Abonnementspreis
173. Jahrgang
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
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ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
N 147.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Montag, den 27. Inni.
1910.
Senſation des Gerichtsſaales.
* Unter dieſer Ueberſchrift hatte die Tägliche
Rund=
ſchau kürzlich einen Artikel veröffentlicht, der andere
Blätter zu erneuten Betrachtungen über das Thema
angeregt hat. Ein Artikel der Hamburger
Nach=
richten gibt einen Beleg dafür, wie richtig der
in ſolchen Fällen ſich ergebende Widerſtreit zwiſchen den
Neigungen einer gewiſſenhaften Redaktion und der
kom=
pakten Mehrheit ihrer Leſer von dem erſtgenannten Blatte
gekennzeichnet worden iſt. Das Hamburger Blatt ſchreibt:
Die einen ſagen, die Blätter hätten es ja ſelbſt in der
Hand, die Kalamität zu beſeitigen, indem ſie derartige
Verhandlungsberichte einfach nicht brächten. Dies
Ab=
hilfsmittel würde natürlich fruchten. Aber die Möglichkeit
ſeiner erfolgreichen Anwendung muß ſtark bezweifelt
wer=
den. Schon wegen der leider einmal vorhandenen
Sen=
ſationsluſt des zeitungsleſenden Publikums. Dieſe iſt
durch das Aufkommen der modernen Senſationspreſſe
be=
reits auf ein ſo hohes Maß geſteigert worden, daß keine
Zeitung es mehr wagen dürfte, im Intereſſe der guten
Sitten und des öffentlichen Anſtandes die obſzönen
Ver=
handlungen des Allenſteiner Prozeſſes zu unterdrücken,
ohne daß die Leſer rebelliſch würden und, um ihre lüſterne
Neugier gleichwohl zu befriedigen, nach anderen Zeitungen
griffen, die ſich weniger Strupel machen und das höchſte
Ziel ihres Ehrgeizes darin erblicken, den minder ſchönen
Inſtinkten der menſchlichen Natur zu ſchmeicheln und dabei
gute Geſchäfte zu machen. Die Geſchmacksverderbnis iſt
leider bereits ſo weit gediehen, daß wir ſicher nicht zu viel
behaupten, wenn wir ſagen: auf einen einzigen Leſer, der
Anſtoß an Prozeßberichten à la Allenſtein nimmt, kommen
mindeſtens hundert, die es ihrer Zeitung aufs ſchwerſte
verdenken und ſich in ihren „berechtigten Intereſſen” durch
ſie geſchädigt glauben würden, wenn ſich dieſe erlaubte,
ihnen aus Gründen des öffentlichen Anſtandes und der
guten Sitten ſolche „Leckerbiſſen” vorzuenthalten, wie es,
nach der Geſchmacksrichtung dieſer Leute, die
Schlaßim=
mergeheimniſſe der Allenſteiner Angeklagten ſind. Dieſe
Leſer würden auf ihrem Schein beſtehen und verlangen,
daß ihre Zeitung die Verhandlungen in derſelben
Aus=
führlichkeit bringe, wie es dieſes oder jenes Blatt tue. Der
Erfolg der Enthaltſamkeit ſeitens irgend eines Blattes würde
alſo lediglich darin beſtehen, daß es Leſer einbüßte und
materielle Einbuße erlitte, ohne daß andererſeits dadurch
auch nur ein einziger Menſch weniger die betreffenden
Ver=
handlungsberichte läſe. Denn es darf als abſolut ſicher
gelten, was wir oben ſagten: was eine vereinzelte
anſtän=
dige Zeitung verſchwiege, würden ihre um den „Genuß”
gebrachten Leſer in andern Blättern wie ſuchen, ſo finden
und ſchließlich dieſen ihre Gunſt zuwenden.
Was iſt da aber zu machen? Ausſicht auf Erfolg
be=
ſtände nur, wenn es gelänge, die geſamten Zeitungen, ohne
jede Ausnahme, unter einen Hut zu bringen und ſie zu
veranlaſſen, ſich der Wiedergabe und Weiterverbreitung
anſtößiger Gerichtsverhandlungen ſtreng zu enthalten.
Wer aber wollte das für möglich halten? Gegenüber der
gänzlich gewiſſenloſen und frivolen Senſationsluſt, von
der der größte Teil der Preſſe ebenſo wie ihr Publikum
erfüllt iſt, erſcheint der Gedanke einfach lächerlich.
Wir möchten in Ergänzung hierzu bemerken, daß
dieſes Thema den kürzlich in Würzburg abgehaltenen
Delegiertentag der Journaliſten und
Schriftſteller ſehr ernſt und ausführlich beſchäftigt
hat. Von den berufenen Vertretern der Preſſe wurde
ein=
ſtimmig das Vorhandenſein eines Mißſtandes, wie des
oben gekennzeichneten, zugegeben, ebenſo aber war man
einig darüber, daß ein Weg zur Abhilfe dieſes Mißſtandes
nicht gefunden werden könne, ſo lange es Blätter gebe —
und die werde es immer geben —, die mit der
Senſations=
luſt ihrer Leſer ſpekulieren. In erſter Linie waren damit
allerdings gewiſſe Berliner Blätter und die „
General=
anzeiger”=Preſſe gemeint, aber auch die wandernden
Korre=
ſpondenzbureaus, die von Ort zu Ort reiſen, Senſations=
und Kriminalfälle ausſchlachten und für die Zeitungen
ausführliche, möglichſt ſenſationell zugeſchnittene Berichte
fabrizieren. Alle Anträge und Vorſchläge zur Abhilfe
die=
ſer Mißſtände wurden in ihrer Tendenz als löblich und
beifallswert, aber praktiſch als unausführbar erklärt. Die
Frage der Reform unſerer Gerichtsberichterſtattung wurde
aber für ſo ernſt und wichtig gehalten, daß ſofort
beſchloſ=
ſen wurde, ſie auf die Tagesordnung des nächſten
Dele=
giertentages zu ſetzen.
Zur ruſſiſch=japaniſchen Annäherung
wird dem Daily Telegraph von ſeinem Petersburger
Korreſpondenten gedrahtet, daß in wenigen Tagen die
Unterzeichnung eines neuen Vertrages
zwiſchen Rußland und Japan erfolgen werde,
der eine neue Grundlage für die oſtaſiatiſchen Verhältniſſe
ſchafft.
Die Beziehungen zwiſchen beiden Staaten, die ſeit
dem Vertrag von 1907 „korrekt” geweſen ſind, werden
künf=
tighin „freundlich” ſein. Der neue Vertrag darf aber als
die Vorſtufe zu einem förmlichen Bündnis gelten,
das in nicht allzu langer Zeit zwiſchen den beiden ſich einſt
bekämpfenden Großmächten geſchloſſen werden wird. Bis
auf einige unweſentliche Einzelheiten ſind alle
Vertrags=
punkte von den beiderſeitigen Regierungen bereits
geneh=
migt. Die Unterzeichnung iſt in etwa acht Tagen zu
er=
warten. Das Abkommen betrifft nur die Mandſchurei.
Da die Mandſchurei jedoch das Gebiet geweſen iſt, das
während der letzten fünfzehn Jahre der ſtändige Zankapfel
zwiſchen Rußland und Japan war, ſo geht daraus hervor,
daß auch in den anderen oſtaſiatiſchen Fragen
zwiſchen beiden Mächten ein volles Einverſtändnis herrſcht.
Die Baſis der Verſtändigung iſt die Aufrechterhaltung des
Status quo. Rußland und Japan werden daher alle
Be=
mühungen anderer Staaten, die jetzige Lage zu verändern,
zurückweiſen. Aus dieſem Grunde kann an eine
Verwirk=
lichung des amerikaniſchen Vorſchlages, die
Mandſchurei=
bahn zu neutraliſieren, nicht mehr gedacht werden. Beide
Staaten nehmen ſomit ihren Standpunkt vom Jahre 1902
ein. Marquis Ito erklärte vor ſeinem Tode wiederholt,
daß Mißverſtändniſſe zwiſchen Rußland und Japan nur
Fragen der Zeit ſein könnten, und daß eines Tages wieder
eine Verſtändigung, wenn nicht gar ein Bündnis kommen
werde. Er hat recht behalten.
Die Bedrohung der ruſſiſchen und japaniſchen Preſſe
durch Amerika, vor allem durch den Knoxſchen
Neutraliſie=
ungsvorſchlag, dürfte das Zuſtandekommen des
Vertra=
ges beſchleunigt haben.
Aus Söul eingelaufene Meldungen berichten davon,
daß Koreas Bevölkerung als Folge der
ruſſiſch=
japaniſchen Verſtändigung täglich die Annexionserklärung
durch Japan erwartet. Der Beſuch Sir Claude
Mae=
donalds, des britiſchen Botſchafters beim japaniſchen Hofe,
in Söul wird als Beweis dafür angeſehen, daß England
über die einzelnen Stadien der ruſſiſch=japaniſchen
Ver=
handlungen, ſowie auch über die Frage der
Beſitzergrei=
fung Koreas genau unterrichtet iſt.
Teutſches meich.
* Die Stichwahl in Friedberg=Büdingen
hat das Reſultat ergeben, das erwartet, oder beſſer geſagt,
befürchtet worden war: der ſozialdemokratiſche Kandidat
iſt mit einer Mehrheit von 2000 Stimmen gewählt worden.
Er erhielt 11766, der Kandidat des Bundes der Landwirte
9565 Stimmen; im ganzen wurden — wenn dieſe Ziffern
richtig und endgültig ſind — 987 Stimmen mehr
abgege=
ben als bei der Hauptwahl; der ſozialdemokratiſche
Kan=
didat erhielt 2215, der bündleriſche Kandidat 3169
Stim=
men mehr. Aus den Ziffern ergibt ſich, daß die
Wahl=
parole der Nationalliberalen und Freiſinnigen im
allge=
meinen befolgt worden iſt; dieſe ſtimmten für den
ſozial=
demokratiſchen, jene für den bündleriſchen Kandidaten. Die
Reſerven dürften dem ſozialdemokratiſchen Kandidaten
zu=
gute gekommen ſein. Wie dieſe Wahl und die Wahl in
Uſedom=Wollin zeigen, hat ſich inzwiſchen eine völlige
Trennung der linksliberalen Partei von den
Rechtspar=
teien, die die Mehrheit bei der Reichsfinanzreform
bil=
deten, vollzogen. Den Vorteil davon hat die
ſozialdemo=
kratiſche Partei.
— Der Reichskanzler von Bethmann
Hollweg, der am Freitag aus Stuttgart nach Berlin
zurückkehrte, iſt vom Kaiſer nach Kiel eingeladen worden
und dorthin abgereiſt.
— Die Erſatzwahl im 20. ſächſiſchen
Reichstags=
wahlkreis Zſchopau=Marienberg iſt auf den 24.
Auguſt angeſetzt. Als Kandidaten ſind endgültig
aufge=
ſtellt: Kommerzienrat Schmidt von den Konſervativen, den
Nationalliberalen und dem Bund der Landwirte,
Kauf=
mann Fritzſche von den Antiſemiten, Kaufmann Roch von
den Freiſinnigen und der ehemalige Paſtor Göhre von den
Sozialdemokraten.
— Die Kommiſſion für die
Reichsver=
ſicherungsordnung verhandelte weiter über die
Art der Wahl der Vorſitzenden bei den Krankenkaſſen,
ſowie über die Halbierung der Beiträge. Nach langer
Erörterung wird der § 340 in der Faſſung der
Regierungs=
vorlage angenommen, wonach als Vorſtandsmitglied
ge=
wählt iſt, wer die Mehrheit der Stimmen ſowohl aus der
Gruppe der Arbeitgeber als auch der Verſicherten im
Vor=
ſtande erhält. Zum § 343 wird hinzugefügt: „Ein
Arbeit=
geber darf nur dann als Vertreter beſtellt werden, wenn
die Mehrheit der Gruppe der Arbeitnehmer gegen dieſe 2
Wahl keinen Einſpruch erhebt.” Zu § 344 wird ein
Zen=
trumsantrag angenommen: „Der Ausſchuß beſteht zu
einem Drittel aus Vertretern der beteiligten Arbeitgeber
und zu zwei Dritteln aus Vertretern der Verſicherten und
zählt höchſtens 100 Vertreter.”
— Die bevorſtehende Ausdehnung der
Kran=
kenverſicherungspflicht auf landwirtſchaftliche
Arbeiter, Dienſtboten, unſtändige Arbeiter und die im
Wandergewerbe beſchäftigten Perſonen, ſowie die geplante
Hinterbliebenenverſicherung werden naturgemäß die
Auf=
wendungen für unſere
Arbeiterverſiche=
rungen weiterhin ſehr erheblich ſteigern. Um ſüber
dieſe Aufwendungen ein klares Bild zu bekommen,
ſind ſowohl die in Zukunft neu entſtehenden Koſten wie
die für den jetzigen Umfang bereits entſtandenen Koſten
errechnet worden. Hiernach ergibt ſich in vollen Millionen
folgende jährliche Belaſtung: Invalidenverſicherung 228
Millionen; jetzige Krankenverſicherung 332 Millionen; neue
Krankenverſicherung 60 Millionen; Unfallverſicherung 172
Millionen; Hinterbliebenenverſicherung 67 Millionen. Das
ſind insgeſamt 859 Millionen. Berückſichtigt man hierbei
den jährlichen Zuwachs der Bevölkerung, ſo ergibt ſich,
daß ſchon in ſehr naher Zeit die jährlichen
Aufwen=
dungen für die ſoziale Geſetzgebung eine
Mil=
liarde erreichen werden. Seit dem Inkrafttreten unſerer
ſozialpolitiſchen Geſetze waren nun bis zum Ende des
Jahres 1907 von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem
Reich Geſamtaufwendungen von über 8 Milliarden gemacht
worden. Rechnet man hierzu nach dem gegenwärtigen
Stand der Verſicherungen jährliche Aufwendungen von 732
Millionen, ſo ergibt ſich, daß die Geſamtkoſten unſerer
ſozialen Geſetzgebung bis zum Ende dieſes Jahres die
Summe von 10 Milliarden ſchon erheblich überſteigen.
— Die kürzlich in der Nationalliberalen
Kor=
reſpondenz veröffentlichte Abſage an den
Reichskanzler iſt verſchiedentlich in der Preſſe als
ein Linksabmarſch der ganzen nationalliberalen
Heeres=
ſäule aufgefaßt worden. Gegen dieſe Auffaſſung ſetzt ſich
nun die Nationalliberale Korreſpondenz nicht ohne
Schärfe zur Wehr und behauptet, „daß ein ſolcher
Links=
abmarſch weder jemals ſtattgefunden hat, noch für die
Zukunft geplant iſt‟. Die Korreſpondenz zeichnet für die
nationalliberale Politik der nächſten Zukunft folgende
Grundlinien:
Die Partei wird genau auf der mittleren Linie, auf
ihrem alten Standpunkt der Gleichberechtigung der
natio=
nalen Parteien verharren und ſich nach links wie nach
rechts mit derſelben Entſchiedenheit wehren wie bisher.
Allerdings hat ſich ihr Verhältnis zur Regierung inſofern
verſchoben, als der Herr Reichskanzler, des langen
Schwan=
kens müde, nach rechts abmarſchiert und ſein Regiment auf
jene einſeitige Konſtellation aufzubauen entſchloſſen iſt,
welche eine Gleichberechtigung der nationalen Parteien
nicht kennt. Daraus aber auf einen Linksabmarſch der
Nationalliberalen zu ſchließen, bedeutet doch eine wohl
nicht ganz abſichtsloſe Verkennung der tatſächlichen
Vor=
gänge. Inwieweit Herr von Bethmann Hollweg mit den
ſchwarz=blauen Koalierten poſitive Politik zu treiben
im=
ſtande ſein wird, warten wir in Ruhe ab. Einſtweilen ſteht
das Wiederſehen bei Philippi bevor.”
— Man ſchreibt uns: Das Organ des
ſozialdemokra=
tiſchen Maurerverbandes beſpricht in ſeiner neueſten
Aus=
gabe den Schiedsſpruch, der dem
baugewerb=
lichen Kampfe im allgemeinen ein Ende gemacht hat.
Das Maurerorgan warnt davor, die Ergebniſſe des
Schiedsſpruches „aus der Froſchperſpektive” zu betrachten,
indem es ausführt:
„Die erkämpfte Lohnerhöhung kommt wenigſtens
300 000 baugewerblichen Arbeitern zugute. Sie gilt nicht
nur für die 150 000 Ausgeſperrten, ſie gilt für alle, die an
den Vertragsorten arbeiten. Und dieſe 5 Pfg.
Lohnerhöh=
ung ſind am 1. April 1912 . . . erreicht! Wo, ſo fragen
wir mit Stolz, iſt jemals ein ſolcher Fortſchritt errungen
worden? Kein anderes Gewerbe kann dieſem Ergebnis
etwas ähnliches an die Seite ſtellen. Auch mit der
Ar=
beitszeitverkürzung brauchen wir uns nicht zu verſtecken.
.Insgeſamt dürften annähernd 30 000 Arbeiter durch
die Verkürzung unter 10 Stunden profitieren. Dazu
kom=
men noch die Vereinbarungen, die über ſpäteren Beginn
und früheren Schluß der Arbeit am Montag und
Sams=
tag getroffen ſind. . . . Alles in allem: wir ſind auch in
der Verkürzung der Arbeitszeit ein tüchtiges Stück
vor=
wärts gekommen.
Zum Schluß betont das Organ, daß die „
Vergewal=
tigungsanträge” der Unternehmer „zerfetzt”, die
Organi=
ſationen der Arbeiter frei und ſtark geblieben ſeien. Es
bleibt abzuwarten, ob dieſes Urteil die an manchen Orten
bemerkbare Streikluſt dämpfen wird.
Nummer 147.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Juni 1910.
Seite 2.
Ausland.
— Der ungariſche Reichstag wurde am Samstag vom
König in der Königsburg mit einer Thronrede
er=
öffnet, in der es heißt: Unſer väterliches, um das
Schick=
ſal unſerer Völker beſorgtes Herz erfüllt uns mit
Beruhi=
gung, wenn wir das Ergebnis der jüngſten Wahlen
be=
trachten. Wir erblicken darin eine Gewähr der friedlichen
Fortentwickelung der allgemeinen Erſtarkung unſeres
ge=
liebten Ungarn. Die erſte Aufgabe der Regierung wird
ſein, behufs Wiederherſtellung des geſetzmäßigen
Zuſtan=
des auf dem Gebiete des Staatshaushaltsetats
entſpre=
chende Vorlagen zu unterbreiten. Die Thronrede zählt
ſodann die Reformen in den verſchiedenen Zweigen der
Verwaltung auf und betont als dringende Notwendigkeit
die Regelung der Bankangelegenheit. Die Regierung
werde Sorge tragen, daß die Frage der Barzahlungen der
Bank geregelt werde. Sodann heißt es: Die dringendſte,
unaufſchiebbarſte Aufgabe iſt die Neuregelung des
Wahl=
rechts. Die Regierung wird auf Grund des allgemeinen
Wahlrechts einen Geſetzentwurf unterbreiten, der bei voller
Wahrung des einheitlichen nationalen Charakters des
un=
gariſchen Staates den Anſprüchen der demokratiſchen
Ent=
wickelung entſprechen wird. Weiter ſagt die Thronrede,
daß die Entwickelung der Wehrmacht erforderlich iſt, und
zwar in dem Maße und in der Richtung, daß die zur
Wahrung der Sicherheit und Stellung der Monarchie
beru=
fene bewaffnete Macht in der Lage iſt, der Aufgabe unter
allen Umſtänden gerecht zu werden. Dabei ſolle auf die
finanzielle Leiſtungsfähigkeit des Landes entſprechende
Rückſicht genommen werden. Schließlich heißt es in der
Thronrede: Mit aufrichtiger Genugtuung weiſen wir auf
das unveränderte Fortbeſtehen unſerer bewährten
Bünd=
niſſe und auf unſere durchaus freundſchaftlichen
Bezieh=
ungen zu allen Mächten hin. Die ſich ſtets ſteigernde
Frie=
densliebe der europäiſchen Staaten erfüllt uns mit
Ver=
trauen auf Beſtändigkeit der Segnungen des Friedens.
— Der Nationalrat und der Ständerat der Schweiz
nahmen das Ausführungsgeſetz zu dem Artikel der
Ver=
faſſung betreffend das Abſinthverbot an. Dadurch
wird vom 7. Oktober ab die Fabrikation, die Einfuhr und
der Verkauf von Abſinth und aller Nachahmungen in der
ganzen Schweiz verboten.
— Der franzöſiſche Senat nahm den Geſetzentwurf an
betreffend die Abänderung der Berner Konvention zum
Schutz von Werken der Literatur und Kunſt.
— Nach einem unter dem Vorſitz des Königs
abge=
haltenen ſpaniſchen Miniſterrat erklärte der
Miniſterprä=
ſident, er wiederhole dem König die feſte Abſicht der
Re=
gierung, von dem bisher in der Religionsfrage
be=
obachteten Verhalten nicht abzugehen. Er werde die
Vor=
rechte der Krone, ſowie die Regierungsgewalt
aufrecht=
erhalten. In der Aufhebung der Beſchränkung religiöſer
Gemeinſchaften werde man fortfahren. Die jüngſten
De=
krete, die ſich auf die Ausübung der Kulte bezögen,
berühr=
ten in keiner Weiſe das Konkordat und würden nicht
ab=
geändert. Die Regierung erhielt auf die beiden an den
Vatikan gerichteten Noten erſt eine Antwort und werde ſich
die Beantwortung der zweiten Note erbitten.
— Das Unterhaus der Vereinigten Staaten
nahm das Geſetz, welches das Spielgeſchäft im
Termin=
handel mit Baumwolle verhindern ſoll, an.
Miniſterverbrauch unter der
Regie=
rung Wilhelms II. Die Geſamtzahl der während
der 22jährigen Regierungszeit des jetzigen Kaiſers
ver=
brauchten und neuernannten Miniſter und
Reichsſtaats=
ſekretäre beträgt nach einer Berechnung der Berliner Volks=
Berliner Gartenkonzerte.
Von Hermann Kienzl, Berlin.
Wir treten ein. Nachmittagsſonne flutet über die
breiten Laubdächer der Kaſtanienbäume, die, in Reih’
und Glied ſtehend, als würde die preußiſche Disziplin
ihnen in Mark und Wurzeln ſtecken, Spalier bilden.
Unten aber brodelt und wirbelt es wirr
durcheinan=
der. Menſchen, Menſchen und wiederum Menſchen!
Sippen wuchſen da zu Völkern. Die Muſik hat eben
Pauſe gemacht. So lange der Stab des Dirigenten
die Luft durchſegelte, waren die tauſend Bächlein der
Geſpräche, die Sturzwellen des Gelächters und
Ge=
jubels einigermaßen zurückgeſtaut. Jetzt fließen und
praſſeln ſie wirr durcheinander. Dazu klappern
Tel=
ler, klirren Gläſer, ſchreien Kinder, rufen ungeduldige
Gäſte nach den fliegenden Kellnern, die hoch zu
Häup=
ten, als wenig bewunderte Jongleurs, Türme von
Speiſe und Trank ſchwingen. Auf den engen Wegen
wandeln die Kommenden und die Scheidenden und
auch die Beweglichen, die — zumal wenn ſie ſuchen
oder gar gern gefunden werden wollen — nicht raſten
und nicht roſten.
Unſer Sitzfleiſch hat ſich von den getretenen Füßen
mit vieler Mühe die Stühle ſeiner Beſtimmung
er=
obern laſſen. Nun, teurer Freund, ſitzen wir,
einge=
klemmt zwiſchen Bergen von Kuchen und Kaffeekannen
(„Hier können Familien Kaffee kochen”), zwiſchen
Barrikaden von Tiſchen und Stühlen und
wandeln=
den Mauern von Menſchen. Uns umbrauſt und
um=
ſurrt das Chaos. Und in den Lärm hinein —
ſchwei=
gen wir. Schweigen und ſuchen wir offenen Sinnes
zu empfangen. Es will zuerſt ſchwierig dünken, das
Einzelne in dieſem Ganzen zu unterſcheiden, das trotz
aller Vielheit der Stimmen und Geräuſche, auf einen
Ton mitteilſamen Vergnügens, trotz aller äußerlichen
Diſſonanzen auf ein Uniſono harmloſer Gemüter
ab=
geſtimmt ſcheint. Aber bald ſehen und hören wir
beſſer. Wir beobachten die behäbige Familie
Linde=
mann mit der breiten Spitze des wohlbeleibten
Ehe=
paares und den fünf Sprößlingen wie Orgelpfeifen.
Die fürſorgliche Mutter verteilt Stullen, Vater raucht
die beſte Zigarre, und der Herr Schwager trägt einen
Zylinderhut. Daneben — Gaudeamus igitur — bunte
Mützen und Bänder und dröhnendes Gelächter über
den geiſtreichen Witz von Bieres Gnaden. Zwei blonde
Mädchen huſchen an dem Tiſch der Studenten vorüber.
zeitung, die zurzeit noch amtierenden eingerechnet, 86. Im
Reiche hat es während dieſer Zeit gegeben: 5
Reichskanz=
ler, 6 Stagtsſekretäre des Auswärtigen, 4 Staatsſekretäre
des Innern, 7 Staatsſekretäre des Reichsſchatzamts, 4
Staatsſekretäre des Reichsjuſtizamts, 3 Staatsſekretäre
des Reichspoſtamts, 4 Staatsſekretäre des
Reichsmarine=
amts und 2 Staatsſekretäre des Reichskolonialamts. In
Preußen gab es während dieſer Zeit: 6
Miniſterpräſiden=
ten, 3 Finanzminiſter, 9 Miniſter des Innern, 7
Kriegs=
miniſter, 4 Juſtizminiſter, 6 Kultusminiſter, 6 Miniſter der
Landwirtſchaft, 6 Handelsminiſter und 4 Miniſter der
öffentlichen Arbeiten. Von den geſamten Miniſtern ſind
nur 6 im Amte geſtorben.
* Die Bondelzwarts, die uns im letzten
ſüd=
weſtafrikaniſchen Aufſtande ſo viel zu ſchaffen machten,
haben ſich, nach einem Bericht ihres Kommiſſars, des
Ober=
leutnants Ebeling, ſeit der Bewegung, die durch die
Rolf=
bande im vergangenen Jahre hervorgerufen worden iſt,
ruhig verhalten; ſie ſcheinen ſich mit ihrem Schickſal
aus=
geſöhnt zu haben. Jedenfalls ſind Unruhen in größerem
Umfange nicht mehr zu erwarten, ſchon deshalb nicht, weil
waffenfähige Männer niemals in einer größeren Zahl in
Lokationen oder in ihrer Umgebung vereinigt ſind. Die
Kopfzahl der Bondels beträgt 673 Männer, 781 Weiber
und 412 Kinder, im ganzen 1866; doch ſind die Zahlen nicht
ganz genau. Von den Bondels arbeiteten zur Zeit des
Berichtes 461 Männer; dabei iſt zu bemerken, daß alle
Bondels über ſieben Jahre eine Paßmarke erhalten und
als „Männer” geführt werden. Ferner arbeiten 155
Wei=
ber. Viehzucht (Kleinvieh) und Acker= und Gartenbau
werden eifrig getrieben. Die Sterblichkeit iſt
verhältnis=
mäßig groß, größer als die Zahl der Geburten. Im Jahre
1909 ſtarben 18 Männer, 24 Weiber und 21 Kinder.
* Paris 24. Juni. Pichon gab zu Ehren des
Königs und der Königin von Bulgarien
ein Diner, an welchem u. a. Präſident Falliéres, ſowie
die Präſidenten des Senats und der Kammer
teilnah=
men. Nach dem Diner fand Empfang ſtatt. Der König
und die Königin der Bulgaren begaben ſich heute in
Begleitung des Präſidenten der Republik und Frau
Falliéres zum Rathaus, wo ſie von dem Präſidenten
des Stadtrates und dem Präfekten des Seine=
Deaprte=
ments empfangen wurden.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 27. Juni.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Eiſen=
bahngehilfe in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahngemein=
ſchaft Heinrich Reuter zu Bleichenbach mit Wirkung
vom 1. Oktober d. Js. an.
* Geheimerat Haas wird, wie verlautet, in den
nächſten Tagen eine mehrwöchige Erholungsreiſe antreten
und zunächſt im Schwarzwald Aufenthalt nehmen.
— Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 21,
enthält: 1. Bekanntmachung, die allgemeinen
polizei=
lichen Beſtimmungen über die Anlegung von
Land=
dampfkeſſeln vom 17. Dezember 1908 betreffend. 2.
Ueber=
ſicht der von Großh. Miniſterium des Innern für das
Etatsjahr 1910 zur Erhebung genehmigten Umlagen der
Stadt Mainz. 3. Ueberſicht der von den Iſraeliten der
Gemeinden des Kreiſes Oppenheim zu erhebenden und
von Großh. Miniſterium des Innern genehmigten
Um=
lagen für 1910 Rj. 4. Dienſtnachrichten.
L. Im Provinzialausſchuß verkündigte am Samstag
der Vorſitzende Provinzialdirektor Fey das in der
Klage=
ſache des Ortsarmenverbandes Mainz gegen denjenigen
in Bensheim wegen Erſatzes von Unterſtützungskoſten
er=
laſſene Urteil, welches dahin lautet, daß der Klage
ſtatt=
zugeben und der Beklagte verpflichtet ſei, Hauptgeld und
Zinſen, ſowie die Koſten einſchließlich einer Gebühr von
10 Mark zu zahlen. — Alsdann kam die Wahl eines
Bei=
geordneten in Egelsbach zur Verhandlung. Dort war
am 31. März d. J. Adam Kröß XII. mit Mehrheit aus
der Urne hervorgegangen. Die Wahl wurde beanſtandet,
weil der Gewählte ſich offen als Mitglied der
ſo=
zialdemokratiſchen Partei und als überzeugter
Anhänger der Sozialdemokratie bekannte. Der
Kreisaus=
ſchuß verſagte die Beſtätigung, welche Entſcheidung
Rechts=
anwalt Dr. Fulda mit Beſchwerde anfocht. Wie in der
früher verhandelten Mühlheimer Sache berief er ſich
dar=
auf, daß eine Verfaſſungsverletzung vorliege und es nicht
zuläſſig ſei, eine ganze Klaſſe grundſätzlich auszuſchließen.
Das Urteil lautete jedoch dahin, daß der Rekurs als
Sie haben ſich an den ſchlanken Taillen untergefaßt,
kichern ſüß und verdrehen die Aeuglein. Ein Kreis
älterer Damen, kneifer= und zungenbewehrt, hält
einen runden Tiſch beſetzt, über deſſen Fläche, wie
die Kugel zu Monaco, das Wort rollt, das böſe Wort
der Nachbarſchaftspolizei. In ihrer Mitte ſitzt ein
alter Herr, der augenſcheinlich vom blinden Zufall
zu einem letzten freien Stuhl geführt worden war.
Er gehört nicht zum Kollegium und wartet geduldig
auf den Wiederbeginn der Muſik, die ihn am
arbeits=
freien Tage hierher gelockt hat. Dort tauchen
farben=
blühende, ſeidenrauſchende, duftwolkenſpendende
Da=
men auf mit brillanten Hüten; ſie raſcheln und wiegen
ſich lächelnd an Tiſch für Tiſch vorüber. Doch ſind der
Tiſche auch nicht wenige, an denen des einen oder
an=
deren Geſchlechtes ungemiſchte Freuden blühen. Die
Tiſche der Freunde, die Tiſche der Freundinnen, —
nicht Tiſche mit Freunden und Freundinnen . . .
(Freundſchaft zwiſchen Mann und Weib, ſagt übrigens
Emondo de Amicis, gibt es nicht. . . .).
Nun regt ſich’s in der Orcheſter=Muſchel, deren
vergoldeter Zierrat glänzt. Die Muſiker rüſten ſich,
der Kapellmeiſter hat ſich erhoben. Es wird mit einem
Male ſtiller in der weiten Runde. Die Blicke der
Menſchen wandern den erſten Tönen entgegen. Und
ſchon brauſt es hernieder. Aus der „Walküre”: „
Win=
terſtürme wichen dem Wonnemond . . . . Ja, Richard
Wagner oder Hans von Bülow hätten nach den erſten
Takten abgeklopft. Hätten den Taktſtock jenem
Mono=
kel=Dandy an den Kopf geworfen, der ſein albernes
Meckern reſpektlos in die heiligen Klänge miſcht.
Hät=
ten den Kampf der unendlichen Melodie mit dem
un=
endlichen Bierdurſt mancher Gäſte und der
Dienſt=
pflicht amuſiſcher Kellner in Grund und Boden
ver=
wünſcht. Vielleicht .. vielleicht jedoch, wenn ſie
ge=
ſehen hätten, wie Hunderte von Dankbaren das Glück
der Töne in ſich tranken, wären ſie milder geſtimmt
worden. Wem gewährt das Leben ungetrübte
Har=
monie? Wer das Vollkommene nicht erlangen kann,
nimmt willig den fernen Abglanz hin. Freilich, es
gibt Volkskonzerte, die auch dem Unbemittelten einen
reineren Genuß ſichern. Aber die Lichtwellen des
Sommers, die Blumenwinde des Gartens (ob ſie auch
zuweilen den Dunſt der Kaffeekannen und
Braten=
pfannen mitnehmen) ſind Reize beſonderer Art. Und
ſieh nur, — ſieh! Wie ſich viele Augen andächtig
ſen=
ken, wie ſich banale Geſichtszüge merkwürdig
ver=
ſchönen, laute Menſchen verſtummen und horchen und
unbegründet zu verwerfen und Kröß zur Zahlung der
Koſten, ſowie einer Gebühr von 5 Mark zu verurteilen ſei.
Der Ortsarmenverband Hofheim llagt gegen
den=
jenigen in Wattenheim wegen Erſatzes geleiſteter
Armenunterſtützung und Anerkennung beſtehender
Unter=
ſtützungspflicht. Zur Begründung führte Rechtsanwalt
Raab aus, daß der Schreiner Heinrich Götz, nachdem er
vom 2. Juli 1907 bis 20. Oktober 1908 in Wattenheim
ge=
wohnt habe, nach Hofheim verzogen ſei, wo er am
8. Auguſt 1909 verſtarb. Von ſeinem Todestage an ſeien
ſeiner Witwe und ihren 5 Kindern wöchentlich 10 Mark
bar gegeben, auch ſei die Hausmiete bezahlt worden. Nach
der Novelle zum Unterſtützungswohnſitz erſcheine der
Klageanſpruch als begründet, es genüge nur noch ein
Auf=
enthalt von einem Jahr zur Erwerbung des
Unterſtütz=
ungswohnſitzes und ſei ausdrücklich die Novelle auf alle
vom 1. April 1909 an eintretende Fälle anzuwenden.
Juſtizrat Hallwachs widerſprach der Klage, weil eine
ſolche nachträgliche Erwerbung unmöglich vom Geſetzgeber
gewollt war. Das Urteil lautete dahin, daß der
Be=
klagte der Klagbitte gemäß zu verurteilen ſei und alle
Koſten, ſowie eine Gebühr von 5 Mark zu zahlen habe.
* Provinzialausſchuß. Auf der Tagesordnung
der am Samstag, den 2. Juli, vormittags 9½ Uhr,
ſtattfindenden Sitzung ſtehen folgende Sachen: 1. Geſuch
des Johann Roſenberg in Offenbach um Erteilung eines
Wandergewerbeſcheins. 2. Beſchwerde des Auguſt
Kollewe und Genoſſen gegen die Stadt Offenbach
wegen Zuziehung zur Gewerbeſteuer als
Kurzwaren=
händler im Kleinen. 3. Klage des Ortsarmenverbands
Karlsruhe gegen den Landarmenverband Darmſtadt wegen
Erſtattung der Verpflegungskoſten für den Kellner W.
Kaltwaſſer von Gießen. 4. Geſuch des Benedikt
Roß=
mann zu Michelſtadt um Erlauhnis zum Betrieb einer
Gaſtwirtſchaft.
D Die 6. Sitzung der Stadtverordneten=Verſammlung
findet am Donnerstag, den 30. Juni, nachmittags 3½ Uhr,
ſtatt. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Geſuch
um Befreiung von der Beſtimmung in § 12 der
Bau=
polizeiordnung für Heinrichſtraße 39. 3. Geſuch um
Ge=
ſtattung einer Ausnahme von der Beſtimmung in § 5 des
Ortsbauſtatuts für die verlängerte Ludwigshöhſtraße.
4. Geſuch des Pächters des Gehaborner Hofes um
Errich=
tung einer Feldſcheune. 5. Vermietung des zwiſchen den
Hofreiten Alexanderſtraße 8 und 16 hinziehenden Teils der
alten Stadtmauer. 6. Feſtſetzung der Vergütung an den
Grunderwerbsfonds für das im Heerdwegviertel aus
ſtädtiſchem Grundbeſitz ausgeſchiedene Straßen= und
Platz=
gelände. 7. Aenderung der Gebührenſätze für
Verwie=
gungen nach Lebendgewicht im Schlachthof. 8.
Waſſerver=
ſorgung der Gemeinde Arheilgen. 9. Ergänzung der
Frei=
bankordnung für die hieſige Stadt.
A Dr. med. Karl Fehr F. Herr Oberſtabsarzt i. P.
Dr. Karl Fehr, der Samstag früh verſtorben iſt, war am
19. September 1838 in Birſtein geboren, kam aber
früh=
zeitig nach Darmſtadt und gehörte hier lange Zeit zu den
geſuchteſten Aerzten, nicht nur im Beſſunger Bezirk,
wo=
ſelbſt er ſich ſein Heim gegründet hatte, ſondern in der
ganzen Stadt. Die Feldzüge von 1866 und 1870/71 machte
er als Militärarzt mit, trat dann als ſolcher in den
Ruhe=
ſtand, um ſich einer ausgedehnten Privatpraxis zu
wid=
men. In Beſſungen, woſelbſt er lange Zeit der einzige
Arzt war, war er auch als Armenarzt tätig, ſowohl
wäh=
rend der Zeit, als es noch ſelbſtändige Gemeinde war, wie
ſpäter nach der Vereinigung mit Darmſtadt und genoß er in
dieſem Stadtteil eine geradezu unbegrenzte Popularität.
Sein Wohltätigkeitsſinn war ſtark ausgeprägt und er war
gar manchem ein ſtiller Helfer. Seine ärztliche
Tätigkeit=
mußte er, körperlicher Leiden wegen, in den letzten Jahren
mehr und mehr einſchränken.
* Alldeutſcher Verband. Am Freitag hielt die
hieſige Ortsgruppe des Alldeutſchen Verbandes
im Kaiſerſaale die Hauptverſammlung ab, die recht gut
beſucht war. Aus dem Jahresberichte, den der
Vor=
ſitzende, Herr Profeſſor K. Henſing, erſtattete, ging
hervor, daß die Ortsgruppe auch im abgelaufenen
Ge=
ſchäftsjahre manche werktätige alldeutſche Arbeit zum
Beſten des deutſchen Volkstums geleiſtet und auch einen
Zuwachs ihrer Mitgliederzahl erfahren hat. Ueber die
durchaus günſtigen Kaſſenverhältniſſe berichtete Herr
Sekretariats=Aſſiſtent Treſſer, dem von der
Ver=
ſammlung Entlaſtung für ſeine Amtsführung gewährt
wurde. Auf Vorſchlag des Herrn Veterinärrates Dr.
Weinsheimer ward der ſeitherige Vorſtand ein=
ſinnen. Sollte das für nichts gelten? Wäre der Gruß,
den die Kunſt herniederſendet, wirklich
Vergeud=
ung. . . .2
Der Kapellmeiſter, der Haar und Bart in ſeinem
verwitterten Hungergeſicht mit tiefem Schwarz
ge=
fälſcht hat, findet keine Entweihung. Einſt hat er von
lichteren Höhen geträumt; jetzt iſt er längſt zufrieden,
wenn er mitten unter Märſchen und
Operetten=
tänzen, mitten im Strudel alltäglicher Amüſements
ſeinen hohen Sternen ein kümmerliches Weiheopfer
bringen darf. Was ihm übrig geblieben, was für ihn
ein Reſt iſt, mag für die Empfänglichen, die dort unten
lauſchen, ein Anfang und eine Hoffnung ſein.
Mein Blick fällt auf den alten Mann, den das Geſchick
an den Tiſch der Klatſchbaſen geſchleudert hat. Da ſitzt
er, das kahle Haupt tief vornüber gebeugt, und
wiegt=
ſich in Traum und Jugend.
Durch die Baumkronen blitzen die
Sonnenſtern=
chen, und die Roſen duften.
Ein anderes Stück! Potpourri aus der „
Fleder=
maus‟ Ein göttliches Fluidum der Lebenswonne
zieht von Herz zu Herzen. Hükten und ſchöne
Schul=
tern ſchaukeln auf den blauen Wogen, und hundert
Füßchen wippen den Takt. Ei, wie ſind ſie ſo lachend
froh, die Menſchlein, die eben noch in Siegmunds und
Sieglindens ſeligſtem Leid verſunken waren. .
Es verrauſchen die dunkeln, es verrauſchen die
hellen Klänge. Der Abend ſinkt. In bunten Farben
glühen die elektriſchen Lichter auf, Bogenlampen
wer=
fen blendenden Schein, die Lichtfontäne ſprüht
wech=
ſelnde Zauberfarben.
Großſtädters Sommernachtstraum
Stärkerer Duft entſtrömt den Blumen, heißer
gir=
ren und werben die Töne, ungeſtümer ſchlagen die
Herzen. Die Luft trinkt ſehnſüchtige Seufzer. Das
Menſchengewühl im Garten hat ſich noch ſehr
ver=
dichtet. Und wohl auch ſeinen typiſchen Charakter
ver=
ändert. Die kinderreichen Familien machten der teils
reiferen, teils freieren Jugend Platz. In den
Laub=
gängen, ſeitlich von den Gaſtplätzen, wandeln Paare
und Gruppen. Im kleinen Rund iſt’s ein
Miniatur=
bild des ſüdländiſchen Korſos. Aber es ſchimmern
auch hier bunte Kleider und Tücher, heiße Augen,
blü=
hende Wangen. Und es rauſcht auch hier, in dem
Gartenkonzert, zwiſchen den nüchternen Mauern der
großen deutſchen Stadt, das gewaltige Liebeslied der
Schöpfung.
Nummer 147.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Juni 1910.
Seite 3.
ſtimmig wieder gewählt. Es folgten einige geſchäftliche
Mitteilungen, alsdann hielt der Vorſitzende an der Hand
von Richard Nordhauſens prächtigem Buche „Zwiſchen
vierzehn und achtzehn” einen Vortrag über „Was ſollte
das deutſche Volk für die völkiſche Erziehnng der aus
der Schule entlaſſenen Jugend tun?‟ An den Vortrag,
der mit ſtarkem Beifalle aufgenommen wurde, ſchloß ſich
eine längere Ausſprache, an der ſich außer dem
Vor=
ſitzenden die Herren Baurat Schöberl, Seminarlehrer
Pickert und Lehrer Samper beteiligten. Mit Worten
des Dankes an die erſchienenen Mitglieder wurde
als=
dann die äußerſt anregend verlaufene Verſammlung
geſchloſſen.
— Vom „Baſſin‟. Die Breite Allee und
die Fortſetzung derſelben, die Griesheimer
Chauſſee, werden durch den Bau des Neuen
Bahn=
hofes täglich belebter und verfolgen die Spaziergänger
die Veränderungen des Landſchaftsbildes von der
Allee=Brücke aus mit großem Intereſſe. Eine kleine
Betrachtung über den Wechſel der Zeiten kürzt dem
Wanderer den ſtärkenden Gang auf den wohlgepflegten
Waldwegen nach dem ſogenannten Baſſin — früher
eine durſtſtillende Stätte des Wildes —, heute eine
Halteſtelle der „Süddeutſchen” An der Stelle befand
ſich nämlich — ſeit dem Jahre 1717 — ein künſtlich
an=
gelegter Waſſerbehälter, der reichlich Waſſer aus dem
oberhalb Beſſungen liegenden, ſogen. Laubwalde
er=
hielt. Schon lange beſteht dieſe Anlage nicht mehr.
Heute ſehen wir nur noch zu beiden Seiten der
ſchnur=
ſtracks ziehenden Chauſſee die halbkreisförmigen
Heckenwände. „Am Sylveſterabend des Jahres 1743
hatte der Landgraf Ludwig VIII. mit den Prinzen und
ſeinem Oberforſtmeiſter, von Mingerod, eine
Schlitten=
fahrt hierher befohlen. Bei Jagdhornmuſik wurde das
neue Jahr begrüßt.” — So leſen wir in alten Büchern.
Und unweit des Baſſins, ungefähr 50—60 Schritte
da=
von, ſtand die Fortunaburg. Das Abfallwaſſer
lief in ein Teichlein neben der Burg. Unter dieſer im
17. Jahrhundert erbauten Fortunaburg haben wir uns
„ein achteckiges, hölzernes, einſtöckiges Häuschen mit
Ziegeldach” vorzuſtellen. Eigentlich war es ein
ge=
deckter Schießſtand (Schirm) mit einem Kamin, auch
diente es zum Vogelfang. Bei Schlittenfahrten der
Herrſchaft nach dem Baſſin benutzte man es als
Ab=
ſteigeort, um ſich zu erwärmen. Es war 12 Fuß breit,
12 Fuß lang und bis ans Dach 12 Fuß hoch; das Dach,
12—14 Fuß hoch, ſpitzig, mit einer Wetterfahne mit L,
ſtand 3 Fuß über den Bau vor. Ein Keller von 4 Fuß
Höhe; 4 Fenſter und 3 Oberlichter, Fenſter nur 1 Fuß
breit. In 1793 noch gut erhalten. Am 5. Dezember
1804 verfügte Landgraf Ludwig X. die Verſteigerung
auf den Abbruch. Das Häuschen hatte im Jahre 1805
ein Brandſteuerkapital von 150 fl. Der Gaſthalter
Kern von Darmſtadt erſteigte es um 28½ fl. im Februar
1805. Im Jahre 1850 ſtand an der Stelle, wo es
einſtens ſtand, ein Pfahl mit einer Blechtafel, auf
welcher das Häuschen mit Umgebung abgemalt war.
Sie trug die Inſchrift: „Die Fortunaburg, erbaut im
17. Jahrhundert, abgebrochen im Februar 1805"½
— Freireligiöſe Gemeinde. Wie in vielen anderen
Städten, namentlich Süddeutſchlands, beſteht auch hier
die Abſicht, eine freireligiöſe Gemeinde zu gründen. Eine
konſtituierende Gründungsverſammlung findet am
Dienstag abend, im Saal der Reſtauration „Stadt
Pfungſtadt” ſtatt. (Siehe Anzeige.)
— Zum Johann Strauß=Konzert. Die Nachricht,
daß der einzige Sproß der Komponiſten und Dirigenten=
Dynaſtie Strauß, welcher zur Zeit noch den Taktſtock
ſchwingt, am 6. und 7. Juli mit ſeiner Kapelle nach
Darmſtadt kommt, hat in den Kreiſen ſeiner vielen
Ver=
ehrer aufrichtige Freude erweckt. Wir ſind überzeugt,
daß unſere Muſikfreunde den Wiener Gäſten eine
über=
aus herzliche Aufnahme bereiten werden. —
Kartenver=
kauf wie bekannt.
* Bügelkurſus. Wie aus dem Anzeigenteil
erſicht=
lich, beginnt heute die ſtaatlich geprüfte Bügellehrerin,
Frau Luiſe Dürk, im Saale des Schützenhofes einen
Tag= und einen Abendbügelkurſus, in welchen die
Damen in ſämtlichen Fächern gründlich unterrichtet
werden. Frau Dürk, die lange Jahre an der
ſtädti=
ſchen Frauenarbeitsſchule in Speyer a. Rh. gewirkt
und Kurſe in Karlsruhe, Heidelberg, Mainz und
Frankfurt mit beſten Erfolgen gehalten hat,
verpflich=
tet ſich, die Damen unter Garantie gründlich
auszu=
bilden.
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 18. Juni l. J.
männ=
lich 9101, weiblich 6042, zuſ. 15143, in Prozenten 60,10,
39,90; am 11. Juni l. J. männlich 9127, weiblich 6047,
zuſ. 15174, in Prozenten 60,15, 39,85. Der
Kranken=
ſtand betrug am 18. Juni l. J. männlich 392, weiblich
224, in Prozenten 4,30, 3,87; am 11. Juni l. J.
männ=
lich 382, weiblich 218, in Prozenten 4,18, 3,60. An
Krankengeld wurde gezahlt in der Woche vom
13. Juni bis 18. Juni l. J. 5001,75 Mk., in der Woche
vom 6. Juni bis 11. Juni I. J. 4377,03 Mk.
An Wöchnerinnen waren vorhanden am 18. Juni
I. J. — 29, am 11. Juni I. J. — 30; Sterbefälle
kamen vor in der Woche vom 13. Juni bis 18. Juni
I. J. — 1 vom 6. Juni bis 11. Juni l. J. — 1.
A Die Wochenmärkte bieten jetzt ſchon eine große
Mannigfaltigkeit der Erzeugniſſe des Frühſommers,
Kirſchen, Beerenobſt und Frühgemüſe. In der vergangenen
Woche waren die Durchſchnittspreiſe wie nachſtehend
Butter ½ Kg. 1,30 M., in Partien 1,20 M., Eier 6—7 Pf.,
Schmierkäſe ½ Ltr. 20 Pf., Handkäſe 4—10 Pf.,
vor=
jährige Kartoffeln der Zentner 3—4 M., Kumpf (10 Liter)
60—70 Pf., ½ Kg. 4—6 Pf., neue Italiener ½ Kg. 10 Pf.,
Malta ½ Kg. 15 Pf.; Obſt u. dgl.: Kirſchen ½ Kg.
25—35 Pf., Ananaserdbeeren ½ Kg. 40 Pf.,
Walderd=
beeren ½ Kg. 35 Pf., Heidelbeeren ½ Ltr. 20 Pf.,
Stachel=
beeren ½ Ltr. 15 Pf., Himbeeren ½ Ltr. 30 Pf.,
Apfel=
ſinen 8—10 Pf., Zitronen 8 Pf.; Salat, Gemüſe u. dgl.:
Kopfſalat 6 Pf., Bündel Radieschen 2 Pf., Rettiche 6
bis 12 Pf., Meerrettich 20—30 Pf., Rhabarber½ Kg. 12 Pf.,
Roterüben, Zwiebeln ½ Kg. 10 Pf., Paradiesäpfel ½ Kg.
50 Pf., Schälgurken 20—30 Pf., Wirſing 10—30 Pf.,
Kohl=
rabi 3—6 Pf., Blumenkohl 25—60 Pf., Weißkraut 30 Pf.,
Bündel Römiſch=Kohl, Schnittlauch u. dgl. 2 Pf., Bündel
Karotten 4—6 Pf., Kernerbſen ½ Kg. 20 Pf., Spinat
½ Kg. 15 Pf., Spargel ½ Kg. 30—50 Pf., Bohnen ½ Kg.
35 Pf.; Geflügel: junge Gänſe 7—8 M., Enten 3 bis
4 M., Hahnen und Hühner 2,00—3,50 M., Tauben 70 Pf.;
Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 1 M., andere Rheinfiſche
40 Pf., Rotzungen 50 Pf., Kabeljau, Seehecht, große
Schell=
fiſche 25 Pf., kleine 18—20 Pf.; in den Fleiſchſtänden
Kg.: Rindfleiſch 56 Pf., Hackfleiſch 60 Pf., Rindsfett
50 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch
90 Pf., Blut= und Leberwurſt 64 Pf., Fleiſchwurſt und
Schwartenmagen 85 Pf.
Offenbach, 24. Juni. Im Kaiſerhofaktien=
Prozeß ſollen ſowohl Berliner Bankleute, als auch
Direktor Eberbach und Dr. Arthur Dieſeldorf=Hamburg
vernommen werden. In dieſer Angelegenheit iſt
Bei=
geordneter Rech auf acht Tage nach Hamburg und
Ber=
lin gereiſt, um weitere Erhebungen anzuſtellen.
Bensheim, 24. Juni. In Schönberg ſtarb geſtern
im 78. Lebensjahr der ehemalige kurfürſtlich=heſſiſche
Premier=Leutnant a. D. Ferdinand von Goerck,
einer der wenigen noch lebenden ehemaligen Offiziere
der kurheſſiſchen Kavallerie=Brigade. Er ſtand früher
im 2. kurfürſtlich=heſſiſchen Huſaren=Regiment, Herzog
von Sachſen=Meiningen, jetzt Huſaren=Regiment Nr. 14,
und nahm noch vor 1866 ſeinen Abſchied. Er wurde
dann Gouverneur des Erbprinzen, jetzigen Fürſten
Friedrich Wilhelm zu Yſenburg und Büdingen in
Wächtersbach, in welcher Stellung er von Herzog Georg
von Sachſen=Meiningen in den erblichen Adelſtand
er=
hoben wurde. Seit Ende der 70er Jahre nahm von
Goerck in Schönberg ſeinen Wohnſitz.
Mainz, 24. Juni. Das Generalkommando des 18.
Armeekorps hat bekannt gegeben, daß vorausſichtlich
auch in dieſem Jahre wieder eine Truppenſchau
bei Mainz in Gegenwart des Kaiſers ſtattfindet.
Worms, 24. Juni. Die Teer= und
Dachpappen=
fabrik von Weickel iſt heute von einem großen
Brandunglück heimgeſucht worden. Eine
Teer=
pfanne war explodiert, Gaſe entzündeten ſich, und es
ſchlug plötzlich eine Flamme 12 Meter hoch empor. Im
Nu bildete der ganze Betrieb ein einziges Feuermeer,
das man aus weiter Ferne beobachten konnte. Selbſt
von Neuhauſen aus ſah man das Feuer. An der
Brandſtelle erſchienen ein Zug der Wormſer
freiwilli=
gen Feuerwehr unter Herrn Branddirektor Hofmann,
die Wehr der Firma Cornelius Heyl, ſowie die Feuer
wehren von Weinsheim und Horchheim. Ihrem
Ein=
greifen iſt es zu danken, daß das Wohnhaus geretter
wurde, wobei die Dampfſpritze der Firma Cornelius
Heyl wertvolle Dienſte leiſtete. Aber der Betrieb
brannte vollſtändig aus, und das Feuer
wütete noch lange fort. Der Beſitzer, Herr Weickel,
wird durch den Brand ſehr hart betroffen, obwohl noch
nicht feſtgeſtellt iſt, wie groß der Schaden iſt. Spät
abends verließen die Wehren die Brandſtelle. Aber
gegen 11 Uhr begann es plötzlich wieder furchtbar
zu brennen. Ein Teil der Heylſchen und die
Weinsheimer Wehr mußte wieder ausrücken, und es
bedurfte ihrer ganzen Anſtrengung, zu verhindern, daß
das Wohnhaus nicht doch noch vom Feuer verzehrt
wurde. Stundenlang währte der Kampf, und die ganze
Nacht brannte es.
C Bad Nauheim, 25. Juni. Bis zum 23. Juni ſind
14135 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem
Tage noch 6850 anweſend waren. Bäder wurden bis
zum 23. Juni 156909 abgegeben.
A Vadenrod (Kreis Alsfeld), 24. Juni. Unſer
Ortsvorſtand geht nunmehr ernſtlich mit dem
Gedan=
ken an den Bau einer Waſſerleitung um und
zwar ſoll hierzu eine hochgelegene Quelle in der
eige=
nen Gemarkung benutzt werden. Urſprünglich war
unſere Gemeinde zum Anſchluß an die geplante
Grup=
penwaſſerverſorgung des oberen Schwalmtales
vorge=
ſehen. Die Gruppenwaſſerleitung kam jedoch nicht
zu=
ſtande, da ſich dem Quellenwerk größere
Schwierig=
keiten in den Weg ſtellten und da einzelne Gemeinden
ſich eigene Waſſerwerke erbauen wollen. Zu den
letz=
teren gehört auch unſere Gemeinde, die bereits vor
kurzem Schürfungen nach Quellwaſſer in Angriff
ge=
ommen hat. Dieſe haben zu einem günſtigen
Ergeh=
nis geführt, ſo daß nach Fertigſtellung des
Waſſerleitungsprojekts durch die Großherzogliche
Kulturinſpektion Gießen mit dem Bau begonnen
wer=
den kann. Man hofft, bis Ende Herbſt die gefamte
An=
lage zu vollenden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 25. Juni. Geſtern nacht
gegen 2½ Uhr befand ſich ein patrouillierender Schutzmann
vor dem Verwaltungsgebäude der ſtädtiſchen Waſſerwerke,
als kaum 20 Meter vor ihm eine große dunkle Maſſe vom
Turme der nahen Parochialkirche auf das
Moſaik=
pflaſter des Bürgerſteiges ſtürzte. Der Beamte glaubte
zuerſt, daß es ſich um eine Glocke handle, erkannte aber in
dem unförmigen Blei= und Kupferklumpen bald Teile der
Löwenfigur, die ſich von dem Turme gelöſt hatte.
Im Laufe der Zeit — die Parochialkirche iſt in den
Jah=
ren von 1695 bis 1703 erbaut — war der Anker der Figur
durchgeroſtet, ſo daß der Löwe ſich ablöfen und auf die
Straße ſtürzen konnte. Eigentümlicherweiſe iſt dabei
keines der Geſimſe beſchädigt worden, und dadurch, daß
der Abſturz in der Nacht erfolgte, wurde auch kein Menſch
gefährdet. — In das Geſchäftshaus der
Manufakturwaren=
firma Heymann=Welten & Ko. an der Schleuſe 11 iſt in
der vergangenen Nacht ein Einbruch verübt worden.
Der Geldſchrank wurde erbrochen und 15000 Mark in
Bar=
geld entwendet. Von den Tätern fehlt jede Spur.
Heute morgen ſtürzte in Rirdorf das Gerüſt eines
Neubaues zuſammen und riß zwei Arbeiter, Vater
und Sohn, mit ſich in die Tiefe. Der Vater wurde getötet
und der Sohn ſchwer verletzt.
Leipzig, 25. Juni. Heute morgen wurde im Hofe des
neuen Landgerichtsgebäudes der Zimmergeſelle Hermann
Robert Georgi, der am 4. Auguſt den
Oberregierungs=
rat Freiherrn von Woehrmann in Prödel ermordete, durch
den Scharfrichter Brand hingerichtet.
Primkenau, 24. Juni. Die Leiche der
Prin=
zeſſin Feodora zu Schleswig=Holſtein
traf heute abend, von Herzog Ernſt Günther erwartet,
auf dem hieſigen Bahnhofe ein. Sie wurde unter
Glockengeläute nach der Hofkapelle übergeführt, wo
eine kurze Trauerfeier ſtattfand.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
C. Meteorologiſches aus Heſſen (vergl
Nr. 119 dieſes Blattes vom 25. Mai). Der verfloſſene
Mai hinterließ, abgeſehen von der erſten, naßkalten
Dekade und einigen Tagen am Schluſſe, den Eindruck
eines prächtigen Frühlingsmonats. Das höchſte
Mo=
natsmittel der Temperatur weiſt wieder Mainz mit
14,6 Grad Celſius auf, dem Ulrichſtein mit 10,7 als
anderes Extrem gegenüberſteht (Darmſtadt: 13,7). Die
tiefſten Temperaturen fielen meiſt auf den erſten
Mo=
natstag, wo Bad Nauheim mit — 1,6 die kälteſte Station
war (Darmſtadt: 0,3), wogegen in Mainz das
Thermo=
meter nicht unter 2,2 Grad fiel. Die höchſten
Tempera=
turen weiſt faſt allenthalben der 20. auf, wo Mainz mit
29,6 an der Spitze, und Ulrichſtein mit 25,5 an letzter
Stelle ſteht (Darmſtadt: 29,5). Froſttage fehlten nur
in Darmſtadt, Mainz, Worms und Alzey, während im
Vogelsberg bis zu 3 ſolcher Tage vorkamen. Die Zahl
der ſogenannten Sommertage (25 Grad und darüber)
ſchwankt zwiſchen 1 in Ulrichſtein und 5 in Bad=
Nau=
heim, Mainz und Offenbach (Darmſtadt 4). Die
Be=
wölkung entſprach im allgemeinen der Jahreszeit.
Am geringſten war ſie in Schotten, wo ein Prozentſatz
von nur 51 beobachtet wurde, während dieſer in
Gie=
ßen auf 66 ſtieg (Darmſtadt 53). Die
Niederſchlags=
mengen waren infolge der häufigen Gewitterregen
un=
regelmäßig verteilt. Im allgemeinen übertrafen ſie
den Durchſchnitt und zwar an manchen Orten, wie
z. B. in Bingen, ſehr beträchtlich. Die Gegenſätze
bil=
deten Alzey mit 44,6 und der Felsberg mit 111.5
Milli=
meter (Darmſtadt 85,8). In Bingen fiel am 22. die
gewaltige Summe von 40,9 Millimeter, alſo faſt das
Doppelte des Niederſchlags der beiden
vorhergegange=
nen Monate. Schneefälle fehlten nur in Rheinheſſen,
während im Vogelsberg bis zu 7 Schneetage vermerkt
wurden. Von Hagel blieben nur wenige Stationen
verſchont; beſonders wurden Worms und Groß=
Um=
ſtadt davon heimgeſucht. Auch ſtarke, mit Gewitter
be=
gleitete Regen verurſachten namentlich im
nordweſt=
lichen Oberheſſen ſchwere Schäden. Hinſichtlich der
Ge=
witterzahl ſtehen ſich der Felsberg und Seligenſtadt
mit je 3 und verſchiedene oberheſſiſche Stationen mit
je 9 gegenüber (Darmſtadt 8). Die Waſſerſtände
blie=
ben beim Rhein nur wenig hinter dem 10jährigen
Mit=
tel zurück und überſchritten dasſelbe in Bingen. Von
den übrigen Flüſſen zeigte nur die Lahn einen
ver=
hältnismäßig tiefen Stand.
A.M. Wandernde Schulzahnkliniken.
Von Aerzten iſt in den letzten Jahren wiederholt
feſt=
geſtellt worden, daß zwiſchen Zahnkrankheiten und
anderen Krankheiten oft ein Zuſammenhang beſteht
und daß das Allgemeinbefinden weſentlich beeinflußt
wird von dem Zuſtand der Zähne. Aus dieſem Grunde
iſt bereits den Zahnkrankheiten in der Schule eine
größere Aufmerkſamkeit zugewendet worden und es
wurden Schulzahnärzte angeſtellt. Kleineren
Gemein=
den wird das aber nur ſelten möglich ſein. Deshalb
iſt eine Einrichtung von Intereße, die vom
Schulzahn=
arzt Scherer in Mülhauſen i. Elſ. gemacht worden iſt.
Dieſer Zahnarzt hat einen Wagen konſtruiert, der als
wandernde Schulzahnklinik verwendet werden kann.
Da er heizbar iſt, ſo kann er auch im Winter
Verwen=
dung finden. Der Wagen koſtet mit Einrichtung 2200
bis 2500 Mark. Durch dieſe Einrichtung wird es auch
kleinen Gemeinden ermöglicht, die Schulkinder auf
Zahnkrankheiten unterſuchen zu laſſen, entweder indem
ſich größere Bezirke gemeinſchaftlich einen ſolchen
Wagen anſchaffen, oder indem ſie einen Vertrag mit
einem Zahnarzt abſchließen, der ſich einen ſolchen
Wagen anſchafft.
C.K. Die Luftſchiffahrt in der Mode.
Chantecler hat abgewirtſchaftet, die Hüte und
Schirm=
griffe, die Broſchen und Nadeln, die eine Zeitlang den
Ruhm des Beherrſchers des Hühnerhofes verkündeten,
ſind beiſeite geſchoben: eine neue Leidenſchaft hat die
Modewelt erfaßt, die Begeiſterung für die
Luftſchiff=
fahrt, die Begeiſterung für die Kunſt des Fliegens.
Nur wenigen Auserwählten aus der Frauenwelt war
es bisher vergönnt, im Aeroplan oder auf dem
lenk=
baren Luftſchiff auf die an die Erde gefeſſelte
Menſch=
heit herabzublicken; aber man hat auf den
Flieger=
meetings Eindrücke und Erfahrungen geſammelt, die die
Seele in Schwingung verſetzten; ihr Widerhall klingt
nun in Alltag und in der Mode wieder. Da es einem
nicht vergönnt iſt, praktiſch in dem Wettſtreit um die
Eroberung der Lüfte mitzuwirken, ſo will man ſeine
Sympathie für den verwegenen neuen Sport
wenig=
ſtens öffentlich dartun. Im Boudoir der gnädigen
Frau, ja ſelbſt im Salon, wo die Gäſte ſich am Abend
verſammeln, erzählen allerlei kleine Dinge von der
heimlichen Sehnſucht der eleganten Frau, über den
Wolken zu ſchweben. Auf den Tiſchen ſtehen
Blumen=
arrangements, die in ihrem Aufbau die Form von
Flugmaſchinen nachahmen; am glitzernden Kronleuchter
und an der verſchwiegenen Schreibtiſchlampe dämpfen
neue, ſeltſam geformte Schirme das Licht:
Nachbildun=
gen von Lenkballons. Auf den Etageren ſtehen neben
den Nippſachen reizend gearbeitete kleine
Porzellan=
flugmaſchinen, ja ſelbſt beim Mahle gedenkt man der
Luftſchiffahrt, denn Salz und Pfeffer liegen in
fein=
geſchliffenen Zeppelinkreuzern aus Glas bereit. In
London ſieht man jetzt überall Bonbonnieren, die in
Luftballons oder Flugmaſchinen ihre ſüße Laſt
dar=
bieten; ſie ſind der Geſchmack des Tages, wie all die
zierlichen Geräte, die in den Schaufenſtern der Ge=
ſchäfte für kleine Luxusartikel die Blicke der
Vorüber=
gehenden anziehen: graziös gearbeitete, naturgetreue,
kleine Modelle von Flugmaſchinen, aus Elfenbein oder
Schildpatt gefügt oder von der Hand eines geduldigen
Künſtlers ſorglich in Holz geſchnitzt. Und dieſe kleinen
Spielwaren werden von den erwachſenen Kindern ſo
eifrig begehrt, daß die Fabrikanten alle Wünſche kaum
befriedigen können.
Aber man begnügt ſich nicht mit dem Spielzeug,
man will auch größere Geldopfer bringen, um die
Popularität des Flugſportes zu mehren. Die elegante
Frau, deren Ehrgeiz es iſt, wirklich up to date zu
ſein, ſchiebt die alten Hutnadeln und Broſchen
ver=
ächtlich zur Seite. Man befeſtigt ſeinen Hut mit einer
Nadel, deren Knauf eine Miniaturflugmaſchine
dar=
ſtellt, das gleiche Modell pendelt läſſig, mit winzigen
Diamanten beſetzt, an dem dünnen Platinkollier; die
Juweliere müſſen ihre ganze Phantaſie aufbieten, um
die Wünſche ihrer Kundinnen zu befriedigen, denn
überall verlangt man Flugmaſchinen, Flugmaſchinen
mit Brillanten, mit Perlen, mit Rubinen, mit
Smaragden, Flugmaſchinen als Broſchen,
Flugmaſchi=
nen am Armband, Flugmaſchinen überall. Die
Mode=
dame hat natürlich ihr beſtimmtes Modell, das ſie be
vorzugt, einen Farmanflieger, einen Blérioteindecker
oder eine Wrightmaſchine, auf die ſie ſchwört, ja die ſie
ſogar gewiſſermaßen zum Symbol ihrer Perſönlichkeit
erhebt. Auf dem zartgetönten ſteifen Briefpapier
taucht in der Ecke in Goldprägung die erwählte Flug
maſchine auf, ſie iſt eine Deviſe geworden, die auf den
kleinen Viſitenkarten ihren Platz findet, auf dem
Portemonnaie und auf dem zierlichen ledernen
Pompa=
dour. Die Seidenkiſſen, die in läſſiger Unordnung auf
den Ruheſitzen des Boudoirs herumliegen, tragen ir
kunſtvoller Stickerei das Abbild der erwählten
Favo=
ritin. Die Begeiſterung iſt ſo groß, daß die gnädige
Frau ſelbſt es ſich nicht hat nehmen laſſen, in ſtiller
Arbeit am Stickrahmen ihre Teilnahme an der Erobe
rung der Lüfte wenigſtens ſymboliſch zu bekunden.
* Baſel, 24. Juni. Die Univerſität Ba
beging heute die Feier ihres 450jährigen
B=
ſtehens. Im Namen der Univerſitäten
Frei=
burg i. B., Heidelberg und Straßburg überbrachte Pro
rektor von Schubert (Heidelberg) die Glückwünſche
Aus Deutſchland ſind außerdem eine Reihe von
Glück=
wunſchadreſſen eingegangen. Der Nationalrat Iſelin
überreichte namens der Akademiſchen Geſellſchaft eine
Spende von 330000 Franes zu Gründung eines
Penſionsfonds für die Witwen und Waiſen der
Univerſitätslehrer. Zum Ehrendoktor wurde u. a.
Prozeſirr Gr=Greswald ernant.
Nummer 147.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Inni 1910.
Hanburg, 24. Zunſ. Einen bei der Hamburg=
Amerika=Linie eingegangenen Telegramm aus
Mont=
real zufolge, iſt der Dampfer „Prinz Oskar” heute
vormittag wieder flott geworden.
Hamburg, 24. Juni. Der Handlungsgehilfe Holſt,
der am 12. Januar d. J. die Pfandleiherin Luiſe
Merkli ermordet und beraubt hat, iſt vom
Schwur=
gericht zum Tode verurteilt worden.
Innsbruck, 24. Juni. Im Hörſaal des
patho=
logiſchen Inſtitutes kam es heute zu ſtürmiſchen
Demonſtrationen gegen Profeſſor Pommer, der
nach Anſicht der Studenten bei den letzten Prüfungen
mit übermäßiger Strenge vorgegangen war und
meh=
rere Studenten hat durchfallen laſſen. Als Profeſſor
Pommer ſeine Vorleſung beginnen wollte, begannen
die Verſammelten, etwa 150 Mediziner aller
Jahr=
gänge, gellendes Pfeifen und Johlen, woraus die Rufe
wie: Laſſen Sie ſich penſionieren! Pfui! Abzug!
her=
ausklangen. Profeſſor Pommer verließ ſofort den
Hörſaal, worauf ſich die Demonſtranten ruhig
ent=
fernten.
Petersburg, 24. Juni. Der zwiſchen Petersburg
und Schlüſſelburg verkehrende Dampfer „Newa‟
wurde auf einer Fahrt mit 120 Paſſagieren plötzlich
leck. Der Maſchiniſt wollte den Dampfer, um eine
Panik zu vermeiden, auf Land laufen laſſen; die
Maſchine verſagte jedoch und das Schiff begann zu
ſinken, wodurch die Gefahr einer Keſſelexploſion eine
trat, der Maſchiniſt ließ deshalb Dampf ab. Auf Deck
brach, da der Dampfer ſich auf eine Seite legte, eine
furchtbare Panik aus. Die Paſſagiere begannen,
über Bord zu ſpringen. Vom Ufer eilten Bauern zu
Hilfé und retteten die Schwimmenden. Ein Dampfer
rettete die meiſten Paſſagiere, worauf der Dampfer
ſank. Es ſoll kein Menſchenleben zu beklagen ſein,
dagegen wurde feſtgeſtellt, daß das Schiff einen
voll=
ſtändig verfaulten Boden hatte. Von den Paſſagieren
haben viele Verletzungen erlitten.
New=York, 25. Juni. Der Gattenmörder
vom Comerſee, Porter Charlton, der geſtern
in Hoboken verhaftet wurde, ſoll von der Verteidigung
als wahnſinnig hingeſtellt werden; dann wird ihm
vielleicht kein Prozeß gemacht werden, weil das
ameri=
kaniſche Geſetz den Tatort in Amerika zur Bedingung
ſtellt. Italien fordert die Auslieferung nicht, weil es
auch keinen Amerikaner ausliefert und keinen
Präze=
denzfall ſchaffen will, der dazu verpflichten könnte.
Kongreſſe und Verbandstage.
Generalverſammlung des Deutſch=
Evan=
geliſchen Frauenbundes in Koblenz.
* Der große öffentliche Vortrag des erſten Abends
wurde von Oberhofprediger Scholz=Gotha gehalten, der
ſeinen Ausführungen über das zeitgemäße Thema:
„Die ſittliche Notwendigkeit der Frauensewegung” zehn
Leitſätze zugrunde gelegt hatte. Der großzügige
Vor=
trag, der die Frauenbewegung in ihren edelſten
Grund=
gedanken würdigte und ihre innere Notwendigkeit
über=
zeugend darlegte, machte tiefen Eindruck. Die
Ver=
handlungen des 2. Sitzungstages brachten Anträge im
Sinne der Jugendfürſorge. Den Bericht der
Kommiſſion für Kinderſchutz und Jugendfürſorge
er=
ſtattete Fräulein Kramer=Bielefeld. Die
Haupt=
arbeit des letzten Jahres galt den Jugendgerichten und
den Fürſorge=Ausſchüſſen. Die Mitglieder der
Kom=
miſſion ſuchen darum dahin zu wirken, daß überall
dort, wo Ortsgruppen des Bundes beſtehen, auch
Jugendgerichte und Fürſorge=Ausſchüſſe errichtet
wer=
den, und daß auch möglichſt die Mitglieder der Gruppen
als Hilfskräfte, Helferinnen, Ausſchußmitglieder uſw.
zugezogen werden. Im Anſchluß an dieſen Bericht
brachte Fräulein Pönsgen=Berlin die vollen
Sympathien des Präſidiums der deutſchen Zentrale für
Jugendfürſorge in Berlin mit den Beſtrebungen des
Deutſch=Evangeliſchen Frauenbundes zum Ausdruck.
Wenige der bisher erſchloſſenen Berufe geben den
Naturanlagen der Frau ſo reiche Gelegenheit, ſich zum
Wohle des Volkes zu betätigen, wie die Einrichtung
der Fürſorgeſtelle beim Berliner Polizeipräſidium.
Sodann wurde folgender Antrag angenommen:
„Der „D.=E. F.” möge dahin wirken, daß auf dem Wege
des Geſetzes oder der Verordnung Beſtimmungen
ge=
troffen werden, welche bei der Beſchäftigung fremder
Kinder in Betrieben, die unter die §§ 5, 6,8 des
Reichs=
geſetzes vom 30. März 1903, betreffend die
Kinder=
arbeit in gewerblichen Betrieben, fallen, die Verbindung
häuslicher Arbeit mit der gewerblichen Kinderarbeit
regeln.‟ Es folgt der Antrag der Ortsgruppe Elbing:
„Die Generalverſammlung möge beſchließen, daß der
Deutſch=Evangeliſche Frauenbund an zuſtändiger
Stelle um Erlaß eines Verbotes des Beſuchs
öffent=
licher Tanzluſtbarkeiten für Jugendliche bis zum
16. Jahre vorſtellig werde.‟ Der Antrag wird ange=
nommen mit der Abänderung: „Der Deutſch=
Evange=
liſche Frauenbund wolle dahin wirken, daß der Beſuch
von öffentlichen Tanzluſtbarkeiten für Jugendliche bis
zum 16. Jahre verboten werde.‟ Den nächſten Punkt
der Tagesordnung bildete die Beſprechung des einen
Verbandsthemas, die Dienſtbotenfrage. In der
Diskuſſion werden die Erfahrungen in der
Organi=
ſation der Dienſtboten in den verſchiedenen Städten
be=
ſprochen.
Die Nachmittagsſitzung bringt ein Referat von Frl.
v. Bennigſen über „Die Zulaſſung der
Mädchen zu den höheren Knabenſchulen”.
Rednerin gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die
Forde=
rung an Regierungsbehörden und Kommunal=
Ver=
waltungen Zuſtimmung finden möchte: Oeffnet den
Mädchen die Knabenſchulen an den Orten, wo ein
Be=
dürfnis nach höherer Frauenbildung herrſcht, wo aber
dafür eigens eingerichtete Anſtalten nicht errichtet
wer=
den können. Gebt befähigten Mädchen, die ernſthaft
nach Kenntniſſen ſtreben, auch dieſen Weg frei, damit
ſie zu wirtſchaftlicher und geiſtiger Selbſtändigkeit
ge=
langen können. In ſehr lebhafter Diskuſſion wird
allgemein dem Thema zugeſtimmt und nur günſtige
perſönliche Erfahrungen auf dieſem Gebiete werden
mitgeteilt, ſowohl aus Deutſchland, wie aus Schweden
und Holland. Die Anſichten der Verſammlung
verdich=
teten ſich zu folgender Reſolution: „Die heutige
Verſammlung des Deutſch=Evangeliſchen Frauen=
Bundes vertritt die Anſicht, daß man den Mädchen die
bedingte Zulaſſung zu den höheren Knabenſchulen
überall da gewähren möge, wo gleichartige
Mädchen=
bildungsanſtalten nicht vorhanden ſind. Die
Ver=
ſammlung glaubt, daß in dieſem Fall die Vorteile der
bedingten Zulaſſung die etwaigen Nachteile überwiegen
und ſtrebt daher die Zulaſſung der Mädchen zu den
höheren Knabenſchulen für ganz Deutſchland an.”
Der zweite große Abendvortrag vor reich
be=
ſetztem Hauſe bildet zugleich einen würdigen Abſchluß
der öffentlichen Verhandlungen der inhaltreichen
Tagung. Als Thema war geſtellt: „Die Frau als
Glied der Kirchgemeinde” und dies Thema
wird in großzügigen Gedankengängen von Herrn
Pro=
feſſor D. Schian=Gießen ausgeführt. Auf
An=
regung des Herrn Konſiſtorialpräſidenten Dr. Curtius=
Straßburg, in welchem die Frage kirchlicher Rechte für
Frauen einen warmen Fürſprecher beſitzt, und dem
viele intereſſante Ausführungen durch
Diskuſſions=
redner vorangegangen waren, wurde eine
Reſo=
lution gefaßt und angenommen: „In Erkenntnis
der Pflichten, die das Gemeindeleben der Frau ſtellt,
fordert der Deutſch=Evangeliſche Frauenbund die Rechte
der Frau in der Kirche, welche zu rechter, vertiefter
Er=
füllung der Pflichten befähigt.
Die Enzyklika.
* Dresden, 24. Juni. Die vereinigten Dresdener
nationalen Ausſchüſſe brachten heute nachmittag
5 Uhr dem von ſeiner Reiſe zurückkehrenden König von
Sachſen auf dem hieſigen Hauptbahnhofe eine ſtürmiſche
Ovation für ſein Eintreten gegen die Borromäus=
En=
zyklika dar. Korporationen und Schüler hatten vor dem
Hauptbahnhof mit ihren Fahnen und Bannern Aufſtellung
genommen. Als der Vorſtand der nationalen
Aus=
ſchüſſe in einer längeren Anſprache dem Könige den
Dank der Dresdener Einwohner ſowie des geſamten
ſäch=
ſiſchen Vaterlandes zum Ausdruck gebracht hatte,
antwor=
tete der König: Die Sache war für mich ziemlich
ſchwie=
rig, ich will aber hoffen, daß nun endlich Ruhe wird.
Darauf fuhr der König in ſchnellem Tempo durch die
Straßen Dresdens nach ſeiner Sommerreſidenz Wachwitz.
* Haag, 24. Juni. In der heutigen Sitzung der
Zweiten Kammer richtete van Doorn an die
Re=
gierung die Anfrage, ob ſie in der Angelegenheit der
Borromäus=Enzyklika proteſtiert habe oder zu
proteſtieren gedenke. Der Miniſter des Auswärtigen
er=
widerte, es handle ſich um eine rein innere Angelegenheit
der katholiſchen Kirche. Verſchiedene Deputierte der
pro=
teſtantiſchen Partei ſchloſſen ſich der Regierung an. Nolens
erklärte im Namen der Katholiken unter Hinweis auf die
Antwort des Papſtes an Deutſchland, daß
ſeine Partei ſich an der Debatte nicht beteilige.
* Das Präſidium des Evangeliſchen Bundes erläßt
einen Aufruf zur Sammlung einer Anti=
Borro=
mäusſpende, die zur Förderung der deutſch=
evange=
liſchen Intereſſen dienen ſoll. Als Aufgaben, die mit
Hilfe dieſer Spende erfüllt werden ſollen, werden in dem
Aufruf angeführt: Vermehrung der evangeliſchen
Kran=
kenpflege in der Diaſpora, Förderung der deutſch=
evangeli=
ſchen Jugenderziehung in Waiſenhäuſern und
Erziehungs=
vereinen in der Oſtmark, beſonders in Poſen und
Weſt=
preußen, Förderung der deutſch=evangeliſchen Sache im
Auslande, insbeſondere in unſeren Schutzgebieten, Bau
einer deutſch=evangeliſchen Kirche in Rom, Pflege der
neu=
entſtandenen evangeliſchen Gemeinden in Oeſterreich, wo
jährlich ſeit zehn Jahren 4—5000 Katholiken zur
evange=
liſchen Kirche übertreten. Beiträge ſind zu ſenden an die
Zentralſtelle des Evangeliſchen Bundes, Halle (Saale),
Poſtfach 178.
Der Allenſteiner Mordprozeß.
— Allenſtein, 24. Juni. Unter Ausſchluß der
Oeffentlichkeit wird der Bruder der Angeklagten,
Hauptmann Lüders=Metz, dreiviertel Stunden lang
vernommen. Nach Wiederherſtellung der
Oeffentlich=
keit machte Sanitätsrat Dr. Menzel=Görlitz
Bekund=
ungen über den Geſundheitszuſtand der Angeklagten
vor ihrer Verheiratung. Sie litt wiederholt an
Kopf=
ſchmerzen und Schwindelanfällen. Zeuge Dr. Bieda=
Bernſtadt hat die Angeklagte kurz nach ihrer
Verhei=
ratung behandelt. Sie betam in der erſten Zeit ihrer
Ehe eine ganze Reihe hyſteriſcher Anfälle. Im
Sep=
tember 1897 hat die Angeklagte einen
Vergiftungs=
verſuch gemacht, indem ſie einen Extrakt von
Herbſt=
zeitloſe, der dem Major gegen Gicht verſchrieben war,
austrank. Zeuge Sanitätsrat Dr. Gerſter=
Braun=
fels, in deſſen Sanatorium die Angeklagte einige Zeit
lang war und der kommiſſariſch vernommen
worden=
iſt, hat bei ihr pſychiſche Anomalien verſchiedener Art
wahrgenommen. Ihr Verkehr mit den übrigen
Be=
ſuchern der Anſtalt war für die junge Frau eines
Offi=
ziers ſehr frei. Aus ihrer Abneigung gegen den
Gat=
ten machte ſie ſchon damals kein Hehl. Die
Angeklagte=
bot zwar nicht das Bild einer Geiſteskranken,
aber=
doch einer Perſon, die geiſteskrank werden kann.
Zeuge und Sachverſtändiger Dr. Seidel war der=
Hausarzt der Angeklagten nach ihrer Ueberſiedelung
nach Allenſtein. Sie litt viel an Krämpfen und
ner=
vöſen Beſchwerden. Im Jahre 1904 bekam ſie eine
Kniegelenkentzündung, die auf eine Infektion
zurück=
zuführen war. Zeugin Rademachaer war 1½
Jahre Köchin bei der Angeklagten. Dieſe hat ihre
Kinder im allgemeinen gut behandelt, nur einmal
hat=
ſie den Knaben mit einer Reitpeitſche gezüchtigt,
weil=
er weggelaufen war, ſodaß er zwei dicke Schwielen
be=
kam. Der Oberarzt im Sanatorium Ahrweiler, Dr.
Mercks, hat die Angeklagte einige Zeit behandelt.
Er bekundet: Die Angeklagte war einem lebhaften=
Stimmungswechſel unterworfen. Leichte Depreſſionen
wechſelten mit hochgeſpannten Freudengefühlen ab.
Sie beſaß keine Willenskraft und nicht die Fähigkeit,
das Weſentliche von dem Unweſentlichen zu
unter=
ſcheiden. Den einen Tag glaubte ſie ſich völlig
ſchul=
dig, den anderen völlig unſchuldig. Ihre Intereſſen
gingen nicht über die eines 15jährigen Backfiſches
hin=
aus. Sie iſt der Typus eines laſterhaften,
intri=
ganten Backfiſches, ſehr oberflächlich, häufig zyniſch,
ſelbſt bei traurigen Dingen. Einmal ſchwärmt ſie für=
Kunſt und Literatur, dann wieder für einen ſchönen
Mann. Die Pflege ihrer körperlichen Schönheit iſt ihr
die Hauptſache, ihr Teint oft ihre einzige Sorge.
Heute träumt ſie nur von den Kindern, am anderen=
Tage von einer Schar glühender Verehrer, am dritten
will ſie in ein Kloſter gehen und Nonne werden. Zeuge
Dr. Weiler=Weſtend hat die Angeklagte ebenfalls
in ſeinem Sanatorium behandelt. Am Tage nach
ihrer Ankunft erlitt ſie einen Anfall. Im
allgemeinen=
war ſie von großer Launenhaftigkeit und wollte nie
auf=
ihrem Zimmer bleiben. Sie ging mit jungen Herren
ſpazieren, trotzdem ihr Vorhaltungen gemacht wurden,
daß in ihrer Situation Zurückhaltung nötig ſei (ihr
Aufenthalt im Sanatorium fiel in die Zeit nach dem
Kode ihres Mannes). Sie ſoll ſogar mit einem
jun=
gen ſpaniſchen Patienten intim verkehrt haben, ſodaß
dieſen deſſen Angehörige aus der Anſtalt nehmen
muß=
ten. Medizinalrat Eberhardt, der zuſtändige
Kreisarzt für Allenſtein, hat die Angeklagte nach ihrer
Einlieferung in das Gefäegnis am Silveſterabend
dort beſucht. Er hielt ſie für zurechnungsfähig, hat
aber doch beantragt, ſie auf ihren Geiſteszuſtand
unter=
ſuchen zu laſſen.
Es werden hierauf noch mehrere Ausſagen von
kommiſſariſch vernommenen Zeugen verleſen und
ſo=
dann die weiteren Verhandlungen auf morgen
vor=
mittag 9½ Uhr vertagt.
— Allenſtein, 25. Juni. Zeuge Landrichter
Krü=
ger hat die Angeklagte in den erſten Tagen des Januar
1908 in ihrer Zelle geſehen. Sie machte einen ganz
ge=
brochenen Eindruck. Daher habe er auch das Verlangen
der Verteidigung nach einer Konfrontation der
Angeklag=
ten mit Herrn von Göben abgelehnt. Seine Gründe ſeien
von dem Sanitätsrat Dr. Stoltenhoff gebilligt worden.
Bezüglich des Herrn von Göben hätten die militäriſchen
Unterſuchungsführer dieſelben Bedenken gehabt. Zeuge
Kleines Feuilleton.
nge. König Eduards Lieblingshund
als Spielzeug. „Cäſar” ein weiß=ſchwarzer
Fox=
terrier, wurde, wie man ſich erinnert, als
Lieblings=
hund des Königs Eduard VII. von England in ſeinem
Leichenzuge dicht hinter dem Reitpferde des Königs
geführt. Die engliſchen Zeitungen beſchäftigten ſich
damals ſehr ernſthaft mit der Frage, was nun wohl
aus dem Hündchen werden würde. Und es war ihnen
offenbar eine Genugtuung, ihren Leſern ſchließlich
melden zu können, daß die Königin=Witwe Alexandra
ſich „Cäſars” angenommen hätte und ihn bis an ſein
Lebensende in Sandringham unter ihrer eigenen
Ob=
hut verpflegen laſſen würde. Jetzt iſt, ſo ſchreibt man
aus London, der Inhaber einer Spielwarenfabrik in
der britiſchen Hauptſtadt auf den genialen Gedanken
gekommen, „Cäſar” als Spielzeug herzuſtellen und in
den Handel zu bringen. „Cäſar” ſelbſt kkonnte der
Fabrikant freilich nicht als Modell erhalten, aber er
wußte ſich ein gutes Bild von ihm zu verſchaffen. Und
man verſichert, daß der nachgeahmte Hund dem Original
geradezu verblüffend ähnlich iſt. Namentlich der
„ſchöne und kluge Ausdruck, den „Cäſars” Geſicht hat”
ſoll, wie ein Londoner Blatt ſchreibt, außerordentlich
gut getroffen ſein. Der imitierte „Cäſar” kann den
Kopf und alle Gliedmaßen bewegen, ſo daß „man ihm
jede (wir zitieren weiter) bei einem Hunde übliche
Stellung geben kann.‟ Die Nachfrage in „Cäſars” iſt
denn auch ſehr ſtark und der Fabrikant wird mit ſeinem
klugen Einfalle ſicherlich viel Geld verdienen. Woraus
man ſieht, daß der Patriotismus auch jenſeits des
Kanals manchmal recht ſonderbare Formen annimmt!
C) Die Glocken von San Marco. Aus
Ve=
nedig wird berichtet: Eine ſtille Freude liegt über der
Lagunenſtadt, die letzte trübe Erinnerung an die
Kataſtrophe auf dem Markusplatz, an den Einſturz des
alt ehrwürdigen Campanile, iſt verſchwunden: am
Mittwoch hörte Venedig zum erſten Mal wieder das
melodiſche Geläut der Glocken von San Marco. Schon
die Glocken an dem neuerbauten Campanile
empor=
zuhiſſen. Zuerſt kam die kleinſte, die „Trottiera” die
etwas größere; um 9 Uhr war endlich die große alte
werk befeſtigt. Aus allen Teilen der Stadt war die
Arbeit erklang vom Glockenturm die neunte Stunde.
der Glockengießer D’Adda griff zum Hammer und ſollen, darüber verlautet noch nichts. Aber man darf
Stimme hatte ertönen laſſen, brach unten auf der
Piazza ein Jubelſturm aus, und das Freudengeſchrei
wollte kein Ende nehmen. Es war ſchwer, die mächtige
Glocke im Glockenſtuhl zu befeſtigen, ſie war zu breit,
um durch die Oeffnung gezogen werden zu können,
und mußte ſchräg gelegt werden, ehe das Werk gelang.
Nachmittags um 3 Uhr wurde die vierte Glocke, die
vorletzte, die 18 Zentner wiegt, hinaufgewunden, und
endlich kam auch die Reihe an die berühmte „
Maran=
gona”, um die ſo viele Volkslegenden ſich ranken. Denn
ſie war es; die ſeit Jahrhunderten den Aufgang der
Sonne verkündete und die Handwerker zur Arbeit rief.
Um 5 Uhr nachmittags war die Arbeit beendet, der
tiefe Klang der „Marangona” ertönte wieder vom
Campanile herab, wie in alten Zeiten, und verkündete,
daß Venedig wieder ſeinen Campanile hat und daß
die Glocken fortan wieder klingen werden wie ehedem.
** Theodore Rooſevelts Jagdbeute.
Der ehemalige Präſident der Vereinigten Staaten von
langſam von den Anſtrengungen und Mühen ſeiner
Reiſen. Er wird ſich nun wohl zunächſt damit beſchäf= iſt auf den Verlauf der Krankheit anſcheinend ohne
tigen, ſeine afrikaniſche Jagdbeute zu ordnen, die an Einfluß geweſen.
Größe und Mannigfaltigkeit einzig in der Welt
da=
zuſtehen ſcheint. Theodore Rooſevelt hat dem Natio=
um 6 Uhr früh hatte man mit der=Arbeit begonnen, nalen Muſeum in Waſhington ſoeben ein Verzeichnis
aller Tiere, die er in Afrika erlegte, überreichen laſſen.
Die Tiere ſind auf dieſem Verzeichnis nach ihren
ver=
etwa 10 Zentner wiegt, dann, um 7 Uhr, die zweite, ſchiedenen Arten und Klaſſen wiſſenſchaftlich geordnet.
Es ſind 4897 Säugetiere, darunter 1000 Stück großes
Glocke, die 36 Zentner wiegt, an dem elektriſchen Hebe= Wild, 4000 Vögel, 2000 Reptilien und 500 Fiſche, die
zumeiſt aus dem Nile ſtammen. Dazu kommen noch
Bevölkerung auf der Piazza zuſammengeſtrömt, um mehrere Tauſend ſeltener tropiſcher Pflanzen. Wo
Zeuge des frohen Ereigniſſes zu ſein. Während der dieſe vom naturgeſchichtlichen Standpunkt aus höchſt
bemerkenswerten Sammlungen untergebracht werden
wiederholte das Zeichen, und als das Volk unten zum wohl annehmen, daß Theodore Rooſevelt ſie nicht in
erſten Mal wieder die Stimme des alten „Campanone” ſeinem Heime fremden Blicken verſchließen, ſondern
hörte, die ſo oft in Venedigs großen Tagen ihre eherne daß er ſie der Oeffentlichkeit zugänglich machen wird.
— Zwanzig Jahre ohnee Schlaf. Ein
einzigartiger Fall von Schlafloſigkeit, der die
ameri=
kaniſche Aerztewelt ſchon mehrfach beſchäftigt hat, hat
nun mit dem Tode des Kranken geendet. Es handelt
ſich um den einſtigen Polizeichef der Stadt
Hackett=
ſtown in New=Jerſey, Alonzo Wire. Nach den
beglau=
bigten Berichten ſoll Wire 20 Jahre lang keinen
Augenblick geſchlafen haben: es war ihm buchſtäblich
unmöglich, Schlummer zu finden. Das Leiden ging
auf einen Blitzſchlag zurück, von dem er einſt geſtreift
wurde. Er blieb damals eine Zeitlang völlig taub; das
Leiden konnte jedoch beſeitigt werden. An ſeiner
Statt trat nun abſolute Schlafloſigkeit ein. Er pflegte
die Nächte aufzubleiben, am Tage legte er ſich hin, um
ein wenig zu ruhen, aber niemals ſchloß er dabei die
Augen. Die Lackawanna=Eiſenbahn engagierte ihn als
Nachtwächter (!) und jahrelang bekleidete er dieſen
Poſten. Das merkwürdige iſt, daß Wire unter ſeines
Schlafloſigkeit nicht im geringſten zu leiden ſchien, ſein
Nordamerika, Theodore Rooſevelt, iſt glücklich wieder Allgemeinbefinden blieb ungeſtört. Auch während der
bei den heimiſchen Penaten angelangt und erholt ſich letzten Krankheit, die nun zum Tode geführt hat, war
Wire ſo wach wie immer, und der Mangel an Schlaf
Nummer 147.
Weida, früher Dragoner in Aenſtein, jetzt
Fabrilarbei=
ter in Eſſen, war Stubenburſche bei Major von
Schöne=
beck. Er bekundet, daß es mitunter Streit zwiſchen den
Eheleuten wegen des Eſſens gab. Nach ſeiner Entlaſſung
aus den Dienſten des Majors, die wegen Vernachläſſigung
ſeiner Pflichten erfolgte, hat der Zeuge Redensarten in
der Kaſerne hören laſſen, daß die Angeklagte ſich mit allen
möglichen Leuten abgegeben habe. Der Zeuge erklärt, daß
dieſe Behauptung nicht wahr ſei. Zeugin Aufwärterin
Nowaczy hat mehrfach bemerkt, daß ein Taſchentuch
am Schlafſtubenfenſter der Angeklagten hing, es iſt ihr das
aber nicht beſonders aufgefallen. Hauptmann v.
Heff=
ken=Erfurt macht Ausſagen über Göbens Mitteilungen
bezüglich des Burenkrieges.
Damit iſt, wie der Vorſitzende feſtſtellt, die
Beweis=
aufnahme im weſentlichen erledigt, es ſind
nur noch die Sachverſtändigen zu hören.
Medizi=
nalrat Dr. Puppe=Königsberg äußert ſich über die Art
der Schußverletzungen und die Frage, ob Herr v.
Schöne=
beck etwa im Bett erſchoſſen worden ſein könnte. Nach
eingehenden Darlegungen kommt der Sachverſtändige zu
dem Schluß: Der Verſtorbene erhielt den Schuß als er
ſtand, und zwar in einer Entfernung von einem halben
Meter, die Lage der Leiche entſpricht den Angaben des
Herrn von Göben, von einem Erſchießen im Bett kann
keine Rede ſein. Gerichtsarzt Dr. Strauch=Berlin hat die
Angeklagte nach ihrer Einlieferung in das
Charlottenbur=
ger Gefängnis unterſucht, als ſie nach der Rückkehr von
der Hochzeitsreiſe mit Herrn Weber wieder verhaftet
wor=
den war. Er hat die Angeklagte damals nicht für
haft=
fähig gehalten. Der Verteidiger Rechtsanwalt Bahn
be=
merkt, daß das Oberlandesgericht Königsberg darauf die
Haftentlaſſung beſchloſſen habe. Der Vorſitzende ſtellt
richtig, daß nur beſchloſſen wurde, die Angeklagte gegen
=Stellung einer Kaution mit der Haft zu verſchonen. —
Hierauf werden die weiteren Verhandlungen auf Montag
vormittag vertagt.
Das Urteil im Prozeß Hofrichter.
* Wien, 25. Juni. Das Urteil gegen
Ober=
leutnant Hofrichter wurde um 5 Uhr nachmittags
verkündet. Es lautet auf Kaſſierung und 20 Jahre
verſchärften ſchweren Kerkers.
Nach Mitteilung des Reichskriegsminiſteriums
über das gegen Hofrichter gefällte Urteil hat
„Hofrichter das am 27. April vor dem
Unterſuchungs=
gericht das freiwillig abgelegte volle Eingeſtändnis in
zwei ſpäteren Verhören aufrecht erhalten. Er hat
unter anderem ausdrücklich angegeben, daß er, um in
den Generalſtab übernommen zu werden, die
Vorder=
männer vergiften wollte und zu dieſem Zwecke die
Giftſendungen ſelbſt expediert. Dieſes Geſtändnis,
heißt es in der Mitteilung des
Reichskriegsmini=
ſteriums, deckt ſich bezüglich des Motivs der Tat und
aller die Verübung betreffenden Umſtände im
weſent=
lichen mit den Ergebniſſen der Unterſuchung und der
darauf geſtützten Annahmen des Gerichts. Die
Pro=
venienz des Giftes ſuchte Hofrichter durch die Angabe
zu erklären, er habe es vor Jahren von ſeinem
in=
zwiſchen verſtorbenen Vater zu photographiſchen Zwecken
erhalten und ſeither in gut verkorkten Fläſchchen
auf=
bewahrt. Die Gerichtschemiker beſtätigten, daß das
Gift bei ſorgfältiger Verwahrung ſeine tatſächliche
Wirkung durch die Jahre nicht verliere. Das
Ge=
ſtändnis Hofrichters konnte jedoch gemäß der
Mili=
tärſtrafprozeßordnung dem Urteil formell nicht
zu=
grunde gelegt werden, weil er es am 9. Mai letzten
Jahres widerrufen hatte, wenngleich ohne
An=
gabe von ſolchen Gründen, die die Ablegung des
fal=
ſchen Geſtändniſſes erklärt, oder den Widerruf
glaub=
haft gemacht hätten. Infolge des Widerrufs ſpnnte
Hofrichter zur Todes= oder lebenslänglicher
Kerker=
ſtrafe nicht verurteilt werden. Die Pſychiater haben
ein Gutachten dahin abgegeben, daß der Beſchuldigte
weder jetzt geiſteskrank, noch es zur Zeit der
begange=
nen Tat war, und daß er trotz vorhandener
pſycho=
pathiſcher Minderwertigkeit ſtrafrechtlich vollkommen
zurechnungsfähig iſt. Infolgedeſſen war die Tatſache
und der Inhalt des Geſtändniſſes Hofrichters im
Zu=
ſammenhange mit den gegen ihn ſonſt erhobenen, an
ſich überaus ſchwerwiegenden, bereits vielfach
erörter=
ten Verdachtsgründen geignet, die Richter von ſeiner
Schuld zu überzeugen, dies umſomehr, als die
Nach=
forſchungen über die vielfachen auf andere Perſonen
hinweiſenden Anzeichen und Spuren durch die Polizei
und das Gericht zwar ſorgfältig erwogen wurden, jedoch
ein vollkommen negatives Reſultat ergeben haben.
Hofrichter wird zur Verbüßung der 20jährigen
Kerker=
ſtrafe einer Militärſtrafanſtalt übergeben.
Das Friedberger Attentat.
* Friedberg, 25. Juni. Im Laufe des
Vor=
mittags meldete ſich ein wichtiger Zeuge, der
Mitteilungen von dem allergrößten Wert machte. Es
iſt der Fachlehrer John, der am Samstag morgen um
§ Uhr ſpazieren ging. Er wandte ſeine Schritte dem
Hewannenweg zu, der durch die Gemarkung Ockſtadt
führt und nördlich der Stadt liegt. John ſah, daß ein
funger Mann ſich an einer Bank ſeiner Kleidung
ent=
ledigte. Jener Unbekannte legte dann einen hellgrauen
Alnzug ab und hatte darunter einen blauen
Jacketan=
zug. Das abgelegte Kleidungsſtück verwahrte er in
einem Koffer und ſchritt hierauf dem Walde zu, in dem
er verſchwand. Aus Halle a. d. S. wurde der
Fried=
berger Polizei am Donnerstag abend die Meldung
übermittelt, daß der in Neurohla anſäſſige Chauffeur
Burkenſtein verſchwunden ſei. Burkenſteins
Fa=
milie wohnt dort, und er hinterließ bei ſeinem
Weg=
gange, er ſei am 22., ſpäteſtens am 23. Juni wieder in
Neurohla. Geſtern vormittag iſt er aber in Halle noch
nicht eingetröffen. Da bei dem durch Selbſtmord
ge=
endeten Attentäter eine Chauffeurkarte auf den Namen
Barkenſtein gefunden wurde — man hat wohl den
Namen Burkenſtein für Bartenſtein geleſen —, ſo lag
die Annahme nahe, es handele ſich um ein und dieſelbe
Perſon. Die Nauheimer Polizei hat nach Halle die
ufnahme des Toten geſchickt, um durch
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Inni 1910.
Seite 5.
zuſtellen. Ein Frankfurter Kriminalbeamter wurde
nach Neurohla geſandt, um weitere Recherchen in der
noch myſteriöſen Sache feſtzuſtellen.
Bankvorſteher Meier begab ſich geſtern
vormit=
tag in die Privatklinik des Dr. Poppert nach
Gie=
ßen. Eine Röntgenunterſuchung ergab, daß eine
Ku=
gel im Hinterkopf ſitzt; der Schußkanal verläuft
derartig, daß weſentliche Teile des Gehirns nicht in=
Mitleidenſchaft gezogen worden ſind. Wenn keine
Ver=
eiterung eintritt und der Heilungsprozeß in der
bis=
herigen Weiſe fortſchreitet, ſo kann die Kugel auf dem
Wege der Operation entfernt werden. Zurzeit iſt ein
operativer Eingriff nicht gut möglich, da man den
wei=
teren Verlauf des Befindens des Verletzten abwarten
muß. Bankvorſteher Meier hat gegenüber ſeiner Um=
gebung geäußert, daß er ſich nunmehr beſtimmt zu
ent=
ſinnen wiſſe, es ſeien zwei Perſonen in der Bank
geweſen, denn er wäre von dem jetzt toten Räuber von
vorne und von dem anderen Manne von hinten
ange=
griffen worden. Er entſinnt ſich, mehrere Schläge auf
den Hinterkopf erhalten zu haben.
Ganz unverhofft iſt die Friedberger Polizei in den
Beſitz eines Materials gelangt, das weitere
Finger=
zeige gibt. In dem Friedberger Bahnhof wurden
Be=
amte auf einen ſeit längerer Zeit lagernden
ver=
ſchnürten Karton aufmerkſam, der zur
Aufbe=
wahrung übergeben und nicht abgeholt worden war.
Der Karton wurde ungeöffnet der Polizei überſandt,
die das Paket vorſichtig aufmachte. Die angewandte
Vorſicht war unnötig geweſen, weil Sprengſtoffe oder
Bombenſtücke nicht zu finden waren. Dagegen konnte
man Kleidungsſtücke und Briefſchaften auspacken. Die
Briefe ſind an den Entflohenen gerichtet, deſſen richtige
Adreſſe damit feſtgeſtellt zu ſein ſcheint, die vorläufig
noch geheim gehalten wird. Es wurden ferner
Auf=
zeichnungen in franzöſiſcher und in engliſcher Sprache,
ſowie Zeitungs=Ausſchnitte über das Frankfurter
Bombenattentat gefunden. Aus den Briefen ſoll ſich
weiterhin ergeben, daß die zwei Täter längere Zeit in
Frankfurt domiziliert waren. Im Polizeigebäude
lie=
gen außer dem Karton und ſeinem Inhalt ein
Panama=
hut, ein Gummimantel, eine Reiſemütze. Dieſe
Gegen=
ſtände gehörten dem verſtorbenen Täter, deſſen Leiche
heute der Gießener Anatomie zugeführt wird. Dann
lagert bei der Polizei noch ein Karton, der eine
Waſch=
kanne aus Porzellan und eine Zündſchnur enthält;
Sachen, die im Zimmer des Burghotels gefunden
wur=
den und dem Gerichtschemiker Dr. Popp in Frankfurt
geſchickt werden. Auf der Kanne ſollen ſich
Fingerab=
drücke befinden.
Die beiden Bomben, welche die Friedberger
Attentäter zurückgelaſſen hatten, wurden heute durch
den Frankfurter Kriminalkommiſſar Dr. Neuber in
Begleitung des Gerichtschemikers Dr. Popp von
Fried=
berg nach der Königl. Pulverfabrik in Hanau gebracht,
wo ſie auf maſchinellem Wege geöffnet wurden. Der
Inhalt iſt eine Nitro=Glyzerin=Löſung, alſo
das ſtärkſte Sprengmaterial. Die eine Bombe wurde
auch auf ihre exploſive Wirkung unterſucht. Mit
der=
ſelben wurde ein ſchweres Artilleriegeſchoß von etwa
10 Zentimeter Länge mit einer 2½ Zentimeter dicken
Wand glatt in zwei Teile geſprengt.
* Frankfurt, 25. Juni. Der tote
Bank=
räuber iſt identifiziert worden. Der von
Frankfurt nach Halle entſandte Kriminalbeamte war
in der Lage feſtzuſtellen, daß der Chauffeur Anton
Barkenſtein noch am Leben weilt und mit dem
Verbrechen nichts zu tun hat. Barkenſtein
wohnt in Rothleberode am Harz und befand ſich vor
einiger Zeit in Halle a. d. S., wo ihm ſeine
Chauf=
ferkarte geſtohlen wurde. Der Dieb war der
Kommis Otto Wingeß aus Leipzig, der am
24. September 1889 dort geboren wurde. Die Berliner
Kriminalpolizei ſchlug nach Empfang des Bildes des
durch Selbſtmord geendeten angeblichen Barkenſtein
im Verbrecheralbum nach und da fand ſie, daß die
Be=
ſchreibung auf Wingeß paßte, der im Mai 1906 in
München als Bankräuber feſtgenommen und für den
Erkenntnisdienſt gemeſſen worden iſt. Wingeß wohnte
früher bei ſeinen Eltern in Leipzig, Magdalenenſtr. 13.
Im Frühjahr d. J. unterſchlug er einem Baumeiſter
in Leipzig 8000 Mark, flüchtete und wurde ſteckbrieflich
verfolgt. Es iſt anzunehmen, daß Wingeß von der
unterſchlagenen Summe noch mehrere tauſend Mark
im Beſitz hatte. Freilich iſt es nicht ausgeſchloſſen, daß
das Geld nicht aus Leipzig ſtammt, und daß Wingeß
inzwiſchen wieder ein neues Verbrechen beging. Die
Polizei richtet nunmehr ihr Hauptaugenmerk auf die
Perſonen, die ſich in jüngſter Zeit mit Wingeß
zu=
ſammen befanden.
Die Feſtſtellung der Perſonalien des toten
Bankräubers Otto Wingeß bietet der hieſigen
Kriminalpolizei eine wertvolle Unterlage für die
wei=
tere Unterſuchung des Friedberger Attentats und
Bank=
raubes. Man iſt jetzt auch auf der Spur des Kom= wurde am Samstag vormittag im Beiſein zahlreicher
plizen und hofft in den nächſten Tagen deſſen
Per=
ſonalien feſtſtellen zu können, eventuell auch deſſen
Verhaftung vorzunehmen, falls er nicht inzwiſchen
auf ausländiſchen Boden gelangt iſt. Dies iſt ihm
aber kaum gelungen, da ſämtliche Hafenplätze und
Grenzſtädte von dem Attentat und den Tätern genau
unterrichtet ſind.
* Berlin, 26. Juni. Der als Mittäter beim
Fried=
berger Bankraub genannte Willy Hockradt aus Neuß
kommt als ſolcher nicht in Frage, da er ſich zur Zeit
der Tat bei ſeinen Eltern in Leipzig aufgehalten hat.
Luftſchiffahrt.
D. F. G. Nachdem der Aviatiker v. Gorriſſen nach
den Veranſtaltungen von Berlin und München bei dem
Flugmeeting in Hannover große Erfolge errungen und ſich
immer mehr zu einem der beſten deutſchen Flieger
heraus=
gebildet hat, geht er Ende dieſer Woche nach Rußland,
um an der Flugwoche in Warſchau neben Baron de
Ca=
ters und anderen auf ausdrückliche Aufforderung des
Prinzen Lubomirski, Vorſitzenden des dortigen Komitees,
teilzunehmen. Die Fähigkeiten, die von Gorriſſen in
ſtei=
gendem Maße bei jeder Flugveranſtaltung gezeigt hat,
be=
rechtigen zu der Hoffnung, daß er dort als einziger
deut=
ſcher Flieger ſich bewähren und der deutſchen Aviatik zur
Ehre gereichen wird.
* Berlin, 25. Juni. Graf Zeppelin reiſt heute
nachmittag von Friedrichshafen nach Berlin ab. —
Gehei=
mer Kommerzienrat Löwe, ſeit langem ein werktätiger
Freund und Förderer der Luftſchiffahrt, der die jüngſte
Fahrt des „L 2 VII” von Friedrichshafen nach
Düſſel=
dorf mitmachte, ſchreibt der Voſſiſchen Zeitung: Die
er=
zielte Geſchwindigkeit iſt die höchſte, die je ein Luftſchiff
er=
reicht hat; ſie wurde vor wenigen Monaten noch als
un=
wahrſcheinlich angeſehen. Man rechnete höchſtens mit 40
Kilometer und bei ganz gutem Winde mit 50 Kilometer
Geſchwindigkeit in der Stunde. Die Gefahr des Unfalls
iſt geringer als bei einer Automobilfahrt.
* Gotha. 24. Juni. Der Bau der
Luftſchiff=
halle auf der Südſeite des kleinen Seebergs in
unmittel=
barer Nähe der Stadt Gotha iſt nahezu vollendet. Die
Einweihung findet am 9. Juli ſtatt. Die Halle, die
aus=
ſchließlich aus Zuwendungen von privaten Perſonen und
Vereinen erbaut iſt, iſt 156 Meter lang, 25 breit und 32
hoch. Auch für Aviatiker iſt der Platz ſüdlich des
See=
berges ſehr geeignet.
* Linz, 24. Juni. Bei einer Ballonfahrt, die
der Erzherzog Joſef Ferdinand geſtern mit
ei=
nem Oberingenieur und einem Oberleutnant unternahm,
wurde der Ballon durch einen Windſtoß in die Donau
getrieben. Durch Ballaſtauswerfen gelang es, den
Ballon, der nochmals in den Strom geſchleudert wurde,
ſchließlich hoch zu bringen, worauf mit Hilfe herbeigeeilter
Bauern die Landung vor ſich ging.
Die Kieler Woche.
* Kiel, 24. Juni. Die Jacht „Meteor” mit dem
Kaiſer an Bord gewann in ihrer Klaſſe den zweiten
Preis nach der „Weſtward”; ſie lief nach 9 Uhr in den
Hafen ein. Die Jacht wurde zur Boje geſchleppt, worauf
der Kaiſer an Bord der „Hohenzollern” zurückkehrte. Zur
Abendtafel beim Kaiſer waren geladen Prinz und
Prin=
zeſſin Heinrich und der Fürſt von Monaco mit Begleitung,
in welcher ſich Profeſſor Hergeſell befindet.
* Berlin, 25. Juni. Die Ergebniſſe der
heutigen Binnenwettfahrt des norddeutſchen
Regattavereins auf dem Kieler Hafen ſind: 8 Meter=Klaſſe:
erſter Preis „Prima”, zweiter „Toni VII‟ dritter
„Woge IV; 7 Meter=Klaſſe: erſter Preis und den
Heraus=
forderungspreis des Regattavereins: „Meluſine II‟,
„Maria Florrie” gab auf, „Kismet” ſtartete nicht; 6
Me=
ter=Klaſſe: Burmeſterpreis: erſter „Bajazzo”, zweiter
„Aſter” dritter „Harald IV” vierter „Gypätos”, „
Norlan=
dia III” gab auf, „Feinsliebchen V” und „Rara Avis”
ſtarteten nicht; 5 Meter=Klaſſe: erſter Preis: „Panther”
zweiter „Elsbeth III‟, dritter „Nixe‟.
* Kiel, 26. Juni. Heute morgen fand an Bord der
„Hohenzollern‟ Gottesdienſt ſtatt, den der
Kaiſer ſelber abhielt. Die Predigt, in deren Beginn
der Kaiſer auf die große Bewegung in der Frage „Hat
Jeſus gelebt? hinwies, knüpfte an die Textworte Evang.
Lucas 23, Vers 44 an. Am Gottesdienſt nahmen der
Reichskanzler und die an Bord wohnenden Herren der
Umgebung teil. Vormittags 11,30 Uhr begann die
Wettfahrt des
NorddeutſchenRegattaver=
eins auf der Kieler Förde bei günſtigem Wetter.
Zahlreiche Begleitdampfer gingen hinaus. In Klaſſe
A I ſtartete „Meteor” mit dem Kaiſer an Bord. Als
Gäſte zum Mitſegeln auf dem „Meteor” waren geladen
der Reichskanzler, Oberhofmarſchall Graf zu Eulenburg,
Staatsſekretär v. Tirpitz, Staatsſekretär Freiherr Zorn
von Bulach, Exz. v. Valentini, Hofmarſchall Freiherr
v. Seckendorff, Oberpräſident v. Bülow, Geſandter Graf
v. Götzen, Generaldirektor Ballin.
Erdbeben.
* Jugenheim, 25. Juni. Geſtern nachmittag 2 Uhr
30 Min., 21 Sek. begann auf der hieſigen Erdbebenwarte
die Regiſtrierung eines ſehr ſtarken Erdbebens, deſſen
Herd nur etwa 1600 Kilometer entfernt und ſüdlich
gele=
gen iſt. In dieſem Jahre wurde, mit Ausnahme des
Erdbebens bei Island am 22. Januar, kein Beben von
ſolcher Stärke regiſtriert wie das geſtrige. Wir meldeten
am 16. Juni von einem ſtarken Beben ſüdweſtlich von
Spanien, der Herd lag im Nordweſten Afrikas im
mitt=
leren Teile des Atlasgebirges. Geſtern am 24. Juni lag
der Herd in den öſtlichen Ausläufern desſelben großen
Faltengebirges. Beide große Erdbebn dürften im inneren
Zuſammenhang ſtehen.
* Jugenheim, Erdbebenwarte, 26. Juni.
Geſtern abend 8h 25m) 22s begann von neuem die
Auf=
zeichnung eines ziemlich kräftigen Erdbebens, die
bis nach 9 Uhr dauerte. Diesmal liegt der Herd aber
nicht wieder in Südoſt, ſondern in Südoſt. Wir
ver=
muten ihn 2300 km entfernt, nahe der Inſel Kreta.
* Algier, 25. Juni. Geſtern nachmittag wurden
hier und im ganzen Weſten des Departements heftige
Erdſtöße verſpürt. In mehreren Städten entſtanden
Riſſe an den Häuſern; Möbel wurden vom Platze
rückt. In Aumale ſind mehrere Häuſer eingeſtürzt.
Men=
ſchen ſind nicht umgekommen.
* Algier, 25. Juni. Durch das Erdbeben ſind
dem Vernehmen nach in der Gegend von Aumale 14
Ein=
geborene ums Leben gekommen.
Aquarien= und Terrarien=Ausſtellung.
St. In dem Saale des Reſtaurants „Mathildenhöhe‟
Beſucher, des Vorſtands und der Ausſtellungsleitung
die Aquarien= und Terrarien=Ausſtellung des Vereins
Hottonia=Darmſtadt mit einer Anſprache des
Vor=
ſitzenden, Herrn Ph. Schmidt, eröffnet.
Die Ausſtellung iſt außerordentlich reich beſchickt
und iſt in der Geſamtwirkung ganz zweifellos
hoch=
intereſſant. Läßt ſie doch den Laien einen Einblick tun
in das ſonſt ſehr geheimnisvolle Leben der ſchenen,
leichtfüßigen und =flügeligen Waſſer= und Sumpftiere
und damit in ein Stück Naturleben und =weben, das
ſonſt dem Menſchen, inſonderheit der Stadtbevölkerung,
faſt ganz verſchloſſen bleibt. Und ſie zeigt weiter, daß,
je tiefer wir herabſteigen zu den Uranfängen der Natur,
zu den niederen und niedrigſten Pflanzen und
Lebe=
weſen, dort, wo man nach Allgemeinbegriffen
Primiti=
vität zu finden glaubt, der Lebensapparat oft ſo
kom=
pliziert und ſo wunderbar iſt, daß der Laie ſich kaum
eine Vorſtellung davon machen kann; daß es gerade
unter den niederſten Lebeweſen Tiere mit doppelten
und dreifachen Exiſtenzberechtigungen gibt, die in
ver=
ſchiedenen Phaſen ihres Daſeins als Puppen, Larven
und entwickelte Tierchen als beſondere, in ihrer
Art vollendete Tiergattungen gelten können, die Jahre
zu ihrer völligen Entwickelung brauchen. Die
Er=
forſchung deſſen erleichtert und das Verſtändnis dafür
in weite Kreiſe getragen zu haben, iſt zweifellos ein
großes Verdienſt der Aquarien= und Terrarienkunde.
Die Zahl der Terrarien= und Aquarienfreunde hat in
dem letzten Jahrzehnt auch in Darmſtadt einen
unge=
ahnten Aufſchwung genommen. In erſter Linie iſt dieſe
Tatſache der Aufklärungsarbeit der zahlreichen
Aqua=
rien= und Terrarienvereine zuzuſchreiben, zu denen
der ſeit 13 Jahren beſtehende Verein Hattonia in erſter
Linie gehört. Mit raſtloſem Eifer und mit einer
nie=
mals verſagenden Energie hat er in aufklärendem
Sinne für die Ausbreitung dieſer ſchönen Liebhaberei
gewirkt, um die Freude zur Natur und ihren
Ge=
ſchöpfen zu fördern, insbeſondere aber auch, um der
Tierquälerei entgegenzuſteuern. Das Ideal eines
jeden Aquarien= und Terrarienfreundes beſteht darin,
ſich ein wirkliches Stück Natur in ſeiner Häuslichkeit
herzuſtellen, welches ihm die Möglichkeit bietet, die
Wechſelbeziehungen zwiſchen den Tieren und Pflanzen
zu ſtudiern und in die Geheimniſſe der Natur
einzu=
dringen.
Der Vater der heutigen Aquarien= und
Terrarien=
kunde iſt der berühmte und unvergeßliche Naturforſcher
Dr. Roßmäßler in München, der ſchon vor 60
Jah=
ren nicht nur Fiſche und Pflanzen im Aquarium
pflegte, ſondern ſich auch eingehend mit dem Studium
der niedern Waſſertiere beſchäftigte. Roßmäßler hat
wohl nie geahnt, daß das durch ſeine Schriften „Der
See im Waſſerglas” und „Das Süßwaſſeraquarium”
geſtreute Samenkorn auf ſo fruchtbaren Boden fallen
würde. Nicht weniger als 140 Aquarien= und
Terra=
rienvereine exiſtieren zurzeit in Deutſchland, die ſich
Nummer 147.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Juni 1910
Seite 6.
alle die Aufgabe geſtellt haben, dieſe ſchöne Liebhaberei
zu verbreiten und die Kenntnis der Lebens= und
Fort=
pflanzungsweiſe der Fiſche, Reptilien und Amphibien
zu verallgemeinern. Während man vor 50 Jahren nur
den aus Japan ſtammenden Goldfiſch im
Zimmer=
aquarium hielt, iſt im letzten Jahrzehnt durch
Deutſch=
lands überſeeiſche Verbindungen eine Unmenge
far=
benprächtiger Zierfiſche aus allen Erdteilen zu uns
gekommen, die mit beſtem Erfolg in den Aquarien
ge=
halten und gezüchtet werden. Man iſt jedoch nicht bei
den Süßwaſſertieren ſtehen geblieben, ſondern hat ſich
auch erfolgreich der Pflege der Meeresfauna und=Flora
im Seewaſſeraquarium zugemendet, um die Wunder
der Meerstiefen in mit künſtlichem oder natürlichem
Seewaſſer gefüllten Becken zu beobachten. Auch die
Pflege des Terrariums und des Aquaterrariums iſt
nicht zurückgeblieben, wenn ſich dieſe auch nicht in dem
Maße wie die Aquarienkunde entwickelt hat. Gerade
die Lebensweiſe der Terrarientiere läßt ſich im Freien
nur zum allerkleinſten Teil beobachten, und deshalb
kann auch die Wiſſenſchaft das Terrarium zur Löſung
biologiſcher Fragen nicht mehr entbehren. Der hohe
erzieheriſche Wert der Aquarien= und Terrarienkunde
iſt auch von verſchiedenen Bundesregierungen,
insbe=
ſondere von Württemberg, dadurch anerkannt worden.
daß ſie als offizielles Lehrmittel in den Lehrplan der
Schulen aufgenommen wurde.
Die Ausſtellung iſt ungemein reichhaltig und in
ganz vortrefflicher Weiſe arrangiert. Die
Sonderaus=
ſtellung der Großgärtnerei Henkel, die zu beiden
Seiten des Saales und auf der Bühne eine
außerordentlich reichhaltige Sammlung ihrer Pflanzen,
in der die geſamte heimiſche Waſſer= und Sumpfflora
ver=
treten iſt, ferner viele Exoten, dann Fiſche, kleine und
große Aquarien, Mittel uſw. zur Schau ſtellt, gibt dem
Ganzen einen natürlich=ſchönen Rahmen. Dann ſind in
den beiden Sälen in geeigneten Behältern aller Größen
dieTierchen untergebracht, die in ihren Gefängniſſen, die gut
durchlüftet und, wo es notwendig iſt, geheizt ſind, ein
recht beſchauliches Daſein führen. Die Fülle iſt zu groß,
als daß alle einzeln erwähnt werden könnten. Einiges
nur ſei herausgegriffen:
Da iſt z. B. eine große Kollektion einheimiſcher
nie=
derer Tiere und Pflanzen von Dr. W. Daudt=Mainz.
In über 30 Behältern ſehen wir faſt alle niederen
Tier=
arten, die unſere Waſſer und Sümpfe beleben. Da ſind
viele Arten der Waſſerkäfer, der Taumelkäfer, Puppen
und Larven der Stechmücke, in einem Behälter zwei
Amei=
ſenlöwen, jene intereſſanten Tierchen, die auf höchſt
raffi=
nierte Weiſe den Ameiſen Fallen ſtellen, in denen ſie, im
Sande verborgen, ihrer Opfer harren, ferner Köcherfliegen,
Schwimmwanzen, Waſſerſkorpione, Waſſerläufer, Libellen
und ihre Larven, die intereſſante Waſſerſpinne,
die ihr Neſt an Pflanzen im Waſſer baut,
viele Schneckenarten, darunter auch die lebendiggebärende
Sumpfſchnecke, der Bachröhrenwurm, Blutegel, alle Arten
Fröſche und Kröten, darunter die intereſſante
Geburts=
helferkröte Mimikri und vieles andere. — Von
Darm=
ſtädter Ausſtellern ſind mit größeren Kollektionen
vertre=
ten Richard Glück mit 11 Aquarien, beſetzt mit den
ver=
ſchiedenſten exotiſchen Zierfiſchen und Pflanzen.
Desglei=
chen L. Göbel, Hch. Janin, Hermann Geyer, H.
Kurt, der auch eine intereſſante Sammlung niederer
Tiere mit ausſtellt, Frl. Anny Fahr, mit einer ganzen
Anzahl Aquarien und Terrarien, Friedr. Stephani,
E. Steinberger, Adolf Zachmann, Gg. Gölz,
Gg. Daudt, Ph. Schmidt uſw. Weiter ſeien erwähnt
die reichhaltige Schülerausſtellung, die Veweis
dafür liefert, wie vorteilhaft es iſt, das Intereſſe für dieſe
Liebhaberei auch in der Jugend zu fördern und damit
das Verſtehen der Natur, ferner Kollektionsausſtellungen
der Firma Reitinger u. Blechſchmidt, die faſt alle
Arten heimiſcher Fiſche, und der Firma Hans Walke=
Dortmund, die zirka 80 Aquarien mit in= und
auslän=
diſchen Zierfiſchen enthält.
Sehr intereſſant ſind die Seewaſſer=
Abtei=
lung, die 4 Becken mit Nordſee= und Mittelmeertieren
enthält, und die Sammlung von Trocken= und
Spiritus=
präparaten. Von großem Intereſſe ſind auch die von
der Firma Kindel und Stoeſſel=Berlin und Alfred
Lind=
ſtädt=Berlin zur Vorführung gebrachten
Durchlüftungs=
apparate für Seewaſſer= und Süßwaſſeraquarien, die
ſämtliche Entlüfter der Ausſtellung ſpeiſen. Aquarien=
Utenſilien und Hilfsmittel der Firma F. W. Becker=
Karls=
horſt=Berlin, ſowie Heizlampen für Aquarien und eine
reichhaltige Spezialliteratur vervollſtändigen das Bild.
Sportfeſt.
St. Darmſtadt, 27. Juni.
Ein Radſportfeſt, wie es glänzender in Darmſtadts
Mauern ſelten gefeiert ſein mag, hatte geſtern der
Be=
loziped=Klub Darmſtadt aus Anlaß des
Wett=
bewerbs um die 25=Kilometer=Meiſterſchaft
von Deutſchland veranſtaltet, deſſen Arrangement
ihm vom Gau IX des D. R. B. übertragen war. Ganz
Darmſtadt ſtand im Zeichen des Rades und von nah
und fern waren die Brudervereine herbeigeeilt, um
das prächtige Feſt verſchönern zu helfen und im
fried=
lichen aber anſtrengendem Wettbewerb um die
ausge=
ſetzten zahlreichen ſchönen und wertvollen Preiſe zu
ſtreiten. Und, trotzdem das Wetter, das Regengüſſe
mit Gewitter und Hagelſchauer brachte, wenig
Hoff=
nung auf ein gutes Gelingen des mit ſo unendlichen
Opfern an Zeit, Mühen und Geld in wochenlanger
Ar=
beit vorbereiteten Feſtes, aufkommen ließ; das Feſt
nahm einen glänzenden Verlauf. Und es gereicht dem
feſtgebenden Verein und dem Feſtausſchuß zu
beſon=
derer Ehre, daß alle Vorbereitungen ſo gut getroffen
waren, daß das geſamte Programm wohl durch die
ein=
ſetzenden Regenſchauer auf kurze Zeit Unterbrechung,
aber keinerlei Einſchränkung erleiden brauchte.
In=
ſonderheit darf dies von den Rennen konſtatiert
wer=
den, die unter ſchwierigſten Verhältniſſen durchgeführt
werden mußten, aber durchweg reich beſetzte Felder
auf=
wieſen und guten und zum Teil ſehr guten Sport
brachten. — Ein
Feſtkommers
mit Damen, der am Vorabend im ſchön geſchmückten
Kaiſerſaal abgehalten wurde, leitete die Feier in
viel=
verſprechender Weiſe ein und gab zugleich den ſchon
am Samstag von auswärts hier eingetroffenen
Sport=
kollegen Gelegenheit, ſich den hieſigen Kollegen bekannt
zu machen. Für den Kommers war ein reichhaltiges
Programm, reichhaltig beſonders auf geſanglichem
Ge=
biete, vorgeſehen, das unter Mitwirkung der Damen:
Frl. Saala, Frl. Eichner, Schülerin aus der
Joachimſchen Geſangsſchule, Herrn Ungibauer und
Herrn Braun vom Großh. Hoftheater, ſowie der
Her=
ren Robert Schneider, Fey, Wenner und einer
Abteilung des Darmſtädter Männergeſangvereins eine
Fülle des Schönen und Guten im Laufe des Abends den
Hörern darbot, aus dem als beſonders erwähnenswert
zwei anſprechende neue Liedkompoſitionen des Herrn
Siegfried May, hervorgehoben ſeien, denen Fräulein
Eichner wirkungsvolle Interpretin war. — Der
Ver=
einsvorſitzende, Herr Ullrich, hatte die Erſchienenen
zu Beginn in herzlicher Rede begrüßt und den Gäſten
ein freundlich Willkomm geboten. Der Abend verlief
aufs beſte. — Der Sonntag vormittag war dem Empfang
der auswärtigen Vereine gewidmet, und gegen 1 Uhr
nachmittags begann die Auſſtellung des
Preis= und Blumenkorſos,
der ein bewegtes buntes Leben in die Nieder=
Ram=
ſtädter= und angrenzenden Straßen brachte. Der Korſo
ſelbſt, der ſich, wenn auch mit einiger Verſpätung, ſo
doch bei herrlichſtem Sonnenſchein — Jupiter pluvius
hatte angeſichts der frühlingsſchönen Herrlichkeiten
doch zeitweilig ein Einſehen gehabt —, durch die Stra=
Bild, das Darmſtadt dieſer Art ſeit langem wohl
ge=
ſehen. Die Roßdörfer=, Stifts=, Dieburger=,
Alexander=
ſtraße, Paradeplatz, Rhein=, Kaſino= Bleichſtraße,
Bahn=
hofsplatz, Rhein=, Wilhelminen=, Eliſabethen=, Schützen=,
Hügel= und Heidelberger Straße waren von einer
zahl=
reichen Zuſchauermenge dicht beſetzt, die auch aushielt
trotz des langen Wartens und trotz der Regengüſſe.
Einzelne Bilder, beſonders bei den mit Blumen
ge=
zierten Radfahrern oder Antos, wurden mit lebhaftem
Beifall begrüßt. Eine Anzahl von Vereinen hatte für
den Blumenſchmuck eine Fülle von farbenfrohen Blü= zurück.
ten= und Blattgewinden aufgewendet und mit vielem
Allen voran der Radfahrerverein Ludwigs=
Fülle mit Girlanden= und mit Bandgewinden eine
erregten. Aber auch andere Vereine hatten ihre
gruppen fielen ein Schiff mit der „Germanig” und 10 Mk. Jedem der drei Sieger außerdem
Ehren=
von zwei Herren der „Germania”=Frankfurt urkunde des D. R. B. (Sieger 1909: C. Neumer=
Dres=
gefahren, ferner die Automobile der Herren Stadtvo.
Sames, Lautermann, Koch und Enzinger
beſonders auf. Folgende Vereine nahmen am Korſol 39,52 Min. Führungspreiſe: 1. K. Möſer=Frankfurt,
teil:
1. Abteilung: Vereine des D. R.=B. mit
über 30 Mitglieder: Poſtradfahrer=Klub Frank= furt 10,10 Min., 3. Dinges 10,10 Min.
furt a. M.; Veloziped=Klub Frankfurt a. M.;
Frank=
furter Radfahrer=Verein „Germania”; Radfahrer=
Ver=
einigung Frankenthal; Radfahrer=Verein Ludwigsburg
in Württ. 2. Abteilung: Vereine des D. R.=B.
bis zu 30 Mitglieder: Radfahrer=Verein
Wein=
heim; Radfahrer=Verein „Wanderliebe” Frankfurt am
Main; Radfahrer=Verein Michelſtadt; Radfahrer=Verein
Limburg; I. Frankfurter Radfahrer=Quartett;
Rad=
fahrer=Klub Erbenheim; Radfahrer=Verein „Germania‟
Höchſt a. M. 3a. Abteilung: Vereine des D. R.=B. bis der Deutſchen Buchdrucker beging am
Sams=
zu 18 Mitglieder: Hersfelder Radfahrer=Verein 1886; tag und Sonntag unter äußerſt zahlreicher Teilnahme
Radfahrer=Verein Neuwied a. Rh. 1890. 3b. Abteilung: die Feier ſeines 75jährigen Beſtehens. Ein
glieder: Radf.=Klub Bergen; Radf.=Verein „Teutonig”
Frankfurt a. M.; Radf.=Verein „Germania”
Fechen=
heim; Radf.=Quartett „All Heil” Frankfurt a. M.;
Radf.=Verein „Germania” Bornheim; Radf.=Verein
„Naſſovia” Frankfurt a. M.; Radf.=Klub „Adler”
Aſchaffenburg. — Um die Preiſe für Blumenſchmuck
bewarben ſich: Radf.=Verein „Germania” Frankfurt am
Hersfelder Radf.=Verein 1886; Radf.=Verein Ludwigs= weihevolle Hymne, mit Muſikbegleitung geſungen von
6 Teilnehmer: Herren Seibert=Ernſt, Darmſtadt; Herr
furt a. M. des Gaues 9 des D. R.=B. Abteilung: lin=Berlin, die Feſtrede. Er warf darin einen Rück=
Schmuckkorſo für Kraftfahrzeuge: Herr! blick auf die Verhältniſſe, die vor 75 Jahren die Darm=
Chr. Enzinger, Michelſtadt; Herr Konr. Lautermann, ſtädter Buchdrucker zur Gründung ihrer Organiſation
Darmſtadt; Herr Heinrich Koch, Darmſtadt und Herr veranlaßten; betonte, daß man im Buchdruckgewerbe
Heinr. Sames, Darmſtadt. Abteilung: Nichtbun= damals ſchon die Notwendigkeit des organiſatoriſchen
des=Vereine mit über 20 Teilnehmer: Radf.=Ver= Zuſammenſchluſſes erkannte, der nicht allein, wenn auch
Gerau. Abteilung: Nichtbundes=Vereine bis ung galt, ſondern auch den Intereſſen der Prinzipale
Verein „Germania” Vilbel; Radf.=Verein „Exzelſior” gegenſeitiges Preisunterbieten verhindern ſollten, durch
Obertshauſen; Radf.=Verein Nauheim b. Mainz (mit Regelung des Lehrlingsweſens u. a. m. Man habe da=
Bicyele=Klub; Radf.=Bund Weinheim; Offenbacher ſorgen könnte. Er erwähnte dann weiter die vergeb=
Bicyele=Klub.
vom Frankfurter Bicycle=Klub: Einzelfahrer=Ver= aufhalten zu können glaubten, um dann im Laufe der
Darmſtadt mit Blumenſchmuck beſchloſſen den impo= Entwickelung einen Riegel vorſchieben zu können und
fanten Zug. An der Rennbahn an der
Heidelberger=
ſtraße wurde der Zug aufgelöſt und hier nahmen als=ſen führen kann, wenn das Gewerbe in ſich und in
des Gaufahrwarts für Rennſport, Herrn Karl weiter, daß da, wo zwei Intereſſengruppen mit geſon=
Schmitt, ſtanden und ohne Unfall verliefen.
Preisverteilung ſtatt. die der Vorſitzende des in Heſſen und in Darmſtadt oft möglich war, in fried=
Gaues 9 Herr Aug. Stifft=Frankfurt vornahm, nach= lichen Verhandlungen Erfüllung berechtigter Wünſche
dem er in einer kurzen herzlichen Anſprache den feſtgeben= zu erlangen. Im weiteren verwahrt Redner ſich gegen
den Verein zu dem ſchönen Erfolg des Feſtes beglück= den oft gebrauchten Vorwurf, daß die
Buchdruckerorga=
hatte. Das Ergebnis der Preisveranſtaltungen war
fol=
gendes:
I. Preis=Korſo:
30 Mitglieder): erſter (Preis des Großherzogs) Rad= ung, daß das Beſtreben des Verbandes nur darauf ge=
Poſtradfahrerklub Frankfurt mit 10,91 Punkten.
erſter (Preis geſtiftet von Herrn Sames)
Radfahrer=
verein Weinheim mit 10,00 Punkten, zweiter
Rad=
fahrerklub Erbenheim mit 9,74 Punkten, dritter I.
Frank=
fahrerverein Michelſtadt mit 9,33 Punkten.
erſter Hersfelder Radfahrerverein 1886 mit 10,49 Punkten,
Punkten.
18 Mitglieder: erſter (Preis des Deutſchen Radfahrer= ſeit 1883, J. Klober ſeit 1883, W. Schäffer ſeit 1883, Ph.
Bundes) Radfahrerverein Germania Fechenheim Hammel ſeit 1884. Er überreichte dann den jüngſten
verein Teutonia=Frankfurt mit 9,01 Punkten.
verein Ludwigsburg 9,06 Pkt., zweiter Hersfelder Rad= Buchdruckereibeſitzer Pfeiffer=Darmſtadt ſprach
fahrerverein 1886 mit 8.06 Pkt., dritter Radfahrerverein! namens des Bezirksvereins Darmſtadt des Deutſchen
Germania=Frankfurt a. M. mit 7,51 Pkt. — In der Gruppe Buchdruckervereins. Eine Reihe weiterer Glückwünſche
Blumenſchmuck für Nichtbundesvereine erhielt Radfah= waren brieflich und telegraphiſch eingegangen. Mit
rerverein Nauheim bei Groß=Gerau einen Ehrenpreis.
Gruppe C. Abt. I Schmuckkorſo für
Einzel=
fahrer und Gruppen bis zu 6 Teilnehmer: erſter Herr tenfeſt uſw. vorgeſehen.
Jean Rech=Speyer, zweiter die Herren Seibert und
Ernſt=Darmſtadt. Abt. II, Schmuckkorſofür
Kraft=
fahrzeuge: erſter Herr Lautermann=Darmſtadt
(8,66 Pkt.), zweiter Herr Heinr. Sames mit 8,28 Pkt.,
dritter Herr Heinr. Koch mit 828 Pkt., vierter Herr Chr.
Enzinger=Michelſtadt mit 7,50 Pkt.
Gruppe D. Nichtbundesvereine, Abt. I mit
über 20 Mitglieder: erſter Radfahrervereinigung I
Lam=
pertheim, zweiter Radfahrerverein 1893 Groß=Gerau.
Abt. II bis zu 20 Mitglieder: erſter Radfahrerverein
Ger=
mania=Vilbel (9,70 Pkt.), zweiter Radfahrerverein
Germania=Seckbach (9,60 Pkt.), dritter Radfahrerverein
Nauheim mit 9,08 Pkt.
II. Rad= und Motor=Rennen:
1. Vierer=Vereins=Mannſchafts=Verfolgungsfahren über
ßen bewegte, war das ſportlich glänzendſte und ſchönſte 3000 Meter: I. Radfahrerklub Concordia=Berlin
(4,18 Min.), II. Bicyele=Klub Frankfurt (4,37 Min.),
III. Velozipedklub Frankſurt (4,38 Min.)
2. Mehrſitzer=Fahren über 2000 Meter: I. Neumer=
Petzold=Dresden (2,52 Min.), II. Möder=Geſche=Berlin
(2,52 Min.), III. Herty=Möſer=Knappke=Frankfurt (2,53
Min.)
3. Motorfahren über 10 Kilometer: I Otto Glöch==Frankfurt (10,20 Min.), II. Hch. Dinges=Frankfurt
(10.35 Min.), III. Phil. Wiener=Darmſtadt (5 Runden
4. Meiſterſchaftsfahren über 25 Kilo==
Geſchmack Gruppen von beſonderem Reiz geſchaffen. meter =50 Runden. Offen für alle Mitglieder
des D. R. B. Dem Erſten goldene
Meiſterſchafts=
burg, der aus Fliederblüten in verſchwenderiſcher medaille des D. R. B. im Werte von 100 Mark und
Eichenkranz, ſowie Titel „Meiſterfahrer des D.
Anzahl reizender Gruppen ſtellte, die überall Aufſehen R. B. über 25000 Meter‟. Dem Zweiten und
Dritten Ehrenpreiſe im Werte ren 70 und 50 Mark.
Räder mit Blumen ſchön geziert und von den Einzel= Außerdem drei Führungspreiſe im Werte von 40, 25
den.) Erſter Max Götze=Berlin 39,46 Min., Zweiter
Neumer=Dresden 39,51 Min., Dritter Chr. Rode=Leipzig
2. Götze, 3. M. Hellwig=Berlin.
5. Motorfahren über 10 Kilometer:
1. Glöckler=Frankfurt 9,42 Min., 2. H. Michel=Frank=
6. Vorgabefahren über 2000 Meter:
1. Chr. Rode 3,37 Min., 2. Herty 3,37‟ Min., 3. Knappke
3,31 Minuten.
Der Verlauf des Feſtes darf den Veloziped=
Klub Darmſtadt mit berechtigtem Stolz erfüllen.
Buchdrucker=Jubelfeier.
St. Der Ortsverein Darmſtadt des Verbandes
Vereine des Gaues 9 des D. R.=B. bis zu 18 Mit= Feſtkommers am Samstag abend im Saale der
Turn=
gemeinde leitete die Jubelfeier ein. Frau
Hofopern=
ſängerin Lina Morny und Herr Opernſänger Heinr.
Meyer wirkten hierbei mit. Außerdem eine
beſon=
ders gebildete Geſangsabteilung, die unter Leitung des
Herrn Otto Schrader ſtand.
Am Sonntag vormittag halb 12 Uhr fand im großen
Saale des Städtiſchen Saalbaues, der dicht beſetzt war.
Main; Radf.=Verein „Wanderliebe” Frankfurt a. M.; eine Akademiſche Feier ſtatt. L. van Beethovens
burg und Radf.=Verein Nauheim. Abteilung: Schmuck= den Kollegengeſangvereinen Mannheim=
Ludwigshafen=
korſo für Einzelfahrer und Gruppen bis zu und Mainz, gab der Feier eine würdige Einleitung.
Nach kurzer herzlicher Begrüßung ſeitens des Feſtaus=
Jean Rech, Speyer; Einzelfahrer=Vereinigung Frank= ſchuſſes hielt der Verbandsvorſitzende, Herr E.
Döb=
einigung I Lampertheim; Radf.=Verein 1893 Groß= in erſter Linie, der Anſtrebung materieller
Beſſerſtell=
zu 20 Teilnehmer: Radf.=Verein Ober=Ramſtadt; Radf.= dienen ſollte durch Schaffung einheitlicher Tarife, die
Blumenſchmuck); „Germania” Seckbach. Vereine des mals ſchon erkannt, daß nur ein leiſtungsfähiger Ar=
D. R.=B. außer Wettbewerb: Darmſtädter beitgeber für ſeine Arbeiter in ausreichender Weiſe
lichen Verſuche von Führern, die in Verkennung ihrer
Die Banner=Abordnungen zu Wagen wahren Aufgaben die Entwickelung der Technik
einigung Frankfurt a. M.; Radf.=Verein Langen; Radf.= Jahre, als die Erfindungen der Rotationsmaſchinen,
Verein „Merkur” Straßburg; Radf.=Verein „Conus” der Setzmaſchinen uſw. kamen, nur zu bald zu erkennen,
Darmſtadt und der veranſtaltende Viloziped=Klub! daß es ein vergebliches Unterfangen ſei, der techniſchen
daß dieſe Entwickelung nicht zur Verelendung der
Maſ=
bald die Rennen ihren Anfang, die unter Leituno ſeinen Organiſationen ſtark genug iſt. Er berührte
derten Intereſſen nebeneinander beſtehen, Kämpfe nicht
Abends 9 Uhr fand im Kaiſerſaal vor dem Feſtball zu vermeiden ſind und erkannte an, daß es beſonders
wünſcht und ihm Dank und Anerkennung ausgeſprochen niſation ſozialdemokratiſch ſei. Gerade weil die
Organiſation ſtets ſtrickte Neutralität in politiſchen
und religiöſen Dingen gewahrt habe, ſei ſie ſo groß
und ſo ſtark geworden. Redner ſchließt mit Worten
Gruppe A, Abt. I. (Vereine des D. R.=B. mit über des Dankes an die Prinzipalität und mit der
Verſicher=
fahrerverein Ludwigsburg i. W. mit 12,11 Punkten, richtet ſei, durch friedliches Miteinanderarbeiten
die=
zweiter Velozipedklub Frankfurt mit 11.75 Punkten, dritter Verhältniſſe der Arbeitgeber wie die der Arbeitnehmer
zu fördern und zu beſſern, daß der Verband der
Deut=
ſchen Buchdrucker keinerlei umſtürzleriſche Ziele ver=
Abt, II, Vereine des D. R.=B. bis zu 30 Mitglieder: folge. In ein Hoch auf den Jubelverein, den Verband
und das Buchdruckgewerbe klang die Feſtrede aus.
Der Bezirksvorſitzende ſprach ſodann den Herren,
die über 25 Jahre dem Verbande angehören, Dank und
furter Radfahrer=Quartett mit 9,71 Punkten, vierter Rad= Glückwünſche aus. Es ſind dies: J. Schmelzer ſeit 1857,
Ph. Hieb ſeit 1867, P. Brücher ſeit 1868, A. Schnabel ſeit
Abt IIIa, Vereine des D. R.=B. bis zu 18 Mitglieder: 1869, Ch. Berſch ſeit 1870, H. Scherff ſeit 1872, P.
Hilde=
beutel ſeit 1873. P. Aßmuth ſeit 1874, W. Hille ſeit 1874,
zweiter Radfahrerverein Neuwied a. Rh. 1890 mit 9,38 Fr. Böhme ſeit 1875, Chr. Etling ſeit 1875, F. Gries
ſeit 1876, Ph. Knab ſeit 1876, A. Dingeldein ſeit 1878,
Abt. IIIb, Vereine des Gau 9 des D. R.=B. bis zu Fr. Speyer ſeit 1878, J. Wamboldt ſeit 1881, H.
Borſt=
mit 10,09 Punkten, zweiter Radfahrerverein Naſſovia= Jubilaren Klober und Borſt je ein Diplom. Dar=
Frankfurt mit 9,89 Punkten, dritter Radfahrerverein Ger= an ſchloß ſich eine Reihe Beglückwünſchungen,
mania=Bornheim mit 9,84 Punkten, vierter Radfahrer=ſo des Gauvorſtandes Mannheim, der Bezirksvereine
Mainz, Frankfurt, Gießen, Hanau, Heidelberg, Mann=
Gruppe B, Blumenſchmuck: erſter: Radfahrer= heim, Ludwigshafen, Offenbach, Wiesbaden. Herr
Dankesworten ſeitens des Bezirksvorſitzenden fand die
Feier ihren Abſchluß. — Für Nachmittags waren Gar=
Nummer 147.
Darmſtädter Tagblatt, Moutag, den 27. Juni 1910.
Seite 7.
Sport.
* Frankfurt, 26. Juni. Reſultat des heutigen
erſten Tages der Frankfurter Regatta: Preis
des Deutſchen Ruder=Verbandes: Vierer: 1. Mainzer
Ruder=Verein: 6,44½, 2. Ludwigshafener R.=V. —
Staatspreis für Juniore: Vierer. 1. Offenbacher R.=V.
1874 7,17½, 2. Kaſteler R.=Geſ. 1880, 3. Frankfurter R.=K.,
4. Frankfurter R.=Geſ. Sachſenhauſen. Staatspreis:
Ach=
ter für Junioren. 1. R.=V. „Hellas” Offenbach 6,39,
2. Frankfurter Ruder=Verein, 3. Mannheimer R.=Geſ.
Univerſitäts=Preis: Vierer. 1. Heidelberger R.=G. E. V.
7,27½/, 2. Mannheimer „Amicitia”, 3. Heidelberger R.=K.
— Preis vom Main: (Vierer ohne Steuermann): 1.
Main=
zer R.=V. 6,50½, 2. Ludwigshafener R.=V. 6,57.
Hamburg, 26. Juni. Im deutſchen Derby
(100000 Mk.) wurde des königlichen Hauptgeſtüts Graditz
Fuchshengſt „Orient” erſter, Paul Packheiſers brauner
Hengſt „Star” zweiter, v. Lang=Puchhofs Fuchshengſt
„Kalchas” dritter, P. Packheiſers „Mikado 3” vierter und
Fürſt Lubomirskis brauner Hengſt „Korſatz” fünfter.
Das Rennen wurde gewonnen im Kanter mit 4 Längen;
die beiden nächſten waren eine halbe Länge auseinander.
Die öſterreichiſchen Pferde blieben unplaziert. Die
Renn=
bahn war außerordentlich ſtark beſucht. Beim Beginn
des Derbys ging ein kleiner Spritzregen nieder. Der
Ausgang des Derbys wurde mit ungeheuerem Jubel
begrüßt.
* Paris 26. Juni. Bei dem heutigen Rennen um
den Grand Prix wurde „Nuage” erſter, „Reinhart”
zweiter und „Bronzino” dritter. Dem Rennen wohnte
der König und die Königin von Bulgarien und
Präſi=
dent Falliéres bei. Das Wetter war unfreundlich.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 26. Juni. Der
Geſetzgebungs=
uusſchuß der Zweiten Kammer beſchäftigte ſich
geſtern mit der Beratung der Wahlkreiseinteilung, die
der Ausſchuß noch vor Beginn der parlamentariſchen
Sommerferien erledigen will. Da die von der Regierung
vorgelegte neue Abgrenzung der Wahlbezirke in den
drei Provinzen — die bekanntlich jede einen ländlichen
Vertreter mehr erhalten — bei keiner Partei Billigung
gefunden haben, ſo haben die verſchiedenen Fraktionen
ſowohl, wie einzelne Abgeordnete eine Reihe von
Ab=
änderungsvorſchlägen gemacht, über die zunächſt geſtern
eine allgemeine Ausſprache ſtattfand. Weil es ſich hier
um die Abänderung einer Regierungsvorlage handelt, ſo
muß auch eine gemeinſame Beratung darüber mit der
Regierung ſtattfinden, was am nächſten Mittwoch
geſchehen ſoll. Dem Vernehmen nach hat eine
einſt=
weilige Vereinbarung unter den Mehrheitsparteien der
Kammer dahingehend ſtattgefunden, die
Wahlkreis=
einteilung in der Weiſe durchzuführen, daß der
Sozial=
demokratie, die ohnedies durch die Vermehrung der
ſtädtiſchen Wahlkreiſe zweifellos mehrere neue Mandate
gewinnen wird, nicht auch noch durch die Abgrenzung
der ländlichen Wahlkreiſe neue Vorteile erwachſen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Bad Nauheim, 26. Juni. Heute früh 4 Uhr
nte die große der Drogerie von Hahn gehörige
ntogarage vollſtändig nieder. Durch den Brand
wurden acht auswärtigen Kurgäſten gehörige Automobile
und eine größere Anzahl Fahrräder vernichtet. Die
Ent=
ſtehungsurſache des Feuers iſt noch nicht ermittelt.
* Berlin, 25. Juni. Der Gerichtshof zur
Ent=
ſcheidung der Kompetenzkonflikte verhandelte in der
Sache Hellfeld gegen den Fiskus des ruſſiſchen
Reiches. Vertreten waren Hauptmann von Hellfeld,
das Bankhaus Mendelsſohn u. Co. und der Miniſter
der Auswärtigen Angelegenheiten. Die ruſſiſche
Re=
gierung iſt nicht vertreten. Der Gerichtshof erkannte
für Recht, daß der Rechtsweg in dem bei dem
Amtsge=
richt Berlin=Mitte anhängigen
Zwangsvollſtreckungs=
verfahren in dieſer Sache unzuläſſig ſei; deshalb ſei
der vom Miniſter des Auswärtigen erhobene
Kompe=
tenzkonflikt als begründet zu erachten und daher der
Pfändungs=Ueberweiſungsbeſchluß des Amtsgerichts
Berlin I aufzuheben.
* München, 25. Juni. In dem Prozeß gegen
den Schriftſteller Mühſam=Berlin, den Chemigraphen
Wittig=Berlin, den Arbeiter Ertl=Mühldorf, den
Rei=
ſenden Kindler=Heidelberg und den Klavierſpieler
Schulz=Neuſtadt a. d. Haardt, die wegen
Geheim=
bündelei und Vergehens gegen die öffentliche
Ord=
nung, verübt durch Entfernung des Schildes des
ſpa=
niſchen Konſulates gelegentlich der Ferrer=
Verſamm=
lung angeklagt waren, wurde das Urteil geſprochen.
Sämtliche Angeklagten wurden von der Anklage der
Geheimbündelei freigeſprochen. Schulz und Ertl
wurden wegen Entfernung eines Hoheitszeichens zu
5 bezw. 2 Monaten Gefängnis verurteilt.
* München, 25. Juni. Nach einer Meldung aus
Cha=
monix iſt der Geheime Oberregierungsrat Dr. Hermann
Dungs, Vortragender Rat im Reichsjuſtizamt, auf
ei=
nem Ausflug nach der Zinnalſpitze tödlich
abge=
ſtürzt.
* Kiel, 25. Juni. Der Kaiſer nahm heute
vor=
mittag vom Bord aus einige Neueinrichtungen und
Neubauten der Kaiſerlichen Werkt in Augenſchein. An
Bord der „Hohenzollern” nahm der Kaiſer ſpäter die
Meldungen des Marineattachees in Paris, Kapitäns
zur See Starke, und des Profeſſors Hergeſell entgegen;
Profeſſor Hergeſell erſchien in der Uniform des
Luft=
ſchifferbataillons.
* Bremen, 26. Juni. Der deutſche Dampfer
„Königin Luiſe” brach, nach einer drahtlichen
Meldung, auf der Fahrt nach Newyork am 25. Juni
auf 43 Grad, 23 Min. nördlicher Breite und 44 Grad
49 Min. weſtlicher Länge die
Backbordſchrauben=
welle. Der Dampfer ſetzte mittels der
Steuerbord=
maſchine die Reiſe mit einer Geſchwindigkeit von 8 bis
9 Meilen fort. Am Bord iſt alles wohl.
* Rom, 25. Juni. Die Kammer verhandelte heute
über den Geſetzentwurf, der eine Erhöhung der im
außer=
ordentlichen Kriegsbudget für den Bau und die
Un=
terhaltung von lenkbaren Luftſchiffen und
Aeroplanen angeſetzten Beträge vorſieht. Gegenüber
den Ausführungen der Sozialiſten Ciccotti und Turati,
die gegen die Bewilligung ſprachen und eine
Tagesord=
nung vorſchlugen, wonach nicht in eine Diskuſſion über die
Forderung eingetreten werden ſolle, betonten der
Bericht=
erſtatter und der Schatzminiſter Tedesco die
Notwendig=
keit des Kredits. Kriegsminiſter Spingardi, der in
die=
ſem Augenblick den Sitzungsſaal betrat, erklärte, er ſei
der Anſicht geweſen, das Parlament würde bei der ſich
jetzt darbietenden Gelegenheit, den tapferen gelehrten
ita=
lieniſchen Offizieren, deren Erfindungen das Ausland zu
würdigen wiſſe, einſtimmig ſeine Hochachtung bezeigen
(Beifall) und wies ebenfalls auf die Notwendigkeit des
Entwurfs hin. Der Antrag, nicht in eine Diskuſſion
einzu=
treten, wurde in namentlicher Abſtimmung mit 223 gegen
24 Stimmen abgelehnt. Der Geſetzentwurf wurde ſodann
angenommen.
* Zürich, 25. Juni. Der unter Leitung des
königlichen Muſikdirektors Neumann ſtehende Eſſener
Männergeſangverein beendete heute ſeine von
großem künſtleriſchem Erfolge begleitete Sängerfahrt
durch die Schweiz. Die beiden in Interlaken und Zürich
gegebene Konzerte fanden reichen Beifall.
* Zinal (Schweiz), 26. Juni. Geh. Oberregierungsrat
Dungs vom Reichsjuſtizamt in Berlin, der am 23. Juni
bei einer Wanderung abgeſtürzt war, war morgens
gegen 7 Uhr zu einem Waldſpaziergange aufgebrochen,
auf dem er an eine gefährliche Stelle, den ſogenannten
Jägerſteig kam, wo man durch einen Sprung auf die
an=
dere Seite der Schlucht gelangen kann. Hier ſtürzte Dungs
200 Meter tief ab. Einer Rettungskolonne, beſtehend aus
Bergführern, Hotelangeſtellten und Touriſten, fand die
Leiche, die unter großen Schwierigkeiten geborgen wurde.
Die Beerdigung findet heute in Viſſoye ſtatt.
* Leeds, 26. Juni. Durch die Exploſion eines
Feuerwerkskörpers bei einem Parkfeſte in Roundhay
wurden zwei Perſonen getötet und vierzehn
verletzt.
* Calais, 25. Juni. Die „Pluvioſe” wurde
heute ins Trockendock gebracht.
* Calais, 26. Juni. Die Unterſuchung des
Unterſee=
boots „Pluvioſe” ergab, daß der Schiffsraum
buch=
ſtäblich aufgeriſſen und von Waſſer angefüllt war.
Infolgedeſſen war das Hinterteil geſunken, während das
Vorderteil durch den ſtarken Luftdruck ſich noch einige
Zeit über Waſſer halten konnte. Das Ergebnis der
Unterſuchung beſtätigt die Anſicht, daß der Tod der
ge=
ſamten Beſatzung auf der Stelle eingetreten iſt.
* Liſſabon, 26. Juni. Der Generalſekretär der Zölle
und indirekten Steuern Teixeira de Souza nahm
den Anftrag zur Bildung des Kabinetts an.
* Kopenhagen, 25. Juni. Der Großherzog
von Oldenburg iſt in Fredensborg eingetroffen
und vom König und der Königin empfangen worden.
* Sundsvall, 25. Juni. Den deutſchen
Redak=
teuren wurde bei ihrer heutigen Ankunft in Sundsvall,
dem herrlich an dem Alnöſund gelegenen Zentrum des
ſchwediſchen Holzgeſchäfts, dem bedeutendſten der ganzen
Welt, ein überwaltigender Empfang bereitet. Auf feſtlich
geſchmücktem Dampfer war ein Komitee den nach
pracht=
voller Fahrt auf dem Indals Elf eintreffenden Gäſten
ent=
gegengefahren. Von den beflaggten Etabliſſements an
beiden Ufern wurden Salutſchüſſe abgefeuert und im
Ha=
fen erwarteten Tauſende ihre Ankunft. Eine Muſikkapelle
ſpielte deutſche Nationalmelodien. Die Menge brachte
ſtür=
miſche Hurrarufe aus und begleitete die Gäſte auf ihrem
Gang zum Hotel, wobei es zu ſpontanen Kundgebungen
kam.
* La Croſſe (Wisconſin), 26. Juni. Geſtern Abend
brach auf einem Miſſiſſippidampfer, der 1500 Paſſagiere
an Bord hatte, ein heftiges Feuer aus. Der Kapitän
ließ den Dampfer ſofort auf Land laufen; faſt alle
Paſſagiere konnten gerettet werden. Einige Frauen ſollen
ihre Kinder in den Fluß geworfen haben, ihnen
nach=
geſprungen und ſo ertrunken ſein.
H.B. Berlin, 25. Juni. Die Zukunft iſt heute
konfisziert worden. Die Konfiskation erfolgte
auf Antrag des Amtsgerichts Berlin I auf Grund des
§ 184 Abſ. 1 Str.=G.=B. und zwar wegen eines Artikels,
in welchem das Verhältnis des Hauptmanns v. Goeben
mit Frau von Schönebeck in einer nach Auffaſſung des
Gerichts die Sittlichkeit verletzenden Weiſe beſprochen
wird.
H. B. Dresden, 25. Juni. Heute mittag brach beim
Aufbau des Varieté=Theaters Globus auf der
Dres=
dener Vogelwieſe ein Gerüſt zuſammen, wobei
fünf Zimmerleute ſchwer und zwei leicht verletzt
wurden.
Statt Karten.
(10
Die Geburt eines kräftigen Junge
zeigen hocherfreut an
Willy Hubmann u. Frau
Thilde, geb. Biſchoff.
Freden a/Leine, den 21. Juni 1910.
Statt besonderer Anzeige.
Die Geburt eines geſunden Jungen
zeigen ergebenſt an
(12858
Dr. v. Herff u. Frau, geb. Baerwinkel.
Wiesbaden, 24. Juni 1910. Taunusſtr. 33.
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
hier=
durch die traurige Mitteilung, daß mein lieber
Mann, unſer guter Vater, Bruder,
Schwieger=
ſohn, Schwager und Onkel
(12893
Christian Becker
Lokomotiv=Heizer
nach langem ſchweren Leiden heute nachmittag
3 Uhr ſanft verſchieden iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Kätchen Becker, geb. Hoffmann.
Darmſtadt, den 25. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag
4 Uhr, von der Friedhofskapelle aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
bei dem ſchweren Verluſte der uns betroffen,
ſage innigſten Dank.
(B12891
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Helene Beyer,
geb. Eigenbrodt.
telier für Kunst und
Grabmalkunst (B625:
Wilh. Götze, Bildhauer, Vertreter d. Wiesbad. Gesellschaft
Darmstadt, Karlstrasse 94
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Modellen und Skizzen in jeder Preislage. 1—
Tageskalender.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 10—7 Uhr).
Aquarien= und Terrarien=Ausſtellung im
„Mathildenhöhſaal” (geöffnet von 9—8 Uhr).
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 28. Juni.
Zigarren= und Wein=Verſteigerung um 9 und
3 Uhr Rheinſtraße 29.
Heugras=Verſteigerung um 4 Uhr von der
Fürſten=
wieſe in der Gemarkung Griesheim.
Druck und Verlag: L. C. Wiltich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldacßtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: J. Kroſk, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nichs
zurückgeſandt.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder besonderen Mitteilung.)
Heute morgen 6½ Uhr entschlief nach langem Leiden mein lieber Gatte,
unser Vater, Bruder, Schwiegervater und Grossvater
(B12878
Drmodreur Vohr!
Darmstadt, den 25. Juni 1910.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Elisabeth Fehr, geb. Müller.
Die Einsegnung findet Montag, den 27. ds. Mts., nachmittags 5 Uhr, in der
Kapelle des Darmstädter Friedhofs statt, hieran anschliessend die Beisetzung.
Seite 8.
Nummer 147.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Inni 1910.
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35)
Riſfe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten)
Und Henning gab das Verſprechen, ſo ſchwer es ihm
auch wurde, und reichte Jürgen die Hand. Doch die war
eiskalt und von Schweiß bedeckt.
Ich ſage Dirs und keinem anderen! ſprach Jürgen
leiſe. Denn es hat keinen Zweck, daß es weiter
herum=
kommt. Heiraten kann er ſie nicht.
Und dann nannte er ihm den Namen des Malers.
Du kennſt ihn doch nicht, ſetzte er hinzu.
Ich kenne ihn doch, knirſchte Henning und ſtieß die
geballten Fäuſte in die Taſchen.
Dann tranken ſie bis tief in die Nacht.
Als Henning nach Hauſe kam, konnte er die Türklinke
nicht finden. Immer griff er daneben. Da öffnete ihm
die Mutter, die ihn längſt gehört hatte. Noch niemals
war er in ſolchem Zuſtande nach Hauſe gekommen.
Henning! rief ſie leiſe, um die beiden Lehrerinnen
nicht zu ſtören, die in der Giebelſtube ſchliefen. Wie ſiehſt
Du aus!
Ich weiß, ſtammelte er und fuhr ſich durch das wirre
Haar, ich weiß, daß ich duhn bin. Aber ich habe mir
nicht anders helfen können.
Und der große lange Junge ſank gebrochen auf den
Stuhl, fiel mit dem Kopf auf den Tiſch und fing an zu
weinen wie ein Kind. Die Mutter mußte ihn zu Bett
bringen.
Am nächſten Morgen fand er ſich erſt ſpät zum
Früh=
ſtück ein.
Mein Henning, ſprach die Mutter beſorgt. Iſt Dir
nun wieder beſſer?
Nein, ſtöhnte er. Ich muß wieder fort. Ich halte es
hier in Blankeneſe nicht aus. Wenn mir der Kerl über
den Weg läuft, dann ſchlage ich ihn zuſammen wie einen
Hund.
Ja, mein Henning, ſprach ſie nach einer langen,
ban=
gen Pauſe. Dann iſt es beſſer, Du fährſt wieder. Bis
Du das alles vergeſſen haſt.
Als er kurz darauf über den Strandweg ſchritt, wurde
er von Wilken Wobbe geſichtet und angeprait.
Er drehte bei und trat ins Krankenzimmer.
Was habe ich Dir geſagt! rief der alte Lotſe
trium=
phierend. Du wirſt nicht wieder auf einem Fiſchdampfer
anheuern. Mit dem ſchönen „Laubfroſch” iſt es bös zu
Ende gegangen. Und Dirk Teſenfiz läuft im Hamburger
Hafen herum und handelt mit Zigarren und Briefpapier.
Da iſt Dein letzter Kapitän ein ganz anderer Kerl. Seilt
die Elbe herauf bis Hamburg. Das macht ihm nicht
der tauſendſte nach. Bei dem haſt Du was gelernt. Habt
ihr eine gute Reiſe gemacht?
Ich muß wieder fort, ſagte Henning zerſtreut und
ſchaute ſich ratlos um.
Bis ja kaum vierundzwanzig Stunden an Land,
ver=
ſetzte der Alte verwundert.
Lange genug, meinte Henning und ließ den Kopf
hängen. Am liebſten ginge ich heute noch in See!
Und Deine Prüfung? rief Wilken Wobbe xsſch.
Kann warten! ſtieß Henning hervor.
Ach ſo! machte der alte Lotſe und nickte. Jetzt
ver=
ſtehe ich. Dir iſt das mit Guſchi Heggbloom in die
Krone gefahren . .
Da trat Martin Fock herein, er hatte es eilig, um
Wilken Wobbe mündlich zur Hochzeit zu bitten.
Ich komme! rief der zuverſichtlich. Ich habe da noch
einen Walzer zu tanzen. Ich komme, und wenn ich mir
einen Wagen nehmen muß. Da ſteht Henning Breckwoldt,
er ſucht eine Heuer. Sein Vater war mein Kollege.
Viel=
leicht kannſt Du ihm was ſchaffen.
Martin Fock muſterte Henning genau. Er gefiel ihm.
Haſt Luſt, mit mir zu fahren? fragte er raſch.
Henning nickte zuſtimmend.
Du fährſt? rief Wilken Wobbe erſtaunt.
In ſieben Tagen, lachte Martin Fock, und ſein Geſicht
glänzte. Nach China auf drei Jahre!
Was?! entfuhr es dem Alten. Doch nicht etwa für
Holmquiſt?
Als Kapitän auf der „Ollenhop”! ſprach Martin ſtolz.
Du haſt Dich alſo doch mit ihm eingelaſſen! rief
Wil=
ken Wobbe entrüſtet.
Er hat ſich mit mir eingelaſſen! lachte Martin heiter
und erzählte, wie die Hochzeit zuſtande gekommen war.
Den habe ich ſchön reingelegt!
Junge! ſchrie der alte Lotſe vergnügt. Das haſt Du
aber fein gemacht. Nun iſt mir um Dich nicht mehr bange.
Lege ihn noch tüchtiger rein, wenn Du da draußen biſt,
den dicken Kerl. Dann kriegſt Du vom lieben Herrgott
eine Wedaille dafür. Aber was ſagt denn Ewe dazu?
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Jnni 1910.
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Die laß ich nachkommen, in einem halben Jahre, gab
Martin zur Antwort. Aber reinen Mund!
Dann wandte er ſich wieder zu Henning Breckwoldt.
Haſt Du Luſt? fragte er ihn noch einmal und ſtreckte
die Hand aus. Drei Jahre an die chineſiſche Küſte. Kannſt
gleich mit mir nach Hamburg fahren und anmuſtern.
Henning ſchlug ein und traf ſchon am nächſten
Mor=
gen, nachdem er von ſeiner Mutter Abſchied genommen
hatte, mit ſeiner ſchweren Seekiſte auf der „Ollenhop” ein.
An demſelben Tage wurde die Hochzeit gefeiert.
Martin war ausgelaſſen, und Ewe war ſtill. Gorch
Holm=
quiſt ſchickte ſchon am Morgen ſein Geſchenk, — ein paar
blitzende Ohrringe für Ewe und eine goldene Uhr für
Martin. Ganz echt aber war ſie nicht. Er führte auch
Frau Geſche in die Kirche und ſah in Frack und
Zylin=
der noch wichtiger aus als ſonſt.
Auch Wilken Wobbe erſchien, aber erſt bei der Tafel,
ehrlich auf ſeinen zwei Beinen und ohne Wagen. Hinter
ihm erſchien der Mann ſeiner Nichte mit einer
buntbemal=
ten Wiege. Das gab einen Aufſtand! Ewe hielt ſich die
Hände vor die Augen, ſo ſchämte ſie ſich.
Ganz ſicher aber war Wilken Wobbe noch nicht auf
den Beinen. Er war froh, als er ſaß, und wollte den
Walzer lieber bei der Taufe nachholen. Nun wurde
ge=
geſſen, getrunken, getoaſtet, geſungen und getanzt.
Plötzlich waren Martin und Ewe verſchwunden.
Kei=
ner wußte, daß ſie längſt auf der Bahn ſaßen und nach
Travemünde unterwegs waren, wo ſie ihre fünf
Flitter=
tage verleben wollten. Die Zurückbleibenden ließen ſich
im Feſten nicht weiter ſtören.
Wilken Wobbe und Gorch Holmquiſt gerieten im
Laufe der Freude hart aneinander und mußten getrennt
werden. Jeder wurde in einer Ecke bewacht, daß ſie nicht
wieder zuſammenkommen konnten.
Am 16. Juli aber, pünktlich mit der Nachmittagsebbe,
ging die „Ollenhop”, ſauber geſtrichen und über die
Toppen geflaggt, die Elbe hinunter. Martin Fock, der
Kapitän, ſtand neben dem Lotſen und lärmte ſo toll mit
der Dampfflöte, daß der Poliziſt von Blankeneſe, der den
Strandweg entlangſpazierte, mit dem Finger
hinüber=
drohte und das ruheſtörende Schiff notierte. Doch nas
kümmerte das Martin Fock? Er kam ja vor drei Jahren
nicht zurück. Bis dahin war das Strafmandat längſt
vergeſſen. Ganz Blankeneſe machte er rebelliſch. Ueberall
zeigten ſich winkende Tücher. Aber er ſah nur das eine,
das dicht hinter dem Strandhotel flatterte. Dort nämlich
ſtand Ewe, ſeine junge, ſchöne Frau. Und ihr zu Ehren
riß er ununterbrochen an der Flötenleine, bis ſich der
Lotſe umdrehte und fragte, ob er verrückt ſei.
Henning Breckwoldt aber, der als Rudersmann am
Rade ſtand, ſah geradeaus.
XIII.
Daß Martin Fock auf drei Jahre nach China
gegan=
gen war, erfuhr Jaſper Dunt am Altonaer Fiſchmarkt von
einem Blankeneſer Bekannten. Da kehrte er wieder auf
ein paar Tage in das kleine, weinumrankte Häuschen im
Grund zurück. Hier erzählte ihm ſeine Schwägerin von
Ewes Hochzeit.
Er ſtutzte, denn dieſe beiden Tatſachen konnte er ſich
nicht zuſammenreimen. Nur eine wußte er ſicher: Ewe
war für ihn verloren. Schon am nächſten Morgen ſtach
er mit ſeinem Beſtmanne Jens Butenſchön und Michel
Schleef, dem ſechzehnjährigen Jungen, in See.
Wilken Wobbe aber war geſund und munter. Ewes
Hochzeit war nicht ſein Tod geworden. Er ſaß
abwech=
ſelnd vor dem Häuschen ſeiner Nichte, in Frau Geſches
Gärtchen oder auf der Dampfſchiffbrücke, gerade wie das
Wetter war, und qualmte zufrieden ſeinen Stinkkanaſter.
Sein Geſicht wurde wieder voller und ſeine Augen
wur=
den wieder kleiner.
Kurt Egloff nahm Wobbes Porträt wieder in Arbeit.
Nun aber ſetzte er ſich ſchärfer dahinter, denn Harriets
Ehrgeiz, einen berühmten Künſtler zu beſitzen, drängte ihn
heftiger als bisher.
Gorch Holmquiſt hatte ſich noch immer nicht von ſeiner
ſchweren Niederlage erholt. Es kränkte ihn tief, daß er
ſich mit der Hochzeit hatte überrumpeln laſſen. Nur eins
tröſtete ihn in ſeinem Gram: daß Martin Fock auf drei
Jahre unſchädlich gemacht worden war. Noch war ja nicht
illes verloren! Und leiſe fühlte er Frau Geſche auf den
Zahn. Doch die wußte ſofort, worauf er hinauswollte,
und wurde wild, gab ihm allein die Schuld und wies ſeine
ehr vorteilhaften Vorſchläge mit Entrüſtung zurück. Er
atte Ewes Mutter ſtark unterſchätzt.
Jetzt iſt ſie verheiratet! rief ſie empört. Und damit
hat das ein Ende!
Da mußte er abziehen, ſchickte die alte Haushälterin
fort und nahm eine junge. In dem kleinen, ſpitzgegiebelten
Hauſe am Strandweg ließ er ſich ſeitdem immer ſeltener
blicken. Nur wenn er ein Telegramm erhielt, daß die
„Ollenhop” irgendwo geſichtet worden war, brachte er es
Ewe. Denn ſeine Hoffnung ganz aufzugeben, dazu hatte
er Ewe viel zu lieb.
Die Feriengäſte flogen wieder davon, die weißen
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verhältnis müſſen binnen der erſten vier
Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfriſt
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vorgebrachte Beſchwerden finden keine
Be=
rückſichtigung.
Darmſtadt, den 23. Juni 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt
J. V.: Schmitt. (12886
Städtiſche Leſe= und Bücherhalle.
Wegen Prüfung der Bücherbeſtände ſind
alle aus der ſtädtiſchen Bücherhalle
ent=
liehenen Bücher, mit Ausnahme der
Unter=
haltungsliteratur, bis ſpäteſtens
Samstag, den 16. Juli ds. Js.,
zurückzuliefern.
Vom 8. bis 23. Juli einſchließlich bleibt
die Bücherhalle geſchloſſen.
Von Montag, den 25. Juli an, können
wieder Bücher entliehen werden.
Der Verkehr in der Leſehalle erleidet
keine Unterbrechung.
(12859oim
Darmſtadt, den 23. Juni 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Mueller.
Abhanden gekommene Sparkaſſenbücher.
Die vermißten Einlagenbücher
lautend auf den Namen
Nr. 146235 Julie Salomon
„ 174729 Elſe Salomon
der ſtädtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt werden
nach deren Satzungen § 20 für kraftlos
erklärt, wenn ſie nicht
innerhalb drei Monaten
bei dieſer Kaſſe vorgezeigt werden.
Darmſtadt, den 9. Mai 1910.
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen Sparkaſſe.
Purgold, Direktor. (10172a
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 14. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Gaſtwirt Emil Häcker Eheleuten
dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
V 75¾/100 111 Hofreite
Kahlert=
ſtraße,
7594/100 134 Hofreite daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K78/10
werden.
Darmſtadt, den 9. Juni 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
(L11980,70
Müller.
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 7. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Privatier Karl Ludwig
Henne=
mann Eheleuten, zu Heidelberg, im
Grund=
buch der Gemarkung Darmſtadt
zugeſchrie=
bene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
II 9419/100 285 Hofreite Heinrichſtr.
Nr. 126,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K19/10
werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der
Ver=
ſteigerung auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 18. Juni 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D12454,1
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be
nden ſich: 1 Hofhund, 1 Boxer. 1 Foxterrier (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
erden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk
cg, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Aenderung des § 24 Abſ. 1 des
Ortsbau=
ſtatuts für die Stadt Darmſtadt.
Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 28. April d. Js. ſoll der
§ 24 Abſ. 1 des Ortsbauſtatuts an Stelle des nachſtehend abgedruckten Wortlauts
die untenfolgende Faſſung erhalten.
Einwendungen gegen die Statutänderung ſind bei Meidung des Ausſchluſſes in
der Zeit vom 23. Jum bis einſchl. 9. Juli d. Js. (beide Tage einſchließlich) bei dem
Stadtbauamte, Grafenſtraße Nr. 30, vorzubringen.
Darmſtadt, den 22. Juni 1910.
(12678mmm
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jaeger.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das
Vermögen des Kaufmanns Jonas
Leh=
mann in Darmſtadt, Inhabers der Firma
J. Lehmann=Simon, iſt zur Prüfung der
nachträglich angemeldeten Forderungen
(12860
Termin auf
Freitag, den 8. Juli 1910,
vormittags 11½ Uhr,
vor dem Großherzoglichen Amtsgericht I
in Darmſtadt, Zimmer Nr. 219, anberaumt
worden.
Darmſtadt, den 21. Juni 1910.
Der Gerichtsſchreiber
des Großherzoglichen Amtsgerichts I.
Patenterwirkungen
und billig. Reelle Bedienung. Beſte
(12850a
enzen
Johann Weber
nstadt, Liebigstrasse 6, II.
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zu verk. Weinbergſtraße 27. (*15613
0l
nzentinktur „
ertroffen (nur für Wiederverkäufer)
Schmitt & Wildenhayn
Frühere Faſſung:
„Die dem § 16 der deutſchen
Gewerbe=
ordnung unterliegenden Anlagen ſollen
in der Regel auf das nördlich des
Gries=
heimer Wegs, weſtlich der Main=Neckar=
Bahn, nordweſtlich der Odenwaldbahn
und weſtlich der Frankfurter Straße
be=
findliche Stadtquartier beſchränkt bleiben.
Ausgenommen hiervon ſind
Vergrößer=
ungen beſtehender Anlagen.”
Jetzige Faſſung:
„Die dem § 16 der deutſchen
Gewerbe=
ordnung unterliegenden Anlagen ſollen
in der Regel auf diejenigen Stadtquartiere
beſchränkt bleiben, die weſtlich der
ver=
längerten Kirſchenallee zwiſchen
Dorn=
heimer Weg und Landwehrſtraße,
nörd=
lich der Landwehrſtraße zwiſchen
Kirſchen=
allee und Blumenthalſtraße und weſtlich
bezw. nördlich der Blumenthalſtraße
zwiſchen Landwehrſtraße und Frankfurter
Straßeliegen. Ausgenommen hiervon ſind
Vergrößerungen beſtehender Anlagen.”
Oktroi fur Wein.
Der in der Stadt=Gemarkung hergeſtellte Wein und Obſtwein (auch Johannis=
und Stachelbeerwein) unterliegt der Oktroiabgabe.
Die Wein= und Obſtweinproduzenten haben vor Beginn der Kelterung der
Oktroi=
verwaltung ſchriftlich oder mündlich Anzeige zu erſtatten unter gleichzeitiger Angabe,
an welchen Tagen die Kelterung begonnen und ſie beendet werden ſoll. Sie erhalten
hierüber eine Beſcheinigung, die ſie im Kelterhauſe aufzubewahren und dem mit der
Aufſicht beauftragten Oktroiperſonal auf Verlangen vorzuzeigen haben.
Die Kelterung wird durch das Oktroiperſonal überwacht, dem zu jeder Zeit
bereit=
willig zu geſtatten iſt, die Menge des produzierten Moſtes, ſowohl im Kelterhaus, als
im Keller feſtzuſtellen. Solange dieſe Feſtſtellung nicht ſtattgefunden hat, darf von dem
gewonnenen Moſt nichts in Verbrauch genommen oder entfernt werden.
Nach beendigter Kelterung wird der Oktroi von dem hergeſtellten Moſt nach den
Sätzen des Oktroitarifs berechnet und erhoben. Hierbei werden von der durch die
Auf=
nahme ermittelten Geſamtmenge 5% für Hefe in Abzug gebracht.
Ausgenommen von den vorſtehenden Kontrollmaßregeln ſind diejenigen
Wein=
händler im großen, denen die im § 2 der Bekanntmachung vom 30. November 1903,
betreffend den Oktroitarif, vorgeſehene Erleichterung für den Weingroßhandel
zugeſtan=
den iſt. Sie haben nach Anleitung der Verwaltung ein beſonderes Kelterregiſter zu
führen, in das die Menge des hergeſtellten Moſtes täglich gewiſſenhaft einzuſchreiben
iſt. Am Schluſſe der Kelterung haben ſie einen durch eigene Unterſchrift beglaubigten
Auszug aus dieſem Regiſter der Verwaltung zuzuſtellen, auf Grund deſſen die
Berech=
nung und Erhebung des Oktrois erfolgt.
Der Oktroiverwaltung ſteht das Recht zu, von dem oben vorgeſchriebenen
Kelter=
regiſter Einſicht zu nehmen.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmungen werden entweder nach §15
des Oktroi=Reglements vom 24. Auguſt 1832 als Defraudation zur Strafe gezogen,
oder, falls der Betrag des defraudierten Oktrois nicht feſtgeſtellt werden kann, mit
Ordnungsſtrafen von 2 Mark bis 30 Mark geahndet.
Darmſtadt, den 21. Juni 1910.
(12808a
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.
Alerverpauhlung zur Sanogewinnung.
Mittwoch, den 29. ds. Mts., von nachmittags 5 Uhr un,
werden nach Zuſammenkunft auf der Heidelberger Straße, an Ort und Stelle, die
fiskaliſchen Feldparzellen Fl. VIII Nr. 297 und 302 mit 0,5269 ha Inhalt in 2 Loſen,
zum Abbau von Sand, auf 10 Jahre meiſtbietend verpachtet.
(12862
Darmſtadt, den 24. Juni 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann.
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Bühnermist Schwanenſtr. 72, I.
Kurſe vom 25. Juni 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
Zf. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,30
3½ Deutſche Reichsanl. . 93,00
84,60
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,30
92,90
3½do. Conſols . .
84,60
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,60
93,60
3½
do.
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,30
do.
92,00
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 102,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,30
do.
3½
91,70
do.
80,90
3 Sächſiſche Rente . . . 83,60
4 Württembergerv. 1907 101,90
do.
93,30
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,30
1½ Griechen v. 1887
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente . 97,90
do. Goldrente . .
do, einheitl. Rente
Portug. unif. Serie I
do. unif. Ser. III
do.
Spezial .
Rumänier v. 1903 .
99,00
94,00
66,70
67,80
12,00
102,00
do. v. 1890 . . 95,80
do, v. 1905 . . 91.20
Ruſſenv. 1890e. u. 2. 3. 91,70
InProz.
Sf.
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 92,20
4½ do. v. 1905 . . . . 100,20
93,70
3½ Schweden.
4 Serbier amort. v. 1895 84,70
4 Türk. Admin. v. 1903 87,50
4 do. unifiz. v. 1903 94,40
4 Ungar. Goldrente . . 95,10
4 do. Staatsrente 92,20
.102,00
5 Argentinier .
91,10
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,60
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,75
99,00
do.
4½ Japaner . . . . . . . 97,60
5 Innere Mexikaner . . 99,80
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 96,10
5 Gold=Mexikaner . . . 101,20
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt .
. . . 143,30
4 Nordd. Lloyd . . . . 110,40
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,80
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 110,50
4 Gotthardbahn . . 3.9
InProz.
Oeſt.=Ungar. Staatsb. 160,50
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 23,60
4 Pennſplvania R. R. 132,60
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 211,50
Werger=Brauerei
.82,80
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 482,50
Fabrik Griesheim . . . . 259,00
Farbwerk Höchſt
.480,50
Verein chem. Fabriken
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. . 100,70
do.
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl.
do. ſteuerfrei . 99,00
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,90
do.
do. alte .
Oeſterr. Südbahn . . 99,00
do.
do.
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90,10
Kronpr. Rudolfbehg., 98,80
97,50
81,90
56,70
75
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5f.
76,00
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79,40
4 Miſſouri=Pacific .
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,40
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
. 101,90
5 Tehuantepec
Bank=Aktien.
erliner Handelsgeſ. 172,50
armſtädter Bank 130,25
Deutſche Bank .
Deutſche Vereinsbank 127,75
Diskonto=Geſellſchaft 186,70
Dresdner Bank.
4 Mitteldeut. Kreditbk. 119,60
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 124,00
4 Pfälzer Bank.
4 Reichsbank
4 Rhein. Kredit=Bank 139,40
4 Wiener Bank=Verein 138,00
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
3½ do. S. 19. . . . . 92,40
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
91,00
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,20
½
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,20
½
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
do. (unk. 1914) 91,00
4 Südd. Bd.=Kr,=Bk.=Pf. 100,60
d0,
3½
92,80
250,50
156,80
101,40
144,80
Seten
Zf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt
3½ do.
100,80
4 Frankfurt.
95,60
3½ do.
100,20
4 Gießen
3½ do.
100,00
4 Heidelberg
91,00
3½ do.
4 Karlsruhe
99,50
3½ do.
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
-
3½ do.
-
4 Mannheim
3½ do.
4 München .
3½ Nauheim
92,00
4 Nürnberg.
do.
3.
4 Offenbach.
3½ do.
4 Wiesbaden .
100,80
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. . 83,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner „ 100 136,80
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl. Komm. „ 100
Zf.
In Proz.
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.=
Pfand=
briefe.
.135,80
4 Oeſterr. 1860er Loſe 173,50
3 Oldenburger
2½ Raab=Grazer fl. 150 —
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger fl.
Braunſchweiger Tlr.
Freiburger Fs.
Fs.
Mailänder
do.
Fs.
Meininger
Oeſterreicher v. 1864 „
do. v. 1858 ₰
UIngar. Staats „
Lenediger
Irs
Türkiſche
,
fl.
7
20 210,40
15
45
10
.7
100 567,00
100 464,40
100
30
400 183,00
Gold, Silber und
Banknoten.
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20 Franks=Stücke
Oeſterr. 20=Kronen . . . . 16,90
Amerikaniſche Noten . . .
Engliſche Noten . . . . . 20,44
81,10
Franzöſiſche Noten.
.169,35
Holländiſche Noten
80,70
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noken 85,10
Ruſſiſche Noten .
21,10
Schweizer Noten .
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Z3f. 5%
Nummer 147.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Jnni 1910.
Seite 13.
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Telephon 135.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 27. Juni’1910.
Nummer 147a
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Graditz’ Wache (Bullock), 2. Sagitta (Childs), 3. Belle of
Belhus (Aylin). Tot. 18:10, Pl. 12, 12:10. Unpl.
Gou=
vernante, Fee, Roſeninſel. Sicher ¾—10 Lg. —
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felder=Rennen. 4650 Meter. Diſtanz 1400 Meter: 1.
Königl. Württembergiſchen Privatgeſtüt Weils Oben
Hinaus (Schläfke), 2. Oranier (Miller), 3. Vaſall
(Beomans). Tot. 50—10, Pl. 17, 13:10. Unpl. Heraklit
(4.), Tonleiter. Kampf Kopf bis 3 Lg. — Alphons
Brödermann=Jagd=Rennen. 5500 Mark. Diſtanz
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Stormy Ocean (Dr. Rieſe), 3. Scotch Moor (Lt.
Streſe=
mann). Tot. 58:10, Pl. 16, 12110. Unpl. Sutton Park
(gef.). Handgalopp 7—8 Lg.
sr. Bei den engliſchen Lawn=Tennis=
Meiſterſchaften in Wimbledon hat O.
Froitz=
heim von neuem einen Erfolg zu verzeichnen, da er
auch K. Powell in der vierten Runde der Herren=
Meiſterſchaft in drei Sätzen ſchlug, nachder er vorher
W. V. Eaves 9—7, 6—3, 6—2 abgefertigt hatte. Ebenſo
triumphierten der Amerikaner Beals Wright über
F. G. Lowe 6—1, 6—3, 6—0 und Mavrogordato über
O. Frederikſen 6—1, 6—1, 6—3. Einen intereſſanten
Kampf brachte die Begegnung von Wilding-Ritchie,
aus dem der Auſtralier mit 6—2, 6—3, 5—7, 6—2
ſieg=
reich hervorging. In der Damen=Meiſterſchaft ſchlug
Mrs. Lambert Chambers 6—1, 6—0 Miß Aitken, und
die ſchwediſche Spielerin Miß Caſtenſchiold, die in
ihrem Heimatlande noch keine Bezwingerin gefunden
hat, ſiegte über Mrs. O'Neil 6—3, 6—3.
Literariſches.
In der von der Verlagsbuchhandlung B. G.
Teubner in Leipzig herausgegebenen Sammlung
wiſſenſchaftlich=gemeinverſtändlicher. Darſtellungen aus
allen Gebieten des Wiſſens „Aus Natur und
Geiſteswelt” (Preis 1 Mk. bezw. 1,25 Mk.) ſind
ferner erſchienen: Bd. 281: Das Schachſpiel und
ſeine ſtrategiſchen Prinzipien von Dr. Max Lange in
Friedenau. Mit den Bildniſſen E. Laskers und P.
Morphys, 2 Schachbrettafeln und vielen Darſtellungen
von Uebungsſpielen. — Bd. 282: Vergleichender
Anatomie der Sinnesorgane der
Wirbel=
tiere. Von Dr. W. Luboſch, a. v. Profeſſor in Jena.
Mit 107 Abbildungen. — Bd. 284: Spektroſkopie.
Von Dr. L. Grebe, Aſſiſtent am Phyſikaliſchen Inſtitut
der Univerſität Bonn a. Rh. Mit 62 Figuren im Text
und auf einer Doppeltafel. — Bd. 285: Drähte und
Kabel, ihre Anfertigung und Anwendung in der
Elektrotechnik. Von Telegrapheninſpektor H. Brick.
Mit 43 Abbildungen. — Bd. 286: Die
Spreng=
ſtoffe, ihre Chemie und Technologie. Von
Geh. Reg.=Rat Profeſſor Dr. Rudolf Biedermann. Mit
15 Figuren. — Bd. 292: Heldenleben. (
Mittel=
alterliche Kulturideale I.) Von Dr. Vald. Vedel,
ordentl. Dozent an der Univerſität Kovenhagen.
Bd. 296: Die deutſchen Perſonennamen.
Von Prof. Alfred Bähniſch, Direktor des Kgl.
Gym=
naſiums in Kreuzburg (O.=Schl.) — Bd. 297, 298:
Chriſtentum und Weltgeſchichte. Von Dr.
Karl Sell, Profeſſor an der Univerſität Bonn. In
zwei Teilen. I. Teil: Die Entſtehung des
Chriſten=
tums und ſeine Entwicklung als Kirche. II. Teil: Das
Chriſtentum in ſeiner Entwicklung über die Kirche
hinaus. — Bd. 299: Das deutſche
Unterrichts=
weſen der Gegenwart. Von Dr. Karl Knabe,
Direktor der Oberrealſchule zu Marburg a. d. Lahn.
— Bd. 300: Die Mechanik der feſten,
flüſſi=
gen und gasförmigen Körper. Teil I: Die
Mechanik der feſten Körper. Von Geh. Reg.=Rat
Albrecht von Ihering. Mit 61 Abbildungen. — Bd. 306:
Finanzwiſſenſchaft. Von Dr. S. P. Altmann,
hauptamtlicher Dozent der Volkswirtſchaftslehre und
Finanzwiſſenſchaft an der Handelshochſchule in
Mann=
heim. — Bd. 310: Rhetorik. Von Dr. Ewald
Geißler, Lektor für Vortragskunſt a, d. Univerſität
Halle.
James Fenimore Cooper, Lederſtrumpf=
Erzählungen in der urſprünglichen Form. Band III:
Der Pfadfinder. Paul Caſſirers Verlag,
Ver=
lin W. 10. Preis elegant gebunden 3,80 Mark. Es iſt
zu begrüßen, daß der Verlag von Paul Caſſirer eine
Neuausgabe der Lederſtrumpf=Erzählungen in ihrer
urſprünglichen Form veranſtaltet, die von dem
be=
kannten Ueberſetzer Dr. Karl Federn aus dem
Origi=
nal übertragen und von Dr. Krickeberg, dem
Aſſiſten=
ten am Völker=Muſeum zu Berlin, mit einer
inſtruk=
tiven Vorrede verſehen wurde. Die vorliegenden
bei=
den Bände „Der Wildtöter” und „Der letzte
Mohi=
kaner” präſentieren ſich in einem prächtigen Gewand.
Der Umſchlag ſtammt von Karl Walſer, während die
Initialen von E. R. Weiß gezeichnet und von Max
Slevogt mit reizenden kleinen Bildern verſehen
wurden.
— Freiherr v. Schlicht: „Der
Schwipp=
leutnant” Humoriſtiſcher Roman. Preis 4 Mk., eleg.
geb. 5 Mk. Verlag von B. Eliſcher Nachf., Leipzig. Ein
richtiger Leutnant weiß nicht nur im Kriege zu ſiegen,
zumal wenn er noch jung iſt und ihm „ein fühlend Herz
im Buſen ſchlägt‟. Elan und Schneidigkeit auch im
Lie=
beskampfe zu zeigen, iſt für ihn geradezu Ehrenſache.
Mitten hinein in ſolch „Schlachtengewühl” führt uns in
ſeinem jüngſten Werke der beſte Kenner preußiſchen
Sol=
datenlebens, der originellſte Schilderer preußiſchen
Solda=
tenliebens, Freiherr v. Schlicht. Lachen wird man, und
auch der enragierteſte Friedensfanatiker wird nach der
Lek=
türe dieſes ſchon äußerlich ſehr „anziehenden” Bandes
zu=
geben, daß mitunter „ſo ein bißel Krieg” doch ſeine
Vor=
züge hat!
— In der vom Verlag von Quelle u. Meyer in
Leipzig herausgegebenen Sammlung „Wiſſenſchaft
und Bildung” (jeder Band 1 Mk. bezw. 1,25 Mk.)
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Araber. Von Profeſſor Dr. Hell. Mit zahlreichen
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ungen. Bd. 79: Einführung in die
Rechts=
wiſſenſchaft. Von Privatdozent Dr. G. Radbruch.
Mit 2 Bildniſſen. 135 S. Bd. 80: Immanuel
Kant. Von Privatdozent Dr. E. von Aſter. Mit
einem Porträt. 136 S.
Wem gehört das Geld?
Anfragen ſind unter Beilegung von 50 Pfg. in Marken für Schreib= und
Portoſpefen und mit Angabe der voranſtehenden Nummer an die Redaktion
dieſes Blattes zur Weiterbeförderung, jedoch ohne Verbindlichkeit, zu richten
In Erbſchaftsſachen werden nachgenannte Perſonen
(oder Abkömmlinge, nicht aber Verwandte) geſucht,
deren gegenwärtiger Aufenthalt unbekannt iſt.
435. Fräulein Luiſe Albert, angeblich früher in
Leipzig, Alexanderſtraße, wohnhaft geweſen.
436. Tiſchlersfrau Inſtine Tinneberg, geb.
Kos=
lowsky und ihr Sohn, der Barbier Heinrich Adolf
Tinneberg, zuletzt wohnhaft in Straßburg i. E.
437. Schuhmacher Johann Friedrich Wilhelm Auguſt
Forchner, zuletzt in Straußberg.
438. Jan Thomas Jefſen, 1850 geboren, zuletzt in
Weſterland.
439. Friedrich Ewald Scharſich, 1828 geboren, zuletzt
in Berlin.
440. Johannes Schneider, 1859 geboren, und Andregs
Schneider, 1874 geboren, beide aus Schluchtern bei
Eppingen in Baden.
441. Kaufmann Raphael Hirſch, geboren 1863 in
Frankfurt a. M.
442. Tiſchler Karl Guſtav Gottlieb Wolter, zuletzt
in Lukom bei Penkin.
443. Joſeph Aeger, geboren 1867 in Zabern.
444. Brauereibeſitzer Johannes Radke, zuletzt
wohn=
haft in Riege bei Deutſch=Krone.
445. Landwirt Robert Aloys Weiß, 1858 in
Priede=
moſt, Kr. Glogau, geboren, zuletzt Steinbruchsarbeiter
in Langenhennersdorf bei Königſtein al E.
446. Johann Georg Bauer, 1858 geboren in
Engel=
hardshauſen bei Langenburg.
447. Arbeiter Johann Friedrich Julius Reimann,
geboren 1846 in Kaltwaſſer in Schleſien.
448. Handlungsgehilfe Max Jaenſch, geboren 1857
in Liegnitz.
449. Johann Friedrich Schoeneck, geboren 1877,
zu=
letzt in Heutensbach, Oberamt Backnang.
450. Marie Hahn, geboren 1874 in Feuerbach.
451. Paul Georg Karl Waller, 1854 in Berlin
ge=
boren, zuletzt Feldwebel in Straßburg i. E.
452. Kaufmann Georg Friedrich Wilhelm Braun,
zuletzt in Baſſum.
453. Die Brüder a) Karl Hermann Paul Schäfer,
1868 geboren, und b) Franz Hermann Robert Schäfer,
1878 geboren, beide aus Stettin.
454. Die Brüder a) Theodor Kaſpar Maximilian
Karl Greving, 1858 geboren, b) Chriſt. Theodor Joſeph
Emil Karl Greving, 1860 geboren, e) Arnold Theodor
Karl Greving, 1865 geboren, alle aus Vechta.
455. Arbeiter Heinrich L. K. Seeger, 1869 in
Suden=
burg=Magdeburg geboren, bis 1899 in Giebichenſtein
bei Halle a. S. geweſen.
456. Händler Wladislaus Szezuplinski, zuletzt
in Kulm.
457. Zirka 850 Mk. ſind aus dem Verkauf der=
Grube Emil bei Flenſungen in Heſſen vorhanden für
die Anteilinhaber a) Gebr. Krebs u. Ko. in Köln, b)
J. A. Froitzheim in Köln, e) C. Höpfner in Siegen.
Dieſe Berechtigten ſind nicht zu ermitteln geweſen.
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von New=York nach Hamburg.
Dampfer „Piſa”, von Philadelphia
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mend, 23. Juni abends auf der Elbe.
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des Vereins Düsseldorfer Künstler 1904.
in der Kunsthalle zu Darmstadt.
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Ferner sind daselbst ausgestellt:
Kollektion des Malers P. Ehrenberg, München,
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Von 4 Uhr nachm. ab: Doppelkonzerte der Nordamerikanischen
Indianer-Kapelle und Musikkorps des Inf.-Regts. Nr. 81, Frankfurt.
Preisschiessen, wie am Sonntag den
lenstag, den 28. Juml 26. Juni. Arena 3 Uhr:
Entscheidungs-
wettspiele der Frankfurter Schulen.
Von 4 Uhr nachmittags ab: Doppelkonzerte der
Nordamerika-
nischen Indianer-Kapelle und Musikkorps des Art.-Regts. Nr. 63
Frankfurt a. M.
Abends 8 Uhr: Japanisches Tagfeuerwerk.
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Mittwoch, den 29. Janl 26. Juni. Nachm.: Turnen der Knaben- und
Mädchen-Abteilungen des Frankfurter Turnvereins.
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Realgymnasium gegen Klinger-Oberrealschule).
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