Darmstädter Tagblatt 1910


30. Juli 1910

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173. Jahrgang
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N 176.

Samstag, den 30. Inli.

1910.

Die heutige Nummer hat 32 Seiten.

Däniſche Siegesjubelfeiern.
N. Kopenhagen, 27. Juli.
In den Tagen vom 23. bis 25. Juli ſind über ganz
Dänemark, insbeſondere aber in Frederizia, Kolding und
in der Hauptſtadt Kopenhagen, anläßlich des 60. Jahres=
tages
des Sieges der däniſchen Truppen bei Iſted große
militäriſche Feiern und Volksfeſte abgehalten worden. In
Kopenhagen waren die Kriegsveteranen von den vater=
ländiſchen
Vereinen zu einem großen Feſte im Garten
des Königs eingeladen worden, wobei der Oberſt a. D.
Jenſen, der ſelbſt an der Schlacht teilgenommen hat, eine
markige Anſprache und auch der König Frederik eine be=
geiſterte
Rede hielt.
Dieſe Feſte haben zu ausführlichen Preßreferaten den
Anlaß gegeben, und natürlich haben ſich die däniſchen Zei=
tungen
aller politiſchen Lager eingehend mit der Wür=
digung
der Ereigniſſe der Jahre 184850 und der geſchicht=
lichen
Entwickelung der ſchleswig=holſteiniſchen Frage
überhaupt beſchäftigt. Der Inhalt und der Ton jener
Zeitungsartikel ſind jedoch je nach dem politiſchen
Standpunkte der betreffenden Preßorgane ein durchaus
verſchiedener. Die radikalen und ſozialdemokratiſchen Or=
gane
ſtimmen nämlich in den patriotiſchen Jubel der übri=
gen
Preſſe keineswegs mit ein und bekennen ſich zu der
Auffaſſung, daß der Sieg der Dänen bei Iſted und der für
die Dänen günſtige Ausgang des Krieges 18481850
überhaupt eine gewaltige Selbſtüberhebung der Dänen in
der Beurteilung der ſchleswig=holſteiniſchen Frage in den
folgenden Jahren zur Folge gehabt und indirekt den für
Dänemark unglücklichen Krieg von 1864 bewirkt habe. Von
radikaler und ſozialdemokratiſcher Seite wird ausgeführt,
daß die Dänen in der Zeit von 18501864 wegen ihrer
Siege über das ſchleswig=holſteiniſche Aufruhrheer ſich
einer anmaßenden Haltung gegenüber den Herzogtümern
ſchuldig gemacht und durch ihre unkluge Handlungsweiſe
und ihre Unterjochung der deutſchen Elemente in den Her=
zogtümern
ſelbſt ihr nationales Unglück von 1864 herauf=
beſchworen
hätten . . . Charakteriſtiſch iſt u. a. ein Aufſatz
der radikalen Roeſkilde Tidende, worin ausgeführt wird:
. . . Unſere däniſchen Militariſten verſuchen es, die
Kriegs=Erinnerungen aus den Jahren 184850 in ihrer
Agitation für ihre neumilitariſtiſche Bewegung auszu=
nützen
. Es ſei uns geſtattet, hiergegen einen beſcheidenen
Proteſt zu erheben. Auch wir fühlen Bewunderung für
den Heldenmut, womit die däniſchen Soldaten in den
Kampf gingen . . . Aber während Feſte gefeiert werden,
fühlen wir uns veranlaßt, daran zu erinnern, daß die blu=
tigen
Opfer hätten vermieden werden können, wenn unſere
Staatsmänner klüger geweſen wären! Wenn unſere
Staatsmänner ein wenig mehr mit Realitäten gerechnet
hätten, dafür aber einen Teil der Stimmungen und der
Feſt=Lyrik aus dem Spiele gelaſſen hätten, wäre vieles
anders geweſen. Wir können uns nie und nimmer der
Betrachtungsweiſe anſchließen, daß der Sieg von Iſted
geeignet ſei, uns dazu aufzufordern, auch in Zukunft auf
unſere Waffenmacht zu vertrauen!
Denn was geſchah in den Jahren 18481850? Es
war nicht an dem, daß das kleine Dänemark kraft ſeiner
gerechten Sache das große Deutſchland beſiegt hätte. Ganz
abgeſehen einmal davon, daß Preußen von dazumal in
alle Wege nicht mit dem modernen Militärſtaat Deutſchland
verglichen werden kann, iſt es eine Tatſache, daß unſere
Siege von damals nichts waren als Erfolge gegenüber
dem ſchleswig=holſteiniſchen Aufruhrheer. Als General
Wrangel mit den preußiſchen Truppen kam, unterlagen wir
wiederholt, aber gegenüber den Schleswig=Holſteinern
konnten wir uns behaupten, und nur dieſe kämpften deut=
ſcherſeits
in der Schlacht von Iſted mit. Unſer Sieges=
rauſch
von 1850 wurde bald zur übermütigen Selbſtüber=
hebung
, die in den folgenden Jahren unſerer Politik aufs
empfindlichſte ſchadete. Hätten unſere Politiker ihren Kopf
klar behalten, wäre uns 1864 nicht Nordſchleswig verloren
gegangen. Man lebte aber in der unwahren Einbildung,
daß man 1850 über Deutſchland geſiegt habe; deshalb
wurde der Sieg von Iſted zum Urſprung der großen Ka=
taſtrophe
von 1864 . . . Dieſe geſchichtliche Wahrheit dür=
fen
wir nie vergeſſen, und wir müſſen dagegen proteſtieren,
daß die Erinnerungen aus dem erſten ſchleswigſchen
Kriege dazu benutzt werden, eine neue militariſtiſche Agi=
tation
zu eröffnen . . ."

Eine Kriſis in der chineſiſchen Schnireform.
KW. Nach den Tagen des ruſſiſch=japaniſchen Krieges,
als der Erfolg Japans das Selbſtgefühl aller oſtaſiatiſchen
Völker geſtärkt hatte, entſtand in China eine großzügige
Bewegung, die mit Eifer und Entſchloſſenheit für eine
Reform des chineſiſchen Lehrweſens kämpfte. Es hatte
den Anſchein, als ob dieſe Beſtrebungen, die einen engen
Anſchluß an die Lehrmethoden des Weſtens predigten,
ſegensreiche Erfolge für die Gegenwart und vor allem für
die Zukunft des Reiches der Mitte herbeiführen würden.
Ueberall entſtanden neue Schulen, eine große Zahl von
Lehranſtalten wurde von der Regierung errichtet; aber
auch die private Initiative ſcheute vor patriotiſchen
Opfern nicht zurück, und die Zahl der Anſtalten, die auf
Stiftungen reicher Chineſen zurückgingen, wuchſen ins
Endloſe.
Aber die Begeiſterung, ſo ſcheint es, war nur von kur=
zer
Dauer. In den Questions diplomatiques et eolo-
niales
gibt ein genauer Kenner Chinas eine umfaſſende
kritiſche Schilderung der Entwickelung, die dieſe vielver=
ſprechenden
Anſätze genommen haben. In Wirklichkeit hat
die Vermehrung der Lehranſtalten und Schulen keine Er=
folge
gebracht, ſondern im Laufe der Jahre Mißſtände
und Gefahren entwickelt, die heute bereits die Bedeutung
der chineſiſchen Schulreform auf ein Minimum herab=
drücken
. Der Verlauf hat gezeigt, daß die Großmut der
privaten Schulſtifter keineswegs ſelbſtlos war, die Opfer=
willigkeit
hatte ihre eigennützigen Gründe, und bald ent=
hüllte
ſich die private Initiative als ein Ausſluß des
Titelehrgeizes. Als die Stifter die erſehnten Auszeich=
nungen
von der Regierung erhalten hatten, ſchwand plötz=
lich
ihr Opfermut, das Ziel war erreicht, weitere Gelder
wurden nicht gezeichnet, und das Ergebnis war, daß ein
großer Teil der Privatſchulen nach kaum einjähriger =
tigkeit
, ja oft nach wenigen Monaten wegen Mangels
an Betriebsmitteln geſchloſſen werden mußte. Urſprüng=
lich
war der leitende Gedanke die Einführung der euro=
päiſchen
Wiſſenſchaften in das Reich der Mitte. Japans
beiſpielloſer Aufſchwung hatte gezeigt, welche Erfolge in
kurzer Zeit mit den Waffen des Weſtens errungen wer=
den
können, und China wollte dieſen Spuren folgen. Aber
das nationale Selbſtbewußtſein der Mehrheit, der Stolz
auf die jahrtauſendalte Tradition chineſiſcher Weisheit, ließ
die meiſten Pädagogen des Oſtens mit einer Art herab=
laſſender
Verachtung auf das europäiſche Wiſſen und die
europäiſchen Lehrmethoden herabblicken. Der Weg war
zu dornenvoll und zu langwierig, man ſuchte das Ver=
fahren
abzukürzen. In kurzer Zeit hatte ſich die Meinung
Bahn gebrochen, daß ein paar Rezepte genügen, um
mühelos die Ergebniſſe jahrhundertlanger europäiſcher
Kulturarbeit zu beſitzen. Die paar Handgriffe mußten
den aus dem Auslande zugezogenen Lehrern ja leicht ab=
zuſehen
ſein, und dann wären die fremden Barbaren
überflüſſig. Man nahm alſo europäiſche und japaniſche
Lehrkräfte in die Schulen auf und entließ ſie nach kurzer,
oft nur halbjähriger Tätigkeit, um chineſiſche Lehrer an
ihre Stelle zu ſetzen. Eine geordnete Vorbildung dieſer
nationalen Lehrkräfte wurde weder verlangt noch er=
ſtrebt
.
Was kommen mußte, war leicht vorauszuſehen: in
den Schulen wirkten Lehrer, die nichts wußten. Wenn
man ihnen erklären würde, daß in Europa ein Lehrer erſt
nach mehrjähriger beſonderer Vorbereitung zur Aus=
übung
ſeines Berufes zugelaſſen wird, würden ſie einen
auslachen. Sie beginnen mit der Tat, wollen Chirurgie
lernen, ehe ſie Anatomie kennen, wollen Trigonometrie
treiben, ohne die Arithmetik begriffen zu haben, und be=
ginnen
ihr chemiſches Studium mit Exploſivſtoffen. Der
Begriff der Grenzen der Diſziplinen fehlt ihnen völlig:
auf den höheren Lehranſtalten muß der Rechtslehrer am
nächſten Tage Phyſikſtunde geben. Und dieſer planloſen
Oberflächlichkeit entſpricht auch der Charakter des chine=
ſiſchen
Durchſchnitts=Studenten, der im Laufe eines Jahres
von der Kriegsſchule zur Rechtswiſſenſchaft übergeht und
dann nach dreimonatigem juriſtiſchen Studium ſich der
Medizin widmet. Er weigert ſich, vor den fremden Leh=
rern
ein Examen abzulegen, beſchuldigt ſie der Vorein=
genommenheit
und macht lieber bei den Mandarinen in
den alten chineſiſchen Schulen ſeine Prüfung, vor Lehrern,
die die neuere Wiſſenſchaft zwar nicht kennen, aber ver=
achten
. Die chineſiſchen Lehrer wiederum halten ſich nur
durch den Bluff in ihrer Stellung. Sie diktieren ihren
Schülern Formeln, die ſie ſelbſt nicht verſtehen und die
oft ganz ſinnlos ſind. Wenn einer der wenigen euro=
päiſchen
oder japaniſchen Lehrer kommt, um die Lehr=

anſtalt zu inſpizieren, ſo trifft der chineſiſche Meiſter der
Wiſſenſchaft ſeine Vorſorge, am betreffenden Tage krank
zu ſein, und alles verläuft im Sande. Dieſe Zuſtände
aber züchten eine ſchwere Gefahr, ſie bilden eine neue
Tyrannei, eine neue Ariſtokratie, die Ariſtokratie der an=
maßenden
, aber unwiſſenden Jugend, die nichts verſteht
und doch alles zu beherrſchen behauptet. Und das Ziel
dieſer Jugend iſt die Macht.

Wandlungen in Gſtaſten.
Von Dr. A. Wirth.
ngc. Die Toten reiten ſchnell. Die veralteten, bereits
innerlich abgeſtorbenen Zuſtände verſchwinden nun auch
äußerlich. Der Rieſe China reckt und dehnt ſich und ſprengt
die Hülle des Mittelalters. Japan legt ſeine ſchwere Hand
über Korea und ſät da eine Haſſesſaat, die unheilvoll
aufgehen wird. Siam, dem 1893, 1905, 1908 Land abge=
zwackt
worden iſt, wird wie eine Artiſchocke von Frank=
reich
und England verſpeiſt. Der Dalai Lama knüpft Be=
ziehungen
zum Mikado und Zaren an und will ſich der
Herrſchaft des Himmelsſohnes entziehen, während er einſt=
weilen
unter der Obhut des Königs von England und
Kaiſers von Indien ſteht. Und Oſtaſien geht aus ſeiner
Zurückhaltung heraus und ſchließt Bündniſſe mit Euro=
päern
, Japan mit Rußland, China mit Amerika. Weitere
Bündniſſe ſtehen vor der Tür.
Korea wird einſtweilen nichts unternehmen. Vielleicht
einige Putſche, Krawalle, Meutereien, lokale Aufſtände und
Gefechte, aber keinen einheitlich organiſierten National=
widerſtand
. Man müßte jedoch ſämtliche Geſetze der Ge=
ſchichte
verwerfen, wenn das japaniſche Joch ſich als dau=
ernd
erwieſe. Es iſt ſchlechterdings undenkbar, daß ein
Zehnmillionenvolk von granitener Eigenart, von völliger
Uebereinſtimmung in Sprache und Tracht und Sitten und
Gewohnheiten ſich ſtändig einem anderen, wenn auch an
Kultur und Zahl überlegenen, unterordnete. Zumal, wenn
Helfer ſo viele in der Nähe ſind wie bei Korea. Nicht ein=
mal
Portugal hat länger als wenige Jahrzehnte bei Spa=
nien
bleiben können.
Von überragender, von weltgeſchichtlicher Bedeutung
iſt der Umſchwung, der ſich in China vorbereitet. Wird
dieſer friedlich vor ſich gehen oder wird er gewaltſam ſein?
Viele Zeichen deuten auf Sturm. Die Unruhen brechen
nicht ab. Die Geheimgeſellſchaften mehren ſich. Der Sturz
der Dynaſtie wird gefordert. Gleichwohl iſt es nicht wahr=
ſcheinlich
, daß es zu größeren Erſchütterungen kommen
wird. Der Wille zu nationaler Macht iſt zu lebendig im
Volke, als daß er die Stellung des Reiches untergraben
und nach außen hin kompromittieren möchte. Auch gibt
ſich der Regent die größte Mühe, die Entwicklung in frei=
heitlich
gemäßigten Grenzen zu fördern.

Deutſches Reich.
Auf eine Vermehrung der Artillerie
ſcheint man ſich in der nächſten Militärvorlage auch gefaßt
machen zu müſſen. Wenigſtens ſchreibt die Schleſiſche
Zeitung unter Zurückweiſung eines Vorſchlags des Abg.
Erzberger, das Quinquennat zunächſt um ein Jahr zu ver=
längern
und die neue Militärvorlage erſt dem nächſten
Reichstage vorzulegen, daß eine Verſchiebung der Militär=
vorlage
große Bedenken militäriſcher Natur habe. Oppor=
tunitätserwägungen
müßten ohne weiteres zurücktreten,
wenn es ſich darum handelt, klaffende Lücken in unſerer
Kriegsrüſtung auszufüllen, wie z. B. bei der Artillerie.
In Rußland habe die Duma die Mittel für Haubitzbatte=
rien
mit der ausdrücklichen Begründung bewilligt, die Ge=
ſchützzahl
des ruſſiſchen Armeekorps müſſe über die des
deutſchen hinausgehen; in Frankreich, das eine gewaltige
Vermehrung ſeiner Artillerie durchgeführt hat, hätten die
drei öſtlichen Grenzkorps allein an Batterien auf hohem
Etat vier mehr, als die deutſchen weſtlichen Grenzkorps
überhaupt Batterien beſitzen, und dabei hätten die fran=
zöſiſchen
Batterien infolge ihres höheren Pferdebeſtandes
eine weſentliche Ueberlegenheit an Bereitſchaft. Auch die
Frage der Neuorganiſation und Vermehrung unſeres
Trains drängte unbedingt zur Entſcheidung.
Der Berliner Mitarbeiter der Münchener Neueſten
Nachrichten ſchreibt über die Verſtändigungsfrage:
So ausſichtslos uns die Propaganda für eine Flot=
tenverſtändigung
erſcheint, weil ſie in ſich unmög=
lich
oder gefährlich iſt, ſo eifrig verdienen alle ehrlichen
Beſtrebungen zu einer allgemein politiſchen Entente zwi=
ſchen
England und Deutſchland energiſche Unterſtützung.
Und wir glauben, daß wir auf gutem Wege zu dieſem
Ziele ſind, der aber unterbrochen und abgelenktswürde,

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Nummer 176.

wenn Deutſchland jetzt Schwäche und Nachgiebigkeit zeigen
ſollte. Nur zwiſchen ſtarken Mächten iſt ein
dauerndes und nützliches Einverſtändnis möglich.
Eine offiziös bediente Berliner Korreſpondenz hat
in der Tagespreſſe einen Artikel über das Schlußergebnis
der Verhandlungen der Reichsverſicherungs=
Kommiſſion über die Kaſſenarztfrage verbreitet, der
zu irrigen Anſchauungen Anlaß geben muß. Nach Er=
klärungen
eines Vertreters des Leipziger Verbandes in
der Reichsverſicherungs=Kommiſſion ſollte nämlich die
orkaniſierte freie Arztwahl dahin aufzufaſ=
ſen
, daß Verträge nur mit dem Leipziger Verband abzu=
ſchließen
ſeien und nur ſeine Mitglieder zugelaſſen wer=
den
ſollten. Wie uns der Generalſekretär des Leipziger
Verbandes ſchreibt, hat weder der Deutſche Aerztetag noch
der Deutſche Aerztevereinsbund, noch auch der Leipziger
Verband ſelbſt jemals eine ſolche Forderung aufgeſtellt.
Außerdem hat der Reichstagsabgeordnete und Mitglied
der Reichsverſicherungs=Kommiſſion, Herr Sanitätsrat Dr.
Mugdan=Berlin, auf den ſich die Bezeichnung Vertreter
des Verbandes allein beziehen kann, auf Anfrage aufs
bündigſte erklärt, eine derartige Aeußerung nie getan zu
haben.
Durch die Blätter ging vor kurzem die Anregung,
die Veteranen zu veranlaſſen, anläßlich des vierzig=
jährigen
Gedenkens an den großen Krieg die Orden
und Ehrenzeichen öffentlich zu tragen. Auch
die Nordd. Allg. Ztg. hat ſich dieſem Wunſche angeſchloſ=
ſen
. In Veteranenkreiſen hat dieſe Anregung folgenden
Notſchrei geweckt:
Die Erinnerung an die große Zeit läßt deutlich den
Unterſchied zwiſchen Einſt und Jetzt erkennen. Die Män=
ner
, die ihre Geſundheit einſetzten für des Reiches Einig=
keit
, darben jetzt vielfach und gedenken voll Ingrimm der
leeren Verſprechungen, die der Reichstag ihnen
gemacht. Vierzig Jahre ſind ſeit dem Kriege vergangen
und über 60 Jahre ſind die meiſten Kämpfer. Wer kann
heute, wo junge Kräfte mehr als genug vorhanden ſind,
mit 60 Jahren noch den Kampf ums Daſein erfolgreich
führen? Trotz alledem hat das Reich für die armen
Kämpfer, von denen viele auf die Gnade von Gemeinden
und Angehörigen angewieſen ſind, nichts übrig, die Mittel
für ſie fehlen, die Mittel für andere Dinge aber können
beſchafft werden. Die Aufforderung, die Ehrenzeichen de=
monſtrativ
zu tragen, klingt bald wie Hohn, das Eiſerne
Kreuz auf ſchlechtem Rocke würde der ganzen Welt künden,
daß das große Deutſche Reich nichts übrig hat für die Be=
dürftigſten
ſeiner alten Krieger.
Der Meſſager d’Alſace=Lorraine veröffentlicht einen
äußerſt anmaßenden und gehäſſigen Artikel Commé=
moration
, der mit den Worten beginnt:
Die Deutſchen ſchicken ſich an, in vierzehn Tagen mit
jener ſteifen Feierlichkeit, die ihr Geheimnis iſt, die 40.
Wiederkehr ihres Sieges zu feiern. Sie haben zu dieſer
Kundgebung den nach Sprache, Ueberlieferung und Sitten
franzöſiſchen Teil des elſaß=lothringiſchen Gebietes ausge=
wählt
, wo ſelbſt das plumpeſte Nachdenken ſie verſtehen
laſſen müßte, daß ſie alle Empfindungen der Bevölkerung
beleidigen werden. Aber vielleicht iſt es gerade dieſer
Gegenſatz, der ihnen gefällt. Wenn ſie in eine Gegend
kommen, deren Einwohner eine andere Sprache ſprechen,
betonen ſie mit mehr Kraft und Nachdruck das Recht der
Eroberung und ſetzen gewaltſam die Tatſache ins helle
Licht, daß die Annektierten nicht Brüder desſelben Stam=
mes
ſind.
Noch eine andere Stelle verdient niedriger gehängt zu
werden:
Während Deutſchland den Erfolg ſeiner Waffen
feiern wird, werden die Elſaß=Lothringer alle Einzelheiten
des Dramas wieder vor Augen ſehen, deren Bühne ihr
Land vor vierzig Jahren war. Es iſt gut, ſich zu erinnern
und kaltblütig die Ereigniſſe im Abſtand von vierzig Jah=
ren
zu beurteilen. Elſaß=Lothringen, das das Löſegeld
der Niederlage war, muß ebenſo wie Frankreich den ſchreck=
lichen
Lehren der Vergangenheit das Ohr leihen. Heute, 1
wo es im Begriff ſteht, ſein moraliſches Erbteil wieder
herzuſtellen, ziemt es ſich, daß es wiſſe, durch welche Um=
ſtände
, durch welche ſträfliche Schwäche einer Dynaſtie und
wagen wir’s, es zu ſagen einer Nation es ein Reichs=
land
geworden iſt.
Dieſe Auslaſſungen, die der Meſſager d’Alſace= Lor=
raine
macht, zeigen wieder einmal, wohin nach dem Wunſch

der Nationaliſten vom Schlage der Wetterlé, der Leute
vom Souvenir frangais uſw. die Reiſe gehen ſoll.
Zum Präſidenten der Generaldirektion der
ſächſiſchen Staatsbahnen iſt vor kurzem, nicht
wie es ſonſt bei ſolchen Aemtern Gebrauch iſt, ein Juriſt,
ſondern ein Techniker, nämlich der Lehrer an der Tech=
niſchen
Hochſchule zu Dresden, Geh. Baurat Prof. Dr.
Ulbricht, ernannt worden. Bei der Abſchiedsfeier, die
dem Scheidenden zu Ehren von den Vertretern der Lehrer=
und Studentenſchaft der Hochſchule veranſtaltet wurde, hob
dies der Rektor Geh. Hofrat Dr. Helm in ſeiner Anſprache
mit folgenden Worten hervor: Sie gehen von uns in ein
hohes Staatsamt, das bisher nie einem Manne techniſcher
Bildung anvertraut war. Sie ſcheiden von der Stätte der
Technik, wie heutzutage unſere Koloniſten vom Mutter=
lande
, um durch ihre Arbeit und ihr Leben Neuland
dauernd zu ſichern: Sie gehen als ein Pionier techniſcher
Bildung. Und wiederum ſteht das Signal auf: Bahn
frei dem deutſchen Ingenieur! Der Rektor teilte Pro=
feſſor
Ulbricht mit, daß ihm auf einſtimmigen Antrag der
Ingenieur= und mechaniſchen Abteilung die Würde eines
Dr.=Ing. ehrenhalber verliehen worden ſei, und zwar in
Anerkennung ſeiner hervorragenden Arbeiten auf dem
Gebiete des Eiſenbahn=Signal= und Sicherungsweſens,
der Elektrotechnik und der Photometrie, in denen er in
gleicher Weiſe Theorie und Praxis zu vereinigen verſtan=
den
habe.
Ausland.
In der Budgetkommiſſion der franzöſiſchen Kam=
mer
referierte Miniſter Viviani über das Inkrafttreten
des Geſetzes betreffend die Arbeiter=Renten, ſowie über die
dadurch verurſachten Ausgaben. Dieſe werden während
des erſten Halbjahres des Inkrafttretens (1. Juli bis 31.
Dezember 1911) 45 Millionen Franken erreichen. Der
Dienſt für die Arbeiter=Renten, die in der Bildung begrif=
fenen
neuen Behörden werden allein 1,8 Millionen Fran=
ken
erfordern.
In Madrider politiſchen Kreiſen verlautet mit Be=
ſtimmtheit
, daß die letzte Note des Vatikans den Charakter
eines Ultimatums für Spanien trägt, indem die Aenderung
aller Dekrete, insbeſondere des Dekrets über die Diſſiden=
ten
=Kulte verlangt wird, bevor eine Weiterberatung über
die Reform des Konkordats möglich ſei. Die ſpaniſche
Regierung kann und will ſich auf dieſe Forderung nicht
einlaſſen. Man erwartet, falls der König der Politik der
Regierung zuſtimmt, die baldige Abberufung des ſpani=
ſchen
Botſchafters Ojeda von Rom. Die Haltung des
Vatikans wird die Regierung mit der ſofortigen Ausarbei=
tung
eines Vereinsgeſetzes und anderer Maßregeln be=
antworten
, die ſich ſpeziell auf den Volksſchul=Unterricht
beziehen. Der weiteren Entwickelung der Angelegenheit
ſieht man in Madrid mit Spannung entgegen.
Zu der Meldung des Blattes Liberal, die den Bruch
mit dem Vatikan als Folge einer eingegangenen
unverſöhnlichen Note des Papſtes als bevorſtehend be=
zeichnet
, erklärte Miniſterpräſident Canalejas, ohne
die Meldung richtig zu ſtellen oder zu beſtätigen, die Re=
gierung
habe eine Note des Vatikans erhalten, die beſage,
die Verhandlungen über die Beſchränkung der religiöſen
Orden könnte unmöglich fortgeſetzt werden, wenn nicht
die Regierung ihre letzten in der religiöſen Frage getrof=
fenen
Anordnungen rückgängig mache. Canglejas fügte
hinzu, er werde bei den Verhandlungen mit dem Vatikan
alle Mittel der Klugheit anwenden, aber er ſei entſchloſſen,
den vor dem Land eingegangenen Verpflichtungen nach=
zukommen
.
Canalejas beſtätigte in einem Interview, daß
die Note des Vatikans es für unmöglich erklärte, die Ver=
handlungen
fortzuſetzen, wenn die ſpaniſche Regierung die
von ihr getroffenen Maßnahmen nicht rektifiziere. Der
Miniſterpräſident erklärte, er habe alle Mittel der Verſöh=
nung
erſchöpft. Ich werde mich, ſo ſagte der Miniſterprä=
ſident
, niemals weigern, mit dem Vatikan über die Fragen

zu verhandeln, die den Heiligen Stuhl angehen. Es gibt
aber gewiſſe Fragen, über die der Staat keine andere Sou=
veränität
zulaſſen kann als die ſeinige. Ich muß meine
Verpflichtungen erfüllen, die ich der öffentlichen Meinung
gegenüber übernommen habe und meine Haltung entſpricht
den Wünſchen dieſer öffentlichen Meinung.
Im engliſchen Unterhauſe wies bezüglich der Frage
der Teilnahme eines ſerbiſchen Offiziers an den
engliſchen Armee=Manövern Sir Edward Grey noch
darauf hin, daß die ſerbiſche Regierung eine Einladung
zu den engliſchen Manövern erhalten habe, eine Antwort
ſei aber noch nicht erfolgt. Stewart (liberal) fragte
Grey, ob er ſeine Aufmerkſamkeit der Errichtung eines
Kolonialamtes in Japan zugewandt habe, deſſen
Aufgabe es ſei, die Angelegenheiten von Korea, Formoſa
und Japaniſch=Sachalin zu überwachen, ob die britiſche
Regierung Grund zu der Annahme habe, daß von Japan
eine formelle Annexion Koreas beabſichtigt ſei, und
ob ferner die Regierung in dieſem Falle Schritte tun werde,
um die kommerziellen Rechte der engliſchen Kaufleute in
Korea zu ſchützen. Sir Edward Grey erwiderte, die Ant=
wort
auf die erſte Frage laute beſtätigend. Im Falle der
Annexion Koreas ſei beſchloſſen worden, daß die britiſche
Regierung ſorgfältig über die beſten Mittel ſich klar werde,
ihre kommerziellen Intereſſen in Korea zu ſchützen.
Hugh Cecil fragte an, ob die engliſche Regierung es=
abgelehnt
habe, an der Internationalen Hy=
giene
=Ausſtelllung ſin Dresden 1911 teilzu=
nehmen
. Sir Edward Grey antwortete bejahend und
ſetzte auseinander, die Regierung habe berückſichtigt, daß
es nicht wohl angängig ſei, eine offizielle Ausſtellung in
Dresden zu veranſtalten, weil die britiſchen Induſtriellen
ſich dagegen ſträubten, die großen Koſten auf ſich zu neh=
men
, die mit der häufigen Teilnahme an großen inter=
nationalen
Ausſtellungen verbunden ſeien und weil von
der Regierung bereits Verpflichtungen in Bezug auf andere
Ausſtellungen eingegangen worden ſeien, die in dieſem
und im nächſten Jahre ſtattfinden.
Im Verlaufe der Sitzung fragte Faber den erſten
Lord der Admiralität, Me Kenna, ob er Kenntnis davon
habe, daß erſtens, während das ſchwerſte Geſchütz der
engliſchen Marine nur Geſchoſſe von 1250 Pfund
feuern, das neue deutſche Geſchütz ſolche von 1600 Pfd.
feuern würde, daß zweitens, während bei der eng=
liſchen
Marine das Gewicht der von den ſchweren Ge=
ſchützen
der Breitſeite abgefeuerten Geſchoſſe nur 147900
Pfund betrage, bei der deutſchen Marine ſich dieſes Gewicht
auf 161000 Pfund belaufe, und drittens die neuen mit
14zölligen Geſchützen auszurüſtenden Schiffe der deutſchen
Marine 8000 Tonnen größer ſeien, als die urſprünglichen
engliſchen Dreadnoughts. Me Kenna erwiderte: Ich kann
für die Richtigkeit der Fragen und die angegebenen Zahlen
die Verantwortung nicht übernehmen.
Wie an kompetenter Stelle verlautet, beabſichtigt
die bulgariſche Regierung unter Aufzählung mehrerer
Fälle von Mißhandlungen an Flüchtigen nochmals
freundſchaftliche Vorſtellungen bei der
Pforte zu erheben, jedoch nichts zu unternehmen, was
die Empfindlichkeit der Jungtürken verletzen könnte. Ebenſo
iſt es unwahrſcheinlich, daß der Miniſterrat einen Beſchluß
faſſen wird, durch den die Lage verſchärft wird.
Der Generalgouverneur hat den Prokurateur des
finniſchen Staates aufgefordert, die Zeitung Karjala
wegen einer die ruſſiſche Armee beleidigenden Notiz und
der Veröffentlichung geheimer Maßnahmen der Militär=
verwaltung
zur Verantwortung zu ziehen. Gegen 18 an=
dere
finniſche Blätter ſoll wegen Abdrucks des
betreffenden Artikels gleichfalls vorgegangen werden.
Die Pforte hat ihre Vertreter beauftragt,
die Aufmerkſamkeit der Schutzmächte auf die angekündigte
Kandidatur Venizelos für die griechiſche Nationalver=
ſammlung
hinzulenken und dabei die friedlichen Abſichten

Feldmarſchall Blumenthal.
Zu ſeinem hundertjährigen Geburtstage.
1810 30. Juli 1910.
Von Roderich Mengeler.
(Nachdruck verboten.)
Der letzte von den Paladinen Kaiſer Wilhelms des
Siegreichen; war es ihm doch vergönnt geweſen, die
große Zeit des deutſch=franzöſiſchen Krieges über ein
Vierteljahrhundert zu überleben, und dabei war er
doch ſchon einer von den Alten geweſen, als die großen
Siegesſchlachten geſchlagen wurden.
Leonhard von Blumenthal erblickte heute vor einem
Jahrhundert, am 30. Juli 1810, in Schwedt an der Oder
das Licht der Welt. Aus alter Militärfamilie ſtam=
mend
, war er von vornherein für das Heer beſtimmt
und erhielt daher im Kadettenhauſe ſeine Ausbildung,
wo er ſich frühzeitig durch großen Fleiß und Liebe zu
wiſſenſchaftlichen Studien auszeichnete.
Im Alter von ſiebzehn Jahren Offizier geworden,
beſuchte er in den Jahren 183033 die Kriegsakademie,
war in den Jahren 183745 Adjutant des Koblenzer
Garde=Landwehr=Bataillons. Inzwiſchen war er im
Jahre 1844 Premierleutnant geworden, wurde dann im
Jahre 1846 zum topographiſchen Bureau und 1848 zum
Großen Generalſtabe kommandiert. Bereits in dieſer
Zeit erregte der talentvolle Offizier die Aufmerkſamkeit
König Friedrich Wilhelms IV. und ſeines Bruders, des
Prinzen von Preußen.
Am 1. Januar 1849 ward er zum Hauptmann be=
fördert
, und im Stabe des Generals von Bonin machte
er den bald darauf im Mai ausbrechenden Feld=
zug
mit, bei deſſen Eröffnung der Hauptmann von
Blumenthal zum Chef des Generalſtabs der Schleswig=
Holſteiniſchen Armee ernannt wurde.
Im Jahre 1853 zum Major befördert, wurde er im
Jahre 1858 als Oberſtleutnant zum perſönlichen Adju=
tanten
des Prinzen Friedrich Karl, des roten Prinzen
im Dezember 1863 zum Chef des Generalſtabes des
kombinierten mobilen Armeekorps in Schleswig=Hol=

ſtein ernannt. Im Juni 1864 zum Generalmajor be=
fördert
, übernahm er nach Wiederherſtellung des Frie=
dens
mit Dänemark erſt das Kommando der 7., dann
der 30. Infanteriebrigade und wurde im Jahre 1866
bei Beginn der kriegeriſchen Unruhen unter dem Ober=
befehl
des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preu=
ßen
zum Chef des Generalſtabes der zweiten Armee
ernannt.
Von dieſer Zeit an waren die Lorbeeren des preu=
ßiſchen
Kronprinzen, die Rumestaten unſeres Fritz
aufs innigſte verknüpft mit denjenigen General von
Blumenthals, Graf Moltke machte den Kriegsplan,
die Feldherren, unter ihnen voran Friedrich Wilhelm,
der Sohn des ſiegreichen Preußenkönigs, führten ſie
aus, und deſſen Generalſtabschef war General Blumen=
thal
. Unſer Fritz hat mehrfach geäußert, daß General
Blumenthal der Kopf ſei, er, der Kronprinz, das aus=
führende
Schwert.
So war denn vor allem die ausgezeichnete Leitung
der zweiten Armee bei Nachod und Königgrätz zum
größten Teil Blumenthals Werk; ihm war es zu dan=
ken
, daß im entſcheidenden Moment die Armee des
Kronprinzen auf dem Kriegsſchauplatze erſchien, um
den im Kampfe bereits befindlichen Heeren die Hilfe
zu bringen. Graf Moltke hatte ſich bei der Ausführung
des Kriegsplanes dabei vor allem auf General Blumen=
thal
verlaſſen, der die Intentionen Moltkes genau
kannte.
Die Anerkennung wurde ihm auch nicht verſagt:
im Oktober avancierte er zum Generalleutnant und
erhielt das Kommando der 14. Diviſion.
Dann kam der deutſch=franzöſiſche Krieg; die Rollen
in dem welthiſtoriſchen Schauſpiel waren in der gleichen
Weiſe verteilt. Als Generalſtabschef des Kronprinzen be=
gleitete
er die dritte Armee ins Feld. Es war ein wunder=
bar
intereſſanter Anblick: neben der Hünengeſtalt des
Hohenzollern die kleine, feine Geſtalt des Generals von
Blumenthal. Bei Weißenburg und Wörth wurden die
erſten Lorbeeren geholt. Und die Anerkennung für dieſe
Kriegstaten erhielt er mit dem Kronprinzen gemeinſam.

In Pont=à=Mouſſon überreichte König Wilhelm perſön=
lich
ſeinem Sohne und deſſen Generalſtabschef das eiſerne
Kreuz erſter Klaſſe.
An allen wichtigen Beratungen nahm fortan General
von Blumenthal perſönlich teil. Bei jeder Feſtſtellung
des Kriegsplanes hatte er eine entſcheidende Stimme und
wurde ins Hauptlager des Königs berufen. So hatte er
ſeinen Anteil an dem Siege von Sedan und an der denk=
würdigen
Belagerung von Paris. Alle Welt nannte ihn
damals die rechte Hand Moltkes, zu deſſen dereinſtigem
eventuellen Nachfolger er auserſehen war.
Wie an den Ruhmestaten dieſes Krieges mußte er=
natürlich
auch ſeinen reichbemeſſenen Anteil an der Aner=
kennung
haben, die das Reich an die leitenden Feldherren
als Dankesgabe der Nation wies, wurde auch er mit einer
ſolchen Ehrengabe von 450000 Mark ausgezeichnet.
Mehrmals nahm Kaiſer Wilhelm noch Anlaß, ihm
ſeine Anerkennung und Dankbarkeit zu beweiſen. Im
März 1872 erhielt er das Kommando des 4. Armeekorps
und im Jahre 1883 wurde er in den Grafenſtand erhoben.
Ebenſo aber hat ihm der Kronprinz bis an den Tod
dankbare Geſinnung bewahrt. Es iſt ſicherlich für beide
Männer in gleicher Weiſe ehrend, daß eine der erſten Re=
gierungshandlungen
, die er als Kaiſer Friedrich ausführte,
war, daß er ſeinen alten Generalſtabschef zum General=
feldmarſchall
und zum Generalinſpekteur der 4. Armee=
inſpektion
ernannte. Das geſchah mitten in den Auf=
regungen
kurz nach Antritt der Regierung am Tage, da
man die irdiſchen Reſte Kaiſer Wilhelms beſtattete.
Nachdem Graf Blumenthal noch ſpäter die 3. Armee=
inſpektion
übernommen, erhielt er am 28. März 1898 den
erbetenen Abſchied. Auf ſeinem Gute Quellendorf bei
Köthen ſtarb er am 22. Dezember 1900, nachdem es ihm
noch kurz zuvor vergönnt geweſen, in Geiſtesfriſche und
unter Teilnahme weiteſter militäriſcher Kreiſe ſeinen
neunzigſten Geburtstag zu feiern. In glänzender Weiſe
ward ihm durch Kaiſer Wilhelm die Trauerfeier in Berlin
bereitet. Dann überführte man die Leiche auf das Stamm=
gut
zu Krampfer bei Perleberg=

[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Seite 3.

en Tu
be
n
führe

der Pforte hervorzuheben und die Schutzmächte zu er=
ruchen
, wenn nötig, Schritte zu veranlaſſen, damit die
us der Kandidatur erwachſenden Komplikationen ver=
mieden
werden. In der Pforte naheſtehenden Kreiſen
werrſcht die Anſicht, Venizelos müßte bei Annahme der
Kandidatur ſeine Stellung als Mitglied der Regierung
Kretas niederlegen.
Der Matin meldet hierzu aus Kanea: Entgegen bis=
berigen
Meldungen iſt Venizelos nach Athen gereiſt,
um ſich zu erholen und eine Kur durchzumachen, aber
nicht, um als kretiſcher Kandidat zum helleniſchen Par=
hament
zu kandidieren. Venizelos, ſo heißt es in der Mel=
dung
des Matin, iſt zu verſtändig, und ein zu guter Pa=
rriot
, als daß er ſeinem Lande Verlegenheiten und Grie=
chenland
Schwierigkeiten zu bereiten verſuchen könnte.
Torghut Schfeket Paſcha verhängte über Skutari
und Albanien den Ausnahmezuſtand. Mit der Entwaff=
rung
der Bevölkerung wurde begonnen. Dieſe lieferte
imnerhalb zwei Tagen über 40 000 Waffen ab. Die Mon=
jenegriner
drangen bei Plava, Bezirk Guſinje, auf türki=
ſches
Gebiet vor und griffen mohammedaniſche Dörfer an,
wwobei ein Kampf entbrannte. Zahlreiche Dorfbewohner
wurden verwundet und drei getötet. Die türkiſche Grenz=
wache
griff in den Kampf ein und verlor drei Mann.
Schließlich wurden die Montenegriner über die Grenze
urückgetrieben.
* Eine Parade der deutſchen Hochſee=
flotte
. Aus Balholm in Norwegen wird dem Chri=
ſtiania
Morgenblad vom 18. Juli geſchrieben: Ein feſt=
icher
Augenblick in den hieſigen ereignisvollen Kaiſer=
ragen
war es, als der Kaiſer geſtern perſönlich den Got=
tesdienſt
an Bord der Hohernzollern hielt. Es wirkte
wunderbar ergreifend, die Verſammlung ſtrammer Krieger
Deutſchlands Hoffnung mit entblößten Häuptern
am ihren Kaiſer ſtehen zu ſehen, wie er in dem ſonnen=
hellen
Sonntagmorgen mit kräftiger Stimme eine Predigt
vorlas. Die feierliche Stimmung erreichte ihren Höhe=
punkt
, als ſchließlich das geſamte Muſikkorps der Hohen=
follern
mit dem alten Lutherliede einſetzte Ein’ feſte
Burg‟ Die Poſaunen ſandten ihre Töne weit hin über
den in der Sonne ſtrahlenden Fjord, und von den mäch=
tigen
Felsbergen rings umher erklang das Echo gedämpft
furück. Das Hauptereignis des Tages wurde jedoch eine
Marine=Parade, deren Gleichen wohl niemals zuvor in
unſeren Gewäſſern geſehen worden iſt. Als die Sonne zu
ſinken begann und die Gipfel der Schneefelder ſich roſig
färbten, hörte man plötzlich Kanonendonner aus der
Richtung von Vangsnas. Und nun tauchte eine unend=
liche
Reihe ſchwerer deutſcher Kriegsſchiffe hervor; es wa=
ren
nicht weniger als 23 ſchwere Schlachtſchiffe und Kreuzer
mit Deutſchlands Kriegsflagge von Gaffel und Großtopp
wehend. Die deutſche Hochſeeflotte! In einem mächtigen
Bogen kamen ſie brauſend in den Fjord hinein, um dem
oberſten Kriegsherrn ihre Huldigung darzubringen, und
indem ſie bei der Hohenzollern vorbeiſchwenkten, don=
nerten
die Geſchütze mit einem ohrenbetäubenden Salut
Los, während die Mannſchaften dröhnende Hochs zum
Kaiſer hinüberſandten, der ganz oben auf der Kommando=
Hrücke der Hohenzollern ſtand und die ſtolze Flotte in
der Abendſonne vorbeigleiten ſah. Offiziere, die ſpäter
von der Hohenzollern an Land kamen, erzählten, der
Kaiſer ſei bei der nachfolgenden Tafel in glänzender
Stimmung geweſen: es habe ihn gefreut, eine ſo groß=
artige
Parade von Deutſchlands ſtolzer Flotte zu ſehen,
er Flotte, die ſein eigenes großes Werk iſt.
* London, 28. Juli. Die von dem Premierminiſter
squith vorgeſchlagene Faſſung der Erklärung des
Königs bei der Thronbeſteigung wurde im Unterhaus
mit 244 gegen 54 Stimmen angenommen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 30. Juli.
Uebertragen haben Se. Königl. Hoheit der
Großherzog dem Pfarrverwalter Wilhelm Korell
zu Dauernheim und dem Pfarrverwalter Wilhelm Wahl
zu Schlierbach, Dekanat Erbach, die evangeliſchen Pfarr=
ſtellen
daſelbſt.
Ernannt wurde Emil Boller in Gießen zum
Schreibgehilfen bei dem Amtsgericht Gießen, der Re=
gierungsaſſeſſor
Walter Dickoré aus Treis a.Lda. zum
Finanzaſſeſſor.
* Militärdienſtnachrichten. Die Oberſtleutnants
v. Ferentheil und Gruppenberg, Kommandeur des
Vorpommerſchen Feldartillerie=Regiments Nr. 38 ( Stand=
ort
: Stettin), und v. Kleinſchmit, Kommandeur des
5. Badiſchen Feldartillerie=Regiments Nr. 76 (Standort:
Freiburg) zu Oberſten befördert. (Beide gehörten vor=
mals
dem Großherzoglichen Artilleriekorps Nr. 25 als
Batteriechefs an.) Die Hauptleute v. Stockhauſen,
Adjutant der 7. Diviſion (Standort: Magdeburg), (zuvor
Kompagniechef im Leibgarde=Infanterie=Regiment, deſſen
Uniform er noch trägt), und Kortegarn im Kriegs=
miniſterium
(zuvor Kompagniechef im Infanterie= Leib=
regiment
Nr. 117) zu Majors befördert.
L. Die Ferienſtrafkammer verhandelte geſtern gegen
den 27 Jahre alten Dachdecker Chriſtian Querdan von
hier, der im Dezember 1909 dem Wirt Spengler einen
Foxterrier im Werte von 20 Mark und am 15. Mai ds. Js.
dem Karl Eckert einen Rehpinſcher im Werte von 30 bis
40 Mark entwendet hat. Er behauptet zwar, der eine
ſei ihm zugelaufen und den anderen habe er gekauft. Dem
widerſpricht aber die Tatſache, daß er dem Pinſcher, um ihn
unkenntlich zu machen, in ſeiner Küche die Ohren und den
Schwanz abſchnitt. Das Tierchen, das ſeinem Herrn
wieder zulief, hat ſeitdem an ſeiner Wachſamkeit einge=
büßt
. Querdan wurde wegen zweier Diebſtähle, wegen
Sachbeſchädigung und Tierquälerei zu neun Monaten
Gefängnis verurteilt.
Der 15 Jahre alte Georg Groh von Neu=Iſenburg,
dem In Lehrer das Zeugnis eines wenig begabten, aber
ungezogenen Schülers ausſtellte, war nach einigen Stellen=
wechſeln
bei dem Fabrikanten von Wenker Hausburſche
geworden. Er hatte die Gänge, insbeſondere auch an die
Poſt, zu beſorgen und benutzte die ihm hierdurch gebotene
Gelegenheit dazu, in vier Fällen eine Quittung zu fälſchen,
indem er den Firmenſtempel auf eine Urkunde drückte und
die Namensunterſchrift ſeines Dienſtherrn nachahmte. Er
bekam dafür anſtandslos 210 Mark ausbezahlt, von denen
er 75 Mark ſeinem gleichalterigen Freund Johann Jakob
Schmidt, einem braven Jungen, ſchenkte. Dieſer hegte
dabei keine Bedenken, ging auch mit ihm einige Male zu
einem Wirt, der den beiden bereitwillig Bier und Wein
verabreichte. Auch ein Mädchen, das über ſein vieles
Geld hoch erfreut war, wurde von Groh beſchenkt. Sich
ſelbſt kaufte er ein Terzerol, eine Füllfeder, eine Mund=
harmonika
, ſowie, weil es gerade die Zeit des Kometen
war, ein Fernrohr für 75 Mark. 50 Mark etwa behauptet
er verloren zu haben. Als kein Geld mehr da war, nahmen
die Freunde einem 4jährigen Kinde einen Kinderwagen,
der geliehen war, weg und verkauften ihn für 60 Pfg.
Groh wurde wegen beider Diebſtähle zu 14 Tagen Ge=
fängnis
, Schmidt wegen des Wagendiebſtahls zu einem
Verweis verurteilt. Wegen Hehlerei wurde er mangels
des Bewußtſeins der Strafbarkeit freigeſprochen.
* Die Verkehrs=Einnahmen aus dem Perſonen=
und Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feſt=
ſtellung
: 1. für die Eiſenbahndirektionsbezirke Frank=
furt
a. M. und Mainz: a) im Monat Juni 1910
11040000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 311000 Mk.
2,90%; b) in der Zeit vom Beginn des Rechnungs=
jahres
33326000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr
1689000 Mk. 5,34%; 2. für die Preußiſch=Heſſiſche
Eiſenbahngemeinſchaft: a) im Monat Juni 1910
160 355000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr
5 852000 Mk. 3,79%, b) in der Zeit vom Beginn
des Rechnungsjahres 483 694000 Mk. oder gegen das
Vorjahr mehr 27 482000 Mk. 6,03%
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 23. Juli l. J. männ=
lich
9350, weiblich 5972, zuſ. 15 322, in Prozenten 61,03,
38,97; am 16. Juli I. J. männlich 9370, weiblich 6018,

zuſ. 15 388, in Prozenten 60,83, 39,17. Der Kranken=
ſtand
betrug am 23. Juli I. J. männlich 405, weiblich
268, in Prozenten 4,33, 4,48; am 16. Juli I. J. männ=
lich
410, weiblich 262, in Prozenten 4,37, 4,35. An
Krankengeld wurde gezahlt in der Woche vom
18. Juli bis 23. Juli l. J. 4876,68 Mk., in der Woche
vom 11. Juli bis 16. Juli l. J. 4574,16 Mk.
An Wöchnerinnen waren vorhanden am 23. Juli
I. J. 13, am 16. Juli I. J. 15; Sterbefälle
kamen vor in der Woche vom 18. Juli bis 23. Juli
. J. 1; vom 11. Juli bis 16. Juli l. J. 1.
* Im Silberkranz. Am Dienstag, den 2. Auguſt,
begeht Herr Adam Hergo, Vorarbeiter bei der Zentral=
werkſtätte
, mit ſeiner Gattin Marie, geb. Schmidt,
Schuknechtſtraße Nr. 52 hier, das Feſt der ſilbernen
Hochzeit.
A Feuerwehrſtation. Gegenwärtig findet der Um=
bau
des Schulhauſes hinter der Stadtkirche zu
einer Feuerwehrſtation ſtatt, wofür im ſtädtiſchen Bud=
get
der Betrag von 34400 Mark vorgeſehen iſt. Der
Anbau des dabei vorgeſehenen Gerüſtes zum Trocknen
der Schläuche hat bereits ſtattgefunden. Das Erd=
geſchoß
iſt zu einer Remiſe umgewandelt, in welcher
die Spritzen Unterkunft finden.
nn. Brückenſchlagübungen. Die unter Leitung des
Hauptmanns v. Kropff und des Leutnants v. Bom=
hard
ſtehenden Brückenbauübungen der Pioniermann=
ſchaften
des 115. Regiments am Großen Woog nahmen
mit dem Bauen einer kriegsmäßigen Marſch= und Fahr=
brücke
nach der Schilfinſel ihr Ende. Nachdem die
Mannſchaften im Laufe der Uebungen in der Herſtellung
von Brückenrampen, in der Anlage von Fundierungen
und dem Zuſammenſetzen der einzelnen Brückenjoche
ausgebildet wurden, erfolgte als Schlußübung der Bau
einer Kriegsbrücke für Artillerie, Kavallerie und Fuß=
truppen
, die vorzüglich ausfiel und mit Tannengrün ge=
ſchmückt
wurde. Eine photographiſche Aufnahme der
Mannſchaften und ihrer Inſtrukteure bildet für dieſelben
ein Erinnerungsblatt an ihre harte und intereſſante
Arbeitszeit. Heute treten die Pioniere in ihre Kom=
pagnien
zurück.
F. Eine auffallende Erſcheinung. Man ſchreibt
uns: Am 28. Juli, abends kurz nach 10 Uhr, war am
öſtlichen Himmel eine merkwürdige Himmelserſcheinung
zu beobachten. Zwiſchen den Sternbildern Andromeda
und Parſeus wurde ein dunkelrot leuchtender Stern,
wenigſtens 1. Größe, ſichtbar. Er ſtand eine Weile ſtill
und bewegte ſich dann ziemlich raſch nach Oſten. Dabei
erloſch er öfters einige Sekunden lang, um dann deſto
heller in abwechſelnd rotem und glänzend weißem Lichte
zu erſtrahlen. Nach etwa 10 Minuten verſchwand die
auffallende Erſcheinung am öſtlichen Horizont.
Großer Preis von Darmſtadt. Man ſchreibt
uns: Der morgige Sonntag, 31. Juli, wird ein Sportstag
erſten Ranges werden. Treffen ſich doch im Großen
Preis von Darmſtadt eine Reihe der hervorragendſten
Flieger. Was Otto Meyer leiſten kann, das wiſſen
ſeine Darmſtädter Freunde. Er ſtartet morgen, aus den
ſchon bekannten Gründen von der U. C. J. disquali=
fiziert
. Der Verband deutſcher Radrennbahnen wird
deshalb morgen keinem Fahrer den Start gegen Otto
Meyer verbieten. Meſſori verfügt über einen brillanten
Endſpurt und iſt ein bedeutender Rivale von Otto
Meyer. Eugen Stabe, der zähe Berliner, wird ein
ernſtes Wort im Großen Preis mitſprechen. Julius
Bettinger der bekannte Ludwigshafener und
Adjutant Meyers, verfügt über einen gewaltigen
Antritt. Jedenfalls gibt es in der letzten Runde einen
erbitterten Kampf um die hohen Preiſe. In den Motor=
rennen
gilt Heckel als Favorit. Jedoch werden ihm
Wohn, Lunz, Knoll und Glöckler, welche mit ſchnellen
Motoren antreten, den Preis ſtreitig zu machen ſuchen.
Hoffentlich bleibt das Wetter günſtig und wird dann die
Rennbahn am morgigen Sonntag das Ziel von
Hunderten ſein.
Im Ausſtellungs=Reſtaurant finden Samstag
und Sonntag Künſtler=Konzerte ſtatt unter Leitung des
Herrn Toni Czaſchke. (Vergl. Anzeige.)
Ludwigshöh=Konzerte. Am kommenden Sonn=
tag
nachmittag wird die Kapelle des Großh. Art.=Korps
unter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Mickley
konzertieren. Herr Mickley hat ein ſehr unterhaltungs=
eiches
Programm aufgeſtellt. Außer verſchiedenen

Bei Bismarck zu Gaſt.
** Die feſſelnde Wiedergabe einer Tiſchunterhalt=
ung
mit Bismarck, aus der man ein intimes Bild von
Hem Weſen des Kanzlers in Verkehr und Geſpräch
erhält, ſteht diesmal im Mittelpunkte der Erinner=
ungen
aus meinem Leben, die die Deutſche Rundſchau
aus dem Nachlaß Julius von Eckardts veröffent=
licht
. Außer den Familienmitgliedern, dem Grafen
und der Gräfin von Rantzau, waren nur noch die Ge=
Heimräte von Rottenburg und Görlich, ſowie Profeſſor
Schweninger anweſend. Kaum hatte Eckardt die be=
reits
verſammelten Mitglieder der Geſellſchaft in dem
großen Salon des Reichskanzlerpalais begrüßt, da
wurden im Nebenzimmer ſchwere Schritte hörbar;
man hätte meinen können, der Komtur des Don Juan=
Finale ſei im Heranſchreiten begriffen. Gleich darauf
krat der Reichskanzler ein, der friſcher und kräftiger
denn je ausſah, in heiterer Stimmung zu ſein ſchien
und uns mit der Liebenswürdigkeit empfing, an wel=
cher
er es in ſeinem Hauſe niemals fehlen ließ.
Wir wollen es machen wie im Reichstage hub
er nach der Begrüßung an, der älteſte der Herren ſoll
meine Tochter zu Tiſch führen. Wann ſind Sie ge=
boren
? wandte er ſich an mich. Ich nannte meinen
Geburtstag und erhielt die Aufforderung, von meinem
pprivilegio odioſo Gebrauch zu machen. Der Fürſt
plauderte zunächſt von dem unaufhaltſamen Wachstum
der Stadt Berlin und erzählte dann von der alten
Zeit, wo noch einfache Verhältniſſe herrſchten; wo es
ſſchon für verſchwenderiſch galt, wenn man ein Beefſteat
für acht jute im Café Royal zu verzehren und inner=
halb
der Altſtadt mit einer Droſchke zu fahren den
Mut hatte. Er ging dann von dieſer Beſcheidenheit
der alten berliniſchen Gewohnheiten zu der Beſchränkt=
heit
der Menſchen und der Verhältniſſe über, die ſich
bis heute auf dem flachen Lande erhalten habe, und
ſteilte dabei eine Geſchichte mit, die ihm im vorigen
Jahre bei einem größeren Spaziergange im Sachſen=
walde
paſſiert ſei. Er hatte ſich dabei auf ſeinem Beſitz=
tum
vollſtändig verirrt, ſo daß er ermüdet und ver=
durſtet
in eine einſam gelegene Hütte getreten war,
um ein Glas Milch zu erbitten. In dem einzigen grö=
ßeren
Gelaß ſand er eine alte Frau die Mutter
eines Holzknechtes , die ihr in der Wiege liegendes
Enkelkind ſchaukelte. Bevor ſie aufſtand, um die Milch
im Stalle zu holen, fragte ſie erſt den unerwarteten
Gaſt, ob der Herr auch ſo lange das Gör ſchaukeln
wolle. Der Fürſt ſetzte alſo die Wiege in Bewegung,
bis die Alte mit der gewünſchten Labe wiederkehrte.

Während Bismarck trank, fragte die Geberin ihn, ob
er vielleicht der Herr Oberförſter ſei. Nein erwiderte
der Fürſt, ich bin der Herr ſelber, der Bismarck
Von dem weiß ich nichts erhielt er zur Antwort;
aber unſern Herrn Oberförſter hätte ich gern einmal
geſehen.
Nach dieſem Beweis für die engen Grenzen ſeiner
Popularität ſtellte der Fürſt eine ſtrenge Kritik des
Mittageſſens an, das inzwiſchen bis zur dritten Speiſe
vorgeſchritten war. Sie ſehen, wie Schweninger mich
behandelt klagte er. Eine weiße Suppe, weißer
Fiſch, weißer Kalbsbraten und dazu weißer Wein
denn von den Rebhühnern, die noch folgen, ſoll ich
nichts bekommen. Schweninger, ein Glas Rotwein
werden Sie mir doch geſtatten? Morgen iſt mein Ge=
burtstag
. Ich möchte raten, davon lieber Abſtand
zu nehmen, gab der geſtrenge Arzt zur Antwort. Der
Fürſt zuckte die Achſel. Es iſt gut, fuhr er fort, daß wir
nicht noch Taubenbraten eſſen müſſen. Sie, als ehe=
maliger
Ruſſe, hätten dieſen Vogel am Ende gar nicht
angerührt. Unbegreiflicherweiſe wird die nichts weni=
ger
als tugendhafte, vielmehr ehebrecheriſche und ge=
fräßige
Taube in Rußland heilig gehalten. Aber Sie
haben ja auch in Hamburg gelebt und teilen wahr=
ſcheinlich
die Meinung, daß man dort das Kochen ver=
ſtehe
. Sagen Sie aufrichtig, haben Sie jemals ſo
ſchlecht wie heute gegeſſen? Seine Antwort kleidete
Eckardt in eine Anekdote, die von dem alten Hargrea=
ves
einem begeiſterten Hamburger Lokalpatrioten
und beſonderen Feinſchmecker erzählt wurde. Als die=
ſer
einmal gefragt wurde, wie es ihm bei ſeinem letz=
ten
Aufenthalt in Berlin gefallen habe, antwortete er:
Ich war dieſes Mal zu Delbrück geladen und habe
dort ein wirklich exquiſites Diner eingenommen. Seit=
dem
denke ich milder über das Reich. Der Fürſt
ſchüttelte ſich vor Lachen. Ja ſagte er, die Ueppig=
keit
hat in Berlin Fortſchritte gemacht. Delbrück und
Camphauſen gelten für ſehr feine Gourmets. Nur Ihre
Kollegen wandte er ſich an Schweninger, die vor=
nehmen
Aerzte, geben noch kopiöſere Mahlzeiten. Na=
türlich
wenn die Leute ſich den Magen verderben,
haben die Herren Doktoren den Vorteil davon.
Das Geſpräch blieb eine Weile beim Eſſen und
Trinken und bei der Wichtigkeit, die manche Leute dar=
auf
legen. Beſonders die Diplomaten ſagte der
Fürſt. Im Sommer 1852 wurde ich von Frankfurt
nach Wien geſchickt, um den Geſandten Arnim zu ver=
treten
, der auf Urlaub gehen wollte. Tags nach der
Vorſtellung bei Buol ließ dieſer uns zum Eſſen ein=
laden
. Arnim wollte ablehnen, ich aber hielt es für

Pflicht, anzunehmen, und redete ihm in dieſem Sinne
zu. Schließlich erklärte Arnim, er wolle ſeinen, dem
Buolſchen chef de euiſine befreundeten Koch fragen,
ob es der Mühe verlohne, der Einladung Folge zu
leiſten. Monſieur le Comte gab dieſer Herr zur
Antwort, il y aura le grand diner de 1850 Auf
die Kunde, daß dieſes hiſtoriſch gewordene Menü feſt=
geſtellt
worden, beſchloß Arnim, auch ſeinesteils anzu=
nehmen
. An Hamburg bewahrte Bismarck keine an=
genehme
Erinnerung. Meine letzte kurze Anweſen=
heit
daſelbſt war allzu fatal ausgefallen. Von einem
Beſuch in Holſtein zurückgekehrt, war ich ſpät abends
auf dem Dammtorbahnhof eingetroffen, um den Zug
abzuwarten, der mich zum Berliner Bahnhof, und von
da weiter führen ſollte. Ermüdet und ahnungslos ſaß
ich da, als plötzlich ein Mann meiner gewahr wird;
mich erkennt, auf den Tiſch ſpringt und mit lauter
Stimme ausruft: Mitbürger! Hier ſitzt der Mann,
der Deutſchland einig gemacht hat. Bringen wir ihm
ein dreimaliges donnerndes Hoch! Und ſo riefen die
von allen Seiten auf mich herandrängenden Leute ihr
Hoch, bis der Zug endlich anlangte. Man muß eben
auf ſeine Privatexiſtenz verzichten, wenn man ein
öffentlicher Menſch geworden iſt.
Nach Tiſch, als der Fürſt ſich ſeine Pfeife angezün=
det
hatte und im Salon an einem großen Tiſch Kaffee
gereicht wurde, entſtand eine Unterhaltung über fran=
zöſiſche
Literatur. Meine Lieblingslektüre, erzählte
Bismarck, waren in früherer Zeit Bérangers Lieder.
Noch jetzt gedenke ich mit einer gewiſſen Sehnſucht der
ſchönen Stunden, zu denen ich mich an warmen Som=
mertagen
unter einem großen Baum in Schönhauſen
niederließ, um mich an Béranger zu ergötzen. Als
Eckardt bemerkte, daß dieſer franzöſiſche Lyriker heute
ſeine frühere Popularität eingebüßt habe, weil die
Republikaner ihm die Verherrlichung Napoleons I.
nicht verzeihen könnten, antwortete Bismarck, daß die
meiſten Leute töricht genug ſeien, über den jedesmali=
gen
Modeſchriftſtellern die wahren Größen der Litera=
tur
zu vernachläſſigen. Rottenburg erwähnte dann als
ſeinen Lieblingsdichter Diderot. Diderot ſagte der
Fürſt mit einer abwehrenden Bewegung, Diderot
war Materialiſt, und die Materialiſten halte ich mir
vom Leibe. Merkwürdig war mir, daß Bismarck ſich
bei einer ſpäteren Wendung des Geſprächs zu der
in den Zeiten ſeines Werdens allerdings vorherrſchend
geweſenen Meinung bekannte, daß der zweite Teil
des Fauſt unverſtändlich und darum ungenießbar
ſei; den erſten Teil konnte er bekanntlich auswendig.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Nummer 176.

neueſten Operetten, kommen Solis von Herrn Piſton=
ſoliſten
Speyer zum Vortrag. (S. Anzeige.)
Schützenhof. Vielfachen Wünſchen entſprechend,
haben die Konzerte im Schützenhof dahingehend eine
Aenderung erfahren, als jetzt abwechſelnd alle Militär=
Kapellen konzertieren werden. Heute und morgen abend
wird die Kapelle des Großh. Art.=Korps konzertieren.
(Siehe Anzeige.)
n. Höchſt i. O., 29. Juli. Noch ein vierter Ver=
brecher
, der Taglöhner Wilhelm Schnauber von hier,
wurde geſtern wegen der gemeldeten Einbruchs=
diebſtähle
in Unterſuchungshaft genommen. Er
und der Steinhauer Georg Emig, der von ſeiner letzten
Wildereiverurteilung her unter Poliz=iaufſicht ſteht,
haben gegen den Haftbefehl Beſchwerde eingelegt. Bei
ſämtlichen in Betracht kommenden Einbrüchen erſcheint
der Befund am Tatort ſehr ähnlich; die Spuren zeigen,
daß ohne eigentliche Werkzeuge gewerbsmäßiger Diebe
mit dem, was gerade zur Hand war, das Aufbrechen
der Behältniſſe geſchah und noch eine gewiſſe (vielleicht
gehäſſige) Roheit mitſprach, die bei einem Wilderer
gegenüber Forſt= und Gutsbeamten begreiflich iſt.
Aus dem Ried, 28. Juli. Durch die Großh.
Forſtbehörde werden gegenwärtig dem Schwarzbache
Waſſerproben entnommen, um die Urſache des maſſen=
haften
Abſterbens der Fiſche feſtzuſtellen. Die
anfangs allgemein vertretene Anſicht, induſtrielle Ab=
wäſſer
ſeien die Urſache dieſer unerfreulichen Erſchein=
ung
, begegnet jetzt vielfach ernſtlichem Widerſpruch.
Man neigt vielmehr der Anſicht zu, daß man es in vor=
liegendem
Falle mit einer bis jetzt noch nicht feſtgeſtell=
ten
Fiſchkrankheit zu tun habe, die durch das Hochwaſſer
vom Rhein auf deſſen Seitenbäche übertragen wurde.
In anderen Gegenden am Rhein, wie in der Pfalz und
anderen Orten beobachtet man nämlich gleichzeitig ein
rieſiges Fiſchſterben. Tauſende von Hechten, Varſchen
uſw. ſieht man dort tot auf dem Waſſer im Ueber=
ſchwemmungsgebiet
treiben.
Mainz, 28. Juli. Die Bürgerſpende für den
Kreuzer Mainz hat die Summe von 8000 Mk
überſtiegen. Von der Spende erhält die Mannſchaft
eine ſorgfältig zuſammengeſtellte Bibliothek, die etwa
1000 Bände zählen wird. Für die Unteroffiziermeſſe
werden Tafelbeſtecke und für die Offiziersmeſſe Oel=
gemälde
Mainzer Künſtler geſtiftet. Am Dienstag
nachmittag traf die dem Eigentümer des Matin ge=
hörige
Jacht Aimée hier ein und ſetzte geſtern die
Reiſe rheinabwärts fort. Das Dragoner=Regiment
Nr. 6 rückt morgen (Freitag) abend zu einer großen
Kavallerieübung nach dem in der nördlichen
Eifel bei Elſenborn gelegenen Kavallerieübungsplatze
ab. Mannſchaften und Pferde werden abends um 10
Uhr auf dem hieſigen Bahnhofe in Extrazüge verladen.
Das Regiment kehrt gegen Mitte Auguſt von Elſen=
born
zurück, um in Gemeinſchaft mit dem Dragoner=
Regiment Nr. 23 aus Darmſtadt an der Trup=
penſchau
vor dem Kaiſer teilzunehmen.
Worms, 29. Juli. Ein recht bedauerlicher
UUnglücksfall ereignete ſich geſtern nachmittag
zwiſchen 5 und 6 Uhr am Rheine. Während die Frau
des Tapeziers Johann Becker auf dem Waſchſchiff
unterhalb der Kleberſchen Badeanſtalt beſchäftigt war,
fiel deren 5½ Jahre altes Söhnchen, das ſich in der
Nähe der Mutter aufgehalten hatte, in einem unbe=
wachten
Augenblicke in den. Rhein und ertrank.
Eine Rettung war nicht möglich, da das Kind ſofort
unter dem an der Landungsbrücke der Köln= Düſſel=
dorfer
Rheinſchiffahrtsgeſellſchaft hängenden Fiſcher=
nachen
verſchwand und nicht mehr zum Vorſchein kam.
Trotz ſofortigen Abſuchens der betreffenden Stelle
konnte die Leiche bis jetzt nicht aufgefunden werden.
Beim Turnen verunglückt iſt der etwa 20
Jahre alte Ludwig Weyland. Beim Rieſen=
ſchwung
fiel der junge Mann ſo unglücklich, daß er das
Rückgrat brach. Der Bedauernswerte iſt geſtern
abend an den Verletzungen geſtorben.
Heidesheim, 28. Juli. Kürzlich wurden unterhalb
Heidenfahrt in der Nähe der Lebertsaue Zigeuner
beim Fiſchen beobachtet. Sie ſtreuten an einer tie=
fen
, ruhigen Stelle eines Stromarmes feines Mehl in

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
OK. Vom heutigen St. Helena. Das ein=
ſame
, felſige Eiland, auf dem Napoleon ſeine qual=
vollen
letzten Jahre als Gefangener verlebte, bis ihn
der Tod erlöſte, galt bisher immer als ein öder, gott=
verlaſſener
Fleck Erde. Nun wird die Inſel, die in
der Wektgeſchichte einen ſo ſchlimmen Ruf bekommen
hat, rehabilitiert. Der britiſche Gouverneur Oberſt
Gallway, der gegenwärtig in England einen kurzen
Urlaub verbringt, ſchildert St. Helena als ein kleines,
idylliſches Märchenland; nennt es eine ideale Erhol=
ungsſtätte
für Nervenleidende, rühmt das Klima, die
landſchaftlichen Reize. St. Helena iſt kein kahler Fel=
ſen
. Wenn das viel verleumdete Eiland auch nur 17
engliſche Quadratmeilen groß iſt, ſo hat es doch ſeine
unvergleichlich ſchönen, anmutigen Stellen, ſeine Reize
und ein wirklich vollkommenes Klima. Die Sterbe=
ziffern
St. Helenas ſind wohl die niedrigſten der Welt:
6 von 1000. Vom Hafen aus ſieht die Inſel ja ein
wenig finſter aus, aber droben im Hochland iſt das ganz
anders. Der große Korſe, der hier ſein Leben be=
ſchloß
, iſt bei der Bevölkerung faſt vergeſſen. Die Er=
innerungen
ſchrumpfen immer mehr zuſammen; ein
paar Jahrzehnte noch, und niemand auf der kleinen
Inſel wird mehr daran denken, wodurch der Name St.
Helena in der Welt ſo berühmt geworden iſt. Es gibt
noch einige wenige alte Leute, die als kleine Kinder
die letzten Tage Napoleons miterlebten. Sie erinnern
ſich dunkel, daß ihre Eltern von dem berühmten Ge=
fangenen
ſprachen; noch heute ſagt man wie damals:
General Bonaparte‟ Die heutige Generation aber
hat den großen Feldherrn vergeſſen; ſein Ruhmesglanz
iſt von näherliegenden Ereigniſſen überſtrahlt; man
weiß mehr von Dinizulu und von General Cronje, die
im Jahre 1890 bezw. 1900 als Gefangene auf der Inſel
weilten, als von Napoleon. Das Haus, in dem der
Kaiſer wohnte, das berühmte Longwood, ſteht zwar
noch, aber von Reliquien und Gegenſtänden, die an
jene hiſtoriſchen Tage gemahnen, iſt wenig übrig ge=
blieben
. Der Bau iſt teils aus Stein, teils aus Holz:
ein einfaches, einſtöckiges Gebäude, das wie ein be=
ſcheidenes
Bauernhäuschen ausſieht. Zu Napoleons
Zeiten,ſo erzählt der Gouverneur, war Longwood noch
von Bäumen umgeben, aber heute liegt es kahl und
öde da. Nicht ein Stück des Mobiliars iſt geblieben.
Im Schlafzimmer ſieht man noch eine gute Büſte des
großen Kriegsmanns, und im Gouvernementsgebäude
bewahrt man einige Reliquien, ein Bücherbort Napo=
leons
, einen Schrank und den berühmten Billardtiſch.
Er ſtand nur ein Jahr in Longwood. Napoleon ſpielte
ohne Stöcke, nur mit der Hand, Billard und war beim
Spiel ziemlich nervös. Nach einem Jahre aber wurde

das Waſſer. Binnen fünf Minuten war die Oberfläche
mit mehr als fünfzig großen und kleinen Fiſchen be=
deckt
, die betäubt waren und ſo von den Zigeunern als
willkommene Beute aufgefiſcht wurden,
Ober=Olm, 28. Juli. Ein ſchwerer Unglücks=
fall
paſſierte geſtern nachmittag hier am Bahnüber=
gang
, der ſogenannten Becherbrücke. Die beiden Pferde
des Bürgermeiſters Womann wurden beim Herannahen
cines Zuges ſcheu und verſuchten durchzugehen. Der
Knecht wollte ſie anhalten, wurde aber von den Tieren
niedergetreten und durch Huftritte derart verletzt, daß
ſofort der Tod eintrat. Der Schädel des Unglücklichen
war vollſtändig zerſchmettert.
Friedberg, 28. Juli. Auf Anordnung der Behörde
wurde heute mittag der hier beſtehende Spiel=
Automat, deſſen Unternehmer auch in Offenbach und
Mainz ſolche Geldſpiel=Automaten aufgeſtellt hatte,
geſchloſſen. Hier war er drei Wochen in Tätigkeit.
* Bad=Nauheim, 28. Juli. Bis zum 28. Juli ſind
22745 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem
Tage noch 7782 anweſend waren. Bäder wurden bis
zum 28. Juli 272 145 abgegeben.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 29. Juli. Ein Perlen=
dieb
wurde geſtern abend in der Friedrichſtraße verhaf=
tet
, als er den Verſuch machte, ein etwa aus 300 Perlen
beſtehendes fünfteiliges Kollier zu verſetzen. Man glaubt,
daß dem Verhafteten mehrere in der letzten Zeit zur Aus=
führung
gebrachte Perlendiebſtähle zur Laſt zu legen ſind.
Vor dem Gebäude des ſtädtiſchen Pfandhauſes
ſprach geſtern ein junger Mann eine vorübergehende Dame
an und bat ſie, ihm ein Geldſtück zu wechſeln. Als
die Angeredete ihre Geldtaſche öffnete, um das Porte=
monnaie
herauszuholen, näherte ſich den beiden ein Drit=
ter
, der mit einem raſchen Griff die Taſche an ſich riß
und dann die Flucht ergriff, auch ſein Komplize lief davon.
Die Verfolgung der Flüchtlinge führte zu ihrer Verhaftung.
Die Verhafteten entpuppten ſich als zwei Genoſſen, die
wegen zahlreicher Diebſtähle ſchon lange geſucht wurden.
Von dem geflohenen Briefträger Berg=
mann
hat man bis jetzt noch keine Spur gefunden. Man
weiß nicht, ob er ſich noch in Berlin aufhält oder die Stadt
bereits verlaſſen hat. Unter den Anzeigen, die auf die
Bekanntmachung der Oberpoſtdireklion, die 1000 Mark
Belohnung ausſetzte, einliefen, befindet ſich auch die: ein
Mann ſei aufgeregt an den Billettſchalter an dem Lehrter
Bahnhof getreten und habe dort ein Billett für nach Ham=
burg
gelöſt. Zu der Unterſchlagung des Brief=
trägers
Bergmann wird noch gemeldet: Das
Bahnpoſtamt 4 am Schleſiſchen Bahnhof, das in demſelben
Hauſe liegt wie das Poſtamt 17, hatte von der General=
poſtkaſſe
am Dienstag einen Zuſchuß von 50000 Mark
erhalten, den es für die Gehaltszahlungen am Samstag
brauchte. Die Generalpoſtkaſſe überwies dieſen Betrageim
Laufe des Mittwoch an das Poſtamt 17. Am Poſtamt 17
ſind die 50000 Mark abends eingetroffen, ſie wurden in
Verwahrung genommen. Am anderen Morgen ſollte das
Geld von Bergmann innerhalb des Amtes von einer
Dienſtſtelle in die andere getragen werden. B. benutzte
dieſe Gelegenheit, um auf einem Seitenausgange mit
den beiden Beuteln zu flüchten. Der Flüchtling heißt mit
vollem Namen Friedrich Wilhelm Ludwig Bergmann;
er iſt in Ilten, Kreis Burgsdorf bei Hannover im Jahre
1877 geboren und beſuchte dort die Schule, wurde Land=
arbeiter
, ſpäter Kutſcher, diente beim Militär, wurde dann
Poſtillon und avancierte zum Briefträger. Im Poſtamt 17
war er erſt kurze Zeit tätig. Der Flüchtige iſt 1,65 Meter
groß, von mittelkräftiger Figur, hat ein ſchmales Geſicht
und rote Wangen, ſchwarze, etwas gekräuſelte Haare,
ſchwarzen kleinen Schnurrbart, der ebenfalls etwas ge=
kräuſelt
iſt, und dunkle Augen; die Naſe iſt etwas ge=
bogen
. Bergmann verkehrte mit einer in Halenſee woh=
nenden
angeblichen Sängerin; außerdem hatte er eine in
der Nähe des Poſtamtes wohnende Braut. Man vermutet,
daß der Flüchtige den Zug nach Hannover benutzt hat.
Seitens der Poſtbehörde, die ſofort die Kriminalpolizei
verſtändigte, iſt alles aufgeboten worden, um den unge=

er dieſer Unterhaltung müde und ſchickte den Billard=
tiſch
ſeinem Gefängniswärter zurück. Aus dem Bil=
lardzimmer
wurde ein Kartenzimmer, und hier ſaß
Napoleon ſtundenlang über Pläne gebeugt und erfocht
mit Hilfe von kleinen Flaggen noch einmal ſeine Siege
. . . bis Waterlvo.
O Von der Pracht des chineſiſchen
Kaiſerpalaſtes, der mit ſeinen 10000 Einwoh=
nern
die rieſenhafteſte Reſidenz darſtellt, entwirft
Graf Vay de Vaya und zu Luskod in ſeinen Erinner=
ungen
vam Hofe des Kaiſers Kuang= und der Kai=
ſerinwitwe
Tſu=Hſi, die im Auguſt=Heft der Deutſchen
Revne veröffentlicht werden, ein farbiges Bild. Er
betrat zum erſten Male den bis dahin unzugänglichen
Bezirk kurz nach dem Einmarſch der europäiſchen
Truppen in Peking und ſtand überwältigt vor der
Pracht dieſer Bauten. Den Mittelpunkt der inneren
Stadt bildet ſo erzählt er, der wunderbar geſchnitzte,
von einem prachtvollen Baldachin überdachte Thron=
ſaal
. Von hier geht jeder wichtige Schritt aus, und
hierher führt jeder Weg. Er iſt der Brennpunkt der
Hauptſtadt, das Herz des Kaiſerreiches; aber er iſt ver=
botenes
Gebiet. Der Mann, der ſeinen Fuß in den
Thronſaal ſetzt, verwirkt ſein Leben, ſo heilig und
geweiht iſt dieſer Raum. Ich kann die Tatſache kaum
glauben, daß ich in dem Sanktuarium ſtehe, in dem bis
vor kurzem niemals fremde Füße ihre Spur abgedrückt
haben, und ich blicke mich mit eifrigem Intereſſe um.
Die Anlage dieſes einzigartigen Baues iſt höchſt ein=
drucksvoll
. Die vergoldeten Wände die breiten Trep=
pen
, die marmornen Terraſſen, die Wallgräben und
die überall vorhandenen Brücken das alles wirkt
zuſammen, eine Szenerie von imponierender Groß=
artigkeit
zu bilden. Jeder, der ſich dem Thron zu
nähern wünſcht, muß durch alle fünf Städte, durch die
ſieben Tore und über die ſieben Brücken von Peking
gehen, und ſelbſt wenn man die kaiſerliche Reſidenz er=
reicht
hat, ſo ſind noch fünf Höfe und fünf Hallen zu
durchqueren, ehe man an den Thron gelangt.
Nirgends ſonſt habe ich den Gedanken der Majeſtät
ſo gewaltig verkörpert geſehen; weder in dem rieſen=
haften
Palaſt der Zaren aller Reußen, noch an den
glänzenden Höfen indiſcher Fürſten, noch ſelbſt in dem
wundervollen Schatzkäſtchen des Roi Soleil in Ver=
ſailles
, und nirgends ſonſt die Allgewalt eines Herr=
ſchers
in ſolchem wahrhaft königlichen Maß verherr=
licht
. Während jedoch der unglückliche Kaiſer Kuang=
kaum je dieſe prunkvollen Hallen ſelbſt bewohnte,
ſondern in vollſtändiger Einzelhaft und im Schatten
verborgen, in kleinen Pavillons hinter hohen Mauern.
ſeine traurigen Tage verbrachte, lebte die Kaiſerin=
Regentin ein Daſein voll Leben und Fröhlichkeit, und
erſchien bei den diplomatiſchen Empfängen im vollen

treuen Beamten zu faſſen. Er unterhielt auch mehrere
Liebesverhältniſſe, ſpielte den Lebemann, beſuchte Ren=
nen
, wettete viel auf Pferde und hatte, da ſein Gehalt für
ſeine noblen Paſſionen nicht ausreichte, viele Schulden.
Das iſt wohl auch der mittelbare Anlaß zu ſeiner Unter=
ſchlagung
geweſen, denn die Schulden waren ihm über
den Kopf gewachſen, und er wußte ſich vor ſeinen Gläu=
bigern
keinen Rat. Das unterſchlagene Geld ſetzte ſich zu=
ſammen
aus 26700 Mark in Hundertmarkſcheinen, 10000
Mark in Zwanzigmarkſtücken, 3200 Mark Silber und 100
Mark Nickel (Zehnpfennigſtücke).
Wiesbaden, 29. Juli. Geſtern abend kurz nach 10
Uhr erſchoß der 23 Jahre alte Taglöhner Riebel
in Dotzheim nach vorhergegangenem Streit den Tag=
löhner
Franz Schipper mit einem Revolver. Heute
morgen um 8 Uhr vergiftete ſich die von ihrem
Manne getrennt lebende, 38 Jahre alte Frau des Auf=
ſehers
Braun mit Lyſol. Dieſelbe hinterläßt zwei
Kinder. Sie ſtarb kurz nach ihrer Einlieferung in das
Städtiſche Krankenhaus.
Mannheim, 28. Juli. Nach genau hundertjäh=
rigem
Beſtehen hat mit dem Ende der vergangenen.
Woche das Großherzogliche Inſtitut, eine von
der Großherzogin Stefanie, der Stieftochter Napo=
leons
I., gegründete vornehme Töchterpenſion, ihren
Betrieb eingeſtellt. Bei der kleinen Feier, die
damit verbunden war, gab Oberbürgermeiſter Martin
dem Dank der Stadtgemeinde gegenüber dem Lehr=
körper
und insbeſondere der Vorſteherin Frl. Streccius
Ausdruck, ſowie dem Bedauern über die durch den
Wandel der Zeiten notwendig gewordene Auflöſung
der Anſtalt, die ſo lange ein Wahrzeichen und eine
Zierde der Stadt geweſen ſei. Die Großherzogin Luiſe,
die durch 50 Jahre das Protektorat über die Anſtalt=
ausübte
, hatte ein Handſchreiben geſandt.
Karlsruhe, 28. Juli. Die ſtatiſtiſchen Mitteilungen
für das Großherzogtum Baden beſtätigen den ſchlech=
ten
Stand der Ernte infolge vierwöchentlichen
Regens und Ueberſchwemmung.
Freiburg i. Br., 28. Juli. Die Großh. badiſche
Univerſität wird durch weitere Neubauten von
Klinilen entſprechend erweitert. Durch Beſchluß der
ſtäotiſchen Verwaltung wurde die Ausführung der
Zentralheizungs= und Lüftungsanlage der Darmſtädter
Zentralheizungsfabrik, Ing. Heinrich Fritz, über=
tragen
.
München, 29. Juli. Ein Doppel=Selbſtmord
wurde geſtern in Ammerſee begangen. Die Majors=
witwe
Sengl aus Hamburg und ihre 26jährige Tochter
wurden zuſammengebunden als Leichen aus dem Seee
gezogen. Die Tat geſchah, weil der in einem Ammer=
ſee
=Ort tätige, frühere Verlobte der Tochter das Ver=
hältnis
rückgängig gemacht hatte.
Neuburg a. D., 27. Juli. Die Bewohner des Ortes=V
Bergheim a. D. waren am letzten Samstag Zeugen
eines einzigartigen Naturſchauſpiels. Den gan=
zen
Tag über herrſchte orkanartiger Sturm, unter=
brochen
von ſtarken Regengüſſen. Gegen 4¾4 Uhr nach=
mittags
ſahen Leute, die auf den Feldern in der Nähe
der Donau arbeiteten, auf dem Strome eine ſchwarze,
turmhohe Waſſerſäule in wirbelnder Beweg=
ung
dahineilen. Die Regenwolken ſenkten ſich tief bis
faſt auf den Waſſerſpiegel der Donau und wurden mit
in die auf= und niederſteigenden Wirbel gezogen. So=
bald
die Trombe dem Ufer zu nahe kam, ergriffe ſie
Aeſte und Zweige und riß ſie mit furchtbarer Gewalt
in die Höhe. Während der ganzen Erſcheinung ver=
nahm
man donnerähnliches Krachen und Rauſchen.
Mit ungeheuerer Geſchwindigkeit glitt das Phändmen
auf dem Waſſerſpiegel hin und hinterließ einen eigen=
artigen
, an Schwefel erinnernden Geruch, den man=in
der ganzen Umgegend wahrnahm. In der Nähe des
Ortes Gerolfing ſtürzten dann die Waſſermaſſen in ſich
zuſammen. Die ganze Erſcheinung kam ſehr plötzlich
und in einer erſchreckenden Geſtalt.
Fulda, 29. Juli. Der Hüttner Günther in
Marbach bei Fulda hat ſeine Frau ermordet und
ſich dann ſelbſt entleibt.
Köln, 29. Juli. Heute morgen wurde in der Licht=
ſtraße
Nr. 64 die 53jährige Ehefrau des Wiegemeiſters

Glanze der Prunkräume in dieſer weiten Reſidenz.
Im Sommerpalaſt wurde der Verfaſſer zuerſt vorge=
ſtellt
. Durch einen weiten, mit weißem Marmor ge=
pflaſterten
Hof gelangten ſie in einen noch größeren
und noch prächtigeren. Alle Anweſenden waren in
Saphir und Gold gekleidet, und das ganze Bild war
in den Abſtufungen dieſer Farbentöne gehalten, eine
vollkommene Farbenharmonie, ſo künſtleriſch und fein,
daß es zur Bewunderung zwang. Doch ich war nicht
imſtande, all die Pracht in dem Raum zu betrachten
das Gold, die Juwelen und der Sonnenſchein waren
zu blendend. Ich konnte nur einen dunkelblauen Tep=
pich
ſehen, der uns den Weg zu den Stufen der mitt=
leren
Halle oder Pagode, wie ich lieber ſagen möchte,
wies eines jener Phantaſiebauwerke, von denen wir
in den Feenmärchen leſen. Ich brauchte einige Zeit,
um zwiſchen Farbe und Form, zwiſchen Wirklichkeit
und Einbildung, unterſcheiden zu können. Zuerſt er=
blickte
ich in Girlanden gebundene und in reichen Ge=
winden
niederhängende Blumen. Es waren Chryſan=
themen
von mannigfachen Formen und Farbennuan=
cen
; einige außerordentlich klein, andere außergewöhn=
lich
groß; die einen Roſen ähnlich, andere wie große
Spinnen. Von blaſſem Schwefelgelb bis zur dunkeln
Bronze war jede Tönung von Gold vorhanden, und
ſie waren in Schalen und Vaſen geſetzt, die Wunder
an Alter, unvergleichlicher Schönheit und unſchätzbarem
Werte waren.
Inmitten dieſer überwältigenden Umgebung ſah
die Kaiſerinwitwe Tſu=Hſi wie das vor=
nehmſte
Götterbild in einem Tempel aus. Sie war
von mittlerer Größe, kräftig gebaut und verriet in
ihrem Weſen eine abſolute Selbſtbeherrſchung. Sie
trug ein dunkelblaues, mit Goldfäden beſticktes Kleid.
Was mir am meiſten an ihr auffiel, war ihr Mandſchu=
kopfputz
, der das Haar wie die Flügel einer Fleder=
maus
vom Kopf abſtehen ließ, wobei jeder derſelben
mit einem Chryſanthemumbüſchel geſchmückt war. Sie
ſaß auf einem hohen, kunſtvoll geſchnitzten, ſchwer ver=
goldeten
und mit einem wundervollen Baldachin über=
dachten
Thron. Vor ihr ſtand ein Tiſch, auf dem ihre
Finger mit den langen Nägeln ruhten. Sie war ohne
Frage eine Erſcheinung von gebietendem Weſen, und
ſah jünger aus als ihre Jahre, denn ihre Züge hatten
ihre Beweglichkeit beibehalten. Die viereckige Stirn,
die kräftige Naſe und der energiſche Mund waren be=
merkenswert
, aber ich hatte das Gefühl, daß ihr Cha=
rakter
ſich am beſten in dem Zucken des Mundes und
ihrem durchdringenden Blick ausſpreche. Nichts ſchien
ihr zu entgehen. Während des ganzen Empfanges
folgte ihr ſcharfer Blick jeder Bewegung und muſterte
jeden einzelnen.

[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910

Seite 5.

Joſeph Weber, der ſich gegenwärtig auf Urlaub be=
findet
, am Fenſterkreuz erhängt aufgefunden. Die
34jährige Tochter lag erdroſſelt vor ihrem Bett.
Außerdem fand man die drei Kinder der erdroſ=
ſelten
Tochter, im Alter von 37 Jahren, erdroſ=
ſelt
in ihren Betten. Der Vater der erdroſſel=
ten
Kinder, ein Kaufmann, befindet ſich gegenwärtig
ebenfalls auf Reiſen, und zwar im Ausland, und lebte
getrennt von ſeiner Frau. Da die erhängt aufgefun=
dene
Frau Weber, die ſich wiederholt in einer
Nervenheilanſtalt befunden und ſchon geäußert hat,
ſie würde ſich und ihre Kinder umbringen, ſo wird an=
genommen
, daß die alte Frau in einem Anfall von
geiſtiger Geſtörtheit ihre Tochter und ihre drei Enkel=
kinder
umbrachte und ſich dann ſelbſt erhängte. Man
nahm zuerſt einen Raubmord an, doch iſt nichts geſtoh=
len
worden, und da die Leiche der 34jährigen Tochter
Strangulierungsmerkmale am Halſe aufwies, nimmt
man an, daß zwiſchen der Tochter und ihrer Mutter
ein heftiger Kampf ſtattgefunden hat.
Dortmund, 28. Juli. Wie ſeinerzeit mitgeteilt,
machten in Sachen der Niederdeutſchen Bank
die zuſammengetretenen Banken bei grundſätzlicher
Geneigtheit zur Einleitung einer Hilfsaktion die Faſ=
ſung
feſter Beſchlüſſe von dem Ergebnis einer durch
die Treuhandgeſellſchaft und zu dieſem Zwecke gewählten
kleinen Kommiſſion vorzunehmenden eingehenden Prüf=
ung
abhängig. Da die Prüfung ergab, daß die Lage
der Bank eine ganz hoffnungsloſe iſt, mußte
von der in Erwägung gezogenen Hilfsaktion Abſtand
genommen werden. Die Bankengruppe hat nunmehr
beſchloſſen, den kleinen Gläubigern der Niederdeutſchen
Bank durch möglichſt baldige Herauszahlung
eines Teiles ihrer Forderungen zu Hilfe zu kommen
und wegen der hierzu zunächſt erforderlichen Feſtſtel=
lung
der einzelnen Gläubigerpoſten das Geeignete in
die Wege geleitet.
Schwerte (Weſtfalen), 29. Juli. Wegen des epide=
miſchen
Auftretens des Haarſchwundes unter den
Schülern und Schülerinnen der Volksſchule wurden
die Schulen bis zum 10. Auguſt ſeirens der Behörden
geſchloſſen. Bis jetzt ſind über 200 Kinder erkrankt.
Brüſſel, 27. Juli. Ueber die Art und Weiſe, wie
man auf die Spur des wegen Gattenmordes verfolgten
Londoner Zahnarztes Dr. Crippen kam, erfährt man
jetzt die folgenden Einzelheiten: Am 19. Juli erkundig=
ten
ſich in Antwerpen zwei Perſonen, deren Ausſehen
mit dem aus London gegebenen Signalement überein=
ſtimmte
, nach den Abfahrtszeiten der Dampfer nach
Amerika. Tags darauf beſtellte der Mann, in dem
man jetzt Crippen vermutet, für ſich und ſeinen Sohn
eine Kajüte 2. Klaſſe auf der Montroſe, einem ſchwe=
ren
Frachtdampfer, der zwölf Knoten läuft und einige
Fahrgäſte 2. und 3. Klaſſe aufnimmt. Sie belegten die
Plätze erſt drei Stunden vor Abgang des Dampfers,
kamen im letzten Augenblick an Bord und verhinderten
ſo ihre Eintragung in die von der Agentur übermittelte
Paſſagierliſte, wodurch ſie den Nachforſchungen des von
London entſandten Geheimpoliziſten zu entgehen wuß=
ten
. Frl. Le Neve, die Geliebte Crippens, die als
Mann verkleidet war, wurde während der Reiſe auf
dem Deck von einem heftigen Unwohlſein befallen, das
ſie zwang, ſofort ihre Kajüte aufzuſuchen. Einem Ste=
ward
, der ſie daraufhin näher muſterte, kam ſie ver=
dächtig
vor, und er teilte dies dem Kapitän mit, der
durch Funkenſpruch eine Meldung nach London ge=
langen
ließ. Auf dem Schiff hatte ſich das Paar be=
kanntlich
als Robinſon und Sohn eingeſchrieben.
Paris, 28. Juli. In letzter Nacht kletterten in
Paris vier verwegene Apachen über das Gitter einer
Villa in der Avenue St. Germaine. Ein vorübergehen=
der
Bäckergehilfe ſtörte ſie in ihrer Arbeit. Er ſchrie
nach der Polizei. Da kletterten zwei Apachen zurück,
fielen über den Bäckergehilfen her und wollten ihn un=
ſchädlich
machen. Der Bäckergehilfe ließ ſich jedoch nicht
einſchüchtern, er ſchlug einen der Apachen mit einem
Stock nieder, bemächtigte ſich dann deſſen geladenen Re=
volvers
und ſchoß damit den zweiten Apachen nieder.
Er hatte ihm eine ſchwere Verwundung in der Bruſt
beigebracht. Inzwiſchen waren mehrere Polizeiagenten
herbeigeeilt, die zunächſt die beiden von dem Bäcker=
gehilfen
übel zugerichteten Apachen auflaſen und ins
Spital brachten, wo ſie dem Staatsanwalt zur Verfüg=
ung
geſtellt wurden. Die anderen Agenten drangen
in die Villa ein, um ſich der beiden anderen Apachen

zu bemächtigen, die bereits eingeſtiegen waren. Nach
hartnäckigem Kampfe, in welchem drei Polizeiagenten
ſchwer verwundet wurden, wurden die Apachen über=
wältigt
.
Orleans, 29. Juli. Der Poſtwagen des Expreß=
zuges
Nr. 21 Paris-Orleans wurde beraubt; ſechs
Säcke für Briefe und 13 Kuverts für Geldbriefe, ſowie
zehn auf den Inhaber lautende Obligationen wurden
in der Nähe von Orleans gefunden. Die Säcke und
die Kuverts waren leer. Man vermutet, daß der Dieb=
ſtahl
mittels Nachſchlüſſel verübt wurde und die Wert=
gegenſtände
unterwegs Komplizen zugeworfen worden
ſind. Unterſuchung iſt eingeleitet.
Rom, 28. Juli. In Sizilien hat der Hauptmann
von. K öpen i ck‟ Schule gemacht. Ein Ka=
valiere
namens Giuſeppe Conſol i er=
ſchien
am 17. Juli, abends 10 Uhr, in der
Karabinieriſtation von Ramacco, wo er ſich mit einem
Schreiben des Präfekten als zu einer geheimen Poli=
zeimiſſion
Beauftragter vorſtellte und beklagte, daß
er trotz Telegramms an den Bürgermeiſter an der
Station keinen Wagen vorgefunden habe. Dann for=
derte
er die Karabinieri auf, ſich ſofort mit ihm auf
einen Unterſuchungsgang aufzumachen, da die Gegend
endlich vom Unweſen der Viehdiebſtähle befreit werden
müſſe. Zunächſt ſuchte er einen Meierhof auf, wo er
alle Inſaſſen verhörte, die Belege für den Viehſtand
forderte und für deren Vidimierung 32,80 Lire ſamt
einer goldenen Uhr mit Kette erhob. Nachdem er die
Nacht auf der Karabinieriſtation zugebracht und ſich
in aller Frühe von den Gemeindepoliziſten einen Re=
volver
hatte geben laſſen, kehrte er mit ſieben Poli=
ziſten
zum Meierhof zurück, wo er ein Maultier kon=
fiszierte
und den Eigentümer verhaftete, weil dieſer
den Beſitz des Tieres nicht habe nachweiſen können.
Unter demſelben Vorwande konfiszierte er in dem
nahen Paternö einige Ochſen, deren Eigentümer Squil=
lace
ebenfalls der Verhaftung nicht entging. Die kon=
fiszierten
Tiere ließ er zu einem dritten Meierhof bei
Velpaſſo bringen, wo er noch anderes Vieh mit Be=
ſchlag
belegte, den Eigentümer verhaftete und dann die
Poliziſten zum Aufklärungsdienſt fortſchickte. Mit dem
Eigentümer allein geblieben, ließ er ſich ein. Wertpapier
im Betrag von 1100 Lire geben und erbrach eine Kaſ=
ſette
, aus der er ſich noch 100 Lire in bar aneignete.
Nun ging er zu einem anderen Orte, Francaviglia, wo
er einen Teil des erſchwindelten Viehes einſtellte und
ſich dafür ein Depotgeld von 1450 Lire erwirkte und
auch zwei Karabinieri zur Aufſicht zurückließ, das übrige
Vieh aber mit zwei Poliziſten nach Ramacca, dem Aus=
gangspunkt
ſeiner Operationen, beorderte. Schließlich
ſuchte er den Hofbeſitzer Squillace in Paternö wieder
auf, entnahm dieſem ein Gewehr und hieß ihn, ihn in
ſeinem Wagen nach der Eiſenbahnſtation Motta San=
tanaſtaſia
fahren, wo er erklärte, daß er bei der nächſten
Station andere Verhaftungen vornehmen, dann aber
nach Ramacca zurückkehren werde. Seit der Zeit blieb
er verſchwunden. Zu ſpät traf ein Telegramm des
Präfekten ein, daß es ſich um einen Schwindler
handele.
Madrid, 28. Juli. Die Operettenſängerin Roſa=
rio
Soler, die, wie alle ſpaniſchen Schauſpielerinnen
und Bühnenkünſtlerinnen, eine fromme Katholikin iſt,
wollte, bevor ſie ein mehrjähriges Engagement nach den
ſpaniſch ſprechenden Ländern Amerikas antrat, ihr
Seelenheil der wundertätigen Virgen del Pilar in
Zaragoza anvertrauen. In Begleitung des Kompo=
niſten
Calleja begab ſie ſich in einem leichten Som=
merkleide
, deſſen Aermel nur bis zu den Ellbogen reich=
ten
, und das nach der Mode am Halſe ausgeſchnitten
war, in die der Virgen del Pilar gewidmete Kirche,
verrichtete vor deren Bildſäule ihre Andacht und machte
ihr ein wertvolles Geſchenk. Als ſie dann durch die
Kirche promenierte, kam ein Kanonikus auf ſie zu und
forderte ſie auf, das Gotteshaus zu verlaſſen, da ſie es
mit ihrer unzüchtigen Tracht beſudele. Die
Künſtlerin und ihr Begleiter proteſtierten, der Geiſt=
liche
aber beſtand auf ſeiner Forderung und drohte, daß
er die Künſtlerin gewaltſam aus der Kirche entfernen
laſſen würde. Unter bitteren Tränen wandte die ſchöne
Roſaria ſich da und begab ſich zum Gouverneur, um ſich
bei dieſem zu beklagen. Der Gouverneur richtete an
den Erzbiſchof einen energiſchen Proteſt und machte der
egierung Mitteilung von dem Vorfall. Als
die Bevölkerung von Zaragoza von dem Ereignis er=

fuhr, huldigte ſie der gekränkten Künſtlerin außerdem
aufs großartigſte, und der Abgeordnete Soriano brachte
die Sache am letzten Sitzungstage des Kongreſſes
in der ihm eigenen ſarkaſtiſch=witzigen Weiſe zur
Sprache und erzielte ungeheure Heiterkeit. Der
Miniſterpräſident erklärte ſogar, daß der Gouverneur
von Saragoſſa ihm gemeldet habe, die Tracht der Künſt=
lerin
wäre eine durchaus anſtändige, das Gebaren des
ſittenſtrengen Geiſtlichen darum unberechtigt geweſen.
Er habe bei dem Erzbiſchof Einſpruch erhoben. Dieſer
ſoll über den Vorfall ſehr ungehalten ſein. Eine beſſere
und wirkſamere Reklame wird ſich ſelbſt die Künſtlerin
nicht haben denken können: Ausweiſung aus einer
Kirche wegen zu leichter Kleidung, Entſchuldigung
ſeitens des Gouverneurs und des Stadtrates, öffentliche
Huldigung der Bevölkerung und eine Parlaments=
ſitzung
, die ſich eingehend mit ihrer Angelegenheit be=
ſchäftigt
. Mit einer ſolchen Empfehlung kann ſie getroſt
nach Amerika reiſen.
London, 28. Juli. Dichter Nebel lag über den Ge=
wäſſern
, als die Flotte geſtern von Torquay in der
Tor=Bai auszog, um dem König von England
das Schauſpiel einer Schlacht zu bieten. Um 2 Uhr
nachmittags, als der Nebel leichter geworden war, folgte
das Flagſchiff Dreadnought auf dem ſich der König
befand, der Flotte. Zugleich ſtieg vom Ufer Graham
White mit ſeiner Flugmaſchine auf, überholte
die Dreadnought und kreiſte ein halbes dutzendmal
in bedeutender Höhe über dem Schlachtſchiffe. Nicht der
König mit dem Aufgebot der ganzen Flotte hätte ihn da
herabholen können, ſagte ein heutiges Morgenblatt, und
weiß weiter mitzuteilen, daß auf der Dreadnought
ein lebhafter Meinungsaustauſch darüber ſtattgefunden
habe, ob es möglich ſei, Schiffe durch Sprengſtoffe von
Flugmaſchinen aus zu zerſtören. Die Dreadnought
entſchwand ſchließlich den Blicken, und Graham White
kehrte ans Land zurück. Bald darauf tönte Kanonen=
donner
aus der Ferne, die Schlacht hatte begonnen.
Der Nebel verdichtete ſich wieder derartig, daß man
kaum 200 Meter weit ſehen konnte. Gegen 5 Uhr kam
der König auf ſeiner Jacht zurück. Eine Anzahl Tor=
pedoboote
, ein paar Kreuzer folgten. Auch die Dread=
nought
fuhr langſam herbei und warf Anker in der
einſamen Bai. Wo war die Flotte geblieben? Es gab
nur eine Antwort: Im Nebel verirrt! Auf dem
Flaggſchiff herrſchte nicht wenig Beſorgnis ſo lieſt
man heute morgen in den Daily News und um 6 Uhr
beſchloß Admiral May, mit der Dreadnought und
Dido auf die Suche auszufahren. Der Nebel war
jetzt ſo dicht geworden, daß die beiden Schiffe nur ganz
langſam und mit der größten Vorſicht fahren konnten,
und ſchon, nachdem eine Meile zurückgelegt war, hielt
es Admiral May für angezeigt, die Dido wieder zu=
rückzuſchicken
. Aber auch Dido konnte den Weg
nach Torquay nicht zurückfinden und fand ſich
plötzlich dem turmhohen Fels von Daddy Hole gegen=
über
, wo ſie ſicherheitshalber Anker warf. Auch die
drahtloſe Telegraphie verſagte in dem dichten Nebel,
und die Dreadnought mußte ſich darauf beſchränken,
ihre verlorenen Schweſtern durch die Sirene wieder
zuſammenzulocken. Einige antworteten auch in der
Ferne, aber um ½8 Uhr kam das Flaggſchiff wieder
allein nach Torquay zurück. Erſt gegen 9 Uhr begannen
ſich die anderen Schiffe nach und nach einzuſtellen, doch
ſpät abends fehlten noch viele. Im Ernſtfalle
wäre eine furchtbare Kataſtrophe, wohl ſelbſt
nicht durch die größte Vorſicht, zu vermeiden geweſen.
Die Manöver mit den Torpedo= und Unterſeebooten
hatten wegen des Nebels unterbleiben müſſen. (Lok.=
Anz.)

Bahnbau Aſchaffenburg-Höchſt.
* Hainſtadt (Odenwald), 28. Juli. Man ſchreibt
uns: Um die Intereſſen der Gemeinden des unteren Müm=
lingtales
und der bayeriſchen Gemeinden bezüglich des
Bahnbaues Aſchaffenburg-Höchſt i. O. zu wahren, hatten
ſich geſtern abend die Vertreter der beteiligten Gemeinden
und Induſtrielle zu einer Beſprechung hier eingefunden.
Herr Lehrer Dubois=Hainſtadt führte u. a. aus: Viele
gewerbliche Betriebe ſeien ſchon im Laufe der Jahre in=
folge
der teueren Frachtverhältniſſe zu Grunde gegangen,
bis endlich im Jahre 1906 zwiſchen Bayern und Heſſen ein
Vertrag zuſtande gekommen ſei, wonach Bayern den Bau

Kleines Feuilleton.
* Humor Friedrichs des Großen. Den
bei Rob. Lutz in Stuttgart erſchienenen Hohenzollern=
Anekdoten ſeien folgende entnommen: Bei der In=
ſpizierung
eines Reiter=Regiments erkundigte ſich
Friedrich beim Oberſten nach ſeinen Offizieren. Der
Oberſt äußerte ſich über alle ſehr lobend, nur den Ritt=
meiſter
F. tadelte er und meinte, es wäre ihm lieber,
wenn er verſetzt würde, weil er ſaufe. Nichts war dem
König verhaßter als dies Laſter. Während der Revue
beobachtete der König den beſchuldigten Rittmeiſter
und ſeine Schwadron genau und fand zu ſeiner Ueber=
raſchung
, daß die Schwadron unter Führung des Ritt=
meiſters
in jeder Beziehung ausgezeichnet exerzierte,
während die Leiſtungen des Oberſten mittelmäßig
waren. Nach Beendigung der Revue nahm der König
den Oberſten beiſeite und ſagte zu ihm: Weiß er was,
ſauf er auch! Friedrich wurde vom Major v. d. H.
um die Erlaubnis zu ſeiner vierten Vermählung ge=
beten
. Der König ſchrieb an den Rand der Eingabe:
Von jetzt an kann ſich Major v. d. H. ſo oft verheiraten
als er will. Ein Oberſt hatte ſich einen Poſtwagen
zugelegt und ſeinem Kutſcher bei Ausfahrten ein Poſt=
horn
gegeben, von dem der Kutſcher oft Gebrauch
machte. Das Poſtamt beſchwerte ſich beim König dar=
über
, und dieſer ſchrieb wie folgt an den Oberſt: Mein
lieber Oberſt! Es iſt Euch vergönnt, ſo viele Hörner
zu tragen, als Euch gefällig iſt. Nur kein Poſthorn, das
iſt wider die Verordnung. Ein Pfarrer reichte bei
dem Könige ein Bittgeſuch ein, worin er des Königs
Befehl erbat, daß ſeine Kirchengemeinde ihm Fourage
für ſein Pferd liefern ſolle, da es ihm zu ſchwer werde,
zu Fuß nach den eingepfarrten Dörfern zu gehen.
Friedrich ſchrieb an den Rand: Die Bibel ſaget nicht
reitet in alle Welt, ſondern gehet in alle Welt und leh=
ret
allen Völkern!
* Das ſchlechte Sommerwetter, die küh=
len
Tage mit den immer wiederkehrenden großen
Regengüſſen haben Mitteleuropa bereits einen Scha=
den
zugefügt, den ſachverſtändige Beurteiler auf hun=
derte
von Millionen ſchätzen. In Frankreich iſt die
ganze Obſternte vernichtet; Kartoffeln gibt es nicht,
das gewonnene Heu reicht nicht entfernt aus, um die
Bedürfniſſe zu decken, und die Weizenernte des Jah=
res
1910 wird die ſchlechteſte ſein, die die franzöſiſche
Landwirtſchaft ſeit 30 Jahren zu verzeichnen hat. Das
Ackerbauminiſterium, das in allen Agrardiſtrikten Er=
kundigungen
eingezogen hat, kommt auf Grund der

gewonnenen Aufſchlüſſe und Beobachtungen zu dem
niederdrückenden Ergebnis, daß die Bauern und Land=
wirte
bis heute bereits einen Verluſt von mindeſtens
100 Millionen Franken an entgangenen und
zerſtörten Ernten erlitten haben. Die Getreidepreiſe
ſteigen, das Mehl wird teurer, und jeder Tag bringt
neue, überraſchende Preiserhöhungen. In den Pro=
vinzen
ſind die Bäcker bereits genötigt, die Brotpreiſe
heraufzuſetzen. Die Weinernte iſt in der Champagne
ſo gut wie zerſtört; kurz, aus allen Landgegenden kom=
men
Trauerkunden, die beweiſen, welche Rieſenſummen
die Bevölkerung durch das andauernde ſchlechte Som=
merwetter
verliert.
* Die Eigenſchaft des Rhabarbers.
Die Rhabarberpflanze hat ihre eigentliche Heimat in
den höheren und kälteren Teilen von China und in
dem unwirtlichen Tibet. Von dort hat ſie ſich über
einen großen Teil der Erde verbreitet und heute
wächſt ſie in allen Gärten. Es iſt aber auffällig, daß
man zwar an den Stengeln unſerer Rhabarberpflan=
zen
ein Genußmittel zu ſchätzen gelernt hat, indem
man ſie als Kompott genießt, daß ſich aber die medi=
ziniſchen
Eigenſchaften der Rhabarberwurzel nicht
haben verpflanzen laſſen. Noch immer deckt die Ur=
heimat
des Rhabarbers einen Teil des Weltbedarfs
an dieſer uralten Arznei, die freilich in neueſter Zeit
nicht mehr ganz ſo viel benutzt wird wie früher. Jeder
kennt den eigentümlichen aromatiſchen Geruch der
Rhabarberwurzel, und jeder Erwachſene hat wohl
auch einige Erfahrungen mit ihrem Geſchmack gemacht.
Sie eignet ſich namentlich auch deshalb vortrefflich zu
einer Arznei, weil ihre hauptſächlichen wirkſamen
Eigenſchaften durch einfaches Waſſer oder Alkohol aus
der pulveriſierten Wurzel ausgezogen werden können.
Die Chemie dieſer Wurzel iſt ziemlich verwickelt und
hat der Wiſſenſchaft noch dadurch viel zu ſchaffen ge=
macht
, daß ſie eine ganze Reihe von eigenen Stoffen
enthält, die infolgedeſſen auch ihren Namen von der
Pflanze erhalten haben. Es gibt ein Rhabarberor
und ein Rhein, ferner auch eine Rhabarbergerbſäure.
Von den äußeren Wirkungen des Rhabarbers iſt der
etwas zuſammenziehende Einfluß des bitteren Ge=
ſchmacks
hervorzuheben, der auch eine verſtärkte Ab=
ſcheidung
von Speichel veranlaßt. In kleinen Men=
gen
führt er auch zu einer Steigerung der Eßluſt.
Seine hauptſächlichſte Wirkung iſt zu bekannt, um eine
Erwähnung zu erfordern. Er hat aber ſelbſtverſtänd=
lich
auch eine ganz eingehende wiſſenſchaftliche Forſch=
ung
notwendig gemacht. Er führt übrigens neben den

anderen Folgen auch einen reichlicheren Fluß von Galle
herbei. Seine Wirkung iſt verhältnismäßig langſam,
und bis zu ihrem Eintritt vergehen 6 bis 12 Stunden,
je nach der Stärke der Doſis. Gewöhnlich wird er
jetzt noch mit anderen Arzneien verabreicht, weil er
für ſich allein nicht immer die Störung dauernd be=
ſeitigt
, gegen die er verordnet wird. Auch verurſacht
er zuweilen Leibſchmerzen, die durch Zutaten eines
anderen Stoffes vermieden werden können. Manch=
mal
zeigt ſich auch nach Einnehmen von Rhabarber
ein Hautausſchlag. Wenn dieſer von der Art des
Neſſelausſchlags iſt, ſo rührt er ohne Zweifel von der
Reizung der Darmſchleimhaut her. Iſt er aber fleckig,
ſo wird er durch die Ausſcheidungen der Schweiß=
drüſen
veranlaßt, deren Tätigkeit gleichfalls durch die
den ganzen Körper durchdringende Kraft der Arznei
beeinflußt wird. Infolgedeſſen hat man eben mit der
Zeit gelernt, mit dem Rhabarber etwas vorſichtiger
umzugehen, und er iſt nicht mehr als ein Allerwelts=
heilmittel
zu betrachten. Andererſeits gilt er auch
heute noch bei gewiſſen Störungen als die beſte Arznei.
* Der fliegende Hammel. Die Ikariden=
ſehnſucht
beſchränkt ſich nicht auf uns Menſchen, ſie
hat ſchon die Vierfüßler gepackt. Ein nicht alltägliches
Schauſpiel verſetzte dieſer Tage die Bewohner von
Heinersdorf in Angſt und Schrecken, der ſich dann in
Heiterkeit löſte. Gegen 5 Uhr nachmittags tauchte über
dem Ort in etwa 100 Meter Höhe ein Freiballon auf,
unter deſſen Gondel ſich ein zappelndes Etwas hin=
und her bewegte. Man glaubte zuerſt, es handle ſich
um einen ſchweren Unfall, und auf den Ruf: Ein
Luftſchiffer aus der Gondel gefallen ſtrömten in weni=
gen
Augenblicken Hunderte von Menſchen auf die
Straßen der Ortſchaft. Nach wenigen Minuten, als
der Ballon näher gekommen war, erkannte man jedoch,
daß unter der Gondel ein Hammel ſchwebte, der ſich
offenbar im Schleppſeil des Ballons verfangen hatte.
Unter großem Hallo machte ſich die Jugend von Hei=
nersdorf
auf die Ballonverfolgung, da man jeden
Augenblick den Abſturz des Vierfüßlers erwartete.
Kurz hinter Heinersdorf ging der Luftſchiffer, der in=
zwiſchen
auf die bedrängte Lage ſeines unfreiwilligen
Paſſagiers aufmerkſam geworden war, zur Erde, und
der Hammel, wohl der erſte ſeines Stammes, der einen
Paſſagierflug machte, wurde von der hinzueilenden
Heinersdorfer Ingend von ſeinenaeit.

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Seite 60

Darrſſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Nümmer 176.

und Betrieb der Bahnſtrecke übernimmt. Nunmehr ſeien
über 4 Jahre verfloſſen und nur Vermeſſungsarbeiten und
der Bau der Mainbrücke in Aſchaffenburg in Angriff ge=
nommen
. Mit dieſem ſei man ja zufrieden geweſen, zumal
erklärt wurde, daß mit der Inangriffnahme des Baues
der ganzen Linie im Frühjahr 1910 begonnen würde.
Aber auch dieſer Zeitpunkt ſei verſtrichen und erhielten die
Bürgermeiſtereien der intereſſierten Gemeinden von der
Eiſenbahn=Neubau=Inſpektion Miltenberg die Mitteilung,
daß vor Herbſt des Jahres 1911 mit dem Bau nicht be=
gonnen
werden könne. Dieſe Nachricht habe die Erregung
der ganzen Bevölkerung aufs höchſte geſteigert, und ſei es
dieſerhalb jetzt Sache der Verſammlung, über die Frage
zu entſcheiden: Welche Mittel ſind zu ergreifen, um dieſen
immerwährenden Verzögerungen entgegenzuſteuern?
In der Diskuſſion wurde mit allem Nachdruck betont,
daß eine weitere Verſchleppung der Inangriffnahme des
Bahnbaues auf der ganzen Linie nicht länger geduldet
werden dürfe und wurde dieſerhalb an das bayeriſche Ver=
kehrsminiſterium
und das heſſiſche Miniſterium des Innern
nachfolgende, von den Bürgermeiſtern aller beteiligten Ge=
meinden
unterzeichnete Reſolution eingeſandt:
Die Verzögerungen in der Inangriffnahme der Ar=
beiten
für die Lokalbahn Aſchaffenburg-Höchſt haben die
Bewohner heſſiſcher und bayeriſcher Gemeinden dazu ge=
führt
, am 27. Juli 1910 in Hainſtadt i. O. zu einer Ver=
ſammlung
zuſammenzutreten, um weiteren Schädigungen,
die ihnen durch die Verzögerungen im Bahnbau erwachſen,
abzuwenden. Die Teilnehmer an der Verſammlung kon=
ſtatieren
mit Befremden, daß, nachdem bereits am 12.
April 1905 zwiſchen Bayern und Heſſen der Staatsvertrag,
betreffend die Eiſenbahnverbindung von Aſchaffenburg
nach Höchſt=Neuſtadt, abgeſchloſſen war, in Heſſen noch
nicht einmal mit den Grunderwerbungen für die Bahn be=
gonnen
, während in Bayern auch nur erſt mit dem Bau
der kurzen Teilſtrecke Aſchaffenburg=Groß=Oſtheim der An=
fang
gemacht wurde, obwohl doch das Kapital zur Grund=
erwerbung
von Seiten der bayeriſchen Gemeinden ſchon vor
anderthalb Jahren an die Kgl. Eiſenbahndirektion Würz=
burg
eingeſandt iſt. Landwirtſchaft, Gewerbe und Indu=
ſtrie
leiden unter dieſen Zuſtänden. Daß dieſe noch weiter
fortgeſchleppt werden ſollen, müſſen die beteiligten heſſi=
ſchen
und bayeriſchen Gemeinden um ſo mehr befürchten,
als denſelben in jüngſter Zeit von der Kgl. Neubau= In=
ſpektion
Miltenberg die Mitteilung zugegangen iſt, daß
mit den Bauarbeiten an der Lokalbahn nicht vor Abern=
tung
der nächſtjährigen (!) Ernte ſolle begonnen und des=
halb
ſämtliche Grundſtücke, durch welche die Vahnlinie
geht, nochmals beſtellt werden könnten. Die Bewohner
der beteiligten Gemeinden proteſtieren ganz entſchieden
gegen derartige Verſchleppungsverſuche und richten des=
halb
an die beiden Staatsregierungen die ehrerbietigſte,
aber auch nachdrücklichſte Bitte, die Bauarbeiten auf der
ganzen Linie ohne weiteren Verzug beginnen zu laſſen.

Kongreſſe und Verbandstage.
Kongreß Deutſcher Dentiſten. Am Mitt=
woch
vormittag traten die Delegierten von 36 Landes= und
Provinzialvereinen zuſammen und begannen die Ver=
handlungen
. Der erſte Geſchäftsführer, Dentiſt Gehrke=
Bensheim, hielt ein eingehendes Referat über die Stellung
der Dentiſten zur Reichsverſicherungsordnung. Die Ver=
ſammlung
nahm ſchließlich auf Vorſchlag des Redakteurs
Bach=Augsburg folgende Reſolution an: Der heute in
Köln a. Rh. tagende, von Vertretern von 36 Landes= und
Provinzial=Vereinen beſchickte Kongreß Deutſcher Den=
tiſten
verwahrt ſich energiſch gegen die fortwährenden von
zahnärztlicher Seite in Wort und Schrift unternommenen,
ebenſo ungerechtfertigten wie maßloſen Herabſetzungen
und Verdächtigungen des Dentiſtenſtandes. Die Dentiſten
ſind von den geſetzgebenden Körperſchaften als ein durch=
aus
notwendiger Stand anerkannt und die beabſichtigte
Reorganiſation auf dem Gebiete der Zahnbehandlung ver=
letzt
weder berechtigte zahnärztliche Intereſſen, noch dient
ſie anderen Zwecken als denen des Volkswohles. Die zahn=
ärztliche
Kampfesweiſe zeigt, daß dieſe kleinen Intereſſen=
gruppe
unter verfahrenen Schlagworten vom Volks=
wohl
, Beſchränkung der perſönlichen Freiheit uſw. ver=
ſucht
, ihre eigenen Intereſſen zu fördern und ein Monopol
für 3000 Zahnärzte gegen die über 6000 zählenden Dentiſten
gewaltſam durchzudrücken. Die Dentiſten appellieren an
das Gerechtigkeitsgefühl der geſetzgebenden Körperſchaften,
der Tagespreſſe, der Krankenkaſſe und des zahnleidenden
Publikums und weiſen mit Entrüſtung die zahnärztlichen
Verdächtigungen als unhaltbar und unbeweisbar zurück.

Luftſchiffahrt.

H. B. München, 29. Juli. Die für heute ange=
kündigte
Fernfahrt deck P VI von Bitterfeld
nach München wurde heute vormittag verſchoben.
* Berlin, 28. Juli. Auf dem Flugplatz Johannis=
thal
ſtieg der Aviatiker Telchow mit einem Eindecker
auf. Aus einer Höhe von 20 Metern ſtürzte der Appa=
rat
plötzlich zu Boden und wurde ſchwer beſchädigt. Der
Aviatiker blieb unverletzt.
* Breslau, 28. Juli. Als das Luftſchiff P5
heute nachmittag in der Umgebung des Flugplatzes von
Wilhelmsruh manövrierte, riß plötzlich der Manometer=
ſchlauch
und fiel auf den Propeller, wobei ſich ein Flügel
verbog. Der Führer ſah ſich deshalb gezwungen, durch
Ventilziehung die Landung mittels Schlepp=
ſeils
zu bewerkſtelligen, die mit Hilfe herbeieilender Leute
auch glücklich gelang. Das Luftſchiff iſt unverſehrt und
nimmt morgen ſeine Fahrten wieder auf.

* Lenkballons in Oeſterreich. Wir
richteten bereits, daß man im öſterreichiſchen Heere
dem Lebaudy=Luftſchiff wenig zufrieden iſt. Diesn
durch die Meldung beſtätigt, daß der Lebaud
Ballon abmontiert werden ſoll, weil er ſich
nicht bewährt und deshalb auch keine Fernflüge ur
nehmen konnte. Dagegen iſt man mit dem gleichfe
für das Heer erworbenen Parſeval=Lenkballon
zufrieden.
* Paris, 29. Juli. Der Kriegsminiſter hat den O
zieren, die Aviatiker ſind, geſtattet, an einer aviatiſ
Konkurrenz teilzunehmen, die die Stadt Paris mit ein
Ehrenpreis von 10000 Franken ausgeſtattet hat. D
Konkurrenz wird mit den ſogenannten Circuit de L'
zuſammenfallen.
* Paris, 27. Juli. Ein neuer Militär=Flu
ſapparat der bekannten Automobilfirma Dion=Bou
wird in den nächſten Tagen dem Kriegsminiſterium vor
führt. Der Apparat erhält eine Tragfläche von 90 Me
und iſt mit zwei Holzſchrauben ausgerüſtet, die die Ma
malgeſchwindigkeit von 300 bis 400 Umdrehungen
freichen. Der Motor wird aus zwei Gruppen von vier
lindern beſtehen und eine Kraft von 90 Pferdeſtärken e
falten, daher ziemlich ſchwer ſein. Ein beſonderes Syſ
ſollsbeisUnfällen einenslangſamen Gleitflug ermöglich

der Zeit läßt, einen Landungspunkt im Umkreis von
zwanzig Kilometern zu wählen. Zwei Paſſagiere ſollen
mit ihm 600 bis 700 Kilometer in den Lüften bleiben kön=
nen
. Er iſt auch dazu beſtimmt, außer Exploſivſtoffen ein
Maſchinengewehr an Bord zu nehmen. Man erklärt bereits,
daß beim Gelingen der Proben dieſes Flugapparates die
Lenkballons für Kriegszwecke ein überwundener Stand=
punkt
ſein werden.
H.B. Genf, 29. Juli. In der Ortſchaft Lecco
hatten ſich ſeit einiger Zeit zwei junge Leute einlogiert,
die einen Aeroplan mitgebracht hatten und in der
Nähe der Ortſchaft Flugverſuche anſtellten. Geſtern
ſahen die Bewohner, daß in der Richtung von Zucco
di Copio ein Zweidecker ſich in die Luft erhob, der mit
zwei Perſonen beſetzt war. Der Aeroplan erreichte
nach und nach in großen Bogen eine Höhe von 2534
Metern (2) und ging dann auf der Spitze des Drei=
herrenberges
nieder. Nachdem die Aeronauten einige
Zeit dort oben verweilt hatten, kehrten ſie in ihrem
Aeroplan nach Lecco zurück, von einer begeiſterten Zu=
ſchauermenge
begrüßt. Die beiden gaben an, daß ſie
Mechaniker aus Fiume ſeien und einen Zweidecker
eigener Konſtruktion erfunden hätten, den ſie nunmehr
probiert hätten. (2)
Sport.
* Fußball. Am Sonntag ſteht die 1. Mann=
ſchaft
des F.=K. Germania=Darmſtadt der gleichen
Mannſchaft des F.=K. Viktoria‟=Darmſtadt gegenüber.
W. 29. Mittelrheiniſcher Kreisturn= in Kreuznach. Von heute Samstag bis Mitt=
woch
nächſter Woche findet, wie ſchon berichtet, in der
ſchönen Badeſtadt Kreuznach das 29. Mittelrheiniſche
Kreisturnfeſt ſtatt. Eine große Anzahl Teilnehmer
wird ſich zu dieſem Feſte einfinden; beſonders aus den
Kreiſen der Wetturner häufen ſich die Anmeldungen,
ſo daß ein heißes Ringen um den beſcheidenen Eichen=
kranz
bevorſtehen dürfte. Auch die Darmſtädter Turn=
vereine
rüſten ſich ſchon ſeit Wochen auf das Feſt, gilt
es doch, zu zeigen, welche Fortſchritte in den letzten
Jahren, namentlich ſeit dem Deutſchen Turnfeſt in
Frankfurt, gemacht wurden. Von den Darmſtädter
Turnvereinen beteiligen ſich a) am Dreikampf ( Kugel=
ſchocken
, Stabweitſpringen, Laufen, 100 Meter, und
Freiübung): Tgd. Darmſtadt 3 Turner, Tgd. Beſſun=
gen
2 Turner, Tgſ. Darmſtadt 3 Turner, Tv. Darm=
ſtadt
3 Turner; b) Vereins=Wetturnen: Tgd. Darm= Untergrundbahn ſich weigern ſollte, die Delegierten
Reck; Taſ. Darmſtadt am Reck; e) Wettſpiele: Tgd.
Darmſtadt je eine Riege am Fauſtball und Tambourin=
ball
; d) Einzelwetturnen (Sechskampf), welches aus je
zwei Pflichtübungen am Reck und Pferd, einer ſolchen
am Barren und einer Pflichtfreiübung, ſowie je einer mit den ausſtändigen Angeſtellten der American
gewählten Uebung an den Geräten und den volkstüm= ſumpatiſierten, und Polizeibeamten kam es zu einem
lichen Uebungen Weithochſpringen, Kugelſtoßen und
Darmſtadt 3 Turner, Tgd. Beſſungen 1 Turner, Taſ. verwundet wurden. Der Streit war entſtanden, als
Darmſtadt 3 Turner und Tv. Darmſtadt 2 Turner teil;
am Wettſchwimmen beteiligen ſich von der Tgd. Darm= zeilichem Schutz Zuckerlieferungen aus der Fabrik her=
ſtadt
, Tgſ. Darmſtadt und Tv. Darmſtadt je 2 Turner,
außerdem von der Tgd. Darmſtadt 2 und Tgſ. Darmſtadt
1 Turner am Wettringen. Bei dem Turnen der älte=
ren
Turner (Männer=Riegen) wird die Tgd. Darm=
ſtadt
vertreten ſein. Wir wünſchen allen Teilnehmern
eingehend, berichten.
Einzelſpiel mit Vorgabe gewann Leutnant Dulier
vom 2. Jägerregiment zu Pferde aus Langenſalza den
Dritte Preiſe erhielten Hauptmann von Sommerfeld burg wanderten 113535 Perſonen aus (darunter 2287.
von der 2. Pionierinſpektion aus Mainz und Leutnant
von Zaſtrow vom Füſilierregiment Nr. 80 in Homburg.
* Hamburg, 28. Juli. In der heutigen neun= abgenommen.
ten Runde ſiegte im Anzug Chotimirski gegen
Marſhall (Damengambit, Eröffnungsfehler), Duras
gegen Vates, Leonhardt gegen Tartakower, Spielmann folgende intereſſante Angaben: Auch in dem eben ver=
gegen
Fleiſchmann, Teichmann gegen John; Remis floſſenen Halbjahr machte Eſperanto ſehr erfreuliche
Alechin, Spejer-Schlechter (ſpaniſch Schlechter, der
einen Bauer weniger hatte, gab ewiges Schach): Tar=
raſch
war ſpielfrei. Stand nach der neunten Runde: und Nordamerika ein ſtarkes Steigen der
Niemzowitſch, Schlechter 6; Chotimirski, Duras (eine
Hängepartie), Spielmann 5½: Marſhall 5; Tartakower
4½; Alechin (1), Leonhardt (1), Salwe, Teichmann (1) wie bisher fortſchreitet. In Deutſchland beſtehen zur
Namen Fleiſchmann und Spielmann verwechſelt wur=
den
; Spielmann unterlag gegen Leonhardt, die Partie! Lehrbuch mit aufklärenden Schriften portofrei zuzu=
Marſhall-Fleiſchmann wurde remis).

Handel und Verkehr.
FeſteRundreiſekarten zu ermäßigten
Preiſen Baden-Schwarzwal d-Schweiz.
Reiſende, die mit einer Tour nach der Schweiz auch
einen Beſuch des Schwarzwaldes verbinden wollen,
dürfte es intereſſieren, daß zu dieſem Zweck ab badi=
ſchen
Stationen feſte Rundfahrkarten zu ermäßigten
Preiſen ausgegeben werden. Es beträgt zum Beiſpiel
der Fahrpreis für eine Rundtour ab Heidelberg über
Baſel nach dem Berner Oberland und zurück über
Luzern-Zürich und die Schwarzwaldbahn 2. Klaſſe
47,70 Mark, 3. Klaſſe 31,00 Mark für alle Züge und 60
Tage gültig. Fahrtunterbrechung iſt beliebig oft ge=
ſtattet
. Ermäßigte Rundfahrkarten beſtehen u. a. auch
nach dem Vierwaldſtätterſee, nach der Oſtſchweiz und
dem Engadin (einſchließlich Bodenſee). Ein Verzeich=
nis
der badiſch=ſchweizeriſchen Rundtouren iſt durch
die Amtliche Auskunftsſtelle der Großh. Badiſchen
Staatseiſenbahnen im Internationalen öffentlichen
Verkehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14, koſten=
los
erhältlich.
Landwirtſchaftliches.
* Ueber die Zurückweiſung der 40 deut=
ſchen
Rinder von der Internationalen
Ausſtellung für Landwirtſchaft in Buenos
Aires geht den Blättern von der Deutſchen Landwirt=
ſchafts
=Geſellſchaft in Berlin eine Darſtellung zu. Danach
ſind, weil vertragsmäßig tuberkuloſefreie Rinder zu liefern
waren, dieſe vor der Abnahme in den Zuchtgebieten der
Tuberkulinprobe unterworfen und einige Tiere ausgewech=
ſelt
worden. Die Tiere blieben unter ſtändiger Kontrolle
des Polizeitierarztes Struve=Lockſtedt, auch an Bord der
Tijuca der Hamburg=Südamerikaniſchen Dampfſchiff=
fahrts
=Geſellſchaft, mit der ſie am 30. März verſchifft wur=
den
. Der Dampfer iſt vorher niemals für den Transport
von Rindvieh benutzt worden, trotzdem war er gründlich
desinfiziert worden. Die Tiere ſind am 27. April in Buenos

Aires angelangt und in die dortige Quarantäneſtation
eingeſtellt worden. Am 4. Mai abends wurde mit den
Impfungen ſeitens der argentiniſchen Veterinärpolizei be=
gonnen
. Demnach entſpricht die Behauptung des argen=
tiniſchen
Generalkonſulats in Hamburg, die Tiere ſeien
am Tage der Ankunft bereits geimpft worden und eine
Infektion in der Quarantäneanſtalt könne nicht in Frage
kommen, nicht den Tatſachen. Tatſache iſt, daß die Qua=
rantäneſtation
in Buenos Aires den hygieniſchen Anfor=
derungen
keineswegs entſprach. Die zurückgewieſenen
Tiere wurden am 13. Juni auf dem Dampfer Salamancg
zur Rückfahrt nach Deutſchland gebracht, um hier durch
Schlachtung den Sachverhalt genau feſtſtellen zu können,
und trafen in recht gutem Zuſtande am 10. Juli in Ham=
burg
wieder ein. In der Quarantäneſtation Bahrenfeld
wurden ſie am Freitag, den 15. Juli, durch eine amtliche
Kommiſſion nochmals der Tuberkulinprobe unterworfen,
am 18. Juli wurden ſie geſchlachtet und ſeziert. Die Er=
gebniſſe
dieſer Sektion unterliegen zurzeit der weiteren
Bearbeitung durch die ſtaatlichen Veterinäre; wir werden
darüber weiter berichten.

Erdbeben.
* Jugenheim, 29. Juli. Die Seismiſche
Station der Erdbebenwarte Jugenheim meldet: Von
etwa 11,45 Uhr an wird von den Apparaten ein ſchwa= Fernbeben aufgezeichnet. Zurzeit ſind die
Seismographen noch in Bewegung.

Arbeiterbewegungen.
* Hanau, 29. Juli. In dem Konflikt zwiſchen
Betriebsleitung und Perſonal der elektriſchen
Straßenbahn haben unter dem Vorſitz des Ober=
bürgermeiſters
Dr. Gebeſchuß Vergleichsverhand=
lungen
ſtattgefunden, die zu einer Einigung führten,
ſodaß heute früh der Dienſt wieder aufgenommen wird.
* Paris, 29. Juli. Die Angeſtellten der Metro=
politain
=Untergrundbahn hielten geſtern in
der Arbeitsbörſe eine zweite Verſammlung ab; die in
der erſten Verſammlung gewählten Vertreter legten
die Liſte der Forderungen vor; ſie beſtehen in der
Erhöhung des Gehaltes, Verminderung der Dienſtzeit,
Bezahlung der Urlaubszeit, Entſchädigung in Fällen
von Krankheit, bei Unfällen und in der Erhöhung der
Penſionen. Die Referenten ſchlugen vor, in den Streik
einzutreten, wenn die Direktion der Metropolitain=
ſtadt
eine Riege am Querpferd; Tgd. Beſſungen am der Angeſtellten zu empfangen. Die Verſammlung er=
klärte
ſich mit den Vorſchlägen ihrer Delegierten ſoli=
dariſch
.
* New=York, 28. Juli. Zwiſchen Perſonen, die
Sugar Refining Company in Brooklyn
Zuſammenſtoß, bei welchem ein Mann getötet
Schnellaufen (150 Meter) beſteht, nehmen von der Tgd. und ein Polizeibeamter und einer der Unruheſtifter
nicht dem Verbande angehörende Arbeiter unter poli=
ausfahren
wollten.
Vermiſchtes.
* Die Auswanderung im Jahre 1909.
einen guten Erfolg. Ueber das Feſt ſelbſt werden wir Ein Bericht über die Tätigkeit der Reichskommiſſare für
das Auswanderungsweſen während des Jahres 1909 iſt
dem Reichstage zugegangen. Ueber den Umfang der
* Homburg v. d. H., 29. Juli. Im Troſt= Auswanderung iſt folgendes zu ſagen: Es wandertel.
aus über Bremen 144417 Perſonen (darunter 11972
Deutſche), mehr gegen 1908: 69791 Perſonen. Die meiſten
erſten Preis mit 614 und 633 gegen Leutnant Oppen= Auswanderer waren Slawen. Von den Deutſchen
länder vom Infanterieregiment Nr. 121, Ludwigsburg. wanderten 11908 nach Nordamerika aus. Ueber Ham=
Deutſche), die nach deutſchen Kolonien gingen. Die
Rückwanderung hatte 1909 gegen das Vorjahr bedeutend
Ueber den heutigen Stand des Eſpe=
ranto
macht die Juli=Nummer des La Eſperantiſto‟
wurden die Partien Köhnlein-Salwe, Niemzowitſch- Fortſchritte, ſodaß die Zahl der Eſperanto=Vereine
nunmehr bereits das zweite Tauſend überſchritten hat.
Beſonders war in Rußland, Italien, den Balkanſtaaten
Eſperanto=Bewegung zu regiſtrieren, während dieſelbe
in Frankreich und England mit der gleichen Energie
4; Fleiſchmann, Spejer 3½; Köhnlein. Tarraſch 3; Zeit ſchon gegen 260 Eſperanto=Vereine und gegen 115
John 2½; Yates ½. (Zum Ergebnis der erſten Runde Eſperanto=Auskunftsſtellen, von denen die des V. D. E.
iſt nachzutragen, daß infolge Telegrammfehlers die! in Leipzig, Karolinenſtraße 5, angewieſen iſt, gegen
Einſendung von 15 Pfg. in Briefmarken ein Eſperanto=
ſenden
.
Verſtändigung zwiſchen Schiffen
auf See. Wie wenig bekannt das große Publikum
im Binnenlande mit den Einrichtungen der Seeſchiff=
fahrt
iſt, hatte man Gelegenheit, auf einer gaſtwirt=
ſchaftlichen
Ausſtellung in Freiburg i. B. zu beob=
achten
. Dort hatten die Geeſtemünder Seefiſchver=
ſandgeſchäfte
und Fiſchinduſtriellen eine Seefiſchkoſt=
halle
eingerichtet, die u. a. mit den internationalen
Signalflaggen ausgeſchmückt war. Von 100 Beſuchern
der Seefiſchkoſthalle kannte kaum einer die Zweck=
beſtimmung
dieſer Flaggen; daher ſei ſie hier kurz
auseinandergeſetzt: Jedes Schiff hat 26 verſchiedene
Flaggen an Bord, von denen jede einen Buchſtaben
des ABC bedeutet; eine ganz gelbe Flagge z. B. be=
deutet
O, eine blaue mit einem weißen Rechteck
darin P. Je zwei bis vier dieſer Flaggen zuſammen=
geſtellt
bedeuten nun einen Satz. In einem dickleibi=
gen
Werk, dem Internationalen Signalbuch ſind
dieſe Signale verzeichnet, ſodaß ein Schiff, wenn es
einem anderen begegnet, das ſolche Flaggen zeigt, in
dem Signalbuch nachſchlagen kann, was ihm ſignali=
ſiert
wird. Natürlich ſind die Flaggenſignale nur auf
kurze Entfernung zu erkennen, und man hat in der
drahtloſen Telegraphie jetzt ein im allgemeinen weit
beſſeres Verſtändigungsmittel. Bei Nacht benutzt man
zur Uebermittelung von Nachrichten die Morſelampen,
d. h. man läßt eine Lampe entſprechend den Zeichen
des Morſeſchen Telegraphen=Alphabets aufblitzen.

Literariſches.
Algäu, Vorarlberg und Weſttirol
nebſt den angrenzenden Gebieten der Schweiz. Mit
beſonderer Berückſichtigung des Bodenſeegebietes, Bre=
genzerwaldes
und der Arlbergbahn. Von A. Walten=
berger
. Zwölfte, bis auf die allerjüngſte Zeit ergänzte
Auflage, bearbeitet von Eugen Waltenberger. Mit
einer Ueberſichtskarte und 17 Spezialkarten. Wien,
A. Edlingers Verlag, 1910. Preis geb. 4 Mk. Die Vor=
züge
dieſes Spezialführers ſind in den Kreiſen der
Alpenfreunde und Bergſteiger ſo allgemein anerkannt,

[ ][  ][ ]

(6
ienſtze
in Fällen
ng der
den Streik
ropolitaln=

belegierten
er=

nerier
rooklyn
zu einem
Mi
Fabrik her

waß es keiner Lobpreiſung mehr bebart. Die neue Auft=
llage
iſt in allen ihren Teilen aufs gründlichſte revidiert
rund ergänzt, und alle in den letzten Jahren neu geſchaf=
ffenen
Verkehrslinien, Hütten= und Wegbauten und alle
rwichtigeren Verpflegſtätten ſind auf das gewiſſenhaf=
tteſte
darin aufgenommen. Auch alle wichtigeren Ge=
llegenheiten
zur Ausübung des Winterſports ſind in der
rneuen Auflage erwähnt. Eine Vermehrung und Ver=
lbeſſerung
hat auch das Kartenmaterial erfahren durch
idie neuen, der öſterreichiſchen Generalkarte (1:200000)
ſentnommenen Ausſchnitte, die im k. u. k. militärgeogra=
pphiſchen
Inſtitut in Wien hergeſtellt wurden.
Schauſpielerkinder und ihr romantiſches, halb=
lbeneidetes
, halb wieder ſcheel angeſehenes Los ſchildert
Karl Pauli im neueſten (23.) Hefte der illuſtrierten
ZZeitſchrift Moderne Kunſt (Verlag von Richard
Bong, Berlin W. 57, Preis des Vierzehntagsheftes 60
Pfg.). Eine Fülle anderer geiſtvoller Artikel ſchließt ſich
dieſer Plauderei an. Wir nennen nur noch den mit
kkünſtleriſchem Material reich geſchmückten Aufſatz von
Ludwig Pietſch, der von dem kürzlich verſtorbenen
Maler Ed. Ockel ein prächtiges Bild entwirft. Ebenſo
iſt Dr. Heinrich Sieberts ergreifende Abhandlung, die
die Lichtgeſtalt der Königin Luiſe zur 100. Wiederkehr
ihres Todestages (19. Juli) zeichnet, mit zahlreichen
Abbildungen verſehen, uſw. Zum Schluß ſei noch er=
wähnt
, daß der Zick=Zack auch diesmal eine Fülle
prigineller Beiträge aus dem Kunſt=, Sport= und Volks=
Aeben in Bild und Wort veröffentlicht.
Hermine Villinger: Leodegar, der
Hirtenſchüler. Volksbücher. Heft 27. Mit
Einleitung von Karl Heſſelbacher und Bildern von
Helmut Eichrodt. 72 Seiten. Preis geh. 20 Pfg., geb.
50 Pfg. Verlag der Deutſchen Dichter=Gedächtnis=
Stiftung in Hamburg=Großborſtel. Hermine Villin=
ger
, zweifellos eine unſerer beſten und beliebteſten Er=
Zählerinnen, zeigt ſich in Leodegar, der Hirtenſchüler
auf der Höhe künſtleriſchen Schaffens. Ihre Erzähl=
rungen
, von denen die vorliegende mit ſonnigem Hu=
mor
, ihrer feinen Beobachtung und feſſelnder Hand=
lung
beſonders zu Herzen geht, ſind in hohem Maße
geeignet, in den weiteſten Kreiſen unſeres Volkes be=
kannt
und beliebt zu werden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 29. Juli. Staatsſekretär v. Kiderlen=
Wächter iſt aus Marienbad hier eingetroffen und
mahm in der Amtsvilla Wohnung. Freiherr von
Schoen übergab heute vormittag die Dienſtgeſchäfte
ſeinem Nachfolger.
* München, 29. Juli. Wie hieſige Blätter aus
Jetzendorf melden, wurde der Reichstags= und Land=
tagsabgeordnete
Freiherr von Freyberg bei einer
Ausfahrt infolge Scheuens der Pferde vom Wagen ge=
ſſchleudert
; er erlitt eine Gehirnerſchütterung und iſt
micht wieder zum Bewußtſein gekommen. Der Kutſcher
wurde ſchwer verletzt.
* Karlsruhe, 29. Juli. Der kürzlich verſtorbene
Maler und Akademieprofeſſor Ernſt Schurth ver=
rnachte
teſtamentariſch eine Reihe Legate, u. a. ſeiner
Waterſtadt Neuſtadt im Schwarzwald 80000 Mark zur
Förderung der Volksbildung.
* Swinemünde, 29. Juli. Als der! Dampfer
Werner Kunſtmann heute morgen von hier die
Reiſe nach Dänemark antrat, ſtieß er infolge der
Strömung im Kaiſer=Bollwerk gegen Se. Maj. Schiff
örille. Die Grille erlitt einige leichte Beſchädigun=
igen
am Klüverbaum und am Schanzkleid. Kunſt=
rmann
wurde leicht beſchädigt und konnte ſeine Reiſe
ffortſetzen.
* Bergen, 29. Juli. Der Kaiſer erwarb von
dem Gute Vangsnas in Sogn ein Stück Land,
auf dem das von ihm dem norwegiſchen Volke ge=
ſchenkte
Frithjofdenkmal errichtet werden ſoll.
NNach dem norwegiſchen Geſetz wird der Kaiſer jetzt
die Genehmigung der norwegiſchen Regierung zum
Landankauf einholen.
* Bergen, 29. Juli. Der Kaiſer verlieh dem
Konſul Mohr den Kronenorden zweiter Klaſſe und
überreichte ihm die Dekoration eigenhändig an Bord
der Hohenzollern.
* Wien, 29. Juli. Die Neue Freie Preſſe meldet aus
Iſchl: Der Chef des Generalſtabes Konrad von Hötzen=
dorf
wurde vom Kaiſer in Audienz empfangen, um ihm
über die geſtrigen Beratungen des Reichskriegsminiſte=
riums
, betreffend die eventuelle Verlegung oder Abſage
der Manöver, Bericht zu erſtatten. Nachdem der Kaiſer
den Bericht entgegengenommen hatte, verfügte er die voll=
ſtändige
Abſage der diesjährigen Kaiſermanöver.
* Bern, 29. Juli. Der Bundesrat ernannte
den gegenwärtigen Miniſterreſidenten von Buenos
PAires, Chaffot, zum Geſandten in Wien.
* Belgrad, 29. Juli. Die wegen Abnahme von
unbrauchbarer Munition verhafteten Oberſten Wla=
jitſch
und Raſchitſch wurden vom oberſten Mi=
litärgericht
mit Stimmenmehrheit für unſchuldig
erklärt und ſofort in Freiheit geſetzt.
* Madrid, 29. Juli. Dem Imparcial zufolge wird
Miniſterpräſident Canalejas dem König wegen
ider Verhandlungen mit dem Vatikan heute
iin San Sebaſtian die Vertrauensfrage ſtellen. Prinz
Jaime von Bourbon nimmt in einem Schreiben an
die Senatoren und Deputierten auf deren gegen die
Politik des Miniſterpräſidenten beim Nuntius einge=
llegten
Proteſt Bezug und beglückwünſcht ſie zu ihrer
Anhänglichkeit an den Papſt. Der Prinz ſagt in ſeinem
Schreiben: Ich glaube, der Tag iſt nicht mehr fern, wo
die Anhänger der Ordnung in Spanien, ſowie die
ſſpaniſche Armee ſich unſerer Fahne werden anſchließen
müſſen, um den Feinden der wirklichen Freiheit eine
große Schlacht zu liefern. Dann werde ich zu der
EEhrenſtellung gelangen, die mir durch die Geburt zu=
gefallen
iſt.

* Konſtantinopel, 29. Juli. Wie hieſige Blätter
melden, wurde die kretiſche Regierung von den
Konſuln der Schutzmächte verſtändigt, daß Venize=
los
erſt nach Niederlegung aller ſeiner Aemter das
Mandat Kretas zur griechiſchen Nationalverſammlung
annehmen könne. Jungtürkiſche Blätter melden:
Eine Karawane wurde auf dem Wege nach Fezzan von
franzöſiſchen Truppen angegriffen, wobei mehrere
Hundert getötet wurden. Ikdam meldet, daß der
Miniſterrat ſeine Zuſtimmung erteilte, die Linie der
Bagdadbahn über Aleppo zu führen.
* Konſtantinopel, 29. Juli. Zuſtändige Kreiſe ver=
ſichern
, daß außer Riza keine Deputierten oder Sena=
toren
an dem Geheimkomitee beteiligt geweſen ſind.
Den Blättern zufolge prüft der Staatsrat den Entwurf
betreffend die Bildung einer kurdiſchen irregulä=
ren
Kavallerie nach dem Vorbilde der ruſſiſchen
Koſaken; außer der Kavallerie ſoll auch eine kurdiſche In=
fanterie
gebildet werden. Tanin erfährt authentiſch, daß
die Urſache des anläßlich der Entwaffnung der
mazedoniſchen Bevölkerung von der bulgari=
ſchen
Preſſe erhobenen Lärmes in der Anwendung des
Bandengeſetzes zu ſuchen ſei. Die Kampagne ziele auf die
Verleumdung der Türkei gegenüber Europa ab. Die Zahl
der flüchtigen Bulgaren überſteige nicht 50. 15 Flüchtlinge
ſind bereits zurückgekehrt.
* Teheran, 29. Juli. Es gelang dem Gouverneur
von Kirmanſchah, die Ruhe in der Stadt wie=
der
herzuſtellen. Die feindſeligen Handlungen gegen
das ruſſiſche Konſulat hörten auf.

Berlin, 29. Juli. Wie verlautet, ziehen ſich jetzt
im weiteren Laufe der Unterſuchung die Maſchen des
Netzes um den in Haft befindlichen Albert Rademeyer,
der, wie gemeldet, dringend verdächtig iſt, das Bom=
benattentat
auf den Landwirt Kraatz verübt zu
haben, immer dichter zuſammen. So iſt jetzt jemand ge=
ſunden
worden, der beſtimmte Angaben über die Herkunft
des bei dem Attentat verwendeten Gasrohres machen
konnte. Danach iſt das Stück Gasrohr in der Schmiede
des Herrn Sameisky geſchmiedet worden, und zwar von
deſſen Sohne zwei Wochen vor der Tat. Der Mann, der
dieſe Angaben machte, iſt ein abſolut zuverläſſiger, alter,
nüchterner Menſch. Auf ſeine Frage, für wen dieſes, Gas=
rohr
gemacht werde, wurde ihm erwidert, daß es für
Albert Rademeyer gearbeitet werde. Er erkennt das Rohr
an dem Bohrloch und der Schweißung wieder. Sameisky
beſtreitet dies jedoch. Er iſt mit Rademeyer verwandt,
denn Frau Sameisky iſt Albert Rademeyers Schweſter.
H. B. Wien, 29. Juli. Der König Ferdinand
von Bulgarien, der geſtern in Marienbad eine
Unterredung mit dem Grafen Aehrenthal hatte
und ſich alsdann von ſeinem Kabinettschef über die
Lage in Bulgarien, ſowie über den derzeitigen Stand
der Beziehungen zwiſchen Bulgarien und der Türkei
hatte Bericht erſtatten laſſen, iſt in Wien eingetroffen.
H.B. Paris, 29. Juli. Vorgeſtern abend wurde bei
Amphion in der Nähe des Badeortes Evian durch ein
Automobil, das von Genf kam, die ägyptiſche
Prinzeſſin Haſſan Raſſem Bey, die im Alter
von 26 Jahren ſteht, und ihr Neffe, der Prinz Mandouh,
überfahren. Beide ſind Mitglieder der Familie
des Khediven und halten ſich zurzeit am Genfer See
auf. Trotzdem der Chauffeur ſofort die Bremſe zog,
war das Automobil ſchon über den Körper der Prin=
zeſſin
hinweggegangen. Die Prinzeſſin hat mehrere
Rippen gebrochen und ſchwere Verletzungen am Ge=
ſicht
und Körper davongetragen. Die Aerzte bezeich=
nen
ihren Zuſtand als lebensgefährlich.

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Die Geburt eines Töchterchens
beehren sich anzuzeigen
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Darmstadt, 29. Juli 1910.

Dankſagung.
Für die außerordentlich vielen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme von nah und fern bei dem uns
ſo ſchwer betroffenen Verluſte meines lieben
Gatten, unſeres guten Vaters, Großvaters,
Schwiegervaters, Bruders, Schwagers u. Onkels
Ludwig Rebson
Werkmeister des Elektrotechnischen Instituts
der Grossh. Technischen Hochschule
ſprechen wir hiermit unſeren innigſten Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Louise Rebson und Kinder,
Familie Philipp Nöll.

Darmſtadt, den 29. Juli 1910.

(15105

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Die weſtliche
Zyklone iſt langſam, aber ſtetig oſtwärts vorgedrungen.
Auf ihrer Oſtſeite hatten wir geſtern bei ſüdöſtlichem
Winde heiteres und warmes Wetter. Ueber Nacht ent=
wickeln
ſich jedoch kleine Randwirbel, die einzelne, meiſt
geringe Regen bringen. Unter dem überwiegenden Ein=
fluß
des ozeaniſchen Luftwirbels iſt trübes und regneriſches
Wetter in Ausſicht.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, den 30. Juli:
Meiſt wolkig, Regen, etwas kühler.
Tageskalender.
Samstag, 30. Juli.
Sommernachtfeſt der Stenographen=Vereinigung
Gabelsberger um 8½ Uhr auf dem Heiligen Kreuz.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 8 Uhr im Ausſtellungsreſtaurant Roſenhof
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Heſſiſchen Hof.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof
Bockbierfeſt im Reſtaurant Louvre=Eck.
1. Darmſtädter Kinema tograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Sonntag, 31. Julf.
Rad= und Motorrennen um 3½ Uhr auf der Renn=
bahn
an der Heidelbergerſtraße.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Ausſtellungsreſtaurant
Roſenhof.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Perkeo
Konzert um 4 Uhr auf Hugenſchütz’ Felſenkeller.
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant Zur Oper.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof.
Konzert um 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr in Erkers Brauerei.
Konzert im Reſtauraut Kilian.
Tanzkränzchen um 4 Uhr in der Stadt Pfungſtadt.
Verſteigerungskalender.
Montag, 1. Auguſt.
Hofreite=Verſteigerung des Peter Frz. Schweitzer
(Beckerſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 9 Uhr Heidel=
bergerſtraße
89.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Maz Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Anzeigenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werdenenicht
zurückgeſandt.

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[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

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1910.

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Jrau Jupp.
Erzählung von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
Man trank und ſchwieg; denn brachte man den guten
Holſten aus dem Konzept, wurde er unangenehm.
Natürlich waren die Geſchäftsfreunde und die ganze
Verwandtſchaft zur Stelle; n rieſengroßer Polterabend,
eine umfangreiche Hochzeit. Leute waren darunter, die oft
in der Zeitung ſtehen: der und der hat das Kohlenberg=
werk
für lappige fünf Millionen erworben, der und der
ſteht an der Spitze eines Syndikats, das die Drahtſtifte
verteuert, die Kohlen, die Eiſenbahnſchwellen, und was
weiß ich nicht noch alles. Ich hab’ ſie angeſtaunt, wie
der Ochſe das Scheunentor! Nu’ käm’ ich zu Frau Jupp!
Da lachte die ganze Tafelrunde laut heraus.
Na ja, der Abkürzung wegen!
Und der lange Roland, der Adjutant, ſagte:
Den Namen wird ſie wohl zeitlebens behalten!
Warum denn nicht, meinte Boſemb, wir haben doch
den Jupp alle furchtbar gern, es klingt ſo herzlich, kame=
radſchaftlich
!
Ganz recht, und Sie werden ja Hahn im Korbe ſein
bei der bildhübſchen, jungen Frau, wenigſtens hat ſie mir
tauſend Grüße an Sie aufgetragen, die ich Ihnen hier=
mit
portofrei einhändige. Und in kleinen Vorwurf hab'
ich auch aus ihren Worten rausgehört, daß Sie, als Jupps
beſter Freund, der Hochzeit ferngeblieben ſind

is babe leht Eicd zu ſeihen weiter dieſen her
Land, Herr Rittmeiſter!
Außer der Fahrkarte und in paar Trinkgeldern habe
ich beim beſten Willen nichts loswerden können, lieber
Boſemb!
Der zuckt die Achſeln und ſchweigt. Holſten droht ihm
mit dem Finger.
Hören Sie mal, mir ſind recht ſonderbare Gedanken
gekommen!
Inwiefern denn, Herr Rittmeiſter?
Aber nicht übelnehmen, alter Freund! Ich glaube,
ich glaube, Sie haben damals in Cranz doch ſon bißchen
Ihr Herz an die ſchöne Frau Jupp verkrümelt!
Iwo!
Gott, Herrſchaften, ’s wäre ja auch kein Wunder! Mich
bringen doch ſicherlich in paar raſchelnde Unterröcke nicht
ſo leicht aus der Contenance, aber er fuhr ſich mit dem
Handrücken über den Mund die kann einen Chriſten=
menſchen
ſchon um den geſunden Menſchenverſtand
bringen!
Wieder lachte man über den Hageſtolz. Und der
wurde Feuer und Flamme.
Alſo, reineweg perdutto war ich; aber Ihr werdet
ja ſehen, ich habe nicht zu viel geſagt! Herrſchaften, Herr=
ſchaften
, die ſchöne Frau wird unſer ganzes Neſt auf den
Kopf ſtellen, wir haben ein Renommierſtück mehr in un=
ſeren
Mauern. Nehmt mir nur den draſtiſchen Ausdruck
nicht übel und behaltet ihn hübſch für Euch!
Und Frau Jupps Mutter? fragte ein junger Dachs.

Schvmn mitrich in Stigteit wöre ſe auch unsd
ſchöner, wenn ſie bei ’ner ſolchen Partie die lieben Engel
im Himmelreich nicht ſingen hörte!
Glücklicherweiſe gab niemand auf Fritz Boſemb acht;
um deſſen Lippen lag ein verächtliches Lächeln.
Die jungen Leutchen ſind nun gen Italien gefahren,
fuhr der Rittmeiſter fort, uns Staatsbürgern liegt nun die
angenehme Pflicht ob, ſie in drei Wochen herzlich willkom=
men
in unſerer ſtillen Ecke zu heißen! Und für heute
Schluß, Herrſchaften! Proſit! Sagt danke ſchön! Hab=
außerordentlich
lange nicht ſo viel geredet! Wollen zu
einem vernünftigen Skat übergehen, den ich trotz allem doch
in der letzten Woche ſehr vermißt habe!
IV.
Boſemb ſtand im nagelneuen Ueberrock, die Tſchapka
auf dem Kopfe, vor dem Spiegel und zog ſich die Hand=
ſchuhe
an. Jetzt kam ein ſchwerer Gang für ihn: die offi=
zielle
Einholung des jungen Paares. Von jeher war es
in der kleinen Garniſon üblich geweſen, daß das Offi=
zierkorps
mit den Damen am Bahnhof die Herrſchaften,
die ſich verheiratet hatten oder in das Regiment verſetzt
worden waren, herzlich willkommen hieß. Lieb wäre es
ihm geweſen, wenn er von dieſer Pflicht gerade in dieſem
Falle hätte entbunden werden können. Aber es ging nicht.
Man hatte ſich ſchon gewundert, daß er nicht zur Hochzeit
gefahren war. Und dem guten Jupp durfte ſein junges
Eheglück nicht geſtört werden, auf keinen Fall. Aber
bange war ihm doch vor der Zukunft. Heute, in dem

[ ][  ][ ]

Nummer 176

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

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Trubel, war er nur einer von den Vielen, aber in den kom=
menden
Tagen, als Jupps beſter Freund mußte er oft den
Weg zu ihm finden, in dem kleinen Neſte wußte man ja
ganz genau, wo der eine und der andere den Abend vor=
her
verbracht hatte. Und einſchachteln würde ſich der rhei=
niſche
Jung nicht, dazu war ſein Temperament viel zu
lebhaft und ſeine Frau wollte natürlich bewundert wer=
den
, den Mittelpunkt bilden, um den ſich alles drehte,
wenn Aſta Riſſen die geblieben war, die ſie vor vier Jah=
ren
als Aſta Herwich geweſen! Schwerlich hatte ſie ſich
gewandelt! Alſo hieß es, ſich mit Anſtand aus der Affäre
ziehen und die Zukunft abwarten.
In der allerletzten Minute betrat er die Bahnhofs=
halle
, begrüßte die Damen und da fuhr auch ſchon der
Zug ein.
Holſten, der Weiberfeind, der immer zu ſagen
pflegte: Kinder, Trunkenheit außer Dienſt und verheiratet
ſein, iſt kein Milderungsgrund, riß das Abteil erſter Klaſſe
auf, machte ſeinen Kratzfuß und hielt Frau Jupp echte
Königsberger Roſen vor’s Geſicht.
Allerſchönſten guten Tag, meine Herrſchaften! Jupp,
morgen früh vier Uhr Uebungsbeginn!
Da mußten alle lachen. Dieſer Holſten hatte mit vieler
Liſt und Tücke eine Felddienſtübung vor Tagesgrauen
angeſetzt, um dem jungen Ehemann die höheren Flöten=
töne
beizubringen.
Die Kommandeuſe nahm Frau Riſſen in Empfang
und ſtellte ſie den Damen vor, der Oberſt präſentierte ſeine
Herren, ſtreng förmlich, der Anciennität nach. Ja, man
weiß auch an der oſtpreußiſchen Grenze, was ſich ſchickt!
Und zu übermütig wollte man die reichen, jungen Leut=
chen
auch nicht werden laſſen, immer hübſch Reſpekt vor
der Dienſtzeit.
Und als Boſemb an die Reihe kam, ſtreckte ſie ihm
herzlich die Hand entgegen.

Ich freue mich von ganzem Herzen, Sie wiederzuſehen,
doppelt, weil Sie meines Mannes beſter Freund ſind!
Nicht einen Augenblick war ſie verlegen. Das ärgerte
Boſemb. Mit einer ſtummen, förmlichen Verbeugung zog
er ihre Hand an die Lippen.
Der übermütige Jupp aber gab ihm einen Kuß auf
die Wange und ſchlug ihn auf die Schulter.
Fritze, Fritze, ich bin wahrhaftig froh, daß ich Dir
wieder die Hand drücken kann!
Der ſieht in ein ſtrahlendes Geſicht.
Alſo nochmals, alles erdenkliche Glück, Jupp!
Da tritt Holſten heran und nimmt den jungen Ehe=
mann
unter den Arm.
Unſer Oberſt führt Ihre Frau Gemahlin ſchon an
den Wagen und daß Sie mir morgen früh den Dienſt
nicht verſchlafen, alter Freund. Drei Tage Stubenarreſt
könnten Ihnen wohl jetzt paſſen, he? Aber dann
zwieble ich Sie!
Und der dicke, biedere Oſtpreuße lachte ſich über ſeinen
Witz ein paar Tränen aus den Augen.
An dem Abend ſaßen die unverheirateten Offiziere
wieder einmal vor einer großen Punſchbowle im Kaſino
zuſammen und tauſchten ihre Meinung über Frau Jupp
aus. Auch Boſemb hatte ſich in der letzten Minute ent=
ſchloſſen
, hinzugehen, ſo ſchwer es ihm auch wurde, denn
der Anblick Aſtas hatte doch Gefühle in ihm ausgelöſt, die
über die Nerven gingen. Und mit denen wurde man in
luſtiger Geſellſchaft und mit einem reichlichen Dutzend
voller Gläſer kriegsſtarken Punſches noch am erſten fertig.
Alle waren der gleichen Anſicht: eine hübſche, patente
Frau; und dann ging es ein wenig über die Damen des
Regiments her.
Habt Ihr geſehen, wie die Frau des Etatsmäßigen die
Unterlippe vorgeſchoben hat? Eine ganze Gardinenpre=
digt
lag in ihrer Haltung!

Man lachte. Wußte man doch, daß ſie zu Hauſe ein
ſehr ſtrenges Regiment führte, viel von altpreußiſcher
Einfachheit redete und ihrem Manne nicht allzu oft, und
dann auch noch mit ſichtlichem Widerſtreben den Haus=
ſchlüſſel
aushändigte.
Und als man ſich endlich trennte, hatte Fritz Boſemb
ſeine liebe Müh’ und Not, unangefochten die ſteile Treppe
zu ſeiner Wohnung emporzukommen.
Er trat ans Fenſter und ſah hinüber auf die kleine
Villa, die, vom Monde beſchienen, in tiefer Ruhe dalag.
Aus dem Schlafzimmer verbreitete die Ampel einen mat=
ten
Schein. Dort lebte nun die an der Seite ſeines Jupp,
für die er vor vier Jahren, ohne mit der Wimper zu
zucken, die Ulanka dieſes alten, glorreichen Regiments
ausgezogen hätte! Er fuhr ſich mit der Hand über ſein
heißes Geſicht. War’s gut, daß es ſo gekommen? Für=
ihn
vielleicht, ob aber für den braven Jupp, den tem=
peramentvollen
Jungen?
Da ſchlich er hinüber in ſeine dunkle Kammer, wie
ein Menſch, deſſen Tun und Laſſen die Oeffentlichkeit zu
ſcheuen hat; warf ſich auf’s Bett und ſtarrte zur Decke.
Aber nach fünf Minuten ſprang er wieder auf. Das
war ja alles Unſinn! Die Zähne aufeinander gebiſſen,
die Bruſt herausgedrückt, eine ruhige Stirn und Gott ver=
traut
! Mochten die Beiden da drüben ſehen, wie ſie mit
dem Leben fertig würden, was ging’s ihn an, er hatte ſeine
Pflicht und Schuldigkeit getan!

(Fortſetzung folgt)

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[ ][  ][ ]

Mmtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

6 8t.

Sanstag, 30. Zuſt.

1910.

ene Herre
und Wach
ut. F 440

Das Komiee des Hbſt= und Karkofſeimarites Darmſtadt beabſichtigt anätlich
vom 15. bis 17. Oktober ds. Js. zu Darmſtadt ſtattfindenden Obſt= und Kartoffel=
orktes
eine Verloſung von Tafelaufſätzen und Tafelkörben mit Obſt, Quantitäten
n Obſt, Obſtwein und Konſerven, Dörrobſt und Kartoffeln, Gemüſe und Gegen=
Linden, die der Obſtbehandlung, Obſtverwertung und Obſtaufbewahrung dienen, zu ver=
Unden. Großherzogliches Miniſterium des Innern hat die Erlaubnis zur Veranſtaltung
Aeſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 7000 Loſe zu 0.30 Mk. das
ück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 60 Prozent des Bruttoerlöſes aus
Um Verkaufe der Loſe zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind.
er Vertrieb der Loſe in den Kreiſen Darmſtadt, Bensheim, Dieburg, Erbach und
roß=Gerau iſt geſtattet.
(15025
Peter Helfmann I. zu Braunshardt wurde heute als Polizeidiener eidlich
ſetpflichtet.
Derdet (15006
Adam Kramer VI, zu Pfungſtadt wurde am 28. ds. Mts, als Polizeidiener
dlich verpflichtet.
Bekanntmachung.
Für den in den Gemarkungen Darmſtadt und Arheilgen gelegenen Großh. Wild=
Gark wird auf Grund der Artikel 78 und 48, V, 1 der Kreis= und Provinzialordnung
Iit Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes und Genehmigung Großh. Miniſteriums des
Ennern zu Nr. M. d. J. III. 7831 vom 23. Juli 1910 zur Abwendung von Gefahren
küir das Publikum bei Jagden, zur Verhütung der fortwährenden Beunruhigung und
Verfolgung des Wildes durch Parkbeſucher, ſowie zur Abſtellung von Wilddiebereien
Polgendes verordnet:
§ 1. Das Betreten des Parks außerhalb der Wege und Schneiſen iſt Allen, die
icht auf Grund eines Rechts oder einer beſonderen Erlaubnis dazu befugt ſind, in
enienigen Teilen des Parks verboten, für welche dies von Großh. Oberförſterei
Kranichſtein angeordnet und im Amtsverkündigungsblatt, ſowie auf ſonſtige geeignete
Weiſe bekannt gemacht worden iſt.
§ 2. Der Aufenthalt zur Nachtzeit im Park außerhalb der öffentlichen Wege iſt
ſherboten.
Die Nachtzeit umfaßt in dem Zeitraum vom 15. April bis 14. Oktober die Stun=
ben
von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens und in dem Zeitraum vom 15. Oktober
Pis 14. April die Stunden von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens.
§ 3. Hunde müſſen innerhalb des Parks an der Leine geführt werden.
§ 4. Zuwiderhandlungen werden, ſoweit nicht andere Strafbeſtimmungen an=
Juwenden ſind, mit Geldſtrafen bis zu dreißig Mark beſtraft.
§ 5. Dieſe Vorſchriften treten am 15. Auguſt 1910 in Kraft.
Darmſtadt, den 27. Juli 1910.
(15082sid
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(1455dd
Bekanntmachung.
Nachſtehend bringen wir die Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=
übungsplatz
für die Zeit vom 30. Juli bis 6. Auguſt l. Js. zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 26. Juli 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 30. Juli bis 6. Apauft 1910.

Datum Tag Truppenteil Da
der Abſ
von auer
ſperrung
bis Die Abſperrung
erſtreckt ſich 30. Juli
1. Aug. Somabdend
Montag
Mittwoch
Donnerstag
Sonnabend Feldartillerie 10 D. 3u N.
1200

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am
Auguſt l. Js. von 10% Vorm. bis 50 nachmittags
2. 4. 5.
8. 9.
120 Mittags
11. 12.
70 Vorm.
Schießen mit ſcharfer Munition auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 kem nördlich Meſſel in nordenordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
inn Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Gefundene und verlorene Sachen.
Gefunden: 1 dunkelgrünes Portemonnaie mit Inhalt. 1 ſchwarzes Porte=
monnaie
mit Inhalt und der Nr. 18 nebſt 2 Sternen darauf. 1 Portemonnaie mit
Inhalt. 1 goldener Zwicker. 1 goldener Ring mit grünlichem Opal und 1 kleinen roten
Steinchen. 1 ſchwarzer Damen=Schirm mit ſchwarzem verzierten Griff. 1 Päckchen
Drahtnägel. 1 mitelgroßer Hohlſchlüffel. 1 Portemonnaie. 1 mittelgroßer Schlüſſel
en einem Haken. 1 großer Schlüfſel. 1 einſache Korallenkette mit Goldverſchluß.
1 Rocknadel. 1 alter Regenſchirm. 1 ſchwarzes Portemonnaie mit einigen Pfennigen
Inhalt. 1 Brille mit Nickelgeſtell. 1 Kinder=Schirm mit blauem Griffchen. 1 Paar
neue Kaſtenſporen. 1 grauer Rock mit Legitimationspapieren ꝛc.
Verloren: 1 ſchwarzledernes Handtäſchchen mit grünlichem Portemonnaie und
1 Mk. Inhalt nebſt 1 Taſchentuch. 1 ſchwarzer Tafft=Schirm mit Silbergriff. 1 rot=
braunes
Portemonnaie mit 10 Mk. Inhalt, 1 goldener Federhalter und Briefmarken.
1 goldene Broſche in Form eines Ankers. 1 goldener Damen=Ring mit 1 grünlichen
und 2 roten Steinchen. 1 weißes Taſchentuch, gez. F. L. 1. Soldaten=Bruſtbeutel mit
5 Mk. Inhalt, darauf der Name Gardiſt Müller aufgenäht 1 grauer Gummigürtel
mit Silberſchnalle. 1 ſchwarzledernes Portemonnaie mit Bügel=Verſchluß und etwa
1.,30 Mk. Inhalt. .1 filberne Broſche (eingefaßtes Zweimarkſtück mit Verzierung).
1. braunes Portemonnaie mit 30 Pfennigen Inhalt. 1 ſilbernes Kreuzchen ( Filigran=
arbeit
). 1 goldene Broſche (eine Art Zwanzigmarkſtück, eingefaßt). 1 Buch vom Militär=
Arbeiterverband. 1 ſchwarzes Portemonnaie mit etwa 200 Mk. Inhalt (1 Hundert=
markſchein
und Kleingeld). 1 grünes Schildpatt=Portemonnaie mit 10,70 Mk. Inhalt.
1. Damen=Goldgummigürtel mit Goldſchnalle. 1 große Zuſchneide=Schere. 1 mattſilb.
Glieder=Armband mit 3 blauen Steinchen und Gravierung G. S. 13. 9. 08. 1 dunkles
Portemonnaie mit 7 Mk. Inhalt. 1 ſchwarzledernes Handtäſchchen mit Taſchentuch,
Notizbuch, rotes Portemonnaie mit Inhalt und mehrere Schlüſſel. 1 ſilberne Broſche,
gebogener Silberdraht mit 1 Amethoſt und 1 Mondſtein. 1 goldenes Halskeitchen mit
Anhänger (Kreuz, Herz und Anker), 1 ſchwarzes Damen=Portemonnaie mit 5 Mk.
Inhalt. 1 ſchwarzer Damen=Regenſchirm. 1 grüner Damen=Gürtel mit Gold durch=
wirkt
. 1 Paar Damen=Gummiſchuhe. 1 braunes halbrundes Portemonnaie mit 9 Mk.
Inhalt. 1 ſilbernes Halskettchen mit blauen Steinchen. 1 Päckchen, enthaltend 3 neue
Stehumlegekragen und 1 grüne ſeidene Krawatte. 1 braunes Portemonnaie mit etwa
1,15 Mk. Inhalt und Woogs=Abonnementskarte, auf den Namen Bodenheimer ausge=
ſtellt
. 1 ſilberne Damen=Uhr mit Leder=Armband. 1 Hälfte von einem dünnen gold.
Halskettchen mit einem Korallen=Anhänger. 1 ſchwarzer Damen=Gummigürtel mit
viereckiger Schnalle. 4 mittelgroße Schlüſſel und 1 Türdrücker. 1 Bahnaufaabebuch,
1 goldener Herren=Ring mit rotem ovalem Stein. 1 S=Bogen und 1 Mundſtück von
einem Signalhorn. 1 Kollier mit filbernem Ketchen und mattrofa Anhänger. 1 füb.(
Armband mit länglichem grünen Stein (von Ludwigshöhe bis Völlenſaltor).
Zugeflogen bei Privaten: 2 braune Brieftauben. 1 junge Taube. 1 graugelber
Kanarienvogel.
Entlanfen: 1 Dobermanpinſcher. 1 grauer Wolfsſpitz mit Marke und der
Nr. 1318. 1 ſchwarzer Rehpinſcher.
Entflogen: 1 rote Brünner Kröpfertaube. 2 Kanarienvögel.
(15034
Das Fundbureau Großherzoglichen Polizeiamts
iſt geöffnet an allen Werktagen von 812 Uhr vormittags und 26 Uhr nachmittags
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=

finden ſich: 1 Spitzhund.

ſim Weſen Dammweg=Brunnersweg ausſchielich
Süden: Forſthaus-Steinacker-Steinhügel ausſchließlich
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milcheswieſe- Sau=
wieſe
-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln ab=
geſperrt
.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten (Polizei= Verord=
nung
Kreisamt Darmſtadt 25. IX. 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. IX. 1909).
Darmſtadt, den 27. Juni 1910.
(12935a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Auf Grund der Polizeiverordnung vom 12. Februar 1908 wird folgendes zur
öffentlichen Kenntnis gebracht:
Die Kreisſtraße von Eberſtadt nach Pfungſtadt vom Ortspflaſterende Eberſtad,
ab bis zur Sandbachbrücke gegen Pfungſtadt zu, mit den auf dieſe Strecke aufſtoßenden
Querwegen (letztere dicht an der Kreisſtraße) iſt wegen Ausführung von Kleinpflaſter
von Freitag, den 15. d. Mts., ab auf ca. 3 Wochen für ſämtliches Fuhrwerk
Automobile Motorräder ꝛc. geſperrt.
Der Durchgangsverkehr hat den aufgeſtellten Tafeln entſprechend von Darmſtadt
über das Eſchollbrücker Kreuz nach Pfungſtadt oder von Darmſtadt über Eſchollbrücken
nach Hahn bezw. umgekehrt zu erfolgen. Nach Maßgabe des Fortſchreitens der Pflaſter=
arbeiten
wird die betreffende Teilſtrecke jeweils ſofort dem öffentlichen Verkehr übergeben.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen ſind nach §2 der genannten
Polizeiverordnung ſtrafbar.
Darmſtadt, den 2. Juli 1910.
(13800a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Baupolizeiordnung für die Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt.
Der in nachſtehend abgedruckten Beſtimmungen vorgeſchriebenen Anzeigepflicht iſt
in letzterer Zeit wiederholt zuwidergehandelt worden. Dieſelben werden daher mit dem
Anfügen in Erinnerung gebracht, daß Zuwiderhandlungen unnachſichtig zur Anzeige
gebracht werden.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1901.
(15083
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
von Grancy.
§ 39. Die Fluchtlinie iſt durch einen Geometer auf Koſten des Bauherrn abzuſtecken=
Nach Errichtung des Schnurgerüſtes iſt dem zuſtändigen Baukontrolleur ſchrift=
liche
Anzeige zu machen behufs Reviſion der abgeſteckten Fluchtlinie und darf mit dem
Bau nicht eher begonnen werden, bis die Richtigkeit der abgeſteckten Baulinie feſtgeſtellt
und durch Abnahmeſchein, der innerhalb 24 Stunden erteilt wird, beſtätigt iſt.
Ferner iſt nach Fertigſtellung des Sockelmauerwerks, des Rohbaues, ſowie
nach vollſtändiger Fertigſtellung in gleicher Weiſe Anzeige (Art. 77 der allgemeinen
Bauordnung) zu erſtatten, damit die amtlichen Abnahmen ſtatfinden können. Reviſionen
können übrigens auch in ſonſt geeigneten Fällen von Amtswegen vorgenommen werden.
Bei der Rohbauabnahme müſſen die Eiſenkonſtruktionen ſoweit ſichtbar ſein, daß
die Maße kontrolliert werden können.
Die nach Abſatz 3 dieſes Paragraphen zum Zweck der amtlichen Abnahmen zu
erſtattenden Anzeigen ſind vom Bauherrn jedesmal ſchriftlich auf vorgeſchriebenem, bei:
der betr. Bürgermeiſterei erhältlichem Formular zu beantragen. Die amtlichen Abnahmen
haben in der Regel längſtens binnen 5 Tagen, im Eilfalle in kürzerer Friſt, nach Ein=
gang
des Antrags unter Anzeige an den Antragsſteller zu erfolgen.
§ 40. Ueber alle Reviſionen, bei welchen der Bauherr oder ein Stellvertreter
Ueber das ganze desſelben zugegen ſein ſoll, wird ein Abnahme= bezw. Schlußabnahmeſchein ausgeſtellt
Abſperrgelände ſund darf mit dem Weiterbau bezw. mit der Ingebrauchnahme des vollendeten Baues
oder einer Anlage nicht früher begonnen werden, als bis nach erfolgter Reviſion der
polizeiliche Abnahmeſchein ſich in den Händen des Bauherrn oder deſſen Stellvertreters
befindet.
Wird die Reviſion durch den Mangel der Zugänglichkeit der Bauſtelle verhindert,
ſo wird ein neuer Termin auf Koſten des Bauherrn anberaumt.
Etwa vorgefundene Mißſtände und Konſtruktionsfehler ſind binnen einer vom
Baukontrolleur zu beſtimmenden Friſt zu beſeitigen.
Darmſtadt, den 28. Juli 1910.
Das Großherzogliche Kreisamt Darmſtadt
an die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Sie wollen vorſtehende Bekanntmachung ortsüblich veröffentlichen und das Polizei=
perſonal
anweiſen, den Befolg der fraglichen Beſtimmungen zu überwachen.
J. V.: Dr. Reinhart.

Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Sonntagsruhe in den Apotheken.
Am Sonntag, den 31. Juli, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr
abends die beiden nachfolgenden Apotheken geöffnet:
Merckſche Engel=Apotheke, Rheinſtraße, und
Beſſunger Apotheke, Karlſtraße.
Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.

Polizeiverordnung

betreffend die Regelung des Fuhrwerksverkehrs in der Schwanenſtraße, zwiſchen der
Schloßgarten= und der Gardiſtenſtraße.
Auf Grund des Artikel 56 der Städteordnung wird nach Anhören der Stadt=
verordnetenverſammlung
mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums des Innern vom
28. Mai 1910 zu Nr. M. d. J. 8525 verordnet, was folgt:
§ 1. Die Schwanenſtraße zwiſchen der Schloßgarten= und der Gardiſtenſtraße
wird für den durchgehenden Verkehr von Fuhrwerken, Automobilen und Motor=
fahrrädern
in der Richtung von der Gardiſten=nach der Schloßgartenſtraße geſperrt.
Die genannte Straßenſtrecke darf nur von der Schloßgartenſtraße aus befahren
werden. Fuhrwerke haben im Schritt zu fahren.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung werden auf Grund des
§ 366 Ziffer 10 des R. St. G. B. mit Geldſtrafe bis zu 60 Mk. oder mit Haft bis zu
14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung im Darm=
ſtädter
Tagblatt in Kraft.
(14967fs
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.
Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſiwaren in der Haupt= und Reſidenzſtadt Harmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

Ochſenfleiſch
Rindfleiſch
Kalbfleiſch
Hammelfleiſch
Bruſt ..
Schweinefleiſch (Bratenſt.)
Bauchläppchen. . .
Kottelets u. geſalz. Fleiſch
Speck, geräuchert

per ½ kg 86 Pfg.

Dörrfleiſch
. per
Schinken m. Bein . .
Rollſchinken
, ,
Schweineſchmalz roh und
ausgelaſſen .
Schwartenmagen, Fleiſch=
und Bratwurſt
Leber= und Blutwurſt.

½ kg 100 Pfg
110
½ 130
90

Unser Blumen- und Pflanzengeschäft
befindet ſich ab 1. Auguſt Rheinstrasse 24
neben der Deutſchen Vereinsbank, Ecke Saalbauſtraße.
Gebrüder Wenz, Hoflieferanten.
15035)

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Nummer 176,

Spülung des Waſſerrohrnetzes.
Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſerrohrnetzes in
den unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche in der Zeit von 10 Uhr abends
bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung
des Waſſers mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich vorher
mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 1. zu Dienstag, den 2. Auguſt I. Js.,
die Spülbezirke 1 und II.
werden geſpült:
In dieſe Bezirke fallen alle Straßenzüge ſüdlich der Bismarckſtraße, weſtlich vom
Paradeplatz, nördlich des Teiles der Rheinſtraße, zwiſchen Ernſt=Ludwigs=Platz und
Wilhelminenſtraße, weſtlich des Teiles der Wilhelminenſtraße, zwiſchen Rheinſtraße
und Heinrichsſtraße, weſtlich vom Wilhelminenplatz, nördlich des Teiles der Heinrichs=
ſtraße
von der Wilhelminenſtraße bis zur Heidelberger=Straße, öſtlich des Teiles der
Heidelberger=Straße, zwiſchen Heinrichsſtraße und Eſchollbrücker=Straße, nördlich der
Eſchollbrücker=Straße, zwiſchen Heidelberger=Straße und Stadtallee, nördlich der Stadtallee
von der Eſchollbrücker=Straße bis zur Main=Neckar=Bahn und öſtlich der Main=Neckar=
Bahn zwiſchen Stadt=Allee und Bismarckſtraße.
Von den dieſe Spülbezirke umgrenzenden Straßen und Plätzen werden mitgeſpült
die Bismarckſtraße, die oben angegebenen Teilſtrecken der Wilhelminenſtraße und der
Heinrichsſtraße und die Nordſeite der Rheinſtraße, zwiſchen Ernſt=Ludwigsplatz und
Wilhelminenſtraße. Ferner wird noch mitgeſpült die Frankfurter=Straße, zwiſchen Bis=
marck
= und Kahlertſtraße.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 3. zu Donnerstag, den 4. Auguſt I. Js.
die Spülbezirke III und IV.
werden geſpült:
In den Spülbezirk III fallen ſämtliche Straßenzüge nördlich der Bismarck=
ſtraße
und weſtlich der Frankfurter=Straße, ſowie die Straßenzüge nördlich der Holzhof=
allee
und weſtlich der Main=Neckar=Bahn.
Von den dieſen Bezirk umſchließenden Straßen werden mitgeſpült die Frank=
furter
=Straße von der Kahlertſtraße aus in der Richtung nach Arheilgen und die
Holzhofallee.
In den Spülbezirk IV fallen die Straßenzüge öſtlich des Teiles der Wil=
helminenſtraße
, zwiſchen Heinriche= und Rheinſtraße, ſüdlich des Teiles der Rhein=
ſtraße
, zwiſchen Wilhelminenſtraße und Ernſt=Ludwigs=Platz, ſüdweſtlich vom Ernſt=
Ludwigs=Platz und Marktplatz, ſüdweſtlich und weſtlich der Kirchſtraße, weſtlich des
Teiles der Karlsſtraße, zwiſchen Kirchſtraße und Heinrichsſtraße und nördlich des Teiles
der Heinrichsſtraße, zwiſchen Karls= und Wilhelminenſtraße.
Von den dieſen Spülbezirk eingrenzenden Straßen und Plätzen werden mitgeſpült

die Kirchſtraße, die oben angegebenen Strecken der Karls= und Heinrichsſtraße, ſowie die
Südweſtſeite des Ernſt=Ludwigs= und des Marktplatzes und die Oſtſeite des Wilhelminen=

platzes, ferner wird mit dieſem Bezirk geſpült die Kapellſtraße.
3. In der Nacht von Samstag, den 6. zu Sonntag, den 7. Auguſt I. Js.
die Spülbezirke VI und VII.
werden geſpült:
Dieſe Bezirke liegen einmal zwiſchen Dieburger= bezw. Alexanderſtraße und
Heinrichsſtraße und erſtrecken ſich ferner vom Parade=, Ernſt=Ludwigs= und Marktplatz,
ſowie der Kirch= und Karlsſtraße bis zum Woog und der Odenwaldbahn; ausgeſchloſſen
iſt die Mathildenhöhe, ſowie die Alexander= und Dieburger=Straße ſelbſt.
Darmſtadt, den 27. Juli 1910.
(15010so
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
J. V.: Fehmer.

Ausführung von Gasaulagen im Innern
der Gebäude und Grundſtücke.

Die Einrichtung von Gas=Beleuchtungs=, Heiz= und Kraft=Anlagen im
Innern der Gebäude und Grundſtücke, welche an das Rohrnetz des ſtädtiſchen Gas=
werks
angeſchloſſen werden ſollen, ſowie alle Erweiterungen, Veränderungen und
Reparaturen darf nur durch ſolche Inſtallateure erfolgen, die von Großherzoglicher
Bürgermeiſterei eine ſchriftliche Erlaubnis hierzu erhalten und ſich verpflichtet haben,
alle dieſe Einrichtungen unter Zugrundelegung und gewiſſenhafter Beobachtung der
hierfür erlaſſenen Beſtimmungen und Vorſchriften auszuführen.
Dieſe Erlaubnis iſt folgenden Firmen erteilt:

1. Gottfried Beck, Karlſtr. 39.
2. Gebr. Becker Nachf., Grafenſtr. 27.
3. Heinrich Becker, Brandgaſſe 2.
4. Karl Bohl, Blumenthalſtr. 107.
5. Lud. Breitwieſer, N.=Ramſtädterſtr. 54.
6. Heinr. Brunner, Eliſabethenſtr. 33.
7. Karl Darmſtädter, Sandbergſtr. 66.
8. W. Eberhardt, N.=Ramſtädterſtr. 11.
9. Fr. Ewald (Inh. Fr. Wenz) Soder=
ſtraße
49 und 54.
10. Theodor Fey, Kranichſteinerſtr. 8a.
11. Georg Aug. Fink, Rhönring 53.
12. Ludwig Fiſcher, Langgaſſe 21.
13. Bernhard Gans, Rheinſtr. 47.
14. Franz Geiger, Karlſtraße 36.
15. Wilh. Gelfius, Fuhrmannſtraße 6.
16. Jakob Glock, Langegaſſe 9.
17. Guſtav Göckel, Kartſtr. 12.
18. Alexander Guntrum, Stiftſtr. 52.
19. Philipp Handſchuch, Schloßgarten=
ſtraße
37.
20. Ludwig Heppenheimer, Luiſenſtr. 2.
21. Wilhelm Heppenheimer, Kiesſtr. 80.
22. Kurt Hiſſerich, Bleichſtr. 28.
23. Karl Hoffmann, Wienersſtr. 44.
24. Balthaſar Ittmann, Lauteſchlägerſtr. 42.
25. Hermann Jung, Bleichſtr. 11.
26. Karl Jung, Kaplaneigaſſe 17.
27. Philipp Jung, Alexanderſtr. 9.
28. Karl Kämmerer, Marienplatz 10.
29. Gg. Kaiſer, Inh.: Marg. Haun,
Rheinſtr. 5.
30. Robert Kaiſer, Landgraf Georgſtr. 8.
31. Georg Keil, Kirchſtr. 17.
32. Auguſt Keller, Hohler Weg 11.
33. Adolf Kling Nachf. (Inh. A. u. L.
Kling), Rheinſtr. 17.
34. Klink & Rettberg, Ludwigsplatz 8½.
35. Albert Klöpfer, Beſſungerſtr. 84.

36. Philipp Kraus Nachf. (Inh. Adam
Bender), Karlſtraße 51.
37. Hugo Kötting, Liebfrauenſtraße 75.
38. Wilh. Krätzinger, Ludwigſtr. 11.
39. Chriſt. Landzettel, Kaupſtr. 7.
40. Ernſt Lorey, Karlſtr. 56.
41. Ludw. Luck, Gutenbergſtr. 27.
42. V. Marquardt u. Ph. Wamſer,
Dieburgerſtraße 54.
43. Philipp Maul, Eliſabethenſtraße 29.
44. Müller u. Dilling, Kaſinoſtr. 27.
45. Gg. Neumann, Heidelbergerſtr. 117.
46. Aug. Neumeyer Wwe., Gr. Ochſen=
gaſſe
22.
47. Heinrich Ningler, Landwehrſtr. 47.
48. Jakob Nohl, Martinſtr. 24.
49. Heinrich Pauli, Orangerie=Allee 7.
50. Ludwig Pohl, Heinheimerſtr. 15.
51. F. W. Preußner, Bleichſtraße 40.
2. Karl Rockel Nachf. (Inh. Georg
Momberger), Schützenſtr. 4.
53. G. W. Roth, Moosbergſtr. 97.
54. J. Rühl, Saalbauſtr. 24.
55. Phil. Schäfer, Landwehrſtr. 29.
56. Friedr. Schiller, Tannenſtraße 7.
57. Franz Schulz, Karlſtr. 104½.
58. Heinrich Schwarz, Kiesſtr. 36.
59. Leonh. Sommer, Roßdörferſtr. 3.
60. Wilh. Stauß, Inſelſtraße 21.
61. Karl Tänzer, Marktplatz 7.
62. Michael Vollrath, Nieder= Ramſtädter=
ſtraße
51.
63. Hch. Waldſchmidt, Ludwigshöhſtr. 21.
64. Otto Wamboldt, Heerdweg 2.
65. Joh. Waſſer, Alexanderſtr. 7.
66. Val. Wedel, Beckerſtraße 7.
67. Karl Wenz, Wendelſtadtſtraße 39.
68. Karl Zahrt, Hofſtallſtraße 8.

Darmſtadt, den 22. Juli 1910.
Städtiſche Gaswerks=Verwaltung. Betriebsleitung.

I. V.: Kalbfuß.

14737oms

Verſteigerungs-Anzeige.

Dienstag, den 2. Auguſt I. J., vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich Grüner Weg Nr. 26, I. Etage, auf freiwilligen Antrag aus einem
Nachlaß öffentlich meiſtbietend gegen bare Zahlung:
1 Sofa mit rotem Ripsbezug nebſt 6 Stühlen, 1 Kommode, 1 ovaler Tiſch,
verſch. andere Tiſche, 3 Seſſel und Stühle, 2 kompl. Betten, 2 Nachttiſche,
1 Ziertiſch, 3 Etageren, 1 Notenſtänder, 1 Hand=Kopierpreſſe, 1 Regulator,
1 Pfeifengeſtell mit Pfeifen, 2 Kleiderſchränke, 1 Küchenſchrank, 1 Waſch=
maſchine
, 1 Wringmaſchine, 1 Fliegenſchrank, 1 dreiarm. Lüſter für Gas,
1 elektr. Zugpendel, 1 St. neues Linoleum (4,70 m lang, 68 cm breit) und
ſonſtigen Hausrat.
Darmſtadt, den 30. Juli 1910.
(15007
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Herzogl. Baugewerkschule Holzminden
Errichtet
Verpflegungs-
Direktor
1831 HochbauAnstalt: Tiefbau u. Haarmann

Sommerunterricht z. April. Reifeprüfung. Uinterunterricht 15. Oktober.
Die Herzogl. Baugewerkschule ist den Königl. preuß. Schulen gleichgestellt.

Slorerk

Uleber dauernde Beſeitigung gibt Aus=
kunft
umſonſt ehem. ſchw. Stott. Osk.
Hausdörfer, Breslau-Wilhelmsruh H 78.
Zahlreiche Dankſ. u. glänz. Empfehl. v.
Aerzten, Geiſtl. Lehr. ꝛc. (11472II

Arbeitsvergebung.

Vorbehaltlich der Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums werden hie
mit auf Grund des Verdingungserlaſſes vom 16. Juni 1893 folgende beim Neubau d
Trinkkuranlage vorkommenden Arbeiten öffentlich ausgeſchrieben:
1. Erd= und Maurerarbeiten: Los I Oſtflügel. 730 cbm Erdbewegung, 680ch
Bruchſteinmauerwerk, 920 cbm Backſteinmauerwerk, 172 qm Fachwerkswände, 435 qm
Zwiſchendecken uſw. Los II Südflügel. 440 cbm Erdbewegung, 475 cbm Bruchſtei
mauerwerk, 800 cbm Backſteinmauerwerk uſw. 2. Steinhauerarbeiten: Los I O
flügel. 121 cbm Muſchelkalkſtein. Los II Südflügel. 188 cbm desgl. Los IV 4 cbnl
Baſaltlava und Betonbearbeitung für beide Flügel. 3. Betonarbeiten: etwa 60 cbn
Beton verſchiedener Art, 26 Pergolapfeiler, 1900 qm Unterlagsbeton, 477 qm Beton
decken, 1240 qm Gewölbe in Rabitz oder Beton, 400 m Geſimſe. 4. Zimmerarbeiten
Los I Oſtflügel. 116 cbm Tannenholz, 4 ebm Eichenholz zu liefern und zu verzim
mern, ferner Geſimſe uſw. Los II Südflügel. 78 cbm Tannenholz, 8 cbm Eichenhol
zu liefern und zu verzimmern, ferner Geſimſe uſw. 5. Eiſenlieferung: 2800 kg Träge
zu liefern. 6. Grobſchloſſerarbeiten: Los I Oſtflügel. 1200 kg Eiſenzeug. Los I
Südflügel. 900 kg Eiſenzeug. 7. Ziegellieferung: 72000 Stück holländiſche Pfanne
mit Falzen nebſt Grat= und Firſtziegel uſw. 8. Dachdeckerarbeiten: Los I Oſtflügel
1500 qm, Los II Südflügel 1230 qm Dacheindeckung mit zugeh. Grat=, Firſt= und
Kehldeckungen, Schneefanggitter uſw. 9. Spenglerarbeiten: Los I Oſtflügel. 250 m
Hängekandel, 138 m Abfallrohre, 54 qm Kehlen und Wandanſchlüſſe aus Zink, 60 dmſ
Bleidichtungen, Dachknäufe uſw. Los II Südflügel. 78 m Hängekandel, 50m Abfall
rohre aus Kupfer, 220 m Hängekandel, 78 m Abfallrohre, 44 qm Kehlen und Wand=
anſchlüſſe
in Zink, 43 am Dichtungen in Blei, Dachknäufe uſw. 10. Blitzableiten
anlage: 2 Auffangſtangen, 76 m Leitungsdraht uſw.
(14480a
Die Unterlagen ſind auf unſerem Amte einzuſehen. Arbeitsbeſchreibungen, Be
dingungen und ſoweit möglich auch Zeichnungen werden zum Selbſtkoſtenpreis ab=
gegeben
.
Die Angebote ſind unterſchrieben, nach Loſen getrennt, mit vollſtändiger Auf
ſchrift der Arbeit und des Loſes portofrei bis ſpäteſtens 9. Auguſt, vormittags
11 Uhr, bei der unterzeichneten Behörde einzureichen.
Zuſchlagsfriſt 4 Wochen.
Bad=Nauheim, den 19. Juli 1910.
Großh. Baubehörde für die Neubauten in Bad=Nauheim.
Joſt.

Verſteigerungs-Anzeige

Montag, den 1. Auguſt l. Js., vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich Heidelberger Straße 89, im Saale des Chauſſeehauſes, auf freiwilligen
Antrag aus einem Nachlaß öffentlich meiſtbietend gegen bare Zahlung:
2 Chaiſelongues, 1 Sofa mit Seſſel, 2 Waſchkommoden, 2 Schreibkommoden,
2 große Kommoden, 1 Pfeilerſchränkchen, mehrere polierte und lackierte Nacht=
tiſche
, verſchiedene Tiſche, 1 ovaler polierter Tiſch, 1 zweitüriger und 2 ein=
türige
Kleiderſchränke, verſchiedene Spiegel, 3 komplette Betten, 2 Bettſtellen
mit Strohſack, 1 Gewehrſchrank, 1 Jagdſtuhl, verſchiedene Jagdtaſchen, 1 Eis=
ſchrank
, 3 Petroleum=Hängelampen, 1 Regulator, 1 Wanduhr und verſchiedene
kleine Haushaltungs=Möbelſtücke uſw.
(15008
Darmſtadt, den 30. Juli 1910.

Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator.
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

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Lispeln, schwere Zungen
heilt und erzielt deutlich
Sprache bei Hasenscharte
und Wolfsrachen
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Bismarckstrasse 48.

Anerkennungen von Schulbehörden, Professoren und Aerzten.
Kinder der städtischen Schulen werden in meinem Institut geheilt.
Empfohlen durch die höchste Schulbehörde. Leite Kurse der Kreisämter und Schulbehördene

Bank für Handel und Industrie, Darmstadt
Depositenkasse Wilhelminenstrasse 14.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniss, dass wir in
unserem
feuer- und diebessicheren Gewölbe
neben der bereits länger bestehenden Einrichtung grösserer Stahlkammern
neue Sparkassen-Safes
kleineren Rauminhaltes aufgestellt haben. Diese Safes eignen sich be-
sonders
zur Aufbewahrung von Schmuck- und anderen Wertgegenständen
geringeren Umfanges, sowie von Sparbüchern, Policen etc. etc.
Der Mietpreis eines Sparkassen-Safes beträgt
Mk. 5. pro Jahr.
Wir bitten um Besichtigung unserer Stahlkammeranlagen in den
Geschäftsstunden von 8½12½ vormittags und von 35½ Uhr nach-
mittags
(Samstag nachmittags von 2½3½ Uhr).
(14209P
Bank für Handel und Industrie, Darmstadt
Depositenkasse, Wilhelminenstrasse 14.

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werden.

[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Seite 12.

ilt.

Weißbinder=u. Stukkatenrarbeiten.
Die bei Errichtung der Turnhallen für
die beiden Schulhausneubauten auf dem
alten Gaswerksgrundſtück vorkommenden
Stukkateur= und Weißbinderarbeiten ſollen
vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte, Grafen=
ſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die An=
gebotsſcheine
abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Montag, den 8. Auguſt 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 28. Juli 1910.
Stadtbauamt.
(15002so
Buxbaum.

Spülung des Waſſerrohrnetzes.
In der Nacht von Samstag, den 30.
auf Sonntag, den 31. Juli I. J., findet
eine Druckrohr=Spülung ſtatt, welche in der
Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr
morgens eine zeitweiſe Unterbrechung der
Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung des
Waſſers mit ſich bringt. Die Waſſer=
abnehmer
werden deshalb gebeten, ſich vor=
her
mit Waſſer zu verſorgen. (15009
Darmſtadt, den 27. Juli 1910.
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
I. V.: Fehmer.

Städtiſche Schulzahnklinik
Luiſenſtraße 20, II.
Sprechſtunden Wochentags:
Morgens von 1012
Mittags von 25.
(1508a
Bekanntmachung.
Samstag, den 27. Auguſt I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die den Georg Merz Eheleuten zu
Darmſtadt zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 179 269 Hofreite Pankratius=
ſtraße
Nr. 1½
in unſerem Bureau zwanasweiſe verſteigert
(K61/10
werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 21. Juli 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Spieß, (D14630,3
Gerichtsmann.

Bekanntmachung.
Mittwoch, den 10. Auguſt I. Js.
vormittags 10 Uhr,
ſollen die der Heinrich Müller Ehefrau,
Eliſe, geb. Wetzel, dahier zuſtehenden Grund=
ſtücke
:
qm
Flur Nr.
35 150¾/100 993 Hofreite Liebfrauen=
ſtraße
,
35 1542/100 255¾/10 Zimmerplatz Hein=
heimerſtraße
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K96/10
Darmſtadt, den 29. Juni 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D13194,1

Bekanntmachung.
Montag, den 1. Auguſt l. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Peter Franz Schweitzer Ehe=
leuten
dahier zuſtehende Hofreite:
Flur Nr. qm
IV 588¾/100 255 Beckerſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K97/10
Darmſtadt, den 30. Juni 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D13236,2

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L. C. Wittich’sche Hofbuchdruckerei.
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Kurſe vom 29. Juli 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Bf. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,50
3½ Deutſche Reichsanl. . 23,00
84,10
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,70
93,00
3½ do. Conſols .
84,20
8 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,70
93,80
do.
3½
86,20
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,40
91,80
do.
83,20
do.
Hamburger Staatsanl.
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,30
91,50
do.
80,70
do.
Sächſiſche Renre . . . 83,40
Württemberger v. 1907 102,00
92,90
do.
Bulgaren=Tabak=Anl. 101,80

¼ Griechen v. 1887 .
¼/ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente

48,50

do. Goldrente . . 99,10
do. einheitl. Rente 93,80
Portug. unif. Serie I 66,10
do. unif. Ser. III 67,50
do. Spezial . 11,60
Rumänier v. 1903 . . 101,70
do. v. 1890 . . 95,50
do. v. 1905 . .90,50
Ruſſen v. 1880 . . . 91,70

97,50

InProz.
Zf.
4 Ruſſen v. 1902 . F7 92,50
4½ do. v. 1905 . . . . 100,20
93,20
3½ Schweden . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 84,70
4 Türk. Admin. v. 1903 87,30
4 do. unifiz. v. 1903 94,10
4 Ungar. Goldrente . . 95,30
4 do. Staatsrente . 92,00
. 101,50
5 Argentinier .
91,30
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,90
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,50
do.
4½
97,75
4½ Japaner .
5 Innere Mexikaner . . 99,60
do.
3
4 Gold=Mexikan. v. 1904 95,00
5 Gold=Mexikaner . . .
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . . 142,50
4 Nordd. Lloyd . . . . 110,20
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 120,60
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,50
4 Baltimore & Ohio . . 108,40
4 Gotthardbahn . . . .

InProz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 158,50
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 58,50
4 Pennſylvania R. R. 129,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 205,50
Werger=Brauerei
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 478,75
Fabrik Griesheim . . . .
Farbwerk Höchſt . . . . . 489,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim.
322,50
Lahmeyer .
112,60
Schuckert
163,00
Siemens & Halske
.244,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 413,70
Bochumer Bb. u. Guß . . 2325/
Gelſenkirchen . . . . . . . 206,50
Harpener .
. . 193,75
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
.
. . . . 223½
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.. .
4. Pfälzer Prt. . . . . . 100,50
91,90
do.
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl.
4 do. ſteuerfrei . 98,20
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,70
97,50
do.
1
do. alte .
3
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,00
78,50
do.
4
2%
56,10
do.
3 Raab=Oedenburger . . 75,20
4 Ruſſ. Südweſt..
90,00
Kronpr. Rudolfbahn .

In Proz.
St.
75,90
2¾/10 Livorneſer .
Miſſouri=Paciſic .
Bagdadbahn Mk. 408
Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 102,20
Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ. 165,50
Darmſtädter Bank 130,70
Deutſche Bank . . . 251,90
Deutſche Vereinsbank 127,75
Diskonto=Geſellſchaft 186,00
Dresdner Bank . 157,20
Mitteldeut. Kreditbk. 119,50
Nationalbk. f. Deutſchl. 128,90
101,40
Pfälzer Bank .
.143,00
Reichsbank
Rhein. Kredit=Bank . 139,00
4 Wiener Bank=Verein 137,60
Pfandbriefe.
Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
do. S. 19. . . . . 92,30
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
90,50
½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,80
3½
Meining. Hyp.=Bank 101,00
91,10
do.
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,20
3½ do. (unk. 1914) 91,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,40
a2,70
do,
3½

InPeoz.
Bf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt
3½ do.
100,90
4 Frankfurt.
96,30
3½ do.
4 Gießen .
3½ do.
100,00
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
. 100,60
3½ do.
91,60
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim .
100,10
3½ do.
4 München .
101,00
3½ Nauheim
-
4 Nürnberg .
-
3½ do.
4 Offenbach .
3½ do.
4 Wiesbaden .
. 103,00
3½ do.
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. . 82,20
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 135,00
5 Donau=Reg. fl. 100 149,00
3 Holl, Komm. 100 105,80

In Proz.
Bf.
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.=Pfand=
.. 136,50
briefe. .
Oeſterr! 1860er Loſe 172,80
3 Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fl. 150 115,00
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
fl. 7 38,00
Braunſchweiger Tlr. 20
Freiburger Fs. 15 55,00
Mailänder
Fs. 45 133,00
do.
Fs. 10
Meininger
fl. 7 37,10
Oeſterreicher v. 1864 100
do. v. 1858 100 461,00
Ungar. Staats 100 383,50
Venediger Frs. 30
Türkiſche
400 182,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,39
20 Franks=Stücke
16,21
Oeſterr. 20=Kronen .
16,90
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten .
20,44
Franzöſiſche Noten .
81,20
169,40
Holländiſche Noten .
80,65
Italieniſche Noten
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,15
Ruſſiſche Noten . .
Schweizer Noten . . . . . 81,20
Reichsbank=Diskonto .
Reichsbank=Lombard Zäf. 5%

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Nummer 176.

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Ich nehme die gegen die Familie Stein=
a
mann am 23. Mai 1910 ausgeſprochenen

Beleidigungen mit Bedauern zurück u. habe
in dem gerichtlichen Vergleich die Zahlung
einer Buße von 5 Mk. an die Landeswaiſen=
kaſſe
und die Koſten des Verfahrenes
übernommen.
(*18464
Philipp Will, Ludwigshöhſtraße 10.

nehme die mir zur Laſt gelegten
Alh) Ausdrücke gegen die Familie
Rehm mit Bedauern zurück und habe
in dem gerichtlichen Vergleich die Koſten
des Verfahrens übernommen. (*18600
Frau Jakob Jakobi.

junge Leute ſuch. gut. Pribat= Mittags=
tiſch
um 2 Uhr. Off. mit Preisangabe
unter G 74 an die Expedition. (*18561

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Heiratsangelegenheiten über Freunde und
Feinde, bei Veränderungen, Spekulationen,
Liebesangelegenheiten, Reisen und allen

Ereignissen im Leben.

Viele sagen, er habe Ihr Leben
mit bewunderungswürdiger
Genauigkeit enthüllt.

Schriftbeurteilungen werden für nur
kurze Zeit allen Lesern dieser Zeitung
gratis gesandt.

Hat ſich der
myſtiſche
Schleier,
welcher die
Wiſſenſchaft
der Alten ge=
heimnisvoll

verhüllte,
endlich geho=
ben
? Konnte
wirklich ein
ſo voll=
kommenes

Syſtem auf=
geſtellt
wer=
den
, das mit
ziemlicher

Genauigkeit den Charakter und die Ver=
anlagung
eines jeden Menſchen enthüllt
und ſein Leben ſo in Umriſſen ſkizziert, daß
es ihm möglich wird, Irrtümer zu vermeiden,
und aus ſich bietenden Gelegenheiten Vor=
teil
zu ziehen?
Roxroy, der ſich ſeit zwanzig Jahren in
die Myſterien der geheimen Wiſſenſchaften
vertieft und die verſchiedenen Methoden,
das Lebensſchickſal vorherzuſagen, ſtudiert
hat, ſcheint alle ſeine Vorgänger an Ruhm
zu überflügeln. Sein Studierzimmer iſt mit
Briefen aus allen Weltteilen förmlich über=
ſchüttet
; ſie zählen die Wohltaten auf, deren
man auf Grund ſeines Rates teilhaftig ge=
worden
. Viele ſeiner Klienten ſehen auf
ihn als einen mit beſonderen Kräften aus=
geſtatteten
Mann; ſeine Beſcheidenheit aber
läßt ihn ſagen, das Vollbringen ſo merk=
würdiger
Taten ſei lediglich auf das ihm
eigene Verſtändnis der Naturgeſetze zurück=
zuführen
.
Er iſt von leutſeligen Gefühlen für die
Menſchheit erfüllt, und die Art und Weiſe
ſeines Umganges und Auftretens machen
ſogleich den Eindruck eines Mannes, der
aufrichtig an ſein Werk glaubt. Große Stöße
Dankesbriefe von Leuten, die ſeinen Rat
eingeholt haben, legen neben anderen über=
zeugenden
Beweiſen Zeugnis von ſeinen
Fähigkeiten ab. Selbſt Aſtrologen und
Wahrſager räumen ein, daß ſein Syſtem
alles bislang Vorgekommene übertrifft.
Baroneß Blanquet ſchreibt in einem
Briefe Herrn Prof. Roxroy:
Ich danke Ihnen für mein ausführ=
liches
Horoscop, welches wirklich von außer=
ordentlicher
Genauigkeit iſt. Ich habe
bereits mehrere Aſtrologen um Rat erſucht,
aber nie wurde mir in ſo zutreffender
Weiſe die Wahrheit mitgeteilt.
Mit Vergnügen werde ich Sie allen
meinen Freundinnen und Bekannten emp=
fehlen
; ich bin ſicher, daß es eine gute
Tat wäre, Ihre wunderbare Wiſſenſchaft
allgemein bekanntzumachen.
Wenn Sie aus Roxroys freigebigem
Anerbieten Vorteil ziehen und eine koſten=
loſe
Leſeprobe erhalten wollen, ſo ſenden
Sie Tag, Monat und Jahr Ihrer Geburt
ein, nebſt Angabe, ob Herr, Frau oder Fräu=
lein
, ſowie auch eine Abſchrift des folgen=
den
Verſes in Ihrer eigenen Handſchrift:
Ich habe von Ihrer Gabe gehört,
Im Buche des Schickſals zu leſen,
Und möchte von Ihnen hören den Rat,
Den Sie mir haben zu geben.
Geben Sie Namen, Geburts=Datum und
Adreſſe genau und in deutlicher Handſchrift
an. Senden Sie Ihren mit 20 Pf. fran=
kierten
Brief an Roxroy, Dept. 662A,
Nr. 177a, Kensington High Street, LondonN.,
England. Sie mögen nach Belieben auch
50 Pfg. in Briefmarken Ihres Landes
mitſenden für Porte=Auslagen, Schreib=
gebühr
uſw. Senden Sie jedoch im Brief
eine Geldmünzen.
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n ſehr gut erh. Sitz= u. Liegewag. zu verk.

Näh. in der Expedition.

Gutenbergſtr. 52, part.

Nummer 176.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.
Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
(5 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 19. Juli: dem Kaufmann Peter
Piazolo, Dieburger Straße 21 (wohnhaft in Biebes=
eim
a. Rh.), e. T. Maria Gertrude. Am 24.: dem
Eiſenbahnpackmeiſter Chriſtoph Bub, Eliſabethen=
raße
29, e. T. Margareta. Am 23.: dem Poſtboten
Guſtav Stähle, Heinheimerſtr. 86, e. T. Anna Barbara
Eliſabeth. Dem Schreiner Heinrich Flauaus, Mag=
alenenſtr
. 19, e. T. Anna Valerie. Am 20.: dem Ser=
geanten
im Leibgarde=Inf.=Regiment Nr. 115 Jakob
Müller, Dieburger Straße 11, e. T. Helene. Am 22.:
dem Kaufmann Walter Schweter, Hochſtr. 30, e. T.
Hilda Elſe. Am 23.: dem Kaufmann Eduard Volz,
Ludwigſtr. 13, e. T. Irmtraud Antonie. Dem Haus=
durſchen
Hermann Platt, Liebfrauenſtr. 41, e. T.
Elsbeth Chriſtine Margarete. Am 27.: dem Taglöhner
Wilhelm Engelhardt, Pankratiusſtr. 48, e. S. Wilhelm.
Am 28.: dem Taglöhner Georg Schwebel, Roßdörfer
Straße 1, e. T. Eliſabeth. Am 22.: dem Poſtillon Auguſt
Brethauer, Hofſtallſtr. 8, e. S. Auguſt Fritz Georg.
Am 26.: dem Dachdecker Heinrich Reich, Lauteſchläger=
ſtraße
42, e. T. Mathilde Dora.
Aufgebotene. Am 26. Juli: Ziegeleiarbeiter Hein=
rich
Velten in Soſſenheim mit Eliſabetha Boll in
Mainaſchaff. Schreiner Jakob Vetter in Ober=
Klingen mit Dienſtmagd Anna Barbara Bauer in
Glattbach. Zimmermann Heinrich Petri II. in
Weiterſtadt mit Dienſtmagd Maria Ehrhardt, dahier.
Kutſcher Georg Philipp Bonn, Neugaſſe 5, mit Ein=
legerin
Margareta Emig, ebendaſelbſt. Vizefeld=
webel
von der Halbinvaliden=Abteilung 18. Armeekorps
Heinrich Kirmes in Mainz mit Philippine Eliſab.
Willima Wenner, Neckarſtr. 4. Schreibgehilfe Niko=
laus
Ludwig Heinrich Gebhardt, Eckhardtſtr. 15, mit
Eliſab. Nieder in Obex=Ramſtadt, Am 27.: Friſeur
Guſtav Schnaars, Neckarſtr. 24, mit Anna Margareta
Steinmetz, Luiſenſtr. 8. Eiſenbahnhilfsſchaffner
Heinrich Wagner in Biſchofsheim mit Dienſtmädchen
Chriſtine Schimpf, Grüner Weg 32. Am 28.: Stein=
brecher
Karl Gottlieb Störtzer in Griesheim mit
Dienſtmädchen Katharina Feuerbach, ebendaſelbſt.
Kunſtglaſer Wilhelm Friedrich Karl Martin in
Quedlinburg mit Schneiderin Luiſe Anna Mathilde
Heiß, ebendaſelbſt.
Geſtorbene. Am 26. Juli: Werkmeiſter Ldg.
Rebſon, 61 J., ev., Hochſchulſtraße 2. Am 27.: Land=
wirtin
Joſephine Gruber, 59 J., kath., Münſter.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Seite 15.

Kirchliche Anzeigen.
Evangeliſche Gemeinden.
10. Sonntag nach Trinitatis, den 31. Juli 1910
Hoſkirche: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Mittwoch, den 3. Auguſt, abends 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte.
Stadtkapelle: Vormittags um 9½ Uhr: Miſſions=
prediger
Goldſtern. (Kollekte.) Nachm. um 6 Uhr:
Pfarraſſiſtent Lautenſchläger.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
331. Juli, vormittags um 11¼ Uhr: Chriſtenlehre für den
Schloß bezirk. Pfarrer Weißgerber.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vormittags 8 Uhr:
Diviſionspfarrer Lie Schettler.
Johanneskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Lautenſchläger. Vorm. 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
für den Oſt bezirk. Pfarrer Widmann.
Eliſabethenſtiſt: Samstag, den 30. Juli, nachmittags
3 Uhr: Beichte. Sonntag, den 31. Juli, vormittags
10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit hl. Abendmahl. Pfarrer
Knöpp.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vormittags 10 Uhr:
Pfarraſſiſtent Flöel.
Pauluskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Weißgerber.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 31. Juli,
nachmittags um 4 Uhr: Evangeliſationsverſammlung.
Pfarrer Veller. Abends 8 Uhr: Blaukreuzver=
ſammlung
. Donnerstag, den 4. Auguſt, abends
8½ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer Veller.
Baptiſtengemeinde (Nieder=Ramſtädterſtraße 13):
Sonntag, den 31. Juli, vormittags 10 Uhr: Predigt.
Vormittags 11¼ Uhr: Sonntagsſchule. Nachm. 4 Uhr:
Predigt. Jedermann iſt herzlich willkommen.
Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigsgemeinde. Kapelle der Barmherzigen Schweſtern
(Eingang: Nieder=Ramſtädterſtr. 30): Samstag, den
30. Juli, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
11. Sonntag nach Pfingſten, den 31. Juli 1910
Vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. Um 7 Uhr: Aus=
teilung
der heil. Kommunion. Um 8 Uhr: heil. Meſſe.
Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Um 11 Uhr:

lezte heil. Meſſ. . Nachm. um 3 Uhr: Armenſelen=
andacht
für die Abgeſtorbenen der Gemeinde. Um
4 Uhr: Verſammlung im Mädchenheim. Um 6 Uhr:
Aloyſianiſche Andacht. Donnerstag, nachmittags um
5 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Samstag, nachmit=
tags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte. Sonntag, vormittags um ½6 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte. Um 6 und um ½7 Uhr:
Austeilung der heil. Kommunion. Um 7 Uhr: heil.
Meſſe. Donnerstag, nachm. um 5 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte. Freitag, vorm. um ¼9 Uhr: Segen=
amt
zu Ehren des Herzens Jeſu.
Militärgemeinde: Sonntag, vorm. um 8 Uhr: In
dem Exerzierhauſe auf dem Exerzierplatz Sing=Meſſe mit
Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 30. Juli, nach=
mittags
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte.
Sonntag, den 31. Juli 1910
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½ 7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: hl. Meſſe.
Um ½10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmit=
tags
um 2 Uhr: Armenſeelenandacht. Donnerstag,
den 4. Auguſt, abends 5 Uhr: Beichtgelelegenheit. 2
Freitag, den 5. Auguſt, abends ½6 Uhr: Herz=Jeſu=
Andacht.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
30. Juli, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur hl. Beichte.
11. Sonntag nach Pfingſten, den 31. Juli 1910
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½ 7 Uhr: hl. Meſſe. Um ½9 Uhr: Amt mit
Predigt. Nachmittags um ½3 Uhr: Armenſeelen= An=
dacht
. Bibliothek (Heerdweg 28): Dienstag, nachmit=
tags
von 67 Uhr. Donnerstag, nachm. um 5 Uhr:
Gelegenheit zur hl. Beichte.
Kapelle zu Eberſtadt: Samstag, den 30. Juli, abends
um 5 Uhr: Beichte.
11. Sonntag nach Pfingſten, den 31. Juli 1910
Vorm. um 6 Uhr: Beichte. Um ½ 7 Uhr: Aus=
teilung
der heil. Kommunion. Um 9¼ Uhr: Hochamt
mit Predigt. Nachmittags um 1½ Uhr: Chriſtenlehre
und Andacht. Während der Woche vormittags um
¼7 Uhr: hl. Meſſe.
Kapelle zu Pſungſtadt: 11. Sonntag nach Pfingſten,
den 31. Juli, vormittags um ½ 8 Uhr: Amt und Predigt.
Vorher Beichtgelegenheit.
Getaufte, Getraute und Beerdigte.
Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Hofgemeinde: 20. Juli: Dem Königl. Preuß.
Geſandten Martin Johann Freiherr von Jeniſch, dahier,
S. Martin Oskar Stephan Dankward, geb. 15, Juni.
Stadtgemeinde: 17. Juli: Dem Schreiner Georg
Leonhard Ernſt Wilhelm Ludwig Aßmuth T. Paula
Marie, geb. 24. Mai. 19. Juli: Dem Glasreiniger Johann
Friedrich Mühlbach S. Friedrich Wilhelm, geb. 24. Dez.
1909. 24. Juli: Dem Poſamentier Hermann Arthur
Elwert S. Hellmut, geb. 12. Juli. 15. Juli: Dem Tag=
löhner
Georg Muntermann S. Emil Theodor Joſeph,
geb. 9. Juni. Dem Inſtallateur Auguſt Emil Armin
Ihrig S. Wilhelm Georg Peter, geb. 28. November 1909.
17. Juli: Dem Kaufmann Johann Leonhard Spatz S.
Georg, geb. 11. Juni. Dem Fabrikarbeiter Georg Daum
S. Georg, geb. 27. Juni. Dem Tapezier Franz Lapp
C. Paul=Karl Heinrich, geb. 27. Juni. Dem Handels=
gärtner
Rudolf Wilhelm Zipf S. Heinrich Rudolf, geb.
24. Juni.
Johannesgemeinde: 23. Juli: Dem Heizer
Jakob Geduldig T. Anna Chriſtine Luiſe, geb. 7. Juni.
Dem Spengler Friedrich Schönbein S. Hans Alex
Friedrich, geb. 7. Juli. 24. Juli: Dem Klaviermacher
Karl Ernſt Klink S. Kurt, geb. 15. Mai. Dem Eiſendreher
Heinrich Wambold S. Karl, geb. 14. Juni. Dem
Mechaniker Wilhelm Liſemer S. Georg Ernſt Wilhelm,
geb. 12. Juni. Dem Tapezier Peter Grein T. Auguſte
Eliſabeth, Lina, geb. 19. Juni.
Martinsgemeinde: 21. Juli: Dem Fabrikarbeiter
Valentin Böhmann S. Willi, geb. 25. Juni. 23. Juli:
Stadtkaſſebüroaſſiſtenten Jakob Löhr S. Jakob Karl
Otto, geb. 25. Juni. 25. Juli: Dem Laborant Peter
Meerſtetter S. Hermann, geb. 1. Juli. 23. Juli: Unehel.
T. Eliſabeth, geb. 14. Juli. 24. Juli: Dem Lokomotiv=
hilfsheizer
Martin Dörnberger S. Georg Wilhelm, geb.
28. Juni. Dem Metzger Heinrich Roeger T. Marie
Frieda, geb. 8. Juli. Uneheliche T. Anna, geb. 7. Mai.
25. Juli: Dem Spengler Wilhelm Joſef Gelfius T.
Chriſtina Elſa, geb. 3. Januar.
Petrusgemeinde: 24. Juli: Dem Bankdiener
Karl Georg Emil Glock S. Auguſt, geb. 16. Mai. Dem
Schreiner Alois Fix S. Willi Albrecht, geb. 20. Juni.
Paulusgemeinde: 24. Juli: Dem Schloſſer
Friedrich Auguſt Wedel S. Friedrich, geb. 31. Mai. Dem

Gerichtsſhreibergehiſen Georg Lauber T. Ama Marie
Thereſe, geb. 26. Juni. Dem Küfer Reinhard Gelfius
T. Gottliebe Karoline, geb. 28. Juni.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 16. Juli: Bankbeamter Georg
Bickel und Emma Orbig. 17. Juli: Schreiner Andreas
Schnellbächer und Anna Benz. 23. Juli: Inſpektor des
ſtädtiſchen Hallenſchwimmbades Carl Alexander Klein
und Karoline Marie Katharine Holtz. Ingenieur zu
Achern Carl Grieshaber und Anna Dorothea (gerufen
Luiſe), Holtz. 14. Juli: Pianofabrikant Heinrich Karl=
Ludwig Arnold und Marie Helene Mattes, geb. Arnold.
16. Juli: Kaufmann Franz Eduard Röhler und Mar=
gareta
Weber.
Johannesgemeinde: 23. Juli: Bürgermeiſterei=
Sekretär Philipp Deichert und Anna Trompp von hier.
26. Juli: Profeſſor an der techniſchen Hochſchule Doktor=
Ingenieur Georg Koehler und Dorothea Rummel von
hier.
Martinsgemeinde: 25. Juli: Heizer Konrad
Ludwig Fiſcher, hier, und Eliſabethe Weißmüller aus
Bensheim. 24. Juli: Bürogehilfe Michael Fiſcher und
Marie Eliſabeth Auracher.
Petrusgemeinde: 24. Juli. Verſicherungsbeamter
Wilhelm Waſſer und Anna Luiſe Schlamp.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 18. Juli: Heinz Hans Taſche,
2 J., ſtarb 15. Juli. 23. Juli: Privatin Luiſe Frey, ledig,
81 J., ſtarb 21. Juli. 25. Juli: Witwe Berta Roſt, geb.
Roland, 56 J., ſtarb 23. Juli. 28. Juli: Werkmeiſter
Ludwig Rebſon, 61 J., ſtarb 26. Juli. 16. Juli: Wärter
im Arbeitshaus zu Dieburg Peter Ohl, 44 J., ſtarb
14, Juli. 21. Juli: Marie Hettinger, geb. Riehl, Witwe
des Reſtaurateurs Georg Hettinger, 63 J., ſtarb 18. Juli
zu Karlsruhe. 23. Juli: Eingeſegnet: Luiſe Baur, geb.
Siebert, Witwe des Steuerkommiſſärs Auguſt Baur,
81 J., ſtarb 21. Juli. 16. Juli: Schneider Chriſtian
Spiegel, 80 J., ſtarb 13. Juli. 17. Juli: Schuhmacher=
meiſter
Leonhard Stilling, 46 J, ſtarb 15. Juli. 20. Juli:
Frieda Etz, T. des Schuhmachermeiſters Friedrich Etz,
17 J., ſtarb 18. Juli. 23. Juli: Emilie Scheich, geb.
Henſſe, Ehefrau des verſtorbenen Oberleutnants Leopold
Scheich, 71 J., ſtarb 20. Juli. 24. Juli: Zimmermann
Georg Himmler, 77 J., ſtarb 22. Juli.
Martinsgemeinde: 21. Juli: Hauptſtaatskaſſe=
diener
Chriſtian Bohl, 66 J., ſtarb 18. Juli. 23. Juli:
Hofmaurermeiſter Jakob Wilhelm Mersheimer, 61 J.,
ſtarb 21. Juli. 22. Juli: Wagnermeiſter Philipp Friedrich,
74 J., ſtarb 20. Juli. 24. Juli: Dorothea Kollmer, Ehe=
frau
des Taglöhners Jakob Kollmer, 35 J., ſtarb 22. Juli.
25. Juli: Marie Schuchardt, T. des verſtorbenen Rentners
Karl Schuchardt, 47 J., ſtarb 19. Juli in Interlaken.
Friedrich Wilhelm Schubert, S. des Gefangenenaufſehers
Jakob Schubert in Butzbach, 2¼ J., ſtarb 23. Juli.
26. Juli: Katharina Blum, Ehefrau des Rohrlegers
Georg Blum, 53 J., ſtarb 23. Juli.
Paulusgemeinde: 23. Juli: Fräulein Ottilie
Wagner, 74 J., ſtarb 20. Juli. 24. Juli: Fräulein Hedwig
Wixths, 58 J., ſtarb 22. Juli.
Getaufte bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 4. Juli: Dem Fabrik=
arbeiter
Peter Anton Lenſter T. Mina, geb. 29. Mai.
9. Juli: Dem Schloſſer Friedrich Rieder S. Albert Carl,
geb. 6. Juli. 10. Juli: Dem Zuſchneider Peter Röhm
Zwillinge, T. Margaretha und Paula Kätha, geb.
5. Juli. 14. Juli: Dem Töpfer Carl Otto Lehmann S.
Walter, geb. 16. Mai. 17. Juli: Dem Sergeant Adam
Bleſſing T. Margaretha, geb. 13. Juni. 18. Juli: Dem
Schuhmacher Heinrich Ad. Füller S. Heinrich Franz,
geb. 17. Juli. 28. Juli: Dem Taglöhner Adam Summer
T. Anna Margareta, geb. 18. März.
Getraute bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 7. Juli: Landbrief=
träger
Karl Kirchner zu Friſchborn und Anna Nußbickel
dahier. 16. Juli: Mechaniker Friedrich Wilhelm Wehe
zu Köln und Antonie Gerdemann zu Griesheim.
Beerdigte bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 6. Juli: Prokuriſt
Joſeph Weckbach, 55 J., ſtarb 3. Juli. 9. Juli: Maria
Jäger, T. des Ewald Jäger, 10 J. 2 M., ſtarb 7. Juli.
12. Juli: Amalie Petri, geb. Blüm, Ehefrau des Tag=
löhners
Chriſtoph Petri, 26 J. 7 M., ſtarb 10. Juli.
Franz Seraphim Wild, S. des Joſeph Wild, 1 J., ſtarb
12. Juli. 13. Juli: Fabrikant Hermann Oskar Dubois
aus Mannheim, 48 J. 1. M., ſtarb 10. Juli. Jakob
Friedrich Kälber, S. des Kammachers Ernſt Wilhelm
Kälber zu Ober=Ramſtadt, 6 M., ſtarb 10. Juli. 20. Juli:
Heinrich Füller, S. des Schuhmachers Heinrich Füller,
1 T., ſtarb 19. Juli. Aloyſia Größmann, Ehefrau des
Grundarbeiters Georg Größmann XV. zu Pfungſtadt,
0 J. 1 M., ſtarb 18. Juli. 25. Juli: Karoline Willwohl,
geb. Merkel, Ehefrau des Kaufmanns Georg Philipp=
Willwohl, 47 J. 3 M., ſtarb 23. Juli.

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Samstag, 30. Juli.

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Seite 18

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Jnli 1910.

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Mummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Jnli 1910.

Seite 199

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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Nummer 176,

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Nummer 176.

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Jnli 1910.

Nummer 176.

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Der arme Mann im Tockenburg.)
Kennen Sie den armen Mann im Tockenburg?
hab’ ich wie oft gefragt; Männer und Frauen von
allerlei Art. Die Antwort war faſt immer: Wer iſt
das? Und doch hat man das Wenige, was wir von
ihm haben, ſeit dem 18. Jahrhundert nicht ſelten ge=
druckt
; er hat Leſer und Freunde gefunden, auch Be=
wunderer
. Immer iſt er wieder vergeſſen worden;
auf ſeinen eigentlichen Platz in unſerer Geſchichte hat
ihn noch niemand geſtellt. Darum hat es mich oft hin=
geriſſen
, in dieſer oder jener Geſellſchaft, die nichts von
ihm wußte, mit ſo viel Lobpreiſung von ihm zu ſpre=
chen
, daß ich mich hinterdrein wohl fragte: Haſt du in
deinem Feuereifer nicht zu viel geprieſen? Wenn dieſe

*) Das Leben und die Abenteuer des armen
Mannes im Tockenburg iſt der Titel eines vergeſſenen
Buches, das der neubegründete Verlag von Meyer &
Jeſſen in Berlin SW. 11, neu auflegt (Peis 2,50 Mk.),
und dem Adolf Wilbrandt dieſes ſchöne Geleitwort mit
auf den Weg gibt.

Aufgeſtachelten ihn nun leſen werden, werden ſie nicht
ſagen: nun ja, recht hübſch, aber warum übertreibt er
ſo? Dann hab’ ich wohl zu Haus den armen Mann
wieder zur Hand genommen und hier und da aufge=
ſchlagen
und gleichſam mit dem Ohr dieſer anderen
hineingehorcht. Zuletzt bin ich lächelnd beruhigt und
neu gerührt wieder aufgeſtanden. Nein! Ich ſagte
nicht zu viel von ihm. Er iſt ein Phänomen, ein Ein=
ziger
, Unvergleichlicher. Er war kein Fabulierer, kein
Fruchtbarer wie Hans Sachs; aber zehnmal mehr Poet.
In dem kleinen Schatz, den er uns hinterlaſſen hat,
ſind Perlen und Rubinen.
Ulrich oder Uli Braeker kam am 22. Dezember
1735 in dem Schweizer Tal zur Welt, das Tockenburg
oder Toggenburg genannt wird; faſt ſieben Jahre nach
Leſſing, nicht vierzehn vor Goethe. Die Geſchichte
ſeines Lebens erzählt in entzückender Aufrichtigkeit
und poeſievoller Lebendigkeit, wie er, eines ewig blut=
armen
Mannes ewig um ſein Daſein kämpfender
Sohn, Geißen weidet, liebt, tagelöhnert, webt, handelt,
träumt, lieſt, phantaſiert; kurz, wie er das Leben eines=
zum
Dichter geborenen Habenichts führt, der redlich
arbeitend, wenig erreichend, oft leichtgläubig, oft be=
trogen
, bald im Elend verzagt, bald ſich eine Welt von
Luftſchlöſſern bauend, von ſeiner keifenden Hausehre
immer gemeiſtert, nie an ſeinem Gott verzweifelnd,
ſich durch gute und böſe Jahre wie ein vielgekrümmter
Fluß durch ſein Engtal hinwindet; bis er endlich, noch
nicht 63 Jahre alt, in Gottes Schoß zurückkehrt, als
deſſen Kind er ſich ſein Leben lang in immer reinerer
und verklärterer Frömmigkeit gefühlt hatte. Als
Zweiunddreißiger begann Uli zu ſchriftſtellern,
bald auch Verſe zu machen; aber noch mehr einem mora=
liſierenden
Nachmittagsprediger gleich; 1770 fing er
an, ein Tagebuch zu ſchreiben, ſein dürftiges Leben
mit Betrachtungen zu begleiten und jenen Naturſinn
in ſich auszubilden, der allmählich ſeine ſchönſte Kraft
werden ſollte und ſein holdeſter Troſt. In ſeiner Proſa
wuchs, Gott weiß wie, dieſer ganz eigene Duft heran,
der ſeine entbauerte Seele, ſeinen geadelten Geiſt zu
den wirklichen Poeten geſellt. Er ward ein Dichter
und wußte es nicht. Er lernte ohne Lehrer ſeine Ge=
fühle
und Gedanken formen, wie der Bildner Wachs
und Ton. Als Dichter ſchrieb er auch ſein Büchlein
Etwas über Shakeſpeare nachdem er in der kleinen
Bücherſammlung der Moraliſchen Geſellſchaft (in
dem benachbarten Städtchen Lichtenſteig) dieſen ſeinen
Abgott kennen gelernt hatte, dem er fortan, wie Fauſt
der Helena Neigung, Lieb‟, Anbetung, Wahnſinn
zollte. Nicht vieles iſt ſo rührend zu leſen, wie dieſe
Ergießungen einer tief verſtehend begeiſterten, oft
feurig beredten, in demutsvoller Andacht hingegebenen
Auchdichterſeele.
Die Geſchichte ſeines Lebens, die er in den Jahren
der Reife, 1781 und weiter, ſchrieb, gab er hernach
ſeinem Seelenhirten und begönnernden Freund, dem
Pfarrer Martin Imhof zu Wattwyl, nebſt anderen
Werken ſeiner Feder zu leſen; durch Imhof kam ſie zu
H. G. Füßli, dem Inhaber der Buchhandlung Orell

Geßner Füßli und Comp. in Zürich, auch Schriftſteller,
Lehrer und Staatsmann. Füßli teilte 1788 im Schweis
zeriſchen Muſeum das erſte Probeſtück mit, das, wie
er ſelber erzählt, auch unter den verſchiedenſten Klaſe
ſen von Leſern allgemeinen Beifall fand. Man
mochte die einander ziemlich ſchnell gefolgten Fortſetz=
ungen
kaum erwarten; niemals wurde auch die ge=
ſpannteſte
Neugierde getäuſcht, und jedesmal nach dem
Verfaſſer lüſterner gemacht. Durch dieſen Erfolg eks
mutigt, gab Füßli 1789 das Ganze als Buch heraus=
unter
dem Titel: Lebensgeſchichte und Natürliche
Ebentheuer des Armen Mannes im Tockenburg. Nür
wenige Schilderungen aus dem eigenen Leben gibtes
auf der Erde, die an Friſche, Natur, Anmut, Poeſit
mit Ulrich Braekers Werk zu vergleichen ſind. Wig
er ſeine Geißhirtenjahre, wie er ſeine Liebe zu Aenns
chen erzählt, das iſt des größten Künſtlers würdige
Aber alles lebt. Alles blüht auch. Oft reißt uns eine
dramatiſche Kraft mit ſich fort. Und ein Wunderding
zum Kopfſchütteln iſt, wie ein Menſch, in dem keine
kriegriſche Ader lebte, die Lowoſitzer Schlacht beſchrie=
ben
hat, in der er (der durch Werberliſt Verlockte)
deſertiert. Faſt um dieſelbe Zeit, in der Goethes Proſ
ſich im Werther zu ihrer höchſten Jugendblüte ents
faltete, rang ſich im alemanniſchen Gebirge ein unges
bildeter Weber zu einem Schriftſteller empor, den man
ruhig neben Goethe nennen kann; ja vielleicht ſteht=
als
Proſgdichter niemand dem jungen Goethe ſo nahe
wie er=Es war eine Begabung in ihm, die man im
mer anſtaunen muß, ſchwer begreifen kann. Er hatte
alle Eigenſchaften des Dichters, nur Erfindung fehlten
von den, Tönen, die unſere ganze Natur mit Kunſt
greifen, hat ihm vielleicht keiner gefehlt. Mitten
muſenloſeſter Umgebung, in allen Bitterniſſen widen
wärtigſter Art, in ſelbſtbildender, unberatener Eins
ſamkeit, gewinnt er einen ſolchen Reichtum an Stim
mungen, Vorſtellungen, Empfindungen, einen
hohen, unzerſtörbar freudigen Lebensſinn, eine ſolche
Stufenleiter von Ausdrucksmitteln, daß man gerühnt
und beſchämt vor dieſem Naturwunder ſteht. Zuwei
len, durch irgendein angeleſenes Gefühl fortgetragen
zieht er wohl an einem fremden, kunſtmäßigen Ges
läut; im nächſten Augenblick kehrt er zur Natur zurück
Kein Menſch hat lebendiger erzählt als er. Eine der
ſchönſten Erſcheinungen in der deutſchen Literatur=
geſchichte
; eine allerhöchſte Bekräftigung und Beſtätigs
ung, daß die große Zeit unſerer Poeſie aus der Ur=
kraft
unſeres Volkes hervorgegangen iſt.
Für den hier vorliegenden Neudruck der Lebenss
geſchichte iſt eine ſo wünſchens= wie dankenswerte
Arbeit gemacht worden; die früheren Ausgaben, die
von Füßli und die von Eduard Bülow, ſind verglichen
und auseinander verbeſſert oder ergänzt worden, wo
es möglich war; da beide Herausgeber dem Urtext nicht
überall treu gefolgt ſind, ſondern mit perſönlichen
Willkür gekürzt, auch verbeſſert haben. So iſt denn
dieſe Ausgabe, wenn ſie auch nicht die verſchwundene
Urhandſchrift zugrunde legen konnte, jedem anderen
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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Nummer 176.

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ſe 176.

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am liebſten bei einem älteren Herrn. Iſt
in der Krankenpflege ſehr erfahren. Zu er=
fragen
Heidelbergerſtr. 66, I. (*18568sid
15117) Mehrere Köchinnen und Haus=
mädchen
ſuchen Stellung durch Frau
Babette Löhr, Stellenvermittlung, Hep=
penheim
a. B.
*18533) Reinl. Lauffrau ſucht Laufdienſt
f. vorm. 2 St. Zu erfr. Marienpl. 11, Hth.
18498) Frau ſucht für 2 Stunden morg.
Beſchäftigung
Marktſtr. 2, 2. Stock.

*18535) Reinl. Frau ſucht für morgens
Laufdienſt od. Aushilfe Nieder=Ramſtädter
ſtraße 31, Hinterhaus part. rechts.

*18548) Mädchen ſucht Laufdſt. von 83
Uhr Wendelſtadtſtr. 39, 1. St. rechts.

*18482) Ein in all. Arbeit bew. Mädchen
mit langj. Zeugn. ſucht Stelle in kl. ruhig.
Haush. durch F. Cronert, Stellenb,, Mühlſtr. 23.

*18595) Stellen ſuchen: 20jähr. Mädchen
bis zum 15. Auguſt und jüngere. Frau
Scheid, Stellenbureau, Dieburgerſtr. 32.

*18575) Junge gut empf. Frau ſucht Lauf=
dienſt
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geſetzten Alters, mit guter Handſchrift und
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zu übernehmen. Kaution kann geſtellt wer=
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dieſes Blattes.

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Junge Schule irgendw. Beschäftigung.
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B15116) Für einen
Lehrling
der 2¼ Jahre im Büro eines Rechtsan=
waltes
gelernt, aus Mangel an Arbeit aber
entlaſſen worden iſt, ſuche ich paſſende
Stellung. Gutes Zeugnis vorhanden.
Flöel, Pfarraſſiſtent, Hofgartenſtr. 8.
mere
Stenotypiſtin
peinlich genau und zuverläſſig arbeitend,
mit längerer Maſchinenpraxis, zum ſofortig.
Eintritt ſucht
(*18320dsi
Karl Bäumer, Alexanderſtraße 9.
Für 1. September mehrere tüchtige
Arbeiterinnengeſucht.
15118so) Konfektion, Kirchstr. 21.

Lehrmädchen
für Vervielfältigung und Schreibmaſchine
bei ſofortig. Vergütung ſucht (*18321dsi
Karl Bäumer, Alexanderſtraße 9.

14627a) Brav. Mädch. m. gt. Zeumn-
f
. id. Zeit paſſ. Stellen durch Frau Hahn=,

Lehrmädchen gesucht
aus achtbarer Familie. Marie Weygandt,
Hoflieferantin, Wilhelminenſtr. 9. (14483a
aus guter Familie
Lehrmädchen geſ. Damenkonfektion
Kranichſteinerſtraße 57.
(*18389sm

Lehrmädchen geſucht
Modes: 18504) Hochſtr. 23, I

Putz.

Mehrere Verkäuferinnen, ſowie
Modistinnen ſucht per 1. September

14707sss)

Kdol Geiger.

14708sss) Für eine Filiale ſucht ein Kurz=
und Modewarengeſchäft
mehrere Verkäuferinnen
per 1. Oktober. Seitherige Tätigkeit, ſowie
Gehaltsanſprüche erbitte unter Offerte F41
an die Expedition d. Bl.

Jüngeres
braves Dienſtmädchen
zum 1. Auguſt geſucht. Näheres
Expedition.
(14831t

*18336dfs) Mädch. m. gut. Zeugniſſen zu
ein. jüng. Ehepaar, zu zwei älteren Leuten
zu ein. Dame, bürg. Köchin z. 1. Auguſt geſ.
Frau Neßling, Ludwigſtraße 8.

verfekfe Kochin
in guten Haushalt ſofort geſucht. Näh.
Expedition.
(15001soim

*183951s) Fleißig., unabh. Mädchen für
vor= und nachmittags bei gutem Lohn
alsbald geſucht Rheinſtraße 14, 1. Stock.

*18215ms) Solides Dienſtmädchen geſ.
Viktoriaſtraße 52, 1. Stock.

14842ms) Geſucht zum 1. Oktober für
Darmſtadt zu zwei Damen bei hoh. Lohn
älteres Alleinmädchen
das ſchon in guten Häuſern gedient hat,
ſelbſtändig kocht, alle Hausarbeit u. etwas
bügeln verſteht. Zeugniſſe, Gehaltsanſprüche,
wenn möglich Photographie, einzuſenden u.
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Beſſeres Mädchen
oder einfache Stütze wegen Verheirat. des
jetzigen in ruh., feinen Haushalt, welches
gut bürgerlich kochen kann und Hausarbeit
übernimmt, zum 1. Okt. geſ., von Frau Ing
W. Schöller, vorläuf. noch Saalbaustr. 60. (15011si

*18445) Zum 1. Aug. wird eine zuverläſſſ.
ſleißige und ſaubere Perſönlichkeil
geſucht, die von ½ 8 Uhr morg. bis 3 Uhr
nachmittags den Haushalt (einſchließlich
Kochen), für zwei ältere Damen beſorgen
kann. Nur ſolche, die prima Zeugniſſe
nachweiſen können, wollen ſich melden
Heerdweg 86, parterre. Ein jüdiſches, älteres Mädchen
Mädchen
das kochen kann u. alle häusliche Arbeiten
verſteht, zu einer älteren Dame per ſofort
geſucht. Offerten unter 6 48 an die
(*18450
Expedition dieſes Blattes. *18451) Junges, ſaub. Dienſtmädchen
geſucht Mollerſtraße 27, 3. Stock. Köchinnen, Kinder,
Suche Haus= u. Alleinmäd=
chen
ſofort u. ſpäter. Frau Weissmantel,
Arbeitsnachweis, Eliſabethenſtr. 37. (*18554 od. Mädchen morgens
Reinliche Frau 2 St., mittags 1 St. ge=
ſucht
Markt 1, I. St. Vorzuſtellen nür
(*18567
mitttags. *18471) Zuverläſſige Lauffrau für vor=
mittags
2 Stunden geſucht. Näh. Rhein=
ſtraße
37, Kolonialwarenh. *18462) Tüchtiges beſſeres Mädchen in
kleinen Haushalt geſucht. Zu erfragen in
der Expedition. *18463) Beſſeres Mädchen zum Warten
eines Kindes und für leichte Hausarbeit
tagsüber geſucht Rhönring 43, 2. St. (*18536) Junges ſauberes Mädchen
tagsüber für leichte Hausarbeit geſucht
Grafenſtraße 8, 3. Stock. für ſofort geſucht
Ein Laufmädchen
(*18525
Heidelbergerſtraße 4, 1. Stock. *18532) Ein Mädchen für einige Stund.
des Vor= und Nachm. per 1. Aug. geſucht
Neue Ireneſtraße 12, parterre. *18487sm) Tücht. braves Dienſtmädchen
bei gutem Lohn zum 1. September geſucht
Soderſtraße 95, 2. Stock. *18594) Schik. Servierfrl. ſof. geſucht, g.
Stelle Dieburgerſtr. 32, Fr. Scheid. zum 1. Auguſt, 1. Sep=
Stellen ſinden: tember, 1. Oktober Haus=
mädchen
, Alleinmädchen, die koch. k., jüng.
Nädchen nach auswärts. Näheres Frau
(*18553
Frank, Schulſtraße 9.

Ein Kindermädchen
(15673
für tagsüber geſucht.
Näh. Wilhelminenſtraße 17½, 2. St.

[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Inli 1910.

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[ ][  ][ ]

Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

Nummer 176.

Gekochtes Obſt iſt wichtig für die Ernährung
und ſollte jetzt aufkeinem Tiſch fehlen. RoteJohaunis=
beeren
und Himbeeren, welche ſehr gut zuſammen paſſen
und jetzt reichlich vorhanden ſind, ſchmort man und ſer=
viert
dieſelben mit einem Flammeri aus
Rondamin und Vollmilch.
Ein gleich verlockendes Sommergericht iſt ein
Mondamin=Fruchtflammeri. Man nimmt ſtatt
Milch den friſchen Fruchtſaft.
Man erhält 1 Liter Obſtſaft aus 1 Pfund Obſt, das man mit
wenig Waſſer ſchmort, kocht dann kalt angerührte 70 g Mondamin
hinein, 3 Mimten lang, nicht 10 Mimten, wie bei der Milch.
K13792.58
Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
Drei Notizen. 1½ Millionen Mark für ein Bild.
Die Ringkämpfe. Ueberfüllte Krankenhäuſer. Das
Jubiläum der Charité. Vor 200 Jahren und heute!
Die bevorſtehenden Univerſitätsfeierlichkeiten.
Spaltungen. Ein Studentenheim.
Drei knappe Zeitungsnotizen beleuchte=
ten
dieſer Tage in recht merkwürdiger Weiſe beſtimmte
Verhältniſſe in Berlin. Das hervorragende Werk des
Hugo van der Goes, eine Anbetung der drei Könige
darſtellend, iſt für 1458 000 Mark für das Kaiſer
Friedrich=Muſeum ängekauft worden. Der Ber=
liner
Polizeipräſident hat alle Ringkampfvorführungen
bis auf weiteres unterſagt, da es gelegentlich derſelben
zu erregten Auftritten gekommen! Eine Mutter,
die ihr ſchwererkranktes Kind in einem der im Norden
der Stadt gelegenen Krankenhäuſer unterbringen
wollte, wurde überall wegen Ueberfüllung abgewieſen;
das Kind ſtarb am folgenden Tage. Einem ſpäteren
Sittenſchilderer unſerer Zeit werden dieſe drei kurzen
Mitteilungen wichtiges Material zu näheren Betrach=
tungen
über die deutſche Reichshauptſtadt und deren
Bevölkerung im Beginn des 20. Jahrhunderts dar=
bieten
!
Faſt 1½ Millionen Mark für das Bild
eines altniederländiſchen Meiſters, der in
unſeren Galerien ſchon vertreten und der, wenn er
auch zu den Großen und Seltenen gehört, doch nicht
eine ſo enorme Summe für eins ſeiner Werke recht=
fertigt
! Zumal jetzt, wo wir wahrlich nicht in Gold
plätſchern und von oben her immer von neuem zur
größten Sparſamkeit gemahnt wird. Damit der ernſten
Sache nicht der Humor mangelt, erfährt man, daß das
Gemälde noch immer in einem ſpaniſchen Kloſter hängt
und ſich ſeiner Auslieferung erhebliche Schwierigkeiten
entgegenſtellen, obwohl der Verkauf klipp und klar ab=
geſchloſſen
, ja, daß vielleicht wegen Einſpruchs der ſpa=
niſchen
Regierung aus dem Ganzen nichts wird, zum
lebhaften Bedauern unſerer Muſeumsverwaltung=
Letztere ſcheint doch nicht recht über die Stimmung in

weiteren Volsſchichten unterichtet zu ſein, daß ſe mit
dem Geld wirtſchaftet, wie in dieſem Falle. Gewiß hat
fie die Pflicht, die Sammlungen möglichſt zu vervoll=
ſtändigen
, aber es gibt ſchließlich eine Grenze, die von
ſelbſt gezogen wird. Setzt man ſich über ſie hinweg, ſo
kann leicht das Gegenteil des erſtrebten Zweckes ein=
treten
. Die Volksſeele empfindet ſehr fein, was ange=
bracht
und nicht angebracht iſt; die auch der Kunſt ſo
notwendigen Sympathien können unter Umſtänden in
Abneigung oder gar Feindſeligkeit umſchlagen. Und
gewiſſe neuere Ankäufe des genannten Muſeums ſind
bereits ſo vielen und unerfreulichen öffentlichen Er=
örterungen
ausgeſetzt geweſen, daß eine Fortſetzung
derſelben, ſchon im Intereſſe des Anſehens des
Muſeums, wirklich nicht zu wünſchen iſt!
Natürlich wird einem von der Muſeumsſeite ent=
gegengehalten
werden, welch beſondere Aufgaben die
Kunſt zu erfüllen hat und wie ſie in hohem Grade ver=
edelnd
wirkt! Na, bei einem Teil unſeres Großſtadt=
publikums
hat man davon bisher verflixt wenig ge=
merkt
! Siehe obige polizeiliche Bekanntmachung! Dem
Polizeipräſidenten gebührt aufrichtiger Dank. Die
Szenen, die ſich vſt unter den Zuſchauern und leider
auch Zuſchauerinnen bei derartigen Ringkämpfen,
die in der letzten Woche hier überhand genommen, ab=
ſpielen
, ſind ſkandalöſer Art. Kürzlich wurde in einem
nahe dem Tiergarten an der Spree gelegenen Lokal nach
einem der unentſchiedenen Kämpfe von der unzu=
friedenen
Menge alles zertrümmert, was nicht niet=
und nagelfeſt war, die Polizei mußte energiſch ein=
ſchreiten
, es gab eine Anzahl Verwundeter. Bei
dieſen Bleſſierten, die in der nächſten Unfallſtelle
Hilfe ſuchten, erinnert man ſich des treffenden Wortes
eines Leipziger Profeſſors, bei dem einſt ein Student
mit einem ausgerenkten Arm erſchienen. Wie haben
Sie denn das bloß angeſtellt? fragte der Arzt. Ach,
wir haben geſtern abend dem Sänger T. die Pferde
ausgeſpannt und zogen den Wagen nach ſeinem Hotel.
Bitte, meinte der Profeſſor, gehen Sie ein paar
Häuſer weiter, dort wohnt ein Tierarzt!
In Berlin hätte der betreffende Student, falls er
ein Krankenhaus aufgeſucht, wahrſcheinlich gar keine
Gelegenheit gehabt, ſeine Erkärung abzugeben, man
hätte ihm ſchon am Portal bedeutet, daß er gefälligſt
draußen bleiben möchte, es wäre kein Plätzchen frei!
Die Zuſtände auf dem Gebiete der öffentlichen
ſtädtiſchen Krankenpflege ſind Berlins nicht
würdig, hier müßte ſehr bald energiſch Wandel ge=
ſchaffen
werden. Ohne Frage hat in den letzten Jahren
die Stadt viel auch in dieſer Hinſicht getan, aber es war
auch ſehr viel nachzuholen und die Lücken ſind noch
nicht ausgefüllt. Daneben ſcheint es mit der inneren
Verwaltung der einzelnen größeren Krankenhäuſer
nicht recht zu klappen; immer wieder hört man von
unliebſamen Vorfällen, die ſich auf Verpflegung, Dis=
ziplin
, Klatſch und Tratſch erſtrecken und beunruhigend
wirken.
Anders in der Königlichen Charité, die.
unter ſicherer und erpobter Leitung ſtehend, jetzt auf
zwei Jahrhunderte ſegensvoller Tätigkeit zurückblickt.
Aus dieſem Anlaß ward im alten Hauptgebinde der
Rieſenanlage eine intereſante Ausſtellung veranſtaltet,
die allerhand Wichtiges in geſchichtlicher Beziehuna ver=
eint
, vor allem die Bildniſſe der bedeutenden Aerzte.
die in der Charits gewirkt. Letztere wurde 1710 als
Peſthaus gegründet, ſpäter, nachdem die Peſtgefahr

vorüber, als Hoſpital und Arbeitshaus verwendet, B
1726 durch Friedrich Wilhelm I. ihre Umwandlung
ein allgemeines Krankenhaus, mit welchem zuglei
eine Schule für Aerzte und Wundärzte verbund
wurde, erfolgte. Das tat ganz beſonders not. Wie
aus einem Bericht des erſten ärztlichen Direktors
Charité, des Königl. Feld=Medikus Dr. Ilter, erſehl
lag die chirurgiſche Kunſt ſehr im Argen und die Ae
unternahmen nur höchſt ungern eine Operation:
her geſchah es denn, daß ein verwegenes Geſindel v5
herumſtreichenden Marktſchreiern, in mehrerer Abſich
die Leute um Geld zu ſchneuzen, als ſie gründlich
kurieren, die ſchwereſten und künſtlichſten Operatione
gleichſam erblich an ſich gebracht: und obgleich zuweile
augenſcheinliche Mordthaten von dieſen gewifſenloſs
Leuten begangen wurden, ſo waren ſie doch gleichſan
hierzu berechtigt, indem die Chirurgi ſich nichts
traueten, Hand anzulegen. 1785 wurden in
Charité ſchon 3000 Kranke reſp. Hoſpitaliten verpfle
man erfährt, daß die Kur der Kranken von zween Pes
ſionären und ſechs Feldſcherern beſorgt wird, welds
letztere beſtändig im Hauſe gegenwärtig ſind. Indelſt
Apotheke iſt ein Proviſpr. Die Arzneien werden auli
der Hofgpotheke unentgeltlich geliefert. Die Speiſen
für die Kranken und Geneſenden beſtimmt der Anlſi
Heute verfügt die Charité über 1500 Betten, 1250
Kranke wurden im letzten Jahre aufgenommen, übe
100 Aerzte ſtehen fortgeſetzt im Dienſte der Leidende
das Pflegeperſonal beſteht aus 377 und das ſtändig
Verwaltungs= und Hausperſonal aus zirka 300 Köpfel
während ſich die Ausgaben im letzten Rechnungsjah
auf über 24 Millionen Mark beliefen!
Großen Jubiläumsfeierlichkeiten ſieht unſere
verſität entgegen, in der nach allerhand umſtänd
lichen Vorverhandlungen und ſchwierigen politiſcht
unpolitiſchen Kämpfen am 15. Oktober 1810 die Voll
leſungen eröffnet wurden. Es iſt betreffs der Bettillel
gung an den verſchiedenen feſtlichen Veranſtaltung
zu recht bedauerlichen Gegenſätzen zwiſchen den Mils
gliedern der Freien Studentenſchaft und den farben
tragenden Studenten gekommen, da ſich erſtere zurücs
geſetzt fühlten und gleiches Recht für alle fordertell
Von erſterer Seite war bereits eine große Proteſtucks
ſammlung für den Jubiläumstag beſchloſſen worden
glücklicherweiſe wird dieſe infolge gütlicher Beſprechuns
gen nitch ſtattfinden, dagegen planen die Inkorporiertei=
eine
eigene Feier für den 12. und 13. Novemhel
Hoffentlich kommt noch rechtzeitig eine Einigung Zu
ſtande, um die Zwiſtigkeiten aus der Welt zu ſchaffen
ſo tiefgehend dürften die Meinungsverſchiedenheiten
nicht ſein, um nicht bei einigermaßen gutem Willeitl
überbrückt werden zu können. Während die Studenten
ſchaft im Hader liegt, iſt eine vor wenigen Wochen hai
gründete Vereinigung der Freunde der Univerſität
5
beſtrebt, die Mittel für ein =Studentenheimau
ſammenzubringen. Dieſes ſoll den Studierenden fühllliter günſt
ihre Freiſtunden zur Verfügung ſtehen, gute und billige Das
Verpflegung bieten, die geeigneten Aufenthaltsräumenſſt dere Geſ.
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wird gewiß auch den engeren Zuſammenſchluß dar
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Studentenſchaft günſtig beeinkluſſen. Eine derartint
Stiftung verdient warme Sympathien; das Komitehl
dem auch zwei Damen angehören, gedenkt die erfordeſt
lichen Mittel etwa 1½ Milionen Mark, alſo ſopieht
wie der neue Hugo van der Goes koſten ſoll bis zum
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Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 30. Juli 1910.

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Verloren:
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nach Völlenfaltor ein filbernes Armband
mit länglich grünem Stein. Abzugeben
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Entflogen
ein Kanarienvogel. Abzugeben gegen gute
Belohnung Moosbergſtraße 51. (B15095

(*18470

Merer eltuſeg.
Auf den Namen Schuft hörend. Gegen
Belohnung abzugeben Schuchardſtraße 10.

Programm
zu dem am Samstag, den 30. Juli,
von 121 Uhr vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle des Großh.
Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61.
1. Armeemarſch Nr. 7 (I. Bat. Garde).
2. Ouvertüre Deutſche Burſchenſchaft von
H. Weidt. 3. Fantaſie über Italieniſche
Melodien von A. Schreiner. 4. Dollar=
Walzer aus der Operette Die Dollar=
prinzeſſin
von L. Fall. 5. Man ſteigt
nach‟ Duett aus Die geſchiedene Frau
von L. Fall. 6. Zwei Märſche: a) Sans=
ſouci
von M. Ferroni; b) Im wunder=
ſchönen
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aus guten Stoffen, schöne mo-
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Batistkleider, etwas trüb
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M. 150. bis 300., jetzt M. 75150.
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Ein großer Posten hocheleg. schwarzer
Kostümröcke aus reinwollenem Tuch,
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gefüttert, auf das eleganteste garniert,
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Posten früher M. 65. bis 125.
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Röcke regul. Verkaufsw. M. 5.50 bis 35. M. 3. bis 15.
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Ein großer Posten eleganter wollener
Faconblusen mit eleganten Garnier-
ungen
, regulär. Verkaufswert M. 15.
bis 25. . . jetzt M. 10. u. 12.

Batist-Blusen

Bei allen hier annoncierten Batistblusen
ist der als früher angegebene Preis
schon billiger als der reguläre Wert.
Die jetzigen Ausverkaufspreise sind
außergewöhnlich niedrig angesetzt.

Ein großer Posten weiher handgestickter
Pariser Blusen weil etwas trüb
jetzt M. 1.
Ein großer Posten halsfreier Batistblusen
mit Pierrettekragen u. bunten Stickereien
früher M. 6.50 jetzt M. 3.50
Ein großer Posten halsfreier Batist- und
Stickerei-Blusen. Regulärer Verkaufswert
M. 7.50 bis 9.50 jetzt M. 4.50 u. 5.50
Ein großer Posten Batist- und Stickerei-
Blusen mit Stehbund, schön garnierte
Fagons, früher bis M. 6.50
jetzt M. 2., 2.50, 3.
Ein großer Posten Matrosen-, Stickerei u.
Zephirhemdenblusen . . jetzt M. 2.
Ein großer Posten schwarzer Satinblusen
mit Stickerei. . . . . jetzt M. 3.
Ein großer Posten eleg. Batist-, Stickerei-
u
. Crèpon-Blusen früher M. 7.50 und 8.50,
die Créponblusen haben bis M. 15. ge-
kostet
. . . . . . . jetzt M. 4.50
Ein grosser Posten eleganter Stickerei- u.
Batistblusen mit großer Handarbeitspasse,
zurückgesetzt auf M. 13.50 jetzt M. 8..
Eingroßer Posten eleganter Hemdenbatist-
blusen
in elegantester Ausführung
jetzt M. 5., 7.50
Ein großer Posten eleganter farbiger
Batistblusen. Regul. Verkaufswert M. 5.50
bis 23.50 . jetzt M. 3., 5., 7.50
Ein großer Posten hocheleg. handgenähter
u. handgestickter Pariser Blusen
außergewöhnlich preiswert!

Weisse

Leinenpalekots

Miemals wieterkehrente Gelegenhelt
Ein großer Posten weißer Halbleinen-
paletots
105/110 cm lang, reich mit Ein-
sätzen
garniert. Regulärer Verkaufswert
M. 9.
. . jetzt M. 5.50
Ein großer Posten weißer Halbleinen-
paletots
100/120 cm lang, reich garniert
mit eleganten Einsätzen und Kurbel-
stickereien
. Regulärer Verkaufswert
M. 12. bis 15. . . jetzt M. 6.50


Nſag Craaft

Ein großer Posten weißer Halbleinen-
paletots
mit ganz reicher Stickerei, hoch-
elegant
garniert, früher M. 19. bis 21.
jetzt M. 9.50

Storia-,

Bastseidene

u. Stoffmüntel

Ein großer Posten Bastseidene Paletots
aus deutscher Bastseide. Regulärer Ver-
kaufswert
M. 29. . jetzt M. 13.50
Ein großer Posten Gloria- u. Taffet-Mäntel
in allen Farben, schöne moderne Fagons.
Regulärer Verkaufswert M. 29
jetzt M. 13.50
Ein großer Posten Staub- und Regen-
mäntel
aus imprägnierten Stoffen
jetzt M. 6., 9.
Ein großer Posten weiß. Cheviot-Paletots
früher M. 15. bis 29.
jetzt M. 7.50 und 10.
Ein großer Posten gestrickter Golfjacken
in allen Farben . weit unter Press
Ein großer Posten eleganter Tuchpaletots
aus reinwollenem Tuch in lila, fraise, grau,
beige, mit den elegantesten Stickereien
garn., regul. Verkaufswert M. 30. bis
55. . . . . jetzt M. 13.50, 15.
Ein großer Posten hocheleganter Tuch-
Kimonos aus reinwollenem Tuch in nur
modernen Farben; auf das eleganteste
garniert und ausgestattet, regulärer Ver-
kaufswert
M. 20. bis 50.
jetzt M. 7.50, 13.50, 15.
Ein großer Posten schwarzer Spitzen-
mäntel
, früher M. 72 bis 100.
jetzt M. 30. bis 50.
Ein großer Posten schwarzer Taffet-
jacketts
in elegantester Ausführung, regu-
järer
Verkaufswert M. 45. bis 80.
jetzt M. 25. bis 40.
Ein großer Posten Pelz-Mäntel vom letz-
ten
Winter, darunter Persianer Jacketts,
weit unter Preis.

Morgenröcke und

Matinees

Ein großer Posten eleganter wollener
Morgenröcke, nur hochmoderne Facons
dieser Saison, reg. Verkaufswert M. 11.
jetzt 8. bis 30.
bis 51.
Ein großer Posten eleganter Matinées,
regulärer Verkaufswert M. 13.50 bis 23.50
jetzt 7.50 bis 15.

Anterröcke

Ein großer Posten Waschröcke mit ele-
ganten
Volants, in allen Farben, früher
M. 3. bis 6.
. jetzt 2.50, 3.
Ein großer Posten Stoff-Unterröcke in
allen Farben, mit Sammetblende gar-
niert
, regulärer Verkaufswert M. 5.50
jetzt M. 4.25
Ein großer Posten Stoff-Unterröcke in
allen Farben, mit schön garniert. Tressen-
Volant, regulärer Verkaufswert M. 6.
jetzt M. 4.50
Ein großer Posten Stoff-Unterröcke mit
breitem Sammet-Volant, 9mal mit breiter,
schwarzer Tresse garniert, regulär. Ver-
kaufswert
M. 7.75 . . jetzt M. 5.75
Ein großer Posten Unterröcke in allen
Farben, aus Alpacca, Moiré, Seidentrikot,
Taffet, Crépon, regulärer Verkaufswert
M. 5.50 bis 45. jetzt 3.50 bis 30.

Frankfurk am Main
Zeil 54, neben d. Hauptpost

Grosstes Spezialſaus Frankfurts für Damenkonfektion.

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