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173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
N 144.
Donnerstag, den 23. Juni.
1910.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Die Einigung der Bundesſtaaten über die
Schiffahrtsabgaben.
— Die ſeit Jahren ſchwebende Frage der
Schiffahrts=
abgaben, die ſo viel Staub aufgewirbelt und vielfach auch
Erbitterung und Verſtimmung herbeigeführt hat, ſteht nun
endlich vor ihrer definitiven Löſung. Im
Bun=
desrat iſt eine Einigung zuſtande gekommen, der neue
Entwurf iſt einſtimmig angenommen
wor=
den, und da im Ausſchuß die maßgebenden und zum Teil
abſentierenden Staaten vertreten ſind, iſt auch mit
Sicher=
heit auf eine vielleicht einſtimmige Annahme im Plenum
des Bundesrates zu rechnen.
Die Schiffahrtsabgaben verdanken ihre Entſtehung
be=
kanntlich einer preußiſchen Anregung, nachdem dieſe
For=
derung im Abgeordnetenhauſe bei der Kanalvorlage
er=
hoben worden war und direkt als conditio sine qua non
von der Rechten hingeſtellt wurde. Man ſah keck darüber
hinweg, daß das Reich auch hierbei ein Wörtlein
mitzu=
ſprechen habe, man glaubte, daß deſſen Zuſtimmung zu
der notwendigen Abänderung der Reichsverfaſſung ſehr
leicht zu erhalten ſein würde. In dieſer Hinſicht hatte man
ſich aber gründlich getäuſcht, im Gegenteil erhob ſich
außer=
halb Preußens, ſpeziell in Bayern und Sachſen, ein Sturm
der Entrüſtung und manches ſcharfe Wort iſt gegen
Preu=
ßen im Verlaufe der Angelegenheit gefallen. Aber auch
das Ausland kommt bei der Regelung der
Schiffahrts=
abgaben in Frage, weil hier Verträge mit außerdeutſchen
Staaten beſtehen, ſo mit Oeſterreich, der Schweiz und
Hol=
land, und es lag auf der Hand, daß dieſe eine derartige
Belaſtung und Beläſtigung der Schiffahrt nicht ſo ohne
weiteres hinnehmen würden.
In dieſer Hinſicht iſt augenblicklich noch keinerlei
Ver=
ſtändigung erzielt und die Verhandlungen dürften ſich noch
eine ganze Weile hinziehen und recht ſchwierig geſtalten,
da die genannten Staaten nicht ſo leicht für eine Aufgabe
ihrer bisherigen Rechte zu haben ſein werden. Die
Tat=
ſache, daß wenigſtens unter den deutſchen Bundesſtaaten
eine Einigung zuſtande gekommen iſt, beweiſt von neuem,
daß man im Intereſſe der Zuſammengehörigkeit immer
wieder bereit iſt, nicht unwichtige Intereſſen
gegebenen=
falls zu opfern. Die Zuſtimmung mag Bayern und
Sach=
ſen allerdings recht ſchwer geworden ſein, nachdem man ſo
lange auf das entſchiedenſte die Abgaben bekämpft hatte.
Immerhin mag den Bundesſtaaten das Entgegenkommen
dadurch ermöglicht worden ſein, daß man nach Möglichkeit
auf ihre beſonderen Wünſche einging, ſo daß am letzten
Ende ein allſeitig befriedigendes Kompromiß erzielt
wurde.
Die Tarifſätze ſind nicht zu hoch bemeſſen, ihre
Aen=
derung darf nur durch Zweidrittelmehrheit erfolgen. Nach
Artikel 2 werden drei Stromverbände (Rheinverband,
Weſerverband und Elbeverband) gebildet. Die Mittel
die=
ſer Verbände ſind zur Herſtellung der notwendigen
Fahr=
waſſertiefen und zur Unterhaltung zu verwenden.
Vor=
geſehen ſind die Kanaliſierung des Maines und des
Neckars, ſowie der Ausbau der Saale von der
Einmün=
dung des geplanten Verbindungskanals mit Leipzig in der
Nähe von Kraypau bis Halle. Die Staaten als ſolche
haben keinerlei Mittel aufzubringen, die Verwaltung
er=
folgt durch beſondere Ausſchüſſe. Im Reichstage wird
man ſich unter dieſen Umſtänden wohl in der Mehrheit
auf eine Zuſtimmung einigen und damit wird eine Epiſode
ihr Ende finden, deren einzelne Abſchnitte nicht immer
er=
freulicher Art waren.
Der neue preußiſche Miniſter des Innern.
— Man ſchreibt der N. G. C. von hochgeſchätzter Seite:
Wäre das Königreich Preußen, wie die linksſtehenden
Parteien es wünſchen, ein parlamentariſch regierter Staat,
o hätte das Portefenille des (nach dem der auswärtigen
Angelegenheiten) wichtigſten Miniſteriums dem Führer
der ausſchlaggebenden Mehrheit, nämlich Herrn Dr.
Ernſt von Heydebrand und der Laſe ſchon
vor einem Jahre angeboten werden müſſen. Aber der
Ehr=
geiz dieſes unermüdlich fleißigen und arbeitſamen
Man=
nes, der auf ſeine Art ein Idealiſt iſt, richtet ſich nicht nach
einer Dienſtwohnung in einem der Berliner Miniſterien.
Er würde ſich ſchwer in ein Abhängigkeitsverhältnis fügen.
nd er würde die Macht, die er der Regierung gegenüber
in Händen hat, verringern, wenn er ſelbſt ein Glied des
Regierungsapparates würde. Dagegen ſprechen viele
An=
zeichen dafür, daß Herr Hans von Dallwitz, der
bis=
herige Oberpräſident der Provinz Schleſien, auf Rat und
Empfehlung des Herrn von Heydebrand zur Nachfolge des
Herrn von Moltke berufen worden iſt.
Herr von Dallwitz iſt der Vetter des Herrn von
Heyde=
brand, genauer, der Frau von Heydebrand, die als
Mäd=
chen Fräulein Marie von Dallwitz hieß. Der Vorſchlag
des Herrn von Heydebrand — wenn man von einem
ſol=
chen ſprechen darf —, Herrn von Dallwitz die Erbſchaft des
Herrn von Molkte anzuvertrauen, konnte bei dem leitenden
Staatsmanne um ſo mehr auf eine günſtige Aufnahme
rechnen, als Herr von Bethmann Hollweg die
guten Eigenſchaften des Herrn von Dallwitz ſeit Jahren
kennt und ſchätzt. Herr von Dallwitz verfügt über ein nicht
gewöhnliches organiſatoriſches Talent, über einen ſtarken
und ausgeprägten Willen und darf, trotzdem er feſt auf
dem Boden einer ſtreng konſervativen
Welt=
anſchauung ſteht, als ein Mann bezeichnet werden,
der einen offenen Blick für den modernen Zuſchnitt des
Lebens hat und alles andere als ein rückſtändiger
Bureau=
krat iſt. Dem Kaiſer iſt Herr von Dallwitz ſeit langen
Jahren gut bekannt. Beide ſind Alte Herren des Korps
der „Preußen” in Bonn am Rhein, wo Herr von Dallwitz
im Jahre 1876, der damalige Prinz Wilhelm von Preußen
1878 einſprang. Herr von Bethmann Hollweg, der hier
und da als Korpsbruder des neuen Miniſters des Innern
bezeichnet worden iſt, war niemals Korpsſtudent.
Die Familie von Dallwitz ſtammt aus der
Nieder=
lauſitz und iſt des gleichen Urſprungs wie die Grafen von
Schaffgotſch. In Schleſien und Sachſen iſt ſie ſeit langer
Zeit angeſeſſen und ein Zweig von ihr beſaß auch den
Reichsgrafenſtand, der dem königlich polniſchen und
kur=
ſächſiſchen Kammerherrn und Landeshauptmann der
Nie=
derlauſitz Johann Kaſimir von Dallwitz=Schaffgotſch am
15. Juli 1718 verliehen wurde; dieſer gräfliche Zweig
er=
loſch aber bald wieder. Miniſter von Dallwitz iſt der
ein=
zige Sohn des am 15. September 1876 zu Dresden
verſtor=
benen preußiſchen Kammerherrn Wolff von Dallwitz, der
nacheinander die ſchleſiſchen Güter Belmsdorf, Groß=Leipe
und Mangſchütz beſaß. Seine am 31. Mai 1897 ebenfalls
zu Dresden verſtorbene Mutter war eine geborene Freiin
von Plotho. Der Miniſter iſt Junggeſelle.
Die parteioffiziöſe Nationalliberale
Korre=
ſpondenz nimmt zur Lage ſcharf gegen den Kurs
des Herrn v. Bethmann Hollweg Stellung und
ſchreibt:
Wenn man auch mit dem Abgang des Miniſters
v. Moltke rechnen durfte, ſo war er doch erſt für eine
ſpätere Zeit zu erwarten. Herr v. Moltke war ſicherlich ein
konſervativ gerichteter Mann, aber er war doch nicht als
ſpezieller Parteigänger der konſervativen Partei anzuſehen,
die ihm auch nicht gerade mit Sympathiekundgebungen
entgegenkam. Was Herrn v. Arnim betrifft, ſo iſt er
gewiß nichts weniger als ein ſcharf geſchnittener
politi=
ſcher Charakterkopf geweſen. Er war jedenfalls ein
maß=
voller Mann und hat beſondere Verdienſte um die
Feſt=
haltung der Polenpolitik ſich erworben. Sein Abgang
wird vielleicht nicht mit Unrecht ſo gedeutet, daß nunmehr
auch die Polenpolitik aus angeblichen Rückſichten der
aus=
wärtigen Politik nachgeordnet werden ſoll.
Von den Nachfolgern beider Miniſter in ihren
Aemtern muß man zunächſt Herrn v. Dallwitz als
ſtreng konſervativ gerichteten Mann anſprechen, der
ſeiner=
zeit den konſervativen Fraktionsſtempel erhalten hat und
ſeine Solidarität mit dieſer Partei auch durch ſein
Ver=
halten bei der Kanalfrage in vollem Umfange bekundete.
Seine Berufung bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als
daß der Reichskanzler gewillt iſt, den Bahnen der
Heyde=
brandſchen Politik reſtlos zu folgen. Nur Politiker von
beſonderer Naivetät könnten glauben, daß ihm in Herrn
v. Schorlemer ein gewiſſes Gegengewicht gegeben ſei.
Niemand wird mehr erſtaunt ſein, als Herr v. Schorlemer
ſelbſt, wenn er in einzelnen Preßorganen von ſeiner
an=
geblichen Hinneigung zur freikonſervativen oder
national=
liberalen Partei lieſt. Auch er gehört der konſervativen
Richtung an. Für einen Irrtum würden wir es halten,
wenn man aus ſeiner Berufung folgern wollte, daß damit
der Zentrumspartei Fehde angeſagt werde. Gewiß wäre
es der Zentrumspartei lieber, wenn etwa Herr Spahn den
Platz des Herrn Beſeler eingenommen hätte, aber auch ſo
hat die Zentrumspartei den Triumph, daß ein „gläubiger
Katholik” in das Miniſterium berufen wird und daß man
damit in dem überwiegend katholiſchen Rheinland zugleich
einen Oberpräſidenten los wird, der an dieſer Stelle dem
Zentrum höchſt unbequem war.
Wenn wir über die durch dieſe Ernennungen
geſchaf=
ſene politiſche Lage uns ein Urteil bilden ſollen, ſo kann
dasſelbe nur dahin lauten, daß ſich der Reichskanzler
ent=
ſchloſſen hat, der Machtſtellung des „ſchwarz=blauen”
Blocks Rechnung=zustragen und einen einſeitigelguere
vativen Kurs zu ſteuern. Man hätte denken ſollen, daß
gerade im gegenwärtigen Moment, wo man anſcheinend
vor Bedauern über Dernburgs Rücktritt ſich
über=
ſchlug, der Reichskanzler die Gelegenheit hätte benutzen
müſſen, durch die Auswahl der neuen Miniſter zu
bewei=
ſen, daß er auch der Mitwirkung liberal gerichteter
Män=
ner in den höheren Stellen des Staats= und Reichsdienſtes
nicht entbehren wollte. Heute wird man ſagen müſen,
daß Herr Dernburg die Situation richtig beurteilt hat,
wenn er nicht das letzte Deckblatt für eine einſeitig=
konſer=
vative Parteipolitik in Preußen hergeben wollte. Der
Reichskanzler ſtand am Scheidewege, er hat ſich
entſchie=
den! Dankbar muß ihm der gemäßigte Liberalismus
dafür ſein, daß er endlich offen Farbe bekannt hat und das
Schillern in allen möglichen Nuancen nicht mehr für
not=
wendig erachtet. Wir ſind nunmehr in der Lage, die innere
Politik in Preußen klarer zu beurteilen und aus der uns
gewordenen Aufkläurng die entſprechende Folgerung zu
ziehen.
Deutſches Reich.
— Die ſchwediſchen Tarifverhandlungen,
die ſowohl in Stockholm wie in Berlin geführt werden
ſollen, dürften kaum vor dem 1. Oktober beginnen. Vom
1. September ab ſollen wiederum vertrauliche
Verhand=
lungen zwiſchen der deutſchen Regierung und den
deut=
ſchen Intereſſenten ſtattfinden.
— Im Landesausſchuß von Elſſaß=
Loth=
ringen wurde ein Antrag des Abgeordneten Wetterlé
angenommen, die Regierung ſolle alle Jahre eine
Stati=
ſtik darüber vorlegen, wieviele Schüler ſich zum
Abitu=
rientenexamen vorbereiten und wieviele dasſelbe beſtänden,
und ebenſo eine Statiſtik darüber, wie es mit dem
Vor=
rücken in den oberen und mittleren Klaſſen der Realſchulen
und Gymnaſien ſtände. Der Redner begründete ſeine
For=
derung damit, daß man eine Kontrolle dafür haben wolle,
daß die elſaß=lothringiſchen Schüler nicht ſchlechter
behan=
delt würden als diejenigen in den übrigen Bundesſtaaten.
Der Regierungsvertreter erklärte, es beſtände für die
Re=
gierung kein Grund, dieſe Statiſtik zu verweigern.
Außer=
dem wurde eine Reihe von Petitionen nach den
Kommiſ=
ſionsbeſchlüſſen angenommen. Nächſte Sitzung: Dienstag,
den 28. Juni.
— Die bayeriſche Abgeordnetenkammer
hat die Berggeſetznovelle mit 83 gegen 15
Stim=
men angenommen und die von der Regierung und der
Reichsratskammer bekämpften Beſtimmungen zugunſten
des achtſtündigen Arbeitstages der
Bergwerksarbei=
ter wieder hergeſtellt. Bei der Beratung des Militäretats
ſprachen ſodann die Redner ſämtlicher Parteien den
Sol=
daten für ihr außerordentlich mutiges Verhalten bei den
Rettungsarbeiten während der Hochwaſſerkataſtrophe ihren
wärmſten Dank und Anerkennung aus.
— Eine Spaltung in der polniſchen
Land=
tagsfraktion in einen agrariſch=konſervativen und
einen national=demokratiſchen Flügel wird in polniſchen
Blättern angekündigt. Die Gegenſätze in der Fraktion ſind
ſchon längſt zutage getreten, der Fraktionszwang hat dazu
geführt, daß die meiſten polniſchen Volksvertreter es
vor=
zogen, überhaupt den Beratungen fernzubleiben. Den
letz=
ten Anſtoß zur Trennung beider Richtungen gab nach der
„Germania” die Erklärung des Abg. v. Jazdzewſki in
Sachen der Erhöhung der Zivilliſte.
— Auf ein vom Zweigverein des Evangeliſchen
Bun=
des in Saalſeld abgeſandtes Telegramm an den Herzog
von Meiningen, in dem gegen die Borromäus=
Enzyklika proteſtiert wurde, ſandte der Herzog
fol=
gende Antwort: „Empfangen Sie meinen Dank für den
mich erfreuenden Gruß der Proteſtverſammlung gegen die
Schmähungen, welche die päpſtliche Kurie, befangen in
mittelalterlichem Geiſte, ſich erlauben zu können geglaubt
hat. Georg.”
Lusland.
— Im engliſchen Unterhauſe fragte Kapitän Faber
(Unioniſt) den erſten Lord der Admiralität, ob der
eng=
liſche Militärattaché in Wien die dortige Marineſektion
des Reichskriegsminiſteriums um Mitteilung von
Einzel=
heiten über den Bau neuer Dreadnoughts für
die öſterreichiſch=ungariſche Regierung
er=
ſucht und welche Antwort er erhalten habe. Me Kenna
er=
widerte: Wir können eine Mitteilung, welche wir von
fremden Regierungen über ihre Schiffsbauten erhalten,
nicht veröffentlichen, mit Ausnahme von denjenigen, welche
ſie uns zum Zwecke der Veröffentlichung übergeben. Im
vorliegenden Falle, in dem die Angelegenheit kürzlich im
Parlament des betreffenden Landes zur Diskuſſion
ge=
langte, kann ich den Kapitän Faber nur auf die
veröffent=
lichten Erklärungen dersöſterreichiſch=ungariſchen=Regierung
Nummer 144.
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den
23. Juni 1910₰
verweiſen. — Die Regentſchaftsbill wurde in
zweiter Leſung angenommen.
Beim Empfang einer Abordnung der
republikani=
ſchen Mitglieder des ſpaniſchen Parlaments erklärte der
Miniſterpräſident, daß alle Vertriebenen,
insbe=
ſondere auch die nach den Juliereigniſſen in Barcelona
Vertriebenen, von der ſchon bekanntgegebenen Amneſtie
Vorteil hätten und frei nach Spanien zurückkehren
könn=
ten. Trotzdem beſtand die Abordnung darauf, daß die
Regierung den Cortes den neuen Amneſtieentwurf
unter=
breitet.
Zum ſpaniſch=vatikaniſchen Konflikt ſchreibt der
klerikale Corriere d’Italia, die Kurie werde in dieſer
An=
gelegenheit eine verſöhnliche, aber feſte Richtlinie
einhal=
ten, die ſie hinſichtlich derſelben Fragen auch gegenüber
anderen Völkern eingenommen habe. Es ſei gewiß nicht
ihrer intranſigenten Haltung zuzuſchreiben, wenn in
Spa=
nien traurige Ereigniſſe erfolgen ſollten.
Im ruſſiſchen Reichsrat führte Miniſterpräſident
Stolypin zu dem Geſetzentwurf über
Finn=
land aus:
Der Geſetzentwurf ſei bereits von allen Seiten
be=
leuchtet worden. Gegenwärtig halte er für notwendig, die
Aufmerkſamkeit auf die prinzipielle Seite der Frage zu
richten, weil ruſſiſche Opponenten, wie auch ausländiſche,
den Regierungsentwurf als eine grobe Rechtsverletzung
betrachteten. Die Regierung müſſe vor allem das
Inter=
eſſe Rußlands im Auge haben und nur die Hintanſetzung
der ruſſiſchen Intereſſen für ſchmählich halten. Der
Be=
weisgrund der Gegner beſtehe außer den Hinweiſen auf
die unerſchütterlichen ſchwediſchen Geſetze und auf die
Un=
möglichkeit, die finniſche Konſtitution ohne Zuſtimmung
der Finnländer zu verletzen, noch darin, daß Artikel 2 des
ruſſiſchen Grundgeſetzes auf beſondere Beſtimmungen
Finnlands verweiſe. Dieſe Beſtimmungen könnten ohne
den finniſchen Landtag nicht aufgehoben oder abgeändert
werden. Ich kann erklärte Stolypin — nicht zugeben,
daß eine allgemein ſtaatliche Frage Sache einer autonomen
Provinz ſei. Den Vorſchlag, eine ſolche Frage zuerſt durch
den Landtag und ſodann durch unſere geſetzgebenden
In=
ſtitutionen zur Entſcheidung zu bringen, würde ich für
fruchtlos halten, erſtens weil es ſelten gelingt, auf ſolche
Weiſe eine Entſcheidung herbeizuführen, und weil
zwei=
tens, nach Anſicht der Finnländer ſelbſt, auch dieſer Weg
kaum weniger gegen die Konſtitution verſtößt als der von
der Regierung vorgeſchlagene. Der juriſtiſche Standpunkt
in der finniſchen Frage iſt äußerſt vage, und ſich darauf zu
ſtützen ohne Rückſicht auf die politiſchen, ökonomiſchen und
hiſtoriſchen Elemente, würde ſehr gewagt ſein. Im Wege
paralleler Geſetzgebung würde es unmöglich ſein, die
ruſ=
ſiſchen Reichsintereſſen zu wahren. Eine ſolche
Geſetz=
gebung konnte nur damals erfolgreich ſein, als einerſeits
die Landtage nicht berufen wurden und wir andererſeits
keine repräſentativen geſetzgebenden Inſtitutionen beſaßen.
Als dieſe patriarchaliſchen Zuſtände vorüber waren, als
man begann, die Landtage zu berufen, und als dieſe
an=
fingen, ſich mit Fragen zu beſchäftigen, welche die ruſſiſchen
Intereſſen empfindlich berührten, da begann ſich ſofort die
gebieteriſche Notwendigkeit einer allgemeinen
Reichsgeſetz=
gebung fühlbar zu machen. Die Landtagsordnung, die im
Jahre 1906 ausgearbeitet wurde, hatte mit der allgemeinen
Reichsgeſetzgebung unbedingt nichts gemein. Die
geſetz=
gebenden Inſtitutionen des Reiches können den
provin=
ziellen Inſtitutionen nicht gleichgeſtellt werden, ſondern
müſſen eine Kompetenz über jede andere Kompetenz beſitzen.
Rußland ſchreitet auf dem Wege ſeiner Vervollkommnung
kühn vorwärts. Rußland iſt nicht beſtimmt, nur ein
Nähr=
boden für fremde Kultur und für fremde Fortſchritte zu
werden. Jetzt müſſen die Geſetzgeber entſcheiden, ob die
allgemeine Reichsgeſetzgebung zugunſten des finnländiſchen
Provinziallandtages aufzugeben iſt, oder ob ſie es für ihre
Pflicht halten, das zu bewahren, was dem Staate gehört.
— Nach der Voſſiſchen Zeitung haben die
diplomati=
ſchen Vertreter Chinas im Auslande den Auftrag erhalten,
den in Europa und in Amerika ſtudierenden chineſiſchen
Studenten mitzuteilen, daß das Miniſterium für
Erzieh=
ungsweſen ein Verbot erließ, das den Studenten
unter=
ſagt, eine Ehe mit einer Ausländerin
ein=
zugehen.
Der erſte Star im Lande der Dollars.
Zum 100. Geburtstage Fanny Elßlers.
C) Am 23. Juni feiern wir den 100. Geburtstag von
Deutſchlands größter Tänzerin, von Fanny
Elß=
ler; in ihr hat die leichte Anmut und der ſinnlich
heitere Rhythmus des „Wiener Blutes”, der dann in
den Klängeneder Walzer von Johann Strauß die
ver=
führeriſch weiche Schönheit der Kaiſerſtadt überall
hin=
trug, zum erſten Male die Welt erobert. Die „göttliche
Fanny”, in deren Tanz man Goetheſchen Geiſt und den
„Tiefſinn der Weltgeſchichte” wiederfand, iſt, nachdem
ſie durch ihre Pariſer Triumphe zur europäiſchen
Be=
rühmtheit geworden war, vergöttert worden, wie kaum
je eine andere Künſtlerin. Die gewaltigſten Erfolge
aber errang ſie in Amerika, wo bei ihrem Erſcheinen
eine Maſſenhypnoſe, ein verzückter Taumel der
Begei=
ſterung ſich über das ganze Land hin verbreitete, der
zum Vorbild für manch andere Modeſchwärmerei der
Yankees geworden iſt. In ſeiner vortrefflichen
Bio=
graphie der Tänzerin, die ſoeben in einer deutſchen
Ueberſetzung von Moritz Necker erſchienen iſt, erzählt
der Lyoner Profeſſor Auguſt Ehrhard amüſante
Einzel=
heiten von dieſer Revolution der Geiſter, die die
Tän=
zerin in der Neuen Welt hervorrief.
Zwei Jahre und 55 Tage währte der
Aufent=
halt Fanny Elßlers in Amerika; ſie trat in
199 Vorſtellungen auf und erwarb ſich damit ein
enor=
mes Vermögen. In 52 Anſprachen, die zumeiſt aus
harmloſen Sätzen beſtanden, aber mit frenetiſchem
Ju=
bel aufgenommen wurden, wandte ſie ſich an ihr
Publi=
kum, und dieſe Leiſtungen veranlaßten ein New=Yorker
Blatt zu der triumphierenden Frage: „Sind das nicht
zugleich Arbeiten des Herkules und des Demoſthenes?”
So lange ſie auftrat, war das New=Yorker Parktheater
ſtets bis auf den letzten Sitz gefüllt, „Der enge,
ſchmu=
tzige Saal ſchien die Spuren eines wunderbaren
Stau=
nens zu tragen. Die Sitze ächzten unter ihrer
unge=
wohnten Laſt, und die Sicherheit der überfüllten
Ga=
lerien wurde von manch furchtſamem Gemüt
bezwei=
felt.” Nie vorher waren elegante Leute in den letzten
Reihen der zweiten Galerie erſchienen; jetzt war „dieſe
Hölle in ein Eden verwandelt, in dem die aufgedonnert=
— Aus der Diplomatie. Erbgraf Karl
von Schlitz genannt von Görtz, Oberleutnant
à la suite der Armee und Attaché im Auswärtigen Amt,
hat vor einigen Tagen die diplomatiſche Prüfung
beſtan=
den und iſt als etatsmäßiger Legationsſekretär der
deut=
ſchen Botſchaft in Chriſtiania zugeteilt worden. Erbgraf
Görtz ſteht im 33. Lebensjahre und gehörte vorher dem
1. Garde=Regiment zu Fuß in Potsdam an. Er iſt der
älteſte Sohn und Erbe des regierenden Grafen Emil
Fried=
rich von Schlitz genannt von Görtz. Der Erbgraf iſt ſeit
1905 mit der Prinzeſſin Amélie von Thurn und Taxis
ver=
mählt, einer Tochter erſter Ehe der Prinzeſſin Max
Rati=
bor, der Gemahlin des deutſchen Botſchafters in Madrid.
— Die Entvölkerung Frankreichs. Aus
Paris wird berichtet: Die im Journal officiel
veröffent=
lichte neue Statiſtik über den Bevölkerungsſtand
Frank=
reichs zeigt, daß die Geburtszahlen nicht nur weiter
zurück=
gehen, ſondern daß dieſer Rückgang ſich von Jahr zu Jahr
mehr verſchärft. Im Jahre 1909 überragen die Geburten
die Todesfälle nur um 13 424. Noch in den Jahren 1900
bis 1905 brachten die Geburten einen jährlichen Ueberſchuß
von 29 469. In den letzten vier Jahren hat ſich dieſe Zahl
auf weniger als die Hälfte verringert. Wenn die Zahlen
ſich im gleichen Maßſtabe weiterentwickeln, wird die
Bevöl=
kerung Frankreichs vom Jahre 1914 an abnehmen. In
einigen Departements macht die Entvölkerung bereits
be=
ſorgniserregende Fortſchritte. So ſind in Lot, in Lot=et=
Garonne, in der Haute=Garonne und in Hérault die
Sterbeziffern größer als die Geburtsziffern.
* London, 21. Juni. Asquith hob beim
Emp=
fang der Abordnung der Anhängerinnen des
Frauen=
ſtimmrechts hervor, da bei den maßgebenden
Perſön=
lichkeiten beider Parteien die Meinungen über das
Frauen=
ſtimmrecht weit auseinander gingen, erſcheine es ihm nicht
als wahrſcheinlich, daß irgend eine Regierung dem
Par=
lament einen Geſetzentwurf über das Frauenſtimmrecht
vorlegen könnte. Die Ausſichten für die Annahme eines
ſolchen Geſetzentwurfs würden außerordentlich ſchwach
ſein. Er ſei indeſſen der Anſicht, daß dem Unterhaus
Ge=
legenheit geboten werden müßte, ſeine Meinung darüber
zu äußern. Er werde dem Kabinett die Wünſche der
Deputation unterbreiten und im Unterhauſe eine
Erklä=
rung darüber abgeben.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. Juni.
* Hoftrauer. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben wegen des Ablebens Ihrer Durchl. der
Prinzeſſin Feodora zu Schleswig=Holſtein eine
Hof=
trauer bis einſchließlich 25. Juni d. J. angeordnet.
— Ernannt wurde der Schreibgehilfe Wilhelm
Magnus in Gießen zum Schreibgehilfen bei dem
Amtsgericht Gießen; Johannes Strauß aus
Stein=
bach (Kreis Heppenheim) zum Schreibgehilfen bei dem
Finanzamt Darmſtadt II.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Eiſen=
bahngehilfe in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahngemein=
ſchaft Heinrich Matheſius zu Gießen mit Wirkung
vom 1. Oktober d. Js. an.
Das Großh. Regierungsblatt Nr. 12 enthält:
1. Bekanntmachung, Aenderung der Poſtordnung vom
20. März 1900 betreffend. 2. Bekanntmachung, Handels=
und Schiffahrtsvertrag zwiſchen Deutſchland und Portugal,
hier: die Zollabfertigung von Portwein und
Madetra=
wein betreffend.
L. Der Kreisausſchuß verhandelte geſtern unter
dem Vorſitz des Kreisamtmanns Reinhart öffentlich
folgende Sachen: 1. Die Eliſabetha Keller Witwe
von Pfungſtadt hat Beſchwerde gegen die Gemeinde
geführt, weil der Gemeinderat ihre Armenunterſtützung
herabgeſetzt hat. Der Beſchluß wurde ihr am 5. April
zugeſtellt, am 24. Mai hat ſie jedoch erſt das
Rechts=
mittel eingelegt. Da dies geſetzlich verſpätet geſchehen iſt,
zog ſie für heute die Beſchwerde zurück. — 2. Die
Wilhelm Müller Eheleute von Arheilgen haben ſich
ebenfalls beſchwert, weil die Armenkommiſſion ihnen die
bisher bewilligte Barunterſtützung von je 4 Mk.
wöchent=
lich entzogen hat. Beide wohnen im Armenhaus. Sie
behaupten, ohne die Beihilfe nicht beſtehen zu können,
der Mann bezieht monatlich 4 Mark Invalidenrente, die
Frau iſt an dem einen Arm gelähmt. Der
Bürger=
meiſter Benz begründete den angefochtenen Beſchluß,
alsdann wurde die Beſchwerde abgewieſen, weil es ſich
um keinen Gemeinderatsbeſchluß handelt, der anfechtbar
iſt. — 3. Jean Popp von Frankfurt a. M. will
in dem Hauſe Viktoriaſtraße 75 dahier eine Weinwirt=
ſten und ſtolzeſten Huris von New=York glänzten” Wo
die Elßler erſchien, entſtand ein Aufruhr. Man
be=
hauptete, daß ſchon ihr Gang bezaubernd ſei, aber ihr
Tanz ſei mit nichts zu vergleichen. Die kleinen Leute,
die ſich den Luxus, ihre Vorſtellungen zu beſuchen,
nicht erlauben konnten, erwarteten ſie am Tore ihres
Hotels, in den Straßen und beim Bühnenausgang.
Ueberall hüpften Kinder um ſie herum mit dem
fröh=
lichen Rufe: „This is Fanny!” Geſchenke regneten
auf ſie hernieder. Außer koſtbaren Juwelen erhielt
ſie z. B. in Havanna ein prachtvolles ſpaniſches
Ko=
ſtüm, in dem ſie ſpäter ihre berühmte „Cachucha‟
tanzte. Von ſeltenen bunten Vögeln, die man ihr
überreicht hatte, brachte ſie einen ganzen Käfig voll
nach Europa. Bei ihren Vorſtellungen wurde ſie mit
Blumen überſchüttet; aber auch Goldſtücke und
Bank=
noten fielen zu ihren Füßen. Man ließ Tauben an
weißen Bändern mit ſilbernen Glöckchen am Halſe zu
Fanny flattern, um ihr Verſe und kleine Sträuße zu
überbringen. Daß man ihr die Pferde ausſpannte,
war damals noch eine ſeltene Ehrung; ſie war vor
Fanny nur einer Perſon zuteil geworden: dem
Gene=
ral Lafayette. In New=Orleans wurden die Kiſſen
ihres Wagens zu unerhörten Preiſen verſteigert.
Lange Feſtzüge und Fackeltänze wurden zu ihren
Ehren veranſtaltet; die dargebrachten Ständchen
hör=
ten bis tief in die Nacht hinein nicht auf. In
Waſhing=
ton rief ihr Auftreten eine ernſte Störung in den
Re=
gierungsgeſchäften hervor. Fanny wurde auf dem
Ka=
pitol empfangen, wobei ſich die Abgeordneten von
ihren Plätzen erhoben und ſich um die Ehre drängten,
ihr vorgeſtellt zu werden. Vom Sitze des
Präſiden=
ten aus blickte ſie zu der hohen Verſammlung
her=
nieder. Der Präſident empfing ſie dann auch in
feier=
licher Audienz.
Während die Elßler tanzte, waren die
Parlaments=
ſitzungen ſo ſchwach beſucht, daß ſie bis zu ihrer
Ab=
reiſe aufgehoben werden mußten. „Es ſcheint,” klagte
ein Regierungsmitglied in öffentlicher Rede, „daß
Fanny Elßler populärer geworden iſt als unſere
An=
gelegenheiten des Landes, die doch gerade jetzt aller
Aufmerkſamkeit würdig ſind.‟ Da Fanny ſich lebhaft
für die Marine intereſſierte, wurde ſie auf einem
gro=
ßen Kriegsſchiff, der „Nord=Carolina”, empfangen, die
ſchaft mit Branntweinausſchank errichten. Die
Stadtver=
ordneten=Verſammlung hat die Bedürfnisfrage verneint.
Seit dem Jahre 1896 wurde in dem Hauſe Wirtſchaft
betrieben, die Inhaber haben jedoch 11mal gewechſelt. Vor
¾ Jahren erkannte die Stadtverordneten=Verſammlung
ein Bedürfnis für eine beſſere Wirtſchaft in jener Gegend
ausdrücklich an. Rechtsanwalt Wolff trat für das Geſuch
entſchieden ein und berief ſich auf den letzten Beſitzer,
Herrn Meſſé, der beſtätigen kann, daß die geplante
Wirt=
ſchaft ihre Berechtigung habe. Der Vertreter des
Polizei=
amts, Polizeiamtmann Lauteſchläger, hielt den von dieſem
eingelegten Einſpruch aufrecht, zumal auch Herr Meſſé
nach kurzer Zeit das Geſchäft mit einem ſolchen in der
Schuchardſtraße vertauſchte. Die Entſcheidung lautet
dahin, daß die nachgeſuchte Erlaubnis zu erteilen ſei.
n. Die Strafkammer verhandelte geſtern die
Be=
rufung des vom Schöffengericht ſwegen unterlaſſener
Anzeige eines Typhusfalles in die zuläſſige
Höchſt=
ſtrafe der einſchlägigen Verordnung von 30 Mark event.
30 Tage Haft verurteilten praktiſchen Arztes Dr. Multhaupt
in Köln a. Rh. Letzterer war früher vier Jahre lang in
Mühlheim bei Offenbach tätig und behandelte im
Sep=
tember v. Js. daſelbſt zwei Typhuserkrankungen, denen
ſich eine ganze Epidemie anreihte. Auf den zweiten dieſer
Fälle bezog ſich die Uebertretung der für den Kreis
Offen=
bach gültigen Polizeiverordnung vom 8. Dezember 1905
und Februar 1906, betr. Bekämpfung anſteckender
Krank=
heiten. In dem erſtinſtanzlichen Urteil war ausgeführt,
daß der Angeklagte, trotzdem er auch bei bloßem Verdacht
zur Anzeige an das Kreisgeſundheitsamt verpflichtet iſt
und anſcheinend auch ſolchen Verdacht hegte, zum
min=
deſten ihn bei Anwendung der gebotenen Achtſamkeit
haben mußte, in großer Nachläſſigkeit jener Obliegenheit
nicht nachgekommen ſei. Der erwachſene Sohn einer
dortigen Familie hatte ihn wegen ſtarken Unwohlſeins
zuerſt in der Sprechſtunde beſucht und ein Mittel gegen
Magenſtörung verſchrieben erhalten, worauf Dr. M.,
andern Tags in die Wohnung geholt, hörte, daß heftiger
Durchfall mit Benommenheit u. zeitweiſe hohes Fieber nebſt
Phantaſieren während der Nachtbeſtehe. Er äußerte
gegen=
über der von einer etwaigen Nervenerkrankung ſprechenden
Mutter des Kranken ſogar ſelbſt, es könne wohl Typhusgeben
oder ſein, tat aber nichts von Belang. Lediglich
ordnete er an, man ſollte durch einen Sanitäter am Abend
ſowie nächſten Morgen die Temperatur des Patienten
meſſen laſſen und ihm mitteilen, auch bezüglich der
Wäſche und Abgänge (wegen Anſteckung) vorſichtig ſein.
Er will ungeachtet der ſehr auffälligen Symptome nicht
an Typhus gedacht haben. Wenige Stunden nach dieſem
Beſuch war der Zuſtand des Kranken derart, daß ihn
die Familie ohne Weiteres ins Groß=Steinheimer
Krankenhaus brachte und dort ſofort Typhus feſtgeſtellt
wurde. In der Verhandlung wurden das Gutachten des
Großh. Kreisaſſiſtenzarztes Dr. Zinßer=Offenbach und
des Großh. Staatsanwalts Hoos zur ſcharfen Kritik
eines ſolchen mangelhaften arztlichen Verhaltens und
ſeine Gefährlichkeit für die öffentliche Geſundheitspflege.
Jener Kranke konnte nach acht Wochen wiederhergeſtellt
werden. Die Strafkammer teilte nach nochmaliger
Beweisaufnahme die Auffaſſung der erſten Inſtanz und
verwarf die Berufung des Angeklagten. — Wegen
Rück=
fallbetrugs und Unterſchlagung wurde weiter der 30 Jahre
alte Bureaugehilfe Konrad Zehner von Murjoſt zu
9 Monaten Gefängnis abzüglich 3 Wochen
Unter=
ſuchungshaft verurteilt. Er hatte während ſeiner
Be=
ſchäftigung im Verſorgungshaus zu Offenbach einem
dortigen Optiker drei Feldſtecher im Wert von 325 Mk.
abgeſchwindelt und für 36 Mk. verſetzt, auch zwei ihm
von Dienſtmädchen anvertraute Betrage von 3 Mk. und
9 Mk. ſich angeeignet.
D Großh. Muſeum. In der zoologiſchen Abteilung
des Großherzoglichen Muſeums, Raum für niedere
Tiere, ſind auf kurze Zeit jeden Donnerstag und
Freitag vormittag farbige
Stereoſkopauf=
nahmen aus dem Aquarium (Stazione Zoologica) in
Neapel ausgeſtellt. Die erſte Serie umfaßt folgende
Bilder: Nr. 1. Schwammbaſſin: Im Vordergrund
mehrere Verwandte des Badeſchwamms, darunter eine
große napfähnliche Form, hinten ſchlanke zinnoberrote
Stämme von Kieſelſchwämmen (Axinella). Die dünnen
verzweigten Büſche gehören Hornkorallen (Gorgonien) an
und ſieht man an dem mittleren weißen Buſch ſehr gut
die ausgeſtreckten Polypentierchen. Nr. 2. Cereanthus:
Rieſenhafte, den Seeroſen verwandte Blumentiere mit
langen teilweiſe grünleuchtenden Fangarmen, der
lang=
geſtreckte Körper von einer ſchleimigen lederartigen Hülle
umgeben. An der Wand Röhrenwürmer mit
vor=
geſtreckten blumenähnlichen Kopfkiemen. Nr. 3. Korallen=
ihr zu Ehren im Galaſchmuck prangte. Nach einem
Diner auf einer amerikaniſchen Fregatte machte ſie
da=
durch Furore, daß ſie bei dem ihr dargebrachten
Ehren=
ſalut von 24 Schüſſen das erſte Geſchütz abfeuerte. In
Boſton gab ſie eine Privatvorſtellung für 250
Matro=
ſen und Schiffsjungen des „Kolumbus” auch die
In=
ſaſſen der Gefängniſſe erfreute ſie durch ihre
Gegen=
wart und ihre Anmut.
Die höchſten Triumphe aber erreichte ſie, als ſie die
Geiſtlichkeit und die Puritaner zu der frivolen Kunſt
des Balletts bekehrte. Die Quäker hatten zunächſt am
eifrigſten gegen ſie gewütet, aber bald wurden auch ſie
von dem allgemeinen Strudel hingeriſſen und
ſtröm=
ten ins Theater; ja ein beſonders frommer Quäker in
Boſton ſuchte ſich ſogar um jeden Preis einen
Tanz=
ſchuh der berauſchenden Tänzerin zu verſchaffen. Hatte
man ſchon in Paris einen Modeſtoff nach ihr „
Elßle=
rine” getauft und in Wien ſüße Speiſen „à la Fanny”
genoſſen, ſo wurden in Amerika nur noch Fanny
Elßler=Hüte und Fanny Elßler=Schuhe verkauft. Aber
dieſe hochgehenden Wogen einer nationalen Erregung
brandeten über die Ufer des Theaterenthuſiasmus und
richteten Verheerungen auf dem Gebiete der Politik
an. Die zahlreichen Deutſchen der Vereinigten
Staa=
ten nahmen die berühmte Landsmännin für ſich, in
Anſpruch und geſtalteten aus ihrem Auftreten einen
patriotiſchen Triumph, wodurch ſie die Wut der
deutſch=
feindlichen Elemente erregten. So entſtanden
Stra=
ßenkrawalle und es bedurfte des taktvollſten
Beneh=
mens von Seiten der Tänzerin, um die wilden
Kon=
flikte zu beſchwichtigen.
Durch ihr zurückhaltendes und feines Benehmen
erwarb ſich Fanny nicht nur die Liebe, ſondern auch
die Achtung ganz Amerikas. Ihre unermüdliche
Tätig=
keit imponierte dieſem arbeitſamen Volke, ihre Güte
gewann ihr alle Herzen. 21 Mal trat ſie zu
wohltäti=
gem Zwecke auf und gab mit vollen Händen für die
Armen. Als Inbegriff einer höheren Kultur, einer
wundervollen, fremdartigen Schönheit zog Fanny
Elßler wie ein phantaſtiſcher Traum an dem damals
noch eng begrenzten Horizonte der Amerikaner
vor=
ber.
Nummer 144.
Darmſtädter Tägblatt, Donnerstag, den 23. Juni 1910,
Seite 3.
baſſin: Im Vordergrunde rötliche und grünliche
Kalk=
algen, rechts (zinnoberrot) ein Kalkſtöckchen von
Moos=
tierchen, in der Mitte Stöckchen von Edelkorallen (zum
erſtenmal längere Zeit im Aquarium lebend) mit
aus=
geſtreckten Polypentierchen, deren Fühlfäden wie weißer
Schimmel erſcheinen. Hinten ein großer Stock einer
roten Hornkoralle. Nr. 4. Aſteroides: Ein großer
Raum iſt ähnlich wie manche natürliche Grotte im Golf
von Neapel mit Stöckchen einer Steinkoralle (Aſteroides
calyeularis) beſetzt. Die Weichteile ſehen leuchtend rot
aus und kann man an verſchiedenen Stellen die
aus=
geſtreckten fadenförmigen Fühler erkennen. Nr. 5.
Aſci=
dien: Von dieſen, unter den niederen Tieren den
Wirbeltieren am nächſten verwandten Organismen, ſind
hier mehrere Arten von verſchiedener Geſtalt und Farbe
vertreten, darunter auch eine ganz durchſcheinende. Sie
ſind alle auf ihrer Unterlage feſtgewachſen und beſitzen
ſchornſteinartige Fortſätze, durch welche das Atemwaſſer
und die Nahrung zugeführt, das Verbrauchte abgeführt
wird. Im Hintergrunde einige Röhrenwürmer wie in 2,
dazwiſchen eine grüne Alge, Ulva, die verſchiedenen
Fiſchen und Weichtieren zur Nahrung dient. — Es mag
hier bemerkt werden, daß die Stereoſkopbilder erſt nach
längerem Hinſehen ihre ganze Schönheit entfalten.
** Sonnwendfeier. Die von der hieſigen
Studenten=
ſchaft veranſtaltete Sonnwendfeier verlief in glänzender
Weiſe. Um ½10 Uhr bewegte ſich ein impoſanter
Fackel=
zug nach dem Bismarckturm auf dem Dommerberg,
woſelbſt ſich Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing, der
Rektor der Hochſchule, Se. Magnifizenz Profeſſor
Dr. Schenck, ſowie viele Profeſſoren der Hochſchule mit
ihren Damen eingefunden hatten. Tauſende von
Zu=
ſchauern umſäumten den Weg bis zum
Bismarck=
turm und auch die Darmſtädter Jugend hatte es ſich
natürlich nicht nehmen laſſen, an dieſer patriotiſchen
Feier teilzunehmen. Um ½11 Uhr traf der Zug der
Studentenſchaft am Bismarckturm, der in hellſtem Feuer
erſtrahlte, ein, mit einem tauſendſtimmigen Hoch begrüßt.
Nach dem gemeinſamen Geſang des Liedes „Deutſchland
über Alles” feierte Stud. Siebert=Germanige den
Fürſten Bismarck als den Gründer des Deutſchen Reiches
und brachte ein dreifaches Hurra auf das Blühen und
Gedeihen desſelben aus. Nach einem gemeinſamen
Lied „Der Wahlſpruch der Deutſchen” begaben ſich die
Chargierten der Korps zu der im Eingang des
Bismarck=
turms aufgeſtellten Bismarckbüſte, woſelbſt im engeren
Kreiſe eine Huldigungsfeier ſtattfand. Um ½12 Uhr
trat der Zug unter Begleitung von Tauſenden den
Rück=
marſch an und traf um 1 Uhr auf dem
Schwimmbad=
platz ein, woſelbſt unter dem Abſingen des „Gaudeamus
igitur” die Fackeln zuſammengeworfen wurden. Im
Schützenhof fand hierauf eine ſolenne Exkneipe des
Darm=
ſtädter S. C. ſtatt, die unter dem Präſidium der „Rhenania”
auf das ſchönſte und harmoniſchſte verlief.
— Kriegsveteranen=Appell 1910. Es möge darauf
hingewieſen werden, daß die Einzeichnungsliſten
für Freiquartiere, bzw. Beiträge zu ſolchen ſeit
einigen Tagen im Umlauf ſind, und es wird nochmals
um zahlreichere Zeichnung gebeten als bisher, da gegen
2500 Freiquartiere beſchafft werden müſſen. Direkte
Meldungen werden an Herrn Ritſert, Roßdörferſtraße 35,
erbeten.
Heſſiſche Dreimarkſtücke ſind nunmehr in der
Königl. Münze geprägt worden und gelangen in kürzeſter
Zeit zur Ausgabe.
* Zu Hofmetzgern wurden ernannt die
Metzger=
meiſter Johannes Egner, Karlſtraße 46, und Chriſtian
Petri, Saalbauſtraße 61.
* Großes Sportfeſt am 26. Juni 1910. Zu dem
am 26. Juni vom Veloziped=Klub Darmſtadt aus Anlaß
der 25 km=Meiſterſchaft von Deutſchland veranſtalteten
großen Preis= und Blumen=Korſo laufen noch
fortgeſetzt Anmeldungen ein, ſodaß die Beteiligung der
auswärtigen Vereine alle Erwartungen weit übertrifft.
Es werden deshalb die Darmſtädter Wettbewerbe in
einer außerordentlich ſelten beobachteten Stärke beſetzt
ſein, und die für die Preiſe in Betracht kommenden
Vereine werden hinſichtlich Eleganz und einheitlicher
Kleidung, nicht minder auch in der Wahl des
Blumen=
ſchmuckes alles aufbieten müſſen, um erfolgreich zu
be=
ſtehen. Der Korſo endet bekanntlich an der
Radrenn=
bahn, und deshalb iſt im Intereſſe einer ſchnellen
Ab=
fertigung an der Kaſſe der Bezug der Eintrittskarten
im Vorverkauf ſehr zu empfehlen, da nach der Auflöſung
des Feſtzuges jedenfalls ein großer Anſturm auf die
Eingänge zur Rennbahn erfolgen wird. Die Rennen
beginnen punkt 3 Uhr und während derſelben wird die
geſamte Kapelle der 23. Garde=Dragoner konzertieren.
Es wird intereſſant ſein, zu beobachten, wie ſich unſere
ſüddeutſchen Rennfahrer, und iusbeſondere unſere ein=
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Die am 3. Juli 1874 geborene Prinzeſſin
Feodora zu Schleswig=Holſtein war die
jüngſte Tochter des am 14. Januar 1880 verſtorbenen
Her=
zogs Friedrich zu Schleswig=Holſtein. Die Prinzeſſin, die
unvermählt geblieben iſt, hatte ſeit dem Tode ihrer Mutter
ihren Wohnſitz auf Krongut Bornſtedt bei Potsdam. Seit
faſt drei Jahren war die Prinzeſſin ſchwer leidend, und
wenn auch der wiederholte Aufenthalt im Süden und in
Sanatorien vorübergehend einige Beſſerung brachte, ſo
war die Prinzeſſin doch durch ihr Leiden, das rheumatiſcher
Natur war, meiſt an den Rollſtuhl gefeſſelt. Zu Beginn
des Frühjahrs weilte ſie wieder längere Zeit zur Kur im
Sanatorium des Sanitätsrates Dr. Lampe in
Frank=
furt a. M. und begab ſich ſpäter nach Piſtoja bei Florenz,
von wo ſie erſt Anfang dieſes Monats wieder nach
Deutſch=
land zurückkehrte, um ſich zunächſt nach Karlsruhe zu
bege=
ben. Prinzeſſin Feodora war eine begabte Malerin und
Dichterin, die unter dem Pſeudonym F. Hugin
Erzäh=
lungen, Märchen und Romane ſchrieb.
* Die geplante Studienreiſe deutſcher
Studenten nach England iſt nun geſichert. Am
10. Oktober werden die Teilnehmer, die ſich über die
ver=
ſchiedenſten deutſchen Univerſitäten verteilen, in London
eintreffen. Dort iſt ein etwa zehntägiger Aufenthalt für
zwangloſe Empfänge und zur Beſichtigung der Metropole
und ihrer Umgebung vorgeſehen. Während dieſer Zeit
ſoll eine Reihe Vorträge zur Einführung in engliſches
Leben und die engliſche Kultur ſtattfinden. Die Empfänge
und Vorträge finden unter dem Vorſitz des Lord Courtney
of Penwith ſtatt. Zum Beſuch der beiden alten
Univer=
ſitätsſtädte Orford und Cambridge ſind gleichfalls etwa
zehn Tage beſtimmt. Hier ſollen einige Vorträge engliſcher
Gelehrter ſtattfinden. Für den übrigen Teil der Reiſe, die
auf etwa zwei Monate berechnet iſt, ſollen kleinere
Grup=
pen gebildet werden, die je nach ihren beſonderen
Inter=
eſſen ſich nach den verſchiedenſten Teilen des Landes
bege=
ben werden.
* Paris, 22. Juni. In der geſtrigen Sitzung der
Akademie der Medizin teilte Profeſſor Vincent
heimiſchen zu den „großen Kanonen” Mittel= und
Nord=
deutſchlands ſtellen werden. Jedenfalls werden ſie hart
kämpfen müſſen, um in Ehren zu beſtrehen. Als Sieger
in der Meiſterſchaft dürfte wohl der ſeither eine Klaſſe
für ſich bildende, mehrfache Meiſterfahrer von
Deutſch=
land, Neumer=Dresden, anzuſehen ſein, doch werden ihm
die vielen erſtklaſſigen Fahrer, wie Rode=Hamburg,
Herty=Klein=Steinheim, Altwein=Erfurt, Götze=Berlin,
Martens=Aachen ꝛc. den Sieg nicht leicht machen. Für
das Vereinsmannſchaftsrennen möchten wir auf die
vor=
zügliche Mannſchaft des Berliner Radfahrer=Vereins
Concordia” tippen, wenn nicht eine der Frankfurter
Mannſchaften in Front zu ſehen iſt. Das
Vorgabe=
fahren werden wahrſcheinlich die vom Mal fahrenden
Rode=Hamburg und Möſer, oder Knappke=Frankfurt a. M.
mit Beſchlag belegen. Wer die glücklichen Gewinner des
Mehrſitzerfahrens ſein werden, läßt ſich bei der großen
Anzahl hervorragender Zwei= und Dreiſitzer=Mannſchaften
nicht leicht beurteilen, vielleicht wird der famoſe
Drei=
ſitzer Herty=Gräf=Knappke an der Spitze zu finden ſein.
Bei den beiden Motorrennen iſt der Sieger ſchwer zu
ſagen, ſollten unſere vorzüglichen hieſigen Motorfahrer
ſich die Konkurenz von Berlin, Frankfurt a. M. ꝛc. vom
Halſe halten können?
— Ornis. Die Monatsverſammlung des
Ver=
eins für Geflügel=und Vogelzucht „Ornis”,
die ſehr gut beſucht war, wurde durch den 1.
Vor=
ſitzenden, Herrn Schömer, mit Bekanntgabe neuer
Einläufe eröffnet. Hierunter befand ſich auch eine
Ein=
ladung des befreundeten Vereins „Hottonia” zum
Be=
ſuche ſeiner vom 25. Juni bis 4. Juli ſtattfindenden
Aquarien= und Terrarien=Ausſtellung. Es wurde
ge=
meinſchaftlicher Beſuch der Ausſtellung für Sonntag,
den 26. d. Mts. beſchloſſen. Zur Tagesordnung
über=
gehend, machte Herr Schömer intereſſante Ausführungen
über die Fütterungsweiſe der von ihm ausgeſtellten
9 Wochen alten ſchwarzen Orpington. An der Größe
und dem Ausſehen der Tiere konnte man feſtſtellen,
welch” großes Maß von Verſtändnis bei dem Beſitzer
der Tiere vorhanden iſt. Der 2. Vorſitzende empfahl den
Mitgliedern dies Vorbild zur eifrigen Nachahmung.
Hieran anknüpfend gab Herr Kaufmann Nungeſſer
bemerkenswerte Winke zur Verhütung der Beinſchwäche
bei Jungtieren. Insbeſondere empfahl Redner die
Fütterung mit phosphorſaurem Kalk. Beiden
Aus=
führungen wurde lebhafter Dank ſeitens der Anweſenden
geſpendet. Nach der üblichen Verloſung ſchloß um
½12 Uhr der 1. Vorſitzende die Verſammlung.
— Mozartverein. Samstag, den 2. Juli,
veran=
ſtaltet der Mozartverein im Saalbau in gewohnter
Weiſe bei Illumination des Gartens, Konzert und
Tanz ſein diesjähriges Sommernachtsfeſt.
* Militärkonzert. Wie aus dem Anzeigenteil
er=
ſichtlich iſt, findet heute Donnerstag in der Reſtauration
Bertſch, Ecke Kahlert=und Frankfurterſtraße,
Militär=
konzert ſtatt. Der jetzige Pächter, Herr Bertſch,
beab=
ſichtigt, in dem Lokal regelmäßig Militärkonzerte zu
ver=
anſtalten.
— Groß=Umſtadt, 21. Juni. Die vorgeſtern hier
abge=
haltene Proteſtverſammlung der evangeliſchen
Be=
völkerung von Groß=Umſtadt und Umgebung (vertreten
waren noch Habitzheim, Langſtadt, Lengfeld, Kleeſtadt,
Klein=Umſtadt, Raibach, Richen, Semd; Heubach war
durch eine lokale Feier verhindert) nahm nach der
begei=
ſtert aufgenommenen Rede des Vorſitzenden des Heſſiſchen
Hauptvereins des Evangeliſchen Bundes, des Herrn
Pfar=
rer D. Waitz aus Darmſtadt, die nachfolgende
Kund=
gebung an, welche am 17. ds. Mts. von dem gemeinſamen
Evangeliſchen Kirchenvorſtand, von dem Vorſtand des
Evangeliſchen Kirchengeſangvereins, des Evangeliſchen
Bundes und des Evangeliſchen Frauenvereins hier
be=
ſchloſſen war: „Kundgebung. Daran gewöhnt und darauf
bedacht, mit unſeren katholiſchen Mitbürgern in Frieden
zu leben, halten wir es für eine Ehrenpflicht, gegen die in
der neueſten päpſtlichen Enzyklika erfolgte Schmähung der
Reformation, der Reformatoren, der evangeliſchen Fürſten
und Völker, die auch nach der Aeußerung des Vatikans auf
die Note der preußiſchen Staatsregierung eine Kränkung
unſeres religiöſen und ſittlichen Empfindens bleibt,
ent=
ſchieden Einſpruch zu erheben.” In der von Männern
ſehr gut beſuchten Verſammlung ſprachen noch die Herren
Pfarrer Loos und Briegleb von hier. Ausdrücklich wurde
betont, daß man um des konfeſſionellen Friedens willen
Störungen desſelben entſchieden zurückweiſen müſſe.
— Mainz, 21. Juni. Auf dem Rhein erfolgte heute
abend kurz nach 8 Uhr in der Nähe des Kaiſertores
ein Zuſammenſtoß zwiſchen einem nach Biebrich
gehenden Waldmannsboot und dem
Paſſagier=
dampfer „Deutſchland” der Düſſeldorfer Linie.
mit, daß es ihm gelungen ſei, mittels Auslaugung von
Typhusbazillen einen Impfſtoff gegen Typhus
herzuſtellen, den er zunächſt an Tieren und ſodann an
Menſchen mit unleugbarem Erfolg verſucht habe.
Kleines Feuilleton.
*⁎* Der Kaiſer als Reiter. Die
Knieſchwel=
lung, an der der Kaiſer gegenwärtig leidet, iſt, wie
man weiß, nach einem längeren Spazierritte
einge=
treten. So könnte bei Fernſtehenden die Meinung
auftauchen, daß das Leiden ſich herausgebildet habe,
weil der Monarch verhältnismäßig ſelten zu Pferde
ſteige. Das iſt aber nicht der Fall. Der Hofbericht
meldet zwar meiſt die Ausritte des Kaiſers nicht, und
ſonſt weiß man nur von militäriſchen Uebungen her,
wann der Kaiſer im Sattel ſitzt. Aber in
eingeweih=
ten Kreiſen iſt es bekannt, daß Wilhelm II. ein
paſſio=
nierter Reiter iſt und daß er ſich dem Reitſport hingibt,
ſo oft es ſeine Zeit erlaubt. Im königlichen Marſtall
ſtehen für den perſönlichen Dienſt des Kaiſers nicht
weniger als zwölf Reitpferde zur Verfügung. Es
braucht wohl nicht betont zu werden, daß dieſe Tiere
ein auserleſenes Material darſtellen. Unſer Kaiſer
be=
ſitzt jetzt, ſeiner Würde und Weltſtellung entſprechend,
den ſchönſten Marſtall aller Potentaten. Und was
ſeine eigenen Reitpferde anbetrifft, wird man
ander=
wärts kaum eine Sammlung von ähnlicher
Vollkom=
menheit an Ausſehen und Ausbildung vereinigt
fin=
den. Grundbedingungen bei der Auswahl eines fü
den Kaiſer beſtimmten Reitpferdes ſind Klaſſe und
Charakter. Bei dem Gewicht des Kaiſers und den
hohen Anforderungen, die er an die Ausdauer der
Pferde ſtellt, kommen faſt nur Irländer in Frage.
Die Dreſſur muß ſo vollendet ſein, daß man die Tiere,
wie man ſich fachmänniſch auszudrücken pflegt, „auf
den kleinen Finger reiten kann‟. Die Pferde müſſen
hervorragendes Sprungvermögen beſitzen, da der
Kai=
ſer oft an den Jagden der königlichen Meute
teil=
nimmt und namentlich bei den von ihm angeführten
Kavallerieattacken gern auf Hinderniſſe losſteuert. Auch
das maleriſche Bild, in dem ſich die Linien und Schön=
Der Waldmannsdampfer, der zirka 30 Perſonen an
Bord hatte und nach Biebrich beſtimmt war, hatte eben
die untere, am Kaiſertore befindliche Halteſtelle
ver=
laſſen und ſteuerte mit voller Dampfkraft nach der
Mitte des Stromes, als der ſtromaufwärts gehende
Paſſagierdampfer „Deutſchland” und der
ſtromab=
fahrende Salondampfer „Deutſcher Kaiſer” in einem
Abſtande von 80 Meter aneinander vorübergingen. Der
Waldmannsdampfer, der, wie verlautet, den Dampfer
„Dentſchland” hinter dem „Deutſchen Kaiſer” nicht
ge=
ſehen haben will, bog weit um den Bug des ihm
zu=
nächſt fahrenden Salondampfers herum und kam dabei
der „Deutſchland” ſo nahe, daß bei den ſtark arbeitenden
Maſchinen und dem mächtigen Strom des Hochwaſſers
ein Zuſammenſtoß nicht mehr vermieden werden
konnte. Mit furchtbarer Wucht ſtieß das Dampfboot direkt
neben dem Radkaſten in die Backbordſeite der „
Deutſch=
land” und bohrte ſich hier feſt. Die feſt ineinander gekeilten
Schiffe trieben langſam mehrere hundert Meter weit
abwärts, und alle Bemühungen, voneinander
loszu=
kommen, waren lange Zeit vergeblich. Dabei bemerkten
die nach Hunderten zählenden Zuſchauer vom Ufer aus,
wie der Waldmannsdampfer ſich ſtark zur Seite neigte.
Die Paſſagiere liefen in großem Schreck auf dem
Ver=
deck auf und ab und wurden zuletzt auf die „
Deutſch=
land” übernommen. Mittlerweile trieb der
Salon=
dampfer „Deutſcher Kaiſer” langſam an der Unfallſtelle
abwärts, um nötigenfalls zur Hilfe zu kommen. Da
ſein ſofortiges Näherkommen durch ſtarken
Wellen=
ſchlag den Waldmannsdampfer bedrohen konnte, hielt
er ſich vorerſt fern. Zuletzt warf die „Deutſchland”
in=
mitten des Stromes Anker, ſo daß das feſtgefahrene
Boot unter Maſchinenarbeit abtreiben konnte. Ein
von Biebrich kommender zweiter Waldmannsdampfer
ſah die Notflagge des Schweſterſchiffes, ſtoppte und
legte längsbord bei. Von dieſem Boote wurden auch
die auf die „Deutſchland” geflüchteten Paſſagiere
über=
nommen und nach Mainz wieder zurückgebracht. Das
ſtärker beſchädigte Waldmannsboot blieb inmitten des
Stromes vor Anker, indes die weniger beſchädigte
„Deutſchland” langſam ſtromaufwärts fuhr und in der
Nähe der Kaſteler Straßenbrücke vor Anker ging.
Worms, 21. Juni. Vor der Strafkammer in
Mainz ſtand wegen Steuerhinterziehung geſtern
der Stadtverordnete und Kaufmann Joh. Martin
Märtesheimer aus Worms, der ſeit mehreren
Jah=
ren in Worms eine Kleinbrennerei für Branntwein
be=
trieb. Auf Grund des Geſetzes von 1885 wurde der
Steuer=
ſatz infolge einer Abfindung feſtgeſetzt, nachdem ein
Probe=
brennen vorausgegangen war. Dabei wurden zuerſt 150
und dann 100 Liter Abfälle feſtgelegt. Der Betrieb, der
den Steuerbeamten ſchon von jeher verdächtig
vorgekom=
men ſein ſoll, wurde des öfteren revidiert, es fanden ſich
aber niemals Anſtände. Im März machte der 50jährige
Heizer Matthias Grünewald, der kurz vorher aus der
Brennerei ausgeſchieden war, einen Steuerbeamten darauf
aufmerkſam, bei den Reviſionen den Helm der Brennblaſe
abzunehmen, dann werde man ſchon manches entdecken.
Am 10. März wurde daraufhin unerwartet eine Reviſion
vorgenommen, der Helm der Brennblaſe entfernt und nach
den Angaben der Beamten anſtatt 100 Liter 267 Liter
In=
halt gefunden. Vorher überzeugten ſich die Beamten, daß
in das Brennbuch nur 100 Liter eingetragen waren. Die
Steuerbehörde rechnete nun aus, daß der Fabrikant ſeit
langer Zeit regelmäßig im Durchſchnitt 50 Liter Material
mehr in die Brennblaſe einfüllen, als er ins Brennbuch
eintragen ließ und ſetzte die Strafe auf 51543 Mark 20 Pfg.
feſt, außerdem wurden an Abgaben noch 12888 Mark
30 Pfg. Nachzahlung beanſprucht, ſo daß die Geſamtſumme
des Strafbefehls auf 64 431 Mark 50 Pfg. lautete.
Hier=
gegen erhob Märtesheimer, der nach der Reviſion die
Eiſenteile, Röhren uſw. an einen Althändler verkaufte,
Einſpruch und verlangte gerichtliche Entſcheidung. Er
be=
hauptete,daß es nicht möglich ſei, mehr als 100—150 Liter
abzubrennen, da ſonſt die Bierhefe verkauft würde. Auch
techniſch ſei es unmöglich. Der Sachverſtändige,
Rech=
nungsrat Doerr, führte aus, daß auf Grund der
Berech=
nungen über den Inhalt der geführten Bücher, über
An=
kauf und Verkauf von Material uſw. der Angeſchuldigte
bedeutend mehr gebrannt haben müſſe, als ins Brennbuch
eingetragen iſt. Das Gericht war der Anſicht, daß der
An=
geklagte mehr gebrannt habe, als in der Abfindung mit
der Steuerbehörde feſtgelegt worden ſei. Die Strafe wurde
lt. M. Tgbl. auf 1000 Mark feſtgeſetzt.
(*) Vom Vogelsberg, 21. Juni. Welch großen Rufes
ſich unſere Ziegenzucht erfreut, geht daraus hervor,
daß dieſer Tage in Alsfeld ein ſchwediſcher
Tierzucht=
beamter eintraf und 50 Saaner Ziegen für die
Zuchtver=
bände in Schweden ankaufte. 1909 hat der Kreisziegen=
heitsverhältniſſe von Reiter und Roß richtig
vereini=
gen, muß berückſichtigt werden. Vor allem aber müſſen
die kaiſerlichen Pferde Ausdauer beſitzen. Es iſt ſchon
vorgekommen, daß der Kaiſer ununterbrochen von
Potsdam bis nach Berlin galoppierte und bei dieſer
Gelegenheit faſt ſein ganzes Gefolge von Adjutanten,
Stallmeiſtern und ſonſtigen Berittenen verlor. Auch
auf dem Hippodrom am Bahnhof „Zoo” kann man die
Unermüdlichkeit des Monarchen im Galoppieren
manch=
mal beobachten. Unter viermal herum macht er’s
ſel=
ten. Das geht den Pferden natürlich ordentlich in die
Beine. Der Kaiſer liebt Abwechſelung im Material
und reitet gern friſche Pferde. Nur von einem Pferde
kann man ſagen, daß es ihm jahrelang ans Herz
ge=
wachſen war. Das war der Schimmel „Kurfürſt”
Auf vielen Gemälden iſt dieſer Schimmel verewigt.
Das Bild, das ſein vornehmes Ausſehen am beſten
widerſpiegelt, ſtammt von W. von Koſſack und ſtellt
eine vom Kaiſer angeführte Attacke der Königsulanen
dar. Auch auf ſeinem Einzuge in Jeruſalem ritt der
Kaiſer den Schimmel „Kurfürſt‟ Beinahe hätte
je=
doch das edle Tier dieſen feierlichen Moment nicht
er=
lebt. Denn beim Verladen waren dem Schimmel die
Bauchgurte geplatzt und „Kurfürſt” war in den
Bos=
porus gepurzelt. Glücklicherweiſe wurde er nach
län=
gerem Strampeln geſund und munter wieder
aufge=
fiſcht. Bei dieſer Gelegenheit darf nicht unerwähnt
bleiben, daß bei dem häufigen Wechſel des kaiſerlichen
Hoflagers auch die kaiſerlichen Reitpferde ein ſchönes
Stück Welt zu ſehen bekommen. Bald galoppieren
ſie in den Wäldern des Taunus, bald bei Paraden auf
dem Polygon in Straßburg, bald im Park von
Ur=
ville. Heute ſchreiten ſie friedlich an den Ufern der
Havel, acht Tage darauf kriegeriſch bei Manövern in
Ungarn an den Ufern der Donau. Ja ſelbſt bei
trau=
rigen Gelegenheiten müſſen ſie dabei ſein, wie einſt
beim Leichenbegängnis der Königin von England
und jüngſt beim Begräbniſſe des Königs Eduard.
Beide Male ritt der Kaiſer im Schritt hinter dem
Sarge her.
C.K. Die Ausrottung der Vögel durch
die Mode. Die aufſehenerregenden Feſtſtellungen
Nummer 144.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dönnerstag, den 23. Jnni 1910.
zuchtverein Alsfeld für 5000 Mark, der zu Lanterbach für
4000 Mark Tiere abgeſetzt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 21. Juni.
Oberbürgermei=
ſter Kirſchner und Stadtbaurat Ludwig
Hoff=
mann haben im Neuen Palais dem Kaiſer die Pläne
für einen etwaigen ſtädtiſchen Umbau des alten
Königlichen Opernhauſes vorgelegt. Wie
be=
kannt, ſind Anregungen an die Stadt Berlin ergangen, das
alte Opernhaus zu kaufen, und der Magiſtrat hat ſich
be=
reit erklärt, in Kaufververhandlungen einzutreten. Dieſe
haben noch nicht begonnen, aber Hoffmann hat bereits
Pläne für einen Umbau entworfen, die der Kaiſer zu ſehen
wünſchte. Es handelt ſich — ſo ſchreibt die Morgenpoſt—
bei den Hoffmannſchen Plänen lediglich um den Ausbau
der inneren Räumlichkeiten des Opernhauſes, wobei große
Konzert=und Empfangsräume vorgeſehen ſind.
Das Aeußere des Hauſes muß unangetaſtet bleiben, wird
aber natürlich von den häßlichen Treppen und
Sicherheits=
anlagen befreit. Die Neueinteilung der Räume verfolgt
den Zweck, ein vornehmes Haus ſtädtiſcher
Reprä=
ſentation zu ſchaffen, das gleichzeitig feſtliche Konzert=
und ſonſtige Vereinigungsräume bietet. Der Kaiſer ließ
ſich alles ausführlich zeigen und erklären, gab noch dieſe
und jene kleine Anregung, äußerte aber mit dem Geſehenen
ſeine volle Zufriedenheit. — Wegen Aufforderung
zu einem öffentlichen Umzuge war der
Re=
dakteur des Vorwärts vom Schöffengericht zu 1 Monat
Haft verurteilt worden. Die Strafkammer des Landgerichts
verwarf am 2. Mai die von Barth gegen dieſes Urteil
ein=
gelegte Berufung und das Kammergericht kam geſtern zu
derſelben Entſcheidung, da der Tatbeſtand des § 111 des
Strafgeſetzbuches vorliege. — Auf tragiſche Weiſe
hat die Gattin des Rittergutsbeſitzers Eduard v. Hake
auf Klein=Machnow bei Berlin, Frau Julie v. Hake,
geſtern ihren Tod gefunden. Frau v. Hake wollte
ſich geſtern in einem Jagdwagen nach Zehlendorf begeben.
Während der Fahrt ſaß ſie allein im Fond, während der
Kutſcher vorn ſeinen Platz hatte. Noch bevor ſie Klein=
Machnow verlaſſen hatte, wurde ſie von einem
Unwohl=
ſein befallen. Sie ſank nach hinten über, und ehe der
Kutſcher das Gefährt angehalten hatte, war Frau v. Hake
kopfüber vom Wagen gefallen. Schwerverletzt wurde ſie
ſogleich ins Schloß zurückgebracht, und obgleich ärztliche
Hilfe ſofort zur Stelle war, verſchied Frau v. Hake, ohne
das Bewußtſein wieder erlangt zu haben. Ein
Schädel=
bruch und eine Gehirnerſchütterung hatten ihrem Leben
ein Ende gemacht.
Köln, 22. Juni. Bei Wermelskirchen (Rhld.) wurde
der Einbrecher, Kirchenräuber und Mörder Charles
Per=
rin verhaftet, der monatelang der Schrecken des
ber=
giſchen Landes geweſen iſt und viele Einbrüche und
Kir=
chenräubereien verübte. Perrin ſtammte aus Toulon, wo
er erſt vor wenigen Monaten einen Sergeanten meuchlings
mit dem Bajonett erſtach.
Hamburg, 22. Juni. Wie die Hamburg-Amerika=
Linie mitteilt, iſt der ihr gehörige Dampfer „Prinz
Oskar” auf der Fahrt von Montreal nach Rotterdam
bei Belle Isle geſtrandet. Der Raum Nr. 1 iſt voll
Waſſer. Der Dampfer hatte 20 Zwiſchendeckspaſſagiere,
die auf einem holländiſchen Dampfer die Reiſe nach
Eu=
ropa fortgeſetzt haben. Ein Bergungsdampfer liegt
längs=
ſeits des „Prinz Oskar” außerdem iſt der auf der Fahrt
nach Kanada befindliche Dampfer „Prinz Adalbert”
der=
ſelben Linie zur Hilfeleiſtung unterwegs. Gefahr beſteht
nicht.
Wien, 22. Juni. Hier wurde der Direktor einer
Au=
tomobilgeſellſchaft von Fiakerkutſchern vergiftet, weil
er einen Verkehr einführte, der die Intereſſen der
Kut=
ſcher beeinträchtigte. Fünf Kutſcher wurden verhaftet.
Lemberg, 21. Juni. Bei dem geſtern früh= erfolgten
Einſturzeines Hauſes wurden insgeſamt ſieben
Perſonen getötet, 21 wurden verletzt, darunter
vier ſchwer.
Jenotajewsk, 22. Juni. Auf dem Dampfer „Rußi”
von der Niſhegorodetzgeſellſchaft explodierte ein
Dampfrohr; der Heizer erlitt tödliche Brandwunden, unter
den Paſſagieren der vierten Klaſſe entſtand eine Panik.
Als ſie ſich des Rettungsbootes bemächtigen wollten, brach
das Geſtell, das Boot fiel ins Waſſer. Die Inſaſſen
ſpran=
gen in den Fluß. Mehrere ertranken. Sechs Leichen
wur=
den geborgen.
Zweite Kammer der Stände.
59. Sitzung.
St. Darmſtadt, 22. Juni.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter Ewald Exz.,
Finanzminiſter Braun Exz., Miniſter des Innern
v. Hombergk zu Vach Exz., Geheimeräte Dr.
Becker, Dr. Beſt, W. Beſt, Miniſterialrat
Höl=
zinger, Geh. Oberfinanzrat Dr. Knell, Geh.
Ober=
regierungsrat Dr. Wagner.
Die Sitzung wird um ¾11 Uhr durch Vizepräſident
Korell eröffnet. Der Präſident teilt mit, daß
Prä=
ſident Haas die Kammer auf heute einberufen habe
in der Vorausſetzung, daß er ſelbſt die Sitzung leiten
könne. Zu ſeinem Bedauern laſſe ſein
Geſundheits=
zuſtand dies aber noch nicht zu.
von Schillings, der aus den Hüten unſerer Damen
zahlenmäßige Angaben für die unter den Vögeln
an=
gerichtete Verheerung gewann, werden durch die
exakten Unterſuchungen eines engliſchen
Sachverſtän=
digen, James Buckland, beſtätigt, der dieſer Tage in
London einen Vortrag über „den Handel mit Federn
und die Notwendigkeit einer Geſetzgebung” hielt. Nach
ſeiner Meinung iſt die Zahl der Vögel durch den
unge=
heuren Verbrauch von Federn bereits in
beunruhigen=
der Weiſe vermindert. Im Jahre 1898 wurden in
Venezuela 1538738 weiße Reiher getötet; ihre Zahl
war im Jahre 1908 trotz eifrigen Jagens auf 257916
gefallen. In neueſter Zeit hat man daher, den
Ver=
nichtungskrieg gegen andere Vögel unternommen, ſo
gegen den amerikaniſchen Jabiru, von deſſen weißen
Flügeln und Schwanzfedern allein in London jährlich
30000 Stück verkauft werden. Obwohl 1903 von der
indiſchen Regierung ein Geſetz gegen den Export von
Federn wilder Vögel erlaſſen wurde, ſo findet doch
noch immer ein reger Handel zwiſchen Indien und
London ſtatt, da man das Verbot durch allerlei Kniffe
umgeht; die Federn werden unter falſchen Angaben
eingeführt oder auch geſchmuggelt. Auch die Ausfuhr
des Kolibri aus Weſtindien iſt durch Geſetz ſtark
be=
ſchränkt, und doch ſind in dieſem Jahre bereits mehr
als 25000 Tiere nach London gekommen. Der
auſtra=
liſche Leierſchwanz, der früher im Federhandel eine
Rolle ſpielte, iſt jetzt faſt ganz vom Markte
verſchwun=
den. Er iſt bereits ſo ſelten geworden, daß die
Mode=
damen trotz aller Sehnſucht auf dieſen Schmuck
ver=
zichten müſſen.
Darauf wird das neueingetretene Mitglied Dr
Wolf (frſ.) auf die landſtändiſche Verfaſſung
ver=
eidigt.
Dann tritt man in die Tagesordnung ein. Eine
Anzahl Poſitionen, die zur vorläufigen Beratung
ſtehen, werden den zuſtändigen Ausſchüſſen überwieſen
— Der Antrag Köhler, betreffend die
Schiff=
fahrtsabgaben, wird zurückgezogen, nachdem er
infolge der Erklärung des Staatsminiſters
Ewald Exz., daß die Regierung neuerdings dem
ge=
änderten preußiſchen Entwurf zugeſtimmt habe,
gegen=
ſtandslos geworden iſt. Die Gründe, die die heſſiſche
Regierung zu dem geänderten Standpunkt
veranlaß=
ten, will Exzellenz Ewald bei Gelegenheit der
Berat=
ung des Antrags Molthan und Genoſſen in gleichem
Betreff erörtern.
Nach längerer Geſchäftsordnungsdebatte wird dann
beſchlöſſen, ſämtliche Gegenſtände von der
Tagesord=
nung abzuſetzen und nur den Gemeindeſteuer=
Geſetzentwurf zu beraten.
Staatsminiſter Ewald Exz. ſtellt dem Hauſe den
neuen Regierungsvertreter, Geh. Oberfinanzrat Dr.
Knell vor.
Das Haus tritt dann in die Beratung des
Ge=
meindeumlagengeſetzes ein. In der
General=
debatte führt
Finanzminiſter Braun Exz.
aus: Im Einverſtändnis mit Sr. Exz. dem Herrn
Mi=
niſter des Innern habe ich mich zu Beginn der
Be=
ratung über den Ihnen vorliegenden Geſetzentwurf
nicht ſo ſehr als Finanzminiſter, wie vielmehr als
früherer Miniſter des Innern zum Wort gemeldet.
Das Gemeindeſteuerwefen berührt am unmittelbarſten
den Intereſſenbereich des Miniſteriums des
Innern=
in die Zeit, in der ich an ſeiner Spitze ſtand, iſt die
Ausarbeitung des neuen Entwurfs und ebenſo faſt
vollſtändig ſeine Beratung mit dem Finanzausſchuſſe
gefallen. In meiner bisherigen wie nunmehrigen
Eigenſchaft aber möchte ich vor allem namens der
Großh. Regierung den geehrten Herren dieſes
Aus=
ſchuſſes für ihre mühevolle und ſachförderliche Arbeit
auf dem ſo ungemein ſchwierigen Gebiete der
Ge=
meindeſteuer=Reform danken.
Urſprünglich erſchien eine Neugeſtaltung des
Ge=
meindeſteuerweſens nicht ſchwierig. Bei Erlaß des
Ge=
meinde=Umlagengeſetzes vom 30. März 1901 dachte man
ſo raſch ans Ziel zu kommen, daß es zu genügen
ſchien, wenn man die Geltungsdauer des Geſetzes auf
zwei Jahre beſchränkte und nur zu aller Vorſorge die
Möglichkeit vorſah, es noch auf ein weiteres Jahr zu
verlängern. Freilich erinnerte mich Herr Abg. Dr.
Gutfleiſch ſchon damals daran, „daß nichts
dauern=
der ſei als Proviſorium” und ſetzte hinzu, wir
wür=
den es erleben, daß das Geſetz auch im Jahre 1911 noch
gelten werde. Er hat über eigenes Erwarten recht
be=
halten: der früheſte Termin, zu dem das neue Geſetz
in Kraft treten kann, iſt der 1. April 19121
Bei der Frage, was in der Gemeindeſteuer=
Re=
form weiter geſchehen ſolle, mußte man ſich von
vorn=
herein darüber klar ſein, daß ein vorbehaltloſes
Eingehen auf die ſchließliche Stellungnahme der Zweiten
Kammer bei der Schärfe der vorhandenen Gegenſätze
zwiſchen beiden Häuſern und der Ausſichtsloſigkeit
eines glatten Nachgebens auf einer oder der anderen
Seite tatſächlich einen Verzicht auf die
Weiter=
arbeit bedeuten müſſe. Einen ſolchen ſchloß aber
das im ganzen von Niemandem beſtrittene,
drin=
gende Bedürfnis einer Reform aus. Es mußte
vielmehr erneut an die ſchwere Aufgabe
heran=
getreten werden. Sollte ſich auch hierbei die
Politik als die Kunſt des Möglichen erweiſen, ſo
zeigte den offenbar richtigen Weg der vermittelnde
Vorſchlag eines gründlichſten Kenners der Materie,
des verſtorbenen Herrn Geheimerats St. C. Michel,
der in der Erſten Kammer die erhobenen Einwände
keineswegs durchgängig geteilt und dementſprechend
der Regierung empfohlen hatte, ohne Verlaſſen der
Hauptgrundſätze des Entwurfs dem nächſten Landtag
eine neue Vorlage zu machen und für ſie auch aus dem
in der Erſten Kammer erwachſenen Material die
Ele=
mente zu entnehmen.
Es wurde gewünſcht, die Gemeindeſteuern ſeien
mehr als (Rein=) Ertragsſteuern und nicht in dem
vorgeſchlagenen Umfang als (Brutto=)
Vermögens=
ſteuern zu geſtalten. Mit beſonderem Nachdruck war
dies für die
Grundſteuer
betont worden. Hier ſtand der erhobene Einwand im
allerengſten Zuſammenhang mit der Frage, ob der
Grund und Boden nach dem gemeinen Wert, wie
der Entwurf es wollte, oder nach dem
Ertrags=
wert zu beſteuern ſei. Für eine ruhige und ſachliche
Prüfung war es unmöglich, ein Eingehen auf die von
der überwiegenden Mehrheit des anderen Hauſes für
ihre Anſicht geltend gemachten Gründe ſchlechthin
abzu=
lehnen. Dazu kam, daß für die gleiche Anſicht auch
ſchon in der Zweiten Kammer Stimmen laut
gewor=
den waren, die ſich in Intereſſentenkreiſen noch
ver=
ſtärkten. Ferner war für neuere Vorſchläge der
Fort=
gang der Geſetzgebung im eigenen Lande, im benach=
* Ein Bienenſchwarm in der
Badean=
ſtalt. Aus Petersburg wird geſchrieben: Am
Riga=
iſchen Strande, bei Aſſern, ereignete ſich ein
tragiko=
miſcher Unfall, der eine wahre Panik hervorrief. Ein
Bienenſchwarm zog längs des Waſſers dahin und ließ
ſich plötzlich in einer Damenbadeanſtalt nieder. Die
erſchreckten Frauen taten das Unvernünftigſte. Sie
ſuchten nämlich mit Leinentüchern und Bademänteln
die Tiere zu verſcheuchen und zerſtreuten dadurch die
erſchreckten Tiere, die ſich angegriffen glaubten und
ſich zur Wehr ſetzten, indem ſie die einzelnen Damen
attackierten und ſich in deren naſſen Haaren verkrochen.
Die meiſten von ihnen trugen zahlreiche Stiche davon,
und bald erhob ſich ein derartiges Zetern und
Hilfe=
geſchrei, daß man ein ſchweres Unglück vermuten
mußte. Einige Herren eilten aus ihrem Bade, das in
der Nähe lag, zur Hilfe herbei. Doch die galanten
Schützer konnten wenig ausrichten, ſie trugen ſelbſt
Stiche davon und halfen ſchließlich den Damen, zu
ſchreien. Erſt nach langem Bemühen wurde man den
Schwarm von Bienen los. Alle ſtiegen nämlich in das
Waſſer und tauchten unter. Eine Stunde ſpäter
trauten ſie ſich erſt in die Kabine zurück.
* Eine 200jährige Akazie (Robinia
pseudo=
akazia) hat der Berliner Vorort Britz aufzuweiſen. Sie
iſt ein knorriger, vier Meter im Umfang ſtarker Baum,
der alljährlich noch grünt und blüht und anſcheinend
noch manches Jahrzehnt leben wird. Er wird als
älteſte Akazie des Landes betrachtet. König Friedrich I.
bezog ſie als Topfpflanze aus Nordamerika und
ſchenkte ſie ſeinem Miniſter Ilgen, dem damaligen Be=
barten Baden und im Reiche zu beachten. Im Jahre
1906 brachte der Art. 40 des
Landwirtſchafts=
kammergeſetzes den Ausſchlag der Umlagen nach
dem gemeinen Wert des landwirtſchaftlich
benütz=
ten Grundbeſitzes. Außer Anſatz aber bleibt nach
dieſer Vorſchrift der Wert von Hofreite und Wald,
während dagegen wieder dem Wert von Grund und
Boden als umlagepflichtig zugerechnet wird der Wert
des landwirtſchaftlichen
Betriebskapi=
tals. Hierüber hatte man ſich allſeitig verſtändigt.
Ebenſo beruht der ganze Aufbau des 1907er Geſetzes
über die Wertzuwachsſteuer auf dem Gedanken
der Steuer vom gemeinen Wert. An dieſem hat auch
die neuere badiſche Geſetzgebung feſtgehalten,
da=
bei aber u. a. in der Berechnung des gemeinen
Werts von Waldungen im weſentlichen wieder den
Reinertragswert maßgebend ſein laſſen. Nicht bloß
für die Waldungen tut dies der § 16 des
Reichserb=
ſchaftsſteuergeſetzes von 1906. Danach wird
bei Grundſtücken, die dauernd land= und
forſt=
wirtſchaftlichen Zwecken zu dienen beſtimmt ſind,
der Ertragswert zugrunde gelegt. Als
Ertrags=
wert gilt dabei das 25fache des Reinertrags, den die
Grundſtücke nach ihrer bisherigen wirtſchaftlichen
Be=
ſtimmung bei ordungsmäßiger Bewirtſchaftung
nach=
haltig gewähren können.
Bei dieſer Sachlage verſtändigte man ſich
inner=
halb der Miniſterien für den nunmehrigen Entwurf
dahin, daß wenigſtens bei Waldungen, ähnlich wie
in Baden, der an ſich als Steuergrundlage
beizubehal=
tende gemeine Wert in beſonderer Weiſe, und zwar in
Höhe des 33½fachen Betrages des durchſchnittlichen
Jahresreinertrags beſtimmt werden ſolle. Wie
ſich dieſer im einzelnen berechnet, ergibt der vom
Aus=
ſchuſſe zur unveränderten Annahme empfohlene Abſatz
2 des jetzigen Artikels 4. Dieſer Vorſchlag bedeutet
ſchon ein weites Entgegenkommen gegenüber den
agra=
riſchen Intereſſen und namentlich derjenigen der
gro=
ßen Waldeigentümer.
Weiter glaubte man in dem Entwurf zunächſt nicht
gehen zu ſollen: Kompromiſſe ſind unter Miniſterien
oft notwendiger, darum aber auch vielfach ſchwieriger,
als zwiſchen Regierungen und Parlamenten. Ihr
Ausſchuß iſt zugunſten der Landwirtſchaft in
dop=
pelter Hinſicht über den Entwurf hinausgegangen. Er
hat einmal in Artikel 3 Ziffer 6 den gegenwärtigen
Rechtszuſtand aufrecht erhalten, wonach die
land=
wirtſchaftlichen
Oekonomiegebäude
grundſteuerfrei ſind. Ueberdies will er nach
einem neu vorgeſchlagenen Abſatz 3 zu Artikel 4 auch
bei Grundſtücken, die dauernd der
Landwirt=
ſchaft zu dienen beſtimmt ſind, den Ertrag
berückſich=
tigt wiſſen. Es ſoll nämlich auf Nachweis des
Steuer=
pflichtigen, daß der Ertragswert ſeiner
Grund=
ſtücke und Gebäude — ſoweit dieſe überhauvt
ſteuer=
pflichtig ſind — erheblich, d. h. um mehr als die
Hälfte hinter dem veranlagten, gemeinen Wert
zürück=
bleibt, die Beſtenerung nach einem Mittelwert
er=
folgen. Der Mittelwert ſetzt ſich aus der Hälfte des
Ertragswertes und des gemeinen Wertes zuſammen.
Als Ertragswert gilt das 33½fache des
Jahresrein=
ertrages.
Die Regierung ſtimmt den beiden
Ausſchußanträ=
gen zu Artikel 3 und 4 zu. Seit dem 1. Juli 1906, als
dem Tage des Inkrafttretens der
Reichserbſchafts=
ſteuer, betragen die rechtskräftig erledigten
Erbſchafts=
ſteuerfälle, die Ertragswerte und die
Vermögensſteuer=
werte der in Betracht gekommenen landwirtſchaftlichen
Grundſtücke für die Kreiſe, die Provinzen und das
ganze Land zuſammengeſtellt 211 Erbfälle mit
Grund=
ſtücken in 109 Gemeinden von Starkenburg, 197
Erb=
fälle mit Grundſtücken in 121 Gemeinden von
Ober=
heſſen und 332 Erbfälle mit Grundſtücken in 134
Ge=
meinden von Rheinheſſen, zuſammen 740 Erbfälle aus
364 Gemeinden des ganzen Landes. Es betragen nun
im Ganzen:
die
Ertrags=
die
Vermögens=
werte:
ſteuerwerte:
in Starkenburg .
997 433 Mk. 994 294 Mk.,
918931
„ Oberheſſen
893879
Rheinheſſen . . . 2 105 462 „ 2233362 „
alſo die Ertrags werte mehr in Starkenb. 3139 Mk.
die Ertrags werte
„ in Oberh. 25052 „
die Vermögenswerte
„ in Rheinh. 127720 „
Es ſind alſo in den 408 Fällen aus Strakenburg
und Oberheſſen die Ertragswerte im ganzen
um 28 191 Mark, alſo durchſchnittlich für den
ein=
zelnen Fall um etwa 70 Mark höher als die
Ver=
mögensſteuerwerte. In den 332 Fällen aus
Rhein=
heſſen überſteigen dagegen die
Vermögensſteuer=
werte um etwa 128000 Mark die Ertragswerte, alſo
durchſchnittlich um etwa 390 Mark für den
ein=
zelnen Fall. Daß innerhalb dieſer rein
rechnungs=
mäßigen Durchſchnitte ſich nach der einen wie nach der
anderen Seite große Verſchiedenheiten bei den
einzel=
nen Fällen zeigen, iſt ſelbſtverſtändlich. Das
unan=
fechtbare und überraſchende oder vielleicht ſogar
durch=
aus nicht überraſchende Geſamtergebnis iſt
aber dies: auch beim rein landwirtſchaftlich benutzten
Grundbeſitz kann der Ertragswert vielfach höher ſein
ſitzer des Britzer Rittergutes. Dieſer pflanzte ſie 1710
in ſeinem Parke unweit des Schloſſes ins Freie, wo
ſie noch heute ſteht. Eine Porzellantafel vor dem
Baume gibt hierüber Aufſchluß. Von dieſer Akazie
ſtammen alle Bäume dieſer Gattung ſowohl in
Deutſch=
land wie auch in Oeſterreich ab denn erſt um 1730
kam die erſte Akazie von hier nach Schloß Schönbrunn.
* Noch eine merkwürdige
Landes=
grenze befindet ſich im Weſchnitztal. Nicht weit von
der Ausmündung des Birkenauer Tales bei Weinheim
in die Rheinebene, 10 Minuten unterhalb Birkenau,
geht die heſſiſch=badiſche Landesgrenze mitten durch den
Hof der früher Kinſcherfſchen Mühle, wodurch der eine
Teil der Gebäude in Baden, der andere in Heſſen
liegt. Als nach 1866 die Pferdemuſterungen eingeführt
wurden, ſtellte der damalige Beſitzer, wenn
Pferde=
muſterung in Rimbach (Heſſen) war, ſeine Pferde in
ſeine Stallungen auf der badiſchen Seite, und wenn
Muſterung in Weinheim (Baden) war, in ſeine
heſſi=
ſchen Stallungen. Dies tat natürlich nicht lange gut
Aber erſt empfindliche Strafandrohungen konnten den
Alten bewegen, ſeine Pferde in Rimbach ausmuſtern
zu laſſen.
* Ein ſchwieriger Fall. Vor dem
Löwen=
käfig im Zoologiſchen Garten zu Berlin ſteht —ſo
erzählt ein Leſer der „Tägl. Rundſch.” — ein älteres
Ehepaar, und nach längerer, ſinniger Betrachtung bricht
der Mann in die Worte aus: „Es muß doch aber ſehr
gefährlich ſein, die Löwen ſo zu ſcheren!”
Nummer 144.
Seite 5.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 23. Juni 19100
als der Vermögensſteuerwert, und iſt es tatſächlich, f pitalvermögensſteuer in Konſequenz des allgemein
Ebenſo iſt aber auch das Umgekehrte möglich und
viel=
fach vorkommend; im großen und ganzen aber zeigen
beide Werte kaum einen Unterſchied: in den ganzen der Zweiten Kammer beanſtandet, der unter anderem
740 Fällen ſtehen 4022000 Mark Ertragswert 4 121500
Mark Vermögensſteuerwert gegenüber, alſo zugunſten
dieſes Werts nur ein Unterſchied von weniger als der Kapitalvermögensſteuer freiließ.
100000 Mark. Tritt nun neben dieſes Geſamtergebnis
noch das vom Ausſchuß vorgeſchlagene Korrektiv gegen dieſes Beſchluſſes abgeſehen. Auf die übri=
Härten im Einzelfall, ſo kann eine Ablehnung des
unzweifelhaft nicht mehr als gerechtfertigt erſcheinen.
Wegen der Grundſteuer ſei weiterhin nur noch
hervorgehoben, daß auch in dem neuen Entwurf das
ſchon dem dermaligen Grundſteuerſyſtem angehörige
ten iſt, mit dem ſich auch die geſetzliche Vertretung der
heſſiſchen Landwirtſchaft einverſtanden erklärt hat.
Endlich habe ich zu erklären, daß die Großh.
Re=
gierung im Intereſſe des Zuſtandekommens des
Ge=
ſetzes auch dem Antrag des Finanzausſchuſſes wegen
Ablöſung der Gemeindeſteuerfreiheit
der ſteuerfrei in der Gemarkung einer Gemeinde
lie=
genden und im Eigentum des Staates, des
Familien=
eigentums des Großh. Hauſes oder einer anderen
Ge=
meinde ſtehenden Grundſtücke zuſtimmt.
Auf dem Gebiete der
Gewerbeſteuer
beſtand über deren Reformbedürftigkeit ſchon früher an
ſich volles Einvernehmen zwiſchen der Großh.
Regier=
ung und beiden Kammern der Landſtände. Man war
einig darüber, daß die dermalige Einteilung der
Ge=
werbe in 7 Klaſſen mit Normalſteuerkapitalien nach
rein hypothetiſch angenommenen Ertragsmöglichkeiten,
ſowie mit Zuſchlägen nach dem Mietwerte des Lokals
und nach der Gehilfenzahl die Verſchiedenheiten des
gewerblichen Lebens nach oben oder unten unrichtig
erfaſſe. Notwendige Folge des Einverſtändniſſes
hier=
über war der allſeitig anerkannte Gedanke, daß bei
der Veranlagung der Gewerbeſteuer mehr
individuali=
ſiert und in erſter Linie die Frage der richtigen
Ver=
teilung der Laſten auf die einzelnen Betriebe geprüft
werden müſſe. Welches aber hierzu der richtige Weg
ſei, darüber gingen die Meinungen weit auseinander.
Der neue Entwurf hat in folgender Weiſe
Stel=
lung genommen:
1. Als Grundlage für die Beſteuerung iſt das
Anlage= und Betriebskapital beibehalten, ebenſo die
Heranziehung der land= und forſtwirtſchaftlichen
Be=
triebe und — aber in gemilderter Form — die
Dekla=
rationspflicht.
2. Zugelaſſen iſt ein teilweiſer
Schulden=
abzug. Der Entwurf folgt dabei einem vermittelnden
Vorſchlag des verſtorbenen Herrn Geheimerats St. K.
Michel in der Erſten Kammer, wenn in Artikel 9
Ab=
ſatz 2 zwar nicht der Abzug der dauernd im Geſchäft
mitarbeitenden Schulden geſtattet, wohl aber vorgeſehen
iſt, daß bei Feſtſtellung des Anlage= und
Betriebskapi=
tals nur der Ueberſchuß an Barmitteln, Papieren
und Ausſtänden, ſowie am lebenden und beweglichen
landwirtſchaftlichen Betriebskapital über die
Schul=
den aus dem laufenden Geſchäftsbetrieb
hinaus in Anſatz zu kommen hat.
3. Das Ertragsmoment iſt in großem Umfang
be=
rückſichtigt, ſo daß der Ausſchußbericht mit Recht ſagt,
es bildeten nunmehr Betriebskapital und Ertrag die
Unterlagen für die Gewerbſteuer. Geregelt iſt die
Frage in der Form von Ertragszuſchlägen zum
Anlage= und Betriebskapital, die nach näherer
Vor=
ſchrift des Artikels 10 unter den daſelbſt gegebenen
Vorausſetzungen für alle Betriebe mit einem Ertrage
von mehr als 1300 Mk. und bei einem Betriebsertrag
von mehr als 6 Prozent des rauhen Werts des
Ge=
werbevermögens eintreten. Auf Einzelheiten gehe ich
nicht ein, weil gerade Artikel 10 uns wohl noch
beſon=
ders beſchäftigen wird. Er iſt vom Ausſchuß weſentlich
umgeſtaltet und, ebenſo wie von den Handelskammern,
in ſeiner Wirkung namentlich auf die größeren
Ge=
werbebetriebe eingehend geprüft worden. Das dabei
von der Regierung weiter gelieferte Material enthält
die Anlage II des Ausſchußberichts, S. 84—86. Mit den
Ausſchußanträgen, denen die Regierung zuſtimmt, iſt
erreicht, daß für die unterſuchten 98 größten Betriebe
des Landes das bisherige Geſamtaufbringen an
Ge=
meindeſteuern nicht vermindert, aber auch nicht ſo
er=
höht werden wird, wie es nach dem neuen
Regierungs=
entwurf der Fall geweſen ſein würde. Hier ſei nur
er=
wähnt, daß, wenn man dieſes bisherige
Geſamtauf=
bringen mit rund 444000 Mark — 100 Prozent ſetzt, es
nach den Vorſchlägen der Handelskammern auf 96 Pro= von im Hinblick auf die Schwierigkeiten abzuſtehen, die
wurf auf 155 Prozent und dem ſpäteren
Regierungs=
vorſchlag auf 121 Prozent erhöht worden wäre, während
nach dem Ausſchußantrag das Geſamtaufbringen ſich denken entſprochen worden, das in dem früheren
Vor=
nur auf 111 Prozent erhöht. Die Regierung iſt daher
mit dem Ausſchußantrag einverſtanden.
noſſenſchaften und rechtsfähigen Kon= herige Proviſorium durch ein neues erſetzt werden ſolle.
ſumvereine, deren Geſchäftsbetrieb nicht über den
Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht, iſt teilweiſe
abwei=
chend von dem Beſchluſſe der Zweiten Kammer zu
Ar=
tikel 8 des früheren Entwurfs, und zwar im Sinne
größerer Einſchränkung der Steuerfreiheit, geordnet, litik ſchließlich allein über das Richtige oder Unrichtige
Auch hier darf das Nähere der Spezialdebatte vorbe= einer Maßregel entſcheidet, dieſe Hoffnung rechtfertigt
halten bleiben. Gleiches gilt von dem Vorſchlage des
Ausſchuſſes, auch die Gewerbſteuerfreiheit der
öffent=
lichen Sparkaſſen einzuſchränken.
5. Einen breiten Raum in dem neuen Entwurf
nehmen die Vorſchriften über die
Sondergewerb=
leren und kleinen Bauernſtandes ein. An ſolchen zenden Ueberblickes über die früheren Meinungsver=
Steuern ſieht der Entwurf nicht bloß eine Waren= ſchiedenheiten und das Verhältnis des neuen Entwurfs
hausſteuer, ſondern auch eine Filialſteuer, ſo= zu dieſen geſagt habe. Abgeſehen von dem Herrn
Be=
wie eine Steuer vom gewerbsmäßigen richterſtatter wird es ſelbſt dem fleißigſten Abgeordneten
Handel mit ländlichen Grundſtücken vor,
welche Sonderſteuern aber nur als fakultative, d. h. als! Material in ſich aufzunehmen. Einen ſtarken Band
auf Beſchlüſſen der Kommunalverbände beruhende ge= haben ſchon die Druckſachen zu dem früheren Entwurf
dacht ſind.
ſteuerlicher Ueberlaſtung oder des
Weg=
weſentlich geänderten Syſtem überhaupt noch die im form in 14 mehr oder minder typiſchen Probegemeinden
Artikel 15 erweiterte Befugnis der Gemeinden,! des Landes von unſern Steuerbehörden und den Herren
im Wege der Ortsſatzung die Gewerbſteuer nicht nach Beamten meines Miniſteriums auf Wunſch des
Finanz=
dieſem Syſtem, ſondern nach anderen Merkma= ausſchuſſes mit glänzendem Fleiß u. unermüdlicher
Aus=
len zu bemeſſen, ſowie ohne Ortsſatzung, aber mit
Ge=
nehmigung der Aufſichtsbehörde, ſich für einzelne1 Eingaben und Anträgen der zur Aeußerung berufenen
ſtändigen.
Auf dem Gebiete der
Kapitalſteuer
wurde im anderen Hauſe der Vorzug der gegenwärti= iſt nunmehr reif zur Ernte. Wegen des Ergebniſſes
igen Kavitalrenten ſteuer vor der vorgeſchlagenen Ka=
eingenommenen Standpunktes ebenfalls betont. Als
viel zu weit gehend wurde von einer Seite der Beſchluß
auch eingetragene Erwerbs= und
Wirtſchaftsgenoſſen=
ſchaften, die nur mit ihren Mitgliedern arbeiten, von
Der neue Entwurf hat von der Aufnahme
gen Wünſche iſt er inſofern eingegangen, als nach
Ar=
neuen Entwurfs in der Faſſung des Ausſchußantrages tikel 40 Abſatz 2 allgemein vom Wert des
Kapital=
vermögens der Kapitalwert ſolcher Laſten
a bgezogen werden ſoll, deren Abtrag im Laufe
des Steuerjahres dem Steuerpflichtigen erhebliche
wirtſchaftliche Nachteile bringen oder wegen
Verbot des Schuldenabzugs aufrecht erhal= außerhalb ſeines freien Willens liegender Verhältniſſe
unmöglich ſein würde. Ferner iſt aus dem
frühe=
ren Entwurf durch die nunmehrige Faſſung der
Ein=
gangsworte von Artikel 38 Abſatz 1 die Steuerpflicht
der Rentenbezüge, Leibgedings=, Auszugsrechte und
ſonſtigen Bezüge beſeitigt, die in Artikel 8 Ziffer 6 des
Geſetzes von 1899 über die ſtaatliche Vermögensſteuer
aufgeführt ſind. Es iſt damit wenigſtens teilweiſe den
Witwen, kleinen Rentnern uſw. entgegengekommen,
wobei nicht überſehen werden darf, wie weit dies
be=
reits für alle Gemeindeſteuern durch den früheren
Artikel 35, jetzt 56, im Sinne der geltend gemachten
Wünſche, allerdings nur unter Verweiſung auf die
Ge=
meinde=Autonomie, geſchehen war.
Unabhängig von den früheren Wünſchen und dem
Entwurf will der Ausſchuß die Steuerfreiheit
öffent=
licher Sparkaſſen für den Fall beſeitigen, daß ſie
in größerem Umfange Bankgeſchäfte betreiben und
da=
mit zu Erwerbsinſtituten geworden ſind.
Ebenſo hat der Ausſchuß gewiſſermaßen die
Vor=
ſchrift des neuen Entwurfs erweitert, nach deſſen
Ar=
tikel 38 Abſatz 4 die beteiligten Gemeinden und ein
Steuerpflichtiger mit mehrfachem
Wohn=
ſitz im Großherzogtum ſich darüber
verſtändi=
gen können, wo ſein Kapitalvermögen verſteuert
wer=
den ſoll. Der Ausſchuß ſchlägt in einem Artikel 44a
weitergehend vor, daß die Regierung, und zwar
nicht bloß für das Kapitalvermögen, ſondern auch für
den Grundbeſitz und den Gewerbebetrieb, durch
Ab=
kommen mit anderen Bundesſtaaten bei
verbürgter Gegenſeitigkeit und zum
Aus=
ſchluß einer Doppelbeſteuerung die
Steuer=
pflicht überhaupt abweichend von den Vorſchriften des
Geſetzes ſoll regeln können. Auch dem ſtimmt die
Re=
gierung zu.
Was weiterhin die
Einkommenſteuer
betrifft, ſo weiſt der frühere Ausſchußbericht der Erſten
Kammer auf die große Wichtigkeit hin, von der in der
Frage der Verteilung des Steuerbedarfs der Gemeinde
der Verhältnisanteil der Einkommenſteuer iſt. Man
dürfe in dem Verhältnis, in dem die Einkommenſteuer
einerſeits und die übrigen Steuerquellen andererſeits
bei Aufbringung des geſamten Gemeinde=
Umlagenbe=
darfs zueinander ſtehen ſollen, der Gemeinde keinen zu
großen Spielraum laſſen. Vielmehr ſolle man das
Bei=
tragsverhältnis grundſätzlich im Geſetz feſtlegen, etwa
entſprechend dem Paragraphen 54 des Preußiſchen
Kom=
munalabgabengeſetzes. Jedenfalls aber müſſe dieſes
Verhältnis durchſichtig und auch dem Laien verſtändlich
ſein. Ob gerade dieſe Forderung durch die genannte
preußiſche Vorſchrift erfüllt wird, laſſe ich dahingeſtellt.
In Steuerſachen läßt ſich aber manches nicht leicht
ver=
ſtändlich ausdrücken. Freilich ſteht ein Finanzminiſter
ja leicht in dem Verdacht, daß er bei Unklarheiten im
Ge etz am eſten ſeine Rechnung finde. Zuzugeben iſt
jedoch immerhin, daß die Arrikel 32 und 33 des früheren,
ſowie 52 und 53 des neuen Entwurfes inbezug auf das
Verhältnis der Einkommenſteuer zu den Grund=,
Ge=
werb= und Kapitalſteuern ungewöhnlich ſchwer
ver=
ſtändlich waren. Ich freue mich daher, daß ich im
Aus=
ſchuß andere Faſſungen anregen konnte, die in
Verbin=
dung mit den hier unentbehrlichen Motiven S. 108 bis
114 und S. 139 bis 142 größere Klarheit ſchaffen. Bei
der außerordentlich verſchiedenen Lage der Dinge in
den Gemeinden mußte allerdings ein weiter Spielraum
für die Einzelfälle bleiben.
Wenn endlich der frühere Ausſchußbericht der Erſten
Kammer in ſeinem
Schlußwort
den Wunſch ausgeſprochen hatte, in das Geſetz auch die
Kreis= und Provinzialſteuern, ſowie die Gemeinde
ab=
gaben einbezogen zu ſehen, ſo ſchien es richtiger,
hier=
zent gemindert, nach dem urſprünglichen neuen Ent=! ſchon der Verſuch eines bloßen Umlage ngeſetzes
ge=
zeitigt hatte, und die noch zu ſteigern ſicher nicht
zweck=
mäßig geweſen wäre. Dagegen iſt dem weiteren
Be=
ſchlag, die Geltungsdauer des Geſetzes auf ſechs Jahre
zu beſchränken, das Anerkenntnis erblickt hatte, daß ein
4. Die Steuerfreiheit der eingetragenen Ge= bedenklicher Sprung ins Dunkele gemacht und das bis=
Der neue Entwurf verzichtet auf eine derartige
be=
ſchränkende Vorſchrift: in der Hoffnung, nunmehr
etwas dauernd Brauchbares geſchaffen zu haben, ſoll
ruhig abgewartet werden, ob der Erfolg, der in der
Po=
oder nicht.
Damit bin ich am Ende. Es wird mir vielleicht
ein=
gewendet werden, daß meine Rede nicht hierher,
ſon=
dern in die Erſte Kammer gehört habe. Ich darf dazu
aber an das erinnern, was ich eingangs über die
Zweck=
ſteuern zum Schutze des Kleinhandels und des mitt= mäßigkeit eines den Bericht Ihres Ausſchuſſes
ergän=
kaum möglich geweſen ſein, das geſamte erwachſene
gefüllt. Beinahe 150 Druckſeiten umfaſſen der neue
6. Den Bedenken wegen der Gefahr Entwurf und ſeine Motive. Faſt den dreifachen Raum
nehmen in der Druckſache Nr. 224 die Nachweiſungen
zugs von Gewerbebetrieben dient neben dem 1 ein, die über die vorausſichtlichen Wirkungen der
Re=
dauer ausgearbeitet worden ſind. Zu mehr als 2 Dutzend
Betriebe mit den Steuerpflichtigen über die Höhe Intereſſentenverbänden und von Einzelnen tritt
end=
der Gewerbſteuerveranlagung zu ver=lich der mit ſeinen Anlagen faſt 100 Druckſeiten ſtarke
Ausſchußbericht, den ich bereits zu Beginn meiner
Aus=
führungen gewürdigt habe und der mit dieſen
zuſam=
men hoffentlich ein erſchöpfendes Bild über alle in
Be=
tracht kommenden Fragen liefert. Die überreiche Saat
der geleiſteten Arbeit betont der Ausſchußberichtsmit
Recht, wie die Grundlagen der Geſetzesvorlage von
den über ſie gehörten zuſtändigen Körperſchaften im
allgemeinen gebilligt worden ſind. Und ebenſo iſt dem
Ausſchußbericht darin beizutreten, daß die jetzt
vorge=
ſchlagene Faſſung allerdings keinen Anſpruch darauf
machen könne, eine vollkommene und ideale
Löſung der wichtigen Geſetzesmaterie in ſich zu bergen.
Sie ſtelle aber gegenüber dem geltenden Recht eine ſo
bedeutſame Verbeſſerung dar, daß ihre Annahme und
damit das Zuſtandekommen der Reform im
Intereſſe der Gemeinden und einer
ge=
rechteren Verteilung der Steuerlaſten
ſich dringend empfehle. Iſt dies zutreffend, ſo
rechtfertigt ſich damit die ebenſo dringende Bitte,
nun=
mehr alle Sonderwünſche aufzugeben und die Vorlage
in ihrer jetzigen Geſtalt möglichſt unverändert
anzu=
nehmen. In dem Maße, in dem dieſes Haus hierzu
bereit ſein wird, läßt ſich hoffen, daß diesmal auch das
andere Haus ſeinen Beitritt nicht verſagen wird,
um nach zehnjähriger Arbeit dem Lande und den
Ge=
meinden auf dieſem wichtigen Gebiete die Ruhe und
die Arbeitsmöglichkeiten zu verſchaffen, die ſie brauchen
und fordern. Die Kammer ſteht vor dem Abſchluſſe
einer neuen Städteordnung und einer neuen
Landge=
meindeordnung. Sichern Sie den Neubau durch
neue Grundlagen des wirtſchaftlichen
gebens unſerer Gemeinden. Wollen und
Können ſind hier eins. Möge ehrliches Wollen und
Können dem großen Werke nicht fehlen!
Auf Antrag des Abg. Molthan wird die Sitzung
dann abgebrochen und die Weiterfühung der
General=
debatte auf Donnerstag vertagt. — Schluß 12 Uhr.
Der Allenſteiner Mordprozeß.
— Allenſtein, 21. Juni. Zeuge Hauptmann
v. d. Schulenburg gibt an, daß Herr von Göben ſchon
als Fähnrich in der Familie des Schwiegervaters
des=
ſelben verkehrte. Er war in ſeinem Leben vollkommen
korrekt, und man konnte es nicht für möglich halten, daß er
ſich irgendwie vergeſſen konnte. Seine Untergebenen
hin=
gen mit ungewöhnlicher Liebe an ihm. Er verachtete den
Klatſch, auch wenn er ihn ſelbſt betraf. Als der Zeuge
nach Allenſtein kam, warnte ihn ein junger Offizier, er
möge ſeine Frau nicht zuviel mit Frau von Schönebeck
ver=
kehren laſſen, das ſei kein geeigneter Verkehr für ſie.
Zeuge Stabsarzt Filbry bekundet, daß ſich ihm
gegen=
über Herr von Göben ſchwärmeriſch über Frau v.
Schöne=
beck ausgeſprochen habe. — Der nächſte Zeuge Hauptmann
Schloife=Charlottenburg lernte Herrn von Göben in
Berlin kennen und traf ihn dann auf dem Dampfer „
Kö=
nig” auf der Ausreiſe nach Afrika wieder. Es war
da=
von die Rede, daß Herr von Göben wegen eines Duells
ins Ausland gehe und der Zeuge war daher wie aus den
Wolken gefallen, als Herr von Göben ſpäter ſelber zugab,
von einem Duell ſei niemals die Rede geweſen. Herr
von Göben hat dann in einem Briefe den Zeugen gebeten,
ihm eine Stellung bei einer afrikaniſchen Geſellſchaft zu
beſchaffen. Ruhmredig war der Hauptmann nicht, dagegen
hat der Zeuge von anderen erfahren, daß er ſich im
Bu=
renkriege außerordentlich ausgezeichnet hatte. — Zeuge
Hauptmann Gſchwindt bezeichnet Herrn von Göben
als einen überaus beliebten Offizier. Was er für richtig
erkannt hatte, führte er durch bis zur Lebensunklugheit.
Den Frauen gegenüber war er zurückhaltend, aber dieſe
Zurückhaltung war wohl mehr anerzogen, innerlich war
er leidenſchaftlich. — Zeuge Oberſtleutnant Döring hat
von ſeinem Balkon aus beobachtet, daß Frau v. Schönebeck
einen Verkehr mit verſchiedenen Perſonen unterhielt, der
ſich nicht ſchickte. Nach der Tat hat Herr von Göben dem
Zeugen gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß er einen
Selbſtmord für ausgeſchloſſen halte, es kämen wohl
Ein=
brecher in Betracht. — Zeuge Diviſionspfarrer
Me=
rensky=Metz, in deſſen väterlichen Hauſe von Göben
viel verkehrte, bezeichnet dieſen als einen wahren
Ge=
mütsmenſchen. Als die Nachricht von der Mordtat kam,
hat der Zeuge angenommen, daß er nur in Wahnſinn oder
Hypnoſe gehandelt haben könne. Der Zeuge iſt dann aus
Mitgefühl nach Allenſtein gefahren und hatte mit Herrn
von Göben in der Unterſuchungshaft eine Unterredung.
v. Göben zeigte tiefe Reue. Es wurde davon geſprochen,
wie ſeine Ehre und die Ehre der Armee gerettet werden
könne. An Frau von Schönebeck habe Herr von Göben
nur einen kurzen Augenblick gezweifelt, als ſie mit der
Tat nichts zu tun haben wollte. Es könne keine Rede
da=
von ſein, daß er mit von Göben darüber geſprochen habe,
wie deſſen Leben gerettet werden könne, denn ſein Leben
war verwirkt, das wußten beide. — Zeuge Oberförſter
Körner bekundet, daß der Major einen äußerſt feſten
Schlaf hatte. Im Jahre 1896 ſtürzte der Major einmal
mit dem Pferde. Als der Zeuge das der Angeklagten
er=
zählte und hinzufügte, der Major hätte ſich den Hals
bre=
chen können, habe die Angeklagte nur geſagt: Majors gibt
es genug, dann heirate ich eben einen anderen. Einmal
hat der Zeuge nach einem Beſuche der Angeklagten und
des Herrn von Göben im Jagdhauſe das Zimmer in
Un=
ordnung und leere Kaffeetaſſen und Champagnerflaſchen
vorgefunden. Der Zeuge hat das den beiden vorgehalten
und gedroht, es im Wiederholungsfalle dem Major zu
ſchreiben, der damals in Karlsbad war. Irgend welche
Mitteilungen über das Verhältnis der Angeklagten zu
Herrn von Göben habe er dem Maior nicht gemacht, da
er nichts Poſitives wußte. — Das Frau von Schönebeck=
Weber nun erſchöpft iſt, wird die Weiterverhandlung auf
morgen früh 9¼ Uhr vertagt.
Die Fahrt des Luftſchiffes „Deutſchland” von
Friedrichshafen nach Düſſeldorf.
* Friedrichshafen, 22. Juni. Geſtern abend
gegen ¾8 Uhr unternahm das Luftſchiff „L. Z VII‟
ſeinen letzten Probeaufſtieg vor der Düſſeldorfer
Fahrt, der ſich hauptſächlich die Ufer des Bodenſees
ent=
lang erſtreckte und gegen ½9 Uhr ſein Ende erreichte. Um
¾49 Uhr war das Luftſchiff bereits wieder in der Halle.
Die Probefahrt hat zufriedenſtellende Reſultate ergeben
und es wurden Vorbereitungen zur Fahrt nach Düſſeldorf
getroffen.
* Friedrichshafen, 22. Juni. Heute früh 2,45
Uhr wurde das Luftſchiff aus der Halle gebracht und an
die Abfahrtſtelle gezogen. Graf Zeppelin erteilte laut
und durchdringlich ſeine Befehle. Punkt 3 Uhr erhob ſich
das Luftſchiff in die Lüfte und ſchlug die Richtung nach
Ulm der Bahnlinie entlang ein. Außer dem Grafen
Zeppelin, der ſein Schiff ſelbſt führt, nahmen an der Fahrt
Direktor Colsmann. Dr. Eckener, Kapitän Lau,
fer=
ner von der „Delag” Kommerzienrat Vogell=Mannheim
und Geheimrat Löwe=Berlin teil. Es iſt beabſichtigt,
über Ulm, Stuttgart, Mannheim, Frankfurt und Köln zu
fahren. — Das Luftſchiff paſſierte um ½4 Uhr
Aulen=
dorf, um 4,11 Uhr Laupheim, um ½5 Uhr Ulm
und gegen 5 Uhr Geislingen.
* Stuttgart, 22. Juni. Das Luftſchiff paſſierte
un5,45 Uhr Pl ochingen, kam, dann aber nicht über
Seite 6.
Nummer 144
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 23. Juni 1910.
Stuttgart ſelbſt, ſondern blieb im Neckartal und flog um
6 Uhr über Cannſtatt in der Richtung auf
Ludwigs=
burg
* Mannheim, 22. Juni. Das Luftſchiff
„L Z VII” paſſierte um 7,50 Uhr von Heidelberg
kom=
mend Mannheim und flog von hier in ruhiger Fahrt
dem Laufe des Rheins folgend weiter.
H. Mannheim, 22. Juni. Bei ſeiner Fahrt über
die Stadt warf Graf Zeppelin als Führer des Luftſchiffes
eine rote Papiermachéhülle herab. Sie fiel auf das Dach
des Amtsgerichts und wurde ſofort auf das
Haupttele=
graphenamt gebracht. Auf der Hülle ſtand: Dem Finder
gehört die Hülle, bitte ſofort dem nächſten Poſtamt zu
über=
geben! In der Hülle befanden ſich zwei Telegramme. Das
erſte mit dem Inhalt: „Flotter Flug über Mannheim
auf halber Fahrt! Das andere Telegrammen war
fran=
kiert und adreſſiert: Gräfin Zeppelin, Friedrichshafen=
Bodenſee. Halber Weg glänzend zurückgelegt. Herzlichen
Gruß! Ferdinand. Das Luftſchiff kam von ſüdöſtlicher
Richtung, überflog ſchräg die Stadt und wandte ſich dem
Rhein zu. Es war nur ungefähr 5 Minuten ſichtbar, dann
verſchwand es wieder in den Wolken. Es flog ungefähr
150 Meter hoch.
* Worms, 22. Juni. Das Luftſchiff paſſierte
um 8,15 Uhr unſere Stadt.
* Alzey, 22. Juni. „L 2 VII” paſſierte um 8,45
Uhr Alzey in der Richtung auf Bingen.
* Bingen, 22. Juni. Das Luftſchiff „L. 2 VII‟
paſſierte um 8,52 Uhr unſere Stadt.
* Koblenz, 22. Juni. „L 2 VII” paſſierte um
9,45 Uhr unſere Stadt.
* Neuwied, 22. Juni. „L 2 VII” paſſierte um
10,05 Uhr Neuwied bei Regen.
* Bonn. 22. Juni. „L 2 VII” paſſierte um 10,45
Uhr unſere Stadt.
* Köln, 22. Juni. „L 2 VII” paſſierte um 11,15
Uhr in ſchnellſter Fahrt unſere Stadt.
* Düſſeldorf, 22. Juni. „L 2 VII” überflog um
12 Uhr die Stadt und landete um 12,10 Uhr glatt vor der
Halle.
* Düſſeldorf, 22. Juni. Das Luftſchiff wurde
um 12,20 Uhr in die Halle gebracht. Um 12,30 Uhr fuhren
Graf Zeppelin und der Oberbürgermeiſter nach der
Stadt. Es wird heute wahrſcheinlich infolge des
Rhein=
feſtes noch ein Aufſtieg ſtattfinden.
Luftſchiffahrt.
H. B. München, 22. Juni. Der Ingenieur
Kra=
ſtel, der Leiter der bayeriſchen Fliegerſchule, hatte heute
früh mit einem Blériot=Apparat auf dem
Ober=
wieſenfeld einen Aufſtieg unternommen. In einer Höhe
von 100 Metern bemerkten plötzlich die entſetzten
Zu=
ſchauer, daß aus dem Motor Flammen herausſchlugen.
Auch der Flieger hatte die Gefahr bemerkt und es gelang
ihm noch rechtzeitig zu landen. Kurz darauf ging der
Apparat in Flammen auf. Verletzt wurde niemand.
* Peſt, 21. Juni. Bei orkanartigem Sturme ſtürzte
geſtern abend ein Luftballon in der Ortſchaft
Sue=
koesd nieder, deſſen Inſaſſen der Leipziger Arzt Dr.
Al=
bracht, der Fabrikant Müller aus Greiz und Kaufmann
Krauß aus Reichenbach herausfielen. Dr. Albracht erlitt
eine Gehirnerſchütterung und einen Rippenbruch und
Mül=
ler einen Armbruch, Krauß blieb unverletzt. Der Ballon
wurde mit dem vierten Inſaſſen, dem
Handſchuhfabrikan=
ten Wiener aus Chemnitz durch den Wind emporgeſchnellt
und fortgetragen. Wiener landete erſt heute morgen
wohl=
behalten bei Windſtille in Cſavoly. Die Verletzten
wer=
den im Bajaer Krankenhauſe gepflegt. Die Luftſchiffer
waren am Sonntag in Leipzig aufgeſtiegen. Das Luftſchiff
iſt der Ballon „Plauen”.
Sport.
* Hundezuchtſport. Bei der in Aſchaffenburg
abgehaltenen Schau von Hunden aller Raſſen gingen
folgende Herren, Mitglieder des Vereins der
Hunde=
freunde, mit ihren Hunden ſiegreich hervor: Herr Petry
erhielt für rotbraunen Dobermannrüden zwei I. und einen
Ehrenpreis, Herr Baas für ſchwarzen Spitz zwei I. und
einen Ehrenpreis.
Handel und Verkehr.
Staatlicher Kohlenbezug unter
Aus=
ſchaltung des Zwiſchenhandels.
— Die Großherzogliche
Handelskam=
mer zu Mainz als Vorort des Heſſiſchen
Han=
delskammertags hat dem Großherzoglichen
Miniſterium der Finanzen zu Darmſtadt
folgendes Gutachten übermittelt:
Großherzoglichem Miniſterium beehren wir uns
namens der heſſiſchen Handelskammern zu der von
Seiner Exzellenz dem Herrn Finanzminiſter in der
Sitzung der Zweiten Kammer der Stände am 8. März
erörterten Frage des unmittelbaren Bezugs der Kohlen
für die ſtaatlichen Anſtalten folgende Ausführungen
zu unterbreiten:
Die Handelskammern können das Beſtreben der
Großherzoglichen Staatsregierung auf Erzielung von
Erſparniſſen im Staatshaushalte grundſätzlich nur
billigen. Bei dieſem Beſtreben iſt jedoch zu
berückſich=
tigen, ob der von einer beſtimmten Maßnahme
erwar=
tete Erfolg wirklich eintreten wird und ob ein ſolcher
Erfolg nicht zu teuer erkauft iſt durch anderſeitige
Nachteile der Maßnahme, oder durch Schädigung
an=
derer berechtigter Intereſſen.
Betrachten wir von dieſem Geſichtspunkte aus die
Möglichkeit der Erzielung von Erſparniſſen durch
direkten Bezug von Kohlen für die ſtaatlichen Anſtalten
von einer Zeche, ſo entſteht zunächſt die Frage, ob ein
ſolches Verfahren überhaupt durchführbar erſcheint. Wir
halten die Durchführbarkeit aus zwei Gründen nicht
für gegeben.
Zunächſt iſt bekanntlich der Kohlenbergbau zum
überwiegenden Teile kartelliert, und die kartellierten
Zechen ſind daher nicht in der Lage,
Sonderabmach=
ungen mit einzelnen Abnehmern zu treffen, der Staat
müßte ſich alſo, um von einer Zeche zu beziehen, an
eine außerhalb des Syndikats ſtehende Zeche wenden.
Die Leiſtungsfähigkeit der außerhalb des Syndikats
ſtehenden Zechen iſt aber wegen der verhältnismäßig
geringen Bedeutung dieſer Zechen nicht groß und bietet
jedenfalls nicht die für den Staat notwendige
Bürg=
ſchaft einer genügenden Zuverläſſigkeit inbezug auf die
zu liefernden Mengen und Qualitäten. Außerdem
haben unſeres Wiſſens die nichtſyndizierten Zechen
ihre Produktion ſo gut wie vollſtändig an
Großhänd=
ler vergeben.
Als Bezugsquelle dürftem hiernach unſeres
Er=
achtens nur die dem Syndikat angehörenden Zechen
in Betracht zu ziehen ſein. Der Verkauf für dieſe geht
aber nur durch das Kohlenſyndikat und für Bezugs=
mengen, wie ſie für den Staat Heſſen in Betracht
kom=
men, nur durch das Kohlenkontor.
Der Bezug der Kohlen von einer Zeche erſcheint
aber auch deshalb nicht angängig, weil die Zechen, für
die die Kohlen bezogen werden, ſehr verſchiedenartig
ſind und die verſchiedenen Kohlenſorten nicht von einer
einzigen Zeche produziert werden. Es müßten
des=
halb Verträge mit vielen Zechen abgeſchloſſen werden.
Es kommt nun weiter in Betracht, daß bei einem
gemeinſamen Bezug der Kohlen von allen ſtaatlichen
Anſtalten eine erhebliche Erſchwerung des
Geſchäfts=
ganges bei den Behörden herbeigeführt wird. Statt
daß, wie ſeither, die einzelnen Anſtalten ihren Bedarf
bei den in ihrer Nähe wohnenden Händlern decken, mit
denen ſie ſich nach jeder Richtung hin leicht
verſtän=
digen können, müßten in Zukunft Berichte der
ein=
zelnen Anſtalten an eine Zentrale gegeben und von
dieſer der Bedarf nach Mengen und Qualitäden
zuſam=
mengeſtellt werden. Hierbei wird es ſich ſchwer
ver=
meiden laſſen, namentlich wenn die einzelnen Beamten
nicht vollkommenes Sachverſtändnis für die
Kohlen=
arten beſitzen, daß Mißverſtändniſſe entſtehen, und
daß die Lieferungen nicht den Beſtellungen bezw. den
Anforderungen der einzelnen Anſtalten entſprechen.
In ſolchen Fällen müßte wiederum die Berichtigung
durch die Hand der Zentralverwaltung gehen, und man.
kann es unſchwer ermeſſen, welche Beläſtigungen und
Unzuträglichkeiten für alle Beteiligten hieraus
er=
wachſen würden.
Ferner weiſen wir darauf hin, daß der direkte
Bezug der Kohlen für den Staat die Notwendigkeit
ergeben wird, beſondere Einrichtungen zum Lagern
und Befördern der Kohlen zu treffen, oder aber für
dieſe Zwecke wieder beſondere Verträge mit
Unter=
nehmern abzuſchließen.
Berückſichtigt man alle dieſe Umſtände, ſo kommt
man unſeres Erachtens zu dem Ergebnis, daß nur eine
ganz bedeutende Erſparnismöglichkeit Veranlaſſung
bieten könnte, den Weg des direkten Kohlenbezugs zu
betreten.
Wir ſind nun der unmaßgeblichen Meinung, daß
die in dieſer Hinſicht von Seiner Exzellenz dem Herrn
Finanzminiſter ausgeſprochenen Erwartungen ſich nicht
erfüllen werden. Abgeſehen von den ſchon erwähnten
Unkoſten, die der Staat auf ſich nehmen muß, werden
die Preiſe der Kohlen ſelbſt ſich kaum weſentlich von
den ſeither gezahlten unterſcheiden. Das Kohlenkontor
ſetzt ſeine Preiſe in der Art feſt, daß unter dieſelben
auf keinen Fall heruntergegangen werden kann. Die
einzelnen Händler aber, ſoweit ſie ſeither an ſtaatlichen
Lieferungen beteiligt waren, haben bei ſolchen
Liefer=
ungen, ſoweit wir unterrichtet ſind, ihren Nutzen
be=
reits auf ein Minimum herabgedrückt, infolge des
Um=
ſtandes, daß die Lieferungen auf dem Wege der
Aus=
ſchreibung vergeben werden und weil dem Staat, da
er ein guter und prompter Zahler iſt, an ſich ſchon
größere Zugeſtändniſſe gemacht werden, wie anderen
Beziehern. Dabei kommt der Händler den Wünſchen
der Behörden inbezug auf die Art der Lieferung, die
Güte der Kohlen und dergleichen in jeder Hinſicht
ent=
gegen und gibt durch die von ihm unterhaltenen Lager
Sicherheit, daß ſofort jede gewünſchte Menge und
Qualität zur Verfügung ſteht. Bei den meiſten
Lie=
ferungen wird unſeres Wiſſens ferner die Bedingung
geſtellt, daß die vereinbarte Menge um 10 Prozent
nach oben oder unten verändert werden darf, worauf
der Händler ebenfalls bereitwilligſt eingeht.
Alle dieſe Vorteile fallen bei dem direkten Bezug
der Regierung weg, da Zechen oder Verbände nicht in
der Lage ſind, ſie zu gewähren. Der Geſchäftsgang
zwiſchen ſolchen Verbänden und Abnehmern ſetzt
vor=
aus, daß ſehr große Mengen in vollkommen gleicher
Qualität an dieſelbe Stelle geliefert werden.
Geht hieraus unſeres Erachtens hervor, daß im
unmittelbaren wirtſchaftlichen Intereſſe des Staates
der direkte Kohlenbezug nicht empfehlenswert iſt, ſo
müſſen wir außerdem noch auf die mittelbaren
Nach=
teile hinweiſen, die ein ſolches Vorgehen zur Folge
haben würde.
Der Kohlenhandel, der an ſich in einer ſchwierigen
Lage iſt, da ſein Verdienſt beſchränkt iſt, ſeine
Un=
koſten aber bedeutend ſind, würde durch den Ausfall
der Lieferungen an den Staat ganz erheblich in ſeiner
Exiſtenzfähigkeit beeinträchtigt werden. Die
General=
unkoſten würden kaum eine Verminderung erfahren,
während der Umſatz und der Verdienſt zurückginge.
Es würde damit ein wichtiger Zweig des gewerblichen
Mittelſtandes in ſeinem Beſtande erſchüttert und die
Steuerkraft dieſer Kreiſe erheblich geſchwächt werden.
Auch dieſer Geſichtspunkt darf unſeres Erachtens bei
einer ſtaatlichen Maßnahme der in Rede ſtehenden Art
nicht überſehen werden.
Großherzogliches Miniſterium bitten wir hiernach,
den Gedanken des direkten Kohlenbezugs für die
ſtaat=
lichen Anſtalten nicht weiter verfolgen zu wollen.
H. Frankfurt a. M., 21. Juni. (Fr u
cht=
marktbericht.) Am Wochenmarkt war das
Ge=
ſchäft im ganzen ſehr gering, aber die Tendenz faſt
durchweg feſter. Ausländiſches Getreide, deſſen Preis
ſich jetzt mehr zum Einkauf rentiert, wurde ziemlich
gehandelt. Futterartikel flauer. Mehl unverändert.
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt
feſter bei beſſerer Nachfrage und kleinem Angebot.
An der Berliner Produktenbörſe lag
Getreide ſchwach auf den Saatenſtandsbericht Preußens,
der günſtiger lautet, als erwartet wurde. Auch der
Be=
richt des Internationalen Landwirtſchaftlichen
Inſti=
tuts in Rom über die Ernteausſichten anderer Staaten
iſt befriedigend. Später war man weiter abgeſchwächt,
da vom Azowmeer Regenmeldungen eintrafen. Hafer
blieb hingegen gut behauptet, weil die Sommerſaaten
ſich nach dem amtlichen Bericht verſchlechtert haben.
Nach den letzten Kabelnachrichten von den
ameri=
kaniſchen Getreidemärkten (New=York und
Ekicago) war Weizen feſt auf heißes und trockenes
Wetter im Nordweſten der Vereinigten Staaten,
un=
günſtige Ernteberichte per Sevtember und Dezember,
ſowie auf ſchlechtere argentiniſche Ernteausſichten. Mais
ebenfalls höher auf Berichte über eine zu erwartende
ſpäze Ernte. — Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort
in dieſer Woche von 16,88 Millionen Buſhels auf 15,10
Millionen Buſhels und die Maisvorräte von 6,08 Mill
Buſh. auf 5,53 Mill. Buſh. zurückgegangen. In
Ka=
nada ſtiegen hingegen die Weizenvorräte in dieſer
Woche von 5,21 Millionen Buſhels auf 5,24 Millionen
Buſhels.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen, hieſiger und Wetterauer, 19,75—20,00,
Kurheſſiſcher 19,75—20,00 Norddeutſcher 19,75—20,00,
Rumäniſcher 21,00—21,50, Ruſſiſcher 21,25—21,75,
Red=
winter ——, Donauweizen —,—, Laplata 21,25—21,75,
Walla Walla ——, Kanſas ——; Roggen hieſiger,
14,75—15,00, Bayeriſcher (Pfälzer) 14,80—15,00,
Ruſſi=
ſcher ——, Amerikaniſcher
Rumäniſcher ——;
hieſige und Wetterauer —
Gerſte Pfälzer, —
Riedgerſte —,—, Ruſſiſche Futtergerſte —,—, Fränkiſche
Ungariſche
Hafer, hieſiger, 15,00—16,00
Bayeriſcher 15,25—16,00, Ruſſiſcher ——, Amerikaniſcher
Rumäniſcher ——; Mais mixed 15,50—15,80
Weißer Mais —,—, Donau=Mais 15,50—15,75,
Ruſſi=
ſcher 15,50—16,00, Laplata 15,50—15,75, Rumäniſcher
15,50—15,80, Weizenſchalen 9,50, Weizenkleie 9,50,
Rog=
genkleie 9,00, Futtermehl 12,00, Biertreber, getrocknet,
12,25—13,00; Weizenmehl ab Mannheim, Nr. 0
28,00, feinere Marken 28,25—28,50, Nr. 1 26,25—26,50,
feinere Marken 26,75—27,00, Nr. 2 25,25—25,50, feinere
Marken 26,75—27,00, Nr. 3 23,50—23,75, feinere Marken
24,00—24,25, Nr. 4 19,50—19,75, feinere Marken 20,00 bis
20,25; Roggenmehl, hieſiges, Nr. 0 23,00—23,25,
Nr. 1 22,00—22,25, Nr. 2 21,00—21,25.
Hochwaſſer.
* Zürich, 21. Juni. Das paradieſiſche Land der
Prättigau iſt durch das Hochwaſſer in eine
unwirt=
liche Waſſerwüſte verwandelt. Der Lanquart, ein
wil=
des romantiſches Bergwaſſer, grub ſich ein neues Bett=
und verwüſtet dabei das fruchtbare Land meterhoch mit
Steingeröll. Der Fluß rollt über die große Kunſtſtraße
Rhätiens. Die Bahngleiſe ſind fortgeriſſen und bis jetzt
noch nicht aufgefunden. Durch das Dorf Grüſch raſt ein
breiter Arm der Lanquart, der viele Häuſer
zuſammen=
geriſſen hat.
Attentat in Friedberg.
(*) Friedberg, 22. Juni. Im Rathauſe fand
heute=
nachmittag eine Exploſion ſtatt. Der Treppenbau iſt
vollſtändig zertrümmert, die Türen ſind eingedrückt und
die Fenſter hinausgeflogen. Die Beamten, die ſich zurzeit
im Rathauſe befanden, ſind nicht erheblich verletzt worden.
Der Stadtſchreiber Graulich wurde in ſeinem Bureau
durch Glasſplitter im Geſicht verletzt und durch den Druck
an die Wand gedrückt, ein Kind auf der Straße durch die
große Rathaustür, die mitten auf die Straße flog, leicht
verwundet. Die Feuerwehr mußte die noch anweſenden
Beamten mit Leitern aus dem zweiten und dritten Stock
holen. Nach den bis jetzt ſtattgehabten Unterſuchungen
handelt es ſich um keine Gasexploſion, vielmehr liegt die
Vermutung nahe, daß es ſich um ein Attentat handelt
daß eine Bombe oder ähnliches hineingeworfen worden iſt,
da das Feuer auch nicht weiter um ſich gegriffen hat.
* Friedberg, 22. Juni. Heute nachmittag 4 Uhr
erfolgte im hieſigen Rathauſe eine gewaltige
Explo=
ſion, durch die das Rathaus bis auf die
Umfaſſungs=
mauern vollſtändig verwüſtet wurde. Zu derſelben Zeit
drang ein Verbrecher in die in derſelben Straße
gele=
gene Reichsbanknebenſtelle ein. Da infolge der
Exploſion alle Bewohner auf die Straße und nach dem
Rathauſe geeilt waren, war nur noch der Vorſteher der
Reichsbanknebenſtelle Meier in ſeinem Bureau anweſend.
Der eingedrungene Verbrecher gab auf den
Reichsbank=
vorſteher einen Revolverſchuß ab, wodurch dieſer am
Kopfe ſchwer verwundet wurde. Als infolge des Schuſſes
Leute herbeieilten, floh der Verbrecher in der
Richtung=
nach Bad Nauheim und entzog ſich ſeiner Verfolgung,
in=
dem er ſich kurz vor Bad Nauheim durch einen Schuß
tötete. Der Vorſteher der Reichsbanknebenſtelle Meier
wurde ins Krankenhaus gebracht. Die Unterſuchung
iſt=
eingeleitet, ob dem Verbrecher Geld in die Hand
ge=
fallen iſt.
* Friedberg, 22. Inni. Durch die Exploſion
wurde die Treppe zerſtört und mehrere Wände fielen
ein, die Türen wurden mit großer Gewalt auf die
Straße geſchleudert. Die Beamten waren in den
Bureaus völlig abgeſchloſſen und mußten von der=
Feuerwehr mit Leitern ins Freie befördert werden.
Soweit bis jetzt feſtgeſtellt iſt, wurde durch die Exploſion
im Rathaus niemand verletzt. Der Verbrecher
ent=
floh nach dem Attentat auf der Reichsbank und ſchwang
ſich auf ein Fahrrad. Seine Verfolgung wurde
von zwei Herren im Automobil
aufge=
nommen. Ein Schüler, der ſich dem fliehenden
Verbrecher entgegenſtellte, erhielt einen Schuß in
den Unterleib; auch auf zwei Bauern, die auf dem
Felde arbeiteten und ihn aufzuhalten verſuchten, gab
der Verfolgte Schüſſe ab. Kurz vor Bad=
Nau=
heim, am dortigen Kirchhofe, ſah der Verbrecher, daß
ein Entkommen vergeblich war, und er benutzte den
letzten Schuß, den er in ſeinem Revolver hatte, um ſich
damit ſelbſt zu entleiben. Er war ſofort tot.
Bei der Leiche des Täters fand man 4700 Mk. und eine
Chauffeurkarte. — Geſtern traf im hieſigen Burghotel
ein Mann ein und übernachtete daſelbſt, der ſich als
Reiſender für Kraftwagen ausgegeben hatte. Der Mann
hatte einen Koffer bei ſich, den er ſehr vorſichtig
be=
handelte. Seit heute früh iſt dieſer Mann
verſchwun=
den. Man vermutet, daß er mit dem Täter identiſch iſt.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Sonderſteuer für Filialgeſchäfte.
Mit dem Gemeindeumlagengeſetz liegt dem
Land=
tag auch der Entwurf einer Sonderſteuer für
Filial=
geſchäfte vor. In der von der Finanzkommiſſion
an=
genommenen Faſſung bringt dieſer Entwurf eine
Steuer bis zu 5 Prozent vom Umſatz, welche auf 20
Prozent vom Ertrag ermäßigt werden kann, aber nicht
weniger „als die Hälfte des ſich (aus Umſatzſteuer und
Hewerbeſteuer) ergebenden rechnungsmäßigen Anſatzes
betragen darf”. Mit einer bereits erwähnten Eingabe
wenden ſich die Filialgeſchäfte beſonders gegen dieſe
letztere Beſtimmung. Dieſelben erklären, daß in der
Kolonialwarenbranche allgemein der Reinertrag nur
etwa 5 Prozent vom Umſatz und bei Filialgeſchäften
erheblich weniger betrage. Andererſeits würde zum
Beiſpiel bei einem Umſatz von 50000 Mark ſich die
Steuer auf 2500 Mark zuzüglich der Gewerbeſteuer von
ca. 250 Mark auf 2750 Mark belaufen, wovon die
Hälfte, das heißt 1375 Mark, zu zahlen wäre. Bei einem
Reinertrag von 5 Prozent des Umſatzes, das heißt
Seite 7.
Nummer 144.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 23. Juni 1910.
2500 Mark, würde dieſes eine Steuerbelaſtung von
55 Prozent bedeuten. Nimmt man dagegen nur 4
Pro=
gent vom Umſatz als Reinertrag an, ſo würde ſich die
Steuer auf 68 Prozent vom Gewinn belaufen.
Dieſe Sätze würden, wenn ſie zur Anwendung
kämen, wohl den Filialgeſchäften die Exiſtenz
unmög=
lich machen, doch würde dieſe Entwicklung der Steuer
zu erheblichen Bedenken Anlaß geben. Wenn man
auch einen Schutz der kleinen Gewerbetreibenden gegen
die Konkurrenz der größeren Betriebe für nötig
er=
achten ſollte, ſo kann doch eine Erdroſſelung der
Filial=
geſchäfte und die völlige Ausſchaltung der Konkurrenz
im Intereſſe der breiten Konſumentenſchichten nicht
als erwünſcht bezeichnet werden. Auch erklärt die
Be=
gründung des Geſetzentwurfes ſelbſt, eine Erdroſſelung
der in Frage kommenden Geſchäfte ſei nicht
beabſich=
tigt. Es wäre daher zu wünſchen, daß in der
endgül=
tigen Faſſung des Geſetzes eine Abänderung der oben
erwähnten Beſtimmungen vorgenommen würde.
— Bei dem geſtrigen Fackelzug der Studentenſchaft
konnte man wieder bemerken, daß die „Elektriſche” in der
Rheinſtraße ohne Rückſicht dazwiſchen fuhr und ſo den
ganzen Zug fortwährend auseinanderriß. — Die Wagen
waren meiſt leer und man ſollte meinen, daß bei ſolchen
Veranſtaltungen der Betrieb mit den Wagen, die doch
eer waren, einzuſchränken iſt. — Am kommenden
Sonn=
tag findet nun wieder ein großer Korſo mit Hoch= und
Niederrädern, Feſtgruppen, Autos ꝛc. ſtatt, die
Wertungs=
ſtrecke für die Preisrichter iſt wiederum die ganze
Rhein=
ſtraße. Die Direktion der elektriſchen Straßenbahn möge
deshalb die zeitweiſe Einſtellung in Erwägung ziehen,
damit eine Beeinträchtigung eines Korſos, wie er nicht
immer hier geſehen werden kann, nicht eintritt. — Andere
Großſtädte, wie München ꝛc. hatten den Betrieb bei der
Wertungsſtrecke die kurze Zeit eingeſtellt!
X.
Literariſches.
Paul Langenſcheidt, Im
Blüten=
ſchnee (Lieder des Glücks). Verlag von Dr. P.
Lan=
genſcheidt, Berlin=Groß=Lichterfelde. Preis 2 Mk., geb.
3 Mk. Vom Illuſtrator wie mit zartduftenden
Blu=
men überſtreut, — Verſe, die ihren Schöpfer als
Mei=
ſter der Empfindung und des Stils zeigen! — Kaum
wohl hat je ein Dichter der neueren Zeit es verſtanden,
in ſo zu Herzen gehender Sprache ſeine tiefinnerſten
Gefühle dem Leſer zu offenbaren.
— Wielands Werke. Auswahl in zehn Teilen.
Auf Grund der Hempelſchen Ausgabe neu
herausge=
geben, mit Einleitungen und Anmerkungen verſehen
von Bernhard von Jacobi. (Goldene Klaſſiker=
Bibliothek, Deutſches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin
W. 57.) — Die Goldene Klaſſiker=Bibliothek, die nach
einem wohl überlegten Plan immer neue Autoren in
ihren Kreis zieht, legt jetzt eine Wielandausgabe vor,
an die allein ſich künftig jeder wird halten müſſen, der
den Dichter raſch und gründlich kennen lernen will.
Dem Text des Dichters kommen die Erklärungen des
Herausgebers zu Hilfe: ein ausführliches Lebensbild,
das uns die anziehende Geſtalt höchſt lebendig vor
Augen ſtellt, ſowie Einleitungen und Anmerkungen, die
alles zum Verſtändnis der Werke Nötige bequem
dar=
bieten. Man darf getroſt behaupten, daß die
vorliegen=
den drei Bände völlig genügen, um eine genaue
Be=
kanntſchaft mit dem ganzen Wieland zu vermitteln.
Druck, Papier und Ausſtattung ſind von der bei allen
Ausgaben der Goldenen Klaſſiker=Bibliothek bekannten
Vorzüglichkeit. Der Preis beträgt trotz allem nicht
mehr als 6 Mk. für drei prächtig gebundene Bände.
Unter dieſen Umſtänden brauchen wir die Ausgabe zur
Anſchaffung nicht erſt noch zu empfehlen.
Der Kaiſer in Hamburg.
* Altona, 22. Juni. Der Kaiſer iſt um 12,40
Uhr eingetroffen. Der Kaiſer trug bei ſeiner Ankunft
Admiralsuniform und in der rechten Hand einen
Spa=
zierſtock, den er aber nicht als Stütze benutzte. Zum
Empfang auf dem Bahnſteige war der preußiſche
Ge=
ſandte, Graf Goetzen, erſchienen; der Kaiſer wurde von
einer großen Menſchenmenge aufs herzlichſte begrüßt:
er fuhr durch die geſchmückten Straßen Altonas und
Hamburgs bei ſchönem Wetter mit dem Grafen von
Goetzen im Automobil zur Wohnung des
Generaldirek=
tors Ballin wo das Frühſtück eingenommen wurde.
Später hörte der Kaiſer einen Vortrag mit
Lichtbil=
dern über den beim Stettiner Vulkan in Auftrag
ge=
gebenen Neubau eines großen Fracht= und
Paſſagier=
dampfers für die nordamerikaniſche Fahrt. Außer dem
Gefolge des Kaiſers waren zugegen: Der preußiſche
Ge=
ſandte Graf Goetzen, die Präſidenten des Senates,
Bür=
germeiſter Dr. Schroeder, Predoehl, O’swald und Dr.
Burchard, die Aufſichtsratsmitglieder der Hamburg-
Amerika=Linie Max Schinkel, Joh. Witt und Baron
Heinrich von Ohlendorff, Direktor Dr. Meren von der
Hamburg-Amerika=Linie, der Direktor des Stettiner
Vulkaus, Geheimrat J. Flohr, Legationsrat Graf
Baſſe=
witz, ſowie der Kommandant der „Hohenzollern” Graf
Platen=Hallermund und Leutnant z. S. Bielefeld, der
Bräutigam von Fräulein Ballin.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Wildpark bei Potsdam, 22. Juni. Der Kaiſer
iſt heute 8 Uhr 4 Min. im Sonderzug nach Hamburg=
Altona abgereiſt.
* Achern, 22. Juni. Die Kaiſerin iſt hier
ein=
getroffen und begab ſich nach Ober=Sasbach. Auch der
Herzog Ernſt Günther zu Schleswig=Holſtein und
Ge=
mahlin ſind hier eingetroffen.
* Ober=Sasbach, 22. Juni. Der deutſche
Kron=
prinz iſt hier im Automobil gegen ¾4 Uhr
einge=
troffen.
* Straßburg, 22. Juni. Dem Landesausſchuß
von Elſaß=Lothringen iſt ein Antrag Hauß (Ztr.)
und Genoſſen mit folgendem Wortlaut zugegangen: Der
Landesausſchuß wolle beſchließen, die Regierung zu
er=
ſuchen, beim Herrn Reichskanzler dahin zu wirken, daß
dem Landesausſchuß von Elſaß=Lothringen der Entwurf
ner Verfaſſung zur Aeußerung unterbreitet werde,
vevor die geſetzgebende Körperſchaft des Reiches endgültig
damit befaßt werde. Der Antrag wird vom Präſidenten
auf die Tagesordnung vom kommenden Mittwoch, den
29. Juni geſetzt werden. Ferner iſt dem Landesausſchuß
in derſelben Angelegenheit ein Antrag Blumenthal und
Labroiſe zugegangen, der ebenfalls am kommenden
Mitt=
voch auf der Tagesordnung ſtehen ſoll.
* Koblenz. 22. Juni. Heute wurde unter großer
Be=
eiligung von Delegierten weiter Kreiſe die achte
Ge=
teralverſammlung des Deutſch=
Evange=
iſchen Frauenbundes von ſeiner Vorſitzenden
Frl. Paula Müller, eröffnet. Beſonders hervorzuheben iſt
die warme Begrüßung ſeitens des Konſiſtoriums, der
Re=
gierung, der Stadt= und Schulbehörden, die in
anerken=
nenden Worten der Tätigkeit des Frauenbundes gerecht
wurden.
* Neuwied, 22. Juni. Die Fürſtinmutter zu
Wied, Prinzeſſin der Niederlande, iſt heute früh um
5 Uhr 35 Minuten auf dem Landhaus Monrevos ſanft
entſchlafen.
* Oldenburg, 22. Juni. Der 20jährige
Buchdrucker=
lehrling Denker wurde heute mittag vom Schwurgericht
wegen Ermordung ſeines Bruders zum Tode und
we=
gen Tötung der Eltern zu je lebenslänglichem Zuchthaus
verurteilt. Von den Geſchworenen wurde die Frage nach
der Ermordung des Bruders bejaht, dagegen die Frage
nach der Ermordung der Eltern verneint und auf Tötung
von Verwandten in aufſteigender Linie, infolge Störung
bei Begehung des Verbrechens erkannt.
* Pirna, 22. Juni. Wie der Pirnare Anzeiger
mel=
det, entſtand heute vormittag in den Trockenräumen der
Strohhutfabrik von Friedmann und Riegel eine
Ex=
ploſion; durch das entſtehende Feuer wurde die
Fabrik vollſtändig eingeäſchert. Neun Perſonen wurden
verletzt, darunter drei Arbeiterinnen ſchwer.
* Wien, 22. Juni. Abgeordnetenhaus. In
der fortgeſetzten Spezialdebatte des Voranſchlages des
Finanzminiſteriums führte Finanzminiſter Bilinski aus:
Die Regierung unterbreitete zur Deckung des 70 Millionen
betragenden Defizits ſeinerzeit Vorlagen, erhielt aber
bezüglich deren Erledigung bisher von dem Hauſe keinen
Beſcheid. Die Regierung ſtimme jeder Verbeſſerung der
Vorlagen zu; es ſei jedoch unerläßlich, daß die neuen
Steuervorlagen noch in der Sommerſeſſion erledigt
wer=
den, insbeſondere mit Rückſicht auf die Ueberweiſung eines
Teiles des Betrages der Branntweinſteuern an die
Län=
der, ſowie darauf, daß ſonſt das Budget für 1911 nur
mit ſtarken Einſchränkungen einzelner Reſſorts vorgelegt
werden könne. Der Miniſter konſtatierte das volle
Gelin=
gen der jüngſten Rentenanleihe, von der bereits vier
Fünf=
tel begeben ſeien und der Reſt alsbald plaziert werden
dürfte. Er hob hervor, daß dank des energiſchen
Eingrei=
fens der Börſenkammer in jüngſter Zeit die den zum
Spielen verleiteten kleinen Leuten drohenden Gefahren
abgewendet worden ſeien. Der Miniſter erörterte ſodann
die Maßnahmen zur Hebung des Rohölpreiſes zugunſten
der ſchwer bedrückten Rohölinduſtrie. Das Beſtreben der
Regierung gehe dahin, die öſterreichiſche Raffinerie und
Induſtrie auf dem deutſchen Markte konkurrenzfähig zu
machen, wobei jedoch unter allen Umſtänden eine
Er=
höhung des Inlandspreiſes vermieden werden müſſe. Der
Miniſter erklärte ſchließlich, daß wie im Vorjahre, ſo auch
im nächſten Budget vorausſichtlich 40 Millionen für die
Anſchaffung von Eiſenbahnbetriebsmitteln eingeſtellt
wer=
den; außerdem würden jetzt 2000 Wagen zur Bewältigung
der Erntekampagne ſo zeitig beſtellt werden, daß ſie
an=
fangs September geliefert werden könnten, wofür etwa
10 Millionen notwendig würden, die trotz der ſchwierigen
Kaſſenverhältniſſe zur Verfügung ſtänden. (Lebh. Beifall.)
* Paris, 22. Juni. Präſident Falliéres iſt
in Begleitung des Miniſterpräſidenten, des
Marinemini=
ſters de Lapeyrere, des Kriegsminiſters Brun und des
Unterſtaatsſekretärs Sarraut heute vormittag nach Calais
abgereiſt. In demſelben Zuge befanden ſich Marine=
Attachés verſchiedener Mächte, darunter der deutſche.
* Brüſſel, 22. Juni. Staatsſekretär Dr. Delbrück
und Handelsminiſter Sydow ſind zum Beſuche der
Welt=
ausſtellung eingetroffen. Der König gibt ihnen zu Ehren
abends ein Diner.
H. B. Berlin, 22. Juni. Ein
choleravedäch=
tiger Fall wurde heute nachmittag polizeilich auf dem
Auswanderer=Bahnhof Ruhleben gemeldet. Es handelt
ſich um einen ruſſiſchen Auswanderer, der infolge der
ver=
dächtigen Erkrankung zurückgehalten worden iſt.
— Berlin, 22. Juni. Die 45jährige Wittwe Ruppert.
Lehrter Straße Nr. 38 wohnhaft, wurde an der Kreuzung
Lehrter= und Perleberger Straße von einem
Privat=
automobil überfahren und ſtarb bald nach der
Ein=
lieferung im Krankenhauſe.
H. B. München, 22. Juni. Die bayeriſche
Staats=
regierung hat für die erſte Hilfeleiſtung zugunſten der
Hochwaſſer=Geſchädigten 147000 Mark zur
Ver=
fügung geſtellt. Weitere Staatszuſchüſſe und Steuer=
Nachläſſe werden gewährt.
H. B. München, 22. Juni. Vor der 4. Strafkammer
begann heute der auf 8 Tage berechnete Prozeß gegen
den Schriftſteller Erich Mühſam und fünf andere
Anar=
chiſten wegen Geheimbündelei. Der Zudrang zum
Gerichtsſaal iſt enorm. Es ſind 50 Zeugen geladen.
Müh=
ſam leugnet jede Schuld.
H. B. Hamburg, 22. Juni. In dem benachbarten
Eidelſtadt iſt Großfeuer ausgebrochen, dem bereits
nehrere Wohnhäuſer zum Opfer gefallen ſind. Auch die
Oswaldowskiſche chemiſche Fabrik ſteht in Flammen.
— Breslau, 22. Juni. Die ruſſiſche
Gouvernements=
ſtadt Petrikau und die Umgegend wurden von einem
furchtbaren Unwetter heimgeſucht. Mehrere Scheunen
vurden eingeriſſen und unter den Trümmern ſechs
Per=
ſonen begraben. Beim Einſturz einer Lehmhütte fand
eine Witwe mit vier Kindern den Tod. In Zborow
zer=
ſtörte ein durch einen Blitzſchlag entſtandener Brand
84 Wohnhäuſer.
linder- Hervorragend bewährfe
mehl Nahrung.
Die Kinder gedeihen
vorzüglich dabei
u. leiden nicht an
Kranken-
Verdauungsstörung.
kost
Abollinaris
.
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(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch die ſchmerzliche Mitteilung, daß mein
lieber Gatte, unſer Vater, Bruder, Schwieger=
(B12680
ſohn, Schwager und Onkel
Hermann Beyer
nach langem ſchweren Leiden im 43.
Lebens=
jahre ſanft entſchlafen iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Helene Beyer, geb. Eigenbrodt.
Darmſtadt, Berlin, den 22. Juni 1910..
Die Beerdigung findet Freitag, den 24. d. M.,
nachmittags 2 Uhr, vom Portale des Beſſunger
Friedhofes aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines unvergeßlichen Gatten
und meines Vaters
(12689
Heinrich Hoffmann
innigſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Hoffmann und Kind.
Darmſtadt, den 22. Juni 1910.
ſagen wir Allen, beſonders Herrn Pfarrer
Weiß=
gerber für die troſtreiche Grabrede, unſeren
Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer teuren Entſchlafenen
Ellse Noch Woer
ſagen Allen auf dieſem Wege unſeren herzlichſten
(12698
Dank.
Familie Robert Bergmann.
Darmſtadt, 22. Juni 1910.
Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 24. Juni 1910.
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Jugend=
gottesdienſt und Predigt 6 Uhr 30 Min.
Samstag, den 25. Juni 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Sabbat=
ausgang 9 Uhr 40 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 25. Juni
Vorabend 7 Uhr 45 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr — Min. Sabbatausgang 9 Uhr
40 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 26. Juni an:
Morgens 6 Uhr — Min. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Das
Hoch=
druckgebiet iſt weiter oſtwärts gewandert, während das
weſtliche Tiefdruckgebiet ſich ausgebreitet und an ſeinem
Oſtrande Teilwirbel entwickelt hat, ſo über Heſſen und
Frankreich. Erſterer hat nach einem heiteren Tage über
Nacht Trübung und ſtrichweiſe in unſerem Bezirk geringen
Regen gebracht. Der Luftwirbel über Frankreich zieht
nordoſtwärts und ruft bald Gewitterregen hervor.
Ausſichten in Heſſen am Donnerstag, den
23. Juni: Nach Regenfällen und ſtrichweiſen Gewittern
morgen etwas kühler, ſüdweſtliche Winde.
Tageskalender.
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert in Erkers Brauerei.
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant Bertſch.
Konzert um 4½ Uhr in der „Krone” zu Auerbach.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 10—7 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 24. Juni.
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um 10 und 3 Uhr Gutenbergſtraße 54.
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Braun=
warthſchen Wirtſchaft zu Eppertshauſen.
Auskunft= und Rechtsſchutzſtelle für Frauen
und Mädchen unentgeltlich. Sprechſtunden Montag
und Donnerstag von 3—5 Uhr im alten Hoftheater
(Eingang Hochſchulſtraße),
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldacſel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkrivte werden nicht
Mrückgeſande.
e
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 23. Juni 1910.
Nummer 144.
Darmstädter Niobendbrk
Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
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Harriet nickte und beſchied ſich damit. Als Kurt
Egloff am Nachmittag erſchien, ſtachelte ſie ſofort ſeinen
Ehrgeiz an. Und er verſprach ihr, Wilken Wobbes
Porträt, ſobald es fertig ſei, auf die nächſte größere
Ausſtellung zu ſchicken. Zu dem Zweck wollte er ſich
auch mit ſeinen Münchener Freunden in Verbindung
ſetzen. Zu Hauſe betrachtete er das unvollendete
Kunſt=
werk mit prüfenden Blicken. Auch an Guſchis Bild,
das hinter dem Kleiderſchrank ſtak, dachte er. Aber er
holte es gar nicht erſt hervor. Dann ging er den
Strandweg hinunter, um ſich nach Wilken Wobbes
Be=
finden zu erkundigen.
Der machte es immer noch ſo meiter. Sogar
Be=
ſuch durfte er ſchon empfangen. Aber Tabak und
Al=
kohol waren ihm noch aufs ſtrengſte unterſagt. Kurt
Egloff erſchrak ſehr, als er den Alten wiederſah. Er
hatte ſich ſtark verändert. Sein Geſicht war noch viel
riſſiger geworden, und beſonders um die Augen herum
war er ſchlimm eingefallen. Als Modell war er
vor=
läufig nicht zu gebrauchen.
Ich komm! ſtöhnte er, als er dem Maler die Hand
zum Abſchied reichte. Ich komm beſtimmt, wenn ich
wieder auf den Beinen bin!
So hatte Kurt Egloff einen triftigen Grund, die
Befriedigung ſeines Ehrgeizes einſtweilen aufzuſchieben.
Noch an demſelben Tage ſetzte Mathias Harms die
Frachtraten weiter herunter. Diedrich Geſterling war
davon nicht überraſcht, er hatte es ſchon längſt erwartet
und war darauf vorbereitet. Raſch folgte er ihm nach.
Am Abend teilte er es Frau Abel mit.
Diedrich! rief ſie beſtürzt. Müſſen wir auch
Erſpar=
niſſe im Haushalt machen?
Aber er winkte lachend ab. Er wußte zu genau, daß
bei dieſen Einſchränkungen nicht viel herausſchaute.
Keine Sorge, meine Liebe! beruhigte er. So weit
ſind wir noch nicht.
Und dann, als das Vierteljahr zu Ende ging, empfing
Diedrich Geſterling einen Brief des Schuldirektors, worin
dieſer die betrübende Mitteilung machte, daß Arno trotz
der halbamtlichen Nachhilfeſtunden wieder in die Tertia
zurückverſetzt werden müſſe.
Nun kam die Kontorbedrohung zur Ausführung.
Aber Arno, der im letzten Jahre an Energie und
Widerſtandskraft zu des Vaters heimlicher Freude
außer=
ordentlich zugenommen hatte, ſträubte ſich heftig, und
er=
klärte rund heraus, er wolle Maler werden.
Diedrich Geſterling hatte daraufhin eine etwas
ſtür=
miſche Auseinanderſetzung mit Kurt Egloff, der dabei
blieb, daß es keine Sünde wäre, ein ſolch großartiges
Talent verkümmern zu laſſen. Nun ging der Vater
ſchein=
bar auf Arnos Wunſch ein, und ließ ſich von ihm in das
Zeheimnis des Dachbodengteliers einweihen. Die Maſſe
der dert autſefiedeien Auſfansvoräte ſberaſchte in
gewaltig. Er wählte drei der Bilder aus, nach Arnos
Meinung die am beſten gelungenen, nahm ſie eines
Mor=
gens mit nach Hamburg, und legte ſie einigen
Sachver=
ſtändigen vor. Aber keiner dieſer Herren erkannte die
Vorzüge der Arnoſchen Pinſelführung. Sie war gleichweit
von der Klaſſik und der Moderne entfernt, und ſtand ganz
auf ihren eigenen Beinen. Diedrich Geſterling hatte die
Vorſicht geübt, ſich dieſe Gutachten ſchriftlich geben zu
laſſen. Die legte er dann ſeinem hoffnungsvollen
Spröß=
ling vor, und hieß ihn ſelbſt entſcheiden.
Arno hatte dafür nur ein hochgradig verächtliches
Lächeln. Was war denn ſo ein Sachverſtändiger! Darunter
einer, der noch nie einen Pinſel angerührt hatte! So
einer ſtellt ſich nun hin und redet klug! So einer konnte
Arnos Künſtlerbewußtſein nicht erſchüttern! Auch Kurt
Egloff wagte offen die Berechtigung dieſer offiziellen
Kunſturteile zu bezweifeln.
Diedrich Geſterling jedoch ſetzte es durch, daß ſich Arno
fügte. Er ſchlug ihm zunächſt eine Probefriſt vor, um ihn
allmählich in den kaufmänniſchen Dienſt einzugewöhnen.
Aber der Junge hatte für ſauber geſchriebene Fakturen
und Kursſchwankungen nicht das geringſte Intereſſe. Er
arbeitete nur, wenn ihm der Vater ſcharf auf die Finger
ſah. Und dann war es noch eine große Ausnahme, wenn
die Arbeit zu gebrauchen war. Während der Börſenzeit,
wo der Vater abweſend war, ergötzte ſich Arno damit,
die Angeſtellten des Kontors der Reihe nach mit der
Fe=
der zu vorträtieren. Sorgfältig verbarg er dieſe Blätter,
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 23. Juni 1910.
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daß ſie nicht in die unrechten Hände fielen. Einmal aber
erwiſchte ihn der Vater doch über dieſer Ungehörigkeit,
nahm ihm das Blatt, das er gerade unter der Feder hatte,
weg und wollte ſich lebhaft entrüſten.
Als er aber den Bogen recht betrachtete, fühlte er
plötzlich das heftige Bedürfnis, ſich von Arno
wegzu=
drehen und zum Fenſter zu treten.
Das war Matthias Harms, wie er leibte und lebte!
Nur die charakteriſtiſchen Merkmale waren dick
unter=
ſtrichen. Darin aber lag vornehmlich die verblüffende
Wirkung der Zeichnung.
Damit alſo verbringſt Du Deine Zeit! fuhr der Vater
herum und verbiß ſich mühſam ſein Lächeln.
Arno hob nur die Schultern, dieſe Anklage kam ihm
nicht unerwartet.
Und ſo eine abſchreckende Karikatur! rief der Vater
und ſchlug mit dem Handrücken dem papiernen Matthias
Harms mitten auf die große Naſe.
Aber erlaube mal! begehrte Arno auf mit dem Stolz
des tiefgekränkten Künſtlers. So ſieht er wirklich aus!
XII.
Der Juli bevölkerte Blankeneſe wieder mit Fremden.
Faſt an jedem Hauſe hing ein weißer Zettel mit der
lockenden Inſchrift: Hier ſind Zimmer zu vermieten! Und
wo keiner angebracht war, ſaßen die Fremden ſicher ſchon
drin.
Frau Geſche Suxdorf nahm wieder das ältere
Ehe=
paar aus Altona in Penſion, das ſchon öfter bei ihr
ge=
wohnt hatte, und nur letztes Jahr ausgeblieben war. Bei
Frau Breckwoldt wohnten ein paar Hamburger
Lehrerin=
nen. Sogar Frau Dora Fedderſen an der Wedeler
Chauſſee ließ eine Tafel in ihren Garten ſtellen, dicht neben
die Pforte. Auf den Gedanken hatte ſie ihr Schwager
gebracht, der die Fabrik leitete und pünktlich jeden erſten
Samstag im Monat erſchien, um die tauſend Mark abzu=
liefern, die Frau Dora Fedderſen ſofort auf die Sparkaſſe
legte. Sie klagte ihm einmal ihre Einbrechernot, und er
ſchlug ihr vor, von ihren neun möblierten Zimmern einige
zu vermieten. Dann hätte ſie jemand im Haus und
brauchte ſich des Nachts nicht ſo zu fürchten. Auch Guſchi
redete ihr im Intereſſe ihrer eigenen Nachtruhe zu.
Und Frau Dora entſchloß ſich endlich, den Verſuch zu
wagen. Aber an Sommergäſte wollte ſie nicht vermieten.
Die verwohnten ihr nur die ſchönen Stuben und zogen
doch bald wieder fort. Deshalb auch ſtand auf der weißen
Tafel ausdrücklich: Hier ſind Zimmer nur in
Jahres=
miete zu vergeben. Und die wohnungſuchenden
Ferien=
gäſte, die die Wedeler Chauſſee infolge der mangelnden
Elbausſicht nicht ſo ſchwer heimſuchten wie den
Strand=
weg, klopften erſt gar nicht bei Frau Dora Fedderſen an.
Jahresmieter aber waren ſelten. Und ſo ſtand die Tafel
und lockte vergeblich.
Unterdeſſen hatte Martin Focks Landfieber reißende
Fortſchritte gemacht. Jeden Tag zankte er ſich mit Frau
Geſche herum, daß ſich das alte Ehepaar aus Altona,
das ein ruhiges Quartier erwartet hatte, ernſtlich über
die fortwährenden Störungen aufhielt. Frau Geſche wies
den wilden Bräutigam heftig zur Ruhe, doch er kehrte ſich
nicht daran. Erſt ſollte ſie Ewes Papiere herausgeben!
Aber das tat ſie nicht. Da wurde er immer wilder.
Selbſt Ewe konnte ihn zuletzt nicht mehr regieren. Nur
wenn ſie Tränen in den Augen hatte, ſteckte er ein paar
Löcher zurück. Außerdem war er eiferſüchtig wie ein
Türke.
An Sonntagen hatte das alte Ehepaar ſtets Beſuch
von ſeinen erwachſenen Kindern. Es waren auch
zwei junge Kaufleute darunter, die in ihrer
Herzensein=
falt mit Ewe etwas zu äugeln beliebten. Dieſen beiden
unſchuldigen Jünglingen fuhr Martin eines Mittags bös
in die Parade. Am liebſten hätte er ſie mit einem
einzigen Schlag an die Wand geklebt wie ein paar
un=
ausgebackene Pfannkuchen. Frau Geſche ging öffentlich
gegen ihn vor und verbot ihm das Haus. Aber er kam
doch wieder. Ueberall ſuchte er Händel, ſogar den alten
Poliziſten ließ er nicht in Frieden. Doch der konnte ihn
und legte ſich erſt nicht mit ihm an. Zum Glück trafter
nicht auf Jaſper Dunt. Der ging, ohne in Blankeneſe
anzulegen, gleich von Altona in See. Er hatte nicht die
geringſte Luſt, ſich mit Martin Fock herumzuſchlagen.
Frau Geſches Einwohner hatten es endlich ſatt und
wollten ausziehen.
Geh Du man wieder in See! ſchrie ſie Martin an,
noch ſchriller als die Türglocke. Du biſt toll und dreimal
verrückt. Wir können Dich hier nicht brauchen.
Die Papiere will ich haben! ſchrie er, rot vor Zorn.
Da kannſt Du lange lauern! höhnte ſie und ſtimmte
im Bewußtſein ihrer Macht die Arme in die Hüften. Erſt
mußt Du ein Schiff haben!
Jetzt legte ſich Gorch Holmquiſt ins Mittel, der die
ſtetige Verſchlimmerung des Landfiebers, das Martin
Fock gepackt hatte und nicht wieder losließ, mit
wohlbehag=
licher Aufmerkſamkeit verfolgt hatte.
Als Dank für ſeine Friedensbeſtrebungen wurden ihm
ein paar Ohrfeigen angeboten, aber nicht von Frau
Geſche.
Ich habe keine Luſt, mich mit Dir herumzuprügeln!
verſetzte der dicke Reeder gelaſſen. Aber komm mit in
den Garten, ich habe mit Dir zu reden. Ewe mag uns
eine Flaſche Portwein und ein Tintenfaß bringen,
Pfropfenzieher habe ich ſelbſt.
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 23. Juni 1910.
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Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt
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Pfennigſparkaſſe Darmſtadt.
Samstag, den 25. des gegenwärtigen
Monats, iſt der letzte Termin im laufenden
Vierteljahr, an welchem Einlagen in die
Pfennigſparkaſſe gemacht werden können.
Die Einleger werden daher erſucht, ihre
eingelegte Beträge durch Zulage an dieſem
Tage auf volle Mark abzurunden, da
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falls ihre Einlagen für jetzt nicht in die
Sparkaſſebücher der ſtädtiſchen Sparkaſſe
übertragen werden können.
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Darmſtadt, den 22. Juni 1910.
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Sparkaſſe.
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Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Bekanntmachung.
Nachſtehend bringen wir die Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem
Truppen=
übungsplatz bei Darmſtadt für die Zeit bis 1. Juli ds. Js. zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 7. Juli 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt
ie Zeit vom 14. Juni bis 1. Juli 1910.
der Abſt
von auer
verrung
bis Die Abſperrung
erſtreckt ſich 2. Zumt
24.
25.
27.
28.
29.
30.
1. Domerstag
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Samstag
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag Feldartillerie
Regimenter
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„ N. Ueber das ganze
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Dür den verſtorbenen Herrn Geh. Medizinalrat Dr. Ludwig aus Heppenheim
2 findet am Mittwoch, den 29. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr, in der Aula der
Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt eine Gedächtnisfeier ſtatt, zu welcher die
Herren Vertrauensmänner des „Hülfsvereins für die Geiſteskranken im
Groß=
herzogtum Heſſen” und ſonſtige Freunde des Verſtorbenen andurch ergebenſt
ein=
geladen werden. Teilnehmer belieben ſich wegen Zuſendung von Eintrittskarten
ge=
fälligſt an Großh. Provinzialdirektion in Darmſtadt (Neckarſtraße) mit Poſtkarte
bis zum 27. ds. Mts. zu wenden.
(12676
Darmſtadt, den 16. Juni 1910.
Das Komitee.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Bulldogge. 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Aenderung des § 24 Abſ. 1 des
Ortsbau=
ſtatuts für die Stadt Darmſtadt.
Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 28. April d. Js. ſoll der
§ 24 Abſ. 1 des Ortsbauſtatuts an Stelle des nachſtehend abgedruckten Wortlauts
die untenfolgende Faſſung erhalten.
Einwendungen gegen die Statutänderung ſind bei Meidung des Ausſchluſſes in
der Zeit vom 23. Jum bis einſchl. 9. Juli d. Js. (beide Tage einſchließlich) bei dem
Stadtbauamte, Grafenſtraße Nr. 30, vorzubringen.
Darmſtadt, den 22. Juni 1910.
(12678mmm
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Jaeger.
Frühere Faſſung:
Jetzige Faſſung:
„Die dem § 16 der deutſchen Gewerbe=
„Die dem § 16 der deutſchen
Gewerbe=
ordnung unterliegenden Anlagen ſollen ordnung unterliegenden Anlagen ſollen
in der Regel auf das nördlich des
Gries=
heimer Wegs, weſtlich der Main=Neckar=
Bahn, nordweſtlich der Odenwaldbahn
und weſtlich der Frankfurter Straße
be=
findliche Stadtquartier beſchränkt bleiben.
Ausgenommen hiervon ſind
Vergrößer=
ungen beſtehender Anlagen.”
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in der Regel auf diejenigen Stadtquartiere
beſchränkt bleiben, die weſtlich der
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längerten Kirſchenallee zwiſchen
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heimer Weg und Landwehrſtraße,
nörd=
lich der Landwehrſtraße zwiſchen
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allee und Blumenthalſtraße und weſtlich
bezw. nördlich der Blumenthalſtraße
zwiſchen Landwehrſtraße und Frankfurter
Straße liegen. Ausgenommen hiervonſind
Vergrößerungen beſtehender Anlagen.”
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ſchränke, 2 Büfetts, 2 Pianinos, 5 Schreibtiſche, 1 Landauer, 2 Eisſchränke,
4 Fahrräder, eine Partie Bilder und Bilderleiſten, 40 Dutzend Servietten,
3 Standuhren, 1 Rolle, 50 Sack Gips, 100 Sack Kreide uſw.
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Darmſtadt, den 22. Juni 1910.
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trag über den Bebauungsplan des neuen
Bahnhofs=
viertels. Redner führte ungefähr folgendes aus:
Durch die Verlegung des Bahnhofs auf eine für
Darmſtadt weite Entfernung von dem jetzigen war
es die Aufgabe der Stadtverwaltung, für das große,
freiwerdende Gebiet einen neuen Bebauungsplan zu
ſchaffen, der in erſter Linie die Intereſſen der ganzen
Stadt fördert, auch die Intereſſen der Beſitzer und der
des Handels und der Induſtrie nicht vernachläſſigt.
Das nun zum Bebauen frei werdende Gebiet, von der
Breiten Allee, Griesheimer Chauſſee bis zur
Frank=
furter Straße, begrenzt nach der Stadt von der
Blumenthalſtraße und Feldbergſtraße, war der
In=
duſtrie reſerviert. Dort ſollte außer der vorhandenen
heimiſchen Induſtrie noch diejenige Platz finden, die
noch gegründet werden ſollte und die etwa von
aus=
wärts ihre Betriebe hierher verlegen wollte. Der
jetzige, noch beſtehende Bebauungsplan mußte einer
gründlichen Umarbeitung unterworfen werden. Die
Trennung des Stadtgebietes vom Fabrikviertel, die
durch die Bahn bedingt war, fällt. Die Aufgabe für
diejenigen, die ſich mit dem neuen Bebauungsplan zu
beſchäftigen hatten, war die, das beſtehende Stadtgebiet
mit dem neuen Bahnhof auf die günſtigſte Art zu
ver=
binden und das Gelände zwiſchen Breiter Allee und
Weiterſtädter Weg nutzbar und das Entree zur
Stadt ſelbſt praktiſch und künſtleriſch ſchön zu geſtalten.
Wichtige Momente waren gegeben, die verwertet
wer=
den mußten, 1. der Perſonenbahnhof, der
Güterbahn=
hof, das Straßennetz des Stadtgebietes und die
Haupt=
linien nach dem Bahnhof, die Breite Allee, der
Dorn=
heimer Weg, der Griesheimer Weg uſw.
Ueber das Empfangsgebäude uſw. iſt ſchon früher
berichtet worden. Die Abmeſſungen des
Bahnhofs=
platzes ſind den Verkehrsverhältniſſen entſprechend.
Der Luiſenplatz hat in ſeinen größten Abmeſſungen
1401121 Meter, an den vorſpringenden Bauten 78:80
Meter, der Bahnhofsplatz in der Rheinſtraße 225:82
Meter. Vom neuen Bahnhofsplatz mißt der
Platz vor dem Fürſtenpavillon 84:85 Meter, vor dem
Empfangsgebäude 75:42 Meter. Der Platz vor dem
Dienſtgebäude und mit dem Abſchluß für das
Poſtge=
bäude iſt nach dem Baublock mit einer einreihigen und
nach dem Bahnkörper mit einer dreireihigen Baumreihe
fflankiert und wird 132:40 Meter groß, dahinter noch
eingefriedigt 95:25 Meter, der Platz vor dem
Gries=
heimer Weg=umfaßt 70.80 Meter,
Bei der Platzgeſtaltung wurde die ſtrahlenförmige
Anlage der Straßen zum Bahnhof vermieden, die für
den Fremden in allen den Städten, wo dieſe Anlage
beſteht, nur Verwirrung bedingt. Hier wird der
Ver=
kehr in die richtige Bahn geleitet, nach der Rheinſtraße.
Es kann bei Ankunft kein Zweifel über den Zugang
nach der Stadt entſtehen, gegenüber denjenigen
Bahn=
hofsanlagen, wo der Fremde vor lauter Straßenlöchern
nicht weiß, wo er hin ſoll.
Die Bürgermeiſterei ſtellte von vornherein die
Be=
dingung, daß vor das Rummelſche Anweſen und das
dahinter liegende Fabrikgrundſtück ein Baublock gelegt
wird, damit die am Bahnhofsplatz ſpäter zu
errichten=
den Häuſerfronten und das Empfangsgebäude ein
harmoniſches, künſtleriſches Ganze bilden; die Höhe
dieſer Gebäude wird durch die Höhe des
Empfangsge=
bäudes beſtimmt, 14 Meter bis zur Traufkante. Ein
von Herrn Stadtbaurat Buxbaum entworfenes
Städte=
bild für die Bebauung des Platzes iſt ebenfalls ſchon
entworfen. Auf dem Bahnhofsplatze iſt ebenfalls das
ſchon erwähnte Poſtgebäude als Abſchluß und zur
Ver=
deckung des Güterbahnhofs vorgeſehen, ferner nach der
Griesheimer Chauſſee ein größerer Baublock. Die
Zu=
führung der elektriſchen Straßenbahn iſt doppelgleiſig
durch die Rheinſtraße und in der Verlängerung der
Bismarckſtraße durch den Dornheimer Weg projektiert,
die Gleisanlage iſt in dem (oben abgedruckten) Plan
eingezeichnet, für den Wagenverkehr iſt reichlich Platz.
Der ganze Bahnhofsplatz ſoll elektriſch beleuchtet
wer=
den. Eine weitere Idee iſt, den Bahnhofsplatz nach der
Griesheimer Chauſſee durch ein Denkmal
abzu=
ſchließen.
Wir kommen nunmehr zum neuen
Bebau=
ungsplan. Ueber den Exerzierplatz, Eigentum des
Militärfiskus, beſteht ein Entwurf von Herrn Prof.
Pützer, der in der Mitte einen freien Platz mit einem
öffentlichen Gebäude vorſieht, etwa der Darmſtadt noch
fehlenden Garniſonkirche. Von dem Stadtteile
Beſſungen führt eine Diagonalſtraße nach
dem Bahnhofsplatz. Wünſchenswert wäre es,
wenn der eine Streifen nach der
Gries=
heimer Chauſſee recht bald zur Bebauung freigegeben
würde. Die Breite der Griesheimer Chauſſee iſt
bei=
behalten, auf der rechten Seite ſind 10 Meter
Vor=
garten vorgeſehen. Der Griesheimer Weg, die
nächſte Zufahrtsſtraße zum Bahnhof, erhält eine Breite
von 18:16 Meter, vollſtändig ausreichend für den zu
erwartenden Verkehr. Der Dornheimer Weg,
die Hauptverkehrsſtraße zu dem Güterbahnhof, erhält
von der Bismarckſtraßesbis zu dieſem eine Breite von
23 Meter, dieſe Straße hat die elektriſche
Bahnverbin=
dung mit dem Bahnhof von der Bismarckſtraße
aufzu=
nehmen. Die Rößlerſtraße, die nur ein kleines
Stück eröffnet iſt, wird ſpäter eine
Hauptverbindungs=
ſtraße, die von der Gartenſtadt Hohler Weg, am
Karls=
hof vorbei, das jetzige Ackergelände an der
Zentral=
werkſtatt durchſchneidet, am Bahnhof vorbei führt und
am Südbahnhof ausmündet, dieſe Straße ſoll eine
Breite von 15 Meter erhalten.
Die ſo heiß umſtrittene Diagonalſtraße, die den
Bewohnern vom Johannis= und Martinsviertel eine
möglichſt kurze Verbindungsſtraße bringen ſoll, findet
ſich nun ebenfalls auf dem Plan, und iſt die Löſung
dieſer ſchwierigen Straßenſtrecke geglückt. Dieſe
er=
hält eine Breite von 18 und 16 Meter. Dieſe Straße
wird etwa von der Kahlertſtraße die kürzeſte
Verbin=
dung mit den genannten Stadtteilen finden, in dieſer
Straße iſt elektriſcher Bahnbetrieb vorgeſehen.
Die Fortſetzung der Kirſchenallee konnte
noch nicht beſtimmt feſtgelegt werden, weil die Führung
dieſes Induſtriegleiſes noch nicht genau feſtliegt, es
können hier noch kleine Verſchiebungen kommen. Die
übrigen Straßen erhalten eine Breite von 15 und 12,50
Meter. Der Stirnweg mußte verlegt werden, damit
man nicht in den Güterbahnhof hineinſieht.
Der erſte Entwurf iſt von Herrn Prof. Pützer;
an der weiteren Bearbeitung und Umarbeitung des
Bebauungsplanes haben mitgewirkt die
Bürger=
meiſterei, das Stadtbauamt, der Hochbauausſchuß und
der beſtehende Sonderausſchuß für die
Bebauungs=
pläne. Der jetzige Bebauungsplan iſt das Ergebnis
vieler Vorentwürfe und Beratungen, bei denen die
Eigentums= und die Verkehrsverhältniſſe berückſichtigt
wurden und bei denen die künſtleriſchen Geſichtspunkte
in bezua auf Städtebau voll und ganz gewürdigt
worden ſind. Jeder Bebauungsplan kann alle bei dem
einen oder anderen Intereſſenten etwa gehegten
Wünſche und Erwartungen nicht auslöſen. Es gibt
bei Feſtſtellung von Bebauungsplänen eine Grenze,
die nicht überſchritten werden darf und kann. Für die
Grundſtücksbeſitzer wurde berückſichtigt, daß unnötiges
Anſchneiden von Gelände vermieden und daß dieſelben
mit ihrem Reſtgelände noch etwas anfangen können.
Die Straßenbreiten ſind ſo angelegt, daß der zukünftige
Verkehr aufgenommen werden kann. Eine
Fahrbahn=
breite von 10—11 Meter iſt hierfür vollſtändig
aus=
reichend. Die Anlage elektriſcher Bahngeleiſe iſt
mög=
lich, ohne daß der Fuhrwerksverkehr darunter leidet.
Was nun den zukünftigen Charakter des
Viertels anbelangt, ſo iſt vorgeſehen, daß die be=
Nummer 144.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 23. Juni 1910.
Seite 13.
ſtehenden Fabrikanlagen unbeſchädigt
be=
ſtehen bleiben. Die Nähe des Bahnhofs bedingt,
daß ein ſogenanntes gemiſchtes Viertel geſchaffen wird,
das auch gewerbliche Betriebe aufnehmen ſoll und
zu=
gleich auch Wohnviertel ſein kann. Es kann ſicherlich
nicht als Villenviertel behandelt werden. Die
Bau=
blöcke haben alle größere Tiefen, in dieſen können
Hintergebäude in beſchränkter Höhe errichtet werden.
Die Vorderhäuſer können bis vier Stockwerke bei
ge=
ſchloſſener Bauweiſe gebaut werden. Die Grundſtücke
ſelbſt ſollen nur bis zur Hälfte bebaut werden. Eine
Ausſchlachtung des Geländes ſoll
ver=
mieden werden, weil dieſe erfahrungsgemäß
Ein=
wirkung auf die Höhe der Geländepreiſe hat. Der
Geltungsbereich des neuen Statuts ſoll ſeine
Be=
grenzung an der Kirſchenallee, Weiterſtädter Weg,
Landwehrſtraße und Griesheimer Weg haben. An der
Breiten Allee ſollen gewerbliche Betriebe nicht
ge=
nehmigt werden.
Für die Geländebeſitzer bringt die neue
Bahn=
hofsanlage eine große Wertſteigerung, die darin
be=
dingt iſt, daß das Statut, nach welchem auf dieſem
Ge=
lände nur Fabrikanlagen errichtet werden durften,
nunmehr auch die Errichtung von Wohngebäuden
ge=
ſtattet, und daß durch den Wegfall des alten
Bahn=
körpers dieſes Gelände mit dem Stadtbezirk vereinigt
wird. Um jedoch mit der ganzen Angelegenheit weiter
zu kommen, iſt es notwendig, daß die
Grundſtücksbe=
ſitzer ſich vereinigen, das Straßengelände der Stadt zur
Verfügung ſtellen und vorher Bereinigungspläne zum
Zuſammenlegen der Grundſtücke machen
laſſen, damit eine Grundlage zur
Bebauungsmög=
lichkeit gegeben wird. Der einzelne kann in der Regel
mit ſeinem Gelände nichts anfangen, während derſelbe
bei einer Zuſammenlegung, nach Abgabe ſeines
An=
teils zum Straßengelände, verwertbares Baugelände
erhält und ein umſtändliches, langes Verfahren im
Enteignungswege für das Straßengelände vermieden
werden kann, bei dem die Anlieger doch die Koſten der
Straßenerweiterung zu tragen haben.
Danach kommt Redner zu den
Induſtriegleis=
anlagen. Nach dem früheren Plan wäre wohl
damals der Anſchluß zu haben geweſen, jedoch haben
ſich faſt alle Verhandlungen zur Erwerbung des
erfor=
derlichen Geländes zerſchlagen. Später gab die Bahn
keinen Anſchluß mehr wegen der in Ausſicht ſtehenden
Verlegung der Bahnhöfe. Eine miniſterielle
Genehmi=
gung der damals projektierten Gleisanlagen, hatte
nicht ſtattgefunden.
Nachdem die Verlegung des Bahnhofes zur
Tat=
ſache geworden war, ſind auch von der Bürgermeiſterei
ſofort Verhandlungen wegen dem Induſtriegleis
auf=
genommen worden. Dieſe langwierigen
Verhand=
lungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß die
An=
lage des Gleisanſchluſſes nunmehr geſichert erſcheint.
Die Zuführung erfolgt von der Weiterſtädter Straße
von Weſten, während der frühere Anſchluß durch die
Landwehrſtraße von Oſten erfolgte; der Anſchluß nach
Süden iſt derart gedacht, daß derſelbe nur block= und
gruppenweiſe erfolgen ſoll, weil die vielen
Durch=
ſchneidungen der Fahrbahn für den Verkehr ſtörend
werden.
Es war einmal projektiert, für das ſüdlich des
Weiterſtädter Weges liegende Gelände ein beſonderes
Zuführungsgleis des Landwehrweges zu legen, was
jedoch die Bahn ablehnte. Es beſteht deshalb nur die
Möglichkeit, dieſes Gelände gruppenweiſe mit
Schienen=
ſträngen zu verſehen, wie es auch im Plan
er=
ſichtlich iſt.
Eine Linienführung ſoll die Kirſchenallee
erhalten, an der die Firmen Gebr. Trier, Schneider,
Fiſcher, Nold uſw. ihre Lagerplätze errichten wollen.
Es wird dieſes wohl die erſte Anlage ſein, die zur
Aus=
führung kommt. Eine weitere Linienführung
durch=
ſchneidet das Gelände zwiſchen
Pallaswieſen=
ſtraße und Weiterſtädter Weg, an den Fabriken
Alter und Göhrig u. Leuchs vorbei, durch die
nächſt=
liegenden Fabriken, die alle mit Anſchluß verſehen
werden können, dann an der früheren Lutzſchen Fabrik
vorbei bis zum jetzigen Bahnkörper. Eine dritte
Linienführung zweigt von dieſer nach Norden ab,
führt an der Straußſchen Fabrik vorbei und kann von
dieſer Linie aus das ganze Gebiet mit Gleisanſchluß
verſorgt werden.
Die jetzt beſtehende Linie in der
Landwehr=
ſtraße wird verlängert, verſorgt das Gaswerk, den
Schlachthof und die ſtädtiſchen Lagerplätze mit
An=
ſchlüſſen, ebenſo Lagerhaus, Klenganſtalt Appel,
Lutherſche Maſchinenfabrik, und nimmt die anderen
dort beſtehenden=Anſchlüſſe auf. — Die ganze Anlage
iſt weitſchauend und großzügig angelegt und es wäre
zu wünſchen, daß ſich,dort recht bald ein reges Leben
entfalten möge.
Das Projekt der neuen Gleisanlagen iſt von der
Bürgermeiſterei, ſpeziell von Herrn Baurat Jäger,
be=
arbeitet, der auch die äußerſt ſchwierigen
Verhandlun=
gen mit der Bahn und den Intereſſenten geführt hat.
Das vorliegende Projekt iſt nun von der
Handels=
kammer und der Eiſenbahndirektion gutgeheißen
worden. Auch bei dieſem Projekt wurden die
Eigen=
tumsverhältniſſe nach Möglichkeit berückſichtigt. Hier
kann dasſelbe wie beim Bebauungsplan geſagt werden,
daß es nicht möglich iſt, jeden Wunſch in die Tat
um=
zuſetzen. Die Straßen in dieſem Bezirk ſollen eine
ge=
ringere Breite (etwa 10 Meter) erhalten, das
Bahn=
gleis kommt in die Mitte zu liegen; die Bebauung mit
Wohnhäuſern an dieſen Straßen wird nur 1½ſtöckig
zugelaſſen werden.
Auch bei dieſer für die Entwicklung von
Darm=
ſtadt ſo wichtigen Anlage iſt es bedauerlich, daß bei
manchen Grundbeſitzern ſo wenig Entgegenkommen
ge=
zeigt wird. Es dürfte doch Tatſache ſein, daß mit der
Anlage des Induſtriegleiſes die von dieſem berührten
Grundſtücke im Werte ſteigen, daß dieſelben leichter
verwertbar und leichter verkäuflich ſind. Das
Haupt=
ziel wäre doch, daß, wenn Intereſſenten kommen, dieſe
Gelände mit Anſchlußgeleiſen finden, und daß dieſe
wiſſen, was ein Fabrikgrundſtück mik Anſchluß koſtet.
Die Anſchlußgeleiſe müſſen alsbald hergeſtellt werden,
damit im Induſtrieviertel recht bald ein reges Leben
ſich Bahn brechen kann.
Der Handelskammer ſind die Koſten der
Gleis=
anlagen bereits mitgeteilt worden, ſo daß ſich die
Intereſſenten bald ſchlüſſig machen können, auch können
in jedem einzelnen Falle die Koſten des Anſchluſſes
be=
rechnet werden.
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Seite 14.
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des Ortsvereins Darmstadt
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(Woogsplatz): Kommers für Damen u. Herren; Mitwirkende:
Hofopernsängerin Frau Lina Morny (Sopran), Herr
Opern-
sänger H. Meyer (Bariton) und andere.
Sonntag, 26. Juni, vormittags 8 Uhr: Ausflug mit Musik vom
Gewerkschaftshaus nach der Ludwigshöhe;
vorm. II½ Uhr: Akademische Feier im Städtischen Saalbau;
nachm. 4 Uhr: Großes Gartenfest, Vokal- und Instrumental-
Konzert, Preisspiele, Tanz usw. usw.
(12649ds
Eintritt: ein Tag 30 Pfg., beide Tage 50 Pfg. — Gäste willkommen.
Der Vorstand.
Das Festkomitee.
Städtischer Saalbau.
Am 23. Juni 1910, abends 8 Uhr:
6. Donnerstags=Konzert
der vollſtändigen Kapelle des Leibgarde=Regiments
unter Leitung des Obermuſikmeiſters H. Hauske.
Programm: Smetana: Ouvertüre zu „Die verkaufte Braut” Wagner: Szenen
des I. Aktes a. d. „Walküre” (bearb. von H. Hauske); Liſzt: Rakoczy=Marſch (
ſym=
phoniſch); Meyerbeer: Dramatiſche Fantaſie a. „Die Hugenotten”; Saint=Saéns:
(12674
Danse macäbres (Totentanz) uſw.
Eintritt 50 Pfg., für die Herren Studierenden und Militärperſonen 30 Pfg.
Dutzendkarten à 4 Mk. zu haben bei H. de Waal, L. Schutter, W. Kaminsky, im
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büro und an der Abendkasse.
NB. Die Konzerte werden bei ungünſtiger Witterung in den gr. Saal verlegt.
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Eintritt frei.
Anfang 8 Uhr. (*15348
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Freitag, den 24. Juni:
I. Abohements-Kuf Konzert
von der ganzen Kapelle des Leib-Drag.-Regts. (2. Grossh. Hess.) Nr. 24
nnter Leitung ihres Dirigenten Herrn Obermuſikmeiſter Rühlemann.
Anfang nachmittag 4½ Uhr. — Eintritt à Person 40 Pfg. Kinder 20 Pfg.
Von abends 8 Uhr an: Réunion.
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Donnerstag, den 23. Jun und3—8 Uhr nachm. Arena: Nachm. 4 Uhr:
Schülerwettspiele. Drittes Gastkonzert Johann Strauss und
Musikkapelle Art.-Regt. Nr. 63 Frankfurt a. M. Abends 8¾ Uhr auf
der Schaubühne: „Wallensteins Lager” von Friedr. von Schiller
unter Mitwirkung geehrter hiesiger Damen u. Herren. Künstlerischer
Beirat: Herr Kunstmaler Forell. Regie: Herr Direktor Hauser vom
Rhein-Mainischen Verbandstheater, Im Anschluss an diese Aufführung
das sensationelle Variété-Programm.
Preisschiessen von 10—12 Uhr vorm. und
Freitag, den 22. Junl 3—8 Uhr nachm. Arenn: 4 Uhr nachmittags
Schülerwettspiele. Vorletztes Gastkonzert Johann Strauss
und Musikkorps Inf.-Regt. Nr. 81 Frankfurt a. M.
Preisschiessen von 10—12 Uhr vorm. und
Samstag, den 25. Jum 3—8 Uhr nachm. Arena nachmittags 4 Uhr:
Hockey-Wettspiele (Lessing-Gymnasium gegen Wöhler-
Realgym-
nasium). Nachm. 5½ Uhr: Fussball-Wettspiele (Association) Drag.-
Regt. Nr. 24 Darmstadt gegen Inf.-Regt. Nr. 81 Frankfurt a. M.
Ab 4 Uhr nachmittags: Sensationelles Doppel-Gastspiel:
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