Darmstädter Tagblatt 1910


17. Mai 1910

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173. Jahrgang
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47.
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

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gerichtlicher Beitreibungoder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

I 112.

Dienstag, den 17. Mai.

1910.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das preußiſche Kriegsminiſterium und
Graf Zeppelin.
* Wem die Zukunft unſerer Luftſchiffahrt am Herzen
liegt, der mußte mit tiefem Bedauern von den Nachrichten
Kenntnis nehmen, die von einem wachſenden Gegenſatz
zwiſchen dem preußiſchen Kriegsminiſterium und dem Gra=
fen
Zeppelin erzählten. Die Vorwürfe gegen das Kriegs=
miniſterium
gipfelten in der Behauptung, daß man zur
größeren Ehre der Militärluftſchiffahrt dem nicht amtlich
abgeſtempelten Werk des Grafen alle möglichen Hinder=
niſſe
in den Weg lege, insbeſondere auch den Kaiſer gegen
dasſelbe beeinfluſſe. Dieſe Nachrichten mußten das deutſche
Volk begreiflicherweiſe beunruhigen.
Die Sache blieb unaufgeklärt. Eine befriedigende Klä=
rung
war bis jetzt ſchon deshalb nicht erfolgt, weil Graf
Zeppelin für ſeine Perſon bisher nicht öffentlich in dieſer
Frage Stellung genommen hatte. Dies iſt aber nunmehr
geſchehen. Wir haben von den Mitteilungen berichtet, die
Graf Zeppelin während des Eſſens beim Prinzen
Schönaich=Carolath gemacht haben ſoll. Sie lauteten al=
lerdings
füt das Kriegsminiſterium recht belaſtend. Um
nun auch dem anderen Teil gerecht zu werden, hat die
Tägliche Rundſchau an der zuſtändigen Stelle der Mili=
tärverwaltung
nähere Erkundigungen eingezogen. Das
Blatt gibt den weſentlichſten Inhalt ihres Ergebniſſes
wie folgt wieder:
Zünächſt dürfe es als durchaus feſtſtehend betrachtet
werden, daß das Kriegsminiſterium, insbeſondere ſein
Chef, von keinerlei Uebelwollen gegen den Grafen Zeppelin
und ſein Werk erfüllt ſeien. Hoffe man doch, durch die
außerordentlichen Leiſtungen des Grafen dem gemein=
ſamen
Ziel: Vervollkommnung der deutſchen Luftſchiff=
fahrt
zum Beſten unſeres Kriegsweſens, näher kommen zu
können. Natürlich müſſe ſich aber der verantwortliche mili=
täriſche
Leiter das Recht, welches zugleich ſeine Pflicht ſei,
vorbehalten, die ihm als unerläßlich erſcheinenden Be=
dingungen
zu ſtellen. Hierfür ſeien aber die Erfahrungen
maßgebend, die bei den Kölner Uebungen vom Jahre 1909
gemacht worden ſind. Die Militärverwaltung beabſichtige,
noch in dieſem Jahre ein Zeppelin=Luftſchiff zu kaufen,
falls es dieſen Bedingungen entſpreche. Eine endgültige
Antwort des Grafen Zeppelin und der Zeppelin= Luftſchiff=
geſellſchaft
auf die Anfrage der Militärverwaltung ſei aber
noch nicht eingegangen.
Die Darſtellung, als ob man einer Beſprechung
des Kriegsminiſters mit dem Grafen Zep=
pelin
Hinderniſſe in den Weg geſtellt habe, ſei
zweifellos unrichtig. Der Kriegsminiſter habe ſich
dem Grafen bereitwilligſt für den Tag, an dem er nicht
durch dringendſte Aufgaben in Anſpruch genommen war,
zur Verfügung geſtellt. An dieſem, dem letzten Samstag,
habe auch die Unterredung ſtattgefunden. In ihr ſei man
dahin übereingekommen, daß die Erfahrungen und Kennt=
niſſe
des Grafen Zeppelin ſoviel als angängig für das
Kriegsminiſterium verwertet werden ſollen. Letzteres
glaubte hierbei ſich nähere Entſcheidungen noch vorbehalten
zu müſſen, da die Luftſchiffahrt ſich erſt in ihren Anfangs=
ſtadien
befinde, in denen feſte Dispoſitionen nur unter
Vorbehalt und auch immer nur für die allernächſte Zeit
getroffen werden könnten.
Was die Mitteilungen des Grafen beim
Eſſen des Prinzen Schönaich=Carolath anbetrifft, ſo iſt
man im Kriegsminiſterium nach wie vor der Anſicht, daß
der Bericht natürlich ohne Zutun des Grafen eine
irrtümliche Wiedergabe und Färbung der ſtattgehabten Er=
örterungen
enthalte. Vielleicht ſeien in ihm auch beſon=
ders
die Forderungen ſeiner Freunde zu ungeſtümem Aus=
druck
gekommen. Man ſei daher auch weit entfernt, über
die perſönliche Haltung des Grafen mißgeſtimmt zu ſein.
Eines aber habe an maßgebender militäriſcher Stelle
einen recht befremdlichen Eindruck gemacht, daß
nämlich jene Erörterungen juſt jetzt ſtattgefunden haben,
wo der Reichstag geſchloſſen iſt. Dem Kriegsminiſter ſei
es auf dieſe Weiſe unmöglich gemacht, auf die gegen ihn
gerichteten Vorwürfe ſogleich zu antworten; denn auf eine
Preßpolemik könne er ſich aus naheliegenden Gründen nicht
einlaſſen. So müßten Monate verſtreichen, ehe das Kriegs=
miniſterium
öffentlich nachweiſen kann, daß Graf Zeppelin
von ſeiner Seite keine Behinderung, ſondern nur eine För=
derung
in ſeinem Werk zu erwarten habe.

Die oſtaſtatiſche Frage.
Eine Nachricht, die noch vor wenigen Jahren unge=
heures
Aufſehen erregt und jedenfalls die folgenſchwerſten
Verwicklungen nach ſich gezogen hätte, kommt jetzt aus dem
fernen Oſten. Danach beabſichtigen die Japaner,
Korea endgültig zu annektieren. Damit gehen die
Dinge nunmehr einen Weg, den ſie nehmen mußten, denn
nach Beendigung des ruſſiſch=japaniſchen Krieges war es
klar, daß Japan niemals aus Korea wieder hinausgehen
würde. Schon die Nachrichten der letzten Monate deuteten
darauf hin, daß Japan ſich ernſtlich mit dem Plane einer
endgültigen Einverleibung Koreas trage. Auch die Ver=
ſtärkung
der japaniſchen Truppen wies darauf hin, daß
man die letzten Konſequenzen ziehen wolle, wie auch weiter
von ruſſiſch=japaniſchen Verhandlungen über dieſe Frage
verlautete. Nunmehr heißt es aus Petersburg, daß die
offizielle Annektierung Koreas durch Japan nahe bevor=
ſtehe
. Der Text verſchiedener Handelsverträge Japans
mit anderen Mächten enthält bereits den Paſſus Japan
einſchließlich der Provinz Korea. Ebenſo wird über
Peking und New=York gemeldet, daß alle ruſſiſchen Konſuln
in Korea ſich nach Söul begeben ſollen, um dort eine Kon=
ferenz
wegen der bevorſtehenden Annexion Koreas durch
Japan abzuhalten.
Die ruſſiſche Regierung wünſcht einen ein=
gehenden
Bericht über die Verhältniſſe im Lande, insbe=
ſondere
über die Möglichkeit, daß infolge der Annexion ein
neuer Aufſtand ſich erhebt. Rußland hat wegen der
Mandſchurei alle Veranlaſſung, den Dingen die ſchärfſte
Aufmerkſamkeit zu ſchenken. Es heißt jedoch, daß Ruß=
land
einer Aenderung der Verhältniſſe in Oſtaſien nach
dieſer Richtung durchaus ruhig gegenüberſtehe und es mit
Japan freundſchaftliche Beziehungen aufrecht erhalten
wolle. Es hätte auch wenig Zweck, wenn Rußland ſich in
ein neues oſtaſiatiſches Abenteuer ſtürzen wollte, es würde
dabei doch den Kürzeren ziehen, ganz abgeſehen davon,
daß Rußland augenblicklich gar nicht in der Lage wäre,
den Japanern mit Nachdruck entgegenzutreten.
Ueberdies hat Rußland noch andere Gründe, mit
Japan ſich gut zu ſtellen, einmal nach dem amerikaniſchen
Neutraliſationsprojekt der Mandſchurei, und dann auch
nach dem aggreſſiven Vorgehen Chinas in der Schiffahrts=
frage
. Die Diplomatie Rußlands geht wahrſcheinlich von
der Vorausſetzung aus, eine Annäherung an Japan zu
vollziehen, um auf dieſe Weiſe China auszuſchalten. Wenn
Japan ſich auf China ſtützen kann, ſo iſt die Gefahr für
Rußland, ſeinen Einfluß in Oſtaſien, ſpeziell auf wirt=
ſchaftlichem
Gebiete, zu verlieren, weit größer, und darum
täte man durchaus gut daran, ſich mit Japan zu verſtän=
digen
, wodurch auch Konflikten vorgebeugt würde.
Freilich darf man eines dabei nicht vergeſſen: das
Uebergewicht der Japaner im fernen Oſten ſteigt dadurch
weiter, und ſowie die Japaner erſt dauernd feſten Fuß auf
dem oſtaſiatiſchen Kontinent gefaßt haben, werden ſie auch
weiter vorgehen. Dieſe Vordrängung der japaniſchen
Macht die gelbe Gefahr wird man wohl kaum auf=
zuhalten
vermögen, die Entwicklung geht nun einmal
dahin, der unabwendbare Lauf der Zeiten läßt ſich nicht
Einhalt gebieten.
Deutſches Reich.
Die Reichstagskommiſſion zur Vor=
beratung
der Reichsverſicherungsordnung
wird am 27. Mai ihre Beratungen aufnehmen. Wie es
heißt, will die Kommiſſion zunächſt 6 Wochen tagen und
wöchentlich vier bis fünf Sitzungen zu durchſchnittlich
ſechs Stunden abhalten, es ſtehen ihr alſo 30 Sitzungen
zur Verfügung. Die Zeit vom 8. Juli bis Mitte Auguſt
ſoll ſitzungsfrei bleiben. Daß die Kommiſſion in 30 Sitz=
ungen
nicht 1800 Paragraphen, alſo 60 pro Tag und 10
pro Stunde, erledigen kann, iſt klar. Sie will auch zunächſt
nur die Frage der Koſten der neuen Organiſation beraten
und zu dieſem Zwecke den von der Regierung für die Pro=
vinzen
Pommern und Rheinland aufgeſtellten Plan zur
Beſprechung bringen. Dieſer Plan wird der Kommiſſion
am 27. Mai vorliegen und zeigen, welche neuen Kräfte er=
forderlich
ſind, wie hoch die Koſten ſind und wie ſie ſich en
Staat und Verſicherungsträger verteilen. Von dieſen Erör=
terungen
hängt das weitere Schickſal der Vorlage ab.
Unterrichtete Kreiſe haben ausgerechnet, daß die Durch=
führung
der Vorlage ungefähr 25 Millionen Mark koſtet.
Der Deutſche Arbeitgeberbund für das
Baugewerbe teilt uns mit: Durch die geſamte Preſſe
geht die Notiz, daß am Samstag, den 21. Mai, in Dresden
zwiſchen dem Deutſchen Arbeitgeberbundefür das=Bauge=

werbe und den Zentralverbänden der Arbeiter Eini=
gungsverhandlungen
ſtattfinden würden und daß
Einigungsvorſchläge auf beiden Seiten mit Sympathie
aufgenommen ſeien. Dem Geſchäftsführenden Ausſchuß
des Deutſchen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe iſt
bis jetzt lediglich die Anfrage des Herrn Oberbürgermeiſter
Dr. Beutler zugegangen, ob der Bund zu Verhandlungen
am 21. Mai geneigt ſei. Da der Geſchäftsführende Aus=
ſchuß
zu Verhandlungen nicht ermächtigt iſt, ſo liegt die
Entſcheidung darüber, ob in Verhandlungen eingetreten
werden ſoll, der für Donnerstag nächſter Woche einberufe=
nen
Vorſtandsſitzung ob. Einigungsvorſchläge ſind über=
haupt
nicht gemacht worden.
Der Hanſabund hat eine Abteilung zur För=
derung
der Intereſſen des gewerblichen Mittel=
ſtandes
gebildet, deren Aufgabe die Kreditorganiſation
für den Mittelſtand, insbeſondere die Beleihungen offener
Buchforderungen bildet.
Gegenüber der Meldung einer Berliner Parla=
mentskorreſpondenz
, daß beabſichtigt ſei, die preußiſche
Wahlrechtsvorlage am 27. Mai im Abgeordneten=
hauſe
erneut der Wahlrechtskommiſſion zu überweiſen,
um ein neues Kompromiß zu bilden, dem neben dem
1 Zentrum und den Konſervativen auch die Freikonſervati=
pen
und das Herrenhaus beitreten könnten, daß ferner eine
andere Art Drittelung geplant ſei, die den Zentrumswün=
ſchen
entgegenkomme, iſt die Schleſiſche Volkszeitung
von zuſtändiger Seite zu der Erklärung ermächtigt, daß
dieſe Mitteilung, ſoweit ſie die Zentrumsfraktion
betrifft, freie Erfindung ſei. Wahr ſei nur, daß die Zen=
trumsfraktion
am 24. Mai abends zu einer Beratung der
Wahlrechtsvorlage zuſammentreten werde.
Die halbamtliche Süddeutſche Reichskorreſpon=
denz
unterſucht die Frage, warum es im Wahlkreiſe
Friedberg=Büdingen nicht zu einer gemeinſamen
bürgerlichen Phalanx gegen die Sozialdemokratie gekom=
men
ſei, und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Die
Aufſtellung der Kandidaten zog ſich ſo lange hin, da zu=
nächſt
Bemühungen im Gange waren, der Sozialdemo=
kratie
eine geſchloſſene Front aller bürgerlichen Parteien
gegenüberzuſtellen. Daß es nicht hierzu kam, iſt haupt=
ſächlich
die Schuld des Bundes der Landwirte, der, trotz=
dem
es noch keineswegs feſtſteht, daß er die Mehrzahl der
bürgerlichen Wähler hinter ſich hat, verlangte, daß der
Kandidat ſich auf das Bundesprogramm verpflichten, ſowie
Mitglied des Bundes der Landwirte ſein müſſe und ſich
keiner Fraktion anſchließen dürfe. Dadurch waren von
vornherein die Freiſinnigen von der gemeinſamen Kan=
didatur
ausgeſchloſſen, da dieſe gerade in Heſſen keine
rein agrariſche Kandidatur unterſtützen.
Die neuen bayeriſchen Steuergeſetze
wurden von der Reichsratskammer angenommen. Der
Finanzminiſter von Pfaff betonte noch beſtimmter als im
Abgeordnetenhauſe den proviſoriſchen Charakter dieſer
Zwiſchenreform. Die künftige Reform müſſe durch Ein=
führung
der rein progreſſiven Einkommenſteuer mit er=
gänzender
Vermögensſteuer erfolgen. Der Referent und
zweite Präſident des Hauſes, Geh. Juſtizrat von Auer be=
zeichnete
gleichfalls die jetzige Reform als Stückwerk. Die
Generaldebatte ließ erkennen, daß der Widerſtand des
Reichsrats gegen einzelne Beſchlüſſe des anderen Hauſe
kein dauernder ſein wird, und daß vorhandene Gegenſätze
auszugleichen ſind.
Ausland.
Der Abgeordnete Breiter hatte im öſterreichiſchen
Abgeordnetenhauſe dem Präſidenten Dr. Pattai Handgreif=
lichkeiten
angedroht, falls er einen ihm erteilten Ordnungs=
ruf
nicht zurückziehe. (!) Die Zeugen des Präſidenten
hatten ſich zu Breiter begeben und ihm erklärt, daß er
wegen früherer Duellverweigerung ſatisfaktionsunfähig ſei.
Breiter wehrte ſich gegen dieſe Anſchauung und forderte
die Sekundanten. Im Abgeordnetenhauſe erklärte der Ab=
geordnete
Sylveſter, der Abgeordnete Breiter habe wegen
des Vorfalls im Parlament den Präſidenten Pattai in
einem Schreiben ehrenrührig bedroht. Er glaube, der Zu=
ſtimmung
des Hauſes ſicher zu ſein, daß ein ſolches Vor=
gehen
der Würde des Hauſes zuwiderläuft und daher der
Ausdruck der Mißbilligung und Entrüſtung hierüber be=
rechtigt
erſcheint. Die beiderſeitigen Vertreter in der
Affäre Breiter beſchloſſen, die Frage der Satisfaktions=
fähigkeit
einem Ehrenrate zur Ueberprüfung vorzulegen.
Die Regierungsvorlage betr. die endgültige Reform der
Geſchäftsordnung wurde dem Geſchäftsordnungsausſchuß
überwieſen. Die nächſte Sitzung findet am 18.=Mai=ſſtatt,

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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910.

Seite 2a.
Wie verlautet, hebt die den Botſchaftern der Krete=
ſchutzmächte
übergebene Antwort der Pforte auf die
Erklärung der Mächte hervor, daß gemäß der Erklärung
der Pforte die Souveränitätsrechte der Türkei aufrecht er=
halten
bleiben und nichts dieſelben ſchmälern könne. Unter
dieſer Vorausſetzung nehme die Pforte von der Erklärung
Kenntnis, behalte ſich jedoch Verhandlungen mit den Mäch=
ten
vor, damit der zweideutigen Lage auf Kreta ein Ende
gemacht werde, An mehreren Orten der Türkei wurden
Verſammlungen abgehalten, in denen gegen die Eideslei=
ſtung
der Kreter proteſtiert und die Wahrung der türki=
ſchen
Rechte mit Waffengewalt verlangt wurde, falls diplo=
matiſche
Mittel nicht ausreichen ſollten.
Die offizielle Stimmenzählung ergibt folgendes
Wahlreſultat der Wahlen in Spanien: 229 Liberale, 106
Konſervative, 40 Republikaner, 9 Karliſten, je 7 Ultramon=
tane
und Regionaliſten, 5 Wilde und 1 Sozialiſt.
Das norwegiſche Odelsthing nahm mit 71 gegen
10 Stimmen einen Antrag betreffend die Erweiterung
des jetzt beſtehenden kommunalen Wahlrechts für
die Frauen zum allgemeinen kommunalen Wahlrecht für
Frauen an. Durch die Erweiterung des Wahlrechts wird
die Zahl der wahlberechtigten Frauen um über 200000
erhöht.
Die Kommiſſion der ruſſiſchen Duma für die
Finnlandvorlage beendete die Beratung und nahm
folgende Abänderungen an: Die Friſt der Mandate der
finniſchen Mitglieder des Reichskates wird von neun auf
drei Jahre herabgeſetzt. Die Zahl der finniſchen Mitglie=
der
des Reichsrates wird auf zwei ſtatt auf eins feſtgeſetzt,
dagegen wird die Zahl der finniſchen Mitglieder der Duma
von fünf auf vier herabgeſetzt, indem ein Vertreter der
ruſſiſchen Bevölkerung Finnlands geſtrichen wird. Der
von dem Mitglied der extremen Rechten, Markow, einge=
brachte
Antrag, das Gouvernement Wiborg Rußland ein=
zuverleiben
, wurde mit ſieben gegen fünf Stimmen abge=
lehnt
.
Die chileniſche Regierung vereinbarte mit einer eng=
liſchen
Firma den Bau einer 500 Kilometer langen Eiſen=
bahnſtrecke
, durch die das Zentrum des Landes mit der
Salpetergegend verbunden werden ſoll. Die Koſten be=
tragen
vier Millionen Pfund Sterling.
Dem New=York Herald wird aus Kanton ge=
meldet
, daß die Agitation gegen die Mandſchu=Regierung
und die Ausländer in Süd=China ſtändig zunimmt. Be=
ſonders
gegen die das Land zahlreich bereiſenden Händler
richtet ſich der Haß der Chineſen. In großen Maſſenver=
ſammlungen
wird der Boykott amerikaniſcher
Waren beſchloſſen. Man will ihn erſt dann aufheben,
wenn den Chineſen, beſonders den chineſiſchen Studenten
in den amerikaniſchen Bundesſtaaten gewiſſe Freiheiten
und Rechte zugeſtanden worden ſind. Die amerikaniſchen
Kaufleute betrachten die Lage als ſehr ernſt. Sie glauben,
daß in Kürze heftige Zuſammenſtöße zwiſchen Chineſen
und Europäern erfolgen werden.
* Pfingſtkongreſſe. Alljährlich wenn das
Pfingſtfeſt naht, pflegen in den deutſchen Landen die ver=
ſchiedenen
Kongreſſe zuſammenzutreten, um über die ver=
ſchiedenen
Spezialintereſſen und Spezialfragen zu bera=
ten
. Beſonders reichlich iſt diesmal die Reichshauptſtadt
bedacht. Hier haben ſich zu Pfingſten zuſammengefun=
den
bezw. werden ſich nach Pfingſten zuſammenfinden:
die katholiſchen Arbeitervereine, die preußiſchen Volks=
ſchullehrerinnen
, die Hirſch=Dunckerſchen Gewerkvereine,
die preußiſchen Richter, der Evangeliſch=Kirchliche Hilfs=
verein
und ſchließlich die evangel. Jungfrauenvereine zu
einer Weltkonferenz. Im übrigen ſind die Kongreſſe in
dieſem Jahre gerechterweiſe ziemlich gleichmätzig auf das
Reich verteilt, eine Bevorzugung dieſer oder jener Kon=
greßſtadt
hat nicht ſtattgefunden. Aus der langen Reihe
ſollen nur die wichtigſten hervorgehoben werden: In
Darmſtadt waren die Turnlehrer verſammelt, in Bremen
kommen die Theoſophen, in Köln die Mitglieder der De=
mokratiſchen
Vereinigung zuſammen. Etwas unangenehme

Ein=Stück Alt=Wien in der Karwoche.
Treten wir unſere Wandernug in der Himmelpfort=
gaſſe
an, dem Palais des Prinzen Eugen gegenüber, je=
nem
feinen Barockbau Fiſcher von Erlachs. Da ſtand vor
alten Zeiten ein Kloſter, welches Pfarrer Gerhart von St.
Stefan 1267 neu erbauen ließ. In tiefer Niſche zur Seite
der Pforte war ein Bildwerk der Gottesmutter in gül=
denem
Gewande, mit Roſen beſtickt. Das Kloſter gab ſpä=
ter
, von einer tiefgedachten Legende hergeleitet, der Straße
ihren Namen. Noch heute erinnern einzelne intime Details
in den Zinshäuſern, die an jener Stätte emporgewachſen,
an des Hauſes einſtige Bedeutung.
Esewar, ſo erzählt die Sage, vor vielen hundert Jah=
ren
eine junge Nonne, die hatte den Dienſt an des Kloſters
Pforte, aber heiße Liebe ergriff ſie zu einem ſchönen Jüng=
ling
, Sehnen nach Leben und Luſt. So kniete ſie nieder
vor dem Gnadenbilde und flehte in brünſtigem Gebete:
O du=gnadenreiche, liebe Mutter Gottes, du weißt ja, daß
ichzihn liebe und ihm folgen muß. Jahre hab ich dir treu
gedient, dir die erſten Himmelsſchlüßlein und Roſen ge=
bracht
, deinem göttlichen Kindelein eine neue Krone aus
Perlen geflochten, nun aber gebe ich dir die Schlüſſel, hilf
mir und verwahre du ſelber dein Haus. Und ſie legte
die Schlüſſel der Pforte zu den Füßen der göttlichen Jung=
frau
nieder und ritt mit ihrem Liebſten auf weißem Röß=
lein
hinaus in die mondhelle Nacht. Und wieder ſchien
der Mond wie damals helle, da zog ein junges, krankes
Weib die Glocke an des Kloſters Pforte. Jungfrau Maria
als Pförtnerin öffnet ſelber und gibt die Schlüſſel in der
Heimkehrenden Hand. Des anderen Morgens, als es ganz
ſtille blieb an der Pforte, eilten die Schweſtern herbei und
fanden die Pförtnerin barfuß und im Büßergewande, die
Schlüſſel der=Pforte hielt ſie in ihrer Hand und bekannte
ſterbend ihre Flucht. Da wurden die frommen Frauen
das Wunder gewahr und erkannten, die Mutter Gottes
ſelber habe in der Nonne eigener Geſtalt all die Jahre des
Pförtnerinnenamtes gewaltet, denn ſie hatten ſie niemals
vermißt. Soswurde das Kloſter Zur Himmelspförtnerin
benannt.

Herrſchaften, nämlich die Anarchiſten, wird Halle a. S. zu
beherbergen haben. Zwei Veranſtaltungen wird Hanno=
ver
in ſeinen Mauern ſehen: die Tagungen des Deutſchen
Werkmeiſterverbandes und die des Bundes der deutſchen
Redakteure. In Deſſau werden die Feuerbeſtattungsver=
eine
beraten, wie die Koſten der Einäſcherung herabgeſetzt
werden können, Weimar wird den Freiſtudententag auf=
nehmen
. In Dresden werden die Religionslehrerinnen
eine Konſerenz abhalten. Chemnitz iſt Tagungsort für
den Evangeliſch=Sozialen Kongreß, deſſen Beratungen
man mit jährlich ſteigendem Intereſſe entgegenſieht. Die
evangeliſchen Arbeitervereine haben ſich hiſtoriſchen Boden
ihrer Bewegung, Elberfeld, ausgeſucht. Braunſchweig iſt
wieder mit zwei Verſammlungen bedacht. Die deutſchen
Verkehrsvereine und die deutſchen Elektrotechniker werden
hier einziehen. In dieſes Jahr fällt auch die alle zwei
Jahre ſtattfindende große deutſche Lehrertagung: der
Straßburger Lehrertag wird wohl manche intereſſante
Ueberraſchung bringen. Die deutſchen Chemiker haben
München auserkoren, und da nach einer alten Sage in
München ſchon die Säuglinge mit Bier genährt werden,
hat auch die Schutztruppe der Säuglinge, der Verein für
Säuglingsfürſorge, für München mobil gemacht. In
Dortmund wird der Deutſche Verein für erziehliche Kna=
benhandarbeit
beraten, in Wiesbaden die Anhänger der
Friedensbewegung. Karlsruhe endlich ſoll die deutſchen
kaufmänniſchen Vereine und Eiſenach den Antiultramon=
tanen
Reichsverband empfangen. Ein wichtiger Kongreß
wird im deutſchen Auslande abgehalten werden: Der
Deutſche Schulverein wird die Feier ſeines dreißigjähri=
gen
Beſtehens in Graz feſtlich begehen, er empfängt als
Feſtgeſchenk bekanntlich die auf Roſeggers Anregung vom
deutſchen Volke geſammelten über 2 Millionen Kronen.
Wie man ſieht, eine hübſche Reihe, ganz abgeſehen von
den vielen gewerblichen und ſonſtigen Veranſtaltungen,
die nur ein Teilintereſſe beanſpruchen.
* Ein parlamentariſcher Abend. Aus
Karlsruhe berichtet die Badiſche Korreſpondenz vom
12. Mai: Auswärtige Zeitungen bringen Mitteilungen
über einen parlamentariſchen Abend, der vorgeſtern bei
dem Miniſter des Innern Frhrn. v. Bodman abgehalten
wurde. Die geſamte Karlsruher Preſſe hat von dieſer
Veranſtaltung keinerlei Notiz genommen, weil es unter=
laſſen
worden war, weder die Vertreter der hieſigen Zei=
tungen
noch die Landtagsjournaliſten hierzu einzuladen.
Daß die Einladung unterblieb, widerſpricht den bisheri=
gen
Gepflogenheiten. Es war Sitte, die hieſigen Zeitun=
gen
wie auch deren Vertreter im Landtage zu den parla=
mentariſchen
Abenden zuzuziehen Wenn das jetzt nicht
geſchah, dürften dafür nur zwei Gründe maßgebend ſein:
entweder legt der Herr Miniſter des Innern keinen Wert
darauf, Journaliſten bei ſich als Gäſte zu ſehen, oder aber
hatte er den Wunſch, daß die Herren von der Regierung
und die Mitglieder beider Häuſer ganz unbeobachtet und
ungeſtört unter ſich verkehren konnten.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 17. Mai.
Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Finanzminiſter a. D.
Gnauth, den Hofſchloſſermeiſter Haehnlein von Mainz,
den Kaufmann Sichel, Konſul von Guatemala in Mainz,
den Miniſterialregiſtrator Prinz, den Kreisamtmann a. D.
Emmerling von Nieder=Ingelheim, den Geheimen Ober=
bergrat
Braun, den Amtsgerichtsrat Dr. Jäger von
Zwingenberg, den Oberlehrer Profeſſor Dr. Hellwig von
Mainz, den Finanzaſſeſſor Sehrt, Steuerkontrolleur in
Mainz, den Kataſteringenieur Schmidt und den Kauf=
mann
Zachmann vom Verein Hottonia den Oberaktuar
Kolheyer von Lich, den Hoflieferanten Baumann; zum
Vortrag den Staatsminiſter Ewald, den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld, den Generaldirektor des
Hoftheaters und der Hofmuſik Werner.
Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Vorſitzenden des Zentral=
komitees
der Deutſchen Vereine vom Roten Kreuz,
Königlich Preußiſchen Vize=Oberzeremonienmeiſter und
Kammerherrn B. von dem Kneſebeck in Berlin
das Großkreuz des Verdienſtordens Philipps des= Groß=
mütigen
verliehen.
Ernennung. Der Reichskanzler hat den vor=
tragenden
Rat im Miniſterium des Innern, Abteilung
für Schulangelegenheiten, Geh. Oberſchulrat Nod=
nagel
in Darmſtadt, zum Reichskommiſſar für die
Schlußprüfungen an der deutſchen Realſchule und der
höheren Handelsſchule in Bukareſt und an der deutſchen
Realſchule in Konſtantinopel ernannt. Die Prüfungen
werden im Juni abgehalten.
Nach deſſen Aufhebung 1783 kam das Gnadenbild in
die Eligius=Kapelle zu St. Stefan.
Wir überſchreiten nun, nach der Kaiſergruft ſtrebend,
den Neuen Markt, der, als er noch Mehlmarkt hieß, ein
köſtliches Bild von Alt=Wiens Eigenart darbot. Heute
ſcheint ſich ſelbſt die Klugheit, das ſchöne Weib mit der
Schlange, auf dem herrlichen Brunnen Georg Rafael Don=
ners
zu wundern, daß man ihn allein noch unberührt ge=
laſſen
. Da die Figuren aus Blei gegoſſen waren und in
ſich zuſammen zu ſinken drohten, mußten ſie in den ſieb=
ziger
Jahren des vorigen Jahrhunderts durch Bronze=
abgüſſe
erneuert werden. Mit Genugtuung ſehen wir bei
den Kapuzinern das Kirchentor, von feiner winterlichen
Vorhalle befreit, weit offen ſtehen. Auch hier iſt Frühling
eingezogen und es ſchmückt ſich die Kirche zum Feſte der
Auferſtehung. Ein Tag im Jahr, der iſt den Toten
frei und ſo iſt auch in der Karwoche wie zu Aller=
heiligen
und Allerſeelen der allgemeine Beſuch der Kaiſer=
gruft
geſtattet. Die erſten Kapuzinermönche kamen 1600
us Rom, von Kaiſer Matthias nach Wien berufen. Schon
deſſen fromme Gemahlin Anna, Tochter des Erzberzogs
Ferdinand von Tirol, ließ an dieſer Stelle den Ordens=
brüdern
Kirche und Schule inmitten der Stadt erbauen.
Durch ihre letztwillige Verfügung wird die hohe Frau Stif=
terin
der Gruft. Alle Täfeleien ſammt dem Altare, ſoin
Meiner Kapelle ſeynd, verſchaffe ich in die Kapuzinerkirche,
da Ihre Majeſtät, mein kaiſerlicher Herr und Gemahl und
Ich liegen werden.
Als Kind wurde ich einſtmals zum Beſuche der Kaiſer=
gräber
mitgenommen und betrat heute den engen Gang
noch mit denſelben ehrfürchtigen Schauern, die ſeit jenem
erſten Beſuche nicht mehr aus meiner Seele ſchwanden.
Wir gingen eine hell erleuchtete Treppe hinab, die Wände
waren ſäuberlich mit Kacheln ausgelegt, die Luft ſchwül,
ſo, daß meine Gedanken unwillkürlich nach der Richtung
des Zentralbades abgelenkt wurden. Die urſprüngliche
Gruft, ein langes Gewölbe, wurde unter Leopold I. erwei=
tert
und mit einer Kapelle verſehen. Zu beiden Seiten
ſtehen die ehernen=Särge, einen Gang frei laſſend, in düſte=
en
Reihen. Der uns geleitende Mönch ſchließt nun des
Mauſoleums eiſernes Gittertor auf, wir ſchauen empor

Nummer ar2.
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 15 vom.
14. Mai hat folgenden Inhalt: 1. Ueberſicht der für
die Gemeinde Lehrbach für das Rechnungsjahr 1909 zur
Beſtreitung ihrer Kommunalbedürfniſſe genehmigten
nachträglichen Umlage. 2. Ueberſicht der für das Rech
nungsjahr 1910 genehmigten Umlagen zur Beſtreitung der
Kommunalbedürfniſſe in den Gemeinden des Kreiſes
Friedberg. 3. Ueberſicht der von dem Großh. Miniſterium
des Innern für das Etatsjahr 1910 genehmigten Umlagen
der Kommunalbedürfniſſe in den Landgemeinden des
Kreiſes Mainz. 4. Ueberſicht der von dem Großh. Mini=
ſterium
des Innern für das Jahr 1910 zur Beſtreitung der
Bedürfniſſe der iſraelitiſchen Religionsgemeinden des
Kreiſes Darmſtadt genehmigten Umlagen. 5. Ruheſtands=
verſetzungen
.
* Militärdienſtnachricht. Illing, Militärgerichts=
ſchreiber
=Gehilfe auf Probe bei der Großh. Heſſ. (25.)
Diviſion, zum Militärgerichtsſchreiber=Gehilfen ernannt.
L. Der Provinzialausſchuß verhandelte am Sams=
tag
öffentlich nur über die Bürgermeiſterwahl
in Bürſtadt. Dort waren nicht weniger als
Kandidaten aufgetreten, von welchen bei der Haupt
wahl Philipp Ille II. 478, Hans Lingelbach III.
326, Beigeordneter Fauſt und Peter Heinrich Keil
mann I. je 96 Stimmen erhielten. Bei der Stichwahl
am 4. Auguſt vorigen Jahres ging Ille mit 533 gegen
460 Stimmen welche auf Lingelbach fielen, als Sie=
ger
hervor. Die Wahl wurde angefochten, weil Ille=
wegen
Körperverletzung zu 14 Tagen Gefängnis ver=
urteilt
worden iſt; auch ſei ſeine politiſche Stellung
bedenklich. Außerdem erhielt das Kreisamt Kenntnig=
davon
, daß geradezu ungeheuerliche Wahlbeeinfluſſun=
gen
vorgekommen ſeien. Eingehende Ermittelungen=
lehrten
, daß ſchon vier Wochen vor der Wahl in faſt=
allen
Wirtſchaften zugunſten der Kandidaten Freibier=
geſpendet
wurde, daß das Bier in Strömen floß und=
kein
Gaſt nötig hatte, zu zahlen. Die Partei Ille ſöll
der Spaß 7000 Mark gekoſtet haben, Lingelbach 200
Mark und die beiden anderen 1800 und 400 Maxk,
ſchätzungsweiſe angenommen. Der Kreisausſchuß,
dem die Sache vorgelegt wurde, entſchied bei dieſer
Sachlage in Uebereinſtimmung mit verſchiedenen Ent=
ſcheidungen
des Provinziglausſchuſſes Oberheſſen da=
hin
, daß der Wahl des Ille die Beſtätigung zu=
verſagen
ſei. Die Koſten wurden der Gemeinde
zur Laſt gelegt. Dieſes Urteil focht ſowohl Rechts=
anwalt
Dr. Oſann namens des Gewählten als auch=
der
Koſtenverurteilung wegen die Gemeinde an. In=
der
zweiten Inſtanz wurde zuerſt der Akteninhalt v
getragen, welcher ein geradezu erſchreckendes Bi=
zeigte
, alsdann trat der Schwiegervater des Ille,
Franz Ofenloch XI., welcher in der erſten Inſtanz die
Ausſage verweigert hatte und 2000 Mark zu der Wahl
ſeines Schwiegerſohns geſpendet haben ſoll, vor und
erklärte, er habe an der Kaſſe 1600 Mark erhoben, da=
von
habe er etwa 500 Mark zu Bierſpenden verwendet;
nach der Wahl habe er auch noch einige Faß Bier auf=
legen
laſſen. Sein Schwiegerſohn ſei dabei nicht be=
teiligt
geweſen. Der Vertreter des Kreisamts Bens=
heim
, Regierungsrat Löslein, verkannte nicht, daß die
Beweisführung lückenhaft ſei, indem nicht feſtſtehe, daß
und welche Wähler durch die Spenden bei der Wahl
beeinflußt worden ſeien. Ille habe ſich zweifellos vor=
ſichtig
zurückgehalten. Der Umfang, welchen der Un=
fug
annahm, rechtfertige jedoch die Entſcheidung des
Kreisausſchuſſes, die auch bezüglich der Koſtenverur=
teilung
dem Geſetz entſpreche. Rechtsanwalt
Oſann ſprach ſich entſchieden gegen den bei den Wah=
len
üblichen Freibierunfug aus, die Verabreichung
von Freibier allein rechtfertige aber nicht die Un=
gültigkeitserklärung
einer Wahl. Nach Geſetz, ſowie
der Rechtſprechung des hieſigen Provinzialausſchuſſes
müſſe auch der Nachweis geführt werden, daß durch
das Freibier für den Spender, Stimmen ge=
wonnen
wurden. Dieſer fehle aber vollſtändig. Die
kleine Gefängnisſtrafe ſei ſchon im Jahre 1880 erkannt
worden, dieſe komme nicht mehr in Betracht; auch po=
litiſch
liege gegen Ille nichts Nachteiliges vor. Nach
längerer Beratung wurde dahin entſchieden, daß
beide Beſchwerden als unbegründet zu verwer=
ſen
ſeien. Die Koſten hat die Gemeinde zu zahlen,
mit Ausnahme derjenigen, die bei dem Gewählten und
ſeinem Anwalt entſtanden ſind, welche Ille zu tragen
hat. Die Gemeinde muß außerdem eine Gebühr von
25 Mark entrichten. Soweit die Beanſtandung wegen
der Vorſtrafe in Betracht kommt, iſt eine Entſcheidung
noch nicht erfolgt, ſodaß Ille wieder kandidieren
kann.
* Verkehr mit Kraftfahrzengen. Ueber die Frage,
welche körperlichen Mängel die Fähigkeit, ein Kraft=
fahrzeug
ſicher zu lenken, beeinträchtigen, iſt demnächſt

zu dem Rieſenſarkophage der großen Kaiſerin Maria The=
reſia
und ihres fürſtlichen Gemahles. Nach dem Tode des
Kaiſers verweilte die hohe Frau oft ſtundenlang bei dem
zärtlich geliebten Toten. Als Franz Stephan von Loth=
ringen
zu Frankfurt in dem Kaiſerornate Karls des
Großen zum römiſch=deutſchen Kaiſer als Franz I. gekrönt
wurde, da war Maria Thereſia die erſte, ihm mit ihrer
hellen Stimme ein begeiſtertes Es lebe der Kaiſer! zuzu=
jubeln
. In ihren letzten Jahren war die hohe Frau ſo
ſchwerfällig geworden, daß ſie ſich nicht mehr ſelbſtändig
bewegen konnte, und ließ darum einen Aufzug einrichten,
um ſich ſelber in die Gruft hinabzulaſſen und ebenſo wie=
der
hinaufzugelangen. Als einſtmals dieſe Zugvorrich=
tung
verſagte, rief ſie aus: Er will mich behalten, die
Gruft läßt mich nicht mehr heraus, ich komme bald. Dies
war am 2. November des Jahres 1780. Drei Tage darauf
erkrankte die Kaiſerin an einem ſchweren Lungenkatarrh,
von dem die bisher geſunde Monarchin nicht mehr geneſen
ſollte.
Gerne hätte ich länger dort verweilt, wo friſche Kränze
agen; es waren Kränze, die noch lebendige Liebe und
Verehrung niedergelegt, zu den Füßen der wunder=
ſchönen
Tochter des Herzogs Max in Bayern und ihres
unglückſeligen Sohnes. Auch des Erzherzogs Otto Sarg
war mit friſchen Roſen bedeckt. Aber unſer Führer iſt ein
guter Hirte, er umkreiſt ſeine kleine Schar mit dem Zu=
rufe
: Bitte, nicht zurückbleiben! Einen Augenblick ver=
weilen
wir noch bei dem Andenken einer Gräfin Karoline
Fuchs geb. Gräfin Mollard, der einzigen nicht dem Kaiſer=
haus
Angehörigen, die hier unten ruht. Eine Ehrung, die
Maria Thereſia ihrer geliebten Fuchſin angedeihen ließ.
aller ſtrengen Hofſitte entgegen. Iſt doch ihr Name als
Erzieherin, Freundin und Oberhofmeiſterin mit all den lie=
benswürdigen
Märlein und Sagen verknüpft, welche die
große Kaiſerin ihrem Volke menſchlich ſo nahe rückten.
Beide Frauen ſollen ſich, ſo erzählt die Legende, in männ=
licher
Kleidung in die Freimaurerloge eingeſchlichen haben.
Zu jenen Zeiten hatte man noch unklare und abenteuer=
liche
Vorſtellungen von Weſen und Bedeutung der Loge.
Maria Thereſia, welcher ränkevolle Zungen die Märe zu=
trugen
, Frauen hätten auch Zutritt, wollte ihren geliebten

[ ][  ][ ]

Nummer 112.
eine einheitliche Regelung für das Reichsgebiet zu er=
parten
. Einſtweilen ſei darauf hingewieſen, daß jeden=
alls
ſolche Perſonen zur Führung von Kraftfahrzeugen
ungeeignet ſind, die an einer Herabſetzung der
zentralen Sehſchärfe, wenn auch nur auf einem
Auge, unter zwei Drittel des Normalen (ohne Korrek=
tur
) oer an ſogen. Nachtblindheit leiden, ferner ſolche
Perſonen, die kein normales Geſichtsfeld beſitzen, end=
lich
ſolche Perſonen, die mit Erkrankungen der Binde=
haut
und der Lider oder mit einer ernſteren inneren
Erkrankung des Auges ſelbſt behaftet ſind, durch die
eine vorübergehende oder dauernde Verſchlechterung der
Sehfunktion bedingt iſt. Perſonen aber, die die Füh=
rung
von Kraftfahrzeugen nicht berufsmäßig
übernehmen wollen, können probeweiſe zugelaſſen
werden, wenn ihre zentrale Sehſchärfe durch eine
Brille auf die Norm korrigiert wird und andere der
vorbezeichneten Mängel nicht beſtehen. Sie haben ſich
in dieſem Falle zu verpflichten, bei der Fahrt ſtets eine
Reſervebrille mitzuführen und bei Nebel oder regneri=
ſchem
Wetter jedesmal anzuhalten, falls das den Refrak=
tionsfehler
korrigierende Glas angelaufen oder be=
ſchlagen
iſt, und erſt nach Reinigung der Korrektions=
brille
weiter zu fahren. (Darmſt. Ztg.)
K. V. Die Kunſthalle bleibt bis zum 23. d. Mts.
geſchloſſen.
Der Ausſchuß der vereinigten Bezirksvereine
hat ſeine Hauptverſammlung abgehalten. Der Vor=
ſitzende
, Stadtverordneter Dr. Kolb, erſtattete den
Jahresbericht, wobei er die Tätigkeit der einzelnen Be=
zirksvereine
und des Ausſchuſſes ſchilderte. Im Anſchluß
hteran beſprach er die ſtädtiſchen Finanzverhältniſſe und
wies dabei nach, daß an der Erhöhung der ſtädtiſchen
Steuer weniger die ſtädtiſche Verwaltung Schuld trage,
als die durch das Größerwerden der Stadt geſteigerten
Anforderungen, z. B. die Schullaſten. Außerdem gehe
die Steuer deshalb in die Höhe, weil die Geſetze des
Staates der Entwickelung unſerer Stadt große Ver=
pflichtungen
auferlegen. Er ſtreifte dabei die Auf=
hebung
des Oktrois, die neueren Steuergeſetze, die alle
die Städte höher und die ländlichen Gemeinden weniger
belaſten, und ſprach die Befürchtung aus, daß von ſeiten
des Staates die den Städten unfreundliche Geſetz=
gebung
weiter durchgeführt werde. Um dieſer Abſicht
wirkſam entgegenzutreten, ſei es notwendig, daß die
Städte und ihre Vertreter in den geſetzgebenden Körper=
ſchaften
ſcharf achtpaſſen und ſich wehren gegen jeden
Verſuch der weiteren Mehrbelaſtung der Städte. Auf
durch den Stadtv. Gallus beantragte Wahl durch
Zuruf wurde die ſeitherige Geſchäftsleitung wieder=
gewählt
, und zwar Dr. Kolb zum erſten Vorſitzenden,
Stadtv. Säng zum Stellvertreter und Buchhalter
Wenchel zum Schriftführer und Kaſſenführer. In
ungefähr 14 Tagen findet eine öffentliche Verſammlung
ſtatt, in der Stadtv. Sames den Bebauungsplan nach
dem neuen Bahnhof zu auf Grund des aufgelegten
Planes beſprechen wird.
Radrennen. Das am Sonntag, den 22. Mai auf
der Radrennbahn an der Heidelberger Straße ſtattfindende
Dauerrennen über 30000 Meter um den Ehrenpreis Sr.
Königl. Hoheit des Großherzogs ſcheint, den bis jetzt ein=
gelaufenen
Meldungen nach, eines der intereſſanteſten Ren=
nen
, die je auf der Rennbahn an der Heidelberger Straße
gefahren wurden, zu werden und dürften die Sportfreunde
ſicher auf ihre Koſten kommen. Die Rennleitung hat ſich
ausbedungen, nur eine beſchränkte Zahl von Rennfahrern
zu dieſem Rennen zuzulaſſen, da dieſes große Fahren mit
Schrittmachermaſchinen ausgetragen wird. (Näh. Anz.)
Gaſtſpiel Otto Reutter im Orpheum. Otto Reutter
hat mit ſeinem ſchier unerſchöpflichen Repertoire und mit
einem erſtklaſſigen Künſtlerprogramm am Pfingſtmontag
ſein Gaſtſpiel begonnen und wir haben es nun nicht mehr
nötig, um den genialen Spötter zu hören, nach Frankfurt
reiſen zu müſſen. Aber auch Frankfurt muß den umwor=
benen
Künſtler ſeit zwei Jahren entbehren, denn die Fülle
der Anträge, die ihm dauernd von Agenten und Direktoren
vorliegen, iſt eben derart, daßer ſelbſt, wenn er wollte,
dieſe auch nicht zum zehnten Teil erfüllen könnte. Aus
dem weiteren Enſemble verdient insbeſondere eine Truppe
von 10 raſſigen ungariſchen Sängerinnen in ihrer Szene
Vogelballett und Idyll aus dem Karpathengebirge be=
ſondere
Erwähnung. Nähere Beſprechung folgt.
A Wochenmarktbericht. Zufuhren und Verkehr
auf den Wochenmärkten der vergangenen Woche waren
des Pfingſtfeſtes wegen beſonders ſtark. An Durch=
ſchnittspreiſen
ſind zu verzeichnen: Butter ½ Ka. 1,40 M.,
in Partien 1,20 M., Eier 67 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr.
2025 Pf., Handkäſe 410 Pf., vorjährige Kartoffeln
Zentner 34 M., Kumpf (10 Liter) 5060 Pf., ½ Kg.
35 Pf., neue Italiener ½ Kg. 1415 Pf.; Obſt u. dgl.:

Franzl belauſchen. Dieſer war ſchon vor ihrer Vermäh=
lung
Freimaurer geweſen, ohne daß es am öſterreichſchen
Hofe geahnt wurde. Die Kaiſerin wachte ſtrenge über die
Treue ihres Gatten, und dieſe, allerdings nicht unbegrün=
dete
Eiferſucht war auch die einzige Schwäche der mit
männlichem Geiſte ausgeſtatteten Herrſcherin. Einer ſol=
chen
Mißſtimmung dürften wohl auch jene reizenden
Worte zugeſchrieben werden, welche ſie an ihre Kammer=
frau
richtete: Fritzin, heirat’ ſie nur keinen Mann, der
nix is. Fritzin war die Großmutter der bekannten
Schriftſtellerin Karoline von Pichler.
Der letzte Sarg in der Kaiſergruft und das letzte An=
denken
, auf welches unſere Aufmerkſamkeit gelenkt wird,
löſt eine Reihe düſterer Vorſtellungen in unſerer Seele
aus. Dunkler Schatten liegt über einem ſchlichten Sarge.
Wir leſen: Napoleon Joſeph Karl Franz Herzog von
Reichsſtadt geb. zu Paris 20. Mai 1811, geſt. zu Schön=
brunn
22. Juli 1832. Es war unſere Abſicht, das Bild
der Grabesſtätte vor ihrem Umbau im letzten Herbſt wie=
derzugeben
, wie es ſeit Kaiſer Matthias’ Beiſetzung 1633
bis heute in ſeinem Hauptteile noch unberührt geblieben
war. Der Sarg des Herzogs von Reichsſtadt fand nun
in dem Mauſoleum neben dem Sarkophag Maria Luiſens,
der kaiſerlichen Mutter, ſeinen Platz.
Tief aufatmend kehrten wir nach halbſtündiger
Wanderung im Reiche der Toten zurück zum frühlings=
warmen
Leben.
Bei den Auguſtinern empfängt uns, unter den letz=
ten
, langgezogenen Klängen einer ſchwermütig klagen=
den
Lamentation der tief myſtiſch=religiöſe Zauber
des katholiſchen Ritus. Die heilige Handlung iſt eben
beendet, der Geiſtliche verſchwand mit der letzten der
13 Kerzen, welche den von ſeinen Jüngern verlaſſenen
Chriſtus ſinnbildlich darſtellt, hinter dem Hochaltare.
Durch ein hohes gotiſches Fenſter fällt noch gerade ſo
viel Tageslicht ein, daß wir die Schönheit des Denk=
mals
Maria Chriſtinens, das Canova aus karrariſchem
Marmor geſchaffen, noch hinreichend erſchauen können.
Ein trauerndes Weib ſchreitet geſenkten Hauptes,
die Urne tragend, der Pforte des Todes zu. Lebens=
müde
Kinder mit Roſengewinden folgen ihr. Der gäh=
nende
Eingang iſt in einen Obelisk geſchlagen, an

Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 19102

vorj. Aepfel ½ Kg. 1525 Pf., Zitronen 45 Pf., Apfelſinen
68 Pf.; Salat, Gemüſe u. dgl.: Kopfſalat 515 Pf.,
Körbchen Lattich 10 Pf., Bündel Radieschen 23 Pf.,
Bündel Rettiche 12 Pf., Meerrettich 2030 Pf., Rhabarber
Kg. 1520 Pf., Roterüben½ Kg. 8 Pf., Zwiebeln ½ Kg.
1012 Pf., Paradiesäpfel ½ Kg. 60 Pf., neue Schälgurken
50 Pf., Wirſing 3060 Pf., Kohlrabi 1020 Pf., Blumenkohl
5080 Pf., Rotkraut 60 Pf., Weißkraut 20 Pf., Bündel
Römiſch=Kohl, Schnittlauch uſw. 2 Pf., Spinat ½ Kg.
1012 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 2030 Pf., Spargel
½ Kg. 7080 Pf., Bündel Karotten 20 Pf., Kernerbſen
Kg. 3540 Pf.; Geflügel, Wildbret u. dgl.:
Zicklein 2,003,50 M., junge Gänſe 68 M., Enten 3 bis
4 M., Hahnen und Hühner 2,503,00 M., Tauben 60 bis
70 Pf., Lapins 1 M., Fiſche ½ Kg: Hecht, Aal 1 M.,
andere Rheinfiſche 40 Pf., Rotzungen 60 Pf., Kabeljau,
Seehecht, große Schellfiſche 35 Pf., kleine 25 Pf.; in den
Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch 56 Pf., Hackfleiſch
60 Pf., Rindsfett 50 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf.
Michelſtadt, 13. Mai. Durch das am 6. Mai erfolgte
Ableben des langjährigen Mitgliedes des Ausſchuſſes
des Landesgewerbevereins und gleichzeitigen Vorſitzenden
des Bezirksvereins Erbach, des Ortsgewerbevereins und
des Aufſichtsrates der Gewerbeſchule zu Michelſtadt, Herrn
Rudolf Marburg, haben dieſeKörperſchaften einen ſchwe=
ren
und ſchmerzlichen Verluſt erlitten, denn der ſo uner=
wartet
Verſchiedene war ſeit der Uebernahme dieſer Ehren=
ämter
unermüdlich tätig in der Förderung deren Beſtre=
bungen
. Die Beerdigung erfolgte am 10. ds. Mts. unter
außerordentlich zahlreicher Beteiligung in Michelſtadt. Die
Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe und der Landes=
gewerbeverein
waren am Grabe durch deren Vorſitzenden,
Geh. Regierungsrat Noack, vertreten, der unter Nieder=
legung
eines Kranzes dem Dahingeſchiedenen, laut Ge=
werbeblatt
die nachfolgenden Worte widmete: Namens
des Gewerbevereins für das Großherzogtum Heſſen und
der Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe lege ich dieſen
Kranz als Liebeszeichen hier nieder. Wir haben einen
kenntnisreichen, einſichtsvollen Berater, einen langjährigen
lieben Freund verloren. Ein ehrenfeſter, aufrechter Mann
von tadelloſer Geſinnung, der nie anders ſprach, als er
dachte, eine vornehm denkende Perſönlichkeit, furchtlos und
treu, ward uns entriſſen. Er war der beſte Freund des
Handwerker= und Gewerbeſtandes, allezeit hilfbereit, gütig
und freundlich gegenüber den Mühſeligen und Beladenen.
Seine reiche Arbeit ſtand unter der Loſung des Wortes:
Ich muß wirken, ſo lange es Tag iſt, denn bald kommt
die Nacht, da niemand wirken kann. Die kommenden Zei=
ten
werden uns ſeinen Verluſt ſtärker und ſtärker empfin=
den
laſſen, wenn uns ſein Rat und ſeine Erfahrung nicht
mehr zur Seite ſtehen. Sein Beiſpiel leuchte uns voran
auf dem eigenen Lebenspfad zur treueſten Pflichterfüllung
gegen uns und unſere Mitmenſchen. Ehre ſeinem Anden=
ken
, Friede ſeiner Aſche!
Mainz, 13. Mai. In der Nacht zum 24. März be=
obachtete
kurz nach 3 Uhr in der Frühe der Schutz=
mann
Schmelz vom erſten Polizeibezirk, daß in einer
Weinwirtſchaft in der Löhrſtraße ein Unbekann=
ter
an die Gäſte eine Taſchenuhr zu verkau=
fen
ſuchte. Der Beamte begab ſich mit einem hinzu=
gekommenen
Polizeiwachtmeiſter ins Lokal und frug
den Unbekannten nach dem Erwerb der Uhr. Der Be=
treffende
beſtritt zunächſt, im Beſitze einer Taſchenuhr
zu ſein, und als bei einer Viſitation dieſe zum Vor=
ſchein
kam, erklärte er, ſie an demſelben Abend in
Frankfurt von einem Unbekannten gekauft zu haben.
Die Beamten ſetzten Mißtrauen in die Angaben des
Betreffenden und nahmen ihn mit zur Polizeiwache.
Beim Verlaſſen der Wirtſchaft nahm der Siſtierte
noch ein auf der Bank liegendes Paket mit, in dem
ſich nach ſeiner Angabe Kleidungsſtücke befanden. Auf
der Polizeiwache wurde der Verdächtige als der vor=
beſtrafte
23jährige Hausburſche Franz Moſt aus
Bretzenheim bei Mainz feſtgeſtellt. Die Viſitation
förderte außer der goldenen Uhr eine wertvolle Kra=
wattennadel
, mehrere Ringe, ein Etui und goldene
Manſchettenknöpfe zutage. Ferner fand man bei ihm
einen Schraubenzieher, Schlagring und das Stück
einer Stearinkerze. Anf ſeinen Kleidern war eine
Anzahl Stearinflecken. Als das Paket geöffnet wurde
fand ſich darin ein noch gut erhaltener feiner ſchwar=
zer
Anzug, Handſchuhe, Kragenſchoner und Lackſchuhe.
Bei näherer Beſichtigung des Anzuges fand ſich in der
einen Hoſentaſche ein Portemonnaie mit 18 Mark. Als
die bei ihm beſchlagnahmten Sachen ausgeſchrieben
wurden, kam ſchon anderen Tages von Bingen aus
die Meldung, daß dort am Abend des 23. März in die
Wohnung des abweſenden Referendars Freiherrn von
emmingen in der Mainzerſtraße 68 eingebrochen
und die ausgeſchriebenen Sachen geſtohlen worden ſeien.

Weiter wurde feſtgeſtellt, daß der Einbrecher identtſch=if.
mit einem Unbekannten, der am ſelben Abend bei
einem Privatmann in Bingen, Gauſtraße 48, einen
Einbruch verſucht hatte. Die Tochter des Privatmannes
war an dem Abend kurz nach 8 Uhr zu Bett gegangen,
plötzlich wurde ſie durch ein Geräuſch aufmerkſam und
ſah einen fremden jungen Menſchen mit einer bren=
nenden
Kerze aus dem Schlafzimmer ihrer Eltern
kommen und in das ihrige treten. Das Mädchen ſchrie
um Hilfe, worauf der Dieb in das Schlafzimmer ihrer
Eltern zurückeilte und durch das offenſtehende Fenſter
flüchtete, durch das er anſcheinend auch eingeſtiegen
war. Der Rentner glaubte zuerſt an eine Täuſchung
ſeiner Tochter, bis er in den beiden Zimmern eine
große Anzahl von Stearintropfen wahrnahm. Am
nächſten Morgen machte er davon Anzeige bei der Po=
lizei
, dieſe nahm ſofort einen Teil der Stearintropfen
in Verwahrung. Dieſer Vorſichtsmaßregel war zum
Teil die Ueberführung des Verbrechers zuzuſchreiben.
Geſtern früh hatte ſich der gefährliche Burſche, der ein
äußerſt freches und zyniſches Weſen zur Schau trug,
vor der zweiten Strafkammer zu verantworten. Der
Angeklagte wurde zu 5 Jahren Zuchthaus ver=
urteilt
. (M. Tabl.)
Bad Nauheim, 14. Mai. Bis zum 12. Mai ſind
4362 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem
Tage noch 2973 anweſend waren. Bäderswurden bhis
zum 12. Mai 36 616 abgegeben.
C) Alsfeld, 14. Mai. Große finanzielle Opfer hat
die Stadt gebracht bei der Erbauung der im porigen
Herbſte eingeweihten neuen Oberrealſchule,
die den neueſten Forderungen der Technik und Schul=
hygiene
Rechnung trägt und eine Geſamtbauſumme
von 200000 Mark erforderlich gemacht hat. Ein wei=
terer
Schulhausneubau wird wohl in nicht
allzu ferner Zeit in Ausſicht genommen werden, und
zwar handelt es ſich hierbei um eine neue Volksſchule,
deren Pläne Herr Geh. Oberbaurat Klingel=
höffer
von der Wauabteilung des Finanzminiſte=
riums
entworfen hat und die etwa 120000 Mark
Koſten verurſachen wird. Zurzeit wird für unſere
Waſſerleitung eine Hochdruckzone erbaut, durch
die dem ſich beſonders in den letzten Jahren immer
mehr fühlbar machenden Waſſermangel des hochgelege=
nen
Stadtteils am Bahnhof abgeholfen wird. Die
Koſten dieſer Erweiterung ſind einſchließlich Quellen=
erwerb
auf 114000 Mark veranſchlagt worden. Weiter
erwachſen der Stadt bedeutende Koſten durch die nun=
mehr
zur Ausführung kommende Erweiterung
des hieſigen Bahnhofs, die bedingt wird durch
die Verlegung der oberheſſiſchen Bahnlinie Gießen=
Fulda auf der Strecke Alsfeld=Altenburg und durch
die Einmündung der projektierten Nebenbahnlinie
Alsfeld=Nieder=Aula. Trotz dieſer bedeutenden finan=
ziellen
Opfer ſeitens der Stadt und ihrer Bewohner
ſoll nun auch der Durchführung des Feld=
bereinigungsverfahrens
für unſere Ge=
markung
nähergetreten werden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 14. Mai. Die Leiche des
Staatsminiſters Dr. Karl v. Hofmann, der im hohen
Alter von 83 Jahren in Charlottenburg verſtorben iſt,
wurde geſtern nachmittag auf dem Friedhof der Kaiſer=
Wilhelm=Gedächtniskirche in Charlottenburg=Weſtend,
an der Seite ſeiner am 11. Januar 1897 verſtorbenen
Gattin Cora, geb. Kekulé, beigeſetzt. Vorher fand
in der Halle des Friedhofs eine Trauerfeier ſtatt, der
faſt das geſamte Offizierkorps des 3. Ulanenregiments
beiwohnte. Das Staatsminiſterium vertrat Geh. Re=
gierungsrat
v. Eichmann. Der heſſiſche Geſandte v.
Gagern wohnte der Trauerfeier perſönlich bei, auch
viele Vertreter der Deutſchen Kolonial=Geſellſchaft.
Pfarrer Niethack=Stahn hielt die Gedenkrede, Emmy
Rintelen ſang Die Seele der Gerechten von Rhein=
berger
. Harmoniumſpiel: Eins iſt Not beendete die
Trauerfeier in der Halle. Gegen 4 Uhr nachmittags er=
folgte
unter Glockengeläute die Ueberführung zur
Gruft. Während der Beiſetzung ſang die Konzertver=
einigung
der Kaiſer=Wilhelm=Gedächtniskirche unter
Kießlichs Leitung Jeſus meine Zuverſicht und Was
Gott tut, das iſt wohlgetan. Am 20. d. M. treffen
die Mitglieder des Vereins Berliner Kauf=
leute
und Induſtrieller, die von der Brüſſeler Korpo=
ration
der Kaufmannſchaft und dem Ausſtellungs=
komitee
zum Beſuche der Weltausſtellung eingeladen
wurden, in Brüſſel ein. Das Komitee wird ihnen
inen beſonderen, feſtlichen Empfang bereiten. Ein
entſetzlicher Unglücksfall ereignete ſich in der
Sonnenburger Straße. Dort wohnt im vierten Stock
der Arbeiter Oppermann. O. und deſſen Frau beſuchte:

eſſen Fläche die Geſtalten hinſtreben. Wir gedenken
m Anblicke des Aufbaues und der Anordnung dieſes
enkmals eines herrlichen Werkes jüngſter Zeit, des
Monument des morts von Bartolomés auf dem
Rontmartre zu Paris. Einige Stufen abwärts füh=
en
uns zu der Lorettokapelle. Das Bild der Maria
on Loretto löſte ſich, ſo erzählt der Volksmund, in
kutari von der Wand, auf der es gemalt war, ab, als
e Kirche in eine Moſchee umgewandelt wurde. Auf
inem Regenbogen kam das Gnadenbild nach Wien
nd ließ ſich in der Auguſtinerkirche nieder. Die Kapelle
un birgt in einer ſilbernen Urne die Herzen aller Ab=
eſchiedenen
des Kaiſerhauſes, während die Eingeweide
u St. Stefan und die Leichname in der Kapuzinergruft
then. Eine einzige Urne, die uns durch ihre Größe
iffiel, birgt zwei Herzen. Es ſind die der Kaiſerin
karia Thereſia und nach ihrem ausdrücklichen Wunſch
uch das ihres Gemahls. Nun ſtehen wir trotz Auf=
cht
der ordnenden Kirchendiener in einem geradezu
ängſtigenden Gedränge vor dem hier errichteten hei=
igen
Grabe. In einer Grotte vor uns liegt Chriſtus,
Linnen gehüllt, von überirdiſchem Glanze umflutet.
in Mönch hält kniend im Gebet in dem ſpärlich er=
llten
Raume die Totenwache. Alles Licht ſcheint von
m Heiland auszuſtrahlen.
Durch den Schweizerhof, die Geſandtenſtiege hinan,
t, über der Hauptwache ent=

pelle. Der ganze Raum iſt ſchwarz ausgekleidet.
eibgardiſten in ihren weißen Mänteln, den Roß=
hweifen
auf den Helmen, erſcheinen mit ihren Helle=
rden
ſchier überlebensgroß; nichts regt ſich an ihnen,
ſtehen wie aus Erz gegoſſen Wache. Die Monſtranze,
3 Wunder bergend, von einem Heiligenſchein um=
ben
, iſt hier, ſo lange Chriſtus im Grabe ruht, wie
einer Sonne flüſſigen Goldes zur Berehrung aus=
ſtellt
.
*
Durch den Burghof ſollte es wieder in die Stadt
hen, doch nie konnte ich zu den Fenſtern des Schwei=
rhofes
emvorblicken, ohne die Schritte zu hemmen

und der Erzählung meines Großvaters von dem Ge
ſpenſte in der Hofburg zu gedenken. Es muß wohl in
der Karzeit geweſen ſein, daß ſich ſelbiges Hiſtörlein
zutrug, denn bei dem Beſuch der Gräber wurde es mir
dazumal ſtets erzählt. Dazumal war die Freundſchaft
Joſefs I. mit Kurfürſt Auguſt von Sachſen einem Teil
der Hofgeſellſchaft wie der Geiſtlichkeit höchſt mißliebig.
Vergebens blieben jedoch alle Verſuche, dieſe Freund=
ſchaft
mit dem verabſcheuungswürdigen Proteſtauten
zu untergraben. Da erſchien Nacht für Nacht in Joſefs
Schlafgemach ein ſchauerlicher Geiſt mit warnender
Geberde. So verabredeten die Freunde, Auguſt ſolle in
den kaiſerlichen Gemächern nächtigen, um ſich den grau=
ſigen
Spuk mit anzuſehen. Der Geiſt erſchien zu ge=
wohnter
mitternächtiger Stunde, in weiße Laken ge=
hüllt
; aber Auguſt faßte das Geſpenſt, nachdem es nicht
Rede ſtehen noch Antwort geben wollte, derb an und
warf es zum Fenſter hinaus. Des anderen Morgens
fand man den Hofkaplan zerſchmettert im Burggraben
liegen, in eben dem Stückchen, das noch bis heute er=
halten
geblieben.
Was gibt’s da z’ſchauen? Durch dieſe Worte
wurde ich aus meinen Gedanken aufgeſchreckt und ſah
eine Reihe Bummler erwartungsvoll in den Graben
ſtarren.
Doch das junge Grün zwiſchen den dunklen Blät=
tern
uralter Efeuſtämme mußte es mir angetan haben,
denn mit einem Male war es mir nicht mehr möglich,
meinem Vorſatze getreu, in die dumpfe Enge der
Straßen und Kirchen unterzutauchen. Wenige Schritte
brachten mich in den äußeren Burghof. Hier duftete
es nach friſcher Erde, die Beete waren mit lichtem
Grün überſpannt und aus ihrer Umrahmung erhoben
ſich gigantiſch zwei Standbilder von Erz: Prinz Eugen
und Erzherzog Karl. Nur am Himmel iſt noch ein
warmes Leuchten, auf dem die Umriſſe der Kuppeln
der kaiſerlichen Muſeen ſich ſcharf zeichnen. Von St.
Stefan, über alle Dächer hinweg, kommt ein ehernes
Tönen und Klingen die Glocken ſind wieder da!
Heißt es doch, ſie wären in den Tagen der Trauer
nach Rom gezogen. Jetzt läuten ſie mit vertrautem,
hellem Jubelklange den Frühling, den Tag der Auf=
S. M. 2.
erſtehung ein,

[ ][  ][ ]

Nummer 112.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910.

Seite 4.

geſtern abend Verwandte und ließen ihren vierjährigen
Sohn Paul, nachdem ſie ihn zu Bett gebracht hatten,
allein in der Wohnung zurück. Der Kleine kletterte
aber aus ſeinem Bett und lief auf den Balkon. Hier
ſtieg er auf einen Stuhl und ſchaute über die Balkon=
brüſtung
auf die Straße hinab. Als ſich der Knabe zu
weit vorbeugte, verlor er das Gleichgewicht und ſtürzte
kopfüber auf die Straße, wo er mit zerſchmetterten
Gliedern liegen blieb. Noch lebend wurde das verun=
glückte
Kind nach der Rettungswache in der Gaudyſtraße
gebracht, wo ihm die erſte Hilfe zuteil wurde; auf dem
Wege nach dem Krankenhauſe ſtarb dann aber der Knabe
bereits.
Frankfurt, 14. Mai. Geſtern abend gegen 6 Uhr
wurde die dreijährige Eliſe Weber beim Ueber=
ſchreiten
des Fahrdammes in der Frankenallee über=
fahren
und ſofort getötet.
Bonn, 12. Mai. Der wegen des Falles Veith zu
einer Woche Gefängnis verurteilte Graf Finck von
Finckenſtein hat gegen das Urteil der Strafkam=
mer
Reviſion beim Reichsgericht einlegen laſſen;
der andere Verurteilte, von Quiſtorp, wird dasſelbe
tun.
Braunſchweig, 13. Mai. Die Strafkammer
des Landgerichts verurteilte den Redakteur Weſe=
meyer
des ſozialiſtiſchen Blattes Volksfreund wegen
Beleidigung des braunſchweigiſchen Landtages und
der Polizeibehörde zu neun Monaten Gefäng=
nis
und zur Tragung der Koſten.
Erfurt, 14. Mai. Die Strafkammer hat einen
22jährigen Arbeiter wegen Majeſtätsbeleidigung zu
ſechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte,
Mitglied eines ſozialdemokratiſchen Radfahrervereins,
hatte in einer politiſchen Verſammlung, als der Vor=
ſitzende
ein Hoch auf den Kaiſer ausbrachte, laut in
den Saal hineingerufen: Nieder! Nieder! Der
Staatsanwalt hatte ſechs Wochen Gefängnis beantragt.
Paris, 14. Mai. Mehreren Bläktern zufolge wurde
infolge der Anzeige eines hieſigen Juweliers gegen die
bekannte Gründerin und Leiterin des Tuberkuloſe=
Sanatoriums in Ormeſſon, Schweſter Candide,
eine gerichtliche Unterſuchung eingeleitet.
Schweſter Candide ſoll, um den Beſtand ihres Sanato=
riums
zu ermöglichen, verſucht haben, Geld auf die ver=
ſchiedenſte
Weiſe aufzutreiben, u. a. ſoll ſie von einem
Juwelier Edelſteine im Werte von 800000 Francs zum
Verkauf übernommen haben; da ſie aber weder das
Geld, noch die Edelſteine rechtzeitig zurückerſtattete,
ſtrengte der Juwelier Klage an. Schweſter Candide er=
klärte
einem Berichterſtatter, ſie ſei lediglich das Opfer
widriger Verhältniſſe geworden, habe aber ſelbſtver=
ſtändlich
nicht die geringſte Veruntreuung verübt.

XVII. allgemeiner deutſcher Turnlehrertag.
* Am Freitag abend fand in der Turnhalle unter dem
Präſidium des Herrn Schulrat Schmuck Kommers
ſtatt, der ſehr zahlreich beſucht war. Der Darmſtädter
Lehrerſängerchor erfreute durch ſchöne Geſangsvorträge
und die Turnerſchaft Darmſtadts bot verſchiedene tur=
neriſche
Vorführungen. Eine Riege am Barren und eine am
Reck turnten unter Leitung des Turnwarts A. Herbert
(Turngemeinde Darmſtadt). Stabübungen wurden unter
Leitung von Frl. Schmuck von der Damen=Abteilung der
Turngemeinde Darmſtadt vorgeführt. Turnen am Quer=
pferd
von der Darmſtädter Turnerſchaft (ſtand unter Lei=
tung
des Herrn Herbert, Turngemeinde Darmſtadt) war
die Fortſetzung des abwechslungsreichen Programms. Py=
ramiden
wurden geſtellt unter Leitung des Gauturn=
warts
Maurer (erſter Turnwart der Turngemeinde
Darmſtadt), der auch die Keulenübungen leitete.
Herr Profeſſor Kohlrauſch dankte dem Ortsaus=
ſchuß
, dem Heſſiſchen Turnlehrerverein, der Turngemeinde
Darmſtadt, der Darmſtädter Turnerſchaft für die Vorberei
tungen, hervorragenden Geſänge, Ueberlaſſung des Saales,
ſowie die turneriſchen Veranſtaltungen; ſein Gut Heil
galt den Veranſtaltern. Schulrat Schmuck ſchloß den ſchön
verlaufenen Abend mit herzlichen Worten. Der muſikaliſche
Teil wurde von der Kapelle der 61. Artillerie unter Muſik=
meiſter
Webers Leitung ausgeführt.
Zweiter Tag.
Die Delegiertenverſammlung, die Samstag morgen
m Fürſtenſaal ſtattfand, war mit Satzungsberatun=
gen
ausgefüllt. Die nächſte Tagung ſoll 1914 in
Breslau abgehalten werden.
Um 11 Uhr begann die zweite Allgemeine Turn=
lehrer
=Verſammlung unter dem Vorſitz von Profeſſor
Kohlrauſch.
Ueber das orthopädiſche Schulturnen
ſprach zunächſt Oberturnlehrer Echternach (Hagen
i. Weſtf.). Der Redner führte etwa aus: Bei dem wäh=
rend
der Schulzeit häufigen, faſt beängſtigenden Auf=
treten
der gewohnheitsmäßigen Haltungsfehler, die
nach und nach zum Schiefwuchs mit deutlich wahrnehm=
baren
anatomiſchen Veränderungen des normalen
Rumpfſkeletts führen, muß die Schule mit allen ihr

Kleines Feuilleton.
* Eine Judith=Aufführung mit Hin=
derniſſen
. Das Enſemble des Berliner Deutſchen
Theaters in Wien ſetzte ſein Gaſtſpiel mit Hebbels
Judith unter erſchwerenden Umſtänden fort. Die
Dekorationen waren zwiſchen Peſt und Wien ſtecken=
geblieben
, ſo daß man ſich mit Dekorationsmitteln be=
gnügen
mußte, gegen welche die Hilfsmittel der Shake=
ſpeare
=Bühne wahren Ausſtattungsprunk bedeuten.
Das Zelt des Holofernes war durch eine ziemlich ſchmu=
ßige
graue Leinewand im Hintergrunde angedeutet,
die Seitenausgänge fehlten und ein Lutherſtuhl bildete
den Thron des fürchterlichen Holofernes. Noch ſchwie=
riger
war das Problem, ganz ohne Dekorationen die
Szenen zu veranſchaulichen, die in den Straßen Be=
thuliens
ſpielen. Man ſah kein einziges Haus, ſon=
dern
nur graue Mauern und Verſatzſtücke, die Un=
ebenheiten
der Straße markierten. Auch kein Fort
war zu ſehen. Der Erfolg der Vorſtellung war jedoch
von dieſen Mängeln unabhängig.
* Der im großartigſten Stile geplante
Feſtzug des engliſchen Weltreichs iſt in=
folge
des Hinſcheidens des Königs bis auf nächſtes
Jahr verſchoben worden. Die Feſtlichkeiten ſollten am
23. Mai im Kriſtall=Palaſt eröffnet werden und 15000
Teilnehmer waren bereits für die hiſtoriſchen Feſt=
züge
angeworben worden. Die große Tribüne allein
hat 10000 Pfund Sterling gekoſtet und Dutzende von
Dekorationsmalern waren in den letzten Wochen da=
mit
beſchäftigt, 10000 Quadratmeter Kuliſſen herzu=
ſtellen
, um die verſchiedenen hiſtoriſchen Szenen zu
umrahmen. Der See war von einer ſolid ausgeführ=
ten
Nachahmung der alten London Bridge überſpannt,
die ſtark genug war, um 500 bepanzerte Reiter über
ſich hinwegtragen zu laſſen. 200 Südafrikaner ſind
zurzeit auf dem Wege nach England begriffen, um au

zu Gebote ſtehenden Mitteln den Kampf gegen dieſes
Uebel durch eine planmäßig ausgeübte, vorbeugende
Tätigkeit aufnehmen. Da erfahrungsgemäß alle vor=
beugenden
Maßnahmen dieſem Uebel nicht zu ſteuern
vermögen, ſo iſt es weiter Pflicht der Schule, den be=
treffenden
Kindern ihre beſondere Aufmerkſamkeit zu=
zuwenden
. Die Schule, der doch auf alle Fälle ein Teil
der Schuld zur Laſt gelegt werden muß, hat in Ver=
bindung
mit den berufenen Stellen, nämlich den
Schulärzten, auf Mittel und Wege zu ſinnen, Rücken=
ſchwäche
und Haltungsfehler, ſowie die in den weit=
aus
meiſten Fällen leichten Formen eines beginnenden
Schiefwuchſes direkt zu bekämpfen, und zwar durch ein
ihr zu Gebote ſtehendes und von vielen Fachorthopäden
anerkanntes Mittel: das Turnen in Sonderabteilun=
gen
. Dieſes Sonderturnen, auch orthopädiſches Schul=
turnen
genannt, hat ſich nach den vorliegenden ärzt=
lichen
Berichten da, wo es eingerichtet iſt, beſtens be=
währt
. An dieſem orthopädiſchen Schulturnen nehmen
nur die Kinder mit ſchwachen Rückenmuskeln, ſchlechter
Haltung und den leichteſten Formen von Verkrümm=
ungen
der Wirbelſäule teil. Ueber die Aufnahme ent=
ſcheidet
der zuſtändige Arzt. Das orthopädiſche Schul=
turnen
darf ſich niemals der Anſtaltsbehandlung
nähern; es ſoll nichts weiter ſein, als ein angewand=
tes
Schulturnen, das vom Turnlehrer oder der Turn=
lehrerin
erteilt wird. Die Teilnahme darf für Kinder
unbemittelter Eltern nicht mit beſonderen Unkoſten
verbunden ſein
Den zweiten Vortrag hielt Herr Seminarlehrer
Kunath über das Thema: Inwieweit be=
dürfen
volkstümliche Uebungen, Spiele
und Wanderungen für die körperliche Er=
ziehung
der weiblichen Jugend der
Verückſichtigung?
Redner ſtellte folgende Leitſätze auf: 1. Mittel zur
körperlichen Erziehung der weiblichen Jugend in der
Schule ſind Turnen, und zwar Freiübungen, Uebungen
mit Handgeräten, Gerätübungen und volkstümliche
Uebungen, ferner Spielen, Wandern, Schwimmen und
Eislaufen. 2. Das Turnen muß ebenſo wie die an=
deren
Leibesübungen, ſoweit es irgend möglich iſt, im
Freien betrieben werden. Hierin liegt, daß neben der
unentbehrlichen geſchloſſenen Turnhalle auch ein zweck=
mäßig
eingerichteter und genügend großer Turnplatz
beſchafft werden muß. 3. Für das Turnen und Spielen
iſt eine beſondere Kleidung der Mädchen erforderlich,
die größtmöglichſte, doch in der Eigenart des weiblichen
Geſchlechtes liegende Bewegungsfreiheit zuläßt. Zu
empfehlen ſind in erſter Linie: Weite, dunkelblaue Hoſe,
viereckig ausgeſchnittene Bluſe und breite, der Fuß=
form
angepaßte Turnſchuhe. Schnürleiber zu tragen,
muß auf alle Fälle verboten ſein. 4. Der Uebungsſtoff
für die Freiübungen, Uebungen mit Handgeräten und
Gerätübungen iſt dem deutſchen Turnen zu entnehmen.
Anregungen aus fremden Turnſyſtemen können Be=
rückſichtigung
finden. 5. Von den volkstümlichen Ueb=
ungen
ſind nur ſolche Uebungen zu wählen, welche der
Eigenart der Mädchen entſprechen, und zwar am zweck=
mäßigſten
: Hoch= und Weitſpringen, Laufen, Ballwerfen
und die einfachſten Formen des Ziehens und Schiebens.
Die mehr der männlichen Eigenart entſprechenden Ueb=
ungen
, wie Steinſtoßen, Kugelſchocken, Gerwerfen, Ge=
wichtheben
, Ringen, Stabſprung, Dreiſprung und Tief=
ſprung
aus großen Höhen, ſind auszuſchließen. 6. Die
für die weibliche Jugend geeigneten volkstümlichen
Uebungen ſind auf allen Turnſtufen zu betreiben. Die
Aufſtellung von Klaſſenzielen in Mindeſt= und Durch=
ſchnittsleiſtungen
und die zeitweilige Geſtaltung der
volkstümlichen Uebungen zu Einzel= und Parkei=
kämpfen
ſind geeignet, das Intereſſe an dieſen Ueb=
ungen
zu wecken und zu erhalten. 7. Den volkstüm=
lichen
Uebungen iſt im Sommerhalbjahr der Vorzug
vor den Gerätübungen zu geben. 8. Für einen nutz=
bringenden
Spielbetrieb iſt die Einrichtung des ver=
bindlichen
Spielnachmittages im Sinne des Zentral=
ausſchuſſes
für Jugend= und Volksſpiele notwendig.
Beim Spielen ſind die größeren Kampfſpiele, vorwie=
gend
Schlagball, Tamburinball, Korbball und Barlauf,
zu betreiben. 9. Das Wandern iſt in jeder Jahreszeit
regelmäßig zu pflegen und zwar in einfachſter Weiſe,
möglichſt ohne Benutzung von Fahrgelegenheiten und
ohne Einkehr in Wirtshäuſern.
Nachmittags fand im Kaiſerſaal ein Feſteſſen
ſtatt; ſpäter wurden die Sehenswürdigkeiten von Darm=
ſtadt
beſichtigt. Am Sonntag wurden Turnfahrten
durch den Odenwald und nach Lauterbach in Oberheſſen,
dem Geburtsort von Adolf Spieß, veranſtaltet.

Eröffnung der Internationalen Ausſtellung
für Sport und Spiel.
* Frankfurt a. M., 14. Mai. Die Internationale
Ausſtellung für Sport und Spiel wurde heute mittag
12 Uhr durch einen Feſtakt in der Feſthalle eröffnet, zu
dem außer dem Präſidium der Ausſtellung und den Mit=
gliedern
ſämtlicher Arbeitsausſchüſſe zahlreiche geladene

den Feſtzügen teilzunehmen, die jetzt nicht ſtattfinden
werden, und 1200 Ausſchüſſe in allen Teilen des Welt=
reichs
müſſen aufgelöſt werden. 20000 Stücke mittel=
alterlicher
Rüſtung waren angefertigt worden und
die Vorkehrung zum Empfang von 300000 Kindern
war vollendet. Nach der amtlichen Eröffnung wurden
täglich 250000 Beſucher erwartet. Wie es heißt, war
das Unternehmen gegen den Tod des Königs bei Lloyd
für 20000 Lſtr. verſichert, durch welche Summe die
Verluſte aber bei weitem nicht gedeckt ſein werden.
Der Vorverkauf der Billette hat bereits 3000 Lſtr. ein=
gebracht
. Das königliche Flotten= und Heeresturnier
iſt ebenfalls hinausgeſchoben worden, vermutlich bis
auf nächſtes Jahr, wenn dies auch noch nicht ganz be=
ſtimmt
feſtſteht. Das Turnier ſollte in der Olympia=
Halle am Montag beginnen und über 500 Soldaten
und Seeleute ſollten daran teilnehmen. Die General=
proben
hatten ſoeben begonnen, als der Beſcheid des
Kriegsminiſteriums, der den Beginn bis auf unbe=
ſtimmte
Zeit hinausſchob, eintraf.
* Ein dem Untergang geweihtes Dorf.
Ein dem ſicheren Untergange geweihtes Dorf iſt das
von der preußiſchen Militärvarwaltung mit einem
großen Koſtenaufwand als Zielobjekt angekaufte hüb=
ſche
Dörfchen Zehrensdorf bei Zoſſen (in der Näh=
Berlins), das dazu beſtimmt iſt, in kurzem bei den
diesjährigen Schießübungen von der Artillerie in
Grund und Boden geſchoſſen zu werden. Wo noch vor
kurzem märkiſche Bauern ihrer Tätigkeit nachzogen,
wo fröhliche Kinder ſpielten, da werden nun bald die
Schrapnells und Granaten ihre verderbenbringende,
vernichtende Tätigkeit ausüben. Mancher wird ſich
fragen, ob dieſe teure Zerſtörungsarbeit unbedingt
notwendig iſt. Aus militärtechniſchen Gründen iſt die
Zuſammenſchießung eines Dorfes gewiß zu rechtfer=
tigen
, das übrige aber iſt Empfindungsſache.

Ehrengäſte, insbeſondere die Vertreter der ſtaatlichen, der
ſtädtiſchen und Militärbehörden erſchienen waren. Die
Mitte der großen Halle nimmt ein Brunnenpavillon ein,
der von der Büſte des Kronprinzen, des Protektors der
Ausſtellung, gekrönt iſt. Die Feier ſelbſt vollzog ſich in
der Kaiſerloge. Die hier untergebrachte Ausſtellung für
Ehrenpreiſe und Jagdtrophäen in ihrer künſtleriſch ge=
ſchmackvollen
, von Profeſſor Körner und der Firma Schnei=
der
und Hanau durchgeführten Gruppierung, bot für die
Feier einen ſtimmungsvollen Hintergrund. Nach einem
Muſikvortrag hielt der erſte Vorſitzende des Ausſtellungs=
präſidiums
, Generalmajor Frhr. v. Biſſing, die Feſt=
rede
.
General Freiherr v. Biſſing führte bei der Er=
öffnung
der Ausſtellung etwa folgendes aus: Nach
heißem Ringen und Kämpfen, nach mühevoller Arbeit,
die die Mutter aller Erfolge iſt, ſteht unſer Werk, die
Internationale Ausſtellung für Sport und Spiel,
nahezu vollendet da, harrend des Augenblickes, wo der
Herr Regierungspräſident im Höchſten Auftrage die
Weihe der Eröffnung vollziehen wird. Unſere erſte
und vornehmſte Pflicht iſt es heute, Sr. Kaiſerlichen
und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen des Deut=
ſchen
Reiches und von Preußen unſeren untertänigſten
Dank zu Füßen zu legen dafür, daß er die Gnade hatte,
das Protektorat über die Ausſtellung zu übernehmen.
In dieſer ſchönen Feſthalle mit ihrem weiten ſie um=
gebenden
Gelände hatten wir die Grundlage und den
Boden, wo unſere Beſtrebungen zu reifen vermochten.
Und die lockende Zauberkraft Frankfurts wirkte auch
diesmal Wunder des Erfolges. Sie werden bald mit
eigenen Augen ſehen, was die zielbewußten, ſport=
freundlichen
Bürger Frankfurts geleiſtet haben. Sie=
werden
die Errungenſchaften der Induſtrie auf dieſem
Sondergebiete beſtaunen müſſen. Sie werden ſich er=
freuen
an den Einrichtungen, die durch Spiel und
Sport Körper ſtählend und Gemüt erfriſchend wirken
ſollen. Sie werden in unſerer Arena eine Wieder=
geburt
helleniſchen Geiſtes ahnen, und mit Befriedig=
ung
werden Sie Kunſt und Wiſſenſchaft, ſoweit ſie das
Gebiet unſeres Ausſtellungszweckes berühren, in vielen
Verzweigungen und Schauſtellungen hier vertreten
finden. Wenn wir uns ſo mit beſcheidenem Stolze
unſeres Werkes freuen, müſſen wir aufrichtigen Her=
zens
tiefen Dank allen denen zollen, die den Erfolg=
mitgeſchaffen
haben, deren Gunſt, deren unſchätzbare
Arbeit, deren materielle Unterſtützung den Sieg unſrer
Beſtrebungen verbürgten. Nur mit vereinten Kräf=
ten
ließ ſich dieſes Werk ſchaffen.
Möge, nachdem die Arbeit geleiſtet iſt, der Segen,
der von oben kommt, nicht fehlen! Wir haben das
Unſerige getan, mögen ein gnädiger Wettergott und
ein gütiges Geſchick das Ihrige tun. Verehrte Feſt=
genoſſen
! Wenn in Rom zu Zeiten des glorreichen
Imperators Auguſtus die kriegs= und ſturmbewährten
Helden zu Kampf= und Waffenſpiel die Arena betraten,
wo ihnen Lorbeer oder Untergang, Sieg oder Tod
winkte, da ſtürzten ſie ſich ſo erzählt der Geſchichts=
ſchreiber
in den lauernden oder wogenden Kampf
mit dem einigenden, belebenden und begeiſternden Ruf:
Es lebe der Kaiſer! So wollen auch wir, bevor wir
den erſten Schritt in die Arena ſetzen, in der auch wir
Lorbeer und Sieg erringen wollen, als Symbol unſerer
Beſtrebungen, als Zeichen unſerer Treue, die übers
Grab hinausreicht, als erſte Handlung in unſerer Aus=
ſtellung
den auch uns alle einigenden, belebenden und
begeiſternden Ruf erſchallen laſſen: Seine Majeſtät,
unſer Allergnädigſter Kaiſer und Herr, Hurra!
Die Muſik ſpielte die Nationalhymne. Hierauf vollzog
im Auftrage des Kronprinzen Regierungspräſident Dr.
v. Meiſter=Wiesbaden die Eröffnung der Ausſtellung,
worauf ein Rundgang durch dieſelbe folgte. Um 1 Uhr
fand ſodann im großen Bierreſtaurant der Ausſtellung eine
Frühſtückstafel ſtatt, an der gleichfalls das Ehrenpräſidium,
die Ehrengäſte und die Vertreter der Behörden teilnahmen.
Heute nachmittag um 3 Uhr eröffnete die Ausſtellung ihre
Hallen dem Publikum.

Wenn ſeither eine Radrennbahn gebaut wurde, hat
man ſelten danach gefragt, ob deren Aeußeres Anſpruch
auf künſtleriſche Wirkung machen könne. Die Internatio=
nale
Ausſtellung für Sport und Spiel, die allenthalben ſo=
wohl
bei den Arrangemnts in der Feſthalle ſelbſt wie der
Gliederung des Platzes großen Wert auf die Wahrung
künſtleriſcher Momente legte, hat auch dafür geſorgt, daß
die Radrennbahn in ihrem Aeußeren eine künſtleriſche
Note erhielt. Herr Architekt Paravicini aus Frank=
furt
hat ſich der Aufgabe, die in der kürzeſten Zeit mit
Geſchick gelöſt werden mußte, unterzogen. Die große öſt=
liche
Rundung der Kurventribüne erſcheint jetzt gewiſſer=
maßen
als eine gewaltige Faſſade, die aber nicht wie eine
Kuliſſe wirkt, ſondern aus dem Grundriß der ganzen An=
lage
heraus geboren erſcheint. Die Endpunkte dieſes gro=
ßen
Halbkreiſes werden durch zwei hohe Pylonen markiert,
die Bekleidung von grünem Tannenreis, von dem ſich bunte
Bänder abheben, erhöht die feſtlich künſtleriſche Wirkung.
An die ſüdliche Wand der Arena reiht ſich die Stehbier=
halle
an, dazu gehören noch die Garderoben für Tennis=
ſpieler
und für das Beſucherpublikum. Auch ſind dort
noch einige Plätze für Photographen uſw. eingeſchoben
Kleinere Pylonen unterbrechen die Monotonie dieſer lan=
gen
Platzwand. Unter dem Hauptgeſims der großen Run=
dung
zieht ſich ein gemalter Fries hin. Nach unten er=
folgt
der Abſchluß durch einen vier Meter hohen Sockel.
der ſpalierartig mit grünen Latten ausgebildet iſt. Durch
die Oeffnung der Treppenaufgänge und Liſenen, die über
das Hauptgeſims vorſtehen, erſcheint die öſtliche Rundung
vorteilhaft gegliedert.
Eine Sehenswürdigkeit, die bei der internationalen
Ausſtellung für Sport und Spiel in der Feſthalle beſon=
deres
Intereſſe des Publikums finden, iſt die Gruppe
Sport und Spiel der Eingeborenen Gewiß
ſind viele exotiſche Gegenſtände, die dort den Zuſchauern
vor Augen geführt werden, nichts anderes als Mittel, mit
denen der Eingeborene ſich ſeine Nahrung verſchafft. An=
dererſeits
iſt die Technik der Waffen, der Fiſchereigeräte
und anderer Dinge bei den Eingeborenen ſo entwickelt, daß
der Europäer auf den Gedanken kommt, daß ein vielleicht
noch nicht zum Bewußtſein gekommenes ſportliches Inter=
eſſe
hierbei mitgewirkt hat. Die Gruppe bringt einen ver=
gleichenden
Ueberblick der Muſikinſtrumente, wie ſie in
Japan, der Südſee und Afrika beliebt ſind; ſowohl Streich=
wie
Schlaginſtrumente. Man ſieht Spiele, an denen ſich
die Kinder der Eingeborenen freuen, wie Puppen und
Kreiſel und Schwirrhölzer. Aber auch das Spiel, wie es
der erwachſene Eingeborene in ſeinen Mußeſtunden be=
treibt
: Karten, Würfel und Dambrett. Eine künſtleriſch
wirkende Aufmachung zeigt die charakteriſtiſchen Waffen
und Jagdgeräte der Eingeborenen. Einen hohen Wert
repräſentiert die vergleichende Ueberſicht von Sattel= und
Zaumzeugen der verſchiedenen Völker. Man ſieht ſowohl
den primitiven Negerſattel, wie die ſubtile und wertvolle
Arbeit, die den Prunkſattel des reichen Mexikaners eigen

[ ][  ][ ]

Nummer 112.

e eher nien dang ein eihndene Anetnenet
vorgeführt. Man ſieht hoch zu Roß Neger aus dem Hin=
terlande
von Kamerun und einen Mexikaner gleichfalls zu
Pferd in Originalaufmachung. Von inſtruktiver Bedeu=
tung
ſind die beiden Gruppen, die von der bekannten Firma
Umlauf=Hamburg eigens für die internationale Ausſtel=
lung
für Sport und Spiel angefertigt wurde; malayiſche
Ringkämpfer in charakteriſtiſcher Kampfſtellung und zwei
Hahnenkämpfer, ebenfalls Malayen, in einer Lebenswahr=
heit
, die die Kunſt des Modelleurs in beſtem Licht erſchei=
nen
läßt. Ein Vertreter dieſer Firma, ein Neffe des welt=
bekannten
Hagenbeck in Hamburg, hat die Aufſtellung dieſer
Figuren, die bis jetzt in keinem deutſchen Muſeum zu ſehen
ſind, ſelbſt übernommen. Von lebensgroßen Figuren fin=
den
wir ferner einen Maskentänzer aus dem Bismarck=
Archipel und einen ſogenannten Buſchteufel aus Libera.
Geſchloſſen wird die Völkerrevue durch einen Lappländer
auf Schneeſchuhen und einen Grönländer in Kajak, durch
den Sport am Nordpol vorgeführt wird. Man darf er=
warten
, daß vor der Gruppe Sport und Spiel der Ein=
geborenen
jeder etwas findet, der Laie, der Sportsmann
und der Ethnograph.
* Frankfurt a. M., 14. Mai. Bei dem Eröff=
nungstraining
auf der Frankfurter Rad=
rennbahn
am Samstag nachmittag wurden von den
einzelnen Rennfahrern glänzende Zeiten erreicht; ſo
wurden in den letzten Runden die 500 Meter von Adolf
Schulze in 21,4 Sekunden, von Przyrembel in 20,4 Se=
kunden
, von Muybrecht in 20,2 Sekunden, von Stell=
brink
in 21,2 Sekunden, von Ryſet in 21,3 Sekunden ge=
fahren
. Guignard und Galvin werden heute abend um
7 Uhr fahren. Nach den Zeiten, die heute erreicht wur=
den
, iſt anzunehmen, daß der Weltrekord, den Gnig=
nard
in Dresden im Oktober 1900 erreicht hat, morgen
übertroffen werden wird. In dem Steher=Rennen über
50 Kilometer, das am erſten Feiertag gefahren wird,
gilt Huybrecht als Favorit.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910.

Geſangswettſtreit.
St. Während der Pfingſttage fand in Darmſtadt auf
Einladung des Geſangvereins Harmonie‟ Darmſtadt ein
großer nationaler Geſangswettſtreit, ver=
bunden
mit 30jährigem Jubelfeſt des feſtgebenden
Vereins ſtatt. Das Sängerfeſt hatte zahlreiche Sänger aus
der näheren und weiteren Umgebung in Darmſtadts gaſt=
lichen
Mauern vereinigt und bei herrlichſtem Wetter nahm
das Feſt einen ſchönen und harmoniſchen Verlauf. 28 Ver=
eine
konnten in dem großen Feſtzuge gezählt werden.
Nach vorangegangenem Kommers am Samstag
abend, der unter dem Vorſitz des Herrn Stalf im
Rummelbräu ſtattfand, ſehr zahlreich beſucht war und
animiert verlief, begann am Sonntag, 15. Mai (1. Feier=
tag
), vormittags 10 Uhr das Preisſingen der Stadt=
klaſſen
im Mathildenhöhſaale und der Landklaſſen im
Rummelbräu. Nachmittags 3½ Uhr folgte das Ehren=
ſingen
und hierauf höchſtes Ehrenſigen in beiden Sälen.
Zu dem Preisſingen hatte ſich zahlreiches Publikum, darun=
ter
auch viele Ehrengäſte und Preisſtifter, eingefunden. Die
Darbietungen der einzelnen Vereine wurden lebhaft
applaudiert. Das Preisſingen hatte folgendes Ergebnis:
Erſte Stadtklaſſe: I. Preis (400 Mark) Teu=
tonia
=Sprendlingen mit 228 Punkten; II. Preis (200 Mk.)
Liederkranz=Langen mit 225 Punkten, III. Preis (100
Mark) Sängerbund=Mannheim=Käferthal mit 215 Punk=
ten
. Ehrenpreis Teutonia=Sprendlingen mit 107
Punkten.
Zweite Stadtklaſſe: I. Preis Sancouſſi=
Rheydt mit 232 Punkten, II. Preis Brodtſcher Männer=
chor
=Hanau mit 223 Punkten, III. Preis Männerquartett=
Neu=Iſenburg mit 215 Punkten, IV. Preis Hoffnung=
Mainz mit 188 Punkten. V. Preis Liederkranz= Frank=
furt
=Bornheim mit 171 Punkten. Ehrenpreiſe die
beiden erſtgenannten Vereine.
Erſte Landklaſſe: I. Preis Germania= Hau=
ſen
mit 216 Punkten, II. Preis Frohſinn=Obertshauſen
mit 213 Punkten, III. Preis Eintracht=Sprendlingen mit
209 Punkten. Ehrenpreis Germania=Hauſen
Zweite Landklaſſe: I. Preis Cäcilia‟= Gonſen=
heim
mit 229 Punkten, II. Preis Germania‟=Dudenhofen
mit 212 Punkten. III. Preis Einigkeit=Mainflingen mit
197 Punkten, IV. Preis Männergeſangverein= Heppen=
heim
mit 179 Punkten. Ehrenpreis Cäcilia‟= Gon=
ſenheim
.
Dritte Landklaſſe: I. Preis Konkordia‟= Roß=
dorf
mit 213 Punkten, II. Preis Sängerluſt=Weiterſtadt
mit 211 Punkten, III. Preis Sängerluſt=Bretzenheim mit
205 Punkten, IV. Preis Polyhymnia‟=Nieder=Roden mit
191 Punkten, V. Preis Männergeſangverein= Kinden=
heim
mit 184 Punkten, VI. Preis Sängerluſt= Jugen=
heim
. Ehrenpreis Konkordia=Roßdorf.
Nichtpreisgekrönte Klaſſe: I. Preis Dop=
pelquartett
=Friedberg mit 222 Punkten, II. Preis Froh=
ſinn‟
=Braunshardt mit 163 Punkten.
Höchſtes Ehrenſingen für Stadtklaſſen (Preis
Sr. Kgl. Hoheit des Großherzoas): Liederkranz=
Langen mit 114 Punkten. Für Landklaſſen (Preis Ihrer
Maj. der Kaiſerin von Rußland) Cäcilia‟= Gon=
ſenheim
mit 113 Punkten. Den Preis für die höchſt er=
reichte
Punktzahl, geſtiftet vom Preußiſchen Geſandten
Erz. v. Jeniſch, erhielt Sancouſſi=Rheydt mit 430
Punkten. Dieſer Verein gab ſeinem Dank für den Preis=
Pfingſttag früh zum Ausdruck. Erz. von Jeniſch bot den
Sängern darauf in ſeinem Palais eine Erfriſchung. Bei
der Preisverteilung wurde dem Preisrichterkollegium wie=
derholt
Dank und Anerkennung für ſeine mühevolle Arbeit der: Fritz Weizenmüller=Eberſtadt 1 dritten Preis.
und gerechte Beurteilung ausgeſprochen.
Am Montag (2. Feiertaa), nachmittags 3 Uhr. fand
großer Feſtzug nach dem Rummelbräu und um 5 Uhr
daſelbſt die Preisverteilung ſtatt mit nachfolgendem gro=chen: Friedrich Schupp=Griesheim 1 erſten Preis.
ßem Feſtkonzert. ausgeführt von der Kapelle des Großh.
Heſ. Artillrie=Regiments Nr. 61 unter verfönl. Leitung
des Muſikmeiſters M. Weber. Heute Dienstag (3. Feier=
Kinderbeluſtigungen. Bei eintretender Dunkelheit großes
Brillantfeuerwerk.
Luftſchiffahrt.
Hd. Berlin, 14. Mai. Auf dem Flugplatz
Johannistal ſchlug geſtern Jeannin mit einem
Fluge von 2 Stunden 38 Minuten den deutſchen Dauer=
flug
=Rekord.
* Frankfurt, 13. Mai. Heute morgen 9½ Uhr
ſtieg der Ballon Frankfurt des Frankfurter
Vereins für Luftſchiffahrt mit den Herren Dr. Linke
und Merzbach von Griesheim aus zu einer wiſſenſchaft=
lichen
Hochfahrt auf. Aus Arnheim in Holland iſt hier
die Nachricht eingetroffen, daß der Ballon gegen 2 Uhr
nachmittags dort wegen Nähe der See landete. Die
höchſte Höhe, die erreicht wurde, war 8000 Meter, die

Fearere ne erententernte
neten, minus 42 Grad Celſius.
* Johannisthal, 14. Mai. Beim Fliegen um
den Frühpreis legte heute Baron de Caters die
vorgeſchriebenen drei Runden in 8 Minuten 25½ Set.
und v. Gorriſſen in 9 Minuten 3½ Sekunden zu=
rück
. Kapitäu Engelhard erzielte für den Paſſa=
Verpreis 17 Minnten. Für den Dauerflug ſtarteten
Jeannin, der 1 Stunde 23 Minuten flog; Frey,
der 35 Minuten in der Luft blieb; Beide mußten aber
wegen eines Gewitters landen. Im Verlaufe der
Flugvorführungen ereigneten ſich mehrere Unfälle, wo=
bei
die Wright=Flugzeuge Engelhards und Thelens,
der Farman=Apparat Jeannins und der Blériot= Appa=
rat
Thorups ſchwer beſchädigt wurden. Engelhard
und Jenannin wurden leicht verletzt, während Thelen
und Thorup ohne Verletzungen davonkamen.
* Peſt, 14. Mai. An dem internationalen
Flugmeeting nehmen vorausſichtlich 30 der her=
vorragendſten
Aviatiker Europas teil. Bisher ſind an=
gemeldet
11 Franzoſen: Paulhan, Farman,
Rougier, Latham, Baronin de la Roche, Jullerot, Bal=
ſan
, Amerigo, Taurina, Chavez und Duray; zwei
Deutſche: Behrend und Steinbeck; ein Ruſſe:
Effimoff; ein Pole: Warſchalowski; der Oeſter=
reicher
Etrich Ellner; die Italiener: Angerone
und Germano und vier Ungarn: Emerich Name=
thy
, Franz Szatke, Nikol. Kovacſy und Geza Antalffy.
Die internationale Jury wird ſich in der nächſten
Woche konſtituieren; ſie wird aus ſechs ungariſchen und
je einem Vertreter der beteiligten Nationen beſtehen.
Profeſſor Busley und Deutſch de la Meurthe haben die
Mitgliedſchaft für die Jury angenommen. Der Oeſter=
reichiſche
Aviatikerklub wird in der nächſten Woche ein
Jurymitglied nominieren. Das größte Intereſſe zeigt
ſich für den mit 200 000 Kronen dotierten Reiſeflug
ferner für den mit 45000 Kronen dotierten Zeitflug,
ſowie für den mit 45 000 Kronen dotierten Entſern=
ungspreis
. Sämtliche Preiſe im Geſamtbetrage von
515000 Kronen ſind für internationale Flüge beſtimmt.
Die Königlich ungariſchen Staatsbahnen geben anläß=
lich
des Meetings kombinierte Eiſenbahn= und Ein=
trittskarten
zu ermäßigtem Preis aus.
* München, 16. Mai. Der Flieger Henry
Weiß aus Paris, welcher hier eine Reihe erfolgreicher
Flüge gemacht hat, unternahm geſtern mit einem
fremden Apparat einen Probeflug. Er ſtürzte aus einer
Höhe von 30 Metern ab. Der Apparat wurde zerſtört.
Weiß blieb unverletzt. Später verſuchte er mit ſeinem
eigenen Apparat zu fliegen, rannte aber gegen eine
Barriere, wobei der Apparat beſchädigt wurde.
Hd. Paris, 14. Mai. Die Flugwoche in Lyon
brachte geſtern nachmittag einen ſehr ernſten Unfall.
Der Aviatiker Michelin, der bisher an den Konkur=
renzen
der Woche nicht teilgenommen hatte, verſuchte
gegen abend den erſten Aufſtieg. Nach kurzem, ſehr
niedrigem Fluge berührte einer der Flügel ſeines
Apparates den Boden. Der Apparat kam hierbei aus
ſeiner Richtung und prallte mit furchtbarer Gewalt
gegen einen Wendepfoſten, der unfiel, wobei er dem
Piloten den Schädel zertrümmerte. Der Aviatiker Königin=Witwe entſprechend iſt die Verſiegelung
Paulhan eilte als erſter zur Stelle und brachte den
Verunglückten in ſeinem Automobil ſofort ins Spital. bahrung im Thronſaal, wozu von morgen ab.
Michelin iſt kurz darauf ſeinen Verletzungen erlegen, bevorzugte Perſönlichkeiten Zutritt erhalten ſollten,
ohne das Bewußtſein wiedererlangt zu haben.
deutſchen Aviatikers Wineziémes, der wegen Ver=ragten Baldachin iſt ein Altar errichtet. Derſelbe iſt
ſagens des Motors dicht vor den Tribünen wenden mit einem weißen, mit Gold beſetzten Tuche bedeckt, von
und wurde beſchädigt. Auch die Flugapparate des Ruf= verſchwenderiſch umgeben. Vor dem Altar ſteht der mit
ſen Popow und der Baronin Laroche wurden beſchä=
digt
. Perſonen ſind nicht zu Schaden gekommen.
* Petersburg, 14. Mai. Im weiteren Ver= dem vom Altar am weiteſten entfernten Ende des Kata=
laufe
der heutigen Flugvorführungen wurde der Blé= falts befinden ſich zwei Gebetſtühle. Sobald der Sarg
riotapparat des Franzoſen Morand durch einen Wind= auf den Katafalk geſtellt iſt, wird er mit einem Bahrtuch
ſtoß zur Erde getrieben und beſchädigt; er fügte zwei bedeckt. Die Krone, das Zepter und die anderen könig=
Preisrichtern leichte Verletzungen zu.
Sport.
vinzialverbandes heſſiſcher Kaninchenzüchter für Star= Königs vom Buckinghampalaſt nach der Weſtminſter=
ſtadt
, erhielten Preiſe: Auf Belger Rieſen: Georg an der Prozeſſion von Weſtminſterhall nach der Stativn
Schäfer=Darmſtadt 1 Verbands=Ehrenpreis, 1 zweiten Caddington. Der Bau von Tribünen auf dem Bege
und 1 dritten Preis, Ludwig Schneider=Eberſtadt der Prozeſſion vom Schloſſe nach der Weſtminſterhalle
2 dritte Preiſe, Ludwig Jährling=Eberſtadt 1 erſten
Preis, Peter Dauer=Darmſtadt 1 dritten, Karl Hen=
kelmann
=Darmſtadt 1 dritten, Peter Diefenbach= Gries=
heim
1 dritten, Auguſt Kuhl=Darmſtadt 1 dritten,
Friedrich Heck=Eberſtadt 1 dritten, Heinrich Hartmann= zunehmen, ſo wird der Hydepark in ein ungeheures
Darmſtadt 1 dritten, Ludwig Eckhardt II.=Eberſtadt 1
zweiten, Ludwig Büſcher=Nieder=Ramſtadt 1 Ehren=
preis
. Auf Deutſche Rieſenſchecken: Heinrich
Bax=Eberſtadt 1 dritten. Franz Widder, Friedrich nach dem Thronſaale verbracht worden.
Schupp IX.=Griesheim Verbands=Ehrenpreis, Philipp
Schupp Xl.=Griesheim 1 erſten und 1 dritten, Karl gegebenen Zeremoniell für die morgen ſtattfindende
Lange=Griesheim 1 dritten, Jakob Kranz=Darmſtadt Ueberführung der Leiche des Königs nach
1 Ehrenpreis, Tobias Seip=Darmſtadt 1 dritten Preis, der Weſtminſterhalle wird der Sarg von einem
Engliſche Widder: Heinrich Emig=Nieder=Ram= Offizier und zwölf Mann der Leibkompagnie der Garde=
ſtadt
1 dritten Preis. Blaue Wiener: Auguſt grenadiere aus dem Buckinghampalaſt getragen und auf
Kuhl=Darmſtadt 1 erſten Preis. Angora: Valtin eine Lafette geſtellt. An der Spitze des Zuges werden
Schmidt=Darmſtadt 1 Ehren= und 1 zweiten Preis, die Mitglieder des Hauptquartiers, die Feldmarſchälle
Silber: J. Heil, Sergeant (Uebungsplatz), 1 erſten ſowie Abteilungen der Gardegrenadiere und andener

Seite 5.

ſtifter durch Darbietung eines Ständchens am zweiten und 1 dritten, Jakob Jäger VIII.=Pfungſtadt 1 Ehren=, Truppen, zu beiden Seiten der Lafette königliche Leib=
1 zweiten und 1 dritten, Karl Henkelmann=Darmſtadt
1 dritten, Friedrich Schupp IX.=Griesheim 1 zweiten,
Peter Dauer=Darmſtadt 1 dritten Preis. Hollän=
Schlachtzucht: Karl Sitzler=Darmſtadt 1 dritten,
Georg Schäfer=Darmſtadt 1 dritten, Heinrich Schnei=
der
=Darmſtadt 1 dritten Preis. Schlachtkanin=
Havanna: Balin Schmidt=Darmſtadt 1 zweiten
Preis. Prodnkte aus Kaninchenfellen:
Karl Henkelmann=Darmſtadt 1 Ehrenpreis, Georg
tag), nachmittags 3 Uhr, folgt großes Volksfeſt mit Schäfer=Darmſtadt 1 zweiten, Georg Rudler=Eberſtadt
1 dritten Preis.
-kk. Die Deutſche Fußballmeiſterſchaft ge=
wann
am 1. Pfingſtfeiertag in Köln der Karlsruher
Fußball=Verein mit 1:0 Toren gegen F.=K. Hollſtein=
Kiel. Die Entſcheidung fiel durch einen Elfmeterball.
Spielzeit 2 Stunden.
* Frankfurt, 15. Mai. In der Arena be=
gannen
die großen dreitägigen Radrennen. Die
Rennen nahmen einen glänzenden Verlauf. Eröff=
nungsprämienfahren
, 5000 Meter: 1. Schür=
mann
=Münſter i. Weſtf., 6 Min. 50½ Sek.: 2. Schipke=
Berlin, 3. Vierck=Berlin. Drei Rundprämien erhielt
Lorenz=Berlin; fünf Rundprämien Niederau=Aachen.
Eröffnungsfahren für Amateure. 1.
Neumer=Dresden, 1 Min. 32½ Sek.; 2. Moeſer=Speyer,
3. Ehrtens=Aachen, 4. Herzog=Leipzig. Zweiſitzer=
Hauptfahren: 1. Schwab=Berlin und Schürmann=

Miner . Zeſlt . Mämner=Brinr enenn.
Berlin; 9. Ehriſtauſen = Kopenhagen und Utenthal=
Kopenhagen.
Großer Taunuspreis, Dauer=Rennen
mit Motorführung über 50 Kilometer. 1. Przyrembel=
Berlin 37 Minuten 54½ Sekunden; 2. Schulze= Zeh=
lendorf
, 3. Frank Galvin=New=York, 4. Francois Huy=
brechts
=Antwerpen, in der 75. Runde infolge Motor=
defekts
aufgegeben, nachdem Przyrembel dreimal,
Schulze und Galvin ſechsmal überrundet waren.
* Wien, 13. Mal. Die Teilnehmer an der Ueb=
ungsfahrt
der deutſchen und öſterreichiſchen
Freiwilligen Automobilkorps trafen heute
mittag in glatter Fahrt hier ein. Am Ziel wurden ſie
von den Erzherzögen Leopold Salvator, Franz Sal=
vator
und Karl Stephan, dem Herzog von Ratibor und
anderen hervoragenden Perſönlichkeiten begrüßt. Die
Fahrt ging bekanntlich von Dresden über Karlsbad,
Eger, Bayreuth und Linz nach Wien.

Zur Reiſe Rooſevelts.
* Berlin, 12. Mai. Der franzöſiſche Bot=
ſchafter
gab abends zu Ehren Rooſevelts ein
Diner, wozu außer der Familie Rooſevelt der amerika=
niſche
Botſchafter und ſämtliche Sekretäre beider Bot=
ſchaften
geladen waren. Nachher empfing Rooſevelt die
Mitglieder der amerikaniſchen Kolonie in der amerika=
niſchen
Botſchaft.
* Berlin, 14. Mai. Rooſevelt begrüßte heute
abend nach dem Diner in der amerikaniſchen Botſchaft
den Reichskanzler, das diplomatiſche Korps, mehrere
Miniſter und Staatsſekretäre und einige von den höhe=
ren
Beamten.
* London, 16. Mai. Rooſevelt mit Familie
und Lord Dundonald, der im Auftrage des =
nigs
dem früheren Präſidenten nach Oueenborough
entgegengefahren iſt, ſind hier eingetroffen. Zur Be=
grüßung
auf dem Bahnhof hatten ſich eingefunden: der
amerikaniſche Botſchafter mit den Mitgliedern der
amerikaniſchen Botſchaft, der amerikaniſche General=
konſul
und zahlreiche Mitglieder der amerikaniſchen
Kolonie.
* London, 16. Mai. Rooſevelt wurde heute
vormittag vom König empfangen. Er verbließ
faſt eine Stunde im Marlboroughhaus, beſichtigte den
Buckinghampalaſt mit dem Botſchafter Whitelaw Reid
und ging durch das Zimmer, in welchem der Sarg mit
der Leiche des Königs ausgeſtellt war. Etwa 350 Mit=
glieder
der engliſchen prinzlichen Häuſer und des diplo=
matiſchen
Korps waren der Einladung zur Beſichtig=
ung
des Sarges gefolgt.
Bliſſingen, 15. Mai. Expräſident Rooſe=
velt
iſt heute abend hier eingetroffen und mit dem
Nachtdampfer der Geſellſchaft Zeeland, auf dem die
königliche Kabine für ihn reſerviert war, nach Queen=
borough
abgereiſt.

Der Thronwechſel in England.
* London, 13. Mai. Dem Wunſche der
des Sarges, die abends ſtattfinden ſollte, wie die Auf=
verſchoben
worden. Für die Aufbahrung im Thron=
* Petersburg, 14. Mai. Bei den heutigen ſaal iſt der Thron von ſeinem Platze entfernt worden.
Flugvorführungen ſtürzte das Fahrzeug des Unter ſeinem karmoiſinroten, von der Krone über=
mußte
, um das Publikum nicht zu gefährden, zur Erde Kandelabern, ſowie mit einer Maſſe von weißen Blumen
Purpur bedeckte Katafalk. An ſeinen vier Ecken ſtehen
rieſige, mit großen Lichtern beſteckte Kandelaber. An
lichen Embleme werden auf dem Sarge ruhen. Garde=
grenadiere
werden um den Katafalk Wache halten.
* London, 13. Mai. Die Königin Alexan=
dra
und die Kaiſerin=Witwe von Rußland
* Bei der Kaninchenausſtellung des Pro= werden an der Trauerprozeſſion, welche den Sarg des
kenburg, veranſtaltet vom Kaninchenzuchtklub Darm= halle geleiten wird, im Wagen teilnehmen und ebenſo
hat heute bereits begonnen. Da die Kaſernen von
London nicht ausreichen, um die zu den Trauerfeieir=
lichkeiten
nach der Hauptſtadt beorderten Truppen auf=
Militärlager verwandelt werden.
* London, 14. Mai. Die Leiche des Königs
iſt heute abend aus dem Sterbezimmer zur Aufbahrung
London, 16. Mai. Nach dem geſtern bekannt
gardiſten gehen. Hinter dem Sarg wird zunächſt König
Georg gehen. Ihm werden die männlichen Mitglie=
der
der königlichen Familie und die anderen hier an=
weſenden
Fürſtlichkeiten und Mitglieder des könig=
lichen
Haushalts folgen. Schließlich werden die Wagen
mit den weiblichen Mitgliedern der königlichen Familie
folgen. In der Weſtminſterhalle wird der Sarg auf
den Katafalk geſtellt.
* London, 16. Mai. Der König und die =
nigin
, ſowie die Königin=Witwe, die Mitglie=
der
des königlichen Hauſes, die Kaiſerin=Mutter
von Rußland, der König und die Königin von
Dänemark und die anderen anweſenden Fürſtlichkeiten
wohnten geſtern einem Trauergottesdienſt im
Thronſaale des Buckinghampalaſt bei.
* London, 16. Mai. Die Times ſchreiben: Von
allen fremden Leidtragenden, die dem Leichenbegängnis
des verſtorbenen Königs beiwohnen, gebührt Kaiſer
Wilhelm der erſte Platz, der auch in Zeiten, in
denen die Beziehungen zwiſchen Großbritannien und
Deutſchland am geſpannteſten waren, niemals ſeine Po=
pularität
bei uns verloren hat. Er gleicht darin unſerem
letzten König, daß er ſtets die Intereſſen ſeines Landes
und ſeine Pflichten gegenüber dem Volke allen perſönlichen
Rückſichten voranſetzte. Die Achtung und Bewunderung,
die die Deutſchen neidlos dem Onkel zollen, werden in
gleicher Weiſe dem Neffen durch die Engländer bewieſen.
Den Kaiſer begleitet ſein Bruder Prinz Heinrich, der
Seemann, deſſen Liebe zu dem Beruf, der in den=Herzen

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910.

Nummer 112.

der Engländer einen ſo hervorragenden Platz einnimmt,
den unſer eigener König hat, gllein ſchon ihm große Hoch=
achtung
in England ſichern würde.
* Portsmouth, 16. Mai. Wie amtlich verlautet,
wird die Marine in hervorragender Weiſe bei der Be=
erdigung
des Königs beteiligt ſein. Vorausſichtlich wer=
den
1000 Mann von den einzelnen Häfen an der Lei=
chenfeier
in London teilnehmen, während ſich ein gro=
ßes
Kontingent von der Marine=Artillerieſchule mit
neun höheren Offizieren nach Windſor begibt. Hundert
Matroſen bilden die Marine=Ehrenwache und nehmen
den Sarg bei ſeiner Ankunft in Windſor in Empfang,
andere hundert fahren den Sarg auf einer Marine=
lafette
nach der St. Georgskapelle.

* Madrid, 16. Mai. Der König iſt nach Lon=
don
abgereiſt.
* Bukareſt, 16. Mai. Prinz Ferdinand iſt
nach London abgereiſt, um den König bei den Leichen=
feierlichkeiten
in London zu vertreten.
Sofia, 16. Mai. Nach Mitteilungen amtlicher
Kreiſe iſt die Abreiſe des Königs nach London
nunmehr beſchloſſen. Sie ſoll Anfang der nächſten Woche
erfolgen.
Liſſabon, 16. Mai. König Manuel iſt
heute nach London abgereiſt.

Das Grubenunglück bei Whitehaven.
* Whitehaven, 13. Mai. Die vier Mann, die
mit dem Teukerley=Rettungsapparat in die Grube ſtie=
gen
, um einen letzten Rettungsverſuch zu
machen, kehrten in früher Morgenſtunde ohne Erfolg
zurück. Zwei von ihnen hatten ſich bemüht, den dichten
Qualm zu durchdringen, doch die furchtbare Hitze trieb
ſie zurück.
H. B. London, 14. Mai. Große Aufregung herrſcht
in Bergarbeiterkreiſen über die vorgenommene Ver=
mauerung
des Unglücksſchachtes. In einer
Bergarbeiterverſammlung wurde lebhaft gegen die Zu=
mauerung
proteſtiert. Für die Hinterbliebenen der
Opfer wurde eine Subſkription eröffnet. Der Eigentümer
der Grube, Lord Lonsdale, zeichnete als erſter 1000 Pfund.
Auf Anordnung des engliſchen Miniſters des Innern wurde
die geſtern zugemauerte Grube wieder geöffnet.
* London, 14. Mai. Der Miniſter des Innern
Churchill telegraphierte an die Vertreter der Berg=
leute
in Whitehaven die über die Vermauer=
ung
der Schächte erregt ſind, daß er dieſe Maß=
regel
mit dem Berginſpektor beſprochen habe. Dieſer
erklärte es für unmöglich, in den Schacht einzudringen,
wo, wie er verſicherte, kein Bergmann mehr am
Leben ſei. Der Miniſter ſprach den Bergleuten ſein
Beileid über das Unglück aus und drückte ſeine Aner=
kennung
für den von den Rettungsmannſchaften bewie=
ſenen
Mut aus er könne aber nicht zulaſſen, daß das
Leben der Retter gefährdet werde.
* London, 14. Mai. Auf Anordnung des Mi=
niſters
des Innern wird die geſtern zugemauerte Wel=
lington
=Grube in Whitehaven wieder ge=
öffnet
.

Erdbeben.
* Straßburg i. E., 14. Mai. Dem letzten Fern=
beben
vom Donnerstag morgen 4 Uhr folgte am
Freitag, den 13. Mai, morgens 9 Uhr, ein mittel=
ſtarkes
, ſehr deutlich ausgeprägtes Fernbeben.
Die Aufzeichnungen der Straßburger Erdbebenſtation
liefern folgende Daten des Seismogramms: 1. Vor=
läufer
9 Uhr 9 Min. 35 Sek., 2. Vorläuſer 9 Uhr 19 Min.
53 Sek., Hauptbeben 9 Uhr 36 Min., Ende gegen 11½
Uhr. Die Epizentralentfernung ergibt ſich zu 9100
Kilometer, was etwa den öſtlichen Aléuten entſpricht.
2¼ Stunden nach Beginn der Störungen machten ſich
die Wellen bemerkbar, welche die Station auf dem grö=
ßeren
Wege des Erdumfanges erreicht haben.

Vermiſchte3.
Deutſche Turnerſchaft. Die diesjäh=
rigen
Sitzungen des Hauptausſchuſſes der jetzt etwa
9500 Vereine mit über 900000 Mitgliedern umfaſſen=
den
Deutſchen Turnerſchaft werden vom 21. bis 23.
Juli in Straßburg abgehalten werden. Nach dem jetzt
erſchienenen Kaſſenbericht verfügt die Deutſche Tur=
nerſchaft
über ein Vermögen von 229867,15 Mark, ab=
geſehen
natürlich von den Kaſſenbeſtänden der einzel=
nen
Vereine, die etwa 14 Millionen betragen. Von
dieſen 229867,15 Mark befinden ſich in der Hauptkaſſe
einſchließlich des Wertes des Jahnmuſeums in Frey=
burg
a. U. 100837,76 Mark, in der Abgeordneten= und
Kampfrichterkaſſe 23 208 Mark, in der Dr. Ferdinand
Götz=Stiftung für Errichtung deutſcher Turnſtätten
95 425,44 Mk. und in der ehemaligen Deutſchen Jahn=
ſtiftung
, deren Erträge für Unterſtützung alter Turn=
lehrerwitwen
Verwendung finden, 10395,95 Mark
Aus der Dr. Ferdinand Götz=Stiftung ſind 9950 Mark
Beihilfen zum Bau von Turnhallen gewährt worden.
Die Deutſche Turnzeitung, das wöchentlich einmal
erſcheinende Amtsblatt der Deutſchen Turnerſchäft,
hatte bei einer Auflage von 10500 Exemplaren einen
Ueberſchuß von 10668,67 Mark aufzuweiſen.

Literariſches.
Dr. H. Dekker, Auf Vorpoſten im Lebens=
kampf
: Biologie der Sinnesorgane. Mit farbigem
Umſchlagbild und zahlreichen Textbildern. Herausgegeben
vom Kosmos, Geſellſchaft der Naturfreunde (Stuttgart,
Franckhſche Verlagshandlung). Broſchiert 1 Mk.; ge=
ſchmackvoll
geb. 1,80 Mk. Dr. Dekker iſt als hervor=
ragender
Fachmann bekannt, und ſeinen Ruf, die trockene
Wiſſenſchaft durch eine anregende, flüſſige Form der
Schilderung für die weiteſten Kreiſe ſchmackhaft zu
machen, beſtätigt das vorliegende Werk aufs neue.

Darmſtadt, 17. Mai.
Wl. Großherzogliches Hoftheater. Am zweiten
Pfingſtfeiertage ging unter Leitung des Herrn Hofkapell=
meiſters
de Haan vor ziemlich gut beſuchtem Hauſe
Richard Wagners Lohengrin in Szene. Die Titel=
partie
ſang Herr Alfred Golz vom Königl. Theater in
Stuttgart, der in dieſer Saiſon hier den Siegmund‟
und den Bajazzo geſungen hat. Herrn Goltz’ Stimme
iſt eine glückliche Vereinigung eines heldiſchen und lyriſchen
Tenors, der ſich deshalb für die Lohengrin=Partie ganz
beſonders eignet. Sein Vortrag zeugt von künſtleriſchem
Geſchmack und trefflicher geſanglicher Ausbildung. Da
auch Fräulein Geyersbach die Elſa=Partie ſtimmlich
hervorragend gut liegt, ſo waren die Szenen zwiſchen
beiden ſtimmlich gut und geſanglich als höchſtge=
lungen
zu bezeichnen und das Liebesduett im letzten
Akte auf einen wundervollen lyriſchen Grundton
abgeſtimmt. In den dramatiſchen Partien ließ die Stimme
des Herrn Goltz anderſeits den heldiſchen Glanz keines=

wegs vermiſſen. Herr Goltz ſingt, wie wir hören, erſt
zwei Jahre Tenorpartien und hat inzwiſchen den Kammer=
ſängertitel
erhalten. Er ſcheint eine Zukunft vor ſich zu
haben; ſchade, daß es nicht gelungen iſt, ihn für unſere
Bühne zu gewinnen. Fräulein Geyersbach ſang die
Elſa entzückend ſchön; ihr Erfolg wird ſtets um ſo größer
ſein, je mehr ſie ſich von hochdramatiſchen Partien fern
hält. Die übrigen Partien waren, wie bekannt, beſetzt.
Herr Weber als Telramund, Frau Morny als
Ortrud, Herr Stephani als König und Herr Hönel
als Heerrufer boten die gewohnten trefflichen Leiſtungen.
Logentag. Der diesjährige Groß= Logen=
ag
der deutſchen Freimaurerlogen fand während der
Pfingſtfeiertage in den Räumen der hieſigen Loge
Johannes der Evangeliſt zur Eintracht ſtatt. Zur
Teilnahme an den Beratungen waren die Vertreter
aus allen acht deutſchen Groß=Logen vollzählig hier
erſchienen.

* Mainz, 14. Mai. Die Leiche des ſeit drei Tagen
vermißten Schuhfabrikanten Jourdan wurde heute nach=
mittag
in Budenheim aus dem Rhein geländet.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 14. Mai. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Eine Zeitungskorreſpondenz meldet, es
ſei beabſichtigt, den dem Reichstage vorliegenden Zu=
wachsſteuer
=Entwurf durch eine neue Vor=
lage
zu erſetzen, die erſt im nächſten Frühjahr eingebracht
werden ſoll. Die Nachricht iſt durchaus unzutreffend. Nach=
dem
die Wiederaufnahme der Beratungen über den Geſetz=
entwurf
für den Herbſt dieſes Jahres in Ausſicht genom=
men
iſt, beſteht kein Anlaß für eine anderweitig Entſchlie=
ßung
der verbündeten Regierungen. Damit entfällt auch
die Angabe, daß für die rückwirkende Kraft des Geſetzes ein
anderer Termin beſtimmt werden ſoll.
* Berlin, 14. Mai. Amtlich. Der Eilzug Nr. 8
aus Stettin fuhr heute morgen 9 Uhr 52 Minuten,
wahrſcheinlich infolge Verſagens der Bremſe, auf den
Prellbock auf. Die Unterſuchung über den Unfall
ſchwebt. Als leicht verletzt meldeten ſich: Kaufmann
Rudolf Müller=Stettin (Kaiſer Wilhelmſtr. 97), Zim=
mermeiſter
Willi Gehm=Finkenwalde, Frau Roſa
Iſaak=Gartz a. d. Oder, Hedwig Katharina Neumann=
Stettin. Durch den zuſtändigen Bahnhofsarzt wurden
bei Herrn Müller Quetſchung des Beckens, bei Gehm
Quetſchung der Rippen und des rechten Schulterblat=
tes
, bei Frau Jſaak ein Nervenchok und bei Fräulein
Neumann außer einem Nervenchok Hautabſchürfungen
konſtatiert.
* Neues Palais, 16. Mai. Das Stiftungsfeſt
des Lehrinfanteriebataillons wurde heute
vormittag in althergebrachter Weiſe gefeiert. Das Ba=
taillon
unter Oberſt Rex nahm mit Fahne unter den
alten Bäumen an der Südſeite des Palais vor
einem Feldaltar in offenen Viereck Aufſtellung. Der
Hof erſchien um 11 Uhr. Die Kaiſerin und
die Prinzeſſinnen nahmen in Seſſeln dem Altar
gegenüber Platz. Der Kaiſer und die Prinzen
ſtanden daneben. Zugegen waren der Kronprinz, die
Prinzen Eitel Friedrich und Auguſt Wilhelm mit Ge=
mahlinnen
, die Prinzen Adalbert, Oskar und Joachim,
die Prinzeſſin Viktoria Luiſe, Prinz Friedrich Leopold
mit Gemahlin, Prinzeſſin Viktoria Margarethe, Prinz
Friedrich Sigismund und andere. Nach der Liturgie
hielt der Garniſonpfarrer, Hofprediger Schmidt, eine
Anſprache. Den Schluß machte das niederländiſche
Dankgebet. Der Kaiſer nahm hierauf den Vorbeimarſch
des Bataillons in Zügen an der Gartenſeite des
Palais ab, und darauf eine große Anzahl von Meldungen
entgegen. Inwiſchen hatte das Bataillon die Gewehre
zuſammengeſetzt und unter Zelten bei den mit miliäriſchen
Enblemen reich geſchmückten Communs an Tafeln Platz ge=
nommen
, wo die Mannſchaften geſpeiſt wurden. Die
Majeſtäten und die Fürſtlichkeiten begaben ſich gleichfalls
nach den Communs. Der Gouvergeur der Marken,
General v. Keſſel, brachte ein Hurra=äuf den Kaiſer aus,
der Kaiſer eine dreifaches Hurra auf die Armee.
* München, 14. Mai. Die Ausſtellung Mün=
chen
1910 wurde heute vormittag durch den Prinz=
regenten
eröffnet. Der Feier wohnten alle in Mün=
chen
anweſenden Prinzen und Prinzeſſinnen, die Mi=
niſter
und die Vertreter der fremden Mächte bei.
Unter den Klängen des Huldigungsmarſches und des
Kinderchores Haus Wittelsbach betrat der Regent den
Saal und wurde vom Publikum ehrfurchtsvoll begrüßt.
Oberbürgermeiſter v. Borſcht brachte ein Hoch auf den
Regenten aus, worauf ein Rundgang durch die Aus=
ſtellung
erfolgte. Unter Fanfarenklängen verließ der
Regent die Ausſtellungsräume.
Bayreuth, 14. Mai. Das hieſige Schwurge=
richt
verurteilte nach mehrtägiger Verhandlung den
74jährigen Ober=Landesgerichtsrat a. D., Oberamtsrichter
Greiner von Kronach, der ſeit vielen Jahren Mündelgelder
unterſchlagen und Akten vernichtet hatte, zu vier Jahren
Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverluſt. Sechs Monate
der Unterſuchungshaft wurden auf die Strafe angerechnet.
* Straßburg, 15. Mai. Der Deutſche Lehrer=
verein
veranſtaltete ſeine diesjährige Verſammlung
zum erſten Male in den Reichslanden. Straßburg hat
ſich dazu feſtlich geſchmückt. Die Tageszeitungen widmeten
ſchon ſeit Tagen den Gäſten lange Artikel und die
elſaß=lothringiſche Lehrerſchaft hat ſich bemüht, ihren
Gäſten aus Altdeutſchland das Feſt würdig zu geſtalten
und vorzubereiten. Feſte Anmeldungen ſind etwa 3700
eingelaufen, doch darf man nach den Erfahrungen der
letzten Jahre auf immerhin noch 1000 Nachzügler
rechnen.
* Heidelberg, 14. Mai. Mit dem heutigen vierten
Tage, zugleich dem letzten Aufnahmetage, erreichten die
Immatrikulationen an der hieſigen Univerſität
für das laufende Sommerſemeſter die Zahl von 1027
und damit die bisher höchſte Aufnahmeziffer. Hiervon
entfallen auf die theologiſche Fakultät 50, auf die juri=
ſtiſche
319, auf die mediziniſche 261, die philoſophiſche 287
und die naturwiſſenſchaftlich=mathematiſche 110. Mit
dieſen Immatrikulationen überſteigt die Geſamtzahl
der Studierenden an der hieſigen Univerſität für das
Sommerſemeſter 2400 und damit die bisher höchſte Be=
ſuchsziffer
von 2100 im vergangenen Sommerſemeſter,
noch um 300.
* Nordhauſen, 14. Mai. In der Nachbarſtadt Il=
feld
iſt eine Typhnsepidemie ausgebrochen.
Amtlich wird bekannt gegeben, daß bis jetzt 36 Erkrank=
ungen
und ein Todesfall zur Anzeige gekommen ſind.
Die Anſteckung wird auf einen an Typhus erkrankten
Schweizer zurückgeführt, der die Krankheit auf die
Milch übertragen hat. Die Krankheit ſcheint gutartig
zu verlaufen.
* Wien, 14. Mai. Im Sonderzuge trafen heute
vormittag 700 bayeriſche Gäſte ehemalige Ange=
hörige
des Münchener Leibregiments und Mitglieder

des Vereins bayeriſcher Feldzugsſoldaten mit der
Muſikkapelle des Infanterie=Leibregiments, ſowie eine
Offiziers= und Unteroffiziers=Deputation dieſes Regi=
ments
ein. Der Beſuch iſt eine Erwiderung der von
der Kapelle des Regiments der Deutſchmeiſter im vori=
gen
Jahre nach München unternommenen Fahrt. Di
Gäſte wurden am Bahnhof durch eine Offiziers= und
Unteroffiziersdeputation und die Kapelle des Deutſch
meiſter=Regiments begrüßt. Die Muſik ſpielte die deut=
ſche
Nationalhymne. Darauf bewegte ſich der Zug nach
dem Rathaus. Die Münchener Gäſte wurden vor dem
Rathauſe vom Bürgermeiſter Neumayer mit einer
Anſprache begrüßt, in der er ſeiner Freude Ausdruck
gab, Brüder aus dem Deutſchen Reiche, dem ſtamm=
verwandten
Nachbarlande, begrüßen zu können. Herr
Bezold dankte namens der Gäſte für den großartigen
Empfang und ſchloß mit einem Hoch auf Wien, ſeinen
Bürgermeiſter und das Deutſchmeiſter=Schützenkorps
An den Prinzregenten Luitpold und den Kaiſer Frau,
Joſef wurden Huldigungstelegramme abgeſandt.
* Wien, 16. Mai. In der Station Stefanau
bei Olmütz ſtießen geſtern Abend zwei Lokomotiven
zuſammen. Die beiden Lokomotivführer und ein
Stationsarbeiter wurden ſchwer, die beiden Heizer und
ein Bahnbeamter leicht verletzt. Einer der Schwerverletzten
iſt heute ſeinen Verletzungen erlegen.
* Brüſſel, 14. Mai. Finanzminiſter Liebaert
wurde von einem Automobil überfahren und
ſchwer verletzt.
* Brüſſel, 14. Mai. Die Verletzungen des Finanz=
miniſters
Liebaert, der von einem Automobil über=
fahren
wurde, ſind nach Feſtſtellungen der Aerzte un=
erheblich
.
* Brüſſel, 14. Mai. Wie hier verlautet, hat die
deutſch=engliſch=belgiſche Konferenz zur Regulierung
der Grenze im Oſten des Kongo ihre Arbeiten be=
endet
und einen Vertrag unterzeichnet, der ein volles
Einverſtändnis der drei Staaten ergibt.
* Paris, 16. Mai. Der König der Hellenen
iſt heute vormittag hier eingetroffen.
* Petersburg, 14. Mai. Dem Präſidenten der
Reichsduma ging eine von etwa hundert Mitglie=
dern
der Rechten, den Nationaliſten und einigenf
Oktobriſten unterzeichnete Erklärung zu, in der geſagt
wird, es ſei ihnen bekannt geworden, daß dem Präſi=
denten
der Reichsduma von der Handelskammer in
New=Caſtle und von der Kammer der Senatoren in
Belgien Erklärungen zugegangen ſeien, die die ruſſiſche
Politik in Finnland beträfen. In Anbetracht deſſen,
daß jede Einmiſchung von Ausländern in innere An=
gelegenheiten
Rußlands, der die Dumna nicht ſofort
energiſch entgegentrete, die Nationalwürde Rußlands
verletze, ſchlagen die Unterzeichner vor, falls die Meld=
ung
richtig ſei, den Präſidenten der Reichsduma zu be=
auftragen
, den Engländern und den Belgiern die un=
paſſenden
Geſuche zurückzuſenden und dabei auf die un=
zuläſſige
Handlungsweiſe und die Nutzloſigkeit der un=
gebetenen
Einmiſchung hinzuweiſen.
* Konſtantinopel. 14. Mai. In der nunmehr im Wort=
laute
vorliegenden Antwortnote der Pforte auf
die Erklärung der Botſchafter der Kretaſchutzmächte
vom 11. Mai ſtellt die Pforte feſt, daß die Mächte durch die
Erklärung, daß die Eidesleiſtung in der kretiſchen Natio=
nalverſammlung
keine Aenderung des Status quo herbei=
führe
, den Eid als nichtig betrachten. Die Pforte nehme
Kenntnis von dieſer Erklärung und behalte ſich Verhand=
lungen
mit den Kretaſchutzmächten vor über die Mittel, wie
der zweideutigen und täglich gefährlicher werdenden Lage
ein Ende zu ſetzen und die unantaſtbaren Rechte des Sul=
tans
zu gewährleiſten ſeien, die keine aufrühreriſche Hand=
lung
ſchmälern könne. Nach den Informationen, die der
Pforte zugegangen ſind. haben die Botſchafter der Schutz=
mächte
die Weiſung erhalten, der Pforte zu erklären, daß
die Kretamächte den Eid der kretiſchen Kammer als nich=
tig
betrachten.
* Waſhington, 14. Mai. Wie amtlich bekannt ge=
geben
wird, hat Staatsſekretär Knox dem engliſchen
Botſchafter Bryce den formellen Vorſchlag unterbreitet,
ſobald als möglich Unterhandlungen über den Han=
delsvertrag
zwiſchen den Vereinigten Staaten und
Kanada einzuleiten.

Nürnberg, 14. Mai. Ungeheuren Schaden
richtete geſtern in Bad Brückenau in Unterfranken
ein Unwetter an. Der zu beiden Seiten der Staats=
ſtraße
gelegene hundertjährige Buchenwald wurde zum
größten Teil vernichtet. Der Straßenverkehr iſt unter=
brochen
, und auch der Telephonverkehr mußte eingeſtellt
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Pfingsten 1910.
(10297)

[ ][  ][ ]

Nummer 112.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Moi 1910,

Seite 7.

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch die traurige Mitteilung, daß mein
lieber Gatte, unſer guter, treubeſorgter Vater,
Bruder, Schwager und Onkel
(B10293
Herr
Christoph Krauss
Gastwirt
nach langem, mit großer Geduld ertragenem
Leiden am Sonntag abend 9 Uhr ſanft in dem
Herrn entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Krauss.
Christian Krauss.
Heinrich Krauss.
Darmſtadt, den 17. Mai 1910.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 18. Mai,
nachmittags 2½ Uhr, vom Portale des ſtädt.
Friedhofes aus, ſtatt.

Bankſagung.
Für die uns beim Hinſcheiden unſeres lieben
Bruders, Schwagers und Onkels
(10275
Lorenz Gölz
bewieſene herzliche Teilnahme ſagt innigſten Dank
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Victor Storck.
Darmſtadt, Bensheim, 13. Mai 1910.

Todes-Anzeige.

Am 15. Mai iſt unſere inniggeliebte,
treue Mutter, Schwiegermutter, Großmutter
und Tante
(10295

geb. Günther-=Behr

nach langem, ſchweren, mit Mut und Ergeben=
heit
erduldetem Krankenlager im Alter von
87 Jahren durch ein ſanftes Ableben von
dieſem Erdendaſein erlöſt worden.
Darmſtadt, 16. Mai 1910.
Dr. phil. Arno Nagel, Darmstadt,
Edgar Nagel, Montreuil bei Paris,
Dr. med. Gunther Nagel, San Fran-
cisco
, Californien,
Prof. Dr. Wilibald Nagel, Darmstadt,
nebst Familien.
Die Trauerfeier findet am Dienstag Abend
6½ Uhr im Sterbehauſe, Wilhelminenſtraße 50,
ſtatt.
Die Einäſcherung findet in Mainz ſtatt.

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Heute morgen 4 Uhr entſchlief nach langem
Leiden mein lieber Mann, mein Vater, unſer
Bruder, Schwager und Onkel
Heinrich Jakob Weber
Privatier
im Alter von 71 Jahren.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Margarethe Weber, geb. Schneider.
Ludwig Weber.
Darmſtadt, den 16. Mai 1910.
Lukas=Weg 7.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 18. Mai,
nachmittags 2½ Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofes aus, ſtatt. (10296

Allen Verwandten, Freunden und Bekannten
hiermit die ſchmerzliche Mitteilung, daß meine
liebe Tochter, unſere liebe Schweſter, Schwägerin
und Tante
Wilhelmine Hess
in der Nacht zum 1. Pfingſtfeiertag nach langen,
ſchweren Leiden ſanft entſchlafen iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Charlotte Hess Wwe.
Darmſtadt, 17. Mai 1910.
Pankratiusſtr. 26.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, 18. Mai,
nachmittags 5 Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt.
(10294

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Gaſtſpiel von Otto Reutter um 8 Uhr im Orpheum.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 107 Uhr).
Volksbeluſtigung um 4 Uhr im Rummelbräu
(Geſangverein Harmonie‟).
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof
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(Schwanenſtraße) um 11 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nich!
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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910

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Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)

Henning wurde rot und beſchäftigte ſich mit ſeiner
Pfeife.
Neue Moden! fuhr Wilken Wobbe fort. Mach
lieber, daß Du endlich auf Schule gehſt. Deine Fahr=
zeit
haſt Du längſt voll. Trauſt Dich wohl nicht?
Henning, der ſich bisher von der Schule gedrückt
hatte, weil er eine tiefe Abneigung gegen gedruckte
Bücher hatte, dachte an Guſchi Heggbloom und faßte
einen herzhaften Entſchluß.
Dieſen Herbſt mach’ ich mein Examen!
Das iſt ein Wort, Henning! rief der alte Lotſe
freudig und ſchlug ihm derb auf die Schulter. Wie heißt
denn Dein Kapitän?
Teſenfiz.
Iſt das am End’ Dirk Teſenfiz, der verdrehte Kerl
mit dem großen Mundwerk? Hätteſt Dir auch einen
geſcheiteren ausſuchen können. Hat immer das kluge
Wort weit voraus, aber nichts dahinter. Vor fünf
Jahren hat er einen Dreimaſtſchoner bei Wangeroog
auf Grund geſetzt. Wann geht Ihr in See?
Morgen mittag.
Sonntag in See! rief der Alte überraſcht. Das
paßt zu Dirk Teſenfiz. Welcher Dampfer iſt das?
Nummer 68.

Nummer 68? wiederholte der Alte und kramte ein
wenig in ſeinem ausgezeichneten Gedächtnis herum.
Das iſt meiner Seel der Laubfroſch!
Kann ſchon ſein! lachte Henning. Grün und gelb
iſt er in Farbe.
Flinkes Schiff, meinte Wilken Wobbe beifällig,
macht gut ſeine vierzehn Knoten. Hier brach er kurz
ab und drehte den Kopf nach rechts. Von links nämlich
kam Gorch Holmquiſt den Strandweg heraufſpaziert.
Er war ein unterſetzter, wohlbeleibter Herr mit breiter
Naſe, waſſerblauen Augen und einer Glatze, die ihm
bis dicht an den Nacken heranreichte. Früher war er
Kapitän geweſen, jetzt ließ er ſich Reeder titulieren,
weil er zwei Dampfer von 600 Tons auf oſtaſiatiſcher
Küſtenfahrt laufen hatte.
Henning griff an die Mütze, und Gorch Holmquiſt
dankte freundlicher, als es ſonſt ſeine Art war. Da
aber wandte ſich Wilken Wobben mit einem Ruck
herum.
Du grüßt mir den Mann nicht wieder! rief er laut
und ſah Henning ſcharf in die Augen. Der Kerl iſt
ſchlecht. Er hat den alten, ehrlichen Diedrichſen
ruiniert, der voriges Jahr geſtorben iſt, arm wie eine
Kirchmaus. Und hatte doch früher an der chineſiſchen
Küſte drei eigene Dampfer laufen. Wir haben ja
heute noch ein paar ſolcher Reeder hier. Aber ſie ſind
lange nicht das, was der alte Diedrichſen war. Der
hätte die Blankeneſer Schiffahrt noch in die Höhe brin=
gen
können, wenn ihm der Kerl dort nicht ein Bein
geſtellt hätte. Das war nämlich einer von den drei

Kapitänen, die er auf Treu und Glauben angeheuert
hatte. Anders nämlich iſt das Geſchäft da draußen
nicht zu machen. Und dieſer Kerl hat zehn Jahre lang
da draußen in ſeine eigene Taſche gearbeitet, und die
anderen beiden haben ihm dabei geholfen. Aber er hat
ſie dazu angeſtiftet und hat’s am ärgſten getrieben. Als
er zurückkam, war er ſchwer reich, und der alte
Diedrichſen konnte ſich auf einmal nicht mehr halten.
Da hat ſich dieſer Kerl in das warme Neſt geſetzt, hat
die Schiffe für ein Lumpengeld gekauft, wohnt in einem
feinen Hauſe oben in der Friedrichſtraße und wechſelt
alle Vierteljahre ſeine Haushälterin.
Eben legte ſich der Raddampfer, der nach Stade
unterwegs war und im blauen Schlotring den weißen
Schlüſſel führte, an die große Landungsbrücke. Henning
zog die Uhr und ſtand auf. Die innere Unruhe, die ihn
zu Guſchi Heggbloom trieb, ließ ihn nicht länger raſten.
Wilken Wobben ſah ihm kopfnickend nach.
Als Henning die Landungsbrücke erreichte, ſchnitt
er den ſtarken Strom der eben gelandeten Paſſagiere,
die nach Hauſe eilten.
Nur einer nahm ſich Zeit. Sein merkwürdiges
Aeußere ſtach ſogar Henning in die Augen. Dieſer
Fremdling, der eine braune Samtjoppe und auf ſeinen
braunen Locken einen breiten Filzhut trug, ſchlenderte
gemächlich über die lange Brücke und ließ dabei ſeine
rehbraunen, lebhaften Augen, die zu beiden Seiten
eines ſcharfen, kühngeſchwungenen Naſenrückens ſtan=
den
, über das liebliche Bild ſchweifen, auf das er

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910.

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zuſchritt. Endlich blieb er ſogar ſtehen, legte die Hände
auf den Rücken, ſpreizte die Beine und genoß in aller
Ruhe den ſchönen Anblick.
Hennings Neugier, was das wohl für ein Menſch
ſein konnte, wuchs ſtetig; er ging langſam auf ihn zu
und an ihm vorbei. Da ſah er denn, daß der Fremde
einen langen roten, flatternden Schlips, ein feines,
ſeidenes Hemd und am linken Handgelenk eine breite,
goldene Armſpange hatte.
Hennings Menſchenkenntnis reichte nicht ſo weit,
ihn erkennen zu laſſen, daß dieſer eigenartige Herr, der
nöch nicht ganz das erſte Menſchenalter hinter ſich hatte,
ein Maler war, der ſich zehn Jahre in Italien aufge=
halten
, dort ſein Erbteil, das nicht gering geweſen war,
verzehrt und blitzwenig gepinſelt hatte. Jetzt war er
eben im Begriff, nach Blankeneſe überzuſiedeln, das
ihm ein norddeutſcher Freund als beſonders ſtimmungs=
voll
empfohlen hatte, um ſich hier wohl oder übel von
ſeiner Hände Arbeit redlich zu nähren.
Er hieß Kurt Egloff, ſtammte aus Bamberg und
glaubte, einige ſchwerwiegende Gründe zu haben, ſich
für ein künſtleriſches Genie erſter Ordnung halten zu
dürfen. Zwei junge Mädchen aber, die ſich verſpätet
hatten und nun an ihm vorbei über die Brücke ſchlüpf=
ten
, bemerkten nur, nicht ohne dahei heftig zu kichern,
daß er einen weichen, roten Mund und einen braunen,
wohlgepflegten, herausfordernden Schnurrbart beſaß.
Plötzlich wandte er ſich an Henning, der ſich noch immer
nicht an ihm ſattgeſehen hatte.
Wiſſen Sie, wo hier ein Maleratelier zu ver=
mieten
iſt?
Meine Mutter hat ein Zimmer mit Elbausſiſht,
meinte Henning gemütlich.
Ein Zimmer nur? ſchnitt der andere kurz ab. Ich
brauche mindeſtens drei. Und das größte muß Nord=
licht
haben.

Henning fand das reichlich unverſchämt und wurde
ärgerlich.
Wenn Sie nicht bei meiner Mutter wohnen wollen,
dann ſuchen Sie ſich nur was Beſſeres.
Jawohl! erwiderte der Maler erboſt, und ſein hüb=
ſches
, mädchenhaftes Geſicht färbte ſich rot. Man hat mir
geſagt, daß die Leute hier nicht höflich ſind.
Darauf machte er Kehrt und ging mit leichten,
ſchwebenden Schritten davon, wobei er ſich in den Hüf=
ten
wiegte. Henning aber ſchämte ſich, daß er den
kürzeren gezogen hatte, ſteckte die Fäuſte in die Hoſen=
taſchen
und ſprang mit einem einzigen Satze vom
Brückendamm in den weichen Sand des Strandes.
Kleine und größere Ruderboote ſaßen im ſeichten
Waſſer oder ganz auf dem Trocknen. Weiter draußen
ſchaukelten ſich ſchlanke Rennjachten auf den ſtarken
Heckwellen der Ozeandampfer, die nun in immer
kürzeren Zwiſchenräumen heraufkamen.
Hinter dem Garten des Strandhotels, der bis dicht
an das Waſſer heranreichte, ſtanden faſt unbeweglich
zwei ſchwere, dickleibige Ewer. Die Blankeneſſer
Fiſcherflotte, die es noch vor dreißig Jahren mit der
von Finkenwärder aufnehmen konnte, war bis auf
einen kümmerlichen Reſt zuſammengeſchmolzen. Die
ſeetüchtigen Fahrzeuge, die jetzt noch in Blankeneſe be=
heimatet
waren, ließen ſich bequem an den Fingern
herzählen. S. B. 7 las Henning auf dem Bug des
erſten, das dem Ufer am nächſten lag. Dieſer Ewer ge=
hörte
Jaſper Dunt. Er war früher von Hamburg aus
als Steuermann gefahren, und weit in der Welt herum=
gekommen
, während ſein älterer Bruder das Gewerbe
ſeiner Väter fortgeſetzt hatte. Dabei aber war er zu
ſchwerem Leibſchaden gekommen. Im Sturm hatte ihn
eine Woge gegen den Achtermaſt geſchleudert, daß er
gelähmt heimgebracht wurde, und nach langen Leidens=
wochen
ſtarb. Seitdem fuhr Jaſper mit dem Ewer

hinaus und ſorgte redlich für die Witwe und für die
beiden unmündigen Kinder, die zurückgeblieben waren.
Henning ſah ihn aus der Kombüſe ſteigen und an
Deck herumhantieren und blieb ſtehen. Nicht lange darauf
ſtieg Jaſper herüber, watete in langen Waſſerſtiefeln heran
und zog das leichte Boot hinter ſich her. Langſam wuchs
ſeine mächtige, breitſchultrige Geſtalt aus dem glänzenden,
leichtbewegten Spiegel des Stromes heraus. Seine Bewe=
gungen
waren nicht ſchnell, aber ausdauernd und zielſicher.
Ein kurzer blonder Bart umrahmte ſein ernſtes, verſchloſ=
ſenes
Geſicht und unter ſeinen buſchigen Brauen blickten
ein paar ſcharfe, blaue, ſchweigſame Augen hervor. Er
reichte Henning die ſchwielige Hand und begrüßte ihn mit
einem kurzen Nicken.
Du gehſt morgen in See? fragte er.
Mit dem Laubfroſch
Hätteſt auch bei mir als Beſtmann anheuern können,
meinte Jaſper, indem er ſich in einer Pütz die Hände wuſch.
Ich fahre lieber auf dem Dampfer, da iſt der Dienſt
leichter.
Daß Du Dich nur nicht täuſchſt!
Damit ſtreifte Jaſper Dunt von ſeinen Füßen die
ſchweren Stiefel, warf ſie über den Rücken, faßte die Pütz
und ſchritt quer über den Strandweg in den ſteilen Grund
hinein, wo bald am Anfang das kleine, weinumrankte
Häuschen lag, in dem er wohnte. Henning hielt ſich an
ſeiner Seite.
Jaſpers Schwägerin, eine kleine, abgehärmte Frau,
ſaß mit ihren beiden Mädchen von drei und vier Jahren
in der Sommerlaube und ſtopfte Strümpfe. Sie empfing
die Ankömmlinge nicht beſonders freundlich, hielt die
Augen auf ihre Arbeit geſenkt und ließ ſich nicht weiter
ſtören. Ueber ihrem ganzen Weſen lag eine ſchmerzliche
Scheu, weil ſie ihren Schwager liebte und er es nicht
wußte.
(Fortſetzungsfolgt.)

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

25

Dienstag, 17. Mat.

Bekannt machung.
Betreffend: Landesporizeiliche Prüfung des Entwurfs zur Erweiterung des
Bahnhofs Kranichſtein.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Plan und die ſonſtigen
Unterlagen zur Erweiterung des Bahnhofs Kranichſtein in der Gemarkung Arheilgen,
in der Zeit von Samstag, den 14. Mai bis Montag, den 23. Mai 1910 einſchließlich
auf der Großh. Bürgermeiſterei Arheilgen zu jedermanns Einſicht offen liegen.
Landespolizeilicher Prüfungstermin wird auf
Dienstag, den 24. Mai 1910, nachmittags 3¾ Uhr,
auf Bahnhof Kranichſtein anberaumt.

1910.

Pan ſind im Prüſungstermin vorzubringen.
Darmſtadt, den 12. Mai 191.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
finden
ſich: 1 Dachshund, 1 Schäferhund.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Nachtrag zum Ortsbauſtatnt für die Stadt Darmſtadt=
hier
: für die Gartenvorſtadt Dieburgerſtraße=
Hohler=Weg.
Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 3. März 1910 wird nach
Begutachtung durch den Kreisausſchuß mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums des
Innern vom 3. Mai 1910, zu Nr. M. d. J. 5494, auf Grund der Artikel 2, 13, 20, Ab=
ſatz
4, 21, Abſatz 5., 29. 37, Abſatz 2 und 59 der Allgemeinen Bauordnung ſowie der
§8 3 bis 5, 7, 9 und 78 der Ausführungsverordnung zur Allgemeinen Bauordnung für
die bauplanmäßig entſtehenden Baublöcke in dem Bezirk, der begrenzt wird durch die
neue Odenwaldbahnlinie, die, die Gartenvorſtadt durchſchneidende Hauptverbindungs=
ſtraße
, die nördlich des Hohlen Wegs ziehende Parallelſtraße, die Faſaneriemauer und
die nördliche Straßenfluchtlinie der Dieburgerſtraße folgender

Nachtrag zum Ortsbauſtatut der Stadt Darmſtadt
erlaſſen, deſſen Beſtimmungen ſofort in Kraft treten:
§ 1. Die Größe der Bauplätze darf nicht unter 500 am, an der Dieburgerſtraße
nicht unter 1000 am betragen.

Mindeſtens ¾ der Geſamtfläche eines jeden Bauplatzes muß unbebaut bleiben.
Veranden, Teraſſen, Freitreppen und dergleichen werden in die Ueberbauung nicht
eingerechnet.
§ 2. Vor dem Beginn des Anbaues an den einen Baublock umgebenden noch
nicht hergeſtellten Straßen oder Straßenteilen iſt der Bürgermeiſterei ein Plan über
die ſachgemäße Eintelung des Baublocks in Bauplätze zur Genehmigung vorzulegen.
Bauerlaubnis kann jedoch erſt erteilt werden, wenn der Bürgermeiſterei der Nach=
weis
erbracht iſt, daß die Einteilung des Baublocks in Bauplätze dem Plan entſprechend
geſichert iſt.
In dem vorzulegenden Plan iſt in der Regel die Stellung der zu errichtenden
Gebäude einzutragen, die nach erfolgter Prüfung durch die Baupolizei und Verſtän=
digung
mit den Intereſſenten der Bebauung zugrunde zu legen iſt.
§ 3. Einheitliche Baufluchtlinien ſind nicht einzuhalten, dagegen hat der geringſte
Gebäudeabſtand über die Straße mindeſtens 15m und der lichte Zwiſchenraum zwiſchen
Gebäudevorſprüngen, wie Treppen, Erkern und dergleichen, mindeſtens 12 m zu be=
tragen
. Ausnahmen von dieſer Beſtimmung kann die Baupolizei in einzeinen Fälln
zulaſſen.
Für die Errichtung von Gebäuden auf Grundſtücken, die an die Dieburger Straße
angrenzen, wird folgendes beſtimmt
Solange die bauplanmäßige Herſtellung der Dieburger Straße nicht erfolgt und
der auf ein Grundſtück entfallende Koſtenanteil nicht vollſtändig bezahlt iſt, kann Bau=
erlaubnis
nur nach Leiſtung einer von der Bürgermeiſteren zu beſtimmenden ange=
meſſenen
Sicherheit erteilt werden.
§ 4. Die Gebäude dürfen unterhalb der Haupttraufkante außer dem Erdgeſchoß
nur ein Obergeſchoß erhalten. Darüber iſt die Haupttraufkante in kräftig betonter
Weiſe durchzuführen und im unmittelbaren Anſchluß an die Haupttraufkante muß die
Dachfläche mit der für das Dach charakteriſtiſchen Neigung einſetzen.
Oberhalb der Haupttraufkante iſt nur ein bewohnbares Dachgeſchoß zuläſſig. Ueber
dieſem Dachgeſchoß dürfen nur Wohnräume für Dienſtboten eingerichtet werden.
§ 5. Die zu errichtenden Wohngebäude müſſen ſowohl den Grenz= als auch den
Gebäudeabſtand in Gemäßheit der nachſtehenden Vorſchriften haben.
1. Die Wohngebäude müſſen entweder an der Grenze oder mindeſtens 5 m von
n
der Grenze entfernt errichtet werden (Grenzabſtand).
an es anſchließen. Wird das Wohngebäude nicht an der Grenze errichtet, ſo muß auf verdungen.
jeden Fall ein dem Grenzabſtand entſprechender Gebändeabſtand von 10 m eingehalten
werden. Iſt die Einhaltung dieſes Gebäudeabſtandes in rechtsgültiger, erforderlichen= Stück bezogen werden.
falls im Grundbuch gewahrter Form geſichert, ſo kann die Bauerlaubnis auch dann
erteilt werden, wenn das zunächſt zu errichtende Wohngebäude den Grenzabſtand derrung ſind vor dem Termin portofrei im Geſchäftszimmer abzugeben.
Ziffer 1 nicht einhält.
Ein Vorſpringen von Einbauten, z. B. von Erkern, Balkonen und gedeckten
Veranden in den Gebäudezwiſchenraum iſt höchſtens bis zu ½ der Breite des Grenz=
abſtandes
geſtattet, jedoch mit der Beſchränkung, daß letzterer vor geſchloſſenen Ein=
bauten
, Balkonen und gedeckten Veranden mindeſtens 3,5 m, vor Freitreppen und
ungedeckten Veranden mindeſtens 2,4 m betragen muß. Riſalite dürfen in dieſen und Mädchenſchule vorkommenden Schrei=
Gebäudezwiſchenraum nicht mehr als ½ m vorſpringen.
Die Ausdehnung aller vorgenannten Einbauten darf die Hälfte der Länge der
Seitenfront nicht überſchreiten.
Die Errichtung eines Gebäudes auf der Grenze kann nur geſtattet werden, wenn
der Nachbar für ſich und ſeine Rechtsnachfolger ſich verpflichtet, das von ihm zu er= während der Dienſtſtunden offen, woſelbſt
richtende Nachbarhaus demnächſt gleichfalls auf der gemeinſamen Grenze und im auch die Angebotsſcheine abgegeben werden.
Anſchluß an das bereits beſtehende Haus zu erbauen.
Die aneinander zu bauenden Häuſer ſind ſo zu geſtalten, daß bei völliger Freiheit
der Gruppierung und der Durchbildung des Aeußern eine harmoniſche Wirkung erzielt
wird. Mehr als zwei Häuſer dürfen nicht aneinander gebaut werden. Die Geſamt=bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
länge darf 30 m nicht überſteigen.
§ 6. Seiten= und Hintergebäude zu Wohn= oder gewerblichen Zwecken dürfen!
nicht errichtet werden. Sie ſind nur inſoweit zuläſſig, als ſie als Zubehör zu den
Wohnungen des Vorderhauſes (z. B. als Stallungen, Remiſen, Wohnungen für
Kutſcher und dergleichen) dienen.
Sie dürfen nur eine Höhe von höchſtens 6m erhalten und müſſen von allen von 162 ſchmiedeeiſernen Kleiderſchrän=
Grenzen 5 m entfernt bleiben.
Auch Miſtgruben müſſen den Grenzabſtand von 5 m einhalten. Ein Mindeſt=und Angebotsformulare ſind bei uns zu
abſtand von 10 m von den Nachbargebäuden iſt unter allen Umſtänden bei Ställenhaben.
und Miſtgruben einzuhalten.
§ 7 Bei freiſtehenden Gebäuden kann für die Umfangswände des oberen Stock=
werks
Holzfachwerk von mindeſtens 20/15 cm, im Dachſtock von mindeſtens 15/14 cm
Holzſtärke zugelaſſen werden.
Das Fachwerk iſt ſeinen Tiefenmaſſen entſprechend auszumauern. Hierzu können
auch Tuffſteine verwendet werden.
§ 8. Es iſt geſtattet, Dachgeſimſe, Altane, Galerien, Gänge und Treppen in
Holz auszuführen, ſowie Bretter= und Schindelverkleidungen zur Ausſchmückung der ſoll die den Schuhmachermeiſter Peter Traut=
Gebäude an den Außenſeiten nach Maßgabe der Beſtimmungen der Artikel 54 und 55 mann Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegen=
der
Allgemeinen Bauordnung und § 75 der Ausführungsverordnung zu verwenden. ſchaft:
§ 9. Gewerbebetriebe, die durch ſchädliche Dünſte, ſtarken Rauch oder ungewöhn=
liches
Geräuſch Nachteile, Gefahren oder Beläſtigungen für die Umgebung herbeiführen, IV 31795/1000 189 Hofreite Heinheimer=
ſowie
Wirtſchaften ſind verboten.
Darmſtadt, den 12. Mai 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
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Großh. Miniſterium des Innern hat dem Verband deutſcher Beamtenvereine zu
Berlin N. W. 6, Luiſenſtraße 33/34, die Erlaubnis erteilt, 3000 Loſe einer demnächſt zu
veranſtaltenden Geldloterie zur Schaffung einer Heimſtätte für notleidende Hinter=
bliebene
von Reichs=, Staats= und Kommunalbeamten innerhalb des Großherzogtums
zu vertreiben. Nach dem von der zuſtändigen Behörde genehmigten Verloſungsplan
dürfen 100 000 Loſe à 1 Mk. ausgegeben werden. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen nur
mit dem heſſiſchen Zulaſſungsſtempel verſehene Loſe gelangen. Während der Zeit des
Vertriebs der Loſe zur erſten Klaſſe einer Königlich=Preußiſchen Klaſſenlotterie iſt An=
kündigung
, Ausgabe und Vertrieb der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.

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Die öffentliche Impfung im Jahre 1910.
Die diesjährige öffentliche Impfung wird für die hieſige Stadt, Mittwoch,
den 4. Mai l. Js., nachmittags 5 Uhr, und die folgenden Mittwoche, ſo lange das
Bedürfnis dauert, im Schulhauſe in der Rundeturmſtraße abgehalten werden.
Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahre ſind nach Geſetz die im vorigen Jahre
geborenen Kinder ſowie die rückſtändigen früheren Jahrgänge.
Wir laden die hieſigen Einwohner die impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung
dieſer öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denſelben vorgenome
menen Zmpfungen für den Einzelnen unentgeltlich ſind. Wer die Termine nicht be=
nutzen
will, muß die Impfung ſeines pflichtigen Kindes bis zum Jahresſchluß auf
ſeine Koſten bewerkſtelligen laſſen, widrigenfalls ihm im Januar nächſten Jahres zur
Nachholung der Impfung eine vierwöchige Friſt unter Strafandrohung geſetzt wird.
Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwachſene auf ihren
Wunſch, und Kinder, die erſt im laufenden Jahre geboren ſind, auf Wunſch ihrer
Vertreter geimpft. In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als 50 Impf=
ungen
vorgenommen. Alle in einem Termine geimpften Kinder müſſen, bei Meidung
der geſetzlichen Strafe, in dem 8 Tage ſpäter abgehaltenen Termine zur Nachſchau noch=
mals
gebracht werden. Kinder, deren Zurückſtellung, von der Impfung wegen Kränk=
lichkeit
beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem Impfarzt vorgeſtellt
werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere Benachrichtigung an
die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Croup, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſenartige Entzündungen oder die natür=
lichen
Pocken herrſchen, dürfen Impflinge zum allgemeinen Termin nicht gebracht
werden. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem Körper und mit
reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 28. April 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.
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Betreffend: Reſtaurierungsarbeiten im Innern der katholiſchen
St. Ludwigskirche zu Darmſtadt.
Zu vorbenannten Herſtellungen ſollen vergeben werden:
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und ca. 15 m hoch;
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3. Tüncherarbeiten für die Innenwände einſchl. Kalk=, Kaſeln= und Oelfarben=
anſtriche
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Zeichnungen, Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen liegen auf dem Büro der
Architekten Gg. Scherer & Gg. Finke, Rheinſtraße Nr. 47, zur Einſicht offen,
und wird daſelbſt auch nähere Auskunſt erteilt, ſowie Angebotsformulare gegen Mk. 1.
Kopialgebühren verabfolgt.
Angebote ſind, mit entſprechender Aufſchrift verſehen, bis ſpäteſtens
Dienstag, den 24. Mai I. Js., nachmittags 6 Uhr,
an Herrn Domkapitülar Dr. Elz, Wilhelminenplatz Nr. 9, verſchloſſen und koſten=
frei
einzuſenden.
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Darmſtadt, den 12. Mai 1910.
Kath. Kirchengemeinde
St. Ludwigsgemeinde Darmstadt
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Dr. Elz.

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werden im Geſchäftszimmer der Garniſonverwaltung der Bedarf an Fleiſch= und
2. Wird ein Wohngebäude an der Grenze errichtet, ſo muß das Nachbargebäude Wurſtwaren für die Garniſon Babenhauſen vom 1. Juli bis 31. Dezember 1910
Die Bedingungen liegen daſelbſt zur Einſicht offen und können zu 20 Pfg. das
Schriftliche und verſiegelte Angebote mit der Aufſchrift Angebot auf Fleiſchliefe=
(10276
Garniſonverwaltung Babenhauſen (Heſſen).

Schreinerarbeiten.
Die bei Erbauung einer höheren Knaben=
nerarbeiten
ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte
Grafenſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9
Angebote ſind bis
Freitag, den 27. Mai 1910,
vormittags 10 Uhr,
Darmſtadt am 12. Mai 1910.
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werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
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Darmſtadt, den 26. April 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910.

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Nummer 112.
nſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910.
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[ ][  ][ ]

Nummer T12.

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17, Mai 1910.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
König Eduard von England und Theodor Rooſevelt.
Zwei Männer! Das Gedenken König Eduards. Sein
letzter Beſuch in Berlin. Der König und die Ber=
liner
. Die Ankunft Rooſevelts. Teddy! Der
volkstümlichſte Amerikaner. Robert E. Pearys Vor=
trag
. Der Nordpolforſcher. Zwei Beſcheidene.
Das Denkmal Theodor Fontanes. Alexander Kips.
Was er der Kunſt geweſen und was wir mit ihm
verloren.
König Eduard und Rooſevelt, Rooſe=
pelt
und König Eduard, der Tote wie der Lebende
nehmen das gleiche Intereſſe in Anſpruch. Und einer
leidet unter dem anderen! Man würde ſich eingehender
mit dem dahingeſchiedenen Herrſcher des britiſchen Welt=
reiches
beſchäftigen, wenn der Beſuch des früheren
Präſidenten der gewaltigen Republik jenſeits des gro=
ßen
Waſſers nicht in dieſe Tage gefallen wäre, und um=
gekehrt
hätte der Colonel mehr von Berlin gehabt,
vor allem von der Kaiſerlichen Familie und der ſon=
ſtigen
offiziellen Vertretung des Reiches, wenn er zu
einem anderen Zeitpunkt bei uns Einkehr gehalnen
hätte. Und doch beanſprucht und verdient jeder der
beiden Männer, der Fürſt wie der Bürger, die unge=
teilte
Beachtung und volle Würdigung.
Der beiden Männer hier liegt das Ge=
heimnis
ihrer Volkstümlichkeit, hier der eigentliche
Grund des tiefen Eindrucks, den ihre Perſönlichkeit
wie ihr Wirken ausgeübt und ausübt. Und daß gerad‟
mit dieſem Mannhaften, das zielbewußtes Streben und
kluges Erreichen vereint, ein gewiſſes ſchlichtes Auf=
treten
verbunden iſt, hat Beiden die wärmſten Sym=
pathien
auch auf deutſchem Boden verſchafft. Das gibt
ja erſt der im öffentlichen Leben ſtehenden großen Per=
ſönlichkeit
ihren volkstümlichen Nimbus für die weite=
ſten
Kreiſe, daß ſie nicht nötig hat und gern verzichtet
auf ſchimmernden Prunk und lauten Tamtam! Der
Alte Fritz, Kaiſer Wilhelm I., Blücher, Gneiſenau,
Scharnhorſt, Bismarck, Moltke, um nur naheliegende
Namen zu greifen, die Auffaſſung der geiſtigen wie per=
ſönlichen
Bildniſſe dieſer Männer wäre nicht ſo eng
mit dem innerſten Volksbewußtſein verquickt, die in=
nigſte
Verehrung für ſie hätte nicht ſo unzerſtörbare
Wurzeln gefaßt im Nährboden der Anhänglichkeit und
Anerkennung von ungezählten Millionen, wenn ſie
nicht, um mit einem echten Bismarckſchen Wort zu ſpre=
chen
, von Wurſchtigkeit erfüllt geweſen wären gegen
äußeren Flitter und Tand und dies oft genug deutlich
gezeigt hätten, wenn nicht mit ihrem ganzen Sichgeben
und Auftreten Schlichtheit und Natürlichkeit verbunden
geweſen wären.
Gerad’ die Berliner haben dafür ein richtiges Ver=
ſtändnis
und haben dies oft genug bewieſen bei der
Kritik von Fürſtenbeſuchen und ſonſtigen beſonderen
Veranlaſſungen. Das zeigte ſich auch bei der letzten
Anweſenheit König Eduards in Berlin.
Die große Menge verhielt ſich zunächſt recht abwartend
ihm gegenüber, man wußte, daß man ihm in politiſcher
Hinſicht nicht allzuviel Gutes für Deutſchland zuzu=
trauen
hatte, man wußte jedoch auch, daß man dies ihm
vom engliſchen Standpunkt aus nicht verübeln konnte.
Raſch aber gewann man Fühlung zu ihm, ganz direkte,
perſönliche Fühlung, als man in jenen Februartagen
des Jahres 1909 häufig Gelegenheit hatte, den König zu
beobachten und ſeine Perſönlichkeit auf ſich wirken zu
laſſen. Gar ſchnell merkte man, wie wenig ſich der
König aus all dem Offiziellen machte, daß er ſich am
behaglichſten im bürgerlichen Anzug fühlte und mög=
lichſt
wenig von höfiſchem Zeremoniell umgeben ſein
wollte. Freundlich, behaglich, das geſund ausſchauende
Geſicht mit dem ergrauten Bart von Wohlwollen er=
füllt
, das ganze Weſen von anſprechender Bonhomie,
der Onkel wie man ſich dies Exemplar von Men=
ſchengattung
im beſten Sinne vorſtellt. So ſah man den
König bei ſeinen Spazierfahrten, ſo bei ſeiner denk=
würdigen
Anweſenheit im Rathauſe, woſelbſt er ſich den
Ehrentrunk 1868er Steinberger Cabinet im goldenen
Pokal gut munden ließ und die Hoffnung ausſprach,
Berlin wieder beſuchen zu können, den Wunſch hinzu=
fügend
, daß die Beziehungen zwiſchen den beiden Völ=
kern
ſtets die beſten ſein möchten. Als der König das
Rathaus verließ, umſäumten tauſende von Menſchen den
Platz und füllten die enge Königſtraße aus, den Herr=
ſcher
mit herzlichen Zurufen begrüßend, mit Schwenken
der Hüte und Taſchentücher Onkel Ede war in
Berlin populär geworden.
Und einer gleichen Popularität erfreut ſich Teddy,
wie er kurz genannt wird, Theodor Rooſevelt.
Schade, daß ſeine Ankunft etwas wild=weſtlich erfolgte,
da durch die Schuld irgend eines Beamten das ganze
Begrüßungs=Programm im und am Stettiner Bahnhof
ins Wanken gekommen war. Aber die gute Laune des Ex=
präſidenten
ward dadurch und auch nicht durch ſeine ſtarke
Erkältung beeinträchtigt; ſichtlich angenehm fühlte er
ſich durch den herzlichen Empfang, der ihm vor dam
öden Bahnhofgebäude zuteil wurde, berührt und drückte
kräftig die ihm von allen Seiten entgegengeſtreckten
Hände. Wenig hat ſich der Expräſident verändert, ſeit=
dem
ich ihm, an einem ſchönen Maitage vor ſechs Jah=
ren
, im Weißen Hauſe zu Waſhington gegenübergeſtan=
den
. Jede Bewegung zeigt Energie und Lebhaftigkeit,
ſtraff und ſehnig iſt die mittelgroße Figur, forſch und
klug der Blick der blauen Augen, das noch von der

Tropenſonne gebräunte Geſicht mit dem goldenen Knei=
fer
iſt von freundlicherem Ausdruck, wie auf den mei=
ſten
Bildern, beim Lachen werden zwei Reihen blen=
dend
=weißer, prachtvoller Zähne ſichtbar, und Teddy
lacht gern. Es gehört freilich ſeine ganze urwüchſige
Natur dazu, um bei dieſer Hetze durch Europa volle
Widerſtandskraft und gute Laune zu bewahren. Von
Ermüdung und Mißbehagen war Rooſevelt nichts au=
zumerken
, am wenigſten am Donnerstag, als er ſich
zur Univerſität begab, bei dieſer Gelegenheit auf das
wärmſte von Berlins Bevölkerung begrüßt. Darüber
und über ſeine Vorleſung in der Univerſität ward ja
das Nähere in einem Sonderbericht mitgeteilt.
Kurz vor Rooſevelt hatte ein anderer Amerikaner
einen großen Kreis von Anhängern und Anhängerin=
nen
um ſich geſchart, Robert E. Peary, der in
unſerer Geſellſchaft für Erdkunde einen Vortrag über
ſeine kühne Fahrt zum Nordpol gehalten. Bis
auf das letzte Plätzchen war der weite Saal des Land=
wehr
=Offizier=Kaſinos gefüllt, viele unſerer hervor=
ragendſten
Gelehrten und Forſcher ſah man unter den
Anweſenden, und nun taucht plötzlich ein ſchmächtiger,
kleiner Herr auf, das ſilberſchimmernde Haar glatt ge=
ſcheitelt
, den weißen Schnurrbart ſtraff gebürſtet, die
Augen voll jugendlichen Feuers Graf Zeppelin
iſt da, Graf Zeppelin! Die Nächſten ſagen es den Um=
ſtehenden
, von Mund zu Mund fliegt das Wort weiter
und ſchwillt laut und lauter an, und nun ſtürmiſcher
Jubel, der immer wieder erbrauſt und in Hochrufen
endet. Mit frohem Beifall wird auch Commander Peary
begrüßt, der mit ſeiner zierlichen Gattin, die deutſcher
Abſtammung iſt, und ſeinen beiden Kindern, einem
hübſchen, 16jährigen Mädchen und einem blondlockigen,
6jährigen Knaben, erſcheint, alsbald ſeinen von treff=
lichen
Lichtbildern unterſtützten Vortrag in engliſcher
Sprache beginnend. So kernig und friſch der kühne
Nordpolfahrer in Geſtalt und Auftreten, ſo kernig und
friſch iſt auch ſeine Vortragsweiſe; nichts zuviel, nichts
zu wenig, knapp und klar, gelegentlich ein paar ſcher=
zende
Bemerkungen, die beſſer die ungeheuren Anſtren=
gungen
bei Zurücklegung von 700 Kilometern in unbe=
kannten
nördlichſten Regionen beleuchten, als ein=
gehende
Schilderungen. Mit Abſicht betont Peary, daß
er ſeinen Erfolg, den Pol erreicht zu haben, nicht Glück
und Mut und Geduld verdanke, ſondern einzig ſeinen
Erfahrungen, die er während eines halben Menſchen=
alters
geſammelt. Die lebhafteſte Zuſtimmung und
wärmſter Dank ward dem Redner zuteil, als er ſeinen
Vortrag beendet und als ihm mit ehrenden Worten
Geheimrat Profeſſor Penck die höchſte Auszeichnung der
Geſellſchaft für Erdkunde, die Goldene Nachtigall=
Medaille, überreichte, die Peary mit wenigen warm
empfundenen Worten, die ſeine Beſcheidenheit verrieten,
entgegennahm.
Zweier Beſcheidener haben wir noch zu gedenken,
eines Dichters und eines Malers, die nicht mehr den
Lohn empfangen können, den ſie redlich verdient.
Theodor Fontane ward kürzlich an einer lauſchi=
gen
Stelle unſeres Tiergartens ein Denkmal geſetzt,
das den Unvergeßlichen als fröhlichen Spaziergänger
darſtellt, ſo, wie wir ihn oft unſeren ſchönen Park durch=
wandern
geſehen. Das Standbild, von Max Klein ge=
ſchaffen
, dem der Tod ſo frühzeitig den Meißel aus der
fleißigen Hand genommen, gibt trefflich die freundlich=
feine
Art des lieben Poeten wieder, deſſen reiches Wir=
ken
mehr und mehr Geltung erlangt und deſſen einzelne
Werke langſam zum literariſchen Gemeingut unſeres
Volkes werden. Daß er bei Lebzeiten nicht die gebüh=
rende
Anerkennung gefunden, das iſt ja leider eine Er=
fahrung
, die unſere Beſten und Tüchtigſten gemacht.
Auch Alexander Kips iſt ſie nicht erſpart ge=
blieben
, der, erſt im 51. Lebensjahre ſtehend, uns dieſer
Tage entriſſen wurde. Ein echter und rechter Künſtler
ſchied mit ihm von uns, ein Mann, dem die Kunſt über
alles ging und der ihr in des Wortes wahrſter Bedeu=
tung
ſein Leben geopfert. Verhältnismäßig ſelten iſt
ſein Name hervorgetreten, deſto reichere Anerkennung
fand ſein Schaffen, ohne daß man des Schaffenden ge=
dachte
, der in allzu großer Beſcheidenheit ſtets in
Zurückgezogenheit blieb. Lange Jahre war Kips der
erſte künſtleriſche Leiter unſerer Königlichen
Porzellan=Manufaktur, ſich ſeiner verantwort=
lichen
Aufgabe mit wahrhaft leidenſchaftlicher Hin=
gebung
und Freudigkeit widmend. Mit ſeinem Aus=
ſcheiden
im Herbſt 1908 war für die Manufaktur, was
die Keramik anbelangt, eine Periode zum Abſchluß ge=
kommen
, deren Bedeutung in der Entwicklung der
Dekorationstechniken und ihrer künſtleriſchen Verwer=
tung
eine ſtets anerkannte und dauernde ſein wird. Es
wurden vornehmlich Aufgaben geſtellt und gelöſt, die
über den Rahmen des Herkömmlichen und Gewöhnlichen
hinausgingen. Die Ergebniſſe, wie ſie in einer Fülle
von Arbeiten zutage traten, liegen deshalb faſt durch=
weg
über dem Niveau der Alltäglichkeit und des Ge=
werblichen
. Kips, der als Menſch ſchlicht und anſpruchs=
los
war, wollte in der Keramik prunken, und er hat dies
mit den meiſten ſeiner Arbeiten erreicht. Erwar im wahren
Sinne des Wortes individuell, indem er verſtand, jede
in dem Material mögliche Aufgabe mit gewolltem oder
gewünſchtem Erfolge zu löſen. Dies iſt um ſo mehr
zu bewundern, als mit der Entwicklung und vielſeitigen
Verwertung der Dekorationstechniken eine raſtloſe
ſchöpferiſche Tätigkeit auf dem Gebiete der Plaſtik ein=
herging
. Man hat im letzten Jahrzehnt viel von einer
deutſchen Kunſt, von einem deutſchen Kunſtgewerbe ge=
ſprochen
, und doch will es damit nicht ſo recht gehen.
Nun, Kips hatte den richtigen Weg gewählt und be=
zeichnet
, und dann, was er erſtrebt und geboten hat,
war wahrhaft neu und deutſch empfunden: die üppigen,

kraftſtrotzenden Geſtalten auf ſeinen Flieſengemälden,
die vollen, gediegenen Formen ſeiner Plaſtiken, die
duftigen, Herz und Gemüt erquickenden, köſtlichen
Blumen=, Frucht= und Landſchaftsmalereien, die zarten,
graziöſen Päte sur päte- und Emaillemalereien, die
ſchwungvollen, kühnen Reliefgoldornamente alles
künſtleriſch großzügig, vollſaftig und techniſch vollkom=
men
, kurz, einzig daſtehend. Wer ſich davon überzeugen
will, der beſuche die Ausſtellungsräume der Kgl. Por=
zellan
=Manufaktur nahe dem Leipzigerplatz. Was Kips
auf dieſem wichtigen künſtleriſchen Gebiet, das uns
Dank ſeiner Tätigkeit ſo viele glänzende Erfolge auf
den letzten Weltausſtellungen eingetragen, geleiſtet,
wird nie vergeſſen werden. Und nie werden jene, die
den liebenswerten, gütigen, kunſtbegeiſterten Menſchen,
gekannt haben, ſeiner vergeſſen. Von ſeinem ernſten
künſtleriſchen Können, das er ſchon auf unſeren früheren
Kunſtausſtellungen bewieſen, ehe die Manufaktur ſeine
ganze Tätigkeit in Anſpruch nahm, berichtet auf unſerer
diesmaligen Großen Kunſtausſtellung ein tief empfun=
denes
, ſonnig=heiteres Gemälde, Raguſa, Dalmatiens
Perle ſchildernd, auch dies meiſterhafte Werk uns
zeigend, was wir mit dem Tiefbetrauerten verloren!

Gewinnauszug
der
222. Königlich Preußiſchen Klaſſenlotterie.
5. Klaſſe. 6. Ziehungstag. 13. Mai 1910.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 40000 Mk. 26606
1 Gewinn zu 15000 Mk. 252966
2Gewinne zu 10000 Mk. 104945 194624
2 Gewinne zu 5000 Mk. 112488 194109
60 Gewinne zu 3000 Mk. 873 1762 3162 1512).
17134 19838 65008 70973 79490 82324 94046 98704
100690 103236 112678 124823 136455 137273 150538
160780 163278 164165 171435 171792 173640 175714
176659 179780 181018 189290 190886 1191116 192696
216753 232251 233825 239503 248249 248735 254896
257296 257657 257677 262031. 263934 270134 276488
281133 283514 291648
92 Gewinne zu 1000 Mk. 3391 8020 13941 14200
14756 18421 19048 22064 25989 29576 32008 38315
38694 39783 40034 44256 47113 48483 49986 54435
68324 61420 65853 72024 75727 76692 79333 83125
91306 94290 105493 105974 109880 112120 112996
114366 117012 118007 118151 118454 118760 126710
128636 129522 130161 134737 149823 158994 160456
163951 164124 170705 171070 172892 185560 188234
188242 196144 197692 198969 200584 217741 220763
222971. 223438 225572. 225867 227534 229425 238077
243871 246038 246610 247207 248004 252444 254796
255975 259191 261865 263327 271901. 273939 274123
274449 283934 286670 287038 289426 290635 298341.
301138
117 Gewinne zu 600 Mk. 421 2761 3342 8539
9947 9951 12310 12398 14701 15879 17817 21540
22390 27527 28667 29890 29976 35190 35860 38572
47178 47763 48152 48454 48502 58725 67553 71019
76450 81161 86798 87848 88058 88438 89131 104142
104543 106341 106394 107672 108768 112644 118736
120512 120621 120719 121078 122927 124387 125111
126657 132125 132338 133630 137647 138962 147785
148475 149893 150594 150746 152722 152868 154277
154384 172771 174297 177451 177521 182587 183637
186077 186865 188624 195577 195742 197873 207008
207024 209471 210686 211186 212609 213742 213778
222838 223267 225296 229276 233457 234189 236080
237583 239366 239594 242953 243741 250291. 250887
254028 255916 258363 261762 266067 271121 275803
284909 285117 285625 287428 289555 289685 293430

In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 60 000 Mk. 285439
1 Gewinn zu 15000 Mk. 62727
1 Gewinn zu 10000 Mk. 298742
2 Gewinne zu 5000 Mk. 106433 110491
45 Gewinne zu 3000 Mk. 11722 25831 25959 35838
39243 42081 52059 66290 66964 79520 80817 86562
89108 95446 103145 107363 108392 109958 122577
136085 140126 147805 149673 153696 165188 174677
181413 183133 202460 204994 205244 223917 232913
232990 235297 243768 249448 263676 280471. 282872
284428 287528 294051. 298679 302804
65 Gewinne zu 1000 Mk. 970 2596 3559 3693
7785 12291 16739 19045 20130 22491 25798 25817
26436 27221 39923 42199 48274 48814 52105 57100
57488 63397 67426 70679 75305 78000 81718 89525
90449 90874 94754 95982 96182 103398 119060
130669 132340 135222 140035 144487 151851 176784
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Nummer 112.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mai 1910.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 17. Mar 1910.

Nummer 112.

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Außer Abonnement.
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zu Abonnements=Preiſen.
Der Graf von Luxemburg.
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Muſikal. Leitung: Kapellmeiſter Kittel.
Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Valdek.
Perſonen:
Renée, Graf von Luxem=
.Hr. Speiſer
burg
Fürſt Baſil Baſilowitſch . Hr. Jordan
Gräfin Staſa Kokozow. . Fr. Rudolph
Armand Briſſard, Maler . Hr. H. Hacker
Angele Didier, Sängerin Frl. Suchanek
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Sergei Mentſchikof, Notar Hr. Holler
Pawel von Pawlowitſch . Hr. de Leeuwe
Pélegrin, Munizipal=
beamter

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Henri Boulanger
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Charles Lavigne
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Amelie vatoriſtinnen Fr. Stallmann
Sidonie
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Marquis Chatauneuf
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Baron Sullignac .
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Francois, Diener .
Hr. Geibel
Der Menager des Grand
Hotel.
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Jules, Oberkellner
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James, Liftboy
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längere Pauſe ſtatt.
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4. Mk., Balkonloge 3.50 Mk., 1. Rang
3. Mk., 2. Rang 1.50 Mk., Sperrſitz
2.50 Mk., Parterre 1.80 Mk., 1. Galerie
1. Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Anfang 7 Uhr. Ende gegen 10 Uhr.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und vor
6 Uhr an.
Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Mittwoch, 18. Mai. Außer Abonnement.
Schüler= und Volks=Vorſtellung zu ermäß.
Preiſen zum Beſten des Witwen= und
Waiſenfonds der Großh. Hofmuſik unter
Mikwirkung des Frl. Birgit Engell vom
Königl. Theater in Wiesbaden. Der
Barbier von Sevilla. Roſine . Frl.
Engell. Anf. 7 Uhr. (Vgl. beſond. Anzeige.)
Donnerstag, 19. Mai. 175. Ab.=Vorſtell.
D 44. Der dunkle Punkt. Große
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Freitag, 20. Mai. 176. Ab.=Vorſt. C 44.
Tannhäuſer. Große Preiſe. An=
fang
6½ Uhr.
Aus dem Spielplan.
Zur 100jähr. Jubelfeier des Hoftheaters
1810
23. Mai
1910
Außer Abonnement.
I. Schüler= und Volks=Vorſtellung zu
ermäßigten Preiſen.
Sonntag, den 22. Mai 1910.
Anfang 6½ Uhr.
Die Zauberflöte.
Große Oper in 2 Aufzügen
von W. A. Mozart.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 2. Mk., Fremdenloge
2. Mk., Balkonloge 2. Mk., 1. Rang
2. Mk., 2. Rang 1. Mk., Sperrſitz
1.50 Mk., Parterre 1. Mk., 1. Galerie
40 Pfg., 2. Galerie 30 Pfg.
Der Kartenverkauf zu dieſer Vorſtellung
findet Donnerstag, 19. Mai a) für die
Galerien von 1 bis 1¼ Uhr, b) für die an=
deren
Plätze von 3½ bis 5 Uhr, ſowie an
den darauffolgenden Tagen, vormittags
von 11 bis 1 Uhr, für die noch vorhan=
denen
Plätze an der Tageskaſſe ſtatt.
II. Feſt=Vorſtellungen:
a) Montag, den 23. Mai 1910.
Anfang 6½ Uhr.
Pro 10 g.
Hierauf:
Götz von Berlichingen.
Schauſpiel in 5 Aufzügen von Goethe.
b) Dienstag, den 24. Mai 1910.
Anfang 7 Uhr.
In neuer Inſzenierung.
Der Freiſchütz.
Romantiſche Oper in 3 Aufzügen
von Carl Maria von Weber.
Die verehrlichen Abonnenten haben ein Vor=
kaufsrecht
in der Art, daß ſie gegen Bor=
zeigung
ihrer betreffenden Karten, bezw.
Quittungen ſich entſprechende Plätze zu
Abonnementspreiſen ſichern können
und zwar Ganz=Abonnenten von 3½ bis
4 Uhr und Teil=Abonnenten von 4 bis 5
Uhr: Dienstag, 17. Mai, für die erſte
Feſt=Vorſtellung (Götz von Berlichingen),
Mittwoch, 18. Mai, für die zweite Feſt=
Vorſtellung (Der Freiſchütz).
Der allgemeine Kartenverkauf findet an der
Tageskaſſe im Großh. Hoftheater zu den
üblichen Kaſſenſtunden, vormittags von
11 bis 1 Uhr ſtatt und zwar: Mittwoch,
18. Mai, und folgende Tage für die erſte
Feſt=Vorſtellung (Götz von Berlichingen),
Donnerstag, 19. Mai, und folgende
Tage für die zweite Feſt=Vorſtellung (Der
Freiſchütz).
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremdenloge 5 Mk.,
Balkonloge 4.50 Mk., 1. Rang 4 Mk., 2. Rang
(1. bis 6. Reihe) 2. Mk., (7. und 8. Reihe,
1.60 Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 3.50 Mk.),
(14. bis 20. Reihe) 3. Mk., Parterre (1. bis
5. Reihe) 2.20 Mk., (6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk.,
1. Galerie 1. Mk., 2., Galerie 50 Pfg.,