Darmstädter Tagblatt 1910


09. April 1910

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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Samstag, den 9. April.

1910.

Die heutige Nummer hat 36 Seiten.

Heeres= und Flottenfragen.
Während man bei uns in Deutſchland zum
lück über die Kämpfe wegen Verſtärkung der Landesver=
digung
hinweggekommen iſt, die früher einen großen
eil der Reichstagsſeſſion ausfüllten und zu lebhaften Zu=
mmenſtößen
und ſogar zu Reichstagsauflöſungen führ=
n
, ſieht man ſich jetzt in anderen Ländern in die Not=
endigkeit
verſetzt, für die Zwecke der Verteidigung
t Waſſer und zu Lande ungezählte Millionen zu
willigen. Gewiß iſt unſer Heeres= und Marineetat auch
ute nicht klein und die enormen Ausgaben hierfür haben
cht zuletzt zu der finanziellen Miſere des Reiches bei=
tragen
. Immerhin ſind wir jetzt ſo ziemlich über den
erg, und die meiſten Forderungen, mit denen wir für
ſehbare Zeit zu rechnen haben, bezwecken lediglich den
usbau des Erreichten, namentlich nach der techniſchen
eite hin.
Wir ſehen jetzt, wie Frankreich daran geht, ſeine
tarine zu reformieren, nachdem in den letzten Jahren
rt herzlich wenig auf dieſem Gebiete geſchehen iſt und
e Flotte tatſächlich gegenüber den modernen Bedürf=
iſſen
mehr und mehr zurückblieb. Gewiß bewilligt man
er alles Erforderliche, aber nur ſchweren Herzens, denn
nſeits der Vogeſen wühlt man augenblicklich nicht im
elde, und hierzu tritt die Erkenntnis, daß man mit dieſer
eform reichlich ſpät kommt und daß man namentlich von
Deutſchland in der Zwiſchenzeit weit überholt worden iſt.
ie Furcht vor Deutſchland iſt es wieder einmal, welche
tzt in Frankreich alle Gemüter erregt und die bei allen
töglichen Fragen zutage tritt. Bald ſpricht man von der
jefahr einer Invaſion der deutſchen Kriegsmarine, bald
etert man über die deutſche Spionage, und jetzt hat man
hlauerweiſe herausgefunden, daß auf dem Gebiete der
flugtechnik die Deutſchen den Franzoſen den Rang ab=
rufen
wollen, indem zahlreiche beurlaubte Offiziere auf
en Flugfeldern in Frankreich mit franzöſiſchen und an=
eren
Apparaten eifrige Uebungen anſtellen, u. im Kriegs=
tiniſterium
hat man nichts Schnelleres zu tun, als dieſen
lnſinn dadurch zu unterſtützen, daß man ſchärfere Beob=
chtung
der Lernenden auf den Flugfeldern zuſagt. Alle
ieſe Beſorgniſſe ſprechen wahrlich nicht für ein gar zu
ehr ausgeprägtes Selbſtbewußtſein der grande nation.
Heeres= und Flottenfragen ſind es auch, mit denen
nan ſich augenblicklich bei der andern Zweibundmacht,
Rußland, befaßt. Hier hat man zur Reform der Ver=
eidigung
zu Waſſer und zu Lande einen Betrag von
iber 3 Milliarden in Ausſicht genommen, der auf zehn
Jahre verteilt werden ſoll. Obwohl man allgemein zu=
zibt
, daß ſowohl das Heer und noch mehr die Marine ei=
ter
gründlichen Reform bedarf, zögert man in der Duma
och, die erforderlichen Summen zu bewilligen, weil man
richt weiß, ob die bewilligte Summe auch tatſächlich für
die angegebenen Zwecke verausgabt werden dürfte, denn
nan hat in dieſer Hinſicht gar zu trübe Erfahrungen ge=
nacht
. Die jetzt angeſtellten Ermittelungen haben enorme
Defraudationen der höchſten Offiziere und Beamten erge=
den
, wobei es ſich um Summen handelt, über die man
ſelbſt in Rußland erſchreckte, obwohl man dort in dieſer
Hinſicht nachgerade genug gewöhnt iſt. So wird auch man=
hes
Milliönchen von den jetzt bewilligten in gewiſſe uner=
Fründliche Taſchen auf Nimmerwiederſehen verſchwinden
und es iſt zu befürchten, daß bei dem großen Reformwerk
nicht allzu viel herauskommen wird.
Die Mationalliberalen und das Wahlrechts=
kompromiß
.
* Der Geſamtvorſtand des Verbandes der
jungliberalen Vereine von Groß=Berlin
ſpricht in einer Entſchließung der preußiſchen national=
liberalen
Landtagsfraktion ſeinen Dank dafür aus, daß
ſie dem konſervativ=ultramontanen Wahlkompromiß ihre
Zuſtimmung verweigert, und fügt hinzu:
In der Preſſe ſind neuerdings Gerüchte laut gewor=
den
, daß die Fraktion dem Kompromiß mit einigen
Abänderungen zuſtimmen wolle. In Anbetracht der
tiefgehenden Beunruhigung, die hierdurch in weiten Krei=
ſen
treuer Anhänger der nationalliberalen Partei in Preu=
ßen
und im Reiche hervorgerufen wird, erſuchen wir die
nationalliberale Landtagsfraktion, bei der erſten ſich bie=
tenden
Gelegenheit dieſen Gerüchten mit Entſchiedenheit
entgegenzutreten. Wir halten es, unter Zurückſtellung

unſerer bekannten weitergehenden Wahlrechtsforderungen,
für ausgeſchloſſen, daß die Fraktion von den in Magdeburg
durch den preußiſchen nationalliberalen Parteitag gefaß=
ten
Beſchlüſſen abgehen könnte, die als Mindeſtforderun=
gen
die geheime und direkte Wahl und die ge=
rechte
Wahlkreiseinteilung verlangen. Ein Ab=
weichen
von jenen bindenden Beſchlüſſen würde in Preu=
ßen
und im Reiche die ſchlimmſten Folgen für unſere Par=
tei
nach ſich ziehen und unter Umſtänden zu einem Zer=
fallen
der Partei führen können. Wir richten deshalb an
die preußiſche Landtagsfraktion die dringende Bitte, dem
ſchwarzblauen Block, über die Magdeburger Beſchlüſſe
hinaus, auf keinen Fall entgegenzukommen, ſondern viel=
mehr
den Konſervativen und dem Zentrum für dieſe voll=
ſtändig
ungenügende Wahlrechtsreform die Verantwor=
tung
allein zu überlaſſen.
In einer nationalliberalen Verſammlung in Wies=
baden
wurde eine Entſchließung angenommen, wonach
die nationalliberale Fraktion im preußiſchen
Abgeordnetenhauſe nur einer Forderung zuſtimmen ſoll,
die den Forderungen: direkte und geheime Wahl und der
Aenderung der Wahlkreiseinteilung Rechnung trägt. Der
rechtsnationalliberale Abg. Kommerzienrat Bartling er=
klärte
, daß die nationalliberalen Abgeordneten auch in der
dritten Abſtimmung die Vorlage in der jetzigen Form ab=
lehnen
müßten.
Der Ausſtand in der franzöſiſchen Handelsmarine.
* Die franzöſiſche Regierung geht diesmal ganz ener=
giſch
gegen die ausſtändigen Matroſen der Handelsmarine
vor im Gegenſatz zu ihrer früheren lauen Haltung bei der=
lei
Affären, wenn auch dieſe Entſchloſſenheit allem Anſchein
nach nur im Hinblick auf die bevorſtehenden Kammerwah=
len
aufgewendet wird. So faßte der Miniſterrat den Be=
ſchluß
, die Haupträdelsführer an dem Generalausſtande
der Handelsmatroſen in Marſeille verhaften zu laſſen. In
dieſem Sinne wurde der in Marſeille weilende Unterſtaats=
ſekretär
des Marineamtes, Herr Cheron, unterrichtet und
er hat gegen den Vorſtand des roten Syndikats der Han=
delsmatroſen
in Marſeille, der aus vier Perſonen mit dem
Generalſekretär Rivelli an der Spitze beſteht, die Klage bei
der Staatsanwaltſchaft eingereicht. Die Anklage ſtützt ſich
auf folgende Punkte: Einſchränkung der Arbeitsfreiheit,
Drohung und Verleitung zur Deſertion. Ferner wird
gegen 550 Matroſen der Handelsmarine wegen Gehor=
ſamsverweigerung
gerichtlich vorgegangen werden. Ferner
veranlaßte Cheron die Verhaftung von 10 Heizern des
Dampfers Muluja wegen Aufreizung.
Dieſes unerwartet ſcharfe Vorgehen der Regierung
hat die Streikenden ſehr erbittert, und ihre mit Verhaf=
tung
bedrohten Führer erklärten, ſie würden ſich mit Ge=
walt
ihrer Feſtnahme widerſetzen, aber allem Anſchein nach
wird es nunmehr gelingen, mit dem Ausſtande in ein
paar Tagen fertig zu werden. Die Reihen der Streiken=
den
wanken bereits, und ſo war es am Mittwoch möglich,
fünf Poſtſchiffe in See gehen zu laſſen, die man nicht nur
mit Matroſen der Kriegsmarine, ſondern auch mit See=
leuten
bemannen konnte, die von den Streikenden bereits
abgefallen ſind. Am Donnerstag nachmittag ſind wei=
tere
vier Dampfer mit vollſtändiger Beſatzung bezw. mit
einer aus eingeſchriebenen Seeleuren und Marineſoldaten
zuſammengeſetzten Beſatzung nach Algier und Auſtralien
abgegangen. Von ſchweren Folgen würde der Streik bei
längerer Dauer auf Frankreichs wichtissts Kolonie Algier
ſein, deren Produkte, namentlich Früchte und Gemüſe, auf
die Ausfuhr nach dem Mutterlande angewieſen ſind. Man
verſteht es daher ſehr wohl, daß die franzöſiſche Regie=
rung
mit allen Kräften einerſeits durch energiſches Ein=
greifen
der Staatsgewalt, andererſeits durch ſanfte Uebe=
redungskünſte
eine ſolche wirtſchaftliche Kataſtrophe zu
verhindern ſucht.
Unterſtaatsſekretär Cheron erklärte einem Bericht=
erſtatter
, daß aller Vorausſicht nach der Ausſtand ſeinem
Ende entgegengehe. Beſonders bemerkenswert ſei es, daß
die eingeſchriebenen Seeleute der übrigen Häfen Frank=
reichs
der Aufforderung des Generalſekretärs Rivelli,
ebenfalls in den Ausſtand zu treten, keine Folge geleiſtet
hätten, ſie hätten ja eingeſehen, daß man das wirtſchaft=
liche
Leben eines Landes nicht unterbinden dürfe, weil ein
Araber an Bord eines franzöſiſchen Schiffes beſchäftigt
werde
Deutſches Reich.
Unter dem Vorſitz des Staatsſekretärs des Reichs=
ſchatzamtes
fand am Donnerstag eine Sitzung des Bun=
desratsausſchuſſes
für das Rechnungsweſen ſtatt,

welcher der überwiegende Teil der bundesſtaatlichen Fi=
nanzminiſter
beiwohnte. Vornehmlich beraten wurde über
die Grundſätze, welche bei der Bemeſſung der Matrikular=
beiträge
für die laufende Finanzperiode zu beobachten ſein
werden. Nach Schluß der Sitzung folgten die Teilnehmer
einer Einladung des Schatzſekretärs zum Frühſtück.
Man ſchreibt uns: Der Zentralverband
chriſtlicher Holzarbeiter, der im Jahre 1899
750 Mitglieder zählte und eine Geſamteinnahme von
773 Mark verzeichnete, hat im Jahre 1909 mit 11312 Mit=
gliedern
die bisher höchſte Mitgliederzahl überholt und
eine Geſamteinnahme von rund 320000 Mark gehabt.
Damit hat dieſe chriſtliche Gewerkſchaft den im Jahre 1908
eingetretenen Rückgang wettgemacht. Von den Einnahmen
entfielen rund 295000 Mark auf die regelmäßigen Wochen=
beiträge
. Verausgabt wurden rund 265000 Mark, ſo daß
der Ueberſchuß rund 54000 Mark betrug und das Ver=
mögen
am Jahresſchluß ſich auf rund 315000 Mark bezif=
ferte
. Von den Ausgaben entfielen rund 74000 Mark auf
Streikunterſtützung, rund 32000 Mark auf Arbeitsloſen=
und rund 7000 Mark auf Reiſeunterſtützung, während für
Krankenunterſtützung rund 34000 Mark verausgabt wur=
den
. Die Agitation erforderte einen Aufwand von rund
25000 Mark.
In der am Donnerstag nachmittag abgehaltenen
Sitzung des Geſamtvorſtandes des Deutſchen
Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe,
die geheim geführt wurde und an der Vertreter aus allen
Teilen Deutſchlands teilnahmen, wurde beſchloſſen, die
auf Veranlaſſung des Reichsamtes des Innern im Reichs=
tagsgebäude
ſtattfindende Konferenz zu beſchicken. Die
Dreizehner=Kommiſſion ſoll ſich daher an der Einigungs=
konferenz
beteiligen. In der Vorſtandsſitzung wurden
ſonſt definitive Beſchlüſſe nicht gefaßt, da man der Ver=
mittelungsaktion
nicht vorgreifen will.
Der Landesausſchuß für Elſaß= Loth=
ringen
genehmigte die ſtaatlichen Zuſchüſſe von je
25000 Mark für das biſchöfliche und das proteſtantiſche
Gymnaſium zu Straßburg. Ferner wurde ein Antrag
Labroiſe (Lothringer) angenommen, der einen Zuſchuß
von 12500 Mark für das kleine Seminar in Montigny
verlangt.
Die Zweite württembergiſche Kammer
hat mit ſämtlichen 77 abgegebenen Stimmen einen Nach=
trag
zum Etat angenommen, der infolge des neuen Volks=
ſchulgeſetzes
für das Etatsjahr 1910 einen Mehraufwand
von 351841 Mark für die Volksſchulen vorſieht.
Ausland.
Die Kommiſſion des Nationalrates der Schweiz
brachte einen Antrag ein, über den Gotthard= Ver=
trag
erſt in der Juniſeſſion zu verhandeln, da das ita=
lieniſche
Parlament nicht vor dem 1. Mai den Vertrag
behandeln könne.
Die franzöſiſche Kammer trat zur Beratung der
vom Senat an die Kammer zurückgelangten Budgets zu=
ſammen
. Bei dem Kapitel Luftſchiffahrt des Bud=
gets
des Kriegsminiſteriums meinte Doumer, man gebe
zwar die ſchönſten Lenkballons der Welt in Auftrag, aber
leider in zu geringer Zahl. Daß der Senat die Schaffung
eines ſelbſtändigen Aviatikerkorps befürwortete, ſei zu be=
dauern
. Man müſſe die Aviatiker aus jungen Offizieren
rekrutieren, die den Aufklärungsdienſt gewohnt ſeien, ins=
beſondere
aus der Kavallerie. Die Kammer nahm das
vom Senat zurückgekommene Budget nach Wiederherſtel=
lung
der meiſten von dem Senat geſtrichenen Poſitionen
an und vertagte ſich.
Der Senat nahm den Geſetzentwurf betreffend das
Uebereinkommen mit Deutſchland über den Poſtdienſt an.
Im engliſchen Unterhauſe fragte Dillon (iriſcher
Nationaliſt) Sir Edward Grey, ob er irgend eine Mittei=
lung
erhalten habe darüber, daß die Deutſche Bank
Vorſchläge bezüglich eines Darlehens an die per=
ſiſche
Regierung gemacht habe, und ob die Regie=
rungen
Englands und Rußlands der perſiſchen Regierung
irgendwelches Hindernis in den Weg legen würden, eine
Anleihe von de. Deutſchen Bank oder von irgend einer an=
deren
Quelle zu erhalten. Sir Edward Grey erwiderte:
Er verneine die erſte Frage. Was die zweite anlangt,
kann ich nicht ſagen, welche Haltung wir gegenüber irgend
einer Anleihe einnehden, bevor uns die Bedingungen der=
ſelben
mitgeteilt ſind. Dillon ſtellte eine weitere Anfrage,
ob die ruſſiſche Regierung As Bedingung für eine Anleihe
der perſiſchen Regierung darauf beſtehe, daß die Polizei=
truppe
in Nordperſien unter dem Befehl ruſſiſcher Offiziere
organiſiert werden ſolle, und ob die engliſche Regierung

[ ][  ][ ]

dieſe Forderung unterſtütze. Sir Edward Grey erwiderte:
Ich bin nicht in der Lage, irgendwelche Erklärung über
die Anleihebedingungen abzugeben, ſolange über die Frage
noch verhandelt wird. Rees (lib.) fragte hierauf an, wann
die verlängerte Periode ablaufen werde, für welche Perſien
zugunſten Rußlands die Verpflichtung übernommen habe,
keine Eiſenbahn zu bauen, und ob die engliſche Regierung
noch die Berechtigung beſitze, den Bau von Eiſenbahnen
in Südperſien vorzunehmen oder zu veranlaſſen, wenn
immer ein Bahnbau in irgend einem anderen Teil von
Perſien durch oder für eine andere Macht ſtattfinden ſollte.
Sir Edward Grey erwiderte: Die in der Frage erwähnte
Periode laufe am 8. April ab. Was den zweiten Teil der
Anfrage anlange, ſehe die engliſche Regierung die Ver=
pflichtung
, durch welche das in Frage ſtehende Recht ge=
währt
worden ſei, als noch bindend an, obſchon die Aus=
dehnung
, in welcher die engliſche Regierung ſie ausüben
werde, natürlich mit den Beſtimmungen des engliſch=
ruſſiſchen
Abkommens in Einklang ſtehen werde. Das Un=
terhaus
hat ferner die erſte Reſolution betreffend das
Vetorecht der Lords, nach welcher den Mitgliedern
des Oberhauſes durch Geſetz unterſagt ſein ſoll, finanzielle
Maßnahmen zu verwerfen oder mit Zuſätzen zu verſehen,
mit 339 Stimmen gegen 237 Stimmen ange=
nommen
. Die Nationaliſten ſtimmten mit der Regierung.
Wie gemeldet wird, ſollen die Heimatflotte und
die Atlan tiſche Flotte in dieſem Jahre eine Kreuz=
fahrt
in der Nordſee veranſtalten. Die Vereinigten Streit=
kräfte
umfaſſen 22 Schlachtſchiffe, 13 Panzerkreuzer, zehn
geſchützte Kreuzer und Spähſchiffe, 50 Torpedobootszer=
ſtörer
, ſechs Werkſtattſchiffe und zwanzig Unterſeeboote.
Unter den Schiffen ſollen ſich mindeſtens zehn Dread=
noughts
befinden.
Der türkiſche Miniſterrat hat beſchloſſen, die nach
Priſchtina zu entſendenden Truppen des 3. Korps auf 18
Bataillone zu erhöhen und außerdem noch 18 Bataillone
des 1. Korps dorthin zu entſenden. Ferner wurde be=
ſchloſſen
, dem Kommandierenden der 21. Diviſion das
Oberkommando zu übertragen und den Belagerungs=
zuſtand
auf den großen Sandſchak Priſchtina auszu=
dehnen
, ſowie ſofort Kriegsgerichte einzuſetzen. Der Ober=
kommandierende
wurde beauftragt, die Aufſtändiſchen
durch Truppengewalt zu zerſtreuen und die Rädelsführer
zu verhaften. Ferner wurde beſchloſſen, in Albanien eine
Volkszählung und eine Kataſtrierung durchzuführen, Mili=
tärdienſt
einzuführen und allgemeine Steuern einzubrin=
gen
. Nach den Depeſchen des Muteſſarif aus Priſchtina
haben die Truppen bei dem ſtattgehabten Kampfe bei Beſ=
ſino
vier Tote und ſieben Verwundete gehabt. Weiteren
Nachrichten zufolge ſollen die Aufſtändiſchen eine Kanone
erbeutet haben.
Die Lage des perſiſchen Kabinetts iſt erſchüttert.
Der Miniſter des Aeußern hat ſeinen Abſchied eingereicht.

* Königsberg i. Pr., 7. April. Wie die Königs=
berger
Volkszeitung mitteilt, verſagte der Magiſtrat dem
Anſuchen des Sozialdemokratiſchen Vereins, für die am
10. April geplante öffentliche politiſche Verſamm=
lung
unter freiem Himmel einen ſtädtiſchen Platz
zur Verfügung zu ſtellen, mit der Begründung ſeine Zu=
ſtimmung
, daß der Magiſtrat es grundſätzlich ablehne,
ſtädtiſche Plätze für öffentliche politiſche Verſammlungen
zur Verfügung zu ſtellen.
* Rom, 7. April. Aus vatikaniſcher Quelle
wird mitgeteilt, der Kardinalſtaatsſekretär Merry del Val
habe von der Bitte des Kölner Männergeſang=
vereins
um eine Audienz beim Papſte erſt heute früh
aus den Zeitungen erfahren. Die Bitte ſei gewohnter=
maßen
an den päpſtlichen Majordomus gerichtet worden,
der ſie nicht mehr habe berückſichtigen können, weil die
Audienz in letzter Stunde für einen zu nahen Zeitvunkt
erbeten worden ſei. Das Staatsſekretariat ſei in der An=
gelegenheit
nicht gefragt worden, weil das Geſuch des
Kölner Männergeſangvereins keinen politiſchen Charakter
getragen habe.

Der Nauendorff=Roman.
Die Nachkommen des deutſchen Uhr=

machers Karl Wilhelm Nauendorff der
der Sohn Ludwigs XVI. zu ſein behauptete und An=
ſprüche
auf den franzöſiſchen Thron als Ludwig XVII.
erhob, haben, wie ſchon mitgeteilt, beim franzöſiſchen
Senat den Antrag geſtellt, den Namen Vourbon füh=
ren
zu dürfen. Eine Kommiſſion von Hiſtorikern iſt
zur nochmaligen Prüfung ihrer Anſprüche einberufen
worden und hat erklärt, daß ſie der hiſtoriſchen Baſis
entbehren‟ Der endgültige Entſcheid wird nun von
der definitiven Unterſuchung der Frage durch den Se=
nat
abhängen. Bei dieſer Gelegenheit erinnert der
Temps an die authentiſche Selbſtbiographie Nauen=
dorffs
, die von ihm 1824 zu Brandenburg eigenhändig
geſchrieben und unterzeichnet worden iſt. Sie ſchließt
mit den Worten: Ich, der Endesunterzeichnete, erkläre,
indem ich meinen Namen eigenhändig unter das
Schriftſtück ſetze, daß dieſe Biographie nur die reine
und unantaſtbare Wahrheit enthält und daß ich Gewähr
leiſte für alles das, was ich erzählt habe. Louis= Char=
les
, früher Dauphin von Frankreich und Herzog der
Normandie, oder Ludwig XVII. Die Erzählung, die
urſprünglich in deutſcher Sprache geſchrieben iſt, darf
als das wichtigſte Dokument dieſes von der Geſchichte
immer wieder erörterten Problems gelten; ſie richtet
ſich durch ihre Unwahrſcheinlichkeit ſelbſt, iſt aber in=
tereſſant
genug, um in ihren kurzen Grundzügen wie=
dergegeben
zu werden, zumal ſie die Grundlage für
den definitiven Spruch des Senats bilden wird.
Schlafend wird der junge Prinz im Juni 1795
aus dem Gefängnis entführt und erwacht in einem
warmen, weißen Bett; in welchem Hauſe, in welcher
Stadt? Er weiß es nicht. Eine alte Frau wacht bei
ihm; ſie iſt ſeine einzige Wärterin für einige Zeit und
gibt ihm Stunden im Deutſchen. Oefters empfängt er
den Beſuch eines netten und freundlichen Mannes,
von dem er aber ſonſt auch nichts weiter weiß. Der
Mann ſpricht mit der Alten in einer ihm unbekannten
Sprache und bringt ihr Geld. Das dauert etwa bis zu
dem 12. Jahre des Knaben, alſo bis zum Frühling
1797. Eines Tages ſcheinen plötzlich Männer aus dem
Boden herauszuwachſen, ſtürzen ſich auf das Kind und

Stadt und Land.
Darmſtadt, 9. April.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
empfingen am Donnerstag mittag 12½ Uhr
im Neuen Palais den Generalmajor v. Hutier nebſt
Gemahlin. Fürſt zu Solms=Lich iſt abends 9 Uhr 41 Min.
hier eingetroffen und hat im Neuen Palais Wohnung
genommen. (Darmſt. Ztg.)
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Johann Schüßler aus Udenheim, Kreis Oppenheim,
eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Seligenſtadt,
Kreis Offenbach.
Ernannt wurden die Militäranwärter Vizewacht=
meiſter
Wilhelm Wahl aus Angersbach, Vizefeldwebel
Johann Fleiſchmann aus Schlitzenhauſen und Vize=
feldwebel
Sebaſtian Nicklas aus Ober=Kainsbach zu
Steueraufſehern.
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 6
vom 8. April hat folgenden Inhalt: 1. Bekannt=
machung
, den Ausſchlag der allgemeinen Landes=
kirchenſteuern
für 1910 betreffend. 2. Ueberſicht über
die von Großh. Miniſterium des Innern genehmigten
Umlagen zur Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe in
den Gemeinden des Kreiſes Erbach für 1910. 3. Ueber=
ſicht
der für das Rechnungsjahr 1910 zur Erhebung ge=
nehmigten
Umlagen zur Beſtreitung der Kommunal=
bedürfniſſe
der israelitiſchen Religionsgemeinden des
Kreiſes Groß=Gerau. 4. Nachweis der Befähigung zur
Uebernahme eines Kirchenamts.
L. Die Strafkammer verhandelte geſtern gegen den
80 Jahre alten Rentner Karl Stenger I. und ſeinen
Sohn, den Metzger und Wirt Adam Auguſt Stenger
von Seligenſtadt wegen Vergehens gegen das Nahr=
ungsmittelgeſetz
und das Weingeſetz zum Schluß. Beide
ſollen ſeit Jahren Wein, den ſie ſelbſt kelterten oder
von auswärts bezogen, durch Treſteraufguß und über=
mäßigen
Zuckerwaſſerzuſatz verfälſcht und in den Ver=
kehr
gebracht haben. Sie geben zu, Waſſer zugeſetzt zu
haben, wollen jedoch über das erlaubte Maß nicht hin=
ausgegangen
ſein. Ein Küfer, der im Jahre 1905 im
Keller der Stenger beſchäftigt war, teilt mit, daß da=
mals
Treſterwein hergeſtellt wurde; ein anderer Zeuge
weiß zu melden, daß im Jahre 1908 das Waſſer eine
zu große Rolle ſpielte. Die als Sachverſtändigen ver=
nommenen
Chemiker Profeſſor Weller und
Mayrhofer, ſowie die Zugenſachverſtändigen Schmutter=
mayer
, Haak und Scholz beſtätigen die An=
klage
. Der Vertreter der Staatsbehörde, Ge=
richtsaſſeſſor
Gros, beantragte unter Annahme eines
fortgeſetzten Vergehens, ſowie unter Berückſichtigung
des Umſtandes, daß man es mit reichen Leuten zu tun
habe, je 1500 Mark Geldſtrafe, ſowie die Einziehung der
beſchlagnahmten zehn Fäſſer Wein. Der Verteidiger,
Juſtizrat Hallwachs, hält den alten Stenger nur wegen
zwei Fäſſern Wein für überführt und eine gexinge
Geldſtrafe für ausreichend dem jungen Stenger gegen=
über
vermißt er jeden Schuldbeweis. Der Einziehung
des Weines, mit Ausnahme von zwei Fäſſern, ſetzt er
Widerſpruch entgegen. Das Gericht erkennt gegen jeden
auf 1500 Mark Geldſtrafe und zog den Inhalt
von neun beſchlagnahmten Fäſſern ein.
Stadtverordnetenverſammlung. Tagesord=
nung
für die am Donnerstag, den 14. April, nachmittags
3½ Uhr, ſtattfindende öffentliche Sitzung: 1. Mit=
teilungen
. 2. Geſuch um Befreiung von der Beſtimmung
des § 34 der Baupolizeiordnung für die Einfriedigung des
Barmherzigen Schweſternhauſes an der Nieder=Ramſtädter

Straße. 3. Freigabe der Rößlerſtraße zwiſchen Weiter=
ſtädter
Straße und Landwehrſtraße zum Anbau. 4. Tauſch
von ſtädtiſchem Gelände an der Beckerſtraße. 5. Erwer=
bung
von Gelände zur Regulierung der Helfmannſtraße,
der Gräfenhäuſer Straße und der dazwiſchen liegenden
Verbindungsſtraßen. 6. Die Heizungsanlage in dem Neu=
bau
der Höheren Knaben= und Mädchenſchule. 7. Ver=
trag
betr. das Reinigen der Oefen und Feuerungsanlagen
in den ſtädtiſchen Gebäuden im Verwaltungsjahr 1910.
8. Herſtellung von Wohnräumen in den Oktroierheb=
gebäuden
an der Heidelberger, Roßdörfer und Frankfurter
Straße. 9. Vermietung einer Wohnung in der Hofreite
Schwanenſtraße Nr. 21. 10. Herſtellung einer gärtneriſchen
Anlage auf dem Platz ſüdöſtlich der St. Ludwigskirche.
11. Regelung des Fuhrwerksverkehrs in der Schwanen=
ſtraße
zwiſchen Schloßgarten= und Gardiſtenſtraße. 12. Die
Mietſätze des ſtädtiſchen Saalbaues. 13. Ermäßigung des
Schwimmbadpreiſes für Unteroffiziere und Mannſchaften
des 115. Infanterie=Regiments. 14. Ermäßigung der
Bäderpreiſe im Hallenſchwimmbad für Krankenkaſſemit=
glieder
. 15. Zweigleiſiger Ausbau der ſtädtiſchen Straßen=
bahn
. 16. Mitteilung über die Entſcheidung Großh. Mi=

ſchleppen es in einen Wagen. Es fällt in Ohnmacht:
als es wieder erwacht, befindet es ſich in einem raſch
rollenden Wagen, der einen ganzen Tag und eine Nacht
hindurch fährt. Ein Kerkerverließ öffnet ſich, man
ſchließt den Knaben ein. Nach einigen Stunden der
Ruhe bringen ihm Männer Kleidung, denn er hatte
bis dahin nur ein Hemd auf dem Leibe gehabt. Er
ſchläft wieder ein und findet ſich beim Erwachen von
neuem in einem Wagen, der nun zwei Tage und zwei
Nächte hindurch fährt, um ſchließlich am Fuße eines
alten Schloſſes Halt zu machen, deſſen Mauern in den
Himmel zu ragen ſcheinen. Mit gefeſſelten Händen und
verbundenen Augen wird das Kind durch unterirdiſche
Gewölbe geführt und findet ſich dann in einem ſchreck=
lichen
unterirdiſchen Kerkergemach, wo es von einer
ſcheußlichen, alten Frau empfangen wird. Lange bleibt
der Knabe in dem Verließ; einmal täglich bringt ihm
die Alte gutes Eſſen. Eines Abends erſcheint ſie nicht:
ſtatt ihrer tritt ein in einen langen Mantel gehüllter
Mann herein und ſchleppt den Knaben durch unterirdi=
ſche
Gewölbe fort, bis das Kind plötzlich ſtolpert und
einen Schrei ausſtößt. Da liegt die Alte, tot, in ihrem
Blute ſchwimmend Still, flüſtert der Mann, oder
wir ſind verloren. Eine neue raſende Flucht in einem
Wagen, einen Tag und eine Nacht lang. Dann wechſelt
man das Gefährt, und weiter geht es bis zu einem
wüſten Ort, wo man die nette und freundliche Perſon
vom Anfang wiederfindet, begleitet von einem Unbe=
kannten
in Jagdkleidung. Der Knabe verfällt in ein
typhöſes Fieber und wird mehrere Wochen lang von
einem ſchönen und melanchöliſchen jungen Mädchen ge=
pflegt
; ſie heißt Marie und gilt für die Tochter des net=
ten
und freundlichen Mannes. Dann folgt ein Aufent=
halt
von vier Jahren in Amerika oder vielleicht in
Italien. Der freundliche und nette Mann zeigt dem
Knaben eine Kaſſette, in der die Beweiſe ſeiner hohen
Abkunft aufbewahrt werden; aber die Kaſſette geht
verloren. Schließlich kommt es wieder zur eiligen Flucht,
man flieht in einen Wald, während die Hütte, in der
man bis dahin gehauſt, durch eine furchtbare Exploſion
in die Luft geſprengt wird. Erneute Wanderungen
durch gewaltige, namenloſe Wälder, Aufenthalt in ver=
laſſenen
Hütten. Der Knabe und der Mann im Jäger=
kleid
verlieren ſchließlich den netten Mann und die

Nummer 8

niſteriums hinſichtlich der Schlachtgebühren. 17. Die
tige budgetmäßige Behandlung der Wieggebühren un
Verrechnung des. Gas= und Waſſerverbrauchs
Schlachthof.
* Abgeſtiegen ſind im Hotel zur Traube: S
Baron von Knorring, Ruſſiſcher Geſandter;
Fürſt zu Leiningen; S. Erl. Graf zu Stol
Roßla; J. E. Grafen Wilhelm und Karl zu So
Laubach; Geh. Juſtizrat Prof. Dr. Schmidt=G
Oberſt und Regimentskommandeur des Infanterie=
ments
Nr. 115 von Etzel; Stadtkommandant
von Randow: Kommandeur des Württbg. Fel=
lerie
=Regiments Nr. 49 Oberſtleutnant Freiſe;
Kammerſänger Paul Schmedes=Wien.

V. V. Der Vorſtand des Verkehrsvereins hielt
nerstag abend in dem neueröffneten Hotelreſta=
Darmſtäder Hof eine gut beſuchte Sitzung ab. Der
ſitzende teilte unter Bezugnahme auf die am letzten
tag in Jugenheim abgehaltene Hauptverſammlung
Verkehrsausſchuſſes der Bergſtraße ergänzend mit, da
Zeit nicht nur mit Weinheim, ſondern auch mit He=
heim
Verhandlungen zwecks Erbauung einer elektr
Bahn, die die Verbindung mit Mannheim herſtellen
ſchweben. Sollte dieſes Projekt zur Ausführung
gen, ſo dürfte der ganze Verkehr aus der heſſiſchen
badiſchen Bergſtraße nach Mannheim abgeleitet und
Darmſtadt verloren gehen. Es ſei deshalb höchſte
daß dem Projekt der elektriſchen Bahn von Darn
nach der Bergſtraße ernſtlich näher getreten werde.
die in letzter Sitzung gegebene Anregung betr. die
ſeumsführungen des Volksbildungsvereins, teilte
Verein auf unſere Anfrage mit, daß die Muſeumsfüh
gen keineswegs aufgehoben, ſondern ſchon weitere
rungen für die nächſte Zeit vorgeſehen ſind. In.
tracht der hohen Koſten müßte jedoch ein kleiner Be
erhoben werden. Von der neuen Verkehrszeitſ=
Deutſchland wird den Herren Vorſtandsmitglieder
erſte Nummer nächſtens zugeſtellt werden. Da verſchie
lich an den Verein Anfragen wegen der Art der Erhe=
der
neuen Billettſteuer gelangt ſind, teilt die G
Bürgermeiſterei auf unſere Anfrage mit, daß die
ſchriften über die Höhe und Art der Erhebung der Bi
ſteuer eine auf Grund des Geſetzes von der Stadtver
tung zu beſchließende Ortsſatzung trifft. Die Verhank=
gen
hierüber ſind noch nicht abgeſchloſſen. An dem=
der
Großh. Bürgermeiſterei zur Begutachtung überſan
Sommerfahrplan der Städtiſchen Straßenbahn hatte
Verein nichts zu beanſtanden, drückte jedoch bei dieſer=
legenheit
den Wunſch aus, die Halteſtelle in der H
ſtraße wieder einzuführen, für baldigen ganzen zwei=
ſigen
Ausbau der Rheinſtraße, mit einer Verbindung
die Grafenſtraße nach dem Schloßgartenplatz beſorg=
ſein
und den Bau einer Linie nach dem neuen Ha=
ſchwimmbad
zu fördern. Hierauf teilte die Großh. mit, daß im Juni dieſes Jahres an
Großh. Miniſterium über die Erfahrungen mit dem
beſſerten Fahrplan zu berichten iſt und kann bei dieſer
legenheit die Einführung der Halteſtelle in der Kirchſt=
wieder
in Frage kommen, wenn auf den anderen Str=
Halteſtellen aufgehoben werden. Bezüglich der and
Wünſche beſtünden noch Schwierigkeiten, die noch behr
werden müßten. Den Veranſtaltungen des Heſſit=
Jagdklubs und des Vereins der Hundefreunde bringt
Verein das größte Intereſſe entgegen und wird dieſe
in jeder Beziehung unterſtützen. Von verſchiedenen
ten wurde darüber geklagt, daß auf den hieſigen Bahnh
am Karfreitag keine Sonntagsfahrkarten ausgegeben=
den
und wird man Erkundigungen einziehen, obſt
an anderen Stationen zur Ausgabe gelangen. Näche
regen Ausſprache über die heute ſtattfindende Haupt=
ſammlung
, wobei ausdrücklich darauf aufmerkſam gem=
wurde
, daß Gäſte, auch Damen, Zutritt haben, ſchloß
Vorſitzende die Sitzung nach. 10½ Uhr.
An= und Abmeldung der Lehrlinge zur=L
lingsrolle der Handwerkskammer. Jeder Lehrling,
innerhalb des Großherzogtums eine handwerksmät=
Ausbildung erhält, iſt bei dem Sekretariate der Hl=
werkskammer
anzumelden und bei Auflöſung
Lehrverhältniſſes unter Angabe des Grundes wie
abzumelden. Die Anzeigen ſind ſpäteſtens vier Wor=
nach
dem Ein= bezw. Austritt auf vorgeſchriebei
Formular bei dem Sekretariat einzureichen. Innun
mitglieder haben ihre Lehrlinge bei der Innu
ſtatt bei der Kammer anzumelden. Die Innun
haben die Verpflichtung, am 1. Januar und am 1.J.
jeden Jahres ein Verzeichnis der bei ihren Mitg=
dern
ein= und ausgetretenen Lehrlinge, ebenfalls=
vorgeſchriebenem
Formular, bei der Handwerkskamn
einzureichen. Für die keiner Innung angehören

13C

ſchöne Marie; ſie finden ſie tot wieder, mit ſchreck
verſtümmelten Geſichtern. Endlich wird der Prinzt
drei maskierten Männern überfallen und aufgein
Stuhl feſtgebunden. Man ſchneidet ihm die Haake
darauf zieht einer aus ſeiner Taſche ein Bildnig,
trachtet es und befiehlt dann: Los! Mit einer
ſchine, erzählt Nauendorff weiter, zerſtach man 1
nun das ganze Geſicht, ſo daß das Blut in Ström
über meine Wangen floß, und wuſch es mit einemn
ſen Schwamme ab bis es zu bluten anfhörte. Da=
gingen
ſie fort. Mein Geſicht war am nächſten Tage=
angeſchwollen
, daß ich kaum ſehen konnte, und
Schwellung wuchs von Tag zu Tag, mit ſtets ſich ſ
gerndem Schmerz. Ich konnte der Begier, mich mit
Fingern zu kratzen, nicht widerſtehen. Eines Ta= ich die ganze Kruſte, die mein Geſicht wie ei
Maske bedeckte. Allmählich kam ich wieder zur Beſit
ung und fühlte mich ganz hergeſtellt. Aber was u
aus meinem Geſicht geworden. Zufällig ſah ich eir
Tages mein Spiegelbild in einem Fenſter und
kannte mich ſelbſt nicht wieder. Ich ſah aus wie
Indianer. Die Farbe verſchwand zwar allmählich, al
die Haut meines Geſichts erhielt ihre frühere Reinh=
nicht
mehr wieder. Meine langen Haare waren dahi=
ſie
blieben kurz und zottig.
In dieſem Stile geht es in dem Selbſtbekenntü=
noch
lange fort, bis dann endlich in die Oertlichk
wenigſtens etwas Klarheit kommt. Auf ewigen flud=
artigen
Reiſen gelangt er ſchließlich nach Deutſchlä
und erbt von einem Unbekannten, mit dem er ei
Zeit lang zuſammen iſt, 1600 Franken in Gold= u
einen Paß, der den Namen Nauendorff, geboren
Weimar, trägt. Er vollendet ſeine Irrfahrten in Be=
lin
, wo er ein kleines Handelsgeſchäft anfängt.
Damit endet dieſes wunderliche Dokument, das me
als ein wilder Schauerroman, denn als ein wahrheit=
getreuer
Bericht erſcheint. Es darf als unmöglich !
zeichnet werden, daß in den Zeiten des Konſulats 1
des Kaiſerreiches, wo eine ausgezeichnete Polizei je
verdächtige Erſcheinung genau überwachte, ein ſolch
Rattenkönig von Verfolgungen, fluchtartigen Reiſe
Verbrechen und Untaten ſich ereignen konnte, v
irgendwie bemerkt zu werden.

[ ][  ][ ]

ummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. April 1910.

Seite 3.

neiſter bleiben dieſe für Erfüllung der Anmeld=
der
Kammer gegenüber verantwortlich.
Hauswirtſchaftliche Fortbildungsſchule. Näch=
Montag beginnt der Sommerkurſus. Der über=
ege
Beſuch, den ſowohl die Abteilung I, Runde=
nſtraße
, als auch die Abteilungen II und III in

agerhaus= und Hermannſtraße im letzten
aufzuweiſen hatten, beweiſt, daß im Volke immer
die Wichtigkeit einer gründlichen Ausbildung im
S wirtſchaftsweſen erkannt wird. Für das neue
jahr ſind gelegentlich der Ausſtellung 117 Anmel=
en
erfolgt, doch können die drei Abteilungen noch
Mädchen aufnehmen. Es ſei darum hier auf die
ige im heutigen Blatte aufmerkſam gemacht, damit
ceſſenten den Anmeldetermin am Montag von
is 12 Uhr im Schulhauſe in der Runde=
nſtraße
nicht verſäumen.
Arbeitsjubiläum. Morgen, am 10. April, ſind es
ahre, daß Herr Heinrich Blößer als Maga=
in
der L. C. Wittichſchen Hofbuchdruckerei
iſt. Gleichzeitig leitet Herr Blößer die Agentur
Tagblattes in Beſſungen, die er von ſeinem
e übernommen hat. Der jetzt verſtorbene Vater

ſubilars konnte in der gleichen Firma ſein 50= und
riges Arbeitsjubiläum feiern. Herr Blößer, der
ein treuer Arbeiter und Mitarbeiter war, erfreut
Kowohl bei ſeinen Arbeitgebern als auch bei ſeinen
rbeitern der größten Achtung und Wertſchätzung,
eute bei der Jubiläumsfeier wohl zum Ausdruck
ien dürften.
Arbeitsjubiläum. Man ſchreibt uns Herr
laus Haag aus Schlierbach bei Babenhauſen blickt
10. d. Mts. auf den Tag zurück, an welchem er vor
ahren in das Baugeſchaft und Dampfziegelei des
n Friedr. Delp hier eingetreten iſt. Bei demſelben
er 15 Jahre als Parlier im Baugeſchäft und die
An 10 Jahre als Verwalter auf deſſen Dampfziegelei
er Kaſtanienallee, wohin Haag auch ſeinen Wohnſitz
gt hat, tätig. Haag war jederzeit ein treuer, ge=
nhafter
Beamter und hat ſich die Achtung aller
erworben, welche mit ihm bekannt ſind. Es wird
an dieſem Tage gewiß nicht an Glückwünſchen und
uingen, ſowohl von Seiten ſeines Chefs als von
n Kollegen, Mitarbeitern und Freunden fehlen.
e es ihm noch lange vergönnt ſein, ſeines Amtes
halten.
= Vorträge. In dem heute Samstag im Fürſten=
ſtattfindenden
Vortrag des Verkehrsvereins wird
eſſor Vetterlein unter dem Titel: Baukunſt
Baukultur einige für Darmſtadt beſonders
tige Baufragen erörtern. An der Hand zahlreicher
bilder ſollen in allgemein verſtändlicher Weiſe die
ikteriſtiſchen Züge der Stadt erklärt und ihre Be=
ing
bei den Fragen des Städtebaues begründet
en. Da gar manche wichtigen Probleme, wie Garten=
der
Paradeplatz, Stadterweiterungen uſw., der
digung harren, darf gewiß auf manche wertvolle
gung gehofft werden. Es wird beſonders darauf
ierkſam gemacht, daß Gäſte, auch Damen, will=
nen
ſind.
Ueber die neuerdings ſo viel umſtrittene Frage Hat
us gelebt ſpricht Profeſſor Dr. Arthur Drews
nächſt auch in Darmſtadt. Nach dem Vorbild der
hmten Berliner Reden wird auch in Darmſtadt eine
uſſion an den Vortrag ſich anſchließen, an der ſich
usſichtlich die beiden Bremer radikalen Paſtoren
idel und Felden beteiligen werden. (Näheres ſiehe
eige.)
Der Heſſiſche Landesverbaud des Deutſchen
tenpereins veranſtaltet auch in dieſem Jahre eine
beliebten Schülerfahrten an die Waſſer=
e
. Die Fahrt erfolgt unter der bewährten Führ=
des
Schatzmeiſters, Herrn Hauptmann a. D.
llmar, in den Tagen vom 18. bis 22. Mai
ngſtwoche). Ein Sonderzug führt die Teilnehmer
ichſt von Frankfurt nach Hamburg, woſelbſt Hafen=
dfahrt
und Beſichtigung eines Ozeandampfers, fer=
Beſichtigung der Kaiſerlichen Werft und des Tor=
bootshafens
, dann Fahrt durch den Kriegshafen
den Kaiſer Wilhelm=Kanal, Beſichtigung der Le=
sauer
Hochbrücke, Beſuch des Oſtſeebades Möllen=
Beſichtigung eines Kriegsſchiffes, Fahrt nach Kiel,
dtbeſichtigung uſw. ſtattfinden werden. Der Preis
die ganze hochintereſſante Fahrt, an der nur Schü=
der
oberen Klaſſen teilnehmen können, beträgt
uſive Nachtquartier, Verpflegung uſw. 56 Mark.
Anmeldungen aus den einzelnen Schulen zur
lnahme an der Fahrt ſind bis ſpäteſtens zum 20.
il beim Bureau des Heſſiſchen Landesverbandes,
cmſtadt, Waldſtraße 4, zu bewirken.
Verein für Vogel= und Geflügelzucht. Die von 50
gliedern beſuchte Aprilverſammlung wurde durch den
en Vorſitzenden in üblicher Weiſe mit der Mitteilung
fnet, daß wieder drei Herren ſich dem Verein ange=
oſſen
hätten. Alsdann widmete er dem jüngſt verſtor=
en
Mitglied Karl Möll einen warmen Nachruf und ließ
Andenken in geziemender Weiſe ehren. Zur Tages=

ordnung übergehend, wurde über die Ausſtellungen in Mainz
und Aſchaffenburg eingehend Bericht erſtattet und alles,
was dabei für die Mitglieder von Intereſſe ſchien, be=
ſprochen
. Des weitern wurde mitgeteilt, daß die Brut=
maſchine
wieder im Betrieb ſei, und daß bereits eine erſte
Ausſcheidung von nicht befruchteten Eiern ſtattgefunden
habe. Für die Mitglieder, die gezwungen ſind, ihr Ge=
flügel
in Volieren zu halten, wurden zwei äußerſt prak=
tiſche
Futterkaſten gezeigt und erläutert, deren Haupt=
zweck
darin beſteht, Erſatz für diejenigen Nährſtoffe auf=
zunehmen
, die die Tiere finden, ſofern ihnen freier Aus=
lauf
zu Gebote ſteht. Es wurde dabei beſonders darauf
hingewieſen, daß bei der Geflügelzucht in Volieren nur
dann etwas zu erreichen iſt, wenn möglichſt viel Abwechs=
lung
in der Fütterung ſtattfindet und wenn Gelegenheit
zur Kalkzuführung vorhanden iſt. Sowohl dieſe Futter=
laſten
, wie auch ein äußerſt einfaches Fallneſt, das ſich jeder
Züchter ſelbſt machen kann, fanden den ungeteilten Beifall
der Anweſenden. Weiterhin wurde ein Huhn vorgezeigt,
dem zwei Tage vorher die Bauchhöhle geöffnet wurde,
wobei eine Waſſeranſammlung von zirka 1 Liter Waſſer zu
Tage getreten war. Die Operation iſt vollſtändig gelun=
gen
, denn das betreffende Tier war verhältnismäßig
munter. Hierbei wurden die Mitglieder wiederholt auf=
merkſam
gemacht, daß alle ähnlichen Fälle baldmöglichſt
dem Vorſtande zur Kenntnis gebracht würden, da als=
dann
manches Tier noch zu retten ſei. Nachdem noch ver=
ſchiedene
Anfragen beantwortet waren, und dadurch ein
lebhafter Meinungsaustauſch herbeigeführt wurde, fand
die äußerſt angeregt verlaufene Verſammlung mit der
üblichen Freiverloſung ihren Abſchluß.
C. Der Botaniſche Garten, der gegenwärtig die
rollen Reize des Vorfrühlings entfaltet, wurde am
Donnerstag nachmittag von dem Großherzoglichen
Paare beſucht. Unter der Führung des Herrn Garten=
inſpektors
Purpus erfolgte auch die Beſichtigung der
Gewächshäuſer, wobei der Landesherr, bekanntlich ein
großer Freund der Botanik, ſeinem lebhaften Intereſſe
für die verſchiedenen Herrlichkeiten Ausdruck verlieh.
Aſyl für Obdachloſe. Während des verfloſſenen
Monats März wurde in dem im zweiten Polizei=Revier
in der Alexanderſtraße errichteten Aſyl für Obdachloſe
381 Perſonen und in dem Aſyl im fünften Polizei=
Revier in der Ludwigshöhſtraße 77 Perſonen, zuſam=
men
458 Perſonen, Obdach gewährt.
Athletenverein. Morgen Sonntag, den 10. April, hält
der Athletenverein Darmſtadt ſein diesjähriges Früh=
lingsfeſt
im Kaiſerſaale ab. Wie ſeither, ſo wird auch
diesmal der Verein unter Voranſtellung erſtklaſſiger
Kräfte ſeine beſten Leiſtungen auf dem Gebiete der Athle=
tik
zur Schau bringen. Beſondere Aufmerkſamkeit ver=
dient
das Auftreten des Meiſterſtemmers von Europa,
Herrn Georg Schleidt, ſowie ein Entſcheidungsringkampf
zwiſchen den Herren Joſeph Otto, Meiſterringer von
Deutſchland und Markgraf=Mainz, Meiſterringer des
zweiten Kreiſes des D. A.=V. (Näheres ſiehe Anzeige).
Die Geſellſchaft Viktoria hält Sonntag, den 10.
April ihr fünftes Stiftungsfeſt im Perkeo ab. (Näheres
ſiehe Anzeige).
Roſario Guerrero, die glutäugige ſpaniſche Tän=
zerin
, einer der glänzendſten Sterne am Himmel der
Varietékunſt, iſt auch bei ihrem zweiten Gaſtſpiel in
Darmſtadt allabendlich Gegenſtand lebhafteſter Ovationen.
Sie weiß in ihrem beſtrickenden, ſinnverwirrenden Tanz,
der die verkörperte Leidenſchaft und Glut iſt, ihr Publi=
kum
zu faſzinieren, ſodaß die Schar ihrer Bewunderer von
Abend zu Abend wächſt.
Orpheum. Der heutige Familien=Abend bringt au=
ßer
dem geſamten derzeitigen Programm das dritte
Gaſtſpiel der Guerrero. Morgen Sonntag finden wie
üblich zwei Vorſtellungen ſtatt. Abends ſetzt Roſario
Guerrero ihr außerordentlich erfolgreiches Gaſtſpiel fort.
(Siehe Anzeige).
Kaiſerpanorama. Allen Freunden einer groß=
artigen
Natur ſei der Beſuch der nur noch einſchließlich
morgen, Sonntag, im Kaiſerpanorama zur Anſchauung
gelangenden Serie der franzöſiſchen Alpen mit der Be=
ſteigung
des Montblanc angelegentlichſt empfohlen.
Olympia=Kinematograph, Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Das heutige neue Programm iſt anläßlich der Jagd=
Ausſtellung im Großh. Reſidenzſchloß beſonders ausge=
wählt
und zeigt 6 ſpannende Jagd=Aufnahmen.
Auch der übrige Teil beſteht aus hervorragenden
Nummern. Es ſei darauf aufmerkſam gemacht, daß
dieſes Programm nur bis Montag abend auf dem
Spielplan ſteht. (Weiteres ſiehe Anzeige.)
Ludwigshöhe. Es ſei nochmals darauf hinge=
wieſen
, daß die Kurkonzerte von jetzt an bei
günſtigem Wetter im Freien ſtattfinden. Am heutigen
Samstag, den 9. April, konzertiert die Kapelle des
Leibgarde=Regiments unter Leitung des Herrn H.
Hauske. Bei zu kühler Witterung findet Saal=
konzert
ſtatt.
Morgen Sonntag, den 10. April, konzertiert, wie im
Inſeratenteil erſichtlich, die Kapelle des Großh. Heſſ.
Art.=Regts. Nr. 61 unter Leitung des Muſikmeiſters

Herrn Weber auf der Ludwigshöhe. Das Programm
iſt wiederum ſehr abwechslungsreich und dürfte Jedem
Rechnung tragen. Bei warmem Wetter findet das
Konzert im Freien bei Blasmuſik ſtatt, andernfalls
Streichmuſik in den Sälen.
Schützenhof. Morgen, Sonntag, den 10. April,
konzertiert im Schützenhof die Kapelle des Art.=Regts.
Nr. 61. Zur Aufführung kommt ein volkstümliches
Programm.
* Herrenloſes Pferd. Geſtern lief ein Pferd den gan=
zen
Tag in der Stadt umher und kein Menſch wollte es
haben. Ein Schuljunge nahm ſich des Tieres an und
übergab es einem Schutzmann.
n. Von der Bergſtraße, 8. April. Man ſchreibt uns:
Es dürfte doch notwendig erſcheinen, mitzuteilen, daß in
der am 2. April in Jugenheim abgehaltenen Hauptver=
ſammlung
des Verkehrsausſchuſſes der Berg=
ſtraße
bei Beſprechung des Baues einer elektriſchen
Bahn durch die Bergſtraße der Vertreter von
Weinheim nicht nur erklärte, die Süddeutſche Eiſenbahn=
geſellſchaft
wolle Mannheim mit Weinheim elektriſch ver=
binden
, ſondern er teilte auch mit, daß mit der gedachten
Geſellſchaft ausſichtsvoll verhandelt werde, im Anſchluß
an jene Bahnlinie eine elektriſche Bahn bis zum letzten
nördlichen badiſchen Orte Laudenbach zu erbauen. Dem
fügte der Vertreter von Heppenheim bei, daß auch mit der
Verwaltung dieſer Stadt in Verhandlung getreten worden
ſei wegen Weiterführung der beabſichtigten Bahn von
Laudenbach bis Heppenheim, ſowie daß von letzterer
Stadt bereits ein Zuſchuß zu den Bauköſten bewilligt
wurde. Es ergibt ſich hieraus, daß, wenn Darmſtadt
nicht ſehr bald energiſche Schritte tut zur Erbauung der
ſeit langem geplanten Bergſtraßenbahnbaues ſehr leicht das
Nachſehen hat, der Verkehr einer Reihe Bergſtraßenorte
von Darmſtadt ab= und nach Süden hingelenkt wird. Un=
ter
allen Umſtänden ſollte darauf hingewirkt werden, daß
die Bergſtraßenbahn vor Eröffnung des neuen Darm=
ſtädter
Bahnhofs fertiggeſtellt iſt, denn mit dem letzteren
Zeitpunkt tritt zweifellos eine Verteuerung des Fahr=
preiſes
und eine Zeitverlängerung für die Reiſen aus der
Bergſtraße nach Darmſtadt mittels der Main-Neckarbahn
ein.
Mainz, 8. April. Die Reiſenden Zinkhahn und
Angermünde, die in Kaſtel einen von Antwerven kom=
menden
älteren Deutſch=Amerikaner in Gemeinſchaft
mit einem gewiſſen Eberle um 1000 Mark beſtehlen
wollten, ſind aus der Haft entlaſſen worden. Da=
gegen
wurde Eberle geſtern nach Frankfurt gebracht,
weil er dort im Falſchſpiel einem Reiſenden 1000 Mk.
abgenommen haben ſoll. Der Unterſuchungs=
richter
Dr. Pirſch hat die gegen die Güterboden=
arbeiter
Valentin Schreeb und Joh. Heigert von Hei=
desheim
verhängte Unterſuchungshaft aufgehoben.
Beide wurden geſtern auf freien Fuß geſetzt. Es wird
aber trotzdem Anklage gegen ſie erhoben. Mehrere der
an den Diebſtählen Beteiligten bleiben in Haft. Ein
wertvoller Fund beim Theaterumbau wurde bei
Umlegung der Kabel gemacht. In etwa ein Meter Tiefe
ſtieß man vor dem Theater auf einen in reichen, mehr=
farbigen
Bodenflieſenmuſtern zuſammengeſetzten Fuß=
boden
aus frühgotiſcher Zeit (etwa Ende des 13. Jahr=
hunderts
). Ein Teil des Fußbodens konnte bereits
durch den Mainzer Altertumsverein geborgen werden.
Weitere Teile können mit Rückſicht auf die durch den
Umbau gebotenen Verhältniſſe erſt ſpäterhin ausge=
hoben
werden. Der Fußboden lag noch an ſeiner
urſprünglichen Stelle und war verhältnismäßig gut
erhalten. (Tgbl.)
Nierſtein, 7. April. Von einer Anzahl verbrecheri=
ſcher
Rohlinge werden in den letzten Monaten die
friedlichen Bürger unſerer Gemeinde in einer Art und=
Weiſe terroriſiert, die geeignet iſt, die öffentliche Sicher=
heit
und den Ruf unſeres Weinortes ſchwer zu ſchädi=
gen
. So wurde der Wiegemeiſter Keſſel von den Roh=
lingen
überfallen, blutig geſchlagen und erheblich ver=
letzt
. Die Furcht vor den Burſchen iſt aber ſo groß,
daß der Ueberfallene es nicht wagte, Anzeige
zu erſtatten, um, wie er ſelbſt ſagte, nicht von den
Kerlen in den Rhein geworfen zu werden, (!) wie ihm
angedroht ſei. Deshalb entgegnete Keſſel auch den
recherchierenden Gendarmen, er wiſſe nicht, ob er im
Ernſt oder Scherz geſchlagen und verletzt worden ſei.
Geſtern wurden wieder im Eichhauſe Fenſter und
Läden zertrümmert, ſowie einige Gegenſtände entwen=
det
. Auch dieſe Tat, ſowie die zahlreichen anderen in
den letzten Monaten ſtattgefundenen Diebſtähle, man
erinnert ſich noch des Verſchwindens einer ganzen Kiſte
mit geſtifteten Preiſen bei dem Beſuche der amerikani=
ſchen
Schützen, der umfangreichen Diebſtähle auf einem
Stinnesdampfer, von welchem Diebſtahl am Oſterſonn=
tag
eine Schiffspumpe und ein Drahtſeil gefunden
wurden, und andere nette Sachen mehr, ſollen dieſelben
Perſonen verübt haben. Trotzdem die Sicherheits=
organe
alles aufbieten, um die Täter feſtzuſtellen, hatten
die Bemühungen keinen Erfolg, weil aus Furcht vor
der Rache dieſer Diebe niemand den Mut hat, Ausſagen

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Die Redaktion der Deutſchen Kunſt und De=
ation
(Darmſtadt, Alexander Koch) erſucht uns um
fnahme nachſtehender Erklärung: In eigener
he! Herr Geheimrat von Tſchudi hat in ſeiner
tgegnung auf den Artikel von Hermann Linde es
eine beſonders befremdliche Handlungsweiſe unſe=
ſeits
bezeichnet, daß wir ihm den Aufſatz nicht vor
gücklegung zugänglich gemacht haben, um ihm die
glichkeit einer Aufklärung zu geben. Demgegen=
r
müſſen wir ausſprechen, daß es uns allerdings bei
ausgezeichneten perſönlichen Wertſchätzung des
ern von Tſchudi, die wir immer gehegt haben, und
der vollen Anerkennung ſeines unſchätzbaren Wir=
s
an der Nationalgalerie nicht leicht geworden iſt,
dieſer prinzipiellen Frage ihm entgegenzutreten.
dererſeits aber ſchienen uns die Gründe von ſo
zerordentlichem Gewicht, daß uns die Sache über die
rſon gehen mußte; handelt es ſich doch nicht etwa
um, ob es richtig iſt, ein Bild von Rubens von ſtören=
Einſchiebſeln zu befreien, ſondern darum, ob es der
ichtvollkommenheit eines Einzelnen eder einer Kom=
ſſion
überlaſſen bleiben kann, jahrhundert=alten
entlichen Beſitz nach perſönlichem Geſchmack zu ver=
dern
. Schon die alleinige Tatſache, daß ein ſolcher
ngriff vorgenommen, bewies ein ſo diametrales Aus=
andergehen
der Anſichten, daß wir von einer wei=
en
perſönlichen Erörterung keine Verſtändigung er=
fen
konnten. Die umfangreiche Beantwortung, die
ſere Veröffentlichung von ſeiten des Herrn v. Tſchudi
den M. N. N. fand, hat uns hierin auch recht ge=
geben
. Herr v. Tſchudi erklärt ſich darin zur Vor=
hme
der gleichen Purifizierungen berechtigt, unter
nen noch vor zwanzig Jahren unſere Baudenkmäler
arg gelitten haben. Denn, ob man ein Werk ſtil=
recht
herſtellt, oder ob man ein Bild nur ſo weit gel=

ten läßt, wie es von einem berühmteſten Meiſter ſelbſt
gemalt iſt, kommt im Erfolg um ſo mehr auf dasſelbe
heraus, als Irrtümer ſelbſt bei ſo ausgezeichneten
Kunſtkennern wie Tſchudi doch nicht völlig ausgeſchloſ=
ſen
ſind. Wir ſind und bleiben aber der Anſicht, daß
der Beſtand unſerer Denkmäler und jedes auerkannte
Bild einer Galerie iſt ein ſolches unter allen Um=
ſtänden
irgend welchen Eingriffen entzogen bleiben
muß. Zwei Schnüre über das Bild gezogen, an den
Stellen, wo jetzt die Kniffe ſind, würden Rubens von
dem Pfuſcher (?) genügend getrennt und auch den Laien
zu intereſſanten Vergleichen angeregt haben. Schließ=
lich
hat doch auch die Oeffentlichkeit noch etwas in Ga=
lerien
zu ſuchen, und deren Intereſſen wahrzunehmen,
hielten wir für eine zwar undankbare Aufgabe, jedoch
für eine unablehnbare Pflicht.
* Mannheim 7. April. Hofſchauſpieler Hans
Godeck vom hieſigen Hof= und Nationaltheater iſt,
wie die Neue Badiſche Landeszeitung meldet, durch
Erlaß des Großh. Badiſchen Miniſteriums zum Lek=
tor
für Vortragskunſt an der Univerſi
tät He i de lber g ernannt worden.
Preisausſchreiben. Der Verlag Julius
Hoffmann in Stuttgart erläßt ein Preisausſchreiben
zur Erlangung farbiger Entwürfe, die ſich zur Veröf=
fentlichung
in den Modernen Bauformen eignen. Als
Vorwurf iſt die perſpektiviſche Anſicht irgend eines
modernen Innenraums zu wählen. Für die beſten Löſ=
ungen
ſind drei Preiſe: ein 1. Preis von 300 Mark, ein
2. Preis von 200 Mark und ein 3. Preis von 100 Mark
ausgeſetzt. Um ein möglichſt freies Arbeiten zu erzie=
len
, iſt die Annahme der Raumverhältniſſe freigeſtellt.
Bildformat und Technik der Darſtellung ſind ebenfalls
beliebig, doch darf das Papierformat nicht größer als
100:75 Zentimeter ſein.
C.K. Ein neues Hilfsmittel der Krimi=
naliſtik
. Die Kriminaliſten ſind in ihrem Kampfe

gegen die Verbrecher um ein neues Mittel bereichert:
Bertillon hat einen geiſtreich konſtruierten Apparat er=
ſonnen
, der beſtimmt iſt, den ganzen Aufwand an Mus=
kelkraft
zu meſſen, die ein Einbrecher bei der Spreng=
ung
von Türen oder Schubladen entfaltet hat. Der
Apparat beſteht aus zwei Dynamometern; der erſte, der
vertikal angelegt iſt, dient zur Meſſung des Druckes,
der zweite, horizontale, zur Meſſung des Stoßes. Bis=
her
konnten die Spuren an beſchädigten Möbeln und
Geräten nur unvollkommen gedeutet werden; mit Hilfe
dieſes neuen Apparates wird es möglich, den ganzen
Kraftaufwand zu regiſtrieren, und damit gewinnt die
Polizei nicht nur weſentliche Anhaltspunkte zur Re=
konſtruktion
des Verbrechens, ſondern auch bedeutſame
Hinweiſe auf die körperlichen Fähigkeiten des Verbre=
chers
. Der Apparat, der auf einem kleinen dreieckigen
Tiſchchen montiert iſt, wird auf der kommenden Brüſſe=
ler
Weltausſtellung erſtmals öffentlich gezeigt werden.

Kleines Feuilleton.
* Der Kaiſer und die Geiſtlichen. Das
Kaiſerpaar beſucht außer den Gottesdienſten im Ber=
liner
Dom auch gern die in einigen anderen Kirchen,
insbeſodnere der Garniſon=, der Gnaden= und der Kai=
ſer
Wilhelm=Gedächtniskirche. Jüngſt, als gewiſſe
religiöſe Fragen die Geiſter lebhaft bewegten, beſchloß
der Kaiſer, nun doch einmal die Anſichten jener von ihm
gern gehörten Geiſtlichen nicht von der Kanzel herab,
ſondern im privaten Geſpräch zu hören. So erhielten
denn die drei Pfarrer (keine Hofprediger) eines Abends
eine Einladung zum Tee engſter Familienkreis,
Kleidung Ueberrock. Die Herren erſchienen nur
das Kaiſerpaar und die Prinzeſſin Viktoria Luiſe waren
anweſend; die Kaiſerin ſtickte, ihre Tochter malte und
der Kaiſer begann ſofort lebhaft die Unterhaltung, die
Herren Kirchenväter zum Sitzen nötigend. Nach

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. April 1910.

Nummer 82

u machen. Hoffentlich gelingt es dennoch, unſere Ge=
meinde
von dieſen unſauberen Elementen zu befreien.
(W. Ztg.)
B. Geiſenheim, 7. April. Das 3½jährige Töchterchen
des Herrn Peter Reutershan von hier wurde beim
Spielen am Rheinufer durch die Wellen eines vorüber=
fahrenden
Dampfers umgeriſſen und ertrank.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 7. April. Das Befin=
den
des Fürſten Eulenburg, der ſich zurzeit in
Liebenberg aufhält, gibt neuerdings zu Bedenken An=
laß
. Seit einigen Tagen iſt zu ſeinem ſonſtigen Leiden
ein Gichtanfall gekommen, der den Patienten faſt jeg=
licher
Bewegungsfreiheit beraubt. Zumeiſt iſt Fürſt
Eulenburg, der auch an einem Luſtröhrenkatarrh leidet,
an das Bett gefeſſelt und nicht in der Lage, das Zim=
mer
zu verlaſſen. Die Stadtverordnetenver=
ſammlung
gab heute ihre Zuſtimmung zum Er=
werb
des Aufmarſchgeländes auf dem Tem=
pelhofer
Felde von 6300000 Mark. Der Amtsvor=
ſteher
von Treptow hat der ſozialdemokratiſchen Partei=
leitung
geſtattet, am nächſten Sonntag im Treptower
Park eine öffentliche Verſammlung unter
freiem Himmel abzuhalten; an der Zuſtimmung des
Berliner Magiſtrats und der Erlaubnis des Polizei=
präſidiums
wird nicht gezweifelt. Die Bekämpf=
ung
der Schundliſteratur durch die Schule for=
dert
ein Erlaß des Kultusminiſteriums, in dem das
Vertrauen ausgeſprochen wird, daß die Provinzial=
Schulkollegien ihre beſondere Aufmerkſamkeit bei der
Beſichtigung der Lehrerbildungsanſtalten darauf rich=
ten
, daß die Präparanden und Seminariſten Bücher
leſen, die geiſtbildend und veredelnd wirken. Zu dem
Raubmorde im Spreewald wird gemeldet, daß
es gelungen iſt, die 19 Jahre alte Mörderin Breitgoff
feſtzunehmen. Die Vermutung, daß ſie ſich von Frank=
furt
a. M. aus nach ihrer Heimat begeben habe, hat
ſich beſtätigt. Die Polizei ermittelte ſie geſtern in
Saarlouis und nahm ſie feſt. Sie wird jetzt zur Ab=
urteilung
nach Kottbus gebracht.
Frankfurt, 7. April. D ie Da u er=
larte
für die In ternat ion ale
Ausſtellung für Sport und Spiel 1910. Die
Finanzkommiſſion der Internationalen Aus=
ſtellung
für Sport und Spiel erläßt ſoeben in den
Tageszeitungen ein Inſerat, durch das das Publikum
zu dem Bezug von Dauerkarten eingeleden
wird. Bis zum 20. April koſten: Herrenkarten 10 Mk.,
Damenkarten 8 Mk. und Jugendkarten 5 Mk. Nach
dieſem Termine werden die Preiſe auf 15 Mk., 12 Mk.
und 8 Mk. erhöht. Jugendkarten werden nur an Per=
ſonen
unter 20 Jahren ausgegeben. Die Karten berech=
tigen
vor allem zum freien Eintritt in die Ausſt llung.
Ferner haben ſie Gültigkeit für den für 3000 Per=
ſonen
reſervierten Platz in der Arena, und
zwar für alle ſportlichen Veranſtaltungen mit
Ausnahme der Rodrennen und des Coyeours Hip=
pique
. In dieſen beiden Fällen wird indeſſen den In=
habern
von Dauerkarten auf allen Plätzen Preis=
ermäßigung
von mindeſtens 20 Prozent gewährt. In
der Arena werden außerdem abgehalten: Internationale
Fechtturniere, Internationale athletiſche Konkurren=
zen
, Internationale Amateur=Ringkämpfe, Aſſociation=
und Rugby=Fußball=Wettſpiele, Jockeiſpiele, Kricket,
Olympiſche Spiele und turneriſche Vorführungen. Auf
dem Ausſtellungsplatz werden die Internationalen
Lawn=Tennis=Turniere ausgetragen, ebenſo die Schieß=
konkurrenzen
in der Zeit vom 15. Mai bis 15. Juli,
während auf dem gxoßen Podium der Feſtwieſe
allabendlich große Vorführungen von Profeſſionals
uſw. ſtattfinden. Während man im vorigen
Jahre bei der Ila eine Reihe von Formali=
täten
, wie z. B. Einkleben von Photographien, zu er=
füllen
hatte, iſt bei dem Empfang der Dauerkarten für
die Internationale Ausſtellung für Sport und Spiel
nur der Name auf der Karte einzutragen.
Frankfurt, 8. April. Im Hauſe Vogelsberger Straße
Nr. 25 drang geſtern abend in die Wohnung des Ehe=
paares
Weller der Bruder der Frau, der 30jährige Schrei=
ner
Amandus Becker aus Heddernheim ein und ſtach die
Frau und den Mann, anſcheinend in einem Wahn=
ſnnsanfalle
, nieder. Er flüchtete dann in den Hof,
wo er verhaftet wurde. Die Eheleute ſind ſchwer verletzt.
Die Frau dürfte wahrſcheinlich nicht mit dem Leben davon=
kommen
. Der Täter behauptet, in hypnotiſchem Zuſtande
gehandelt zu haben.
Biedenkopf, 7. April. Einen gräßlichen Tod
erlitt bei der Station Friedrichshütte der etwa 60 Jahre
alte Schloſſermeiſter H. Duchardt aus Laasphe da=

einem einfachen Abendbrot zogen ſich die Damen um
halb 11 Uhr zurück, und nun wurden bei einem Glas
Bier und Zigarren alle jene Fragen, welche die Oef=
ſentlichkeit
ſo lebhaft beſchäftigten, in Frage und Ant=
wort
, Rede und Gegenrede durchgeſprochen. Beim Ab=
ſchied
um halb 1 Uhr verehrte der Kaiſer jedem der
Geiſtlichen ein wundervolles Oſterei aus der Königl.
Porzellanmanufaktur, geziert mit der Darſtellung der
betreffenden Kirchen.
Der Wert des Alibi. Eine amüſante Ge=
ſchichte
von der Bedeutung des Alibi erzählt ein fran=
zöſiſches
Blatt. Ein ehrſamer Beamter wurde vor etwa
15 Jahren zu Unrecht eines Mordes verdächtigt. Der
Mord hatte zehn Jahre vorher ſtattgefunden, aber der
Unterſuchungsrichter ſtellte dem Beamten doch mit
drohendem Blick die entſcheidende Frage: Was taten
Sie am 6. März 1885 morgens um 8 Uhr? Völlig hilf=
los
kam die Antwort: Wie ſoll ich mich deſſen erin=
nern
, was ich vor zehn Jahren tat, wenn ich nicht ein=
mal
weiß, was ich vor einem Jahre zu jener Zeit tat.
Der Richter konſtatierte, gewichtig nickend, daß dies
den Verdacht erhöhen müſſe; zum Glück wurde kurz
darauf der wirkliche Mörder gefaßt und der arme Be=
amte
bekam ſofort ſeine Freiheit wieder. Er nahm ſich
die Lehre zu Herzen und von dieſem Tage an führte er
genau Buch: allabendlich ſaß er an ſeinem Schreibtiſch
und ſchrieb genau in ſein Tagebuch, was er am Tage
vollbracht hatte. Zehn Jahre ſpäter, am 6. Juni 1905,
um 6 Uhr abends, geſchieht ein neuer Mord. Nach 6
Monaten fruchtloſer Nachforſchungen verhaftet die Po=
lizei
aufgrund einer anonymen Denunziation von
neuem ihr altes Opfer. Was taten Sie am 6. Juni um
6 Uhr abends? Am 6. Juni, um 6 Uhr abends?
Einen Augenblick. Und er zog eiligſt ſein Tagebuch
hervor, ſchlug nach und antwortete: Am 6. Juni um
5 Uhr Bureau, um 6 Uhr fortgegangen, um 7 Uhr zum
Diner angezogen, um 8 Uhr in dem und dem Reſtau=
rant
gegeſſen. Triumphierend will der brave Mann
bereits das Unterſuchungszimmer verlaſſen, als der
Richter ihn durchdringend anblickt, überlegen lächelt
und erklärt: Dieſe Vorſicht, Stunde um Stunde Ihre
Taten und Ihre Gewohnheiten aufzuzeichnen, iſt mehr

durch, daß er von der Maſchine der Bahn Marburg=
Creuzthal erfaßt und zermalmt wurde. Vor etwa
10 Jahren kam ſein Sohn, ein Eiſenbahnbeamter, auf
ähnliche Weiſe zu Tode.
München, 7. April. Amtlich wird bekannt gegeben,
daß die feierliche Enthüllung der Büſte des
Generalfeldmarſchalls Grafen v. Molt ke
in der Walhalla am 10. Mai ſtattfinden wird. Die
Büſte findet neben Kaiſer Wilhelm dem Großen Auf=
ſtellung
.
Kaiſerslautern, 7. April. In Waldſeee brann=
ten
drei Wohnhäuſer und 14 Nebengebäude von
ſieben Beſitzern nieder; Geflügel und Schweine ver=
brannten
.
Ulm, 6. April. Am 3. September 1907 wurde in
Biberach a. R. anläßlich der Einweihung des dortigen
Wielandmuſeums vor dem Denkmal des Dich=
ters
ein Feſtakt abgehalten. Man kann ſich die Be=
ſtürzung
der geſamten Einwohnerſchaft denken, als
wahrgenommen wurde, daß in der Nacht zuvor die
Büſte des Denkmals ganz mit roter Anilinfarbe
beſchmiert war. Um die Feſtlichkeit nicht zu ſtören,
wurde die Marmorbüſte ſchnell mit einem Ueberzug
aus Alabaſtergips verſehen, ſo daß der Kopf weiß aus=
ſah
. Hernach bedurfte es der Arbeit von zwei Wochen,
um die letzte Spur von Farbe zu entfernen. Heute ſind
noch bei ganz genauer Betrachtung gelbe Flecke auf der
rechten Wange zu erkennen, aber, was ſchlimmer iſt, die
Politur des Marmors hat ſtark gelitten, ſo daß eine
frühere Zerſtörung der Büſte wahrſcheinlich iſt. Erſt
nach mehr als einem Jahr wurde der Verüber der Tak
entdeckt. Es war der Wachsziehergehilfe Joſ. Schöpf
von Pfaffenhauſen. Er hat den Streich aus Ulk ver=
übt
und in dem Glauben, daß die Farbe ſich vom Mar=
mor
ſo leicht abwaſchen laſſe, wie von Glas. Auch ſün=
digte
er auf die Eigenſchaft des Anilins, bei Lichtein=
wirkung
raſch auszubleichen. Vor der Strafkam=
mer
Ravensburg wegen Sachbeſchädigung verhandelt,
wurde Schöpf freigeſprochen, (!) da das Gericht wohl
eine objektive Sachbeſchädigung als vorliegend an=
nahm
, aber im übrigen den Angaben des Beſchuldigten
Glauben beimaß, nach welchen er ein Abwaſchen des
Denkmals für leicht durchführbar hielt. Das Reichs=
gericht
hob dieſes Urteil auf, indem es ein Verſchul=
den
des Angeklagten auch in ſubjektiver Hinſicht als
vorliegend annahm. Es verwies die Sache zur noch=
maligen
Verhandlung an das hieſige Landgericht. Die
Strafkammer verurteilte heute den Beſchuldigten
wegen erſchwerter Sachbeſchädigung zu zwei Monaten
Gefängnis; ſie wurde hauptſächlich durch die bubenhafte
Art der Ausführung der Tat zu dieſem Urteil beſtimmt.
Hamburg, 7. April. Ein Färbereibeſitzer aus Hil=
desheim
hatte ſich vor der Strafkammer unter der An=
ſchuldigung
zu verantworten, daß er während des vor=
jährigen
deutſchen Bundesſchießens den Kauf=
mann
Schmidt aus Geberſee fahrläſſig getötet
habe, weil er ſein Gewehr nicht vorſchriftsmäßig ge=
handhabt
hatte. Da dem Angeklagten Fahrläſſigkeit
nicht genügend nachgewieſen werden konnte, kam das
Gericht zu einem Freiſpruch.
Prag, 7. April. Die Staatsanwalltſchaft leittte
gegen Profeſſor Wahrmund wegen ſeines kürzlichen
Vortrags über den Klerikalismus auf Grund der Para=
graphen
300 und 302 des Strafgeſetzes, Aufwiegelung
und Aufreizung zu Feindſeligkeiten gegen Religions=
genoſſenſchaften
, das Strafverfahren ein.
London, 7. April. Auf dem neuen Poſtdampfer
Carnrona der von Portland (Staate Maine) fuhr,
brach mitten im Aermelkanal Feuer aus. Das Feuer
drohte das Schiff, das 900 Paſſagiere an Bord hatte, zu
zerſtören. Der auf der Fahrt nach Neufundland be=
griffene
Dampfer Kanawah nahm die Paſſagiere des
bedrohten Schiffes auf. Dabei ſpielten ſich aufregende
Szenen ab. Aus Dover wird gemeldet, daß mehrere
der dort gelandeten Paſſagiere erhebliche Verletzungen
erlitten.
New=York, 7. April. Noah Barnes wurde
wegen Unterſchlagung von 30000 Dollars, die er ſich
aus Verkäufen von Cotton Wood Creck und Copper
Shares angeeignet hatte, zu vier bis ſechs Jahren
Zuchthaus verurteilt.

Kunſtnotizen.
Aeber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Mt.=V. Zur Pandora=Aufführung des
Mozartvereins ſei darauf hingewieſen, daß das
Werk, nachdem es im vergangenen Herbſt im Druck er=
ſchienen
, ſchon eine ganze Reihe erfolgreicher Aufführungen
erlebt hat. Der hieſigen ſind im Laufe des Winters ſchon
Mannheim, Köln, Bremen, München, Dresden u. a. vor=

als verdächtig. So naiv führt man die Juſtiz nicht
hinters Licht. Ich erkläre Sie für verhaftet, die Sache
iſt ganz klar. Zum Glück war das Alibi nicht anzu=
fechten
und der gute Mann ſah ſchließlich die Freiheit
doch wieder, trotz ſeiner genauen Aufzeichnungen.
** Das vergiftete Bett. Aus Boſton wird
berichtet: Einer der ſenſationellſten Mordprozeſſe
Amerikas hat jetzt einen überraſchenden Abſchluß ge=
funden
: Frau Mary Kelliher, die angeklagt war, ihren
Gatten, ihre drei Kinder, ihre Schweſter und ihren
Schwager vergiftet zu haben, iſt nach 15monatiger
Unterſuchungshaft endgültig in Freiheit geſetzt wor=
den
. Man behauptete, ſie habe die Morde begangen, um
die Lebensverſicherungsſummen einzuheimſen. Es er=
regte
Verdacht, daß kurz hintereinander ſo viele Mit=
glieder
des Hauſes ſtarben. Als im Juli 1908 als 5.
Opfer ihre Tochter Katherine ſtarb, wurde der Leichnam
unterſucht; man fand Arſenik, die Behörden ließen nun
auch die Leichen der anderen Toten unterſuchen, und
überall zeigten ſich Spuren von Arſenik. Als man das
Schlafzimmer, wo alle geſtorben waren, durchſuchte,
trennte man auch die Matratze auf; in dem Roßhaar
fand man größere Mengen von Arſenik. Nach dem Ur=
teil
der Sachverſtändigen mußten alle, die die Matratze
benutzten, im Schlafe winzige Partikel des Giftes in=
haliert
haben. Das vergiftete Bett hat ſo in kurzer
Zeit nicht weniger als ſechs Menſchen getötet, bis man
endlich das Geheimnis entdeckte. Sehr wahrſcheinlich
klingt die Geſchichte gerade nicht!
* Auch eine Altersverſorgung. Bei einer
Inſpektion der Irrenhäuſer in der Haute=Garonne,
die wegen gewiſſer Skandale in dieſen Aſylen angeord=
net
worden war, fand der damit beauftragte Beamte
einen würdigen alten Herrn, der ſeelenvergnügt ſeine
Pfeife rauchte. Auf ſeine Frage, ob er ſich nicht zu be=
klagen
hätte, erwiderte der Greis freundlich, er fühle
ſich ſehr wohl und verlange nichts Beſſeres. Er habe
nach vierzigjähriger Tätigkeit als ſtädtiſcher Arbeiter in
ein Greiſenheim aufgenommen werden wollen; da aber
kein Platz vorhanden war, wäre er in das Irrenhaus
geſteckt worden; er wünſche gar keine Aenderung.

ausgegangen; dagegen hat der Mozartverein, wie noch
innerlich ſein wird, vor zwei Jahren drei große C=
aus
dem Werke, die ihm damals im Manuſkript
dem Komponiſten zur Verfügung geſtellt waren, zur
maligen Wiedergabe gebracht. Ueber die Dresdener
führung unter Hans Sitt leſen wir in der Rh.
und Theaterzeitung: Die Muſik iſt ebenſo ungekün
als echt empfunden und urſprünglich konzipiert, ſehr
an ſchönen Wirkungen und durch die hohe dichteriſche
des Altmeiſters befruchtet. Dramatiſch erregte S
wechſeln mit vorwiegend lyriſchen ab, ſchöne Soloſätze
bedeutenden Chören, alle unterſtützt durch das mit
und Sachkenntnis behandelte Orcheſter. Der Kompo
der Dirigent und die Soliſten mußten wiederholten H
vorrufen Folge leiſten.
Parlamentariſches.
** Der Wahlrechtsausſchuß der=Erſ
Kammer hielt geſtern vormittag und nachmittag
gehende Beratungen über die von der Zweiten Kam=
fertiggeſtellte
Wahlrechtsvorlage ab; der N
mittagsſitzung wohnten auch die Herren Staatsm
ſter Ewald Exz., Geh. Staatsrat Krug von Ni
und Miniſterialrat Lorbacher bei. Der Ausſe
machte ſich, gutem Vernehmen nach, dahin ſchlüſſig
Vermehrung des Mitgliederbeſtandes der Zweiten K
mer von 50 auf 58 zuzuſtimmen. In die mater
Beratung der Vorlage beabſichtigte der Ausſchuß=
dann
einzutreten, wenn auch über den dritten
Geſetzentwürfe, die Wahlkreiseinteilung, die Zw=
Kammer ihre Beſchlüſſe gefaßt hat.

Prinz und Prinzeſſin Eitel Friedrich
in Jeruſalem.
* Jeruſalem, 7. April. Als das Prinze
paar Eitel Friedrich geſtern vor dem St
tungshauſe eintraf, wurden zum erſten Male
Stiftungsglocken geläutet, deren prächtiger Klang 1
über das Land hallte. Vom Pfortenhaufe über den
ßenhof hin bis zur Eingangspforte des Hoſpizes bilde
arabiſche Bauarbeiter und zahlreiche, als Sand= und K
träger beſchäftigte Kinder Spalier. Auf dem Wege we
Palmwedel geſtreut. An der Eingangspforte wurden
Herrſchaften vom Kuratorium, dem Präſidenren Barkh=
ſen
, Konſiſtorialrat Lahuſen und den Baumeiſtern ern
tet. Bei der Begrüßung überreichte der erſte Kurator, F.
v. Mirbach, einen maſſiv ſilbernen, mit dem Oelbergire
als Hauswappen verzierten Schlüſſel, eine prächtige
beit eines Schmiedemeiſters in Jaffa. Weiter wurde
prinzlichen Paare als Geſchenk des Kuratoriums
Oelbergkreuz in Brillanten überreicht. Nachdem der Pr.
ſeinen herzlichen Dank ausgedrückt hatte, erfolgte die
ſichtigung des ganzen Hauſes, das in allen Räumen ei
vortrefflichen Eindruck machte. Nach dem Abendeſſen
gaben ſich die Herrſchaften wiederholt auf die Verat=
um
die erleuchtete Stadt zu betrachten. Heute herrſ
ſchon von früh an reges Leben. Vom Gebäude weh
die Standarten des Kaiſers und der Kaiſerin und
Prinzenſtandarte herab, ſowie die türkiſchen, deutſch=
preußiſchen
und bayeriſchen Farben. Am Fahnenmaſt=
Pförtnerhauſes flattern unterm Heimatwimpel die Joh=
niterſtandarte
, die Flagge des Hauſes mit dem Oelbe
kreuz und die Standarte des Herrenmeiſters. Vor 1
Hoſpiz liegt in Zelten eine türkiſche Infanterieabteilt
als Wache.
Heute vormittag beſuchten Prinz und Prinz=
ſin
Eitel Friedrich die Erlöſerkirche, an de=
Portal die Gemeinde und der Gemeinderat das Paar
warteten. Propſt Jeremias und die Geiſtlichkeit
pfingen unter Glockengeläute das Prinzenpaar und
Präſidenten des evangeliſchen Oberkirchenrats D. Be
hauſen, ſowie des Konſiſtorialrat Lahuſen. Nach den
grüßungsworten des Propſtes erfolgte die Beſichtigi
der Kirche, wo der Kirchenchor unter Orgelbegleitung ſa
Hieran ſchloß ſich die Beſichtigung des Kreuzganges 1
des Refektoriums der letzten Ueberreſte aus der Gründ
zeit des Johanniterordens an, worauf der an die ei=
angrenzende
Platz für ein neues Küſterhaus, eine Sch=
und ein kleines Hoſpiz beſucht wurden, deren Grundſtel
legung in den nächſten Tagen erfolgen wird. Auf der Fa=
vom
Hoſpiz zur Kirche wurde das Prinzenpaar wieder
überall von der Bevölkerung herzlich begrüßt. Von
Erlöſerkirche begab ſich das hohe Paar mit dem ganz
Gefolge und des Oberhofmeiſter Frhr. v. Mirbach zu 8
nach der Grabeskirche. Der Zug duch die langen Straß
bot ein eigenartiges Bild. An der geheiligten Stätte fa
Empfang durch die lateiniſchen, griechiſchen und armen
ſchen Patriarchen, die von ihrer geſamten Geiſtlichkeit u
geben waren, ſtatt. Jeder der drei Patriarchen hielt ei
Anſprache, auf die der Prinz erwiderte und ſeinen De

Großherzogliches Hoftheater.

Donnerstag, 7. April.
Don Juan.
W-l. Mozarts unſterbliche Oper Don Juan
hier im Gegenſatz zu den Richard Wagnerſchen Ope=
mit
Strichen aufgeführt wird, ging heute nach längen
Pauſe wieder in Szene und gab Gelegenheit, ſich v=
der
ſich ſtets gleich bleibenden ſtimmlichen Friſche u
Schönheit und jugendlichen Elaſtizität des Vertrete=
der
Titelpartie, Herrn Weber, zu überzeugen, i
ſie mit darſtelleriſcher Eleganz und geſanglicher Ver=
und ſieghaft, wie es einem Don Juan gebührt, dur
führte und ihr zu glänzender Wirkung verhalf. 2
geſanglich ſchwierige Partie der Donna Anna, die ei
tüchtige und routinierte Sängerin verlangt, wurde v
Frau Morny mit künſtleriſchem Takt und Geſchm=
und ſicherer muſikaliſcher und geſanglicher Beherrſ
ung ihrer Aufgabe geſungen; das gleiche gilt von F
Suchanekgals Donna Elvira, deren Tongebung
einzelnen nur etwas unruhig war, was bei der M
zartſchen Muſik ſo leicht empfunden wird. Recht hüb=
ſang
Herr Hacker die im übrigen wenig dankba=
Partie des Don Octavio.
An dem Zerlinchen des Fräulein Zeiller iſtv.
allem die graziöſe Verkörperung und verſtändnisvo
und lebendige Darſtellung der Rolle zu loben, durch i
ſie der Aufführung Leben und erhöhtes Intereſſe vi
lieh. Auch die beiden Arien: Schmäle, tobe, lieb
Junge und Wenn du fein fromm biſt, wurden alle
liebſt geſungen. Herr Hoff als Leporello fand vi
len Beifall; ſein Vortrag iſt ſehr ſympathiſch, aberi
einzelnen noch etwas zu wuchtig für die graziöſe M
zartſche Muſik. Großen Erfolg erzielte er mit d
komiſchen Verkleidungsſzene. Herr Hönel als M
ſetto ließ gegen früher bemerkenswerte Fortſchritte
der als zu ſchwerfällig empfundenen Darſtellung ein
Rolle erkennen. Herr Dramſch ſang den Komt:
mit gewohnter ſtimmlicher Euergie und Erfolg. Di
Publikum nahm die Aufführung wit Wärme auf ur
ſpendete nach den Einzelnummern lebhaften Beifgll.

[ ][  ][ ]

Nummer 82.

Darmſtädter T

Samstag, den 9. April 1910.

Seite 5.

sſprach. An die eingehende Beſichtigung aller Einzel=
iten
der Grabeskirche ſchloß ſich ein offizieller Beſuch
s Prinzenpaares bei den Patriarchen an, wo ſie feier=
h
empfangen und durch den großen Saal geleitet wur=
n
. Der Beſuch dauerte längere Zeit. Gegen mittag er=
lgte
die Rückkehr nach dem Oelberg. Die Prinzen Georg
id. Konrad von Bayern begaben ſich heute nach Jericho,
n wo ſie morgen zurückkommen werden. Sie werden
orgen bei dem Prinzen und der Prinzeſſin Eitel
iedrich ſpeiſen.
Das Kaiſerpaar in Homburg.
* Homburg, 7. April. Der Kaiſer unternahm
ute vormittag einen Spaziergang durch den Kur=
rk
. Nachmittags machte der Hof mit Automobilen
ne Ausfahrt bis zum Eingang in den Taunuswald
id von da einen längeren Spaziergang bis nach
riedrichsdorf. Die Majeſtäten kehrten von da über
berurſel im Automobil hierher zurück. Zu bemer=
n
iſt, daß das vom Großadmiral von Köſter über=
ichte
Erinnerungszeichen nicht als Medaille, ſon=
rn
beſſer als Plakette zu bezeichnen iſt.
* Homburg, 8. April. Der Kaiſer hörte heute
rmittag den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen
mtes, Geſandten Frhrn. v. Jeniſch.

Luftſchiffahrt.
* Flugſport in Darmſtadt. Zu unſerer geſtri=
n
Notiz teilt uns die Deutſche Flugſportgeſell=
haft
noch mit: Herr Ellery von Gorriſſen,
r neueſte erfolgreiche Aviatiker iſt erſt ſeit kurzer Zeit
chüler des Herrn Euler und ſcheint ſehr gute Anlagen
i haben, ein ganz hervorragender Flieger zu werden.
err von Gorriſſen, der von Geburt Hamburger iſt, war
s vor kurzer Zeit aktiver Offizier und hat ſich ſchon als
lcher durch erfolgreiche Betätigung im Reit= und Auto=
obilſport
einen in Sportskreiſen bekannten Namen ge=
haffen
. Das auf die Bewerbungsflüge bezügliche Doku=
ent
hat folgenden Wortlaut:
Beſcheinigung.
Herr von Gorriſſen flog heute vor den unterzeichneten
erren um das Flugzeugführer=Patent. Er flog dreimal
zwei Runden um den Truppenübungsplatz. Jeder
lug war ungefähr 12 Kilometer lang. Die Landungen
nd das Abſtellen des Motors erfolgten 50, 60 und 70
ieter von der vorher bezeichneten Stelle entfernt. gez.
on Goerſchen, Major beim Stabe des Thür. Ulanen=
regiments
6. gez. von Fappard, Rittmeiſter, Ulanen 6.
ez. von Vopelius, Oberleutnant Ulanen=Regiment 6.
ez. Eckert. Hauptmann, Infanterie=Regiment 88. gez.
on Hiddeſſen, Leutnant im Leib=Dragoner=Regiment 24.
ez. Prof. Dr. A. Kraemer, Oberleutnant der Landwehr 1.
ez. Profeſſor Dr. H. Weber, Oberleutnant der Reſerve.
ez. Picht, Leutnant, Ulanen=Regiment 6. gez. Rhein,
berleutnant Infanterie=Regiment 81. gez. Auguſt Euler.
Herr Euler machte geſtern abend einen wohl=
elungenen
Flug von 32 Minuten Dauer, in
em er eine Höhe von über 130 Metern er=
eichte
. Nachdem machte Herr Leutnant Schäfer
om Infanterie=Regiment 118, ein neuer Schüler des
errn Euler, ſeinen erſten Verſuch auf Euler III‟
er ebenfalls gut gelang. Ein Flug des Herrn
on Gorriſſen, der zirka 30 Meter hoch eine Mi=
ute
lang flog, wurde vorzeitig abgebrochen.
* Karlsruhe, 7. April. Die Deutſche Luft=
chiffahrts
=Aktien=Geſellſchaft teilte in=
ezug
auf eine Anfrage dem Stadtrat mit, daß voraus=
chtlich
vom 1. Auguſt d. J. ab ein Luftſchiff in Baden=
Jaden ſtationiert wird und daß bei einer der erſten
fahrten ein Beſuch in Karlsruhe und die Benützung
er Ankerſtelle auf dem großen Exerzierplatz ins Auge
efaßt ſei. Vielleicht werde man an geeigneten Tagen
uch mehrere Fahrten von hier aus für geringe Fahr=
reiſe
ausführen. Eine endgültige Zuſage behielt ſich
ie Geſellſchaft vor.
* Köln, 7. April. Die diesjährigen Luft=
chiffmanöver
begannen heute mittag mit einer
albſtündigen Probefahrt des P. II‟
* Paris, 8. April. Der France Militaire zu=
olge
hat das Kriegsminiſterium mehrere Lenkbal=
ons
mit einer Hülle aus kreuzfadigem Kautſchukſtoff
eſtellt und beabſichtigt überdies den Ankauf des Lenk=
allons
Clement Bayard II‟.

sr. Die Berliner Ringkämpfe im Palaſt
Theater brachten am letzten Abend das Debut des
ekannten Radrennfahrers Otto Meyer, der ſeinen

Freitag, den 8. April.
Das Stiftungsfeſt
W-l. Der Moſerſche Schwank Das Stiftungsfeſt
der das immer noch aktuelle Thema der Vereinsmeierei
behandelt, gelangte heute in neuer Einſtudierung wie=
der
zur Aufführung. Daß das Publikum ſich bei dieſem
harmloſen Stück recht gut amüſierte, iſt ein Beweis
dafür, daß ein flottes und lebendiges Spiel alten
Stücken neues Leben einflößen kann. Den geſchwätzigen
Vereinsdiener Schnake verkörperte Herr Jordan
höchſt komiſch, mit Aufwand von vieler Lungenkraft
und Humor ſpielte Herr Jürgas das mit ihm in
Redſeligkeit wetteifernde Konkordia=Mitglied Hartwig;
einen echten Vereinsmeier ſtellte Herr Bohne als
Feſtordner Brimborius dar. Neben dieſen drei komi=
ſchen
Figuren nach altem Rezept war es Herrn
Wagners gemütlicher und jovialer Kommerzienrat,
der dem Stück den freundlichen Erfolg ſicherte. Ein
friſches und munteres Liebespaar als Dr. Steinkirch
und Ludmilla gaben Herr Schneider und Frl.
Gothe ab, welche die Liebesſzene beim Schach ſehr
humorvoll ſpielten. Das Ehepaar Scheffler, das wegen
des Stiftungsfeſtes in Zwiſt gerät, ſtellten Herr
Weſtermann und Frl. Welden dar, die uns in
Salonrollen beſſer gefällt, als in klaſſiſchen. Eine
würdige Kommerzienratsfrau und geſtrenge Tante war
Frau Scherbarth. Die kleine Rolle des Dieners
ſpielte Herr Holler. Das Stück, deſſen Aufführung
mit zwei Pauſen nur zwei Stunden dauert, füllt kaum
einer Abend auf.
Konzerte.
Im. In der Turnhalle am Woogsplatz fand
geſtern abend ein außerordentlich ſtark beſuchtes
Konzert unſeres einheimiſchen ausgezeichneten Violin=
künſtlers
Herrn Profeſſor Willy Burmeſter ſtatt
unter Mitwirkung des Herrn Paul Schmedes,
Tenor aus Wien, und des Hofpianiſten Herrn E. v.
Stefaniai. Eröffnet wurde das Konzert mit dem
Vortrage von Mozarts Violinſonate C=dur, deren
zweiter Satz: Andante sostenuto, ganz beſonders gefiel.

Gegner Truntz=Berlin bereits nach 2 Min. 14 Sek.
warf. Ferner ſiegte Markuſſen=Dänemark im Entſchei=
dungskampf
über Gehrmann=Sachſen in 1 Std. 1 Min.
52 Sek. und Schwarz=München über den Neger Crozier
in 20 Min. 21 Sek. Paxon=Amerika warf den Italiener
Leonardi in 3 Min. 9 Sek. und Reiber=Tirol trium=
phierte
nach 20 Min. über Bordel=Oſtpreußen.
Lt. Die franzöſiſchen Lawn=Tennis=
Meiſterſchaften brachten eine weitere Entſcheid=
ung
, und zwar ſiegte M. Deeugis im Herren= Einzel=
ſpiel
über E. Micard 75, 63 und gewann damit
abermals die Herrenmeiſterſchaft von Frankreich.
sr. Die Weltmeiſterſchaft im Rudern
wurde in Akoroa (Auſtralien) zwiſchen dem bisherigen
Champion Arnſt und dem Meiſter von Neu=Seeland
Whelch ausgetragen. Arnſt, der die Skullermeiſterſchaft
ſchon 1908 und 1909 gegen Webb gewann, ſiegte über=
legen
mit ſechs Längen.
Landwirtſchaftliches.
Groß=Gerau, 7. April. Ein ſehr lebhafter
Geſchäftsgang hatte ſich bei unſerem letzten Ferkel=
markt
entwickelt. Die aufgetriebenen 708 Tiere fanden
ſämtlich raſchen Abſatz und konnten ſogar verſchiedene
Käufer ihren Bedarf nicht decken. Die ohnedies hohen
Preiſe hatten daher noch etwas mehr angezogen
und wurden bezahlt: Für Ferkel 16 bis 28 Mk., für
Springer 30 bis 35 Mk. und für Einleger 3645 Mk.
pro Stück. Mit dem nächſten Ferkelmarkt am Montag,
den 11. d. Mts., iſt eine Prämiierung verbunden.

Erdbeben.
* Straßburg i. Elſ., 7. April. Ueber das Erd=
beben
am Oſterſonntag in der Benfelder Ge=
gend
ſind der kaiſerlichen Hauptſtation für Erdbebenfor=
ſchung
in Straßburg i. Elſ. leider nur einige wenige Nach=
richten
zugegangen, die nicht dazu hinreichen, eine klare
Vorſtellung über die Ausbreitung dieſes Bebens zu ge=
winnen
. Soweit ſich bis jetzt erkennen läßt, trat das Erd=
beben
am ſtärkſten in Weſthauſen auf, wo es von der ge=
ſamten
Einwohnerſchaft verſpürt wurde und wo eiſerne
Herde und Oefen von der Wand abgerückt worden ſind. In
mäßiger Stärke wurde es verſpürt in den umliegenden
Ortſchaften Hüttenheim, Kerzfeld, Helzbad, Oſthauſen und
Erſtein. Ferner liegen je eine vereinzelte Meldung über
die Erſchütterung aus Illkirch und aus der Molsheimer
Straße in Straßburg ſelbſt vor, die allerdings nament=
lich
in Straßburg unter Umſtänden gemacht wurden, die
für die Wahrnehmung der ſchwächſten Bodenbewegungen
beſonders günſtig waren. Allenthalben ging der zitternden
Bodenbewegung ein ſcharfes, donnerartiges, rollendes Ge=
räuſch
vorauf. Wie ein Blick auf die geologiſche Karte
lehrt, hat ſich auch hier wieder die bekannte Tatſache be=
währt
, daß die Beſchaffenheit des Untergrundes auf die
Verbreitung und Stärke des Erdbebens einen nicht zu ver=
kennenden
Einfluß ausübt, denn das Beben iſt faſt aus=
ſchließlich
in der ſchmalen Zone lockeren Schwemmlandes
verſpürt worden, die den Lauf der Ill begleitet und ihm
ihre Entſtehung verdankt. Zurückzuführen dürfte das
Erdbeben ſein auf Verſchiebungen der Geſteinſchollen tief
im Untergrund der Rheinebene. Führt doch eine bekannte
Erdbebenlinie den Rhein entlang von Baſel über Mül=
hauſen
nach Straßburg. Sollte das Erdbeben noch an
anderen als den vorſtehend genannten Ortſchaften ver=
ſpürt
worden ſein, ſo bittet die kaiſerliche Hauptſtation für
Erdbebenforſchung um Mitteilung der Beobachtungen, na=
mentlich
über die Wirkungen des Bebens.
Schiffsbrand.
* London, 8. April. Der mit 900, größtenteils
ruſſiſchen, armeniſchen und montenegriniſchen Auswan=
derern
auf der Fahrt nach Portland (Maine) befindliche
engliſche Paſſagierdampfer Cairnrona ge=
riet
im Aermelkanal auf der Höhe von Beachy Head
geſtern mittag in Brand. Der ſchwediſche Dampfer
Upland und der Paſſagierdampfer Kanawha nah=
men
die Reiſenden auf und brachten ſie nach Dover,
wo ſie nachts eintrafen. Auch die Cairnrona iſt in
Dover eingetroffen. Ihr Kapitän berichtete, daß das
Feuer ſich unter Kontrolle befinde. Aus den Mitteil=
ungen
der Paſſagiere geht hervor, daß eine Explo=
ſion
in den Kohlenbunkern die Frauenabteilungen
zerſtörte, wodurch ein Kind getötet und mehrere
Frauen ſchwer verletzt wurden. Die beſtürzten
Auswanderer eilten jammernd und ſchreiend auf das
Deck. Der Schrecken wurde durch die aus dem Innern
des Schiffes dringenden dichten Rauchmaſſen und die
fortwährenden Exploſionen noch vermehrt, von denen
eine im Maſchinenraum ſtattfand und neun Männ

In dem als zweite Nummer von Herrn Burmeſter
geſpielten Konzert E-moll von Mendelsſohn konnte der
Künſtler die Vorzüge ſeiner unfehlbaren Technik und
die Feinheiten ſeiner Vortragskunſt ins rechte Licht
ſtellen. Dieſe Zartheit in der Bogenführung und die
Weichheit in dem geſangvollen Vortrage der Kantilene
iſt, in gleicher Vollendung nur wenigen Künſtlern eigen,
und der ſtürmiſche Beifall, den der Vortrag des
Konzertes entfeſſelte, war durchaus wohlverdient.
Einen nicht geringen Anteil hatte daran aber auch die
äußerſt dezente, feinſinnige Klavierbegleitung des
Herrn von Stefaniai, welcher als dritte Programm=
nummer
drei Soloſtücke für Klavier: Schumanns
Vogel als Prophet die As=dur=Etüde von Chopin, in
Godowskys Bearbeitung für die linke Hand allein, und
die XV Rhapſodie von Liſzt, ſowie als Zugabe Chopins
Cis-moll=Valſe mit ſehr zartem Anſchlag und muſter=
hafter
Auffaſſung vortrug.
Der Tenoriſt Herr Paul Schmedes, der anfangs
mit einer leichten Indispoſition zu kämpfen hatte,
wurde dieſer jedoch bald Herr und die Lieder von
Hugo Wolf und Richard Strauß, beſonders deſſen
Heimliche Aufforderung kamen mit vollendeter
Schönheit einer edeltimbrierten Stimme zu Gehör;
Herr Schmedes iſt jedenfalls ein feinempfindender
Sänger, der den jeweiligen Stimmungsgehalt der
Lieder reſtlos erſchöpft. Ein Lorbeerkranz, für den
der Künſtler mit einer Zugabe dankte, lohnte auch ihn.
Von den zum Schluß geſpielten eigenen Bearbei=
tungen
von Willy Burmeſter ſprachen beſonders die
beiden Schumannſchen Kompoſitionen, namentlich das
Wiegenlied, an. Prachtvolle hohe Flageollett=Töne er=
klangen
in Sindings Ein Vöglein ſingt bang im
Hain, und das Staccato=Präludium von Händel er=
regte
das Staunen der Kenner. Dittersdorfs Deut=
ſcher
Tanz und von Goſſec ein Rigaudon und eine
Gavotte, letztere als Zugabe, beſchloſſen das ſehr ſchön
verlaufene Konzert, dem auch die Großherzoglichen
Herrſchaften bis zum Schluſſe beiwohnten. Ein rieſiger
Kranz wurde Herrn Profeſſor Burmeſter am Schluſſe
überreicht, für den er durch zwei weitere Zugaben,
Menuett von Mozart und Air von Bach, dankte.

der Beſatzung getötet haben ſoll. Das Uebernehmen
der Paſſagiere auf die zur Rettung herbeigeeilten
Dampfer geſtaltete ſich äußerſt ſchwierig, da die Aus=
wanderer
infolge der Angſt nicht zu regieren waren;
vier von ihnen fielen bei dem wilden Drängen ins=
Waſſer und wurden nur mit Mühe gerettet. Viele
Männer, welche ſich im Getümmel mit Gewalt vor die
Frauen zu drängen ſuchten, mußten von Matroſen zu
Boden geſchlagen werden. Die Seeleute von der
Upland und der Kanawha ſowie die Mannſchaft!
des Cairnrona, die an Bord blieb, zeigten große Bra=
vour
. Prinz Louis von Battenberg, der Kom=
mandeur
der atlantiſchen Flotte, brach das Diner auf!
ſeinem Flaggſchiff ab und landete mit der Prinzeſſin
und den Offizieren ſeines Geſchwaders in Dover, wol
ſie unter die Auswanderer Speiſen und Getränke ver=
teilen
ließen. Etwa 400 Schiffbrüchige ſind in Lon=
don
eingetroffen, wo Vertreter der Dampfergeſell=
ſchaft
für ihre Unterkunft ſorgten, währendsdie üb=
rigen
in Dover blieben und ſich wahrſckeinlich an Bord
der Cairnrona nach London begeben werden.

Vermiſchtes.
Grußreform und Hutbranche. Man
ſchreibt uns: Die Deutſche Hutmacherzeitung brachte
in letzter Zeit einige Einſendungen, in denen Freunde
der Grußreform die Schaffung hygieniſcher Hüte an=
regten
. Es war auf die Möglichkeit einer luftigeren
Bauart der Hüte hingewieſen, da die Hüte bei dem ein=
fachen
Handanlegen nicht die gleiche Feſtigkeit be=
nötigten
, wie bei dem Hutabnehmen, und es war auf die
günſtige Gelegenheit aufmerkſam gemacht, dieſe Pro=
dukte
auf der Internationalen Hygiene=Ausſtellung
Dresden 1911, zu der der Verein für deutſchen Gruß
zu Darmſtadt amtlich eingeladen worden iſt, einem
größeren Publikum vorzuführen. Die betr. Zeitung
hat dabei gegen die Grußreform Stellung genommen,
indem ſie von Beſtrebungen ſpricht, die Veranlaſſung
zu einer Schädigung der Hutbranche geben könnten
Daß von dem Hutabnehmen die Hüte nicht gerade
beſſer werden, iſt leicht einzuſehen, daß es aber von
branchekundiger Seite in ſolch nahe Beziehung zum Ge=
deihen
der Hutbranche gebracht wird, gibt denn doch zu
denken: Man ahnt vielleicht gar nicht, wie viel Geld dem
Deutſchen dieſe törichte Mode koſtet, und wie viel deut=
ſches
Geld deswegen ins Ausland wandert, denn gerade
die Kreiſe, die am meiſten die Hüte ziehen, tragen in
der Regel ausländiſche, engliſche, italieniſche und öſter=
reichiſche
Fabrikate. Uebrigens zeigen uns die Aus=
länder
, vor allem Engländer und Amerikaner, daß ein
hygieniſcher Hut zur Grußreform gar nicht nötig
iſt. Laſſen ſie doch die gleichen Hüte, die auch hier
maſſenhaft getragen werden, beim Gruße und ſogar in
geſchloſſenen Räumen ohne Schaden für die Geſundheit
auf dem Kopfe. Man kann alſo ganz gut auf die
Schaffung eines hygieniſchen Hutes verzichten.

Literariſches.
Bald werden wir wieder Pläne für unſere Som=
merreiſe
machen. Da wiſſen wir oft nicht, wie unter
den vielen ſchönen Plätzen den richtigen finden wir
gebrauchen einen Führer. Wir finden ihn in der
Deutſchen Alpenzeitung die durch die Vor=
nehmheit
ihrer Ausſtattung und die Gediegenheit ihres
Inhalts in der erſten Reihe der Zeitſchriften marſchiert.
Das Durchſehen ihrer Hefte bringt uns ſtets neue Bil=
der
aus unſerer herrlichen Alpenwelt vor Augen und
erweckt in uns die Luſt zu Hochtouren, auf denen wir
die Enge des alltäglichen Daſeins vergeſſen und Geiſt
und Körper auffriſchen können. Ein Probeband kanu
jederzeit vom Verlag der Deutſchen Alpenzeitung in
München koſtenfrei gegen Einſendung des Portos von
30 Pfg. bezogen werden.
Die Oberammergauer Paſſionsſpiele, ihre Dar=
ſteller
und ihre Einſtudierung, das iſt das feſſelnde
Thema einer Abhandlung des Münchener Schrift=
ſtellers
Maximilian Krauß. Hierzu hat der bekannte
Münchener Maler Hans Stubenrauch eine Fülle geiſt=
voller
Zeichnungen entworfen, die den Beſchauer mitten
hinein in das rege Treiben von Oberammergau ver=
ſetzen
, das ſoeben wieder ſeine nur alle zehn Jahre
wiederkehrenden Spiele vorbereitet. Schon durch die=
ſen
Beitrag iſt das neueſte (15.) Heft der illuſtrierten
Zeitſchrift Moderne Kunſt (Verlag von Rich.
Bong, Berlin W 57, Preis des Vierzehntagsheftes 60
Pfennig) des allgemeinen Intereſſes gewiß. Aus dem
übrigen reichen Inhalt ſeien beſonders der glänzend
ausgeſtattete Aufſatz Ein Maler des Induſtrielebens
ferner Ernſt Klippels ſprudelnde Humoreske Die Nil=
fähre
und die geiſtvolle Plauderei über Roſtands
Chantecler hervorgehoben. In immer ſtärkerer Weiſe
feſſelt der Roman Karl Conte Scapinellis Die Künſt=
lerkolonie
die Leſer durch die dramatiſche Führung der
Handlung und die ſcharfe Zeichnung der geſchilderten
Charaktere. In Bild und Wort ſchöpft der Zick=Zack
aus dem Kunſt=, Sport= und Varietéleben, aus den
Volksbräuchen und dem originellen Straßentreiben
ſeine unterhaltenden und intereſſanten Motive.
La France. Von Profeſſor P. M. Cretin
in Potsdam. Avee 10 Graphiques, 2 Cartes et 1 Plan.
Geb. 2,40 Mk. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig.
Bei den immer lebhafteren Beſtrebungen, ein beſſeres
gegenſeitiges Verſtändnis mit unſeren weſtlichen Nach=
barn
herbeizuführen, darf das vorliegende Buch auf
die Beachtung aller derer rechnen, die in knapper
Form eine Ueberſicht über die Kulturwerte des heu=
tigen
Frankreichs und ihre hiſtoriſche Entſtehung ge=
winnen
wollen. Das für Deutſche zu vermitteln, war
der Verfaſſer einerſeits als geborener Franzoſe und
Licencié en droit der Univerſität Bordeaux, anderer=
ſeits
als langjähriger Lehrer an der Königlichen Han=
dels
= und Gewerbeſchule in Potsdam und früherer Er=
zieher
der Kaiſerlichen Prinzen beſonders berufen.

Jagdausſtellung Darmſtadt 9.11. und
17.18. April.
Die Vorbereitungen zur Jagd=Ausſtellung
ſchreiten rüſtig vorwärts. Von Rehbockſtangen ſind
über 1000 Stück angemeldet, und faſt 1000 werden aus=
geſtellt
. Die übrigen mußten leider abgewieſen wer=
den
wegen zu ſpäter Anmeldung und weil der Platz
nicht mehr ausreicht. Von beſonders intereſſanten
Stücken iſt hervorzuheben: das Geweih eines prähiſto=
riſchen
Rieſenhirſches, im Rhein gefunden (vom Pau=
lusmuſeum
Worms gütigſt zur Verfügung geſtellt).
Der Hirſch iſt nicht der gewöhnliche ſogenannte iriſche
Rieſenhirſch, ſondern von Profeſſor Nehring als eine
überaus ſeltene Art (Cervus dama giganteus) feſt=
geſtellt
. Der Hirſch ſtammt aus dem Anfang des Dilu=
viums
. Ueber das Alter dieſer Zeit gehen bekanut=
lich
die Anſichten ſehr auseinander, zirka 2 Millionen
Jahre dürfte aber das Geweih alt ſein. Dann kom=

[ ][  ][ ]

men Schmuckgegenſtände (aus Gräbern bei Worms
und Rheindürkheim), ebenfalls vom Wormſer
Paulusmuſeum gütigſt geliehen. Eine große Anzahl
von Hirſchgranen, die noch heute der Jäger zu ſeinen
wertvollſten Trophäen zählt, ſind durchbohrt, in Fäden
aufgereiht und dienten als Halsketten der Frauen
(geſchätztes Alter zirka 6000 Jahre). Auch ein Paar
ganz kapitale Keilergewehre aus Gräbern bei Alzey
und Rheindürkheim (ebenfalls vom Paulusmuſeum
Worms) ſind zu ſehen. Solche grimme Raſſen leben
heute nicht mehr in Deutſchland!
Der letzte Wolf, der in Heſſen (im Lorſcher Wald,
Oberförſterei Lampertheim) von Leibjäger Wetter am
6. Januar 1841 geſchoſſen wurde, iſt ausgeſtellt, und zwar
ſowohl deſſen Fell als ein Gipsabguß des Kopfes (vom
Großh. Landesmuſeum gütigſt zur Verfügung geſtellt).
Seine Durchlaucht Prinz Otto zu Schaumburg=
Lippe ſtellt einen von ihm im Jahre 1895 bei Metz zur
Strecke gebrachten kapitalen Wolf aus wahrſcheinlich der
letzte, der in Elſaß=Lothringen geſchoſſen wurde. Außer=
dem
ſtellt auch Herr General von Becker=Darmſtadt zwei
Wölfe aus Elſaß=Lothringen aus.
Die Deutſche Jäger=Zeitung=Neudamm ſchreibt in
ihrer Vereinszeitung: Die Darmſtädter Jagdaus=
ſtellung
am 9. bis 11. und 17. und 18. April, urſprüng=
lich
nur als eine heſſiſche Jagdtrophäenausſtellung geplant,
wird eine der intereſſanteſten jagdlichen Ver=
anſtaltungen
, die wir in dieſem Jahre in Deutſchland
haben werden. Sie hat ihr Programm weſentlich erwei=
tert
und bringt eine Fülle des Intereſſanten in faſt allen
Zweigen des Jagdgebietes, daß man ſie im Hinblick auf
ihre Reichhaltigkeit als Wiener Ausſtellung im Kleinen be=
zeichnen
kann.

St. Die Jagdtrophäen=Ausſtellung, die heute vormit=
tag
eröffnet wird, iſt ungemein reich und mit wertvollen
und hochintereſſanten Stücken beſchickt. Sowohl was das
Arrangement der Ausſtellung, als auch was die Art der
ausgeſtellten Trophäen ſelbſt anbelangt, darf ſie als weit
über dem Durſchſchnitt ſonſt gewohnter Ausſtellungen
gleichen Rahmens ſtehend bezeichnet werden. Schon
geſtern, in noch unfertigem Zuſtande, bot ſie ein Bild, das
nicht nur dem Jäger und Weidmann, ſondern auch dem
Laien außerordentlich viel des Intereſſanten und Sehens=
werten
bietet.
Nicht weniger als 6 große Räume im Großh. Reſi=
denzſchloſſe
ſind zu Zwecken der Ausſtellung hergerichtet
worden, und zwar in einer Weiſe, die als Muſterbeiſpiel
gelten kann. Die Herren Profeſſor Müller und Ar=
chitekt
Mahr haben ſich um das Arrangement beſonders
verdient gemacht. Im Saal I, dem größten der Räume,
iſt die Ausſtellung der Mitglieder des Heſſiſchen Jagdklubs
und die beſonders auch für den Wildheger hochintereſſante
Sammlung wiſſenſchaftlicher Präparate
des veterinär=pathologiſch=anatomiſchen Inſtituts der
Univerſität Gießen, Direktor: Prof. Dr. Olt
(J. K.), untergebracht. Eine ganze Wand nimmt die
Kollektion des Herrn Kommerzienrat Hickler, der
Seele des Unternehmens, ein. Darunter fallen beſon=
ders
zwei impoſante Elchköpfe mit den mähhtigen
Schaufeln und eine Anzahl prachtvoller Felle auf. Die
Rückwand nimmt die Sammlung des Prinzen Otto zu
Schaumburg=Lippe ein. Weiter ſtellen hier aus: das
Großherzogl. Landesmuſeum: Die Kopfmaske und
das Fell des letzten in Heſſen geſchoſſenen Wolfes. (Er=

legt im Diſtrikt Wildbahn, Oberförſterei Lampertheim,

von Leibjäger Wetter.) Das Paulus=Muſeum zu
Worms: 1. Rieſenhirſchſchaufeln (Cervus dama giganteus)
mit Schädel (im Rhein gefunden etwa 1895) von
Nohring als Rieſen=Damhirſch bezeichnet außer=
ordentlich
ſelten (nicht mit dem iriſchen Rieſenhirſch zu
verwechſeln, von dem viele Exemplare bekannt ſind).
2. Halskette 1 aus Hirſchgranen. Fundort: Grab bei
Rheindürkheim in Rheinheſſen (jüngere Steinzeit
etwa 6000 Jahre alt). 3. Halskette 2 ebenſo aus einem
Grabe bei Worms, gleiches Alter. 4. Anhänger aus
Keilergewehren, doppelt durchbohrt (Steinzeit aus
einem Grabe bei Alzey ſtammend). 5. Anhänger ebenſo,
einmal durchbohrt (aus einem Grabe bei Rheindürk=
heim
). 6. Ganz kapitale Keilergewehre, wahrſcheinlich
zum Schmuck beſtimmt (aus einer ſteinzeitlichen Wohn=
grube
bei Monsheim=Rheinheſſen).
Herr Hauptmann Frhr. Hiller von Gärtrin=
gen
=Darmſtadt ſtellt eine Jagdflinte Napoleons I.
aus, die früher im Beſitze Ludwigs XVI. war. Durch
General Freiherr Hiller von Gärtringen bei Belle=
Alliance erbeutet und in Anerkennung der Verdienſte
des Generals um den Sieg bei Belle=Alliance ( Plance=
noit
) von Blücher ihm geſchenkt. Unter entſprechender
Eingravierung und mit intereſſanten Einſtempelungen
und Silberbeſchlägen. Ferner ſind hier ausgelegt bezw.
aufgeſtellt waffentechniſches und ſonſtiges Material aus
der Kriegstechniſchen Sammlung der Großh. Tech=
niſchen
Hochſchule hier.
Die weiteren Säle ſind bis auf den letzten kleiner,
und in ihnen ſind vorwiegend Geweihe in einer faſt ver=
wirrenden
Fülle untergebracht. Allein gegen 1000 Reh=
bockſtangen
ſind hier ausgeſtellt. Die Sammlung iſt un=
terſchieden
nach Damwild und Rotwild und dann nach
geographiſchen Grundſätzen zuſammengeſtellt. Es ſind u. a.
die Landſchaften Heſſen, Heſſen=Naſſau, Rhön, Hunsrück,
Harz, Algäu, Tirol, Salzburg, Niederöſterreich und Un=
garn
vertreten. Die Geweihe ſtellen zumeiſt die Jagd=
beute
von Darmſtädter Herren dar.
In beſonderem Saal ſind die Jagdtrophäen des
Großherzogs untergebracht. Dieſer Saal iſt durch
Profeſſor Albin Müllers Künſtlerhand in geſchmackvoller
vornehmer Einfachheit, doch gewiſſermaßen repräſentativ
geſtimmt. In der Sammlung iſt eine ganze Anzahl
prachtvoller Stücke enthalten, darunter auch Gehörne in
Indien erlegter Antilopen uſw.
Weiter ſeien erwähnt zahlreiche Tiergruppen verſchie=
dener
Ausſteller, die mannigfachſten exotiſchen Tiere, na=
mentlich
Tiere von den Hochgebirgen Zentralaſiens,
Löwen, Leoparden uſw., die ausgeſtopft zu ſehen ſind, und
viele Tierfelle. Daneben fehlen auch nicht mancherlei

Kurioſa, wie Geweihmißbildungen, ein dreibeintiger Kiſch=
otter
u. a. m. Auf Einzelheiten der Ausſtellung kommen
wir noch zurück.
Die Preisrichterkollegien walteten geſtern
und heute ihres beſchwerlichen Amtes. Die Fülle her=
vorragenden
Materiales iſt eine derart größe, daß die
reichlich bemeſſene Zahl der Auszeichnungen bei weitem
nicht hinreichte, um dasjenige zu prämiieren, das eine
Ehrung verdienen würde. Die höchſte Auszeich=
nung
, der Ehrenpreis: goldene Medaille mit
Schild, fielen zu: Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzoge,
Sr. Durchlaucht dem Prinzen Otto zu Schaum=
burg
=Lippe, Herrn Freiherrn von Heyl zu
Herrnsheim und Herrn Kommerzienrat Hickler=
Darmſtadt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 8. April. Die Verhandlungen, die
heute zwiſchen den Arbeitgebern und den Ar=
beitnehmern
des Baugewerbes auf Veranlaſ=
ſung
des Reichsamtes des Innern ſtattgefunden haben,
ſind ergebnislos verlaufen. Die Arbeitgeber er=
klärten
, durch die bisher gefaßten Beſchlüſſe feſtgelegt zu
ſein; ſie ſeien daher nicht in der Lage, der vorgeſchlagenen
Einſetzung einer gemiſchten Kommiſſion zuzuſtimmen.
* Berlin, 8. April. Die Norddeutſche Allgemeine Zei=
tung
meldet: Nach einer Mitteilung im Berliner Tage=
blatt
erklärte der römiſche Korreſpondent des Rußkoje
Slowo Goldſtein, der Redaktion des Tageblattes:
Der Reichskanzler empfing ihn nach dreifachem Erſuchen
am 28. März zwiſchen 9 und 9½ Uhr im Palazzo Caffa=
relli
und ſprach mit ihm unter vier Augen. Dieſe Behaup=
tung
iſt erfunden.
* Berlin, 8. April. An der Samariterkirche im
Oſten Berlins wurden die drei großen, den Altarraum ab=
ſchließenden
Fenſter, darunter das vom Kaiſerpaar geſtif=

tete, anſcheinend von böswilliger Hand, beſchädigt.
Aus dem Mittelfenſter wurde anſcheinend mit einer langen

Stange durch das ſchützende Drahtnetz hindurch die Wid=
mung
herausgeſtoßen.
* München, 8. April. Der kürzlich verſtorbene
Rentier Sack vermachte der Stadt München über eine
Million Mark zugunſten des Vereins für Mutterſchutz.
* Beuthen, 8. April. Ueber die Streiklage auf
den Delbrückſchächten wird amtlich mitgeteilt:
Bei der geſtrigen Abendſchicht fehlten 289, bei der heu=
tigen
Frühſchicht nur 152. Das Ablaufen iſt darauf
zurückzuführen, daß geſtern 40 und heute früh 80
Schlepper die Abkehr erhielten, weil ſie bei drei oder
mehr Schichten unentſchuldigt fehlten. Bei dem geſtri=
gen
Schichtwechſel kam es zu Zuſammenſtößen zwiſchen
den Ausſtändigen und der bewaffneten Macht, die aus
dem Walde mit Steinen beworfen wurde. Die Ar=
beitswilligen
wurden an der Aufnahme der Arbeit ge=
hindert
.
* Paris, 8. April. Der Miniſterrat beſchäftigte ſich
im Elyſée mit dem Ausſtande in Marſeille.
Die letzten Nachrichten laſſen hoffen, daß der Streik
binnen kurzem beigelegt ſein wird.
* Paris, 8. April. Die Pariſer Polizei nahm heute
nacht eine gefährliche fünfköpfige Apachenbande, die
kurz vorher einen Waffenhändler ausgeraubt hatte, feſt.
Zu der Bande gehört auch eine Frau, welche unter
dem Namen Giftmarie bekannt iſt.
* Kopenhagen, 8. April. Das Folkething ver=
warf
heute mit 49 Stimmen gegen 49 Stimmen bei
9 Enthaltungen den Geſetzentwurf betreffend die An=
lage
einer Eiſenbahnbrücke zwiſchen Seeland und
Falſter.
* London, 8. April. Die Ergebniſſe der Abſtimmung

über das Einigungsabkommen im Kohlenbergbau
in Südwales ſind nunmehr faſt ſämtlich bekannt. Da=

nach ſind bis jetzt 97273 Stimmen für und 34963 Stim=
men
gegen die Annahme des Abkommens abgegeben wor=
den
, was eine Entſcheidung gegen den Ausſtand
bedeutet.

H.B. Berlin, 8. April. Aufgrund der geſtrigen Er=
klärungen
der Sozialdemokraten, die ſich für die Auf=
rechterhaltung
der Ordnung verbürgt hatten, ſetzte ſich
heute früh der Bürgermeiſter von Treptow mit dem
Berliner Polizeipräſidenten und dem Landrat des Krei=
ſes
Teltow in Verbindung, und darauf wurde beſchloſſen,
dem Antrage der Sozialdemokraten, unter freiem Him=
mel
drei ſozialdemokratiſche Verſammlun=
gen
abzuhalten, ſtattzugeben, unter der Bedingung,
daß die Veranſtalter dafür zu ſorgen haben, daß der
Verkehr nicht geſtört wird und daß Fahnen und ſon=
ſtige
Demonſtrationsabzeichen im Zuge nicht getragen
werden.

iegen dus Altern
Dr. Hommel’s Haematogen

WARNUNG! Man verlange ausdrücklich
den Namen Dr. Hommel.
Siehe das hochbedeutsame Werk:
Das Altern von Dr. Lorand Cap. X, 3. (1494a

ul.
450
Ros zn Karmoniums

in Kauf, Tausch, Miete, Raten. Stimmen.
Reparatur-Werkstätte. Hauptl.: I. Stock.
Darmstadt, Elisabethenstr. 12. Fernspr. 815.
G. Thies
Nachfolg.
Hoflieferant EeUpold Schatter

14348a

en Sie doch gefälligst keinen Unsimn
hängen laſſen! Die ächten von Fay, in dene
alle wirkſamen Beſtandteile der Sodener Heilquelle
enthalten ſind, laſſen nie einen im Stich, der
gegen Halsſchmerzen, gegen Huſten, Heiſerkei
Verſchleimung, Bronchialkartarrh ꝛc. anwende
Man muß nur immer auch Fays ächte Sodene
Mineral=Paſtillen fordern, von denen die Schach
tel 85 Pfg. koſtet und die in allen einſchlägiger
Geſchäften zu haben ſind.
(7743)

Der Höhepunkt ist erreicht

der Wunder-Nagelstein
Bildzeichen und Marke ist im wahren Sinne des Worte
patentamtlich eingetragen. ein Zauberstein
denn er erzeugt sofort märchen
haft brillierende Fingernäge
von andauerndem Hochglanz.
Der E folg ist wunderbar

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EREEEEEEEEEEEEHMHI

Historische Violin-Sonaten-Aufführung

Sonntag, den 10. April, vormittags 11 Uhr,
im Saale des Hotel Zur Traube‟.

Perzina-Cembalo-Klavier

gespielt von Herrn Direktor Frederick Voss aus Mainz.
Generalvertreter:
Carl Arnold
Ecke Erbacherstrasse.
Gegründet 1 30. Telephon 892.
Eiten
EnEnen-A

Sänger und Redner.
Das Gute bricht sich Bahn. Dieses alte Wort bewährte

sich in den letzten Wochen ganz besonders beieder
Anstrengungen, weiche die Fabrikanten von Wybert=
Tabletten gemacht haben, um für ihre seit 60 Jahrer
hochgeschätzten Produkte neue Freunde zu erwerben=
Die Nachfrage nach Wybert-Tabletten ist so gross, dass
die Fabrikanten Mühe haben, in diesen Wochen, ir
welchen Tausende von Gratisproben die glänzendsten
Beweise ihres Wertes erbracht haben, genug Tabletten
zu produzieren. Die Stimie wird durch regelmässigen
Gebrauch von Wybert-Tabetten so wohlklingen und
ausdauernd, dass Sänger und Redner nur noch Wybert-
Tabletten verwenden, die in allen Apotheken in
Schachteln à Mk. 1. erhältlich sind. Depots in
Darmstadt: In sämtlichen Apotheken; Germanian
Drogerie, Mühlstrasse 78: Finerva-Drogerie, Ecke Karl=
u
. Hügelstrasse; Medizinal-Drogerie von Fr. Beckenhäub,
Ecke Schul- u Kirchstrasse, und Progerie von C.
(640)1
Watzinger, Wilhelminenstrasse 11.

Rheinisches

Téchnikum Bingen

Masenitenhan, Heltestechuſt,
Automohilbau. Brückenbau.

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(6793M)

Geſchäftliches.
Auszeichnung. Gelegentlich des in Gießen am
6. ds. ſtattgefundenen Jubiläums=Pferdemarktes, ver=
bunden
mit Ausſtellung landwirtſchaftlicher Maſchinen,
wurde der Firma Carl Lorſch für ausgeſtellte Gloria=
(7814
Milchcentrifugen ein Ehrendiplom erteilt.

Aaner

Pilsneruue
Münchner
Hell Export

Teldsterdrerbrerer

614a

[ ][  ][ ]

Todes-Anzeige.
Verwandten und Bekannten die traurige
Mitteilung, daß unſere liebe Schweſter, Tante
(*8935
und Großtante
Frad M. Mattersbach
nach kurzer Krankheit in Altenſteig ſanft dem
Herrn entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 6. April 1910.
Die Beerdigung findet Samstag Nachmittag
um 3 Uhr in Wembach ſtatt.

Tür die überaus zahlreichen Beweiſe wohl=
tuender
inniger Teilnahme bei dem Verluſte meines
unvergeßlichen Mannes, unſeres guten Vaters,
ſagen wir hiermit unſeren tiefgefühlteſten Dank.
Im Namen
der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Meline Wetz,
geb. Bernbeck.
7733)
Darmſtadt, im April 1910.

Beſtellungen
auf das
Darmſtädter Taablatt
werden in der Expedition, ſowie von allen
Poſtanſtalten entgegengenommen.
Tageskalender.
Samstag, 9. April.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Konzert von Opernſänger Scheuermann um 8¼ Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.
Hauptverſammlung des Verkehrsvereins um 9 Uhr
im Fürſtenſaal.
Generalverſammlung des Darmſtädter Männer=
geſangvereins
um 9 Uhr im Vereinslokal.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 8 Uhr im Bürgerkeller.
Jagdausſtellung im Großh. Reſidenzſchloß; geofnet
von ½ 126 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4½11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (Beſteigung des
Montblanc).
Sonntag, 10. April.
Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Der Graf von
Luxemburg.
Vorſtellung um 4 und 8¼ Uhr im Orpheum.
Hauptprobe zum Konzert des Mozartvereins um
10½ Uhr im Saalbau.
Aufführung von Violinſonaten um 11 Uhr im
Saal Zur Traube‟.
Generalverſammlung des St. Vincenz= und St. Eli=
ſabethenvereins
um 4 Uhr im Konkordigſaal.
Familienabend des Darmſtädter Männergeſang=
vereins
um 8 Uhr im Vereinslokal.
Frühlingsfeſt des Athletenvereins um 4 Uhr im
Kaiſerſaal.

Stiftungsfeſt der Geſellſchaft Viktoria um 4 Uhr
im Perkeo
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof‟
Ausflug der Meiſingerſchen Tanzſchule nach Traiſa.
Tanzkränzchen um 4 Uhr in der Stadt Pfungſtadt‟
Tanzkränzchen des Konditorgehilfen= Vereins um
4 Uhr im Kaiſerſaal zu Griesheim.
Jagdausſtellung im Großh. Reſidenzſchloß; geöffnet
von 106 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhetn= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (Beſteigung des
Montblanc).
Verſteigerungskalender.
Montag, 11. April.
Hofreite=Verſteigerung des Joſeph Kaufmann
(Schloßgartenſtr.) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Billard=Verſteigerung um 3 Uhr Marienplatz 6.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um 10 Uhr
im Zeilharder Gemeindewald; Zuſammenkunft bei
Gaſtwirt Schneider bei Station Meſſel.
Großh. Landesmuſeum. Geöffnet: Sonn= und
Feiertags von 101 Uhr, Mittwochs und Sonntags
von 35 Uhr, Eintritt frei; Dienstags, Donnerstags
und Samstags von 111 Uhr gegen Eintrittsgeld.
König=Muſeum Saalbauſtr. 73; Sonntags geöffnet
von 111 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldacßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Kurſe vom 8. April 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

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3f. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,60
3½ Deutſche Reichsanl. 63,60
84,80
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,95
93,60
3½ do. Conſols .
84,60
do, do.
4 Bad. Staatsanleihe 102,00
94,10
do.
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 102,00
3½
do.
do.
4 Hamburger Staatsanl. 102,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,50
do.
92,30
do.
81,70
3 Sächſiſche Rente . . . 84,00
4 Württembergerv. 1907 101,75
93,50
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,25
1¾ Griechen p. 1887
34 Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente . 98,90
do. Goldrente . . 100,20
do. einheitl. Rente 94,90
3. Portug. unif. Serie I 65,90
do. unif. Ser. III 66,90
do. Spezial . 12,70
5 Rumänier v. 1903 . . 101,90
do. v. 1890 . . 95,00
do. v. 1905 . . 91,50
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 91.70

91,20

InProz.
Zf.
4 Ruſſen v. 1902. . . . 91,40
do. v. 1905 . . . . 100,30
3½ Schweden . .
93,60
4 Serbier amort. v. 1895 85,40
4 Türk. Admin. v. 1903 89,80
4 do. unifiz. v. 1903 94,90
4 Ungar. Goldrente . . 95,70
4 do. Staatsrente 93,00
5 Argentinier . . . . . . 102,00
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 93,30
5 Chineſ. Staatsanleihe 103,00
do.
100,00
4½
98,50
4½ Japaner
5 Innere Mexikaner . . 101,60
do.
3
4 Gold=Mexikan. v. 1904 96,70
5 Gold=Mexikaner . . . 102,70
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
. . .141,00
4 Nordd. Lloyd . . . . 103,80
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 121,25
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 116,50
4 Baltimore & Ohio . . 111,30
4 Gotthardbahn . . .

In Proz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 160,80
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21,00
4 Pennſylvania R. R.
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 194,70
Werger=Brauerei
. 83,00
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 461,00
Fabrik Griesheim . . . . 264,50
Farbwerk Höchſt .
.. 456,90
Verein chem. Fabriken
Mannheim.
.. 329,50
Lahmeyer .
.112,30
Schuckert
. . . 148,50
Siemens & Halske . . . 238,90
Adlerfahrradwerke Kleyer 380,50
Bochumer Bb. u. Guß . . 239,50
Gelſenkirchen .
. . .210,30
Harpener
. 199,00
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb

.224,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 90,40
4 Pfälzer Prt.
. . 101,20
do.
3½
93,00
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 101,00
do. ſteuerfrei .
4
5 Oeſterr. Staatsbahn. 106,70
do.
98,70
do. alte
5 Oeſterr. Südbahn . . 102,60
do.
84,30
do.
58,50
3 Rgab=Oedenburger . . 76,10
4 Ruſſ. Südweſt..
88,60
4 Kronpr. Rudolfbahn . 99,60

In Proj.
. 76,30
2¾/0 Livorneſer .
98,50
4 Miſſouri=Paciſic
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,20
5. Anatoliſche Eiſenb. .
5 Tehuantepec . . . . . 102,90
Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ. 177,20
4 Darmſtädter Bank 133,80
251,00
Deutſche Bank
4 Deutſche Vereinsbank 127,30
Diskonto=Geſellſchaft 189,90
4 Dresdner Bank 159,80
Mitteldeut. Kreditbk. 119,70
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 124,60
101,40
4 Pfälzer Bank.
145,70
Reichsbank
Rhein. Kredit=Bank 139,00
4 Wiener Bank=Verein 137,10
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,50
do. S. 19. . . . . 92,50
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
91,00
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,60
*
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,10
4 Rhein, Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,30
do. (unk. 1914) 91,50
(2
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,40
do,
3½
93,40

InProz.
3f.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt
. 100,60
3½ do.
.101,10
4 Frankfurt
95,80
3½ do.
4 Gießen
.100,20
3½ do.
4 Heidelberg
3½ do.
91,30
4 Karlsruhe
.100,50
3½ do.
92,10
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
100,90
3½ do.
92,00
München .
100,50
3½ Nauheim
92,00
4 Nürnberg
101,50
do.
4 Offenbach
do.
92,60
Wiesbaden
100,40
do.
4 Worms
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886 . . 82,50
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 161,00
3½ Cöln=Mindner 100 137,50
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl, Komm. 100 104,00

InProz
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.=Pfand= 77,00
briefe.
. . . 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe 174,20
3 Oldenburger
2½ Raab=Grazer fl. 150 118,20
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
Braunſchweiger Tlr. 20 215,00
Freiburger
Fs. 15
Mailänder
Fs. 45
do,
Fs. 10
Meininger
ft.
Oeſterreicher v. 1864 100 574,00

do. v. 1858
lngar. Staats
Venediger
Frs
Türkiſche
,

00
100
30 41,40
400 179,20

Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,40
20 Franks=Stücke
16,26
Oeſterr. 20=Kronen . . . . 16,90
Amerikaniſche Noten . . . 4,19
Engliſche Noten .
20,48
Franzöſiſche Noten . . . . 81,15
Holländiſche Noten . . . . 169,00
Italieniſche Noten . . . 80,90
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,10
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 81,10
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Zäf. 50.

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Der ſchmale Weg.
Roman von Paul Bliß,
(Nachdruck verboten.)
Nach einem Weilchen begann ſie von ſeiner neuen
rbeit zu reden.
Getreulich berichtete er, wie weit er war.
Dann ſagte ſie: Strengen Sie ſich nicht zu ſehr an,
achen Sie lieber eine Pauſe.
Er nickte. Ich gedenke auch nächſtens für ein
tar Wochen nach Rügen zu gehen, nach Crampas oder
ich Stubbenkammer.
Ach, gehen Sie lieber nach Hiddenſee, dort iſt es
irklich herrlich, ſtill und ſchön, da werden Sie ſich
rächtig erholen.
Nun war das Peinvolle des Wiederſehens über=
unden
.
Ruhig und in gleichmäßig ſtiller Herzlichkeit ſpra=
en
ſie nun weiter.
Plötzlich kam die Zofe. Es war Beſuch da.
Frau Juliane las die Karte. Ich laſſe bitten.
Dann ſagte ſie zu Fritz: Eine mir bekannte Dame,
ie eben von der Riviera gekommen iſt.
Fritz erſchrak heimlich. Er ahnte, daß etwas grauen=
oll
Ueberraſchendes bevorſtand.
Da wurde die Tür geöffnet, und im nächſten
lugenblick trat Frau Elsbeth Sieberg ein.
Ein verblüfftes Erſtaunen auf allen Geſichtern.
Ein atemloſes Dreinſchauen.

Eine leiſe, verhaltene Angſt.
Bleich und ſtarr ſtand Fritz da.
Aber alles das nur einen winzig kleinen Moment.
Dann lief Frau Elsbeth auf Juliane zu, reichte
ihr die Hand und rief fröhlich: Guten Tag, liebſte
Freundin! Ich bringe Ihnen ſchöne Grüße aus dem
herrlichen Süden!
Mit matt lächelnder Freundlichkeit dankte Juliane.
Darf ich die Herrſchaften bekannt machen ſagte ſie.
Elsbeth aber rief, auf Fritz deutend: Uns beide?
Ach, liebſte Freundin, wir kennen uns ſchon lange!
Herr Stark wohnte früher im Hauſe meines Vaters!
Dann reichte ſie Fritz die Hand und ſagte: Guten
Tag, lieber Freund! Ich darf doch hoffentlich noch
ſo ſagen, obgleich Sie inzwiſchen ja ein rieſig berühm=
ter
Mann geworden ſind. Nun, wie geht es Ihnen?
Gut, wie ich ſehe, was?
Leiſe erbebend, aber mit offenem Blick, erwiderte
er: O ja, danke, es geht mir gut.
Und Frau Juliane ſtand dabei und ſah prüfend von
einem zum anderen ihr Herz pochte zum Zerſprin=
gen
, und in ihrer Seele war ein heimliches Weinen
nun wußte ſie, wer jene andere war, der ſein Herz
gehörte nun wußte ſie alles.
Aber ſie nahm ſich zuſammen und verriet nichts,
nicht das Leiſeſte.
Tändelnd und ſcherzend kam Elsbeth zurück zu
Juliane ſie war außerordentlich lebhaft und luſtig.
Es ſcheint, Sie haben ſich recht gut erholt, ſagte
die Baronin mit liebenswürdigem Lächeln,

Eie ete ch e en e n
wirklich wahr! Es iſt aber auch zu entzückend da unten!
Na, Sie kennen es ja, Sie waren ja ſchon öfter da!
Uebrigens, was Sie noch nicht kennen werden ja,
das iſt meine Entdeckung! Darauf bin ich auch ganz
ſtolz ein entzückend ſchönes Häuschen dicht bei
Beaulieu, weitab von der großen Straße des Fremden=
verkehrs
, ganz im Grünen, ein Idyll, ſage ich Ihnen?
Juliane nickte mit leiſem Lächeln. Schlößchen
Bel=ami o ja, ich kenne es.
Sie kennen es? Ganz konſterniert war Elsbeth.
Mein Gott, Sie kennen doch aber auch wirklich ſchon
alles! Ihnen kann man, weiß Gott, nichts Neues mehr
erzählen.
Mild und liebenswürdig ſagte Juliane: Sie haben
recht, das Häuschen liegt wirklich entzückend ich war
übrigens ſchon einige Male da, und ich gedenke auch jetzt
wieder hinzugehen.
Jetzt wollen Sie hin? rief Elsbeth. O wie ſchade,
daß ich nicht mehr da bin! Aber warum wollen Sie
denn fort? Die Saiſon iſt ja noch nicht zu Ende?
Ich fühle mich nicht ganz wohl.
O, Sie Aermſte! Ja, richtig! Sie ſehen ja auch
ganz furchtbar blaß aus! Das fällt mir erſt jetzt auf!
Was iſt denn paſſiert? Haben Sie denn Kummer ge=
habt
!?
Juliane dankte lächelnd. Nichts, gar nichts ſo
Schlimmes, ich bin nur ein wenig abgeſpannt, nur
Ruhe tut mir not.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Apri 1910.

Nummer 8:

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man ſich einkapſeln, wenn man will. Uebrigens muß
ich mich nun empfehlen. Na, ich ſehe Sie doch wohl
noch einmal vor der Abreiſe, nicht wahr? Dann
empfahl ſie ſich.
Als ſie Fritz die Hand gab, ſagte ſie: Nun, Sie ge=
feierter
Mann, werden Sie uns denn nun auch einmal
die Ehre geben? Jeden Dienstag empfange ich im
allgemeinen, für ſo gute, alte Freunde aber bin ich jeden
Tag zu Hauſe. Alſo, ich bitte darum!
Fritz neigte dankend den Kopf. Sie ſind ſehr liebens=
würdig
.
Luſtig rief ſie: Was heißt das nun? Kommen Sie
pder kommen Sie nicht!?
Ich werde kommen, ſagte er nur.
Na, nun bin ich ja zufrieden!
Lachend und tändelnd ging ſie ab.
Als ſie hinaus war, dachte Fritz: Wie iſt es nur
möglich, daß ſie in dem Ton zu mir ſprechen kann?
Hat ſie denn ganz und gar vergeſſen, was zwiſchen
uns liegt?
Dann kam Frau Juliane zurück.
Und dann ſahen ſie ſich beide mit langem, fragenden
Blick in die Augen.
Jeder wußte vom andern, was er dachte, aber
keiner wagte zu ſprechen.
Endlich begann ſie, ganz leiſe, wie zu ſich ſelber:
Kennen Sie Frau Sieberg ſchon lange?
Er nickte. Bereits als junges Mädchen kannte
ich ſie.
Dann wieder ein langes Schweigen.
Still und wehmütig ſah ſie vor ſich hin, was ſollte
ſie nun noch fragen, was nun noch ſagen? Jetzt wußte
ſie ja alles, alles . . . und an ſeinen aufleuchtenden
Blicken ſah ſie ja, daß die andere noch immer ſein Herz
im Bann hielt . . . jetzt wußte ſie ja mit ſonnenheller
Klarheit, daß er ihr für immer verloren war.
Ein paar Träuen wollten kommen, aber ſie hiß die
Zähne zuſammen und machte ſich hart.

ee
leiſe erzitternd: Adieu, Frau Juliane. Leben Sie wohl.
Stumm drückte ſie ſeine Hand, ein langer, lester
Blick ſagen konnte ſie nichts.
Dann ging er.
Sie aber ſank zuſammen und weinte bitterlich.

Gleich am anderen Tage kam Elsbeth wieder zu
Juliane.
Liebſte, ich habe geſtern etwas vergeſſen! rief ſie
luſtig und umarmte Juliane.
Die war noch ſtiller, noch zurückhaltender als
geſtern, matt lächelnd ließ ſie alles über ſich ergehen.
Ich wollte Ihnen nämlich ſagen, daß Sie nur über
den Brenner die Tour nehmen ſollen, die andere Fahrt,
iſt gräßlich langſam, und man hat an der Grenze end=
loſe
Scherereien ja, das habe ich geſtern vergeſſen,
Ihnen zu ſagen!
Juliane nickte freundlich. Sie ſind ſehr liebens=
würdig
, ſo an mich zu denken aber ich wußte das
auch ſchon.
Auch ſchon? Natürlich! Ich ſage es ja, Ihnen
kann man doch abſolut nichts Neues erzählen! Na,
wenigſtens ſehen Sie, daß es gut gemeint war!
Ja, ich danke Ihnen nochmals.
Eine kleine Verlegenheitspauſe trat ein.
Und nun merkte Juliane was ſie längſt ahnte
daß die andere noch etwas anderes auf dem Herzen
hatte, und daß der gut gemeinte Rat ihr nur eine
Nebenſache war.
Und richtig, gleich darauf begann Elsbeth: Ja ſo,
was ich noch fragen wollte: iſt denn etwas daran, was
man mir geſtern abend von Ihnen zugetragen hat?
Juliane ſah lächelnd vor ſich nieder. Sie reden
von meiner Verlobung mit Herrn Stark, nicht wahr?
Elsbeth nickte. Ich konnte es mir doch auch gleich
denken, daß nichts daran ſein würde.

erie in bilter ante Mr ſ. cht.
für Gründe haben Sie, das zu denken?
Elsbeth antwortete lächelnd, doch ein wenig
fangen: Nun, ich dachte eben, wenn Sie wieder heira
würden, könnten Sie doch einen anderen Mann
kommen als gerade dieſen Herrn Stark.
Zweifellos! rief Juliane mit bitterem Lachen.
Freiern fehlt es mir nicht, nahezu ein Dutzend la
da herum, Barone und Grafen, ſogar ein Fürſt
darunter Sie ſehen alſo, ich brauche nur zuzugreiſ
Aber das meine ich ja eben!
Nun, und was meinen Sie wohl, weshalb ichn
zugegriffen habe?
Elsbeth zuckte erſtaunt über den Ton
Schultern.
Ich will es Ihnen ſagen. Weil ſie mir zuwi=
waren
, alleſamt! Weil es Larven waren und ke
Menſchen! So, nun wiſſen Sie es!
Leicht lächelnd entgegnete Elsbeth: Aber, al
meine liebe Freundin, weshalb denn ſo erregt?: 2
ſind die Männer doch gar nicht wert!
Erſtaunt ſah Juliane ſie an. O, wie Sie ſo etn
ſagen können, das iſt mir ein Rätſel. Haben
denn, als Sie Ihren Mann wählten, ſich nicht vor=
ganz
genau gefragt, ob Sie mit ihm glücklich weri
können?
Scherzend rief Elsbeth: Glück iſt Gewohnheit.
nehme das Leben nicht ſo tragiſch.
Einen Moment ſah Juliane ſie an.
Dann fragte ſie, leicht erzitternd: Nun, und hat
Ihr Rezept denn bewährt?.
Aber natürlich doch! lachte Elsbeth luſtig auf. Mi
Mann iſt ganz ſo, wie ich ihn haben will. Er läßt 1
in allem freien Willen. Ich tue und laſſe alles, was.
für gut befinde.
Wenn das Ihr Ideal einer glücklichen Ehe iſt, da
allerdings mögen Sie recht haben, ſagte Juliane 1
leichter Bitternis.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Samstag, 9. April.
§ 41.
1910.

Bekanntmachung.
Teffend: Bekanntmachung, betreffend die Regelung des Verkehrs mit Kraftfahr=
zeugen
, vom 3. Februar 1910 (Reichsgeſetzblatt Nr. 5 von 1910).
Am 1. April d. Js. iſt eine neue Verordnung über den Verkehr mit Kraft=
eugen
in Kraft getreten.
Die Kraftfahrzeuge müſſen verkehrsſicher und insbeſondere ſo gebaut, ein=
htet
und ausgerüſtet ſein, daß Feuers= und Exploſionsgefahr ſowie jede ver=
bare
Beläſtigung von Perſonen und Gefährdung von Fuhrwerken durch
iuſch, Rauch, Dampf oder üblen Geruch ausgeſchloſſen iſt.
Die Radkränze dürfen keine Unebenheiten beſitzen, die geeignet ſind, die
bahn zu beſchädigen. Gleitſchutzvorrichtungen normaler Bauart (Stahlniete
der Reifendecke) ſind zuläſſig.
Jedes Fahrzeug muß verſehen ſein:
mit einer zuverläſſigen Lenkvorrichtung, die geſtattet, ſicher und raſch auszu=
weichen
; die zur Lenkung benutzten Wagenräder ſollen nach beiden Seiten
möglichſt weit einſchlagen, um kurz wenden zu können;
mit zwei von einander unabhängigen Bremseinrichtungen, von denen jede
auf die Wagenräder der gebremſten Achſe gleichmäßig einwirkt; mindeſtens
eine Bremseinrichtung muß unmittelbar auf die Hinterräder oder auf Be=
ſtandteile
, die mit dieſen Rädern feſt verbunden ſind, wirken; dieſe Bremſe
muß feſtſtellbar ſein. Jede Bremseinrichtung muß für ſich geeignet ſein, den
Lauf des Fahrzeugs ſofort zu hemmen und es auf die kürzeſte Entfernung
zum Stehen zu bringen;
mit einer zuverläſſigen Vorrichtung, die beim Befahren von Steigungen die
unbeabſichtigte Rückwärtsbewegung verhindert, ſofern nicht eine der Bremſen
dieſe Forderung erfüllt;
mit einer tieftönenden Huppe zum Abgeben von Warnungszeichen; falls die
Huppe mehrtönig iſt, müſſen die verſchiedenen Töne gleichzeitig anklingen;
nach eingetretener Dunkelheit und bei ſtarkem Nebel mit mindeſtens zwei in
gleicher Höhe angebrachten, die ſeitliche Begrenzung des Fahrzeuges anzeigen=
den
, hellbrennenden Laternen mit farbloſem Glaſe, die den Lichtſchein derart
auf die Fahrbahn werfen, daß dieſe auf mindeſtens 20 Meter vor dem Fahrzeug
von dem Führer überſehen werden kann. Uebermäßig ſtark wirkende Schein=
werfer
dürfen nicht verwendet werdey.
Der Zweck der an den Kraftfahrzeugen anzubringenden Laternen iſt
ein doppelter. Einerſeits ſollen ſie im Intereſſe der allgemeinen Verkehrs=
ſicherheit
das Nahen des Fahrzeuges und dabei gleichzeitig deſſen Abmeſſungen
erkennen laſſen; anderſeits ſollen ſie im Intereſſe des Führers für eine
ausreichende Beleuchtung der Fahrbahn ſorgen. Soweit dieſem Zwecke nicht
durch zwei Laternen genügt werden kann was in der Regel der Fall
ſein wird , bedarf es der Anbringung weiterer Laternen. Der Forderung,
daß die ſeitliche Begrenzung des Fahrzeuges angezeigt werden muß, wird
untſprochen, wenn die Laternen ſoweit von der Mitte des Fahrzeuges ent=
fernt
angebracht ſind, als deſſen Bauart es geſtattet; es iſt nicht notwendig,
daß ſie ſelbſt die äußerſten Grenzen des Fahrzeuges bilden.
mit einer Vorrichtung, die verhindert, daß das Fahrzeug von Unbefugten in
Betrieb geſetzt werden kann.
Als Vorrichtungen, die dieſer Vorſchrift genügen, ſind beiſpielsweiſe
anzuſehen:
Schloß zum Feſtſtellen des Schalthebels,
Kette zum Feſtlegen eines Wagenrads,
herausnehmbarer Kontakt der Zündleitung (bei Verbrennungsmaſchinen),
abnehmbarer Griff des Brennſtoffleitungsverſchluſſes,
herausnehmbarer Stromunterbrecher (bei elektriſch betriebenen Fahr=
zeugen
).
Auf Krafträder findet Nr. 3 keine Anwendung; Nr. 4 gilt mit der Maßgabe,
die Huppe hochtönend ſein muß. Für Kraftzweiräder gilt außerdem Nr. 5 mit
Einſchränkung, daß eine Laterne der bezeichneten Art genügt.
Jeder Kraftwagen, deſſen Eigengewicht 350 Kilogramm überſteigt, muß ſo
jerichtet ſein, daß er mittels der Maſchine oder des Motors vom Führerſitz aus
Rückwärtsgang gebracht werden kann.
Die Griffe zur Bedienung der Maſchine oder des Motors und der im Ab=
13 angeführten Einrichtungen müſſen ſo angebracht ſein, daß der Führer ſie,
eſein Augenmerk von der Fahrtrichtung abzulenken, leicht und auch im Dunkeln
e Verwechſelungsgefahr handhaben kann.
Jedes Kraftfahrzeug muß mit einem an einer ſichtbaren Stelle des Fahr=
ells
angebrachten Schilde verſehen ſein, das die Firma, die das Fahrgeſtell her=
ellt
hat, die Fabriknummer des Fahrgeſtells, die Anzahl der Pferdeſtärken der
ſchine oder des Motors (bei ſteuerpflichtigen Fahrzeugen auch die nach der
uerformel berechnete Nutzleitung des Fahrzeugs) und das Eigengewicht des
iebsfertigen Fahrzeuges ergibt.
Wenn ein Kraftfahrzeug in Betrieb genommen werden ſoll, hat der Eigen=
ter
bei dem für ſeinen Wohnort zuſtändigen Kreisamt die Zulaſſung des Fahr=
gs
ſchriftlich zu beantragen. Der Antrag muß enthalten:
Name und Wohnort des Eigentümers,
die Firma, die das Fahrgeſtell hergeſtellt hat, ſowie die Fabriknummer des
Fahrgeſtells,
die Beſtimmung des Fahrzeugs (Perſonen= oder Laſtfahrzeug),
die Art der Kraftquelle (Verbrennungsmaſchine, Dampfmaſchine, Elektromotor),
die Anzahl der Pferdeſtärken der Maſchine oder des Motors (bei ſteuerpflich=
tigen
Fahrzeugen auch die nach der Steuerformel berechnete Nutzleiſtung des
Fahrzeugs),
das Eigengewicht des betriebsfertigen Fahrzeugs,
. die zuläſſige Belaſtung (in Kilogramm oder Perſonen einſchließlich Führer),
.bei Fahrzeugen, deren Geſamtgewicht (einſchließlich Ladung) 5 Tonnen über=
ſteigt
, die Achsdrucke in beladenem Zuſtand.
Dem Antrage iſt das Gutachten eines von der höheren Verwaltungsbehörde
es Bundesſtaats anerkannten Sachverſtändigen beizufügen, das die Richtigkeit
Angaben unter Nr. 48, ſowie ferner beſtätigt, daß das Fahrzeug den nach der
rordnung vom 3. Februar 1910 zu ſtellenden Anforderungen genügt. Hinſichtlich
: Nr. 5 kann das Gutachten des Sachverſtändigen durch eine Beſcheinigung der
rma erſetzt werden, die die Maſchine oder den Motor hergeſtellt hat. Das Gut=
ten
hat der Antragſteller auf ſeine Koſten zu beſchaffen.
Die für die Zulaſſung der Kraftfahrzeuge vor dem 1. April 1910 erteilten Be=
einigungen
behalten bis auf weiteres Gültigkeit. Die Inhaber ſolcher Beſchei=
zungen
haben das Recht, bei dem zuſtändigen Kreisamt die Ausſtellung einer
laſſungsbeſcheinigung nach neuem Muſter zu beantragen.
Treten bei einem zum Verkehr auf öffentlichen Wegen und Plätzen bereits
gelaſſenen Kraftfahrzeug Aenderungen ein, die eine Berichtigung der Liſte und
Zulaſſungsbeſcheinigung erforderlich machen, ſo hat der Eigentümer unter Vor=
jung
der Zulaſſungsbeſcheinigung die Berichtigungen innerhalb 2 Wochen.=bei
n zuſtändigen Kreisamt zu beantragen. Bei Aenderung der Art der Kraftquelle,
Einban einer ſtärkeren Maſchine oder eines ſtärkeren Mvtors, einer in ihrer
luart oder Ueberſetzung veränderten Bremſe oder Lenkvorrichtung bedarf es einer
zeuten Zulaſſung, die der Eigentümer ſofort unter Beifügung eines Gutachtens
beautragen hat.
Verlegt der Eigentümer eines Kraftfahrzeugs ſeinen Wohnort in den Bezirk
ter anderen Verwaltungsbehörde, ſo hat er bei dieſer die erneute Zulaſſung des
ihrzeugs zu beantragen; der Beifügung des Gutachtens eines Sachverſtändigen
darf es in dieſem Falle nicht, wenn die bisherige Zulaſſungsbeſcheinigung vor=
legt
wird. Bei Ausfertigung der neuen Zulaſſungsbeſcheinigung iſt die bis=
rige
einzuziehen.
Soll ein Kraftfahrzeug zum Verkehr auf öffentlichen Wegen und Plätzen nicht
ehr verwendet werden, ſo hat der Eigentümer dem zuſtändigen Kreisamt hiervon
itteilung zu machen und ihm die Zulaſſungsbeſcheinigung, ſowie das Kennzeichen
zuliefern. Das Kennzeichen iſt, ſofern es nicht amtlich ausgegeben iſt, nach Ver=
chtung
des Dienſtſtempels zurückzugeben. Unterbleibt die Ablieferung, ſo hat
s Kreisamt die Zulaſſungsbeſcheinigung und das Kennzeichen einzuziehen oder,
weir die Einziehung des Kennzeichens nicht zuläſſig iſt, den Dienſtſtemnel auf
eſem angenfällig zu vernichten. In gleicher Weiſe iſt auf Antrag der Sener=
hörde
zu verfahren, wenn die Steuerkarte nicht rechtzeitig erneuert wird.
Geht ein zum Verkehr auf öffentlichen Wegen und Plätzen bereits zugelaſie=
5 Kraftfahrzeug auf einen anderen Eigentümer über, ſo hat dieſer bei dem für
inen Wohnort zuſtändigen Kreisamt die ernente Zulaſſung des Fahrzeugs zu be=
ttragen
; der Beifügung des Gutachtens eines Sachverſtändigen bedarf es in die=
m
Falle nicht, wenn die bisherige Zulaſiungsbeſcheinigung vorgelegt wird. Bei
usfertigung der neuen Zulaſſungsbeſcheinigung iſt die bisherige einzuziehen.

Wer auf öffentlichen Wegen und Plätzen ein Kraftfahrzeug führen will, be=
darf
der Erlaubnis des zuſtändigen Kreisamts. Die Erlaubnis gilt für das ganze
Reich; ſie iſt zu erteilen, wenn der Nachſuchende ſeine Befähigung durch eine Prüf=
ung
dargetan hat und nicht Tatſachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen,
daß er zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet iſt.
Perſonen unter 18 Jahren iſt das Führen von Kraftfahrzeugen, insbeſondere
auch von Krafträdern, nicht geſtattet. Ausnahmen können mit Zuſtimmung des
geſetzlichen Vertreters zugelaſſen werden.
Den Nachweis der Erlaubnis hat der Führer durch eine Beſcheinigung
(Führerſchein) zu erbringen.
Der Führer hat den Führerſchein, ſowie die Beſcheinigung über die Zu=
laſſung
des Kraftfahrzeugs bei der Benutzung des Fahrzeugs auf öffentlichen
Wegen und Plätzen bei ſich zu führen und auf Verlangen den zuſtändigen Beamten
vorzuzeigen.
Der Führer iſt zu beſonderer Vorſicht in Leitung und Bedienung ſeines
Fahrzeugs verpflichtet. Er darf von dem Fahrzeug nicht abſteigen, ſo lange es in
Bewegung iſt und darf ſich von ihm nicht entfernen, ſo lange die Maſchine oder der
Motor läuft; auch muß er, falls er ſich von dem Fahrzeug entfernt, die Vorrichtung
in Wirkſamkeit ſetzen, die verhindern ſoll, daß ein Unbefugter das Fahrzeug in
Betrieb ſetzt.
Der Führer iſt insbeſondere verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß eine
nach der Beſchaffenheit des Kraftfahrzeugs vermeidbare Entwickelung von Geräuſch,
Rauch, Dampf oder üblem Geruch in keinem Falle eintritt.
Das Oeffnen etwa vorhandener Auspuffklappen iſt verboten.
Eine ſtarke Beläſtigung des Publikums, insbeſondere auch während der
Nacht, wird dadurch verurſacht, daß Führer von Kraftfahrzeugen auch beim
Halten des Fahrzeugs den Motor weiter laufen laſſen. Namentlich tritt
dieſer Uebelſtand in größeren Städten an den Halteplätzen von Automobil=
droſchken
und=Omnibuſſen in die Erſcheinung. Vorſtehende Vorſchrift
(vermeidbare Entwickelung von Geräuſch) bietet die Handhabe, dieſem
Mißbrauch wirkſam entgegenzutreten.
Die Erlaubnis zum Führen eines Kraftfahrzeugs erteilt das für den Wohn=
ort
der betreffenden Perſon oder für den Ort, wo ſie den Fahrdienſt erlernt hat,
zuſtändige Kreisamt. Der Antrag auf Erteilung der Erlaubnis iſt an die zuſtändige
Ortspolizeibehörde zu richten. Dem Antrag iſt beizufügen:
1. ein Geburtsſchein,
2. eine Photographie (Bruſtbild in Viſitformat, unaufgezogen),
3. ein Zeugnis eines beamteten Arztes (Kreisgeſundheitsamt) darüber, daß der
Antragſteller keine körperlichen Mängel hat, die ſeine Fähigkeit, ein Kraft=
fahrzeug
ſicher zu führen, beeinträchtigen können, insbeſondere Mängel hin=
ſichtlich
des Seh= und Hörvermögens,
4. ein Nachweis darüber, daß er den Fahrdienſt bei einer durch die zuſtändige
höhere Verwaltungsbehörde zur Ausbildung von Führern ermächtigten Per=
ſon
oder Stelle (Fahrſchule, Kraftfahrzeugfabrik) erlernt hat. Aus dem Nach=
weis
muß die Dauer der praktiſchen Ausbildung im Fahren erſichtlich ſein.
Die Ortspolizeibehörde hat zu prüfen, ob gegen den Antragſteller Tatſachen
vorliegen (z. B. ſchwere Eigentumsvergehen, Neigung zum Trunke oder zu Aus=
ſchreitungen
, insbeſondere zu Roheitsvergehen), die ihn als ungeeignet zum Füh=
ren
eines Kraftfahrzeuges erſcheinen laſſen; nach Vornahme der Prüfung legt ſie
unter Mitteilung des Ergebniſſes den Antrag mit ſeinen Anlagen dem Kreisamt
vor. Dieſes ſtellt zunächſt durch Anfrage bei der für das Deutſche Reich beſtehenden
Sammelſtelle für Nachrichten über Führer von Kraftfahrzeugen (Polizeipräſidium
in Berlin) feſt, was etwa über den Antragſteller dort bekannt iſt. Ergeben die
Feſtſtellungen, daß er ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeuges iſt, ſo iſt ihm
die Erlaubnis zu verſagen. Andernfalls überſendet das Kreisamt den Antrag nebſt
Anlagen dem amtlich anerkannten Sachverſtändigen zur Vornahme der Prüfung
des Antragſtellers über ſeine Befähigung zum Führen eines Kraftfahrzeugs. Der
Antragſteller iſt hiervon in Kenntnis zu ſetzen.
Für Reichs= oder Staatsbeamte, die als Führer von Kraftfahrzeugen verwendet
werden ſollen, kann der Antrag auf Erteilung der Erlaubnis zum Führen eines
Kraftfahrzeugs von der vorgeſetzten Behörde bei der Ortspolizeibehörde geſtellt
werden. Der Antrag muß die erforderlichen Angaben über den Perſonenſtand des
Prüflings enthalten und von den unter Nr. 24 bezeichneten Anlagen begleitet
ſein. Von einer Feſtſtellung, ob gegen den Prüfling Tatſachen vorliegen, die ihn
als ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs erſcheinen laſſen, hat die Orts=
polizeibehörde
in ſolchen Fällen abzuſehen.
Die Prüfungen erfolgen bei den durch die höheren Verwaltungsbehörden
amtlich anerkannten Sachverſtändigen.
Die Sachverſtändigen beſtimmen den Zeitpunkt für die Prüfung.
Der Prüfling hat ein Kraftfahrzeug der Betriebsart und Klaſſe, für deſſen
Führung er den Nachweis der Befähigung erbringen will, für die Prüfung bereit=
zuſtellen
. Das Fahrzeug muß, wenn die Witterungs= und Wegeverhältniſſe dies
notwendig erſcheinen laſſen, mit einem oder mehreren Gleitſchutzreifen verſehen ſein.
Die vor dem 1. April 1910 erteilten Zeugniſſe zum Führen von Kraftfahr=
zugen
behalten bis zum 1. April 1911 Gültigkeit. Die Inhaber ſolcher Zeugniſſe
haben jedoch bis zum 1. Oktober 1910 die Erteilung eines neuen Führerſcheins bei
dem zuſtändigen Kreisamt zu beantragen.
Jedes auf öffentlichen Wegen und Plätzen verkehrende Kraftfahrzeug muß=
das
polizeiliche Kennzeichen tragen.
Bei Kraftwagen tritt in den Abmeſſungen und der Befeſtigungsweiſe
der Kennzeichen keine Aenderung ein.
Die von Kraftzweirädern vor dem 1. April 1910 geführten Kennzeichen,
die größere Abmeſſungen als die neueingeführten haben, können bis zum 1. April
1911 beibehalten werden. Sämtliche Kennzeichen auch die ſeither geführ=
ten
müſſen aber vom 1. April d. Js. ab an der Vorderſeite des
Kraftrades in der Fahrtrichtung an leicht ſichtbarer Stelle
angebracht werden und müſſen auf beiden Seiten beſchrieben
ſein.
Die neuen Kennzeichen, die nach dem 1. April d. Js. zugelegt und angebracht
werden, ſind in ſchwarzer Balkenſchrift auf weißem, ſchwarzgerandetem Grunde auf
eine rechteckige, an den Vorderecken leicht abgerundete Tafel aufzumalen, die mit
dem Fahrzeug durch Schrauben, Nieten oder Nägel feſt zu verbinden iſt. Die Buch=
ſtaben
, die römiſchen Ziffern und die Nummern müſſen in einer Reihe ſtehen und
durch einen wagerechten Strich von einander getrennt ſein. Die Abmeſſungen be=
tragen
: Randbreite mindeſtens 8 Millimeter, Schrifthöhe 60 Millimeter bei einer
Schriftſtärke von 10 Millimeter, Abſtand zwiſchen den einzelnen Zeichen und vom
Rande 12 Millimeter, Stärke des Trennungsſtriches 10 Mällimeter, Länge des
Trennungsſtrichs 18 Millimeter, Höhe der Tafel ausſchließlich des Randes 80
Millimeter.
Die Kennzeichen müſſen mit dem Dienſtſtempel des Kreisamts verſehen ſein.
Zum Zwecke der Abſtempelung des Kennzeichens wird die Vorführung des Kraft=
fahrzeuges
angeordnet.
Die Kennzeichen dürfen nicht zum Umklappen eingerichtet ſein; ſie dürfen
niemals verdeckt ſein und müſſen ſtets in lesbarem Zuſtande erhalten werden. Der
untere Rand des vorderen Kennzeichens darf nicht weniger als 20 Zentimeter, der
des hinteren nicht weniger als 45 Zentimeter vom Erdboden entfernt ſein.
Während der Dunkelheit und bei ſtarkem Nebel iſt das hintere Kennzeichen
ſo zu beleuchten, daß es deutlich erkennbar iſt. Die Beleuchtungsvorrichtung muß
ſo eingerichtet ſein, daß ſie das Kennzeichen von keiner Seite verdeckt und weder
vom Sitze des Führers noch vom Innern des Wagens aus abgeſtellt werden kann.
Bei Kraftzweirädern iſt das an der Vorderſeite angebrachte Kennzeichen
während der Dunkelheit und bei ſtarkem Nebel ſo zu beleuchten, daß es von beiden
Seiten dentlich erkennbar iſt.
Muß ein mit dem Dienſtſtempel der Polizeibehörde verſehenes Kennzeichen er=
neuert
werden, ſo iſt das Kraftfahrzeug wiederum vorzuführen; tritt die Notwendigkeit
der Erneuerung an einem Orte ein, von dem aus die Behörde, die die erſte Stempelung
des Kennzeichens vorgenommen hatte, ohne Zeitverluſt nicht erreicht werden kann, ſo iſt
das Fahrzeug der nächſten Behörde vorzuführen, die alsdann das erneuerte Kennzeichen
mit dem Dienſtſtempel zu verſehen und, daß dies geſchehen, in der Zulaſſungsbeſchei=
nigung
erſichtlich zu machen hat.
Die Anbringung mehrerer verſchiedener Kennzeichen iſt unzuläſſig.
Das Reichsgeſetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Mai 1909 enthält
die nachſtehend abgedruckten
Strafvorſchriften.
§ 21. Wer den zur Erhaltung der Ordnung und Sicherheit auf den öffentlichen
Wegen oder Plätzen erlaſſenen polizeilichen Anordnungen über den Verkehr mit Kraft=
fahrzeugen
zuwiderhandelt, wird mit Geldſtrafe bs zu eindundertfünfzig Mark oder mit
Haft beſtraft.

[ ][  ][ ]

Nummer 41.

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

Samstag, den 9. April 191

22. Der Führer eines Kraftfahrzeuges, der nach einem Unfalle es unternimmt,
ſich der Feſtſtellung des Fahrzeuges und ſeiner Perſon durch die Flucht zu entziehen,
wird mit Geldſtrafe bis zu dreihundert Mark oder mit Gefängnis bis zu zwei Monaten
beſtraft. Er bleibt jedoch ſtraflos, wenn er ſpäteſtens am nächſtfolgenden Tage nach dem
Unfall Anzeige bei einer inländiſchen Polizeibehörde erſtattet und die Feſtſtellung
des Fahrzeuges und ſeiner Perſon bewirkt.
Verläßt der Führer des Kraftfahrzeuges eine bei dem Unfalle verletzte Perſon
vorſätzlich in hilfloſer Lage, ſo wird er mit Gefängnis bis zu 6 Monaten beſtraft.
Sind mildernde Umſtände vorhanden, ſo kann auf Geldſtrafe bis zu dreihundert
Mark erkannt werden.
§ 23. Mit Geldſtrafe bis zu dreihundert Mark oder mit Gefängnis bis zu zwei
Monaten wird beſtraft, wer auf öffentlichen Wegen oder Plätzen ein Kraftfahrzeug führt,
das nicht von der zuſtändigen Behörde zum Verkehre zugelaſſen iſt.
Die gleiche Strafe trifft den Halter eines nicht zum Verkehr zugelaſſenen Kraft=
fahrzeuges
, wenn er vorſätzlich oder fahrläſſig deſſen Gebrauch auf öffentlichen Wegen
oder Plätzen geſtattet.
§ 24. Mit Geldſtrafe bis zu dreihundert Mark oder mit Gefängnis bis zu zwei
Monaten wird beſtraft:
1. wer ein Kraftfahrzeug führt, ohne einen Führerſchein zu beſitzen;
2. wer ein Kraftfahrzeug führt, obwohl ihm die Fahrerlaubnis entzogen iſt;
3. wer nicht ſeinen Führerſchein der Behörde, die ihm die Fahrerlaubnis ent=
zogen
hat, auf ihr Verlangen abliefert.
Die gleiche Strafe trifft den Halter des Kraftfahrzeuges, wenn er vorſätzlich oder
fahrläſſig eine Perſon zur Führung des Fahrzeuges beſtellt oder ermächtigt, die ſich
nicht durch einen Führerſchein ausweiſen kann oder der die Fahrerlaubnis entzogen iſt.
§ 25. Wer in rechtswidriger Abſicht
1. ein Kraftfahrzeug, für welches von der Polizeibehörde ein Kennzeichen nicht
ausgegeben oder zugelaſſen worden iſt, mit einem Zeichen verſieht, welches ge=
eignet
iſt, den Anſchein der polizeilich angeordneten oder zugelaſſenen Kenn=
zeichnung
hervorzurufen,
2. ein Kraftfahrzeug mit einer anderen als der polizeilich für das Fahrzeug aus=
gegebenen
oder zugelaſſenen Kennzeichnung verſieht,
3. das an einem Kraftfahrzeuge gemäß polizeilicher Anordnung angebrachte Kenn=
zeichen
verändert, beſeitigt, verdeckt oder ſonſt in ſeiner Erkennbarkeit beein=
trächtigt
,
wird, ſofern nicht nach den Vorſchriften des Strafgeſetzbuches eine höhere Strafe verwirkt
iſt, mit Geldſtrafe bis zu fünfhundert Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten
beſtraft.
Die gleiche Strafe trifft Perſonen, welche auf öffentlichen Wegen oder Plätzen
von einem Kraftfahrzeuge Gebrauch machen, von dem ſie wiſſen, daß die Kennzeichnung
in der im Abſ. 1 unter Nr. 13 bezeichneten Art gefälſcht, verfälſcht oder unterdrückt
worden iſt.
Darmſtadt, den 2. April 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Betreffend: wie oben.
Darmſtadt, den 2. April 1910.
Das Großherzogliche Kreisamt Darmſtadt
an das Großherzogliche Polizeiamt Darmſtadt, ſowie die Großherzoglichen
Bürgermeiſtereien der Landgemeinden und die Gendarmerie des Kreiſes.
Auf vorſtehende Bekanntmachung machen wir nochmals beſonders aufmerkſam.
Die neue Verordnung iſt im Reichsgeſetzblatt Nr. 5 von 1910 abgedruckt. Die bei den
Ortspolizeibehörden einlaufenden Anträge auf Erteilung der Erlaubnis zum Führen
eines Kraftfahrzeuges ſind unter den in obiger Bekanntmachung angegebenen Geſichts=
punkten
genau zu prüfen und alsdann an uns einzureichen.
In den Anzeigen wegen Uebertretung der erlaſſenen Vorſchriften iſt nicht nur die
Nummer des Fahrzeuges anzugeben, ſondern auch zu bemerken, ob es ſich um ein
Kraftrad oder um ein anderes Kraftfahrzeug handelt.
Die Vorſchriften der Verordnung werden den Zweck, die Sicherheit des Verkehrs
auf öffentlichen Wegen und Plätzen in wirkſamer Weiſe zu fördern, nur dann erfüllen
können, wenn ihre Durchführung in allen Einzelheiten von den beteiligten Stellen, ins=
beſondere
von den polizeilichen Vollzugsbeamten mit vollſter Entſchiedenheit bewirkt
wird. Im übrigen wird aber auch der Tatſache Rechnung zu tragen ſein, daß ſich das
Kraftfahrzeug heute als vollberechtigtes Verkehrsmittel eingebürgert hat. Seine Eigen=
art
führt zu neuen Erſcheinungen im Straßenverkehre, die zu Gefahren für die Verkehrs=
ſicherheit
nicht nur dann führen, wenn die für den Verkehr der Kraftfahrzeuge beſtehen=
den
Vorſchriften nicht beachtet werden, ſondern auch dann, wenn die für den ſonſtigen
Fuhrwerksverkehr beſtehenden Vorſchriften unbefolgt bleiben. Aus dieſer Erwägung
heraus werden die zuſtändigen Polizeiorgane es ſich angelegen ſein laſſen müſſen, den
für dieſen Verkehr beſtehenden Vorſchriften in verſtärktem Maße Geltung zu verſchaffen.
J. V.: von Werner.
(5726a

Bekanntmachung.
Betreffend: Schießübungen des Leibgarde=Regiments Nr. 115 auf dem Schieß=
platz
Meſſel.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß das Leibgarde=Regiment
Nr. 115 am
14. und 15. April von 9 Uhr vormittags bis 5 nachmittags
18., 19. und 22. 9
ein Schießen mit ſcharfer Munition auf dem Schießplatz Meſſel abhälten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel c. 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſch=Bach.
Die Abſperrung des Geländes zu den genannten Zeiten wird erforderlich gegen
Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchl., gegen Weſten: Dammweg=
Brunnersweg ausſchl., gegen Süden: Forſthaus Steinacker=Steinhügel ausſchließl.,
gegen Oſten: alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=Wieſe,
Sau=Wieſe, Schreiberts=Wieſe, Geishecke einſchl.
(4301a
Vor Betreten des Geländes während der Schießzeit wird gewarnt.
Darmſtadt, den 18. Februar 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. E.: von Starck.

Die bei Verechnung der Lieferungen für die Arme zugrunde zu legenden Durch=
ſchnittsmarktpreiſe
im Kreiſe Darmſtadt haben im Monat März 1910 für Hafer 17, Mk.,
für Heu 12, Mk., für Stroh 6, Mk. pro 100 Kilo betragen.
(7669
Darmſtadt, den 6. April 1910.
Betreffend: Die Organiſation des Arbeitsnachweiſes.
Das Großherzogliche Kreisamt Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir weiſen Sie hiermit an, den Arbeitgebern Ihrer Gemeinden bekannt zu geben,
daß die öffentliche Arbeitsnachweisſtelle Darmſtadt bereit iſt, auf Anſuchen (Anmeldung)
von Arbeitgebern, geeignet ſcheinende Arbeitskräfte zuzuweiſen. Die Anmeldung der
offenen Stelle (Poſtkarte) iſt zu richten an: Arbeitsnachweis Darmſtadt, Waldſtraße 6,
und ſoll die Anmeldung enthalten: Zahl und Art der geſuchten Arbeitskräfte (z. B.
1 ſelbſtändiger Schuhmacher, 1 jüngerer Schmied, 2 Bauſchreiner, 4 Glaſer auf Rahmen,
1 Pferdeknecht) und Höhe des Lohnes.
(7777
J. V.: von Werner.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Unterhaltung der Kreisſtraßen im Kreiſe Darmſtadt; hier die Sper=
rung
der Kreisſtraße Nieder=Beerbach-Ober=Beerbacher Grenze behufs
Einwalzens der Fahrbahn.
Es wird hiermit zur Kenntnis der Intereſſenten gebracht, daß die Kreisſtraße
von Nieder=Beerbach bis Ober=Beerbacher Grenze von Mittwoch, den 13. d. Mts.

ab auf ca. 10 Tage behufs Einwalzens der Fahrbahn für Fuhrwerke, Autom
und Motorräder ꝛc. geſperrt iſt. Der Verkehr nach Ober=Beerbach hat über See
zu erfolgen.
Darmſtadt, den 4. April 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Betreffend den Handel mit vollſtändig denaturiertem Branntwein.
Die nachſtehende Bekanntmachung der Großh. Hauptſteuerämter Darmſtadt
Offenbach vom 21. April 1903 bringen wir hiermit zur Kenntnis der Beteiligten.
Darmſtadt, dec 6. April 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Die im Regierungsblatt Nr. 34 von 1901 erſchienene Bekanntmachung der Gr
Miniſterien des Innern und der Finanzen bringen wir mit dem Anfügen zur Kent
der Beteiligten, daß Zuwiderhandlungen gegen die nachſtehenden Beſtimmungen, ſi
nicht die Strafe der Defraudation verwirkt iſt, nach § 43c Abſatz 2 des Geſetzes
die Beſteuerung des Branntweins vom 24. Juni 1887 bezw. vom 7. Juli 1902 mit
Geldſtrafe bis zu Einhundertfünfzig Mark oder mit Haft beſtraft werden.
Gleichzeitig wird bekannt gemacht, daß durch den Bundesratsbeſchluß
18. September 1902 an Stelle der Worte in Ziffer 3 und 5a der nachſtehenden Beſ=
mungen
deſſen Stärke weniger als 80 Gewichtsprozent beträgt die Worte zu
ſind: in welchem das Alkoholometer eine Stärke von weniger als 80 Gewichtspro
anzeigt und an Stelle der Worte in Ziffer 4 und 5b und Geruch die Worte:
ruch oder Farbe zu ſetzen ſind.
Darmſtadt und Offenbach, den 21. April 1903.
Großh. Hauptſteneramt Darmſtadt. Groß. Hauptſteneramt Offenbach.
Dr. Würth.
Dr. Heil.
Bekanntmachung,
den Handel mit vollſtändig denaturiertem Branntwein betreffend.
Vom 1. April 1901.
Nachdem an den durch Bekanntmachung vom 18. März 1896 (Reg.=Blatt Seit=
veröffentlichten
Beſtimmungen über den Handel mit denaturiertem Branntwein inf=
der
vom Bundesrat erlaſſenen endgültigen Branntweinſteuer=Ausführungsbeſtimmur
einige Aenderungen eingetreten ſind, wird der nunmehr gültige Wortlaut dieſer
ſtimmungen nachſtehend mit dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß
Hebeſtellen, bei welchen der Handel mit vollſtändig denaturiertem Branntwein a
melden iſt, nur die Hauptſteuerämter und Steuerämter in Betracht kommen.
Darmſtadt, den 1. April 1901.
Großherzogliches Miniſterinn
Großherzogliches Miniſterium
des Innern.
der Finanzen.
gez.: Rothe.
gez.: Gnauth.
gez.: Ueberle.
Beſtimmungen
über den Handel mit vollſtändig denaturiertem Branntwein.
1. Auf den Handel mit vollſtändig denaturiertem Branntwein findet § 23.
Gewerbeordnung keine Anwendung.
2. Wer mit vollſtändig denaturiertem Branntwein handeln will, hat dies
Eröffnung des Handels der Hebeſtelle und der Ortspolizeibehörde unter Bezeichn=
der
Verkaufsſtelle anzumelden. Die Hebeſtelle trägt die Anmeldung in ein Verzeick
ein und erteilt über die Anmeldung eine Beſcheinigung, ohne welche mit dem Ha=
nicht
begonnen werden darf. Die Beſcheinigung iſt in der Verkaufsſtelle aufzubewal=
und den Beamten auf Verlangen vorzuzeigen. Liegen Thatſachen vor, welche die U
verläſſigkeit des Gewerbetreibenden in Bezug auf den Handel mit denaturiertem Bra=
wein
wahrſcheinlich machen, ſo hat die Hebeſtelle vor Erteilung der Beſcheinigung
das Hauptamt zu berichten.
3. Denaturierter Branntwein, deſſen Stärke weniger als 80 Gewichtsprozent
rägt, oder der in unerlaubter Weiſe (Ziffer 4) behandelt iſt, darf nicht verkauft
feilgehalten werden.
4. Es iſt verboten, aus denaturiertem Branntwein das Denaturierungsm
ganz oder teilweiſe auszuſcheiden oder dem denaturierten Branntwein Stoffe be
fügen, durch welche die Wirkſamkeit des Denaturierungsmittels in Bezug auf Geſchn=
und Geruch vermindert wird.
5. In den Verkaufsräumen iſt an einer in die Augen fallenden Stelle und
deutlicher Druckſchrift eine Bekanntmachung auszuhängen, wonach es verboten iſt:
a) denaturierten Branntwein, deſſen Stärke weniger als 80 Gewichtsprozent
trägt, zu verkaufen oder feilzuhalten;
b) aus denaturiertem Branntwein das Denaturierungsmittel ganz oder teiln=
auszuſcheiden
oder dem denaturierten Branntwein Stoffe beizufügen, d
welche die Wirkſamkeit des Denaturierungsmittels in bezug auf Geſchmack
Geruch vermindert wird, oder ſolcher Branntwein zu verkaufen oder feilzuhal=
6. Das Hauptamt kann die Erteilung der Beſcheinigung verſagen oder die F
ſetzung des Handels mit denaturiertem Branntwein unterſagen, wenn Tatſachen 1
liegen, welche die Unzuverläſſigkeit des Gewerbetreibenden in bezug auf dieſen Gewer
betrieb wahrſcheinlich machen. Von der Entſcheidung iſt der Ortspolizeibehörde A
teilung zu machen.
7. Die Beamten der Steuerverwaltung ſind befugt, die Gewerbs= und Geſchä
räume, in denen die Lagerung, die Verwendung oder der Verkauf denaturierten Brau
weins ſtattfindet, während des Betriebs oder der Offenhaltung des Geſchäfts zu je
Zeit, ſonſt von morgens 6 bis abends 9 Uhr, zu betreten, die Vorräte an denaturier=
und undenaturiertem Branntwein zu revidieren und Proben davon zu entnehmen.
Verlangen iſt dem Beſitzer für entnommene Probe Entſchädigung in Höhe des üblie
Kaufpreiſes zu leiſten.
8. Die Beteiligten ſind verpflichtet, auf Anfordern den Beſtand an denaturier=
und undenaturiertem Branntwein, ſowie an Denaturierungsmitteln anzugeben und
zuzeigen, ſowie den Steuerbeamten über den Gewerbs= oder Geſchäftsbetrieb Ausku
zu erteilen. Die Oberbeamten der Steuerverwaltung ſind berechtigt, die Einkau=
Lager=, Fabrikations= und Verkaufsbücher während der Geſchäftsſtunden einzuſehen.
9. Die in Ziffer 7 bezeichneten Befugniſſe ſtehen für den Handel mit vollſtän
denaturiertem Branntwein auch den Beamten der Polizeiverwaltung zu.

Darmſtadt, den 30. März 191
Betreffend: Das Muſterungsgeſchäft für 1910 im Kreiſe Darmſtadt.
Der Zinil= Vorſthende der Großh. Erſatz=Kommiſion Darmſaht
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Unter Bezugnahme auf die wiederholt erfolgte diesſeitige Bekanntmachung
Muſterungstermins empfehle ich Ihnen, ſich an den in derſelben näher bezeichne
Tagen mit den Militärpflichtigen Ihrer Gemeinden vormittags 7½ Uhr zum Muſterun
geſchäft einzufinden.
Die betr. Militärpflichtigen ſind darauf aufmerkſam zu machen, daß ſie ſich
den Straßen Darmſtadts und im Muſterungslokal ruhig und anſtändig zu betraf
haben und namentlich nicht im angetrunkenen Zuſtande vor der Erſatz= Kommiſſ=
erſcheinen
dürfen. Zuwiderhandelnde werden alsbald in Gewahrſam gebracht 1
unter Umſtänden entſprechend beſtraft.
Militärpflichtige, welche nicht pünktlich erſcheinen, ſind, ſofern ſie dadurchn
eine härtere Strafe verwirkt haben, mit Geldſtrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis
Tagen zu beſtrafen.
Die Angehörigen von Militärpflichtigen, welche zu ihren Gunſten die Zuri=
ſtellung
und bezw. Befreiung ihrer Söhne vom Militärdienſt in Anſpruch nehm=
ſind
auf diejenigen Tage vorzuladen, an welchen die betr. Militärpflichtigen zu
ſcheinen haben.
(7008
von Werner.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Gefundene und verlorene Sachen.
Gefunden: 1 Netz mit 6 Tennisbällen. 1 goldener Damen=Ring. 1 Zwanzig=
markſtück
. 1 goldene Damen=Uhr mit Kette. 1 goldener Ring mit rotem Stein und
1 ſilberner Ring mit gelbem Totenkopf. 1 Handkarren. 1 ſilbernes Armband mit
Blättchen und einer Anfſchrift. 1 ſilberne Damen=Uhr mit Goldrand. 1 Portemonnaie
mit Inhalt. 1 Paar braune Glacé=Handſchuhe. 1 Portemonnaie mit Inhalt. 1 Hals=
kette
mit Anhänger in Hersform. 2 kleine Schlüſſel an einer gelben Kette. 1 großer
Meſſingſchlüſſel an gelber Kette. 1 mittelgroßer Schlüſſel. 1 ſchwarzes Handtäſchchen
mit 1 kleinen Schlüſſel und etwas Bindfaden. 1 großer Schlüſſel mit Meſſingſchild
und Aufſchrift. 1 älteres gelbes Portemonnaie mit einigen Pfennigen Inhalt. 1 kleines
braunes Portemonnaie mit einigem Inhalt. 1 Paar dunkelgraue grüngefütterte Hand=
ſchuhe
. 1 Türdrücker. 1 Herren=Regenſchirm mit dunklem Griff. 1 Buch, Auflage I,

von Profeſſor Dr. Karl Stolz. 1 ſchwarzer Damen=Gummigürtel mit ſchwarz. Schna
1 ſilbernes Armband mit Medaillon. 1 Paar braune Leder=Handſchuhe. 1 Brille 1
Futteral. 1 kath. Gebetbüchlein. 1 Zwicker ohne Faſſung. 3 Schlüſſel an einer He
rolle. 1 gelbes Halskettchen mit Emailkreuz. 1 zweireihige Korallen=Kette. 1 Roſ
kranz mit weißen Perlen. 1 baumwollenes Hemd, gez. W. K. 2 Kinder=, 2 Dam
und 1 Herren=Regenſchirm nebſt 3 Spazierſtöcken (in einem Laden ſtehen gebliebe
1 weißleinene Spitzen=Schürze. 2 Pfandſcheine, auf den Namen Ludwig Schäfer lauten
1 graubraunes Handtäſchchen mit Taſchentuch und 1 Gummiball. 1 goldenes Kind
Ringelchen mit blauen Steinchen. 1 breiter ſchwarzſeidener Damengürtel. 1 ſchwar
ſteifer Filzhut mit blauem Futter. 1 brauner Kinder=Spazierſtock. 4 kleine Schlü
an einem Ring.
Im ſtädtiſchen Hallenſchwimmbad liegen geblieben und abgeliefert: 2 Taſch
meſſer mit Metallſtiel. 1 Handtuch. 3 kleine Schlüſſel an einem Ring. 3 Spazierſtö

[ ][  ][ ]

Nummer 82,

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. April 1910.

Seite 13.

Im Monat März in den Wagen der elektriſchen Straßenbahn liegen ge=
ieben
und von der Verwaltung abgeliefert: 1 graues Handtäſchchen mit 1 Taſchen=
ch
, gez. C. N., und 5 Pfennigen Inhalt. 1 Portemonnaie mit größerem Geldbetrag.
Portemonnaie mit einigen Pfennigen Inhalt. 1 leeres Kinder=Portemonnaie. 1 gelbe
roſche mit grün und weißen Steinchen. 1 Zwicker mit Nickelgeſtell. 1 kleiner Schlüſſel.
braunes und 1 ſchwarzes Schwänzchen von Damen=Pelzen. 1 ſeidener Damen=Schirm
it braunem Holzgriff und Silberbeſchlag. 2 Paar gelbe Leder=Handſchuhe. 1 Paar
aune gefütterte Glacé=Handſchuhe. 1 Paar graue Handſchuhe. 1 Paar braun= und
augeſtreifte Handſchuhe. 1 langer gelber Damen=Handſchuh. 1 Kragenknopf. 1 Kinder=
pielzeug
(Gummihund). 1 alter zerriſſener Rock.
Verloren: 1 grünes Wachstuch=Futteral mit Schreib= und Zeichenutenſilien.
ſeidener Damen=Regenſchirm mit gelbem Griff. 1 dunkles Portemonnaie mit etwa
Mk. Inhalt. 1 Dolch mit Scheide. 1 Notizbuch. 1 rotes Portemonnaie mit einem
oldenen Damen=Ring und 3 Mk. Inhalt. 1 Trauring, gez. R. K. 12. 11.04. 1 dunkles
ortemonnaie mit über 4 Mk. Inhalt. 1 weißer gelbgeſtickter Tiſchläufer. 1 kleine
zwarze Stahluhr mit langer ſilberner Kette. 1 goldener Herren=Zwicker. 1 Dienſtbuch
1f den Namen Sofie Refling. 1 ſchwarzſeidener Arbeitsbeutel. 1 ſchwarzer Spazier=
ock
mit Elfenbeingriff. 1 ſilberne Damen=Uhr mit Goldrand und goldener langer
ette mit blauem Stein. 1 ſilberplattierter Schwanzriemen von einem Pferdegeſchirr
goldener Zwicker. 1 ſilberne Remontoir=Uhr, im Innern des Rückdeckels Smoller
ngraviert. 1 braunes Damen=Portemonnaie mit 3 Mk. Inhalt. 1 Nickel=Uhrkette mit
nhänger (Perlmuttmeſſer). 1 ſilberne Halskette mit Herzchen. 1 Dienſtbuch ( Kilo=
eterheft
) für Lokomotivführer Neudecker. 1 Milchkanne. 1 gedrehte Hundpeitſche.
ſchwarzer Damen=Gummigürtel. 1 braunes Handtäſchchen mit Taſchentuch u. Knips=
irte
. 1 ſilbernes Ketten=Armband. 1 ſchwarzes Portemonnaie mit 4 Mk. Inhalt.
goldener Ring mit blauem Stein. 1 viereckiges weißſeidenes Halstuch. 1 blaue
froſche. 1 Kollier mit 1 roten Stein und 2 weißen Perlen. 1 kleines ſchwarzes Notiz=
uch
. Einige Kartons kleine Perlmuttknöpfe. 1 Hunde=Halsband mit Marke und der
tr *630 oder 33. 1 Zwicker mit Nickelgeſtell. 1 Rolle Klaviernoten. 1 Sparkaſſebuch
lit der Nummer 180034. 1 ſchwarzes Portemonnaie mit 1 Zwanzigmarkſtück, 2 Mark
lleingeld und Rabattmarken. 1 weißes Kommuniontüchelchen mit Stickerei. 1 Wagen=
ipſel
mit der Nr. 776. 1 ſilbernes dichtes Ketten=Armband. 1 mattgoldene Broſche
tit Emaileinlage. 1 Regenſchirm mit grünlichem Griff. 1 ſchwarzes Handtäſchchen mit
hmalem roten Portemonnaie und 1 Mk. Inhalt. 1 kleines grünliches Portemonnaie
lit 3 Zehnmarkſtücken. 1 weißes ausgebogtes Taſchentuch, gez. C. H. 1 großer ſchwarz.
amen=Pelz. 1 braunes Portemonnaie mit 1,50 Mk. Inhalt. 1 kleines grünes Porte=
ionnaie
mit 5,60 Mk. Inhalt. 1 Meter weißſeidenes Band. 1 ſilberne Vorſtecknadel
zit lila Amethyſt. 1 ſilbernes Ketten=Armband. 1 weißer Schlips mit Simili=Bröſchchen
i Halbmondform. 1 Mappe mit Zeichnungen. 1 ſchwarzer Stock mit Silbergriff.
Zugeflogen bei Privaten: 1 grauer und 1 grünlicher Kanarienvogel. 1 Papagei.
Entflogen: 2 Kanarienvögel.
Das Fundbureau Großherzoglichen Polizeiamts
(7734
ſt geöffnet an allen Werktagen von 812 Uhr vormittags und 26 Uhr nachmittags
H lich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
inden
ſich: 2 Pinſcher, 1 Foxterrier.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
verden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
ag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Sonntagsruhe in den Apotheken.
Am Sonntag, den 10. April, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr
ibends die beiden nachfolgenden Apotheken geöffnet:
Hirſch=Apotheke, Nieder=Ramſtädterſtraße, und
Apotheke am Juſtizgebäude, Bismarckſtraße.
Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.
Straßenſperre.
Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten werden die Kiesſtraße von der Wieners=
traße
bis zum Grüner Weg und die Nieder=Ramſtädterſtraße von der Kiesſtraße bis
ur Heinrichſtraße vom 9. bis 22. lfd. Ms. für den Fuhrwerksverkehr geſperrt. (7784

Bekanntmachung.
Die hauptſächlich unter der Schuljugend vielfach verbreitete, nicht ſcharf genug zu
erurteilnde Unſitte, Gebäude, Einfriedigungen ꝛc., namentlich ſolche mit friſchem
Anſtrich, durch Beſchmieren mit Kreide, Schmutz uſw. zu verunreinigen, hat in letzter
Zeit wieder überhand genommen.
Wir ſehen uns daher veranlaßt, vor ſolchen Ausſchreitungen erneut eindringlichſt
u warnen, ſowie an Lehrer, Eltern, Vormünder uſw. das dringende Erſuchen zu richten,
die ihrer Obhut unterſtellten Kinder mit allen ihnen zu Gebote ſtehenden Mitteln von
verartigem Unfug abzuhalten.
Das Aufſichtsperſonal iſt angewieſen, die Schuldigen im Betretungsfalle unnach=
ichtlich
zur Anzeige zu bringen, im Falle der Strafunmündigkeit der betreffenden Kin=
der
aber die Beſtrafung ihrer Eltern, Vormünder uſw. nach § 44 des Polizeiſtrafgeſetzes
herbeizuführen.
Darmſtadt, den 6. April 1910.
(7785so
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſtwaren in der Haupl= und Reſidenzladt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

Ochſenfleiſch
Rindfleiſch
Kalbfleiſch
Hammelfleiſch
Bruſt
Schweinefleiſch (Bratenſt.)
Bauchläppchen.
Kottelets u. geſalz. Fleiſch
Speck, geräuchert

per ½ kg 86 Pfg.
, 80
90
90
60
96
3
90
½ 100
110

Dörrfleiſch
.
Schinken m. Bein
Rollſchinken
Schweineſchmalz roh und
ausgelaſſen .
Schwartenmagen, Fleiſch=
und Bratwurſt
Leber= und Blutwurſt.

per ½ kg 110 Pfg.

110
130
90

Spülung des Waſſerrohrnetzes.
Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſerrohrnetzes in den
unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche in der Zeit von 10 Uhr abends
bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung
des Waſſers mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich vorher
nit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 11. zu Dienstag, den 12. April 1. Js.
werden geſpült:
Spülbezirk V.
Derſelbe wird umfaßt von der Frankfurter=Straße (Herrngartenſeite), Odenwald=
bahn
, Dieburger= und Alexanderſtraße und enthält Theaterplatz und Muſeum.
Mitgeſpült werden die außerhalb liegenden Straßenteile: Kranichſteiner=Straße,
Hohlerweg, Dieburger=Straße und Ringſtraße (äußere), zwiſchen Dieburger=Straße und
Seiterswieſenweg.
Spülbezirk VIII.
Derſelbe liegt ſüdlich der Heinrichsſtraße bis zur Wilhelminen=, Karls= u. Beſſunger=
Straße und öſtlich der Ludwigshöhſtraße.
Mitgeſpült werden die Straßen der Mathildenhöhe.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 13. zu Donnerstag, den 14. April I. Js.
vird geſpült:
Spülbezirk Ix.
Derſelbe liegt weſtlich des Straßenzuges Ludwigshöhſtraße, Beſſunger=, Karls= u.
Wilhelminenſtraße und wird von der Heinrichs= und Eſchollbrücker=Straße begrenzt.
Darmſtadt, den 1. April 1910.
Städtiſche Waſſerwerksverwaltung.
Rudolph.
(7670so
Billard=Verſteigerung.
Montag, den 11. April, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Hauſe Marienplatz 6, I. Etage, auf freiwilligen Antrag meiſt=
bietend
gegen bare Zahlung:
1 faſt neues, ſehr gutes Billard (von Doerffelder) mit Zubehör als
3 Elfenbeinbälle, 11 Queue nebſt Geſtell und Tafel.
Das Billard kann vorher jederzeit Marienplatz 6 angeſehen werden.
Darmſtadt, den 9. April 1910.

Ernst Wolff, Amtsgerichtstarator
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz:

Jubiläums=Stipendien=Stiftung zu Ehren der 25=jährigen
Regierung des höchſtſeligen Großherzogs Ludwig III.
Aus obiger Stiftung, welche bezweckt, daß aus den Kapitalzinſen drei junge Leute,
und zwar aus jeder der drei Provinzen Perſonen einer, eine gleichmäßige Beihilfe zu
den Koſten ihrer Ausbildung auf einer höheren Bildungsanſtalt erhalten ſollen, ſind
für das Jahr 1910 drei Stipendien von je 400 Mark zu vergeben.
Das Stipendium kann auf drei Jahre ausgedehnt werden es können jedoch nur
Angehörige ſolcher Gemeinden berückſichtigt werden, welche Beiträge zu dieſer Stiftung
geleiſtet haben.
Hiernach berechtigte und befähigte junge Männer, welche zum Zwecke ihrer Aus=
bildung
eine höhere Bildungsanſtalt beſuchen oder beſuchen wollen und ſich um das
Stipendium zu bewerben beabſichtigen, ſind eingeladen, ihre Geſuche durch ihre be=
treffende
Bürgermeiſterei an die Bürgermeiſterei der Hauptſtadt ihrer Provinz, alſo aus
Orten der Provinz Starkenburg an die Bürgermeiſterei Darmſtadt, aus Rheinheſſen an
die Bürgermeiſterei Mainz, aus Oberheſſen an die Bürgermeiſterei Gießen
bis längſtens zum 1. Mai ds. Js.
gelangen zu laſſen.
An Zeugniſſen ſind den Geſuchen beizulegen:
1. ein behördlich beglaubigtes Vermögenszeugnis,
2. eine behördliche Beſcheinigung, daß und wo Geſuchſteller ſtudiert,
3. das Maturitäts= bezw. Schulabgangszeugnis,
4. ein Führungs= (Leumunds=) Zeugnis.
Außerdem iſt der Nachweis zu erbringen, daß der Geſuchſteller in Heſſen geboren,
bezw. heſſiſcher Staatsangehöriger iſt.
Gießen, Mainz, Darmſtadt, den 1. April 1910.
(7660ss
Das Kuratorium:
Dr. Göttelmann
Mecum
Dr. Gläſſing
Oberbürgermeiſter.
Oberbürgermeiſter.
Oberbürgermeiſter.

Verdingung.

Zur Erhebung und Verſtärkung von Landdammſtrecken in der Gemarkung Lam=
pertheim
und zwar der Strecke von der Landesgrenze gegen Baden bis zur Kreisſtraße
Lampertheim-Worms, km 0,02,171, und der Strecke von dieſer Straße bis zur
Straßenbrücke über den Rhein bei Worms, km 3,9658,625, ſollen nachſtehend ange=
gebene
Arbeiten und Lieferungen getrennt oder zuſammen vergeben werden.
1. Erd=, Böſchungs= und Wegebefeſtigungsarbeiten (Los Ia 5987 cbm, Los Ib
15008 cbm, Los Ic 27542 cbm, Los Id 27519 cbm, zuſammen 76056 chm
Erdmaſſenbewegung).
2. Fundierungs= und Maurerarbeiten (Los III Verlängerung der Flügel zweier
Schleuſen).
Bezüglich der Bedingungen für die Bewerbung um dieſe Arbeiten und Lieferungen
ſowie der allgemeinen Bedingungen für die Ausführung wird auf den Miniſterial=
erlaß
vom 16. Juni 1893 verwieſen.
Die beſonderen Bedingungen und die Zeichnungen liegen bei uns ( Mathilden=
platz
15) während der Dienſtſtunden zur Einſicht offen.
Die zu den Angeboten zu verwendenden Vordrucke ſind zum Preis von 0,30 Mk.
für jedes Los und die beſonderen Bedingungen für je eine Losgruppe zum Preis von
,50 Mk. bei uns erhältlich und können gegen poſt= und beſtellgeldfreie Einſendung des
Betrags auch nach auswärts abgegeben werden.
Angebote, mit entſprechender Aufſchrift verſehen, ſind poſtfrei und verſchloſſen bis
ſpäteſtens
Montag, den 25. April 1910, vormittags 10 Uhr,
bei uns einzureichen, zu welchem Zeitpunkt die Eröffnung der Angebote ſtattfindet.
Zuſchlagsfriſt: 4 Wochen.
Darmſtadt, den 22. März 1910.
Großh. Dammbaubehörde:
36609,75)
Weihrich.

Bekanntmachung.

Für die Provinzial=Pflegeanſtalt der Provinz Starkenburg bei Eberſtadt ſollen
als Bedarf bis Ende März 1911 auf dem Wege des öffentlichen Anerbietens zur
Lieferung vergeben werden.
10000 Zentner Ruhr=Nußkohlen III.
Die Lieferungsbedingungen liegen auf dem Geſchäftszimmer des Hausverwalters
in der Anſtalt am 15. April 1910, vormittags von 812 Uhr, offen. Ein
Verſand nach auswärts findet nicht ſtatt.
Angebote ſind verſchloſſen und verſehen mit der Aufſchrift Angebot zu der am
9. April 1910 ausgeſchriebenen Lieferung bis zum Eröffnungstermin Samstag, den
23. April 1910, vormittags 8 Uhr, poſt= und beſtellgeldfrei einzureichen. In den
Angeboten ſind die Bedingungen anzuerkennen.
Eberſtadt, den 9. April 1910.
Direktion der Provinzial=Pflegeanſtalt der Provinz Starkenburg.
Dr. Textor.
(7663

Stamm= und Stangenholz=Verſteigerung.
Donnerstag, den 14. April I. J., vormittags 10 Uhr anfangend, werden im
Spachbrücker Gemeindewald, Diſtrikt Mark, verſteigert:
Stämme: 9 Eichen von 3654 cm Durchm., 38 m lang, 5,72 fm,
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2 Lärchen, 0,43 fm, 436 Fichten Derbſtangen, 21,91
Die Zuſammenkunft iſt bei Gaſtwirt Schneider an der Bahnſtation Meſſel.
Anfang der Verſteigerung auf der neuen Kreisſtraße an der Klein=Zimmerer
Grenzſchneiſe.
Spachbrücken, den 7. April 1910.
(7662si
Großherzogliche Bürgermeiſterei Spachbrücken.
Illert.

Hauswirtſchaftliche Fortbildungsſchule.
Das neue Schuljahr beginnt Montag, den 11. April d. Js.
Für Schülerinnen aus dem Stadtteil Beſſungen findet der Unterricht im Mittel=
ſchulgebäude
in der Hermannsſtraße, für ſolche aus dem Nordweſtviertel im Schul=
hauſe
in der Lagerhausſtraße, für alle übrigen Schülerinnen im Schulhauſe in der
Rundeturmſtraße ſtatt.
Anmeldungen für alle Abteilungen werden Montag, den 11. d. Mts., vor=
mittags
von 1012, im Schulhauſe in der Rundeturmſtraße von dem Leiter der Schule
entgegengenommen.
Das Zeugnis der früher beſuchten Schule ſoll dabei vorgelegt werden.
Unterrichtsgegenſtände ſind: Hand= und Maſchinennähen, Flicken, Stopfen,
Sticken und Bügeln, ferner Kochen, hauswirtſchaftliches Rechnen und Deutſch, ſowie
außerdem für vorgeſchrittene Schülerinnen Anfertigung von einfachen Kleidern.
Das Schulgeld beträgt
a) für hieſige Schülerinnen monatlich eine Mark,
b) für auswärtige
drei
In beſonderen Fällen kann es hieſigen Schülerinnen erlaſſen werden.
Darmſtadt, den 5. April 1910.
(7509ds
Der Vorſtand:
Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.

Blusen-Kursus (2 monatlich)

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Schulgeld 15 Mark.

Beginn 12. d. M., 10 Uhr.
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[ ][  ][ ]

Seite 14.
Oktroi=Rückvergütung.
Alle diejenigen, welche bei der Verwal=
rung
des ſtädtiſchen Oktrois Anſpruch auf
Rückvergütung von im Verwaltungsjahr
1909 (vom 1. April 1909 bis 31. März 1910)
bezahlten Oktroi zu erheben haben, werden
hiermit aufgefordert, die bezüglichen Aus=
fuhrbeſcheinigungen
nebſt einer Zuſammen=
ſtellung
und den Quittungen über die be=
zahlte
Oktrojabgabe längſtens bis zum
1. Mai d. Js. der unterzeichneten Behörde
einzureichen.
Nach, dieſem Termin geltend gemachte
Anſprüche können keine Berückſichtigung
(7624fs
finden.
Darmſtadt, den 4. April 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.
Städtiſche Schutzahnkunik
Luiſenſtraße 20, II.
Sprechſtunden Wochentags.
Morgens von 1012
Mittags von 25.
(1508a
Bekanntmachung.
Nach rechtskräftiger Beſtätigung des
Zwangsvergleichs und Abnahme der
Schlußrechnung iſt das Konkursverfahren
über das Vermögen der Firma J. L. Kahn,
offene Handelsgeſellſchaft in Darmſtadt,
aufgehoben worden.
(7725
Darmſtadt, den 6. April 1910.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.
Bekanntmachung.
Samstag, den 23. April I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die der Witwe des Kaufmanns Laurenz
Valder, Henriette, geb. Hirſchhäuſer, zu
Köln, und deren Kindern im Grundbuch der
Gemarkung Darmſtadt zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
III 148¾/10 153/10 Hofreite Kranich=
ſteinerſtraße
17,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K181/09
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 7. April 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L.7683,66
Bekanntmachung.
Montag, den 2. Mai I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Landwirt Ludwig Simon
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
:
Flur Nr.
IV 390 0/100 7475/10 Hofreite Müller=
ſtraße
15,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K182/09
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 4. April 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L7682,66
Bekanntmachung.
Montag, den 2. Mai I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Hugo Stieſi Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 632¾/10 259 Hofreite Moller=
ſtraße
35,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K178/09
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 5. April 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L.7681,66

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Am Mittwoch, den 13. ds. Mts.,
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[ ][  ][ ]

Seite 18

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. April 1910.

Nummer

Ichenlohe
Hafermehl

ist die einzig richtige
Kindernahrung, wo
Muttermilch fehlt. Es verhütet Erbrechen
und Durchfall und hat sich bei englischer
Krankheit vorzüglich bewährt.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
Nachdruck verboten.)
Die Opfer der Luft. Kritik und Meinung. Deutſcher
Mut. Vom erſten Kulturtage und dem Kongreß für
Raſſenhygiene. Unſere Mädchen und Damen. Auf
der Straße und im Zirkus. Die Zukunſtsmuſik zur
Gegenwart. Der neue Goldſaal im Alten Muſeum.
Im Schulteſchen Kunſt=Salon. Die ſezeſſioniſtiſche
Schüler=Ausſtellung. Auch ne Kunſt.
Als kurze Zeit nach Eröffnung der erſten Eiſen=
bahnlinie
von Berlin bis Potsdam ein hieſiger Stadtrat
den Zöglingen des Friedrich=Waiſenhauſes eine beſon=
dere
Freude dadurch bereitete, daß er ſie auf ſeine
Koſten mit der Bahn nach Potsdam hin= und zurück=
fahren
und bewirten ließ, erhielt er von dem Berliner
Magiſtrat eine tüchtige Naſe, in die Frage gekleidet,
ob er denn nicht an die Gefahren gedacht, denen er die
Waiſenkinder ausgeſetzt hätte?! Und als ſich bald
danach auf der betreffenden Strecke einige Unfälle er=
eigneten
, da gab’s im aufgeklärten Spree=Athen geung
Menſchen, die das neue Beförderungsmittel als Satans=
werk
hinſtellten und dringend verlangten, daß es von
einer hohen Obrigkeit ſchleunigſt wieder abgeſchafft
werden ſolle. Das erinnert an die jetzige, ſeltſame
Blaſen treibende Erregung anläßlich der tief zu be=
klagenden
Ballon=Unglücksfälle, die mehrere
Menſchenleben erforderten. Manche Hauptſchreier möch=
ten
am liebſten ein Verbot der Ballon=Freifahrten her=
beiführen
, wegwerfend von unnützem Wagemut und
zweckloſem Durchdielüſteſegeln ſprechend. Törichte
Aſterweisheit trockener Philiſter! So betrübend die
Opfer ſind, die bisher die Bezwingung der Luft erheiſcht,
ſie werden forſchensdurſtige, kühne und energiſche Seelen
nicht abhalten, auch fernerhin den Kampf mit dem Ele=
ment
über uns aufzunehmen und mit zielbewußter
Energie durchzuführen. Gerechtfertigten Spott kann
man über anmaßende und eitle Dilettanten jeglichen
ernſten Sports ausgießen, aber man ſoll auch nicht mit
ſeiner ehrlichen Freude zurückhalten über Männer, die
mit Einſetzung ihres Lebens der Gefahr furchtlos ins
Auge ſchauen, ſich freiwillig ernſten wiſſenſchaftlichen
Zwecken widmend; wir müſſen ſtolz auf ſie ſein und
ihnen, falls ſie in dem harten Kampfe unterliegen, das
ehrendſte Andenken bewahren! Und wenn, um nochmals
auf die Kinderzeit der Eiſenbahnen zurückzugreifen,
damals vielen Nörglern und Zweiflern zum Trotz der
Kronprinz, ſpätere König Friedrich Wilhelm IV., aus=
gerufen
: Dieſen Karren, der durch die Welt rollt, hält
kein Menſchenarm mehr auf! ſo dürfen wir jetzt ähn=
liches
von der Eroberung der weſenloſen Regionen
über uns behaupten und müſſen uns auf weitere Opfer
an Menſchenblut und =gut gefaßt machen. Mancherlei
neue Syſteme von größeren lenkbaren Luftfahrzeugen
wie von kleineren Aeroplanen werden gegenwärtig hier
im ſtillen ausprobiert, um weitere Erfahrungen zu
ſammeln, ehe von Erfindern und Technikern das oft
von langem und bangem Druck erlöſende Fertig! ertönt.

Hier ſprechen Taten! Andere Forſcher auf unſerer
harten Erdkruſte begnügen ſich mit ſchönen Worten. Wie
auf dem kürzlich hier ſtattgefundenen Erſten Kultur=
tage
und der konſtituierenden Sitzung der Geſell=
ſchaft
für Raſſenhygiene, welch’ letztere be=
zweckt
, die Entartung des Volkes durch Zwangsmaß=
regeln
des Staates zu verhindern und minderwertigen
Elementen die Fortpflanzung zu erſchweren, indem eine
ſorgfältige Ausleſe der zur Ehe beſtimmten Männer
und Frauen ſtattfinden ſoll Ei, welch’ holde Zu=
kunftsmuſik
ertönte in beiden Verſammlungen, welch'
goldene Epoche wurde uns prophezeit, wie hoch würden
Bildung und Geſittung die Gemüter zu idealen Höhen
tragen! Und zu gleicher Zeit, wo ſo ſchmelzende
Phraſen erklangen, hatte Unter den Linden die Polizei
die größte Mühe, zahlloſe junge Mädchen von den gar
zu ſtürmiſchen, den ganzen Verkehr hemmenden Ab=
ſchiedsbezeugungen
mit fortreiſenden Senegaleſen,
die einige Wochen hindurch in einem hieſigen Panopti=
kum
aufgetreten, zurückzuhalten, da ſich dieſe teuren
Landsmänninnen wie toll beim ſcheiden und meiden
gebärdeten! Geht man aber jetzt in den Zirkus und in
beſtimmte Varieté=Theater, ſo finden wir auf den beſten
Plätzen unſere zartbeſaiteten, vornehmen Damen, wie
ſie in atemloſer Spannung Ringkämpfe ver=
folgen
! Sie kennen jeden dieſer Ringer mit Namen,
ſind genau über ſeine perſönlichen Verhältniſſe unter=
richtet
, tauſchen mit dieſem oder jenem vertrauliche, ge=
legentlich
ſehr verſtändnisvolle Grüße aus und nehmen
einen ſo direkten Anteil an ſeinem Frend und Leid in
der Manege, daß man über dieſe Blüten edler Weiblich=
keit
in ehrlicher Empörung errötet. Und der Kanniba=
lismus
man muß ſchon das Wort wählen im Park
von Sansſouci, wo Bubenhände niederträchtige
Zerſtörungen an einer Reihe von Kunſtwerken vorge=
nommen
? Ach, unſere Kulturapoſtel und Raſſen=
hygieniker
hätten in nächſter Nähe genug praktiſche Auf=
gaben
zu erfüllen, anſtatt uns in roſenrotem Scheine
ein Zeitalter wie jenes eines Sophokles, Euripides,
Ariſtoteles in nahe Ausſicht zu ſtellen.
Wollen wir einen Gruß dieſer fernen Zeit ver=
ſpüren
, ſo lenken wir unſere Schritte nach dem Alten
Muſeum, in welchem vor kurzem der ſogenannte
Goldſaal eröffnet ward. Er birgt in treſflicher
Ausſtellung die bisher recht unzulänglich untergebracht
geweſenen Edelmetallſchätze aus Griechenlands und
Italiens kunſtfreudigen, klaſſiſchen Epochen, als man
deine Tempel noch bekränzte, Venus Amathuſia‟. Ein=
zelne
der ſeltenſten Stücke ſind übrigens in deutſcher
Erde entdeckt worden, wie jene in Elektron (einer
Miſchung von Gold und Silber) ausgeführten Teile der
Rüſtung eines ſcythiſchen Häuptlings, der etwa 600
Jahre v. Chr. bei Vettersfeld in der Lauſitz ſein Grab
gefunden, und die herrlichen Schüſſeln und Becher des
Hildesheimer Silberſchatzes, die dereinſt die Tafeln eines
römiſchen Feldherrn geziert. In all ſeinen glänzend
durchgeführten Einzelheiten kann man in einem geſon=
derten
Glasſchrank den reichen Schmuck einer römiſchen
Dame, den man aus einem Verſteck der Sabinerberge
geholt, bewundern, ferner die aus großen Silber=
medaillons
beſtehenden Ehrenzeichen eines römiſchen
Offiziers und gewaltige ſilberne Schalen mit meiſterhaft
gearbeiteten Szenen aus dem Jagd= und Hirtenleben.
In die feierliche Stille dieſes Muſeumsraums hallt der
Lärm werktätiger Arbeit herein, hat man doch jetzt mit
der allmählichen Ausführung der umfangreichen
Meſſelſchen Muſeumsbauten begonnen. Den
Anfang macht das neue Pergamon=Muſeum hinter der
National=Galerie, und auch die Fundierungen für das
der Spree zugekehrte Deutſche Muſeum, das einen
Ueberblick der Entwicklung der deutſchen Kunſt geben
und ſämtliche in den Berliner ſtaatlichen Sammlungen
vorhandenen Werke älterer deutſcher Meiſter vereinen
ſoll, machen trotz vielen Bodenſchwierigkeiten gute Fort=
ſchritte
.

Neue und neueſte Kunſt finden wir im Schu
ſchen Kunſt=Salon, in dem wieder die verſchi
ſten Richtungen vertreten ſind. Die Werke zweier
ſtorbener Künſtler laſſen uns ihr frühes Hinſch=
auf
das tiefſte beklagen. Namentlich der Stuttg
Otto Reiniger, der ſeine ſchlichten und de=
packend
zum Ausdruck gebrachten Motive dem bayer
Hochland entnommen, hätte noch Großes geleiſtet.
leicht auch der Mannheimer Philipp Klein, der
wenig über dreißig Jahre geworden; ohne jegliche
demiſche Anleitung hatte er ſich ſelbſt emporgear.
und wußte ſich innerhalb der Münchener Sezeſſionſ
Geltung zu verſchaffen. Zu groß und ſtürmiſch war
Schaffensdrang, er ſchwelgte in Farben, liebte die gu
Gegenſätze, war zu unruhig, als daß man ſich mit r
Befriedigung ſeiner Tätigkeit freuen konnte. Ab
war doch immerhin ein ganzer Kerl, den man
haben mußte, ſelbſt wo er fehlte. Eine große Aus
ſeiner fein empfundenen und durchgeführten B
ſandte der in München lebende Richard
Poſchinger, alle von inniger Naturliebe und
müdlichem Fleiß zeugend. Max Fritz, der in Li
lebende märkiſche Maler, deſſen großes Talent nid
die engere Heimat gebunden iſt, dürfen wir aberma
ſeinen neuen Landſchaften freudig begrüßen. Wi=
zarte
Stimmung, welch echtes Empfinden, welch
volles Vertiefen in die intimſten Reize von Wald
Feld, Berg und Tal, Fluß und Meer zu allen Ja=
zeiten
liegt in dieſen köſtlichen Bildern, die von ſo
geprägter, charakteriſtiſcher Schönheit ſind, daß man
nur ſchwer von ihnen trennen kann. Was würde 1
Meiſter in Paris und London für einen klinge
Namen haben! Das alte Wort von dem Prophete
eigenen Vaterlande bewahrheitet ſich noch immer!
Doch halt, nein, es gibt noch Ausnahmen. Aber=
zu
ihnen zu zählen, muß man eine gute Lunge h.
das Tamtam rühren können, über eine gehor
Klique verfügen und jegliche Beſcheidenheit rechte=
abſtreifen
, darf ferner keinerlei Kritik an ſeine eig
Leiſtungen legen und muß dieſe, mögen ſie auch no
blödſinnig ſein, als Erzeugniſſe eines urſprüngl
Genies ausgeben und anpreiſen. Paßt auf, dann g
Wie lange, iſt freilich eine andere Sache! Man be
die Ausſtellung des jungen künſtleriſ
Nachwuchſes der Sezeſſion im Charlo=
burger
Heim der letzteren. Himmliſche Güte, was
kommt mau da zu ſchauen, wo wilde Mächte ſin
walten, oder ſo ähnlich! Iſt’s denn zu glauben,
ſo etwas öffentlich zur Schau geſtellt wird? Und i
heißt’s in dem Proſpekt jeuer Sezeſſions=Akader
Das Ziel der Schule iſt die künſtleriſche Ausbilt
des zeichneriſchen, maleriſchen und plaſtiſchen Kön=
mit
beſonderer Berückſichtigung des Studiums
menſchlichen Körper. Die Schule führt ihre Schüler
zur künſtleriſchen Selbſtändigkeit. Vorſtudien we=
beim
Eintritt nicht verlangt. Und nun muß
dieſe Beweiſe der künſtleriſchen Selbſtändigkeit
trachten, dies Sammelſurinm von zeichneriſchen
maleriſchen Unzulänglichkeiten unerhörter Art,
kretinhaft dargeſtellten Menſchen falls man ſie
ſolche überhaupt erkennt und dieſe figürlichen Sze=
gegen
die die Neuruppiner Bilderbogen erleſeneKr
werke bedeuten. Hier und da ein paar einzelne
blicke, Spuren eines gewiſſen Könnens, aber das
ja bei der Methode und den Vorbildern in Grund
Boden ruiniert werden. Man hat neulich von
famoſen Pariſer Künſtlerulk geleſen: ein paar ü
mütige junge Maler ließen einen Eſel mittels ſe
in Farbe geſteckten Schwanzendes ein Bild malen,
ſie unter dem vielverſprechenden Titel: Und dielso
ging über dem Adriatiſchen Meer zur Rüſte .
Salon der Unabhängigen ſandten, wo das W
Beachtung und Würdigung fand! Gibt’s denn ü
haupt ſoviele Eſel, wie dieſe ſezeſſioniſtiſche Schü=
Ausſtellung erraten läßt?!

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Seite 27.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. April 1910.

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Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

82.

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Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Apri 1910.

Nummer 8

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Nummer 82.

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Kapitalſchwäche im Gewerbe.

Eine der ſchwierigſten Fragen, vor welche das der
großkapitaliſtiſchen Konkurrenz leider häufig genug
nicht gewachſene Gewerbe geſtellt wird, iſt bekanntlich
die Beſchaffung ausreichenden und billigen Kredits.
Die mancherlei Verſuche zur gründlichen Organiſierung
des gewerblichen Kredits ſind, wenn man von den zwar
erfolgreich, aber doch nur beſchränkt wirkenden Vor=
ſchußvereinen
abſieht, als fehlgeſchlagen zu bezeichnen,
ſo daß die in Oeſterreich und in Frankreich verbreitete,
vom Hanſa=Bund auch zur Einführung in Deutſchland
vorgeſchlagene Diskontierung von Buchfor=
derungen
als einziges Mittel übrig zu bleiben
ſcheint.
Zweck und Bedeutung der neuen Kreditform liegen
darin, daß noch nicht fällige Buchforderungen, alſo ein=
zelne
Vermögensobjekte, die als ſolche zur Zeit keine
ſpezielle Verwertung finden, dem Geſchäftsbetriebe un=
mittelbar
nutzbar gemacht werden. Es handelt ſich alſo
wirtſchaftlich vorzugsweiſe um eine Steigerung der
präſenten flüſſigen Mittel des Kreditſuchers. Der
Kreditſucher erhält einen neuen gedeckten Kredit, deſſen
er ſich bis dahin nicht erfreute.
Jeder, der es mit unſerem um ſeine Exiſtenz ſchwer
kämpfenden Mittelſtand, insbeſondere auch mit dem
Handwerk und dem Kleinhandel gut meint, wird von
dem neuerdings geplanten Mittel, die Kreditnot dieſer
für unſere geſamte Volkswirtſchaft hervorragend wich=
tigen
Berufsgruppen zu beſeitigen, mit Freuden Kennt=
nis
nehmen und vielleicht nicht ungern einiges weitere
über dieſe Bewegung vernehmen.
Bekanntlich hat der rein wirtſchaftspolitiſchen Ten=
denzen
dienende Hanſa=Bund ſofort nach ſeiner Gründ=
ung
alle Beſtrebungen, die auf die Erleichterung
des Bezugs billigerer Betriebsmittel‟
hinzielen, zu einem integrierenden Beſtandteil ſeines
Programms erhoben. Kurze Zeit darauf tagte in Ber=
lin
eine Konferenz von Vertretern des Mittelſtandes
im Hanſa=Bunde, in welcher die Frage erörtert wurde,
auf welche Weiſe der Bund in der Lage wäre, die Be=
ſtrebungen
des Mittelſtandes durch poſitive wirtſchaft=

liche Leiſtungen zu fördern. Man war ſich darüber klar,
daß eine nachdrückliche Bekämpfung des Borgunweſens

zwar dringend erforderlich, aber keineswegs ausrei=
chend
ſei. Der ans Bankkreiſen ſtammende Vorſchlag,
die Diskontierung offener Buchforderungen in Deutſch=
land
einzuführen, und zu einem eigenartigen Kredit=
beſchaffungsmittel
des gewerblichen Mittelſtandes aus=
zubauen
, fand daher, zumal gleich brauchbare Vor=
ſchläge
zunächſt nicht in Frage kamen, freudige Auf=
nahme
. Auch die Generalverſammlung der
Deutſchen Mittelſtandsvereinigung, die
auf ihrer letzten Tagung hiervon Kenntnis genommen
hat, verſpricht ſich von ſolchen Maßnahmen einen be=
deutſamen
Fortſchritt auf dem Gebiete der Förderung
kleingewerblicher Intereſſen und hat ſich damit einver=
ſtanden
erklärt, daß der Vorſtand der Deutſchen Mittel=
ſtandsvereinigung
die zur Verwirklichung dieſes Plans
erforderlichen Schritte, eventuell in Gemeinſchaft mit
dem Hanſa=Bund, tut. Die entſprechenden Vorarbei=
ten
wurden alsbald von erfahrenen Praktikern auf=
genommen
. Die Vereinigung der verſchiedenſten er=
werbstätigen
Berufsſtände im Hanſa=Bunde hat hier
ſofort die günſtige Folge gezeitigt, daß eine Anzahl von
Banken, an ihrer Spitze die Deutſche Bank, die Dis=
kontierung
von Buchforderungen nach beſonderen von
ihnen getroffenen Beſtimmungen aufnahmen und
andere Inſtitute nur die erſten Erfahrungen abwarten,
um auch ihre Tätigkeit nach dieſer Richtung hin auszu=
dehnen
. Nähere Auskunft über dieſe Frage zu erteilen
hat ſich die Auskunftsſtelle des Hanſa=Bundes, Berlin
NW Dorotheenſtraße Nr. 3, erboten.
Um aber kein Mittel unverſucht zu laſſen und um
die Gelehrtenwelt, die Praktiker des Bankfaches und
die breite Oeffentlichkeit für die eminent wichtige Frage
ber wirtſchaftlichen Lage des gewerblichen Mittelſtan=
des
zu intereſſieren, hat das Präſidium des Hanſabun=
des
ein Preisausſchreiben folgenden Wortlautes er=
laſſen
:
Durch welche praktiſch durchführbaren Maßregeln
kann das für Errichtung und Betrieb kleingewerblicher
Unternehmungen erforderliche Anlage= und Betriebs=
Kapital beſchafft werden? Die drei für Löſung dieſer
Frage ausgeſetzten Preiſe ſind auf 2000, 1000 und 600
Mark feſtgeſetzt. Die Preisarbeiten ſind bis zum
1. Oktober 1910 bei der obengenannten Geſchäftsſtelle
des Hanſa=Bundes einzureichen, wo anch die näheren
Bedingungen jedem zur Verfügung ſtehen.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
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Joſeph. Dem Maſſeur Adam Daab, Schuchardſtr. 4,
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Wilhelm Korb, Brandgaſſe 4, e. S. Wilhelm. Am
29. März: dem Feinmechaniker Otto Lamprecht, Schu=
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. 55, e. S. Willi Eduard Georg. Am 3. April:
dem Güterbodenarbeiter Heinrich Junck, Pankratius=

ſtraße 67, e. T. Luiſe. Am 4.: dem Obſthändler Auguſt

Döderlein, Pädagogſtr. 2, e. T. Johanna. Am 5.: dem
Mützenmacher Gg. Raab, Eliſabethenſtr. 37, e. S.
Hans. Am 6.: dem Fabrikarbeiter Joſeph Krieger,
Liebigſtr. 71, e. T. Hildegard Anna. Am 4.: dem Dienſt=
mann
Joſeph Neiſt, Eliſabethenſtr. 33, e. S. Adolf.
Am 6.: dem Kaufmann Auguſt Cellarius, Bleichſtr. 53,
e. S. Karl Otto. Am 7.: dem Taglöhner Georg Geier,
Neugaſſe 7, e. S. Johannes. Am 5.: dem Fuhrmann
Michael Krämer, Heinheimerſtr. 15, e. T. Anna
Marie. Dem Bureaudiener Johannes Schnetz,
Marienplatz 3, e. T. Eliſabeth Margareta Katharina.
Am 1.: dem Maurermeiſter Karl Schuchmann,
Schwanenſtr. 61, e. T. Maria Katharina. Am 6.: dem
Kaufmann Peter Bernhart, Beckſtr. 50, e. S. Peter
Jakob Heinrich.
Anfgebotene. Am 4. April: Stellmacher Wilhelm
Louis Geyer in Eiſenach mit Marie Ahnemüller in
Stadtlengsfeld. Eiſenbahn=Bureauaſſiſtent Wilhelm
Andreas Wenz hier mit Eliſabethe Vögler, Pfung=
ſtadt
. Am 5.: Poſtbote Chriſtian Kneipp, Bleichſtr. 45,
mit Anna Katharina Hirſchmann, Seeheim a. d. B.
Wirt Auguſt Benz, Lagerhausſtr. 32, mit Köchin Maria

Henriette Frank, ebendaſelbſt. Milchhändler Johs.
Kraft, Heinheimerſtr. 32, mit Anna Feick, Fuhr=
mannſtr
. 2. Friſeur Andregs Grimmer, Neu= Iſen=
burg
, mit Büglerin Katharina Wilker, ebendaſelbſt.
Vizewachtmeiſter Richard Paul Stricker hier mit
Martha Emma Johanna Freyer, Magdeburg.
Geſtorbene. Am 4. April: Privatier Joſeph Häd=
rich
, 88 J., ev., Frankfurter Straße 35. Am 3.: Eliſe
Becker, geb. Rech, Ehefrau des Weißbinders, 37 J.,
ev., Pfungſtadt. Am 5.: Stadttagl. Guſtav Adolf Riſt,
43 J., ev., Neue Niederſtr. 17. Friſeur Ernſt Möller,
20 J., ev., Rheinſtr. 47. Am 6.: Kath. Nickel, geb. Kraft,
Witwe des Tagl., 76 J., ev., Schuſtergaſſe 13. Kath.
Schmelzer, geb. Heedt, Ehefrau des Kaufmanns, 71 J.,
kath., Landwehrſtr. 39. Marie Debus, geb. Beſt, Ehe=
frau
des Vorarbeiters i. P., 65 J., ev., Arheilger Straße
68. Luiſe Hennings, geb. Neuß, Witwe des Kauf=
manns
, 57 J., ev., Wittmannſtr. 5. Am 7.: Privatin
Kath. Bindewald, 84 J., ev., Karlſtr. 47.

Kirchliche Anzeigen.
Evangeliſche Gemeinden.
Sonntag Miſericordias Domini, den 10. April 1910
Hofkirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Mitt=
woch
, den 13. April, abends 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vormittags um 9 Uhr: Konfirmation
der Konfirmanden des Kaplaneibezirks und Feier
des heil. Abendmahls. Pfarrer D. Diehl. Vorm.
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte. Nach=
mittags
um 3 Uhr: Prüfung der Konfirmanden des
Südweſtbezirks. Pfarrer Velte.
Stadtkapelle: Samstag, den 9. April, abends 6 Uhr:
Vorbereitung zum heil. Abendmahl. Pfarrer D. Diehl.
Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer Vogel.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
10. April, vormittags 11¼ Uhr: Chriſtenlehre für die
konfirmierte. Jugend des Schloßbezirks. Pfarrer
Weißgerber.
Militärgemeinde (Stadtkapelle): Vormittags 8 Uhr:
Diviſionspfarrer Lie. Schettler. Vorm. 10½ Uhr:
Kindergottesdienſt in der Oberrealſchule, Kapellſtraße 5.
Johanneskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt Vorm.
9 Uhr: Chriſtenlehre für den Südbezirk im Gemeinde=
haus
. Pfarrer Dingeldey.
Martinskirche: Samstag, den 9. April, abends 6 Uhr:
Vorbereitung zum hl. Abendmahl. Pfarrer Widmann.
Sonntag, den 10. April, vorm. um 9 Uhr: Konfir=
mation
der Konfirmanden des Oſt bezirks. Pfarrer
Widmann. Nachmittags um 2 Uhr: Kindergottes=
dienſt
für den Weſt bezirk. Pfarrer D. Waitz.
Eliſabethenſtift: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Deggau. Vorm. 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Donnerstag, den 14 April, nachmittags
3 Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer Deggau.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. 8½ Uhr:
Chriſtenlehre. Pfarrer Walz. Vormittags 10 Uhr:
Kandidat Herpel. Vormittags 11 Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarrer Walz.
Pauluskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Rückert.
Vorm. 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Rückert.
Lutheriſcher Hottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am Sonntag Miſericordias Domini, den
10. April, nachmittags um 5 Uhr, im Feierabend, Stift=
ſtraße
47: Pfarrer Anthes.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 10. April,
vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmit=
tags
um 4 Uhr: Evangeliſationsverſammlung. Pfarrer
Veller. Abends 8 Uhr: Blaukreuzverſamm=
lung
. Donnerstag, den 14. April, abends 8½ Uhr:
Bibelſtunde. Pfarrer Veller.

Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
13): Sonntag, nachmittags 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends 8½ Uhr.

Baptiſtengemeinde (Nieder=Ramſtädterſtraße 13):
Sonntag, den 10. April, vormittags 10 Uhr: Predigt.
Vormittags 11½ Uhr: Sonntagsſchule. Nach=
mittags
4 Uhr: Predigt und Abendmahl. Prediger Wein=
hold
=Worms a. Rh.

Katholiſche Gemeinden

St. Ludwigskirche: Samstag, den 9. April, nachmit=
tags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit

zur heil. Beichte.
2. Sonntag nach Oſtern, den 10. April 1910
Stiftungsfeſt des Vinzenz=Vereins und Kollekte für die
Armen dieſes Vereins
Vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte=
Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. Um 7 Uhr: Austeilung
der hl. Kommunion. Um 8 Uhr: Militärgottesdienſt
mit Predigt. Um ½10 Uhr: Levitiertes Hochamt mit
Predigt, gehalten vom Herrn Prälaten Dr. Wertmann
aus Freiburg i. Br. Um 11 Uhr: letzte hl. Meſſe.
Nachm. um 3 Uhr: Katechetiſche Predigt und Andacht zu
Ehren der hochheiligen Dreifaltigkeit. Freitag, abends
um 6 Uhr: Kreuzwegsandacht. An allen Werktagen
vorm. um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Kapelke der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vor=
mittags
um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Nachmittags um
4 Uhr: Vortrag und Verſammlung im Mädchenheim.
Um 5 Uhr: Verſammlung des Vereins chriſtl. Mütter.
Um 6 Uhr: Roſenkranzandacht.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: hl. Meſſe. Montag, nachm. um 4 Uhr:
Sakramentaliſche Betſtunde.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 9. April, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur hl. Beichte.
Sonntag, den 10. April 1910
Vorm. von ¾6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: hl. Meſſe
mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachm. um 2 Uhr: Andacht mit Segen.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den 9. April,
nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur hl. Beichte.
2. Sonntag nach Oſtern, den 10. April 1910
Kollekte für den St. Vincenz= und St. Eliſabethen=Verein
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Um ½9 Uhr: Amt mit

Predigt. Nachm. um 1,3 Uhr: Andacht. Bilſt
(Heerdweg 28): Dienstag, nachm. von 67 Uhr.

Kapelle zu Eberſtadt: Samstag, den 9. April, a
um 5 Uhr: Beichte.

2. Sonntag nach Oſtern, den 10. April 1910
Vorm. um 6 Uhr: Beichte. Um ½7 Uhr:
teilung der heil. Kommunion. Um 8 Uhr: Hock
mit Predigt. Nachmittags um 3 Uhr: Andacht.
Während der Woche vorm. um ¼7 Uhr: hl. Meſſe.
Kapelle zu Pſungſtadt: 2. Sonntag nach Oſtern,
10. April, vormittags um ½8 Uhr: Amt und Prei
Vorher Beichtgelegenheit.

Dhe Epslich Church (Kofkirche)
Divine Service
with Celebration of the Holy Communion
on Sunday, the 10th of April 1910
at 11,30 a. m.
Reverend Canon MacLulich, Chaplain at Homburgv.d

Getaufte, Getraute und Beerdigte.
Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 27. März: Dem Dekoratic=
maler
Heinrich Georg Wilhelm Hofmann S. Rich
Wilhelm, geb. 1. März. 28. März: Dem Ofenſe
Auguſt Goretzka T. Wilma Katharina, geb. 26. F
6. April: Eine unehel. T. Marie Jakobine, geb. 18. M.
27. März: Dem Kaminfegermeiſter Emil Wenzel=
Käthe, geb. 11. Jan. Dem Schloſſer Chriſtian Jungk=
S. Wilhelm Johannes, geb. 13. März. Dem Schlo=
Robert Adam Joſef Fornoff T. Agathe, geb. 18. M.=
Dem Taglöhner Leonhard Steckenreuter T. Kathari
geb. 25. Jan. Dem Kaufmann Wilhelm Hofmann
Mathilde, geb. 25. Jan. 30. März: Dem Maſchin
arbeiter Peter Luft, T. Minna Roſine, geb. 23.T
27. März: Dem Kaufmann Kurt Ernſt Bruno Mild=
T. Gerta Elſe Marie, geb. 28. Jan. 28. März: T
Schutzmann Johannes Neff T. Marie, geb. 11. Fe
3. April: Dem Schutzmann Adam Dörr T. Hedwig, é
7. März: Dem Schreinermeiſter Karl Endres T. Gertri.
Paula, geb. 5. März. 5. April: Dem Kellner Bertr.
Louis Dammaſchk T. Marie Anna Lisbeth, geb. 8. Mi=
27. März: Dem Maſchinenſetzer Wilhelm Haub T. Gretch=
geb
. 19. März. Dem. Milchhändler Georg Trietſch=
Friedrich, geb. 23. Jan. 28. März: Dem Schwei
Johann Kubiſch S. Ferdinand, geb. 8. Febr. 31.
Dem Hofmuſiker Auguſt Weyns T. Wilhelmine Lan
Erika, geb. 12. März.
Johannesgemeinde: 3. April: Dem Schlo=
Wilhelm Haffer T. Margarete Eliſabeth, geb. 20.
Martinsgemeinde: 3. April: Dem Feuerwe=
mann
Franz Fritz S. Hans Jakob, geb. 18.
4. April: Dem Fabrikarbeiter Gottlieb Porzel S. Friedt.
u. T. Dorothea, geb. 18. Dez. Dem Wirt Johann Ad=
Ihrig T. Henriette, geb. 13. Febr. 1. April: Dem Metz
Gottlob Brodbeck S. Georg Gottlob, geb. 19.
3. April: Dem Dekorationsmaler Wilhelm Wolf T. Er=
geb
. 10. Jan. Dem Kaufmann Willi Karl Aug=
Kallweit T. Margott Anna, geb. 21. Februar. D
Maſchinenſchloſſer Ludwig Worret T. Anna Ma=
Margarete, geb. 12. März.
Petrusgemeinde: 3. April: Dem Taglöhn
Georg Creter T. Eliſabethe, geb. 23. März. Uneheli
T. Elſa, geb. 29. März. Dem Weißbinder Wilhe
Lang T. Margarete, geb. 5. Febr. Dem Direktor
Darmſtädter Möbelfabrik Hugo Dähndel T. Ed ss
Marie Margarete, geb. 15. Febr.
Paulusgemeinde: 31. März: Dem Fabr ſehr
arbeiter Karl Friedrich Beck T. Luiſe, geb. 24. Janu=
3. April: Dem Glasreiniger Karl Auguſt Schmidtchen
Karl Wilhelm, geb. 18. März. Dem Lehrer Theod
Johann Heinrich Ludwig Hilsdorf T. Lina Helene, g Höllrich
3. Febr.
H
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Mühl
Stadtgemeinde: 2 April: Karl Wilhel
Schmidt, Bäcker, und Luiſe Margarete Holm. 7. Apr
Johannes Bruſtle, Kellner, und Maria Morlock, ge=Milllenes,
Wenk, Witwe. 26. März: Guſtav Wilhelm Kleinſchmit=ſcht mu
Schreiner, und Eliſabethe Katharina Ewald. 27. Mär=
Ernſt Mörſch, Kaufmann, und Eva Katharina Wilhelmil
Rothermel. Adam Bretſch, Lackierer, und Marie=Vol
Wilhelm Haub, Maſchinenſetzer, u. Eliſabethe Schönbei
31. März: Heinrich Schmidt, Milchhändler, und Karoli Meklay
Armsheimer.
Johannesgemeinde: 4. April: Karl SteiAlus
brecher, Regierungsbaumeiſter, in Eſſen a. d. R.uh
Pauline Walter von hier.
Martinsgemeinde: 2. April: Leonhard Michc
Hamann, Fuhrmann, u. Sophie Dorothea Neff, beide hie
Petrusgemeinde: 4. April: Max Küppel
Reiſender, und Eberhardt Margarete.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 20. März: Elſa Jakobi, 1
ſtarb 20. März. (Eingefegnet.) 22. März: Taglöhn
Johann Heinrich Mager, 75 J., ſtarb 20. März. 1. Apri
Katharina Böttel, geb. Lorenz, Witwe, 71 J., ſtar
30. März. 27. März: Eliſabeth Conrad geb. Schimp=
Witwe des Amgerichtsdiener Auguſt Conrad, 87
ſtarb 24. März. 28. März: Pfarrer i. P., Ferdinan
Briegleb, 91¾ J., ſtarb 25. März. 29. März: Rentne
Karl Heß, 71 J., ſtarb 26. März. 1. April: Wilheln
Spengler S. des Taglöhners Chriſtian Spengler, ½ J=
ſtarb
30. März. 31. März: Töpfer Ferdinand Em=

Max Arnhold, 36 J., ſtarb 30. März.
Martinsgemeinde: 2. April: Anna Löhen
Witwe des Kaufmanns Karl Wilhelm Löber, 65 J

ſtarb 30. März. 3. April: Georg Gottlob Brodbeck, E
des Metzgers Gottlob Brodbeck, 2 W., ſtarb 3. Apri=
5. April: Wilhelm Hauk, S. des Bierbrauers Wilheln
Hauk, 1 J., ſtarb 2. April.
Petrusgemeinde: 17. März: Hans Willi=
Robert Reuter, 1¾ J., ſtarb 2. April.
Paulusgemeinde: 3. April: Eliſabeth Wamboldt
geb. Nohl, Ehefrau des Rentners Chriſtoph Wamboldt
51 J., ſtarb 31. März. 4. April: Friederike Metz, Witw
des Kaufmanns Hans Metz, 64 J., ſtarb 2. April. (Ein
ſegnung.) 7. April: Der Chemiker Dr. Heinrich Wetz
41 J., ſtarb 4. April,

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Die Dauerkarten berechtigen zum freien Eintritt in die Ausstellung, sowie zu
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Internationale Fahr-, Reit- und Spring-Konkurrenzen, Internationale
Radrennen, Internationale Fecht-Turniere, Internationale athletische
Konkurrenzen, Internationale Amateur-Ringkämpfe, Association- und
Rugby-Fussball-Wettspiele, Hockey-Spiele, Cricket, Olympische Spiele,
Turnerische Vorführungen.

gen in der Arena, ausgenommen sind die Radrennen und Concours-Hippique,
h werden auch hierfür den Inhabern von Dauerkarten auf bestimmte Plätze
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Seite 30.

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im Saalbau.
Leitung: Herr Kapellmeister Friedr. Rehbock. Mitwirkende: Fräul. Signe
Liljequist, Konzertsängerin, München; Herr Ludwig Heß, Kammersänger,
München; Herr N. Geisse-Winkel, Kgl. Opernsänger, Wiesbaden: Herr Gust.
j Schlatter, Konzertsänger, Heidelberg; Herr Franz Müller, Konzertsänger,
hier; die Großherzogliche Hofkapelle.
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von Arnold Mendelssohn.

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glieder
ebensolche, unter Vorlegung ihrer Jahreskarte und einer Aufzahlung
von 50 Pfg. für jede Karte in der Hofbuch- u. Kunsthandlung von Müller
& Rühle, Elisabethenstraße 5 zu haben.
An gleicher Stelle, sowie an der Kasse gelangen auch Karten für die
für Mk. 1.50 und
Sonntag, den 10. April, morgens
10½ Uhr im Saalbau stattfindende Haupfprobe Teztbücher f. 20 Pf.
zur Ausgabe. Mitglieder haben hierzu gegen Vorzeigung ihrer Karten
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freien Eintritt.

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veranstaltet von Fritz Mehmel von hier (Violine) und Frederick
M. Voss aus Mainz (Klavier) im grossen Saal des Hotels zur Traube‟.
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H-moll Haydn Nr. 5 G-dur, Fr. W. Rust, Sonate seria H-moll.
Perzina-Cembalo-Klavier (Vertreter Karl ärnold, Ecke Erbacherstrasse).
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Mk. 3. und 2.. Für Studierende und Schüler: Abonnement Mk. 4. u. 2.
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Großherzoglichen Reſidenzſchloſſes
veranstaltet von dem
Allgemeinen Deutschen Jagdschutzverein (Landesverei

Hessen) und dem Messischen Jasdkluh.
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Geöffnet am 9. von vormittags ½12 Uhr bis
nachmittags 6 Uhr, am 10., 11., 17. u. 18. April
von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags.
Eintrittspreise: Am 9. und 10. April bis 1 Uhr 1 Mar=
und von da ab und an allen übrigen Tagen 0.50 Marl
Dauerkarten 2 Mark.
Forst- und Jagdunterbeamten in Uniform haben freien Eintrit
Der Ueberschuss ist für den Fonds für Hinterbliebene von im Jage
(7718s
schutz verunglückten hessischen Jagdaufsehern bestimmt.

Darmstädter Vortragsverband.
Donnerstag, den 14. April 1910, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde:

Vortrag
von Herrn Professer Dr. Willibald Nagelehi
über:
Die Meistersänger in Geschichte und Kunst‟.
Eintrittskarten: Sperrsitz zu 2 Mk., Saal zu 1 Mk., Galerie zu 50
Studentenkarten zu 30 Pfg. und Schülerkarten zu 20 Pfg. im Verkehrsbureau
an der Abendkasse. Vereinssaalkarten können daselbst gegen Aufschlag von 1
Der Vorstand
gegen Sperrsitzkarten umgetauscht werden.

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Sonntag, 10. April, nachmittags 3 Uhr:
Schüler-Ausflug nach Traisa
Einkehr bei Herrn Seibert (Gasthaus zum Goldenen Löwen) mit darauffolger
Tanzkränzchen
wozu höflichſt einladet
Friedrich Meisinger, Tanzlehrer.
NB. Gäſte, Freunde u. Gönner ſind willkommen. Extra=Einladungen erfolgen n
Wegen plötzlicher Erkrankung des Herrn Meiſinger iſt Herr Wilh
Wamsser (Schwager) mit der Vertretung vertraut worden.

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im Saale des Perkeo‟, Alexanderſtraße,
erbunden mit Konzert, Couplet, Gesangsvorträgen mit darauf=
folgendem
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Der Vorstand.
Ende 4 Uhr.
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Anfang 4 Uhr.
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Eintritt 25 Pfg., eine Dame frei.

nditorgehilfen=Verein Darmstadt.
Sonntag, den 10. April d. J.
Tanzkränzchen
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Freunde und Gönner des Vereins höfl. einladet
Der Vorstand.
nfang 4 Uhr.

Ein Religionsgespräch grossen Stils
veranstaltet der Deutsche Monistenbund am 16. April, abends
8¼ Uhr, im Städt. Saalbau nach dem Vorbild der be-
Dr. Arthur Drews
rühmten Berliner
üb. Die Christus-
Veranstaltung. Es
Drews
spricht Professor
mythe‟:
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Mitglied des Deutschen Athleten-Verbandes.

Sonntag, 10. April findet im Kaisersaal (Grafenstrasse)
unser diesjähriges
Frühlings-Fest
statt, verbunden mit athletischen Aufführungen, wie
hochinteressante Ringkämpfe, komische Vorträge, Jongleur-
Arbeiten, Schwergewicht-Stemmen, Plastisch. Darstellungen,
Theater usw.
Auftreten des Europameisterstemmers Herrn Georg Schleidt.
fzwischen Herrn Joseph Otto, Meisterringer v. Deutschland
Ringkampl und Herrn Markgraf-Mainz, Meisterringer d. II. Kreises.
TANZ. Anfang 4 Uhr.
Eintritt 40 Pfg.
Interessenten, Sportsfreunde, sowie Gönner des Vereins ladet hierzu
freundlichst ein
Der Vorstand.
verbunden mit kowischen Vorträgen, findet Sonntag.
Nachfeier, den 17. April, nachmittags 4 Uhr, bei freiem Eintritt
im neu renovierten Saale des Hugenschütz’schen Felsenkellers statt.
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Sonniag, der 17. Ahpei, abeibe 7. Uhr:
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Seite 34.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. April 1910.

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ummer 82.

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