Darmstädter Tagblatt 1910


06. Juni 1910

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173. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

129.

Montag, den 6. Inni.

1910.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Die Vorromäus=Enzyklika und die preußiſche
Regierung.
Als die Regierung eines paritätiſchen Staates
greift die preußiſche Staatsregierung nicht in den Streit
der Konfeſſionen parteiiſch ein, wenn ſie auf die Wahrung
des konfeſſionellen Friedens bedacht iſt. Eine
ſachliche Verteidigung der Reformation mit den Waffen
der Geſchichtswiſſenſchaft erwartet von der Regierung nie=
mand
, und ſie ſelbſt hat auch in ihrem Organ keinen An=
lauf
zu einer ſolchen Verteidigung unternommen. Nur
die Form der an der Reformation vom Papſt geübten
Kritik iſt in der Nordd. Allg. Ztg. Gegenſtand der Er=
örterung
inſoweit geweſen, als jene Form geeignet iſt,
die Bedürfniſſe eines paritätiſchen Staates aufs ſchwerſte
zu beeinträchtigen. Die preußiſche Staatsregierung würde
ihre Pflicht verletzen, wollte ſie gegenüber einer auswär=
tigen
Macht, die ſtörend in die Verhältniſſe des paritäti=
ſchen
preußiſchen Staates eingreift, ſich ſo paſſiv verhal=
ten
. Die diplomatiſchen Beziehungen zwiſchen Preußen
und dem Vatikan werden ſchließlich doch nicht nur zu
dem Zwecke unterhalten, dem päpſtlichen Stuhle Annehm=
lichkeiten
zu bereiten.
Die preußiſche Staatsregierung wird auch durch den
Oberkirchenrat, dem die ſachliche Zurückweiſung der
Angriffe auf die Reformation überlaſſen bleibt, nicht von
der Aufgabe befreit, gegenüber dem Vatikan das In=
tereſſe
des paritätiſchen Geſamtſtaates zu
wahren. In dieſem Sinne äußert ſich auch die Mag=
deburgiſche
Zeitung, welche wünſcht, daß der preußiſche
Geſandte in Rom einen noch ſo leiſen Proteſt der evan=
geliſchen
Bevölkerung Deutſchlands erhebt und ſchreibt:
Man darf nun wohl annehmen, daß die verordneten
evangeliſchen Kirchenbehörden eine Abwehr des Angriffs
der Enzyklika ins Auge faſſen. Nicht von der Hand zu
weiſen iſt ferner die Frage, ob nicht auch für politiſche
Faktoren Anlaß zum Handeln gegeben iſt. Die katholiſche
Kirche iſt einerſeits mit den deutſchen Einzelſtaaten durch
organiſche Beziehungen verbunden, und andererſeits haben
wir eine politiſche Vertretung bei dem Haupte der katho=
liſchen
Kirche in Geſtalt eines Geſandten; es dürfte ſich
eine geeignete Form finden laſſen, wie der Kurie zum
Bewußtſein gebracht wird, daß die Grundſätze der En=
zhklika
dem Charakter der deutſchen Staaten als paritä=
tiſcher
Staaten widerſprechen.
Die preußiſche Regierung und vielleicht auch andere
Regierungen werden nicht umhin können, ſich zu der An=
gelegenheit
gegebenen Falles wenigſtens zu äußern. Im
ganzen Reiche werden, wie man hört, Proteſterklärungen
vorbereitet und die Parlamente werden ſich der Erör=
terung
dieſer die ganze proteſtantiſche Bevölkerung des
Deutſchen Reiches bewegende Angelegenheit unmöglich
entziehen können.
Die Münch. N. Nachrichten ſchreiben, daß ob der
Enzyklika bei allen gebildeten Katholiken das peinlichſte
Empfinden herrſche. Man wundere ſich, daß derartige
Kundgebungen in die Welt hinausgeſchleudert werden
könnten, ohne daß zuvor die deutſchen Kardinäle
auch nur gefragt werden. In dieſem Augenblicke möge
daran erinnert werden, wie dieſe einmal einſtimmig ihre
Autorität geltend gemacht haben; das war damals, als im
Vatikan unter jeſuitiſcher Führung der Catechismus Ro=
manus
, der römiſche Hauptkatechismus aufs neue ver=
fäßt
wurde. Er enthielt dieſelben greulichen Beſchimpfun=
gen
des Proteſtantismus und der Reformation, wie die
jetzt vorliegende Enzyklika. Da traten die preußiſchen
Biſchöfe in Fulda zuſammen und die ſüddeutſchen
ſchloſſen ſich an und erreichten durch eine Vorſtellung, daß
der üble Catechismus Romanus jenſeits der deutſchen
Grenzen blieb. Aus Rom wird berichtet, daß dieſe Borro=
mäus
=Enzyklika von den ſpaniſchen Kardinälen Vi=
ves
y Tuto und Merry del Val verfaßt und dem Papſte
zur Vollſtreckung vorgelegt worden ſei; den übrigen
Kurienkardinälen ſei dann die Enzyklika einfach als Ueber=
raſchung
zugeſtellt worden.

Die volkswietſchaftliche Bedentung der Marine.
K. K. Unſere Marine iſt ein volkswirtſchaftliches Un=
ternehmen
größter Art. Die für Schiffs= und Hafenbau=
ten
, Geſchütze, Panzerplatten, Maſchinen uſw. jährlich aus=
gegebenen
Rieſenſummen gehen zum großen Teil als
Löhne und Gehälter in die Taſchen der Tauſende von
Arbeitern und Angeſtellten zurück. Die Neubauten und

Ausbeſſerungsarbeiten hören das ganze Jahr hindurch
nicht auf und ſichern den Angeſtellten und Arbeitern der
Werftbetriebe dauernden und einträglichen Verdienſt, wäh=
rend
die Arbeiter in anderen Betrieben oft lange nichts
verdienen können. Unſere Marine gibt mittelbar und un=
mittelbar
einem großen Heere von Arbeitern und Ange=
ſtellten
ſowie deren Familien Lohn und Brot. Hörte die
Marine plötzlich auf, zu beſtehen, ſo würde der fünfte
Teil aller Bewohner Deutſchlands dadurch in Mitleiden=
ſchaft
gezogen werden. Man muß ſich hierbei vergegen=
wärtigen
, daß heutzutage der zum Bau und zur Aus=
rüſtung
der Schiffe nötige Stoff: Eiſen, Stahl, Kupfer,
Meſſing, Holz, Taue, Leder, Fett uſw., aus Deutſchland
ſelbſt bezogen wird, ſodaß alſo die dafür ausgegebenen
Summen an zahlreiche induſtrielle Unternehmungen ab=
fließen
. Für einen einzigen zum Schiffsbau nötigen Ar=
tikel
gibt es viele Großbetriebe mit Hunderten und Tauſen=
den
von Arbeitern und Angeſtellten. So wird in die wei=
teſten
Volkskreiſe hinein durch unſere Marine Wohlſtand
und Gedeihen getragen. Aus der Entwickelung der Städte
Kiel und Wilhelmshaven erſieht man am deutlichſten die
durch unſere Marine bewirkten wirtſchaftlichen Veränderun=
gen
. Aus Kiel iſt infolge der Anlagen der Kaiſerlichen
Werft eine Großſtadt geworden. Und Wilhelmshaven,
das vor 45 Jahren ſo klein war, daß die Kinder in einer
einklaſſigen Schule Platz hatten, iſt heute mit den dazu
gehörigen Vororten eine Stadt von 100000 Einwohnern.
Das einſt gemiedene und gefürchtete Fieberneſt iſt eine
anſehnliche Stadt mit allen neuzeitlichen Einrichtungen.
Nach der letzten amtlichen Angabe ſind auf den Kaiſer=
lichen
Werften jetzt 23908 Arbeiter beſchäftigt, 4039 mehr
als 1902. Die Kieler Werft beſchäftigt 8500, die Wil=
helmshavener
8134, die Danziger 3593, die Torpedowerk=
ſtatt
Friedrichsort 1555 Mann. 2126 Mann entfallen au=
ßerdem
auf die Lazarette, Bekleidungs= und Verpfle=
gungsämter
ſowie auf die Artillerie=, Minen= und Mu=
nitionsdepots
An Arbeitslöhnen wurden 33 Millionen
Mark gezahlt gegen 23 Millionen Mark im Jahre 1902,
das iſt alſo eine Steigerung von 30½ v. H. Und wenn
unter den Arbeitern 961 über 60 Jahre alt waren, 1848
ſchon mehr als 25 Jahre beſchäftigt wurden, ſo iſt das ein
ehrenvolles Zeugnis für die Gediegenheit des Betriebes,
wie für den die Kaiſerlichen Werften beſeelenden menſchen=
freundlichen
Geiſt.

Deutſches Reich.
Der König von Italien hat ein in ſehr herz=
lichen
Worten gehaltenes Telegramm an den deutſchen
Kaiſer gerichtet, in dem er ſeiner Genugtuung und ſei=
nem
Danke für die Aufnahme Ausdruck gibt, die Marcheſe
di San Giuliano in Berlin gefunden hat. Der Kai=
ſer
hat darauf telegraphiſch in ſehr freundſchaftlicher Form
ſeine Genugtuung und Befriedigung über di San Giu=
lianos
Beſuch und deſſen Verlauf ausgedrückt.
Die Reichstagskommiſſion für die
Reichsverſicherungsordnung beſchloß heute,
entſprechend dem Kompromißantrage, die Koſten für die
Verſicherungsämter den Bundesſtaaten aufzuerlegen. Nach=
dem
die Vorſchläge, im Geſetz vorzuſchreiben, daß analog
den Abteilungen für Arbeiterverſicherung bei den unteren
Verwaltungsbehörden (den Verſicherungsämtern) den obe=
ren
Verwaltungsbehörden Abteilungen als Oberverſiche=
rungsämter
angegliedert werden ſollen, zurückgezogen
waren, wurde die Regierungsvorlage angenommen. Da=
nach
bleibt das Organiſationsrecht für die Oberverſiche=
rungämter
der Regierung vorbehalten; jedoch wurden auch
hier Sonderämter für Betriebe und Betriebsgruppen ab=
gelehnt
.
Zur Ausſperrung im Baugewerbe wird
vom Verein Deutſcher Arbeitgeberverände geſchrieben, daß
nach der Auffaſſung in dieſen Kreiſen es nicht ganz leicht
ſein wird, die Zuſtimmung der Arbeitgeber zu den Vor=
ſchlägen
der Unparteiiſchen zu erhalten, weil doch ſehr wich=
tige
Forderungen der Arbeitgeber nicht in genügendem
Maße berückſichtigt worden ſind. Sobald die Zentralver=
bände
ihre grundſätzliche Zuſtimmung zu den Vorſchlä=
gen
der Unparteiiſchen gegeben haben, werden erſt die ört=
lichen
Verhandlungen einſetzen, und es iſt ſehr wahrſchein=
lich
, daß die Einigung über einzelne Bedingungen der
Spezialverträge, namentlich wenn von Arbeitnehmerſeite
Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung gleichzeitig ver=
langt
werden ſollten, großen Schwierigkeiten begegnen
wird. Der Deutſche Arbeitgeberbund für das Bauge=
werbe
weiſt ſelbſt in ſeinem letzten Rundſchreiben daraufel

hin, daß vor völligem Abſchluß aller Verträge an Auf=
hebung
der Ausſperrung nicht zu denken iſt.
Die nationalliberale Fraktion des
preußiſchen Abgeordnetenhauſes hat be=
ſchloſſen
, in der Angelegenheit der Borromäus= En=
zyklika
des Papſtes an die Regierung die Anfrage zu
richten, welche Maßregeln ſie zu ergreifen gedenkt, um der=
artige
Störungen des konfeſſionellen Friedens zu ver=
hindern
.
Die verſtärkte Gemeindekommiſſion des preußi=
ſchen
Abgeordnetenhauſes verhandelte über die
Anträge betr. die Erhaltung der Wälder. Die
Verhandlung führte dazu, daß der Antrag v. Brandenſtein
(konſ.) einſtimmig Annahme fand: Das Haus der Ab=
geordneten
wolle beſchließen, die Königl. Staatsregierung
zu erſuchen, Maßnahmen zu treffen, die geeignet ſind, da=
hin
zu wirken, daß von den ſeitens des Forſtfiskus zu
verkaufenden Waldparzellen in der Umgebung volkreicher
Städte ein möglichſt großer Teil von den an Erhaltung
dieſer Wälder vorzugsweiſe intereſſierten Gemeinden oder
von zu bildenden Zweckverbänden erworben wird. Bei
den Verkäufen iſt die dauernde Erhaltung dieſer Wälder
im Intereſſe des Publikums durch geeignete Bedingungen
ſicher zu ſtellen und der Kaufpreis ſo zu bemeſſen, daß auch
dieſer Zweckbeſtimmung Rechnung getragen wird.
Ausland.
Im Einlaufe des öſterreichiſchen Abgeordneten=
hauſes
befindet ſich eine Interpellation des Chriſtlich=
Sozialen Geßmann, in der gegen die Verwendung
der gemeinſamen Armee, insbeſondere der öſter=
reichiſchen
Truppen zu ungariſchen Wahlzwecken,
energiſch proteſtiert und die Regierung aufgefordert wird,
zu bewirken, daß die gemeinſame Armee ausſchließlich der
geſetzlichen Aufgabe erhalten bleibe. Die Tſchechen und
die Südſlawen brachten auch eine Interpellation ein, in
der über die Wahlmißbräuche in ſlowakiſchen Teilen Un=
garns
Klage geführt und gegen die Verwendung öſter=
reichiſcher
Truppen für derartige Zwecke proteſtiert
wird.
Die franzöſiſche Regierung teilt mit, ſie habe den
Entwurf der Wahlreform endgültig feſtgeſtellt,
nach dem die Liſtenwahl mit Proportionalvertretung der
Minoritäten eingeführt werden ſoll. Der Entwurf ſieht
eine ſechsjährige Mandatsdauer mit der Erneuerung eines
Drittels der Mandate jedes zweite Jahr vor. Die Regie=
rung
iſt der Anſicht, daß der Entwurf als Baſis für die
Verhandlungen dienen ſoll, wird aber nicht hinſichtlich je=
des
Einzelpunktes die Vertrauensfrage ſtellen. Wie ver=
lautet
, enthält die im Miniſterrat beſchloſſene Er=
klärung
außer den Darlegungen des Regierungspro=
gramms
auch die nachdrückliche Betonung, daß das Mi=
niſterium
entſchloſſen ſei, alle Errungenſchaften betr. die
Verweltlichung der öffentlichen Einrichtungen noch zu be=
feſtigen
. Die Regierungserklärung wird zweifellos eine
mehrere Sitzungen ausfüllende Interpellationsdebatte über
die allgemeine Politik des Miniſteriums hervorrufen.
Die Kammer hat in ihrer Freitags=Sitzung 504 De=
putiertenmandate
ohne Debatte als gültig erklärt.
Die reſtlichen 93 Mandate, darunter die Delcaſſés und des
Miniſters des Krieges Sarraut, gegen die Proteſte einge=
laufen
ſind, dürften Anlaß zu mehr oder weniger lebhaf=
ten
Erörterungen bieten.
Wie das Reuterſche Bureau erfährt, haben alle
Schutzmächte im Prinzip den Vorſchlägen Großbri=
tanniens
und Frankreichs für die Behandlung der neueſten
Entwickelung der Kretafrage zugeſtimmt. Es finden Pour=
parlers
ſtatt, um die genaue Form der an die Kreter zu
erlaſſenen Warnung feſtzuſtellen; doch iſt noch kein de=
finitiver
Beſchluß gefaßt worden. Die Pourparlers be=
treffen
hauptſächlich die Frage der Behandlung der muſel=
maniſchen
Deputierten und nicht irgend einen Entwurf zur
endgültigen Löſung der Kretafrage im Ganzen.
In der ruſſiſchen Duma bezeichnete bei der Bera=
tung
des Geſetzentwurfes betreffend Finnland der Re=
ferent
Graf Benningſen die Vorlage als geſetzmäßig. Mil=
jukow
(Kadettenpartei) führte aus, der Dringlichkeits=
antrag
beweiſe den Mangel an ſtaatlichem Rechtsbewußt=
ſein
bei der Mehrheit. Er ſchloß: Richtet Euch zu
Grunde, wenn Ihr wollt, die Kadettenpartei macht nicht
mit! Anrep (Oktobriſt) ſagte, weſteuropäiſche Gelehrte
leiteten unnützer Weiſe aus einer Staatsaufgabe der ruſ=
ſiſchen
Regierung eine juriſtiſche Anklage her. (Beifall
in der Mitte und rechts.) Die Vorlage ſei eine ſtaatliche
Notwendigkeit. Die Liebedienerei vor den Grenzmarken

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910.

Nummer 129.

müſſe aufhören. Andererſeits ſei eine Ruſſifizierung zu
unterlaſſen, nationale Beſtrebungen ſeien zu ſchützen, ſo
lange ſie nicht dem Reichsintereſſe widerſprächen. Die
Dringlichkeit wurde mit 186 gegen 120 Stim=
men
angenommen. Gegetſchkori (Soz.) erklärte ſo=
dann
, ohne Zuſtimmung des Landtages könnten die fin=
niſchen
Grundgeſetze nicht abgeändert werden. Samy=
ſlowski
(extreme Rechte) ſagte, Finnland bedrohe die Si=
cherheit
des Reiches, durch die Geſetzgebung, nötigenfalls
mit Waffengewacht, müſſe man dem entgegentreten.
Nach zuverläſſigen Petersburger Meldungen iſt
zwiſchen Japan und Rußland bereits ein ſchriftliches
Uebereinkommen über die Eiſenbahn in der Mandſchu=
rei
abgeſchloſſen worden. Ueber den Inhalt iſt noch nichts
Näheres bekannt.
Der Senat der Vereinigten Staaten nahm die Ei=
ſenbahnvorlage
an. Der Senat hat ferner mit 50 gegen
12 Stimmen den Geſetzentwurf, der die Befugniſſe der
Interſtate Commerce Commiſſion über die Bahnen erhöht,
angenommen. Der Geſetzentwurf wurde vielfach abgeän=
dert
, namentlich zu Gunſten der Verfrachter. Infolge
der Oppoſition der republikaniſchen Diſſidenten, die ſchließ=
lich
für die Vorlage ſtimmten, wird der Entwurf in einer
gemeinſamen Beratung beider Kammern erörtert werden.
Präſident Taft kündigte an, daß er am Montag Vertreter
der Eiſenbahnen empfangen wird, die glauben, daß ihre
Intereſſen durch die von der Regierung jüngſt gegen be=
ſtimmte
Bahnen erlaſſene Verfügung verletzt wurden.
Die japaniſche Regierung entdeckte, wie der New=
York=Herald meldet, eine gegen das Gouvernement gerich=
tete
ſozialiſtiſche Verbindung. Die Ausdehnung
des geplanten Komplottes iſt ſo weitgehend und die auf
dem Spiele ſtehenden Intereſſen ſind ſo bedeutend, daß die
Regierung die Zeitungen gebeten hat, keine Einzelheiten
über dieſe Affäre zu veröffentlichen. Dennoch weiß man,
daß mehrere ſozialiſtiſche Agitatoren ſich in Arbeiterklei=
dung
Eingang in die Nationalfabrik Matſumoto verſchafft
haben, dort Arbeit genommen haben und Bomben fabri=
zierten
, um den Miniſterpräſidenten Katſura und die übri=
gen
Mitglieder des Kabinetts damit zu töten.
Mit der fremdenfeindlichen Bewegung
in China, die zur Flucht der Miſſionare und zu Gewalt=
ätigkeiten
gegen Europäer führte, verknüpft ſich eine ſich
ſteigernde antidynaſtiſche Bewegung. Sämtliche Geſandt=
ſchaften
in Peking erhielten anonyme Zuſchriften, wie
man vermutet, von der revolutionären Partei in Schang=
hai
. In den Zuſchriften heißt es, daß ein großer anti=
dynaſtiſcher
Aufſtand bevorſtehe. Wie das Reuterſche
Bureau erfährt, haben die Konſuln in Nanking be=
richtet
, daß die Ruheſtörer offen eine freche Haltung ge=
genüber
den Fremden annehmen. Sie verunreinigten die
Mauern des amerikaniſchen Konſulats. Die Androhun=
gen
der Revolution für den 5. Juni, dem Tage der Er=
öffnung
der Ausſtellung in Nanking, veranlaßte chineſiſche
Kaufleute, mit ihren Schätzen auf das Land zu flüchten,
wo ſie ihr Hab und Gut vergraben. Die Konſuln forderten
die Fremden auf, die Stadt zu verlaſſen,

* Berlin, 3. Juni. Den Abſchluß der feſtlichen Ver=
anſtaltungen
zu Ehren der Turiner Kaufleute und
Induſtriellen bildete ein glänzendes Gartenfeſt,
das der Reichskanzler gab. Mehr als 200 Perſonen hatten
der Einladung des Reichskanzlers Folge geleiſtet. Unter
den Gäſten befanden ſich der italieniſche Botſchafter, das
Perſonal der italieniſchen Botſchaft, Staatsſekretär Frhr.
v. Schön, Staatsſekretär Delbrück, Staatsſekretär Wer=
muth
, Handelsminiſter Sydow, Polizeipräſident Jagow
und Oberbürgermeiſter Kirſchner, ferner vom Deutſchen
Handelstag, von der Handelskammer Berlin und den Ael=
teſten
der Kaufmannſchaft eine große Anzahl Vertreter.
Der Kanzler empfing die Gäſte und zog einen nach dem
andern ins Geſpräch. Im Laufe des Tages wurden ver=
chiedene
Beſichtigungen von induſtriellen Etabliſſements
vorgenommen. Der größte Teil der italieniſchen Gäſte tritt
morgen die Rückreiſe an.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 6. Juni.
* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfing am Freitag vormittag 10 Uhr zu
Jagdſchloß Wolfsgarten den Kreisrat Lochmann von
Offenbach. (Darmſt. Ztg.)
Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Großh. General=
major
à la suite der Kavallerie Frhrn. v. Heyl, den
Oberſtleutnant von der Schulenburg, Kommandeur des
Garde=Dragoner=Regiments (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23, den
Oberleutnant der Reſerve Frhrn. v. Seckendorff von
Unternzenn, den Profeſſor Glenz von Offenbach, den
Oberlehrer Dr. E. Mannheimer von Mainz, den Profeſſor
Wißmann von Langen; zum Vortrag den Staatsminiſter
Ewald, den Finanzminiſter Braun, den Miniſter des
Innern v. Hombergk zu Vach, den Vorſtand des Kabi=
netts
Geheimerat Römheld.
Ordensverleihungen. Se. Könial. Hoheit der
Großherzog haben dem Verlagsbuchhändler Heinrich
Wagner in Leipzig zum 1. Juni 1910 das Ritterkreuz
1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
und dem Kaufmann Jakob Latſcha in Frankfurt a. M.
das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen verliehen.
Charakterverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Regierungs= und Baurat
Jakob Geibel, Mitglied der Eiſenbahndirektion in
Frankfurt a. M., den Charakter als Geheimer Baurat
verliehen.
Entlaſſung. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben den Regierungsrat Guſtav Böß, Mit=
glied
der Eiſenbahndirektion zu Berlin, auf ſein Nach=
ſuchen
aus dem Staatsdienſte entlaſſen.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Auguſt Heß aus Pfungſtadt, Kreis Darmſtadt, die
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Steinau, Kreis
Dieburg; dem Schulamtsaſpiranten Heinrich Weber
aus Storndorf, Kreis Alsfeld, die Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Reuters, Kreis Lauterbach.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu Hohen=Sülzen, im Kreiſe
Worms, Friedrich Emmert auf ſein Nachſuchen bis
zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit mit Wirkung
vom 16. Juni 1910 an.
X* Zweite Kammer. Als Termin für den Zu=
ſammentritt
der Zweiten Kammer zu einer
Sommertagung iſt dem Vernehmen nach der
22. Juni in Ausſicht genommen. Es beſteht bekanntlich
die Abſicht, in dieſer Tagung neben verſchiedenen
kleineren Vorlagen auch die Gemeindeſteuerreform zu
erledigen, für welche der umfangreiche Ausſchußbericht in
den nächſten Tagen fertiggeſtellt werden wird.
L. Die Strafkammer verhandelte am Samstag gegen
den dreimal im Inland und achtmal im Ausland beſtraf=
ten
35 Jahre alten Friedrich Weber von Graz, der am

17. April ds. Js. von einer hier wohnhaften Privatin in
ihrer Wohnung überraſcht wurde. Dieſe erſchrak nicht
wenig, als der fremde Menſch vor ihr ſtand. Weber ſprang
ſchnell zum Fenſter hinaus, wurde jedoch feſtgenommen
und behauptete, er habe nur betteln wollen. Die ver=
ſchloſſenen
Türen ſowie Spuren am Fenſter ließen aber
keinen Zweifel darüber, daß es auf ein Diebſtahl abgeſehen
war. Der Täter wurde wegen Verſuchs eines ſolchen zu
1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Die
17 Jahre alte putzſüchtige Eliſabeth Margold von
Grünberg fälſchte einen Bürgſchein ihrer Dienſtherrin, in
dem ſie als ein ordentliches Mädchen bezeichnet wird, für
das die Herrſchaft gut ſtehe. Auf Grund desſelben borgte
ſie Putzſachen. Ihre Strafe beträgt 3 Wochen Gefäng=
nis
. Die mit einem Säugling auf dem Arm, der beſon=
ders
bei der Urteilsverkündigung ſchrie, erſchienene Mar=
garetha
Wörner von Seckmauern lief ihrem Bräutigam
Löbig davon, obwohl die Hochzeit bereits feſtgeſetzt war.
Sie nahm Geld, Kleider und ſonſtige Sachen im Geſamt=
wert
von 45 Mark nach Aſchaffenburg mit und vergaß die
Rückkehr. Die Sachen behielt ſie und wurde wegen Unter=
ſchlagung
zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Der
Landwirt Hieronymus Plank von Dieburg hatte ſich
durch den Ankauf eines teueren Steinbruchs eine Schulden=
laſt
aufgebürdet, der er nicht gewachſen war. In ſeiner
Not nahm er die Hilfe eines Bruders in Anſpruch, der
nichts dagegen hatte, daß ſein Name für einen Wechſel über
150 Mark und eine Bürgſchaftsurkunde über 1000 Mark
herhalten ſollte. Die Frau des letzteren war mit dieſer
Sache nicht einverſtanden, trotzdem erſchien Plank mit ſei=
ner
Frau eines Tages in Darmſtadt bei einem Notar, bei
dem ſich beide für den Bruder und ſeine Frau ausgaben
und den Bürgſchein errichteten. Soweit die Unterſchrift
der Frau in Frage ſteht, liegt eine Fälſchung ſeitens des
Unterzeichners vor, die Frau hatte nicht die Erkenntnis
der Strafbarkeit. Eines weiteren Vergehens machte ſich
Plank ſchuldig, indem er bei der Dieburger Kaſſe auf eine
gefälſchte Anweiſung 80 Mark abhob. Er wurde zu ins=
geſamt
2 Monaten Gefängnis verurteilt.
L. Der Provinzialausſchuß verhandelte am Sams=
tag
öffentlich folgende Sachen: 1. Karl Münk von
Ober=Schönmattenwag hat um die Erlaubnis nachge=
ſucht
, in einem Hauſe, in welchem bis zum Jahre 1900
eine Wirtſchaft betrieben wurde, wiederum eine ſolche
aufzutun. Die Gemeinde zählt 350 Einwohner und
vier Wirtſchaften. Die Gemeinde iſt dem Geſuch ge=
neigt
, die Wirte jedoch und der Beigeordnete, deſſen
Sohn Wirt iſt, ſind entſchieden dagegen. Der Kreisaus=
ſchuß
hat das Geſuch mangels eines Bedürfniſſes abge=
lehnt
; das früher vorhandene fünfte Geſchäft ſei ein=
gegangen
, weil der Beſuch ein mangelhafter war. Geh
Juſtizrat Maſſot legte Rekurs ein und wies durch den
Bürgermeiſter Johann nach, daß der Verkehr in Ober=
Schönmattenwag ſich durch die Bahn in der Weiſe ge=
ſteigert
habe, daß man allgemein das Vorhaben des
Münk für berechtigt anſieht. Dieſer hat mit Rückſicht
auf das Geſchäft bereits geheiratet und Ausgaben ge=
macht
. Die Entſcheidung lautete dahin, daß der einge=
legte
Rekurs für begründet zu erachten und die nach=
geſuchte
Konzeſſion zu erteilen ſei unter der Bedingung,
daß die Lokalitäten den geſetzlichen Vorſchriften ent=
ſprechend
hergerichtet werden. Die Koſten des Verfah=
rens
hat der Geſüchſteller zu zahlen.
2. Chriſtoph Helbig von Lorſch iſt, obwohl frü
here Geſuche abgelehnt worden ſind, aufs neue mit der
Bitte hervorgetreten, ihm zu geſtatten, in dem Hauſe
Lindenſtraße 18 eine Wirtſchaft zu betreiben. Der Ge=
meinderat
hat die Bedürfnisfrage bejaht, der Kreis=
ausſchuß
jedoch ablehnend beſchieden, weil ſich die Ver=
hältniſſe
nicht geändert haben und in nächſter Nähe be
reits vier Wirtſchaften vorhanden ſind. Lorſch beſitz:
bei 4900 Seelen 38 Gaſt= und 9 Schankwirtſchaften. Rechts=
auwalt
Dr. Oſann verfolgte namens des Geſuchſtellers
Rekurs und wies durch den Bürgermeiſter nach, daß

Berliner Sommertheater.
Plauderei aus der Reichshauptſtadt.
Berlin, im Juni.
Eine genaue Grenzlinie zwiſchen Winterſpielzeit
und Sommerſpielzeit iſt im Bühnenleben Berlins
überhaupt nicht mehr zu ziehen. Die meiſten Theater
ſpielen auch den ganzen Sommer hindurch munter
weiter, entweder mit eigenen Kräften oder mit gaſtie=
renden
Truppen. Unter dieſer Ueberproduktion von
theatraliſchen Genüſſen hat natürlich nicht nur das Pu=
blikum
zu leiden, ſondern mehr noch ſchädigt ſie jene
Bühnen, für die überhaupt nur im Sommer die Kunſt,
oder was ſo ausſieht, exiſtiert. Dieſen beſcheidenen
Vergnügungsſtätten, in denen das Intereſſe für Drama
und Poſſe erſt bei mehr als 20 Grad Celſius erwacht,
iſt der Lebensnerv ſo ziemlich unterbunden worden,
oder ſie wurden bis an die äußerſte Grenze der Stadt
gedrängt. Die Zeiten, da man bei Mutter Gräber!
oder bei Puhlmann ſeine große Weiße trank und dazu
mit Einaktern belegte Stullen verzehrte, ſind längſt
dahin. Noch ſind das Pratertheater in der Kaſtanien=
allee
und Noacks Sömmertheater in der Brunnen=
ſtraße
vorhanden, und am Königstor tun, wenn es
warm wird, im Schweizergarten einige gedächtnis=
ſchwache
Herrſchaften gleichfalls, als ob ſie Komödie
ſpielten. Aber das alles ſind doch nur dürftige Ueber=
reſte
einer glanzvollen Vergangenheit. Krolls Som=
mertheater
iſt unter der Leitung der königlichen Ge=
neral
=Intendantur ſo vornehm geworden, daß es un=
möglich
noch unter die richtigen Sommerbühnen ge=
rechnet
werden darf. Und auch das Bellealliance=
Theater beſteht im Grunde nur noch dem Namen nach.
Vor dreißig Jahren erſchien der Garten dort mit ſei=
nen
Girlanden von farbigen Gaslämpchen den Ber=
linern
noch wie ein wunderbarer Traum aus einem
Feenmärchen, und am Büfett ſtand ſchmunzelnd der
dicke Auguſt Wolff und maß die Kunſtbegeiſterung ſei=
nes
Publikums nicht an der Zahl verkaufter Theater=
billetts
, ſondern an den Bergen von Butterbroten, die
verzehrt wurden. Und wenn er im Herbſt die Bilanz
zog, ſo wurde eine Sommerſaiſon von achtzig bis hun=
dertrauſend
Butterbroten immerhin ſchon als ein
künſtleriſcher Erfolg betrachtet.
Aber die Entſtehung und Entwickelung der Ber=
liner
Sommerbühnen ſtammt aus einer noch viel wei=
ter
zurückliegenden Vergangenheit, und ihr Werden
und Wachſen bildet einen ſehr intereſſanten Abſchnitt
in der Theatergeſchichte Berlins. Bis zum Jahre 1848
gab es bekanntlich das nicht, was ſpäter Theaterfreiheit
genannt wurde. Außer den königlichen Bühnen war
nur das Königſtädtiſche Theater konzeſſioniert, und
weitere Theatergründungen innerhalb der Stadt wur=
den
einfach nicht geſtattet. Zwar ließ man 1843 vor
dem Brandenburger Tor den Unternehmer Kroll ſein
ſpäter ſo berühmt gewordenes Vergnügungslokal er=
richten
, aber eine Theaterkonzeiſion konnte er auch

nicht erlangen. Dagegen hatte ſchon zwei Jahre frü=
her
der Direktor einer reiſenden Geſellſchaft, Wilhelm
Metz, in Steglitz ein Sommertheater gegründet,
worüber in dem Almanach jenes Jahres zu leſen ſteht:
Die zwiſchen Berlin und Potsdam gelegene Eiſen=
bahn
gab der genannten Direktion die Veranlaſſung,
in dem eine Meile von Berlin gelegenen Dorfe Steg=
litz
auf dem Grund und Boden des Cafetiers Herrn
Stephani ein Sommertheater zu erbauen. Das Ge=
bäude
iſt von Holz ausgeführt, doch iſt das Innere, der
Zuſchauerplatz, beſtmöglich drapiert und freundlich aus=
geſtattet
. . . Drei Jahre hat ſich dieſe Steglitzer
Sommerbühne gehalten, dann verſchwand ſie, weil ſich
der Eiſenbahnverkehr zwiſchen Berlin und Potsdam
damals noch in immerhin beſcheidenen Grenzen hielt.
1847 rief, nicht allzu weit vor dem Potsdamer Tor, in
dem Gaſthaus zum ſchwarzen Adler in Schöneberg der
Direktor Moſer ein neues Sommertheater ins Leben.
Es erhielt eine gewiſſe Bedeutung dadurch, daß dort
im Schwarzen Adler‟ David Kaliſch mit ſeinem Ein=
akter
Ein Billett von Jenny Lind zum erſten Male
als Poſſendichter vor das Publikum trat. Das Revo=
lutionsjahr
1848, das den Berlinern endlich die lang=
erſehnte
Theaterfreiheit brachte, ſah dann in Schöne=
berg
gleich noch eine zweite Sommerbühne erſtehen,
deren Direktor Spielberger durch die Satire Die Bar=
rikaden
am Köllniſchen Rathauſe den Berlinern Ge=
legenheit
gab, in ſeinem Muſentempel die lärmendſten
Radauſzenen aufzuführen. Seltſamerweiſe erlebte
dort auch Gutzkows Zopf und Schwert das ſo lange
polizeilich verboten geweſen war, ſeine erſte öffentliche
Aufführung.
Die Sommertheater ſchoſſen in und um Berlin nun
überhaupt wie die Pilze aus der Erde. Dicht am
Oranienburger Tor gründete in dem Hennigſchen Lo=
kal
Karl Callenbach eine Bühne, in der 1850 Ernſt
Dohm mit ſeinem Schwank Der Prophet aus der
Linienſtraße als Dramatiker debütierte, und ein Jahr
ſpäter auch der berühmteſte Berliner Komiker, Karl
Helmerding, zum erſten Male das Publikum zum
Lachen brachte. Gleich nach Callenbach eröffnete in der
Schumannſtraße Friedrich Wilhelm Deichmann ſein
Friedrich Wilhelmſtädtiſches Theater, das urſprünglich
ausſchließlich als Sommerbühne gedacht war, mit den
drei Einaktern Die Macht der Barrikaden. Ein
Engel im Dachſtübchen und Die Braut aus Pom=
mern‟
In dem Prolog, der die Vorſtellung einleitete,
wurden die Zuſchauer höflich, aber dringend erſucht,
möglichſt anſtändig zu bleiben. Eine ſolche Mahnung
war durchaus notwendig, denn die neu erſtandenen
Sommertheater waren für die meiſten Theaterbeſucher
der beliebteſte Tummelplatz für allen möglichen Ulk
geworden. Die Bühne, die eine Schauſpielunternehme=
rin
Charlotte von Berg in Moabit gegründet hatte,
hieß im Volksmunde z. B. kurzweg das Volkskrakeel=
theater
Am tollſten aber ging es nach wie vor in
Schöneberg zu. In dem Schwank Der politiſche
Frauenklub wurden Held und omaara
E

unter ſtürmiſcher Mitwirkung des Publikums auf
das derbſte verhöhnt, und in den meiſten Fällen über
nahmen die Studenten die Rolle der Anführer des
Lärmmachens. Um den Unfug, den ſie verübten, wieder
gut zu machen, luden ſie freilich meiſt nach der Vor=
ſtellung
Direktor und Schauſpieler zum Abendeſſen ein.
Im Herbſt 1848 erhielt nicht nur das Krollſche Eta=
bliſſement
endlich die Theaterkonzeſſion, ſondern auch=
Louis Gräbert erbaute auf Wollanks Weinberg vor
dem Roſentaler Tor ſein Vorſtädtiſches Theater, das
nach ſeinem Tode von ſeiner Witwe, der Mutter Grä=
bert
ſo erfolgreich weitergeführt wurde. Rudolph
Haaſe, der ſpäter als Weißbierwirt noch beliebter
wurde, wirkte dort als Komiker, und die Soubrette=
Fräulein Gelbcke verheiratete ſich ſpäter mit Auguſt
Neumann, dem berühmten Komiker des Wallner=
Theaters. Das Repertoire ſetzte ſich in der Hauptſache
aus Ritter= und Räuberkomödien zuſammen, bis hin=
auf
zum Sohn der Wildnis und dem Glöckner von
Notre=Dame An klaſſiſche Dichtungen wagte Louis
Gräbert ſich höchſt ſelten heran. Auf Drängen ſeines
Freundes Ernſt Litfaß entſchloß er ſich jedoch einmal,
Schillers Jungfrau von Orleans zu geben. Auf
dem Theaterzettel wurde die Dichtung folgendermaßen
angekündigt: Das Mädchen von Orleans, große roman=
tiſche
Oper frei nach Schiller für die Vorſtädtiſche Bühne
bearbeitet von E. L. (Ernſt Litfaß) Als man den
Direktor fragte, warum er den Titel geändert habe,
meinte er achſelzuckend: Jungfrau, das glauben ſie
mir nicht und machen nur faule Witze darüber.
Wenn nun in den meiſten dieſer Berliner Som=
mertheater
ſehr oft auch die ausgelaſſenſte Ulkſtimmung
herrſchte, ſo hatten ſie doch einen friſchen Zug in das
Bühnenleben gebracht, denn das, was auf ihnen geboten
wurde, ſtand faſt immer in den engſten Beziehungen zu
den Ereigniſſen und Strömungen des Tages. Die poli=
tiſche
Erregung, von der während der kurzen Revolu=
tion
und der ihr folgenden Reaktionsperiode ganz Ber=
lin
ergriffen war, ſpiegelte ſich auch in den Sommer=
theatern
wider. So ſchrieb der damals allgewaltige
Kritiker Karl Rötſcher gelegentlich der Aufführung von
Adamis politiſcher Poſſe Provinzialunruhen ſehr tref=
fend
und charakteriſtiſch: Dieſer Jubel der Maſſe, ſo=
bald
, ſei es in einem derben Witzworte, einer hingewor=
fenen
Andeutung auf die großen Fragen und Kämpfe
des Tages, ſei es in einem heiteren, aufregenden Bilde
der Inhalt unſerer unmittelbaren Gegenwart berührt
wurde, war uns ein lebendiger Beweis, welch einen
Fortſchritt am öffentlichen Leben, an dem Problem
unſerer Zeit, auch die unterſten Schichten der Geſell=
ſchaft
gemacht haben. Während ſie früher nur die
Schlagworte des gemeinen Berlinismus aus ſich heraus
verſetzten, werden ſie jetzt durch die Anſpielungen auf
die großen politiſchen Kämpfe, auf die ſozialen Fragen,
kurz auf die allgemeinen Intereſſen der Menſchheit= ge=
wonnen
und finden ſich dabei zu Hauſe‟
s einſt in den Berliner Sommertheatern.
*V
aver heute?

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Jnnt 1910.

der ei
d die nad
Bedingu

ſich die Verhältniſſe in dem Ortsteile ſo geändert haben,
daß der Gemeinderat, der die Bedürfnisfrage früher
verneinte, ſolche jetzt bejahe. Die Entſcheidung lautet
dahin, daß die Erlaubnis wie unter 1erteilt wurde.
3. Die Peter Schmidt VI. Witwe in Offenbach
hat darum nachgeſucht, einen Kalkofen mit Halle er=
bauen
zu dürfen. Der Beſitzer der benachbarten Wirt=
ſchaft
Zur Felſenburg erhob Einſpruch, weil er eine
ſchwere Beläſtigung durch Ruß, Rauch, Staub und
Lärm befürchtet. Die Stadtverwaltung ſchloß ſich mit
Rückſicht auf den großen ſtädtiſchen Grundbeſitz an, nach=
dem
bekannt worden iſt, daß die Geſuchſtellerin auch
die Aufſtellung einer Kalkmühle plane. Der Kreis=
ausſchuß
entſchied ablehnend, welches Urteil mit Re=
kurs
angefochten wurde. In der zweiten Inſtanz trat
Rechtsanwalt Guggenheim lebhaft für Herrn Juſt ein,
der ein alteingeſeſſener Offenbacher Bürger ſei und ſeit
ſieben Jahren ſein Reſtaurant betreibe. Ein Vertreter
der Geſuchſtellerin hob hervor, daß es ſich zur Zeit nur
um einen Kalkofen handele, und wegen eines ſolchen
ſei zu entſcheiden. Eine Beläſtigung ſei von dieſem
nicht zu fürchten. Der eingelegte Rekurs wurde als
unbegründet verworfen, das angefochtene Urteil
beſtätigt und die Witwe Schmidt zur Zahlung ſämtlicher
Koſten, ſowie einer Gebühr von 20 Mark verurteilt.
H. K. Die Berechtigung zur Führung des Meiſter=
titels
im Handwerk. Das Großh. Miniſterium des
Innern hat am 19. Mai 1910 unter Nr. M. d. J. III.
4451 (Amtsblatt Nr. 10) an ſämtliche unterſtellten Be=
hörden
nachſtehende Verfügung erlaſſen: Einem Wunſche
der beteiligten Kreiſe entſprechend machen wir auf die
bgeſetzlichen Beſtimmungen über die Führung des
Meiſtertitels durch Handwerker (§ 133, § 148,
Nr. 9e der Gewerbeordnung, Artikel 8 des Reichs=
geſetzes
vom 26. Juli 1897 und Artikel 2 des Reichs=
geſetzes
vom 30. Mai 1908) aufmerkſam und weiſen Sie
an, im amtlichen Verkehr ſowie bei Aufnahmen von
Niederſchriften, Führung von öffentlichen Büchern, Re=
giſtern
uſw. darauf Bedacht zu nehmen, daß der Mei=
ſtertitel
in Verbindung mit der Bezeichnung des Hand=
werks
nicht bei Perſonen, die zu deſſen Führung nicht
befugt ſind, angewendet werde. In geeigneten Fällen
ſind die betreffenden Perſonen auf die Unzuläſſigkeit
der Führung jenes Titels hinzuweiſen. Andererſeits
iſt aber im amtlichen Verkehr mit den zur Führung
des Meiſtertitels befugten Handwerkern, ſoweit keine
Zweifel über die Berechtigung beſtehen und ſoweit es
ſich um ein Handwerk handelt, bei dem der Meiſtertitel
gebräuchlich iſt, einer Berufsbezeichnung der Meiſter=
titel
beizufügen.
* Verleihung der Staatsmedaille. Durch Ent=
ſchlteßung
Großh. Miniſteriums des Innern wurde, wie
ſ. Zt. bereits mitgeteilt, auf Vorſchlag der Preisrichter
der Ausſtellung des Vereins der Hundefreunde von
Darmſtadt und Umgebung, die am 17. und 18. April
1910 zu Darmſtadt ſtattfand, die Bronzene Staats=
medaille
für Ausſtellungen an Baron de Gingins
auf Hohenau bei Nackenheim, Königlich Preußiſchen
Förſter Weber zu Riedelbach a. T. und Veterinärarzt
Dr. Diffiné zu Rüſſelsheim verliehen.
Zahnärztliche Poliklinik. Im Monat Mai 1910
wurden behandelt 404 Kinder (226 Mädchen, 178 Knaben)
mit 680 Konſultationen. Gefüllt wurden 571 Zähne,
ausgezogen wurden 317 Zähne (272 Milchzähne, 45
bleibende Zähne). An 23 Tagen wurden Sprechſtunden
abgehalten.
Städtiſches Hallenſchwimmbad. Für die
Sommermonate ſind verſchiedene Aenderungen in der
Badezeit eingetreten, die aus der Bekanntmachung er=
ſichtlich
ſind.
Verein Volksküche. Während des Monats
Mai l. J. war die Volksküche zufolge der Sonntage
und Feiertage nur an 22 Arbeitstagen im Betrieb und
der Verkehr während dieſer Zeit zeigt gegen die Vor=
monate
mit mehr Betriebstagen eine größere Dichtigkeit.
Das beweiſt eine nicht nur andauernde, ſondern über=
dies
eine ſtetig wachſende Hilfsbedürftigkeit unter den
Koſtgängern der Wohltätigkeitsanſtalt und die Aufgabe
des Vereins zur Sicherung eines leiſtungsfähigen Fort=

beſtands der privaten Wohlfahrtseinrichtung wird von
Tag zu Tag ernſter. Nach den üblichen Durchſchnitts=
berechnungen
über verabreichte Speiſen, d. h. Suppe,
Gemüſe und Fleiſch, alſo mit Ausſchluß der abgegebenen
Brote, Wecke, Milch und Kaffee, haben in dem Monat
Mai l. J. täglich 388 Koſtgänger (männlich und weiblich)
ihr Mittag= und Abendeſſen in der Volksküche einge=
nommen
, das iſt eine Leiſtung der Anſtalt und eine
Leiſtung des auf den notwendigen Bedarf beſchränkten
Küchenperſonals, die für ſich ſelbſt ſpricht. Im einzelnen
ſind während des Monats Mai l. J. täglich verabreicht
worden: 112 Stück Brot (mit und ohne Butter), 94
Wecke, 125 Taſſen Kaffee (mit und ohne Zucker), 112 Taſſen
Milch, 29 Portionen Wurſt und Fleiſch für ſich, 87 Por=
tionen
Suppe (mittags und abends), 133 Portionen Bei=
lagen
(Salat, Gemüſe, geröſtete Kartoffeln), 40 Portionen
Suppe und Gemüſe zuſammen, 7 Portionen Suppe
und Fleiſch zuſammen, 36 Portionen Gemüſe und Fleiſch
zuſammen, 25 Portionen Suppe, Gemüſe und Fleiſch
zuſammen und endlich 31 Portionen Hering mit Kar=
toffeln
. Dabei kamen 655 Freikarten (bereits bezahlte
Gutſcheine zu 10 Pfg.) zur Ablieferung und Verwertung.
* Der Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſtellers
verein hält morgen abend 8½ Uhr im Grünen Zimmer des
Kaiſerſaals eine Mitgliederverſammlung
mit folgender Tagesordnung ab: 1. Die geplante Um=
geſtaltung
des Verbandes Deutſcher Journaliſten= und
Schriftſteller=Vereine. Hierzu Referat des Herrn Re=
dakteurs
Hannemann über die bezüglichen Verhand=
lungen
der Tagung des Bundes deutſcher Redakteure‟
am 22. Mai in Hannover. 2. Die Tagesordnung für
den 17. Delegiertentag in Würzburg vom 18. bis 21.
Juni ds. Js. und die Inſtruktion der Vereinsdelegier=
ten
. Gäſte ſind willkommen.
Kriegsveteranen=Appell 1910. Auf die An=
zeige
des Wohnungsausſchuſſes für den Veteranen=Appell
in heutiger Nummer ſei an dieſer Stelle nochmals hin=
gewieſen
.
Der Naturheilverein gibt bekannt, daß ſeine
Licht=, Luft= und Sonnenbäder bereits von
6 Uhr früh für den Beſuch geöffnet ſind.
Städtiſcher Saalbau. Morgen abend, den
7. Juni, findet im Städt. Saalbau das dritte Dienstags=
Konzert der vollzähligen Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=
Regts. Nr. 61 ſtatt. Das Programm iſt beſonders
reichhaltig gewählt und ſeien unter anderem erwähnt:
Vorſpiel zu Parſifal, Carmen, Rigoletto, Prima Bal=
lerina
uſw. Die am vergangenen Dienstag ausgefallene
Reunion findet diesmal beſtimmt ſtatt. (Näh. Anz.)
A Die Wochenmärkte bringen nun die Erzeugniſſe
des Frühſommers ſchon in reicher Fülle. Kirſchen
aus der Bergſtraße ſind ſchon ziemlich da und koſteten ſie
3540 Pf. das Pfund. Sonſt ſind von der vergangenen
Woche an Durchſchnittspreiſen zu verzeichnen: Butter
Kg. 1,30 M., in Partien 1,20 M., Eier 67 Pf.,
Schmierkäſe ½ Ltr. 20 Pf., Handkäſe 410 Pf., vor=
jährige
Kartoffeln der Zentner 34 M., Kumpf (10 Liter)
5060 Pf., ½ Kg. 35 Pf., neue Italiener ½ Kg. 10 Pf.,
Malta ½ Kg. 15 Pf.; Obſt u. dgl.: vorjährige Aepfel
Kg. 40 Pf., Zitronen 53 Pf., Apfelſinen 610 Pf.,
Ananaserdbeeren ½ Kg. 1,20 M., unreife Stachelbeeren
Kg. 20 Pf.; Salat, Gemüſe: Kopfſalat 46 Pf.,
Bündel Radieschen 2 Pf., Bündel Rettiche 58 Pf.,
Meerrettich 2030 Pf., Rhabarber ½ Kg. 1015 Pf.,
Roterüben ½ Kg. 8 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 10 Pf., Para=
diesäpfel
½ Kg. 50 Pf., Schälgurken 2040 Pf., Wirſing
30 Pf., Kohlrabi 610 Pf., Blumenkohl 50 Pf., Weiß=
kraut
30 Pf., Bündel Römiſch=Kohl, Schnittlauch uſw.
2 Pf., Spinat ½ Kg. 810 Pf., Schwarzwurz ½ Kg.
2030 Pf., Spargel ½ Kg. 3050 Pf., Bündel Karotten
1016 Pf., Kernerbſen ½ Kg. 3035 Pf., neue Bohnen
½ Kg. 40 Pf.: Geflügel: junge Gänſe 78 M., Enten
34 M., Hahnen und Hühner 3,003,50 M., Tauben
70 Pf.: Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 1 M., andere Rhein=
fiſche
40 Pf., Rotzungen 50 Pf., Maifiſche 30 Pf., Kabeljau,
Seehecht, große Schellfiſche 25 Pf., kleine Schellfiſche 18
bis 20 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rind=
fleiſch
56 Pf., Hackfleiſch 60 Pf., Rindsfett 50 Pf., Rinds=
würſtchen
(Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch 90 Pf., Blut=

Seite 3.
und Leberwurſt 64 Pf., Fleiſchwurſt und Schwarten=
magen
85 Pf.
Mainz, 3. Juni. Zu den Privatklagen Wolf
gegen Möglich wird mitgeteilt, daß heute vor der
Strafkammer der Beſchuldigte, Alfred Möglich, fol=
gende
Erklärung abgegeben hat: Ich habe mich
davon überzeugt, daß die von mir gegen Herrn Land=
tagsabgeordneten
Michael Wolf VI. in Stadecken im
Rheinheſſiſchen Beobachter erhobenen und veröffent=
lichten
Vorwürfe und die daran geknüpfte abfällige Be=
urteilung
ſeiner Perſönlichkeit durchaus unbegründet
ſind und ich nehme alle gegen den genannten Herrn
begangenen Beleidigungen mit dem Ausdrucke des Be=
dauerns
zurück. Gleichzeitig verpflichte ichemich, alle
Gerichts= und Anwaltskoſten der gegen mich anhängig
geweſenen Privatklagen zu übernehmen. Nach Ab=
gabe
dieſer Erklärung hat Landtagsabgeordneter Wolf
den Strafantrag gegen Möglich in der bei der 1. Straf=
kammer
in zweiter Inſtanz anhängigen Privatklage
zurückgenommen, ſodaß dies Strafverfahren einſchließ
lich der Verurteilung Möglichs zu einer Gefängnis=
ſtrafe
von einem Monat gegenſtandslos geworden iſt.
Dagegen zieht Möglich die Reviſion in den beim Ober=
landesgericht
anhängigen Privatklagen zurück, ſodaß
dieſe Urteile rechtskräftig werden. Es wird dabei feſt=
geſtellt
, daß Wolf auch bereit war, den Strafantrag in
dieſen Sachen zurückzuziehen, und daß er daran nur
durch die geſetzliche Vorſchrift gehindert wurde, nacheder
die Zurücknahme nach Erlaß des Urteils zweiter In=
ſtanz
nicht mehr möglich iſt. Hiermit ſind die Rechts=
ſtreitigkeiten
zwiſchen Wolf und Möglich erledigt.
Mainz, 4. Juni. Herr Hofrat Emil Steinbach, der
in den Ruheſtand getreten iſt, hat dem Vorſtand der ſtädti=
ſchen
Kapelle ein Abſchiedsſchreiben überſandt, worin er
der Kapelle nochmals ſeine Anerkennung für das langjäh=
rige
freundſchaftliche Zuſammenwirken ausſpricht.
Mainz, 4. Juni. Ein ſeither im Rochusſpitale
internierter arbeitsſcheuer Burſche ſprach am Tage
ſeiner Entlaſſung aus dem Krankenhauſe bei den in
Mainz wohnenden Familienangehörigen von Hoſpital=
kranken
vor und erſchwindelte ſich unter Vor=
ſpiegelung
, er komme im Auftrage der Kranken, Eſſen,
Wein und Geld. Auf dieſe Weiſe kam er zu einem
kapitalen Rauſch und abends fand man ihn beſinnungs=
los
auf der Straße und brachte ihn wieder ins Kran=
kenhaus
. Am nächſten Tage wurde er dort aus=
gewieſen
. Der Matroſe Karl Klein aus Duisburg
verſuchte in verfloſſener Nacht, das etwa 100 Meter
vom Ufer entfernt im Rheine verankerte Schiff Küp
per II., auf dem er bedienſtet iſt, ſchwimmend zu er=
reichen
. Auf dem halben Wege verließen ihn jedoch
die Kräfte und er ertrank. Seine Leiche iſt noch
nicht geborgen. (Tabl.)
Worms, 3. Juni. In der Ausſchußſitzung des
Rheinheſſiſchen Elektrizitätsverbandes
wurde mitgeteilt, daß dem Verband jetzt insgeſamt 122
Gemeinden angeſchloſſen ſind und daß die Schuckert=
Geſellſchaft ſofort nach Genehmigung der Pläne durch
das Miniſterium mit dem Bau der Anlage beginnen
wird. Der Schaden, der in der Schwanen=Apotheke
von den Pferden eines Brauereifuhrwerkes ange=
richtet
worden iſt, beziffert ſich auf 5000 Mark.
Worms, 4. Juni. Die Firma Kornelius Heyl wird
für ihre weiblichen Angeſtellten, die vor oder nach der
Niederkunft einer beſonderen Pflege bedürfen, ein eigenes
Frauenheim errichten; ferner wird ſie zwei von ihr
engagierte Krankenſchweſtern als Stütze bedürftigen oder
kranken Wöchnerinnen aus den Familien ihrer Arbeiter
zur Verfügung ſtellen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 4. Juni. Wie ein Korre=
ſpondent
aus zuverläſſiger Quelle erfahren haben will,
ſoll das neue Königliche Opernhaus ſeinen
Platz in unmittelbarer Nähe des Neuen Königlichen
Opern=Theaters erhalten. Die Krone hat mit den Be=

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Die Jubiläumsausſtellung der
Weimariſchen Kunſtſchule. Zur Feier ihres
Djährigen Beſtehens wurde am 5. Juni die Jubiläums=
ausſtellung
der Großherzoglichen Kunſtſchule
AnWei mar durch Se. Kgl. Hoheit den Großherzog
Wilhelm Ernſt eröffnet. Der Direktor, Profeſſor Hans
Olde, hielt die Eröffnungsrede. Er betonte nach der
hohen ethiſchen Seite der Kunſt ihre wirtſchaftliche Be=
deutung
. Das Volk mit der entwickeltſten Kunſtkultur
wird ſeinen Still und ſeine Erzeugniſſe anderen Völ=
kern
aufzwingen und dieſe gleichſam tributpflichtig
machen. Aus Anlaß dieſer Jubiläumsfeier erhielt die
Weimariſche Kunſtſchule den Namen: Großherzog=
lich
Sächſiſche Hochſchule für bildende
unſt. Für die Bedeutung Weimars als Kunſtſtadt
ſind die Namen und Werke derjenigen Meiſter maß=
gebend
, die als Lehrer oder Schüler in Weimar tätig
waren. Es wirkten in Weimar, um nur die Bekannte=
ſten
zu nennen: Franz von Lenbach, Arnold Böcklin,
Graf Kalckreuth der Aeltere, Graf Kalckreuth der Jün=
gere
, Graf Harrach, v. Gleichen=Rußwurm (Schillers
Enkel), Max Liebermann, Buchholz, Brendel, Graf
Görtz=Schlitz, Sartorio, Saſcha Schneider, und gegen=
wärtig
ſind dort tätig: Olde, Thedy, Hagen, Ludwig von
Hofmann, Fritjof Smith, Mackenſen, Melchers, Förſter,
Raſch und andere. Die Namen dieſer Meiſter ſind da=
für
Bürgſchaft, welch ein friſches künſtleriſches Leben
in Weimar möglich war und iſt. Das beweiſt auch die
Ausſtellung, auf die wir noch zurückkommen. Sie bietet
einen ſehr intereſſanten Rückblick.
* Wien, 4. Juni. Hofoperndirektor Wein=
gartner
veröffentlicht in der Neuen Freien Preſſe‟
folgende Erklärung: Graf Hülſen=Häſeler hat Ihrem
Korreſpondenten mitgeteilt, daß er die Klage gegen
mich, welche er bei der Königlichen Staatsanwaltſchaft
eingebracht hatte, zurückgezogen habe, weil ich die Be=
hauptung
aufgeſtellt hätte, ich lehnte jede Verantwort=
ung
für die Veröffentlichung des Telegramms an Di=
rektor
Neumann ab. Um dem Grafen die Möglichkeit
zu entziehen, ſich wieder darauf zu berufen, daß er nur
darum keine Klage erhebe, weil er aus formellen Grün=
den
einen Freiſpruch beſorge, erkläre ich hiermit, daß
ich für den Wortlaut des Telegramms, welches ich An=
fangs
1909 an Direktor Neumann richtete und welches
Graf Hülſen=Häſeler zur Klage bei der Königlichen
Staatsanwaltſchaft in Berlin veranlaßt hat, die volle
Verantwortung übernehme und deſſen Inhalt im gan=
zen
Umfange aufrecht erhalte. Ich glaube, daß Graf
Hülſen nach meiner obigen Erklärung nicht umhin
können wird, nunmehr doch Klage gegen mich zu
heben. Um aber die gerichtliche Austragung dieſer An=
gekgenheit
unter allen Umſtänden ſicher zu ſtellen, habe

ich gleichzeitig Auftrag erteilt, gegen Graf Hülſen= =
ſeler
als Inſpirator jener Erklärung, in welcher mir
rückſichtsloſer Vertragsbruch vorgeworfen wird, ſowie
gegen das Komitee der Berliner Königlichen Kapelle
als Unterzeichner dieſer Erklärung die Ehrenbeleidig=
ungsklage
beim Landgericht Wien einzubringen.

Kleines Feuilleton.
Ein Erbſchaftsprozeß gegen den
Herzog von Cu mber lan d. Gegen den Her=
zog
von Cumberland, als das Oberhaupt des Welfen=
hauſes
, iſt, wie die N. G. C. meldet, ein merkwürdi=
ger
Erbſchaftsprozeß anhängig gemacht worden. Meh=
rere
Mitglieder einer in Florenz in beſcheidenen Ver=
hältniſſen
lebenden Familie, die den Namen Guelfi
führt, ein Uhrmacher, ein Hutmacher, ein Handlungs=
reiſender
und ein Schuhmacher, haben vor dem Zivil=
gerichte
in Florenz Klage gegen den Herzog auf Her=
ausgabe
des von ihnen als Welfenvermögen bezeich=
neten
Familienfideikommiſſes des Geſamthauſes Braun=
ſchweig
=Lüneburg erhoben. Sie ſtützen ihren Klagean=
ſpruch
auf folgende Behauptungen. Guelfo IV Her=
zog
von Bayern, der von 1037 bis 1101 lebte, verſtieß im
Jahre 1070 ſeine erſte Gemahlin Ethelinde, Tochter des
Herzogs Otto von Bayern, Grafen von Nordheim, und
vermählte ſich bald darauf in zweiter Ehe mit Judith,
der Tochter Toſtis von Northumberland und Kent.
Aus dieſer zweiten Ehe ſtammte ein Sohn, Heinrich IX.,
genannt der Schwarze der 1126 ſtarb und als Groß=
vater
Heinrichs des Löwen der Ahnherr des geſamten
Welfenhauſes wurde. Die Guelki in Florenz, die übri=
gens
nicht einmal zum italieniſchen Adel gehören, be=
haupten
nun, Herzog Guelſo IV. habe aus ſeiner erſten
Ehe mit Ethelinde einen Sohn Rainucio gehabt, um
den er ſich nach der Verſtoßung ſeiner erſten Gemahlin
nicht weiter kümmerte. Dieſer Rainucio ſei der Ahn=
herr
der Familie Guelfi in Florenz, die demnach die
ältere Linie des Welfenhauſes darſtelle. Zu dieſer ver=
wickelten
Angelegenheit ſchreibt der bekannte Genealoge
Dr. Kekule von Stradonitz der N. G. C. Die An=
gaben
, auf welche die Familie Guelfi ihren Klagean=
ſpruch
ſtützt, tragen den Stempel der Erfindung an der
Stirn. Vor allem iſt Guelfo nichts weiter als ein
Vorname (Welf) und Guelfi lediglich deſſen Mehr=
zahl
, wie es in Italien bei Familiennamen üblich iſt.
Ebenſo gut wie die Guelfi von Florenz behaupten, von
Herzog Guelfo IV. abzuſtammen, könnten alle Träger
des Familiennamens Hermann behaupten, Hermann
den Cherusker zum Vorfahren zu haben. Das eine iſt
ſo glaubwürdig wie das andere. Außerdem hat die Ge=
ſchichte
bisher niemals etwas von einem Sohne Guel=
fos
IV namens Rainucio gewußt. Ethelide heiratete
ach ihrer Verſtoßung in zweiter=Eheeden Grafen Her=

mann von Kalvelage, den Ahnherrn der Grafen von
Ravensberg. Es iſt mindeſtens ſehr unwahrſcheinlich
daß der junge Rainueio, wenn er wirklich gelebt hat,
in Italien geblieben und nicht von ſeiner Mutter an
den Hof ihres zweiten Gemahls mitgenommen worden
ſein ſollte. Aber auch dann müßten die Guelfi von Flo=
renz
zunächſt einmal ihre Abſtammung von dieſem Rai=
nucio
auch wirklich beweiſen. Ein ſolcher Beweis er=
ſcheint
nach allen Erfahrungen ähnlicher Art vollkom=
men
ausgeſchloſſen. Wahrſcheinlich iſt die letzte Hoff=
nung
der klagenden Familie Guelfi auch gar nicht die,
ihren Prozeß zu gewinnen, ſondern lediglich, den Her=
zog
von Cumberland gutwillig auf dem Wege des Ver
gleichs zu irgend einer Zahlung zu bewegen, um die
Angelegenheit, wenn ſie ihm läſtig wird, ſchließlich aus
der Welt zu ſchaffen. Bisher iſt noch nichts zur
Sache, ſondern nur über die Zuſtändigkeit des Zivilge=
richts
in Florenz verhandelt worden, die ſich, da der
Herzog von Cumberland bekanntlich in Gmunden in
Oberöſterreich reſidiert, ſchwerlich wird begründen laſ=
ſen
. Gerüchtweiſe verlautet, daß die Guelfi ſich auch
mit Eingaben an Kaiſer Wilhelm II. gewandt haben,
um ſeine Fürſprache zu erlangen, ſelbſtverſtändlich
ohne jeden Erfolg.
* Ein kleiner Ueberſetzungsfehler
Wie ein Fehler in der franzöſiſchen Ueberſetzung des
Kronprinzen=Toaſtes zuſtande kam, über den man ſich
in Belgien einen Augenblick erregte, das lehrt ein Blick
in die heute vorliegenden belgiſchen Blätter. Der Kron
prinz wünſchte ſeinem Gaſte eine lange und geſegnete
Regierung zum Heil und Frommen des bel=
giſchen
Landes‟. Daraus machte man in Brüſſel
pour le bonheur du peuple belge dont les sentiments
religleux sont bien eonnus‟. Man hatte nämlich, da
offenbar der offiziöſe Telegraph die zehn Pfennige für
die Wörtlein und und des ſparen zu müſſen glaubte,
in Brüſſel interpretiert zum Heil des frommen
belgiſchen Landes! Das kommt davon, wenn man an
unrechter Stelle ſparen will!
C.K. Eine kühne Reiterin. Einen verwe=
genen
Ritt, deſſen Ziel nicht weniger als 5420 engliſche
Meilen von ſeinem Antrittspunkte entfernt iſt, hat ein
abenteuerliches Koſakenmädchen namens Kudaſcheff ſo=
eben
angetreten. Auf ihrem kleinen grauen mongoli
ſchen Pony will das Mädchen von Charbin bis nach
Petersburg reiten. Ganz allein hat ſie den Ritt ange=
treten
, nur ein großer Bernhardiner Hund wird ſie be=
gleiten
. Die mutige Reiterin ſitzt im Männerſattel und
führt als Waffe nur ein Jagdmeſſer und einen Revol
ver mit. Sie war früher an der ſibiriſchen Eiſenbah
angeſtellt und hat ſich im ruſſiſch=japaniſchen Krieg=
beſonders
ausgezeichnet. Damals erhielt ſie die gol=
dene
Medaille für bewieſenenspatziatiſchen Eifex.

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910.

Nummer 129.

ſitzern der betreffenden Grundſtücke einen notariellen
Vertrag dahingehend abgeſchloſſen, daß der Kauf bis
zum 1. Juli 1911 perfekt ſein ſolle. Kommt der Kauf
bis dahin nicht zuſtande, ſo zahlt die Krone 30000 Mk.
Entſchädigung. Es beſteht jedoch kein Zweifel, daß die=
ſer
Kauf perfekt wird, da die Anregung von der Gene=
ral
=Intendantur der Königlichen Schauſpiele ausge=
gangen
iſt und auch die Billigung der Krone gefunden
hat. Eine Folge dieſes Abſchluſſes wird die ſein, daß
der Ankauf des alten Opernhauſes ſeitens der Stadt
hierdurch beſchleunigt werden wird. Als geſtern nach=
mittag
die Kronprinzeſſin ihrer Mutter im
Kaiſerhof einen Beſuch abſtattete, wurden ihr von
den Turiner Kaufleuten, die in dem Hotel anweſend
waren, ſtürmiſche Ovationen dargebracht. Immer von
neuem rief es: Evviva la Kronprinzessa! Eine zahl=
reich
beſuchte Verſammlung der in den Schrauben=
fabriken
beſchäftigten Automateneinrichter
ſchob die Forderung eines großen Teiles der Kollegen,
ſofort in den Streik zu treten, bis zum nächſten
Montag hinaus. Ein 24jähriger Fabrikarbeiter er=
ſchlug
in einem Streite um Familienangelegenheiten
ſeinen zukünftigen Schwiegervater. Heute morgen
wurde auf der Schauſſee zwiſchen Schulzendorf und
Heiligenſee ein unbekannter Mann mit Stichverletz=
ungen
am Kopf tot aufgefunden. Anſcheinend
liegt Mord vor.
Metz, 3. Juni. Vor der hieſigen Strafkammer be=
gann
heute vormittag die Verhandlung in dem
Gertinger Friedhofsprozeß. Angeklagt ſind
neun Mitglieder des Gemeinderates des lothringiſchen
Ortes Gertingen, durch Drohungen den dortigen Bür=
germeiſter
veranlaßt zu haben, ſeine bereits gegebene
Zuſage zur Beerdigung des proteſtantiſchen Förſters
Ilhardt innerhalb der Reihengräber des Gertinger
Friedhofes (Gertingen zählte damals außer einigen
Mennoniten und einer proteſtantiſchen Förſterfamilie
nur Katholiken) zurückgezogen zu haben, ferner ſollen
ſie durch Drohungen das Einverſtändnis des Sohnes
des Förſters mit der Beerdigung der Leiche außerhalb
der Reihe erzwungen und den Sohn öffentlich wörtlich
beleidigt zu haben. Die Verhandlung, zu der 31 Zeu=
gen
geladen waren, wurde heute noch nicht zu Ende
geführt.
Landan (Pfalz), 4. Juni. Der 30jährige Schreiner
Emil Feſper aus Hagenau verſuchte geſtern bei der
Pfälziſchen Bank und der Süddeutſchen Diskonto= Ge=
ſellſchaft
gefälſchte Wechſel zu diskontieren. Die
Kaſſenbeamten, die ſofort die Fälſchung erkannten, wie=
ſen
den Betrüger ab, der darauf die Flucht ergriff. Er
wurde aber feſtgenommen und der Polizei übergeben.
Köln, 4. Juni. In einer Mietswohnung in Lind=
lar
brach Feuer aus, das ſo ſchnell um ſich griff, daß
5 Kinder eines Poſtſchaffners in größte Gefahr gerie=
ten
. Dem Heldenmut eines Dachdeckermeiſters gelang
es ſchließlich, die 5 Kinder zu retten, obwohl er dabei
ſchwere Verletzungen davontrug. Die Mutter, die in
ihrer Aufregung die Rettung der Kinder gar nicht be=
merkt
hatte, ſtürzte ſich in das brennende Haus und
fand ihren Tod. Sie wurde als verkohlte Leiche auf=
gefunden
.
Detmold, 4. Juni. Die jungen Leute, die geſtern
auf das Automobil des Fürſten Leopold in
der Nähe von Bad Meinberg Steine warfen, ſind nicht
italieniſche Arbeiter geweſen, ſondern Bauernſöhne
aus der Gegend, die in jugendlichem Leichtſinn vor=
überfahrende
Automobile attackieren.
Crzemyel, 3. Juni. Aus den Trümmern des in=
folge
einer Pulverexploſion eingeſtürzten Ge=
bäudes
ſind die Leichen der Hausbeſorgerin und
zweier Handlungsgehilfen geborgen worden. Die Zahl
der Verletzten beträgt zwölf. Die Urſache der Explo=
ſien
dürfte unvorſichtiges Umgehen mit Pulver ge=
weſen
ſein.
Krakau, 4. Juni. Aus der Kunſtakademie wurde
ein alter Gobelin im Werte von 100000 Mark, den
Raub der Sabinerinnen darſtellend, entwendet.
Peſt, 3. Juni. In der Ortſchaft Hladopka brach ein
Brand aus, der 67 Häuſer vernichtete. Zwei
Frauen kamen in den Flammen um.
Rom, 4. Juni. Der König von Griechen=
land
iſt hier eingetroffen und am Bahnhof von dem
griechiſchen Geſandten und dem Geſandtſchaftsperſonal
empfangen worden. Der König reiſt als Privatmann
und nahm in einem Hotel Wohnung.
Zürich, 4. Juni. Als in einem Varietélokal
acht deutſche Damen in Pickelhauben allerlei militäriſche
Uebungen vollführten, kam es durch Gegendemonſtra=
tionen
franzöſiſcher und elſäſſiſcher Studenten zu einem
Skandal.
Paris, 3. Juni. Einen Zoologiſchen Garten
im Parke von Verſailles will jetzt Guſtave
Loiſel wieder errichten in weit größerem Umfange, als
er im 17. und 18. Jahrhundert beſtand. Bekanntlich
verwirklichte Ludwig XIV. bei der Schöpfung des Par=
kes
von Verſailles ſeinen Plan, darin eine Menagerie

mit exotiſchen Tieren zu erbauen. Er war der erſte
Zoologiſche Garten, doch unter den Nachfolgern, dem
fünfzehnten und ſechzehnten Ludwig, wurde die Mena=
gerie
ſchlecht gehalten, und ſo löſte man ſie auf den
Wunſch der Bürgerſchaft, die forderte, daß die von Gott
als frei geſchaffenen Tiere ihre Freiheit auch genießen
könnten, wieder auf. Nun ſoll ſie alſo wieder erſtehen
Doch haben André Hallays und der Verein zur Erhal=
tung
der franzöſiſchen Kunſtdenkmäler gegen den Plan
Einſpruch erhoben. Sie ſind der Anſicht, daß damit der
Park von Verſailles bedroht ſei.
Paris, 4. Juni. Aus Nancy wird gemeldet: Der
Expreßzug Paris=Avricourt fuhr geſtern nachmit=
tag
bei Fontenay ſur Moſſelle in eine auf der Strecke
beſchäftigte Arbeitergruppe. Ein Arbeiter wurde ge=
tötet
, ein anderer ſchwer verwundet.
Calais, 3. Juni. Das Unterſeeboot Plu=
vioſe
iſt ſoweit vom Meeresboden gehoben, daß mit
dem Transport zur Küſte begonnen werden kann.
London, 3. Juni. Die unterirdiſche Krypta
der Weſtminſter=Abtei, die reſtauriert wurde,
iſt am letzten Montag dem Publikum zum erſtenmale
zugänglich gemacht worden. Die Krypta beſteht aus
fünf Gewölbebogen, und durch die Niederlegung der
trennenden Mauer iſt ein langgeſtreckter Raum ge=
ſchaffen
worden. Er liegt am Südende der ſogenannten
Monſtranz=Kapelle, und die trennende Mauer iſt an=
ſcheinend
urſprünglich von zwei Bogen durchbrochen
worden, deren Umriſſe noch zu ſehen ſind. Ueber der
Krypta befinden ſich die alten Schlafräume der Mönche,
die jetzt zum Teil zur Weſtminſter=Schule gehören. Die
Krypta iſt von großem hiſtoriſchem Intereſſe, da ſie, wie
die Times ſagen, die einzigen Ueberbleibſel des ur=
ſprünglichen
Baues ſind, den Eduard der Bekenner in
Weſtminſter aufführen ließ. Während einer langen
Reihe von Jahren iſt die Krypta arg vernachläſſigt ge=
weſen
und wurde zum Aufbewahren von Holz ver=
wandt
, und ihre architektoniſchen Schönheiten wurden
von alten Steinhaufen und ſonſtigem Schutt verdeckt.
In der Krypta ſind eine Anzahl Reliquien ausgeſtellt
worden, die in verſchiedenen Teilen der Abtei gefun=
den
wurden. Am intereſſanteſten ſind eine Anzahl von
Holzbildniſſen der Könige und Königinnen, die, wie es
in früheren Jahrhunderten der Brauch war, bei den
Leichenprozeſſionen auf den Särgen durch die Straßen
getragen wurden. Die Bildniſſe von Eduard III., Eli=
ſabeth
von York, Heinrich VII., Katharina von Valois
und Anna von Dänemark ſind recht gut erhalten, von
der Figur Jakobs I. fehlt jedoch der Kopf, und Heinrich,
Prinz von Wales, iſt einfach ein nackter Rumpf ohne
jede Bekleidung. Dieſe Holzbildniſſe ſind um ſehr vie=
les
älter als die bekannten Wachsbilder, die bis jetzt
in der Weſtminſter=Abtei ſelbſt gezeigt wurden.
Die Enzyklika.
* Der Köln. Ztg. wird aus Berlin, 4. Juni, ge=
ſchrieben
: Nachdem die Enzyklika des Papſtes bisher
nur zu Auseinanderſetzungen in der Preſſe geführt
hatte, ſteht es jetzt, nach Einbringung der nationallibe=
ralen
und konſervativen Interpellationen (die an
anderer Stelle mitgeteilt ſind. D. Red.), feſt, daß ſie
auch das preußiſche Abgeordnetenhaus beſchäftigen
wird. Damit iſt die Frage auf ein neues Gebiet ge=
rückt
, wodurch nicht nur die gewählten Vertreter des
Volkes, ſondern auch die Vertreter der Regie=
rung
in die Lage kommen werden, ihren Anſich=
ten
Ausdruck zu geben. Daß die Regierung die
Interpellationen in ausführlicher Weiſe beantworten
wird, halten wir für ſelbſtverſtändlich, und zwar glau=
ben
wir nach der ganzen Sachlage, daß es ihr nicht
ſchwer fallen wird, eine Antwort zu geben, die einmal=
den
durch die Enzyklika aufgereizten proteſtantiſchen
Gefühlen Rechnung trägt, anderſeits aber auch ſo be=
ſchaffen
ſein wird, daß vom ſtrengſten katholiſchen
Standpunkte gegen ſie nichts eingewandt werden kann.
Da wir keinen konfeſſionellen Staat haben, ſo wird die
Regierung dieſe Angelegenheit nach dem Grundſatze der
Parität zu behandeln haben. Und die Sache iſt durch=
aus
danach angetan, daß Preußen gerade vom Stand=
punkte
der Parität zu ihr Stellung nimmt. Die ganz
unleugbare Folge der Enzyklika iſt geweſen, daß in
Deutſchland die konfeſſionellen Gegenſätze wieder auf=
gerüttelt
und aufgereizt worden ſind. Die Enzyklika
hat alſo hier bei uns unzweifelhaft großes Unheil
geſtiftet und eine Wirkung ausgeübt, die den auf Be=
ruhigung
der konfeſſionellen Gegenſätze abzielenden
Beſtrebungen der Regierungen entgegenarbeitet. Es
liegt ſowohl im Intereſſe der Proteſtanten wie der
Katholiken, daß weder von innen noch von außen etwas
geſchehe, was die preußiſche Toleranzpolitik ſtört. Wenn
die Regierung die Ueberzeugung gewinnt, was ja wohl
nicht anders möglich iſt, daß in dieſem Falle der
Papſt ein Störer des religiöſen Friedens
in Deutſchland war, ſo wird ſie dieſer Ueber=
zeugung
Ausdruck zu geben haben, ſowohl im Parla=
ment
wie auch in Rom. Obgleich der Papſt kein terri=

3. Kammermuſikfeſt Darmſtadt 1910.
Zweiter Abend.
Der zweite Abend fand vor faſt ausverkauftem
Saale ſtatt, ein Beweis für das lebhafte Intereſſe, das
den Kammermuſikfeſten entgegengebracht wird, zugleich
aber auch eine Genugtuung für die Veranſtalter, die ſich
durch keine Bedenken von der alljährlichen Wieder=
holung
des Feſtes haben abhalten laſſen.
Der erſte Teil des heutigen Abends ſchloß ſich mit
Werken von Mozart, Schubert und Beethoven noch dem
erſten deutſch=klaſſiſchen Abend an, während der zweite
mit neuzeitlichen Kompoſitionen zu dem dritten, dem
modernen Abend überleitete. Den Reigen eröffnete
heute das Havemann=Quartett der Herren Have=
mann
, Götzſch, Grünsfelder und Dr. Sakom
mit Mozarts Streichquartett (Fdur), deſſen
herzerfriſchende Natürlichkeit und entzückende Grazie
bei der liebevollen und feinfühligen Wiedergabe der
vier ausgezeichneten, zu einem erſtklaſſigen Quartett
vereinigten Künſtler auf die Zuhörer anregend und
belebend einwirkten. Es folgten drei ſeltener gehörte
Lieder von Schubert, Todesmuſik Die Unter=
ſcheidung
und Auflöſung die Frau Lauprecht
van Lammen mit vielem Verſtändnis und geſangs=
techniſch
lobenswert vortrug. Was wir heute aber an
ihrem Vortrag vermißten, waren die unterſchiedliche
Toncharakteriſtik und der Reichtum an Nuancen. Nach
dieſer Richtung hin iſt die ſonſt ſehr ſympathiſche Ge=
ſangskunſt
der Sängerin noch einer Vervollkommnung
fähig. Den erſten Teil beſchloß Beethovens
Sonate für Klavier (Cdur, op. 53), mit der Herr
Frédérie Lamond ſich vom Publikum verabſchie=
dete
. Mochte der erſte Satz vielleicht etwas ſpröde vor=
getragen
ſein, ſo war der prachtvoll und mit phänome=

naler Beherrſchung der pianiſtiſchen Technik durchge=
führte
zweite Satz eine kraftgeniale Leiſtung, die Be=
wunderung
einflößte und den muſikaliſch empfänglichen
Zuhörern unvergeßlich bleiben wird.
Den Höhepunkt des zweiten Abends bildete un=
zweifelhaft
das grandioſe Brahmsſche Quar=
tett
für Klavier, Violine, Bratſche und Violoncello
(C-moll, op. 60), das von den Herren Profeſſor Dr.
Reger, Havemann, Grünsfelder und Dr.
Sakom mit künſtleriſcher Begeiſterung und hin=
reißendem
Temperament geſpielt wurde. Die Künſt=
ler
wetteiferten miteinander, dem farbenprächtigen
leidenſchaftdurchfluteten Werke die echteſten und voll=
ſten
Töne zu verleihen. Ohne Zweifel ging auch von
Herrn Reger, der den Klavierpart mit bewährter
Meiſterſchaft ſpielte, eine Art von ſuggeſtiver Wirk=
ung
aus; auch das Publikum war fasziniert; denn nach
Beendigung des Quartetts gingen die Wogen der Be=
geiſterung
ſehr hoch und Herr Reger wurde viele Male
gerufen.
Frau Durigo ſang weiter vier Lieder für
Alt von Hugo Wolf, Perlen der Geſangslyrik,
von denen das tief empfundene und prachtvoll ge=
ſteigerte
Zur Ruh, zur Ruh den tiefſten Eindruck
machte. Die drei anderen, das elegant gearbeitete
Zitronenfalter im April, Wenn du mich mit den
Augen ſtreifſt und In den Schatten meiner Locken
gehören ebenfalls zu den beſten Erzeugniſſen der Hugo
Wolfſchen Muſe. Frau Durigo bewährte ſich auch
heute als eine Sängerin von Geſchmack und eine ver=
ſtändnisvolle
und warm empfindende Interpretin der
gehaltvollen Lieder. Eine angenehme Ueberraſchung
bereitete die Schlußnummer des Abends, Oktett
von Svendſen für 4 Violinen, 2 Bratſchen und 2
Violoncellos (A-dur, op. 3), das von den acht Herren
der beiden genannten Kammermuſik=Quartette geſvielt

torialer Herrſcher iſt, ſo verkörpert er nach wie vo=
eine
international anerkannte Macht, die, wenn ſie
ſtörend in die Verhältniſſe eines Staates eingreift
hierauf auf diplomatiſchem Wege aufmerk
ſam gemacht werden kann. Wenn die Regierung
ſich zu einem ſolchen Vorgehen entſchließen ſollte,
würde ſie nur im wohlverſtandenen Intereſſe der beider
chriſtlichen Konfeſſionen in Deutſchland handeln.
Es handelt ſich aber nicht nur um die Störung des
religiöſen Friedens in Deutſchland, ſondern noch un
etwas anderes. Aus den diplomatiſchen Beziehungen
die wir zum Heiligen Stuhl unterhalten, ergibt ſich aud
für dieſen die Verpflichtung, in ſeinen Kundgebungen
ſich nach den diplomatiſchen Gebräuchen zu
richten, deren erſter die vollkommene Höflich=
keit
iſt. Daß dieſe aber in der päpſtlichen Beurtei=
lung
deutſcher Fürſten von denen einige Vorfahren de=
Hohenzollern geweſen ſind, zu kurz gekommen iſt, wirt
kein verſtändiger Menſch beſtreiten. Und ebenſowenig
daß die beſchimpfenden Aeußerungen übe=
die
Völker in erſter Linie auf das deutſche bezoger
werden müſſen, in dem die Reformation ihren Ausgan.
nahm und ihren ſtärkſten Stützpunkt fand. Wenn
unſere Regierung den Papſt auf das Ungehörige eine
ſolchen Sprache ernſt aufmerkſam machte, ſo würde da=
nur
berechtigt ſein und die Künſte der ausgeſuchteſten
Rabuliſtik würden außerſtande ſein, darin eine Ein
miſchung in das religiöſe Gebiet der Kirche zu finden
Von ſeiten des Zentrums ſucht man den ganzer
höchſt unliebſamen Vorgang damit zu rechtfertigen, da=
ſich
die Aeußerungen des Papſtes aus dem dogmatiſch
intoleranten Standpunkt der katholiſchen Kirche erklär
ten, und daß es bei einem ſolchen für die katholiſch
Kirche keine Zugeſtändniſſe und keine Nachgiebigkei
gäbe. Wir haben aber ſchon hervorgehoben, daß aue
dieſer dogmatiſch=intolerante Standpunkt, den wie di
katholiſche Kirche ſo auch andere Konfeſſionen gan
ähnlich in der Theorie verfechten, keine Entſſchul
digung fürplumpe Beſchimpfungen andere
Lehrmeinungen und Ueberzeugungen bieten kann. E=
iſt
der katholiſchen Kirche ganz unbenommen, dogma=
tiſche
Lehren in größter Einheit zu verkünden, es iſ
aber kein Dogma, daß der Papſt Andersgläubige, mi=
denen
er ununterbrochene Beziehungen unterhält, un
die er bei anderen Gelegenheiten ſeiner größten Hoch=
achtung
und Liebe verſichert hat, plötzlich in rückſichts
loſer Weiſe beſchimpfen muß. Kein Dogma ver
langt ein ſolches Verfahren, und kein diplomatiſche
Brauch kann es rechtfertigen. Dem klar und deutlic
Ausdruck zu geben, kann der Regierung bei Beant
wortung der Interpellation nicht ſchwer fallen.
* Berlin, 4. Juni. Der konſervative Reichs
bote tritt für einen Abbruch der diplomgti
ſchen Beziehungen ein, denn er ſchreibt: Wenr
der Papſt, der für ſich die Souveränität in Anſpruc
nimmt, in dieſer Weiſe gegen die Reformation,di
Fürſten der Reformation, die Kirchen der Reformatio=
und das Volk der Reformation öffentlich beleidigen
auftritt, ſo muß die deutſche Regierung und insbeſon
dere die preußiſche dieſem Auftreten des Papſtes ent
gegentreten und einen Widerruf, eine öffentlich=
Zurücknahme und Entſchuldigung verlangen. Un
wenn dieſe nicht zu erreichen iſt, ſo ſollte ſie die diplo
matiſchen Beziehungen zu dem Papſte ab
brechen und verlangen, daß die Kundgebungen de
Papſtes in Deutſchland nur nach eingeholter Erlaub
nis der Regierung veröffentlicht werden dürfen. Es i
unerträglich, daß der Papſt oder ſeine jeſuitiſchen ſpa
niſchen Ratgeber ſolche Rundſchreiben wie Feuerbränd
der konfeſſionellen Verhetzung in die deutſche Bevöl
kerung werfen.
* Berlin, 4. Juni. Der Berliner Zweigvereir
des Evangeliſchen Bundes teilt mit, daß au
Sonntag, den 12. d. M., in einer Maſſenver
ſammlung im Zirkus Buſch Proteſt gegen di
Enzyklika erhoben werden ſoll.

Prinz Heinrich=Fahrr.
K.AK. Von den als fehlend gemeldeten Wager
trafen in Braunſchweig noch ein Nr. 41 (Erbgra
von Schönborn), Nr. 113 (Mathis, Fahrer Ricordi) und
Nr. 15 (Baron Hugo von Klinger), im ganzen alſo 11=
Wagen. Es ſind mithin auf der erſten Etappe ausge
ſchieden Nr. 35 (Dr. Broſien), Nr. 39 (Otto Aſchoff)
Nr. 32 (Dr. Caſpar), Nr. 87 (Willi Pöge), Nr. 111 (Daſ.
ſel). Zur zweiten, 322 Kilometer langen Etappe, die
von Braunſchweig über Halberſtadt, Wernigerode, Gos
lar, Braunlage, Nordhauſen nach Kaſſel führte, ſtarteter
alle Wagen bis auf Nr. 45 (Eugen von Baruch), Nr. 48
(Hanſon) und Nr. 53 (Voigt). In Anweſenheit eines
begeiſterten Publikums wurden die Wagen von 7 Uh:
ab in Abſtänden von 30 Sekunden, bei prächtigſten
Wetter, auf die Reiſe geſchickt. Die Wagen 48 und 5:
traten die Fahrt noch verſpätet an. In Kaſſel warer=
bis
6 Uhr alle Fahrzeuge bis auf Nr. 75 (Witterſtätter)
Nr. 92 (Dreoſſi), Nr. 106 (Selz), Nr. 113 (Mathis) und
wurde und den Zuhörern Eindrücke erfreulichſter Art
übermittelte. Das Werk beſteht aus vier Sätzen, von
denen der zweite, ein Scherzo, ſich durch Originalitäu
der Form, der dritte, ein Andante, durch pathetiſchen
Schwung und Tiefe der Empfindung auszeichnen,
Dritter Abend.
Der dritte Abend, der wieder zahlreich beſucht war,
war modernen Komponiſten, nämlich Reger, Krehl, Pfitz=
ner
, Schillings, Woyrſch und Cl. Debuſſy gewidmet. Von
allen zum Vortrag gelangten Kompoſitionen erzielten, was
vorweg bemerkt werden möge. Regers volkstümliches
Lied Waldeinſamkeit und Pfitzners leichtgefälliges Liek
Sonſt den größten Erfolg. Es waren die einzigen
Nummern der drei Abende, die da capo verlangt wurden.
Wir überlaſſen es jedem, ſelbſt daraus Schlüſſe zu ziehen
Ferner ſei bemerkt, daß das Programm des letzten Abends
zu lang war; anſtatt, wie angekündigt, um 9 Uhr, war
das Konzert nach 10 Uhr zu Ende, und das gewaltige
Regerſche Quartett, das die ganze Aufmerkſamkeit und
geiſtige Anſpannung erfordert, am Schluſſe des Abends
war viel zu ſchwere Koſt!
Die erſte Nummer des Programms bildete ein kom=
poſitionstechniſch
bedeutendes Trio von St. Krehl für
Klavier, Violine und Violoncello, vorgetragen von den
Herren Reger, Havemann und Dr. Sakom. Der
erſte Satz, ein Andante, iſt großzügig angelegt und in lei=
denſchaftlich
=pathetiſchem Stile gehalten, der zweite, eine
Elegie, von ſchwermütiger Reflexion erfüllt, während aus
dem dritten, einem Sordinenſtück, gedämpfte Freude und
Schmerz und Reſignation ſprechen. Der vierte Satz iſt am
wenigſten einheitlich, er gleicht einem Kampf widerſtreben=
der
Empfindungen, deſſen Abſchluß aber nicht verſöhnt.
Geſpielt wurde das Trio mit vieler Verve des Tones und
Tiefe der Empfindung. Zwei von Frau Durigorgeſun=

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Nummer 129

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910.

Seite 5.

Nr. 117 (B. Stoewer), die verſpätet kamen, eingetroffen.
Wagen 98 (Karl Reichſtein) iſt infolge Anfahrens aus=
geſchieden
. Prinz Heinrich von Preußen traf an der
Spitze einer größeren Gruppe Fahrzeuge trotz der
Schwierigkeiten, welche die Strecke bot, bereits um 2½
Uhr in Kaſſel ein. Das Wetter war ſehr warm, aber
prächtig; nachmittags gab es einige Gewitterſchauer.
Unfälle ſind nicht gemeldet worden.
H.B. Kaſſel, 4. Juni. Heute früh 7 Uhr ſtar=
teten
die Teilnehmer an der Prinz Heinrich=Fahrt auf
der Nürnberger Landſtraße in Zwiſchenräumen von je
einer halben Minute.
* Nürnberg, 4. Juni. Bei der Ankunft der an
der Prinz Heinrich=Fahrt beteiligten Automo=
bile
wurde in der Burgſchmiedſtraße das 5 Jahre alte
Töchterchen des Zahnarztes Geißler von dem Auto=
mobil
Nr. 72, Beſitzer Erhard Leuſchner= Charlotten=
bürg
, überfahren und ſchwer verletzt. Nach amt=
licher
Mitteilung trifft den Führer des Wagens keine
Schuld.
* Nürnberg, 4. Juni. Kurz nach 2 Uhr traf
Prinz Georg von Bayern mit dem Grafen Bopp
von Oberſtat und dem Grafen Berswaldeck im Luitpold=
hain
ein, wo ſie vom Vizepräſidenten Schütte des Baye=
riſchen
Automobilklubs und dem Komitee begrüßt
wurden. Um 3 Uhr 8 Min. kam als erſter Wagen Nr. 1
Dan, dann folgten in kurzen Abſtänden Wagen auf
Wagen. Um 3 Uhr 38 Min. traf Prinz Heinrich
von Preußen ein, der den Prinzen Georg und das
Komitee herzlich begrüßte. Sie hatten ſehr ſtark unter
der Hitze und dem Staub zu leiden. Als Unparteiiſche
fuhren deutſche und öſterreichiſche Offiziere mit. Feſt=
lichkeiten
ſind in Nürnberg nicht geplant.
* Nürnberg, 4. Juni. Sofort nachdem Prinz
Heinrich von dem Unfall, der durch den Wagen
Nr. 72 verurſacht wurde, Kenntnis erhalten hatte, ließ
Der ſich zu den Eltern des Kindes fahren, wo ihm von
den behandelnden Aerzten die erfreuliche Mitteilung
gemacht werden konnte, daß die Verletzung nicht ſo
ſchwer wäre. Das Augenlicht ſei nicht gefährdet.
* Nürnberg, 4. Juni. Gegen 3½ Uhr nachmit=
tags
langten die erſter Automobile der Prinz
Heinrich=Fahrt an. Prinz Heinrich traf kurz vor 4 Uhr
beim Luitpoldhain, dem heutigen Zielpunkt und Start=
platz
für Montag, ein.
* Fürth, 4. Juni. Wagen Nr. 120 der Prinz
Heinrich=Fahrt geriet bei der Fahrt durch Fürth
Zwiſchen einen Straßenſprengwagen und einen
Straßenbahnwagen. Das Automobil wurde ſchwer be=
ſchädigt
.
Luftſchiffahrt.
F.K. Darmſtadt, 4. Juni. Geſtern abend gegen
9 Uhr machte Herr Euler einen Flugverſuch mit
ſeinem neuen Apparat. Nach kurzem Anlauf erhob ſich
der Apparat leicht in die Luft; jedoch bei der erſten
Kurve begann er zu ſchwanken, und bei einer weiteren
Kurve ſtürzte er aus ungefähr 20 Meter Höhe herunter.
Die rechte Hälfte der Flugmaſchine, das Höhenſteuer
und das Fahrgeſtell wurden beſchädigt. Herr Euler
ſelbſt, der rechtzeitig abſprang, blieb unverletzt.
* Friedrichshafen, 4. Juni. Das Luftſchiff
2 VI iſt heute nachmittag 4 Uhr aufgeſtiegen und machte
eine Fahrt in der Richtung nach Konſtanz; um ½6 Uhr
erfolgte eine glatte Landung vor der Luftſchiffhalle.
* Friedrichshafen, 4. Juni. Um ¾6 Uhr ſtieg
das Luftſchiffzum zweiten Male auf und flog in
der Richtung nach Lindau. Beide Fahrten wurden unter
der Führung des Grafen Zeppelin unternommen,
der heute vormittag mit den Herren des Aufſichtsrates der
Deutſchen Luftſchiffahrts=Aktiengeſellſchaft beriet und ſie zu
den Fahrten eingeladen hatte. An jeder Fahrt nahmen
10 Gäſte teil.
* Friedrichshafen, 4. Juni. Der Aufſichts=
rat
der Deutſchen Luftſchiffbau= Geſell=
ſchaft
, der zurzeit in Friedrichshafen vereinigt iſt,
hat beſchloſſen, bei der Luftſchiffbau=Geſellſchaft Zeppe=
lin
ein neues Luftſchiff zu beſtellen, doch iſt es
noch nicht definitiv in Auftrag gegeben, da zuerſt eine
techniſche Kommiſſion darüber beſchließen ſoll, welche
Bedingungen das Luftſchiff zu erfüllen hat. Der Auf=
ſichtsrat
hat ferner den Bau einer Luftſchiffhalle in
Frankfurt a. M. beſchloſſen. Außerdem ſoll in Ham=
burg
eine Luftſchiffhalle errichtet werden, doch ſchwe=
ben
hierüber noch Verhandlungen, die vorausſichtlich zu
einem günſtigen Ergebnis führen werden.
Eſſen, 5. Juni. Bei der heutigen Aus=
ſcheidungsfahrt
für das Gordon= Bennet=
fliegen
flog der Bonner Ballon Prinz Adolf bei
einem ſtarken Windſtoß während der Füllung aus
ſeinem Netz. Die Finder werden gebeten, ſofort den
Luftſchifferverein in Bonn telegraphiſch zu benach=
richtigen
. Der Ballon iſt gegen eine Belohnung nach
Bonn zurückzuſenden.
* London, 4. Juni. Das Armeeluftſchiff,
welches in Alderſhot unter der Leitung von Oberſt Cap=
per
gebaut worden iſt, ſtieg geſtern abend um 11 Uhr
30 Min. bei Farnborough auf und flog einer ſtarken Briſe

gene Lieder von H. Pfitzner Abendrot und Die
Nachtigallen konnten tieferes Intereſſe nicht erwecken.
Mehr Charakteriſtik iſt dem Lied von M. Reger Schlecht‟
Wetter nachzurühmen. Eine Art von Senſation war der
Erfolg des ebenfalls von Frau Durigo geſungenen Reger=
ſchen
volkstümlichen Liedes Waldeinſamkeit eines Sei=
tenſtückes
zu Walthers von der Vogelweide berühmtem
Liede Unter der Linden Ueber Reger, den Modernen,
als volkstümlicher Komponiſt und den Erfolg dieſes köſt=
lichen
Liedes ließe ſich eine eigene Abhandlung ſchreiben.
Ein Jubellied Julinacht von M. Schillings war das
fünfte der von Frau Durigo geſungenen Lieder, die von
den Herren Pfitzner und Reger ſelbſt begleitet wurde.
Den Beſchluß des erſten Teiles machte ein Quin=
tett
von H. Pfitzner für Klavier, zwei Violinen und
Bratſche, aus deſſen hin= und herwogenden Tonfluten,
dem Ringen nach Ausdruck, den Häufungen exor=
bitanter
techniſcher Schwierigkeiten, harmoniſcher und
kontrapunktiſcher Exzentrizitäten nur das Außerge=
wöhnliche
als einziges und beſonderes Merkmal hervor=
trat
, während die endloſe Länge des Adagios das Publi=
kum
auf eine harte Probe ſtellte und für eine Zeit lang für
andere Eindrücke unempfänglich machte. Mit dem Schlag=
wort
modern kann man nicht alles, was mißfällt, erklären
und rechtfertigen. Mit der Achtung vor dem kompoſitions=
techniſchen
Können des Komponiſten hat dies ablehnende
Urteil nichts zu tun. Aber die Technik iſt nur Mittel zum
Zweck, nicht Selbſtzweck. Der undankbaren Aufgabe der
Interpretation dieſes Werkes unterzogen ſich außer dem
Komponiſten die Herren Schmidt, Bornemann,
Delp und Andrae.
Ein flott gearbeitetes, lebendiges, aus vier kurzen
Sätzen beſtehendes, durch treffliche muſikaliſche Charak=
teriſtik
und Konzentration ſich vorteilhaft auszeichnendes

entgegen nach London, was nur wenig über zwei Stunden
in Anſpruch nahm. Das Luftſchiff umkreiſte die St. Pauls=
Kathedrale. Es erreichte eine Höhe von 330 Metern und
kehrte ſodann nach Farnborough zurück, wo es um 3 Uhr
morgens ohne Unfall landete.
* Kopenhagen 3. Juni. Der däniſche Avia=
tiker
Nervoe ſtieg abends von dem Flugplatz auf
der Amagerinſel bei Kopenhagen auf, flog zunächſt über
die Seeforts, ſodann über die innere Stadt, paſſierte
den Rathausturm und flog dann nach dem Flugplatz
zurück, wo er nach zirka 17 Minuten landete.
* Gatſchina, 4. Juni. Der Aviatiker Po=
pow
, der mit einem Wright=Zweidecker einen Flug
on 15 Minuten gemacht hatte, ſtieß beim Abſtieg mit
ſeinem Apparat gegen einen Hügel, wobei der Apparat
zerſtört wurde. Popow erlitt einen Hüftenbruch und
ſchwere Kopfverletzungen. Sein Zuſtand iſt ernſt.

Sport.
* Frankfurt a. M., 5. Juni. Internatio=
nales
Lawntennis=Spiel. Länderwettkampf
Deutſchland gegen Oeſterreich. Auf deutſcher Seite
ſpielten Roland (Pſeudonym), O. Kreutzer, Rahe, Schom=
burgk
, Wittmann und Bergmann, auf öſterreichiſcher
Seite Giſelher, Kinzl, Jansky, Razly, Stoeck und Zborbzil.
Der Kampf endete mit einem Sieg der Deutſchen von
8 zu 7. Im Vorjahr wurde Deutſchland von Oeſterreich
mit 10 zu 5 geſchlagen.
* Hamburg, 5. Juni. Rennen zu Groß=
Vorſtel. Großer Preis von Hamburg. Garantier=
ter
Preis 100000 Mark. Walter Stolzing, Stoß=
vogel
und Ladislaus kamen als Erſte ab. Nach
dem Viertel des Weges ſtieß ſich Stoßvogel nach vorn
und kam als Erſter in die Gerade. Dann gewann
Fervor unter Childs gegen Star (Spear) und
Mikado III. (Shaw), die im toten Rennen ankamen.
Stoßvogel tat einen Fehlſchritt, brach ein Bein
und wurde erſchoſſen.
* Wien 5. Juni. Das öſterreichiſche Derby
mit 114,000 Kronen (2400 Meter), gewann Graf Telekis
Rascal ſehr leicht mit 2½ Längen vor Baron Springers
Peponnet, dritter Prinz Taxis Szozat‟ Der Graditzer
Orient war letzter. Sieben Pferde liefen.

Landwirtſchaftliches.
L.K. Ziegenmarkt in Darmſtadt. Ziegen=
züchter
, Gemeinden und ſonſtige Intereſſenten werden
jetzt ſchon darauf aufmerkſam gemacht, daß, wie in den
Vorjahren, ſo auch dieſes Jahr wieder, am 12. Juli, ein
Ziegenmarkt zu Darmſtadt (Pferdemarktplatz) vom
Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß für Starkenburg ver=
anſtaltet
wird. Beſchickt werden mit Ziegen uſw. darf
dieſer Markt nur von Ziegenzüchtern, welche Ziegen=
zuchtvereinen
angehören. Ziegen von Händlern und
anderen Ziegenzüchtern werden nicht zugelaſſen.

Vermiſchte3.
CK. Wachstum der Bevölkerung und
Zunahme der Selbſtmorde. Das erſte Jahr=
zehnt
des 20. Jahrhunderts, das nun bald zu Ende geht,
hat die Bevölkerung des Deutſchen Reiches von rund
56 auf 64 Millionen geſteigert, d. h. um ½ oder 12½
Prozent. Die weibliche Bevölkerung überwiegt dabei
die männliche bei der letzten Volkszählung 1905 war
das Verhältnis 30,70 zu 29,88 Millionen. Das Ver=
hältnis
der ſtädtiſchen zur ländlichen Bevölkerung hat
ſich ſeit der Begründung des neuen Deutſchen Kaiſer=
reichs
in dem Zeitraum, der unſer Vaterland aus einem
Agrarſtaat zu einem Induſtrieſtaat gemacht hat, ganz
verſchoben. Standen 1871 den 14,79 Millionen ſtädtiſcher
Bewohner noch 26,22 Millionen ländlicher gegenüber,
ſo hatten ſich jene bis 1905 um 20 Millionen vermehrt,
jene um 400000 vermindert, ſodaß die Zahlen damals
34,82 und 25,82 Millionen lauteten, und die Abwendung
rom Lande dürfte in den letzten fünf Jahren kaum ab=
genommen
haben. Die Abkehr von der Landwirtſchaft
ihre Gründe bleiben hier außer Acht und die Ver=
ſtärkung
der Gewerbe, das Anwachſen der Großſtädte,
die wachſende Schnelligkeit des Verkehrs hat zu einer
ſtarken Nervenanſpannung, zu einer größeren Unraſt
des Lebens beitragen müſſen; man klagt über das
Schwinden der Gemütlichkeit und nennt die Nervoſität
ein Kennzeichen unſerer Zeit. Findet die Verſtärkung
der Nervoſität nun auch einen Niederſchlag in der Ver=
mehrung
der aufregendſten Auslöſung dieſes pſychiſchen
Phänomens, des Selbſtmordes? Das kleine ſtatiſtiſche,
nach 1968 Stichworten alphabetiſch geordnete Taſchen=
buch
, das der wiſſenſchaftliche Hilfsarbeiter am Statiſti=
ſchen
Amt von Charlottenburg, Dr. E. Simon, in die=
ſem
Frühjahr veröffentlicht hat und dem unſere An=
gaben
entnommen ſind, gibt in dem Jahrzehnt von
18931907 folgende Zahlen männlicher Selbſtmorde an:
8544; 8460; 8987; 9449: 9763: 10 017; 9704; 9913; 9573; 9753;
während in derſelben Zeit bei Frauen die Selbſtmorde,

bei denen ſich auch mit einigen Schwankungen eine Ver=
mehrung
zeigt, nicht ganz ein Drittel der angeführten
Zahlen ergeben. Nach Prozenten berechnet, kamen in
den Jahren 19021908 in Orten mit 15000 und mehr
Einwohnern auf 10000 Perſonen 2,6 bezw. 2,5 und 2,7
Selbſtmorde vor, d. h. die Zahl der Selbſtmorde mehrt
ſich nicht in einem ſtärkeren Maße als die Bevölkerung
es liegt alſo kein Grund zu Befürchtungen vor, gan
abgeſehen davon, daß man natürlich nicht alle Selbſt=
morde
auf Rechnung einer durch die Lebensart hervor
gerufenen Nervoſiät ſetzen darf.
C.K. Die Abnahme der Tollwut. Aus Paris
wird berichtet: Eine ſehr ausführliche Statiſtik, die ſoeben
von dem Arzt A. Martel veröffentlicht wird, zeigt, daß
gegenwärtig die Stadt Paris und das Departement der
Seine, die früher einen einzigartigen Tollwutherd in der
Welt bildeten, faſt völlig von dieſer ſchrecklichen Krankheit
befreit ſind. Im Jahre 1909 hat man nur 13 Fälle bei
einer Zahl von 185000 angemeldeten Hunden beobachtet,
während es im Jahre 1901 noch 846 Fälle bei 140000 Hun=
den
waren. Die Abnahme der Krankheit zeigen folgende
Zahlen: 170 Fälle im Jahre 1903, 138 im Jahre 1904, 98
im Jahre 1905, 47 im Jahre 1906, 20 im Jahre 1907, 26 im
Jahre 1908 und 13 im Jahre 1909. Im Laufe der letzten
6 Jahre wurden nur 4 Fälle von Hundswut bei 68 109
herrenloſen Hunden, die gefangen wurden, feſtgeſtellt, wäh=
rend
in den 6 vorhergehenden Jahren 155 Fälle bei 78 768
Hunden gezählt wurden. Ebenſo zeigen die Statiſtiken
des Paſteur=Inſtituts in Paris, daß die Tollwut allmäh=
lich
verſchwindet: 1900 wurden 637 Perſonen behandelt,
1904 623 und 1909 iſt die Zahl der von verdächtigen
Hunden gebiſſenen Perſonen auf 105 geſunken. Bei Men=
ſchen
iſt die Tollwut ſehr ſelten geworden. Der letzte beob=
achtete
Fall geht auf das Jahr 1905 zurück.
CK. Die Vereinigten Staaten und die
Zahl dreizehn. Für die abergläubiſchen Gemüter,
die mit ahnungsvollem Schauer in der Zahl 13 den
Vorboten ſchlimmen Unglücks und einer düſteren Zu=
kunft
ſehen, iſt die Entwicklung und der Aufſchwung
Amerikas ein lehrreiches Beiſpiel dafür, daß die Zahl
13 auch Glück bedeuten kann. Denn Amerika wurde an
einem 13. entdeckt, die Vereinigten Staaten ſetzten ſich
urſprünglich aus 13 Staaten zuſammen, die erſte ame=
rikaniſche
Flagge hatte 13 Sterne und 13 Strahlen, die
Deviſe E pluribus unum weiſt 13 Buchſtaben auf. Die
Freiheit im amerikaniſchen Wappenbilde iſt mit 13
Sternen gekrönt, der Adler des Wappens hält in der
einen Klaue 13 Blitze, in der anderen einen Oliven=
zweig
mit 13 Blättern, er trägt auf der Bruſt ein
kleines Schild mit 13 Streifen und jeder Flügel des
Adlers hat 13 Federn. Es gibt wohl wenige Staaren,
bei denen die Zahl 13 eine ſo große Rolle ſpielt, und
die wirtſchaftliche und politiſche Entwicklung= Amerilas
hat gezeigt, daß ſich mit der 13 recht gut leben läßt.

Literariſches.
th. Leißler, A. (Rechnungsrat), Die Beſtim=
mungen
über den Wechſelſtempel uſw., Darm=
ſtadt
, Selbſtverlag des Verf.; Preis 1,50 Mark. Geſetze
zu ſtudieren, iſt nicht jedem gegeben, namentlich wenn
es ſich um Steuergeſetze handelt. Und gerade in den
erwerbstätigen Ständen, unter Kaufleuten und Ge=
werbetreibenden
wird dieſer Auffaſſung ſtark gehuldigt.
Da aber Geſetzesunkenntnis nicht von Strafe befreit,
muß mancher dafür ſchwer büßen. Ein Gebiet, auf dem
dieſe Erſcheinung von jeher beſonders ſtark hervortrat,
iſt das des Wechſelſtempels, ſtärker noch, ſeitdem durch
das Geſetz vom 15. Juli v. Js. neben der Wechſelſumme
noch die Dauer der Umlaufzeit für die Höhe der Abgabe
maßgebend geworden iſt. Höchſt willkommen erſcheint
daher das obige Werkchen des ſchon durch eine ähnliche
Arbeit über den Reichsſtempel bekannt gewordenen
Verfaſſers. Was es auf dem Titelblatt verſpricht, hält
es vollauf. Es gibt die für das Geſchäftsleben ſo wich=
tigen
Vorſchriften nicht in einem zuſammenhängenden.
ſchwer zu überſehenden Text wieder, ſondern ſtellt ſe
durch geſchickte Anordnung des Drucks mittels verſchie=
denartiger
Lettern ſo dar, daß ſich jede auftretende Frage
leicht und ſchnell beantworten läßt. Da man beim
Leſen nicht Intereſſierendes einfach ausſchaltet, ſo kann
die Antwort in jedem einzelnen Fall ſofort ſozuſagen
unmittelbar abgegriffen werden. Zahlreiche Erläuter=
ungen
, namentlich aus der Wechſelordnung, aus höheren
Entſcheidungen, Kommentaren und anderen nicht ſtets
zugänglichen Materialien erhöhen den Wert für weite
Kreiſe der Stempelpflichtigen, ohne daß der Klarheit
und Beſtimmtheit der Faſſung Abtrag geſchähe. Dieſe
Zuſätze werden aber das Werkchen fernerhin den zahl=
reichen
Beamten, die von Amtswegen oder gelegentlich
mit dem Wechſelſtempel befaßt ſind, noch beſonders wert=
voll
machen, den Zollbeamten, den Gerichten, den Poli=
zeiorganen
, namentlich aber auch den Notaren, Poſt=
beamten
, Gerichtsvollziehern, Gerichtsſchreibern und
Rechtsanwälten. Scharfer Druck, gutes Papier und
handliches Format ſind die äußeren Vorzüge des Büch=
leins
, deſſen billiger Anſchaffungspreis ſich allerorts
bald bezahlt machen wird.

Quartett von F. Woyrſch erlebte im zweiten Teil
des Abends ſeine Uraufführung. Das Werk fand ſehr bei=
fällige
Aufnahme. Geſpielt wurde es von dem Have=
mann
=Quartett. Weiter ſang Frau Lauprecht
van Lammen vier Lieder, und zwar zwei gefühlvolle
Lieder von Cl. Debuſſy, die uns nichts beſonderes zu
ſagen hatten, und zwei von H. Pfitzner. Des durch=
ſchlagenden
Erfolges des Liedes Sonſt einer höchſt geiſt=
reichen
Vereinigung von lyriſchem und dramatiſchem Stil
mit ganz brillanter Technik, haben wir ſchon gedacht. Das
famoſe Lied iſt eine wertvolle Bereicherung des Konzert=
repertoires
und kann aus dem Konzertſaal nicht wieder
verſchwinden. Ein zweites Lied desſelben Komponiſten
Wie Frühlingsahnung weht es durch die Lande zeigt
ihn ebenfalls von der beſten Seite ſeines Könnens. Frau
Lauprecht van Lammen lagen dieſe Lieder beſon=
ders
gut. Zuletzt, leider zuletzt, nachdem der Zeiger der
Uhr ſchon weit vorgerückt und die Aufnahmefähigkeit des
Publikums dementſprechend zurückgegangen und die Tem=
peratur
des Saales nahezu unerträglich geworden war,
kam Regers grandioſes Quartett für Klavier, Vio=
line
, Bratſche und Violoncello (op. 113) an die Reihe, das
ganz Regerſche Eigenart zeigt und etwas Uebergeniales,
Titaniſches an ſich trägt, daneben den Künſtlern geradezu
fabelhaft ſchwierige Aufgaben ſtellt. Einzelheiten des
Werkes in uns aufzunehmen, waren wir nicht mehr im=
ſtande
. Ehe man ein ſolches Werk würdigen kann, muß
man es erſt hören lernen. Dazu reichten, wie geſagt, die
Nerven nicht mehr aus. Geſpielt wurde es bewunderns=
wert
von dem Komponiſten und dem Havemann=
Quartett.
Die Künſtler ernteten nach jeder Nummer reichen Bei=
fall
, die anweſenden Komponiſten, St. Krehl, Pfitzner,
Worrſch und Reger, wurden mehrfach hervorgerufen.

Während am zweiten Abend der (von der Firma
W. Zimmermann geſtellte) Bechſtein=Flügel und der (aus
dem Lager von L. Schutter ſtammende) Ibach=Flügel.mit
einander konkurrierten, hatte am letzten Abend der letzt
genannte allein das Feld.
Die Großherzoglichen Herrſchaften und
die Prinzeſſin Franz Joſeph von Battenber
wohnten auch dem zweiten und dritten Abend bei.

Nach Schluß des Kammermuſikfeſtes fand im Saa
des Muſikvereins ein Abendeſſen ſtatt, an dem di
Komponiſten, die mitwirkenden Künſtler und Mitglied
des Feſtausſchuſſes mit ihren Damen teilnahmen. T
Vorſitzende, Herr Geh. Oberbergrat Braun, gedachte de
von dem Allerhöchſten Protektor gegebenen Anregung
den Kammermuſikfeſten und ihres ſchönen Verlaufe
und dankte allen Mitwirkenden herzlich und auch der Fre
Lilli Wolfskehl für die Förderung der Kammermuſik un
ſchloß mit einem Hoch auf den Allerhöchſten Protekt=
Seine Königliche Hoheit den Großherzog. Herr Prof. D
Reger hielt eine humoriſtiſche Anſprache in bayeriſcher
Dialekt und gab ſeiner Freude über die ſchönen Kammer
muſikfeſte in Darmſtadt Ausdruck, die für die Komponiſt=
ideale
Zuſtände ſchafften. Zum Schluſſe gedachte er i
liebevoller Pietät des früheren Vorſitzenden, Herrn Oberſ
leutnants Leydhecker, und bat die Gäſte, ihm ein ſtille
Glas zu weihen. In einer zweiten Rede feierte er di
deutſchen Meiſter der Kammermuſik: Bach, Mozart, Haydt
Schubert, Beethoven und Brahms.
Damit fand das diesjährige glänzend verlaufen
Kammermuſikfeſt ſein Ende.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

armſtädter Tagbkakt, Montag, den 6. Juni 1910.

Nummer 129.

Wie ſtudiert man Biologie? Eine Ein=
führung
in die Wiſſenſchaft für angehende Studierende
der Botanik und Zoologie und deren Ergänzungs=
wiſſenſchaften
nebſt Ratſchlägen zur zweckmäßigen An=
ordnung
des Studienganges. Von Dr. Werner Fried=
rich
Bruck, Privatdozenten der Botanik an der Uni=
verſität
Gießen. (Violets Studienführer). 8', IV und
152 Seiten. Preis geh. 2,50 Mark. Verlag von Wil=
helm
Violet in Stuttgart. Dieſes Buch wendet ſich,
wie auch der Untertitel ſagt, an die angehenden Stu=
dierenden
der Botanik und Zoologie und deren Er=
gänzungswiſſenſchaften
, in der Hauptſache an ſolche,
die dereinſt Lehrer der Naturwiſſenſchaften an den
höheren Schulen werden wollen. Der Verfaſſer hält
ſich frei von jeder Einſeitigkeit, was ja auch daraus
hervorgeht, daß er das Studium der Frauen berück=
ſichtigt
.
Darmſtadt, 6. Juni.
Ordensverleihung. Se. Kgl. Hoheit der Groß=
herzog
hat dem Hofſchauſpieler Herm. Knispel das
Ritterkreuz I. Klaſſe des Philippsordens verliehen.
* Liedertafel. Am Samstag hielt die Liedertafel
im Saale des Schützenhofes einen bunten Abend ab, der
ſich eines zahlreichen Beſuches zu erfreuen hatte. Sämt=
liche
Chöre, teilweiſe mit Klavierbegleitung unter Leitung
ihres tüchtigen Dirigenten, Herrn Kammermuſiker
A. Kugler, kamen in muſtergültiger Weiſe zu Gehör und
fanden ſtürmiſchen Beifall. Die Klavierbegleitung
hatte Herr Heinrich Arnold junior freundlichſt über=
nommen
. Als Soliſten wirkten Fräulein W. Eichener
(Sopran) und Frl. L. Müller (Alt), beide Schüler=
innen
der Joachim’ſchen Geſangſchule. Die Damen
ernteten reichen Beifall. Die Schülerin des Süß’ſchen
Konſervatoriums, Frl. Anna Müller brachte mit
Herrn Jöckel das bekannte ſchöne Melodram Mozart
in wirkungsvollſter Weiſe zum Vortrag. Als humo=
riſtiſcher
Soliſt ſei noch Herr Matheis genannt, der
wieder vorzügliches leiſtete.

(*) Hoherodskopf, 4. Juni. Heute wurde unter
ſehr zahlreicher Beteiligung der Vertreter der ca. 30
Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs der neu
erbaute Ausſichtsturm Bismarckturm auf
dem Taufſtein eingeweiht. Profeſſor Bender=
Frankfurt hielt die Weiherede, darauf wurde das von
Oberamtsrichter Römheld gedichtete Feſtlied geſungen
und der Turm beſichtigt. Der Turm iſt nach den Plänen
des Architekten Hoffmann=Herborn von der Firma
Winn u. Co.=Gießen erbaut worden und reicht mit
ſeiner Höhe von 24 Metern über die höchſten Gipfel der
Bäume, zugleich einen weiten Fernblick bietend.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 4. Juni. Die Reichstagskom=
miſſion
für die Reichsverſicherungsordnung lehnte
die Zuläſſigkeit von Landesverſicherungsämtern ab.
* Berlin, 4. Juni. Außer dem Nachtragsetat betr. die
Erhöhung der Krondotation um zwei Millionen
ging dem preußiſchen Abgeordnetenhauſe ein Nachtrags=
etat
von 1½ Millionen Mark zu als Zuſchuß an die
Kronkaſſe zu den Betriebskoſten für die Königlichen
Theater.
* Berlin, 4. Juni. Seitens der konſervativen
Partei iſt im preußiſchen Abgeordnetenhauſe eine
Interpellation eingegangen: Was gedenkt die
königliche Staatsregierung zu tun, um durch die preu=
ßiſche
Geſandtſchaft beim Vatikan oder auf einem
anderen Wege ſolchen Beſchimpfungen der
evangeliſchen Kirche, wie ſie in der Enzyklika
des Papſtes vom 26. Mai enthalten ſind,
die den konfeſſionellen Frieden ernſtlich ge=
fährden
, wirkſam entgegenzutreten?
Die
nationalliberale Partei brachte folgende
Interpellation ein: Die in dem Oſſervatore
Romano Nr. 146 veröffentlichte Borromäus=Enzyklika
enthält Schmähungen der evangeliſchen Kirche, ihrer
Reformatoren und der der Reformation zugetanen
deutſchen Fürſten und Völker. Welche Maßregeln ge=
denkt
die Staatsregierung zu ergreifen, um den durch
die Veröffentlichung der Enzyklika bedrohten konfeſſio=
nellen
Frieden in Preußen zu ſichern?
* Berlin, 5. Juni. Auch die Freikonſervativen
brachten im Abgeordnetenhauſe eine Interpellation
über die Enzyklika ein, welche fragt, was die Regie=
rung
zu tun gedenkt, um dem öffentlichen Aergernis zu
ſteuern und für die Zukunft derartigen Störungen des
konfeſſionellen Friedens innerhalb der preußiſchen Macht=
grenzen
vorzubeugen.
* Berlin, 4. Juni. Dem preußiſchen Abge=
ordnetenhauſe
ging ein Nachtragsetat zu, nach
nelchem an den Kronfideikommiß außer der
durch den Artikel 3 der Verordnung wegen der Behand=
lung
des Staatsſchuldenweſens vom 17. Januar 1820
auf die Einkünfte der Domänen und Forſten ange=
wieſenen
Rente von 7719296 Mark und außer den nach
den einſchlägigen Geſetzen von 1859, 1868 und 1889 zu
entrichtenden Renten von im ganzen 8 Millionen Mark
vom 1. April 1910 ab eine weitere jährliche Rente von
2 Millionen aus der Staatskaſſe gezahlt werden ſoll.
* Berlin, 4. Juni. Die Berliner Zeitung meldet
aus Köln: In dem Orte Lindlar griff ein in der Woh=
nung
eines Poſtſchaffners ausgebrochenes Feuer derart
ſchnell um ſich, daß nur mit großer Mühe und Gefahr fünf
Kinder des Poſtſchaffners gerettet werden konnten. Die
Mutter, die glaubte, daß ſich die Kinder noch in dem bren=
nenden
Hauſe befänden, ſtürzte ſich in die Flammen und
wurde verbrannt. Eine Perſon erlitt ſchwere Kopf=
verletzungen
, mehrere andere wurden leicht verletzt.
* Berlin, 4. Juni. Der heute morgen auf der
Chauſſee zwiſchen Schulzendorf und Heiligenſee aufge=
fundene
Tote iſt nach Ausſage des Gerichtsarztes nicht
ermordet, ſondern überfahren worden.
* Berlin, 4. Juni. In der Vormittagsziehung der
Preußiſchen Klaſſenlotterie wurden keine
höheren Gewinne gezogen, je 3000 Mark fielen auf
Nr. 2200, 9067, 26502, 27345, 30174, 37339, 46322, 49776,
60509, 65837, 7
16, 86057, 87122, 97874, 97930,
98860, . 99984, 100683, 117005, 118148, 120079, 126291,
126949, 127209, 1546
2, 156724, 161469, 161833,
163923, 170623, 171635, 173,234, 188807, 190315, 212263,
213419, 218098, 218733, 224900, 225634, 235056, 237134,
239224, 241775, 247108, 248490, 249
250356, 272491,
286211, 300302 und 303023.

In der heutigen Nachmittagsziehung der Königl.
. Klaſſenlotterie fielen 15000 Mark auf

141694, 147154, 150825, 154132, 173162, 178521, 188576,
189080, 198879, 201173, 203351, 219573, 220443, 224859,
229342, 242691, 267844, 269860, 274335, 275034, 279287,
280344, 290716, 296856. (Ohne Gewähr.)
* Berlin, 5. Juni. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Der königlich italieniſche Miniſter des
Aeußern Marquis di San Giuliano hat nach
herzlicher Verabſchiedung von den deutſchen Staatsmän=
nern
am Mittwoch die Heimreiſe angetreten und iſt in=
zwiſchen
nach Rom zurückgekehrt. Der Verlauf ſeines Be=
ſuches
in der Reichshauptſtadt hat den Erwartungen voll
entſprochen, die bei ſeinem Eintreffen in unſerem Blatte
ausgedrückt worden ſind. Auf den politiſchen Meinungs=
austauſch
, zu dem die Anweſenheit des italieniſchen Mini=
ſters
im Sinne der Dreibundspolitik Gelegenheit bot, blickt
man in Berlin mit ungetrübter Befriedigung zurück. Der
italieniſche Staatsmann hat ſich bei uns ſtarke Sympathien
erworben und gerne werden ſeine deutſchen Kollegen ſich
der mit ihm in Berlin verlebten Stunden erinnern. Nach
der Rückkehr des Miniſters nach Rom hat ein herzlich ge=
haltener
Depeſchenwechſel des Königs von Italien mit
unſerem Kaiſer ſtattgefunden.
* Metz, 4. Juni. In der vergangenen Nacht gab der
Erdarbeiter Gill auf ſeine Geliebte, die Witwe
Tott, 5 Revolverſchüſſe ab und tötete ſie.
Der Mörder ergriff die Flucht. Polizeihunde nahmen
die Spur auf. Bis jetzt gelang es noch nicht, ſeiner
habhaft zu werden.
Metz, 4. Juni. In dem Gertinger Friedhofs=
prozeß
wurden heute abend 7½ Uhr die Verhandlungen
zu Ende geführt. Der Staatsanwalt beantragte gegen
ſechs der Angeklagten je 600 Mark Geldſtrafe, bei den
drei übrigen Freiſprechung. Das Urteil wird in acht
Tagen, am 11. Juni, vormittags 9 Uhr, bekannt gegeben
werden.
Frankfurt a. M., 5. Juni. Heute gegen 1 Uhr
fiel in der Koblenzerſtraße 14 das 2½=jährige Kind Franz
Bippus aus dem Fenſter des vierten Stockwerks auf
die Straße; es erlitt einen ſchweren Schädelbruch und
war ſofort tot.
* Frankfurt a. M., 5. Juni. Heute nachmittag fuhr
mit ſeinem Fahrrad am Unteren Mainkai der 15 Jahre
alte Sohn des Bäckermeiſters Amberger gegen einen
Milchwagen, die Deichſel desſelben drückte ihm die Bruſt
ein, auch erlitt der Knabe außerdem mehrere Rippen=
brüche
. Der Tot trat auf der Stelle ein.
* München, 4. Juni. Ein größerer Verkehrsun=
fall
ereignete ſich heute mittag gegen 1 Uhr auf dem ver=
kehrsreichſten
Platze der Stadt beim Stachus. Dort fiel
plötzlich die Oberleitung der Straßenbahn auf eine Länge
von 50 Metern herab. Einige Perſonen erlitten Kon=
tuſionen
.
* Stuttgart, 4. Juni. Die Kommiſſion der
Erſten Kammer zur Beratung des Geſetzentwurfs be=
treffend
die Errichtung einer Landwirtſchaftskam=
mer
hat einſtimmig beſchloſſen, an das Plenum den An=
trag
zu ſtellen, in eine Einzelberatung dieſes Geſetzent=
wurfs
nicht mehr einzutreten, da nach den Beſchlüſſen der
Zweiten Kammer eine Annahme des Geſetzentwurfs in
einer Form, die den grundſätzlichen Forderungen der
Erſten Kammer, insbeſondere bezüglich einer Erweiterung
der Landwirtſchaftskammer, die der beſtehenden Berufs=
organiſation
entſpräche, nicht in Ausſicht genommen wäre.
* Karlsruhe, 4. Juni. Die Zweite Kammer
ſprach ſich einmütig gegen den Vorſchlag auf teil=
weiſe
Wiederherſtellung der Faſſade des Otto
Heinrich=Baues (Heidelberger Schloß) aus.
* Detmold, 4. Juni. Sämtliche Bauernburſchen,
welche verhaftet wurden, weil ſie Steine nach dem
Automobil des Fürſten geworfen hatten, geben
zu, dies aus Uebermut getan zu haben. Es iſt noch
nicht feſtgeſtellt, ob ſie gewußt haben daß es ſich um das
Automobil des Fürſten handelte.
* Hamm (Weſtfalen), 4. Juni. In der vergange=
nen
Nacht erſchoß der Hauptmann a. D. Mellen=
dorf
auf Haus Oſthoff nach einem Wortwechſel den
Wächter Jürging und gab auch auf den Brnder Jür=
gings
mehrere Revolverſchüſſe ab. Jürging war ſofort
tot, ſein Bruder wurde ſchwer verletzt. Mellendorf
wurde verhaftet.
* Düren, 4. Juni. Im Kreiſe Düren iſt geſtern
nachmittag zwiſchen 3 und 5 Uhr ein ſchweres Ge=
witter
niedergegangen. Zwiſchen Unter=
Maubach und Kreuzau mußte von 5 bis ½8 Uhr der
Eiſenbahnverkehr eingeſtellt werden, da der Wolken=
bruch
die Gleiſe unterſpült hatte. In Stockheim ging
ein ſchweres Hagelwetter nieder, das die ganze Saat
vernichtete. In Mochenick wurden ein Knecht und ein
Pferd auf offenem Felde vom Blitz erſchlagen, ein jun=
ger
Begleiter blieb unverletzt. Durch den Hagel wur=
den
mehrere Hühner, die ſich nicht rechtzeitig retten
konnten, erſchlagen. Die Hagelſchloßen hatten die
Größe eines Hühnereies.
* Hannover, 5. Juni. Die hieſige Strafkammer
verurteilte den 30 jährigen Kaufmann Alexander Haaſe
aus Berlin und den 48jährigen Steindrucker Karl
Ueckermann aus Detmold wegen Briefmarkenfälſchung
im Sinne des § 275 des Strafgeſetzbuchs zu je 6 Monaten
Gefängnis. Die Beklagten haben große Mengen falſcher
Reichsbriefmarken angefertigt und in Verkehr gebracht,
die nach dem Gutachten des als Sachverſtändigen ge=
ladenen
Betriebsinſpektors der Reichsdruckerei täuſchend
gelungen ſind.
Oldenburg, 4. Juni. Eine Windhoſe warf
heute nachmittag auf der Strecke Zwiſchenahn=Ocholt
von einem nach Leer fahrenden Güterzuge neun Güter=
wagen
um. Ein Bremſer wird vermißt. Man nimmt
an, daß er ſich unter den umgeſtürzten Wagen befindet.
Die Telegraphenleitungen nach Ocholt und Weſterſtede
ſind ebenfalls geſtört.
* Oldenburg, 5. Juni. Zu dem Eiſenbahnun=
fall
auf der Strecke Zwiſchenahn=Ocholt wird
amtlich mitgeteilt: Heute nachmittag 5 Uhr wurden von
dem Güterzuge Nr. 6326 bei Kilometer 19,3 die neun letzten
Güterwagen durch einen Wirbelſturm aus dem Geleiſe ge=
hoben
; vier davon ſind in den Bahngraben geſtürzt. Bei
den Perſonenzügen Nr. 27 und 28 wird der Perſonenver=
kehr
durch Umſteigen aufrechterhalten. Um 8 Uhr 30 Min.
war die Strecke wieder frei, ſo daß der fahrplanmäßig um
9 Uhr 50 Min. eintreffende Perſonenzug als erſter die
Strecke wieder befahren konnte.
* Hamburg, 4. Jnni. Die deutſche Landwirt=
ſchaftsgeſellſchaft
wählte für nächſtes Jahr ab
1. Oktober d. J. den Landgrafen Chlodwig von
ſſen zum Präſidenten.
Cuxhaven, 5. Juni. Der Leichter Gegenwart
der vom Schlepptau des Dampfers Herkules von dem
Paſſagierdampfer Kaiſer beim zweiten Feuerſchiff ange=
rannt
wurde, iſt geſunken. Der Steuermann, ein
Matroſe und zwei Leichtmatroſen ſind ertrunken.
Striegau, 4. Juni. In Gegenwart des Kron=
prinzen
, des Erzherzogs Karl Franz Joſef, des
Prinzen Johann Geora von Sachſen, des Obervräſi=

denten von Dallwitz, des kommandierenden Generals
des 6. Armeekorps, Generals der Infanterie v. Woyrſch,
der Regierungspräſidenten von Breslau, Liegnitz und
Oppeln, des Landeshauptmanns von Schleſien, Frei=
herrn
v. Richthofen, des Fürſten v. Pleß, ſowie von Ab=
ordnungen
der preußiſchen, ſächſiſchen und öſterreichi=
ſchen
Armee und der Kreiskriegerverbände hat heute die
Enthüllung des Kriegerdenkmals für die
in der Schlacht bei Hohenfriedberg gefallenen
1821 Oeſterreicher und 1320 Sachſen ſtattgefunden. Das
Denkmal hat ſeinen Stand in einem alten Eichenhain
an der Chauſſee Striegau=Günthersdorf. Es beſteht
aus einem 6 Meter hohen Obelisken, der auf einem
4 Meter hohen Granitſockel ruht. Im Anſchluß an den
Weiheakt übergab Fürſt v. Pleß das Denkmal dem
ſächſiſchen Militärverein aus Breslau. Er ſchloß ſeine
Anſprache am Denkmal mit einem dreimaligen Hoch
auf den Kaiſer Franz Joſef, Kaiſer Wilhelm II. und
den König Friedrich Auguſt.
* Wien, 4. Juni. Der türkiſche Thronfoll=
ger
iſt in Begleitung des Miniſters des Aeußern
heute abend hier zu zweitägigem Aufenthalt einge=
troffen
.
* Wien, 5. Juni. Der Kaiſer empfing heute nach=
mittag
den türkiſchen Thronfolger in beſonderer
Audienz. Erzherzog Franz Ferdinand ſtattete heute mit=
tag
dem Thronfolger einen Beſuch ab.
* Peſt, 5. Juni. Miniſterpräſident Graf Khuen=
Hedervary erklärte einem Vertreter des Peſter
Lloyd die Nation habe ihren Willen ſo deutlich und
unzweideutig kundgetan, daß die Oppoſition ſich ſicher=
lich
der Entſcheidung beugen werde. Es ſei nicht an=
zunehmen
, daß irgend eine oppoſitionelle Fraktion ſich
dem nationalen Willen widerſetzen und zur Obſtrüktion
greifen werde. Die Wahlen ſeien in vollſter Ord=
nung
verlaufen. Man habe, wie bei den früheren
Wahlen, wohl militäriſche Hilfe in Bereitſchaft gehal=
ten
, um etwaige Ausſchreitungen hintanzuhalten, je=
doch
ſei in keinem einzigen Falle militäriſches Ein=
greifen
in Anſpruch genommen worden.
* Bosniſch=Brod, 4. Juni. Der Sonderzug mit
dem Kaiſer iſt heute früh hier eingetroffen. Der
Kaiſer, der die ganze Nacht geſchlafen hatte und eine
bewundernswerte Friſche zeigte, verabſchiedete ſich von
den Spitzen der Landesbehörden und äußerte dabei
neuerlich ſeine Befriedigung über die in Bosnien ge=
wonnenen
Eindrücke. Nach kurzem Aufenthalt ſetzte
der Monarch unter Ovationen der Bevölkerung die
Fahrt nach Wien fort.
* Rom, 5. Juni. Die Kammer verhandelte heute
über das Budget des Innern. In Beantwortung
verſchiedener Anfragen erklärte Miniſterpräſident
Luzzatti, er werde einen Geſetzentwurf vor=
legen
, wodurch das Zwangsdomizil abgeſchafft und
durch andere, auf beſtrafte Perſonen anzuwendende
Maßregeln erſetzt wird. Luzzatti trat dann für eine
ſchnelle Erledigung der von Giolitti eingebrachten
Vorlage betreffend die Fürſorge für verlaſſene
Kinder ein und erklärte weiter, er werde mit größter
Strenge für die Unterdrückung der Schmutzlitera=
tur
ſorgen. Der Miniſterpräſident ging dann auf
politiſche Fragen ein. Er ſprach ſich gegen das allge=
meine
Stimmrecht aus und erklärte, er mache das
Wahlrecht von der Bildung abhängig. Die Regies
rung werde, wie auch früher, ſich jeder Beeinfluſſung
bei den Wahlen enthalten. Was die Ausſtände an=, habe die Regierung in gleicher Weiſe für die
Freiheit der Arbeit wie für die Freiheit, die Arbeit
einzuſtellen, zu ſorgen, und Gewalttätigkeiten, von
welcher Seite ſie auch begangen werden, zu unter=
drücken
. Mit der Redensart von der Freiheit der
Syndikate könne er ſich nicht einverſtanden er=
klären
. Alle Freiheiten beruhten auf der Freiheik des
Individuums. Die Freiheit der Syndikate könne dahin
ausarten, daß ſie die Freiheit des Individuums beein=
trächtige
. In der Auffaſſung des Begriffs Freiheit be=
ſtehe
ein großer Unterſchied zwiſchen den angelſächſiſchen
und lateiniſchen Völkern. Für erſtere beſtehe die Frei=
heit
darin, ihre Ideen unter Achtung der Ideen ande=
rer
zu verteidigen. Die lateiniſchen Völker verſtänden
unter Freiheit nur zu leicht die Möglichkeit, die Ideen
anderer zu bekämpfen. Die Auffaſſung der angelſächſi=
ſchen
Völker führe zur wahren Demokratie, die der
lateiniſchen Völker zur Demagogie und Tyrannei.
Italien müſſe das erſtere wählen, denn wahre Freiheit
führe zum Triumph der Wahrheit, während Gewalt=
tätigkeit
immer zum Ruin führe. (Lebhafter Beifall.)
Der Miniſterpräſident wurde von vielen Deputierten
beglückwünſcht.
* Rom, 5. Juni. Der Unterſtaatsſekretär im Kriegs=
miniſterium
General Prudente iſt heute geſtorben.
* Ferrara, 5. Juni. Bei der Eröffnung des hier ſtatt=
findenden
Kongreſſes der italieniſchen Land=
wirtſchaftsgeſellſchaft
hielt der Präſident des
internationalen Ackerbauinſtituts in Rom Marcheſe Capelli
eine Rede, in welcher er darauf hinwies, daß das Inſtitut
in ſeiner jetzigen Organiſation den Wünſchen des Königs,
deſſen Initiative ſeine Gründung zu danken ſei, nicht ganz
entſpreche, weil die Landwirtſchaftsgeſellſchaften als ſolche
von der Mitgliedſchaft des internationalen Ackerbauinſti=
tuts
ausgeſchloſſen ſeien. Der Redner bezeichnete es als
notwendig, daß durch das Inſtitut ein engerer Zuſammen=
ſchluß
aller landwirtſchaftlichen Vereine jeder Art herbei=
geführt
werde. Von dem Miniſterpräſidenten Luzzatti, der
ſeinerzeit dem König die Gründung des Inſtituts anriet,
könne er dem Kongreß das Verſprechen überbringen, daß
dieſer demnächſt an den weiteren Ausbau des Inſtituts im
Sinne des engeren Zuſammenhanges mit den landwirt=
ſchaftlichen
Geſellſchaften herantrete.
* Auxerre, 5. Juni. Von den beiden Kuhhirten,
die im Dezember vorigen Jahres auf einem Landgut
bei Jully fünf Perſonen ermordeten, wurde der
17jährige Jacquiard zum Tode und der 15jährige Vienny
zu der Maximalſtrafe von zwanzig Jahren Ge=
fängnis
verurteilt.
* Paris, 5. Jnni. Der Marineminiſter teilte
dem Miniſterpräſidenten mit, daß der bei den Arbeiten
zur Bergung der Pluvioſe geſunkene Leichter un=
verzüglich
erſetzt wird und daß die Arbeiten ſo beſchleu=
nigt
werden, daß der Pluvioſe morgen abend in dem
Hafen von Calais eintrifft.
* Paris, 5. Juni. Präſident Falliéres hat ſich
entſchloſſen, vor der Leichenfeier für die ertrunkene Be=
ſatzung
der Pluvioſe keine offizielle Reiſe
zu unternehmen. Da infolge der durch das Sinken des
Leichters verzögerten Bergung der Pluvioſe die
Leichenfeier ſpäter ſtattfinden wird als beabſichtigt, ſchob
der Präſident die für den 11. und 12. Juni geplante
Reiſe nach Clermont Ferrand auf. Die Reiſe wird
wahrſcheinlich am 2. und 3. Juli ſtattfinden.
* Calais, 4. Juni. Der Pluvioſe wurde um
10 Uhr vormittags bis auf 500 Meter an die Molen
herangebracht und damit wurden drei Meter Höhe ge=
wonnen
. Man glaubt, der Pluvioſe wird morgen vor=
mittag
oder mittag in den Hafen bugſiert werden können

[ ][  ][ ]

Nummer 129.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910.

Ealais, 5. Zumi. Einer der Leichter, die den
Pluvioſe halten, iſt bei Seegang während der Ebbe
gegen den Turm des Unterſeebootes geſtoßen und ge=
ſunken
. Die Arbeiten erleiden infolgedeſſen eine
Unterbrechung.
* Calais, 5. Juni. Gegen 6 Uhr abends wurden
die Pontons, die das geſunkene Tauchboot Pluvi=
oſe
halten, ohne Zwiſchenfall nach der Küſte geſchleppt,
dort geriet der Pluvioſe auf eine Sandbank. Man
hofft, ihn morgen früh in den Hafen zu bringen.
* Konſtantinopel, 4. Juni. Dem Wiener Korr.=
Bureau wird aus ſicherer Quelle beſtätigt, daß die
Stockung der Verhandlungen Rifagt Paſchas be=
züglich
Kretas auf den Umſchwung in der Haltung
des engliſchen Kabinetts zurückzuführen iſt, welches
erklärte, es könne nichts unternehmen, was gegen die
Lage der griechiſchen Dynaſtie ſei.
* Monaſtir, 4. Juni. Geſtern wurde wie ſchon in
der letzten Zeit einmal, eine Proteſtkundgebung
gegen Griechenland und die Anwerbung von
Freiwilligen beſchloſſen, die gegen Griechenland ziehen
ſollen. Die Freiwilligen erhielten ſofort Uniformen.
Als erſter legte der Bürgermeiſter von Monaſtir die
Uniform an. Niazi=Bey, der Held von Resna, wurde
einſtimmig zum Befehlshaber der Freiwilligen ge=
wählt
. Das Wilajet Monaſtir will 50000 Mann ſtellen.
* Urmia, 5. Juni. Die Kurden zerſtörten die
Waſſerleitung, die Stadt iſt ohne Trinkwaſſer.
* Chicago, 4. Juni. Das Bundesſchiedsamt fällte
in dem Lohnſtreit zwiſchen den 27000 Maſchi=
niſten
der 49 Eiſenbahnlinien weſtlich von Chicago
die Entſcheidung zugunſten der Maſchiniſten; ſie ſollen
eine Lohnerhöhung von 7½ Prozent ſtatt der gefor=
derten
12½ Prozeut erhalten.
* Tanger, 5. Juni. Abdul Aſis wird am Diens=
tag
eine Reiſe nach Mekka antreten.
Familiennachrichten.

Todes-Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſeren unvergeßlichen Sohn u. Bruder, unſeren
lieben Enkel, Neffen und Vetter
(*13958
Ludwid Baumüller
heute vormittag 8½ Uhr im 20. Lebensjahre
aus dieſem Leben abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Leonhard Baumüller.
Darmſtadt, den 4. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Montag, 6. Juni, mit=
tags
12 Uhr vom Portale des Darmſtädter
Friedhofes aus, ſtatt.

Statt jeder Anzeige.
Heute entſchlief ſanft infolge einer Blind=
darm
=Operation in St. Petersburg unſere ge=
(11560
liebte Nichte
Ella v. Anderefsku
im 38. Lebensjahre.
Die Tieftrauernden:
Auguste Vogel,
Emma Vogel, geb. Menges.
Darmſtadt, den 3. Juni 1910.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte unſeres
lieben unvergeßlichen Vaters
(*13929
Johannes Jäger
ſagen wir Allen, für die große Beteiligung, dem
Darmſtädter Männergeſangverein für den erheben=
den
Grabgeſang, ſowie für die zahlreichen Blumen=
ſpenden
unſeren innigſten Dank.
Luise Jäger,
Jean Jäger,
Karl Jäger.
Darmſtadt, den 3. Juni 1910.

Aerztliche Beratungsſtelle für Säug=
lingspflege
, im alten Theater. Sprechſtunden:
Montags, Dienstags, Mittwochs und Freitags von
5½6½ Uhr.

Seite 7.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Mitteilung, daß mein guter
Mann, unſer treuer Vater, Großvater und
(B11573
Bruder
Herr Emil Andersson
heute früh 6 Uhr nach längerem Leiden ſanft
entſchlafen iſt.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Minna Andersson,
geb. Hartmann.
Darmſtadt, den 4. Juni 1910.
Steinackerſtr. 14.
Die Beerdigung findet Montag, den 6. Juni,
nachmittags 3 Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt.

Tageskalender.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 107 Uhr).
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 7. Juni.
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auf der Großh. Marienhöhe.
Auskunft= und Rechtsſchutzſtelle für Fraue:
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und Donnerstag von 35 Uhr im alten Hoftheate
(Eingang Hochſchulſtraße).

Druck und Verlag: L. C. Wiktich’ſche Hofbuchdruckerei
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldacßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nich=
zurückgeſandt
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Kurſe vom 4. Juni 1910.
ecteilt von Hermann Reichenbach.

3f. Staatspapiere.
4 Dſche. Reichsſchatzanw.
3½ Deutſche Reichsanl..
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg.
3½ do. Conſols . . . .
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . .
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. .
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl.
4 Heſſ. Staatsanleihe . .
do.
3 Sächſiſche Rente
4 Württemberger v. 1907
Bulgaren=Tabak=Anl.
¾ Griechen v. 1887 . .
3¾ Italiener Rente
½ Oeſterr. Silberrente .

do. Goldrente . .
do. einheitl. Rente
Portug. unif. Serie I
do. unif. Ser. III
do. Spezial.
Rumänier v. 1903 . .
do. p. 1890 ..
do. v. 1905 . .
Ruſſen v. 1880 . . . .

u Proz.
100,40
*3,00
64,50
100,40
93,00
84,50
101,70
93,60
101,60
92,10
101,90
101,10
81,20
83,60
101,90
93,10
101,30
49,00
97,80
99,10
94,30
66,00
67,50
12,30
102,50
2e
91,00
92,00

InProz.
. 93,10

4 Ruſſen v. 1902 . . . . 92,80
4½ do. v. 1905 . . . . 100,40
3½ Schweden . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,25
4 Türk. Admin. v. 1953 88,40
4 do. unifiz. v. 1903 94,70
4 Ungar. Goldrente . . 95,50
4 do. Staatsrente . 92,50
5 Argentinier . . . . . . 101,80
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 93,10
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,20
99,40
do.
4½ Japaner .
. 97,80
5 Innere Mexikaner . . 100,20
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 97,20
5 Gold=Mexikaner . . . 100,70
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
. . . 146,50
4 Nordd. Lloyd . . . . 113,10
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,10
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 110,75
4 Gotthardbohn . . . .

In Proz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 161,90
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 24,20
4 Pennſplvania R. R. 129,90
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 200,20
82,00
Werger=Brauerei
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 481,00
Fabrik Griesheim . . . . 260,50
Farbwerk Höchſt . . . . . 480,00
Verein chem. Fabriken
. 326,50
Mannheim . .
Lahmeyer . .
.116,50
. 164,40
Schuckert .
Siemens & Halske . . . 246,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 417,75
Bochumer Bb. u. Guß . . 235,00
Gelſenkirchen .
. .212,80
Harpener
. . 196,60
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
. . . . .
.225,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . .
4 Pfälzer Prt. .
.. 101,00
do.
92,20
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,20
do. ſteuerfrei . 99,30
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
98,00
do. alte .
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,25
do.
do.
57,20
Raab=Oedenburger . . 75,10
Ruſſ. Südweſt. . . . . 90,40
4 Kronpr. Rudolfbahn . 99.10

Bſ.
In Pro
29/10 Livorneſer . . . . . . 76,00
80,10
4 Miſſouri=Pacific
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,40
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 102,40
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgef. 174,00
4 Darmſtädter Bank . 131,20
4 Deutſche Bank . 250,00
4 Deutſche Vereinsbank 128,00
4 Diskonto=Geſellſchaft 188,40
159,40
4 Dresdner Bank .
4 Mitteldeut. Kreditbk. 119,90
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 124,30
.101,20
4 Pfälzer Bank .
144,50
4 Reichsbank
4 Rhein. Kredit=Bank 139,50
4 Wiener Bank=Verein 137,10
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
do. S. 19. . . . . 92,40
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
91,00
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,20
3½
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,10
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
3½
do. (unk. 1914) 91,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 106,60
3½
do,
92,60

.100,90
95,10
91,40
.100,00

.100,50
91,60

Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt .
do.
31
* Frankfurt .
3½ do.
4 Gießen .
3½ do.
4 Heidelberg .
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg. .
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
91,30
4 München .
101,00
3½ Nauheim
92,00
4 Nürnberg.
.100,60
3½ do.
4 Offenbach .
3½ do.
4 Wiesbaden .
. . 102,00
3½ do.
4 Worms . .
. . 100,00
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 137
5 Donau=Reg. fl. 100 144,50
3 Holl, Komm. 100 104.90

In Pro=
Zf.
3 Madrider Fs. 100 77,50
4 Meining. Pr.= Pfand=
briefe
.
.. 135,60
4 Oeſterr. 1860er Loſe 174,75
3 Oldenburger

2½ Raab=Grazer fl. 150

Unverziusliche
Anlehensloſe.

Augsburger
Braunſchweiger Tlr.

Freiburger
Mailänder
do.
Meininger
Oeſterreicher v. 1864
do. v. 1858
Ungar. Staats 1
Venediger
Irs.
Türkiſche
,

20 213,00
15
45
10
38,60
100
100 466,00
100 388,00
30
400

Gold, Silber und
Vanknoten.
Engl. Sovereigns
20 Franks=Stücke . ..
Oeſterr. 20=Kronen . . . .
Amerikaniſche Noten . . .
Engliſche Noten . . . . .
Franzöſiſche Noten . . . .
Holländiſche Noten . . . . .
Italieniſche Noten . . . .
Oeſterr.=Ungariſche Noten
Ruſſiſche Noten . . .
Schweizer Noten . . . . .

20,44
16,21
16,90
4,19
20,47
81,10
169,20
80,65
85,00
81,05

Reichsbank=Diskonto . . .
Reichsbank=Lombard 83f. 5%

[ ][  ][ ]

Nummer 129.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910.
Seite 8.
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Riffe der Liebe.
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von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
18)
Jaſper, kehr um, bat Ewe und berührte ihn leiſe am
Arm.
Ich kann nicht mehr! ſtieß er röchelnd heraus und
packte ſie plötzlich am Handgelenk.
Da ſchrie ſie vor Schreck.
Schrei’ nicht, Deern! beruhigte er ſie. Ich tu Dir
nichts. Brauchſt keine Angſt zu haben. Ich kann es nicht
mehr aushalten, daß Du mit dem anderen ſchön tuſt.
Laß mich los! flehte ſie. Ich will nichts hören!
Ja, Deern, Du mußt mich anhören! ſprach er ruhiger
und hielt ſie feſt. Denn ich habe Dich lieb. Ich habe
Dich ſchon lieb gehabt, als Du ein Kind warſt. Ich habe
Dich lieb, wie Dich kein Menſch auf dieſer Erde lieb haben
wird. Ich habe Dir das nur nicht ſagen wollen, weil ich
noch nicht ſo weit war. Das ſind meine Rechte, die ich
auf Dich habe, und die gebe ich nicht auf. Und ich ſage
Dir, laß den anderen laufen!
Du quälſt mich, Jaſper! rief ſie unglücklich und ſuchte
ihre Hand von ſeinem Griff zu befreien. Du tuſt mir
weh!
Das leichte Boot ſchwankte ſtark.
Ich laß Dich nicht mehr los! ſtöhnte er auf. Ich habe
nicht mehr die Kraft dazu.
Da plötzlich brüllte über ihnen die mächtig grollende
Stimme eines Rieſendampfers, deſſen Näherkommen ſie

uncht wchrgendnten halten Diht der der don binte
die ſtarke, ſchäumende Bugwelle auf. Jaſper zögerte ei=
nen
Augenblick und Ewe ſpürte deutlich, daß der Tod auf
ſie zuſchritt. Da ſchrie ſie gellend auf. Jaſper kam zur
Beſinnung und riß mit einem einzigen Griff das Fahr=
zeug
herum.
Von der Brücke des Dampfers fluchte einer herunter.
Jaſper gab keine Antwort. Er ſtand im Stern und
wrickte, unabläſſig rüttelte er den Riemen hin und her und
ſtieß das Boot vorwärts gegen den Strom. Eine halbe
Stunde ſpäter legte er an der Dampfſchiffsbrücke an.
Ewe brachte kein Wort des Dankes über die Lippen
und lief wie gehetzt nach Hauſe. Schwer litt ſie, denn
ſie hatte niemand, dem ſie ihren Schmerz anvertrauen
konnte.
Auch Martin ſchrieb ſie nichts davon nach Rotterdam.
Auch Gorch Holmquiſt hatte ſeine Sorgen. Den bei=
den
Kapitänen, die er draußen an der chineſiſchen Küſte
hatte, traute er ſchon lange nicht mehr wie am Anfang.
Er wußte ſelbſt zu genau, wie leicht es dem Kapitän auf
dieſer Fahrt gemacht war, in die eigene Taſche zu arbei=
ten
. Und deshalb erwog er im ſtillen bei ſich, die beiden
Schiffe, oder wenigſtens das eine, das jetzt fünf Jahre
draußen war, zurückzurufen und mit neuer Mannſchaft
zu beſetzen. Erſt aber mußte er einen geeigneten Erſatz=
kapitän
haben, einen Mann, der vor allen Dingen grund=
ehrlich
war.
Prüfend durchſuchte er ſeine nähere und weitere Be=
kanntſchaft
und kam auf Jaſper Dunt. Sofort ging er zu
ihm und fand ihn am Strande beim Netzeflicken.
Ich brauche einen friſchen Kapitän, ſagte Gorch
aui und ſchngufte erwartungsvoll.

anien ven ir domang heunt, ecd Zaſter zu
Antwort, ohne ſich in ſeiner Arbeit ſtören zu laſſen.
Die paſſen alle nicht für meine Fahrt, quarrte der
dicke Reeder. Bei dem Geſchäft geht es immer auf Treu
und Glauben. Ich kann meine Kapitäne nicht kontrollie=
ren
. Ich kann nichts dagegen tun, wenn ſie von fünfhun=
dert
Kulis, die ſie von Kanton nach Singapore verfrach=
ten
, nur zweihundert zählen.
Du mußt das wiſſen, meinte Jaſper leichthin.
Ich brauche Kapitäne, rief Gorch Holmquiſt, ohne
den Einwurf zu beachten, auf die ich mich verlaſſen kann.
Such Dir welche, ſprach Jaſper mit Gleichmut.
Haſt Du keine Luſt? fragte der Reeder ärgerlich. Ich
gebe Dir ein gutes Gehalt und fünf Prozent Tantieme.
Nein, gab Jaſper kurz zurück und knotete weiter an
ſeinem Garn. Ich habe keine Luſt.
Du haſt doch die Prüfung für große Fahrt gemacht.
Die habe ich, ſagte Jaſper trocken. Daran liegt es
nicht. Ich habe nur Luſt, als Schiffer zu fahren, wo ich
mein eigener Reeder bin. Ich gehe mit meinem Ewer in
See und komme wieder, wenn mirs paßt.
Iſt der Ewer denn Dein? fragte Gorch Holmquiſt
lauernd.
Was ſoll das? erwiderte Jaſper argwöhniſch. Willſt
Du ihn kaufen?
Daß ich ein Narr wär! lachte der andere. Was ſoll
ich mit einem Ewer? Wenn es ein kleiner Dampfer
wäre. Ich habe immer gedacht, er gehört noch Deiner
Schwägerin.
Stimmt! gab Jaſper
Ich fahre für ſie und die
Kindcke ſhlt

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910.

Nummer 129.

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Siehſt Du! rief Gorch Holmquiſt ſchadenfroh. Du
biſt doch nicht Dein eigener Reeder. Wenn ſich Deine
Schwägerin verheiratet, dann verlierſt Du Deinen Poſten.
Dann können wir immer noch über die Chinafahrt
ſprechen, meinte Jaſper ruhig. Aber meine Schwägerin
verheiratet ſich nicht, die hat meinen Bruder viel zu lieb
gehabt.
Lehr Du mich nicht die Weiber kennen, grinſte der
Dicke. Ich weiß Beſcheid. Du willſt alſo nicht?
Darauf ſchüttelte Jaſper nur den Kopf.
Da mußte Gorch Holmquiſt unverrichteter Sache ab=
ziehen
und ſich anderswo nach einem brauchbaren Kapitän
umtun. Aber er fand keinen, und das Schiff blieb einſt=
weilen
noch draußen.
*
Als Martin Fock in Rotterdam ankam, fand er von
Ewe einen Brief vor. Aber es ſtand nicht das darin, was
er gern gewußt hätte. Seine Eiferſucht ließ ihm keine
Ruhe mehr, und er fragte bei Ewe an, wie ſie zu dem
Fiſcher ins Boot gekommen ſei. Da die Eider acht Tage
lang in Rotterdam liegen blieb, kam die Antwort gerade
noch zur rechten Zeit. Und Ewe ſchrieb ſich alles herun=
ter
, was ſie auf dem Herzen hatte, nichts verſchwieg ſie,
auch das nicht, was ſich noch ſpäter im Boot zugetragen
hatte. Vor der Klarheit dieſes Bekenntniſſes verſchwand
Martins Eiferſucht. Er dankte ihr herzlich für den Brief,
warnte ſie, wieder mit Jaſper Dunt zuſammenzutreffen,
verſprach, ihn bei der Rückkehr gehörig zur Rede zu ſtellen,
riet ihr dringend, ſtets bei Wilken Wobbe Hilfe zu ſuchen,
wenn ſie welche brauchte, und packte zum Schluſſe ein paar
tauſend Küſſe ein. Dann fuhr er getroſt und frohen Mutes
mit Franz Müſſigbrot auf die Weſtküſte zu.
Henning Breckwoldt aber ſeilte mit der Dreimaſtbark
Luiſe und Kapitän Wigger auf die Sundaſee zu. Bei
den Azoren hatten ſie einen dreitägigen Sturm. Alle La=
ken
bis auf den Großfegel mußten feſtgemacht werden.

Henning barg das Bramſegel im Vormaſt und dachte dabei
an Guſchi Heggbloom. Er dachte überhaupt immer an ſie.
Je weiter er ſich von ihr entfernte, um ſo deutlicher ſah er
ſie. Sogar im Traume, wenn er in ſeiner Koje lag, ließ
ſie ihm keine Ruhe.
Und er wußte nicht einmal, daß ſie jeden Sonntag
artig und ſittſam bei ſeiner Mutter ſaß und für ihn
Strümpfe ſtrickte.
Denn das tat ſie immer noch. Ganz reglmäßig er=
ſchien
ſie an jedem freien Nachmittag bei Hennings Mutter,
trank den guten Kaffee, den ſüßen Mandelpuffer dazu,
ſtrickte Strümpfe und plauderte mit der alten Frau, bis
ſie wieder heim mußte.
Doch auf die Dauer hielt ſie das nicht aus. Das
Strümpfeſtricken und das Plaudern wurden ihr mit der
Zeit unbequem. Sie kürzte ihre Beſuche mehr und mehr
ab, blieb einmal aus, kam wieder, blieb wieder aus und
kam nicht mehr wieder.
Daran merkte Frau Pauline Breckwoldt, daß ihre
ganze Sorgfalt und Güte verſchwendet waren und ſuchte
Guſchi, die Undankbare, aus ihrem Gedächtnis zu ſtreichen.
Und als die Zeit kam, daß Hennings Mutter nach
Gorontalo auf Celebes ſchreiben mußte, da vergaß ſie
nichts, was in Blankeneſe paſſiert war. Nur daß Guſchi
Heggbloom früher jeden Sonntag bei ihr Kaffee getrun=
ken
und Mandelpuffer gegeſſen, geplaudert und Strümpfe
geſtrickt hatte, jetzt aber wieder jeden Sonntag in Krögers
Hotel zu Tanze ging und ſich amüſierte, das unterſchlug
ſie. Sie wollte ihrem Jungen das Herz nicht unnütz
ſchwer machen.
VII.
Inzwiſchen hatte Kurt Egloff die bittere Erfahrung
gemacht, daß man von der Kunſt allein nicht leben könne.
Mit dem fertigen, gefirnißten Diagonal=Ewer unter dem
Arme war er in Hamburg von einem Kunſthändler zum
anderen gelaufen. Endlich hatte er einen gefunden, der
eine ausgeſprochen ehrliche Miene hatte, und der nahm

ihm auch das Bild mehr als Mitleid als aus Begeiſterung
ab und bezahlte dafür hundert Reichsmark bar. Das
war gerade der hundertſte Teil ſeines Wertes und reichte
knapp für die Miete, die der alte Eichholz nicht länger
ſtunden wollte. Und Kurt Egloffs Portemonnaie war
wieder leer.
Die Arbeitswut, die ihn daraufhin ſofort packte, trieb
ihn an den Strand, um ein neues Modell aufzuſtöbern.
Wieder traf er mit Wilken Wobbe zuſammen, der friedlich
in Geſche Surdorfs Garten ſaß und ſein tägliches Frei=
bierquantum
zu ſich nahm.
Haben Sie ſichs überlegt, alter Herr? fragte der Ma=
ler
und faßte das Ding von der anderen Seite an. Ha=
ben
Sie Luſt, eine Flaſche Wein mit mir zu trinken?
Sein Kredit im Hotel war noch nicht ganz erloſchen.
Ich trinke keinen Wein! knurrte ihn Wilken Wobbe
an und blies ihm ſeinen Stinkknaſter in die Augen.
Aber Bier? ſchlug Kurt Egloff vor.
Wenn Du gerade Geld zu viel haſt? meinte der Alte
mit Gleichmut.
Der Maler ergriff die günſtige Gelegenheit, betrat das
Gärtchen und ſetzte ſich mit an den Tiſch. Als aber Ewe
Suxdorf kam, riß er beide Augen weit auf.
Wortlos hob Wilken Wobbe zwei Finger in die Höhe,
und Ewe ging, die Beſtellung auszuführen.
Donnerwetter! entſchlüpfte es Kurt Egloff, während
er ihr nachſah. Die muß ich malen!
Glaube ſchon, ſchmunzelte der alte Lotſe. Aber ver=
kneif
Dirs. Sie hat einen Bräutigam, der malt auch!
So? rief der Maler erſtaunt. Alſo ein Kollege?
Ja! lachte Wilken Wobbe mit einer ſehr bezeichnenden
Handbewegung. Er malt mit ſeinen ehrlichen zehn Fin=
gern
.
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Nummer 129.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910,

Seite 11.

Oktroi=Rückvergütung.
Auf. Beſchluß der Stadtverordneten=
Verſammlung und mit Genehmigung Großh.
Miniſteriums des Innern iſt, in teilweiſer
Abänderung des Oktroitarifs vom 30. No=
vember
1903, die Rückvergütung für nach
dem 1. April 1910 ein= und ausgeführten
Schaumwein und Obſtwein wie folgt feſt=
geſetzt
worden:
von Schaumwein, bei nachgewieſener
Ausfuhr von mindeſtens 12 Flaſchen, für
die Flaſche 19 Pfg., von Obſtwein, bei
nachgewieſener Ausfuhr von mindeſtens
9=Liter, für das Hektoliter 85 Pfg.
In gleicher Weiſe ſind vom 1. April
1910 ab die Beſtimmungen des Oktroitarifs
vom 30. November 1903 über die Rück=
vergütung
des Oktrois für Fleiſch, Hül=
ſenfrüchte
, Mühlenſabrikate, Brot und
Matzen aufgehoben worden. (11372fso
Darmſtadt, den 1. Juni 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.

Heugras=Verſteigerung.
Die am 27. v. Mts. ſtattgehabte Ver=
ſteigerung
der Heugrasernte von der Pallas=
wieſe
und der Futternutzung von ver=
ſchiedenen
anderen ſtädtiſchen Grundſtücken
iſt genehmigt. Die Mähſcheine ſind bei der
Stadtkaſſe erhältlich und müſſen bis zum
15. ds. Mts. abgeholt ſein. (11400so
Darmſtadt, den 1. Juni 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt
J. V.: Jaeger.

Glaſerarbeiten.
Die teilweiſe Erneuerung der Fenſter
des Krankenhausaltbaues an der Grafen=
ſtraße
(ca. 92 am) ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte
Grafenſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9
während der Dienſtſtunden offen, woſelbſt
auch die Angebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Samstag, den 11. Juni 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 3. Juni 1910.
Stadtbauamt.
Burbaum. (11556so

Abbrucharbeiten.
Die bei Niederlegung der ſtädtiſchen
Gebäude Löffelgaſſe Nr. 8 vorkommenden
Abbrucharbeiten ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte
Grafenſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9
während der Dienſtſtunden offen, woſelbſt
auch die Angebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Freitag, den 17. Juni 1910
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 2. Juni 1910.
Stadtbauamt.
Buxbaum.
(11557so

Städtiſches Hallenſchwimmbad.
Mit Genehmigung Großherzoglicher Bür=
germeiſterei
ſollen verſuchsweiſe für die
Sommermonate folgende Aenderungen in
der Badezeit eintreten:
1. an Wochentagen bleiben die Schwimm=
hallen
in der Mittagszeit von 1 bis
3 Uhr geöffnet;
2.,desgl. Mittwochs bis 9 Uhr abends;
3.; Samstags bleiben die Wannen= und
Brauſebäder in der Mittagszeit von
(11583oi
1 bis 3 Uhr geöffnet.
Darmſtadt, den 4. Juni 1910.
Die Betriebsleitung.
Klein.

Bekanntmachung.
Donnerstag, den 16. Juni 1910,
vormittags 10¾ Uhr,
ſollen die den Mathias Hees Eheleuten
dahier zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
XIV 79/10 219 Hofreite Beſſunger=
ſtraße
115,
XIV 79/10 289 Grabgarten daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Wittmann=
ſtraße
1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteigerung
wird auch dann erfolgen, falls ein der
Schätzung entſprechendes Gebot nicht ein=
gelegt
wird und andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen.
Darmſtadt, den 24. Mai 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (L11096,69

Bekanntmachung.
Donnerstag, den 23. Juni I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll’die den Bäckermeiſter Karl Jockel Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV. 628¼0 368 Hofreite Neue Irene=
ſtraße
Nr. 71,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K22/10
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 1. Juni 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
(L11572,70
Müller.

Ente Speiſe=Kartoffeln, das Malter
*5.50 Mark, ſind abzugeben
*13832so) Bleichſtraße 40, Wirtſchaft.

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ca.2,20m lang, 22 cm Durchm., billig ab=
zugeben
. Näh. Erbacherſtr. 5. p. (11519soi

Amtliche Machrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 1 Foxterrier, 1 Kriegshund. 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
ag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Heugras=Verſtergerung.
Mittwoch, den 8. Juni d. Js., nachmittags 2 Uhr.
wird die Heugras=Ernte auf der Großherzoglichen Roſenhöhe zu Darmſtadt öffentlich
meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft an dem Kühnlſchen Garten.
(11563
Darmſtadt, den 4. Juni 1910.
Großherzogliches Hofmarſchallamt.
J. A.: Meinhardt, Großherzoglicher Hofſekretär.

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II. Halbjahrskurse zur Vorbereitung für den kaufm. Beruf.
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Diejenigen unſerer geehrten Geſellſchafter, welche den ihnen zugegangenen Be=
ſtellſchein
noch nicht zurückgegeben haben, wollen denſelben ausgefüllt baldgefl. dem
Rechner des Vereins zuſtellen. Da es nicht ratſam iſt, den Bezug der Winterkohlen
ausſchließlich auf den Herbſt zu verſchieben, ſo möchten wir einpfehlen, ſchon in den
nächſten Monaten damit zu beginnen. Anmeldung neuer Mitglieder werden von
unſerem Rechner entgegengenommen.
Während des Monats Juni iſt das Büro des Rechners nachmittags geſchloſſen,
dagegen an jedem Werktag geöffnet von morgens 8 Uhr bis nachmittags 1 Uhr.
Der Vorstand.
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[ ][  ][ ]

Nummer 129.

Seite 12.
Kriegerveteranen-Appell 1910.
Unter Bezugnahme auf den vor einigen Tagen in den hieſigen Zeitungen er=
ſchienenen
Aufruf, den Kriegerveteranen=Appell 1910 betreffend, fordern wir diejenigen
Reſtaurateure Darmſtadts, die in der Lage ſind, am 14. Auguſt l. Js. eine größere
Anzahl von Feſtteilnehmern gleichzeitig in einem Raume auszuſpeiſen, auf, dem
Vorſitzenden des unterzeichneten Ausſchuſſes, Herrn Bürgermeiſtereiſekretär Göbel,
Grüner Weg 10, bis längſtens den 10. I. Mts. bezügliche ſchriftliche Angebote zukommen
zu laſſen.
Dieſe Angebote müſſen enthalten:
1. Beſchreibung der in Frage kommenden Räumlichkeiten,
2. Angabe der Mindeſtzahl von Gäſten, die gleichzeitig in einem größeren
Raum ausgeſpeiſt werden können,
3. Mitteilung von Speiſenfolgen, die für den vom Ausſchuß feſtgeſetzten
Gedeckpreis von Mk. 1.50 (ohne Getränke) gegeben werden können.
Zu Punkt 3 wird darauf aufmerkſam gemacht, daß ſeitens des Wirtes für eine
(11342fo
würdige Ausſchmückung des Feſtraums Sorge zu tragen iſt.
Darmſtadt, den 1. Juni 1910.
Der Verpflegungsausſchuß für den Kriegerveteranen=Appell 1910.

Kriegsveteranen=Appell 1910.
An die
verehrliche Einwohnerſchaft von Darmſtadt.
Zu dem großen Appell zur Erinnerung an die 40=jährige Wiederkehr der Er=
innerungstage
des ruhmvollen Krieges 1870/71 ſind bereits mehr als 5000 ehemalige
Mitkämpfer angemeldet. Hiervon ſind für über 2000 Mann Quartiere für den 13.
und 14. Auguſt ds. Js. zu beſchaffen.
Wir haben das zuverſichtliche Vertrauen auf den patriotiſchen Sinn der hieſigen
Bevölkerung, daß ſie uns bei dieſer Aufgabe gerne ebenſo hilfreich an Hand geht, wie
dies im Jahre 1895 in ſo bereitwilliger und entgegenkommender Weiſe geſchehen iſt
und werden in den nächſten Tagen Liſten zum Einzeichnen von Freiquartieren, ſowie
freiwilligen Beiträgen zur Beſchaffung von ſolchen von Haus zu Haus in Um=
lauf
ſetzen.
Auch iſt der unterzeichnete Ausſchuß bereit, Anmeldungen für Quartiere und
Beiträge direkt anzunehmen und bittet, ſolche an den Vorſitzenden des Wohnungs=
Ausſchuſſes
Herrn Kaufmann Carl Bitsert
Rossdörferstrasse 35
richten zu wollen.
Einer günſtigen Aufnahme unſerer Bitte und recht zahlreicher Einzeichnung in
(11564od
unſere Liſten ſehen wir vertrauensvoll entgegen.
Darmſtadt, den 4. Juni 1910.
Der Wohnungs=Ausschuss.

Städtischer Saalbau.

Morgen, den 7. Jnni, abends 8 Uhr:
Dienstags-Konzert
vollzählige Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61. Leitung: M. Weber.
Im Programm: Vorſpiel zu Parſifal, Carmen, Rigoletto, Prima Ballerina,
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Verkehrsbüro, bei Herrn H. de Waal, Muſikalienhandlung von Thies (L. Schutter)
und an der Kaſſe.

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geöffnet. Zu zahlreichem Beſuche ladet ein
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Vormitt. 1012 und nachmitt. 38 Uhr:
Montag, den 6. Juni 1910. Preisschiessen. Von 3 Uhr ab: In-

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Dienstag, den 7. Juni 1910: Progamm wie am Montag.
Mittwoch, den 8. Juni 1910: Programm wie am Montag.
Schaubühne: abends: Frankfurter Turngemeinde (Reckturnen,
Keulenübungen der Turnerinnen, Barrenturnen und Fackelschwingen)
An allen Abenden: Von 9 Uhr abends ab: Schaubühne mit ausgezeich-
neten
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[ ][  ][ ]

Nummer 129.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910.

Seite 13.

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Wir beehren uns hierdurch mitzuteilen, dass wir ausser
unserer seitherigen Agentur bei Herrn
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bei den Herren
Guido Kneip, Kiesſtr. 34
und
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errichtet haben.
Ebenso können bei obigen Annahmestellen

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[ ][  ][ ]

Seite 14.

Gibt es für Kinder im Wachstum und auch
für Erwachſene wohl etwas Beſſeres als
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mit gedämpften Früchten? Friſches Obſt, gedämpft
oder geſchmort, iſt ſehr zuträglich; der Mondamin=
Pudding gibt Speiſennährwert und macht daraus
eine delikate Mahlzeit.
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H. Frankfurt a. M., 4. Juni. ( Börſen=
wochenbericht
.) Die Antitruſtbewegung in den Ver=
einigten
Staaten iſt nun doch wieder aufgetaucht und
hat recht bedeutende Schwankungen bei großen Preis=
rückgängen
bewirkt Die dortige Regierung hat die
beabſichtigte Tariferhöhung bei 25 amerikaniſchen
Bahnen verhindert, ſie ſchreitet gegen die hohen Tarife
energiſch ein und daran knüpft ſich natürlich auch gleich
die allgemeine Furcht vor neuen ſcharfen Antitruſtmaß=
regeln
. Unſere Börſen haben ſich dieſen Vorgängen
gegenüber recht gut gehalten, ja ſie ignorierten faſt alle
Meldungen, um ſo mehr ſie durch die Gerüchte in der
Vorwoche, daß Morgan angeblich erkrankt ſei, bereits
auf drohende Gewitterwolken vorbereitet waren.
Der Londoner Markt zeigte ebenfalls eine recht feſte
Stimmung und trat in New=York ſtark als Käufer auf.
Begünſtigt wurde dieſe Tendenz durch die Herabſetzung
des Diskonts der Bank von England auf 3½ Prozent,
was auch in Deutſchland den beſten Eindruck machte,
ſo daß der hieſige Privatſatz auf 3½ Prozent zurückgehen
konnte.
Was die Einzelheiten des Verkehrs anbetrifft, ſo
iſt nach längerer Zeit wieder für deutſche Renten eine
günſtigere Meinung zutage getreten und ſie ſind um
Bruchteile höher bei viel regerem Geſchäft als ſeither.
Die Ausführungen des Herrn von Gwinner im Herren=
haus
, die in ſcharfer aber ſachlicher Weiſe gegen die
Indolenz unſerer Regierung in bezug auf den Markt
der deutſchen Anleihen polemiſierten, haben in Bank=
und Handelskreiſen zuſtimmenden Widerhall gefunden,
und wenn man ſich auch von ihnen gerade keinen ſen=
ſationellen
Umſchwung im bisherigen Gebaren ver=
ſpricht
, ſo hofft man doch, daß jene Kritik nicht ungehört
am Ohr der maßgebenden Inſtanzen vorbeiziehen
werde. Herr von Gwinner mußte ſich Vorwürfe ge=
fallen
laſſen, das war bei ſeinem reſoluten Vorgehen
nicht anders zu erwarten, aber der Ernſt ſeiner Dar=
legungen
wird zweifellos ſeinen Eindruck an der
Stelle, dahin er zielte, nicht verfehlen.
Ausländiſche Staatsfonds blieben vernachläſſigt
und ziemlich unverändert gegen die Vorwoche. Die
mexikaniſche Konverſionsoperation iſt nun dem Abſchluß
nahe. Die neue zu emittierende 4proz. Anleihe ſoll an=
nähernd
575 Mill. Francs betragen und zwar zum
Hauptteil in Frankreich herausgebracht werden. Von
Transportaktien ſind Hamburger Paketfahrt und Nordd.
Lloyd ſtärker beachtet und höher in der Annahme, daß
die Geſellſchaften künftig im Perſonen= und Waren=
rerkehr
lebhafter beſchäftigt werden; hingegen ſchließen
Schantung niedriger (138,50) auf Berichte über politiſche
Unruhe=Bewegungen im Borergebiet. Am Banken=
markt
war es etwas lebhafter und die Kurſe, beſonders
von Schaaffhauſenſcher Bankverein, Diskonto= Komman=
dit
, Oeſterr. Kredit und Dresdener anziehend. Das
Montangebiet war durchweg gut disponiert. Es ſtimu=
lierten
beſſere Nachrichten vom belgiſchen Eiſenmarkt,
die Verſuche der Stabeiſenkonvention, bei uns eine
feſtere Organiſation zu ſchaffen, ſowie die Beſtrebungen
zugunſten des Roheiſenverbandes. Oberſchleſiſche Eiſen
(Caro Hegenſcheidt) ſtiegen ganz anſehnlich (bis 10650)
auf günſtigere Schilderungen der Lage im öſtlichen
Induſtrieviertel. Am Kaſſainduſtriemarkt bleibt nach
wie vor eine zuverſichtliche Stimmung vorherrſchend.

dabei ſind zum Deit auch Gewinſtreatfatione
handen, ſo mußten u. a. Höchſter Farbwerke weſentlich
nachgeben. Anſehnlich profitierten Rütgers (bis
18091) und Motorenfabrik Oberurſel (bis 83). Größere
Beachtung fanden auch wieder die verſchiedenen
Zementaktien. Am Kolonialmarkte ermäßigten Otavi
ihren Kurs (bis 236,40) auf Gerüchte, daß die Dividende
nur auf 11 Prozent bemeſſen würde. Die Aktiengeſell=
ſchaft
für Hoch= und Tiefbauten, Frankfurt a. M., bringt
auch für 1909 keine Dividende zur Verteilung. Die
aus mehreren Bauten, insbeſondere den Bahnbauten
in der Eifel, herrührenden Verluſte ſind mit den per
31. Dezember 1909 ziffernmäßig feſtſtehenden Beträgen
zur Abbuchung gekommen. Der Aktienkurs iſt gegen=
wärtig
75,50.
Von Loſen notieren: Augsburger 39,30, Braun=
ſchweiger
212, Genua 226, Freiburger 59,70, Finnländer

Kerie eheſte i, r is rgltelte eten
Prämie I 143 P., Gothaer Prämie II 117,25, Donau=
Regulierung 144, Madrider 78,10, alles in Prozent.
Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918 unkündbar)
101,90, 3½prvz. Reichs 93, 3proz. Reichs 84,60, 4proz.
Heſſen von 1899 101, 4proz. Heſſen von 1906 101 G., 4proz.
Heſſen von 1908 und 1909 101,45, 3½proz. Heſſen 91,70 G.,
3prozentige Heſſen 80,95, 4prozentige Darmſtädter
150,50 B., 3½prozentige Darmſtädter 91,50 G., 4proz.
Heſſ. Landes=Hyp.=Pfandbr. (Serie 1820) 101,60 G.,

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Ruſſen 92,75, 4½proz. Ruſſen 100,25, 3/oproz. Ruſſen
88,75, 3½proz. Ruſſen 85.20 G., 3proz. Ruſſen 78 P.,
Baltimore und Ohio 111,70, 4½proz. Japaner 97,85,
4proz. Japaner 93,706.
Sport.
sr. Das Internationale Lawn=Tennis=
Turnier zu Mannheim hat jetzt ſeinen Abſchluß
gefunden. Das Herren=Einzelſpiel um den Lanz=Preis
gewann Rabe im Endkampf gegen Lanzelot 6:4,
6:4, 6:3, während der letztere im Herren=Einzelſpiel
um die Meiſterſchaft der Pfalz über Kuhn 6.2, 6.3, 620
triumphierte und mit Frau Dr. Neresheimer als
Partnerin im gemiſchten Doppelſpiel Bergmann=Frau
Ottenheimer ſchlug. Das Herren=Doppelſpiel gewannen
Graf Salm=Bergmann gegen Lanzelott ==Kinzl 3.6,
6.0, 6.1, 4:6, 7.5.
Bei dem internationalen Lawn=Tennis=
Turnier in Kiſſingen ſiegte O. Kreuzer= Frank=
furt
a. M. im Herren=Einzelſpiel über ſeinen Bruder
K. Kreuzer 614, 614, 614, während beide gemeinſam das
Herren=Doppelſpiel gegen Krengel=P. Gruder 640. 6*3
gewannen. Das Damen=Einzelſpiel fiel an Frau Dr.
Neresheimer, die Frl. Schmidt ſchlug, und das gemiſchte
Doppelſpiel an Frau Dr. Neresheimer=Kleinſchroth, die
über Frl. Schmidt=K. Kreuzer triumphierten.
Bei dem internationalen Lawn= Ten=
nis
=Turnker zu Brüfſel gewann der Auſtralier
A. F. Wilding das Herren=Einzelſpiel gegen den fran=
zöſiſchen
Champion M. Deeugis, den er in der Schluß=
runde
6.1, 622, 620 ſchlug.

Literariſches.
Marie Madeleine, Aber das Fleiſch
iſt ſtark!. Novellen. Preis 3,50 Mk., eleg. geb. 4,50
Mark. Verlag von B. Eliſcher Nachf., Leipzig. Dieſer
eigenartig und doch ſo treffend betitelte Band, dem die
Künſtlerhand eines unſerer erſten Modernen ein ge=
radezu
wundervoll graziöſes Gewand gegeben hat, weiſt
alle Vorzüge Marie Madeleineſcher Kunſt auf: Eine
glutvolle, beſtrickend poetiſche Sprache, originelle, tief=
aufgefaßte
, mit packender Realiſtik und geiſtreicher
Ironie behandelte Stoffe, überaus geſchickt eingefloch=
tene
die eigentliche Handlung nie langweilig unter=
brechende
, landſchaftliche Schilderungen.

Gewinnausiug
der
222. Königlich Preußiſchen Flaſſenlotterie.
5. Klaſſe. 23. Ziehungstag. 8.:Juni 1910.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 30000 Mk. 89894
1 Gewinn zu 10000 Mk. 257371
2 Gewinne zu 5000 Mk. 26027 79463
54 Gewinne zu 3000 Mk. 406 9083 16364 16597
20371. 21789 46554 49596 62583 66217 72954*78733
78934 79660 83109 86469 107798 *117246 122501
132118 147727 159317 162180 166428 166994 167769
167996 172226 174212 183685 185895 187996 189590
189622 189940 3205802 207150 220630 226464 23124a
232132 233304 236252 240349 242324 273228 276063
280193 280958 291759 2920 91298273 300181 303172
83 Gewinne zu 1000 Mk. 3461 7650 9344 10554
14339 15340 19466 21192 23235 26834 k 28638 40480
46230 48038 67270 57816 61000 62915 67609 68703
7405d 79013 60766 605a9 61062 99078 955on. ogos
98659 99013 99525 102459 102775 109415 109953
119703 123512 125429 129719 129774 133169 136568
153935 154162 182343 184700 191160 ½ 196404 1991es
204555 204732 205719 207591 208562 5212290 212375
217227 219927 226926 232602 236250 237266 243937
245379 250384 252767§ 257945P 262777 265406 265622.
273007 275481 278508 § 284085 § 286687K 286959k 287058
293700 296209 297796 298466 f 302021 303134
108 Gewinne zu 500 Mk. 2.5219 6710*9943 10041
12611 14725 15551 15926 17242à 19729 28665 31662
37276 38035 42523 43586 § 45981 54328 1 54440 56811
67980 59097 60187 60434 61033 162188 63633 à 71851
74978 75639 81574 87481 90810 92892 97986 99296
102772 102862 107129 109085 109987 112934 114741
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192830 201669K 203712 205921 211387 2170371 219225
220497 220656 221175k 222738 227375 230062 235678
236706 236927 237020x 240776 240883 241140 241699
260320 252305 255168 255351. 250062 f 259302 259836
260106 264336 266037 268957 271397 272679 276797
277614 282267 283033 284806 286137 287231 290548
291418 303965
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 70000 Mk. 4030
1 Gewinn zu 10 000 Mk. 115268
4 Gewinne zu 5000 Mk. 22034 97323 122274 180997
36 Gewinne zu 3000 Mk. 8798 10778 19405 41175
34224 48740 72972 74619 78729 89722 97413, 10614a
134674 137068 147166 157409 158467. 180222 184908
16510a 195871. 201061. 204389 220482 23002a 222661
241781. 242704 255729-256473 261447 268124 *275266
293910 294857 298459
73 Gewinne zu 1000 Mk. 1470 9061 17146 21242
22561. 24942 25300 38384 41687 46393 48080 54872
55449 57572 58079 61992 72536 73800 77380 82319
86785 97466 97894 99176 110998 113062 116477
117536 119119 121385 133561 143785 145404 159651
160947 161408 166795 166003 169719 173655 186811
186944 191135 191141 198135 201414 202918 207890
209835 213155 517369 217518 229888 240729 2a7336
247709 249218 253523 256291 258364 260567 263571
264622 264885 269400 274007 275681. 276268 278084
282033 283055 293676 295259
84 Gewinne, zu 500 Mk. 4729 13184 24468 81246
82536 55764 57151 69230 60621 64276 69284 72650
74300 76a50 sroes 90715 9458 10065 102a7
103688 104161 105826 107865 109595 109998 116663
122686 127362 134812 141343 147467 147842 152228
154163 161477 163896 172807 173046 174401 174566
179492 184760 188823 192404 196086 197887 19709s
198402 108616 200757 209055 210201 212651 218440
221787 222134 222195 225229 227337 230548 231150
239912 243900 245003 246862 249766 250787 253832
255618 257360 258414 261101 262976 265390 271236
273066 275706 281619 282176 289518 292215 292951
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[ ][  ][ ]

Nummer 129.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910

Seite 15.

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des Anweſens beträgt 1621 qm.
Ernſten Reflektanten erteilt weiteren Auf=
ſchluß
nur das Immobiliengeſchäft des
Bankbeamten Sebastian Eckler, Rhein=
(9943a
ſtraße 9, Telephon 243.

Das Baldner’ſche Anweſen, Friedrich=
ſtraße
36, gegenüber d. Darmſtädter Bank,
wird wegen Alters und Krankheit der Be=
ſitzerin
dem Verkauf ausgeſetzt und kann
nach Wunſch übernommen werden.
Dasſelbe beſteht aus einem 3½ſtöckigen
6=Zimmerhaus mit 3 ſtöckig. Seitenbau
Einfahrt, großem Hof und Garten, und
eignet ſich auch zu jed. größeren Geſchäfts=
betrieb
. Der Geſamtflächengehalt des Be=
ſitzes
beträgt über 700 qm. Der ſehr billige,
aber feſte Verkaufspreis beträgt Mk. 80000
Ernſten Reflektanten erteilt weiteren Auf=
chluß
Rechtsanwalt Dr. jur. Hugo Bender
Kaſinoſtraße 8, ſowie das Immobilien
Geſchäft des Bankbeamten Sebastian Eckler
Rheinſtraße 9, Telephon 243.
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renoviertes und aufs komfortabelſte ein=
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Licht, Vor= und großem Hintergarten
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nach Wunſch. Ernſte Reflektanten erhalten
näheren Aufſchluß nur in dem Immobilien
geſchäft des Bankbeamten Sebastian Eckler.
Rheinſtraße 9, Telephon 243.
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Dr. Scheffers, Wittmannſtraße 60, neber
dem Garten der heſſiſchen Landeshypotheken
bank gelegen, beſtehend aus einer Vill=
mit
10 Zimmern, reichlichem Zubehör
Veranda, (Gas u. elektr. Licht) u. Garte:
iſt zu verkaufen. Uebergabe am 1. Oktob.
ds. J. Intereſſenten erteilt weiteren Au
ſchluß nur der Bankbeamte Sebastian Eckle
Rheinſtraße 9, Telefon 243.
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(Vom 1. Juni 1910 ab Burean in Darmstadt).

[ ][  ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 6. Juni 1910.

Nummer 129.

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*139310) Junge Frau g. halbe Tage waſch.
u. putzen Sandbergſtraße 29, Seitenbau.

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Sehe w. auf hoh. Geh. als auf g. Behandlg.
Gefl. Off. unt. § 63 an die Exp. ds. Bl.

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worunter die koch., Hausmädch., beſſ. Kinder=
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ſuchen Stellen per 1. Juli Frau
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in Herrſchaftshaus, zwei 16jährige
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alt
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irgend welcher Art. Kaution kann geſtellt
werden. Offerten unter R 36 ſan die
Expedition dieſes Blattes erbeten.

Junger Mann

welch. auch Gartenpflege übernehmen kann,
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Off. unt. § 66 an die Exp. d. Bl. (*13939

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Apfel, Heidelbeer, Him-
beer
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Frada‟- Getränke

Export-Apfelwein
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mildherb, unerreichter
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Die Getränke sind erstklassig, ab-
solut
alkoholfrei und werden vielfach
ärztlich verordnet bei Herz-, Nieren-, Ner-
venleiden
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Blutarmut. Man befrage seinen Arzt.
Bei 12 Flaschen Preisermässigung.

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