Darmstädter Tagblatt 1910


15. April 1910

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monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
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turen
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173. Jahrgang

verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=
Illuſtriertes Unterhaltungsb

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werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden,
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
M 87.
Freitag, den 15. April.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Vom deutſchen Handelstage.
Unter Vorſitz ſeines Präſidenten Kämpf und
unter zahlreicher Beteiligung ſeiner Mitglieder, ſowie von
Vertretern anderer kaufmänniſcher Korporationen und
ſtaatlicher bezw. Reichsbehörden trat der Deutſche
Handelstag am Mittwoch in Berlin zu ſeiner
38. Vollverſammlung zuſammen, um zu verſchie=
denen
, den Handel gegenwärtig intereſſierenden Fragen
Stellung zu nehmen. Der Staaisſekretär des Innern
Delbrück entſchuldigte in ſeiner Anſprache das Aus=
bleiben
des Reichskanzlers, der durch dringende Amts=
geſchäfte
verhindert ſei, den Verhandlungen beizuwohnen.
Er ſpreche auch im Namen des preußiſchen Miniſters für
Handel und Gewerbe, ſowie der Vertreter der übrigen
Bundesregierungen. Je mehr die wirtſchaftlichen Inter=
eſſen
ausgebaut werden, je mehr ſie ſich ſpezialiſieren und
je umfangreicher ſie werden, um ſo mehr müſſe die Reichs=
regierung
darauf drängen, mit einer Organiſation zuſam=
menzuarbeiten
, in der alle Intereſſen zuſammenlaufen und
die der Reichsregierung mit wertvollen Ratſchlägen an die
Hand gehen könne. Das Hauptthema der Beſpre=
chungen
bildete die Reichsverſicherungsord=
nung
. Das Thema war in die vier Unterabteilungen:
Allgemeines, Krankenverſicherung, Unfallverſicherung, ſo=
wie
Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung gegliedert.
Für jede Abteilung war ein Referent beſtimmt, die um=
fangreiche
Erklärungen zu dem Entwurfe einer Reichsver=
ſicherungsordnung
vorlegten und in der Begründung die
Wünſche des Handels zum Ausdruck brachten. Verſchie=
dentlich
wurde dabei betont, daß eine weitere Anſpannung
von Handel und Induſtrie zugunſten der ſozialen Ver=
ſicherungsgeſetzgebung
lähmend auf die ganze Volkswirt=
ſchaft
wirken und unſere Konkurrenzfähigkeit mit dem
Auslande unterbinden könnte. Die Reſolutionen der Refe=
renten
wurden mit unweſentlichen Aenderungen ange=
nommen
. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die
Frage der Hausarbeit. Hierüber hatte das Mitglied
der Bremer Handelskammer Biermann das Referat über=
nommen
. Er riet von der Einführung von Lohnbüchern
für die geſamte Hausinduſtrie dringend ab und ſprach den
Wunſch aus, daß ſo weitgehende verderbliche Beſtrebungen,
wie ſie in bezug auf die Errichtung von Lohnämtern und
die Ausſtattung von Tarifverträgen mit verbindlicher
Kraft für Unbeteiligte im Reichstag angeregt worden ſind,
ſchon im Reichstage, jedenfalls aber im Bundesrat zum
Scheitern gebracht werden möchten. Eine Reſolution in
dieſem Sinne nahm der Handelstag an, worauf die Ver=
händlungen
auf Donnerstag vertagt wurden.
Abends fand im großen Reſtaurant des Zoologiſchen
Gartens ein Feſtmahl ſtatt, das der Reichskanz=
ler
durch ſeine Teilnahme auszeichnete. Bei dem Feſt=
mahle
toaſtete zunächſt Präſident Kämpf auf den Kaiſer,
die deutſchen Bundesfürſten und die freien Städte; ſodann
folgte die Rede des Reichskanzlers. Geheimrat Vogel=
Chemnitz feierte die Gäſte, beſonders den Reichskanzler.
Der Handelsminiſter toaſtete auf den Präſidenten und den
Vizepräſidenten des Handelstages. Der Vizepräſident der
Berliner Handelskammer, Mendelsſohn, gedachte in aner=
kennender
Weiſe der Berichterſtatter der Verhandlungen.
Die Rede des Reichskanzlers bei dem Feſtmahle
des Deutſchen Handelstages hatte folgenden Wortlaut:
Meine Herren! Für die freundliche Einladung, die
mir von ſeiten des Präſidiums des Deutſchen Handels=
tages
geworden, bitte ich, den herzlichſten Dank entgegen=
zunehmen
und wenn ich an die beredten Worte die Ihr
Herr Vorſitzender ſoeben an die verſammelte Tafelrunde
gerichtet hat, mit einem perſönlichen Worte anknüpfen darf,
ſo ſoll es der Wunſch ſein, daß es dem Deutſchen Handels=
tage
noch recht lange vergönnt ſein möge, ſeinen Präſi=
denten
als das Vorbild gemeinnützigen Wirkens an ſeiner
Spitze zu ſehen. Die Bedeutung des Deutſchen
Handelstages für unſer wirtſchaftliches Leben wird
durch die bald fünfzigjährige Tätigkeit erwieſen, die er ent=
faltet
hat. ſchärfer vielleicht noch durch den Aufſchwung, den
Handel, Induſtrie und Schiffahrt während dieſes Zeit=
raumes
genommen haben. Die Verhandlungen und Be=
ſchlüſſe
des Deutſchen Handelstages können, wie Ihr Vor=
ſitzender
ſoeben ausgeführt hat, dem Geſchichtsſchreiber ein
Spiegelbild von dem Gange bieten, den unſere innere
und äußere Politik gewandelt iſt, ſo ſehr bildet das
Gedeihen der von Ihnen, meine Herren, vertretenen Inter=
eſſen
die Grundlage unſeres ſtaatlichen Lebens im Inneren
und Aeußeren. Hand in Hand mit der Entfaltung unſeres
inneren Marktes iſt die gewaltige Erweiterung unſeres
Exportes gegangen und es iſt damit, wie ich ſchon einmal
an einer anderen Stelle es ausgeſprochen habe, die Pflege
unſerer ausländiſchen Wirtſchaftsintereſſen zu einer der

wichtigſten Aufgaben unſerer auswärtigen Politik gewor=
den
. Sie ſelbſt, meine Herren, können es aber auch am
zuverläſſigſten beurteilen, wie dieſe Aufgabe mit jedem
Tage komplizierter und vielſeitiger geworden iſt, je mehr
für alle Völker die Wirtſchaftsfragen zu Weltfragen
geworden ſind. Und was dabei ſtaatlicher Schutz niemals
erſetzen kann, das iſt die Organiſationskraft und die Lei=
ſtungsfähigkeit
unſerer Induſtrie, die Rührigkeit und Zu=
verläſſigkeit
unſerer Kaufmannſchaft und der Wagemut
und Spürſinn ihrer Pioniere. Dieſe Eigenſchaften in har=
tem
Wettbewerb bewährt zu haben, iſt der Ruhm unſeres
Handels und unſerer Induſtrie; ihnen verdanken ſie ihren
Aufſtieg. In der Zuverſicht, daß dieſe Kräfte auch künſtig
in unſerem Volke wirkſam ſein werden, erhebe ich mein
Glas auf das Gedeihen von Deutſchlands Handel und
Induſtrie. Ich bitte Sie, einzuſtimmen in den Ruf=
Der Deutſche Handelstag, er lebe hochtt

Das Schickſal der preußiſchen Wahlrecktsvorlage.
** Heute, Freitag, tritt das preußiſche Herren=
;haus wieder zuſammen und wohl ſelten hat man einer
Sitzungsperiode der erſten preußiſchen Kammer mit ſo
großer Spannung entgegengeſehen wie diesmal, nachdem
i die eigentliche Volksvertretung, das Abgeordnetenhaus, in
;ſeiner Mehrheit die definitive Geſtaltung der Wahlrechts=
reform
dem Herrenhaus in die Hand gegeben hat. Das
Abgeordnetenhaus hat in ſeiner letzten Abſtimmung, wie
gemeldet, an der Vorlage keinerlei Veränderungen vorge=
nommen
, obwohl eingeſtandenermaßen die dem Wahl=
rechtsentwurf
gegebene Geſtaltung auch die Kreiſe der
Mehrheit ſelber herzlich wenig befriedigt und man der
beſtimmten Hoffnung Ausdruck gibt, daß im Herrenhaus
etwas anderes zuſtande kommen möge.
Die Inſtitution des Herrenhauſes als ſolche iſt viel
angefeindet worden, gleichwohl aber zeigt ſich gerade in
dieſem Falle, von welchem Werte doch ein Oberhaus für
das Parlamentsleben und die Geſetzgebung eines Landes
ſein kann. Wie die Stimmung im Herrenhauſe aber ſelber
iſt, iſt bis zur Stunde abſolut nicht bekannt. Unter dieſen
Umſtänden wäre eine Prophezeiung über das definitive
Schickſal der Wahlrechtsvorlage zum mindeſten eine Kühn=
heit
. Im Herrenhauſe überwiegt der Adel, wo man viel=
fach
von einer Reform des preußiſchen Wahlrechtes über=
haupt
nichts wiſſen will. Wieviele Mitglieder des Herren=
hauſes
dieſen Standpunkt teilen, läßt ſich keineswegs
ſagen. Auch über die Stimmung der ſogen. Bürgermei=
ſterpartei
, deren politiſche Neigungen ſich vielfach mit
denen der aus Gelehrtenkreiſen ſtammenden Mitglieder
decken, iſt nichts bekannt, jedoch ſpricht ſehr viel dafür, daß
vielleicht gerade von dieſer Seite Anträge ausgehen wer=
den
, die gegenüber den im Wahlrechtskampfe geäußerten
Wünſchen ein gewiſſes Entgegenkommen zeigen. Anderer=
ſeits
aber droht vom Herrenhauſe wiederum die Gefahr,
daß die vom Abgeordnetenhauſe beſchloſſene geheime
Stimmabgabe bei den Urwahlen wieder beſeitigt wird,
was zu einer erneuten Zuſpitzung der Situation führen
würde. Gänzlich ausgeſchloſſen wäre es aber anderer=
ſeits
auch nicht, daß das Herrenhaus die Wahlrechtsvor=
lage
überhaupt ablehnt.
Das Herrenhaus verfügt über 311 ſtimmberechtigte
Mitglieder, von dieſen ſind 46 Bürgermeiſter, 10 Vertreter
von Univerſitäten und 71 aus Allerhöchſtem Vertrauen
Berufene. Nur unter dieſen 127 Mitgliedern des Herren=
hauſes
dürften ſich wirkliche Freunde einer Wahlrechts=
reform
finden, aber hier gehen die Anſichten ſehr weit aus=
einander
. Unter dieſen Umſtänden iſt die Lage eine voll=
ſtändig
unklare. Vorläufig ungewiß iſt auch noch die Art
der geſchäftsmäßigen Behandlung, die der Vorlage im
Herrenhauſe zuteil werden wird. Abweichend von den
Gepflogenheiten anderer Parlamente, die drei Leſungen
vorſehen, beſtimmt dort die Geſchäftsordnung, daß die
1 Behandlung von Geſetzesvorlagen nach Maßgabe der Be=
ſchlüſſe
des Hauſes erfolge, entweder durch Plenarberatung
auf Grund vorangegangener Kommiſſionsberatung oder
durch erſte und zweite Beratung im Plenum oder durch
einmalige Schlußberatung im Plenum. Die Wahrſchein=
lichkeit
ſpricht dafür, daß man ſich auf eine allgemeine Be=
ſprechung
über die geſchäftliche Behandlung der Wahl=
rechtsvorlage
einlaſſen wird, bei welcher ſich für die Mit=
glieder
Gelegenheit bietet, alles das zu ſagen, was ſie auf
dem Herzen haben, ſo daß dieſe Beratung gewiſſermaßen
einer erſten Leſung entſprechen würde. Dann würde die
Vorlage an die Kommiſſion gehen, worauf ſpäter im Ple=
num
nur noch einmal eine Beratung ſtattfinden würde,
eine dritte Leſung jedoch überhaupt nicht vorgenommen
wird.
Da vorausſichtlich Abänderungen kommen werden,
müſſen die betreffenden Paragraphen an das Abgeord=

netenhaus wieder zurück, wobei es ein ziemlich langes Hin
und Her geben kann, da es ſehr wohl möglich iſt, daß das
Abgeordnetenhaus die Abänderungen des Herrenhauſes
ablehnt und vice versa:

Deuſches Reich.
Die Kommiſſion des Reichstages für
das Stellenvermittelungsgeſetz hat die
erſte Leſung des Entwutfes beendet; die zweite Leſung be=
ginnt
am 20. April. Es wurde beſchloſſen, den Landes=
zentralbehörden
die Befugnis zu erteilen, über das Stel=
lenvermittelungsgeſetz
hinausgehende Beſtimmungen über
den Geſchäftsbetrieb der Vermittler zu erlaſſen. Der § 6
des Entwurfes wurde mit einem Zuſatze angenommen,
der ausſpricht, daß, wenn einem Stellenvermittler der Ge=
ſchäftsbetrieb
unterſagt wird, dieſe Unterſagung für das
ganze Gebiet des Deutſchen Reiches gilt. Den Trägern
der öffentlichen Arbeitsnachweiſe wird ausdrücklich das
Recht eingeräumt, Antrag auf Entziehung der Konzeſſion
zu ſtellen. Entziehungsbeſcheide der Behörden können im
Verwaltungsſtreitverfahren angefochten werden. Im § 9
wird eine Strafe von 600 Mark demjenigen angedroht,
der im Geſetz verbotene Vergütungen annimmt oder ge=
währt
, ſodann Perſonen, die Arbeitgeber oder Apbeitneh=
mer
zum Bruche eines eingegangenen Arbeitsvertrages
verleiten. § 10, der weitere detaillierte Strafbeſtimmun=
gen
enthält, wird unverändert angenommen, ebenſo § 11
und § 12, der den Landesbehörden das Recht gibt, die
Aufſicht auch auf die nicht gewerbsmäßige Stellenvermit=
telung
auszudehnen. Die Sozialdemokraten wollten hier=
von
die Arbeitsnachweiſe der Gewerkſchaften ausgenom=
men
ſehen. Dem wurde entgegengehalten, daß dann auch
die Arbeitsnachweiſe der Unternehmer auszunehmen ſeien,
und ein Teil der Zweckbeſtimmung des Geſetzes hinfällig
würde. Der Antrag wurde deshalb mit allen gegen zwei
Stimmen abgelehnt. Die übrigen Paragraphen wurden
unverändert gelaſſen.
Die Wahlprüfungskommiſſion des
Reichstages beriet über Maßnahmen, die dem bis=
herigen
Mißſtande ein Ende machen ſollen, daß die
Wahlprüfungen zum Teil erſt am Schluſſe der Legislatur=
periode
zur Erledigung kommen. Es wurde beſchloſſen,
mit einem entſprechenden Antrage auf Abänderung der
Geſchäftsordnung an das Plenum heranzutreten.
Es war in einigen Blättern berichtet worden, der
Hanſabund habe die Abſicht, bei der Reichstags=
erſatzwahl
im Wahlkreiſe Ueckermünde=
Uſedom=Wollin einen eigenen Kandidaten aufzu=
ſtellen
. Der Hanſabund erklärt dazu, er habe nie daran
gedacht, einen eigenen Kandidaten dort aufzuſtellen. Der
Hanſabund ſtehe gemäß ſeinen Richtlinien auf dem Stand=
punkt
, ohne Rückſicht auf politiſche Gegenſätze Fühlung
mit allen Parteien zu unterhalten, die ſeine Grundgedan=
ken
und ſeine Ziele anerkennen, und werde auch bei den‟
Wahlen, die lediglich von den politiſchen Parteien zu ma=
chen
ſeien, ſolche Kandidaten unterſtützen, die die Gewähr
dafür böten, daß ſie in ihrer Tätigkeit die wirtſchaftlichen
und wirtſchaftspolitiſchen Grundideen des Hanſabundes
würdigten. Der Hanſabund werde unter Vermeidung je=
des
Eingriffs in die Tätigkeit der politiſchen Parteien
ohne Rückſicht auf parteipolitiſche Geſichtspunkte dahin
wirken, daß Männer des erwerbstätigen Bürgertums und
der gewerblichen Praxis am parlamentariſchen Leben In=
tereſſe
nähmen und als Kandidaten aufgeſtellt würden.
Eigene Kandidaturen des Hanſabundes.
gebe es überhaupt nicht. Die Gegner des Hanſa=
bundes
ſollten nun endlich mal aufhören, mit ergebnis=
loſen
und unwahren Entſtellungen den Hanſabund als
politiſche Partei oder Vereinigung darzuſtellen.
Es wird berichtet, daß der Zentralverband der
Induſtriellen dem Deutſchen Arbeitgeberbund
für das Baugewerbe als erſte Rate fünf Millionen
Mark zur Verfügung geſtellt habe. Wie das Leipziger
Tageblatt auf Grund einer an die Arbeitgeber gerichteten
Rundfrage mitteilt, ſorgt man ſich in dieſen Kreiſen um ſo
weniger um den Streik, als der milde Winter geſtattet
hat, durcharbeiten zu laſſen. Die meiſten Bauten ſind ſo
weit fortgeſchritten, daß zum größten Teil nur noch die
Handwerker die Innenarbeiten auszuführen haben, und
demnach werden die Bauten auch zur Zeit fertig werden.
Anders liegt die Sache allerdings bei den erſt jetzt in An=
griff
genommenen Bauten. Die Lage wird bei den Ar=
beitgebern
nicht ungünſtig beurteilt. In Bankkreiſen iſt
man, wie das genannte Blatt erfährt, der Anſicht, daß
man auf beiden Seiten bald eine Einigung anſtreben wird,
ſo daß der Kampfnicht allzuſehrin die Länge

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

Nummer 87.

gezogen werden wird. Sollte dies aber doch der Fall ſein,
ſo werden die Banken ihren Geldnehmern entgegenkom=
men
und Stundung eintreten laſſen. Auf den Geldmarkt
wird die Bewegung vorausſichtlich gar keinen Einfluß
haben. In den oberrheiniſchen Städten macht ſich das Be=
ſtreben
der Bauunternehmer geltend, diejenigen Bauarbei=
ter
nicht auszuſchließen, die keiner Organiſation ange=
hören
.
Die Blätter melden aus Berlin: Die neuen Ver=
handlungen
zwiſchen dem Sekretär des Kolonial=
amtes
und der Kolonialgeſellſchaft für Südweſtafrika
wegen des großen Diamantenpachtgebietes ſol=
len
am Freitag und Samstag ſtattfinden.
In der Sitzung des Landesausſchuſſes für
Elſaß=Lothringen beantragte Dr. Höffel, der als
Mitglied der Deutſchen Reichspartei auch dem Reichstag
angehört, die Schließung der Gneiße=Wetterlé=Debatte, da
die Bevölkerung mit großem Mißtrauen dieſe Verhand=
lungen
verfolge und da die Zeichen weitgehendſten Miß=
trauens
gegen den Landesausſchuß vorhanden wären.
Sein Antrag ging aber nicht durch. ¾ Studnen lang wur=
den
noch die Disziplinarunterſuchungsakten verleſen, dann
aber erklärte Dr. Petri wieder die völlige Unhaltbarkeit
der von Dr. Pfleger gegen die Kolmarer Richter erhobenen
Beſchuldigung der Parteilichkeit. In der nun folgenden
Debatte, in der zunächſt nur Dr. Wetterlé und Blumen=
thal
ſprachen, wurde auf die verleſenen Akten nur in be=
ſchränkteſtem
Maße Bezug genommen. Dr. Wetterlé er=
blickte
die Voreingenommenheit der Richter am meiſten
darin, daß gegen ihn Offizialklage erhoben wurde und
daß der Vorſitzende nicht einen Vergleich herbeigeführt
habe. Dr. Blumenthal nahm Dr. Pfleger in Schutz; dieſer
habe optima tide ſeine Anklage erhoben und ſei kein
Juriſt. Blumenthal gab übrigens die Unparteilichkeit der
Richter zu. Im weiteren Verlaufe verlor ſich die De=
batte
in unendliche perſönliche Einzelheiten; zu Ende ge=
führt
wurde die Angelegenheit noch immer nicht und die
Debatte wird noch fortgeſetzt werden.
Ausland.
Auf dem anläßlich der Konferenz der Präſidenten
der Landeskulturräte und der landwirtſchaftlichen Geſell=
ſchaften
von Oeſterreich in Wien veranſtalteten Bankett er=
klärte
den Blättern zufolge Miniſterpräſident
Bienerth in einer Rede, die Regierung ſtehe den auf
Förderung der vaterländiſchen Landwirtſchaft
gerichteten Beſtrebungen mit warmer Sympathie gegen=
über
und ſei bereit, ihr möglichſtes dazu beizutragen,
damit die angeſtrebten Ziele wirklich erreicht würden. Das
eigene Land bleibe immer der beſte und ſicherſte Markt für
die Produkte des heimiſchen Bodens. Ich kann, fuhr der
Miniſterpräſident fort, mich ſelbſt zwar nicht einen der
Ihrigen nennen. Ich bin vielmehr, wie ein großer Staats=
mann
ſagte, ein Mann ohne Ar und Halm. Trotzdem
fehlt mir aber nicht das Verſtändnis für die Empfindungen
und Anſchauungen, die durch Bewirtſchaftung der heimi=
ſchen
Scholle ausgelöſt werden. Vaterlandsliebe und Hei=
matgefühl
, die in dem Beſitze von eigenem Grund und
Boden wurzeln, ruhen auf einer feſteren Grundlage und
machen den Landwirt zu einem ſtaatserhaltenden Element,
deſſen Treue die Probe ſtets rühmlich beſtanden hat.
Miniſterpräſident Freiherr von Bienerth konferierte
mit den Vorſtänden der einzelnen Parteiklubs. Bei den
Beſprechungen handelt es ſich ausſchließlich um die
182 Millionen Kronen=Anleihe. Der Mini=
ſterpräſident
bemerkte hierbei, daß im Intereſſe des Staa=
tes
eine raſche Erledigung dieſer Vorlage erwünſcht ſei.
Ob es zu einer Kampfesabſtimmung zwiſchen den Regie=
rungsparteien
und der Oppoſition über die Anleihevorlage
kommen wird, iſt noch nicht beſtimmt, da zurzeit Vermitt=
lungsverhandlungen
ſchweben. Sollte es dennoch zu einer
Kampfesabſtimmung kommen, ſo rechnet die Regierung
mit einer ſicheren Majorität von 15 bis 30 Stimmen.
Im engliſchen Unterhauſe fragte Graf Winterton
(konſ.) an, ob das Abkommen zwiſchen England und
Deutſchland betreffend die deutſchen Intereſſen auf
der Schantung=Halbinſel und die engliſchen Intereſſen im
Yangtſegebiet im vorigen Jahre auf das Verlangen von

Deutſchland für veraltet oder unwirkſam erklärt worden
ſei und ob infolgedeſſen Deutſchland mit Erfolg das Recht
in Anſpruch genommen habe, an dem Projekt der Han=
kau
-Canton=Bahn einen Anteil zu haben. Unterſtaats=
ſekretär
Mac Kinnon Wood erklärte, das Abkommen ſei
im Jahre 1898 von engliſchen und deutſchen Finanz=
gruppen
in den beiden erwähnten Diſtrikten vereinbart
worden. Es ſei keine förmliche Vereinbarung ſeitens der
beiden Regierungen. Das Abkommen ſei nicht aufgehoben
worden, aber die deutſche Gruppe habe im Verein mit der
engliſchen erklärt, daß es im Fall einer Anleihe für die
Hankau-Canton=Bahn und die Hankau-Szechuan=Bahn
keine Anwendung finde und man habe es nicht für rat=
ſam
gehalten, dieſe Behauptung anzufechten, was nur zu
einem ſcharfen Wettbewerb zwiſchen den verſchiedenen
Intereſſentengruppen geführt haben würde.
Lord Roſebery brachte folgende Reſolution im
Oberhauſe zur Diskutierung im Komitee ein: 1. in
Zukunft ſoll das Oberhaus aus Lords des Parla=
ments
beſtehen, welche a) durch die geſamte Körper=
ſchaft
der erblichen Peers aus ihrer Mitte und durch No=
minierung
der Krone gewählt ſind, b) die Sitze Kraft
ihres Amtes und ihrer ſonſtigen Qualifikationen inne ha=
ben
, e) anderweitig gewählt ſind. 2. Die Zeit der Be=
rechtigung
ſoll für alle Lords des Parlaments dieſelbe
ſein, ausgenommen für diejenigen, welche infolge ihres
Amtes ſitzen. Dieſe ſollen ſolange Mitglieder des Ober=
hauſes
ſein, als ſie ein Amt inne haben, das ihnen dieſe
Berechtigung gibt. Der Zeitpunkt für die Erörterung die=
ſer
Reſolutionen iſt noch nicht feſtgeſetzt.
Den Abteilungen der belgiſchen Kammer der Abge=
ordneten
lag der Entwurf der Regierung zu einer Neu=
regelung
des Zolltarifs vor. Der Finanzmini=
ſter
Liebaert legte die Notwendigkeit dar, den Zollerhöh=
ungen
Frankreichs entgegenzutreten, und beſtritt die Be=
hauptung
, daß der Entwurf aus fiskaliſchen Rückſichten
eingebracht worden ſei. Der Zolltarifentwurf ſtelle nur
eine vorübergehende Maßnahme dar. Er beabſichtige, den
Mehrertrag einem beſonderen Fonds zu überweiſen, der
den Gemeinden überlaſſen werden ſolle. Von liberaler
Seite wurde beantragt, die Abſtimmung zu vertagen, bis
Klarheit über die Abſichten der Regierung beſtehe. Von
den ſechs Abteilungen haben den Entwurf zwei angenom=
men
, zwei verworfen und zwei haben die Abſtimmung ver=
ſchoben
. Nach der Lage der Sache dürfte der Entwurf
kaum vor Herbſt vor das Plenum kommen.
Die ruſſiſche Duma ſetzte die Debatte über die
Interpellation betreffend das Reglement vom
6. September 1909 fort, nach welchem der unmittel=
baren
Sanktion des Kaiſers als oberſten Kriegsherrn alle
legislativen Fragen hinſichtlich der Organiſation der
Land= und Seeſtreitkräfte unterliegen, ſowie betreffend die
Anwendung des § 96 der Grundgeſetze.
Im Laufe der Debatte erklärte der Miniſterprä=
ſident
, es ſei nicht ſchwer, die Interpellation aus for=
mellen
Gründen zurückzuweiſen. Das Reglement vom
6. September ſei eine genau den Grundgeſetzen entſpre=
chende
Willensäußerung des Monarchen und Meinung des
Kaiſers an ſeine Regierung. Er laſſe die juriſtiſche Frage
beiſeite, wolle aber die während der Debatte geäußerten
Meinungen über die Tätigkeit der Regierung nicht unbe=
antwortet
laſſen. Die Oppoſition meine, die Regierung
habe ungeſetzlich gehandelt und verfolge konſequent den
Grundſatz, die Rechte der Duma zu beeinträchtigen. Da
die Regierung wirklich ſtreng gegen die Revolution
und die Taten der Revolutionäre vorgehe, werde ihr von
den Anhängern der Revolution eine reaktionäre Tendenz
zugeſchrieben. Auf dem Gebiete der Verwaltung ſeien wohl
Fehler und Mißbräuche möglich, aber die Regierung rotte
ſolch aus und werde ſie ausrotten. (Bravorufe rechts und
im Zentrum.) Im Laufe der drei letzten Jahre habe die
Regierung den Ausnahmezuſtand in 135 Ortſchaf=
ten
abgeſchafft; wo jedoch der Revolutionsſturm fort=
dauere
, dort werde die Regierung mit Gewalt die Ord=
nung
aufrecht erhalten ungeachtet des Geſchreis über Re=
aktion
. Rußland habe den toten Punkt ſchon überſchritten
und allmählich würden ſich normale Verhältniſſe einbür=
gern
. Nach den erlebten ſchweren Zeiten könne Rußland
nicht umhin, ſowohl mit der Regierung als auch mit der
Duma und dem Reichsrat unzufrieden zu ſein, doch werde
ſich dieſe Unzufriedenheit legen, ſobald das ruſſiſche Selbſt=
bewußtſein
ſich gekräftigt habe, was nur durch ein regel=
mäßiges
Zuſammenarbeiten der Regierung mit den geſetz=
gebenden
Körperſchaften zu erreichen ſei. (Bravo!) Zum

Schluß ſprach der Miniſterpräſident die Ueberzeugung aus,
daß die Duma die Rechte des oberſten Kriegsherrn hoch=
halte
. Die Regierung habe nie verſucht, die Rechte der
Duma zu ſchmälern. Zur Verteidigung des Vaterlandes
müßten alle ihre Kräfte vereinigen, um das höchſte Recht
Rußlands, ſtark zu ſein, zu verteidigen.

* London, 13. April. Eine Deputation von
64 Arbeitern iſt auf Anregung der Tarifreform=Liga
heute abend von London nach Deutſchland abgereiſt.
Die Deputation wird Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M. und
andere Städte beſuchen, um den Schutztarif, die Arbeits=
verhältniſſe
, ſoziale Reformen und das Erziehungsweſen
zu ſtudieren.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 15. April
* Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 8,
enthält: 1. Ueberſicht der Umlagen des israelitiſchen
Friedhofsverbandes Dalsheim im Kreiſe Worms für
1910. 2. Ueberſicht der von Großh. Miniſterium des
Innern für das Etatsjahr 1910 (Rj.) genehmigten Um=
lagen
zur Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe in den
Landgemeinden des Kreiſes Offenbach. 3. Ueberſicht der=
für
das Rechnungsjahr 1910 von Großh. Miniſterium
des Innern genehmigten Umlagen zur Beſtreitung von
Kommunalbedürfniſſen in den Gemeinden des Kreiſes
Dieburg. 4. Ermächtigung zur Annahme und zum
Tragen fremder Orden. 5. Zulaſſungen zur Rechts=
anwaltſchaft
. 6. Dienſtnachrichten.
* Militärdienſtnachricht. Graf v. Schlieffen,
Gen.=Lt. und Gouverneur von Mainz, zum General der
Kavallerie befördert.
C Ausſtellung von Rohr= und Korbmöbeln. In der
Zentralſtellefür die Gewerbe iſt zurzeit eine=
Kollektion von Rohr= und Korbmöbeln und kunſtgewerb=
lichen
Gegenſtänden gleicher Art ausgeſtellt, die von der
Firma Valentin Elſeſſer, kunſtgewerbliche Werl=
ſtatt
für moderne Rohrmöbel in Hamm i. Rheinheſſen,
gefertigt wurden. Die Kollektion umfaßt vornehmlich
Sitzmöbel aller Art, wie Stühle, Seſſel der verſchieden=
ſten
Formen, Sofas uſw., fernerhin Tiſche, Blumen=
bänke
und =ſtänder, Garderoben, Blumenvaſen und dgl.
mehr, meiſtens in Peddigrohrgeflecht ausgeführt. Es
ſind ganz reizende Garnituren darunter, die jedem
Salon zur Zierde gereichen, zumal die Möbel, beſon=
ders
die Sitzmöbel, in der Mannigfaltigkeit ihrer
Grundformen und reizvollen ornamentalen Durchbil=
dung
außerordentlich dekorativ wirten. Dabei haben
dieſe Sitzmöbel faſt ohne Ausnahme den Vorzug größ=
ter
Bequemlichkeit im Gebrauch und den der Preis=
würdigkeit
. Daß die Arbeit eine ganz vorzügliche iſt,
bedarf kaum der Erwähnung, denn es iſt bekannt, daß=
die
Korbflechterei, beſonders in Hamm, einen ungeahn=
ten
Aufſchwung genommen hat, ſeit Künſtler ſich der=
früher
ſehr primitiven Korbflechterei angenommen und
ihr Wege gewieſen, die ſie der Kunſt zuführten. Schon
die Ausſtellung Darmſtadt 1908 zeugte davon und die
gegenwärtige kleine Ausſtellung beweiſt, daß man in
Hamm auf den beſchrittenen Wege mit beſtem Erfölge
weiterſchreitet. Die neueren Möbel zeigen durchweg
moderne, künſtleriſche Formen, und es iſt geradezu er=
ſtaunlich
, welches Kunſtgewerbe aus der Korbflechterei
entſtanden iſt. Die vielſeitige Verwendbarkeit ihrer
Erzeugniſſe ſichern ihr eine Zukunft. Die Ausſtelkung,
die noch einige Zeit dauern wird, darf zum Beſuche
empfohlen werden.
Der Gedenkſtein, der vom Offizierkorps des
Leibgarde=Regiments für ſeine bei Frohnhofen
gefallenen Angehörigen geſtiftet worden iſt und über den
wir ſeinerzeit berichteten, iſt jetzt fertiggeſtellt. Er iſt im
Bauhofe der Firma Ludwig Beſt in der Friedhofsallee
ausgeſtellt, wo er jederzeit beſichtigt werden kann.
Heſſiſcher Diakonieverein. Die Generalverſamm=
lung
des Vereins wird kommenden Montag, den
18. April, nachmittags 3½ Uhr, in dem Landesſynodal=
gebäude
, Waldſtraße 40, ſtattfinden. Um 5 Uhr ſchließt
ſich ein Vortrag des Herrn Prof. Niebergall aus Heidei=
berg
über Frauendienſt in der älteſten und heutigen
Chriſtengemeinde an. Zu dem Vortrag ſind auch
Nichtmitglieder willkommen. Der Eintritt iſt frei.
n. Mitten in ſeiner Arbeit vom Tode ereilt wurde
geſtern vormittag der Kanzliſt am hieſigen Oberlandes=
gericht
Heinrich Ernſt Engelhardt, der ſeit mehr
als 30 Jahren in der Kanzlei dieſes Gerichts beſchäftigt
war. In Darmſtadt am 24. Juli 1848 geboren, hatte er
den deutſch=franzöſiſchen Krieg mitgemacht und ſich im
Dienſte ſtets als pflichttreuer, fleißiger und gewiſſen=
hafter
Beamter bewährt, ſo daß man ihn allgemein
ſchätzte. Ein Unwohlſein vor kurzem ließ er unbeachtet;
er wollte ſeine Tätigkeit nicht unterbrechen, kehrte auf
den Poſten zurück und wurde dort von einem Herz=
ſchlage
ereilt. Er hinterläßt eine Witwe und zwei
erwachſene Töchter.

Wiener Muſikbrief.
Aus Wien 12. April, wird uns geſchrieben:
Einen durchſchlagenden Erfolg errang heute bei der
Uraufführung im Hofoperntheater Der
Muſikant 2 Akte; Text und Muſik von Julius
Bittner. Vor einigen Jahren tauchte in der Reihe
der modernen Wiener Komponiſten ein junger Muſiker
auf, der bisher der großen Oeffentlichkeit unbekannt
war, und gleich ſein erſtes Werk erregte in Fachkreiſen
berechtigtes Aufſehen. Julius Bittners Rote Gred‟
war ein Werk, welches ſowohl in der Dichtung als auch
in der Muſik ſo viele dramatiſche Kraft, ein ſo ſtarkes
ſpezifiſch bühnenmäßiges Ausdrucksvermögen zeigte,
daß man in dem neuen Manne ein bedentendes Talent
begrüßen konnte, eine Begabung, die moderne Wege
ging, ohne auf moderne Abwege zu geraten. Was die
Rote Gred verſprochen hat, das hat Der Muſikant
gehalten.
Schon das Textbuch gibt Zeugnis von einer ganz
jungewöhnlichen dichteriſchen Begabung und einem
ſcharfen Blick für dramatiſche Möglichkeiten und Wirk=
ungen
. Wie in der Gred, ſo ſtehen auch hier wieder
Fahrende im Mittelpunkte der Handlung. Die Ge=
ſchichte
ſpielt um das Jahr 1780, und wenn wir den
fahrenden Tonkünſtler Wolfgang Schönbichler ſehen,
der in ſeiner treuherzig deutſchen Art die deutſche
Muſik von dem unnatürlichen italieniſchen Zierat be=
ffreien
will, ſo werden wir kaum fehl raten, wenn wir
lin ihm verwandte Züge mit jenem großen Wolfgang
erblicken, ja vielleicht dürfen wir in beiden Geſtalten
ſinnerlich dieſelbe Perſon vermuten. Neben ihm geht
die Tänzerin Violetta einher, mit ihm verlobt, ein
luſtiges, aber ungebildetes Mädel, die Sängerin ſeiner
Lieder, die er mit der ganzen Glut ſeines Künſtler=

herzens liebt. Violetta iſt ihm auch zugetan, doch in
ihren Träumen lebt die Sehnſucht nach einer ſchöneren
Welt, als dem Leben der Fahrenden, die Sehnſucht nach
Glanz und Ruhm. Wolfgang iſt ſo ganz erfüllt von
ſeiner heißen Liebe zu ihr, daß er der Geigerin Friede=
rike
nicht achtet, die ſeinem Weſen viel näher ſteht, die
ihn inniger und wahrer kiebt und die das große Wol=
len
, die große Idee ſeiner Kunſt empfindet. Da tritt
der Spielgraf Uttenſperg zwiſchen die Verlobten; ſei=
ner
Werbung, ſeinen Verſprechungen gelingt es, die
leichtfertige Violetta zu betören. Um in ſeinen Augen
zu glänzen, huldigt ſie der hohlen italieniſchen Noten=
ſpielerei
und wirft Wolfgangs tiefgefühlte Lieder, die
Schöpfungen ſeiner Liebe, geringſchätzig beiſeite. Und
als der Graf ihr von Paris erzählt, der herrlichen
Stadt voll Liebe und Luſt, da kann ſie nicht wider=
ſtehen
. Auf raſchen Pferden entflieht ſie mit Uttenſperg
des Nachts, unbekümmert darum, daß ſie dem armen
Muſikanten Wolfgang nun alles raubt. Zum Aeußer=
ſten
entſchloſſen, tritt Wolfgang mit blanker Waffe dem
Entführer in den Weg. Der aber macht kurzen Prozeß.
Ein Wink von ihm, Wolfgang iſt gefeſſelt und gekne=
belt
, und er reitet mit ſeiner Beute davon. Friederile
befreit Wolfgang von ſeinen Feſſeln und dieſer bricht
ſchluchzend auf dem Brunnenrande zuſammen. Sein
Leben will er hinwerfen, das nun keine Freude für ihn
hat. Friederike entwindet ihm das Meſſer. Ich habe
Dein Lied gerettet. Ich barg es an meinem Herzen.
Du mußt noch mehr ſolche Lieder ſchreiben, wie dies.
Denn es iſt eine neue Kunſt und eine neue Art Schön=
heit
. Ich weiß nur einen, der’s kann: Dich. Drum
mußt Du leben und ſolche Lieder machen. Nun erſt
gehen Wolfgang die Augen auf und er erkennt, daß
nicht das das Glück geweſen, das ihn treulos verließ,
daß er bis nun an ſeinem Glück vorübergegangen, es
erſt jetzt gefunden habe.

Um die Haupthandlung ſchlingen ſich reichlich Epi=
ſoden
, humorvolle und treffliche Schilderungen von
Ort und Zeit. Muſikaliſch iſt vor allem die Kunſt mei=
ſterlich
, mit der Bittner ſich faſt durchaus in modernem
Stile bewegt, dabei aber doch das Kolorit der Zeit zu
zeichnen verſteht. Die Oper zeigt nicht jene motiviſche
Struktur, die ſeit Richard Wagner als dramatiſcher
Stil gilt, Wohl finden wir einzelne Motive, von denen
aber nur das Thema von Wolfgangs Lied größere Be=
deutung
gewinnt, während die übrigen nur als Er=
innerungsmotive
auftreten, wie wir ſie ſchon bei Weber
finden. Und darin liegt der einzige Fehler des
Muſikanten. Jede Szene ſteht für ſich da, in ſich aus=
drucksvoll
geſtaltet, aber die Einheitlichkeit, die große
Form fehlt, die dem Kunſtwerk erſt die letzte Weihe gibt.
Bittners Muſik eignet eine blühende Melodieerfind=
ung
, wie wir ſie ſonſt bei modernen Komponiſten nicht
zu finden gewohnt ſind. Köſtlich iſt Bittners muſikali=
ſcher
Humor, zu deſſen Entfaltung ihm das Buch reich
lich Gelegenheit gibt. Der immer durſtige Fagottiſt
Oberſtierberger, der auf ſeine kontrapunktiſche Kunſt
ſtolze Schulmeiſter, das ganze kleinbürgerliche Milien
des Städtchens Gſcheidlheim, das alles findet in der
Muſik einen ſo erquickend frohen Ton, daß uns ſchon
um dieſer Teile allein die Muſik liebwerden muß.
Die Aufführung war, was die Soliſten betrifft,
nicht ganz einwandfrei. Dem Kapellmeiſter Bruno
Walter, der die muſikaliſche Leitung innehatte, wird
Bittner dagegen für die Ausarbeitung der Oper wohl
Dank wiſſen. Wundervoll in ihrer plaſtiſchen Pracht,
in ihrer ſtimmungsvollen Beleuchtung ſind die Dekora=
ionen
Koloman Moſers. Namentlich der zweite Akt,
der Hof der Goldenen Sonne in Gſcheidlheim, gehört
zu den vollendetſten Bühnenbildern, die wir jemals
ſahen. Der Komponiſt wurde zum Schluß ſtürmiſch
gerufen.
Johannes Brandt.

[ ][  ][ ]

Nummer 87

Darmſtädter Tagblätt, Freitag, den 15. April 1910.

Beite 3.

* Die Konzertflut hat in dieſer Woche vom 8. bis
17. April mit 8 Konzerten ihren Höhepunkt erreicht.
Ein Konzertrekord iſt für Sonntag mit zwei Kon=
zerten
am Vormittag geſchaffen. Es ſcheint, als reich=
ten
die Wochentage und die Abendſtunden nicht
mehr aus.
Silberne Hochzeit. Das Feſt ihrer ſilbernen
Hochzeit begehen am Sonntag, den 17. April, die Ehe=
leute
Heinrich Erb. Lichtenbergſtraße 78.
Die diesjährige Darmſtädter Hundeausſtellung,
veranſtaltet am 17. und 18. d. M. vom Verein der
Hundefreunde von Darmſtadt und Umgegend wird
mit nahezu 600 Hunden aus allen Gegenden des In=
und Auslandes beſchickt, ein glänzendes Reſultat im
Vergleich zu den Vorjahren und ein Zeichen dafür, in
welch gutem Rufe Darmſtadt als Ausſtellungsſtadt
ſteht. Die zum erſten Male von der Regierung geſtif=
teten
Staatspreiſe trugen dazu auch das Ihrige bei,
denn Ruhm und Anerkennung zu ernten iſt jedes Aus=
ſtellers
Ziel, und er geht nur dahin, wo ſolches zu er=
warten
iſt. Unter anderen werden ausgeſtellt 41
Barſois (ruſſiſche Windhunde), 8 Greyhounds (engliſche
Windhunde), 12 Whippets (intereſſante engliſche Renn=
hunde
), dieſelben werven hier zum erſten Male gezeigt,
40 Jagdhunde, 33 Spaniels, 26 Griffons, 57 Dober=
mannpinſcher
, 68 Schäferhunde, 19 Airedaleterriers, 19
Rottweiler, letztere 4 Raſſen werden zum Polizeidienſt
verwendet, 25 Bernhardiner, 28 Doggen, 52 Boxer, 25
Zwergpinſcher, 52 Dachshunde, 19 Pinſcher, 29 Fox=
terriers
uſw.
Das vorläufige Feſtprogramm iſt wie folgt feſtge=
ſetzt
: Samstag, den 16. April, abends 8 Uhr: Begrüßung
der Preisrichter, Ausſteller und Gäſte im Hotel Nie=
mann
im Ludwigsbahnhof. Sonntag, den 17. April,
vormittags 8 Uhr: Eröffnung der Ausſtellung; Beginn
der Prämiierung 9 Uhr; nachmittags von 4 bis 8 Uhr:
Konzert auf dem Ausſtellungsplatz; abends 9 Uhr, im
Reſtaurant Fürſtenſaal: gemütlicher Abend zu Ehren
der Preisrichter, Ausſteller und Gäſte. Montag, den
18. April, vormittags 8 Uhr: Eröffnung der Ausſtellung;
nachmittags von 3 bis 6 Uhr: Konzert auf dem Aus=
ſtellungsplatz
; nachmittags 3 Uhr: Ausgabe der Ehren=
preiſe
; nachmittags 6 Uhr: Schluß der Ausſtellung.
Ein Beſuch der Ausſtellung iſt auf jeden Fall ſehr
lohnend und belehrend und daher jedem Hundefreunde
zu empfehlen. (Siehe auch Inſerat.)
Orpheum. Die erſte Vorſtellung des intereſſan=
ten
Gaſtſpiels der Künſtler= und Schrift=
ſtellervereinigung
Münchener Scharf=
richter
und Wiener Nachtlicht findet mor=
gen
, Samstag, 16. April, ſtatt. Für den Premieren=
Abend iſt folgendes Programm feſtgeſetzt worden:
Marya Delvard, die bekannte deutſche Vortragskünſt=
lerin
, interpretiert einige Lieder aus Des Knaben
Wunderhorn komponiert von Hannes Ruch, und auch
ſatiriſche Gedichte von Ludwig Thoma, Roda=Roda,
Frank Wedekind, Hans Hyan uſw. Ferner wird die
Künſtlerin gemeinſam mit Mare Henry alte franzö=
ſiſche
Duette aus dem 16. und 18. Jahrhundert zur
Laute zum Vortrag bringen, ſowie Bretoniſche Lie=
der
in echter Bauerntracht aus Pont=Labbé (Finiſtere).
Miß Gertrud Barriſon tanzt in einem vom Wiener
Maler Karl Hollitzer entworfenen Koſtüm Rokokotänze
und einige Biedermeiertänze, ebenfalls in entſprechen=
der
Tracht. Robert Koppel wird außer ſeinen beſten
humoriſtiſchen Liedern einige Skizzen von Ludwig
Thoma vorleſen. Der Leiter des Unternehmens, Marc
Henry, ſingt einige Lieder aus ſeinem Gedichtbuch La
Chanſon d’Arlequin (in Paris erſchienen, P. Com=
maille
, Place de I'Opéra). Der Münchener Kunſtmaler
Fritz Quidam interpretiert einige Kompoſitionen von
Hannes Ruch, dem Hauskomponiſt der Münchener
Schärfrichter, jetzt Profeſſor bei dem Kölner Konſer=
vatorium
, und Leonhardt Bulmans ſingt zur Gitarre
ſelbſtkomponierte Gedichte von Liliencron, Dehmel
uſw. Die Koſtüme ſind meiſtens vom Wiener Maler
Karl Hollitzer entworfen.
Das glänzende 1. Aprilprogramm tritt heute
letztmalig auf.
Schloß Schönberg, 13. April. Die Fürſtin=
Mutter zu Erbach=Schönberg trifft am 16. April nach
längerem Aufenthalt im Kenſington Palace zu London
und nach einem vierzehntägigen auf Schloß König i. O.
zum ſtändigen Aufenthalt hier ein. In den nächſten
Tagen werden weiter erwartet: Prinz Viktor zu

Erbach=Schönberg mit Gemahlin aus München, ſowie
Prinz und Prinzeſſin Wilhelm zu Siolberg= Wernige=
rode
aus Rom. Die Erbachſchen und die Wernigerode=
ſchen
Herrſchaften begeben ſich von Schloß Schönberg
im Mai zu den Hochzeitsfeierlichkeiten nach Schloß
Lich. Fürſt und Fürſtin zu Waldeck und
Pyrmont treffen in den nächſten Tagen, von Stuttgart
kommend, zum Beſuche der Fürſtlich Erbach= Schön=
bergiſchen
Herrſchaften in König i. O. ein. Der Aufent=
halt
währt mehrere Tage. (Darmſt. Ztg.)
Aus der Herrſchaft Breuberg, 14. April. Das Erb.
Krsbl. ſchreibt: Die baulichen Veränderun=
gen
, wenn von ſolchen überhaupt geſprochen werden
kann, die auf der Burg vorgenommen worden ſind,
wurden nur ſoweit zugelaſſen, als es im Intereſſe des
neuen Unternehmens wünſchenswert war. Wer von
Zeit zu Zeit während der Inſtandſetzung der Räume
auf die Burg kam, muß dies beſtätigen. Dem Fremden
werden nach wie vor die Räume und Gebäude gezeigt,
die einen Einblick in die Bauart der Burg gewähren.
Der Ritterſaal mit ſeinen prächtigen Stuckarbeiten,
der Raum mit dem tiefen Brunnen, die alte Kapelle,
der Bergfried, von dem man eine prächtige Ausſich!
auf die Täler und Höhen des Odenwaldes hat, werden
auch in Zukunft das Intereſſe der Burgbeſucher er=
wecken
. Ueberhaupt hinterläßt die ganze Burg in
ihrer gewaltigen Ausdehnung bei dem Beſchauer einen
tiefen Eindruck. Mit der Herrichtung der Räume für
Holzſchnitzereien und der Wohnräume ging Hand in
Hand die Anlage einer Waſſerleitung. Es war
dies eine notwendige Vorausſetzung für den Betrieb
des neuen Unternehmens. Auch dem Burgwart, der
ſich ſchon viele Jahre lang von dem Wolfenhof aus
das Waſſer mühſam beſchaffen mußte, iſt die neue
Wohlfahrtseinrichtung durchaus zu gönnen. Nicht min=
der
bedeutet es für alle Beſucher der Burg Breuberg
eine Wohltat erſten Ranges. Denn vorbei iſt nun die
waſſerloſe Zeit auf der Feſte. Daß den Freunden
des Odenwaldes und der Burg der Zutritt zu den ein=
zelnen
Werkſtätten geſtattet iſt, iſt wohl zu erwarten.
Denn es liegt ſicher im Intereſſe des Leiters des
neuen Unternehmens, ſoviel als möglich den Fremden
in dieſer Hinſicht entgegenzukommen. Außerdem iſt
anzunehmen, daß eine kleine Ausſtellung von geſchnitz=
ten
Gegenſtänden ſtändig auf der Burg zu ſehen iſt.
Am Schluſſe ſei die Hoffnung ausgeſprochen, daß ſich
der neue Induſtriezweig recht kräftig weiter entwickeln
möge.
Mainz, 13. April. Zur Beſichtigung durch den Chef
und Generalinſpektor, General der Infanterie von
Beſeler=Berlin, war ein nächtlicher Ponton=
brückenbau
von der Ingelheimer Au auf die Rett=
bergsau
geplant. Unter Heranziehung der Wiesbadener
Infanterie zur Verſtärkung wurde geſtern nachmittag
um 1,50 Uhr mit der Aufſtellung der Wachtpoſten und
Patrouillen von der Kaiſerbrücke an auf der Ingel=
heimer
Au und der feindlichen Biebricher Rheinſeite
begonnen. Der Feind befand ſich bei Schierſtein und
Biebrich aufgeſtellt. Im Schutze der Dunkelheit ſollten
die Pioniere die Pontonbrücke bauen und der Feind
dies verhindern. Um vom Feinde nicht geſehen zu
werden, nahm der Korpsbrückentrain ſeinen Weg
geſtern nachmittag zwiſchen 6 und 7 Uhr über Kaſtel
mitten durch die Stadt, die Kaiſerſtraße entlang, nach
dem Floßhafen an der Mombacher Seite. Dort ange=
kommen
, wurden die 40 Pontons abgeladen, von den
Pionieren ins Waſſer geſchoben und bemannt. Mitt=
lerweile
fielen ſchon hier und da vereinzelte Schüſſe.
Man ſah hinter Sträuchern, Gräben und Erdwällen
Patrouillen liegen, die die Aufgabe hatten, den Feind
zu beobachten. Gegen 9 Uhr abends kam Leben in das
militäriſche Bild. Der Feind operierte von der
Biebricher Seite aus mit Scheinwerfern, worauf von
beiden Seiten heftig gefeuert wurde. Feindliche
Patrouillen waren auf der Rettbergsau angelangt und
ließen nun, es war 9,30 Uhr, Leuchtkugeln ſteigen,
welche die ganze Umgebung in Tageshelle umwandelten,
worauf ſofort auf die im Wachsbleicharm mit Pionieren
beſetzten Pontons ein ſtarkes Feuer eröffnet wurde.
Während nun die Aufmerkſamkeit des Feindes auf die
in der Höhe der Faſanerie operierenden Pontons ge=
richtet
war, vollzog ſich unbemerkt die raſche Fahrt der
im Floßhafen liegenden Pontons um die Spitze der
Ingelheimer Au. Gleich darauf hörte man raſendes
Pferdegetrappel und Räderknarren, im Augenblick kam

der Korpsbrückentrain nach der Spitze der Ingelheimer
Au. Pfeilgeſchwind wurden Balken und Bretter=
material
abgeladen und mit dem Bau der Pontonbrücke
begonnen. Um 10,30 Uhr ertönte das Rückzugsſignal
der Infanterie. Am andern Morgen fand von einer
kriegsſtarken Pionierkompagnie eine Sturmübung
auf Fort Biehler unter Anwendung der Sturmgeräte
ſtatt.
Mainz, 13. April. In der heutigen Sitzung der
Stadtverordneten richtete der ſozialdemokra=
tiſche
Stadtverordnete Adelung eine Anfrage an die
Bürgermeiſterei, was ſie angeſichts des Ausſtandes im
Baugewerbe bezüglich der Fortführung des Theater=
umbaues
zu tun gedenke, deſſen Stillſtand eine
ſchwere Schädigung der Mainzer Intereſſen bedeute.
Der Bürgermeiſter Baurat Kuhn erwiderte, daß die
Bürgermeiſterei morgen mit der Theaterdeputation
eine Beratung abhalten werde. Die Firma Hauswald,
der trotz ihrer verhältnismäßig hohen Forderungen
der Bau übertragen wurde, ſoll ſich damals angeblich
verpflichtet haben, im Falle der Unterbrechung der
Arbeiten eine Konventionalſtrafe zu zahlen, die die
Stadt an Direktor Behrend abführen muß.
Mainz, 14. April. Im vorigen Sommer kamen in
den D=Zügen auf den Strecken Köln-Mainz-
Frankfurt und Wiesbaden-Rüdesheim viele Dieb=
ſtähle
vor. Ein Kriminalwachtmeiſter, der die D=
Züge beobachtete, faßte ſchließlich zwei Diebe im hieſi=
gen
Hauptbahnhof ab, als ſie einem etwas angeheiter=
ten
Herrn in die Rocktaſche griffen. Es wurde feſtge=
ſtellt
, daß die beiden internationalen Diebe vorüber=
gehend
in Mainz, Köln und Wiesbaden gewohnt und
von dort aus ihre Rundfahrten in den D=Zügen ge=
macht
hatten. In Wiesbaden wurden die beiden Gau=
ner
zu 4½ Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei dem
einen, dem 50jährigen Schneider Lorenzo Maria Sche=
pers
aus Belgien fand man ein Etui mit zwei Bril=
lantnadeln
, die einem Kaufmann aus Frankfurt in
einem D=Zuge zwiſchen Emmerich und Köln geſtohlen
worden waren. Vor der hieſigen Strafkam=
mer
hatte ſich Schepers zu verantworten. Er behaup=
tete
, die Brillantnadel im Winter 1908 in Nizza ge=
ſteigert
zu haben. Da er nur Franzöſiſch ſprach, mußte
ein Dolmetſcher zugezogen werden. Dem Frankfurter
Kaufmann waren drei Brillantnadeln im Werte von
300, 80 und 400 Mark geſtohlen worden; die letztere
Nadel konnte nicht mehr beigeſchafft werden. Die Straf=
kammer
verurteilte Schepers einſchließlich der Wies=
badener
Strafe zu 5½ Jahren Zuchthaus. Der Ver=
urteilte
fing mächtig zu jammern an und ſchrie, daß er
unſchuldig wäre.
Mainz, 14. April. Wegen Beleidigung in
einem Artikel der Volkszeitung über die Behand=
lung
der Arbeiter bei der Firma S. Kiefer, Metall=
waren
= und Maſchinenfabrik in Worms, verurteilte
geſtern das hieſige Schöffengericht den Redakteur Ade=
lung
zu 50 Mark Geldſtrafe.
Nieder=Ingelheim, 13. April. Die Ehefrau des
Fuhrunternehmers Heinz von hier war mit dem Melken
einer Kuh beſchäftigt, als das unruhige Tier ihr plötz=
lich
mit dem Schwanze einen heftigen Schlag auf
das eine Auge verſetzte. Man verbrachte die Frau
alsbald in eine Mainzer Klinik, wo das Auge als total
zerſtört herausgenommen werden mußte.
Oppenheim, 13. April. 54000 Mark an Prä=
mien
haben in den letzten drei Jahren die Gemeinden
unſeres Kreiſes für das Abfangen der Hamſter aus=
gegeben
. Insgeſamt wurden eine halbe Million
Hamſter abgeliefert. Da ſich ſonach die Vertilgung
der Hamſter ziemlich koſtſpielig ſtellt, ſo will man in
der nächſten Zeit Verſuche mit den von der Landwirt=
ſchaftskammer
in Bonn empfohlenen Bazillenkulturen
anſtellen. Die Koſten belaufen ſich bei 250 Hektar
Fläche auf 100 Mark.
(*) Schotten, 14. April. Die 35. Hauptverſammlung
des heſſiſchen Tierſchutzvereins fand geſtern
hier ſtatt. Den Vorſitz führte Geh. Oberſchulrat Dr.
Scheuermann=Darmſtadt. Der Jahresbericht des
Schriftführers E. Heußlein=Darmſtadt gibt ein
klares Bild der regen Arbeit des Vorſtandes und der
günſtigen Entwicklung des Vereins, vor allem aber der
erfolgreichen Tätigkeit im Sinne des Tierſchutzes.
Viele Einrichtungen und Anordnungen ſind ſeitens der
Behörden und Körperſchaften getroffen worden, um das
Los der Tiere zu beſſern. 43000 Tierſchutzkalender

Wie Goethes Fauſt auf die
Bühne kam.
** Die erſte Aufführung des Goetheſchen Fauſt
hat unter der Leitung Auguſt Klingemanns am
19. Januar 1829 am Hoftheater in Braunſchweig
ſtattgefunden. Wie dieſe erſte Darſtellung des Werkes,
das man damals als unaufführbar hielt, zuſtande kam,
darüber erzählt Guſtav Starcke im Neuen Weg nach
den Erinnerungen eines alten Schauſpielers intereſ=
ſante
Einzelheiten.
Klingemann hatte ſelbſt ein vielgeſpieltes Theater=
ſtück
Fauſt, ein dramatiſches Gemälde in fünf Auf=
zügen
, nach der alten Legende bearbeitet, verfaßt. Am
31. Oktober 1820 wurde dies Stück auf der von ihm ge=
leiteten
Bühne geſpielt, und Herzog Karl von Braun=
ſchweig
kam auf die Bühne, um ihm ſein Lob auszu=
ſprechen
. Der Herzog, der es liebte, in kurz abgebro=
chenen
Sätzen zu ſprechen, ſtreckte den Zeigefinger aus
und ſprach zu Klingemann: Fameux, fameux mir
gefallen gut geſpielt mich prächtig amüſiert in
dem Stück. Der Dichter verneigte ſich pflichtſchuldigſt
und ſagte beſcheiden: Durchlaucht, es iſt kein Goethe=
ſcher
Fauſt. Goethe? Miniſter Goethe? Wei=
mar
? Fauſt geſchrieben? Warum nicht aufführen?
Durchlaucht erwiderte Klingemann, er iſt nicht für
die Bühne beſtimmt. Was? Nicht beſtimmt? Für
die Bühne herrichten! Machen! Durchlaucht, er=
laubt
ſich der Direktor zu bemerken, das ganze Gedicht
iſt von großer Schönheit, aber es enthält nur loſe an=
einander
gereihte Szenen, es iſt kein Drama, es iſt
kein Ganzes. Was? Kein Ganzes? Gut ganz
machen! Glauben wohl Ihren Fauſt zu ſchädigen?
Erſt recht aufführen! Punktum! Aufführen! Mir
Buch ſchicken! Und damit drehte ſich Durchlaucht auf
dem Abſatz herum. Grundgütiger Himmel, ſeufzte
Klingemann, die Hände zuſammenſchlagend, was ſoll
das werden?!
Am nächſten Morgen ſandte man dem Herzog das
Buch von Fauſt. Mittags erhielt es Klingemann zu=
rück
mit der lakoniſchen Bemerkung: Aufführen!
Ja, das ließ ſich wohl ſehr leicht ſchreiben: aufführen
aber wie? Wie konnte man die einzelnen Szenen
zu einem Ganzen ſchmieden?! Klingemann machte ſich
nun mit einigen ſeiner Schauſpieler daran, eine Büh=
neneinrichtung
herzuſtellen und die Rollen zu vertei=
len
, es kam zu keinem Reſultat. Nun ſetzte er ſich
hin und ſchrieb einen unterwürfigen, ausführlichen

Brief an Goethe, in dem er Seiner Exzellenz den Wil=
len
des Herzogs mitteilte und hinzufügte, er könne aus
Pietät und Verehrung für den großen Dichter die
Sache nicht vorſichtig genug anfaſſen, erſuche deshalb
um gütige Winke und Andeutungen, wie das Werk in
des Dichters Sinn darzuſtellen ſein dürfte. Nach einer
Pauſe von länger denn 14 Tagen traf die Antwort
Goethes ein. Leider iſt ſie im Wortlaut nicht wieder=
zugeben
, da der Brief aus dem Archive verſchwunden
iſt; aber er ſoll nach Verſicherungen etwa ſo gelautet
haben: Ew. Wohlgeboren! Als Antwort auf Ihr
Schreiben vom 4. November bemerke ich, daß mein
Werk im Druck erſchienen und Gemeingut des Publi=
kums
geworden iſt. Ich füge hinzu, daß ich mich ſeit
Jahren nicht mehr mit dem Theater befaſſe, machen Sie
daher mit meinem Fauſt, was Sie wollen. v. Goethe.
Nun unternahm Klingemann wohl oder übel ſelbſt die
Bearbeitung des Fauſt und die Aufführung fand
dann mit viel Erfolg ſtatt.

Konzerte.
Mm. Ein lebendiges Stück Muſikgeſchichte bot auch
wieder der zweite hiſtoriſche Violinſona=
ten
=Vortrag durch die Herren Kammermuſiker
Fritz Mehmel von hier und Fred. M. Voß aus
Mainz, welcher am Mittwoch, den 13. April, abends.
im Saale des Hotels Zur Traube ſtattfand und
ebenſo, wie der erſte, einen ſehr ſchönen Erfolg hatte.
Dieſes Mal waren es die klaſſiſchen Meiſter der So=
natenform
, die zu uns redeten und deren Werke die
Fortentwickelung dieſer beliebten und verbreiteten
Form, die in jedem muſikliebenden Hauſe heimiſch iſt,
in ſehr geſchickt ausgewählten Beiſpielen an unſerem
Ohr vorüberziehen ließen. Was äußerlich zunächſt
auffällt, iſt die größere Ausdehnung der einzelnen
Sätze gegenüber den im erſten Vortrag gebrachten
älteren Tonſetzern, aber auch der bedeutſamere Inhalt
kann neben der Erweiterung der Form dem aufmerk=
ſam
Hörenden nicht entgehen. Den Anfang machte
Mozarts Sonate Nr. 454 in B=dur, die, in ihren
erſten Sätzen noch ein wenig an die ältere Zeit er=
innernd
, zu neuen Ideen überleitet und in ihrem letz=
ten
Satz mit ſeiner geiſtreichen Themenbildung reiche
neue Gedanken miteinander verbindet und motiviſch
verarbeitet. Wer ſich noch vollſtändiger einmal gerade
in die Ausübung der Tonkunſt jener Zeit ſo recht an=
ſchaulich
im Geiſte zurückdenken möchte, findet ein
recht gut erhaltenes Klavierinſtrument mit Flöten=

werk im Landesmuſeum (ein älteres, dort gleichfalls
unlängſt aufgeſtellt geweſenes Kielfederklavier iſt lei=
der
wieder verſchwunden).
Wenn noch bei Mozart ein wenig das ſinnen=
fällige
tändelnde Spielen mit Tönen vorherrſcht,
wie es dem Geiſte ſeiner Zeit entſpricht, ſo nach der
Seite des gemütlichen Inhalts hin bei dem faſt um
25 Jahre jüngeren Beethoven (17701827) die
Sprache der Seele, welche ſich in Tönen mitteilen
will. In ſeiner Fdur=Sonate Nr. 5 op. 24 gibt er,
der ſonſt ſeinem Vorgänger in der formalen Geſtalt=
ung
noch ziemlich nahe ſteht, der Violine eine größere
Selbſtändigkeit vor dem Klavier, die beide Inſtru=
mente
in dem Ausdruck ihrer Gefühlsausſprache auf
eine gleich hohe Stufe der Vollendung ſtellt; neu iſt
fernerhin die Einführung des Scherzo, welches die
ernſten Sätze trennt und, faſt bis zum Schluß den
Hörer zu täuſchen ſuchend, in neckiſchem Haſchen der
Töne des vorauseilenden Klaviers ein anmutiges
Fangſpiel vorſtellt. Mit dem temperamentvollen Vor=
trag
des Rondo ſchließt dieſes Werk, welches ein be=
ſonders
gut gewähltes Beiſpiel iſt für den Anteil Beet=
hovens
an dem Werdegang dieſer Kompoſitions=
gattung
.
Nahe geiſtige Verwandtſchaft zeigen auch Schu=
mann
und Brahms, deren dargebotene Werke beide
die Molltonart bevorzugen. Robert Schumann,
dem nur 46 Lebensjahre beſchieden waren und deſſen
100. Geburtstag wir im Juni feiern, hat mit ſeiner
Violinſonate op. 105 die Ausdrucksfähigkeit der Ton=
ſprache
noch weiterhin vertieft und mit leidenſchaft=
lichem
Ausdruck wie er ſeinen erſten Satz über=
ſchreibt
, neuen Gefühlsregungen die entſprechenden
Töne verliehen. Dem ausdrucksvollen Werk des in
raſtloſem Schaffen zu voller Reife gekommenen gro=
ßen
Romantikers ſteht würdig zur Seite die D-moll=
Sonate op. 108 von Joh. Brahms (183397), die mit
ihren erſten Sätzen ſchon einen tiefen und nachhalti=
gen
Eindruck erzielt, den die letzten noch erhöhen.
Die Ausführung der Werke, die einen klaren
Ueberblick über das Schaffen der deutſchen Meiſter ge=
währte
, ließ nach keiner Richtung hin einen Wunſch
unbefriedigt. Sowohl Herrn Mehmels ſtilvoller und
korrekter ſicherer Vortrag als auch die Durchführung
der umfangreichen Klavierbegleitung ſeitens des
Herrn Voß, der dem Mandflügel prächtige Klänge ent=
lockte
, verdienen uneingeſchränktes Lob.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

lummer 87.

wurden an Schulkinder abgegeben, 600 Schriften vom
Bureau verſandt, 400 Mark an ſolche Perſonen als
Prämien verteilt, die ſich im Sinne des Tierſchutzes
verdient gemacht hatten. Ein Preis von 300 Mark
wurde für die beſte Erzählung ausgegeben. Unter den
Prämiierten befinden ſich 17 Gendarmen, 17 Schutzleute,
14 Dienſtmädchen und einige Kutſcher. Dem Tierſchutz=
verein
wurden von Sparkaſſen und Privaten 1004
Mart geſchenkt, davon 500 Mark von Frl. P. Müller=
Wimpfen. Der Verein nahm in 1909 um 157 Mitglieder
zu. Redner ſpricht noch ganz beſonders den Lehrern
für ihre eifrige Mithilfe im Tierſchutz Dank aus. Der
Tierſchutz iſt unentbehrlich für die Volkserziehung.
Nach lebhaftem Beifall dankte der Vorſitzende dem
Redner und erſtattete den Rechenſchaftsbericht für 1909.
Es bleibt ein Ueberſchuß von 2007 Mark. Das Geſamt=
vermögen
iſt 10251 Mark. Der Voranſchlag für 1910,
der in Einnahme und Ausgabe 8420 Mark vorſieht, fand
einſtimmige Annahme. Für Geldprämien ſind 500
Mark, für Kalender 2000 Mark vorgeſehen. Hauptlehrer
Knauß=Gießen gibt die Anregung, der Verein möge
Schritte tun, daß die Abfuhr des Holzes aus den
Wäldern nicht mehr bis zum 15. Juli erfolgen müſſe,
ſondern ſchon bis 1. April, da gerade vom April bis
Juli die Singvögel gern in den Holzhaufen brüteten
und bei der Abfuhr die Brut vernichtet werde. Der
Vorſitzende will bei der Oberforſtbehörde einen dahin=
gehenden
Verſuch unternehmen. Der Vorſitzende
teilt mit, daß der Vorſtand beſchloſſen habe, die Tier=
ſchutzzeitſchrift
in 200 Exemplaren in Leſezimmern und
anderen geeigneten Lokalen aufzulegen, damit die
Ideen des Tierſchutzvereins eine weite Verbreitung
fänden. Von großem Intereſſe war noch der Vortrag
des Oberlehrers Dr. Rauſch über Unſere Haustiexe
im Lichte der Sprache und Geſchichte‟. Geh. Oberſchul=
rat
Schenermann dankte allen Teilnehmern für das
Intereſſe am Tierſchutz, namentlich auch den erſchienenen
Damen, und ſchloß um ½5 Uhr die anregend verlaufene
diesjährige Hauptverſammlung.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 13. April. Zu dem
ſchweren Automobilunglück im Grunewald, bei
dem, wie berichtet, die Gattin des Rittmeiſters a. D.
Georg Fahrentholtz aus Weſtend tödlich verletzt worden
iſt, wird noch folgendes gemeldet: Der Chauffeur
Schultz, der das verunglückte Automobil leitete, iſt im
Laufe des heutigen Vormittags noch einmal vernommen
worden. Es gewinnt immer mehr den Anſchein, als
ob er die bei Pichelsberge gelegene Kurve in zu
ſchnellem Tempo genommen und dadurch das Unglück
herbeigeführt hat. Jene Kurve iſt eine der berüchtigt=
ſten
Stellen im Grunewald, ſie iſt um ſo gefährlicher,
als ſie ſtark anſteigt und dabei nach außen abfällt. Aus
den ſonſtigen Zeugenausſagen geht beſtimmt hervor,
daß der Chauffeur ein ſehr ſchnelles Tempo eingehalten
hat. Svweit feſtgeſtellt werden konnte, war er trotz
vorheriger Warnung mit einer Mindeſtgeſchwindigkeit
von 60 Kilometern den Berg hinangefahren. Schon
nach der erſten Kurve wollte der Rittmeiſter Fahrent=
holtz
den Wagen verlaſſen, wenn der Chauffeur das
nach ſeiner Anſicht übermäßige Tempo einhielte. Bevor
er jedoch an der zweiten Kurve ſeine Warnung noch=
mals
ausſprechen konnte, war das Unglück geſchehen.
Faſt an derſelben Stelle hat ſich erſt vor kurzem ein
ſchwerer Unfall ereignet, bei dem zwei Perſonen getötet
wurden. Der Rittmeiſter Georg Fahrentholtz ſtand bis
vor kurzem bei der zweiten Eskadron des Jäger= Regi=
ments
zu Pferde Nr. 5 in Mülhauſen im Elſaß. Vor
etwa vier Wochen nahm Fahrentholtz den Abſchied und
ſiedelte mit ſeiner im 31. Lebensjahre ſtehenden Frau
Charlotte, die eine geborene Nauck aus Berlin war,
und den Kindern nach Weſtend bei Charlottenburg
über. Die Leiche der verunglückten Frau Rittmeiſter
Fahrentholtz iſt vorläufig noch nicht freigegeben, weil
erſt die Verfügungen der Staatsanwaltſchaft des Land=

gerichts III abgewartet werden ſollen. Gegen den
Chauffeur Schultz, der das Unglück verurſachte, iſt ein
Ermittelungsverfahren wegen fahrläſſiger Tötung ein=
geleitet
worden. In der Nähe derſelben Stelle, wo ſich
geſtern nachmittag das beklagenswerte Automobil=
unglück
ereignete, im Grunewald, hat ſich heute nach=
mittag
wiederum ein Automobilunfall zuge=
tragen
, der jedoch glücklicherweiſe weniger ernſt verlief.
Gegen 1 Uhr mittags paſſierte eine Autodroſchke die
gefährliche Kurve der Schildhornchauſſee. Gleich danach
verſagte die Steuerung, und das Auto raſte mit ſeinen
Inſaſſen in den dort befindlichen Sumpf. Der
Chauffeur konnte ſich durch einen Sprung noch in
Sicherheit bringen. Die Inſaſſen ſeine Familien=
angehörigen
, die er zu dieſer Fahrt mitgenommen
hatte waren aber im Innern des Wagens und
konnten ſich nicht befreien. Von dem nahegelegenen
Reſtaurant eilten die Angeſtellten herbei, und mit
ihrer Hilfe gelang es nach längeren Mühen, die Einge=
ſchloſſenen
zu befreien. Sie waren glücklicherweiſe mit
Hautabſchürfungen davongekommen. Der ruſſiſche
Mädchenhändler Wallerſtein iſt geſtern auf
dem Potsdamer Bahnhof in dem Augenblick verhaf=
tet
worden, wo er in Begleitung zweier Mädchen über
Paris nach Südamerika fahren wollte. Wallerſtein
wohnte mit einem anderen Ruſſen, Silberreich, ſeit
einiger Zeit in einem kleinen Hotel in der Grenadier=
ſtraße
als Stellenvermittler. Das Treiben der Männer
war einer Aufwartefrau aufgefallen, die die Polizei
benachrichtigte. Dieſe ſtellte dem Händler eine Falle,
in die er auch hineinging. Silberreich, der ſich auch
andere Namen, wie Kieve und Meyer, zulegt, iſt eben=
falls
verhaftet worden. Aus dem Moabiter Zellen=
gefängnis
wurde ein Mann der Freiheit wieder=
gegeben
, der im Jahre 1876 wegen Mordes zu m Tode
verurteilt, vom Kaiſer aber zu lebenslänglichem
Zuchthaus begnadigt worden iſt. In dem Straßen=
gewirr
der inzwiſchen um Millionen angewachſenen
Reichshauptſtadt benahm er ſich wie ein zitternder
Knabe.
Fechenheim, 12. April. Fünfzig Jahre ſind ver=
gangen
, ſeitdem auf Anregung des Frankfurter Turn=
vereins
die Turnvereine unſerer Gegend auf der
Mainkur zur Beratung turneriſcher Angelegenheiten
ſich verſammelten und den Maingau=Verband‟
den älteſten Gau des Mittelrheinkreiſes, ins Leben
riefen. Zur Feier dieſes 50jährigen Beſtehens wird
am 2., 3. und 4. Juli dieſes Jahres in Fechenheim ein
Jubiläums=Turnfeſt abgehalten. Um ein bleibendes
Andenken an die Tage zu haben, wird ein Jahn=
denkmal
errichtet werden, zu deſſen Ausführung
von der hieſigen Einwohnerſchaft in opferwilliger Weiſe
namhafte Beträge gezeichnet ſind. Das Denkmal wird
in dem früheren Schulhof an der Langſtraße inmitten
hübſcher Baumanlagen errichtet werden. Von den
zahlreichen Entwürfen, die für das Denkmal angefer=
tigt
waren, wurde der Entwurf des Herrn Andreas
Laber in Fechenheim als der zweckmäßigſte erwählt,
nach deſſen Zeichnung nun das Denkmal in Arbeit
genommen werden kann. Standort iſt der mit ſchönen
Brunnenanlagen gezierte frühere Schulhof an der
Langſtraße.
Metz, 13. April. Vor dem hieſigen Amtsgericht
kam heute ein Prozeß zum Abſchluß, der allgemeines
Intereſſe beanſpruchen darf. Die Vorgeſchichte iſt kurz
olgende: Herr Otto Weil, der Metzer Theaterreferent
der Straßburger Neuen Zeitung hatte in ſeinen Kri=
tiken
die Leiſtungen der Metzer Bühne abfällig beur=
teilt
. Der Direktor des Metzer Stadttheaters, Brucks,
hatte daraufhin dem Kritiker den Beſuch des
Theaters unterſagt unter Androhung einer
Verfolgung wegen Hausfriedensbruchs. Weil ging
nun gegen den Theaterdirektor klagbar vor, indem er
hervorhob, daß der von der Stadt angeſtellte Direktor
gar nicht das Recht habe, aus eigener Machtvollkom=
menheit
den Beſuch des ſtädtiſchen Theaters zu ver=
bieten
. Das Amtsgericht ſchloß ſich in ſeinem Urteil

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Leipzig, 13. April. Heute morgen um 5½
Uhr ſtarb im Alter von 86 Jahren Kommerzienrat
Julius Blüthner, der Begründer, der welt=
bekannten
Pianofortefabrik gleichen Namens. Julius
Blüthner war am 11. März 1824 zu Falkenhain, Re=
gierungsbezirk
Merſeburg, geboren. Er begründete
1853 mit drei Arbeitern in Leipzig eine Pianoforte=
fabrik
, die er zu einer der bedeutendſten Europas er=
hob
. Die Fabrikräume wurden von Jahr zu Jahr er=
weitert
, ſodaß die Anlage nun ein Stadtviertel von
24850 Quadratmetern bildet und über 600 Arbeiter
beſchäftigt. Jährlich vollendet werden ungefähr 1500
Flügel und 1500 Pianinos: bis 1904 waren im gan=
zen
63000 Inſtrumente geliefert. Die Fabrik führt
nach allen Weltgegenden aus und iſt an allen bedeu=
tenden
Plätzen vertreten.
** Der längſte Tunnel der Welt, ſo wird
aus New=York berichtet, ſoll jetzt in Amerika erſtehen.
Es handelt ſich um einen nicht weniger als 35 eng=
liſche
Meilen langen Tunnel, der durch die Kaskaden=
berge
im Staate Waſhington gebohrt werden ſoll, um
den öſtlichen Teil des Staates mit der Küſtenregion
zu verbinden. Die Pläne, die von dem General H.
M. Chittenden vom amerikaniſchen Ingenieurkorps
ausgearbeitet ſind, veranſchlagen die Baukoſten auf
rund 4 Millionen Mark für die engliſche Meile. Um
den Tunnel mit den beſtehenden Bahnlinien zu ver=
binden
, wird der Bau eines neuen Schienenſtrangs
von 327 engliſchen Meilen Länge erforderlich. Bei der
Einführung elektriſchen Betriebes erfordert der groß=
zügige
Plan einen Koſtenaufwand von rund 300 Mil=
lionen
Mark. Beſondere Wagen ſind vorgeſehen, die
dazu dienen ſollen, auch Straßengefährte durch den
Tunnel zu befördern.

Kleines Feuilleton.
C.K. Eine erfolgreiche Kollekte. 1300000
Mark, das war das Ergebnis einer geſchickt inſze=
nierten
Kollekte, die der Rev. Dr. Aked, der Geiſtliche
der Baptiſtenkirche in der New=Yorker 3. Avenue, am
Sonntag in ſeiner Millionärskirche veranſtaltete. Der
Reverend wußte ſeine Leute zu nehmen. Schon die
Liedertexte bereiteten die frommen Millionäre auf das
Kommende vor; dann beſtieg der Geiſtliche die Kanzel
und ſprach einen zündenden Aufruf, in dem er um
freiwillige Gaben zum Neubau des Gotteshauſes bat.
Mr. Buſhell, ſo fuhr er fort, der Baß unſeres Cho=
res
, eröffnet die Kollekte mit 2000 Mark. Zugleich
würden Subſkriptionsſcheine herumgereicht. Die
Geber werden verleſen. Das gab den entſcheidenden
Anſtoß. Bald konnte Dr. Aked vorleſen: Herr K. 500
Dollar, Herr Y. 20000. Inmitten größter Stille
ſprach er dann weiter: Frau John D. Rockefeller 2000
Mark, Frau John D. Rockefeller jun. 4000 Mark, Herr

John D. Rockefeller jun. 100000 Mark und Mr. Rocke=
feller
1 Dollar für jeden Dollar, der von der Geſamt=
heit
der Spender gezeichnet wird. Alle Blicke richte=
ten
ſich auf den berühmten Milliardär, aber Dr. Aked
fuhr fort, ein verſchmitztes Lächeln in ſeinen Mienen:
Die ſträfliche Neugier der Leute außerhalb der Kirche
iſt ſchrecklich, wir werden es nicht verhindern können,
daß alle Blätter die Spenderliſten veröffentlichen. Die
zarten Winke erfüllten ihren Zweck vollkommen. Als
nach einer Stunde die Kollekte beendet war, hatte ſie
die Summe von 650000 Mark erreicht, und da Rocke=
feller
von ſich aus den gleichen Beitrag zur Verfüg=
ung
ſtellte, ſo endete der Gottesdienſt nach einer hal=
ben
Stunde mit einem Reingewinn von 1300000
Mark.
** Von einer gelungenen Beſtechung
erzählt der Gaulois eine amüſante Geſchichte. Kürz=
lich
kommt ein franzöſiſcher Bauer zum Advokaten und
bittet ihn, einen Prozeß gegen den Nachbar zu über=
nehmen
. Der Rechtsanwalt hielt den Fall juriſtiſch
für ausſichtslos, er wollte ihn ablehnen, aber ſchließ=
lich
übernahm er doch die Verteidigung des hartnäcki=
gen
Bäuerleins, allerdings nicht, ohne dem Kläger vor=
herzuſagen
, daß unter allen Umſtänden ſein Gegner
triumphieren werde. Der Bauer überlegt hin und
überlegt her. Plötzlich fragt er: Glauben Sie nicht,
Herr Doktor, daß es gut wäre, dem Richter vielleicht
zwei Haſen zu ſchicken? Aber um Gottes willen, be=
gehen
Sie bloß nicht eine ſolche Dummheit; damit
wäre Ihre Sache endgültig verloren. Nun gut,
meint der pfiffige Landmann, ſprechen wir nicht mehr
davon, und ging ſeine Wege. Zehn Tage ſpäter iſt
Termin. Der Rechtsanwalt plädiert ohne Feuer und
Ueberzeugung; wie groß iſt ſein Erſtaunen, als ſein
Klient vom Gericht in allen Punkten Recht erhält. Der
Gegner wird verurteilt, das Bäuerlein triumphiert.
Mit pfiffigem Lächeln tritt er zu ſeinem Anwalt heran
und klopft ihm freundlich auf die Schulter: Na, Herr
Doktor, ſehen Sie nun, wie meine zwei Haſen ihren
Zweck erfüllt haben! Wie, Sie haben es gewagt, dem
Richter die Haſen zu ſchicken? Und ob, antwortet
der Bauer ſtolz; nur daß ich ſie im Namen meines
Gegners geſchickt habe.
* Eine humorvolle Frauenrechtlerin.
Die ehemalige Schauſpielerin und Zeitungsheraus=
geberin
Margnerite Durand in Paris, die im neunten
Bezirk als Kammerkandidatin der Frauenrechtlerinnen
auftritt, ſtellte in einer Wählerverſammlung einen
Idioten als Mandatsbewerber vor und wies dar=
auf
hin, daß die Männer ohne Rückſicht auf ihre Gei=
ſteskräfte
Wähler und wählbar ſeien, während die
Frauen dieſes Recht überhaupt nicht beſäßen. Als ein=
zelne
Wähler gegen dieſe Schauſtellung Einſpruch er=
hoben
, beruhigte ſie Frau Durand mit den Worten!
Dieſer Mann weiß nicht, was mit ihm geſchieht. An
ſeinem Geſichtsausdruck können Sie ſogar ſehen, daß

dieſer Anſicht an und ſtellte feſt, daß dem Kläger wegen
ſeiner Tätigkeit als Kritiker der Zutritt zu dem
Theater nicht verboten werden könne. Der Theater=
direktor
wurde verurteilt, dem Kläger Zutritt
gegen Vorweis der Eintrittskarte zu geſtatten. In
der Urteilsbegründung wird feſtgeſtellt, daß Direktor
Brucks wohl in geſchäftlicher und techniſcher Hinſicht in
weitgehendſtem Maße ſelbſtändig ſei, daß aber die
Stadt ſich eine fortwährende Kontrolle vorbehalten
habe, daß ſie Eigentümerin des Inventars ſei und=
jährlich
35000 Mark Zuſchuß zur Verfügung ſtelle bei
unentgeltlicher Benutzung des Theaters. Daher ſei
das Theater eine öffentliche Unternehmung der Ges
meinde im Sinne des § 54 der Gemeindeordnung, zu
der jedem Bürger der Zutritt offen ſtehe. Der Klägen
habe alſo auf Grund ſeiner Abonnementskarte das
Recht des Beſuchs. Es ſtehe jedem frei, über die Leis
ſtungen der Schauſpieler eine Kritik im guten oder
ſchlechten Sinne zu fällen. Das Recht des Theaterzus
tritts hänge davon nicht ab. (Frankf. Ztg.)
Hamburg, 13. April. Die Bürgerſchaft nahm
einſtimmig einen Antrag des Senats an auf Bewilligs
ung von 1339300 Mark für die Erbauung eines In=
ſtituts
für Schiffs= und Tropenkrankheiten.
Paris, 13. April. Im oberſten Stockwerk der
Großen Oper kletterten bei der Abhaltung der Ballett=
ſchule
mehrere Knaben und Mädchen im Uebermut auf
das Kuppeldach. Dabei ſtürzte der 10jährige Sohn
eines ſeit Jahren in Paris lebenden deutſchen Mecha=
nikers
auf das Straßenpflaſter und war ſofort tot.
Saint Etienne, 13. April. Der verhaftete Dupla=
nil
iſt 37 Jahre alt und leidet an Verfolgungswahn=
ſinn
; er ſtand bereits wegen Bedrohung verſchiedener
Perſönlichkeiten unter Anklage. Da er unzuſammen=
hängende
Angaben machte, wurde er allgemein für
geiſteskrank gehalten.
Tokio, 14. April. Auf der Reede von Kobe explo=
dierte
eine Dynamitladung von 130 Tons,
wodurch viele Perſonen verwundet und in der Stadt
und Umgegend ſchwere Beſchädigungen verurſacht=
wurden
.

Kunſtnotizen.
(eber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Der katholiſche Mädchenſchutzverein=
der
ſeit 10 Jahren hier ſegensreich wirkt, deſſen Mit=
gliederzahl
aber verhältnismäßig leider immer noch recht
gering iſt, bedarf deshalb noch beſonderer Mittel für=
ſeine
Zwecke und iſt genötigt, wenigſtens alle 2 Jahre
durch eine künſtleriſche, zugleich unterhaltende Ver=
anſtaltung
(was ja bekanntlich immer leichter die
Herzen und Taſchen öffnet, als das einfache Betteln!),
ſich dieſe außerordentliche Hilfe zu verſchaffen. Dieſelbe=
muß
hauptſächlich dazu dienen, die Zinſen aufzubringen,
die für das Baukapital zu zahlen ſind, das noch auf
dem ſeiner Zeit errichteten ſchönen und ſo überaus nütz=
lichen
Mädchenheim ruht. Die bewährte muſikaliſche
Leitung des Herrn Muſikdirektor Klaſſert bürgt für
einen künſtleriſchen Erfolg; die beſten Kräfte des Kirchen=
chors
St. Ludwig werden (außer geſanglichen Dar=
bietungen
) ein ſehr hübſches Luſtſpiel aufführen und da=
ſogar
Herr Kammerſänger Weber in ſelbſtloſer,
dankenswerteſter Weiſe ſeine Kunſt in den Dienſt der
guten Sache geſtellt hat, ſo ſteht den Zuhörern ſicher
ein genußreicher Nachmittag bevor. Außerdem wird
zwiſchen dem muſikaliſchen und theatraliſchen Teil eine
Thee=Pauſe Erfriſchungen bieten. Wir verweiſen auf die
Anzeige in heutiger Nummer, die Zeit und Ort ꝛc. der
Veranſtaltung angibt und hoffen, ein volles Haus zu
gewinnen. Für das Büffet gütigſt geſtiftete Eßwaren
und Getränke möge man am Sonntag, den 24. d. vor=
mittags
, direkt in den Konkordiaſaal ſenden; die An=
meldungen
derſelben, ſowie eventuelle Geldgaben hierfür
werden ſchon recht bald erbeten, und Steinſtraße 15II
dankbar in Empfang genommen.

es ihm Spaß macht, ſich hier zu befinden. Möge er
uns als Beweisobjekt für den Widerſinn unſeres ſo=
genannten
allgemeinen Stimmrechts dienen.
* Zwölf Jahre alte Butter. In den großen
Kühlhäuſern hält ſich die Butter, die zur Zeit der Ueber=
produktion
dorthin gebracht wird, nicht länger als ein
Jahr einigermaßen gut; es müſſen ſchon ganz feine und
beſonders ſorgfältig verpackte Sorten ſein, die über dieſe
Zeit hinaus einen reinen Geſchmack bewahren. Eine Spe=
kulation
mit Butter, wie ſie bekanntlich im Berliner But=
terkrieg
den Großhändlern vorgeworfen wird, iſt daher
nur auf eine kurze Zeit berechnet. Anders wäre es, wenn
ſich die in den europäiſchen Kühlhäuſern eingelagerte But=
ter
ſo lange und ſo gut halten würde, wie das bei einer
Doſe der Fall iſt, die von der zurzeit am Kap Flora befind=
lichen
arktiſchen Expedition Segler aufgefunden wurde.
Dieſe Doſe lag im Polareis und war der Reſt eines der
Lebensmitteldepots, die vor zwölf Jahren für den unglück=
lichen
Andrée errichtet wurden. Die aus Blech beſtehende
Doſe war ſtark verroſtet, enthielt aber Butter, die noch ſo
tadellos war, daß die Teilnehmer der Expedition ſie für
völlig friſch hätten halten müſſen, wäre nicht die Herkunft
genau bekannt geweſen.
* Karl May und der Stamm der Ha=
deddihn
. Der Jugendſchriftſteller Karl May,
deſſen Erzeugniſſe nur rückſtändige Leute als wirkliche
Literatur betrachten konnten, hat als Schriftſteller zwei
ſehr verſchiedene Geſichter: auf dem einen war er der
fromme, gottgläubige ſittliche Mann, auf dem anderen
der fauniſche Vertreter einer entſchieden pornographi=
ſchen
Kolportageliteratur, die er natürlich für einen
anderen Verlag als den frommen fabrizierte. Belu=
ſtigend
iſt die Art, wie May ſeine Anhängerſchaft, die
ſich häufig brieflich an ihn wandte, düpierte, indem er
z. B. eines Tages ankündigte, er habe wieder eine
große Reiſe vor und könne daher einlaufende Briefe
nicht raſch beantworten. Ein andermal ſchickte er eine
Poſtkarte, daß er eben völlig erſchöpft wieder in Dres=
den
angekommen ſei, das er in Wirklichkeit gar nicht
verlaſſen hatte, und dergleichen mehr. Zu ſeinen
Schwindeelien gibt die Frkf. Ztg. folgenden Beitrag:
Es war im Jahre 1899. Damals wurden die Romane
Karl Mays aus den Bibliotheken der bayeriſchen
Mittelſchulen verbannt, weil ſeine Phantaſie für die
Jugend zu gefährlich ſei, und die Frankfurter Zeit=
ung
billigte das unter Hinweis darauf, daß ſeine
Ich=Erzählungen, in denen er ſich ſelbſt zum Helden
machte, offenbar durchaus erfunden ſeien. Karl Mays
Verleger ſchrieb darauf, daß ſich May in Arabien be=
finde
, um den ihm befreundeten Stamm der Hadeddihn
u beſuchen, und daher nicht gleich antworten könne.
Die Antwort blieb aber ganz aus, denn wir konnten
feſtſtellen, daß ſich dieſer arabiſche Stamm in Ober=
bayern
befinden müſſe, da ſich Karl May gerade da=
mals
im Bad Tölz der Sommerfriſche erfreute.

[ ][  ][ ]

Seite 5.

Nummer 87.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April’1910.

Stadtverordneten=Verſammlung.
St. Darmſtadt, 14. April.
1. Sitzung.
Der Vorſitzende, Herr Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſſing, macht vor Eintritt in die Tagesordnung
folgende
Mitteilungen:
Das Kuratorium der Erziehungsanſtalt
Ohlyſtift in Gräfenhauſen hat die Rechnung
nebſt Urkunden für das Jahr 1908 vorgelegt.
Herr Heinrich Bodenhäuſer bittet in einer
Eingabe um Befreiung von der Beſtimmung in § 5
des Ortsbauſtatuts für Erbauung eines Wohnhauſes
Roßdörferſtraße 116 (am Beſſunger Forſthaus). Das
Geſuch geht an den Hochbau=Ausſchuß.
Der Gaſtwirte=Verein hat in Gemeinſchaft
mit den Vertretungen einiger anderer organiſierter
Gewerbe darum nachgeſucht, von einer Erhöbung
des Gaspreiſes abzuſehen und für den Steuer=
ausfall
eventnell auf anderen Gebieten eine Deckung
zu ſuchen. Das Geſuch iſt durch die inzwiſchen be=
ſchloſſene
Einführung des Einheitsgas=
preiſes
erledigt.
Herr Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing teilt mit,
daß durch Entſcheidung Großh. Miniſteriums des In=
nern
die Gebühr für Nachunterſuchung des
von auswärts eingeführten Fleiſches auf 5,5 Pfg. für
ein Kilogramm Fleiſch feſtgeſetzt wurde. Dieſe Ent=
ſcheidung
ſteht im Zuſammenhang mit der kürzlich be=
ſchloſſenen
Regelung der Schlachtgebühren, über die
demnächſt weitere Mitteilungen folgen ſollen.
Der Schulausſchuß hat beſchloſſen, den Antrag des
Herrn Dr. Nöllner auf Aufhebung der Vor=
ſchule
beider Gymnaſien bis nach dem Ein=
gehen
der letzten Herbſtklaſſe (Herbſt 1911) zurückzu=
ſtellen
. Es ſoll dann erwogen werden, die Vorſchule
des Realgymnaſiums und die Vorſchule der Gymnaſien
zu einer ſelbſtändigen Anſtalt unter beſonderer Leit=
ung
zu vereinigen.
Der Vorſitzende teilt mit, daß über den Antrag
des Herrn Stadtverordneten Rockel betreffend Ver=
tretung
der Stadt in Rechtsſtreiten durch
Mitglieder der Stadtverordnetenverſammlung eine
eingehende Beratung im Finanzausſchuß ſtattgefunden
habe, die in verſchiedener Hinſicht aufklärend für den
Herrn Antragſteller war. Es wurde insbeſondere feſt=
geſtellt
, daß die derzeitige Praxis der ſtädtiſchen Ver=
waltung
auch von anderen Städten gebilligt werde und
eine Veranlaſſung nicht vorliege, an eine Aenderung
diefer Praxis heranzutreten. Der Antragſteller
hat daraufhin ſeinen Antrag zurückgezogen.
Der Vorſitzende teilt weiter mit, daß er in Sachen
der Darmſtädter Schloßfreiheitsslotterie
ſich an Seine Exzellenz den preußiſchen Finanzminiſter
Freiherrn von Rheinbaben gewandt habe. Im Be=
griffe
, nach Berlin zu fahren, ſei die erfreuliche Nach=
richt
ihm zugegangen, daß Sr. Maj. dem König von
Preußen der Antrag auf Zulaſſung der Lotterie in
Heſſen=Naſſau unterbreitet werden ſolle. Damit ſei die
ſo oft vertagte Lotterie nun doch noch ſichergeſtellt wor=
den
. Es handelt ſich für die Stadt Darmſtadt um zirka
175000 Mark, die in acht Serien aufgebracht werden
ſollen. Auch dem Herrn Miniſter des Innern habe die
Stadt für ſeine Befürwortung zu danken. Die Ver=
ſammlung
tritt dann in die Tagesordnung ein.
Stadtv. Rockel gibt
In eigener Sache
folgende Erklärung ab: Ich bin dem Herrn Bericht=
erſtatter
des Darmſtädter Tagblatt die Genugtuung
ſchuldig, folgendes zu erklären: Die von mir in der
letzten Stadtverordneten=Sitzung beanſtandete Bericht=
erſtattung
des Darmſtädter Tagblatt über die Vor=
anſchlagsberatung
war nicht auf die Berichte im
allgemeinen ſondern nur auf zwei unrich=
tige
Darlegungen von mir gegebener Anreg=
ungen
gerichtet. Da der Berichterſtatter dieſes Blat=
tes
, Herr M. Streeſe, in der fraglichen Sitzung nicht
anweſend war, ſo konnte ihn auch kein Vorwurf
treffen.
Vom Schweſternhaus.
Das Barmherzige Schweſternhaus be=
abſichtigt
, die Einfriedigung an der Nieder=Ramſtädter
Straße auf der Innenſeite durch Eiſenblech abzuſchlie=
ßen
, um den Einblick in den Hof und den Garten von
der Straße aus zu verhindern. Der Hochbau=Ausſchuß
empfiehlt die hierzu notwendige Befreiung von der
Beſtimmung in § 34 der Baupolizei=Ordnung. Das
Geſuch wird nach dem Referat des Stadtv. Rockel ge=
nehmigt
.
Freigabe von Gelän de.
Nachdem die Stadt das in die Rößlerſtraße
zwiſchen Weiterſtädter Straße und Landwehrſtraße
fallende Gelände erworben und übernommen hat,
ſchlägt die Bürgermeiſterei vor, zur Förderung der
immer noch daniederliegenden Bautätigkeit dieſe Stra=
ßenſtrecke
zur Bebauung frei zu geben. Der
Hochbau=Ausſchuß iſt hiermit einverſtanden. Stadtv.
Sames befürwortet dieſen Antrag, der darauf ge=
nehmigt
wird.
Tauſchvon ſtädtiſchem Gelände.
Die Stadt beſitzt längs der Beckerſtraße einen
Streifen Gelände, der nur durch eine entſprechende Zu=
ſammenlegung
mit dem anſtoßenden Hintergelände als
Baugelände verwertet werden kann. Die Bürgermeiſterei
hat mit dem Anlieger, Metzgermeiſter Treſſer, einen Aus=
tauſch
des Geländes vereinbart, ſo daß regelrechte
Bauplätze geſchaffen werden. Der vorgelegte Tauſch=
vertrag
wurde von dem Hochbau= und Finanzausſchuß
gutgeheißen. Die Verſammlung ſtimmt dem nach Referat
des Stadtv. Sames zu.
Gelände=Erwerbung.
Zur Regulierung der Helfmannſtraße,
der Gräfenhäuſer Straße und der dazwiſchen liegenden
Verbindungsſtraßen ſind von dem Bauverein Daheim
zuſammen 1355 Quadratmeter Straßengelände abzutreten.
Der Hochbau=Ausſchuß empfiehlt die Erwerbung. Die Ver=
ſammlung
ſtimmt debattelos zu. Referent: Stadtv. Sa=
mes
.
Heizungsanlage im neuen Schulgebäude.
Die der Firma Nohl hier übertragene Heizungs=
anlage
in dem Neubau der höheren Knaben=
und Mädchenſchule ſoll nicht, wie vorgefehen, mit
ſchmiedeeiſernen Sattelkeſſeln, ſondern mit gußeiſernen
Gruppengliederkeſſeln Original Strebel ausgeſtattet wer=
den
. Der hierdurch entſtehende Mehraufwand von 300
Mark kann aus vorhandenen Mitteln gedeckt werden. Der
Hochbau=Ausſchuß hat ſich mit der Verwendung der Stre=
belkeſſel
einverſtanden erklärt. Desgleichen tut nach dem
Referat des Stadtv. Markwort die Verſammlung.

Reinigung der Oefen pp.
Das Reinigen der Oefen und Feuerungs=
anlagen
in den Schulen und ſonſtigen Gebäuden im
Verwaltungsjahr 1910 ſoll vertraglich den hieſigen Ofen=
ſetzern
Ploch, Sulzbach, Becker, Vollhardt und Kohl ge=
meinſam
übertragen werden. Der Vertrag wurde von
dem Hochbau=Ausſchuß befürwortet und von der Ver=
ſammlung
nach dem Referat des Stadtv. Rockel geneh=
migt
.
Herſtellung und Vermietung ſtädtiſcher
Wohnungen.
In den Wohnräumen der Oktroierhebgebäude
in der Frankfurter, Roßdörfer und Heidelberger Straße
müſſen verſchiedene Herſtellungen vorgenommen
werden, mit denen ſich Hochbau= und Finanz=Ausſchuß
einverſtanden erklärt haben.
Da die Niederlegung der zur Eröffnung der Becker=
ſtraße
erworbenen Kiſſelſchen Hofreite Schwa=
nenſtraße
21 zur Zeit noch nicht erfolgen ſoll, ſchlägt
die Bürgermeiſterei im Einverſtändnis mit dem Hochbau=
und Finanz=Ausſchuß vor, die vorhandene kleine Woh=
nung
nebſt Gartengelände der Witwe Kiſſel gegen Zahlung
einer Miete von 60 Mark weiter zu überlaſſen. Nach dem
Referat des Stadtv. Wittmann werden beide Anträge
angenommen.
Gärtneriſche Anlagen.
Der freie Platz ſüdöſtlich der Ludwigs=
kirche
vor den Häuſern Wilhelminenplatz 7, 8 und 9 ſoll
mit einer gärtneriſchen Anlage verſehen werden. Die An=
lagen
=Deputation und der Finanz=Ausſchuß empfehlen
das Projekt zur Genehmigung. Die Verſammlung be=
ſchließt
demgemäß. Referent Stadtv. Bormet.
Regelung des Fuhrwerksverkehrs in der
Schwanenſtraße.
Hierüber referiert Stadtv. Noellner. Die Anwoh=
ner
der Schwanenſtraße zwiſchen Schloßgarten= und
Gardiſtenſtraße haben um Regelung des Fuhr=
werksverkehrs
in dieſer Straßenſtrecke gebeten, da
die Häuſer von den dort verkehrenden Fuhrwer=
ken
infolge der geringen Straßenbreite fortgeſetzt
beſchädigt wurden. Auf Vorſchlag des Großh. Polizei=
amts
haben ſich die Tiefbau=Deputation und der Ver=
kehrsausſchuß
damit einverſtanden erklärt, daß die Durch=
fahrt
durch den genannten Straßenteil nur von der Schloß=
gartenſtraße
aus geſtattet werden ſoll. Stadtv. Kahn
wünſcht, dieſe Straße für Möbelwagen uſw. zu verbieten,
mit Ausnahme der Wagen, die in der Straße abladen
müſſen. Stadtv. Lehr unterſtützt dies. Die Verſamm=
lung
beſchließt nach dem Antrag des Referenten. Wegen
der geäußerten Wünſche ſoll mit der Polizeiverwaltung
in Verbindung getreten werden.
Die Mietſätze im Saalbau.
Die hieſigen vereinigten Vereine hatten ein Geſuch
um Ermäßigung der Mietſätze des ſtädti=
ſchen
Saalbaues eingereicht. Nach wiederholten,
eingehenden Beratungen der Angelegenheit beantragt die
Saalbau=Deputation, das Geſuch abzulehnen und
von einer Aenderung der zur Zeit beſtehenden Miet=
ſätze
abzuſehen. Nach dem Referat des Stadtv. Noell=
ner
beſchließt die Verſammlung demgemäß.
Vom ſtädtiſchen Hallenſchwimmbad.
Das Infanterie=Regiment Nr. 115 hatte um Ermä=
ßigung
des Schwimmbadpreiſes für Unter=
offiziere
und Mannſchaften nachgeſucht. Die
Bäder=Deputation ſchlägt im Einverſtändnis mit dem
Finanz=Ausſchuß vor, den Unteroffizieren und Mannſchaf=
ten
des Regiments die Benutzung des Schwimmbades an
den ſogenannten Volksbadetagen (Mittwoch= und Sams=
tags
und Werktags vor den Feiertagen) von 7 Uhr abends
ab gegen Zahlung des halben Preiſes (10 Pfg. ſtatt 20
Pfg.) zu geſtatten. Dabei iſt Vorausſetzung, daß der Be=
ſuch
der Anſtalt durch die Soldaten nicht in geſchloſſenen
Abteilungen erfolgt. In der Debatte hierüber, in der
übrigens Widerſpruch nicht erhoben wird, ſtellt Stadtv.
Noellner u. a. feſt, daß in dreiviertel Jahren 67000
Mark eingenommen wurden. Das Bad würde ſogut
beſucht, wie man es vorher nie geahnt hat.
Dem Geſuch wurde entſprechend dem Referat des
Stadtv. Noellner entſprochen.
Durch Beſchluß der Stadtverordnetenverſammlung
wurde mit Wirkung vom 10. Februar ab der Preis für
ein Wannenbad 2. Klaſſe im ſtädtiſchen Hallenſchwimm=
bad
auf 50 Pfg., an ſog. Volkstagen auf. 30 Pfg. feſtgeſetzt.
Um bei Berechnung der Bäder für Mitglie=
der
hieſiger Krankenkaſſen einen Einheits=
preis
zu haben und dem Wunſche auf Ermäßigung der =
derpreiſe
entgegenzukommen, ſchlägt die Bürgermeiſterei
im Einverſtändnis mit der Bäder=Deputation und dem
Finanz=Ausſchuß vor, den genannten Kaſſen die Wan=
nenbäder
2. Klaſſe gleichmäßig mit 40 Pfg.
in Rechnung zu ſtellen. Die Entſcheidung über
die von den Kaſſen erbetene Ermäßigung der Preiſe der
anderen Bäder, insbeſondere der ärztlich verordneten, medi=
ziniſchen
Bäder, ſoll zurückgeſtellt werden, bis das erſte
Betriebsjahr abgeſchloſſen iſt. Auch hierüber referiert
Stadtv. Noellner. Stadtv. Stephan wünſcht,
daß man der Krankenkaſſe auch für nichtverordnete Bäder
Karten für ihre Mitglieder zum ermäßigten Preiſe über=
läßt
. Stadtv. Lehr möchte die Preiſe für Wannenbäder
allgemein auf 40 Pfg. herabgeſetzt wiſſen. Stadtv. Sa=
mes
widerſpricht dem, tritt aber für die Anregung des
Stadtv. Stephan ein. Stadtv. Saeng äußert demgegen=
über
Bedenken. Wenn man der Krankenkaſſe das ein=
räume
, müſſe man es mit anderen Vereinen auch tun. Das
müſſe erſt noch überlegt werden. Stadtv. Kolb ſpricht ſich
ähnlich aus. Auch der Vorſitzende warnt davor, jetzt ſchon
mit Rabattgewährungen vorzugehen. Man ſoll doch min=
deſtens
2 bis 3 Betriebsjahre abwarten. Stadtv. Ben=
der
macht darauf aufmerkſam, daß es ſich bei dem heu=
tigen
Antrag nicht eigentlich um eine Ermäßigung han=
delt
, ſondern darum, daß den Krankenkaſſenmitgliedern
die Möglichkeit gegeben wird, anſtelle wie bisher nur
Samstag und Sonntags jeden Tag für den ermäßigten
Preis zu baden. Er bittet, dem Antrag des Referenten
zu entſprechen. Nach einem Schlußwort des Stadtv.
Noellner wird demgemäß beſchloſſen.
Der zweigleiſige Ausbau derstraßenbahn.
Das von der Stadtverordnetenverſammlung bereits
genehmigte Projekt des zweigleiſigen Ausbaues=
der
elektriſchen Straßenbahn wurde auf
Grund des Ergebniſſes der Verhandlungen im landespoli=
zeilichen
Prüfungstermin einer nochmaligen eingehenden
Prüfung unterzogen, wobei ſich gezeigt hat, daß einzelne
vorgeſehene Gleisſtrecken vorerſt erſpart werden
können, ohne daß an dem urſprünglichen Programm der
demnächſtigen Einführung des 6 Minutenverkehrs eine Be=
ſchränkung
eintreten wird. Es würde hiernach in Wegfall
kommen das zweite Gleis vom Schloßgartenplatz bis
Aliceſtraße, daß zweite Gleis Ecke der Bismarck= und

Wendelſtadtſtraße und ferner auf den Strecken Hügelſtraße
bis Heinrichſtraße und Moosbergſtraße bis Landskron=
ſtraße
. Dagegen werden, um bei den Außenſtrecken die
Durchführung eines 12 Minutenverkehrs zu ermöglichen,
für den zweigleiſigen Ausbau die folgenden Ergänz=
ungsſtrecken
neu vorgeſchlagen: a) weiße Linie: vom
Heerdweg bis zur Ohlyſtraße, b) grüne Linie: von der
Mühlſtraße bis zur Infanteriekaſerne und Eliſabethen=
ſtraße
von Wilhelminen= bis Saalbauſtraße, e) blaue
Linie: eine neue Weiche in der Nähe der Sandbergſtraße.
Trotz dieſer neu hinzukommenden Gleisanlagen ergibt
ſich gegen das urſprüngliche Projekt eine Erſparnis
von über 20000 Mark. Die Bürgermeiſterei ſchlägt
im Einverſtändnis mit der Elektrizitätswerks= und Tief=
bau
=Deputation vor, dem neuen abgeänderten Projekt= zu=
zuſtimmen
. Hierüber referiert Beig. Ekert.
In der Diskuſſion tritt Stadtv. Kahn für den
Bau der Elektriſchen nach dem Martinsviertel ein.
Stadtv. L. Lautz rügt, daß die Strecke Hügelſtraße-
Heinrichſtraße nicht zweigleiſig werden ſoll. Direktor
Fehmer erörtert eingehend die techniſchen Bedenken.
Stadtv. Schupp wünſcht zweigleiſigen Ausbau vom
Paradeplatz nach der Infanteriekaſerne. Stadtv. Bor=
met
meint, bei der gegenwärtigen ſchlechten Fimanz=
lage
ſei es doch nicht ratſam, ſo große Summen aus=
zugeben
. Man könnte den Ausbau der Außenſtrecken
verſchieben bis zu einer günſtigeren Finanzlage. Der
Vorſitzende erwidert, daß die Summen bereits be=
willigt
ſind und daß es ſich heute um Erſparniſſe
handelt, die man nach nochmaliger Prüfung erzielen
kann. Auf die Vorlage könne man nicht verzichten.
Stadtv. Noellner ergänzt dieſe Mitteilungen und
ſtellt unter anderem feſt, daß die Verzinſung und die
Amortiſation des Anlagekapitals ſchon durch Abſchaff=
ung
der zwei Standwagen erzielt wird. Er bittet, dem
Vorſchlage zuzuſtimmen. Stadtv. K. Lautz wünſcht,
daß die Strecke Aliceſtraße=Schloßgartenplatz zweigleiſig
werde. Stadtv. Linck ſtimmt dem zu. Ebenſo Stadtv.
Sames. Stadtv. Leyerzapf hält die Weiche in
der Sandbergſtraße für ſtörend. Man ſolle dafür die
Strecke Moosbergſtraße-Landskronſtraße zweigleiſig
ausbauen. Danach wird die Vorlage der Bür=
germeiſterei
einſtimmig an gen ommen,
Die Schlachtgebühren.
Hierüber referiert der Vorſitzende. Wie bereits
beſchloſſen, müſſen die Einrichtungen des Schlachthofes
in den nächſten Jahren, den Bedürfniſſen des Metzger=
ſtandes
entſprechend, eine Erweiterung erfahren. So
iſt unter anderem zur Erleichterung des Ankaufs von
Schlachtvieh ein größerer Stallbau beabſichtigt; ferner
müſſen die Kanäle im Schlachthof, die infolge des hohen
Grundwaſſerſtandes eine ausreichende Entwäſſerung
nicht zulaſſen, verbeſſert und ausgebaut werden, wozu
noch ein beſonderer Entlaſtungskanal außerhalb des
Schlachthofes kommt. Auch wird vorausſichtlich in ab=
ſehbarer
Zeit eine neue Schlachthalle errichtet werden
müſſen. Für die Koſten dieſer Erweiterungsbauten
und deren Betrieb war eine Gebührenerhöhung vorge=
ſehen
. Verhandlungen mit der Metzgerinnung und
Großh. Miniſterium führten zu dem Entſchluß, einige
der beabſichtigten Verbeſſerungen in den
Schlachthofeinrichtungen, weil nicht unbedingt
nötig, fallen zu laſſen und auch die Betriebskoſten
der unumgänglich notwendigen Neueinrichtungen, wie
Stall und Schlachthalle, nicht unweſentlich zu verringern,
ſo daß der durch die Gebührenerhöhung zu deckende Be=
trag
von 180000 Mark auf 140000 Mark herab=
geſetzt
werden konnte. Die hiernach erforderliche
Schlachtgebührenerhöhung führte zu fölgen=
dem
Tarif: 1. für Ochſen, Faſel, Kühe und Rinder
14,75 Mark; 2. für Jungrinder (im Alter von 1 bis 2
Jahren) 10,15 Mark 3. für Sauen und Eber (über 120
Kilogramm) 6,45 Mark; 4. für gewöhnliche Schweine
4,65 Mark; 5. für Kälber (Freſſer) im Alter von ſechs
Wochen bis 1 Jahr 4,45 Mark; 6. für Kälber ( Saug=
kälber
) im Alter von ſechs Wochen 2,05 Mark; 7 für
Hammel und Schafe 1,55 Mark; 8. für Ziegen 1,35 Mk.
9. für Pferde 14,00 Mark; 10. für Sauglämmer. 0,55 Mk.
Dieſer Tarif fand die Genehmigung Großh. Mini=
ſteriums
des Innern unterm 31. März 1910 mit der
Maßgabe, daß die Stadt, falls die Einnahmen aus dieſem
Gebühren=Tarif demnächſt nicht zur Deckung der Koſten
des erweiterten Schlachthofs ausreichen ſollten, eine
weitere Gebührenerhöhung mit beſonderer Vorlage zu
beantragen habe. Der neue Tarif bedeutet keineswegs
eine Belaſtung des Metzgergewerbes, da bekanntlich
mit dem 1. April, an dem der neue Tarif in Kraft tritt,
das Schlachtoktroi reichsgeſetzlich beſeitigt
wurde, wodurch den Metzgern eine weſent=
lich
höhere Entlaſtung zuteil wurde. Das
Schlachtoktroi hatte bisher zu Laſten der Metzger jähr=
lich
etwa 230000 Mark erbracht. Die neuen Gebühren
werden die Metzger, wie oben bereits erwähnt, nur
um 140000 Mark belaſten, ſo daß vom 1. April d. J.
ab tatſächlich eine Erſparnis von rund 90000 Mark
zugunſten des Metzgergewerbes zu verzeich=
nen
iſt.
Die Wieggebühren aus dem Schlachthof
floſſen bisher in die Schlachthofkaſſe, während die Ge=
bühren
für alle anderen ſtädtiſchen Verwiegungen in
die Stadtkaſſe fließen. Da durch die neue Wiegeord=
nung
jede Einmiſchung der Schlachthofverwaltung in
das Wiegegeſchäft ausgeſchloſſen iſt und die Koſten der
Wagen im Schlachthof, ſowie der Lohn des Verwiegers
aus der Stadtkaſſe beſtritten werden, beantragt die
Bürgermeiſterei, die Wieggebühren der Stadtkaſſe zu
überweiſen.
Ferner wird beantragt, für das im Schlachthof ver=
brauchte
Gas und Waſſer anſtelle des ſeither be=
rechneten
Selbſtkoſtenpreiſes den Preis für Groß=
konſumenten
in Anſatz zu bringen. Die Schlacht=
hof
=Deputation und der Finanz=Ausſchuß haben die=
ſen
Anträgen zugeſtimmt. Dasſelbe beſchließt
debattelos die Verſammlung.
Stadtv. Bormet regt eine Reviſion des Vertra=
ges
mit der Firma Merck bezüglich Gaslieferung an.
Der Vorſitzende ſtellt feſt, daß hier eine Erhöhung der
Gebühren eintreten muß, wenn der Vertrag abgelen=
fen
iſt. Damit iſt die Tagesordnung erſchöpft.

Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 14. April. Zu der Interpellation
der Nationalliberalen betreffend das Eiſenbahn=
unglück
in Mülheim am Rhein erklärt Unterſtaatsſekre=
tär
Dr. Richter, daß der Reichskanzler bereit fei, die
Interpellation in der zweiten Hälfte der nächſten Woche zu
beantworten.

Darauf wird die erſte Beratung des
Beſetzes zur Entlaſtung des Reichsgerichts
nd Aenderung der Rechtsanwaltordnung fortgeſetzt.
Abg. Heinze (nl.): Das Reichsgericht iſt anerkannter=
naßen
an der Grenze ſeiner Leiſtungsfähigkeit angelangt,

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

Nummer 87.

Das Gleiche iſt der Fall bei den Richtern des Zivilſenates.
Die mündliche Verhandlung vor dem Reichsgericht darf
nicht eingeſchränkt werden. Zugunſten der einzelſtaatlichen
Oberlandesgerichte darf die Zuſtändigkeit des Reichsge=
richts
, in dem wir ein Symbol der deutſchen Rechtseinheit
erblicken, nicht eingeſchränkt werden. Gegen das Difformitäts=
prinzip
haben auch wir große Bedenken. Die Rechtsein=
heit
muß unbedingt gewahrt werden; wie ſie zu erhalten
iſt, das muß in der Kommiſſion eingehend geprüft wer=
den
. (Beifall bei den Nl.) Abg. Stadthagen (Soz.):
Unzweifelhaft beſteht eine Ueberlaſtung des Reichsgerichts,
und zwar trotz der großen Vermehrung der Richterſtellen.
Die Vorlage kann niemals zu dem erwünſchten Ziele füh=
ren
und iſt für uns unannehmbar. Abg. Vahren=
horſt
(Rp.): Die in der Vorlage gemachten Vorſchläge
halten wir im allgemeinen für richtig, ſehen aber das Dif=
formitätsprinzip
als ein zweiſchneidiges Schwert an.
Abg. Lattmann (wirtſch. Vgg.): Die Einſchränkung
der mündlichen Verhandlungen iſt bedenklich. Gegen das
Difformitätsprinzip hat ſelbſt die Regierung Bedenken. Ich
bitte, eine beſondere Kommiſſion für dieſes Geſetz einzu=
ſetzen
. Die Juſtizkommiſſion iſt ſchon genügend belaſtet.
Abg. Seyda (Pole): Meine Freunde haben ein drin=
gendes
Intereſſe daran, daß das Reichsgericht in die Lage
geſetzt wird, ſeine Aufgaben ordnungsgemäß zu erfüllen.
Jeder Mann muß das Reichsgericht anrufen können. Die
Zahl der Prozeſſe darf nicht gewaltſam vermindert werden,
wie es durch dieſe Vorlage, die für uns zum größten
Teile unannehmbar iſt, angeſtrebt wird. Staatsſekretär
Dr. Lisco: Ich würde es bedauern, wenn die Verab=
ſchiedung
dieſer Vorlage nicht mehr vor Pfingſten vorge=
nommen
werden würde. Den Vorwurf, daß wir nicht
dazu beigetragen hätten, das Anſehen des Reichsgerichts
zu heben, muß ich mit Entſchiedenheit zurückweiſen.
Abg. Dahlem (Zentr.): Eine gründliche Prüfung der
Vorlage iſt nötig. Die Wahrung des materiellen Rechtes
wird erſchüttert, wenn in der Vorlage geſagt wird, bei
konformen Urteilen habe das Reichsgericht nichts mehr zu
ſagen. Daran dürfen wir nicht rütteln laſſen. Abg.
Junck (nl.): Wir würden gern bereit ſein, dieſe Vor=
lage
noch vor Pfingſten zu verabſchieden. Weshalb iſt ſie
nicht früher eingebracht worden? In dieſer Form iſt die
Vorlage von keiner Partei akzeptiert worden. Das Reichs=
juſtizamt
muß daher einen anderen Weg ausfindig machen,
um dem gegenwärtigen Uebelſtande abzuhelfen. Das wird
nur durch Hilfsſenate geſchehen können. Die Inſtitution
des Reichsgerichts als höchſten Gerichtshofes darf nicht
angetaſtet werden. (Bravo!) Abg. Dove (fortſchr.
Vp.): Ich halte die baldige Verabſchiedung der Vorlage
für dringend nötig. Deshalb beantrage ich die Verweiſung
des Entwurfes an eine beſondere Kommiſſion von 21 Mit=
gliedern
.
Damit ſchließt die Debatte. Die Vorlage geht an eine
Kommiſſion von 21 Mitgliedern. Es folgt die erſte Leſung
der Vorlage betr.
Verlängerung des deutſch=ſchwediſchen
Handelsvertrages
bis zum 1. Dezember 1911.
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Die Vorlage bezweckt
die Verlängerung des beſtehenden Handelsvertrags bis zur
Verabſchiedung des neuen ſchwediſchen Zolltarifs. Ich
empfehle ſie zur Annahme. Abg. Speck (Zentr.): Das
beſte an dem bisherigen deutſch=ſchwediſchen Handelsver=
trag
war, daß er mit dem 1. Dezember 1910 und nicht erſt
wie die übrigen Handelsverträge 1917 ſein natürliches
Ende erreichte. In Betracht kommt nur die Erzausfuhr nach
Deutſchland und auch hierin iſt in den letzten Jahren ein
weſentlicher Rückgang zu verzeichnen. Abg. Gothein
(fortſch. Vp.): Wir wünſchen, daß bei dem künftigen Han=
delsvertrag
bei der Eiſenerzausfuhr alles erreicht werde,
was für unſere Induſtrie billigerweiſe verlangt werden
kann. Abg. Kanitz (konſ.): Am beſten wäre es, einen
Meiſtbegünſtigungsvertrag abzuſchließen. Zollpolitiſche
Konzeſſionen werden wir Schweden nicht machen können.
Unter dieſer Vorausſetzung können wir der Verlängerung
des Handelsvertrages zuſtimmen. Abg. Molkenbuhr
(Soz.): Wir wären damit einverſtanden, wenn bei künf=
tigen
Handelsverträgen die Nahrungsmittelzölle ganz
über Bord geworfen würden. Abg. Hagen (nl.): Der
neue ſchwediſche Zolltarif wird eine weſentliche Erhöhung
der Tarifſätze mit ſich bringen; freihändleriſche Tendenzen
wird er nicht enthalten.
Nach weiterer unerheblicher Debatte wird der Verlän=
gerung
des Vertrages in erſter und zweiter Leſung zuge=
ſtimmt
. Darauf tritt Vertagung ein. Nächſte Sitzung
Freitag 12 Uhr: Reichswertzuwachsſteuer. Schluß 6¼ Uhr.

* Berlin, 14. April. Die Kommiſſion für
das Hausarbeitsgeſetz nahm den § 16 an, nach
welchem die Beaufſichtigung in der Hausinduſtrie den
Polizeibehörden und Gewerbeaufſichtsbeamten über=
tragen
wird. Das Zentrum beantragte, einen § 16a
einzufügen, wonach der Reichskanzler ermächtigt wer=
den
ſoll, Lohnämter zu errichten, welche die Mindeſt=
zeit
und Stücklöhne feſtſetzen können. Der Antrag
wurde mit 14 gegen 13 Stimmen angenommen.

Das Kaiſerpaar in Homburg.
* Homburg, 13. April. Der Kaiſer unternahm
heute vormittag einen Ausritt. Nachmittags begab ſich
kas Kaiſerpaar mit Automobilen auf die Saalburg und
machte von dort aus einen Spaziergang bis zum Gothi=
ſchen
Haus, von wo es mit dem Automobil hierher
zurückkehrte. Um 7 Uhr fand in der hieſigen Erlöſer=
kirche
ein geiſtliches Konzert zum Beſten der Kirche
ſtatt, das der Organiſt F. Schildhauer veranſtaltet hatte
unter Mitwirkung der Konzertſängerin Fräulein
Hillitzer, des Konzertſängers Adolf Müller, des Fräu=
lein
Löffler (Harfe) und des Konzertmeiſters Wilhelm
Meyer (Violine). Der Kaiſer, die Kaiſerin, die Prin=
zeſſin
und die Umgebungen wohnten dem Konzert bei,
das von der Homburger Geſellſchaft gut beſucht war.
Das herrliche Gotteshaus mit ſeinen Marmorwänden
und der ſchimmernde Moſaik war von dem großen elek=
triſchen
Doppelkreuz beleuchtet. Das Programm wurde
mit der Ciacona für Orgel von Pachelbel eröffnet. Von
den weiteren Darbietungen ſeien genannt: die Arie aus
Paulus von Mendelsſohn, Gott ſei mir gnädig, das
bekannte Händelſche Largo für Violine, Harfe und
Orgel und das Ave Maria d’Arcadelt von Franz
Liſzt. Bei dieſem Orgelvortrag konnte der Künſtler die
zarten Regiſter der prächtigen Orgel und das Fern=
werk
zur ſchönſten Geltung bringen. Das Konzert
lſchloß mit einer Hymne an die Nacht für Sopran,
Violine, Harfe und Orgel von Mario van Overeem.
* Homburg, 14. April. Der Kaiſer hörte
heute vormittag den Vortrag des Chefs des Militär=
kabinetts
General=Adjutanten Freiherrn von Lyncker
und denjenigen des Kriegsminiſters General von
Heeringen, welcher geſtern abend hier eingetroffen iſt.
Nach 11 Uhr unternahmen die Majeſtäten und die

Prinzeſſin Viktoria Luiſe einen Spazierritt. Zur
Frühſtückstafel iſt der Kriegsminiſter geladen. Die
Kaiſerin empfing gegen Mittag den kurzen Beſuch der
Herzogin Friedrich Ferdinand zu Holſtein=Glücksburg.

Luftſchiffahrt.
* Berlin, 14. April. Die Anlagen des Luft=
ſchifferbataillons
wurden heute vormittag von
10 bis halb 12 Uhr von etwa 300 Landtagsabgeordneten,
die mit dem Präſidenten und den beiden Vizepräſiden=
ten
erſchienen waren, beſichtigt. Zum Empfange waren
anweſend: Der Inſpekteur der Verkehrstruppen Frei=
herr
von Lyncker, viele Generalſtabsoffiziere und ſämt=
liche
Offiziere des Luftſchifferbataillons. Gleich nach
der Begrüßung der Herren trafen die Mannſchaften
mit den Gaswagen und dem Drachenballon auf dem
Gelände ein. Der Ballon wurde ſofort gefüllt, was
zwei Minuten in Anſpruch nahm, und ſtieg dann mit
einem Offizier und dem Abgeordneten Arnim= Zueſe=
dom
auf. Nachdem die Luftſchiffer einige Gefechts=
manöver
ausgeführt hatten, beſichtigten die Abgeordne=
ten
die Werft des Luftſchifferbataillons und hierauf
das Luftſchiff M. III in der Ballonhalle, wobei
Major Groß Erläuterungen gab. Dann wurde der
Luftkreuzer nach dem Schießplatz gebracht, wo er unter
Führung des Majors Sperling und des Oberingenieurs
Baſenach um 11 Uhr 10 Minuten mit verſchie=
denen
Abgeordneten aufſtieg. Das Luftſchiff manöv=
rierte
etwa 20 Minuten bei Südwind über dem Platze,
wobei es ſowohl Höhen= wie Seitwärtsbewegungen
ausführte, die vorzüglich gelangen. Um 11 Uhr 27
Minuten erfolgte die Landung an der Aufſtiegſtelle.
Hierauf machte der Kugelballon Para eine Freifahrt.
Baden=Baden, 14. April. Der Energie
des Oberbürgermeiſters Fieſer iſt es zu danken, daß
das neuerbaute, für Paſſagierfahrten eingerichtete
Luftſchiff Z. IV zum erſten Male in der zweiten
Hälfte des Monats Mai Baden=Baden beſuchen, hier=
ſelbſt
landen und bei günſtigem Wetter einige Tage
ſtationiert wird, um verſchiedene Aufſtiege und Paſſa=
gierfahrten
zu unternehmen. Die dauernde Statio=
nierung
in Baden=Baden wird in den Monaten Auguſt
und September dieſes Jahres erfolgen.
* Plau (Mecklenburg), 14. April. Die Verſuche mit
dem Parſeval=Flieger wurden ſeit heute morgen
4 Uhr fortgeſetzt. Bei dem ſtarken Winde fuhr der Apparat
mit rieſiger Schnelligkeit, ſo daß ihm das bealeitende
Schnellboot nur ſpärlich folgen konnte. Um 10½ Uhr
wurde der Apparat von einem ſtarken Windſtoß erfaßt und
in den See geſchleudert. Die Führer des Apparates, In=
genieur
Blochmann und Ingenieur Hoff, fielen aus dem
Apparat ins Waſſer und ſind wahrſcheinlich als gute
Schwimmer von dem Motorboot gerettet worden.

Schwerer Unfall.
* München, 14. April. Heute nachmittag 3½ Uhr
ſtürzte im Ausſtellungspark das im Bau befindliche
Eiſengerüſt der Luftſchiffhalle ein. Unter
den ſchweren Eiſenbögen wurden ſechs Perſonen.
darunter der Direktor Merkert der ausführenden Bau=
firma
, begraben. Die Feuerwehr nahm ſofort Ret=
tungsarbeiten
vor und barg 2 Schwerverletzte. Der
26jährige Monteur Anton Werker iſt bereits im Chir=
urgiſchen
Spital ſeinen Verletzungen erlegen,

Feuersbrunſt.
* Geislingen, 14. April. Heute nachmittag
½3 Uhr brach in dem Dorfe Böhmenkirch auf bis=
her
unaufgeklärte Weiſe Feuer aus, das ſich infolge
des ſtarken Windes raſch ausbreitete und bis nachmit=
tag
5 Uhr zwei ganze Straßenzüge mit ca.
60 Häuſern in Aſche legte. Der größte Teil
des Dorfes iſt außer Gefahr; namentlich Kirche, Schule
und Poſt ſind nicht betroffen. Zahlreiche Feuerwehren
ſind am Platze.
*Böhmen kirch (Oberamt Geislingen), 14. April.
Das Feuer dehnte ſich bis nach 6 Uhr immer weiter
aus und ergriff insgeſamt etwa 7080 Gebäude,
kam aber gegen 7 Uhr zum Stillſtand. Perſonen
ſind nicht verunglückt, dagegen iſt einiges Vieh in den
Flammen umgekommen. Der Schaden an Gehäuden
iſt ſehr groß.
Schiffsunfall.
* Stettin, 14. April. Die Stettiner Neueſten
Nachrichten melden aus Saßnitz: Geſtern abend
gegen 8 Uhr wurde bei einer Nachtübung der vor
Saßnitz liegenden Flotte das Torpedoboot S. 122
von dem kleinen Kreuzer München gerammt. Das
Torpedoboot wurde mittſchiffs getroffen und vollſtändig
aufgeriſſen. Die Maſchine wurde umgeworfen.
Die Maſchiniſten Küſter und Genée ſind tot. Mehrere
Mann der Beſatzung ſind verwundet. Die anderen
Boote eilten ſofort zur Hilfe, ſo daß es gelang, S. 122
vor dem Verſinken zu retten. Heute vormittag 8 Uhr
wurde das ſchwer beſchädigte Torpedoboot durch die
Boote S. 128 und S. 160 in langſamer Fahrt nach
Swinemünde eingeſchleppt. Die ganze Torpedoflotte
hat Halbmaſt geflaggt.
Der Ausſtand der Seeleute in Marſeille.
* Paris, 14. April. Aus Marſeille wird berich=
tet
: In der heute nacht in der Arbeitsbörſe abgehaltenen
Verſammlung wurde beſchloſſen, daß die Arbeiter mit
Ausnahme der eingeſchriebenen Seeleute heute die Ar=
beit
wieder aufnehmen. Mehrere Reeder erklär=
ten
, daß der verhältnismäßig milde Urteilsſpruch des See=
gerichts
in der Angelegenheit der Matroſen des Dampfers
Moiſe (8 Tage Gefängnis, doch wurden die Beſtraften
infolge Anrechnung der Unterſuchungshaft noch geſtern
abend aus der Haft entlaſſen) einen offenkundigen Rückzug
der Regierung vor der Streikbewegung bedeute.
* Marſeille, 14. April. Die eingeſchriebe=
nen
Seeleute beſchloſſen in einer geſtern abend abge=
haltenen
Verſammlung, den Ausſtand allein fortzu=
ſetzen
, die übrigen Verbände aber aufzufordern, die Ar=
beit
wieder aufzunehmen.
* Marſeille, 14. April. Die Arbeit auf den
Kais wurde wieder aufgenommen. Die Zahl
der auf den verſchiedenen Arbeitsſtätten ſich meldenden
Arbeiter iſt ſo groß, daß ſie nicht alle Verwendung fin=
den
konnten. In der Gasanſtalt und in den anderen
Fabriken wird normal gearbeitet.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 14. April. An dem heutigen zweiten
Sitzungstage nahm der Deutſche Handelstag
einſtimmig eine von dem Geheimen Kommerzienrat

Vogel=Chemnitz begründete Erklärung an, in welcher
er ſich gegen die Beſeitigung der Pauſchgebühren im
Telephonverkehr ausſpricht. Darauf erſtattete General=
ſekretär
Dr. Soetbeer ein eingehendes Referat, in
welchem er dem Handelstag empfahl, ein Erklärung be=
treffend
die Abänderung der Gewerbeordnung abzu=
geben
, in welcher der Deutſche Handelstag davor warnt.
daß die Regierung zu weit darin gehe, anſtelle des=
freien
Vertrages zwiſchen Arbeiter und Unternehmer
den Zwang des Geſetzes treten zu laſſen. Ferner ſprach=
ſich
der Deutſche Handelstag in einer Reſolution dafür
aus, eine Auskunftsſtelle für den Außenhandel auf
Reichskoſten zu errichten, die auch von dem Reiche zu
verwalten wäre. Nachdem dann noch die Wahlen zu
dem Ausſchuß des Deutſchen Handelstages vorgenom=
men
waren, wurde die diesjährige Verſammlung ge=
ſchloſſen
. Heute abend werden die Mitglieder einen
Vortrag des Staatsſekretärs Dernburg über=
Baumwollfragen hören.
* Berlin, 14. April. Reichstagsabgeordneter Graf=
Oriola wurde, als er vor dem Reichstagsgebäude=
durch
Ueberſchreiten des Straßendamms einem Wagen=
der
elektriſchen Straßenbahn ausweichen wollte, von
dem in entgegengeſetzter Richtung kommenden Stra=
ßenbahnwagen
erfaßt, zwiſchen den beiden
Wagen hin= und hergeſchleudert und zu Boden ge=
worfen
. Er zog ſich dabei eine Anzahl Verletzungen
zu, die aber ſämtlich leichterer Natur ſind. Er konnte
ſich ohne Hilfe in das hieſige Palaſthotel, ſein hieſiges
Abſteigequartier, begeben.
* Wiesbaden, 14. April. Der Poſtſekretär a. D.
Schlöſer wurde geſtern nachmittag in ſeiner Wohnung,
Rheinſtraße, mit ſchweren Vergiftungserſchein=
ungen
, hervorgerufen durch aus dem Ofen ausſtrö=
mende
Gaſe, aufgefunden. Er wurde in das ſtädtiſche
Krankenhaus gebracht, woſelbſt er heute nachmittag ge=
ſtorben
iſt.
* Straßburg i. Elſ., 14. April. Die heutige ſehr=
zahlreich
beſuchte außerordentliche Generalver= des Deutſchen Arbeit geber=
bundes
für das Baugewerbe (Landesverband
für Elſaß=Lothringen) hat den einſtimmigen Beſchluß
gefaßt, ſämtliche Betriebe am Freitag, den 15. April,
abends, zu ſchließen. In Betracht kommen: Maurer,
Zimmerleute, Erd= und Bauhilfsarbeiter.
* Braunſchweig, 14. April. Geſtern abend unter=
nahmen
zwei hieſige Kellner eine Kahnfahrt auf
er Oker. Als ſie um 1 Uhr nachts noch nicht zurück=
gekehrt
waren,, begab ſich ein Angeſtellter der Boots=
ſtation
auf die Suche. Er fand das Boot gekentert vor.
Auf dem Waſſer ſchwamm der Hut des einen. Die=
Leichen wurden bisher nicht gefunden.

HB. Paris, 14. April. Zu der Verhaftung eines
Arbeiters, der nach ſeinen eigenen Angaben einen
Mordanſchlag auf Briand verüben wollte, wird
noch gemeldet: Der verhaftete Drechslergehilfe Dupla=
nil
iſt 30 Jahre alt und aus Lyon gebürtig. Man fand=
bei
ihm außer einem Revolver und Dolchmeſſer noch
mehrere Fahrkarten, die beweiſen, daß er dem Miniſter=
präſidenten
ſeit drei Tagen überall hin gefolgt war.
Der Verhaftete verſuchte, eine Depeſche verſchwinden zu=
laſſen
, als deren Aufgeberin er eine Dame aus St.
Etienne bezeichnete. Die Depeſche, die Duplanil vorige
Woche erhielt, lautete: Du mußt ſofort abreiſen. Du=
weißt
ja, wegen der Rundfahrt. Gemeint war die
Rundfahrt Briands. Duplanil wollte bisher den
Namen der Abſenderin nicht angeben, doch geſtand er
zu, daß ſie Einfluß auf ihn ausübe, dem er ſich nicht zu
entziehen vermochte. Dieſe Angaben werden jetzt kon=
trolliert
. Richtig iſt, daß er ſich wiederholt in Briands
Nähe ſchlich, aber von der Wache und Briands Um=
gebung
immer wieder entfernt wurde.

Sommerkur für Behael. ingericht. 13. Anstalt.
Spezial-Heilanstalt. Neue
Gesellschaftsräume, offene u. ge-
schlossene
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schattiger Park. Sorgsame Be-
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Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.
Sanatorium Hofheim im Taunus.

Cabaret Chat Noir
Dir. M. Gehrig
(8181M
Frankfurt a. M.

Allerheiligenſtraße 76.
Eröffnung 15. April a. cr. 10 Uhr.

Krieger-Verein
Darmſtadt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſer langjähriges Mitglied und Feldzugs=
kameraden

(8220
Herrn
Heinrich Engelhardt
Oberlandesgerichtskanzlist
aus dieſem Leben abzurufen.
Die Beerdigung findet Samstag, den
16. April, nachmittags 5 Uhr, vom Portal des
Darmſtädter Friedhofs aus, ſtatt.
Sammlung am Friedhof.
Zur Teilnahme an der Beerdigung werden
die Kameraden von Herden bis Kuſchel, ſowie
der II. Bezirk erſucht.
Der Vorſtand des Kriegervereins
Darmſtadt.

[ ][  ][ ]

Nummer 87.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

Seite 7a

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Heute vormittag ½8 Uhr entſchlief nach
langem ſchweren Leiden im 58. Lebensjahre
unſer lieber Vater und Schwager
(8208
Karl Rittershaus.
Um ſtille Teilnahme bitten
Dr. med. Ernst Rittershaus,
Karl Rittershaus,
Luise Pasqué.
Hamburg, Darmſtadt, Alsbach,
14. April 1910.
Die Beerdigung findet Samstag Nachmittag
4 Uhr, vom Portale des Darmſtädter Fried=
hofs
aus, ſtatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne des Ver=
ſtorbenen
.

Nachruf.
Geſtern Nachmittag verſchied nach ſchwerem
Leiden
(8192
Fräulein
Hohriotte Schaupmoter.
Die Verſtorbene war 43 Jahre in meinem
Hauſe tätig und hat ſich durch ihre Pflichttreue
meine Achtung in vollſtem Maße erworben.
Ich werde ihr ſtets ein ehrendes Andenken
bewahren.
W. Müller, Schuhfabrik,
Rheinſtraße 4.
Darmſtadt, 14. April 1910.

Vorzugliche
Sokerfesele
leicht beschädigte,
das gewogene Pfund 55 Pfennig.
F. B. Grodhaus
am weissen Turm. (1568a

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute Vormittag entſchlief unerwartet an
Herzlähmung meine liebe, gute Frau
Auguste Caspar
geb. Roth.
Ich bitte um ſtille Teilnahme.
Darmſtadt, den 14. April 1910. (8221
Caspary, Oberst z. D.
Die Einſegnung findet ſtatt: Samstag, den
16. ds. Mts., nachmittags 5 Uhr, im Trauerhauſe
Steinſtraße 31, die Beiſetzung daran anſchließend
auf dem hieſigen Friedhofe.

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Heute vormittag 7 Uhr verſchied nach
langem ſchweren Leiden meine innigſtgeliebte
Gattin, unſere treubeſorgte Mutter, Großmutter,
Schweſter und Schwägerin
(*9428
Frau Susanna Hübner
geb. Fink.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Leonhard Hübner,
Großh. Miniſterial=Kanzliſt.
Darmſtadt, Offenbach, Hanau, Kirchen,
Kaichen und Höchſt i. O., den 14. April 1910.
Die Beerdigung findet Samstag, den 16. April,
nachmittags 5 Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofs aus, ſtatt.

Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 15. April 1919.
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr Min.
Samstag, den 16. April 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbat=
ausgang
8 Uhr 5 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 6 Uhr
45 Min., abends 6 Uhr.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 16. April 1910.
Vorabend 6 Uhr 45 Min. Morgens 8 Uhr Min.
Nachmittags 5 Uhr Min. Sabbatausgang 8 Uhr
10 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 17. April
an: Morgens 6 Uhr 15 Min. Nachmittags 6 Uhr 45 Min.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Das weſt=
liche
Tiefdruckgebiet brachte geſtern noch verſchiedentlich
geringe Regen; iſt aber jetzt im Abzug noch Norden be=
griffen
. Auf ſeiner Oſtſeite wehen in Deutſchland
warme ſüdliche Winde, ohne daß heute morgen noch
nennenswerte Regen niedergehen. In vergangner Nacht
ſank die Temperatur nicht unter 10 . Da die Weſt=
zyklone
ſich jetzt von Deutſchland entfernt, werden
nennenswerte Regen nicht mehr vorkommen.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 15. April:
Zeitweiſe heiter höchſtens ſtrichweiſe unbedeutender
Regen, warm, Südwind.

Tageskalender.
Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Die Jungfrau
von Orleans.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Vortrag von Rechtsanwalt Dr. Hoffmann II. um 6 Uhr
Stiftſtraße 47 (Allgemeiner deutſcher Frauenverein).
Hauptverſammlung des Bauvereins Daheim um
8½ Uhr im Kaiſerſaal
Konzert um 8 Uhr im Bürgerkeller.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (Schwarzwald),
Verſteigerungskalender.
Samstag, 16. April.
Hofreite=Verſteigerung des Gg. Gerlach ( Kahlert=
ſtraße
) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Dünger=Verſteigerung um 9½ Uhr in der Drag.=
Kaſerne (Regt. Nr. 23).

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ſinnten
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ſache
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Expedition ds. Bl. erbeten.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeffel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaigs
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nichs
zurückgeſandt.

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Kurſe vom 14. April 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,50
3½ Deutſche Reichsanl. 83,50
84,50
3
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,90
93,40
3½ do. Conſols .
84,40
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 102,00
94,00
do.
3½
3
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 102,30
92,90
do.
31
83,40
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 102,00
4 Heſſ. Staatsanleihe 101,50
3½
do.
92,20
do.
3
81,60
3 Sächſiſche Renke 84,20
4 Württemberger v. 1907 102,00
93,50
do.
31
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾/ Griechen v. 1887
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 99,00
do. Goldrente 100,20
do. einheitl. Rente 94,7.
3 Portug. unif. Serie I 65,70
do. unif. Ser. III 67,00
do.
Spezial . 12,60
5 Rumänier v. 1903 . . 102,00
do. v. 1890 . . 94,90
do. v. 1905 . . 91,60
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 91,40

InProz.
. 96,80

Zf.
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 90,90
4½ do. v. 1905 . . . . 100,25
3½ Schweden . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,20
4 Türk. Admin. v. 1903 88,70
4 do. unifiz. v. 1903 94,90
4 Ungar. Goldrente 95,70
4 do. Staatsrente . 92,90
5 Argentinier . . . . . . 101,50
4
91,40
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 93,50
5 Chineſ. Staatsanleihe 103,00
100,00
41
do.
Japaner
5 Innere Mexikaner . . 101,50
do.
3
4 Gold=Mexikan. v. 1904 96,70
5 Gold=Mexikaner
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
141,40
4 Nordd. Lloyd
..103,70
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 120,80
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 600
Einz. Mk. 408 118,40
4 Baltimore & Ohio . . 111,80
4 Gotthardbahn . . .

InProz
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 160,40
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 20,80
4 Pennſylvania R. R. 135,20
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei 195,50
. 83,00
Werger=Brauerei
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 475,00
Fabrik Griesheim . . . . 262,50
Farbwerk Höchſt . . . . . 467,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim. . . . . . .
Lahmeyer . .
. . . 112,40
Schuckert . . . . . . . . . 152,90
Siemens & Halske . . . 240,25
Adlerfahrradwerke Kleyer 380,50
Bochumer Bb. u. Guß . . 238,20
Gelſenkirchen . . . . . . . 208,30
Harpener . . . . . . . . . 198,60
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
. . . . . . . . . 222,00
Prioritäts=
Obligationen.
½ Südd. Eiſenb.=Geſ. .
4 Pfälzer Prt. . . . . . 101,20
do.
3½

Eliſabeth., ſteuerpfl.
do. ſteuerfrei . 99,80
Oeſterr. Staatsbahn. 106,50

do.
98,50
do. alte .
Oeſterr. Südbahn . . 102,60
do.
84,20
do.
Raab=Oedenburger . . 76,00
Ruſſ. Südweſt.
Kronpr. Rudolfbahn . 99.60

In Proz
Bf.
2¼/0 Livorneſer . . . . . . 76,00
4 Miſſouri=Paciſic . . . 98,50
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,00
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 102,90
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 176,10
Darmſtädter Bank 134,30
Deutſche Bank 250,30
4 Deutſche Vereinsbank 127,30
4 Diskonto=Geſellſchaft 188,90
4 Dresdner Bank . 159,90
4 Mitteldeut. Kreditbk. 119,50
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 123,60
4 Pfälzer Bank . . . . . 101,40
145,20
4 Reichsbank
4 Rhein. Kredit=Bank 139,20
4 Wiener Bank=Verein 137,50
Pfandbriefe.
Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,50
do. S. 19. . . . . 92,50
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
91,00
do,
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
92,50
do.
½
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,10
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,40
do. (unk. 1914) 91,60
3½
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,30
5o,
93,70
3½

InProz.
Zf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt . . . . . . 100,60
3½ do.
4 Frankfurt .
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg.

3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
do.
3
92,00
4 München
. 100,80
3½ Nauheim
92,00
Nürnberg.
.101,00
do.
92,80
4 Offenbach
99,70
31
do.
Wiesbaden
.102,2
3½ do.
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886 . . 82,20
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 137,75
5 Donau=Reg. fl. 100 143,90
3 Holl, Komm, 100 104,60

92,30
. 100,90
96,00
92,30
.100, 10
.100,50
92,10

100,20

InProz
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.=Pfand= 76,80
briefe.
. 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe 174,00
3 Oldenburger
2½ Raab=Grazer fl. 150 118,00

Unverzinsliche
Anlehensloſe.

ugsburger
Braunſchweiger
Freiburger
Mailänder
do.
Meininger

fl.
Tlr.
Fs.
Fs.
Fs.

7 39,30
20 215,00
15 54,50
45 115,10
10
ft. 7

Oeſterreicher v. 1864 100 571,00
do. v. 1858 100 463,00
Ungar. Staats 100 387,20
Venediger Frs. 30 39,60
Türkiſche
400 178,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,43
20 Franks=Stücke
16,23
Oeſterr. 20=Kronen .
16,90
Amerikaniſche Noten
4,19
Engliſche Noten
20,48
Franzöſiſche Noten.
81,25
Holländiſche Noten . . . . 168,80
Italieniſche Noten . . . . 80,90
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,10
Ruſſiſche Noten . . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 81,10
Reichsbank=Diskonto . . . 4
Reichsbank=Lombard Zef. 5½

[ ][  ][ ]

Seite 8,

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

Nummer 87.

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Der ſchmale Weg.
Roman von Paul Bliß.
(Nachdruck verboten.)
35)
Malwine blieb kühl und reſerviert, ſie nahm keinen
Platz. Ruhig und feſt begann ſie: Ich habe Dich am
Vormittag mit Herrn Stark im Tiergarten geſehen.
Innerlich erſchrak Elsbeth, äußerlich lächelte ſie,
und luſtig nickte ſie. Stimmt, Du haſt recht geſehen.
Schweigen.
Feſt und fragend trafen ſich die Blicke.
Da Malwine noch immer nichts ſagte, fragte Els=
beth
heiter: Nun, iſt das alles, was Du mir zu ſagen
haſt?
Ernſt, aber bittend, erwiderte die Aeltere: Sag’
mir um Gottes willen, wohin ſoll denn das führen?
Du haſt doch Mann und Kind! Ja, fühlſt Du denn
nicht, welche Verantwortung auf Dir ruht?
Da ſtand Elsbeth auf, ihr Lächeln verſchwand
und trotzig fragte ſie: Was ſind das für Redensarten?
Was ſoll das alles? Darf ich als verheiratete Frau
etwa nicht mit einem unverheirateten Mann ſpazieren
gehen?
Verſtelle Dich doch nicht Du weißt ja recht gut,
was ich meine.
Das weiß ich nicht; wenn ich es ſoll, dann drück
Dich, bitte, ganz klar aus.
Ernſt, faſt finſter blickte Malwine ſie an, dann ſagte
ſie leicht erbebend: Spiel’ doch nicht die Harmloſe! Ich

habe heute früh nur zu deutlich geſehen, wie es mit
Euch ſteht! Einmal war ich auch ſo nahe, daß Ihr
mich hättet ſehen müſſen, wenn Ihr nicht gar zu ſehr
mit Euch beſchäftigt geweſen wäret!
Nervös ſpielte Elsbeth mit einer Schleife ihres
Kleides. Alſo komm zur Sache. Was wirfſt Du
mir vor?
Daß Du von neuem ein unwürdiges Spiel mit
Herrn Stark begonnen haſt! Und zwar ein um ſo
ſchmachvolleres, da Du eine verheiratete Frau biſt!
Ich ſpiele nicht mit ihm.
Um ſo ſchlimmer alſo! Haſt Du denn ganz und
gar Deine Pflicht vergeſſen!?
Leiſe zitternd ſagte Elsbeth: Deine Worte ſind
derart, daß ich Dir einfach gleich die Tür weiſen könnte
aber um des lieben Friedens willen werde ich es
nicht tun.
Malwine aber rief erregt: Tu’s doch! Immſer
tu’s doch! Du fürchteſt ja doch nur die Anklägerin
in mir!
Ach nein, ich fürchte Dich auch nicht ſo viel!
Mit finſteren, drohenden Blicken ſtanden ſie ſich
nun gegenüber.
Dann begann Elsbeth wieder: Alſo, was willſt
Du noch?
Ich verlange, daß Du ſofort den Verkehr aufgibſt,
im Namen der Familie verlange ich es von Dir!
Du haſt gar nichts zu verlangen!
So rufe ich telegraphiſch Deinen Mann her!

Ha! Ha! Das tu’ nur! Der wird Dich erſt recht
ſchön auslachen!
Ich werde ihm die Augen öffnen!
Dir wird er auch gerade glauben!
Ich ſage Dir, er wird mir glauben!
Nun gut, dann werde ich ihm ſagen, daß Du eine
eiferſüchtige, alte Jungfer biſt!
Glühend rot ſtand Malwine da, alles an ihr bebte,
mit wehmütig ſchmerzerfülltem Blick nickte ſie. Ja,
nenne mich ſo, Du haſt recht, ich will mich nicht beſſer
machen, als ich bin, aber ich ſage Dir auch, daß ich von
heute an den Kampf mit Dir aufnehmen werde! Den
Kampf um ihn, den ich liebe! So lange habe ich paſſiv
dageſtanden, nun ich aber ſehe, daß Du von neuém
deine Netze auswirfſt, nun ich ſehe, daß er einer Ge=
fahr
entgegengeht, daß Du ihn und Dich und uns alle
unglücklich machen willſt, nun werde ich ihm die
Augen öffnen, denn das weiß ich genau, er iſt nicht
ſchlecht, er iſt nur verblendet, er iſt nur in Deinem
Bann, und Dir, Dir will ich ihn nun entreißen!
Kampfbereit ſtand Elsbeth da; ſpöttelnd rief ſie:
So iſt es recht! Endlich ſieht man Dein wahres Geſicht!
So lange haſt Du ja nur Komödie geſpielt, haſt Dich
als Wunder was aufgeſpielt und biſt doch nichts als
eine kraſſe Egoiſtin! Nun erſt kenn’ ich Dich ganz!
Ja, ich will jetzt egoiſtiſch ſein! Von jetzt an will
ich es ſein, bis ich mein Ziel erreicht habe! entgegnete
Malwine hart. So lange habe ich immer hintenan

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geſtanden, habe Dir, dem verzärtelten Kind, in allem
nachgegeben, nun ſoll das anders werden!
Spöttelnd nickte Elsbeth ihr zu. Bravo, meine
Liebe! Ich wünſch' Dir Glück dazu!
Immer höhne nur, Dein Spott trifft mich nicht.
Ich weiß jetzt, was ich will, und ich werde mein Ziel
erreichen, diesmal gewiß! Deſſen kannſt Du ſicher
ſein!
Ich wünſch’ mir keine größere Sorge als die! rief
Elsbeth luſtig.
Alſo, ich frage Dich zum letzten Male, gibſt Du ihn
frei oder nicht?
Du biſt recht töricht, liebe Malwine, Dein Bluk
geht mit Dir durch; ob ich ihn freigebe, iſt hier doch
ganz Nebenſache, er will ja gar nicht freigegeben ſein,
denn er liebt mich, das iſt hier die Hauptſache! Lächelnd
winkte ſie der Schweſter zu.
Bebend ſtand Malwine da. Aber was ſoll denn
daraus werden? Wie ſoll denn das enden?
Darüber mach' Du Dir nur keine Sorgen. In
heiterſter Laune rauchte ſie ſich eine neue Zigarette an.
Du kannſt doch nicht Mann und Kind verlaſſen
wollen?
Quäl Dich doch nicht mit ſo unnützen Sorgen ab,
liebe Malwine, überlaß das nur mir, ich kenne mich
aus im Leben, ich bin ſchon mit ganz anderen Dingen
fertig geworden.
Zitternd ſank die Aeltere in einen Seſſel, ſie war
einer Ohnmacht nahe alles um ſie her begann zu
wanken ſie lehnte ſich hintenüber und ſchloß die
Augen plötzlich verſchwand alles Harte, alles
Finſtere von ihr, eine müde, wehmutsvolle Sehnſucht
kam über ſie, und mit weicher Stimme begann ſie:
Ach, Elsbeth, wenn Du noch einen Funken Zu=
neigung
zu mir haſt, dann kannſt Du mich jetzt nicht ſo
von Dir gehen laſſen. Sieh, mein ganzes Leben war
nichts als Arbeit, als Kummer, als Entſagung, nichts

als eine Kette verhaltener Schmerzen und unausge=
ſprochener
Klagen. Und nun ſieh dagegen Dein Leben
an. Ein Glückskind warſt Du, alles Gute und Schöne
und Liebe iſt Dir nur ſo zugeflogen, nie haſt Du Dir
einen Wunſch zu verſagen brauchen, nie haſt Du kennen
gelernt, was es heißt, hintenan ſtehen zu müſſen, nie
haſt Du heimlich zu klagen und zu weinen brauchen,
denn jeder lebte Dir zum Gefallen, Dir zur Liebe, nie
hat der Kummer Dir eine Falte ins Geſicht gegraben.
Und nun komme ich, die vom Glück Vergeſſene, nun
komme ich und erbitte von Dir zum allererſten Male
einen Liebesdienſt etwas, was Dir ſo wenig iſt, was
für mich aber das letzte bißchen Glück meines Lebens
iſt! Ach, Elsbeth, gib ihn mir frei! Ich will es Dir
nie im Leben vergeſſen! Dein Leben iſt ja ſo reich an
Schönheit, Glanz und Liebe, ach, und meines iſt ſo arm
und ſo leer geweſen! Zum erſten Male kommt ein
kleiner Sonnenſtrahl des Glücks hinein . . . ach, Els=
beth
, ſei doch lieb, ſei doch barmherzig, ſei doch menſch=
lich
! Gib ihn frei! Gib ihn frei!
Und ſie ſank vor der Schweſter nieder und ſchluchzte
wild auf im wehen Schmerz.
Auch Elsbeth hatte Tränen in den Augen; dieſer
gewaltige Ausbruch einer ſo lang zurückgehaltenen
Leidenſchaft erſchütterte ſie gewaltig; ſanft und voll
Zärtlichkeit ſtreichelte ſie über das Haar der Schweſter,
dann erhob ſie ſich und zog Malwine mit empor.
Und mit mild=lieber Stimme ſprach ſie: Liebe
Malwine, hör’ mich doch an, verſteh’ mich doch recht, ich
kann, ihm doch nicht ſagen: Gehen Sie zu meiner
Schweſter, die liebt Sie, die kann ohne Sie nicht
leben, na, das geht doch nicht, das mußt Du doch ſelber
einſehen, nicht wahr?
Stumm ſtand Malwine da und ſah die Schweſter an.
Und noch einmal fragte Elsbeth: Na, ſiehſt Du
das nicht ſelber ein?

Da ward die andere wieder hart und feſt, und
mit eherner Stimme ſagte ſie: Ich verlange ja nur,
daß Du ihn nicht mehr empfangen ſollſt, ihn nicht mehr
wiederſehen ſollſt.
Nein, das kann ich Dir nicht verſprechen, erwiderte
Elsbeth zitternd.
Iſt das Dein letztes Wort!?
Ja!
Einen Moment ſtand Malwine noch da und blickte
die Schweſter in ſtummem Entſetzen an, dann wankte
ſie wortlos hinaus.
Elsbeth wollte ihr nach, aber der kalte, finſtere Blick
der anderen wies ſie ſtolz zurück.
Es ſchlug fünf.
Elsbeth war ſo ungeduldig, daß ſie nirgends mehr
Ruhe fand.
Sie ſtand endlich vor der Uhr ſtill, zwang ſich ge=
waltſam
, ruhiger zu werden, und begann nun zuzu=
ſehen
, wie der Zeiger weiterkroch.
Und ſie zählte eins, zwei, drei fünf zehn
fünfzehn Minuten.
Ach, er kam nicht, er kam nicht!
Schon eine Viertelſtunde ſpäter nein, nein,
jetzt kam er nicht mehr.
Ein paar Tränen ſtahlen ſich in die Augen und
eine leichte Wehmut kam über ſie.
Da auf einmal klopfte es.
Beinahe hätte ſie aufgejubelt.
Die Zofe brachte auf der kleinen Platte eine Karte.
Elsbeth erbebte freudig er war es!
Führen Sie den Herrn in den Salon! befahl ſie.
Noch einen letzten, genau prüfenden Blick in den
Spiegel, dann ging ſie zu ihm.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 87

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Jagdhund.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung,
das Spielen in außerheſſiſchen Lotterien betreffend.
Die Beſtimmungen des nachſtehenden Geſetzes vom 14. Februar 1906 bringen wir
mit dem Anfügen erneut zur Kenntnis, daß von großen Klaſſenlotterien nur die Königlich
Preußiſche Klaſſenlotterie im Großherzogtum Heſſen zugelaſſen iſt.
Im übrigen iſt, abgeſehen von unbedeutenderen Ausſpielungen, z. Zt. nur der
Loſevertrieb von folgenden außerheſſiſchen Lotterien im Großherzogtum erlaubt:
1. Lotterie des Vereins für Wiederherſtellung der St. Lorenzkirche in Nürnberg‟),
2. Lotterie des Münſterbauvereins Ueberlingen (in Baden ?),
3. Lotterie des Deutſchen Schriftſtellerheims in Jena,
4. Lotterie des Beamten=Erholungsheims Hofgut Teichmühle i. T. b. Köppern.
Alle übrigen Lotterien, insbeſondere die Hamburger Stadtlotterie, die
Kgl. Sächſiſche Landeslotterie, die Ungariſche Klaſſenlotterie und die Däniſche
Koloniallotterie ſind im Großherzogtum Heſſen nicht zugelaſſen, ſodaß ſowohl
Vertrieb der betreffenden Loſe, als auch das Spielen in den letztgenannten Lotte=
eien
verboten und ſtrafbar iſt.
*) Anm. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen nur mit dem heſſiſchen Zulaſſungs=
ſtempel
verſehene Loſe gelangen. Während der Zeit des Vertriebes der Loſe zur
erſten Klaſſe einer Königl. Preuß. Klaſſenlotterie iſt Ankündigung, Ausgabe und
Vertrieb der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.
Darmſtadt, den 12. April 1910.
(8194fs
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.
Geſetz,
das Spiel in anßerheſſiſchen Lotterien betreffend. Vom 14. Februar 1906.
ERNsx LuDWIG von Gottes Gnaden Großherzog von Heſſen und
bei Rhein ꝛc. ꝛc.
Wir haben mit Zuſtimmung Unſerer getreuen Stände verordnet und verordnen
hierdurch, wie folgt:
Artikel 1. Wer in außerheſſiſchen Lotterien, die nicht mit ſtaatlicher
Genehmigung im Großherzogtum zugelaſſen ſind, ſpielt, wird mit Geldſtrafe
bis zu 600 Mark beſtraft; eine nicht beizutreibende Geldſtrafe iſt in Haft um=
zuwandeln
.
Artikel 2. Wer ſich dem Verkauf oder der ſonſtigen Veräußerung eines
Loſes, eines Losabſchnittes oder eines Anteils an einem Loſe oder Losabſchnitte
der im Artikel 1 bezeichneten Lotterien unterzieht, insbeſondere auch, wer ein Los,
einen Losabſchnitt oder einen Losanteil dieſer Art zum Erwerb anbietet oder zur
Veräußerung bereit hält, wird mit Geldſtrafe bis zu 1000 Mk. beſtraft. Die
gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher bei einem ſolchen Geſchäft oder einer ſolchen
Handlung als Mittelsperſon mitwirkt.
Iſt die Zuwiderhandlung durch eine Perſon begangen, die Loſehandel gewerbs=
mäßig
betreibt, oder bei ihm gewerbsmäßige Hilfe leiſtet, oder iſt ſie durch
öffentliches Auslegen, Ausſtellen oder Aushängen oder durch Verſenden eines
Loſes, eines Losabſchnitts, eines Bezugsſcheins, eines Anteilſcheins, eines An=
gebots
, einer Anzeige oder eines Lotterieplans oder durch Einrücken eines Ange=
bots
, einer Anzeige oder eines Lotterieplans in eine in Heſſen erſcheinende Zeitung
erfolgt, ſo tritt Geldſtrafe von 100 bis zu 1500 Mark ein.
Jede einzelne Verkaufs= oder Vertriebshandlung, namentlich jedes einzelne An=
bieten
, Bereithalten, Auslegen, Ausſtellen, Aushängen, Verſenden eines Loſes, eines
Losabſchnitts, eines Bezugsſcheins, eines Anteilſcheins, eines Angebots, einer Anzeige
oder eines Lotterieplans wird als beſonderes ſelbſtändiges Vergehen beſtraft, auch wenn
die einzelnen Handlungen zuſammenhängen und auf einen einheitlichen Vorſatz des
Täters oder Teilnehmers zurückzuführen ſind.
Artikel 3. Wer, nachdem er wegen eines der im Artikel 2 bezeichneten Ver=
gehen
rechtskräftig verurteilt worden iſt, abermals eine dieſer Handlungen begeht, wird
in den Fällen des Artikels 2 Abſ. 1 mit Geldſtrafe von 100 bis zu 1500 Mark, in den
Fällen des Artikels 2 Abſ. 2 mit Geldſtrafe von 200 bis zu 2000 Mark beſtraft.
Artikel 4. Jeder fernere Rückfall nach vorausgegangener rechtskräftiger
Verurteilung im erſten Rückfalle zieht Geldſtrafe von 300 bis zu 3000 Mark nach ſich.
Artikel 5. Die Beſtimmungen der Artikel 3, 4 finden Anwendung, auch wenn
die früheren Geldſtrafen noch nicht oder nur teilweiſe gezahlt oder ganz oder teilweiſe

Seite 11.

erlaſſen ſind; ſie bleiben jedoch ausgeſchloſſen, wenn ſeit der Zahlung oder dem Erlaſſe
der letzten Geldſtrafe oder der Verbüßung der an ihre Stelle getretenen Freiheitsſtrafe
bis zur Begehung der neuen Zuwiderhandlung drei Jahre verfloſſen ſind.

Artikel 6. Wer Gewinnergebniſſe der im Artikel 1 bezeichneten Lotterien in
einer in Heſſen erſcheinenden Zeitung veröffentlicht, oder durch öffentliches Aus=
legen
, Ausſtellen oder Aushängen bekannt gibt, wird mit Geldſtrafe bis zu 50 Mark
beſtraft. Gehört der Täter oder Teilnehmer zu den im Artikel 2 Abſ. 2 bezeichneten
Perſonen, ſo tritt Geldſtrafe von 100 bis zu 600 Mark ein.
Artikel 7. Den außerheſſiſchen Lotterien ſind alle außerhalb Heſſens öffeut=
lich
veranſtalteten Ausſpielungen beweglicher oder unbeweglicher Gegenſtände
gleich zu achten. Der Artikel 1 findet jedoch keine Anwendung, wenn der Preis des
einzelnen Loſes drei Mark, einſchließlich des Reichsſtempels, nicht überſteigt.
Artikel 8. Die in den einleitenden Beſtimmungen und im erſten Teile des
Strafgeſetzbuchs für das Deutſche Reich enthaltenen Vorſchriften finden auf die in dem
gegenwärtigen Geſetze mit Strafe bedrohten Handlungen Anwendung, ſoweit nicht
durch dieſes Geſetz abweichende Beſtimmungen getroffen ſind.
Artikel 9. Auf Anteilſcheine von Anleihen, deren Verzinſung und Tilgung
mit einer Verloſung und mit Prämien verbunden iſt, finden die Beſtimmungen dieſes
Geſetzes keine Anwendung.
Artikel 10. Das vorſtehende Geſetz tritt gleichzeitig mit dem Staatsvertrage
zwiſchen den Heſſiſch=Thüringiſchen Staaten und Preußen vom 17. Juni 1905 in Kraft.
Gleichzeitig treten außer Kraft:
1. Die Artikel 234, 235 des Polizeiſtrafgeſetzes vom 30. Oktober 1855, ſoweit
ſie den Vertrieb von Loſen ꝛc. außerheſſiſcher Lotterien und Ausſpielungen
betreffen;
2. das Geſetz, die Einführung einer ſtaatlichen Klaſſenlotterie betreffend, vom
12. Auguſt 1899.
Arkundlich Unſerer eigenhändigen Unterſchrift und beigedrückten Großherzoglichen
Siegels.
Darmſtadt, den 14. Februar 1906.
(L. 8.)
ERNST LuDWJG.
Ewald. Gnauth.

Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß mit Wirkung vom 16. April
I. Js. der Sicherheitsdienſt in der Waldumgebung der Stadt, gleichwie in den Vor=
jahren
, wiederum in Kraft tritt. Der Aufſichtsdienſt wird von 7 Forſtaufſehern aus=
geübt
, welche die Uniform der ſtaatlichen Forſtwarte tragen und mit Gewehr, ſowie
Hirſchfänger ausgerüſtet ſind. Ihre Aufgabe iſt die ſtändige Beaufſichtigung der die
Stadt umgebenden Waldungen unter beſonderer Berückſichtigung der von dem Publikum
begangenen Spazierwege.
Da den Forſtaufſehern die polizeiliche Ueberwachung der Waldumgebung obliegt,
ſind ſie von dem Großh. Kreisamt eidlich als Polizeibeamte auf den Polizeiſchutz
verpflichtet und im Beſitz einer von dem unterzeichneten Polizeiamt ausgeſtellten Aus=
weiskarte
.
In der Ueberzeugung, daß durch die ſtändige polizeiliche Ueberwachung der
Waldungen eine erhöhte Gewähr für die Sicherheit des Spaziergängerpublikums
gegeben iſt, richten wir hiermit an die Einwohnerſchaft die Bitte, von etwaigen ver=
dächtigen
Wahrnehmungen in den Wäldern bei Begegnung die Forſtaufſeher oder aber
das unterzeichnete Polizeiamt in Kenntnis ſetzen zu wollen.
(8084dfs
Darmſtadt, den 11. April 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbähler.

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v. 910 Uhr.

Versteigerung.
Dienstag, den 19. April, vormittags 10 Uhr, ſollen im Großh. Hofmarſtalle
dahier einige ausrangierte Kummet= und Bruſtblatt=Geſchirre, Zügel, Pferdedecken
Teppichgurten ꝛc. gegen Barzahlung verſteigert werden.
(7971mf
Darmſtadt, den 5. April 1910.
Großherzogliches Hofmarſtall=Amt.
Riedeſel Freiherr zu Eiſenbach.

Verſteigerungs-Anzeige.
Montag, den 18. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, ſollen im Pfandlokal Beſ=
ſungerſtraße
4 folgende Pfänder:
1 Sekretär, 1 Kleiderſchrank, 1 Schreibtiſch, 1 Fahrrad, 5 Schweine, 500 Stück
Schiefer, 1 vollſt. Bett, 1 Waſchtiſch, 1 Nachtſchränkchen, 1 großer Möbel=
transportwagen

zwangsweiſe verſteigert werden.
Verſteigerung der Schweine beſtimmt.
(8172fso
Wieser, Pfandmeiſter.
Verdingung.
Neubau der kath. Kirche mit Pfarrhaus in Eberſtadt bei Darmſtadt.
Es ſollen verdungen werden:
a) Erdarbeiten, b) Maurerarbeiten inkl. Materialien, e) Steinhauerarbeiten,
d) Zimmerarbeiten, e) Dachdeckerarbeiten, k) Spenglerarbeiten.
Planzeichnungen und Bedingungen liegen im kathol. Pfarrhauſe zu Eberſtadt
von Samstag, 16. d. Mts. ab, vormittags von 1012 Uhr zur Einſicht offen. Die Be=
dingungen
ſind gegen Erſtattung der Kopialgebühren daſelbſt zu beziehen. Es ſei darauf
aufmerkſam gemacht, daß die Planzeichnungen bei dem Architekten Profeſſor Becker in
Mainz, Haſengäßchen 1, während der üblichen Bureauſtunden einzuſehen ſind und da=
ſelbſt
Auskunft erteilt wird.
Verſiegelte, mit entſprechender Aufſchrift verſehene Angebote ſind bis Samstag,
den 23. d. Mts., beim katholiſchen Pfarramt Eberſtadt portofrei einzureichen.
Eberſtadt, den 13. April 1910.
(8169
Der kath. Kirchen=Vorſtand.

Haferlieferung.
Für die ſtädt. Faſelſtallungen iſt die
Lieferung von 60 Zentner Hafer zu vergeben
Angebote und Proben des Hafers ſind bis
Montag, den 18. d. Mts.,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
Die Bedingungen liegen im Stadthaus,
Zimmer Nr. 39, zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 12. April 1910. (8196fs
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
J. V.: Jaeger.

Die Anlieferung von Port=
land
=Zement
für das Jahr 1910 ſoll verdungen werden.
Die Lieferungs=Bedingungen liegen bei
dem Tiefbauamte, Zimmer Nr. 7, während
der Dienſtſtunden zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Diensntag, den 19. April I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 12. April 1910.
Tiefbauamt.
Keller.
(7977md

Städtiſche Pfennigſparkaſſe.
Einzahlungen in Pfennigbeträgen von
10, 20 Pfg. u. ſ. f. bis einſchließlich eine
Mark werden jeden Samstag, nachmittags
von 2 bis 8 Uhr, von nachverzeichneten
Erhebeſtellen entgegengenommen:
Erhbſtelle
Nr. 1 Praſſel, M. W., Grafenſtraße 25.
2 Landau, M., Mathildenplatz 1.
3 Bopp, K., Heinheimerſtraße 74.
4 Waitz, Pfarrer, Schwanenſtr. 29.
5 Roth, G., Dieburgerſtraße 9.
6 Koch, K., Marktplatz 3.
7 Stephan, H., Stiftſtraße 29.
8 Manck, G., Ballonplatz 5.
9 Klockow, F., Pankratiusſtraße 26
10 Schroth, J., Gardiſtenſtraße 15.
11 Scholl, R., Soderſtraße 44.
12 Wernher, L., Beſſungerſtraße 1.
13 Poth, E., Heinheimerſtraße 20.
14 Schwab, T., Ernſt=Ludwigsplatz 4.
15 Supp, A. J., Marktplatz 8.
16 Jarraſch, J., Heinheimerſtraße 35.
17 Seibert, F., Pallaswieſenſtraße 44.
18 Waitz, E., Eliſabethenſtraße 16.
19 Büchler A., Roßdörferſtraße 26½
20 Hebermehl, G., Eliſabethenſtr. 53.
Filialen:
Kiesſtraße 66.
Sandbergſtraße 27.
Lauteſchlagerſtraße 4.
23 Sulzmann, A., Forſtmeiſterſtr. 2.
24 Mattheß, H., Liebfrauenſtraße 58.
25 Erb, O., Alexanderſtraße 17½
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen Sparkaſſe.
Purgold, Direktor. (1491a

Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Ver=
mögen
des Glaſermeiſters Georg Döll in
Darmſtadt iſt zur Abnahme der Schluß=
rechnung
des Verwalters, zur Erhebung von
Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis
der bei der Verteilung zu berückſichtigenden
Forderungen und zur Beſchlußfaſſung der
Gläubiger über die nicht verwertbaren Ver=
mögensſtücke
Schlußtermin, ſowie Termin
zur Pfrüſung der nachträglich gemeldeten
Forderungen auf
Mittwoch, den 11. Mai 1910,
vormittags 8½ Uhr,
vor dem Großherzoglichen Amtsgericht I
hierſelbſt, Zimmer Nr. 219, beſtimmt und
die Vergütung des Konkursverwalters au
800 Mark feſtgeſetzt worden.
Darmſtadt, den 12. April 1910. (817
Der Gerichtsſchreiber
des Großherzoglichen Amtsgerichts I.
Gut erh. Gasbadeofen
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tungskörper
für Hängegas= u. elektr. Licht
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umzugshalber billig abzugeben
Ernſt=Ludwigſtraße 12, 2. Stock.

In dem Konkursverfahren
über das Vermögen des Glaſermeiſters
Georg Döll in Darmſtadt beträgt bei
der bevorſtehenden Schlußverteilung die
vorhandene Maſſe 3916 Mk. 30 Pfg.,
während die zu berückſichtigenden, gicht
bevorrechtigten Forderungen 36474 Mk.
69 Pfg. betragen.
Das Schlußverzeichnis ſowie die Schluß=
rechnung
liegt auf der Gerichtsſchreiberei
des Großh. Amtsgerichts Darmſtadt I zur
Einſicht offen.
(8209
Darmſtadt, 14. April 1910.
Der Konkursverwalter:
Karl Dechert.

Dünger=Verſteigerung.
Am Samstag, den 16. April d. Js.,
von 95 Uhr vormittags ab,
wird auf dem vorderen Hofe der alten
Kavallerie=Kaſerne in Darmſtadt die Ma=
tratzenſtreu
einer Eskadron öffentlich meiſt=
bietend
verſteigert.
(8099df
Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23.

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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

Nummer 87,

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Hessische Handelslehranstalt
DARMSTADT am Ernst-Ludwigsplatz.
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I. Einjährige Handelsschule mit vollem Tagesunterricht.
II. Halbjahrskurse zur Vorbereitung für den kaufm. Beruf.
Das Sommersemester beginnt Dienstag, den 12. April, 8 Uhr.
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Lehrplan und Aufnahmebedingungen durch
Wilh. Siedersleben,
Sprechstunden:
Staatl. geprüfkter Handelslehrer
Montag bis Preitag 121 Uhr.
und zwar an der Handelshochschule zu Leipzig und der Akademie für
* Sozial- und Handelswissenschaften zu Frankkurt a. M.

Verreiſt bis 26. April
Dr. Johanna Schmidt
Saalbauſtraße 60. (8202fs
Vertretung durch die Herren
Dr. Groos und Dr. Vidal.

Dr. Bellentin
wegen Trauerfalles einige Tage
verreist. (*9165mdf
Vertreter: Herr Dr. Kennel,
Mathildenstrasse 30.
Rückkehr wird bekannt gegeben.

ORPHEUM

5. April
ſMente 5 Freitag,5
Aa
Abschieds-Abend
des exquisiten
I. April-Programms! 1

TMorgen àSamstag,

Premiere:

Gasteplel- Ansenbiel
der Künstler- und Schrift-
:: steller-Vereinigung:
Münchner Scharfrichter‟
und Wiener Nachtlicht‟.
Gründer und Leiter: M. Henry.

Siche benandere Arasigr. (2

Großherzogliches Hoftheater.
Freitag, den 15. April 1910.
155. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement B 30.
Die Jungfrau von Orleans.
Romantiſche Tragödie in 5 Akten mit einem
Vorſpiel von Schillr.
Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Valdek.
Perſonen:
Karl VII., König von
. . Hr. Schneider
Frankreich .
Königin Jſabeau, ſ. Mutter Frl. Heumann
Agnes Sorel, ſeine Geliebte Frl. Reick
Philipp der Gute, Herzog
von Burgund
. . Hr. Heinz
Graf Dunois, Baſtard von
Hr. Baumeiſter
Orleans.
La Hire, 1 Königliche . Hr. Bohne
Du Chatel, 1 Offiziere . Hr. Schwarze
Erzbiſchof von Rheims. . Hr. Riechmann
Chatillon, burgund. Ritter Hr. Klotz
Talbot, Feldherr der Eng=
länder

. Hr. Lehrmann
Lionel. 1 engliſche . . . Hr.Weſtermann
Faſtolf, 1 Anführer
.Hr. Jürgas
Ein Ratsherr von Orleans Hr. Hönel
Thibaut d’Are, ein reicher

Landmann . .
Margot,
Louiſon, ſeine Töchter Frl. Grünberg
Johanna,)
Etienne,
Elaude Marie,
Freier
Raimond,
Vertrand, ein anderer Land=
mann

Raoul, lothringiſcher Ritter Hr. Hacker

. Hr. Knispel
Frl. Gothe
Frl. Oſter
ihre Hr. Kroczak
Hr. Kretſchmer
Hr. Speiſer
. Hr. Wagner

Ein engliſcher Herold.
Ein Edeltnecht
Ein Köhler
Ein Köhlerweib
Ein Köhlerknabe .
Erſter
Zweiter engl. Soldat
Dritter

Hr. Ungibauer
Hr. Indorf
Hr. Jordan
Frl. Wisthaler
Paula Beck
Hr. Fleiſchmann
Hr. Göllnitz
Hr. Waigandt

Preiſe der Plätze:
(Kleine Preiſe)
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremdenloge 5 Mk.
Balkonloge 4.50 Mk., 1. Rang 4 Mk., 2. Rang:
(1. bis 6. Reihe) 2. Mk., (7. und 8. Reihe)
1.60 Mk., Sperrſitz. (l. bis 13. Reihe) 3.50 Mk.,
(14. bis 20. Reihe) 3. Mk., Parterre: (1. bis
5. Reihe) 2.20 Mk., (6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk,
1. Galerie 1. Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Anfang 7 Uhr. Ende 10½ Uhr.
Kartenverkauf von 111 Uhr und von
6 Uhr an.

Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Samstag, 16. April. Außer Abonnement.
Vorſtellung zu ermäßigten Preiſen: Die
Dollarprinze ſſin. Anfang 7 Uhr.
(Vergl. beſondere Anzeige.)
Sonntag, 17. April. 156. Ab.=Vorſtell.
C 40. Gaſtdarſtellung des Kgl. Württem=
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Große Preiſe. Anfang 6½ Uhr.
Montag, 18. April. 157. Ab.=Vorſtell.
D 30. Geſpenſter. Kleine Preiſe.
Anfang 7 Uhr.

Aus dem Spielplan.
Dienstag, 19. April. 158. Ab.=Vorſtell.
B 40. Orpheus und Eurydice‟
(Gluck). Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.

[ ][  ][ ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

Nummer 87.

ohenlohe
Tafer-Flöcken
geben delikate Suppen,
Frühstück für Alt u. Jung.
Bewährte Kindernahrung.
In gelben Paketen mit dem Bilde der Schniterin.

Ein Beſuch in der Univerſität
von Kairo.
C.K. Die Enropäer ſind uns voraus ſo erklärte
1882 Arabi Paſcha ſeinen ägyptiſchen Landsleuten, und
er fügte hinzu: Warum? Sind ſie ſtärker oder aus=
dauernder
als wir? Nein, ſie ſind uns voraus, weil ſie
mehr lernen! Aber dieſe Worte ſanden bei den ägyz=
tiſchen
Patrioten, die jetzt Rooſevelt bei ſeinem Beſuche
in Kairo mit zornigen Kundgebungen überhäuften,
wenig Verſtändnis. Hamilton Fyfe, der gegenwärtig
in Aegupten weilt, gibt in einem engliſchen Blatte
eine anſchauliche Schilderung der Lehrmethoden, durch
die das junge Aegypten zum Kampfe mit dem Daſein
und zum Wettbewerb mit den übrigen Nationen aus=
gerüſtet
werden ſoll. In einer kleinen kegelförmigen
Lehmhütte in Lukſor hält ein ernſter Mann im Tur=
ban
Schule. Es iſt faſt dunkel und man ſieht kaum die
Körper der Kinder, die in mechaniſchem Rhuthmus die
Lektion nachbeten. Kleine ſchwarze Hände kozieren die
grabiſchen Zeichen des Lehrers auf ihre Tafeln. Sie
lernen das Abe und wie man es entdeckt, daß zwei mal
zwei vier ſind. Sie haben auch ſchon angefangen, Teile
des Korans auswendig zu lernen. Sie werden das
heilige Buch vollkommen auswendig lernen müſſen,
Sure um Sure; dann aber iſt ihr Bildungsgang ab=
geſchloſſen
. Nur die begabteſten von ihnen werden
auf die berühmte mohammedaniſche Univerſität von
Kairo geſandt: ſie gehen zur Gamia El Azhar. Hier
werden ſie in einer Reihe von Kurſen lernen, daß ſeit
der Zeit des Korans die Wiſſenſchaft keine Fortſchritte
mehr gemacht hat, ſie werden lernen, daß die Erde flach
iſt und auf den Hörnern und auf dem Rücken eines
Stieres ruht: von Bergen iſt die Erde umkreiſt, wo
die Dſchins hauſen, die böſen Geiſter, die mit den
guten Engeln um die Herrſchaft über die Menſchheit
kämpfen. Das iſt die geiſtliche Wiſſenſchaft, auf Grund
deren Geſetzeskunde ſtudiert wird und durch ſie die
Kunſt erlernen, den Koran vorzutragen.
Hamilton Fyfe ſchildert einen Beſuch in dieſer
Hochburg ägyptiſchen Wiſſens. Beim Ueberſchreiten
der Schwelle legt man große Pantoffeln an, ohne die
man den heiligen Ort nicht betreten darf. Hinter einem
bleiben Gegenwart und Leben. Man kommt zuerſt in
einen großen, offenen Hof, wo unzählige Menſchen im

Turban und in wallenden Gewändern verſammelt ſind.
Einige leſen und begleiten ihre Lektüre mit rhythmi=
ſchen
Schwingungen des Körpers, andere unterhalten
ſich. Hier haben ſich einige um den Alim, den Profeſſor,
gruppiert und notieren ſich einzelne Punkte aus ſeiner
Rede. Andere eſſen, andere ſchlafen. Der Hof liegt im
heißen Sonnenſchein gebadet. Man ſchreitet durch die
Säulengänge, wo Kinder mit gekreuzten Beinen am
Boden ſitzen und mechaniſch die Tageslektion wieder=
holen
. Dahinter liegt ein zweiter Hof, er iſt gedeckt
und kühl; auch hier drängen ſich die Studenten. Ueber
Schlafende oder mitten durch einzelne am Boden
hockende Klaſſen ſchreitet man hindurch. Die Lehrer
ſitzen auf niedrigen breiten Stühlen. Ueberall iſt das
Summen und Rauſchen von Geſprächen, überall iſt ein
ewiges Gehen und Kommen. Wie ſchwer, meint der
Europäer, muß es ſein, hier zu denken. Aber das iſt
auch nicht die Aufgabe der Studenten von El Azhar,
das Denken werden ſie nicht gelehrt. Arm und Reich
vereinigen ſich hier. Ueberall ſieht man Studenten, die
ſich ausruhen oder ihre Kleider ausbeſſern; manche
nehmen ihre Mahlzeit zu ſich, Suppe, Maisbrot und
einige Datteln. Und doch beſeelt alle nur der eine
Wunſch: lernen! Darum ſind ſie hier. Aber wird je
die Zeit kommen, in der die Lehrmethode die ſtrengen
Dogmen des Korans ſprengt? Die fortſchrittlichen
Aegypter ſtehen dem Islam längſt ſkeptiſch gegenüber.
Und es iſt auch nicht die Freude am Wiſſen an ſich, die
dieſe Studenten hier antreibt, den Koran und die Ge=
ſetze
zu erlernen.
Dem Aegypter iſt die Wiſſenſchaft um ihrer ſelbſt
willen ein fremder Begriff. Die Zahl derer, die dabei
den Fortſchritt ihrer Nation im Auge haben, iſt noch die
kleine Minderheit. Aber im allgemeinen iſt das Ziel
des Wiſſensdrangs die egoiſtiſche Möglichkeit einer
beſſeren Lebensweiſe. Eine Anſtellung im Staats=
dienſt
, ein regelmäßiges Gehalt, das iſt das Ziel der
Wünſche und zugleich der Abſchluß alles Bildungs=
hungers
.

Vermiſchtes.
Die Stunden der Mahlzeiten. Die ſonſt ſo kon=
ſervative
franzöſiſche Akademie hat bei ihrer letzten Sitzung
eine kleine Revolution hervorgerufen: ſie hat dieſe Sitzung
eine Stunde ſpäter als gewöhnlich angefangen. Solch ein
Staatsſtreich, ſchreibt das Journal des Débats muß in
der Geſchichte vermerkt werden, denn der Magen der
Pariſer wird der erlauchten Verſammlung dafür dankbar
ſein, daß er nicht mehr von Zeit zu Zeit den Augenblick
ſeines Frühſtücks unmäßig überſtürzen muß. Der ſchöne
Heroismus unſerer Vorfahren, die ſich mit dem Aufgang
der Sonne erhoben, iſt nämlich dem modernen Menſchen
abhanden gekommen und ſo hat ſich denn mit dem Fort=
ſchreiten
der Geſchichte auch die Stunde des Frühmahles
immer mehr hinausgeſchoben. Das Parlament begann
damals ſeine Sitzungen ſchon zwiſchen 5 und 6 Uhr mor=
gens
. Die Mahlzeit, die wir heute um Mittag oder auch
nach der Mittagszeit einnehmen, verzehrte Ludwig XII.
ſchon um 8 Uhr früh und viele ſeiner Zeitgenoſſen um
9 Uhr; Franz I. nahm das Mittagsmahl gegen 10 Uhr

und Heinrich III. je nach der Jahreszeit ein wenig vor
oder ein wenig nach 10 Uhr. Heinrich IV. und Lud=
wig
XIII. bevorzugten die elfte Tagesſtunde. Die Zeir
um 12 Uhr kam um die Mitte des 17. Jahrunderts allge=
mein
auf; im erſten Drittel des 18. Jahrunderts man
dann um 1 Uhr, ja die Mode ſchob die Eſſenszeit noch um
2 und 3 Stunden weiter hinaus und 1789 hätte es für
plebejiſch gegolten, vor ½4 Uhr ſich zu Tiſch zu ſetzen. Nur
die Klöſter und die Kollegien blieben bis zur Revolution
bei der guten alten Sitte, um 11 Uhr zu ſpeiſen. Aber
das waren altmodiſche, zurückgebliebene Leute, die an den
provinziellen und bäuerlichen Sitten feſthielten. Das kri=
tiſche
Wörterbuch von Caraccoli, das 1768 erſchien, defi=
niert
das Wort Mittag folgendermaßen: Die Stunde,
wo die Provinzialen ihr Frühſtück nehmen und wo die
meiſten vornehmen Herren und Damen, die dem Geſchmack
des Hofes und der großen Welt huldigen, aufſtehen.
Ludwig XII., der um 8 Uhr ſeine erſte große Mahlzeit
nahm, ſetzte ſich zwiſchen 4 und 5 Uhr zum Diner; Franz I.,
der um 10 Uhr dejeunierte, dinierte um 6 Uhr, ebenſo=
Heinrich III. und Ludwig XIII. Unter Ludwig XIV.
ſchob man die Stunde des Diners bis um 7 Uhr abends
hinaus und unter Ludwig XV. und Ludwig XVI. gab
man es ganz auf, nicht etwa aus Einfachheit und Spar=
ſamkeit
, ſondern ganz einfach, weil das Dejeuner, das erſt
um 5 oder 6 Uhr abends aufhörte, den hohen Herren es
von ſelbſt verbot, ſich noch einmal zur Tafel zu ſetzen.
Möglichſt ſpät in der Nacht erſt ſpeiſte man dann noch ein=
mal
und dieſe neue Mahlzeit wurde Souper genannt.
Da das Theater unter Ludwig XIV. um 5 Uhr anfing, ſo
hatte man Muße, ſeinen Appetit zu pflegen, ſo lange das
Schauſpiel dauerte; gegen 9 Uhr ſoupierte man dann, aber
am Hofe Ludwigs XV war die Souperſtunde ſchon um
10 Uhr abends und ſpäter, unter Ludwig XVI. ſogar erſt
um ½12 Uhr angeſetzt.

Eltern

deren Kinder nicht ſo gedeihen,
wie ſie es wünſchen, ſollten einen
Verſuch mit Scotts Emulſion
machen. Sie werden keine Mühe haben, den Kleinen das
Präparat zu geben, denn gerade Kindern ſagt der ſüße Ge=
ſchmack
außerordentlich zu.
Viele zarte Kinder haben ſich durch

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zur ordentlichen Hauptverſammlung
auf Freitag, den 15. April 1910, abends 8½ Uhr,
im Reſtaurant Kaisersaal‟, Grafenſtr. 18.
Tagesordnung: 1. Bericht des Vorſitzenden.
2. Rechenſchaftsbericht.
3. Wahl von Vorſtandsmitgliedern.
4. Erledigung der Anträge von Mitgliedern.
Anträge ſind bis zum 8. April bei dem Vorſitzenden, Herrn Rechtsanwalt Dr.
Stein, Annaſtr. 20, einzureichen. Die Rechnung liegt zur Einſicht der Vereinsmitglieder
vom 8. April an bei Herrn Rechner Sulzmann, Gräfenhäuſerweg 11, auf.
Darmſtadt, den 1. April 1910.
Der Vorstand.
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Internationale Ausstellung
für Sport und Spiel
Zu Frankfurt a. M.
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Vol 15. Mai bis 15. Juli 1910

Einladung zum Bezug von Dauerkarten.
Der Preis der Karten ist wie folgt festgesetzt:
Herren-Karten M. 10. nach dem 20. April M. 15.
Damen-Karten M. 8.
, , M. 12.
Jugend-Karten M. 5. , , , M. 8.
Jugend-Karten werden nur an Personen unter 20 Jahren ausgegeben.
Die Dauerkarten berechtigen zum freien Eintritt in die Ausstellung, sowie zu
dem ca. 3000 Personen fassenden reservierten Platze für die sportlichen Veranstal-
tungen
in der Arena, ausgenommen sind die Radrennen und Concours-Hippique,
doch werden auch hierfür den Inhabern von Dauerkarten auf bestimmte Plätze
Preisermässigung von mindestens 20% gewährt, worüber jeweils Veröffentlichungen
erfolgen.
In der Arena werden u. a. abgehalten:
Internationale Fahr-, Reit- und Spring-Konkurrenzen, Internationale
Radrennen, Internationale Fecht-Turniere, Internationale athletische
Konkurrenzen, Internationale Amateur-Ringkämpfe, Association- und
Rugby-Fussball-Wettspiele, Hockey-Spiele, Cricket, Olympische Spiele,
Turnerische Vorführungen.

Auf dem Ausstellungs-Platz werden Internationale Lawn-Tennis-Turniere,
auf besonderen Schiesständen vom 15. Mai bis 15. Juli Schiess-Konkurrenzen ab-
gehalten
.
An den Abenden sind erstklassige Produktionen von Provessionals auf allen
Gebieten des Sports vorgesehen.
Auf dem Festplatz werden täglich Konzerte von erstklassigen Kapellen
stattfinden.
Die Dauerkarten sind erhältlich in der Zentral-Verkaufsstelle der Internatio-
nalen
Ausstellung für Sport und Spiel 1910, Kalbächergasse 4, und zwar vorm.
von 101 Uhr und nachm. von 37 Uhr, und in den weiteren durch Plakate
kenntlichen Verkaufsstellen. Von jeglichen Formalitäten beim Kauf (wie Photo-
graphien
) wird abgesehen. Die Kartenempfänger haben nur ihren Namen anzugeben.
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Sonntag, den 24. April, nachm. 5 Uhr, im Concordiaſaale,
Waldſtraße 33
unter Leitung des Gr. Muſikdirektors Herrn M. Klaſſert und
unter gütiger Mitwirkung des Gr. Kammerſängers Herrn G.
Weber, des Kirchengeſangvereins St. Ludwig, und anderer
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Karten ſind im Verkehrsbüro und nachm. an der Kaſſe zu haben. Numerierter
Platz 2 Mark, nichtnumerierter 1 Mark, Galerie 50 Pfennig.
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Hess. Fechtverein Waisenschutz‟, Zweigv. Darmstadt
(Abteilung Theatergesellschaft Fecht-Heil‟).
Sonntag, den 17. April 1910, abends 7 Uhr.
im Konkordiasaal‟, Waldstrasse 33:
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Theatralisch-humorist. Abendunterhaltung
mit nachfolgendem Tanze.
Die verehrlichen Mitglieder des Zweigvereins und der Theatergesellschaft,
sowie Freunde und Gönner der Gesellschaft sind hierdurch ergebenst eingeladen,
und bitten wir um zahlreichen Besuch.
Der Vorstand.

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. April 1910.

Nummer 87.

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