173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
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123.
Montag, den 30. Mai.
1910.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Zum Beſuche des belgiſchen Königspaares.
Es iſt auf das Beiſpiel des deutſchen Kaiſers
Wil=
helm II. zurückzuführen, daß die Monarchen
Euro=
ſpas bald nach ihrer Thronbeſteigung, wenn die erſte Zeit
der tiefſten Trauer vorüber iſt, eine Rundfahrt zu
befreun=
deten Höfen zu unternehmen pflegen. Fünf Monate ſind
vergangen, ſeitdem König Leopold II. der Belgier die
Augen ſchloß und ſein Neffe, Prinz Albert, die Krone von
ihm erbte. Und jetzt wird König Albert der
Bel=
gier, begleitet von ſeiner Gemahlin, der Königin
Eliſabeth, dem Hofe des deutſchen Kaiſers den erſten
Beſuch in ſeiner neuen königlichen Würde abſtatten. Er
trifft heute Montag, den 30. Mai, mit der Königin auf der
Station Wildpark ein, und beide werden während einiger
Tage die Gäſte des deutſchen Kaiſerpaares im Neuen
Pa=
lais zu Potsdam ſein.
Der Bedeutung dieſes Beſuches entſpricht es, daß er
den Charakter einer offiziellen Staatsviſite trägt. Der
König und die Königin der Belgier werden daher von
einem großen Gefolge begleitet ſein und mit allen ihnen
gebührenden Ehren feierlichſt empfangen werden. Es wird
eine Galatafel ſtattfinden und höchſt wahrſcheinlich werden
dabei Trinkſprüche zwiſchen den Monarchen gewechſelt
wer=
den, in denen das gute Verhältnis, das zwiſchen
Deutſch=
land und Belgien herrſcht, betont werden wird. Solange
das Deutſche Reich beſteht, hat es niemals politiſche
Dif=
ferenzen von irgend welcher Tragweite zwiſchen ihm und
Belgien gegeben. Es fehlt zwiſchen den beiden ſo
un=
gleich großen Ländern, wie die Diplomaten zu ſagen
pfle=
gen, faſt ganz an „Reibungsflächen”. Und in
wirtſchaft=
licher Hinſicht haben die deutſch=belgiſchen Beziehungen
ſich von Jahr zu Jahr außerordentlich gebeſſert. Nimmt
doch Deutſchland ſeit 1909 in der Ein= und
Ausfuhr=
ſtatiſtik Belgiens den erſten Platz vor allen anderen
Natio=
nen ein. Es hat in dieſer Hinſicht ſowohl Frankreich wie
England aus dem Felde geſchlagen. Der ungeheuere
Aufſchwung der deutſchen Induſtrie in den letzten
Jahr=
zehnten iſt auch dem betriebſamen und unternehmenden
Belgien zugute gekommen. Es iſt kein Zufall, daß die
deutſche Abteilung auf der Brüſſeler Weltausſtellung 1910,
die durch ihre impoſante Maſchinenhalle dieſen Aufſchwung
ſehr eindringlich veranſchaulicht, nach dem Urteile aller
Fachleute, wie auch des Königs Albert ſelbſt, die
Abtei=
lungen der übrigen Länder bei weitem übertrifft und die
ſtärkſte Anziehungskraft auf die Beſucher der Ausſtellung
ausübt.
Der König Albert kommt nicht zum erſten Male
nach Deutſchland. Am 8. April 1875 als viertes und
jüngſtes Kind des Prinzen Philipp von Belgien, Grafen
von Flandern, geboren und aufs ſorgfältigſte erzogen,
wurde er von ſeinem Oheim, dem König Leopold II., ſchon
vethältnismäßig früh dazu verwendet, den Brüſſeler Hof
im Auslande bei Anläſſen von beſonderer Wichtigkeit zu
vertreten. So erſchien er im Jahre 1896 als Gaſt des
deutſchen Kaiſers zu den großen Kaiſermanövern, die in
Schleſien ſtattfanden. Damals wurde er à la suite des
2. Hannoverſchen Dragoner=Regiments Nr. 16 in
Lüne=
burg geſtellt, deſſen Chef er ſeit dem Tode ſeines Oheims
iſt. König Albert iſt dem Kaiſer Wilhelm II. auf doppelte
Art blut= und ſtammverwandt. Er iſt von väterlicher
Seite her ein Koburger, alſo aus dem gleichen Hauſe wie
die Mutter des Kaiſers, und ſeine Mutter iſt eine
Prin=
zeſſin von Hohenzollern. Die Königin Eliſabeth iſt dem
Kaiſer und ſeiner Familie ſeit ihrer Kindheit vertraut. Sie
iſt eine Tochter des erſt vor wenigen Monaten
verſtorbe=
nen Herzogs Karl Theodor in Bayern, der ſein Leben
und ſeine Kräfte auf ſo hochherzige Weiſe in den Dienſt
der leidenden Menſchheit geſtellt hatte und deſſen ärztliche
Hilfe der Kaiſer in Anſpruch nahm, als ihm vor einigen
Jahren auf der Nordlandsfahrt durch einen Zufall ein
Auge verletzt wurde.
Schon als Thronfolger, namentlich, ſeitdem er den ihm
verfaſſungsgemäß gebührenden Sitz im belgiſchen Senate
eingenommen hatte, zeigte der jetzige König Albert, daß
ſeine politiſche Anſchauungsweiſe in vielen Punkten von
der ſeines Vorgängers und Oheims abwich. Er galt als
Prinz nicht für einen Anhänger der klerikalen Richtung,
die in der belgiſchen inneren Politik ſeit 1884 maßgebend
iſt. Er machte auch kein Hehl aus dem Unbehagen,
das ihm die Zuſtände am Kongo, beſonders die
unwür=
dige Behandlung der Eingeborenen, verurſachten. Im
vorigen Sommer unternahm er ſelbſt eine Reiſe nach dem
Kongoſtaate, wo man ſich freilich bemüht haben mag, ihm
alles im günſtigſten Lichte zu zeigen.
Man darf den König Albert im beſten Sinne des
Wortes einen modernen Monarchen nennen. Allen Dingen
der Technik, Induſtrie und Landwirtſchaft bringt er die
regſte Aufmerkſamkeit entgegen und für die Bedürfniſſe
der arbeitenden Klaſſe hat er ein tiefes Verſtändnis. Einen
politiſchen Syſtemwechſel konnte ſein Regierungsantritt
aber weder nach innen noch nach außen bedeuten. Der
König hält ſich ſtreng und gewiſſenhaft innerhalb der
Grenzen der belgiſchen Verfaſſung, die ja nach der Anſicht
der hervorragendſten Staatsrechtslehrer das Muſter einer
Verfaſſung iſt und in der Tat einer Reihe von
neugegrün=
deten Staatsweſen als ſolches gedient hat. Belgien iſt
ein parlamentariſch regiertes Reich. Der Souverän iſt
darauf angewieſen, ſeine oberſten Ratgeber der Partei zu
entnehmen, die jeweils im Parlament die Mehrheit beſitzt.
Die letzten belgiſchen Wahlen haben erſt vor einigen Tagen
das parlamentariſche Uebergewicht der Klerikalen von
neuem befeſtigt, und mag König Albert auch wirklich mit
ſeinem Herzen nicht ganz bei dieſer Regierungspartei ſein,
ſo wird er, als pflichttreuer konſtitutioneller Herrſcher, ohne
Zweifel doch mit ihr auszukommen wiſſen.
Als eine gute Einleitung des Beſuches des belgiſchen
Königspaares am Hofe des deutſchen Kaiſers kann man
den Abſchluß der Verhandlungen anſehen, die in Brüſſel
zwiſchen Deutſchland, Belgien und England über gewiſſe
Fragen der Grenzregulierung am Kongo geführt wurden.
Dieſer Abſchluß iſt vor ganz kurzem, wie man weiß, auf
eine Weiſe erfolgt, durch die die Intereſſen jeder der drei
Mächte berückſichtigt und befriedigt worden ſind.
Das Scheitern der preußiſchen Wahlrechtsvorlage
wird von den Blättern natürlich eingehend kommentiert,
und es zeigt ſich, daß eigentlich alle damit zufrieden ſind,
die einen, weil alles beim alten bleibt, die andern, weil
ſie überzeugt ſind, daß etwas Beſſers kommen muß.
Die „Kölniſche Zeitung” ſchreibt: Mit einem Gefühl
der Erleichterung wird man heute in ganz Deutſchland
die Nachricht vernehmen, daß die ſogenannte Wahlreform,
die ein Jahr lang wie ein Alp auf uns gelaſtet hat, ſelig
oder unſelig verſchieden iſt. So dringend not uns eine
Wahlreſorm auch tat, ſo ungerecht und ſchlecht das
preu=
ßiſche Wahlrecht auch iſt, Leidtragende ſind heute kaum
vorhanden. Ob die eigentlichen Väter des Geſetzes ihm
nachtrauern, wiſſen wir nicht, aber außer ihnen hat ſich
niemand für dieſes Geſetz begeiſtert, das in ſeinen
verſchie=
denen Wandlungen zwar das Ausſehen änderte, aber in
allen Stadien einen wenig erfreulichen Charakter behielt.
Eine große und wichtige Frage war hier unter der
Ein=
wirkung kleiner parteitaktiſcher Bedenken in kleinlicher
Baſtelarbeit behandelt worden, niemandem zur Freude
und niemandem zu Dank. Das Geſetz war eine
Flick=
arbeit, und man hat freilich im Miniſterium des Innern,
wo dieſe Vorlage konfektioniert wurde, auch gar nichts
an=
deres liefern wollen, um nur ja nichts zu tun, was die
geliebten Konſervativen hätte kränken können. Man ſah
es der Vorlage und ihrer ſaloppen Begründung an, daß
ſie ohne Luſt und Liebe gemacht war; offenbar hält man
im Miniſterium des Innern den gegenwärtigen Zuſtand
für ſo gut, daß man dort eigentlich nicht recht begreift,
weshalb eine höhere Inſtanz eine Aenderung verlangte.
So war das Geſetz von Anfang an verfehlt und auch,
wenn geſchicktere Aerzte an ihm herumgedoktert hätten,
wäre, wenn man ſich nicht zu einer radikalen Umgeſtaltung
entſchloſſen hätte, doch nichts wirklich Erſprießliches aus
dieſer Vorlage herausgekommen . . . . Einſtweilen haben die
Konſervativen das durchgeſetzt, was ihnen am meiſten am
Herzen lag: ſie haben jede Wahlreform verhindert, und
ſie hoffen wohl auch, daß ſie unſern leitenden
Staatsmän=
nern die Luſt, au preußiſchen Wahlrecht zu ändern und
die Verſprechungen der Thronrede einzulöſen, gründlich
verleidet haben. Ob ſie darum recht behalten werden,
bleibe einſtweilen dahingeſtellt. Wie aber auch der
Reichs=
kanzler und die Regierung über eine neue
Wahlrechts=
reform denken mögen: kommen wird ſie, und dann werden
die Konſervativen vielleicht bedauern, daß ſie jetzt eine
Reform vereitelt haben, bei der ſie noch recht gut
weg=
gekommen wären.”
Die „Germania” ſagt: „Herr v. Bethmann
Holl=
weg hat keinen Anlaß, deshalb zurückzutreten, weil das
Wahlrechtserbteil des Fürſten Bilow zum Bankrott
ge=
langt iſt. Er ſelbſt wird aber daraus lernen, daß die
Wahlrechtsbewegung nicht zur Ruhe kommen wird, daß
die zukünftige Wahlrechtsreform nicht mehr einen
pluto=
kratiſchen Charakter zeigen wird. — Die „
Kreuz=
zeitung” bringt eine Auslaſſung der konſervativen
Par=
teikorreſpondenz, in welcher es heißt, der wechſelvolle Gang
dieſer Wahlrechtsverhandlungen habe ſo recht deutlich
gezeigt, wie weiſe und wohldurchdacht die bisherigen
Wahlgeſetzbeſtimmungen ſind, und wie ſchwer es iſt, ſie
durch etwas Beſſeres zu erſetzen. (!) Die Korreſpondenz
glaubt, daß endlich in den beſonnenen Kreiſen der
Bevöl=
kerung wieder eine Beruhigung eintrete, und ſie äußert
die Ueberzeugung, daß dies bis weit in die liberalen Kreiſe
hinein gekte. — Die freikonſerpaiive „Poſt” bedauert,
daß eine Verſtändigung auf der Grundlage der
Herren=
hausbeſchlüſſe nicht zuſtande gekommen iſt. Dadurch werde
der Riß zwiſchen den früheren Blockparteien nur noch
ver=
tieft und die Konſervativen würden nur noch in eine engere
Verbindung mit dem Zentrum und die Nationalliberalen
mehr nach links gedrängt. Der Tertius gaudens ſei die
Sozialdemokratie. — In der „Täglichen
Rund=
ſchau” lieſt man: In der wüſten Symphonie von
wider=
ſtrebenden Empfindungen und Ueberlegungen, die beim
Ueberſchauen dieſes ganzen Froſchmäuſekrieges um die
Wahlreform ſich aufdrängen, bleibt ſchließlich das eine
Dominante: das Gefühl der Erlöſung, die Erlöſung von
dieſem unſchönen Gezänk. Die Heuchelei, womit man bis
zur Verfechtung nackter Parteiintereſſen alle Tage zweimal
die Würde höchſter Selbſtloſigkeit und die Ehre einer
Vaterlandsrettung in Anſpruch nahm, ſei gottlob nun
vor=
bei. — Entgegengeſetzt äußert ſich die „Voſſiſche
Zei=
tung”, ſie ſchreibt: Das Schickſal der Wahlrechtsvorlage
wird den in hohem Maße angeſammelten Groll ſteigern,
der ſich bei den nächſten allgemeinen Wahlen entladen und
das Wort des Fürſten Bülow grell beleuchten wird: „Bei
Philippi ſehen wir uns wieder!: Eine vernünftige
Wahl=
reform hätte die „rote Flut” eindämmen können. Bei der
Schwäche und Energieloſigkeit der Regierung und dem
Hochmut des ſchwarzblauen Blocks wird ſie ſchwellen und
ſteigen. Die Wahlvorlage iſt tot, der Kampf für eine
beſſere Wahlreform hat begonnen. — Die „Freiſinnige
Zeitung” ſchreibt: Dank der Energieloſigkeit der
Regie=
rung iſt es nicht einmal gelungen, die kleinſte Novelle zu
einem herrſchenden Wahlgeſetz durchzubringen. Allen
Freunden einer ernſthaften Reform kann das nur erwünſcht
ſein, und wenn es vielleicht möglich geweſen wäre, durch
Gewährung einer Abſchlagszahlung eine vorübergehende
Beruhigung eintreten zu laſſen, wird jetzt mit deſto
grö=
ßerem Nachdruck das gefordert werden, was das alleinige
Ziel der Wahlrechtsagitation ſein kann: Uebertragung des
Reichstagswahlrechts auf Preußen. — Ihr ſtimmt die
„Frankfurter Zeitung” bei, welche ſagt: So iſt die
ſogenannte Wahlreform an ihrer Unzulänglichkeit und dem
mangelnden guten Willen der Konſervativen und des
Zentrums geſcheitert. Jetzt fragt es ſich nur, ob die
Regie=
rung bereit ſein wird, den geſcheiterten Verſuch in beſſerer
Weiſe wiederaufzunehmen. So viel iſt klar geworden, daß
nur eine Wahlreform Ausſicht auf Erfolg hat, die den
Volkswünſchen Rechnung trägt und wenigſtens im
allge=
meinen der Forderung des gleichen und freien Wahlrechts
entſpricht. — Eine ehrliche, wirklich fortſchrittliche
Wahl=
reform wird einen ſo ſtarken Rückhalt im Volke haben, daß
der Widerſtand der reaktionären Parteien mit Leichtigkeit
zu brechen wäre. Fehlt der Entſchluß dazu bei der
Regie=
rung, ſo wird um ſo ſtärker aus dem Volke ſelbſt die
Reformbewegung ſich geltend machen. — Der
ſozialdemo=
kratiſche „Vorwärts” triumphiert, daß das Hindernis
auf dem Wege der Wählrechtskämpfer fortgeräumt ſei.
Eine neue Wahlreform käme, ſie müſſe kommen. Wie ſie
geſtaltet werde, hänge nicht von dem Willen der
Herr=
ſchenden ab, das hänge von der Macht ab, die das Volk
ſelbſt hinter ſein Recht zu ſetzen gewillt ſei.
Deutſches Reich.
— Die Kommiſſion des Reichstags zur
Vorberatung des Entwurfes einer
Reichs=
verſicherungsordnung begann, wie ſchon
gemel=
det, am Freitag ihre Beratungen, nachdem zunächſt an
Stelle des ausgeſchiedenen Abgeordneten Dr. Hieber der
Abgeordnete Haußmann zum Stellvertreter des
Vorſitzen=
den gewählt war. Eine Generaldebatte über den
Regie=
rungsentwurf fand nicht ſtatt; es wurde eine
zwei=
malige Leſung des Entwurfes in der
Kommiſ=
ſion in Auſicht genommen.
Die Beratungen begannn mit dem erſten Buche des
Entwurfes, in dem die „Gemeinſamen Vorſchriften”
zu=
ſammengefaßt ſind. In der erſten Sitzung wurden die
erſten beiden Abſchnitte dieſes Buches erledigt. Der zweite
Abſchnitt über die „Träger der Reichsverſicherung” wurde
in einigen Punkten gegenüber dem Regierungsentwurf
ge=
ändert. Zunächſt wurde in Anlehnung an die
Beſtim=
mungen des Entwurfes über die Wahlen zu den Organen
der Krankenkaſſen allgemein für die Wahlen zu den
Or=
ganen der Verſicherungsträger die Verhältniswahl durch
den folgenden § 14a vorgeſchrieben: „Die Vertreter der
Arbeitgeber und der Verſicherten werden nach den
Grund=
ſätzen der Verhältniswahl gewählt.” Um einen
unlieb=
ſamen Zwang der Arbeitnehmer zur Uebernahme der
ehrenamtlichen Tätigkeit in den Organen der
Verſiche=
rungsträger auszuſchließen, wurde § 16 des Entwurfes,
der eine Ablehnung der Wahl zu dieſen Organen allgemein
und aus beſtimmten Gründen zuließ, mit Beſchränkung auf
die Arbeitgeber angenommen. Der Vorſchrift über die
Strafbefugnis, die dem Vorſitzenden des Vorſtandes eines
Verſicherungsträgers gegenüber den Vorſtandsmitgliedern
zuſteht (§ 17 Abf. 2), wurde ſolgende Faſſung gegeben:
Der Vorſitzende kann gegen ein Mitglied des Vorſtandes,
das ſich der Erfüllung ſeiner Pflichten entzieht, eine
Geld=
ſtrafe bis zu 50 Mark und im Wiederholungsfalle eine
Geldſtrafe bis zu 300 Mark, wenn es ſich jedoch um eine
Krankenkaſſe handelt, nur bis zu 100 Mark verhängen.
Er hat die Strafe zurückzunehmen, wenn nachträglich eine
genügende Entſchuldigung nachgewieſen wird.‟ Uieber die
Vergütung, die den zur ehrenamtlichen Tätigkeit in den
Organen der Verſicherungsträger Gewählten zu gewähren
iſt. beſtimmt § 18 Abſ. 2 in der Faſſung der Kommiſſion:
„Der Verſicherungstreger hat ihnen ihre baren Auslngen
Seite 2:
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
Nummer 123.
zu erſtatten und den Vertretern der Verſicherten Erſatz für
entgangenen Arbeitsverdienſt zu gewähren. Außerdem
kann die Satzung einen Pauſchbetrag für Zeitverluſt dem
Gewählten zubilligen.‟ Eine neue Vorſchrift über die
Steuerfreiheit der Verſicherungsträger wurde in folgendem
§ 22a angenommen: „Die Einnahmen und das Vermögen
der Verſicherungsträger, insbeſondere die ihnen gehörigen,
der Erfüllung der ihnen obliegenden Pflichten dienenden
Gebäude und Grundſtücke, wie Invaliden=, Waiſen=,
Kran=
kenhäuſer, Erholungsheime und dergleichen, ſind von
ſtaat=
licher und kommunaler Einkommenſteuer, ſowie von der
Steuer vom Grundbeſitz befreit.‟ Die Verjährung der
Anſprüche der Verſicherten betrifft ein neuer § 26a: „Der
Anſpruch auf feſtgeſtellte Leiſtungen der
Verſicherungs=
träger verjährt in vier Jahren nach der Fälligkeit.” In
§ 29 des Enwurfes wurde das Recht der Aufſichtsbehörde,
die Verhandlungen der Organe der Verſicherungsträger zu
leiten, auf den Fall beſchränkt, daß die Anberaumung der
Sitzung durch die Aufſichtsbehörde erfolgt iſt.
Die Beratungen der Kommiſſionen werden einſtweilen
täglich fortgeſetzt, zunächſt bei dem dritten Abſchnitt des
erſten Buches, der von den Verſicherungsbehörden handelt
und bekanntlich die Schaffung beſonderer
Verſicherungs=
ämter vorſieht.
Im Reichstagsgebäude begannen am Freitag
nach=
mittag die vom Reichsamt des Innern neuerdings
einge=
leiteten Einigungsverhandlungen im
Bau=
gewerbe. Die Verhandlungen wurden von drei
Un=
parteiiſchen: Geh. Regierungsrat Dr. Wiedfeldt vom
Reichsamt des Innern, Oberbürgermeiſter Beutler=
Dresden und Gerichtsdirektor Dr. Prenner=München,
gelei=
tet. Von ſeiten der Arbeitgeber waren 10 Vertreter, von
ſeiten der Arbeitnehmer 24 Vertreter anweſend.
Geheim=
rat Wiedfeldt eröffnete die Verſammlung mit einer
Begrü=
ßung der Vertreter und Darlegung der Gründe, welche das
Reichsamt des Innern zu dem neuerlichen Eingreifen
ver=
anlaßten. Zugleich konſtatierten die Unparteiiſchen auf
Wunſch der Parteien, daß ihre bisher unternommenen
Schritte von keiner der in Betracht kommenden
Organi=
ſationen veranlaßt worden ſeien. Die Verhandlungen
über die ſachlichen Streitpunkte des Vertragsſchemas
geſtalten ſich äußerſt ſchwierig. Beide Parteien halten
unbedingt an ihren Auffaſſungen feſt. Unter dieſen
Um=
ſtänden ſind die Ausſichten auf eine friedliche
Bei=
legung zurzeit ziemlich gering. Ein Teil der
aus=
geſperrten Bauhandwerker und Bauarbeiter
Kiels hat verſucht, die Bautätigkeit wieder aufzunehmen.
Die Organiſierten haben ſich Baumaterialien aller Art
kommen laſſen und einen eigenen Lagerplatz zur
Unter=
bringung von Steinen, Zement, Holz uſw. gemietet. An
der Spitze dieſes Unternehmens ſteht der frühere
ſozial=
demokratiſche Stadtverordnete Maurer Brodthuhn. Die
Veranſtalter bieten jedem Bauluſtigen Arbeitskräfte und
Material an. Es bleibt abzuwarten, ob dieſes Verfahren
einen größeren Einfluß auf die Bautätigkeit haben wird.
Die Blätter melden aus Berlin: Es wird
ange=
nommen, daß das preußiſche
Abgeordneten=
haus nunmehr in etwa 10 bis 14 Tagen in die Ferien
geht.
Ausland.
In der franzöſiſchen Kammer war in den letzten
Tagen die Rede davon, daß der alte Präſident
Briſſon nicht mehr wiedergewählt werden
ſollte. Briſſon hat ſich durch ſein Eintreten für die
Erhöh=
ung der Deputiertenentſchädigung mißliebig gemacht; auch
ſchien er nicht ganz vom Nutzen der Verhältniswahlen
überzeugt zu ſein, für die ihre Anhänger ſchon vor dem
Kammerbeginn gewaltig zu agitieren angefangen hatten,
um dieſe „wichtigſte” aller Reformen gleich zu Anfang auf
das Programm der Verhandlungen zu ſetzen. Gegen
Briſſon ſind zwei Kandidaten aufgeſtellt, und zwar
Del=
caſſé und Deschanel. Beide Herren haben aber erklärt,
die Kandidatur nicht annehmen zu wollen.
— Gegenüber den in den letzten Tagen verbreiteten
Meldungen, daß durch verſchiedene geiſtliche oder
welt=
liche Mittelsperſonen
Verſöhnungsverhandlun=
gen zwiſchen dem Vatikan und der franzöſiſchen
Regie=
rung angebahnt worden ſeien, erklärt der „Siscle”, er ſei
von berufenſter Seite ermächtigt, feſtzuſtellen, daß dieſe
Gerüchte durchaus unbegründet ſeien. Miniſterpräſident
Briand habe wiederholt erklärt, daß das Trennungsgeſetz
die Beziehungen zwiſchen Kirche und Staat geregelt habe
Die Regiekunſt der Oberammergauer.
*⁎* Die lange Tradition der Paſſionsſpiele
in Oberammergau, die in dieſen Tagen wieder
aus aller Welt Gegenden zahlloſe Beſucher in das ſonſt
ſo ſtille Dorf führen, hat auch die Darſtellungskunſt der
Mitwirkenden zu ahnſehnlicher Höhe entfaltet und ſie
die Mittel und Wege finden laſſen, die bedeutenden
ſzeniſchen Schwierigkeiten zu überwinden, die gerade
die Wiedergabe des Leidens und Sterbens des
Heilan=
des auf der Bühne bieten muß. Die ſchwerſte Aufgabe
auch in rein techniſcher Beziehung iſt natürlich die
Chriſtusrolle; welche mannigfachen Probleme ſie
der Regie bietet, und welche Anforderungen ſie an
ihren Darſteller ſtellt, davon erzählt Georg Queri in
einem kleinen Büchlein, das er ſoeben unter dem Titel
„Der Chriſtus=Lang” bei der Verlagsgeſellſchaft
München hat erſcheinen laſſen, eine Reihe intereſſanter
Einzelheiten. Zunächſt macht ſchon der lange bibliſche
Rock, der unterhalb des Knöchels abſchließt, dem dieſes
Kleidungsſtückes ungewohnten Darſteller der
Chriſtus=
rolle arbebliche Schwierigkeiten, beſonders beim An=
ſteigen am Oelberg, beim Treppengehen in der
Pila=
tusſzene und in der Szene des niederſteigenden „Ecce
homo‟ Das Geſicht wendet ſich verklärt nach oben, die
Füße taſten die tückiſche Treppe, und das Publikum
darf aus dem Antlitz die körperliche Anſtrengung nicht
erſehen.
Bei der „Kreuzausführung” verlangen die
lang=
jährigen Erfahrungen eine gelinde Täuſchung des
Publikums. Das maſſive Holzkreuz der
Richtungs=
ſzene, das fünfeinhalb Meter lang=iſt=und deſſen Quer=
und daß daran nichts geändert werde. Bei dieſer
Erklä=
rung bleibe er.
— Der finniſche Landtag nahm den von der
Grund=
geſetzkommiſſion redigierten Text des Bittgeſuchs um
Wahrung der Grundgeſetze Finnlands und Aufhebung
oder Abänderung der in den letzten Jahren im
Wider=
ſpruche mit den Grundgeſetzen getroffenen Maßnahmen
an; ferner das Bittgeſuch, das Lotſenamt nicht dem
Marineminiſterium unterzuordnen.
— Der türkiſche Miniſter des Aeußern Rifaat=
Paſcha hatte mit dem Miniſter des Auswärtigen
Pichon eine längere Beſprechung über den
franzö=
ſiſch=engliſchen Vorſchlag betreffend Kreta.
Einem Mitarbeiter des „Petit Pariſien” erklärte Rifaat=
Paſcha, daß die Pforte eine endgültige Löſung wünſche,
die ſich dahin kennzeichnen laſſe: Souveränität des
türki=
ſchen Reiches, Autonomie Kretas. Die Türkei lehne den
franzöſiſch=engliſchen Vorſchlag nicht vorweg ab; dieſer
biete immerhin eine gütliche Löſung. Wie das Reuterſche
Bureau erfährt, hat ſich Italien mit den Vorſchlägen
einverſtanden erklärt, die vor kurzem von den Miniſtern
Grey und Pichon bezüglich der Kretafrage formuliert
worden ſind und die beſonders die in der letzten türkiſchen
Note enthaltenen Beſchwerden betreffen. Dem Vernehmen
nach zielt die Tätigkeit der Schutzmächte für den
Augenblick in der Hauptſache darauf ab, ein neues
Regle=
ment zu treffen, durch welches es den mohammedaniſchen
Deputierten ermöglicht werden ſoll, der kretiſchen
Natio=
nalverſammlung unbehindert anzugehören. Weiter wird
angeſtrebt, den Zuſtand, wie er bis zum Jahre 1908
be=
ſtanden hat, wieder herzuſtellen und Zaimis wieder als
Oberkommiſſar einzuſetzen.
— Der Senat der Vereinigten Staaten hat ein von
La=
follette eingebrachtes Amendement zur
Eiſenbahnvor=
lage angenommen, das die Telegraphen= und
Telephon=
geſellſchaften, ausgenommen die für drahtloſen Verkehr,
unter das Geſetz für den zwiſchenſtaatlichen Handel ſtellt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 30. Mai.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin empfingen am Freitag mittag 12 Uhr im
Neuen Palais den Oberbürgermeiſter Köhler aus
Worms und um 12¼ Uhr Frau Lilli Wolfskehl.
Burggraf zu Dohna=Schlobitten und Gemahlin
ſind abends 10 Uhr 26 Min. wieder von hier abgereiſt.
Die Großherzogliche Hofhaltung wurde am
Samstag vormittag nach Jagdſchloß Wolfsgarten
ver=
legt. (Darmſt. Ztg.)
Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Hauptmann
Kortegarn vom Kriegsminiſterium, Berlin, den
Ritt=
meiſter a. D. Lungershauſen, den Oberleutnant
Dycker=
hoff, den Leutnant Piſtor, den Leutnant Audrege, den
Leutnant Dyckerhoff, den Leutnant Wrede, letztere fünf
von der Reſerve des Garde=Dragoner=Regiments (1. Großh.
Heſſ.) Nr. 23, den Generaldirektor des Hoftheaters und
der Hofmuſik Geh. Hofrat Werner, den
Hoftheater=
kapellmeiſter Hofrat de Haan, den Hofrezitator Knispel,
den Oberregiſſeur Valdek, den Kammerſänger
Riech=
mann, den Kammerſänger Weber vom Großh.
Hof=
heater, den Oberförſter Eckſtein von Wahlen, den
Ober=
lehrer Zimmermann von Schotten, den Hofdentiſt Bauer,
den Kaufmann Lyncker, den Baurat Reh, den
Wacht=
meiſter i. P. Mohr, den Hauptlehrer an der
Landes=
baugewerkſchule Bachim den Legationsſekretär van
der Hoeven, den Regierungsrat Langermann; zum
Vortrag: den Miniſter Ewald, den Finanzminiſter Braun,
den Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach, den
Vorſtand des Kabinetts Geh. Rat Römheld, den
Regierungsrat Dr. Kranzbühler.
— Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben den Amtsrichter bei dem Amtsgericht
Beerfelden Philipp Bechtold zum Staatsanwalt am
Landgericht der Provinz Rheinheſſen, den Amtsrichter
bei dem Amtsgericht Oſthofen Johannes Schäfer zum
Amtsrichter bei dem Amtsgericht Worms, den
Gerichts=
aſſeſſor Dr. Max May aus Worms zum Amtsrichter
bei dem Amtsgericht Oſthofen, den Gerichtsaſſeſſor
Ludwig Stenz aus Mainz zum Amtsrichter bei dem
Amtsgericht Beerfelden und den Notar mit dem Amtsſitz
in Alzey Friedrich Karl Bohn zum Notar mit dem
Amtsſitz in Oppenheim ernannt.
— Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Feldgeſchworenen Heinrich
Schaller IV. zu Nieder=Modau das Allgemeine
Ehren=
zeichen mit der Inſchrift „Für langjährige treue Dienſte‟
verliehen.
Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 17,
enthält: 1. Bekanntmachung, die für das Rechnungsjahr
1910 zur Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe der iſ
raelitiſchen Religionsgemeinde Mainz zu erhebende Um
lage betreffend. 2. Uebarſicht der von Großh. Miniſteriun
des Innern für das Rechnungsjahr 1910 genehmigter
Umlagen zur Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe de=
Gemeinde Lampertheim. 3. Ueberſicht über die vor
Großh. Miniſterium des Innern genehmigten Umlagen
zur Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe in der Ge
meinde Michelſtadt, Kreis Erbach, für 1910. 4. Ueberſich
der von Großh. Miniſterium des Innern für das Etats
jahr 1910 genehmigten Umlagen zur Beſtreitung de
Kommunalbedürfniſſe der Gemeinden Heppenheim uni
Viernheim. 5. Ueberſicht der von Großh. Miniſteriun
des Innern für das Rechnungsjahr 1910 genehmigten
Umlagen zur Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe it
der Stadt Offenbach. 6. Ueberſicht über die mit
Ge=
nehmigung Großh. Miniſteriums des Innern zur Be
ſtreitung der Kommunalbedürfnſſe in den iſraelitiſcher
Religionsgemeinden des Kreiſes Gießen im Rechnungs
jahre 1910 zur Erhebung kommenden Umlagen. 7. Or
densverleihungen. 8. Ermächtigung zur Annahme und
zum Tragen fremder Orden. 9. Namensveränderung
10. Dienſtnachrichten.
* Militärdienſtnachrichten. Zum II. Infor
mationskurſus vom 30. Mai bis 8. Juni 1910 bei de
Infanterie=Schießſchule kommandiert: die Majore Lübb
vom Inf.=Regt. Nr. 118 (gleichzeitig zum II.
Maſchinen=
gewehr=Kurſus vom 26. bis 29. Mai 1910 kommandiert.
v. Weſternhagen vom Leib=Garde=Regt. Nr. 115.
* Dementi. Die „Darmſt. Ztg.” dementiert noch
mals die Phantaſiemeldungen über den bevorſtehende
Beſuch des Zarenpaares in Darmſtadt ir
Sommer dieſes Jahres. Es geſchieht wohl nu
deshalb, weil neuerdings mit dieſen Meldungen, ur
ſie glaubhafter erſcheinen zu laſſen, auch Aenderunge
in den Reiſeplänen der Großherzoglichen Herrſchafte
in Beziehung gebracht worden ſind. Das
Demen=
lautet: „Entgegen den Nachrichten in der Preſſe vo
dem Beſuche Ihrer Majeſtäten des Kaiſers und de
Kaiſerin von Rußland im Sommer wird uns vo
maßgebender Seite mitgeteilt, daß den Großherzog
lichen Herrſchaften der erhoffte Beſuch in dieſem Jahr
bis jetzt nicht in Ausſicht geſtellt iſt. Es iſt deshal
auch unrichtig, daß die Sommerpläne der
Großherzo=
lichen Herrſchaften mit Rückſicht auf den erwartete
Beſuch abgeändert worden ſeien. Der Aufenthält i
einem engliſchen Seebad war von vornherein für di
Zeit von Mitte Juni bis Mitte Juli in Ausſicht
a=
nommen.”
— 3. Kammermuſikfeſt Darmſtadt 1910. Außer der
Feſtbuch, das nunmehr erſchienen iſt, werden dies
mal eigens für die Inhaber von Tageskarten beſor
dere Tagesprogramme zum Preiſe von 20 Pf.
herausgegeben, die alle Angaben und Liedertexte gena
wie das Feſtbuch für den einen Tag enthalten. Die
ſind nur bei Thies Nachf. und an der Kaſſe im Saalba
zu haben. Der Verkauf der Tageskarten hi
begonnen, und iſt diesmal beſonders große Nachfrag
für den zweiten Feſttag, ſo daß es empfehlenswert e
ſcheint, für dieſen Tag ſich die Karten bald zu be
ſchaffen.
Von auswärtigen großen Zeitungen und Fachzei
ſchriften wird eine große Anzahl von Referenten z
dem Feſte hierherkommen. Infolge eines unliebſame
Verſehens iſt im Feſtbuch die Mitteilung vergeſſe
worden, daß der Blumenſchmuck für den Teeſalon de
ollerhöchſten Herrſchaften von der Blumenhand
lung des Frl. Käthe Remlinger, Wilhelminer
ſtraße dahier, in liebenswürdigſter Weiſe zur
Ve=
fügung geſtellt worden iſt, wie dies auch ſchon im Vo
jahre ſeitens dieſer Firma geſchehen war.
— Eſperanto. Morgen (Dienstag) abend begint
der vor einiger Zeit angekündigte Eſperanto
Kurſus, der von einem Sprachlehrer geleitet wir
im Kaiſerſaal (Alpenzimmer), Grafenſtraße.
X Schutzmannsſchule. Am Samstag vormitte
nahm der elfte Unterrichtskurſus der gemeit
ſamen Schutzmannsſchule für das Großherzogtu
Heſſen, an welchem ſechs Schutzleute aus Darmſtad
vier Schutzleute aus Mainz, ein Schutzmann au
Gießen und ein Schutzmann aus Worms, zuſamme
zwölf Mann, teilnahmen, nach achtwöchiger Dauer m
einer Prüfung ſein Ende. Zu der Prüfung, weld
unter dem Vorſitz des Herrn Regierungsrats D
Kranzbühler ſtattfand, waren außer den Unte
richtserteilern noch verſchiedene Herren als
Vertret=
der beteiligten Städte erſchienen. Das Reſultat de
Prüfung kann als günſtig bezeichnet werden. A
Nachmittage fand noch eine praktiſche Prüfung i
Rettungs= und Krankenbeförderungsdienſt, ſowie
Turnunterricht ſtatt, welche von dem Führer der hi
ſigen Freiwilligen Sanitäts=Hauptkolonne und ſeiter
eines Mitgliedes der Turngemeinde Darmſtadt geleit
wurde.
* Saalbaukonzerte. Dem zweiten Dienstag.
Abonnementskonzert (31. Mai) der vollzähligen Kapel
des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 liegt ein bedeute
des Programm zugrunde. Außer Werken wie Ouve
türe zu „Egmont” von L. van Beethoven, Euryant!
von C. M. von Weber, „Lohengrin” von R. Wagne
balken über zwei Meter mißt, würde den Darſteller
überanſtrengen; man hat alſo ein zweites Kreuz,
deſ=
ſen Balken gehöhlt ſind. Da aber auch dieſes noch ein
ziemliches Gewicht erreicht, ſo wird das Fallen unter
dem Kreuz zu einem techniſchen Kunſtſtück, und die
Mo=
mente der Begegnung mit Veronika und insbeſondere
die Szene, da der todgeweihte Chriſtus ſeiner Mutter
begegnet, ſind für den Darſteller äußerſt ſchwierig.
Der große Moment des Spieltages, die Kreuzigung,
nimmt eine halbe Stunde in Anſpruch. Für den
Dar=
ſteller ſind die Vorbereitungen am meiſten
empfind=
lich. Denn da der Körper auf das Kreuz gelegt wird,
muß der Kopf möglichſt aufrecht gehalten werden, um
dem Darſteller die Dornenkrone nicht zu ſehr fühlbar
zu machen. Aus den wenigen Minuten wird alſo
durch die gymnaſtiſche Ueberanſtrengung des Nackens
eine überlange peinliche Zeit, und das Emporrichten
des Kreuzes gleicht einer Befreiung. Intereſſant iſt
die Art der Befeſtigung am Kreuze. Ein Trikot
ver=
birgt das aus ſtarken Bändern gefertigte Korſett, das
an den Lenden befeſtigt iſt und hinter den Schultern
einen Ring zeigt, der an dem Querbalken des
Kreu=
zes feſtgehakt wird. Die Füße ruhen auf einer dem
Publikum unſichtbaren Eiſenſohle und um die beiden
Handgelenke ſchlingen ſich fleiſchfarbene Bänder, die
wiederum an dem Querbalken befeſtigt werden. Der
furchtbare Moment der Nagelung geht ohne Worte
vor ſich. Die Schläge hallen und das Publikum ſieht
mit Schrecken die Nägel durch Hände und Füße
drin=
gen. Selbſtverſtändlich ſind die Nägel ausgebaucht.
Und während ſie zwiſchen den Fingern und Zehen
ein=
dringen, werden die Blutſtröme auf das Fleiſch
ge=
malt. Das Kreuz wird aufgerichtet. Unmerklich wird
es an den Boden geſchraubt. Zwanzig Minuten la
hat der Chriſtusdarſteller am Kreuze zu verharre
Trotz der künſtlichen Entlaſtungsverſuche befindet ſ
hier der Körper in äußerſt angeſtrengter Lage. D
Oberkörper ſinkt allmählich und in den geſpannt
Armen kreiſt das Blut träger und träger, bis völli
Fühlloſigkeit eintritt. Dabei ereignen ſich bisweil
Zwiſchenfälle, die die Schwierigkeiten der
Situati=
noch verſchärfen. Einmal fehlte der Stahlverband, d
das Kreuz auf dem Bühnenboden zu verſichern h
In höchſter Not behalf man ſich mit einer Kette, u
Lang hing am Kreuze mit dem Bewußtſein, jeden M
ment mit dem ſchweren Kreuz von fünf Meter Hö
ſtürzen zu können, während er ſelbſt machtlos und
feſſelt war. Ein anderes Mal löſte ſich die Feſſel d
linken Hand, und um den Arm am Kreuzbalken zu I
laſſen, hielt Lang ſich mit den Mittelfingern am Nag
feſt, aber plötzlich löſte ſich der Nagel aus dem Hol
und Lang mußte krampfhaft ſeinen Arm ohne Stü
nach oben halten. Als er bei dem Verſcheiden d
Haupt ſchwer auf die Bruſt ſinken ließ, erhöhte ſich k
körperliche Anſtrengung noch, und erſt nach qualvoll
fünfzehn Minuten, nachdem die Mitwirkenden die E
tuation erkannt hatten, erfolgte die Kreuzabnahn
ohne daß das Publikum die Störung bemerkt hät
Die Kreuzabnahme ſelbſt muß äußerſt langſam
u=
vorſichtig vorgenommen werden, da die Arme vollſtä
dig „eingeſchlafen” ſind und eine raſch wiederhere
ſtellte Blutzirkulation Kongeſtionen oder zum mink
ſten unwillkürliche Körperbewegungen hervorruf
könnte.
Nummer 123.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 191
Seite 3.
Fackeltanz von Meyerbeer uſw., wird der Cornet à
Piſton=Virtnoſe Herr Ehlers (Schüler des
Kammer=
muſikers Herrn L. Kümmel von hier) das 6. Air=Varie
von Ch. de Beriot auf dem Piſton zum Vortrag
brin=
gen. Im Gartenſaale findet auf vielfachen Wunſch
Tanz ſtatt. Der Garten iſt wiederum feſtlich beleuchtet.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche: Butter ½ Kg. 1,30 M., in Partien
1,20 M., Eier 6—7 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., vorjährige Kartoffeln Zentner
3—4 M., Kumpf (10 Liter) 50—60 Pf., ½ Kg. 3—5 Pf.,
neue Italiener Kg. 15—16 Pf.; Obſt uſw.: vorjährige
Aepfel ½ Kg. 15—25 Pf., Zitronen 4—5 Pf., Apfelſinen
6—8 Pf., ausländiſche Kirſchen ½ Kg. 60 Pf., Ananas=
Erdbeeren ½ Kg. 1,50 M., unreife Stachelbeeren ½ Kg.
30 Pf.; Salat, Gemüſe u. dgl.: Kopfſalat 4—6 Pf.,
Bündel Radieschen 2 Pf., Bündel Rettiche 6—10 Pf.,
Meerrettich 20—30 Pf., Rhabarber ½ Kg. 10—15 Pf.,
Roterüben ½ Kg. 8 Pf., Zwiebeln Kg. 10—12 Pf.,
Paradiesäpfel ½ Kg. 50 Pf., Schälgurken 20—40 Pf.,
Wir=
ſing 30 Pf., Kohlrabi 4—12 Pf., Blumenkohl 20—60 Pf.,
neues Weißkraut 35 Pf., Bündel Römiſch=Kohl,
Schnitt=
lauch, Sauerampfer, Salatgrünes 2 Pf., Spinat ½ Kg.
8—10 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 20—30 Pf., Spargel
je nach Qualität Kg. 20—45 Pf., Bündel Karotten
5—20 Pf., Kernerbſen ½ Kg. 35—40 Pf., neue Bohnen
Kg. 40 Pf.; Geflügel, Wildbret: junge Gänſe
7—8 M., Enten 3—4 M., Hahnen u. Hühner 2,00—3,50 M.,
Tauben 70 Pf.; Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 1 M., andere
Rheinfiſche 40 Pf., Rotzungen 50 Pf., Maifiſche 30 Pf.,
Kabeljau, Seehecht, große Schellfiſche 25 Pf., kleine
Schell=
fiſche 18—20 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.:
Rindfleiſch 56 Pf., Hackfleiſch 60 Pf., Rindsfett 50 Pf.,
Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch 90 Pf.,
Leber= u. Blutwurſt 64 Pf., Fleiſchwurſt u.
Schwarten=
magen 85 Pf.
X Feſtgenommen. Am Samstag vormittag wurden
ein 26 Jahre alter Schloſſer aus Poſen wegen
Ein=
bruchsdiebſtahls und ein 26 Jahre alter
Stukka=
teur aus Kaiſerslautern wegen Widerſtandes
feſtge=
nommen.
X Diebſtahl. Ein Bäckerburſche entwendete am
Freitag beim Baden am Woog einem jungen Mann
einen Panamahut im Werte von etwa 30 Mark.
Heugrasverſteigerung. Für 31 Hektar = 124
beſſiſche Morgen Heugras von der ſtädtiſchen
Pallaswieſe wurden bei der Verſteigerung am
Freitag nachmittag 7073 Mark erlöſt, alſo
durchſchnitt=
lich 228 Mark für den Hektar. Das Gras ſteht ſehr gut,
die Beteiligung, beſonders aus den Landorten der
Um=
gebung, war ſehr ſtark; der Erlös übertrifft den des
Vorjahres nicht unweſentlich. Die Ernte muß bis zum
25. Juni weggebracht ſein. Gleichzeitig wurde die
Gras= und Kleenutzung von den ſtädtiſchen
Grund=
ſtücken am Darmbach zunächſt des Pfarrwieſenweges
verkauft und dafür nahezu 600 Mark erzielt.
Erbach, 27. Mai. Heute früh verſtarb in Sandbach
im Alter von 62 Jahren Herr Pfarrer Emil
Bern=
hard. Der Verſtorbene, der einer ſchweren
Lungen=
entzündung zum Opfer fiel, war über 30 Jahre
Seel=
ſorger in Sandbach und erfreute ſich als ſolcher
allge=
meinſter Zuneigung und Verehrung. Auch weit über
ſeinen eigentlichen Wirkungskreis hinaus war der
jo=
viale, gemütliche alte Herr eine äußerſt beliebte und
gerngeſehene Perſönlichkeit, der man in allen Bevöl=
Ukerungsſchichten die größte Hochachtung
entgegen=
brachte. (Krsbl.)
Lindenfels, 27. Mai. Der 44jährige
Oberbahn=
aſſiſtent Franz Sauer von Mainz war hier in einem
Sanatorium untergebracht. Am 22. Mai entfernte er
ſich von dort und iſt ſeitdem verſchwunden.
Sauer iſt etwa 1,65 Meter groß, ſchmale Statur, hat
dunkelblonde Haare, dunkelblonden, ziemlich ſtarken
Schnurrbart, ſcheuen, krampfhaften Blick; bekleidet iſt
er mit graukariertem Anzug, Stehkragen und
Schnür=
ſtiefeln.
H.B. Offenbach a. M., 28. Mai. Heute nacht hat ſich
die aus Worms gebürtige, 26 Jahre alte Lehrerin
Saßmannshauſen, die an der Mathildenſchule in
Offenbach wirkte, mit einem Revolver erſchoſſen.
Aus hinterlaſſenen Briefen geht hervor, daß die Leh=
rerin die Tat wegen hochgradiger Nervoſität
be=
gangen hat.
X Mainz, 27. Mai. Die Vorbereitungen zur
Lan=
desverſammlung des Heſſiſchen Hauptvereins
des Evangeliſchen Bundes, die am 10. und
11. Juli in unſerer Stadt gehalten werden wird,
nehmen einen guten Fortgang. Der Feſtausſchuß aus
der Stadt, den Vororten, der Provinz und der näheren
Umgebung weiſt ſchon über 150 Namen von Männern
in führender Stellung und aus allen Ständen auf;
mehr als 50 Gemeinden ſind vertreten. Die
Feſtord=
nung ſteht nunmehr feſt. Sonntag vormittags um
die=
ſelbe Zeit (½10 Uhr) findet in den evangeliſchen
Kir=
chen der Stadt und der Vororte Feſtgottesdienſt ſtatt,
danach Jugendgottesdienſte. Nachmittags um ½4 Uhr
pünktlich beginnt die große evangeliſche
Volksverſamm=
lung im großen Saale der Stadthalle. Die
Verſamm=
lung hat zum Thema: „Was uns Evangeliſche eint”.
Es wird in Lied (drei Geſamtchören der vereinigten
Kirchengeſangvereine der Stadt und der Vororte ſowie
gemeinſam geſungenen Liedern) und Rede (drei
An=
ſprachen) behandelt. Abends iſt Feſtverſammlung im
evangeliſchen Vereinshauſe, die die Begrüßungen der
Behörden und Vereine bringt und zum Thema hat:
„Die Vergangenheit, eine Mahnung an die
Gegen=
wart”, das in zwei Anſprachen („Die evangeliſche
Be=
wegung in Mainz” und „Die rheinheſſiſche Union”) zu
uns redet und durch muſikaliſche Vorträge umrahmt
wird. Anderen Vormittags iſt im evangeliſchen
Ver=
einshauſe Abgeordneten= und Mitgliederverſammlung,
in der nach Begrüßungen, ſowie Erſtattung des Jahres=
und Rechenſchaftsberichtes in Vortrag und Ausſprache
die Frage behandelt werden ſoll, wie „Evangeliſcher
Bund und evangeliſches Gemeindeideal” ſich zueinander
verhalten. Mittags iſt gemeinſames Eſſen, eine
ge=
meinſame Rheinfahrt wird die Tagung beſchließen.
— Mainz, 27. Mai. Das 19. Verbandsfeſt
der mittelrheiniſchen evangeliſchen
Ar=
beitervereine, das, mit der 16jährigen
Stiftungs=
feier und Fahnenweihe des Mainzer Vereins
verbun=
den, am 19. Juni in unſerer Stadt ſtattfindet, hat
fol=
gende Ordnung: Vormittags 9 Uhr Ankunft der
aus=
wärtigen Feſtgäſte, danach Zug zur Chriſtuskirche, dort
um ½10 Uhr Feſtgottesdienſt, darauf
Delegiertenver=
ſammlung im evangeliſchen Vereinshaus; mittags ½1
Uhr dort gemeinſames Mittageſſen; nachmittags um
½3 Uhr Feſtzug durch die Stadt zur Stadthalle, dort,
umrahmt von Männerchören und gemeinſam
geſunge=
nen Liedern, Begrüßungsanſprache durch den Mainzer
Vereinsvorſitzenden und Feſtrede und Fahnenweihe
durch den Verbandsvorſitzenden, ſowie Konzert= und
Geſangsvorträge. Anmeldungen zum Feſte laufen
fortgeſetzt ein:
Mainz, 28. Mai. Der 21jährige Kellner Pol aus
Spanien hat ſich geſtern abend am Rhein vier
Kugeln in den Kopf und zwei in die Bruſt geſchoſſen.
Der lebensgefährlich Verletzte kam ins Hoſpital. — Zur
gleichen Zeit wurde auf der Mathildenſtraße der 19
jäh=
rige Schreiner Hch. Retter aufgefunden, der Lyſol
ge=
trunken hatte. Retter iſt heute früh geſtorben.
— Mainz=Mombach, 27. Mai. Der Großverſand
des Frühſalats iſt jetzt beendet. Seit vielen Jahren
dürfte der Verſand keinen ſolch großen Umfang erreicht
haben wie in der diesjährigen Saiſon. Von den zirka
6 Millionen Stück Kopfſalat kamen mindeſtens 4 Millionen
Stück zum Verſand. An manchen Tagen gingen allein 40
bis 50 Waggon Salat am hieſigen Bahnhof ab. Trotz der
vorzüglichen Ernte — man kann ſie als volle Jahresernte
bezeichnen — erreichte der Preis heuer nicht den Tiefſtand
früherer Jahre, er ſank nicht unter 2 Mark per 100 Stück.
Der Geſamtertrag dürfte daher in dieſem Jahre für
die hieſige Gemeinde allein zirka 100000 Mark
betra=
gen, eine Einnahme, die unſeren fleißigen Landwirten
wohl zu gönnen iſt. Der ſetzt noch auf dem Felde ſtehende
Salat muß raſch abgeerntet werden, da er infolge der
ab=
norm warmen Witterung bereits zu „ſchießen” anfängt.
Oppenheim, 26. Mai. Zu den
Unterſchlagun=
gen des Juſtizrats Hubert. Das hieſige
Amts=
gericht hat nunmehr über den Nachlaß des hier
verſtor=
benen Juſtizrates Notars Peter Hubert auf Grund des
§ 1960 B. G. B. die Nachlaßpflegſchaft angeordnet und den
Amerikaniſche Paradegäſte in Berlin.
unge. In wenigen Tagen, am 1. Juni, wird
Ber=
lin wieder das glänzendſte militäriſche Schauſpiel des
Jahres erleben: die Frühjahrsparade. Sie iſt
nicht nur ein Feſttag für die Berliner Schuljugend,
deren Schulunterricht ausfällt, ſie iſt allmählich auch
zu einer Art von Fremdenattraktion
gewor=
den. Namentlich auf die nordamerikaniſchen
Touri=
ſten übt die Frühjahrsparade eine ſtarke
Anziehungs=
kraft aus. Die Globetrotter aus dem Lande der
Dol=
lars ſind auch in dieſem Frühling in endloſen
Scha=
ren nach dem alten Feſtlande unterwegs. Sie
kom=
men mit jedem großen Paſſagierdampfer in hellen
Haufen dahergezogen. Und viele von ihnen bringen
bevor ſie zum Grand Prix nach Paris fahren, einige
Tage in Berlin zu, um die Kerntruppen des deutſchen
Heeres an ihrem oberſten Kriegsherrn, dem Kaiſer,
vorbeimarſchieren zu ſehen.
Die vornehmen Hotelpaläſte Berlins beherbergen
äugenblicklich eine Menge Amerikaner. Soweit ſie
männlichen Geſchlechts ſind, erlaubt es die Mode von
heute, ſie ſchon von weitem zu erkennen, — an ihren
glatten, bartloſen Geſichtern und vor allem an ihren
weiten, viel zu weiten Anzügen, die auch den
Schlan=
ken ein breites, unterſetztes Ausſehen und auch den
Schmächtigen maſſive Schultern verleihen. Ihnen
freilich erſcheint unſere Art des Kleidens ebenſo
ſelt=
ſam wie die ihrige uns. Eine junge Amerikanerin,
die in einer Berliner Geſellſchaft befragt wurde, was
ihr hier am meiſten auffiele, antwortete: „Daß alle
Herren zu eng angezogen ſind!”
In Landauern
oder Automobilen fahren die Paradegäſte bis an den
Fuß der hohen Holztribünen längs der Tempelhofer
Chauſſee. Dienſtbefliſſene Beamte gleiten ſie, genau
wie im Theater, an ihre Sitze. Und genau wie im
Theater erhalten ſie ein Programm, auf dem die
Na=
men der einzelnen Truppenteile und ihrer Führer in
der richtigen Reihenfolge verzeichnet ſtehen. Dieſe
Tribünen, deren beſte Plätze übrigens recht teuer ſind,
haben nur den einen Nachteil, daß ſie ſehr weitab von
dem eigentlichen Paradefelde liegen. Doch unſere
Ame=
rikaner wiſſen dafür Rat. Sie ſind mit mächtigen
Krimſtechern oder ſogar mit richtigen Fernrohren
be=
waffnet, daß man meinen könnte, ſie wollten nach
einem Kometen Umſchau halten. Aber ſelbſt mit dem
beſten Glaſe iſt der Kaiſer aus der bunten Reitergruppe
auf der gegenüberliegenden Seite des Feldes nur
ſchwer herauszuerkennen. Dafür iſt allerdings der
Ueberblick über das ganze bewegte militäriſche Bild
um ſo großartiger=
Die Amerikaner ſind ein dankbares
Paradepubli=
kum und geben ihrer Bewunderung und Anerkennung
lauten, oft geradezu begeiſterten Ausdruck. Iſt der
Vorbeimarſch beendet, ſo fahren ſie ſo ſchnell wie
mög=
lich zurück nach der Stadt, um an der hiſtoriſchen Ecke
der Friedrichſtraße und der Linden den Kaiſer,
um=
geben von ſeinen ſtattlichen jungen Söhnen, an der
Spitze der Fahnenkompagnie nach dem Schloſſe zurück
reiten zu ſehen. Da miſcht ſich wohl in die Hurrarufe
der Berliner manches kräftige „Cher for the Emperor!”
aus Yankeekehlen. Sonſt merkt Berlin nicht viel von
dieſen amerikaniſchen Frühlingsgäſten, unter denen
auch diesmal wieder einige Träger von Namen ſind,
bei deren Nennung man alſogleich an ſechs=,
ſieben=
oder achtſtellige Zahlen denken muß. Die Abende
ver=
bringen ſie wohl in den Theatern, tagsüber aber ſitzen
ſie, wie es ſcheint, am liebſten in den bequemen, tiefen
Lederſtühlen der Hotelhalle, mit einem Whisky und
Soda zur Seite — oder auch nur mit einem Glaſe
Eis=
waſſer, wenn ſie den nach deutſchen Begriffen nicht ſehr
ſoldatiſchen Schwur zur Fahne des Temperenzlertums
geleiſtet haben. . .
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Robert Koch †. Der berühmte Bakteriologe
Robert Koch iſt am Freitag nachmittag in Baden=
Baden geſtorben. Er ſtarb im 67. Lebensjahre. Bis
zuletzt war er mit einer neuen großen Arbeit über eine
neue Heilmethode bei Tuberkuloſen beſchäftigt. Der
Tod trat abends um 7 Uhr infolge Herzſchwäche ein.
Profeſſor Dr. Koch, der ſeit acht Tagen in dem
Sana=
torium der Doktoren Frey und Dengler weilte, war
bereits in ſchwerkrankem Zuſtande hierher gekommen.
Wann und wo die Beerdigung ſtattfindet, iſt noch nicht
beſtimmt.
Robert Koch war am 11. Dezember 1843 zu
Klaus=
thal geboren. Von 1862 bis 1866 ſtudierte er in
Göttingen und arbeitete, nach Abſchluß ſeines
Stu=
diums, als Aſſiſtent am allgemeinen Krankenhauſe zu
Hamburg; 1866 ließ er ſich in Langenhagen bei
Han=
nover und ſpäter in Rackwitz in Poſen nieder, kam 1872
als Phyſikus nach Wollſtein und folgte 1880 einem Rufe
als ordentliches Mitglied in das Reichsgeſundheitsamt.
1883 leitete er als Geh. Regierungsrat die deutſche
Cholerakommiſſion nach Aegypten und Indien und
ent=
deckte den Kommabazillus als Träger des Choleragiftes,
1884 erhielt er vom Reich eine Dotation von 100000
Mark. 1885 wurde er ordentlicher Univerſitätsprofeſſor
und Direktor des hygieniſchen Inſtituts in Berlin.
1896 ſandte ihn die engliſche Regierung zum Studium
der Rinderpeſt nach Südafrika, 1897 war er Leiter der
deutſchen Peſtkommiſſion in Indien und trieb dann
Rechtsanwalt Eſpenſchied in Oppenheim als
Nachlaß=
pfleger beſtellt. Zu der Affäre wird noch berichtet: Die in
Verwahr gehabten Depots ſind teilweiſe angegriffen,
manche verſchwunden und andere als vorhanden gar nicht
verzeichnet. Vor nicht ſo langer Zeit hatte eine Reviſion
ſtattgefunden, bei der alles in Ordnung geweſen ſein ſoll.
Wo das Geld hingekommen iſt, darüber wird die
eingelei=
tete Unterſuchung vielleicht Aufklärung bringen. Viele
Leute, die ihr volles Vertrauen in den Verſtorbenen geſetzt
hatten, ſind ſchwer getäuſcht worden und verlieren teils
ganz beträchtliche Summen. Ein harter Schlag für
man=
chen bei den ohnedies daniederliegenden wirtſchaftlichen
Verhältniſſen. Die bis jetzt angemeldeten perſönlichen und
dienſtlichen Forderungen dürften ſich auf über 200000
Mark belaufen. Wie weit für dieſe Deckung vorhanden
iſt, wird ſich aus der genaueren Vermögensaufſtellung erſt
ergeben. Es ſoll wohl Ausſicht beſtehen, daß die
dienſt=
lichen Fehlbeträge durch vermögende Verwandte ganz
oder teilweiſe gedeckt werden. Nach und nach werden
Einzelheiten bekannt, die mit dem Tode von Hubert
zu=
ſammenhängen; er ſoll drei Wochen vorher durch
Teſta=
ment ſeine Familie enterbt und verfügt haben, daß ſeine
Leiche verbrannt und die Aſche nachts durch einen
Ver=
trauensmann in den Rhein geſtreut werden ſoll.
Das iſt auch tatſächlich geſchehen, und wenn jetzt bekannt
wird daß große Beträge durch Hubert unterſchlagen
wor=
den ſind, ſo liegt die Vermutung nur gar zu nahe, daß er
ſelbſt Hand an ſich gelegt und durch die Verbrennung alle
Spuren und Nachforſchungen unmöglich gemacht hat.
Leiſelheim, 27. Mai. Durch unvorſichtiges
Hantie=
ren mit einem Flobertgewehr iſt geſtern morgen
leider ein Unglücksfall vorgekommen. Der etwa
9jährige Kurt Lob hatte ſeinen gleichalterigen
Spiel=
kollegen Fritz Schmidt in Abweſenheit der Eltern mit
in die Wohnſtube genommen, um ihm ein
Flobert=
gewehr zu zeigen. Hierbei ging das Gewehr los und
die Ladung drang dem Schmidt ins Geſicht, ſodaß das
eine Auge vollſtändig auslief. Der bedauernswerte
Junge mußte ins ſtädtiſche Krankenhaus gebracht
wer=
den, wo er ſchwer verletzt daniederliegt.
Gießen, 27. Mai. Eine recht myſteriöſe
Ange=
legenheit beſchäftigt gegenwärtig mehrere Behörden.
Der Arbeiter Paul Gottwald von hier verließ im
Oktober v. J. ſeine Familie, angeblich, um auswärts
Arbeit zu ſuchen, und ließ nichts mehr von ſich hören.f Am
16. Dezember 1909 wurde nun in Frankfurt a. M. eine
bereits ſtark verweſte unbekannte männliche Leiche aus
dem Main geländet und Frau Gottwald erkannte mit
Be=
ſtimmtheit die Kleider der Leiche als die ihres Mannes
an, obgleich der Trauring und der Militärpaß, den
Gott=
wald mit ſich führte, nicht vorhanden waren. Gottwald
wurde für tot erklärt und ſeiner Ehefrau wurden die
In=
validen= und Sterbegelder ausbezahlt. In dieſem
Früh=
jahr nun wurde in Aachen ein Mann wegen
Obdachloſig=
keit ſiſtiert und wieder freigelaſſen, der ſich mit dem
Mili=
tärpaß des Gottwald legitimierte. Man neigte zur
An=
nahme, es ſei ein Verbrechen verübt worden, weshalb auf
den Beſitzer des Gottwaldſchen Militärpaſſes gefahndet
wird. Die Sache wird wohl nicht eher geklärt werden
kön=
nen, bis dieſer Mann ermittelt und der Frau Gottwald
gegenübergeſtellt iſt, denn aller Wahrſcheinlichkeit nach hat
ſich die Frau doch geirrt und ihr Mann lebt noch.
(G. Anz.)
Gießen, 28. Mai. Stadtv. Dr. Ebel hatte vor
längerer Zeit den Antrag geſtellt, das unheraldiſche
Wappen der Stadt durch ein richtigeres zu
er=
ſetzen. Der Antrag wurde damals grundſätzlich
ange=
nommen und Dr. Ebel mit der Ausarbeitung eines
neuen Wappens auf der Grundlage älterer Stadtſiegel
beauftragt. In der Stadtverordnetenſitzung legte er
zwei farbige Entwürfe als Ergebnis ſeiner Forſchungen
dar und ſchlug ſchließlich vor, entſprechend einem
vor=
handenen Reiterſiegel ein goldenes Schildwappen als
Wappen der Stadt zu wählen, auf dem ein Reiter
(Heinrich das Kind) ſich befindet. Die Zugehörigkeit der
Stadt zu Heſſen ſoll durch einen rotweißen Löwen, die
tübingiſche Gründung der Stadt durch eine rote
drei=
wimpelige Fahne ausgedrückt werden. Auf dem Schild
ſoll ein altheſſiſcher Helm (mit ſilbernen Hörnern und
Blattſtengeln) angebracht werden. Stadtv. Dr. Ebel
ſchlug ſchließlich vor, das Wappen von dem bekannten
Studien über Malaria in Deutſch=Oſtafrika; zu gleichen
Zwecken reiſte er 1899 nach Java und dem Malaiiſchen
Archipel. Später war er Leiter der vom Deutſchen
Reich zur Erforſchung der Schlafkrankheit nach Oſtaſien
entſandten Expedition. 1905 erhielt er den Nobelpreis.
Koch war Mitglied des Staatsrats, Ehrenbürger von
Berlin und Wirkl. Geheimer Rat mit dem Titel
Exzellenz.
* Profeſſor Ludwig Habich hat die Berufung
an die Stuttgarter Kunſtakademie an Stelle
des verſtorbenen Profeſſors A. Donndorf angenommen.
Der Bildhauer, deſſen David Friedrich Strauß=
Denk=
mal in Ludwigsburg vor kurzer Zeit enthüllt wurde,
hatte bis jetzt eine Profeſſur für dekorative Plaſtik an
der Stuttgarter Techniſchen Hochſchule inne.
* Brüſſel, 27. Mai. Zur Beſichtigung der
deutſchen Abteilung der
Weltausſtel=
lung weilten die Mutter des Königs der Belgier,
Gräfin Flandern, ſowie die Schweſter des Königs,
Joſephine nebſt Gemahl und die Prinzen Karl
und Anton von Hohenzollern auf der
Ausſtel=
lung, woſelbſt die Damen vom Reichskommiſſar,
Ge=
heimerat Albert, und Geheimerat Ravené empfangen
wurden. Der Beſuch dehnte ſich ungewöhnlich lange
aus, weil die Herrſchaften außerordentlich lebhaftes
Intereſſe an der deutſchen Ausſtellung nahmen und ſich
viele Einzelheiten erklären ließen. Beſonderes
Inter=
eſſe erweckten die Abteilung Raumkunſt, wo Aſſeſſor
Haniel führte, ſowie die Unterrichtsabteilung des
preußiſchen Kultusminiſteriums, wo Dr. Moſch die
Erklärung übernahm. In der Maſchinenhalle, die in
vollem Betrieb war, beſichtigten die Damen zahlreiche
Spezialmaſchinen und bewunderten vor allem die
mächtigen Krane in Tätigkeit; Chefingenieur Fritſche
hatte hier die Führung. In der Eiſenbahn=Abteilung
beſtiegen die Herrſchaften einen Vierteklaſſewagen,
Reichskommiſſar mit warmen Worten zu dem großen
inneren Erfolg und der glänzenden äußeren
Erſchein=
ung der deutſchen Abteilung, vor allem auch zu der
pünktlichen Fertigſtellung.
* Spielplan des Großh. Hof= und Na
tional=Theaters in Mannheim. Montag,
30. Mai: Der dunkle Punkt. Dienstag, 31.: Hoffmanns
Erzählungen. Mittwoch, 1. Juni: Das Konzert.
Don=
nerstag, 2.: Die Fledermaus. Freitag, 3.: Tiefland.
Samstag, 4.: Keine Vorſtellung. Sonntag, 5.: Zum
erſten Male: Die Großherzagin von=Gerolſtein.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
Nummer 123.
heraldiſchen Maler Hupp in Schleißheim zeichnen zu
laſſen. Die genauere Beſtimmung des neuen Wappens
wurde dem Vorſchlagsausſchuß überwieſen.
Volkartshain (Kreis Schotten), 28. Mai. Unſere
kleine, aber ſehr fortſchrittlich geſinnte Gemeinde hat
ſich nun entſchloſſen, ein neues einklaſſiges
Schulhaus in Fachwerkbau mit Lehrerwohnung nach
den Plänen des Großh. Kreisbauinſpektors Witzler in
Schotten zu erbauen. Die Arbeiten und Lieferungen
hierzu ſind zurzeit öffentlich ausgeſchrieben; mit dem
Bau ſoll ſo bald als möglich begonnen werden. Auch
unſere Feldbereinigung, die für die hieſige
Ge=
markung als erſte im hohen Vogelsberg im vorigen
Jahre beſchloſſen worden iſt und zu der noch mehrere
Fluren unſerer Nachbargemarkung Ober=Seemen
zu=
gezogen worden ſind, macht recht gute Fortſchritte.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 28. Mai. Wie bereits
mitgeteilt, leidet der Kaiſer an einem Furunkel
in der Gegend des rechten Handgelenks. Nach dem
„Lok.=Anzeiger” handelt es ſich um einen Inſektenſtich,
der eine ziemliche Schwellung hervorgerufen habe. Um
jeder Gefahr einer Blutvergiftung vorzubeugen, iſt
die Geſchwulſt, die ganz unbedeutend iſt, geſchnitten
worden. Der Kaiſer, der ſich in der Behandlung des
Generalarztes Dr. von Ilberg befindet, kann die Hand
ohne Störung gebrauchen und darf ausgehen. Wegen
dieſer leichten Erkrankung iſt der Beſuch in Alt=
Mad=
litz beim Bankier Delbrück, der für heute angeſagt war,
aufgegeben worden. Das Befinden des Monarchen iſt
im übrigen vorzüglich, ſodaß die für den Empfang des
belgiſchen Königspares getroffenen Dispoſitionen
be=
ſtehen bleiben. — Auf der Potsdamer Chauſſee, in der
Nähe des neuen Botaniſchen Gartens, hat ſich heute
früh ein ſchwerer Autounfall ereignet. Dort
ſtieß ein Geſchäftswagen der Obſthandlung von Lüch
u. Werdergang aus Potsdam mit dem Automobil des
Fuhrwerksbeſitzers Müller aus Zehlendorf ſo
unglück=
lich zuſammen, daß die Deichſel des Wagens dem
Mül=
ler, der das Auto ſteuerte, in den Unterleib drang. Der
Schwerverletzte wurde nach dem Kreiskrankenhaus
Lich=
terfelde gebracht, ſtarb jedoch auf dem Wege dorthin.
Die Inſaſſen des Autos, ein Herr und eine Dame,
wurden durch Glasſplitter im Geſicht und an den
Hän=
den verletzt; beide erhielten im Krankenhaus die
not=
wendigen Verbände. Augenzeugen glauben, daß der
Kutſcher des Wagens den Unfall herbeigeführt habe,
weil er ſtatt rechts plötzlich links gefahren ſei. Müller
konnte mit ſeinem Auto nicht mehr ausweichen.
Heute früh ſtürzte auf dem Abbruchgrundſtück
Alexandrinenſtraße Nr. 26 die Vorderfront ein.
Sämtliche zurzeit des Unglücks dort beſchäftigten zehn
Arbeiter ſind dabei verunglückt. Von dieſen
war der Sohn des die Arbeiten leitenden Poliers
Mercier ſofort tot; ein anderer Arbeiter, namens
Kerſten, iſt ſpäter geſtorben.
Frankfurt, 28. Mai. In dieſen Tagen wird ein reizend
gelegenes Ferienheim eröffnet, in welchem 24 bis 30
kränklichen und ſchwächlichen Kindern unſerer Stadt ein
Kuraufenthalt von einem Monat in geſunder Waldluft
gewährt wird. Es iſt dies das Odenwaldhaus des
Frankfurter „Kurvereins für kränkliche Kinder‟ Dieſer
Verein hat ſeit ſeinem Beſtehen ſchon Tauſende von
Kin=
dern in Solbädern, namentlich in Orb und andern
Kur=
orten, untergebracht. Um nicht nur auf den guten Willen
der Kinderheilſtätten und den in ihnen etwa vorhandenen
Platz angewieſen zu ſein, hat der Verein zunächſt mit
beſcheidenen Mitteln am Fuß des Odenwaldes
bei Nieder=Ramſtadt ein Landhaus errichtet.
Aeußerſt maleriſch an einer Waldecke gelegen, macht das
Haus mit ſeinem hohen Ziegeldach, ſeiner ſchattigen
Veranda, deren Dach eine breite Allee bildet, einen gar
herrlichen, ſo recht zu behaglicher Ruhe einladenden
Ein=
druck. Architekt Clennartz, hier, hat den Bau entworfen
und ausgeführt, die dem Bauſtil und der Lage angepaßte
Gartenanlage war dem Gartenarchitekten Hans Kayſer
übertragen. Manche dankenswerte Zuwendungen ſind dem
Hauſe von Freunden der Kinder gemacht worden.
Frei=
herr v. Bethmann hat zwei Freiplätze geſtiftet, die ſel.
Frau Andreae=Lemmé hat ihm 1000 Mark vermacht. Die
Firma Bünte & Remmler verſah das Haus mit ſchönen
Hänge= und Tiſchlampen, durch Vermitllung des Herrn
Meißner wurde ihm eine Glocke zugewendet.
Augsburg, 27. Mai. Als die 18jährige einzige Tochter
der Obſthändlerin Ehrmann beim Ankleiden zur Fron=
leichnamsprozeſſion Spiritus in den
Brenn=
apparat nachfüllte, erfolgte eine Exploſion. Das
Mädchen erlitt furchtbare Brandwunden und ſtarb nach
einigen Stunden.
Merzig, 28. Mai. In Dreisbach, Kreis Merzig, kam
es zu einer blutigen Schlägerei zwiſchen
Zigeunern, wobei geſtochen und geſchoſſen wurde.
Ein Zigeuner wurde durch einen Revolverſchuß
nieder=
geſtreckt zwei andere wurden lebensgefährlich verletzt.
Auch ſonſt wurden noch mehrere ſchwer, wenn auch nicht
ebensgefährlich, verletzt. Die Polizei verhaftete zwei
der Haupttäter.
Leipzig, 27. Mai. Das Reichsgericht verwarf die
Reviſion des Tiſchlergeſellen Valentin Kosziol, der
vom Schwurgericht in Liſſa am 14. April wegen Mordes
und Sittlichkeitsverbrechens in zwei Fällen zum Tode
verurteilt worden iſt. Nach einem früheren Urteil war
er wegen den gleichen Straftaten in vier Fällen zum Tode
verurteilt worden, aber das Reichsgericht hob in zwei
Fällen das Urteil auf.
Leipzig, 28. Mai. Eine Filialleiterin wurde geſtern
abend von einer ihr bekannten 23jährigen Händlerin
angeſprochen und von dieſer nach Hauſe begleitet, unter
dem Vorgeben, ſie wolle bei dem Fräulein eine Bluſe
kaufen. Als die beiden in der Wohnung der
Filial=
leiterin angelangt waren und die Wohnungsinhaberin
der Händlerin einen Augenblick den Rücken zukehrte,
warf dieſe ihr plötzlich eine Schlinge um den Hals
und verſuchte, dieſe zuzuziehen. Der Filialleiterin
ge=
lang es aber, den Strick abzufangen und ſich zu befreien.
Die Händlerin flüchtete darauf auf die Straße, wurde
aber ergriffen und verhaftet.
Stendal, 27. Mai. Aus einem Käfigwagen des
Mena=
geriezirkus Carlo Curti, der heute hier eintraf,
ent=
ſprangen am Nachmittag vier Löwen und raſten
durch die Stadt. Die Löwin und zwei junge Tiere
konn=
ten bald wieder eingefangen werden; dagegen fiel der
männliche Löwe auf den Straßen mehrere Fuhrwerke an
und brachte drei Pferden erhebliche Bißwunden bei. Nach
längerer Verfolgung gelang es, die Beſtie mittels
Schlin=
gen wieder einzufangen.
Parchim, 28. Mai. Ein ausgebrochenes Feuer
ver=
breitete ſich bei dem herrſchenden Sturme ſo raſch, daß in
kurzer Zeit ein Straßenzug völlig eingeäſchert wurde.
Wien, 27. Mai. Der Prozeß gegen
Hof=
richter vor dem Kriegsgericht wurde heute vormittag
wieder aufgenommen. Hofrichter, der ganz gebrochen
iſt und ſich völlig apathiſch verhält, begab ſich geſtern
in Begleitung des Hauptmann Ertl in den
Offiziers=
hof. Der Hof iſt mit Bäumen und Sträuchern
be=
pflanzt und weiſt einige Sitzgelegenheiten auf.
Hof=
richter verbrachte dort eine Stunde ſitzend, da ſeine
Füße den Dienſt verſagten. Er iſt während ſeiner
Haft zu einem Skelett abgemagert und ſein Geſicht
iſi ſehr ſchmal. Ueber den Verlauf der Verhandlungen
erfährt er gar nichts, obwohl er ſich öfters danach
er=
kundigt.
Palermo, 27. Mai. In Gegenwart des Königs
und der Königin, der Vertreter des Senats und der
Kammer, des Juſtizminiſters und der Behörden von
Palermo, ſowie zahlreicher Garibaldianer, die an dem
Zuge der Tauſend von 1860 teilgenommen hatten, wurde
heute das Freiheitsdenkmal zur Erinnerung an
die Angliederung beider Sizilien an das Königreich
Ita=
lien 1860 enthüllt. Die Bürgermeiſter von Palermo
und Rom, ſowie der frühere Miniſter Orlando hielten
An=
ſprachen, die mit großem Beifall aufgenommen wurden.
Paris, 26. Mai. Die Angelegenheit der
Schweſter Candide hat ſich wenigſtens
inſoweit aufgeklärt, als die verſetzten Juwelen
ſich nahezu alle in London wiedergefunden
haben. Mit Unrecht hatte man behauptet, die
Schweſter habe ſogar die Verſatzſcheine verkauft
und damit ſeien die Juwelen von unbekannter
Hand eingelöſt worden. Schweſter Candide hatte
viel=
mehr alle dieſe Scheine ihrem Notar übergeben, der
ſich nach einigem Zögern dazu verſtand, ſie dem
Unter=
ſuchungsrichter auszuliefern. Andererſeits beſchäftigt
ſich ein Advokat von Toulon damit, eine große
Geſell=
ſchaft zu bilden, um die Aktiven und Paſſiven nach
einem Akkord mit den Gläubigern zu übernehmen und
dadurch die Erhaltung der Sanatorien zu ſichern.
Kreistag des Kreiſes Darmſtadt.
St. Darmſtadt, 28. Mai.
Der Kreistag hielt heute vormittag im
Rathaus=
ſaale eine Sitzung unter dem Vorſitz des
Provinzial=
direktors Fey ab. Nach Verleſung der Präſenzliſte
werden zu Urkundsperſonen die Herren
Ortsgerichts=
vorſteher Müller=Darmſtadt und Bürgermeiſter
Müller=Roßdorf gewählt. Der Vorſitzende,
Pro=
vinzialdirektor Fey, begrüßte die anweſenden
Kreis=
tagsabgeordneten und gedachte ſodann des verſtorbenen
Vorſitzenden des Kreistages, Geheimrat von
Grancy, ſowie der verſtorbenen
Kreistagsabgeord=
neten Oberbürgermeiſter Morneweg=
Darm=
ſtadt und Bürgermeiſter Pons=Gräfenhauſen.
Zum Zeichen ehrenden Andenkens erhoben ſich die
Ver=
ſammelten von ihren Sitzen.
Bei Eintritt in die Tagesordnung führte der
Vor=
ſitzende aus, wenn er heute zum erſten Male den
Vorſitz führe, ſo wolle er verſichern, daß er der
Wohlfahrt und den Intereſſen des
Krei=
ſes Darmſtadt ein ganzbeſonderes
Augen=
merk zuzuwenden und dafür ſeine beſten Kräfte
einzuſetzen gedenke. Im Kreiſe Darmſtadt ſeien eine
große Stadt, verſchiedene große Landgemeinden mit
be=
trächtlicher Einwohnerzahl, ſowie eine Anzahl kleiner
Landgemeinden zu einem Ganzen vereinigt. Die
Inter=
eſſen, die die einzelnen Gemeinden hätten, ſeien
natur=
gemäß ſehr verſchiedenartige. Man habe ſchon
be=
haupten gehört, Stadt und Land hätten gegenteilige
Intereſſen: die moderne Entwicklung habe zu einem
Gegenſatz zwiſchen beiden geführt. Das ſei nicht richtig
und dürfe auch nie richtig werden. Stadt und Land
gehörten zuſammen, ſie ſeien =
aufein=
ander angewieſen und das müſſe auch bei
ihrer Entwicklung und demgemäß bei
ihrer Verwaltung berückſichtigt werden.
Andernfalls müßte unter dem Widerſtreit der
Inter=
eſſen der Gemeinden, wenn kein Ausgleich da wäre
Schaden und Unzufriedenheit entſtehen, und es würde
das Staatsweſen, deſſen Glieder die Gemeinden ſeien
Not leiden. Dieſer notwendige Ausgleich ſe
durch die Geſetzgebung vorgeſehen und gewährleiſtet
er ſolle im Kreisverbande und durch die
Kreisverwaltung vor ſich gehen. Die
Kreis=
verwaltung müſſe hier abwägend, vermittelnd und
ausgleichend zwiſchen ſtädtiſchen und ländlichen Inter
eſſen tätig werden. Daß die Entwicklung des größ
ten Gemeinweſens des Kreiſes, der Stad
Darmſtadt, hierbei im Vordergrunde ſtehe, ſe
ſelbſtverſtändlich. Mit der Entwicklung und dem Wohl
ergehen der Stadt Darmſtadt ſei aber das Wohl der
umliegenden Orte aufs engſte verbunden, ebenſo wie
es für Darmſtadt von beſonderer Wichtigkeit ſei, daſ
die Beziehungen zu dieſen Gemeinden enge, lebhafte
und zahlreiche ſeien, daß auch in den Landgemeinder
der Wohlſtand und die Kaufkraft ſtets zunehme, daſ
dort eine blühende Land= und Gartenwirtſchaft beſtehe
ein tüchtiger Arbeiter= und Gewerbeſtan
anſäſſig erhalten werde, in dem Zufriedenheit und nich=
Unbehagen zunehme. Das ſeien Quellen, au
denen die Stadt ebenfalls Kraft ſchöpfe
Er hoffe, daß es ihm in der Kreisverwaltung gelinge
ſtets Mittel und Wege zum richtigen Intereſſenaus
gleich in Stadt und Land zu finden. Aus dem Berich
über die Verwaltung und den Stand der Kreisver
bandsangelegenheiten für das letzte Rechnungsjahr ſe
ein günſtiger Abſchluß zu entnehmen.
Die Rechnung ſchließe in Einnahme mit 67076
Mark, in Ausgabe mit 639864 Mark ab, ſo daß ein
Ueberſchuß von 30902 Mark verbleibe. Welche reg
Entwicklung im Kreiſe herrſche, erhelle auch aus de
Tätigkeit des Kreisausſchuſſes, der im letzten Rech
nungsjahre in 26 Sitzungen 1076 einzelne Gegenſtänd
erledigt habe.
Auch der Abſchluß des Voranſchlages fü
1910 ſei ein günſtiger. Die Umlagen, die 45152.
Mark betragen, ſeien 2000 Mark niedri
ger als im Vorjahre. Er glaube, daß für 191
eine weitere Herabſetzung der Umlagen möglich ſe
Die hauptſächlichſten Ausgaben des Krei
ſes für wirtſchaftliche und ſoziale Auf
gaben wolle er kurz anführen. Dabei komme zuer
in Betracht die Straßenunterhaltung mi
142 466 Mark, wozu aber der Kreis von Staat und Prr
vinz Zuſchüſſe erhalte, ſo daß für den Kreis 52385 Mar
bleiben. Was die Straßenunterhaltung angehe, ſoll
der Anregung der Provinz entſprechend, für die
Folg=
auf die Hauptverkehrsſtraßen ein größeres Augenmer
gerichtet werden, was namentlich auch für die Stal
Darmſtadt und die großen Landgemeinden von Beder
tung ſei. Die Koſten für ortsarme Geiſtes
kranke habe der Kreis den Gemeinden abgenommer
es ſeien zurzeit 229 ortsarme Geiſteskranke zu
Laſte=
des Kreiſes mit einem Geſamtkoſtenbetrage von jähr
lich 70000 Mark in Pflege. Die Koſten für landarm
hilfsbedürftige Perſonen betragen 3000
Mark, wovon der Kreis die Hälfte vom Staate zurüc
erhält. Sehr beträchtlich ſei auch die Aufwendung de
Kreiskaſſe für Zwangserziehungskoſten,
ſeien zurzeit 272 Zöglinge zufolge Gerichtsbeſchluſſe
in die Fürſorge des Kreiſes gegeben, der dafür jährli
52000 Mark aufwende, wovon der Staat jedoch d
Hälfte trage. Dieſe Koſten ſeien ſeit 1904 um 1000
Mark geſtiegen. Es bringe das fortdauernde Steige
der Koſten die Erwägung nahe, ob nicht ſchärfere Mitt
gegen Eltern, welche die Erziehung der Kinder
ve=
nachläſſigen, ſo daß die öffentliche Hilfe eingreife
muß, durch die Geſetzgebung zu ſchaffen ſeien. B
dieſen Koſten trage der Kreis auch das eigentlich de
Gemeinden zur Laſt fallende Viertel. Die Aufwen
dungen für Epileptiſche, Blinde un
Schwachſinnige, im ganzen 52 Kinder und E
wachſene, belaufen ſich auf 26600 Mark. Auch die
Koſten würden größtenteils den Gemeinden zur La
fallen, wenn der Kreis ſie nicht übernommen hätte. J.
ganzen betragen die Koſten, die der Kreis den Gemeit
den, die eigentlich dafür aufzukommen hätten,
abg=
nommen habe, 109600 Mark.
Für Verbeſſerung des Obſtbaues weni
der Kreis ſehr erhebliche Beträge mit rund 10000
Ma=
auf. Der Zuſchuß zur Kreisabdeckerei, fi
die ein beſonderer Voranſchlag vorliege, ſei auf 92
Mark bemeſſen, er hätte infolge günſtiger Wirtſchaft u
2000 Mark heruntergeſetzt werden können. Aus dieſ=
Erſparnis ſollten nunmehr die Koſten einer ne
zu errichtenden ländlichen Wanderhaus
haltungsſchule beſtritten werden. Der Vo
anſchlag ſchließt in Einnahme und Ausgabe unter Eit
rechnung der Koſten für Kleinpflaſter mit 675 253,
Mark ab.
Zur Rubrik Beſoldungen uſw. wird beantras=
1445 Mark einzuſtellen für die Gewährung ein
Teuerungszulage an die Kreisſtraßenmeiſte
Die Verwilligung ſoll aber nur dann erfolgen, wen
auch den Staatsbeamten dieſe Teuerungszulage g
währt wird. Kommerzienrat Trier befürwort
dieſen Antrag, der angenommen wird. Stadt
Lehr beantragt, daß die Teuerungszulage auch de
übrigen Unterbedienſteten gewährt wird und daß al
bald Erhebungen darüber angeſtellt und dem Kreista=
Kleines Feuilleton.
* Eine originelle Speiſekarte. Die
Pa=
riſer Zoologiſche Geſellſchaft hielt dieſer Tage im
Bufettſaal des Lyoner Bahnhofs ein Probeeſſen ab,
bei dem eine Reihe von neuen Gerichten aufgetragen
wurde, für deren Einführung in die franzöſiſche Küche
Propaganda gemacht werden ſollte. Die Speiſekarte
entbehrte nicht einer gewiſſen Originalität. Sie
lau=
tete: „Omelette aus Straußeneiern —
Rieſen=
ſchlangenragout — Algeriſche Schildkröten —
Gazellen=
braten — Stachelſchwein am Spieß —
Nebelkrähen=
paſtete — Salat von Kaktusblättern —
Dattelpalmen=
mark — Rhabarberpudding.” Es ſcheint, als hätten ſich
die Veranſtalter der Koſtprobe ſelbſt keine allzu
gro=
ßen Illuſionen in dieſer Hinſicht gemacht — am
wenig=
ſten ſoll ihnen die „Nebelkrähenpaſtete” gemundet
haben —, wenigſtens läßt darauf der Umſtand
ſchlie=
ßen, daß ſie der Vorſicht halber ihrem exotiſchen Menü
einen — ſaftigen „Ochſenbraten mit neuen Kartoffeln”
hinzufügten! Hiervon iſt denn auch richtig am
wenig=
ſten übrig geblieben.
CK. Die Hunde von Konſtantinopel.
Die ſchönen Tage der berühmten Hunde von
Konſtan=
tinopel, die Jahrhunderte lang in den Straßen der
türkiſchen Hauptſtadt nicht fehlten, ſind gezählt. Die
neue Regierung hat feſtgeſtellt, daß ſie eine Plage für
die Bewohner der Stadt ſind und nun ſollen ſie
beſei=
tigt werden. Vorſichtige Kenner beziffern die Zahl der
herreuloſen Huvde Konſtantiuoyels auf nicht weniger
als 30000. Dem Entſchluſſe der Regierung folgte die
Tat auf dem Fuße. In Pera und Stambul tauchten
Gruppen von Hundefängern und Poliziſten auf, die,
mit Laſſos und langſtieligen Zangen bewaffnet, durch
die Straßen zogen, gefolgt von großen Wagen, die
be=
ſtimmt waren, die heimatloſen Vierfüßler
aufzu=
nehmen. Mit der Schlinge und mit der Zange machte
man Jagd auf die Hunde und einer nach dem anderen
verſchwand heulend und bellend in dem Wagen. Nur
wenige Hunde waren es, für die mildherzige Bürger
eintraten. Aber die Beamten verlangten dann ſofort
eine Kaution für die Schützlinge und die Beſitzer
muß=
ten ſich verpflichten, die Hunde mit Halsband und
Na=
men zu verſehen und eine Hundeſteuer zu bezahlen,
ſobald der Stadtrat das neue Hundegeſetz genehmigt
habe. Die meiſten der berühmten Hunde von
Konſtan=
tinopel aber ſind verſchwunden, man hat ſie
fortgefah=
ren, niemand weiß wohin.
* Selbſthilfe. Ein junges, armes Paar in
einem engliſchen Dörfchen wollte heiraten und begab
ſich zu dem Geiſtlichen des Ortes. Doch dieſer
ver=
langte die Gebühr und wollte die Brautleute nicht
eher trauen, bis ſie dieſelbe erlegten. Das Paar hatte
aber gar kein Geld, und ſo ſchien die Trauung in
Frage geſtellt. Die Erörterungen darüber unterbrach
die Braut mit der Bitte: „Warten Sie ein bißchen,
Hochwürden! Ich gehe und hole das Geld.‟ Nach einer
kleinen Weile kam ſie freudeſtrahlend mit dem Gelde
wieder. Die Zeremonie wurde vorgenommen und
alles war zufrieden. Nur die Braut ſchien ſich etwas
unbehaglich zu fühlen. „Nun, Katharina, haben S
noch etwas auf dem Herzen?” erkundigte ſich der Gei
liche freundlich. „Ja, Hochwürden, ich möchte ge:
wiſſen, ob die Trauung nun auch unwiderruflich war
„Gewiß, Katharina! Jetzt kann Euch keiner mehr tre
nen.” „Und Sie ſelbſt, Hochwürden? Könnten S
nicht die Ehe für ungültig erklären?” „Nein, nei
Katharina. Mit mir habt Ihr nun gar nichts me
zu tun.‟ Der jungen Frau ſchien ein Stein vom He
zen zu fallen. „Gott ſei Dank!” ſeufte ſie erleichte:
„Ich danke Ihnen auch vielmals, Hochwürden. Hi
iſt der Pfandzettel für Ihren Ueberrock. Ich hatte il
im Vorzimmer vom Nagel genommen und verſetzt!”
* Die Plakatdrucker als Theate
reformatoren. In New=York herrſcht aus ein
abſonderlichen Urſache in Theaterkreiſen große E
regung über den Beſchluß des Vereins der Plake
drucker, künftighin keine Plakate mehr zu drucken, a
denen Frauen in Männerhoſen dargeſtellt ſind. Mi
betrachtet dieſes ſeltſame Vorgehen als den erſt
Schritt eines großen puritaniſchen Kampfes, der
geg=
das amerikaniſche Theater gerichtet iſt, weil es ſe
einigen Monaten immer mehr die europäiſche Po=
und das franzöſiſche Vaudeville pflegt. Mit der
Ei=
kehr dieſes luſtig=leichten Genres waren auch übe
mütige Theaterplakate nach Amerika gekommen, d
trotz ihrer künſtleriſchen Ausführung den Anſtoß g
wiſſer Kreiſe erregt haben.
Nummer 123.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
S ite 5.
Vorlage gemacht wird. Stadtv. Gallus erweitert den
Antrag dahin, daß der Kreisausſchuß ermächtigt wird,
die Zulage alsbald gegebenenfalls eintreten zu laſſen.
Auch dieſer Antrag wird angenommen.
Der Voranſchlag über die Koſten der
Unterhal=
tung der Kreisſtraßen ſieht vor: Strecke
Darm=
ſtadt-Griesheim-Wolfskehlen mit Abzweigung nach
Büttelborn (Darmſtadt-Mainz) (10,7984 Kilometer)
4815 Mk., Darmſtadt-Weiterſtadt-Braunshardt-
Wor=
felden einſchl. Pallaswieſenſtraße (7,8200) 5892,50 Mk.,
Darmſtadt-Gräfenhauſen-Mörfelden (8,6890) 1470
Mark, Darmſtadt-Baiersaich (Darmſtadt-Frankfurt)
mit Abzweigungen nach Bahnhof Arheilgen, nach
Kra=
nichſtein, zur Aumühle, nach Bahnhof Wixhauſen und
nach Erzhauſen (14,6791) 6277,50 Mk., Wixhauſen=
Gräfenhauſen-Schneppenhauſen bis zur Einmündung
in die Straße Weiterſtadt-Braunshardt (Nr. 2)
(5,9860) 1015 Mk., Darmſtadt-Meſſel-Urberach (
Darm=
ſtadt-Seligenſtadt) mit Abzweigungen von Meſſel nach
Bahnhof Meſſel, nach Eppertshauſen ſowie nach
Offen=
thal (17,2375) 2759 Mk., Darmſtadt-Einſiedel (
Darm=
ſtadt-Dieburg) (5,2500) 980 Mk., Darmſtadt-Roßdorf-
Spachbrücken (Darmſtadt-Hirſchhorn) mit altem
Roß=
dörfer Weg (11,1464) 2174 Mk., Darmſtadt-
Schachen=
mühlen einſchl. Klappacherſtraße mit Abzweigungen nach
Traiſa, nach Nieder=Ramſtadt, Waſchenbach und
Fran=
kenhauſen (13,3360) 3061 Mk., Roßdorf-Ober=Ramſtadt-
Nieder=Modau (Roßdorf-Gumpener Kreuz) mit Ab
zweigungen von Roßdorf nach Gundernhauſen (
Roß=
dorf-Aſchaffenburg) und von Ober=Ramſtadt nach
Zeilhard (12,5421) 2630 Mk., Eberſtadt-Ober=Ramſtadt-
Hahn (Eberſtadt-Zipfen) mit Abzweigungen Kühler
Grund-Ober=Beerbach und Ober=Ramſtadt-Rohrbach
(16.8829) 20006 Mk., Darmſtadt-Bickenbach (
Darm=
ſtadt-Heidelberg) mit Abzweigung Eberſtadt-Seeheim
und nach Malchen (12,1715) 1417 Mk., Eberſtadt-
Pfungſtadt-Hahn-Bruchmühle (Eberſtadt-Gernsheim)
(8,5260) 6815 Mk., Bickenbach-Pfungſtadt-Griesheim
und Abzweigung Pfungſtadt-Crumſtadt (13,4700) 7420
Mark, Darmſtadt-Eſchollbrücken-Hahn (9,6500) 3005
Mark, zuſammen (168,1849 Kilometer) 70709,47 Mk.
Die Voranſchläge und Rechnungen werden genehmigt.
Es folgt die Wahl eines Mitgliedes der
Veranla=
gungs=Kommiſſion für die Einkommenſteuer I.
Abtei=
lung anſtelle des verſtorbenen Großh. Bürgermeiſters
Pons zu Gräfenhauſen, für den Reſt der laufenden
Wahlperiode, d. i. bis Ende März 1912. Gewählt wird
Herr Gg. Frey IV.=Wixhauſen. Damit iſt die
Tages=
ordnung erſchöpft.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 29. Mai. Der vierte
Aus=
ſchuß der Zweiten Kammer hat ſoeben ſeinen
Bericht über die Beratung inbetreff des
Bauarbeiter=
ſchutzes herausgegeben. Die Abgg. Ulrich und Genoſſen
hatten den Antrag geſtellt, die Regierung zu erſuchen,
den Landſtänden alsbald einen Geſetzentwurf
vorzu=
legen, der einen wirkſameren Bauarbeiterſchutz
vor=
ſieht und aus dem Baugewerbe Arbeiter als
Baukon=
trolleure heranzieht. Im gleichen Sinne lautete auch
eine an die Kammer gerichtete Vorſtellung der
Ver=
einigung der mittleren Baubeamten. Zu dieſem
Ver=
langen äußerte ſich die Regierung in einem Schreiben
an den Ausſchuß, daß die fertiggeſtellten Entwürfe eines
Geſetzes und einer Verordnung, betreffend den
Ar=
eiterſchutz und die Unfallverhütung bei Bauten, an
eine größere Anzahl von Intereſſentengruppen zur
Aeußerung verſandt worden ſeien. Nach Eingang und
Berückſichtigung, etwaiger für gut befundener
Vor=
ſchläge, werde der Kammer eine diesbezügliche
Geſetzes=
vorlage zugehen, bei deren Beratung auf den Antrag
und die Vorſtellung zurückgekommen werden könne.
Im Hinblick auf dieſen Beſcheid der Regierung
be=
trachtet der Ausſchuß es als ſelbſtverſtändlich, daß bei
Beratung dieſer Vorlage die beiden Anregungen
mit=
beraten werden. Da aber Geſetzesvorlagen
geſchäfts=
ordnungsgemäß nur vom Geſetzgebungsausſchuß
be=
handelt werden, ſo hält es der berichtende Ausſchuß für
unzweckmäßig, auf die Materie des Antrages näher
ein=
zugehen und beantragt deshalb, den Antrag Ulrich und
Genoſſen, ſowie die Vorſtellung der Vereinigung der
mittleren Baubeamten für vorläufig erledigt zu
erklä=
ren und die Regierung zu erſuchen, die Geſetzesvorlage,
betreffend Bauarbeiterſchutz, baldigſt den Landſtänden
zugehen zu laſſen.
Kongreſſe und Verbandstage.
* München, 27. Mai. Die Deutſche
Geſell=
ſchaft zur Rettung Schiffbrüchiger hielt
heute vormittag ihre 44. Hauptverſamlung ab, zu
wel=
cher Vertreter aus allen Küſtengebieten und von vielen
Binnenbezirksvereinen erſchienen waren. Nachdem der
Vorſitzende, Nebelthau=Bremen, die Verſammlung
be=
grüßt hatte, ſprach Prinz Ludwig von Bayern
die herzlichſten Wünſche für die Geſellſchaft aus. Ihre
Aufgabe ſei nicht nur, in Seenot Befindliche zu retten,
ſondern auch für die Hinterbliebenen der auf der See
verunglückten Rettungsmannſchaften zu ſorgen. Alle
Beſtrebungen, die das Deutſche Reich angehen, würden
von Bayern ebenſo gefördert werden wie von allen
an=
deren Teilen des Reiches. Wir dürfen erwarten, daß
auch unſere Beſtrebungen vom Norden des Reiches
ebenſo gefördert werden. Inbezug auf den Ausbau
der Waſſerſtraßen, auf welchen der Vorſitzende
hingewieſen hat, ſei zu hoffen, daß bald der erſte
Schritt gemacht werde, wenn die leidige Frage der
Schiffahrtsabgaben erledigt ſei. Möge ſie auf
eine Art erledigt werden, daß niemand berechtigte
Klagen darüber haben kann. Ich wünſche, daß auch
wir, im Süden, an die See angeſchloſſen werden. Ich
glaube, wir ſind auf dem Wege dazu. Weitere
Begrüßungsanſprachen hielten Staatsrat
Lößl im Namen des Miniſteriums des Aeußeren,
Reichsrat Wölzl im Namen des Magiſtrats und
Kom=
merzienrat Pfiſter im Namen der Handelskammer.
Hierauf wurde in die Erledigung der geſchäftlichen
Angelegenheiten eingetreten, wobei unter anderem
mit=
geteilt wurde, daß anläßlich des Ballonunglücks von
Saßnitz zurzeit Notſignale zwiſchen den Luftſchiffern
und den Rettungsſtationen verabredet werden ſollen.
Als Ort der nächſtjährigen Verſammlung wurde Kiel
gewählt,
Luftſchiffahrt.
— Truppen=Uebungsplatz Griesheim,
28. Mai. Herr Euler hat heute abend 7 Uhr einen
Flug von 48 Minuten und 15 Sekunden mit ſeiner
Flugmaſchine gemacht.
* Berlin, 27. Mai. In den Räumen des
Kaiſer=
lichen Automobilklubs fanden heute Verhandlungen
zwiſchen dem Deutſchen Luftſchifferverband
ſowie Vertretern des Kaiſerlichen Aeroklubs
und des Automobilklubs ſtatt mit Delegierten des in
Frankfurt a. M. begründeten Deutſchen Fliegerbundes.
Die Verhandlungen betrafen den Eintritt des Deutſchen
Fliegerbundes in den Deutſchen Luftſchifferverband und
dürften zu einem befriedigenden Ergebnis führen. Am
Nachmittag beſichtigten die Teilnehmer die
Einrich=
tungen des Flugplatzes Johannisthal; abends folgten
dieſelben einer Einladung des Vereins Deutſcher
Flug=
techniker zu einem Feſtmahl im Kaiſerlichen Aeroklub.
sr. Die Münchener Flugwoche hat
nun=
mehr ihren Abſchluß gefunden. Unter ſtarkem
An=
drang des Publikums führten am letzten Tage Jeannin
(Farman) und v. Goriſſen (Voiſin), Baron de
Ca=
ters (Voiſin), Brunnhuber (Antoinette), ſowie Tych
(Blériot) mehrere Flüge aus. Die Hauptpreiſe fielen
an Jeannin, ſo der Höhenpreis, die beiden
Schnellig=
keitspreiſe über 2 und 10 Kilometer, der
Dauerflug=
preis, der Preis für die beſte Geſamtflugleiſtung.
sr. Ein neuer Höhenweltrekord für
Aeroplane wurde von dem Franzoſen Paulhan
mit einem Farmann=Apparat bei dem Flugmeeting
von Verona aufgeſtellt. Paulhan, der im Januar in
Amerika den Weltrekord auf 1270 Meter
empor=
ſchraubte, verbeſſerte dieſe Leiſtung noch erheblich,
in=
dem er 1463 Meter hoch flog. Auch die Leiſtungen der
übrigen Aviatiker um den Höhenpreis waren ſehr
be=
achtenswert. So flog Efimoff (Farman) 1096 Meter
und Chavez (Farman) 786 Meter. Den
Geſchwindig=
keitspreis des Tages gewann der Blériot=Pilot
Cata=
neo, der 4 Kilometer in 3107 zurücklegte. Der
Paſſa=
gierpreis fiel an Paulhan, ebenſo der Preis der
Geſamtdiſtanz.
Sport.
Rennen in Frankfurt a. M., 29. Mai.
I. Preis von Mariahall, 2500 Mk., 2000 Meter
(Herren=Reiten). Erſter Dr. H. v. Boſſes und Herrn C.
Schwenſens „Halcon Days” (Reiter Herr Dr. Rieſe);
Zweiter Herrn Maurices „Chicard” (Fürſt Wrede);
Dritter Herrn v. Gorriſſens „Oatfield” (Rittm. v. Platen).
II. Palmengarten=Jagdrennen, 4000 Mk.,
4000 Meter (Herren=Reiten). Der wertvolle Preis fällt
mühelos Herrn Dr. Rieſe zu, da er als einziger ſtartet.
III. Fuchstanz=Hürden=Rennen, 2500 Mtr.
2500 Mk. (Herren=Reiten). Erſter Herrn W. Velhagen’s
„Thilde” (Fürſt Wrede); zweiter Herrn M. Schmidt=
Schröder’s Myrthe‟ (Dr. Rieſe), dritter Lt. von Willichs
„Barrikade I‟ (Ltnt. Loß).
IV. Puchhof=Jagd=Rennen, 5000 Mk., 4000
Mtr. (Handicap) Erſter Herrn P. Mecklenburg’s „Edfu‟
(Dr. Rieſe); zweiter Herrn E. Fahrs „Marder” (Fürſt
Wrede); dritter Major Frhr. von Reitzenſtein’s „
Nickel=
könig” (Lt. v. Moſſner).
V. Preis von Steinach, 4000 Mk., 2800 Mtr.
(Hürden=Rennen, Handicap). Erſter Herrn V. M. Fels
Zip‟. (Fürſt Wrede); zweiter Geſtüt Brandwerder’s
„Romeo” (Lt. Braune); dritter Rittmeiſter
Duncklen=
berg’s 22. Drag. „Enfant de Miracle‟ (Beſ.)
VI. Kaiſerpreis=Jagd=Rennen. Ehrenpreis
des Kaiſers und 6500 Mark. 4000 Meter (Handicap)
Erſter Lt. P. Barthel’s II (I. Ulan) „Edda” (Reiter
Dr. Rieſe), Zweiter Herrn von Gorriſſen’s „Mouche” (
Ritt=
meiſter von Platen) eine knappe Kopflänge zurück, Dritter
Lt. Frhr. von Wangenheim’s „Dietlinde” (Lt. von
Dörnberg).
M. Das 12. deutſche Turnfeſt in Leipzig.
Auf Eingabe des Vorſitzenden der deutſchen
Turner=
ſchaft hat der Rat der Stadt Leipzig unter Vorbehalt der
Zuſtimmung der Stadtverordneten, an der nicht zu
zweifeln iſt, ſich damit einverſtanden erklärt, daß das
12. deutſche Turnfeſt im Jahre 1913 in Leipzig
abge=
halten wird. In demſelben Jahre ſoll auch die
Ein=
weihung des Völkerſchlachtdenkmals, das ſeiner
Vol=
lendung entgegengeht, ſtattfinden.
Lt. Das Internationale Lawn=
Ten=
nis=Turnier zu Brüſſel. Das Fünf=Länder=
Match brachte am zweiten Tage dem deutſchen
Ver=
treter Kreuzer eine neue Niederlage, da der
Frank=
furter ziemlich widerſtandslos von dem allerdings
außer Konkurrenz mitſvielenden Wilding=Auſtralien
6—2, 6—1 geſchlagen wurde. Kinzel=Oeſterreich ſiegte
über Lemaire=Belgien 6—2, 6—2 und Traſenſter=
Bel=
gien, der am Eröffnungstage überraſchenderweiſe
Kreuzer geſchlagen hatte, erfocht gegen Graf Salm=
Oeſterreich mit 6—4, 6—2 einen neuen,
bemerkens=
werten Erfolg. Im Doppelſpiel ſchlugen die Belgier
de Bormann=Traſenſter nach ſpannendem Kampf das
öſterreichiſche Paar Kinzel=Graf Salm 6—2, 4—6,
6—4, 6—3.
Erdbeben.
* Straßburg, 28. Mai. Die heute bei der
Kaiſerlichen= Hauptſtation für Erdbebenforſchung in
Straßburg eingelaufenen Nachrichten laſſen zunächſt die
Tatſache erkennen, daß das Schweizer=Beben
noch weiter nördlich als geſtern angegeben ſich fühlbar
gemacht hat. Als äußerſte Punkte ergaben ſich bisher
Biſchweiler und Ingweiler. Ebenſo liegen Meldungen
vor, daß die Erſchütterung ſowohl nach dem
Schwarz=
wald wie in die Vogeſen hinein ſich fortgepflanzt hat.
Aus Bern wird gemeldet, daß die Erſchütterung ziemlich
heftig geweſen iſt, ſtärker dagegen in Delsberg und
im Berner Jura. Als ſüdlichſte Grenze kann bisher
angeſehen werden Glarus, Betſchwanden und Ennendo
a. d. Linth, ſowie Bern. — Für die Unterſuchung des
Erdbebens iſt es für die Kaiſerliche Hauptſtation
Straß=
burg von Wert, aus möglichſt zahlreichen Orten
Nach=
richten zu erhalten, um die Größe des Schüttergebietes
feſtzuſtellen. Aus dieſem Grunde iſt es auch von
Intereſſe, zu erfahren, wenn an einem Orte des
Erd=
bebengebietes das Beben nicht gefühlt worden iſt.
Ferner ſollten die Wirkungen genau beſchrieben
wer=
den, die das Beben auf die Gegenſtände ausübte
(Schwanken, Klirren, Umfallen, Verſchieben uſw.), weil
daraus die Stärke der Erſchütterung hergeleitet wird.
Das Schiffsunglück im Kaual.
* Berlin, 27. Mai. Der Kaiſer beauftragte
den Marineattaché bei der Botſchaft in Paris, dem
franzöſiſchen Marineminiſter anläßlich des Unfalles des
Tauchbootes „Pluvioſe” ſein Beileid auszuſprechen.
* Paris, 27. Mai. Im Auftrage und im Namen
der deutſchen Regierung ſprach Botſchafter Fürſt
Radolin heute nachmittag der franzöſiſchen
Regier=
ung anläßlich der Kataſtrophe der „Pluvioſe” die tiefſte
Teilnahme aus.
* Calais, 27. Mai. Die Taucher, die das Wrack
des Tauchbootes „Pluvioſe” in einer Tiefe von 22
Metern bei Flut vorfanden, haben Taue an dem Wrack
befeſtigt, dann aber die Arbeiten einſtellen müſſen, die
abends 10 Uhr wieder aufgenommen werden ſollen.
Der Marineminiſter erklärte bei ſeiner Rückkehr
von der Unfallſtelle, er habe keine Hoffnung mehr, daß
die Beſatzung des Tauchbootes ſich noch am Leben
be=
finden könnte; wahrſcheinlich ſei das Boot beim
Zu=
ſammenſtoß mit dem Dampfer geborſten. Der Miniſter
vermutet, daß der „Pluvioſe” einige Augenblicke nach
dem Zuſammenſtoß an die Oberfläche emporgeſtiegen
ſei, weil der Kommandant den letzten Verſuch gemacht
habe, das Boot, in welches das Waſſer mit furchtbarer
Schnelligkeit einſtrömte, in die Höhe zu bringen.
* Calais, 28. Mai. Das Transportſchif
wurde ſenkrecht über der „Pluvioſe” verankert. Es
wurde die Nacht daran gearbeitet, Ketten an dem
Tauch=
boot zu befeſtigen. Eine Menge Naphtha, die ſich an
der Unfallſtelle zeigte, beweiſt, daß die Wand, die die
Naphtha einſchloß, zertrümmert iſt. Es iſt gar keine
Hoffnung vorhanden, daß noch jemand von der
Beſatz=
ung lebt.
* Calais, 28. Mai. Da die Arbeiten zur
Ber=
gung des „Pluvioſe” länger dauern werden, als
man gehofft hat, iſt der Marineminiſter, der ſeine
An=
weſenheit nicht mehr für unbedingt nötig hält, nach
Paris zurückgekehrt.
* Calais, 28. Mai. Der Marineminiſter
blieb von 5 Uhr früh bis mittag am Ort der
Kata=
ſtrophe. Die See iſt ruhig. Die Taucher ſind im
Be=
griff, die Ketten zu befeſtigen, um den „Pluvioſe” an
die Küſte zuſ chleppen. Ein Taucher brachte die Flagge
hinauf, welche am hinteren Teile geflattert hatte. Sie
war noch an der Signalboje befeſtigt und dieſe
ihrer=
ſeits an dem Unterſeeboot. Die Tatſache beweiſt, daß
die Beſatzung ertrank, ſchon bevor ſie ſignaliſieren
konnte, daß ſie ſich in Gefahr befand. Denn wenn ein
Unterſeeboot ſich in Not befindet, wird ſofort die
Sig=
nalboje losgelöſt, welche dann mit der Flagge an die
Oberfläche ſteigt. Die Oberfläche der See iſt im
Um=
kreis von 200 Metern mit Petroleum aus dem Behälter
der „Pluvioſe” bedeckt.
* Calais, 29. Mai. An dem Unterſeeboot „
Plu=
vioſe” ſind zwei Ketten befeſtigt. Ein Taucher hat an
dem Schiffsrumpf ein klaffendes Loch und einen
Riß oberhalb des Torpedo=Lancierrohres feſtgeſtellt.
Die Kretafrage.
* Konſtantinopel, 28. Mai. Mehrere
Perſön=
lichkeiten, darunter Deputierte und Senatoren,
hielten geſtern eine Beſprechung über die
Kreta=
frage ab und beſchloſſen, an die ziviliſierte Welt eine
Proklamation zu erlaſſen, in der die Kretafrage im
wahren Lichte dargeſtellt werden ſoll, damit die
öffent=
liche Meinung die Verkürzung der türkiſchen Rechte
ermeſſen könne. — Das Blatt „Ikdam” ſpricht ſich
gegen die Ernennung Zaimis aus und erklärt,
Ober=
kommiſſar von Kreta könne nur ein ottomaniſcher
Be=
amter oder eine einem neutralen Staate
ent=
nommene Perſönlichkeit werden.
* Konſtantinopel, 28. Mai. Die Kammer
verhandelte über die Kretafrage. Nach Verleſung
ei=
ner Eingabe von 16 mohammedaniſchen Deputierten in
der kretiſchen Kammer, in der dieſe hervorhoben, daß ihr
Leben gefährdet ſei und daß das mohammedaniſche
Ele=
ment unter den gegenwärtigen Umſtänden nicht mehr auf
der Inſel bleiben könne, ſowie nach Verleſung von
De=
peſchen eines Provinzialmeetings wurde ein
Interpel=
lationsantrag verleſen, der von mehr als 200 Deputierten
gezeichnet iſt und in dem die Regierung aufgefordert wird,
Erklärungen zu geben, was ſie zur Verteidigung der
Sou=
veränitätsrechte der Türkei getan habe. Der arabiſche
De=
putierte Scheik Eſſad ſagte ſogar, die Beduinen von
Me=
dina hätten geſchworen, Kreta zurückzugewinnen
oder zu ſterben. Wenn das Kabinett innerhalb einer
Woche die Kretafrage nicht löſe, würden die
Mohammeda=
ner der ganzen Welt, ſogar diejenigen Afghaniſtans, vom
Sudan und Algerien, vom Kabinett die heilige
Propheten=
fahne zurückverlangen und ſich ſelbſt Recht verſchaffen. Der
Kretenſer Mechmed Ali ſagte, das Kabinett, das in die
Betrauung eines Griechen aus dem Königreich mit der
Verwaltung der Inſel Kreta einwilligen würde, würde
ge=
lyncht werden. Ein Kriegsvorwand gegen Griechenland
könne leicht gefunden werden. Der Großweſir Hakki Paſcha
erklärte, die Mächte hätten die Unmöglichkeit anerkannt,
Kreta Griechenland zu geben; ſie ſeien bemüht, eine
Lö=
ſung für die Kretafrage zu finden. Die Mächte hätten
ihre frühere Haltung zugunſten der Türkei geändert. Die
Türkei werde Kreta nur durch einen Krieg bezwungen
ab=
geben; die Regierung müſſe aber weiſe vorgehen. Die
Türkei könne nicht nach Kreta ziehen, ſolange ſich dort
Mächte befänden, die die Souveränitätsrechte der Türkei
wahrten. Mit Griechenland hat die Türkei nichts zu tun
und Kreta werde der Türkei nicht verloren gehen; dafür
werde das Kabinett alle Opfer bringen in dem Bewußtſein,
daß die ganze Nation hinter ihm ſei. Darauf wurde zur
Tagesordnung übergegangen.
* Konſtantinopel, 28. Mai. Im Senat gab
auf eine Anfrage des Kreters Nurider, der die Beſetzung
der Suda=Bai durch die türkiſche Flotte und ein ſcharfes
Vorgehen gegen Griechenland verlangte, der
Groß=
weſir ähnliche Erklärungen wie in der Kammer ab und
teilte mit, die Schutzmächte ſicherten die Löſung der
kre=
tiſchen Frage durch eine Autonomie zu, die die
Sou=
veränitätsrechte der Türkei wahre. Auf den Hinweis, der
Könia der Hellenen arbeite auf eine Annexion hin, erklärte
der Großweſir, wenn Griechenland offiziell für Kreta
ein=
trete, werde die Türkei ſcharf vorgehen. Der Senat’fand
die Erklärungen des Großweſirs genügend.
* Konſtantinopel, 28. Mai. Wie die Blätter
melden, begann in den Häfen des Schwarzen Meeres
ein antigriechiſcher Boykott. Die Pforte ſagte
der griechiſchen Geſandtſchaft Abhilfe zu.
Die chineſiſche militäriſche Studienkommiſſſon
beim Kaiſerpaar.
* Berlin, 28. Mai. Die chineſiſche Militär=
Studienkommiſſion, mit dem Prinzen
Tſai=
fao an der Spitze, iſt heute nachmittag hier
einge=
troffen. Auf dem Bahnhofe wurde ſie von dem
Prin=
zen Friedrich Leopold, den Spitzen der militäriſchen
Behörden und dem chineſiſchen Geſandten und den
Herren der Geſandtſchaft empfangen. Auf dem
Bahn=
hofe war eine Ehrenkompagnie aufgeſtellt. Die Herren
der Kommiſſion begaben ſich in königlichen Wagen in
das Hotel Adlon.
* Neues Palais, 29. Mai. Prinz Tſai Tao
und die Mitglieder der chineſiſchen militäriſchen
Studien=
kommiſſion begaben ſich heute vormittag von Berlin
hier=
her, mit ihnen der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes
Frhr. v. Schön, der chineſiſche Geſandte, und die zu den
chineſiſchen Herren kommandierten Offiziere. Von der
Station Wildpark fuhr der Prinz nach 11 Uhr in
geſchloſ=
ſenem Galawagen, vierſpännig mit Spitzenreitern, zum
Palais, die anderen Herren folgten in königlichen Wagen.
Oberhofmarſchall Graf Eulenburg und ſtellvertretender
Hofmarſchall Graf Pückler empfingen den Prinzen und
geleiteten ihn durch das Veſtibül, wo die
Schloßgardekom=
pagnie in friederizianiſcher Gala präſentierte, zum
Muſchel=
ſaal. Hier hatten ſich der Kommandant des
Hauptquar=
tiers, Generaloberſt v. Pleſſen und die Flägeladjutanten
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
Nummer 123.
des Kaiſers verſammelt, dabei der à la Suite Sr. Majeſtät
ſtehende ruſſiſche General Tatiſcheff. Der Kaiſer ließ ſich
im letzten Moment bei dem Empfang durch den
Kron=
prinzen vertreten, da der Verband an der rechten Hand
das Anlegen der Parade=Uniform verhinderte. Der
Kron=
prinz erſchien in der Uniform des 1. Garde=Regiments
zu Fuß.
Prinz Tſai Tao hielt eine Anſprache. Das Konzept
dieſer für den Empfang durch den Kaiſer gedachten Rede
lautet auf deutſch: Der Kaiſer von China entbietet Ew.
Majeſtät durch mich ehrerbietigſten Gruß. Ew. Majeſtät
genießen in der ganzen Welt den Ruhm eines
hervorra=
genden Strategen, dem die Ausbildung und die
Kriegs=
bereitſchaft ſeines Heeres vor allem am Herzen liegt. Ich
habe ſtets zu Ew. Majeſtät mit Bewunderung
emporge=
blickt und ſchätze mich glücklich, jetzt vor Ew. Majeſtät
treten zu dürfen und ſo huldvoll empfangen zu werden.
Es trifft ſich ſehr günſtig, daß die große Frühjahrsparade
bevorſteht, an der es mir vergönnt ſein wird,
teilzuneh=
men, ſodaß ich Gelegenheit haben werde, die erſte Armee
der Welt mit meinen eigenen Augen zu ſehen. Da ich
ſelbſt dem Heere angehöre, ſo wird mir dies ganz
beſon=
dere Freude bereiten. Ich bin der feſten Ueberzeugung,
daß Ew. Majeſtät die Macht, die die ſtärkſte Armee
ver=
leiht, lediglich zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens
be=
nutzen werden. Die freundlichen Beziehungen unſerer
bei=
den Länder haben ſich in den letzten Jahren immer inniger
geſtaltet. Ich hoffe, daß die Offiziere Ew. Majeſtät mir
in allen militäriſchen Fragen mit ihrem Rat zur Seite
ſtehen und mich ſo in den Stand ſetzen werden, meine
Miſſion zu erfüllen und nach meiner Rückkehr in die
Hei=
mat an der Reorganiſation des chineſiſchen Heeres
mitzu=
arbeiten. Ew. Majeſtät wollen geruhen, dieſe meine Worte
gnädigſt entgegenzunehmen.
Der Kronprinz antwortete mit folgenden Worten:
Ew. kaiſerlichen Hoheit ſpreche ich im Auftrag und im
Namen Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs aufrichtigen
Dank aus für die ſoeben Allerhöchſtdemſelben gewidmeten
Worte und für die Grüße, die Se. Majeſtät der Kaiſer von
China durch Sie hat übermitteln laſſen. Mit lebhafter
Genugtuung erfüllt es Se. Majeſtät, daß Se. kaiſerliche
Majeſtät abermals einen Prinzen ſeines Kaiſerhauſes an
der Spitze einer großen Anzahl hoher Staatswürdenträger
und Offiziere nach Deutſchland entſandt hat, um deutſche
Einrichtungen zu ſtudieren. Wie im Anfang dieſes Jahres
Ew. kaiſerlicher Hoheit Bruder, Prinz Tſai Hſuen, die
deutſche Marine, ſo wollen Ew. kaiſerliche Hoheit jetzt das
deutſche Heerweſen kennen lernen. Unſere Behörden
wer=
den beſtrebt ſein, Ew. kaiſerlichen Hoheit Einblick in alles
zu geben, was auf dieſem Gebiete für Sie von Intereſſe
ſein kann, und ich bin überzeugt, daß unſere
Heeresein=
richtungen eine Fülle von Anregungen bieten werden, die
auch für das große, in erfreulicher Entwickelung befindliche
chineſiſche Heer nutzbar gemacht werden können.
Ueber=
eugt, daß auch Ew. kaiſerlichen Hoheit Beſuch dazu
bei=
tragen wird, die guten und freundſchaftlichen Beziehungen
zwiſchen dem chineſiſchen und dem deutſchen Reich immer
mehr zu fördern und zu feſtigen, heiße ich namens Se.
Ma=
jeſtät des Kaiſers und Königs Ew. kaiſerliche Hoheit und
Ihre Begleiter herzlich willkommen und hoffe, daß Sie von
dem Aufenthalt in unſerer Mitte nur die angenehmſten
Eindrücke empfangen mögen.
Hiernach empfing die Kaiſerin den Prinzen im
Ta=
merlan=Zimmer und ließ ſich auch ſämtliche chineſiſchen
Herren vorſtellen. Die Kaiſerin beſichtigte dann die im
Muſchelſaal aufgeſtellten, von dem Prinzen mitgebrachten
Geſchenke, Vaſen und Seidenſtoffe, worauf den Gäſten im
Muſchelſaal Erfriſchungen gereicht wurden. Der Prinz
fuhr nach dem Empfang im Neuen Palais zur Abſtattung
von Viſiten nach Potsdam.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Gleichwohl der Preis des Gaſes aus dem
ſtädtiſchen Gaswerk mit Wirkung vom 1. April 1910 ab
von 12 auf 16 Pfg. per Kubikmeter erhöht worden iſt, iſt
erſteres doch nicht beſſer geworden, ſondern es
behält ſeine weniger guten Eigenſchaften, entſprechend dem
Verfahren, wie es ſeit einiger Zeit bei ſeiner Herſtellung
geübt wird, weiter. Die Konſumenten beklagen ſich ſehr
darüber und ganz mit Recht. Es wird ein ſchlechteres
Gas hergeſtellt und dieſes mit gutem Gas, wie es früher
allein zur Benutzung kam, vermiſcht. Beim Verbrauch
des Miſchgaſes iſt ein weit größeres Quantum nötig als
früher und fällt infolgedeſſen auch die monatliche Rechnung
viel höher, ja faſt um das Doppelte ſo hoch, aus wie
vor=
her. Nicht zu verwundern iſt deshalb, daß von den
Kon=
ſumenten, ſehr unzufrieden mit dieſen Verhältniſſen,
beab=
ſichtigt iſt, beim Kochen wieder auf den Steinkohlenherd
zurückzukommen. Es dürfte an zuſtändiger Stelle ſehr zu
erwägen ſein, ob nicht bald Abhilfe zu ſchaffen und ein
gutes Gas an die Konſumenten zu liefern ſei. Bei einem
Reingewinn von zirka 400000 Mark hätte man ſogar
er=
warten ſollen, daß ein Preisaufſchlag nicht erfolgt wäre.
Einer für Viele.
— Die Berninabahn. Späteſtens am 1.
ſoll das letzte Teilſtück der Berninabahn eröffnet
den. Schon ſeit einem Jahr fährt dieſe elekt:
(2256 Meter). Ebenſo iſt das Teilſtück Poſchiavo=
Meter) bis Tirano (429 Meter) im Betrieb. Es
nur noch das ſchwierigſte Stück der Linie Berninah
bis Poſchiavo mit ſeinen vielen Windungen und
tunnels, das in dieſen Wochen ſeiner Vollendung
gegengeht. 59,6 Kilometer dieſer hochintereſſanter
birgsbahn liegen auf ſchweizeriſchem, ein
Kilomete=
italieniſchem Gebiet. Damit wäre nun der direkt
ſchluß von dem Engadin, von St. Moritz und Po
ſina, aber auch von Davos nach dem Comerſee ge
fen, den die italieniſchen Staatsbahnen als Fortſe
der Berninabahn in Colico erreichen. Die Streck
Moritz-Colico würde dann in fünf Stunden z.
gelegt werden könne
St. Moritz über die Malvja, Vicoſoprano, Chiave
Comerſee ſieben bis acht Stunden und in umgek
Richtung zehn Stunden beträgt. Auch die Prei
Fahrt werden bei bedeutend größerem Komfort,
für Hin= und Rückfahrt, ſich um etwa 10 bis 15 Fr
niedriger ſtellen. Geplant iſt ferner der Bau eine
ſchlußbahn von Tirano über oder durch das S
Joch nach der öſterreichiſchen Grenze bei Mals,r
Bahn nach Meran und Bozen weiterführt, und
Stauders und Martinsbrück wiederum Anſchluß
dem Unterengadin hätte, deſſen Bahnſtrecke Same
Zernetz-Taraſp gegenwärtig im Bau iſt.
Literariſches.
— Anny Wothe: „Das Tor des Lebens”.
Ein Roman. (Boll u. Pickardt, Berlin, 1910.) Broſch.
4 Mark, geb. 5 Mark. — Anny Wothe hat in dem
oben=
genannten Verlage ihr neueſtes Opus: „Das Tor des
Lebens. Ein Roman” erſcheinen laſſen. Auch diesmal
iſt es ihr wieder in reichem Maße gelungen, ihrem
Leſerkreiſe mit ihrem glänzenden Erzählertalent
glühende, lebenswarme Bilder vorzuzaubern. Aber
nicht nur in der Fabel, ſondern auch in der
Charakte=
riſtik der handelnden Perſonen hat ſie wieder Großes
vollbracht. Ein Roman im beſten Sinne des Wortes iſt
„Das Tor des Lebens”. Im übrigen läßt der Name
„Anny Wothe” ja jeden weiteren Kommentar
über=
flüſſig erſcheinen.
— Rudolf von Loſſow: „Der
Weihrauch=
geiſt‟ Ein Märchenroman der Menſchheit. Vita,
Deutſches Verlagshaus, Berlin=Charlottenburg. Preis
broſch. 3 Mark, gebunden 4 Mark. — Eine neu
ge=
ſchaffene Weltanſchauung in einem Märchenbuch, ſo
könnte man das Werk des jungen Autors bezeichnen.
Die Entwicklung der Menſchheit aus rohen Zuſtänden
in höher geartete Weſen und die Ausbreitung der
Kul=
tur in unwirtlichen Gegenden — dieſes Grundmotiv
rollt ſich in frei dichteriſch erfundener Art vor unſeren
Augen ab. Eine Fülle an Phantaſie und wunderſam
geſchilderten Geſchichten empfängt den Leſer und reißt
ihn ſtellenweiſe völlig mit fort. Jeder wird Freude,
Ergötzen und Anregung aus dieſem reichen Buche
ziehen, und vielen wird es mit ſeiner in ſich lückenlos
geſchloſſenen Weltanſchauung ſogar Antwort ſein.
— Georg Büchner: Geſammelte
Schrif=
ten. 2 Bände. (Paul Caſſirers Verlag, Berlin W. 10.)
Preis broſch. jeder Band 5 Mark, kartoniert 6 Mark,
in Leder gebunden 7,50 Mark. — Die Werke des im
Jahre 1837 mit 23 Jahren jäh dahingerafften Georg
Büchner, die der Verlag dem Publikum in einer neuen
Ausgabe vorlegt, dürfen den Anſpruch erheben, gerade
in unſerer Zeit einer unverdienten Vergeſſenheit
ent=
riſſen zu werden. Bisher hat nur ſein geniales, aber
unfertiges Erſtlingsdrama „Dantons Tod”
allgemei=
nere Verbreitung gefunden, während ſeine viel
bedeu=
tenderen, aus dem Nachlaß veröffentlichten Dichtungen
wohl in der Literatur nachhaltige Spuren hinterließen,
aber nur von wenigen mit offenem Sinn für ihre hohen
dichteriſchen Schönheiten genoſſen wurden. Die neue
Ausgabe unterſcheidet ſich von der letzten, vor mehr als
30 Jahren erſchienenen Sammlung ſeiner Schriften, die
Karl Emil Franzos veranſtaltete, durch die ſtärkere
Be=
tonung der rein äſthetiſchen Werke, durch überſichtlichere
Anordnung und Herausarbeitung des eigentlichen
Lebens= und Schönheitsgehaltes im Werke dieſer früh
verſtorbenen, großgearteten Perſönlichkeit. Dieſem
Zwecke ſucht auch die vorangeſtellte ausführliche
Bio=
graphie, die zum erſten Male eine allſeitige Darſtellung
und wiſſenſchaftliche Beurteilung ſeines Weſens und
Schaffens unternimmt, ſuchen die Einführungen zu den
einzelnen Schriften zu dienen.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 28. Miai. Da der Kaiſer ſich auf
ärzt=
lichen Rat für einige Tage Schonung ſeiner Hand
auf=
erlegen muß, hat er den Kronprinzen für die
Dauer ſeiner Verhinderung beauftragt, diejenigen
Schriftſtücke unterſchriftlich zu vollziehen, die er ihm
zu dieſem Zwecke eigens zugehen laſſen wird. Der
heutige „Reichs= und Staatsanzeiger” veröffentlicht die
hierauf bezüglichen Erlaſſe.
* Berlin, 28. Mai. Der Staatsſekretär des
Reichspoſtamts ſprach den Oberpoſtdirektionen in
einem Erlaß ſeine Befriedigung über die
erfolg=
reichen Bemühungen aus wegen der verminderten
Tele=
graphenbauarbeiten den beſchäftigungslos gewordenen
Telegraphenarbeitern anderweite Arbeit in den Reichs=,
Staats= und Privatbetrieben zu verſchaffen. Der
Staatsſekretär empfiehlt den Oberpoſtdirektionen,
nöti=
genfalls gleichartige Schritte noch bei den
Landwirt=
ſchaftskammern zu tun.
* Berlin, 28. Mai. Der Seniorenkonvent
des Abgeordnetenhauſe beſchloß, nächſte Woche,
Montag und Dienstag, Plenarſitzungen abzuhalten, der
Mittwoch bleibt für die Kommiſſionen frei. Sobald
das Staatsminiſterium mitgeteilt hat, welche
Geſetzes=
vorlagen dieſe Seſſion noch erledigt werden ſollen, tritt
der Seniorenkonvent wieder zuſammen, um den
Ge=
ſchäftsplan für den Tagungsreſt zu beraten. Bis
da=
hin ſollen ſich die Fraktionen darüber ſchlüſſig machen,
welche von ihren Initiativanträgen ſie noch beraten
wiſſen wollen.
* Berlin, 28. Mai. Juſtizrat Dr. Joſeph Stranz,
der Herausgeber der „Deutſchen Juriſtenzeitung”, iſt
geſtern geſtorben.
* Berlin, 28. Mai. Bei den
Einigungsver=
handlungen im Baugewerbe wurden die
ein=
zelnen Streitpunkte auch heute eingehend erörtert. Die
Verhandlungen geſtalten ſich ſehr langwierig, da die
Parteien nicht bloß zu den bekannten Streitpunkten
(zentraler Abſchluß, Formſyſtem, Sicherung der
Akkord=
arbeit, Arbeitszeit, Arbeitnachweis), ſondern zu allen
Nebenpunkten des Vertragsſchemas widerſprechende
Anträge ſtellten. Die Unmaſſe der geſtellten neuen
An=
träge und Erklärungen macht nunmehr eine
überſicht=
liche Zuſammenſtellung der geſamten ſtrittigen Punkte
nötig. Dieſer Arbeit werden ſich die Unparteiiſchen
am nächſten Montag vormittag unterziehen und
nach=
mittags werden ſie die Zuſammenſtellung einer
Kom=
miſſion der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorlegen.
Im Anſchluß hieran ſoll in die weiteren
Unterhand=
lungen über die geſamte Materie noch einmal
einge=
treten werden. Es wird dann Aufgabe der
Unpar=
teiiſchen ſein, über die ſtrittigen Punkte eine Einigung
zu verſuchen, eventuell den Parteien formulierte
Vor=
ſchläge zu machen, von deren Annahme oder
Nichtan=
nahme die Wiederherſtellung des Friedens im
Bau=
gewerbe abhängig wird.
* Berlin, 28. Mai. Die „Norddeutſche Allgemeine
Ztg.” nimmt zu den Verhandlungen der kürzlich in
Berlin abgehaltenen Konferenz deutſcher
Bau=
genoſſenſchaften Stellung. Die Verhandlungen
hatten ſich mit einem Rundſchreiben beſchäftigt, in
wel=
chem das Reichsverſicherungsamt die
Landesverſicher=
ungsanſtalten erſuchte, bei Darlehen an
Bauge=
noſſenſchaften fortan mindeſtens 3½ Prozent zu
erzielen. Die „Nordd. Allg. Ztg.” bemerkt, daß einer
anerkannt ſozialpolitiſch fortgeſchrittenen Behörde
ge=
wiß der für die Wohnungsfürſorge zunächſt
nachteilige Einfluß des Rundſchreibens bekannt war,
führt, daß mit einer erheblichen Erhöhung der von
Ar=
beitgebern und Arbeitern für die
Invalidenverſicher=
ung zu entrichtenden Beiträge gerechnet werden muß,
wenn ſo große Mittel zu billigem Zinsfuß noch
herge=
geben würden. Die Baugenoſſenſchaften würden dieſe
Wendung bedauern, dadurch iſt es aber nicht
gerecht=
fertigt, dem die Geſamtheit der einſchlägigen Intereſſen
überſchauenden Reichsverſicherungsamt einen Vorwur
zu machen.
* Berlin, 28. Mai. Der geſtern Abend hier
einge=
troffene italieniſche Miniſter des Auswärtigen,
der heute vormittag in der italieniſchen Botſchaft den
Beſuch des Staatsſekretärs v. Schön empfangen hatte,
beſuchte im Laufe des Nachmittags den Reichskanzler
und verweilte dort längere Zeit, ebenſo beim
Staats=
ſekretär Frhrn. v. Schön im Auswärtigen Amt.
* Berlin, 28. Mai. Der „Lokalanzeiger” meldet aus
Oberhauſen: Fünf Bergleute, die von der Arbeit
heimkehrten, nahmen in der Ruhr ein Bad; zwei von
ihnen gerieten in einen Wirbel und gingen unter.
Zwei verſuchten, ſich zu retten, wurden aber gleichfalls in
die Tiefe gezogen. Alle vier ertranken. Drei
Lei=
chen wurden geborgen.
* Neues Palais, 29. Mai. Der Kaiſer leidet,
wie bereits bekannt gegeben, an einem Furunkel in
der Gegend des rechten Handgelenks. Die lebhafte
Ent=
zündung machte eine Oeffnung erforderlich, welche
am Samstag, den 28. Mai, von Geheimerat Profeſſor
Bier ausgeführt wurde. Der Verlauf iſt bisher
normal.
* Neues Palais, 29. Mai. Um 12½ Uhr trafen im
Neuen Palais der italieniſche Miniſter des Auswärtigen
Marquis di San Giuliano und ſein Kabinettschef
Conte Sforza ein. Beide Herren wurden vom
Kaiſer empfangen. Hierauf hatte der Kaiſer eine
Unter=
redung mit Marquis di San Giuliano allein.
Neues Palais, 23. Mai. Die für morgen in
Ausſicht genommene Uebung der 2. Garde=
Infanterie=
brigade in Döberitz wurde aufgeſchoben.
* Frankfurt a. M., 28. Mai. Im hieſigen
ſtädti=
ſchen Schwimmbade kam man langjährigen,
um=
fangreichen Unterſchlagungen auf die Spur.
Neun Badediener, darunter drei Mitglieder des
Ar=
beitsausſchuſſes, wurden entlaſſen; alle neun ſind
ge=
ſtändig. Die Höhe der Unterſchlagungen läßt ſich noch
nicht überſehen.
* Baden=Baden, 28. Mai. Der Frau Geheimerat
Koch ſind bereits zahlreiche Beileidstelegramme
zugegangen, darunter ſolche des Kaiſers und des
preußi=
ſchen Kultusminiſters. Das Telegramm des Kaiſers hat
folgenden Wortlaut: „Neues Palais bei Potsdam. An
Frau Geheimerat Koch, Exzellenz, Sanatorium Frey=
Dengler, Baden=Baden. Beim Hinſcheiden Ihres von
mir ſo hochverehrten Herrn Gemahls ſpreche ich Euer
Exzellenz mein herzlichſtes Beileid aus. Ich beklage
aufs Tiefſte den Verluſt des größten deutſchen Arztes
unſerer Zeit und blicke mit dem deutſchen Volke dankbar
auf ſein ſegensreiches Lebenswerk. Wilhelm I. R.
* Koblenz, 29. Mai. Amtlich. Geſtern nachmittag
1½ Uhr fuhr auf der Nebenbahn Remagen=Adenau
auf dem Wegübergang in der Provinzialſtraße beim
Haltepunkt Leimbach durch Verſchulden des
Geſchirr=
führers das mit zwei Herren und mehreren Damen
be=
ſetzte Automobil „I X 1742‟ in die Lokomotive des
Güterzugs Nr. 8242. Der Inſaſſe F. J. Collin=
Dort=
mund wurde leicht verletzt. Das Automobil wurde ſtark,
die Lokomotive leicht beſchädigt.
* Wien, 28. Mai. Die Geſellſchaft der
Aerzte von Wien hißte nach dem Eintreffen der
Todesnachricht von Profeſſor Dr. Robert Koch auf
ihrem Geſellſchaftshauſe die Trauerfahne. Die
Ge=
ſellſchaft, die Kaiſerliche Akademie der Wiſſenſchaften
und andere Wiener mediziniſche Vereinigungen, deren
Ehrenmitglied Dr. Koch war, veranſtalteten
Trauer=
feiern.
Wien, 28. Mai. Den Blättern zufolge iſt das
Urteil gegen Hofrichter heute gefällt worden und
lautet auf Tod durch den Strang. Eine amtliche
Veröffentlichung iſt bisher nicht erfolgt. In jedem Falle
unterliegt das Urteil noch der Entſcheidung des
Gerichts=
herrn.
* Wien, 29. Mai. Die Meldung einiger Blätter,
daß in Serajewo Anarchiſten verhaftet worden
ſeien, iſt vollkommen aus der Luft gegriffen. Es
handelt ſich um eine auf Senſation berechnete Erfindung.
* Wien, 29. Mai. Die kaiſerliche Akademie der
Wiſſenſchaften wählte den Profeſſor an der Berliner
Univerſität, Kekule v. Stradonitz, und den Profeſſor
an der Univerſität Jena, Ernſt Stahl, zu
korreſpon=
dierenden Mitgliedern.
* Wien, 29. Mai. Die Teilnehmer an der
deutſch=
öſterreichiſchen Donaufahrt Regensburg=Wien
waren abends im Rathauſe Gäſte der Stadt Wien.
An=
weſend waren ferner der deutſche Botſchafter mit den
Herren der Botſchaft und der bayeriſche Geſandte.
Ad=
miral Aſchenborn=Kiel ſprach im Namen der Gäſte
dem Bürgermeiſter und der Gemeindevertretung den
Dank aus für den außerordentlich liebenswürdigen
Empfang. Bei der Tafel gedachte der Bürgermeiſter
von Wien des feſtgeſchloſſenen Freundſchaftsbundes
zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich=Ungarn und trank
auf das Wohl Kaiſer Wilhelms und Kaiſer Franz
Joſefs. Aſchenborn gedachte des tiefen Eindrucks, den
der unvergeßliche Empfang in Wien auf die deutſchen
Gäſte gemacht habe und toaſtete auf die Stadt Wien.
Namens der Regierung verſicherte der
Eiſenbahn=
miniſter, dieſe begrüße mit warmer Sympathie die
Be=
ſtrebungen der Teilnehmer an der Fahrt, die dazu
bei=
trügen, die Bande der politiſchen, ſozialen und
wirt=
ſchaftlichen Beziehungen zu feſtigen. Er trank auf das
Wohl der deutſchen Gäſte.
* Peſt, 29. Mai. Der Kaiſer iſt heute Abend im
Sonderzug in Begleitung eines großen Gefolges, der
gemeinſamen Miniſter und der beiden Miniſterpräſidenten
nach Bosnien abgereiſt.
* Rom, 27. Mai. „Popolo Romano” ſchreibt: Die
herzlichen Auslaſſungen, mit denen die deutſche Preſſe
den Beſuch Giulianos einſtimmig begrüßt
können in Italien nur das Empfinden dankbarer
Ge=
ſinnung hervorrufen. Den ſympathiſchen Empfang,
den der Miniſter am Kaiſerlichen Hofe wie in den
poli=
tiſchen Kreiſen von Berlin finden werde, betrachteten
die Italiener, als wenn er der italieniſchen Nation,
der Freundin der verbündeten ſtarken deutſchen
Na=
tion, bereitet würde. Es ſei überflüſſig, nach ſo
lang=
jähriger Erfahrung von einer Befeſtigung des
Drei=
bundes zu reden, der jetzt in das politiſche Bewußtſein
des italieniſchen Volkes übergegangen ſei und auch von
den nicht dem Dreibund angehörigen Nationen als ein
ſehr wirkſamer Faktor zur Aufrechterhaltung des
Frie=
dens angeſehen werde.
* Rom, 28. Mai. Die Kammer ſetzte heute die
Be=
ratung über den Geſetzentwurf betreffend die
Schiffahrts=
konventionen fort. Saal und Tribünen waren überfüllt.
Nach den Ausführungen des Berichterſtatters befürwortete
Miniſterpräſident Luzzatti unter lebhaftem Beifall des
Hauſes die Vorlage und erklärte ſich mit der von der
Kommiſſion vorgeſchlagenen Tagesordnung einverſtanden,
die dann durch Handaufheben angenommen wurde. Auf
Verlangen Luzzattis beſchloß die Kammer darauf: in
Nummer 123.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
Seite 7.
namentlicher Abſtimmung mit 35 gegen 317 Stimmen
den Eintritt in die Spezialdebatte. Im Verlaufe der
Veratung wurde in geheimer Abſtimmung mit 188 gegen
58 Stimmen der Geſetzentwurf betreffend die
Schiff=
fahrtskonventionen im ganzen angenommen.
* Paris, 28. Mai. Der Kabinettsrat ſetzte
die Beratung über das Programm, das er der
Kam=
mer vorlegen wird, fort. Er wird in kurzer Zeit einen
Geſetzentwuf einbringen für die Wahlrechtsreform mit
Berückſichtigung der Minoritäten, ferner
Geſetzent=
würfe über die Verwaltungsreform, den
Arbeitsver=
trag, das Beamtenſtatut und die Erweiterung der
Syn=
dikatsrechte. Der Kabinettsrat wird ſich bereit
erklä=
ren, mit der Senatskommiſſion über die Finanzreform
in Verhandlung zu treten, wobei das von der Kammer
angenommene Projekt als Grundlage dienen ſoll.
Liſſabon, 29. Mai Der
Miniſterpräſi=
dent wurde heute vom König in Audienz empfangen,
in welcher eine längere Beſprechung über die politiſche
Lage erfolgte. Darauf hatte der Miniſterpräſident eine
Beratung mit den übrigen Miniſtern.
Malaga, 29. Mai. Während der Vorführungen
in der Arena von Alhaurin el Grande ſtürzte eine
Tribüne ein. Elf Perſonen wurden ſchwer verletzt.
Helfingfors, 28. Mai. Der Landtag hat die
kaiſerlichen Vorſchläge betreffend eine beſondere
Militär=
ſteuer für 1911 und Anweiſung von Mitteln zur
Vervoll=
ſtändigung des Kriegsfonds für 1910 abgelehnt.
Petersburg, 28. Mai. Der Kaiſer empfing in
Zarskoje Sſelo Deputationen von Studenten der
Potersburger Univerſit ät und der Petersburger
Hochſchule, im ganzen über 50 Studenten. Der Kaiſer
redete zuerſt einzelne an und wandte ſich dann an alle
anweſenden Studenten mit einer Rede, in welcher er dem
Danke Ausdruck gab für die Liebe und Ergebenheit für
Rußland, die von ihnen vor den übrigen Kameraden
bezeugt würden. Dann ſprach er den Wunſch aus, daß
dieſe Gefühle immer mehr erſtarkten, damit Rußland
ruhig, ſtark und ruhmreich werde. Sodann trug der
Kaiſer den Studenten auf, ihren Kameraden bekannt zu
geben, daß es ihn freuen würde, wenn mit jedem Jahre
die Zahl der Studenten, die ſolche Geſinnungen an den
Tag legten, wachſen werde. Hurrarufe der Studenten
folgten dieſen Worten. Der Kaiſer ließ ſich darauf in
der Mitte einer Gruppe von Studenten photographieren.
Als der Kaiſer Abſchied nahm, begleiteten ihn die
Studenten mit dem Geſang der Nationalhymne und
Hurrarufen.
J. Griesheim, 28. Mai. Bei der heutigen
Bei=
geordnetenwahl wurden 1040 Stimmen abgegeben.
Hiervon erhielt Beigeordneter Feldmann 446,
Gaſt=
wirt Maus 368 und der Kandidat der
Sozialdemo=
kraten Jakob Feldmann 223 Stimmen. Es findet ſomit
Stichwahl zwiſchen Maus und dem ſeitherigen
Bei=
geordneten Feldmann ſtatt.
— Griesheim, 29. Mai. Geſtern abend zwiſchen 8 und
½9 Uhr bot ſich der hieſigen Bevölkerung ein prächtiges
Schauſpiel. Vom nahen Lager her ließ ſich das Surren
der Flugmaſchine des Aviatikers Euler vernehmen.
Nach zweimaliger Umkreiſung des Truppen=
Uebungsgelän=
des nahm Herr Euler die Richtung direkt nach unſerem
Ort, überflog in impoſanter Rechtsſchwenkung Beſſunger
Weg und Darmſtädter Chauſſee und umkreiſte in einer
Höhe von 80 bis 100 Metern in weiter Bahn unſere
Ge=
meinde in raſcher Fahrt. Am Eichwäldchen erreichte Herr
Euler wieder das Uebungsgelände und in ſtolzer Fahrt
ging es der Bekkertanne und dem Burgwald entlang über
das Griesheimer Haus und nach Linksſchwenkung über
die Braunshardter Hausſchneiſe am Kaſino vorbei, um
das ganze Barackenlager bis ans weſtliche Ende zu
über=
fliegen. Hier nahm Herr Euler eine kurze Linksſchwenkung,
um nach ſeiner im Oſten des Platzes gelegenen Halle ohne
jeglichen Unfall zurückzukehren. Auf die beſtens gelungene
Fahrt um unſeren Ort kann der kühne Flieger ſicher ſtolz
ſein, und jung und alt unſerer Bevölkerung werden noch
lange dieſes bewundernswerten Fluges, als des erſten um
den Ort durch eine Flugmaſchine, und des Lenkers
der=
ſelben gedenken.
* Worms, 29. Mai. Geſtern fand hier die
Grün=
dung einer Beratungsſtelle für
Säug=
lings= und Mutterſchutz unter dem Vorſitz der
Großherzog in ſtatt. Die Großherzogin traf,
der „Wormſ. Ztg.” zufolge, geſtern nachmittag von
Darmſtadt im Automobil hier ein und begab ſich mit
ihrem Gefolge in den Heylshof, wo ſie kurze Zeit
verweilte. Dann wurden die Wagen zu einer Fahrt
durch die Stadt beſtiegen. Die Großherzogin war ganz
in Schwarz gekleidet. Zunächſt ging die Fahrt nach
der Alice=Induſtrieſchule, wo die hohe Frau
von drei weißgekleideten Mädchen (Schülerinnen der
Anſtalt) willkommen geheißen und ihr ein
Blumen=
ſtrauß überreicht wurde. Es folgte dann ein Gang
durch die unteren Räume der Schule, wo der Fürſtin
die Lehrerinnen vorgeſtellt wurden. In den oberen
Räumen war eine kleine Ausſtellung hergerichtet, die
ein Bild davon gab, was in den einzelnen Kurſen
ge=
leiſtet wird. Hier waren auch die Vorſtandsdamen
an=
weſend. Die Landesmutter ſprach ſich ſehr lobend über
das Geſehene aus. Es folgte die Beſichtigung des
Mar=
tinsſtifts. Am Eingang erfolgte die Begrüßung
durch die Frau Oberin. Herr Geiſtl. Rat Wiedemann
ſchilderte den Zweck des Martinsſtiftes. Die
Großher=
zogin verweilte etwa dreiviertel Stunden und beſuchte
die einzelnen Krankenzimmer. Gegen ¾5 Uhr erfolgte
die Ankunft vor dem Sophienhaus in der
Paulus=
ſtraße. Nach viertelſtündigem Verweilen wurde noch
das Sophienſtift in der Römerſtraße mit einem
Beſuch beehrt und die Großherzogin vom Vorſtand
empfangen. Die Frau Oberin erläuterte die Arbeit
des Hauſes, woran ſich ein Rundgang durch das
Ge=
bäude ſchloß. Von hier aus erfolgte die Fahrt nach
dem Kaſino.
Mehr als hundert Damen und Herren waren im
oberen Kaſinoſaal verſammelt. Am Vorſtandstiſche
nahm die Frau Großherzogin mit der Freifrau
von Grancy, Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Kayſer,
Herrn Oberbürgermeiſter Köhler und Herrn
Regier=
ungsrat Piſtor Platz. Anweſend waren ferner Herr
Reichstagsabgeordneter Freiherr v. Heyl zu
Herrns=
heim, die Herren Beigeordneten und Stadtverordneten,
zahlreiche Aerzte und Damen und Herren unſerer
Ge=
ſellſchaft. Herr Oberbürgermeiſter Köhler eröffnete
im Allerhöchſten Auftrage die Verſammlung und
ver=
breitete ſich eingehend über den Zweck derſelben. Herr
Regierungsrat Piſtor von Darmſtadt erläuterte den
Zweck der Beratungsſtelle, die vor allem beſtrebt ſein
wolle, geſund geborene Kinder geſund zu erhalten.
Die Bürgermeiſterei von Worms und der ärztliche
Zweigverein ſeien in anerkennenswerter Weiſe
ent=
gegengekommen und hätten ſich bereit erklärt, in Worms
eine Beratungsſtelle zu gründen, aus der ſpäter eine
Zweigſtelle der Zentrale werden könne. Herr Dr.
Goebel verbreitete ſich darauf in längerem Vortrag
über die mediziniſche Seite der Frage. Gerade die
günſtigen Verhältniſſe in Worms ließen von der
Für=
ſorgeſtelle ſchöne Erfolge hoffen. Herr Regierungsrat
Piſtor ſtimmt dem Vorredner bei, daß die
Verhält=
niſſe in Worms günſtig ſeien und ſagt: Was aber für
unſere Bewegung beſonders notwendig iſt, das ſind
warme Frauenherzen. Liebe iſt vor allem nötig!
Ge=
rade unter den Wormſer Frauen ſind viele warme,
prächtige Frauengemüter, die ſchon durch ihre
bishe=
rige Tätigkeit gezeigt haben, wie gern ſie zum
Mithel=
fen bereit ſind. Unter ihnen Helferinnen zu werben,
muß ebenfalls Aufgabe der Fürſorgeſtelle ſein. Herr
Oberarzt Dr. Hoddick vom hieſigen Städtiſchen
Kran=
kenhaus beſpricht die mannigfachen Aufgaben der
Be=
ratungsſtelle. Er für ſein Teil werde ſein Beſtes
ein=
ſetzen, zum guten Erfolge der Wormſer Beratungsſtelle
beizutragen. Herr Oberbürgermeiſter Köhler
be=
merkt: Die zu gründende Beratungsſtelle ſolle nicht
lediglich eine ſtädtiſche Anſtalt, ſondern eine
Zweigan=
ſtalt der großen Zentrale ſein. Wir wollen zeigen, daß
wir die edlen Abſichten Ihrer Königlichen Hoheit
ver=
ſtanden haben und zu würdigen wiſſen. Redner ſchloß
mit einem dreifachen Hoch auf die Großherzogin, in das
die Anweſenden begeiſtert einſtimmten. Die
Verſamm=
lung hatte damit um 6 Uhr ihr Ende erreicht. Bald
darauf fuhr die Großherzogin wieder nach
Darm=
ſtadt zurück.
Brieſaſten.
V. G. Die Erben müſſen Ihnen das Dienſtverhältnis
kündigen. Die Kündigungsfriſt bemißt ſich nach dem
Zeitraum, für den jeweils die Vergütung bezahlt wird,
wenn nichts anderes vereinbart iſt. Für Koſt und
Woh=
nung iſt angemeſſener Erſatz zu leiſten; wohl mindeſtens
2 Mark pro Tag. Maßgebend iſt § 621 B. G.=B. J.
Vettreter: HAAS & BERNHARD, Darmstadt, Rheinstr.
(67939h
Kaniliemachrichten.
Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines unvergeßlichen Gatten
und unſeres Vaters, Schwiegervaters, Bruders,
Schwagers und Onkels
(11122
Herrn
Joseph Leinberger
Gr. Ober-Hoflakai
ſagen wir hierdurch Allen unſeren innigſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Kath. Leinberger,
geb, Obst.
Darmſtadt, den 28. Mai 1910.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Hiermit die traurige Nachricht, daß mein
lieber Mann, unſer lieber Vater u. Großvater
Kgl. Rechnungsrat i. P.
heute Vormittag infolge eines Herzſchlags
ſanft verſchieden iſt.
(*13293
Im Namen der Hinterbliebenen:
A. Manteuffel, geb. Wosegien.
Darmſtadt, den 28. Mai 1910.
Die Einäſcherung findet Dienstag in
Offen=
bach ſtatt.
Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben Bruders
Karl Schaffner
ſpreche ich Allen, insbeſondere dem Herrn Pfarrer
Walz für die troſtreiche Grabrede, ſowie allen
Freunden und Bekannten meinen herzlichen
Dank aus.
(B11117
Die trauernde Schweſter:
Elisabeth Schaffner.
Jugenheim a. d. Bergſtr., 28. Mai 1910.
Danßſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme,
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden bei der
Beerdigung meines unvergeßlichen Gatten und
unſeres Vaters
(11098
Joh. Heinrich Pfank
ſagen wir Allen, beſonders Herrn Pfarrer Dingeldey
für ſeine troſtreiche Grabrede, innigſten Dank.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen:
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Druck und Verlag: L. C. Wiklich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldackel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: F. Kroſk, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
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13)
Riffe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
* Und Arno watete durch den tiefen Waſſerarm, kam
glücklich hinüber, lief über den Stand, die
Waſſerrin=
nen, die ſteinernen Stacks, patſchte durch den Schlick,
glitt aus, ſchlug hin, raffte ſich wieder auf und rannte
weiter. Bald begannen ihm die nackten Fußſohlen zu
ſchmerzen, und er war froh, wenn er ins kühle Waſſer
treten konnte.
Durchnäßt, ſchlammbeſpritzt und atemlos langte er
endlich in Mühlenberg an. Hier ſaßen ein paar Boote
hoch auf dem Strande, doch kein Menſch ließ ſich in der
Nähe blicken. Da hetzte er nach Blankeneſe hin, an
Baurs Park entlang, hielt ſich wegen ſeiner
brennen=
den Füße immer dicht an der Waſſerlinie, bis er
plötz=
lich Kurt Egloff in Sicht bekam. Auf den fuhr er los
wie auf einen Retter in der Not.
Kommen Sie! rief er und zerrte ihn am Aermel,
daß der Pinſel einen dicken rotbraunen Strich durch das
blauesWaſſer machte. Harriet kann nicht weiter. Ich
will ein Boot holen!
Kurt Egloff hörte nur den Namen Harriet. Im
HHuizwarf er ſeine Gerätſchaften zuſammen. Das naſſe
Bildifiel dabei in den trocknen Sand. Arno rannte mit
derzstaffelei voraus. Der Gartenkellner des
Strand=
hotelssſah ſich plötzlich als Maler ausgerüſtet. Bei
Gerrit von Appen ſprangen die beiden in das erſte
beſteRuderboot und ſtießen hinaus. Kurt,Egloffolegter
ſich aus Leibeskräften in die Riemen. Geſchwind ſchoß
das kleine Fahrzeug mit der Flut ſtromauf. Sie
hiel=
ten ſich in der Mitte, wo das Waſſer am ſchnellſten floß.
Inzwiſchen hatte ſich’s Harriet auf einem der
Wei=
denkrüppel bequem gemacht und öffnete das bekleckſte
Skizzenbuch. Von hinten fing ſie an zu blättern und
kam zuerſt an Arnos ſchüchterne Verſuche, die ihr ſehr
ungeſchlacht erſchienen. Ihr Auge war nicht geübt
ge=
nug, um in dieſen feſten, eigenſinnigen Strichen, die
das Charakteriſtiſche übermäßig betonten, ein
künſt=
leriſches Talent zu erkennen. Sie traute ihrem
Bru=
der überhaupt nicht viel zu, weil er in der Schule ſchlecht
ſtand und ſich nie mit ſeinen Kameraden herumbalgte.
Leiſe ſchob ſich die Flut heran und begann die
Rän=
der des grünen Raſenflecks zu freſſen, in deſſen Mitte
Harriet ſaß.
Noch mehr enttäuſcht wurde ſie von den beiden
Oelſtudien, die Kurt Egloff zum Urheber hatten, ein
ganz entſetzliches Geſchmier von allen nur denkbaren
Farben, ein wirres Durcheinander von ſinnloſen
Kleck=
ſen, Flecken, Strichen und Spritzern. Schnell ſchlug ſie
dieſe beiden abſcheulichen Blätter herum.
Da aber traf ſie auf eine leichtgetönte
Bleiſtiftzeich=
nung, die ihr ausnehmend gefiel. Sie ſtellte eine
rei=
zende italieniſche Landſchaft dar mit Rebengängen,
ver=
fallenen Marmorſäulen und Palmen. Im Hintergrunde
erhob ſich der Veſuv. Aus dem Bildchen ſprach eine
peinliche Sauberkeit und Akkurateſſe, die Harriet, als
die Tochter ihres ordnungsliebenden Vaters und
En=
kelin eines Hamburger Senators, äußerſt angenehm
berührten. In der Ecke ſtand mit zierlichen Buchſtaben:
Sorrent, Kurt=Egloffa
uind chen ſchie ſch darie uer iheraien
Sehn=
ſucht, nach Italien zu reiſen, ſtärker als jemals gepackt.
Träumeriſch blätterte ſie weiter und fand eine nackte
weibliche Figur.
Entrüſtet klappte ſie das Buch zu. Sie war aufs
höchſte empört darüber, daß Arno ſo etwas in die Hände
bekam.
Da ſchlug vom Waſſer her ein lauter Freudenſchrei
an ihr Ohr, ſie ſchaute auf und erblickte das rettende
Boot, das ſich langſam dem Ufer näherte.
Arno ſtand im Stern, ſchwenkte die Mütze und
ſteuerte. Jetzt ſah er aus wie ein richtiger Junge.
Ueber Kurt Egloffs Erſcheinen war ſie weniger erbaut.
Er griff nun mit dem zweiten Riemen hilfreich ein,
be=
wies, daß er die Schifferei mehr vom Hörenſagen
kannte, und ließ das Uoot zwei Meter vom Strande
entfernt auf den Sand laufen.
Verzeihung! rief er und mühte ſich im Schweiße
ſeines Angeſichtes weiter, aber vergeblich.
Der Kiel ſaß feſt. Harriet lächelte mitleidig. Arno
ſtieg ins ſeichte Waſſer, ſtieß das erleichterte Fahrzeug
zurück, daß es flott wurde, und zog es an einer tieferen
Stelle heran.
Kurt Egloff ſchwang den Hut, nahm eine maleriſche
Poſe an, indem er den einen Fuß auf den Bordrand
ſetzte und ſtreckte die Hand aus.
Harriet reichte ihm die Fingerſpitzen und ſchwang
ſich zu ihm hinüber. Nun ſaßen ſie erſt recht feſt. Arno
und Kurt Egloff boten ihre geſamten Kräfte auf, der
Kiel wich nicht von der Stelle.
Bemühen Sie ſich nicht, ſprach Harriet ſpöttiſch.
Das=Waſſerſteigt;noch. In zehn=Minutensſindswirzflott,
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
Nummer 123.
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Der Maler trocknete ſich den Schweiß von der
Stirn, ſank erſchöpft auf die Ruderbank, fuhr aber
ſo=
fort wieder in die Höhe.
Gnädiges Fräulein verzeihen, rief er unglücklich,
und auch die Verbeugung verunglückte wegen Mangel
an Raum. Aber ich habe mich noch gar nicht
vor=
geſtellt!
Ich verzichte! ſagte ſie und ſchürzte ihre ſchönen
Lippen. Ich habe Ihren Namen bereits aus dem Buche
erfahren.
Mit einem Seufzer der Erleichterung nahm er
wie=
der Platz.
Allerdings finde ich es ſehr unpaſſend, fuhr ſie fort,
dem Jungen ſolche Blätter in die Hand zu geben.
Kurt Egloff machte ein recht verdutztes Geſicht und
ſchlug das Buch auf, das ſie ihm mit geſpitzten Fingern
reichte.
Sie haben recht, erwiderte er völlig zerknirſcht, als
er auf die Sorrenter Bleiſtiftzeichnung traf. Ein
ent=
ſetzlicher Kitſch. Das Zeug taugt wirklich nichts. Ich
habe es vor zehn Jahren gemacht.
Mit einem einzigen kühnen Griff riß er die Blätter
heraus, auch die Oelſtudien und den weiblichen Akt,
knüllte ſie trotz Arnos heftigen Widerſpruchs zuſammen
und warf ſie ins Waſſer.
Auch Harriet kam die Löſung unerwartet. Sie hätte
ſich gern die italieniſche Landſchaft ausgebeten, doch ihr
Stolz ließ es nicht zu. Arno nahm das Buch wieder
und ſchmollte.
Ihr Bruder hat entſchieden Talent, ſprach der Maler
leiſe und mit wichtiger Betonung.
Halten Sie das für einen ſo großen Vorzug?
er=
widerte ſie hochmütig.
Und Sie zweifeln daran? rief er beſtürzt.
Meine Meinung iſt hier nicht maßgebend, wies ſie
ihn vornehm zurück. Jedenfalls denkt Arnos Vater
über=biefe Dinge weniger voreingenommen.
Ihr Vater iſt Kaufmann, behauptete Kurt Egkoff
kühn und warf ſich in die Bruſt. Er hat keine Ideale.
Sie ſprechen von meinem Vater? rief ſie und
ver=
lor ihre Ruhe.
Nur Gutes, entgegnete er. Er wäre ein ſchlechter
Kaufmann, wenn er Ideale hätte. Ich ſetze ohne
wei=
teres voraus, daß er ein guter, ja vorzüglicher
Kauf=
mann iſt. Nun gut, es muß auch ſolche Menſchen geben.
Wir Künſtler aber ſind das Salz der Erde.
Hm, meinte ſie unſicher. Möglich. Ich verſtehe
nicht viel von Malerei.
Dem ließe ſich leicht abhelfen, ſchlug er vor und
rückte im Eifer, der Kunſt zu dienen, von ſeinem Platze.
Da legte ſich plötzlich das Boot, das eben flott geworden
war, ſtark auf die Seite, und er beeilte ſich, um die
ziemlich würdeloſe Poſe zu verdecken, die Riemen
ein=
zuſetzen.
Strengen Sie ſich nicht an, lächelte ſie ſpöttiſch.
Gleich wird die Ebbe einſetzen.
Kurt Egloff unterließ die ungewohnten
Hantier=
ungen und ſprach von der Kunſt und dem göttlichen
Be=
ruf der Künſtler. Arno hörte mit offenem Munde zu.
Harriet ſchwieg und beobachtete die ſchwarze Tonne, bei
der ſie ſaßen. Endlich ſchwoite ſie herum. Der Maler
war gerade bei Raffael angekommen. Langſam trieb
das Boot ſtromab.
Kurt Egloff merkte, daß Harriet für ſeine
Kunſt=
urteile kein Intereſſe aufbrachte und ſchwieg gekränkt.
Arno legte einen Riemen als Ruder übers Heck hinaus
und ſpielte den Steuermann.
Vergeblich zerbrach ſich der Maler den Kopf, um
ein geeignetes Thema zu finden. Auch Harriet
emp=
fand das Peinliche dieſes Schweigens und fragte ihn,
ob er lange in Italien geweſen ſei.
Wie ein Ertrinkender an den Strohhalm, ſo hielt
ſich Kurt Egloff an das erlöſende Wort: Italien. So=
fort begann er zu erzählen von dieſem ſonnigen Land
des Südens, dem Lande der Kunſt und der klaſſiſcher
Schönheit. Er ſchwärmte von dem Markusplatz in Ve
nedig, dem Mailänder Dom, dem Hafen von Genue
den Galerien von Florenz, von Rom, der ewige
Stadt, dem azurblauen Golf von Neapel und vo
Capri, der köſtlichen Perle. Arno rückte wieder nähe
heran und ließ das Boot meiſtens laufen, wie es wollte
Es nahm ſich auch Zeit und blieb dreimal hängen, zu
letzt dicht vor dem Ewer, deſſen Maſt ſich ſchon
ſcho=
wieder zu neigen begann.
Harriet, die mit geſpannter Aufmerkſamkeit zuge
hört hatte, reichte dem Maler die ſchlanke, kräftige Han
und erhob ſich. Er hätte gern bis Cuxhaven weiter
erzählt. Stoff genug war vorhanden. Wo hatte ersſil
nicht alles im Intereſſe der Kunſt herumgetrieben.
Wie ſchön muß es da ſein! ſprach ſie ſehnſüchtig un
ſchloß für einen Moment die Augen.
Gewiß! pflichtete er bei und dachte an ſein leere
Portemonnaie. Aber auf die Dauer wird es einer
zuviel.
Unangenehm berührt entzog ſie ihm die Finger.
O weh! rief Arno plötzlich, nachdem er aufediegUh
geſchaut hatte. Schon halb ſieben. Und heute iſt’Sams
tag. Herr Harms wird ſchon warten.
Ah, Herr Harms! entfuhr es Kurt Egloff.
Kennen Sie ihn? fragte Harriet und erröteteleich
Ein wenig, ſtotterte der Maler verlegen, faßte ſie
aber ſchnell und lächelte malitiös. Der Herr iſt Pro
kuriſt der Firma Geſterling u. Ko. Ein außerordent
licher, tüchtiger Mann mit großen Verdienſten. Viel
leicht läßt er ſich von mir malen. Er ſoll einsſehrein
tereſſantes Exterieur beſitzen.
(Fortſetzung folgt.)
[ ← ][ ][ → ]Nummer 123.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
Seite 11.
Durchlauchf Fürsf
Thurnu. Taxis
Antige. Rachtihten des Groſherzontichn Halgenne aenſteht
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3
be=
finden ſich: 3 Pinſcher.
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=beſtände als:
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung,
die Beaufſichtigung der Hunde betreffend.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß ſich die Stallung, worin
die eingefangenen Hunde untergebracht werden, vom 1. Juni ds. Js. an in der
ſtädtiſchen Hofreite Beſſunger Straße Nr. 56 befindet; daſelbſt iſt auch der
Kohlen=
ſäuretötungsapparat aufgeſtellt.
Vom genannten Tage an wohnt der Hundefänger Adam Ruhmann nicht mehr!
Schulzengaſſe Nr. 3, ſondern Beſſunger Straße Nr. 56.
(11085soi
Die Auslöſung der eingefangenen Hunde erfolgt vom 1. Juni ds. Js. ab bei
dem 5. Polizei=Revier (Ludwigshöhſtraße Nr. 4). Die Verſteigerung der nicht
aus=
gelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Darmſtadt, den 27. Mai 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.
Spülung des Waſſerrohrnetzes.
Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſerrohrnetzes in den
unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche in der Zeit von 10 Uhr abends
bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung
des Walſers mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich vorher
mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 30. zu Dienstag, den 31. I. Mts.
werden geſpült:
Spülbezirk V.
Derſelbe wird umfaßt von der Frankfurter=Straße (Herrngartenſeite),
Odenwald=
dahn, Dieburger= und Alexanderſtraße und enthält Theaterplatz und Muſeum,
Mitgeſpült werden die außerhalb liegenden Straßenteile: Kranichſteiner=Straße,
Hohlerweg, Dieburger=Straße und Ringſtraße (äußere), zwiſchen Dieburger=Straße und
Seiterswieſenweg.
Spülbezirk VIII.
Derſelbe liegt ſüdlich der Heinrichsſtraße bis zur Wilhelminen=, Karls= u. Beſſunger=
Straße und öſtlich der Ludwigshöhſtraße.
Mitgeſpült werden die Straßen der Mathildenhöhe.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 1. zu Donnerstag, den 2. Juni I. Js.
wird geſpült:
Spülbezirk K.
Derſelbe liegt weſtlich des Straßenzuges Ludwigshöhſtraße, Beſſunger=, Karls= u.
Wilhelminenſtraße und wird von der Heinrichs= und Eſchollbrücker=Straße begrenzt.
Außerdem findet in der Nacht von Donnerstag, den 2. zu Freitag, den 3. Juni Auszeſchrumg u.Sr
. Js. eine Druckrohrſpülung ſtatt.
Darmſtadt, den 19. Mai 1910.
Städtiſche Waſſerwerksverwaltung.
Rudolph.
(10959so
Vergebung von Bauarbeiten.
Die Ausführung der bei dem Neubau eines Feuerwehrgerätehauſes, ſowie beiKalligr. Lehrer Wohnu
der Einrichtung des vierten Schulſaales in dem neuen Schulhauſe der Gemeinde Traiſa
vorkommenden Maurer=, Zimmer=, Dachdecker=, Schreiner=, Schloſſer=, Glaſer=,
Weißbinder=, Spengler= und Schindlerarbeiten, ſowie die Lieferung von Zement,
Kalk und eiſernen Trägern ſollen mittelſt öffentlichen Wettbewerbs vergeben werden.
Voranſchlag Pläne und Bedingungen liegen von Montag, den 30. ds. Mts.,
bis Montag, den 6. k. Mts., vormittags 10 Uhr, auf Großh. Bürgermeiſterei Weißbinderarbeiten.
Traiſa zur Einſicht offen, woſelbſt ſchriftliche Angebote entgegengenommen werden.
Die Herſtellung der Straßenſeite des
Darmſtadt, den 27. Mai 1910.
Gebäudes Bismarckſtraße 28 ſoll ver=
Der Großherzogliche Kreisbauinſpektor.
geben werden.
J. V.: Keſſel.
(11088 Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte
Grafen=
ſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9, während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die
Waldwegban=Arbeitsvergebung.
Angebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis Samstag, 4. Juni
(Stadtwald.)
1910, vormittags 10 Uhr, bei unter=
Dienstag, den 31. I. M., ſollen folgende Arbeits= und Fuhrleiſtungen in der
zeichneter Stelle einzureichen.
Forſtwartei Heiligkreuz wenignehmend verſteigert werden:
1. Anfuhr von 170 cbm Steinſchlag aus Kahleberg und Dachsberg auf den! Darmſtadt, am 28. Mai 1910.
Stadtbauamt.
Brunnersweg.
J. V.: Kling. (11113oi
2. Brechen von 292 cbm Steinen im Dachsberg.
3. Anfuhr derſelben auf den Zaunweg.
Belauntmachung.
4. Setzen derſelben.
5. Planieren und chauſſieren von ca. 750 lfde. Meter Zaunweg.
Donnerstag, den 16. Juni 1910,
vormittags 10¾ Uhr,
Zuſammenkunft morgens 8½ Uhr am Oberwaldhaus. Nähere Auskunft durch
ſollen die den Mathias Hees Eheleuten
Herrn Forſtwart Hofmann, Hirſchköpfe.
Darmſtadt, den 26. Mai 1910.
(10958 dahier zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
XIV 79/10 219 Hofreite Beſſunger=
Kullmann.
ſtraße 115,
289 Grabgarten daſelbſt,
XIV
(*
in unſerem Geſchäftszimmer, Wittmann=
Arbeits=Vergebung.
Die Ausführung der bei der Umpflaſterung der Darmſtädter Straße in Ober=ſtraße 1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Ramſtadt zwiſchen Neugaſſe und Schafgraben vorkommenden Maurer=, Asphaltier= Die Genehmigung der Verſteigerung
und Pflaſtererarbeiten, die Lieſerung von 90 ehm Pflaſterſteinen und das Fahren derſwird auch dann erfolgen, falls ein der
Schätzung entſprechendes Gebot nicht ein=
Pflaſterſteine ſoll mittelſt öffentlichen Wettbewerbs vergeben werden.
Voranſchlag und Bedingungen liegen von Donnerstag, den 26. Mai 1910 gelegt wird und andere rechtliche
Hinder=
ab, vormittags, in den Geſchäftsräumen des Unterzeichneten zur Einſicht offen, niſſe nicht entgegenſtehen.
woſelbſt die Angebote bis Donnerstag, den 2. Juni, vormittags 10 Uhr, entgegen= Darmſtadt, den 24. Mai 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(10904fo
genommen werden.
(Beſſungen.)
Ober=Ramſtadt, den 24. Mai 1910.
Frantz.
(L11096,69
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Fritſch.
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Nummer 123.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
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Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Mai 1910.
Nummer 123.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 28. Mai. (
Börſen=
wochenbericht.) Die abgelaufene Geſchäftswoche
wurde durch verſchiedene günſtige Faktoren beeinflußt.
Zunächſt war Geld für die bevorſtehende
Ultimoliqui=
dation recht flüſſig und zu 4—3½ Prozent leicht
er=
hältlich. Sodann iſt die lang erſehnte Ermäßigung der
Getreidepreiſe, und zwar in intenſiver Weiſe,
eingetre=
ten und damit die überhoch gehaltenen Sätze in
nor=
male Bahnen gelenkt worden, um wieder billig kaufen
zu können, was insbeſondere den Mühlen zuſtatten
kommt. Auch auf dem Geldmarkt macht ſich wieder
größere Abundanz geltend, nachdem der Scheckkurs
London auf 20,505 zurückgegangen iſt. In der letzten
Sitzung des Zentralausſchuſſes der Reichsbank
er=
wähnte Präſident Havenſtein, der Status des
In=
ſtitutes habe ſich trotz der Nähe des Ultimos weiter
ge=
beſſert, ſodaß die ſteuerfreie Notenreſerve weiter
ge=
ſteigert ſei. Die Börſe bekundete daher eine gute
Hal=
tung, ohne daß jedoch der Verkehr weniger lebhaft war.
Bei Wochenſchluß zeigte ſich London reſerviert auf
Ge=
rüchte von einem Unwohlſein Morgans. Im Falle
die=
ſes Krankſein ſich bewahrheitet oder kritiſcher würde,
dürfte doch mit größeren Schwankungen an der New=
Yorker Börſe zu rechnen ſein, da der Einfluß dieſes
Mannes für die Vereinigten Staaten von
hervorragen=
der Bedeutung iſt.
Was die Einzelheiten des Geſchäfts anbetrifft, ſo
bleiben die deutſchen Renten andauernd vernachläſſigt
mangels Kaufluſt des Privatpublikums. Auch
auslän=
diſche Staatsfonds lagen ſtiller; einige Nachfrage
be=
ſtand für 3prozentige Buenos Aires=Provinz=
Obliga=
tionen und Türken, während ruſſiſche Gattungen um
Bruchteile nachgaben. Von Transportaktien ſind
Kahl=
grund anſehnlich geſtiegen, hingegen allgemeine deutſche
Kleinbahn etwa 2 Prozent niedriger. Größere Umſätze
fanden wieder in Schantung ſtatt, die unverändert, wie
in der Vorwoche, ſchließen (140,10). Am Bankenmarkt
blieb es ſtill und ſind zum Teil kleine Abſchwächungen
eingetreten. Die Aktien der bayeriſchen
Bodenkredit=
anſtalt (Würzburg) ermatteten bis 125,50, da wieder
Unſtimmigkeiten im Aufſichtsrat eingetreten. Es
ſoll=
ten bei dieſem Inſtitut 10 Millionen Mark neue 4proz.
Pfandbriefe ausgegeben werden, deren Emiſſion bei
den jetzigen Verhältniſſen nicht als gewinnbringend
ſeitens des einen Aufſichtsratsmitglieds, Ansbacher,
bezeichnet wurde. Einer demnächſt einzuberufenden
Ge=
neralverſammlung dürfte die Löſung dieſer Fragen
vorbehalten ſein. In feſter Tendenz verkehrte der
Montanmarkt, auf welchem beſonders Phönix und
Gel=
ſenkirchener profitieren konnten und nur Harpener
matter waren; Kaliaktien ſind abgeſchwächt. Gute
Stimmung iſt fortdauernd am Kaſſainduſtriemarkt,
wenn auch zeitweiſe Gewinſtrealiſationen
vorgenom=
men wurden. Elektrizitätswerte weiter gefragt auf die
Steigerung der Allgemeinen Elektrizitäts=Geſellſchaft,
bis 271½, infolge günſtiger Dividendetaxationen, die
bis 14 Prozent gehen. Im freien Verkehr wurden
Fahrzeugfabrik Eiſenach, deren Zulaſſung zur
Notier=
ung beantragt iſt, lebhaft gehandelt. Erwähnenswert
wäre noch die Beſſerung der Peruaner in London (13
reſp. 41), für welche in Deutſchland größeres Intereſſe
beſteht.
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Pappenheimer 70, Ungariſche 389,50, Freiburger 58,
Genua 230, Mailänder 45=Fres.=L. 145, Mailänder
10=Fres.=L. 33, Türkiſche 185,50, Venediger 40,25, Raab=
Gratzer Anrechts=Scheine 37,60, alles in Reichsmark;
Gothaer Prämie I 142,40, Gothaer Prämie II 117,50,
Donau=Regulierung 142,50, Madrider 78,80, alles in
Prozent. Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918
unkündbar) 101,90, 3½proz. Reichs 92,80, 3proz. Reichs
94,60, 4proz. Heſſen von 1899 101,10 G., 4proz. Heſſen
von 1906 101 G., 4proz. Heſſen von 1908 und 1909
101,30 G., 3½proz. Heſſen 91,85, 3proz. Heſſen 81, 4proz.
Darmſtädter 100,75, 3½proz. Darmſtädter 92,
Darm=
ſtädter Bank 130,50, Südd. Eiſ.=Geſ. 123 G., 4proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfandbriefe (Serie 18—20) 101,60 G.,
3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfandbriefe (Serie 9—11)
92,40 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfandbriefe (Serie
10—12) 101,60 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfandbriefe
(Serie 1—3) 92,80 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=
Pfand=
briefe (Serie 4) 92,70 G., Baltimore und Ohio 114,10,
4½proz. Ruſſen 100,25, 4proz. 1902er Ruſſen 92,70,
3/proz. Ruſſen 89,40, 3½proz. Ruſſen 85,10, 3proz.
Ruſſen 78 B., 4½proz. Japaner 97,80, 4proz. Japaner
93,80. Privatdiskont 3u Prozent,
Wem gehört das Geld?
Anfragen ſind unter Beilegung von 50 Pfg. in Marken für Schreib= und
Portoſpeſen und mit Angabe der voranſtehenden Nummer an die Redaktion
dieſes Blattes zur Weiterbeförderung, jedoch ohne Verbindlichkeit, zu richten
344. In Obernigk bei Breslau ſtarb der
Oberlandes=
gerichtsrat a. D. Geheimrat Ludwig Stiefel, 1830 in
Ben=
dorf a. Rh. geboren. Es werden die Erben aufgefordert,
ſich zu melden.
345. Geſucht werden die Erben eines in Zabrze
geſtor=
benen Ignaz Schidlo.
346. Für eine amerikaniſche Erbſchaft werden die
erb=
berechtigten Verwandten eines Nicolgs Max Tampers
ge=
ſucht, der wahrſcheinlich aus dem Rhein= oder Nahetal
ſtammt und vor zirka 40 Jahren ſchon nach Amerika kam.
347. Als Erbe wird geſucht der Landwirt Samuel
Monien, 1838 in Lankniken bei Pobetten i. Oſtpr. geboren.
348. Für 20000 Kronen — 16000 Mark Erbteil wird
von Oeſterreich aus der Schauſpieler Anton Mitterwurzer
geſucht, 1870 geboren.
Ebenfalls von Oeſterreich aus werden als Erben
ge=
ſucht:
349. Joſeph Peczeghi, Königl. Ungariſcher
Finanz=
rat, zuletzt in Ofen, und Stephan Veczeghi, Kapellmeiſter,
zuletzt 1898 noch in Wien geweſen.
350. Marie Heſſe, nachher verehelichte Priemer, und
ihr Sohn Auguſt Priemer.
351. Erno Goldſchmidt als Erbe einer Frau
Zech=
meiſter.
352. Franz Cech als Erbe einer Anna Ruſchitzka.
353. Ignaz Kralicek, deſſen Bruder Vinzenz hieß.
354. Georg Kugler als Miterbe einer Anna Kugler.
355. Franz Danl als geſetzlicher Erbe des Haus=
beſitzers Martin Danl in Wien.
356. Karl Rzibek. geweſener Lokomotivfüherer der
Südbahn, zuletzt in Bozen, als Erbe der Barbara Hrbek
geb. Hausſtädter.
357. Maria Eliſabeth Weiß als Erbin eines Johann
Weiß.
358. Emil Hein als Erbe nach ſeinem Onkel, dem
Poſt=
kontrollor Moritz Rudolf.
359. Emanuel Marady. Er hat von ſeinem Bruder
geerbt.
360. Anton Leutkawäger als Erbe ſeines Vaters.
361. Maria Zenker geb. Billumas als Erbin ihres
Gatten.
362. Marie Nebel als Erbin ihrer in Amerika
geſtor=
benen Schweſter Joſephine Groyer.
363. Hermine Schöttner als Erbin nach ihrem Onkel
Auguſt Heinzl.
364. Franz Hartl als Erbe eines Johann Hartl.
365. Karl Birringer als Erbe ſeiner eigenen Mutter,
der Hausbeſitzerin Anna Birringer.
366. Kellner Anton Pall als Erbe ſeines Vaters.
367. Alois Ledermann als Erbe ſeiner Großmutter.
368. Karl Skalla als Erbe ſeines Vaters, der in
Baſel ſtarb.
369. Sebaſtian Traxler als Erbe ſeines Vaters.
370. Julius Beringer.
371. Johann Hinterleitner, etwa 31 Jahre alt.
372. Thereſia Stolz und die Kinder einer Joſefine
Fohleutner als Erben des Oberrevidenten Chriſtian Rößler
in Wien.
373. Zirka 1310 Mark beträgt der eine Nachlaß eines
Reiſenden Max Fels. Sein Vater, ebenfalls
Geſchäftsrei=
ſender, hieß Otto Fels: dieſer ſoll ſchon ſeit 45 Jahren
verſtorben ſein. Die Mutter war eine Berta geb. Pohl.
Ein Bruder des Erblaſſers ſoll verſchollen ſein. Die nächſte
Erbin wäre nun eine Couſine namens Ida Joekel. Aber
auch von dieſer iſt der Aufenthalt nicht bekannt. Sie wird
nun zunächſt geſucht.
374. Erben werden geſucht für den Nachlaß des 1834
in Gettorf geborenen früheren Weißgerbers Karl Heinrich
Witt.
Gewinnauszug
der
50%
gec. Königlich Preußiſchen Klaſſenlotterie.
5. Klaſſe. 17. Ziehungstag. 27. Mai 1910.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 30000 Mk. 109806
2 Gewinne zu 15000 Mk. 28118 218118
3 Gewinne zu 10000 Mk. 5842 5958 10865
4 Gewinne zu 5000 Mk. 80391. 121356 173753 302062
41 Gewinne zu 3000 Mk. 685 10868 12076 13302
15971. 29237 38531 50358 53034 76827 77910 87024
95372 96394 104835 106090 109490 111563 113319
116082 128128 128394 132282 132348 148344 148413
155350 168820 173332 180595 194976 203090 205063
222925 238550 246959 251872 258428 261486 291301
301787
70 Gewinne zu 1000 Mk. 1678 2017 13004. 19612
23814 26686 33026 35325 42218 45782 47189 48595
65692 66316 67518 70275 74401 78642 81938 84354
85341. 89452 91724 93531 105409 122939 129227
129461 136283 140938 145931 150095 155998 157808
163802 170094 175928 176434 183577 187638 188064
190067 191119 193033 194052 197007 197473 201290
217386 218402 219095 219897 220814 222823 229269
234591 235181 243530 245578 247077 251761. 252158
260330 265853 281348 281586 295292 295558 299926
300850
105 Gewinne zu 600 Mk. 6104 6814 7645 8922
9297 9839 18663 19329 19345 22396 23010 26324
31968 37731 40555 40679 46135 46861 47145 47485
50096 50596 51255 57847 60964 67011 69717 71047
71399 71723 81395 81845 87644 92514 94838 95326
97939 100742 101486 104247 106474 108336 112544
121650 122524 125283 125784 125958 126502 129775
130351 132121 133296 134558 138105 138930 143588
149805 152077 152124 153562 156161: 162189 166123
171782 186919 187836 190645 191153 191418 193478
193836 195891 197714 200984 202280 202983 213960
220886 223245 224817 233434 237466 238110 238701
239167 241248 245301. 265894 259849 261431 264285
269016 269649 270185 274829 276161 276828 278641
279803 1282464 283211 283522 284091. 290642
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 120000 Mk. 35245
4 Gewinne zu 10000 Mk. 90624 200722 270902
302963
2 Gewinne zu 5000 Mk. 27951 139555
41 Gewinne zu 3000 Mk. 3273 9889 10118 12102
18742 21046 29509 29809 37623 49351 52410 89812
127317 141532 144903 147738 156810 157068 163537
167030 169521 177675 188880 189219 189879 194901
204511 205093 218972 222563 223453 235376 238790
240044 240048 262568 266138 277777 285533 289266
301178
66 Gewinne zu 1000 Mk. 4606 11110 13639 23910
26583 28639 32678 34344 39297 39675 51970 60613
61170 64663 65718 78864 87347 92295 95470 97029
98064 105665 117432 119324 121785 123328 126002
128236 129579 131888 137415 148826 149705 159531
159629 160716 162935 171274 189526 192545 194438
199921 216109 216534 219905 220147 226401 232822
237423 243793 246143 248033 255059 255156 260093
268478 273750 275798 276715 284336 285603 287443
288584 290954 293427 301598
107 Gewinne zu 500 Mk. 364 1506 2403 6073
9417 11623 20757 22229 23148 25049 29444 33092
33334 45650 48379 65448 56482 56498 58536 60153
60460 62238 66457 71472 72465 74261 79940 80809
92002 94170 98204 104955 114216 114240 114747
119537 119953 122536 123091 125581 126507 129765
132086 133163 147661 147868 148333 149282 152366
152975 154470 156736 157155 157925 158914 161006
162195 162706 165082 168554 172142 178232 178025
178980 181949 184111 185047 187262 187652 192227
193370 195029 197886 199957 203094 203996 208323
210288 214394 218785 219065 220374 220691 221359
231713 233662. 234474 234686 242397 242482 242878
252699 254603 261301 263874 266249 268408 274465
275603 281086 281949 265872 285931 291758 294232
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