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monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
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ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße a7.
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
„ 151.
Freitag, den 1. Juli.
1910.
Die heutige Nummer hat 24 Seiten.
Die nächſten Reichstagswahlen.
lei Aus Berlin wird uns geſchrieben: Ob im
Som=
mer, im Früh= oder Spätherbſt 1911, ob erſt im Januar
1912 das Land von einem der intereſſanteſten Wahlkämpfe
zerfleiſcht werden wird, kann man heute noch nicht ſagen.
Intereſſant hauptſächlich deshalb, weil ein ſo
komplizier=
tes Wechſelſpiel der Kräfte in Erſcheinung treten wird
wie kaum je zuvor. Der alte Bülowblock iſt zertrümmert.
Der „ſchwarz=blaue” Block hat eine Mißſtimmung
im Lande erzeugt, die in irgend einer Weiſe ſtärker oder
ſchärfer zum Ausdruck kommen muß. Bis weit in die
Reihen der konſervativen Wählerſchaft iſt man „
radikali=
ſiert”. Oletzko=Lyck=Johannisburg war ein deutliches
Sturmzeichen, wenn auch eine Schwalbe noch keinen
Sommer macht und es mehr als voreilig wäre, die
kon=
ſeryativen Hochburgen des Oſtens bereits rauchen zu
ſehen. Aber man hat zu große Flächen zu verteidigen auf
konſervativer Seite, man iſt dieſer Arbeit zu ungewohnt,
man hat keine genügende Preſſe im Oſten, und zum erſten
Male werden Hanſabund und Bauernbund mit viel Geld
und guten Worten auf dem Plan erſcheinen. Auch der
amtliche Hilfsapparat ſtellt ſich heute nicht mehr mit ſo
naiver Selbſtverſtändlichkeit zur Verfügung.
Von den etwa 40 Sitzen, die dank der
Blockzertrüm=
merung durch die Konſervativen als Zuwachs der
So=
zialdemokratie zu buchen ſein werden, mag man,
ohne aus dem Kaffeegrund zu wahrſagen, der geſamten
Rechten faſt die Hälfte als Minus verzeichnen. Die
Reichspartei mag dabei am günſtigſten abſchneiden,
während die antiſemitiſchen Parteien wenig
Ausſichten haben. Die Reformpartei kann, zumal nach
Zimmermanns Tode, vielleicht gar bis auf einen
ſäch=
ſiſchen Sitz verſchwinden, während die wirtſchaftliche
Vereinigung lediglich mit Hilfe des Bundes der
Landwirte und des Zentrums auf ihren Beſtand kommen
könnte.
Die geeinigte fortſchrittliche Volkspartei
hat trotz ihrer verhältnismäßig konſequenten Haltung und
klaren Ziele die denkbar ſchlechteſten Ausſichten. Sie
dürfte ihre Großſtadtmandate an die Sozialdemokratie
abgeben und dafür doch nur ganz vereinzelten Erſatz auf
Koſten der Konſervativen finden. Günſtigere= Poſition
könnte ſie wohl nur erlangen, wenn ſich das Schlagwort:
„Das Reichstagswahlrecht iſt in Gefahr!” ernſthaft
durch=
ſetzen oder ein Wahlblock der Linken in der Geſtalt
zu=
ſtande kommen ſollte, daß eine gewiſſe gegenſeitige
Man=
datsgarantierung einträte. Dazu wird aber
begreiflicher=
weiſe die Sozialdemokratie verzweifelt wenig Luſt
ver=
ſpüren.
Naturgemäß werden wohl die meiſten Wahlabreden
lokalen Charakter tragen, wenn es auch klar iſt, daß die
Nationalliberalen überwiegend ihren Anſchluß
nach links ſuchen werden. Leider iſt, auch wenn über die
Erbitterung der Gegenwart noch viele Gräſer wachſen
ſoll=
ten, an eine Wiederaufnahme der alten Blocktendenzen für
dieſes Mal kaum zu denken. Die Gegenſätze müſſen noch
ſchärfer aufeinanderplatzen, bevor die nationalen
Par=
teien zu dieſer allein vernünftigen Gefechtsform
zurück=
kehren. Der Block von Bebel bis Baſſermann hat,
we=
nigſtens als Wahlverabredung, größere Wirklichkeitswerte
gewonnen als je zuvor. Es iſt anzunehmen, daß die
Sozialdemokratie in taktiſcher Klugheit keinen allzu hohen
Preis fordern wird. Die Frage: inwieweit und in welchen
Formen werden die Nationalliberalen mit der
Sozial=
demokratie zuſammengehen? ſtellt ſich als die intereſſanteſte
des kommenden Wahlkampfes heraus. Selbſt wenn die
Na=
tionalliberalen keine oder nur geringe Zugeſtändniſſe
machten, würden ihnen dieſes Mal wohl die
ſozialdemo=
kratiſchen Stimmen ziemlich geſchloſſen gegen das
Zen=
trum zufallen. Man würde dann alſo zum erſten Male
damit zu rechnen haben, daß das Zentrum wirkliche
Verluſte erlitte. Die Nationalliberalen dürften Leipzig
und einige andere Sitze verlieren. Zumal in Hannover
könnten ſie vielleicht den kürzeren gegen den Bund der
Landwirte ziehen, der dort auch dieſem oder jenem Welfen
wieder ans Licht verhelfen möchte. Da ſie umgekehrt aller
Vorausſetzung nach im Oſten von den Konſervativen
Neu=
land erobern und im Weſten mit ſozialdemokratiſcher Hilfe
zu einem Plus kommen werden, würden ſie wohl
unge=
fähr in der alten Stärke aufmarſchieren.
Eine weſentliche Veränderung der Stärke des
Polen=
tums iſt ſchwerlich zu erwarten,
Der Gedanke einer wirklich gewählten Mehrheit von
Bebel bis Baſſermann wird kaum in Erfüllung gehen.
Wohl aber könnte dieſer Block einſchließlich der
Reichs=
partei zu einer „Kulturmehrheit” gegen Konſervative,
Zentrum, Antiſemiten und Polen anwachſen.
Die antiklerikale Bewegung in Spanien.
* Nachrichten aus Madrid zufolge nimmt die
Agi=
tation gegen das klerikale Regiment in
Spanien immer leidenſchaftlichere Formen an, ſodaß es
ſich gegenwärtig nicht abſehen läßt, wohin dieſe
Bewe=
gung noch führen wird. Die gegneriſchen Parteien ſtehen
einander haßerfüllt gegenüber, und die Madrider Blätter
bringen eine ganze Menge von Meldungen über kleinere
und größere Zuſammenſtöße zwiſchen den Klerikalen und
Antiklerikalen. In Bilbao kam es wieder zu einer
Stra=
ßenſchlacht, die durch die Kundgebungen der Carliſten vor
dem Palaſte des Zivilgouverneurs hervorgerufen wurde.
Viel Aufſehen macht der Aufruf des republikaniſchen
Schriftſtellers Perez Galdos, der die Republikaner,
Libera=
len und Sozialdemokraten auffordert, am nächſten
Sonn=
tag gemeinſame Straßenkundgebungen zu
ver=
anſtalten. Die Deputierten dieſer Parteien ſollen ſich an
die Spitze der Kundgebungen ſtellen, die in allen größeren
ſpaniſchen Städten erfolgen werden. Man ſieht daher
die=
ſem Sonntag mit großer Beſorgnis entgegen, weil die
beabſichtigten Demonſtrationen ſicher nicht ohne
Blutver=
gießen abgehen werden.
Inzwiſchen hat der Klerus eine ſchätzenswerte
Un=
terſtützung durch die Damen der hohen
Ariſto=
kratie erhalten. Ueber ihren Proteſtgang zum
Mini=
ſterpräſidenten Canalejas geht der Täglichen Rundſchau
von ihrem Madrider Vertreter noch folgende eingehende
Schilderung zu:
Nachdem die Damen der hohen Ariſtokratſe, wie
ſchon berichtet wurde, ſich an den König, ſeine
Gemah=
lin und ſeine Mutter gewandt hatten, ſind ſie jetzt (25.
Juni) auch bei dem Miniſterpräſidenten vorſtellig
geworden. Ihre letzten Inſtruktionen empfingen ſie im
Jeſuitenkloſter und fuhren von dort — es waren 36
Da=
men — in eleganten Wagen und Automobilen bei
Cana=
lejas vor, der ſie durch junge galante Diplomaten in
ſei=
nen Empfangsfaal führen ließ. Der höflichen Begrüßung
ſeitens des Miniſterpräſidenten antworteten die duftenden
Damen mit eiſiger Kälte. Dann ergriff die Marqueſa de
Viamanuel das Wort, um im Namen von 200 000
ſpani=
ſchen Frauen aller Bevölkerungsſchichten gegen die
gott=
loſe, religionsfeindliche und
kirchenſchän=
deriſche Politik der Regierung zu proteſtieren
und dieſe eindringlich zu warnen, den eingeſchlagenen Weg
weiter zu wandein; bleibe ihre Warnung undeachtet, ſo
würde eine tiefe Erregung oder gar Empörung des Volkes
unvermeidlich ſein, denn die Frauen ſeien entſchloſſen, die
ihnen heilige Religion mit allen ihnen zu Gebote ſtehenden
Mitteln zu verteidigen. Als Canalejas den Damen
erwiderte, daß es der Regierung durchaus fern läge, die
Religion oder die Kirche anzugreifen, ſondern daß ſie, im
Verein mit der Vollsvertretung, nur die Oberhoheit des
Stagtes wiederherſtellen wolle, hierin allerdings auf die
Mitarbeit der Frauen verzichten müſſe, antwortete die
Herzogin von Bailen ganz erregt: „Gott befiehlt
uns, die katholiſche Kirche bis zum äußerſten zu
vertei=
digen: und Gott ſteht über der Regierung und dem
Vater=
land.‟ Darauf wurde eine kurze Proteſteingabe
verleſen, in der die Regierung beſchuldigt wird, den Papſt
und die katholiſche Kirche ihrer Rechte zu berauben,
wäh=
rend ſie die Gottesläſterungen der Irrlehrer und
Ungläu=
bigen dulde und durch Einführung eines neutralen
Unter=
richts jegliches religiöſe Gefühl im Herzen der Jugend
erſticken wolle; wenn dieſer Proteſt nichts fruchten ſolle,
ſo würden die Frauen kämpfen und die heiligen
Rechte der Kirche mit allen Kräften verteidigen; und ſie
dürften hoffen, daß alle gläubigen Männer ſie in dieſem
Kampf unterſtützen würden. Dem Papſt haben ſie
tele=
graphiſch Mitteilung von ihrem Proteſt und ihren
wei=
teren Plänen gemacht und ſeinen Segen erſleht.
Canalejas jedoch bleibt weiterhin feſt
Teutſches Reich.
— Der Verband Deutſcher Arbeitsnachweiſe hat an
das Reichsamt des Innern eine Eingabe gerichtet, die ſich
dagegen wendet, bei der Durchführung des
Stel=
lenvermittlergeſetzes die kommunal unterſtützten
gemeinnützigen Nachweiſe nicht als öffentliche im Sinne
des Geſetzes gelten zu laſſen. In der Praxis iſt nämlich
der Unterſchied „kommunaler” und „kommunal
unterſtütz=
ter Nachweis” mehr und mehr verblaßt, weil der Gemeinde
nach Gewährung von Subventionen überall maßgebender
Einfluß auf die Verwaltung eingeräumt wurde. Durch
die in vielen Städten eingeführte Abordnung von
Magi=
ſtratsmitgliedern oder Stadtverordneten in die
Aufſichts=
kommiſſion wird dem Vereinsnachweis auch nach außen
der Charakter einer öffentlich=gemeinnützigen Einrichtung
gegeben. Gerade hier ſind in reichem Maße ehrenamtliche
Kräfte tätig, deren Einſchränkung im Intereſſe der Sache
zu bedauern wäre.
— Die urſprünglich nach dem Reichsamt des Innern
eingeladene Konferenz zwiſchen den Führern der
Zentralorganiſationen der Arbeitgeber und
Arbeitnehmer des Baugewerbes fand am Mittwoch
in Halle ſſtatt. Auf ausdrücklichen Wunſch der Parteien
wohnten Dr. Wiedfeldt=Berlin und Gerichtsdirektor
Pren=
ner=München den Beſprechungen als Verhandlungsleiter
bei. Es wurden die in einzelnen Orten noch beſtehenden
Differenzen beſprochen. Dabei wurde feſtgeſtellt, daß
zwi=
ſchen den Führern der Zentralorganiſationen über die
Durchführung der Verträge keine prinzipiellen
Meinungs=
verſchiedenheiten beſtehen, ferner daß die
Zentralorgani=
ſationen alle Mittel zur Durchführung des
Schieds=
ſpruches angewandt hätten, der bis auf wenige Orte erzielt
wurde. Wenn in einzelnen Lokalorganiſationen noch
Schwierigkeiten beſtehen, ſo ſtehe dies im Widerſtreit mit
den Beſprechungen der Zentralorganiſationen und den
Entſcheidungen des Schiedsgerichts. Dies wird im
In=
tereſſe der Lokalorganiſationen und ihres Anſehens, der
Entwickelung der Organiſationen, wie auch der
Tarifver=
träge allſeitig bedauert. Aber auch in Fällen, in denen
angeſichts der entſchiedenen Haltung der
Zentralorgani=
ſationen in kürzeſter Friſt noch die Beilegung der
Dif=
ferenzen zu erwarten wäre, wurde übereinſtimmend
feſt=
gelegt, daß die örtlichen Verhandlungen überall
ſofort aufzunehmen und ſo zu fördern ſind, daß
die im Schiedsſpruch angegebenen Termine 8. Juli und
15. Juli tunlichſt eingehalten werden.
— Der Vorwärts hatte dieſer Tage ſeinen Leſern
eine äußerſt pikante Neuigkeit zu melden gewußt, die von
einer Reihe Blätter ſchleunigſt übernommen und damit
mit dem Stempel derWahrſcheinlichkeit verſehen worden iſt.
Es hieß da, die beiden jüngſt abgegangenen Miniſter
v. Moltke und v. Arnim ſeien zu ihrem
Abſchieds=
geſuch durch ein Schreiben aufgefordert worden, das
ihnen in noch nicht vier Zeilen das Erſuchen übermittelte,
im Intereſſe der Homogenität des königlichen
Staats=
miniſteriums ſofort ihren Abſchied einzureichen. Das
Ganze iſt eine Anekdote, auf die der Vorwärts
herein=
gefallen iſt.
— Auf der Tagesordnung der letzten Sitzung des
elſaß=lothringiſchen Landesausſchuſſes
in dieſer Seſſion ſtand der Antrag Hauß und Genoſſen,
ſo=
wie der Antrag Blumenthal=Labroiſe und Genoſſen, der
Landesausſchuß wolle beſchließen, die Regierung zu
er=
ſuchen, beim Reichskanzler dahin zu wirken, daß dem
Lan=
desausſchuß für Elſaß=Lothringen die Möglichkeit
gege=
ben werde, ſich zum Entwurf einer elſaß=lothringiſchen
Verfaſſungsreform zu äußern, bevor der Reichstag
endgül=
tig damit befaßt wird. Der Antrag Blumenthal hat noch
den Zuſatz, daß im übrigen der Landesausſchuß über den
vom Reichskanzler angekündigten Geſetzentwurf vor der
Beſchlußfaſſung der geſetzgebenden Faktoren des Reiches
gehört werde. Dazu gab die Regierung durch
Unter=
ſtaatsſekretär Petri folgende Erklärung ab: „Der
An=
trag Hauß und der zweite Teil des Antrages Blumenthal=
Labroiſe beanſpruchen vom Landesausſchuß eine
Einwir=
kung auf die Geſtaltung von Geſetzen, die ausſchließlich
der verfaſſungsmäßigen Zuſtändigkeit der geſetzgebenden
Faktoren des Reiches vorbehalten iſt. Die Regierung
erach=
tet es für unvereinbar mit der Rechtslage, dem Antrag zu
willfahren. Aus dieſem Grunde lehnt ſie es ab, ſich an der
Beratung zu beteiligen. Würde der auf das Wahlrecht
bezügliche Teil des Antrages Blumenthal=Labroiſe
beſon=
ders zum Beſchluß erhoben werden, ſo würde ihn die
Regierung dem Reichskanzler in gleicher Weiſe
übermit=
teln wie den am 24. Februar gefaßten über das Wahlrecht
mit Proportionalverfahren.‟ Darauf verließen die
Ver=
treter der Regierung den Saal. In namentlicher
Abſtim=
mung wurden die Anträge des Zentrums und der
Lothrin=
ger gegen die Stimmen der Liberalen angenommen,
worauf die Vertreter der Regierung wieder erſchienen und
die diesjährige Seſſion geſchloſſen wurde.
— Die Budgetkommiſſion der Zweiten
badi=
ſchen Kammer ſtimmte dem ſozialdemokratiſchen
An=
trag zu, die Regierung aufzufordern, noch in dieſem
Staatsvoranſchlag 100000 Mark zur Förderung der
Ar=
beitsloſenverſicherung in Baden einzuſtellen. Gegen den
Antrag ſtimmte nur das Zentrum.
Seite 2
Nummer 151.
Ausland.
— Der Voranſchlag des Budgets Frankreichs
für 1911 ſieht in runden Zahlen 4270 Millionen Franken
für Ausgaben vor, eingerechnet 37 Millionen Franken für
den Bau zweier Linienſchiffe. Es ſtellt ohne Anleihe das
Gleichgewicht durch die normalen Einnahmen und durch
eine mäßige Steigerung der Quittungsſtempelſteuer her,
und wird Kredite für die Arbeiterverſicherung
verlangen. Dieſe werden nachträglich in das Budget
ein=
geſtellt werden zur ſelben Zeit, wie die erforderlichen
Deckungsmittel.
Die ſcharfen Ausfälle gegen die parlamentariſchen
Führer der Radikalen und Radikal=Sozialiſten in
Briands Rede hatten zur Folge, daß dieſe
Fraktio=
nen Beſchlüſſe faßten, die auf den Sturz Briands
hinziel=
ten. Vor allen war es der von Briand beſonders hart
angelaſſene ehemalige Kriegsminiſter Berteaux, der ſich
für die ſchärfſte Tagesordnung einſetzte. In Kenntnis
dieſes Sachverhaltes ſah ſich Briand am Schluſſe der
Sitzung der Deputiertenkammer zu einer ziemlich
gewun=
denen Erklärung veranlaßt, die darin gipfelt, daß die
Re=
gierung die Radikalen und die Radikal=Sozialiſten nach
wie vor als ihre Hauptſtütze betrachten müſſe. Damit
gab ſich Berteaux zufrieden, und die Regierung erhielt
die ſehr große Majorität von 400 Stimmen. Unter denen,
die der Regierung das Vertrauen votierten, befanden ſich
auch die Progreſſiſten, die den Worten Briands zugejubelt
hatten und auch jetzt noch glauben, daß Briand nur unter
dem Zwang der Verhältniſſe ſich zu einer Abſchwächung
verſtand.
— Die Regierungsvorlage zur Säuberung des
vorge=
ſchriebenen proteſtantiſchen Bekenntniſſes
des Königs von den veralteten Angriffen gegen die
katholiſche Kirche hat im engliſchen Unterhauſe wie in der
Preſſe im ganzen eine beifällige Aufnahme gefunden. Das
Unterhaus war ſo ſtark beſetzt wie ſeit geraumer Zeit nicht
mehr und die würdigen, maßvollen Reden des
Premier=
miniſters wie des Führers der Oppoſition machten den
beſten Eindruck. Mancher Abgeordnete wunderte ſich, als
Herr Asquith unter anderem hiſtoriſchen Rüſtzeug die
Tatſache hervorhob, daß die alte, heute ſo unangenehm
empfundene Erklärung urſprünglich für die
Parlaments=
mitglieder beſtimmt war und erſt nach geraumer Zeit in
der Aufregung über Verſchwörungsgeſchichten und
Ge=
rüchte auf den Träger der Krone ausgedehnt wurde. Der
Widerſtand gegen die Vorlage, deren erſte Leſung mit 341
gegen 42 Stimmen genehmigt wurde, ging hauptſächlich
von den iriſchen Orangiſten und den ſchroff
proteſtanti=
ſchen Liberalen aus. Die Morgenblätter ſprechen ſich auf
der miniſteriellen wie auf der Oppoſitionsſeite
ausnahms=
los für die Vorlage aus. Daß ſie ſchließlich durchgehen
und ein alter Zankapfel beſeitigt werden wird, kann bei
dem Zuſammengehen von Regierung und Oppoſition als
feſtſtehend angenommen werden, doch wird man ſich
an=
läßlich der zweiten Leſung auf bittere Kundgebungen der
Elemente gefaßt halten müſſen, die zu allen Zeiten mehr
Wert auf das Trennende als auf den Frieden und das
allen Bekenntniſſen Gemeinſame legen.
— In der Beſprechung der Rede des italieniſchen
Mi=
niſter des Aeußern San Giuliano in der
Deputiertenkam=
mer am 27. Juni, über die Stellung Italiens in der
Kretafrage, hebt das Wiener Fremdenblatt die
überein=
ſtimmende Haltung Italiens mit Oeſterreich=
Ungarn hervor, das auch die Erhaltung des Status quo
und die Integrität der Türkei als den Grundſatz ſeiner
Orientpolitik aufſtelle. Es weiſt darauf hin, daß der
ita=
lieniſche Miniſter den Unterſchied der früheren Politik
Pie=
monts mit der jetzigen des vereinten Italien betont habe.
Himmelserſcheinungen im Juli.
Der Höhepunkt des Jahres iſt nun wieder
überſchrit=
ten, ſeit dem 22. Juni, dem Sommersanfang, befindet ſich
für die Nordhalbkugel das Sonnenlicht in Abnahme, die
anfänglich noch faſt unmerklich iſt, Ende Juli aber ſchon
recht deutlich in die Erſcheinung tritt. Die nördliche
Ab=
weichung der Sonne vom Aequator beträgt am 1. Juli
230 9 56%4, am 31. nur noch 18‟ 26' 45%.7, woraus ſich
folgende Verringerung der Mittagshöhe der Sonne
er=
gibt: für die geographiſche Breite von 54‟ (
Norddeutſch=
land) von 59 auf 54'5, für die Breite von 51‟ (
Mittel=
deutſchland) von 62' auf 570.5 und für die Breite von 480
(Süddeutſchland) und Nordöſterreich) von 65‟ auf 60.5.
In ähnlichem Verhältnis nimmt auch die Tageslänge
ab, nämlich in Norddeutſchland von 17 auf 15½ Stunden,
in Mitteldeutſchland von 16½ auf 15¼ Stunden und in
Süddeutſchland, Nordöſterreich und der Schweiz von 16
auf 15 Stunden.
Die Zeit der hellen Nächte, die für alle Orte
nördlich des Parallels von 48½ Graden um die Zeit der
Sommerſonnenwende eintritt und um ſo länger währt, je
höher die Breite iſt, hat in den Orten nahe dem
angegebe=
nen Parallel ſchon Ende Juni aufgehört; im mittleren
Deutſchland erreicht ſie gegen die Mitte des Juli und im
nördlichen Deutſchland erſt Ausgang Juli und Anfang
Auguſt ihr Ende. Dann erſt werden die Nächte einige
Zeit wieder völlig dunkel.
Zwei Wochen nach dem Sommerſolſtitium, am 5. Juli,
2 Uhr vormittags, gelangt die Erde in ihrer Jahresbahn
an den Punkt ihrer größten Entfernung von der Sonne,
in das Aphel; ſie ſteht dabei 151.99 Millionen
Kilo=
meter von der Sonne ab, der ſie am 1. Januar am nächſten
war, 146.97 Millionen Kilometer. Der Unterſchied
zwi=
ſchen der größten und kleinſten Entfernung Erde=Sonne
beträgt alſo 5 Millionen Kilometer. Im Aphel beſitzt die
Sonnenſcheibe einen ſcheinbaren Durchmeſſer von 31'28"
im Perihel einen ſolchen von 32'32"
Mit dem Uebertritt der Sonne aus dem
Kalenderzei=
chen des „Löwen” am 23. Juli beginnt die Zeit der
Hundstage; ſie währt bis zum Uebertritt der Sonne
in das Zeichen der „Jungfrau” am 23. Auguſt. Ihren
Namen trägt dieſe Periode von dem Hundsſterne, dem
Sirius, deſſen um die Zeit des 19./20. Juli ſtattfindender
Frühaufgang vor der Sonne im grauen Altertum von den
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
Dieſer Paſſus in der Rede, ſchreibt das Blatt, zeugt
da=
von, daß mit der Zunahme eines Staates ſich auch immer
die Verantwortung dieſes Staates erhöht und San
Giu=
liano gab deutlich zu erkennen, daß er ſich der großen
Verantwortlichkeit, die jeder leitende Staatsmann einer
Großmacht trägt, voll bewußt iſt. Die italieniſche
Orient=
politik ſei daher auf denſelben konſervativen Prinzipien
aufgebaut, wie die Oeſterreich=Ungarns. Die Zuerkennung
der türkiſchen Souveränitätsrechte auf Kreta ergibt ſich
aus dem Feſthalten an dieſen Grundſätzen und die offene
Sprache San Giulianos wird die gewünſchte Wirkung
gewiß nicht verfehlen.
— Die ſerbiſche Regierung verbot die Abhaltung eines
Proteſtmeetings gegen die türkiſchen Grauſamkeiten
in Altſerbien, um ihr Feſthalten an der Freundſchaft mit
der Türkei zu beweiſen.
— Der Tangerer Berichterſtatter des Matin” meldet
über die Vorgänge in Marokko: Die kriegeriſchen
Ereig=
niſſe im Tadla=Gebiet hätten auf El Mokri einen ſehr
nie=
derſchlagenden Eindruck gemacht. El Mokri erklärte, er
habe es ſich ſeit ſeiner Rückkehr nach Tanger zur Aufgabe
gemacht, die Freundſchaft Marokkos mit Europa durch die
Erfüllung aller billiger Forderungen noch enger zu
ge=
ſtalten. Im Augenblick, wo er dieſes Ziel erreicht zu
ha=
ben glaubte, würden die franzöſiſch=marokkaniſchen
Be=
ziehungen von neuem durch unvorhergeſehene und ernſte
Zwiſchenfälle geſtört. Der Sultan habe die von ihm in
dem letzten franzöſiſch=marokkaniſchen Abkomman
ſüber=
nommene Verpflichtung, dem Agitator Ma el Ainin den
Aufenthalt in Marokko zu unterſagen, nicht mit einem
blo=
ßen Sendſchreiben an die Stämme des Südens
erfül=
len können. Ma el Ainin genieße als Marabut in
Ma=
rokko eine große Verehrung und könne deshalb ohne
Er=
laubnis in Marokko umherziehen, um Gaben zu ſammeln.
Der Maghzen müßte, um Ma el Ainin beizukommen, erſt
mit den unruhigen Stämmen des Südens verhandeln.
El Mokri ſchloß vorwurfsvoll mit der Erklärung, er habe
nach Fez gehen wollen, um mit dem Sultan über die
An=
gelegenheit Ma el Ainins zu verhandeln, aber man habe
ihm nicht die Zeit dazu gelaſſen.
* Der Herzog von Alengon †f. Auf Schloß
Wimbledon in England iſt Herzog Ferdinand von Alencon
im Alter von 66 Jahren geſtorben. Im Jahre 1868 hatte
er ſich in Poſſenhofen mit der ſchönen Herzogin Sophie in
Bayern, der früheren Braut des jungen Königs Ludwig
von Bayern, vermählt. Gleich ihrer Schweſter, der
Kai=
ſerin Eliſabeth von Oeſterreich, fand die Herzogin einen
tragiſchen Tod. Bei dem Brande des Baſars in der Rue
Jean Goujon in Paris kam ſie im Jahre 1897 ums Leben.
Der Herzog von Alengon zog ſich damals aus der
Oef=
fentlichkeit vollſtändig zurück, und man hörte erſt wieder
von ihm, als er kürzlich erkrankte. Ueber die
Beiſetzungs=
feierlichkeiten iſt noch nichts beſtimmt.
* Vermählung des Herzogs von Turin.
Die Gazetta di Torino meldet, daß die Vermählung des
Herzogs von Turin, eines Couſins des Königs, der von
ſeinem Jagdaufenthalt in Afrika zurückkehrte, mit der
Prinzeſſin Patricia von Connanght nahe bevorſteht. Man
hat bemerkt, daß die erſte Depeſche, die der Herzog bei
ſei=
ner Ankunft in Neapel aufgab, an den Herzog von
Con=
naught gerichtet war. Das Blatt fügt hinzu, daß der
Herzog nach ſeiner Vermählung ſeinen Wohnſitz in
Mai=
land nehmen wird, wo er zum Kommandeur eines
Armee=
karps ernannt werden dürfte.
* Petersburg, 29. Juni. Die Verhaftung
des Barons v. Ungern=Sternberg wird neuerdings
auch mit Vorgängen in der Reichsduma in
Verbin=
dung gebracht. Die Sache wurde dem Unterſuchungsrichter
in beſonders wichtigen Angelegenheiten übergeben. Die
verſchiedenſten Gerüchte über den Verhaftungsgrund gehen
hier um. Mit dieſer Affäre ſoll im engen Zuſammenhang
ſtehen die vor einem Monat erfolgte Feſtnahme dreier
Perſonen, die ebenfalls der Spionage verdächtigt waren.
Aegyptern mit großen Feſtlichkeiten begangen wurde, da
gleichzeitig der das Land befruchtende Nil zu ſteigen
be=
gann.
Unſer Mond zeigt im Juli nachſtehenden
Geſtalt=
wechſel: Neumond am 6., 10 Uhr 20 Min. nachm., Erſtes
Viertel am 14., 9 Uhr 24 Min. vorm., Vollmond am 22.,
9 Uhr 37 Min. vorm., und Letztes Viertel am 29., 10 Uhr
35 Min. vorm. Der Mond befindet ſich am 4. Juli, 4 Uhr
vorm., in Erdnähe (Abſtand 57.2 Erdhalbmeſſer à 6378
Kilometer), am 16. Juli, 1 Uhr vorm., in Erdferne (
Ab=
ſtand 63,4 Erdhalbmeſſer) und am 30. Juli, 11 Uhr
nachm., wieder in Erdnähe (Abſtand 57.9 Erdhalbmeſſer).
Die Beobachtung der großen Planeten beſchränkt ſich
im Juli auf 4 Körper: Venus, Jupiter, Saturn und
Ura=
nus. Merkur kommt am 19., um 5 Uhr nachm., in
obere Sonnenkonjunktion, bleibt deshalb unſichtbar. Er
hat am 16., um 9 Uhr vorm., Konjunktion mit Neptun, von
dem er 1' 53’ nördlich ſteht. — Venus wandert gegen
Monatsſchluß aus dem Sternbilde des „Stiers” in das
der „Zwillinge” und iſt als Morgenſtern zuerſt 1 Stunde,
nachher anderthalb Stunden (ſchon von 2 Uhr an) im
Oſten ſichtbar. Ihre Entfernung von der Erde nimmt
von 1.21 auf 1.39 Erdbahnhalbmeſſer à 149.48 Millionen
Kilometer zu, ihr ſcheinbarer Durchmeſſer verkleinert ſich
daher von 13‟.9 auf 12‟.1. Am Morgen des 4. Juli, um
7 Uhr, gelangt der Mond mit Venus in Konjunktion,
wo=
bei der Mond nördlich vom Morgenſtern hinzieht; man
ſieht aber ſchon vorher die ſchmale abnehmende Sichel
über dem glänzenden Sterne thronen. — Mars bleibt
in der Abenddämmerung verborgen. Seine Entfernung
von uns wächſt weiter von 2.48 auf 2.59
Erdbahnhalb=
meſſer. — Jupiter geht im Sternbilde der „
Jung=
frau” ſtetig früher, am Ende des Monats ſchon um 10½
Uhr im Weſten unter. Sein Erdabſtand vergrößert ſich
von 5.41 auf 5.85 Erdbahnradien, und ſein ſcheinbarer
Durchmeſſer nimmt von 36‟.9 auf 34‟.1 ab. Am 13. Juli
kommt der dem erſten Viertel nahe Mond mit dem
Pla=
neten in Konjunktion, und zwar nähert er ſich dem
Ju=
piter von Norden her. — Saturn, im „Widder” geht
anfänglich gegen 1 Uhr, zuletzt gegen 11 Uhr abends auf.
Er befindet ſich am 30. Juli, 8 Uhr vorm., in
Quadratur=
ſtellung zur Sonne. Seine Entfernung von der Erde
nimmt von 9.67 auf 9.19 Erdbahnhalbmeſſer ab. woraus
ſich eine Vergrößerung ſeines ſcheinbaren
Scheibendurch=
meſſers von 16‟8 auf 17%.7 ergibt. Die große Achſe ſeiner
Ringellipſe iſt Mitte Juli gleich 39‟.8, die kleine Achſe
Da unter den beſchlagnahmten Papieren das Prololoſ
über die Geheimſitzung der Duma wegen
Militärangele=
genheiten gefunden wurde, wird nach Dumadeputierten
recherchiert, die Baron Ungern=Sternberg das Protokoll
überlaſſen haben. Die Angehörigen des Barons ſind
be=
müht, ihm gegen Kaution die Freiheit zu verſchaffen.
Baron Ernſt Ungern=Sternberg entſtammt einer
altein=
geſeſſenen, livländiſchen Adelsfamilie, wurde in Livland
geboren und erhielt ſeine Gymnaſialbildung auf der
deut=
ſchen Realſchule in Reval. Er trat darauf in den
Militär=
dienſt und diente einige Jahre als Offizier in einem
Dra=
goner=Regiment des Wilnaſchen Militärbezirks. Dieſe
Karriere mußte er dann aber aufgeben. Er ging ins
Aus=
land, weilte lange Jahre in Spanien und kehrte vor etwa
zehn Jahren nach Petersburg zurück. Hier wurde er
Ver=
treter des kaiſ.=königl. öſterreichiſch=ungar.
Korreſpondenz=
bureaus und Mitarbeiter des Wiener Fremdenblattes, für
bas er gelegentlich offiziöſe Artikel aus Petersburg ſchrieb.
Das genannte Bureau war direkt aus dem literariſchen
Bureau (Preſſeabteilung) des Auswärtigen Amtes in
Wien reſſortiert, ſo iſt Baron Ungern=Sternberg als
öſter=
reichiſcher Beamter zu betrachten und wurde als
ſolcher von der öſterreichiſchen Regierung beſoldet. Laut
Geſetz hat jedoch jeder öſterreichiſche Beamte auch die
Qualifikation eines öſterreichiſchen Untertans. Für das
ventuell zu fällende Urteil käme dieſer Umſtand natürlich
ſehr in Betracht, je nachdem die ruſſiſche Regierung in dem
Baron einen Ausländer oder Inländer ſieht und die
An=
klage auf Spionage oder Landesverrat erhebt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 1. Juli.
— Uebertragen wurden den Schulamtsaſpiranten
Karl Friedrich Dannheimer aus Worms, Friedrich
Muſſel aus Eichloch, Kreis Oppenheim, Louis
Schmetzer aus Rothenburg o./Tauber, ſowie den
Schulamtsaſpirantinnen Anna Dauernheim aus
Marburg a.Lahn und Gertrud Walter aus Breslau
Lehrer=, bezw. Lehrerinſtellen an der Volksſchule zu
Worms.
— Ernannt wurde Georg Allmanritter in
Offenbach zum Schreibgehilfen bei dem Amtsgericht
Offenbach.
— Verſetzungen in den Ruheſtand. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben dem Großh.
Lokomotivführer in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahn=
gemeinſchaft Wilhelm Göbel zu Mainz und dem
Großh. Weichenſteller in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſen=
bahngemeinſchaft Mathias Kiſſel zu Alsheim aus
Anlaß ihrer am 1. Juli d. J. erfolgenden Verſetzung in
den Ruheſtand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der
Inſchrift „Für treue Dienſte” verliehen.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Bahn=
wärter in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Philipp Uhrig zu Zeilhard mit Wirkung vom 1. Oktober
d. J. an.
* Militärdienſtnachricht. Wiegmann,
Ober=
zahlmſtr. vom Großh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18, bei ſeinem
Ausſcheiden aus dem Dienſt mit Penſion der Charakter
als Rechnungsrat verliehen.
n. Die Strafkammer hatte ſich geſtern vier Stunden
mit einer einzigen Berufungsverhandlung zu
beſchäf=
tigen, obwohl nur eine an ſich geringfügige Reiberei
zwiſchen Vermieter und Zimmerherrn in Frage ſtand.
Der 30 Jahre alte Student Zygowsky hatte bei dem
Tapezier Johann Krämer hier gewohnt und beide
waren im Februar bei dem Auszuge Z.s in Streit
ge=
raten; jeder will der Angegriffene und in Notwehr
Befindliche geweſen ſein, doch trug Z. als Folge von
Schlägen Beulen auf dem Kopf nebſt einer Stirnwunde
davon, und ſeine eidliche Zeugenausſage wurde auch
durch andere Momente ſo unterſtützt, daß das
Schöffen=
gericht wegen Mißhandlung den Angeklagten Krämer,
ſowie den mitbeteiligten Kaufmann Paul Buß zu je
20 Mark Geldſtrafe verurteilte. Beide fochten dies
Urteil mit Berufung an, und die Staatsanwaltſchaft
erhob ebenfalls ſolche aus formellen Gründen.
Um Z.s Glaubwürdigkeit zu erſchüttern, waren von
den Angeklagten zahlreiche Zeugen aufgeboten; zwei
Verteidiger und für den als Nebenkläger auftretenden
Z. ein dritter Anwalt nebſt dem Staatsanwalt
plädier=
ten zur Sache und die lange Verhandlung endigte mit
der koſtenfälligen Beſtätigung jener Geldſtrafen.
(*) Vom Manöver des 18. Armeekorps. Bekanntlich
ſpielen ſich die diesjährigen Herbſtmanöver im nördlichen
gleich 12‟.3. Konjunktionen des Mondes mit dem
Sa=
turn ereignen ſich am 2. Juli, 4 Uhr früh, und am 29.
Juli, 12 Uhr mittags; beide Male bewegt ſich der Mond
ſehr nahe nördlich am Planeten vorüber, doch kann nur die
erſte Konjunktion beobachtet werden. — Uranus, der
im „Schützen” weilt, ſteht am 16. Juli, 6 Uhr nachm., in
Oppoſition und kulminiert am 1. Juli um 1 Uhr nachts,
bleibt alſo während der ganzen Nacht ſichtbar. Sein
ge=
nauer Standort iſt am 1. Juli Rektaſzenſion 19h 43m 16s
und Deklination — 21' 51'. Seine Entfernung von der
Erde beträgt erſt 18.68, dann 18.65 und ſchließlich wieder
18.68 Erdbahnhalbmeſſer; bei einem Scheibendurchmeſſer
von 4‟4 leuchtet er nur als Sternchen 5. Größe. —
Neptun gelangt am 12. Juli, 8 Uhr vorm., in
Sonnen=
konjunktion, bleibt daher ſelbſt für ſtarke Inſtrumente
ver=
borgen.
Der Komet Halley ſetzt ſeinen Weg im ſüdlichſten
Teile des „Löwen” fort, iſt aber ſchon ſo lichtſchwach
ge=
worden, daß er in der hellen Dämmerung kaum noch
er=
folgreich beobachtet werden kann.
Sternſchnuppen begegnen der Erde vom 26. bis
29. Juli zahlreicher als an anderen Tagen; die
Körper=
chen dieſes Schwarmes ſtrahlen meiſt aus der Gegend des
Sternbildes des „Schwans” aus, das in der Milchſtraße
abends hoch im Oſten ſteht.
Am Fixſternhimmel, deſſen durch die hellen
Nächte ſchon beeinträchtigter Glanz in der zweiten und
dritten Woche noch durch das Mondlicht geſchmälert wird,
beſchreibt die Milchſtraße abends einen Bogen vom
Nor=
den hoch über den Oſten zum Süden, und in derſelben
Richtung bemerken wir in ihrem Schimmer die Bilder des
„Fuhrmanns” des „Perſeus” der „Caſſiopeja” des
Schwans” „Adlers” und „Schützen‟. Den in flachem
Bogen vom Weſtnordweſten zum Südoſten verlaufenden
Tierkreis bezeichnen die Bilder des „Löwen” der „
Jung=
frau” der „Wage”, des „Skorpions” „Schützen” und
Steinbocks” an die ſich im Oſtſüdoſten noch einige
Sterne des „Waſſermanns” und im Nordweſten noch die
Hauptſterne der „Zwillinge” Caſtor und Pollux anreihen.
Der „Große Bär” breitet ſich hoch im Nordweſten, der
„Bootes” nebſt „Krone” hoch im Südweſten aus, und am
nördlichen Himmelspole gewahrt man den vom „Drachen”
umſchlungenen „Kleinen Bären‟ Die „Leier” ſteht
zwi=
ſchen Zenith und „Schwan” der Pegaſus” zwiſchen
Hori=
zont und „Schwan”, daneben im Nordoſten die „
An=
dromeda”.
Nummer 151.
Seite 3.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
Vogelsberg und im Kreis Fulda ab. Im Auguſt trifft die
50. Infanterie=Brigade (117er und 118er) in und um
Als=
feld, die 40. Infanterie=Brigade (115er, 116er und 168er)
in und um Fulda ein. Die Brigade=Uebungen finden vom
1. bis 9. September ſtatt. Bei Lauterbach iſt vom 3. bis
6. September Scharfſchießen.
— Auszeichnung heimiſcher Induſtrie. Die
Motorenfabrik Darmſtadt A.=G. erhielt auf
der in letzter Woche ſtattgefundenen Gewerbe= und
Land=
wirtſchaftlichen Ausſtellung in Leer im Wettbewerb mit
den Erzeugniſſen der erſten und größten
Motoren=
fabriken die alleinige erſte Auszeichnung.
— Jubiläum. Herr Prokuriſt Auguſt Henkel
feiert heute Freitag, 1. Juli, ſein 25jähriges Jubiläum
im Hauſe Friedr. Schäfer, Ludwigsplatz, hier.
* Aquarien= und Terrarienausſtellung. Man ſchreibt
uns noch: Eine intereſſante und lehrreiche
Kollektivaus=
ſtellung bietet die auch hier nicht unbekannte
Zierfiſchzüch=
terei Hans Welke=Dortmund auf der zur Zeit im
Mathil=
denhöhſaal ſtattfindenden Aquarien=Ausſtellung. Die
Zier=
fiſche, worunter ſich Vertreter aus Afrika, Auſtralien,
In=
dien, Nord= und Südamerika, China, Japan befinden, ſind
in etwa 70 Glasaquarien untergebracht. Ein
Anziehungs=
punkt der Ausſtellung bildet zunächſt der
Schmetterlings=
fiſch (Pantodon Buchholzii). Wie der Name ſchon beſagt,
beſitzt der Fiſch anſtelle der Seitenfloſſen Flügel wie ein
Schmetterling, die es ihm ermöglichen, Flüge über das
Waſſer zu unternehmen. Dieſer Fiſch iſt noch ziemlich
ſel=
ten, da er erſt in wenigen Exemplaren aus Weſtafrika
ein=
geführt iſt. Einige Cichlidenarten, deren Heimat
Südame=
rika, ſind in farbenprächtigen Zuchtpaaren mit Jungfiſchen
ausgeſtellt. Dieſe Fiſche, die ihrem Laich nicht nachſtellen,
beſitzen eine intenſive Brutpflege. Es iſt ein intereſſantes
Bild, ein Aquarium mit etwa 500—600 Jungfiſchen zu
ſehen, ſorgfältig behütet von den ſorgenden Fiſcheltern.
Wehe dem, der dem Behälter zu nahe kommt, mit einer
Wut, wie man ſie einem ſolchen Kaltblüter nicht zutrauen
ſollte, ſtürzt er gegen den vermeintlichen Feind. Eine
an=
dere Gattung, die Maulbrüter, nimmt den Laich ins Maul
bis zur vollſtändigen Entwickelung. Sind die Jungen
aus den Eiern heraus, ſo macht der weibliche Fiſch das
Maul auf und läßt die Jungen herausſpazieren, um ſie
bei Gefahr wieder aufzunehmen. Es iſt dann intereſſant
zu ſehen, wie die Kleinen alle nach dem Maule hin
drän=
gen, jedes will das Erſte ſein. So bietet die Ausſtellung
viel des Feſſelnden, und es ſollte keiner dieſe Gelegenheit
vorübergehen laſſen, um ſein Wiſſen zu erweitern.
— Odenwaldklub. Die Ortsgruppe Darmſtadt des
Odenwaldklubs hat die für den 14. Auguſt angeſagte Tour
Schöllenbach-Ernſttal-Amorbach auf den 21. Auguſt
ver=
legt. Dies geſchieht mit Rückſicht auf den Veteranen=
Appell der Haſſia, der am 14. Auguſt ſtattfindet und an
dem eine Anzahl Mitglieder des Klubs teilnimmt. Auch
will er durch die Verlegung allen anderen Klubmitgliedern
Gelegenheit bieten, ſich die größeren Veranſtaltungen, die
für den 14. Auguſt hier geplant ſind, anzuſehen. Der
Klub bekundet durch ſeinen Beſchluß ein beſonderes
Ent=
gegenkommen den alten verdienten Kämpfern gegenüber.
— Brieftaubenklub. Am letzten Montag fand der
Preisflug von Eistrup (320 Kilometer) und auch
zu=
gleich Preisflug um die ſilberne und bronzene
Staats=
medaille ſtatt. Die Tauben hatten unter ſtarkem Rd
gen und Gewitter ſehr zu leiden. Trotzdem kam der
größte Teil am erſten Tage, die anderen am zweiten
Tage in die Heimat zurück; die Verluſte waren
unbe=
deutend. Folgende Herren errangen Preiſe: 1. Preis
L. Beſt, 2. Preis H. Thierolf, 3. Preis Philipp
Deutſch, 4. Preis L. Stoll, 5. Preis Karl Heß. Weiter
erhielt Herr Ludwig Beſt für die beſte Serie von fünf
Stück die eventuell zufallende Staatsmedaille und für
die drei ſchnellſten Männchen, ſowie für beſte erſte Serie
je einen Ehrenpreis und für die drittbeſte Serie auch
noch einen Ehrenpreis. Für die zweitbeſte Serie
er=
hielt Herr L. Stoll einen Ehrenpreis.
Der Ortsgewerbeverein macht nochmals auf
die heute abend im Gelben Saal” des Reſtaurants
Sitte ſtattfindende Verſammlung behufs Stellungnahme
zu dem Bebauungsplan am neuen
Haupt=
bahnhof auſmerkſam. Herr Beigeordneter Baurat
Jäger wird die nötigen Erläuterungen zu den Plänen
geben. (S. Anzeigeteil.)
* Johann Strauß=Konzerte. Johann Strauß
wird in den Programmen ſeiner am 5. und 6. Juli
ſtattfindenden Konzerte ausſchließlich der leichtgeſchürzten
Muſe Rechnung tragen. Ouvertüren, Salon= und
Operettenmuſik beſter Qualität und last not least die
neueſten Tänze, unter denen ſelbſtverſtändlich auch die
alten Wiener Lieblinge mit der „Blauen Donau” an
der Spitze nicht fehlen werden, werden in bunter
Ab=
wechſelung aufeinander folgen und das Publikum in
jene behagliche und animierte Stimmung verſetzen,
welche das untrügliche Kennzeichen der Straußkonzerte
bilden. — Kartenverkauf in der Hofmuſikalienhandlung
Georg Thies Nachf. (Leopold Schutter.)
Hotel „Heß” Man ſchreibt uns: Seit einiger
Zeit hat ein neues Herrn=Quartett in den Parterre=
Räumen des Hotel „Heß” ſeinen Einzug gehalten. Wenn
dieſes Enſemble ſich die Bezeichnung „erſtklaſſig”
beilegt, ſo iſt es dazu voll und ganz berechtigt, denn
hier leiſten die Künſtler wirklich ſehr gutes. Die Direktion
hat Herr Albert Kreuzig in Händen. Herr
Konzert=
meiſter Meier erntet jeden Abend für ſeine Solo=
Vor=
träge wohlverdienten Beifall. Durch das lange
Zu=
ſammenſpielen iſt das Orcheſter ſehr gut eingeſpielt und
bringt eine angenehme Unterhaltungsmuſik, ſowie
ab=
wechſelnd auch klaſſiſche Muſik zum Vortrag. Jeder
Muſikliebende hat ſeine Freude daran, wenn er den
Künſtlern lauſcht. Die Konzerte finden täglich abends
ſtatt. Mittags Diner=Konzert. (Näh. Anzeige.)
— Perkeo. Ab heute gaſtiert für den Monat Juli
das Varieté= und Burlesken=Enſemble Geſchwiſter
Delabore und eröffnet heute abend ſein Gaſtſpiel mit
einem Elite=Abend. Die Künſtlerſchar hat überall
denk=
bar größten Erfolg und dürfte das auch hier durch ſeine
anerkannt brillanten Leiſtungen der Fall ſein. (Näh. Anz.)
— Schützenhof. Heute Freitag abend konzertiert
die Kapelle des Leibg.=Regts. unter Herrn Hauskes
Leitung im Schützenhof.
-t. Einen kleinen Auflauf verurſachten am
Mitt=
woch abend gegen 10 Uhr am Paradeplatze die etwas
laut ausgetauſchten Meinungsverſchiedenheiten zweier —
„Damen” Umringt von einem Kreiſe lachender Zuhörer,
ſagten ſie ſich gegenſeitig die Wahrheit und als die
Zungen nicht mehr genügten, verlieh die eine ihrer
Meinung mit dem Regenſchirm Nachdruck, worauf ſich
beide die Friſuren und Hüte etwas „zurechtrückten”.
Nach kurzem Kampfe ergriff die eine die Flucht und
be=
endete damit die Szene.
— Dreieichenhain, 30. Juni. Anläßlich des am
nächſten Sonntag (3. Juli) hier ſtattfindenden
Ge=
ſangswettſtreites verkehren von und nach
Frank=
furt folgende Sonderzüge: Von Frankfurt: Frankfurt
Hptbf. ab 8.15 vorm., Louiſa ab 8.22 vorm., Neu=
Iſen=
burg ab 8.29 vorm., Sprendlingen=Buchſchlag ab 8.36
vorm. (Anſchluß von Darmſtadt), Sprendlingen=Ort
ab 8.44 vorm., Dreieichenhain an 8.50 vorm. Nach
Frankfurt: Dreieichenhain ab 8.30 nachm.,
Sprendlin=
gen=Ort ab 8.37 nachm., Sprendlingen=Buchſchlag ab
8.46 nachm., Neu=Iſenburg ab 8.53 nachm., Louiſa ab
9.00 nachm., Frankfurt an 9.07 nachm.
n. Bensheim, 30. Juni. Der wegen
Unterſchlag=
ungen zum Nachteil des Metzgermeiſters Blechner
ver=
folgte Metzgerburſche P. Roder von Offenbach wurde
in Frankfurt a. M. verhaftet.
t. Lindenfels, 29. Juni. Nach der neuen Fremdenliſte
kamen bis zum 27. Juni 449 Kurgäſte zur Anmeldung
gegen 415 um die gleiche Zeit im Vorjahre. Anweſend
waren am 27. Juni 223 Kurgäſte. — Im laufenden Jahre
haben wir hier die Wahl eines Bürgermeiſters und dreier
Stadtverordneter vorzunehmen. Aus dem Gemeinderat
ſcheiden nach dem Dienſtalter mit Ende dieſes Jahres
aus die Herren Haun, Pfeifer und Weimar.
Mainz, 30. Juni. Der Stadtrat hat den Gedanken
an die Schaffung einer Ausſtellungs= und
Ver=
kaufshalle, die die eingegangene Induſtriehalle
erſetzen ſollte, begraben. Von den 346 Fragebogen,
die an die Intereſſentenkreiſe in dieſer Angelegenheit
verſchickt worden ſind, kamen nur 26 zurück, und auch
von denen ſprachen ſich drei ablehnend aus. Da ſomit
in jenen Kreiſen, denen die Halle beſtimmt, kein
Inter=
eſſe gezeigt worden iſt, mußte die Sache fallen gelaſſen
werden.
Worms, 29. Juni. Das Steinkreuz auf der
wieder aufgebauten Oſtkuppel des Wormſer
Do=
mes iſt heute vormittag 11 Uhr feierlich verſetzt
wor=
den. Auf der höchſten Spitze des Gerüſtes wehen die
deutſche Flagge und die heſſiſche Landesfahne. Herr
Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann aus Darmſtadt,
Herr Propſt Schreiber, ſowie verſchiedene andere
Herren und alle, die am Wiederherſtellungswerk
be=
ſchäftigt ſind, begaben ſich auf das Gerüſt in luftiger
Höhe, auf die Vierungskuppel, und unter dem
Ge=
ſange: „Großer Gott, wir loben Dich” wurde das
Ab=
ſchlußkreuz in die Höhe gezogen und auf der Kuppel
aufgeſtellt. Nach dieſem Akte ſchüttelten ſich die Herren
beglückwünſchend die Hände und begaben ſich dann
wieder herunter. In einiger Zeit wird auch das
Ge=
rüſt von der Vierungskuppel verſchwunden ſein, und
die Arbeit beginnt dann an den Oſttürmen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 29. Juni. Eine
Proteſt=
kundgebung gegen die Luſtbarkeitsſteuer
veranſtaltete die Vereinigung der Theatervereine Groß=
Berlins. Nach einem Referate des Stadtv. Goldſchmidt
wurde folgende Erklärung angenommen: „Die
Theater=
vereine Groß=Berlins proteſtieren gegen die Einführung
der vom Magiſtrat geplanten Luſtbarkeitsſteuer, da dieſe
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* In den Beſuchsziffern der einzelnen
Univerſitäten Deutſchlands im
Sommer=
ſemeſter 1910 ſind neueſtens einige bemerkenswerte
Verſchiebungen eingetreten. Wie im Winter ſteht die
Univerſität Berlin an der Spitze mit 7902 Studierenden
gegen 7194 im Sommer 1910; ihr reiht ſich München an
mit 6890 gegen 6547. Leipzig folgt mit 4592 (gegen 4581
im Vorjahr), ſodann Bonn mit 4070 (3801), Freiburg
zählt 2884 (2760), Halle 2451 (2310), Breslau 2432 (2347),
Heidelberg 2413 (2171), Göttingen 2353 (2239), Marburg
2192 (2134), Tübingen 2061 (1921), Münſter 2007 (1760),
Straßburg 1964 (1935), Jena 1817 (1606), Kiel 1760
(1593), Würzburg 1429 (1369), Königsberg 1381 (1293),
Gießen 1334 (1271), Erlangen 1050 (1158), Greifswald
1029 (967), Roſtock 834 (743). Danach hat Erlangen
allein abgenommen; geringe Zunahmen haben Leipzig
und Straßburg, erhebliche Kiel, Jena, Berlin und
Münſter. Berlin verdankt ſeine jüngſte Steigerung
zweifellos zum Teil dem Umſtande, daß es dieſen
Herbſt die 100jährige Gründungsfeier begeht, wie auch
Leipzig in ſeinem vorjährigen Jubiläumsſemeſter eine
ſtärkere Beſuchsziffer hatte, woraus ſich ſeine neueſte
ganz geringe Zunahme erklärt. In der Lokation nach
der Beſucherzahl wurde Breslau von Halle auf der 6.
Stufe überholt, Heidelberg verdrängte Göttingen aus
der 8. Stelle, Tübingen rückte von der 12. auf die 11.,
Münſter von der 13. auf die 12. und Straßburg ſank
um zwei Stufen, von der 11. auf die 13. Stelle. — Die
Zahl der Frauen, die im laufenden
Sommer=
ſemeſter an der Berliner Univerſität
imma=
trikuliert ſind, hat wiederum eine ſtarke Zunahme
er=
fahren. Es ſind 626 Damen, von denen 157 in dieſem
Sommer neu hinzugekommen ſind. Eine unter ihnen
ſtudiert Theologie, vier gehören der Juriſtenfakultät
an, 137 ſind Medizinerinnen und 484 verteilen ſich auf
die Fächer der philoſophiſchen Fakultät. Dazu kommen
noch die 153 Damen, die auf Grund eines
Erlaubnis=
ſcheines des Rektors zum Hören von Vorleſungen
be=
rechtigt ſind, und 5 weibliche Studierende der
Techni=
ſchen Hochſchule. Insgeſamt ſetzt ſich die weibliche
ſtudierende Jugend Berlins aus 785 Köpfen
zu=
ſammen.
* Weimar, 29. Juni. Der Großherzog hat den
Bildhauer Gottlieb Elſter als Profeſſor der
Bild=
hauerabteilung der großherzoglich ſächſiſchen Hochſchule
in Weimar berufen.
* Wien, 30. Juni. Hier iſt geſtern die Witwe
Friedrich Hebbels die einſtmals berühmte
Darſtellerin Chriſtine Enghaus=Hebbel, ſanft
ent=
ſchlafen. Sie hatte am 9. Februar ihr 93. Lebensjahr
vollendet. Ihre Tochter, Frau Direktor Kaizl, iſt in
den letzten Tagen nicht von dem Bette der Patientin
gewichen. Das Leichenbegängnis findet am Freitag
nachmittag ſtatt.
Kleines Feuilleton.
C. K. Das neue Goldland. Die Entdeckung
einer Goldader von ganz unermeßlichem Reichtum, die bei
der Stadt Stewart in Britiſch=Kolumbien gemacht worden
iſt, verſetzt nicht nur ganz Amerika in wildeſte Erregung,
ſondern hat die Fluten des Goldfiebers auch ſchon nach
Europa getragen. In London iſt bereits ein Aufbruch
zahlreicher glückshungriger Abenteurer nach dem Eldorado
zu konſtatieren, und alle neuen Nachrichten von dieſer
wun=
derbaren Goldmine werden gierig verſchlungen. Das
Gold=
feld, auf das zuerſt zwei Goldſucher, C. M. Delgrove und
Louis Anderſon, ſtießen, iſt eines der größten, vielleicht
das größte, das die Welt kennt. Es iſt bereits auf zwanzig
engliſche Meilen nach Oſten und Weſten hin unterſucht
worden, aber ſeine eigentliche Ausdehnung iſt noch
unbe=
kannt; es liegt direkt vor den Toren von Stewart und iſt
ſehr leicht zu erreichen. Tauſende von Menſchen ſtreben
ſowohl das ganze Theatervereinsweſen, wie auch die
da=
von exiſtierenden Berufe zugrunde richten würde. Sie
appellieren an die Einſicht der Stadtverordneten und
hof=
fen, daß dieſe Steuer abgelehnt wird.‟ Die Ungehörigkeit
der Steuer wird insbeſondere aus dem Umſtande gefolgert,
daß die Stadt Berlin keinen Pfennig zur Unterſtützung der
Theater hergibt, während alle anderen Städte für ihre
Bühnen große Opfer bringen. — Auf der Landſtraße wurde
heute die Familie des Bahnhofsvorſtehers von Sadowa
ganz in der Nähe der Station überfallen. Auf das
Geſchrei der Ueberfallenen kam bald Hilfe vom Bahnhofe,
die die Wegelagerer, die zu dreien aus einem Gebüſch über
die Familie hergefallen waren, verjagten. Einer der
Wegelagerer wurde feſtgenommen. Er will ſeine
Genoſ=
ſen nicht nennen. Den Ueberfall haben ſie angeblich aus
reinem Uebermut begangen. — Als Leiche wurde die
53jährige Wirtſchafterin Anna Waitmann bei
Friedrichs=
hagen aus der Spree geländet, die ſeit 8 Tagen aus ihrer
Wohnung verſchwunden war. Sie hatte keinerlei Nachricht
hinterlaſſen, und da ſie angeblich ein kleines Vermögen
hinterläßt, das auch verſchwunden iſt, vermutet man ein
Verbrechen. Man ſucht nach einem Manne, der die
Wait=
mann nach Friedrichshagen begleitete.
— Frankfurt, 30. Juni. Im Zoologiſchen
Garten naht die völkerkundliche Schauſtellung „Die
Samoaner” ihrem Ende. Die in der vorigen Woche
angeſagten, beſonderen feſtlichen Veranſtaltungen: das
Wettrudern und die Zubereitung eines ganzen
Schwei=
nes auf ſamoaniſche Art hatten, des ſchlechten Wetters
wegen, verſchoben werden müſſen, und fanden nun in
dieſer Woche an Tagen ſtatt, an denen der Regengott
einmal vorübergehend ſeine Schleuſen geſchloſſen hatte.
Am kommenden Sonntag wird der Eintrittspreis für
den Zoologiſchen Garten am Vormittag, mit
Beſuch=
zeit bis 1 Uhr auf 30 Pfg. (Kinder 20 Pfg.) und der
für das Aquarium auf 20 Pfg. für Alle ermäßigt. Es
finden dann beſondere Vorſtellungen der Samoaner
um 9, 10½ und 12 Uhr ſtatt; wer dieſe aus der Nähe
ſehen will, tut gut, ſich bei Zeit auf die reſervierte, für
20 Pfg. zugängliche Tribüne zu begeben. In der
Zwiſchenzeit ſind die Samoaner auf ihrem Dorfplatz
am Weiherufer zu ſehen, wenn nicht ſtarker Regen ſie
in ihre Hütten oder Wohnräume verſcheucht. Um 1 Uhr
wird der Garten für die Vormittagsbeſucher geſchloſſen
und am Nachmittag beträgt das Eintrittsgeld, wie
auch an den anderen Tagen, 1 Mark (Kinder 50 Pfg.)
für den Garten, und 50 Pfg. (Kinder 20 Pfg.) für das
Aquarium. Für Sonntag nachmittag ſind die
Vor=
ſtellungen, wie gewöhnlich, auf 4, 5½ und 7½ Uhr in
Ausſicht genommen. Sonntag abend 8 Uhr wird die
Schauſtellung geſchloſſen.
Wiesbaden, 29. Juni. Das Schwurgericht
verurteilte heute den aus Büttelborn bei Darmſtadt
gebürtigen und in Eltville wohnhaften Steinhauer
Heinrich Jockel, der am Abend des 23. Januar d. J.
auf ſeine Ehefrau mehrere Revolverſchüſſe abgegeben
und von denen einer eine erhebliche Verletzung am
linken Auge zur Folge hatte, wegen fahrläſſiger
Kör=
perverletzung unter Zubilligung mildernder Umſtände
zu ſechs Monaten Gefängnis. Die Anklage lautete
auf Totſchlagsverſuch.
H. Mannheim, 29. Juni. Geſtern abend fand die
27jährige Schweſter des in B6 wohnenden
Gerichtsvoll=
ziehers auf eigenartige Weiſe den Tod. Sie war
ausgegangen, um Einkäufe zu beſorgen. Unterwegs
be=
merkte ſie, daß ſie den Vorplatzſchlüſſel in der Wohnung
liegen gelaſſen hatte. Sie ſuchte nun von dem Gangfenſter
aus auf den Balkon hinüber zu ſpringen, um in die
Woh=
nung zu gelangen, rutſchte aber aus und ſtürzte vom
vierten Stock in den zementierten Hof hinab, wo ſie mit
zerſchmettertem Kopf und Gliedern tot liegen blieb.
Stuttgart, 29. Juni. Zu dem Mord und
Selbſt=
mord Obriſt=Sutter wird noch mitgeteilt: Dr.
Obriſt ſtand ſchon in früheren Jahren während ſeiner
Tätigkeit am hieſigen Hoftheater in Beziehungen zu
der Sängerin, die in ihrer Lebensführung weitherzig,
doch wegen ihrer künſtleriſchen Vielſeitigkeit und ihrer
ewig heiteren, unverwüſtlichen Laune der erklärte
Lieb=
ling des Stuttgarter Theatervublikums war. Obriſt
wollte ſich von ſeiner Frau, der früheren weimariſchen
Hofſchauſpielerin Hildegard Jenicke, ſcheiden laſſen,
was dieſe jedoch ablehnte. Die Folge dieſer
Weiger=
ung war, daß Obriſt von ſeiner Frau getrennt lebte,
er war alſo noch nicht geſchieden. Sie wohnten früher
in Weimar, wo Obriſt eine Villa beſaß. Hier ſuchte
er wieder Beziehungen mit der 38jährigen Künſtlerin
Sutter anzuknüpfen; dieſe, die hier mit ihren zwei
Kindern einen eigenen Haushalt führte, lehnte jedoch
ſeine Anträge ab. Heute vormittag drang Obriſt trotz
des Widerſtrebens des Dienſtmädchens in die Wohnung
der Künſtlerin ein; er ſtreckte ſie durch zwei Schüſſe
in die Bruſt in ihrem Schlafzimmer nieder und gab
hierauf fünf Schüſſe auf ſich ſelbſt ab, die ſeinen
ſo=
fortigen Tod zur Folge hatten. Anna Sutter war noch
geſtern in der Operette „Mamſelle Nitouche” aufgetre=
daher bereits dorthin. Senſationelle Mitteilungen über
Goldfunde werden auch nördlich von Stewart aus Alaska
gemeldet. Im ganzen ſind bereits 10000 Goldgräber in
den ſo ungeheuere Schätze bergenden Gebieten angelangt;
5000 andere ſind unterwegs. Die Entdecker glauben bei
Stewart die Goldader gefunden zu haben, von der alle
goldhaltigen Ströme ihren koſtbaren Inhalt empfangen
und daß auch die berühmten Diſtrikte des Unakriver und
der Alaskan Creeks aus dieſer Goldquelle geſpeiſt werden.
Nach den Schilderungen von Delgrove iſt die neue Ader
das wundervollſte Goldfeld, von dem er je gehört hat. Es
könne hier wohl an hundert Jahre geſchürft werden, ohne
daß die Ader erſchöpft würde. Durch ſolche Mitteilungen
wird die ungeheuere Aufregung, die ſchon ſo viele ergriffen
hat, begreiflich. Ein Strom von Goldgräbern wird ſich
nach Britiſch=Kolumbien und Alaska ergießen.
— Die Koſten des Prozeſſes Schönebeck
belaufen ſich nach der Deutſchen Journalpoſt auf etwa
60000 bis 70000 Mark, das heißt die Gerichtskoſten,
ſo=
weit die Koſten des Verfahrens, der Sachverſtändigen,
der Zeugen uſw. in Frage kommen. Daneben
lau=
fen die Honorare und Prozeßgebühren, welche die
An=
geklagte an ihre drei Verteidiger: Rechtsanwalt Bahn
(Berlin), Juſtizrat Sello (Berlin) und Rechtsanwalt
Salzmann (Allenſtein) zu zahlen hat und die auf etwa
60000 Mark veranſchlagt werden. An dritter Stelle hat
ſie erhebliche Koſten für private Ermittelungen gehabt,
ſo daß neben den 70000 Mark Gerichtskoſten faſt die
gleiche Summe ihrer ſonſtigen Koſten, zuſammen alſo
etwa 140000 Mark, in Frage kommen. Wer die Koſten
zu zahlen hat, entſcheidet das Urteil. Die Stadt
Allen=
ſtein hat von dem Prozeß einen wirtſchaftlichen Vorteil
gehabt. Die Hotels der Stadt wurden nicht mehr leer
von Zeugen und Sachverſtändigen des Prozeſſes. Das
Allenſteiner Hauptpoſtamt hat an Telephon= und
Tele=
grammgebühren während dieſer Zeit mehr als 6000 M.
vexeinnahmt.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
Nummer 151.
ten. Sie war ſeit vielen Jahren eine Hauptſtütze des
Hoftheater=Enſembles, ebenſo zu Hauſe in der Oper,
Spieloper wie Operette. Hervorragende Leiſtungen
waren ihre „Carmen” und „Salome‟.
Allenſtein, 30. Juni. Zu der heutigen Verhandlung
im Prozeß gegen die Frau v. Schönebeck=Weber,
der auch Oberſtaatsanwalt Dr. Voswinkel aus
Königsberg beiwohnte, war, wie die Allenſteiner Ztg.
meldet, die Angeklagte nicht erſchienen. Der Vorſitzende
teilte mit, daß die Angeklagte geſtern ſchwere Anfälle
erlitten habe und heute nicht verhandlungsfähig ſei.
Die ärztlichen Sachverſtändigen begutachteten, daß die
Angeklagte ſich in einem Zuſtande ſchwerer hyſteriſcher
Erkrankung und Verwirrtheit befinde und nicht
ver=
handlungsfähig ſei. Simulation ſei ausgeſchloſſen. Es
wurde beſchloſſen, zu verſuchen, morgen weiter zu
ver=
handeln; es iſt jedoch unwahrſcheinlich, daß es
gelin=
gen wird. Falls innerhalb vier Tagen nicht
weiter=
verhandelt wird, würde die Verhandlung vertagt
wer=
den müſſen, um ſpäter völlig von neuem begonnen zu
werden. (I)
Rom, 29. Juni. In der heutigen Sitzung der
Kammer brach der Deputierte für Rom, Mazza,
plötzlich mitten in ſeiner Rede zuſammen. Die unter
den Deputierten anweſenden Aerzte, die ſich ſofort um
ihn eifrig bemüht hatten, konnten nur noch den
in=
folge eines Schlagfluſſes eingetretenen Tod feſtſtellen,
Die Sitzung wurde ſofort aufgehoben.
Paris, 29. Juni. Ein ſeltenes Beiſpiel von
Leicht=
gläubigkeit lieferte der kürzlich verſtorbene
päpſt=
liche Prälat Siſſon, der lange Zeit Pfarrer von Saint=
Honoré d’Eylau, einer der feinſten Pariſer
Gemeinde=
kirchen, war. Siſſon beſaß ein beträchtliches Vermögen
und verband damit den Ehrgeiz, dem Papſttum und
der katholiſchen Kirche den alten Glanz wieder zu
geben. Ein Schwindler namens Dupray de la
Mahorie bemächtigte ſich ſeiner im Jahre 1886, um
unter dem lächerlichen Namen „Le bras économique
de l'Egliſe” einen großen Verein zu gründen und eine
Zeitung „Concordia” herauszugeben. Dupray
ver=
ſicherte, den größten Einfluß im Vatikan zu beſitzen
und verſchwand von Zeit zu Zeit, um in Rom ſelbſt
das große Werk zu fördern, und von dort aus erhielt
Siſſon die ſchönſten Zuſchriften von Kardinälen und
anderen Prälaten, die verſicherten, der Papſt werde
alles doppelt und dreifach zurückgeben, was Siſſon für
das fromme und nützliche Werk aufwende. Dieſer ſtarb
vor drei Monaten mit allen ſeinen Illuſionen in
einem Krankenhaus für Prieſter und hinterließ ſeinem
Neffen bloß ſeinen großen Koffer voll Papiere, unter
denen ſich glücklicherweiſe genug Quittungen des
Schwindlers Dupray fanden, die heute deſſen
Verhaf=
tung nach ſich gezogen haben. Seit dem Tode Siſſons
lebte Dupray auf Koſten einer alten Wirtin, der er ein
wertvolles Elfenbeinkruzifix abgeſchwindelt hatte.
Paris, 30. Juni. Ein Gebäude der ſtaatlichen
Pul=
verfabrik in Sévan (Departement Oiſe) flog geſtern
mit 2000 Kilogramm Pulver in die Luft. Der
ein=
zige Arbeiter, der im Augenblick der Exploſion
an=
weſend war, wurde ſchwer verletzt.
London, 30. Juni. In der Londoner Preſſe wird
zurzeit eifrig dafür eingetreten, daß der
Bucking=
ham=Palaſt, die Stadtreſidenz des Königs,
nie=
dergeriſſen und an ſeiner Stelle ein neues,
würdigeres Gebäude errichtet wird. Schön iſt
der Buckingham=Palaſt, der für Georg III. erbaut
wurde, ja gewiß nicht, und die Engländer haben nicht
ſo unrecht, wenn ſie ſagen, daß das Staatsoberhaupt
der reichſten Nation der Welt am jämmerlichſten wohnt.
Als Königin Viktoria einſt eine große Dame der
eng=
liſchen Geſellſchaft beſuchte, ſagte ſie zu ihr: „Ich bin
von meinem Hauſe nach Ihrem Palaſte gekommen.”
In den letzten Jahren iſt die breite und ſchöne Mall
angelegt worden, die an einer Seite die Terraſſen
reicher Klubhäuſer, an der anderen Seite den ſchönen
St. James=Park hat. Ein wirkungsvolles Tor
ver=
bindet die Mall mit dem Trafalgar=Square, während
am anderen Ende der Buckingham=Palaſt liegt und
da=
vor der noch unvollendete große Gedächtnisbau an die
Königin Viktoria, der den Palaſt an Höhe ſowohl als
an Schönheit weit überragen wird. Die Mall wäre
in der Tat geeignet, eine Prunk= und Feſtſtraße erſten
Ranges zu werden, wenn eben der königliche Palaſt,
zu dem ſie hinaufführt, nicht viel beſſer als eine
lang=
geſtreckte ſchmutzige Scheune ausſähe. Thackeray
ver=
ulkte den Palaſt bereits vor fünfzig Jahren, aber an
der Behauſung des Königs wurde nichts geändert.
Allerlei Verſchönerungsvorſchläge wurden freilich
ge=
macht, aber keiner ausgeführt, und da das Gebäude
aus einem ganz weichen, zerbröckelnden Stein
ausge=
führt iſt, ſo dürfte eine Verbeſſerung ſich auch kaum
verlohnen. Das richtigſte wäre, den alten Kaſten
nie=
derzureißen und an ſeiner Stelle einen neuen Palaſt
zu bauen. Ob dafür aber die gegenwärtige liberale
Regierung zu haben ſein wird, beſonders während der
jetzigen Finanznot Großbritanniens, iſt recht
unwahr=
ſcheinlich.
Zweite Kammer der Stände.
64. Sitzung.
St. Darmſtadt, 30. Juni.
Am Regierungstiſche: Finanzminiſter Braun
Erz., Miniſter des Innern von Hombergk zu
Vach Exz., die Geheimeräte Dr. Becker und Dr.
Beſt, Geh. Oberfinanzrat Dr. Knell, ſpäter
Staats=
miniſter Ewald Exz.
Die Sitzung wird um 9½ Uhr durch Vizepräſident
Korell eröffnet. Das Haus ſetzt die
Spezialberat=
ung der Gemeindeſteuergeſetzesvorlage bei
Art. 9 fort. Der Artikel wird ohne Debatte
ange=
nommen.
Zu Artikel 10 beantragt der Ausſchuß folgende
Faſſung: „Berechnet ſich in Fällen des Art. 7 Ziff. 1
oder 2 im abgelaufenen Geſchäftsjahr der Ertrag des
Gewerbebetriebes auf mehr als 6 Prozent des rauhen
Wertes des dem Gewerbe dienenden geſamten
Ver=
mögens, ſo iſt der nach Art. 9 feſtgeſtellte Betrag um
ein Vielfaches dieſes Mehrertrages zu erhöhen und
zwar bei einem Mehrertrag von weniger als 500 Mk.
um das 1fache des Mehrertrags, von 500 Mk. bis
weni=
ger als 1000 Mk. um das 2fache, von 1000 Mk. bis
weniger als 1500 Mk. um das 3fache, von 1500 Mk. bis
weniger als 2000 Mk. um das 4fache, von 2000 Mk. bis
weniger als 2500 Mk. um das 5fache, von 2500 Mk. bis
weniger als 3000 Mk. um das 6fache, von 3000 Mk. bis
weniger als 4000 Mark um das 7fache, von
4000 Mk. bis weniger als 6000 Mk. um das 8fache, von
6000 Mk. bis weniger als 10000 Mk. um das 9fache,
von über 10000 Mk. um das 10fache des Mehrertrags.
Bei Betrieben mit einem Ertrag von weniger als
1300 Mk. findet ein Zuſchlag nach den vorſtehenden
Be=
ſtimmungen nicht ſtatt. Als Ertrag gilt der
Unter=
ſchied zwiſchen den Betriebseinnahmen und den
Be=
triebsausgaben, denen auch die einer angemeſſenen
Wertverminderung entſprechenden Abſchreibungen zu=
zuſetzen ſind. Dem Ertrag ſind zuzurechnen die aus
den Betriebseinnahmen beſtrittenen Ausgaben für
Verbeſſerungen und Geſchäftserweiterungen, ſowie für
den Unterhalt des Gewerbetreibenden und ſeiner
An=
gehörigen. Nicht abzugsfähig ſind Zinſen für das
An=
lage= und Betriebskapital, mag es dem
Gewerbetrei=
benden ſelbſt oder dritten gehören, und für Schulden,
die zur Anlage oder Erweiterung des Geſchäfts,
Ver=
ſtärkung des Betriebskapitals oder zu ſonſtigen
Ver=
beſſerungen aufgenommen ſind.”
Der Antrag wird vom Abg. Molthan kurz
be=
gründet und dann gegen 3 Stimmen angenommen.
Ebenſo ohne Debatte die Artikel 11—18, 19 u. 20. Zu Art. 21,
Warenhausſteuer, beantragt der Ausſchuß
unter Zurückziehung ſeines urſprünglichen Antrages
folgende neue Faſſung: „Die neben der
allgemei=
nen Gewerbſteuer zu entrichtende Warenhausſteuer
kann in der Form eines Zuſchlags zu jener oder nach
dem im Kleinhandel erzielten Umſatz des
Unterneh=
mens erhoben werden. Die Ortsſatzung beſtimmt,
welche dieſer beiden Formen für die Beſteuerung
maß=
gebend iſt und welche Steuerſätze in dem einen oder
anderen Fall innerhalb der nachſtehend bezeichneten
Grenzen erhoben werden ſollen. Beſteht die
Waren=
hausſteuer in einem Zuſchlag zur Gewerbſteuer, ſo
kann dieſer für alle unter die Warenhausſteuer
fallen=
den Unternehmen nach Hundertteilen der
Gewerb=
ſteuer entweder gleichmäßig feſtgeſetzt oder nach der
Höhe des Jahresumſatzes progreſſiv abgeſtuft werden.
Der Zuſchlag beträgt mindeſtens 25 Prozent und
höch=
ſtens 200 Prozent der Gewerbſteuer. Wird die
Waren=
hausſteuer nach dem Umſatz des gewerblichen
Unter=
nehmens erhoben, ſo beträgt ſie mindeſtens 1 Prozent
und höchſtens 5 Prozent des Umſatzes. Ueberſteigt die
hiernach berechnete Warenhausſteuer nachweislich 20
Prozent des Ertrags im Sinne des Art. 10 Abſatz 3, ſo
iſt ſie auf Antrag des Pflichtigen auf dieſem Betrag,
keinesfalls aber auf weniger als 1 Prozent des
Um=
ſatzes, zu ermäßigen.”
Abg. Molthan, begründet die neue, mildere
Faſſung damit, daß in den Eingaben der Intereſſenten
mit Recht darauf hingewieſen wurde, daß die Wirkung
dieſes Artikels über diejenige der Nachbarſtaaten
hinausgehe. Der Ausſchußantrag wird dann
genehmigt.
Die Artikel 22 bis 46 werden ohne Debatte
gutge=
heißen. — Zu Artikel 47 entſteht eine längere Debatte,
veranlaßt durch Ausführungen des Abg. Wolf, der
die Heranziehung der Einkommen unter 500 Mk. zur
Steuer bemängelt. — Geh. Rat Dr. Becker macht
darauf aufmerkſam, daß, wenn man dem Abg. Wolf
nachgebe, vielen Perſonen das Wahlrecht genommen
werde, da nach unſerem Geſetze nur Perſonen das
Wahlrecht ausüben können, die zur Steuer veranlagt
ſind. Für dieſen Artikel müßten ſogar die
Sozial=
demokraten ſtimmen, die ja merkwürdigerweiſe auch
die Kapitalbeſteuerung abgelehnt haben. (Hört!
Heiter=
keit.) — Der Artikel wird ſchließlich genehmigt,
eben=
ſo ohne Debatte die Artikel 48 bis 60 in der Faſſung
der Ausſchußanträge.
Nach der Pauſe teilt der Präſident mit, daß der
Seniorenkonvent beſchloſſen habe, heute, nach
Erledigung des Gemeindeſteuergeſetzes die Sitzung
abzubrechen und wenn es notwendig iſt, in etwa
8 Tagen noch eine kurze Sitzung einzuſchieben, die
Haupttagung aber zu verſcheben bis zum
Herbſt.
Zu Artikel 61, dem Schlußartikel, hat der Abg=
Brauer beantragt, einen Paſſus einzufügen, nach
dem die Geltungsdauer des Geſetzes auf
5 Jahre beſchränkt wird. — Der Abg. Bähr
beantragt analog, das Geſetz ſolle bis 1917 Geltung
haben. — Es wird zunächſt debattiert über die
vorge=
ſchlagene Aufhebung der Steuerfreiheit der Pfarr= und
Schulbeſoldungsgüter. Man ſtimmt ſchließlich dem zu.
Die Anträge der Abgg. Bähr und Brauer geben
dann Anlaß zu langer, teils ſcharfer Debatte. Abg.
Bähr begründet ſeinen Antrag damit, daß viele
Un=
gerechtigkeiten in dem Geſetz enthalten ſeien, die ſobald
als möglich beſeitigt werden müſſen. So die
Frei=
laſſung der Aerzte und Rechtsanwälte von der
Ge=
werbeſteuer u. a.
Finanzminiſter Braun Exz. richtet das dringende
Erfuchen an das Haus, alle Anträge, die auf eine
Be=
ſchränkung der Geltungsdauer des Geſetzes
hinaus=
laufen, abzulehnen. (Sehr richtig!) Redner
ver=
weiſt auf ſeine Ausführungen zur Einleitung der
Be=
ratung. Wollte man wiederum ein Proviſorium
ſchaffen, ſo ſei die Ausſicht, daß das Geſetz in der
Erſten Kammer zur Annahme gelangt, minimal, denn
der Ausſchußbericht des hohen Hauſes laſſe darüber
kaum Unklarheit. Es hieße auch geradezu ſich
lächer=
lich machen, wenn man in dem Moment, da das Geſetz
zuſtande gekommen, ſchon den Zeitpunkt feſtſetzt, da es
wieder aufgehoben werden ſoll, weil man kein
Ver=
trauen zur eigenen Arbeit hat. Wenn wirklich ſich
Einzelheiten finden in dem Geſetz, die in der Praxis
nicht das halten, was ſie theoretiſch verſprochen, gebe
es Mittel und Wege genug, Aenderungen
herbeizu=
führen. Uebrigens ſind 5 Jahre ein zu kurzer
Zeit=
raum, um die Wirkung des Geſetzes zu erproben, die
Mindeſtgeltungsdauer müßte eventl. bis 1920 ſein. —
Abg. Wolf tritt für den Antrag Brauer ein, ebenſo Abg.
Reinhart, der den Zuſatz vorſchlägt, die Regierung
zu erſuchen, nach 3 Jahren eine Denkſchrift über die
Wirkſamkeit des Geſetzes dem Hauſe zu unterbreiten.
— Abg. Bähr meint, alle Steuergeſetze ſollten
über=
haupt nur proviſoriſch erlaſſen werden, denn man kann
deren Wirkung nie vorherſehen. — Geheimerat Dr.
Becker warnt ebenfalls dringend vor Schaffung eines
Proviſoriums. — Abg. Dr. Gutfleiſch erkennt die
Gründe der Regierung an und bittet, von einer
be=
ſchränkten Geltungsdauer des Geſetzes abzuſehen. —
Abg. Ulrich will für den Antrag ſtimmen, weil
daraus hervorgeht, daß die Herren, die das Geſetz
ge=
ſchaffen haben, ſelbſt kein Vertrauen zu ihrer Arbeit
haben. — Hingegen ſpricht Abg. Dr. Schmitt energiſch
gegen den Antrag. Ebenſo Abg. Molthan.
Inzwiſchen iſt eine Reſolution eingegangen,
die Regierung zu erſuchen, ſpäteſtens am 1. April 1918
den Landſtänden eine Denkſchrift über die
Wirk=
ung des Geſetzes zu unterbreiten. — Abg. Brauer
ändert ſeinen Antrag dahin, daß das Geſetz bis
1919 Geltung haben ſoll. Der Antrag Brauer
wird angenommen mit knapper Mehrheit. Der
letzte Artikel wird im übrigen in der Ausſchußfaſſung
angenommen. Damit iſt der ganze
Geſetzent=
wurf erledigt.
Nach Erledigung einiger Poſitionen durch
Ueber=
weiſung an die Ausſchüſſe beginnt die Beſprechung des
Antrages Dr. Oſann und Genoſſen, betreffend
die Borromäus=Enzyklika.
Die Abgg. Dr. Oſann und Genoſſen hatten
folgen=
den Antrag eingebracht: Wir beantragen einen
Be=
ſchluß der Kammer dahin:
Die Enzyklika „Editae saepe dei” vom 26. Mai 1910
enthält ſolch herabſetzende Urteile über die
Reforma=
toren, die Reformation, die proteſtantiſchen Fürſten
und Völker, daß die ganze evangeliſche Bevölkerung
in tiefſte Erregung und lebhafteſten Unwillen verſetzt
iſt Wir bedauern dieſe Kundgebung des Papſtes auf
das Tiefſte. Wir empfinden es auf das Schmerzlichſte,
daß die Kundgebung geeignet iſt, den auf gegenſeitige
Achtung geſtützten konfeſſionellen Frieden, den wir
leb=
haft wünſchen, in erheblichſter Weiſe zu gefährden. —
Das Haus beſchließt Dringlichkeit und ſofortige
Be=
ſprechung des Antrages.
Staatsminiſter Ewald Exz.
gibt folgende Erklärung ab:
Gegenüber dem Antrage der Herren Abgeordneten
Dr. Oſann und Genoſſen glaubt die Großherzogliche
Regierung mit einer Aeußerung über ihre Stellung
zu der päpſtlichen Enzyklika gegen den Modernismus
„Editae saepe dei” nicht zurückhalten zu ſollen.
Sie hat tief bedauert, daß in dieſer an das Epiſkopat
gerichteten Kundgebung ſachlich und in der Form
krän=
kende Urteile über die Reformatoren, die Fürſten,
welche die Reformation in ihren Schutz genommen
haben, und die Völker, die ihr gefolgt, enthalten ſind,
Urteile, welche die Empfindungen Vieler, beſonders
in einem Lande verletzen müſſen, in dem Fürſt und
Volk im Anſchluß an die Reformation vorangegangen
iſt und in dem das Andenken an den Landgrafen Philipp
den Großmütigen, den Ahnherrn unſeres
Landes=
fürſten und die Männer jener Zeit in hohen Ehren
gehalten wird.
Sie weiß ſich einig mit den weiteſten Kreiſen
beider Konfeſſionen in dem ernſten Beſtreben, jede
Gefährdung des konfeſſionellen Friedens, deſſen unſere
Zeit dringend bedarf, zurückzuweiſen und hat deshalb
mit Genugtuung die Schritte der Königlich Preußiſchen
Regierung bei der Kurie begrüßt, denen es zu danken
iſt, daß den deutſchen Biſchöfen die Veröffentlichung
der Enzyklika in den Kirchen und Diözeſan=Blättern
unterſagt, damit die Unwirkſamkeit der Enzyklika für
Deutſchland ausgeſprochen und deren üble Wirkung
nach Möglichkeit beſeitigt wurde.
Abg. Dr. Oſann:
Namens meiner Partei habe ich folgende
Erklär=
ung abzugeben: Die päpſtliche Enzyklika „Editae saepe
der vom 26. Mai 1910 hat in der evangeliſchen
Bevöl=
kerung Deutſchlands einen Sturm des Unwillens
er=
regt; die in ihr enthaltenen Urteile über die
Refor=
mation und die Reformatoren, über die proteſtantiſchen
Fürſten und Völker haben in allen evangeliſchen
Kreiſen auf das tiefſte verletzt.
In zahlreichen Verſammlungen, die von Tauſenden
beſucht waren, kamen die Proteſte gegen die Angriffe
des Papſtes in ſcharfer Weiſe zum Ausdruck. Nicht von
außen hineingetragen, nicht etwa künſtlich geſtaltet iſt
dieſe Erregung, ſondern ſie quillt hervor aus dem
Ge=
danken, der alle Evangeliſchen erfüllt, die Angriffe auf
die evangeliſche Religion zurückzuweiſen und ihnen
entgegenzutreten. Aus allen evangeliſchen Kreiſen,
mögen ſie der poſitiven Richtung angehören, oder freier
Auffaſſung ſein, ſetzen ſich dieſe Proteſtierenden
zu=
ſammen; in der Abwehr haben ſich alle Evangeliſchen
vereinigt.
Aber auch weithin in katholiſchen Kreiſen iſt das
Gefühl lebendig, daß die Angriffe des Papſtes auf die
evangeliſche Kirche in ſeiner Enzyklika geeignet ſind,
den konfeſſionellen Frieden zu ſtören und zu gefährden.
Zahlreiche katholiſche Stimmen könnten hier angeführt
werden; ſolche von gekrönten Häuptern, von
maßgeben=
den Behörden, auch in Staaten mit überwiegend
katho=
liſcher Bevölkerung, von hervorragenden Männern im
Parlament und im Leben, in der Preſſe.
Wir erinnern uns mit Anerkennung der
fried=
lichen Worte, die gerade mit Bezug auf die
Einigkeits=
idee Herr Abgeordneter Dr. Schmitt in Mainz
geſpro=
chen und in ihnen ermahnt hat, den konfeſſionellen
Frieden hoch zu halten. Wir erkennen durchaus an,
daß der Papſt durch ſein Gebot an die deutſchen Biſchöfe
die Enzyklika in Deutſchland nicht zu veröffentlichen,
die Wirkung der Enzyklika in Deutſchland aus der
Welt zu bringen beſtrebt iſt. Allein ſeine weitere
Er=
klärung, daß er mit wahrem Bedauern die Nachricht
von der Erregung in Deutſchland erhalten habe, iſt in
vielen evangeliſchen Kreiſen als nicht ausreichend
er=
achtet worden, da nur die Erregung, nicht aber die
Ur=
ſache der Erregung bedauert wurde. Daß trotzdem die
Erregung in den evangeliſchen Kreiſen nicht
geſchwun=
den iſt, hat ſeinen Grund gerade in dem letzteren
Um=
ſtand, und weiter in dem verletztenden Wortlaut der
Enzyklika.
Es handelt ſich hier nicht allein um innerkirchliche
Angelegenheiten; wäre dies der Fall, ſo hätten ſich auch
die Einzelſtaaten jeder Stellungnahme gegenüber der
Enzyklika enthalten müſſen. Der Staat hat ein
Lebens=
intereſſe daran, daß die Konfeſſionen in Frieden
neben=
einander wohnen. Die Erhaltung des konfeſſionellen
Friedens in paritätiſchen Staaten liegt ſowohl im
In=
tereſſe der Konfeſſionen ſelbſt, wie im nationalen
In=
tereſſe.
Wir ſtehen auf dem Standpunkt des konfeſſionellen
Friedens und wünſchen im nationalen Intereſſe deſſen
Gedeihen von ganzem Herzen. Wir hoffen, daß er noch,
und trotz der ſchweren Erſchütterung, doch ſeinen Weg
finden wird. Aber der konfeſſionelle Friede kann nur
gedeihen auf dem Boden der gegenſeitigen Achtung und
Wertſchätzung. Die Grundſätze aller Konfeſſionen
weiſen uns den Weg zum Frieden, zur gegenſeitigen
Schätzung der einzelnen Menſchen, welcher Art ſie auch
ſeien. Es gibt Kämpfe der Geiſter auf dogmatiſchem,
wirtſchaftlichem und politiſchem Gebiete genug, daß
alle Beteiligten vermeiden ſollten, noch weitere
Reib=
ungsflächen zu ſchaffen. Das gilt beſonders für uns
in Deutſchland. Wir werden auch ferner bemüht ſein,
dieſen Frieden zu fördern. So dienen wir am beſten
dem großen und unſerem engeren Vaterlande.
Abg. Pennrich:
Namens meiner politiſchen Freunde habe ich zu
erklären, daß wir einer politiſchen Körperſchaft nicht
die Kompetenz zuerkennen können, über eine
innerkirchliche Angelegenheit zu verhandeln. Wir
müſſen es daher ablehnen an der Beratung und
Abſtimmung über einen derartigen Antrag
teilzuneh=
men. Unſere Stellung zum konfeſſionellen Frieden iſt
zu bekannt, als daß wir es nötig haben, hier noch nähere
Ausführungen darüber zu machen. (Die
Zentrumsab=
geordneten verlaſſen hierauf bis auf die Abgeordneten
Nummer 151.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
Seite D.
Schmitt und von Brentano den Saal, die erſt kurz vor
der Abſtimmung gehen.)
Abg. Wolf
bedauert namens ſeiner Partei ebenfalls tief die
Stör=
ung des konfeſſionellen Friedens durch den Papſt und
die darüber entſtandene Erregung. Er erinnert an
einen Ausſpruch des früheren Staatsminiſters Rothe,
der ſagte, der Frieden der Konfeſſionen wird erhalten
bleiben, wenn man hüben und drüben anfängt, weniger
empfindlich zu werden.
Abg. Ulrich:
Wir ſtehen auf dem Standpunkte „Religion iſt
Privatſache”. Wir ſind der Meinung, daß niemand
da=
für kann, daß er als Katholik oder Proteſtant oder Jude
geboren iſt. Wir werden uns in den Streit unter den
religiöſen Anſchauungen, wie er jetzt entfacht iſt, nicht
einmiſchen, weil wir der Meinung ſind, daß es nicht
nötig iſt, das politiſche Leben durch religiöſe
Rückſich=
ten noch mehr zu verſchärfen, als es ohnehin ſchon der
Fall iſt, und daß derlei religiöſe Dinge nur von den
religiöſen Körperſchaften erledigt werden ſollen.
Darauf erfolgt Abſtimmung.
Der Antrag Oſann wird mit allen
gegen die drei Stimmen der
Sozialdemo=
kraten an gen o m men.
Da die Zeit inzwiſchen weit vorgeſchritten iſt,
ſchließt der Präſident die Sitzung und vertagt das
Haus auf unbeſtimmte Zeit.
Schluß gegen halb 2 Uhr.
Sitzung der Großh. Handelskammer Darmſtadt
vom 27. Juni.
Auf der Vertreterkonferenz der Heſſiſchen
Handels=
kammern am 2. Juni in Frankfurt a. M., an welcher
ſeitens der Handelskammer die Herren
Kommerzien=
rat Frölich, Ludwig Fiſcher und Syndikus Dr.
Hu=
man teilgenommen haben, wurde hauptſächlich über
die Stellungnahme zu den Beſchlüſſen
des Finanzausſchuſſes der Zweiten
Kam=
mer der Landſtände, betreffend das
Gemeindeumlagengeſetz, verhandelt. Es
wurde in dieſer Angelegenheit unter
Aufrecht=
erhaltung der früheren Beſchlüſſe des
Heſſi=
ſchen Handelskammertages zu der
Gewerbe=
ſteuer eine Reſolution gefaßt, welche bereits öffentlich
bekannt geworden iſt. Auf Grund eines in derſelben
Sitzung gefaßten Beſchluſſes wurde eine gemeinſame
Eingabe der Heſſiſchen Handelskammern an das
Groß=
herzogliche Finanzminiſterium gerichtet, welche ſich
gegen den direkten ſtaatlichen Kohlenbezug
unter Ausſchaltung des
Zwiſchenhan=
dels ausſprach. Die Handelskammern ſind der
An=
ſicht, daß aus verſchiedenen Gründen ein derartiges
Verfahren überhaupt nicht durchführbar iſt und daß
ſich außerdem die von der Regierung hieraus
erwar=
tete Erſparnis nicht verwirklichen laſſen wird.
In der Zweiten Kammer der Landſtände war die
Frage angeregt worden, ob nicht ein Teil der den
Handelskammern gewährten Zuſchüſſie
von dieſen mit dem Recht der Beſteuerung
ausgeſtat=
teten Korporationen entbehrt werden könnte.
Gele=
gentlich einer gemeinſamen Konferenz der Heſſiſchen
Handelskammern am 18. Juni wurde der
überein=
ſtimmenden Anſicht Ausdruck verliehen, daß wohl ein
gewiſſer prozentualer Abzugean ſich die
Exiſtenzfähig=
keit der Handelskammern nicht gefährden würde,
je=
doch ein ſolches Vorgehen angeſichts des
Mißverhält=
niſſes zwiſchen den Aufwendungen für die
Landwirt=
ſchaft und Handwerk einerſeits und für Handel und
Induſtrie andererſeits große Erbitterung in den
Krei=
ſen der Kaufmannſchaft hervorrufen würde. Es
möchte unter keinen Umſtänden eine Kürzung der
ſtaatlichen Zuſchüſſe zu den Handelskammern und zu
den von dieſen unterhaltenen kaufmänniſchen
Unter=
richtsanſtalten ſtattfinden, dagegen eine Erhöhung der
Staatszuſchüſſe für das Kaufmänniſche
Unterrichts=
weſen in Erwägung gezogen werden. Trotz der
An=
ſtrengungen der Handelskammern leiſten die
Kauf=
männiſchen Fortbildungsſchulen gegenwärtig nicht das,
was für ihre weitere Entwickelung notwendig iſt,
ins=
beſondere, wenn man die Fortſchritte betrachtet, die
in=
zwiſchen in anderen Staaten mit der Förderung des
Kaufmänniſchen Unterrichtsweſens gemacht worden
ſind.
An der 2. Hauptverſammlung des
Ver=
kandes der Detailliſten=Vereine im
Großherzogtum Hefſen am 22. Mai d. J. in
Friedberg haben in Vertretung der Handelskammer
teilgenommen die Herren Kommerzienrat Frölich,
Syndikus Dr. Human und Speckhardt, dirigierender
Lehrer der Kaufmänniſchen Fortbildungsſchule. Auf
dieſer Konferenz wurde hauptſächlich die Frage des
Kaufmänniſchen Unterrichtsweſens und beſonders die
eventuelle Schaffung von ſogenannten kaufmänniſchen
Jahresvorſchulen, für deren Einführung ſich großes
Intereſſe zeigte, beſprochen.
Herr Fiſcher hat an der
Hauptverſamm=
lung des Deutſchen Verbandes
kaufmän=
niſcher Vereine in Karlsruhe am 22. und 23.
Mai, und Herr Wilhelm Kalbfuß an der
Haupt=
verſammlung des Bezirksvereins IX
des Verbandes Deutſcher
Detail=
geſchäfte der Textilbranche in
Stutt=
gart am 29. Mai teilgenommen.
Der Voran ſchlag der Handelskammer
für das Jahr 1910 wurde unter Einrechnung des
Betriebsfonds in Höhe von 7161 Mark auf 35121 Mark
feſtgeſetzt.
Es ſind Beſtrebungen im Gange auf
Einführ=
ung des gregorianiſchen Kalenders in
Rußland. Beſchloſſen wurde, ſich gegenüber dem
Großh. Miniſterium des Innern dahin zu äußern, es
erwüchſen der Kaufmannſchaft ſowohl aus dem jetzt
beſtehenden Kalenderunterſchied wie aus den
zahl=
reichen Feiertagen der griechiſch=katholiſchen Kirche in
den Geſchäftsverbindungen mit Rußland recht
bedeu=
tende Nachteile. Einerſeits ſei an regelrechte
Ab=
wickelung des Wechſelverkehrs unter den obwaltenden
Umſtänden nicht zu denken und andererſeits erlitten
die Warenperzollungen oft ſehr beträchtliche
Verzöger=
ungen. Die aus den zahlreichen Feiertagen ſich
er=
gebenden Mißſtände zeigten ſich in noch höherem Maße
auf dem Balkan. Die deutſche Reichsregierung möchte
doch auf eine Beſſerung dieſer Verhältniſſe bedacht
ſein.
Auf Wunſch des Deutſchen Handelstags war eine
Umfrage über den neuen japaniſchen
Zoll=
tarif veranſtaltet worden. Das hierauf
eingegan=
gene Material iſt dem Deutſchen Handelstag zur
Zu=
ſammenſtellung und Weitergabe überſandt worden.
In einem Schreiben an den Mittelrheiniſchen
Fg=
brikanten=Verein erklärte ſich die Handelskammer be=
reit, an einer weiteren, zur Gründung einer
Ver=
einigung zur Bekämpfung des
Schmier=
gelderunweſens einzuberufenden Verſammlung
teilzunehmen.
Mit dem Großh. Miniſterium der. Finanzen iſt
noch mehrfach, im Einverſtändnis mit den in Frage
kom=
menden Intereſſenten, über den Entwurf einer
Vergütungsordnung für Tabak verhandelt
worden. Von den vorliegenden Entſcheidungen ſind
jeweilig die betreffenden Intereſſenten in Kenntnis
geſetzt worden.
Die Handelskammer hatte gegen eine Zulaſſung
des zollfreien Veredelungsverkehrs
mit ausländiſchen hölzernen Felgen für
Fahräder nichts einzuwenden. Ebenſo lagen keine
Bedenken vor gegen die Zulaſſung eines
zollfreien Lohnveredelungsverkehrs
mit ausländiſchen ſchmiedeeiſernen
Na=
ben für Automobilräder, die mit eiſernen
Speichen und Felgen verſehen werden ſollen.
Herrn Wirklichen Geh. Oberpoſtrat
Kobelt wurde gelegentlich ſeines
Ueber=
trietts in den Ruheſtand der Dank der
Han=
delskammer für all das Entgegenkommen
ausgeſpro=
chen, welches er während ſeiner erſprießlichen Leitung
der Oberpoſtdirektion Darmſtadt der Handelswelt
gegenüber betätigt hat.
Unter dem 10. Juni ſind der Eiſenbahndirektion
Mainz die auf den kommenden
Winterfahr=
plan bezüglichen Wünſche übermittelt worden. Im
Intereſſe der Bergſtraße iſt wiederholt dem Wunſche
Ausdruck verliehen worden, es möchte der Perſonenzug
974 anſtatt 11,59 Uhr nachts künftighin etwa 12,20 Uhr
von Darmſtadt abfahren. Hierdurch würde die
Mög=
lichkeit geſchaffen werden, daß die Reiſenden, welche den
D=Zug 24 ab Frankfurt 11,45 Uhr nachts benutzen,
durch Umſteigen in Darmſtadt doch noch gut in die
ver=
ſchiedenen Orte der Bergſtraße gelangen können. So
würden diejenigen Reiſenden, welche den D=Zug 42
ab Berlin 3,20 Uhr nachmittags benutzen, in derſelben
Nacht in ihre Heimat gelangen können. Die
Eiſen=
bahndirektion Mainz hat, wenn irgend möglich, eine
Verwirklichung dieſes Wunſches für den kommenden
Winterfahrplan zugeſagt. Ebenſo ſoll dem Wunſche
der Handelskammer entſprechend tunlichſt der Zug 944
ab Darmſtadt 5,22 Uhr nachmittags ſpäter gelegt
werden, um hierdurch denjenigen, welche nach den
Orten Alsbach, Jugenheim und Seeheim gelangen
wollen, den unangenehmen Aufenthalt in Bickenbach
zu erſparen. — Entgegen dem ſeitens der
Handels=
kammer ſchon mehrfach geäußerten Wunſche kann die
Eiſenbahndirektion Mainz bei der geringen Entfernung
zwiſchen Dornberg und Groß=Gerau für die Einlegung
neuer Züge ein dringendes Bedürfnis nicht
aner=
kennen. Es ſoll dort auch keine Verlegung der
vor=
handenen Züge zur Verbeſſerung der Zuganſchlüſſe von
und nach Frankfurt mit Rückſicht auf die beſtehenden
Anſchlüſſe nach Mannheim und Mainz ſtattfinden. —
Die wegen der Strecke Frankfurt=Rüſſelsheim=Mainz
im Intereſſe Rüſſelsheims geäußerten Wünſche können
aus verſchiedenen Gründen noch keine Erfüllung
finden.
Um den Anſchluß von dem Schnellzug
D 27 Stuttgart=Frankfurt, an Darmſtadt
8,02 Uhr abends, an den Eilzug 193
Darm=
ſtadt=Mainz 8,09 Uhr abends möglichſt ſicher zu
ſtellen, iſt auf Wunſch der Handelskammer hin ſeitens
der Eiſenbahndirektion Mainz angeordnet worden, daß
letzterer Zug auf den erſteren bis zu 5 Minuten warten
darf.
Nach einer Mitteilung der Eiſenbahndirektion
Mainz iſt die Friſt für den Aufbrauch der alten
Frachtbriefformulare bis zum 31. Dezember
1911 verlängert worden.
Die Eiſenbahndirektion Mainz macht darauf
auf=
merkſam, daß zur Bewältigung des
erfah=
rungsgemäß ſtärkeren Verkehrs während
der Herbſtmonate der Bedarf an
Maſſen=
gütern, namentlich Kohlen, für den
Win=
ter, ſchon während der Sommermonate bezogen
wer=
den möchte. Ebenſo möchte der Bezug von
Dünge=
mittelſendungen gleichmäßiger auf das ganze Jahr,
mindeſtens jedoch auf einen größeren Zeitraum
ver=
teilt werden. Bei allen Wagenſendungen, hauptſächlich
bei ſolchen mit 15 und 20 Tonnen, müſſe außerdem auf
die volle Ausnutzung des Ladegewichts, ſowie auf die
beſchleunigte Be= und Entladung Bedacht genommen
werden.
Der Deutſche Handelstag hatte den Entwurf eines
internationalen Uebereinkommens über
den Perſonen= und Gepäckverkehr überſandt,
welcher in der Verkehrskommiſſion der Handelskammer
durchgeſprochen wurde. Es ergab ſich keinerlei Anlaß,
irgendwelche ernſtliche Bedenken gegen dieſen Entwurf
zu äußern.
Der Eiſenbahndirektion Mainz wurde mitgeteilt,
daß nach den Ermittelungen der Handelskammer die
Zulaſſung von Nachnahmebelaſtung bei
Expreßgutſendungen im Intereſſe des Wild=
und Geflügelhandels liege.
Dem Tarifamt der Königl. bayeriſchen
Staats=
eiſenbahnen in München wurde mitgeteilt, es liege ein
dringendes Bedürfnis für den Fiſchhandel vor, einen
ſogenannten Notverkauf von See= ſowie
Fluß= und Teichfiſchen bei Verweigerung der
Annahme, verſpätetem Eintreffen uſw. einzuführen.
Es könne ſo die Sendung in revalativ friſchem Zuſtande
beſſer verwertet werden, und es würde auch eine
tele=
graphiſche, Zeit und Geld koſtende Anfrage und
Ant=
wort wegfallen. Bei der Teichfiſcherei ſoll der Fall
ſehr häufig eintreten, daß der Abſender am
Abſen=
dungsorte überhaupt nicht wohne und dort nicht mehr
anweſend ſei. Es würde dann zweckmäßig ſein, einen
Vermerk etwa folgenden Inhaltes zuzulaſſen: „Bei
Annahmeverweigerung Nachricht nach N. N.‟ Dies
würde ſowohl die Bahnverwaltung, wie den Abſender
vor Unannehmlichkeiten und Verluſten ſchützen.
Die Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt hat
be=
kannt gemacht, es liege der Bebauungsplan für
den Gemarkungsteil zwiſchen Allee, dem
neuen Hauptbahnhof, den neuen
Güter=
bahnhof, Weiterſtädter Weg,
Landwehr=
ſtraße und Feldbergſtraße und der
abge=
änderte Text des § 24, Abſ. 1 des
Orts=
bauſtatuts bis zum 9. Juli in der Bürgermeiſterei
zur Einſicht und eventuellen Erhebung von
Einwen=
dungen offen. Es erſcheint geboten, daß die bei dieſem
Plan intereſſierten Gewerbetreibenden denſelben
an=
ſehen und etwaige Einwendungen innerhalb der
vor=
geſchriebenen Friſt bei der Großh. Bürgermeiſterei
vorbringen.
An der Durchſicht der Handelsregiſter
für Darmſtadt am 30. Mai d. J. haben die hierzu
beſtellten Vertreter, nämlich die Herren Kölb, Supp
und Ernſt Weis teilgenommen.
Auf Grund des in der letzten Vollverſammlung
gefaßten Beſchluſſes wurde der Bürgermeiſterei
Darm=
ſtadt ein eingehendes Gutachten über das
neu zu ſchaffende Statuſt für das ſtädtiſche
Pfandhaus übermittelt.
Dem Miniſterium des Innern wurde in
Beant=
wortung eines diesbezüglichen Schreibens mitgeteilt,
daß auch die Handelskammer die Mißſtände, welche im
Ausſtellungsweſen hervorgetreten ſeien, als
ſehr bedauerlich anſehe. Wenn nun auch geſagt werden
müſſe, daß die Ausſteller infolge der ſchlechten
Erfah=
rungen, welche ſie während der letzten Jahrzehnte
viel=
fach gemacht hätten, wohl meiſtenteils gegenüber
der=
artigen Unternehmungen recht vorſichtig geworden
wären, ſo würde es doch zweckmäßig ſein, als Schutz
im Allgemeinintereſſe die Einführung des „
verant=
wortlichen Ausſtellungsleiters” zu empfehlen.
Mit. Befriedigung wurde davon Kenntnis
ge=
nommen, daß Deutſchland und Oeſterreich=
Ungarn ſich eine gegenſeitige
Erleichte=
rung im Verkehr mit
Handlungsreiſen=
den zugeſtehen wollen.
Der Zentralverband der Weinhändler
Norddeutſch=
lands hat ſich die Aufgabe geſtellt, dem Geſchäftsgebaren
der ſogenannten Zentrale für Weinvertrieb,
G. m. b. H., entgegen zu treten und zu dieſem Zwecke
eine Schrift verfaßt „Unſerer Kundſchaft zur
Auf=
klärung über die Zentrale für Weinvertrieb, G. m.
b. H.‟ Genannte Schrift kann von Intereſſenten auf
dem Bureau der Handelskammer eingeſehen oder auch
auf kurze Zeit zur Verfügung geſtellt werden.
Vom Konſul Guſtav Niederlein in Berlin iſt die
von ihm bearbeitete Schriſt „Chancen und
Mög=
lichkeiten in Argentinien in Viehzucht,
Ackerbau, Induſtrie und Handel” in einer
Anzahl von Exemplaren zur Verfügung geſtellt
wer=
den. Auf Wunſch kann dieſe Schrift an die am Handel
mit Argentinien intereſſierten Kreiſe von der
Handels=
kammer übermittelt werden.
Die Herren G. Bertele und Wilhelm Siedersleben
ſind am 31. Mai als Bücherreviſoren ſeitens
der Handelskammer beeidigt worden.
Die Handelskammer hat die Schrift des
Rechnungs=
rats A. Leißler „Die Beſtimmungen über den
Wechſelſtempel” welche in überſichtlicher und
leicht faßlicher Weiſe dargeſtellt und mit zahlreichen
Erläuterungen verſehen iſt, geprüft und dieſelbe für
gut und praktiſch befunden. Der Bezug dieſer Schrift
kann der Kaufmannſchaft durchaus empfohlen werden.
Stadtverordneten=Verſammlung.
St. Darmſtadt, 30. Juni.
(6. Sitzung.)
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitz=
ung um 3,50 Uhr mit folgenden
Mitteilungen.
Gelegentlich der Beſchlußfaſſung über ein Geſuch um
Bewilligung eines Ruhegehaltes an einen
ſtädtiſchen Arbeiter war der Rechtsausſchuß der
Stadtverordneten=Verſammlung erſucht worden, zu
prü=
fen, ob die in Betracht kommenden Grundſätze vom 30.
März 1901 richtig ausgelegt würden und ob die
Bewil=
ligung eines Ruhegehaltes nach Maßgabe dieſer
Grund=
ſätze nicht gegen die Beſtimmungen des Gewerbe=Unfall=
Verſicherungsgeſetzes verſtoße. Der Rechtsausſchuß iſt
hierauf der Auffaſſung Großh. Bürgermeiſterei über die
Auslegung der betr. Grundſätze beigetreten und hat
feſt=
geſtellt, daß die Bewilligung eines Ruhegehaltes nach den
Beſtimmungen des Gewerbe=Unfall=Verſicherungsgeſetzes
nicht zu beanſtanden ſei.
Stadtv. Stephan regt an, für 10 Arbeiter, die der
Verſicherungspflicht unterliegen, ähnlich wie das von
an=
deren Städten geſchehen iſt, einen Reiſebeitrag zum Beſuch
der Brüſſeler Ausſtellung zu bewilligen. Der Vorſitzende
ſtellt feſt, daß dem in Rückſicht auf die Finanzen der Stadt
nicht ohne weiteres zugeſtimmt werden könne. Der
Vor=
redner möge einen Antrag ſtellen, der dann in
geſchäfts=
ordnungsmäßige Behandlung gehen muß. — Stadtv.
Rockel meint, die Anregung ſei zu unterſtützen. Auch
früher ſchon habe man für derartige Reiſen von Arbeitern
Beiträge bewilligt.
Stadtv. Linck bittet, die Heugrasverſteigerungen in
Zukunft früher abzuhalten. — Stadtv. Roth bittet, für
die zum Veteranenappell hierher kommenden
Kriegsveteranen, deren Unterbringung Schwierigkeiten
mache, eventuell Schullokale zur Verfügung zu ſtellen, die
Militärbehörde würde mit Bettenmaterial aushelfen.
Stadtv. Bormet unterſtützt dieſes Geſuch. Der
Vor=
ſitzende ſagt Prüfung und eventuelles Entgegenkommen zu.
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten.
Baudispensgeſuche.
Ein Geſuch der Freifrau von Dalwigk um
Befreiung von der Beſtimmung in § 12 der
Baupolizei=
ordnung für die Balkonentwäſſerung an dem Hauſe
Hein=
richſtraße Nr. 39 wird vom Hochbauausſchuß zur
Geneh=
migung empfohlen. Die Verſammlung beſchließt
dem=
gemäß.
Herr Zahlmeiſter a. D. Löſch bittet um Geſtattung
einer Ausnahme von der Beſtimmung in § 5 des
Orts=
bauſtatuts für die Erbauung eines Wohnhauſes auf ſeinem
Gelände an der Ludwigshöhſtraße außerhalb des
Bebau=
ungsplanes. Bürgermeiſterei und Hochbauausſchuß
ſpre=
chen ſich gegen das Geſuch aus. Die Verſammlung
be=
ſchließt daher, das Geſuch abzulehnen. Referent für
beide Sachen Beig. Jäger.
Errichtung einer Feldſcheune im Gehas
borner Hof.
Auf ein Geſuch des Pächters des Gehaborner Hofes
wird nach Antrag der Bürgermeiſterei die Errichtung einer
Feldſcheune mit einem Koſtenaufwand von 10500 Mark
von dem Hochbauausſchuß empfohlen. Auch der
Finanz=
ausſchuß befürwortet das Geſuch unter Auferlegung einer
fünfprozentigen Verzinſung des Anlagekapitals durch den
Pächter. Nach dem Referat des Stadtv. Markwort
wird demgemäß beſchloſſen.
Von der alten Stadtmauer.
Ein Teil der alten Stadtmauer (überdeckter
Wehr=
gang) zwiſchen den Hofreiten Alexanderſtraße Nr. 8 und 16
ſoll nach Befürwortung durch den Hochbau= und den
Finanzausſchuß auf Antrag der Bürgermeiſterei an
Möbelhändler Fiſcher als Lagerraum gegen jährlich
20 Mark vermietet werden. Die Verſammlung iſt
einver=
ſtanden. Referent Stadtv. Markwort.
Vom Grunderwerbsfonds.
Von den dem ſtädtiſchen Grunderwerbsfonds
gehöri=
gen Grundſtücken im Heerdwegviertel wurde ein Teil zur
Anlage von Straßen und zur Herſtellung des
Paulus=
platzes benötigt. Es handelt ſich um 12362¾/10
Quadrat=
meter Straßenaelände und 1362 Quadratmeter Platz=
Nummer 151.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Jult 1910.
Seite 6.
gelände, deſſen Wert mit 201944 Mark 30 Pfg. von der
Stadtkaſſe dem Grunderwerbsfonds zu erſetzen iſt. Der
Aufwand für das Straßengelände wird demnächſt auf die
Straßenanlieger ausgeſchlagen. Hochbauausſchuß und
Finanzausſchuß ſind mit der Feſtſetzung der Vergütung an
die Grunderwerbskaſſe einverſtanden. Hierüber berichtet
Stadtv. Dr. Bender. Die Verſammlung beſchließt nach
ſeinem Antrage.
Vom ſtädtiſchen Schlachthofe.
Die Gebührenſätze für Verwiegungen nach
Lebendgewicht im Schlachthof ſollen nach
Befürwor=
tung durch die Schlachthofdeputation und den
Finanzaus=
ſchuß neu geregelt werden. Sie ſollen betragen: für 1 Stück
Großvieh (wie bisher) 20 Pfg., für 1 Stück Kleinvieh (wie
bisher) 20 Pfg., für 2 Stück Kleinvieh, gleichzeitig
ver=
wogen, 30 Pfg., für 3—10 Stück Kleinvieh, gleichzeitig
ver=
wogen, für jedes Stück 10 Pfg. Nach dem Referat des
Stadtv. Henrich ſtimmte man zu.
Waſſerverſorgung der Gemeinde
Arheilgen.
Beig. Ekert führt aus: Ueber die
Waſſerverſor=
gung der Gemeinde Arheilgen hat die Bürgermeiſterei
einen Schriftſatz vorgelegt, der über die Gründe, die
die Gemeinde Arheilgen zu ihrem Anſuchen um
Waſſer=
verſorgung des Gemeindegebietes durch die ſtädtiſche
Waſ=
ſerleitung bewegten, über die Koſten der Zuleitung und
über die Finanzierung des ganzen Projektes des näheren
Auskunft gibt. In dem Schriftſatz heißt es u. a.. Die
Waſſerverſorgung iſt in der Weiſe geplant, daß ein
Haupt=
zuführungsſtrang in der Frankfurter Straße anſchließend
an das ſtädtiſche Rohrnetz verlegt wird. Zunächſt genügt
hierzu von der Odenwaldbahn ab (Rhönring) bis zur
Ge=
markungsgrenze ein Rohrſtrang von 200 Millimeter I. W.
Von da bis zum Mittelpunkt von Arheilgen, Ecke
Darm=
ſtädter und Mühlſtraße, erſcheint ein Rohrſtrang von
175 Millimeter I. W. und weiterhin ein ſolcher von 150
Millimeter I. W. ausreichend. Dieſer Rohrſtrang kann
ſpäter bei ſteigendem Bedarf rückwärts bis zur
Kahlert=
ſtraße=Schloßgartenſtraße verlängert und dort an den
nördlichen Ringſtrang von 300 Millimeter I. W.
ange=
ſchloſſen werden. In Arheilgen zweigt eine 125
Milli=
meter weite Ringleitung ab, die zunächſt durch die
Die=
burger und Mühlſtraße zieht und das Waſſer nach den
Seitenſtraßen durch Leitungen von 80 und 50 Millimeter
Weite in einer auch im Brandfall genügenden Menge
ab=
gibt. Es iſt angenommen, daß zunächſt 200 Häuſer an das
Rohrnetz angeſchloſſen werden.
Die Waſſerwerksverwaltung hat die Anlagekoſten der
vorbeſchriebenen Anlage ſowohl, als auch das zu
erwar=
tende Erträgnis berechnet. Die Koſten betragen 112000 Mk.
Zur Deckung dieſer Koſten iſt angenommen, daß die
Stadt Darmſtadt zwar das Anlagekapital aufbringt, die
Gemeinde Arheilgen dagegen, durch den Reinertrag aus
dem zu zahlenden Waſſergeld, für die Verzinſung und
Til=
gung der Anlagekoſten aufkommt; der etwaige Fehlbetrag
iſt von der Gemeinde Arheilgen zu erſetzen Die Koſten
von 100000 Mark werden mit 5 Prozent verzinſt und
getilgt werden; die übrigen Koſten ſind jedoch, ähnlich wie
bei der Straßenbeleuchtung, durch eine Pauſchalſumme
im Betrage von 9 Mark für jeden Hydrant und Brunnen
im Jahr zu decken. Von der Gemeinde Arheilgen und
vom Großh. Kreisamt wird naturgemäß auf eine billige
Bemeſſung des Preiſes gerechnet. Indeſſen hat die Stadt
Darmſtadt damit zu rechnen, daß ihr infolge der
Entfer=
nung Arheilgens von der Stadt etwas größere Unkoſten
erwachſen. In den Vertragsentwürfen iſt deshalb ein
Aufſchlag auf den hieſigen Waſſerpreis vorgeſehen, derart,
daß für Arheilgen der Waſſerpreis jeweils 1 Pfg. mehr
als in Darmſtadt beträgt. Der Waſſerpreis für Hydranten
und Brunnen iſt beſonders feſtgeſetzt.
Auf dieſer Grundlage iſt der Vertrag entworfen. Nach
den Ermittelungen der Waſſerwerksverwaltung dürfte ſich
die Waſſerabgabe bei einer annähernden Einwohnerzahl
von etwa 6000 Seelen vorausſichtlich auf 44000 Kubikmeter
belaufen, wobei pro Kopf und Tag ein Bedarf von 20 Liter
angenommen und der bei Viehhaltung größere Bedarf
außer acht gelaſſen iſt. Wenn man zu den in der
Erträg=
nisberechnung enthaltenen Zahlen von 46000 Kubikmetern
noch als Verbrauch für Hydranten, Brunnen und
Rohr=
netzſpülung zirka 4000 Kubikmeter hinzurechnet, ergeben
ſich 50000 Kubikmeter. Hiernach würde die
Erträgnis=
grenze erreicht werden.
Die Waſſerwerks=Deputation ſowie der
Rechts=
ausſchuß und der Finanzausſchuß haben die Verträge,
unter Empfehlung einiger Aenderungen, bereits
gut=
geheißen. Die Waſſerlieferung ſoll mit dem Tage der
vollſtändigen Inbetriebſetzung der geſamten
Waſſer=
verſorgungsanlage beginnen.
Nachdem Stadtv. Gallus eingehend namens des
Rechtsausſchuſſes referiert hat, verbreitet ſich Stadtv.
Dr.=Ing. Heyd eingehend über den Vertrag. Er hält
u. a. die Verzinſung für zu niedrig und die Dauer des
Vertrages für zu kurz. Auch ſeien die Betriebskoſten
zu niedrig ausgerechnet. Beig. Ekert weiſt die
Un=
richtigkeit dieſer Behauptungen nach. Stadtv.
Hen=
rich beanſtandet, daß nach drei Jahren die
Zinsver=
pflichtung aufhören ſoll, wenn der Anſchluß ſich von
ſelbſt rentiert. Auch könnte man den Vertrag wohl
länger, auf 40 Jahre, abſchließen, damit eventuell die
Amortiſation gewährleiſtet iſt. Dem ſtimmt Stadtv.
Gallus zu. Der Vorſitzende ſtellt dem Stadtv.
Dr.=Ing. Heyd gegenüber feſt, daß die aufgeſtellten
Bilanzen von maßgebenden Kaufleuten geprüſt und
für durchaus gut und richtig befunden wurden. In
den ſtädtiſchen Betrieben würde ſtets eine Bilanz auf
rein kaufmänniſcher Grundlage gezogen. Die
Buch=
führung würde nach kameraliſtiſchen Grundſätzen
ge=
führt, die für Kommunalbetriebe die einzig richtigen
ſind. — Nach weiteren Bemerkungen der Stadtvv.
Dr.=Ing. Heyd und Schupp beantragt Stadtv.
Sames, die Weiterberatung in die
ge=
heime Sitzung zu verlegen. Dieſer
An=
trag wird angenommen.
Auf Anregung des Fleiſchbeſchauamtes ſoll nach
Befürwortung der Schlachthof=Deputation in dem
Ent=
wurf der neuen Freibank=Ordnung für die
Stadt Darmſtadt folgende Strafbeſtimmung Aufnahme
finden, als Ergänzung der Vorſchrift in § 12 (Die
Vorſchrift lautet: „Mehr als 3 Kilogramm Fleiſch
dürfen am gleichen Tage an eine und dieſelbe Perſon
nur auf Vorlage einer ſchriftlichen Genehmigung des
Großh. Polizeiamtes abgegeben werden.”): „Wer
vor=
ſätzlich unter Umgehung dieſer Vorſchrift mehr als
3 Kilogramm Fleiſch am gleichen Tage an derſelben
Freibank erwirbt, wird auf Antrag des Großh.
Polizeiamts mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark beſtraft.”
Die Verſammlung ſtimmt dem zu. Referent Beig.
Mueller. Damit iſt die Tagesordnung erledigt.
In der geheimen Sitzung ergab ſich, daß
be=
züglich der Bedingungen des Vertragsabſchluſſes zwi=
ſchen den beiden vertragsſchließenden Teilen einige
divergierende Punkte beſtehen. Die Bürgermeiſterei
wurde ermächtigt, mit der Gemeinde Arheilgen in
weitere Verhandlung einzutreten.
Kongreſſe und Verbandstage.
66. Jahresverſammlung des Heſſiſchen
Hauptvereins der Guſtav Adolf=
Stift=
ung.
— Groß=Zimmern, 29. Juni. Die
öffent=
liche Abenoverſammlung im dichtbeſetzten
Kai=
ſerſaal ward nach einem ſinnigen Prolog und dem
markigen Chor „Friſch auf in Gottes Namen” durch
den Vorſitzenden des Heſſiſchen Hauptvereins, Herrn
Profeſſor Trümpert, mit wuchtigen Worten eröffnet.
Namens des evangeliſchen Kirchenvorſtandes und des
Feſtausſchuſſes begrüßte der Ortsgeiſtliche, Herr Dekan
Knodt, die auswärtigen Feſtteilnehmer. Die Vertreter
der auswärtigen Vereine, die Herren Metropolitan
Fritſch=Preungeshein, Pfarrer Strobel=Bornheim,
Pfarrer Schmitthenner=Heimsheim, Pfarrer Cantzler=
Speyer, Pfarrer Zimmermann=Münſter a. St., als
Vertreter der Hauptvereine Kaſſel, Frankfurt, Baden,
Pfalz und Rheinprovinz, eutboten den Feſtfeiernden
Grüße aus ihrem Arbeitsgebiet. Zu hilfebedürftigen
Pflegekindern des G. A. V., den deutſch=evangeliſchen
Anſiedelungen in Braſiilien, führte der Vortrag des
Herrn Pfarraſſiſtenten Diehl=Mühlheim. Umrahmt
wurden die Reden des Abends von den trefflichen
Chö=
ren des evangeliſchen Kirchengeſangvereins Groß=
Zim=
mern.
Feſtgeläute und Poſaunenſchall kündigten heute den
Anbruch des zweiten Feſttages. Die ſchön reſtaurierte
Kirche war geſchmückt durch eine feſtlich geſtimmte
Ge=
meinde. Der Prediger, Herr Dekan Orth=Nieder=
Wöllſtadt, ſprach auf Grund des Schriftwortes Pſalm
118 Vers 17: „Ich werde nicht ſterben, ſondern leben
und des Herrn Werk verkündigen” von dem ſchönen
Zuſammenhang vom Liebeswerk des G. A. V. und der
Lebenskraft der evangeliſchen Kirche. Ausgehend von
der berechtigten Entrüſtung, die zur Zeit wegen der
Borromäus=Enzyklika durch unſer ganzes deutſch=
evan=
geliſches Volk läuft, wies der Vorſitzende des
Haupt=
vereins, Herr Profeſſor Trümpert, darauf hin, daß
gerade der G. A. V. die Evangeliſchen zuerſt zu
brüder=
lichem Zuſammenſtehen in allen Nöten und Gefahren
erzogen habe. Seine Hilfe habe ſchon viele Mißſtände
beſeitigt, ſei aber auch heute noch unentbehrlich. Seine
immer weiter wachſenden Aufgaben könne der G. A. V.
nur dann erfüllen, wenn alle Evangeliſchen Heſſens
treu zu ihm ſtänden. Aus dem dann erſtatteten
Jah=
resbericht des Schriftführers, Herrn Dekan Bayer
(Groß=Gerau) verdient das Folgende beſonders
hervor=
gehoben zu werden: Der Geſamtverein brachte in 1908=
1909 2031 258 Mark auf und konnte damit 36 Kirchen
und Kapellen fertigſtellen, 16 Grundſteinlegungen von
Gotteshäuſern ermöglichen, 16 Schulen, Pfarr= und
Gemeindehäuſer vollenden und insgeſamt 2300
Gemein=
den und Anſtalten mit Unterſtützungen bedenken. Der
Heſſiſche Hauptverein hatte im Jahre 1909 eine
Geſamt=
einnahme aus Heſſen von 70699 Mark, darunter 4936
Mark Reformationsfeſtkollekte und 8965 Mark Beiträge
der Frauenvereine. Infolge von drei größeren
Schenk=
ungen konnte er 16 201 Mark mehr als in 1908
vertei=
len. Aus der Pflege des Vereins ſchieden Bodenheim
und Dieburg, dafür aber wurden Dietesheim,
Heides=
heim, Guſtavsburg und Mombach als Pfleglinge neu
aufgenommen, ſo daß ſich ihre Zahl auf 33 erhöhte.
Sichtbare Zeichen der letzten Jahresarbeit ſind: die
Einweihung der Kirche zu Rockenberg (29. Auguſt), die
Grundſteinlegung der Kirche zu Frei=Weinheim (12.
September) und in Mombach (10. April dieſes Jahres);
ferner die Erbauung der Pfarrhäuſer in Koſtheim und
Bretzenheim. Für die außerheſſiſche Diaſpora wurden
rund 18000 Mark aufgewendet. Schulkinder Heſſens
aus 37 Gemeinden ſteuerten zur großen Kindergabe
501 Mark.
Als Vertreter Großherzoglichen Oberkonſiſtoriums
begrüßte Herr Prälat D. Dr. Flöring die
Feſtver=
ſammlung. Angeſichts der immer größer werdenden
evangeliſchen Diaſpora, der Gefahr, daß Tauſende ohne
den Rückhalt evangeliſchen Gemeinſchaftslebens der
Kirche verloren gehen, wüchſen auch die Aufgaben des
G. A. V., müſſe auch die Liebe wachſen, die im freudigen
Bewußtſein des uns anvertrauten koſtbaren Pfundes
und der jedem Evangeliſchen damit auferlegten
Mit=
verantwortlichkeit für die Sache des Evangeliums
be=
reit iſt, Opfer zu bringen für die Glaubensgenoſſen in
der Zerſtreuung. Zum ſichtbaren Beweis der
opfer=
willigen Liebe der evangeliſchen Groß=Zimmerer zum
G. A. V. überreichte darauf Herr Dekan Knodt zwei
große Altarkandelaber aus Meſſingbronce als Geſchenk
für die benachbarte Diaſporagemeinde Ober=Roden.
Die evangeliſchen Frauen des Dekanats Groß=Umſtadt
ließen durch die gleiche Hand eine Feſtſpende in
der anſehnlichen Höhe von 525 Mark als Beitrag zum
Kapellenbau in Ober=Roden, ferner Gemeindeglieder
von Schaafheim 20 Mark für die ausländiſche Diaſpora
dem Hauptvereinsvorſitzenden, übermitteln. Und die
Opferbecken füllten ſich mit 150 Mark, die den
Diaſpora=
gemeinden Afſolterbach und Frei=Weinheim zufloſſen.
Das Feſtmahl im „Löwen” vereinigte mehr als
100 Teilnehmer. Eine ganze Reihe von Trinkſprüchen
entfeſſelten den jubelnden Beifall der Anweſenden; ſo
der des Herrn Profeſſor Trümpert auf S. K. H. den
Großherzog, des Herrn Oberkonſiſtorialpräſidenten
D. Nebel auf die Feſtgemeinde uſw.
Die Nach= und Schlußverſammlung mußte leider
wegen der ungünſtigen Witterung ſtatt, wie geplant,
unter freiem Himmel, wieder im Saale ſtattfinden.
Ein Telegramm S. K. H. des Großherzogs: „Innigen
Dank für treues Gedenken”, weckte freudigen Beifall.
Sodann ergriff der erſte Vorſitzende des Heſſiſchen
Hauptvereins vom Evangeliſchen Bund, Herr Pfarrer
D. Waitz= Darmſtadt, das Wort, um dem allenthalben
lodernden Zorn des deutſch=evangeliſchen Volkes über
die Schmähungen ſeiner treueſten Männer Ausdruck zu
geben. Einen katholiſchen Mitarbeiter der Guſtav=
Adolf=Arbeit ſchilderte Herr Pfarrverwalter
Wid=
mann=Bingen in der Geſtalt Peter Roſeggers. Eine
Tellerſammlung ergab für die drei Diaſporagemeinden
Mühlheim, Groß=Steinheim und Gau=Algesheim einen
anſehnlichen Betrag. Nach einem kurzen Schlußwort
vereinigte ſich die Feſtverſammlung in einem
einhelli=
gen „Deutſchland, Deutſchland über alles” Unter der
Loſung: „Hie gut deutſch und gut evangeliſch alle Wege‟
ſchied man voneinander.
Luftſchiffahrt.
— Be; dem Flugmeeting in Warſchau
ſind als Flieger beteiligt: der Ruſſe Utoczkin, Baron
de Caters, von Gorriſſen und der Holländer Thyck.
Mittwoch flog bei heftigem Wind Utoczkin 22 Minuten.
während Baron de Caters und Thyck nur eine
Flug=
dauer von 1 und 2 Minuten erzielten. Den längſten
Flug führte von Gorriſſen ebenfalls bei heftigem Wind
aus, indem er 26 Minuten in der Luft blieb und
da=
mit die beſte Leiſtung erzielte.
Die Strandung des „L. Z VII‟
* In der Kölniſchen Zeitung gibt ein Teilnehmer
der Fahrt folgende Schilderung des Unfalles
und der Rettung der Paſſagiere:
Es war ein Kampf von faſt zwei Stunden Dauer,
in das Spiel des Windes ſauſten die drei Motoren
ihr energiſches, unnachgiebiges Lied. Man hoffte, daß
der Wind gegen Abend abflauen werde — das
Gegen=
teil trat ein — und nun mußte eine andere Richtung
eingeſchlagen werden. Es ſollte verſucht werden, in
andere Garniſonſtädte zu gelangen, nach Bielefeld
oder nach Osnabrück, oder auf den
Truppenübungs=
platz Senne bei Paderborn. Und es wäre auch
ge=
lungen, wenn nicht ein anderes Naturereignis
da=
zwiſchengetreten wäre. Von allen Seiten türmten ſich
gewaltige, tiefſchwarze Wetterwolken auf, der Nebel
wurde immer dichter und der Wind allmählich zum
Sturm. Aber noch gehorchte das Schiff dem Steuer
und noch war die Hoffnung nicht aufgegeben, trotz
Wind und Wetter das Schiff zur glücklichen Landung
zu bringen. Was nun geſchah, war das Werk vielleicht
einer Viertelſtunde. Eine gewaltige Wetterbö brach
los. Ein Wolkenbruch ging nieder, und der Sturm
faßte das Schiff von unten und trieb es — alle
Gegen=
maßnahmen waren erfolglos — in einer raſenden
Schnelligkeit in eine milchweiße Nebelwolke, in eine
Höhe von 1250 Meter. Es war ſo kalt geworden, daß
uns ſelbſt in den Mänteln empfindlich fror. Nichts
als weiße Nebelſchwaden um uns und nichts hörbar,
als das kraftvolle Arbeiten der Motoren in einem
furchtbaren Sturmwetter. Und dann kam ein
Augen=
blick, wo auch dem Starknervigſten einen Augenblick
der Atem ſtockte: der Sturm warf mit der Kraft von
mehr denn zwanzig Sekundenmetern Geſchwindigkeit
das Luftſchiff in einem großen Bogen herum, und
nun wußten die Führer und die Inſaſſen ahnten es,
daß das Schiff dem Steuer nicht mehr gehorchte,
ſon=
dern willenlos den Elementen überlaſſen war. Mit
einem Male teilte ſich die Wolke — neuer Schrecken —
denn unmittelbar vor dem Luftſchiff türmten ſich die
Höhen des Teutoburger Waldes. Mit allen Kräften
wurde zur Erleichterung des Schiffes, das infolge des
rieſigen Gasverluſtes in der Höhe und durch die
Waſſermengen zu ſinken begann, aller überflüſſig=
Ballaſt über Bord geworfen, ſelbſt eine Ankertroſſe und
ein Sack Werkzeugmaterial, und es gelang auch mit
äußerſter Anſtrengung, über die erſte Höhe
hinwegzu=
kommen. Ein wunderbarer Anblick bot ſich im
unend=
lichen Tiefgrün hochſtämmiger Fichten. Aber der
Ren=
ner hatte ſeine beſten Kräfte verbraucht, ein nur kurzes
Ausſetzen des vorderen Motors kam hinzu, und
unauf=
haltſam glitt das Luftſchiff nieder, ein unheimliches
Brechen, Knacken, Reißen und Praſſeln, Bäume
knick=
ten zuſammen, die Zweige der Fichten zerriſſen die
weißſchimmernde Haut des Schiffes. Vor mir durch
den Kabinenboden bohrte ſich der abgebrochene ſpitze
Stamm einer Fichte, und zur Seite zerbrachen die
Stäbe der Wandung. Eine nicht freundliche Situation.
Und ſo ſaßen wir, insgeſamt etwa 30 Perſonen,
und hingen zwiſchen Himmel und Erde. Die größte
Schwierigkeit machte zuerſt das Beſchaffen von Aexten
und Sägen, die von weit her geholt werden mußten,
um die Bäume rundum zu fällen. Auch ſammelten
ſich, zunächſt ſehr langſam, Menſchen an, die
Boten=
dienſte verrichteten. Inzwiſchen verblieben die
Preſſe=
vertreter laut Anweiſung ruhig auf ihren Plätzen, um
als Ballaſt zu dienen, mit Ausnahme einiger
Berufs=
genoſſen, die als erſte an der rettenden Strickleiter
her=
ab den Weg ins Weite über die verſchlammten Wege
des Waldes ſuchten, um nun ſo bald als möglich die
neueſte Senſation in die Welt zu ſchicken. Als dann
die anderen, die inzwiſchen kräftig dazu beigetragen
hatten, das Schiff zu ſichern, das ihnen auf viele
Stun=
den eine gaſtliche Stätte geweſen iſt, ebenfalls an dem
einzigen dörflichen Telephon und dem einzigen
Tele=
graphen auf der kleinen Eiſenbahnſtation anlangten,
hatten jene die Apparate auf mehrere Stunden belegi.
Es blieb uns nichts anderes übrig, als ein wenig
Buße zu tun dafür, daß wir das menſchliche Intereſſe
und Mitgefühl einen Augenblick vor das journaliſtiſche
geſetzt, daß wir nicht wie die Ratten ſofort das ſinkende
Schiff verlaſſen und nicht einige Berufsgenoſſen, als
das Luftſchiff mehrfach langſam einigen Antrieb bekam
und aufwärts ſtrebte, im Stich gelaſſen haben. Als es
geſichert war, blieb uns nichts anderes übrig, als auf
einem Bähnchen nach langer Wanderfahrt durch den
naſſen Wald in eine größere Stadt zu kommen, um in
der Nacht noch zu verſuchen, an den Ausgangspunkt der
glänzend verlaufenen, aber traurig beendeten Fahrt
oder in unſere Heimatſtädte zurückzukehren. Wohl
ohne Ausnahme hatten wir, die wir dazu den ganzen
Tag ſeit früheſter Morgenſtunde faſt ohne jede
Nahr=
ung und Getränk im Luftſchiff zugebracht hatten — es
war ja nur auf wenige Fahrtſtunden gerechnet worden
— ein Gefühl der tiefſten Niedergeſchlagenheit, vor
allem auch, was beſonders geſagt ſei, bei den Vertretern
der ausländiſchen Preſſe. Es wird nun
wie=
der allerorten heißen bei denen, die dem alten Grafe
nicht hold geſinnt ſind, das Syſtem ſei ſchuld.
Wenn es auch eine Fahrt zum Untergang geweſen iſt,
alles das, was vorhergegangen iſt, kann moraliſch den
Ausgang aufwiegen.
Und auch der Führung muß man Dank und
Aner=
kennung zollen. Dieſer trotzige Kampf gegen die
Ele=
mente hatte etwas Gewaltiges, wahrhaft
Imponieren=
des, Großes, das für alle Teilnehmer zu einem
Erleb=
nis, das nicht vergeſſen werden kann, geworden iſt.
Und wenn der Sturm dann letzten Endes doch der
Sie=
ger geblieben iſt, ſo lag es an äußeren Gründen, an
der Schwere und Unſichtigkeit des Wetters, am
Gasver=
luſt und am Motor. Mit einer Pflichttreue, die
Be=
wunderung abnötigt, haben die Ingenieure und
Mon=
eure des Schiffes ihres Amtes gewaltet, und wie gut
diszipliniert die Führung vor ſich gegangen iſt, beweiſt
wohl am beſten die Tatſache, daß im ſelben Augenblick,
als der hintere Teil des Schiffes in die Stämme brach,
wie auf einen Schlag die Motoren ſchwiegen.
Trotz allem, das ſei das Schlußwort: Reſpekt vor
dem Menſchengeiſt, der dieſe Wege geführt und erreicht,
Ehrfurcht vor dem greiſen Haupte, das in zäher
Ge=
duld das Ziel ſeines Wollens erkämpft, Dankbarkeit
dem deutſchen Opfermute, deutſcher Energie,
Entſchluß=
fähigkeit und Unternehmungskraft. Das letzte Wort
iſt noch nicht geſprochen: Trotz Echterdingen, Weilburg
und dem Gemeindewald von Oeſeke. . . .
Nummer 151
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
* Osnabrück, 29. Juni. Graf Zeppelin
traf heute abend kurz nach 6 Uhr auf dem hieſigen
Bahnhof ein und wurde von dem Oberpräſident, dem
Oberbürgermeiſter und den Spitzen der Zivil= und
Mi=
litärbehörden unter großem Jubel der Menge begrüßt.
Heute abend begibt ſich Graf Zeppelin nach der
Unfall=
ſtelle und fährt um 12 Uhr 6 Minuten nach Berlin
wei=
ter. Direktor Colsmann trifft heute abend 8 Uhr 38
Minuten hier ein.
* Borgloh=Wellendorf, 29. Juni. Das
Verkehrsluftſchiff „Deutſchland” iſt im
Laufe des Tages mit Hilfe des Militärs
abmon=
tiert und zum großen Teil auf Wagen verladen
wor=
den. Die Gondel und die Paſſagierkabine ſollen durch
Soldaten zum Bahnhof Wellendorf gebracht werden,
von wo die einzelnen Teile nach Friedrichshafen
be=
fördert werden. Die Motoren ſind intakt geblieben.
Die hintere Gondel und die Paſſagierkabine ſind
be=
ſchädigt.
* Wellendorf, 30. Juni. Der größte Teil des
havarierten Luftſchiffes „Deutſchland” iſt
bereits auf dem Bahnhof Wellendorf verladen. Die
hintere Gondel, die Paſſagierkabine und die
Ballon=
hülle werden im Laufe des Nachmittags verladen
wer=
den. Die Ueberreſte des Aluminiumgerippes des
Luft=
ſchiffes werden zum Einſchmelzen in die Fabrik
ge=
ſandt, während die Motoren und die Gondeln nach
Friedrichshafen expediert werden.
Sport.
— Olympiſche Spiele. Kommenden
Sonn=
tag finden auf dem hieſigen Exerzierplatz die
olympi=
ſchen Spiele des F.=K. Germania ſtatt. Abends findet
im Kaiſerſaal die Preisverteilung, verbunden mit
Abendunterhaltung und Tanz, ſtatt. (S. Anz.)
sr. Die engliſchen Lawn=Tennis=
Meiſter=
ſchaften in Wimbledon gehen ihrem Ende entgegen.
Die Vorſchlußrunde um die Herrenmeiſterſchaft brachte die
erwarteten Siege des Auſtraliers Wilding und des
Ame=
rikaners Beals Wright, die Pake 7—5, 6—1, 6—2, bezw.
A. Lowe 6—3, 3—6, 6—4, 6—3 ſchlugen. Zwiſchen den
beiden Siegern entſpann ſich in der Schlußrunde ein
hei=
ßer Kampf, aus dem Wilding als Sieger hervorging, der
nunmehr mit dem Verteidiger der Meiſterſchaft A. W.
Core=Amerika zu kämpfen hat. In der
Damenmeiſter=
ſchaft ſiegten in der Vorſchlußrunde Miß Johnſon über
Mrs. Lamplough 1—6, 6—0, 6—3 und Mrs. Lambert
Chambers über Mrs. Mc. Nair 6—1, 6—0.
Stimmen aus dem Publiknm.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Offenhalten der Schaufenſter!
Auf dem am 20. Mai d. J. ſtattgehabten
Verbands=
tay der Heſſiſchen Detailliſtenvereine wurde von dem
Verbandsvorſitzenden die allſeits mit Genugtuung
auf=
genommene Mitteilung gemacht, daß das ſchon
ge=
raume Zeit von den Landſtänden verabſchiedete Geſetz,
betreffend die Offenhaltung der
Schau=
fenſter, in aller Kürze im Regierungsblatt
pu=
bliziert werde. Bis heute iſt dies jedoch noch nicht
geſchehen. Man fragt ſich mit Recht, woran liegt die
Verſchleppung? U. A. w. g.
Darmſtadt, 1. Juli.
*X* Das Kriegsgericht verurteilte in ſeiner
geſtri=
gen Verhandlung den Dragoner Karl Otto Wolf
aus Hanau vom Drag.=Regt. Nr. 23 wegen
Unter=
ſchlagung und Urkundenfälſchung zu einer
Geſamt=
ſtrafe von 4 Monaten Gefängnis. Er war als
Schreiber auf dem Schwadronsbureau beſchäftigt und
verwendete dabei eine Reihe von Geldanweiſungen,
die an Soldaten einliefen, für ſich. Wenn ſpäter
Re=
klamationen einliefen, erſetzte er den Betrag dadurch,
daß er im Poſtbuch Einträge abänderte oder
beſei=
tigte. Außerdem unterſchlug er einen Betrag von 150
Mark, den ſich die Mannſchaften geſammelt hatten.
Er ſtammt aus beſſerer Familie, hat eine gute
Er=
ziehung genoſſen, verbrauchte aber mehr, als er Mittel
hatte. — Eine weitere Verhandlung richtete ſich gegen
den Sergeanten Werner Schmidt vom Inf.=Regt.
Nr. 115, weil dieſer in einer früheren Verhandlung,
in der er wegen Beleidigung und Mißhandlung eines
Mädchens zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde,
auf eine ungünſtige Zeugenausſage eines Vorgeſetzten
eine beleidigende Aeußerung gebrauchte. Die Anklage
wegen Achtungsverletzung endete mit einer
Freiſprech=
ung, weil der Angeklagte in der Erregung und in
Wahrung berechtigter Intereſſen gehandelt habe. —
Die beiden Gardiſten vom Inf.=Regt. Nr. 115. Werner
Reimbold von Kaſſel und Georg Demmler,
wurden wegen Diebſtahls und Begünſtigung erſterer
eu 14 Tagen ſtrengem Arreſt, letzterer zu 5 Tagen
Ge=
fängnis verurteilt. Reimbold hatte ſich einen auf
dem Bett eines Unteroffiziers liegenden Brief mit 20
Stück 5=Pfennigmarken Inhalt angeeignet und als er
in Verdacht geriet und Nachforſchungen über ſeine
Ausgaben angeſtellt wurden, den D. veranlaßt,
auszuſagen, er hätte Reimbold 2 Mark geliehen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 30. Juni. Die Nordd. Allg. Ztg. ſchreibt:
In einem Teil der Preſſe iſt die Nachricht verbreitet,
die preußiſche Regierung hätte die vom Großherzog
von Baden beabſichtigte Verwahrung beim Vatikan
gegen die Enzyklika hintertrieben. Sechs von den
evangeliſchen Fürſten, ſo wird weiter geſagt, hätten
ſich dem Wunſche Preußens um des lieben Friedens
willen gefügt. — Wir ſtellen feſt, daß an dieſen
Be=
hauptungen kein wahres Wort iſt.
* Zell a. d. Moſel, 30. Juni. In Grenderich wurde
ein junger Mann heute morgen verhaftet. Dieſer trat, als
er von der Kirchweihe zurückkehrte, an das Bett ſeiner
Eltern, tötete die Mutter durch einen
Revolver=
ſchuß und verletzte den Vater durch zwei Schüſſe ſchwer
am Kopf.
* Kiel, 30. Juni. Der Kaiſer beſichtigte den
neuen Panzerkreuzer „von der Tann”. Im Anſchluß
daran nahm der Kaiſer die Abmeldungen des
Staats=
ſekretärs von Tirpitz, des Marineattachés Kapitän zur
See Starke, und des Korvettenkapitäns Widenmann
entgegen. Um 12½ Uhr empfing der Kaiſer den
Pro=
feſſor für deutſche Literaturgeſchichte und Direktor des
Germaniſchen Muſeums an der Harvard=Univerſität
zu Cambridge, Dr. Francke, ferner den Geſandten von
Erckert vor ſeiner Ausreiſe nach Chile und um 1 Uhr
en Finanzminiſter Dr. Lentze.
* Danzig, 30. Juni. In Anweſenheit des
Großher=
zogs von Oldenburg, der Prinzeſſin Eitel Friedrich von
Preußen, des kommandierenden Generals von Mackenſen,
des Oberpräſidenten von Jagow, des Oberwerftdirektors
Freiherrn von Schimmelmann, des Vizeadmirals Capelle
vom Reichsmarineamt und ſonſtiger Vertreter der
ſtaat=
lichen und ſtädtiſchen Behörden fand heute mittag der
Stapellauf des Linienſchiffes „
Olden=
burg” ſtatt. Die Taufe vollzog Prinzeſſin Eitel
Fried=
rich von Preußen; die Taufrede hielt der Großherzog von
Oldenburg. Der Feierlichkeit wohnten auch die Mitglieder
der zurzeit hier tagenden 51. Hauptverſammlung des
Ver=
eins deutſcher Ingenieure bei.
* Peſt, 30. Juni. Das Abgeordnetenhaus
wählte Albert Berzeeciczy, den Präſidenten der
Aka=
demie der Wiſſenſchaften, zum Präſidenten des
Abge=
ordnetenhauſes.
* Petersburg, 30. Juni. In der heutigen Sitzung
der Reichsduma wurde ein kaiſerlicher Ukas
ver=
leſen, nach welchem die Reichsduma bis zum 28.
Okto=
ber vertagt wird.
* Petersburg, 30. Juni. Der Präſident der
Reichsduma Gutſchkow legte nach Schluß der
Seſſion der Reichsduma das Präſidium nieder,
um die wegen ſeines Duells mit dem Grafen Uwarow
gegen ihn erkannte Strafe zu verbüßen. Vorher reiſt
er nach Bulgarien, um dem Slawenkongreß in Sofia
beizuwohnen.
* New=York, 30. Juni. Wie die Aſſociated Preß
aus Tokio meldet, ſei Grund zu der Annahme
vor=
handen, daß die Ankündigung der Annexion
Koreas ſeitens Japans bevorſtehe.
H. B. Berlin, 30. Juni. Graf Zeppelin iſt heute
früh von Osnabrück in Berlin eingetroffen.
H. B. Berlin, 30. Juni. Eine Schreckensſzene
ſpielte ſich heute mittag kurz nach 1 Uhr an der Ecke
der Noſtiz= und Gneiſenauſtraße ab. Die Schule war
ſoeben geſchloſſen, und an der bezeichneten Ecke ſtanden
und ſpielten Gruppen von 20 bis 25 Knaben von 6 bis
8 Jahren. Ungefähr 20 Schritte von ihnen entfernt
ſtand ein mit zwei Pferden beſpannter Wäſchereiwagen,
deſſen Kutſcher in eins der Häuſer gegangen war, um
dort Wäſche abzuliefern. Plötzlich ſcheute ein Pferd
und ging durch, direkt in die Gruppe der ſpielenden
Kinder hinein. Dieſe ſtoben zwar nach allen
Richtun=
gen auseinander, dennoch gerieten vier von ihnen
unter die Hufe der Pferde und die Räder des Wagens.
Glücklicherweiſe erlitten aber nur vier Knaben
leich=
tere Verletzungen.
H. B. Halle, 30. Juni. Zur Erlangung der freien
Aerztewahl hat heute die Aerzteſchaft ſämtlichen
Orts=, Betriebs= und Innungs=
Kranken=
kaſſen zum 1. Oktober gekündigt.
H.B. Bnkareſt, 30. Juni. Eine Nachricht vom
Krankenlager der Königin Eliſabeth meldet,
daß ſie heute vormittag einen neuen Schwächeanfall mit
heftigen Schmerzen erlitten hat, von dem ſie ſich nur
langſam und ſchwer erholen konnte. Ihr Zuſtand iſt
als ſehr ernſt zu betrachten. Beſorgnis flößt den
Pe=
handelnden Aerzten der Umſtand ein, daß die Königin
nach wie vor weder gehen noch ſtehen kann. Der
Mi=
niſterpräſident iſt heute vormittag an das Krankenbett
der Königin gereiſt. Die Krankheit der Königin
be=
ſteht bekanntlich in Schmerzanfällen infolge von
Blinddarmreizung.
Unser
Inventur-Ausverkauf
beginnt am 1. Juli.
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Die glückliche Geburt eines
gesunden Jungen
(*16015
zeigen hocherfreut an
Josef Hermes und Frau,
geb. Wedel.
Ge
Todes-Anzeige.
Mittwoch Abend 11 Uhr entſchlief plötzlich
unſere innigſtgeliebte und treubeſorgte Mutter,
(13182
Schwägerin und Tante
Charlotte Fiege Wwe.
geb. Britzius.
Darmſtadt, den 29. Juni 1910.
Die tieftrauernden Kinder.
Die Beerdigung findet Samstag, den 2. Juli,
nachmittags ½4 Uhr, vom Friedhofsportale
aus, ſtatt.
Seite 7.
Heute Abend entschlief sanft nach
schwerem Leiden meine liebe Frau,
unsere gute Mutter, Schwiegermutter
und Grossmutter
(13149
Frau
ElisabethAufer tundor
geb. Usinger
im 53. Lebensjahre.
Bensheim, Saarbrücken, Altona,
den 29. Juni 1910.
Louis Auler jr.,
Louis Auler, Oberleutnant im
Ulanen-Regt. Grossherzog Friedrich
von Baden (Rheinisches) Nr. 7,
Fritz Auler,
Max Auler,
Alice Auler, geb. Hiller,
Adele Auler, geb. Arnold,
und 2 Enkelkinder.
Die Beerdigung findet Freitag, den 1. Juli,
nachmittags 5 Uhr, statt. Die Einsegnung
im Trauerhause ½ Stunde vorher.
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Mitteilung, daß es Gott gefallen
hat, heute früh 8 Uhr unſere gute liebe Mutter,
Tante, Großmutter und Schwiegermutter, meine
treubeſorgte Frau
(13207
Katharma Uhrig
geb. Kisseberth
nach langem Leiden zu ſich abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Konrad Uhrig, Zugführer i. P.
nebſt Kindern u. Enkeln.
Darmſtadt, den 30. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Samstag Nachmittag
3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes
aus, ſtatt.
Danklagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben Gatten und
(13166
meines Vaters
Karl Lenz
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden und die
troſtreiche Grabrede des Herrn Pfarrer
Lauten=
ſchläger, ſagen wir hiermit Allen unſeren
tief=
gefühlten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Anna Lenz, geb. Wegerich.
Wetter.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 1. Juli
Regenſchauer, ſtarke Weſtwinde, kühler.
Tageskalender.
Vortrag von Hans Welke um 8½ Uhr im Saal 326
der Techniſchen Hochſchule (Verein für Aquarien= und
Terrarienkunde).
Verſammlung des Ortsgewerbevereins um 8½ Uhr
im Reſtaurant Sitte.
Bibelſtunde von Reiſeſekretär Bertelmann um 8½ Uhr
Rheinſtraße 2 (Blau Kreuz=Vereine).
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im „Schützenhof”.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo”
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 10—7 Uhr).
Aquarien= und Terrarien=Ausſtellung im
„Mathildenhöhſaal” (geöffnet von 9—8 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3—11 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſex
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nichs
zurückgeſandt.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
Seite 8.
Nummer 151.
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3 131.
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Riſfe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
Nachdruck verboten.)
39)
XIV.
Die Anzeichen, daß ſich Kurt Egloff wieder einmal in
einer böſen pekuniären Klemme befand, mehrten ſich um
die Weihnachtszeit ſo ſtark, daß ſie den ſorgfältigen Blicken
Harriets und Frau Abels nicht länger verborgen blieben.
Wieder drangen ſie bei Diedrich Geſterling auf
zart=
fühlende Hilfe durch einen Bilderkauf, der durch den
Kunſt=
händler mit dem ehrlichen Geſicht leicht bewerkſtelligt
wer=
den konnte.
Und Diedrich Geſterling willigte ein, obgleich die
Firma durch den Ratenkampf und die neue Expedition
nach Oſtaſien ſchon ſchwer genug belaſtet war. Doch er
wollte das Uebel von Grund aus kurieren, nahm ſich den
Maler am zweiten Feiertag auf die Seite, fragte ihn
kur=
zerhand nach ſeinen Verbindlichkeiten, bot ihm eine
Unter=
ſtützung an und holte ſich einen Korb.
Denn Kurt Egloff, der keinen roten Heller in der
Taſche hatte und deſſen Schulden mehr als bedenklich
an=
geſchwollen waren, fuhr auf, als ob er aufs tiefſte beleidigt
ſei. Das war ſehr nett von ihm, half ihm aber nicht aus
ſeinen Nöten. Er hoffte nämlich noch immer auf das Bild,
das er nach München geſchickt hatte, und auf ſeinen beſten
Freund. Die anderen hatte er längſt bis an die Grenzen
ihrer Leiſtungsfähigkeit in Anſpruch genommen.
Als aber das Ende des zwölften Monats herannahte
und er noch immer nicht wußte, wie er ſeine ſeit einem
halben Jahre rückſtändige Miete decken ſollte, ſchickte er
ſeinem beſten Freunde, den er ſich für den Notfall
auf=
geſpart hatte, einen Eilbrandbrief. Das Porto dazu ließ
er ſich von Arno vorſtrecken, weil er gerade keine kleine
Münze hatte. Doch der gute Freund in München ſchwieg
wie das Grab.
Und als der 3. Januar zu Ende ging, rückte dem
Maler Kurt Egloff der Hauswirt auf die Bude und
ſtellte ihm eine letzte Friſt von vierundzwanzig
Stun=
den. Und der Maler tat, was unter dieſen Umſtänden
am vernünftigſten war: er ging auf die
Wohnungs=
ſuche. Aber das war nicht mehr ſo leicht wie früher.
Die Blankeneſer Hauswirte kannten ſeine
Zahlungs=
unfähigkeit genau. Auch wirkte noch immer der ſchlechte
Steckbrief, den der alte Herr Eichholz vom Süllberg
hinter ihm losgelaſſen hatte.
So lief er denn drei Stunden lang durch die
Stra=
ßen und Gäßchen, bergauf und bergab, und fand kein
Unterkommen. Schon zog er ernſtlich in Erwägung,
bei Diedrich Geſterling doch noch einen größeren Pump
anzulegen, da fiel ihm auf der Wedeler Chauſſee eine
weiße Tafel in die Augen mit der verlockenden
In=
ſchrift: Hier ſind Zimmer nur in Jahresmiete zu
ver=
geben! Das Haus gefiel ihm. Es ſtand einſam und
vornehm inmitten eines weiten Gartens und war
ſauber gehalten.
Er trat durch die Pforte und las auf dem ſchmalen
Porzellanſchild: Dora Fedderſen Wwe. Das berührte
ihn durchaus ſympathiſch, und er zog die Glocke.
De önſst gerede idre Feiſtunden deie, die ie
gewohnheitsmäßig bei dem kleinen Karl auf dem
Weſterweg verbrachte, mußte Frau Dora ſelbſt öffnen.
Erſt aber überzeugte ſie ſich durch einen langen Blick
aus dem Küchenfenſter, daß es kein Einbrecher war.
Kurt Egloff, der ſie nicht bemerkte, wurde ungeduldig
und drückte noch einmal auf den Klingelknopf.
In=
zwiſchen malte er ſich ſchnell ein Bild der wirtlichen
Witwe, eine alte, etwas gebeugte Frau mit weißen
Ringellöckchen.
Da ſchnappte drinnen das Vexierſchloß oberhalb,
dann das gewöhnliche Schloß unterhalb der Klinke, die
beiden Sicherheitsketten raſſelten, und die Tür tat ſich
auf. Der Maler lüftete überraſcht den Schlapphut.
Das Phantaſiebild ſtimmte ganz und gar nicht. Er ſah
eine gutgewachſene, nicht zu kleine Dame vor ſich, nicht
ohne Geſchmack gekleidet, in den beſten Jahren, von
fraulicher Fülle. Eine Venus von Milo war ſie zwar
nicht, aber Kurt Egloff erkannte auf den erſten Blick,
daß die kleinen, ſcharfen Riefen, die ſie an den
Augen=
winkeln hatte, die einzigen Falten waren, die ſie
über=
haupt beſaß. Auch Frau Dora, die ſchon ſeit drei
Monaten nicht mehr um ihren Gatten zu trauern
brauchte, betrachtete den ſonderbaren Fremdling mit
prüfenden Blicken und fand ſofort heraus, daß er ein
ungewöhnlich ſchöner Mann war.
Darf ich die Zimmer ſehen? fragte er höflich.
Bitte ſehr! ſprach ſie zuvorkommend, legte nur die
beiden Sicherheitsketten vor und führte ihn durch die
Räume im Parterre.
Wie gemütlich iſt es hier! rief er und ließ ſich in
dem größten Zimmer in einen weichen Seſfel fallen,
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
Nummer 151.
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ſteinernen Meere der Großſtadt, um an
der kühlen See oder im Gebirge Erholung
für ſich und die Seinen zu ſuchen. —
Jetzt gelten alle Sorgen der Reiſe und
ihrer Vorbereitung. — Familien, die auch
im Bade eigene Küche führen,
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tieren ſichgerfahrungsgemäß ausreichenh
mit Reichardt=Kakao,=Schokolade,=Tee,
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denjenigen anzuraten,e welche ſich in
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haben, aus welchem ſich mit Hilfe friſchen
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wohl=
ſchmeckendeslund nahrhaftes
Erfriſchungs=
getränk herſtellen läßt. — Die Ferienzeit
ſollten vor allem Tüberanſtrengte
Schul=
kinder, Geiſtesarbeiter, Rekonvaleszenten
und Stärkungsbedürftige Kaller?Art zur
ſyſtematiſchen?Kräftigung ihres Körpers
durch regelmäßigen Genuß von
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bin, organiſchem! Eiſeneiweiß, benutzen,
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wohltuend berührt von der ſoliden Behaglichkeit, die
das ganze Haus erfüllte.
Ja, ſprach ſie und dämpfte ihre ohnehin ſchon ſanfte
Stimme. Das iſt alles ſo geblieben, wie es mein
ſeliger Mann hingeſtellt hat.
O! ſprach Kurt Egloff, ohne ſich verblüffen zu
laſſen. Der war alſo auch fürs Gemütliche?
Frau Dora ſenkte die Lider und wurde ein wenig
rot, das ſtand ihr ausgezeichnet.
Ich brauche drei Zimmer, fuhr er fort und bemerkte
wieder einmal mit Genugtuung, daß er Eindruck
ge=
macht hatte. Dieſes eine mit Nordlicht muß aber
leer ſein.
O. Gott! rief Frau Dora Fedderſen erſchrocken.
Und die Möbel?
Stellen Sie auf den Boden, verſetzte er lächelnd.
Aber warum denn nur? fragte ſie, der
Verzweif=
lung nahe.
Ich bin nämlich Maler, erläuterte er, und ſein
Lächeln wurde zuſehends freundlicher.
So? meinte ſie unſicher. Maler? So einer, der
Bilder malt für die Wände?
Sie haben’s getroffen! lachte er luſtig und ſchlug
ſich aufs Knie. Das wird nämlich mein Atelier, das
möbliere ich ſelbſt.
Na jal ſeufzte ſie ergeben. Dann müſſen wir alles
aus dem Zimmer ausräumen. Aber Sie nehmen ſich
doch in acht, daß Sie mir nicht die Tapeten vollſpritzen.
Aber ſicher! gelobte er, erhob ſich und ſtreckte ihr die
Hand hin. Alſo abgemacht!
Frau Dora, die inzwiſchen ihre Verlegenheit
be=
ſiegt hatte, reichte ihm die kurzen, trotz ihres Fleißes
weichgepolſterten Finger. So rund und glatt wie ihr
ganzer Körper war, ſo rund und glatt war auch ihre
Hand. Kurt Egloff fühlte ſo etwas ſehr gern, und
des=
halb hielt er ſie einſtweilen feſt.
Und der Preis? fragte er ſchließlich.
Ach! antwortete ſie und wurde kräftiger rot, weil
der Maler ihre weiche Hand noch immer nicht fahren
laſſen wollte. Ums Geld iſt mir’s nicht zu tun. Ich
hab’ nicht nötig, Zimmer zu vermieten.
Das ſieht man! ſprach er überzeugt und ließ den
Blick ſtolz über die grünen, gepreßten Plüſchmöbel
ſchweifen.
Ich tu’s nur, erklärte ſie und wagte noch immer
nicht, ihm die Hand zu entziehen, weil es hier ſo
un=
ſicher iſt, beſonders in der Nacht.
Sie wohnen ganz allein in dem großen Hauſe?
fragte er erſtaunt.
Ich hab’ noch ein Dienſtmädchen! nickte ſie und
fühlte, wie ihre Hand zwiſchen ſeinen Fingern immer
heißer und heißer wurde. Die hat gerade Ausgang.
Na! meinte er, ſchüttelte ihr noch einmal herzlich
die Hand und gab ſie endlich frei. Da kann ich
ver=
ſtehen, daß Sie ſich nach männlichem Schutz umſehen.
Da bin ich gerade zur rechten Zeit gekommen. Ich
be=
ſitze einen Revolver, ſechs Schuß in der Sekunde. Auf
den können Sie ſich verlaſſen!
Das brachte er ſo drollig heraus, daß ſie lachen
mußte, doch nur leiſe, es hörte ſich mehr wie ein
Ge=
kicher an, als wenn ſie eben angenehm gekitzelt worden
wäre.
Kann ich ſchon heute einziehen? fragte er an der
Tür, wo er ſich noch einmal die runde, weiche Hand
geben ließ.
Gewiß, antwortete ſie und ſah nach der großen
Standuhr, die auf der weiten, hellen Hausdiele ſtand
und tickte. Das Mädchen muß jeden Augenblick
kommen.
Wenn’s Ihnen paßt, ſchicke ich in zwei Stunden
die Möbel, ſagte er, ſchon draußen auf der Treppe, und
ſchwang zum Abſchied ſeinen Hut. Es wäre möglich,
daß ich nicht gleich mitkommen könnte, dann legen Sie
wohl das Geld ſolange aus.
Gern! erwiderte ſie, nickte ihm freundlich nach,
eilte in das große Zimmer und vergaß zum erſten
Male, die Tür zu verrammeln.
Eine Viertelſtunde ſpäter ſkam Guſchi von dem
kleinen Karl zurück, den ſie erſt ihrer Mutter hatte
abringen müſſen, und der noch immer keinen Fuß
an=
ſetzte, dafür aber mit um ſo größerer Kunſtfertigkeit
auf ſeinen Zehen herumlutſchte.
Frau Dora war ſchon kräftig beim Räumen und
fiel vor Schreck faſt in Ohnmacht, als Guſchi unerwartet
an ihrer Seite auftauchte. Sie faßte ſofort mit an. Und
in fliegender Haſt erzählte ihr Frau Dora Fedderſen
von dem neuen Mieter, der ein überaus netter Herr
ſei und noch dazu ein Maler, der die ſchönen Bilder
für die Wände machte.
Guſchi horchte argwöhniſch auf und ließ plötzlich
die Arme ſinken.
Wie heißt er? fragte ſie langſam.
Das wußte Frau Dora nicht, aber ſie beſchrieb ihn
ſo genau, daß Guſchi nur auf Kurt Egloff raten konnte.
Na! rief ſie entſchloſſen und ſtrich mit beiden
Hän=
den die Schürze glatt. Meinetwegen kann er kommen!
Guſchi, was ſoll das heißen? fragte Frau Dora
ſpitzig, die in den Worten einen heimlichen Widerſpruch
witterte. Haſt Du vielleicht Angſt vor der Arbeit?
Aber Guſchi ſchüttelte den Kopf, ſchwieg und ſchaffte
weiter. Die großen Möhelſtücke wurden mit Hilfe der
beiden Männer bewältigt, die Kurt Eglaffs
Atelier=
plunder auf zwei Handkarren heranfuhren. Der
Be=
ſitzer ließ ſich vorerſt nicht blicken.
Wo ſoll das hin? fragten die beiden Möbelträger,
die mit ihren grobgenagelten Stiefeln den ſpiegelblank
gelackten Fußboden ſchrammten. Frau Dora wußte
nicht aus noch ein mit den merkwürdigen Gerätſchaften,
die in ununterbrochener Folge zur Tür hereinquollen.
Hierher! rief Guſchi und wies den Leuten die
richtigen Plätze an.
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Nummer 151.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
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ſtädtiſchen Gebäude ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte,
Grafen=
ſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9, während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die
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gebotsſcheine abgegeben werden.
Die Verdingungsunterlagen werden nach
auswärts nicht verſandt.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 14. Juli 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 28. Juni 1910.
Stadtbauamt.
Buxbaum. (13094df
Herſtellung von elektriſchen
Licht= und Kraftanlagen.
Wir bringen in Erinnerung, daß die
Einrichtung von elektriſchen Licht=und
Kraft=
anlagen, die an das Kabelnetz des
ſtädti=
ſchen Elektrizitätswerks angeſchloſſen
wer=
den ſollen, ſowie alle Erweiterungen,
Ver=
änderungen und Reparaturen ſolcher
An=
lagen nur von Elektrotechnikern ausgeführt
werden dürfen, die von Großherzoglicher
Bürgermeiſterei eine ſchriftliche Erlaubnis
hierzu erhalten und ſich verpflichtet haben,
alle dieſe Einrichtungen unter
Zugrunde=
legung und gewiſſenhafter Beachtung der
hierfür erlaſſenen beſonderen Vorſchriften
auszuführen.
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Zur Zeit iſt folgenden Firmen dieſe
Er=
laubnis erteilt:
1. H. Ackermann, Arheilger Straße 82.
2. W. Gelfius, Fuhrmannſtraße 6.
3. Georg Keil, Kirchſtraße 17.
4. Theodor Korfmann, Taunusſtraße 1.
5. Louis Lange, Hoflieferant, Schulſtr. 6.
6. Ernſt Lorey, Karlſtraße 56.
7. Jakob Nohl, Hoflieferant,
Wilhelminen=
ſtraße 10.
8. Willy Schoeller, Rheinſtraße 9.
9. Auguſt Wilk, Hoflieferant,
Schuchard=
ſtraße 12.
Städt. Elektrizitätswerksverwaltung Darmſtadt.
Meyer.
Bekanntmachung.
Freitag, den 29. Juli 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Heinrich Geigals Eheleuten
dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. . qm
II 104¾/10 213 Hofreite Karlſtraße
Nr. 65½
in unſerem Geſchäftszimmer,
Wittmann=
ſtraße 1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteigerung
wird auch dann erfolgen, falls ein der
Schätzung entſprechendes Gebot nicht
ein=
gelegt wird und andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen.
Darmſtadt, den 14. Juni 1910.
Großherzogl. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (L12252,70
Bekanntmachung.
Freitag, den 29. Inli I. Js.
vormittags 10 Uhr,
ſoll die der Witwe des Tapeziers Friedrich
Fey, Katharine, geb. Kraft, und dem
Bau=
ingenieur Ludwig Fey dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 276¼/10 137 Hofreite) Kranich=
IV 276//10 167 Grab= lſteinerſtraße
garten 12,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K28/10
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der
Ver=
ſteigerung auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 16. Juni 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (L12255,1
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*15958) Landwehrſtr. 19½, 2. Etage.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Spitzhund, 1 Pinſcher. 1 Pinſcher, 1 Doberman, 1 Boxer (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Lie Koksleferung
für die Pauluskirche (ca. 400 Zentner) ſoll vergeben werden. Angebote bis zum 5. Juli
an den Kirchenvorſtand der Paulusgemeinde.
(13158
Darmſtadt, 30. Juni 1910.
Rückert, Pfarrer.
Verſteigerungs-Anzeige.
Montag, den 4. Juli, vormittags 9 Uhr und
nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Hauſe Karlſtraße 90 auf freiwilligen Antrag an den Meiſtbietenden
gegen bare Zahlung:
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ſchränke, 2 Eckſchränkchen, 1 kleines Schränkchen, 1 Herrenſchreibtiſch, 1
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ſchreibtiſch, 1 Schreibtiſch (rokoko), 1 achteckiger Salontiſch, 1 ovaler Tiſch,
ver=
ſchiedene größere und kleinere Tiſche, 1 Ziertiſch, 1 Serviertiſch, 2
Toiletten=
tiſche, 3 Waſchtiſche, 1 Waſchtiſch mit Marmorplatte, verſchiedene Nachttiſche,
2 polierte Kommoden, 1 Nähtiſch, 4 antike gepolſterte Stühle, 12 Wiener
Rohrſeſſel, 2 Rohrſeſſel in eichen Holz, 1 Tragſeſſel, 1 Rohrbank mit 2 Seſſel,
1 Leſepult für Bett, 1 für Tiſch, 2 Nachtſtühle, ganz neu, 1 Tragbahre
1 Krankenfahrſtuhl, verſchiedene Stühle mit Rohr= und Holzſitz,
1 Lederſeſſel, Schirmſtänder, Kleiderſtänder, Waſchgeſtelle, Handtuchhalter,
2 Chaiſelongues, 2 Sofas u. a. m., verſchiedene Zimmerteppiche, Matten und
Linoleumvorlagen und Vorhänge, ſämtliche Beleuchtungskörper für Gas und
Elektrizität, 2 Gasheizöfen, 2 Gasherde, ein neuer Petroleum=Heizofen, 1
Gas=
badeofen mit Zinkbadewanne, eine hölzerne Badewanne, 1 alte Pendule,
1 Standuhr in Bronce uſw. Ferner noch 2 vollſtändige Betten, 1 engl.
Patentbettſtelle mit Roßhaarmatratze, 1 eichene Bettſtelle mit Roßhaarmatratze,
noch wie neu.
Sämtliche Gegenſtände ſind ſehr gut erhalten und wird deren in
Augenſchein=
nahme nur Samstag, nachmittags von 3—6 Uhr, geſtattet.
Darmſtadt, den 28. Juni 1910.
(12902if
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator.
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Versteigerund
7
Mittwoch, den 6. Juli, von vormittags 9 Uhr ab,
verſteigere ich im Parkhotel das durch Eingehen des Geſchäftsbetriebes
daſelbſt freiwerdende Inventar, event. wird dasſelbe auch vorher aus
der Hand verkauft, u. zwar an gen. Tage die geſamte Einrichtung von
etwa 20 Fremdenzimmern, wie Betten, Schränke, Tiſche,
Vor=
hänge uſw., nebſt dazu gehörigem Weißzeug. Außerdem Teile
der Küchen= u. Wirtſchaftsgeräte, als Porzellan, Kupfer, Beſtecke,
Tiſchdecken, Gläſer, Geſchirr= u. Eisſchränke, Waagen, dopp.
Gläſerſchwenktiſch, 2 Fahrradgeſtelle, Schlauchhaſpel, Tiſche,
Furnier= u. Wienerſtühle.
Der Reſt des Saal= und Garteninventars gelangt acht Tage ſpäter
zum Verkauf.
(*15948fi
Ernst Wolff, Amtoger.=Taxator.
Versteigerungs=Anzeige.
Freitag, den 1. Juli l. Js., nachmittags 2½ Uhr,
verſteigere ich öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung im Pfandlokal
Ludwigshöh=
ſtraße 4:
1 Diwan, 1 runden Tiſch und 1 Bücherſchrank.
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Darmſtadt, den 30. Juni 1910.
Böttcher, Großh. Pfandmeiſter.
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Nummer 151.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 1. Juli 1910.
Der Nachtwächter.
Eine heitere Geſchichte.
Die Jugend „von heute” entbehrt eines ſchönen
Stückes Romantik, das die Alten mit vollen Zügen
ge=
nießen durften; es iſt dies die Poeſie des
Nachtwächter=
horns. Nun wird mir ein recht junger Springinsfeld
ins Geſicht lachen und ſagen: „Wie kann ein
Inſtru=
meut, das nur einen einzigen Ton hervorbringt,
poe=
tiſch ſein?‟ Und doch iſt es ſo! Das Nachtwächterhorn
iſt es gewiß, denn unſere deutſchen Dichter haben es
neben ſeinem Vetter, dem Waldhorn, vielfach
verherr=
licht!
Und iſt das nicht Poeſie? Es iſt eine ſchöne, warme
Frühlingsnacht. Das ganze Dorf liegt in tiefem
Schlummer, nur hie und da bellt ein Hund auf. Ueber
Mauern und Zäunen ſchimmert der Holunderſtrauch
herüber und ſeine weißen Blüten hauchen ſüßen Duft
aus. Der Mond wandelt leiſe, wie es im Volkslied
heißt, an dem blauen Himmelszelt und blickt traulich
durch die Nacht aufs Erdenrund. Da ſchreitet durch
die ſtillen Gaſſen ein einſamer Mann, mit Stock und
Horn bewaffnet. Die Turmuhr ſchlägt zwölf, er ſetzt
ſein Horn an und ſeine ſonoren Klänge hallen durch
die ſtille Nacht. Dann ſingt er:
„Hört ihr Herrn, und laßt euch ſagen,
Die Glocke hat zwölf Uhr geſchlagen;
Bewahrt das Feuer und das Licht,
Damit niemand Schaden geſchicht.
Lobet Gott, den Herren!”
Und nun ein zweites Bild! Eine rauhe, kalte
Winternacht iſt über das Dorf hereingebrochen. Der
Sturm heult und treibt die Schneeflocken durch die
dunklen, leeren Gaſſen. Alles pflegt der Ruhe; man
hört keinen Laut. Da ſtampft mit ſchweren Schritten
durch dieſes Unwetter ein dichtvermummter Mann, es
iſt der Nachtwächter. Von Zeit zu Zeit ſendet er ſeine
machrigen Töne hinaus, die im Sturm verhallen, und
alle, die in ihren warmen Betten ruhen und es hören,
freuen ſich, daß ſie nicht bei dieſem Wetter draußen
ſein müſſen. Nicht weit von dem Dorfe aber wankt
ein armer Handwerksburſche durch das Feld. Er hat
ſich verſpätet und wird von dem fürchterlichen Wetter
überraſcht. Der graue Himmel und dichter Schnee
verſperren ihm jede Ausſicht, ſodaß er vom Wege
ab=
irrt. Er will verzweifeln: Da ertönt in ſeiner Nähe
ein Nachtwächterhorn und erfüllt ſeine Seele mit
Hoff=
nung. Er eilt ſeinem Klange nach und findet ſich bald
im Dorfe geborgen.
Das Nachtwächterhorn und mit ihm das Waldhorn
ſind mit ihrer Romantik und Poeſie für immer dahin.
Und nun zu unſerem Nachtwächter.
Die Gemeinderäte des rheiniſchen Dorfes Fheim
waren in der Ratsſtube um ihren Bürgermeiſter
ver=
ſammelt, um einen neuen Nachtwächter zu wählen; der
alte war geſtorben. Vier Leute hatten ſich zu dem Amt
ge=
melbet, darukter gediente Soldaten. Die Dorfväter
ſteckten die Köpfe zuſammen, berieten hin und her und
konnten zu keiner Wahl kommen.
Endlich ſagte der alte Feldmann, genannt der
Minxer, mit ſeiner kreiſchenden Stimme: „Eich denk,
mer nemme den Hannes Dumm, der eß noch der
bil=
ligſt, er will nor 200 Gülle hun, die annere drei ſogar
400!‟ Da lachte ihn ſein Neffe, ein junger Bauer, aus
und ſagte: „Waß, der Hanne Dumm Nachtwächter?
Der eß jo ſo dumm, daß er Steier davon bezahle könnt,
der kann jo ag nett zähle.‟ „Dumm ſan (ſind) mer all,‟
rief Minxer, „nor es als emol e piffiger drunner, wozu
Du awer nett gehörſcht. Der Hanne Dumm werd doch
bloſe und bis uff zwölf zähle könne?‟ Der Alte
ſiegte; der Hanne Dumm wurde zum Nachtwächter
ge=
wählt.
Er hieß eigentlich Johannes Stumm, und da er,
als ihn ſein Vater zum erſten Male zur Schule brachte,
auf die Frage des Lehrers, wie er heiße, Hanne Dumm
antwortete, blieb er es ſein Leben lang. Auf zwei
dicken Beinen ſaß ein plumper Körper, darauf ein
dicker, runder Kürbiskopf mit zwei funkelnden
Aeug=
lein. Das Beſte an ihm war aber ein herrliches
Ge=
biß, das er durch vieles, nachhaltiges Kauen gut
imſtande hielt, denn Eſſen und Trinken war ihm die
Hauptſache.
Schon am nächſten Morgen ließ der Bürgermeiſer
den Hanne Dumm rufen, übergab ihm Horn, Mantel,
Pelzmütze, einen derben Stock und machte ihn auf alles
Notwendige aufmerkſam.
Hanne begann ſchon in der erſten Nacht ſeine
Tätigkeit. Ein fürchterliches Debüt. Von zehn Uhr
al bis zum Morgen ertönte durch die ſtillen Straßen
ein Grunzen, Quieken, ein Geheul, als wenn die Hölle
ihren Mund geöffnet hätte. Der alte Herr Pfarrer,
der nervös war und an Schlafloſigkeit litt, warf ſich
auf ſeinem Kiſſen ruhelos hin und her, die Alten
ſchimpften und die Jungen lachten.
Am anderen Tage früh erſchien Hanne auf Befehl
vor dem Ortsoberhaupt, das ihn grimmig anfuhr:
„Was war das heut Nacht für ein Lärm?” „Eich hun
de rechte Ton noch nett finne könne, heit Nacht werds
ſchon beſſer gehn,” ſagte Hanne. Der Bürgermeiſter
gab ihm jetzt einen halben Laib Brot, einige Handkäſe
und ſchickte ihn hinaus in das kleine Wäldchen, das die
Gemeinde über den Weinbergen beſaß; hier ſollte er
ſich im Blaſen üben.
Hanne blies, wenn er nicht gerade aß, ſo fleißig,
daß die wenigen Vöglein und Haſen Reißaus nahmen
und nicht mehr wiederkehrten.
In der nächſten Nacht ging es ſchon beſſer und in
den folgenden Nächten ganz gut. Aber nun war ein
neuer Uebelſtand, der Nachtwächter konnte nicht
zählen.
Er blies entweder zu viel oder zu wenig. Ueber
die Zahl zehn hatte er es in der Schule nie gebracht
und ſeinen Namen Stumm konnte er wegen der acht
Grundſtriche nie richtig ſchreiben.
Nun übernahmen die braven Bauernburſchen, die,
da es gerade Winter war, nicht viel zu tun hatten und
voller Mutwillen waren, ſeine Erziehung. Sie gingen
mit ihm und ſagten, wann er anfangen und aufhören
müſſe. Da gab es mancherlei Späſſe. Einſt ſollte
Hanne 11 blaſen, aber 15 Töne entquollen ſeinem Horn.
Ei Hanne, Du hoſt jo 4 zu veel gebloſe,” ſagte man
ihm. „Was muß eich do duln)?” fragte dieſer. „Du
mußt 4 wieder zurückbloſe,” und Hanne war gleich
be=
reit dazu.
Eine doppelte Tätigkeit, blaſen und zählen zugleich,
konnte der einfache Verſtand des Hanne Dumm nicht
vollbringen. So blies er denn und zählte laut darauf
die Zahl nach, ſodaß zwiſchen jedem Hornſtoß eine
Pauſe blieb, aber in der Schule der jungen, eifrigen
Lehrer lernte der Nachtwächter nach und nach auch
dieſes. Hanne war nun ein tadelloſer Hornbläſer, da
rerlegten ſich die Burſchen auf allerlei Schabernack, den
ſie mit ihm trieben. An einem Abend konnte Hanne
ſein Horn nicht finden, und es gab eine ſtille Nacht für’s
Dorf. Am anderen Morgen ſah man das Horn an dem
Hauſe Minxers ganz oben an einem Balken
ange=
nagelt, ſodaß es ſchwer herunterzuholen war. Ein
an=
deres Mal hatte man das Horn mit Lebkuchen
zuge=
ſtopft, den der ſtets hungrige Nachtwächter ſtillvergnügt
verzehrte und dann ſein Amt weiter ausübte=
In einer ſchönen und hellen Sommernacht ging
Hanne durch die ſtillen Gaſſen, er ſtampfte tüchtig auf,
blies ſein Horn mit Würde; es war um die zwölfte
Stunde. Doch was ſah er dort im Schatten ſtehen?
Eine weiße Geſtalt, ein Geſpenſt! Hanne erſchrak, blieb
ſtehen und ſagte laut: „Alle gute Geiſter lowe dein)
Herrn, eich geh en meim Beruf, weiche!‟ Doch das
Ge=
ſpenſt wich nicht. Der Nachtwächter eilte nun mutig
auf es zu, ergriff es an dem weißen Leintuch und hieb
mit ſeinem ſchweren Stock auf es los. Der Geiſt aber
gab ihm einen Stoß und entwich.
Am anderen Tag erzählte man ſich im Dorf, daß
ein junger Burſche an ſchweren Kopfwunden
danieder=
liege. Er behauptete, ſie bei einer Rauferei erhalten
zu haben. Hanne Dumm wußte es beſſer, und als die
Tatſache bekannt wurde, lobte der Bürgermeiſter
ſei=
nen tapferen Nachtwächter und die Bauern wurden
ſo=
gar ſtolz auf ihn. Die Burſchen ließen aber den
Nachtwächter nicht in Ruhe; das Ortsoberhaupt
wen=
dete ſich nun an das Kreisamt, dieſes ſchickte einen
Gendarmen, den die Gemeinde bezahlen mußte, zu
ſei=
nem Schutz. Da gaben ſie Frieden.
Hanne Dumm wanderte nun Jahre lang als
Wäch=
ter durch die Straßen ungeſchoren. Es kam das
Jahr 1865. Dieſes ſteht bei allen alten Leuten, die es
miterlebt, in gutem Andenken. Hatte es doch einen
herrlichen Sommer und brachte Obſt und Wein im
Ueberfluß. Der 1865er Wein gehörte zu den beſten
Er=
trägniſſen des 19. Jahrhunderts.
Es war im Herbſt; der Wein war eingetan und
brauſte in den Fäſſern. Die Bauern taten ſich gütlich
an dem Rauſcher, Bitzler, Bremſer, Federweißen, und
es gab manchen, der den herrlichen Trank mit dem
Leben bezahlen mußte. Die Wirtshäuſer wurden faſt
nimmer leer.
Am Sonntag abend kam auch der Nachtwächter ins
Wirtshaus, um ſich einen Schoppen Neuen zu kaufen.
Er fand ſeine Freunde, die jungen Burſchen, daſelbſt,
die ſich mit einem Reiſenden munter unterhielten und
Hannes Ankunft mit Jubel begrüßten. An einem
Sei=
tentiſch ſaß der Kutſcher, der den Reiſenden hierher
ge=
bracht, und ſtärkte ſich zur Heimfahrt. Hanne leiſtete
ſich einen Schoppen, wozu ſeine Freunde noch einen
(zweiten, ja dritten fügten, ſodaß er etwas angeſäuſelt
wurde. Gegen zehn Uhr erhob er ſich, um ſeines
Amtes zu walten. Draußen angekommen, überfiel
Ihn eine gewiſſe Müdigkeit. Der Landauer ſtand ihm im
Wege, die Tür daran ſtand offen und er dachte, da kann
ich ein wenig ausruhen, bis es zehn ſchlägt. Er ſtieg
ein und bald war er ſanft entſchlummert.
Der Kutſcher kam mit ſchwerem Kopfe auch heraus,
ſchlug die Wagentüre zu, ſetzte ſich auf den Bock und
fuhr davon. In Yheim angekommen, fuhr er ſeinen
Wagen in den Hof, ſpannte das Pferd aus, ſchloß das
Hoftor und begab ſich zur Ruhe.
Plötzlich wurde der ſchlafende Nachtwächter durch
zwölf laute Glockenſchläge aus der Nähe geweckt und
an ſein Amt erinnert: „Doch der Menſch in ſeinem
dunkeln Drange iſt ſich des rechten Weges wohl
be=
wußt”, im Duſel kroch er aus dem Wagen, eilte an das
Hoftor, öffnete es, kam auf die Straße, ſetzte ſein Horn
an und zwölf mächtige Töne entquollen deſſen
metallenem Munde.
Tönt da nicht in der Nähe noch ein Horn? Hanne
ſteht und lauſcht, ſchaut um ſich und kann ſeine
Situation nicht begreifen. Alles ganz anders wie zu
Hauſe, und jetzt dazu noch ein anderes Horn! „Wo ben
eich? Ben eich denn noch lebendig? Do eß meiln) Kopp,
do meiln) Henn, do meiln) Baaln), alſo ben eich doch
noch lebendig!”
Da trat aus dem Schatten der andere Nachtwächter
heraus, blieb ſtehen und ſchaute den Eindringling mit
ſcharfen Blicken an. Der mutige Hanne aber faßte ſich
und rief ihm zu: „Wer Du ag beſcht, eich geh en mein
Beruf. Weiche!” Sein Doppelgänger glaubte an
irgend eine Fopperei der Burſchen; er ſprang auf
Hanne zu und in kräftigen Schlägen ſauſte ſein
Knotenſtock auf deſſen dicken Schädel. Dieſer aber hatte
nichts zur Wehr als ſein Horn, das er tapfer zur
Ver=
teidigung gebrauchte.
Auf das Gebrüll der beiden eilten aus der
Nach=
barſchaft einige Männer herbei, die, als ſie ihren
Nacht=
wächter im Kampfe erblickten, auf Hanne mit Fäuſten
losſchlugen.
Hanne wich mutig zurück, warf ſein Horn weg und
lief in großen Sätzen die Straße hinab und gelangte
auf das Feld. Ernüchtert blieb er ſtehen, betrachtete
die Umgebung und ging auf der Straße weiter, die ihn
in ſein Heimatdorf führte, wo ihm der Arzt ſeine
Wun=
den verbinden mußte. Am anderen Tage ſchickte der
Bürgermeiſter von Yheim das zertrümmerte Horn
Hannes an das Oberhaupt von Fheim und ließ höhniſch
fragen, ob dieſes ihr Nachtwächterhorn ſei? Der
Ge=
fragte ließ ſpitzig zurückſagen: „Deß eß nett unſer
Horn, unſer Horn war nei und ſchöln).” Schon ſchien
ſich um das zertrümmerte Nachtwächterhorn ein ſchöner
Prozeß zu entwickeln, den ein verſtändiger Vermittler
noch verhinderte.
Hanne Dumm ſollte jetzt, da die Gemeinde die
Koſten eines neuen Hornes ſcheute, ein Pfeiſchen
be=
kommen, womit er die Stunden abpfeifen ſollte, aber
er lehnte es ab, noch länger Nachtwächter zu ſein, denn
erſtens konnte er ſeinen breiten Mund nicht zum
Pfeifen ſpitzen, und zweitens gehörte er nicht zu den
Pfiffigen, ſondern zu den Dummen.
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2. Wahl von 5 Aufſichtsratsmitgliedern.
3. Berichterſtattung über Genoſſenſchaftstage.
4. Vortrag über Konzentrationsbeſtrebungen auf wirtſchaftl. Gebiete.
5. Anträge § 35 des Statuts.
Die Legitimationskarte iſt am Saaleingang vorzuzeigen.
Die Abſtimmung erfolgt durch Hochheben der Legitimationskarte.
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Mitglieder welche Anträge zu ſtellen beabſichtigen müſſen dieſe ſchriftlich auf
dem Kontor, Schloßgartenplatz 6, bis ſpäteſtens den 6. Juli, abends 6 Uhr, ein=
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