Darmstädter Tagblatt 1910


21. Juli 1910

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monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:

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werden angenommen in Darmſtadt,
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ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Donnerstag, den 21. Juli.

1910.

Ni 168,

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

* Die Romanen erfreuten ſich von je infolge ihrer
ganzen Charakteranlage einer üppigen Phantaſie, und na=
mentlich
in der Preſſe tritt ſie in einer Weiſe zutage, daß
der nüchterner denkende Deutſche den Ernſt beim Leſen
zu wahren nicht imſtande wäre. Wenn ein deutſches Blatt
auch nur den zehnten Teil deſſen zuſammenfabeln würde,
was die meiſten franzöſiſchen Blätter auf dem Gewiſſen
haben, ſo würde es ſeine Leſer ſehr ſchnell verlieren, und
es handelt ſich da keineswegs um Klatſch= oder Senſations=
blätter
, vielmehr begegnet man dieſer Unſitte auch in den
angeſehenſten Organen, und es iſt manchmal unglaublich,
welche Bären da aufgebunden werden.
So brachte dieſer Tage das Paris Journal
einen Auszug aus einem angeblich geheimen Bericht des
Berliner franzöſiſchen Militärattachés, der ſo aufgetragen
iſt, daß man ſeine Unechtheit auf den erſten Blick erkennen
müßte. Dieſer Bericht enthält ſo ſchiefe Urteile über die
Situation in Deutſchland, daß, wenn er wirklich wahr ſein
ſollte, Frankreich einen veritablen Dummkopf mit der un=
bedingt
wichtigen Miſſion eines Militärattachés betraut
hätte. Der gute Mann ſieht natürlich alles grau in grau
und bringt es ſertig, die Entlaſſung des Fürſten
Bülow als Revanche für die Tweedmouth=Affäre hinzu=
ſtellen
. Auch ſonſt enthält der Bericht, ſoweit er die poli=
tiſchen
Fragen ſtreift, die unglaublichſte Auffaſſung, ſo
daß es um die franzöſiſche Diplomatie ſchlimm beſtellt ſein
müßte, wenn ſie derartige ſcharſſinnige Mitarbeiter in
ihren Reihen zählte.
Den breiteſten Raum nimmt natürlich die Schilderung
der Zuſtände in der Marine ein, und man darf ſich nach
den vorangegangenen Leiſtungen nicht weiter wundern,
wenn da mehr als dick aufgetragen wird. Nur inſofern
dürfte der Schreiber recht haben, als er ſagte, daß der
Kaiſer nicht daran denke, eine Aenderung des Flotten=
programms
gutzuheißen. Daß der gute Mann auch die
engliſchen Abrüſtungsvorſchläge mit einflechtet, iſt ganz
ſelbſtverſtändlich. Was er aber über die Zuſtände in der
Marine ſagt, iſt völlige Unwahrheit, insbeſondere ſeine
Mitteilungen über die Diſziplin, die nach ſeinem Bericht
ungemein viel zu wünſchen übrig laſſe. Das Gegenteil iſt
richtig, wenn ſich auch ſelbſtverſtändlich Vergehen gegen die
Diſziplin zuweilen ereignen mögen. Und gerade im Aus=
lande
ſteht der deutſche Kriegsmatroſe in dem Rufe, der
geſittetſte und diſziplinierteſte aller Nationen zu ſein. Auch
der Kieler Werftprozeß marſchiert auf, um darzutun, wie
faul es in der deutſchen Marineverwaltung ſei. Man
könnte lächelnd über die ganze Publikation hinweggehen,
wenn ihr nicht ein ganz beſtimmter Grund zugrunde läge.
Erſichtlich verfolgt der Verfaſſer, der die ſenſationellere
Form eines Geheimberichts wählt, den Zweck, ſeinen
Landsleuten zu ſchmeicheln und ihnen zu zeigen, daß die
deutſche Marine keineswegs beſſer ſei als die franzöſiſche.
Einen derartigen Troſt hat man allerdings in Frankreich
nötig, nachdem ſich alle Augenblicke die Unzulänglichkeit
der franzöſiſchen Kriegsſchiffe und ihrer Bemannung ge=
zeigt
hat. Er will ſeine Landsleute ſcharf machen, und
aus dieſem Grunde kann er es ſich nicht verſagen, eine
kleine Deutſchenhetze anzuknüpfen und Kriegsabſichten an
die Wand zu malen.
Der Verfaſſer meint, die Verhältniſſe im Innern trie=
ben
zu einem Kriege nach außen, und zwar ſei dies das
Reſultat der Ueberbevölkerung Deutſchlands mit der damit
verbundenen Kriſis. Wenn das Vaterland nicht mehr
Platz genug für ſeine Bewohner habe, wenn das Geld in
den Reichskaſſen fehle, wenn allein an dieſen beiden Klip=
pen
die Hegemonie der Welt ſcheitere, von welcher der
kaiſerliche Impreſario der germaniſchen Vereinigung ſo
oft geſprochen habe, ſo ſei es nicht unmöglich, daß man
auf der anderen Seite des Rheins von Kriegen und Sie=
gen
träumt, die den Raub fremder Länder und Milliar=
den
geſtatten.
Die Idee eines deutſchen Raubzuges iſt das Abſur=
deſte
, was ſeit langem dageweſen, aber der Verfaſſer kennt
ſeine Landsleute und weiß, daß das Geſpenſt ſeine Wir=
kung
nicht verfehlt. Unter dieſem Geſichtswinkel muß man
die ganze Angelegenheit betrachten und ſie als einen be=
dauerlichen
Verſuch auffaſſen, erneut den Samen des Miß=
trauens
und der Zwietracht auszuſäen.

Die Geldvermittlungsſtelle der deut=
ſchen
Großſtädte, an die zurzeit 50 Städte je mit
über 80000 Einwohnern angeſchloſſen ſind, hat infolge
Ablebens des Stadtrats Bödicker in Kaſſel ihren Sitz
mit dem 15. Juni ds. Js. von Kaſſel nach Düſſeldorf ver=
legt
und ſteht nunmehr unter der Leitung des dortigen
Oberbürgermeiſteramtes. Die bisherige Tätigkeit der
Stelle iſt eine recht umfangreiche geweſen. In einem Zeit=
raum
von etwa einem halben Jahre wurde eine Geld=
nachfrage
von 21500000 und ein Geldangebot von
18730000 Mark angemeldet, von welchen Summen
13 830000 bezw. 12 280000 Mark vermittelt wurden.
Der Unterſtaatsſekretär im Miniſtgium der öffent=
lichen
Arbeiten, Fleck, reichte mit Rückſicht auf ſein vor=
geſchrittenes
Alter ſein Penſionsgeſuch ein.
Wie der Tag meldet, wird der mecklenbur=
giſche
Staatsminiſter Graf Karl von Baſſe=
witz
=Levetzow von ſeinem Poſten zurücktreten und
durch den ſeitherigen Vorſtand des Juſtizminiſteriums, den
Staatsrat Dr. Adolf Langfeld, erſetzt werden. Als Nach=
folger
Dr. Langfelds wird der derzeitige Schweriner Land=
gerichtspräſident
Dr. Brückner genannt. Auch das dritte
Mitglied des mecklenburgiſchen Staatsminiſteriums, der
Vorſtand des Finanzweſens, Staatsrat Adolf v. Preſſen=
tin
, ſoll die Abſicht haben, von ſeinem Amt zurückzutreten.
Wie es heißt, wird er Herrn Fortunat v. Oertzen, der
lange Zeit mecklenburgiſcher Geſandter am Berliner Hof
war, in dem Poſten als Chef der Großherzoglichen Haus=
haltsbehörde
ablöſen. Für Herrn v. Preſſentin ſoll Gehei=
mer
Kammerrat v. Blücher in das Miniſterium eintreten.
Aus ihren Aemtern ſcheiden weiter der Kammerpräſident
v. Schuckmann und der Geh. Kammerrat Baller, für deren
Nachfolge verſchiedene Perſönlichkeiten in Frage kommen
ſollen. Es wird von Intereſſe ſein, abzuwarten, ob dieſe
neuen Männer einen neuen Kurs in der Verfaſſungs=
frage
bedeuten werden.
Ausland.
Die telegraphiſche Erklärung des früheren franzöſi=
ſchen
Miniſterpräſidenten Clemenceau über den Ro=
chette
=Handel wird von mehreren Blättern ſehr ſcharf
kritiſiert. Der ſozialiſtiſche Deputierte Sembat ſagt in der
Humanité, aus der Depeſche Clemenceaus gehe hervor,
daß dieſer lediglich auf die in den Wandelgängen der Kam=
mer
und in der Preſſe verbreiteten Gerüchte hin den Auf=
trag
gegeben habe, Rochette zu verhaften. In dieſer bru=
talen
und unbeſonnenen Weiſe habe Clemenceau während
der ganzen Zeit ſeiner Miniſterpräſidentſchaft regiert. Die
Action fragt, warum Clemenceau, der weder Juſtiz= noch
Finanzminiſter war, ſich im Jahre 1908 mit Rochette be=
ſchäftigt
habe. Weder Caillaux noch Briand, die damals
an der Spitze dieſer beiden Miniſterien ſtanden, ſcheinen
ihn dazu gedrängt zu haben. Caillaux wurde überhaupt
nicht um ſeine Meinung gefragt. Der in der Affäre Ro=
chette
ſo oft genannte Picherau, der auf Veranlaſſung der
Polizei als Privatkläger gegen Rochette auftrat, richtete
an den Unterſuchungsausſchuß ein Schreiben, in dem er
verlangt, unverzüglich vernommen zu werden, da er ſich
gegen die Beſchuldigung des Polizeiſekretärs Durand ver=
teidigen
wolle, daß er dieſen ſchmählich getäuſcht habe.
Durand habe ſehr gut gewußt, daß er gewiſſe Aktien, die
zur Begründung der Strafanzeige notwendig erſchienen,
gar nicht beſeſſen habe, ſondern erſt auf den Wunſch der
Polizei erhalten habe. Einem Berichterſtatter gegenüber
erklärte Durand, daß die Behauptung Picheraus auf Er=
findung
beruhe.
In der letzten Sitzung der ſpaniſchen Kammer be=
klagte
der frühere Miniſterpräſident Moret die brüske
Art, in der er entlaſſen worden ſei, obwohl er immer loyal
der Monarchie gedient habe. Maura verteidigte die Maß=
nahmen
ſeiner Regierung und kam auf die dem Riffeld=
zuge
vorhergegangenen Ereigniſſe zurück; er ſagte, Spa=
nien
habe ſich verteidigen müſſen. Das Riffgebiet ſei nur
ein Stützpunkt für das Friedenswerk; es ſei unſinnig, dort
Reichtümer zu ſuchen. Maura rechtfertigte die von ihm
getroffenen Maßnahmen zur Unterdrückung des Aufſtan=
des
in Barcelona und erklärte, er werde, wenn er die
Macht wiedererlangen ſollte, noch ſtrenger in der Anwen=
dung
der Geſetze verfahren. Der Redner ſagte dem Kabi=
nett
Canalejas, ebenſo wie jedem anderen liberalen Kabi=
nett
, das zur Macht komme, die wohlwollende Unterſtütz=
ung
der Konſervativen zu.
* Der Krönungstag König Georgs V. von
Großbritannien und der Königin Mary iſt noch nicht

ſeſtgeſetzt. Vor Anfang nächſten Jahres dürfte die Feier,
wie aus London berichtet wird, auf keinen Fall ſtättfin=
den
. Die Vorbereitungen für die Krönung werden jedoch
demnächſt in Angriff genommen. Eine Kommiſſion ſoll
über die Einzelheiten der Feier beraten, ſoll die erſten
Schritte in die Wege leiten, ſo daß ſpäterhin nur noch der
Krönungstag ſelbſt beſtimmt zu werden braucht. Zum
Vorſitzenden der Kommiſſion wird wahrſcheinlich der
Earl=Marſchall Herzog von Norfolk ernannt werden. Man
iſt beſtrebt, ſich im allgemeinen nach der Krönungsfeier=
lichkeit
bei der Thronbeſteigung Eduards VII. zu richten
und nur in Einzelheiten Abänderungen eintreten zu laſſen.
Die Bewegung, den Empireday, den Geburtstag der ver=
ſtorbenen
Königin Viktoria von England, zum ſtändi=
gen
Krönungstag von Englands Königen zu ma=
chen
, iſt im Wachſen begriffen.
Ueber den engliſch=ruſſiſchen Zwiſchenfall, be=
treffend
den engliſchen Fiſchereidampfer Onward, er=
hielt
das Miniſterium des Innern von dem Gouver=
neur
des Gouvernements Archangelsk folgende
zuſammenfaſſende Meldung:
Das Kriegstransportſchiff Bakan, das alljährlich
in den nördlichen Gewäſſern zum Wachtdienſt und
Schutz der Fiſcherei beordert iſt, beſchlagnahmte den
engliſchen Fiſchereidampfer Onward und brachte ihn
nach Archangelst. In einem ſpäter eingegangenen
ausführlichen Bericht des Kommandanten der Bakan
war die Stelle genau angegeben, wo der engliſche
Dampfer beſchlagnahmt wurde. Aus dieſer Angabe
ging hervor, daß der Onward im Augenblick der Be=
ſchlagnahme
ſich außerhalb der Grenzen der Waſſer=
zone
befunden hat, die dem Schutz der Bakan unter=
ſtellt
iſt. Mit Rückſicht auf dieſe Tatſachen wurden auf
Befehl des Vorſitzenden des Miniſterrats, des Staats=
ſekretärs
Kokowzow, die Behörden von Archangelsk
telegraphiſch angewieſen, das engliſche Fahrzeug frei=
Zugeben. Der engliſche Botſchafter wurde von
dieſer Anordnung der ruſſiſchen Regierung in Beant=
wortung
ſeiner Anfrage in Kenntnis geſetzt.
Ein Communiqué der türkiſchen Regierung beſtätigt
im weſentlichen die bisherigen Meldungen, daß das Ge=
heimkomitee
eine allgemeine Erhebung und die Er=
mordung
einiger Mitglieder des Kabinetts und der Kam=
mer
plante. Es ſollte ein neues Kabinett aus Mitgliedern
der Oppoſition gebildet, die Kammer aufgelöſt werden und
Neuwahlen ſollten ſtattfinden. Der Belagerungszuſtand
ſollte aufgehoben und die zwangsweiſe verabſchiedeten Be=
amten
ſollten wieder eingeſetzt werden. Unter den auf=
gefundenen
Papieren befindet ſich ein Aufruf an das tür=
kiſche
Heer in Albanien, nicht gegen die Albanier, ſondern
gegen die jetzige Regierung zu marſchieren.
Von maßgebender Stelle iſt die Meldung, daß der
türkiſche Großweſir auf ſeiner Reiſe nach Marien=
bad
einen Abſtecher nach der böhmiſchen Beſitzung des
Grafen v. Aehrenthal machen werde, um mit dieſem
über wichtige politiſche Fragen zu verhandeln, weder be=
ſtätigt
noch dementiert worden. Nun tauchen Nachrichten
auf, denen zufolge die Türkei einen innigeren An=
ſchluß
an den Dreibund beabſichtige. Dazu
erfährt der Berichterſtatter der B. N. N. an unterrichteter
Stelle, daß bisher von der Pforte in dieſem Sinne noch
keine Fühlung mit dem Ballhausplatz geſucht worden ſei.
Oeſterreich=Ungarn ſei aber jedenfalls geneigt, mit der
Türkei in engere politiſche Beziehungen zu treten, da es
ſich hiervon nicht nur eine Belebung ſeines Handels in
der Levante, ſondern auch eine wertvolle Bürgſchaft für
die Aufrechterhaltung des status quo auf dem Balken ver=
ſpräche
. Jedenfalls würde das Wiener Kabinett ſich bei
den Regierungen in Berlin und Rom dafür einſetzen, wenn
das osmaniſche Reich wirklich einen ſolchen Anſchluß an
den Dreibund anſtreben ſollte. Wahrſcheinlich dürfte dies
in Form einer Militärkonvention erfolgen, wie eine ſolche
bereits zwiſchen Oeſterreich=Ungarn und Rumänien be=
ſteht
. Aber wie dem auch ſei, unzweifelhaft wird der Groß=
weſir
bei ſeiner Zuſammenkunft mit dem Grafen von
Aehrenthal wichtige politiſche Fragen erörtern; die Be=
gegnung
wird keinesfalls einen bloßen Höflichkeitscharakter
haben.
Der griechiſche Geſandte hat von der Pforte die
formelle Erklärung erhalten, daß der Boykott binnen
wenigen Tagen aufhören werde, nachdem der Miniſter=
rat
die Siſtierung des Boykotts unter Anwendung
aller Mittel beſchloſſen und dem Boykottkomitee ernſte
Ratſchläge erteilt hatte.
Etwa 100 Reſerviſten demonſtrierten
kürzlich vor den Kaſernen und verlangten Entlaſſung
oder Krieg. Nach dem Eingreifen von Offizieren wurde
die Ordnung wieder hergeſtellt.

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Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.
Nummer 168.
2 ehr ansſtente Alchltgen unſen e Par. e Wner rerentet r ete emer meaſte den lentſen rate der eile er Ziſt
donien ein. Infolge der Entwaffnungsaktion der Behör= pendetachement auf einem anderen Teil der See= habenheit und unternahm in dieſem Sommer eine

den im Uesküber Wilajet haben ſich neuerdings bul=
gariſche
Banden gebildet oder ſind in Bildung begriffen.
Der Bandenführer Teodore Alexandrow bedroht in zahl=
reich
verbreiteten Aufrufen jedermann mit dem Tode, der
ſeine Waffen abliefern ſollte. Im Bezirke Radoviſch hat
ſich eine Bande unter dem Befehl des geweſenen Woi=
woden
Stamen gebildet. Die Bulgaren erklären, daß, im
Falle die Entwaffnungspolitik der türkiſchen Regierung
nicht geändert werden ſollte, eine neue Bandenaktion zu
erwarten iſt. In Sofia erzählt man, daß es dem geweſenen
Bandenchef Tſchernopew, einem ehemaligen Anhänger
Sandanskis, gelungen iſt, aus ſeinem Internierungsorte
nach Mazedonien zu flüchten. Das Preßorgan Sandans=
kis
, Kambana, verurteilt die neue Bewegung.
Ueber die letzten Kämpfe im Süden von Marokko
wird dem Daily Telegraph aus Mogador gemeldet, daß
dort eingetroffenen Briefen aus Marrakeſch zufolge die
Niederlage der Franzoſen durch die Tadlaſtämme bei El
Brodje beſtätigt werde. Viele der algeriſchen und ſene=
galiſchen
Soldaten ſeien in die Hände der Mau=
ren
gefallen. Die Algerier erklärten, daß ſie wider ihren
Willen gezwungen worden ſeien, gegen die Mauren zu
kämpfen, und daraufhin wurden ſie von dieſen nur ent=
waffnet
. Die Schlacht wurde am 2. Juli geſchlagen, am
folgenden Tage wollten die Mauren den Kampf wieder
aufnehmen, um den Franzoſen, die eine Stellung bei
Settat eingenommen hatten, eine vernichtende Niederlage
zu bereiten. Als aber die Franzoſen den Feind in großen
Mengen heranmarſchieren ſahen, verließen ſie ihre Stel=
lungen
und zogen ſich zurück. Ferner meldet derſelbe Be=
richterſtatter
, daß Ma el Ainin, der Zauberer der Sahara,
ſich noch immer bei den Tadlaſtämmen befinde und fort=
fahre
, den heiligen Krieg zu predigen.

ck, Die Belagerung der Piraten auf
Colowan. Eine regelrechte, blutige Schlacht, der
allem Anſchein nach eine längere Belagerung folgen
wird, haben fern im Oſten portugieſiſche Truppen den
berüchtigten chineſiſchen Piraten geliefert, die im
Delta des Kantonfluſſes ſeit Jahren ihr Unweſen trei=
ben
und mit der Zeit immer kühner und verwegener
geworden ſind. Die Schandtaten der bezopften See=
räuber
waren in den letzten Monaten ſo ſehr ange=
wachſen
, daß die Pflicht, dieſe gefährlichen Freibeuter
auszurotten, nicht mehr länger aufzuſchieben war. Der
portugieſiſche Gouverneur von Macao ließ zunächſt
den Kundſchafterdienſt verſtärken und bald konnte feſt=
geſtellt
werden, daß der Hauptſitz der Seeräuber, die
kleine Inſel Colowan, im Kantondelta auf portugie=
ſiſchem
Gebiete lag. Am Samstag wurde der Krieg
eröffnet. Die beiden portugieſiſchen Kanonenboote
Patria und Macao begannen das Bombardement.
der Seeräuberinſel, während der Kreuzer Amelia‟
150 Matroſen landete, die gemeinſam mit 250 Solda=
ten
den Kampf mit den Piraten ausfechten ſollten.
Aber die Freibeuter waren auf den Angriff gerüſtet.
Vor den Truppen zogen ſie ſich auf den Gipfel eines
ſteilen Hügels zurück, in dem große Höhlen und unter=
irdiſche
Schlupfwinkel unter felſigem Geſtein einge=
graben
ſind. Die Hügelkuppe war zu einem regel=
rechten
Fort ausgebaut, mit Paliſaden geſchützt und
mit modernen Maximgeſchützen ausgerüſtet. Unter
Benutzung aller Deckungen näherten ſich die Truppen
der feindlichen Verſchanzung, aber als ſie in Schuß=
weite
gekommen waren, begann ein furchtbares
Schnellfeuer auf ſie niederzupraſſeln, die Seeräuber
ſetzten Maſchinengewehre in Tätigkeit und zum Ueber=
fluß
wurden von den ſteilen Hügelwänden Felsblöcke
gelöſt und in die Tiefe geſchleudert, die auf ihrem Weg
alles mit ſich riſſen. Dreimal wurden kühne Angriffe
mit dem Bajonett unternommen, mit Todesmut dran=
gen
die Soldaten bis zu den Paliſaden vor und in die
Verſchanzungen ein. Aber es war unmöglich, die
Stellung gegen das mörderiſche Feuer des Gegners
zu halten, und immer wieder mußten ſich die Truppen
zurückziehen. Inzwiſchen hatte der Führer des An=
griffes
auf den benachbarten Hügeln zwei Batterien
auffahren laſſen, die das Piratenfort mit Granaten
bewarfen. Die Verteidiger ſuchten in den Höhlen
Unterſchlupf und nach allen Beobachtungen fügte das
Bombardement ihnen faſt gar keinen Schaden zu.
Nachdem der Angriff abgeſchlagen war, beſchloſſen die
Portugieſen, Verſtärkungen abzuwarten und inzwi=
ſchen
eine regelrechte Belagerung zu beginnen. Der

räuberinſel zu landen, um den Gegner auch im Rücken
angreifen zu können. Die portugieſiſchen Meldungen
ſprechen von geringen Verluſten bei den Truppen und
von ſchweren Verluſten bei den Seeräubern, aber die
Verhältniſſe und der Umſtand, daß die Soldaten drei=
mal
ohne Deckung einen modern ausgerüſteten, auf
einer Hügelkuppe hinter Verſchanzungen liegenden
Gegner angriffen und zurückgeſchlagen wurden, laſſen
vermuten, daß mehr Blut gefloſſen iſt, als man an=
geſichts
dieſes unbefriedigenden Erfolges zugeben
möchte. Eine Flottille von 5 chineſiſchen Kanonenbooten
unterſtützt die Portugieſen bei der Blockierung der
Inſel. Nun ſollen noch die beiden portugieſiſchen
Kreuzer Vasco de Gama und San Gabriel nach
der Seeräuberinſel dirigiert werden. Man nahm ur=
ſprünglich
an, daß die Zahl der Seeräuber gegen 200
beträgt, aber der Angriff hat gezeigt, daß man es offen=
bar
mit einer größeren Schar zu kun hat. Der geſtei=
gerten
Machtentfaltung ſind ſie freilich nicht gewachſen,
und ſo kann als ſicher gelten, daß in wenigen Tagen
das Kantondelta der gefürchtetſten Piratenbande ledig
ſein wird.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 21. Juli.
herzog den Oberlehrer Lie, theol. Fritz Herrmann
zu Darmſtadt und den katholiſchen Pfarrer i. P. Dr. Peter
Kommiſſion für das Großherzogtum Heſſen.
*: Ein Denkmal für die Königin Luiſe in Braunshardt.
Am Todestage der Königin Luiſe von Preußen wurde am
Dienstag abend im Schloßpark Braunshardt ein von pri=
vater
Seite geſtiftetes Denkmal enthüllt. Bei der Feier
war eine Reihe geladener Gäſte anweſend, u. a. der preu=
ßiſche
Geſandte Frhr. v. Jeniſch, Flügeladjutant Ober=
leutnant
v. Schröder und mehrere Offiziere mit ihren
geſunden. Nach einem Choral, den die Schulinder vor=
des
Denkmals, dankte hierauf und übergab es der Ge=
im
Namen der Gemeinde und ſtellte das Denkmal unter
niedergelegt, u. a. auch vom Großherzogspaar und der
Kaiſerin. Am Schluſſe der Feier ſang der Geſangverein
Bildhauers Beinhorn in Witten. Es beſteht aus vier
Säulen in Sandſtein von etwa 3,50 Meter Höhe. Zwi=
Höhe, die eine Büſte der Königin in Marmor trägt. Als
Inſchrift trägt das ſchöne Erinnerungsmal lediglich die
Worte: Königin Luiſe‟. Nach Beendigung der Feier
folgten die Darmſtädter Gäſte einer Einladung der Für=
ſtin
von Hanau ins Schloß zum Abendeſſen.
L. Der Kreisausſchuß verhandelte geſtern als letzte
Sachen vor den Ferien öffentlich folgende: 1. Der
Metzger Georg Emig III. von Nieder=Ramſtadt will Leiſtungen. Kein wahrer Muſikfreund ſollte ſich daher
in dem von ihm erbanten Haufe Kirchſtraße 21 eine
Perſönlichkeit des Geſuchſtellers liegen keine Bedenken Sonntag iſts von S. Breu; Wach auf von Wohl=
geſprochen
, weil durch den neuen Betrieb auch ſein
bisheriger erſt voll zur Geltung komme. Die nachge= Mendelsſohns Ouvertüre: Meeresſtille und glückliche
ſuchte Erlaubnis wurde erteilt. Emig hat die Koſten Fahrt, Largo von Händel, Tonbilder aus Cavallerig
des Verfahrens zu tragen. 2. Die Wilhelm
Jahren daſelbſt im Armenhauſe. Der Mann bezieht
jährlich 150 Mark Invalidenrente, die Frau verdient
nichts mehr, früher war ſie Botenfrau. Im Februar
und März wurden beiden bar 4 Mark. bezahlt, ſpäter
wurde dies eingeſtellt, weil es in der guten Jahreszeit machung beachten.
leicht iſt, etwas zu verdienen. Gegen den Abzug haben
beide Beſchwerde geführt, weil ſie die 4 Mark weiter
haben wollen, was der Bürgermeiſter Benz zurzeit
nicht für gerechtfertigt erachtet. Das eingelegte Reviſi=
onsmittel
wurde als unbegründet verworfen.
zedere Das Kriegsgericht der 25. Diviſion verurteilte
geſtern einen vor 24 Jahren nach Amerika ausgewan=
derten
Rheinheſſen, der damals zum Trainbataillon in
Mainz ausgehoben war und ſich vor der Einſtellung
entfernt hatte, wegen Fahnenflucht zu der zuläſſigen
ſetzung in die zweite Klaſſe des Soldatenſtandes. Der ferner Peter Flick, Karl Engel und Heinrich Glaus.
Fall iſt höchſt eigenartig und läßt die Schwere des
Militärſtrafgeſetzes in dieſer Richtung erkennen, die
treffende Sch. aus Flonheim war damals zweimal
zurückgeſtellt und erſt bei der dritten Muſterung aus=
gehoben
worden. Er ließ ſich durch einen Freund be=ſ
reden, mit demſelben nach Amerika zu gehen und dort
ein Geſchäft zu gründen. Er hatte keinen Erfolg und durch den Fußtritt des Vaters verurſacht iſt, alſo

Europareiſe, wobei er auch das Grab ſeiner Mutter
in Flonheim beſuchte. Das Militärſtrafverfahren iſt
inzwiſchen nicht verjährt; er wurde vor einigen Tagen
verhaftet und mußte geſtern auf Grund des § 69 St.=G.
verurteilt werden. Der Angeklagte hatte vorſichtiger=
weiſe
bei der Verwaltungsbehörde vorher angefragt
und es war ihm von dieſer, die keine Kenntnis von dem
Militärſtrafverfahren hatte, ausdrücklich die Erlaub.
nis zum Aufenthalt in Heſſen erteilt worden. Dann
hatte ſich der Schuhwarenhändler Franz Breidt von
Pirmaſens zu verantworten, der als Unteroffizier dem
hieſigen Landwehrbezirk angehört. Er iſt wegen ein=
fachen
Bankrotts und Betruges in zwei Fällen von der
dortigen Strafkammer zu 6 Wochen Gefängnis ver=
urteilt
worden, und es war deshalb zu prüfen, welchen
Einfluß dieſe Zivilſtrafe auf ſein militäriſches Ver=
halten
hat. Das Urteil lautete auf Degradation
des Angeklagten. Weiter wurde der Dragoner vom
Drag.=Regt. Nr. 24 Karl Schanz, Schmied von Ober=
Ramſtadt, der ſchon vorbeſtraft iſt, nach nichtöffentlicher
Verhandlung wegen Vergehen gegen § 175 des St.=
G.=B. in zwei Fällen zu 8 Monaten 2 Wochen
Gefängnis und 3jährigem Ehrverluſt verurteilt.
Großer Preis von Darmſtadt. Der Radfahrer=
Verein Darmſtadt hält am Sonntag, den 31. Juli, auf=
ſeiner
an der Heidelberger Straße gelegenen, 500 Meter
Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß= langen Radrennbahn ein großes Rad= und Motor=
Rennen ab. Den Glanzpunkt dieſes Rennens bildet
der Große Preis von Darmſtadt, Strecke 20
Bruder zu Dieburg zu Mitgliedern der Hiſtoriſchen Meter, 4 Barpreiſe: 1000 Mark, 400, 200 und 100 Mark.
Offen für Berufsfahrer aller Länder.
Kochkunſt=Ansſtellung 1910. Man ſchreibt uns;
Am 19. Juli fand die erſte geſchäftliche Sitzung des
Klubs der Köche betreffs einer großen Kochkunſtaus=
ſtellung
im Herbſt dieſes Jahres ſtatt. In den Aus=
ſchuß
wurden gewählt die Herren Georg Phildeus,
Küchenchef im Hotel zur Traube, als Vorſitzender, Otto=
Egner, Hoftraiteur, Leib=Inf.=Regt. Nr. 115, als Aus=
Damen. Aus Braunshardt hatten ſich Bürgermeiſter ſtellungsleiter, Ch. Feßner, J. Pérard, J
Schmidt, der Ortsvorſtand und viele Ortseinwohner ein= Müller, H Pieper, J. Klüſey als Beiſitzer. Wie
im vorigen Jahre ſoll die Ausſtellung, die bekanntlich
trugen, hielt Dekan Schneider von Weiterſtadt die viel Anklang gefunden hat, wieder in einem feinen
Weiherede. Frau Oberſt v. Hohmeier, die Stifterin Rahmen (Kochkunſt und Konditorei) in den Räumen,
des Hotel zur Traube abgehalten werden. Die Aus=
meinde
Braunshardt. Bürgermeiſter Schmidt dankte ſtellung wird viel Neues auf kulinariſchem Gebiete
bringen.
Odenwaldklub. Die Ortsgruppe Heidelberg=
den
Schutz aller Ortseinwohner Danach wurden Kränze begeht kommenden Sonntag die Feier ihres 25 jäh=
rigen
Beſtehens. Aus dieſem Anlaß findet nach=
mittags
2¼ Uhr von dem Metzdenkmal in Heidelberg=
Frohſinn einige Chöre. Das Denkmal iſt ein Werk des ab eine Wanderung nach Neckargemünd mit daran
anſchließendem Waldfeſt bei dem Schützenhauſe dort
ſtatt. Die Mitglieber der hieſigen Ortsgruppe ſind
ſchen ihnen befindet ſich eine fünfte Säule von der halben! hierzu eingeladen und werden um recht zahlreiche Be=
teiligung
gebeten.
Saalbau. Man ſchreibt uns: Das einmalige
Konzert des Roſt=Quartetts im Donnerstags=
konzert
iſt unſtreitig eine hervorragende muſikaliſche
Darbietung. Die glänzenden kritiſchen Beſprechungen,
der künſtleriſchen Qualitäten dieſer vornehmen Ver=
einigung
legen beredtes Zeugnis ab von einzigartigen
dieſen hohen muſikaliſchen Genuß verſagen. Aus dem
Wirtſchaft eröffnen. Baupolizeilich ſowie gegen die Programm des Solo=Quartetts ſeien hervorgehoben:
vor; auch hat ſich der Gemeindergt für das Geſuch aus= gemuth, Der Ganshüata von Overath, Stilleben
von Kirehl. An Orcheſterſtücken werden u. a. geſpielts
ruſticana von Maseagni, und auf vielſeitigen Wunſch=
Müller I. Eheleute von Arheilgen wohnen ſeit vier wiederholt Dedikations=Marſch von A. Förſter. Das=
Konzert findet bei ungünſtigem Wetter im großen
Saale ſtatt.
* Fürforge=(Beratungs=)Stelle für Lungenkranke. Be=
züglich
der Sprechſtunden wolle man die heutige Bekannt=
Selbſtmordverſuch. Geſtern mittag 1 Uhr verſuchte
ein in der Grafenſtraße wohnhafter Kutſcher ſich mit Lyſol
zu vergiſten. Er wurde mitels Krankengutomobils in
das ſtädtiſche Krankenhaus verbracht, wo ihm gleich ärzt=
liche
Hilfe zuteil wurde. Die Urſache ſoll in Liebeskum=
mer
zu ſuchen ſein.
Eberſtadt, 20. Juli. Geſtern war hier Gemeinde=
ratswahl
; 5 Sitze waren erledigt. Nach dem vor=
läufigen
Ergebnis ſind gewählt der ſtädtiſche Bauleiter
Mindeſtſtrafe von 6 Monaten Gefängnis nebſt Ver=1 Franz Simon und Fabrikant Heinr Müller M.,
Die beiden erſten gehörten ſchon früher dem Gemeinderate
an; ſie waren von den bürgerlichen Parteien aufgeſtellt
hoffentlich im Gnadenwege Milderung findet. Der be= worden. Die drei übrigen Neugewählten waren ſozial=
demokratiſche
Kandidaten.
Michelſtadt, 20. Juli. Die ſtaatsanwaltlichen Feſt=
ſtellungen
zu dem Tod des Kindes Weber er=
gaben
u. g., daß der Tod des Kindes unzweifelhaft

Die Schwalbe im Volksglauben.
ck. Unter all den anmutigen Bewohnern der Luft
erfreut ſich keiner bei den Menſchen ſolcher Beliebtheit
wie die Schwalbe, die ganz zum Haustiere geworden
iſt und als guter, glückbringender Geiſt auf dem Dache
niſtet. Ueberall gilt die Schwalbe, die Bringerin des
Frühlings, für unantaſtbar; überall auf Erden bereitet
man ihr liebevolle, gaſtliche Aufnahme, ſelbſt der Oſt=
jate
in Weſtſibirien nagelt ihr ein Brettchen unter das
Neſt. Wie ſich dieſe Vorliebe für Schwalben in Volts=
glauben
widerſpiegelt, davon erzählt Dr. L. Gengler
in einem inhaltreichen Aufſatz des Globus. So heißt
es in Süddeutſchland: Glücklich der Mann, unter deſ=
ſen
Dach die Schwalbe ihr Neſt geklebt denn kein Blitz
vermag ihm zu ſchaden; der Bube aber, der ein Schwal=
beuneſt
zerſtört, iſt verflucht; ſeine Eltern werden
Kummer und Schande an ihm erleben. Der Spanier
ſagt ſogar: Wer eine Schwalbe umbringt, tötet ſeine
Mutter‟ Welch hohe Bedentung man der Schwalbe
als Glücksbringerin zuſchrieb, zeigt eine früher viel
genannte Regel: Wer die erſte Schwalbe im Frühjahr
ſieht, darf nur unter ſeinem linken Fuß nachgraben, er
wird dort eine Kohle finden, die ihm, ſo lange er ſie
bei ſich trägt, ſtets Glück bringt. In Frauken und in
Thüringen iſt der Glaube verbreitet, daß die in den
Kuhſtällen niſtenden Schwalben, wenn ſie geſtört wer=
den
, die Kühe mit ihren aus ſpitzen Stacheln beſtehen=
den
Schwanzſedern in die Euter ſtechen, ſo daß dieſe
nur Blutmilch geben. Gegen dieſe Krankheit gibt es
nur ein Mittel. Man ſetzt einen Scherben voll ſolcher
Blutmilch auf das Dach des Stalles oder der Scheune,
über das viele Schwalben hin und her fliegen, und in
kurzer Zeit geben die Kühe wieder normale Milch. Iu
Oberbayern, in der Freiſinger Gegend, verehrt man

die Schwalben ebenſo wie überall; aber es gilt als ein
böſes Vorzeichen, wenn ein ſolcher Vogel durch das
Fenſter in ein Zimmer fliegt, denn dies bedeutet, daß
in dem Hauſe bald eine Leiche ſein wird.
Die ſegenſpendende Eigenſchaft der Schwalben
wurde früher auch von Kurpfuſchern ausgenützt, wobei
die Tiere freilich der vermeintlichen Heilung der Men=
ſchen
zum Opfer fielen. So kennt die Volksmedizin
ein Waſſer, das aus zerhackten jungen Schwälbchen ge=
brannt
wird und beſonders gegen die fallende Sucht
und alle möglichen Gehirnkrankheiten gut ſein ſolle.
Ein gutes Mittel gegen Lähmungen der Muskeln und
Verhärtungen der Sehnen wurde hergeſtellt, indem
man 12 Schwalben mit den Federn zerſtieß und dieſen
Brei mit Fett, am beſten Eberfett, zu einer Salbe ver=
rieb
. Gegen alle Arten von Augenleiden wurde das
Schell= oder Schwalbenkraut, Hirundinaria, angewen=
det
, weil die Schwalben mit dieſem Kraut ihre blinden
Jungen durch Berührung ſehend machen: Das Ver=
ſchwinden
der Schwalben im Herbſt hat dem Volksglau=
ben
zu vielerlei Vermutungen und manchem Kopfzer=
brechen
Anlaß gegeben. So erzählte man ſich: Die
Schwalben verlieren zu Beginn des Winters ihre Fe=
dern
und liegen dann nackt, zu großen Klumpen ge=
ballt
, in Höhlen beiſammen; bei Beginn der Frühlings=
wärme
wachſen ihnen raſch wieder die Federn und ſie
fliegen davon oder: Die Schwalben verwandeln ſich
im Herbſt in Fiſche, die aber an keine Angel anbeißen;
im Frühjahr werden ſie wieder Vögel, oder: Alle
Schwalben fallen im Herbſt in das Waſſer und ſterben
dort; ihre nicht verweſten Körper werden im Frühling
an das Ufer geworfen, und daraus wachſen wieder neue
Schwalben hervor Am meiſten verbreitet war die
Anſicht, daß die Schwalben im Schlamme der Flüſſe
und Teiche erſtarrt den Winter verbrächten. Die Bul=
garen
ſind zwar der Anſicht, daß die Schwalbe im Herbſt

nach Afrika zieht; aber ſie trauen dem kleinen Vogel
nicht die Kraft zu, allein übers Meer zu fliegen. So
nohmen ſie denn an, daß die Schwalben ſich für die
weite Reiſe auf die Flügel der Störche ſetzen und ſo
übers Meer befördert werden. Obgleich die Gelehrten
all dieſe phantaſtiſchen Geſchichten vom Winterſchickſal
der Schwalben ins Reich der Fabel verwieſen haben, iſt
das Fortziehen der Schwalben doch ſtets der Gegenſtand
eifrigen Nachdenkens beim Volke geblieben. Das be=
weiſt
auch die Geſchichte von einem äußerſt wißbegieri=
gen
Schuſter in Baſel, der im Herbſt dem vor ſeinem
Fenſter wohnenden Schwälbchen ein Halsband umhing
mit der Inſchrift: Schwalbe, die du ſo ſchön biſt, ſage
mir, wohin ziehſt du im Winter? Im Frühling kam
der Bogel wieder; er hatte ein anderes Halsband um,
uf dem ſtand: Nach Athen, zum Anton. Warum
fragſt dir danach?
Der Kampf um das Opinm in China.
Drei Jahre ſind verſtrichen, ſeitdem die chine=
ſiſche
Regierung das denkwürdige Edikt erließ, das die
Anpflanzung von Opium im Himmliſchen Reiche bei
ſchwerer Strafe verbot. Bei der Leidenſchaftlichkeit,
mit der die Chineſen an dieſem an der Volkskraft zeh=
renden
Nationallaſter hängen, war das kaiſerliche Edikt
eine gefährliche Kraſtprobe der Regierung und man
war ſich über die Gewagtheit des Schrittes in Peking
volkommen klar. Langſam, ſozuſagen etappenweiſe,
hat man begonnen, den Erlaß auf die Wirklichkeit an=
zuwenden
, aber was in dieſen drei Jahren geſchehen
iſt, bleibt für den landeskundigen Beobachter eine Ar=
beitsleiſtung
, die in ihrem klugen, weiſe abgemeſſenen
Zielbewußtſein aller Bewunderung wert iſt. Der Kor=
reſpondent
eines engliſchen Blattes, der eine längere
Reiſe durch Weſtchina unternommen hat, gibt in

[ ][  ][ ]

Nummer 168.

wohl Körperverletzung mit tödtichem Erfolg vorliegt.
Der bisher unbeſtrafte und gut beleumundete Täter hat
im Jähzorn gehandelt und in der Erregung des Augen=
blicks
ſich den eventuellen unheilvollen Ausgang einer
ſolchen Handlung wohl nicht vergegenwärtigt. Eine
Tötungsabſicht iſt nach dem ganzen Umſtande des
Falles nicht anzunehmen, wenn auch Weber für die
Körperverletzung und deren unglückliche Folgen verant=
wortlich
erſcheint.
t. Lindenfels, 19. Juli. Das Lindenfelſer
Burgfeſt hat auch in dieſem Jahre wieder ſeine be=
kannte
Anziehungskraft ausgeübt. Es war am Sonn=
tag
von nahezu 2000 Perſonen beſucht. Auch am zwei=
ten
Tage ließ der Beſuch nichts zu wünſchen übrig.
Für Unterhaltung jeglicher Art war beſtens geſorgt,
ſodaß allen Beſuchern die Zeit ihres Aufenthaltes auf
der Burg nur gar zu raſch verſtrich. Auch die arran=
gierenden
Vereine, der Verſchönerungsverein und die
hieſige Sektion des Odenwaldklubs, ſind mit dem
finanziellen Erfolg des Feſtes zufrieden. Es erbrachte
eine Bruttoeinnahme von über 2200 Mark, die hoffent=
lich
dazu ausreichen, die auf der Bismarckwarte noch
laſtende Bauſchuld gänzlich abzutragen.
Mainz, 20. Juli. Auf Anregung des Stadtverordneten
Kaiſer beſchäftigte ſich geſtern abend die Generalverſamm=
lung
des Vereins Altſtadt mit der Frage der Erbauung
einer elektriſchen Bahn von Mainz=Kaſtel
nach Erbenheim. Der Referent betonte die Notwen=
digkeit
eines ſolchen Bahnbaues in dem Intereſſe des
Mainzer Handels und zur beſſeren Leitung des Fremden=
verkehrs
nach Mainz durch die Veranſtaltung der Rennen
auf der neuen Rennbahn bei Erbenheim. Weiter berich=
tete
der Referent, daß die Stadt Mainz bereits mit einer
Frankfurter Geſellſchaft wegen Erbauung dieſer Bahn in
Unterhandlung getreten ſei, und zwar mit derjenigen Ge=
ſellſchaft
, die auch berufen ſei, die Schnellbahn Frank=
furt
a. M.=Wiesbaden zu erbauen. Eine entſprechende Re=
ſolution
an die Bürgermeiſterei wurde einſtimmig ange=
nommen
.
Worms, 20. Juli. Die Reiſenden des Zuges, der,
von Fürth kommend, 1,12 Uhr ab Weinheim in der
Richtung nach Worms fuhr, wurden etwa ½ Kilometer
hinter der Station Weinheim durch das plötzliche
Halten des Zuges aufgeſchreckt. Von den Fenſtern
aus ſah man den Heizer des Zuges ſchwer ver=
wundet
und bewußtlos neben dem eiſernen Signal=
träger
am Boden liegen. Der Unglückliche, der von
der Maſchine des Zuges zurück nach dem Bahnhof
ſchaute, hatte ſich offenbar hierbei etwas zu weit
hinausgelehnt, ſo daß er an den naheſtehenden Signal=
träger
im Vorbeifahren anſtieß, den Schädel dabei ge=
ſpaltet
bekam und von der Maſchine heruntergeriſſen
wurde. Der gerade einfahrende Main=Neckar= Per=
ſonenzug
hielt auf das Winken des Zugperſonals an
und ſofort brachte man den ſchwer Verletzten in dem
Packwagen zurück nach Weinheim, wo ihm die erſte
Hilfeleiſtung zuteil wurde. Das Aufkommen des Be=
dauernswerten
iſt zweifelhaft. Nachdem der Zug ſich
einen anderen Heizer geholt hatte, fuhr er mit 10 Mi=
nuten
Verſpätung weiter. (W. Ztg.)
Rhein=Dürkheim, 18. Juli. Heute vormittag hätte
hier leicht ein ſchweres Unglück paſſieren können.
Die Pferde des Landwirts Wilhelm Biebesheimer, der
auf ſeiner Wieſe Gras holte, ſcheuten plötzlich und lie=
fen
im Galopp die Chauſſee entlang. Auf einmal
kamen ſie der Böſchung zu nahe und die Pferde mit
dem Wagen ſtürzten die Böſchung hinab auf
das vom Hochwaſſer überſchwemmte Feld, ſo daß man
von Pferd und Wagen nichts mehr ſah. Der Land=
wirt
Biebesheimer und deſſen Sohn, die ſich auf dem
Wagen befanden, wurden herausgeſchlendert und
kämpften ebenfalls mit dem Waſſer. Hilfe war jedoch
bald zur Stelle, und ſo konnten die Pferde und der
Wagen wieder herausgeſchafft werden. Außer einigen
Hautabſchürfungen trug Landwirt Biebesheimer keinen
Schaden davon.
Alzey, 18. Juli. Ein 13jähriger Knabe, der in einer
Badeanſtalt badete, ſtieg auf die das Bad umgebende
Mauer, um von einem Baum einige Aepfel zu pflücken.
Hier bekam er aber das Uebergewicht und ſtürzte rück=
lings
auf eine Eiſenſtange, die ihm den Unterleib
aufſchlitzte. Schwer verletzt wurde der Unglückliche
in die elterliche Wohnung gebracht.
Vilbel, 20. Juli. Im Juli 1900 erſchien im Gieß.
Anz. eine kurze Notiz, wonach Herr Karl Brod in
Vilbel am Marktplatz daſelbſt einen kohlenſäure=
haltigen
Sprudel erbohrt habe. Infolge dieſer Mit=
teilung
ergoß ſich in den nächſten Wochen eine kleine
Völkerwanderung nach Vilbel, um das Naturwunder
zu beſtaunen. Die Erwartungen der Beſucher wurden
weit übertroffen; aus dem Bohrrohre erhob ſich
rauſchend ein armdicker Strahl ſchäumigen Waſſers

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

Seite 3.

7 bis 8 Meter hoch in die Luft. Noch vier Wochen nach
dem Erſcheinen der Notiz betrug die Zahl der aus=
wärtigen
Beſucher an einem Sonntag rund 1200 Per=
ſonen
, die Kinder nicht eingerechnet, ein Beweis, daß
es hier etwas Hervorragendes zu ſehen gab. Natürlich
kamen nun auch die Wiſſenſchaftler, Chemiker, Geo=
logen
, Aerzte, Journaliſten uſw., um ſich ſelbſt zu über=
zeugen
. Der verſtorbene Herr Dr. Mammroth wid=
mete
der Quelle großes Intereſſe. Was war nun mit
dem Sprudel zu machen? Die Anſichten waren geteilt.
Herr Brod hielt aber an ſeiner Idee, ein Bad zu grün=
den
, feſt und heute iſt Vilbel wirklich ein anerkanntes
Heilbad geworden. Es koſtete allerdings zehn volle
Jahre Arbeit, bis die Bemühungen von Erfolg gekrönt
wurden. Verſchiedene frühere Geſuche des Beſitzers
um Verleihung des Quellenſchutzes wurden abge=
wieſen
, bis ſich die Regierung im April d. J. nach ein=
gehenden
Erhebungen entſchloß, den Serudel unter ge=
ſetzlichen
Schutz zu ſtellen. Damit iſt der Beſtand der
Quelle geſichert und eine Baſis für den weiteren Aus=
bau
des Bades gegeben.
Nidda, 19. Juli. Bekanntlich iſt auf Anregung von
Herren, die dem Sozialen Muſeum in Frankfurt a. M.
angehören, ſowie des Kreisrats Böckmann in Büdingen
die Bildung eines Hilfskonſortiums in Form
einer Geſellſchaft m. b. H. angeregt worden, das die Fol=
gen
des Konkurſes des Vorſchuß= und Kredit=
vereins
Ober=Mockſtadt durch eine auf geſchäft=
licher
Grundlage beruhende Hilfsaktion mildern ſoll. Be=
dingung
iſt, daß die Gläubiger auf die noch ausſtehenden
Forderungen einen Nachlaß eintreten laſſen, der mit 25
Prozent als angemeſſen angeſehen wird. Um Stellung
zu dieſem Vorſchlag nehmen zu können, fand hier eine
Verſammlung von Gläubigern ſtatt, die von etwa 40 Per=
ſonen
beſucht war. Lehrer Schäfer aus Reichelsheim und
Bürgermeiſter Birkenſtock aus Ranſtadt brachten Berech=
nungen
zum Vortrag über die den Gläubigern mutmaß=
lich
noch entſtehenden Zinsverluſte, die ſich auf etwa 20
Prozent ſtellen würden. Beide empfahlen, einen Nachlaß
der Forderungen in dieſer Höhe zu bewilligen. Es fand
eine ausgedehnte Ausſprache ſtatt, aus der hervorging, daß
die Gläubiger einen Nachlaß von 10 Prozent, höchſtens
15 Prozent, zu bewilligen bereit ſein würden. Da nun
ein ſolcher Vorſchlag nicht annehmbar iſt, verlief die Sache
bisher ohne Erfolg. Hoffentlich findet eine Einigung ſtatt,
ſo daß das Hilfswerk zuſtande kommen kann.
A Wohnfeld (Kreis Schotten), 20. Juli. In unſerer
Gemarkung und in der Nachbargemarkung Boben=
hauſen
II ſind in dieſem Frühjahre Quellen geſchürft
worden, die für eine gemeinſchaftliche Waſſer=
verſorgung
der beiden Gemeinden Selln=
rod
und Groß=Eichen benutzt werden ſollen.
Urſprünglich war die Errichtung eines Gruppenwaſſer=
verks
von hier aus geplant, das außer den beiden ge=
nannten
Orten noch die Gemeinden Klein=Eichen und
Lardenbach im Kreiſe Schotten und die Gemeinde
Weickartshain im Kreiſe Gießen mit Waſſer verſorgen
ollte. Die Ortsvorſtände von Sellnrod und Groß=
Eichen lehnten jedoch ein Zuſammengehen mit den
übrigen Orten ab und beſchloſſen, eine gemeinſchaftliche
Hochdruckwaſſerleitung unter Benutzung der inzwiſchen
eſchürften Quellen und des Ueberlaufwaſſers der
hieſigen Gemeindewaſſerleitung zu erbauen. Das Er=
gebnis
der Schürfungsarbeiten war ein außerordent=
lich
günſtiges, ſo daß der Bau der Waſſerleitung wohl
definitiv zu Beginn des nächſten Frühjahres zur Aus=
führung
kommen dürfte.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 19. Juli. Das Mauſo=
leum
in Charlotenburg und das Luiſendenkmal im
Tiergarten waren aus Anlaß des 100jährigen
Todestages der Königin Luiſe das Ziel der
Wanderung von vielen Tauſenden. Am Mauſoleum
in Charlotenburg fuhren nachmittags Prinz Auguſt
Wilhelm und Gemahlin vor, um einen Lorbeerkranz
des Kaiſers, der mit weißen Roſen und Kornblumen
ſowie mit einer Widmungsſchleife geſchmückt war, am
Sarge niederzulegen. Eine eigenartige Königin=
Luiſe=Gedächtnisfeier fand heute vormittag in der
Potsdamer Garniſonkirche ſtatt, wo alle Jahre am
Todestage der Königin Luiſe von Preußen ſeit dem
Jahre 1810 ſechs Mädchen, die dem dienenden Stande
angehören müſſen, bei ihrer Heirat mit dem Betrage
von 450 Mark beſchenkt werden. Als beſondere Ge=
dächtnisfeier
hat man in dieſem Jahre zwölf Braut=
paare
mit der Luiſenſpende bedacht. Die Hoch=
zeitsfeierlichkeit
war, nach der B. Z., wie immer, auf
Uhr vormittags, der Todesſtunde der Königin Luiſe,
anberaumt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz
gefüllt. Neben den Plätzen für die Brautpaare waren

Stühle für die drei Silberbrautpaare reſervier, die
heute vor 25 Jahren mit der Spende bedacht worden
waren. Vom Hof nahm Prinzeſſin Viktoria Marga=
rete
, die Tochter des Prinzen Friedrich Leopold, an
der Feier teil. Den Zug der Brautpaare eröffnete
Hofprediger Richter, dem als erſtes Paar ein Vize=
wachtmeiſter
mit ſeiner Erkorenen folgte. Hofprediger
Richter entwarf in ſeiner Anſprache ein anſchauliches
Bild von der Entwicklung der Stiftung ſeit ihrer Er=
richtung
. Die Stiftung iſt im Jahre 1810 durch den
Hofprediger und Biſchof Dr. Eylert ins Leben gerufen
worden. Der vom König Friedrich Wilhelm III. be=
ſtätigten
Ausſtattung ſtand urſprünglich ein Kapital
von 8141 Talern zur Verfügung. Heute beſitzt die
Stiftung ein Vermögen von 74000 Mark. Den Silber=
paaren
wurde zur dauernden Erinnerung an den
heutigen Tag eine Denkſchrift mit der eigenhändigen
Widmung der Kaiſerin überreicht. Als die Brautpaare
die Kirche verließen, hatte ſich eine nach Tauſenden
zählende Menſchenmenge vor der Kirche angeſammelt.
Bei einem Ausfluge von Schülern eines Charlotten=
burger
Gymnaſiums nach der ſächſiſch=böhmiſchen
Schweiz wurde bei Herrenkretſchen ein 13jähriger
Knabe von einer Kreuzotter gebiſſen. Er iſt
jetzt in Charlottenburg den Folgen des Biſſes er=
legen
. In der Angelegenheit des Erpreſſer=
attentats
in Lichtenrade iſt immer noch nicht
klar zu ſehen. Das Befinden des verletzten Herrn
Kraatz iſt zufriedenſtellend, die Familie wird aber in
ſteter Unruhe gehalten durch maſſenhaft einlaufende
Drohbriefe, die nur einen groben Unfug darſtellen und
von der Polizei nicht ernſt genommen werden. Neben
der Bande der Schwarzen Hand tritt beſonders frech
ein Konkurrenzunternehmen Erpreſſertum Totenkopf
auf. Dem Verüber des Attentats iſt man noch nicht
auf die Spur gekommen.
Frankfurt, 20. Juli. Vorgeſtern abend erſchoß
ſich das bisherige Vorſtandsmitglied der Frankfurter
Beamten=Vereinigung (Konſum=Verein) Adolf Wil=
helm
Müller. Die Urſache dazu dürfte eine in
dieſer Vereinigung ausgebrochene wirtſchaftliche Kriſis
ſein. Ueber die Tat und ihre Veranlaſſung werden
noch folgende Einzelheiten gemeldet: Müller gab in
der Nähe der Irrenanſtalt drei Schüſſe auf ſich ab,
zwei in die Bruſt und einen in den Kopf. Der Tod
trat bald darauf ein. Der Lebensmüde, der 38 Jahre
alt und ſeit einem Jahre verheiratet war, hatte ſechs
Jahre den Poſten eines Geſchäftsführers inne und
war ſeit 1905 zweiter Direktor der Beamten= Vereini=
gung
. Er bezog ein Gehalt von 4200 Mark, auch hatte
er Privatvermögen, ſo daß er in auskömmlichen Ver=
hältniſſen
lebte. Seine Suspendierung erfolgte, wie
mitgeteilt wird, weil übermäßig große Waren=
vorräte
beſchafft wurden, die dem Verderben ausgeſetzt
waren, und weil der Vorſtand Gewinne herausgerech=
net
haben ſoll, die in Wirklichkeit nicht vorhanden
waren, was bei vorſichtiger Aufſtellung der Bilanz ſich
hätte ergeben müſſen. In einem Schreiben an ſeine
Frau erklärt Müller, die Beamten=Vereinigung habe
Schuld an ſeinem Unglück; er ziehe, nachdem man ſeine
Ehre ruiniert habe, einen raſchen Tod dem Leben vor.
Frankfurt, 20. Juli. Heute gegen ¾10 Uhr ent=
ſtand
in einem Speiſekabel vor dem Elektrizitäts=
werk
I ein außerordentlich ſtarker Kurzſchluß.
Dieſer veranlaßte eine weitere Störung im Elektrizi=
tätswerk
ſelbſt. Die Reparatur und Wiederinbetrieb=
ſetzung
der Anlage nahm trotz angeſtrengteſter Tätig=
keit
des Perſonals doch längere Zeit in Anſpruch, ſodaß
das Stadtnetz gegen 11 Uhr und die Straßenbahn
gegen 11.15 Uhr erſt wieder in Betrieb war. Eine Be=
triebsſtörung
in ſolchem Umfange wie der heutige wird
in Zukunft wohl kaum mehr vorkommen können, denn
ſeit etwa einem Jahr iſt man mit dem Umbau des
ſtädtiſchen Elektrizitätswerkes beſchäftigt. Dieſer Um=
bau
iſt aber noch nicht beendet, weil während des Um=
baues
der Betrieb nicht ruhen darf. Dadurch, daß die
heutige Betriebsſtörung des Kabels einen wichtigen
Teil des Werkes ſelbſt, der noch nicht doppelt vorhan=
den
iſt, in Mitleidenſchaft zog, konnte die Störung
ieſen Umfang annehmen. Um bei kleinen Störungen
im Elektrizitätswerke den Betrieb der Straßenbahn
aufrechterhalten zu können, iſt bekanntlich in der Um=
formerſtation
unter dem Schillerplatz eine Akkumula=
torenbatterie
vorhanden. Dieſe Batterie hat bei der
heutigen Betriebsſtörung zirka ¾ Stunden lang der
Straßenbahn Strom geliefert, ſodaß man hier wäh=
end
dieſer Zeit von der Störung nichts gemerkt hat.
Als aber die Gefahr beſtand, daß ſich die Batterie voll=
ſtändig
erſchöpfen und dadurch unbrauchbar werden
vürde, mußte auch ſie ausgeſchaltet werden, und von
ieſem Zeitpunkte an ſtanden auch die Straßenbahn=
wagen
ſtill. Dadurch, daß die Batterie ¾ Stunden

einem ausführlichen Bericht aus Tſcheng=Tu in der
Provinz Sz=Tſchwan eine überaus intereſſante Schil=
derung
der errungenen Erfolge und der ſchweren
Kämpfe, aus denen ſie hervorgegangen ſind.
Ueberall beherrſcht der Kampf um das Opium die
Gemüter, die aufgeklärteren Geiſter begrüßen die Ini=
tiative
der Regierung, aber die große Maſſe der Land=
bevölkerung
fügt ſich nur widerwillig der zwangs=
weiſen
Heilung von dem Laſter. Die Struktur der
Opiumpflanze mit ihren weißen und vurpurfarbenen
Blüten iſt nicht zu verkennen und erleichtert den Be=
amten
ihre Aufgabe. In der Provinz Kanſu, wo
Opium nur in den höheren Gebirgslagen gebaut wird,
ſind unzählige Felder zerſtört und überall ſtößt man
auf Regierungskommiſſionen, die Berg und Ebene
durchſtreifen, um über die Ausführung des kaiſerlichen
Beſehles zu wachen. Auf der Reiſe von Peking nach
Lan=Tſchou ſah der engliſche Reiſende nirgends mehr
eine Spur von Opiumkultur; erſt weſtlich von Hſi=ngan
ſtieß er auf neue, junge Opiumfelder. Das war im
Dezember. Damals erzählte ihm noch ein Opium=
bauer
, er ſei ein glücklicher Mann, denn die Provin=
zen
Schan=ſi und Kanſu dürften Opium bauen. Die
Ausſage iſt bezeichnend für die Beſonnenheit, mit der
die Regierung zu Werke geht. Noch zu Beginn dieſes
Jahres war in den weſtlichen Diſtrikten das drei
Jahre alte kaiſerliche Edikt nicht verkündet. Nicht mit
Unrecht werden Unruhen befürchtet, und, um einem
allgemeinen Aufſtand vorzubeugen, wird das Geſetz
nicht in allen Provinzen zu gleicher Zeit verkündet.
Trotz dieſes ſchrittweiſen Vordringens machen ſich die
glücklichen Ergebniſſe des Ediktes bereits geltend.
Die verminderte Produktion hat die Preiſe für Opium
nahezu verfünffacht; noch im vergangenen Jahre zahlte
manein Hſi=ngan 200 Taels für die Unze, jetzt werden
8001000%Taels gefordert und bezahlt. Die Folge iſt,
daß das Gros der Opiumraucher die truren Preiſe
nicht mehr aufbringen kann und vom Rauchen zum
Kauenrübergegangen iſt. Im ſüdöſtlichen Kanſu kin=
det
man bis Mintſchow nicht eine Opiumpflanze. Aber
hier,knahe der=Stadt, kaum einen Flintenſchuß von der

Reſidenz des Mandarinen entfernt, blühen noch
Opiumfelder. Das Edikt iſt erſt in dieſen Tagen hier
eingetroffen, und kurz vorher hatte man noch Opium
geſät. Anfangs des Jahres konnte man in Mintſchow
noch für einen Tael eine Unze Opium kaufen. Man
mag daraus erſehen, mit welcher Tatkraft man in der
benachbarten Provinz Kanſu vorgegangen iſt, wo
heute Opium kaum noch erhältlich iſt.
In der Hauptſtadt war es auch zu wilden Auf=
tritten
gekommen. Die Menge hatte den Yamen des
Vizekönigs geſtürmt. Tötet uns nun, ſo tötet uns
doch! Der Vizekönig berief ſich zuerſt auf den kaiſer=
lichen
Befehl, aber er hatte ſchließlich doch nachgege=
ben
. Das Ergebnis war, daß er degradiert und von
einen entſchloſſenen Nachfolger erſetzt wurde. Die
größten Erfolge aber ſind in der Provinz Sz=Tſchwan
errungen. Hier wächſt in dieſem Jahre buchſtäblich
keine Opiumpflanze mehr. In den öſtlichen Diſtrik=
ten
kam es zu heftigen lokalen Aufſtänden, die niede=
ren
Volksſchichten rebellierten, zogen von Haus zu
Haus und verlangten Geld für Opium; Häuſer wur=
den
in Brand geſteckt und allerlei ſchlimme Erpreſ=
ſungen
verübt. Aber Tſchae Er=feng, der Vizekönig,
blieb unerbittlich, ſchonungslos wurden die Aufrührer
beſtraft. Ueberall zogen Soldaten hin und zerſtörten
die aufblühenden Felder. Die Beſitzer wurden ſofort
verhaftet, zum Teil auf den Feldern mit der Baſto=
nade
bedacht, und zu ſchweren Geldſtrafen verurteilt.
Heute iſt die größte Provinz des chineſiſchen Reiches
mit einer Bevölkerung von 70 Millionen Menſchen
tatſächlich opiumfrei. Tauſende von Aeckern und Fel=
dern
, die ehedem der Erzeugung des verderblichen
Giftes dienten, ſind heute mit Weizen. Indigo und Ta=
vak
bepflanzt, zum ’Segen des Volkes. Ueberall wer=
den
die glücklichen Folgen bereits fühlbar. Die Ge=
treidepreiſe
ſind erheblich billiger geworden. Das=
ſelbe
wird aus Yunnan berichtet. Die ganze Provinz
iſt von Opium befreit, nur in einigen weitentlegenen
Diſtrikten iſt das Edikt noch nicht durchgeführt, wird
aber noch im Laufe dieſes Jahres in Kraft geſetzt.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
ck. Erinnerungen an Klara Schumann.
Im Pall Mall Magazine veröffentlicht H. M. Walbrook
Erinnerungen an Klara Schumann, die ihm von der
Klaviervirtuoſin Fanny Davies mitgeteilt worden
ſind. Miß Davies hatte bei der großen Meiſterin des
Klavierſpiels ſtudiert und trat in enge Beziehungen zu
ihr. Sie erzählt, daß Klara Schumann als Lehrerin
ihr erſtes Augenmerk darauf richtete, ihren Schülerin=
nen
das Hören zu lehren: Wir mußten zunächſt den
Ton nach ſeiner Klangſtärke und Klangfarbe erfaſſen
lernen. Durch dieſes ſorgſame Hören wurden in uns
die Elemente der Selbſtkritik großgezogen, und wir
konnten uns fragen: Tun wir auch wirklich das, was
wir zu tun glauben? Spielen wir wirklich, was
der Komponiſt von uns verlangt, das wir ſpielen
ſollen? Das ſind ſehr wichtige Fragen, auf deren Be=
antwortung
ſehr viel ankommt. So brachte ſie allmäh=
lich
ihre Schüler dahin, eine vollkommene Neuſchöpfung
des Muſikwerkes zu vollbringen, alle Einzelheiten ſei=
ner
innerlichen Wärme, ſeines künſtleriſchen Gehaltes
herauszubringen. Schöne Einzelheiten, von deren
Wirkung wir uns viel verſprachen, mußten wir auf=
geben
aus Rückſicht auf den Geſamteindruck des Stückes.
Harmonie, Treue und Einfachheit, das waren ihre
Leitworte, die allein den Eintritt durch die Pforten der
Kunſt eröffneten. Affektiertes Weſen, ſelbſtbewußte
Effekte und Verbeſſerungen der Intention des Kom=
poniſten
wurden von ihr wie Gift verabſcheut. Das
Vorbild ihres Gatten war für ſie abſolut maßgebend.
Bach und Beethoven wurden von ihr als die beiden
höchſten iſolierten Gipfelpunkte der Muſik betrachtet,
in denen ſie bei ihrer Lehrtätigkeit ihre Ideale ſah. Bei
der Herausgabe der Kompoſitionen ihres Mannes
drang ſie ſtets darauf, daß die Veröffentlichung zu einem
volkstümlichen Preiſe erfolgte. Ihr Haus war keine
Schauſtellung artiſtiſcher Virtuoſenkunſt, ſondern die
Stätte hingebender, ernſter Arbeit. Klara Schumann
blieb ſtets dem Wort getreu, das ſie einmal zu Miß
Davies ausſprach: Meine Muſik iſt meine Religion.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

Seite 4.

lang den Betrieb aufrechterhalten konnte, hat ſie ſich
vollkommen bewährt. Im anderen Fall hätte die
Trambahnſtörung noch länger gedauert.
Heidelberg. 19. Juli. In das hieſige akademiſche
Krankenhaus wurde die an Pilzvergiftung er=
krankte
ſechsköpfige Bahnarbeitersfamilie Klein aus
Plankſtadt eingeliefert. Das Familienoberhaupt hatte
im Walde Morcheln gepflückt und dabei anſcheinend
auch giftige Pilze mitgenommen. Ein Glied der
Familie iſt bereits geſtorben. Bei den anderen gibt
das Befinden zu ernſten Beſorgniſſen Anlaß.
Heidelberg, 20. Juli. Außer den bereits bekannt
gegebenen Schloßfeſten (23. und 24. Juli und 6.
Auguſt) findet zu wohltätigem Zwecke am 21. Juli
6½ Uhr, auch noch eine Wiederholung des Feſtſpiels
Die Heidelberger Schwaben ſtatt. Billetts nach aus=
wärts
ſind durch das ſtädtiſche Verkehrs=Bureau Hei=
delberg
zu haben.
Mannheim, 20. Juli. Der 48 Jahre alte Spengler
Jean Müller trank geſtern morgen einen vom vor=
hergehenden
Tage übriggebliebenen Flaſchenbierreſt und
verzehrte eine Leberwurſt dazu. Hierauf ſtellten ſich
bei ihm, einem großen, kräftigen Manne, Leibſchmerzen
ein, die derart zunahmen, daß Müller einen Tob=
ſuchtsanfall
bekam und von drei Männern feſtge=
halten
werden mußte. Der herbeigerufene Arzt konnte
ihm nicht mehr helfen, es war ſchon zu ſpät. Er ſtarb
an Darmverſchlingung und Vergiftung. Ob durch die
Wurſt oder durch das Bier der Tod herbeigeführt
wurde, konnte noch nicht feſtgeſtellt werden.
Freiburg i. Br., 19. Juli. Geſtern abend erſchoß
aus noch unbekannter Urſache ein Kanonier des
Feld=Art.=Regts. Nr. 50 in Karlsruhe hier auf dem
Schloßberg das 20jährige Dienſtmädchen Franziska
Ronellenfitſch aus Balzfeld. Der Täter richtete dann
den Revolver gegen ſich ſelbſt. In ſchwer verletztem
Zuſtande wurde er ins Garniſonlazarett gebracht.
Metz, 19. Juli. Der Bezirkspräſident von Lothrin=
gen
, Graf Zeppelin=Aſchhauſen, geriet Sonn=
tag
abend bei dem hundert Meter von der Station
Heſſen in Lothringen gelegenen Bahnübergang in große
Lebensgefahr. Von Vallerystal kommend, hatte
das Automobil den Uebergang zum Teil paſſiert, als
plötzlich die Schranke niederging und den Chauffeur
ſchwer verletzte. Der Wagen wurde durch die nieder=
fallende
Schranke feſtgehalten und deſſen Karoſſerie,
in der der Graf ſaß, von dem im ſelben Augenblick
vorbeifahrenden Zuge beinahe mitgeriſſen.
Bonn, 19. Juli. Durch ein furchtbares Unwet=
ter
wurden die unteren Teile der Stadt unter Waſſer
geſetzt, ſodaß die Feuerwehr zur Hilfeleiſtung heran=
gezogen
werden mußte. Im Vorgebirge ſtehen weite
Strecken unter Waſſer. Der Verkehr iſt vielfach unter=
brochen
.
Dortmund, 19. Juli. Der Bergwerksdirektor
Herzmann in Wengern wurde von einem herab=
fallenden
Langeiſen derart unglücklich getroffen, daß
ihm das Bein bis zum Knie abgenommen werden
mußte. Zwei aus Meggen nachts heimkehrende Berg=
arbeiter
wurden beim Ueberſchreiten eines Gleiſes von
einem Zuge erfaßt; einer wurde getötet, der andere
ſchwer verletzt.
Bochum, 20. Juli. Bei der Verwaltung der Zeche
Prinzregent lief ein Telegramm der Kaiſe=
rin
ein, worin die Freude über die glückliche Rettung
der beiden Bergleute ausgeſprochen, um Nachricht über
das Befinden der Geretteten erſucht und allen an der
Rettungsaktion Beteiligten Anerkennung ausge=
ſprochen
wird.
Merſeburg, 20. Juli. Bei Wildgrube traf der
Blitz in eine Gruppe Landleute, die mit ihren
Senſen nach Hauſe eilten. Zwei Landleute wurden
erſchlagen, eine Frau und eine Knabe ſchwer verletzt.
Bei Borxleben betäubte der Blitz 15 Landarbeiterinnen;
eine von ihnen ſtarb.
Kiel, 20. Juli. Der neue Turbinenkreuzer
Mainz kehrte geſtern mit einerMaſchinen=
havarie
aus Norwegen hierher zurück.
Thorn, 20. Juli. Unter dem Verdacht der Spio=
nage
iſt geſtern auf Veranlaſſung eines hieſigen Haupt=
mannes
ein Herr verhaftet worden, der in der Nähe des
Bromberger Tores photographiſche Aufnahmen von den
Feſtungsanlagen machte. Er wurde abgeführt und gab
bei ſeiner Vernehmung vor dem Staatsanwalt an, daß er
Alois Ferrier heiße, aus der franzöſiſchen Schweiz komme
und nach Petersburg wolle. Ob es ſich wirklich um einen
Spion oder nur um einen harmloſen Vergnügungsreiſen=
den
handelt, iſt noch nicht aufgeklärt. Einige von dem
Staatsanwalt vernommene Damen behaupten, daß es ſich
um einen Vergnügungsreiſenden handle, und zwar um
den Gatten einer Großfürſtin.
Poſen, 19. Juli. In dem Streit um die vom Fis=
kus
beanſpruchte Herrſchaft Reiſen bei Liſſa ſind die
Grafen Potocki mit ihren Anſprüchen in zweiter
Inſtanz abgewieſen worden. Die Kläger werden das
Reichsgericht anrufen.
Bergen, 19. Juli. Der norwegiſche Dampfer
Ringfond auf der Heimreiſe begriffen, wurde
durch Treibeis ſo ſchwer beſchädigt, daß er ſank. Die
Mannſchaft konnte ſich retten.

Kleines Feuilleton.
* Der Großherzog von Heſſen und der
Photograph. Eine amüſante Epiſode ereignete ſich
in Filey in der Nähe von Scarborough, wo der Groß=
herzog
und die Großherzogin von Heſſen zurzeit wei=
len
. Während die königlichen Beſucher das tägliche
Seebad nahmen, kam ein Preſſephotograph herange=
ſchlichen
und knipſte die beiden Hoheiten, die natürlich
nur im Badekoſtüm waren. Das Attentat wurde
jedoch vom Großherzog bemerkt, der ausrief: No, no!
Der Photograph machte ſpäter am Tage dem Groß=
herzog
ſeine Aufwartung und überreichte ihm die
Platten mit einer Entſchuldigung, die dieſer lächelnd
annahm. (Tägl. Rdſch.)
* Die ſchwarze Frau im Charlotten=
burger
Schloſſe. Wie an den Tod ſo vieler an=
derer
fürſtlichen Perſönlichkeiten knüpft ſich auch an
das Dahinſcheiden der Königin Luiſe im Juli 1810 ein
geheimnisvoller Vorfall, der von der abergläubiſchen
Hofgeſellſchaft als ein übernatürliches Vorzeichen des
nahen Todes der Königin gedeutet wurde. Am 14.
Juli, alſo fünf Tage vor Luiſens Ableben, war der
Hof in Abweſenheit des Königs dabei, den Tee im
Gartenſalon des Charlottenburger Parkes einzuneh=
men
, als eine in tiefſte Trauerkleidung gehüllte Frau
plötzlich, ohne daß ein Lakai ſie hätte kommen ſehen,
vor der Glastüre des Salons ſtand und ſich zum Ein=
treten
anſchickte. Dem General von Kökeritz, der auf=
ſtand
, um ſie nach ihrem Verlangen zu fragen, er=
widerte
ſie, daß ſie dem König eine überaus wichtige
Mitteilung zu machen habe. Von v. Kökeritz, der ſich
erbietet, ihr Anliegen dem König vorzutragen, um

London, 19. Juli. Ein mit Ausflüglern beſetzter
Zug, deſſen Maſchine abgekuppelt war, ſetzte ſich in
er irländiſchen Station Roserea auf abfallendem Ge=
lände
in Bewegung und ſtieß nach fünf Meilen raſen=
der
Fahrt auf einen von Birr kommenden Per=
ſonenzug
. Zahlreiche Perſonen ſprangen aus dem
in Bewegung geratenen Zuge und wurden ſchwer ver=
letzt
. Beide Züge bilden einen Trümmerhaufen. Die
Geſamtzahl der Verletzten beträgt über 100.

Eine Automobil=Polizeifahrt.
Wer hätte nicht ſchon, auch wenn er ſonſt nicht ge=
rade
ein gottloſer Menſch iſt, entweder laut oder doch
im Grunde ſeines Herzens einen mehr oder weniger
kräftigen Fluch ausgeſtoßen, wenn er beim Sonntag=
nachmittagsſpaziergang
, verſunken im Anblick der
Schönheiten unſerer herrlichen Natur, plötzlich aufge=
ſchreckt
wurde durch das Rattern und Knattern und
Fauchen eines Kraftwagens und dann, kaum daß er
des Vehikels anſichtig geworden, ſich inmitten einer
ſchier undurchdringlichen Staubwolke befand, die das
ſauſende Auto 100 und mehr Meter lang hinter ſich
zog, oder wenn bei Regenwetter ſo ein vorbeiraſendes
Automobil der Straßenpfützen angenehmen Inhalt
meterweit zu beiden Seiten hoch aufſpritzen läßt und
dergleichen mehr?
Wer hätte aber andererſeits nicht ſchon gehört und
geleſen, welchen ungerechten und ungerechtfertigten
Angriffen und Beläſtigungen und damit ſchweren Ge=
fahren
an Leib, Leben und wertvollem Eigentum die
Automobilfahrer ausgeſetzt ſind, als da ſind Stein=
würfe
, geſpannte Drähte oder ähnliche Hinderniſſe, die
ein Auto ſchlecht oder nicht aus dem Wege räumen
kann? Ganz von ſelbſt iſt ſo zwiſchen Autofahrerr
und ſonſtigen Straßenpaſſanten eine Feindſchaft ent=
ſtanden
, und da die Autofahrer trotz des koloſſalen
Aufſchwunges der Induſtrie noch immer in der
Minderzahl ſind und dieſer Sport, weil er faſt aus=
ſchließlich
den Beſitzenden reſerviert bleibt, ſchon darum
von den unteren Zehntauſend mit ſcheelen Augen und
Mißmut betrachtet wird, werden die Autofahrer faſt
immer als die Schuldigen bezeichnet, ja man geht viel=
fach
ſo weit, daß man mit den lieben Mitmenſchen gar
kein Mitleid mehr empfindet, wenn ſie in Ausübung
ihres Sportes Schaden oder gar den Tod erleiden.
Um dieſe Verhältniſſe die ja für jeden Wiſſen=
den
ihre Erklärung einfach darin finden, daß mit dem
ungemein ſchnell wachſenden Automobilverkehr die
übrigen Verkehrseinrichtungen, in erſter Linie Stra=
ßenbau
, nicht Schritten halten konnten einigermaßen
erträglicher zu geſtalten, die Gegenſätze nicht noch
mehr zu verſchärfen, iſt neben der Erziehung in
den eigenen Reihen in erſter Linie Aufklär=
ung
notwendig. Dieſer Erkenntnis entſprang wohl
die Idee einer Polizeifahrt, mit deren Veran=
ſtaltung
der neugegründete Heſſiſche Auto=
mobilklub
am Dienstag zum erſten Male an die
Oeffentlichkeit trat und damit bewies, daß er die Auf=
gaben
, die eine derartige Vereinigung zu erfüllen hat,
richtig erkannt hat.
Die Polizeifahrt ſoll auch der Behörde und der
Oeffentlichkeit den Beweis dafür erbringen, was den
Autolenkern ſelbſt längſt bekannt iſt, daß an den ge=
ſpannten
Verhältniſſen und auch an den vielen Un=
fällen
nicht die Kraftwagen, ſondern in den überwie=
genden
Fällen die Fuhrleute und Fuhrwerksbeſitzer
ſelbſt ſchuld ſind, indem ſie aus Unkenntnis und Un=
verſtand
, aber auch in böſem Willen gegen die beſtehen=
den
Fahrbeſtimmungen verſtoßen. Die Fahrt, an der
auch der Chef der Darmſtädter Polizeibehörde, Hr. Re=
gierungsrat
Dr. Kranzbühler, und Vertreter der
Preſſe teilnahmen, war ſo arrangiert, daß die Auto=
mobile
in verſchiedenen Bezirken ganz Starkenburg
durchfuhren und dabei alle Verſtöße der Fuhrwerks=
lenker
und ſonſtigen Straßenpaſſanten genau notier=
ten
. Zur Kontrolle war jedem Automobil ein Poli=
zeibeamter
beigegeben. Das rein tatſächliche Er=
gebnis
der Fahrten war folgendes:
1. Tour: Darmſtadt Ober=Ramſtadt Ga=
dernheim
-Lindenfels-Fürth-Heppenheim-Bensheim-
Darmſtadt. Auf dieſer Strecke wurden 46 Gefährte
paſſiert, von denen 23 richtig (alſo rechts), 21 dagegen
falſch (alſo links) fuhren, während 2 falſch auswichen.
Bei Gadernheim wurde der Wagen mit Steinen be=
worfen
.
2. Tour: Darmſtadt Groß=Gerau Mörfel=
den
Gehſpitz Iſenburg Sprendlingen Lan=
gen
Offenthal Einſiedel Darmſtadt. Auf die=
ſer
Fahrt wurden insgeſamt 19 Fuhrwerke ange=
troffen
. 7 fuhren richtig, 9 falſch, 2 wichen falſch aus
und einer wurde aufgeſchrieben.
3. Tour: Darmſtadt Roßdorf Spachbrücken
Groß=Umſtadt Lengfeld Reinheim Ober= Ram=
ſtadt
Darmſtadt. 23 Fuhrwerke wurden auf der
Strecke gezählt, von denen 12 richtig, 8 falſch fuhren,
3 falſch auswichen und 1 Fuhrmann davon ſchlief.
4. Tour: Darmſtadt Griesheim Wolfs=
kehlen
Goddelau Gernsheim Biblis Bür=

ihre Wünſche befragt, beſteht ſie darauf, den Mon=
archen
perſönlich zu ſprechen. Was ſie mitzuteilen
habe, ſei in drei Worten geſagt. Man deutet auf den
Kronprinzen und ſagt, er ſei der König, worauf ſie er=
widert
, ſie wiſſe ſehr gut, daß dies nicht wahr ſei. Wäh=
rend
darüber noch hin= und hergeredet wird, greift der
Kronprinz in der von ihm beliebten ſcherzenden Art
in das Geſpräch ein, erhält aber ſchroffe Vorwürfe von
ihr, daß er ſie unſchicklich behandle. Gleich darauf ruft
ſie: Nun kommt der König! und richtig tritt auch
einige Augenblicke ſpäter Friedrich Wilhelm, deſſen
Nahen niemand gehört, in den Saal. Als man ihm
meldet, daß die fremde Frau behaupte, ihm mit weni=
gen
Worten eine Angelegenheit von höchſter Wichtig=
keit
, aber auch nur ihm allein ſagen zu wollen, wird
der König ärgerlich. Sie ſolle gehen, dummes Zeug
wolle er nicht hören. Sei es etwas Vernünftiges, ſo
ſolle ſie es frei ſagen, ſei es Bettelei, ſo werde ſie Geld
erhalten. Die Frau beſteht nochmals darauf, nur
ihm eine Sache von höchſter Wichtigkeit mitteilen zu
wollen, Geld brauche ſie nicht. Fortgewieſen, bricht ſie
in die Worte aus: Nun! ich werde gehen, weil der
König mich nicht hören will. Aber er wird es bereuen;
denn ein nahes großes Unglück bedroht ihn und durch
meine Warnung hätte es abgewendet werden können.
Als ſie beim Paſſieren des Vorzimmers ſich noch
immer unwillig über die Abweiſung und das ſchnöde
Anbieten von Geld äußert und die Lakaien ihr Vor=
würfe
darüber machen, daß ſie es nicht genommen habe,
greift ſie in die Rocktaſche und hält den verblüfften
Bedienten eine ganz Hand voll Louisdor unter die
Naſen. Dann iſt ſie verſchwunden, als ob die Erde ſie
verſchlungen. Als die Nachricht von der ſchweren Er=

Nummer 168.

ſtadt Lorſch Bensheim Darmſtadt. Dieſer
Wagen traf die meiſten Gefährte, 71 insgeſamt. 30
fuhren vorſchriftsmäßig, 36 falſch und 5 wichen nach
links, alſo falſch aus.
5. Tour: Darmſtadt Langen Sprendlin=
gen
Offenbach Gräfenbruch Dietzenbach
Offenthal Urberach Meſſel Darmſtadt. Das
Ergebnis auf dieſer Strecke war: 56 Fuhrwerke, davon
46, die die Verordnung befolgten, 7 fuhren links und
2 wurden angehalten. In Offenbach wurde das Auto=
mobil
von Kindern mit Steinen beworfen.
6. Tour: Darmſtadt Roßdorf Reinheim
Lengfeld Höchſt König Michelſtadt Rehbach
Brensbach Groß=Bieberau Reinheim Roß=
dorf
Darmſtadt. 52 Fuhrwerke wurden paſſiert!
37 fuhren richtig, 9 falſch, 5 bogen falſch aus und
Fuhrmann wurde ſchlafend angetroffen. Von dieſen
wurde einer aufgeſchrieben.
Alſo von 267 Fuhrwerken fuhren 111 falſch
bezw. ließen ſich z. T. ſchwere Verſtöße gegen die Fahr=
vorſchriften
zuſchulden kommen. Ganz abgeſehen von
liebenswürdigen Wünſchen, die dem vorbeifahrenden
Automobil mit auf den Weg gegeben wurden, und von
denen: Wann der noor verrecke dät nicht der
ſchlimmſte, ſicher aber der aus zarteſt empfindendem
Herzen kommende war oder von den Schimpfworten,
die die Zoologie der Säugetiere faſt erſchöpften und
auch noch anderes brachten, das der Wiedergabe ſich ent=
zieht
. Dieſe Tatſache ſollte doch zu denken geben. Wir
ſind weit davon entfernt, uns etwa auf die Seite
einer der Intereſſentengruppen ſtellen zu wollen. Das
aber möge man doch auf beiden Seiten bedenken
Den Fortſchritt der Induſtrie aufhalten oder hemmen
zu wollen, hieße die Kultur bekämpfen. Es iſt nicht
angängig, die Zahl der Automobile in den öffentlichen
Verkehrswegen irgendwie zu beſchränken. Andererſeits
aber können nicht alle Paſſanten Auto fahren, und die
Zahl der Fußgänger iſt immer noch die größere. Ges
rechtigkeit und guter Wille muß auf beiden Seiten herr=
ſchen
. Die Automobil=Vereinigungen ſollten in erſter
Linie in den eigenen Reihen erzieheriſch
wirken und rückſichtsloſe Fahrer nicht dulden oder im
eigenen Intereſſe bekämpfen helfen. Pflicht der ſonſti=
gen
Straßenpaſſanten aber iſt es, nicht gegen Fort=
ſchritte
kämpfen zu wollen, Mißmut über einzelne nicht
an allen auszulaſſen; vor allem aber durch
genaue Befolgung der Verkehrsvorſchriften Un=
fälle
zu vermeiden. Die nächſte praktiſche
Folge der Polizeifahrten, die nach Bedarf wieder=
holt
werden ſollen, dürfte die Herausgabe eines Merk=
blattes
ſein, das möglichſt an alle Fuhrleute und
Fuhrwerksbeſitzer verteilt werden ſoll und in dem die
beſtehenden Fahrvorſchriften erneut eingeſchärft, und
auf die Strafen hingewieſen werden ſoll.
Abends nach 9 Uhr trafen die Fahrer ſämtlich in
der Vereinigten Geſellſchaft zuſammen, um die Er=
fahrungen
der Fahrten auszutauſchen. Hierbei nahm
Herr Regierungsrat Dr. Kranz bühler Gelegen=
heit
, für die Einladung zur Teilnahme an der Fahrt,
die auch für die Polizeibehörde von Vorteil war,
wärmſten Dank zu ſagen und dem H. A. C. des Wohl=
wollens
der Behörde zu verſichern und der Bereitwil=
ligkeit
zur Förderung ſeiner Beſtrebungen, ſoweit ſie
ſich in dieſen Bahnen, die der Allgemeinheit zum Beſten
gereichen, bewegen. Herr Regierungsaſſeſſor Zimmer
dankte und brachte ein Auto heil auf das weitere
Blühen und Gedeihen des jungen H. A. C. aus.
M. St.

Sport.
Pf. Die Rennen zu Hannover gingen am
Dienstag bei gutem Beſuch vor ſich. Das Heyden=
Linden=Jagd=Rennen um den Ehrenpreis des Kaiſers
endete mit einer Ueberraſchung, da die von ihrem Be=
ſitzer
Dr. Rieſe geſteuerte Reine du Jour nach Kampf
von Street=Arab unter Lt. v. Platen (2. Kür.) geſchla=
gen
wurde. Im Harzburg=Rennen für Zweijährige
erfocht der Stall Graditz durch Gründer einen neuen,
wenn auch knapyen Erfolg. Auch das Hannover Han=
dicap
endete mit einem ſchönen Endkampf, bei dem
Polykrates um einen Kopf gegen Cheops und Conto=
loro
die Oberhand behielt. Die favoriſierte Werra II
war ſchon im Einlauf geſchlagen. Lt. v. Gülich erlitt
bei ſeinem Sturz mit Solid Silver im Prinz Albrecht=
Memorial einen Schlüſſelbeinbruch. Der in Hannover
zur Enthüllung des vom Kaiſer geſtifteten Prinzeſſinnen=
Denkmals weilende Kronprinz hatte ſeinen Beſuch im
Heyden=Linden=Jagdrennen in Ausſicht geſtellt, in letz=
ter
Stunde aber wieder abgeſagt.
sh. Das internationale Schachturnier,
das anläßlich des Schachkongreſſes in Hamburg abge=
halten
wird, hat mit der erſten Runde ſeinen Anfang
genommen. Es ſind 18 Meiſter zugelaſſen worden und
zwar Alechin (Rußland), Chotimirski (Rußland), Du=
ras
(Prag), Fleiſchmann (Ungarn), Jakob ( Deutſch=
land
), John (Deutſchland), Köhnlein (Deutſchland),
Leonhardt (Deutſchland), Marchall (Amerika), Niem=
zowitſch
(Rußland), Salwe (Rußland), Schlechter

krankung der Königin bekannt wurde, erinnerte man
ſich des Vorganges, der nach Luiſens Tod zu einer un=
heimlichen
Senſation für die Hofgeſellſchaft wurde.
* Bei einem Gewitter ſoll man Feuer
anzünden! Man erachtet es allgemein für einen
Aberglauben, wenn beſonders die Landleute nach ihrer
Urväter Art bei einem herannahenden Gewitter ein
möglichſt viel Rauch gebendes Feuer in ihrem Kamin
anzünden. Sie tun dies in der Ueberzeugung, daß da=
durch
der Blitz abgelenkt wird und ihr Hab und Gut=
von
den möglichen Gefahren verſchont bleibt. Das
Warum können ſie freilich nicht erklären, jedenfalls
hat ihnen aber die Wiſſenſchaft beſtätigt, daß ſie durch=
aus
richtig handeln, wie ja gar manches, über das man
oftmals zu lachen geneigt iſt, bei näherer Prüfung als
einwandfrei gelten muß. Die Weisheit des Volkes
gründet ſich nicht auf Studien, ſondern auf Erfahrung,
und die iſt auch wohl etwas wert. Warum man bei
einem Gewitter Feuer anzünden ſoll, wird dadurch er=
klärt
, daß die Verbrennungsgaſe den Leitungswider=
ſtand
der Luft ſchwächen. Elektriſiert man zwei auf=
gehängte
Holundermarkkugeln derart, daß ſie ſich ab=
ſtoßen
, ſo fallen ſie ſofort zuſammen, wenn man in der
Nähe ein Streichholz anzündet. Die Kugeln haben
ſich alſo entladen. In gleicher Weiſe geſchieht es im
großen Maßſtab: der aufſteigende Rauch bildet einen
langſamen, aber ſtark wirkenden Entlader der elek=
triſchen
Spannung in der Luft. Auch die Statiſtik
gibt den Abergläubiſchen recht: von 10000 Kirchen
wurden in einem gleichen Zeitraum vom Blitz getrof=
fen
63, von 10000 Windmühlen 85, von 10000 Fabrikt
ſchornſteinen aber nur 31

[ ][  ][ ]

Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

Seite 5.

(Oeſterreich), Speyer (Holland), Spielmann (Deutſch=
(Deutſchland) und Yates (England). Am erſten Tage
und Schlechter gegen Alechin. Remis wurden die Par=
Speyer, Tartakower gegen Tarraſch, Marchall gegen dene Reklamationen der Arbeiter eine befriedigende
Fleiſchmann und Niemzowitſch gegen Köhnlein. Un=
beendet
blieb die Partie Jakob-John.
der die deutſchen Teilnehmer ſo hervorragend abſchnit= wurde. Die Great Eaſtern Company teilt mit, daß bei
Abſchluß, bei der die Fahrer ſelbſt für die 40 Kilometer
lange Strecke eine beſtimmte Durchſchnittsgeſchwindig=
ten
ein Pipe=Wagen.
sr. Rund durch Frankreich. Das Geſamt=
klaſſement
hat durch die Reſultate der 7. und 8.
Etappe weſentliche Veränderungen erfahren, wenn bahn=Beamten nimmt beunruhigende Di=
auch
Francois Faber mit nunmehr 33 Punkten noch menſionen an. Die Eiſenbahn=Beamten aller Grade
48 und an 3. Stelle Vanhouwaert mit 56 Punkten, wäh=! ſagier=Verkehr zwiſchen Newcaſtle und South-Shields
rend der bisherige Zweite, Garrigou, infolge ſeines
ſchlechten Abſchneidens bei der 8. Etappe mit 65 Punk=
ten
erſt an vierter Stelle ſteht. Die Nächſten ſind Cru=
chon
mit 71, Blaiſe mit 93, Trouſſelier mit 94, Erneſt
Paul, ein jüngerer Bruder von Francois Faber, mit
103 und Crupelandt, ſowie der ſich in letzter Zeit ſtark
in den Vordergrund ſchiebende Maitron mit je 104 ſtellte befinden ſich im Ausſtand. Das Geſchäftsleben
Punkten. Es gewannen bisher Francois Faber, der
Sieger dreier Etappen, 1735 Francs, Lapize 975 Francs,
Crupelandt 850 Francs, Vanhouwaert 685 Francs,
Maitron 600 Francs, Paulmier 575 Franes, Garrigou auf der Grand Trunk=Eiſenbahn ausgebrochen iſt, wurde
550 Francs und Emil Georget 460 Francs. Ausge=
ſchieden
iſt u. a. auch Petit Breton, der Sieger von 1907
und 1908.

Luftſchiffahrt.
* Das Militärluftſchiff M III iſt von
den kleineren Beſchädigungen, die es auf der großen
Nachtfernfahrt nach Gotha nach der Landung auf dem
Truppenübungsplatz Zeithain bei den Entleerungs=
und Demontierungsarbeiten und auch bei der Ueber=
führung
nach Berlin erlitten hat, in Reinickendorf
von dem Berliner Luftſchifferbataillon wieder in
Stand geſetzt worden. Es hat wieder eine neue
Waſſerſtoffgasfüllung erhalten und wird wahrſcheinlich
jetzt ſeine Uebungsfahrten fortſetzen. Die Motoren
und das Getriebe ſind mehrfach ſtärkeren Laufproben
unterzogen worden, die vollauf befriedigten.
* Ueber das neue Kriegsmotorluft=
ſchiff
, das von der neuen niederrheiniſchen Luft=
ſchiffbaugeſellſchaft
hergeſtellt wird, wird gemeldet, daß
das preußiſche Kriegsminiſterium dieſem Unternehmen
finanzielle Unterſtützung in namhafter Höhe zugeſagt
hat. Die deutſche Heeresverwaltung ſtellt jedoch fol=
gende
Bedingungen: Leichte Manövrierbarkeit,
Lenkbarkeit, große Beweglichkeit, um feindlichen An=
griffen
ausweichen zu können, gefahrloſe Verwend=
ung
des Funkenſpruchs, leichte Zerlegbarkeit, ſowie
eine artilleriſtiſche Leiſtung durch Werfen von Spreng=
geſchoſſen
. Dieſen Bedingungen ſoll das neue Luft=
ſchiff
in beſonderem Maße=entſprechen. Der zerleg=
bare
Motorholzballon beſteht indeſſen verdeckt durch
Außenhülle aus drei ineinandergekoppelten Einzel=
ballons
, die jederzeit in der Luft in drei Selbſtflieger
zerteilt werden können.
* Berlin, 20. Juli. Der Aviatiker Thelen
ſtürzte geſtern abend in Johannisthal mit ſeinem
Apparat bei einem Gleitflug aus einer Höhe von 15
Metern ab und erlitt eine erhebliche Wunde über dem
rechten Auge. Der Apparat wurde ſtark beſchädigt.
H. B. Berlin, 20. Juli. Die japaniſche Regie=
rung
hat lt. Lok.=Anz. einen Grade=Flieger zur
ſofortigen Lieferung in Auftrag gegeben.
* Paris, 20. Juli. Der Aviatiker de Bäder flog
geſtern abend mit ſeinem Zweidecker von Lille nach
Douai. Trotz des ziemlich heftigen, ungünſtigen
Windes legte er die zirka 30 Kilometer lange Strecke
in 35 Minuten zurück, wobei er ſich in einer Höhe von
700 bis 800 Metern hielt.

Arbeiterbewegungen.
* Nürnberg, 20. Juli. In der Wolffſchen Zellu=
loidwaren
=Fabrik ſind ſämtliche Arbeiter in den
Ausſtand getreten, weil die Firma dreißig an dem vor=
jährigen
Streik beteiligte Arbeiter, in deſſen Verlauf es
bekanntlich zu heftigen Zuſammenſtößen zwiſchen Ausſtän=
digen
und Arbeitswilligen gekommen iſt, entlaſſen hat. Die
Firma lehnte die Vermittelungs=Vorſchläge des Ma=
giſtrates
ab.
* Paris, 20. Juli. In der Arbeitsbörſe hielten
geſtern abend an 2000 Bankbedienſtete eine Ver=
ſammlung
ab, in der ſie beſchloſſen, ein Syndikat zu
bilden, um durch Unterſtützung des Allgemeinen Ar=
beiterverbandes
eine Beſſerung ihrer Lage zu erzielen.
H. B. Paris, 20. Juli. Der Matin meldet aus
Madrid: Der Ausſtand der Grubenarbeiter
nimmt große Ausdehnung an. Im Gebiet von Bilbao
befürchtet man immer mehr, daß der Ausſtand infolge
einer großartig angelegten Agitation des Streik=
komitees
ſich auf alle Arbeiterkategorien erſtrecken wird.
Dank der getroffenen energiſchen Vorſichtsmaßregeln
ſind bis jetzt keinerlei Ruheſtörungen zu verzeichnen
geweſen. Die Truppen, welche die ſtrategiſch wichtigen
Punkte beſetzt halten, ſind mit Maſchinengewehren aus=
gerüſtet
. Die Behörden hoffen, daß es leicht ſein wird,
überall die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten,
nachdem die Regierung beſchloſſen hät, das Streikrecht
anzuerkennen. Die Zahl der Streikenden dürfte ſich
auf 100000 belaufen. Es iſt bezüglich des Streiks
durchaus nicht zu einer völligen Einigung in ſämtlichen
Arbeiterkategorien gekommen. Die ſozialiſtiſche Par=
tei
, die einen großen Prozentſatz der Grubenarbeiter
umfaßt, billigt z. B. die Bewegung nicht und unter=
ſtützt
ſie nur aus Solidarität.
* Newcaſtleon Tyne, 19. Juli. Alle Ange=
ſtellten
vom großen Güterbahnhof von Newcaſtle
ſtellten die Arbeit ein. Nach einer Maſſenverſamm=
lung
der Bahnangeſtellten in Gateshead wurde ange=
kündigt
, daß der Streik auf Sunderland, Hartlepool
und Blyth ausgedehnt wird. Dem Vernehmen nach iſt
die Arbeitseinſtellung auf die Behandlung der Ange=
ſtellten
ſeitens der Beamten zurückzuführen.
* Newcaſtle on Tyne, 19. Juli. Der Aus=
ſtand
unter den Angeſtellten der Nord=Oſtbahn= Ge=
ſellſchaft
nimmt einen immer größeren Umfang
an. Vorausſichtlich werden 25000 bis 30000 Angeſtellte
daran teilnehmen.

I9. Neweaſtte, M. Zult. Der Eiſen=
land
), Tarraſch, Tartakower (Oeſterreich), Teichmann bahnerſtreik, der ſich bisher auf etwa 10000 Ange=
ſtellte
erſtreckte, hat in den Eiſenbahn=Werkſtätten von
ſiegte Leonhardt gegen Spielmann, Salwe gegen Yates Gateshead begonnen und erſtreckt ſich bereits auf New=
caſtle
und deſſen geſamte Umgebung. Die Ausſtän=
tien
Duras gegen Chotimirski, Teichmann gegen! digen begründen den Streik damit, daß auf verſchie=
Antwort nicht gegeben worden ſei, daß ferner für ver=
ſchiedene
Arbeiten in der letzten Zeit eine Lohnreduk=
At. Die Oſtender Automobil=Woche, bei tion eingetreten iſt und daß ein Arbeiter entlaſſen
ten, fand mit einer Regelmäßigkeits=Konkurrenz ihren ihr allein 5000 Angeſtellte im Ausſtande ſeien. Die
Geſellſchaft erklärt, daß ſie infolgedeſſen für die ver=
ſpätete
Lieferung von Gütern nicht verantwortlich ſei.
keit vorher angeben mußten, die dann auf der Strecke Bisher haben die großen ſchottiſchen Expreßzüge keine
durch geheime Kontrollen nachgeprüft wurde. Sieger Verſpätung erlitten. Dagegen iſt die Kohlenförderung
blieb Williame auf Imperia, den zweiten Preis ge= vollſtändig eingeſtellt. Die Schiffe können die Häfen
wann ein Lorraine=Dietrich=Wagen, den dritten ein nicht verlaſſen, da ihnen die Einnahme von Kohlen
Bergmann=, den vierten ein Imperia= und den fünf= durch den Streik unmöglich gemacht worden iſt. In
verſchiedenen Häfen iſt deshalb bereits ein Streik der
Dockarbeiter ausgebrochen.
* Newcaſtle, 20. Juli. Der Ausſtandder Eiſen=
immer
an der Spitze ſteht. An 2. Stelle iſt Lapize mit ſtellten mit wenigen Ausnahmen den Dienſt ein. Der Paſ=
iſt
ſehr erſchwert. Im Tynedock ruht jede Arbeit.
* Ottawa, 19. Juli. Infolge des Ausſtandes
ſährt auf dem geſamten kanadiſchen Grenzeiſenbahn=
netz
von den Perſonenzügen weniger als die Hälfte.
Der Güterverkehr iſt gänzlich eingeſtellt. 11500 Ange=
iſt
ſtark in Mitleidenſchaft gezogen.
* Buffalo, 20. Juli. Infolge des Streiks auf
der Wabaſh=Eiſenbahn, der im Anſchluß an den Streik
auch auf der Wabaſhbahn der Verkehr teilweiſe
eingeſtellt.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 20. Juli. Fruchtmarkt=
bericht
. Am Wochenmarkt herrſchte, angeſichts der letz=
ten
amerikaniſchen Preisſteigerung, eine feſtere Tendenz
vor. Es konnte ſich indes kein größerer Verkehr entwickeln,
da der Konſum und die Mühlen nur das Notwendigſte
kaufen. Alter Landweizen iſt jetzt weniger reichlich vor=
handen
; auch alter Landroggen noch gering angeboten.
Muſter von Roggen neuer Ernte wurde erſtmalig gezeigt
Hafer war gut behauptet. Mehl feſt. Futterartikel williger.
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt feſt; es
liegen ſehr wenige erſthändige Offerten vor und dieſe
ſind auseinandergehend.
An der Berliner Produktenbörſe war Wei=
zen
nur ſchwach behauptet, da die günſtigen Ernteberichte
aus der Provinz und die Rekordernte in Rumänien den
Preis drückten. Roggen ebenfalls matt auf das ſtarke und
teilweiſe auch billigere Angebot. Aus den Provinzen
Brandenburg und Pommern hört man, daß die Roggen=
ernte
gut ausfalle; ebenſo iſt die Roggenernte in Rhein=
heſſen
als recht befriedigend zu bezeichnen. Die ruſſiſchen
Angebote waren zurückhaltend, Donauweizen hingegen
ſtark, aber nicht billiger vorhanden. Hafer ſchwächer auf
bedeutende Zufuhren.
Nach den letzten Kabelnachrichten von den ameri=
kaniſchen
Getreidemärkten (Chicago und New= Güterzug auf dem Bahnübergang dicht bei Wahl=
berichte
aus Winnipeg und die à la hausse lautenden Welt= übungsplatz Elſenborn heimkehrenden Soldaten beſetzt
verſchiffungen in feſter Haltung. Realiſierungen, umfang= war, in die Flanke. Der vorletzte Perſonenwagen
reiche Abgaben Armours, großes Angebot der Farmer, wurde ſtark beſchädigt, der drittletzte aus dem Gleis
ſowie beträchtliche Abgaben der Kommiſſionshäuſer be= geworfen. Die Zahl der zu Schaden gekommenen Per=
wirkten
jedoch eine intenſive Abſchwächung, ſo daß der
Schluß kaum ſtetig blieb Mais anfangs feſt, ſpäter im
Preis nachgebend, auf Meldungen über günſtiges Wetter 1 ung entſtandene Gasexploſion, die die Zimmer=
in
Nebraska.
Weizen, hieſiger und Wetterauer 20,7521, Norddeut= ſchiedene Verletzungen.
ſcher 20,7521, Kurheſſiſcher 20.7521, Rumäniſcher 21,25
Walla Walla 21,5022; Roggen, hieſiger 15,5015,75,
niſcher , Rumäniſcher ; Gerſte, Pfälzer , hieſige
und Wetterauer , Fränkiſche , Ungariſche , Ried= ſchen Aufnahmen hat er lediglich zu Amateurzwecken ge=
gerſte
, Ruſſiſche Futtergerſte ; Hafer, hieſiger 15,25 macht. Der Verhaftete wurde mittags wieder auf freien
bis 16, Bayeriſcher 15,3016, Ruſſiſcher , Amerikani= 1 Fuß geſetzt.
ſcher , Rumäniſcher ; Mais mixed 15.5015,75, Ruſ=
ſiſcher
15,2515,50, Donaumais 15,5015,75, Rumäniſcher rer der Elektrizitätsgeſellſchaft Schniewindt, Ren=
15,2515.50, Weißer Mais 15,5015,75, Laplata 15,50 bis nert, iſt wegen Bilanzverſchleierung, durch die ſeine
15,75; Weizenſchalen 9,5010, Weizenkleie 99,50, Rog= Firma im Laufe dreier Jahre um 180000 M. geſchädigt
genkleie 9,5010. Futtermehl 12.5014, Biertreber getrock= wurde, verhaftet worden.
net 12.2513; Weizenmehl Nr. 0 Baſis ab Mann=
heim
3030,25, feinere Marken 30.5030,75, Nr. 1 28,75
bis 29. feinere Marken 2929,50, Nr. 2 27,5027,75, fei=bil des Fuhrwerksbeſitzers Janſen raſte infolge
Nr. 2 1919,50.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 20. Juli. Der neue Poſtpaket=Vertrag
zwiſchen Deutſchland und China, der den Aus=
tauſch
von Paketen auf der Baſis des Weltpoſtvereins
regelt, ſieht vor: Erſtens: Den Poſtpaket=Austauſch in
beiden Richtungen und mit allen Orten mit den Poſtanſtal= 1 Bioſon verbraucht nnd zwar in einem Zeitraum von
ten in China und zwar bis zum Gewicht von zehn Kilo 5 Monaten. Täglich verbrauchte ich etwa zwei Eßlöffel voll
mit der Einſchränkung, daß das Gewicht von Paketen nach Bioſon. Dasſelbe habe ich genommen zur Kräftigung bei
beſchränkt werden kann, wenn die chineſiſche Behörde dies bluten mehr, was wohl auf die Kräftigung des Körpers
wünſcht. Die Vorausbezahlung kann künftig auch nach zurückzuführen iſt. Die Zunahme meines Körpergewichts
Orten mit chineſiſchen Poſtanſtalten ſtattfinden, ſofern die beträgt ungefähr 10 Pfund; auch das Allgemeinbefinden
ſtelle liegen; dagegen werden die Weiterbeförderungs= von Freunden und Bekannten oft erwähnt. Die Kraft und
koſten nach wie vor von dem Empfänger eingezogen. Fer= Energie wurde auch gehoben. Bioſon ſchmeckt ſehr gut und
ner iſt künftig auch nach Orten mit chineſiſchen Poſtanſtalten iſt gut zu trinken. Hochachtungsvoll! Chriſtian Seifert,
Wertangabe geſtattet, deren Höchſtgrenze vorausſichtlich Frieſenſtr. 20. Unterſchrift beglaubigt: Scheuermann,
1000 Franken oder 800 Mark betrage. Schließlich wird Notar. Bioſon iſt das beſte und billigſte Kräftigungs=
ganze
Beförderungsſtrecke nach den allgemeinen Grund= von dem Bioſonwerk Frankfurt a. M. eine Gratisprobe und
ſätzen, die im Weltpoſtverein beſtehen, Gewähr geleiſtet.
* Berlin, 20. Juli. Nach Mitteilungen aus Haiffa
ſoll geſtern ein Deutſcher der dortigen Kolonie im Sommer an Brechdurchfällen. Hiergegen bietet eine
worden ſein. An die Kaiſerliche Botſchaft in Kon= den beſten Schutz. Kufeke macht die Milch leichter ver=
ſtantinopel
ſind ſofort die erforderlichen Weiſungen er= daulich und verhütet die Darmgärungen. Ueberhaupt
gangen.
* Aachen, 20. Juli. In dem benachbarten Heerlen den geſamten Organismus u. damit auch den Magen u.
verhaftete die Polizei zwei Perſonen wegen Falſchmün= Darm widerſtandsfähiger gegen Krankheitskeime. (14550Ml

zereit und eine Frau wegen Verbreitung fſalſchen Gelbes.
Bei der Unterſuchung fand die Polizei falſche Taler und
Fünfmarkſtücke, ſowie eine Menge Metall vor. Der
Buchhalter einer hieſigen Kartonnage=Fabrik, der ſeit drei
Jahren Unterſchlagungen verübte, die ſich auf 30000 Mark
belaufen, ſtellte ſich heute morgen der Staatsanwaltſchaft.
* Köln, 20. Juli. Das Oberlandesgericht
verwarf die Reviſion der Bonner Boruſſen von
Quiſtorp und von Finckenſtein, die im Falle Feith
von der Bonner Strafkammer zu je acht Tagen Ge=
fängnis
verurteilt waren.
* Gnadenfeld (Regierungsbezirk Oppeln), 20. Juli.
Amtlich. In der Erſatzwahl zum Abgeordnetenhauſe
im Wahlbezirk Oppeln 8 wurde Juſtizrat Ritta=Breslau
(Zentr.) mit 356 Stimmen von 357 abgegebenen Stimmen
gewählt. Ein Gegenkandidat war nicht aufgeſtellt wor=
den
.
* Kiel, 20. Juli. Der Chefredakteur der Kieler Zei=
tung
Alexander Niepa iſt geſtorben.
* Wien, 20. Juli. Die am 20. Juli in Zahlungs=
ſchwierigkeiten
geratene Börſenfirma Goldberger
u. Pollak wurde ſeitens der Börſenkammer für
inſolvent erklärt. Die Höhe der Verbindlichkeiten
iſt noch unbeſtimmt.
* Paris, 19. Juli. Aus Udſchda wird gemeldet,
daß die Eingeborenen nach dem Kampfe bei Mul el Bacha
am 12. Juli ihr Bedauern über die gegen die Fran=
zoſen
unternommenen Angriffe und den Wunſch nach Wie=
derherſtellung
guter Beziehungen ausgeſprochen haben.
Die Lage kann danach als völlig beruhigt angeſehen
werden.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Auf Grund der Aus=
ſagen
der in Haft befindlichen Mitglieder des entdeckten
Geheimkomitees hat die Polizei geſtern nacht den
oppoſitionellen Deputierten Rizanur verhaftet, der ſo=
fort
vom Kriegsgericht verhört wurde.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Die Blätter veröffentlichen
zahlreiche Einzelheiten über das Geheim=
komitee
, aus denen hervorzuheben iſt, daß das Komitee
in zwei Hauptſektionen geteilt war, welche Rizanur und
der frühere Brigadegeneral Natik leiteten, während die
Oberleitung von einer höhergeſtellten Perſönlichkeit aus=
geübt
wurde. Die Polizei, die geſtern weitere Verhaf=
tungen
vornahm, kennt faſt ſämtliche Mitglieder des Ko=
mitees
. Der Hauptbeteiligte Ali Kemal, ein früherer
Spion des Exſultans, wurde nicht verhaftet, er iſt nach
Alexandrien geflüchtet.
* Teheran, 20. Juli. Infolge der von Nationaliſten
verbreiteten Gerüchte, die Ermordung Said Ab=
dullahs
ſei von Ruſſen angeſtiftet worden, um Un=
ruhen
hervorzurüfen und um die Anweſenheit ruſſiſcher
Truppen zu rechtfertigen, verlangte die ruſſiſche Geſandt=
ſchaft
eine amtliche Dementierung der in nationali=
ſtiſchen
Zeitungen wiedergegebenen Gerüchte. Die Regie=
rung
machte darauf aufmerkſam, wie notwendig es ſei, den
Mörder Said Abdullahs zu ermitteln.

Friedrichshafen, 20. Juli. Der Arbeiter Aberle
iſt ſeinen Verletzungen, die er bei der Exploſion im
Zeppelinſchen Karboniumwerk erhalten hat, erlegen.
Die Zahl der Verwundeten erhöhr ſich auf 12, von
denen drei ſchwer verletzt ſind.
Aachen, 20. Juli. Heute vormittag fuhr ein
York) eröffnete der Weizenmarkt auf ungünſtige Ernte= heim einem Perſonenzug, der mit vom Truppen=
ſonen
iſt noch nicht feſtgeſtellt.
Weißenſee, 20. Juli. Durch eine in der Wohn=
decke
ſtark beſchädigte und die Fenſter zertrümmerte,
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt: erlitten der Kaufmann S. und deſſen Schwägerin ver=
H. B. Thorn, 20. Juli. Die Verhaftung des an=
bis
21,75, Redwinter 21,5022, Ruſſiſcher 21,2521,75, geblichen Schweizer Spions Alois Ferrer ſtellt ſich als
Laplata 21,5022,25, Donauweizen 21,2521,75, Kanſas , 1 ein böſer Mißgriff heraus. Der Verhaftete iſt ein
ſchweizeriſcher Lehrer, der mit ſeiner Gattin, einer Ruſſin,
Bayeriſcher (Pfälzer) 15,5015.80, Ruſſiſcher , Amerika= eine Vergnügungsreiſe nach Petersburg machte und dabei
in Thorn Aufenthalt genommen hatte. Die photographi=
Hagen (Weſtfalen), 20. Juli. Der Geſchäftsfüh=
Randers (Jütland), 20. Juli. Das Automo=
Verſagens der Bremſe eine‟ Böſchung hinunter und
nere Marken 2828,25, Nr. 3 25,7526, feinere Marken blieb zertrümmert liegen, die fünf Inſaſſen unter
26,2526,50, Nr. 4 21,7522, feinere Marken 2222,50; ſich begrabend. Die Frau des Beſitzers und ein auf
Roggenmehl, hieſiges Nr. 0 2323,50, Nr. 1 2222,25, Ferienbeſuch weilendes Kind ſind tot; der Beſitzer,
der Chauffeur und ein anderes, ebenfalls auf Ferien=
beſuch
weilendes Kind wurden ſo ſchwer verletzt, daß
an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.
Norderney, 20. Juli. Fürſt von Bülow iſt
heute vormittag hier eingetroffen.

Freunde und Bekannte wundern ſich!
Worms a. Rh., 16. Dez. 1909. Ich habe zwei Pakete
Orten mit chineſiſchen Poſtanſtalten, die nicht an einer fortwährendem Naſenbluten. Die Wirkung war ſehr gut,
Eiſenbahn= oder Dampfer=Anlegeſtelle liegen, auf drei Kilo denn ſeit dem Gebrauch Ihres Bioſon hatte ich kein Naſen=
Orte an einer Eiſenbahn oder an einer Dampfer=Anlege= war beſſer geworden, denn mein beſſeres Ausſehen wurde
für Verluſt oder Beſchädigung von Poſtpaketen für die! mittel. Paket 3 Mk. in Apotheken, Drogerien. Verlangen Sie
die Broſchüren. Befragen Sie Ihren Hausarzt. (145580
underte von blühenden Kindern ſterben in jedem
Fellachendorf Hereh durch Eingeborene erſchoſſen rationelle Säuglingsernährung mit Kufeke und Milch
macht Kufeke und ſein reicher Gehalt an Nährſtoffen

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

Nummer 168.

Danksagung.
Für die mir anlässlich meines 25 jähr. Dienst-
jubiläums
von nah und fern zugegangenen zahl-
reichen
Gratulationen, sowie überaus zahlreichen
Blumenspenden, sage ich allen, insbesondere der
Direktion, den Herren Beamten und Arbeitern der
Firma G. Luther, A.-G., dem Männergesangverein
Concordia‟. dem Musikkorps des Grossh. Hess.
Train-Bat. Nr. 18. dem Vorstand des Hess. Fecht-
vereins
Waisenschutz, sowie den Mitgligdern des
Deutschen Gruben- u. Fabrikbeamten-Verbandes
Zweigv. Darmstadt, meinen verbindlichsten Dank.
Robert Ruppert.
*17781)

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Allen Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Mitteilung, daß heute Nachmittag
4 Uhr mein lieber Schwager, unſer Onkel
Philipp Friedrich
Wagnermeister
nach kurzem Leiden ſanft verſchieden iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Katharina Friedrich Wwe.
Kranichſteinerſtraße 11.
Darmſtadt, den 20. Juli 1910.
Die Beerdigung findet Freitag, den 22. Juli,
nachmittags 6 Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt. Einſegnung ½ Stunde vorher in
der Friedhofskapelle.
(14583

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſere treubeſorgte, innigſtgeliebte Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schweſter,
Schwägerin und Tanie
(14556
FrauMarie Hetinger, Witwe
geb. Riehl
nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden,
im Alter von 63 Jahren, in Karlsruhe in die
ewige Heimat abzurufen.
Um ſtille Teilnahme bitten:
Adolf Sauerland u. Frau, geb. Hettinger,
und Kind,
Valentin Dequis u. Frau, geb. Hettinger,
nebſt Kinder,
Hermann Aden u. Frau, geb. Hettinger,
nebſt Kinder,
Georg Hettinger u. Frau, geb. Hofmann,
Karl Kern u. Frau, geb. Hettinger,
Heinrich Bonifer u. Frau, geb. Hettinger,
nebſt Familie,
Konrad Hettinger.
Darmſtadt, Magdeburg, Ludwigshafen,
Karlsruhe, Offenbach a. M., Worms,
den 18. Juli 1910.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 21. Juli,
nachmitags 4 Uhr, vom Porkale des Darm=
ſtädter
Friedhofes aus, ſtatt

Auskunft= und Rechtsſchutzſtelle für Frauen
und Mädchen unentgeltlich. Sprechſtunden Montag
und Donnerstag von 35 Uhr im alten Hoftheater
(Eingang Hochſchulſtraße).

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Das mittel=
europäiſche
Tiefdruckgebiet iſt weiter nach Oſten gerückt,
hat dabei aber geſtern noch wiederholt Regen gebracht, in
Darmſtadt 22 mm. Auch ſonſt in Deutſchland ſind noch
ſtärkere Regen zum Teil gefallen. Da jetzt vorübergehend
von Weſten ein Hoch vordringt, laſſen bei kühlerem Weſt
heute vormittag die Regenfälle nach. Doch bringt ein neu
bei Schottland aufgetauchter Wirbel morgen wieder Regen.
Ausſichten in Heſſen am Donnerstag, den 21. Juli:
Nach vorübergehend trockenem Wetter und abnehmender
Bewölkung wieder Regen, auffriſchender Südweſt. mäßia
warm.
Tageskalender.
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heh.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof‟.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 107 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhrbe
Verſteigerungskalender.
Freitag, 22. Juli.
Kornernte=Verſteigerung um 5 Uhr ( Zuſammen=
kunft
auf der Kreuzung von Eſchollbrücker Straße und
Beſſunger Weg.
Großh. Porzellanſammlung im Prinz=Georgs=
Palais (Schloßgartenplatz). Geöffnet Dienstags und
Freitags von 34 Uhr, Sonntags von 111 Uhr.
Eintritt 50 Pfg.
Patentſchriften=Auslegeſtelle in der Gewerbe=
Bibliothek, Neckarſtr. 3. Zeit der Benutzung: an allen
Wochentagen von 8½12½ u. 2½5½ Uhr (Samstag=
Mittag ausgenommen).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. B.: Mar Streſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Anzeigenteil: F. Kroß, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.=Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen, nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripke werden nicht
zurückgeſandt.

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Offert. unt. E 77 an die Exped. (*17798

Kurſe vom 20. Juli 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

8f. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,60
3½ Deutſche Reichsanl. . 93,30
24,50
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,50
93,30
3½ do. Conſols .
84,40
B do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,60
8390
do.
3½
85,50
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,50
91,90
do.
3½
do.
81,00
3
4 Hamburger Staatsanl. 101,80
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,50
do.
91,40
8½
do.
81,00
3
3 Sächſiſche Renre . . . 83,75
4 Württembergerv. 1907 102,10
do.
92,75
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,20

1¾ Griechen v. 1887 .
3¾ Italiener Reute .
4½ Oeſterr.=Silberrente

48,60

97,80

4 do. Goldrente . . 99,20
4 do. einheitl. Rente 93,90
3 Portug. unif. Serie I 66,80
3 do. unif. Ser. III 68,00
3 do. Spezial. 11,70
5 Rumänier v. 1903 . . 101,80
do. v. 1890 . . 95,60
do. v. 1905 . . 90,50
4 Ruſſen=v. 1880 . . . . 92.00

Sf.
4 Ruſſen v. 1902 . .
4½ do. v. 1905 .
3½ Schweden . . .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903
4 do. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente
4 do. Staatsreute
5 Argentinier .
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe
do.
½ Japaner . . .
5 Innere Mexikaner . .
do.
3
4 Gold=Mexikan. v. 1904
5 Gold=Mexikaner . . .

InProz.
92,90
100,20
96,20
87,60
94,10
95,10
92,00
10200
91,25
93,00
102,40
97,80
99,70
95,50
100,10

Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. .
. . . . 143,20
4 Nordd. Lloyd . . . . 110,60
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%,
Einz. Mk. 408 117,50
4 Baltimore & Ohio . . 108,25
4 Gotthardbahn . . . .

InProz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 158½
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21,00
4 Pennſplvania R. R. 129,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 201,00
Werger=Brauerei
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 479,00
Fabrik Griesheim . . . . 259,00
Farbwerk Höchſt .
.. 496,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim. .
324,00
Lahmeyer . .
112,60
Schuckert.
.160,00
Siemens &e Halske . . . 240,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 414,00
Bochumer Bb. u. Guß . . 232½
Gelſenkirchen . .
..208,50
Harpener . . . . . . . . . 190,90
Phönix, Vergb. u. Hütten=
betrieb
. .
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 90,10
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,40
do.
91,80
3½

4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
do. ſteuerfrei .
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
do. alte .
5 Oeſterr. Südbahn .
do.
do.

3
4
20/10
3 Raab=Oedenburger .
4 Ruſſ. Südweſt.. . . .
4 Kronpr. Rudolfbahn .

99,80
.98,10
97,90
99,10
56,30
75,40
90,25

In Proz.
75,90
24/10 Livorneſer . . .
4 Miſſouri=Paciſic .
Bagdadbahn Mk. 408 86,80
Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 101,90

Bank=Aktien.
Verliner Handelsgeſ.
Darmſtädter Bank . .
Deutſche Bank . 2
Deutſche Vereinsbank
Diskonto=Geſellſchaft .
Dresdner Bank.
Mitteldeut. Kreditbk.
Nationalbk. f. Deutſchl.
Pfälzer Bank.
Reichsbank . .
Rhein. Kredit=Bank . 1
Wiener Bank=Verein

Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 171
3½ do. S. 19. . . . .
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126
4 Hamb.=Hypoth.=Bank
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 1
do.
4 Meining. Hyp.=Bank
do.
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917)1
do. (unk. 1914)
3½
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf.
3½
do,

168,00
130,50
251,80
127,60
186,90
158,10
119,70
123,80
101,30
144,60
139,40
137,50

100,20
92,30
99,60

101,60
92,80
101,00
91,10
100,20
91,00
100,90
92,60

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3½ do.
.100,90
Frankfurt . .
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3½ do.
100,20
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3½ do.
* 100,00
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz .
91,40
3½ do.
4 Mannheim .
100,00
3½ do.
4 München .
101,00
3½ Nauheim
2200
4 Nürnberg.
101,10
3½ do.
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3½ do.
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4 Meining. Pr.= Pfand=
brieſe
.
.. . 136,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe 173,00
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Unverzinsliche
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81,20
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[ ][  ][ ]

Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

Seite 7.

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Schluß
Mittwoch

den

27
Juli
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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

Nummer 468.

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Riffe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
56)
Kurt Egloff gab ihr im Stillen recht. Wenn man
12000 Mark Jahresrente, eine Rahmenfabrik mit an=
derthalb
Millionen Umſatz und das entzückendſte Weib
der Welt beſaß, konnte man ſchon auf die reine Kunſt
Verzicht leiſten, unter dieſen Umſtänden genügte die
angewandte. Die Erziehungsverſuche, die er an Frau
Dora vornahm, entſprangen nur ſeinem künſtleriſchen
Trieb, wenn er ſich’s auch nicht klar machte. Er koſtü=
mierte
ſie jeden Tag anders, modelte an ihrer junoni=
ſchen
Figur herum, gab ihr Verhaltungsmaßregeln, die
auf fruchtbaren Boden fielen, und hatte nach vierzehn=
tägiger
Ehe, als ſie in Genua ankamen, eine vollendete
Weltdame aus ihr gemacht.
Hier aber regnete es gerade, und zwar ſo arg wie
in Hamburg, und Frau Dora ſehnte ſich nach Neapel.
Rom wollte ſie ſich erſt auf dem Rückwege beſehen.
Dieſe Stadt war ihr auch als norddeutſcher Proteſtan=
tin
unſympatiſch, weil da der Papſt wohnte. Noch
ſchrecklicher aber fand ſie die italieniſche Eiſenbahn.
Und da ſich Kurt Egloff immer mehr unter ihre warme,
weiche Botmäßigkeit flüchtete, löſte er nach einigem
Zögern, denn er war nicht ſehr ſeefeſt, zwei Schnell=
dampferbillette
nach Neapel.
Als ſie am nächſten Morgen an Bord gingen, hellte
ſich der Himmel plötzlich auf und Genua, die Prächtige,
lag vor ihnen im Glanz der Sonne.
Wenn Du willſt, liebe Dora ſchlug Kurt Egloff
pon, und blieb auf der oberſten Stufe des Fallreeps

ſtehen, können wir ja wieder umkehren. Die Riviera
iſt wirklich ſehr ſchön.
Aber ſie verſagte die Genehmigung. Sie war noch
niemals auf einem ſo großen Schiffe gefahren, und
freute ſich darauf, wie ein Kind. Und er fügte ſich, es
war ja ſo angenehm, ſich von einer geliebten Frau
unterjochen zu laſſen. Außerdem hatte er Glück: das
Meer war glatt wie ein Spiegel, und der Dampfer lief
ſo ruhig wie auf der Elbe.
Im Speiſeſaal waren ſie die erſten, und ließen ſich
vom Oberſteward ihre Plätze anweiſen. Schnell füllten
ſich die Tiſche. Nur die beiden Seſſel ihnen gegenüber
blieben frei. Die Muſikkapelle im Treppenhaus into=
nierte
die Marcia Reale.
Da trat Herr Matthias Harms herein. Unter dem
linken Arm trug er ein dickes Buch, am rechten Arm
führte er Harriet. Er war zwei Finger kleiner als ſie,
und hatte ſeinen alten Umfang noch immer nicht zu=
rückgewonnen
. So ſteuerte er durch das Gewimmel der
Stewards auf die beiden leeren Seſſel zu. Als er ſaß,
erſchien er eine Handbreit höher als Harriet, das kam
von ſeinen kurzen Beinen.
Kurt Egloff bekam rote Ohren, als er die beiden
erkannte, rutſchte auf ſeinem Seſſel hin und her, und
wußte vor Verlegenheit nicht, was er anfangen ſollte.
Endlich erhob er ſich ein wenig, und machte eine kurze
Verbeugung. Harriet aber beachtete den Gruß nicht.
Frau Dora, die mit ihren ringgeſchmückten Patſch=
händchen
den Löffel ſchwang, wurde aufmerkſam.
Kennſt Du die beiden? fragte ſie auf italieniſch.
Jawohl, erwiderte er in derſelben Sprache, und
beugte ſich über ſeinen Teller. Es iſt die Dame, mit
der ich mich beinahe verlobt hätte.

Wie intereſſant! rief Frau Dora, legte den Löffel
hin, hielt ihr Lorgnon vor die kleinen, unſcheinbaren
Augen, die ſich vor Neugier erweiterten, und fixierte
ihre Gegnerin ſcharf.
Harriet überſah ſie ſtolz. Matthias Harms aber
ſchlug das dicke Buch auf, und ſuchte nach einigen paſſen=
den
Silben, um die Impertinenz ſeines Gegenübers
kräftig zu kennzeichnen. Aber er fand keine, denn es
war ja ein chineſiſches Lexikon, und die Chineſen haben
in ihrem Wortſchatz keine Grobheiten.
So eine Frechheit, ſagte er dann auf engliſch.
Harriet nickte nur, und ihr Blick wurde nord=
polkühl
.
Jetzt ließ Frau Dora das Lorgnon fallen, und ſah
ihren Mann mitleidig an, als wollte ſie ſagen: Kuxt,
wo haſt Du Deine Augen gehabt! Wie konnteſt Du Dich
nur in dieſes Gänschen vergaffen!
Sie hätte es gern laut geſagt, aber ſoweit war ſie
noch nicht mit dem Italieniſchen.
Kurt Egloff verſtand es trotzdem nicht falſch, hob
den Nacken, und tat ſo, als ob Harriet Luft für ihn ſei.
Am Abend ſaßen ſie ſich nicht mehr gegenüber,
Matthias Harms und Harriet ließen ſich einen andern
Platz geben.
Nachher aber trafen ſie an Deck noch einmal zu=
ſammen
. Frau Dora rauſchte am Arm ihres Malers
die Planken entlang und fixierte Harriet, die mit Mat=
thias
Harms im geſchützten Halbdunkel auf einer
Bank ſaß.
Jetzt darfſt Du mir einen Kuß geben, flüſterte ſie
haſtig.
Und er tat es auch auf der Stelle.
Das können wir auch, rief Kurt Egloff, zog Frau
Dora an ſich und drückte ſeine Lippen herzhaft auf

[ ][  ][ ]

Nummer 168.

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

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ihren Mund, der zwar nicht ſo ſchön geſchwungen war
wie der Harriets, aber doch ſeine Vorzüge hatte.
So überzeugten ſie ſich gegenſeitig, daß ſie glücklich
verheiratet waren.
Dieſe Szene ging ohne Zuſchauer vor ſich, denn
ſie fand auf Steuerbordſeite ſtatt, und die Paſſagiere,
die ſich noch nicht in die Kajüten zurückgezogen hatten,
ſtanden an der Backbordreling und ſchauten nach den
Lichtern der nahen Küſte hinüber.
Am nächſten Morgen ließen ſich Kurt Egloff und
Frau Dora ausbooten. Neapel gefiel ihr nicht, das
war zu ſchmutzig. Aber auf Capri fühlte ſie ſich wohl,
das erinnerte ſie an Blankeneſe.
In Kurt Egloff flackerte hier noch einmal die
Flamme der Kunſt auf. Er kaufte ſich Farben, Pinſel
und Leinwand. Aber Frau Dora war ſtärker. Sie
nahm ihn völlig in Anſpruch.
Aber Kurt! rief ſie beinahe entrüſtet. Du willſt
malen? Das haſt Du doch gar nicht mehr nötig.
Da zuckte die Flamme zuſammen und erloſch für
immer.
Haſt recht, liebe Dora, ſagte er und warf deu
Klexkram beiſeite.
Dafür gab ſie ihm einen innigen Kuß. Sie war
vollſtändig zufrieden, wenn er ſich äußerlich als Künſt=
ler
trug.
Vier Wochen ſpäter machte er die Entdeckung, daß
ſeine Weſte nicht mehr zugehen wollte. Das kam von
dem guten, bequemen Leben. Aber es ſtörte ihn nicht
weiter.
Noch ehe das neue Jahr einzog, fand er den Ge=
danken
, die Hammerbrooker Rahmenfabrik zu über=
nehmen
, nicht mehr ſo gänzlich abſurd. Frau Dora
ließ nicht davon ab, ihm damit in den Ohren zu liegen.
Wenn ſie etwas durchſetzen wollte, beſaß ſie eine unbe=
zwingliche
Hartnäckigkeit.
Aber, liebe Dora, meinte er unſicher. Verkaufen
wir ſie doch dem Schwager. Wir leden doch hier ſo
vergnüglich und zufrieden.
Denk’ doch ein bißchen weiter, Kurt: mahute ſie und

fuhr ihm ſchmeichelnd durch die braunen Locken. Wenn
die Kinder da ſind!
Ach ſo, erwiderte er verblüfft und unternahm
einen vergeblichen Verſuch, ſich von ſich ſelbſt eine Vor=
ſtellung
als Familienvater zu machen.
Und ich wünſche mir’s doch ſo ſehr! flüſterte ſie
etwas verſchämt.
Na, ja, erwiderte er ergeben und blies den Rauch
ſeiner Zigarette von ſich.
Matthias Harms aber war mit ſeiner jungen Frau
längſt wieder in Schanghai angekommen und ging mit
der ihm eigenen Energie an die Organiſation der
Küſtenfahrt. Er jagte ſeine vier Dampfer, den fünften,
größeren, hatte er verkauft, nach Norden, Oſten und
Süden, reiſte ſelbſt mit, lernte noch immer mit Eifer
chineſiſch, zog ſogar Japan in ſeine Jagdſphäre, brachte
durch ſeine wilde Draufgängerei im Ratenkampfe
einen Konkurrenten nach dem anderen zur Strecke, und
vernachläſſigte darüber nicht ſeine Frau. Als erſtes
Opfer erſah er ſich Gorch Holmquiſt, der ſeit Ewes Tod
ein alter, gebrochener Mann war.. Er verkaufte ihm
den letzten Dampfer, den er draußen laufen hatte.
Diedrich Geſterling vermittelte das Geſchäft. Der er=
kannte
bald, daß Matthias Harms an der richtigen
Stelle ſtand und unterſtützte ihn nach Kräſten mit Ka=
pital
. Die Firma Geſterling u. Ko., der von keiner
Seite mehr die regelmäßige Fahrt ſtreitig gemacht
wurde, konnte ſetzt ihre Reſerven in Tätigkeit ſetzen.
Auch von Harriet lief erfreuliche Zeitung ein. Und die
Eider war längſt unterwegs, um in die alte Linie
einzurücken.
N. 3
Der Frühling kam wieder, und wieder blühten die
beiden hohen Kirſchbäume auf dem Süllberg.
Um dieſe Zeit ſchwamm die Eider im Kanal.
Von Port Said hatte Henning Breckwoldt an ſeine
Mutter geſchrieben, daß er bald nach Hauſe käme. Er
wollte dann ſeine Prüfung machen, um als Steuer=
mann
fahren zu können.

Dieſer Brief fiel Guſchi in die Hände, und ſie
wollte auf der Stelle fort. Vor Henning hätte ſie ſich
in die Erde hinein geſchämt.
Du biſt bei mir im Dienſt! befahl Frau Breck= energiſch. Du mußt bleiben.
Und ich bleibe doch nicht! rief Guſchi eigenſinnig.
Der kleine Karl ſtand zwiſchen den beiden und
ſchaute ſie verwundert an. Dann lief er zu Frau
Breckwoldt hinüber und klammerte ſich an ihre Schürze.
Großmutter! ſprach er ganz deutlich, denn er war
ja ſchon über zwei Jahre alt.
Siehſt Du! triumphierte die Alte und nahm den
Jungen auf den Arm. Der iſt vernünftiger als Du!
Guſchi lief erboſt in die Küche.
Hier ſetzte ſie ſich auf den Stuhl und wiſchte mit
der Schürze über die Augen. Aber ſie waren gar nicht
naß, ſie wurden nur rot davon.
Inzwiſchen ſchwamm die Eider ſchon in der
Nordſee.
Haſt Du Dir’s überlegt? fragte Frau Breckwoldt
am nächſten Mittag.
Morgen geh’ ich! erwiderte Guſchi gereizt.
Und ich ſag’ Dir, Du wirſt nicht gehen! behauptete
Frau Breckwoldt. Du haſt gar keinen Grund, vor ihm
fortzulaufen!
Und ich geh’ doch! rief ſie und ſtampfte mit dem
Fuße auf.
Aber ſie ging nicht.
Frau Breckwoldt, die in ihrem langen Leben noch
niemals krank geweſen war, blieb am nächſten Morgen
im Bett liegen und klagte über den Rücken und über
die linke Seite. Guſchi holte den Doktor. Der machte
ein ernſtes Geſicht und verſchrieb eine Medizin.
Nun mußte Guſchi bleiben, um Frau Breckwoldt
zu pflegen.
(Schluß folgt.)

in allen Preislagen, feinste engl.
Modelle, größte Auswahl (17
J. Donges & Wiest, Grafenstr. 26

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

38 77.

Domerstag, 21. Zul.

1910.

In der Buchandlung des Großh. Statsverlags erſcheint in den nächſten Tagen!
eine Zuſammenſtellung der Vorſchriften über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Die
amtliche Handausgabe enthält die Beſtimmungen des Reichsgeſetzes vom 3. Mai 1909,
insbeſondere über die Haftpflicht und die Strafvorſchriften, ferner die vom Bundesrat
trlaſſenen Verkehrsvorſchriften mit den heſſiſchen Vollzugsvorſchriften und Erläu=
terungen
: es folgen ſodann die Anweiſung über die Prüfung von Kraftfahrzeugen
und die Prüfung von Führern von ſolchen, ſowie die Bekanntmachung über die Be=
ſtellung
von Sachverſtändigen. Ein weiterer Abſchnitt faßt die Beſtimmungen über
den internationalen Verkehr mit Kraftfahrzeugen zuſammen. Schließlich ſind die
Steuervorſchriften des Reichsſtempelgeſetzes mit den Vollzugsbeſtimmungen wieder=
gegeben
. Die amtliche Handausgabe umfaßt ſomit das ganze in Betracht kommende
Material und gibt über alles Wiſſenswerte Aufſchluß. Das Buch iſt für jeden Beſitzer
oder Führer eines Kraftfahrzeuges und für ſolche Perſonen, die ſich als Führer aus=
bilden
wollen, unentbehrlich.
Beſtellungen nehmen die Buchhandlungen jetzt bereits entgegen, der Preis be=
trägt
1,40 Mk. für das Eremplar.

Die Kreis= und Provinzial=Ordnung vom 12. Juni 1874 iſt ſoeben im Großh.
Staatsverlag als amtliche Handausgabe in einer Neuauflage erſchienen. Beſtellungen
nehmen die Buchhandlungen, ſowie der Verlag entgegen, der Preis beträgt 0,70 Mk.
ür das Exemplar.
(14475

Bekanntmachung.
Wir bringen nachſtehend die am 1. Juli 1910 in Kraft getretenen Beſtimmungen
iber die Beſchäftigung von Arbeiterinnen in Meiereien (Molkereien) und Betrieben zur
Steriliſierung von Milch zur Kenntnis der Beteiligten.
(14537
Darmſtadt, den 16. Juli 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung,
betreffend die Beſchäftigung von Arbeiterinnen in Meiereien (Molkereien) und
Betrieben zur Steriliſierung von Milch.
Vom 4. Juni 1910.
Auf Grund der § 139a, § 154 Abſ. 3 der Gewerbeordnung hat der Bundesrat
die nachſtehenden Beſtimmungen über die Beſchäftigung von Arbeiterinnen in den=
fenigen
Meiereien (Molkereien) und Betrieben zur Steriliſierung von Milch, in
welchen in der Regel mindeſtens zehn Arbeiter beſchäftigt werden, oder durch
Slementare Kraft (Dampf, Waſſer, Gas, Luft, Elektrizität uſw.) bewegte Triebwerke
nicht blos vorübergehend zur Verwendung kommen, erlaſſen.
I.
In Meiereien (Molkereien) und Betrieben zur Steriliſierung von Milch dürfen
für die Beſchäftigung von Arbeiterinnen über ſechzehn Jahre die Beſtimmungen im
§ 137 Abf. 1 der Gewerbeordnung und unter Zifſer 5 Abſ. 1 der Bekanntmachung
wom 13. Juli 1900 (Reichs=Geſetzbl. S. 566) mit folgenden Maßgaben außer Anwen=
dung
bleiben:
1. die Arbeitsſtunden müſſen zwiſchen 4 Uhr morgens und 9 Uhr abends liegen;
2. denjenigen Arbeiterinnen, welche abends nach 8 Uhr beſchäftigt werden, iſt
an Stelle der nach § 137 Abſ. 3 der Gewerbeordnung und nach Ziffer 5
Abſ. 3 der Bekanntmachung vom 13. Juli 1900 (Reichs=Geſetzbl. S. 566) zu
gewährenden Pauſe um Mitag eine mindeſtens dreiſtündige Pauſe zu ge=
währen
.
II.
In Meiereien (Molkereien) und Betrieben zur Steriliſierung von Milch, die von
Der unter 1 gewährten Ausnahme Gebrauch machen, muß an einer in die Augen
ffallenden Stelle eine Tafel ausgehängt werden, die in deutlicher Schrift die vorſtehen=
den
Beſtimmungen wiedergibt.
Die Vorſchriften im § 138 Abſ. 2 Satz 2 der Gewerbeordnung und unter Ziffer6
Abſ. 2 der Bekanntmachung vom 13. Juli 1900 (Reichs=Geſetzbl. S. 566) bleiben unberührt.
III.
Die vorſtehenden Beſtimmungen haben für zehn Jahre Giltigkeit. Sie treten
am 1. Juli 1910 in Kraft und an Stelle der durch die Bekanntmachung des Reichs=
kkanzlers
vom 10. Juni 1904 (Reichs=Geſetzbl. S. 217) verkündeten Beſtimmungen.
Berlin, den 4. Juni 1910.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers.
gez.: Delbrück.
Bekanntmachung.
Die nachſtehenden, vom Bundesrat beſchloſſenen münzpolizeilichen Vorſchriften
über die Herſtellung pp. von Medaillen und Marken bringen wir hiermit zur öffent=
llichen
Kenntnis.
Darmſtadt, den 14. Juli 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Auf Grund des § 14 des Münzgeſetzes vom 1. Juni 1909 (Reichs=Geſetzblatt
S. 507) hat der Bundesrat folgende Vorſchriften erlaſſen:
§ 1. Medaillen und Marken (Reklame=, Rabatt=, Spiel=, Speiſe= und ſonſtige
Wertmarken) dürfen nicht das Bildnis des Kaiſers oder eines Bundesfürſten in der
tauf den Reichsmünzen befindlichen Geſtaltung tragen oder mit einer auf dem Rande
befindlichen Schrift verſehen ſein. Auch dürfen ſie nicht die Bezeichnung einer im
Deutſchen Reiche geltenden Münzgattung oder die Angabe eines Geldwertes enthalten.
Von dem Verbot im Abſ. 1 Saßz 1 iſt das auf Denkmünzen etwa in abweichender
Geſtaltung angebrachte Bildnis des Kaiſers oder eines Bundesfürſten ausgenommen.
Unter das Verbot der Randſchrift (Abſ. 1 Satz 1) fällt nicht die Anbringung
eines Stempelzeichens. des Namens, der Firma des Herſtellers oder bei Preismedaillen
die Anbringung des Namens des Preisträgers.
§ 2. Marken (§ 1) dürfen nicht mit einem Durchmeſſer von mehr als 20 bis ein=
ſchließlich
2 Millimeter hergeſtellt werden. Dies gilt auch für Medailien aus unedlem
Metalle, die zu geringen Preiſen für den Maſſenabſatz angefertigt werden.
§ 3. Medaillen und Marken von ovaler, oder von drei= bis achteckiger Form
werden von der Vorſchrift im § 2 nicht berührt. Dieſe Medaillen und Marken, ſowie
die Medaillen und Marken mit einem Durchmeſſer von wenigſtens 41 Millimeter ſind
von dem Verbot im § 1 Satz 1 ausgenommen.
§ 4. Die in den §§ 1 und 2 enthaltenen Beſchränkungen finden keine Anwendung
auf ſolche Medaillen und Marken, die für das Ausland hergeſtellt und unmittelbar
ausgeführt werden.
§ 5. Es iſt verboten, Münzen, die auf Grund der Reichsmünzgeſetze vom Bundesrat
außer Kurs geſetzt ſind, nachzumachen und ſolche nachgemachten Münzen in den Verkehr
zu bringen oder ſonſt zu vertreiben, ſofern dieſe nicht vermittels einer feſten metalliſchen
Verbindung Beſtandteile anderer Gegenſtände bilden.
§ 6. Wer gewohnheits= oder gewerbsmäßig obigen Vorſchriften zuwider Medaille
oder Marken herſtellt, feilhält, verkauft oder zu geſchäftlichen Zwecken in Gebrauch hält,
oder dem Verbote des § 5 zuwider Nachahmungen von ſolchen Münzen, die auf Grund
der Reichsmünzgeſetze vom Bundesrat außer Kurs geſetzt ſind, in den Verkehr bringt
oder ſonſt vertreibt, wird, ſofern nicht nach anderen Beſtimmungen eine ſchwerere
Strafe verwirkt iſt, mit Geldſtrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bis zu 6 Wochen
beſtraft.
§ 7. Die vorſtehenden Beſtimmungen treten mit dem 1. April 1912 in Kraft.
Berlin, den 23. Juni 1910.
Der Reichskanzler
(14476
J. V.: Wermuth.

Bekanntmachung.
Wegen eingelaufener Beſchwerden machen wir auf Folgendes aufmerkſam:
Nach § 12 Abſ. 2 der Radfahr=Verordnung vom 6. Mai 1907 iſt das Radfahren
auf Fußwegen außerhalb der Ortſchaften nur geſtattet, wenn die Radfahrer den Fuß=
gängern
in angemeſſener Entfernung ausweichen und den Fußweg freimachen können.
Da dieſen beiden Vorausſetzungen auf dem Fußpfad nach Traiſa (vom Schnittpunkt
der Schießhaus= und Nieder=Ramſtädter Straße an) von den Radfahrern nicht ent=
ſprochen
werden kann, ſo iſt auf Grund von § 12 Abſ. 2 der genannten Verordnung
das Radfahren auf dieſem Fußwege, dem ſog. Traiſaer Pfad, verboten.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldſtrafe bis zu 60 Mk. oder mit Haft bis zu
14 Tagen beſtraft.
Die Polizeiorgane ſind angewieſen, jede Zuwiderhandlung zur Anzeige zu bringen.
Darmſtadt, den 25. Juni 1910.
(13092a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(B107
Bekannt machung.
Nachſtehend bringen wir die Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=
übungsplatz
für die Zeit vom 5. bis 25. Juli ds. Js. zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 28. Juni 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungsplatz Darmſtudt
für die Zeit vom 5. bis 25. Juli 1910.

Datum Tag Truppenteil Da
der Abſt
von auer
ſperrung
bis Die Abſperrung
erſtreckt ſich
22.
23.
25. L
Freitag
Sonnabend
Montag Feldartillerie 73 W. Ueber das ganze
Abſperrgelände

zekanntmachung.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig=
freiwilligen
Militärdienſt im Herbſt 1910.
Diejenigen jungen Leute, welche beabſichtigen, ſich der im Herbſt 1910 ſtatt=
findenden
rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre desfallſigen
Geſuche um Zulaſſung bei Meidung des Ausſchluſſes von dieſer Prüfung
ſpäteſtens bis zum 1. Auguſt 1910
bei der unterzeichneten Kommiſſion einzureichen.
Hinſichtlich der Anbringung der Geſuche wird im Speziellen das Folgende
bemerkt:
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen, wenn der ſich Meldende im Großherzogtum Heſſen ſeinen
dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulaſſung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr
erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein. Auch
erſcheint es zweckdienlich, wenn ſtets die nähere Adreſſe angegeben wird.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtands=Regiſter, nicht Taufſchein).
b) Die Einwilligung des geſetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für
die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unterhalts, mit Einſchluß
der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und Wohnung, von dem Bewerber
getragen werden ſollen; ſtatt dieſer Erklärung genügt die Erklärung des
geſetzlichen Vertreters oder eines Dritten, daß er ſich dem Bewerber gegen=
über
zur Tragung der bezeichneten Koſten verpflichte und daß, ſoweit die
Koſten von der Miltärverwaltung beſtritten werden, er ſich dieſer gegen=
über
für die Erſatzpflicht des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
Die Unterſchrift des geſetzlichen Vertreters und des Dritten ſowie die
Fähigkeit des Verwerbers, des geſetzlichen Vertreters oder des Dritten zur
Beſtreitung der Koſten iſt obrigkeitlich zu beſcheinigen. Uebernimmt der
geſetzliche Vertreter oder der Dritte die in vorſtehendem Abſaßze bezeichneten
Verbindlichkeiten, ſo bedarf ſeine Erlärung, ſofern er nicht ſchon kraſt des
Geſetzes zur Gewährung des Unterhalts verpflichtet iſt, der gerichtlichen oder
notariellen Beurkundung.
c) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches von der Polizei=Obrigkeit, oder
der vorgeſetzten Dienſtbehörde auszuſtellen iſt.
d) Ein ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf.
5. In dem Geſuche iſt ferner anzugeben:
a) In welchen zwei fremden Sprachen (wahlweiſe von Franzöſiſch, Engliſch,
Lateiniſch und Griechiſch und an Stelle des Engliſchen Ruſiſch) der ſich
Meldende geprüſt ſein will.
b) Ob, wie oft und wo der ſich Meldende ſich der Prüfung vor einer Prüfungs=
Kommiſion bereits unterzogen hat
6. Iſt bereits früher ein Geſuch um Zulaſſung zur Prüfung eingereicht worden,
ſo bleibt dem erneuten Geſuche nur ein Unbeſcholtenheitszeugnis bei=
zulegen
.
7. Es iſt nur zweimalige Teilnahme an der Prüfung geſtattet, eine dritte
Zulaſſung könnte ausnahmsweiſe von der Erſatzbehörde 3. Inſtanz genehmigt
werden.
Im weiteren weiſen wir darauf hin daß Geſuche um Zulaſſung zu einer
ſpäteren, als der im Frühjahr des I. Militärpflichtjahres d. i. des Jahres, in
welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird ſtattfindenden Prüfung, der Genehmigung
der Erſatzbehörde 3. Inſtanz bedürfen und bei den Erſatz=Kommiſſionen des Aufenthalts=
orts
, nicht bei uns, einzureichen ſind, welche die Geſuche der Erſatzbehörde 3. Inſtanz
vorlegen werden.
*Da die Erledigung derartiger Geſuche eine längere Zeit beanſprucht, ſo empfiehlt
ſich im Intereſſe der Nachſuchenden, mit Einreichung derſelben nicht bis zum äußerſten
Termin zu warten, ſondern dieſelben alsbald anhängig zu machen, andernfalls unter
Umſtänden eine Zulaſſung zur bevorſtehenden Prüfung nicht mehr möglich iſt.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden geſtellt werden, gibt die
Prüfungs=Ordnung (Anl. 2 zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901) Aufſchluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, ſowie des Lokals, in welchem die Prüfung
ſtattfindet, erfolgt weitere Bekanntmachung, oder es ergeht beſondere Ladung zur
Prüfung.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Großherzogliche Prüfungskommiſſion für Einjährig=Freiwillige.

Der Vorſitzende:
von Werner, Regierungsrat.

(12457a

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 4 Pinſcher, 1 Foxterrier, 2 Boxer.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Die Schutzmannſchaft iſt zur Ueberwachung angewieſen und wird namentlich
gegen das die Fußgänger in hohem Grade gefährdende Abwärtsfahren der Kinder
mit Sportwagen u. dergl. auf den Fußſteigen ſteiler Straßen einſchreiten.
(14448md
Darmſtadt, den 16. Juli 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
* Dr. Kranzbühler.

Bekanntmachung.
Im Intereſſe des ungehinderten Fußgängerverkehrs auf den Fußſteigen iſt
das Befahren der Fußſteige mit Fuhrwerken jeder Art (auch Handwageu) bei
Strafe verboten. Ausgenommen von dieſem Verbote iſt, ſoweit hierdurch der Fuß=
gängerverkehr
nicht gehindert wird, die Beförderung von Kindern in Kinderwagen und
von Kranken in Krankenwagen (Fahrſtühlen, jedenfalls dürfen niemals 2 Kinder=
oder
Krankenwagen gleichzeitig nebeneinander auf dem Fußſteig aufgeſtellt oder

fortbewegt werden.

Patenterwirkungen

raſch und billig. Reelle Bedienung. Beſte
(12850a

Referenzen
Johann Weber
Darmstadt, Liebigstrasse 6, II.

billigſt Wilh.
Porzellanklil Kirchſtraße 5.

Castan,
(4723a

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Tiſche, Stühle, Waſchkommode, Roß=
haarmatratze
, 3t. uſw., umzugsh. zu ver=
kaufen
Grafenſtraße 4, part. (*1778a

Kollſchutzwand, noch faſt neu, 1,75X1.60.
Rwegen Mangel an Platz billig abzugeben
Wienersſtraße 80, 1. Stock.
*17787)

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

Nummer 168.

Polizeiverordnung
für die Stadt Darmſtadt, die Beaufſichtigung der Hunde betreffend.
Auf Grund des Artikels 56 Abſatz 2 Ziffer 1 des Geſetzes, betreffend die Städte=
ordnung
für das Großherzogtum Heſſen, vom 13. Juni 1874 wird nach Anhörung der
Stadtverordneten=Verſammlung der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Ge=
nehmigung
des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 16. März 1909, zu
Nr. M. d. J. II 1247, die nachſtehende Polizeiverordnung für den Gemeindebezirk
Darmſtadt erlaſſen:
Innerhalb der Stadt müſſen auf öffentlichen Straßen und Plätzen, ſowie an
Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen,
1. biſſige Hunde mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb verſehen ſein und
an einer kurzen Leine geführt werden,
2. Hunde der nachſtehenden Raſſen:
a) Bernhardiker,
b) Neufundländer,
c) Leonberger,
d) Doggen (Deutſche, Ulmer, Däniſche und Bulldoggen),
e) Barſoys (große ruſſiſche Windhunde),
k) Maſtiffs
und alle aus Kreuzungen dieſer Raſſen hervorgegangenen Hunde an einer kurzen
Leine geführt werden.
Alle Hunde ſind an der Leine zu führen:
1. in den dem Publikum geöffneten Großherzoglichen Hofgärten,
2. in der neuen Anlage weſtlich der Main=Neckar=Bahn,
3. auf den Bahnſteigen der Bahnhöfe,
4. in Wirtſchaften und Wirtsgärten.
§ 3.
Die Begleiter von Hunden haben dafür Sorge zu tragen, daß dieſe in den
öffentlichen Anlagen, in denen ſich Raſenplätze, Blumenbeete oder Gebüſchanpflanzungen
befinden, nicht außerhalb der Wege umherlaufen.
§ 4
Außerhalb der Stadt müſſen alle biſſigen Hunde mit einem das Beißen verhin=
dernden
Maulkorb verſehen ſein.
§ 5.
Kranke Hunde und läufige Hündinnen müſſen auf der Straße und an Orten,
wo Menſchen zu verkehren pflegen, ſtets an der Leine geführt werden.
Mit anſteckender Krankheit, insbeſondere Hautkrankheit behaftete Hunde müſſen
zu Hauſe eingehalten werden.
§ 6.
Es iſt verboten, zur Nachtzeit, d. h. in der Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr
morgens, Hunde ohne Aufſicht auf der Straße frei umher laufen zu laſſen.
8
Das Mitbringen von Hunden auf Friedhöfe, den Wochenmarkt und die Meſſe,
ſowie in öffentliche Dienſtgebäude, in die Badehäuſer oder an die Badeplätze des Woogs,
zu öffentlichen Feierlichkeiten und in Räume, in denen Nahrungs= oder Genußmittel
feilgeboten werden, iſt verboten.
§ 8.
Die Beſitzer und Begleiter von Hunden haben die erforderlichen Maßregeln zu
treffen, damit die Ruhe nicht durch andauerndes Gebell oder Geheul ihrer Hunde ge=
ſtört
wird, und insbeſondere das Anbellen von Perſonen, Zug= und Reittieren durch
ihre Hunde zu verhindern.
8.
Das Polizeiamt kann den Aufenthalt bösartiger, biſſiger und kranker Hunde auf
öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ganz verbieten.
§ 10.
Für jeden Hund, der in das nach § 1 der Verordnung vom 4. November 1899,
die Hundeſteuer betreffend, von der Großh. Bürgermeiſterei zu führende Hunde=
regiſter
eingetragen iſt, erhält der Beſitzer des Hundes eine Blechmarke mit einer
Nummer, die der Hund, ſolange er ſich außerhalb eines Hauſes, geſchloſſenen Grund=
ſtücks
oder ſonſtigen umſchloſſenen Raumes befindet, ſtets am Halsband zu tragen hat.
§ 11.
Wer den vorſtehenden Beſtimmungen zuwiderhandelt oder die ihm darin auf=
erlegten
Verbindlichkeiten nicht erfüllt, wird, inſoweit nicht andere Strafbeſtimmungen
zur Anwendung zu kommen haben, auf Antrag des Großh. Polizeiamts mit Geldſtrafe
bis zu 30 Mark beſtraft.
§ 12.
Die Polizeibehörde hat ferner das Recht, alle Hunde, die entgegen den Beſtim=
mungen
dieſer Polizeiverordnung nicht angeleint oder nicht mit einem das Beißen ver=
hindernden
Maulkorb oder nicht mit der in § 10 vorgeſchriebenen Blechmarke verſehen
ſind, durch den Hundefänger einfangen zu laſſen, falls der Beſitzer nicht zur Stelle iſt
und den Hund in Gewahrſam nimmt.
Desgleichen können alle Hunde eingefangen werden, die an den in § 7 genannten
Orten, in öffentlichen Anlagen außerhalb der Wege oder zur Nachtzeit ohne Aufſicht
frei umherlaufen.
§ 13.
Die eingefangenen Hunde werden in Verwahrung und Pflege genommen und
5 Tage lang zur Auslöſung durch den Beſitzer bereit gehalten.
Die Herausgabe erfolgt an die Perſonen, die ſich als empfangsberechtigt aus=
weiſen
, gegen Erſtattung des Betrags, der von dem Polizeiamt als Entſchädigung für
die durch das Einfangen und die Verpflegung der Hunde der Polizeikaſſe erwachſenen
baren Auslagen feſtgeſetzt wird.
Hunde, welche die in § 10 vorgeſchriebene Blechmarke mit Nummer tragen, ſind
den Eigentümern innerhalb 24 Stunden nach dem Einfangen gegen Erſtattung einer
beſonderen Gebühr in Höhe von 50 Pfennig zuzuführen.
Hunde, die innerhalb der 5tägigen Friſt nicht ausgelöſt ſind, werden entweder
zu Gunſten der Polizeikaſſe veräußert oder getötet.
§ 14.
Durch die Beſtimmungen des § 12 wird das wegen Uebertretung der Vorſchriften
dieſer oder der in § 10 erwähnten Verordnung einzuleitende Strafverfahren nicht berührt.
§ 15.
Die Polizeiverordnung vom 4. Auguſt 1891, die Beaufſichtigung der Hunde be=
treffend
, wird aufgehoben.
Die Polizeiverordnung für den Kreis Darmſtadt vom 9. Auguſt 1882, das Fahren
mit Hunden betreffend, wird durch die Vorſchriften dieſer Polizeiverordnung nicht berührt.
§ 16.
Dieſe Polizeiverordnung tritt am 15. April 1909 in Kraft.
Darmſtadt, den 24. März 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
(14447md

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Darmſtadt, den 20. Juli 1910.
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Depositenkasse Wilhelminenstrasse 14.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniss, dass wir in
unserem
feuer= und diebessicheren Gewölbe
neben der bereits länger bestehenden Einrichtung grösserer Stahlkammern
neue Sparkassen-Safes
kleineren Rauminhaltes aufgestellt haben. Diese Safes eignen sich be-
sonders
zur Aufbewahrung von Schmuck- und anderen Wertgegenständen
geringeren Umfanges, sowie von Sparbüchern, Policen etc. etc.
Der Mietpreis eines Sparkassen-Safes beträgt
Mk. 5. pro Jahr.
Wir bitten um Besichtigung unserer Stahlkammeranlagen in den
Geschäftsstunden von 8½12½ vormittags und von 35½ Uhr nach-
mittags
(Samstag nachmittags von 2½3½ Uhr).
(14209P
Bank für Handel und Industrie, Darmstadt
Depositenkasse, Wilhelminenstrasse 14.

Mvat-handeisschute Darmstadt
Gegründet 1899. Leiter: Oskar Dierker, Mathildenplatz 7.
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Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

Seite 13.

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[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21, Juli 1910.

Nummer 168.

Schwedenfahrt.

Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
IV.
Zwiſchen dem Mittſommerfeſt am lieblichen Sil=
janſee
und dem Anblick der Mitternachtsſonne bei
Gellivare lagen verſchiedene Tage mit ſtets wechſelu=
den
großen Eindrücken. Man darf nicht vergeſſen, daß
Schweden an Umfang Deutſchland faſt gleichkommt,
aber von nur 6½ Millionen Menſchen bewohnt wird.
Die größeren Städte ſind an den Fingern herzuzäh=
len
, oft durch weite Entfernungen getrennt liegen
Dörfer und Ortſchaften. Deſto auffallender iſt der
hohe Kulturſtand der Nation, das geſittete Benehmen
aller Bevölkerungskreiſe, das Fehlen jeglicher Bettelei
und Beläſtigung irgendwelcher Art. Wie ungemein
wohl tut das, wenn man ſich in anderen Touriſten=
ländern
umgeſehen, in denen man den Reiſenden nur
als Zitrone, die gehörig ausgepreßt werden muß, be=
trachtet
. Die feſtbegrenzten Preiſe in den Hotels ſind
überall beſcheiden, von einer Uebervorteilung ver=
nimmt
man nichts, das Gebotene iſt meiſt überreich
und vorzüglich, die Eiſenbahnen ſind vortrefflich ein=
gerichtet
und die Fahrpreiſe durch den Zonentarif, be=
ſonders
bei längeren Entfernungen, ſehr billige. Ein
Beiſpiel für viele. Man fährt, Dalekarlien und Norr=
land
durchquerend, von Stockholm nach Bispgarden
(608 Kilometer) mit der Bahn, koſtet 2. Klaſſe 18 Kro=
nen
zirka 20 Mark von dort mit dem Wagen
durch herrliche, unüberſehbare Waldungen nach Uta=
nede
und von hier auf dem ſchäumenden Indaſelf
durch eine große und romantiſche Landſchaft, die viel=
fach
an die der unteren Donau erinnert, nach Sunds=
väll
, an den blauen Oſtſeefluten gelegen. Der Preis
für dieſe außerordentlich lohnende Tagestour von
Utanede inkluſive Gefährt und Schiff beträgt 7 Kro=
nen
. Auch nach Lappland, dem Reiche der Mitter=
nachtsſonne
, iſt von Stockholm der Ausflug billig und
bequem zu ermöglichen, mittels des dreimal wöchent=
lich
verkehrenden, eleganten Schlaf= und Speiſewagen
führenden Lappland=Expreßzuges. Das Billett bis
nach Narvik, der nördlichſten europäiſchen Eiſenbahn=
ſtation
, von der man leicht Tromsk und das Nordkap
erreichen kann, koſtet (für 1581 Kilometer) 2. Klaſſe
41 Kronen und 5 Kronen für Schlafwagen, die Pen=
ſion
in den ſauberen, anheimelnden Touriſten=Hotels
pro Tag 6 bis 7 Kronen, nie wird dort verlangt, daß
man Wein oder Bier beſtellt, ſonſtiger Alkohol iſt
verpönt, wie auch in den Speiſewagen des Expreß=
zuges
.‟‟)
Was zu allem kommt, iſt für uns Deutſche das
Gefühl der Zuſammengehörigkeit mit
dem gleichen germaniſchen Urſprung aufweiſenden
ſchwediſchen Volke, das von derſelben Empfindung be=
ſeelt
iſt. Dies Bewußtſein trägt viel zur eigenen Be=
haglichkeit
und zum Verſtändnis für Sitten und Ge=

*) Eingehende Auskünfte erteilt das Schwediſche
Reiſebureau, Berlin W., Unter den Linden 22.

bräuche, Kultur und Geiſtesleben bei. Nirgends, auch
in den fernſten Winkeln nicht, wird man ſich verein=
ſamt
fühlen, allerorten kann man ſich ſeiner Mutter=
ſprache
bedienen, ſteht doch im Unterrichtsplan der
ſchwediſchen Schulen, von den Volksſchulen abgeſehen,
die deutſche Sprache mit obenan.
Wie ſympathiſch berührte uns von der erſten bis
zur letzten Stunde unſeres Aufenthaltes auf ſchwedi=
ſchem
Boden die alle Klaſſen durchdringende Wür=
digung
des Deutſchtums. In vielen Zügen
zeigt ſie ſich aufs rührendſte, von jenem Augenblick an,
wo uns während unſerer Dampferfahrt nach Salsjö=
baden
junge Damen Blumenſträußchen in den ſchwe=
diſchen
Farben zum Willkommen überreicht, bis
zum Abſchied im Hotel Bellevue an den brandenden
Trollhättan=Fällen, wo der aufmerkſame Wirt die
Tiſche mit prächtigen Blumenbeeten in den deutſchen
Farben geſchmückt und jedem von uns als Erinner=
ungsgabe
einen Becher mit gleichem duftenden Gruße
geſpendet, ſich beſcheiden allem Danke entziehend. Und=
jeder
der dazwiſchen liegenden zwölf Tage bot gleiche
Aufmerkſamkeiten. Auf einer Waldlichtung nahe dem
obengenannten Utanede war aus würzigem Grün
ein Triumphbogen errichtet und feſtlich gekleidete
Kinder ſtreuten und warfen Blumen, von fernher
waren die Leute herbeigeeilt, grüßend Tücher und
Hüte ſchwenkend. Um uns zu zeigen, wie auf einer
mehrere hundert Meter hohen Holzbahn die im Ge=
birge
gefällten Baumſtämme in den Fluß geſchlendert
werden, in dieſen wie Granaten einſchlagend und
mächtig ſprühende Waſſerſäulen emporwirbelnd, hatten
die Arbeiter während mehrerer Stunden ihre Sonn=
tagsruhe
unterbrochen, auf eine vorangegangene An=
frage
erwidernd: Für die deutſchen Freunde tun wir
es gern! Und ebenſo freudig hatten ſich, da die
Mägde auf Mittſommerurlaub waren, die Töchter be=
güterter
Familien nahe der am Indaſelf gelegenen
Ortſchaft Gliman bereit erklärt, die Bedienung bei
einem uns in laubumhülltem Zelte gegebenen Früh=
ſtück
zu übernehmen und hantierten in ihren male=
riſchen
Trachten mit reizender Geſchäftigkeit umher.
Als wir ins Sundsvall landeten, harrten Tauſende
von Menſchen unſerer Ankunft und brachen, nachdem
die Militärkapelle die Wacht am Rhein geſpielt, in
brauſende Hurrarufe aus, und ähnlich war’s im meer=
umrauſchten
Hörneſand. Deutſche Fahnen flatterten
überall, in den entlegenſten Waldhäuſern waren die
deutſchen Wimpel gehißt, ſelbſt die Pferdchen der flin=
ken
Kariols im Innern des Landes trugen die ſchwarz=
weiß
=roten Farben als Zier am klirrenden Geſchirr.
All’ das und vieles andere an Bewillkommnungen,
Reden, feſtlichen Veranſtaltungen, feierlichen und
ungezwungenen Ehrungen galt natürlich nicht den
zweiundzwanzig deutſchen Redakteuren und Schrift=
ſtellern
, ſondern entſprang eben jener Achtung des
Deutſchtums im allgemeinen, jenen freundſchaftlichen
Empfindungen für unſer Vaterland, dem Schweden ja
wichtige Einflüſſe verdankt. Das wollte man zum
Ausdruck bringen und dadurch erhielt dieſe literariſche
Fahrt eine gewiſſe politiſch=wirtſchaftliche Bedeutung,
die, da letztere keineswegs geplant war und ſich

ganz von ſelbſt ergab, nur von günſtiger Wirkung ſein
kann.
Die Aufnahme, die wir überall auf ſchwediſchem
Boden gefunden, läßt aber auch einen Rückſchluß auf
die Bewertung der Preſſe im eigenen Lande=
zu
, und man darf ehrlich eingeſtehen, daß es ſehr we=
nige
Länder gibt, die ſich einer ſo guten, umſichtigen,
raſch und ſorgſam arbeitenden wie gut geleiteten
Preſſe erfreuen, wie Schweden. Selbſt die in kleinen
Städten erſcheinenden Zeitungen genügen ſehr weit=
geſtellten
Anſprüchen, die großen Blätter in Stockholm
und Göteborg überraſchten durch ihre Schnelligkeit,
Sicherheit, ihr Verſtändnis für alle politiſchen und
wirtſchaftlichen Fragen des Auslandes, ſogar unſerer
leitenden Generale deutſcher Weltblätter.
Donnerwetter, leitender General das kklingt
doch für unſer Ohr, an das dieſe Betitelung des öfteren
ſchlug, ganz famos! Ob aber zweiundzwanzig richtige
leitende Generale ſo friedlich und gemütlich ausge=
kommen
wären, wie wir Journaliſten während un=
ſerer
zweiwöchentlichen Nomadenfahrt, in der wir 6000
Kilometer mit der Eiſenbahn zurücklegten und von
fünfzehn Nächten elf im Zuge verbrachten? Und
unter uns alle Parteiſchattierungen wie Volksſtämme
vertreten! Dabei auch nicht der leiſeſte Mißton, kein
Aergernis, kein Hervordrängen, kein Beanſpruchen
von Sonderrechten, eine harmoniſche Stimmung von
Anfang bis zu Ende. Unſer von uns gewählter treff=
licher
Obmann Georg Schweitzer, der ſich um das
Ganze die weſentlichſten Verdienſte erworben, konnte
mit uns zufrieden ſein. Ebenſo freundſchaftlich wie das
Verhältnis untereinander war jenes zu den uns be=
gleitenden
ſchwediſchen Kollegen, die mit nimmer=
müder
Sorgfalt um uns bedacht waren, von früh bis
ſpät und von ſpät bis früh. Sie kannten keine Er=
mattung
, in immer erneuten Aufmerkſamkeiten ſuch=
ten
ſie ſich zu überbieten, dieſe hochgebildeten, feine
ſinnigen Kameraden, ſtets beſtrebt, uns über alles
Aufſchluß zu geben, was ihr Vaterland in Nord und
Süd, in Oſt und Weſt betraf. Dann hatten wir aber
noch einen anderen Gefährten mit, der uns alle Stra=
pazen
und es fehlte nicht an ihnen fröhlich er=
tragen
ließ: Freund Humor! Er war immer bei uns,
in allen Situationen, aus jeder derſelben friſche
Lebenskraft ſchöpfend, manche Stunden vergoldend
und verkürzend.
Aber auch er ſchaltete aus, wenn es an die Arbeit
ging. Und es wurde viel gearbeitet. Sei es, daß wir
uns in einem der drei behaglichen Salonwagen unſe=
res
Zuges zu einem Privatiſſimum um unſeren ge=
lehrten
Reichsantiquar Profeſſor Montelius ſcharten,
ſeinen lichtvollen Ausführungen über Sonnenkultus,
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ſchenſagen
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Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. Juli 1910.

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