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173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
N 142.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Unterlaſſungsſünden im Strafrecht.
Reformgedanken.
Kn. Anknüpfend an die kürzlich in raſcher Folge
ge=
ſchehenen nächtlichen tödlichen Unfälle zweier Menſchen
durch Ueberfahrenwerden von Automobilen und
insbeſon=
dere an das hierbei von den Schuldigen an den Tag gelegte
Verhalten, das in weiteſten Kreiſen gerechte Empörung
hervorrief, dürfte es nicht unintereſſant ſcheinen, die
Unter=
laſſungsſünden, die in unſerem heutigen Strafrecht noch ſo
wenig Beachtung gefunden haben, einmal näher zu
beleuch=
ten. In beiden obenerwähnten Fällen wurde feſtgeſtellt,
daß eine fahrläſſige Tötung durch Automobiliſten vorlag,
zugleich aber auch, daß beide Opfer (das erſte ein Arbeiter
bei Berlin, den man am folgenden Morgen tot im
Stra=
ßengraben fand, das zweite ein Offizier im Elſaß, der
zwar noch lebend aufgefunden wurde, aber bald darauf
verſtarb) noch einige Zeit nach dem Unfall gelebt hatten.
Trotz dieſes letzteren Umſtandes waren die Schuldigen
weitergefahren, ohne ſich auch nur im geringſten der zu
Tode Verletzten anzunehmen oder auch nur an dritter
Stelle für ihre Bergung zu ſorgen. Wäre nicht eventuell
noch eine Rettung durch ſchleuniges Eingreifen in dem
einen oder anderen Falle möglich geweſen, und liegt nicht
in dem einfachen Davonfahren, unbekümmert um den
Sterbenden an der Landſtraße, ein neues Delikt, das
mit der Hauptat, dem fahrläſſigen Ueberfahren, dem an
ſich gar keine Motive pſychiſcher Art zugrunde liegen, ſtreng
ſcheidet als Ausfluß einer eigens ſtrafwürdigen
Gemüts=
roheit? Unſer Strafgeſetzbuch verneint dieſe ihm
anſchei=
nend naiv vorkommende Frage des Laien und weiſt dabei
äuf den für die fahrläſſige Tötung zur Verfügung
ſtehen=
den Strafrahmen von 1 Tag bis zu 3 Jahren hin. Uns
will es aber bedünken, daß dieſer Strafrahmen nicht für
ſolches Verhalten des Schuldigen geſetzt wurde, das nach
der vollendeten Tat (mit dem Ueberfahren iſt die Tat auf
ſeiten des Täters tatſächlich vollendet, der Erfolg — Tod —
tritt ſpäter, aber nunmehr als naturgemäße Folge der
Handlung ein) zutage tritt, ſondern nur die einzelnen
Grade der Fahrläſſigkeit und andere erſchwerende Momente
vor und bei der Tat zu treffen habe. Für ſolch frivoles
Unterlaſſen iſt wohl eine eigene Frivolitätsſtrafe am
Platze, die der Geſinnung gebührend Rechnung trägt.
Bei dieſer Gelegenheit iſt ein Ausblick auf ähnliche
Unterlaſſungsſünden, die ebenfalls vom Strafgeſetze
unbe=
rührt geblieben ſind, nicht unintereſſant. Oberſter
Grund=
ſatz des Strafrechts iſt: Wer Verbotenes tut, verfällt in
Strafe. Nicht aber hat ſich das Strafrecht bisher in
wei=
terem Umfange dazu entſchließen können, ein poſitives
Handeln zu verlangen und mit Strafen zu erzwingen. Nur
in ſeltenen Ausnahmefällen iſt die Unterlaſſungsſünde als
ſolche mit Strafe bedroht.
Wohl iſt die unterlaſſene Anzeige geplanter
ſchwerer Verbrechen (Hoch= und Landesverrat,
Mord, Brandſtiftung, Brunnenvergiftung u. a.) für den
Fall mit Strafe bedroht, daß die Tat zur Ausführung
kommt. Nicht aber kann die Anzeige ſchon begangener
Verbrechen durch Strafe erzwungen werden. Und doch
kann im letzten Falle genau dieſelbe oder noch größere
Gefährdung eintreten wie im erſten. Wer von einer
ge=
planten Brandſtiftung oder Brunnenvergiftung erfährt,
muß dies anzeigen, um die Tat zu verhindern; wer eine
ſchon vollendete Brandſtiftung oder Brunnenvergiftung
entdeckt, kann ſtraflos zuſehen und die Folgen dieſer ihm
bekannten Straftaten abwarten, wiewohl doch im letzteren
Falle die allgemeine Gefahr eine bedeutend unmittelbarere
iſt, als im erſten, wo das Verbrechen nur geplant:
Sicherlich eine Inkonſequenz, deren Abhilfe bei der eben
im Gange befindlichen Reform der Strafrechtspflege wohl
erwünſcht wäre.
Auf dem angedeuteten Wege einen Schritt
weiter=
gehend, gelangt man zu der — allerdings in Kreiſen
un=
ſerer heutigen Strafrechtler noch vielfach mit Achſelzucken
aufgenommenen — Frage, ob man nicht eine jede
Unter=
laſſung der Anzeige von einer unmittelbaren Lebensgefahr
für eine Perſon unter eine entſprechende Strafe zu ſtellen
habe. Uns will es durchaus kein unberechtigter Eingriff
in die perſönlichen Freiheitsrechte des Einzelnen, die ſich
überdies doch auch auf vielen anderen Gebieten mancherlei
Einſchränkungen fügen müſſen, bedeuten, wenn man eine
derartige Voranzeigung unmittelbarer Lebensgefahr —
Dienstag, den 21. Juni.
etwa bei Auffindung eines Schwerverletzten in einſamer
Gegend — verlangen wollte.
Uebrigens iſt der ſcheinbar neue Gedanke keineswegs
bisher dem Strafrechte ganz fremd geblieben. Das deutſche
Geſetz über die Strandung von Seeſchiffen beſtraft
den=
jenigen, der die infolge der Strandung eines Schiffes für
Leben und Eigentum entſtehende Gefahr nicht alsbald der
Behörde, zwecks Rettung, anzeigt, und noch weiter geht
die Anzeigepflicht bei Ausbruch anſteckender Krankheiten
des Menſchen oder der Haustiere.
Es ſchiene darum nicht unbillig, das Augenmerk des
Strafrechtes auch einmal auf die Unterlaſſungsſünden zu
richten, die in ihren Konſequnezen oft den
Begehungs=
ſünden nicht nachſtehen. Vielleicht wird ſich die
Reform=
bewegung auch nach dieſer Richtung hin einmal zu
betä=
tigen Anlaß nehmen.
Der Krieg im Baugewerbe.
— Nach wochenlangen Kämpfen iſt es nunmehr im
deutſchen Baugewerbe zu einem Friedensſchluß gekommen,
wenn auch hier und da das Fehdebeil noch nicht wieder
eingegraben iſt und man noch länger im Kampfe
aus=
harren möchte, weil das erreichte Ergebnis nicht vollſtändig
befriedigt. Es war einer der größten wirtſchaftlichen
Kämpfe, der hier ausgefochten wurde, und wie es immer
bei dergleichen Dingen der Fall iſt, einen wirklichen Sieg
keiner der beiden Parteien brachte, obwohl er reichliche
Opfer gekoſtet hat. Anfänglich hatte man nicht geglaubt,
daß ſich die Verhältniſſe auf das ſchärfſte zuſpitzen würden,
da der Boden für eine Einigung bei beiderſeitigem guten
Willen ein durchaus günſtiger geweſen war. Aber eine
gewiſſe Richtung innerhalb der Arbeitgeberſchaft war für
Unnachgiebigkeit, und ſo kam es denn zum Kriege. Daß
man auch auf ſeiten des Unternehmertums nicht
allent=
halben mit einem derartigen ſchroffen Vorgehen
einver=
ſtanden war, beweiſt das Verhalten von Berlin und
Hamburg, wo man ſeine eigenen Wege ging und beſondere
Abmachungen mit den Arbeiterorganiſationen traf. Die
Hauptforderung, um die es ſich drehte, war das Verlangen
der Arbeitgeber nach Schaffung eines Zentraltarifs, gegen
den ſich die Arbeiterſchaft wandte, weil ſie befürchtete, daß
die Abſicht dahinterſtecke, den Arbeitnehmern im günſtigen
Moment einen Entſcheidungskampf zu liefern und dann
den Sieg nach Kräften auszunutzen durch Zertrümmerung
ihrer Organiſationen. Nun konnte es aber heutzutage
nichts Verfehlteres geben, als den Organiſationen der
Arbeitnehmer die Daſeinsberechtigung abzuſprechen.
Nie=
mand wird es ihnen verwehren wollen, ſich zur Hebung
ihrer Lebensverhältniſſe zuſammenzuſchließen, denn der
einzelne oder auch Wenige ſind in dieſer Hinſicht machtlos.
Andererſeits ſind Organiſationen der Arbeiterſchaft
auch für das Unternehmertum ſelbſt von Wert, da durch
Vereinbarungen mit ihnen Schädigungen der eigenen
Intereſſen vermieden werden können. Man denke nur
daran, daß gerade in dieſer Hinſicht Lohntarife durchaus
geeignet ſind, den Konkurrenzkampf einzuſchränken und
Preisunterbietungen zu erſchweren, wenn nicht ganz
un=
möglich zu machen. Gewiß haben derartige
Tarif=
abmachungen auch ihre Kehrſeite, denn meiſt geht es bei
ihrer Erneuerung nicht ohne lebhaften Kampf ab,
gleich=
wohl aber muß man ſagen, daß der Nutzen derartiger
Tarifverträge die Schattenſeiten überwiegt. Bedauerlich
iſt, daß die Frage der Tarifverträge noch zu keiner
geſetz=
lichen Regelung geführt hat. Schon mehrfach iſt im
Reichs=
tage dieſer Wunſch ausgeſprochen worden, aber ohne
Er=
folg, da in dieſer Hinſicht auch in juriſtiſchen Kreiſen noch
die Anſchauungen auseinandergehen. Die Gerichte ſind
ſich oft unklar darüber, ob man einen Tarifvertrag für eine
Kriegswaffe oder für ein Friedensinſtrument erklären ſoll.
Für dieſe letztere Auffaſſung hat ſich der frühere
Staats=
ſekretär des Reichsjuſtizamts Nieberding vor zwei Jahren
im Reichstage erklärt, und es wäre richtig, wenn man ſich
allgemein dieſem Standpunkte anſchließen würde.
Wirt=
ſchaftliche Kämpfe, wie der Krieg im Baugewerbe, ſchlagen
für beide Seiten ſchwere Wunden, und ſchließlich hat auch
unter derartigen Vorgängen das geſamte
volkswirtſchaft=
liche Leben eines Staates zu leiden. Man ſollte daher
alles tun, um Einrichtungen zu ſchaffen, die geeignet ſind,
den wirtſchaftlichen Frieden zu erhalten oder zum
min=
deſten etwaigen Differenzen die Schärfe zu nehmen.
Vom Deutſchen Arbeitgeberbund wird uns geſchrieben:
Der Ausgang des Kampfes im
Bauge=
werbe wird von einigen Zeitungen als eine
empfind=
liche Niederlage der Arbeitgeber bezeichnet. Davon kann
1910.
nicht die Rede ſein; denn wenn auch nicht alle
Forderun=
gen der Arbeitgeber durchgeſetzt werden konnten, ſo haben
die von den ſtreitenden Parteien angenommenen
Eint=
gungsvorſchläge doch die Erfüllung der wichtigſten
Wünſche der Arbeitgeber gebracht: die allgemeinen
Ar=
beitsbedingungen ſind jetzt durch einen Reichstertrag
zwi=
ſchen den Zentralinſtanzen feſtgelegt, ein
Zentralſchieds=
gericht iſt eingeſetzt worden, die Bekämpfung der
Akkord=
arbeit durch die Arbeiterorganiſationen iſt als unzuläſſig
und widerrechtlich erklärt In anderen Punkten iſt freilich
ein Erfolg nicht zu verzeichnen, ſo bleibt z. B. hinſichtlich
des Arbeitsnachweiſes alles beim alten. Das
Schieds=
gericht in Dresden war bei dem vollſtändigen Fehlen einer
zuverläſſigen amtlichen Statiſtik der Lebensmittel= und
Wohnungspreiſe nicht in der Lage, eine den tatſächlichen
Verhältniſſen angepaßte Lohnerhöhung zu verfügen
darunter haben nun viele Arbeitgeber ebenſo zu leiden,
wie viele Arbeitergruppen, für die etwas mehr oder etwas
weniger als die dekretierten 5 Pfg. in den nächſten drei
Jahren gerechter geweſen wären. Da die Arbeiter faſt
überall eine Erhöhung des Stundenlohnes um rund 10
Pfg. gefordert hatten, ſtellt ſich auch in der Lohnfrage der
Ausgang des Kampfes nicht als eine Niederlage der
Ar=
beitgeber dar. Aehnlich iſt es hinſichtlich der Arbeitszeit:
im großen und ganzen wird die zehnſtündige Arbeitszeit
im Sommer durch den Schiedsſpruch nicht verkürzt, nur
in 6Großſtädten iſt man auf 9½ Stunden zurückgegangen.
— Eine wirtſchaftspolitiſche Korreſpondenz führt die
an=
gebliche „Niederlage: des Arbeitgeberbundes darauf
zu=
rück, daß er den Verbänden in Berlin und Hamburg
ge=
ſtattet habe, weiter zu arbeiten und dadurch die Kaſſen
der Arbeiterverbände zu füllen. Das verrät eine
vollſtän=
dige Unkenntnis der Vorgänge. Berlin und Hamburg
ha=
ben ſich ſeinerzeit geweigert, dem Beſchluſſe des Bundes
auf allgemeine Ausſperrung Folge zu leiſten und dadurch
den kämpfenden Bauarbeitgebern den Kampf allerdings
erſchwert. Wenn trotzdem der Ausgang ein leidlich
befrie=
digender iſt, ſo beweiſt das, daß die noch jungen
Organi=
ſationen der Arbeitgeber des deutſchen Baugewerbes gut
zu kämpfen verſtanden haben. Sie haben die Feuerprobe
beſtanden und werden auch in Zukunft übertriebene
For=
derungen der Arbeiterführer zurückzuweiſen verſtehen.
Zur Kretafrage.
* In Beantwortung des letzten engliſchen
Vorſchla=
ges über Kreta unterbreitete die ruſſiſche
Regie=
rung, obwohl ſie ſich bereit zeige, ihm beizutreten und
ſo=
fort ein weiteres Kriegsſchiff in die kretiſchen Gewäſſer zu
entſenden, den Kabinetten von London, Paris und Rom
einige Betrachtungen, ohne ihnen jedoch das Gepräge
ei=
nes formellen Gegenvorſchlages zu geben. Danach glaubt
das Petersburger Kabinett, daß in Anbetracht der
Stim=
mung auf Kreta kaum zu hoffen ſei, daß Kreta ſich den
Wünſchen der Schutzmächte freiwillig fügen werde und daß
man daher als Endergebnis wieder eine Okkupation der
Inſel durch die Schutzmächte und die Uebernahme der
kretiſchen Verwaltung durch ſie vorausſehen müſſe, ein
Er=
gebnis, das aber erſt nach einer langen Zeit voller
Agita=
tionen und Unruhen, die für die Aufrechterhaltung des
Friedens ſehr gefährlich ſeien, eintreten würde. Unter
die=
ſen Umſtänden und der Unmöglichkeit gegenüber alle
Sig=
natarmächte des Berliner Vertrages zu einer endgültigen
Löſung der Kretefrage ohne weiteres und ohne Wettſtreit
miteinander bereit zu finden, iſt die ruſſiſche Regierung
der Meinung, daß jede der vier Schutzmächte ſofort zur
Errichtung einer proviſoriſchen Regierung ſeitens der
gs=
nannten Mächte ein hinreichendes Truppenkontingent nach
Kreta entſenden könnte. Befände ſich das Streitobjekt
wieder in den Händen der vier Mächte, könne man auch
auf eine allgemeine Beruhigung rechnen.
Zu der Kretanote des Miniſters des Aeußern führt
die Nowoje Wremja unter der Ueberſchrift: „Rückkehr
zum Alten” aus: Die ruſſiſche Regierung wählt den
rich=
tigen Weg. Irgend ein Zufall kann die Türkei und
Grie=
chenland zu einem Schritt führen, den beide bereuen
wür=
den. Der ruſſiſche Vorſchlag beſeitigt den Streitpunkt und
macht einen griechiſch=türkiſchen Zuſammenſtoß zwecklos
und daher unwahrſcheinlich. Wenn die Mächte den Ernſt
der Lage erkennen, müſſen ſie den Vorſchlag annehmen,
der eine ruhige Beſtimmung des ſpäteren Schickſals Kretas
ermöglicht. Die Verwirklichung des Vorſchlags verurſacht
Rußland Ausgaben von Millionen, die aber eine
Verſiche=
rungsprämie für die Erhaltung des Friedens auf dem
Balkan darſtellen.
Aus Konſtantinopel wird gemeldet: Trotz der
günſtigen Aufnahme der Auslaſſungen des Miniſters
des Aeußern Rifaat Paſcha im Parlament, Kreta
betreffend, gelang es Rifaat nicht, das Mißtrauen in
Englands Haltung gänzlich zu zerſtreuen. Der
tonangebende Tanin ſchreibt, die Schutzmächte wollten
gegenwärtig die Kretafrage nicht löſen; ſie glaubten genug
getan zu haben, wenn ſie den islamitiſchen Abgeordneten
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Juni 1910.
Nummer 142.
und Beamten in Kreta ihre Tätigkeit gewährleiſteten.
Unſere Forderungen gehen aber weiter und vertragen
kein Lavieren. Frankreich teilt vollkommen unſeren
Stand=
punkt, aber England lehnt es ab, demſelben beizupflichten.
Warum, wiſſen wir nicht; wir wiſſen nur, daß England
ſich bemüht, den ungünſtigen Eindruck über ſeine
Zurück=
haltung durch Verſicherungen ſeines Wohlwollens zu
ver=
wiſchen. Es ſpart nicht mit ſüßen Worten. England hält
unſere gerechten Anſprüche für unzeitgemäß, aber es ſagt
uns das mit möglichſt viel Höflichkeit und Nobleſſe.
Nach Meldungen aus Saloniki iſt der
Ein=
marſch der Truppen in das Gebiet von Maleiſta
auf Schwierigkeiten geſtoßen, weil die Arnauten
an mehreren Orten Widerſtand leiſteten. Die Truppen
verjagten ſchließlich die Arnauten und nahmen eine
An=
zahl feſt. Es wurde begonnen, die Bevölkerung zu
ent=
waffnen. Die Truppen, die zumeiſt von Höhen beſchoſſen
wurden, verloren 2 Offiziere und 16 Mann. Das
Expe=
ditionskorps beſteht aus 27 Bataillonen. — Der
Boy=
kott wurde hier auch auf die griechiſchen
Kauf=
läden ausgedehnt. Ottomaniſche Griechen müſſen,
um Verwechslungen vorzubeugen, für zehn Piaſter ein
Zeugnis beim Boykottkomitee löſen. — Die türkiſche Preſſe
äußert ſich über die Haltung Frankreichs in der
Kretafrage mit großer Befriedigung. — Die
kriegeriſche Aktion unter dem Volke iſt ſeit einigen Tagen
eingeſtellt.
Teutſches Reich.
Die Betriebseinnahmen der
preu=
ßiſch=heſſiſchen Staatseiſenbahnen haben
im Mai gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres im
Perſonenverkehr 8,5 Millionen Mark — 16,93 v. H.,
im Güterverkehr 4,8 Millionen Mark — 4,81 v. H.,
insge=
ſamt mit Einſchluß der Mehreinnahme aus ſonſtigen
Quellen 14,2 Millionen Mark — 8,91 v. H. mehr betragen.
Zur Erläuterung dieſes Ergebniſſes iſt zu bemerken, daß
die Zahl der Sonntage und geſetzlichen Feiertage in den
beiden Jahren zwar gleich war, das Pfingſtfeſt im vorigen
Jahre jedoch auf die beiden letzten Tage des Mai fiel, ſo
daß ein erheblicher Teil der Einnahme aus dem
Rückfahr=
verkehr im Vorjahre erſt dem Monat Juni zugute kam.
Auch iſt ferner zu berückſichtigen, daß das Fronleichnamfeſt,
das zwar nicht zu den geſetzlichen Feiertagen zählt, aber
vielerorts gefeiert wird, in dieſem Jahre noch in den Mai
fiel, wodurch die Einnahmen aus dem Perſonenverkehr
gleichfalls erhöht, die aus dem Güterverkehr verringert
wurden.
Die Kommiſſion des Reichstags für
die Reichsverſicherungsordnung begann am
Samstag mit dem dritten Abſchnitt der
Krankenverſiche=
rung, der von den Trägern der Verſicherung handelt. Es
kam zu einer längeren Ausſprache über die verſchiedenen
Kaſſen. Staatsſekretär Delbrück ſprach ſich für eine
allmähliche Zentraliſation der Kaſſen aus. Die hiſtoriſch
gewordenen, gut funktionierenden Betriebs= und
Innungs=
kaſſen verſchwinden zu laſſen, dazu liege kein Grund vor.
Die Ausdehnung der Verſicherung auf die Heimarbeiter
und die ländlichen Arbeiter begegne außerordentlichen
Schwierigkeiten. Dieſe müßten berückſichtigt werden. Er
müſſe erklären, es beſtehe nicht die geringſte Hoffnung, daß
die verbündeten Regierungen geneigt ſein würden, von den
in der Vorlage niedergelegten Grundſätzen abzuweichen.
Es müſſe an der Organiſation beſonderer Kaſſen für die
Landarbeiter unbedingt feſtgehalten werden. Ein
national=
liberaler Abgeordneter erklärte, daß ſeine Fraktion gegen
die Abänderungsanträge und für die Vorlage ſtimmen
werde, ebenſo ein Mitglied der Wirtſchaftlichen
Ver=
einigung.
B „Es geht prächtig vorwärts” ruft das
ſozialdemo=
kratiſche Zentralorgan über den in Uſedom=Wollin
mit fortſchrittlicher Hilfe errungenen Stichwahlſieg aus.
Für die nächſten allgemeinen Reichstagswahlen aber will
der „Vorwärts” alle Kräfte eingeſetzt wiſſen, damit „die
ſchönen Verheißungen der letzten Nachwahlen ihre
Erfül=
lung finden” Augenblicklich zählt die Sozialdemokratie
im Reichstage bereits wieder 48 Mandate; das Zentrum
ſieht alſo Schritt für Schritt die Zeit zurückkehren, wo es
zuſammen mit der Sozialdemokratie einerſeits, ſeinem
pol=
niſch=elſäſſiſch=welfiſch=däniſchen Anhang andererſeits die
„Abwehrmehrheit” bilden kann. Heute fehlen dazu
noch etwa 18 Stimmen. Das erſehnte Ziel der „
Abwehr=
mehrheit” möglichſt raſch zu erreichen, bemüht ſich das
Zen=
trum auch bei den Nachwahlen immer offener. Es hat in
Jauer für die Stichwahl die Parole der
Stimmenthal=
tung ausgegeben und iſt ſcharenweiſe für den
ſozialdemo=
kratiſchen Kandidaten zur Urne gegangen; in
Fried=
berg ſtimmte es ſofort für den bündleriſchen Kandidaten,
um den bürgerlichen Bewerber in die Stichwahl zu
brin=
gen, deſſen Unterſtützung durch eine bürgerliche
Minder=
heit ſo unſicher iſt, daß auch hier mit einem
ſozialdemo=
kratiſchen Siege gerechnet werden muß. Im Reichstage
ſelbſt wirft, wenn es nach den Wünſchen der
Zentrums=
preſſe geht, die auf dem Marſch befindliche „
Abwehrmehr=
heit” ihre Schatten voraus. Während die Regierung in
der Nordd. Allg. Ztg. für die nächſte Wintertagung eine
neue Militärvorlage angekündigt hat, fordert die
geſamte führende Zentrumspreſſe, für 1911 ein Notgeſetz
zu erlaſſen, durch welches das gegenwärtige Quinquennat
verlängert wird, ein neues Quinquennat dagegen im
neuen Reichstage zu erledigen. Natürlich will das
Zen=
trum, auf die „Abwehrmehrheit” pochend, im neuen
Reichs=
tage ſeine Zuſtimmung zur neuen Militärvorlage ſo
vor=
teilhaft wie möglich verwerten. Dieſer ſchöne Plan kann
und wird einſtweilen noch durchkreuzt werden. Der
Aus=
blick auf die allgemeine innere Lage aber, den die langſam
in der Bildung begriffene „Abwehrmehrheit” eröffnet,
ſollte für die übrigen Parteien ein Anſporn zur ernſteſten
Prüfung der Frage ſein, ob nicht alles aufgeboten werden
müſſe, um bei den nächſten Reichstagswahlen die
Wieder=
kehr jener „Abwehrmehrheit” zu verhüten.
— Die Ernennung des Oberpräſidenten
Frhr. v. Schorlemer zum Miniſter hat in Koblenz in
allen Kreiſen, auch in denen der Regierung ſelbſt, aufs
höchſte überraſcht, da ſie vollſtändig unerwartet
gekom=
men iſt. In der zuletzt abgehaltenen Sitzung des
Provin=
zialvereins vom Roten Kreuz, die der Oberpräſident ſelbſt
noch leitete, war ebenfalls nichts davon bekannt und er hat
auch niemand davon eine Mitteilung gemacht. Im
Zu=
ſammenhang mit der Berufung ſteht allerdings jedenfalls
ſeine letzte Reiſe nach Berlin und der Vortrag beim
Reichskanzler über das Ahrtal. Miniſter v. Schorlemer
wird ſchon heute Koblenz verlaſſen.
— Die badiſche Regierung hat dem Landtage
einen Geſetzentwurf über die Verlegung der Landesgrenze
zwiſchen der badiſchen Gemarkung Neckarbiſchofsheim und
der heſſiſchen Gemarkung Helmhof zugehen
laſſen. Bezüglich dieſer Grenzverlegung iſt zwiſchen den
beiden Regierungen ein Staatsvertrag vereinbart worden,
der zugleich mit dem Geſetze der Genehmigung durch die
Stände unterliegt. Es handelt ſich bei dem
Gebietsaus=
tauſch um neun Grundſtücke im Geſamtflächenmaß von
5508 Quadratmetern von Baden an Heſſen und ſechs
Grundſtücke im gleichen Flächenmaß von Heſſen an Baden.
Ausland.
In der Konferenz der ungariſchen
Regierungs=
partei betonte Graf Khuen=Hedervary, daß die große
Ma=
jorität der Nation in den Wahlen die Obſtruktion
verur=
teilt habe und zugleich geneigt ſei, daß ſie am
Dualis=
mus feſthalten wolle. Der Miniſterpräſident erſuchte
ſo=
dann um das Vertrauen der Partei, worauf die Teilneh=
mer mit ſtürmiſchen Ovationen antworteten. Graf Tisza
erwiderte, der Miniſterpräſident verdiene ſchon deswegen
das Vertrauen der Partei, weil er zu der Zeit größter
Nie=
dergeſchlagenheit den Mut beſeſſen habe, den Kampf
aufzu=
nehmen. Der große Wahlſieg iſt mit ſeinem Namen
ver=
knüpft. Deſider Ferozel, der frühere Präſident des
Abg=
geordnetenhauſes, wurde zum Präſidenten der
Regie=
rungspartei gewählt.
— Die abermalige Wahlniederlage des
ehe=
maligen franzöſiſchen Kriegsminiſters General André
ruft bei den konſervativen und gemäßigten Blättern
Be=
friedigung hervor. Der Figaro ſchreibt: General André
vird vielleicht doch einſehen, daß er beim franzöſiſchen
Volke die Erinnerung an einen Kriegsminiſter
zurückgelaſ=
ſen hat, der die Armee beinahe zugrunde gerichtet hätte.
So etwas vergißt man in Frankreich nicht. Die Schlappe
des Generals André iſt auch eine Schlappe der Combiſten,
die auf eine Gelegenheit lauern, um ihr Werk von neuem
beginnen zu können. Hoffentlich wird das ihnen nicht
ge=
lingen.
*⁎* Der Tag der Ermordung des
deut=
ſchen Geſandten in Peking, Frhrn. v.
Ket=
teler, jährte ſich am Montag zum 10. Male. Noch am
23. Juni 1900 hatte der chineſiſche Vertreter in Berlin
offiziell mitgeteilt, daß unſer Geſandter ſich bei guter
Ge=
ſundheit befinde, obgleich dieſer ſchon ſein Leben eingebüßt
hatte, worüber die amtliche Meldung am 2. Juli in der
Reichshauptſtadt einlief. Die Bluttat hatte zur Folge, daß
Deutſchland bei den internationalen Vorgehen gegen
Thina eine gewiſſe führende Rolle einnahm. An der
Stelle, wo Frhr. v. Ketteler durch Mörderhand fiel, ließ
die chineſiſche Regierung ein Denkmal errichten, das am
18. Januar 1903 in Gegenwart des „Sühneprinzen”
Chun, des jetzigen Regenten, eingeweiht wurde.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 21. Juni.
— Ernannt wurde der Kanzleigehilfe bei dem
General=
ſtaatsanwalt am Oberlandesgericht Ludwig Wolf zum
Kanzliſten bei dem Oberlandesgericht; der Auguſt
Bender in Mainz zum Schreibgehilfen bei dem
Amts=
gericht Mainz.
— Uebertragen wurde dem Lehrer Friedrich
Gläſer zu Eberſtadt, Kreis Darmſtadt, eine
Lehrer=
ſtelle an der Gemeindeſchule zu Eppertshauſen, Kreis
Dieburg.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Eiſen=
bahnaſſiſtent in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahngemein=
ſchaft Jakob Sahm in Michelſtadt mit Wirkung vom
1. Juli 1910 an.
* Militärdienſtnachrichten. v. Eckardsberg,
Oberſtleutnant à la suite der Armee und Adjutant des
Präſidenten des Reichsmilitärgerichts (früher beim Stabe
des Leibgarde=Inf.=Regts. Nr. 115), zum Oberſt befördert.
Frhr. v. Eſebeck, Oberſtleutnant à la suite der Armee
(Vize=Oberſtallmeiſter des Kaiſers und Königs), der
Cha=
rakter als Oberſt verliehen. v. E. ſtand vorher beim Stabe
des Leib=Drag.=Regts. Nr. 24. v. Schlutterbach,
Generalmajor und Kommandeur der 80. Infanterie=
Brigade (vorher Kommandeur unſeres Inf.=Leibregts.
Großherzogin Nr. 117), in Genehmigung ſeines
Abſchieds=
geſuches mit der geſetzlichen Penſion zur Dispoſition
ge=
ſtellt. v. Wunſch, Oberſtleutnant beim Stabe des Leib=
Gren.=Regts. Nr. 109 in Karlsruhe (vorher Bataillons=
Kommandeur im Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm Nr. 116) mit
der geſetzlichen Penſion zur Dispoſition geſtellt und zum
Kommandeur des Landwehr=Bezirks I Mülhauſen i. E.
ernannt. v. Heyne, Rittmeiſter z. D. (früher im Train=
Bat. Nr. 18), zuletzt Kompagnie=Chef im Train=Bat. Nr. 9,
zum Bezirks=Offizier beim Landwehr=Bezirk
Lands=
berg a. W. ernannt. v. Altrock, Hauptmann z. D.,
zuletzt Bezirks=Offizier beim Landwehr=Bezirk Friedberg,
der Charakter als Major verliehen.
* Gedächtnisfeier für Geh. Medizinalrat Dr.
Ludwig. Am Mittwoch, den 29. Juni, nachmittags
4 Uhr, wird in der Aula der hieſigen Techniſchen
Hoch=
ſchule eine Gedenkfeier zu Ehren des am 3. Mai
ver=
ſtorbenen Geh. Medizinalrats Dr. Ludwig, des
ehe=
maligen Leiters der Landesirrenanſtalt Heppenheim,
ſtattfinden. Die Gedächtnisrede wird Profeſſor Dr.
Sommer=Gießen halten. Das Komitee, das die Feier
Dienſtboten in der guten alten Zeit.
*⁎* Wer die unerſchöpfliche gute Laune und den nie
verſagenden Humor bei den Lakaien und Kammerzofen
Moliéres und der alten Komödie bewundert, wird
viel=
leicht an eine Schönfärberei der Dichter glauben, denn
ſo viel behagliche Lebensfreude und bereitwillige
Er=
gebenheit findet man heute nicht mehr bei den
dienſt=
baren Geiſtern. Aber in der guten alten Zeit, in der
ſonſt vieles gar nicht ſo roſig war, wie es uns der
ver=
klärende Schleier der Jahrhunderte erſcheinen läßt,
mſſſen die Untergebenen wirklich ein Götterleben
ge=
führt haben, ſo daß ſich ſolche Prachtgeſtalten entwickeln
konnten, wie Sancho Panſa, wie Gil Blas, wie Figaro.
In dieſes Paradies der Dienſtboten führt ein
inhalts=
reicher Aufſatz ein, den H. Gallier auf Grund
umfaſſen=
der Quellenſtudien unter dem Titel „Wie man ehemals
bedient wurde” in der Revue veröffentlicht.
Der Diener war ſtolz auf das Wappen ſeines Herrn,
das er an ſeinem Rocke trug, denn von der Macht und
dem Glanz ſeines Patrons fiel auch etwas auf ihn; das
Wappen mußte auch an ſeiner Livree reſpektiert werden
und ſicherte ihm eine gewiſſe Straffreiheit zu. So
wei=
gerte ſich zum Beiſpiel der Marquis von Genlis, einen
Bedienten, der eines Vergiftungsverſuches überführt
worden war, den Gerichten auszuliefern. Er jagte ihn
fort, nachdem er ſeine Lipree unter der Begründung
hatte verbrennen laſſen: „Kein Lakai würde ſie mehr
tragen wollen”; aber er jagte ihn nur fort, er übergab
ihn nicht ſeinen Richtern. Als einmal ein Lakai der
Marquiſe von Brienne einen Offizier beleidigte,
be=
gnügte ſich dieſer damit, ihm eine Ohrfeige zu geben,
ohne den Stock gegen ihn zu gebrauchen, aus Achtung
ror der Livree der großen Dame. Ein Bedienter des
Sonnenkönigs ſelbſt genoß etwas von der Verehrung,
die dem Herrſcher zukam. Herr von Montbazon lud
den Diener, der ihm einen Brief Ludwigs XIV. brachte,
an ſeine Tafel, begleitete ihn dann ſelbſt vor das Schloß
hinaus und blieb ſtehen, bis der Lakai zu Pferde
geſtie=
gen war. „Das nenne ich Lebensart”, ſagte der König,
wie Saint=Simon berichtet, als man ihm von dieſer
Ehrung erzählte. Das Reich der Bedienten bildete eine
Geſellſchaft für ſich, mit einer komplizierten Rang=
ſtufenleiter und ihrem genau beſtimmten Zeremoniell.
Der Diener eines großen Herrn war kein gewöhnlicher
Lakai; er war ein Diener zur perſönlichen Aufwartung,
kein „Arbeitsknecht” wie der Diener eines Bürgers.
Man hätte ihn beleidigt, wenn man von ihm als
zunſerm Lakai” geſprochen hätte, ebenſo wie die
Kam=
merzofe einer Edeldame Anſpruch auf den Titel „
Fräu=
lein” hatte. Bei „anſtändigen Leuten” aß die
Diener=
ſchaft an verſchiedenen Tiſchen, die genau nach dem
Rang der Bedienſteten beſetzt wurden. An der
vor=
nehmſten Tafel aßen die bürgerlichen Beamten, die
ihrem Rang und ihrer Geburt nach nicht mit dem Herrn
zuſammen eſſen durkten. Dieſe Bedienten, die freilich
die höchſte Sproſſe in der Hierarchie der Untergebenen
erklommen hatten, durkten bisweilen mit dem
Grand=
ſeigneur zuſammen den Kaffee nehmen. An einer
anderen Tafel ſpeiſten die Kammerdiener und
Kammer=
frauen; von ihr waren die Lakaien ausgeſchloſſen,
wäh=
rend wieder an der der Lakaien die niederen Knechte
und Mägde nicht teilnehmen durften. Und ſo genau
geregelt wie die Würde war auch die Arbeit der
ein=
zelnen Bedienten. Der Küchenchef verfügte über ein
Heer von Köchen, Bäckern und Anrichtern; der Kutſcher
kommandierte den Sänftenträgern und Stallknechten;
der erſte Kammerdiener den zahlreichen anderen
Die=
nern. Keiner hätte ſich je in das Bereich des anderen
gemiſcht; jeder tat nichts, als ſeine beſtienmte
Verricht=
ung. Unter ſolchen Umſtänden hätte der Kammerdiener
ruhig mit angeſehen, wie ſein Herr verhungerte. Das
war ja das Reſſort des Kochs. Eine derartige Geſchichte
wird von der Herzogin v. Rohan erzählt, die von einer
langen Ausfahrt zurückkehrte und rief: „Ich habe
gro=
ßen Hunger. Man bringe mir etwas!” Aber es wird
ihr nichts ſerviert. Wütend ſtürzt ſie ſich auf einen der
unbeweglich daſtehenden Lakaien; auf alle ihre Fragen
erhält ſie nur die gleichgiltige Antwort: „Der
Küchen=
chef iſt nicht da.” Und die Herzogin muß darauf
ver=
zichten, ihren Hunger zu ſtillen, denn ſie begreift, wie
unſchicklich es iſt, Hunger zu haben, wenn der
Küchen=
chef abweſend iſt.
Ueber dem allen thronte nun als Spitze dieſer
La=
kgiendynaſtie der Haushofmeiſter, von deſſen Stellung
der Marſchall de Village ſchrieb: „Es beſteht ein viel
größerer Abſtand zwiſchen meinem Haushofmeiſter und
meinen Lakaien, als zwiſchen mir und dem Letzten
mei=
ner Soldaten.” Groß war dieſes Heer der Bedienten
bei den vornehmen Herren des 17. Jahrhunderts. Sieht
man ſelbſt von den mehr als 700 Dienern ab, die auch
nach ſtarken Einſchränkungen zum perſönlichen Dienſt
des Königs da waren, ſo finden wir 146 Diener beim
Herzog von Nevers, 113 bei dem Herrn von
Pont=
chartrain, und ſelbſt eine ſparſame Dame in gedrückten
Verhältniſſen, wie Madame de Sévigné, mußte doch
im=
merhin 30 dienſtbare Geiſter um ſich haben. Brachte
man es auch in Paris nicht ſo weit wie in Spanien, wo
die Zahl der Dienerſchaft in vornehmen Häuſern 3—500
betrug, ſo gab es doch in jedem guten franzöſiſchen Haus
von 40 bis zu 100 Bedienten. Ein einfacher Staatsrat
hatte 1675 einen Sekretär, einen Stallmeiſter, zwei
Kammerdiener, einen Portier, einen Haushofmeiſter,
zehn Stallbedienſtete, einen Schweizer, ſechs Lakaien,
und ſeine Frau hatte auch noch acht Bedienſtete. Dieſer
ungeheuere Stab brachte ſeine Zeit damit hin, hinter
der Sänfte des Herrn zu promenieren, Befehlerzu
über=
mitteln, Briefe zu befördern uſw. Die Herren
behan=
delten ihre Bedienten ſehr freundlich und ſorgten
häu=
fig in rührender Weiſe für ſie im Alter. Ludwig XIV.
war nach dem Urteil von Saint=Simon zu ſeinen
Die=
nern herablaſſender und vertraulicher, als zu ſeinen
Großen.
Die Gehälter, die die Bedienſteten erhielten, waren
allerdings nicht beträchtlich; ein guter Kammerdiener
erhielt in Paris 126 Livres jährlich, 180, wenn er
friſie=
ren konnte. Haushofmeiſter bekamen 200—250 Livres.
Dennoch ſtanden ſich die Herren Bedienſteten auch
peku=
niär nicht ſchlecht; ſie trugen koſtbare Spitzen und ſogar
zwei Uhren, wie ihre Herren, und erhielten Eſſen und
Verpflegung, um die ſie der Bürger beneidete. Manche
empfingen beim Tod ihres Herrn beträchtliche Legate,
ſo jeder Lakai 100000 Livres beim Tode des Millionärs
Samuel Bernard. Aber auch die nicht erbten, zogen ſich
bisweilen mit einem ganz hübſchen Vermögen in den
Ruheſtand zurück.
Nummer 142.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Jumi 1910.
Seite 3.
vorbereitete beſtehend aus Provinzialdirektor Fey,
Generalſtaatsanwalt Dr. Preetorius, Oberſtaatsanwalt
v. Heſſert, den Geh. Obermedizinalräten Dr. Neidhart
und Dr. Hauſer, ſowie den Profeſſoren Dr. Sommer
Geheimerat Dr. Weber und Dr. Dannemann, ladet alle,
die dem Dahingeſchiedenen nahegeſtanden haben oder an
der Feier teilnehmen möchten, zur Beteiligung ein. Da
Ludwig in ſeiner beſcheidenen Weiſe Beſtimmungen
be=
züglich ſeiner Beſtattung ganz in der Stille getroffen hatte,
ſo iſt es keinem ſeiner vielen Freunde und Verehrer
möglich geweſen, ihm die letzte Ehre zu erweiſen. Es
dürfte darum vielen die jetzt gebotene Gelegenheit, noch
einmal in würdiger Weiſe ſeiner zu gedenken,
will=
kommen und eine ſtarke Beteiligung aus allen Kreiſen
der Bevölkerung zu erwarten ſein.
* Ehrung. Am Montag mittag 12 Uhr
verſam=
melte ſich eine Anzahl Beamten des
Oberpoſtdirektions=
bezirks Darmſtadt, um ihrem in den Ruheſtand
treten=
den Chef, dem Wirkl. Geh. Rat Herrn Oberpoſtdirektor
Kobelt, in feierlicher Weiſe ein Prachtalbum zu
überreichen. Das Album, in welchem Aufnahmen von
Beamten und Unterbeamten der einzelnen
Abteilun=
gen und Poſtämter des ganzen Direktionsbezirks
ent=
halten ſind, haben dieſe ihrem ſeitherigen Chef in
dankbarer Verehrung gewidmet und ſtellt das Ganze
ein Kabinettſtück Darmſtädter Kunſtgewerbes dar. Auf
der Vorderſeite des Deckels des in naturfarbigem
Saffianleder gebundenen Albums befinden ſich in der
Mitte der deutſche Reichsadler mit der Kaiſerkrone, in
den oberen Ecken die beiden Jahreszahlen 1902—1910,
in der unteren linken Ecke ein Poſthorn und in der
rechten unteren Ecke eine Gruppe Blitzſtrahlen, die
Telegraphie darſtellend. Die ganze Verzierungstechnik
iſt in Ledermoſaik und Handvergoldung hergeſtellt und
iſt eine überaus kunſtvolle Arbeit. Verfertigt wurde
das Album von Herrn Hofbuchbinder Otto Weitz,
Hügelſtraße, während die Ausführung der Bilder in
den Händen des Herrn Hofphotographen O.
Enßlin=
ger lag.
* Provinzialausſchuß. Auf der Tagesordnung für
die am Samstag, den 25. Juni, vormittags 9½ Uhr,
ſtattfindende Sitzung ſtehen folgende Punkte: 1. Die
Wahl eines Beigeordneten für die Gemeinde Egelsbach.
2. Klage des Ortsarmenverbands Hofheim gegen den
Ortsarmenverband Wattenheim wegen Erſtattung
ge=
leiſteter Armenunterſtützung und Anerkennung beſtehender
Unterſtützungspflicht. 3. Klage des Ortsarmenverbands
Ober=Sensbach gegen den Ortsarmenverband Erbach
wegen Hilfsbedürftigkeit der Marie Rauenzahner von
Falken=Geſäß. 4. Wirtſchaftskonzeſſionsgeſuch des
Leon=
hard Schäfer V. von Lützel=Wiebelsbach.
K.V. Kunſthalle. Wegen Beendigung der ſeitherigen
und Vorbeitung einer neuen Ausſtellung bleibt die
Kunſt=
halle einige Tage geſchloſſen.
Je. Der Kriegerverein Darmſtadt hielt Sonntag ſein
erſtes Vereins=Probeſchießen auf Stand 5 der
Militärſchießſtände ab. Alte und junge Kameraden
waren zahlreich erſchienen, um wieder einmal Auge
und Hand in friedlichem Wettſtreit zu erproben. Es
war eine Freude, zu ſehen, wie ein jeder bemüht war,
zu zeigen, daß er das, was er als Soldat geübt und
gelernt, noch nicht vergeſſen hatte. Es wurden
durch=
ſchnittlich ſehr gute Reſultate erzielt; namentlich
be=
ſtanden die alten Veteranen, von denen die meiſten
ſeit den glorreichen Tagen von 1870/71 kein Gewehr
mehr in der Hand gehabt hatten, neben den jungen
Reſerviſten. in allen Ehren. Lauter Beifall ertönte
jedesmal, wenn ſo ein alter Graubart einen Spiegel
oder gar den Zwölfer” ſchoß. Daß beim Schießen die
muſterhafteſte Ordnung herrſchte, iſt bei alten gedienten
Soldaten ſelbſtverſtändlich. Der zahlreiche Beſuch hat
bewieſen, daß man mit dieſen Veranſtaltungen einem
lange gehegten Bedürfnis Rechnung getragen hat. Der
Wunſch, recht bald wieder ein Schießen abzuhalten,
war allgemein, zumal auch an dem heißen Sommertag
der Aufenthalt in dem ſchattig=kühlen Kantinengarten
von in großer Zahl erſchienenen Familienangehörigen
der Kameraden und nicht zuletzt von dieſen ſelbſt ſehr
ängenehm empfunden wurde. Hatten doch die meiſten
nicht vermutet, an den Schießſtänden ein ſo idylliſches
Plätzchen vorzufinden.
* Vortrag. Zu dem morgen, Mittwoch abend,
ſtatt=
findenden Vortrag des Herrn Stadtverordneten Sames
über „den Bebauungsplan im neuen Bahnhofsviertel”
ſind auch die Mitglieder des Ortsgewerbevereins,
ſowie des Handelsvereins freundlichſt eingeladen.
(S. Anzeigen.)
— Der Ortsgewerbeverein wird am nächſten
Sonntag, den 26. Juni, einen Familien=Spaziergang
nach Groß=Zimmern veranſtalten.
— Großes Sportfeſt am 26. Jnni 1910. Am 26. Juni
d. J. wird Darmſtadt im Zeichen des Rades ſtehen,
denn die vom Veloziped=Klub Darmſtadt für
dieſen Tag angeſetzte Veranſtaltung verſpricht einen
enormen Zuzug auswärtiger Radler. — Infolge
meh=
rerer Nachmeldungen iſt die Zahl der den großen
Preis= und Blumenkorſo mitfahrenden Vereine auf 35
geſtiegen, die um die ausgeſetzten wertvollen Preiſe
in Wettbewerb treten, außerdem haben eine Anzahl
Automobile und Einzelgruppen für die Blumen=
Kon=
kurrenz gemeldet. Der Korſo, der von drei
Muſik=
kapellen begleitet wird, beginnt um ½2 Uhr ab Nieder=
Ramſtädter Straße, führt durch Roßdörfer, Dieburger,
Alexanderſtraße, Paradeplatz, Rhein=, Kaſino=,
Bleich=
ſtraße, Bahnhofsplatz, Rhein=, Wilhelminen=,
Eliſa=
bethen=, Schützen= Hügel=, Heidelberger Straße, um ſich
an der Radrennbahn aufzulöſen. — Hier werden ſich
ab 3 Uhr die großen Wettkämpfe um die 25
Kilo=
meter=Meiſterſchaft von Deutſchland, ſowie um die
übrigen Rennen, wie Mannſchafts=, Vorgabe=, Zwei=
und Dreiſitzer= und Motorfahren, abſpielen. — Infolge
der rieſigen Anzahl von Meldungen war urſprünglich
be=
abſichtigt, am Vormittage Vorläufe ausfahren zu laſſen.
Der Veloziped=Klub Darmſtadt iſt aber von dieſer
Ab=
ſicht abgekommen, weil er Wert darauf legt, den
Be=
ſuchern der Rennen am Nachmittage möglichſt
ſtarkbe=
ſetzte Wettkämpfe zu bieten, die allerdings Schlag auf
Schlag, ohne lange Pauſen, folgen müſſen. In der
Meiſterſchaft von Deutſchland ſtarten nicht
weniger als 35 Fahrer, darunter in großer Anzahl die
beſten Kämpfer des Deutſchen Radfahrer=Bundes. Die
Meiſterſchaft wird in jeder Runde heiße Kämpfe
brin=
gen, da der Veloziped=Klub drei Extrapreiſe ausgeſetzt
hat für diejenigen Fahrer, die das Zielband am
häufig=
ſten als Erſter, Zweiter und Dritter berühren. Auch
die übrigen Rennen haben eine ſehr ſtarke Beſetzung
erfahren und die Zuſammenſetzung der einzelnen Läufe
verſpricht Kämpfe, wie man ſie ſelten zu ſehen bekommt.
Für Kenner und Sportsleute wird außer der
Meiſter=
ſchaft beſonders das Mehrſitzerrennen einen hohen
ſportlichen Genuß bedeuten, denn die hier ſtartenden
Zwei= und Dreiſitzer werden ſich erbitterte Kämpfe
liefern. Während der Rennen konzertiert die ganze
Kapelle der 23. Garde=Dragoner. Um unſerer Stadt
am 26. Juni ein feſtliches Gepräge zu geben, würde es
mit Freuden zu begrüßen ſein, wenn die hieſige
Ein=
wohnerſchaft durch Beflaggen der Häuſer zur
Ver=
ſchönerung des Feſtes beitragen würde.
* Im Silberkranz. Die Eheleute Ludwig Volz,
Weichenwärter, und Frau, Neue Niederſtraße 21 hier
wohnhaft, begehen am heutigen Tage das Feſt der
ſilbernen Hochzeit.
m. Militäriſches. Auf der Nordoſtecke des
Exer=
zierplatzes ſind wieder zwei große Zelte zur Aufnahme
von Kavallerie= und Artilleriepferden aufgeſtellt worden,
da unter dem Pferdebeſtand beider Regimenter die
Bruſtſeuche noch herrſcht. Zwiſchen Stadtſchneiſe und
Eſchollbrücker=Chauſſee ſind aus demſelben Grunde zwei
große Pferdezelte aufgebaut worden.
m. Vom neuen Bahnhof. Der Trockenbagger,
welcher ſeither die Aushebungsarbeiten am neuen
Bahn=
hof vornahm, liegt eben zwiſchen der zweiten und dritten
Brücke ſüdlich der Bahnüberführung an der Griesheimer
Chauſſee. Auf dem neuen Schienenweg, der unter der
Griesheimer Brücke liegt, wird Erdmaterial von
ſtehen=
gebliebenen Erdpfeilern nach der Nordſeite des Bahnhofs
geſchafft. Unterhalb der „Scheppen Allee” wird zwiſchen
der dritten und vierten Brücke noch eine neue in Beton
eben ausgeführt. Die Brücken ſind an beiden Seiten
mit ſtarken Geländern verſehen. Die Reitbahn ſüdlich
vom Exerzierplatz iſt nach der Bahnſeite hin mit einem
etwa 3 Meter hohen Bretterzaun abgeſchloſſen worden.
— Schülerwanderung. Die vom Odenwaldklub
angeregten Schülerwanderungen ſind auch am hieſigen
Neuen Gymnaſium ſehr beliebt. Am letzen Sonntag
wurde wieder eine ſolche Wanderung veranſtaltet. Herr
Aſſeſſor Dern war der Leiter. Eine ſtattliche Anzahl
Schüler aus den Klaſſen IIIb-la des Neuen
Gym=
naſiums marſchierten um 7¼ Uhr vormittags vom
Friedhofe ab. Angeſchloſſen hatten ſich noch einige
Herren vom Odenwaldklub. Der Weg führte zunächſt
über Nieder=Ramſtadt nach Waſchenbach. Von
da aus ging es auf dem ſehr hübſchen, aber ſchwer
auf=
zufindenden „Diebspfad” nach Neunkirchen. Im
kühlen Walde oberhalb dieſes Dorfes wurde die
Mittagsraſt gehalten. Auf dem Weitermarſche beſichtigte
man die Ruine Rodenſtein und erreichte bald das ſchöne
Städtchen Reichelsheim i. O., das Endziel der
Wanderung. Das „Lieschen” und die Odenwaldbahn
brachten am Abend die kleinen und die großen Wanderer
nach Darmſtadt zurück. Alle waren ſehr befriedigt von
dieſer herrlichen Tour, die nur mit ſehr geringen Koſten
und keinerlei großen körperlichen Anſtrengungen
ver=
knüpft war.
Neue Fernſprechanlagen. Im Intereſſe
mög=
lichſt frühzeitiger Inangriffnahme der Arbeiten zum
weiteren Ausbau der Fernſprechanlagen iſt es
erforder=
lich, daß die Anmeldungen neuer Fernſprechanſchlüſſe
ſpäteſtens bis zum 25. Juli den Kaiſerlichen
Telegraphen=
anſtalten vorliegen. Verſpätet angemeldete Anſchlüſſe,
die infolgedeſſen außerhalb des Bauplans nur mit
Mehr=
aufwendungen (z. B. durch beſondere Entſendung einer
Baukolonne uſw.) herzuſtellen ſind, werden in dem
laufenden Bauabſchnitt nur dann ausgeführt, wenn die
Antragſteller zu den entſtehenden Mehrkoſten einen
Zu=
ſchuß von 15 Mk. leiſten oder wenn dieſe Mehrkoſten den
Betrag von 50 Mk. überſteigen, den wirklich
aufgewende=
ten Koſtenbetrag erſtatten.
m. Im Herrngarten bietet ſich dem Spaziergänger
nach eingetretener Dunkelheit ein prachtvolles Schauſpiel.
Ueber den Grasflächen und zwiſchen dunklen Gebüſchen
ſieht man Hunderte von Fünkchen auf= und niederfahren
und durcheinanderwogen. Es ſind dies Johannis= oder
Glühwürmchen, welche ihr Hochzeitsfeſt halten und dabei
mit ihren phosphoreszierenden Hinterleiberchen das Feſt
ſelbſt illuminieren. In den letzten Abenden waren bei
bewölktem Himmel die Flüge ſo ſtark, daß ſich die
leuch=
tenden Tierchen ſelbſt auf die Kleider der im Garten
be=
findlichen Spaziergänger ſetzten. Die natürliche
Illu=
mination des Herrngartens erfreut das Herz jedes echten
Naturſreundes.
m. Die Erdbeeren ſind in dieſem Jahre wieder
gut geraten und die fleißigen Sammler tragen reichlich
die wohlſchmeckenden Früchte heim. Durch die anhaltende
gute Witterung haben dieſe ſüßen Waldfrüchte ein
be=
ſonders angenehmes Aroma. In der Tanne und den
ſüdlich gelegeneren Waldungen findet man die
Wald=
erdbeeren in großer Menge. Es iſt nur zu bedauern,
daß, wahrſcheinlich Kinder auch ganze Sträuße
un=
reifer, grüner Erdbeeren pflücken, wie dies ganze Bündel
ſolcher zu früh gepflückter Früchte auf den Waldwegen
erkennen laſſen.
— Schützenhof. Heute, Dienstag abend, konzertiert
eine größere Abteilung vom Muſikkorps des Leibgarde
Regiments unter Leitung des beliebten Violin=Künſtlers
Herrn Toni Czaſchke.
— Etabliſſement Perkeo. Der vom Münchner
Enſemble A. Herrmann kürzlich gegebene ſogen.
Ober=
bayriſche Abend war nicht nur außerordentlich gut
be=
ſucht, ſondern auch in allen Teilen wohlgelungen. Auf
allgemeinen Wunſch iſt nächſten Freitag eine
Wieder=
holung des Abends mit neuen Nummern. Freunde und
Gönner des geſunden oberbayriſchen Humors werden
beſonders darauf aufmerkſam gemacht.
S. Auerbach, 20. Juni. Das 2. Gauturnfeſt des
Mittleren Bergſtraße=Gaues fand hier ſtatt. Geſtern
morgen von 8 Uhr ab fand Wetturnen ſtatt.
Nach=
mittags 2½ Uhr ſetzte ſich der impoſante Feſtzug in
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Der verſtorbene Profeſſor Rudolf v. Seitz war
am 15. Juni 1842 in München als Sohn des bekannten
Illuſtrators und Dekorationsmalers Franz v. Seitz
geboren und erhielt den erſten künſtleriſchen
Unter=
richt von ſeinem Vater. Sodann wurde er Schüler der
Akademie unter Piloty. Er war beſonders tätig auf
dem Gebiete der dekorativen und der Freskenmalerei;
bekannt ſind ſeine Randverzierungen zu „Fauſt” zur
„Glocke” uſw. Auch eine Anzahl von Genrebildern
ſind ſehr populär geworden.
— Wie die Japaner Reklame machen.
Mit dem Eifer und mit der Wißbegier, mit denen die
Japaner die Errungenſchaften des Weſtens und auch
die europäiſchen Lebensformen ſtudieren und
auf=
nehmen, haben ſie auch den Geſchmack an der Reklame
gewonnen. In dem Lande der märchenhaften
Kirſch=
blüte dröhnt die Reklametrommel mit der gleichen
gellenden Wucht wie in Amerika oder in der Alten
Welt. Die Reklame erobert die Wände der Häuſer,
ſie überſchwemmt die Zeitungen, ſie verfolgt harmloſe
Spaziergänger, und in allerlei Verkleidungen dringt
ſie auch in die Privathäuſer ein. Aber man muß den
Japanern zugeſtehen, daß ſie von der Alten Welt nur
die Formen übernommen haben, nicht den Inhalt. Da
tummeln ſich poetiſche Einfälle und allerlei Launen der
Phantaſie in orientaliſcher Buntheit, und ſelbſt die
gro=
ßen Reklametafeln gewinnen perſönliches Gepräge.
„Um ihre Kunden zu gewinnen,” ſo berichtet die
Zeit=
ſchrift Japon et Belgique, „nehmen die Japaner zu
den kühnſten Vergleichen und Metaphern ihre
Zu=
flucht. Dabei entſtehen Zuſammenhänge, die den
Eu=
ropäer komiſch anmuten, die aber in Japan ihren Zweck
einer Kugel zugeſtellt. Ein Papierhändler ruft die
Naturgeſchichte zum Bundesgenoſſen auf, wenn er
rhetoriſch verſichert: „Unſer wunderbares Papier iſt
dauerhaft wie eine Elefantenhaut.‟ Ein Krämer aus
Tokio entnimmt der Beobachtung des Lebens
pſycholo=
giſche und ein wenig biſſige Winke, wenn er
ankün=
digt: „Unſer Eſſig, Extraqualität, iſt ſaurer als die
Galle der allerteufliſchſten Schwiegermutter.” Und ein
Modehändler ruft ſeinen Kunden lockend und betörend
zu: „Betreten Sie meinen Laden! In der
überraſchend=
ſten Weiſe werden Sie empfangen werden. Meine
An=
geſtellten ſind ſo liebenswürdig wie ein Vater, der
ſeine Töchter ohne Mitgift verheiraten möchte. Man
wird Sie ſtets empfangen wie einen Sonnenſtrahl, der
als erſter nach einem furchtbaren Regentage vom
Him=
mel kommt.” So hat die Bildkraft der blumenreichen
Sprache des Oſtens ihren poetiſchen Zauber in den
Dienſt moderner Reklame geſtellt, Vergangenheit und
Gegenwart, Altes und Neues ſeltſam vermengt und
einen japaniſchen Reklameſtil geſchaffen, der an
Kühn=
heit und Originalität den Erzeugniſſen der
verwegen=
ſten amerikaniſchen Reklameſchöpfer nicht nachſteht,
ohne ihm dabei zu gleichen.
Kleines Feuilleton.
— Schlangenhaut als neueſter
Mode=
ſtoff. „Des Wilden Leib, mit Schlangenhaut
ge=
ſchmückt” iſt uns ein vertrautes Bild unſerer
ethno=
graphiſchen Vorſtellungen. Daß aber nun dieſe
Wil=
dentracht in das Reich unſerer ziviliſierten Mode
ein=
ziehen ſoll, iſt eine aufſehenerregende Neuheit, die ein
ideenreicher engliſcher Modekünſtler, Mr. G. Gerret,
in dieſem Herbſt verwirklichen will. Ueber ſeine Pläne
hat er ſich dem Berichterſtatter einer Londoner Zeitung
gegenüber ausführlich ausgeſprochen. „Die Haut der
Rieſenſchlange kann Wunder wirken, wenn ſie von
einem geſchickten Mann in die Mode eingeführt wird,”
ſo erklärte er, „denn dieſe Haut reißt niemals und gibt
auch nicht nach; ſie iſt durchaus waſſerdicht und
bieg=
ſam; wenn man ihre wundervolle Zeichnung geſchickt
verwendet, ſo kann man damit prächtige Effekte
erzie=
len, indem man eine ſchöne Stelle beſonders betont
und einen Fehler verbirgt. Verwendet man zum
Bei=
ſpiel die Haut der Rieſenſchlange für die
Fußbekleid=
ung, ſo kann der Fuß dadurch kleiner gemacht werden;
man kann ihn aber bis zu einem gewiſſen Grade
da=
durch auch breiter und länger erſcheinen laſſen. Und
warum ſollte nicht auch die ganze Figur nach dieſen
Schlangenlinien modelliert werden, warum ſollte man
nicht durch ſie eine hübſche Taille akzentuieren und enge
Hüften in wundervoll gerundete umbilden, alles durch
die zauberhafte Hilfe der Haut der Rieſenſchlange?
Doch nicht nur die Frau wird von dieſem Gedanken
Nutzen haben, ſondern aus Schlangenhaut können auch
Golfſchuhe für Herren gemacht werden, die jedem
Re=
gen und Wetter trotzen, können Aufſchläge und
Man=
ſchetten für Automobilkoſtüme hergeſtellt werden,
kön=
nen die wunderſchönſten Weſten gearbeitet werden, die
keine Falten ſchlagen und einen Embonpoint
freund=
lich verbergen. So wird die herrliche Haut der
Rieſen=
ſchlange für den Herbſt den Höhepunkt der Eleganz
und Neuheit darſtellen!”
ck. Neue Blumen. Aus London wird berichtet:
Der Blumenfreund und der Botaniker, der die kürzlich
eröffnete große Ausſtellung für Gartenkunſt in den
Londoner Temple=Gardens beſucht, wird durch einige
neue Blumen überraſcht, die bisher ſo gut wie völlig
unbekannt waren. Beſonders fällt eine Art Rhododen=
dron auf, die erſt vor kurzem in Nordchina entdeckt
wurde. Sie unterſcheidet ſich ſehr ſtark von den bisher
bekannten und gezüchteten Rhododendren. Eine neue
Varietät derſelben Pflanze macht bei den Fachleuten
Senſation: die Blumen ſind zweimal ſo groß, wie
all=
bisher bekannten Rhododendronblüten; prachtvoll iſ
vor allem die Farbe, ein zartes, aber doch dabei
leucht=
kräftiges Roſa. Auch ein neuer Baſtard der
Aſchen=
pflanze feſſelt die Fachleute: die Blätter ſind von einem
Weiß, das nur leicht ins Grünliche ſpielt, in der Form
zeigen ſie eine gewiſſe Verwandtſchaft mit dem Lau
von wildem Eſeu, während die Blüten die geometriſche
Form eines Sterns haben.
Feuer als Mittel gegen die Hitz
Wohl jedermann hat in den letzten Wochen über die
ſchwere, laſtende Hitze geſtöhnt, aber keiner der Bo
troffenen wußte ein Mittel zu verraten, wie man der
erſchlaffenden, ermüdenden Einwirkung der hohe
Temperatur entgegenarbeiten könne. Im Lancet wird
nun ein paradoxes Verfahren mitgeteilt, durch da
man ſich gegen die ſchwüle Hitze ſchützen kann: „D
atmoſphäriſchen Verhältniſſe der letzten Wochen habe
überall Ermattung, Trägheit und Müdigkeit hervor
gerufen, auch an den Tagen, an denen das
Thermo=
meter nur mittlere Hitze anzeigte. Selbſt im Schatten
vermochten viele das Gefühl der Erſchlaffung und der
Bedrückung nicht zu überwinden. Das erklärt ſich aus
dem Umſtande, daß die umgebende Luft trotz der gro
ßen Wärme mit Feuchtigkeit durchſetzt und infolge
deſſen ſchwül war. Dagegen gibt es ein Mittel, das
viele beim erſten Blick für abſurd halten werden: man
mache in den Zimmeröfen Feuer an. Wie widerſinnig
das auch klingen mag, bei den geſchilderten Verhält
niſſen iſt künſtliche Wärme das ſicherſte Abwehrmittel
gegen die unangenehmen Gefühle, die durch ſchwülc
Hitze hervorgerufen werden. Am beſten wirken
Hol=
feuer. Der günſtige Einfluß erklärt ſich ſehr einfach:
die Luft wird ausgetrocknet, im Zimmer entſteht ein
Luftzug, auch die Schornſteine empfangen eine
Rauch=
ſtrömung und durch dieſe künſtliche
Wärmeausſtrahl=
ung verändert ſich der Charakter der Hitze. Es iſt der
Fehler der meiſten Menſchen, die für Hitze ſehr em
pfindlich ſind, daß ſie reſignieren und auf einen baldi
gen Witterungswechſel hoffen, anſtatt auf Mittel z
ſinnen, wie man die äußeren Umſtände wandelt und
den Körper mit ſeiner Umgebung in ein harmoniſches
Verhältnis ſetzt. Die deprimierenden phyſiſchen
Folge=
erſcheinungen der ſchwülen Hitze ſind wiſſenſchaftlich
auch noch nicht völlig aufgeklärt, aber das Mittel
da=
gegen iſt bereits vorhanden: künſtliche trockene
Wärm=
kurz: Heizen!” (!)
Seite 4:
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Juni 1910.
Nummer 142.
Bewegung. Der Zug paſſerte alle Hanptſtraßen des
Ortes. Von ¾4 Uhr ab entwickelte ſich auf dem im
Hrchſtädter Tal gelegenen Feſtplatz ein reges Treiben,
beſonders gefielen die Freiübungen der erſten
Kna=
ben= und der erſten Mädchenklaſſe der hieſigen
Volks=
ſchule unter der Leitung der Klaſſenlehrer, der Herren
Hauptlehrer Herpel und Lehrer Leonhardt. Die
mar=
kige Feſtrede hielt der Kreisſchulinſpektor, Herr
Schul=
rat Bander von hier. Der Gauvertreter, Herr Leh=
Verein für die aufgewandte Mühe. Um 7,20 Uhr fand
die Preisverteilung ſeitens der Kampfrichter ſtatt. Es
kamen 45 Preiſe in 31 Klaſſen zur Verteilung. Den
erſten Preis mit 72½ Punkten errang Herr Franz
Scheppert vom Männerturnverein Bensheim, die
niedrigſte preisgekrönte Punktzahl war 44. Die
Zbg=
lingspreiſe kommen am nächſten in 5 Wochen in
Nord=
heim ſtattfindenden Gau=Turntag zur Verteilung.
Abends war in zwei Sälen Feſtball.
t. Lindenfels, 19. Juni. Das 14 Monate alte
Söhnchen des Steinhauers Mehring lief geſtern in
ein die Bensheimer Straße daher kommendes
Fuhr=
werk und wurde überfahren. Das Kind trug
ſchwere Verletzungen davon, an denen es heute nacht
geſtorben iſt. — Der Musketier Küſter von hier,
der bei dem Infanterie=Regiment 118 in Worms dient,
hatte ſich von ſeinem Regiment entfernt und hierher
begeben, wo er angab, Urlaub zu haben. Der
Ur=
laub währte jedoch nicht lange Er wurde durch die
bieſige Gendarmerie aufgegriffen und durch einen
Sergeanten und einen Gefreiten wieder nach Worms
zurückgebracht.
n. Fürth i. O., 20. Juni. In Albersbach bei
Rimbach entſtand zwiſchen mehreren dort lagernden
Zigeu=
nerbanden ein Streit, bei dem Meſſer und Schußwafſen
gebraucht wurden. Einer der Beteiligten erlitt eine
Schuß=
wunde am Bein ein anderer, der Zigeuner Valentin
Wagner, wurde durch einen Schuß am Hals ſchwer
ver=
letzt, ſo daß er jetzt in einer Heidelberger Klinik
danieder=
liegt. Die meiſten Zigeuner haben ſich zerſtreut und ſind
verſchwunden; einige Weiber, welche den W. auf einem
Kinderwagen nach Weinheim brachten, gaben unklare, nicht
glaubwürdige Ausſagen ab. Die Staatsanwaltſchaft
fahn=
det auf die Beteiligten, von denen auch eine Familie
Lud=
wig Wagner bekannt iſt.
n. Nauheim bei Groß=Gerau, 20. Juni. Der hieſige
Kunſtſteinfabrikant Klein, der ſeit dem 9. April d. J.
unter der Beſchuldigung eines an dem
Kunſtſteinfabri=
kanten Ewinger hier verübten Mordverſuchs
verhaftet war, iſt jetzt auf freien Fuß geſetzt
worden. Dies geſchah auf Antrag der
Staatsanwalt=
ſchaft Darmſtadt durch einen Kl. mangels ausreichender
Beweiſe außer Verfolgung ſetzenden Beſchluß des
Landgerichts. Wie vielleicht noch erinnerlich, war E.
am Abend des 8. April d. J., als er in ſeinem Kontor
allein mit Arbeiten ſich beſchäftigte, von einem durchs
Fenſter von außen her abgegebenen Schuß in die Bruſt
getroffen worden, ſo daß er geraume Zeit in
Lebens=
gefahr ſchwebte und erſt ſeit kurzem wieder hergeſtellt
iſt. Der feige Täter konnte in der Dunkelheit
uner=
kannt entkommen und es ergab ſich, daß ſeine
Fuß=
ſpuren von dem Platz vor jenem Erdgeſchoßfenſter nach
der Hinterſeite von Kleins angelegenem Garten
führ=
ten. Auch beſteht ſeit langem eine erbitterte
Gegner=
ſchaft zwiſchen beiden Genannten aus geſchäftlicher
Veranlaſſung, was in Verbindung mit ſonſtigen
Mo=
menten (Auffinden von Patronen uſw. in Kleins
Abortgrube uſw.) alsbald den dringenden Verdacht
beziglich Kl.s erwachſen ließ. Er wurde am Tage nach
der Tat bei ſeiner Rückkehr von einer Geſchäftsfahrt
feſtgenommen und befand ſich ſeitdem in
Unterſuchungs=
haft, beſtritt aber ſtets die Beſchuldigung. Jener
Ver=
dacht iſt inhaltlich des jetzigen Landgerichtsbeſchlußes
auch nicht beſeitigt, doch erſcheint die Möglichkeit der
Täterſchaft eines Dritten nicht ausgeſchloſſen, und das
Unterſuchungsergebnis als zur Ueberführung Kl.s
nicht genügend. Das ſchwere Verbrechen, deſſen
Auf=
klärung hoffentlich doch noch erfolgt, bleibt alſo
vor=
läufig ungefühnt.
Mainz, 18. Juni. Ein heſſiſcher Städtetag
über wichtige Angelegenheiten wurde geſtern nachmittag
im Stadthausſaal abgehalten. Vertreten waren durch
Mit=
glieder der Bürgermeiſterei und Stadtverordnete die
Städte Mainz, Bingen, Darmſtadt, Worms und
Offen=
bach. Zuerſt beſprach man den aus der Erſten Kammer
der Forſt= und Landwirtſchaften nach dem Ertrags= und
nicht nach dem gemeinen Wert verlangt. Man nahm ent= tot; die Leiche wurde auf den Südfriedhof verbracht.
ſchieden gegen dieſes Verlangen Stellung und wies
dar=
auf hin, daß jener Antrag für die größten Parke und
Forſten faſt Steuerfreiheit gewähre, weil ſie ja kaum
Er=
trägniſſe bringen, während doch nur ganz beſonders reiche
Leute ſich derartige ausgedehnte Anlagen leiſten können.
Weiter beſchäftigte man ſich mit der vom Landtag
geneh=
migten Billettſteuer und nahm dabei den Standpunkt ein, teſſe Nada, nebſt Dienerſchaften ſind zum Beſuch des
daß ihre Einführung von den örtlichen Verhältniſſen ab= Grafen und der Gräfin Merenberg hier eingetroffen
hängig zu machen ſei. In Mainz wird bereits in einer und im Hotel „Roſe” abgeſtiegen.
der nächſten Sitzungen der Stadtverordneten die
Bürger=
einbringen. Im hieſigen Stadtheater kann ſie nach dem
noch laufenden Vertrag in den erſten Jahren noch nicht in
Kraſt treten. Doch hat man zur Deckung der
Theaterbau=
koſten eine Erhöhung der Eintritspreiſe um 10 Prozent
vorgeſehen, will dagegen von der Erhebung der
Garde=
robegelder Abſtand nehmen. Die Nummer des Platzes
be=
deutet dann gleichzeitig auch die Garderobenummer im
umgebauten Theater, das umfangreiche Kleiderablagen
er=
hält. Nach Beendigung der Verhandlungen, die ſich bis 1 einen Revolverſchuß ab und verwundete es an
gegen 2 Uhr hinzogen, nahmen die Teilnehmer des Städte= einem Arm ſchwer, dann tötete er ſich ſelbſt durch einen
tages ein gemeinſames Eſſen in den Terraſſenſälen der
Stadthalle ein. (Tgbl.)
B Bingen, 19. Juni. Geſtern abend wollte ein
Mann mit einem Korb, in dem ſich zwölf Flaſchen
Wein befanden, über den Holzſteg nach Bingerbrück
ſich begeben. Dabei verlor er das Gleichgewicht und
ſtürzte mit ſeinem Weinkorb in die Nahe. Mit
Mühe arbeitete er ſich wieder heraus, ſein Korb aber
war leer. Der Sohn des Brückenmeiſters ſprang
dar=
auf in das an der fraglichen Stelle etwa 1½ Meter
tiefe Waſſer und holte eine Flaſche nach der anderen
heraus. Die Flaſchen waren unverſehrt, ſodaß der
„Verunglückte” ſeine Flaſchen doch noch an den Mann
zu bringen vermochte.
Aus der Reichshauptſtadt, 19. Juni. Die
kom=
nunale Regelung Groß=Berlins wurde
eſtern im Rathauſe zwiſchen dem Oberpräſidenten der
Provinz Brandenburg, Dr. von Conrad, der in dieſer
Ligenſchaft zugleich Oberpräſident der Stadt Berlin iſt,
iud dem Oberbürgermeiſter Kirſchner erörert. v.
Con=
ad, der ſich in der Sitzung des Magiſtrats deſſen
Mit=
liedern hat vorſtellen laſſen, unterhielt ſich lebhaft mit
§ dem Oberbürgermeiſter. Von beiden Seiten wurde auf
die ſchwierigen Fragen hingewieſen, welche die kommu= ſtädtiſche Kanalräumer, die ſeit ſechs Jahren große
nale Einigung Groß=Berlins mit ſich bringt, und dem
Wunſche Ausdruck gegeben, daß es gelingen werde, in
gemeinſamer Arbeit der Löſung dieſer Aufgaben näher
zu kommen. — An der Leichenfeier für Dr. Otto 200 000 Francs betrage.
Brieſenmeiſter geſtern nachmittag beteiligten ſich
u. a. der frühere Staatsſekretär Dernburg und der Jura) kam es geſtern abend zwiſchen 300 ſeit einem
rer Graf von Lorſch, dankte ſodann dem feſtgebenden 15jährige Kontoriſtin aus Berlin, die nach
Unterſchlagung von 4000 Mark flüchtig ging, wurde 50 Gendarmen zu einem blutigen
Zuſammen=
hieſigen Hotel klingelte es geſtern am Fernſprecher und Schließlich gelang es aber den Gendarmen, die Ruhe
jemand rief durch: „Hier Kronprinz Friedrich wieder herzuſtellen. Ein vom Allgemeinen Arbeiter=
Wilhelm! Ich ſchiche Ihnen einen jungen Mann, den
ich auf ſeine Zuverläſſigkeit prüfen möchte, geben Sie
ihm 200 Mark. Sollte er das Zuverläſſigkeitsexamen
nicht beſtehen, ſo wird Ihnen die Hofmarſchallkaſſe den
Betrag erſetzen!‟ Nach einiger Zeit erſchien im Hotel
auch wirklich ein junger Mann und ſagte, er habe
etwas abzuholen und dafür etwas zu beſorgen. Man
hatte ſich aber unterdeſſen bereits beim
Hofmarſchall=
ſei. Der junge Mann wurde deshalb feſtgenommen
und der Kriminalpolizei übergeben. Es iſt ein
ſtellen=
loſer Handlungsgehilfe Karl W., der durch dieſen
Schwindel ſich Geld verſchaffen wollte.
Wildpark, 19. Juni. Die Kaiſerin und die
Prin=
zeſſin Viktoria Luiſe ſind heute abend 10 Uhr 40
Minuten, von Hamburg kommend, im Wildpark wieder
eingetroffen und begaben ſich ins Neue Palais.
Frankfurt a. M., 18. Juni. Die heute abend im
Weſtminſter=Hotel hier überaus zahlreich beſuchte
Proteſtverſammlung von Zahnärzten
aus allen Teilen Deutſchlands faßte einſtimmig
fol=
gende Reſolution gegen den Entwurf der
Reichs=
verſicherungsordnung: „Die am 18. Inni 1910 in
Frankfurt a. M. verſammelten Zahnärzte erheben
ein=
mütig Einſpruch dagegen, daß nach den Beſchlüſſen der
Kommiſſion zur Vorberatung der
Reichsverſicherungs=
ordnung das für die Behandlung der
Krankenkaſſen=
mitglieder geltende Prinzip, dem Mitgliede die
beſt=
möglichſte Behandlung durch ſtaatliche approbierte
Me=
dizinalperſonen zuteil werden zu laſſen, bei der
Be=
handlung der Zahn= und Mundkrankheiten durch die
Zulaſſung von Zahntechnikern durchbrochen werden ſoll.
Im Gegenſatz zu ſämtlichen Kulturſtaaten iſt
Deutſch=
land das einzige Land, in dem jeder ohne jegliche Vor=
und Ausbildung auf Grund der Gewerbefreiheit die
Zahnheilkunde uneingeſchränkt ausüben darf; und doch
bietet der approbierte Zahnarzt heute auf Grund
ſei=
ner geſetzlich geregelten Vorbildung und mediziniſchen
und techniſchen Ausbildung einzig und allein die
Ge=
währ für eine ſachgemäße Behandlung der Zahn= und
Mundkrankheiten. Die Zahn= und Mundkrankheiten
ſind nicht loszutrennen von der allgemeinen Medizin,
ſie hängen innig zuſammen mit den Vorgängen im
Ge=
ſamtorganismus. Ein Außerachtlaſſen der Prinzipien
der Heilkunde muß gegebenenfalls zu ſchweren
An=
ſteckungen und Schädigungen des Geſamtorganismus
führen. Darum erblicken wir in der
Kommiſſions=
faſſung der §§ 135 und 136 neben einer Entrechtung
und Mißachtung des ſtaatlich approbierten
zahnärzt=
lichen Standes, der eben erſt erhöhten Anforderungen
bei Neugeſtaltung der zahnärztlichen Studien= und
Dingen eine ſchwere Gefahr für die Gefundheit der
vielen Millionen unſeres deutſchen Volkes, die die
Re=
gierung durch das Geſetz zu einer Verſicherung zwingt. Albertiſche Sparkaſſe der ſeeländiſchen Bauern einzu=
Im beſonderen weiſen wir darauf hin, daß die am 6. leiten. Das Urteil hat große Senſation in Kopenhagen
Juni d. J. in der Reichstagskommiſſion gefaßten
Be=
ſchlüſſe, die Behandlung von Zahnkrankheiten
einer=
ein Unding und praktiſch gar nicht durchführbar ſind.
Die Zahnärzte richten daher an die geſetzgebenden Kör= ſchen ſind bei dem Brande umgekommen.
perſchaften die Bitte, die Behandlung von Zahn= und
Mundkrankheiten nur an ſtaatlich approbierte
Zahn=
ärzte und Aerzte zu überweiſen und nicht der Ver= hat, iſt von der Regierung eine Belohnung von
waltungsbehörde, wie im Kommiſſionsbeſchluß vor= 200000 Dollars bewilligt worden.
geſehen, die Befugnis zu erteilen, eine minderwertige
Approbation für Zahntechniker zu ſchaffen.
Frankfurt a. M., 20. Juni. Der Polizeibericht Durch Blitzſchläge und Ertrinken ſind dabei zehn
Men=
meldet: Geſtern abend gegen 7 Uhr ſtürzte der hier ſchen umgekommen; viele Perſonen wurden
ver=
im Siechenhauſe wohnhafte, 53 Jahre alte Gärtner wundet.,
der Landſtände hervorgegangenen Antrag, der Beſteuerung Ludwig Rauſcher in der Nähe des ſtädtiſchen
Kranken=
hauſes aus einem Trambahnwagen und war ſofort
Wiesbaden, 19. Juni. Prinz und Prinzeſſin
Franz Joſephvon Battenberg ſind hier aus titel 50 des Volksſchulgeſetzes aufheben und die Ueber=
England eingetroffen und haben im Hotel „Naſſau” nahme kirchlicher Funktionen in das freie Ermeſſen des
Wohnung genommen. — Großfürſt Michael
Mi=
chaelowitſch von Rußland nebſt Gemahlin, Ausſchuſſes über die Regierungsvorlage, betreffend: die
Comteſſe Torby und Familie, Comteſſe Zia und Com= Abänderung des Fürſorgekaſſegeſetzes.
meiſterei den Antrag auf Einführung der Billettſteuer Feldartillerie=Regiment Nr. 44 wurde heute früh in des Geſetzentwurfes über die Gemeindeumlagen, betreffend
den; ſein Säbel lag gezogen neben ihm. Ueber den wollen beſchließen: 1. folgende Beſtimmung aus Satz 2
Täter und die Veranlaſſung zur Tat iſt noch nichts be= des Artikel 21 Abſ. 3, der laut Artikel 24 auf Filialgeſchäfte
kannt.
Metz, 20. Juni. In einer hieſigen Konditorei gab Hälfte des rechnungsmäßig ſich ergebenden
Geſamtſteuer=
geſtern abend ein zwanzigjähriger Bäckergeſelle ſatzes” zu ſtreichen; 2. die von dem Verband der
Detail=
lebt, auf ein in demſelben Hauſe beſchäftigtes Mädchen gatoriſche Einführung der Filialſteuer abzulehnen,
Revolverſchuß.
Dillingen, 20. Juni. Bei einem
Familien=
ſtreit wegen einer Wohnung tötete ein hier beſchäf= verſammlung Deutſcher Journaliſten= und
tigter Italiener ſeine Schwägerin durch einen Stich Schriftſtellervereine wurde heute vormittag durch
und verwundete ſeinen Bruder und ſeine Frau lebens= Koerte begrüßte die Verſammlung namens der
Kreis=
gefährlich. Der Mörder wurde verhaftet.
Schlebuſcher Karbonit=Exploſion geſchädiaten ßungsanſprachen hielten Oberbürgermeiſter Michel namens
Perſonen, beſonders auch Ladeninhaber, hat beſchloſſen, der Stadt, Univerſitätsrektor Jolly namens der Univer=
Schadenerſatz zugeſprochen wird.
Wien, 18. Juni. Oberſt Norbert Lerert, Komman= lin zum Vorſitzenden gewählt wurde. Zunächſt wurde
dant des 20. Landwehr=Infanterieregiments hat ſich in über die Schaffung einer Organiſation der deutſchen Preſſe
Linz aus Kränkung über ſeine Verſetzung nach Stanislau debattiert. Es wurde eine Kommiſſion von zehn
Mit=
zier, der ſich in freien Stunden erfolgreich mit Radium= Redakteure über eine Organiſation zu verſtändigen
forſchung befaßt hat.
Mittelteil eines zweiſtöckigen Hauſes ein, 30 Per= ein Feſteſſen im Ruſſiſchen Hof ſtatt.
ſonen unter den Trümmern begrabend. Man=
Mittag wurden die Leichen zweier Frauen, ſowie 18 weſen, angewandte Mechanik und
prak=
borgen,
Paris, 10. Zumi. Die Polizei verhaſtete drei
Mengen Telephonkabel geſtohlen hatten; einer
der Verhafteten geſtand ein, daß der Wert der von ihm
und ſeinen Komplizen geſtohlenen Telephonkabel
Paris, 19. Juni. In Fraiſans (Departement
Direktor Hermann Gura von der Gura=Oper. — Die Monat ausſtändigen Eiſenhüttenarbeitern, die, die
Internationale ſingend, durch den Ort zogen, und etwa
geſtern in Frankfurt a. d. O. verhaftet. Es wur= ſtoß. Zehn Gendarmen wurden durch Steinwürfe
den bei ihr noch 2000 Mark gefunden. — In einem und Knüttelhiebe verwundet, unter ihnen drei ſchwer,
verband nach Fraiſans entſandter Streikagitator wurde
verhaftet. Der Präjekt des Jura=Departements hat
nach Fraiſans Gendarmerieverſtärkung geſchickt. — In
Mery=ſur=Oiſe, wo zwiſchen den
Steinbruch=
beſitzern und den =Arbeitern wegen verweigerter
Lohn=
erhöhung ein Zwiſt ausgebrochen iſt, fanden geſtern
abend arge Ausſchreitungen ſtatt. Arbeiter
durchzogen lärmend den Ort und ſchlugen den ihnen
amt erkundigt und erfahren, daß alles Schwindel beſonders verhaßten Arbeitgebern die Fenſter ein.
Gendarmerie und Dragoner verjagten ſchließlich die
Ruheſtörer.
Paris, 20. Juni. Der Stationsbeamte Paty von
Villepreux war unter den erſten Löſchmännern,
die vor 15 Jahren in den brennenden
Wohltätigkeits=
baſar in der Rue St. Goujon in Paris eindrangen.
Er meinte, ſo kräftig auch die damaligen Eindrücke
ge=
weſen ſeien, ſo überſtiegen doch die vom 18. Juni
abends alle Phantaſie. Er habe ſieben Perſonen, die
fürchtbar verſtümmelt waren, unter den Trümmern
hervorgezogen; ein Kind von vier Jahren ſei in
ſei=
nen Armen geſtorben. Unter den Perſonen, die er
hervorgeholt hatte, befand ſich auch ein 30jähriger
Mann mit zertrümmertem Schädel, aus welchem das
Gehirn trat. Der Arm einer 25jährigen Frau war
von einem Waggon vom Rumpfe getrennt.
Calais, 19. Juni. Im Laufe des Nachmittags
wur=
den insgeſamt zehn Leichen der Mannſchaft des „
Plu=
vioſe” geborgen, unter ihnen die des
Kommandan=
ten. Abends ſetzte die wiederkehrende Flut den
Arbei=
tern für heute ein Ziel.
Kopenhagen, 18. Juni. In dem
Reichsgerichts=
prozeß gegen die beiden Exminiſter Chriſtenſen
und Berg wurde geſtern abend das Urteil gefällt.
Die Mitglieder des Gerichtshofes hatten ſich ſeit geſtern
vormittag zehn Uhr in einer geheimen Sitzung zur
Beſchlußfaſſung zurückgezogen. Gegen halb zehn Uhr
abends wurde die Oeffentlichkeit wieder hergeſtellt,
worauf ſich der Sitzungsſaal ſehr ſchnell wieder mit
Zuſchauern füllte. Der Präſdent verkündete nun das
Urteil, welches lautet: „Der Angeklagte
Chriſten=
ſen wurde freigeſprochen, der Angeklagte Berg
erhält tauſend Kronen Geldſtrafe: die Koſten
des Verfahrens werden der Staatskaſſe auferlegt. Von
dem 10 000 Kronen betragenden Honorar für den
öffentlichen Ankläger trägt die Staatskaſſe vier
Fünf=
tel und ein Fünftel wird dem Angeklagten Berg
auf=
erlegt. Vor dem Parlamentsgebäude hatte ſich den
ganzen Abend über eine ſehr zahlreiche Menſchenmenge
angeſammelt, die das Urteil aber ſchweigend aufnahm.
Nach einer weiteren Meldung wurde Chriſtenſen zwar
freigeſprochen, doch wurde ihm die Mißbil=
Prüfungsordnung unterworfen worden iſt, vor allen ligung des Reichsgerichts für die Stützung Albertis
ausgeſprochen. Die Verurteilung Bergs erfolgte, weil
er unterlaſſen hatte, eine Unterſuchung gegen die
erregt.
Mohilew am Dnjeper, 20. Juni. Einer
Feuers=
ſeits und der Kiefer= und Mundkrankheiten anderer=brunſt, die geſtern erſt ſpät gelöſcht werden konnte,
ſeits zu trennen, vom mediziniſchen Standpunkt aus ſind 600 Holzhäuſer, zwei Kirchen, ein Volkshaus
ſo=
wie mehrere Schulen zum Opfer gefallen. Zehn Men=
New=York, 18. Juni. Dem Zollbeamten Richard Parr,
der die Zollhinterziehungen des Zuckertruſtes aufgedeckt
New=York, 19. Juni. Heute früh wütete hier eine
halbe Stunde lang ein furchtbarer Zyklon.
Parlamentariſches.
* Der Zweiten Kammer gingen zu: Vorſtellung des
Heſſigen Landeslehrervereins mit dem Antrage: Ar=
Lehreas ſtellen zu wollen. — Weiter der Bericht des Erſten
* Der Verband Süddeutſcher
Groß=
detailliſten der Lebensmittelbranche, e. B.,
Trier, 20. Juni. Ein Sergeant vom hieſigen richtete an die Kammern folgenden Antrag zu dem Art. 24
dem Orte Biewer bei Trier erſtochen aufgefun= die Beſteuerung der Filialgeſchäfte: Die Ständekammern
Anwendung finden ſoll, keinesfalls aber weniger als die
namens Doß, deſſen Mutter als Rentnerin in Nancy liſtenvereine im Großherzogtum Heſſen vorgeſchlagene obli=
Kongreſſe und Verhandstage.
* Würzbura, 19. Juni. Die
Delegierten=
ins Herz mit einem ſogenannten Zimmermannsnagel Redakteur Prager=München eröffnet. Regierungsdirektor
regierung und wies auf die große Bedeutung der Preſſe
Köln. 20. Juni. Eine Verſammlung der durch die für das geſamte deutſche Volksleben hin. Weitere
Begrü=
bei der Behörde vorſtellig zu werden, daß ihnen ein ſität Würzburg. Hierauf wurde in die eigentlichen
Ver=
handlungen eingetreten, für die Chefredakteur Marx=
Ber=
in Galizien erſchoſſen. Er war ein ſehr beliebter Offi= gliedern eingeſetzt, die ſich mit dem Bund
Deutſcher=
hat. Im ganzen ſind 24 Vereine aus Deutſchland, Deutſch=
Lemberg, 20. Juni. Heute früh ſtürzte der Oeſterreich und der Schweiz vertreten. Am Abend fand
* Düſſeldorf, 20. Juni. Der fünfte
inter=
befürchtet, daß 10 Perſonen umgekommen ſind. Bis nationale Kongreß für Bergbau,
Hütten=
mehr oder weniger ſchwer verletzte Perſonen ge=tiſche Geologie wurde heute vormittag eröffnet.
In=ſeiner Begrüßungsanſprache wies Bergrat Kleine
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Juni 1910.
Seite 5.
darauf hin, daß 1762 Kongreßmitglieder, darunter
634 Ausländer, anweſend ſeien. 21 Kulturſtaaten und
56 befreundete Korporationen ſeien vertreten. Dieſer
Beſuch ſei ein unerwarteter und übertreffe die vier
früheren Kongreſſe bedeutend. Handelsminiſter v.
Sydow begrüßte den Kongreß im Namen der
Staats=
regierung. Anweſend waren u. a. noch der
Oberpräſi=
dent von Weſtfalen und der zum
Landwirtſchafts=
miniſter ernannte Oberpräſident der Rheinprovinz
Freiherr v. Schorlemer.
Unwetter und Hochwaſſer.
* Brunnen, 18. Juni. Man ſchreibt uns: Infolge
Dammbruches iſt die Muota in der Nacht vom 14.
auf den 15. in der Nähe von Ibach über die Ufer getreten
und hat das Gelände zwiſchen Ibach und Brunnen
größ=
tenteils unter Waſſer geſetzt. Auch in Brunnen ſelbſt hat
das entfeſſelte Element übel gehauſt. Nachdem der
Eiſen=
bahndamm oberhalb des Dorfes dem Drucke des
angeſam=
melten Waſſers nachgegeben hatte, wälzte ſich die
ſchmutzig=
gelbe Flut als reißender Strom meterhoch durch alle
Straßen und Gaſſen. Keller und Parterreräumlichkeiten
waren im Nu angefüllt und die Lebensmittel und
Waren=
vorräte, die nicht mehr nach den oberen Stockwerken hatten
verbracht werden können, vernichtet oder ſtark beſchädigt.
Einzelne Häuſer und Häuſergruppen waren vollſtändig
iſoliert, ein Verlaſſen derſelben wäre mit Lebensgefahr
ver=
bunden geweſen. Kähne konnten der furchtbar ſtarken
Strömung wegen nicht verwendet werden. Der Austauſch
der Lebensmittel erfolgte, wo es anging, über die Dächer,
an anderen Orten durch das Werfen und Spannen von
Seilen von einem Haus zum andern. Zu den am meiſten
bedrohten Gebäuden wurden von der inzwiſchen
herbei=
geeilten Feuerwehr Schwyz und dem von Luzern
eingetrof=
fenen Militär Notbrücken erſtellt und die Inſaſſen und
deren notwendigſte Habe geſichert. Die haus= und
land=
wirtſchaftlichen Gerätſchaften, Möbel, Balken, Bretter uſw.,
die auf dem Waſſer dahergetrieben kamen, ließen ahnen,
wie furchtbar die Muota weiter oben, im Tal drinnen,
gewütet haben mußte. Das Deprimierende bei all dem
war, daß man dem raſenden Element macht= und
wehrlos gegenüber ſtand und der unaufhörlich
niederpraſſelnde Regen ein noch weiteres Steigen des
Waſſers befürchten ließ. An ein Verbauen der
Durchbruch=
ſtelle war vorderhand gar nicht zu denken, die dort
durch=
kommenden Waſſermaſſen waren viel zu groß und die
Strömung zu ſtark. Als dann gegen Abend der Himmel
ſich unſer zu erbarmen ſchien und endlich ſeine Schleuſen
ſchloß, atmete man erleichtert auf. Das Waſſer fing bald
darauf an konſtant zu ſinken und während der Nacht konnte
die Muota in ihr altes Bett zurückgedrängt werden. Die
am folgenden Morgen eingetroffenen militäriſchen
Ver=
ſtärkungen nahmen die Aufräumungsarbeiten und
In=
ſtandſetzung der Straßen ſofort energiſch in die Hand und
die unterbrochenen Bahnſtrecken beiderſeits des Bahnhofs
wurden im Laufe des Tages auch wieder hergeſtellt, ſodaß
ſeit geſtern abend die Züge wieder fahrplanmäßig
ver=
kehren können. Der See iſt infolge der ihm zufließenden
enormen Waſſermenge ſtark geſtiegen und über die Ufer
getreten. Auf dem Dorfplatz u. den dem Kai nächſtgelegenen
Straßen mußten für die Fußgänger Notbrücken hergeſtellt
werden. Es konnte indeſſen heute abend ein kleiner
Rück=
gang des Sees konſtatiert werden und alle Anzeichen
deu=
ten darauf hin, daß er in wenigen Tagen auf ſeinen
nor=
malen Stand zurückgehen wird. Geſtern nachmittag iſt ein
Knabe beim Holzauffangen ins Waſſer gefallen und
er=
trunken, ſonſt ſind gottlob keine Menſchenleben zu
bekla=
gen. Infolge der überaus ſtarken Strömung des
ausge=
tretenen Waſſers wurde der mitgeführte Schlamm und
Schutt nicht unterwegs abgelagert, ſondern bis in den
See weitergeſpült. Dank dieſes Umſtandes wird das
ſchmucke Dorf und ſein prächtiges Umgelände in wenigen
Tagen wieder das alte liebliche Bild zeigen und ein
Aufenthalt daſelbſt wieder die wohlbekannten und
viel=
geſchätzten Reize und Annehmlichkeiten bieten. Möge eine
recht gute Saiſon den durch dieſe Kataſtrophe entſtandenen
materiellen Schaden recht bald verſchmerzen helſen.
Die Enzyklika.
* Der Deutſchbund hat bezüglich der
Borro=
mäus=Enzyklika folgende Erklärung erlaſſen: „Der
Deutſchbund iſt geſtellt auf die gemeinſame
natio=
nale Betätigung deutſcher Proteſtanten und Katholiken.
Dieſe einträchtige Arbeit wird gefährdet durch
Ver=
lautbarungen wie die neue päpſtliche Borromäus=
Enzyklika, die ſich im Grunde gegen das deutſche
Volks=
tum als ſolches richtet. Wir legen daher einmütig
Ver=
wahrung ein gegen eine derartige Verunglimpfung
unſeres Deutſchbewußtſeins von wem immer ſie auch
ausgehen mag. Wir verlangen, ſoll die Kluft der
Be=
kenntniſſe unter den Deutſchgeſinnten geſchloſſen
blei=
ben, die Beſeitigung des Religions=
Schmähungs=Paragraphen (§ 166 des
Reichs=
ſtrafgeſetzbuches), da er das Papſttum und alle
Einrich=
tungen der katholiſchen Kirche unter Schutz ſtellt, die
Reformation und das Andenken der Reformatoren
aber völlig preisgibt. Nur wenn gleiches Recht
ge=
ſchaffen wird, können wir den Austrag religköſer
Gegenſätze den Konfeſſionen überlaſſen.”
H. Karlsruhe, 19. Juni. Bei der geſtrigen
Be=
ratung des Schulgeſetzes in der Erſten Kammer
kam der katholiſche Freiherr v. Stotzingen auch
auf die päpſtliche Enzyklika zu ſprechen und erklärte im
Einverſtändnis mit den anderen katholiſchen
Mitglie=
dern des Hauſes: Die Enzyklika ſei eine innerkirchliche
Angelegenheit und eine Kundgebung des Oberhauptes
der katholiſchen Kirche an die Katholiken. Es iſt
des=
halb dieſs Haus nicht der Platz über eine ſolche
Kund=
gebung zu ſprechen. Ich habe aber wahrgenommen,
daß ſich hervorragende Mitglieder der evangeliſchen
Kirche durch die Enzyklika gekränkt und verletzt
füh=
len. Der päpſtliche Stuhl hat bereits erklärt, daß ihm
jede Abſicht ferngelegen hat, die nichtkatholiſchen
Fürſten und Völker zu kränken. Soweit die
Nicht=
katholiken ſich verletzt fühlen, wird dies von mir aufs
tiefſte bedauert. Die Gläubigen der beiden
chriſtlichen Konfeſſionen ſind erfreulicherweiſe einander
näher gekommen und es wäre zu bedauern, wenn das
anders würde. Die Kämpfe, die uns bewegen, richten
ſich nicht gegen die Konfeſſion, ſondern gegen die
Reli=
gion, es ſind die Kämpfe des Unglaubens gegen den
Glauben. In dieſem Kampfe ſteht mir der gläubige
Proteſtant näher als der ungläubige Katholik. Prälat
Schmitthenner, der Vertreter der evangeliſchen
Kirche, entgegnete: Die Enzyklika habe in evangeliſchen
Kreiſen große Erregung hervorgerufen. Man kann
aber ſagen, daß nach den Ereigniſſen der letzten Tage
und dem Verbot der Veröffentlichung der Enzyklika
durch den Papſt die Sache in ein milderes Stadium
getreten ſei. Der Kern der Sache ſei aber nicht
beſei=
tigt. Es kommt für uns nicht auf die Wirkung,
ſondern auf die Urſachen au. Es iſt nicht das erſte
Mal, daß ſolche Urteile gefällt werden über die
Refor=
mation. Schärfer und verletzender, wie dieſe
Enzy=
klika, ſei noch keine hinausgeſchleudert worden. Das
Urteil, das über dieſe gefällt worden ſei, ſei weder durch
die Geſchichte, noch durch das Verhalten gerechtfertigt.
Eins wird für uns aus dem Ereignis herauswachſen,
nämlich das Bewußtſein des evangeliſchen
Zuſammen=
ſtehens und die evangeliſche Vertiefung.
Staatsminiſter v. Duſch: Der Standpunkt der
Regierung deckt ſich mit den erſten Ausführungen des
Reichskanzlers im preußiſchen Abgeordnetenhauſe. Die
Enzyklika enthält Urteile, die mit Recht die evangeliſche
Bevölkerung ſchwer verletzen und die den
konfeſſio=
nellen Frieden ſtören. Für die badiſche Regierung
liegt kein Grund zu einer beſonderen Kundgebung vor,
da in Baden erfreulicherweiſe die Enzyklika nicht
ver=
öffentlicht worden iſt.
* Die „Verfaſſung” der päpſtlichen
Re=
gierung. Im Hinblick auf die viel erörterte
Borromäus=Enzyklika des Papſtes dürfte eine
Ueberſicht über die Regierungsverfaſſung der höchſten
Inſtanz der römiſch=katholiſchen Kirche von Intereſſe
ſein.
Das monarchiſche Oberhaupt der katholiſchen Kirche,
der Stellvertreter Jeſu Chriſti auf Erden, iſt der
Papſt. Der Papſt iſt als ſolcher Biſchof von Rom,
Erzbiſchof der römiſchen Provinz, Patriarch des
Abend=
landes und Primas der Kirche. Mit den übrigen
Biſchöfen regiert er nach katholiſcher Auffaſſung die
Chriſtenheit, den populus fidelis per totum orbem
dispersus, die Gläubigen des ganzen Erdkreiſes. Dieſe
bilden die Gemeinde Chriſti, eine Gemeinde mit
äußer=
lich wahrnehmbarer Organiſation. Der Primat des
Papſtes begreift: 1. den primatus hovoris, d. h.
den höchſten Rang in der katholiſchen Chriſtenheit, ſich
ausdrückend in der adoratio, der feierlichen Huldigung
(die Kardinäle küſſen dem Papſt Fuß und Hand, die
Biſchöfe Fuß und Knie, die Fürſten nur die Hand, alle
anderen Gläubigen den Fuß); der Papſt trägt die
drei=
fache Krone, die Tiara, und den geraden Hirtenſtab
(pedum reetum); 2. primatus jurisdictionis,
d. i. die höchſte Kirchengewalt, und zwar ſowohl die
Geſetzgebungsgewalt über das geſamte Kirchenrecht, als
auch das Beſtimmungsrecht der Lehre des Inhalts des
chriſtlichen Glaubens, des Dogma. Bei Entſcheidungen
hierüber iſt der Papſt unfehlbar, aber nur dann,
wenn es ſich um eine Frage de fide vel moribus, alſo
des Glaubens oder der Sitte handelt, und wenn er
dieſe Frage ex cathedra, d. h. auf Anfrage als Hirt der
Chriſtenheit entſcheidet (die Borromäus=Enzyklika
ent=
behrt daher durchaus des Charakters der
Unfehlbar=
keit). Früher bedurfte der Papſt zur Feſtſetzung des
Dogma der Zuſtimmung eines allgemeinen Konzils;
das Vatikaniſche Konzil (31. Auguſt 1870) benahm den
Konzilien dieſe Befugnis, indem es dem Papſt allein
die Unfehlbarkeit der bezeichneten Art verlieh. Die
Zeiten der Konzilien, auf denen naturgemäß viele, oft
einander widerſprechende Meinungen zutage traten,
ſind, da dies nicht im Intereſſe der Kirche lag, für
immer vorbei. Der Papſt iſt der Monarch der
katho=
liſchen, alleinſeligmachenden Kirche, in der ihm weiter
die höchſte Gerichts= und Disziplinarhoheit, die höchſte
Finanz= und Beamtengewalt zuſteht. Der Papſt iſt
ferner ein geiſtlicher Souverän, eine völkerrechtliche
Perſönlichkeit mit dem Anſpruch auf königliche Ehren.
Exterritorial, d. h. keiner fremden Staatsgewalt
unter=
worfen, ſind die päpſtlichen Paläſte Vatikan und
Lateran in Rom und die Tibervilla San Gandolfo.
Die päpſtliche Kurie iſt das
Regierungspräſi=
dium für die Kirche, identiſch mit der biſchöflichen Kurie
des Papſtes als Biſchof von Rom. Hauptglied der
päpſtlichen Kurie iſt das Kardinalkollegium, d. i. im
Grunde die kollegial organiſierte Stadtgeiſtlichkeit von
Rom, der römiſchen Gemeinde, der bevorzugteſten der
Kirche. Das Kardinalkolleg beſteht aus höchſtens 70
Mitgliedern; man unterſcheidet: 1.
Kardinal=
biſchöfe: die Biſchöfe der 6 Nachbargemeinden Roms,
nämlich von Oſtia, Porto, Sabina, Albano, Frascati
und Paleſtrina, ſind als ſolche ſtets Kardinäle; 2.
Kardinalprieſter (höchſtens 50), d. h. Kardinäle,
welche formell als Prieſter einer römiſchen Hauptkirche
zum Kardinal ernannt werden, mögen ſie auch
ander=
wärts Biſchof ſein (z. B. die deutſchen Kardinäle Kopp
und Fiſcher); 3. Kardinaldiakonen (höchſtens
14), d. h. Kardinäle, die es als Diakonen werden. Das
Kardinalkolleg ſoll dem in der Kirchenregierung
unbe=
ſchränkten Papſt lediglich zum Beiſtand dienen; das
Kolleg verwaltet ſeine Angelegenheiten ſelbſt unter
Leitung des Kardinaldekans, welches Amt zurzeit der
noch von Leo XIII. zum Kardinal ernannte (älteſte)
Kardinal Oreglia di Santo Stefano. Biſchof von Oſtia
und Velletri, bekleidet. Ständige Ausſchüſſe des
Kar=
dinalkollegs ſind die Konſiſtorien oder
Kon=
gregationen, die zur Leitung gewiſſer beſonderer
Geſchäfte, z. B. Miſſionen, Fortbildung der Lehren des
Konzils von Trient, Riten, Zeremoniale,
Ordensgeiſt=
liche (Präfekt letzterer: Kardinal Viveſy Tuto) uſw.
berufen ſind, ſie ſtehen, übrigens teilweiſe ein
Schatten=
daſein führend, unter Leitung des Papſtes oder eines
Präfekten. Solange der päpſtliche Stuhl nach dem
Tode eines Papſtes unbeſetzt iſt, wird das päpſtliche
Kirchenregiment durch die Kongregationen geführt als
päpſtlichen Behörden im Namen des künftigen Papſtes.
Neben den Kongregationen als Verwaltungsbehörden
beſtehen unter Leitung von Kardinälen drei
päpſt=
liche Gerichtshöfe: 1. Poenitentiaria apostolica
unter Leitung des Großpönitentiars, des Beichtvaters
des Papſtes, zur Zeit des Kardinals Serafino
Vannu=
telli, Biſchofs von Porto und St. Ruffina, 2. Sacra
rota romana, und 3. Signatura apostolica unter
Kardi=
nal Vincenzo Vannutelli, Biſchof von Paleſtrina.
Die Ernennung zum Kardinal entſpringt freier
Entſchließung des Papſtes; ſchon durch bloßes Denken
kann er ſolche Ernennung vollziehen, um ſo dem
Be=
treffenden Anciennität vorzubehalten.
Die päpſtliche Beamtenſchaft zerfällt in
die hohe, die Prälatur, und die niedere, die Kurialen.
Hier, wo es ſich nicht um das kirchliche Recht, ſondern
um freie Entſchließungen des Papſtes (z. B.
Enzy=
kliken) handelt, finden wir eine Reihe von Gnaden=
und Kanzleibehörden; hier ſind dann vor allem auch
anzuführen der Generalvikar des Papſtes, der
wirk=
liche Seelſorgebiſchof Roms, Kardinal Reſpighi, und
last not least der General des Papſtes für die Kirche,
der Kirchenminiſter für die äußeren Angelegenheiten,
Kardinalſtaatsſekretär Merry del Val.
Luftſchiffahrt.
* Berlin, 19. Juni. Der Ausſchuß zur
Unter=
ſuchung der Zeppelin=Kataſtrophe bei
Weilburg iſt im Kriegsminiſterinm unter dem
Vor=
ſitze des Oberſten Schmiedecke zu einer Beratung
zu=
ſammengetreten. Als nichtmilitäriſche Sachverſtändige
nehmen der Vorſitzende des Deutſchen Luftſchiffer=Ver=
bandes, Geheimerat Busley, der Direktor der kriegs=
und ſchiffbautechniſchen Abteilung der Siemens=
Schuckert=Werke, O. Krell, und Oberingenieur Dürr
vom Luftſchiffbau Zeppelin teil.
* Friedrichshafen, 19. Juni. Wie von
zu=
ſtändiger Seite mitgeteilt wird, haben die beiden heute
früh von 7—½9 Uhr und nachmittags von 1—½3 Uhr
unternommenen Probefahrten des „E 2 VII"
einen überaus befriedigenden Verlauf genommen,
ins=
beſondere hat die erſtmals erprobte Paſſagierkabine ſich
ausgezeichnet bewährt. Sie wies keinerlei
Erſchütter=
ungen auf und erweckte das Gefühl, als befände man
ſich in einem Salon. In der Kabine wurden Verſuche
gemacht, um die Spannungsdifferenz zwiſchen der
Atmoſphäre und dem Luftſchiff feſtzuſtellen, wobei ſich
die denkbar größte Sicherheit vor Blitzgefahr ergab.
Von einem für morgen in Ausſicht genommenen
drit=
ten Probeaufſtieg hängt der Termin der Abreiſe nach
Düſſeldorf ab. Die Luftſchiffbaugeſellſchaft hat es einer
Anfrage der Stadt Düſſeldorf gegenüber ablehnen
müſſen, den Zeitpunkt der Abfahrt ſchon jetzt genku
an=
zugeben; auch die Fahrtroute ſteht noch nicht genau feſt.
Sie wird ſich, und das gleiche gilt auch vom Reiſeantritt,
wie bei allen großen Fahrten, erſt im letzten Augenblick
fixieren laſſen, wobei Wind und Wetter weniger als
etawige techniſche Erwägungen den Ausſchlag geben.
* Friedrichshafen 20. Juni. Das
Paſſa=
zierluftſchiff „L 2 VII” das nach der definitiven
Ab=
nahme in Düſſeldorf den Namen „Deutſchland”
er=
hält, vollführte heute Vormittag von 10 bis 12 Uhr
ſeine dritte Probefahrt bei ziemlich ſtarkem
Oſt=
wind. Zwiſchen hier, Langenargen und dem
ſchweizeri=
ſchen Ufer wurden verſchiedene Uebungen ausgeführt.
Graf Zeppelin hatte ſelbſt die Führung. In der Kabine
befand ſich die chineſiſche
Studienkommiſ=
ſion, beſtehend aus drei Offizieren in Uniform, mit
weiteren Herren der Berliner chineſiſchen Geſandtſchaft,
ſowie Direktor Colsman. Die Fahrt, die zu Ehren der
chineſiſchen Abgeſandten veranſtaltet war, verlief ſehr
glatt. Nachher fand eine Beſichtigung der Hallen und
des geſamten Betriebes des Luftſchiffbau Zeppelin ſtatt.
Heute mittag wird eine weitere Verſuchsfahrt erfolgen.
* Reims, 19. Juni. Die Reimſer
Flug=
woche wurde geſtern in Anweſenheit von etwa 200000
Zuſchauern eröffnet. Kurz vor Sonnenuntergang
er=
hoben ſich gleichzeitig acht Aviatiker in die Luft und
umkreiſten mehrmals das Flugfeld. Der jugendliche
Ariatiker Morane flog in einem Blériot=Einflächer
nach Reims, umkreiſte die Kathedrale in einer Höhe
von etwa 450 Metern und kehrte dann nach dem
Flug=
felde zurück.
* Brüſſel, 20. Juni. Der Lenkballon „Clouth”
der heute um Mitternacht in Köln zu einer Weitfahrt
nach Brüſſel aufgeſtiegen war, iſt heute morgen gegen
5½ Uhr auf dem hieſigen Ausſtellungsgelände glatt
gelandet, nachdem er vorher, wahrſcheinlich infolge
Nebels, eine Stunde gekreuzt hatte. Führer des
Luft=
ſchiffes iſt Hauptmann v. Kleiſt, Mitfahrer Eugen
Clouth=London, Motorführer Ingenieur Ding. Es iſt
der „Clouth” das erſte ausländiſche Luftſchiff, das in
Belgien erſchienen iſt. Die Fahrt ging über Holland.
* London, 20. Juni. Als Graham White
zu Brooklands in der Grafſchaft Kent mit Lady Abdy
auf ſeinem Zweidecker aufflog, verſagte die Maſchine.
Der Apparat ſtürzte aus einer Höhe von 10 Fuß
zur Erde. Die Maſchine iſt zertrümmert. White und
ſeine Mitreiſende blieben unverletzt.
sr. Thaddäus Robl, der am Samstag tödlich
verunglückte, von ſeinen unzähligen Freunden und
An=
hängern kurzweg „Thaddi” genannt, war wohl die
populärſte Perſönlichkeit des deutſchen Radſports
ge=
weſen, und ſeine großen Triumphe auf in= und
auslän=
diſchen Bahnen verſchafften ihm in der Neuen wie in
der Alten Welt einen berühmten Namen. Am 22.
Okto=
ber 1877 in München geboren und von Beruf
Stein=
ſetzer, widmete er ſich früh dem Radſport. Schon 1898
gewann er in Verviers ein 24=Stundenrennen. Sein
eigentliches Gebiet waren die Rennen mit
Motorführ=
ung, in denen er in den Jahren 1901 bis 1905 für
nahe=
zu unbeſieglich galt. 1901 und 1902 gewann Robl die
Weltmeiſterſchaft über 100 Kilometer, faſt in allen
„Goldenen Rädern” und anderen bedeutenden
Ereig=
niſſen endete er, in ſeinem gewohnten ſchwarz=
weiß=
roten Dreß fahrend, unter dem Jubel der Menge in
Front. 1897 verſuchte ſich Robl, ohne rechten
Er=
folg, als Automobilrennfahrer. Auch mit ſeinem
Kön=
nen als Radrennfahrer ging es in den letzten 3 Jahren
ſtark bergab, nicht zum geringen Teil wegen ſeines
unſportgemäßen Lebenswandels. Seit einem Jahre
etwa widmete ſich der Exchampion mit großer Energie
der Aviatik. Nach manchen Fehlſchlägen glückte ihm
endlich bei Kolmar, gerade während der Prinz Heinrich=
Fahrt und vor dem Prinzen Heinrich, dem Robl auch
vorgeſtellt wurde, ſein erſter größerer Flug. Nun hat
der Tod weiteren Erfolgen ein frühes Ziel geſetzt.
CK. Ein transatlantiſches Luftſchiff.
In kurzer Zeit, ſo berichtet der Daily Chroniele, wird
das von den Luftſchiffern ſo heiß erſehnte Ziel erreicht
ſein: man wird in der Wirklichheit und nicht nur in der
Theorie im lenkbaren Luftſchiff über den Atlantiſchen
Ozean reiſen. Das Modell dieſes neuen
transatlanti=
ſchen Luftſchiffes iſt bereits in England fertiggeſtellt.
Es handelt ſich um einen völlig neuen Typus von
Lenk=
ballon, den man den „Blauen Vogel” getauft hat; der
Erfinder und Konſtrukteur iſt ein in der
wiſſenſchaft=
lichen Welt ſehr angeſehener Gelehrter, der Profeſſor
einer engliſchen Univerſität, der auch mit dem Grafen
Zeppelin ſehr befreundet iſt und ſchon mehrfach mit dem
Grafen zuſammen gearbeitet hat. Das Luftſchiff iſt
be=
ſonders zu dem Zwecke transatlantiſcher Flüge
kon=
ſtruiert. Die Gondel iſt in den Ballon eingebaut. Der
„Blaue Vogel” kann zehn Perſonen an Bord nehmen;
er wird von vier Motoren getrieben, von denen zwei
am vorderen und zwei am hinteren Ende des
Fahr=
zeuges angebracht ſind. Eine beſondere Neuerung iſt
die Form, die von der der bisherigen Luftſchiffe ſtark
abweichen ſoll; ſie bietet der Luft nicht nur geringere
Widerſtandsfläche, ſondern ſie ermöglicht es auch, daß
ein einziger Steuermann das Fahrzeug allein führen
kann. Es können fünf Tonnen Benzin mitgeführt
werden; der Lenkballon kann 80 Stunden ohne
Unter=
brechung fliegen. Sehr intereſſant iſt eine Anlage, die
s ermöglicht, abwechſelnd zwei verſchiedene Heizſtoffe
zu verwenden, nämlich ſowohl Benzin als Gas. Damit
will man der Einwirkung der Sonnenſtrahlen und
plötzlichen Abkühlungen in den Luftſchichten
entgegen=
arbeiten. Wenn die Sonnenſtrahlen eine große Kraft
entwickeln und den Volumen des Gaſes vergrößern, ſo
wird man in den Motoren Gas brennen und damit das
Fahrzeug verhindern, zu hoch empor zu ſteigen. Bei
kühlerer Witterung dagegen wird die Benzinheizung
ngeſchaltet; mit dem wachſenden Benzinperbrauch ver=
Seite 6e
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Juni 1910.
Nummer 142.
mindert ſich das Gewicht und damit wird das
Gleich=
gewicht zwiſchen der Abnahme des Gaſes und der
nöti=
gen Tragfähigkeit wiederhergeſtellt. Die
Verhandlun=
gen wegen des Baues dieſes transatlantiſchen
Luft=
kreuzers haben bereits begonnen, und die Arbeiten
werden bereits in den nächſten Tagen aufgenommen.
* Der Verein Braunshardter Heim
hielt geſtern nachmittag im Neuen Gerichtsgebäude
ſeine diesjährige Mitgliederverſammlung ab. Auf
Er=
ſuchen der Vorſitzenden, Fürſtin Manda zu Erbach=
Schönberg, die in Begleitung der Frau Baronin von
Oetinger erſchienen war, eröffnete Herr
Generalſtaats=
anwalt Dr. Preetorius die Verſammlung mit
einer kurzen Begrüßung und wies darauf hin, daß der
Verein jetzt ſein fünftes Lebensjahr vollendet, alſo
ſeine Kinderſchuhe ausgezogen habe. Der Verein laufe
in einem erfahrenen guten Geleiſe. Er habe nahezu
die Maximalzahl von Pfleglingen beherbergt, die ihm
aufzunehmen möglich ſei. Daß in dieſen fünf Jahren
auch manche Enttäuſchung zu verzeichnen war, manche
Erwartung nicht erfüllt wurde, ſei gerade bei dieſer
Art der caritativen Tätigkeit nicht zu verwundern. Der
Verein habe aber ſeine Exiſtenzberechtigung längſt
er=
wieſen; die ganze Einrichtung ſei eine notwendige und
erfreuliche. Der Geſchäftsführer, Herr Pfarrer
Kle=
berger, erſtattete darauf den Geſchäftsbericht über
die Tätigkeit des Vereins im Jahre 1909. Es waren
im verfloſſenen Jahre 22 Pfleglinge im Mariaheim zu
Braunshardt untergebracht, davon 10 aus Starkenburg,
5 aus Rheinheſſen und 3 aus Oberheſſen; acht von ihnen
fanden in Privatſtellungen Unterkunft, ſechs verließen
das Heim eigenwillig und ſieben verblieben noch darin.
Die meiſten der Mädchen, von denen ſich je fünf im 15.
und 18. und je zwei im 17., 19., 22. uſw. Jahre
befan=
den, entſtammten zumeiſt aus höchſt traurigen
Fami=
lienverhältniſſen, die auch die Haupturſache ihrer
phyſi=
ſchen, pſychiſchen und ſozialen Entartung bildeten; in
vielen Fällen trug die Trunkſucht des Vaters daran die
Schuld. Wenn auch das Marienheim keinen vollen
Er=
ſatz für die Familie bieten könne, ſo erſetze es doch ſo
weit wie möglich das Elternhaus, und die Diakoniſſin
Maria Schmidt nehme ſich jeder einzelnen ihr
Anver=
trauten mit gleicher Liebe an. Leider ſei das
Brauns=
hardter Heim zur Zeit noch ſchwer belaſtet, weil die
Mittel für die meiſten Pfleglinge vom Verein
aufge=
bracht werden müßten und öffentliche Mittel dafür
nicht zur Verfügung ſtänden. Der Redner richtete zum
Schluß einen warmen Appell an die Damen, für die
gute Sache einzutreten und für neue Mitglieder und
weitere Beiträge beſorgt zu ſein. Den
Rechenſchafts=
hericht erſtattete der Vereinsrechner, Herr Major
Baur. Die Geſamtſumme aller Ausgaben im
Vor=
jahre betrug 22 424 Mark, die Summe aller Einnahmen
24398 Mark, ſo daß ein Barvorrat von 1974 Mark
verblieb, wovon jedoch für 1910 ſchon viel verausgabr
wurde, ſo daß am 1. Juli nur ein Barreſt von 800 Mark
verblieb. Die Mitgliederbeiträge mit 3279 Mark ſind
gegen die Vorjahre etwas zurückgegangen. Nachdem im
Jahre 1909 von der Geſamtſchuld 5000 Mark an die
Landesverſicherungsanſtalt zurückgezahlt worden ſind,
beläuft ſich die gegenwärtige Schuld noch auf 20 300 Mk.
Die Geſamtkoſten für den Haushalt im Marienheim
beliefen ſich im letzten Jahre bei durchſchnittlich fünfzehn
Pfleglingen auf rund 4000 Mark; an Einnahmen für
Wäſche wurden 2951 Mark erzielt. Der vom
Vereins=
rechner gleichfalls vorgetragene Voranſchlag für 1910
balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 7214 Mark
und wurde ohne Debatte genehmigt. Nach dem Dank
der Vorſitzenden an die beiden Redner wurde an Stelle
der beiden verſtorbenen Vorſtandsdamen, Geheimrätin
Walz und Frau Zimmer, deren Andenken die
Ver=
ſammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte, Frau
Provinzialdirektor Dr. Uſinger=Gießen und Fräulein
Münch=Darmſtadt gewählt. Mit herzl. Dankesworten der
Frau Fürſtin zu Erbach=Schönberg an alle diejenigen,
die dem Verein ihre Kraft gewidmet, ſchloß die
Ver=
ſammlung.
Vermiſchtes.
* Der deutſche Käuferbund verſendet ſeinen
3. Geſchäftsbericht, aus dem zu entnehmen iſt, daß ſich
Ortsgruppen in Freiburg i. B., Leipzig, Frankfurt
a. M. gebildet haben und die Bildung weiterer
Orts=
folge ſeiner Beſtrebungen, die er gemeinſam mit den
beteiligten Berufsvereinen verfolgte, kann der Bund malmte das kleine Mädchen, das ſofort tot war. Der
im letzten Jahre zurückblicken. Der Käuferbund
unter=
ſtützte die Beſtrebungen auf Erweiterung der
Sonn=
tagsruhe für Bäcker und Konditoren; ebenſo iſt er in
Tombolen auf Wohltätigkeitsfeſten arbeiten will.
tet der Flottenverein, um das Verſtändnis und
In=
tereſſe des deutſchen Volkes für die Bedeutung und die
ſtärken; ſie dienen alſo ſidealen Zwecken, ſind keine
Ge=
ſchäftsunternehmen. Sorgfältige Vorbereitung,
fach=
männiſche Leitung ſtellen den Teilnehmern genußreiche Chauffeur unverletzt blieben.
Tage in Ausſicht umſomehr als der Flottenverein auch
da weitgehendes Entgegenkommen findet, wo anderen
Beſchränkungen auferlegt werden, Der Heſſiſche
entgegen, auch von Damen und Herren, die noch nicht
Mitglieder ſind Nur dieſe Fahrt wird aus dem Be;
reiche des Großherzogtums Heſſen vom Flottenverein
veranſtaltet.
Literariſches.
— Straßburg. Ein Tagebuch der Belagerung. Von
Carl Bleibtreu. Illuſtriert von Chr. Speyer. In
farbigem Umſchlag geh. 1 Mk., eleg. geb. 2 Mk. — Carl
Krabbe Verlag Erich Gußmann in Stuttgart. — In
der Reihe der Bleibtreuſchen Schlachtenſchilderungen aus
dem deutſch=franzöſſiſchem Kriege fehlte bisher eine
Schil=
derung der Belagerung von Straßburg. Sie liegt jetzt
vor. — In Form eines Tagebuchs, wie ein Miterlebender
es niederſchreibt, ſind Leiden und Taten der Straßburger
Belagerung aneinandergereiht. Ein erſchütterndes Bild
des Opfermuts jener unglücklichen Bevölkerung entrollt
ſich, deren Deutſchtum mit bedauernswerter Anhänglichkeit
für Frankreich litt. Die Geſamtauflage der
Schlachten=
ſchilderungen hat jetzt die Höhe von 435000 Exemplaren
erreicht, für ihre Beliebtheit beim deutſchen Publikum
gewiß das beredteſte Zeugnis.
Zur Lage in Kreta.
* Konſtantinopel, 20. Juni. Das
Miniſte=
rium des Innern richtete an die Provinzbehörden
ein Rundſchreiben, in dem es erklärt, daß die
Mächte endgültig die Wahrung der
Souveränitäts=
rechte der Türkei auf Kreta, ſowie der Rechte der
Mohammedaner daſelbſt beſchloſſen haben. Weiter wird
in dem Schreiben der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß
die Bemühungen der Pforte für eine endgültige Löſung
der Kretafrage erfolgreich ſein mögen. Schließlich
wird die Bevölkerung aufgefordert, den Bemühungen
der Regierung zu vertrauen und jede Aufregung zu
vermeiden, wodurch die türkiſchen Intereſſen nur
ge=
ſchädigt würden.
* Konſtantinopel, 20. Juni. Der Tanin
verteidigt die deutſche und die öſterreichiſche Preſſe
gegen die engliſcherſeits erhobenen Anſchuldigungen
wegen der Kretafrage. Die engliſche Preſſe ſolle
ſich erſt mit der Haltung einiger engliſcher Blätter,
z. B der Weſtminſter Gazette, befaſſen, ehe ſie an
der Preſſe anderer Nationen Kritik übe.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 20. Juni. Der Kaiſer begibt ſich, den
letzten Dispoſitionen zufolge, am Mittwoch, den 22.
Juni im Sonderzug nach Altona, um ſich auf der
„Hohenzollern” einzuſchiffen, die an den St. Pauli=
Landungsbrücken bereitliegt.
* Berlin, 20. Juni. Der Zentralvorſtand der
Bezirks=
leiter des Zentralverbandes chriſtlicher
Bau=
arbeiter Deutſchlands hat beſchloſſen, da die
Ausſper=
rung ſeitens des Arbeitgeberbundes aufgehoben und die
Lohnfrage durch Schiedsſpruch geregelt iſt, die Mitglieder
zu unverzüglicher Arbeitsaufnahme anzuhalten.
* Frankfurt, 20. Juni. Die öſterreichiſchen
Offiziere, die geſtern am „Concours Hippique‟
in Frankfurt teilnahmen, ſind heute mittag die Gäſte
des 24. Dragoner=Regiments in Darmſtadt,
am Nachmittag wird man einem Spiel des Frankfurter
Poloklubs beiwohnen; am Abend iſt Feſtdiner bei Frau
von Mumm. Am Mittwoch wird dem Infantevie=
Regiment Nr. 81 ein Beſuch abgeſtattet.
** Leipzig, 20. Juni. Auf die Reviſion des
Angeklag=
ten Gilardi wurde das Urteil des Schwurgerichts
Saarbrücken vom 11. April, durch das der Arbeiter
Gi=
lardi wegen Raubmordes zum Tode verurteilt wurde,
aufgehoben. Die Aufhebung erfolgte, weil dem Angeklagten
die Beweisanträge der Verteidiger und die darauf
ergan=
genen Gerichtsbeſchlüſſe nicht überſetzt worden ſind.
* Jena, 20. Juni. Unter fezerlichem Glockengeläute
hielten heute mittag das Graßherzogspaar von
Sachſen=Weimar, begrüßt von den Spitzen der
Be=
hörden, ſeinen Einzug in zie Stadt. In der Aula des
neuen Univerſitätsgebäudes fand ein Feſtakt ſtatt. Am
Nachmittag brachte die Studentenſchaft den hohen
Herr=
ſchaften einen Huldigungszug dar. Die Abreiſe erfolgte
um 5 Uhr.
* Wulften, 20. Juni. Das 5jährige Söhnchen eines
Ziegeleiarbeiters, das ſein 3½jähriges Schweſterchen im
gruppen in Halle a. S., Darmſtadt, Königsberg Wagen mit ſich führte, zog dieſen unter der geſchloſſenen
und Wiesbaden eingeleitet iſt. Auf einige wichtige Er= Bahnbarriere hindurch. Im nächſten Augenblick brauſte
der fällige Perſonenzug heran, erfaßte den Wagen und zer=
Junge wurde zur Seite geſchleudert, ſchwer verletzt und
ſtarb gleichfalls.
* Breslau, 20. Juni. Geſtern früh 7¼ Uhr wurde
einer Kommiſſion vertreten, die gegen die oft zu das einem hieſigen Geſchäftsmanne gehörige
Auto=
ſchwerer Schädigung der Geſchäftswelt führenden mobil beim Paſſieren einer Kurve in der Nähe von
Jordansmühl (Nimptſch) beim Anfahren des Hinter=
* Fahrten an die Waſſerkante veranſtal= rades gegen einen Kilometerſtein umgeworfen und
die Inſaſſen, wie die Breslauer Zeitung meldet, in den
Chauſſeegraben geſchleudert. Der Kaufmann Kirſchner
Aufgaben der Flotte zu wecken, zu pflegen und zu aus Berlin erlitt einen Schädelbruch und war ſofort
tot; die Frau des Beſitzers trug ſchwere innere
Ver=
letzungen davon, während der Beſitzer ſelbſt und der
* Paris, 20. Juni. Auf dem Feſtmahl, das die
franzöſiſch=türkiſche Liga und die türkiſche
Handelskammer zu Ehren der hier weilenden türkiſchen
Landesausſchuß, Darmſtadt, Waldſtr. 4, nimmt Studienmiſſion veranſtalteten, hielt der franzöſiſche
zu ſeiner Geſellſchaftsfahrt vom 16. bis 23. Juli nach Miniſter des Aeußeren, Pichon, geſtern eine Rede, in
Hamburg-Helgoland-Kiel jetzt noch Anmeldungen der er ausführte, der Beſuch der Miſſion ſei ein neuer
Beweis für die hundertjährige Freundſchaft Fran
reichs und der Türkei. Pichon gab dem
Vertraus=
in die Zukunft der Türkei Ausdruck und ſagte,
Fraul=
reich werde gern an der weiteren Entwicklung
Türkei mitarbeiten.
* London, 20. Juni. Nach einer Lloyddepeſche aus
Holyheadſtieß geſtern bei dichtem Nebel in der Nähe
von Holyhead der Dampfer „Larochelle” aus Bayonng
von Bilbao kommend, mit dem iriſchen Dampfe
„Yews” zuſammen. Die „Larochelle” ſank ſofort,
zehn Mann, unter ihnen der Kapitän, ertranken; neun
an=
dere wurden gerettet. Die „Yews” wurde ſchwer
be=
ſchädigt.
* Berlin, 20. Juni. Der Berliner Lokalanzeiger
mel=
det aus Dresden: Der Heizungsinſpektor der königlichen
Oper, Krumbiegel, der eine Wohltätigkeitskaſſe zu
ver=
walten hatte, war wegen Untreue in 12 Fällen und
Unter=
ſchlagung in 2 Fällen angeklagt. Er wurde zu 3 Jahren
Gefängnis verurteilt. — Dasſelbe Blatt meldet aus
Sten=
dal: Durch die Exploſion des Benzinbehälters eines
Motorrades wurde eine Frau lebensgefährlich verletzt, der
Beſitzer leicht verwundet.
* Halle (Saale), 20. Juni. Bei einem
Zuſammen=
ſtoß, den der Amtmann Lehmann aus Wißmar und der
Förſter Jentzſch aus Raßnitz mit einem Wilderer
Samstag nacht gehabt haben, wurde der Förſter durch
ei=
nen Schrotſchuß ſchwer am Kopf verwundet. Ex
wurde in die Halleſche Augenklinik gebracht. Die
Ver=
folgung der Spur des Wilderers durch Polizeihunde führte
in das Haus eines Arbeiters in Röglitz, deſſen Beſitzer
ſeit der Tat verſchwunden iſt.
* Breslau, 19. Juni. Als Nachfolger des zum
Miniſter des Innern ernannten Oberpräſidenten von
Schleſien, v. Dallwitz, wird der frühere
Regierungs=
präſident in Oppeln, jetzige Unterſtaatsſekretär im
Mini=
ſterium des Innern, Holtz, genannt.
— Allenſtein, 20. Juni. Die für heute vormittag
anberaumte Verhandlung konnte nicht ſtalttfins
den, da Frau Weber heute vormittag im Hotel
Schreikrämpfe bekam. Die Verhandlung wurde
vorläufig auf 1 Uhr nachmittags vertagt.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Das große
Weſthoch wandert langſam oſtwärts über Nordeuropa
ſein Zentrum iſt heute morgen bis Norwegen gerückt
In Weſt= und Mitteldeutſchland dauert das heitere,
mäßig warme Wetter an. In Oſtdeutſchland, wo
leb=
hafte kühle Nordwinde eingetreten ſind, iſt wieder
Regen gefallen. Unter der Herrſchaft des hohen Druckes
ſteht noch keine Aenderung des Wetters in Ausſicht.
Ausſichten in Heſſen am Dienstag, 21. Juni:
Meiſt heiter, trocken, mäßig warm, Nord.
lapeten L. u. Stützer Nachf.
55 in grösster Auswahl Schützenstrasse.
Todes=Anzeige.
Heute Vormittag entſchlief im 80.
Lebens=
jahre ſanft nach längerem ſchweren Leiden unſere
liebe gute Mutter, Schwiegermutter,
Groß=
mutter und Tante
(*15178
Frau Katharine Fries Wwe.
geb. Götz
was wir Verwandten und Bekannten hiermit
tiefbetrübt mitteilen.
Frau Eliſabeth Wolff Witwe u. Kinder,
Auguſt Fries u. Familie.
Heinrich Fries.
Darmſtadt, den 20. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag um
5 Uhr, vom Portale des Friedhofes aus, ſtatt.
Bankſagung.
Allen Verwandten, Freunden und Bekannten,
welche bei dem ſchmerzlichen Verluſte meiner
lieben Frau, unſerer treubeſorgten Mutter, ihre
herzliche Teilnahme bekundeten, ſagen wir auf
dieſem Wege, insbeſondere auch für die
Blumen=
ſpenden, unſeren tiefgefühlten Dank.
(*15114
Im Namen der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Joachim Matt u. Kinder.
Darmſtadt, den 19. Juni 1910.
Heeoensrauflaschenbiere
sind hochfeine Qualitätsbiere.
(257a
Nummer 149.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Juni 1910₰
Seite 7.
Todes=Anzeige.
Dem Herrn, unſerem Gott, hat es
ge=
fallen, unſere liebe, für uns bis zuletzt treu
beſorgte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (12519
Frau Auguste Brand
geb. Wirbatz
nach langem ſchweren Leiden heute nacht 1 Uhr
in die obere Heimat abzurufen.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Brand,
Gebhardt,
Krämer,
Wirbatz,
Rühl.
Darmſtadt, Konſtanz, den 20. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. Juni,
nachmittags ½6 Uhr von der ſtädt.
Fried=
hofskapelle aus, ſtatt.
Todes-Anzeige.
Sonntag Nachmittag 3 Uhr verſchied nach
langem, mit Geduld ertragenem Leiden, mein
lieber Gatte, unſer treuer Vater, Sohn,
Bru=
der, Schwiegerſohn, Schwager und Onkel
Herr
Heinrich Hoffmann.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Fr. Hoffmann, geb. Trabolt, u. Kind.
Darmſtadt, den 20. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 21. Juni,
nachmittags ½4 Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt.
(12525
The English Church (Hofkirche).
Divine Service
Morning Prayer u. Holy Communion
on Thursday, 23ad June 1910
at 11,30 a. m.
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von 10—7 Uhr).
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von 11—1 Uhr.
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Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Anzeigenteil: Ji. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts”zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Seite 8.
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31)
Rifſe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
Als ſich das Parkett verſammelt hatte, erſchien auf
der Bühne ein großer, dünner Dichter, der ein von
ihm ſelbſt verfaßtes Begrüßungsgedicht in fünffüßigen
Jamben deklamierte. Der Beifall war groß und
ehr=
lich, der talentvolle Herr verbeugte ſich dreimal und
trat hochbefriedigt ab.
Dann wurde von einer Schar auserleſener
Dilettanten männlichen und weiblichen Geſchlechts der
große Literaturheros Friedrich von Schiller zitiert, und
zwar ununterbrochen eine ganze Stunde und dreizehn
Minuten lang. Man hatte zu dieſem edlen Zwecke die
romantiſche Tragödie der „Jungfrau von Orleans”
gewählt, weil ſie ſich am bequemſten abkürzen ließ.
Zuletzt gab es ein lebendes Bild, das ein Hamburger
Photograph mit bewundernswerter Schnelligkeit auf
die Platte bannte.
Endlich erſchien noch ein Dichter zwiſchen den
Lor=
beerbäumen, ein beſcheidenes, geſchmeidiges Herrchen,
und verſuchte, die Anweſenden zu berauſchen. Am
beſten gelang ihm das Experiment an ſich ſelbſt.
Trotz=
dem ſpendete das Publikum lauten Beifall, um den
jungen Mann nicht zu entmutigen.
Nun aber ſtrömte man mit Macht nach den Zelten,
undedie jungen Damen in den Nationalkoſtümen be=
londen alte dinde bet gt ine deriet Geſelieg
ie=
ſich diesmal zu einer hellen Toilette entſchloſſen hatte,
war nicht unter ihnen. Sie glaubte genug getan zu
haben, wenn ſie Kurt Egloff hergab.
Der nämlich wirkte irgendwo im Hintergrunde an
dem Zuſtandekommen des Feſtzuges. Die Idee, die er
verſinnbildlichen ſollte, war der Einzug Prinz
Karne=
vals. Allzu ſtilvoll war das nicht, aber dem bedrängten
Maler war in der Eile nichts Geſcheiteres eingefallen.
Den Prinzen mußte er ſelbſt mimen, da ſich keiner von
den ſteifleinenen, norddeutſchen Jünglingen dazu
her=
geben wollte.
Endlich, mit Sonnenuntergang, bog der Zug mit
luſtigem Marſchbumbum um die Ecke. Man jauchzte
und ſchrie, aber alles in gewiſſen Grenzen, warf mit
Konfetti und Papierſchlangen, und auf dem weiten
Platz entwickelte ſich wirklich etwas wie ein
viertel=
ſtündiges Faſchingstreiben.
Dann aber flaute die Welle endgültig ab. Die
Menge flutete zu den Zelten zurück, ſpazierte durch
den weiten Park, fütterte die eingeſperrten Hirſche und
Rehe, winkte zu den Schiffen hinunter, die mit der
einſetzenden Flut heraufkamen und betrachteten den
ſchwarzen, fetten Strich im Nordweſten, der ſich nur
unweſentlich verſtärkte, mit gleichgültigen Blicken.
Dann riefen laute Fanfarenſtöße das junge Volk zum
Tanz herbei. Vier mächtige elektriſche Bogenlampen
flammten über dem Parkett auf. Die Muſik ſetzte mit
dem flotteſten Walzer des neuenOperettenſchlagers ein.
und die Paare begannen ſich zu drehen. Frau Abel
Geſterling thronte am Vorſtandstiſch und freute ſich
für Kurt Egloff über das prächtige Gelingen des ſchönen
Feſtes. Diedrich Geſterling war noch nicht erſchienen,
denn die Sorge um die Firma ruhte ſchwer auf ihm.
Er arbeitete jetzt immer bis tief in die Nacht, hatte aber
verſprochen, nicht ganz auszubleiben.
Harriet ſaß abſeits im Schatten. Sie wurde zu
ein paar Reſpektsrunden aufgefordert. Dann blieb ſie
ſitzen. Wozu ſich alſo vergeblich bemühen! Sie wartete
auf Kurt Egloff, doch der hatte keine Zeit.
Augenblick=
lich war er bei dem Feuerwerk beſchäftigt, das drohend
bei dem runden Ausſichtstempel aufgefahren war.
Ueberall mußte er ſein. Die jungen Damen riſſen ſich
um ihn, die alten verlangten ſeine Komplimente. Er
wußte bald nicht mehr, wo ihm der feſtordnende Kopf
ſtand. Der dünne, ſchlanke Dichter wünſchte, Freiſekt
zu trinken, weil er das als Gaſt verlangen könnte.
Und der andere Dichter war noch immer wütend über
die unzulängliche Bühnenakuſtik. Kurt Egloff hetzte
die beiden Dichtersmänner aufeinander und ſuchte ſein
Heil in ſchleunigſter Flucht. Aber ſchon lief er dem
Billettverkäufer des Haupttores in die Hände. Er
mußte mit, einen Streit zu ſchlichten. Da ſtand nämlich
Matthias Harms und verlangte Einlaß. Er hatte ſeine
Karte zu Hauſe vergeſſen und wollte nicht noch einmal
bezahlen. Seine genaue Adreſſe hatte er angegehen
und verſprochen, das fehlende Billett morgen früh
ein=
zuſchicken. Aber der Kartenzerberus mar darauf nicht
eingegaugen.
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Juni 1910.
Nummer 142.
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Da machte Matthias Harms auf der Stelle Kehrt,
fuhr zur Kaſſe hinüber und löſte ſich ein friſches Billett.
Ich verzichte darauf, ſprach er mit wutbebender
Stimme, mir von Ihnen etwas geſtatten zu laſſen.
Kurt Egloff zuckte die Achſeln und ließ ihn laufen.
Dieſes Benehmen war ihm unverſtändlich. Er kehrte
wieder zur Feſtwieſe zurück und ſah ſich nach Harriet
um, die ſich in ihrem Stolze ganz vom Tanze
zurück=
gezogen hatte. Und ſie hätte doch ſo gern getanzt! Aber
Kurt kam nicht. Die ganze Freude war ihr verdorben.
Am liebſten wäre ſie nach Hauſe gelaufen. Spähend
durchforſchte ſie das Gewühl, und die Augen der
Eifer=
ſucht waren ſcharf. Sie ſah ihn, wie er von allen
Seiten angerufen wurde. Er konnte keinen Schritt
tun, ohne einem jungen Mädchen Rede und Antwort
ſtehen und in die Augen ſehen zu müſſen.
Aber er hatte nun den feſten Willen, Harriet zu
finden, und ſpürte ſie endlich auf. Sie überſchüttete ihn
mit bitteren Vorwürfen, auf die er aber gleich ein
Dutzend Entſchuldigungsgründe vorbrachte. Und der
letzte Grund überzeugte ſie.
Harriet! flüſterte er und drückte ſie zärtlich an ſich.
Kann ich denn, wie ich möchte? Du könnteſt die
Königin des Feſtes ſein. Aber ich darf mich Dir nicht
mehr widmen als den anderen Damen. Wir ſind nicht
öffentlich verlobt. Ich leide unter dieſem Zuſtande
ebenſo wie Du!
Da ließ ſie ſich mit ein paar flüchtigen Küſſen
ver=
ſöhnen, nahm ſeinen Arm und tanzte mit ihm. Dann
führte er ſie unter das gelbgeſtreifte Zelt, ſuchte die
dunkelſte Ecke, holte ein paar ſchäumende Kelche und
ſtieß mit ihr an. Das gefiel ihr. Er ſchaltete noch die
nächſten Glühbirnen aus, daß ſie nicht bemerkt werden
konnten, und ſetzte ſich dicht an ihre Seite. Nun war
ſie glücklich.
Doch bald wurde er ihr wieder entriſſen. Die
Vor=
ſtandsdamen wünſchten ihn wegen einer ganz neben=
ſächlichen Kleinigkeit zu ſprechen. Harriet verſprach,
zu warten, denn ſie wollte ſich von der lauſchigen Ecke
nicht trennen. Aufatmend lehnte ſie ſich zurück, ſchloß
die Augen, hörte auf die Muſik, und wiegte im Takte
den ſchlanken Knöchel. Und jetzt faßte ſie den feſten
Entſchluß, ihrem heimlichen Verhältnis mit Kurt
Egloff ein Ende zu machen, und vom Vater die
Ver=
öffentlichung der Verlobung zu verlangen.
Als ſie die Augen wieder aufſchlug, ſah ſie, nur drei
Tiſche entfernt, Matthias Harms ſitzen. Er hatte ein
halbgefülltes Sektglas vor ſich ſtehen und ſtarrte ſie
unverwandt an. Endlich, nach langem Suchen, hatte
er ſie gefunden. Nicht einen Blick ließ er von ihr.
Dieſe Frechheit empörte ſie, und mit fieberhafter
Ungeduld wartete ſie auf Kurt Egloffs Rückkehr. Er
blieb auch diesmal nicht lange aus. Sofort verlangte
ſie von ihm, Matthias Harms das Herüberſtarren zu
unterſagen. Aber Kurt Egloff ſträubte ſich.
Ich habe kein Recht dazu, erwiderte er und ſuchte
ſie zu beſchwichtigen, indem er die Sache ſcherzhaft
nahm. Herr Harms findet, daß Du die Schönſte biſt.
Er beweiſt damit einen guten Geſchmack. Du ſollteſt
Dich darüber freuen.
Doch dieſe Schmeichelei fruchtete nichts. Harriet
beſtand heftig auf ihrem Willen, und warf ihm
Feig=
heit vor.
Harriet! bat er ſie und preßte heimlich unter dem
Tiſch ihre Fingerſpitzen. Wenn ich es tue, gibt es einen
Skandal. Herr Harms iſt ein Plebejer.
Und er erzählte ihr den Vorfall in der Parkpforte.
Nun ſtand ſie davon ab, nahm ſeinen Arm, und
ver=
langte an den Vorſtandstiſch zu ihrer Mama geführt
zu werden.
Doch Mathias Harms heftete ſich an ihre Sohlen,
faßte zehn Schritt vom Vorſtandstiſch Poſto und ſtarrte
ſie wieder an.
Sie wurde wütend und nahm ſich feſt vor, ihn nicht
zu beachten. Aber immer wieder wurde ihr Blick un=
eeeedeteger erenn
daß es gar nicht Frechheit war, was in ſeinen kleinen,
bläulichen Augen glänzte. Sie ſtarrten vielmehr mit
einer tiefen, hundetreuen Trauer herüber. Und zum
erſten Male fühlte Harriet mit Mathias Harms
Mit=
leid.
Doch das verflog ſofort, als Kurt Egloff nach
kur=
zem Rundgang wieder an ihrer Seite auftauchte.
Um 10 Uhr kam Diedrich Geſterling, müde und
ab=
geſpannt, die Krähenfüße um die Augen ſcharf
ver=
tieft. Und doch ſah man ihm deutlich die Freude an,
daß ihm nun nach zehnſtündiger, harter Arbeit
Ge=
legenheit geboten war, ſich ein wenig zu zerſtreuen. Er
wurde geſprächig und brachte ſogar einen kleinen
harm=
loſen Witz zuſtande.
Als er aber Mathias Harms und ſeinen ſtarren
Blick bemerkte, war’s mit Diedrich Geſterlings
Fröh=
lichkeit aus. Er verfärbte ſich, wurde plötzlich wortkarg
und zog in kurzen Zwiſchenräumen die Uhr.
Nur Harriet fiel es auf und ſie ſuchte an ſeine Seite
zu kommen. Ganz leiſe fragte ſie ihn zum erſten Male
nach den Ausſichten ſeines Kampfes mit Mathias
Harms.
Zuerſt ſchüttelte er abweiſend den Kopf.
Werden wir gewinnen? drängte ſie ihn eifriger.
Da hob er zweifelnd die Schultern.
Beſteht eine Gefahr für die Firma? fragte ſie
er=
ſchreckt.
Herr Harms wird ſich ruinieren! wich er aus und
ſtreifte ſie mit einem ſtrafenden Blick. Und Du biſt
ſchuld daran.
Dann erhob er ſich plötzlich und ließ ſich von einem
Bekannten begrüßen, der eben vorbeikam.
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Dienstag, 21. Juni.
1910.
Bekanntmachung.
Gemäß Art. 39 des Geſetzes vom 12. Juni 1874
bringe ich nachſtehend das Protokoll über die Sitzung
des Kreistags vom 28. v. Mts. zur öffentlichen
Kenntnis.
Darmſtadt, den 17. Juni 1910.
Der Vorſitzende des Kreistags:
Fey.
Geſchehen, Darmſtadt, 28. Mai 1910.
Protokoll
über die Sitzung des Kreistags für den Kreis Darmſtadt.
Gegenwärtig:
I. als Vorſitzender:
Großh. Provinzialdirektor Fey,
II. Großh. Regierungsrat von Werner,
ſtellver=
tretender Vorſitzender,
III. In Vertretung des Kreisbauinſpektors:
Großh. Baurat Keſſel von Bensheim,
IV. Die Großh. Kreis=Schulinſpektoren:
a) Profeſſor Dr. Lucius,
b)
Kiſſinger,
N. Die Kreistags=Abgeordneten:
1. Bürgermeiſter Benz, Arheilgen,
2. Kommerzienrat Jean Diſchinger,
3. Rechtsanwalt und Notar, Juſtizrat
Ferdi=
nand Gallus,
4. Geheimer Forſtrat Heinemann,
5. Stadtverordneter Heinrich Lehr,
6. Ingenieur Georg Markwort,
Stadtverord=
neter,
7. Stadtverordneter und Ortsgerichtsvorſteher
Karl Müller,
8. Bierbrauereibeſitzer Wilhelm Rummel,
9. Rentner Wilhelm Schwab,
*10. Kommerzienrat Louis Trier,
11. Stadtverordneter Ludwig Philipp
Witt=
mann,
Ziffer 2—11 von Darmſtadt,
12. Bürgermeiſter Schäfer, Eberſtadt,
13.
Fritſch, Ober=Ramſtadt,
14.
Lang, Pfungſtadt,
15.
Müller, Roßdorf.
VI. Nicht dem Kreistage angehörige Mitglieder des
Kreis=Ausſchuſſes:
1. Beigeordneter Baurat Jäger dahier,
2. Rechtsanwalt Dr. Stein dahier,
3. Rentner Karl Heß von Pfungſtadt.
VII. Als Protokollführer:
Kreiskaſſerechner Stauf.
Zu der auf heute gemäß Art. 33 der Kr.=Ordg.
und § 1 der Geſchäftsordnung in den Rathausſaal
da=
hier einberufenen Verſammlung des Kreistags waren
die Einladungsſchreiben unterm 14. d. Mts. (ſpediert
am 18. d. Mts.) an die Kreistags=Abgeordneten
er=
gangen. Außerdem hatte Veröffentlichung im
Kreis=
blatt mit Angabe der Tagesordnung ſtattgefunden.
Ein Exemplar jenes Einladungsſchreibens mit
Tagesordnung iſt dem Protokoll beigefügt.
Es fehlten mit Entſchuldigung die Kreistags=
Abgeordneten:
1. Geh. Kommerzienrat Dr. L. Merck,
2. Kommerzienrat Louis Röder,
aus
3. Kommerzienrat Karl Schenck,
4. Geh. Juſtizrat Schmeel,
Darmſtadt
5. Fabrikant und Beigeordneter
Friedrich Schmitt,
Die Zahl der Kreistags=Abgeordneten beträgt 20
und, ſind ſomit die erſchienenen 15 Abgeordneten
beſchlußfähig.
Der Vorſitzende eröffnet die Sitzung und widmet
zunächſt dem verſtorbenen Großh. Provinzialdirektor
Geheimerat Freiherrn von Grancy, ſowie den
ver=
ſtorbenen Kreistags=Abgeordneten Oberbürgermeiſter
Morneweg von hier und Bürgermeiſter Pons von
Gräfenhauſen ehrende Nachrufe. Zum Zeichen
ehren=
den Andenkens erheben ſich die Anweſenden von ihren
Sitzen.
Auf Vorſchlag des Vorſitzenden werden durch
Zuruf:
1. Ortsgerichtsvoxſteher Karl Müller dahier,
2. Bürgermeiſter Müller von Roßdorf
zu Urkundsperſonen ernannt.
Bei Eintritt in die Tagesordnung führte der
Vor=
ſitzende aus, wenn er heute zum erſten Male den
Vor=
ſitz führe, ſo wolle er verſichern, daß er der Wohlfahrt
und den Intereſſen des Kreiſes Darmſtadt ein ganz
beſonderes Augenmerk zuzuwenden und dafür ſeine
beſten Kräfte einzuſetzen gedenke. Im Kreiſe
Darm=
ſtadt ſeien eine große Stadt, verſchiedene große
Land=
gemeinden mit beträchtlicher Einwohnerzahl, ſowie
eine Anzahl kleiner Landgemeinden zu einem Ganzen
vereinigt. Die Intereſſen, die die einzelnen
Gemein=
den hätten, ſeien naturgemäß ſehr verſchiedenartige.
Man habe ſchon behaupten gehört, Stadt und Land
hätten gegenteilige Intereſſen, die moderne
Entwickel=
ung habe zu einem Gegenſatz zwiſchen beiden geführt.
Das ſei nicht richtig und dürfe auch nie richtig werden.
Stadt und Land gehörten zuſammen, ſie ſeien
auf=
einander angewieſen und das müſſe auch bei ihrer
Entwickelung und demgemäß bei ihrer Verwaltung
berückſichtigt werden. Andernfalls müßte unter dem
Widerſtreit der Intereſſen der Gemeinden, wenn kein
Ausgleich da wäre, Schaden und Unzufriedenheit
ent=
ſtehen, und es würde das Staatsweſen, deſſen Glieder
die Gemeinden ſeien, Not leiden. Dieſer notwendige
Ausgleich ſei durch die Geſetzgebung vorgeſehen und
gewährleiſtet, er ſolle im Kreisverbande und durch die
Kreisverwaltung vor ſich gehen. Die
Kreisverwalt=
ung müſſe hier abwägend, vermittelnd und
aus=
gleichend zwiſchen ſtädtiſchen und ländlichen
Inter=
eſſen tätig werden. Daß die Entwickelung des größten
Gemeinweſens des Kreiſes, der Stadt Darmſtadt,
hierbei im Vordergrunde ſtehe, ſei ſelbſtverſtändlich.
Mit der Entwickelung und dem Wohlergehen der Stadt
Darmſtadt ſei aber das Wohl der umliegenden Orte
aufs engſte verbunden, ebenſo wie es für Darmſtadt
von beſonderer Wichtigkeit ſei, daß die Beziehungen
zu dieſen Gemeinden enge, lebhafte und zahlreiche
ſeien, daß auch in den Landgemeinden der Wohlſtand
und die Kaufkraft ſtets zunehme, daß dort eine
blü=
hende Land= und Gartenwirtſchaft beſtehe, ein tüchtiger
Arbeiter= und Gewerbeſtand anſäſſig erhalten werde,
in dem Zufriedenheit und nicht Unbehagen zunehme.
Das ſeien Quellen, aus denen die Stadt ebenfalls
Kraft ſchöpfe. Er hoffe, daß es ihm in der
Kreisver=
waltung gelinge, ſtets Mittel und Wege zum richtigen
Intereſſenausgleich in Stadt und Land
dem Bericht über die Verwaltung und den Stand der
Kreisverbandsangelegenheiten für das letzte
Rech=
nungsjahr ſei ein günſtiger Abſchluß zu entnehmen.
Die Rechnung ſchließe in Einnahme mit 670 766
Mark, in Ausgabe mit 639864 Mark ab, ſodaß ein
Ueberſchuß von 30902 Mark verbleibe. Welche rege
Entwickelung im Kreiſe herrſche, erhelle auch aus der
Tätigkeit des Kreis=Ausſchuſſes, der im letzten
Rech=
nungsjahre in 26 Sitzungen 1076 einzelne Gegenſtände
erledigt habe.
Auch der Abſchluß des Voranſchlages für 1910 ſei
ein günſtiger. Die Umlagen, die 451525 Mark
be=
tragen, ſeien 2000 Mark niedriger als im Vorjahre.
Er glaube, daß für 1911 eine weitere Herabſetzung der
Umlagen möglich ſei. Die hauptſächlichſten Ausgaben
des Kreiſes für wirtſchaftliche und ſoziale Aufgaben
wolle er kurz anführen. Dabei komme zuerſt in
Be=
tracht die Straßenunterhaltung mit 142 466 Mark,
wozu aber der Kreis von Staat und Provinz Zuſchüſſe
erhälte, ſodaß für den Kreis 52 385 Mark bleiben. Was
die Straßenunterhaltung angehe, ſolle, der Anregung
der Provinz entſprechend, für die Folge auf die
Haupt=
verkehrsſtraßen ein größeres Augenmerk gerichtet
wer=
den, was namentlich auch für die Stadt Darmſtadt und
die großen Landgemeinden von Bedeutung ſei. Die
Koſten für ortsarme Geiſteskranke habe der Kreis den
Gemeinden abgenommen, es ſeien zur Zeit 229
orts=
arme Geiſteskranke zu Laſten des Kreiſes mit einem
Geſamtkoſtenbetrage von jährlich 70000 Mark in
Pflege. Die Koſten für landarme hilfsbedürftige
Per=
ſonen betragen 30000 Mark, wovon der Kreis die
Hälfte vom Staat zurückerhält. Sehr beträchtlich ſei
auch die Aufwendung der Kreiskaſſe für
Zwangs=
erziehungskoſten, es ſeien zur Zeit 272 Zöglinge
zu=
folge Gerichtsbeſchluſſes in die Fürſorge des Kreiſes
gegeben, der dafür jährlich 52000 Mark aufwende,
wo=
von der Staat jedoch die Hälfte trage. Dieſe Koſten
ſeien ſeit 1904 um 10000 Mark geſtiegen. Es bringe
das fortdauernde Steigen der Koſten die Erwägung
nahe, ob nicht ſchärfere Mittel gegen Eltern, welche die
Erziehung der Kinder vernachläſſigen, ſodaß die
öffentliche Hilfe eingreifen muß, durch die
Geſetz=
gebung zu ſchaffen ſeien. Bei dieſen Koſten trage der
Kreis auch das eigentlich den Gemeinden zur Laſt
fallende Viertel. Die Aufwendungen für Epileptiſche,
Blinde und Schwachſinnige, im ganzen 52 Kinder und
Erwachſene, belaufen ſich auf 26600 Mark. Auch dieſe
Koſten würden größtenteils den Gemeinden zur Laſt
fallen, wenn der Kreis ſie nicht übernommen hätte.
Im ganzen betragen die Koſten, die der Kreis den
Ge=
meinden, die eigentlich dafür aufzukommen hätten,
ab=
genommen habe, 109600 Mark.
Für Verbeſſerung des Obſtbaues wende der Kreis
ſehr erhebliche Beträge mit rund 10000 Mark auf. Der
Zuſchuß zur Kreis=Abdeckerei, für die ein beſonderer
Voranſchlag vorliege, ſei auf 9295 Mark bemeſſen, er
hätte infolge günſtiger Wirtſchaft um 2000 Mark
heruntergeſetzt werden können. Aus dieſer Erſparnis
ſollten nunmehr die Koſten einer neu zu errichtenden
ländlichen Wanderhaushaltungsſchule beſtritten
wer=
den. Der Voranſchlag ſchließt in Einnahme und
Aus=
gabe unter Einrechnung der Koſten für Kleinplaſter
mit 675 253,28 Mark ab.
Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten
und dieſelbe wie folgt erledigt:
I. Vorlage der Verwaltungsberichte des Kreis=
Aus=
ſchuſſes pro 1908 für die Kreiskaſſe und die Kreis=
Abdeckereikaſſe.
Die Berichte waren gedruckt jedem Kreistags=
Abgeordneten zugegangen. Es bemerkte deshalb der
Vorſitzende, daß eine Verleſung wohl unterbleiben
könne, daß dagegen diejenigen Herren, welche eine
Er=
innerung vorzubringen hätten, ſich zum Wort melden
möchten. Da niemand das Wort verlangte, ſo wurden
die Berichte als unbeanſtandet erklärt.
Im Anſchluß hieran und unter Hinweis auf die
in den vorerwähnten Berichten zu den einzelnen
Rubriken gegebenen Erläuterungen wurde
II. die Prüfung und Begutachtung der
Kreiskaſſe=
rechnung und der Rechnung der Kreis=Abdeckereikaſſe
für 1908
von dem Vorſitzenden mit dem Bemerken eingeleitet,
daß die Rechnungen mit Urkunden im Sitzungsſaale
zur Einſicht offen gelegt ſeien. Nachdem hierauf noch
das Begutachtungs=Protokoll des Kontrolleurs der
Kreiskaſſe, Beigeordneten Baurat Jäger, vom 28.
Januar d. J. und der Beſchluß des Kreis=
Aus=
ſchuſſes vom 16. Februar d. J. verleſen worden waren
und auf die Einladung des Vorſitzenden ſich niemand
zum Wort gemeldet hatte, wurden auf entſprechende
Fragen des Vorſitzenden die Rechnungen,
vorbehält=
lich der Prüfung durch die Großh.
Oberrechnungs=
kammer, für gutgeheißen und die nachgewieſenen
Kreditüberſchreitungen als genehmigt erklärt.
III. Feſtſetzung des Voranſchlags über Einnahmen und
Ausgaben der Kreiskaſſe und der Kreis=Abdeckereikaſſe
für 1910.
Dieſelben ſind jedem Kreistags=Abgeordneten mit
dem Einladungsſchreiben zugegangen und werden
rubrikenweiſe durchgegangen. Soweit einzelne
Ru=
briken nachſtehend nicht beſonders erwähnt ſind,
wur=
den die Anträge des Kreis=Ausſchuſſes ohne Diskuſſion
genehmigt.
Zu Rubrik 22 macht der Vorſitzende auf
den Anſatz im Voranſchlage wegen Gewährung einer
Teuerungszulage für die Kreisbeamten aufmerkſam
und führt aus, daß hierzu eine Eingabe der
Kreis=
beamten vorliege, welche die Gewährung einer
Teuer=
ungszulage erbitte, wenn auch den Staatsbeamten eine
ſolche nicht zuteil geworden ſei.
Im Anſchluß hieran ſtellt der Vorſitzende
folgen=
den Antrag:
Der Kreistag wolle beſchließen, den Kreis=
Aus=
ſchuß zu ermächtigen:
1. den Kreisbeamten eine Teuerungszulage von
5 Prozent des Gehalts im einzelnen Falle,
widerruflich und ohne Anrechnung bei einer
Penſionierung, zu gewähren, inſofern er dies
nach weiteren allgemeinen Erhebungen für
an=
gängig und nach Lage der Verhältniſſe der
Beamten (Größe der Familie, Kinderzahl,
der=
maliger Gehalt uſw.) für angemeſſen hält,
wo=
bei voransgeſetzt wird, daß ſich die
erforder=
lichen Mittel durch weitere Erſparniſſe am
Voranſchlag ergeben,
2. anderweite Einrichtung bei der Fürſorge für
den Obſtbau, insbeſondere auch was die
Baum=
wärter angeht, vorzunehmen, um die Ausgabe
in dieſem Verwaltungszweige zu verringern.
Kommerzienrat Trier führt aus: Der
Ab=
ſchluß des Kreiſes iſt ſo günſtig, daß keine
Veranlaſ=
ſung vorliegt, auf den Staat Rückſicht zu nehmen. Die
wirtſchaftlichen Verhältniſſe ſind zur Zeit äußerſt
un=
günſtig, ſodaß ich die Gewährung einer
Teuerungs=
zulage an die Kreisbeamten nur befürworten kann.
Kreistags=Abgeordneter Lehr erklärt:
Auch ich bin der Sache günſtig geſinnt, ſtimme aber für
den Antrag des Herrn Vorſitzenden. Außerdem müßte
auch den Straßenwärtern und den anderen kleinen
Be=
dienſteten des Kreiſes eine Teuerungszulage gewährt
werden.
Der Vorſitzende iſt mit dem letzteren Antrage
einverſtanden und verſpricht nähere Erhebungen über
die Lage dieſer Bedienſteten des Kreiſes veranlaſſen
zu wollen.
Abgeordneter Dr. Gallus bemerkt, es ſei
erforderlich, den Kreis=Ausſchuß zu ermächtigen, je
nach dem Ausfall der Erhebungen eine
Teuerungs=
zulage zu bewilligen, da deren Gewährung ſonſt bis
zum nächſten Kreistag hinausgeſchoben bleibe.
Hierauf wird der Antrag des Vorſitzenden
einſtimmig angenommen.
Kreistags=Abgeordneter Lehr ſtellt
alsdann bezüglich der Unterbedienſteten des Kreiſes
den Antrag, Erhebungen wegen Gewährung einer
Teuerungszulage zu veranlaſſen und den Kreis=
Aus=
ſchuß zu ermächtigen, dieſe Teuerungszulage zu
ge=
währen, ſoweit ſie durch Erſparniſſe gedeckt werden
kann.
Die Abſtimmung ergibt einſtimmige Annahme de=
Antrags.
Zu Rubrik 28 bringt der Vorſitzende die Eingab
des Kreistags=Abgeordneten Benz von Arheilgen
wegen Herſtellung des Dreiſchläger=Wegs, zur
Kenntnis der Verſammlung und beantragt, der Kreis
tag wolle beſchließen, das Geſuch dem Kreis=Ausſchu
zur Prüfung und ihm geeignet ſcheinenden
Antrag=
ſtellung zu überweiſen.
Beigeordneter Baurat Jäger erläutert
die Lage des Weges und bemerkt, der Weg liege zwar
in der Gemarkung Darmſtadt, werde aber nur von
Arheilgern benutzt. Der Weg liege am Ende der
Ge=
markung und die Stadt habe kein Intereſſe an dem
ſelben. In unmittelbarer Nähe befinde ſich eine
Kreisſtraße (nach dem Hofgut Kranichſtein). Bei
Her=
ſtellung des Weges würden auf die Stadt über 7000
Mark Koſten entfallen, intereſſiert an der Herſtellung
ſeien aber nur die Anlieger. Dieſe ſollten ſich zunächtt
einmal bereit erklären, das Gelände unentgeltlich
ab=
zutreten.
Kreistags=Abgeordneter Lehr macht
darauf aufmerkſam, daß es auch nötig ſei, die
Brückk=
zu verbreitern, was von Baurat Jäger beſtätigt wird.
Kreistags=Abgeordneter Lehr bemerkt, daß der Weg
allerdings ſehr ſchlecht ſei, aber von Seiten der Au
lieger geſchehe für deſſen Verbeſſerung gar nichts.
Kreistags=Abgeordneter
Bürger=
meiſter Benz von Arheilgen empfiehlt den
von ihm geſtellten Antrag, der auch im Intereſſe vor
Darmſtadt liege, und beantragt weiter, daß der
Kreis=
tag oder Kreis=Ausſchuß Einſicht an Ort und Stelle
von dem Zuſtand des Weges nehmen laſſen möge.
Der Vorſitzende bemerkt, daß der Kreistag
zur Zeit keinen definitiven Beſchluß faſſen könne, weil
die Sache von dem Kreisausſchuß noch nicht vorbereitet
ſei. Er ſei bereit, das Erforderliche zu veranlaſſen, und
dem nächſten Kreistage eine Vorlage zu unterbreiten.
Dieſer Vorſchlag wird von der Verſammlung zum
Beſchluß erhoben.
Zu Rubrik 28 führt Kreistagsabgeordneter
Lehr noch aus, es herrſche eine allgemeine
Unzufrie=
denheit der Städte und des Landes über die Beläſtig
ungen durch die Automobile. Es ſei unbedingt erfor
derlich, der Staubplage entgegenzuwirken, ſei es durch
Kleinpflaſterherſtellung oder auf andere Weiſe. Die
mit Nägel beſchlagenen Reifen der Automobile
ruinier=
ten alle Straßen. Es erſcheine angezeigt, die
Auto=
mobile bedeutend höher zu beſteuern und die
Mehrein=
nahme für die Straßenherſtellung zu verwenden.
Der Vorſitzende weiſt zunächſt darauf hin, daß
die Automobilſteuer eine Reichsſteuer ſei und daß daher
der Kreistag zur Entſcheidung dieſer letzteren Frage
nicht zuſtändig erſcheine. Die Straßen ſeien vielfach
für die Anforderungen des ſtets wachſenden Automobi
verkehrs zu ſchwach gebaut. Es ſeien deshalb an
in Betracht kommenden Stellen Umbauten erforderli
Es ſeien Erhebungen im Gange, in welchem Umfange
eine Abhilfe eintreten müſſe. Auch über die Art der
Abhilfe würden Erhebungen angeſtellt, und es ſollten
Prüfungen und Verſuche mit Teerung der Straßen be
dem Neueinwalzen ſtattfinden. Es käme hierbei ſowoh
die Außen= wie die Innenteerung in Frage. Die
Ver=
ſuche hiermit ſeien noch nicht abgeſchloſſen. Als ein
recht geeignetes Mittel zur Abhilfe ſei die
Kleinpflaſter=
herſtellung anzuſehen, die in der Anlage teurer ſei,
aber ſich bezahlt mache, weil die Unterhaltungskoſter
für längere Jahre geſpart würden. Im übrigen er
achte auch er die Beſchwerden über die Staubplage für
begründet. Es ſei zu hoffen, daß es gelinge, die Be
ſchwerden zu verringern, teilweiſe auch ganz zu
be=
ſeitigen.
Nachdem niemand mehr das Wort verlangt hatte
wurde der Voranſchlag mit den in den Anlagen 1—5
enthaltenen Abänderungsanträgen einſtimmig
ange=
nommen, und zwar mit 675 253,28 Mark in Einnahme
und dem gleichen Betrage in Ausgabe.
IV. Der Voranſchlag der Kreis=Abdeckereikaſſe für das
Rechnungsjahr 1910
wird von Regierungsrat von Werner
vorge=
tragen.
Zu dieſem Voranſchlage wurde von niemand das
Wort ergriffen. Der Voranſchlag wurde ebenfalls
ein=
ſtimmig angenommen mit 22708,34 Mark in Einnahm
und dem gleichen Betrage in Ausgabe.
V Wahl eines Mitgliedes der Veranlagungskommiſſion
für die Einkommenſtener I. Abteilung an Stelle des
verſtorbenen Großh. Bürgermeiſters Pons zu
Gräfen=
hanſen, für den Reſt der laufenden Wahlperiode, d. i.
bis Ende März 1912.
Dem Vorſchlag des Großh. Finanzamtes Langen
entſprechend wird durch Zuruf der Gemeinde=Einnehmer
Georg Frey III. in Wixhauſen gewählt.
Hiermit war die Tagesordnung erledigt.
Die Urkundsperſonen:
Der Vorſitzende:
Karl Müller,
Fey.
Georg Müller.
Der Protokollführer:
(12496
Stanf.
Nummer 67.
Amtsverkündigungsblatt des Großh: Kreisamts Darmſtadt.
Dienstag, den 21. Inni 1910.
Vekanntmachung.
Der Ankauf von magazinmäßigem Heu aus der neuen Ernte, auch direkt von
der Wieſe, hat ſeitens des Großh. Proviantamts Darmſtadt begonnen. Gezahlt werden
(11971iii
die jeweiligen Tagespreiſe.
Wir bringen dies zur Kenntnis der Landwirte unſeres Kreiſes.
Darmſtadt, den 8. Juni 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Die Gemeinde Groß=Umſtadt beabſichtigt, mit dem am 16. September ds. Js.
daſelbſt ſtattfindenden Pferde=, Fohlen= und Zuchtviehmarkt eine Verloſung von Pferden,
Fohlen, Rindern, landwirtſchaftlichen Geräten und ſonſtigen Gebrauchsgegenſtänden
zu verbinden. Das Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis
zur Veranſtaltung dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 14000 Loſe
zu 1 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 60 Prozent des nach
Abzug der Reichsſtempelabgabe verbleibenden Bruttoerlöſes aus dem Verkaufe der Loſe
zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind. Der Vertrieb der Loſe im
(12491
Großherzogtum wurde geſtattet.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum
einjährig=
freiwilligen Militärdienſt im Herbſt 1910.
Diejenigen jungen Leute, welche beabſichtigen, ſich der im Herbſt 1910
ſtatt=
findenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre desfallſigen
Geſuche um Zulaſſung bei Meidung des Ausſchluſſes von dieſer Prüfung
ſpäteſtens bis zum 1. Auguſt 1910
bei der unterzeichneten Kommiſſion einzureichen.
Hinſichtlich der Anbringung der Geſuche wird im Speziellen das Folgende
bemerkt:
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen, wenn der ſich Meldende im Großherzogtum Heſſen ſeinen
dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulaſſung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr
erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein. Auch
erſcheint es zweckdienlich, wenn ſtets die nähere Adreſſe angegeben wird.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtands=Regiſter, nicht Taufſchein).
b) Die Einwilligung des geſetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für
die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unterhalts, mit Einſchluß
der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und Wohnung, von dem Bewerber
getragen werden ſollen; ſtatt dieſer Erklärung genügt die Erklärung des
geſetzlichen Vertreters oder eines Dritten, daß er ſich dem Bewerber
gegen=
über zur Tragung der bezeichneten Koſten verpflichte und daß, ſoweit die
Koſten von der Mitäirverwalung beſtriten werden, er ſich dieſer
gegen=
über für die Erſatzpflicht des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
Die Unterſchrift des geſetzlichen Vertreters und des Dritten, ſowie die
Fähigkeit des Berwerbers, des geſetzlichen Vertreters oder des Dritten zur
Beſtreitung der Koſten iſt obrigkeitlich zu beſcheinigen. Uebernimmt der
geſetzliche Vertreter oder der Dritte die in vorſtehendem Abſatze bezeichneten
Verbindlichkeiten, ſo bedarf ſeine Erklärung, ſofern er nicht ſchon kraft des
Geſetzes zur Gewährung des Unterhalts verpflichtet iſt, der gerichtlichen oder
notariellen Beurkundung.
c) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches von der Polizei=Obrigkeit, oder
der vorgeſetzten Dienſtbehörde auszuſtellen iſt.
d) Ein ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf.
5. In dem Geſuche iſt ferner anzugeben:
a) In welchen zwei fremden Sprachen (wahlweiſe von Franzöſiſch, Engliſch,
Lateiniſch und Griechiſch und an Stelle des Engliſchen Ruſſiſch) der ſich!
Meldende geprüft ſein will.
b) Ob, wie oft und wo der ſich Meldende ſich der Prüfung vor einer Prüfungs=
Kommiſſion bereits unterzogen hat.
6. Iſt bereits früher ein Geſuch um Zulaſſung zur Prüfung eingereicht worden,
ſo bleibt dem erneuten Geſuche nur ein Unbeſcholtenheitszeugnis
bei=
zulegen.
7. Es iſt nur zweimalige Teilnahme an der Prüfung geſtattet, eine dritte
Zulaſſung könnte ausnahmsweiſe von der Erſatzbehörde 3. Inſtanz genehmigt
werden.
Im weiteren weiſen wir darauf hin, daß Geſuche um Zulaſſung zu einer
ſpäteren, als der im Frühjahr des I. Militärpflichtjahres — d. i. des Jahres, in
welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird — ſtattfindenden Prüfung, der Genehmigung
der Erſatzbehörde 3. Inſtanz bedürfen und bei den Erſatz=Kommiſſionen des
Aufenthalts=
orts, nicht bei uns, einzureichen ſind, welche die Geſuche der Erſatzbehörde 3. Inſtanz
vorlegen werden.
Da die Erledigung derartiger Geſuche eine längere Zeit beanſprucht, ſo empfiehlt
ſich im Intereſſe der Nachſuchenden, mit Einreichung derſelben nicht bis zum äußerſten
Termin zu warten, ſondern dieſelben alsbald anhängig zu machen, andernfalls unter!
Umſtänden eine Zulaſſung zur bevorſtehenden Prüfung nicht mehr möglich iſt.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden geſtellt werden, gibt die
Prüfungs=Ordnung (Anl. 2 zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901) Aufſchluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, ſowie des Lokals, in welchem die Prüfung
ſtattfindet, erfolgt weitere Bekanntmachung, oder es ergeht beſondere Ladung zur
Prüfung.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Großherzogliche Prüfungskommiſſion für
Der Vorſitzende:
von Werner, Regierungsrat.
(12457a
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Bulldogge, 1 däniſche Dogge, 1 Spitzhund, 1 Pinſcher. 1 Pinſcher (
zu=
gelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Die öffentliche Impfung im Jahre 1910.
Die diesjährige öffentliche Impfung wird für die hieſige Stadt, Mittwoch,
den 4. Mai I. Js., nachmittags 5 Uhr, und die folgenden Mittwoche, ſo lange das
Bedürfnis dauert, im Schulhauſe in der Rundeturmſtraße abgehalten werden.
Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahre ſind nach Geſetz die im vorigen Jahre
geborenen Kinder ſowie die rückſtändigen früheren Jahrgänge.
Wir laden die hieſigen Einwohner, die impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung
dieſer öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denſelben
vorgenom=
menen Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich ſind. Wer die Termine nicht
be=
nutzen will, muß die Impfung ſeines pflichtigen Kindes bis zum Jahresſchluß auf
ſeine Koſten bewerkſtelligen laſſen, widrigenfalls ihm im Januar nächſten Jahres zur
Nachholung der Impfung eine vierwöchige Friſt unter Strafandrohung geſetzt wird.
Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwachſene auf ihren
Wunſch, und Kinder, die erſt im laufenden Jahre geboren ſind, auf Wunſch ihrer
Vertreter geimpft. In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als 50
Impf=
ungen vorgenommen. Alle in einem Termine geimpften Kinder müſſen, bei Meidung
der geſetzlichen Strafe, in dem 8 Tage ſpäter abgehaltenen Termine zur Nachſchau
noch=
mals gebracht werden. Kinder, deren Zurückſtellung von der Impfung wegen
Kränk=
lichkeit beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem Impfarzt vorgeſtellt
werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere Benachrichtigung an
die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Croup, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſenartige Entzündungen oder die
natür=
lichen Pocken herrſchen, dürfen Impflinge zum allgemeinen Termin nicht gebracht
werden. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem Körper und mit
reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 28. April 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Schmitt.
(9475a
Heugras-Verſteigerung.
Freitag, 24. Juni I. Js., nachmittags 3 Uhr,
wird in der Braunwart’ſchen Wirtſchaft zu Eppertshauſen das Heugras von den
Domanialwieſen in Gemarkung Forſt, Eichen und Urberach, ſowie das Futtergras
von Wegen und Schneiſen des Domanialwaldes verſteigert. Steigliebhaber werden
erſucht, die Kreszenz vorher einzuſehen.
(12489
Meſſeler Forſthaus, 18. Juni 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
Schlag.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 22. Juni 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle” (Obergaſſe) zwangsweiſe
gegen Barzahlung:
ca. 5 Mille Zigarren, 80 Flaſchen Weißwein, 1 Zither mit Kaſten,
1 Dambra, Hausmobilien durch alle Rubriken, ſowie ein Pferd und ein
Pianino.
(12533
Darmſtadt, den 20. Juni 1910.
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher zu Darmſtadt,
Friedrichſtraße 24, I.
ſteigerungs=Anzeige.
Die zum Nachlaß des Rentners Herm. Petſch gehörigen Mobilien kommen auf
Antrag des Teſtamentsvollſtreckers, Herrn Juſtizrat Dr. Kleinſchmidt, durch mich zur
Verſteigerung, und zwar in der Wohnung Rheinſtraße 29, 1. Etage, in folgender
Einteilung. Es kommen zum Ausgebot
am Donnerstag, den 23. Juni l. Js., vormittags 9 und
nachmittags 3 Uhr:
Sämtliches Küchengeſchirr und kleiner Hausrat, als auch Tafelgeräte, Kriſtall,
Glas, Porzellan, Nippſachen und kleine Gebrauchsgegenſtände aller Art;
am Samstag, den 25. Juni l. Js., vormittags 9 und
nachmittags 3 Uhr:
Herren= und Frauenkleider, Leib=, Tiſch= und Bettwäſche, Deckchen, Schoner
uſw. in großer Anzahl, darunter befinden ſich zwei Herrenpelze, Frauenpelze
und Garnituren, eine Partie ſeidene Tücher, Spitzen und Stickereien, farbige
und geſtickte Kaffeedecken und Servietten aller Art, Tiſchläufer, ganze
Garni=
turen in Deckchen, eine große Partie Handtücher, Tiſch= und Bettücher;
am Montag, den 27. Inni l. Js., vormittags 9 und
nachmittags 3 Uhr:
Gold=, Silber= und Schmuckſachen, darunter eine Genfer Remontoir=Herrenuhr
mit Schlagwerk, eine Damen=Remontoiruhr mit Kette, ein Paar
Brillant=
ohrringe, ferner eine große Partie ſilberne Tafelgeräte, Löffel, Meſſer und
Gabeln uſw.;
am Dienstag, den 28. Juni I. Js., vormittags 9 und
nachmittags 3 Uhr:
Zigarren, faſt ausſchließlich Importe, Weinvorräte, darunter ein Faß 175,5 Liter
Bernkaſtler, und 150 Flaſchen Bernkaſtler, viele Partien hochfeine Marken,
als Oppenheimer, Felſenberg und Goldberg, Piesporter Ausleſe, Winkler
Haſenſprung, Braunberger und Johannesberger Ausleſe, 44 Flaſchen
ver=
ſchiedene ganz alte feine Weine, 22 Flaſchen alte Rotiveine, ca. 80 ¼ und ½
Flaſchen Champagner, Burgeff rot und Kupferberg Gold;
am Mittwoch, den 29. Juni l. Js., vormittags 9 und
nachmittags 3 Uhr:
Sämtliche Bilder, Oelgemälde und Stiche, Vorhänge, Lüſter und
Beleuch=
tungskörper, ſowie größere Möbel, darunter eine ſehr hübſche Speiſezimmer=
Einrichtung, geſchnitzt in Eichen, 1 Saloneinrichtung, Herrenzimmer mit
Schreibtiſch, 2 polierte Bücherſchränke, 1 Pianino, 1 Krankenfahrſtuhl, 1
Kaſſe=
ſchrank, ſodann ſämtliche ſehr gute Betten, 10 verſchiedene Kleiderſchränke,
Kommode, Waſchtiſche, Nachttiſche, Stühle, Küchenmöbel, 1
Bade=
wanne u. a. m.
Abänderungen dieſer Einteilung bleiben vorbehalten.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden und nur gegen Bar=
(12319si
zahlung ſtatt.
Die Einſichtnahme der Möbel kann früheſtens Dienstag, den 28. Juni, geſtattet
werden.
Darmſtadt, den 18. Juni 1910.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator.
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Darmstädter Spruch- und Handelsschule
Leiter: Emil Held
Hieron. Schneider
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Gründlicher Unterricht in kaufm. Fächern, Stenographie und
Maschinenschreiben,
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Unterricht durch kaufmännisch erfahrene und staatlich geprüfte
diplomierte Handelslehrer.
Einzelne Kurse: Eintritt jederzeit.
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Beginn neuer Kurse 4. Juli.
Weißbinder= und Lackterarbeiten Spezialität: uſw., ſowie alle vorkom=
werd. ſofort dauerhaft u. billigſt ausgeführt.
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Aufpolieren von Möbeln
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Adolf Zeller, Schützenſtraße 8.
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Donnerstag, den 23. Juni cr., vormittags ½10 Uhr,
werden im Konkurs über den Nachlaß der Bäckermeiſter Jakoh Hindel
Witwe zu Darmſtadt, in der Wohnung, Karlſtraße 52:
1 goldene Damenuhr mit Kette, 1 ſilberne Damenuhr, 2 goldene
Medaillons, verſch. goldene Broſchen, Ringe, Armbänder, das
vorhandene Weißzeug, Kleider, Bettwerk,
1 Kaſſenſchrank, Möbel und Hausrat,
Küchengeräte ꝛc.
(12473oi
öffentlich gegen Barzahlung verſteigert.
Darmſtadt, 18. Juni 1910.
Beibstein, Konkursverwalter.
ut erhaltener Kinderwagen billig abzu=
Kommode, 1 Tiſch in Nußb. zu verk.
*151060
Mühlſtraße 20, 1. St. geben Neckarſtraße,22, Htb. (*15135
Nummer 142.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Juni 1910.
Seite 18.
Bekanntmachung.
Das Schulgeld für das Großh.
Real=
zymnaſium und deſſen Vorſchule, die
Großh. Ober=Realſchule, die Vorſchule
der Großh. Gymnaſien, die Viktoriaſchule,
das Lehrerinnenſeminar, die höhere
Mäd=
chenſchule (früher Reineck’ſches Inſtitut)
und die Mittelſchulen für das II.
Kalen=
der=Vierteljahr 1910 iſt, bei Meidung
der Mahnung, bis Ende I. Mts. an den
Werktagen, vormittags von 8 bis 12½ Uhr,
hierher zu entrichten.
(12328a
Darmſtadt, den 15. Juni 1910.
Die Stadtkaſſe.
J. V.: Hahn.
Weißbinderarbeiten.
Die bei Erbauung einer höheren Knaben=
und Mädchenſchule nebſt Turnhallen und
Dienerwohnhaus vorkommenden äußeren
Weißbinderarbeiten ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte,
Grafen=
ſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9, während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die
An=
gebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 30. Juni 1910,
vormittags 10 Uhr
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 15. Juni 1910.
Stadtbauamt
Buxbaum.
(12430so
Glaſerarbeiten.
Die bei Errichtung einer höheren Knaben=
und Mädchenſchule an der Lagerhausſtraße
vorkommenden Glaſerarbeiten ſollen
ver=
geben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte,
Grafen=
ſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9, während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die
An=
gebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 30. Juni 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 18. Juni 1910.
Stadtbauamt.
Buxbaum.
(12455oi
Bekanntmachung.
Die Firma C. G. Schardt, Inhaber:
Conrad Gotthold Schardt in Darmſtadt,
ſoll von Amtswegen in dem Handels=
Regiſter des unterzeichneten Gerichts
ge=
löſcht werden.
Es ergeht hiermit an den eingetragenen
Inhaber Conrad Gotthold Schardt, zur
Zeit unbekannten Aufenthalts, oder deſſen
Rechtsnachfolger, die Aufforderung, binnen
einer Friſt von fünf Monaten ihren etwaigen
Widerſpruch gegen die beabſichtigte Löſchung
geltend zu machen, andernfalls die Firma
von Amtswegen gelöſcht wird. (12488
Darmſtadt, den 11. Juni 1910.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
In unſer Handels=Regiſter 4 wurden fol=
J gende Eintragungen vollzogen:
Am 14. Juni 1910.
Hinſichtlich der Firma:
Richard Buſch, Darmſtadt.
Die offene Handelsgeſellſchaft iſt mit
Wirkung vom 11. Juni 1910 aufgelöſt.
Geſchäft und Firma ſind auf den
ſeit=
herigen Geſellſchafter Joſeph Schädel,
Kauf=
mann in Darmſtadt, als Einzelkaufmann
übergegangen.
Gelöſcht die Firmen:
1. Hch. Keßler, Darmſtadt.
2. Adam Hellermann Darmſtadt.
Am 15. Juni 1910.
Gelöſcht die Firma:
H. Nungeſſer, Darmſtadt.
Am 17. Juni 1910.
Neu eingetragen die Firma:
Georg Schickel, Darmſtadt.
Inhaber: Georg Schickel, Kaufmann in
Darmſtadt.
Gelöſcht die Firma:
(12540
Emil Anderſſon, Darmſtadt.
Darmſtadt, den 18. Juni 1910.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Dünger=Verkauf.
Am Mittwoch, den 22. ds. Mts.,
10½ Uhr vormittags,
erden etwa 15 bis 20 Wagen Pferdedung
us dem Barackenzelt der geſunden Pferde
er 1. Batterie des Regiments an Ort und
telle verſteigert. Zuſammenkunft an der
euen Eiſenbahnbrücke über die Eſcholl=
(12541
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ttags vorm. von 10—12 Uhr. Auf
(*15042sid
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Pa=
ett, verſchiedene Stahlſtiche, 1 faſt
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zgarnitur, ſowie diverſe getrag. Rad=
(*15102
tel, Bluſen und Röcke.
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Praktiſche Aerzte und Lehrer, die zurzeit ſelbſt Stotternde unterrichten, ſind zuerſt
von mir geheilt. (Manche hatten vorher bis zu 8 Anſtalten ohne den erwünſchten
Er=
folg beſucht) diesbezügliche Originalzeugniſſe ſtehen zur Verfügung.
Leidende können ſich mit Hülfe meiner ſehr einfachen Methode durch
Selbſt=
unterricht in kurzer Zeit von dem Uebel befreien (ohne Medikamente).
Bei Kindern kann das Uebel von den Eltern beſeitigt werden. Verſäume es im
eigenen Intereſſe kein Leidender meine Sprechſtunde zu beſuchen.
Im letzten Jahre gingen bei mir über 500 Dankſagebriefe von Perſonen ein, die
ſich in kurzer Zeit mit meiner Methode ſelbſt geheilt haben. Dieſe Briefe liegen zur
gefälligen Einſicht aus.
Früher war ich ſelbſt ſehr ſtarker Stotterer und habe mich, nach vielen
erfolg=
loſen Kuren in den beſten Anſtalten, ſelbſt geheilt. Mein Verfahren wird ſogar von
Behörden erworben und in Schulen angewandt.
Für die Auskunfterteilung iſt eine Gebühr von 1 Mk. zu entrichten.
(12493
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Reorganiſiert 1855.
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(515124f
an die Expehition. ds. Bls
Seite 14.
Nummer 142.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Inui 1910.
Sport.
* Mainz, 19. Juni. Bei der heutigen
Ruder=
regatta errang den Kaiſervierer der Kölner
Ruder=
verein von 1877, den Großherzogsvierer der
Mainzer Ruderverein.
* Kiel, 19. Juni. Bei der heutigen ſiebenten
Regatta um den franzöſiſchen Eintonnerpokal ſiegte
„Windſpiel XIII‟=Deutſchland; zweite wurde „
Alba=
tros‟=Däuemark, dritte „Neerlandia”=Holland, vierte
„Arc en Ciel”=Frankreich. „Agnes”=Schweden gab auf;
bei „Ola‟=Norwegen und „Correnzia‟=England
bra=
chen der Maſt.
Pfr. Eröffnung des Derbymeeting in
Hamburg=Horn. Gröffnungs=Rennen. Preis
5650 Mark. Diſtanz 1400 Meter: 1. — Herrn G.
Bug=
genhagens Julius Cäſar (A. Schläfke) und 1.— Hrn.
A. v. Schmieders Roſeninſel (O. Müller), 3. Onorio
(Sumpter). Tot. 18:10, Pl. 11:10 (Julius Cäſar). Tot.
15:10, Pl. 11:10 (Roſeninſel), Pl. 10:10. Unpl.
Mon=
ſalvat (4.), Ferdinand, Kantippe, Forſt. Tot. Rennen
bis Kopf. — Silberne Peitſche und 4000 Mark. Diſtanz
1600 Meter: 1. Frhrn. S. A. v. Oppenheims
Götter=
bote (Dr. Rieſe), Thereſe (Lt. Streſemann), 3. Vaſall
(Lt. v. Keller). Tot. 17.10, Pl. 11, 13, 22110. Unpl.
Kundry (4.), Wer weiß, Baldur, Holliday. Sicher 1—4
Lg. — Großer Hanſa=Preis. Ehrenpreis und 45000
Mark. Diſtanz 2200 Meter: 1. Geſtüt Graditz’ Orient
(Bullock), 2. Hrn. A. u. C. v. Weinbergs Fervor (Childs),
3. Hrn. P. Pakheiſers Star (Spear). Tot. 17:10, Pl.
13, 16, 15:10. Unpl. Herrenmeiſter (4.), Lockung,
Blau=
ſtrumpf, Oſſer. Verhalten 1½—2—1½ Lg. — Kaiſerin
Auguſte Viktoria=Jagd=Rennen. Ehrenpreiſe und 30000
Mark. Diſtanz 5000 Meter: 1. Geſtüt Brandwerders
Peru (Lt. Braune), 2. Haltefeſt (Lt. F. v. Zobeltitz), 3.
Turandot (Lt. Graf Holck). Tot. 60:10, Pl. 17, 36, 38:10.
Unpl. Alvo (gef.), Thu mir nix (angeh.), Irmingard,
Edfu, Nickelkönig, Prometheus (gef.). Leicht 3—½ Lg.
— Schiffbecker Rennen. Preis 4000 Mark. Diſtanz
1600 Meter: 1. Hrn. Balduins Ulk (Blades), 2. Probus
(Reiff), 3. Abgott (Spear). Tot. 19:10 Pl. 12, 14:10.
Unpl. Swintroda. Leicht 1—4 Lg. — Peter=Handicap.
Preis 21880 Mark. Diſtanz 1600 Meter: 1. Frhrn. W. v.
Reiſchachs Parſifal (C. Aylin). 2. Kohinoor (Sumpter),
3. Cheops (Schläfke). Tot. 264:10, Pl. 95, 71, 63:10.
Unpl. Bajazzo, Joſeph I., Droll, Werra II., Oranier,
Radium, Spion, Hock, Emſig II., Piatra, Guido, Hades,
Erbſchaft, Brennus. — Arnfried=Rennen. Preis 6000
Mark. Diſtanz 1000 Meter: 1. Geſtüt Graditz’ Loki
(Bullock), 2. Melitta (Yeomans), 3. Sati (Schläfke).
Tot. 30:10, Pl. 12, 13, 12110. Unpl. Ekſtaſe, Sandal,
Plutarch, Thea, Mayjoy, Jrokeſe (4.), Kronos. Sicher
ſtrumpf 79, Herrenmeiſter 214:10, im Kaiſerin Auguſte
Viktoria=Jagd=Rennen: Haltefeſt und Edfu je 29:10,
könig 256, Alvo 174, Irmingard 299:10.
sr. Deutſches Traberderby. Das mit einem
Ehrenpreiſe des deutſchen Kaiſers und 40000 Mark Friedrich Wilhelm Schröter geſucht.
ausgeſtattete Rennen wurde nur von dem ſchmalen
Felde von 6 Pferden beſtritten. Es verlor dadurch noch
weiter an Intereſſe, daß Bergfried, in dem man einen
ernſten Gegner für den heißen Favoriten Raute
er=
blicken wollte, gleich nach dem Start einen ſchweren
Fehler machte. Infolgedeſſen ſank die Prüfung zu
einem Match zwiſchen Raute und Ortolan herab. Raute
ging, als die Flagge fiel, ſofort in Front und führte
vor Ortolan, Bergfried, Meum und Fuchsmajor,
wäh=
rend Filius als Letzter folgte und nie ins Rennen kam.
Die durckweg in Front trabende Raute hatte das
Ren=
nen jeden Augenblick ſicher und gewann überlegen mit
ſechs Längen gegen Ortolan. Zwei Längen zurück
folgte Bergfried, der in der zweiten Runde Meum
paſſiert hatte. Die ſiegreiche Stute des Herrn Bolzani
legte die Derbydiſtanz von 3200 Metern in 4 Min.
51,5 Sekunden zurück, was einem Kilometertempo
von 1:31,1 entſpricht. Sie verbeſſerte mit dieſer Leiſtung
den im Vorjahre vom Derbyſieger Glückſtern
aufge=
ſtellten Rekord um 2 Sekunden.
Rr. Radrennen in Duisburg.
Haupt=
fahren: 1. Rütt, 3 Punkte: 2. Stol, 7 P., 3. Schwab,
9 P.; 4. Oſtermeyer, 11 P. Tandem=Hauptfahren: 1.
Kudela=Carapezzi; 2. Oſtermeyer=Bremer; 3. Apel=
Aſchoff; Rütt=Stol Reifenſchaden. Tandem=
Vorgabe=
fahren: 1. Schwab=Müller (50 Meter); 2. Oſtermeyer=
Stol (20 Meter); 3. Apel=Aſchoff (40 Meter). Handicap:
1. Rütt (0); Müller (70 Meter); 3. Apel (90 Meter);
4. Aſchoff (100 Meter).
In Chemnitz kam am Sonntag der Große Preis
der Induſtrie über 100 Kilometer zum Austrag.
Scheuermann ſiegte in 1 Stunde 21 Min. 14 Sek.,
Schipke 7300 Meter, A. Schulze 1300 Meter zurück. Den
Kleinen Preis der Induſtrie, ein 40 Kilometer=Rennen,
gewann Waßmuß in 36 Min. 16 Sek.; 2. G. Schaade,
5 Runden; 3. Groß, 10 Runden; 4. Eilenberger, 11
Runden. Im Motorrennen der Schrittmacher über
10 Kilometer ſiegte Wiwerall in 6 Min. 48 Sek. vor
Schmiers, Przyrembel und Bachmann.
Radrennen in Breslau. In dem 100
Kilo=
meter=Rennen um den Großen Preis der Breslauer
Feſtwoche führte Stellbrink bis 10 Kilometer, dann
ging Walthour an die Spitze und gewann ſicher in
1 Std. 31 Min. 11,1 Sek. Guignard endete 1620 Meter,
Stellbrink 6000 Meter und Ryſer 12,400 Kilometer
zurück. Otto Meyer=Ludwigshafen gewann das
Hauptfahren, durch je eine halbe Länge von Peter und
Schürmann getrennt, und dann das Prämienfahren
mit einer Länge gegen Schürmann, dem nach einer
halben Länge Techmer folgte. Das Meilen=Rennen um
den Kleinen Oder=Preis landete Schürmann in 10:19,4
mit zwei Längen Vorſprung vor Saldow, Peter und
Pawke.
Wem gehört das Geld?
34— Lg. — Die Eventualquoten waren: Großer Anfragen ſind unter Beilegung von 50 Pfg. in Marken für Schreib= und
Hanſa=Preis: Fervor 58:10, Star 68, Oſſer 72, Blau= Portoſpefen und mit Angabe der voranſtehenden Nummer an die Redaktion
dieſes Blattes zur Weiterbeförderung, jedoch ohne Verbindlichkeit, zu richten
418. Etwa 1200 Mark hat ein Chriſtian Gottlieb
Thu mir nix 40, Turandot 46, Prometheus 90, Nickel= Karl Blümel hinterlaſſen, der in Hirſchberg in
Schle=
ſien geſtorben iſt. Erben ſind unbekannt. Insbeſondere
wird ſein 1850 in Flachenſeiffen geborener Bruder
419. Erben werden geſucht für den Nachlaß des
1857 in Altona geborenen Zigarrenarbeiters Heinrich
Ferdinand Chriſtian Grieſe. Seine Eltern waren der
Schuhmachermeiſter Clemens Hinrich Ludwig Grieſe
und Magdalena Dorothea Margaretha geb. Gries.
420. Ueber 1800 Mark beträgt der Nachlaß eines
Karl Heinrich Witt, 1834 in Gettorf geboren als Sohn
eines Johann Friedrich Witt und einer Chriſtine
Theodora Katharina geb. Kühl. Erbberechtigte konnten
bisher nicht ermittelt werden.
421. Ein beträchtliches Vermögen hat eine
unver=
ehelichte Anna Käfer hinterlaſſen. Sie iſt 1844 in
Mönchweiler geboren. Der Vater, Chriſtian Käfer, war
Gutsbeſitzer; er ſtammt aus Bühlingen und iſt ſeit
1866 verſtorben. Die Mutter, 1879 geſtorben, war
Bar=
bara geb. Lehmann. Nahe Verwandte ſind nicht
vor=
handen, ſo daß nun entferntere Verwandte erbberechtigt
wären. Solche aber ſind unbekannt und werden
des=
halb geſucht.
422. Als Erbe wird geſucht Johann Peter Brunner
1849 zu Offenbach a. Queis geboren.
423. Desgleichen der Barbier Georg Michgel
Staubrecht, zuletzt wohnhaft in Marienburg i. Weſtpr.
424. Desgleichen die Abkömmlinge einer Barbara
Utech, 1824 geboren in Gimmeldingen.
425. Desgleichen einer verehelichten Katharing
Müller geb. Mattern, 1823 in Neuſtadt a. Haardt ge
boren.
426. Desgleichen eines Jakob Mattern und eines
Johann Leonhard Mattern, 1825 reſp. 1827 ebenfalls
in Neuſtadt a. d. H. geboren.
427. Desgleichen einer Eliſabetha Schlag aus
Neu=
ſtadt a. d. H., 1821 geboren.
428. Desgleichen eines Johann Dörrmann, 1836
in Lachen geboren .
429. Unbekannt ſind die Erben für den Nachlaß
des Paſtors a. D. Wilhelm Albert König. Er
wirkt=
früher als Paſtor in Grasdorf=Holle, Bezirk
Hildes=
heim, wurde aber wegen Geiſteskrankheit entmündig
und ſtarb in einem Krankenhauſe. Der Erblaſſer war
1859 geboren.
430. Wer iſt Erbe der Magdalena Polska, Tochter
einer Hedwig Polska geb. Gapinska?
431. Als Erbe wird geſucht Helene Ihde, 1886
ge=
boren als Tochter des Maurers Franz Ludwig Ihbe,
aus Schwerin i. Mecklbg.
432. Bereits im März 1907 ſtarben, nur acht Tage
auseinander, die beiden Schweſtern Karoline Apolline
Buſch und Friederike Buſch. Sie lebten in Hannover.
Die erſtgenannte war Direktrice. Ihre Erben ſind
unbekannt.
433. Zirka 6500 Mark hat eine Rittmeiſterswitwe
Auguſte Magdalena Prückner geb. Koderle hinterlaſſen.
Ihre Erben ſind gänzlich unbekannt. Die Erblaſſerin
iſt 1827 in Böhmen geboren als Tochter des
Privat=
beamten Franz Koderle und ſeiner Ehefrau Thereſia
geb. Galling.
434. 2800 Mark hat ein Arbeiter Hermann von
Bar=
gen (oder Bergen) hinterlaſſen. Nahe Verwandte ſind
nicht vorhanden, ſo daß die weiteren Abkömmlinge der
Großeltern in Betracht kommen. Dieſe Großeltern
waren Dietrich von Bargen und Anna geb. Quentin
einerſeits und Kaſpar Stange und Sielke geb. Lauen
andererſeits.
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wenn man Hühner einſperrt und mit dem
flügelfutter „Nagut” füttert. — Verkauf:
C. Rohr, Krining, bei Gerzlow ſchreibt
Heidelbergerstr. 29, I. St., am 16. Okt. 1909: Senden Sie mir wieder
20 kg Nagut, ohne dem kommen wir in
unſerer Geflügelhaltung nicht mehr aus.
Die Wirkung iſt großartig, füttere dasſelbe
ſchon im 4. Jahre, mußte wegen böſer
möbl. Zimmer mit oder ohne Penſion. Nachbarn meine Hühner einſperren, aber
der Eierertrag war ſehr gut, ſodaß ſich viele
darüber wunderten, ebenſo über das gute
Ausſehen der Hühner.
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Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 21. Juni 1910.
elus Darmstat
Aus Anlass der 25 Kilometer-Meisterschaft von Deutschland
ver-
anstalten wir am
Sonntag, den 26. Juni 1910, nachmittags ½ 2 Uhr:
einen grossen Preis- u. Blumen-Corso
durch folgende Strassen der Stadt:
Nieder-Ramstädter-, Rossdörfer-, Stifts-, Dieburger-, Alexanderstr., Paradeplatz, Rhein-, Kasino-,
Bleichstr., Bahnhofsplatz, Rhein-, Wilhelminen-, Elisabethen-, Schützen-, Hügel- u. Heidelbergerstr.
Nachmittags 3 Uhr: Radrennbahn Heidelbergerstr.
Grosse Aau und Holbtrennen
u. a.: Meisterschaft von Deutschland über 25 km., Mannschafts-, Vorgabe-
Zwei- u. Dreisitzer-Rennen. Motorrennen für leichte u. schwere Motoren.
Während der Rennen: Grosses Militär-Konzert
von der gesamten Kapelle des Garde-Drag.-Regt. Nr. 23 (Leitung: Herr Musikmeister Mittelstädt).
Eintrittspreise: (Vorverkauf) Numerierte Tribüne 2 Mark, 1. Platz (Sitzplatz)
1.50 Mk., Sattelplatz 1 Mk., Stehplatz 0.50 Mk.
Vorverkaufsstellen: Benz & Co., Grafenstr., L. Borné, Ernst-Ludwigstr., Fr. Dahlen,
Viktoriastr. 81, Donges & Wiest, Grafenstr., Heinrich Elbert, Hofl., Ernst-
Ludwigstr., S. Guttmann, Wendelstadtstr. 26, C. Hermes, Louisenstrasse 2.
Kaiser-Automat, Rheinstr., Konrad Lautermann, Ballonplatz, Julius Mylius,
Heerdweg 2., D. Nummrich, Mühlstr. u. Niederramstädterstr.-Ecke, D. Nummrich’s
Filiale, Schlossgartenplatz., Arnold Rode, Ernst-Ludwigstr., S. Schmitt,
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Numerierte Tribünen-Plätze: nur Verkehrsbureau.
Tribünenplätze 3 Mk., 1. Platz 2 Mk., Sattelplatz 1.50 Mk., Stehplatz 0.60 Mk.
P. S. Die geehrte hiesige Einwohnerschaft bitten wir höff., durch Beflaggen der Häuser zur
Ver-
schönerung des Festes beizutragen und so den zahlreich hier eintreffenden Vereinen ein
„freundliches Willkommen” zu entbieten.
Der Vorstand des Velociped-Clubs.
Nummer 142.
Umzüge
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295 Mk. 65 Pfg. — Zur Entgegennahme
weiterer Gaben ſind wir gern bereit.
Die Expedition des Tagblatt.
Woog, am 20. Juni 1910.
Waſſerhöhe am Pegel 3,86 m
Luftwärme 160 C
Waſſerwärme vormittags 7 Uhr 20½ C
Woogspolizeiwache.
Vereinigte Bezicksvereine.
Einladung
zum Vortrage des Herrn Stadtverordneten Sames
über:
Den Bebauungsplan im neuen Bahnhofsviertel
auf Mittwoch, den 22. Juni 1910, abends 8½ Uhr,
in dem „Fürstensaal‟, Grafenstrasse.
Auch Nichtmitglieder haben Zutritt.
Der Vorsitzende des Ausschusses:
Dr. Kolb.
12188di)
26010g
Handeis Veren Darmstadf.
Unſere Mitglieder ſind zu dem am Mittwoch, den 22. ds.
Mts., im Fürſtenſaal ſtattfindenden
Vortrag
des Herrn Stadtverordneten Sames über „den Bebauungsplan
im neuen Bahnhofsviertel” freundlichſt eingeladen.
Der Vorſtand.
12537)
Ed
„HOTTONLA
3
Aquarien- und Terrarienausstellung
Mathildenhöhsaal, Dieburgerstrasse 26.
Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends.
Schützenhof.
Heute Dienstag, abends 8 Uhr,
Grosses Militär-Streich-Konzert
einer größeren Kapelle vom Muſikkorps des Leibgarde=Regts.
Leitung: Herr Toni Czaschke.
Eintritt. 20 Pfg.
Eintritt 20 Pfg. ((*15143.
Darmſtädter Karneval=Geſellſchaft.
Gegründet 1878.
Wir machen unſeren Freunden und alten Mitgliedern hiermit
bekannt, daß die Gemeinſchaft mit dem Zugverein „Narrhalla‟
nach ſtattgehabten gegenſeitigen gütlichen Vereinbarungen
aufge=
hoben wurde.
Unſere ſämtlichen Veranſtaltungen werden ohne Ausnahme,
wie früher, im ſtädtiſchen Saalbau abgehalten.
Darmſtadt, den 20. Juni 1910.
(12530
Der grosse Rat.
ischer Garten zu Prankfurt a. M.
Bis 3. Juli 1910
Völkerkundliche Schauſtellung
Samoanisches Dorf. — Kanufahren. — Wasserrutsche.
Von 9—12½ und 3—8 Uhr
für die Besucher des Zoologischen Gartens.
Eintrittsbedingungen wie gewöhnlich.
Originelle Vorstellungen um 11, 4, 5½ und 7½ Uhr.
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Reservierte Sitztribüne 20 Pf.
30
Mittwoch, 2. Juni, nachmittag: Wettrudern.
Eine Frühlings-Kur
eut Dr. Dralle’s
Birken-Haarwasser
ist von
unübertroffener Wirkung
auf den Haarwuchs.
740 D