5/100 63 Grab= 1 Liebig=
garten

V 6717/100 198 Hofreiteſtraße 55,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K44/10
werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 30. Juli 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I:
J. V.: Ganß, (D15126,3
älteſter Gerichtsmann.

Bekanntmachung.
Donnerstag, den 1. September I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Sekretär Wilhelm Pieper Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
II 794½10 175 Hofreite Heinrich=
ſtraße
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K95/10
werden.
Darmſtadt, den 30. Juli 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
I. V.: Ganß, (D15127,3
älteſter Gerichtsmann.

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1 Flügel Schiedmayer
310
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350
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450
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460
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Mehrere Tafelklaviere, darunter Firmen
wie Lipp & Sohn, Schiedmayer Stuttgart von
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direkt neben dem Militärlazarett.
5 Ehrendiplome und Medaillen auf ersten Ausstellungen

Der böse Nachbar
wird zum Freunde, der Garten bleibt in
Ordnung, die Körbe füllen ſich voll Eier,
wenn man Hühner einſperrt und mit dem
1000fach erprobten und ſehr gelobten Ge=
flügelfutter
Nagut füttert. Verkauf:
Wilh. Nungesser, Dieburgerſtraße.
Frau Dr. Manke, Schlawe i. P. Bitte
ſenden Sie mir wieder umgehend 1 Ztr.
Nagut. Bin ſehr zufrieden, unſere Hühner
legen ſehr fleißig, auch jetzt während der
Mauſer.
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MMannene
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M
ne
E
L

Vollmiich
Liter 20 Pfg.
wird frei ins Haus geliefert. Offert. unter
G5 an die Expedition ds. Bl. (14971a

Schöne Falläpfel zu verkaufen
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Billige, gute
Cigarren
das Hundert ſchon von 2.80 Mk. an
*19660od) Alexanderſtr. 3, I., kein Laden.

Küchenſchrank Wuig billig zu verkaufen
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[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

Nummer 189.

Handel und Verkehr.
II. Frankfurt a. M., 13. Aug. ( Börſen=
wochenbericht
.) Die abgelaufene Geſchäftswoche
hatte ein recht erfreuliches Ausſehen, auch geſtaltete
ſich der Verkehr wieder ziemlich lebhaft. In erſter
Linie wendete ſich das Hauptintereſſe dem Montan= und
Induſtriegebiet zu, woſelbſt die Spekulation, ſowie
auch das Privatpublikum mit großen Aufträgen her=
vortrat
. Von dem Roheiſenſyndikat verſpricht man
ſich einen günſtigen Einfluß, zumal wenn es gelingen
ſollte, die noch abſeits ſtehenden Gruppen zum An=
ſchluß
zu bringen. In der deutſchen Induſtrie ſcheint
es ebenfalls ganz vorzüglich auszuſehen, denn die be=
deutenden
Steigerungen bei dieſen Werten, insbeſon=
dere
der Elektrizitätsbranche, laſſen bereits große Er=
trägniſſe
für die Zukunft erwarten. Ob nicht der
Optimismus allzu weit geht, läßt ſich allerdings nicht
beſtimmen, aber etwas Vorſicht dürfte jetzt doch wie=
der
am Platze ſein. Der Geldmarkt hat ſich infolge
der ſtärkeren Anſprüche verſteift und bewirkte eine
Erhöhung des Privatſatzes auf 3¼ Prozent.
Der Rentenmarkt blieb hingegen von der Auf=
wärtsbewegung
, die ja ihre Hilfsquellen vornehmlich
in wirtſchaftlichen Erwägungen findet, ſo gut wie un=
berührt
, indes bekundeten die 3½prozentigen Gattun=
gen
große Feſtigkeit. Erwähnenswert iſt der äußerſt
günſtige Erfolg der Submiſſion auf 12 Millionen
Mark 4proz. Frankfurter Stadtobligationen, die zu
100,48 von der Gruppe Seehandlung genommen wurde,
einen Beweis, welch hohen Kredits ſich unſere Stadt
erfreut, bietet das recht befriedigende Gebot. Ruſſiſche
Fonds waren anfangs abgeſchwächt auf die Cholera=
Nachrichten, ſchließen aber wieder erholt. Türkiſche
Renten ebenfalls befeſtigt auf die Reiſe des Finanz=
miniſters
Dſchavid Bey. Als praktiſches Reſultat die=
ſer
Reiſe iſt die Uebernahme der Schatzbonds durch
die Londoner Niederlaſſung der Banque Ottomane
und die Finanzoperationen von 125 Millionen Fres.
mit der Gruppe Credit Mobilier hervorzuheben.
Der Bahnenmarkt war ruhiger und zum Teil
etwas ſchwächer, nur Baltimore und Ohio, ſowie
Pennſylvania ſchließen entſprechend dem gebeſſerten
New=York höher. Die Aktien der leitenden Bank=
inſtitute
konnten unter der feſten Stimmung ihre
Kurſe zumeiſt erhöhen; ebenſo waren Deutſche Effek=
ten
= und Wechſelbank reger beachtet, dagegen ſind
Pfälzer Bank, Mitteldeutſche Kreditbank und Ottoman=
bank
niedriger. Wie ſchon oben erwähnt, waren Mon=
tanaktien
und ein großer Teil der Induſtriewerte
recht belebt und ſteigend; ſo notierten Holzkohle bis
235, Kleyer bis 430, Rütgers bis 190, Schuckert an=
nähernd
170, Allgemeine Elektrizitäts=Geſellſchaft bis
284 u. a. m. Weſentlich matter ſchließen Kunſtſeide
(125½) und Neue Photographiſche Geſellſchaft etwa 45.
Bezüglich der letzteren hört man, daß die Geſellſchaft
demnächſt beabſichtigt, eine Zuzahlung von 2530 Pro=
zent
in Vorſchlag zu bringen, um die beſtehenden
Bankverbindungen zu löſen und weitere flüſſige Mit=
tel
zur Verfügung zu bekommen.
Von Loſen notieren: Augsburger 36,10, Braun=
ſchweiger
203, Meininger 37,10, Finnländer 245G,
Pappenheimer 67, Freiburger 56, Türkiſche 181,10,
Genuaer 225, Ungariſche 3816, Mailänder 45=Fr.=Loſe
140 Venediger 41,75, Mailänder 10=Fr.=Loſe 31 in
Reichsmark; Gothaer Prämie I 139,30, Gothaer Prä=
mie
II 115,75, Donau=Regulierung 150, Madrider 77
in Prozent; ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918
unkündb.) 102,15, 3½proz. Reichs 936, 3proz. Reichs
83,95, 4proz. Heſſen von 1899 100,85, 4proz. Heſſen von
1906 100,806, 4proz. Heſſen von 1908/09 101,40, 3½proz.
Heſſen 91,40d, 3proz. Heſſen 80,55, 4proz. Darmſtädter
100,25, 3½proz. Darmſtädter 91,756, 4proz. Heſſ. Lan=
des
=Hyp.=Pfdbr. (Serie 1820) 101,606, 3½proz. Heſſ.

Landes=Hyp.=Pfdbr. (Serie 911) 92,406, 4proz. Heſſ.
Kommunal=Pfdbr. (Serie 1012) 101,60G, 3½proz.
Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 13) 92,80d, 3½proz.
Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 92,40d, Darmſtädter
Bank 130½G, Südd. Eiſ.=Geſ. 121,90, Baltimore und
Ohio 109½, 4½proz. Ruſſen 100,40, 4proz. 1880er
Ruſſen 91,106, 4proz. 1902er Ruſſen 92,10, 3/proz.
Ruſſen 89,60, 3½proz. Ruſſen 846, 3proz. Ruſſen
80½G, 4½proz. Japaner 97,40B, 4proz. Japaner 93.

Städtiſche Leſe= und Bücherhalle. (Neue Zugänge).
Alt, Die Kälte, ihr Weſen, ihre Erzeugung und Verwer=
tung
. Eg. 181. Anders, Der Barnaſſus in Neuſiedel.
a. 114. Backer, Die Türken in Europa, Bf. 246. Bartſch,
Die Haindlkinder, b. 220/12. Berger, In Afrikas Wild=
kammern
. Dz. 752. Bierbaum, Mit der Kraft Automo=
bilia
. Ce. 213. Boecklin, Wanderleben in den Vereinigten
Staaten, Cm. 116/12. Bölſche, Auf dem Menſchenſtern,
D. 163. Bölſche, Wilhelm. Ein biographiſch=kritiſcher
Beitrag zur modernen Weltanſchauung, herausg. von R.
Magnus, Lb. 155. Buchta, Der Sudan unter ägyptiſcher
Herrſchaft, Ef. 180. Büchner, Das goldene Zeitalter, Dg.
56. Buekers, Die Abſtammungslehre, D. 162. Cohn=
Wiener, Die Entwickelungsgeſchichte der Stile in der bil=
denden
Kunſt, K. 125. Cronau, Das Buch der Reklame,
Ke. 199. David, Körperliche Verbildungen im Kindes=
alter
und ihre Verhütungen, Dh. 146. Dehmel, Zwei
Menſchen, Ad. 829. Dickens Charles, Seinl Leben und
ſeine Werke, herausg. von Heichen, Ld. 26/13. Diers,
Die Briefe des alten Joſuas Köppen, d. 110. Diers, Die
liebe Not, d. 114. Dreyer, Ohm Peter, d. 115/12. Driant,
Die Gefangenen des Meeres, Bk. 241. Ebner=Eſchenbach,
Altweiberſommer, e. 72. Eeden, Wie Stürme ſegnen,
e. 13/45. Enking, Johann Rolfs, e. 87/12. Ertl,
Freiheit die ich meine, e. 89/12. Eſtlen, Konjunktur und
Geldmarkt 190208, Fn. 88. Finckh, Rapunzel, f. 112. Fauſel,
Ein Ritt ins Franzoſenland, Bd. 388. Fiſcher, Murwel=
len
, f. 128. Fiſcher, Sonnenopfer, f. 129/12. Freybe,
Das memento mori in deutſcher Sitte, Kc. 200. Gae=
deritz
, Was ich am Wege fand, Kl. 221. Gerdes, Ge=
ſchichte
des deutſchen Bauernſtandes, Kc. 211. Gerlach,
Das Parlament, Fp. 52. Grabein, Die Moosſchwaige,
g. 151/12. Gros, der Lehrer von Hattenhauſen, g. 147.
Greinz, Aus’m heiligen Landl, g. 137/12. Grotthuß,
Aus deutſcher Dämmerung, P. 145. Gürich, Deutſch= Süd=
weſtafrika
, Cf. 187. Hahn, Varzin, Perſönliche Erinnerun=
gen
an den Fürſten von Bismarck, Lb. 141. Hauptmann,
Griechiſcher Frühling, Ce. 220/12. Hengſtenberg, Geo=
graphiſche
Schachtelhalme, C. 205. Hellpach, Die geiſtigen
Epidemien, Dh. 155. Hoppenſtedt, Sind wir krigesfertig?
Bk. 251. Huch, Die beiden Ritterhelm, h. 275/12. Ka=
row
, Neun Jahre in marokkaniſchen Dienſten, Cf. 181.
Kidd, Soziale Evolutionen, F. 74. Krauſe, Die Tlinkit=
Indianer, Cm. 115. Kröger, Des Reiches Kommen, k. 97.
Kröhnke und Müllenbach, Das geſunde Haus, Dh. 142.
Kühl, die Heimatloſen, k. 119. Kühl, Der Inſeldoktor,
k. 120. Kühl, die Leute von Effkebül, k. 121. Külz,
Deutſch=Südafrika im 25. Jahre Deutſcher Schutzherr=
ſchaft
, Cf. 182. Laßwitz, Sternentau, l. 127. Lauff, Der
Tucher von Köln, l. 99. Lichmann, Die Klein= und Stra=
ßenbahnen
, Eg. 180. Lienhard, Neue Ideale, Kl. 219.
Loehlein, Die krankheitserregenden Bakterien, Dh. 147.
Longuet und Silber, Aſew, Harting u. Co., Madelung,
Jagd auf Tiere und Menſchen. Bf. 190. Marquerite,
Zwei Frauenleben, m. 182/12. Mayer, Technik und
Kultur, Gedanken über die Verſtaatlichung des Menſchen,
E. 32. Meyer, Die Welt der Planeten, Da. 40. Migula,
Allgemeine Pilzkunde, Db. 84. Nathuſius, Die Herrin
auf Bronkow, n. 50. Naumann, Sonnenfahrten, C. 194.
Noworußki, Achtzehneinhalb Jahre hinter ruſſiſchen Ker=
kermauern
, Bf. 191. Oppenheimer, Der Staat, Fp. 51. Oſt=
wald
, Große Männer, L. 71. Pape, Auf nach Frankreich!
Bd. 309. Partheil, Die drahtloſe Telegraphie und Tele=
phonie
, El. 85. Pfeiffer, Ein deutſcher Reiterpoſten in
Schantung, Bk. 256. Retzius, Finnland, Ce. 214. Rocke=

fellr, John D., Memoiren, 2. 40. Roth, Marolauniſche
Bilder Cſ. 188. Ruß, Die Webervögel und Widafinken,
Dz. 165. Schell, Das Volkslied, Kc. 203. Schroeder, Un=
ter
ſengender Sonne, ſ. 476/12. Schucht, Andrew John=
ſohn
, Präſident der Vereinigten Staaten, Bf. 116. Schultz,
Reiſe um die Welt 187577, C. 204. Schwabe, Im deut=
ſchen
Diamantenlande, Cf. 108. Skowronnek, Armer Hen=
ner
, ſ. 469. Stanton, Die Werte des Lebens, P. 147.
Steiner, Der Tiroler Volksaufſtand, Bd. 85. Stratz, Du
biſt die Ruh’, ſ. 483/12. Strauß, Zivilprozeßrecht,
Fr. 76. Shaw, Der Amateur=Sozialiſt, ſ. 467/12.
Thoma, Andreas Vöſt, t. 104/12. Thomſon, Das Ge=
hirn
und der Menſch, Dh. 145. Verhandlungen des
6. Evangeliſch=ſozialen Kongreſſes, Fp. 1/1. Viebig, Es
lebe die Kunſt, v. 138/12. Volbehr, Die neue Zeit,
v. 137/12. Vormann, Von den Ufern der Paſſer, Cd.
165. Voß, Richards Junge, v. 131/12. Waſſiljew, Die
Erſchließung Chinas, Ca. 168. Wehrhan, Die Sage, Ke.
201. Wehrhan, Kinderlied und Kinderſpiel, Kc. 204. Wille,
Offenbarungen des Wachholderbaumes, w. 183/12.
Wolff, Der Sachſenſpiegel, w. 169/12.
Gewinnanszug
der
223. Königlich Preußiſchen Flaſſenlotterie.
2. Klaſſe. 1. Ziehungstag. 12. Auguſt 1910.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 96 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 100000 Mk. 100194
1 Gewinn zu 30000 Mk. 133617
1 Gewinn zu 3000 Mk. 243368
2 Gewinne zu 1000 Mk. 63532 72641
7 Gewinne zu 500 Mk. 58875 85764 92166 92738
200036 221052 300422
8 Gewinne zu 400 Mk. 20108 62158 69341 115310
146830 213419 253672 301388
34 Gewinne zu 300 Mk. 13037 16589 20957 31193
50253 56106 60261 70599 7194a 73311 76614 76603
98285 105901 124660 128073 141397 149199 16379a
166322 172706 204888 205487 205987 209636 215273
219198 225916 234699 266357 267162 277116 281793
294623
74 Gewinne zu 200 Mk. 1644 3740 3845 4627 9558 9758
29807 31661 34392 35922 6252 19526 22424 27428 28813
63565 64012 67092 68178 42775 44421 44881 46615 52573
73530 77469 82262 86656 87276 96087 103509 103542
103592 109243 109716 110801 112247 113956 119881
120708 128020 128524 138948 145862 148564 15394a
154040 157240 170820 175597 180330 182360 197760
213579 233573 235321. 242981 24575a 255590 256492
265046 273009 276955 279546 280202 283764 292040
294302 295797 302653
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
96 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 3000 Mk. 200019
1 Gewinne zu 1000 Mk. 287311
6 Gewinn zu 500 Mk. 10871 60696 112911 172951
194920 249160%
16 Gewinne zu 400 Mk. 308 8068 11309 78775
87484 133370 169196 199188 206164 210628 241044
241160 246528 249956 273146 280811
17 Gewinne zu 300 Mk. 12353 20789 27335 39297
77207 106288 110928 118659 126361 132147 133141
148928 163729 211577 224990 266682 279935
76 Gewinne zu 200 Mk. 5827 8177 9362 13356
14449 15303 18393 29153 29898 32198 41410 44128
50243 54125 67667 71436 72544 79251 80583 81651
85145 85391 91805 92442 96498 104471 109884
113345 117317 121315 125621 125655 125833 128602
129467 131483 161996 162500 167765 168706 170456
171108 173527 174372 175236 177333 178417 181717
183163 186571 191553 192530 198436 203485 205895
217083 218971 223964 225701 230500 232956 23393a
240922 247584 250711 260225 262686 266588 267172
275296 278318 283569 285840 266946 297731 298279

ist das einzige und Originalpräparat mit 10% physiologisch reiner Nervensubstanz (Lecithin) nach Prof. Dr. Haber-
manns
patentiertem Verfahren. Schwäche jeder Art ist stets von einem Mangel und fortschreitendem Schwunde an
Nervensubstanz in den betroffenen Organen begleitet, und die verlorenen Kräfte können nur dann zurückkehren, wenn
es gelingt, im Körper wieder einen Ansatz neuer Nervensubstanz in normaler Höhe zu erreichen. Solche Nerven-
substanz
kann nun aber dem Organismus durch Biocitin zugeführt werden, und hierin liegt die Wirkung des Biocitin
begründet. Daher sind auch die Erfolge des Biocitin bei allen irgendwie mit körperlicher oder nervöser Schwäche verbundenen Zuständen des
Organismus als Kräftigungsmittel nach ärztlichem Urteil glänzende, oft geradezu frappierende, wie man sie früher nicht einmal zu erhoffen gewagt hat.
Da aber Lecithin zu den Edelstoffen gehört, welche nur schwierig

159860)

in wirklich reiner unschädlicher wohlschmeckender und haltbarer
Form zu gewinnen Sind, wirdk Sich. jedermann, um vor Schädlichen
Folgen sicher zu sein und die Gewähr eines vollen Erfolges zu
haben, vor dem Gebrauch eines Lecithinpräparates fragen müssen:
Was für ein Lecithin und welcher Prozentsatz an Lecithin ist
in dem Präparat enthalten, das ich zur Kräftigung meines Organismus wähle?
BlOCITIN enthält das Lecithin nach Professor Dr. Habermanns und Dr.
Ehrenfelds patentiertem Verfahren, welches bekanntlich un-
bedingt
physiologisch rein ist und dessen Qualität nicht mehr zu übertreffen
sein dürfte. Biocitin enthält von diesem Edelpräparat zehn Prozent und
übertriftt damit andere Fabrikate dieser Art mehrfach.

Reinheitund Qualitätseines hohen Lecithingehaltes
und eine im Verhältnis dazu unerreichte Wohlfeilheit ver-
leihen
dem Biocitin unter den Lecithinpräparaten unbestritten den ersten Rang.
Biocitin ist demnach ein wirklich vertrauenswertes Kräftigungsmittel für jedes
Lebensalter: Kinder (auch Säuglinge), Erwachsene, Greise und Schwache.
Erhältlich in allen Apotheken und Drogerien. Als Ersatz für Biocitin an-
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[ ][  ][ ]

Nummer 189.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

Seite 15.

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[ ][  ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. Auguſt 1910.

Nummer 189.

Vereinigte Kriegervereine Darmſtadts.
Donnerstag, den 18. Auguſt 1910,
vormittags 8 Uhr,
Geddchtnisteler
auf dem Darmſtädter und Beſſunger Friedhof
an den Gräbern der gefallenen ꝛc. Krieger von 1870 und 71
wozu wir einladen. Sammlung am Eingang des Darmſtädter Friedhofs. (15980om
Die Gedächtnisreden werden gehalten auf dem Darmſtädter Friedhof von Herrn
Pfarrer Dr. Diehl und auf dem Beſſunger Friedhof von Herrn Pfarrer Flöel.
Die Vorſtände der Vereinigten Kriegervereine Darmſtadts.

Kathollken=verein.
Montag, den 15. Auguſt (Mariä Himmelfahrt)

Beginn 6 Uhr.
(15978
Um recht zahlreichen Beſuch bittet
Der Vergnügungsausschuss.

Koter Aos Nunstier-Nonzee

5

Hessischer Hof.
Montag, den 15. Auguſt:
Zur Ehrung der hessischen Kriegsveteranen
Grosses Militär-Extra-Konzert
ausgeführt von der Kapelle des Grossh. Hess. Artillerie-Korps
Leitung: Herr Obermusikmeister F. Mickley.
Im Programm des hiſtoriſchen Teiles:
Erinnerung am Abend nach der Schlacht bei Gravelotte.
Grosse Reveille mit dem Choral: Nun danket alle Gott,é
(dieſelbe wurde von ſämtlichen Muſikkorps der Armee geblaſen) (16014
ſowie Altniederländisches Dankgebet mit Glockengeläute
während dieſer denkwürdig patriotiſchen Muſikſtücke
Grosse bengalische Beleuchtung des Gartens.
Eintritt Programm 10 Pfg.
Anfang 8 Uhr.

Ueteranen-Appell-Nachfeier.
Heute abend von 6 Uhr ab
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Mitglied der Frankfurter Tanzlehrer=Vereinigung.
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iſt von der Reiſe zurück und hat die Leitung des (16012om
Fröbel’schen Kindergartens, Kiesstr. 16.
wieder=übernommen. Anmeldungen möglichſt vormittags erbeten.

200 Personen
150 Pferde
Cireus
Sehonif
Montag, den 15. August, abends 8¼ Uhr: (16002P
Grosse Dank- u. Ahschieds-Vorsteilung
mit einem extra auserwählten Programm bestehend aus:
20 erstklassigen Nummern 20.
Preise der Plätze wie bekannt. Vorverkauf bis abends 6 Uhr
bei Müller & Rühle, Hofbuchhandlung, 5 Elisabethenstr. 5.

ogſaggate

Frische
reiseiseeren
per Pfund
Original=Körbe ca. 100 Pfund
per 100 Pfund Mk. 19.00.
1 Liter 20 Pfg.,
Frankenthaler
Kristal=zücker
per Pfund 27 Pfg. * 100 Pfund 26 Mk.
Emanuel Fuld
Kirchstrasse 1.
Telephon 137.
(16010)

Durrus=Fabrikate

Ich habe in meinem Geschäfte und meinen sämtlichen Verkaufs-
stellen
die Burrus-Fabrikate in grossem Stile aufgenommen und
gebe diese Fabrikate zum
Originalfabrikpreis
(16016a
an Wiederverkäufer ab.
Burrus-Tabake Feinschnitt jährlicher Verbrauch über 2½ Millionen Kilo.
Burrus-Cigarren Vévey Courts 10 Stück 30 Pfg., Rio Grande 10 Stück
35 Pfg., Exotiques 10 Stück 60 Pfg.
Burrus-Cigaretten Jonsouf 10 Stück 10 Pfg., Algerienne perStückl Pfg.
Nizam per Stück2½ Pfg., Elégantes 20 Stück30 Pfg.
Riesen-Cigarette, 14 cm lang, per Stück 2 Pfg, leicht u. mild.
Hauptgeschäft: Nieder-Ramstädterstr.
D. Numrich, Ecke Mühlstr. 76. Telephon 318.
Verkaufsstellen in allen Stadtteilen.

öche Vereh

(vormals Eduard G. Gerst)
Rheinstrasse 24: Fernsprecher Nr. 64: Ecke Saalbaustrasse.
Aktienkapital 30 Millionen Mark.
Reserven 4 Millionen Mark.

An und Verkauf von
Wertpapieren,
Zins- u. Dividenden-
Scheinen

Wechsel
auf In- und Ausland.

Umwechselung
ausländisch. Geldsorten.

Vermietung verschließ-
barer

Schrankfächer
verschiedener Größen
in unserer
Stalllkammer.

Verwahrung und Ver-
waltung
von
Wertpapieren
jeder Art.
Amtliche Annahmestelle

Scheckverkehr
und laufende Rech-
nungen
.

Annahme von
Bareinlagen
zur Verzinsung. S

Kreditbriefe
auf alle größeren Plätze.

für Einzahlungen auf Scheckkonten beim k. k. Postsparkassenamt in Wien

85,70 u. 60 Pf. im Abonn.
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Fleisch und veget. Kos:
zu 65 u. 50 Pf. im Abonn.
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liefert in Poſten 1 Mk., ſowie in größeren
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