Darmstädter Tagblatt 1910


01. Juni 1910

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173. Jahrgang
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt
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den Annoncen=Expeditionen. Bez
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

125.

Mittwoch, den 1. Juni.

1910.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Reichsverſicherungsordnung.
F. K. Nachdem die Reichsverſicherungskom=
miſſion
vom erſten Buch des Entwurfs Gemeinſame
Vorſchriften den erſten Abſchnitt, Umfang der Reichs=
verſicherungsordnung
und den zweiten, Träger der Reichs=
verſicherungsordnung
, erledigt hat, betreffen ihre gegen=
wärtigen
Beratungen den dritten Abſchnitt Verſiche=
rungsbehörden
(§§ 33 bis 122). Als die öffent=
lichen
Behörden der Reichsverſicherung ſind bezeichnet die
Verſicherungsämter; die Oberverſicherungsämten; das
Reichsverſicherungsamt und die Landesverſicherungs=
ämter
. Die §§ 34 bis 40 handeln von der Errichtung
von Verſicherungsämtern. Die Kommiſſion trat in eine
Generaldebatte über die Frage ein, ob Verſiche=
rungsämter
errichtet werden ſollen oder nicht.
Nach der Vorlage der Regierung ſoll ſolchen Aemtern,
die ſelbſtändig oder bei den unteren Verwaltungsbehör=
den
errichtet werden, die Ueberwachung der Durchführung
der Verſicherungsgeſetze in der Hauptſache übertragen wer=
den
; ſie ſollen auch als erſte Spruchinſtanz in einer An=
zahl
von Streitfragen wirken. Der Führer der Reichs=
partei
äußerte erhebliche Bedenken gegen die Einrich=
tung
von Verſicherungsämtern. In der Tat
handelt es ſich hier um einen tiefeinſchneidenden Eingriff
in die Organiſation der Einzelſtaaten, der nur geſtattet
werden könnte, wenn die Notwendigkeit für eine einheit=
liche
Organiſation im ganzen Reiche vorhanden wäre. Das
iſt aber nicht der Fall, da es den Einzelſtaaten überlaſſen
bleibt, ſolche Aemter zu errichten. Von der Reichspartei
iſt daher beantragt, dem § 34 folgende Faſſung zu geben:
Die Geſchäfte der unteren Aufſichtsbehörde in Angelegen=
heiten
der Reichsverſicherung ſind Gemeindebehörden oder
Stagtsbehörden zu übertragen. Das nähere beſtimmt die
Landesgeſetzgebung. Dadurch werden die Koſten der
Behörden ſich billiger geſtalten. Was an Mehr für Ver=
waltungskoſten
aufgewendet werden muß, geht dem Ver=
ſicherungszweck
verloren. Die Verſicherungsämter werden
die Durchführung der Verſicherungen komplizieren. Sollen
doch nicht weniger als 12000 Vertreter der Arbeiter, 24 000
Stellvertreter derſelben beteiligt werden. Das iſt ein koloſ=
ſaler
Apparat. Die Mitwirkung der Verſicherten wird in
ihrer Bedeutung weit überſchätzt. Durch die Beteiligung
der Arbeitgeber und Verſicherten wird die Durchführung
der Verſicherung verlangſamt.
Dieſer Anſchauung der Reichspartei ſchloß ſich auch
ein Mitglied der Konſervativen an. Eine Notwendigkeit
für die Errichtung von Verſicherungsämtern ſei nicht zu
erſehen. Abgeſehen von den Städten, könnten hei den
Landratsämtern Kreisverſicherungsſekretäre die Verſiche=
rungsgeſchäfte
beſorgen. An Stelle der gedachten Oberver=
ſicherungsämter
ſollten Landesverſicherungsämter gebil=
det
werden. Ein dahingehender Antrag der Konſerva=
tiven
wurde eingebracht.
Von der Regierung wurde ausgeführt, es handle
ſich nicht darum, wieder neue Behörden zu ſchaf=
fen
. Die Verſicherungsämter ſollten lediglich die Auf=
gaben
übernehmen, die jetzt den verſchiedenſten Stellen
übertragen ſind. Die Durchführung der Verſicherung käme
dadurch in eine Hand, die ihre Aufgaben ſachgemäß und
beſſer erledigen könnte, als es bisher möglich war. Außer=
dem
ſei es nötig, im Intereſſe der Rechtseinheit des Reichs=
verſicherungsamtes
dieſes zu entlaſten. Die Schaffung
einer lokalen Inſtanz liege auch ſehr im Intereſſe der Ver=
ſicherten
namentlich wegen der Möglichkeit der münd=
lichen
Verhandlung. Staatsſekretär Delbrück leitete
aus der hiſtoriſchen Entwickelung des Reichsverſicherungs=
Iweſens, die zur Zerſplitterung in Rechtſprechung und
Verwaltung geführt habe, die Notwendigkeit einer Ver=
Beinheitlichung her. Hier eine Beſſerung herbeizuführen,
ſei Zweck der Verſicherungsämter. Sie ſeien eine wohl=
Verwogene und den Verhältniſſen entſprechende Organi=
ſation
, die das Rückgrat bilde, ohne das der vorgelegte
Entwurf nicht beſtehen könne. Bei ihnen würden die Be=
amten
und Perſonen beſchäftigt werden, die jetzt ſchon die
Verſicherungsarbeiten erledigten. Es handle ſich alſo mehr
um eine Aenderung des Namens. Die Verſicherten erhiel=
ten
durch ihre Vertreter in den Aemtern einen vertrauen=
erweckenden
Einblick in den Gang der Geſchäfte.
Der ſozialdemokratiſche Redner erklärte, daß die Stel=
lung
ſeiner Fraktion zu den Verſicherungsämtern im we=
ſentlichen
von deren Geſtaltung abhängig ſei. Sie ſtän=
den
den Aemtern ſympathiſch gegenüber; dieſe müßten je=
doch
auch in Unfalſachen die untere Subſtanz bilden. Der
Entwurf belaſte zu Gunſten der Gemeinden die Verſiche=
rungsträger
.
Ein Mitglied der fortſchrittlichen Volkspartei bemän=
gelte
, daß im Entwurfe die Aufgaben der Verſicherungs=
ämter
nicht näher angegeben ſeien. Nach § 124 hätten es
die Landesregierungen in der Hand, es beim alten zu
laſſen, oder ſolche Aemter beſſer oder minder gut in
Wirkſamkeit treten zu laſſen. Das Verſicherungsamt als
Unterbau der Arbeiterverſicherung ſei eine Fiktion.
Die Koſten dieſer Aemter würden ſicher höher ſein als
6½ Mill. Mark Jedes Amt werde 11000 bis 12000 Mark
koſten. Die Verſicherten würden auch dieſe Aemter nur
ſchwer erreichen können, es ſei denn, daß die Errichtung
von 20000 Aemtern in Ausſicht genommen werde. Er er=
kenne
die Notwendigkeit dieſer Aemter und noch mehr die

von Sonderverſicherungsämtern nicht an. Man könnte in
der Hauptſache mit einer Inſtanz auskommen, ſofern dieſe
mit möglichſt ausgedehnten Garantien umgeben würde.
Miniſterialdirektor Caſpar beſtritt, daß es den Lan=
desregierungen
anheim gegeben ſei, Verſicherungs=
ämter
zu errichten oder nicht. Lediglich die Ausgeſtaltung
der Aemter werde den Bundesſtaaten überlaſſen. Hin=
ſichtlich
der Koſten der Aemter bemühe ſich die Regierung,
der Kommiſſion möglichſt genaue Angaben zu verſchaffen.
Als Verſicherungsamtmann werde nicht immer ein höherer
Beamter nötig ſein; es würde ſich vielfach um Anſtellung
eines ſachkundigen Bureaubeamten handeln. Staats=
ſekretär
Dalbrück ſuchte die hervorgetretenen Vor=
ſchläge
als undurchführbar nachzuweiſen, namentlich den,
die Krankenkaſſen als Unterbau der Verſicherungen aus=
zugeſtalten
Es müßte dann die Zentraliſierung dieſer
Kaſſen in ſchärfſter Form durchgeführt werden; das ſei zur
Zeit nicht möglich. Der Staatsſekretär befürwortete wie=
derholt
lebhaft die Einrichtung von Verſiche=
rungsämtern
, bei denen Arbeitgeber und Verſicherte
mitwirken Im letzteren Sinne ſprach ein Zentrums=
redner
. Der Einwand der Koſtſpieligkeit gegen die Ver=
ſicherungsämter
erſcheine nicht ſtichhaltig. Bei einer Jah=
resausgabe
von 800 bis 900 Millionen Mark, bei der gro=
ßen
Organiſation der Arbeiterverſicherung komme es dar=
auf
an, daß alles gut funktioniere, daß die verſchiedenen
Verſicherungszweige in harmoniſche Wirkſamkeit gebracht
würden; dadurch werde viel Streit und Geld erſpart.
Ein Mitglied der Nationalliberalen erklärte, eine
Reihe der gegen die Verſicherungsämter geäußerten Be=
denken
nicht teiſen zu können. Er wünſchte, das Schieds=
gericht
als erſte Inſtanz in Unfallſachen erhalten zu
ſehen, und ſprach Bedenken aus gegen die Verſicherungs=
ämter
als Aufſichts= und Spruchbehörden für die Kran=
kenkaſſen
, die Miniſterialdirektor Caſpar zu zerſtreuen
ſuchte. Ein anderer Zentrumsredner ſtand dem Vor=
ſchlage
der Konſerpativen ſympathiſch gegenüber. Er will
Verſicherungsabteilungen bei den beſtehenden Behörden.
Die Koſten des nötigen gemeinſamen Unterbaues ſollten
die Bundesſtaaten tragen, weil dadurch auch einer unge=
bührlichen
Vermehrung der Beamten vorgebeugt würde.
Staatsſekretär Delbrück erklärte, er ſei grundſätzlich
der Meinung, daß ſelbſtändige Verſicherungs=
ämter
, losgelöſt von den übrigen Verwaltungsbehör=
den
, errichtet werden müßien. Er perſönlich trage
kein Bedenken, im Sinne der Vorſchläge des Vorredners
beſondere Abteilungen bei den Behörden zu errichten. Was
er wolle, ſei ein beſonders benanntes geſchloſſenes Amt,
an das ſich die Verſicherten wenden könnten. Dem Vor=
ſchlage
, die Koſten dieſes Unterbaues den Bundesſtaaten
zu übertragen, müſſe er widerſprechen.

Die Wahlen in Ungarn.
* Dieſe Woche wird für das politiſche Leben
Ungarns von hoher Bedeutung ſein. Am heutigen
Mittwoch finden nämlich in den meiſten Bezirken die
Neuwahlen ſtatt, die in der Zeit vom 1. bis 10. Juni
vollſtändig beendigt ſein müſſen. Die Vorausſage für die
Regierung lautet im allgemeinen ziemlich günſtig. Im
ganzen Lande hat die Agitation bereits ihren Höhepunkt
erreicht, und es iſt charakteriſtiſch für den Umfang, den die
nunmehr drei Monate dauernde Wahlbewegung angenom=
men
hat, daß in den 413 ungariſchen Bezirken insgeſamt
860 Kandidaten verſchiedener Parteiſtellung gegen=
einander
kämpfen. Die nationale Arbeitspartei hat 340
Kandidaten aufgeſtellt, die Juſthpartei zieht mit 160 Kan=
didaten
in den Wahlkampf, die Koſſuthpartei verfügt über
125, die Volkspartei über 70 Kandidaten, mit parteiloſem
Programm ſind 55 Kandidaten aufgetreten, und zwar zu=
meiſt
Siebenundſechziger=Politiker; ferner kandidieren die
Nationalitäten 40, die übrigen kleinen Parteien 35 Mann.
Im letzten Augenblick hat ſich die Juſthpartei noch in ein=
zelnen
Bezirken mit den Nationalitäten verbündet, um ge=
gen
die Kandidaten der nationalen Arbeitspartei gemein=
ſam
den Kampf aufnehmen zu können. Die Juſthpartei
veröffentlicht ein vom Vizepräſidenten Grafen Theodor
Batthyanyi unterzeichnetes Rundſchreiben, in dem
die Parteileitung ihre Kandidaten auffordert, dem Partei=
präſidium
ſämtliche Wahlmißbräuche mitzuteilen, da dieſes
entſchloſſen iſt, für die ſchärfſte Beſtrafung Sorge zu tragen.
Die Entſcheidung über die Zuſammenſetzung
des ungariſchen Abgeordnetenhauſes wird
am erſten Wahltage, dem 1. Juni fallen. Nach den bis=
herigen
Dispoſitionen gelangen heute in 47 Ko=
mitaten
und 48 Städten 357 Mandate von 413 zur Be=
ſetzung
. Für die bevorſtehenden Wahlen ſind in jenen Ko=
mitaten
, wo Ausſchreitungen zu befürchten ſind, die Trup=
pen
verſtärkt worden. Zu dieſem Zwecke ſind aus Ga=
lizien
und der Bukowina Truppen requiriert worden.
Deutſches Reich.
Der Beſuch des italieniſchen Mini=
ſters
des Aeußern in Berlin hat die erwünſchte
Gelegenheit geboten, die zwiſchen dem Reichskanzler und
dem Marquis di San Giulianoxin=Florenzugeführte Ause

ſprache fortzuſetzen. Wie ſchon damals beide Staats=
männer
ſich in dem feſten Entſchluſſe begegneten, an der
Sicherung und Befeſtigung des gegenwärtigen Zuſtandes
als dem Ziel ihrer Politik unverändert feſtzuhalten, ſo hat
auch der jetzt gepflogene eingehende vertrauensvolle Mei=
nungsaustauſch
erneut ergeben, daß in der hierauf begrün=
deten
zuverſichtlichen Auffaſſung der politiſchen
Geſamtlage, wie ſie den fortdauernd befriedigenden
Beziehungen unter den europäiſchen Mächten entſpricht,
eine Aenderung nicht eingetreten iſt. Die Beſprechungen
bekräftigten den Willen der beiden verbündeten Regierun=
gen
im Einklang mit dem Wiener Kabinett auch fernerhin
die auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Grund=
ſätze
zur Geltung zu bringen, von denen die Politik der
Dreibundmächte getragen iſt.
Zur Frage der geſetzlichen Regelung der
Friedenspräſenzſtärke ſchreiben Berliner Blätter:
Ueber die Geltungsdauer des gegenwärtigen Quin=
quennatsgeſetzes
vom Jahre 1904 haben vielfach
abweichende Anſchauungen beſtanden. Denn nach der all=
gemein
üblichen parlamentariſchen Bezeichnung als Quin=
quennatsgeſetz
mußte ſich ſeine Geltung auf die Jahre
19051909 erſtrecken. Trotzdem hatte der Reichstag im
Geſetz über dieſe Zeit hinaus Neuformationen beſchloſſen,
nämlich zwei Kavallerieregimenter, die erſt im Jahre 1910
zur Durchführung gelangen und die daher außerhalb der
eigentlichen Dauer des Geſetzes liegen. Es wird nun viel=
fach
angenommen, daß bis zum 1. April des nächſten Jah=
res
unter allen Umſtänden ein neues Quinquennatsgeſetz
verabſchiedet ſein muß. Dieſe Auffaſſung findet jedoch in
den Vorgängen früherer Jahre keine Stütze. Das Geſetz
über die Friedenspräſenzſtärke vom Jahre 1899 hatte Gei=
tung
vom Jahre 1900 bis 1904. Vor Ablauf des Etats=
jahres
1904 wurde jedoch durch ein Geſetz die Geltungs=
dauer
des Quinquennatsgeſetzes um ein Jahr verlängert.
Eine derartige Regelung wäre naturgemäß auch jetzt wie=
der
möglich, wenn man an der Friedenspräſenzſtärke des
Jahres 1910 feſthalten wollte. Da die Verfaſſung lediglich
eine geſetzliche Regelung für die Friedenspräſenzſtärke des
Heeres vorſchreibt, ſo beſteht auch die Möglichkeit, dieſe nur
durch das Etatsgeſetz zu bewirken. Die Heeresverwaltung
hat begreiflicherweiſe ein Intereſſe an einer geſetzlichen
Regelung auf mehrere Jahre im voraus, weil beiſpiels=
weiſe
bei Neuformationen die Anlage von Kaſernen und
Uebungsplätzen ſtets auf eine Reihe von Jahren verteilt
wird. Welche Regelung mit Ablauf des gegenwärtigen
Quinquennatsgeſetzs am 31. März 1911 gewählt wird,
dürfte vorläufig noch nicht feſtſtehen; ein Zwang zur Vor=
lage
eines neuen Quinquennatsgeſetzes beſteht aber jeden=
falls
nicht.
Der Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis
Frankfurt a. O. Gymnaſialprofeſſor Detto (nl.) und der
Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Zſchopau= Ma=
rienberg
(Sachſen 20) Oswald Zimmermann ( Re=
formpartei
) ſind geſtorben.
Der Delegiertentag der fortſchrittlichen
Volkspartei in Kaſſel hat einen Bezirksverband ge=
gründet
, der Kurheſſen, Waldeck mit Pyrmont, Wittgen=
ſtein
und Siegen umfaßt. Univerſitätsprofeſſor Rade in
Marburg iſt zum Vorſitzenden gewählt.
Die Mitglieder des unparteiiſchen Kollegiums, das
die Verhandlungen zwiſchen den Arbeitgebern und
Arbeitnehmern im Baugewerbe leitet, traten im
Laufe des geſtrigen Dienstags nochmals zuſammen, um
den Text der Vorſchläge endgültig feſtzuſtellen, die den
Vertretern beider Parteien als Schiedsſpruch unterbreitet
werden ſollen.
Im preußiſchen Herrenhauſe gab auf eine Anfrage
des Grafen Hohenthal=Dölkau der Miniſter v. Breiten=
bach
die nachſtehende Erklärung über die Schiff=
fahrtsabgaben
ab: Bei den Verhandlungen mit
Sachſen hat Preußen prinzipiell ſeine Bereitwilligkeit aus=
geſprochen
, eine Kanalverbindung von Leipzig nach der
Saale in der Nähe von Treibau zuzulaſſen, die für Schiffe
bis zu mindeſtens 400 Tonnen Tragfähigkeit zugänglich iſt.
Verhandlungen über die Kanalſtraße haben überhaupt noch
nicht ſtattgefunden, ein Projekt liegt uns noch nicht vor.
Jedenfalls werden wir die Intereſſen der Provinz Sach=
ſen
wahren.
Fürſt Georg von Schaumburg=Lippe
hat, wie die Lehrerzeitung für Weſtfalen ſchreibt, durch
einen vom 7. März 1910 datierten Erlaß mitgeteilt, daß
er, um die Aufbeſſerung der Beamten= und
Lehrergehälter zu ermöglichen, der Landeskaſſe aus
ſeinem eigenen Vermögen die Summe von 100000 Mark
szursVerjügungsſtelle mit derg= Beſtimmung, daßez dieſe

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910.

Nummer 125.

Summe ſolange in Anſpruch genommen werden könne,
bis die regelmäßigen Einnahmen wieder die zum Aus=
gleich
des durch die Gehaltserhöhung entſtehenden Mehr=
bedarfs
erforderliche Höhe erreicht haben. Der Fürſt fügte
hinzu, daß er mit dieſer Zuwendung ſeinem Lande und
ſeiner Beamtenſchaft einen erneuten Beweis ſeiner lan=
desväterlichen
Fürſorge und Zuneigung geben wolle.
Lehrer und Beamte des Fürſtentums haben umſomehr Ur=
ſache
, ihm dafür dankbar zu ſein, als der Fürſt von
Schaumburg=Lippe nicht nur keine Zivilliſte bezieht, ſon=
dern
für die Verwaltung ſeines Landes jährlich aus ſei=
ner
eigenen Taſche ſeit einigen Jahren ungefähr 200000
Mark zuzahlt.
Ausland.
Bezüglich des Programms der franzöſiſchen
Regierung verlautet, das Miniſterium werde mit Nach=
druck
darauf beſtehen, daß die Kammer in kürzeſter Friſt
über das vom Marineminiſter ausgearbeitete Flotten=
programm
verhandle. Der Wahlreforment=
wurf
enthält auch eine Aenderung des anläßlich der
boulangiſtiſchen Bewegung im Jahre 1889 beſchloſſenen
Verbotes der vielfachen Kandidaturen inſofern, als nach
dem geplanten Entwurf ein Kandidat berechtigt iſt, ſich
gleichzeitig in drei Wahlkreiſen um ein Mandat zu bewer=
ben
. Im Prinzip wird ein Departement einen Wahlkreis
bilden, doch werden gewiſſe Departements mit verhältnis=
mäßig
geringer Bevölkerungszahl zu einem Wahlkreiſe
zuſammengelegt werden, während andere Departements
entſprechend ihrer beſonders dichten Bevölkerung in meh=
rere
Wahlkreiſe eingeteilt werden ſollen. In ſozialpoliti=
ſcher
Hinſicht ſollen außer dem Entwurf über den Arbeits=
vertrag
auch Geſetze über die Organiſierung des Arbeiter=
kredites
und die Beteiligung am Unternehmergewinn ein=
gebracht
werden.
Miniſterpräſident Canalejas hat ſich über die Ver=
handlungen
der ſpaniſchen Regierung mit dem Va=
tikan
geäußert und ſeinen Entſchluß beſtätigt, ohne
Ueberſtürzung und ohne Zögern das zu verwirklichen,
was man von einer politiſchen Perſönlichkeit erwartet.
Seine Aufgabe ſei ein Werk des Friedens und nicht
der Verfolgung. Der Miniſterrat habe von der biſchöf=
lichen
Kundgebung Kenntnis genommen, die von
Kardinal Aguirre im Namen des ſpaniſchen Epiſkopats
an ihn gerichtet worden ſei, obwohl ſie von einer Anzahl
Prälaten nicht unterzeichnet worden ſei. Die Regierung
habe ſich darauf beſchränkt, den Empfang der Kund=
gebung
zu beſtätigen, da ſie eine Intervention in die
mit dem Vatikan ſchwebenden Verhandlungen nicht zu=
laſſen
könne. Der Standpunkt der Regierung ſei dem in
der Botſchaft der Biſchöfe vertretenen entgegengeſetzt. Die
Regierung beharre auf ihrer Anſchauung. Man verſichert,
daß der päpſtliche Nuntius anerkannt habe, daß die Kund=
gebung
inopportun ſei. In amtlichen Kreiſen iſt man der
Meinung, daß die Kundgebung veröffentlicht worden iſt,
um der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten.
Die ruſſiſche Duma nahm mit 182 gegen 165 Stim=
men
den Artikel 3 der Geſetzesvorlage auf Einführung von
Semſtwos für die ſechs weſtlichen Gouvernements an,
wodurch ein Ueberwiegn der Deputierten ruſſiſcher Her=
kunft
in den Semſtwos geſichert iſt. Während der Debatte
kam es zu einem Zwiſchenfall. Der Deputierte Puriſch=
kewitſch
gebrauchte gegen den Fürſprecher der Polen belei=
digende
Ausdrücke. Er rief, trotz eines Ordnungsrufes,
zu dem Führer der Kadetten Miljukow gewendet, er werde
das Waſſerglas gegen ihn ſchleudern, und ließ die Tat
ſeinen Worten folgen. Das Glas fiel vor den vorderen

Bänken nieder und zerbrach. Es entſtand ein großer
Lärm. Die Mitglieder der Oppoſition ſprangen von
ihren Plätzen auf. Der Präſident mahnte zur Ruhe und
ſchlug vor, Puriſchkewitſch für 15 Tage auszuſchließen.
Dieſer behauptete, er ſei durch Miljukow herausgefordert
worden, der ſich in der Duma nicht zu betragen verſtehe.
Er bedaure, daß das Glas ſein Ziel verfehlte. In Anbe=
tracht
der bevorſtehenden Debatten über Finnland bat
dann Puriſchkewitſch um Entſchuldigung und erſuchte, die
Strafe auf die Hälfte herabzuſetzen. Seine Ausſchließung
für ſieben Sitzungen wurde einſtimmig angenommen.
Der finniſche Landtag wurde am Montag ge=
ſchloſſen
. Der Talman Swinhuvud drückte namens
des Landtags dem am Fuße des Thrones ſtehenden Gene=
ralgouverneur
in einer in finniſcher Sprache gehaltenen
Rede die Ehrfurcht und die beſtgemeinten Wünſche für den
Kaiſer und die Großfürſten aus. Nach der Verleſung der
Anſprache in ruſſiſcher Ueberſetzung erklärte der General=
gouverneur
im Namen des Kaiſers den Landtag für ge=
ſchloſſen
. Bei der Schließung des Landtags legte der
Talman dem Generalgouverneur die Beſchlüſſe des Land=
tags
in finniſcher und ſchwediſcher Sprache vor; die durch
kaiſerlichen Befehl vom Mai 1909 vorgeſchriebene ruſſiſche
Ueberſetzung fehlte, obgleich der Befehl durch einen zwei=
ten
Erlaß vom 25. Mai 1910 bekräftigt und dem Talman
ausdrücklich zur Kenntnis gebracht worden war.
Das erſte Kabinett der ſüdafrikaniſchen Union
iſt unter General Botha als Premierminiſter gebildet.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 1. Juni.
Beſtätigt wurde der von dem Herrn Grafen zu
Erbach=Fürſtenau auf die Lehrerſtelle an der Gemeinde=
ſchule
zu Momart, Kreis Erbach, präſentierte Schulamts=
aſpirant
Karl Strack aus Villingen, Kreis Gießen, für
dieſe Stelle.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Ludwig Schanz aus Niedernhauſen, Kreis Dieburg,
eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Schaafheim,
Kreis Dieburg.
Pfarrperſonalien. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben dem Pfarrverwalter Wilhelm Mayer
zu Wackernheim die evangeliſche Pfarrſtelle zu Dorn= Dürk=
heim
, Dekanat Oppenheim, übertragen und den von dem
Frhrn. Guſtav Löw von und zu Steinfurth auf= die
evangeliſche Pfarrſtelle zu Steinfurth, Dekanat Friedberg,
präſentierten Pfarrverwalter Adolf Weck daſelbſt für
dieſe Stelle beſtätigt.
L. Die Strafkammer verhandelte geſtern gegen den
23 Jahre alten, bereits wegen Diebſtahls rückfälligen
Gärtner Paul Rühl von hier, der im April d. J.
in der Stadt Durlach hier ſeinem Schlafkollegen das
Portemonnaie mit Inhalt wegnahm. Er fand nur
80 Pfennig vor, ſtellte ſich ſelbſt zur Beſtrafung und
wurde zu 3 Monaten Gefängnis, unter Abzug
von 1 Monat Unterſuchungshaft, verurteilt. Die Strafe
ſchien ihm eher zu gering als zu hoch zu ſein.
Faſt noch arbeitsſcheuer iſt der 27 Jahre alte
Dienſtknecht Karl Hüter von Lampertheim, der be=
reits
zweimal wegen Diebſtahls das Zuchthaus auf=
ſuchen
mußte und rückfällig iſt. In der Frühe des
16. Februar d. J. ging er in Bensheim einem Gärtner,
der ihm Arbeit gegeben hatte, davon, ſtieg über einen
Zaun, riß mit großer Gewalt die verſchloſſene Türe
eines ſtädtiſchen Geräteſchuppens auf und ſtahl ein
Paar Waſſerſtiefel und eine Segeltuchjacke, die einen
ganz hübſchen Wert darſtellten. Die Jacke, von der
er fürchten mußte, daß ſie ihn verraten könne, warf er
wieder von ſich, die Stiefel verkaufte er für 6 Mark.
Das Verbrechen kam raſch an den Tag, weil Hüter das
Außentor, durch welches er ſich entfernte, offen ſtehen
ließ. Er wurde zu 2 Jahren Zuchthaus verur=
teilt
, von welchen 1 Monat 2 Wochen durch die Unter=
ſuchungshaft
verbüßt ſind. Er trat die Strafe ohne
Murren an. Der praktiſche Arzt Dr. Sellentin von
hier behandelte im Herbſt v. J. in Nieder=Ramſtadt

Himmelserſcheinungen im Juni.
A. K. Am 22. Juni, um 9 Uhr vormittags, tritt die
Sonne aus dem Kalenderzeichen der Zwillinge in
das des Krebſes über, ihr wahrer Stand iſt zu dieſer
Zeit die Grenze zwiſchen den Sternbildern Stier
und Zwillinge alſo ein volles Sternbild weiter rück=
wärts
, als die alten Zeichen angeben. Durch das Vor=
rücken
der Nachtgleichenpunkte, die Präzeſſion, iſt
längſt eine völlige Unſtimmigkeit zwiſchen den Zodia=
kalzeichen
und den ihnen vor etwa 2000 Jahren ent=
ſprechenden
Bildern entſtanden. Bis zum 22. Juni
nimmt die Abweichung der Sonne vom Aequator noch
zu, dann wieder um ein geringes ab; ihre nördliche
Deklination beträgt am Mittage des 1. Juni 21058
11.5, des 22. Juni 23'27'7.3 und des 30. Juni
23913' 29.2. Die Mittagshöhe der Sonne beträgt da=
her
im mittleren Deutſchland am 1. Juni 59½, am 30.
Juni 60¾ Grade, und die Tageslänge wächſt im
nördlichen Deutſchland von 16½ auf nahezu 17 Stun=
den
, im mittleren Deutſchland von 16¼ auf 16½ Stun=
den
, im ſüdlichen Deutſchland, der Schweiz und Oeſter=
reich
von 15¾ auf 16 Stunden. Der 22. Juni, der
längſte Tag und das Solſtitium, iſt zugleich Som=
mersanfang
auf der Nordhalbkugel, dagegen
Wintersanfang auf der Südhalbkugel. Die in allen
Orten nördlich des Parallels von 48'32 (etwa die
Breite von Straßburg) um das Sommerſolſtitium
herrſchende mitternächtige Dämmerung, die
die Nächte nicht mehr völlig dunkel werden läßt, nimmt
um ſo ſpäter ihren Anfang und erreicht um ſo eher ihr
Ende, je weiter man nach Norden gelangt; am nörd=
lichen
Polarkreiſe tritt um den 22. Juni bereits die
Mitternachtsſonne hervor, und am Pol ſcheint die
Sonne ein halbes Jahr, ohne unterzugehen.
Der Mond zeigt im Juni folgenden Geſtalt=
wechſel
: Neumond 7. Juni, 2 Uhr 16 Minuten nachm.,
Erſtes Viertel 14. Juni, 5 Uhr 19 Min. nachm., Voll=
mond
22. Juni, 9 Uhr 12 Min. nachm., und Letztes
Viertel 30. Juni, 5 Uhr 39 Min. nachmittags. Am 6.
Juni, 4 Uhr vormittags, befindet ſich der Mond in Erd=
nähe
bei einem Abſtande von 56.5 Erdhalbmeſſern, und
am 18. Juni, 8 Uhr vormittags, in Erdferne bei einem
Abſtande von 63.5 Erdhalbmeſſern à 6378 Kilometer.
Von den beiden Sternbedeckungen des Mondes
im Juni betrifft eine einen etwas helleren Stern:
Alpha der Wage 2.7 Größe. Die Bedeckung erfolgt
am 19. Juni kurz nach Mitternacht, und zwar findet der
Eintritt des Sterns (links) um 12 Uhr 4.2 Min., der
Austritt=(rechts) um 1 Uhr 15.4 Min. ſtatt:

Von den großen Planeten bleibt Merkur ob=
wohl
er am 20. Jnni in ſeine größte weſtliche Ausweich=
ung
, 22 48, gelangt, für das bloße Auge unſichtbar.
Venus wandert aus dem Sternbilde des Widders
in das des Stiers und bleibt nach wie vor Morgen=
ſtern
; ihre Sichtbarkeit verlängert ſich vorläufig wie=
der
, im Juni bis auf eine Stunde. Ihr Erdabſtand iſt
am Anfang des Monats gerade ſo groß wie der Abſtand
der Sonne von der Erde, ihre Entfernung nimmt aber
zu. Der ſcheinbare Durchmeſſer der Venus vermindert
ſich von 16.9 auf 13.9. Am 5. Juni ereignet ſich eine
ſehr ſehenswerte Konjunktion von Venus und Saturn,
die beiden Planeten nähern ſich um 3 Uhr nachmittags
bis auf den kleinen Abſtand von nur vier Bogenminu=
ten
; Venus ſteht dabei nördlich vom Saturn. Am 4.
Juni, jedoch ebenfalls am Nachmittag, hat der Mond
mit dem Planetenpaar eine nahe Konjunktion; am
Morgen des 4. weilt er noch rechts, am Morgen des 5.
ſchon links von dem Planeten. Mars befindet ſich
am Abendhimmel, er bleibt anfänglich noch reichlich
eine halbe Stunde als roter Stern in der Dämmerung
ſichtbar, verſchwindet aber um die Mitte des Monats,
etwa zur Zeit ſeines Uebertrittes aus dem Sternbilde
der Zwillinge in das des Krebſes, in den hellen
Strahlen. Seine Entfernung von der Erde vergrößert
ſich von 2.31 auf 2.48 Erdbahnhalbmeſſer (à 149.48 Mil=
lionen
Kilometer), ſein Scheibendurchmeſſer verringert
ſich von 4.%0 auf 3.8. Jupiter, vorläufig noch
immer der am bequemſten und erfolgreichſten zu be=
obachtende
Planet, tritt ſchon in der hellen Abenddäm=
merung
hoch im Süden hervor, wo er anfangs um 7¾4,
zuletzt ſchon um 5¾ Uhr kulminiert; ſein Untergang
erfolgt zuerſt gegen 2 Uhr früh, zuletzt gegen Mitter=
nacht
. Er hält ſich im Sternbilde der Jungfrau auf,
deren hellſten Stern, Spica, man links von ihm er=
blickt
. Jupiter kommt am 28. Juni, 6 Uhr vormittags,
in Quadratur mit der Sonne; ſein Abſtand von der
Erde vergrößert ſich von 4.95 auf 5.41 Erdbahnradien,
und ſein Scheibendurchmeſſer verkleinert ſich dement=
ſprechend
von 40.3 auf 36.9. Am 15. Juni, nachmit=
tags
3 Uhr, hat der im Erſten Viertel ſtehende Mond
mit Jupiter Konjunktion, am Abend ſieht man den
Mond aber ſchon ein Stück nach Oſten (links) von dem
ſtrahlenden Planeten abgerückt. Saturn, im
Widder befindet ſich am Morgenhimmel im Oſten
und bleibt etwa ¾ Stunden ſichtbar. Er nähert ſich
uns von 10.07 auf 9.67 Erdbahnhalbmeſſer, aus welchem
Grunde ſein Scheibendurchmeſſer von 16."2 auf 16.8
wächſt; die große Achſe ſeiner Ringellipſe beträgt 38.0,
die kleine Achſe 11.3. Seiner Konjunktion mit= Venus

eine Frau als Wöchnerin, bei der nach einigen Tage
Fieber zutage trat. Als dieſes eine Höhe von 38,7 Gra
erreicht hatte, gab die Hebamme, welche die Krank
pflegte, von dieſer Tatſache dem Kreisgeſundheitsan
Kenntnis. Sie nahm an, daß Kindbettfieber aus
gebrochen ſein könne. Dem Dr. Sellentin waren di
Fiebererſcheinungen auch nicht unbekannt, er hatt
aber keinen Anhalt dafür, die gleiche Diagnoſe
ſtellen und unterließ eine Anzeige bei dem Kreis
geſundheitsamt aus dieſem Grunde, ſowie wei
der Behörde bereits Mitteilung zugegangen war. Di
zur Anwendung kommende Verordnung ſchreibt nu
vor, daß von jeder anſteckenden Krankheit der behar
delnde Arzt binnen 24 Stunden, von der Kenntnis
nahme an, dem Kreisgeſundheitsamt Anzeige zu mache
hat. Bloße Zweifel verpflichten nicht zur Anmeldun,
auch iſt eine beſondere Form des Schreibens nicht vor
geſchrieben. Der auf Grund der Erklärung der Hel
amme am 7. Oktober am Krankenlager erſchienen
Kreisaſſiſtenzarzt Dr. Beſt war alsbald davon übe=
zeugt
, daß die Frau an Kindbettfieber erkrankt ſe
etwas Genaueres kann er nicht mitteilen, weil er ein
Unterſuchung nicht vornahm. Er geht davon aus, da
Dr. Sellentin auch ſchon am 4. Oktober die wahre Natu
der Krankheit gekannt habe, weil er damals die Hel
amme gefragt hatte, ob ſie Anzeige erſtattet habe. Jn
folgedeſſen wurde dem Dr. Sellentin ein Strafbe
fehl auf 20 Mark Geldſtrafe zugefertigt, weil er di
oben genannte Verordnung übertreten habe. Der Ar
gezeigte erhob Einſpruch und wurde vom Schöffer
gericht freigeſprochen. Die Staatsbehörde ver
folgte dagegen Berufung. In der zweiten Inſtan
konnte jedoch nur feſtgeſtellt werden, daß die Behaup=
ung
des Dr. Sellentin, er habe zuerſt bei ſeinem dritte
Beſuche, am 17. Oktober, die Gewißheit von der
Ausbruch des Kindbettfiebers erhalten, richtig iſt, des
halb ſei ſeine Meldung an das Kreisgeſundheitsan
vom 18. Oktober rechtzeitig erfolgt. Aus dieſem Grund
ſowie weil der Behörde durch den Beſuch des Dr. Be
die Sache bereits bekannt und eine weitere Anzeic
überhaupt unnötig war, wurde das freiſprechend
Urteil lediglich beſtätigt.
* Militäriſches. Während die drei anderen Ir
fanterie=Brigaden unſeres Armeekorps die Brigade
übungen zu Beginn der großen Herbſtübungen ir
Manövergelände ausführen, hat die 42. Infanterie
Brigade, beſtehend aus dem Kurheſſiſchen Füſilier=Re
giment Nr. 80 (Kom. Oberſt v. Conta) und dem 1. Kur
heſſiſchen Infanterie=Regiment Nr. 81 (Kom. Ober
Prinz Friedrich Karl von Heſſen H.), dieſen Teil de
Ausbildung unter ihrem neuen Kommandeur, Gene
ralmajor v. Dieringshofen, in der vergangene
Woche auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt er
ledigt und wurde am 30. d. M. durch den kommandi=
renden
General v. Eichhorn, im Beiſein des Komman
deurs der 21. Diviſion, Generalleutnant Scholtz, de
Generalität und zahlreicher berittener Offiziere de
Garniſon Darmſtadt, beſichtigt. Geſtern erfolgte di
Rückkehr der genannten Regimenter und des Brigade
ſtabes in ihre Standorte Wiesbaden, Homburg bezu
Frankfurt a. M.
Die Gründung eines Feſthaus=Vereins Darm=
ſtadt
wurde am Montag abend in einer zahlreich he
ſuchten Verſammlung im Hotel Heß vollzoger
Der von Herrn Rat Sonne vorgelegte Satzungs
entwurf fand nach zweiſtündiger Diskuſſion, m
mehreren aus der Mitte der Verſammlung beantrag
ten Ergänzungen, einſtimmige Annahme. Der Mit
gliedermindeſtbeitrag wurde auf 2 Mark feſtgeſetzt, un
jedermann den Beitritt zu dem gemeinnützigen Ver
ein zu ermöglichen; der Beitritt von Vereinen un
Körperſchaften aller Art iſt beſonders willkommen. Zu
Erlangung der Rechtsfähigkeit ſoll der Verein in da
Vereinsregiſter des Amtsgerichts Darmſtadt eing=
tragen
werden. Die hierauf vorgenommene Vor
ſtandswahl hatte folgendes Ergebnis: Hauptman
v. Hahn, Vorſitzender, Rat Sonne, Stellvertreter, Ar
chitekt Harres, Schriftführer, Bankprokuriſt Seipt
Stellvertreter, Direktionsaſſiſtent Peppler, Schatzmei
ſter; Beiſitzer: Rechtsanwalt Dr. Hoffmann II., Baur=
Jäger, Rittmeiſter a. D. Lungershauſen, Rentne
Pfeil, Rentner Pöllot und Profeſſor Pützer. In de
Verwaltungsbeirat wurden gewählt: Regierungsra
Baſtian, Dr. Willy Merck und Geheimerat Römhelt

am 5. und dem Monde am 4. Juni haben wir oben ſche
gedacht. Uranus hält ſich als Sternchen 5. Gröſ=
im
Schützen auf; er kulminiert anfangs kurz ug
3 Uhr, zuletzt um 1 Uhr früh. Sein genauer Standor
iſt am 1. Juni bei Rektaſzenſion 19h 47m 23s un
Deklination 21 40. Neptun weilt als Stern
chen 8. Größe nahe bei Delta der Zwillinge gena=
am
1. Juni bei Rektaſzenſion 7h 16m 4s und Dekl
nation 21 39
Der Komet Halley bewegt ſich, täglich lang
ſamer fortſchreitend, am ſüdweſtlichen Abendhimmel zu
nächſt im Sternbilde des Sextanten ſüdöſtlich weiter
in den erſten Tagen des Juni ſteht er gerade ſüdlich vo
dem Fixſtern 1. Größe Regulus im Löwen am
tritt er in den ſüdlichſten Teil des Löwen über,
dem er dann, nur geringe Ortsveränderungen zeigent
bis nach Mitte Juli verweilt, um endlich in den Be
cher zu gelangen. Seine Helligkeit, die anfänglich no
2. Größe beträgt, nimmt während des Juni bedeuten
ab er wird deshalb wohl um Mitte dieſes Monats
das freie Auge wieder verſchwinden, aber noch geraum
Zeit mit den Fernrohren und mit der photographiſche
Kamera verfolgt werden.
Der Glanz des Fixſternhimmels erleidet in
Juni durch die hellen kurzen Nächte eine ſtarke Beein
trächtigung; das Mondlicht beherrſcht vornehmlich di
Zeit vom 13. bis 24. Juni. Gegen 10 Uhr abends ſehe
wir die Milchſtraße vom Südſüdoſten im tief zur
Nordoſten herabgeneigten Bogen ſich zum Nordnord
weſten ziehen; Adler Schwan Caſſiopeja un
Perſeus treten in ihr beſonders hervor, im Nork
weſten ſchließt der Fuhrmann mit der funkelnden Ca
pella das Sternenband ab. Den Tierkreis, der ſich von
Nordweſten zum Südoſten ſchwingt, bezeichnen de
Reihe nach die Bilder Zwillinge Krebs Löwe=
Jungfrau, Wage und Skorpion. Hoch im Süder
funkelt der Areturus im Bootes neben dem öſtli
die Krone ſteht. Der Große Bär breitet ſich weſ
lich am Zenith aus, und der Kleine Bär weiſt mit ſe
nem Viereck ebenfalls zum Zenith. Südweſtlich übe
dem Sterne Denebola des Löwen gewahrt man der
feinen Schimmer des Haares der Berenice das
Ehren der treuen Schweſter und Gemahlin des Köni=
Ptolemäus Euergetes an den Himmel verſetzt worder
iſt. Ganz tief am ſüdlichen Horizont erſcheinen einige
Sterne des Centaur deſſen hellſter, aber für uns
nicht ſichtbarer Stern, Alpha, bekanntlich der uns nächſt
Firſtern iſt, wiewohl er noch 285000mal ſo weit von
uns entfernt iſt, wie die Sonne.

[ ][  ][ ]

Nummer 125.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jnni 1916.

Seite 3.

Ein Aufruf zum Beitritt ſoll demnächſt in den
ieſigen Tageszeitungen erſcheinen.
Wir wünſchen dem Unternehmen einen guten Er=
olg
und Verwirklichung des ſchönen Plans in nicht
lzu ferner Zeit! Bereits in der erſten Sitzung iſt
eſtgelegt worden, daß eine Konkurrenz des Feſthauſes
nit dem Saalban von vornherein ausgeſchloſſen iſt
ind die Stadt ſich an dem Unternehmen auf Koſten der
Steuerzahler finanziell nicht beteiligen kann.
Zu vereidigten Bücherreviſoren bei der Han=
helskammer
ſind die Diplom=Handelslehrer Herren
Wilhelm Siedersleben, Leiter der Heſſiſchen
Handelslehranſtalt, und Georg Bertele, hier, er=
lannt
worden.
Die Handwerkskammer Darmſtadt hielt am
Montag eine Vorſtandsſitzung ab, die ſich in der Haupt=
ache
mit der Beratung über die Regierungsvor=
age
beſchäftigte, welche Ergänzungen und Abände=
ungen
der Vorſchriſten über das Verdingungs=
peſen
bringt. Außer dem Staatskommiſſar der
kammer, Herrn Geh. Ober=Regierungsrat Dr. Wag=
ter
, waren der Chef/der Bauabteilung, Herr Geheime=
at
v. Biegeleben, und Herr Baurat Wagner
rſchienen. Die Vorlage bringt eine größere Anzahl
Von Wünſchen, welche ſeit Jahren aus den Kreiſen der
Baugewerbetreibenden geltend gemacht wurden, zur Er=
Pedigung und darf der Befriedigung Ausdruck verliehen
verden, daß bei den eingehenden Verhandlungen über
Aen Entwurf ein beiderſeitiges Einvernehmen feſtge=
tellt
werden konnte. Aus dem Inhalt der Vorlage
rwähnen wir die Zuziehung von Sachverſtändigen aus
Den Kreiſen der Gewerbetreibenden bei der Aufſtellung
der Verdingungsanſchläge, die Frage der Vergütung
von Nebenleiſtungen, die Honorierung einverlangter
Pläne und Zeichnungen, die künftige Vergebung bei
illen Hochbauten nach Anſchlagstiteln, die Friſten
für die Ausführungen, die Frage der Zuſchlagsertei=
ung
, die Ausſchließung ſolcher Bewerber, die ihren
Pflichten der ſozialpolitiſchen Geſetzgebung gegenüber
nicht nachkommen, die Vergebung von Leiſtungen an
gewerbliche Korporationen uſw. Nachdem die Beratun=
gen
im engeren Vorſtande in Gegenwart von Sachver=
ſtändigen
erfolgt ſind, wird die Handwerkskammer
demnächſt einem weiteren Kreiſe von Intereſſenten Ge=
legenheit
geben, von der Vorlage und der Stellung der
Handwerkskammer hierzu Kenntnis zu nehmen.
* Ausſtellung auf der Mathildenhöhe. Die Fremden,
welche die Ausſtellung auf der Mathildenhöhe beſuchen,
haben Klage darüber geführt, daß der Eingang zur Aus=
ſtellung
ſchwer zu finden ſei. Die Anbringung eines
orientierenden Hinweiſes oder Plakats ꝛc. Eingang zur
Ausſtellung dürfte ſich empfehlen.
Die Leipziger Illuſtrierte Zeitung bringt in ihrer
letzten Nummer eine eingehende Beſprechung der Aus=
ſtellung
des Deutſchen Künſtlerbundes mit vielen Illu=
ſtrationen
.
n. In dem Schadenerſatzprozeß der Kinder Wolf=
ſturm
gegen die Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft fand
geſtern vor der Zivilkammer I des hieſigen Land=
gerichts
die Schlußverhandlung ſtatt. Außer den bei=
derſeitigen
Prozeßbevollmächtigten Juſtizrat Dr. E
E. Hoffmann und Juſtizrat Hallwachs war als Ver=
treter
der Adlerwerke=Frankfurt a. M., denen als
Eigentümer des zu jener Probefahrt in ihrem Auftrag
benutzten Automobils die Beklagte zu eventueller
regreſſoriſcher Inanſpruchnahme den Streit verkündet
hat, Rechtsanwalt Dr. Oſann erſchienen. Die Klage
Eiſt auf drei Gründe, nämlich fehlerhafte Bahnanlage,
Fehlen ausreichender Warnungszeichen und Verſchul=
den
des Lokomotivführers (Einbiegen in die Land=
ſtraßenkreuzung
trotz Herannahens des Automobils
als Urſachen des Unfalls geſtützt. Von Intereſſe iſt
die zur Sprache gekommene Tatſache, daß die beklagte
Kleines Feuilleton.
CK. Aus der Chronik des Café Ang=
lais
. Aus Paris wird berichtet: Die Feinſchmecker
und genießeriſchen Lebenskünſtler, die es als eine Kul=
turpflicht
betrachten, alljährlich einige Tage in Paris
zu weilen und zum mindeſten einmal im Café Ang=
lais
die Raffinements der berühmteſten franzöſiſchen
Küche zu koſten, werden erbleichen, wenn ſie hören, daß
das weltbekannte Haus zum Verkauf ausgeboten wird.
1250000 Franken werden gefordert. Aber die inter=
nationalen
Gourmets brauchen keine Verkürzung ihrer
Tafelfreuden zu befürchten; nur das Haus wird ver=
kauft
, das Café Anglais bleibt beſtehen, und nichts in
Küche und Keller wird geändert. Das Café Anglais
wird fortbeſtehen als das berühmteſte Reſtaurant der
Ville lumiére, die ruhmreiche alte Tradition bleibt
ungefährdet. Denn das alte Reſtaurant auf dem Bou=
levard
des Italiens zählt zu den älteſten von Paris;
aus kleinen, beſcheidenen Anfängen heraus hat es ſich
mit der Zeit zu einem Etabliſſement entwickelt, das alle
berühmten Pariſer Gäſte in ſeinen Mauern aufnahm.
Im dritten Jahre der großen Revolution wurde es als
eine beſcheidene, kleine Wirtſchaft eröffnet; um 1816,
als das Haus an Chevreuil verkauft wurde, hatte es
bereits einen Ruf, aber die Glanzzeit begann erſt mit
der feſtesfreudigen Zeit des zweiten Kaiſerreichs. Da=
mals
kaufte Delhomme das Haus; er übernahm das
Café Anglais, für eine Rieſengage engagierte er dem
Baron James von Rothſchild deſſen berühmten Küchen=
chef
Ducléré weg, und nun wurde das alte Eckhaus am
Boulevard des Italiens Nr. 13 und an der Rue de
Marivaux Nr. 13 das Reſtaurant aller Feinſchmecker
und der lebensluſtigen Geſellſchaft des zweiten Kaiſer=
reichs
. Napoleon ſelbſt pflegte oft in Zivil und inkog=
nito
im Café Anglais zu ſoupieren; man traf den
Grafen Tolſtoi an einem Ecktiſche, man ſah den Herzog
von Grammont, Lord Hamilton, den Herzog von Ri=
voli
, den Fürſten Poniatowski und die Berühmtheiten
des Tages und der Kunſt in dem Grand 16%, dem hiſto=
riſch
gewordenen Eckſalon in der erſten Etage, deſſen
Möbel noch heute den alten roten Damaſt tragen. 1867
fand hier auch das berühmte Diner ſtatt, das ſpäter das
Drei Kaiſer=Eſſen genannt wurde, denn da=
mals
nahmen im Café Anglais der Zar von Ruß=
land
,ſein Sohn, der ZarewitſchAlexander, der als Alexan=
der
III. Kaiſer wurde, und König Wilhelm von
Preußen, der ſpätere deutſche Kaiſer, ihr Diner
ein. In den 60er Jahren, während ſeines Pariſer
Aufenthaltes, war auch Bismarck ein ſtändiger Be=
ſucher
des faſhionablen Reſtaurants; oft tauchte auch
König Eduard damals noch lebensfreudiger
Prinz von Wales, im Grand 16% auf, bisweilen erſchien
die Königin Iſabella von Spanien mit ihrem Gemahl,
und König Milan von Serbien gehörte zu den Stamm=
gäſten
. 1877 wurde Lépain der Nachfolger Duclérés.
Als zwei Jahre ſpäter Delhomme, der das Reſtaurant
zur Berühmtheit emporgeführt hatte, ſtarb, gründete
man eine Geſellſchaft mit 2½ Millionen Franken Ka=
rital
, die das Café Anglais übernahm, bis endlich

Geſellſchaft nach dem Unfall bei der Aufſichtsbehörde,
der Eiſenbahnabteilung des Miniſteriums, wegen Er=
richtung
beſonderer Automobilwarnungstafeln an=
fragte
und in der Antwort ſolche als nicht erforder=
lich
bezeichnet wurden. Da der Referent der Sache,
Großh. Landgerichtsrat Dr. Hauſtädt, als Vorſitzender
der demnächſtigen Schwurgerichtstagung vorläufig ſtark
in Anſpruch genommen iſt, muß die Urteilsver=
kündigung
etwas hinausgeſchoben werden und er=
folgt
erſt in vier Wochen, Dienstag, 27. Juni d. J.
A Errholungskur für kränkliche arme Kinder. Nach=
dem
der inzwiſchen verſtorbene Bankier Sigmund Neu=
ſtadt
in New=York, ein Sohn unſerer Stadt, im Jahre
1890 das Grundkapital ſeiner Stiftung für ſchwäch=
liche
und kranke Kinder armer Eltern, ohne Unterſchied
der Konfeſſion der Stadt geſchenkt hatte, wurden im
Jahre 1892 zum erſtenmale aus den Erträgen dieſer
Stiftung 20 Kinder zur Erholungskur in den
Odenwald geſchickt; die Knaben zu Gaſtwirt Georg
Klenk in Lützelbach bei Neunkirchen, die Mädchen ins
Kurhaus Karl Berg in Nonrod. Dieſe wohltätige Ein=
richtung
iſt ſeitdem ohne Unterbrechung in Kraft ge=
blieben
, und es konnte die Zahl der Kinder, dank wei=
teren
Zuwendungen des Stifters und des Zuganges
einer weiteren Stiftung unſeres Mitbürgers Herrn
Rentners J. Hehl, ſtets erhöht werden, ſodaß heute Mitt=
woch
nicht weniger als 70 Kinder (30 Knaben und 40
Mädchen) zu vierwöchigem Kuraufenthalt in den Oden=
wald
abreiſen. Auch an den urſprünglich gewählten
Pflegeſtellen konnte immer feſtgehalten werden, da ſie
ſich ſtets gut bewährt haben. Die Mädchen befinden ſich
in der Begleitung einer hieſigen Lehrerin, während
bei den Knaben der Ortslehrer in Lützelbach die Aufſicht
übernimmt.
Kaufmänniſcher Verein Darmſtadt E. V. Man
ſchreibt uns: Der Ausflug nach Meſſel am Sonntag hatte
ſich trotz des ſchlechten Wetters guten Beſuches zu er=
freuen
. Wenn der erhoffte ſchöne Spaziergang durch den
Park auch vermißt wurde, ſo kamen wenigſtens die tanz=
luſtigen
Beſucher vollkommen auf ihre Koſten. Herr Wil=
helm
begrüßte als Vorſitzender der Vergnügungskom=
miſſion
und als zweiter Vorſitzender des Vereins mit
herzlichen Dankesworten die Erſchienenen und gab ſeiner
Freude Ausdruck, daß eine ſolch ſtattliche Anzahl den Ein=
ladungen
gefolgt ſei. Herr Bernhardt erfreute die An=
weſenden
durch einige ſchöne Lieder. Die Jugend belu=
ſtigte
ſich mit Wurſtſchnappen, Sackhüpfen, Eierlaufen, ſo=
wie
einer Kinderfahnenpolonäſe. Nur zu früh mußte die
Heimfahrt angetreten werden.
Vogelsberger Höhenklub. Man ſchreibt uns: Die
letzte Wanderung des hieſigen Zweigvereins brachte die
Teilnehmer, darunter wieder einige Damen, in ein Gebiet,
das nicht allzu häufig von Darmſtädter Touriſten aufge=
ſucht
wird, in den Speſſart. Der Weg führte von Se=
ligenſtadt
, deſſen Beſuch für Freunde der Geſchichte un=
ſeres
Heimatlandes ſich verlohnt, über Dettingen durch
die Rückersbacher Schlucht, deren reizvolle Fels= und
Waldpartien viel bewundert wurden, und weiter auf ab=
wechslungsreichen
, gutmarkierten Wegen durch ſchöne
Laub= und Nadelwälder über Johannesberg nach Aſchaf=
fenburg
, wo ein Beſuch des Pompejanums die intereſſante
Tour beſchloß. Der gegen Ende der Wanderung ein=
ſetzende
Regen vermochte nicht, der guten Stimmung Ab=
trag
zu tun.
Die Hauptverſammlung des Geſamtver=
eins
findet am 5. Juni in Grebenhain ſtatt; am 4. Juni
geht die Einweihung des Bismarckturmes auf dem Tauf=
ſtein
voraus. Aus dieſem Anlaß unternimmt der Zweig=
verein
Darmſtadt eine anderthalbtägige Wanderung in
den Vogelsberg, und zwar am 4. nachmittags von Station
Steinau aus durch das reizende Steinbachtal ( Tropfſtein=
höhle
) nach Freien=Steinau und am 5. an den durch ihren
1893 Bourdel, der jetzige Leiter, ein Schüler Delhom=
mes
, das Haus zurückkaufte. Die Jahre haben die alte
Tradition nur noch bereichert. Wenn immer König
Eduard Paris beſuchte, verſäumte er nicht, den Tempel
kulinariſcher Genüſſe zu betreten, in dem er in ſeinen
Prinzenjahren ſo manches Souper eingenommen hat;
hier ſah man auch Galliffet, dem zu Ehren monatlich
ein Diner im Café Anglais gewidmet wird, hier traf
man auch gewöhnlich Li Hung Tſchang während ſeiner
Pariſer Tage, in denen er ſeine Gäſte ſtets ins Café
Anglais einzuladen pflegte.
R. Kometenerinnerungen. Keine Himmels=
erſcheinung
hat in den letzten Jahrzehnten ein ſo hohes
Intereſſe erweckt als der Halleyſche Komet. Schon monate=
lang
ſprach man von ihm. Große Wagenladungen von
Büchern, Broſchüren und Zeitungsartikeln wurden über
ihn geſchrieben. Die Aſtronomen und Millionen neugie=
riger
Menſchen durchwachten viele Nächte, durchſuchten mit
Inſtrumenten aller Art den Himmelsraum, um ihn zu
finden. Und das Reſultat? Man ſpricht faſt kaum noch
von dem Erſehnten; er hat alle Erwartungen getäuſcht,
er bleibt für uns unſichtbar; um ſo ſchmerzlicher für alle,
die ihn mit großer Sehnſucht erwarteten. Wie war das
aber ganz anders im Jahre 1858. Da erſchien ganz
plötzlich am nördlichen Himmel der große Komet Donati,
ohne daß man vorher ein ſo großes Geſchrei von ihm ge=
macht
hatte. Er kam ziemlich unangemeldet, auch war die
Preſſe noch zu wenig entwickelt, als daß ſie vieles von ihm
hätte ſagen können. Vom Juli bis zum September be=
herrſchte
das Geſtirn den ganzen Himmel, denn wohin
man auch blickte, war er oder ſein Schein zu ſehen. Aeltere
Leute werden es beſtätigen, daß ſie in ihrem Leben ein
ſo großes und erhabenes Schauſpiel am Himmel nie ge=
ſehen
. Sein Daſein erregte noch mehr Erſtaunen, als er
faſt ein Vierteljahr mit ſeiner nach Oſten gerichteten langen
Rute als Stern erſter Größe gleich nach Sonnenuntergang
am Horizont erſchien, ſich ſtets gleich blieb und plötzlich
Ende September verſchwunden war, unvergeßlich für alle,
die ihn bewundern durften. Sein Bruder, der in den ſieb=
ziger
Jahren zu ſehen war, konnte ſich an Größe nicht mit
ihm vergleichen. Die Gefühle, die das Erſcheinen des
großen Kometen Donati in den Herzen der Schauenden i
erweckte, waren, je nach dem Standpunkt, verſchiedener Art.
Mein junges Herz war ſtets in eine ſtaunende Bewunde=
rung
verſunken, eine tiefe Ergriffenheit bemächtigte ſich
meines Geiſtes, ſo daß heute noch, nach 52 Jahren. bei der
Erinnerung an das ſeltene Schauſpiel dieſe Gefühle in
meiner Seele nachzittern. Der Bauer dachte bei ſeinem
Anblick traditionell an einen guten Kometenwein, den er
bringen würde, und ſeine Hoffnungen wurden nicht zuſchan=
den
. Der 1858er Kometenwein gehörte zu den beſſeren
Weinen des Jahrhunderts, obwohl er nicht in Güte an
ſeine unmittelbaren Vorgänger (1857) und Nachfolger
(1859) heranreichte. Den Aengſtlichen, ſowie den Aber=
gläubiſchen
war der Komet, damals wie noch heute, ein
Zeichen des Weltuntergangs. Ich kann mich aber einer
ſolchen Aufregung wie heute doch nicht erinnern. Ich be=
ſuchte
damals die Realſchule zu A., einem Städtchen in
Rheinheſſen, und ging an den Sommertagen jeden Abend
nach meiner Heimat, einem benachbarten Dorfe. Als ich=

Fiſchreichtum bekannten Mooſer Teichen vorüber nach
Grebenhain. Beſonderes Intereſſe dürfte auf der Rück=
fahrt
die Bahnlinie bis Gedern bieten, die bis nahezu
600 Meter über dem Meere in ſtaffelartigen Kurven an den
Höhen hinzieht. (Näh. Anzeige.)
Der 2. Heſſiſche Hebammen=Verbandstag findet
Donnerstag, den 9. Juni im Städtiſchen Saalbau ſtatt.
Auf der Tagesordnung ſtehen u. a. Fachvorträge der
Herren Dr. Heil=Darmſtadt, Profeſſor Dr. Walther=Gießen,
Dr. Kupferberg, Direktor der Großh. Hebammen= Lehr=
anſtalt
Mainz, Medizinalrat Kreisarzt Dr. Balſer=Mainz,
Profeſſor Dr. von Franqué=Gießen.
Beſitzwechſel. Das den Erben des Verlagsbuch=
händlers
Wilh. Beyerle gehörige große Anweſen Karl=
ſtraße
24 ging durch Kauf in anderen Beſitz über. Die
Verkaufsverhandlungen und Abſchluß geſchahen durch das
Immobilienbureau von Hermann Marx, Grafenſtr. 23½
Städtiſcher Saalbau. Das 3. Donnerstags
Konzert am 2. Juni wird ein Orcheſterkonzert ſein.
Dank der vorzüglichen Akuſtik der Muſikhalle iſt Streich=
muſik
im Saalbaugarten von ganz hervorragender Wir=
kung
, zumal bei der großen Beſetzung von zirka 45 Mu=
ſikern
. Den Beſuchern der Donnerstags=Konzerte wird
dieſe Einrichtung gewiß eine willkommene Abwechslung
ſein, und die hierdurch bekundeten künſtleriſchen Beſtre=
bungen
unſerer Infanteriekapelle auch nach dieſer Seite
hin zu beurteilen Gelegenheit geben. (Siehe Anzeige.)
* Ludwigshöhe. Heute abend findet das erſte große
Sommerfeſt mit Reunion uſw. ſtatt. Das Konzert
wird von der Kapelle des Feldartillerie=Regiments Nr. 6
unter Muſikmeiſter Weber ausgeführt. (Siehe Anz.)
* Perkeo. Die beliebten Konzerte des Kölner
Burlesken=Enſembles nehmen heute ihr Ende
Im Monat Juni werden die Konzerte von der berühm=
ten
Herrmanns=Truppe aus München fortg
ſetzt. (S. Anz.)
gs. Schlägerei. Geſtern nachmittag 5 Uhr gerieten
mehrere bei der Firma M. Schneider am Bahnneuban
beſchäftigte Arbeiter in Streit, wobei einer eine ſchwere
Kopfverletzung davontrug. Er wurde nach Anlegung eines
Notverbandes mittels Räderbahre in das Städtiſche Kran=
tenhaus
gebracht.
Offenbach, 31. Mai. Der Steueranſchlag
von 189 Prozent iſt, wie das Kreisamt durch eine
am vergangenen Samstag bei der Bürgermeiſterei ein=
gelaufene
Verfügung mitgeteilt hat, vom Großh. Mi=
niſterium
des Innern am 24. Mai genehmigt wor=
den
. Da in Erwartung dieſer Genehmigung ſeithe
ſchon beim Großh. Finanzamt lebhaft an der Fertig
ſtellung der Steuerzettel gearbeitet worden iſt, ſo wer
den dieſe in der nächſten Zeit zur Ausgabe gelangen
können.
Gimbsheim, 30. Mai. Von einem Automobil
überfahren wurde heute vormittag auf der Rhein=
ſtraße
der Landwirt Jakob Martin Oswald von hier.
Oswald überhörte durch das Geräuſch des Wagens die
Signale. Das auf einer Probefahrt ſich befindende Auto=
mobil
fuhr in voller Fahrgeſchwindigkeit, es erfaßte den
Wagen von hinten, der umſtürzte und ſtark beſchädigt
wurde. Oswald wurde aus dem Wagen geſchleudert und
erlitt ſchwere Verletzungen am ganzen Körper, ſodaß er
bewußtlos wurde. Die Inſaſſen des Autos wurden durch
die Wucht des Anpralls herausgeſchleudert, kamen aber
mit leichteren Verletzungen davon.
Gießen, 31. Mai. Der ehemalige Rechtsanwalt
Klarenar, der ſeinerzeit in die Affäre des Büdinger
Hofrats Rothſchild verwickelt war, wurde heute von der
Staatsanwaltſchaft unter dem Verdachte des Mein=
eides
in Haft genommen. Verhandlungstermin
in der Sache ſteht bereits in der kommenden Woche vor
dem Schwurgericht an.
an einem Septemberabend die Stadt etwas ſpäter wie
gewöhnlich verließ, fand ich draußen vor dem Tor einen
armen, etwas geiſtesſchwachen Mann, der in der Stadt
Leder eingekauft hatte, im Straßengraben ſitzen. Bei mei=
nem
Anblicke ſprang er freudig auf und rief: Gott ſei
Dank, daß Du da biſt! Ich fragte ihn nach der Urſache
und er geſtand mir, daß er ſich vor dem Kometen gefürchtet
hatte und nicht wage, allein nach Hauſe zu gehen. Die
Welt ſolle ja untergehen. Ich tröſtete ihn und ſagte, er
möge nur mit mir gehen, ſo lange ich bei ihm ſei, gehe die
Welt keinesfalls unter. Auf dem Wege ſchaute er ſich öfters
ängſtlich nach dem Kometen um, ob er noch dort oben
ſtehe. Wer wollte ſich über die Angſt eines Geiſtes=
ſchwachen
verwundern, wenn er die verſchiedenen Narr=
heiten
betrachtet, die man heute, nach einem halben Jahr=
hundert
, beim Erſcheinen des Kometen Halley erfahren
muß!
* Das Kind in den letzten Jahrhunder=
ten
. In einigen Monaten wird in Berlin eine Aus=
ſtellung
ſtattfinden, in der gezeigt werden ſoll, was
auf das Kind in den letzten Jahrhunderten bezieh
Das Ehrenkomitee, das ſich für dieſe Ausſtellung
bildet hat, beriet in einer Sitzung den Arbeitsplan,
den ein ziemlich weit umgrenztes Feld in Ausſicht
nommen iſt. Zunächſt will man drei bis vier ſtilg
rechte Kinderzimmer aus verſchiedenen Zeitepochen ein=
richten
(von der Zeit Friedrichs des Großen bis zur
Gegenwart) mit Spielzeug, Puppenſtuben und Puppen
Weiter will man Porträts zeigen von Kindern, die ar
ihrem ſpäteren Lebenslauf zur Berühmtheit gelan
ſind. Da Kinderkleider aus den zurückliegenden Jaln
hunderten ſchwerlich zu erhalten ſein werden, ſo iſt be
abſichtigt, Puppen nach alten Modellen anzuziehen.
Kinderbücher aller Art ſollen die Ausſtattung ergänzen.
Es ſind Kommiſſionen ernannt worden, welche die Ve
arbeitung der einzelnen Abreilungen der Ausſtellung
übernehmen werden.
Ein Denkmal für die unbekannten
Genies. Eine eigenartige Idee will der franzöſiſche
Unterrichtsminiſter verwirklichen: es ſoll ein Denkme
für die unbekannten Genies im Pantheon errichtet we=
den
, deſſen Enthüllung in etwa zwei Jahren ſtattfinden
ſoll. Alle die großen Männer, die von der Mitwelt gau
nicht oder zu ſpät in ihrer Bedeutung erkannt wurden
deren Namen der großen Menge unbekannt gebliebe
ſind, ſollen hier ihr Ehrendenkmal erhalten ebenſo wi=
die
Künſtler, die von ihrer Zeit verkannt wurden und
als Märtyrer ihrer neuartigen Kunſt ſtarben.
* Ein eigenartiges Gerichtskurioſum iſt
vom Landgericht Berlin I zu melden. In einem Theater=
prozeß
war die Frage zu entſcheiden, ob der Ruf eines
Stückes, das von einer Berliner Bühne bereits angenom=
men
iſt, darunter leidet, daß es vorher in einer Provin=
zialſtadt
Deutſchlands in Szene geht. Man einigte ſich
ſchließlich dahin, daß ein Sachverſtändiger entſcheiden
ſollte. Die Wahl überließ man dem Gericht, und dieſes
beſtellte als Gutachter den Bühnenſchriftſteller Adolf
L’Arronge, der bekanntlich ſchon vor zwei Jahren aus
dem Leben geſchieden iſt.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910.

Nummer 125.

(*) Butzbach, 30. Mai. Aus der Zellenſtrafanſtalt
entflohen iſt geſtern ein 21 Jahre alter Sträfling
aus Pfiffligheim bei Worms, wo ſein Vater Bahn=
wärter
iſt. Er hatte nur noch einen Monat zu ver=
büßen
. Trotz ſofortiger Verfolgung konnte er noch
nicht gefaßt werden.
A Aus Oberheſſen, 31. Mai. In Gegenwart von
Vertretern der zuſtändigen Behörden fand die landes=
polizeiliche
Abnahme des nunmehr fertiggeſtellten
Gleisanſchluſſes ſtatt, der von der Station Trais-
Horloff der Bahnlinie Gießen-Gelnhauſen nach dem
zukünftigen Maſchinengebäude des Gruppenwaſ=
ſerwerks
der Provinz Oberheſſen ( Inhei=
den
) führt. Für das Anſchlußgleis, das etwa 700 Meter
lang iſt, mußte ein beſonderer hochwaſſerfreier Damm
geſchüttet werden. Der Bahnanſchluß iſt von großer
Wichtigkeit, ſowohl jetzt beim Bau des Maſchinenhauſes
zum Transport der Baumaterialien und Maſchinen=
teile
, als auch ſpäter zur Anfuhr der für den Betrieb
erforderlichen Kohlenmenge. Mit den Arbeiten am
Pumpwerk iſt kürzlich auch begonnen worden; zur Zeit
iſt man mit der Herſtellung der Fundamente beſchäftigt
auf die in dem waſſerreichen Untergrund beſondere
Sorgfalt verwendet werden muß. Auch die Verlegung
der über 40 Kilometer langen Zuleitung nach Frank=
furt
, die aus 700 Millimeter lichtweiten Gußrohren und
bei ungünſtigen Untergrundverhältniſſen, bei Bach= und
Bahnkreuzungen und innerhalb der Ortſchaften aus
ebenſo großenSchmiedeeiſenrohren beſteht,macht recht gute
Fortſchritte, ſo daß wohl die betriebsfähige Fertigſtell=
ung
der ganzen Anlage bis zum 1. April 1912 geſichert
iſt. Späteſtens an dieſem Tage hat die Provinz Ober=
heſſen
mit der Waſſerlieferung für die Stadt Frankfurt
zu beginnen, die ſich vertraglich auf 50 Jahre zur Ab=
nahme
von täglich 20000 Kubikmeter Waſſer verpflich=
tet
hat. Nach dem Vertrage muß die Provinz Ober=
heſſen
das Waſſer bis zur preußiſch=heſſiſchen Landes=
grenze
bei Vilbel liefern; die Weiterführung der Zu=
leitung
von dort bis zum Hochbehälter Heiligenſtock ge=
ſchieht
auf Koſten der Stadt Frankfurt. Die Bauober=
leitung
liegt in den Händen des Herrn Geh. Baurats
Profeſſor Berndt von der Techniſchen Hochſchule in
Darmſtadt.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 30. Mai. Heute vormit=
tag
wurde in Gegenwart des Kronprinzen das
in der Teltowerſtraße neuerbaute Gebäude der Ber=
liner
Handwerkskammer feierlich einge=
weiht
. Alle Innungen Berlins und des Regier=
ungsbezirks
Potsdam hatten Bannerabordnungen ent=
ſandt
. Nach der Feſtrede des Obermeiſters Bernard
trank der Kronprinz den Ehrenbecher auf das Wohl
des deutſchen Handwerks, ſpeziell der Berliner In=
nungen
. Handelsminiſter Sydow hielt anſchließend
daran eine längere Anſprache und ſchloß mit einem
Hoch auf die Handwerkskammer und deren Vorſtand.
Nach weiteren Anſprachen fand im Cäcilienſaal ein
Frühſtück ſtatt, an dem der Kronprinz ebenfalls teil=
nahm
. Die Luſtbarkeitsſteuer iſt jetzt da.
Der Magiſtrat hat ſie bereits der Stadtverordneten=
verſammlung
zugehen laſſen, mit dem Antrage, ſie vom
1. Oktober 1910 ab zu erheben. Es ſollen der Steuer
unterliegen: Theatervorſtellungen, deklamatoriſche Vor=
leſungen
, Konzerte, Zirkusvorſtellungen, Spezialitäten=
und Varieté=Vorſtellungen, deklamatoriſche, Geſangs=
und ſonſtige muſikaliſche Darbietungen, kinematogra=
phiſche
Vorſtellungen, Schauſtellungen von Perſonen,
Tieren und ähnliche Darbietungen; ferner Tanz=
beluſtigungen
, Maskenbälle, Wettrennen, Koſtümfeſte
und Baſare, ſowie Panoramen und Ausſtellungen jeder
Art. Auch die von Vereinen veranſtalteten Luſtbar=
keiten
unterliegen der Steuer. Steuerfrei ſollen blei=
ben
: unentgeltliche Veranſtaltungen, die ausſchließlich
wiſſenſchaftlichen oder belehrenden Zwecken dienen,
Schülervorſtellungen und Veranſtaltungen zu wohl=
tätigen
Zwecken, ſowie geſchloſſene Tanzunterrichts=

ſtunden. Die Beſteuerung ſoll in der Form der Kar=
tenſteuer
erfolgen, wenn Eintrittskarten verkauft wer=
den
, anderenfalls als Pauſchalſteuer. Das im Januar
aus dem Kunſtgewerbemuſeum geſtohlene
Bronzerelief, Friedrich den Großen darſtellend,
wurde in einem Zigarrenladen des Südoſtens ermit=
telt
. Der Zigarrenhändler habe es von einem Kunden
für zehn Mark gekauft, der angab, es ſei ein Familien=
erbſtück
. Dem Verkäufer, von dem nicht feſtſteht, ob
er der Dieb oder der Hehler iſt, iſt man auf der Spur.
Frankfurt, 31. Mai. In Bornheim kam es zwi=
ſchen
Bauarbeitern zu Zwiſtigkeiten, in deren Verlauf der
Zementarbeiter Jung dem Schreiner Redelberger mit einem
Schemel ſo auf den Kopf ſchlug, daß Redelberger kurze Zeit
darauf verſtarb.
Kaſſel, 30. Mai. Auf der Wilhelm Döhleſchen
Dampfziegelei im benachbarten Niedervelkmar
ſtürmten geſtern etwa 20 Arbeiter, welche Lohndiffe=
renzen
mit dem Ziegelmeiſter Nietſche hatten, deſſen
Wohnung und bedrohten ihn und ſeine Familie
in gefährlicher Weiſe. Nietſche griff zu der Waffe und
ſchoß zwei von den Arbeitern nieder. Einer
der Verwundeten iſt in der Nacht im Krankenhaus ge=
ſtorben
. Die an der Revolte beteiligten Arbeiter wur=
den
heute im Laufe des Tages verhaftet.
Hierzu wird weiter gemeldet: Der Arbeiter Sie=
bert
, ein bejahrter Mann, betrat die im Erdgeſchoß ge=
legene
Wohnung des Ziegelmeiſters Nietſche und for=
derte
von deſſen Frau das ihm angeblich zuſtehende
Abendeſſen. Siebert, der etwas angeheitert war, ſoll
dabei einen ſcharfen Ton angeſchlagen haben. Die Frau
verweigerte ihm das Eſſen und Siebert ging hinaus,
ſchlug gegen die Tür und wurde dann von dem Ziegel=
meiſter
beiſeite geſchoben. Dabei ſtürzte Siebert hin
und fiel ſo unglücklich, daß er ſich eine ſchwere Kopfver=
letzung
zuzog. Dieſer Vorfall war für die anderen
draußen befindlichen Ziegelarbeiter, die wegen Lohn=
forderungen
auf den Ziegelmeiſter ſchlecht zu ſprechen
waren, das Signal zu wüſten Ausſchreitungen. Die
Arbeiter, etwa 20 an der Zahl, bewaffneten ſich mit
Backſteinen und anderen Wurfgeſchoſſen und bom=
bardierten
die Wohnung des Ziegelmeiſters
derart, daß ſämtliche Fenſter und Türen in Trümmer
gingen. Nietſche und ſeine Frau wurden mehrfach
durch Steinwürfe getroffen. Dann gingen die rabia=
ten
Ziegelarbeiter dazu über, die Umfaſſungsmauern
zu erklimmen und durch die demolierten Fenſter und
Türen in die Wohnung einzuſteigen, um dem Ziegel=
meiſter
und deſſen Familie näher auf den Leib zu
rücken. In dieſer Notlage griff der Ziegelmeiſter zum
Revolver und feuerte auf die Eindringlinge,
nachdem er vorher wiederholt, ohne zu ſchießen, die
Waffe drohend zur Abwehr und zur Einſchüchterung
gegen die Angreifer erhoben hatte. Als dies nichts
nutzte, gab er 3 Alarmſchüſſe ab, und ſchließlich feuerte
er ernſtlich. Er traf den Ziegelarbeiter Kuerek in die
Bruſt. Der Mann gab wenige Minuten nach ſeiner
Einlieferung in das Landkrankenhaus ſeinen Geiſt auf.
Als nun die Genoſſen des Kuerek die Wirkung des Ge=
ſchoſſes
ſahen, wurde ihre Wut aufs neue entfacht, und
ſie verſuchten mit doppelter Gewalt, in die Wohn=
ung
Nietſches einzudringen. Inzwiſchen hatte
Frau Nietſche mit ihren Kindern einen günſtigen Mo=
ment
abgewartet und war durch eine Hintertür ge=
flüchtet
. Dabei hatte ſie die Schachtel mit den Re=
volverpatronen
mitgenommen, ſodaß der Ziegelmeiſter,
nachdem er noch ein paar Schüſſe abgefeuert hatte, ſich
ohne Munition befand und nunmehr das Feld
räumen mußte. Er entging auch glücklich den Angrei=
fern
und fand ein ſicheres Verſteck im Wohnhaus der
Ziegelei. Nunmehr drangen die Ziegelarbeiter voll=
ends
in Nietſches Wohnung ein und ſchlugen dort
alles kurz und klein, ſo daß die geſamte Ein=
richtung
total zerſtört iſt. Erſt durch das Eintreffen
des Bürgermeiſters Ulrich von Nieder=Vellmar wurde
den Ausſchreitungen ein Ende gemacht. Einige der
Ziegelarbeiter ſuchten noch die ganze Nacht hindurch das
Dorf ab, um den Ziegelmeiſter aufzufinden und Rache

Kunſtverein.
I.
Die neu eröffnete Ausſtellung des Kunſtverein
eint wieder eine Reihe beachtenswerter Kräfte zu einer
recht intereſſanten Geſamtleiſtung, die ſicher Intereſſ
und freundlichen Beifall finden wird, trotzdem zur Zeit
die Elite der modernen Künſtler in der Ausſtellung au
der Mathildenhöhe vereinigt iſt. Es iſt naturgemäß
daß dieſe Ausſtellung mehr für die große Welt der
Kunſt berechnet iſt, während die in der Kunſthalle an
Rheintor mehr lokalen Charakter trägt. Darin iſ
natürlich auch eine gewiſſe Verſchiedenheit der Beur=
teilung
begründet.
Zwei der oberen Räume ſind dem Frankfurter
Porträtmaler Profeſſor Paul Beckert eingeräumt
der hier eine Kollektion von 28 Porträts in Oel und
Paſtell aufgehängt hat. Wohl die Hälfte
der dargeſtellten Perſönlichkeiten es ſind Hohe und
Höchſte darunter iſt jedermann bekannt. Wir ſeher
Bildniſſe der Kaiſerin, des Fürſten Bismarck, des Gra
fen Moltke, des Kardinalfürſtbiſchofs Dr. von Kopp
weiter Fürſtin Boguslaw Radziwill, Reichsgräfit
Berta Bothmer, Reichsgräfin Jettine Bothmer, Reichs
graf Otto Bothmer, Fräulein D. und P. von Bothmer,
Admiral Freiherr von der Goltz, Profeſſor Dr. Frei
herr von Hertling, Exzellenz, Frau Miniſterialra
Stegmann, Schwerin, Fräulein Dorette und Paul
von B., Fräulein Marion und Irmgard von H., Mar=
lis
v. Brüning uſw. Sehr wenige Namen nur enthält
das Verzeichnis ohne das Adelsprädikat oder doch min=
deſtens
die Exzellenz. Es iſt wichtig, das zu konſtatie
ren, denn aus all dieſen Bildern die unbeſtritten
ein Künſtler von großem Können gemalt hat , ſprich
das Beſtreben der ſachlichen Darſtellung, das heiß
die darzuſtellende Perſon in erſter Linie, dann erſt das
Maleriſche des Bildes. Hofkunſt. Es gereicht den Bil=
dern
nach dieſer Erkenntnis nicht zum Nachteil, daß ſie
in der Mehrzahl konventionell anmuten; auch in de
Farbengebung, die übrigens in einigen Bildern durch=
ausereizvoll
abgeſtimmt iſt. So iſt zum Beiſpiel das
Bruſtbildnis des Reichsgrafen Bothmer, das ganz au
Rot geſtimmt iſt, voll intimen Farbenreizes, und die
ganze Figur desſelben Reichsgrafen wirkt in dem hellen
friſchen Kolorit beinahe modern. Auch das Selbſtbild=
nis
iſt ſehr gut. Im übrigen aber iſt der Künſtler ſehr
konſervativ und in der modernen Geſellſchaft wirk
ſeine Malweiſe naturgemäß veraltet, was den künſtle=
riſchen
Wert natürlich nicht beeinflußt. Die Paſtell=
bildniſſe
ſind durchweg friſcher im Kolorit; wir möch
ten ſie ſämtlich den Gemälden vorziehen, ausgenommen
vielleicht die beiden genannten. Das rein Zeichneriſche
ſſcheint dem Künſtler mehr zu liegen, und da die Paſtell=
technkk
von ſelbſt eine gewiſſe Lockerung und Friſche
Zmteneilder moderner an.

Im größten Gegenſatz zu dieſen Werken ſtehen die
im Parterreſaal zu einer Kollektion vereinigten Bil=
der
von Richard Zimmermann=Krefeld, eines
ebenſo eigenartigen wie intereſſanten und tüchtigen
Talentes. Herr Zimmermann malt mit dem Paſtell=
ſtift
nach Art der Pointilliermethode, nur daß er nicht,
wie dieſe, Punkte zur Einheit formt, ſondern in Stri=
chen
, die auf dem rauhen Papier nicht ganz decken,
zeichnet. So eigenartig dieſe Bilder auf den erſten
Blick anmuten, die Wirkung iſt in der dafür berech=
neten
Entfernung außerordentlich intereſſant in der
Naturaliſtik. Man ſieht, dieſe Bilder ſind vor der Na=
tur
gemalt und der Künſtler hat die Natur trefflich
beobachtet und ihre Schönheit und Charakteriſtik mit
großem Können feſtgehalten. In richtiger Erkenntnis
der Aufgaben der Malerei, die nicht, wie wir ſchon ge=
legentlich
einer früheren Ausſtellung eingehender aus=
führten
, im Kopieren der Natur ihre Größe findet,
ſondern im Vereinfachen, im Finden und Charakteri=
ſieren
des Weſentlichſten in Form und Farbe. Das
eben unterſcheidet die Malerei von der Photographie.
Man ſehe daraufhin die Bilder Zimmermanns an.
Eine beſtimmte Diſtanz iſt notwendig, dann aber
wirkt der Schneeſturm durchaus natürlich und male=
riſch
ſehr fein. Auch die Letzten Strahlen ſind im
Kolorit, beſonders in den oberen Partien, in die das
Violett diskret hineinſpielt, von großem Reiz. Das
Flimmerige der Technik verſchwindet hinter dem reiz=
vollen
Geſamteindruck. Im Winterabend ſtört zunächſt
das etwas intenſive Blau der Schneemaſſen. In der
Entfernung und in der Beleuchtung des Vorwurfs
ſiehe den gelblich getönten weſtlichen Abendhimmel
iſt die Wirkung auch hier natürlich und ſchön. Der
Herbſt iſt in Deckfarben gemalt. Die koloriſtiſche
Reife des Künſtlers verlieh auch dieſem Bilde Schön=
heit
und Farbenreiz.
Wenn die genannten Bilder ohne weiteres ihr
Entſtehen vor der Natur oder mindeſtens nach unmit=
telbaren
Natureindrücken offenbaren, ſo zeigen die im
großen Ehrenſaale aufgehängten Bilder des Berliner
Malers Kurt Agthe das Gegenteil. Hier fehlt der
unvermittelte Natureindruck. Man ſehe die Quelle‟
an. Ein zweifellos gut gezeichneter und modellierter
Akt. Auch die Landſchaft als ſolche zeugt von gutem
Können. Aber der natürlichen Beleuchtung entſpricht
das Kolorit nicht. Als ob das nackte Mädchen nach
einer Photographie willkürlich in die Landſchaft
hineingemalt iſt, ſo mutet das Bild an. Entweder ent=
ſpricht
die Beleuchtung der Landſchaft, dann müßte die
Figur anders gemalt ſein, oder umgekehrt. Es muß
mit Bedauern erfüllen, daß der ganz zweifellos tüch=
tige
Künſtler ſeine vornehmſte Aufgabe verkennt.
Trotz aller Schönheit im Einzelnen fehlt die Har=
monie
im Ganzen.
Mit einer bedeutenden Kollektion auch künſtle=
riſch
bedeutenden iſt diesmal Richard Pietzſch=

an ihm zu nehmen, was ihnen aber nicht gelang.
auch am Montag früh die Arbeiter weitere Luſt a
Skandal bekundeten, ſo trafen infolge telegraphiſch
Benachrichtigung mehrere Polizeibeamte aus Kafſ
und mehrere Gendarmeriewachtmeiſter aus der Ur
gegend ein. Die Staatsanwaltſchaft hat im Laufe d
Mittags an Ort und Stelle einen Augenſcheinterm
abgehalten und Vernehmungen der Beſchuldigten u
der hauptſächlichſten Zeugen vorgenommen. Der Zi
gelmeiſter Nietſche, der offenbar in Notwehr gehande
hat, wurde vorläufig auf freiem Fuß belaſſen. D
Arbeiter Siebert liegt ſchwer verletzt im Landkranke
haus darnieder.
Saarbrücken, 31. Mai. Heute früh wurde in der Obe=
Lauerfahrt eine Kellnerin, deren Namen bisher no
nicht ermittelt iſt, ermordet. Die Bewohner der in d
Nähe befindlichen Häuſer hörten Hilfegeſchrei und fande
als ſie hinzukamen, die Kellnerin in ihrem Blute liege
Die ſofort verſtändigte Polizei hetzte einen Polizeihu
auf die Spur und verhaftete den Kutſcher eines hieſig
Drogengeſchäftes, der bisher die Tat leugnet.
Baden=Baden, 30. Mai. Heute nachmittag 4 U
fand die Feuerbeſtattung des Profeſſors T
Robert Koch ſtatt. Zugegen waren nur die Witwe, d
Schwiegerſohn Generaloberarzt Prof. Dr. Pfuhl, Ge=
Rat Gaffky, Stabsarzt Moellers=Berlin, der Amtsvo=
ſtand
Geh. Regierungsrat Lang, ein Vertreter d=
Aerztevereins Baden=Baden und je ein Profeſſor d
Univerſitäten Heidelberg und Straßburg; letztere le
ten Kränze nieder. Geh. Rat Gaffky hielt eine A
ſprache, in der er die großen Verdienſte des Verſto
benen um die Menſchheit hervorhob und auf ſein u
erledigtes Werk hinwies. Gaffky bemerkte, daß
nicht nur als Vertreter der Wiſſenſchaften, ſondern au
als Freund geſprochen habe. Dann folgte die Ve
brennung. Die Großherzogin Luiſe hatte geſter
den Oberhofmarſchall Grafen Andlaw nach Bade
Baden entſandt, um in ihrem Auftrage einen Kra
an der Bahre des Gelehrten niederzulegen.
Köln, 31. Mai. Auf den Eilzug Köln-Mür
ſter wurde kurz vor der Station Schwerte geſcho=
ſen
. Die Kugeln drangen in ein Abteil dritter Kla=
und verletzten einen Reiſenden im Geſicht.
Leipzig, 30. Mai. Das Reichsgericht ve
warf die Reviſion der Bergleute Schäfer und Ge
pert, welche von der Strafkammer Eisleben wegen ve
ſuchter Nötigung und Verrufserklärung während d
Mansfelder Bergarbeiterſtreiks zu
fängnis verurteilt worden waren, ebenſo die Reviſi=
der
Bergleute Gölſer und Siching, die vom Schwu=
gericht
Halle a. d. S. aus gleichem Anlaß verurte
worden waren, ſowie die Reviſion des von der Stre
kammer Eisleben wegen Widerſtandes und Beleidi
ung, begangen gegen ordnungſtiftende Soldaten, ve
urteilten Bergarbeiters Bürhin.
Erfurt, 31. Mai. Der Glasbläſer Auguſt Lutz at
Friedersdorf, der im September 1908 den Forſtaufſeh
Walther im Forſte bei Gehren erſchoſſen hatte, und de=
halb
vom Schwurgericht Erfurt dreimal zum Toi
verurteilt worden war, nachdem das Reichsgeri=
das
Urteil zweimal aufgehoben hatte, wurde heute fre.
um 6½ Uhr im hieſigen Landesgerichtsgefängnis dur
den Scharfrichter Engelhardt aus Magdeburg hing
richtet.
Breslau, 31. Mai. Die amtliche Unterſuchung d
Eiſenbahn=Unfalles bei Klein=Breſa am:
Mai ergab, daß das Unglück lediglich infolge des übe
mäßig ſchnellen Fahrens des inzwiſchen verſtorbenen Lol=
motivführers
herbeigeführt wurde.
Zürich, 31. Mai. In Morgen am Züricher S=
ſind
30 Perſonen an Vergiftungserſcheir
ungen erkrankt, die auf den Genuß von verdo
benem Fleiſch zurückgeführt werden. Ein 46jährig
Mann namens Weiß iſt bereits geſtorben.
Gloggnitz, 31. Mai. Ein Automobil, in dem ſ
ein Offizier mit ſeiner Gattin befand, ſtürzte auf d
Fahrt auf dem Semmering mehrere Meter tief über d
Straßenböſchung herunter. Das Automobil wurde ze
Wolfratshauſen vertreten. Die eigenartige, völligi
dividuelle Auffaſſung der Landſchaft, inſonderheit ihr
Kolorits, hat dem jungen Künſtler vor Jahren d
Villa Romano=Preis eingetragen. Ein großes, prä
tig gemaltes reifes Bild Florenz von meinem A=
lier
zeugt davon. In dieſem Bilde, das mit der
der Stirnwand hängenden Iſartallandſchaft zu d
künſtleriſch beſten der Kollektion gehört, hat der Kün=
ler
den Charakter der ſüdlichen Landſchaft gut erfa
und es entſpricht ſeiner künſtleriſchen Eigenart, d
er ſie in matter, nicht ſonnig=heller Beleuchtung mal
Denn in dieſer Art des Kolorits liegt ſeine Stär
Sie charakteriſiert auch die Eigenart ſeiner Jſartc
landſchaften, die er mit Vorliebe malt und die er e
wiſſermaßen künſtleriſch neu erſchloſſen hat. Imme
hin, ſeine beſten Bilder ſandte Pietzſch auch diesm=
nicht
. Wenngleich die Kollektion auch in den kleiner
Werken noch recht gute Bilder enthält, Befremden e
regen die horrenden Preisſtellungen.
Wilh. Bader=Darmſtadt hat im gleichen Sa=
eine
reizvolle Landſchaft hängen, die ſchon früh=
Gegenſtand der Beſprechung war. Zeichnung un
Kolorit verraten den feinſinnigen, tüchtigen Künſtle
Ein paar recht intereſſante Bilder hat auch Fri
Doucette=Schlachtenſee geſandt. Die Landſche
mit dem grauen, ſchweren Gewölk iſt gut erfaßt ur
charakteriſtiſch, dabei gut im Kolorit wiedergegebe
Daß der Künſtler mit wenigen Tönen eine ſo gute ur
kraftvolle Geſamtſtimmung erzielte, zeugt davon, de
er die Schätze ſeiner Palette kennt, und wirkt d
Farbengebung auch eigenartig, ſo beweiſt ſie doch, de
der Künſtler eigene Wege zielbewußt geht. Wenig
gut gefällt uns das Luſtſchlößchen, das namentlich
der zeichneriſchen Durcharbeitung nicht ganz einwan
frei ſcheint.
Sophie Ley=Karlsruhe läßt in ihren Blume
die nötige Weichheit der Farbe vermiſſen. Namentli
die gelben Roſen ſind viel zu hart. Beſſer iſt de
Kolorit in den roten Nelken, doch muß die Landſcha=
im
Parterreraum künſtleriſch am höchſten eingeſchä
werden. Sie zeugt von gutem maleriſchen Können ur
von fleißigem Naturſtudium.
Das ſehr flott gemalte Porträt von G. Gaupz
Obertürkheim im Oberlichtſaal, ein Damenbildnis,
eine recht intereſſante Arbeit, die ſtark an franzöſiſdh
Schule erinnert. Der Künſtler ließ die Pappe, auf de
das Bild gemalt iſt, frei; d. h., er malte keine
Hintergrund. Dadurch und durch die Art der Zeic
nung erhält das Bild etwas Flottes, Sympathiſchesi
der Dispoſition, doch fehlt ihm die geſchloſſene Bilt
wirkung, trotzdem Haltung und Geſicht gut charakter
ſiert ſcheinen. Als hübſche, friſch und kühn hinge
M. St.
worfene Skizze mag es gelten.

[ ][  ][ ]

Nummer 125.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910.

Seite 5.

rümmert, der Chauffeur tödlich, der Offizier und ſeine
Zattin leicht verletzt.
Wien, 31. Mai. Das Urteil über Hofrichter
ſt, wie gemeldet, gefällt worden. Es lautet nach dem
Untrage des Hauptmann=Auditors Kunz auf Tod durch
Den Strang. Gleichzeitig wird Hofrichter von ſeinen
Richtern der Gnade des Gerichtsherrn zur Begnadig=
ung
auf zwanzig Jahre ſchweren Kerter
mpfohlen. Ueber das Urteil wurde ein Protokoll
lufgenommen, das Aktenmaterial des Prozeſſes ſoll 40
kiſten füllen. Der Antrag des Auditors konnte nach
den geſetzlichen Beſtimmungen bei nachgewieſenem
Meuchelmord nicht anders als auf Tod durch den
Strang lauten. Die Empfehlung zur Begnadigung
ſtützt ſich auf das pſychiatriſche Gutachten, das geiſtige
Minderwertigkeit feſtſtellte, und auf das Motiv des
Verbrechens, das nicht unedel geweſen ſei (krankhafter
Ehrgeiz) und endlich auf das Geſtändnis Hofrichters.
Es wird allerdings angenommen, daß die Begnadig=
ung
zu zwanzig Jahren ſchweren Kerkers erfolgen
wird. Hofrichter wird in den nächſten Tagen im
Sprechzimmer des Garniſonsarreſtes ſeine Gattin wie=
derſehen
dürfen. Er hat, wie alle zum Tode Verurteil=
ten
, das Recht, zu verlangen, daß ihm Gelegenheit ge=
boten
werde, ſeine privaten und zivilrechtlichen An=
gelegenheiten
in Ordnung zu bringen, ehe das Urteil
rechtskräftig iſt, da es im Falle einer Beſtätigung
binnen 48 Stunden vollzogen ſein müßte. Nur um
dieſe Rückſprache darf es ſich bei der von der Gerichts=
leitung
zu bewilligenden Unterredung handeln. Hof=
richter
ſoll von dem Urteil Kenntnis erhalten, bevor
es ihm offiziell kundgemacht wird. Von Seiten der
Familie Hofrichters iſt deſſen Anwalt mit der Ausar=
beitung
einer Verteidigungsſchrift für das Militär=
obergericht
betraut und es ſind Schritte unternommen
worden, um bei dieſer Inſtanz eine perſönliche Inter=
vention
des Advokaten zu ermöglichen. Auch vor dem
Militärobergericht will die Familie die verminderte oder
aufgehobene Zurechnungsfähigkeit geltend machen laſſen.
Mailand, 31. Mai. Bei Ravenna erkrankten
über 700 Perſonen nach dem Genuß von Speiſe=
eis
, das ſie bei einem Straßenverkäufer gegeſſen hatten.
Von weit her wurden Aerzte herbeigerufen.
Neapel, 30. Mai. In einem baufälligen Hauſe, an
dem Wiederherſtellungsarbeiten vorgenommen werden,
ſtürzte in der Portierswohnung der Fußboden
ein. Die Frau des Portiers und ihre kleine Tochter,
ſowie zwei andere Frauen und ein Kind wurden von
den Trümmern mitgeriſſen und unter ihnen begra=
ben
. Es iſt wenig Hoffnung, die Verſchütteten zu retten.
Parlamentariſches.
*X* Der Wahlrechtsausſchuß der Erſten
Kam mer trat Montag vormittag zu einer Sitz=
ung
zuſammen, in der die geſchäftliche Be=
handlung
der Wahlrechtsvorlage, beſonders der Geſetz=
entwürfe
, betreffend die Verfaſſungsänderung, beſpro=
chen
wurde. Nachmittags hielt der Geſetzgebungs=
ausſchuß
der Erſten Kammer eine Sitzung ab, in der
einige kleinere Geſetzentwürfe, u. a. die Novelle zum
Fiſchereigeſetz, erledigt wurden.
Vereinfachung der Staatsverwaltung.
*x* Darmſtadt, 31. Mai. In Gegenwart der
Herren Staatsminiſter Ewald Exz., Finanzminiſter
Braun Exz. und Miniſter des Innern von Hom=
bergk
Exz. trat heute vormittag auf Einladung der Re=
gierung
in dem Sitzungsſaal der Erſten Kammer der
Stände die aus Mitgliedern der Erſten und der Zweiten
Kammer gebildete Kommiſſion zur Beratung
über die Vereinfachung der Staatsver=
waltung
zuſammen. Staatsminiſter Ewald Exz
legte dar, daß nach Antrag der Herren Abgeordneten
Haas und Genoſſen die Kommiſſion das Material, das die
Regierung ihr vorlegen werde, ſowie die Vorſchläge aus
der Mitte der Kommiſſion zu prüfen und zu begutachten
haben werde. Die Regierung werde der Kommiſſion das
erforderliche Material beſchaffen, die gewünſchten Aus=
künfte
erteilen, über Einzelfragen auf Beſchluß der Kom=
miſſion
auch Beamtenorganiſationen Gelegenheit zur
Aeußerung geben. Entſprechend dem Vorſchlag des Prä=
ſidenten
der Zweiten Kammer, Geheimerat Haas, über=
nahm
auf Erſuchen der Kommiſſion Staatsminiſter Ewald
Exz. den Vorſitz mit der Maßgabe, daß ihm die Beſtim=
mung
von Stellvertretern überlaſſen bleiben ſolle.
Es wurde beſchloſſen, über den Gang der Verhand=
lungen
und die Ergebniſſe der Kommiſſionsberatungen in
der Regel der Preſſe durch die Schriftleitung kurze Berichte
zugehen zu laſſen. Es beſtand Einverſtändnis darüber,
daß die von den beiden Kammern ernannten ſtellvertre=
tenden
Kommiſſionsmitglieder mit Rückſicht auf den Um=
fang
der zu bewältigenden Arbeiten als vollberechtigte
Mitglieder an den Kommiſſionsſitzungen teilnehmen ſollen.
Hierauf wurde der Arbeitsplan der Kommiſſion erörtert.
Die Miniſter entwickelten in großen Zügen das vorläufige
Arbeitsprogramm. Danach iſt die Regierung in eine
Prüfung darüber eingetreten, ob ſich die Uebertragung
der Reviſion nichtſtaatlicher Rechnungen von der Oberrech=
nungskammer
auf die Lokalverwaltungsbehörden emp=
fiehlt
und welche Vereinfachungen im Geſchäftsbetrieb der
Oberrechnungskammer möglich ſeien. Welker ſind bei den
einzelnen Miniſterien zurzeit folgende Fragen Gegen=
ſtände
der Prüfung: Vereinfachung im Strafvollzug, Auf=
hebung
der Weiberſtrafanſtalt, Vereinigung der Stellen der
Gefangenenwärter an Haftlokalen, die wenig belegt ſind,
mit denjenigen der Gerichtsdiener, Verminderung der
ſtaatlichen Aufwendungen für das Gerichtsvollzieher=
inſtitut
, Aenderung von Gerichtsbezirken, die Fragen der
Neuorganiſation der geſamten Bauverwaltung einſchließ=
lich
des Meliorationsbauweſens, Aufhebung der oberen
Bergbehörde oder Angliederung an eine beſtehende Be=
hörde
, Aenderung im Gewerbeförderungsdienſt. Entlaſtung
der oberen Behörden durch Dezentraliſation, Aenderungen
auf dem Gebiete des Schulweſens, die Fragen einer ander=
weiten
Lokalorganiſation im Forſt= und Steuerweſen,
einer Vereinfachung des Verfahrens bei Erlaß von Steu=
ern
, Gefällen uſw., der Aenderungen im Vermeſſungs=
weſen
, die Frage einer Vereinigung von Hauptſtaatskaſſe,
Staatsſchuldenkaſſe und Staatsſchuldbuch, anderweiter
Einteilung der Arbeiten bei den Buchhaltungen.
Die Mitglieder der Kommiſſion wurden ſodann er=
ſucht
, die ihnen weiterhin geeignet ſcheinenden Anregungen
zur Vereinfachung der Verwaltung der Kommiſſion zu
unterbreiten. Sobald genügendes Material vorliegt, wird
die Kommiſſion zur weiteren Beratung zuſammentreten
und alsdann auch Beſchluß darüber faſſen, ob zur Bear=
beitung
des Materials die Beſtellung von Referenten ge=
nügt
oder auch beſondere Unterausſchüſſe zu bilden ſind.
Kongreſſe und Verbandstage.
16. Stiftungsſeſt des Vereins Heſſiſcher
hnärzte.
Gießen 30. Mai. Herr Zahnarzt Dr. med.
=Koch=konnte am Samstag ſein goldenes Berufs=

jubiläum feiern; ein Ereignis, das in der zahnärzt=
lichen
Welt ganz Deutſchlands wohl zum erſten Male
vorgekommen ſein dürfte und deshalb von nah und
fern die Berufsgenoſſen des Jubilars in großer Zahl
hier zuſammenführte, um ihrem Altmeiſter, dem her=
vorragenden
Mitbegründer der zahnärztlichen Berufs=
organiſation
ihre Verehrung zu bezeugen. Einem
Empfangsabend im Hotel Großherzog am Frei=
tag
abend, der in ſchönſter Weiſe verlief, ſchloß ſich zu=
nächſt
am Samstag vormittag 9 Uhr die Mitglie=
derſitzung
des Vereins Heſſiſcher Zahnärzte an, die
in der Freimaurerloge ſtattfand. Um 11 Uhr verſam=
melte
ſich dann im Feſtſaal der Loge eine ſtattliche Ver=
ſammlung
zur eigentlichen Jubiläumsfeier. Es
hatten ſich eingefunden der Rektor der Landesuniver=
ſität
, Geh. Medizinalrat Profeſſor Dr. Strahl, der Vor=
ſitzende
der zahnärztlichen Prüfungskommiſſion, Geh.
Medizinalrat Profeſſor Dr. Boſtroem, Regierungsrat
Welcker als Vertreter der Provinzialdirektion und des
Kreisamtes, Beigeordneter Keller und eine Anzahl
Stadtverordneter, Mitglieder der Freimaurerloge, ſo=
wie
zahlreiche Berufsgenoſſen und Freunde des Jubi=
lars
. Der Vorſitzende des Vereins Heſſiſcher Zahnärzte,
Herr Köhler= Darmſtadt, feierte als erſter Redner
Dr. Koch, deſſen Perſönlichkeit ein gutes Stück der Ge=
ſchichte
der deutſchen Zahnheilkunde bedeute und her=
vorragend
dazu beigetragen habe, daß die deutſchen
Zahnärzte einen guten Namen in der ganzen Kultur=
welt
haben. Namens der Freimaurerloge ſprach Kauf=
mann
Tribus Herrn Dr. Koch, als dem älteſten Mit=
glied
der Loge, herzliche Glückwünſche aus. Beigeordn.
Keller begrüßte im Namen der Stadt dann die er=
ſchienenen
Gäſte. Auch beglückwünſchte er den Jubilar,
den Gießen mit Stolz ſeinen Mitbürger nenne. Für
die Landesuniverſität ſprach der Rektor, Geh. Medizi=
nalrat
Dr. Strahl, unter Hervorhebung der Tat=
ſache
, daß Dr. Koch ſeit 31 Jahren als Mitglied der zahn=
ärztlichen
Prüfungskommiſſion mit der Univerſität in
engſter Weiſe in Beziehung ſtehe. In ähnlicher Weiſe
verbreitete ſich Geh. Medizinalrat Dr. Boſtroem als
Vorſitzender der Prüfungskommiſſion über Dr. Kochs
Tätigkeit. Weitere Glückwünſche ſchloſſen ſich an. Für
die früheren Schüler und die Freunde des Jubilars
widmete ihm Zahnarzt Repp=Darmſtadt herzliche be=
glückwünſchende
Worte. Als Ehrengabe überreichte er
eine künſtleriſch ausgeſtattete Adreſſe und zwei Sta=
tuetten
. Unter den zahlreich eingegangenen Glück=
wunſchſchreiben
und=Telegrammen befand ſich auch ein
ſolches vom heſſiſchen Miniſterium des Innern.
Dr. Koch dankte mit herzlichen Worten für die zahl=
reichen
Ehrungen und Glückwünſche, worauf ein Feſt=
vortrag
von Profeſſor Dr. Miche l=Würzburg über
die Aetiologie der Karies die eindrucksvolle Feſtſitz=
ung
beſchloß. Hieran reihte ſich eine wiſſenſchaft=
liche
Sitzung, die am Sonntag vormittag im Ana=
tomiegebäude
fortgeſetzt wurde. Es fanden Vorträge
und Demonſtrationen ſtatt. Am Samstag abend ver=
einigte
im Saale des Großherzogs von Heſſen ſich
eine große Zahl hieſiger und auswärtiger Freunde Dr.
Kochs zu einem Feſtkommers der in ſchönſter
Weiſe verlief. Nach einer Begrüßung der Gäſte durch
Zahnarzt Köhler=Darmſtadt feierte derſelbe Redner
Kaiſer und Großherzog. Dann kommandierte Profeſſor
Dr. Römer=Straßburg einen Salamander auf den Ju=
bilar
. Ihm ſchloß ſich Oberſt von Müller mit einem
dreifachen Hurra auf Dr. Koch, der am 29. Mai ſeinen
79. Geburtstag feierte, an. Dr. Koch dankte mit beweg=
ten
Worten für alle Ehrungen. Bei dem Feſteſſen
am Sonntag, ebenfalls im Großherzog ſprachen
Zahnarzt Repp=Darmſtadt auf Dr. Koch, Zahnarzt Köh=
ler
=Darmſtadt auf die Damen und Profeſſor Dr. Bier=
mer
auf die zahnärztliche Wiſſenſchaft; letzterer, indem
er die Notwendigkeit der Errichtung einer zahnärztli=
chen
Klinik an der Landesuniverſität treffend beleuch=
tete
. Ein Ausflug nach dem Schiffenberg bildete den
Abſchluß der in allen Teilen ſchön verlaufenen Tagung.
Mädchenwanderungen des Darmſtädter
Odenwaldklubs im Wanderjahre 1909.
K. Während der Odenwaldklub ſich eifrig den Schü=
lern
widmete und ſie auf Wanderungen hinausführte, wa=
ren
die Mädchen in dieſer Beziehung etwas vernachläſſigt
worden. Der Grund hierfür war darin zu ſuchen, daß
ſich anfangs leider keine Damen als Führerinnen zur
Verfügung geſtellt hatten, denen man die Führung über=
laſſen
konnte. Dies wurde freilich mit einem Schlage an=
ders
, als die Volksſchulen auch viele Mädchenklaſſen hin=
ausſandten
. Aber ein immerhin beträchtlicher Teil der
hieſigen Schülerinnen blieb immer noch eine Zeitlang von
dem Genuß der Wanderfahrten ausgeſchloſſen, das waren
die Angehörigen der Viktoriaſchule und der Privatſchulen
für Mädchen. Offenbar lag hier ein auffälliges Zurückhal=
ten
der Eltern vor, das auch, trotzdem es dem Klub ge=
lang
, erprobte Lehrerinnen für Wanderungen ſolcher Mäd=
chen
zu gewinnen, im abgelaufenen Wanderjahre noch
nicht ganz gehoben iſt, ſonſt hätte die Beteiligung an den
unternommenen Ausfahrten größer ſein müſſen als ſie
tatſächlich war.
In manchen Städten Deutſchlands haben auch dieſe
Beſtrebungen, die Mädchen hinauszuführen zu ein= und
mehrtägigen Wanderungen, bei den Eltern und Direk=
toren
weitgehende Unterſtützung und im Kreiſe der Leh=
rerinnen
hilfsbereite Freundinnen gefunden; mehrfach
ſchon hatte die Darmſtädter Ortsgruppe Lehrerinnen aus
Frankfurt mit ihrem Rat unterſtützt, die das Klubgebiet
mit ihren Zöglingen auf fröhlicher Ferienfahrt durch=
querten
, bis es ihr, unterſtützt durch die Preſſe, die in
dankenswerter Weiſe mehrere Artikel über das Wandern
der Mädchen brachte, endlich gelang, am 2. Juni vorigen
Jahres die erſte Mädchenwanderung zu veran=
ſtalten
. Die Leitung lag in den Händen der Damen Veith
und Weiſel; es beteiligten ſich 29 Schülerinnen. Auf
ſechsſtündigem Marſche ging es über Neunkirchen und Ro=
denſtein
nach Fränkiſch=Crumbach. Ferner führte Frl.
Veith 25 Schülerinnen am 4. Juli nach Ruine Tannen=
berg
. Die Koſten dieſer Wanderung betrugen 30 Pfg. auf
den Kopf. Im Stettbacher Tal wurde abgekocht. Für
eine viertägige Durchquerung des Odenwaldes waren an=
fangs
12 Teilnehmerinnen gemeldet worden, doch konnte
der Ausflug ſchließlich nicht ſtattfinden. Dagegen wan=
derte
Frl. Lorey am Ludwigstag mit 13 Mädchen nach
Dreieichenhain und Frl. Veith führte 10 Mädchen im
September nach der Knodener Höhe und über Schönberg
nach Auerbach zurück. Es wurden alſo 77 Schülerinnen auf
unſeren Wanderungen hinausgeführt, freilich eine gar be=
ſcheidene
Schar, wenn wir der ſtattlichen Zahl von Schü=
lerinnen
gedenken, denen dieſe Wanderungen gelten wollen.
Indes laſſen wir nicht nach in der Höffnung, daß
allmählich doch noch manches Vorurteil ſchwinden
wird, das in Elternkreiſen gegen das Wandern der Mäd=
chen
beſteht. Den Damen Veith. Weiſel und Lorey aber
ſind die Männer des Odenwaldklubs dankbar, daß ſie ſich
durch allerlei Widerſtand die Freude an dieſen Wanderun=
gen
nicht haben rauben laſſen und auch in dieſem=Jahre

wieder erneut damit begonnen haben, Mädchenwanderun=
gen
zu unternehmen, wie denn auch am nächſten Sonntag
wieder ein Ausflug nach der Hütte Kernbach erfolgen ſoll,
deſſen Marſchzeit auf 6 Stunden, deſſen Koſten einſchließlich
der Bahnfahrt auf 50 Pfg. feſtgeſetzt ſind. Friſch auf!
Luftſchiffahrt.
* Frankfurt, 31. Mai. Das Ergebnis des
Münchener Flugmeetings mit Jeanin als 1.
v. Gorriſſen als 2. und Baron de Caters als 3.
ſoll, wie man der Frkf. Ztg. mitteilt, inſofern ein zu=
fälliges
geweſen ſein, als die Flugleitung den beiden
letzteren eine Verlängerung des Meetings zugeſagt
hatte und dieſelben infolgedeſſen am Donnerstag abend,
dem urſprünglich letzten Tag, nicht mehr ſtarteten,
während Jeanin konkurrenzlos in letzter Stunde ſich
um ſämtliche Preiſe bewarb und trotz jener Zuſage noch
am gleichen Abend die Preiſe ausgehändigt erhielt.
Nach Beendigung der Münchener Veranſtaltung begibt
ſich Herr v. Gorriſſen nach Antwerpen auf das Flug=
feld
des Baron de Caters, um den von demſelben her=
geſtellten
Typ eines neuen Flugapparates einer Prü=
fung
behufs Ankaufs zu unterziehen. Auch Frau
Direktor Wörner, die Schülerin von Baron de
Caters, die mit dieſem ſchon mehrfach Paſſagierflüge
i ausgeführt hat, geht nach Antwerpen, um ihre Studien
als erſte deutſche Aviatikerin zu beendigen und ſich als=
dann
noch im Monat Juni an verſchiedenen Flugper=
anſtaltungen
zu beteiligen.
Erdbeben.
Seismiſche Station Darmſtadt= Ju=
genheim
, 31. Mai. Heute morgen wurde ein mittel=
ſtarkes
Fernbeben regiſtriert. Es begann die Auf=
zeichnung
6h 8m 26s und dauerte bis gegen 8 Uhr.
Der Herd iſt zirka 9500 Kilometer entfernt, im Weſten ge=
legen
, wahrſcheinlich in Zentralamerika. Unſere Angaben
über das Schweizer Beben am 26. Mai beſtätigen
ſich inſofern, als Delsberg (Delémont) als Ort ſtärkſter
Erſchütterung zirka 285 Kilometer von Jugenheim entfernt
liegt, während wir die Epizentralentfernung zu 280 Kilo=
meter
berechnet haben.
* Straßburg, 31. Mai. Am 31. Mai verzeichneten
die Apparate der Kaiſerlichen Hauptſtation für Erd=
bebenforſchung
eine mäßig ſtarke Störung. Die=
ſelbe
begann um 6 Uhr 8 Min. 25 Sek. morgens. Die
zweiten Vorläufer ſetzten um 6 Uhr 19 Min. 6 Sek. ein
und das Hauptbeben erfolgte um 6 Uhr 39 Min. Die ent=
ſprechenden
Angaben für Hamburg ſind: 6 Uhr 8 Min.
21 Sek., 6 Uhr 19 Min. 3 Sek. und 6 Uhr 39 Min., ſowie
für Wien: 6 Uhr 8 Min. 50 Sek., 6 Uhr 19 Min. 27 Sek.
und 6 Uhr 36 Min. Die Epizentralentfernung iſt für alle
drei Stationen annähernd 9500 Kilometer, was auf=die
Aleuteninſeln als Epizentrum führen würde.
Das belgiſche Königspaar am Kaiſerhofe.
* Wildpark bei Potsdam, 30. Mai. Heute
nachmittag um 5,15 Uhr traf der Sonderzug mit dem =
nig
und der Königin der Belgier auf der Sta=
tion
Wildpark ein. Außer den Damen und Herren des
Ehrendienſtes war auch der belgiſche Geſandte Baron
Greindl dem Königspaar bis Brandenburg entgegenge=
fahren
. Der Bahnhof war mit Fahnen und Blattpflanzen
geſchmückt; auf der Strecke bis zum Eingang in den kaiſer=
lichen
Park verſammelte ſich trotz des ſtrömenden Regens
ein zahlreiches Publikum. Auf dem Bahnſteig fanden ſich
zum Empfang ein: die Kaiſerin, der Kronprinz in der
Uniform des 1. Garde=Regiments in Vertretung des Kai=
ſers
(der Kaiſer, obwohl ſein Befinden andauernd befrie=
digend
iſt, war heute noch durch den Verband verhindert,
die Uniform anzulegen), die Kronprinzeſſin, die Prinzen
Eitel Friedrich und Auguſt Wilhelm mit Gemahlinnen,
Prinz Oskar, Prinzeſſin Viktoria Luiſe, die anderen in
Potsdam anweſenden Prinzen und Prinzeſſinnen des kai=
ſerlichen
Hauſes und der regierenden deutſchen Häuſer.
Ferner waren anweſend: das kaiſerliche Hauptquartier mit
dem Generaloberſt von Pleſſen an der Spitze, die aktiven
Generale der Garniſon Potsdam, der Staatsſekretär des
Auswärtigen Frhr. v. Schön, die Herren und Damen der
belgiſchen Geſandtſchaft, der deutſche Geſchäftsträger in
Brüſſel Baron von Flotow, der bayeriſche Geſandte Graf
Lerchenfeld, Polizeipräſident von Starck und Polizei= In=
ſpektor
Baron von Kleiſt. Die Ehrenwache war vom
Garde=Jägerbataillon geſtellt. Bei dem Einlaufen des Zu=
ges
ſpielte die Muſik die Brabanconne. Der König, der
die Uniform ſeines Dragoner=Regiments mit dem Bande
des Schwarzen Adlerordens trug und die Königin wur=
den
von der Kaiſerin und dem Kronprinzen aufs
herzlichſte begrüßt. Nach der Begrüßung erſchienen die
Fürſtlichkeiten und nach der Vorſtellung der übrigen An=
weſenden
ſchritten der König und der Kronprinz die Front
der Ehrenkompagnie ab, die darauf nach den Klängen des
alten Jägermarſches von 1813/14 in Sektionen vorbei=
marſchierte
. Die Fahrt nach dem Neuen Palais ging
durch ein Spalier von Truppen der Garniſon Potsdam.
Im erſten vierſpännigen, offenen Wagen ſaßen der König
und der Kronprinz; im zweiten Wagen ſaßen die Kai=
ſerin
und die Königin. Zwei Halbſchwadronen vom Re=
giment
des Gardes du Corps eskortierten die Wagen.
Im Muſchelſaale, wo die Galawache des Regiments des
Gardes du Corps und ein Zug der Schloßgardekompagnie
und der zweite Zug der Leibgendarmerie (Leibgarde der
Kaiſerin) Aufſtellung genommen hatten, war Empfang.
* Potsdam, 31. Mai. Zur Parade der
Garniſon Potsdam, die heute vormittag um
10 Uhr bei günſtigem Wetter im Luſtgarten ſtattfand,
hatte ſich ein zahlreiches Publikum eingefunden. Für
die Rampe des Stadtſchloſſes waren Karten an die
Hofgeſellſchaft ausgegeben. Die Truppen hatten, wie
ſtets, in einem länglichen Vierecke, der Form des
Platzes entſprechend, Aufſtellung genommen. Die
Parade wurde kommandiert von Generalleutnant v.
Below. Der Kronprinz in der Uniform des
1. Garde=Regiments traf in Vertretung des Kaiſers
mit der Kronprinzeſſin im Automobil im Stadtſchloſſe
ein, ebenſo vom Neuen Palais her im Kaiſerlichen
Automobil der König der Belgier in der Uniform
ſeines Dragoner=Regiments. Der König und der
Kronprinz, welche beide das Band des Schwarzen
Adlerordens angelegt hatten, ſtiegen im Schloßhofe zu
Pferde. Die Kaiſerin traf mit der Königin der
Belgier in einem offenen, vierſpännigen, à la
Daumont gefahrenen Wagen ein, mit ihnen die Prin=
zeſſin
Viktoria Luiſe. Die Kaiſerin trug eine lila=
farbene
Robe, einen gleichen Federhut und einen
eremefarbenen Umhang, die Königin ein graues Koſtüm.
Der chineſiſche Prinz Tſai=Tao kam von Berlin mit der
Eiſenbahn und wurde am Bahnhof von einer kaiſer=
lichen
Eqnipage abgeholt. Mit ihm kamen Staatsſekre=
tär
v. Schoen, der chineſiſche Geſandte und die Mit=
glieder
der chineſiſchen Studſenkommiſſion. Ferner
trafen ein: Prinz Konrad von Bayern, die in Potsdam
anweſenden Prinzen und Prinzeſſinnen des König=
lichen
Lauſes, diesfremdherrlichens Offizierederkon,

[ ][  ][ ]

Seiter6

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910.

Nummer 125.

mändierende General des Gardekorps, der Komman=
dant
von Potsdam und andere. Die fürſtlichen Damen
und Umgebungen ſahen der Parade von den Fenſtern
desStadtſchloſſes aus zu. Bei ihnen befand ſich auch
der italieniſche Miniſter des Auswärtigen Marquis di
San Giuliano und der älteſtg Sohn des Kronprinzen.
Prinz Oskar und die drei Söhne des Prinzen Friedrich
Leopold waren bei dem 1. Garde=Regiment, Prinz Eitel
Friedrich bei dem Leib=Garde=Huſaren=Regiment ein=
getreten
. Der Kronprinz ritt mit dem König
der Belgier die Fronten ab und nahm zwei Vorbei=
märſche
entgegen. Der erſte wurde von der Leib=
gendarmerie
unter Generaladjutant von Scholl eröff=
net
. Mit dem 1. Garde=Regiment zu Fuß gingen die
Generaloberſten von Lindequiſt und von Pleſſen, ſowie
Generaladjutant von Keſſel vorüber. Der Kronprinz
führte ſein Bataillon.
An die Parade ſchloß ſich ein Frühſtück im
Marmorſaal des Stadtſchloſſes an. Es wurde an ein=
zelnen
Tiſchen geſpeiſt. Der Kronprinz führte die
Königin, der König die Kaiſerin zur Tafel. An dem
erſten Tiſch nahmen die Kaiſerin zwiſchen dem König
und dem Prinzen Konrad von Bayern Platz, der Kron=
prinz
gegenüber zwiſchen der Königin und der Prin=
zeſſin
Eitel Friedrich. Rechts vom König folgten die
Kronprinzeſſin, Prinz Tſai=Tao, die Prinzeſſin Vik=
toria
Luiſe uſw.; links vom Prinzen Konrad die Prin=
zeſſin
Friedrich Leopold, Prinz Oskar, die Prinzeſſin
Viktoria Margarete uſw. Der Kaiſer verlieh dem
König die Kette des Schwarzen Adlerordens, der
Königin den Luiſenorden mit der Jahreszahl 1813/14.

Die bosniſche Reiſe Kaiſer Franz Joſefs.
* Serajewo, 30. Mai. Kaiſer Franz Joſef
iſt in Begleitung des Oberſthofmeiſters Fürſten v. Mon=
tenuova
, der gemeinſamen Miniſter Graf v. Aehrenthal,
Frhr. v. Schönaich und Baron Burian, der Miniſterprä=
ſidenten
Frhr. v. Bienerth und Graf Khuen=Hedervary und
mit einem großen Gefolge nachmittags 3 Uhr hier einge=
troffen
. In der Hauptſtadt wie vorher auf der Fahrt durch
das Land bereitete die Bevölkerung dem Kaiſer einen
begeiſterten Empfang. Auf den Stationen, wo der Zug
anhielt, hielten die Bürgermeiſter Huldigungsanſprachen
an den Monarchen, in denen ſie ihn ihrer Hingebung und
unerſchütterlichen Treue verſicherten. In Serajewo trug
der Empfang einen ebenſo impoſanten wie warmen und
herzlichen Charakter. Alle kirchlichen und weltlichen Be=
hörden
, das Offizierskorps und Vereine erwarteten den
Kaiſer auf einem prächtig geſchmückten Platz, wo der
Zug hielt. Der Kaiſer, der trotz der mehr als zwanzigſtün=
digen
Reiſe nicht die mindeſte Ermüdung zeigte, wurde
mit unbeſchreiblichem Enthuſiasmus begrüßt. Die Fahrt
durch die ebenfalls geſchmückten Straßen nach dem Konak
glich einem Triumphzug.
* Serajewo, 30. Mai. In Erwiderung auf den
Willkommengruß des Bürgermeiſters betonte Kaiſer
Franz Joſef, es ſei ihm eine Freude, nach Serajewo
zu kommen. Die lange Kulturarbeit ſchuf zwiſchen den
jüngſten Angehörigen der Monarchie und ihren übrigen
Teilen feſte Bande. Die heute ausgedrückten Gefühle
ſeien dem Kaiſer ein werter Beweis, daß auch die Treue
für das Herrſcherhaus hier feſte Wurzeln gefaßt habe.
* Wien, 31. Mai. Faſt ſämtliche Blätter beſprechen
den enthuſiaſtiſchen Empfang des Kaiſers in
Bosnien. Das Fremdenblatt ſagt: Am Tage, nach
dem die Bevölkerung zum erſten Male ihre konſtitutionellen
Rechte ausüben durfte, erſcheint der Kaiſer in ihrer Mitte,
bei jedem Schritt auf der neuen Erde klingt es ihm ent=
gegen
, wie raſch und wie feſt dieſe neue Erde mit dem alten
ſtarken Körper des Reiches verwachſen iſt. Die Volks=
zeitung
führt aus: Das jubelnde Feſtgepränge, das den
Kaiſer auf ſeinem Zuge durch das öſterreichiſch=ungariſche
Neuland umbrauſte, mag auch hinausklingen in alle
Welt, als Zeichen dafür, daß eine dauernde, unverrück=
bare
Geſtaltung ſich mit der Einverleibung Bosniens und
der Herzegowina vollzogen hat. Die Reichspoſt be=
merkt
: Der Einzug des Kaiſers in das ſtolze Serajewo
trug den Charakter eines hiſtoriſchen Ereigniſſes. Der
Willkommen, den Serajewo dem Herrſcher bot, war von
begeiſterter Stimmung getragen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 31. Mai. Die Reichstagskommiſ=
ſion
für die Reichsverſicherungsordnung
nahm den grundlegenden Paragraphen des Kompromiß=
antrages
der Konſervativen, der Reichspartei, des Zen=
trums
und der Nationalliberalen an, nach welchem nicht
beſondere Verſicherungsämter errichtet werden, ſondern bei
den Verwaltungsbehörden Abteilungen für Arbeiterver=
ſicherung
unter dem Namen Verſicherungsamt gebildet
werden ſollen.
* Berlin, 31. Mai. Dem vom Amt zurückgetrete=
nen
Unterſtaatsſekretär Wever im Kultusminiſte=
rium
wurden die Brillanten zum Stern des Kronen=
ordens
erſter Klaſſe verliehen. An ſeiner Stelle wurde
Miniſterialdirektor Schwartzkopff zum Unter=
ſtaatsſekretär
ernannt. In die Stelle Schwartzkopffs
rückt Wirkl. Geh. Ober=Reg.=Rat Bremen.
* Saarbrücken, 31. Mai. Die heute früh ermor=
dete
Kellnerin iſt als die am 7. Juli 1889 in
Hechingen (Hohenzollern) geborene Emma Rheinfrank re=
kognoſziert
worden. Sie war zuletzt in dem Reſtaurant
Zur Traube in Stellung. Der Mörder iſt vermutlich
ein früherer Liebhaber, der ihr von Stadt zu Stadt nach=
gereiſt
iſt und mit dem ſie ſchon in der Traube Streit
hatte. Die Polizei entwickelt eine fieberhafte Tätigkeit,
um ſeiner habhaft zu werden. Der verhaftete Kutſcher iſt
bereits wieder in Freiheit geſetzt worden.
* Striegau, 31. Mai. Geſtern abend ſtürzte in der
hieſigen katholiſchen Pfarrkirche ein zwei Zentner ſchwerer
wertvoller Kronleuchter herab und verletzte den
mit Anzünden beſchäftigten Oberglöckner Wiesner ſchwer
an Händen und Beinen, ſo daß er blutüberſtrömt aus der
Kirche getragen wurde.

* Hamburg, 31. Mai. Auf dem Frachtdampfer
der Hamburg=Amerika=Linie Kronprinzeſſin Cecilie iſt
auf der Reiſe von Mexiko in dem Unterraum Feuer ent=
ſtanden
, welches die dort befindliche Ladung zerſtörte. Das
Schiff iſt unbeſchädigt und wohlbehalten fahrplanmäßig
am 30. Mai in Corunna angekommen.
* Neapel, 31. Mai. Bis heute vormittag 10 Uhr
waren aus den Trümmern des geſtern abend einge=
ſtürzten
Hauſes vier Leichen geborgen worden.

Peſt, 31. Mai. Anläßlich der bevorſtehenden
Parlamentswahlen kam es in mehreren Ort=
ſchaften
zu argen Exzeſſen und förmlichen Schlach=
ten
zwiſchen den verſchiedenen Parteien. Mehrere
Perſonen ſind tot, viele verwundet. In einem Dorſe
wurde ein Haus in Brand geſteckt, in dem ſich eine
Hochzeitsgeſellſchaft befand. Eine Perſon kam dabei
in den Flammen um. Viele Dörfer wurden mit Mi=
litär
beſetzt. Gegen 200000 Mann und 20000 Gen=
darmen
wurden mobil gemacht.
London, 31. Mai. In den Gaswerken von Bir=
mingham
brach geſtern Feuer aus, das einen mit
8000 Gallonen Teer gefüllten Behälter in Brand ſetzte.
Die brennende Flüſſigkeit ergoß ſich in den Fluß und
es drohte verſchiedenen Straßen große Gefahr, ohne
ſchließlich viel Schaden anzurichten.

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Amtlicher Weterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Der
geſtern über Mitteldeutſchland gelegene Ausläufer der
nördlichen Zyklone iſt oſtwärts abgezogen, wobei nock
vielfach Regenſchauer fielen. Dann aber zog raſch vor
Weſten her ein Rücken höheren Druckes an, ſo daß der
Regen am Abend nachließ und zeitweiſe Aufheiterung
eintrat. Ein neues Tiefdruckgebiet naht von England
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, 1. Juni
Neuerdings verbreitete Regenfälle, ſtarke bis ſtürmiſche
Südweſtwinde, kühl.

Tageskalender.
Monatsverſammlung des Kriegervereins um 8½ Uhr
in der Stadt Koburg.
Konzert um 4 und 8 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 7 Uhr auf Hugenſchütz’ Felſenkeller,
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Heſſiſchen Hof.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 2. Juni.
Acker=Verſteigerung des Chriſtoph Petri um 9 Uhr
auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 4 Uhr in der
Ludwigshalle‟
Heugras=Verſteigerung um 11 Uhr im Prinz=
Emilgarten.

Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 107 Uhr).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroß, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
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Jean Jäger,
Karl Jäger.

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Nummer 125

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910.

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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910

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Riffe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
15)
Frau Abel erſchrak aufs tiefſte.
So ſchlimm ſteht es mit uns? rief ſie und faltete
unwillkürlich die Hände.
Nein! erwiderte er langſam. Ein Grund zur Be=
unruhigung
iſt vorläufig nicht vorhanden und wird auch
niemals vorhanden ſein, ſolange Herr Harms an ſeinem
Platze bleibt. Ich bin aber durch meine politiſche Tätig=
keit
ſo ſehr in Anſpruch genommen, daß ich mich um
dgs Geſchäft nicht kümmern kann. Außerdem beſitzt
Herr Harms hohe perſönliche Vorzüge, und das müßte
Harriet ſchon Grund genug ſein, ihn nicht zu brüskieren.
Er iſt treu wie Gold, ein genialer Kaufmann, ſeine
Bildung und ſeine Formen laſſen nichts zu wünſchen
übrig, und ſein Vermögen iſt mehr als reſpektabel.
Aber ſeine Familie.
Wir leben in einem demokratiſchen Gemeinweſen,
entgegnete er feſt. Bei uns wird der Mann nach ſeinen
eigenen Verdienſten gewürdigt, nicht nach denen ſeiner
Vorfahren. Ich kenne leider nur zu viele Abkömmlinge
alter, vornehmer Familien, die nicht wert ſind, Herrn
Harms auch nur das Waſſer zu reichen.
Aber könnteſt Du nicht auf Deine politiſche Tätig=
keit
verzichten, ſchlug ſie leiſe vor, und die Firma ſelbſt
leiten?

e ener e ne ene en
getroffen. Das verſtehſt Du nicht.
In dieſem Augenblick kam Arno herein mit heißen
Wangen und leuchtenden Augen.
Wo haſt Du geſteckt? herrſchte ihn der Vater an. Iſt
Deine lateiniſche Arbeit ſchon fertig?
Nein! antwortete Arno ſchuldbewußt. Die fremden
Sprachen machten ihm beſonders viel Schwierigkeiten.
Am ſchlechteſten aber konnte er ſich mit der Mathematik
vertragen.
Beim Kaffee legſt Du mir ſie vor! fuhr der Vater
ſtreng fort, und der Sohn ſenkte zerknirſcht den Nacken.
Da endlich erſchien Harriet, grüßte ſchweigend,
ohne die Augen zu heben, ſchnell ein paar Biſſen und
wollte wieder fort.
Du bleibſt! befahl der Vater, und ſein grollender
Ton deutete auf nichts Gutes.
Harriet ſetzte ſich aufrecht hin und zeigte keine
Furcht.
Du haſt Herrn Harms geſtern fortgeſchickt? fragte
er finſter.
Nein! erwiderte ſie mit Freimut. Ich habe ihm
nur geſagt, er ſolle ſich keine Hoffnungen machen.
So? ſprach Diedrich Geſterling und beherrſchte ſich
mühſam. So alſo kommſt Du meinen Wünſchen nach.
Ich ſagte Dir, daß Du allen Grund hätteſt, ihn freund=
lich
zu behandeln. Und Du haſt es mir auch ver=
ſprochen
.
Ich habe es auch gehalten! rief ſie, und ihre Naſen=

erte Serere enenenrnen
ich ihn zurückweiſen müſſen.
In Frau Abels Augen lag ein ſtiller Triumph.
Redensarten! brauſte der Vater auf. Herr Harms
hat noch nie die Grenze überſchritten. Er weiß genau,
was er dem Hauſe, in dem er als Gaſt weilt, ſchul=
dig
iſt.
Das kommt ganz auf die Auffaſſung an! recht=
fertigte
ſich Harriet ſtolz.
Was hat er getan?
Er hat mir ſeine Liebe erklärt.
Arno gab einen gluckſenden Ton von ſich, und
Frau Abel zog die Brauen in die Höhe. Aber ſie miſchte
ſich nicht ins Geſpräch.
Ich verſtehe Dich nicht mehr! ſprach Diedrich
Geſterling zu ſeiner Tochter. Wenn ich den Wunſch
verlautbaren laſſe, daß Du einen nicht zur Familie ge=
hörigen
Herrn freundlich behandeln ſollſt, ſo heißt das,
ich wünſche ihn bald als Mitglied der Familie begrüßen
zu können.
Hätte ich das gewußt, rief Harriet und erbleichte vor
Zorn, dann hätte ich Dir niemals das Verſprechen gegeben.
Das ſind Ausflüchte! wies ſie der Vater zurück. Ich
hoffe beſtimmt, Du wirſt in Zukunft von Deinen Launen
laſſen und die Sache ſelbſt wieder in Ordnung bringen.
Dann verſtummte das Geſpräch, denn Guſchi erſchien
mit dem Nachtiſch, Kaum war ſie wieder draußen, ertönte
die Hausglocke.
Guſchi eilte, zu öffnen, und fand vor dem Portal einen
jungen, liebenswürdigen Mann ſtehen. Sie ſah auf den

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erſten Blick, daß er etwas Beſonderes war, denn er hatte
ein dunkelbraunes Samtjackett an, trug auf den kurzen
Locken einen breiten Schlapphut und um das rechte Hand=
gelenk
ein Armband.
Kleiner netter Käfer! neckte er ſie und kniff ſie in die
Wange.
Sie wurde noch röter, als ſie ſchon war, trat einen
halben Schritt zurück und wies ihm lachend die weißen
kleinen Zähne.
Was wünſchen Sie, mein Herr? fragte ſie keck.
Hier iſt meine Karte! ſprach er und verblüffte ſie durch
ſeinen großen Ton.
Jetzt ließ ſie ihn ins Veſtibül.
Bitte, einen Augenblick warten! ſagte ſie förmlich und
ſprang geräuſchlos über die dicken Teppiche ins Speiſe=
zimmer
. Unterwegs ſtudierte ſie die Aufſchrift. Daß der
feine Herr von Beruf nur ein Maler war, enttäuſchte ſie
einigermaßen. Das hätte ſie ihm doch nicht zugetraut.
Diedrich Geſterling, der ſich eben vom Tiſch erheben
wollte, las das Billett und ſchüttelte den Kopf.
Kurt Egloff, Maler? fragte er zu ſeiner Frau hinüber.
Kennſt Du ihn?
Aha! rief Arno freudig, verſtummte aber ſofort vor
Schreck, als er Harriets wütendes Geſicht bemerkte.
Doch das half nun nichts mehr. Sie mußte mit der
Sprache heraus. Arno half dabei nach Möglichkeit, um
ſeinen Freund in das beſte Licht zu rücken. Von dem
Skizzenbuch und dem Kohlenſtift aber verriet er nichts.
Wie aufmerkſam, ſprach Frau Abel intereſſiert.
Diedrich, Du mußt ihn empfangen.
Kurt Egloff wurde von Guſchi in den Salon geführt,
wobei er ſie ſchnell in den nackten Arm kniff. Dann er=
ſchien
Diedrich Geſterling in der andern Tür, ſprach ſeinen
Dank aus und wechſelte mit dem kühnen Retter aus Waſ=
ſersnot
einen Händedruck. Vor Frau Abel, die gleich dar=
auf
hereinrauſchte, machte der Maler eine elegante Ver=

beugung und küßte ihr galant die Fingerſpitzen. Darauf
erkundigte er ſich höflich nach dem Befinden der beiden Ge=
retteten
. Diedrich Geſterling verhielt ſich ſehr ablehnend
und zugeknöpft und überließ bald das Feld ſeiner Frau,
die ſofort lebhaft für die Kunſt ſchwärmte. Kurt Egloff
machte tiefen Eindruck auf ſie, weil er ſo ganz der Vor=
ſtellung
entſprach, die ſie von einem Künſtler hatte. Das
war der große Vorteil, daß er ſich nicht für die ſtrenge
Geſellſchaftstoilette entſchieden hatte. Die Begeiſterung
Frau Abels aber erreichte den Gipfel, als Arno herein=
ſchlüpfte
, ſeinen Freund ſtürmiſch begrüßte und ſie in das
Geheimnis ſeiner glänzenden Malverſuche einweihte.
Schnell eilte er davon, um das Skizzenbuch zu holen.
Ihr Sohn hat entſchieden großes Talent, behauptete
Kurt Egloff mit innerſter Ueberzeugung. Es wäre jam=
merſchade
, wenn dieſe herrlichen Anlagen verkümmern
müßten.
So ſtolz Frau Abel darauf war, ſo hoffnungslos war
der Seufzer, den ſie ausſtieß. Sie wußte, daß der Vater
andere Pläne mit dem Jungen verfolgte.
In dieſem Augenblicke erſchien Harriet auf der
Schwelle. Da blieb ſie auch ſtehen. Der Maler ſtürzte ihr
entgegen und wollte ihr die Hand küſſen.
Aber ſie entzog ſie ihm haſtig.
Sie hätten ſich gar nicht zu bemühen brauchen, ſprach
ſie und ſuchte gleichgültig und kühl zu bleiben. Ich habe
Ihnen ſchon geſtern mitgeteilt, daß mein Befinden zufrie=
denſtellend
iſt.
Harriet! rief die Mutter, von dieſer offenkundigen Un=
höflichkeit
aufs höchſte überraſcht.
Laſſen Sie nur, gnädige Frau, begütigte ſie Kurt
Egloff lächelnd. Ich bin gewohnt, von Fräulein Harriet
nicht anders behandelt zu werden. Ich würde es bedau=
ern
, wenn ſie aus ihre Rolle fiele.
Harriet fand vor innerer Empörung kein Wort. Dieſe
Frechheit war grenzenlos! Jetzt wagte er gar, ſie einfach

(Fortſetzung folgt.)

Gelßu

1im

h deren Sa
üt, wenn ſie
eſerK
Darmſtad

beim Namen zu nennen. Schon wollte ſie ſich wiede
zurückziehen. Doch ſie blieb, weil er plötzlich von Italie
zu erzählen anfing.
Frau Abel verzichtete heute auf ihren Mittagsſchla=
was
ſeit drei Jahren nicht vorgekommen war.
Kurz vor dem Kaffee empfahl ſich der Maler und tru
als Siegestrophäe eine Einladung von Frau Abel davor
Arno begleitete ihn bis an die Haustür. Guſchi ſchau=
ihm
verſtohlen aus dem Küchenfenſter nach, aber er drehr
ſich nicht um.
Bei Tiſch begann Frau Abel, deren Wangen lebha=
gerötet
waren, von Kurt Egloff ein begeiſtertes Loblied z
ſingen. Arno half ihr dabei nach Kräften. Harriet jedo=
hüllte
ſich in eiſiges Schweigen. Argwöhniſch hob de
Vater den Kopf. Dann ſchaute er ſeiner Tochter lange un
feſt in die Augen.
Beſteht zwiſchen dieſem Maler und Deinem Verhalte
zu Herrn Harms ein Zuſammenhang? fragte er langſan
wobei er jedes Wort wog.
Nein, antwortete ſie feſt und hielt, ohne rot zu werder
ſeinem durchdringenden Blicke ſtand. Zum erſten Male i
ihrem Leben ſprach ſie die Unwahrheit. Aber es war ein
Notlüge.
Dann habe ich nichts dagegen, daß der Herr wieder
kommt, entſchied er kurz.
Diedrich, ſprach Frau Abel, und ihre Stimme hatt=
auf
einmal einen leiſen, klirrenden Metallklang. Ich hoff=
Du hätteſt auch ſonſt nichts dagegen einzuwenden. Den
ich habe den Herrn eingeladen, nicht Harriet.
Schon gut, erwiderte er zerſtreut und wandte ſich a=
Arno. Wo iſt Deine Arbeit?
Ich habe ſie noch nicht gemacht, ſagte der kleinlaut un
ſchaute nach mütterlicher Hilfe aus.

[ ][  ][ ]

Nummer 125.

Wagnerarbeiten.
Die Neubereifung des mit Pferden be=
annbarem
Krankentransportwagens der
Janitätswache Bismarckſtraße Nr. 28 ſoll
ergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
egen bei dem unterzeichneten Amte,
Grafenſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9,
ährend der Dienſtſtunden offen, woſelbſt
uch die Angebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Samstag, den 4. Juni 1910,
vormittags 10 Uhr,
ei unterzeichneter Stelle einzureichen.

Darmſtadt, am 30. Mai 1910.
Stadtbauamt.
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(11151im
Herſtellung von elektriſchen
Licht= und Kraftanlagen.
Wir bringen in Erinnerung, daß die
inrichtung von elektriſchen Licht=und Kraft=
nlagen
, die an das Kabelnetz des ſtädti=
ben
Elektrizitätswerks angeſchloſſen wer=
en
ſollen, ſowie alle Erweiterungen, Ver=
nderungen
und Reparaturen ſolcher An=
igen
nur von Elektrotechnikern ausgeführt
verden dürfen, die von Großherzoglicher
Bürgermeiſterei eine ſchriftliche Erlaubnis
Dierzu erhalten und ſich verpflichtet haben,
lle dieſe Einrichtungen unter Zugrunde=
egung
und gewiſſenhafter Beachtung der
ierfür erlaſſenen beſonderen Vorſchriften
(11188a
uszuführen.
Zur Zeit iſt folgenden Firmen dieſe Er=
zubnis
erteilt:
H. Ackermann, Arheilger Straße 82.
.W. Gelſius, Fuhrmannſtraße 6.
Georg Keil, Kirchſtraße 17.
.Theodor Korfmann, Taunusſtraße 1.
.Louis Lange, Hoflieferant, Schulſtr. 6.
Ernſt Lorey, Karlſtraße 56.
. Jakob Nohl, Hoflieferant, Wilhelminen=
ſtraße
10.
Willy Schoeller, Rheinſtraße 9.
. Auguſt Wilk, Hoflieferant, Schuchard=
ſtraße
12.
Städt. Elektrizitätswerksverwaltung Darmſtadt.
Meyer.
Abhanden gekommene Sparkaſſenbücher.
Die vermißten Einlagenbücher
lautendauf
Nr. 783a den Namen Schwebel, Friedericke
Wittmann Kinder
1449a
Becker, Friedrich
42800
Becker, Louiſe
64088
Becker, Suſanne
66442
Müller, Margarete
180034
der ſtädtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt werden
nach deren Satzungen § 20 für kraftlos er=
kärt
, wenn ſie nicht innerhalb drei Monaten
bei dieſer Kaſſe vorgezeigt werden. (8926a
Darmſtadt, den 21. April 1910.
Der Verwaltungsrat der ſtädt. Sparkaſſe
Purgold, Direktor.
Bekanntmachung.
Mittwoch, den 13. Juli I. Js.,
vormittags 10½ Uhr,
ſoll die den Bibliothekdiener Joſef Gold=
bach
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
:
Flur Nr. qm
II 1035½ 213 Hofreite Beckſtraße 8,
65 Grabgarten daſelbſt,
1035%
65 Grabgarten mit
II
10358
Gartenhaus,
II 1035¾/00 41 Grasgarten daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K43/10
werden.
Darmſtadt, den 26. Mai 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
(L11180,70
Müller.
Bekanntmachung.
Mittwoch, den 13. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die der Karoline Diehm dahier zuge=
ſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
135 157%/100 360 Hofreite Innere Ring=
ſtraße
, jetzt Rhön=
ring
Nr. 129,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K77/10
Darmſtadt, den 26. Mai 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L11179,69

Ziehung 7. Junitgto.
Darmstädter
Schlossfreiheit-
Geld-Lotterie
Ss2oGafdgewinno im Botragvvon I.

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O. Petronx, Darmstadt,
A. Dinkelmann, Worms.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jnnt 1910.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Gefundene und verlorene Sachen.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt. 1 ſilberne Damen=Uhr mit Goldrand.
1 rote Ledertaſche. 1 Nickel=Taſchenuhr mit Namen eingraviert. 1 Vorſtecknadel, der
Kopf ein Monogramm. 2 mittelgroße Schlüſſel (zuſammengebunden). 1 mittelgroßer
Schlüſſel. 1 großer und 3 kleine Schlüſſel an einem Ring. 1 lilaſeidenes Band mit
weißen Streifen. 1 ſchwarzwollener Schal mit Franſen. 1 Paar blauſeidene Damen=
Strümpfe. 1 brauner Spazierſtock, 1 weiß und dunkelblauer Kinder=Strohhut.
1 Double=Ring mit hellrotem Stein. 1 Silber=Gürtel mit weißer Schnalle. 1 goldenes
Armband. 1 goldenes Kreuzchen. 1 ſilberne Broſche mit 3 braunen Steinen. 2 Paar
lange gelbe Kinder=Strümpfe. 1 vergoldete Broſche mit blauem Stein. 1 rotledernes
Portemonnaie mit Inhalt. 1 Portemonnaie mit einigen Pfennigen Inhalt. 4 kleine
Schlüſſel (zuſammengebunden). 1 Radfahrkarte, auf den Namen Franz Krebs lautend.
1 Dienſtbuch, auf den Namen K. Schrimpf lautend. 1 kleine Kaſſenſchlüſſel. 1 Zwicker
mit ſchwarzen Gläſern. 1 Zwicker. 1 Photographen=Apparat (Browni=Kodak 2).
1 Kanne mit Milch und Aufſchrift Milchverwertungs=Verein Darmſtadt. 1 gelbes
Rückenſtück von einem Pferdegeſchirr.
Verloren: 1 ſilbernes Ketten=Armband mit Anhänger und rotem Stein.
1 Double=Zwicker. 1 Silber=Gürtel mit grauem Schloß. 1 Zweimarkſtück in Papier
eingewickelt. 1 großes grauleinenes Tuch von einem Schaufenſter, 1 noch neuer
Damen=Regenſchirm mit Monogramm E. K. 1 goldenes Halskettchen mit Herzchen
und rotem Steinchen. 1 weißer Damen=Sommerhandſchuh und 1 ſilbernes Perlen=
Halsband. 1 kleines goldenes Halskettchen mit Anhänger und darauf Gott ſchütze
Dich eingraviert. 1 Hunde=Mäntelchen, weiß mit blauen Blümchen. 1 grauſchwarzes
Radfahrer=Capes. 1 Hunde=Halsband mit Marke. 1 Platin=Manſchettenknopf. 1 Fili=
gran
=Anhänger. 1 Brille. 1 geſtickte Kinderwagen=Decke. 1 brauner Spazierſtock mit
geflochtenem ſilbernen Ring. 1 grünkariertes wollenes Tuch. 1 Damen=Goldgürtel
mit grauen Streifen. 2 Papierrollen (Zeichnungen) in einer Droſchke liegen geblieben.
1 weiße Schleife von einem Kinder=Kleid. 1 kleines braunes Portemonnaie mit 60 Pfg.
Inhalt. 1 kleines Hunde=Halsband mit Marke und der Nr. 6041. 1 kleine Handtaſche
mit Pincenez und Portemonnaie mit 60 Pfennigen Inhalt, 1 Taſchentuch und kleines
Meſſer. 3 Wagenkapſeln. 1 ſchwarzes Etui mit 2 Füllfederhaltern. 2 Paar Herren=
Strümpfe. 1 bräunliches altes Portemonnaie mit 2 Mk. Inhalt. 1 ſchwarzes Spitzen=
tuch
. 1 kleines Portemonnaie mit 34 Mk. Inhalt. 1 kleines Heftchen mit Operntext.
1 kleiner Sektzipfel mit ſchwarz=weiß=roſa Band und Silberbeſchlag mit Aufſchrift
Mund Jena. 1 Damen=Zwicker mit ſchwarzer Schnur. 1 Double=Bröſchchen mit
blauem Stein. 1 Päckchen Seidenſtoff, etwa 80 cm. 1 kleines Zug=Hundehalsband.
1 ſilbernes Halskettchen mit grünem Stein als Anhänger. 1 ſilbernes Ketten=Armband.
1 Nickel=Zwicker mit braunem Futteral. 1 goldener Damen=Ring mit blauem herz=
förmigen
Stein. 1 ſilbernes Armband. 1 ſilbernes Halskettchen mit Herzchen. 1 gold.
Manſchettenknopf mit rotem Steinchen. 1 lila Portemonnaie mit 1,62 Mk. Inhalt.
1 ſilberne Remontoir=Uhr.
Zugelaufen bei Privaten: 1 Henne.
Entlaufen: 1 Dobermanpinſcher. 1 ſchwarzer Rehpinſcher mit langen Ohren
und Schwanz. 1 Angorakatze (mausgrauer Kater).
Entflogen: 1 junger Kanarienhahn. 1 gelblich=grüner Kanarienvogel. 1 Wellen=
Papagei.
Das Fundbureau Großherzoglichen Polizeiamts
(11172
iſt geöffnet an allen Werktagen von 812 Uhr vormittags und 26 Uhr nachmittags

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Pinſcher, 2 Boxer.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
lag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 2. Jnni, nachmittags 4 Uhr,
werden im Saale Zur Ludwigsballe Obergaſſe dahier, öffentlich meiſtbietend gegen
Barzahlung folgende Pfänder verſteigert:
150 Ztr. Kohlen, 5 Säcke Mehl, 1 Brotwagen mit Zubehör, 1 Pferde=
geſchirr
, 1 Halbverdeck, 1 vierr. Wagen, 1 Partie Wein, 1 Pianino, 3 Grammo=
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mit Platten, 1 Spiegelſchrank, 1 Bücherſchrank, 2 Kleiderſchränke, 2 Glas=
ſchränke
, 3 Diwans, 2 Sofas, 1 Kommode, 1 Regulator, 2 Standuhren,
1 Nähmaſchine, 1 Kuchengeſtell, 2 Gaslüſter, 1 Nachtſchränkchen, 3 Seſſel,
11 Hirſchgeweihe, 1 Wildſchweinkopf (geſchnitzt), 1 ausgeſt. Auerhahn, 1 Blech=
kaſſette
, 1 Gehrockanzug, 1 Teeſervice, 1 Fiſchaquarium, Tiſche, Stühle, Bilder,
Spiegel u. a. m.
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 28, I.
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Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 1. Inni 1910, nachmittags 3 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Roſenhöhe)
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Vertikos, Wirtstiſche, Stühle, Pianinos, Schreibtiſche, ferner verſchiedene Lan=
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1 Muſikweri, 4 Herrenanzüge und 1 Lexikon, ferner 1 Kaſſenſchrank und
(11270
mehrere Mille Zigarren
zwangsweiſe verſteigert.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher.
Georgenſtraße 11, I.
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 9. Inni 1910, nachmittags 2 Uhr.
ſollen die dem 1. Philipp Hotz, 2. Georg Hotz in Eberſtadt bei Darmſtadt gemein=
ſchaftlich
zugeſchriebenen Liegenſchaften in hieſiger Gemeinde, Heidelbergerſtraße Nr. 33,
Frur I Nr. 395¾0 476 qm Grabgarten, das Dorf,
I 398¾0 580 Hofreite daſelbſt,
I . 398¾/10 457 . Hofreite daſelbſt,
I 398¾0 12 Straße daſelbſt,
auf unſerem Bureau öffentlich zwangsweiſe verſteigert werden. In dem Anweſen
wird eine Glaſerei ꝛc. betrieben und eignet ſich dasſelbe auch zu jedem anderen Ge=
(11170md
ſchäfts= und Fabrikbetrieb.
Eberſtadt bei Darmſtadt, den 30. Mai 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Eberſtadt.
Schäfer.

Kenmonlenbezugs WesenschutfFrriede
Diejenigen unſerer geehrten Geſellſchafter, welche den ihnen zugegangenen Be=
ſtellſchein
noch nicht zurückgegeben haben, wollen denſelben ausgefüllt daldgefl. dem
Rechner des Vereins zuſtellen. Da es nicht rarſam iſt, den Bezug der Winterkohlen
ausſchließlich auf den Herbſt zu verſchieben, ſo möchten wir empfehlen, ſchon in den
nächſten Monaten damit zu beginnen. Anmeldung neuer Mitglieder werden von
unſerem Rechner enkgegengenommen.
Während des Monats Juni iſt das Büro des Rechners nachmittags geſchloſſen.
dagegen an jedem Werktag geöffnet von morgens 8 Uhr bis nachmittags 1 Uhr.
Der Vorstand.
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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jum 1910.

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Nummer 125

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910.

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2. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

N5 125.

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Seite 18,

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jnni 1910.

Nummer 125.

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[ ][  ][ ]

3. Beilage
zum Darmſtädter Tagblatt.
C

§8 125.

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1910.

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eckarstrase 22. part.

[ ][  ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juni 1910

Nummer 125.

Sport.
* Fußball. Bei den Pokalſpielen des F.=K.
Alemania=Pfungſtadt errang der F.=K. Germania=
Darmſtadt den 2. Preis (Ehrendiplom). Ferner er=
hielt
das Mitglied des F.=K. Germania‟ E. Böhm,
bei den olympiſchen Spielen desſelben Vereins den
1. Preis (Ehrenpreis) im 100 Meter=Laufen, ſowie den
1. Preis (Ehrenpreis) im 200 Meter=Laufen.
sr. Die Prinz Heinrichfahrt, die am Don=
nerstag
, den 2. Junt, in Berlin ihren Anfang nimmt,
wird die letzte Konkurrenz um den im Jahre 1908 vom
Prinzen Heinrich geſtifteten Wanderpreis ſein.
Satzungsgemäß fällt der Preis, der bei den bisherigen
zwei Fahrten die Siege von Fritz Erle und Kommer=
zienrat
Wilhelm Opel ergab, demjenigen zu, der ihn
zweimal gewinnt. Falls dies innerhalb dreier Jahre
keinem Fahrer gelingt, ſoll zwiſchen den drei Siegern
das Los entſcheiden. Da ſomit der alte Prinz Heinrich=
Preis mit der diesjährigen Fahrt definitiv gewonnen
wird, hat Prinz Heinrich bereits durch Stiftung eines
neuen Preiſes für das Jahr 1911 Vorſorge getroffen,
daß die Prinz Heinrich=Tourenfahrten auch fernerhin
als bedeutendſte automobiliſtiſche Veranſtaltungen in
Deutſchland fortleben. Für die diesjährige Fahrt
wurde, wie ſchon kurz mitgeteilt, außer dem Prinz
Heinrich=Preis noch eine Reihe anderer wertvoller
Ehrenpreiſe geſtiftet. So gab der König von Württem=
berg
einen wertvollen goldenen Pokal, der Großherzog
von Baden eine goldene Bowle, der Großherzog von
Heſſen einen ſilbergetriebenen, mit Amethiſten verzierten
Pokal, die Erbprinzeſſin Charlotte von Sachſen=
Meiningen eine aus koſtbaren Hölzern gefertigte
Schatulle, der Herzog=Regent von Braunſchweig in
Verbindung mit dem Braunſchweigiſch=Lüneburgiſchen
Staatsminiſterium einen geſchmackvollen Tafelaufſatz,
der Statthalter Graf von Wedel eine aparte ſilberne
Vaſe. Von den Städten, die als Etappenſtationen in
Frage kommen, ſtiftete Braunſchweig einen großen
Tafelaufſatz, Kaſſel eine ſilberne Fruchtſchale, Nürn=
berg
einen Bogenſchützen aus Bronze, Homburg v. d. H.
einen prächtigen goldenen Pokal. Der Preis des
Kaiſerlichen Automobilklubs iſt eine Silberkaſſette, der
des Bayeriſchen Automobilklubs eine wertvolle goldene
Uhr, die in Emaille das Wappen B. A.C. trägt.
Rr. Die Rundfahrt durch Italien wurde
auf der fünften Etappe Rom=Florenz über 327 Kilo=
meter
nur noch von 25 Fahrern beſtritten. Auch dies=
mal
hatten die Konkurrenten wieder unter den vom
Regen aufgeweichten Straßen viel zu leiden. Als
Erſter traf Ganna in 11 Stunden 36 Minuten ein,
eine halbe Länge zurück folgte Galetti. Drei Viertel=
ſtunden
ſpäter paſſierte Ghironi vor Canepari, Corlaita
und Paveſi das Ziel.
Lt. Das Lawn=Tennis=Match der Na=
tionen
. das in Brüſſel zwiſchen Frankreich, Deutſch=
land
, Oeſterreich, Belgien und Holland ausgetragen
wurde, gewann Frankreich vor Deutſchland und Bel=
gien
. Am letzten Tage ſchlug Wilding=Auſtralien Kin=
zel
=Oeſterreich mit 63, 61, Deeugis=Frankreich Ro=
land
=Deutſchland mit 62, 62, Traſenſter=Belgien
Gernot=Frankreich mit 86, 97 und Roland= Deutſch=
land
Scheuler=Holland 46, 63, 45 aufgegeben. Im
Doppelſpiel ſchlugen Roland-Kreuzer=Deutſchland nach
ſpannendſtem Kampfe Kinzel-Graf Salm=Oeſterreich
mit 64, 61, 36, 57, 62. Kinzel-Graf Salm=
Oeſterreich mit 63, 46, 92 Scheuler-Blom= Hol=
land
und Deeugis-Gernot=Frankreich mit 62, 46,
62, 64 De Borman-Traſenſter=Belgien.

Großherzogliche Hofbibliothek.
Neue Erwerbungen, vom 30. Mai 1910 an
auf 14 Tage im Leſeſaale zur Anſicht auf=
geſtellt
: Altertümer von Pergamon, 3, 2: Winne=
feld
, H., d. Frieſe d. groß. Altars; Bandelier,
Lehrb. d. ſpezif. Diagnoſt. u. Therap.; Barbey d’Au=
revilly
, Vom Dandytum.; Beiträge z. Reform. d.
Strafproz. 1. 2.; Braunfels, Ludw., Gedichte; Buff,
Siegfried, d. D. Scheckgeſetz v. 11. 3. 08; Chriſtaller,
Helene, Wie die Träumenden: Bautzen v. Cornelius
Gurlitt; Denkſchrift z. Hundertjahrfeier d. Stadt
Mülheim a. d. R. 1908: Dictionnaire militaire
Tome 2: The Catholic Eneyelopedia Vol. 6; Der
junge Goethe, Neue Ausg. v. Max Morris 2;
Heyer, Alfons, J. Chr. Günthers Leben; Höffner,
Joh., Aus Biedermeier=Tagen, Briefe Rob. Reinicks u. ſ.
Freunde; Krankh. u. Sterblichkeitsverhält=
niſſe
i. d. Ortskrankenkaſſe Leipz. u. Umgeg. Cham=
berlain
, H. St., Ariſche Weltanſchauung, Bie, Oskar,
d. geſellſchaftl. Verkehr, Uhde, Wilh., d. alte Fritz,
Bahr, Herm., Dialog v. Marſyas, Wolf, G. J.,
Ulrich v. Hutten, Blei, Frz. v., amour. Frauen,
Zepler, Marg., N. Erzieh. z. Körperſchönh., Oſtwald,
Hans, Landſtreicher, Schmidt, Loth., Frauenbriefe d.

Sae

Renaiſſ., Simmel, G., Kant u. Goethe, Bie, O., d.
moderne Muſik u. Rich. Strauß, Gleichen= Ruß=
wurm
A. v., Schillers Weltanſchauung, Holitſcher,
Arth., Leben mit Menſchen, Jeſſen, Jarno, d. Kaiſerin
Friedrich, Schirmacher, Käthe, Deutſchl. u. Frankr.
ſeit 35 Jahr., Tews, J., d. dtſch. Volksſchule, Mayer,
Ed. v., Fürſt u. Künſtler; Napoleon, Briefe Aus=
wahl
v. F. M. Kircheiſen, 1. 3. Afl., 2. 2. Afl.;
Nietzſche, Werke, 17: 3, 1. Philologica, Gedruckt. u.
Ungedrucktes a. 186677, hs. v. Ernſt Holzer; Pappa-
dopolos
, Jean B. Théodore II Lascaris Empereur
de Nieée Paris: Paulſen, Friedr., a. m. Leben;
Pauſanias Beſchreib. v. Griechenland, hs. v. Herm.
Hitzig, 6. Halbbd.: Buch X: Phocica Indic. Lpz. 1910;
Samml. nationalökon. u. ſtatiſt. Abhdl. d. ſtaatswiſſ.
Seminars z. Halle a. d. S., Günther, E., d. europäiſch.
Fernſprechgebührentarife; Schweitzer Albert, J. S.
Bach; Spießen, Max v., Wappenbuch d. weſtfäl.
Adels, 1. 2.; Stölzel, Billigkeits= u. Rechtspflege d.
Rezeptionszt. i. Jülich=Berg; Müller Heinr., d. letzte
Kampf d. Reichsritterſchaft um i. Selbſtſtändigk., Häger=
mann
, Guſt., d. Erklär. d. Menſch.= u. Bürgerrechte i.
d. erſt. amerikan. Staatsverfaſſ., Kirchner, Max, d.
dtſch. Kaiſerinnen v. Konrad I. bis Lothar; Wäſchke,
Regeſt. d. Urk. d. herz. Haus= u. Staatsarch. z. Zerbſt.
14011500: Wittichen, F. C., Briefe v. u. an Fr.
v. Gentz, 2: an u. v. Carl Guſt. v. Brinckmann u.
Ad. Müller: Wuſtmann, G., Aus Leipz. Ver=
gangenheit
, 3. Reihe.
Außerdem die neueſten gebundenen Bände
wiſſenſchaftlicher Zeitſchriften.
Sämtlich vom 13. Juni 1910 an verleihbar.
Wegen Vormerkung für das erſtmalige
Entleihen wende man ſich an den Beamten des
Ausleihezimmers.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.
Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geboren. Am 26. Mai: dem Reſerve= Lokomotiv=
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dem Schuhmacher Gg. Oehlenſchläger, Wilhelminen=
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35, e. S. Rudolf Georg. Am 26.: dem Schrift=
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Liebfrauenſtr. 48, e. S. Johann Ludwig. Am 29.: dem
Rechtsanwalt Dr. Joſeph Strauß, Bismarckſtr. 57,
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Heinrich Gebauer, Roßdörfer Straße 9, e. S. Am 28.:
dem Kutſcher Karl Grau, Viktoriaſtr. 72, e. S. Her=
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Pierro, Gutenbergſtr. 58, e. S. Franz Joſeph. Am
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Geſtorbene. Am 27. Mai: Marie Magdalene Hei
geb. Köhler, Witwe des Ochſenmetzgers, 65 J., katl
Soderſtr. 48. Friederike Krichbaum geb. Hebermel=
Ehefrau des Vorarbeiters, 45 J., ev., Hinkelsgaſſe
Am 28.: Polizeiſekretär i. P. Rechnungsrat Wilhel=
Manteuffel, 67 J., ev., Gutenbergſtr. 15. Dienſtmag
Marie Volk, 23 J., ev., Ober=Ramſtadt. Eli
Jackel geb. Aumüller, Witwe des Bankaſſiſtente
41 J., kath., Lauteſchlägerſtr. 20. Am 30.: Gg. Falker=
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222. Königlich Yrenßiſchen Klaſſenlotterie.
6. Klaſſe. 19. Ziehungstag. 30. Mai 1910.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewime=
über
240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 100000 Mk. 82636
1 Gewinn zu 40000 Mk. 269670
1 Gewinn zu 30000 Mk. 181237
6 Gewinne zu 10000 Mk. 20444 25917 101288
205620 203512
1 Gewinn zu 5000 Mk. 237827
51 Gewinne zu 3000 Mk. 18028 18532 20412 22916
24269 29796 33499 88056 40554 44911 49766 52273
58417 70540 73414 81663 82557 84355 86661 90977
93675 130997 131863 184378 145054 148112 154818
164524 170126 171860 172265 172626 175851 177806
187396 192423 193562 197766 207027218200 235442
236230 238732 246963 246653 262213 270071 297168
300422 302677 303347
62 Gewinne zu 1000 Mk. 9978 17045 4 18042 21837
23212 30084 33913 35345 39739 60308 (69549 72275
72385 73346 74363 84490 87462 93544 95253 102526
108413 112124 114487 117077 117554 118188 123310
127026 129114 129639 137759 139140 141516 168835
167341 168354 174209 174376 175838 179011 F 182504
186451 192314 202041 202269 206478 207467 à 221293
223383 230861 231321 233766 ½234706 235641 246122
259916 266096 266322 270575 275891 282365 29397g
90 Gewinne zu 500 Mk. 3732 8930 11383 13297.16565
16780 20393 20503 22829: 25066 27232 29024 29470
31795 37995 39655 41238 42752 52442 53128 à 68311
66509 66966 68324 69208 70118 73232 74083 à 74945
75348 79096 82600 90071 95108 96400 100516 104927
110611 111045 119603 122435 122557 130987 140246
149812 151210 156561 162606 173269173310 § 177421.
179021 185172 185233 187021 188593 189794 192664
195924 196522 197486 198639 203484 . 224451 224808
225543 227100 230819 247243 248192 251778 252058
253329 258321 260714 262787 264034 266560 266935
269673 274017 278052 285677 288802 268628 268932
289616 292893 297814 299908
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 10000 Mk. 69680
2 Gewinne zu 6000 Mk. 195478 244564)
44 Gewinne zu 3000 Mk. 7076 7157 17755 28228
32939 33990 35884 38929 42821 60240 60564 64781
73209 77479 84807 89770 93636 97846 145268 147399
147497 169034 173287 177829 185902 193300 194617
197691 203339 203653 210739 212001 217875 225473
245253 263310 265226 267559 269336 278837 290273
299685 300281 301905
70 Gewinne zu 1000 Mk. 1570 1960 3645 6640
9212 15012 17954 20803 31586 34306 39629 65199
68626 79021 79448 81172 81194 83330 89133 94518
97452 100136 102723 103640 108680 109625 118017
123523 128777 133229 134132 143349 144890 147848
150818 157251 159506 162910 166333 178281 184411
194909 198198 205574 206637 207221 216760 219280
222000 231212 232509 239450 239765 242254 245464
247118 251864 259511 259542 265986 268245 283991
284205 289613 294264 294412 295507 296015 297519
299863
101 Gewinne zu 500 Mk. 919 2042 6244 6410
7668 7747 10851 15442 17091 17322 21129: 26168
30796 32559 33299 41453 42630 43642 45641.: 48607
49800 51025 51588 51680 52463 57056 61921- 65176
65698 68254 76176 79985 80599 92551 99581 110494
111851 113757 114422 115753 117553 118794 120315
124139 127978 132993 133104 144613 146397§ 149385
153092 154916 157467 166806 177626 181100 181581
183568 185434 195405 195702 196147 196941 198145
198310 201817 204184 206607 208024 210683 212332
213785 219351 220306 231555 232676 234999) 235846
236906 240225 242119 244842 245071 245565 248809
249425 253646 256778 261066 261612 265811 268381
272482 272934 273716 277050 279622 292646 292915
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