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monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
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ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
173. Jahrgang
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt
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ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
„ 136.
Dienstag, den 14. Juni.
1910.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Ein neues Guinqnennat.
— In einer etwas ſeltſamen Form wird offiziös
ange=
kündigt, daß wir demnächſt mit einer neuen
Militär=
vorlage zu rechnen haben werden. In einem Dementi
gegen einige umherſchwirrende, im allgemeinen aber wohl
wenig geglaubte Gerüchte wird davon Mitteilung gemacht,
daß hinſichtlich der kommenden Neuforderungen für das
Heer nichts zu vertuſchen ſei und daß die Vorlage nichts
vermiſſen laſſen werde, was nach dem Urteil der
kom=
petenten Stellen im Intereſſe der Schlagfertigkeit des
Hee=
res notwendig ſei. In einem Hamburger Blatt hatte
man nämlich behauptet, daß man am Landheer ſparen
wolle, um das Fiasko der Reichsfinanzreform zu
verber=
gen, gleichzeitig wurde hinzugefügt, daß Herr von
Beth=
mann Hollweg bei ſeiner Uebernahme der Geſchäfte die
Bedingung geſtellt habe, es dürfe nach Ablauf des
Quin=
quennats keine größere Heeresforderung kommen, was
man aber vertuſchen wolle. Infolge dieſer Bemerkungen
erklärt ſich wohl der ſcharfe Ton, den das offiziöſe Dementi
anſchlägt, in dem mit Entrüſtung zurückgewieſen wird,
als ob der Reichskanzler etwas vernachläſſigen könne, was
mit der Wehrkaft des Landes in Zuſammenhang ſteht. Es
wird betont, daß die Neuforderungen für das nächſte
Quinquennat in voller Uebereinſtimmung zwiſchen dem
Reichskanzler und den Militärſtellen ganz im Sinne der
hierfür früher ſchon gegebenen Erklärungen aufgeſtellt
werden würden.
* Das jetzige Quinquennat läuft im nächſten Jahre ab
und man wird ſich daher in dieſem Winter darüber ſchlüſſig
zu machen haben, welche Forderungen man ſtellen wird. Es
könnte nun infolge der offiziöſen Auslaſſung ſo ſcheinen,
als ob man mit großen Forderungen hervortreten würde,
indeſſen iſt das wenig wahrſcheinlich, denn ſchon
mehr=
fach iſt betont worden, daß man an eine beträchtliche
Er=
höhung des Präſenzſtandes nicht gehen wird. Sollte
etwas Derartiges notwendig werden, ſo würde ſich aller
Vorausſicht nach eine Vermehrung nur in ganz mäßigen
Grenzen halten, die durch eventuelle neue Einrichtungen
erforderlich ſind, die ſich namentlich auf die techniſche
Aus=
geſtaltung unſeres Heeres beziehen. Was an neuen
For=
derungen in den letzten Jahren gekommen iſt, bezog ſich faſt
ausnahmslos auf dieſes Gebiet, da es gilt, für die deutſche
Armee die neueren Errungenſchaften der Technik und
Wiſ=
ſenſchaft auf dem Gebiete der Kriegskunſt ſich zu eigen zu
machen.
Aus den offiziöſen Auslaſſungen geht hervor, daß man
wiederum ein Quinquennat vorzuſchlagen geneigt iſt.
Eine derartige für eine Reihe von Jahren feſtgelegte
For=
derung hat ihr Gutes, andererſeits aber auch ihre
Schwä=
chen. In der Hauptſache war man ſeinerzeit wohl auf
die=
ſen Gedanken gekommen, weil ſich früher gegen
Militär=
forderungen oft die ſtärkſte Oppoſition geltend machte und
bekanntlich der Reichstag mehrere Male wegen der
Ab=
lehnung militäriſcher Forderungen aufgelöſt worden iſt.
Inzwiſchen haben ſich die Zeitläufe geändert, den
Militär=
vorlagen ſtellte man ſich auch auf Seiten der bisherigen
Oppoſition etwas freundlicher gegenüber, ſodaß vielfach
die Abſicht verbreitet iſt, man könne ruhig auf dieſe
Bin=
dung verzichten. Freilich möchte man von Seiten der
Re=
gierung hierauf nicht verzichten, weil man davon ausgeht,
was man hat, hat man. Man ſcheute es, alljährlich die
Bewilligung vornehmen zu laſſen, weil man befürchtet,
daß da noch ſehr geſtrichen werden und eine gewiſſe
Un=
ſtetigkeit Platz greifen könnte. Andererſeits aber hat ſich
die Feſtlegung bei unbedingt erforderlich gewordenen
Neuerungen als ein ziemliches Hindernis erwieſen, und
es blieb nichts anderes übrig, als die Forderungen in
einer Weiſe zu gruppieren und neue Anordnungen zu
treffen, daß die Beſtimmungen des Quinquennats
wenig=
ſtens dem Buchſtaben nach nicht verletzt wurden; in
Wahr=
heit iſt es aber eigentlich faſt alljährlich in gewiſſem Sinne,
wenn auch unter Zuſtimmung des Reichstags, durchbrochen
worden.
In welcher Höhe ſich die neuen Forderungen bewegen
werden, weiß noch niemand, vielleicht auch die
Militär=
verwaltung ſelber nicht genau, aber allzu lange wird es
ja nicht dauern, bis man weiteres hierüber hören wird.
Freilich wird die Regierung darauf rechnen müſſen, daß
man im Hinblick auf die Finanzreform alle Jahre einzelne
Forderungen auf das Genaueſte prüfen wird und daß gar
manche Abſtreichungen zu verzeichnen ſein werden.
Der Datikan und die Proteſtbewegung.
* Die Bewegung gegen die päpſtliche Enzyklika nimmt
ihren Fortgang. Allenthalben melden Drahtberichte von
ſcharfen Proteſtverſammlungen, von denen man im
ein=
zelnen kaum noch Kenntnis nehmen kann. Den
Mün=
chener Neueſten Nachrichten wird über die
Stellung=
nahme des Vatikans zu dieſen Kundgebungen geſchrieben:
Im Vatikan denkt man anſcheinend einſtweilen
im=
mer noch, mit dem Kommuniqué des Oſſervatore
Ro=
mano ſei es genug getan. Der Text der
Abgeordneten=
hausverhandlungen iſt im Vatikan telegraphiſch
eingetrof=
fen und die Mäßigung aller Reden ſoll guten Eindruck
gemacht haben, doch wurde das Verlangen Bethmann
Hollwegs als zu hart und ungerechtfertigt gefunden. Bei
dieſer Anſicht iſt natürlich nicht zu verwundern, daß der
preußiſche Geſandte Mühlberg mit dem
Kardinalſtaats=
ſekretär bisher zu einer vollen Verſtändigung noch nicht
gekommen iſt. Uebrigens iſt man auch in vatikaniſchen
Kreiſen zum Teil ſehr ärgerlich über die Redaktion der
ganzen Enzyklika. Man leugnet den ſchweren Mißmut
über die Taktloſigkeit der vatikaniſchen Staatsmänner in
keiner Weiſe und verhehlt nicht, daß auch in den Kreiſen
des hohen deutſchen Klerus dieſelbe Stimmung herrſche.
Man denkt ſich in dieſen Kreiſen die Regelung der
Ange=
legenheit ſo, daß der Kardinalſtaatsſekretär Merry del
Val in einer Note an den preußiſchen Geſandten noch
einmal ausdrücklich erklären wird, daß die bekannten
An=
griffe der Enzyklika nicht auf Teutſchland, ſondern auf
ge=
wiſſe franzöſiſche Biſchöfe und Moderniſten gemünzt ſeien.
Man wird vorausſichtlich dieſe nach Berlin zu
ſen=
dende ſchriftliche Note dem Reichskanzler zur
Veröffent=
lichung zur Verfügung ſtellen, doch muß man das Weitere
erſt abwarten. Irgend eine Beſtätigung dieſer Anſicht
liegt zur Zeit noch nicht vor.
Von ihrem römiſchen Berichterſtatter für vatikaniſche
Angelegenheiten geht der allerweltsoffiziöſen Wiener
Polit. Korr. folgende Meldung zu:
Im Vatikan wird außerordentliches Bedauern über
den unvorhergeſehenen und völlig unerwünſchten Eindruck
geäußert, den einige Sätze in der Enzyklika „Edite saepe‟
in der proteſtantiſchen Welt, namentlich Deutſchlands,
hervorgerufen haben. Es wird verſichert, daß die das
Aergernis veranlaſſenden Wendungen und Ausdrücke
un=
terblieben wären, wenn deren unliebſame Wirkung
vor=
auszuſehen geweſen wäre. Die Kurie habe zunächſt
öffent=
lich im Oſſervatore Romano den Mangel jeglichen
„animus injuriandi” und den rein hiſtoriſch=dogmatiſchen
Charakter der Enzyklika feſtſtellen laſſen; die päpſtliche
Di=
plomatie werde aber nicht ermangeln, der deutſchen
Re=
gierung gegebenenfalls auch direkte Erklärungen
verſöh=
nenden und beruhigenden Charakters zu geben. Papſt
Pius X. ſei mehr als je vom Wunſche beſeelt, die
herz=
lichen Beziehungen des Heiligen Stuhles zum Deutſchen
Reiche zu erhalten und zu befeſtigen. Man bezeichne im
Vatikan die päpſtliche Anſprache an die deutſchen Pilger
als ein nachträgliches Korrektiv der Enzyklika, notwendig
geworden durch Deutungen, die den wahren Abſichten der
Kurie fremd ſeien. Die Ausdrücke der Enzyklika, die den
größten Anſtoß erregten, „quorum deus venter est‟
ſeien direkt dem heiligen Paulus entlehnt und man habe
ihnen im Vatikan ausſchließlich kirchlichen Sinne beigelegt.
Der Vergleich, den die Enzyllika zwiſchen den
Verhält=
niſſen der Kirche in den Zeiten des heiligen Carolus
Borromäus und der gegenwärtigen Lage der Kirche ziehe
und die Verbindung, die ſie zwiſchen den proteſtantiſchen
Reformatoren und den Moderniſten des 20. Jahrhunderts
herſtelle, hätten einen rein hiſtoriſchen Charakter und
könnten abſolut nicht auf den zeitgenöſſiſchen
Proteſtantis=
mus bezogen werden. Man glaube im Vatikan übrigens
nicht, daß dieſer Zwiſchenfall die herzlichen Beziehungen
zwiſchen dem Heiligen Stuhl und dem Deutſchen Reich
ernſtlich und auf die Dauer gefährden könne.
Die Kölniſche Zeitung erhält von einer mit
vatikani=
ſchen Verhältniſſen vertrauten Seite einen Bericht über die
Stimmung im Vatikan. Demnach ſei an
Aen=
derung der Verhältniſſe, in die die beiden Vertrauten
Merry del Val und Kardinal Vives den Papſt gebracht
haben, nicht zu denken. Die Stürme der letzten Tage
würden nur dazu dienen, die Stellung der vertrauten
Be=
rater des Papſtes zu befeſtigen. Schuld trage hieran
hauptſächlich die Haltung der klerikalen Preſſe
Deutſch=
lands, die wider beſſere Einſicht und wider beſſeres Wiſſen
ſich in ihrer überwiegenden Mehrheit in der Rechtfertigung
und Verteidigung des päpſtlichen Dokumentes nicht genug
tun konnte.
Teutſches Reich.
— Nach § 15 des Zolltarifgeſetzes iſt der auf den Kopf
der Bevölkerung entfallende Reinertrag aus den
Getreide= und Viehzöllen, ſoweit er den nach
dem Durchſchnitte der Jahre 1898 bis 1903 auf den Kopf
der Bevölkerung entfallenden Reinertrag dieſer Zölle
über=
ſteigt, zur Erleichterung der Durchführung einer
Wit=
wen= und Waiſenverſicherung zu verwenden
(lex Trimborn). Aus dem Jahre 1907 hat ein Betrag von
über 42 Millionen Mark zu den gedachten
Verwendungs=
zwecken ſichergeſtellt werden können; für die Jahre 1906
und 1908 hatten ſich Ueberſchüſſe nicht ergeben.
Wie jetzt feſtgeſtellt worden iſt, blieb auch für das
Rech=
nungsjahr 1909 der auf den Kopf der Bevölkerung
berech=
nete Reinertrag aus den bezeichneten Zöllen hinter dem
durchſchnittlichen Ertrage der Jahre 1898 bis 1903 zurück,
ſo daß auch aus dem Jahre 1909 Ueberſchüſſe für die Zwecke
der Hinterbliebenenverſorgung nicht zur Verfügung ſtehen.
Aus dieſem Grunde wird auch das Einführungsgeſetz zur
Reichsverſicherungsordnung die Aufhebung des § 15 des
Zolltarifgeſetzes in Vorſchlag bringen und an ſeine Stelle
die Reichsverſicherungsordnung mit feſten Beiträgen des
Reiches zur Durchführung der Hinterbliebenenverſicherung
ſetzen.
Der Geſetzentwurf über die Einführung von
Schiffahrtsabgaben wird am nächſten Freitag im
Plenum des Bundesrates verhandelt werden.
— Die Einnahme des Reiches an Zöllen
im Mai betrug 46½ Millionen Mark. Für die Zeit
vom 1. April bis Ende Mai ſtellt ſich die Solleinnahme
auf 91 Millionen Mark, d. h. 2½ Millionen weniger als
in den entſprechenden beiden Monaten des Jahres 1909.
Gegen den Etatsvoranſchlag für das Rechnungsjahr 1910
bleibt die Solleinnahme für April und Mai 1910 etwa
14 Millionen zurück.
— Staatsſekretär Delbrück iſt zu Beſprechungen über
die elſaß=lothringiſche Verfaſſungsfrage
in Straßburg eingetroffen.
— Auch die Verhandlungen im Baugewerbe für
das Großherzogtum Baden ſind ergebnislos
ver=
laufen. Ueber Arbeitszeit und Stundenlohn, die beiden
Hauptpunkte, wurde bei den am Freitag und Samstag
in Karlsruhe und Freiburg ſtattgehabten Verhandlungen
eine Einigung nicht erzielt.
Ausland.
— Die Neuwahlen in den ungariſchen
Reichstag haben die politiſche Konſtellation in
Ungarn gründlich verändert. Graf Khuen=Hedervary wird,
wenn der neue Reichstag am 25. ds. Mts. zuſammentritt,
über eine ſo große Mehrheit verfügen, wie dies vor fünf
Jahren der Fall war, als die alte liberale Partei noch am
Ruder war. Man ſollte daher annehmen dürfen, daß es
dieſer ſtarken Regierungspartei gelingen wird, in kürzeſter
Zeit die dringendſten Staatsnotwendigkeiten, nämlich das
diesjährige Budget und Rekrutenkontingent und die
Han=
delsverträge mit Rumänien und Serbien, zu erledigen.
Graf Khuen=Hedervary hofft auch, daß ihm dies bis Ende
Juli gelingen wird, und daß dann das Haus auf zwei
Monate in die Sommerferien wird gehen können.
Aller=
dings iſt dies noch nicht ſicher; denn das Geſpenſt der
Ob=
ſtruktion ſeitens der Unabhängigkeitspartei des Herrn
v. Juſth droht noch immer. Dieſe Partei, die früher 122
Mann zählte, iſt zwar jetzt nach den Neuwahlen auf die
unanſehnliche Zahl von 38 Abgeordneten
zuſammenge=
ſchrumpft. Da aber nach der jetzigen parlamentariſchen
Geſchäftsordnung ſchon 20 Abgeordnete in der Lage ſein
können, durch Obſtruktion die geſamte Tätigkeit des
Par=
laments für längere Zeit lahmzulegen, ſo können dieſe 38
Juſthinianer ſelbſt der ſo übermächtigen Regierungspartei
Khuen=Hedervarys für längere Zeit immerhin noch recht
unangenehm werden. Sollte die Juſth=Partei ihre
Droh=
ungen wirklich in die Tat umſetzen, ſo wird indes die
Re=
gierung nicht zögern, dem Hauſe ſofort einen Antrag auf
Aenderung bezw. Verſchärfung der
Geſchäfts=
ordnung zu unterbreiten, und dieſer Antrag würde auch
in Anbetracht der großen Ueberlegenheit der Regierung
nicht ſchwer durchzubringen ſein. Die Regierung iſt ferner
entſchloſſen, falls wegen der obſtruktioniſtiſchen Haltung
der Oppoſition die Erledigung der dringenden
Staats=
notwendigkeiten verzögert werden ſollte, das Haus unter
Umſtänden den ganzen Sommer über beiſammenzuhalten.
Man darf der am 25. ds. Mts. beginnenden Tagung des
neugewählten Reichstages jedenfalls mit geſpanntem
Intereſſe entgegenſehen.
— Ein Telegramm der Kölniſchen Zeitung aus Kanca
vom 12. Juni beſagt: Der jetzige Stand der
kre=
tiſchen Frage läßt ſich, von hier geſehen, dahin
zuſammen=
faſſen, daß der jetzige regierende Ausſchuß der kretiſchen
Kammer unter dem Vorſitze Venizelos beſtrebt iſt, eine
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1916.
Verſchärfung der Lage zu vermeiden. Man
iſt geneigt, den Wünſchen der Schutzmächte zu folgen, die
Zulaſſung der 16 mohammed. Abgeordneten zur Kammer
zu empfehlen, ſobald ſie wieder zuſammentritt, die Ruhe
im Innern hergeſtellt iſt und die Mohammedaner Schutz
erhalten, von der Entſendung kretiſcher Abgeordneter zur
griechiſchen Nationalverſammlung dagegen abzuraten. Es
beſteht die Gefahr, daß die radikalen Draufgänger hier im
Juli in der Kammer die Oberhand gewinnen, da von der
ſchwachen Mehrheit des jetzigen regierenden Ausſchuſſes
viele abbröckeln. Es ſteht der Verſuch bevor, dieſe Gefahr
durch eine Koalition beider Parteien zu einem regierenden
Sechſerausſchuß zu bannen, wobei jede Partei mit drei
Mitgliedern vertreten ſein ſoll.
— Einer Meldung aus Spanien zufolge hat die Gaceta
de Madrid ein königliches Dekret veröffentlicht,
ent=
haltend eine Auslegung des Dekrets vom 23. Oktober 1876
über öffentliche Verſammlungen nichtkatholiſcher Sekten.
Das neue Dekret bedeutet keine Veränderung der
Verfaſ=
ſung. Der Oſſervatore Romano veröffentlicht hierzu
fol=
gende Note: Sobald der Heilige Stuhl die beſtimmte
Nachricht von der bevorſtehenden Veröffentlichung des in
der Gaceta de Madrid erſchienenen königlichen Dekrets
er=
hielt, eines Dekrets, das das Konkordat verletzt, hat er
nicht verfehlt, der ſpaniſchen Regierung einen formellen
Proteſt zugehen zu laſſen.
— Nach einer Liſſaboner Drahtmeldung wird die
por=
tugieſiſche Regierung in der Pairskammer in betreff des
Briefes interpelliert werden, den Merry del Val an
den Erzbiſchof von Braga ſchrieb, um die den
Franzis=
kanern gehörige katholiſche Revue zu unterdrücken.
Meh=
rere Pairs ſind der Anſicht, daß der Brief von Merry del
Val einen Angriff auf die Vorrechte der Krone bedeutet.
Der Miniſter geht mit der Unterſuchung vor.
— Die ruſſiſche Duma beendete die dritte Leſung der
Geſetzesvorlage über die Semſtwo=
Selbſtverwal=
tung in den weſtlichen Gouvernements. Die
Beſtim=
mung der Regierungsvorlage über eine obligatoriſche
Ver=
tretung der orthodoxen Geiſtlichkeit wurde abgelehnt und
durch fakultative Vertretung erſetzt. Die
Geſamtvor=
lage wurde mit 165 Stimmen der Mitte, der
Nationali=
ſten und eines Teiles der Rechten gegen 139 Stimmen der
extremen Rechten und der Oppoſition, darunter der Polen,
angenommen.
— Bei der in der ſerbiſchen Skupſchtina in zweiter
Leſung erfolgten Abſtimmung über den § 18 der
Wahlvor=
lage wurde zwar eine Mehrheit erzielt, aber gegen die
Vorlage ſtimmten einige hervorragende Abgeordnete der
Regierungspartei. Deswegen erachtet die Regierung die
jetzige Skupſchtinamehrheit als unzuverläſſig und beſchloß,
zu demiſſionieren. Darauf überreichte der
Miniſterpräſi=
dent dem König die Demiſſion des
Geſamt=
kabinetts.
— Die chileniſche Kammer ermächtigte den
Präſiden=
jen, eine Anleihe von vier Millionen Pfund Sterling
für Marinezwecke aufzunehmen, wovon eine Million zur
Verſtärkung der Küſtenartillerie verwendet werden ſoll,
ferner ſollen jährlich aus den Einkünften 400000 Pfund
Sterling zur Bildung eines Fonds für zukünftige
Schiffs=
bauten genommen werden.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 14. Juni.
* Vom Hofe. Am Samstag, den 11. Jnni, trafen Se.
Exzellenz General=Oberſt v. Bock und Polach, Se. Exz.
General der Infanterie v. Eichhorn, Se. Exz.
General=
leutnant v. Strantz, die Majore Bronſart v.
Schellen=
dorff und Pennrich, Rittmeiſter v. Jagow und
General=
major Hahn mit Zug an Egelsbach 12 Uhr 10. Min.
nachmittags in Wolfsgarten ein, nahmen an der
Früh=
ſtückstafel teil und kehrten 2,30 Uhr nachmittags mit
Auto nach Darmſtadt bezw. Frankfurt zurück. — S. K.
Hoheit Prinz Heinrich von Preußen traf am 11.
Juni 4,30 Uhr nachmittags im Auto in Wolfsgarten
ein und fuhr am 12. dieſes Monats 4 Uhr vormittags
nach Kiel ab. — Fürſtin=Mutter zu Erbach=Schönberg
traf am 12. dieſes Monats mit Zug an Egelsbach 11,43
Uhr vormittags in Wolfsgarten ein und reiſte 6,04 Uhr
abends wieder ab. (Darmſt. Ztg.)
— Beſtätigungen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben der am 27. Mai 1910 durch die
Stadt=
verordnetenverſammlung zu Worms erfolgten
Wieder=
wahl des Oberbürgermeiſters Heinrich Köhler in
Worms zum Bürgermeiſter der Stadt Worms auf
Lebenszeit die Beſtätigung erteilt. — Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben den von Sr. Durchl. dem
Fürſten zu Erbach=Schönberg auf die evangeliſche
Pfarr=
ſtelle zu Rimbach, Dekanat Erbach, präſentierten Pfarrer
Julius Betzler zu Mörfelden für dieſe Stelle beſtätigt.
Charaktererteilung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Amtsrichter bei dem
Amts=
gericht Fürth Friedrich Bickelhaupt den Charakter
als Amtsgerichtsrat erteilt.
— Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Dammeiſter Konrad Sack
zu Worms auf ſein Nachſuchen unter Anerkennung ſeiner
langjährigen treuen Dienſte in den Ruheſtand verſetzt und
ihm aus dieſem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen, ferner
dem Steueraufſeher Wilhelm Adelberger zu
Wöll=
ſtein aus Anlaß ſeiner Verſetzung in den Ruheſtand das
Silberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des
Groß=
mütigen verliehen.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Steuer=
aufſeher Wilhelm Adelberger zu Wöllſtein auf ſein
Nachſuchen, unter Anerkennung ſeiner langjährigen treu
geleiſteten Dienſte.
*X* Die Zweite Kammer iſt vom Präſidenten ſoeben
zu einer Sommertagung auf Mittwoch, den 2 2. Juni,
vormittags 10 Uhr, einberufen worden. Auf der
Tagesordnung ſteht zunächſt eine Reihe von Vorſtellungen,
darunter die der Mitglieder der Großh. Hofmuſik, ihre
Ge=
haltsverhältniſſe betr., und die der Bürgermeiſterei
Arheil=
gen, die Uebernahme ſämtlicher Volksſchullaſten auf den
Staat betr., und die des Dr. Weißmann=Lindenfels, den
Bau einer Nebenbahn Bensheim=Lindenfels betr. Unter
den zur Beratung angeſetzten Regierungsvorlagen
befin=
det ſich auch der Geſetzentwurf betr. das
Gemeinde=
umlagengeſetz.
— Der Provinzialausſchuß der Provinz
Starken=
burg hält ſeine nächſte Sitzung am Samstag, den
18. Juni, vormittags 9½ Uhr mit folgender
Tages=
ordnung ab: 1. Klage des Ortsarmenverbands
Darm=
ſtadt gegen den Ortsarmenverband Weiterſtadt wegen
Erſatzes aufgewendeter Verpflegungskoſten für Heinrich
Hannewald zu Wilmshauſen. 2. Klage des
Ortsarmen=
verbands Mainz gegen den Ortsarmenverband
Bens=
heim wegen Zahlung von Unterſtützungs= und Pflege=
Eros.
von J. Lößer.
Selbſt den kleinſten Himmelswelten
Soll des Forſchers Arbeit gelten,
Da Erſtaunliches ſie zeigen,
Großes auch in ihren Reichen.
Eros, der griechiſche Gott der Liebe, der zwiſchen
dem Olymp und der Erde verkehrte und daher Flügel
trug, deſſen Attribute Bogen, Pfeile und eine
bren=
nende Fackel waren, iſt im Altertum in vielen Statuen,
in beſten Kunſtwerken verewigt worden.
Merkwür=
digerweiſe beſitzt derſelbe nun auch ſeit etwas mehr
als 11 Jahren ein Denkmal am Himmel in Geſtalt
eines außerordentlich kleinen Planeten, in Kugelform
gedacht mit einem Durchmeſſer von vielleicht nur 30
Kilometer, von ſeinem Entdecker Guſtav Witt,
Aſtro=
nom der Sternwarte der Berliner Urania, Eros
ge=
nannt. In der Nacht vom 13. auf 14. Auguſt 1898 fand
der genannte Forſcher auf der photographiſchen Platte
eines nach dem Sternbilde Aquarius (Waſſermann),
in welchem ſich die Sonne in der Zeit vom 19. Februar
bis 21. März bewegt, gerichteten Fernrohres in der
Nähe des Sternes 8 (Beta) das in Rede ſtehende
Welt=
körperchen in Form eines kleinen, nur etwa ½
Milli=
meter langen Strichchens unter den als Punkte oder
Kreischen erhaltenen Abbildungen der Fixſterne. Durch
die Strichform gab es ſich als „Wandelſtern” zu
er=
kennen; ſie zeigte, daß ſich das Sternchen von nur
10,5 Helligkeitsgröße, alſo mit unbewaffnetem Auge
nicht ſichtbar, während der Expoſitionsdauer des
Appa=
rates unter den anderen Sternen, den Fixſternen,
fort=
bewegt hatte. Die fortgeſetzten Beobachtungen ergaben
denn auch, daß dasſelbe der Familie der Planeten
an=
gehört, alſo wie dieſe um die Sonne kreiſt.
Die außerordentliche Kleinheit dieſes Planeten
wäre aber nach den ſeit dem Jahre 1801 erfolgten
Ent=
deckungen von etwa 700 ſolcher kleinen Planeten,
Planetoiden oder Aſteroiden genannt, nichts beſonderes.
Der größte derſelben, Ceres, hat 770 Kilometer
Durch=
meſſer, der kleinſte davon, im Jahre 1900 auf der Lick=
Sternwarte (Mount Hamilton ſin Kalifornien)
ent=
deckt, gar nur 500 Meter Durchmeſſer. Dieſe, wie die
übrigen Planeten um die Sonne wandernden
Welt=
körperchen bewegen ſich aber zwiſchen den Bahnen des
Mars und Jupiter — im Mittel iſt die erſtere 227
Millionen Kilometer, die letztere 772 Millionen
Kilo=
meter von der Sonne entfernt — ſo daß in dem
hier=
nach 545 Millionen Kilometer breiten Zwiſchenraum
der Hauptſchwarm der Planetoiden etwa eine Breite
von 300 Millionen Kilometer einnimmt. Hierzu muß
aber bemerkt werden, daß die Bahnen von Mars,
Aſteroiden (Planetoiden) und Jupiter nicht in
der=
ſelben Ebene liegen, indem
von 1*19' mit der Bahn der Erde um die Sonne bildet,
während die Bahnen der Planetoiden bis zu 48‟
Neig=
ung zu der letzteren haben.
Nun aber zeigte ſich Eros, abweichend von der
be=
kannten Ordnung. Er tritt aus dem Syſtem der
zwiſchen den genannten beiden Planeten ſich
bewegen=
den Himmelskörperchen heraus, da er ſeinen Lauf zum
größeren Teil innerhalb der Marsbahn, zum kleineren
Teil jenſeits derſelben zurücklegt. Die Bahn des Eros
ſchließt auf dieſe Weiſe die Erdbahn zwar auch ein,
aber ſie nähert ſich letzterer auffallend diesſeits der
Marsbahn, um ſich jenſeits derſelben um ſo weiter von
der Erdbahn zu entfernen. So kann Eros der Erde
auf etwa 21 Millionen Kilometer nahe kommen, d. h.
näher als irgend ein anderer Himmelskörper,
ausge=
nommen der Mond, der im Mittel 384360 Kilometer
von der Erde entfernt iſt.
Die Planetoiden erhielten nach der Zeitfolge ihrer
Entdeckung, die ſeit etwa 20 Jahren vorzugsweiſe von
den Aſtronomen Charlois in Nizza und Max Wolf von
der Sternwarte Königſtuhl bei Heidelberg, insbeſondere
durch des letzteren, neuerdings durch Metcalf
ver=
beſſerte photographiſche Methode gefördert wurde,
lau=
fende Nummern. Ceres, der zuerſt entdeckte
Pla=
netoid (am 1. Januar 1801 von Giuſeppe Piazzi in
Palermo), benannt nach dem Getreidereichtum der
Inſel Sizilien, erhielt die Nummer 1; Eros hat nach
Maßgabe ſeiner Stellung in der Folge der
Entdeck=
ungen die Nr. 433. Die meiſten dieſer kleinen
Him=
melskörper haben wie Ceres und Eros auch beſondere
Namen erhalten; da gibt es eine Pallas (Nr. 2), eine
Veſta, der hellſte unter den Planetoiden (Nr. 4), in
günſtiger Stellung mit freiem Auge ſichtbar, entdeckt
am 29. März 1807 von Heinrich Olbers in Bremen,
eine Fortuna (19), Urania (30), Pandora (55), Julia
(89), Hekuba (108), Hertha (135), Bertha (154), Maria
(170), Elſa (182), Agathe (228), Sapientia (275), Olga
(304), Heidelberga (325), Eleonora (354), Berolina (422)
uſw., wie man ſieht, lauter weibliche Namen. Dem
Planetoiden 433 hat aber der Entdecker zur
Kennzeich=
nung ſeiner ſchon hervorgehobenen beſonderen Stellung
den männlichen Namen Eros gegeben.
Derſelbe bewegt ſich in 645 Tagen — 1,76
Erden=
jahren (Mars in rund 687 Tagen, alſo mit einer um
42 Tagen längeren Umlaufszeit) um die Sonne in
elliptiſcher, von der Kreisform nicht allzuſehr
ab=
weichender Bahn, in deren einem Brennpunkt die
Sonne ſteht. Der große Halbmeſſer dieſer Ellipſe mißt
218 Millionen Kilometer, ihr kleiner Halbmeſſer
212 Millionen Kilometer. Die Entfernung jedes
Brennpunktes vom Mittelpunkt der Bahn beträgt 49
Millionen Kilometer, vom nächſten Ende (Scheitel) der
Ellipſe alſo 218 —49 — 169 Millionen Kilometer; dies
iſt alſo auch die kürzeſte Entfernung des Eros von der
Sonne, deſſen Perihel, während ſein Aphel, ſein
weite=
ſter Abſtand von der Sonne, ſich auf 218 — 49 — 267
Millionen Kilometer ſtellt. Als Vergleichsmaß möge
angegeben werden, daß die mittlere Entfernung der
Erde von der Sonne 149,5 Millionen Kilometer be=
trägt. Während der ganzen Umlaufszeit (645 Tage)
legt Eros am Himmel 360” zurück; ſeine mittlere täg=
3600
liche Bewegung wird alſo durch —
33'29‟ aus=
645
gedrückt. Die Ebene der Erosbahn ſcheidet die Ebene
der Erdbahn unter einem Neigungswinkel von 1050‟,
während, wie ſchon angegeben, die Neigung der Mars=
koſten. 3. Klage des Landarmenverbands Kaſſel gegen
den Ortsarmenverband Offenbach wegen Erſatzes von
Verpflegungskoſten und Uebernahme des Simplicius
Leiſt von Wehrde. 4. Entziehung der dem Friedrich
Trax zu Offenbach erteilten Wirtſchaftskonzeſſion.
— Zum Veteranen=Appell wäre es wünſchenswert,
daß ſich auch diejenigen Damen und Herren melden
würden, welche 1866 und 1870/71 in der freiwilligen
Kranken= und Verwundetenpflege, ſei es
im Felde oder in der Heimat, tätig geweſen ſind. Es
iſt, ſo viel wir hören, beabſichtigt, ihnen bei dem
Feſt=
akt auf dem Marienplatz einen beſonderen Platz
anzu=
weiſen. Man nimmt an, daß die Damen und Herren,
welche vor 40 Jahren ſo bereitwillig Samariterdienſte
geleiſtet haben, auch heute ein Intereſſe haben,
das Wiederſehen jener wackeren Männer, die ſie zum
Teil unter ihrer Pflege gehabt haben, mitzufeiern.
An=
meldungen ſind an den Vorſitzenden des
Arbeitsans=
ſchuſſes, Herrn Hauptmann a. D. Waldecker, Darmſtadt,
Heinrichſtraße 62, zu richten.
— Verein für Verbreitung von Volksbildung. In
der ordentlichen Hauptverſammlung, die durch den
Vorſitzenden, Herrn Reallehrer Lerch, mit einer
Be=
grüßung der Erſchienenen eröffnet wurde, widmete
dieſer zuerſt den dem Verein im verfloſſenen
Geſchäfts=
jahr durch den Tod entriſſenen Herren Geh.
Medizinal=
rat Dr. Draudt, Oberbürgermeiſter Morneweg, Stadty.
Dr. Merck, Rentner Neu und Dr. Röder einen
herz=
lichen Nachruf. Er erſtattete ſodann für den
perhin=
derten Schriftführer Herrn Wenzel deſſen
Jahresbe=
richt. Hiernach ſuchte der Verein mit den ihm zur
Verfügung ſtehenden Mitteln ſeine Aufgabe zu
löſen, durch geeignete Belehrung die Erwerbsfähigkeit
zu ſteigern und die geiſtige und ſittliche Hebung des
Volks zu fördern, wozu Vorträge,
Volksunterhaltungs=
abende, Führungen, Unterrichtskurſe, die
Volksbiblio=
thek in Beſſungen und die Jugendſchriftenausſtellung
dienten. Die Zahl der Vorträge aus den
verſchieden=
ſten Wiſſensgebieten belief ſich auf 18. Als
Volksunter=
haltungsabend diente eine Schumann=Gedächtnisfeier.
Muſeumsführungen verdankte man den Herren Prof.
Dr. Back und Prof. Dr. Liſt, insgeſamt vier, durch die
kunſtgewerblichen und zoologiſchen Sammlungen,
während eine Pilzexkurſion durch Herrn Prof. Völſina
geleitet wurde. Auch die Unterrichtskurſe von Frl.
Friedmann hatten einen guten Erfolg. Die Beſſunger
Bücherhalle hat einen Verluſt erlitten; Frl. Möſer,
welche ihre Verwaltung drei Jahre lang gewiſſenhaft
und unermüdlich beſorgte, mußte auf dieſe Tätigkeit
aus Geſundheitsrückſichten verzichten und verdient
warme Anerkennung. Die Benutzung der Bücherhalle
iſt mit einer Ausleihezahl von 18000 Bänden um
27 Prozent geſtiegen. Dem Verein wurden ſeitens des
Richard Wagner=Vereins und des Kaiſerpanoramas
die früheren Vergünſtigungen gewährt und er konnte
durch das Entgegenkommen der Hoftheaterdirektion
insgeſamt 1100 Eintrittskarten an die angeſchloſſenen
Vereine abgeben. Im Kampf gegen die
Schundlitera=
tur beteilgte ſich der Verein lebhaft und wirkte in dem
ſtändigen Jugendſchriftenausſchuß eifrig mit. Der
Mitgliederſtand des Vereins iſt von 572 auf 607
ge=
ſtiegen, und es darf eine weitere günſtige Entwicklung
erwartet werden. Die durch Herrn Wandel aufgeſtellte
Vereinsrechnung hat keine Beanſtandung ergeben, und
es wurde ihm Entlaſtung erteilt, worauf der von ihm
referierte Voranſchlag für das neue Geſchäftsjahr
An=
nahme fand. Das eingehend beſprochene
Arbeitspro=
gramm für den kommenden Winter iſt ein reichhaltiges
und wird bei ſeiner ſpäteren genauen Bekanntgabe
gewiß allgemeinen Anklang finden. Bei der
Erſatz=
wahl des Vorſtandes wurden die ausgeſchiedenen
Herren Rechtsanwalt Dr. Bender, Prof. Dr. Gaul,
Finanzaſpirant Wandel und K. Wenzel wieder= und
bahn zu letzterer nur 1'51’ mißt. Eros kommt alſo in
ſeinem Umlauf um die Sonne rund 9' nördlicher und
ſüdlicher als Mars. Rechnet man vom Frühlingspunkt
aus, nämlich dem Himmelspunkt, in dem die Sonne
zu Frühlingsanfang ſteht, auf dem ſcheinbaren
Jahres=
lauf derſelben (Ekliptik=Kreis) einen Bogen von 123½32)
(der ganze Kreis eingeteilt gedacht in 360 à 60') in der
Richtung von Weſt nach Oſt, ſo zeigt der betreffende
Punkt an, wo Eros unter die Ekliptikebene tritt,
die=
ſelbe alſo von Nord gegen Süd durchſchneidet; 1802
weiter, alſo unter 303‟ 32’ tritt er wieder überdie
Ekliptik. Mars dagegen geht unter die Ekliptikehene
bei 228'47, über dieſelbe bei 48'47 öſtlich vom
Früh=
lingspunkt. Für Jupiter ſind die entſprechenden
Bogen 27927 und 99' 27)
In größter Erdnähe (Entfernung 21 Kilometer),
welche nach Maßgabe der Bahnen und
Bahngeſchwin=
digkeiten von Eros und Erde anfangs 1894, ſowie am
3. Februar 1901 ſtattfand und ſich im Januar 1924, dann
1931 wiederholen wird, hat Eros etwa die Helligkeit
eines Sternes 6. Größe, kann alſo mit gutem Auge
ohne optiſche Beihlife geſehen werden. Die Helligkeit
desſelben hängt aber auch davon ab, ob ſeine der Erde
zugewendete Seite voll oder nur zum Teil von der
Sonne beleuchtet wird, alſo von ſeiner
Phaſenänder=
ung, ähnlich wie beim Monde. Außerdem hat man,
namentlich wenn Eros Vollicht hat, gefunden, daß
in=
nerhalb einer Periode von 5¼ Stunden das Licht
des=
ſelben eine größte und geringſte Helligkeit zeigt und
daraus gefolgert, daß
1. dieſes Weltkörperchen ſich in der angegebenen Zeit
um eine Achſe dreht,
2. ſeine Geſtalt keine Kugel iſt, ſondern einem
unregelmäßigen Körper gleicht, deſſen größte und
kleinſte Fläche in je 5¼ Stunden der Erde gegenüber
tritt und daher im erſten Falle mehr, im zweiten
weniger Licht von der Sonne empfängt und
zurück=
ſtrahlt.
Eros erſcheint wegen ſeiner geringen Größe auch
in den beſten Fernrohren als Punkt; ſeine ungefähre
räumliche Ausdehnung, wie ſie eingangs dieſes
ange=
geben, hat man aus ſeiner Lichtſtärke und ſeinem
ver=
hältnismäßig geringen und daher ſehr genau
feſtge=
ſtellten Abſtand von der Erde hergeleitet.
Aber Eros nimmt nun doch nicht mehr allein eine
Sonderſtellung gegenüber den zwiſchen Mars= und
Jupiterbahn ſich bewegenden Planetoiden ein. St
wurde am 22. Februar 1906 der Planetoid Achilles
(Nr. 588) entdeckt, der diesſeits und jenſeits der
Jupiterbahn läuft, und der am 10. Februar 1907
auf=
gefundene „Hektor” kreiſt nur außerhalb der letzteren
Welche Kontraſte in den genannten Planeter
walten! Alle Planetoiden, von denen etwa 700
feſtge=
ſtellt ſind, machen nur etwa den 1000. Teil der Maſſe
der Erde aus, die Erde iſt annähernd 6,7mal ſo groß als
Mars, aber der Raum des Rieſenplaneten Jupiter, der
im laufenden Monat im Sternbild der Jungfrau an
weſtlichen Abendhimmel ſo freundlich=ruhig ſtrahlt, ir
deſſen „Nähe” kosmiſch genommen, die vielen
Planeten=
zwerge wandern, umfaßt die große Erde 1330 mal=
die
reffer
nehmer a
der dortigen
kommen ge
zlieder ert
nach 9 Uhr e
Ortsgruppe
zu de
farre
Min
halten wert
ſind herzlich
Unzeige.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910
Seite 3.
Herr Beigeordneter Mueller neugewählt. In ſeiner
Tätigkeit wurde dem Verein wiederum dankenswerte
Unterſtützung von Behörden, Privaten und nicht zum
wenigſten ſeitens der Preſſe zuteil, auch iſt u. a. eine
hochherzige Geldſpende von Frau Rentner Nebeling zu
verzeichnen. Nach Beſprechung weiterer
Vereinsange=
legenheiten zollte zum Schluß des Abends Herr
Oberſt=
leutnant Gad namens der Verſammlung dem
Vor=
ſitzenden, Herrn Lerch, warmen Dank für die
erſprieß=
liche Leitung der Vereinsarbeiten.
— Die Ortsgruppe Darmſtadt des
Odenwald=
klubs unternahm am Sonntag eine Wanderung nach
Bensheim, dem Felsberg und Auerbach. Die Abfahrt
mit dem Zuge nach Bensheim erfolgte bereits kurz nach
6 Uhr. Auf der Tour wurden u. a. berührt: das Schloß
Schönberg, die Auerbacher Hütte, die Kaiſerbuche, das
Stettbachertal und das Balkhäuſertal, ſowie das
Auerbacher Schloß. Die Wanderung ging bei
außerordentlich günſtigem Wetter vor ſich, es waren
etwa 100 Mitglieder der hieſigen Ortsgruppe die
dem Lockruf gefolgt waren; Führer waren die Herren
Böcher und Kreiter. Eine beſondere Bedeutung
hatte die Wanderung diesmal durch das
Zu=
ſammentreffen mit den Mitgliedern der Mannheimer
Ortsgruppe des Odenwaldklubs; es mochten 200 bis
300 Mannheimer und Mannheimerinnen geweſen ſein.
Bei der gemeinſamen Raſt in Auerbach wurden die
Teilnehmer an der Wanderung durch den Vorſitzenden
der dortigen Ortsgruppe Herrn Leonhardt herzlich
will=
kommen geheißen. Darmſtädter und Mannheimer
Mit=
glieder erwiderten auf die Begrüßungsanſprache. — Kurz
nach 9 Uhr abends trafen die Mitglieder der hieſigen
Ortsgruppe wieder in Darmſtadt ein.
— Zu der evangeliſchen Volksverſammlung, die
am nächſten Donnerstag zu der Borromäus=Enzyklika
Stellung nehmen wird, erfahren wir, daß Pfarrer D.
Waitz über die Reformation in römiſcher Beleuchtung
und im Lichte der Geſchichte, Profeſſor Dr. Berger
über die Reformation in ihrer kulturellen Bedeutung
und Pfarrer Velte über die Reformation nach ihrer
religiös=ſittlichen Bedeutung ſprechen werden. Keine
An=
ſprache ſoll die Dauer von 20 Minuten überſchreiten.
Ein kurzes Schlußwort wird von Profeſſor Knoll
ge=
halten werden. Alle evangeliſchen Frauen und Männer
ſind herzlich eingeladen. Der Eintritt iſt frei. (S. auch
Anzeige.)
— Sportfeſt am 26. Inni. Man ſchreibt uns: Das
vom Veloziped=Klub Darmſtadt am 26. Juni a. c.
veranſtaltete große Sportfeſt aus Anlaß der 25
Kilo=
meter=Meiſterſchaft von Deutſchland verſpricht ein
ſportliches Ereignis allererſten Ranges zu werden, wie
wir es wohl in Darmſtadt noch nicht zu beobachten
Ge=
legenheit hatten. Zu dem ſtattfindenden großen
Preis=
korſo haben nicht weniger als 25 der beſten Vereine
des Deutſchen Radfahrer=Bundes gemeldet, die um die
wertvollen Preiſe des Großherzogs, des Deutſchen
Rad=
fahrer=Bundes, des Gaues 9 des Deutſchen Radfahrer=
Bundes uſw. in Wettbewerb treten. Es dürfte mit
dieſem Korſo ein von dem Darmſtädter Publikum noch
ſelten geſehenes ſportliches Schauſpiel geboten werden.
Die Meldungen zu den großen Rad= und Motorrennen
auf der hieſigen Radrennbahn übertreffen alles bisher
Dageweſene, denn es ſind nicht weniger als insgeſamt
über 100 Meldungen abgegeben worden und zwar von
den beſten Herrenfahrern, die Deutſchland zurzeit
auf=
weiſt. Wir nennen nur Neumer=Dresden, den
zweiten in der letzten Weltmeiſterſchaft; Rode=
Ham=
burg, den mehrfachen Meiſterfahrer; Dreſcher=
Mainz, den Europameiſter; Herzog=Leipzig, den
zweiten der 100 Kilometer=Weltmeiſterſchaft 1907;
Herty=Klein=Steinheim, den Altmeiſter; Götze=
Berlin, Martens=Aachen und viele andere. Infolge
der enormen Meldungen wird es nötig ſein, die
Vor=
läufe bereits am Vormittag des 26. Juni a. c. zum
Austrag zu bringen, ſodaß die Beſten der Beſten am
Nachmittag um die Siegespalme fahren werden. Die
Meiſterſchaft von Deutſchland über 25 Kilometer
ver=
einigt ein Feld von ca. 30 Fahrern, und da dieſes
Ren=
nen mit Führungspreiſen gefahren wird, bringt jede
Runde aufregende Kämpfe. Großes Intereſſe
bean=
ſprucht auch das Mehrſitzerfahren, das eine große
An=
zahl der beſten Zwei= und Dreiſitzermannſchaften an
den Start bringt. Ein Dreiſitzer wird von der alten
vorzüglichen Rennmannſchaft Herty-Gräf-Link
be=
ſetzt ſein, die ſicher ihre Sieges=Chancen aufs ſchärfſte
verteidigen wird. Auch das
Vierervereinsmannſchafts=
fahren garantiert heiße Kämpfe, die ſich die beſten
Mannſchaften aus Berlin, Dresden, Leipzig, Erfurt,
Frankfurt a. M. uſw. liefern werden. Jedenfalls bringt
der Veloziped=Klub Darmſtadt mit ſeiner
Veranſtalt=
ung etwas außerordentlich Großes, ſodaß ihm für ſeine
Mühe und Arbeit ein gutes Gelingen wohl zu
gön=
nen iſt.
D Inſtruktionskurſe in
Verſicherungsangelegen=
heiten. Die 30. Inſtruktionsſtunde findet Sonntag, den
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Hitze und Kleiderfarbe. Man ſchreibt
der Tägl. Rundſchau zu dieſem kürzlich behandelten
Thema: Anläßlich des Artikels über „Hitze und
Klei=
derfarbe” dürfte es intereſſieren, zwecks Auswahl
küh=
ler ſommerlicher Kleidung die Sonnenbeſtrahlung und
Wärmeeinheiten verſchiedener Farben kennen zu
ler=
nen. Wie ſchon erwähnt, iſt tatſächlich die weiße
Kleiderfarbe in dieſer Tropenhitze das richtigſte. Nicht
nur allein, daß Weiß nur 100 Wärmeeinheiten
aufnimmt, ſondern es kommt noch ein zweiter
wich=
tiger Grund hinzu, die weiße Farbe als Haupthitzfarbe
anzuerkennen. Durch die Empfindlichkeit der weißen
Farbe ſind wir zum öfteren Waſchen und Reinigen des
Stoffes gezwungen. Es kann alſo niemals durch
ſtarke Schweißabſonderung und Ausdünſtung zu einer
Porenverſtopfung des Gewebes kommen, ſondern es
findet durch die häufige Wäſche ſtets eine gründliche
Durchlüftung ſtatt, und der Luftzutritt, ſowie die
Be=
ſtrahlung und Verdunſtung bleiben ſtets dieſelben.
Hin=
gegen ſaugt Schwarz ſogar 208 Wärmeeinheiten auf.
Wer alſo aus irgend einem Grunde jetzt gezwungen
iſt, Schwarz zu tragen, iſt ſomit doppelt ſo warm
an=
gezogen, wie die in Weiß Gekleideten. Von weiteren
Farben nehmen zunächſt Hellgelb auch nur 102,
Dunkelgelb 140 Wärmeeinheiten auf, während
Hellgrün ſchon 152 und Dunkelgrün ſchon 161
aufnimmt. Dann kommen Rot mit 168, Hellbraun
mit 198 und, wie ſchon erwähnt, Schwarz mit 208
Wärmeeinheiten. Aber ganz abgeſehen von dieſen
Farbenwirkungen iſt unſere Hochſommerkleidung
durch=
weg als überwarm zu bezeichnen; ſie iſt in erſter Linie
zu undurchlüftbar und in zweiter zu enganliegend.
Aber leider wird der Zuſchnitt der Kleider nur von
der Mode und nicht von der Hygiene regiert.
CK. 10 400 Mark für eine Handſchrift.
Aus=London wird berichtet: Bei Sotheby kam bei der
19. Juni in Bingen a. Rh. im Hotel „Zum Engliſchen
Hof” und die 31. Inſtruktionsſtunde Sonntag, den 26.
Juni zu Auerbach a. B. im Saale des Herrn
Bürger=
meiſters Weigold, „Gaſthaus zur Bergſtraße” ſtatt. Es
werden beſprochen: 1. Die Reichsverſicherungsordnung;
2. Praktiſche Verwaltungsfragen.
— Die Ausſtellung des Vereins für Aquarien= und
Terrarienkunde „Hottonia‟. Die Anmeldungen für die
Ausſtellung ſind jetzt alle eingegangen. Der zurzeit
im Druck befindliche, mit hübſchen Illuſtrationen
ver=
ſehene Katalog weiſt die ſtattliche Zahl von 317
Nummern auf. Die diesjährige Ausſtellung wird alle
früheren an Größe und Vielſeitigkeit weit übertreffen.
Von Fiſchen werden ungefähr 100 Arten, von Reptilien
und Amphibien etwa 50 Arten vertreten ſein, auch die
niedere Waſſerfauna wird in vielen Arten ausgeſtellt
werden. Großen Beifall hat die zum erſten Male
be=
ſchloſſene Schülerausſtellung gefunden, da von Schülern
37 Aquarien und Terrarien ausgeſtellt werden, welche
zuſammen eine beſondere Abteilung bilden. Es iſt
mit Freude zu begrüßen, daß die hieſige Jugend ſo
großes Intereſſe für dieſe ſchöne Liebhaberei zeigt, und
berechtigt zu der Hoffnung, daß mancher von den
jugendlichen Ausſtellern, auch in ſpäteren Jahren,
dieſer Liebhaberei treu bleiben wird. Wie in früheren
Jahren, ſo wird ſich auch wieder die Firma Henkel in
hervorragendem Maße durch Ausſtellung von Fiſchen,
Waſſer= und Sumpfpflanzen, Gartenmöbeln uſw.
be=
teiligen. Die Firma Welke in Dortmund wird u. a.
Seltenheiten den biologiſch eigenartigen
Schmetter=
lingsfiſch (Pantodon Buchholzii) ſowie ein
Sumpf=
krokodil ausſtellen. Um die Unterſchiede zwiſchen der
giftigen Kreuzotter (Pelias beras) und der ungiftigen
Ringel= und glatten Natter zu veranſchaulichen, hat
die Ausſtellungsleitung beſchloſſen, dieſe Schlange
lebend in einem beſonders geſicherten Behälter
auszu=
ſtellen. Dank dem Entgegenkommen der
Schulbehör=
den werden alle Schulen klaſſenweiſe die Ausſtellung
unter Führung der Lehrer beſuchen. Es iſt zu hoffen,
daß die Ausſtellung, welche von der Ausſtellungsleitung
mit vieler Arbeit, Mühe und großen Koſten vorbereitet
wurde und des Intereſſanten und Belehrenden ſo viel
bieten wird, nicht nur bei der Schuljugend, ſondern auch
bei allen Kreiſen unſerer Stadt Beifall und reichlichen
Beſuch finden wird.
Schützenhof. Heute wie auch kommenden Freitag
konzertiert die Kapelle des Leibgarde=Regiments im
Schützenhof. Die Kapelle des Artillerie=Regiments Nr. 61
iſt zu einer Uebung abweſend, infolgedeſſen werden die
Don=
nerstagskonzerte auf den Freitag verlegt, und von der
Kapelle des Leibgarde=Regiments unter Herrn Hauskes
Leitung durchgeführt. An den Dienstag=Abenden wird
nur Streichmuſik und an den Freitag=Abenden
Militär=
muſik zum Vortrag gebracht. Heute abend iſt
Illumina=
tion des Gartens.
§ Zuſammenſtoß. Am Sonntag abend 10 Uhr iſt
in der Nähe der Halteſtelle Ludwigshöhe ein Automobil
mit der Dampfſtraßenbahn zuſammengeſtoßen. Das
Automobil wurde ſtark beſchädigt. Die Inſaſſen des
Automobils erlitten keine Verletzungen.
§ Feſtgenommen. Ein 24 Jahre altes Dienſtmädchen
aus Oberems iſt am Sonntag wegen Betrugs hier
feſt=
genommen worden.
gs- Schlägerei. Geſtern nachmittag gerieten zwei
Schweizer auf dem Karlshofe in Streit, in deſſen
Ver=
lauf der eine ſeinem Gegner mit einer Miſtgabel
ſchwere Stichwunden am Kopfe beibrachte. Nach
Anlegung eines Notverbandes durch die
Rettungs=
wache wurde der Verletzte mittels Krankenautomobils
nach dem ſtädtiſchen Krankenhauſe verbracht. Der
Täter wurde in Polizeigewahrſam genommen.
ks. Arheilgen, 13. Juni. Der Geſangverein „
Froh=
ſinn” errang bei dem am 12. d. M. zu Ober=Ramſtadt
abgehaltenen Geſangs=Wettſtreit des Geſangvereins
„Germania” unter Leitung ſeines Dirigenten Herrn
Kammermuſiker Sturmfels in der Stadtklaſſe den
zweiten Preis mit 236 Punkten und den Ehrenpreis
mit 117 Punkten.
— Ober=Ramſtadt, 13. Juni. Der Geſangverein
Olympia=Darmſtadt unter Leitung des Herrn
W. Trümpelmann beteiligte ſich an dem
Geſangswett=
ſtreit in Ober=Ramſtadt und errang den zweiten
Klaſſenpreis mit gleicher Punktzahl zum erſten Preis
ſowie den Klaſſen=Ehrenpreis.
Groß=Gerau, 13. Juni. Zahlreiche
Fiſchereibe=
rechtigte des Schwarzbaches in Trebur, Aſtheim und
Ginsheim haben ſich beſchwerdeführend an die Großh.
Oberförſterei gewandt wegen des plötzlichen
Abſter=
bens der Fiſche in dem Schwarzbach, welches durch
induſtrielle Abwäſſer verurſacht worden ſein ſoll. Eine
Unterſuchung iſt eingeleitet.
Mainz, 11. Juni. Zum Reiterfeſt des 6.
Dragonerregiments werden der
Großher=
zog, die Großherzogin, die Landgräfin von Heſ
Verſteigerung der Sammlung Philipp auch der
Origi=
nalvertrag zum Verkauf, den die Genueſer und ihre
Verbündeten im Jahre 1381 mit den Venetianern
ge=
ſchloſſen hatten. Das alte hiſtoriſche Dokument iſt auf
15 Blatt Pergament geſchrieben. Um die Handſchrift
entſpann ſich ein heißer Kampf, bis ſie endlich für 10 400
Mark zugeſchlagen wurde. Bei Chriſtie wurde die
Sammlung Walther verkauft, die insgeſamt über eine
Million einbrachte. Beſonderes Intereſſe erregte ein
rundes Gefäß (Famille Roſe) aus der Kien=Lung=
Dy=
naſtie. Das 23 Zoll hohe Gefäß fand einen Käufer, der
15600 Mark dafür anlegte.
* Frankfurter Theater=Spie lp l a n.
1. Opernhaus: Dienstag, den 14. Juni: Undine.
Mittwoch, 15.: Der Freiſchütz. Donnerstag, 16.: Der
Barbier von Sevilla. Freitag, 17.: Die geſchiedene
Frau. Samstag, 18.: Die Walküre. Sonntag, 19.: Der
Graf von Luxemburg. Montag, 20. Cavalleria ruſticana,
Der Bajazzo. Dienstag, 21.: Das Glück, Die
Regi=
mentstochter. — 2. Schauſpielhaus: Dienstag,
den 14. Juni: Die Räuber. Mittwoch, 15.: Brand.
Donnerstag, 16.: Das Konzert. Freitag, 17.: Ein
Som=
mernachtstraum. Samstag, 18.: Buridans Eſel.
Sonn=
tag, 19.: Fauſt, erſter Teil. Montag, 20.: Der Raub der
Sabinerinnen. Dienstag, 21.: Moral.
Kleines Feuilleton.
** Die Geſchichte eines
journaliſti=
ſchen Erfolges. In ſeinem anmutigen Landhaus
Hollorday in North=Devon iſt im Alter von 50 Jahren
der bekannte engliſche Zeitungsverleger Sir George
Newnes entſchlafen. Er, der als Gründer und Beſitzer
der in England ſo populären Wochenſchrift Tit=Bits,
als der Verleger der Strand Magazine und als
Grün=
der und Verleger der Weſtminſter Gazette zu den
an=
geſehenſten Zeitungsunternehmern Großbritanniens
zählte, bietet in ſeiner glänzenden Laufbahn einen
ſen, Prinz und Prinzeſſin Friedrich Karl von Heſſen,
das Prinzenpaar von Schleswig=Holſtein, Prinzeſſin
Iſenburg, der Landgraf von Heſſen, Prinz Weimar uſw.
erwartet. Für die erſte Aufführung ſind faſt alle
nume=
rierten Plätze genommen.
Mainz, 13. Juni. Der verheiratete Schloſſer Aug.
Möſſer Frauenlobſtraße Nr. 75, arbeitete in der
Nacht auf Sonntag in der Schöfferhofbrauerei bis
mor=
gens 3 Uhr, ging dann mit einem Kollegen heim, wobei
ſie einen Spaziergang durch die Rheinpromenade
mach=
ten. Am Schloßtor entfernte ſich der andere, während
ſich Möſſer auf eine Bank ſetzte. Er ſchlief dort ein
und wachte dann darüber auf, als ihm ein Schiffer das
Portemonnaie aus der Taſche ſtahl. Im
gleichen Augenblick, wo ſich der Schiffer entdeckt ſah,
ſchlug er Möſſer durch einen furchtbaren Fauſtſchlag
nie=
der und verſetzte ihm zwei Meſſerſtiche. Möſſer
ſchleppte ſich nach der Kaiſerſtraße. Dort, am
Haus Nr. 65, brach er, durch den Blutverluſt
geſchwächt, ohnmächtig zuſammen. Auf der
Po=
lizeiwache, wohin man ihn gebracht hatte, ſtellte ein
Arzt feſt, daß ein Stich in die Bruſt und Lunge, ein
zweiter in das Schulterblatt gegangen iſt. Nach
Anleg=
ung eines Notverbandes fuhr man den lebensgefährlich
Verletzten ins Rochusſpital. Die Blutſpur führte von
der Kaiſerſtraße, wo man Möſſer fand, bis zum
Schloß=
tor, wo er geſtochen worden iſt. Dort fand man geſtern
früh die Klinge des Küchenmeſſers, mit dem die Tat
ver=
übt worden iſt. Durch die Heftigkeit des Stoßes iſt die
Klinge abgebrochen. Ein Polizeihund, der die Spur des
Täters verfolgen ſollte, hat vollſtändig verſagt. (Tgbl.
Worms, 13. Juni. Dem Schutzmann
Pfanne=
becker wurde vorgeſtern gegen Abend auf dem
Pau=
lusplatz bei Ausübung ſeines Dienſtes von dem aus
Erſtein (Elſaß) gebürtigen 17 Jahre alten Maurer Al.
Meng von hier mittels Taſchenmeſſers eine erhebliche
Stichwunde am rechten Oberſchenkel beigebracht.
Der Schutzmann, der in Zivilkleidung war, kam
ge=
rade dazu, wie Meng einem harmloſen älteren
Handels=
mann, als dieſer ruhig ſeines Weges über den
Paulus=
platz ging, ohne jede Veranlaſſung dermaßen ins Geſicht
ſchlug, daß der Mann zu Boden fiel. Der Schutzmann
hielt den Täter an; letzterer verweigerte die
Namens=
angabe und widerſetzte ſich ſchließlich, als er zwecks
Feſtſtellung ſeiner Perſonalien mitgenommen werden
ſollte. Dabei gelang es ihm, ſein Taſchenmeſſer zu
ziehen und dem Schutzmann den Stich ins Bein
beizu=
bringen. Der Stich war in der Richtung nach dem Leib
geführt, er wurde aber von dem Schutzmann mit dem
Stock von da abgewehrt.
(*) Butzbach, 12. Juni. Aus allen Teilen
Ober=
heſſens trafen heute über 1000 Feuerwehrleute ein, um
an dem Feuerwehrtag für die Provinz
Oberheſſen teilzunehmen. Geſtern abend nahm
das Feſt durch einen Kommers in der Feſthalle ſeinen
Anfang. Heute vormittag tagte im Taunushotel die
Delegiertenverſammlung unter Leitung des
Vorſitzen=
den für Oberheſſen, Vetzberger=Nidda. Kreisamtmann
Dr. Gaßner=Friedberg ſprach namens der ſtaatlichen
Behörde, Beigeordneter Flach namens der Stadt
Butz=
bach. Die Verhandlungen befaßten ſich mit
organi=
ſatoriſchen Fragen interner Art. Es wurde beſchloſſen,
an den Landesausſchuß für Heſſen eine Eingabe zu
richten, daß bei Befreiungen von den Uebungen
un=
bedingt Gleichmäßigkeit herrſchen ſolle. In den
Pro=
vinzialausſchuß für Oberheſſen wurde wiedergewählt:
Vetzberger=Nidda, Ferdinand Damm=Friedberg,
Brand=
meiſter Wiegandt=Gießen und Kommandant Herbold=
Butzbach. Das 22. oberheſſiſche Feuerwehrfeſt für 1911
erhält Ober=Rosbach. Das Landesfeuerwehrfeſt für
das Großherzogtum findet 1912 in Friedberg ſtatt.
Unter Leitung des Provinzialvorſitzenden Vetzberger
wurde auf dem Marktplatz eine Uebung der hieſigen
Wehr abgehalten.
Reich und Ausland.
Ans der Reichshauptſtadt, 12. Jnni. Anläßlich
ſeines 80. Geburtstages wurde dem Reichstags=
und Landtagsabgeordneten Albert Träger der
Kronenorden zweiter Klaſſe verliehen. Der
Geburts=
tag) wurde heute durch Glückwünſche ſeiner
Partei=
genoſſen, der Berliner Rechtsanwaltſchaft, aus
Ber=
liner literariſchen Kreiſen, insbeſondere auch der
Tagespreſſe und der geſamten Berliner Geſellſchaft,
ge=
feiert. Geh. Rat Träger empfing im Laufe des
Vor=
mittags in ſeiner Wohnung fortdauernd perſönliche
Glückwünſche aus allen Kreiſen. Unter den
Gratu=
lanten befanden ſich der frühere Staatsſekretär
Dern=
burg, die Parteiführer der liberalen Partei des
Ab=
geordnetenhauſes und des Reichstags, führende
Per=
ſönlichkeiten der Berliner Stadtverwaltung, ſowie
Ver=
treter zahlreicher humanitärer Vereine, an deren
Tätigkeit der Abgeordnete Träger hervorragend
betei=
ligt iſt. Zu ſeinen Ehren fand abends im Hotel „
Kai=
ſerhof” ein Bankett zu 200 Perſonen ſtatt, bei welchem
neuen Beweis dafür, wie ein einziger glücklicher
Ge=
danke im Journalismus im Nu ungeahnte Erfolge
eintragen kann. Denn Sir George Newnes ſtammte
aus kleinen Verhältniſſen, er war der Sohn eines
Geiſtlichen und ſchon als 16jähriger Junge mußte er
ins Erwerbsleben eintreten. Er wurde damals
Lehr=
ling in einem Londoner Galanteriewarenhaus. Seiye
kaufmänniſchen Talente fielen raſch auf, mit 18
Jah=
ren wurde er bereits Abteilungschef, und drei Jahre
ſpäter begründete er die Filiale eines großen
Lon=
doner Hauſes in Mancheſter. Aber die Sorgen des
Daſeins wichen nicht, er verdiente nur 2000 Mark im
Jahre, bis er plötzlich auf den Einfall kam, eine
amü=
ſante Zeitſchrift zu gründen, die ſich an die ärmeren
Klaſſen wenden ſollte und nur kurze Notizen
ver=
öffentlichen würde.
Er ſelbſt hat erzählt, wie dieſer Gedanke ihm
zu=
flog. An einem Abend des Jahres 1880 ſaß er
fried=
lich am Kamin und las das Abendblatt der Mancheſter
Evening News. „Ich ſtieß dabei auf eine kurze,
inter=
eſſante Notiz, die mir viel Spaß machte. Zu meiner
Frau gewendet, las ich die paar Zeilen vor und ſagte:
„Siehſt Du, das iſt das, was ich ſo einen richtigen Tit=
Bit nenne, einen echten Leckerbiſſen. Dieſe Zeitung
hier iſt ſonſt ausgeſprochen langweilig. Warum ſollte
man nicht ein Blatt machen können, das nur ſolche
Tit=Bits bringt?” Zwölf Monate ſpäter hatte der
künftige Baron von England alle Vorarbeiten
er=
ledigt: am 2. Oktober 1881 erſchien in Mancheſter die
erſte Nummer der Tit=Bits. Er hatte große
Schwie=
rigkeiten überwinden müſſen. Newnes wandte ſich
zu=
erſt an ein Verlagsunternehmen und verlangte nur
10000 Mark, aber man wies ihn ab, man wies ihn
überall ab, kein einziger Verleger wollte an die Idee
auch nur 50 Mark ſetzen. Aber Newnes ließ ſich nicht
entmutigen, er ſparte, lieh ſich Geld und brachte
ſchließ=
lich genug zuſammen, um die erſte Nummer
heraus=
zubringen. Eine Schar von Zeitungsjungen hatte er
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910.
Nummer 136.
der Reichstagsabgeordnete Payer die politiſche
Tätig=
keit des Jubilars würdigte. Der Vizepräſident des
Abgeordnetenhauſes wies auf die Verdienſte Trägers
hin um die Entwicklung des Standes der
Rechtsanwalt=
ſchaft. Ludwig Fulda führte der Tiſchgeſellſchaft in mit
großem Beifall aufgenommenen Verſen die literariſche
und geſellſchaftliche Perſönlichkeit Trägers vor Augen.
Es folgte noch eine Reihe anderer, mit großem Beifall
aufgenommener Anſprachen an den Jubilar, der
ſchließ=
lich in eindrucksvoller Weiſe ſeinen Dank für die
dar=
gebrachten Aufmerkſamkeiten ausſprach. — Auf dem
Wege zur Rennbahn Hoppegarten verlor geſtern die
däniſche Gräfin Grothe ein Diadem und ein
Hals=
band im Werte von 20000 Mark. — Fünf
Per=
ſonen wurden geſtern beim Baden an verſchiedenen
Stellen vom Tode ereilt. In der Oberſpree
er=
trank ein 16jähriges Dienſtmädchen, das mit einer
Freundin an einer verbotenen Stelle badete. In
Tegel ertrank ein 24jähriger Mann, der ſich aus einer
Schwimmanſtalt in das offene Waſſer hinausgewagt
hatte. In der Havel bei Hohen=Neuendorf ertranken
zwei Mechaniker=Lehrlinge. Bei Erkner wurde ein
Schwimmer von einem Herzſchlage ereilt und ertrank.
Auch mehrere ſonſtige Unfälle ſind zu verzeichnen, doch
ſind Perſonen dabei nicht umgekommen.
Duisburg, 13. Juni. Geſtern nachmittag gerieten
in einer Wirtſchaft an der Bergſtraße drei
Italie=
ner infolge reichlichen Alkoholgenuſſes in Streit,
wobei einer ſeinen Kameraden mit einem Meſſer
ver=
letzte. Letzterer holte hierauf aus ſeiner nahegelegenen
Wohnung ein Küchenmeſſer und ermordete auf
offener Straße den Flüchtenden. Der verletzte
Mör=
der wurde verhaftet und in ein Krankenhaus geſchafft.
Gelſenkirchen, 13. Juni. Am Sonntag iſt es
gelun=
gen, die am Freitag auf der Zeche „Konſolidation”
ver=
ſchütteten beiden Bergleute zu bergen. Die
Spur einer Exploſion iſt nicht gefunden worden und
ſcheint das Unglück nicht auf eine ſolche
zurückzufüh=
ren zu ſein.
— Allenſtein, 12. Juni. Frau v. Schönebeck=
Weber hat nach Schluß der geſtrigen Verhandlungen
Allenſtein in Begleitung ihres Mannes und ihres
Schwagers verlaſſen. Ihre Abfahrt war geheim
gehal=
ten worden, ebenſo das Ziel ihrer Reiſe. Kurz vor 7
Uhr erſchien die Reiſegeſellſchaft auf dem Hauptbahnhof
in Allenſtein, und zwar auf dem Bahnſteige der
Inſter=
burger Strecke. Sie fuhren über Ortelsburg nach
Rud=
zanny, das am ſüdlichen Zipfel des Spirdingſees liegt.
Die Familie Weber wird dort bis Montag abend
ver=
weilen. Bei der unmittelbaren Nähe der ruſſiſchen
Grenze hielt es die Behörde für ihre Pflicht, ſich der
Angeklagten in irgend einer Form zu
ver=
ſichern. Unmittelbar vor der Abfahrt der Familie
Weber erſchienen daher unauffällig ein
Polizeikommiſ=
ſar und ein Kriminalwachtmeiſter in Zivil, die den
glei=
chen Zug beſtiegen. Sie haben die Aufgabe, die
Ange=
klagte zu bewachen.
Wien, 12. Juni. Ueber den Stand des
Hofrich=
ter=Prozeſſes liegen wieder verſchiedene
Meld=
ungen vor, die einander widerſprechen und, wie
be=
reits bemerkt, keinerlei Glaubwürdigkeit
verdienen, wenn ſie auch im Auslande verbreitet
wur=
den. Zunächſt muß feſtgeſtellt werden, daß ſich die
Akten noch immer bei dem Kommandanten des
Wie=
ner Korps, Generals der Infanterie Versbach von
Ha=
damar, befinden. Die Nachricht, daß ſie dem Militär=
Obergerichte übergeben worden ſeien, iſt demzufolge
falſch. Ebenſo unrichtig iſt es, wenn die „Wiener
All=
gemeine Zeitung” aus angeblich autoritativer Quelle
zu melden weiß, Hofrichter, der zum Tode durch den
Strang verurteilt worden ſei, hätte am Schluſſe der
gegen ihn geführten Gerichtsverhandlung vor dem
Ober=Kriegsgericht ſein Geſtändnis
zurück=
genommen und ſei nach den Beſtimmungen des
Militär=Strafgeſetzes nicht zum Tode, ſondern zu 20
Jahren ſchweren Kerkers verurteilt worden. Es muß
nämlich hierzu bemerkt werden, daß bei
Militär=
prozeſſen in Oeſterreich nach den Beſtimmungen des
Militär=Strafgeſetzbuches ein Angeklagter erſt dann
gefragt wird, ob er ſein Geſtändnis aufrecht erhalte
oder nicht, wenn der Urteilsſpruch bereits verkündet
iſt. Nun wird aber die Verkündigung des
Urteils=
ſpruches in vollſter Oeffentlichkeit unter gewiſſen
mili=
täriſchen Gepränge vollzogen, was natürlich auch im
Hofrichter=Prozeß geſchieht. Bis dato iſt jedoch das
Ur=
teil noch nicht veröffentlicht worden. Daraus
geht klar hervor, daß es ſich bei der betreffenden
Meld=
ung, die übrigens bereits vor einigen Tagen in
aus=
ländiſchen Blättern auftauchte, wo ſie keine Beachtung
fand, um Erfindung handelt.
Brüſſel, 13. Juni. Der Bankbeamte Buiſſet,
der, wie gemeldet, nach Verübung bedeutender
Unter=
ſchlagungen flüchtig gegangen iſt, hat geſtern, als er
in einem New=Yorker Hotel verhaftet werden
ſollte, einen Selbſtmordverſuch begangen,
in=
engagiert, die die Nummern in den Straßen ausriefen.
Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, in zwei
Stun=
den wurden mehr als 5000 Nummern verkauft. Das
Blatt fand ſo großen Anklang, daß ſechs Wochen
ſpä=
ter derſelbe Verleger, der die 10000 Mark nicht hatte
riskieren wollen, Newnes für die Tit=Bits 320000
Mark anbot; dieſes Angebot aber wurde abgelehnt.
Sechs Monate ſpäter bot ein Londoner Verleger ſogar
600000 Mark. Aber Newnes brauchte keine Hilfe
mehr, er hatte ſich ſelbſt durchgeſetzt. Der glückliche
Einfall beim abendlichen Kaminfeuer hatte ihn in
we=
nigen Monaten zu einem reichen Manne gemacht. Bald
mußte das Blatt nach London, dem Mittelpunkt
Eng=
lands, verlegt werden. Es fehlte natürlich nicht an
Nachahmern, am Schluſſe des halben Jahres waren
bereits 11 ähnliche Blätter gegründet, die alle die Tit=
Bits nachahmten. Aber ſie gingen alle bald ein,
wäh=
rend Sir Frank Newnes Wochenſchrift triumphierend
das Feld behauptete.
— Napoleon im Louvre=Muſeum. In
den Maitagen des Jahres 1815, unmittelbar nach der
Rückkehr von Elba und dem Einzug in Paris, ſtattete
Napoleon auch dem Louvre=Muſeum einen Beſuch ab.
Der Generaldirektor der Muſeen, der bekannte
Gra=
veur Denon, hatte dafür geſorgt, daß im Louvre eine
Anzahl der bekannteſten Künſtler verſammelt war, um
den Kaiſer zu begrüßen. Unter ihnen befand ſich auch
der Maler Martin Drolling, ein Elſäſſer von Geburt,
der damals in Paris hoch geſchätzt wurde. Der Meiſter
hat in ſeinen Erinnerungen eine Schilderung ſeines
Zuſammentreffens mit Napoleon hinterlaſſen, die nun
vom Amateur d’Autographes veröffentlicht wird. Im
Muſeum war man mitten in der Arbeit der
Neuord=
nung, alles war in größter Unordnung, einige Bilder
lagen auf der Erde, unter ihnen auch die „Schlacht von
Marengo” von Vernet. Während die Künſtler ſich
da=
mit beſchäftigten, dieſe Bilder zu beſichtigen, öffnete
dem er ſich eine Kugel in den Kopf ſchoß. Es ſind bei
ihm ungefähr 250000 Franken in Bankſcheinen
gefun=
den worden, und ein weiteres Depot von einigen 100000
Franken hatte er an der Kaſſe des Hotels hinterlegt.
Der ungetreue Beamte hat die Unterſchlagungen in
der kurzen Zeit eines Jahres dadurch begangen, daß er
bei der Reviſion der von den Kunden hinterlegten
Wertpapiere ſich eine große Anzahl davon aneignete.
Die Bank iſt dadurch, daß weder die von ihm
ausgeſtell=
ten Schecks honoriert wurden und daß man jetzt bei
dem Diebe die unterſchlagene Summe zum größten
Teile noch vorfand, faſt ganz gedeckt.
Calais, 12. Juni. Im Laufe des Abends wurden
von dem Unterſeeboote „Pluvioſe” noch 3 Le ichen
geborgen, darunter die des Kommandanten des
Schif=
fes, deſſen beide Hände bei ſeiner Auffindung auf dem
Periſkop lagen, was beweiſt, daß er auf ſeihem Poſten
geſtorben iſt. Seine Uhr war um 2 Uhr 10 Minuten
ſtehen geblieben. Aus der Tatſache, daß die Uhren des
Schiffsfähnrichs Engel, wie die des Kommandanten
Callet um 2 Uhr 10 Minuten ſtehen geblieben ſind,
ſchließt man, daß das Waſſer gleichzeitig in alle Teile
des Unterſeebootes eingedrungen war.
Liſſabon, 13. Juni. In der kleinen Stadt Claſa
ereignete ſich geſtern ein ſchwerer Unfall.
Anläß=
lich eines Feſtes zog eine kirchliche Prozeſſion durch
die Straßen, als in der Hauptſtraße plötzlich ein
Bal=
kon, auf dem etwa 200 Perſonen ſich befanden, in die
Tiefe ſtürzte und zwar gerade in dem Moment, als die
Prozeſſion vorbeizog. Eine große Anzahl Menſchen
wurde unter den Trümmern begraben. Vier wurden
getötet, 32 mehr oder weniger ſchwer verletzt.
Kunſtnotizen.
Aeber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— Ueber das bei dem heutigen
Saalbaukon=
zert mitwirkende Soloquartett des Aachener
Stadttheaters ſchreibt der Stadtanzeiger Köln:
„Es iſt nicht die Qualität des einzelnen Sängers, die
die Stärke des Quartetts ausmacht, — nein, es iſt der
Enſemble=Vortrag dieſer Künſtler, die mit dem Herzen
zu ſingen wiſſen, die den Intentionen unſeres
Volks=
liedes gerecht werden. Sie halten den Zuhörer in Bann
vom erſten bis zum letzten Akkord.‟ Das Konzert
fin=
det ohne Preiserhöhung ſtatt. Das geſchmackvoll
zuſam=
mengeſtellte Programm enthält eine neue muſikaliſch
wertvolle Kompoſition des hier bekannten Herrn H.
Fiſcher: „Marche Triumphal” bezeichnet. Es ſei
noch=
mals darauf aufmerkſam gemacht, daß bei guter
Witter=
ung das Konzert bei großer Illumination und daß
Réunion im Gartenſaale ſtattfindet.
Das neue Gemeindeumlagengeſetz.
*X* Als eine der ſchwierigſten Aufgaben des 34.
Land=
tages iſt von uns an dieſer Stelle ſeinerzeit der in der
Thronrede bei Eröffnug des Landtages angekündigte neue
Geſetzentwurfüber die
Gemeindeumlagen=
reform bezeichnet worden, der jetzt vom Finanzausſchuß
der Zweiten Kammer fertiggeſtellt wurde und den
Haupt=
beratungsgegenſtand der demnächſt beginnenden
Sommer=
tagung der Volksvertretung bilden wird. Ueber die
Not=
wendigkeit einer geſetzlichen Neuregelung des
Gemeinde=
ſteuerweſens in Heſſen beſteht nirgends ein Zweifel mehr.
Sie war ſchon zutage getreten und allgemein anerkannt
worden bei Gelegenheit einer Reviſion der
Staatsſteuer=
geſetzgebung im Jahre 1899 und in Erwartung einer
bal=
digen Regelung dieſer wichtigen Materie war im Jahre
1901 das Gemeindeſteuer=Proviſorium erlaſſen worden,
das nun ſchon dreimal auf kurze Friſt verlängert werden
mußte, zuletzt im Frühjahr 1909, nachdem ſich die
Unmög=
lichkeit einer ſchnellen Durchführung der Gemeinde=
Um=
lagenreform herausgeſtellt hatte. Der damals von der
Regierung gegebenen Zuſicherung gemäß war auch ein
ſol=
cher umfangreicher Geſetzentwurf ausgearbeitet und im
Jahre 1904 den Landſtänden vorgelegt worden, der von
der Zweiten Kammer zwar durchberaten und genehmigt,
von der Erſten Kammer aber nicht in einem zuſtimmenden
Sinne erledigt wurde. Da der letzteren im Juni 1905 zur
gründlichen Beratung der Vorlage nicht mehr die
genü=
gende Zeit übrig blieb — die Schließung des 32.
Land=
tages ſtand in wenigen Tagen bevor — ſo gab ſie den
Ent=
wurf auf einſtimmigen Beſchluß an die Regierung zurück
mit dem Erſuchen, ihn unter Berückſichtigung der darüber
im Ausſchuß und im Plenum der Erſten Kammer
gepflo=
genen Verhandlungen einer erneuten Bearbeitung zu
un=
terziehen. Das hauptſächlichſte Bedenken, das in der
Be=
ratung der Erſten Kammer zum Ausdruck kam, richtete ſich
gegen den Vorſchlag der Regierung, bei der Veranlagung
zur Grundſteuer lediglich den gemeinen Wert als
Unter=
lage gelten zu laſſen und den Ertragswert auszuſcheiden.
Man verlangte u. a., daß an die Stelle des gemeinen
Wertes der wirkliche Ertrag des Grundſtücks trete und be=
ſichedie Tür=und irgend
jemand ſaate: „Der Kaiſer
kommt.‟ Drolling ſtand abſeits der Gruppe. Der
Kaifer trat ein: „Aha, die Herren Maler,” ſagte er und
kam direkt auf Drolling zu, der ihm am nächſten ſtand.
Ich machte eine tiefe Verbeugung, er näherte ſich mir
noch mehr, und ich glaubte ſchon, er wollte mich am
Kragen faſſen, als er mich fragte: „Wie heißen Sie?‟
M. Denon, der den Kaiſer begleitete, ließ mir zur
Antwort keine Zeit, er ſagte: „Sire, der Herr iſt ein
ausgezeichneter Maler.” „Aber ſein Name?” fragte
der Kaiſer. Als ich meinen Namen genannt hatte,
wandte er ſich mir von neuem wieder zu: „Sie ſind
Deutſcher?” Als ich ihm geantwortet hatte, daß ich
Elſäſſer wäre, rühmte er meine Landsleute und dann
ſagte ich: „Sire, die Inſel Elba ſcheint Eurer Majeſtät
ſehr gut bekommen zu ſein, Sie ſehen beſſer aus als
je.‟ Der Kaiſer lächelte und ſchritt weiter. In der
Tat ſchien er ſich auf Elba ſehr gut erholt zu haben,
er hatte jenen häßlichen, gelben Teint verloren. Wir
folgten ihm auf ſeinem Rundgang. Er ging aber ſo
raſch, daß er immer ſchon weit weg war, ehe ihm
ge=
antwortet werden konnte. Meine liebenswürdigen
Kol=
legen haben ſpäter das Gerücht in die Welt geſetzt, ich
hätte zum Kaiſer geſagt: „Die Inſel Elba iſt Ihnen
ſehr gut bekommen, Sie hätten dableiben ſollen.”
* Das Land der Revolver. Honduras muß
ein angenehmes Land ſein. Wie ein amerikaniſcher
Konſulatsbericht ſagt, iſt das Tragen von Revolvern
dort faſt allgemein üblich und etwa drei Viertel aller
männlichen Perſonen in dieſer Republik ſind im
Be=
ſitze eines ſolchen Schießeiſens. Die wohlhabenden
Leute bevorzugen natürlich die modernſten Fabrikate,
wie Browningpiſtolen, die übrigen aber ſagen ſich ſehr
richtig, daß man auch mit weniger koſtſpieligen Waffen
ſeinen Nebenmenſchen totſchießen kann und begnügen
ſich mit Revolvern für vier und fünf Dollars. „Kein
Mann ohne Revolver,” hat der berühmte Hippolyt
Mehles einſt proklamiert, in Honduras iſt ſein Ideal
erfüllt.
gründete dieſen Wunſch mit dem Mißverhältnis, das in
vielen Fällen zwiſchen dem gemeinen Wert und dem
Er=
tragswert, z. B. bei Wald= und ſonſtigem
landwirtſchaft=
lichen Beſitz, vorhanden ſei.
Dem 33. Landtag war dann von der Regierung
über=
haupt keine neue Vorlage über die Gemeinde=Umlagen
unterbreitet worden; erſt am 8. Mai 1909 erfolgte die
Einbringung des neuen diesbezüglichen Geſetzentwurfes,
der infolge mannigfacher Aenderungen gegenüber der
früheren Vorlage als eine geeignete Grundlage für eine
Verſtändigung zwiſchen den beiden Kammern betrachtet
werden konnte. Den gegen die Nichtberückſichtigung des
Ertrages in der Erſten Kammer erhobenen Bedenken iſt die
neue Vorlage zum Teil dadurch gerecht geworden, daß beim
Waldbeſitz die Berückſichtigung des Ertrages und nicht
des gemeinen Wertes in Vorſchlag gebracht wurde und
der Finanzausſchuß iſt dann, wie der Ausſchußreferent,
Abg. Molthan, in ſeinem ſehr ausführlichen Bericht näher
darlegt, nach dieſer Durchbrechung des früheren Prinzips
der weiteren Anregung gefolgt, auch bei dem übrigen
landwirtſchaftlichen Grundbeſitz das Ertragsmoment bis zu
einem gewiſſen Maße zu berückſichtigen. Es wurde im
Ausſchuß mit Zuſtimmung der Regierung nach langen
Verhandlungen ein Antrag des Abg. Dr. Weber
angenom=
men, der in Fällen, wo eine erhebliche Abweichung des
gemeinen Wertes landwirtſchaftlicher Grundſtücke
gegen=
über ihrem Ertragswert vorliegt, eine Berückſichtigung des
letzteren vorſieht. Mit der einſtimmigen Annahme
dieſes Antrages ſcheint dem Ausſchußreferenten eine
wei=
tere erwünſchte Unterlage für eine Verſtändigung mit der
Erſten Kammer gegeben zu ſein, wenngleich ſich der
Aus=
ſchuß nicht dazu verſtehen konnte, dem weitergehenden
Wunſch zu willfahren, daß lediglich der Ertrag bei der
Grundſteuer maßgebend ſein ſolle.
Wie ſchon bei der früheren Beratung, ſo war auch
diesmal wieder durch die eingebrachten Anträge des Abg.
Schönberger die Frage zur Erörterung gebracht worden,
die einfache Uebertragung der Staatsſteuergeſetzgebung
auf die Gemeinden und damit die Abſchaffung der
Real=
ſteuern zu veranlaſſen, wobei zugleich folgerichtig vom
Antragſteller das Verbot des Schuldenabzugs bekämpft
wurde und, wie bei der ſtaatlichen Einkommens= und
Ver=
mögensſteuer lediglich das Prinzip der Leiſtungsfähigkeit
des Steuerzahlers auch in der Gemeindeſteuer zur Geltung
kommen ſollte. Der Ausſchuß iſt dieſen Anregungen nicht
gefolgt; er hält vielmehr im Einklang mit der
Regie=
rungsvorlage an dem Grundgedanken feſt, daß die
Ab=
ſchaffung der Realſteuern in der
Gemeindeſteuergeſetz=
gebung und ihr Erſatz durch Zuſchläge zur ſtaatlichen
Ein=
kommens= und Vermögensſteuer keineswegs den Intereſſen
der Gemeinden entſprechn würde. „Nichts wäre
verfehl=
ter, als eine rein ſchematiſche Gleichmäßigkeit in beiden
Geſetzgebungen herzuſtellen; die Verhältniſſe in der
Ge=
meinde ſind ganz anders als diejenigen im Staate
gela=
gert. Bei den Gemeinden kommt in erſter Linie der
Grund=
ſatz von Leiſtung und Gegenleiſtung in Betracht.
Zahl=
reiche Aufwendungen der Gemeinde kommen nur
einzel=
nen, beſtimmten Erwerbsklaſſen zugute, und es wäre
des=
halb unbillig, namentlich in ſolchen Fällen, wo, wie in
rein landwirtſchaftlichen oder induſtriellen Gemeinden die
meiſten Gemeinde=Ausgaben einer dieſer beiden
Erwerbs=
klaſſen vornehmlich zugute kommen, alle Gemeindegenoſſen
im gleichen Maße dafür ſteuerlich heranzuziehen.‟ Es
wird noch weiter darauf hingewieſen, daß Einkommen=
und Vermögensſteuer erheblichen Schwankungen
unter=
worfen ſind im Gegenſatz zu den Realſteuern, beſonders
der Grund= und Gewerbeſteuer, und daß die Gemeinden
ſolche Schwankungen weniger gut ertragen können, als der
Staat, der ſich eher auf andere Weiſe Deckung zu
ver=
ſchaffen vermag. Dazu bringt die natürliche Entwickelung
unſeres öffentlichen und wirtſchaftlichen Lebens faſt von
Jahr zu Jahr eine weitere Steigerung der
Gemeinde=
laſten mit ſich. Für unſere heſſiſchen Städte kommt noch
in Betracht, daß ſie den wirtſchaftlichen Konkurrenzkampf
mit den Grenzſtädten benachbarter Bundesſtaaten
aufneh=
men müſſen: Für alle Gemeinden erſtehen zudem erhöhte
Ausgaben für Armenlaſten, Kreis= und
Provinzab=
gaben, teuere Schulbauten, geſteigerte Beamtengehalte,
Ar=
beitslöhne uſw., mit denen die Mehreinnahmen nicht
glei=
chen Schritt halten. Es läge deshalb im Intereſſe der
Gemeinden, ihre Finanzgebarung auf einem Steuerſyſtem
aufgebaut zu wiſſen, das eine größere Stetigkeit der
Steuereinnahmen garantiert und die Erreichung dieſes
Zieles ſei zweifellos in der Aufrechterhaltung der
Real=
ſteuern zu ſuchen.
Die erſte Aufgabe der neuen Geſetzgebung muß es ſein,
die Grund= und Gewerbeſteuer einer
durch=
greifenden Reform zu unterziehen: die
Grund=
ſteuer, die bei dem Grund und Boden auf den alten
Grundſteuerkapitalien von 1824 und bei den
Gebäude=
ſteuern auf Schätzungen der 1860er Jahre beruhen, und die
Gewerbeſteuer, deren Aufbau ebenfalls auf veralteten
Grundlagen geſtützt iſt; ſie können unter keinen
Umſtän=
den aufrecht erhalten werden, da ſie weder Rückſicht auf
das im Gewerbe arbeitende Anlage= und Betriebskapital
nehmen, noch auf den Ertrag. Wir werden auf dieſe und
andere wichtige Ausſchußbeſchlüſſe noch näher
zurück=
kommen.
Kongreſſe und Verbandstage.
Ueber Bodenreform und Beamtenſchaft
ſprach auf dem am 12. d. M. in Stettin abgehaltenen
Gautage des Verbandes mittlerer
Reichs=
poſt= und Telegraphen=Beamten vor weit
mehr als 1000 Verbandsmitgliedern aus ganz
Deutſch=
land Poſtſekretär Lubahn=Berlin. Er zeigte,
daß der Verband beſtrebt ſei, nicht nur eigene
Be=
amtenintereſſen zu fördern, ſondern ſich auch bemüht,
ſeinen Mitgliedern Verſtändnis für große ſoziale
Fragen zu verſchaffes. An der Hand folgender
Bei=
ſpiele erklärte er den kiefen Inhalt der
Bodenreform=
lehre. Vor wenigen Jahren wurde in der Nähe
Ber=
lins der Teltow=Kanal erbaut. Der Wert des Bodens,
500 Meter rechts und links vom Kanal, ſtieg
wäh=
rend der kurzen Bauperiode von 100
Mil=
lionen auf 500 Millionen Mark. Im
voraus hatte die Bodenſpekulation die Werte für ſich
in Anſpruch genommen, die erſt ſpäter
Neuanſied=
lungen von Menſchen ſchaffen ſollen. In ähnlicher
Weiſe wird der Wert des Grund und Bodens in der
Nähe jeder größeren Stadt künſtlich vor der Zeit in
die Höhe getrieben. Durch die Zunahme der
Bevölke=
rung, durch die Kultuarbeit von Reich, Staat und
Ge=
meinde wächſt der Wert des Bodens. Es iſt nicht der
Hausbeſitzer, der hier den größten Vorteil hat — dies
iſt leider ein weitverbreiteter Irrtum — ſondern
vor=
nehmlich der Beſitzer des unbebauten Bodens insder
Nähe der Städte.
Auf der anderen Seite ſehen wir heute große
wirt=
ſchaftliche Not. Auf teueren Grund und Boden kann
nur ein teueres Haus erbaut werden, wo die Mieten
der Wohnungen, der Werkſtätten, der Geſchäftsräume
Ic
uma
Gemein
Uhr
Untertan
in Staatsm.
igener Ent
handſchr
ini
and
Seite 5.
Nummer 136.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910
ebenfalls teuer ſind. Nach der Statiſtik des Verbandes
erlag ungefähr ein Drittel der in den Jahren 1903—1908
verſtorbenen Poſtbeamten der Tuberkuloſe, dieſer
fürch=
terlichen Krankheit, die hauptſächlich auf die ſchlechten
Wohn= und Arbeitsräume zurückzuführen iſt. Die
Be=
amtenſchaft nimmt auch deshalb lebhaftes Intereſſe an
der Bodenreform, weil ſie befürchten muß, daß die in
den letzten Jahren ſtattgefundene Gehaltsaufbeſſerung
durch die ſtändige Bodenverteuerung in kurzer Zeit
wieder aufgehoben wird. Die Beſtrebungen werden
durch die Beamtenſchaft ſtark unterſtützt. Allein 100
Beamtenvereine ſind dem Bunde
deut=
ſcher Bodenreformer körperſchaftlich
an=
geſchloſſen. Ein Mittel gegen den Bodenwucher
iſt die Zuwachsſteuer. Sie beſteht bereits in 500
deut=
ſchen Gemeinden. Die Reichsregierung hat im April
dieſes Jahres dem deutſchen Reichstage einen
Geſetz=
entwurf über die Reichszuwachsſteuer
vorge=
legt. Leider ſei die Verabſchiedung des Geſetzes bis
zum Herbſt vertagt worden. Wir könnten aber
be=
ſtimmt hoffen, daß die Beratungen im Reichstage zu
einem fruchtbaren Ergebnis führen werden; denn durch
die Reichszuwachsſteuer werde in hohem Maße das
Intereſſe des geſamten erwerbstätigen Volkes
wahr=
genommen. In der Mitarbeit an der Bodenreform
verfolgt die Beamtenſchaft nicht allein eigene Vorteile,
ſondern ſie iſt in erſter Linie beſtrebt, das Wohl des
ganzen Volkes zu fördern.
-b.
Die Enzyklika.
* Dresden, 13. Juni. Bereits am Samstag, den
11. Juni, ſind die in evangelicis beauftragten
Staats=
miniſter zu einer Sitzung zuſammengetreten, um zu
der Borromäus=Enzyklika Stellung zu nehmen.
Sie nahmen mit tiefem Bedauern von der die Reformation
verunglimpfenden und damit die evangeliſch=lutheriſche
Kirche ſchwer verletzenden Kundgebung Kenntnis und
tei=
len die Entrüſtung der evangeliſchen Volkskreiſe des
Lan=
des hierüber. Sie weiſen jene Angriffe auf das ſchärfſte
zurück. Von dem lebhaften Wunſche erfüllt, daß der
bis=
herige konfeſſionelle Friede zum Segen der
Be=
völkerung gewahrt werde, halten ſie ſich verſichert, daß die
königliche Staatsregierung eintretendenfalls nach Maßgabe
der Landesgeſetze für den erforderlichen Schutz ſorgen
werde.
* Dresden, 13. Juni. Der König berief die in
evangelicis beauftragten Staatsminiſter, um mit
ihnen die durch die Borromäus=Enzyklika geſchaffene
Sach=
lage zu beſprechen. Der König erklärte ſeine lebhafte
Ge=
nugtuung darüber, daß ſeine Beſtrebungen, den
konfeſ=
ſionellen Frieden zu ſchützen, in ſeinem Lande
bisher immer von Erfolg gekrönt waren. Um ſo mehr
be=
daure er, wenn dieſe ſeine Beſtrebungen gegenwärtig
durch ſo ſchwere Angriffe auf die der evangeliſch=
lutheri=
ſchen Landeskirche angehörende überwiegende Mehrheit
ſei=
ner Untertanen durchkreuzt werden. Der König eröffnete
den Staatsminiſtern, daß deshalb aus ſeiner (des Königs)
eigener Entſchließung in Ausſicht genommen ſei, ein
Handſchreiben an den Papſt zu richten. Die
Staatsminiſter ſprachen im Namen der evangeliſch=
luthe=
riſchen Landeskirche dem König für deſſen Entſchließung
ihren wärmſten Dank aus.
H.B. Weimar, 13. Juni. Der Großherzog
von Sachſen=Weimar genehmigte die Abhaltung
einer Proteſtverſammlung gegen die
Borromäus=Enzyklika auf der Wartburg.
H.B. Genf, 13. Juni. Die päpſtliche
Enzy=
klika hat auch in Genf lebhafte Kundgebungen
ver=
anlaßt. Das Konſiſtorium der Proteſtanten=Kirche
nahm in ſeiner letzten Tagung Stellung zu der
jüng=
ſten päpſtlichen Enzyklika. Profeſſor Goegg hielt eine
Rede gegen die Enzyklika. Er erſuchte die
Anweſen=
den, einen Proteſt zu unterzeichnen, der amtlich
ver=
öffentlicht werden ſoll.
Gewitter und Blitzſchäden.
* Berlin, 12. Juni. Als heute abend während
eines heftigen Gewitters eine große
Men=
ſchenmenge in der Nähe der Schwimmanſtalt
Plötzen=
ſee an einem Zaune Schutz gegen den Regen ſuchte,
wurden durch einen Blitzſchlag 6 Perſonen
Verletzten am Leben erhalten zu können.
* Berlin, 13. Juni. Ueber die
Blitzkata=
dahin teilweiſe im Freien lagerte, ſuchte Zuflucht in
den ohnehin überfüllten Räumen oder flüchtete unter
die Bäume. Am Zaune des neuen Johannisfriedhofes
hatten etwa 1000 Menſchen Schutz geſucht. Um ¾6 Uhr
Schornſtein in den großen Saal, umtanzte dort
den in der Mitte hängenden Kronleuchter, fuhr in die
Erde und wurde unter ihr weiter nach dem Zaune des 92 :88.
Johannisfriedhofes geleitet, wo er wieder aus der
entlang lief, wo die Menſchen ſich aufhielten. Die
Wirkung des Blitzes war furchtbar. Etwa
andere krümmten ſich in den verſchiedenſten Stellungen.
Ueberall ertönten Weheſchreie. Viele erholten ſich bald.
Zahlreiche Wagen zum Transport der Verunglückten
nach dem Virchowkrankenhauſe waren bald zur Stelle.
Unter den Getöteten befindet ſich ein Gardefüſilier.
Zu dem Vorfall wird weiter gemeldet: Die Mehrzahl
der vom Blitz getroffenen Perſonen brauchte ärztliche bei Florett: 1. Hugo Thümmel, 2. W. Kaſten, 3. K.
Hilfe nicht in Anſpruch zu nehmen. Das Virchow=
Kran=
kenhaus hatte mehrere Aerzte an die Unfallſtelle entſandt,
die für den Transport der Verwundeten ſorgten. Der
Verband für erſte Hilfe entſandte ſofort vier Krankenwagen
nach der Unfallſtelle, wo inzwiſchen zahlreiche Menſchen
das Rettungswerk in Angriff genommen hatten. Bald
trafen die vier Rettungswagen an der Unfallſtelle ein. Sie
wurden raſch mit den 6 Toten und zahlreichen
Verwun=
deten beladen und nach dem Krankenhauſe gebracht. Raſch
wurden dort die Wagen entleert und noch mehrmals nach
der Unfallſtelle geſandt, von wo nach und nach ſämtliche
Verletzten nach dem Krankenhauſe gebracht wurden. An
der Unfallſtelle wurde das Feld in weitem Umkreiſe
ab=
geſucht, da viele vom Blitz Getroffene im erſten Schrecken
noch eine Strecke weit liefen. Die große Mehrzahl der
Verletzten konnte bald aus dem Krankenhauſe wieder
entlaſſen werden. Nur 17, deren Verletzungen ſich als
ſchwer erwieſen, mußten dort verbleiben. Viele der
Ver=
unglückten wieſen ſchwere Verbrennungen und Lähmungen
aufgſodaßsdie=Verzte für ihr Leben fürchten.
* Kaiſerslautern, 13. Juni. Ein
furcht=
bares Gewitter mit Wolkenbrüchen richtete
Samstag nacht in der Mittelpfalz ungeheueren
Scha=
den an. Die Ernte iſt, wie die Pfälziſche Preſſe
mel=
det, total vernichtet und vielfach ſchlug der Blitz ein.
* Bonn, 13. Juni. Auch in verſchiedenen Orten des
Vorgebirges ſind wolkenbruchartige Regen
nie=
dergegangen, die an der Ernte und namentlich an den
Ge=
müſekulturen großen Schaden anrichteten.
* Ahrweiler, 13. Juni. Heute nacht gingen
ſchwere Gewitterregen über die ganze Eifel
nie=
der. Bei Antweiler und Schuld ging ein
Wol=
kenbruch nieder, der furchtbare Verwüſtungen
anrichtete. Die ganze Ernte iſt vernichtet, Häuſer
beſchä=
digt und viel Vieh getötet worden. Die Bäche der Eifel
gleichen reißenden Gießbächen, die Ahr iſt ein raſender
Fluß geworden, in dem Möbelſtücke, Fäſſer, Hausgeräte
und dergleichen ſchwimmen. Die Eiſenbahnbauten ſind
geſtört, Brücken, die im Bau begriffen ſind, ſowie auch
fertige Brücken wurden fortgeriſſen. Die Eiſenbahn
Remagen-Adenau kann nur bis Waldortsheim verkehren.
Die Feuerwehren ſämtlicher Ortſchaften ſind mit dem
Herausfiſchen der auf der Ahr ſchwimmenden
Gegen=
ſtände oder mit dem Auspumpen unter Waſſer ſtehender
Keller beſchäftigt. In den tiefer gelegenen Straßen
Al=
tenahrs ſteht das Waſſer einen Meter hoch.
* Ahrweiler, 13. Juni. Das Hochwaſſer im
Ahrtal nimmt ungeheuere Dimenſionen an.
Die Verwüſtungen ſind furchtbar. 11 Steinbrücken für den
Fußverkehr ſind bereits eingeſtürzt. Die Ahrtal=Bahn kann
nicht mehr verkehren, da Eiſenbahndämme unterſpült und
der Einſturz verſchiedener Brücken befürchtet wird. Das
Tal zwiſchen Neuenahr und Remagen gleicht einem
un=
geheueren See. In Schuld ſind mehrere Häuſer
fortge=
ſchwemmt worden. Militär iſt in Automobilen
unter=
wegs. Der Schaden wird bis jetzt auf ¼ Mill. geſchätzt.
Weitere ſchwere Regengüſſe fallen beſtändig. Telephon
und Telegraph oberhalb Waldortsheim ſind zerſtört. Die
Provinziallandſtraße im Ahrtal iſt nicht mehr gangbar;
ſie ſteht an vielen Stellen bis zu einem Meter unter
Waſſer. Der ganze Kurpark bei Neuenahr iſt ebenfalls
überſchwemmt. An der Oberahr von Waldortsheim bis
Kreuzberg ſind alle Bahndämme weggeriſſen. Die
Pro=
vinziallandſtraße iſt bei Mayſchloß, Altenahr, Bernau,
Rech und an der Bunten Kuh vollſtändig in den Fluten
verſchwunden, ſo daß der nackte Fels hervortritt und der
Fuhrverkehr im Ahrtal auf Wochen hinaus unmöglich ſein
wird. Die Eiſenbahn wird erſt in 8 Tagen wieder
ober=
halb Ahrweiler fahren können. Regierungspräſident
Hoevel=Koblenz iſt in dem Ueberſchwemmungsgebiet
eingetroffen. Militär rückt jetzt in Automobilen an, um
den Leuten Nahrungsmittel zu bringen. Es wird ein
neues Telephon und Telegraph über die Eifel gelegt, um
Nachrichten von den abgeſchnittenen Orten erlangen zu
können. Ueber Verluſte an Menſchenleben war bis jetzt
noch nichts zu erfahren.
* Köln, 13. Juni. Amtliche Meldung. Die
Ahrbahnſtrecke zwiſchen Walporzheim und
Düm=
pelfeld iſt ſeit heute früh 7 Uhr an mehreren Stellen
infolge Hochwaſſers und Zerſtörung einiger Bauwerke
unterbrochen. Die Aufrechterhaltung des
Be=
triebes iſt zurzeit nur zwiſchen Remagen und
Wal=
porzheim möglich. Die vorausſichtliche Dauer der
Sperrung iſt unbeſtimmt.
* Köln, 13. Juni. Der Niederrhein und
das Ruhrtal wurden geſtern von einem
Gewit=
ter heimgeſucht, wie es bisher dort kaum erlebt wurde.
* Breslau, 13. Juni. Der Kataſterkontrolleur
Barth=Großwartenburg und ein Forſtbeamter wurden
bei Großſchönwald vom Blitze getroffen. Sie
erlitten ſchwere Verletzungen.
Sport.
W. Gauwetturnen. Die Fortſetzung des
Gau=
wetturnens, welches bei der Gauturnfahrt des Main=
Rhein=Gaues in Seeheim wegen des ſchlechten
Wet=
ters abgebrochen wurde, fand am Sonntag auf dem
hieſigen Exerzierplatz unter zahlreicher Beteiligung
ſtatt. Nachſtehend ſind die Reſultate im
Sonderwett=
turnen und den Wettſpielen verzeichnet: I, Freihoch
ohne Brett: 1. Wilh Horſt, Tgde. Darmſtadt, 1,52½
Me=
ter; 2. Fritz Abromeit, Tv. Rüſſelsheim, 1,47½ Meter,
Richard Werner, Tgſ. Darmſtadt, 1,47½ Meter; 3. Aug.
Behringer, Tgde. Beſſungen, 1,45 Meter. — II.
Schleu=
getötet und 13 ſchwer verletzt. Man glaubt, die derballweitwerfen: 1. Richard Werner, Tgſ. Darmſtadt,
39,30 Meter; 2. Heinrich Ackermann, Taſ. Darmſtadt,
34,50 Meter; 3. Chriſtian Wegel, Tv. Klingenberg, 34,40
Meter. — III. Ringen: 1. Julius Joſeph, Tade.
Darm=
ſtrophe bei Plötzenſee meldet der Berliner ſtadt; 2.Georg Schäfer, Tv. Zwingenberg; 3. Hans
Lokalanzeiger folgende Einzelheiten: Bald nach 6 Uhr Spöhrer, Tgde. Beſſungen. — IV. Tambourinſpiel: 1.
brach ein Gewitter herein. Das Publikum, das bis Tade. Sprendlingen 77:70 gegen Tade. Darmſtadt. —
V. Fauſtballſpiel: 1. Tv. Pfungſtadt gegen Tgde.
Darm=
ſtadt 110: 107 und Tb. Nauheim mit 77:67 Punkte; 2.
Akademiſcher Tv. Ghibellinia gegen Tv. Klingenberg
83:79 und Tv. Pfungſtadt 108: 102; 3. Tv.
Klingen=
fuhr, begleitet von einem furchtbaren Donnerſchlag, berg gegen Tgde. Darmſtadt 86:79 und Tb. Nauheim
der Blitz in das Schützenhaus und zwar durch den mit 52:45; 4. Tgſ. Walldorf gegen Seeheim 56: 27 und
Tv. Gr.=Gerau II 72:64; 5. Tade. Sprendlingen gegen
Tv. Nieder=Ramſtadt 66:41 und Tv. Groß=Gerau II
* Fechten. Bei dem aus Anlaß ſeines 20jähri=
Erde fuhr und an dem dort befindlichen Stacheldraht gen Beſtehens von dem Darmſtädter Fechtklub
(Protektor S. K. Hoheit der Großherzog) unter
zahl=
reicher Beteiligung ſeiner aktiven Fechter in Anweſen=
80 Perſonen raffte der Blitz nieder. Einige waren tot, heit vieler Mitglieder und deren Damen veranſtalteten
Klubwettfechten erhielten Preiſe in der Oberklaſſe
(Fechter, welche bei größeren Turnieren ſchon Erfolge
aufzuweiſen haben): bei Florett: 1. W. Löffler, 2.
Alfr. Schmitz, 3. L. Anton, 4. Fr. Weitzel; bei leichtem
Säbel (Hieb und Stich): 1. W. Löffler, 2. L. Anton,
3. A. Schmitz, 4. L. Fiſcher. In der Juniorklaſſe:
Donath, 4. K. Menſens; bei leichtem Säbel: 1. H.
Thümmel, 2. W. Kaſten, 3. K. Sonnthal. Die Sieger
erhielten hübſche von Mtigliedern geſtiftete Ehrenpreiſe,
ſowie Diplome.
* Berlin, 12. Juni. Der heute begonnenen
Ruderregatta des Berliner Regattavereins
wohn=
ten auf der Dampfjacht „Alexandria” das
Kaiſer=
paar mit dem Prinzen Oskar, der Prinzeſſin
Vikto=
ria Luiſe, die Kronprinzeſſin von Griechenland, die
Prinzen Georg und Alexander von Griechenland, die
Prinzen Friedrich und Maximilian von Heſſen und ein
zahlreiches Gefolge bei. Die Majeſtäten wurden von
den Tauſenden von Zuſchauern überall ſtürmiſch
be=
grüßt. Im 2. Junior=Vierer ſiegte der Berliner
Ruder=
klub Sport=Boruſſia; im Kaiſer=Vierer ſiegte wie im
Vorjahre der Mainzer Ruderverein; Zweiter
wurde der Berliner Ruderklub Hella, Dritter der
Ber=
liner Ruderverein von 1876. Im zweiten Achter gewann
der Favorite Hammonia=Hamburg. Im Akadem. Vierer
jegte der gkademiſche Ruderklub Bexlin. Die=Kaiſar=.
Preiſe für den Kaiſer = Vierer und den Alademiſchen
Vierer wurden den Siegern von der Kaiſerin
über=
reicht; der Kaiſer richtete darauf freundliche Worte an
ſie. Nach 5 Uhr fuhr die „Alexandria” nach Berlin
zu=
rück. Die Majeſtäten begaben ſich ſpäter im Automobil
nach dem Neuen Palais.
* Homburg v. d. H., 13. Juni. Wie der
Taunus=
bote von unterrichteter Seite erfährt, ſoll der Start
zu der nächſtjährigen Prinz Heinrich=Fahrt,
die bekanntlich in England enden wird, in Homburg
erfolgen. Die Fahrt wird vorausſichtlich im Juni
ſtattfinden, im Anſchluß an die Krönungsfeierlichkeiten
des Königs von England.
Pfr. Rennen zu Hoppegarten. Verſuchs=
Rennen der Stuten. 5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter:
1. Königl. Hauptgeſtüt Graditz’ Orenburg (Bullock),
2. Fichte (Reiff), 3. Sandal (Cuda). Tot. 33:10, Platz
19, 27, 88:10. Unpl.: Glauca, Para, Marga, Anthemis,
Cincjoy, Haubenlerche (4.), Jolanthe, Patrize, Semper
Idem, Mandoline, Quote. Leicht 2—½ Lg. —
Verloſ=
ungs=Rennen. 3200 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Graf
Seidlitz Sandreczkis Nauſika (Dreißig), 2. Ardal
(R. Francke), 3. Charbin (Leiß). Tot. 29:10, Platz 16,
24:10. Unpl.: Swintroda (4.), Erda. Sehr ſicher 3—2
Lg. — Union=Rennen. 40000 Mk., Diſtanz 2200 Meter:
1. Kgl. Hauptgeſtüt Graditz’ Wandersmann (
Bul=
lock), 2. Kalchas (Reiff), 3. Saraſate (Hewitt). Tot.
31:10, Pl. 13, 12, 11:10. Unpl.: Mars (4.), Jor, Horniſt,
Walter Stolzing. Sehr ſicher 1—1—¾ Lg. Zeit 2 Min.
23 Sekunden. — Verſuchs=Rennen der Hengſte. 5000
Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Hrn. Ol Trauns
Glück=
auf (Warne), 2. Zobten (Shurgold), 3. Gallier (
Bul=
lock). Tot. 70:10, Pl. 14, 19, 13:10. Unpl.: Cicero (4.),
Reporter, Taftjoy, Leon Chandon, Aeronaut, Landbote,
Bluff, Sturmwind, Temps perdu, Reichsritter, Kario,
Salambo. Leicht ¾—3 Lg. — Silbernes Pferd.
Ehren=
preis und 7500 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Hrn. O.
Reislands Lockenkopf (Liſter), 2. Pech von Weil
(Dietrich), 3. Donner III (Spear). Tot. 58:10, Pl. 18,
37, 16:10. Unpl.: Perennis, Piecolo (4.), Wer weiß,
Baldur. Sicher ¾—3 Lg. — Mönchsheimer Handikap.
3800 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Hrn. E. Herings
Kikeriki II (Bullock), 2. Neckar (Mac Dermott),
3. Heimat (Aylin). Tot. 103:10, Pl. 29, 36, 28:10. Unpl.:
Queckſilber, Süßmaul, Rokoko, Tölz, Patriarch,
Ma=
dame Sans=Géne, Abendſonne, Suſe. Leicht 1—2 Lg.
— 5. Klaſſen=Erſatz=Preis. 3800 Mark, Diſtanz 2000
Meter: 1. Graf C. E. Reventlows Laps (Francke),
2. Polla (Childs), 3. Dratow (Warne). Tot. 31:10, Pl.
16, 19110. Unpl.: Flieger, Maharaja (4.). Sicher 2—1
Länge.
Rr. Radrennen in Dresden. Großer Preis
der Stadt Dresden, 100 Kilometer: 1. Walthour, 1.
Stunde 15 Minuten 17 Sekunden; 2. Salzmann 1½
Runden, 3. Theile 13 Runden, 4. Guignard 32 Runden
zurück. — 50 Kilometer; Rennen der B.=Klaſſe:1. Schön,
39 Minuten 38 Sekunden; 2. Luycken=Belgien 2½
Run=
den, 3. Somers, 4. Krebs, beide weit zurück.
Bei den Radrennen in Straßburg i. E.
ereignete ſich am Sonntag ein bedauerlicher
Unglücks=
fall. Vor Beginn des Dauerrennens kam Pokorny,
der Schrittmacher des Negers Vendredi, mit ſeiner
Maſchine zu Fall, als er auf der noch etwas feuchten
Bahn einige Proberunden fahren wollte. Pokorny
ſtürzte ſo unglücklich, daß er ſich den Armbrach.
In=
folgedeſſen konnte Vendredi nicht an dem Rennen
teil=
nehmen, da er keinen Schrittmacher hatte. Der
Ber=
liner Schulze ſiegte in dem Stundenrennen mit 68,600
Kilometer vor Pongs=Krefeld, der es infolge
Motor=
defektes nur auf 63,400 Kilometer brachte. Gruber=
Straßburg legte 61,325 Kilometer zurück. — In den
Fliegerrennen dominierte Otto Meyer. Der
Lud=
wigshafener gewann das Hauptfahren mit 1½ Längen
vor Bettinger und Rohmer, ferner mit Bettinger als
Partner das Tandemfahren über fünf Runden gegen
Rohmer-Oehler und Augenſtein-Rohner und das
Verfolgungsrennen gegen Rohner-Augenſtein.
Rr. In Zürich ſtarteten am Sonntag bei den
dortigen Dauerrennen die deutſchen Fahrer Stabe,
Scheuermann und Herm. Przyrembel. Sowohl Stabe
wie Przyrembel wurden von Motordefekten betroffen,
ſo daß die Rennen keinen einwandsfreien Verlauf
nah=
men. Die genauen Reſultate waren: 10 Kilometer:
1. Scheuermann, 9 Min. 19 Sek.; 2. Stabe, 220 Meter,
3. Przyrembel, wegen Motordefekts weit zurück.
20 Kilometer: 1. Scheuermann, 18:38,3; 2. Przyrembel,
der trotz Reifendefektes nur 170 Meter zurück endete;
3. Stabe, weit zurück wegen Motordefekt. — 30
Kilo=
meter: 1. Przyrembel, 27:54,1; 2. Scheuermann, 750
Meter, Stabe, infolge Motordefekts, weit zurück.
Luftſchiffahrt.
H. B. Berlin, 13. Juni. Die Vorexpedition
nach Spitzbergen, welche die Aufgabe hat, die
Möglichkeit einer ſpäteren arktiſchen Expedition mit
Zeppelin=Luftſchiffen feſtzuſtellen, wird am 2.
Juli d. J. Kiel mit einem Dampfer verlaſſen. In
Spitzbergen liegt der kleine holländiſche Eisdampfer
„Phönix” zum Vorſtoß in die Eis=Region bereit. An
dieſer Expedition nehmen teil: Prinz Heinrich von
Preußen, Graf Zeppelin, die Geheimeräte Hergeſell.
Friedländer=Fuld, Lewald und Miethe, die
Profeſſo=
ren von Drygalski, Reich, Graf Zedlitz=Trützſchler, die
Kapitänleutnants von Kneſebeck und Hilmers.
* New=York, 13. Juli. Der Aviatiker
Hamil=
ton iſt heute vormittag von New=York über Trenton
und New=Jerſey nach Philadelphia geflogen
und ohne Unfall gelandet. Hamilton überflog
Tren=
ton in einer Höhe von 800 Fuß.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Den Steuerzahlern müßte doch die
Möglichkeit gegeben werden, die Richtigkeit ihrer
Steuerzettel auch rechneriſch ohne vorherige
umſtänd=
liche weitere Erkundigung prüfen zu können. Bei den
Staatsſteuerzetteln iſt dieſes auch der Fall, da in
die=
ſen alle Grundlagen für die Berechnung angegeben
werden. Nicht ſo iſt es in den ſoeben wieder
erſchie=
nenen Gemeindeſteuerzetteln. Da heißt es zum Schluß:
Der über die nach Ziffer 4 hinaus angeforderte Betrag
entfällt auf örtliche Kirchenſteuer. Warum wird hier
nicht auch der Prozentſatz angegeben, wie es in den
Staatsſteuerzetteln bezüglich der allgemeinen
Kirchen=
ſteuer geſchieht? Nicht jeder hält das Regierungsblatt,
in dem die Höhe der Kirchenſteuer bekannt gemacht wird,
und gegen Irrtum in der Berechnung iſt doch auch das
Finanzamt nicht gefeit. Eine Aufklärung über die
ver=
ſchiedenartige Aufſtellung der beiden Steuerzettel wäre
ermünſchte
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Jun 19
Darmſtadt, 14. Juni.
L. Die geſtrige Schwurgerichtsverhandlung richtete
ſich gegen den 41 Jahre alten verheirateten, wegen
leich=
ter Vergehen beſtraften Schuhwarenhändler Johann
Georg Cat ta von Hanau, wohnhaft in Offenbach,
wegen betrügeriſchen Bankrotts. Der Angeklagte ſoll
als Schuldner, welcher ſeine Zahlungen eingeſtellt und
über deſſen Vermögen das förmliche Konkursverfahren
Eröffnet iſt, in der Abſicht, ſeine Gläubiger zu
benach=
teiligen, Vermögensſtücke verheimlicht oder beiſeite
ge=
ſchafft, Geſchäftsbücher, deren Führung ihm geſetzlich
öblag, vernichtet oder beſeitigt und es unterlaſſen haben,
die geſetzlich vorgeſchriebenen Bilanzen zu ziehen. C.,
der ein gelernter Schuhmacher iſt, warf eines Tages
den Leiſten weg und ſpielte bald mit, bald ohne Aſſocié
den Fabrikanten. Als ein Teilhaber mit 35000 Mark
Kapital bei ihm eintrat, baute er eine große Fabrik,
ſah ſich aber nach einiger Zeit genötigt, zu liquidieren;
die unbevorzugten Gläubiger bekamen 75 bis 80
Pro=
zeit. Sein Vermögen war fort. Nun ſchlug er ſich eine
Zeit lang durch ſo gut es ging, begann dann abermals
eine Schaften= und Schuhwarenfabrik. Durch Vertrag
vom 11. November 1908 räumte ihm der Kaufmann Chr.
Kaufmann einen Kredit von 10000 Mark ein, wogegen
er zur Sicherheit alle Maſchinen, Waren und Vorräte
verpfändete. Das Geſchäft betrieb er jedoch weiter.
Die Frau Catta, welche die Maſchinen gekauft hatte,
leiſtete ſelbſtſchuldneriſche Bürgſchaft. Das Geſchäft
ging, neue Maſchinen wurden angeſchafft, die ſpäter
laut beſonderen Vertrags ebenfalls dem Kaufmann
verpfändet wurden. Mißliche Umſtände, insbeſondere
auch die teilweiſe Kündigung des ihm von Kaufmann
gewährten Kredits brachten den Angeklagten ſo weit,
daß er im Januar vor. Jahres den Kaufmann dringend
bat, den früher gewährten Kredit wieder zu bewilligen,
weil er ſonſt verloren ſei. Auch ſuchte er in einer
An=
nonce einen jungen Mann, der etwas Geld mitbringe.
Es meldete ſich ein Herr Schieferdecker mit 6000 Mark
Einlage, der bald Angſt bekam und ſich eine
vollſtreck=
bare Urkunde ausſtellen ließ, um jederzeit vorgehen
zu können. Am 12. und 13. Januar v. J. einigte ſich
Catta vertragsmäßig dahin mit Kaufmann, daß er
die=
ſem die Maſchinen, Waren und Vorräte für 12800 Mk.
verkaufte; für ihn fielen dabei bar nur 700 Mark
her=
aus. Er hoffte dadurch den Konkurs zu vermeiden, vor
den Gläubigern Ruhe zu haben und für ſeine Familie
ſorgen zu können. Nun waren nur noch die Ausſtände
übrig; dieſe im Betrage von 3769 Mark trat er für 2500
Mark an Michael Hubert ab, der ihm Wechſel
da=
für gab. Alles war hiermit fort. Am 24. Februar v. J.
wurde förmlicher Konkurs erkannt, der mangels Maſſe
am 1. Mai eingeſtellt wurde. Das Geſchäft ging auf
den Kaufmann über, bei dem Catta zuerſt als Prokuriſt,
dann als Werkführer arbeitete. Der Konkursverwalter
konnte für die Gläubiger nichts tun; Bücher waren
keine da und der Angeklagte gab keine Auskunft. Vor
dem Unterſuchungsrichter geſtand er nach anfänglichem
Leugnen, daß er etwas Strafbares begangen habe.
Zu=
erſt behauptete er, Hubert habe die 2500 Mark bar
be=
zahlt, ſpäter geſtand er zu, daß Teilzahlungen geleiſter
worden ſein, zum Teil ſogar nach dem Konkurs. Von
dem Ausſtand ſagte er dem Konkursverwalter nichts.
Den Vertrag mit Kaufmann will er geſchloſſen haben,
um die Gläubiger abzudrücken; ſeine Familie ſei ihm
näher geweſen als dieſe. Vor dem Schwurgericht
ſucht er mehr auf Kaufmann und Hubert abzuwälzen,
ja er behauptet ſogar, er habe dem Hubert ſein Geld
zurückgegeben. Dies iſt zweifellos unwahr, denn für
ſich, ſeine Frau und 7 Kinder hatte er Geld nötig. Was
die Bücher betrifft, ſagte er anfangs, er habe keine
ge=
führt, ſpäter, ſie müßten beim Umzug verloren
gegan=
gen ſein. Nunmehr meint er, Kaufmann und Hubert
müßten ſie beſeitigt haben. Daß es unterlaſſen wurde,
die vorgeſchriebenen Bilanzen zu ziehen, gibt er zu.
Der Lageriſt Beyer, welcher nach dem Konkurs im
Geſchäft des Kaufmann tätig war, ſoll nach Ausſagen
der Frau und Tochter des Catta die vorhandenen
Bü=
cher verbrannt haben. Er war wegen Begünſtigung
in Unterſuchung gezogen worden, wurde aber, da er
leugnete und kein Beweis vorlag, außer Verfolgung
geſetzt. Kaufmann behauptet, der Angeklagte habe
ihn betrogen, indem er ihm alle Schulden beim Abſchluß
des Vertrages verſchwieg, durch den er das Geſchäft
übernahm. Von den Büchern will er gar nichts wiſſen.
obwohl feſtſteht, daß er dieſe dem Catta zuwies. Auch
ſoll ihm die Abſicht des Catta ganz unbekannt geweſen
ſein, die Gläubiger hinauszuſchmeißen. Als Aſſocié
habe der Angeklagte nicht mehr als 1500 Mark
ver=
langt, er habe ihm aber aus Mitleid nebenher Steuern,
Strafen, Miete uſw. bezahlt. Bei dem Kauf ſeien die
Maſchinen von ihm nicht zu niedrig angeſetzt worden,
gerade das Gegenteil ſei der Fall. Auch gegen
Kauf=
mann iſt ein Verfahren wegen Begünſtigung anhängig
geweſen und die Haft verhängt worden, dasſelbe
mußte aber eingeſtellt werden. Nach Ausſage des
Hu=
hert war Catta, der ſtets Geld brauchte, ſowohl bei
dem Kaufvertrag des Geſchäfts als auch bei dem der
Ausſtände die treibende Kraft. Die 2500 Mark hat er
erhalten und behalten.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Gelſenkirchen, 13. Juni. Die beiden auf der Zeche
Konſolidation verſchütteten Bergleute wurden als
Lei=
chen geborgen. Als Todesurſache wurde Erſticken
feſtgeſtellt.
* Saarbrücken, 13. Juni. Heute mittag entſtand
auf dem Mannesmann=Röhrenwerke in dem Stadtteil
Vordach beim Auſtechen einer Eharge eine ſchwere
Exploſion, bei welcher drei Arbeiter und ein
Hüttenmeiſter ſchwere Verletzungen erlitten; ein
Ar=
beiter iſt ſeinen Verletzungen bereits erlegen, die
anderen drei hofft man am Leben zu erhalten.
Vier=
zehn Arbeiter ſollen leicht verletzt worden ſein.
* Loetzen (Oſtpreußen), 13. Juni. Ein ſchweres
Vootsunglück ereignete ſich, wie die Loetzener
Zeitung mitteilt, am Samstag nachmittag auf dem
Mauerſee. Ein Segelboot mit vier Herren und zwei
Damen aus Angerburg kenterte infolge einer plötzlich
einſetzenden Boe. Dabei ertranken der Lehrer
Neck=
linger und ſeine Frau, ſowie der Lehrer Küßner. Die
Lehrer Mintz und Pedſchus und Fräulein Lank, die
gute Schwimmer zu ſein ſcheinen, wurden in faſt
leb=
loſem Zuſtande an Land geſpült. Die
Wiederbeleb=
ungsverſuche waren jedoch erfolgreich. Die Leichen
der drei Ertrunkenen ſind noch nicht geborgen.
* Kopenhagen, 14. Juni. Das Reichsgericht
ſetzte heute vormittag die Verhandlungen fort. Der
öffentliche Ankläger fuhr in ſeinem Plaidoyer fort und
ſagte u. a.: Wenn ich nicht beantragte, daß Alberti vor
dem Reichsgericht zu vernehmen iſt, ſo tat ich dies aus
drei Gründen nicht: Erſtens, weil Alberti doch die
Schuld beſtreiten würde; zmeitens, weil Alberti trotz
Beſtreitung des Amtsverbrechens als völlig überführt
betrachtet werden müſſe, und drittens, weil er, der
An=
kläger, dem Reichsgericht und dem Lande ein ſolches
Verhör erſparen wollte. Der Ankläger ſchloß mit der
Behauptung, daß der Angeklagte Chriſtenſen gegen
Alberti nicht eingeſchritten ſei und ſich deshalb der
Verletzung der Amtspflicht ſchuldig gemacht habe und
nach dem Strafgeſetz zu beſtrafen ſei. Darauf wandte
er ſich dem Verhältnis des Angeklagten Berg zu der
Bauernſparkaſſe zu und erklärte, daß er bei dieſem
Punkte zugleich die Mitverantwortlichkeit
Chriſten=
ſens behandeln werde, welche dieſen dadurch treffe, daß
er Berg nicht befahl, eine Unterſuchung der
Bauern=
ſparkaſſe zu veranſtalten. Schließlich ſagte der
An=
kläger: Er behaupte mit Beſtimmtheit, daß Berg mit
Vorſätzlichkeit und Willen es unterlaſſen habe, gegen
die Bauernſparkaſſe einzutreten, indem er dadurch
be=
zweckte, ſeine Hand über Alberti zu halten, deſſen Fall
für die Reformpartei ein ungeheurer Schaden
ge=
weſen ſei.
* Petersburg, 13. Juni. Die Kommiſſion des
Reichsrats zur Beratung der Geſetzesvorlage für
Finnland nahm den Entwurf ohne Abänderung an.
* Helſingfors, 13. Juni. Bei der Station
Sokken=
bakka ſtieß ein Güterzug mit einem
Perſonen=
zug zuſammen. 3 Perſonen ſind tot, 14 ſchwer und
viele leicht verletzt. Die Schuld trifft den Führer des
Güterzuges.
* Adrianopel, 13. Juni. Infolge der heftigen
Regengüſſe iſt die Tundſcha aus den Ufern getreten
und hat einige Stadtviertel überſchwemmt. Das
Militär=
gefängnis iſt eingeſtürzt, wobei mehrere Soldaten getötet
wurden.
H.B. München, 13. Juni. In der vergangenen
Nacht wurde die Hofſchauſpielerin Chlotilde Schwarz
auf dem Heimwege vom Reſidenztheater in Nähe des
Prinz=Regenten=Theaters von einem jungen Manne
angefallen. Der Täter raubte ihr nach heftiger
Gegenwehr die Handtaſche, in der ſich 400 Mark in bar
und eine goldene wertvolle Uhr befanden, und ergriff
damit die Flucht.
— Peſt, 13. Juni. Die Teilnehmer an einer Prozeſſion
in dem dalmatiniſchen Biſchofsſitz Trau tranken aus
einer ſchwefel= und alkalihaltigen Quelle,
trotzdem ſie vorher gewarnt worden waren. Sie ſtachen
dabei den Wächter der Quelle nieder. 3 Perſonen waren
auf der Stelle tot, 11 liegen ſterbend im Hoſpital. 50
Per=
ſonen wurden wegen Mitſchuld an der Ermordung des
Wächters verhaftet.
H. B. London, 13. Juni. Aus Bordeaux wird dem
Daily Telegraph gemeldet: Dr. Moure, der bekannte
Spe=
zialiſt für Ohrenleiden, war am letzten Freitag in San
Sebaſtian bei König Alfons. Eine Unterſuchung
er=
gab, daß der König durch die im vergangenen Jahre
vor=
genommene Operation von ſeinem Uebel nicht kuriert
wurde. Dr. Moure wird heute eine weitere Unterſuchung
der Ohren des Königs vornehmen, um zu entſcheiden, ob
ein neuer chirurgiſcher Eingriff notwendig iſt. Heute
abend wird der König nach Madrid zurückkehren.
1. Stützer Nacht.
in grösster Auswahl Schützenstrasse.
Seere
Seeneeenncc.
mder.
Gegen.
7
Kusten „Zleiderkeib.
2710
Unſer heutiges Blatt enthält eine Beilage der
Kur= und Bade=Anſtalt „Marienbad‟ Darmſtadt,
Landgraf Philipp=Anlage 62.
(12764
12. Juni 1910.
Die Geburt eines Töchterchens
zeigen an
Emil Jacobi und Frau
Elisabeth, geb. Pilz.
Darmstadt,
Schützenstrasse 21.
(12054
Mele
Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Heute mittag ½2 Uhr entſchlief nach
kurzem, ſchwerem Leiden mein lieber Mann,
unſer Bruder, Schwager und Onkel (12078
Herr Conrad Stein
Schreinermeister.
Darmſtadt, den 13. Juni 1910.
Im Namen der Hinterbliebenen
die tieftrauernde Gattin:
Marg. Stein, geb. Neumeister.
Die Beerdigung findet am Mittwoch,
nach=
mittags 4 Uhr, vom Friedhofsportale aus,
ſtatt.
Kondolenzbeſuche dankend verbeten.
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß heute Nacht unſer
liebes Kind
(12061
Friedrich
geſtorben iſt.
Dies zeigen tiefbetrübt an:
Balthasar Ningler u. Frau.
Darmſtadt, den 13. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. Juni,
nachmittags 5 Uhr, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Verluſte meiner lieben, unvergeßlichen
Frau und unſerer Mutter ſagen wir Allen,
ins=
beſondere dem Herrn Pfarrer Dr. Diehl für die
ergreifende Grabrede, dem Verband der freien
Gaſtwirte für die Kranzſpende und Niederlegung,
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden unſeren
herzlich innigſten Dank.
(12066
Philipp Korbus nebſt 4 Kindern.
Darmſtadt, den 14. Juni 1910.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Verluſte unſerer lieben Schweſter ſagen
wir Allen, insbeſondere dem Herrn Pfarrer
Wid=
mann für ſeine troſtreiche Grabrede, den
Barm=
herzigen Schweſtern für die liebevolle Pflege
während der Krankheit, ſowie für die zahlreichen
Blumenſpenden unſeren herzlichſten Dank.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Luise Hisserich.
Darmſtadt, 13. Juni 1910.
(12055
Sosenbrauflaschenbiere
sind hochfeine Qualitätsbiere.
(257a
[ ← ][ ][ → ]Nummer 136.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Jumi 1910.
Am 9. ds. Mts. entschlief zu Darmstadt der Grossh. Generalmajor a. D.
Kerr Prrez Beck
zuletzt Kommandeur des Grossh. Gendarmeriekorps.
(12040
Der Verstorbene hat von 1856 bis 1878 unserm Artilleriekorps angehört
und an den Feldzügen 1866 und 1870/71 ehrenvoll teilgenommen.
Wir werden dem Verstorbenen ein treues Andenken bewahren.
Im Namen des Offizierkorps des Grossherzoglichen Artilleriekorps:
v. Müller,
Oberst, Regiments-Kommandeur.
Todes-Anzeige.
Am 12. Juni, nachmittags 6¼ Uhr,
ver=
ſchied nach kurzem, ſchwerem, mit großer
Ge=
duld ertragenem Leiden, unſere innigſtgeliebte
(12067
Tochter, Schweſter und Nichte
Luise
im noch nicht vollendeten 14. Lebensjahre.
Namens der tiefbetrübten Eltern u. Geſchwiſter
nebſt Angehörigen:
Friedrich Fischer.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
15. Juni, nachmittags ½5 Uhr, von der
Fried=
hofskapelle aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres lieben Sohnes, Bru=
(12027
ders, Schwagers und Onkels
Philipp Jährlino
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden ſagen
wir Allen, insbeſondere auch Herrn Stadtpfarrer
Diehl für die troſtreichen Worte, unſeren
auf=
richtigſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Philipp Jährling Witwe,
Familie Heinrich Jährling,
Familie Heinrich Herpel.
Darmſtadt, den 11. Juni 1910.
Seite 7.
Dankſagung.
Für die erwieſene Teilnahme bei dem
Hin=
ſcheiden meiner lieben, treubeſorgten Gattin und
unſerer Mutter, Großmutter und Schwiegermutter
(12080
ſagt herzlichſten Dank
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
J. Philipp.
Darmſtadt u. Pforzheim, 13. Juni 1910.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Der flache
Luftwirbel über Deutſchland hat ſich über Nacht ein
wenig verſtärkt. Er brachte geſtern noch verſchiedentlich,
beſonders in Oſtdeutſchland, Gewitterregen. Doch blieb
im Großherzogtum das Wetter trocken und warm. In
Rußland und auch im Oſten des Reiches herrſcht immer
noch große Hitze (Petersburg heute morgen 27%). Da
jetzt auch über Italien der Luftdruck ſinkt, tritt wieder
eine Verſchlechtetung des Wetters und Regen ein.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 14. Juni:
Regenfälle, ſtrichweiſe mit Gewitter, etwas kühler.
Tageskalender.
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im „Schützenhof”.
Konzert um 8 Uhr im „Perkeo”
Lichtbilder=Vortrag im Reſtaurant Gottwald (Ober
bayern und Königsſchlöſſer).
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 15. Juni.
Hofreite=Verſteigerung des Jakob Menges (
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ring 135) um 11 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr in der
„Ludwigshalle‟.
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nich?
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Kurſe vom 13. Juni 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
8f. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,39
3½ Deutſche Reichsanl. . 83,00
(4,60
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,30
93,10
3½ do. Conſols .
84,60
73 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,70
93,70
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,50
92,20
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 102,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,00
do.
91,60
3½
do.
81,30
3. Sächſiſche Rente . . . 83,70
4 Württembergerv. 1907 102, 10
do.
92,80
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887
3¾ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 98,00
do. Goldrente . . 99,25
do. einheitl. Rente 94,40
Portug. unif. Serie I 66,25
do. unif. Ser. III 66,80
Spezial . 12,90
do.
Rumänier v. 1903 . . 102, 10
do. v. 1890 . . 95,00
do. v. 1905 . . 91,00
4 Ruſfen v. 1880 .
InProz.
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 92,40
4½ do. v. 1905 . . . . 100,30
96,00
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,50
4 Türk. Admin. v. 1903 87,90
do. unifiz. v. 1903 94,20
4 Ungar. Goldrente . . 95,20
do. Staatsrente 92,40
Argentinier . . . . . . 101,80
91,10
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 93,50
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,80
99,10
do.
4½
97,80
4½ Japaner .
5 Innere Mexikaner . . 100,20
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 96,70
5 Gold=Mexikaner
.100,25
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt .
. .144,20
4 Nordd. Lloyd . . . . 111,10
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,00
4 Baltimore & Ohio . . 110,90
4 Gotthardbahn . . . .
Zf.:
InProz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 161,40
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 24,00
4 Pennſylvania R. R. 132,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 203,00
Werger=Brauerei
. 82,80
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 476,00
Fabrik Griesheim . . . . 260,50
Farbwerk Höchſt . . . . . 478,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim . .
. . . . 324,80
Lahmeyer . . . . . . . . . 114,40
Schuckert .
. . . . . 162,70
Siemens & Halske . . . 244,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 419,75
Bochumer Bb. u. Guß . . 232,25
Gelſenkirchen .
. . . 208,25
Harpener
. . . 195,50
Phönix, Bergb. u.
Hütten=
betrieb . . .
. . . 221,40
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,40
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,70
do.
½
91,80
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
do. ſteuerfrei .
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,30
do.
98,10
do. alte .
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,00
do.
81,60
do.
za
56,70
3 Raab=Oedenburger . . 75,00
4 Ruſſ. Südweſt..
90,25
4 Kronpr. Rudolfbahn .
In Proz.
Bſ.
2¼/10 Livorneſer . . . . . . 76,00
79,60
4 Miſſouri=Paciſic
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,50
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec .
.102,00
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 172,40
4 Darmſtädter Bank 130,50
250,20
Deutſche Bank
Deutſche Vereinsbank 128,00
Diskonto=Geſellſchaft 187,40
Dresdner Bank . 158,30
Mitteldeut. Kreditbk. 119,50
Nationalbk. f. Deutſchl. 123,90
101,20
4 Pfälzer Bank.
144,40
Reichsbank
4 Rhein. Kredit=Bank 139,40
4 Wiener Bank=Verein 137,50
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
3½ do. S. 19. . . . 92,40
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
91,00
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,20
3½
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
91,10
3½
do.
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,20
do. (unk. 1914) 91,00
Bf.
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
20,
3½
92,80
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt
3½ do.
Frankfurt .
do.
31
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
do.
3
4 Magdeburg.
do.
3½
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
München .
.Nauheim
4 Nürnberg.
3½ do.
4 Offenbach .
3½ do.
4 Wiesbaden.
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886.
InProz.
100,30
91,60
.100,80
95,10
100,10
91,60
In Proz.
Madrider Fs. 100 78,80
Meining. Pr.=
Pfand=
briefe.
.. 136,00
Oeſterr. 1860er Loſe 174,20
Oldenburger .
. 124,60
91,30
100,50
91,60
101,20
92,00
100,40
102,60
91,60
2½ Raab=Grazer fi. 150 115,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
fl. 7 39,5l.
Braunſchweiger Tlr. 20 211,80
Freiburger
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Mailänder
Fs. 45 —
do.
Fs. 10 —
Meininger
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Oeſterreicher v. 1864 „ 100
do. v. 1858 „ 100 467,00
Ungar. Staats „100
Venediger
Frs. 30
Türkiſche
„ 400 184,10
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner „ 100
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Hall. Komm. „ 100 105,00
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910.
Nummer 136.
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ſein Nachfolger konnte nicht gegen Matthias Harms
auf=
kommen. Diedrich Geſterling, der durch die unmittelbare
Nähe der Senatorwahl ſtärker als jemals von ſeinen
poli=
tiſchen Arbeiten in Anſpruch genommen wurde, entließ
auch dieſen Herrn bald und ſuchte ſich einen dritten. Dieſer,
ein junger, gewandter Mann mit geſchmeidigen Manieren,
erzielte auch anfangs einige beſcheidene Erfolge. Doch die
Firma ging trotz der Geſundung des Frachtenmarktes, die
eben langſam und ſchwach einſetzte, mehr und mehr zurück.
Wo Matthias Harms das Haus Geſterling & Ko.
ſchädigen konnte, tat er es, und wenn es für ihn ſelbſt mit
Verluſten verknüpft war. Er konnte von ſeiner Hoffnung
auf Harriet noch immer nicht laſſen und kämpfte um ſie
mit anerkennenswertem Mut. Obwohl er die Schwächen
der Firma ſehr genau kannte, in der er zwanzig Jahre
ununterbrochen gearbeitet und die er fünf Jahre faſt
ſelb=
ſtändig geleitet hatte, war es für ihn, den
Kapitalsſchwä=
cheren, kein leichtes Stück, dieſes alte, ſolide Haus zu
er=
ſchüttern. Aber er ließ nicht locker. Nur ſo konnte Diedrich
Geſterling zur Nachgiebigkeit und zur Einhaltung ſeiner
Verſprechen gezwungen werden. Und Matthias Harms
erlebte noch vor Weihnachten den Triumph, daß Geſterling
& Ko. einen ihrer Dampfer aus der regelmäßigen Route
herauszogen und im Hafen aufliegen ließen.
Um dieſe Zeit verlor Guſchi Heggbloom den Dienſt.
Frau Abel Geſterling konnte ſie beim beſten Willen nicht
mehr behalten und ſprach ihr gründlich ins Gewiſſen. Aber
Guſchi war verſtockt wie ſelten eine. Ein feſter Trotz war
über ſie gekommen, der ſie ſtärkte. Tränen kannte ſie ſchon
lange nicht mehr. Das übliche Weihnachtsgeſchenk wurde
ihr noch bewilligt, und Frau Abel gab ihr ſogar noch ein
Bündel ſtark vergilbter Wäſcheſtücke mit, die ſie aus den
Tiefen ihres Leinenſchrankes holte. Guſchi nahm es, aber
kein Wort des Dankes brachte ſie über die Lippen. Drei
Tage vor Weihnachten kam ſie wieder in das kleine
Häus=
chen auf dem Weſterberg zurück.
Frau Karoline Heggbloom, die inzwiſchen noch
rundlicher geworden war, ſchlug vor Verzweiflung die
Hände über dem Kopfe zuſammen. Jürgen dagegen
ſchaute nur ein einziges Mal ſchief über die Brille, dann
wandte er ſich wieder an ſeine Arbeit und beklopfte
mit wuchtigen Schlägen die harte Sohle, die er gerade
auf dem Knie hatte.
Guſchi ſaß auf dem Stuhl, das Geſicht ſtraff vom
Trotz, und ließ die Mutter jammern und ſchimpfen, ſo
viel ſie mochte. Sie tat den Mund nicht ein einziges
Mal auf, was Frau Karoline bald zur höchſten Wut
reizte. Endlich machte ſie ſogar Miene, Guſchi in die
Haare zu fahren. Doch legte ſich der Vater ins Mittel.
Laß die Deern in Frieden! ſprach er unwillig und
ſtreckte gebieteriſch ſeinen Hammer aus. Sie wird’s
noch ſchwer genug haben.
Nun aber ſchoß Frau Karoline auf ihren Jürgen
los. Doch der beantwortete ihre lauten, bitteren
An=
klagen und Vorwürfe nur mit ſchallenden
Hammer=
ſchlägen. Als es ihm aber gar zu arg wurde, drehte
er ſich noch einmal um:
„Du biſt ſchuld! wies er ſie zurecht. Du haſt die
Deern hochmütig gemacht. Hätteſt Du nicht Henning
Breckwoldt aus dem Hauſe getrieben!
Jetzt fuhr Frau Karoline wieder auf Guſchi los
Laß die Deern! rief Jürgen grob und ſtellte ſick
ſchützend vor ſie. Was ſchiltſt Du ſie. Wo Dir’s dock
ſchon ſiebenmal paſſiert iſt!
Gegen die Schlagkraft dieſes Beweiſes konnte Frav
Karoline Heggbloom nichts vorbringen. Sie war in
höchſten Grade überraſcht, noch niemals hatte Jürgen
gegen ſie aufbegehrt. Die Wut ſtieg ihr in die Kehle und
erſtickte ihre Erwiderung.
So kam es denn zu einem vorläufigen
Waffen=
ſtillſtand.
Nach dieſem nicht gerade herzlichen Empfang blieb
Guſchi im Hauſe ihrer Eltern und machte ſich nach
Kräften nützlich. Untätig konnte ſie nicht herumſitzen.
Das ging ihr gegen die Natur. Sie wirtſchaftete im
Hauſe umher, nur machte ſie weniger Lärm als die
Mutter. Auf die Straße wagte ſie ſich mit keinem
Schritt. Die Mutter lag ihr von morgens bis abends
in den Ohren. Doch Guſchi hielt die Lippen feſt
ge=
ſchloſſen. Der Vater ſprach überhaupt nicht mit ihr.
Das traf ſie hart und zermürbte allmählich ihren Trotz.
Einmal, als ſie an Henning Breckwoldt und an ſeine
letzten Worte zurückdachte, war ſie ſo weit, daßeſiezin die
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910.
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Elbe gehen wollte. Aber es war im Januar und das
Waſſer war eiskalt. Da weinte ſie die ganze Nacht.
In Blankeneſe aber hatte es bald die Runde
ge=
macht, daß Guſchi Heggbloom ihre feine Stellung beim
Herrn Senator verloren hatte und wieder zu Hauſe bei
ihren Eltern war. Und die Leute ärgerten ſich ſchwer,
daß ſie nicht alles wußten. Der erſte Verdacht fiel auf
Henning Breckwoldt. Doch man kam geſchwind von
ihm ab, denn er war ja ſchon über neun Monate in See.
Da rieten die guten Leute denn weiter.
Guſchi aber ſchwieg und fand ihren Trotz wieder.
Nur an Henning oder ſeine Mutter durfte ſie nicht
denken. Dann kamen ihr gleich die Tränen. Pauline
Breckwoldt aber erfuhr die Neuigkeit von der Frau, die
ihr jeden Nachmittag die Milch brachte.
Ach! rief ſie erſchrocken und faltete die Hände über
der Schürze. Der arme Junge!
Jal meinte die Milchfrau achſelzuckend. Es geht
alles, ſo weit es geht.
Schade um die Deern! ſprach Hennings Mutter und
nickte langſam mit dem Kopfe. Ich hab’ ihr genug
zu=
geredet. Aber ſie war zu leicht. Und das hat ſie nicht
vom Vater.
Kann ſchon ſein! beſtätigte die Milchfrau vorſichtig
und ſtieg wieder den Süllberg hinunter.
Drei Tage ſpäter erhielt Frau Breckwoldt aus
Gorontalo auf Celebes einen langen Brief von Henning,
worin er mitteilte, daß ſie Order nach Moje in Japan
hätten. Da würden ſie vier Wochen liegen bleiben.
Wenn ſie dahin ſchreiben wollte, müßte ſie es ſofort
tun. Von Guſchi ſtand nichts in dem Brüiefe.
Und die gute Mutter ſetzte auf der Stelle einen
Bericht auf über alles, was inzwiſchen in Blankeneſe
und ſonſt nach den Zeitungen paſſiert war. Nur von
Guſchi ſchrieb ſie nichts. Das erfuhr der Junge im
Juli, wenn er zurückkam, noch zeitig genug.
Unterdeſſen hatte ſich der Kampf zwiſchen Geſterling
u. Co, und Matthias Harms immer mehr zugeſpitzt. Sie
hatten ſich in den Frachtraten ſo ſtark und ſchnell
unter=
boten, daß ſie bald an der Grenze angekommen waren,
wo ſich kein Gewin mehr herausrechnen ließ. Einige
Wochen hielten ſie ſich hier die Wage.
Da ſtieg Matthias Harms noch eine Sproſſe tiefer.
Jetzt raffte ſich Diedrich Geſterling, der ſeinen
Namen endlich auf die Vorſchlagsliſte der Wahl geſetzt
ſah, auf, und erſuchte Matthias Harms, ſeinen früheren
Prokuriſten, um eine Unterredung, um den
ſchädigen=
den, ſinnloſen Wettbewerb der beiden Firmen im Guten
aus der Welt zu ſchaffen.
Darauf hatte Matthias Harms längſt gewartet; er
erſchien, und ſtellte ſeine Bedingungen. Obgleich ſie
unannehmbar waren, brachte er ſie doch auf eine ſo
zarte und rückſichtsvolle Weiſe vor, als ſehe er in
Diedrich Geſterling noch immer ſeinen hochverehrten
Herrn Chef.
Laſſen wir das, lächelte der, und winkte ab. Ich.
kenne Sie viel zu genau, um nicht zu wiſſen, was hinter
all dieſen Manövern ſteckt.
Nun gut, ſprach Matthias Harms mit energiſchem
Tonfall, ließ die Maske ſinken und ſetzte ſich ſtramm in
die Höhe. Alſo ſpielen wir mit offenen Karten. Sie
haben Ihr Verſprechen, das Sie mir anläßlich meiner
erſten Kündigung gaben, nicht gehalten.
Es ſcheint ſo, erwiderte Diedrich Geſterling
über=
legen. Aber es iſt eine Täuſchung.
Fräulein Harriet iſt verlobt, fuhr ihm Matthias
Harms in die diplomatiſche Parade. Mit dem Maler.
Daß ich nicht wüßte, wies ihn Diedrich Geſterling
ruhig zurück. Haben Sie eine Anzeige erhalten?
Ich habe die beiden auf dem Strandwege
prome=
nieren ſehen! rief Maithias Harms erregt. Und zwar
per Arm. Ich glaube, das genügt. Außerdem wird es
an der Börſe herumerzählt.
Eine Verlobung liegt noch nicht vor, gab Diedrich
Geſterling zurück. Aber ich geſtehe, daß die Ereigniſſe
ſtärker geweſen ſind, als ich. Ich habe für Sie zu
retten verſucht, was zu retten war. Ich werde auch
weiterhin Ihr Intereſſe im Auge behalten.
Ich danke beſtens, ſprach Matthias Harms gekränkt
und ſtand auf.
Glauben Sie denn, fuhr Diedrich Geſterling fort,
daß dieſe Verbindung meinen Beifall findet?
Ich muß es glauben! entgegnete Matthias Harms
mit bitterem Spott.
Sie befinden ſich in einem Irrtum, ſagte Diedrich
Geſterling, und ſeine Finger zuckten nervös. Im
übrigen iſt dieſe Angelegenheit noch nicht ſpruchreif.
Bei Harriets Launen iſt noch nicht abzuſehen, was
geſchieht.
Ich habe bei Fräulein Harriet bisher nur das
ſtrikte Gegenteil von Launenhaftigkeit bemerkt, verſetzte
Matthias Harms energiſch.
Nun gut, meinte Diedrich Geſterling ärgerlich.
Gehen wir zum Geſchäftlichen über. Ich biete Ihnen
die Teilhaberſchaft an. Einen größeren Beweis meiner
Aufrichtigkeit kann ich Ihnen augenblicklich nicht geben.
Nicht ohne Harriet, antwortete Matthias Harms
eigenſinnig.
Iſt das Ihr letztes Wort? rief Diedrich Geſterling,
deſſen Geduld erſchöpft war.
Mein letztes, erwiderte Matthias Harms und griff
zum Hut.
Sie werden ſich ruinieren, warnte Diedrich
Geſter=
ling und erhob ſich mit einem Ruck.
Das iſt mir gleichgültig, rief Matthias Harms und
verabſchiedete ſich mit einer kurzen, knappen
Ver=
beugung.
Alſo Kampf! dachte Diedrich Geſterling, Kampf bis
aufs Meſſer!
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
„ 65.
Dienstag, 14. Juni.
1910.
Bekannt machung.
Wir bringen die nachſtehende Polizei=Verordnung über die Beleuchtung der
Fuhr=
werke zur Nachtzeit wiederholt zur öffentlichen Kenntnis.
Die Großh. Gendarmerie und das Polizeiperſonal ſind beauftragt, den Befolg zu
überwachen und Zuwiderhandlungen anzuzeigen.
(12057
Darmſtadt, den 10. Juni 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Polizei=Verordnung.
Auf Grund der Art. 78 und 48, V. 1. des Geſetzes vom 12. Juni 1874, die innere
Verwaltung und die Vertretung der Kreiſe und der Provinzen betreffend, ſowie des
§ 366 pos. 10 des Reichsſtrafgeſetzbuchs wird unter Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes
und mit Ermächtigung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz vom
13. Juni l. J. (zu Nr. M. J. 15622) unter Aufhebung der Polizei=Verordnung vom
4. Dezember 1884 verordnet, was folgt:
§ 1. Alle auf den innerhalb des Kreiſes Darmſtadt belegenen Staats= und
Kreis=
ſtraßen, ſowie den in dieſe Straßenzüge fallenden Ortsdurchfahrten nach Eintritt der
Dunkelheit verkehrenden Fuhrwerke müſſen mit einer, an gut ſichtbarer Stelle
ange=
brachten brennenden Laterne verſehen ſein. Perſonenfuhrwerke, welche auf den erwähnten
Straßen während der genannten Zeit verkehren, müſſen durch zwei heil brennende
Laternen, welche zu beiden Seiten des Bocks anzubringen ſind, beleuchtet ſein.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen dieſe Beſtimmungen unterliegen der Beſtrafung
nach'§ 366 des Reichsſtrafgeſetzbuchs (Geldſtrafe bis zu 60 Mk. oder Haft bis 14 Tagen).
§ 3. Vorſtehende Polizei=Verordnung tritt 14 Tage nach ihrer Publikation im
Darmſtädter Tagblatt in Kraft.
Darmſtadt, den 19. Juni 1890.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
p. Marquard.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden und die Großh. Gendarmerie
des Kreiſes.
Wir beauftragen Sie, dem Befolg der Vorſchriften der obigen Polizei=Verordnung
beſondere Aufmerkſamkeit zuzuwenden und Zuwiderhandlungen zur Anzeige zu bringen.
Den Großh. Bürgermeiſtereien empfehlen wir, den Inhalt der Polizei=Verordnung
wiederholt ortsüblich bekannt machen zu laſſen und das Polizeiperſonal mit
entſprechen=
der Weiſung zu verſehen.
Darmſtadt, den 10. Juni 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Im Staatsverlag iſt erſchienen und durch alle Buchhandlungen zum Preis von
1 Mark zu beziehen:
Der Urkundenstempel
in der
Faſſung der Bekanntmachung vom 24. März 1910.
(12041
„Amtliche Handausgabe.” Zweite Auflage, 6 Bogen, 8½, in Umſchlag broſchiert.
Darmſtadt, den 10. Juni 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir beauſtragen Sie, in Ihrer Gemeinde ortsüblich bekannt machen zu laſſen,
daß das Bedecken der Stuten durch Landgeſtütsbeſchäler mit dem 1. k. Mts, dahier
aufhört.
(12058
Darmſtadt, den 10. Juni 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Der Ankauf von magazinmäßigem Heu aus der neuen Ernte, auch direkt von
der Wieſe, hat ſeitens des Großh. Proviantamts Darmſtadt begonnen. Gezahlt werden
die jeweiligen Tagespreiſe.
(11971iii
Wir bringen dies zur Kenntnis der Landwirte unſeres Kreiſes.
Darmſtadt, den 8. Juni 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Die zur Ausführung von Walzarbeiten in der Ortsdurchfahrt zu Büttelborn
an=
geordnete Straßenſperre wird hierdurch aufgehoben.
(12056
Groß=Gerau, am 4. Junt 1910.
Großherzogliches Kreisamt Groß=Gerau.
Dr. Wallau.
Bekannt machung.
Betreffend: Die Vermeidung von Staubentwickelung bei Bauten.
Unter Bezugnahme auf unſere früheren Bekanntmachungen weiſen wir
wieder=
holt darauf hin, daß nach Maßgabe der beſtehenden geſetzlichen Beſtimmungen
(§ 366,8 Reichsſtrafgeſetzbuches, Artikel 112 und 292 Polizeiſtrafgeſetzes) diejenigen
Beſtrafung zu gewärtigen haben, welche es unterlaſſen, bei Bauten, namentlich beim
Abbruch von Gebäuden und bei der Erneuerung des Verputzes alle
Vorkehr=
ungen zu treffen, welche geeignet ſind, Gefahren für Vorübergehende und eine
beläſtigende Staubentwickelung zu verhindern. Insbeſondere iſt dafür Sorge zu
tragen, daß
1. der Verputz und das Mauerwerk vor dem Abſchlagen und während dieſer
Arbeiten ausreichend benäßt wird, daß
2. Bauſchutt nicht auf die Erde abgeworfen, ſondern abgetragen oder in
Ge=
fäßen abgelaſſen und hierbei — ebenſo wie beim Aufladen auf Wagen und
Abfahren — ausreichend benäßt wird, daß
3. derartige Bauarbeiten, bei welchen eine Staubentwickelung nicht ganz zu
ver=
meiden iſt, nur in den frühen Morgenſtunden (vor 8 Uhr vormittags)
vorgenommen werden darf
Die Schutzmannſchaft iſt mit Ueberwachung beauftragt.
Darmſtadt, den 10. Juni 1910.
(11987oi
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
Die öffentliche Impfung im Jahre 1910.
Die diesjährige öffentliche Impfung wird für die hieſige Stadt, Mittwoch,
den 4. Mai I. Js., nachmittags 5 Uhr, und die folgenden Mittwoche, ſo lange das
Bedürfnis dauert, im Schulhauſe in der Rundeturmſtraße abgehalten werden.
Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahre ſind nach Geſetz die im vorigen Jahre
geborenen Kinder ſowie die rückſtändigen früheren Jahrgänge.
Wir laden die hieſigen Einwohner, die impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung
dieſer öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denſelben
vorgenom=
menen Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich ſind. Wer die Termine nicht
be=
nutzen will, muß die Impfung ſeines pflichtigen Kindes bis zum Jahresſchluß auf
ſeine Koſten bewerkſtelligen laſſen, widrigenfalls ihm im Januar nächſten Jahres zur
Nachholung der Impfung eine vierwöchige Friſt unter Strafandrohung geſetzt wird.
Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwachſene auf ihren
Wunſch, und Kinder, die erſt im laufenden Jahre geboren ſind, auf Wunſch ihrer
Vertreter geimpft. In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als 50
Impf=
ungen vorgenommen. Alle in einem Termine geimpften Kinder müſſen bei Meidung
der geſetzlichen Strafe, in dem 8 Tage ſpäter abgehaltenen Termine zur Nachſchau
noch=
mals gebracht werden. Kinder, deren Zurückſtellung, von der Impfung wegen
Kränk=
lichkeit beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem Impfarzt vorgeſtellt
werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere Benachrichtigung an
die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Croup, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſenartige Entzündungen oder die
natür=
lichen Pocken herrſchen, dürfen Impflinge zum allgemeinen Termin nicht gebracht
werden. Die Kinder müſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem Körper und mit
reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 28. April 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.
(9475a
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 15. Juni 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle‟ (Obergaſſe) zwangsweiſe
gegen Barzahlung:
ca. 5 Mille Zigarren, Hausmobilien durch alle Rubriken, ſowie 1 Zither
und 1 Dambra.
(12071
Darmſtadt, am 13. Juni 1910.
Kapp, Gerichtsvollzieher zu Darmſtadt,
Friedrichſtraße 24, I.
Matratzenſtreu=Verkauf.
Mittwoch, den 15. ds. Mts.,
vormittags 11 Uhr,
wird in der Artilleriekaſerne (
Heidelberger=
ſtraße) eine größere Menge Sommermatratze
(12053
verſteigert.
Feld-Artillerie=Regiment Nr. 25.
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Fronkurt, a. NI. 105
heilt Prot. Rud.
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Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910.
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Moskau-Kiew-Woronesch Eisenbahn-Gesellschaft
im Nominalbetrage von
Mark D. R. W. 72,751,000 — Rubel 33.683/13 — Holl. Gulden 42,(77,588 — Lstg. 3,546,611,5 absoluter Garantie der Kaiserlich Russischen Regierung.
Verlosbar zum Nennwert vom Jahre 1911 ab innerhalb 45 Jahren.
Rückzahlung auf Grund von Gesamtkündigung oder verstärkter Verlosung bis zum 1. Januar 1920 n. St. ausgeschlossen.
Auf Grund des Beschlusses der Generalversammlung der Aktionäre vom
20. Dezember 1908
2. Januar 1909— und mit Genehmigung der Kaiserlich Russischen Regierung
emittiert die Moskau-Kiew-Woronesch Eisenbahn-Gesellschaft eine
4½ %oige Prioritäts-Anleihe
im Nominalbetrage von
Mk. D. R. W. 72.751.000 — Rbl. 33.683.713 — Holl. Gulden 42.777.588 — Lstg. 3.546.611.5/-.
Der Erlös der Anleihe wird verwendet für die Beendigung der Bauarbeiten
der Linie Bachmatsch-Odessa‟).
Die Anleihe ist in Abschnitte von
Mark 2000 — Rubel 926.− — Holl. Guld. 1176.— — Lstg. 97.10/—
588.− — „ 48.15/-
„ 1000 — „ 463.− —
294.−
„ 24.716
500 — „ 231.50 —
eingeteilt und zwar in
15000 Abschnitte No. 1 bis 15000 zu 2000 Mark,
33 000 Abschnitte No. 15001 bis 48000 zu 1000 Mark,
und 19502 Abschnitte No. 48001 bis 67502 zu 500 Mark.
Die Obligationen, die mit halbjährigen Coupons für einen Zeitraum von zwanzig
Jahren und einem Talon versehen sind, lauten auf den Inhaber, sie tragen in
Faksimile die Unterschriften von 5 Direktoren der Gesellschaft und ausserdem,
ebenfalls in Faksimile die Unterschrift eines Delegierten der Kaiserlich Russischen
Regierung. Stücke, Coupons und Talons sind in russischer, deutscher und hol.
ländischer Sprache ausgestellt.
Das Anlagekapital der Bahn setzt sich zusammen aus dem Aktienkapital der
Gesellschaft von ursprünglich Lstg. 1500000 Nominal (wovon Lstg. 148400 Nominal
getilgt) und folgenden, sämtlich von der Russischen Regierung garantierten
Priori-
täts-Anleihen:
Nominalbetrag
Tilgungsdauer
längstens
n
. Tilgung zu
nachstehen-
gungsquot.
m. Zuwachs
d.ersparten
Zinsen
den Iil- Gegenwärtig unverlost
im Umlauf Mark 67286500.− 1886 68 Jahre von 1888 an O.298.5780 Mark 59931000.− Kreditrubel25000000.− 1892 63 1892 „ 0.290 260% Kreditrubel 23025300.− 13000000.− 1893 61½ n 1893 „ 0.311 680% 12024000.- 4750000.− 1895 60 „ 1895 n 0.420 1850 4350400.− )Goldrubel27704873.60 4% 1895 59 1896 „ 0.437 440% Goldrubel 25216438.30 Rubel 10000000.- 1898 57 n 1898 0.467 336% Runbel 9362000.− 15750000.— 1890 56 „ 1899 0.488 520% 14758200.- 14735000.— 1903 52½ „ 1903 6571 530 „ 14062400.− Francs 47000000.- 1903 51 „ 1904 n 6625 885% Francs 47000000.− Rubel 11293000.− 1904 51½ „ . 1904 „ 0.598 080% Rubel 10882100.− ZRubel 15279000.− 1907is 846 „ 1909 0.788 205% 15158600.− Rubel 12038000.− *70 1909 46 „ 1910 O.684 471% 12038000.− 27780000.- 1909 46 „ 1910 5 „ O.684 471% 27780000.− 4434200.- 417o 1910 45 1911 „ 0.720 2 % 4434200.−
in Amsterdam
„ London
„ dem Bankhause Hope & Co.,
Lippmann, Rosenthal & Co.,
„ der Russischen Bank für auswärtigen Handel
„ Russisch-Chinesischen Bank.
Bei denselben Stellen erfolgt ohne Anrechnung von Kosten oder russischen
Gebühren die Aushändigung neuer Couponsbogen.
Die Gesellschaft verpflichtet sich, für den Fall einer eventuellen späteren
Konversion Stellen in Berlin und Frankfurt a. M. zu errichten, bei denen die
Konvertierung frei von allen Spesen bewirkt werden kann.
Die Zahlung der Zinscoupons und die Einlösung der
Obliga-
tionen wird für immer frei von jeder Russischen Steuer erfolgen.
Die Moskau-Kiew-Woronesch (ehemals: Kursk-Kiew, darauf Kiew-Woronesch)
Eisenbahn-Gesellschaft führt ihren jetzigen Namen seit dem 7./19. Juni 1895 in
Ge-
mässheit des unter dem 7. Juni 1895 a. St. Allerhöchst bestätigten Statutennachtrags.
-ab, zu welchem Zeit
Die Konzession der Gesellschaft läuft am- 24. Dezember 1955
6. Januar 1956
punkt die Bahn unentgeldlich in den Besitz des Staates übergeht‟).
Die Gesellschaft hat folgende Strecken in Betrieb:
A. Breitspurige Linien: Kiew-Woronesch 669 220 Werst, Moskau-Artakowo
551,224 Werst, Marmyi-Werchovje 123.248 Werst, Kursker Stadtzweigbahn 5,660
Werst, Kaluger Zweigbahnen 26880 Werst, Gisdrinskaer Zweigbahn 9,836 Werst,
Briansker Zweigbahnen 10,572 Werst, Moskauer Zweigbahnen 5,818 Werst. Lgover
Zweigbahn 2.800 Werst, Hafenzweigbahn auf dem rechten Ufer des Dniepers
3.768 Werst, Kiew II-Poltava der Charkow-Nikolaerbahn 315.262 Werst, Krivetzkaer
Zweigbahn 3,020 Werst, Tereschenskaia-Pirogovka 26,892 Werst, Navlia-Konotope
197.872 Werst, Okaer Zweigbahn 7,516 Werst, Novozybkower Verbindungsgleis
4,038 Werst, Verbindungsgleis Moskau I-Moskau II 4,038 Werst, zusammen
1,967,664 Werst.
B. Schmalspurige Linien: Kruty-Tschernigow 75,144 Werst, Kruty-Dnieper-
Krasnoe 193,413 Werst, Korenievo-Sudscha 37,552 Werst, Korenievo-Ryisk 22,125
Werst, Woroschba-Hutor- Michaelowsky 124914 Werst. Ochotehevka-Kolpna
55,260 Werst, Grebenka-Orgitza 2,330 Werst, zusammen 510,738 Werst.
Die Gesamtlänge aller Strecken beträgt also 2,478,402 Werst.
Die Betrieseinnahmen, die Betriebsausgaben, der Betriebsüberschuss und die
Erfordernisse für Verzinsung und Amortisation der Obligationen für die Jahre
1904 bis 1909 sind aus nachfolgender Aufstellung ersichtlich:
Ausgaben Betriebs-
Ueberschuss Erfordernis fü
Verzinsung ir Obligationen
Amortisation 1904
1905
1906
1907
1908
1909 Rbl. 25 496 668.37
„ 25 388 596.37
„ 30 016 087.25
„ 31073 260.07
„ 31356 629.31
„ 32941 489.11 21 425 418.57 15 290 973.25
15 587 635.50
19 806 865.76
21232264.47
2122393024 10 205 695.12
9800 960.87
10 209 221.49
9 840 995.66
10132 640107
11516070.54 6500 802.49
6 695 139.09 1001 830.59
6 657313.11
6954 978.36
7 617 102.13 1332114.28
7725 520.61 932826.68
1044 026.11
1 150 563.69
1 384 329.67
minal Mark 72,751,000 — Rubel 33,683,713 — Holl. Gulden 42,777,588 — Lstg.
3,546,611.5)-
Für die neuen Obligationen haften das ganze Vermögen und die gesamten
tigen Anleihen.
Ausserdem geniessen Sie vom Tage ihrer Emission an die
ab-
solute Garantie der Kaiserlich Russischen Regierung für Verzinsung
und Tilgung. Diese Garantie wird auf den Obligationen durch einen
Stempel der Kaiserlich Russischen Regierung bestätigt.
Die Obligationen der neuen Prioritätsanleihe werden mit 4½ pCt. fürs Jahr
in halbjährlichen Terminen, am 1. April und 1. Oktober neuen Styls, verzinst und
im Wege der Verlosung binnen 45 Jahren vom Jahre 1911 an gerechnet zum
Nenn-
werte getilgt. Der erste Zinscoupon ist am 1. Oktober 1910 n. St. fällig.
Die Verlosungen finden jährlich im Juni a. St. statt, und zwar die erste im
Juni 1911. Die verlosten Obligationen werden von dem nächsten der Ziehung
folgenden Zinstermin ab eingelöst. Zu jeder jährlichen Tilgung sind 0,720,202 pCt.
des Nominalbetrags der Anleihe unter Zuwachs der ersparten Zinsen auf die früher
verlosten Obligationen zu verwenden.
Die Nummern der jedesmal verlosten, sowie der aus vorhergegangenen
Ver-
losungen fälligen, noch nicht zur Einlösung vorgezeigten Obligationen werden als-Frankfurt a. M. wird beantragt werden.
bald nach der Verlosung ausser durch russische Blätter durch je zwei in Berlin
erscheinende Zeitungen, eine in Frankfurt a. M. und eine in Amsterdam erscheinende
Zeitung veröffentlicht. In diesen Zeitungen werden auch etwaige auf die
Umlaufs-
fähigkeit der einzelne Stücke bezügliche Verfügungen, soweit diese amtlich zur
Kenntnis der Gesellschaft gelangen, bekanntgemacht werden.
Die rückzahlbaren Obligationen müssen bei der Einlösung mit sämtlichen
nach dem Rückzahlungstermine fälligen Coupons eingeliefert werden. Der Betrag
etwa fehlender Coupons wird von dem Kapitale abgezogen.
Die Obligationen der Anleihe verjähren 30 Jahre nach ihrem
Rückzahlungs-
termine und die Coupons 10 Jahre nach ihrem Fälligkeitstage.
Ein allgemeines Gesetz betreffend Aufgebot zur Kraftloserklärung verloren
gegangener oder abhanden gekommener Inhaberpapiere besteht in Russland nicht.
Der Inhaber von Obligationen oder Zinscoupons vorstehender Anleihe gilt durch
den Besitz als Eigentümer legitimiert und kann demselben die Auszahlung der
Zinseoupons und dle Binlsung der Obligationen nicht vorweigert werden.
Eine verstärkte Verlosung oder eine Gesamtkündigung oder
Konvertierung der Anleihe ist bis zum 1. Januar 1920 p. St. ausgeschlossen.
Die Zahlung der Zinscoupons sowie der verlosten oder gekündigten Obliga.
tionen geschieht in den Beträgen, die dem in den Obligationen festgesetzten
Wert-
verhältnis entsprechen, nach Wahl des Inhabers: in Russland in Rubeln (1 Rubel
— ½s Imperial) in Berlin und Frankfurt a. M. in Mark Deutscher Reichswährung,
in Amsterdam in Holl. Gulden, in London in Pfund Sterling, und zwar:
in Moskau
bei der Kasse der Gesellschaft,
„ Berlin
Die Gesellschaft verteilte auf ihre über Lstg. 20 lautenden Aktien, ausser den
garantierten 5 pCt. Aktienzinsen, für die Jahre 1904—1908: Rbl. 14.50, Rbl. 13.75,
Rbl. 15.—, Rbl. 9.50, und Rbl. 3.50.
Die Staatsgarantie wurde in den vorbezeichneten Jahren nicht in Anspruch
genommen.
Bis zur Fertigstellung der definitiven Stücke werden in Deutschland mit dem
Zu diesen Prioritäts-Anleihen tritt die jetzt emittierte neue Anleihe von No-ldeutschen Reichsstempel versehene Interimscheine ausgegeben, die von den
Berliner Subskriptionsstellen ausgestellt sind und über deren kostenfreien
Um-
tausch in Originalobligationen seinerzeit das Nähere bekannt gemacht werden wird.
Diese Interimscheine werden mit den am 1. Oltober 1910 und am 1. April 191
Einnahmen der Gesellschaft unter Wahrung der Vorrechte der früher neuen Stils fälligen Coupons verschen sein weiche bei den deutschen Zahlstellen
emittierten Obligationen. Sie haben den Vorrang vor allen künf-lzur Einlösung gelangen, so dass der erste Coupon der Originalstücke am 1. Oktober
1911 neuen Stils fällig sein wird.
MOsKAU, den 26. Mai/8. Juni 1910.
Direktion der Moskau-Kiew-Woronesch Eisenbahn-Gesellschaft.
Subscriptions-Bedingungen.
Auf Grund vorstehenden Prospektes sind
Mk. 72,751,000.− 4½ steuerfreie, von der russischen Regierung
garantierte Prioritäts-Anleihe der Moskau-Kiew-
Woronesch Eisenbahn-Gesellschaft von 1910
Rückzahlung auf Grund von Gesamtkündigung oder verstärkter
Verlosung bis zum 1. Januar 1920 n. St. ausgeschlossen
zum Handel und zur Notierung an der hiesigen Börse zugelassen worden und
werden hierdurch zur Subskription aufgelegt. Die Notierung an der Börse in
Die Subskription findet statt
Sonnabend, den 18. Jun 1910
bei dem Bankhause Mendelssohn & Co.
in Berlin
Frankfurt a. M.
„ dem Bankhause Mendelssohn & Co.,
S. Bleichröder,
„ der Direktion der Disconto-Gesellschaft,
„ Berliner Handelsgesellschaft,
Direktion der Disconto-Gesellschaft,
4) Die Gesamtlänge der Linie Bachmatch-Odessa wird ungefähr 597 Werst und die der
dazu gehörigen Verbindungsbahnen 11 Werst betragen.
) 1 Goldrubel (Prägung vor dem Gesetz vom Jahre 1897) — M. 3.24.
*) Diese Anleihe von Rubel 15 279000 ersetzt die früheren Anleihen von 1907 und 1908
von Rubel 2850000.—, Rbl. 2280000.—, Rbl. 5674000.—, Rbl. 4795000.— u. Rbl. 1702000.−
welche vereinigt worden sind; zugleich ist ein Betrag von Rbl. 2022000 der vorgenannten
alten-Anfsthen aus-dem -Verkehr gezogen worden.
in
Frankfurt a.
der
der
S. Bleichröder
Direction der Disconto-Gesellschaft
Berliner Handels-Gesellschaft
Direction der Disconto-Gesellschaft
zu den Bedingungen,
sowie in Amsterdam bei dem Bankhause Hope & Co.
Lippmann, Rosen- welche diese Mäuser
veröffentlichen werden
thal & Co.
während der bei jeder Stelle üblichen Geschäftsstunden, und zwar in Berlin und
Frankfürt a. M. zu nachfolgenden Bedingungen:
1. der Subskriptionspreis beträgt 96% vom Nominalbetrage in Mark, zuzüglich
4½ % Stückzinsen vom 1. April 1910 bis zum Tage der Abnahme. Den
Stempel der Zuteilungsschlussnote trägt der Zeichner zur Hälfte.
2. Die Subskription erfolgt auf Grund des zu diesem Prospekt gehörigen
An-
meldungsformulares, welches von den vorgenannten Stellen bezogen werden
kann. Jeder Subskriptionsstelle ist die Befugnis vorbehalten, die Subskription
auch schon vor Ablauf der lestgesetzten Prist zu schliesen und nach ührem
Ermessen den Betrag jeder einzelnen Zuteilung zu bestimmen. Die
Zu-
teilung erfolgt so bald wie möglich nach Schluss der Subskription.
3. Bei der Subskription ist eine Kaution von 5% des gezeichneten
Nominal-
betrages in bar oder in solchen Effekten zu hinterlegen, die die
Subskriptions-
stelle als zulässig erachten wird.
*) Soweit das rollende Material die ursprünglich bestimmte Ausrüstung übersteigt und
der Ueberschuss mit übernommen wird, ist dafür vom Staate Entschädigung zu leisten. Die
Vorräte an Heiz- und anderweitigen Materialien gehen ebenfalls nur gegen Entschädigung an
den Staat über. Dasselbe ist der Fall bei den aus anderen Mitteln als dem garantierten
Kapital und ausserhalb der Konzession erworbenen oder errichteten Kokswerken, Giessereien
und Schmiedehütten, Buxeaus. Magazinenzund,anderen Obiekten.
Nummer 136₰
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910
Seite 13.
Die Abnahme der zugeteilten Beträge kann gegen Zahlung des Preises vom
28 Juni d. J. an geschehen. Der Zeichner ist indessen gehalten,
die Hälfte des zugeteilten Betrages am 28. Juni d. J.,
die andere Hälfte des zugeteilten Betrages spätestens am 28. Juli d. J.
abzunehmen. Zugeteilte Beträge bis 5000 Mark sind am 28. Juni d. J.
ungeteilt zu ordnen.
Bei vollständiger Abnahme wird die hinterlegte Kaution verrechnet
oder zurückgegeben.
Anmeldungen auf bestimmte Abschnitte können nur soweit
berück-
sichtigt werden, als dies nach dem Ermessen der Subskriptionsstelle mit den
Interessen der anderen Zeichner verträglich ist.
5. An den deutschen Plätzen können nur die von den Berliner Häusern
aus-
gestellten Interimscheine in Original-Obligationen umgetauscht werden.
Berlin, im Juni 1910.
Mendelssohn & Co.
S. Bleichröder.
Direktion der Disconto-Gesellschaft.
Berliner Handels-Gesellschaft.
(12024
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ſind unſere zuſammenhängenden Grundſtücke, Pallaswieſenſtraße —
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vom 1. Juli 1910 ab.
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1. Juli, event. früher oder ſpäter.
4. Ebendaſelbſt zweiter Stock, Wohnung, drei Zimmer und Zubehör,
ab. 1. Juli 1910.
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Bureauraum, Schuppen und Hof mit ſeparatem Zugang, ab
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910
Nummer 136.
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bietet eine so seltene Gelegenheit, sich mit gutem
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billigem Schuhwerk zu versehen, dass niemand diese
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Donnerstag, den 16. Juni, abends 8¼ Uhr,
im Testsaale der Turngemeinde am Woogsplatz:
Grosse evangelische
Volksversammlung.
Redner:
Pfarrer D. Waitz, Professor Dr. E. A. Berger,
Pfarrer Velte und Professor Knoll.
Alle evangelischen Frauen und Männer sind freundlich eingeladen.
Der Eintritt ist frei!
Die Kirchenvorstände und die Vorstände der Männervereinigungen, Frauen-
und Kirchengesangvereine der evangelischen Stadt-, Martins-, Johannes-,
Petrus- und Paulusgemeinde.
(12060id
Die Vorstände des deutsch-evangelischen Frauenbundes und des Gustav-Adolf-
Frauenvereins, des Gustav-Adolf-Vereins, des Evangelischen Bundes, des
Evangelischen Arbeiter- und Handwerkervereins, der Christlichen Vereine
junger Männer „Nathanael” und „Wartburg‟, der Kirchlich-positiven und der
Freien landeskirchlichen Vereinigung.
Kriegsveterdnen-Appen 1910.
Wir erlauben uns, verehrl. Einwohnerſchaft von Darmſtadt
darauf aufmerkſam zu machen, daß die Einzeichnungsliſten am
kommenden Donnerstag in Umlauf geſetzt werden und bitten
wir, nur in ſolche Liſten einzuzeichnen, welche durch Großh.
Poli=
zeiamt abgeſtempelt ſind.
(12026
Darmſtadt, den 12. Juni 1910.
Der Wohnungsausschuss.
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Grosses Militär-Streichmusik-Konzert
einer Kapelle vom Muſikkorps des Inf.=Leibgarde=Regts.
Leitung: Obermuſikmeiſter Hauske.
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Bei ungünstiger Witterung Konzert im Saal.
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Alexanderstrasse.
Monat Juni
Das einzig dastehende Programm des beliebten Münchner Possen-Ensemble
A. Herrmann.
Dienstag, 14. Juni: I. Grosser Oberbayerischer Abend
(*14661
mit brillantem neuen Programm.
Ende: Wonn’s gar is.
Anfang 8 Uhr.
Offener Brief
an die Leser
des „Darmstädter Tagblatt
An dieser Stelle wurden fortlaufend die verehrten Leser des Blattes mit den
Pro-
grammen der verschiedensten Reise- gelegenheiten bekannt gemacht. Um die bei dem
mannigfachen Angebot immer schwie- riger sich gestaltende richtige Wahl zu treffen,
sei hier zunächst auf die glänzend verlaufenen Mittelmeerreisen im April und Mai
der privaten „Freien Deutschen Reisevereinigung, hingewiesen, deren je 140
Teil-
nehmer aller Stände in jeder Hinsicht hochbefriedigt heimkehrten. Durch angenehmen
Zusammenschluss der Reiselustigen, eigenes Mieten grosser und moderner
Salonozean-
dampfer und günstige Abschlüsse mit ausländischen u. deutschen Firmen ermöglichte
diese Privatgesellschaft bereits über 1100 Reiselustigen auf durch- aus erstkl. Weise
kon-
kurrenzlos billige Reisegelegenheit zum Orient, nach ltalien, Frankreich, Spanien
Griechenland und Nordafrika. Vier grosse Studien- und Erholungsreisen suchen nun
wiederum die hervorragendsten klassischen und landschaftlich schönsten Stätten dieser
Länder anf. Auf P ersthlassigen Dampfern werden angelaufen und eingehend besucht in
19 bis 20 tägiger Reise die Orte Genua, Montecarlo, Marseille, Ajaccko, Rom, Capni
Neapel Pompeji, Palermo, Tunis, Carthago, Malta, Taormina. Messina, Athen, Corfu und
Venedig. Die Reisen währen vom 16. Juli bis 4. August, M 8. bis 27. August, 4. bie
bei den ersten 2 Reisen und mit 40 Mk. bei den letzten H 2 Beien. u mi. 350 Mk.
Preisen sind die gesamte Verptlegung mit Wein, alle Kosten der Landausflüge, nichts
ausgeschiossen, eine Reiseversicherung usw. einbegriffen. Wer seine Reisemittel
in der diesjährigen Reisezeit wirklich dauernd nutzbringend und vorteilhaft
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legen willl der verlange sofort die kostenlosen, genau informierenden Prospekte vom
(12034
Reiseleiter Redakteur Baumm in Duisburg 51
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Tüchtiges Mädchen per 1. Juli geſucht
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Landwehrſtr. 6, 2. Stock.
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Ordentliches, zung. Mädchen
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Köche, Reſtaurationsköchin, Beiköchinnen,
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Stellenbureau A. Dingeldein,
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Woog, am 13. Juni 1910.
Waſſerhöhe am Pegel 3,88 m
Luftwärme 170 C
Waſſerwärme vormittags 7 Uhr 220C
Woogspolizeiwache.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juni 1910.
Nummer 136.
Schlachtvieh= und Fleiſchbeſchau im Deutſchen Reiche.
Zahl der im 1. Vierteljahr 1910 beſchauten Schlachttiere.
Zahl der Tiere, an denen die Schlachtvieh= und Fleiſchbeſchau vorgenommen wurde
Pferde u.andere
Einhufer Ochſen Bullen Kühe Jung=
rinder
über
drei Monate alt Kälber
bis Schweine Deutſches Reich 40 482 156 418 119667 483 850 247 534 1315990 4076 207 Dagegen im 1. Vierteljahr 1909 39757 148911 124688 441038 231 281 1 149 668 4041913 1908
„ 1. 35987 138 913 107860 420 753 212 612 1149 342 4 418 214 1907
„ 1. 37 408 141136 97006 393557 184 202 1053 925 4079 656 1906
„ 1. 43 506 152 245 104050 429 163 211151 1052 263 3 237092. 1905
„ 1. 35899 142 214 112783 413756 186 353 1122865 3 924 280
Schafe Ziegen
483 537
446 180
440 495
485 880
452 397
510 676 139794 2270
116879
126936
131775
98301
107 778
2 455
2061
2 267
2151
1785
Großherzogliche Hofbibliothek.
Neue Erwerbungen, vom 13. Juni 1910 ab
auf 14 Tage im Leſeſaale zur Anſicht
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Adolf v. Oechelhäuſer; Jacobſen Emil, Sodoma
u. d. Einquecento in Siena; Vetter, Max, d. Sockel.;
Peterſen, Julius, Schillers Perſönlichkeit; Platen,
Aug., Graf v., Samtl. Werke, hs. v. Max Koch; Rauſch,
Gg., Goethe u. d. D. Sprache; D'Aubigné, Agrippa,
Hist. univers. p. p. Alph. de Rubel 10: Table des
matiéres p. p. de Vaissiére; Strauß, Max:
Zivil=
prozeßrecht; Vogt, Fried. u. Koch, Max, Geſch. d.
D. Liter., 3. Afl. Bd. 1. 2.; Wolff, Friedr., Michael
Pacher, Bd. 1, Berl. 1909.
Außerdem die neueſten gebundenen Bände
wiſſenſchaftlicher Zeitſchriften.
Sämtlich, mit Ausnahme von Wolff, vom
27. Juni ab verleihbar.
In die Handbibliothek des Leſeſaales iſt
aufgenommen worden: Geographen=Kalender,
hs. v. Hermann Haack, 8: 1910.
Schlag auf Schlag. Noch einmal zuckt der Kleine mit der
Hand. Er möchte den Vater zum Stehenbleiben
veran=
laſſen. „Ach, ſieh mal, Vater, was macht der Mann da?”
— Auch mich treibt es, dem Gärtner dort bei ſeiner
hüb=
ſchen Arbeit zuzuſchauen, wie er das Winterlaub von den
Beeten räumt, und dort ſchon allerlei farbige
Frühlings=
boten zum Vorſchein kommen. Wie ſollte es den kleinen
Mann nicht locken. Zeit genug hätte der Vater auch,
einen Augenblick dem kleinen Wißbegierigen eine Erklärung
zu geben und ihm die knoſpenden Blüten zu zeigen. Er”
zieht ihn weiter. „Hans, wieviel iſt 6 X 15? — 9 X 1520
O, dieſer Vater, der das Beſte in ſeinem Kinde tötet!
Wenn Blicke Dolche wären, ſo wäre ſein Rücken längſt ein
Sieb. Für die Kinder der Armen werden Geſetze gemacht,
daß ſie durch Frühſtück= und Zeitungsaustragen vor der
Schule nicht an Leib und Seele müde gemacht werden
dür=
fen, weil ſie ſonſt unfähig ſind, dem Unterrichte zu folgen.
Aber ſolch geiſtiges Müdemachen durch einen gebildeten
Vater iſt geradezu Quälerei.
Vermiſchtes.
— Wir wollen ſpazierengehen. Ja, die Liebe zur
Natur ſteckt unſerer Jugend im Herzen, und glücklich die
Kinder, denen durch Eltern und Schule recht oft die
Mög=
lichkeit wird, durch Wald und Feld, über Berg und Tal
zu wandern. Die Schulausflüge und Ferienkolonien ſind
ein Kapitel, das hierfür von ganz weittragender
Bedeu=
tung, iſt und was Marie Luiſe Bartz in der Welt der
Frau, dem Beiblatt zur Gartenlaube, über dieſe
Ein=
richtungen zu ſagen weiß, iſt uns aus dem Herzen
geſchrie=
ben. Sie kommt auch auf den „Alt=Wandervogel” den
Bund für Jugendwanderungen zu ſprechen, und deſſen
Be=
ſtrebungen kann man nur als gut bezeichnen. Wir möchten
hier nur eine kleine Skizze aus dem erwähnten
Garten=
laube=Aufſatz anfügen, die zeigt, wie es nicht gemacht
wer=
den ſoll. Die Verfaſſerin meint, daß manche Erwachſene
es nicht verſtünden, mit einem Kinde die Natur zu
genie=
ßen, denn ſie gehen ſelbſt mit verſchloſſenen Sinnen an den
Schöpfungswundern vorbei. Kaum glaublich, was man
in dieſem Punkt oft für Erfahrungen machen muß.
U. a. führt mich faſt jeden Morgen mein Weg mit einem
Vater und ſeinem Jungen zuſammen. Der Vater auf
ſei=
nem regelmäßigen Wege zum Bahnhofe, der kleine
Sieben=
oder Achtjährige zur Vorſchule des Gymnaſiums. Ein
herrlicher Frühlingsmorgen, und die Amſeln ſchmettern
freudig in den knoſpenden Bäumen! Aber dieſer Vater
rechnet — rechnet jeden Morgen mit dem Kleinen gerade
auf dieſem Morgenſpaziergange, wahrſcheinlich der
einzi=
gen Viertelſtunde, die er friedlich mit ſeinem Kleinen im
Laufe des Tages zuſammen iſt. „Vater, was ſingt da für
ein Vogel?” fragt der Kleine aufmerkſam. „Weiß nicht;
ſag mir lieber: wieviel iſt 7 X12 — 13?‟ Der Kleine
beantwortet es — gedrückt. „9X17 — 23?‟ So geht es
C.K. Koſtbare Worte. Eine amüſante Kalkulation
hat der Direktor des „Repertoire du Journal officiell‟
der franzöſiſchen Republik aufgeſtellt: er hat
ausgerech=
net, wie teuer die Steuerzahler die Reden der
Parla=
mentarier bezahlen. Das Ergebnis der mühſamen
Arbeit iſt die Erkenntnis, daß die franzöſiſche
De=
putiertenkammer im Jahre 1908 genau 608
Stunden und 45 Minuten getagt hat; durchſchnittlich
3 Stunden und 48 Minuten für die Sitzung, im ganzen
Jahre alſo täglich 1 Stunde und 39 Minuten. Dabei
ſind im Laufe des Jahres 413 Reden gehalten worden,
die im „Journal officiell” insgeſamt 549664 Zeilen
eingenommen haben. Die Demokraten haben genau
103 Stunden und 28 Minuten geſprochen, die Radikalen
81 Stunden 37 Minuten, die Radikal=Sozialiſten 120
Stunden 51 Minuten, die Sozialiſten 100 Stunden 33
Minuten, die Progreſſiſten 62 Stunden 5 Minuten, die
Nationaliſten 33 Stunden 1 Minute und die äußerſten
Rechtsparteien 42 Stunden 12 Minuten. Das ergibt,
daß die Redner der Linken durchſchnittlich 2 Stunden
15 Minuten geſprochen haben, während die Redner der
Rechten ſich mit 48 Minuten begnügten. Bei dem
Jah=
resgehalt von 15000 Franken, das jeder franzöſiſche
Abgeordnete bezieht, koſtet demnach dem Steuerzahler
jede Redeminute der Linksparteien 111 Fran=
Fen und jede Redeminute der rechten Parteien 312
Franken. Das iſt aber noch verhältnismäßig billig
im Vergleich mit dem Senat. Die Senatoren beziehen
die gleiche Gage, aber ſie halten ſeltener Sitzungen ab
und ſprechen auch weniger. Der Senat hat im gleichen
Jahre 265 Stunden 35 Minuten getagt, durchſchnittlich
3 Stunden 7 Minuten für die Sitzung oder 43 Minuten
im Tage. Jede Redeminute eines radikalen Senators
koſtet der Nation 455 Franken. Die Senatoren der
Progreſſiſtenpartei liefern ihre Rede billiger; ſie
ſpre=
chen häufiger und mehr, ſo daß der Steuerzahler bei
dem größeren Umſatz an Worten für die Minute nur
133 Franken zu bezahlen hat. Der Abgeordnete, der
im Jahre 1908 am meiſten geredet hat, war Cailleux, der
Verfechter der Einkommenſteuer; ſeine Reden nehmen
im „Journal” nicht weniger als 41699 Zeilen ein. An
zweiter Stelle ſteht Jaurés mit 16235 Zeilen, an
drit=
ter Barthou mit 15630 Zeilen, an vierter Briand mit
13720 Zeilen. Von den damaligen Miniſtern hat
Cle=
menceau in der Deputiertenkammer insgeſamt nur 6
Stunden 23 Minuten geredet und im Senat 3 Stunden
22 Minuten; er wird hierin von ſeinen Kollegen bei
weitem übertroffen. Der beſcheidenſte
Parlamentsred=
ner unter den Miniſtern iſt der Unterſtaatsſekretär der
ſchönen Künſte, Dujardin=Beaumetz, der 1908 in der
Kammer nur 28 Minuten und im Senat gar nur 1
Minuten geſprochen hat.
Die Entdeckung eines ſeltſamen Zwergvolkes
in Neu=Guinea, die einer von der britiſchen
ornitho=
logiſchen Geſellſchaft ausgeſandten Forſchungsexpedition
gelungen iſt, erregt in engliſchen Gelehrtenkreiſen das
größte Aufſehen. Nähere Einzelheiten, die nun gemeldet
werden, berichten, daß die Entdeckung dieſes eigenartigen
Zwerggeſchlechtes während der Beſteigung der großen
Schneeberge im Inneren von Holländiſch Neu=Guinea
gemacht wurde. In einer Höhe von etwa 2000 Fuß
ſtieß die Expedition auf einen Volksſtamm, deſſen
An=
gehörige eine Durchſchnittsgröße von nur 4 Fuß und
3 Zoll haben. Außer der Kleinheit der Geſtalten erregte
vor allem die außerordentliche Dunkelheit der Haut
be=
ſonderes Aufſehen. Die Hautfarbe erinnert an einen
mit Graphit friſch geſchwärzten Ofen. Seltſam iſt auch
die Naſenform dieſer Zwerge; die Naſe iſt auffällig
breit und dabei verhältnismäßig kurz; die Breite
ent=
ſpricht etwa der Höhe. Das Haar iſt gekräuſelt und
wächſt in merkwürdigen iſoliert ſtehenden Büſcheln.
Dies Pygmäenvolk von Neu=Guinea iſt körperlich
ver=
hältnismäßig gut entwickelt, der Körper iſt durchaus
proportioniert; nur die Arme ſind im Durchſchnitt länger
wie die der Europäer. Ihrer Lebensweiſe nach zählen
die Pygmäen zu den Nomaden; ſie ernähren ſich von
ihrer Geſchicklichkeit im Jagen und Fiſchen. Ihre
Haupt=
waffe iſt der Bogen; die Pfeile werden meiſt vergiftet,
gewöhnlich mit dem berühmten „upas” oder mit anderen
Pflanzengiften Unterſuchungen haben gezeigt, daß ſie
auch eine Art Strychnin beſitzen.
Beſonders intereſſant iſt eine merkwürdige Art
mechaniſcher Waffenkonſtruktionen, deren ſich die Pygmäen
zum Fallenſtellen und Jagen bedienen. Es handelt ſich
dabei um eine Art Bambusſpeer, der an einem ſtark
gekrümmten jungen Baum oder Aſt befeſtigt iſt. Die
Krümmung des Aſtes wird durch eine Art Hebel bewirkt,
der durch einen kleinen Ruck leicht zu löſen iſt. Im Graſe
wird eine dünne Leine geſpannt, die an einem Ende mit
dem Hebel in Verbindung iſt. Wer nun daherſchreitet
und über die unſichtbare Leine ſtolpert, löſt durch den
Ruck den Hebel, der gekrümmte Baum richtet ſich mit
Wucht auf und ſchleudert dabei den Speer auf das Tier
oder den Menſchen, der die Leine berührt hat. Dieſe
Vorrichtung dient gewöhnlich der Jagd: in
Friedens=
zeiten iſt die Falle auch durch beſondere Zeichen kenntlich
gemacht, gewöhnlich durch einen abgebrochenen Aſt. In
Kriegszeiten dagegen werden dieſe Zeichen entfernt. Die
Wunden, die durch dieſe automatiſch geſchleuderten
Speere verurſacht werden, ſind ſchwer und in den meiſten
Fällen tödlich. Trotz der Erfindung dieſer ſinnreichen
Einrichtung ſind die geiſtigen Fähigkeiten der Pygmäen
ſo gut wie gar nicht entwickelt. Keiner von ihnen war
z. B. imſtande, eine Zahlenvorſtellung aufzunehmen, die
über 3 hinausging. Das kleine Volk lebt ſorglos und
glücklich; haben die Pygmäen einmal Vertrauen gefaßt,
ſo zeigen ſie die größte Gaſtlichkeit.
Aber die Erfolge der britiſchen Expedition, die unter
der Leitung des bekannten engliſchen Naturforſchers und
Reiſenden Walter Goodfellow ſteht, ſind mit der
Auf=
findung dieſes merkwürdigen Zwergvolkes nicht erſchöpft.
Die Forſcher ſind auf Spuren jenes geheimnisvollen
Rieſentieres geſtoßen, deſſen Exiſtenz in Neu=
Guinea vor kurzem von einem anderen engliſchen
Forſcher, Mr. C. A. W. Monckton, berichtet wurde. Nach
den Ausſagen der Eingeborenen hat dies rätſelhafte
Tier eine Naſe, die in ihrer Form etwa der Naſe des
Tapirs entſpricht, und ein Geſicht „wie der Teufel”. Als
Monckton im Weſten von Britiſch Neu=Guinea den
Albert Eduard=Berg beſtieg, fand er die rieſigen
Fuß=
ſpuren dieſes Tieres, das offenbar kurz vorher auf dem
Berge in einer Höhe von 12500 Fuß gegraſt hatte. Alle
Verſuche, ein Exemplar dieſes Tieres, das nach den
Spuren zweiteilig geſpaltene Hufe hat, zu fangen, ſind
bisher geſcheitert. Ob die jetzige Expedition darin
glück=
licher iſt, ſteht noch nicht feſt, da neuere Berichte noch
nicht eingetroffen ſind. Goodfellow hat mit einer Reihe
von Gelehrten und Naturforſchern am 20. November
von Singapore über Batavia ſeine Fahrt nach Neu=
Guinea angetreten, ſodaß er heute etwa ein halbes Jahr
in dieſem von der Wiſſenſchaft bisher ſo wenig
durch=
forſchten Land weilt.
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