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173. Jahrgang
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage; ſowie von unſeren Agenturen und
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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
N 180.
Donnerstag, den 4. Auguſt.
1910.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Spanien vor der Befreiung.
*⁎* Im Vatikan ſcheint man die Dinge in Spanien
noch nicht recht ernſt zu nehmen, man faßt die Abreiſe
des Botſchafters de Ojeda nur als einen von dieſem
angetretenen zeitweiligen Urlaub auf und erwartet
ſicherlich, daß König Alfons und ſeine Regierung über
kurz oder lang ſich beſinnen und reuig beim Vatikan
um Verzeihung bitten werden wegen ihrer Auflehnung
gegen das klerikale Regiment. Doch im Intereſſe
Spaniens muß man hoffen, daß dieſe Annahme falſch
ſei, daß vielmehr das Kabinett Canalejas die
be=
gonnene Auſgabe, Staat und Volk von einem Joche zu
befreien, welches ein Hindernis für die kulturelle und
auch wiſſenſchaftliche Entwicklung des Landes bildete,
auch durchführe. Geht wieder einmal der günſtige
Augenblick, dieſes Joch abzuſchütteln, unbenutzt
vor=
über, bleibt der Klerikalismus ſchließlich doch Sieger
in dieſem Kampfe um die Macht, dann hat Spanien
jedenfalls nur geringe Ausſicht, jemals das Licht
der Freiheit und des Fortſchritts zu erreichen. Aber
es ſcheint, als darf man dem heutigen Kabinett,
deſſen Seele im Kampfe gegen die unberechtigten
An=
ſprüche des Vatikans der Miniſterpräſident Canalejas
iſt, nicht zutrauen, daß es auf halbem Wege ſtehen
bleibt.
Canalejas war ſchon im letzten Kabinett Sagaſta,
dem er als Bautenminiſter angehörte, die Triebfeder,
daß die Regierung an die Regelung der Verhältniſſe
der religiöſen Orden und Genoſſenſchaften herantrat.
Durch Dekret vom 19. September 1901 wurde dieſen
religiöſen Korporationen eine Friſt von ſechs Monaten
geſtellt, um die Formalitäten, die das Geſetz vorſchrieb,
zu erfüllen. Aber der 19. März 1902 lief ab, ohne daß
auch nur eine einzige derartige Genoſſenſchaft jener
Vorſchrift nachgekommen wäre. Sagaſta war es gar
nicht Ernſt mit dem Kampfe gegen den Klerikalismus,
er legte noch nicht einmal das verſprochene
Vereins=
geſetz vor, weil angeblich für dieſen Fall der Vatikan
mit ſofortigem Abbruch der diplomatiſchen Beziehungen
gedroht hatte, und ſo blieb denn alles beim alten,
zu=
mal Canalejas damals noch nicht über den nötigen
Einfluß verfügte, um ſeinen Forderungen Geltung
ver=
ſchaffen zu können. Aber er hatte ſeine Pläne nur
aufgeſchoben, um ſie zu gelegener Zeit ins Werk zu
ſetzen; er weiß wohl, daß der Vatikan ſich hüten wird,
mit Spanien zu brechen, ebenſowenig, wie er mit
Frankreich und Portugal gebrochen hat, und in der
Tat ſcheint man in Rom gar nicht daran zu denken,
den Nuntius aus Madrid zurückzuberufen, man
ver=
tritt dort vielmehr den Standpunkt, daß ja ein
Ge=
ſchäftsträger die Beziehungen aufrecht erhalte.
Was die ſpaniſche Regierung vom Vatikän
ver=
langt, iſt nicht übertrieben. Die Vorrechte, welche die
katholiſche Religion genoß, und die Einſchränkungen,
die den anderen Religionen auferlegt wurden, waren
ungerecht, und Canalejas hatte ganz recht, wenn er
ſagte, das in Spanien von einer einzigen Religion
ausgeübte Monopol ſei ein Nachteil für die Kultur.
Jeder unbefangen Urteilende, welcher Religion er auch
angehören möge, muß zugeſtehen, daß ein moderner
Staat ſolche Eingriffe in ſeine inneren Angelegenheiten
nicht dulden kann, wie ſie der Vatikan auf Grund des
1851 abgeſchloſſenen Konkordats für ſich in Spanien
be=
anſpruchte. Ginge es nach dem Buchſtaben dieſes
Kon=
kordats, ſo würden aus ihm die Biſchöfe eventuell auch
das Recht der Oberaufſicht über das geſamte
Unter=
richtsweſen und der geiſtlichen Zenſur aller in Umlauf
geſetzten Bücher und Schriften herleiten können. Mit
dem Einfluß des Klerus auf den Unterricht geht es
in Spanien ohnehin ſchon weit genug, die übergroße
Zahl von Klöſtern und geiſtlichen Orden zehren am
Mark des Volkes, und es iſt die höchſte Zeit, daß
nun=
mehr eine reinliche Scheidung zwiſchen den Rechten des
Staates und des Klerus ſtattfindet.
In der Gleichberechtigung der nichtkatholiſchen
Kulte ſieht der Vatikan eine Verletzung des Konkordats
und er fordert die Annullierung aller dieſem
entgegen=
ſtehenden Dekrete, bevor eine Beratung über die Reform
des Konkordats möglich ſei. Vorausſichtlich aber
blei=
ben Krone und Regierung feſt in der Zurückweiſung
dieſes Verlangens und in der Einſchränkung der
klerikalen Macht.
Mationale Erziehung.
— Deutſchland gilt als das Land des Schulmeiſters,
und tatſächlich befindet ſich unſere Schule, namentlich die
Volksſchule, auf einer Höhe, wie ſie kaum von einem
an=
deren Lande der Welt erreicht wird. Zu begrüßen iſt es
auch, daß man es keineswegs bei dem Erreichten bewenden
läßt, ſondern daß man immer weiter vorwärts zu ſchreiten
ſucht, von dem Gedanken ausgehend, daß auf dieſem
Ge=
biete das Beſte nachgerade nur gut ſei. Was iſt nicht in
den letzten Jahren auf dem Gebiete des
Fortbildungs=
ſchulweſens geſchehen, und zwar nicht nur in großen
Städten, ſondern auch in kleineren Orten, und es iſt auch
eine lebhafte Bewegung im Gange, das
Fortbildungs=
ſchulweſen auf dem Lande zu einer größeren
Vollkommen=
heit zu erheben. Welche weitgehenden Reformen hat man
ferner im höheren Mädchenſchulweſen geſchaffen, wo man
des Guten faſt zu viel getan zu haben ſcheint, und nach
der von Kaiſer Wilhelm II. in Angriff genommenen
Reform der Gymnaſien und verwandten Anſtalten geht
man jetzt wieder daran, die bei dieſer Gelegenheit zutage
getretenen Uebelſtände wieder zu beſeitigen und noch
wei=
tere Verbeſſerungen, entſprechend den Bedürfniſſen des
modernen Lebens, einzuführen.
Ohne den klaſſiſchen Charakter der Gymnaſien zu
ver=
wiſchen, hat man ſich ſeinerzeit entſchloſſen, das
natio=
nale Prinzip mehr zu betonen und den Griechen und
Römern zwar das zu gewähren, was ihnen gehört,
an=
dererſeits aber auch dem deutſchen Element im Unterricht
in höherem Maße Geltung zu verſchaffen und mit alten
Zöpfen aufzuräumen. Gerade das nationale Element
muß in der Schule gepflegt werden, und nicht etwa aus
parteipolitiſchen Gründen, ſondern weil eine derartige
Schulerziehung dem Staate nur zum Nutzen gereichen
kann. Dieſer Grundſatz iſt keineswegs etwa neu, ſondern
man verfährt nach ihm ſchon ſeit langen Jahren in
an=
dern Ländern, ſelbſt in Republiken. Iſt es doch gerade
Frankreich, wo man auf die nationale und dabei
militä=
riſche Erziehung der Jugend den größten Wert legt, weil
man ſich des Vorteils, den dieſes Verfahren mit ſich bringt,
ſehr wohl bewußt iſt. Wir haben bei uns in Deutſchland
in dieſer Hinſicht lediglich den Turnunterricht und die
Be=
wegungsſpiele. Darüber ſind wir nicht hinausgekommen,
und die in einigen Großſtädten beſtehenden ſogenannten
Jugendwehren und dergleichen erfüllen keineswegs den
eigentlichen Zweck. Nach dieſer Hinſicht können wir ſehr
viel von Frankreich lernen, wo man eben dieſen
Unter=
richtszweig ausgebaut und ihn namentlich auf die
ſchul=
entlaſſene Jugend ausgedehnt hat. Einmal wird durch
derartige Einrichtungen das Vaterlandsgefühl in hohem
Maße geweckt, andererſeits aber wird der jugendliche
Kör=
per geſtählt, und der ſpäteren militäriſchen Ausbildung
wird in dieſer Weiſe vorgearbeitet, daß man über einen
brauchbaren und leicht zu unterrichtenden militäriſchen
Er=
ſatz verfügt.
Welch hohen Wert dies für den Fall einer
Mobil=
machung hat, liegt wohl auf der Hand. Von ſeiten des
Staates fördert man dieſe Einrichtungen in jeder Weiſe,
aktive ſowie auch Offiziere des Beurlaubtenſtandes
wer=
den beauftragt, die erforderlichen Exerzitien zu leiten, der
jugendliche Ehrgeiz wird durch Verleihung von Medaillen
geweckt. Auch genießen derartig vorgebildete junge Leute
während der Erfüllung ihrer Dienſtpflicht eine ganze Reihe
von Vorteilen. Es könnte nichts ſchaden, wenn man auch
in Deutſchland dieſem Beiſpiel nachahmte, und wenn man
die Sache nach dem Muſter der Franzoſen anfaſſen würde,
ſo würde auch keine Gefahr beſtehen, daß das Ganze zu
einer militäriſchen Spielerei ausartete. Man entſchließe
ſich nur einmal zu einem Verſuch, er würde unſerem
Vater=
lande ſicherlich nicht zum Schaden gereichen.
Deutſches Reich.
— Vor kurzem fanden Beratungen zwiſchen
Vertre=
tern des Kriegsminiſteriums, des Großen
Gene=
ralſtabes, der Inſpektion der Verkehrstruppen und
der Verſuchsabteilung der Verkehrstruppen ſtatt, die ſich
mit der Organiſation und Bildung eines deutſchen
Freiwilligen=Motorfahrerkorps befaßten.
Als Ergebnis der Konferenzen wurde beſchloſſen, daß
von der Bildung des Korps Abſtand genommen
werden muß, da die gegenwärtig benutzten Krafträder als
noch nicht kriegsbrauchbar angeſehen werden müſſen. Man
ſieht in den Krafträdern erſt dann ein kriegsbrauchbares
Hilfsmittel, wenn das bereits lange in Ausſicht geſtellte
Einheitsrad allen militäriſchen Anforderungen entſprechen
wird. Bei den Beratungen wurde feſtgeſtellt, daß die
bis jetzt bei den Kaiſermanövern und anderen großen
Truppenübungen zur freiwilligen Mitwirkung
herange=
zogenen Motorfahrer es nicht an Eifer für die Sache
ha=
ben fehlen laſſen, was aber natürlich nicht das Fehlen
der Vorbedingung für die Gründung des Korps — ein
kriegsbrauchbares Einheitsrad — erſetzen kann. Im
übrigen will die Heeresverwaltung im Vertrauen auf die
Fortſchritte der Motorrad=Induſtrie auch fernerhin
frei=
willige Motorradfahrer bei den größeren Uebungen uſw.
hinzuziehen.
— Kein wirtſchaftlicher Beirat für das
Auswärtige Amt. Dieſe Notizen, die kürzlich durch
die Preſſe gingen, daß für die Vorbereitung von
Handels=
verträgen ein wirtſchaftlicher Beirat für die
Handelsabtei=
lung des Auswärtigen Amtes geplant ſei, entſprechen
nicht den Tatſachen. Ein derartiger wirtſchaftlicher
Beirat iſt auch überflüſſig, weil Handelsverträge vom
Auswärtigen Amte ſtets in Uebereinſtimmung mit dem
Reichsamt des Innern vorbereitet werden, das für dieſe
Zwecke über einen derartigen wirtſchaftlichen Beirat
ver=
fügt. Dagegen beſteht allerdings die Abſicht, für die
wirt=
ſchaftspolitiſche Ausbildung des jungen diplomatiſchen
Nachwuchſes, die bisher in der Weiſe erfolgte, daß die
jungen Aſſeſſoren ihre wirtſchaftliche Ausbildung auf
einer Handelshochſchule oder in einem größeren
Bank=
geſchäft oder dergleichen erhielten, die Erfahrungen mitten
im Erwerbsleben ſtehender Kreiſe nutzbar zu machen und
ſich deren Rat nach dieſer Hinſicht zu ſichern. Doch hat
dieſe Abſicht nichts mit dem Gedanken eines
wirtſchaft=
lichen Beirates für die handelspolitiſche Abteilung des
Auswärtigen Amtes zu tun.
-s. Verſchiedene Meldungen in der Preſſe deuteten
darauf hin, daß Rußland mit Ausweiſungen
gegen ſolche deutſche Reichsangehörige
vorzu=
gehen gedenke, die in Rußland Grundbeſitz haben, und
ge=
ſetzgeberiſche Maßnahmen gegen ſie plane. Auf eine
dies=
bezügliche diplomatiſche Anfrage hat die ruſſiſche
Regie=
rung derartige Abſichten kategoriſch in Abrede
geſtellt und erklärt, daß, falls gegen einen Ausländer
die Ausweiſung verfügt werden ſollte, das ſeinen Grund
nur in dem Umſtand haben könnte, daß er mit dem
ruſſi=
ſchen Strafgeſetz in Konflikt gekommen ſei. Eine ſchikanöſe
Politik gegen in Rußland anſäſſige deutſche
Reichsange=
hörige läge der ruſſiſchen Regierung jedoch fern.
— Nach einer Konſtantinopeler Meldung des Berliner
Lokalanzeigers beſchloß der türkiſche
Mini=
ſterrat definitv den Ankauf der zwei deutſchen
Kriegsſchiffe.
— Der Korreſpondent der Times in Konſtantinopel
will aus guter Quelle erfahren haben, daß das auf den
Namen des früheren Sultans Abdul Hamid bei der
Reichsbank hinterlegte Geld von der deutſchen
Regierung bei dem Kaufpreiſe für die an die Türkei
ver=
kauften Kriegsſchiffe „Weißenburg” und „Kurfürſt
Fried=
rich Wilhelm” in Zahlung genommen worden ſei und
daß die türkiſche Regierung nur den Reſt des Betrages
zahle. (?) Gegenwärtig wird am Goldenen Horn ein
Transportſchiff ausgerüſtet, das in der nächſten Woche die
Beſatzung für die beiden neuen Kriegsſchiffe nach Kiel
bringen wird.
— Die an Deutſchland zu entrichtende
Entſchä=
digung für die durch den Aufſtand in Tſchangſha
verurſachten Verluſte iſt auf 50000, die für Frankreich
auf 40000 Taels feſtgeſetzt. Die Entſchädigungen für die
anderen Nationen werden noch berechnet.
Ausland.
Der Vertreter des Temps in Peſt hatte mit dem
ungariſchen Finanzminiſter eine Unterredung bezüglich
der neuen ungariſchen Anleihe von 560 Millionen
Kronen. Nachdem der Miniſter ſich eingehend über die
Notwendigkeit und den Zweck dieſer Anleihe ausgeſprochen
hate, fuhr er fort: „Einige franzöſiſche Journale, die
ent=
weder ungenau unterrichtet oder ſchlecht beeinflußt
wor=
den ſind, haben in den letzten Tagen die ungariſche
Regie=
rung wegen der Südbahn=Prioritäten und wegen der
galiziſchen Petroleumgeſellſchafen angegriffen. Die
Süd=
bahn beſitzt zwar Strecken auf ungariſchem Gebiet, aber
dieſe Linien ſind ſo wenig bedeutſam, daß Ungarn
über=
haupt keine Stimme im Kapital hat. Was die galiziſchen
Petroleumgeſellſchaften betrifft, ſo iſt bekannt, daß= Galizien
kein ungariſches Land, ſondern eine öſterreichiſche Provinz
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Auguſt 1910.
Nummer 180.
iſt und daß die ungariſche Regierung ſich in öſterreichiſche
Verhältniſſe nicht einmiſchen kann. Wir unſererſeits, ſo
ſchloß der Miniſter, wachen ſorgſam darüber, daß
fran=
zöſiſchen Unternehmungen, die in Ungarn ihren Sitz
ha=
ben, keine Schwierigkeiten gemacht werden und ſoweit ihm
(dem Miniſter) bekannt ſei, habe auch keines dieſer
Unter=
nehmungen Urſache, ſich zu beklagen.”
— Der franzöſiſche Marineminiſter hat Order gegeben
für die Kiellegung zweier neuer Panzerſchiffe,
deren eines in Breſt, das andere in Lorient gebaut werden
ſoll. Die Schiffe ſollen innerhalb dreier Jahre zur
In=
dienſtſtellung bereit ſein.
Das franzöſiſche Kolonialminiſterium
erhielt keinerlei Nachrichten über einen
angeb=
lichen Kampf franzöſiſcher Truppen mit Sultanstruppen
von Wadai und hält ihn für unwahrſcheinlich
Anläßlich des Beſuches des Königs von
Spa=
nien beim Präſidenten der Republik ſchreibt die Aurore:
Der König von Spanien begibt ſich mit ſeiner Gemahlin
zu kurzem Beſuch nach England und überläßt Canalejas
die Sorge, die Beziehungen mit Rom fortzuſetzen oder
ab=
zubrechen. Die Reiſe des Königs iſt ein Beweis für ſeine
vollſtändige Uebereinſtimmung mit ſeinem
Miniſterpräſi=
denten. Das iſt alles, was man aus dem Beſuch des
Königs in Paris ſchließen kann.
Der Deputierte von Paris Berry hat dem
Juſtiz=
miniſter mitgeteilt, daß er ihn beim Wiederzuſammentritt
der Kammer über die Motive interpellieren werde, die
den Präſidenten der Republik zur Begnadigung des
Sol=
daten Graby veranlaßt haben.
Auch die France Militaire bezeichnet die Nachricht
als verfrüht, daß der Generaliſſimus Tremeau die
dies=
jährigen großen Manöver nicht leiten werde; der
Geſund=
heitszuſtand des Generals beſſere ſich andauernd, eine
Entſcheidung werde jedoch erſt Mitte Auguſt getroffen
wer=
den können. Als eventueller Vertreter des Generaliſſimus
Tremeau in der Leitung der diesjährigen großen Manöver
wird General Michel, Mitglied des oberſten Kriegsrates,
an erſter Stelle genannt.
Der Präſident des Vereins der Bankiers der
Bar=
werte Chopy hat an Jaurés geſchrieben, daß er und
ſeine Kollegen dem Unterſuchungsausſchuſſe
im Fall Rochette gegenüber ebenſo zuvorkommend
ſein werden wie gegenüber dem Unterſuchungsrichter
Trioux, der vom Gericht den Auftrag erhalten hat, den
Kauf und Verkauf der Rochette=Papiere vom 20. Februar
bis zum 30. März 1908 zu kontrollieren. Die einzelnen
Banken werden eine Abſchrift ihrer Berichte an den
Unter=
ſuchungsrichter dem parlamentariſchen Ausſchuſſe zur
Ver=
fügung ſtellen, aber mehr werden ſie auf keinen Fall tun.
Hieraus geht noch einmal hervor, daß der
Unterſuchungs=
ausſchuß neben dem Gericht ein ziemlich unnützes Werk
verfolgt.
Auf eine Anfrage Lord Lansdownes im
eng=
liſchen Oberhauſe erklärte Kolonialſekretär Earl of
Crewe, die indiſche Regierung halte es angeſichts der
beunruhigenden Lage in Tibet für notwendig, genügende
Streitkräfte an der Grenze aufzuſtellen, um nötigenfalls
die engliſchen Handels=Agenturen zu ſichern. Dieſe
Streit=
kräfte, deren Zuſammenſetzung Crewe angab, ſollen die
tibetaniſche Grenze nur überſchreiten, wenn es zum Schutze
der engliſchen Beamten erforderlich ſein ſollte, und
wür=
den, ſobald es die Lage geſtattet, wieder zurückgezogen.
Keinesfalls aber ſollten die Truppen ſich in die
chine=
ſiſch=tibetaniſchen Streitigkeiten einmiſchen.
Das Oberhaus nahm im weiteren Verlaufe der Sitzung
den Geſetzentwurf in dritter Leſung an, der die Erklärung
bei der Thronbeſteigung betrifft. Die königliche
Zuſtimmung zu dieſer und anderen Geſetzesvorlagen wird
alsbald erteilt werden und das Haus ſich bis zum 15.
No=
vember vertagen.
Knnt Hamſun.
(Zu ſeinem 50. Geburtstag, 4. Auguſt.)
Von Dr. Paul Landan.
Knut Hamſun iſt nicht nur in der nordiſchen
Dicht=
ung, ſondern auch in unſerer Literatur, die ihm ſo
viele Anregungen verdankt, wie ein jugendlicher
Früh=
lingswind erſchienen, brauſend und klingend, neue
Ahnungen und Zukunftshoffnungen in ſich tragend,
den alten, winterlich dürren Kram vergangener Ideale
ſchonungslos vor ſich her fegend. Den „Naturburſchen”
hat man ihn genannt, den „Ewigjungen‟ Nun trägt
auch er ein halbes Jahrhundert auf den Schultern; der
arbeitsloſe Vagabund, der ewig ziellos ſchwärmende
Träumer iſt ein berühmter Mann geworden; der arme,
nach einem Biſſen Brot gierig verlangende Proletarier,
der die grandioſeſte Schilderung des Hungers gegeben
hat, die die Weltliteratur beſitzt, hat nun ſeinen
Ehren=
platz, auch im bürgerlichen Leben, und erhält eine
Ge=
ſamtausgabe wie die Klaſſiker. Es braucht nun auch
nicht mehr für den Notleidenden eine Sammlung
ge=
macht zu werden, wie ſie noch im Jahre 1899 Björnſon
in Norwegen anregte, wie ſie daraufhin ebenfalls in
Deutſchland veranſtaltet wurde. Die 1500 Mark, die
ſeine deutſchen Verehrer aufbrachten, bewieſen, daß
Hamſun ſchon damals eine kleine begeiſterte Gemeinde
unter uns beſaß. Die Zeiten der an Elend und Not
reichen Jugend, des von Abenteuern und Erlebniſſen
überfüllten Sturmes und Dranges ſind vorbei. Seit
Ibſen, Björnſon und Lie dahingegangen ſind, ſteht er
unbeſtritten an der Spitze der norwegiſchen Dichtung,
als ihre größte lebende Künſtlerperſönlichkeit.
Aber den Idealen ſeiner Werdezeit iſt er deshalb
noch immer nicht untren geworden. Noch immer zieht
ihn ſein Wandertrieb von Ort zu Ort; noch immer will
er ſich manchmal in Einſamkeit vergraben, von ſeiner
Hände Arbeit leben, als Holzfäller oder als Tiſchler;
noch immer iſt er der erbittertſte Feind der Alten und
des Alters. Vor ein paar Jahren hat er in ganz
Skan=
dinavien einen Skandal entfeſſelt, als er dem
bibli=
ſchen=Spruch „Ehret das Alter” die entgegengeſetzte
— Die unlängſt in Chriſtiania begonnene Spitzbergen=
Konferenz veranlaßt die Norweger noch ſchleunigſt in
zwölfter Stunde die Rechte Norwegens an Spitzbergen
geltend zu machen. Im Morgenblad ſucht ein Verfaſſer
unter Hinweis auf alte nordiſche Sagen, worin von einem
im hohen Norden belegenen Land Svalbard die Rede
iſt, worunter nur Spitzbergen gemeint ſein könne,
nachzu=
weiſen, daß die Norweger die Entdecker Spitzbergens
ſeien, und im ſelben Artikel wird der Holländer Willem
Barents, der 1596 als Erſter nach Spitzbergen kam, als
Schwindler geſtempelt. Profeſſor Nanſen erwidert in
dieſer Sache und bemerkt, es könne kein Zweifel darüber
herrſchen, daß die Norweger die erſten Entdecker
Spitzbergens wären. Dagegen nimmt er entſchieden
Barents in Schutz. Barents ſei zur Nordweſtküſte
Spitz=
bergens gelangt, die er für einen Teil von Grönland hielt,
was er auch nach den damaligen Karten annehmen mußte.
Dann ſegelte Barents zur Bären=Inſel und ſchließlich
nach Nowaja Semlja, wo er ſtarb. Worin ſeine
Betrü=
gerei beſtehen ſollte, wäre ſchwer zu verſtehen. Das
Be=
merkenswerteſte der ganzen Sache iſt, daß alſo nunmehr,
wenigſtens nach norwegiſcher Anſicht, die Norweger als
Entdecker Spitzbergens zu gelten haben.
— Gegenüber Nachrichten aus Saloniki und
Konſtan=
tinopel wird auf die Erklärung Wert gelegt, daß die
öffent=
liche Meinung Bulgariens über die Tatſache der
Ent=
waffnung nicht erregt iſt und keine Begünſtigung
der ottomaniſchen Bulgaren verlangt, ſondern nur wünſcht,
daß die Entwaffnungen in geſetzlicher Weiſe ohne Strenge
vor ſich gehen.
— Der perſiſche Miniſterrat, dem auch der Polizeichef
Jefrim beiwohnte, beſchloß, dem Parlament die
Verhän=
gung des Belagerungszuſtandes vorzuſchlagen. Wie man
hört, verfügte das Parlament den Belagerungszuſtand für
drei Monate. Das betreffende Dekret ſoll alsbald
ver=
öffentlicht werden. Der Polizei ſollen weitgehende
Straf=
befugniſſe erteilt werden. Die Regierung will Mudjeh
Eddin entwaffnen, was vielleicht nicht ohne Widerſtand
erfolgen wird, doch iſt die Regierung ſtark genug, jede
Un=
botmäßigkeit zu brechen.
— Der Temps kommt in einem Leitartikel nochmals
auf die Liberia=Frage zurück. Zwar haben die
Ver=
einigten Staaten, ſo führt der Temps aus, im
Jahre 1900 an der europäiſchen Intervention in China
und ſpäter an der Algeciras=Konferenz teilgenommen, aber
dieſe Teilnähme haben die Vereinigten Staaten ſelbſt
damit gerechtfertigt, daß es ſich um die Verteidigung
ge=
meinſamer „humanitärer” und ökonomiſcher Intereſſen
handle. In der Liberia=Frage aber haben die Vereinigten
Staaten ein politiſches Ziel im Auge. Sie ſprechen zwar
das Wort „Protektorat” nicht aus, aber in Wirklichkeit
handelt es ſich um nichts anderes. Sie wollen ja
ſogar eine Kohlenſtation in Liberia errichten. Es
handelt ſich nur darum, in einem Winkel der Weſtküſte
Afrikas den amerikaniſchen Einfluß zu begründen. Das
können die europäiſchen Mächte entſchieden nicht zulaſſen.
Das verbietet ſich durch die Lage inmitten engliſcher und
franzöſiſcher Beſitzungen. Liberia iſt nicht zu vergleichen
mit San Domingo. Wenn hier Frankreich, England oder
Deutſchland die Rolle der Vereinigten Staaten hätten
übernehmen wollen, ſo würden die Amerikaner nicht
ver=
fehlt haben, kraft ihrer „ſpeziellen Intereſſen” dagegen
Ein=
ſpruch zu erheben. Pichon und Grey müßten ihre
bis=
herige Politik Liberia gegenüber ſofort ändern, wenn ſie
vor die Frage geſtellt würden, daß ſich eine andere
Großmacht vor der Tür der franzöſiſchen und der
eng=
liſchen Beſitzungen inſtallieren wollte. Der Staatsſekretär
des Präſidenten Taft, ſo ſchließt das Blatt, würde gut
tun, ſeiner diplomatiſchen Einbildungskraft Zügel
anzu=
legen. Unter den vorausgegangenen Präſidentſchaften
haben die Vereinigten Staaten nach außen bemerkenswerte
Forderung „Ehret die Jugend” entgegenſtellte und
ver=
langte, daß die heranwachſende Generation in allen
politiſchen, moraliſchen und künſtleriſchen Fragen den
Ausſchlag gebe, weil das Recht ſtets auf Seiten der
Jungen iſt. Trotzdem fängt auch bei dieſem fanatiſchen
Vorkämpfer alles Werdenden und Sichentwickelnden
der Segen der Reife und Klärung ſich zu zeigen
an; auch dem 50jährigen Hamſun reifen mählich die
goldenen Früchte des Alters, die nicht minder köſtlich
ſind als die wundervollen Werke, die die Zeiten ſeines
Sehnens, Leidens und Ringens erſtehen ließen.
Alle Dichtungen Hamſuns aus ſeiner erſten Epoche,
die etwa im Jahre 1903 abgeſchloſſen iſt, ſind Teile
einer großen Konfeſſion, Lebensbeichten, die von den
inneren und äußeren Schickſalen eines ſeltſamen
Men=
ſchen in einer einzigartigen Form erzählen. Ein
welt=
fremder Träumer und Grübler, der zugleich ein
trotzi=
ger Tatenmenſch iſt, muß ſich in dieſer elenden Welt
der Wirklichkeiten, in die er nicht hineinpaßt, plagen
und ſchinden, muß hungern und frieren. Seine
litera=
riſchen Arbeiten nimmt ihm keiner ab; höchſtens daß er
einmal 10 Kronen für einen Zeitungsartikel erhält, die
ihm ein vaar Tage das Leben friſten, bis dann wieder
der grauſige Dämon Hunger ihn mit den dürren
Kno=
chenarmen umklammert. Dieſe Tragödie des gröbſten
körperlichen Elends iſt in dem Roman „Hunger” mit
einer genialen Klarheit der Selbſtbeobachtung, einer
gierig zergliedernden pſychologiſchen Feinmalerei
ge=
geben, in einem fiebrig=gehetzten, nervös vibrierenden
Stil, dem nur die Proſa Doſtojewskys zu vergleichen
iſt. Ekel vor der Welt, vor allem Ekel vor dem
Litera=
tenleben ergreift dieſen Stiefſohn des Glückes, der von
den reichen Tiſchen des Lebens verſtoßen iſt, nach denen
ſeine Phantaſie ſo ſehnſüchtig=glühend verlangt. Die
Romane „Neue Erde” und „Redakteur Lynge” geben
ſcharf ſatiriſche, mit dem heißen Blick der Verachtung
geſehene Bilder dieſes Treibens aus der durch Hans
Jaegers Buch berüchtigten „Chriſtiania=Bohéme” Als
Holzhauer und Löſcharbeiter im Hafen von Chriſtiania
verdient ſich der verpfuſchte Journaliſt ſein armſeliges
Tagebrot. Doch der Hunger der Seele, der in ſeinen
wilden Träumen ihm ferne Paradieſe vorzaubert, iſt
Erfolge erzielt, ohne ſich mit irgend jemand zu
überwer=
fen. Staatsſekretär Knox hat bei aller Welt
An=
ſtoß erregt, ohne irgend einen Erfolg zu erreichen,
* Karlsruhe, 2. Aug. Der Großherzog
und die Großherzogin haben ſich heute
nach=
mittag kurz nach 5 Uhr zu längerem Aufenthalte nach
Badenweiler begeben.
* Wilhelmshaven, 2. Aug. Unter dem
Be=
fehl des Vizeadmirals Rollmann wurde hier das aus
ſechs Linienſchiffen der Reſervediviſion beſtehende
dritte Geſchwader formiert.
* Rambouillet, 2. Aug. König Alfons
unterhielt ſich nach Beendigung des Frühſtücks
län=
gere Zeit mit dem Miniſterpräſidenten und dem
Mi=
niſter des Aeußern, die ſich unter den Gäſten
befan=
den; ſodann begab er ſich mit der Königin im
Auto=
mobil nach Paris.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 4. Auguſt.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Großher=
zog empfingen geſtern den Oberſt von Müller,
Kom=
mandeur des Großh. Artillerie=Korps, 1. Großh. Heſſ.
Feldartillerie=Regiments Nr. 25, den Leutnant von
Ilſemann und den Leutnant von Lyncker von
dem=
ſelben Regiment, den Major z. D. Rehm, Bezirks=
Offizier beim Landwehr=Bezirk Erbach, Meldeamt
Heppenheim, den Oberleutnant von Brünneck vom 1.
Leib=Huſaren=Regiment Nr. 1, den Oberleutnant von
dem Kneſebeck vom 1. Garde=Regiment zu Fuß, den
Leutnant von der Marwitz vom 1. Garde=Regiment
zu Fuß, den Leutnant Rabe von Pappenheim vom 2.
Garde=Regiment zu Fuß, letztere vier kommandiert
von der Kriegsakademie zur Dienſtleiſtung beim
Großh. Artillerie=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feldartillerie=
Regiment Nr. 25, die Leutnants von der Malsburg,
Beck, Frhr. von Senarclens=Grancy, Hacker, Oswalt,
Wolf, Hoffmann, Moninger, Andreae von der Reſerve
des Großh. Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feldart.=Regt.
Nr. 25, den Oberleutnant Werner, die Leutnants
Blitz, Bohnſtedt, Stahl von der Reſerve des 2. Großh.
Heſſ. Feldart.=Regts. Nr. 61, den Forſtmeiſter Schlag
von Meſſel, den Oberlehrer Profeſſor Kraemer von
Mainz; zum Vortrag den Miniſter des Innern von
Hombergk zu Vach, den Geh. Staatsrat Krug von
Nidda, den Regierungsrat Dr. Kranzbühler, den
Ka=
binettsſekretär Dr. Wehner.
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Oberbahnaſſiſtenten
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Georg Ferkinghoff zu Darmſtadt auf ſein
Nach=
ſuchen wegen geſchwächter Geſundheit.
* Verliehen wurde dem Weichenſteller in der
Heſ=
ſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft Lorenz
Pfei=
fer zu Genſingen aus Anlaß ſeiner Verſetzung in den
Ruheſtand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der
In=
ſchrift „Für treue Dienſte‟
* Zum bevorſtehenden Beſuch des Zarenpaares
meldet die Darmſt. Ztg.: Seitens des Ruſſiſchen
Ober=
hofmarſchallamtes iſt der Beſuch der Kaiſerlich
Ruſſiſchen Majeſtäten für dieſen Herbſt
am Großherzoglichen Hofe angeſagt worden. Nähere
Daten fehlen noch.
* Der Ruſſiſche Geſandte, Exz. v. Knorring, iſt
am 1. Auguſt aus dem Urlaub zurückgekehrt und hat
die Geſchäfte der Geſandtſchaft wieder übernommen.
* Der Landes=Lehrerverein hatte eine Umfrage
betreffend den Religionsunterricht an den
Volksſchulen veranſtaltet. Von ſeinen 106 Ortsgruppen
haben 53 geantwortet. Dieſe ſprechen ſich ſämtlich für
den Religionsunterricht als beſonderes Unterrichtsfach
aus, viele von ihnen wollen ihn nur durch den Lehrer
erteilt haben. Man wünſcht aber eine Verminderung
des Stoffes, um für die wichtigeren Gebiete mehr Zeit
zu gewinnen und um damit den Erfolg des
Religions=
unterrichts ſteigern zu können. Die meiſten Bezirke
ſchlagen vor, im erſten und zweiten Schuljahre Religion
im Anſchluß an den Anſchauungsunterricht zu erteilen.
Im dritten und vierten Schuljahre, in denen eben vier
Religionsſtunden erteilt werden, ſollen zwei genügen;
im fünften bis achten Schuljahre wünſcht man meiſt
drei, mitunter auch zwei Stunden. Die freiwerdende
noch ſtärker, als der des Lebens; ihn dürſtet’s nach
fer=
nen Ländern und fernen Meeren. Mit einem
Kabel=
jaufänger geht er nach Neufundland und wird hier mit
ſeinen Genoſſen in langen Sommern und Wintern
ſelbſt zum ſtumpfen, kaum noch bewußt hinlebenden
Seetier. Als Heizer fährt er auf einem Ozeandampfer
nach der neuen Welt, hilft als herumziehender
Vaga=
bund in Texas bei den Erntearbeiten und läuft davon,
flirtet als Straßenbahnkondukteur mit hübſchen
Ameri=
kanerinnen, taucht endlich in Paris unter, wo er in
vollkommener Einſamkeit und unter grenzenloſen
Ent=
behrungen ſeine erſten großen Romane ſchafft, die
ſei=
nen Ruhm als Dichter begründen. Es waren dies die
Werke, die nicht ſo wie „Hunger” und die glänzenden,
an Maupaſſant heranreichenden Novellen Bekenntniſſe
ſeiner äußeren Exiſtenz dichteriſch ſpiegelten, ſondern
die Geheimniſſe ſeines inneren Erlebens enthüllten,
die Romane „Myſterien” „Pan” „Victoria”
Der Held der „Myſterien Nielſen Nagel
repräſen=
tiert zum erſten Male den eigenartig interefſanten
Typus des Nordländers, den Hamſun künſtleriſch
ge=
ſtaltet hat. Dieſe prachtvollen Inſtinktmenſchen, die
in ſeinen wichtigſten Werken ſtets wiederkehren,
ent=
ſtammen in ihrer Naturnähe und Kulturfremdheit der
Romantik; ſie haben von den Menſchen des Dänen
Jacobſen, einem Niels Lyhne und Mogens die
in=
brünſtige Verſenkung in alle Schönheiten des Alls, die
träumeriſche Verſonnenheit empfangen. Außerdem
aber iſt ihnen eine dämoniſche Macht, eine faſt
über=
menſchliche Ungebrochenheit des Fühlens und Wildheit
des Wollens eigen, die an Nietzſche gemahnt. Wie ein
ſchauerlich ſtolzes Naturſchauſpiel entfaltet ſich das
Weſen dieſer Menſchen in ihrem Ringen und Kämpfen
mit der Welt und in ihrem tragiſchen Unterliegen. Sie
fühlen ſich als Kinder der Erde, als Brüder der Tiere,
Pflanzen und Steine, führen geheime Zwieſprache mit
allen ſtummen Dingen und ſind Helden und Herrſcher
des Lebens, wenn ſie als Jäger und Einſiedler in
Wäl=
dern hauſen und ihrem triebhaften Drange folgen.
Aber ſie werden zu entwurzelten Schwächlingen, wenn
ſſie ſich unter die Menſchen wagen und als verſtändige
Mitbürger an den „Segnungen” der Ziviliſation An=
Nummer 180.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Auguſt 1910.
Seite 3.
Zeit iſt für Deutſch zu verwenden. Die Verminderung
der Unterrichtsſtunden iſt ohne Geſetzesänderung
mög=
lich, da ihre Zahl durch Verordnung feſtgeſetzt iſt.
Viele Ortsgruppen ſind auch, da ſich dieſer Unterricht
künftig weniger als ſeither an Gedächtnis und
Ver=
ſtändnis wenden ſoll, gegen die ſeitherigen
Religions=
prüfungen und die Noten im Religionsunterrichte. Die
Beſchlüſſe der einzelnen Ortsvereine unterliegen der
Beſchlußfaſſung der nächſtjährigen
Vertreterverſamm=
lung, die ſie zweifellos grundſätzlich annehmen wird.
Die evangeliſche Kirche hat einen Ausſchuß einberufen,
der ebenfalls an der Umgeſtaltung des
Religionsunter=
richtes arbeitet.
m. Neue Schulhäuſer. An der neuen höheren
Mädchenſchule auf dem früheren Gaswerk iſt in den
letzten Wochen tüchtig gearbeitet worden. Das
Dach=
gerüſt iſt aufgeſchlagen und gegenwärtig wird an der
Verſchalung gearbeitet. Die ſeitlich aufragenden
Kup=
peln machen einen impoſanten Eindruck und geben
dem mächtigen Gebäude nach oben einen harmoniſchen
Abſchluß. Die große Doppelturnhalle zwiſchen den
beiden neuen Schulhäuſern hat bereits eine
Be=
ſchieferung erhalten. In der neuen Mädchenſchule
ſind ſchon die Heizkörper der Dampfheizung in
den einzelnen Stockwerken verteilt. Auf der neuen
Oberrealſchule wird demnächſt das Dachgerüſt
auf=
geſchlagen werden.
* Küchlerſtiftung. Der am 3. Auguſt 1872 dahier
ver=
ſtorbene Buchhändler Georg Wilhelm
Küchler von Darmſtadt hat zugunſten der armen
Waiſen der Großh. Landeswaiſenkaſſe ſein geſamtes
Vermögen vermacht mit der Beſtimmung, daß
alljähr=
lich an ſeinem Todestage die Zinſen und Erträgniſſe
des Stiftungsfonds in Beträgen von je 100 Gulden
(jetzt 171 Mark) unter ſämtliche in die Großh.
Landes=
waiſenanſtalt aufgenommene Waiſen des
Großherzog=
tums verloſt werden. Die Beträge, welche durch dieſe
Verloſungen den Waiſen zufallen, ſollen bis zu deren
Entlaſſung aus der Landeswaiſenanſtalt verzinslich
angelegt und nach den über Verwaltung von
Mündel=
vermögen beſtehenden geſetzlichen Grundſätzen
ver=
waltet werden. Nach Entlaſſung der Waiſen aus der
Landeswaiſenanſtalt ſoll das Kapital nebſt den bis
da=
hin angelaufenen Zinſen nach dem Ermeſſen des
Vor=
mundes oder Obervormundſchaftsgerichts zum Beſten
des Mündels verwendet werden. Wie in früheren
Jahren, ſo fand auch geſtern die Verloſung ſtatt,
wo=
bei ſich 17 Gewinnanteile ergaben. Die Gewinnloſe
entfielen auf nachſtehende, zur Teilnahme an der
Ver=
loſung berechtigte Waiſen: 1. Philipp Benz von Ober=
Flörsheim, 2. Maria Emma Suſanna Weber von
Friedberg, 3. Jean Kaufmann von Gießen, 4. Karl
Auguſt Böhmer von Offenbach, 5. Otto Altenſen von
Wohnfeld, 6. Heinrich Schmitt von Dalheim, 7.
Katha=
rina Bohländer von Langen=Brombach, 8. Anna
Trumpfheller von Fürth i. O., 9. Wilhelm Joſeph
Lange von Worms, 10. Karl Keßler von Offenbach,
11. Joſeph Ernſt Ott von Mainz, 12. Philipp Ernſt
Georg Moll von Worms, 13. Kath. Zimmer von
Sprendlingen (Rheinh.), 14. Johann Hilsheimer von
Lampertheim, 15. Friedrich Wolf von Offenbach,
16. Margarethe Eliſabethe Weber von Groß=Zimmern
und 17. Heinrich Frankenberger von Pfungſtadt.
— Im Silberkranz. Am 4. Auguſt begeht Herr
J. Horn, Sergeant in der Garde=Unteroffiziers=
Kompagnie, mit ſeiner Gattin Anna, geb. Suſann,
Ar=
heilgerſtraße 57, das Feſt der ſilbernen Hochzeit.
— Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle
im ſtädtiſchen Hauſe Waldſtraße 6 (Telephon 371)
wer=
den für den Monat Juli folgende Zählen mitgeteilt:
372 offene Stellen, 883 Arbeitſuchende, 221
Vermitte=
lungen, darunter 74 Dienſtboten.
— Städtiſche Leſe= und Bücherhalle. Während des
Monats Juli wurde die Leſehalle im ganzen von 3252
(im Juli 1909 von 3190) Perſonen beſucht,
durchſchnitt=
lich an jedem Tage von 104,9. Aus der Bücherhalle
nach Hauſe entliehen wurden an 15 Ausleihtagen
(vom 16. bis 30. Juli war wegen Reviſion geſchloſſen)
2559 Bände (1909: 2275), darunter 1883 wiſſenſchaftliche
und belehrende Werke. Die Zahl der ſeit dem 1. April
dieſes Jahres neu eingeſchriebenen Leſer ſtieg auf
2487. An Büchergeſchenken gingen in dieſem Monat
weiter ein: Von Herrn Techniker Fiſcher 1 Bd., von
Herrn Gemäldereſtaurateur Kröh 2 Bde., von Herrn
Schloſſer Merkel 1 Bd., von Herrn Kaufmann L. B.
Müller 11 Bde. Allen Gebern herzlichen Dank!
Wei=
tere Schenkungen von Büchern, ſoweit ſolche nicht
ver=
altet, ſind willkommen.
* „Zur alten Poſt”. Zu der geſtrigen Notiz wird
uns berichtigend mitgeteilt, daß das Reſtaurant nicht
eingeht, ſondern in ſeitheriger Weiſe
weiterbe=
trieben wird.
Saalbau. Im heutigen 12. Donnerstagskonzert
im Saalbau des Muſikkorps des Leibgarde=Regiments
wird Herr Hauske vielfachen Wünſchen inſofern
näherkommen, daß in der zweiten Abteilung des
Abends, welche nur Rich. Wagnerſche Werke bringt, das
berühmte Quintett aus den „Meiſterſingern” die
Trauermuſik aus der „Götterdämmerung” und die
„Holländer”=Ouvertüre geſpielt werden. (Vergl. Anz.)
— Schützenhof. Man ſchreibt uns: Eine
inter=
eſſante Neuigkeit bringt das nächſte Donnerstags=
Konzert der Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts.
Nr. 61, indem das Programm durch
Infanteriemuſik=
beſetzung ausgeführt wird. Herr Muſikmeiſter Weber
wird hierbei beſonderen Wert darauf legen,
vorzugs=
weiſe Holzblasinſtrumente zu beſetzen. Das
Pro=
gramm enthält u. a. Teile aus „Lohengrin”, „La
Tra=
viata‟, „Der fliegende Holländer”. (S. Anz.)
Griesheim, 2. Aug. Der hieſige Kohlenverein Glück
Auf faßte am Sonntag in ſeiner Verſammlung den
Entſchluß, für ſeine Mitglieder auch billiges Brot
von auswärts herbeizuſchaffen. In Ober=Ramſtadt
hatte, laut Griesh. Anz., der Kohlenverein „Friede‟
eine Bäckerei gemietet, um ſeinen Mitgliedern
billige=
res Brot zu liefern; ſofort wären die Bäcker daſelbſt
10 Pfg. abgeſchlagen.
Bensheim, 1. Aug. Der ſchon ſeit Jahrzehnten zur
Hebung des Fremdenverkehrs und der zahlreichen
indu=
ſtriellen Unternehmungen des Schönberger Tals gewünſchte
Bahnbau Bensheim=Lindenfels hat, wie ſchon
mitgeteilt, Ausſicht auf Verwirklichung. Der Kreisausſchuß
hatte das Projekt der Firma Lenz u. Ko. in Berlin wegen
der großen Baukoſten, weil ſich die Firma zu wenig
peku=
niär beim Betrieb beteiligen wollte, im Frühjahr
abge=
lehnt. Jetzt hat die Eiſenbahnbau=Betriebs=Geſellſchaft
Continental=Berlin einen neuen Vorſchlag eingereicht,
wo=
nach ſich die Baukoſten um eine Million billiger ſtellen.
Auch will ſich die Firma ſtärker an den Betriebskoſten
be=
teiligen. Schon in den nächſten Tagen kommt ihr Vertreter
Baurat Philippi aus Berlin hierher, um mit dem
Kreis=
rat von Bensheim perſönlich weiter zu verhandeln.
Offenbach, 2. Aug. In einer gutbeſuchten
Ven=
ſammlung der Arbeitgeberorganiſation der
Allge=
meinen Ortskrankenkaſſe erklärten die
Vor=
ſtandsmitglieder der Arbeitgeber unter eingehender
Darlegung ihrer Gründe, daß ſie ihr Amt
nieder=
zulegen gezwungen ſeien, da die gegenwärtige
Zu=
ſammenſetzung des von den Arbeitnehmern gewählten
Teiles des Vorſtandes und die dadurch entſtandenen
Differenzen ein weiteres Verbleiben im Amte
unmög=
lich machten. — Dieſer Entſchluß fand in einer
ein=
ſtimmig angenommenen Reſolution die vollſte
Billigung der Verſammlung. Der heutige Schritt der
Vorſtandsmitglieder iſt eine unabwendbare Folge der
von der Sozialdemokratie provozierten
parteipoliti=
ſchen Umtriebe im Vorſtand der Ortskrankenkaſſe. Der
langjährige frühere Vorſitzende der Kaſſe, Herr Streb,
der zehn Jahre hindurch Vorſitzender und
Geſchäfts=
führer in einer Perſon war, iſt ſeit Jahren der
Mittel=
punkt eines gehäſſigen Keſſeltreibens ſeitens der
So=
zialdemokratie, der Herr Streb früher ſelbſt angehörte.
Seine Verſuche, ein gedeihliches Zuſammenarbeiten
zwiſchen Arbeitnebmern und Arbeitgebern
herbei=
zuführen, die anfangs auch von gutem Erfolg waren
wurden von den Genoſſen im Laufe der Jahre ſo
be=
kämpft, daß jetzt den Vorſtandsmitgliedern der
Arbeit=
geber ein weiteres Verbleiben im Amte unmöglich
wurde.
Mainz, 2. Aug. Die alljährlich auf dem „Großen
Sand” ſtattfindende Truppenſchau iſt nunmehr auf
Dienstag, den 16. Auguſt, feſtgeſetzt. Der Kaiſer, der
Großherzog von Heſſen und Prinz und Prinzeſſin
Fried=
rich Karl werden ihr beiwohnen. Da am gleichen Tage
der Ueberlandflug Frankfurt=Wiesbaden=Mainz=
Mannheim ſeinen Anfang nimmt, ſo wird man hier
zu=
gleich ein intereſſantes aviatiſches Schauſpiel genießen
können, da, wie bereits mitgeteilt, auf dem „Großen Sand‟
Zwiſchenlandungen vorgeſehen ſind.
Schornsheim, 2. Aug. Intereſſante Gemälde aus
alter Zeit wurden dieſer Tage bei der Ausbeſſerung
der alten hieſigen Dorfkirche unter dem Wandverputz
freigelegt. Von Kennern wurden die Malereien, die
beim Abkratzen der inneren Wände zum Vorſchein
kamen, als wertvolle künſtleriſche Freskogemälde
bezeichnet. Der Verein für Denkmalſchutz hat bereits
um Herſtellung und Erhaltung des Fresken die
er=
forderlichen Schritte getan.
Gießen, 2. Aug. Schon lange beſteht hier der Plan
zur Erbauung einer elektriſchen Bahn von Gießen
über Krohdorf bis zur Eiſenbahn Gladenbach=
Herborn. Dieſe Verbindung mit dem ehemaligen
heſ=
ſiſchen Hinterland, das wirtſchaftlich zur Hauptſtadt von
Oberheſſen gehört, wird hier ſeit Jahren angeſtrebt. Da
man bei der heſſiſch=preußiſchen Eiſenbahnbehörde bisher
bei allen Projekten, welche der aufſtrebenden Stadt Gießen
nützen können, keine Unterſtützung gefunden hat, ſcheint
man jetzt endlich zur Selbſthilfe ſchreiten zu wollen.
Ver=
gangene Woche bereiſten Oberbürgermeiſter Mecum und
der Direktor des Elektrizitätswerkes die Gegend zum Zweck
einer Ortsbeſichtigung. (Fft. Ztg.)
Friedberg, 3. Aug. Wie ſchon geſtern gemeldet
wurde, weilte geſtern das Großherzogspaar
hier, um eine Vorbeſichtigung der
Renovierungsarbei=
en des Schloſſes vorzunehmen. Um 2 Uhr 40 Min.
trafen die Großherzoglichen Herrſchaften im Automobil
in Friedberg ein. Sie fuhren ſofort zum Schloſſe, wo
ſich der Großherzog über den Stand der Arbeiten
in=
formieren ließ. Er intereſſierte ſich beſonders für die
Neuanlage der Beleuchtung, die vollſtändig
moderni=
ſiert wird.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 2. Aug. Vor der
ſieben=
ten Strafkammer des Berliner Landgerichts I ſtand
heute eine Bande internationaler
Mädchen=
händler, deren Verhaftung ſeinerzeit großes
Auf=
ſehen erregte. Wegen verſuchten Verbrechens gegen
die Auswanderungsgeſetze waren angeklagt: der
an=
gebliche Pferdehändler Kiewe Meyer Silberreich,
Kut=
ſcher Moritz Wollerſtein und die Köchin Manja
Ge=
deinska, alle drei aus Ruſſiſch=Polen, ſowie die
Hotel=
beſitzerseheleute Oberländer aus Galizien. Das Urteil
gegen die Angeklagten lautete: gegen Silberreich auf
2½ Jahre Zuchthaus, gegen Wollerſtein auf 2 Jahre
Zuchthaus und je drei Jahre Ehrverluſt und Stellung
unter Polizeiaufſicht, gegen Gedeinska auf ſechs
Mo=
nate Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten
auf die erlittene Unterſuchungshaft. Die angeklagten
Eheleute Oberländer wurden wegen Mangels eines
ausreichenden Beweiſes freigeſprochen. — Das
Ver=
ſchwinden mehrerer Platintiegel aus
dem Reichsverſuchsamt erregt dort peinliches
Aufſehen. Das Inſtitut, das in der Jungfernheide
be=
legen iſt, befaßt ſich mit der Prüfung von
Spreng=
ſtoffen. Seit einiger Zeit ſind dort mehrere Tiegel aus
Platin, die zu Experimenten benutzt wurden, ſpurlos
verſchwunden. Die Angelegenheit iſt der
Kriminal=
polizei in Charlottenburg übergeben worden, deren
Nachforſchungen aber bisher ergebnislos verliefen; ſie
werden beſonders dadurch erſchwert, daß der Zeitpunkt,
ſeit welchem die wertvollen Tiegel aus dem
Reichsver=
ſuchsamt abhanden gekommen ſind, nicht genau
feſt=
ſteht; erſt bei der letzten Beſtandaufnahme wurden ſie
vermißt. — Die Rechtsanwälte Dr. Schwindt und
Dr. Fürle, die Verteidiger der Brüder Louis und
Albert Rademeier, machen folgende
Mitteilun=
gen: Die vor einigen Tagen durch die Preſſe gegangene
Nachricht über das angebliche Geſtändnis ſei in allen
Einzelheiten unzutreffend. Der
Unterſuch=
ungsrichter, Landgerichtsrat Rahner, habe entgegen
jener Meldung am Freitag gegen mittag zum erſten
Male die Unterſuchungsakten in die Hände bekommen.
Er habe weder die Brüder Rademeier, noch den
Zeu=
gen Rieſo vernommen, der angeblich jene belaſtende
Ausſage gemacht haben ſollte. Von einem Geſtändnis
Louis Rademeiers ſei keine Rede. Die Brüder R.
be=
ſtreiten im Gegenteil jede Schuld. Das
Belaſtungs=
material der Kriminalpolizei ruhe vielmehr auf ſo
ſchwachen Füßen, daß die Verteidiger geſtern einen
Antrag auf Haftentlaſſung geſtellt hätten. Die durch
die Zeitungen gegangene Mitteilung, daß ſich die
Brü=
der Rademeier in Geldverlegenheit befunden haben,
entſpreche ebenfalls nicht den Tatſachen. Jener Wechſel,
von dem die Rede war, habe tatſächlich nie exiſtiert.
Albert Rademeier habe in der Abſicht, eine Reſt=
Mit=
giftforderung von 3000 Mark von ſeinem
Schwieger=
vater zu erlangen, dieſem vorgeſpiegelt, er hätte einen
Wechſel zu bezahlen, obwohl eine derartige
Wechſel=
verbindlichkeit tatſächlich gar nicht beſtanden habe. Wie
verlautet, ſoll ſich die Gerichtsbehörde wegen jener
falſchen Mitteilung mit der Kriminalpolizei in
Ver=
bindung geſetzt haben, um den Urheber zu ermitteln.
— Einen frechen Raubüberfall, wenn nicht einen
Raubmordverſuch, verübten heute vormittag zwei 17 Burſchen auf den Küſter Rösner von der Kirche
„Zum guten Hirten” in Friedenau. Sie drangen unter
dem Vorwande, ſich in den Jünglingsverein
aufnehmen zu laſſen, in die Küſterwohnung ein, und
ls der Küſter ihre Perſonalien aufnahm, verſetzte der
eine der Verbrecher ihm mehrere wuchtige Schläge mit
einem Stahlſtock über den Kopf. Der Ueberfallene
konnte noch um Hilfe ſchreien, und nun entflohen die
Burſchen. Sie wurden von Paſſanten verfolgt,
einge=
holt und nach heftiger Gegenwehr überwältigt.
il nehmen. Hilflos ſind ſie dann den lauernden
Ge=
valten der Intrige und Niedertracht anheimgegeben.
hr tieriſch=heißer Blick zieht die Frauen in ihren
ann, läßt die ſenſationsgierigen Koketten
wunder=
ame Tiefen der Leidenſchaft in ihnen ahnen; aber ſie,
ie urwüchſigen Naturmenſchen, vermögen die
entarte=
n Geſchöpfe der Kultur nicht zu feſſeln; ſie werden
ualvoll angelockt und zugleich abgeſtoßen und reiben
ich im entſetzlichen erotiſchen Spiel auf. Wie Nielſen
agel iſt auch der Held von Hamſuns groß angelegtem
ersdrama „Munken Vendt”, das an Brand und Peer
vynt erinnert, aber keinen geſchloſſenen Eindruck
hin=
erläßt, ſolch ein Menſch, der in ewiger Diſſonanz zu
ller Kultur die vollkommene Harmonie mit der
Na=
r ſucht, der den Kampf mit der Welt aufnimmt und
n einem fauſtiſchen Streben ſich bemüht. Die
wun=
ervollſte Geſtaltung aber hat der Typus dieſes „
Edel=
ilden” in dem Leutnant Glahn gefunden, der
Haupt=
igur von Hamſuns unſterblichem Meiſterwerk, dem
koman „Pan”
Dieſes Buch iſt keine realiſtiſche Erzählung,
ſon=
ern ein hinreißender Hymnus in Proſa auf die
errlichkeiten der Natur und die Größe der alten
Nutter Erde. Die Menſchen, die darin auftreten,
er=
heinen faſt urweltlich groß, wie mythiſche Weſen, die
ur zufällig in die Gegenwart hineingeraten ſind.
dieſer Jäger Glahn wird eins mit Himmel und
ſeer, mit Wald und Fels; ſeine Seele ſtrömt hinaus
n das All, und das Leben, das die Welt um ihn
durch=
ebt, flutet in ihn hinein und erfüllt ihn mit
magi=
hen Kräften. Es gibt nicht viele Werke, kaum eines
er modernen Literatur, die mit der Schönheit dieſer
unkenen Naturphantaſien, mit dieſen traumhaft
immernden und dabei doch klar und ſcharf geſchauten
ndſchaftsbildern wetteifern können. Und dieſer
Ur=
enſch, der alle Seligkeiten der Schöpfung ſo ſtark
urchfühlt wie Adam am erſten Weltmorgen, gerät in
e Netze einer kleinſtädtiſchen Kokette, die ihn
beſtän=
g erniedrigt und in ihre engen Kreiſe zieht, die ihn
uält und von der er nicht los kann, obwohl er in der
chmiedstochter Eva das reine Geſchöpf des großen
Pan gefunden, das zu ihm paßt. Dieſer aufreibende
Zwieſpalt, dieſe Unberechenbarkeit ſeines
Tempera=
mentes, das ihn ſtets wieder ins Verderben lockt,
füh=
ren die Kataſtrophe, den Tod Evas und Glahns
Unter=
gang, herbei. Die gleiche düſter=heiße Melodie von
der Liebe auf Leben und Tod, die diesmal das Weib
zum Opfer fordert, tönt durch die wundervolle
Dicht=
ung „Victoria”. Hier ſchwelgt der Lyrismus des
Dichters ebenfalls in großartigen
Landſchaftsſtimmun=
gen, in einer unvergeßlichen Beſeelung der Natur,
die an Gemälde des von Hamſun gefeierten Böcklin
erinnert. Seine Gedichtſammlung „Die wilde Schar”
enthält ähnliche Schilderungen und leidenſchaftliche
Bekenntniſſe in formſchönen Verſen. Doch hat der
Dichter ſeine höchſte poetiſche Wirkung doch wohl in
ſeiner Proſa erreicht. Hamſun, der ſo ganz Lyriker
und Erzähler iſt, hat ſich auch vielfach als Dramatiker
verſucht, aber ohne nachhaltigen Erfolg. So reich auch
ſeine Dramentrilogie „An des Reiches Pforten”, „Das
Spiel des Lebens” und „Abendröte” an tief erlebten
Szenen und poetiſch feinen Stimmungen iſt, es fehlt
doch die ſtarke Reſonanz einer vorwärts drängenden
Handlung, fehlen der geſchloſſene Aufbau, die Klarheit
der Kompoſition, die den intereſſanten, leidenſchaftlich
bewegten Stücken erſt zu einem ſtarken Leben auf der
Bühne verhelfen könnten.
Hamſuns Reiſe nach dem Kaukaſus, die ihn die
ſtets erſehnten Wunder des Orients mit vollen Zügen
trinken ließ und die er in einem prächtig anſchaulichen
Buche geſchildert hat, bildet etwa den Abſchluß ſeiner
Wander= und Werdejahre, leitet zugleich auf eine
Wandlung in ſeinem Schaffen hin, die ſchon in ſeiner
ſtimmungsreichen Wandergeſchichte „Unter dem
Herbſt=
ſtern” deutlich zum Ausdruck kommt. Die hitzige
Par=
teinahme, die leidenſchaftlich bittere, hohnvolle Satire,
der tragiſch düſtere Grundton, ſie weichen einer
objek=
tiveren Weltabſchilderung, einer helleren, fröhlicheren
Auffaſſung des Lebens. So lange er das Daſein unter
dem Geſichtswinkel ſeiner dämoniſch kämpfenden
Hel=
den ſah, die von einem grauſamen Geſchick genarrt,
von furchtbaren, unerforſchlichen Mächten gepeinigt
werden, hatte ſich ihm das Menſchentreiben wie ein
ſpukhaft verzerrter, entſetzlicher Angſttraum
dar=
geſtellt. Nun ſieht er ſich in der Kleinſtadt um, in der
ſeine Waldmenſchen wie in einem Labyrinth der
Qualen herumgeirrt waren, und er findet Intereſſe,
ja künſtleriſches Gefallen an dem bunten Getriebe von
Leidenſchaften und Intriguen. Sein Roman „
Schwär=
mer” bietet in dem unmoraliſchen Pfiffikus
Ro=
landſen eine aus der unheimlichen Traumſtimmung
befreite Fortführung der ſonderbaren
Einſiedler=
geſtalten, aber dieſer erfindende Telegraphiſt, der der
allgemeinen Verachtung verfällt, weil er ſich fälſchlich
des Diebſtahls bezichtigt, iſt ein praktiſcher Menſch,
der zu ſeinem Ziel kommt und die reiche
Kaufmanns=
tochter heimführt. Noch meiſterhafter iſt die realiſtiſche
Charakteriſtik in Hamſuns letztem Roman „Benoni”,
dem die ſchwächere Fortſetzung „Roſa” gefolgt iſt.
Der=
ſelbe Schauplatz tut ſich auf wie im „Pan”, die kleine
Seeſtadt, in der der Großhändler Mack mit der
Bril=
lantnadel im Hemdbuſen die erſte Rolle ſpielt. Aber
diesmal wird kein unheimlicher Fremder eingeführt,
der eine romantiſche Stimmung über alles breitet,
ſon=
dern ein zäher, ſchlauer Emporkömmling läßt uns
durch alle Niedrigkeiten, Tiefen und Gemeinheiten
dieſer menſchlichen Komödie wandern bis zur Höhe
des Erfolges, ja in „Roſa” bis zu einer poetiſchen
Ver=
klärung dieſes engen Daſeins. Hamſun zeigt in
die=
ſem letzten Werke eine Kunſt der Erzählung, einen
Reichtum der Charakterdarſtellung und eine reife
Voll=
endung des Stils, die noch ſo manches Meiſterwerk
aus ſeiner Feder erwarten laſſen. Groß iſt der
Ein=
fluß geweſen, den Hamſun ausgeübt hat. Einer der
erfolgreichſten jüngeren Dichter, Johannes V.
Jen=
ſen, z. B. iſt von ihm ausgegangen und hat den Stil
ſeiner erſten Epoche weiter fortgebildet. In
Deutſch=
land haben mehr als ſein naturaliſtiſches Meiſterwerk
„Hunger” ſeine pantheiſtiſchen Dichtungen auf die
Neuromantiker gewirkt. Sein „Pan” wurde das
Bre=
vier einer ganzen Reihe jüngerer Dichter und iſt in
ſo manchem jüngſtdeutſchen Roman mehr als billig
nachgeahmt worden.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Auguſt 1910.
Nummer 180.
Dann brachten Polizeibeamte beide nach der Wache.
Die Verhafteten, die geſtändig ſind, ſind der 17 Jahre
alte Arbeiter Paul Kanitzki aus der Kaiſerallee 93 in
Friedenau und der ebenfalls 17 Jahre alte
Arbeits=
burſche Willi Loſche aus Steglitz. Beide wohnen bei
den Eltern. Rösner iſt ſchwer verletzt.
Frankfurt, 3. Aug. Vor einigen Tagen lief im
Polizeipräſidium ein an einen
Krimanalbe=
amten adreſſiertes Schreiben ein, das einen
merk=
würdigen Inhalt hatte. Die Ueberſchrift des Briefes
war an die Staatsanwaltſchaft gerichtet. Das
Schrei=
ben enthielt ein Geſtändnis eines gewiſſen Wittig,
der am Sonntag, den 25. Auguſt 1889, den 40jährigen
Techniker Hermann Karl Auguſt Elsner
ermor=
det haben wollte. In der Tat wurde damals am
Montag, den 26. Auguſt, morgens gegen 7 Uhr in dem
Stadtwald zwiſchen dem Park Louiſa und dem
Ober=
forſthaus jener Elsner, der Vorſteher des Hauptbureaus
für die Mainkanaliſation war, tot aufgefunden. Er
hatte Stiche in der Bruſt und im Kopf und war beraubt
worden. Bei der Sektion wurde aus dem Kopfe eine
anderthalb Zentimeter lange Meſſerſpitze
herausge=
meißelt. Dem Ermordeten waren verſchiedene
Effek=
ten, ein Regenſchirm und eine ſilberne Uhr mit Kette,
abgenommen worden. Am Sonntag nachmittag gegen
5 Uhr hatte Elsner ſeine in der Oppenheimer Straße
Nr. 34 gelegene Wohnung verlaſſen, und man
ver=
mutete, daß er im Wald mit einer Dirne
zuſammen=
kam, deren Zuhälter ihn ums Leben brachte. Aus dem
jetzt — nach beinahe 21 Jahren — eingegangenen Brief
geht hervor, daß dieſe Vermutung damals nicht
unrich=
tig war. Der Briefſchreiber gibt nämlich zu, daß er
unter dem Einfluß eines Frauenzimmers handelte, die
mit Elsner ein Liebesverhältnis hatte. Die vor
Jah=
ren geführten polizeilichen Recherchen fielen
ergebnis=
los aus; es wurden mehrere Verhaftungen
vorgenom=
men, die betreffenden Perſonen aber wieder entlaſſen.
Da Elsner mit Dirnen verkehrt haben ſollte, erſtreckten
ſich die Nachforſchungen beſonders auf dieſe Kreiſe.
Auf die Entdeckung des Täters wurden 300 Mark
Be=
lohnung ausgeſetzt. Der Briefſchreiber gibt an, er ſei
ſchwer erkrankt und liege hoffnungslos danieder.
Merkwürdig bleibt dabei, daß der Brief aber von einer
ſicheren Hand geſchrieben iſt. Da der Abſender nur den
Namen genannt, aber ſeine Wohnung nicht bezeichnet
hat, ſo iſt die Polizei auf der Suche nach dem kranken
Herrn Wittig. Dieſer hat ſich vielleicht den Brief
ſchrei=
ben laſſen. Die ganze Geſchichte baſiert womöglich auch
auf falſchen Angaben und iſt fingiert. Es läßt ſich aber
nicht gut denken, daß jemand, der den damaligen Fall
nicht genau kennt und irgendwie mit ihm in
Zuſam=
menhang ſteht, jetzt die ganze Sache auf einmal
auf=
rührt. In dem Schreiben wird übrigens auch der
Name der Dirne angegeben, und außerdem werden
verſchiedene andere Perſonen mehrfacher Straftaten
beſchuldigt.
Von anderer Seite erfährt der Generalanz, noch:
Daß der Brief an die Staatsanwaltſchaft Licht in die
dunkle Affäre bringen werde, dürfte noch ſehr
zweifel=
haft ſein. Zunächſt iſt der Brief mit einer feſten,
kla=
ren Schrift geſchrieben, die nicht darauf hindeutet, daß
der Schreiber auf den Tod erkrankt ſei. Dann trägt
der Brief eine Unterſchrift, die mit dem Namen eines
Mannes identiſch iſt, der vor vielen Jahren einmal in
Frankfurt gewohnt hat, der aber wohl keinesfalls als
Mörder in Betracht kommen dürfte. Die Polizei neigt
vielmehr zu der Anſicht, daß ſich jemand einen
ſchlech=
ten Scherz erlauben wollte, indem er die alte
Sache, die von der Behörde noch keineswegs erledigt
iſt, wieder in Erinnerung brachte. Für die letztere
Annahme ſprechen die ungenauen Angaben in dem
Briefe ſelbſt, die dem wirklichen Mörder doch wohl
ver=
trauter geweſen ſein müſſen.
Wiesbaden, 2. Aug. In einem Baubureau am
Luiſenplatz erſchoß ſich heute nachmittag das 24
jäh=
rige Kontorfräulein Eliſe Fauſt aus Biebrich. Sie
ſtarb kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus.
Der Grund der Tat iſt noch unbekannt.
Straßburg i. Elſ, 2. Aug. Die Mittagsblätter
melden: Geſtern vormittag geriet am Schluſſe einer
Uebung des Pionierbataillons Nr. 16 das letzte
Pon=
ton in einen Strudel. Sergeant Braun,
wel=
cher die Führung hatte, wurde durch die Wucht des
Steuerruders über Bord geworfen. Ein Pionier
wollte ihn erfaſſen und wurde gleichfalls über Bord
geſchlendert. Der Pionier, ein tüchtiger Schwimmer,
konnte ſich retten, während der Sergeant Braun in
den Fluten verſchwand. Das Unglück trug ſich
an der Stelle zu, wo der kleine Rhein abzweigt.
München, 3. Aug. Der Direktor des
Reſidenz=
automats, Köhler, der ſich geſtern abend mit
ſeiner Frau und ſeinem Sohne auf dem Wege von
Partenkirchen nach München im Automobil befand, iſt
bei Holzapfelkreuth ſchwer verunglückt. Frau
Köhler wurde getötet, Köhler ſelbſt ſchwer verletzt.
Koblenz, 3. Aug. Im Rheinland und Weſtfalen
greift unter den Schulkindern die epidemiſche
Haar=
krankheit weiter um ſich. Auch Erwachſene bleiben
von ihr nicht verſchont.
Dortmund, 2. Aug. Wegen ſchwerer
Bilanzver=
ſchleierungen wurde heute abend im Gebäude der
Nie=
derdeutſchen Bank der Direktor der Lünener Bank,
Quantz, verhaftet. Es ergab ſich, daß die
Lüne=
ner Bank total verſchuldet und Bankier Ohm an den
Verſchleierungen beteiligt iſt. Ueber das Vermögen
der Bank wird Konkurs eröffnet.
Borken i. W., 2. Aug. Das hieſige Rathaus
iſt in der Nacht gewaltſam umgeworfen worden.
Die Stadtverordneten hatten vor längerer Zeit
be=
ſchloſſen, das ſehr alte und baufällige Rathaus unter
Erhaltung der Schauſeite und der Lauben
wiederher=
ſtellen zu laſſen. Dieſer Beſchluß war auf Grund des
Gutachtens eines Sachverſtändigen gefaßt worden. Ein
anderer Sachverſtändiger gab darauf aber ſein Urteil
dahin ab, das Rathaus könne jeden Tag
zuſammen=
ſtürzen. Daraufhin hatten die Stadtverordneten ihren
erſten Beſchluß aufgehoben, und, da auch der
Provin=
zialkonſervator gegen den Abbruch Einſpruch erhob,
be=
ſchloſſen, die Frage der Regierung zur Entſcheidung
zu übergeben. Die Regierung ließ den Bau
unter=
ſuchen und entſchloß ſich für die Erhaltung des
Rat=
hauſes in ſeiner alten Geſtalt. Der weitaus größte
Teil der Bürgerſchaft aber wünſchte den Abbruch wegen
der notwendigen Erweiterung des Marktes und der
Freilegung der Pfarrkirche. Plötzlich ſtürzte nun das
Rathaus zuſammen. Daß eine Gewalttat vorliegt,
be=
weiſt der Umſtand, daß die Täter Winden und
Hebe=
bäume auf der Trümmerſtätte zurückgelaſſen haben.
Stettin, 2. Aug. Als geſtern der ſtark beſetzte
Dampfer „Hertha” einer Stettiner
Dampfſchiff=
fahrtsgeſellſchaft, von Saßnitz kommend, Heringsdorf
berührt hatte und ſich Swinemünde näherte, ſchlug eine
von der Swinemünder Hafenbefeſtigung kommende
Granate (!) knapp 200 Meter vor dem Bug des
Dampfers ein und krepierte, in der See eine hohe
Waſ=
ſerſäule auftreibend. Eine Unterſuchung iſt
eingelei=
tet, ob ein Verſehen vorliegt. Der Vorfall hat unter
den Paſſagieren des dichtbeſetzten Dampfers große
Auf=
regung hervorgerufen.
Wien, 3. Aug. Hier erſchoß ſich geſtern die 24
jäh=
rige Frau Prokeſchinsky, als ihr Gatte, ein
Haupt=
mann, und ihre Eltern im Garten mit dem Abendeſſen
auf ſie warteten. Der Hauptmann war über den
Selbſt=
mord ſeiner Frau verzweifelt und machte ſeinem Leben
durch Erhängen ein Ende.
Paris, 3. Aug. Aus Oran wird gemeldet: Von den
bei der Eiſenbahnkataſtrophe bei Tlelat
Verſtorbenen wurden geſtern 13, die nicht identifiziert
werden konnten oder von ihren Angehörigen nicht
reklamiert worden waren, unter Anteilnahme der
Be=
hörden feierlich beſtattet. Nachdem von den
Verwun=
deten noch einer geſtorben iſt, beträgt die Zahl der
Toten nunmehr 25.
Toulon, 2. Aug. Als von einer mit zehn Matroſen
beſetzten Barkaſſe in der Nähe der Inſel St.
Macé=
rithe eine Unterſeemine gehoben wurde,
explo=
dierte dieſelbe. Zwei Matroſen wurden getötet,
einer tödlich und mehrere leicht verletzt.
London, 3. Aug. Als die Kaiſerjacht MMeteor”
die zur Teilnahme an der Wettfahrt um den Pokal
des Königs in Cowes eingetroffen war, geſtern in
Erwartung des Startſignals kreuzte, zerriß ihr
Großſegel, ſodaß ſie ausſcheiden mußte.
Petersburg, 2. Aug. Wie die Birſhewia meldet,
iſt in der Nähe von Nikolajew eine große Anzahl von
Fiſcherbooten vom Taifun gekentert worden. 200
Fiſcher ertranken.
Kronſtadt, 2. Aug. Durch eine
Keſſelexplo=
ſion wurden an Bord eines Torpedobootes ſechs
Mann getötet und 14 verwundet.
29. Kreisturnfeſt des IX. Kreiſes (Mittelrhein)
deutſcher Turnerſchaft.
W. Dienstag früh 7 Uhr begann in Kreuznach das
Wettfechten, um 9 Uhr erfolgte das Wettſchwimmen.
Nach=
mittags 3 Uhr fand Wettringen in zwei Gruppen
(Gruppe 1: Sechs= und Dreikämpfer, Gruppe 2:
Nichtwett=
turner) ſtatt. Bei der Verkündigung der Sieger erhielten
Preiſe: a) Fechten: 1. Preis: Sommer, Tv. Frankfurt;
2. Preis: Janſſen, Tv. Offenbach; 3. Preis: Kraft, Tv.
Frankfurt. b) Schwimmen: 1. Preis: Nikoley, Tv.
Frank=
furt; 2. Preis: Weinberg, Tv. Frankfurt; 3. Preis: Maurer,
Turnerſchaft St. Johann. Von den Darmſtäd er
Tur=
nern: Gg. Grohe, Tgd. Darmſtadt, 6. Preis, und R.
Werner, Tgſ. Darmſtadt, 11. Preis. a) Ringen:
Gruppe 1: 1. Preis: Wilhelm, Tgſ. Sachſenhauſen;
2. Preis: Müller, Tv. Sachſenhauſen. Gruppe 2: 1. Preis:
Julius Joſeph, Tgd. Darmſtadt. Von 6 Uhr abends
ab kamen die Kreuznacher Turnvereine mit
Sondervorfüh=
rungen zu ihrem Recht. Ferner bildeten Muſikvorträge
und gemeinſchaftliche Lieder das weitere Programm des
Abends. Geſtern, Mittwoch, begannen am Vormittag die
Turnfahrten, woran ſich eine größere Anzahl Turner
betei=
ligte; nachmittags waren Schülerwetturnen,
Schülerwett=
ſchwimmen und am Abend Konzert und turneriſche
Auf=
führungen vorgeſehen.
Sport.
* Nationale Olympiſche Spiele des „
Darm=
ſtädter Sportklubs 1905‟ Man ſchreibt uns: Zu den am
Sonntag, den 7. Auguſt, auf dem Sportplatz an der
Wind=
mühle ſtattfindenden leichtathletiſchen Wettkämpfen ſind
aus allen Teilen des Reiches zahlreiche Meldungen
ein=
gegangen. Beſonders ſtark wird Süddeutſchland vertreten
ſein, deſſen erſte Klaſſe ſich an dieſem Tage in ſpannenden,
hochintereſſanten Kämpfen um die in 18 Konkurrenzen zur
Verteilung gelangenden Ehrenpreiſe meſſen wird. Unſere
beſten Einheimiſchen werden alles aufbieten müſſen, um
mit Erfolg zu beſtehen. Der Vorverkauf der Karten hat
bereits im Verkehrsbueau begonnen. Alles Nähere durch
Plakate und Anzeigen.
sch. Das Hamburger Meiſterſchafts=
Schachturnier wurde mit der zwölften Runde
fortgeſetzt. Es ſiegten Schlechter gegen Leonhard,
Spielmann gegen Salwe, Köhnlein gegen Speyer, John
gegen Yates, Tarraſch gegen Alechin, während die
Partien Fleiſchmann gegen Teichmann und
Niemzo=
witſch gegen Tartakower remis ergaben. Die Partie
Marſhal=Duras blieb unbeendet und die Hängepartie
Spielmann=Tartakower gewann Spielmann. Schlechter
hat zurzeit wieder mit 9 Punkten die alleinige
Füh=
rung vor Niemzowitſch mit 8½ und Spielmann mit
7½ Punkten.
Luftſchiffahrt.
Mit der Flugmaſchine über die Alpen.
ck. Die Vorarbeiten zu der Ausführung des kühnen
Planes, mit der Flugmaſchine die Alpen zu überqueren,
ſind von den Italienern bereits begonnen, und allem
An=
ſchein nach wird das Wagnis in der zweiten Hälfte des
Septembers ſtattfinden. Die Societa Italiana
d’Avia=
zione hat gemeinſam mit einer Kommiſſion des
italieni=
ſchen Touring Club die Organiſation des Wettfluges
ein=
geleitet, und König Viktor Emanuel hat das Protektorat
übernommen. Die genaue Route, die die Flieger
einzu=
ſchlagen haben, iſt feſtgeſetzt. Der Flug beginnt bei Brieg
im Rhonetal an der Mündung des Simplon=Tunnels und
ſoll geraden Weges über der Schlucht des Saltine bis
zum Simplon=Hoſpiz führen; von hier ab folgen die
Avia=
tiker der Simplonſtraße bis nach Algaby und ſchwenken
dann durch die felszerklüftete Gondoſchlucht über Gondo
und Iſelle nach Oſten, um dann, der Heerſtraße folgend,
bei Varzo nach Süden einzubiegen, und der lombardiſchen
Ebene zuzuſtreben. Die Löſung der Aufgabe wird die
Flie=
ger vorausſichtlich zwingen, von vornherein zu
außeror=
dentlichen Höhen aufzuſteigen und ſich dadurch von den
wechſelnden Windungen der Täler möglichſt unabhängig
zu machen. Es wird darauf ankommen, gleich vor dem
Brieger Bergkomplex zu 2100 Meter Höhe aufzuſteigen, um
dann der Talrichtung zu folgen. Das Hoſpiz, das in 2001
Meter Höhe liegt, wird dann einen ausgezeichneten
Weg=
weiſer abgeben, da es aus ſolcher Höhe weithin ſichtbar
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Bei den Rektorats= und Dekanatswahlen der
Berliner Univerſität wurde als Rektor Magnifieus
für das nächſte Rektoratsjahr der ausgezeichnete
Phy=
ſiologe Geheimer Medizinalrat Profeſſor Dr.
Rub=
ner gewählt. Er wird der 101. Rektor der Berliner
Univerſität und der 17. unter denjenigen, die die
medi=
ziniſche Fakultät zum Vertreter der höchſten
akademi=
ſchen Würde ſtellt. Zu Dekanen wurden gewählt von
den Theologen Profeſſor Dr. Adolf Deißmann, der
Dirigent der neuteſtamentlichen Abteilung des
theolo=
giſchen Seminars; von den Juriſten Geh. Juſtizrat
Profeſſor Dr. Franz v. Liſzt, der Direktor des
kri=
minaliſtiſchen Seminars von den Medizinern Geh.
Rat Profeſſor Dr. Ziehen, der Direktor der Klinik
für pſychiſche und Nervenkrankheiten; von den
Philo=
ſophen der Hiſtoriker Profeſſor Dr. Eduard Meyer.
* Das Eſperanto und die Flieger. Zu
Vorbildung des modernen Flugtechnikers gehört neue
dings auch die Beherrſchung des Eſperanto. In ſeine
Fliegerſchule in Mourmelon=le=Grand hat Farm
über ſeinem Schuppen eine Eſperantoflagge gehißt, ur
allabendlich, wenn nach getaner Arbeit ſeine Schül
zuſammenkommen, lehrt er ſie die neue Weltſprach
Effimoff, van den Vorn und Frau Frank, die Frar
zoſen, die Engländer, Holländer, Ruſſen und Deutſcher
die in Mourmelon lernen, ſprechen alle Eſperanto, ur
das babyloniſche Sprachgewirr, das ſonſt auf dem
Flu=
platze herrſchte, iſt zu Ende. In Paris beſchäftigt ma
ſich jetzt mit dem Plane, die Erteilung des Fli
diplomes von der Beherrſchung der Eſperantoſprach
mit abhängig zu machen; nur, wer die neue Weltſprach
ſpricht, wird zum Examen zugelaſſen und kann de
Diplom des franzöſiſchen Aeroklub erhalten.
CK. Eine einzigartige Papyrusur
kunde iſt in den Beſitz der Berliner Papyrusſamt
lung gelangt, unter deren reichen Beſtänden ſie ebenf
wenig ihresgleichen findet, wie unter denen der große
auswärtigen Sammlungen. Das wichtige Dokumen
das zugleich mit einer größeren Anzahl anderer gri
chiſcher Papyrusurkunden römiſcher Zeit in der Pr
vinz Fajun, dem alten arſinoitiſchen Gau, gefund
wurde, iſt eine Originalausfertigung aus der Stat
halterkanzlei, während alle bisher ans Licht getretene
amtlichen Schriftſtücke, die aus der Kanzlei des Statt
halters kamen, nur Kopien waren. Ueber die
Bedeut=
ung dieſes Dokuments für die Papyrusforſchung macht
Fr. Zucker in den Amtlichen Berichten aus den
König=
lichen Kunſtſammlungen nähere Mitteilungen: Die
Urkunde zeigt nämlich in der Ausſtattung des
Papy=
rusblattes, in der Anwendung der von der Kurſiv= wie
von der Buchſchrift abweichenden Kanzleiſchrift, in der
ſorgfältigen Beobachtung der äußeren Form ſtark
her=
vortretende Beſonderheiten gegenüber den Kopien und
anderen der Korreſpondenz der untergeordneten
Ver=
waltungen angehörenden Stücken. Sie gewährt
zu=
gleich einen intereſſanten Einblick in die ägyptiſche
Verwaltung der römiſchen Kaiſerzeit. Der Statthalter
Subatianus Aquila, der ſich durch ſeine
Chriſtenver=
folgungen einen ſchlimmen Ruf gemacht hat, teilt dem
Theon, dem Chef der Verwaltung des arſinoitiſchen
Gaues, mit, daß er einen zu fünfjähriger Zwangsarbeit
im Alabaſterbruch verurteilten Sträfling, deſſen Zeit
abgelaufen iſt, nunmehr entläßt. Der Wortlaut des
vom 27. Dezember 209 m. Chr. ausgefertigten
Doku=
ments iſt folgender: „Subatianus Aquila an Theen,
Strategen des arſinoitiſchen Gaues, Gruß. Den Niger,
Sohn des Papirius, der von Claudius Julianus,
vir perfectiſſimus, zu fünf Jahren Zwangsarbeit im
Alabaſterbruch verurteilt worden war, laſſe ich frei,
da ſeine Strafzeit abgelaufen iſt. — Ich wünſche Dir
Wohlergehen. Geleſen: Mauricianus Maenius. Im
18. Jahr der Herrſcher, der Cäſaren Lucius Sentimus
Severus des Frommen, Pertinax des Großen, des
Sie=
gers über die Araber, Adiabener und Parther, und des
Marcus Aurelius Antonius des Frommen, der
bei=
den Auguſti, am erſten Tag des Monats Tybi.‟ Die
Anfangsadreſſe und der Hauptteil der Urkunde iſt von
einem Kanzliſten in ſehr ſorgfältiger Schrift
ausge=
führt, während die Schlußformel in kleinen,
unregel=
mäßigen, höchſt flüchtigen Zügen wohl von der Hand
des Statthalters ſelbſt herrührt. Das an den unteren
Rand des Blattes geſetzte Datum iſt wieder von einem
anderen Bureaubeamten geſchrieben. Den Vermerk:
„Geleſen” hat der Chef der Statthalterkanzlei
hinzu=
gefügt, durch deſſen Hand alle ausgefertigten
Schrift=
ſtücke gingen. Die Verurteilung zu Zwangsarbeit in
Bergwerken und Steinbrüchen war die ſchwerſte Strafe
nach der Todesſtrafe, und wurde meiſtens auf
Lebens=
zeit verhängt. Die zu zeitweiſer Zwangsarbeit
Ver=
urteilten wurden milder behandelt, trugen zum
Bei=
ſpiel leichtere Feſſeln. Im allgemeinen aber war das
Los dieſer Strafgefangenen das grauſamſte und
furchtbarſte. Eine lebendige Vorſtellung davon gibt
ein wenige Jahrzehnte nach unſerer Urkunde
ge=
ſchriebener Brief des Biſchofs Cyprian von Karthago,
den er während der Verfolgung unter Kaiſer
Vale=
rian an die in den numidiſchen Steinbrüchen
arbei=
tenden Chriſten richtete, um ſie in ihren Qualen zu
tröſten. Die Verurteilten, denen man das Haupthaar
halb geſchoren hatte, waren durch Ketten und
Fuß=
feſſeln zuſammengeſchmiedet, ungenügend gekleidet,
aufs kümmerlichſte genährt, dem Elend und dem
Schmutz preisgegeben. Als Verbrechen, auf die
Berg=
werksſtrafe geſetzt war, erſcheinen in dem von dem
großen Juriſten Paulus verfaßten Abriß des
Kri=
minalrechts: Tempelraub bei Tage, Brandſtiftung an
der Ernte, Verabreichung von Liebestränken, Verrat
von Urkunden. Eines derartigen Verbrechens muß
ſich alſo Niger, der Sohn des Papirius, ſchuldig
ge=
macht haben, von deſſen Freilaſſung wir durch dieſe
intereſſante Urkunde hören.
Kleines Feuilleton.
* Von der Unbeliebtheit des neuen
25=Pfennigſtückes wird von vielen Seiten
be=
richtet. Hierzu ſchreibt ein Leſer: „Wie kann man nur
von der Unbeliebtheit eines neuen Geldſtückes
ſpre=
chen, wenn der größere Teil des Volkes überhaupt noch
keins geſehen hat? Schreiber dieſes ſah erſt einmal
ein neues 25=Pfennigſtück bei einem Bekannten, der
es wie eine ſeltene Münze als Heiligtum aufbewahrt.
Daß die großen Kaſſen, Banken, Kapitaliſten uſw. die
neue Geldmünze wie alles andere „Kleingeld” nicht
ſonderlich beachten, iſt doch ganz natürlich. Die Münze
muß nur in diejenigen Kreiſe des Volkes gelangen
können, die ein Bedürfnis dafür haben, wie Arbeiter,
kleine Geſchäftsleute, Handwerker, Landwirte und
Ar=
beitgeber aller Art. Man ſuche nur erſt einmal die
neuen 25=Pfennigſtücke unter die Leute zu bringen, die
das Kleingeld brauchen können, ehe es die Großbanken,
Kapitaliſten uſw. wieder zur Reichsbank zurückfließen
laſſen.”
* Bienen im Konzertſaal. Das Repertoire
einer bedeutenden Klaviervirtuoſin, Fräulein
Marga=
rete Nécom in Hannover, weiſt ein beliebtes
Vortrags=
ſtück von Th. Dubois auf, betitelt „Les Abeilles‟ (Die
Bienen), das einen Teil der „Poémes Virgiliens”
dar=
ſtellt. Schon im Altertum ſchätzte man, wie allgemein
bekannt, den Honig als Nahrungsmittel, und der
Nummer 180.
Seite F.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Auguſt 1910.
ſein muß. Unterhalb des alten Hoſpizes liegen auf den
Berghöhen genügend ebene Flächen, die Gelegenheit zur
Landung bieten würden. Von hierab werden die Flieger
ihre Höhen langſam verringern können; ſchwierig wird
das Gelände dann in der Nähe von Algaby und Iſelle, wo
das Tal Schluchtencharakter annimmt und Landungen
ge=
fahrvoll wären. Bei Algaby würden die Aviatiker in etwa
1250 Meter Höhe fliegen müſſen, dann aber wieder
auf=
ſteigen und bei Gondo 1700 Meter erreichen müſſen, wenn
ſie von den ſchroffen Gebirgsformationen in ihrer
Bewe=
gungsfreiheit nicht gehindert werden wollen. Den
Teil=
nehmern des Wettfluges wird es ſelbſtverſtändlich
frei=
ſtehen, die Höhe ihres Fluges ſelbſt zu wählen; ſie können
alſo auch in die Täler hinabſteigen; in dieſem Falle
wür=
den ſie freilich auf längere Strecken die
Landungsmöglich=
keiten auf ein Minimum reduzieren, während der
Avia=
tiker bei dem Höhenflug immerhin die Möglichkeit hätte,
auf den Bergen für den Notfall einen Landungsplatz zu
finden. Die Orientierung der Flieger wird immerhin durch
die Tatſache erſchwert, daß nach den bisherigen
meteoro=
logiſchen Beobachtungen gerade im September Wolken=
und Nebelbildungen häufig ſind, die ſowohl die Berggipfel
als auch den Ausblick auf die unten liegenden Täler
ver=
hüllen. Trotzdem wird die lange weiße Linie der
Sim=
plonſtraße auf dem erſten Teil der Strecke einen bequemen
Wegweiſer bilden; ſpäter werden der Lago Maggiore und
der Vareſer See ſichere Orientierungspunkte abgeben. Das
Komitee hat jedoch beſchloſſen, auf der Strecke in
Abſtän=
den von 2—3 Klm. noch weitere Hilfsmittel der
Orien=
tierung in Form von großen rotweißen Streifen
anzu=
bringen, die aus den Höhen am beſten wahrgenommen
werden können. Die Meldungen zu dem Wettflug ſind
ſehr zahlreich; das Komitee nimmt jedoch nur Aviatiker
an, die bisher Höhenflüge von mindeſtens tauſend Metern
geleiſtet haben.
sr. Ein Verbot der Ueberlandflüge von
Aeroplanen in der Provinz Brandenburg ſteht
unmittelbar bevor, und zwar wird eine Verordnung
des Oberpräſidenten der Provinz Brandenburg
ange=
kündigt, in der Ueberlandflüge von Aeroplanen mit
Ordnungsſtrafen bis zu 60 Mark bedroht werden. Auf
Freiballons und lenkbare Luftſchiffe bezieht ſich dieſe
Verfügung, die im weſentlichen zum Schutze des
Publi=
kums erlaſſen wird, natürlich nicht.
sr. Bei dem belgiſchen Flugmeeting
von Stockel wurden in den letzten Tagen glänzende
Höhenflüge erzielt. Zunächſt erreichte Olieslagers mit
einem Blériotapparat die Höhe von 1525 Meter.
Be=
reits am nächſten Tage wurde dieſe Leiſtung aber von
Tych überboten, der nach den Aufzeichnungen der
mit=
geführten Regiſtrierapparate eine Höhe von 1700 Meter
erreichte.
* Die franzöſiſche Flugkünſtlerin Madame
Frank, die jüngſt den Kanal zu überfliegen
ver=
ſuchte, iſt, wie gemeldet, in Sunderland abgeſtürzt.
Etwa 7000 Perſonen wohnten dem Aufſtieg der
Fran=
zöſin jüngſt auf dem Rennplatze von
Sunder=
land bei. Der tagsüber wehende böige Wind hatte ſich
gelegt. Madame Frank erſchien in blauen Kniehoſen
und weißem Sweater, beſtieg ihren Farman=Zweidecker
und erhob ſich in leichtem Fluge in die Lüfte. Als die
Menge die Geſchicklichkeit ſah, mit der ſie den Apparat
lenkte, brach ſie in Hochrufe aus und die Kapelle begann
die Marſeillaiſe zu ſpielen. Bereits hatte Madame
Frank mehrere Runden zurückgelegt, als beim
Nieder=
gehen der rechte Flügel ihrer Maſchine einen
hohen Fahnenmaſt ſtreifte. Ein Ruck, der
Zweidecker kippte und ſtürzte zu Boden. Gerade an
dem Fahnenmaſt befanden ſich Hunderte von Kindern,
die der Flugkünſtlerin zuſchauten. Als ſie über ſich
den Apparat anhalten und plötzlich zur Erde fallen
ſahen, ſtoben ſie in wildem Gedränge auseinander.
Doch für viele war eine Rettung unmöglich. Der
Zweidecker ſauſte nieder und begrub zahlreiche der
Kleinen unter ſich. Ein 11jähriger Knabe wurde vom
Motor ſofort erſchlagen. Andere Kinder wurden von
dem Flügel und Drahtteilen des Apparates verletzt.
Madame Frank gelang es im letzten Augenblick, den
Führerſitz zu verlaſſen, ſo daß ſie nicht unter den Motor
zu liegen kam. Sie zog ſich einen doppelten Bruch
des Oberſchenkels ſowie Hautabſchürfungen und
Schnittwunden im Geſicht zu.
römiſche Dichter Virgil hat der Imkerei in ſeiner
Ge=
dichtſammlung Georgica ausführlich Erwähnung getan.
Die beigegebene programmatiſche Erläuterung des
gefälligen Konzertſtückes lautet: „Les abeilles
par-
courent les bocages et les buissons, butinent sur les
fleurs pourprées et rasent, légéres, la surface des eaux‟
(Die Bienen durcheilen die Gebüſche und Sträucher,
ſammeln Honig aus purpurnen Blüten und ſtreifen
leicht den Spiegel der Gewäſſer), was der geniale
Kom=
poniſt vortrefflich zu illuſtrieren verſtanden hat. Aber
auch die Interpretin dieſes charakteriſtiſchen
Konzert=
ſtückes beſitzt ſicherlich eine poeſievolle Empfänglichkeit
für das luſtige Treiben der Bienen in Buſch und Hain
und hat vielleicht gar ſelbſt in der bienenreichen
Pro=
vinz Hannover mit der nahen Lüneburger Heide
Natur=
ſtudien angeſtellt, ſonſt wäre ihr die Wiedergabe des
reizenden Klavierſtückes nicht ſo prächtig gelungen,
denn es wird darüber berichtet: „Wie ein weicher
Frühlingshauch ging es durch den Saal, als die
lieb=
lichen Weiſen des „Les Abeilles” von Dubois ertönten.
Dies Stück war wohl das beſte von allen. Das war
ein Schwelgen und Laufen und Trillern. Verblüffende
Technik, leichter Anſchlag und herrliche Tongebung
zeichneten den Vortrag dieſes Stückes aus, für den die
Künſtlerin reichſten Beifall erntete.”
* Ein vergeßlicher Standesbeamter.
Eine Frau mit drei Männern hat man in Buenos
Aires entdeckt. Sie heißt Roſario Flores, und ihre
erſte Hochzeit wurde am 30. April 1891 in Lobos
ge=
feiert. Am 9. Mai 1900 heiratete ſie, wieder in Lobos,
einen zweiten Mann, obwohl ihr erſter Gatte noch lebte
und obwohl ſie von ihm nicht geſchieden war; und unter
eben ſolchen Umſtänden heiratete ſie am 12. September
1905 als dritten Mann einen Herrn Domenico Turba.
Alle drei Eheſchließungen — und das iſt das
Merkwür=
digſte an der Sache — fanden vor ein und demſelben
Standesbeamten, dem Notar Raffaele Acevedo, ſtatt.
Die Frau lebte nun ganz glücklich mit dem dritten
Gat=
ten, dem ſie ſich als Witwe vorgeſtellt hatte. Herr
Turba ſah ſich aber jetzt, nach fünfjähriger Ehe, in arge
Verlegenheit gebracht, da ſich eines ſchönen Tages ſeine
beiden Vorgänger, die beide rechtmäßige Männer
ſei=
ner Frau ſind, bei ihm einfanden, um je ein Drittel
von ſeiner beſſeren Hälfte zu beanſpruchen. Der Gatte
Nummer 3 wurde darob ſo entrüſtet, daß er ſofort zum
Kadi ging, um ſeine Frau wegen Trigamie zur
An=
zeige zu bringen. Sie wurde in Haft genommen, und
mit ihr wurde auch der merkwürdige Standesbeamte
verhaftet.
* Metz, 2. Aug. Der Flugtechniker
Schüpphaus aus Queuleu bei Metz unternahm
geſtern nachmittag bei der Luftſchiffhalle mit ſeinem
nach eigenen Plänen erbauten Eindecker in
Gegen=
wart mehrerer höherer Militärperſonen
Fahrtver=
ſuche, um ſpäter zu Flugverſuchen überzugehen. Sechs
Soldaten hielten dabei den Apparat am Boden feſt,
der mit größer Schnelligkeit dahinfuhr. Plötzlich
wurde vor dem Apparat ein mit mehreren Perſonen
beſetztes Fuhrwerk bemerkt. Ein Zuſammenſtoß
wurde nur dadurch verhütet, daß Schüpphaus ſofort
ſeinen Motor ſtoppte und den Apparat zum Stehen
brachte. Dabei fielen die ihn haltenden Soldaten auf
den hinteren Teil der Flugmaſchine, der abbrach.
* München, 2. Aug. „Parſeval VI” kam
6¼ Uhr über München in Sicht und landete 6½
Uhr glatt auf dem Flugplatze. Wie Oberleutnant
Stelling mitteilte, hatten heftige Böen die Abfahrt bis
9 Uhr vormittags verzögert. Dadurch war die
Zwi=
ſchenlandung bei Köfering notwendig geworden. Das
Luftſchiff benutzte die ruhigeren Abendſtunden zur
Weiterfahrt nach München. Die Fahrt verlief ohne
Zwiſchenfall. Als das Luftſchiff über der
Landungs=
ſtelle erſchien, machte es die übliche Schleife, um
nie=
derzugehen, geriet aber außerhalb der Landungsſtelle.
Nachdem es Ballaſt abgegeben hatte, erhob es ſich
wie=
der, um nun in einer Spirale auf dem engen
Flug=
platz niederzugehen. Der Ballon wurde ſofort nach
ſeiner Ankunft in die Halle gebracht, da Gewitter
drohten.
Arbeiterbewegungen.
* Hamburg, 2. Aug. Die hieſige
Verwal=
tungsſtelle des Deutſchen
Metallarbei=
terverbandes richtete an die Hamburger Werften
und an die Reedereien mit eigenen
Reparaturwerk=
ſtätten die Forderung um Einführung einer
einſtün=
digen und Samstags einer zweiſtündigen Verkürzung
der Arbeitszeit. Ferner wird verlangt eine erhebliche
Lohnaufbeſſerung, die Einführung feſter
Einſtellungs=
löhne für die einzelnen Berufe und die Zuſicherung
eines Mindeſtverdienſtes von 33½ Prozent bei
Akkord=
arbeiten. Der Verein deutſcher Seeſchiffswerften, dem
die Reedereien ſich hierin anſchließen, lehnte die
Forde=
rungen ab, erklärte ſich jedoch bereit, in eine
Be=
ſprechung einzutreten.
* Enſchede, 3. Aug. Die am 1. Juli infolge des
Beſchluſſes der Unternehmer der Baumwollinduſtrie
begonnene Arbeiterausſperrung wurde jetzt
vollſtändig durchgeführt. Sie ſoll aufrecht erhalten
bleiben, bis eine Einigung zwiſchen den Verbänden der
Arbeitgeber und der Arbeitnehmer erzielt iſt.
* Paris, 2. Aug. Unter den Angeſtellten
der Apotheken iſt eine Bewegung im Gange, den
Geſchäftsſchluß für abends 9 Uhr durchzuſetzen. Die
Mehrzahl der Apothekenbeſitzer hat dieſe Forderung
bereits bewilligt, einige Geſchäfte aber leiſten
energi=
ſchen Widerſtand. Dieſe letzteren wurden heute nacht
gewaltſam angegriffen und nicht unbedeutender
Scha=
den angerichtet. Die Polizei mußte eingreifen und
mehrere Verhaftungen vornehmen.
* Paris, 3. Aug. Die Delegierten der
Ange=
ſtellten und Arbeiter der Pariſer
Untergrund=
bahn Metropolitain werden heute vormittag von der
Direktion empfangen werden, um dieſer ihre
Forder=
ungen zu unterbreiten. Für die kommende Nacht iſt
eine allgemeine Verſammlung der Arbeiter
anbe=
raumt worden, um die Antwort der Direktion
ent=
gegenzunehmen.
* Ottawa, 3. Aug. Der Ausſtand auf der
Grand Trunk Railway iſt nach den
Vermittel=
ungsvorſchlägen der Regierung durch ein Kompromiß
zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beigelegt
worden.
* Mancheſter INew=Hampfhire), 3. Aug. 17
Baumwollſpinnereien der Amoske Corporation
ſchlie=
ßen am 26. Auguſt bis 12. September ihre Betriebe
zwecks Fabrikationseinſchränkungen. 16000
Arbei=
ter werden betroffen.
Unwetter.
* Paris, 3. Aug. Die Seine iſt geſtern bei
der Auſterlitzbrücke um 30 Zentimeter geſtiegen;
es wird erwartet, daß das Steigen des Fluſſes noch
bis Freitag andauern wird.
* Paris, 2. Aug. An der Küſte des Atlantiſchen
Ozeans wütet ein heftiger Sturm. Bisher
wur=
den der Seepräfektur zwei Schiffbrüche gemeldet,
bei denen mehrere Perſonen ertrunken ſind.
* Kriſtiania, 3. Aug. Auf der Kroeter
Eiſen=
bahn in Norwegen brachen geſtern früh die
Schie=
nen, die infolge der wolkenbruchartigen
Regen=
güſſe unterſpült waren, unter einem aus Vickeſund
kommenden Güterzuge zuſammen. Der Zug fiel die
meterhohe Böſchung hinab. Zwei Bahnbeamte
wur=
den getötet, der Lokomotivführer und der Heizer
er=
litten lebensgefährliche Verletzungen. Auf mehreren
anderen Eiſenbahnlinien mußte der Verkehr ganz
eingeſtellt werden.
Literariſches.
— „Friedrich Norbert” Roman von Michgel
Gruſemann. Preis eleg. broſch. 3 Mark, geb. 4 Mark.
Verlag Neues Leben, Wilhelm Borngräber, Berlin W.
Dieſer humoriſtiſch=ſatiriſche Roman eines deutſch=
ruſſi=
ſchen Dichters ſchildert in lebendigſter Form die Geſchichte
einer „Badebekanntſchaft”. Der Held iſt ein Berliner
Lebe=
mann und hartgeſottener Junggeſelle. Die Charaktere ſind
gut gezeichnet. Ein zarter Lyrismus weht faſt aus jeder
Seite dem Leſer entgegen. Anmutig iſt das „Märchen von
dem weiſen König”, der feſtſtellen wollte, ob denn wirklich
für jedes Mädchen ein Jüngling zur Welt kommt, ihm zum
Manne beſtimmt. Ebenſo iſt die Unterhaltung des
Mon=
des mit dem Meere zart und anmutig wiedergegeben. Die
Schilderung des geſellſchaftlichen Treibens iſt vortrefflich.
Drei Faktoren: Humor, Satire und Geſtaltungskraft, ſind
in künſtleriſcher Form vereint.
Der Kaiſer in Stettin.
* Swinemünde, 3. Aug. Heute früh ließ ſich der
Kaiſer von Bord der „Hohenzollern” zum „Sleipner”
berſetzen, der nach Hiſſung der Kaiſerſtandarte und
unter dem Salut der Feſtung nach Stettin abfuhr.
Das Publikum brachte dem Kaiſer lebhafte
Abſchieds=
grüße dar. Die „Hohenzollern” und die „Stettin”
zingen unmittelbar nach Abfahrt des „Sleipner” nach
Kiel in See. Das Wetter iſt ſchön.
* Stettin, 3. Aug. Der Kaiſer traf um 10 Uhr
auf dem „Sleipner” vor der Hallenterraſſe ein. Am
Landungsſteg erwartete Prinz Eitel Friedrich, der
hier angekommen war, ſeinen kaiſerlichen Vater;
fer=
ner waren Oberpräſident Freiherr v. Maltzahn und
der Polizeipräſident v. Wuthenau zugegen. Der Kaiſer
beſtieg am Bollwerk mit dem Prinzen Eitel Friedrich
ein Automobil, um ſich nach dem Exerzierplatz in
Kre=
kow zu begeben. Bei der Vorbeifahrt des Kaiſers
brach das zahlreiche Publikum in lebhafte
Hochrufe=
aus. Das Wetter iſt ſchön, döch ſehr ſchwül.
* Kreckow bei Stettin, 3. Aug. Das
Grena=
dier Regiment König Friedrich
Wil=
helm IV., 1. Pommerſches Nr. 2, hatte unter
Führ=
ung des Kömmandeurs, Oberſten Dickhuth,
desſel=
ben, welcher als Gaſt des Kaiſers bei der
Nordland=
reiſe war, auf dem großen Exerzierplatz zur
Beſich=
tigung in Linie Aufſtellung genommen, die
Maſchinen=
gewehrkompagnie auf dem linken Flügel. Die
direk=
ten Vorgeſetzten vön dem Regiment mit dem
komman=
dierenden General v. Linſingen an der Spitze waren
anweſend. Das Publikum hielt die Umgebung des
Platzes beſetzt. Zugegen waren ferner die Gemahlin
des kommandierenden Generals, Oberpräſident Frhr.
v. Maltzahn mit Gemahlin, Oberbürgermeiſter Dr.
Ackermann mit Gemahlin und die Damen des
Re=
giments. Um 10½ Uhr erſchienen der Kaiſer,
wel=
cher die Uniform des Regiments trug, Prinz Eitel
Friedrich, welcher à la suite des Regiments ſteht,
und das Gefolge im Automobil und ſtiegen auf dem
Exerzierplatz zu Pferde. Nach Entgegennahme des
Frontrapports ritt der Kaiſer die Front des Regiments
ab und nahm bei dem Gedenkſtein Aufſtellung, welcher
den Platz anzeigt, wo Kaiſer Wilhelm der Große die
letzte Heerſchau hielt. Der Kaiſer nahm drei
Parade=
märſche des Regiments, in Zugkolonne, in
Kompag=
niefrönten und in Regimentskolonne, entgegen. Prinz
Eitel Friedrich defilierte jedesmal mit dem Regiment.
Nach der Kritik ſetzte ſich der Kaiſer an die Spitze des
Regiments und führte dies zur Stadt zurück. In den
Straßen von Stettin, durch die der Kaiſer das
Regi=
ment führte, hatten ſich große Menſchenmengen
ange=
ſammelt. Die Fenſter und Dächer der Häuſer waren
dicht beſetzt. Das Publikum brachte dem Kaiſer
an=
dauernd begeiſterte Kundgebungen dar, für die der
Monarch auf das herzlichſte dankte. Auf dem Wege
bildeten die übrigen Truppen Spalier, auch Vereine
hatten Aufſtellung genommen. Um 12 Uhr machte der
Kaiſer an der Nordſpitze der Buggenhagenkirche Halt
und ließ hier das Regiment noch einmal in Sektionen
vorbeimarſchieren. Hiernach nahm der Kaiſer das
Frühſtück bei dem Offizierskorps des Grenadier=
Regi=
ments König Friedrich Wilhelm IV. ein. Der Kaiſer
verlieh dem Oberſten Dickhuth den Königlichen
Kro=
nenorden zweiter Klaſſe.
* Stettin, 3. Aug. Bei der Frühſtückstafel
im Offizierskaſino brachte der Kaiſer einen
Trink=
ſpruch auf das Regiment aus, auf welchen Oberſt
Dickhuth erwiderte. Der Kaiſer und Prinz Eitel
Friedrich reiſten etwas ſpäter als vorgeſehen, um
2 Uhr 15 Minuten, mit Sonderzug von dem hieſigen
Bahnhof nach Berlin. Zur Verabſchiedung auf dem
Bahnſteig waren der Oberpräſident und der
Polizei=
präſident erſchienen. Das Publikum bereitete dem
Kaiſer lebhafte Ovationen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 3. Aug. Die Kaiſerin iſt heute früh
hier eingetroffen und begab ſich ins königliche Schloß.
* Berlin, 3. Aug. Brieflich zeigte der Polizei ein
däniſches Liebespaar die Abſicht eines
Dop=
pelſelbſtmordes an. Die Beamten konnten nur
noch im Hauſe Chanſſeeſtraße 115 den Tod der
bei=
den feſtſtellen. Die Gründe ſind unbekannt. Es
han=
delt ſich um den ehemaligen Gutsbeſitzer Paul Junker
aus Kopenhagen und die unverehelichte Erna
Bruſen=
dorff aus Aarhus, welche vor zehn Tagen hier einem
Knaben das Leben gegeben hatte.
* Köln, 3. Aug. Heute früh traf hier eine
Abord=
nung der National Councilof Adult School
Unions, beſtehend aus etwa 100 Perſonen, Lehrern
und Schülern aus allen Teilen Englands, aus
Düſſel=
dorf ein. Die Abordnung der Geſellſchaft, welche die
Hebung und Förderung der guten Beziehungen
zwi=
ſchen England und Deutſchland zum Zwecke hat,
be=
ſichtigte die Sehenswürdigkeiten der Stadt und folgte
alsdann einer Einladung der Bürgergeſellſchaft. Heute
nachmittag wird ſie ſich nach Frankfurt a. M. begeben.
* Halle, 3. Aug. Der Opernſänger Aumann,
ſeit mehreren Jahren Mitglied des hieſigen
Stadt=
theaters, erſchoß geſtern abend in einem Anfall von
Geiſtesgeſtörtheit ſeine Frau und erhängte ſich dann
ſelbſt.
* Garmiſch bei Naſſereith, 3. Aug. Ein von
Gar=
miſch nach Innsbruck fahrendes Automobil iſt
einen Abhang hinabgeſtürzt. Der Chauffeur
Günd=
hart wurde getötet. Von den Inſaſſen, Frau Rivers
und Sohn aus New=York, wurde die Mutter ſchwer,
der Sohn leicht verletzt.
* Paris, 3. Aug. Der König und die Königin
von Spanien ſind heute vormittag nach Cowes
abgereiſt.
* London, 3. Aug. Nach einer Blättermeldung
aus Toronto äußerte ſich der kanadiſche
Premier=
miniſter Laurier beim Empfang einer deutſchen
Abordnung, er könne an eine Kriegsgefahr
zwiſchen England und Deutſchland nicht
glauben. England ſei der beſte Freund
Deutſch=
lands und habe dies in der Vergangenheit oft bewieſen.
Schon der geſunde Menſchenverſtand könne jedem
ſagen, daß kein Grund zu einem Streite zwiſchen
beiden Ländern vorhanden ſei.
* London, 3. Aug. Wie die Times aus
Konſtan=
tinopel melden, haben Druſen in Hauran zwei
Chriſtendörfer zerſtört und ein Blutbad unter den
Be=
wohnern angerichtet. — Die Regierung hat Sami
Paſcha, einen Schüler des Generaloberſten Freiherrn
von der Goltz=Paſcha, mit 26 Bataillonen und acht
Batterien nach Hauran entſandt.
* Konſtantinopel, 3. Aug. Die griechiſche
Re=
gierung verſtändigte die hieſige griechiſche
Geſandt=
ſchaft davon, daß ſie nach dem erfolgten Dementi
den durch das Interview des türkiſchen Geſandten in
Athen entſtandenen Zwiſchenfall für erledigt
betrachte.
* New=Orleans, 3. Aug. Reiſende, welche aus
Puerto Cortez (Honduras) eingetroffen ſind, melden,
daß im Zuſammenhang mit dem letzten Aufſtandsver
ſuch 17 Hinrichtungen ſtattgefunden haben; 20
Perſonen wurden verhaftet.
* Rio de Janeiro, 3. Aug. Präſident Dr. Nilo
Pecanah richtete an den Bundeskongreß eine
Bot=
ſchaft, in der ihm ein verfaſſungsrechtlicher Fall des
Staates Rio de Janeiro zur Entſcheidung unterbreitet
wird. Dort beſtehen nämlich gleichzeitig zwei
geſetz=
gebende Verſammlungen, von denen jede ſich für die
llein geſetzliche erklärt. Die Anregung des
Präſiden=
ten wurde einſtimmig vom Kongreß gebilligt,
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Auguſt 1910.
Nummer 180.
Berlin, 3. Aug. Die nationaltiverale
Reichstagsfraktion hat mit Bezug auf die
gegen den Abgeordneten Baſſermann in der Preſſe
gerichteten Angriffe demſelben in einem Schreiben
ihren Dank für ſeine aufopferungsvolle Arbeit bei
der Führung der Partei zum Ausdruck gebracht, ſowie
einmütig den Wunſch ausgeſprochen, daß es der
Frak=
vion auch künftig vergönnt ſein möge, unter ſeiner
be=
währten Führung für das Wohl des Vaterlandes zu
arbeiten.
— Wien, 3. Aug. Die Bankierswitwe Emma
Pol=
lack fuhr mit ihrem Neffen, dem ungariſchen
Sports=
mann v. Tarwoczyn, in einem Automobil von
Trient nach Venedig. Bei Caſtelfranco ſtürzte der
Kraftwagen in den Fluß Buſone, wobei die Frau
Pol=
lack auf der Stelle getötet, der Neffe leicht verletzt
wurde.
H.B. Paris, 3. Aug. Der Matin meldet aus
Rom: Im Vatikan iſt noch keinerlei Entſchluß
ge=
troffen worden bezüglich der Rückberufung des
päpſt=
lichen Nuntius aus Madrid. Die Abberufung des
ſpaniſchen Geſandten beim Vatikan, Ojeda, kam dem
Vatikan ziemlich unerwartet und hat große
Beſtürz=
ung hervorgerufen. Der Kardinal=
Staats=
ſekretär bereitet den Wortlaut einer Antwortnote auf
die ſpaniſche Note vor. Dieſer Wortlaut wurde dem
Kardinal für außerordentlich wichtige Angelegenheiten
zur Begutachtung und dann dem Papſt zur
Unter=
ſchrift unterbreitet. Offiziell iſt der päpſtliche
Nun=
tius in Madrid noch nicht zurückberufen worden.
H. B.Paris, 3. Aug. Echo de Paris meldet aus
Madrid: In den religiöſen Fragen iſt keinerlei
Aenderung von der Rückkehr des ſpaniſchen
Ge=
ſandten Ojeda beim Vatikan zu erwarten. Die
Katho=
liken von Bilbao treffen trotz des Verbotes der
Regie=
rung große Vorbereitungen zu einer ungeheuren
Kundgebung am nächſten Sonntag. Sie beabſichtigen,
nach San Sebaſtian zu ziehen, um dort einen großen
Umzug ſowie andere regierungsfeindliche
Kund=
gebungen zu veranſtalten. Man glaubt, daß zirka
60000 Perſonen ſich an den Kundgebungen beteiligen
werden und befürchtet ernſte Unruhen, weshalb
Militär nach Bilbao beordert wurde. Die
Einwohner von San Sebaſtian ſind bekanntlich die
ärgſten Gegner der Regierung im Kampfe mit dem
Vatikan. In verſchiedenen Verſammlungen wurden
Entſchlüſſe gefaßt, dahingehend, daß ſie es nicht dulden
werden, daß die Regierung in ihrer Haltung gegen
den Vatikan fortfährt. Ein anderer Teil der
Be=
wohner hat ſich dagegen ausgeſprochen, daß die
kleri=
kalen Kundgebungen in San Sebaſtian ſich vollziehen.
— Petersburg, 3. Aug. Ein kaiſerlicher Lakai
hatte große Mengen kaiſerlichen Tafelſilbers aus
dem Palais in Gatſchina geſtohlen; bei einem
Alt=
ſilberhändler fanden ſich annähernd 80 Pfund
Tafel=
ſilber vor. Der Händler und der Lakai wurden
ver=
haftet.
Bad Nauheim
Sprudelhotel:
geſchloſſene Geſellſchaften genießen bei vorheriger
Anmeldung Vorzugspreiſe.
(14754M
Shie in feiner Zamie ſchtant
Götterswickerhamm, 17. Dez. 1909. Bin ſchon
jahre=
lang lungenkrank u. zur Zeit im Pflegeheim
Götterswicker=
hamm. Die Folgen dieſer ſchweren Krankheit haben meine
Kräfte vollſtändig mitgenommen u. fühlte ich mich ſehr matt
u. elend. Nachdem ich ſchon viele andere ſogenannte Nähr=
und Kräftigungsmittel ohne Erfolg angewandt, wurde ich
auf Ihr Bioſon aufmerkſam, machte einen Verſuch damit
und kann Ihnen zu meiner größten Freude mitteilen, daß
ich mich bedeutend kräftiger fühle; die Nachtſchweiße haben
nachgelaſſen u. ich nahm in wenigen Wochen acht bis neun
Pfund zu, was gewiß ein ſchönes Reſultat iſt. Mein Appetit
hat ſich ebenfalls bedeutend gehoben. Bioſon ſchmeckt gut
und kann es deshalb jeder nehmen; beſonders iſt es zu
empfehlen, wenn die Kräfte durch langes Krankenlager ſtark
zurückgegangen ſind. Ich trinke es jetzt auch hier in der
Anſtalt. Gerne gebe ich jedem Auskunft über Bioſon, es
ſollte in keiner Familie fehlen; ich ſelbſt bleibe ein
be=
geiſterter Anhänger des Bioſon. Hochachtungsvoll! Paul
Kretzſchmar z. Z. Pflegeheim Götterswickerhamm, Poſt
Vörde bei Weſel. Unterſchrift beglaubigt: Bernhard
Kayſer, Notar. Bioſon iſt das beſte u. billigſte
Kräf=
tigungsmittel. Paket 3 Mk. in Apoth., Drog. (153770
Die Entwöhnung der Kinder im Sommer iſt
ſchwieriger als in anderer Jahreszeit, da durch
Darreichung von Kuhmilch ſehr oft Magen= und
Darm=
ſtörungen verurſacht werden. Man gibt die Kuhmilch
deshalb lieber zuerſt vermiſcht mit einer dünnen Suppe
von „Kufeke” welches die Kuhmilch leichter verdaulich
macht und den Nährwert derſelben erhöht. Man erzielt
durch die Ernährung mit „Kufeke” eine geregelte
Verdauung, den beſten Schutz gegen die ſogenannten
(15342)I
Sommererkrankungen.
Familiennachrichten.
Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Heute verſchied ſanft nach ſchwerem Kampf
unſer lieber
(15323
Ernst
im Alter von 3 Jahren 2 Monaten.
In tiefſter Trauer
die Eltern:
Finanzrat Krug und Frau
Pauline, geb. Schoedler.
Mainz, 2. Auguſt 1910.
Die Einäſcherung findet in aller Stille ſtatt
im Mainzer Krematorium. Blumenſpenden und
Beileidsbeſuche dankend abgelehnt.
Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 5. Auguſt 1910.
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 6. Auguſt 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbatausgang
8 Uhr 55 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 6. Auguſt.
Vorabend 7 Uhr 20 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr — Min. Sabbatausgang 8 Uhr
55 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 7. Auguſt an:
Morgens 6 Uhr — Min. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Samstag, den 6. Auguſt:
Rausch Caudesch Aw.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Ein
Rand=
wirbel der weſtlichen Zyklone iſt in nordöſtlicher Richtung
über Deutſchland gezogen und hat auch in Heſſen geſtern
nachmittag und in der Nacht zum Teil ſtarke Regen
gebracht, ſtrichweiſe entluden ſich dabei Gewitter. Die
Südweſtwinde haben leichte Abkühlung hervorgerufen.
Weitere Randwirbel des weſtlichen Tiefdruckgebietes
bringen erneute Gewitter.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
4. Auguſt: Warm, vielfach Gewitter und Regen, nur
zeitweiſe heiter.
Tageskalender.
nbnzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im „Schützenhof”.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 10—7 Uhr).
1. Darmſtädter Kinema tograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 5. Auguſt.
Dünger=Verſteigerung um 9½ Uhr in der Art.=
Kaſerne (Regt. Nr. 61).
Städtiſche Leſe= und Bücherhalle,
Louiſen=
ſtraße 20. Die Leſehalle iſt geöffnet an
Wochen=
tagen von 10—2 und von 6—9 Uhr, Sonntags von
11—1 und von 6—9 Uhr. Bücherausgabe findet
ſtatt an jedem Wochentage von ½11 bis ½1 Uhr und
abends von 6 bis 9½ Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Anzeigenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige.
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht!
zurückgeſandt.
R Gu
MAuuf
Supoen
D10 kafzo HoohzUl kommt der Hausfrau an den heißen Sommertagen ganz beſonders zu
mit dem
Kreuzstern
Man verlange ausdrücklich MAGdls Suppen mit dem „Kreuzſtern”.
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Zu beziehen durch den unterzeichneten Verlag und alle Buchhandlungen.
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Guten Privat-Mittagstisch Herren
Kurſe vom 3. Auguſt 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
Bl. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,40
B½ Deutſche Reichsanl. . 93,10
84,20
do.
8
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,70
B½ do. Conſols . . . . 93,10
84,10
B do. do.
A Bad. Staatsanleihe . . 101,75
93,80
do.
B½
86,30
do.
8
. Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,40
do.
91,80
8½
do.
83,10
A Hamburger Staatsanl. 101,30
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,50
do.
91,50
do.
80,80
3 Sächſiſche Rente . . . 83,40
4 Württembergerv. 1907 102,10
do.
92,90
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
¾ Griechen v. 1887 . . 48,50
3¾ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 97,50
do. Goldrente . . 99,00
do. einheitl. Rente 93,80
Portug. unif. Serie I 66,25
do. unif. Ser. III 67,80
do. Spezial.
Rumänier v. 1903 . . 101,90
do. v. 1890 . . 95,50
do. v. 1905 . . 90,50
Ruſſen v. 1880 ₰ . . . 92,00
Zf.
InProz.
4 Ruſſen v. 1902 . 79 ₰ 93,00
4½ do. v. 1905 .
. 100,40
3½ Schweden . .
93,10
4 Serbier amort. v. 1895 84,60
4 Türk. Admin. v. 1903 87,00
4 do. unifiz. v. 1903 94,40
4 Ungar. Goldrente . . 94,80
4 do. Staatsrente . 91,90
5 Argentinier . . . . . . 102,00
do.
91,20
4½ Chile Gold=Anleihe . 93,00
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,50
do.
99,00
4½ Japaner . . . ..
97,90
5 Innere Mexikaner . . 99,70
3
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 94,80
5 Gold=Mexikaner .
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . .
.142,30
4 Nordd. Lloyd . . . . 110,80
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 120,90
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,25
4 Baltimore & Ohio . . 108,00
4 Gotthardbahn . . . . —
InProz.
zf.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 158,25
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21,25
4 Pennſylvania R. R. 129.00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 205,50
Werger=Brauerei
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 477,00
Fabrik Griesheim . . . . 259,00
Farbwerk Höchſt .
. 493,50
Verein chem. Fabriken
Mannheim.
323,50
Lahmeyer .
119,25
Schuckert .
164,50
Siemens & Halske
.245,25
Adlerfahrradwerke Kleyer 414,70
Bochumer Bb. u. Guß . . 231,00
Gelſenkirchen .
. .206,00
Harpener .
. . . . . 194,00
Phönix, Vergb. u.
Hütten=
betrieb . .
. . . . . 227,10
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,75
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,60
do.
3½
92,20
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
do. ſteuerfrei . —
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,50
do.
97,70
do. alte .
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,00
do.
-
4
29/10. do.
56,00
3 Raab=Oedenburger . . 75,20
à 1 Mk. Näheres Expedition.
In Proz. Bf.
Sl.
75,90
2¾/10 Livorneſer.
4 Miſſouri=Paeiſie .
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,00 4 Darmſtadt
Anatoliſche Eiſenb..
5 Tehuantepec
.101,80 4 Frankfurt .
(B15338
Fahrrader unld
Nähmaſchinen
werden gut u. billig repariert
Chr. Debus, Mechaniker
Karlſtraße 79 (*18972) Telefon 1737.
Damen
erhalten guten Mittags- u. Abendtisch
von 60 Pfg. an Alexanderſtraße 4, I.
4 Ruſſ. Südweſt. . . .
4 Kronpr. Rudolfbahn
90,30
Bank=Aktien.
1 Berliner Handelsgeſ. 167,00
1 Darmſtädter Bank 130,20
Deutſche Bank . . . . 252,75
4 Deutſche Vereinsbank 127,90
Diskonto=Geſellſchaft . 186,60
Dresdner Bank . . . 153½
Mitteldeut. Kreditbk. 119,50
Nationalbk. f. Deutſchl. 123,00
101,40
Pfälzer Bank.
143,60
4 Reichsbank .
Rhein. Kredit=Bank
4 Wiener Bank=Verein 138,00
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
do. S. 19. . . . . 92,30
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
3½
30,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
3½
92,80
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
3½
do.
*91,00
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,20
3½,
do. (unk. 1914) 91,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,80
3½
do,
92,70
Städte=
Obligationen
3½ do.
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
4 München .
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
3½ do.
4 Offenbach.
3½ do.
4 Wiesbaden .
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886.
InProz.
91,50
100,90
96,30
.100,20
91,00
100,60
91,50
100,50
101,00
92,00
100,90
100,40
82,20
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner „ 100 135,20
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl. Komm. „ 100
In Proz
8f.
3 Madrider Fs. 100 77,70
4 Meining. Pr.=
Pfand=
briefe.
136,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe 173,90
3 Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
fl. 7 39,10
Braunſchweiger Tlr. 20 206,00
Freiburger
Fs. 15 —
Mailänder Fs. 45 —
do.
Fs. 10 —
Meininger
fl. 7 38,50
Oeſterreicher v. 1864 „ 100
do. v. 1858 „ 100 461,00
Ungar. Staats „ 100 383,00
Venediger
Frs. 30
Türkiſche
„ 400 182,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,39
20 Franks=Stücke
16,24
Oeſterr. 20=Kronen .
16,90
Amerikaniſche Noten
4,19½
Engliſche Noten .
20,44
Franzöſiſche Noten .
81,15
Holländiſche Noten .
. 169,40
Italieniſche Noten.
80,60
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,20
Ruſſiſche Noten .
Schweizer Noten .
81,10
Reichsbank=Diskonto „
Rrichsbank=Lombard 8af. 5%.
Nummer 180.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Auguſt 1910.
Seite 7.
aniker
ſon 1737.
elteres Fräulein, in einf. u. dopp.
Buchführung bew., ſucht für 1. Sept.
Anfangsſtelle in Geſchäft, Büro oder
Kaſſe. Gefl. Offerten unter H 57 an
die Expedition ds. Blattes. (15347
im Nähen u. Bügeln bewandert,
Fräulein ſucht tagsüber Stellung
(*18896)
Wienersſtraße 47, 2. Stock.
*18887ds) Schneiderin nimmt noch Kunden
an in u. außer dem Hauſe Kaupſtr. 50, I.
*18906) Frau empf. ſich im Flicken in u. auß.
dem Hauſe Nieder=Ramſtädterſtr. 5, 1. St.
14922a) Tüchtige, perfekte Schneiderin
nimmt noch Kunden an Wendelſtadtſtr. 13, I.
Eine ältere kräftige Frau ſucht, geſtützt
6 auf gute Zeugniſſe, Stellung als
Haushälterin
am liebſten bei einem älteren Herrn. Iſt
in der Krankenpflege ſehr erfahren. Zu
er=
fragen Heidelbergerſtr. 66, I. (*18568sid
*18753md) Frau geht Waſchen u. Putz.
Ludwigshöhſtraße 78.
*18789md) Mädchen ſucht Beſchäftigung
von ½7—9 Uhr Liebfrauenſtraße 93.
eine erſte Kochfrau
Kochfrau empfiehlt ſich
*18902df)
Rundeturmſtraße 14, II.
*18884) Junge, reinliche Frau ſucht
Laufdienſt für nachmittags 1½—2 Stunden
Nieder=Ramſtädterſtraße 50, Hth., 1. Stock.
*18911) Fleiß. Frau vom Lande ſ. waſch.
u. putzen. Näh. Alexanderſtr. 4, Hth., 2. St.
Das Zentral=Stellenbüro
von
Frau Aug. Schmitt, Ballonplatz 5, II.,
empfiehlt ein tüchtiges
Allein=
mädchen, welches kochen kann,
4 ſaubere Mädchen mit guten
Zeugniſſen für Geſchäftshäuſer,
per ſofort und 15. Auguſt Mädchen
tags=
über auf dem Bureau, ſuche für ſofort
chickes Servierfräulein.
(*18957
mit guten Zeug=
Aelteres Fräulein niſſen ſucht Stell
zu einzelnem Herrn
(*18971
Stellenbüro Debus,
Karlſtraße 79.
Telephon 1737.
*18965) Beſſ. Mädchen, das ſelbſt. gut
kocht, ſucht Stelle zum 15. Sept. od. 1. Okt.
zu älterem Ehepaar. Offerten unter H 75
an die Expedition ds. Blattes.
Stellen ſuchen: 3 tüchtige Alleinmädchen,
welche einfach kochen und gute Zeugn.
beſitzen, für ſofort, 2 gewandte Hausmädch.
in Herrſchaftshäuſer, Alleinmädchen, welche
kochen und etwas v. kochen verſt., f. 15. Aug.
u. 1. Sept. durch Frau Dingeldein,
Stellen=
bureau, Schützenſtr. 10½, Telef. 531. (*18959
*18969) Kräft. Mädchen ſucht Stelle in
Geſchäftshaus für ſofort. Stellenbureau
Debus, Karlſtr. 79. Tel. 1737.
*18966) Drei beſſ. Alleinmädch., die koch.
k. und 2 jge. Mädchen, die in Hausarb. bew.
ſuch. ſof. u. 15. Aug. Stelle i. Geſchäftsh. o.
Privath. Frau Elisab. Frank, Saalbauſtr. 33.
B15383) Junges Mädchen, welches
ſchneidern kann und Hausarbeit verſteht,
ſucht Stelle zum 15. Sept. oder 1. Okt., wo
ihr Gelegenheit geboten iſt das Kochen zu
erlernen. Näheres Moosbergſtr. 48, III.
*18916dfso) Junger Kaufmann, in
Buch=
haltung, ſämtlichen Kontorarbeiten, ſowie
Verkauf firm, ſucht ſich, geſtützt auf Ia
Zeugniſſe, per Oktober zu verändern.
Gefl. Offerten unter H 64 an die
Expedition ds. Blattes erbeten.
Ein perfekter Buchhalter
und Korrespondent
welcher ſchon lange Jahre in einem großen
Geſchäft tätig iſt, ſucht Stellung bis 1.
Ok=
tober 1910. Offerten erbitte unter H 48
an die Expedition ds. Bl.
(B15301
*18764md) Junger Mann, in allen
land=
wirtſchaftlichen Hand= u. Maſchinenarbeiten
bewandert, ſucht Beſchäftigung. Offerten
unter H 19 an die Expedition ds. Bl.
14741a) Unterbeamter i. P., noch rüſtig,
mit gr. Enkelkind, ſucht Hausmeiſterſtelle
gegen eine Zwei= od. Drei=Zimmerwohnung
für 1. Oktober oder 1. November 1910
Offerten unt. F 40 an die Exped. ds. Bl
*18885) Junger Mann nimmt
Beſchäf=
tigung an für 4 bis 5 Tage in der Woche
gleich welcher Art
Nieder=Ramſtädterſtraße 50, Hth., 1. Stock.
*18883ds) Jg. Beamter im Maſchinenſchr.=
Stenograph. u. einfach. Buchführung bew.
ſucht paſſ. Nebenbeſchäft. an einig. Abenden
der Woche. Off. u. I 15 an die Exped.
ſucht Aus
Tüchtiger Gärtner hilsſtelle
Nieder=Ramſtädterſtr. 11, Hths., p. (*18904
18894) Ein junger Mann ſucht Stellung
zum Fahren. — Zu erfragen
Kaupſtraße 9, parterre.
Krankenpfleger und Diener
ledig, mit guten Zeugniſſen, ſucht Stelle.
Offerten unter H 71 an die Exp. (*18949ds
perf. in Stenographie
Fräulein u.
Schreibmaſchinen=
ſchreiben per ſofort geſucht. Offerten unter
H 60 an die Expedition.
*18886df
Gewandte Verkäuferin
für ſofort oder ſpäter geſucht
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E. Eckerts Nachf., Hoff.,
Ernſt=Ludwigſtraße 12.
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gründlich erlernen Wendelſtadtſtraße 13, 1. St. 1 Lehrmädchen gesucht
12203a) Damen-Confektion, Grafenſtraße 35. E15332a) Modes. Lehrmädch, u. angeh. Arbeiterin
gesucht. Offerten u. H 59 an die Exped. Tüchtiges Mädchen
das Hausarbeit und kochen verſteht, geſucht.
15131a) Näheres Eliſabethenſtr. 28, I. *18814mdf) Junges, ſauberes Mädchen,
das zu Hauſe ſchlafen kann, für leichte Haus=
arbeit geſucht. Näheres b. d. Expedition. *18755md) Zu einzelner Dame ein älteres
Mädchen geſucht, das gute Zeugniſſe be=
ſitzt. Offerten unter H 4 an die Expe=
dition ds. Blattes. Stellenſuchende Mädchen
jeder Art wenden ſich vertrauensvoll an
das ſeit 32 Jahren beſtehende Franks
Stellenbureau, Karlſtraße 31. (15168id Putzfrau
morgens u. abends für Laden u. Kontor
ſof. geſ. Eliſabethenſtr. 53, part. (*18892 Erfahrenes, solid. Mädchen
das gut kocht, bei hohem Lohn zu kinderl.
Herrſchaft geſ. Gute Zeug. erford. Vorzuſt
bis 5 Uhr nachm. Heinrichſtr. 140, I. (*18881ds Solides Hausmädchen
tüchtig in allen Hausarbeiten (ohne Kochen),
wird ab 1. September bei hohem Lohn geſ.
Reflektiert wird nur auf ſolche mit beſten
(*18877
Zeugniſſen
Frankfurterſtraße 84, 1. Stock, vormittags. B15336) Aelteres, tüchtiges Dienſtmädchen
geſucht. Einige Kenntniſſe im bürgerl.
Kochen erwünſcht. Gute Bezahlung und
Behandlung. Karlſtraße 67, part. geſucht 9 (*18914
Lauffrau Annaſtraße 61, part. *18919) Jg. brav. Mädchen für tagsüber
geſucht. Näheres i. d. Expedition. für tagsüber
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williges Mädchen geſucht
Ludwigshöhſtraße 37. (B15373
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Roth, Stellenbureau, Schloßgartenſtr. 49
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Tucht. Servierfrl. geſucht
Rest. frische Quelle. (*18954
*18970) Zum 15. Aug. geſucht brav. Mädch.
in ſehr gute Stelle Stellenbüro Debus,
Karlſtraße 79, Telephon 1737.
15370ds) Sauberes fleißiges Mädchen
in kleinen Haushalt mit einem Kinde nach
Paris geſucht. Vorzuſtellen während den
Morgenſtunden b. Frau Logel,
Eliſabethen=
ſtraße 30, II.
15371) Für nachmittags von 2 bis 7 Uhr
junges, ſauberes Mädchen zu einem kl.
Kinde geſucht. Vorzuſtellen während des
morgens b. Frau Logel, Eliſabethenſtr. 30, II.
*18958) Stellen finden: Köchinnen,
Hausmädchen, Alleinmädchen, welche kochen
und nicht kochen in Herrſchafts=, Privat
und Geſchäftshäuſern für hier u. auswärts.
Stellenbureau Frau Dingeldein,
Schützenſtr. 10½. Telephon 531.
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durch den Generalvertrieb für die Provinz
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Donnerstag, Freitag, Sonnabend, den 4.,
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und 2—6 Uhr nachm. im Bahnhofshotel
in Darmſtadt zu ſprechen iſt. ((15340ff
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erbeten unter G 91 an die Exped.
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Die vom Volksbund gegen
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literatur herausgegebenen Romane
Erzählungen ꝛc. ſind für 95 Pfg. — 10
ver=
ſchiedene Bändchen zu haben bei
S. Wronker & Co., Darmſtadt. (15364
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Auguſt 1910.
Nummer 180.
Kurr FaC
ittwoch, den 3. August und Donnerstag, den 4. August
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chen, à 2 bis 3 Mk., bill. abzug. (*18967df
Liebfrauenſtraße 105.
1 Lvoner Spitz, 1 Kriegshund
Vereinigie Kriegervereine Darmſaois.
Mittwoch, den 10. Auguſt 1910, abends 8 Uhr:
Gravelottefeier
im grossen Saale des Städtischen Saalbaues
unter gütiger Mitwirkung der Frau Käthe Enders-Kuhlmann,
des Herrn Ernst Roth (Bariton) und der „Liedertalel‟
(Dirigent Kamerad Kammermuſiker Adolf Kugler).
*;
*
1 rauhh. Fox (gut. Rattenf.) bill. z. verk.Feſtanſprachen, Sologeſänge, Männerchöre und Lebende Bilder.
(*18961df) Freimann, Landwehr. 68.
Zutritt haben nur die Ehrenmitglieder und Mitglieder der Vereinigten Krieger=
Ein gut erhaltener Gasherd bill. zu verk.
C*18962ds) Kiesſtr. 24, Htb. 1. St. links. vereine nebſt ihren Familienangehörigen, ſowie die geladenen Ehrengäſte.
Orden, Ehrenzeichen, ſowie Verbandsabzeichen ſind anzulegen.
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werden erbeten u. H 23 an die Expedition
(*18748df
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ſpäter geſucht. Offerten unter II 51 mit
Preisangabe und Lage an die Expedition
(5311md
dieſes Blattes.
Gesucht
Die Vorſtände
der Vereinigten Kriegervereine Darmſtadts.
15359do)
Kriegervrein Darmſadl.
Die Teilnehmerkarten, welche der Verein ſeinen
Veteranenkame=
raden als Ehrengabe koſtenlos widmet, ſind jetzt zur Ausgabe gelangt.
Sollte durch irgend ein Verſehen ein Kamerad ſolche nicht erhalten
haben, ſo bitten wir dies umgehend unter genauer Angabe des
Truppen=
teils, bei welchem der letzte Feldzug mitgemacht wurde, anher melden zu wollen.
Der Vorstand des Kriegervereins Darmstadt.
15378)
Städtischer Sadibau.
Am 4. Auguſt 1910, abends 8 Uhr:
12. Donnerstags-Konzert
des vollſtändigen Muſikkorps des Leibgarde=Regiments
Leitung: Obermuſikmeiſter H. Hauske.
Gegen 9 Uhr:
2. Abteilung: Rlchard wagner.
1. Chor der Friedensboten aus „Rienzi”; 2. Trauermuſik aus „Götterdämmerung”;
3. Quintett aus „Die Meiſterſinger” Ouvertüre zu „Der fliegende Holländer”
Eintritt 50 Pfg., für Studierende u. Militär 30 Pfg. Dutzendkarten à 4 Mk.
zu haben in den bekannten Verkaufsſtellen und an der Abendkaſſe.
(15358
(15231md
Aeues Sauerkraut
per Pfund 7 Pfg.
Neue Salzgurken
per Stück 6 Pfg.
Ueberrheiner Kartoffeln
5 Pfg., 10 Pfd. 45 Pfg.
Neue Zitronen
per Stück 5 und 6 Pfg.
Aene Holl. Vollheringe
6 und 8 Pfg.
Neue Zwiebeln
Aene Grünkern
ganz und gemahlen
Friſche
(15367
Maccaroni und Marcaronelli
Ia Griesware
per Pfd. 25, 32 und 35 Pfg.
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2—3 Zimmer, Küche, 1 Zimmer als
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zimmer möbl. erwünſcht, das übrige unmöbl.,
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in freier Lage für Sept. geſ. Off. mit
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Sckutzenhol.
Verreise
Donnerstag, den 4. Auguſt, abends 8 Uhr:
von 4. bis 8. Auguſt (*1
Grosses Militär=Konzert Walter Baer, Dentiſt.
Infanteriemusikbesetzung
Kapelle des Grossh. Hess. Artillerie-Regiments Nr. 61.
Leitung: Musikmeister M. WEB E R.
Im Programm: Ouvertüre „Der Barbier von Sevilla” Fantaſien aus „
Lohen=
grin” und „La Traviata”, Potpourri a. d. Operette „Der luſtige Krieg”.
(15375
S=
ch ſuche bis 1. Oliober ſelbſtändige
Wirtſchaft. Agenten verbeten. (*18925ds
Aug. Amme, Schwanenſtraße 79.
Ranen finden gue u. bilige Auſnuahne
P Strengſte Diskr. zugeſ. Frau C. Stoll,
Eberſtadt b. D., Wilhelmſtr. 7. (15375a
in i. gut. Poſition ſtehend. 28=jähr. beſſ.
Arbeiter, d. ſich bald. ein
eigenes Heim
gründ. möchte, wünſcht d. Bekanntſchaft
eines i. d. 20iger Jahren ſtehend. ev. Fräul.
Vermögen od. etw. Erſparniſſe erwünſcht.
Diskretion Ehrenſache. Anonym zwecklos.
Off. mit einigen Angaben der Verhältniſſe
unter II 41 an die Expedition dieſes
(*18819md
Blattes erbeten.
Verloren armband auf dem
goldenes Ketten=
Wege Hofſtallſtr., Paradeplatz, Hochſchulſtr.,
Lauteſchlägerſtr., Gutenbergſtr. Abzug. geg.
Belohng. Gutenbergſtr. 27, 2 Tr. (15324
Pult, verloren ge=
Ein Flügelhorn, gangen. (*18873md
Meldung: bei Polizeiamt, Fundbureau.
Entlaufen
Jagdhund (Brauntiger), auf den Namen
Hektort hörend. 20 Mk. Belohnung
dem=
ſenigen der den Hund zurückbringt oder
ſichere Angaben über den Verbleib desſelben
machen kann. Vor Ankauf wird gewarnt
*18895dfs
Landwehrſtraße 61.
Hleine Wohnung
befindet ſich jetzt
Kiesstrasse 45, I. St.
H. Repp, Naturheilkundiger
für alle Krankheiten. (*18951ds
Sprechſtunden von 10—12 und 2—4 Uhr.
Wohne jetzt (*18927
Grafenſtr. 45, I.
Wilhelm Ammer, Herrenſchneider.
Zut erhaltenes Sofa preiswert zu verk.
G13969)
Rückertſtraße 26.
Woog, am 3. Auguſt 1910.
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Woogspolizeiwache.
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Lieferung direkt oder durch-Plakate erkenntliche Verkaufsstellen.
Telephon-Nr. 256.
Telephon Nr. 256.
(13672a
[ ← ][ ][ → ]1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.
36 150.
Donnetsiag, 4. Angiſt.
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(Nachdruck verboten.)
8)
Herr Boſemb — wenn ich Sie recht verſtehe, — haben
Sie mich eben — furchtbar beleidigt!
Gnädige Frau, wenn Sie ahnten, wie fern mir das
liegt! Ich habe, wie geſagt, nur Angſt um Jupps Glück,
die drängte mir die Worte auf die Lippen!
Sie reden in Rätſeln!
Ich denke, Sie werden ſie löſen können!
Viele laſſen mehrere Löſungen zu!
Das, was ich Ihnen aufgegeben, nicht, gnädige Frau!
Ich möchte nun endlich wiſſen, was dieſe ganze
Aus=
einanderſetzung eigentlich ſoll. Und damit Sie ſich
keiner=
lei Bedenken ſpäter hinzugeben brauchen, gebe ich Ihnen
mein Ehrenwort, daß das, was Sie mir jetzt ſagen, unter
uns bleibt, alſo reden Sie nur bitte, ungeſcheut!
Er nahm die Mütze ab und fächelte ſich Kühlung zu.
Der Tag war heiß und die Situation recht verfänglich.
Wenn er ihr jetzt vertraute? Aber ſie war im Stande
und ſagte womöglich noch heute ihrem Manne alles
mög=
liche ungereimte Zeug, das von der Wahrheit himmelweit
entfernt lag.
Es gibt nichts mehr zu ſagen, und daß Sie mich
ver=
ſtanden haben, weiß ich, und was Sie bezwecken, fühle ich!
Was bezwecke ich denn?
Sofort hatte ſie den Punkt herausgefunden, an dem er
verwundbar war.
Sie wollen mir hier das Leben ſchwer machen, aber
es wird Ihnen nicht gelingen, alſo laſſen Sie das völlig
unnötige Spiel, ich gehe nicht darauf ein. Nicht jetzt, nicht
heute oder morgen, — überhaupt nicht!
Das war deutlich. Ueberſpannte ſie den Bogen, ſpielte
noch heute Abend Boſemb dem gutmütigen Jupp ſeine
Trümpfe vor. Aber am Angelhaken ſaß der da drüben
doch, der ſie ſo überlegen — hochmütig anblickte. Sie
lachte ihn einfach aus.
Herr Boſemb, Sie ſehen am hellen Tage Geſpenſter.
— Alſo Schluß mit dieſer unerquicklichen Rederei, denn
beleidigen wollten Sie mich doch nicht?
Ganz gewiß nicht, gnädige Frau!
Alſo — ſie drängte das Pferd an das ſeine und reichte
ihm die Hand, — und nun einen ordentlichen Jagdgalopp
über die Hinderniſſe da drüben! —
Und als ſie vor der Villa hielten, erhob ſich der Jupp
aus einem Faullenzer.
Na, Herrſchaften, an mich habt Ihr woll gar nicht
gedacht! Und wie ſehen denn die Pferde aus? Wie aus
dem Waſſer gezogen! Kinder, ſeid nicht ſo unvernünftig! —
Zieht Euch alle beide ſchleunigſt um, Du kommſt nachher
zum letzten Spargeleſſen rüber, Fritze, jeder getreue
Arbei=
ter iſt ſeines Lohnes wert, dann wird Dir auch noch
Pilſener Bier, echtes, mein Junge, kein Königsberger, in
reichlichem Maße verzapft werden! — Alſo trollt Euch,
Ihr beiden!
Der Rittmeiſter von Holſten räkelte ſich im Kaſino
in ſeiner Sofaecke. Ein paar Leutnants ſpielten im Ne=
Fenimner Bilnd, andre iſen Zingen. In dem
großen, dunkelgetäfelten Zimmer herrſchte eine beſchauliche
Nuhe. Da trat der kleine Wangleben ein, ein blonder,
leichtſinniger Kerl von 23 Jahren, der jede Schürze in dem
kleinen Neſte kannte.
Herrſchaften, der Boſemb iſt ein Filou!
Na, na, ſchallte es im Bierbaß aus der Sofgecke.
Herr Rittmeiſter, heute mittag hielt er uns einen
lan=
gen Vortrag, daß für Jupps etwas Ruhe nunmehro
ange=
bracht ſei, ſodaß ich heimlich unterm Tiſch an den Fingern
abgezählt habe, wieviel Monate die ſcharmanten Leutchen
eigentlich verheiratet ſind; und was machte der Boſemb?
Juxt mit der jungen Frau im Jagdgalopp heute
nach=
mittag draußen auf dem Exerzierplatz über die gröbſten
Sprünge!
Die Billardſpieler, das Queue in der Hand, waren an
die Tür getreten und hörten dieſer welterſchütternden
Neuigkeit aufmerkſam zu.
Da erhebt ſich der dicke Holſten, ſtellt ſich breitbeinig
vor den kleinen Wangleben hin und faßt den oberſten
Knopf von deſſen Ueberrock.
Und was taten Sie?
Ich ſchlug mich ſeitwärts in die Büſche!
Dann hätten Sie Schnapper auch den Mund halten
ſollen!
Die Billardqueues wurden ſchleunigſt weggelegt, man
ſetzte ſich zuſammen, um dieſen Fall zu „bebrüten”. Hin
und her wurde geſprochen, keiner wagte ein ſcharfes Wort,
aber man zog die Augenbrauen hölliſch hoch.
Auf einmal fragte einer:
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Man ſah ſich mit offenem Munde an, keiner vermochte
Auskunft zu geben. Und ſonſt wußte man doch über
je=
den im Neſte ganz genauen Beſcheid, ſelbſt wie der
Apo=
theker zu ſeiner dicken Malwine gekommen war, — ziemlich
proſaiſch. Der Wagen war umgekippt, in dem ſie geſeſſen,
— Malwinchen aus Pillkallen war bei Superintendents
zu Beſuch geweſen, der Gottesmann hatte ſelbſt das
Ge=
ſpann gelenkt und der Schwerenöter von einem
Pillen=
dreher hatte die beiden Leutchen auf einer Viſitationstour
über Land begleitet. Er brach dabei das rechte, ſie das
linke Bein, und der Geiſtliche war ſchleunigſt ins nächſte.
Dorf gerannt, Kautjken, gut und gern ſechs Kilometer von
der Unfallſtelle entfernt, um Hilfe herbeizuholen.
Unter=
deſſen hatten ſich die beiden jungen Menſchenkinder mit
einer Liebeserklärung die Zeit vertrieben.
Holſten brummte:
Aus ihrem Dialekt kann man es nicht heraushören,
denn Frau Jupp ſpricht keinen!
Der kleine Wangleben legte den Zeigefinger an die
Naſe und deklamierte:
„Meine Verlobung mit Fräulein Aſta Herwich,
ein=
zigen Tochter des verſtorbenen Rentners. Herrn Guſtav
Herwich und ſeiner Gemahlin Hedwig, geborene Köhler,
beehre ich mich ergebenſt anzuzeigen.
Joſeph Matthias Riſſen,
Leutnant in Seiner Majeſtät
rotem Grenj=Koſaſen=Regiment.”
Ja, ſo bis auf den Schluß hatte die Verlobungs=
Anzeige wörtlich gelautet. „Rote Grenz=Koſaken” wurden
ſie in Berlin und den weſtlichen Vororten genannt.
Ein ganz junger Dachs wollte ſeine Leuchte nicht
un=
ter dem Scheffel ſtehen laſſen.
Herwich klingt ſchleſiſch und Köhlers ſind wohl über
das ganze liebe Deutſche Reich verbreitet!
e e e e e e
zerbrecht Euch mal hübſch den Schädel einſtweilen, vielleicht
komme ich bald wieder!
Er ging hinaus, band ſich ſeinen Säbel um, ſtülpte
die Mütze aufs rechte Ohr und wanderte gemächlich nach
dem „Hotel Jupp‟
J, guten Abend, meine Herrſchaften, rief er über den
Gartenzaun, kann man denn noch einen Stuhl und eine
kalte Ente hier kriegen?
Wenn man ſich hereinbemüht, ganz ſicher, erwiderte
Frau Riſſen lachend.
Na alſo! Und der Boſemb ſitzt auch in der Laube
von Jasmin! — Donnerchen, Donnerchen, Pilſener Bier!
Iſt Ihnen das lieber, als eine von meiner Hand
zu=
bereitete kalte Ente, Herr von Holſten?
Wenn es echt iſt, ausnahmsweiſe ja!
Ganz echt, iſt in weitem Bogen um Königsberg
herum=
gefahren worden, verſicherte Jupp.
Ja, dann bleiben wir wohl bei dem Stoff, gnädige
Frau?
Wie Sie wünſchen! — Aber was machen Sie denn für
ein Geſicht?
Holſten kratzte ſich hinterm Ohr.
Ich bin nämlich reineweg aus Neugierde gekommen.
Aus — Neugierde?
Ja, allergnädigſte Frau Jupp! Wir haben nämlich
im Kaſino eben eine welterſchütternde Tatſache feſtgeſtellt!
Jetzt werde ich aber neugierig!
Mit der Tür wollte ich ja eigentlich nicht ins Haus
fallen, ſonſt lachen Sie mich aus. In unſerem Bierdorfe
geht man den Sachen hölliſch auf den Grund, man ſprach
von Ihnen — und zerbrach ſich den Kopf, woher’Sie
ei=
gentlich ſtammen, was trotz eifrigen Recherchierens wie
Sie Stein, Karnickel und ähnliche Worte ausſprechen,
nicht feſtzuſtellen war!
Der Juhp frazie höhnicht
Und da hat man den Herrn Rittmeiſter natürlich als
vollgewichtige Deputation ſofort hergeſchickt, oder kommt
das Gros noch nach, und mein Schwadronsvater ſoll
unter=
deſſen nur ein wenig das Gelände aufklären?
Verſchwören möchte ichs ja nicht, daß ſich noch einer
oder der andere hierher verkrümelt, jedenfalls habe ich
keinem verraten, wohin ich meine Patrouille reite!
Herr von Holſten, ich will Sie nicht zappeln laſſen,
möchte auch nicht, daß Sie ſich wie die Uebrigen den Kopf
zerbrechen, mein Jupp könnte ſonſt darunter zu leiden
haben! — Alſo ich bin geboren in Petersburg!
I nee, alſo an unſerem Schienenſtrang!
Jawohl, nur gute tauſend Meilen nordöſtlicher! Mein
Vater war dort Großkaufmann, fing an zu kränkeln, als
ich dreizehn Jahre alt war. Da ich keine Geſchwiſter habe,
verkaufte er ſein Geſchäft, wir reiſten von einem Bad ins
andere, bald nach Norden, bald nach Süden, bis er vor
ſechs Jahren ſtarb. Meine Mutter hielt es auch nirgends
lange auf einem Fleck aus, und ſo habe ich eigentlich
wie=
der eine Heimat durch meinen lieben Jupp gefunden!
Und ich möchte hinzufügen, daß unſere Firma früher
viel mit meinem verſtorbenen Schwiegervater gearbeitet
hat, zu beiderſeitiger Zufriedenheit!
Herrſchaften, ich bin doch kein Unterſuchungsrichter,
dem Sie alles auf die Naſe binden müſſen!
Der Jupp war nervös geworden.
Ich möchte wohl, Herr Rittmeiſter, man beruhigte
ſich nun endlich über die Tatſache, daß ich glücklicher
Ehe=
mann geworden bin.
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bor
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
34 88.
Donnerstag, 4. Anguſt.
1910.
Großh. Miniſterlum des Innern hat dem Vorſtand des ewangelichen
Frauen=
vereins der Paulusgemeinde zu Darmſtadt die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veranſtaltung
einer am 12. September d. Js. ſtattfindenden Wohltätigkeitsverloſung von Oel= und
Aquarellgemälden, Kunſtgegenſtänden, Stickereien, feineren Handarbeiten und dergleichen
zum Beſten einer für die Paulusgemeinde zu erbauenden Kleinkinderſchule unter der
Bedingung erteilt, daß bis zu 3000 Loſe zu 0,50 Mk. das Stück ausgegeben werden
dürfen und der Wert der Gewinngegenſtände mindeſtens 60% des Bruttoerlöſes aus
dem Verkaufe der Loſe beträgt. Der Vertrieb der Loſe iſt in der Stadt Darmſtadt
geſtattet. Der Ziehungstermin darf nur mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des
Innern verlegt werden.
(15330
Bekanntmachung.
(14955did
Nachſtehend bringen wir die Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem
Truppen=
übungsplatz für die Zeit vom 30. Juli bis 6. Auguſt l. Js. zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 26. Juli 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 20. Sulit bis 6. Auauſt 1910.
der Abſt
von auer
ſſperrung
bis Die Abſperrung
erſtreckt ſich 4. Aug.
0. , Donnerstag
Sonnabend Feldartillerie (3
1200 M. ſt Ueber das aunſe
Abſperrgelände
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am
Auguſt l. Js. von 10% vorm. bis 50 nachmittags
2. 4. 5.
„ 70 abends
110 nachts
9.
79 abends
11. 12.
Schießen mit ſcharfer Munition auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordenordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
Waldpfad ausſchlieblich
im Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich
„ Süden: Forſthaus-Steinacker-Steinhügel ausſchließlich
„ Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milcheswieſe-
Sau=
wieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln
ab=
geſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten (Polizei=
Verord=
nung Kreisamt Darmſtadt 25. IX. 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. IX. 1909).
Darmſtadt, den 27. Juni 1910.
(12935a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Für den in den Gemarkungen Darmſtadt und Arheilgen gelegenen Großh.
Wild=
park wird auf Grund der Artikel 78 und 48, V, 1 der Kreis= und Provinzialordnung
mit Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes und Genehmigung Großh. Miniſteriums des
Innern zu Nr. M. d. J. III. 7831 vom 23. Juli 1910 zur Abwendung von Gefahren
für das Publikum bei Jagden, zur Verhütung der fortwährenden Beunruhigung und
Verfolgung des Wildes durch Parkbeſucher, ſowie zur Abſtellung von Wilddiebereien
Folgendes verordnet:
§ 1. Das Betreten des Parks außerhalb der Wege und Schneiſen iſt Allen, die
nicht auf Grund eines Rechts oder einer beſonderen Erlaubnis dazu befugt ſind, in
denjenigen Teilen des Parks verboten, für welche dies von Großh. Oberförſterei
Kranichſtein angeordnet und im Amtsverkündigungsblatt, ſowie auf ſonſtige geeignete
Weiſe bekannt gemacht worden iſt.
§ 2. Der Aufenthalt zur Nachtzeit im Park außerhalb der öffentlichen Wege iſt
verboten.
Die Nachtzeit umfaßt in dem Zeitraum vom 15. April bis 14. Oktober die
Stun=
den von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens und in dem Zeitraum vom 15. Oktober
bis 14. April die Stunden von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens.
§ 3. Hunde müſſen innerhalb des Parks an der Leine geführt werden.
§ 4. Zuwiderhandlungen werden, ſoweit nicht andere Strafbeſtimmungen
an=
zuwenden ſind, mit Geldſtrafen bis zu dreißig Mark beſtraft.
§ 5. Dieſe Vorſchriften treten am 15. Auguſt 1910 in Kraft.
Darmſtadt, den 27. Juli 1910.
(15082sid
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung,
das Spielen in außerheſſiſchen Lotterien betreffend.
Die Beſtimmungen des nachſtehenden Geſetzes vom 14. Februar 1906 bringen wir
mit dem Anfügen erneut zur Kenntnis, daß von großen Klaſſenlotterien nur die Königlich
Preußiſche Klaſſenlotterie im Großherzogtum Heſſen zugelaſſen iſt.
Im übrigen iſt, abgeſehen von unbedeutenderen Ausſpielungen, z. Zt. nur der
Loſevertrieb von folgenden außerhefſiſchen Lotterien im Großherzogtum erlaubt:
1. Lotterie des Vereins für Wiederherſtellung der St. Lorenzkirche in Nürnberg?),
2. Lotterie des Deutſchen Schriftſtellerheims in Jena‟),
3. Lotterie des Verbandes deutſcher Beamtenvereine in Berlin,
4. Lotterie des Direktoriums des Germaniſchen Nationalmuſeums inNürnbergs),
5. Lotterie des Kirchen= und Schulvorſtandes in Arnſtadt zum Beſten der
Bonifgeiuskirche in Arnſtadt.
Alle übrigen Lotterien, insbeſondere die Hamburger Stadtlotterie, die
Kal. Sächſiſche Landeslotterie, die Ungariſche Klaſſenlotterie und die Däniſche
Koloniallotterie ſind im Großherzogtum Heſſen nicht zugelaſſen, ſodaß ſowohl
Vertrieb der betreffenden Loſe, als auch das Spielen in den letztgenannten
Lotte=
rien verboten und ſtrafbar iſt.
*) Anm. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen nur mit dem heſſiſchen
Zulaſſungs=
ſtempel verſehene Loſe gelangen. Während der Zeit des Vertriebes der Loſe zur
erſten Klaſſe einer Könial. Preuß. Klaſſenlotterie iſt Ankündigung, Ausgabe und
Vertrieb der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.
(15232md
Darmſtadt, den 30. Juli 1910
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.
Geſetz,
das Spiel in außerheſſiſchen Lotterien betreffend. Vom 14. Februar 1906.
ERNST LuDWIG von Gottes Gnaden Großherzog von Heſſen und
bei Rhein ꝛc. ꝛc.
Wir haben mit Zuſtimmung Unſerer getreuen Stände verordnet und verordnen
hierdurch, wie folgt:
Artikel 1. Wer in außerheſſiſchen Lotterien, die nicht mit ſtaatlicher
Genehmigung im Großherzogtum zugelaſſen ſind, ſpielt, wird mit Geldſtrafe
bis zu 600 Mark beſtraft; eine nicht beizutreibende Geldſtrafe iſt in Haft
um=
zuwandeln.
Artikel 2. Wer ſich dem Verkauf oder der ſonſtigen Veräußerung eines
Loſes, eines Losabſchnittes oder eines Anteils an einem Loſe oder Losabſchnitte
der im Artikel 1 bezeichneten Lotterien unterzieht, insbeſondere auch, wer ein Los,
einen Losabſchnitt oder einen Losanteil dieſer Art zum Erwerb anbietet oder zur
Veräußerung bereit hält, wird mit Geldſtrafe bis zu 1000 Mk. beſtraft. Die
gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher bei einem ſolchen Geſchäft oder einer ſolchen
Handlung als Mittelsperſon mitwirkt.
Iſt die Zuwiderhandlung durch eine Perſon begangen, die Loſehandel
gewerbs=
mäßig betreibt, oder bei ihm gewerbsmäßige Hilfe leiſtet, oder iſt ſie durch
öffentliches Auslegen, Ausſtellen oder Aushängen oder durch Verſenden eines
Loſes, eines Losabſchnitts, eines Bezugsſcheins, eines Anteilſcheins, eines
An=
gebots, einer Anzeige oder eines Lotterieplans oder durch Einrücken eines
Ange=
bots, einer Anzeige oder eines Lotterieplans in eine in Heſſen erſcheinende Zeitung
erfolgt, ſo tritt Geldſtrafe von 100 bis zu 1500 Mark ein.
Jede einzelne Verkaufs= oder Vertriebshandlung, namentlich jedes einzelne
An=
bieten, Bereithalten, Auslegen, Ausſtellen, Aushängen, Verſenden eines Loſes, eines
Losabſchnitts, eines Bezugsſcheins, eines Anteilſcheins, eines Angebots, einer Anzeige
oder eines Lotterieplans wird als beſonderes ſelbſtändiges Vergehen beſtraft, auch wenn
die einzelnen Handlungen zuſammenhängen und auf einen einheitlichen Vorſatz des
Täters oder Teilnehmers zurückzuführen ſind.
Artikel 3. Wer, nachdem er wegen eines der im Artikel 2 bezeichneten
Ver=
gehen rechtskräftig verurteilt worden iſt, abermals eine dieſer Handlungen begeht, wird
in den Fällen des Artikels 2 Abſ. 1 mit Geldſtrafe von 100 bis zu 1500 Mark, in den
Fällen des Artikels 2 Abſ. 2 mit Geldſtrafe von 200 bis zu 2000 Mark beſtraft.
Artikel 4. Jeder fernere Rückfall nach vorausgegangener rechtskräftiger
Verurteilung im erſten Rückfalle zieht Geldſtrafe von 300 bis zu 3000 Mark nach ſich.
Artikel 5. Die Beſtimmungen der Artikel 3, 4 finden Anwendung, auch wenn
die früheren Geldſtrafen noch nicht oder nur teilweiſe gezahlt oder ganz oder teilweiſe
erlaſſen ſind: ſie bleiben jedoch ausgeſchloſſen, wenn ſeit der Zahlung oder dem Erlaſſe
der letzten Geldſtrafe oder der Verbüßung der an ihre Stelle getretenen Freiheitsſtrafe
bis zur Begehung der neuen Zuwiderhandlung drei Jahre verfloſſen ſind.
Artikel 6. Wer Gewinnergebniſſe der im Artikel 1 bezeichneten Lotterien in
einer in Heſſen erſcheinenden Zeitung veröffentlicht, oder durch öffentliches
Aus=
legen, Ausſtellen oder Aushängen bekannt gibt, wird mit Geldſtrafe bis zu 50 Mark
beſtraft. Gehört der Täter oder Teilnehmer zu den im Artikel 2 Abſ. 2 bezeichneten
Perſonen, ſo tritt Geldſtrafe von 100 bis zu 600 Mark ein.
Artikel 7. Den außerheſſiſchen Lotterien ſind alle außerhalb Heſſens
öffent=
lich veranſtalteten Ausſpielungen beweglicher oder unbeweglicher Gegenſtände
gleich zu achten. Der Artikel 1 findet jedoch keine Anwendung, wenn der Preis des
einzelnen Loſes drei Mark, einſchließlich des Reichsſtempels, nicht überſteigt.
Artikel 8. Die in den einleitenden Beſtimmungen und im erſten Teile des
Strafgeſetzbuchs für das Deutſche Reich enthaltenen Vorſchriften finden auf die in dem
gegenwärtigen Geſetze mit Strafe bedrohten Handlungen Anwendung, ſoweit nicht
durch dieſes Geſetz abweichende Beſtimmungen getroffen ſind.
Artikel 9. Auf Anteilſcheine von Anleihen, deren Verzinſung und Tilgung
mit einer Verloſung und mit Prämien verbunden iſt, finden die Beſtimmungen dieſes
Geſetes keine Anwendung.
Artikel 10. Das vorſtehende Geſetz tritt gleichzeitig mit dem Staatsvertrage
zwiſchen den Heſſiſch=Thüringiſchen Staaten und Preußen vom 17. Juni 1905, in Kraft.
Gleichzeitig treten außer Kraft:
1. Die Artikel 234, 235 des Polizeiſtrafgeſetzes vom 30. Oktober 1855, ſoweit
ſie den Vertrieb von Loſen ꝛc. außerheſſiſcher Lotterien und Ausſpielungen
betreffen;
2. das Geſetz, die Einführung einer ſtaatlichen Klaſſenlotterie betreffend, vom
12. Auguſt 1899.
Arkundlich Unſerer eigenhändigen Unterſchrift und beigedrückten Großherzoglichen
Siegels.
Darmſtadt, den 14. Februar 1906.
(L. S.)
ERNST LuDWJG.
Ewald. Gnauth.
Verſteigerungs-Inzeige.
Donnerstag, den 4. Auguſt 1910, nachmittags 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 öffentlich zwangsweiſe gegen
Barzahlung:
a) vorausſichtlich:
3 Büfetts, 1 Pianino, 6 Diwans, 12 Sofas, 6 Vertikos, 2=Spiegel, 2=Glas=,
8 Kleider= und 3 Warenſchränke, 4 Kommoden, 6 Tiſche, 10 Stühle, 3
Schreib=
tiſche, 50 Sack Kreide, 100 Sack Gips, 3 Wagen, 1 Landauer 15 Stallhaſen,
eine Partie Geſchäftsbücher, Heſten und Bilderleiſten, 2 vollſtändige
Laden=
einrichtungen, 54 Schachteln Kragen, 46 Paar Strümpfe, 60 Krawatten,
1 Hüteweiterungsapparat, 107 Herrenhüte, 13 Zylinderhüte, 3 Anzüge, 42 Koffer,
eine Partie Weißwein, 2 Fahrräder ꝛc.
(15333
b) auf freiwilligen Antrag:
1 Sofa und 4 Seſſel (hochfein).
Darmſtadt, den 3. Auguſt 1910.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzeher,
Bleichſtraße 9.
Versteigerungs-Anzeige.
Montag, den 8. Anguſt, I. J., vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich, Stiftstrasse Nr. 3, I. Etage, aus dem
Nach=
laß des Rentners Dr. Hecker im Auftrag des
Teſtaments=
vollſtreckers folgende Gegenſtände an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung:
1 Sofa, mit rotem Plüſch bezogen, 1 pol. nußb. Pfeilerſchränkchen, 1
des=
gleichen in Mahagoni, 1 geſchnitztes Ul=Ziertiſchchen, 2 geſchnitzte gepolſterte
Salonſeſſel, 1 antikes Trumeau, 2 Vertikos, 1 eiſ. Ziertiſchchen, 1 antike
Schreibkommode, verſchiedene Seſſel und Stühle, ein ovaler Tiſch, verſch.
größere und kleinere Tiſche, 1 Nähtiſch, 3 Waſchkommoden, 1 Klavierſtuhl,
Spiegel, Bilder ꝛc., 1 O eiſ. Gartentiſch, 4 Stühle und 1 Seſſel, 4
Kleider=
ſchränke, 3 Bettſtellen mit Matratzen, Nachttiſchchen, Küchenmöbel u.
Küchen=
geräte, ſowie ſonſtigen Hausrat, Porzellan, Glas, Nippſachen u. a. m.
Darmſtadt, den 4. Auguſt 1910.
(15329ds
Ernst Wolff, Amtsgerichtstarator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Staatl. konzess. und beaufsichtigte
Hessische Handelslehranstalt
DARMSTADT
am Ernst-Ludwigsplatz
Rheinstrasse 1
I. Einjährige Handelsschule mit vollem Tagesunterricht.
II. Halbjahrskurse zur Vorbereitung für den kaufm. Beruf.
Das Wintersemester beginnt Dienstag, den 4. Oktober, 8 Uhr.
(14742a
Lehrplan und Aufnahmebedingungen durch
Wilh. Siedersleben
Sprechstunden:
Montag bis Freitag 12—1 Uhr staatl. geprüfter Handelslehrer u.
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag gerichtlich beeidigt. Bücherrevisor.
3—5 Uhr.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den=4, Auguſt 1910.
Nummer 180.
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von folgenden
Früchten und Verbrauchsgegenſtänden in
der Zeit vom 15. bis 31. Juli 1910:
Weizen p. Sackà 100 Ko. v. Mk. 20.— bis 23.—
Korn , , , „ , „ „ 15.50 „ 16.−
15.− „ 17.—
Gerſte „. „ , , „
17.− „ 17.50-
Hafer
Butter ½ Kilo Mk. 1.30
Butter in Partien Mk. 1.20
Eier per Stück 8 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück Mk. 1.75
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 8.50
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 2.50
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.50
Heu per 50 Kilo Mk. 4.50
Darmſtadt, den 2. Auguſt 1910.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Fenſter=Reinigung.
Die Reinigung von außergewöhnlichen
Fenſterflächen in verſchiedenen ſtädtiſchen
Gebäuden ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte,
Grafen=
ſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9, während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die
An=
gebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſſind bis
Montag, den 8. Auguſt 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 2. Auguſt 1910.
Stadtbauamt.
(15322df
Buxbaum.
Bekanntmachung.
In der Zwangsvollſtreckungsſache der
Karl Rothe Witwe und der Darmſtädter
Volksbank gegen die Matthias Hees
Eheleute ſollen die Grundſtücke Fl. XIV,
Nr. 78 219 qm Hofreite Schulſtraße und
Fl. XIV, Nr. 7¾/10, 289 am Grabgarten
Ge=
markung Beſſungen, zwangsweiſe
verſtei=
gert werden. Auf den Grundſtücken laſtet
ein Reſtkaufſchilling zu Gunſten der
Wirts=
eheleute Jakob Boſch, deren Aufenthaltsort
unbekannt iſt. Es ergeht an die Eheleute
Boſch, ſowie alle diejenigen, welche
An=
ſprüche auf die vorbezeichnete
Kaufſchillings=
forderung haben, die Aufforderung, ſich bis
zum 16. September 1910, vormittags
9 Uhr, Zimmer 201, bei unterzeichnetem
Gericht zu melden, widrigenfalls die oben
bezeichneten Zwangsverſteigerungen
ange=
ordnet werden, ohne daß eine
Benachrich=
tigung der Gläubiger vorbezeichneter
Kauf=
ſchillingsforderung zu erfolgen hat. (15325
Darmſtadt, den 29. Juli 1910.
Großherzogliches Amtsgericht I.
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 15. September I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Georg Gerlach Eheleuten
da=
hier zugeſchriebenen Immobilien:
Flur Nr. qm
V 59911/1000 339 Hofreite
Viktoria=
ſtraße,
V 59215/1000 252 Hofreite daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K114/10
Darmſtadt, den 2. Auguſt 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (D15335,4
älteſter Gerichtsmann.
Bekanntmachung.
In dem Konkursverfahren über das
Vermögen des Kaufmanns Jonas
Leh=
mann, Inhaber der Firma J. Lehmann
Simon in Darmſtadt, wird zur Abnahme
der Schlußrechnung, zur Erhebung von
Ein=
wendungen gegen das Schlußverzeichnis
und zur Beſchlußfaſſung der Gläubiger
über etwaige unverwertbare
Vermögens=
ſtücke Termin beſtimmt auf: (15326
Montag, den 29. Auguſt 1910,
vormittags 10½ Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte, Neues
Gerichtsgebäude am Mathildenplatz,
Zim=
mer 219.
Darmſtadt, den 2. Auguſt 1910.
Großherzogliches Amtsgericht I.
Beiantnchunt.
Donnerstag, den 11. Auguſt l. Js.
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Karl Henkelmann Eheleuten
dahier zuſtehende Hofreite:
Flur Nr. qm
22 57582) 446 Emilſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K115/10
Darmſtadt, den 1. Juli 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(D13695,2
Dünger=Verſteigerung.
Am Freitag, den 5. Auguſt 1910,
um 950 vormittags,
wird die außerhalb der Kaſerne befindliche
Wechſelſtreu aus 2 Batterieſtällen öffentlich
und meiſtbietend verſteigert.
Zuſammen=
kunft an der Artilleriekaſerne am Beſſunger
Weg.
(15226md
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1910.
I. Abteilung Feldartillerie=Regts. Nr. 61.
Achtung:
Achtung!
Kammerläger Schwarz
empfiehlt ſich zur Vertilgung von Ratten,
Mäuſen, Schwaben, Wanzen und
Un=
geziefer jeder Art.
Bitte Offerten in der Expedition ſchrift=
(15321dfs
lich niederzulegen.
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Silbergeräten und sonstigen Wertobjekten jeden Umfangs (sog. geschlossene Depots),
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aller Art unter Mitverschluß des Besitzers.
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werden im Saale „Zur Ludwigshalle‟, Obergaſſe dahier, öffentlich meiſtbietend gegen
Barzahlung folgende Pfänder verſteigert:
1 Pferd, 1 Pianino, 1 Tafelklavier, 1 Heftmaſchine, 26½ und ½ Fl. Kognak
und Liköre, 30 Büchſen Kindermehl, 25 Päckchen Tee, 1 Büfett, 2 Schreibtiſche,
2 Kleiderſchränke, 1. Vertiko, 1 Kommode, 3 Diwans, 2 Sofa, 1
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ſchrank, 50 Geſchäftsbücher, 15 Leiſten für Bilderrahmen, 1 Nähmaſchine,
1 Regulator, 1 Standuhr, 1 Schreibſekretär, 11 Hirſchgeweihe, 1
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kopf, 1 ausgeſtopften Auerhahn, 1-Geldkaſſette, 1 Blechkaſſette, 1 Lüſter, 1 Rind,
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Darmſtadt, den 3. Auguſt 1910.
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Auguſt 1916.
Nummer 180.
Die Audienz beim Miniſter.
Eine heitere Geſchichte.
Seit vierzehn Tagen herrſchte große Aufregung im
Dorf und es war gar nicht vorauszuſehen, wie lange
ſie noch dauern würde. Die Bürgermeiſterwahl ſtand
bevor. Die Amtszeit des alten Bürgermeiſters war
abgelaufen und jetzt ſollte ein neuer, nach dem neneſten
Geſetz, gewählt werden. Bisher beſtand in Heſſen das
Dreiklaſſenwahlrecht, wobei der Geldbeutel die
Herr=
ſchaft führte. Die Wähler waren nach ihrem Vermögen
in drei Klaſſen eingeteilt. In der erſten wählten einige
reiche Männer, in der zweiten eine größere Anzahl,
und in der dritten die große Menge von
Bür=
gern, je drei Gemeinderäte. Die Regierung ſuchte
ſich aus den Gewählten den für ſie brauchbarſten Mann
zum Bürgermeiſter aus. Daß dabei nicht immer der
Geeignetſte gewählt wurde, ſondern nur de für die
Regie=
rung genehmſte Perſönlichkeit, iſt leicht zu denken.
Ge=
wöhnlich wurde der Reichſte in der Gemeinde
genom=
men, wohl aus dem Grunde, weil er die meiſten
Steuern zahlen mußte.
Nun hatte die Regierung in den ſechziger Jahren
des neunzehnten Jahrhunderts ein liberales Geſetz den
Kammern vorgelegt, wonach die Gemeinderäte und der
Bürgermeiſter nach gleichem, geheimem Wahlrecht
ge=
wählt werden ſollten, das von dieſen angenommen
wurde. Es war ein erfreulicher Fortſchritt, zumal für
die freiheitlich geſinnten Pfälzer Bauern in
Rhein=
heſſen.
Zum erſten Male ſollte in allen Dörfern des Landes
die örtliche Obrigkeit nach dieſem Geſetze gewählt
wer=
den. Da gab es große Aufregung und viel Streit
zwiſchen den politiſchen Parteien und den einzelnen
Patrizierfamilien, die ſich bisher in die Herrſchaft
ge=
teilt hatten.
Wer die Pfälzer kennt, weiß, daß bei der Wahl
der Ortsobrigkeit nicht immer die politiſche Partei,
ſon=
dern die Anſprüche der einzelnen reichen Familien den
Ausſchlag geben. Da heißt es nicht liberal oder
kon=
ſervativ, ſondern A. oder B. ſoll herrſchen. Die
Auf=
regung ſtieg manchmal aufs höchſte und die Anhänger
des alten Syſtems, die das neue verurteilten, ſchienen.
recht zu behalten.
In A. war heute Bürgermeiſterwahl. Vor 14 Tagen
hatte man ſchon einen neuen Gemeinderat gewählt. Die
Alten und Jungen hatten ihre Kräfte gegenſeitig
ge=
meſſen und die letzteren waren Sieger geblieben. Jetzt
kämpften ſie um den Bürgermeiſter. An die
Wieder=
wahl des alten Ortsoberhauptes dachte niemand, beide
Parteien hatten neue Männer aufgeſtellt und rangen um
die Siegespalme.
Beſt, der Kandidat der Alten, war ein tüchtiger,
liberal geſinnter Bauer, der nebenbei, wie das auf dem
Lande oft vorkommt, ein Kaufmannsgeſchäft betrieb.
Er, der ſehr beſchäftigt war, trat, nur von ſeinen
Freun=
den gezwungen, auf den Plan und ſagte nur zu, daß
er bei einer etwaigen Wahl bereit ſei, das Amt zu
über=
nehmen. Zu einer Agitation ließ er ſich nicht bewegen,
und ſo mußte man nach der Sachlage die Hoffnung auf
den Sieg aufgeben.
Sein Gegner, ein begüterter Bauer namens Harter,
dachte anders. Schon einige Jahre vorher hatte er den
Hebel angeſetzt, um in den Gemeinderat zu gelangen,
aber jedesmal vergebens, er fiel immer durch. Die
Hoffnung, Bürgermeiſter zu werden, war darum ſehr
gering. Jetzt ſollte ſie, nachdem das Geſetz ihm die
Wege geebnet, in Erfüllung gehen Eigentlich fehlte
ihm zur Bekleidung eines ſolchen Amtes faſt alles, er
war ziemlich beſchränkt und dabei ganz ungebildet, nur
ſein Reichtum konnte ihm Anſehen verleihen.
Nebenbei war er ein gewaltiger Klopffechter und
Prozeſſierer, der oft wegen einer Kleinigkeit die
Ge=
richte beſchäftigte, und deshalb bei den Behörden nicht
gut angeſchrieben.
Harter, der ſeinen Gegner als den gebildeten Mann
haßte, wollte unter allen Umſtänden zum Bürgermeiſter
gewählt werden und alle Mittel waren ihm genehm, um
zu ſeinem Ziele zu kommen. Wer ihm nicht freiwillig
ſeine Stimme geben wollte, deſſen Bereitwilligkeit
mußte einfach gekauft werden. Seine Freunde,
zweifel=
hafte Geſellen, unterſtützten ihn kräftig darin, ſo daß
mit jedem Tage ſein Anhang wuchs. Hier ſchenkte er
einem Verſchuldeten das Geld, um ſich vor dem Verfall
zu retten, dort erließ er einem ſeiner Schuldner die
fälligen Zinſen. Einem Bedürftigen drückte er einige
Gulden heimlich in die Hand, hob warnend den Finger
in die Höhe und ſagte verſchmitzt: „Mer wiſſe von nix!“”
Das Geld wirkte Wunder, wie immer. In ſeinem
Hauſe herrſchte ſeit 14 Tagen ein geſchäftiges Treiben.
Die Scheuer war zu einer Wirtstenne eingerichtet. Er
ließ ein Rind und ein Schwein ſchlachten; daraus
wur=
den Würſte gemacht. In ein großes Faß, das 1200
Liter Wein faßte, wurde der Kranen eingeſchlagen und
fleißig gedreht. Nun gabees hier ein ununterbrochenes
Trinkgelage, ein Schmauſen, Singen und Jubilieren.
Die durſtigen Gäſte, deren jedes Dorf in der
fröh=
lichen Pfalz eine große Anzahl kennt, wurden nicht
mehr nüchtern. Viele gingen gar nicht mehr nach
Hauſe, ſondern logierten ſich im Stroh im Barren ein,
um keine Trinkzeit zu verlieren.
Die jüngeren Bauern vergaßen, auf den Acker zu
fahren, um die Frühlingsſaat zu beſtellen, ſie ließen
die Weiber ſchmälen und taten ſich gütlich am billigen
Schmaus, den man nicht immer haben kann und ihn
darum genießen muß, wenn er zu haben iſt.
Nur die älteren und beſcheidenen Bürger hielten
ſich von einem Treiben, das im Dorfe unerhört war,
gänzlich fern.
Endlich war der Wahltag herangekommen. Die
Nacht vorher war der Unfug auf das Höchſte geſtiegen,
indem er bis zu der Stunde dauerte, wo die Glocke zur
Abſtimmung rief. Nun eilten die meiſten dem
Rat=
hauſe zu. Die unſicheren Elemente wurden von zwei
Vertraueusmännern der Jungen in die Mitte
genom=
men, ein Wahlzettel wurde ihnen in die Hand gedrückt
und ſie zur Urne geleitet. Es war ihnen nicht zu
trauen, darum mußten ſie behütet werden.
Die faulen Wähler holte man mit Gewalt aus der
Werkſtatt, aus dem Felde zur Abſtimmung herbei. Ja,
Kranke und Lahme lud man auf einen Karren, trug ſie
dann an die Urne, wo ſie unter Seufzen ihren
Wahl=
zettel abgaben.
Selbſt bis in die Schule pflanzte ſich die Aufregung
fort und an einen geregelten Unterricht war gar nicht
zu denken. Die Knaben horchten auf jede Kundgebung
auf der Straße, und in den Pauſen traten ſie für die
Partei ihrer Väter ſogar mit Fäuſten ein.
Die Frauen und Mädchen unterhielten ſich gegen
alle ſonſtige Gewohnheit über die Hoffnungen der
Parteiſreunde.
Um 4 Uhr nachmittags ertönte die Glocke abermals
und verkündete den Schluß der Wahl. Nun trat etwas
Stille ein, und alles wartete voll Ungeduld auf das
Reſultat.
Um 5 Uhr durchlief das Gerücht das Dorf, daß
der Kandidat der Jungen mit 41 Stimmen über ſeinen
Gegner geſiegt habe. Die Alten, die gehofft hatten,
daß die Vernunft den Sieg davontragen werde, hatten
ſich getäuſcht und waren ſehr niedergeſchlagen.
Vor dem Hauſe des Neugewählten ſammelte ſich
eine große Volksmenge an, die unaufhörlich Hochs auf
ihn ausbrachte.
Nun veranſtaltete man eine Siegesfeier; man
arrangierte einen Aufzug durch das Dorf. Voran ritt
ein maskierter Reiter auf einem Schimmel. In der
einen Hand trug er eine Fahne, die man vorſorglich in
der Stadt hatte anfertigen laſſen. Zwiſchen den
Far=
ben ſchwarz=rot=gold zeigte ſie die Inſchrift: „Hurra,
die Jungen haben geſiegt!” In der anderen Hand trug
er eine Trompete, der er, als Herold, fürchterliche Töne
entlockte, da er in der Kunſt des Blaſens ganz
uner=
fahren war. Dann folgten Burſchen in Masken, die
auf Pferden ſaßen, aber ſchon ſo betrunken waren, daß
ſie ſich nur mühevoll auf denſelben halten konnten.
Hinter ihnen marſchierten die Gaſſenbuben, die vor dem
Hauſe des Durchgefallenen auf allen möglichen und
unmöglichen Inſtrumenten eine Katzenmuſik ausführ,
ten. Den Schluß bildete ein Wagen, auf dem ein Faß
mit Wein lag, woraus ein Schenke allen denen, die
danach verlangten, einen Trunk ſpendete. Der Tag
endete mit einem Saufgelage, welches das Licht des
nächſten Morgens ſah.
Der neue Bürgermeiſter hatte einen Sieg erfochten,
der ihm etwas teuer zu ſtehen kam; rechnete man alle
Ausgaben, für die er aufkommen mußte, zuſammen, ſo
kamen immerhin tauſend Gulden heraus. Aber er war
ja reich und konnte ſich dieſes leiſten, um ſeinen Ehrgeiz
zu befriedigen. Die Freude in der Partei war ſehr
groß, beſonders bei den geringen Leuten, die ſich von
der Herrſchaft des neuen Oberhauptes den allgemeinen
Glückszuſtand erträumten, wo man bei wenig Arbeit
viel zu eſſen und zu trinken bekommt. Solche
Hoff=
nungen konnte eine einfache Bürgermeiſterwahl in
einem Dorfe bei intelligenten Leuten hervorrufen!
Manche aber bekamen einen gelinden
Katzen=
jammer, wenn ſie die noch unbeſtellten Felder=
betrach=
teten, wo doppelte Arbeit ihnen winkte. — Nun trat
etwas Ruhe in dem Dorfe ein, bis ſich eines Tages das
Gerücht verbreitete, daß die Regierung die Beſtätigung
Harters abgelehnt habe. Der ſtellvertretende
Bürger=
meiſter hatte ein Schreiben bekommen, worin ihm dies
mitgeteilt und er beauftragt wurde, innerhalb vier
Wochen eine neue Wahl anzuordnen. Dieſe
Entſchei=
dung enttäuſchte die ſiegreiche Partei ſehr und rief
all=
gemeine Entrüſtung hervor. In Familien und
Wirts=
häuſern wurde heftig auf den Kreisrat zu O. geſchimpft
und die Aufregung wuchs. Selbſtbei den Unterlegenen
rief dieſe Nachricht keine angenehmen Gefühle hervor,
da man als freie Bürger es nicht begreifen wollte, wier
eine Behörde den Willen des Volkes ſo wenig
reſpek=
tieren konnte.
Nun rüſtete man zur zweiten Wahl. Allgemein
wurde ausgeſprochen, daß man an der Kandidatur des
Gewählten feſthalten müſſe, man wolle dann ſehen, obl
die Regierung es dennoch wagen würde, dem zum
zweiten Male Erkorenen die Beſtätigung zu verſagen.
Damit aber das Schauſpiel der allgemeinen Völlerei
ſich in dem Dorfe nicht wiederhole, ordnete das
Kreis=
amt an, daß der Bürgermeiſterkandidat Harter keine
Feſte mehr in ſeinem Hauſe abhalten dürfe. Auch legte
man zwei Gendarmen auf Koſten der Gemeinde ins
Dorf, die beauftragt waren, jede öffentliche Kundgebung
zu unterdrücken.
Doch wofür ſind viele Geſetze da? Damit ſie
über=
treten werden. Die Anhänger Harters aßen und
tran=
ken jetzt in den einzelnen Wirtshäuſern der Partei auf,
Koſten deſſen, der es bezahlen würde. Alle wußten
dieſe Tatſache, nur die Gendarmen erfuhren nichts
davon, ſoviel ſie auch überall herumhorchten und
eſchnüffelten. Anſtatt ſich, wie früher, mit Geſang,
Muſik und Lärm auf die Wahl vorzubereiten, trank man
mit finſterer Miene ſeinen Wein, machte aber bei
An=
weſenheit eines der öffentlichen Wächter
vorſichtiger=
weiſe eine Fauſt im Sack.
So kam der zweite Wahltag heran und ging
geräuſch=
voll unter großer Aufregung zu Ende, und was man
kaum vermutet hatte, geſchah: Harter ging zum zweiten
Male mit einer noch viel größeren Majorität aus der
Wahlurne hervor. Viele von den Alten, die ſich über
die Einmiſchung der Regierung in das freie Wahlrecht
der Gemeinde erboſt hatten, gaben dem
Gegenkandi=
daten jetzt auch ihre Stimme. Bewieſen ſie ja durch
den Stimmzettel, was ſie ſonſt durch Kritiſieren und
Räſonieren tun, daß ſie ſich als freie Bürger doch nicht
alles gefallen laſſen.
Nach dem Ausfall der zweiten Wahl verhielt ſich
die ſiegreiche Partei auffallend ruhig und gemeſſen; da
gab es keine Muſik, keinen öffentlichen Aufzug, ſondern
nur in den Wirtshäuſern wurde das freudenreiche
Er=
eignis kräftig begoſſen. Auch hütete man ſich, auch nur
ein vergorenes Wort gegen die Regierung
auszu=
ſprechen, denn die Gendarmen machten überallhin ſpitze
Ohren und man wollte doch dem Kreisrat, den man
hier doppelt brauchte, nicht vor den Kopf ſtoßen.
Eigentlich war den Wahlmachern nicht recht wohl
bei der Sache, man mußte befürchten, daß die Behörde
den Gewählten zum zweiten Male nicht beſtätigen
würde. Was war zu tun?
Man riet unter großem Lärm hin und her, wie man
zu einem befriedigenden Reſultat gelangen könne.
Vorſchläge wurden gemacht und wieder verworfen.
Da meinte einer der Hauptkriſcher und
Wahl=
macher, der Schuhmacher Lai, allgemein wegen ſeines
guten unermüdlichen Mundwerks der Starmatz
oder Matz genannt, man müſſe eine Deputation nach
Darmſtadt ſchicken. Die müſſe bei dem Miniſter um
eine Audienz bitten und ihm die ganze Sachlage
vor=
tragen. Das würde ſeine Wirkung tun.
Dieſer Vorſchlag fand, als der beſte von allen,
allgemeine Billigung und wurde angenommen. Ein
Lehrer, der ſich zur Partei bekannte wurde beauftragt,
eine Petition zu entwerfen, in der die Verhältniſſe der
Gemeinde klar dargelegt wurden mit der Bitte, das
Miniſterium möge den Gewählten einer großen
Ma=
jorität als Bürgermeiſter beſtätigen. Die Schrift
ging von Haus zu Haus und wurde von den meiſten
Bürgern unterſchrieben.
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