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rmatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
aus=
ärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
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hriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
173. Jahrgang
en Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
tgan für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Ds 175.
Freitag, den 29. Juli.
1910.
Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ie heutige Nummer hat 14 Seiten.
Probleme der Weltpolitik.
II.
Leeutſchland — der Schützer bedrohter Selbſtändigkeit.
DB. Sind der deutſchen Weltpolitik die Richtlinien
brgezeichnet durch das wirtſchaftliche Bedürfnis nach
ſſiem Wettbewerb auf dem Weltmarkte auf dem Boden
e Gleichberechtigung, ſo ergibt ſich daraus als die
natür=
che Folge, daß Deutſchland ſein Augenmerk darauf
rich=
it muß, die Durchbrechung dieſer internationalen
Gleich=
lbrichtigung durch die Monopolſtellung der einen oder
an=
irin führenden Wirtſchaftsmacht im Gebiete eines an=
Uhrn Staates zu verhüten. Deutſchland treibt die Politik
r offenen Tür — es iſt der berufenſte Hüter der offenen
Eif. Dieſe ſeine weltpolitiſche Rolle wird nicht nur für
utſchland ſelbſt, ſondern auch für jene Länder, auf
ſſirn Boden andere Staaten nach überragendem Einfluß,
ſlich wirtſchaftlicher Monopolſtellung und politiſcher
Vor=
ſſacht ſtreben, um ſo wichtiger, je mehr jene anderen
Be=
ſſebungen hervortreten.
In überſchwenglichen und von gar zu durchſichtiger
ſiechnung diktierten Artikeln der Londoner Preſſe wurde
lſiiſer Wilhelm II., als er zur Beiſetzung ſeines könig=
Uhen Oheims in England weilte, die Erbſchaft der „
Welt=
lfiedenspolitik” des ſiebenten Eduard angetragen. Man
ſetkte die Abſicht und hatte Mühe, nicht verſtimmt zu
ſſeiden. Denn was man in Deutſchland unter der Politik
s ſiebenten Eduard zu verſtehen Veranlaſſung hatte,
ſichke ſich nicht gerade mit jenen Weltfriedens=Idealen,
ſe man in der engliſchen Preſſe glaubte aufſtellen und
im zuſchreiben zu können. Auch vor kurzem noch haben
ſir ja aus amtlichem engliſchen Munde vernommen, daß
kan unter dem Schlagwort „Wahrung des
Weltfrie=
ens” das Verlangen verſteht, daß Deutſchland ſich zur
ſte- wehrlos mache! Selbſtverſtändlich können wir nicht
r idieſem Sinne das Programm der engliſchen Politik
barnehmen und fortführen; wohl aber hat Deutſchland
nganderer Art ein Erbe der britiſchen Politik anzutreten
llegonnen: Früher war England als das klaſſiſche Land
Ae:: Freihandels der Prophet und der Hüter der offenen
tüer — jetzt ſchickt es ſich nicht nur an, mit dem Freihandel
urbrechen, ſondern es hat auch längſt mit der Politik der
ffenen Tür gebrochen. Am Rande bemerkt, ſind „
Frei=
landel” und „Offene Tür” keineswegs gleichbedeutend:
die Politik der offenen Tür iſt ſehr wohl vereinbar mit
iner Schutzzollpolitik, ſofern dieſelbe nur den Grundſatz
er allſeitigen Gleichberechtigung wahrt.
England für ſein Teil hat die Politik der offenen Tür
rſetzt durch die Politik der Intereſſenſphären, in denen es
ine Monopolſtellung beanſprucht. Durch den langjährigen
bampf um die deutſch=engliſche Gleichberechtigung im
hangtſetale, das England als britiſche Intereſſenſphäre
u behandeln ſich ſo ſehr angelegen ſein ließ, haben wir
Aazur Genüge erfahren, wie es um dieſe
Ausſchließungs=
ol itik beſtellt iſt. Mit dem Uebergang Englands zur
Po=
itik der Intereſſenſphäre iſt Deutſchland zu dem
berufen=
en Hüter der offenen Tür geworden.
Kraſſer noch als England ſelbſt betreiben ſeine
Ver=
fündeten die Ausſchließungspolitik, wobei Großbritan=
Aſien ſie durchaus unterſtützt — natürlich nicht, ohne ſich
einterſeits ſchadlos zu halten. Die Ausſchließungspolitik
trachtet England eben in erſter Linie als gegen den
äſigen deutſchen Wettbewerber gerichtet; und weil ſie
ſieſem die Möglichkeit der wirtſchaftlichen Expanſion
be=
chrieidet, heißt man ſie — kurzſichtig genug! —
willkom=
nen, ohne zu bedenken, daß die beſtändig wachſende
ſeutſche Volkskraft, wenn man ihr das Betätigungsfeld
uf dem Weltmarkte gar zu ſehr einengt, eines Tages mit
Axploſiver Kraft ein Ventil ſuchen und unwiderſtehlich auch
Achaffen müßte! — England hat ſeinerzeit Frankreich
ge=
ltattet, in Marokko die Politik des Türſchließers zu
trei=
llen; und es hat mit Rußland gemeinſam die gleiche
Po=
itik in Perſien getrieben. Gegenwärtig ſieht es mit einem
ſeiteren, einem naſſen Auge zu, wie Rußland und Japan
zerneinſam im nördlichen China dasſelbe Spiel treiben.
Allerorten, wo auf dieſe Weiſe die Politik der offenen
Nür über den Haufen geſtoßen wird, wo dieſe oder jene
Nacht ſich eine monopoliſtiſche Vormachtſtellung zu ſichern
trachtet, wo die Selbſtändigkeit derjenigen Staaten, die
dert Schauplatz hierfür abgeben müſſen, bedroht wird,
lau=
en die auf weltwirtſchaftliche Gleichberechtigung
abzielen=
den Intereſſen Deutſchlands parallel mit den Intereſſen
der betroffenen Staaten, die ſich in ihrer Selbſtändigkeit
und in der Möglichkeit, den internationalen
Wettbewer=
bern zum eigenen Beſten die wirtſchaftspolitiſche
Gleich=
berechtigung einzuräumen, bedroht ſehen. So wird
Deutſchland zum ehrlichen Freund und Beſchützer
bedroh=
ter Selbſtändigkeit und übernimmt auch in dieſer
Be=
ziehung eine Rolle, die England früher beſſer zu mimen
wußte, als es ſie ehrlich durchführen wollte.
Es iſt ein großer und in ſeinen Kräften ſehr
entwick=
lungsfähiger Anhang, den Deutſchland ſich in der Welt
zu erwerben vermag, wenn es mit zielbewußter
Konſe=
quenz dieſe Politik durchführt. Wohl hat es an dieſer
Konſequenz — wie vor allen Dingen das Beiſpiel von
Marokko lehrt — in manchmal bedenklicher Weiſe gefehlt;
aber noch iſt nicht alles darangegeben, und die
Lebens=
intereſſen der weltwirtſchaftlichen Entwickelung
Deutſch=
lands müſſen es immer wieder auf den Weg zu dieſer
Politik zurückführen. Der noch unabhängige, aber in
ſei=
ner Selbſtändigkeit bedrohte Teil der mohammedaniſchen
Welt mit ihren vielfach ſchlummernden, aber zu ſehr
kräf=
tiger Entwickelung durchaus befähigten Kräften, auch ein
großer Teil der aſiatiſchen Welt, von deren Kräften das
Gleiche gilt, kann bei der Durchführung dieſer, dem
heu=
tigen Deutſchland geradezu vorgeſchriebenen Politik ſtarke
und notwendige Gegengewichte gegen das drohende
Uebergewicht dieſer oder jener Macht und ihrer politiſchen
Tendenz bilden.
Je mehr ſelbſtändige Exiſtenzen unter den Staaten
und Nationen vernichtet werden, um ſo ſchwerer bleibt
das Gleichgewicht zwiſchen denjenigen Mächten zu
erhal=
ten, von denen jene Exiſtenzen verſchluckt werden.
Deutſch=
land erfüllt die ihm in ganz anderer und nichts weniger
als ehrlicher Abſicht zugeſchriebene Weltfriedensmiſſion
am beſten, wenn es die Sorge dafür wach hält, daß die
übermächtigen und dadurch für den Weltfrieden ſo
gefähr=
lich zu werden drohenden Kräfte anderer Staaten immer
wieder gebunden werden durch das Vorhandenſein, durch
die Erhaltung und durch die innere Stärkung
ſelbſtän=
diger Gegengewichte! Ein ſeine Kräfte voll entfaltendes
Marokko, Perſien, Türkenreich, China, Südamerika —
alle dieſe Länder in innerlicher Erſtarkung: ſie werden den
Weltfrieden nicht bedrohen, ſondern ſie werden ein
drohen=
des Uebergewicht Englands oder Japans, der Vereinigten
Staaten oder Rußlands oder auch Frankreichs ausgleichen
und binden und dazu beitragen helfen, daß keine jener
Mächte ihre Monopolſtellung in einer für die Intereſſen
der deutſchen Wirtſchafts=Expanſion unerträglichen Weiſe
ausdehnt oder ihre politiſchen Expanſionsgelüſte bis
zu einem frivolen Kriege ſich auswachſen läßt!
Art. Dix.
Soziale Koloniſation und ſoziale Luzusarbeit zur
Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit.
B. Der Gedanke einer das ganze Reich umfaſſenden
Arbeitsloſen=Verſicherung iſt nach den verſchiedenen
An=
ſätzen in der Praxis und den Erörterungen in der Preſſe
in der letzten Zeit etwas mehr in den Hintergrund
getre=
ten, da die Schwierigkeiten zu groß, und die erforderlichen
Summen zu hoch ſind, und es außerdem unſerem
ratio=
nellen Empfinden widerſpricht, ſo gewaltige Summen für
die Unterhaltung von geſunden Arbeitskräften
auszuwer=
fen, „die ſich nicht betätigen, ſondern ſtatt neue Werte zu
ſchaffen, nur vorhandene Werte aufzuzehren verdammt
ſind”, wie die Soziale Praxis in einem Artikel ihrer
dem=
nächſt erſcheinenden Nummer, der ſich mit dieſer Frage
be=
ſchäftigt, ſagt. Zu löſen iſt die Frage der Arbeitsloſigkeit
offenbar nur durch die Erfüllung der alten Forderungen,
den Arbeitsloſen Arbeit zu ſchaffen, wenn auch mit
an=
deren Mitteln als früher, und obgleich die ſogenannten
Notſtandsarbeiten, die vielfach von den Kommunen zur
Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit ausgeführt werden, ſich
als ſehr teuer und unwirtſchaftlich bewieſen haben.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Unterſtützung der
Arbeitsloſen alljährlich ganz gewaltige Summen von
Sei=
ten des Staates, der Kommunen, wie auch ganz beſonders
von Seiten der Gewerkſchaften verſchlingt, die ihre
Or=
ganiſationen hier vielleicht zum erſten Male in den Dienſt
einer wirklich ſozialen Aufgabe geſtellt haben. Dieſe
Kräfte und dieſe Summen gilt es, zuſammenzufaſſen, um
den Arbeitsloſen in den ſchweren Zeiten der
Arbeitsloſig=
keit das zu geben, was ſie brauchen und wonach ſie
ver=
langen, nämlich Arbeit, ſtatt einer doch faſt immer als
Almoſen empfundenen Arbeitsloſen=Unterſtützung. Dieſes
Ziel muß ſich erreichen laſſen, wenn man bedenkt, daßses
an Arbeit bei uns wirklich nicht fehlt, und Staat und
Kommunen nur zu oft genötigt ſind, aus Mangel an
Geld und Arbeitskräften derartige Arbeiten zurückzuſtellen.
Beſitzt doch Deutſchland gegenwärtig allein noch etwa
4= bis 500 Quadratmeilen Moor und ſonſtiges Urland,
die durch geeignete Meliorationsarbeiten in vielfach ſehr
fruchtbares Ackerland überführt werden können, welches
das hineingeſteckte Kapital mit 20 Prozent und mehr
ver=
zinſt. Dieſes große Arbeitsgebiet iſt bisher eigentlich
nur verwandt worden, um, etwa nach dem Muſter des
Paſtors Bodelſchwingh, Landſtreicher und ähnliche auf
die tiefſte ſoziale Stufe herabgeſunkene Eriſtenzen zu
be=
ſchäftigen und allmählich wieder an die Arbeit zu
gewöh=
nen. Neue Verſuche nach dieſer Seite hat der
Reichstags=
abgeordnete Axel von Kaphengſt angeſtellt, der jetzt in
Verbindung mit dem Schriftſteller Hans Oſtwald mit
ei=
nem umfangreichen Plane zur Durchführung dieſes
Ge=
dankens an die Oeffentlichkeit tritt. Er geht dabei von
dem ſehr richtigen Gedanken aus, daß keine ehrliche
Ar=
beit für einen Arbeitsloſen etwas entehrendes habe und
daß dieſe Moorkulturarbeiten in beſchränktem Umfange
auch von ſtellungsloſen Kommis, Induſtriearbeitern uſw.
geleiſtet werden könnten, wenngleich für die ſchwereren
Erdarbeiten in der Hauptſache wohl nur die Arbeiter
des Baugewerbes und der verwandten Gewerbe in
Be=
tracht kommen.
Da aber dieſe Arbeiten vielfach eine normale
Bezah=
lung nicht zuließen, ſo ſollten die Rieſenſummen, die für
die Arbeitsloſen=Unterſtützung, für Notſtandsarbeiten und
vor allem für gedankenloſe private Wohltätigkeit
ausgege=
ben werden, den Kulturarbeitsſtätten zugeführt werden,
um ſo die Finanzierung der ſozialen Koloniſation
durchzu=
führen.
Hinter dieſem Plane ſteckt zweifellos ein ſehr geſunder
Gedanke und es iſt erfreulich, und ſpricht für den ſozialen
Sinn ſeines Urhebers, daß es ihm gelungen iſt, ſelbſt
ſozialdemokratiſche Gewerkſchaften für dieſe ſozialen Ziele
eines konſervativen Mannes teils zu intereſſieren, teils
zu veranlaſſen, ihm wenigſtens keine Schwierigkeiten zu
machen. Andererſeits weiſt die Soziale Praxis ſehr
rich=
tig darauf hin, daß kulturlich hochſtehende und
ſelbſtbe=
wußte Arbeiter keinesfalls mit heruntergekommenen auf
derartigen Moorkolonien wahllos zuſammenarbeiten
könn=
ten und würden, da ſie ſich dadurch, und zwar mit Recht,
deklaſſiert fühlen würden. Aber ſelbſt, wenn man dieſer
Schwierigkeit vielleicht durch paſſende Individualiſierung
der Arbeitsſtätten abhelfen könnte, ſo wäre doch noch
im=
mer zu bedenken, daß im Falle einer wieder in die Höhe
gehenden Konjunktur dieſe Arbeiter eben nicht an Ort und
Stelle wären, um ſofort ihre Plätze wieder einzunehmen,
und nur zu leicht durch Erſatz aus anderen Orten, oder
gar aus dem Auslande von ihren altgewohnten
Arbeits=
ſtätten verdrängt werden könnten. Dieſe Gefahr beſtünde
weniger für die Saiſonarbeiter, die eifrig nach jeder
Ar=
beitsgelegenheit in ihrem Berufe ſpähen müſſen.
In=
folgedeſſen dürfte es ſich empfehlen, den in der Sozialen
Praxis etwas ſtiefmütterlich behandelten Gedanken der
ſozialen Luxusarbeit, wenn auch vielleicht noch in etwas
weiterer Faſſung näher zu treten. Unter ſozialen
Luxus=
arbeiten werden doch gemeinnützige Arbeiten verſtanden,
wie Sanierungsarbeiten von Wohnungen außen und
in=
nen, Ausgeſtaltung und Ausſchmückung von
Gemelnde=
häuſern, Schulräumen, Krankenhäuſern, techniſchen
Ver=
vollkommnungen von öffentlichen Betriebsanlagen,
Ver=
anſtaltung von Fach= und Volksbildungskurſen uſw.,
deren Erledigung den vorhandenen privaten Erwerbs=
Unternehmungen keine unmittelbare Konkurrenz machen
würde. Vielleicht wäre ſogar der Gedanke erwägenswert,
eine ſoziale Behörde zu ſchaffen, die dieſe Frage im
ein=
zelnen zu ſtudieren und derartige zu ermäßigten Preiſen
oder unter einem Zuſchuß auszuführende Arbeiten auf den
verſchiedenſten Gebieten zu regiſtrieren hätte, um bei
ein=
tretender umfangreicher Arbeitsloſigkeit rechtzeitig mit
ihren Anregungen hervortreten zu können.
Dieſe Methode iſt zweifellos nicht ſo einfach, als wie
die einfache Unterſtützung der Arbeitsloſen. Sie hat aber
vor ihr den großen Vorteil, daß ſie die Arbeitsloſigkeit
durch ihr beſtes Gegengift durch die Arbeit bekämpft, daß
ſie Werte ſchafft, während die Arbeitsloſen=Unterſtützung
nur Werte verbraucht, und daß ſie einer der Haupturſachen
der Arbeitsloſigkeit, dem mangelhaften Zirkulieren der
Geldmittel direkt entgegenarbeitet.
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Juli 1910.
Nummer 175,
Deutſches Reich.
— Vor einigen Monaten wurde in der engliſchen
Preſſe die Nachricht verbreitet, Prinz Friedrich
Hein=
rich von Preußen, der älteſte, jetzt 36jährige Sohn
des verſtorbenen Prinzregenten Albrecht von Braunſchweig,
ſei zum Katholizismus übergetreten, habe als Mönch in
einem Kloſter Aufnahme gefunden und der katholiſchen
Kirche den größten Teil ſeines — wie man weiß, ſehr
beträchtlichen — Vermögens zugewendet. Obwohl dieſe
Nachricht ſchon damals für frei erfunden erklärt wurde,
iſt ſie neuerdings von einigen deutſchen Blättern wieder
aufgefriſcht worden. Und man hat daran den Wunſch
geknüpft, eine zuverläſſige Aufklärung darüber zu
erhal=
ten, ob der Prinz in der Tat den Glauben gewechſelr
habe oder derartiges beabſichtige. — Von
maßgeben=
der Seite iſt die N. G. C. ermächtigt, zu erklären, daß
jene Mitteilung jeglicher Grundlage entbehrt
und von Anfang bis zu Ende aus der Luft gegriffen iſt.
Prinz Friedrich Heinrich von Preußen hat niemals auch
nur im entfernteſten daran gedacht, den evangeliſchen
Glauben aufzugeben, zu dem er ſich in voller Ueberzeugung
und Treue bekennt.
— Wie gemeldet, iſt der Geh. Ober=Regierungsrat im
Miniſterium des Innern und königl. Kammerherr von
Gersdorff zum Präſidenten der königl. Regierung in
Merſeburg ernannt worden. Regierungspräſident von
Gersdorff iſt im Jahre 1867 zu Potsdam geboren und
wurde im Jahre 1888 als Referendar bei dem
Kammer=
gericht angeſtellt. Im Jahre 1894 beſtand er das
Regie=
rungs=Aſſeſſoren=Examen und übernahm im
darauffolgen=
den Jahre zunächſt vertretungsweiſe die Verwaltung des
Kreiſes Arnswalde, dem er bis zum Jahre 1905 als
Land=
rat vorſtand. Noch in demſelben Jahre wurde v.
Gers=
dorff als Vortragender Rat in das Miniſterium des
In=
nern berufen und im Jahre 1908 zum Geheimen Ober=
Regierungsrat ernannt.
— Das Wiener Fremdenblatt ſchreibt:
Der Staatsſekretär v. Kiderlen=Wächter iſt zu
einem Beſuch beim Grafen v. Aehrenthal in
Marien=
bad eingetroffen. Dieſem Zuſammentreffen der beiden
Staatsmänner wird man nicht bloß die Bedeutung einer
Höflichkeitsviſite und die eines freundſchaftlichen
Gedan=
kenaustauſches zwiſchen Diplomaten beilegen, die einander
ſeit vielen Jahren kennen und die an eine frühere
Ueber=
einſtimmung der Anſchauungen anzuknüpfen in der Lage
ſind, ſondern man wird, wenn auch keine aktuelle Frage
Anlaß zu der Entrevue in Marienbad gibt, doch deren
Wert nicht unterſchätzen. Beſonders aber wird der
Staats=
ſekretär, ſeiner ganzen Laufbahn entſprechend, ſeine
Auf=
faſſung in der Behandlung der Orientfragen zur
Geltung zu bringen vermögen, alſo derjenigen Fragen, an
welchen unſere auswärtige Politik zumeiſt
inter=
eſſiert iſt. Herr v. Kiderlen=Wächter iſt einer der beſten
Kenner des europäiſchen Oſtens. Als gewiegter
Orient=
politiker tritt daher der neue Staatsſekretär den Berliner
Poſten an, bringt aber als eine markante Perſönlichkeit,
die man längſt in ihm erkannt hat, auch in den weiteren
Geſichtskreis des neuen Amtes eigene Geſichtspunkte mit.
Die Konferenzen dieſes hervorragenden Diplomaten mit
dem Grafen Aehrenthal werden ſicherlich wertvoll ſein.
Eine gewiſſe Weſensähnlichkeit wird auch von den beiden
Männern behauptet, die ihnen ein Zuſammenarbeiten leicht
und erwünſcht machen muß. Unmittelbar wichtige
Ent=
ſchlüſſe ſind allerdings in Marienbad nicht zu faſſen. Die
allgemeine politiſche Lage hat ſich erfreulicherweiſe geklärt
und beruhigt; namentlich Deutſchlands Beziehungen zu
den Weſtſtaaten ſind in der günſtigſten Entwicklung, von
der ſoeben erſt die gehaltene bedeutſame Rede des
Miniſter=
präſidenten Asquith über die Flottenrüſtungen
Zeugnis gegeben hat. Ein günſtiges Prognoſtikon darf
man auch für die Situation auf dem Balkan
ſtellen. Die gemeinſame Auffaſſung der deutſchen und
öſterreichiſch=ungariſchen Politik, welche zu Ende des
vori=
gen Sommers bei Bethmann Hollwegs Antrittsbeſuch in
Wien feſtgeſtellt wurde, hat keine Veränderung erfahren,
weder bezüglich der Türkei noch Kretas. Es liegt demnach
für die verbündeten Kaiſermächte kein Grund zu einer
neuerlichen Stellungnahme vor. Die Lage der Türkei iſt
allerdings nicht frei von Schwierigkeiten. Das Werk der
inneren Konſolidierung ſetzt ſich aber, ungeachtet ſolcher
Schwierigkeiten, die ſich einerſeits neueſtens in Albanien
und Mazedonien durch die Nationalitätenfragen,
anderer=
ſeits durch den bisweilen zu ſtark betonten türkiſchen
Nationalismus ergaben, doch ſtetig durch. Oeſterreich=
Ungarn und das Deutſche Reich verfolgen dieſe
Entwick=
lung mit vollen Sympathien für den türkiſchen
Verfaſſungs=
ſtaat. Staatsſekretär v. Kiderlen=Wächter wird ſich mit dem
Grafen Aehrenthal in ſolchen Anſchauungen zweifellos
be=
gegnen. Die heutige Zuſammenkunft in Marienbad wird
eine neue Bürgſchaft dafür bieten, daß die auswärtige
Politik der beiden Reiche in voller
Uebereinſtim=
mung und in friſchem Zuge miteinander geht.
s Für die Kündigungsfriſten im
Handels=
gewerbe iſt das Inkrafttreten des neuen
Handelsgeſetz=
buches im Jahre 1908 von einſchneidender Wirkung
ge=
weſen, inſofern es noch mit den Kündigungsfriſten unter
einem Monat, zu welchen im Jahre 1893 noh 11,2
Pro=
zent aller Handlungsgehilfen angeſtellt waren, überhaupt
aufgeräumt hat. Aber auch weiterhin iſt, wie wir einem
in der nächſten Nummer der Sozialen Praxis
erſcheinen=
den Artikel von Alfred Roth über die wirtſchaftliche Lage
der deutſchen Handlungsgehilfen entnehmen, eine
Feſti=
gung des Anſtellungsverhältniſſes zu verzeichnen, inſofern
die Zahl der mit einer Kündigungsfriſt von vier Wochen
oder einem Monat angeſtellten Handlungsgehilfen von
13,7 im Jahre 1893 auf 18,73 im Jahre 1908 geſtiegen und
die handelsgeſetzliche Dauer der Kündigungsfriſt von 68,2.
Prozent im Jahre 1893 auf 62,23 Prozent im Jahre 1908
geſunken iſt. Dafür waren mit ſechswöchentlicher und
vier=
teljährlicher Dauer im Jahre 1908 15,10 Prozent gegen
nur 5,6 Prozent im Jahre 1893 angeſtellt. — Für die
Beſſerung der ſozialen Lage im deutſchen Handelsgewerbe
ſpricht auch der Umſtand, daß die Gewährung eines
Er=
holungsurlaubs ſich immer mehr auszubreiten ſcheint.
Während bei der amtlichen Erhebung vom Jahre 1901 über
die Arbeitszeit in den Kontoren 50,50 Prozent
Handlungs=
gehilfen ermittelt wurden, denen regelmäßig oder „auf
Wunſch” Urlaub gewährt wurde, hat die jetzt veranſtaltete
Umfrage des Deutſchnationalen Handlungsgehilfen=
Ver=
bandes 21694 oder 66,26 Prozent ermittelt, denen ein
Er=
holungsurlaub zuteil wurde, und zwar betrug der
Ur=
laub bei 23,24 Prozent bis zu 8 Tagen, bei 38,37 Prozent
8 Tage bis 14 Tage, bei 4,65 Prozent über 14 Tage,
wäh=
rend bei den Erhebungen im Jahre 1901 bei 27,60 Prozent
ein Urlaub von über zwei Wochen feſtgeſtellt wurde.
— Der Deutſch=Franzöſiſche
Wirtſchafts=
verein hat es ſich, wie gemeldet, angelegen ſein laſſen,
eine Anzahl Wünſche des franzöſiſchen Weinhandels beim
Reichskanzler zu befürworten. Soweit dieſe
Wünſche auf gewiſſe allgemeine Erleichterungen durch
Be=
ſchleunigung der Analyſe, Vermehrung der anerkannten
Chemiker, Vereinheitlichung der Koſten uſw.
hinauslau=
fen, ſtimmte die Kölner Handelskammer ihnen
zu, nicht dagegen iſt ſie für ſolche Erleichterungen, die auf
Bevorzugung des direkten Weinbezuges durch Private
un=
ter Umgehung des deutſchen Weinhandels hinauslaufen.
Auch kann ſie die franzöſiſchen Wünſche nach Zoll=
Ermäßigungen für franzöſiſche Weine angeſichts der
franzöſiſchen gegen Deutſchland gerichteten Zolltarif=
Re=
viſion nicht als berechtigt anerkennen, und weiter
hält ſie den Wortſchutz für Champagnerwein und Kognak
als Herkunftsbezeichnungen nicht mehr für durchführbar.
— Nach Mitteilungen der Kölner Oberpoſtdirektion
mußte gegenwärtig von der Einrichtung eines
Fern=
ſprech=Verkehrs zwiſchen Deutſchland und
England Abſtand genommen werden, da bei der
Ver=
bindung der Kabel mit den langen oberirdiſchen
Leitun=
gen, wie ſie beiſpielsweiſe beim Anſchluß an das Kabel
von England nach Frankreich oder von England nach
Bel=
gien nötig ſein würden, die Sprache von Teilnehmer zu
Teilnehmer nur undeutlich übermittelt wird. Die Ver=
ſuche werden jedoch nach Inbetriebnahme des neuen
ſchen England und Frankreich ausgelegten See=Kabels
der aufgenommen werden.
— Ueber den Arbeitsmarkt im Mon
Juni teilt das Reichs=Arbeitsblatt mit:
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat ſich, im
gleich mit dem Vormonat, im allgemeinen nur we
geändert. Nur das Baugewerbe muß ausgenom
werden; hier ſetzte nach der Aufhebung der Ausſpe
ung eine lebhafte Tätigkeit ein.
Auf dem Ruhrkohlenmarkte machten ſich Zeicſ
einer geringen Abſchwächung bemerkbar; dasſelbe
auch vom Saarrevier. Dagegen beſſerten ſich die
ſatzverhältniſſe im oberſchleſiſchen Kohlenreviere.
der Braunkohleninduſtrie ließ die Beſchäftigung
In der Metall= und Maſchineninduſtrie lagen die V
hältniſſe im Vergleich zum Vormonat eher ungünſt
In der Textilinduſtrie hat ſich gegen den Vormo
kaum etwas geändert. Eine große Zunahme der
ſchäftigung konnte im Baugewerbe beobachtet wer)
In der Bekleidungsinduſtrie hat die Beſchäftig
nachgelaſſen.
Nach den Berichten der Krankenkaſſen hat ſich
Beſchäftigungsgrad im Laufe des Juni weſentlich
hoben. Es ergab ſich am 1. Juli gegenüber dem 1. I
eine Zunahme der verſicherungspflichtigen Mitglic
abzüglich der Kranken um 35300, und zwar ſetzt
dieſe Summe aus einer Zunahme der männlichen
glieder um 49891 und einer Abnahme der weiblich
um 14591 zuſammen. Im Juni 1909 ergab ſich e
Abnahme von 9530 Mitgliedern, die ſich aus einer 3
nahme von 8507 männlichen und einer Abnahme
18037 weiblichen Mitgliedern zuſammenſetzte.
Arbeitsloſenziffern der Fachverbände im zweiten Vie
teljahr 1910 zeigen eine Verbeſſerung gegen das glei
Vierteljahr des Vorjahres. Sie betrugen für En
April 1,8 vom Hundert, Ende Mai 2,0 v. H. und En
Juni 2,0 v. H. gegen 2,9 v. H. bezw. 2,8 v. H. bei
2,8 v. H. im Vorjahre.
Nach den Arbeitsnachweisziffern hat ſich im Be
gleich zu dem Vormonat wie zum Vorjahll
für Männer wie für Frauen die Lage nil
unweſentlich gebeſſert. Bei der Geſamtz
der berichtenden Arbeitsnachweiſe, für welche va
gleichbare Zahlenangaben vorliegen, kamen im Ja
1910 auf 100 offene Stellen bei den männlichen Pe
ſonen 165, bei den weiblichen 88 Arbeitsgeſuche gege
194 bezw. 95 im Juni 1909 und 183 bezw. 91 im Pa
1910. Auf dem Berliner Arbeitsmarkte hat ſich
Geſamtlage im Vergleich zum Vormonat und Vorjch
gebeſſert. Auch in Schleswig=Holſtein und in Hau
burg geſtaltete ſich die Arbeitsmarktlage günſtige
Desgleichen lauten die Berichte aus dem Regierung
bezirke Düſſeldorf mit Ausnahme der für die Texti
induſtrie günſtig. Beſonders iſt das für das Baus
werbe der Fall.
In Heſſen Heſſen=Naſſau und Waldeck w
die Lage nicht einheitlich günſtig; eine Reihe von
werbearten klagte über einen nicht befriedigend
Geſchäftsgang. In Bayern, Württemberg und Bad
läßt ſich faſt allgemein ein Aufſchwung im
Geſchäft=
leben beobachten.
Die Einnahmen aus dem Güterverkehr deutſch
Eiſenbahnen betrugen im Juni 135 234081 Mark, de
6 968 393 Mark mehr als im ſelben Monat des Vogl
jahres. Das bedeutet eine Mehreinnahme von 94
oder 3,72 v. H. auf 1 Kilometer.
Ausland.
— Der Kölniſchen Zeitung wird aus Berlin
telegre=
phiert: Italieniſche Blätter melden, Italien trage ſicht
mit Abrüſtungsplänen, werde aber darin von
Deutſchland gehindert. Man kann annehmen, daſ
Italien mit derartigen Vorſchlägen nicht an Deutſchlan
herantrat und daß dieſes daher auch nicht Gelegenhei
hatte, zu ihnen irgendwie Stellung zu nehmen.
— Das Gerücht von einem franzöſiſch=türkiſchen Zwi
ſchenfall in Tuneſien iſt unbegründet; dagegen erſtattet
der Gouverneur von Tripolis Bericht über einen Kamp
zwiſchen einem franzöſiſchen Detachement in Tuneſien und
Beduinen, die nicht türkiſche Untertanen ſind.
Der türkiſche Geſandte in Athen erklärk
in einem Interview im Tanin, er habe die griechiſche
Re=
gierung wiederholt darauf aufmerkſam gemacht, daß die
Der Sieg des Alters.
C Richard M. Meyer hat einmal darauf
hin=
gewieſen, daß in unſerer modernen Literatur ſich das
Alter im Kampfe mit der Jugend faſt ſtets als der
ſtärkere Teil erweiſt. Während Jünglinge und
Män=
ner vielfach als müde und abgelebt geſchildert
wer=
den, wird in den Greiſen die ungebrochene Lebensluſt
und=kraft verherrlicht. Dieſe Langlebigkeit unſerer
Generation iſt ein bewundernswerter Sieg der
mo=
dernen Hygiene und der günſtigeren
Daſeinsbeding=
ungen über die Natur. Die „Grand old men”
er=
ſcheinen heute als die Männer in der Fülle des
Taten=
drangs; ein Bismarck, Gladſtone oder Palmerſton,
ein Mommſen, Ranke oder Menzel ſtehen vor uns als
Heroen, die mit 60 und 70 Jahren erſt den Höhepunkt
ihres Schaffens erreichten. Früheren Zeiten erſchien
der 70. Geburtstag, den heute gewiſſe Stände wie die
Gelehrten und Geiſtlichen beinahe ſchon als ihr gutes
Recht fordern, als eine unerhörte Gnade Gottes; Voß
ſchildert uns ſeinen „redlichen Tamm” im „
Siebzig=
ſten Geburtstag” als einen Jubelgreis. Doch den
Ro=
mantikern ſchwebte gar ſchon Chamiſſo als ein
ehrwür=
diger Neſtor vor, und er iſt überhaupt nur 57 Jahre
alt geworden; die Univerſitäten, meint Prof. Meyer,
wollen das Diplom zum 50jährigen Doktorjubiläum
nicht mehr erneuern, weil es zu häufig verlangt wird,
und die Ehemedaillen werden en gros angefertigt.
Von ähnlichen Gedanken geht der allerdings nicht
verwirklichte Plan einer neuen engliſchen Zeitſchrift
aus, die „Der alte Mann” heißen ſollte und aus
deren Material das Strand Magazine eine Fülle
lintereſſanter Einzelheiten mitteilt. Auch hier
begeg=
nen wir der Feſtſtellung, daß vor hundert Jahren ein
Mann in den Vierzigern für alt angeſehen wurde.
Heute gelten die Vierziger noch für ſehr jugendlich.
Der Finanzminiſter Lloyd George z. B., der 47 Jahre
zählt, genießt den Ruf eines jugendlichen Hitzkopfs,
und der Führer der Jungen, Lewis Waller, iſt 50
Jahre alt. Auch die Frauen machen ſich nicht nur um
eine Anzahl von Jahren jünger, was ſie ja ſtets
ge=
tan haben, ſondern fühlen ſich auch jünger, wie die
Aeußerung der Königin Alexandra beweiſt, die vor
einiger Zeit zu Adelina Patti ſagte: „Wir beide ſind
zwei von den jüngſten Frauen in England.‟ Eine
ganze Reihe von großen Männern haben ihre
bedeu=
tendſten Leiſtungen erſt nach ihrem 60. Lebensjahre
vollbracht. So hat z. B. Lord Stratheona ſeinen Ruhm
und ſeine hervorragende Stellung erſt mit 75 Jahren
erreicht und ſteht heute mit 90 noch in voller Tätigkeit
auf ſeinem Poſten; der bekannte Dichter William de
Morgan ſchrieb ſeine erſte Novelle mit 65 Jahren;
Pierpont Morgan faßte in demſelben Alter den Plan
zu ſeinem koloſſalen Finanzunternehmen.
Chamber=
lain trat mit 65 Jahren für die Tarifreform ein und
gewann ſeine Stellung als leitender Staatsmann.
Lord Roberts war ſchon faſt 70, als er an Stelle der
jüngeren Generäle nach Südafrika berufen wurde,
um den engliſchen Waffen zum Siege zu verhelfen.
„Wäre ich in einem Alter von einem Schock Jahren
und zehn geſtorben,” ſagte Gladſtone, „ſo wäre die
volle Hälfte meines Lebenswerkes ungetan geblieben.”
Unter den bedeutendſten alten Männern, die der
geplanten Zeitſchrift Aufzeichnungen zur Verfügung
ſtellten, befand ſich auch Mark Twain, deſſen
Auf=
ſatz „Alter” wohl eine der letzten Arbeiten iſt, die der
große Humoriſt vollendet. „Ich bin ein alter Mann,”
ſchreibt er, „ſo alt, daß der Gedanke daran, daß ich ſo
alt ſein könnte, wie ich jetzt bin, mich früher mit
Ver=
wunderung erfüllt haben würde. Jetzt ſcheints mir
gar nicht wunderbar mehr. Ich wüßte nicht, daß ich
irgend eine Empfindung über mein Alter hätte, es
ſei denn Neid. Es iſt eigentlich recht erbärmlich, zu
ſagen, daß ich, der ich mich rühmen kann, 70 Jahre
wirklich, d. h. mit Hilfe des Doktors und meiner
Fa=
milie, gelebt zu haben, daß ich michs gelüſten laſſe
nach den Jahren anderer. Aber es iſt ſo, und der
Grund dafür iſt, daß andere Leute, obwohl ich ſelbſt
gern mit meinem Alter prahle, ſo viel älter ſind, daß
ich mir lächerlich vorkomme.” Mark Twain ſpricht
dann von Methuſalem und dem alten Parr, der 152
Jahre alt wurde, und meint, das hohe Alter ſei für
einen Mann, der ſich ſonſt nicht ausgezeichnet habe,
die beſte Gelegenheit, um berühmt zu werden.
Weniger ſkeptiſch ſind die Aeußerungen des
be=
kannten Erfinders Sir Hiram Maxim: „Es iſt
ein Irrtum,” ſchreibt der Siebzigjährige, zwenn mau
mich für alt hält. Ich bin es durchaus nicht. Dabe
will ich ja zugeſtehen, daß die Mehrzahl der Leute, die
im Jahre 1840 geboren ſind, ſich für alt halten. Es
iſt auch ganz richtig, daß ich jetzt 70 Jahre auf der Wel
bin, ja daß ich nach Anſicht der Sachverſtändigen, wenn
ich ein tüchtiger Trinker und großer Raucher geweſen
wäre, jetzt wenigſtens ſchon 90 Jahre alt ſein müßte
Aber ich habe ſo viel zu tun gehabt mein ganzes Leben
lang, daß ich keine Zeit gehabt habe, alt zu werden.
Sir Frederick Young, der Begründer des engliſchen
Kolonialinſtituts, der heute 93 Jahre alt iſt, hofft
noch merkwürdige und wundervolle Dinge zu erleben,
denn er hat ſo erſtaunliche Ereigniſſe miterlebt, daß
er alles für möglich hält. Der bedeutende Latiniſt
Profeſſor Mayer iſt mit 85 Jahren noch mitten in
großangelegten Arbeiten: „Ich leſe den ganzen Tag
lang. Meine Augen werden auch beim kleinſten Druck
nicht müde, mein Gehör iſt noch ſcharf. Ich leſe 5 bis
6 Stunden am Tage laut. Eine Uebung, der ich, wie
Plinius, Celſus und John Wesley, einen günſtigen
Einfluß auf meine Geſundheit zuſchreibe.‟ Der Doyen
der engliſchen Maler iſt der 84jährige William
Hol=
man Hunt, der noch in voller Schaffenskraft
ar=
beitet. Der große engliſche Dichter Thomas Hardy,
der 70 geworden iſt, fühlt ſich in einer ganz neuen
Phaſe ſeiner Entwickelung und arbeitet an einem
Werk, das von ſeinen bisherigen Arbeiten ganz
ver=
ſchieden iſt. Der älteſte lebende Indianer iſt der
Häuptling Wolfrobe, Wolfsfell, der ſein 100. Jahr
vollendet hat. Das Geheimnis ſeines Lebens faßt er
in die Worte: „Gut leben, aber nicht zu gut, das iſt
alles.”
Um den Ehrenplatz des älteſten Mannes der Welt
haben ſich viele beworben; er gebührt aber nach
ge=
naueſten Feſtſtellungen dem früheren Lehrer Anton
Steinacker in Feſtran in Steiermark, der 117 Jahre
zählt. Er hat noch Napoleon an der Spitze ſeiner
Truppen reiten ſehen. Seine Nahrung beſteht faſt
ausſchließlich aus Milch. Obwohl er blind und taub
iſt, hängt er doch am Daſein. „Das Leben iſt noch
lebenswert,” ſagt er. „Ich bin glücklich, daß ich noch
am Leben bin.”
Nummer 175.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Juli 1910.
Seite
iekkei im Falle der Aufnahme der kretiſchen Delegierten
nie griechiſche Nationalverſammlung einer
Kriegserklä=
ſng nicht ausweichen könne.
Die Pforte beauftragte ihre Vertreter, die
Aufmerk=
ſalkeit der Kreta=Schutzmächte auf die
angekün=
ee Kandidatur Venizelos für die griechiſche
Aiſionalverſammlung hinzulenken, dabei die friedlichen
Piechten der Pforte hervorzuheben und die Kabinette der
Mäutzmächte zu erſuchen, das Nötige zu veranlaſſen,
da=
it die aus der Kandidatur erwachſenden Komplikationen
jarkt
nat und
Urnieden werden. — Der Pforte naheſtehende Kreiſe ſind
r Anſicht, Venizelos müßte vor der Annahme des
Man=
ſrs für die Nationalverſammlung ſeine Stellung als
Piglied der Regierung Kretas niederlegen.
— Einem Berichterſtatter des Reuterſchen Bureaus
eenüber ſprach ſich der Geſandte von Liberia in Lon=
P- über ein Angebot der Vereinigten
Staa=
ſem an Liberia aus, die liberianiſchen Finanzen, ſeine
ſti itäriſche Organiſation und ſeine landwirtſchaftlichen
ſrenzfragen in Obhut zu nehmen und eine Anleihe für
ſſiseria aufzubringen, an der amerikaniſche, deutſche und
ſamzöſiſche Banken ſich beteiligen ſollen. Der Geſandte
rlllärte, es ſei völlig außer Frage, daß Amerika die
lf ſicht habe, Liberia in Beſitz zu nehmen. Amerika habe
ſeies freundſchaftliches Intereſſe für Liberia gehegt. Wenn
ſſieria Hilfe erbitte, ſo werde es Sorge tragen, ihm zu
ſef fen. Die Regierung zu Waſhington habe aber in dieſer
lngelegenheit niemals Schritte getan, ohne die engliſche,
ie franzöſiſche und die deutſche Regierung um ihre
Mei=
ſſſtung zu fragen, alles mit Rückſicht auf eine freundwillige
olitik, bei der Amerika ſich in nichts einlaſſe, was einem
Protektorat ähnlich ſein würde. Die Anleihe werde ſich
Prahrſcheinlich auf 1 500 000 Doll. beziffern.
Dem Reuterſchen Bureau iſt eine Mitteilung über den
Abericht zugegangen, den Staatsſekretär Knox im März
Mie10 an den Präſidenten Taft mit Bezug auf die Vor=
Alſchläge der von der Regierung der Unionſtaaten im Jahre
Il1909 nach Liberia entſandten Kommiſſion erſtattete. Der
Mettaatsſekretär unterſtützt die Vorſchläge der Kommiſſion
Alebhaft. Bezüglich der Differenzen zwiſchen Liberia und
Allden anderen Mächten erklärt Knox, Liberia allein ſei hilf=
Mles. Es habe jedem Angriff nachgeben müſſen. Es müſſe
lzudem bemerkt werden, daß die Annahme ſeiner Stellung
Me’s nächſter Freund ſeitens der Unionſtaaten in der Ver=
Algangenheit unzureichend geweſen ſei. Es ſei mehr er=
Aforderlich, ſo z. B. ein Vertrag, durch den den
Unionſtaa=
ten die Funktion eines tatſächlichen Anwalts für Liberia
ſlin allen internationalen Streitfällen übertragen werde.
ſſhoalls der Präſident zuſtimmt, beabſichtigt das Staats=
Atepartement, der Regierung von Liberia einen Vertrags=
Eintwurf zu unterbreiten, der dieſen Zweck erfüllt. Der
Geſandte der Unionſtaaten iſt jetzt auf dem Wege nach
Fiberia mit dem Auftrage, die dortige Regierung bezüglich
eines derartigen Vertrages zu ſondieren.
Die Mitteilung des Reuterſchen Bureaus, daß die
Vereinigten Staaten die tatſächliche Vormundſchaft in
Finanz= und Verwaltungsſachen über den afrikaniſchen
Megerfreiſtaat Liberia an= und damit in die Reihe der
Weltmächte auch in Afrika eintreten werden, macht in den
Kreiſen, die Sachkenntnis mit Intereſſe für auswärtige
(Politik verbinden, nicht geringes Aufſehen. Man erinnert
ſich natürlich, daß Liberia urſprünglich (1822) eine
Grün=
dung und Niederlaſſung freigelaſſener Sklaven aus den
Vereinigten Staaten war und als anerkannter Freiſtaat
ſeit 1847 beſteht. Der heutige Präſident Barclay iſt
in Barbados (Weſtindien), alſo als britiſcher Untertan,
geboren, kam als Knabe mit ſeinen Eltern nach Liberia und
hauſierte mit Salz in den Straßen des Hauptortes
Man=
rovia, bis er durch eigenes Bemühen einige
Schulkennt=
niſſe gewann und dann zum Advokaten ausgebildet
wurde. Er war verſchiedentlich in England und wurde
auch vor drei Jahren von König Eduard empfangen. Seine
Regierung hat dem finanziellen Rückgange des
Gemeinwe=
ſens wie dem gewalttätigen Verfahren gegen die
Einge=
borenen der Nachbarſtämme keinen Einhalt tun können,
und ſeit einigen Jahren ſchon verbreitete ſich in Europa
mehr und mehr die Ueberzeugung, es werde nicht lange
mehr in Liberia ſo weitergehen können, ſodaß die neueſte
Wendung vielfach als Erleichterung empfunden werden
wird. Von den Blättern äußert ſich zunächſt nur die
Daily Mail über die Meldung. Sie ſieht im
Er=
ſcheinen der Vereinigten Staaten auf afrikaniſchem Boden
natürlich die Folge des Einfluſſes von Rooſevelts Lehren,
durch die nunmehr ein amerikaniſches Aegypten auf
weſt=
afrikaniſchem Boden geſchaffen werde. „Das Auftauchen
der Vereinigten Staaten in Afrika”, heißt es am Schluſſe,
„iſt in jeder Hinſicht eine wichtige Sache. Zum erſten Male
erſcheint die Union auf der öſtlichen Halbkugel und wird
in enge Berührung mit der Politik der alten Welt gebracht.
Die Einverleibung der Philippinen und Hawais, die den
Vereinigten Staaten den erſten vom Mutterlande
ent=
legenen Beſitz gab, war die natürliche Folge ihrer
Stel=
lung im Stillen Ozean. Heute aber betreten ſie einen
neuen Kontinent, der in engſtem Zuſammenhange ſteht
mit der europäiſchen Nebenbuhlerſchaft. England,
Spa=
nien, Frankreich und Deutſchland beſitzen bereits Intereſſen
in Weſtafrika; nun kommen die Vereinigten Staaten hinzu.
Es iſt ein Ereignis, das in England mit herzlichem Beifall
aufgenommen werden wird. Keine Feindſchaft ſcheidet
England von dem transatlantiſchen Staatenbund; ſeine
Sprache iſt unſere Sprache, ſeine Staatseinrichtungen ſind
im innerſten Weſen die unſerigen. Immerhin aber ſtehen
wir vor einer Veränderung, die die Geſchichte der
Zu=
kunft weſentlicher beeinfluſſen wird als vielleicht irgend
ein anderes Ereignis der letzten zwanzig Jahre, mit
allei=
niger Ausnahme vielleicht des Falles von Port Arthur.”
*⁎* Seit der Ermordung König
Hum=
berts von Italien ſind am Samstag zehn Jahre
verfloſſen. Es war am 30. Juli 1900, als der König, der
dem Provinzial=Wetturnen in Monza beigewohnt hatte,
auf der Rückkehr zum Schloſſe in ſeinem Wagen von dem
Anarchiſten Gaetano Breſſi durch drei Revolverſchüſſe
ge=
tötet wurde. Schon zweimal, am 17. November 1878 und
am 22. April 1897, war ein Mordanfall, glücklicherweiſe
erfolglos, auf Humbert verübt worden. Die Nachricht,
daß der König dem dritten Anſchlage zum Opfer gefallen,
erregte in der ganzen Kulturwelt ſchmerzliche Teilnahme,
und beſonders bei uns in Deutſchland war die Trauer
groß, denn unter Humbert I. hatte ſich der Beitritt
Ita=
liens zum Dreibunde vollzogen, und man gedachte der
herzlichen Freundſchaft, die den König mit Kaiſer
Fried=
rich verbunden hatte, die jener auch dem Sohne Friedrichs,
unſerm jetzigen Kaiſer, zuwandte. Das Andenlen an
König Humbert wird deshalb in weiten Kreiſen des
Rei=
ches in Ehren gehalten und es wird an ſeinem zehnten
Todestag, der in uns leider auch die Erinnerung an eines
der abſcheulichſten Verbrechen der Neuzeit weckt, von
neuem wachgerufen werden.
* Paris, 27. Juli. Im Prozeſſe gegen Rochette
und Genoſſen wurde das Urteil gefällt. Es lautet gegen
Rochette auf zwei Jahre Gefängnis und 3000 Francs
Geldſtrafe, gegen Lecacheus auf vier Monate Gefängnis
und 1000 Francs Geldſtrafe, gegen Crececoeur und Demayer
auf 5000 Francs Geldſtrafe und gegen Capdeville auft
2000 Francs Geldſtrafe.
* Paris, 28. Juli. Alle Morgenblätter beſprechen
lebhaft die Enthüllungen, welche die geſtrige Sitzung der
parlamentariſchen Unterſuchungskommiſſion in der
Ro=
chette=Affäre gebracht hat, daß nämlich Picherau, der
die Zivilklage gegen Rochette eingebracht und dadurch die
Verhaftung desſelben herbeigeführt hatte, nur ein
Stroh=
mann geweſen iſt, der ſich hat bezahlen laſſen, und zwar
angeblich im Einverſtändnis mit Durand, dem
Kabinetts=
direktor des Polizeipräfekten Lépine. — Jaurés ſchreibt in
ſeiner Humanité: Es kann nicht genügen, die einzelnen
Fäden der Intrige zu enthüllen und die Verantwortlichkeit
feſtzuſtellen. Man muß auch an die Zukunft denken. Eine
der erſten Sorgen des Parlaments muß es ſein, das
Kapi=
tal gegen Manöver jeder Art zu ſchützen, welche es
be=
drohen. — Der Gaulois führt aus: Es gibt keine
Sicher=
heit mehr, für niemanden, wenn der erſte Beſte, der ſich von
irgend einem bezahlen läßt und ein Intereſſe an Eurer
Vernichtung hat, Klage gegen Euch vorbringen kann bei
„gefälligen Behörden”. — Der Figaro erklärt: Es bedurfte
keiner Unterſuchung; es war Sache des Juſtizminiſters, ſich
und uns über dieſe Affäre zu unterrichten und unverweilt
ſeinen Ermittelungen die erforderlichen Maßnahmen
fol=
gen zu laſſen.
* London, 27. Juli. Falls die beabſichtigte=
Er=
neuerung des Buckinghamſchen Palaſtes
nicht ſofort in Angriff genommen werden ſollte, wird
der Palaſt nunmehr von König Georg bezogen
werden als amtlicher Wohnſitz. Die Abreiſe der
Kö=
nigin Alexandra und ihrer Schweſter, der Kaiſerin
Marie von Rußland, vom Buckingham=Palaſt nach
Sandringham iſt vorläufig für den Beginn der
näch=
ſten Woche feſtgeſetzt worden, wahrſcheinlich für
Diens=
tag oder Mittwoch. Die Kaiſerin Marie iſt
immer noch etwas leidend, aber es wird angenommen,
daß ſie bis zum Tage der Abreiſe vollſtändig wieder
hergeſtellt ſein wird. Die beiden Majeſtäten werden
in Norfolk ſich ungefähr eine Woche aufhalten, von wo
aus die Kaiſerin Marie nach Dänemark und
Köni=
gin Alexandra nach Schottland abreiſen werden.
Das genaue Datum der Abreiſe der Königin
Alexan=
dra von Sandringham wird von dem Fortſchritt der
Kur der Prinzeſſin Viktoria in Harrogate abhängen.
Gemäß bisherigen Arrangements wird die Kur der
Prinzeſſin ungefähr am 10. Auguſt beendet ſein und
wird die Prinzeſſin ihre Mutter nach Schottland
be=
gleiten. Die Königin und die Prinzeſſin werden, wiet
bekannt gegeben wurde, auf dem Schottiſchen Sitz des
Herzogs von Fife ungefähr zwei Monate verweilen.
Das Gerücht, daß die Königin=Mutter demnächſt!
Gmunden einen Beſuch abſtatten wird, iſt noch ziemlich
unbeſtimmt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 29. Juli.
— Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Ortsgerichtsmann Ludwig
Crößmann VII. in Pfungſtadt das Allgemeine
Ehren=
zeichen mit der Inſchrift „Für langjährige treue Dienſte‟
verliehen.
Die unkündbare Anſtellung wurde den
Loko=
motivführern Heinr. Wolf zu Darmſtadt, Th. Wagner
zu Wald=Michelbach, Jak. Weber zu Mainz, Michael
Ries zu Frankſurt a. M. und Joh. Schöpflin zu
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
nge. Zum Tode der Prinzeſſin Jeanne
Wonaparte. Die meiſten Pariſer Blätter haben ſich
begnügt, ihren Leſern den Tod der Prinzeſſin Jeanne
Bonaparte, Marquiſe de Villeneuve=Esclapon, mit
einigen dürren Worten mitzuteilen und zu erwähnen,
daß ſie die einzige Schweſter des Prinzen Roland
Bonaparte, folglich eine Tante der Prinzeſſin Georg von
WGriechenland war. Und doch ließe ſich über die Prin=
Beſſin, namentlich über ihren Urſprung, manches
In=
ttereſſante erzählen. Sie iſt in einem Sanatorium in
ider Rue Bizet in Paris geſtorben und hat nur ein
Alter von 48 Jahren erreicht. Denn ſie war am 25.
September 1861 in L’Abbaye dOrval in Belgien
ge=
boren als eine Tochter des Prinzen Peter Bonaparte.
Ihr Vater, Lucien Bonapartes vierter und
ungeraten=
ſſter Sohn, war das Enfant terrible ſeiner Familie
während des zweiten Kaiſerreiches, zu deſſen Sturz er
durch ſeinen ſkandalöſen Wandel, beſonders durch die
Erſchießung des Journaliſten Viktor Noir, nicht
un=
zweſentlich beitrug. Prinz Peter Bonaparte, der einen
Hang zu Abenteuern aller Art hatte, lebte nacheinander
mit zwei Schweſtern zuſammen, armen Näherinnen
und Töchtern eines einfachen Arbeiters namens Ruflin
Die Eine hatte ihm bereits Vaterfreuden bereitet, als
er die andere, Eleonore Ruflin, zur Gefährtin ſeines
Daſeins wählte und ſich mit ihr am 22. März 1853 in
Paris kirchlich trauen ließ. In bürgerlicher Hinſicht
hatte dieſe Trauung natürlich gar keinen Wert. Dem
Staate gegenüber waren daher die beiden Kinder,
Ro=
land und Jeanne, die Marie Ruflin dem Prinzen
ſchenkte, illegitim und hatten keinen Anſpruch auf den
Namen und Stand ihres Vaters. Erſt nach dem Sturze
des zweiten Kaiſerreiches, am 30. Dezember 1871, ließ
Prinz Peter Bonaparte ſich mit Marie Ruflin auf
der franzöſiſchen Geſandtſchaft in Brüſſel auch
ſtandes=
amtlich verheiraten. Aus Frankreich vertrieben, hatte
der Prinz damals ſchwer mit Nahrungsſorgen zu
kämpfen und ſeine Frau, die nunmehr eine rechtmäßige
Prinzeſſin Bonaparte war, mußte wieder zur Nadel
greifen, um für ihn und ihre beiden Kinder Brot zu
ſchaffen. So wuchſen Prinz Roland und Prinzeſſin
Jeanne Bonaparte in den beſcheidenſten Verhältniſſen
auf. Der Prinz Roland kam dann ſpäter auf die
Offiziersſchule von Saint Cyr und diente als
Unter=
leutnant im 36. franzöſiſchen Infanterie=Regiment, bis
ihn das ſogenannte Prätendentengeſetz zum Abſchiede
zwang. Durch ſeine Heirat mit Marie Félix Blanc,
einer der Töchter des Spielpächters von Monte Carlo,
war er inzwiſchen in den Beſitz eines ungeheueren
Vermögens gelangt, das ihm erlaubte, ſeine Schweſter,
die durchaus keine Schönheit war, auszuſtatten und
ihr in der Perſon des Marquis Henri de Villeneuve=
Esclapon einen ſtandesgemäßen Gatten zu beſorgen.
Als Marquiſe de Villeneuve ſpielte die Prinzeſſin
Jeanne Bonaparte in Paris eine nicht unbeträchtliche
Rolle, obwohl man ihr in gewiſſen exkluſiven Kreiſen
die unregelmäßige mütterliche Herkunft nicht vergeſſen
wollte. Das änderte ſich aber, als ihre Nichte, Marie
Bonaparte, die Erbin der Blaneſchen Millionen, die
Gemahlin des Prinzen Georg von Griechenland wurde,
damit in den Kreis der regierenden Familien Europas
eintrat. Die ehrgeizige Prinzeſſin Jeanne, die von
ſechs Kindern überlebt wird, hat ſich dieſes
Familien=
glückes nicht lange erfreuen dürfen. Ihr früher Tod
ſchließt jetzt die Salons ihres Hotels in der Rue de
Prony, wo ſich in den letzten Jahren die vornehmſte
Pariſer Geſellſchaft traf.
nge. Ein fürſtlicher Mönch, der ſeinen
Enkel tauft. Eine in ihrer Art ſeltene Feier wurde
dieſer Tage in einer Familie der römiſchen
Ariſto=
kratie begangen. Der Herzog und die Herzogin von
Sora ließen ihr jüngſt geborenes Kindlein, das zweite
ihrer Ehe entſproſſene, taufen, und die Taufe vollzog
— der eigene Großvater des kleinen Täuflings! Der
Herzog von Sora, ſeit zwei Jahren mit der ſchönen
und anmutigen Marcheſa Nicoletti Prinetti Caſtelletti
verheiratet, iſt ein Boncampagni=Ludoviſi, ein Sproß
jenes alten, jedem Kunſtfreunde wenigſtens dem Namen
nach bekannten römiſchen Patriziergeſchlechtes. aus
dem zwei Päpſte, Gregor XIII. und Gregor XV.,
her=
vorgegangen ſind und das die deutſche
Reichsfürſten=
würde ſchon 1509 vom Kaiſer Maximilian I. erhielt,
als es das Fürſtentum Piombino erwarb. Der
der=
zeitige Principe di Piombino, ein 78jähriger Herr, iſt
der Großvater des jungen Herzogs von Sora, und
deſſen Vater, Prinz Ugo Boncampagni=Ludoviſi, ging
ins Kloſter, nachdem er zwei Frauen, eine Marcheſa
Patrizi und eine Prinzeſſin Altieri, nach kurzen Ehen
durch den Tod verloren hatte. Er bekleidet auch das
Amt eines päpſtlichen Protonotars. Kraft ſeiner
geiſt=
lichen Würde konnte er die Taufe ſeines Enkelkindes
vornehmen, und deſſen Urgroßvater, der Fürſt von
Piombino, wirkte als Taufpate. In der
proteſtanti=
ſchen Kirche iſt ein ſolcher Fall gewiß ſchon mehr als
einmal vorgekommen, aber in der katholiſchen
ſchwer=
lich je zuvor.
* Joſeph Kainz. Folgende Einzelheiten aus
dem Vertrag, den Joſeph Kainz mit dem
Burg=
ſtheater abgeſchloſſen hat, werden intereſſieren. Der
Vertrag feſſelt den Künſtler jährlich für ſechs Monate
ſtändig an das Burgtheater. Kainz erhält für dieſe
Zeit eine Gage von 90000 Kronen, die bisher vom
Burgtheater noch keinem Künſtler gezahlt worden iſt.
Wenn Kainz nach ſechsmonatlicher Tätigkeit erkranken
ſollte, ſo wird die Gage gekürzt, doch darf das Gehalt
des Künſtlers keinesfalls unter ein gewiſſes Minimum
ſinken, deſſen Höhe nicht bekannt iſt, das aber zwiſchen
zwanzig= und vierzigtauſend Kronen ſich bewegen ſoll.
Dieſen Betrag erhält Kainz auch, wenn er das ganze
Jahr hindurch krank ſein ſollte. Die Feſtſetzung der
Minimalgage war bekanntlich Gegenſtand der länger
dauernden Verhandlungen, da Kainz auf die
Krank=
heitsklauſel nicht eingehen wollte, ſondern erklärte,
nur einen Vertrag mit voll garantierten Bezügen
ſchließen zu wollen. Ein ſehr herzlicher Brief Baron
Bergers, der Kainz die Situation erklärte, und der
Wunſch des Künſtlers, am Burgtheater zu bleiben,
führten zur Einigung. Kainz beginnt am 1. November
ſein Gaſtſpiel in Berlin. Er benützt dann den
De=
zember, während deſſen ſeine Anweſenheit in Wien
nicht dringend notwendig iſt, zu weiterer Erholung
und tritt ſein neues Engagement am Burgtheater am
1. Januar 1911 an.
— Ein Denkmal für die Toten der
„Maine‟ In New=York iſt nun endlich der
defini=
tive Beſchluß gefaßt worden, das großartige Denkmal,
das der Erinnerung an die beim Untergang der
„Maine” Geſtorbenen gewidmet ſein ſoll, am Eingang
des Zentral=Parks, da, wo die 8. Avenue und die 95.
Straße einmünden, zu errichten. Seit dem Jahre 1902
wurden Verhandlungen gepflogen, um einen
geeig=
neten Platz für das Monument zu finden; ſeit 1908
hatte man ſich auf den nun gewählten Platz geeinigt,
doch wird jetzt die Stätte des Denkmals etwas zurück
in den Park verlegt, damit kein Verkehrshindernis
entſtehen kann. Der Bau, der mit einem
Koſtenauf=
wand von 100000 Dollars ausgeführt wird, wird in
einem monumentalen Eingangstor beſtehen, das in
den Zentral=Park führt und von zwei Gartenhäuſern
flankiert wird. Das Material, das zur Verwendung
kommt, iſt Knoxville=Marmor; die große Gruppe, die
das Ganze krönen ſoll, wird in Bronze gegoſſen
werden.
ck. Rodins Landſchaft. Auguſt Rodin ſiſt
ſeine Landſchaft geſtohlen worden. Nicht etwa ein
Kunſtwerk, das der berühmte Bildhauer in ſeinen
Mußeſtunden gemalt hätte, ſondern die wundervolle
Ausſicht, die die Hand der Natur rund um ſeine Villa
in Meudon=Clamart geſchaffen hat. Der Fleck Erde,
den ſich der Meiſter für ſeinen Wohnſitz und ſein
Atelier ausgewählt hatte, iſt einer der maleriſchſten in
der ganzen Umgegend von Paris. Von ſeinem
Gar=
ten aus hatte er den herrlichſten Blick auf ein Tal,
durch das die Seine ihren grünumbuſchten Pfad ſchlingt
und hinter dem der Mont Valérien im Nebelduft
auf=
ragt. Die reinſte Freude, die beſte Erholung, die
ſchönſte Anregung zu neuem Schaffen bot ihm dies
wundervolle Naturbild, von dem er ſich nicht träumen
ließ, daß es ihm eines Tages geſtohlen werden könne.
Aber eines Morgens ſah er eine Anzahl Arbeiter auf
dem Grundſtück graben, das gerade vor dem ſeinen
liegt. Dann kamen eine Menge Maurer, und es
dauerte nicht lange, da erhob ſich eine ſolide Mauer,
die ſich als ein gewaltiger Zaun von einigen 100 Fuß
Simmern, dem Zugführer Chriſt. Denk zu
Aſchaffen=
burg, dem Werkführer Ludw. Morchel zu Darmſtadt,
den Eiſenbahnunteraſſiſtenten Mich. Litzius zu Nieder=
Flörsheim, Ph. Meiſter zu Mainz, Joh. Reitz zu
Heidesheim, Ph. Rathgeber zu Groß=Rohrheim und
Ludw. Roth zu Stockſtadt a. Rh., den
Bahnhofsauf=
ſehern Ph. Reitzel zu Biebrich, Heinr. Spengler zu
Weiterſtadt, Jak. Menz zu Viernheim, Friedr.
Mans=
hardt zu Gundheim, Wilh. Münch zu Abenheim,
Joh. Keil zu Albig, Heinr. Frick zu Gimbsheim und
Wilh. Schmitt zu Groß=Rohrheim, den Weichenſtellern
1. Klaſſe Pet. Schamber zu Kranichſtein und Heinr.
Spindler zu Monsheim, dem Wagenmeiſter Wilh.
Gilbert zu Alzey, den Schirrmeiſtern Wilh. Beſt zu
Mainz und Friedr. Wennesheimer zu Worms, den
Maſchinenwärtern für elektriſche Anlagen Pet. Schnell
und Ph. Trompp beide zu Darmſtadt, ſämtlich in der
Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft, verliehen.
Militärdienſtnachrichten. Ilſe, Oberſt und
Chef des Generalſtabes des XVIII. Armeekorps zum
Kommandeur des Niederſächſ. Fußart.=Regts. Nr. 10,
v. Hofacker, Königl. Württemberg. Oberſt,
komman=
diert nach Preußen, bisher Kommandeur des Ulan.=Regts.
König Wilhelm I. (2. Württemberg.) Nr. 20, dem
General=
ſtabe der Armee überwieſen und zum Chef des Generalſtabes
des XVIII. Armeekorps ernannt. Zur Dienſtleiſtung
kommandiert: Frhr. von Hammerſtein=Equord,
Oberſtl. im 1. Garde=Regt. zu Fuß und Militärattaché
bei der Botſchaft in Rom, vom 2. bis 22. September 1910
zur Großh. Heſſ. (25.) Div. v. Struenſee, Hauptm.
und Komp.=Chef im Gren.=Regt. König Friedrich
Wil=
helm IV. (1. Pomm.) Nr. 2, mit Patent vom 19. Auguſt
1900 in das Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 116, Balthaſar, Hauptm. und Komp.=Chef im
Inf.=Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117,
mit Patent vom 17. Mai 1901 in das Inf.=Regt. Prinz
Moritz von Anhalt=Deſſau (5. Pomm.) Nr. 42 verſetzt.
Trupp, Hauptmann im Inf.=Leibregt. Großherzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, zum Komp.=Chef ernannt.
Anger, Oberlt. im Inf.=Regt. Prinz Karl (4. Großh.
Heſſ.) Nr. 118, der Abſchied mit der geſetzlichen Penſion
bewilligt mit der Erlaubnis zum Tragen der Regts.=
Uniform. Die Aſſiſt.=Aerzte der Reſ.: Dr.
Wecker=
ling (II Darmſtadt), Klein (Mainz) zu Oberärzten,
die Unterärzte der Reſ.: Dr. Klein (Gießen), Dr.
Ebner (Mainz) zu Aſſiſt.=Aerzten, Dr. Kranich,
Veterinär beim Garde=Drag.=Regt. (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 23, zum Oberveterinär befördert. Karſtedt,
Ober=
veterinär beim Großh. Artilleriekorps, 1. Großh. Heſſ.
Feldart.=Regt. Nr. 25, zum Ulan.=Regt. Großherzog
Friedrich von Baden (Rhein.) Nr. 7, verſetzt. Befördert:
Gr. v. Hardenberg (Torgau), Lt. der Reſ. des Leib=
Drag.=Regts. (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24 zum Oberlt; die Lts.
der Reſ.: Moench (I Darmſtadt) zum Oberlt. der Reſ.
des Großh. Heſſ. Train=Bats. Nr. 18, Schönberger
(Mainz) zum Oberlt. der Landw.=Inf. 1. Aufgebots.
Pennrich (Mainz), Lt. a. D., zuletzt im damal. Füſ.=
Regt. von Gersdorff (Heſſ.) Nr. 80, als Lt. mit Patent
vom 19. Juni 1901 bei den Offizieren der Landw.=Inf.
2. Aufgebots angeſtellt. Der Abſchied bewilligt:
Ja=
cobi (I Darmſtadt), Oberlt. der Landw.=Feldart. 2.
Auf=
gebots, Richrath (I Darmſtadt), Lt. der Landw.=
Fuß=
art. 2. Aufgebots.
C Ueber den Nachfolger des Herrn Geheimerat
Eiſen=
huth, als Leiter der Schulabteilung Großh. Miniſteriums
des Innern, ſind in verſchiedenen Blättern
Mitteilun=
gen gebracht worden, die, wie wir an zuſtändiger Stelle
erfahren, ſämtlich auf Vermutungen beruhen
und jeder tatſächlichen Grundlage
ent=
behren.
L. Ferienſtrafkammer. Die 19 Jahre alte Dienſtmagd
Eliſab. Garſt von Hettenleidelheim, welche als guter
Leute Kind bezeichnet wird, ſchlug, während ſie in
Griesheim diente, ſehr aus der Art. Sie trieb ſich
auf dem Uebungsplatz herum und führte einen
un=
ſittlichen Lebenswandel. Am 7. Juni wurde ſie feſt=
genommen, womit das Treiben ein Ende hatte. Bei
Feſtſtellung ihrer Perſonalien mochte ſie ſich ihres
ehr=
lichen Namens ſchämen und gab einen anderen an.
Sie wurde wegen intellektueller Urkundenfälſchung zu
3 Wochen Gefängnis, von welchen 14 Tage
durch die Unterſuchungshaft verbüßt ſind, und wegen
des unzüchtigen Lebens zu 19 Tagen Haft verurteilt.
— Der 29 Jahre alte Maurer Johann Steph. Stepp
von Lützel=Wiebelsbach wurde wegen
Sittlichkeitsver=
gehens im Juli 1906 in Offenbach und am 19. Juni
dieſes Jahres in der Gemarkung König nach
nicht=
öffentlicher Verhandlung zu einer Gefängnisſtrafe
von 1 Jahr verurteilt; 1 Monat und 1 Woche ſind
durch die Unterſuchungshaft verbüßt. — Der 18 Jahre
alte Fortbildungsſchüler Heinrich Trumpfheller
von Michelſtadt, der die Flegeljahre gründlicher
aus=
nützt, als dies ſonſt üblich iſt, zeichnet ſich in einer
Weiſe durch Jähzorn und Unbotmäßigkeit aus, daß
ſeine Lehrer nicht zu beneiden waren. Er verhöhnte
ſie bei der Abfaſſung ſchriftlicher Aufgaben und
ge=
brauchte, als er eine Arreſtſtrafe verbüßten ſollte, die
gröblichſten Schimpfworte. Zur Abwechſelung rief er
auch einmal einen Lehrer, den er vorher nicht gegrüßt
hatte, vor dem er ſogar ausgeſpieen hatte, ſchallend
„Guten Tag, Herr Lehrer” zu. Das Schöffengericht
verurteilte ihn wegen Beleidigung zu 3 Wochen
Ge=
fängnis, ſtellte jedoch in Ausſicht, daß er bei
län=
gerer guter Führung die Strafe nicht abzuſitzen haben
werde. Er verfolgte Berufung und benahm ſich in
einer Weiſe, daß wenig Ausſicht dafür vorhanden iſt,
daß die Verbüßung der Strafe unterbleiben kann. Das
Rechtsmittel wurde koſtenpflichtig verworfen. —
Der Handarbeiter Hieronymus Clenk von Dieburg,
der jüngſt erſt zwei Monate Gefängnis erlitten hat,
bezog weitere 6 Wochen, weil er unter Mißbrauch
des Namens ſeines Bruders eine Alzeyer Firma auf
einen Wechſel mit 300 Mark hereingelegt hatte.
* Schülerwanderungen. Man ſchreibt uns: Am
19. und 26. Juli verſammelte ſich jedesmal gegen 7 Uhr
am Friedhof eine ſtattliche Schar von Wanderern. Ein
Hamburger Herr, der zum Studium heſſiſcher
Einrich=
tungen ſich eben in Darmſtadt aufhält, nahm an beiden
Wanderungen teil. Am erſten Tag führte der Weg
zu=
nächſt nach Burgwald, wo wegen des heftigen Regens
unter einer Halle gefrühſtückt wurde; dann ging es die
Himmelsleiter hinauf nach dem Frankenſtein und von
da auf bequemeren Wegen nach dem Felsberg. Die
Halle am Turm konnte noch gerade erreicht werden, als
ein heftiger Gewitterregen niederging. Nach längerer
Mittagsraſt wurde dann der Weg nach Bensheim
an=
getreten, doch bald brach ein zweites Gewitter aus jetzt
gewährte die Auerbacher Hütte den Wanderern Schutz
vor dem ſtrömenden Regen. Weil das Wetter ſich nur
langſam beſſerte, wurde raſch nach Auerbach marſchiert.
Dort nahm der Zug die zwar etwas naſſen, aber
ver=
gnügten Wanderer auf, die eine gute Stunde früher, als
beabſichtigt war, zu Hauſe wieder eintrafen. — Am
letzten Dienstag wurde zunächſt der Schnampelweg
be=
nutzt zum Marſch an der Darmquelle und der
Ludwigs=
eiche vorbei nach Ober=Ramſtadt. Dann wurde abſeits
von den Markierungen, meiſt auf herrlichen Waldpfaden,
manchmal allerdings mit kleinen Umwegen, nach Rodau
gewandert und dann Lichtenberg beſucht. Hier nahmen
die Wanderer Abſchied von einem Herrn vom
Oden=
waldklub, der auch an der vorigen Wanderung
teil=
genommen hatte und nun von hier aus wieder nach der
Heimat zurückkehren wollte. Nach der Mittagsraſt auf
einem ſonnigen Hang führte der Weg nach Brensbach;
der Schuſter war leider nicht zu bewegen, raſch den nach
Luft ſich ſehnenden Abſatz des Gaſtes wieder in
Ord=
nung zu bringen, und ſo wurde denn gleich
weiter=
marſchiert nach dem Eberhardtsbrunnen, deſſen friſches
Naß den durſtigen Wanderern wohl mundete. Nach
einer Stunde war dann auch der Otzberg erreicht, raſch
wurde noch der Turm erſtiegen, der herrlichen Rundblick
gewährte, und dann — der Zug wartete nicht, und der
von der letzten Wanderung wohlbekannte Regen brachte
ſich zu guterletzt doch noch kurz in Erinnerung — nasd
Lengfeld geeilt. Programmäßig wurde nach der ſchönes
Wanderfahrt die Reſidenz wieder erreicht.
— Die Vereinigte Ortskrankenkaſſe hält am
Montag, den 1. Auguſt, ihre ordentliche Generall,
verſammlung ab. (Näh. ſ. Anzeige.)
— Großer Preis von Darmſtadt. Das gelegen
lich des Großen Radwettfahrens am nächſten Sonntag
den 31. Juli, auf der Radrennbahn an der Heidelbergen
ſtraße ſtattfindende Motorrennen hat dieſes Mau
eine ſcharfe Beſetzung. Es ſtarten: Herm. Heckel=Wies
baden auf Puch, Joh. Wohn=Mainz auf Neckarſulm
Herm. Lunz=Nürnberg auf Mars, Ernſt Chriſt=Frankfun
auf Neckarſulm, Knoll=München auf Triumph und Otteg
Glöckler=Frankfurt auf Neckarſulm. Der letztgenannt=
Motorfahrer hat beim letzten Rennen am 26. Juni mi
ſeinem Neckarſulmer Motor alles geſchlagen. Auf das
Zuſammentreffen obiger Mannſchaft iſt man ſehn
geſpannt.
C Die Karnevalgeſellſchaft „Narrhalla” hatte Mili
woch abend, wie das ſchon ſeit Jahrzehnten üblich
geweſen, ihre Redner und Liederdichter und ſonſtigen
fördernden Freunde ihrer ſchönen Sache zu einemger
mütlichen Beiſammenſein im Oberwaldhaus vereintt
Der Abend verlief, wie immer, aufs ſchönſte. In Reh
und Gegenrede kam das gegenſeitige herzliche undech
karnevaliſtiſche Verhältnis zum Ausdruck, das in
dies=
ſem Kreiſe wohl vorübergehend einmal — wo käme
das nicht vor — leicht beſchattet, aber nie getrübt
wels=
den kann. In beſonders herzlicher Verehrung wurd
des Präſidenten Herrn Max Anſpach gedacht,en
nunmehr ein Vierteljahrhundert hindurch ſeine
un=
ſchätzbaren Dienſte der ſchönen Sache des Karnevalss
widmet, und zwar die ſämtlichen 24 Jahre als Präſſ=. Man fand ſich einig in dem Gedanken, daß dieſe
und das Jubiläum des erſten Faſtnachtszugen
in Darmſtadt im nächſten Jahre — 1911 — glänzen
gefeiert werden ſoll. Lieder und deklamatoriſche
Vol=
träge verſchönten den Abend, der einen hübſchen A
ſchluß fand in der von Herrn Chefredakteur H
Fiſcher angeregten Sammlung einer kleinen Ehren
und Dankesgabe für den bejahrten Komponiſten
Ludolf Waldmann, deſſen gemütvolle Lieder,ge
ſungen von Herrn Fey, vorher die Anweſendenen
freut hatten.
n. Beſtrafte Milchpantſcher. Als Vollmilch hier
feilgehaltene Ware ergab bei der chemiſchen Unten
ſuchung einen Mindergehalt von Fett (unter den
läſſigen 3 Prozent), ſowie eine Wäſſerung von 11 bi
15 Prozent, obwohl nach der Stallprobe die betreffen
den Kühe einwandfreie Milch gaben. Die beiden B
ſitzerinnen, Witwe Maria Trempel und Peter Frey I
Ehefrau in Wixhauſen, die erfolglos zufällige Bei
mengung des bekannten „Schwenkwaſſers” vorſchütz
ten, wurden geſtern vom Schöffengericht hier wegen
Nahrungsmittelfälſchung zu je 15 Mark, der Händler
der die Milch fahrläſſig feilgehalten hatte, Daniel Frey
in Wixhauſen, zu 10 Mark Geldſtrafe verurteilt,
— Die Stenographen=Vereinigung „
Gabels=
berger” veranſtaltet am Samstag, 30. Juli, in den=
Räumen des „Heiligen Kreuzes” ein Sommernacht=Feſt
mit Ball. (Siehe Anzeige.)
* Heſſiſcher Hof. Das morgige Konzert im
Heſſiſchen Hof wird von der Kapelle des Großh. Heſſ
Art.=Regts. Nr. 61 unter Herrn Webers Leitung aus
geführt. Das Programm iſt wie gewohnt ſehr intereſt
ſant und bringt im 1. Teil deutſche, im 2.T
italieniſche Kompoſitionen und im 3. Teil hiſtoriſ
Werke. U. a. kommen auch die beliebten Fanfan
märſche für Altdeutſche Trompeten, als beſondere Numm
die Präſentiermärſche aller hieſigen Truppenteile, und
zum Schluß Harmoniſcher Zapfenſtreich und Gebet zum
Aufführung. (Siehe Anzeige.,
— Im Reſtaurant zur Oper findet jeden Sonntag,
Dienstag und Freitag Künſtler=Konzert ſtatt. (
Näheres=
ſiehe Anzeige.)
Länge und etwa 70 Fuß Höhe darſtellte. Was
bedeu=
tete dies wunderliche, furchtbare Bauwerk, das ihm
auf einmal den Blick in Gottes freie Natur abſchnitt
und ihn wie hinter Kerkermauern ſchmachten ließ?
Nun, es war einfach ein rieſiges Reklameſchild, auf dem
einige findige Fabrikanten ihre neueſten,
weltbeglücken=
den Erzeugniſſe in möglichſt großer Schrift möglichſt
weithin über das Land allen Augen ſichtbar machen
wollten. Rodin war außer ſich. Er wandte ſich an den
Gemeinderat von Meudon und bat, dieſe unerhörte
Verſchimpfierung der Landſchaft zu verbieten. Der
Gemeinderat hielt eine Sitzung; die Bewohner von
Meudon veranſtalteten eine Verſammlung, in der ſie
Proteſt gegen dieſe Reklamemauer einlegten. Ob aber
alle dieſe Beſchlüſſe von Erfolg begleitet ſein werden,
iſt noch fraglich. Rodin hat jedenfalls noch einen
an=
deren Schritt getan: er iſt Mitglied des Vereins zum
Schutze der Schönheit der Landſchaft geworden und
hofft nun auf Erlöſung von ſeiner Pein durch dieſe
mächtige und einflußreiche Geſellſchaft.
* Das Düſſeldorfer Schauſpielhaus
(Direktion Dumont=Lindemann) tritt mit der
Eröff=
nung der neuen Spielzeit am 13. Auguſt er. in das
6. Jahr ſeines Beſtehens ein. Die erſte Vorſtellung
nach den Ferien bringt eine Anfführung von Goethes
dreiaktigem „Prometheus”=Fragment mit Beethovens
Muſik und zugleich mit ihr die Premiere von „Stella‟
die in Düſſeldorf, dem Theaterbrauch entgegen, mit
dem Originalſchluß gegeben wird.
Kleines Feuilleton.
* Der Elefant am Damenbadeſtrand.
Von der Nordſeeinſel Juiſt wird dem Hann. Cour.
folgendes Stranderlebnis übermittelt: Durch den
Sturm in den letzten Tagen ſind die verſchiedenſten
Gegenſtände an den Strand geworfen, die mit größtem
Eifer von den Badegäſten geſammelt werden zur
Aus=
ſtattung ihrer Sandbunzen. Freilich ſind die Erbauer
der Bunzen ſehr genügſam. Alte Körbe ohne Boden,
Kiſten, Planken, Rundhölzer, Flaſchen, Krüge, alte
Konſervendoſen: alles wird herangeſchleppt, um das
Werk ihrer Baukunſt auszuſtatten. Geſtern warf die
See jedoch einen Gegenſtand an den Strand, der von
allen bewundert, aber von keinem mitgenommen
wurde. Es war ein junger Elefant, d. h. ein toter, der
nachmittags die ganze Badegeſellſchaft in Aufregung
verſetzte. Am Damenbadeſtrand wurde während der
Badezeit ein großes „Etwas” mit jeder See weiter
herangeworfen, doch niemand hatte Ahnung, was es
ſſein konnte. Mit einem Male waren die Beobachter
ſtarr vor Erſtaunen über das, was ſie ſahen, denn ein
Elefant war es, der die badenden Damen überraſchte.
Es iſt ein junges Tier, etwa eineinhalb Meter lang,
und, wie feſtzuſtellen war, noch nicht lange im Waſſer.
Vielleicht iſt das Tier auf einem Transport nach
Ham=
burg. auf einem Dampfer verendet und dann über Bord
geworfen worden. Die Badegäſte hatten ein Ereignis,
wie es in einem Seebade noch nicht vorgekommen iſt.
In keinem zoologiſchen Garten kann ein Tier mehr
bewundert werden, wie hier das tote Elefantchen.
Wie alles ſeine Neugier befriedigt hatte, wurde das
meerumſpülte Baby auf Veranlaſſung der
Strandbe=
hörde in den Dünen verſcharrt.
* Die „Mordverſicherung” Aus New=York
wird berichtet: Mr. Ruſſell F. Hopkins, der junge
Millionär, der trotz ſeines jugendlichen Alters durch
ſeine Unternehmungen und exzentriſchen Einfälle in
Amerika ſeinen Ruhm begründet hat, iſt der Erfinder
einer neuen Verſicherung: der Mordverſicherung. Er
hatte bereits ſein Leben verſichert, hatte ſeine Unfall=,
ſeine Feuer=, ſeine Einbruchspolice, doch das genügte
ihm nicht mehr. Die Verbrechen und Taten der
Schwarzen Hand nehmen in Amerika immer mehr zu,
Mr. Hopkins iſt vorſichtig, und ſo ging er zu Lloyd
und beantragte eine Verſicherung gegen ſeine
Ermord=
ung. Der Antrag war neu, aber nachdem Mr.
Hop=
kins beeidet hatte, daß er keine perſönlichen Feinde
habe, von denen er Ermordung erwarten könne, kam
der Vertrag zuſtande. Er zahlt jährlich 100 Mark.
Sollte er ermordet werden, ſo wird die
Verſicherungs=
geſellſchaft 20000 Mark entrichten, die der Verfolgung
des Mörders zugute kommen. Wer den Mörder
ent=
deckt und var Gericht gegen ihn Zeugnis ablegen kann,
erhält eine Prämie von 8000 Mark, und die drei
wei=
teren wichtigſten Zeugen werden mit je 4000 Mark
bedacht.
nge. Das „Liftmädchen” ein neuer
Frauen=
beruf. Aus dem „Lande der unbegrenzten
Möglich=
keiten” kommt die Kunde von einem neuen Berufe
für Mädchen, die darauf angewieſen ſind, ſich ſelbſt ihr
Brot zu verdienen und auf eigenen Füßen zu ſtehen.
Und zwar handelt es ſich um einen Beruf, bei dem
man im buchſtäblichen Sinne „auf eigenen Füßen
ſtehen” muß. An der Univerſität Chicago hat man
den Verſuch gemacht, in dem den weiblichen Studenten
vorbehaltenen Gebäude die Liftjungen durch
Liftmäd=
chen zu erſetzen. Und es ſcheint, daß die Neuerung
eine Zukunft hat und daß das Liftmädchen bald, nicht
nur in Amerika, eine gewöhnliche Erſcheinung ſein
wird. In der Tat erfordert die Bedienung eines
modernen elektriſchen Fahrſtuhls wohl kaum mehr
körperliche und geiſtige Fähigkeiten, als ſelbſt der
grimmigſte Verächter des ſchwachen Geſchlechtes ihm
nicht abſprechen könnte.
C) An der Schwelle des Todes. Der
ehr=
würdige Miſſiſſippiſtrom, in dem ſo mancher
lebensmüde Bürger der Neuen Welt Ruhe und
Er=
löſung von den Nöten des Daſeins gefunden hat, war
am Sonntag der Schauplatz einer nicht alltäglichen
Szene, die tragiſch begann und unwiderſtehlich komiſch
endete. Brice Wommack, ein wohlhabender Farmer
aus Miſſouri, war ſeines Lebens müde geworden. Sein
häusliches Glück war zerſtört, Frau Mollie Anderſon
hatte den Familienfrieden zerbrochen. Frau Mollie
glaubte, ohne Brice Wommack nicht leben zu können.
Sie verfolgte ihn mit ihrer Liebe, und Brice Wommack
war nur ein ſchwacher Mann. Er unterlag, doch ſein
Gewiſſen ließ ihm keine Ruhe. Nie würde er Frau
Mollie vor der Welt ehrlich ſein eigen heißen können;
daheim ſaß die liebende Gattin und harrten fünf
Kin=
der auf den Vater. Brice Wommack beſchwor Frau
Mollie, ihn freizugeben: umſonſt. Mit einem heroiſchen
Entſchluß durchhieben ſie den gordiſchen Knoten:
ge=
meinſam wollten ſie in den Tod gehen, denn Frau
Mollie Anderſon drohte ohnehin mit Selbſtmord. An
einem trüben Sonntag=Morgen, noch ehe der Tag
graute, ſchritten die Beiden müde und ſterbensbereit
zum Ufer des Miſſiſſippi. Sie mieteten ein Boot,
fuh=
ren hinaus in die Mitte des Stromes; dann banden
die Beiden mit zwei ſtarken Stahlketten und einem
mächtigen Seil die bald lebloſen Körper aneinander
noch ein Blick nach Oſten, wo das kommende
Tages=
geſtirn den Horizont lichtete, ein letztes, trauriges
Lächeln, und Beide ſprangen vereint hinab in den
mächtigen Strom. Vielleicht war das Waſſer zu kalt
wer kann es ſagen: nachdem zweimal die Wellen über
den Köpfen des Selbſtmörderpaares zuſammengeſchlas
gen waren, ging in Frau Mollie Anderſon eine Wande
lung vor. Wie ein Blitz kam ihr die Erleuchtung, daß
ein Leben ohne Brice Wommack zwar bitter, aber im
merhin noch beſſer wäre, wie der Tod mit ihm. Siel
wollte nicht mehr ſterben, aus Leibeskräften ſchrie ſie
um Hilfe. Mit einem Arme erhaſchte ſie das Seil, an
dem das Ruderboot ſonſt am Ufer befeſtigt wurde, und
keine Macht der Welt vermochte ſie dazu zu bringen
das Seil wieder loszulaſſen. Brice Wommack
prote=
ſtierte empört gegen dieſen verſpäteten
Geſinnungs=
wechſel; da er ſchon angefangen hatte, wollte er auch
zu Ende ſterben, und er verlangte Erfüllung des
Vel=
trages. Aber Frau Mollie ſchüttelte das naſſe Haupt
und ſchrie um Hilfe Die Meinungsverſchiedenheiten
ſchienen unüberbrückbar, es entſpann ſich ein heftiger
Wortwechſel. Als keine Argumente fruchteten, griff
Brice Wommack zu einem Verzweiflungsmittelt
„Willſt Du mich freigeben, willſt Du allein leben, mich
und meine Familie in Frieden laſſen und künftig ſtill
der Reue leben?” Frau Mollie wollte anfangs nicht,
aber die Situation übte ihre Macht: nach kurzen,
energiſchen Verhandlungen ſtreckte ſie die Waffen und
man kam überein, getrennt weiterzuleben. Es war
höchſte Zeit, denn in dieſem Augenblick erreichte ein
Fiſcher das ſteuerlos auf dem Miſſiſſippi treibende
Boot und zog die beiden durch ſeeliſche und ſtählerne
Ketten ſo eng Verknüpften aus den Fluten. Fran
Mollie liegt jetzt im Krankenhaus und erholt ſich von
dem Bade; der arme Brice Wommack aber ſitzt im
lnterſuchungsgefängnis und iſt angeklagt, dem
Boots=
verleiher das Boot geſtohlen zu haben.
Vibrebe
Uder größer
Lahn und
Rinm ein bei
Alſagen iſt,
purde,
inuten
Heppenh
jäh
Nummer 175.
G. Meieorologiſches aus Heſſn. Der verſtoſene 1
kiſt auf den 6., wo Mainz mit 30,1 Grad an der
bttze ſteht (Darmſtadt: 30,0). Die Zahl der ſogen.
irmertage (Maximum wenigſtens 25 Grad) ſchwankt
Mit Gießen mit 77 auf, wogegen Mainz und Schotten in dieſem Sommer nur ganz vereinzelt bemerkbar.
t 65 melden. In Darmſtadt wurde ein Wert von
Wreitet. Auch hinſichtlich der Niederſchlagsverhält=
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Juli 1910.
Seite 5.
n
der Han=
Damiel
mernacht:
i biſtor
Fanfal!
re Numn
löen erſten Dekaden war, abgeſehen von lokalen
Aeeerfelden mit 195,4 Millimeter (Darmſtadt: 128,5,
Aei=bt. Hagelfälle waren am häufigſten in Ober=
Uſen, wo Meiches deren 5 notierte, während 18 Sta=
Aſonen davon ganz verſchont blieben (Darmſtadt: 3).
ie Gegenſätze bilden hier der Felsberg mit 5 und
Int ein bedeutendes, was insbeſondere vom Rhein zu
Uteen iſt, der von einer Hochwaſſerwelle durchlaufen
Alſiarde, deren Scheitel die heſſiſchen Pegel am 21.
ſtſſierte.
§ Wäſchediebſtahl. In der Nacht von Dienstag
Mittwoch wurden verſchiedene in einer Hofreite in
Schuknechtſtraße zum Trocknen aufgehängt geweſene
äſcheſtücke entwendet.
Nieder=Ramſtadt, 27. Juli. Von dem
Perſonen=
lſt g, der 11 Uhr 55 Minuten unſeren Ort zu
paſſie=
leu hat, wurde in der Nähe der Station ein Pferd
Al erfahren und getötet. Das Pferd ſcheint
Eigen=
um des Dragoner=Regiments Nr. 24 und dieſem
Allurchgegangen zu ſein. Genannter Zug erlitt zirka
0 Minuten Verſpätung.
Heppenheim, 27. Juli. Man ſchreibt uns: Auch
erurteillAllas diesjährige Kirchweihfeſt, Sonntag, 31. Juli, und
ig „GalaMontag, 1. Aug., dürfte ſich zu einem ſchönen Volksfeſt
Juli, ing Allettalten und dadurch auch unſere Stadt an den beiden
eigen der Anziehungspunkt und das Ziel vieler
emden werden. Sonntag, den 31. Juli, findet im
aſthof halber Mond” das vierte Militär=Abonne=
Il ntskonzert des Verſchönerungsvereins ſtatt. Die
Ahluſik ſtellt diesmal die Kapelle des 4. Großh. Inf.=
Alſtagts. Nr. 118 aus Worms. Die vorzüglichen Leiſt=
Alligen dieſer Kapelle, unter Leitung ihres bewährten
Albiutſikmeiſters Herrn Röſel, ſind hinreichend bekannt.
e Vortragsfolge iſt ſo gewählt, daß bei ungünſtiger
Kitterung das Konzert mit Streichmuſik im Saal aus=
Mſiunzert abgehalten, für welches ebenfalls ſchon eine
lſeiör ſchöne Vortragsfolge vorliegt. Zwiſchen den ein= aufgebahrt. Als Vertreter des Berliner Magiſtrats
hkelt. Nach Schluß des Konzerts iſt lediglich Tanz=
K-rchweihtag, 1. Auguſt, findet von 4 Uhr nachmittags
xanzvergnügen ſtatt; abends wird wiederum eine
(Fackelpolonäſe, durch den Garten veranſtaltet. (
Nähe=
ras ſiehe Anz.)
n. Höchſt i. O., 28. Juli. In der hieſigen Ein=
Ubtruchsunterſuchung wurden geſtern die
Ermit=
iellungen durch Kriminalkommiſär Daniel aus
Verdachtsmomente tags vorher alsbald drei Steinhauer
Anen hier, Georg Emig, Wilhelm Rummel und Jakob
ezolf in Haſt genommen worden waren. Sie
beſtrei=
ſamläßlich der früheren Einbrüche in Höchſt und
Nach=
karſchaft verdächtig, und Wolf beſand ſich wegen des
gewehr geſtohlen worden iſt und E. und R. wegen
Wil=
berei (erſterer mit 1½2 Jahren Gefängnis) vorbeſtraft
ſtnd, zog man ſie ſchon damals in Betracht, ohne jedoch Ohne Geldmittel beſtieg er einen in Groß=Roſen ſtehen=
Ageleert haben. Der fragliche Einbruch iſt ſehr gewalt= Spicker u. Co. vor dem Poſtſcheckamt entwendete, kaufte
unbeträchtlicher Schaden angerichtet. Der von
Darm=
größeren Anzahl von Perſonen den Wolf, vermochte
eser ſonſt keine Spur zu verfolgen.
trinken. Es darf noch konſtatiert werden, daß die war, fühlte ſich der junge Verbrecher dort nicht wohl..
betraut wurde,
i bot hinſichtlich ſeiner Temperaturverhältniſſe ernte iſt gegenwärtig hier in vollem Gange. Die Rock getragen haben, aus dem es ihm auf
unerklär=
ſeuffe Gegenſätze dar. Während die erſte Dekade im hieſigen und auswärtigen Händler verpacken täglich liche Weiſe verloren gegangen ſei. Jetzt ſtand er
wie=
meinen heiß und trocken war und die zweite gegen 100 und mehr Zentner, um ſie nach allen Gegen= der ohne Mittel da. Der Hotelwirt verlangte die Be=
Een annähernd normalen Verlauf nahm, herrſchte den Deutſchlands zu verſchicken. Das milde Klima zahlung der Rechnung. Unter Zurücklaſſung ſeines
Letzten Drittel ungewöhnliche Kühle. Die Extreme unſerer Gegend ermöglicht den Anbau der koſtbaren Koffers verſchwand Konrad, ohne die Rechnung zu be=
Monatsmittel ſtellen, wie das in der Regel der Südfrucht in größerem Maßſtabe. Die Mombacher Aprie= gleichen; und in ſeiner Not erinnerte er ſich der 10
iſt, Mainz und Ulrichſtin dar, welch letztere Sta= koſenplantagen, die jedem alten Soldaten der Main= Mark, die er Fritz Beyer gegeben hatte. Bei dem
Ver=
mit 14,4 Grad Celſius um 4,1 hinter Mainz zer Garniſon vom „Großen Sande” her bekannt ſind, ſuche, das Geld wiederzuerlangen, ereilte ihn dann
rückbleibt (Darmſtadt: 17,3). Am 27. ſank in zählen Tauſende der einträglichen Bäume, die faſt ſein Schickſal. Konrad iſt ein unſcheinbarer,
verloge=
ſrochſtein das Thermometer auf 5,5 Grad, während alljährlich eine gute Ernte liefern. Die diesjährige ner Bengel, der inbezug auf das Geld der Kriminal=
Mainz als tiefſter Stand 10,2 am 9. beobachtet wur= Aprikoſenernte darf als mittelmäßig bis gut bezeichnet polizei bei ſeiner Vernehmung die ſchönſten Märchen
It (Darmſtadt: 9,5 am 21). Die Höchſtſtände fielen werden. Strichweiſe ſind die Bäume zum Brechen voll erzählte. Er gab an, nach dem Diebſtahl ſeien ihm in
jedoch mit dem Ertrag durchaus zufrieden, zumal ſich abgenommen. Sie wollten mit ihm nach Italien ſah=
Pirchen 2 in Ulrichſtein und 10 in Offenbach (Darm= der Preis auf guter Höhe hält. Die Händler zahlen ren, hatten ihn dann aber auf dem Bahnhofe ſitzen
ik: 8). Der Monat war im allgemeinen ſonnnen= je nach der Qualität 22 bis 32 Mark pro Zentner. Die
lle narm. Den höchſten Prozentſatz der Bewölkung viel gefürchtete Aprikoſen=Blattfallkrankheit macht ſich Schwindel brachte er zuerſt hervor. Es ſteht auch noch
— Flonheim, 27. Juli. Zu einer
Senſations=
verzeichnet, der den Durchſchnitt um 15 über= affäre wächſt ſich jetzt die bereits gemeldete Verhaft= der bei dem Poſtamt 17 am Schleſiſchen Bahnhof
be=
lſe machten ſich ſchroffe Gegenſätze geltend. In den amerikaners Schultheis aus. Die amerikaniſche flüchtig geworden. Bergmann ſollte das Geld aus
ſewitterregen, Trockenheit vorherrſchend, während und man hofft, daß der Kaiſer den amerikaniſchen bringen, ergriff jedoch damit die Flucht, Die
bisheri=
dem 22. eine Regenperiode einſetzte, die überaus Staatsbürger begnadigen oder doch die Umwandlung gen Ermittelungen ergaben, daß er ſich zunächſt nach
ſſichliche Niederſchläge brachte. Die Gegenſätze unter der Gefängnisſtrafe in eine Geldſtrafe veranlaſſen ſeiner Maraiſtraße 3 im Seitenflügel gelegenen Woh=
Ar 47 Regenſtationen bilden Grünberg mit 65,8 und werde. In dieſem Sinne hat ſich nun auch der hieſige nung begab, wo er die Uniform mit einem blauen Au=
Gemeinderat in einem Gnadengeſuch an den Kaiſer
Mn. 52 über normal). Die größte Tagesſumme weiſt gewandt. Der Großh. Bürgermeiſter, ſowie das Kreis= Spur von ihm.
e igenſtadt am 12. mit 45,2 Millimeter auf, hinter amt Alzey haben das Geſuch aufs wärmſte befürwortet.
Darmſtadt mit 41,5 am 25. nur wenig zurück= Herr Schultheis genießt in New=York, wo er Inhaber der geſtern abend gegen 8 Uhr aus dem zweiten Stock
Alzey, 27. Juli. Heute vormittag kurz nach 6 Uhr
lie Zahl der Gewitter war ebenfalls ſehr bedeutend. ſtürzte der in der Mitte der 20er Jahre ſtehende
Maurer Jakob Mann, als er die etwas abſchüſſige ſeinen Verletzungen erlegen.
Straße am Kaſino hinabfuhr, mit dem Rade, wobei
Mtiebenhain mit 17 (Darmſtadt: 13). Die Waſſerſtände er mit voller Wucht mit dem Kopfe gegen die Mauer
größeren Flüſſe übertrafen mit Ausnahme der der Wirtſchaft zum Blumental ſchlug. Außer äußeren
ſton und des Mains den zehnjährigen Durchſchnitt Verletzungen am Kopfe zog ſich der junge Mann eine
Gehirnerſchütterung zu. Der Schwerverletzte
wurde von einigen Mitgliedern der freiwilligen
Sani=
tätskolonne, die ſofort alarmiert wurde, nach ſeiner
Wohnung verbracht.
Gießen, 27. Inli. In einer Sitzung des
Arbeits=
ausſchuſſes für die Erhaltung des Liebige
Labo=
ratoriums wurde ein Bericht über die bisherige
Tätigkeit gegeben. Der ausführliche Aufruf iſt in dem
Organ des Vereins deutſcher Chemiker, der Zeitſchrift
für angewandte Chemie, unterzeichnet von mehr als
200 angeſehenen Vertretern der chemiſchen Wiſſenſchaft
und Induſtrie, der Landwirtſchaft und der mit der
Chemie verwandten Gebiete beſonders der Phyſiologie
und Medizin, erſchienen. Schon jetzt, bevor noch der
Aufruf zur Sammlung von Spenden verſandt wurde,
iſt eine beträchtliche Summe eingegangen, ſo daß die
Aufbringung der nötigen Mittel erwartet werden
kann. Bei dieſer Sachlage hat ſich der Arbeitsausſchuß
an den Herrn Oberbürgermeiſter und die
Stadtver=
ordnetenverſammlung der Stadt Gießen mit dem
An=
trag gewandt, ihm ſchon jetzt mietweiſe das alte
Labo=
ratorium zur Wiederherſtellung im Einvernehmen
mit dem betreffenden ſtädtiſchen Bauamt zu überlaſſen.
Die Pläne hierzu liegen vor.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 27. Juli. In dem Aſyl
für Obdachloſe in der Wieſenſtraße fand Dienstag
Aeführt werden kann. Iſt das Wetter günſtig, dann nachmittag eine Trauerfeier für Guſt. Thölde der Mordtat verriet. So wußte er z. B., wo der Mör=
Alerd außer Abonnement von 8 Uhr ab ein zweites ſtatt. In der Halle, in der die Hödachloſen zunächſt ſich der die Schlüſſl zur Wohnung des Friedrichſchen
Ehe=
ſammeln, bevor ſie Aufnahme finden, war der Sarg
helnen Muſiknummern wird im Saale zum Tanz ge= bemerkte man in der Trauerverſammlung Stadtrat folglos geblieben waren, wieder Erpreſſungen gegen die
bourgnügen, und zwar ſo lange, als Freundinnen und lung war Leopold Roſenow und Waldeck=Manaſſe ge= als Urheber die beides Brüder Koppius, die ſtets ſehr
eunde hierfür vorhanden ſind. Während des Abend= kommen. Ein Doppelquartett des Königlichen Dom= elegant gekleidet gingen, obwohl ſie niemals arbeiteten.
onzerts wird der ſchöne Garten des Gaſthofes illu= chores leitete die Trauerfeier ein. Dann hielt
Waldeck=
mäniert und ſonſt beleuchtet: es wird prächtiges Feuer= Manaſſe die warmempfundene Gedächtnisrede. — In von der Kurverwaltung im Kurpark veranſtalteten
Imerk abgebrannt eine Fackelpolonäſe ausgeführt und Niederſchöneweide erhielt eine Familie in der Haſſel= Feuerwerk flog ein Feuerwerkskörper in den
Alnnech ſonſtige Ueberraſchungen geboten. Am zweiten werder Straße Nr. 12 einen Brief mit der Aufforder= Behälter, worin die übrigen noch lagen. Es entſtand
ung, eine Blechbüchſe mit 100 Mark vor einem eine Exploſion, wodurch die Fran des Werkmeiſters
dortigen Gartenlokale niederzulegen. Natürlich fehlte Bilken getötet und drei weitere Perſonen ſchwer
es auch an Drohungen in dem Briefe nicht, der ſofort verletzt wurden.
der Polizei übergeben wurde. Unterzeichnet war das
Schreiben mit: „Das Komitee der Einbrecher und Er= münder Kaiſer=Bollwerk vor Anker liegenden
Torpedo=
preſſer, G. m. b. H.‟ — Zu der Verhaftung des boot ſtürzte geſtern, nach dem Berliner Lokalanzei=
Darmſtadt fortgeſetzt, nachdem auf Grund gewichtiger Raubanfälle am Hauptpoſtſcheckamte ausführte, wird und ertrank. Nach mehrſtündigem Suchen konnte die
noch berichtet: Adolf Konrad wurde am 2. Oktober Leiche geborgen werden.
1895 in Berlin geboren und hatte ſeinen Eltern, die
beide ſeit einigen Jahren tot ſind, ſchon ſchwere Stun= gem Oſtwind Großfeuer aus, das fünf
Wohnhäu=
tan zwar die Beſchuldigung, doch waren ſie bereits den bereitet. Von früh auf hatte er einen Hang zum ſer ſamt allen Nebengebäuden in Aſche legte. Der
Vagabondieren. Mit elf Jahren wurde er bei einem Schaden iſt bedeutend. Die geſamte Ernte verbrannte.
Diebſtahl abgefaßt, nachdem er vorher ſeinen Eltern! Das Feuer entſtand durch ſpielende Kinder.
Efinbruchs bei Wirt Stockum ſchon einmal vorüber= Geld geſtohlen hatte. Er wurde dann bei einem
Ein=
loühend in Unterſuchungshaft. Da bei dem Einbruch bruch in der Swinemünder Straße abgefaßt und dar= Touriſten auf dem Hochgebirge vermißt. Die
im Hauſe des Forſtmeiſters Schlich hier ein Jagd= auf nach der Fürſorgeanſtalt in Groß=Roſen in Schle= ſeit zehn Tagen in Admont vermißten Breslauer Tou=
10. Mai entwich er, wie er erwähnt, aus der Anſtalt. daß ſie an der Sparferfelsſpalte verunglückt ſind:
Beweiſe erlangen zu können Vor dem Einbruch im den Güterzug und fuhr als blinder Paſſagier nach ſchen Boleslasz, der für einen in Leipzig lebenden
Amtsgericht ſollen die Drei abends in einem Steinbruch Berlin, wo er die Diebſtähle ausführte. Für die 1000 Franzoſen namens Mehaur im 8. Infanterie=Regiment in
Aein auswärts entwendetes Faß Bier gemeinſchaftlich Mark, die er am 2. Juli dem Lehrling der Firma Boulogne=ſur=mer ein halbes Jahr Dienſt gemacht hat,
Aſam ausgeführt und durch das Aufbrechen aller Be= er in der Brunnenſtraße, nachdem er den Tauſend= dann aber dem Oberſten des Regiments mitteilte, daß er
Mhültniſſe, ſowie ſonſtigen Unfug wurde, ohne daß den markſchein auf einer Bank in der Prinzenſtraße ein= Deutſcher ſei und in Stellvertretung diene, ſtand geſtern
Tieben Geld oder dergleichen in die Hände fiel, nicht gewechſelt hatte, einen neuen Anzug. Stiefel erſtand vor dem Kriegsgericht zur Verhandlung. Boleslasz
er in der Danziger Straße. Mit den neu erworbenen wurde zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Das Gericht
ſahdt mitgebrachte Polizeihund verbellte unter einer Kleidern ging er dann nach der Jungfernheide und ließ Milde walten, weil Boleslasz vorher 5 Jahre in der
zog ſich dort in einem Gebüſch um. Sein nächſter Ge= Fremdenlegion gedient hatte.
danke war, wie er wieder einen großen Beutezug
Hetzbach, 27. Juli. Die Typhus=Epidemie machen könne. Er nächtigte in verſchiedenen Herbergen veröffentlicht, der zufolge alle bisherigen von den
Zei=
kann als erloſchen betrachtet werden. Im ganzen und verbrachte das Geld auf den Rennbahnen Karls= tungen gebrachten Meldungen über die angebliche
Ver=
handelte es ſich um 15 Erkrankungen, bei denen leider horſt und Hoppegarten. Seine Verluſte überwogen haftung und das Geſtändnis Dr. Crippens
auich ein Todesfall vorkam. Die Urſache der Epidemie! die Gewinne, und nachdem der Tauſendmarkſchein ver= und ſeiner Geliebten vollſtändig erfunden ſeien. Die
war vermutlich die vorübergehende Verunreinigung braucht worden war, begab ſich Konrad wieder nach Polizei iſt bisher ohne weitere Nachricht und erwartet
tes ſogen. Ihrigsbrunnens, die weiteren Erkrankun= dem Hauptpoſtſcheckamt, wo er den bekannten Raub erſt heute eine drahtloſe Depeſche. Die offizielle
Verlaut=
gen kamen dann wohl durch Uebertragung vor. Die von 5800 Mark ausführte. Ein neuer Anzug, ein barung bemerkt noch, daß, wenn es ſich beſtätigen ſollte,
Sache iſt für unſere Landbevölkerung wieder einmal Panamahut, gelbe Stiefel ein Koffer und die nötige! daß die beiden verdächtigen Perſonen an Vord der
Sar=
eene Warnung, in Orten, in denen Waſſerleitung vor=Wäſche wurden gekauft. Dann löſte er ſich ein Billett diniat wirklich die Geſuchten ſind, ſie von der kanadiſchen
handen iſt, unter keinen Umſtänden an offenen Röh= nach Chiaſſo in Italien und dampfte in einem D= Polizei verhaftet und an England ausgeliefert werden
ienbrunnen oder gar aus den Wieſenbächen direkt zu Zuge ab. Da er der italieniſchen Sprache nicht mächtig würden.
ſkerzte der benachbarten Landſtädtchen während der Er hielt ſich nur einen Tag auf und fuhr auf demfel= ſchlofene Flaſche aufgefunden, die einen Zettel mit
Dauer der Epidemie voll und ganz ihre Schuldigkeit ben Wege wieder nach Berlin zurück. Er brauchte der Mitteilung in deutſcher Sprache enthielt, daß ſich
aber, um weiter ſicher leben zu können, eine Legiti= der Hamburger Dampfer „König” in Not befinde.
— König i. Od., 27. Juli. Das alte und das neue mation, die er ſich dann bei Fritz Beyer verſchaffte. Schiffahrtskreiſe glauben, daß es ſich um den Dampfer
Schloß Sr. Durchlaucht Fürſt Erbach=Schönberg er= Er trat als Willi Beyer auf, wohnte ſogar unter die= „König” der Deutſchen Oſtafrika=Linie handelt, der
fahren größere bauliche Veränderungen und Re= ſem Namen in einem Hotel in der Königgrätzer Straße nach Marſeille beſtimmt iſt und Sanſtbar gegen den
rovierungen; gleichzeitig wird eine Niederdruckdampf= und lebte nach wie vor auf großem Fuße. Konrad 1 20. Juli verlaſſen hat.
heizung eingeführt, mit deren Ausführung die Darm= beſuchte die Rennbahnen und kehrte von dort ſtets mit
ſädter Zentralheizungsfabrik, Ing. Heinrich Fritz, einem Automobil nach ſeinem Hotel zurück. Dann „Huollaga” iſt vor der Küſte von Pern
ver=
kleidete er ſich um und beſuchte Varietés und andere brannt. Drei Matroſen haben dabei ihr Leben ein=
Mainz=Rombah, 27. Zul. Die Aorikoſen. (Theater. Sein Geld wil er in einer Brieſtaſche im
behangen, während in anderen Teilen der Gemarkung der Friedrichſtraße zwei Männer entgegengekommen.
der Behang recht dürftig iſt. Im allgemeinen iſt man Dieſe hätten den Diebſtahl bemerkt und ihm das
Geld=
laſſen und ihm nur 300 Mark zurückgelaſſen. Dieſen
nicht feſt, ob ſeine anderen Angaben richtig ſind. —
Nach Unterſchlagung von 50 000 Mark iſt
ung und Beſtrafung des von hier ſtammenden Deutſch= ſchäftigte 33 Jahre alte Briefträger Ludwig Bergmann
Botſchaft in Berlin hat ſich der Sache angenommen, dem Packraum des Poſtamtes nach der Briefausgabe
zug und Strohhut vertauſchte. Seitdem fehlt jede
Frankfurt, 28. Juli. Der 9jährige Georg Gehrig,
einer großen Kunſthandlung iſt, beſonderes Anſehen. des Hauſes Kleiner Kornmarkt 7 herabgeſtürzt war
und ſich einen Schädelbruch und ſchwere innere
Verletzun=
gen zugezogen hatte, iſt heute im Kinder=Krankenhaus
Wiesbaden, 27. Juli. Der derzeitge Chefredakteur der
Wiesbadener Zeitung, C. Amend, übernimmt mit dem
1. September ds. Js. als Nachfolger von Julius Katz, der
aus Geſundheitsrückſichten zurückgetreten iſt, die
Chef=
redaktion der regierungsamtlichen Karlsruher Zeitung.
Aſchaffenburg, 28. Juli. Auf dem Büchelberg, nahe
der Stadt, fand man eine 30—40jährige Frauenleiche,
die im Hinterkopfe Schußverletzungen aufwies. Die
Per=
ſonalien der Toten konnten bis jetzt noch nicht feſtgeſtellt
werden.
Mannheim, 28. Juli. Geſtern abend gegen halb 11
Uhr brach in einem Fabrikgebäude der Badiſchen
Ani=
lin= und Sodafabrik in Ludwigshafen Großfeuer
aus. In dem Gebäude Nr. 270, für Erzeugung von
Anchydrid, entſtand eine Exploſion, der binnen kurzem
das ganze Gebäude zum Opfer fiel: Menſchen ſind
nicht zu Schaden gekommen.
Kolmar i. Elſ., 28. Juli. Geſtern mittag gegen 12
Uhr erſchoß ſich der Rittmeiſter Fäßler der erſten
Schwadron des 14. Dragoner=Regiments in Kolmar
i. Elſ. Den Grund zur Tat ſollen mißliche
Vermö=
gensverhältniſſe gebildet haben.
Leipzig, 27. Juli. Wie erinnerlich, wurde im
No=
vember 1908 in Leipzig das Ehepaar Friedrich ermordet.
Jetzt glaubt man, die Mörder in der Perſon von zwei
Brüdern, des 29 Jahre alten Karl und des 22 Jahre
alten Fritz Koppius gefunden zu haben, die auch in
dem Verdacht ſtehen, die Erpreſſungen an dem
Verlags=
buchhändler Weber, dem Herausgeber der Leipziger
Illu=
ſtrierten Zeitung, verübt zu haben. Im Dezember 1908
und im Februar 1909 hatte ſich an den Genannten ein
Erpreſſer ſchriftlich gewendet, der eine genaue Kenntnis
paares verſteckt hatte. Vor wenigen Tagen waren nun,
nachdem alle Nachſorſchungen nach dem Brieſſchreiber er=
Mielenz. Im Namen der Stadtverordnetenverſamm= Firma Weber verſucht worden. Die Polizei ermittelts
Bad Oeynhauſen, 28. Juli. Bei dem geſtern abend
Swinemünde, 27. Juli. Von einem am Swine=
Fürſorgezöglings Adolf Konrad, der die frechen ger, der poſtenſtehende Matroſe Kunze in den Hafen
Stegen bei Gruneck, 27. Juli. Hier brach bei hefti=
Graz, 27. Juli. Hier werden ſeit Samstag zwei
ſien gebracht. Dort blieb er ungefähr ein Jahr. Am riſten ſind noch immer nicht gefunden. Man befürchtet,
Paris, 28. Juli. Die abenteuerliche Affäre des Deut=
London, 27. Juli. Die Polizei hat eine Erklärung
Algier, 27 Juli. An der Küſte wurde eine ver=
Panama, 27. Juli. Der neue peruaniſche Dampfer
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Juli 1910.
Nummer 175.
gebüßt. Die Paſſagiere und die übrige Mannſchaft
ſind von dem Schweſterſchiff „Uncayali” an Bord
ge=
nommen worden.
Kunſtnotizen.
Aleber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
Kehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Blindenkonzert. Am Montag, den
1. Auguſt, findet im Saalbau ein Konzert des blinden
Konzert= und Oratorienſängers Heinr. Meyer
ſtatt. Ueber ein Konzert in Reichenbach ſchreibt das
dortige Tageblatt und Anzeiger: „Das Blindenkonzert
bot den Beſuchern, die in ſtattlicher Anzahl erſchienen
waren, ſchöne muſikaliſche Genüſſe. Die Darbietungen
der beiden Blinden ſtanden auf künſtleriſcher Höhe.
Herr Meyer=Hannover iſt ein gutgeſchulter Tenoriſt,
deſſen Stimme ſympathiſch und angenehm berührt, hell
und rein, gleich edlem Metall, kommen die Töne aus
ſeinem Munde. Ueber einen ausgiebigen Tenor
ver=
fügend, iſt ſeine Vortragsweiſe von gediegener
Aus=
geglichenheit, ſelbſt die höchſten Lagen bereiten ihm
keine Schwierigkeiten. Mit guter Ausſprache ſang Herr
Meyer die Lieder: „Hymne an die Nacht” von
Beethoven; Arie aus der Oper „Martha” von Flotow;
„Die beiden Grenadiere” und „Wanderlied” von
Schu=
mann; „Heinrich der Vogler” von Loewe: „Poſtillon
von Lonjumeau” von Adam; „An der Weſer” von
Preſſel und „Valſe Brillante” mit italieniſchem Text
von Luigi Arditi. Dem blinden Künſtler gelangen in
dieſen Geſangsvorträgen die Stellen feiner, zarter
Weichheit und die vollen Temperaments trefflich.”
Bei dem Konzert in Darmſtadt werden weiter
mit=
wirken Hans Lange=Frohberg (Violine) am
Flügel: Oskar Riege, Königliche Kammermuſiker.
(Näheres ſiehe Anzeige.)
Der Kursſtand der heſſiſchen Staatsanleihen.
Schon des öfteren iſt das allgemeine Thema „Der
Kursſtand unſerer Staatspapiere” behandelt worden und
faſt regelmäßig erſcheint es wieder auf der Bildfläche, wenn
der Tiefſtand der Fondskurſe aus den Kursberichten ſo
recht in die Augen fällt. Das Auftreten dieſer Depreſſion,
deren Gründe teils in der Bevorzugung der
Induſtrie=
papiere und ausländiſcher Wertpapiere, teils in der
Ueber=
flutung des Marktes mit Neuemiſſionen, teils in dem
Mißtrauen des Publikums in die Stabilität des
Zins=
fußes der Fonds gefunden werden, regt immer von neuem
zur Suche nach Abhilfsmitteln an. Ich will mich bei der
Beſprechung über die Gründe des Daniederliegens der
Fondskurſe nicht aufhalten, ſondern meine Ausführungen
lediglich der Empfehlung von Mitteln und Wegen widmen,
die zur Beſſerung der Kurſe unſerer Heſſiſchen Anleihen
führen könnten.
Ich knüpfe an die Ausführungen des Regierungsrats
Baſtian in einer Beſprechung des Kursſtandes unſerer
Staatspapiere an, in der er ſagt, daß er es den
Kapi=
taliſten als patriotiſche Tat anrechnen würde, wenn ſie
wenigſtens einen Teil ihres Beſitzes in Staatsfonds
an=
legen würden. Er regt zur Erziehung des Volkes in
Opfer= und Gemeinſinn an, empfiehlt, damit ſchon in der
Schule zu beginnen, und hält uns als Endziel vor: „
Ver=
feinerung des ſtaatsbürgerlichen Pflichtgefühls”. Ja,
daran ſcheint es beſonders bei den Begüterten zu fehlen,
denn es unterliegt mir keinem Zweifel, daß das Gros
unſerer kleinen Rentner einen größeren Prozentſatz ſeines
Beſitzes in Staatspapieren angelegt hat, als dies bei den
oberen Zehntauſend der Fall iſt. Wie könnte man da
ab=
helfen? Sollte es nicht möglich ſein, eine Prämie auf
den Beſitz von Staatstiteln auszuſetzen! — Durch
Gewäh=
rung von Erleichterungen in der Vermögensbeſteuerung.
— Und wenn durch dieſe Vorzüge einmal das Augenmerk
des kaufkräftigen Publikums auf den Erwerb von Fonds
gelenkt iſt, dann regt ſich und wächſt ſchon ganz von ſelbſt
das Intereſſe. Es wird nach einer Erklärung für die
Bevorzugung der Fonds gefragt. Die Frage heiſcht eine
Antwort, die durch Vorträge in Vereinen jeglicher Art
gegeben werden könnte. Den Volksbildungsvereinen
er=
wüchſe die vornehme Aufgabe, durch Aufklärung das
Ver=
ſtändnis dafür zu erwecken, wie jeder Einzelne in dieſer
Sache zum Beſten des Staates mithelfen könnte. Auch
die Reklame muß mit einſetzen, und an allen Orten muß
man der Empfehlung der Fonds begegnen, wie dies in
Preußen mit den Einrichtungen des Staatsſchuldbuches
geſchieht. Die Ankaufsmöglichkeit muß erleichtert werden,
ſo daß z. B. bei jeder Bezirkskaſſe, ja ſogar jeder
Unter=
erhebſtelle Staatspapiere zum Tageskurs ohne Proviſion
und ohne Schlußſtempel erworben werden können. Den
Inhabern von Fonds könnte es angeboten werden, daß
ihnen auf Antrag die Staatsſteuern auf die Zinſen aus
den in ihrem Beſitz befindlichen Fonds aufgerechnet
wür=
den, auch beſonders dann, wenn ſie ihre Forderungen in
das Staatsſchuldbuch eintragen ließen. Die geſetzliche
Tilgung der Fonds dürfte nur durch Verloſung zu pari,
nicht durch Ankauf zum Tageskurs ausgeführt werden,
damit dem Publikum die Chance auf den aus der
Ver=
loſung zu erzielenden Kapitalgewinn wieder eröffnet
würde.
Weit mehr aber als mit dieſen kleinen Mitteln kann
die Staatsregierung ſelbſt auf die Kursbeſſerung der
Staatsanleihen hinwirken, indem ſie die Vermögensanlage
der unter ſtaatlicher Aufſicht ſtehenden Fonds und
Stif=
tungen, ſowie auch die von dem Staate Zuſchüſſe
empfan=
genden Fonds in der Weiſe beeinflußt, daß ſie für jede
Neuausleihung, die in Wertpapieren vorgenommen
wer=
den ſoll, den Ankauf von Staatsanleihen vorſchreibt.
Un=
ſere Fonds und Stiftungen weiſen in ihren Beſtänden an
Wertpapieren Millionen in Pfandbriefen außerheſſiſcher
Banken auf, von denen leider ein ganzes Heer als
mündel=
ſicher im Großherzogtum zugelaſſen iſt. Dieſe
Pfand=
briefe könnten bei dem gegenwärtigen Kursſtand mit
Ge=
winn, mindeſtens aber ohne Verluſt gegen Heſſiſche
Staats=
anleihen umgetauſcht werden. In letzter Linie könnte den
außerheſſiſchen Banken das Privileg der Mündelſicherheit
ihrer Pfandbriefe entzogen werden. Durch dieſe
Maß=
nahmen wären eventuell auch die
Obervormundſchafts=
behörden dazu zu bewegen, auf die Anlage des Vermögens
ihrer Schutzbefohlenen ihren Einfluß mehr als ſeither
zu=
gunſten der Heſſiſchen Anleihen geltend zu machen.
Wie weit es möglich iſt, die Anlage der Reſerven der
Sparkaſſen nach dieſer Hinſicht zu beeinfluſſen oder bei
Stellung der Kautionen von Induſtriellen für das vom
Staat gekaufte Nutzholz uſw. die Art der Papiere, hier
Heſſiſche Staatsanleihe, vorzuſchreiben, das entzieht ſich
meinem Urteil.
Darmſtadt, 28. Juli 1910.
Fuchs.
Kongreſſe und Verbandstage.
* Freiburg, 27. Juli. Der 8.
Verbands=
tag der Rabattſparvereine
Deutſch=
lands begann vorgeſtern im Paulus=Hoſpiz. Der
Vorſitzende des Verbandes, Kaufmann Nicolaus=Bre=
men, leitete die Verhandlungen mit dem Hinweis auf
die praktiſche Bedeutung des Rabattſparweſens ein.
Aus ſeinem Jahresbericht iſt zu entnehmen, daß im
Deutſchen Reiche zurzeit etwa 600 Rabattſparvereine
mit ähnlichen Grundſätzen beſtehen, von denen 340 mit
zirka 58000 Mitgliedern dem Verbande angehören.
Zum erſten Punkte der Tagesordnung: „Der deutſche
Kleinhandel im Lichte der neueren Zeit” referierte
Generalſekretär Beythien=Hannover. Der Redner
wies beſonders die Vorwürfe zurück, daß dieſer ein
Schädling und ein Hindernis im Verkehr zwiſchen
Konſumenten und Produzenten ſei. Er verteidigte
die Rechte des deutſchen Mittelſtandes gegenüber den
Angriffen von ſeiten der Warenhäuſer, der
Konſum=
vereine, Verſandgeſchäfte uſw. Die
Rabattſparver=
einsbewegung ſei vor allem dazu berufen, ihn in den
Kämpfen gegen ſeine Gegner wirtſchaftlich zu ſtärken.
Die Rabattſparvereine betrachten ſich als
Vertrauens=
ſtelle zwiſchen Käuferſchaft und Produzenten. An
zweiter Stelle ſprach Philipp=Hildesheim über die
Frage einer „Einwirkung auf den Verband der
Fa=
brikanten von Markenartikeln, das Zugabeweſen der
Fabrikanten abzuſchaffen” In der heutigen letzten
Sitzung ſprach Rechtsanwalt Oswald=Ulm über das
neue Wettbewerbsgeſetz. Es wurden Reſolutionen
angenommen, die eine geſetzliche Abänderung der
be=
ſtehenden Beſtimmungen erſtreben. Der
Verbands=
tag beſchäftigte ſich ferner mit der
Konſumvereins=
bewegung. Nach einem Vortrage des Referenten
Janſen wurde nach heftiger Debatte eine Reſolution
angenommen, die die Beſeitigung jeder
Sondervor=
züge und Begünſtigungen der Konſumgenoſſenſchaften
fordert. Mit einem Vortrage über die Einſchränkung
des Hauſierunweſens und des Detailreiſens, in dem
vor allem die Notwendigkeit betont wurde, die
Zu=
laſſung der Hauſierer und Detailreiſenden von dem
Nachweiſe des Bedürfniſſes abhängig zu machen, fand
die Tagung ihren Abſchluß. Als nächſter
Verſamm=
lungsort wurde Braunſchweig gewählt,
Luftſchiffahrt.
* Darmſtadt 27. Juli. Der Aviatiker Erich
Lochner aus Aachen flog heute vom
Truppenübungs=
platz Darmſtadt mit einer Euler=Flugmaſchine über
Land. Der Flug dauerte 51 Minuten in einer
durch=
ſchnittlichen Höhe von zirka 200 Metern. Lochner
lan=
dete aus etwa 120 Meter Höhe im Gleitfluge, weil er
nicht genug Benzin mitgenommen hatte und der Motor
ſtehen blieb. Die Landung erfolgte einen halben
Kilo=
meter von dem Flugplatz entfernt. Lochner verſchaffte
ſich dann Benzin, flog nach 20 Minuten Aufenthalt
nach Hauſe und landete 50 Meter von der
Flugmaſchi=
nenhalle entfernt.
* Berlin, 27. Juli. Letzte Nacht um 11 Uhr ſtieg
der Luftkreuzer „M III” unter der Führung des
Majors Groß bei einer Windſtärke von 3,5
Sekunden=
metern vom Tegeler Schießplatze auf und verſchwand
in ſüdweſtlicher Richtung im Dunkel der Nacht.
Beab=
ſichtigt iſt, unter Umſtänden die Fahrt zu einer
Fern=
fahrt nach Gotha auszudehnen.
* Metz, 27. Juli. Heute nachmittag zwiſchen 4,40
Uhr und 4,50 Uhr ſtiegen alle drei
Militär=
luftſchiffe, %2 I‟, „P I” und „M II” auf, kreuzten
mehrere Stunden lang über dem Weichbild der Stadt
und der Umgegend und landeten zwiſchen 8,15 Uhr
und 8,25 Uhr abends glatt wieder vor der Halle.
* Metz, 28. Juli. Wie die Metzer Blätter
berich=
ten, hatte bei der geſtrigen Landung des „2. M. II‟
der Vergaſer Feuer gefangen, ſo daß die Flammen
aus der Gondel herausſchlugen. Die Inſaſſen konnten
aber das Feuer in kurzer Zeit erſticken. Ein Schaden
iſt nicht angerichtet worden.
* Metz, 28. Juli. Die drei Luftſchiffe ſind
heute vormittag gegen 11 Uhr aufgeſtiegen und nach
etwa einſtündigem Manöverieren glatt gelandet.
* Erfurt, 28. Juli. Das
Militärluft=
ſchiff „M III‟, das geſtern abend in Tegel
aufge=
ſtiegen war, paſſierte morgens 6,15 Uhr die Stadt
Er=
furt, um 7 Uhr erreichte es Gotha und führte einige
Schleifen über der Stadt aus, dann ſchlug es die
Richt=
ung nach Eiſenach ein, wo es um 7,20 Uhr geſichtet
wurde.
* Meiningen 28. Juli. Das Luftſchiff
„M III‟ überflog um 9 Uhr die Stadt in der Richtung
auf Koburg. In Eiſenach führte es vor der Abfahrt
eine Schleifenfahrt um die Wartburg aus.
* Gotha, 28. Juli. Das Luftſchiff „M III‟
iſt um 12¾4 Uhr glatt bei der Ballonhalle gelandet.
* Bitterfeld, 28. Juli. Geſtern abend 10 Uhr ſtieg
der für München erbaute Luftkreuzer Parſeval 6” bei
friſchem Winde zu einer kurzen Probefahrt auf. Die
Füh=
rung des Luftſchiffes hatte Oberleutnant Stelling; außer
ihm befanden ſich noch ſechs Perſonen in der Gondel. Das
Fahrzeug war mit 800 kleinen Glühbirnen geſchmückt, die
von der Gondel aus bedient werden und durch deren
Be=
leuchtung das Luftſchiff ein reizendes Bild bot. Der
eigent=
liche Zweck des Aufſtieges war die Erprobung der von dem
techniſchen Direktor der Luftfahrzeuggeſellſchaft Berlin,
Ingenieur Wankmüller, konſtruierten Projektionsapparate;
es wurden nämlich Lichtbilder gegen den
Ballonkör=
per geworfen, die gleichfalls den Zuſchauern ein
eigen=
artiges Schauſpiel boten. Das Luftſchiff bewegte ſich in
einer Höhe von 250 Metern und darüber. Eine engliſche
Kommiſſion, die den Verſuchen beiwohnte, äußerte ſich ſehr
beifällig über dieſe. Nach 20 Minuten erfolgte die ſehr
glatte Landung. Mit dieſem Aufſtieg haben die
Ver=
ſuche dieſer Art ihren endgültigen Abſchluß gefunden.
Sport.
— Fußball. Sonntag, den 31. d. M., ſtehen ſich
die zweite Mannſchaft des F.=C. Viktoria und die
gleiche des F.=C. Germania im Retourſpiel gegenüber.
* Homburger Offiziers=Lawn=Tennis=
Turnier. 3. Tag. Erſte Entſcheidung im
Doppel=
ſpiel mit Vorgabe. Als Gegner fanden Erbprinz Adolf
zu Schaumburg=Lippe und von Diergardt in der
Schluß=
runde Lt. Daub und Lt. von Ilſemann. Der Kampf
wurde auf beiden Seiten mit großer Zähigkeit geführt;
bis zum zehnten Spiele des erſten Satzes ſtanden beide
Spielerpaare gleich, dann erſt gelang es Daub und von
Ilſemann, durch ihre vorzügliche Kombination den erſten
Satz und ſpäter auch das ganze Spiel zu ihren Gunſten
zu entſcheiden. In dem Kaiſerpreisſpiel ſtehen
ſich von Haugk und Runge im Schlußkampfe gegenüber.
Seebohm ſchlug trotz ſeiner Belaſtung Erbprinz Adolf zu
Schaumburg=Lippe mit 6—3 6—1 ziemlich leicht und
ge=
wann dadurch den vierten Platz der vorletzten Runde.
Hier traf er jedoch in von Haugk einen Gegner, dem er bei
einer Belaſtung von — 30½ unterliegen mußte. Im erſten
Satz zeigte Seebohm ſein ganzes Können, trotzdem verlor
er mit 4—6. In dem nachfolgenden Satze ließ er merklich
nach, da er wohl die Zweckloſigkeit ſeiner Bemühung eit
geſehen hatte. von Haugk vom Gren.=Regt. Nr. 100 g
wann ſomit den Kaiſerpreis mit 6—4 6—2. Sei
Gegner Runge ſchlug Daub mit 9—7 6—3. Im
Doy=
pelſpiel ohne Vorgabe gewannen von Haugk und
Frhr. von Buddenbrock den letzten Kampf der zweitg
Runde gegen Nonn und Leſſer mit 6—2 6—4, unterlageen
jedoch im folgenden Gange gegen Seebohm und Rung
die durch ihren Sieg mit 7—5 6—3 den einen Platz di
Schlußrunde belegten. Im Herrendoppelſpiel i
Vorgabe gewannen Daub und von Ilſemann (*/) den
letzten Kampf der erſten Runde gegen Frhrn. von Köni
und Schmidt mit 5—6 6—0 6—2. In der zweiten Runde
ſiegten Seebohm und Rübſamen (— 30) über von Hau=lk
und Kirchner (— ¾) mit 1—6 6—5 6—4. Daub und von
Ilſemann ſchlugen Heibey und Oppenländer mit 6—1 6—,
von Papen und Bartels gewannen gegen Krengel und
Runge mit 6—0 6—2, Erbprinz Adolf zu Schaumburg=
Lippe und von Diergardt beſiegten von Gienanth und
Dulier mit 6—4 6—3. In der dritten Runde gewannen
Erbprinz Adolf zu Schaumburg=Lippe und von Diergarht
über von Papen und Bartels mit 6—1 6—2, Daub und
von Ilſemann ſchlugen Seebohm und Rübſamen mit 6—1
6—3. Die Schlußrunde gewannen Daub und von Ilſeſ
mann gegen Erbprinz zu Schaumburg=Lippe und von Dier
gardt mit 6—5 6—2. Im Herreneinzelſpiel mi
Vorgabe iſt die erſte Runde beendet, die noch ausſtehenden
Spiele gewannen Leſſer (½) gegen Bartels (*) mit 6—
6—3, Runge (0) gegen Nonn (15¾) mit 6—2 6—3 unſ
Leyers (15½) gegen Dulier (*) mit 6—2 4—6 6—4. tl
der zweiten Runde ſiegte Seebohm (— 30) ohne Spiel übe
Leſſer, Runge ſchlug Rübſamen 4—6 6—5 6—2, Frhr. von
Gienanth beſiegte von Papen mit 6—3 6—2. Der Kamp
Daub=Leyers ſteht noch aus. In der nächſten Runde ſiegt
von Haugk über von Ilſemann mit 6—3 6—3. Die Preis
verteilung iſt geſtern gegen Abend auf dem Lawn=Tennis
Platze vorgenommen worden.
sch. Das Meiſterſchafts=Schachturnie
in Hamburg wurde mit der achten Runde fortge
ſetzt. Es ſiegte Marſhall=Amerika gegen Köhnlein
Deutſchland, Spielmann=Deutſchland gegen Yates=
Eng=
land, Tartakower=Oeſterreich gegen Chotimirski=Ruß
land, Speyer=Holland gegen Salwe=Rußland und Da
Tarraſch=Deutſchland gegen Teichmann=Deutſchland
Remis ergab die Partie Fleiſchmann=Ungarn gegen
Leonhardt=Deutſchland, während die Partien Duras
Prag gegen Alechin=Rußland und Niemzowitſch=Ruß
land gegen John=Deutſchland unbeendet blieb. Schlech
ter=Oeſterreich war ſpielfrei. Die Hängepartie
Tarta=
kower=Oeſterreich gegen Köhnlein=Deutſchland wurde
von dem Oeſterreicher gewonnen. Im Klaſſemen
ſteht Schlechter mit 5½ Punkten an erſter Stelle, danm
folgt Marſhall mit 5 Punkten, ferner Duras,
Niemzo=
witſch, Spielmann und Tartakower, von denen die
bei=
den erſteren noch eine Hängepartie haben, mit je 4½
Punkten.
Vermiſchtes.
— Preisausſchreiben der Spirituss
Zentrale für Flaſchen= und
Kannenverſchluß=
ſicherungen zur Aufnahme von Brennſpiritus. Vom
1. Oktober d. J. ab darf Brennſpiritus im Kleinhandell
nur in Behältniſſen feilgehalten werden, die verſchloſſen;
und mit einer Angabe des Alkoholgehaltes verſehen
ſind, wodurch die Gewähr für die gute, zwecken
ſprechende Beſchaffenheit der Ware gegeben eund
Gebrauchsfähigkeit von Spiritusapparaten aller
erhöht wird. Für eine geeignete Verſchlußſicherung a
Flaſchen und Kannen zur Aufnahme von Brennſpirs
tus hatte die Spiritus=Zentrale ein Preisausſchreiben:
im Geſamtbetrage von 5000 Mark veranſtaltet, das eine:
ungemein rege Beteiligung gefunden hat, ſo daß den:
Preisrichtern nicht weniger als 533 Muſter für Flaſchen.
und 183 für Kannen vorlagen. An Preiſen wurden
zuerkannt: Zwei erſte Preiſe von je 1250 Mark an
Herrn Privatier Liebſcher in Freiberg i. Sa. und an
Herrn Brennereiverwalter Block in Kopriewe (
Weſt=
preußen), ein zweiter Preis von 1000 Mark an Frau
Sophie Fleck in Magdeburg, zwei dritte Preiſe von je
500 Mark an den Kanonier Richter in
Gemein=
ſchaft mit dem Kanonier Maling, beide in Poſen,
und Herrn Hans Barthelmeß in Berlin, ſämtlich für
Flaſchenſicherungen, und ein Preis von 500 Mark für
eine Kannenſicherung an die Herren Dr. Georg
Fend=
er=Steglitz und Gottlieb Emil Fiſcher in Berlin.
Arbeiterbewegungen.
* Hanau, 28. Juli. Infolge des
Straßen=
bahnerſtreiks ruht heute der geſamte
Straßen=
bahnverkehr.
* Paris, 28. Juli. Die Handelskammer von
Reims richtete einen Proteſt an den Handelsminiſter
gegen die Erhöhung der deutſchen Zölle
auf Weine, Liköre und Parfümerieartikel, insbeſondere
auf Champagner.
* Barcelona, 27. Juli. Den Aufſtändigen
iſt es gelungen, die Arbeiter von drei Fabriken zur
Niederlegung der Arbeit zu bewegen. 80 Mann
arbeiteten heute früh an der Löſchung von
Kohlen=
dampfern im Hafen, allein ihre Zahl iſt unzureichend
mehr als 16 Dampfer warten auf Löſchung ihrer
Ladung.
* Chicago, 27. Juli. Der Generalſtreil
der Bauarbeiter der Stadt iſt beſchloſſen un
abends proklamiert worden. Er wird ſich vorausſichtlich
unmittelbar auf 18000 Arbeiter erſtrecken und
mittel=
bar auf weitere 10000.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 28. Juli. Zu Ehren der
Kommiſ=
ſion, die unter Führung des Ober=Staatsanwaltes
beim Oberlandesgericht in Peking, Hſue Chien,
und des Präſidenten des Oberlandesgerichtes in
Mukden, Hſue Shih Ying, zum Studium deutſcher
Rechtsverhältniſſe hier weilt, gab der Staatsſekretär
des Auswärtigen, Freiherr von Schoen, ein
Früh=
ſt ück im Kaiſerhof, an dem auch Vertreter des
Reichs=
juſtizamtes, des Miniſteriums des Innern und des
Juſtizminiſteriums teilnahmen. Im Laufe des
Vor=
mittags hatte die Kommiſſion das Miniſterium des
Innern beſucht und unter Führung des Geheimen
Regierungsrats Roedenbeck die Strafanſtalt in Moabit
beſichtigt.
* Wiesbaden, 28. Juli. In der Nähe des
Walk=
mühltales erſchoß ſich heute nachmittag der Rentier
Auguſt Külpp, der früher hier ein flott gehendes
Kohlengeſchäft inne hatke und für gut ſituiert aalt.
Die Urſache des Selbſtmordes iſt unbekannt.
Nummer 175.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Juli 1910.
Seite=2.
Spiritn
* Metz, 28. Juli. Blättermeldungen aus Metz
zu=
poge, hat die Ruhrkrankheit unter den Soldaten
ger dortigen Garniſon erheblich zugenommen.
un Wirtſchaftsverbot für das Militär bis zum
Feld=
ſol=bel iſt erlaſſen worden. Die Krankheit verläuft
ilmlich mild, ſchwere Erkrankungen ſind nicht
vorge=
ernmen, auch wurden keine Ziviliſten angeſteckt.
* Kaiſerslautern, 28. Juli. Wie der Pfälziſchen
ptreſſe aus Landau gemeldet wird, wurde dort dem
jährigen, verheirateten Küfer Kieferndörfer aus
brethen in einer Weinbütte das Rückgrat
ge=
ſtrochen.
* Kaiſerslautern, 28. Juli. Wie der Pfälziſchen Preſſe
es Morlautern gemeldet wird, iſt dort das
vier=
ährige Kind des Fabrikarbeiters Merk nach dem Genuß
hin Tollkirſchen geſtorben.
* Elberfeld, 28. Juli. Nachdem geſtern abend die
reihundertjahrfeier der Stadt Elber=
Id durch einen Feſtakt im Rathauſe und eine
Pllumination eingeleitet worden war, begannen heute
Mie rmittag die auf drei Tage berechneten Feierlichkeiten
Mer Stadt Elberfeld durch einen Feſtgottesdienſt.
Alen Vormittag fand eine Feſtſitzung des
Stadtverord=
n tenkollegiums ſtatt, an der als Ehrengäſte u. a.
teil=
nahmen: der Miniſter des Innern, der Obexpräſident
Dar Rheinprovinz, Regierungsrat Dr. Kruſe,
Landes=
hreuptmann Dr. Renvers, Eiſenbahnpräſident Höft, der
Maräſident der Handelskammer, Geheimer
Kommerzien=
ſert Jung. Der Oberbürgermeiſter der Stadt
Elber=
fild hielt eine Rede, in der er die Gäſte herzlich
will=
ikummen hieß und einen Rückblick auf die Geſchichte der
ettadt Elberfeld gab. Zum Schluß verlas der Redner
ſenn an den Kaiſer abgeſandtes Huldigungstelegramm
umnd ſchloß mit einem Hoch auf den Kaiſer, in das die
Anweſenden begeiſtert einſtimmten. Der Miniſter des
Lnnern überbrachte die Glückwünſche der Regierung.
* Leipzig, 28. Juli. Durch die Ergreifung des
§ ellners Koppius wurden noch andere früher
be=
grngene Verbrechen aufgeklärt. Nach den vom
Staatsan=
mealt Dr. Muehle veranſtalteten Unterſuchungen handelt
es ſich bei dem Verhafteten unter anderem auch um den
Attentäter, der im Jahre 1906 den Geldbriefträger Huebner
übberfiel. Koppius geſtand bereits ein, daß er die
Poſt=
amweiſungen an den Rechtsanwalt in Dietrichshof
da=
nrals geſchrieben hat. Ferner iſt jetzt feſtgeſtellt, daß
Kop=
rius auch noch mit dem Mörder der Friedrichſchen
Ehe=
lute identiſch iſt. Nach der Vergleichung mit dem
Taſchen=
buch ſind nämlich einige Poſtanweiſungen, die die
Unter=
ſchrift Paul Schmegel und Ewald Schaefer trugen von ihm
geſchrieben worden. Auch der Ueberfall der Frau Wagner
im der Gottſchedſtraße in Leipzig dürfte auf ſein Konto
nu ſetzen ſein. Der Stiefbruder des Verhafteten machte
ſlehr belaſtende Ausſagen, die von anderen Perſonen
unter=
ſtützt werden.
* Marienbad, 28. Juli. Staatsſekretär v.
Kider=
ben=Waechter machte geſtern ſeine Aufwartung bei
der Herzogin Wera von Württemberg und beſuchte
den Bezirkshauptmann Prinz von und zu Liechtenſtein.
Nachmittags machte er eine Ausfahrt mit dem Grafen
Aehrenthal und nahm mit dieſem und der Gräfin das
Oiner. Der Staatsſekretär wird auch heute in
Marien=
had verweilen und zumeiſt mit dem Grafen
Aehren=
tchal zuſammen ſein.
* Wien, 28. Juli. Das Fremdenblatt meldet aus
Marienbad: Graf v. Aehrenthal
beglück=
wünſchte Freiherrn von Schoen anläßlich der ihm vom
Kkaiſer Franz Joſef verliehenen Auszeichnung;
Frei=
merr von Schoen dankte in einem warmen
Antwort=
helegramm.
* Paris, 28. Juli. Falliéres begnadigte den
um Tode verurteilten Graby, der am 15. Dezember
9909 Frau Guin, Witwe des früheren Präſidenten der
Bank von Frankreich, ermordete, zu lebenslänglichem
Zuchthauſe.
* Odeſſa, 28. Juli. Seit geſtern ſind hier
Erkran=
tungen an Peſt vorgekommen, und zwar geſtern ein
Todesfall und heute zwei Erkrankungen und ein Todesfall.
* Konſtantinopel, 28. Juli. Infolge des
per=
önlichen Einſchreitens des Miniſters
des Innern verpflichteten ſich die Laſtträger der
Hafenzollämter, fremde Waren aus griechiſchen
Schiffen und griechiſche Waren aus fremden Schiffen
auszuladen, während ſie griechiſche Waren aus
grie=
ſchiſchen Schiffen nur bis zum Ausgange der
Zoll=
ſämter bringen wollen. Die Leichterſchiffer verharren
m Ausſtande.
* Teheran, 28. Juli. Die Lage in Kirmanſchah
ſiſt ſehr beunruhigend. Die Koſaken können ſich nicht
auf der Straße zeigen. Auf den Konſul Liſſowski
wurde geſchoſſen. Es ſind Maßnahmen zur
ſchleu=
migen Verſtärkung der Konſulatswache durch
Truppen=
aabteilungen aus Kaswin eingetroffen.
— Berlin, 27. Juli. Zur Abſchiedsfeier für
den ſcheidenden Staatsſekretär Freiherrn von
Schoen hatten ſich heute abend die Beamten des
Kurſe vom 28. Juli 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
Bf. Staatspapiere. In Proz. Zf.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,40 4 Ruſſen v. 1902 . 7 . . 92,50
3½ Deutſche Reichsanl. . 23,10 4½ do. v. 1905 . . . . 100,25
. 93,20
do.
83,90 3½ Schweden.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,70 1 4 Serbier amort. v. 1895 84,70
3½ do. Conſols . . . . 93,10
83,90
8 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,70
94,00
do.
3½
86,00
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,30
91,80
do.
do.
83,20
4 Hamburger Staatsanl. 101,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,30
do.
91,40
80,70
do.
Sächſiſche Rente . . . 83,80
Württemberger v. 1907 102,10
do.
½
92,80
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,00
¾ Griechen v. 1887 . .
3¾ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 97,80
do. Goldrente . . 99, 10
do. einheitl. Rente 93,80
Portug. unif. Serie I 66,20
do. unif. Ser. III 67,60
do. Spezial. 12,10
Rumänier v. 1903 . . 101,70
do. v. 1890 . . 95,50
do. v. 1905 . . 90,50
Ruſſen v. 1880 ₰. K. A.₰ 91,50
Türk. Admin. v. 1903 87,30
do. unifiz. v. 1903 94,10
4 Ungar. Goldrente ..
4 do. Staatsrente . 92,10
5 Argentinier . . . . . . 102,20
91,30
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,50
98,90
do.
½
4½ Japaner . . . . . . . 97,40
Innere Mexikaner . . 99,60
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 94,80
5 Gold=Mexikaner . . . 100,10
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt .
140,40
4 Nordd. Lloyd
109,75
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 120,60
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,00
4 Baltimore & Ohio . . —
4 Gotthardbahn . . —
Auswärtigen Amts im großen Saale des Kaiſerhofs
zahlreich verſammelt. Als Senior der Tafelrunde
brachte der Direktor der Rechtsabteilung, Wirklicher
Geheimer Rat v. Frantzius, das Hoch auf den Kaiſer
aus. Er gedachte hierauf in längerer Rede der
Ver=
dienſte des Freiherrn von Schoen um die
Entwickel=
ung des ſeiner Leitung unterſtellten Amtes. In
die=
ſen Ausführungen ſpiegelte ſich die Verehrung, die
ſich Freiherr von Schoen durch ſeine Amtsführung bei
den ihm unterſtellten Beamten erworben hat und die
ihn auf ſeinen neuen Poſten begleitet. Freiherr von
Schoen dankte voll tiefſter Bewegung und ſchloß mit
einem Hoch auf die Zukunft des Auswärtigen Amtes.
Die Teilnehmer des Feſtes blieben in angeregter
Stimmung noch längere Zeit beiſammen.
H. B. Berlin, 28. Juli. Der
ſozialdemokra=
tiſche Vereinskaſſierer Richard Spann aus
Rixdorf, der, wie gemeldet, vor einigen Tagen nach
Unterſchlagung von 800 Mark geflüchtet iſt, verſuchte
ſich in der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr auf dem
Wartheplatz zu erſchießen. Er brachte ſich eine
ſchwere Kopfwunde bei. Spann wurde ins Rixdorfer
Krankenhaus eingeliefert. Die Aerzte glauben nicht,
daß er mit dem Leben davonkommen wird.
H.B. München, 28. Juli. Der talentierte junge
Zeichner und Kunſtmaler Wilhelm Johann Müller
hat ſich in ſeinem Atelier erſchoſſen. Das Motiv
zum Selbſtmord iſt unbekannt.
H. B. Dortmund, 28. Juli. Zu der Verhaftung
des Bankdirektors Ohm von der
Niederdeut=
ſchen Bank wird noch gemeldet: Im Auftrage der
Staatsanwaltſchaft begab ſich geſtern nachmittag der
Kriminal=Inſpektor Richard mit einigen Beamten in
das Bankgebäude. Direktor Ohm war von der
Mittei=
lung, daß er verhaftet werden ſollte, ſehr überraſcht.
Der Verhaftung ging eine mehrſtündige Beratung
voraus, an der ſich die Vertreter der
Staatsanwalt=
ſchaft, der Unterſuchungsrichter und mehrere
Dort=
munder Bankiers beteiligten. Später wurde noch der
Kriminal=Inſpektor Richard zugezogen. Nach längerer
Beratung kamen die Herren zu dem Entſchluß, Ohm
zu verhaften. Ohm hatte gerade an einer Konferenz
im Bankgebäude teilgenommen und weilte mit etwa 12
Herren im Konferenzzimmer. Richard ließ ihn
heraus=
rufen und eröffnete ihm, daß er ihn verhaften müſſe.
Ohm brach bei dieſer Mitteilung völlig zuſammen. Er
wandte ſich noch an den Prokuriſten Schmitz und
er=
teilte ihm einige Anweiſungen. Dann zog er ruhig
ſeinen Ueberzieher an und ging in Begleitung der
Polizeibeamten die Treppe hinunter zum Portal, wo
eine Droſchke bexeit ſtand, die ihn nach dem
Amtsge=
richtsgefängnis brachte. Auf Veranlaſſung der
Staats=
anwaltſchaft fanden im Bankgebäude und in der
Pri=
vatwohnung Ohms Hausſuchungen ſtatt, über deren
Ergebnis noch nichts bekannt iſt. Der Verdacht der
Bilanzverſchleierung ſtützt ſich auf die Erwägung, die
Bilanz für 1909 könne nicht richtig geweſen ſein, wenn
heute das ganze Aktienkapital und vielleicht noch mehr
als verloren bezeichnet werden muß.
H.B. Dortmund, 28. Juli. Die Stimmung in
Dortmund iſt ziemlich ruhig, da Dortmunder
Bürger ſelbſt nur 70000 Mark verlieren. Die
Bevöl=
kerung Dortmunds hat ſchon lange das Vertrauen zu
dem Unternehmen der Niederdeutſchen Bank
verloren. Aus beſter Quelle verlautet, däß noch 10 bis
12 Konkurſe, darunter allein 8 bis 10 in Dortmund,
bevorſtehen. Heute wurde die Lünener Bank als erſte
geſchloſſen. Das Dortmunder Brauhaus ſoll folgen.
Beſonders in der Umgegend von Gelſenkirchen haben
viele kleine Leute ihr Geld verloren. So hatten in
Gelſenkirchen Arbeiter eine Reiſekaſſe von 3000 Mark
angeſammelt, um in dieſen Tagen zur Weltausſtellung
nach Brüſſel zu reiſen. Sie deponierten das Geld bei
der Niederdeutſchen Bank und haben jetzt alles
ver=
loren.
H. B. Oberhauſen, 28. Juli. Geſtern erſchoß ſich
hier der Geſchäftsführer der Oberhauſener
Grundſtücks=
verwaltungs=Geſellſchaft und Inhaber der Eiswerke,
Knigge, nachdem er zuerſt ſeinen achtjährigen Sohn
erſchoſſen hatte. Der Grund zu der verzweifelten Tat
iſt in finanzieller Zerrüttung zu ſuchen.
— Petersburg, 28. Juli. Die von den Behörden
durchgeführte Unterſuchung der Leiche des Ende Mai
plötz=
lich verſtorbenen Millionärsſohnes Buturlin wurde
abge=
ſchloſſen; ſie ergab mit Beſtimmtheit, daß Buturlin
vergiftet worden iſt, und zwar wurde das Gift unter
die Haut des Opfers geſpritzt. Damit iſt formell auch die
Kette des Schuldbeweiſes gegen den Doktor
Put=
ſchenko geſchloſſen, der eingeſtanden hat, gegen gute
Be=
zahlung auch viele andere Menſchen durch Gift aus dem
Leben geſchafft zu haben. Die weiteren behördlichen
Nach=
forſchungen ſind nur noch auf die Frage gerichtet, ob auch
der Schwager des Ermordeten an dem Morde beteiligt iſt;
derſelbe leugnet bisher hartnäckig.
— Tokio, 28. Juni. Ein ungewöhnlich ſtarkes
Erd=
beben richtete große Verwüſtungen in der Provinz
Hokaito an, doch ſind Menſchenverluſte nicht zu
ver=
zeichnen.
InProz.
3i=
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 158½
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 20,70
4 Pennſylvania R. R. 127,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei , 205,50
Werger=Brauerei
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 477,50
Fabrik Griesheim . . . . 260,00
Farbwerk Höchſt
. 481,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim.
.322,50
Lahmeyer .
.110,40
Schuckert
160,00
Siemens & Halske . . . 239,50
Adlerfahrradwerke Kleyer 412,50
Bochumer Bb. u. Guß . . 229,00
Gelſenkirchen .
..205,00
Harpener . .
.191,25
Phönix, Bergb. u.
Hütten=
betrieb .
. . . 222,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.. .
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,50
do.
91,90
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
4 do. ſteuerfrei . 98,20
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,75
97,70
do.
4
do. alte .
3
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,10
78,50
do.
4
55,90
29/10 do.
3 Raab=Oedenburger . . 75,20
4 Ruſſ. Südweſt. . . . .
4 Kronpr. Rudolfbahn .
51.
In Proz.
75,90
Geſchäftliches.
Neben der Darſtellung des Steins der
Weiſen=
gingen die Alchymiſten des Mittelalters darauf aus,
ein Lebenselixier herzuſtellen, jene wunderbare
Arz=
nei, die das Leben verlängern ſollte, und alle
Krank=
heiten unfehlbar heilen ſollte. Wenn auch dieſe
Be=
ſtrebungen ein Reſultat nicht haben konnten, ſo haben
ſie doch den Grund zu einer rationellen
Arzneimittel=
lehre gelegt und bewirkt, daß es den Nachfolgern der
Alchymiſten, den modernen Chemikern, gelingen konnte,
aus bisher unbeachteten Stoffen die ſchönſten Farben
und ſicherwirkendſten Arzneimittel, ſowie die herrlichſten
Wohlgerüche hervorzuzaubern. So hat man aus dem Teer
die Anilinfarben und das Antipyrin, aus dem Fichtenharz
das Vanillin, aus der Wolle das Lanolin hergeſtellt. Es
iſt nachgewieſen worden, daß das Lanolin mit dem in
der geſunden menſchlichen Haut enthaltenen Fett
iden=
tiſch iſt, und mit dieſer Erfahrung hat man aus dem
Lanolin einen vortrefflichen Cream, das Toilette=
Lanolin, hergeſtellt, das in keinem Haushalte fehlen
ſollte, da es bei allen Hautunreinigkeiten, wie Puſteln,
Hitz= und anderen Pickeln, Ausſchlägen, Sprödigkeit,
Wundſein der Kinder, Brand= und Schnittwunden, ein
nie verſagendes Mittel iſt. Das echte Toilette=Lanolin
trägt die Schutzmarke „Pfeilring” und wird allein von
der Lanolinfabrik Martinikenfelde in den Handel
ge=
bracht. Es iſt in allen Apotheken und Drogerien zu
haben.
(14982
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres lieben Sohnes und
Bruders
(14995
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden, ſagen
wir allen Freunden und Bekannten unſeren
herz=
lichen Dank.
Im Namen der Trauernden:
Peter Fz. Schweitzer.
Darmſtadt, den 27. Juli 1910.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Das
ſüdweſtliche Hochdruckgebiet iſt oſtwärts gewandert und
hat ſich über ganz Nord= und Südeuropa ausgedehnt.
Demgemäß iſt die Aufheiterung von längerem Beſtand.
Bei öſtlichem Winde ſteigen heute vormittag die
Tem=
peraturen wieder an. Die weſtliche Zyklone dringt,
wenn auch langſam, vor, und bringt morgen Trübung
und Regen.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 29. Juli:
Wolkig und geringe Regen, ſtrichweiſe Gewitter, warm.
Tageskalender.
Vortrag von Rechtsanwalt Sieger um 8½ Uhr im
Saale der Vereinigten Geſellſchaft.
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant „Zur Oper”.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr auf Hugenſchütz’ Felſenkeller.
Konzert um 8 Uhr im „Perkeo.”
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 10—7 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 30. Juli.
Hofreite=Verſteigerung des Wilhelm Friedrichs
(Schloßgartenſtr. 11) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Kohlen=Verſteigerung um 4 Uhr (Zuſammenkunft
Ecke Blumenthal= und Viktoriaſtraße).
Druck und Verlag: L. C. Witlich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Anzeigenteil: S. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige.
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht!
zurückgeſandt.
2¼/10 Livorneſer . .
Miſſouri=Pacific
4 Bagdadbahn Mk. 408 —
5 Anatoliſche Eiſenb. .
5 Tehuantepec . . . . . 101,90
Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ. 165,40
4 Darmſtädter Bank 130,10
Deutſche Bank . . . 250,90
Deutſche Vereinsbank 127,75
4 Diskonto=Geſellſchaft 185½
156,50
Dresdner Bank.
Mitteldeut. Kreditbk. 119,50
Nationalbk. f. Deutſchl. 122,20
101,40
Pfälzer Bank .
143,00
Reichsbank
Rhein. Kredit=Bank
4 Wiener Bank=Verein 137,00
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
3½ do. S. 19. . . . . 92,30
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do,
90,50
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,80
3½
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,10
3½
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
do. (unk. 1914) 91,00
Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. —
V₰
3½
In Proz.
Bf.
Städte=
Obligationen
.100,25
4 Darmſtadt
91,50
3½ do.
100,90
4 Frankfurt .
3½ do.
96,20
-
4 Gießen
-
3½ do.
-
4 Heidelberg
-
3½ do.
4 Karlsruhe
100,60
3½ do.
91,60
4 Magdeburg
-
3½ do.
-
4 Mainz
3½ do.
Mannheim
.100,10
3½ do.
München .
100,20
3½ Nauheim
92,00
Nürnberg
-
3½ do.
4 Offenbach
do.
4 Wiesbaden .
.103,00
3½ do.
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. . 82,20
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 169,20
3½ Cöln=Mindner „ 100 134,50
5 Donau=Reg. fl. 100 148,25
3 Holl, Komm. ℳ 100 106,40
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.=
Pfand=
briefe.
,,
Oeſterr. 1860er Loſe 1
3 Oldenburger
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Aulehensloſe.
Augsburger
fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20
Freiburger Fs. 15
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
Meininger
ft. 7 37,00
37,00
Oeſterreicher v. 1864 „ 100
do. v. 1858 „ 100 461,00
Ungar. Staats „100 383,50
Venediger Frs. 30
Türkiſche
„ 400 180,60
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,39
20 Franks=Stücke
16,21
Oeſterr. 20=Kronen .
16,90
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Juli 1910.
Nummer 175.
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Mir tut ja der Jupp leid!
Natürlich! Aber noch iſt’s Zeit, er wird an der
kkaputgegangenen Verlobung nicht ſterben!
Er heiratet Aſta Herwich trotzdem, das iſt’s ja
ge=
rade, was mich bedrückt, und deshalb möchte ich ihm
den Glauben an ſeine Braut nicht noch mehr erſchüttern
als ich ſchon mußte!
Aber da gibt’s doch keinen Ausweg! Junge! Fritz!
Willſt Du einſt mitſchuldig werden, wenn der nerte
Riſſen ſeine Ehe in Scherben ſchlagen muß? Vielleicht
nicht vor der Welt, aber doch innerhalb ſeiner vier
Pfähle?
Jetzt ergreifſt Du aber hölliſch ſcharf Partei, Vater!
Weil ich Deine Bedenken kenne, und weiß, daß
Du, Gott ſei dank, das Leben nicht auf die leichte Achſel
nimmſt!
Alſo gut, — Jupp ſoll den Brief haben!
Muß ihn haben, armer Junge! — Und nun reden
wir nicht mehr drüber, es kommt doch nichts Geſcheites
dabei raus. Wird Dir’s zu toll beim Regiment, weißt
Du ja, wo Deiner Väter Dach ſteht, wenn ich auch noch
abſolut nicht taprig geworden bin, wir werden uns
ſchon ganz gemütlich einrichten!
Ein Händedruck, ſtatt vieler Worte, der Pakt war
geſchloffen! — Boſembſche Art!
e mit geſenten Kasſe de Zinereite in
Mund, die Hände in den Hoſentaſchen, im Zimmer hin
und her. Boſemb ſaß auf einem Stuhl und ſtarrte zu
Boden, auf dem Schreibtiſch lag der Brief, den Aſta
Herwich an ihn geſchrieben hatte. Und endlich blieb
der Jupp nach einer geſchlagenen Viertelſtunde vor
ſeinem beſten Freunde ſtehen. Ruhig nahm er die
Zigarette und legte ſie in den Aſchenbecher.
Ich habe Dir zu danken, Fritze!
Er wehrte mit der Hand ab.
Nein, ernſtlich — und nun bitt’ ich Dich, laß mich
bis morgen früh allein!
Boſemb nahm ſeine Mütze, nickte traurig und ſchlich
hinaus, als hätte ihn der ſchwere Schlag getroffen.
Der Jupp aber ließ ſich in ſeinen Schreibtiſchſeſſel
fallen und las noch einmal, was ſeine Braut an
Boſemb geſchrieben. Das Blatt zitterte in ſeiner Hand,
die Buchſtaben fingen an, ihm vor den Augen
herum=
zutanzen, da ließ er den blauen Bogen mit dem leichten
Veilchenparfüm ſinken und griff mit beiden Händen
nach Aſta Herwichs Bild. Alſo den Mund hatte vor
vier Jahren Fritz Boſemb geküßt, dieſe
ſchöngeſchwun=
genen Lippen hatten Liebesſchwüre geflüſtert am See
bei Cranz unter den Buchenwäldern, wie in den
Reb=
bergen am Niederwalddenkmal. Heimlich waren ſie
hinter den anderen zurückgeblieben, hatten einen
Seitenpfad eingeſchlagen, der ſie den Blicken entzog —
und dort war’s geſchehen. Er hate nicht lange gefackelt,
ſie angeſehen, die ſtrahlenden dunklen Augen waren die
Antwort nicht ſchuldig geblieben, er nahm ſie in ſeine
ume, in erſer liaß damnt auf hren Mienen.
Und ſchnell hatte er ihr verziehen, daß ſie ihm nicht
reinen Wein eingeſchenkt, nur nebenbei bemerkt, ſie
müſſe ſeine Liebe höher einſchätzen, mehr Vertrauen
zu ihm haben! — Das Reſultat — dieſer Brief.
Leiſe kroch in ihm der Verdacht hoch, ob er wohl
ſo ſchnell zum Ziele gekommen wäre, wenn er nicht der
Sohn des reichen Matthias Riſſen wäre? Er verſuchte,
den böſen Gedanken abzuſchütteln, es wollte ihm nicht
gelingen! Er ſah ſie vor ſich, ihre ſchlanke und doch
volle Geſtalt, mit dem rotbraunen Haar, den dunklen,
lebhaften Augen, dem zarten Rot auf den Wangen, das
ſich dunkler und dunkler färbte, wenn er mit ihr von
ſeiner Liebe ſprach. Er mochte die Augen noch ſo feſt
ſchließen, es half nichts. Nun wähnte er auch noch ihre
reine, melodiſche Stimme zu hören, Aſta Herwich lockte,
lockte — ſein Herz ſchlug ſchneller, benahm ihm den
Atem, die Sehnſucht rief über mehr als tauſend Meilen.
Da ließ der Jupp ſeinen Kopf auf die Unterarme fallen
und weinte wie ein Kind. —
Und am nächſten Morgen nach dem Dienſt war er
drüben bei Fritz Boſemb.
Ich kann nicht mehr zurück!
Lange ſah ihn der Freund an.
Keine Unklarheiten, Jupp! „Können” iſt ein Wort,
das in dieſer Angelegenheit gar keine Rolle ſpielt, denn
für ſo feige halte ich Dich nicht, als daß Du nicht
ein=
fach ſagteſt: es war ein Irrtum, den ich noch beizeiten
eingeſehen habe! — Sprich deutſch, Du=willſt nichtk.
Nein!
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Juli 1910.
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Er zog die Unterlippe zwiſchen die Zähne und
blickte zu Boden.
Ja, dann nimmſt Du mir eine große Laſt vom
Herzen, Jupp!
Ich? — Dir?
Aber ganz gewiß, nun kann ich Dir wieder offen
ins Geſicht ſehen!
Da ſtreckte ihm der temperamentvolle rheiniſche
Jung die Hand entgegen.
Na alſo! — Und ich hab’ mir’s in den Kopf geſetzt,
aus Euch beiden gute Freunde zu machen!
Laß das lieber bleiben, Jupp!
Nein, nein, — Aſta ſoll Dich ſchätzen lernen, denn
daß ſie an Dich Prachtkerl nicht heranreicht, ebenſo
wenig wie ich, hab’ ich leider einſehen müſſen! Und
nun lachte er wieder hell auf. Gott, Junge, was haſt
Du mir für eine böſe Nacht gemacht! — Ja, ich weiß,
es mußte ſein, aber was kann der Menſch für die Liebe?
Zu Weihnachten werd’ ich ihr die Leviten leſen,
gründ=
lich, ich will ihr ſchon zeigen, daß ich Herr im Hauſe
bin und auch bleiben werde!
Langſam läßt Boſemb den Kopf weit in den
Nacken fallen und ſieht den Jupp mit großen Augen an.
Oder glaubſt Du etwa nicht?
„Wir wollen’s hoffen, Jupp!
Weiß der Himmel, was Ihr Oſtpreußen für
ſchwer=
fällige Kerle ſeid!
III.
Im Kaſino hatten ſich alle unverheirateten
Offi=
ziere eingefunden, eine ſteife Punſchbowle dampfte auf
dem großen runden Tiſch, die Ordonnanzen waren
hinausgeſchickt worden, Jupps Schwadronschef,, der
Rittmeiſter von Holſten, ein mittelgroßer, korpulenter,
blonder Herr mit mächtigem Schnurrbart, dicken Backen
und kleinen blauen Augen, ein eingefleiſchter
Jung=
geſelle, der es gern mit der Jugend hielt und täglich
im Kaſino aß, räckelte ſich auf dem Sofa zurecht.
Alſo, Ihr neugierigen Hühner — Schlachtbericht!
Zuvörderſt! Unſer Oberſt mit ſeiner geborenen
Reichs=
gräfin ganz Würde! War anſcheinend
ſelbſtverſtänd=
lich, daß wir von dem alten Riſſen wie regierende
Potentaten empfangen wurden! Bewohnten im Hotel
auf ſeine Koſten eine Flucht Zimmer, vor der
Haus=
tür ſtand egal das Automobil. Und Herrſchaften, ich
hab’ doch heilloſen Reſpekt bekommen vor dieſen Leuten
da am Rhein! Wie die Fürſten leben die Kerle und
ſind ſtolz, an die kann nicht mal unſer Graf Sollenthin
tippen, der im Kreiſe doch gut und gern ſeine
fünf=
tauſend Hektar hat und im preußiſchen Herrenhauſe
ſitzt. Alſo der alte Riſſen, ein kleiner, beweglicher
Herr, mit ’ner mächtigen Glatze, kurz gehaltenem,
grauen Schnurrbart und ’nem Kinn, wie meine Fauſt.
Die verkörperte Energie! Und der Blitz ſeiner braunen
Augen, mit dem ſchmeißt er uns alle miteinander in
die nächſte Ecke. Seine Frau, die grande dame durch
und durch. Schmuck trug ſie am Hochzeitstag, na, ich
möchte das Geld mal auf einem Haufen ſehen, was das
gekoſtet hat. Der hübſche Jupp iſt ihr koloſſal ähnlich,
bis auf die braunen Augen, die hat er vom Vater, und
doch von der Mutter den weichen, liebenswürdigen
Blick. Sein älterer Bruder, ’ne kühle Geſchäftsnatur,
mordselegant, führte uns durch die Werke. Kinder, nur
der Spektakel, die rußigen Geſichter, die Muskeln und
die rieſigen Maſchinen, Keſſel und Fenerungsanlagen!
Und zweitauſend Zentner Eiſen haben wir auf einmal
fließen ſehen — wie ’n rotglühender Waſſerfall! Ueber
dreitauſend Arbeiter beſchäftigt das Werk, denkt mal
nur die Lohnzahlungen, und was da umgeſetzt werden
muß. Da hab’ ich doch vor unſerm Jupp allerhand
Achtung gekriegt, weil er ſich ſo anſtändig in unſere
popligen Verhältniſſe gefunden hat! Und auf einmal
ſpricht mich ein Arbeiter an, das offenſtehende Hemd
klebt an der Bruſt, der ganze Kerl iſt in Schweiß
ge=
badel. War in alter Rekrut von mir, erzählte, da
allein beim alten Riſſen mindeſtens zweihunden
ſtramme Oſtpreußen in Lohn und Brot ſtehen. Hah
mir ordentlich weh getan; ſo verliert unſere ſchöne
Provinz ſeine kräftigſten Männer, ſie werden bei der
Glut, der ſchweren Arbeit und dem Spektakel mürbe
vor der Zeit. Der verfluchte Mammon zieht ſie an den
Rhein. — Aber, Herrſchaften, alles was recht iſt, Riſſen
ſchmeißt ſie nicht auf die Straße, wenn ſie in ſeinem
Betriebe marode geworden ſind; koloſiile Stiftungen
ſorgen für einen Altersabend. Aber gottsjämmerlich
wird’s einem doch zumute, wenn man denkt, wie wohl
die Enkel dieſer feſchen Oſtpreußen ausſehen werden,
das glühende Eiſen frißt ſie auf, und immer neue
Scharen treten von uns den Todeszug nach dem Weſten
an! Ja, das iſt die Kehrſeite der Medaille! Alſo, erſt
mal „Proſt!”, Kinder!
(Fortſetzung folgt.)
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Kinderwügen u. Donges Zwiest, Grafenstr. 26.
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[ ← ][ ][ → ]Mummer 175.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Juli 1910.
Seite 11.
Aufgebot.
Der Rechtsanwalt Buß in Darmſtadt
at als. Nachlaßverwalter des Nachlaſſes
Dar am 15. Dezember 1909 in Darmſtadt
Darſtorbenen Heinrich Jakoby Wwe.
Philip=
ame geb. Beſt das Aufgebotsverfahren zum
pwecke der Ausſchließung von
Nachlaß=
äubigern beantragt.
Die Nachlaßgläubiger werden daher auf=
Uffordert, ihre Forderungen gegen den
Nach=
ck3 der verſtorbenen Heinrich Jakoby Wwe.
lhilippine geb. Beſt ſpäteſtens in dem auf:
Mittwoch, den 21. September 1910,
vormittags 10 Uhr,
oer dem unterzeichneten Gericht, Zimmer 201,
zuberaumten Aufgebotstermine bei dieſem
Lerichte anzumelden.
Die Anmeldung hat die Angabe des
tegenſtandes und des Grundes der
For=
erung zu enthalten. Urkundliche
Beweis=
tücke ſind in Urſchrift oder in Abſchrift
biizufügen.
Die Nachlaßgläubiger, welche ſich nicht
nelden, können, unbeſchadet des Rechts, finden ſich: 1 Spitzhund, 2 Pinſcher.
oor den Verbindlichkeiten aus
Pflichtteils=
eheckſichtigt zu werden, von den Erben nur tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
inf ſoweit Befriedigung verlangen als ſich
innch Befriedigung der nicht ausgeſchloſſenen
Gläubiger noch ein Ueberſchuß ergibt. Auch
des Nachlaſſes nur für den ſeinem Erbteil
eintſprechenden Teil der Verbindlichkeit.
Celäubiger, denen die Erben unbeſchränkt
ih nen nach der Teilung des Nachlaſſes nur
der Verbindlichkeit haftet.
(14755of
Darmſtadt, den 20. Juli 1910.
Großherzogliches Amtsgericht I.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
(14955did
Bekanntmachung.
Nachſtehend bringen wir die Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem
Truppen=
übungsplatz für die Zeit vom 30. Juli bis 6. Auguſt l. Js. zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 26. Juli 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.; von Werner.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 30. Juli bis 6. Auguſt 1910.
Datum
20. Zut
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Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
lrachten, Vermächtniſſen und Auflagen be= werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortlelhſt jeden Werk=
Polizeiverordnung
haftet ihnen jeder Erbe nach der Teilung betreffend die Regelung des Fuhrwerksverkehrs in der Schwanenſtraße, zwiſchen der
Schloßgarten= und der Gardiſtenſtraße.
Auf Grund des Artikel 56 der Städteordnung wird nach Anhören der Stadt=
Für die Gläubiger aus Pflichtteilsrechten, verordnetenverſammlung mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums des Innern vom
Vermächtniſſen und Auflagen ſowie für die 28. Mai 1910 zu Nr. M. d. J. 8525 verordnet, was folgt:
§ 1. Die Schwanenſtraße zwiſchen der Schloßgarten= und der Gardiſtenſtraße
haften, tritt, wenn ſie ſich nicht melden, wird für den durchgehenden Verkehr von Fuhrwerken, Automobilen und
Motor=
mur der Rechtsnachteil ein, daß jeder Erbe fahrrädern in der Richtung von der Gardiſten= nach der Schloßgartenſtraße geſperrt.
Die genannte Straßenſtrecke darf nur von der Schloßgartenſtraße aus befahren
für den ſeinem Erbteil entſprechenden Teil werden. Fuhrwerke haben im Schritt zu fahren.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung werden auf Grund des
§ 366 Ziffer 10 des R. St. G. B. mit Geldſtrafe bis zu 60 Mk. oder mit Haft bis zu
14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung im
Darm=
ſtädter Tagblatt in Kraft,
(14967fs
Belantmachung,
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.
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Seite 14e
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, dens29, Juli 1910.
Nummer: P25,
Am Freitag, den 29. Juli,
abends ½9 Uhr,
ſpricht
Herr Rechtsanwalt Sieger
in der Vereinigten Geſellſchaft (Eingang Rheinſtraße)
über das
mit anſchließender freier Diskuſſion. Bei der weittragenden Bedeutung der einzelnen
Geſetzesbeſtimmungen und ihrer rechtlichen Auslegung iſt der Beſuch des öffentlichen
(14843mf
Vortrages allen Intereſſenten zu empfehlen.
Eintritt frei!
Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt.
Einladung zur
ordentlichen General=Verſammlung
am Montag den 1. Auguſt 1910, abends 8½ Uhr
im Saale des „Gewerkſchaftshaus”, Bismarckſtr. 19
Tagesordnung:
J. Rechenſchaftsbericht vom Jahr 1909.
2. Wahl der Rechnungsprüfungskommiſſion für das laufende Jahr.
3. Vortrag über Mutter= und Säuglingsſchutz.
4. Bericht von der Jahresverſammluug des Deutſchen Krankenkaſſenverbandes
zu Regensburg.
5. Bericht von der Jahresverſammlung der Freien Vereinigung heſſiſcher
Kranken=
kaſſen zu Michelſtadt.
Der Vorſtand der Vereinigten Ortskrankenkaſſe
Knoblauch
I. Vorſitzender.
14990)
Verein für naturgemäße Lebens= und Heilweiſe
(Naturheilverein) E. V.
DARMSTADT
Wir erinnern unſere Mitglieder daran, daß die Anmeldungen zu der am
Sonntag, den 7. Auguſt, ſtattfindenden
Rheinfahrt der Vereine nach St. Goarshausen
bis Ende Juli geſchehen ſollen und bitten, bis ſpäteſtens Sonntag ſich bei den be=
(14998
kannten Stellen anzumelden.
Der Vorstand.
Städtischer Saalbau.
Montag, den 1. Anguſt, abends 8½ Uhr (Saalöffnung 8 Uhr):
KO N Z ER T
des blinden Konzert= und Oratorienſängers Heinrich Meyer
(Tenor) und Hans Lange-Frohberg (V.). Am Flügel:
Oskar Riege, Kgl. Kammermuſiker. (*18406fso
Eintrittskarten à 1 Mk., 2 und 3 Mk., ſowie Programme ſind im
Verkehrs=
bureau, Ernſt Ludwigsplatz, bei Karl Arnold, Ecke Erbacherſtraße, und an der
Abendkasse zu haben.
Konzertflugel Schiedmayer & Söhne a. d. M. von Karl Arnold, Erbacherſtr.
ſäglich
Heter Enos Auustier-Konzert.
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Hessischer Hof.
Samstag, den 30. Juli, abends 8 Uhr,
Populäres Militär=Konzert
Kapelle des Grossh. Hess. Art.-Regts. Nr. 61
Leitung: M. WEBE R.
Intereſſautes Programm.
I. Teil: Deutſch. II. Teil: Italieniſch, III. Teil: Hiſtoriſch. U. a. im
Zu=
ſammenhang „Die Präſentiermärſche aller hier garniſonierenden Truppenteile‟.
Programm 10 Pfg. berechtigt zum Eintritt.
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Restaurant Brauerei Fay
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Carl Gröltz, Inhaber.
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Hugenschütz Felsenkeller.
Heute Freitag:
Grosses Extra-Streich-Konzert.
Sonntag:
Sommerfest mit Doppel-Konzert.
Eintritt frei.
(*18411)
Eintritt frei.
Stenographen-Vereinigung, ,Gabelsberger
Samstag den 30. Juli, abends halb 9 Uhr‟
in den Räumen des „Heiligen Kreuzes‟
SONIMERNACHTFESTIIBALI
600 IIIumination des Gartens 666
Gesangsvorträge 6 Fackelpolonäse
(14991
Das Fest findet bei jeder Witterung statt. Kartenverkauf im Verkehrsbüro.
Restaurant (Zur Oper
Jeden Sonntag, Dienstag und Freitag
abends von 8 Uhr ab
(*1842a
Erstklassiges Künstler-Konzert.
Sonntag, den 31. Juli 1910
starten
gelegentlich des Grossen Preises von
Darmstadt im
Rrotor Rchfon
auf der Radrennbahn an der
:: Heidelbergerstrasse
Herm. Heckel, Wiesbaden.:: Joh. Wohn, Mainz.
Herm. Lunz, Nürnberg. Ernstchrist, Frankfurt a. M.
Knoll, München. Otto Gloeckler, Frankfurt a. M.
Spannende Kämpfe.
Beginn 3½ Uhr.
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Zoologischer Garten zu Frankfurt a. M.
Sonntag, den 31. Juli 1910, während des ganzen Tages
Eintrittspreis 50 Pf. (Kinder 25 Pf.), Aquarium mit Reptilienhäusern 20 Pf.
Nachmittags und Abends:
Militär-Konzert 63er Art. „Frankfurt
Nachmittags 6 Uhr bei günſtiger Witterung
Doppel-Luftballon-Auffahrt
Fräulein Käthchen Paulus und Herr Dörr.
Anfang der Füllung um 1 Uhr.
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Riechweihtesr in Reppenneimt strase)
Hotel „Halber Mond‟
Sonntag, den 31. Juli, mittags 4 Uhr:
IV. Militär=Abonnem.=Konzert
Eintritt 40 Pfennig.
Eintritt 40 Pfennig.
Desgleichen abends 8 Uhr (anderes Programm):
Grosses Militär=Konzert
ausgeführt von der Kapelle des Inf.=Regts. Nr. 118. Leitung: Muſikmeiſter
Röſel=Worms. — Während dem Konzert findet abends abwechſelnd
Tanz
mit Fackelpolonäſe, italieniſche Nacht, bengaliſche
Beleuchtung und großes Feuerwerk im Garten ſtatt.
Montag, 1. Auguſt, von mittags 4½ Uhr an
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Abends Fackelpolonäse durch d. Garten. Illumination.
Tanzkarte, mittags und abends gültig, 1 Mark.
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Der Vorstund d. Verschönerungsvereins u. Gasthofbesitzer K. M. Seibert.
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Adreßbuch 1910 mit Preisangabe unter
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