Darmstädter Tagblatt 1910


11. Februar 1910

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173. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Zur preußiſchen Wahlrechtsvorlage.

* Ihre Stellung zur preußiſchen Wahlrechts=
reformvorlage
berieten am Mittwoch im Abgeord=
etenhauſe
die Konſervativen, die Freikonſer=
pativen
und die nationalliberale Fraktion.
Die Sitzung aller drei Parteien war ſtark beſucht. Die
Nationalliberalen vertagten am Nachmittag die Weiter=
beratung
, während die Konſervativen und Freikonſervati=
ven
die Erörterung zu Ende führten. Beide Parteken
entſchieden ſich für Kommiſſionsberatung. Für
die Konſervativen wird Abg. v. Richthofen, für die Frei=
konſervativen
der Abg. v. Zedlitz=Neukirch das Wort
führen. Die Vorlage blieb in beiden Lagern nicht ohne
Kritik. Als verbeſſerungsfähig wurde beſonders die Be=
ſtimmung
gefunden, der zufolge die mittleren und klei=
neren
Beamten bei der Klaſſen=Einteilung vor den Ge=
werbetreibenden
bevorzugt erſcheinen. Es wurde dies als
ungerechtfertigt erklärt und es werden in der Kommiſſion
entſprechende Abänderungsvorſchläge gemacht werden.
Des weitern verlautet, daß in der Kommiſſionsberatung
über die Vorlage zunächſt die Frage, ob geheime oder
öffentliche Wahl, erörtert und zur Abſtimmung gebracht
werden ſolle, und es ſei anzunehmen, daß für die geheime:
6 Zentrums=, 4 nationalliberale, 3 freiſinnige, 1 ſozial=
demokratiſche
und 1. polniſche Stimme 15 Stimmen, ge=
gen
die geheime Wahl 9 konſervative und 4 freikonſervative
Stimmen 13 Stimmen abgegeben werden. Damit wäre
die Beibehaltung der öffentlichen Wahl abgelehnt und
das Schickſal der ganzen Vorlage, wenn die Regierung und
das Herrenhaus nicht nachgäben, in ablehnendem Sinne
entſchieden.
Der Schleſiſchen Zeitung wird aus Berlin berichtet,
alles Ernſtes ſei in den letzten Tagen die Frage erwogen
worden, ob man nicht als ſchärfſten Proteſt gegen die
preußiſche Wahlrechtsvorlage einen großen Streik
von ein bis drei Tagen in ganz Preußen unternehmen
ſolle. Der Tag ſolle natürlich ganz geheim gehalten wer=
den
, weil man glaube, daß durch die Plötzlichkeit des
Streiks, an dem viele Hunderttauſende beteiligt wären,
die Wirkung der Kundgebung viel ſtärker ſein würde, als
wenn ſie vorher angekündigt würde, und die Arbeitgeber
ſo in der Lage wären, ſich auf dieſen Schlag vorzübereiten.
Die Meldung iſt einigermaßen dunkel, indes beſchäftigt
ſich die ſozialdemokratiſche Partei, woran die
Voſſiſche Zeitung erinnert, mit dieſem Gedanken ſeit
mehreren Jahren. Auch haben mehrfach ſozialdemokra=
tiſche
Verſammlungen in dieſen Tagen den ſpzialdemokra=
tiſchen
Parteivorſtand zur Anwendung der ſchärfſten Mit=
tel
im Kampfe für das Reichstagswahlrecht aufgefordert.

Jur politiſchen Lage in England.

* Mit der Rückkehr des Premiers von der kurzen Aus=
ſpannung
in Cannes beginnt ſich alsbald in etwas der
Nebel zu lichten, der unmittelbar nach dem Wahlausgange
über die Ereigniſſe der nächſten Zukunft ge=
breitet
ſchien. Zur Stunde zweifelt man in politiſchen
Kreiſen nicht mehr, daß die erſte Aufgabe der neuen Geſetz=
gebung
in der Erledigung der Budgetvorlage beſtehen und
vorausſichtlich eine raſche und glatte Löſung finden wird.
Was die namentlich vom linken Flügel der Miniſteriellen
ſo ſtürmiſch geforderte Ausſchaltung des Vetorechts des
Oberhauſes anbelangt, ſo herrſcht die Annahme vor,
daß zur Beſchwichtigung der Ungeduldigen zunächſt in
Geſtalt eines Beſchlußantrages eine Erklärung in dieſem
Sinne im Unterhauſe zur Annahme gebracht werden ſolle.
Nach den Oſterferien werde die Regierung dann mit einer
auf dieſer Erklärung fußenden Vorlage zur Umgeſtaltung
des Oberhauſes hervortreten, die für die Folge die Her=
ſtellung
eines Gleichgewichts der Parteien in der Zweiten
Kammer anſtreben ſoll. Ob mit dieſer Vorlage zuerſt das
Unterhaus oder gleich das Oberhaus befaßt werden ſolle,
darüber gehen einſtweilen die Anſichten auseinander. Auf
alle Fälle wird indeſſen die Verwerfung dieſer Vorlage im
Oberhauſe in Ausſicht genommen, worauf dann im Juni
oder Juli eine abermalige Parlamentsauf=
löſung
folgen würde. Von dieſer verſpricht ſich beſon=
ders
der linke Flügel der Miniſteriellen beſtimmt eine Er=
neuerung
und Kräftigung der großen Mehrheit von 1906.
Inzwiſchen heißt es, ſollten Kabinettsverände=
rungen
ſchon wegen der dadurch veranlaßten Er=
gänzungswahlen
auf das Maß des unbedingt Notwen=
digſten
beſchränkt werden.

Die meiſten Blätter ſind übrigens jetzt auch der An=
ſicht
, daß das Budget in irgend einer Form zu allererſt
vom Unterhauſe wieder angenommen werden wird, bevor
der eigentliche Kampf gegen die Lords beginnen kann. Kon=
ſervative
Zeitungen fangen jetzt ſchon an, zu behaupten,
daß die vier Dreadnoughts für das kommende Baupro=
gramm
unter keinen Umſtänden ausreichen würden, ſon=
dern
daß auf jeden Fall auch diesmal wieder acht Dread=
noughts
auf Stapel gelegt werden müßten.
Echo de Paris meldet aus London: In Newport
trat der jährliche Kongreß der Arbeiterpartei
zuſammen, der beſonders unter den augenblicklichen Um=
ſtänden
eine politiſche Wichtigkeit haben wird. Am Mitt=
woch
wurde der Kongreß der Frauen der Arbeiterpartei
eröffnet, unter dem Vorſitz der Miß Mary Mac Arthur.
Der Sozialiſt Keir Hardie gab folgende Erklärung ab:
Der Kampf gegen die Lords beginnt erſt und wir kön=
nen
nicht behaupten, daß das Volk den erſten Abſchnitt
gewonnen hat. Wenn wir aus dieſem Kampf als Sieger
hervorgehen wollen, ſo müſſen ſämtliche miniſteriellen
Streitkräfte gegen den gemeinſamen Feind ins Feld
ziehen. Dieſe Bedingung iſt jedoch bis dahin nicht zu
verwirklichen, ſolange ein Meinungsunterſchied zwiſchen
uns und Herrn Asquith über die Frauenfrage beſteht.
Er proteſtierte gegen die Behandlung der Kandidaten der
Arbeiterpartei ſeitens der Liberalen, die nicht dazu angetan
ſei, ſeine Parteigenoſſen einem allzu freundlichen Verhält=
nis
mit den Liberalen geneigt zu machen. Die Arbeiter=
partei
ſei, was die Abſichten der Liberalen mit Bezug auf
das Oberhaus anbetreffe, nicht von übermäßigem Ver=
trauen
erfüllt.
In Dublin hielt die nationaliſtiſche Partei
eine Verſammlung ab, in der John Redmond wieder zum
Präſidenten gewählt wurde. Ferner wurde einſtimmig
beſchloſſen, die Anhänger O’Briens aus der Partei aus=
zuſchließen
.

Deutſches Reich.

. Die Reiſe des Prinzen Heinrich nach
England, die in nächſter Zeit angetreten werden wird,
iſt zurückzuführen auf eine Anregung des Prinzen Lud=
wig
von Battenberg, der bekanntlich als Admiral in eng=
liſchen
Dienſten ſteht. Den Prinzen Heinrich wird ſeine
Gemahlin begleiten; das Paar gedenkt ſich einige Zeit
genau iſt die Zeit noch nicht feſtgeſtellt im Kreiſe ſeiner
engliſchen Verwandten aufzuhalten. Der. Beſuch des
Prinzen, der viele Freunde in England hat, wird in der
engliſchen Preſſe freundlich beſprochen und es wird der
Hoffnung Ausdruck gegeben, daß er der Beſſerung der Be=
ziehungen
zu Deutſchland gute Dienſte leiſten werde. Wenn
dieſer Beſuch, mit dem übrigens keine politiſche Sendung
und kein politiſcher Auftrag verbunden iſt, in dieſem
Sinne wirkſam ſein würde, ſo könnte das in Deutſchland
nur zur beſonderen Befriedigung gereichen.
Ueber die Arbeitsdispoſitionen des
Reichstags wird von parlamentariſcher Seite geſchrie=
ben
: Im Reichstage beſteht die feſte Abſicht, die Etats=
beratung
bis zum 18. März fertigzuſtellen, und man nimmt
an, daß dieſe Abſicht auch in die Tat umgeſetzt werden
wird, da noch 28 Sitzungstage zur Verfügung ſtehen. In
den nächſten Tagen wird in die Etatsberatung nur die
erſte Leſung des Kaligeſetzes eingeſchoben werden, um das
Geſetz einer Kommiſſion überweiſen zu können. Was die
Reichsverſicherungsordnung anbetrifft, ſo
wird, falls ſie dem Reichstage noch vor Oſtern zugehen
wird, die erſte Leſung dieſes Entwurfes erſt nach Oſtern
erfolgen und die Vorlage an die Kommiſſion abgegeben
werden. An ſonſtigen Vorlagen werden noch erwartet das
Stellenvermittlergeſetz, eine Novelle zum Urheberrecht, eine
Gewerbeordnungsnovelle und das abgeänderte Arbeits=
kammergeſetz
. Vielleicht wird einer dieſer Entwürfe noch
vor Oſtern in erſter Leſung beraten werden können, im
übrigen werden die erſten Leſungen aber erſt im April ab=
ſolviert
werden können. Gewerbeordnungsnovelle und Ar=
beitskammergeſetz
bedürfen längerer Kommiſſionsberatung.
Gegen Ende April dürfte daher das Plenum des Reichs=
tages
ſeine Arbeiten erledigt haben und auf weitere Be=
ſchäftigung
erſt im Herbſt rechnen können. Man nimmt
alſo an, daß etwa zu Himmelfahrt ſich der Reichstag
auf den Frühherbſt vertagen wird. Ob eine oder die
andere Kommiſſion ihre Beratungen ſchon vor dem Zu=
ſammentritt
des Plenums im Herbſt aufnehmen wird, läßt
ſich noch nicht ſagen.
Die Zahl der Reichsrentner hat nach der
Aufſtellung vom 1. Januar dieſes Jahres zum erſten Male
eine Million erreicht. Sie betrug 1014 449. Am 1. Ja=

nuar 1909 hatte dieſe Zahl noch 995810 betragen. Nach
wie vor entfällt die Hauptmaſſe auf die Invalidenrenten
mit 893585 Empfängern. Auf die Altersrenten entfallen
102362, auf Krankenrenten 18502. Die Zahl der Al=
ters
= und Krankenrenten iſt im letzten Jahre
eiwas zurückgegangen. Die Abnahme betrug bei den Al=
tersrenten
6275, bei den Krantenrenten 585. Dagegen hat
die Zahl der Invalidenrenten ſich um 35 499 vermehrt.
Wenn auch 89766 im letzten Jahre in Wegfall kamen, ſo
wurden doch 115 264 neu feſtgeſetzt. Die meiſten Invali=
denrenten
hat die Landesverſicherungsanſtalt Schleſien mit
81587. Es folgen die Rheinprovinz mit 77314, dann das
Königreich Sachſen mit 62564 und Brandenburg ohne
Berlin mit 52 743.
Sowohl die Freiſinnige Volkspartei als auch
die Freiſinnige Vereinigung haben ihre Parteitage,
die endgültig zur Verſchmelzungsfrage Stellung nehmen
werden, auf den 5. März nach Berlin einberufen. An die=
ſem
Tage wird alſo die neue große Freiſinnige Fort=
ſchrittspartei
aller Vorausſicht nach das Licht der Welt
erblicken.

Ausland.

Die Abgeordneten Nagler und Genoſſen brachten
im öſterreichiſchen Landtag eine Interpellation ein über
die vom Deutſchen Reiche geplante Einfüh=
rung
von Schiffahrtsabgaben. Sie richteten
an die Regierung die Frage, was ſie zu tun gedenke, um
von Oeſterreich im allgemeinen und von Niederöſterreich
im beſonderen die wirtſchaftlichen Gefahren, die aus der
geplanten Einführung der Schiffahrtsabgaben auf den
deutſchen Strömen drohen, abzuwenden. In der Be=
gründung
der Interpellation wird ausgeführt: Durch die
geplante Reform würde die bisher freie Ausfallspforte
des auswärtigen Handels nach den Nordhäfen dem ad=
miniſtrativen
Ermeſſen der ausländiſchen Regierungen
preisgegeben. Im mähriſchen Landtage wurde
ein Antrag Smrcek, der ſich gegen die von Preußen ge=
plante
Einführung der Schiffahrtsabgaben auf der Elbe
wendet, weil hierdurch der mähriſche Handel und die In=
duſtrie
auf das empfindlichſte gefährdet werden, dem Waſ=
ſerſtraßenausſchuß
überwieſen.
Da das Landesbudget infolge der Vertagung des
böhmiſchen Landtages nnerledigt geblieben iſt, beſchloß
der Landesausſchuß, keine anderen Auszahlungen vorzu=
nehmen
als die, die geſetzlich oder vertragsmäßig verbind=
lich
ſind und ferner keine Neubauten auszuführen. Alle
Erledigungen ſollen mit der Klauſel verſehen werden, daß
die Auszahlung erſt erfolgen könne, wenn dem Landes=
ausſchuß
die nötigen Mittel zur Verfügung ſtehen. Die
Landtagsabgeordneten erhielten keine Diäten.
In der franzöſiſchen Kammer fragte der Deputierte
Benacet, warum das Kriegsminiſterinm den Stoff zu einer
Ballonhülle von einer deutſchen Firma bezogen habe. Ein
Regierungsvertreter antwortete, daß dieſer Stoff bisher
von keiner franzöſiſchen Firma angefertigt worden ſei, daß
man aber hofſe, demnächſt auch ſolchen von der franzö=
ſiſchen
Induſtrie erhalten zu können. Nachdem Benacet
dann noch an der zu ſchwerfälligen Organiſation des Luft=
ſchiffweſens
Kritik geübt hatte, wurde die Sitzung vertagt.
Bei Beratung des Budgets des Miniſteriums des
Aeußern in der Erſten Kammer der Niederlande be=
gründete
der ehemalige Geſandte in Stockholm van Heecke=
ren
einen Antrag, worin der Miniſter aufgefordert wird,
Schritte zu tun, um die Integrität der Nieder=
lande
gegen Deutſchland und England zu
ſichern. Der Redner ertlärte, ein einige Jahre zurücklie=
gendes
Ereignis, das dem Miniſter wahrſcheinlich unbe=
kannt
ſei, bilde einen ſpeziellen Grund für Holland, eine
beſſere Garantie zu fordern, als das Nordſeeabkommen ſie
den Mächten zweiten Ranges biete. Der Miniſter des
Aeußern erwiderte, van Heeckeren müſſe ſeine Behaup=
tungen
genauer formulieren, ſonſt könne er nicht antwor=
ten
. Nach einer erregten Debatte, worin van Heeckeren
behauptete, daß ſein Anſehen beim Stockholmer Hof durch
die Beſchwerde eines holländiſchen Landsmannes gelitten
habe, beſchloß die Kammer in einer geheimen Sitzung, über
die Angelegenheit nicht in geheimer Sitzung, ſondern öf=
fentlich
zu verhandeln. van Heeckeren erklärte zu ſeinem
Antrage im einzelnen: Der Souverän eines Nachbar=
ſtaates
habe vor einigen Jahren wiſſen laſſen, daß er ge=
zwungen
wäre, niederländiſches Gebiet zu beſetzen, wenn
die Niederlande die Verteidigungsmittel nicht in Stand
ſetzten. Der Miniſter verdiene Tadel, daß er dieſe Tat=
ſache
beim Abſchluß des Nordſeeabkommens nicht in Rech=
nung
gezogen habe. Der Miniſter erwiderte, er könne
dieſe Behauptung nicht entkräften, bevor van Heeckeren

[ ][  ][ ]

nicht genauer ſich zu den Ausdrücken Souverän eines
Nachbarſtaates und wiſſen laſſen geäußert habe. Im
Intereſſe des Landes fordere er ihn auf, klarer und ge=
nauer
zu ſein. Da van Heeckeren nicht antwortete, wurde
die Diskuſſion ohne Ergebnis geſchloſſen.
Das ſpaniſche Kabinett Moret gab ſeine Ent=
laſſung
. Mit der Bildung des neuen Kabinetts wurde der
Demokrat Canalejas beauftragt. Den Vorwand zur
Miniſterkriſe bildete die kürzliche Beſchränkung der Be=
fugniſſe
des Bürgermeiſters bei der Ernennung von Be=
amten
. Moret ſtimmte den Republikanern zu Liebe zu.
Romanones mißbilligte die Konzeſſion an die äußerſte
Linke. Der wirkliche Grund ſind Streitigkeiten wegen
Verteilung der Kammermandate. Das neue Kabinett
iſt gebildet und ſetzt ſich wie folgt zuſammen: Canalejas
Vorſitz, Graf Sagaſta Miniſterium des Innern, Prieto
Auswärtiges, Krieg General Azuar, Marine Arias Mi=
randa
, Finanzen Cobian, Juſtiz Ruiz Valarino, Offent=
liche
Arbeiten Calbeton, Unterricht Graf Romanones.
Nach einer vorläufigen Zuſammenſtellung iſt das
Ergebnis der Wahlen für den finniſchen Landtag fol=
gendes
: Gewählt ſind: Sozialdemokraten 87, Altfinnen 42,
Jungfinnen 28, Schwediſche Volkspartei 26, Agrarier 16
und Chriſtlich=ſoziale Arbeiterpartei 1.
Der italieniſche Miniſter des Aeußern, Graf Güic=
ciardini
, trägt ſich, wie der Zeit aus Rom gemeldet wird
tatſächlich mit dem Gedanken, eine Kreta=Konferenz der
Schutzmächte für das Frühjahr oder den Sommer nach
Kom vorzuſchlagen. Der Miniſter glaubt, auf dieſe Weiſe
vor dem Zuſammentritt der griechiſchen Nationalver=
ſammlung
der Gefahr zu neuen Verwickelungen vorbeugen
zu können. Zu der Konferenz ſollen auch Deutſchland
und Oeſterreich=Ungarn eingeladen werden. Einer
etwa ablehnenden Haltung der Türkei glaubt man dadurch
vorbeugen zu können, daß man ſie überzeugt, daß ſie mit
einer Konferenz mit einem genau feſtgeſtellten Programm
bei völligem Ausſchluß der kretiſchen Delegierten einver=
ſtanden
ſein könnte. Graf Guicciardini wird mit ſeinem
Konferenzvorſchlag aber erſt hervortreten, wenn die einge=
leiteten
diplomatiſchen Sondierungen am Bosporus er=
geben
haben, daß man dort einer begrenzten Konferenz
im Prinzip nicht abgeneigt iſt. In Wiener diplomatiſchen
Kreiſen iſt bisher von einem ſolchen italieniſchen Plané
nichts bekannt. Man hält die Frage, angeſichts der Ent=
ſpannung
in der Kretafrage, nicht für aktuell.
Der amerikaniſche Senat nahm eine Reſolution El=
kins
an, nach der eine Kommiſſion beauftragt wird, eine
Unterſuchung über die Urſachen der Lebensmittel=
verteuerung
in den Vereinigten Staaten anzuſtellen.
Man erwartet, daß die Kommiſſion für Mittel und Wege
des Repräſentantenhauſes zu ähnlichen Erhebungen er=
mächtigt
wird.
Präſident Taft hat eine Proklamation erlaſſen,
durch die Argentinien, Bolivien, Uruguay, Paraguay,
Mexiko und Liberia der Minimaltarif zugeſtanden wird.
Bei der Eröffnung des Geſetzgebenden Rates emp=
fahl
der Khedive von Aegypten die Annahme der Vorlage
betr. die Erneuerung der Konzeſſion der Suez=
kanalgeſellſchaft
. Die Verſammlung möge die
Vorlage reiflich erwägen; denn ſie entſcheide über Gegen=
wart
und Zukunft. Die Regierung halte den Entwurf des
Vertrages einſtimmig für annehmbar, wenn die Geſellſchaft
ſich mit einigen Modifikationen einverſtanden erkläre. Die
Intereſſen Aegyptens ſeien in genügender Weiſe ſicher=
geſtellt
: Die Regierung ſei nicht verpflichtet, in dieſer
Frage die Meinung des Geſetzgebenden Rates einzuholen
Der Miniſterrat halte die Angelegenheit aber für ſo wich
tig, daß er keine endgültige Entſcheidung treffen wolle, ehe
er den Geſetzgebenden Rat gehört habe. Der Beſchluß des
Geſetzgebenden Rates wird auf den 16. Februar erwartet.

* Madrid, 10. Febr. Der deutſche Botſchafter, Graf
v. Tattenbach, iſt heute früh 2 Uhr geſtorben. Am
Sterbebette des Grafen von Tattenbach weilten die Gräfin
ſowie das Perſonal der Botſchaft und des Könſulats,
Bis ſpät nachts waren zahlreiche Mitglieder des diploma=
tiſchen
Korps, der hohen Beamtenſchaft, der Ariſtokratie
und viele Angehörige der deutſchen Kolonie im Botſchaf=
terpalais
erſchienen, um ſich nach ſeinem Befinden zu er=
kundigen
. Der Tod trat nach längerer Agonie ein.

Graf Tattenbach war geboren am 16. Januar 1846
in Landshut und von 187276 in der Verwaltung von
Elſaß=Lothringen, dann im Dienſte des Auswärtigen Am=
tes
tätig, 8084 Legationsſekretär in Peking, 85 in Bel=
grad
, 8689 Botſchaftsrat in Madrid, 9096 Geſandter
in Marokko als ſolcher hat er in Fez am 1. Juni 1890 den
erſten deutſch=marokkaniſchen Handelsvertrag abgeſchloſſen.
In den Jahren 189698 war er Geſandter bei der ſchwei=
zeriſchen
Eidgenoſſenſchaft, 98 Geſandter in Peking, 1905
wurde er in außerordentlicher Miſſion an den Hof des
Sultans in Marokko geſandt und 1906 war er Delegierter
bei der Konferenz in Algeciras. Im Dezember 1908 kam
er als Nachfolger des Botſchafters von Radowitz nach
Madrid.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 11. Februar.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Wilhelm Kirſch aus Wiesbaden eine Lehrerſtelle an der
evangeliſchen Schule zu Weſthofen, Kreis Worms; dem
Schulamtsaſpiranten Ludwig Lang aus Pfungſtadt,
Kreis Darmſtadt, eine Lehrerſtelle an der Gemeinde=
ſchule
zu Schlierbach, Kreis Bensheim; dem Schulamts=
aſpiranten
Otto Maleton aus Dalsheim, Kreis
Worms, eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu
Hamm, in bemſelben Kreiſe; dem Schulamtsaſpiranten
Wilhelm Rathgeber aus Dintesheim, Kreis Alzey,
eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Ober= Flörs=
heim
, Kreis Worms.
Entlaſſen wurde der Lehrer an der Gemeinde=
ſchule
zu Flomborn, Kreis Alzey, Jaköb Jacquemar
auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom 1. April 1910 an
aus dem Schuldienſt.
L. Die Straſkammer verhandelte geſtern gegen den
Taglöhner Neff, der nur von Diebſtählen und Spiel
ſeinen Lebensunterhält beſtreitet und mehrfach bereits
die Strafanſtalten beſucht hat. Anfangs September
vor. Jahres war er aus einem Haftlokal entlaſſen wor=
den
und hatte ſich mit einem Bekannten in Offenbach
ein Zimmer gemietet, um zugeſtandenermaßen mit die=
ſem
vereint Einbruchsdiebſtähle zu begehen. In der
Nacht vom 26. zum 27. September zog er jedoch allein
aus; der Bekannte hatte im Spiel Glück gehabt und
brauchte kein Geld. Er ſchlich in einem Konſumgeſchäft
in den Keller und erbrach dann die Türen und Behält=
niſſe
. Etwa 12 Mark bares Geld, eine Flaſche Wein
und Zigarren fielen in ſeine Hände. Der Wein ſoll
nach Ausſage ſeiner Hauswirtin fein geweſen ſein.
Einen weiteren Beſuch ſtattete er der Firma Schade u.
Füllgrabe ab. Auch hier erſchien er im Keller und
überwand die größten Hinderniſſe; ſein Beginnen war
jedoch erſolglos, weil ihn ein Wächter abfaßte. Den
Hauptſchlag führte Neff in der Nacht vom 30. Septem=
ber
zum 1. Oktober, indem er hier auf dem Meßplatz
die Türe des dem Konditor Debus gehörigen Wohn=
wagens
erbrach und dann alle Behältniſſe öffnete und
durchwühlte; eine unter dem Bette ſtehende Kaſſettt
mit Papieren und etwa 3500 Mark barem Gelde, ſowie
Schmuckſachen entwendete er hier. Das Geld beſtand
zu über 100 Mark aus Fünfzigpfennigſtücken.
Dit
Kaſſette mit den Papieren und dem Schmuck fand man
anderen Tages in dem Keller des Hauſes Soderſtraße
Nr. 34 vbr. Neff begab ſich nach Frankfürt, wo er über
Nacht als wohlhabender Herr auftrat. Er kleidete ſich
neu und hatte ſo viel Geld bei ſich, daß ein Bekannter
aus der Strafanſtalt meinte: Du mußt aber einen
guten Einbruch gemacht haben‟ Da er am Tage vor
dem Diebſtahl hier auf der Meſſe geſehen worden war,
lenkte ſich der Verdacht ſofort auf ihn. Am 1. Oktober
abends wurde er, als er grade nach Offenbach fahren
wollte, plötzlich von zwei Schutzleuten verhaftet und
trotz hartnäckiger Gegenwehr auf das Revier verbracht.
Dort fand man noch 52 Mark bei ihm; 50 Mark waren
Fünfzigpfennigſtücke. Zuerſt wollte er dieſe von einem
Mädchen bekommen haben, dann behauptete er, im Café
habe er im Spiel viel gewonnen. Auch in der Haupt=
verhandlung
geſtand er nur die Tat ein, bei der er ab=
gefaßt
wurde; den hieſigen Meßdiebſtahl will er einem
internationalen Einbrecher in die Schühe ſchieben, der
ron der Ila einen Abſtecher gemacht habe. Für ſeine
Einbrüche war er überreich mit Werkzeig verſehen
dasſelbe iſt unter einem Eichbaum zwiſchen hier und
Offenbach verſteckt Das Gericht erachtete ihn des
Diebſtahls, Diebſtahlsverſuchs und des Widerſtandes
ſchuldig und verurteilte ihn zu 4 Jahren und
Monat Zuchthaus; ein Monat iſt durch die Unter=
ſuchungshaft
verbüßt. Die bürgerlichen Ehrenrechte
verliert N. auf fünf Jahre, auch iſt Polizeiaufſicht zu=
läſſig
. Das Ergebnis befriedigte ihn nicht.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Zu Beginn des
Sommerſemeſters 1910 ſind an Studierende der hieſigen
Techniſchen Hochſchule zu vergeben: 1. Etwa 810 Stu=
diengelderlaſſe
. Die Studiengelderlaſſe können nur an
ſolche Studierende vergeben werden, die die Großh. Heſſ
Staatsangehörigkeit beſitzen und die nach Vermögensver=
hältniſſen
, Betragen und Leiſtungen dazu geeignet erſchei
nen. 2. Drei Stipendien an drei deutſche Studierende aus
der Stipendienſtiftung der Bank für Handel und Induſtrie
und der Bank für Süddeutſchland zu Darmſtadt. Bei

Vergebung dieſer Stipendien iſt erfolgreiches wiſſenſchaft=
liches
Streben und geſittete Aufführung der Bewerber ent=
ſcheidend
. Heſſiſche Staatsangehörige werden in erſter
Linie berückſichtigt. 3. Ein Stipendium aus der Heinrich=
Eckſtein=Stiftung an einen fleißigen, materieller Unter=
ſtützung
bedürftigen heſſiſchen Studierenden. 4. Ein Berg
mann=Stipendium an einen heſſiſchen Studierenden aus
der Provinz Starkenburg oder Oberheſſen, höchſtens auf
drei Jahre. 5. Ein Stipendium aus der Stiftung von
Induſtriellen des Großherzogtums Heſſen und benachbar=
ter
Gebiete an hervorragend befähigte Studierende, die
Angehörige des Deutſchen Reiches ſind, zur Erweiterung
und Fortſetzung ihrer Studien. Die als Bewerber auftre=
tenden
Studierenden haben ihre Geſuche bis ſpäteſtens
Donnerstag, den 12. Mai ds. Js., an das Rektorät einzu=
liefern
. Bewerbungsvordrucke ſind im Sekretariat erhält=
lich
. Nach einem Beſchluſſe des Großen Senats können
nur diejenigen Studierenden bei Vergebung von Studien=
gelderlaſſen
oder bei Verleihung von Stipendien im kom=
menden
Semeſter berückſichtigt werden, die ihr Wiſſen und
Können durch Beteiligung an den Semeſtral= Schlußprü=
fungen
bekundet haben. In denjenigen Lehrgegenſtänden,
in denen Semeſtralprüfungen nicht abgehalten worden ſind
iſt der Nachweis über Fleiß in den Uebungen zu erbrin=
gen
. Aus der Jubiläumsſtiftung früherer Studierender
der Techniſchen Hochſchule und aus der Jubiläumsſtiftung
der Stadt Darmſtadt können Stipendien im Betrage von
325 Mark und 395 Mark, zuſammen 720 Mark, an ſtreb=
ſame
, talentvolle Studierende vergeben werden, die mit
Erfolg und geſitteter Führung ihre geſamten Studien an
der Techniſchen Hochſchule hier vollendet haben. Diejeni=
gen
Studierenden, die ihre geſamten Studien an der Tech=
niſchen
Hochſchule hier vollendet haben und auf Bewil=
ligung
dieſer Stipendien reflektieren, haben ihre Bewer=
bungen
ſpäteſtens bis zum 1. Mai an das Rektorat der
Hochſchule einzureichen. Förmulare zu Bewerbungen ſind
im Sekretariat koſtenfrei erhältlich.
* Von der Landesbrandverſicherungsanſtalt. Im
jähre 1908 betrüg die Zahl der verſicherten Gebäude
187771, die Zahl der Brände 703. Das Brandverſiche=
rungskapital
belief ſich auf 2155 Millidnen Mark. Da auf
je 1000 Mark Umlagekapital 60 Pfg. Brandſteuer feſtgeſetzt
waren, ſo wurden 1293 202 Mark an Umlage erhoben. An
Brandentſchädigungen wurden gezahlt 556 238 Mark. die
Verwaltungskoſten hatten eine Höhe von 185 236 Märk,
für erhöhten Feuerſchutz wurden 285000 Mark an Ge=
meinden
vergütet und die Feuerlöſchkaſſe erhielt einen
Beitrag von 90500 Mark. Die durchſchnittliche Verſiche=
rungsſumme
einer Hofreite iſt von 8751 Mark im Jahre
1895 auf 11 632 Mark in 1908 geſtiegen. Auf den Kopf
der Bevölkerung kommt eine Verſicherungsſumme von 1721
Mark gegen 1349 Mark im Jahre 1895.
Rotes Kreuz. Die ordentliche Hauptverſammlung
(Mitgliederverſammlung) des Heſſiſchen Landesvereins
vom Roten Kreuz findet Montag, den 14. Februar, nach=
mittags
ſtatt. Gleichzeitig iſt eine Sitzung des Verwal=
tungsrats
des Vereins, um auf. Vörtrag der Res
viſionskommiſſion den Bericht des Verwaltungsrates an
die Hauptverſammlung über die Prüfung der Vereinsrech=
nung
für 1908, ebenſo wie den Voranſchlag über Einnahuie
und Ausgabe des Vereins für das Jahr 1910 feſtzuſtellen,
ferner Erſatzwählen für die vom Verwaltungsrat gewähle
ten Vorſtandsmitglieder, welche ausgeſchieden ſind, oder
jetzt auszuſcheiden haben, vorzunehmen und die ſonſt ge=
maß
§ 16 der Statuten erforderlichen Beſchlüſſe zu faſſen,
Was bezweckt die Jugendſchriften=Ausſtellung im
Darmſtädter Rathaus? Sie tritt ein mit dem Elternhaus,
der Schule und der Geſellſchaft in den Kampf gegen die
geſchmackloſen, ſittenverderbenden Schrift= und Bildwerke.
Sie will Eltern und erwachſenen Familiengliedern gute,
von Prüfungsausſchüſſen für das entſprechende Alter emp=
fohlene
Bücher und Kunſtgaben vorlegen; ſie will die Be=
kanntſchaft
mit der Jugendliteratur vermitteln, vor Miß=
griffen
im Ankauf der Bücher bewahren und eine das
wamilienwohl. fördernde Hausbücherei begründen helfen.
Erwachſenen geſtattet ſie, Bücher und Kunſtmappen zu be=
liebiger
Einſichtnahme in die Hand zu nehmen, Rückſicht=
nahme
auf die Werte und Schonung des Aeußeren der
Ausſtellungsobjekte iſt bei ihnen Vorausſetzung, nichtſ
bei Kindern, ſie ſollen nur in Begleitung der Eltern die
Ausſtellung beſuchen und vom Berühren und Blättern in
den Büchern uſw. abgehalten werden; Anſchauen muß hier
genügen. Die am nächſten Samstag und Sonntag (11 bis
12¼ Uhr und 47 Uhr) geöffnete Ausſtellung bietet man=
ches
Neue; es ſei hier beſonders hingewieſen auf die in
der Abteilung Bilderbücher vom Verlag Alfr. Hahn=
Leipzig eingegangenen ganz vorzüglichen Caſpari=Werke
Kinderland, du Heimatland, Mit Sang und Kläng das
Jahr entlang, auf das dem jugendlichen Betätigungs=
trieb
dienende Anſchauungs= und Darſtellungsbuch, dem
ſich würdig anreihen derſelben Verfaſſerin allerliebſte Zei=
chen
= und Mälbücher ſowie Schreibers (Eßlingen) Aus=
ſchneidarbeiten
und die Teubnerſchen Künſtler= Modellier=
bogen
. Vermehrt iſt ferner G. W. Dietrichs Sammlung
Münchener Künſtler=Bilderbücher die auch in die Spiel=
ſtube
unſerer Großherzoglichen Prinzchen Eingang gefun=
den
, und deſſen für das Knabenalter empfehlenswerte Loh=
meyer
=Bücherei. Vermerkt ſeien noch die Auswahl von

Ein Vulkanausbruch im Meere.

** Die Entſtehung einer neuen Inſel
in der
Boguslaw=Inſelgruppe durch
einen Vulkanausbruch unter dem Meere, die
eines der intereſſanteſten geologiſchen Phänomene der
letzten Jahre darſtellt, iſt von der amerikaniſchen
Wiſſenſchäft genau beobachtet und unterſucht worden.
Eine ausführliche, durch Photographien erläuterte
Darſtellung dieſes Vorganges wird jetzt im American
Mägazine veröffentlicht.
Die erſte der Boguslaw=Inſeln, die zu der Aleuten=
gruppe
in der Behringsſtraße gehören, wuchs ſeit
1826 ſichtbar immer mehr an; es bildete ſich dann eine
zweite Inſel, die Neu=Boguslaw genannt wurde, und
auch ein Streifen Land ſtieg aus dem Meere auf, der
die beiden Inſeln miteinander verband. Eine neue
Boguslaw=Inſel bildete ſich dann im Winter 1886/87,
und im Jahre 1905/06 erſchien über dem Waſſerſpiegel
eine vulkauiſche Erhebung, die den Namen Metcalf=
Perry=Kegel erhielt. Dieſer Kegel verſchwänd am
7. Juli 1908 und es bildete ſich nun ein langer, enger
Streifen Landes heraus, der die alte und die neue
Böguslaw=Inſel miteinander verband und etwa 4 eng=
liſche
Meilen Ausdehnung hat. Auf die erſten An=
zeichen
dieſer neuen vulkaniſchen Umformung der
Inſelgruppe hin wurde der amerikaniſche Dampfer
Albatros zur Beobachtung dieſer Erſcheinung ab=
geſandt
und konnte ein großartig merkwürdiges Schau=
ſpiel
betrachten.
An einer beſtimmten Stelle des Ozeans wölbte ſich
die Oberfläche wie ein Dom empor, ſank dann in ſich
zuſammen und ſchwoll wieder auf. Es war, wie weun

eine ungeheure Macht unter dem Meere rieſige Blaſen
in die Höhe würfe, denen ein gewaltiges Heraufſtrömen
von Gas, Rauch und Dampf folgte. Der Ausbruch des
ſubmarinen Vulkans gewann mit reißender Schnellig=
keit
an Umfang; allmählich ſchien es, als wöllte er
Meer und Himmel zu einem einzigen Chaos verſchmel=
zen
; die Oberfläche des Ozeans brodelte, kochte und
rauchte wie ein unermeßlich großer Hochofen. Eine
etwa 3 engliſche Meilen breite Säule von Feuer und
Rauch, in der Felsſtücke und Lavamaſſen aufſchoſſen,
ſtieg in die Wolken empor und erfüllte die Luft mit
einer düſteren Glut und einem dröhnenden, donnernden
Lärm. Laute Exploſionen knallten dazwiſchen, wie
gigantiſche Schüſſe, aus unſichtbaren Rieſenkanonen
abgefeuert. Eine glühende Hitze haüchte die Mann=
ſchaft
des Albatrös mit verſengendem Feueratem an
und machte ſich auf einem Umkreis von 50 engliſchen
Meilen bemerkbar. Auch das Waſſer des Meeres war
erbitzt. In dem qualmigen Steingewirr der Rauch=
ſäule
war ein ſtarker Feuerſtrom zu erkennen, der rot
hervorleuchtete und dann wieder in einem ſchaurigen
Farbenſpiel durch gelbe, blaue und dunkelbraune
Reflexe verborgen war. Die in den Himmel geſchleu=
derten
geſchmölzenen Maſſen kamen in einem ziem=
lich
abgekühlten Zuſtande wieder herunter und fielen
mit einem beſtändigen Ziſchen und Aufklatſchen in den
Ozean, wöbei ſie heiße Waſſerwellen ausſandten, die
den Albatros in Gefahr brachten. Ein Aſchenregen
ging von der Feuerſäule aus und wurde in den Dampf=
wolken
weithin getragen. Nachdem der Ausbruch etwas
mehr als eine Stunde gewährt hatte, bildete ſich all=
mählich
auf dem Waſſer rings um die Baſis der Feuer=
ſäule
eine dunkelbraune feſte Maſſe von unregelmäßi=
ger
Geſtalt. Das neue Stück Land begann ſich, aus

der glühenden Tiefe geboren, langſam zu bilden. Die
Lava hätte das viele hundert Faden tiefe Waſſer über
dem Krater ausgefüllt und ſtieg nun über dem Meeres=
ſpiegel
empor. Höher und höher wuchs ſie auf, während
das Emporwallen von Flammen, Rauch und geſchmöl=
zenem
Geſtein immer weiter fortdauerte; immer weiter
und weiter dehnte ſich dieſer feurige Berg aus, bis
ſchließlich der Gipfel dieſer neuen pulkäniſchen Spitze
eine Höhe von etwa 1000 Fuß erreichte.
Von der Entſtehung und dem Zuſtand der neuen
Inſel wurden genaue photographiſche Aufnahmen ge=
macht
. Einige Zeit ſpäter legte der amerikaniſche
Kutter Perry an dem neuen Lande an, und ein Teil
der Mannſchaft ging an Land, wo die amerikaniſche
Flagge aufgepflanzt wurde. Der Boden war faſt uner=
träglich
heiß, ſo daß die Schuhe bald dürchbrännten:
wenn man ein Thermometer in ein Loch ſteckte, ſp ſtieg
das Queckſilber ſo raſend in die Höhe, daß es ſofort
das Glas zerſprengte. Trotz dieſer Gefahr wurde die
Inſel durchforſcht. Das Entweichen größer Dampf=
und Gasmengen auf einer Maſſe von flüſſiger oder
halbflüſſiger Lava verurſacht die Entſtehung ſtarker
Anſammlungen von ſogenanntem Schaum auf der
Oberfläche. Dieſer Schaum, der wie Blaſen auf einem
Waſſerſtrudel aus der unruhig glühenden Fläche auf=
ſteigt
, bedeckte noch den Böden des neuentſtandenen
Eilandes. Der Vulkan blieb noch eine Zeitlang im
Zuſtande des Ausbruchs, bis dann ſein hoher Kegel
verfiel. Endlich verſchwand der Kegel in einem
koloſſalen Ausbruch von Dampf und vulkaniſcher Maſſe
völlig, und nun erſt gewann die rings um ihn ſich aus=
dehnende
Landfläche ihre bleibende Geſtalt, die die=
Erde um ein neues Stück feſten Bodens bereicherte.

[ ][  ][ ]

Bethagen u. Klaſſigs Moderne erzähleide Proſal, die
Sammlung Gute Jugendſchriften der Schiller= Buchhand=
lung
(Charlottenburg), ſowie die Gruppen der Verlage
Callwey, Janſſen, Hendel u. a., die bei ihrem gediegenen
Inhalt und den mäßigen Preiſen eine beſondere Beachtung
verdienen. Die 10 und 20 Pfg.=Literatur, die ein Erſatz
ſein ſoll für die der Jugend bisher angebotenen Schund=
hefte
, iſt auf einem beſonderen Tiſch aufgelegt. Der
Beſuch der Ausſtellung ſei hiermit warm empfohlen. Der
Eintritt iſt frei.
Odenwaldklub. Am Samstag, den 12. ds. Mts.,
abends, veranſtaltet die Ortsgruppe Reinheim des
Odenwaldklubs im großen Saale des Gaſthauſes Zum
Schwanen in Reinheim ein Dekorierungsfeſt, zu dem ſie
die Mitglieder der Ortsgruppe Darmſtadt eingeladen hat.
Denjenigen hieſigen Klubmitgliedern, die an dem Feſte teil=
nehmen
wollen, ſei ein gemeinſamer Spaziergang nach
Reinheim am Samstag nachmittag empfohlen. Abmarſch
um 2,30 Uhr von dem botaniſchen Garten (Roßdörfer
Straße), für die übrigen Teilnehmer iſt gemeinſame Fahrt
mit dem Zuge 6,36 Uhr ab Roſenhöhe vorgeſehen. In dem
Programm des Feſtabends iſt u. a. auch eine Aufführung:
Das Volkslied in der Odenwälder Spinnſtube enthalten.
Ortsgewerbeverein. Ueber die deutſche Nüchtern=
heitsbewegung
und die Gründe hierfür wird heute abend
im Ortsgewerbeverein Herr Poſtinſpektor Kraft einen
Vortrag halten. Der Vortrag findet im Gelben Saal
des Reſtaurants Sitte ſtatt. (S. Anzeige.)
Martinsgemeinde. Der dritte Vortrag für die evan=
geliſchen
Männer unſerer Gemeinde findet am Montag,
den 14. Februar, abends, im neuen Gemeindehauſe ſtatt.
Herr Chefarzt Dr. med. Sell wird ſprechen über: Die
Tuberkuloſe, einer der gefährlichſten Feinde der Volks=
wohlfahrt
. (Siehe auch Anzeige.
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitaliederſtand betrug am 5. Februar I. J. männ=
lich
8679, weiblich 5677, zuſ. 14356, in Prozenten 60,47,
39,53; am 29. Januar l. J. männlich 8604, weiblich 5621,
zuſ. 14 225, in Prozenten 60,48, 39,52. Der Kranken
ſtand betrug am 5. Februar I. J. männlich 506, weiblich
206, in Prozenten 5,83, 3,63; am 29. Januar l. J. männ=
lich
487, weiblich 200, in Prozenten 5,66, 3,55. An
Krankengeld wurden gezahlt in der Woche vom
31. Jan. bis 5. Februar l. J. 6118,51 Mk., in der Woche
vom 24. Januar bis 29. Januar l. J. 5600,54 Mk.
An Wöchnerinnen waren vorhanden am 5. Februar
1. J. 42, am 29. Januar l. J. 39: Sterbefälle
kamen vor in der Woche vom 31. Januar bis 5. Februar
1. J. 1; vom 24. Januar bis 29. Januar l. J. 2.
Liedertafel. Kommt, ſeht und ſtaunt; ſo lautet
das Motto an alle Närrinnen und Narren, die den am
12. Februar in der Turnhalle am Woogsplatz ſtatt=
findenden
Maskenball, der unter dem Titel Ein Abend
am Rhein abgehalten wird, beſuchen wollen. Die ge=
ſchmackvolle
Dekoration iſt dem Charakter des Feſtes
angepaßt und verſetzt die Beſucher ganz in das Leben
und Treiben am Rhein, ſowie in die Zeit der Rhein=
ſage
, die durch den Einzug des Rheinvaters, der drei
Rheintöchter, Nixen, ſowie durch die Darſtellung der
Loreley verkörpert wird. Ein luſtiger Reigen von
Winzern und Winzerinnen wird zur fidelen Stimmung
des Feſtes beitragen. Damit aber nicht nur für das
Auge, ſondern auch für leibliche Bedürfniſſe geſorgt iſt,
wird eine rheiniſche Sekthöhle die Dürſtenden erquicken.
Auch unſere vielbeliebte 61er Kapelle unter der Leitung
ihres Muſikmeiſters M. Weber wird wie immer ihr
möglichſtes leiſten. Wie in den vergangenen Jahren,
ſo verſpricht auch dieſer Maskenball wieder hervorragend
zu werden.
Die Stammtiſchgeſellſchaft Die Ungewiſſen
begeht morgen Samstag abend im Konkordiaſaal,
Waldſtraße, ein Maskenkränzchen. (Näheres Anzeige.)

Orpheum. Das Auftreten der Original= Harems=
damen
, ſowie des übrigen glänzenden erſten Februar=
Programms dauert nur noch vier Tage, bis inkluſive
15. d. M.
Olympia=Kinematograph, Ernſt Ludwigſtraße
Das neue Programm gelangt nur heute, Freitag, zur
Vorführung. Eine beſonders ſchöne Nummer iſt der
realiſtiſche Kunſtfilm: Das verwunſchene Schloß, ei
Drama in 16 Abteilungen. Morgen, Samstag, wie=
der
vollſtändig neues Programm, da der Programm=
wechſel
nunmehr Dienstags und Samstags
ſtattfindet. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Unfall des Aviatikers Euler. Herr Aug. Euler,
der bekanntlich auf dem Truppen=Uebungsplatz zurzeit
einen neuen, mit 80 Ps=Motor ausgeſtatteten Apparat
probiert, der für Paſſagierfahrten eingerichtet iſt, erlitt
geſtern abend einen Unfall. Wie uns Augenzeugen mit=
teilen
, ſtieg der Apparat nach zirka 20 Meter Anlauf glatt
in die Höhe, fing dann aber im Fluge in Höhe von zirka
40 Metern plötzlich an zu pendeln, neigte ſich und ſtürzte
ſeitlich ab.
Wie wir an zuſtändiger Stelle hierzu erfahren, han=
delt
es ſich eigentlich nicht um einen Abſturz, ſondern der
Apparat, der mit 80 Kilometern Geſchwindigkeit und in
100 Meter Höhe flog, wurde durch den ſtarken Wind
beim Nehmen der Kurve auf die Erde gedrückt. Der neue
Apparat funktionierte ſonſt tadellos. Die Flugverſuche
können ſchon in zwei Tagen fortgeſetzt werden.
§ Tierquälerei. Im Jahre 1909 wurden von der hie=
ſigen
Schutzmannſchaft in 24 Fällen Strafanzeigen wegen
Tierquälerei erhoben. In 13 Fällen handelte es ſich um
rohe Mißhandlungen von Zugtieren durch Stock= und
Peitſchenhiebe, ſowie Treten mit beſchuhtem Fuß, in 4 Fäl=
len
um Verwendung von mit offenen Wunden behafteten
Tieren zum Ziehen, in 1 Fall um Fortziehenlaſſen einer
lahmen Kuh durch einen Zugochſen und in 6 Fällen um
rohe Mißhandlung von Hunden und Katzen. Das gegen
die Angezeigten eingeleitete Strafverfahren hatte Geld=
ſtrafen
von 5 bis 30 Mark, ſowie in drei Fällen Haft=
ſtrafen
zur Folge.
Groß=Umſtadt, 8. Febr. Für den Umbau des ſo=
genannten
Darmſtädter Schloſſes, in dem
außer der Bezirkskaſſe auch die Oberförſterwohnung
ſich befindet, ſind im diesjährigen Hauptvoranſchlag
30000 Mark von der Regierung eingeſtellt, aber von
dem Finanzausſchuß geſtrichen worden. Da die Ober=
förſterwohnung
durch die zuſtändigen Organe für ge=
ſundheitsgefährdend
erklärt worden iſt, das Gebäude
aber unter Denkmalſchutz ſteht und erhalten werden
muß, glaubt man, daß bald eine Regelung der ſchwe=
benden
Angelegenheit erfolgen wird. Ferner ſtand die
Auflöſung der hieſigen Bürger=(Mädchen)=
Schule auf der Tagesordnung der Stadtverordneten=
Sitzung. Eine Vorſtellung an die Zweite Kammer
wurde beraten und beſchloſſen.
Offenbach, 10. Febr. In der heutigen öffentlichen
Sitzung des Kreisausſchuſſes wurde der Rekurs des
zum Beigeordneten der Gemeinde Mühlheim a. M. ge=
wählten
ſozialdemokratiſchen Gemeinderats Peter Erk=
rath
III. gegen die Nichtbeſtätigung ſeiner
Wahl durch das Kreisamt verworfen.
Mainz, 10. Febr. Ein Fremder, der geſtern zufällig
nach Mainz kam, mußte einen eigenartigen Begriff bekom=
men
. Bei vielen Wirtſchaften waren am hellen Tag die
Läden geſchloſſen. Lichtſchimmer und Geſang drangen
heraus und nachts ſah man feierliche Umzüge, wo bei Ker=
zenſchein
und Schoppengläſern eine große Strohpuppe um
das Straßengeviert getragen und dann dem Flammentod

geweiht wurde. Man begrub die Mainzer Faſt=
nacht
. Auch der Karnevalverein nimmt alljähr=
lich
am Aſchermittwoch dieſen feierlichen Akt vor. Zu=
nächſt
verſammelten ſich mittags in der Stadthalle die Mit=
glieder
des Komitees und der Ausſchüſſe zum ſtärkenden
Frühſtück, worauf man Kraft genug beſaß, die glitzernden
Orden und die bunten Narrenkappen mit langem Trauer=
flor
zu verhüllen. Unter den gedämpften Klängen des
Narrhallamarſch zogen ſie dann hinaus, in den Händen
Stäbe mit den Blumen von der Halledekoration, zung
Dampfboot, das mit Fahnen und den Rieſenzwillinges
vom Zuge geſchmückt war und an deſſen Schornſtein mat.
einen gewaltigen Affen hißte. Die Sonne, die man in den
letzten Tagen ſo ſchmerzlich entbehren mußte, lachte freund=
lich
dazu; die Böller krachten, die Muſik ſpielte Trauer=
märſche
und vom Ufer aus wehten weiße Tücher dem
Schiffe freundliche Grüße zu, das ſeine Fahrt nach Nieder=
Walluf nahm. Dort zog man durch den Ort, der in helle
Aufregung geriet, warf Konfetti und zeigte den Aſchermit=
wochsaffen
. Dann ging es in das Hotel Zum Schwanen
zu trefflichem Mittagsmahle, das feurige Weine und Sekt
würzten. Nachdem die beiden Rieſenzwillinge getauft wa=
ren
, wobei die Generäle der beiden Garden zu ihren Pa=
ten
ernannt wurden, ſchritt man zu der feierlichen Weihe
derer, die zum erſten Male der Aſchermittwochsfahrt teil=
haftig
wurden. Dann gab es allerlei heitere Vorträge,
und auch die Bedienſteten der Karnevalvereins müſſen an
dieſem denkwürdigen Tage auf das Podium, um zu ſin=
gen
und Reden zu halten. Nach Einbruch der Dunkelheit
ging es unter Fackelſchein wieder zum Dampfer, der mit
Böllerkrachen gegen ½10 Uhr vor der Stadthalleterraſſe
anlegte. Eine große Menſchenmenge gab den Ausſtei=
genden
dann das Geleit zum Platz vor dem Haupteingang
der Halle, wo unter tiefempfundenen Anſprachen der Aſcher=
mittwochsaffe
den Flammentod erlitt. In die praſ=
elnden
Flammen flogen die Karnevalsmützen, die Nar=
renfahne
und die Blumenſtäbe. Die Mainzer Faſtnacht
war offiziell begraben. Dann ſuchte man das Reſtaurant
Meid auf dem Käſtrich auf, wo man bei Bier und Konzert
noch lange Stunden angeſtrengt beſchäftigt war, ſich zu
tröſten. (Tgbl.)
Mainz, 10. Febr. Das Mainz. Tgbl. berichtigt die
Mitteilungen über den Preßprozeß des Baſſiſten
Pacyna gegen den Opernreferenten Würzburger. Es ſei
falſch, daß die Verhandlung auf Ende März vertagt
worden iſt, weil Herr Pacyna einen größeren Schrift=
ſatz
eingereicht habe, ſondern die neue Verhandlung fin=
det
am 14. März ſtatt und der Grund der Vertagung iſt
nicht der Schriftſatz des Klägers, ſondern die ausführ=
liche
Entgegnung des Herrn Würzburger, zu deren Be=
antwortung
der klägeriſche Anwalt die Vertagung be=
antragte
. Ebenſo falſch ſei, daß Herr Pacyna den
Schadenserſatz dafür geltend macht, daß ein Engage=
ment
mit Dresden zurückgegangen ſei. Die Klage
ſpricht nur von abgebrochenen Verhandlungen mit
Direktor Gura für Berlin. Da es ſich ferner in der
Klage nur um die Feſtſtellung handelt, ob überhaupt
Schadenserſatz gefordert werden kann, ſei natürlich auch
keine Summe, geſchweige denn 30000 Mark, angegeben.
Mainz, 10. Febr. Der Gefangenaufſeher Rapp
vom Provinzialarreſthaus wurde vor einigen Tagen
plötzlich von der Staatsanwaltſchaft ſeines Dienſtes
enthoben. Er ſoll ſich durch Gefangene haben beſtechen
laſſen, beſtreitet dies aber. Während geſtern eine
Frau in der Steingaſſe ihre beiden Kinder auf kurze
Zeit in der Wohnung allein ließ, tranken ſie eine noch
halbgefüllte Arzneiflaſche aus. Als die Frau
heimkam, waren die beiden Kinder bewußtlos. Da
man die Urſache raſch entdeckte, gelang es einem Arzte,
die Kinder nach einiger Zeit wieder zu ſich zu bringen.
Der frühere Direktor des hieſigen Schlacht= und
Viehhofs, Schüler, der erſt vor wenigen Monaten in

Vorträge.
2

Am Mittwoch beendete Herr Prof. Berger
den im Verein für Verbreitung von Volks=
bildung
gehaltenen Vortragszyklus über Kultur=
geſchichte
des Mittelalters. Durch die ſechs
Vorträge, welche in ihrer Klarheit, Gruppierung und
Anſchaulichkeit den Zwecken des veranſtaltenden Ver=
eins
vorzüglich entſprechen, wurde ein umfaſſendes
Bild der Zeit vom Tode Karls des Großen bis zur
Mitte des 12. Jahrhunderts, einer für die Entwicklung
unſeres Volkstums wichtigen Epoche, entrollt. In
muſtergültiger Weiſe würdigte der Redner die verſchie=
denen
kulturgeſchichtlichen Gebiete und ging nach Dar=
legung
der hiſtoriſchen Ereigniſſe auf die Entwicklung
des geſamten Lebens in Staat, Familie, Volkswirt=
ſchaft
, Religion, Wiſſenſchaft und Kunſt ein. Bedeut=
ſame
Momente äußerer und geiſtiger Natur, die für die
folgenden Jahrhunderte von beſtimmendem, folgen=
ſchwerem
Einfluß ſein ſollten, wurden ſcharf heraus=
gehoben
, ſo daß der Zuhörerſchaft damit intereſſante
Ausblicke in die weitere Kulturentwicklung eröffnet
waren und gleichzeitig der lebhafte, wohl allgemeine
Wunſch rege geworden iſt, es möge dem Verein ge=
lingen
, Herrn Prof. Berger im nächſten Winter zu
einer Fortſetzung ähnlicher Art zu gewinnen. Jenes
frühe Stadium deutſcher Geſchichte kennzeichnet ſich
hinſichtlich ſeiner Kultur als ein kirchliches, während
es nach den Gegenſätzen und Kämpfen geiſtlicher und
weltlicher Art von der Laienkultur abgelöſt wurde.
Gewaltige Konflikte, das Ringen zwiſchen Königtum,
Stammesfürſten und Papſttum ſpielten ſich in ihm ab=
mächtige
, geiſtige Strömungen (die Kluniazenſiſche, die
Kreuzzugsbeginne uſw.) vollzogen ſich, neue Stände
(Ritterſchaft, Bürgertum der Städte) entſtanden und
das von ſtolzer Höhe niedergegangene Kaiſertum ſollte
als Nachfolger die Hohenſtaufen erhalten.
Nachdem der Vortragende geſchloſſen hatte, knüpfte
namens des Vereins Herr Reallehrer Lerch an den
reichen Beifall der Zuhörerſchaft an und ſprach Herrn
Profeſſor Berger deren warmen Dank nebſt der Hoff=
nung
des Wiederſehens zu gleichem Zwecke aus. Der
ſtarke, während des ganzen Verlaufs der Vortrags=
reihe
treu gebliebene Beſuch aus allen Kreiſen der Be=
völkerung
war der beſte Beweis, daß der Verein für
Verbreitung von Volksbildung ſeine Aufgabe richtig
erfaßt und wieder einmal ſich erfolgreich zu betätigen
verſtanden hat. Er wird, wie Herr Lerch noch mitteilte,
am 18 d. Mts. einen Vortrag des Herrn Prof. Meiſel
hier über das aktuelle Thema Kometen insbeſon=
dere
den Halleyſchen, am 26. und 28. d. M. im Anſchluß
an die jetzige Vortragsreihe zwei Vorträge des Herrn
Regierungsbaumeiſters Zeller=Charlottenburg über Ar=
chitektur
der von Herrn Profeſſor Berger behandelten
Zeit, dazwiſchen am Sonntag, den 27. d. Mts., einen
Volksunterhaltungs=(Schumann)=Abend und am 10.
März zur Erinnerung an Königin Luiſe, deren 100 Todestag in dieſem Jahre iſt, einen Vortrag
des Herrn Profeſſor Bader bringen.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

* Ueber das geſtern ſchon erwähnte Gaſtſpiel
der Frau Kaſchowska als Iſolde in Rom
ſchreiben die italieniſchen Blätter folgendes: Il Meſ=
ſagero
Frau Kaſchowska gab mit ſeltener dramati=
ſcher
Geſtaltungskraft die Rolle der Iſolde. Die vor=
nehme
Künſtlerin, die als eine der erſten Wagner=
Sängerinnen angeſehen wird, beſitzt eine umfangreiche,
ſtarke Stimme, müſterhafte Beherrſchung der Phraſier=
ung
, unfehlbare Sicherheit des Anſatzes. In der Liebes=
trank
=Szene, im Liebes=Duett und beim Liebestod er=
wies
ſich Frau K. wahrhaft würdig des Rufes, den ſi
Il Tirſo
ſich zu erwerben verſtanden hat.
Frau Kaſchowska wird heute für die intelligenteſte
Interpretin Wagnerſcher Melodramen angeſehen. Pie=
tro
Mascagni wählte ſie unter den vielen Künſtlerin=
nen
aus, die er vorigen Sommer hörte. Die hochbe=
gabte
Künſtlerin, die unſerer Sprache nicht mächtig war,
verſprach, ſie zu ſtudieren, und im Dezember bereit zu
ſein, und ihrem Verſprechen treu, ſtellte ſie ſich recht=
zeitig
zu dieſer großen Probe ein. Frau Kaſchowska
iſt ſchon auf den hervorragendſten deutſchen und ruſ=
ſiſchen
Bühnen aufgetreten, mit mehr als ſchmeichel=
haftem
, mit geradezu enthuſiaſtiſchem Erfolg. Zu ihrer
ſchönen, eleganten Figur, ihrer blendenden Intelligenz
geſellt ſich eine große muſikaliſche Bildung, die Kennt=
nis
echteſter Wagner=Traditionen, eine ſtarke Stimme,
ausdrucksvolles Spiel und Bühnenſicherheit. La
Tribuna: Frau Kaſchowska wird allgemein als
eine der beſten Iſolden angeſehen, und gewiß iſt, daß
ſie ſeltene künſtleriſche Eigenſchaften beſitzt: große Rein=
heit
der Ausſprache, ſtarke Stimme, außerordentliche
Sauberkeit und rhythmiſche Genauigkeit, ſchönen dra=
matiſchen
Ausdruck, abſolute Bühnenſicherheit.
Il popolo Romano: Frau Kaſchowska, eine
ideale Frauengeſtalt von reinſten Linien und ſchönen,
wie gemeißelten Formen, mit mildem, ſanftem Blick
hat die Partie der Iſolde dargeſtellt. Schon viele Lor=
beeren
hat Frau Kaſchowska an der Metropolitan=
Oper, dem erſten Theater New=Yorks, geerntet. Die lei=
denſchaftliche
und ſchwere Rolle liegt ihr zur Vollend=
ung
. Frau K. als Fremde läßt vielleicht den Unterſchied
zwiſchen ihrer und unſerer Schule fühlen, aber gewiß
iſt, daß ſie eine große Schauſpielerin und eine große
Sängerin iſt. Mit überſtrömender Leidenſchaft und
ſtärkſtem muſikaliſchem Empfinden hat ſie die Rolle der
ungetreuen Königin unvergleichlich ſchön dargeſtellt.
Alle Leidenſchaften, welche die Seele der Heldin be=
wegen
, gab ſie mit erſtaunlicher Wahrheit und klaſſi=
ſcher
Maßhaltung wieder, ſo daß ſie ſchon bei der erſten
Szene mit Brangäne ſpontanen und lebhafteſten Bei=
fall
erntete, der ſich bis zum Enthuſiasmus ſteigerte in
den folgenden Szenen mit Triſtan, welche ſo enorme
Anforderungen an die ausübenden Künſtler ſtellt.
Corriere delmatino: Frau Kaſchowska, die
wahrhafte Beherrſcherin der Bühne, vermochte der
Iſolde, dank ihrer großen Ausdrucksfähigkeit, eine un=
vergeßliche
Geſtaltung zu geben. Die große Künſtlerin
geht vollſtändig in der Rolle der Iſolde auf; ihre
innerſte Seele offenbart ſie uns in den leidenſchaftlich=
ſten
Akzenten, und durch ihr glühendes Feuer wird die

Kunſt zur Wahrheit. Ihre herrliche Geſtalt mit den
edlen Zügen eignet ſich vorzüglich zur Verkörperung
der irländiſchen Fürſtin in ihrer hinreißenden Liebes=
glut
, welche der Liebestrank bis zur Verzückung ſtei=
gert
. Die Stimme iſt umfangreich und volltönend, der
Anſatz wunderbar.
* Frau Feo v. Weingartner, die Gemahlin
des Wiener Hofoperndirektors, hat ſich an der Wiener
Univerſität als Studentin der Medizin ein=
tragen
laſſen. Die junge Frau legte erſt vor einigen
Tagen an einer Wiener Oberrealſchule die Abiturien=
tenprüfung
ab, und zwar mit Auszeichnung‟. Das
neue Statut geſtattet ihr, die Univerſität ſchon jetzt zu
beziehen, obgleich ſie die Prüfung für Latein erſt im
Herbſt machen kann. Frau v. Weingartner hat den ge=
ſamten
Stoff der Realſchule in drei Jahren bewältigt.
* Die neuen bulgariſchen Briefmar=
ken
. Bulgarien hat es verſchmäht, um ſeine Poſtkaſſe
zu füllen oder aus ſonſtigen finanziellen Gründen
das auch bei einigen europäiſchen Staaten beliebte mit=
telamerikaniſche
Syſtem häufigen Wechſels der Poſt=
wertzeichen
nachzuahmen. Trotz der im Vorjahre aus=
gerufenen
Unabhängigkeit und Erhebung zum König=
reich
ſind die Briefmarken dieſelben geblieben. Jetzt
nähert man ſich der Neige des vorhandenen Reſtes und
wird demnächſt die neuen, bei Bradbury Wilkinſon
u. Ko. in London vollendet künſtleriſch hergeſtellten
Wertzeichen ausgeben. Es ſind ausſchließlich bul=
gariſche
Motive verwendet worden, und ähnlich wie bei
den bosniſch=herzegowiniſchen Marken zeigen die Rän=
der
Motive bulgariſcher Stickereien. Die 1=Stotinka=
Marke ſtellt die Burg des bulgariſchen Zaren Allen
bei Stanimak ſüdlich von Philippopel dar, die 3= Sto=
tinka
=Marke die Stadt Tirnowa, wo die Unabhängig=
keit
ausgerufen wurde, die 15=Stotinka=Marke den
Durchbruch des Iskerfluſſes durch den Balkan, einen
überaus maleriſchen Teil des Landes, der von der
bulgariſchen Nordbahn durchzogen wird; die 30= Sto=
tinka
=Marke zeigt uns das prächtige, in ſüdlicher Alpen=
landſchaft
gelegene Rilokloſter, die 2=Lewa=Marke das
Kloſter Sweti Troitza im Balkan und die 3=Lewa=
Marke den Hafen von Warna. Den Zaren Ferdinand
und die Prinzen ſtellen die anderen hier nicht genann=
ten
Marken im Werte von 2, 5, 10, 25, 30 Stotinka und
1 Lewa dar. Letztere Marke zeigt den Zaren in alt=
bulgariſcher
Zarentracht. Im ganzen ſind 150 Mil=
lionen
Marken beſtellt.
In den nächſten Tagen erſcheint im Verlage von
S. Schottlaender, Schleſ. Verlagsanſtalt, Berlin W. 9,
das neueſte Werk von Ernſt von Wolzogen,
Leidige Schönheit, ein Roman im Laufſchritt, illuſtriert
von Paul Telemann.
* Berlin, 9. Febr. Die gemeinſchaftliche Kom=
miſſion
des Deutſchen Bühnenvereins und
des Verbandes deutſcher Bühnenſchrift=
ſteller
, die unter dem Vorſitz des Generalintendan=
ten
Poſſart hier tagt, beendete geſtern die Vorarbeiten
für einen neuen Normalaufführungsvertrag. Es wurde
eine vollſtändige Einigung zwiſchen den beiden Kör=
verſchaften
erzielt. Die Generalverſammlung der bei=
den
Verbände hat den Vertrag noch zu genehmigen.

[ ][  ][ ]

den Ruheſtand getreten war, iſt heute vormittag an
einem Schlaganfall plötzlich geſtorben.
Gau=Algesheim, 10. Febr. Den 70. Geburtstag
beging geſtern Kommerzienrat Avenarius, ein in ganz
Heſſen und über die rot=weißen Grenzpfähle hinaus hoch=
geſchätzter
Mann. Um das Emporblühen von Gau= Alges=
heim
hat ſich Kommerzienrat Avenarius große Verdienſte
erworben, was in mannigfachen Ehrungen zum Ausdruck
kam. Montag vormittag erſchienen bei dem Jubilar ſeine
Arbeiter und überreichten ihm einen ſilbernen Schild mit
ehrenvoller Widmung. Danach erſchienen die Handwerks=
meiſter
von Gau=Algesheim, die einen ſelbſtgefertigten,
prachtvollen Schrank zum Geſchenk brachten. Eine Abord=
nung
des Gemeinderates, dem Kommerzienrat Avenarius
ebenfalls angehört, mit dem Bürgermeiſter übermittelte
die Glückwünſche der Gemeinde, ebenſo die Hoſpitalkom=
miſſion
. Am Abend brachten die ſämtlichen hieſigen Ver=
eine
, mit dem Vaterländiſchen Kriegerverein an der Spitze,
dem Jubilar einen impoſanten Fackelzug. Kommerzienrat
Avenarius machte als Offizier des 39. Füſilier=Regiments
die Kriege von 1866 und 1870 mit und iſt mit dem Eiſer=
nen
Kreuz und der Ernennung zum Hauptmann ausge=
zeichnet
worden. Mannigfache Ehrungen begleiteten ihn
auf ſeinem an Arbeit reichen Lebenswege. So ernannte
ihn u. a. der Großherzog zum Kommerzienrat und ver=
lieh
ihm das Ehrenkreuz des Philippsordens.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 9. Febr. Der Aufſehen
erregende Selbſtmord einer Schweſter im Ru=
dolf
Virchow=Krankenhaus hat heute die
ſtädtiſche Krankenhaus=Deputation beſchäftigt. Es wurde
habei feſtgeſtellt, daß der Selbſtmord eine Folge der
erteilten Rüge oder des Verhaltens der Oberin nicht
geweſen ſein kann. Die Schweſter war nicht entlaſſen,
nicht einmal auf eine andere Station verſetzt worden
und hatte ſich nach einer Ausſprache mit dem Verwalt=
ungsdirektor
, wie ſie auch ihren Angehörigen gegen=
über
zu erkennen gab, über den Vorfall völlig beruhigt.
Sie war einen Tag darauf mit einem ihr und ihrer
Familie befreundeten Aſſiſtenzarzt des Krankenhauſes
im Theater geweſen, hatte auch dabei ein völlig ruhiges,
ausgeglichenes Weſen gezeigt und mit ihrem Begleiter
für einen der nächſten Tage wieder einen Theaterbe=
ſuch
verabredet. Aus allen dieſen Feſtſtellungen her=
aus
kam die Kommiſſion nur zu der negativen Feſt=
ſtellung
, daß der Selbſtmord nicht eine Folge des ihr
erteilten Verweiſes geweſen ſein kann, und daß ſich
eine Erklärung für die Tat nicht hat finden laſſen. Er=
wähnt
wurde dabei, daß in der Schweſternſchaft die An=
nahme
Glauben findet, daß die Verunglückte nicht die
Abſicht gehabt hat, aus dem Leben zu gehen, ſondern
ſich nur in der Menge des als Schlafmittel genomme=
nen
Morphiums vergriff. Schließlich ſchlägt die Unter=
ſuchungskommiſſion
, die alle ihre Beſchlüſſe einſtimmig
gefaßt hat, noch die Einſetzung einer Kommiſſion vor,
die auch die allgemeinen Verhältniſſe im Rudolf Vir=
chow
=Krankenhauſe unterſuchen und feſtſtellen ſoll, ob
die bei dieſem Anlaß erhobenen Klagen begründet ſind.
Ein Mammutbackenzahn wurde in einer
Britzer Kiesgrube nur zweieinhalb Meter unter der
Erdoberfläche aufgefunden. Er hat eine Kaufläche von
30 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 15 Pfund.
Ueber den neulich im Abgeordnetenhauſe zur Sprache
gekommenen Fall Schönebeck iſt noch nachzutra=
gen
, daß die B. Z. am Mittag heute einen Brief dis
Abgeordneten Stroſſer an den nunmehrigen Gatten
der Frau von Schönebeck veröffentlicht, wonach er ſeine
damals ausgeſprochene Angabe, die Bekanntſchaft zwi=
ſchen
dem Ehepaar ſtamme aus einem Nachtcafé bezw.
einer Bar, in der nächſten Plenarſitzung zu berichtigen
verſpricht. Gleichzeitig gibt Frau von Schönebeck ſelbſt
eine lange Erklärung über Vorgeſchichte und Verlauf
des Dramas, in der ſie ſich als der Anſtiftung zum
Morde ganz und gar unſchuldig hinſtellt und daneben,
was bisher unbekannt, behauptet, Hauptmann von Goe=
ben
habe ſeine anfangs gegen ſie erhobene Beſchuldig=
ung
ſpäter widerrufen. Uebrigens fühle ſie ſich weder
geiſteskrank, noch wolle ſie ſich als für ihre Handlun=
gen
unverantwortlich erklären laſſen. Sie fühle ſich
moraliſch ſchuldig an dem Drama von Allenſtein, aber
das habe ſie mit ihrem Gewiſſen abzumachen. Sie
wünſche vielmehr einen Richterſpruch. Das iſt auch das,
was die öffentliche Meinung verlangt. Zu der
Schmähbrief= Affäre Giampietro wird mit=
geteilt
, daß eine Strafverfolgung der ſchuldigen Frau
vorausſichtlich nicht erfolgen wird. Die Staatsanwalt=
ſchaft
hat an der Verfolgung kein Intereſſe, und Herr
Giampietro wird ſeinen Strafantrag nach dieſer Auf=
klärung
der Angelegenheit kaum aufrecht erhalten. Die
verdächtige Frau iſt krank und wird wohl in einem
Sanatorium Heilung ſuchen.

München, 9. Febr. Einen Münchener Wilderer
erſchoſſen hat am Dienstag früh ein Revierjäger in
der Nähe von Leoni. Dört waren in einem ſehr dich=
ten
Gehölz am Montag abend zwei Rehgeißen in
Schlingen aufgefunden worden. Der Jäger legte ſich
während der Nacht auf die Lauer, um den Wilddieb,
der in der letzten Zeit das Revier unſicher machte, beim
Abholen der Rehgeißen abzufangen. Gegen Morgen
kam denn auch ein Mann in das Gehölz und ſuchte die
Geißen aus den Schlingen zu nehmen. Der Jäger rief
ihn an, bekam aber keine Antwort. Da eine Beweg=
ung
des Wilderers ihn vermuten ließ, daß dieſer auf
ihn anlege, gab er, um ihm zuvorzukommen, einenSchuß
ab, der den Wilderer in die Bruſt traf. Der Getrof=
fene
konnte noch etwa 180 Schritte ins Gebüſch hinein=
kriechen
. Dort fand ihn der Jäger tot auf. Ein Ge=
wehr
hatte der Erſchoſſene nicht bei ſich gehabt. Der
Jäger hatte irrtümlich den Stock des Getöteten für eine
Waffe gehalten. Ueber die Perſonalien des Erſchoſſenen
war zunächſt nichts bekannt. Später ſtellte es ſich her=
aus
, daß der Tote der aus dem Bachhauſer Filz ſtam=
mende
Unterhändler und frühere Zigarrenreiſende J.
Heinrich, genannt Gabler oder Gigijackl, war. Hein=
rich
, der in München wohnte, hat bei dem Mordprozeß
Schöller=Pauli eine große Rolle geſpielt. Er war der
erſte, den man unter dem Verdacht, den Holzhändler
Pauli ermordet zu haben, verhaftete. Da er ſein Alibi
nachweiſen konnte, wurde er wieder entlaſſen. Dem
Unterſuchungsrichter hatte er dann den Vorſchlag ge=
macht
, den inzwiſchen ebenfalls verhafteten Schöller im
Gefängnis auszuhorchen. Nach dem Prozeß war Hein=
rich
einige Jahre von München verſchwunden. Erſt
kürzlich tauchte er wieder in München und am Starn=
berger
See auf. Am Montag abend war er nach Leoni
gekommen und hatte in dem Hotel, in dem eine Hoch=
zeit
gefeiert wurde, die halbe Nacht durchgetanzt. Ob
der Revierjäger tatſächlich hat annehmen müſſen, daß
er ſich in Notwehr befand, wird die Unterſuchung er=
geben
.
Stuttgart, 10. Febr. Die Strafkammer hat
gegen Danny Gürtler auf den 11. Februar eine
Verhandlung wegen Gottesläſterung und Beſchimpfung
des Papſtes anberaumt.
Alteneſſen, 9. Febr. Ein Schutzmann, der zwer
lärmende Männer arretieren wollte, wurde von dieſen
über fallen, niedergeworfen und ſeiner
Waffen beraubt. Dann hieben ſie mit ſeinem Säbel ſo
lange auf ihn ein, daß er mit ſchweren Verletzungen am
ganzen Körper hoffnungslos im Krankenhaus danieder=
liegt
. Die Täter wurden verhaftet: Der eine iſt ein
berüchtigter Zuhälter.
Halle, 9. Febr. Die Witwe Waldheim hatte unter
dem Bett Feuer angezündet, um ſich mit ihren
Kindern im Alter von vier Wochen bis vier Jahren
darin zu verbrennen. Paſſanten bemerkten den Feuer=
ſchein
und drangen in die Wohnung. Die Frau gibt
als Grund der Verzweiflungstat große Not an. Sie
wurde verhaftet.
Landsberg a. d. W., 9. Febr. In dem benachbarten
Ludwigsruh ſind zwei junge Mädchen im Alter von 16
und 19 Jahren, Töchter des Eigentümers Dolbert, ohne
erſichtlichen Grund wahnſinnig geworden.
Königshütte, 9. Febr. Ein heftiger Erdſtoß
rief unter der Bevölkerung eine große Panik hervor.
Mausfeld, 9. Febr.In dem Aufruhrprozeß
ſind die beklagten Bergleute Gölzer und Sichting,
erſterer wegen Vergehens gegen den Paragraphen 153
der Gewerbeordnung, zu drei Monaten, letzterer wegen
Körperverletzung und wegen Vergehens gegen denſel=
ben
Paragraphen zu fünf Monaten Gefängnis ver=
urteilt
worden.
Paris, 9. Febr. Als Königin der Hallen
iſt für das laufende Jahr eine ſchöne, üppige Blondine,
die 19jährige Modiſtin Mlle. Théréſe Chocque aus der
Rue de la Folie Regnault gewählt worden. Die feier=
liche
Wahlzeremonie fand im Beiſein des Gemeinde=
rats
=Präſidenten Caron, des Kabinettschefs vom land=
wirtſchaftlichen
Miniſterium, Léon Dariac, und vieler
anderer hochgeſtellter Perſönlichkeiten in der Mairie
des vierten Arrondiſſements ſtatt. Eine muſikaliſche
Soiree leitete die Feſtlichkeit ein. Dann wurde zur
Wahl geſchritten, die ſchnell entſchieden war. Das glück=
ſtrahlende
junge Mädchen, dem das begehrte Schön=
heitsdiadem
auf die lockige Friſur gedrückt wurde, war
im vergangenen Jahre als Ehrendame der Königin
auserſehen worden. Eine der beiden Ehrendamen, die
ihr nun beigegeben ſind, iſt ihre eigene 17jährige Schwe=
ſter
Eugenie. Ein Ball beſchloß das Feſt, dem die Pa=
riſer
Arbeiterinnen immer lange in erwartungsvoller
Freude entgegenſehen.
Paris, 10. Febr. Aus Bordeaux wird gemeldet:
Der Sportsmann H. v. Mumm begab ſich geſtern mit
dem Aviatiker Johannſen und ſeinem Chauffeur im
Automobil nach Pau. In der Nähe von Langon

wollte Mumm einem entgegenkommenden Wagen aus=
weichen
. Das Automobil ſtürzte um und begrub die
beiden erſtgenannten Inſaſſen unter ſich. Es gelang
dem Chauffeur, Herrn v. Mumm zu befreien. Bei dem
Verſuch, auch Herrn Johannſen zu retten, explodierke
der Benzinbehälter. Das Automobil geriet in Brand
und Johannſen konnte erſt als verkohlter Leichnam
hervorgezogen werden.
Marſeillez:9. Febr. Vor einigen Tagen ſtieg in
einem hieſigen Hotel ein junger Englander mit
einer Engländerin ab, um ſich von hier nach
Gibraltar zu begeben. Geſtern kam der bekannte Ge=
heimdetektiv
Arrow aus London an, um die Spur die=
ſes
Paares aufzunehmen. Die junge Engländerin, die
ſich in Begleitung des Engländers befand, iſt nämkich
die Tochter Lord Kyollys', des Privatſekretärs
König Eduards, und die Nichte der Lady Charlotte
Knollys, der Hofdame der Königin Alexandra. Alexan=
dra
Lueima Knollys hat London verlaſſen, um ſich mit
ihrem Geliebten nach Amerika zu begeben. Die einen
ſagen, daß er ein britiſcher Offizier ſei, während die
anderen ihn für einen ehemaligen
Kutſcher der
Familie Knollys halten. Sein Name iſt nicht bekannt.
Liſſabon, 10. Febr. Die hieſigen Karneval=
Feſtlichkeiten wurden durch einen tragiſchen
Unfall getrübt. Ein rieſiger Feſtwagen, der mit
Papier und Watte als Winterſzene dekoriert war, trug
13 junge Mädchen aus den angeſehenſten Familien.
Plötzlich ſahen die entſetzten Zuſchauer, daß der Wagen
lichterloh brannte. Trotz ſofortiger Hilfe erlitten ſämt=
liche
Mädchen ſchwere Brandwunden. Es heißt, daß
ein junger Mann, der in eines der Mädchen verliebt
war, den Wagen aus Eiferſucht angeſteckt habe.

Kunſtnotizen.
Aeber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Gudrun Hildebrandt=Abend. Ueber
die bisherige Laufbahn der jugendſchönen Tänzerin und
Schauſpielerin Gudrun Hildebrandt, die am 19. und
20. Februar in Darmſtadt zwei ihrer Tanz= und
Rezitationsabende veranſtaltet, werden uns
folgende intereſſante Einzelheiten mitgeteilt: Auf Mar
Grubes Empfehlung wurde Gudrun Hildebrandt im
Alter von vier Jahren wegen ihrer ſchon als Kind auf=
fallenden
Schönheit und Grazie vom Königlichen Hof=
theater
zu Berlin engagiert, wo ſie in Tanz= und
Schauſpielkunſt Unterricht erhielt und ſolche Fokt=
ſchritte
machte, daß ſie mit noch nicht ganz fünf Jahren
ihr erſtes Spitzenſblo auf der=Bühne des Königlichen
Opernhauſes tänzte und im Königlichen Schauſpielhaus
als kleine Infantin im Don Carlos ihre erſte Sprech=
rolle
ſpielte. Von da ab wurden ihr nun alle wichtigen
Kinderrollen übertragen. Im Alter von neun Jahren
lenkte die ſtrebſame kleine Künſtlerin die Aufmerkſam=
keit
der Oeffentlichkeit auf ſich, als ſie in M. Möllers
Trauerſpiel Frau Anne die große Rolle der Prin=
zeſſin
Jaira ſo glänzend ſpielte, daß ſie dieſe wirk=
lich
bedeutende künſtleriſche Leiſtung in einer beſon=
deren
Vorſtellung, auf Allerhöchſten Befehl vorführen
durfte. Mit 13 Jahren verließ Gudrun Hildebrandt,
verſehen mit glänzenden Anerkennungen der Oberregiſ=
ſeure
Max Grube, Georg Droeſcher, Emil Graeb und
des früheren Intendanten Graf von Hochberg, das Höf=
theater
, um ſich bei erſten Meiſtern und Meiſterinnen
in Tanz= und Schauſpielkunſt weiter auszubilden. Mit
15½ Jahren hatte ſie alle dieſe Studien vollendet und
begab ſich auf Gaſtſpielreiſen, auf denen ſie in Berlin
und in vielen anderen großen Städten an Hofbühnen,
Stadttheatern und in den Kurſälen großerBadeorte, wie
um Beiſpiel Wiesbaden, Baden=Baden, Aachen, Luzern,
Thun, Interlaken uſw. vom Publikum mit größter
Begeiſterung aufgenommen wurde und bei der Kritik
wegen der wirklich vorzüglichen Kunſtleiſtungen in
Ausdrücken des Lobes nicht zu übertreffende Anerkenn=
ungen
gefunden hat.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 10. Febr. Der Finanzauss=
ſchuß
der Zweiten Kammer hat heute noch die
Abſtimmung über die rückſtändigen Etatskapitel vollzogen,
insbeſondere über die Forderungen für die Landwirtſchaft,
wobei Abſtriche nicht beſchloſſen wurden. An dem Dis=
poſitionsfonds
des Miniſteriums des Innern, der ſich auf
119000. Mark beläuft, wurden 40000 Mark in Abzug ge=
bracht
, die den beiden Siechenhäuſern in Oberheſſen und
Rheinheſſen an Stelle des für ſie beſonders angeforderten
Staatszuſchuſſes in gleicher Höhe überwieſen werden ſol=
len
. Die nächſte Sitzung des Finanzausſchuſſes findet am
Dienstag vormittag ſtatt. Am Nachmittag treten alsdann
die Finanzausſchüſſe beider Kammern zu einer gemein=
ſamen
Beratung zuſammen.

Kleines Feuilleton.

Die Bekenntniſſe der Madame Pa=
quin
. Durch welche Zauberkünſte erſchaffen Sie die
Moden? Was ſind die Geheimniſſe Ihrer Kunſt? Aus
welchen verborgenen Quellen ſchöpfen Sie die Ideen
zu jenen Kunſtwerken der Kleidung, die den Namen
Paquin im Reiche der Moden ſo berühmt gemacht
haben? Immer wieder, ſo erzählt die führende Pariſer
Modekünſtlerin in einer engliſchen Wochenſchrift, rich=
tet
man dieſe Frage an ſie, und immer wieder muß ſie
erwidern, daß Zauberkünſte ihr fremd ſind und daß es
keine geheimen Quellen gibt, aus denen ihr die Ideen
zu neuen Kreationen der Frauenkleidung zufließen
Sie werden lächeln, wenn ich verrate, woher einige
der erfolgreichſten Moden ſtammen, die ich eingeführt
habe; ein reizender, kleiner Halskragen, ſo verrät
Mme. Paquin, der zwei oder drei Saiſons lang von
den Damen ſo viel getragen wurde, war nichts anderes
als eine Replik des Waffenrockkragens eines öſter
reichiſchen Regiments. Aus der Bluſe der deutſchen
Geräckträger, die man überall auf den deutſchen Bahn=
höfer
ſehen kann, entſtand eine völlig neue Art moder=
ner
Roben, und das loſe, fließende Gewand der ägyp=
tiſchen
Fellahs war der Urſprung eines kaftanartigen
Koſtüms, des eine Zeit lang in der Modewelt Furore
machte. Mme. Paquin erzählt dann von ihren Reiſen,
die ihr zu einer Art rieſigen Skizzenbuches werden.
Ueberall iſt ſie auf der Suche nach Ideen. Dann kommt
die langwierige Arbeit, die verſchiedenartigen Anreg=
ungen
zu neuen Modellen zu verarbeiten; bisweilen
verſtreichen Wochen ruheloſen Probierens, während
deren die Modellpuppe nicht zur Ruhe kommt, bis dann
endlich die neue Schöpfung fertig daſteht. Unzählige
Male müſſen Form und Farbe verändert werden, bis
endlich ein glücklicher Zufall jene Harmonie und jenes
Linienſpiel erſtehen läßt, das den Ehrgeiz der Mode=
künſtlerin
befriedigt. Doch nicht immer werden Ge=
duld
und Ausdauer auf ſo harte Proben geſtellt; manch=
mal
fügt es ein Wunder, daß ſchon bei dem erſten Ver=
ſuch
das Erträumte gelingt. Es iſt nicht die moderne

Kleidung allein und das Gewand des Alltages, aus
denen Mme. Paquin ihre Ideen ſchöpft. Sie erzählt,
wie ihre Forſchungsreiſen ſie durch die Gemäldegalerien
führen, wie aus dem Faltenwurf alter Statuen An=
regungen
zu ihr überſtrömen oder wie aus alten un=
ſcheinbaren
Gegenſtänden des Kunſtgewerbes bisweilen
noderne Roben entſtehen. Die Koſtüme der Ver=
gangenheit
intereſſieren mich leidenſchaftlich, aber ſie
dienen mir nur dazu, meine Inſpiration aufzuſtacheln,
denn bei allem Intereſſe für vergangene Zeiten habe
ich ſtets einen Ehrgeiz, neue Moden zu ſchaffen. Sie
arbeitet an einem Kleide, wie ein Maler an ſeinem
Bilde und wie ein Bildhauer an ſeiner Statue. Aber
ſtatt des Meißels oder des Pinſels ſind ihre einzigen
Handwerksgeräte die Schere und Stecknadel. Zunächſt
ſlizziere ich die Idee an der Modellpuppe ſelbſt. Ich ge=
brauche
dabei weiche, zartfließende Stoffe, die ſich leicht
den Konturen anſchmiegen, denn es gilt, die Linie zu
ſtudieren, zu verändern, zu verbeſſern. Dieſer Teil
meiner Arbeit erinnert mich immer an die Schaffens=
weiſe
des Bildhauers. Dann kommt das Problem der
Farbe. Ich ſpiele mit verſchiedenem Material, mit
Spitzen, mit Bändern und Stickerei und mit Franſen.
Sie werden gefaltet und gerafft, gegeneinander gehal=
ten
, getrennt, alle Möglichkeiten des Effektes müſſen
ſtudiert werden. Nach und nach drängt ſich mir dann
das Richtige wie von ſelbſt auf, der Zuſammenklang des
Linienſpiels mit der Farbenharmonie: plötzlich ſteht
vor meinem Auge eine neue Idee: das neue Modell.
Eine beſondere Freude bereitet es Mme. Paquin, Büh=
nenkünſtlerinnen
zu kleiden, denn in dieſen Fällen gilt
es nicht allein, die Kleidung mit der Perſönlichkeit in
Einklang zu ſetzen, ſondern zugleich mit der Rolle.
Die Schwierigkeit dieſer Aufgabe reizt die Modeſchöpfe=
rin
immer von neuem. Ich muß dem beſonderen
Schönheitstyp der Schauſpielerin folgen und doch zu=
gleich
die Farbe, den Charakter, die Tendenz des
Stückes berückſichtigen und vor allem die Rolle meiner
Kundin. Das ſind doppelte Hemmungen, die überwun=
den
werden müſſen und die dann überwunden zn haben
eine Frende=und ein Genuß iſt.

* Der Kaiſer und der Organiſt. Als
Organiſt der Kaiſer=Wilhelm=Gedächtniskirche in Ber=
lin
erfreut ſich Herr Walter Fiſcher in den Kreiſen, die
gute Kirchenmuſik zu ſchätzen wiſſen, eines wohlbegrün=
deten
Anſehens. Vor kurzer Zeit nun erhielt ſeine
Gattin eines Vormittages vom Oberhofmarſchallamt
die telephoniſche Mitteilung, der Kaiſer wünſche mit
dem Prinzen und der Prinzeſſin von Rumänien die
große Orgel zu beſichtigen. In größter Eile wurde
Herr Fiſcher, der im Nebenamt noch an einem Char=
lottenburger
Gymnaſium Unterricht erteilt und gerade
Geſangsſtunde abhielt, benachrichtigt. Kaum hatte er
Zeit gefunden, die Kirche aufzuſchließen, als auch ſchon
der Kaiſer und die Kaiſerin, die Prinzeſſin Viktoria=
Luiſe, der Prinz und die Prinzeſſin von Rumänien
kamen. Hoffentlich halten wir Sie nicht allzu lange
auf, meinte der Kaiſer nach der Begrüßung. Aber
wenn es Ihre Zeit erlaubt, möchten wir gern etwas
von Ihnen auf der Orgel hören. Herr Fiſcher ſpielte
das niederländiſche Gebet Wir treten zum Beten und
endigte mit Großer Gott wir loben dich, Herr wir
preiſen deine Stärke‟. Der Kaiſer ſtand während des
Spiels neben dem Organiſten. Wie herrlich ſind doch
dieſe alten Melodien, wenn ſie ſo geſpielt werden,
äußerte er dann, als der letzte Orgelton verklungen
war. Aber nun, Profeſſor, müſſen Sie uns noch
etwas von Bach vorſpielen. Erſt als auf Bach noch
Händel und andere gefolgt waren, rüſtete man ſich=
zum
Aufbruch. Meinen aufrichtigſten Dank für den
großen Genuß, den Sie uns bereitet haben, Herr Pro=
feſſor
, ſagte der Kaiſer, dem Organiſten die Hand
drückend. Verzeihung, Majeſtät, verſetzte der An=
geredete
, darf ich Euer Majeſtät meinen untertänig=
ſten
Dank für die große Auszeichnung ausſprechen?
Welche Auszeichnung, lieber Profeſſor? Nun,
Majeſtät redeten mich beſtändig mit Profeſſor an, ob=
gleich
. . . Das iſt ja gut, unterbrach ihn der Kaiſer
lachend, Sie ſind alſo noch nicht Profeſſor! Nun, was
ich geſagt habe, habe ich geſagt. Adieu, lieber Herr
Profeſſor .. . Bald darauf erhielt Herr Fiſcher
rmtlich die Verleihung des Profeſſor=Titels.

[ ][  ][ ]

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 10. Febr. Vizepräſident Dr. Spahn
eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Die zweite
Leſung des Militäretats wird bei dem Kapitel
höhere Truppenbefehlshaber
fortgeſetzt.
Abg. Müller=Meiningen (frſ. Vpt.): Intereſſant
wäre es, zu erfahren, wie hoch für kommandierende
Generale die Wohnungsausſtattungen und Teuerungs=
zulägen
ſind. Der Kriegsminiſter lehnt die Bevor=
zugung
des Adels im Offizierſtande ab. Die Statiſtik
beweiſt das Gegenteil. Ein wegen Mißhandlung be=
ſtrafter
und ſtrafverſetzter Hauptmann des 4. Garde=
regiments
ſoll nach kurzer Zeit zum Major und Adiu=
tanten
des Generalkommandos befördert worden ſein.
Das wäre eine Mißachtung des Volkes und des Reichs=
tages
und könnte nur ſo ausgelegt werden, als ob dieſe
Stelle nichts gegen die Soldatenmißhandlungen unter=
nehmen
wolle. Abg. Zubeil (Soz.) bringt Wünſche
der Anwohner des Schießplatzes Sperenberg zur
Sprache.
Kriegsminiſter von Heeringen: Ich muß
dagegen proteſtieren, daß aktive Offiziere unter dem
Deckmantel der Anonymität auf dieſe Weiſe, wie es
der Abgeordnete Müller=Meiningen tat, ſich gegen ihre
Vorgeſetzten wenden, wenn ſie ſich ſcheuen, es offen und
ehrlich zu melden, wenn ſie Mißhandlungen bemerken.
Berechtigte Klagen werden ohne Nachteil für die Be=
ſchwerdeführer
erledigt. Die Bezüge der komman=
dierenden
Generale ſind ſeit 1888 dieſelben geblieben
Die Anſprüche ſind aber weſentlich höher. Ein Gegenſatz
ewiſchen Adeligen und Bürgerlichen beſteht nicht beim
Avancement und wenn Sie Hunderte von Statiſtiken
beibringen. Ich billige die Bildung von Klaſſenregi=
mentern
nicht. Der beſtrafte Hauptmann von Grol=
mann
hat ſich jahrelang gut geführt. Soll er nun
dauernd wegen des gefühnten Vergehens von ſeiner
Karriere abgehalten werden? Bezüglich des Schieß=
platzes
Sperenberg liegt mir das Material momentan
nicht vor.
Abg. Gothein (frſ. Vgg.): Ein Bedürfnis für
eine Aufbeſſerung der kommandierenden Generale liegt
nicht vor. Von einer Beſſerſtellung der franzöſiſchen
Generale im Vergleich zu den unſerigen iſt keine Rede.
Oberſt Wandel: Es liegt bezüglich der Generals=
bezüge
ein anderslautendes Material vor, und zwar
vom Großen Generalſtab.
Abg. Müller=Meiningen (frſ. Bpt.): Die Offi=
ziere
müſſen auch das Recht haben, ſich an Abgeordneie
zu wenden. Weite Kreiſe der bürgerlichen Offiziere
ſind tief erbittert über die beſtehenden Zuſtände. Wir
verlangen Rechtsgleichheit für alle Teile.
Abg
Gans Edler Herr zu Putlitz (konſ.): Es iſt an=
erkannt
worden, daß die jetzigen Bezüge der Heerführer
verhältnismäßig gering und eher zu gering als zu hoch
ſind. Von einer Bevorzugung in der Armee kann keine
Rede ſein. Dieſer Vorwurf iſt unberechtigt. (Lachen
links. Beifall rechts.) Abg. Gothein (frſ. Vgg.):
Das Unglück beſteht darin, daß die Generale einen
übertriebenen und unnötigen Aufwand treiben. Wes=
halb
ſollen die adeligen Offiziere im letzten Jahre ſoviel
intelligenter geworden ſein? Bei dem adeligen Teil der
Reichstagsabgeordneten iſt es nicht bemerkt worden.
Abg. Erzberger (Ztr.): Der Hauptmann von Grol=
mann
iſt verſetzt worden, weil in ſeiner Kompagnie
mehrere Hundert Mißhandlungen vorgekommen ſind:
Niemand hätte etwas gegen die Beförderung einzu=
wenden
, aber dieſe darf nichtsunter Ueberſpringung
von mehreren Hundert Vordermännern erfolgen; dabei
haben verwandtſchaftliche Rückſichten eine Rolle geſpielt.
Abg. Gans Edler zu Putlitz (konſ.): Ich haße
den Abgeordneten Gothein nicht mit allgemeinen
Redensarten abgefahren, der Vorwurf iſt unberechtigt.
Kriegsminiſter von Heeringen: Ich verurteile
es bloß, wenn ſich Offiziere unter der Bedingung der
Anonymität an Abgeordnete wenden. Luxus wird von
den Generalen nur getrieben, ſoweit er notwendig iſt.
Abg. Gothein (frſ. Vgg.) wendet ſich darauf gegen
den Abgeordneten Gans Edler zu Putlitz und ſagt u. a.,
das beſte Mittel wäre die Abſchaffung des Adels. Im
Patent des Offiziers ſteht, er ſoll die Prärogative ſeines
Standes wahren. Wie ſteht es damit?
Kriegsminiſter von Heeringen: Die Generale
und die Militärverwaltung haben eine Erhöhung der
Gehälter nicht verlangt. Die Prärogative der Offiziere
beſtehen nur darin, daß ſie ihre Pflicht und Schuldigkeit
bis zum Aeußerſten tun.
Abg. Müller=Meiningen (frſ. Vpt.): Viele ehe=
malige
höhere Offiziere urteilen anders über die Be=
vorzugung
des Adels als der Kriegsminiſter. Beim
Kapitel
Gouvernements
bittet Abg. Mommſen (frſ. Vgg.) um Aufhebung der
Rayonbeſchränkung von Danzig. Oberſt Wandel:
Danzig hat als Feſtung noch immer Bedeutung; dem
Wunſche kann daher nicht entſprochen werden. Abg.
Kobelt (wildlib.): Bedauerlicherweiſe wird die all=
mähliche
Einſchränkung der Militärbetriebswerkſtätten
zu Gunſten des Handwerks nicht mehr betrieben.
Hierin ſehen die Handwerker eine Unfreundlichkeit.
Oberſt von Zaſtrow: Dieſe Maßnahme der Verwal=
tung
iſt erfolgt, um die nötigen Reparaturen ſchneller
und billiger zu haben, namentlich auf weiter entfernten
Uebungsplätzen.
Abg. Kobelt (wildlib.): Der Handwerker iſt auch
telephoniſch zu erreichen; man ſollte ihm nicht den
Broterwerb nehmen. Abg. Pauli=Potsdam (konf.)
ſchließt ſich den Ausführungen Kobelts an. Abg. Irl=
(Ztr3: Die aktiven Soldaten ſollten nicht mehr zur
Ausführung von Handwerkerarbeiten, zum Beiſpiel
dem Anſtrich von Kaſernen, beſchäftigt werden, von
Ausnahmen abgeſehen.
Beim Kavitel
Adjutantur=Offiziere
führt. Abg. Müller=Meiningen (frſ. Vpt.) aus: Wir
bekämpfen die Zuſtändigkeit und Unverantwortlichkeit
des Militärkabinetts in Gerichtsſachen, beſonders be=
züglich
der Ehrengerichte. Darauf beruht die Recht=
loſigkeit
der Offiziere in disziplinaren Ehrenſachen
Der König hat den Eid auf die Verfaſſung geleiſtet,
daher leiſtet der Soldat bei ſeinem perſönlichen Eid dem
Oberſten Kriegsherrn gleichzeitig den Verfaſſungseid.
Kriegsminiſter von Heeringen: Ich habe nur
geſagt, wenn der Kriegsminiſter dem Reichstage für die
Ausführungen der dem König zuſtehenden verfaſſungs=
mäßigen
Rechte verantwortlich gemacht werden ſoll,
dann muß eine Verfaſſungsänderung vorgenommen
werden. Beim Kapitel
Geldverpflegung der Truppen
wünſcht Abg. Nehbel (konſ.), bei der bevorſtehenden
Reviſion der Rationen für die Offiziere des Beurlaub=
tenſtandes
bei der Feldartillerie einige Pferde einzu=
tellen
. Aba. Gotheim (frſ. Vgg.): Den jüdiſchen

Einjährigen wird es immer noch unmöglich gemacht,
Reſerveoffiziere zu werden. Treten die Anwärter aber
zum Chriſtentum über, dann tritt ihre Abſtammung
plötzlich in den Hintergrund. In der Benachteiligung
der Juden liegt eine Verfaſſungsverletzung.
Kriegsminiſter von Heeringen: Bei der Be=
förderung
zum Vorgeſetzten kommt nicht nur Können,
Wiſſen und Charakter, ſondern auch die Perſönlichkeit
in Frage. Trotz aller vortrefflichen Eigenſchaften muß
darauf geſehen werden, ob ihre Perſönlichkeit geeignet
ſei, die Antorität vor der Front zu wahren. Die Wahl
zum Reſerveoffizier iſt das freie Ermeſſen der Offizier=
korps
; darin einzugreifen, lehne ich ab. Mit dieſem
demokratiſchen Grundſatze ſollten Sie einverſtanden
ſein. Wird ein jüdiſcher Vizewachtmeiſter oder Vize=
feldwebel
dem König als Offizier vorgeſchlagen, ſo wird
er auch befördert werden.
Abg. Gothein (frſ. Vgg.): Ich bedauere die
heutige Antwort; ſie bedeutet einen weſentlichen Rück=
ſchritt
, denn ſie leiſtet den antiſemitiſchen Tendenzen
m Heere Vorſchub.
Kriegsminiſter von Heeringen: Antiſe=
mitiſche
Gründe liegen mir fern.
Ich habe nichts
anderes geſagt, als mein Vorgänger.
Abg. Dr. Oſann (natl.): Wir begrüßen, daß die
Veterinäre aus dem Beamtenſtande herausgenommen
und in den Offiziersſtand verſetzt werden. Abg. v.
Liebert iReichspartei) wünſcht die Erſetzung des
Wortes Veterinär durch die deutſche Bezeichnung Roß=
oder
Pferdearzt. Abg. Sommer (frſ. Vpt.): Die
meiſten meiner Freunde ſtimmen dieſer Neuerung zu,
in der wir einen Fortſchritt erblicken. Abg. Zubeil
(Soz.): Die Zivilmuſiker verlangen mit allem Nachdruck
die Beſeitigung der ſchweren Konkurrenz, die ihnen von
den Militärkapellen gemacht wird. Abg. Görcke=
Brandenburg (natl.): Die berechtigten Klagen der
Zivilmuſiker müſſen berückſichtigt werden. Die Abgg.
Horn (Ztr.) und Sommer (frſ. Vpt.) wünſchen ein
Verbot der privaten Tätigkeit der Militärbüchſenmacher.
Oberſt Wandel: Von ſchmutziger Konkurrenz
der Militärmuſiker iſt nicht zu ſprechen. Unter den
gegenwärtigen Löhnungsverhältniſſen iſt das Privat=
ſpielen
nötig, um die guten Kräfte zu erhalten.
Bei dem Kapitel Verpflegung führt Abg. Wehl
(natl.) Klage über die übermäßige Verwendung von
holländiſchem Heu für militäriſche Zwecke.
Oberſt von Zaſtrow: Prinzipiell wird nur in=
ländiſches
Heu bezogen, nur im Notfalle mußte zu aus=
ländiſchem
gegriffen werden. Nach der Genehmigung
weiterer Kapitel wird die Weiterberatung auf Frei=
tag
1 Uhr vertagt. Schluß 6½ Uhr.

Die Wahlrechts=Debatte im preußiſchen
Abgeordnetenhauſe.

* Berlin, 10. Febr. Im Abgeordnetenhauſe be=
gann
heute die große Wahlrechts=Debatte. Auf das
ſonſt ſo leere Haus begann ſchon lange vor Eröffnung
der Sitzung ein Anſturm auf die Zuſchauer=Tribüne.
Vor dem Hauſe hatte ſich eine ſtattliche Menſchenmenge
eingefunden. Im Sitzungsſaale ſelbſt, der dicht beſetzt
war, herrſchte ziemliche Erregung und er begann ſich
ſchon beizeiten zu füllen. Gegen 11½ Uhr erſchien der
Miniſterpräſident von Bethmann Hollweg, der ſich nach
Erledigung einiger anderer Gegenſtände zu ſeiner an=
gekündigten
Rede erhob. Aus den Reihen der Sozial=
demokraten
ertönen Pfuirufe, die vom Vizepräſidenten
gerügt und von der Rechten mit den Rufen: Raus,
raus, beantwortet werden.
Miniſterpräſident Dr. von Bethmann Holl=
weg
: Meine Herren! In Uebereinſtimmung mit der
Ankündigung der Thronrede will das Wahlgeſetz das
Wahlrecht zum Hauſe der Abgeordneten auf den ge=
gebenen
Grundlagen organiſch fortentwickeln. Die=
Staatsregierung lehnt es ab, dieſe Grundlagen aufzu=
geben
, und läßt ſich in dieſem Entſchluſſe auch nicht durch
die Kritik wankend machen, die ſchon vorweg an dieſem
Geſetzentwurfe geübt worden iſt. Sie hat den Entwurf
eingebracht keiner Partei zuliebe, oder zuleide. (Bravo
rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sucht nach
Popularität wird keine Schritte der Regierung be=
ſtimmen
. Man hat es ſo dargeſtellt, als brächte die
Staatsregjerung dieſe Vorlage nur ein, weil ſie durch
jenen Paſſus der Thronrede in eine Zwangs= und
Notlage verſetzt worden ſei. Man hat einen inneren
Widerſpruch zwiſchen den Worten der Thronrede und
der wahren Willensmeinung der Staatsregierung, ja
des Königs, konſtruiert. Daran iſt kein wahres Wort.
Was die Thronrede ankündigt, das iſt die Willens=
meinung
des Königs, und für dieſe Willensmeinung
tritt die Staatsregierung mit ihrer Verantwortung
ein. Strömungen in der Oeffentlichkeit, die die Umge=
ſtaltung
des Wahlrechtes fordern, machen ſich laut ge=
nug
geltend. Umſo ruhiger muß man ſich darüber klar
werden, was hinter ihnen ſteht. Daß die Sozialdemo=
kratie
das preußiſche Wahlrecht und jede nicht minde=
ſtens
auf das Reichstagswahlrecht hinausgehende Re=
form
in Grund und Boden verdammt, iſt nicht ver=
wunderlich
. Bei den Herren ſpricht der nackte Wille
zur Macht ſeine Sprache, und die pflegt deutlich zu ſein.
(Zurufe der Sozialiſten.) Sie hoffen, mit einem Wahl=
recht
auf breiteſter demokratiſcher Grundlage das Ge=
füge
des preußiſchen Staates zu lockern (Sehr richtig.)
und erblicken darin eine Etappe auf Ihrem Wege zur
allmählichen Unterminierung des monarchiſchen Staa=
tes
. (Lebhaftes Sehr richtig!, Zurufe der Sozialdemo=
kraten
.) Auf dieſem Wege werden wir den Herren
nicht folgen, und deshalb bleibt die Agitation und jeder
Zwiſchenruf, der von Ihnen erfolgt, auf die Entſchließ=
ungen
der Regierung wirkungslos. (Unruhe links,
Zuruf.) Bei den übrigen Anhängern des Reichstags=
wahlrechts
, dem Zentrum und den Freiſinnigen, ſchei=
nen
mir weniger die Sucht nach Selbſtherrſchaft, als
ethiſche und theoretiſche Motive maßgebend zu ſein.
Das Zentrum hat bisher ſeine Sitze ſicher gehabt, mochte
nach Reichstagswahlrecht oder nach Dreiklaſſenwahl=
recht
gewählt werden. Es würde kaum an Stärke ge=
winnen
, wenn wir in Preußen das Reichstagswahl=
recht
einführten. Nur die Perſönlichkeiten würden
vielleicht wechſeln und das würde ich bedauern. Den
Freiſinnigen wird niemand vorwerfen, daß ihre
Wünſche eigennützig wären. (Sehr gut! in der Mitte.)
So glänzende Zeiten wie im Anfang der ſechziger Jahre
im preußiſchen Landtage hat der Fortſchritt im ganzen
Reichstag noch nicht erlebt, und in jener Zeit wurden
Sie doch von einem Bismarck bekämpft. Heute ver=
dankt
von all den Herren, welche gegenwärtig die frei=
ſinnige
Vereinigung ausmachen, nur ein einziger
ſeinen Sitz einer Majorität auch in der dritten Wähler=
klaſſe
. Bei dem Ringen um die Gunſt der Maſſen wer=
den
Sie immer hinter den Sozialdemokraten um meh=
rere
Pferdelängen zurückbleiben. (Lebhaftes Sehr rich=
tig
! rechts.) Sie haben ſtumpfere Sporen. Sie müß=
ten
denn wie der linke Flügel der bürgerlich= demokra=
tiſchen
Preſſe Töne anſchlagen, die für Vertreter des
fortgeſchrittenen, gebildeten Bürgertums nicht mehr

paſſen. Geben Sie dieſe Poſition aber erſt einmal auf=
dann
verlieren Sie Ihre Selbſtändigkeit und die Be=
deutung
, die die Fortſchrittspartei für unſer ſtaatliches
und politiſches Leben hat. (Unruhe links.) Sie wür=
den
dem demokratiſchen Gedanken Geltung verſchaffen
und die Konſervativen ſchwächen, aber lachender Erbe
wäre ein Dritter. Mit dem Zentrum halten Sie nur
das gleiche Wahlrecht für menſchenwürdig. Im Streite
hierüber werden wir uns nie einigen. Es iſt Sache der
Ueberzeugung auf beiden Seiten. Sie ſind der Anſicht,
daß der großen Maſſe die Herrſchaft ausgeliefext wer=
den
muß, wenn ſich der Staat glücklich fortentwickeln
ſoll. Ich bin der Ueberzeugung, daß die nackte Zahl
der bequemſte, aber keineswegs der alleinige Wert=
meſſer
für die lebendigen Kräfte des Volkes iſt. Sie
halten mit theoretiſcher Zähigkeit an einer Forderung
feſt, unbekümmert um alle praktiſchen Erfahrungen,
unbekümmert um die gewaltigen Verſchiebungen, die
im preußiſchen Staatsleben dadurch eingetreten ſind,
daß die Kompetenzen zwiſchen Reich und Einzelſtaaten
geteilt worden ſind, und daß wir in Preußen ſelbſt
umfangreiche Staatsgeſchäfte vom Staate auf die Kom=
munalverhände
übertragen haben. Aber auch in den
Kreiſen desjenigen Liberalismus, der für Preußen das
Reichstagswahlrecht ablehnt, iſt die Bewegung, die nach
der Reform des Beſtehenden verlangt, beinahe ebenſo
lebhaft. Es iſt falſch, dieſe Bewegung auf Stimmungs=
mache
zurückzuführen.
Die Wahlrechtsfrage iſt für den gemäßigten Liberalis=
mus
tatſächlich zu einer ſehr ernſten Frage ge=
worden
. Wir haben ſoeben miterlebt, wie ſich
in England ein Wahlkampf von beiſpielloſer Lei=
denſchaftlichkeit
abgeſpielt hat. Eine hundertjährige
politiſche Erziehung und Kultur verhindern aber
den Engländer, politiſche oder gar religiöſe Gegenſätze
auf das perſönliche und ſoziale Gebiet zu übertragen. Wir
ſind leider noch nicht ſo weit. Bei uns heißt es noch: Er
denkt anders als ich, alſo ſteht er eine Stufe tiefer. Das
trägt dazu bei, daß unſere politiſchen Zuſtände vielfach
von einem Gefühl der Bitterkeit erfüllt ſind, das tiefer
ſchmerzt als die Realität politiſcher Gegenſätze. Auch bei
der Reichsfinanzreform ſind die Gegenſätze in Form des
Widerwillens, der Verbitterung und ſelbſt als Mißachtung
aufeinander geplatzt.
Nun wird vielfach für die Dinge, die als Miß=
ſtände
empfunden werden und die Mißſtände ſind, das
preußiſche Wahlrecht verantwortlich gemacht und von
ſeiner Reform der allgemeine Wandel erwartet. Darin
liegt die Täuſchung. Es würde ſich hören laſſen, wenn
man die Kräfte der Nation ziffermäßig gegeneinander
abzählen und dann in dieſem Verhältniſſe im Parla=
ment
zuſammenfaſſen könnte. Aber das ſind Utopien,
und wichtiger als die Theorie iſt auch hier die Praxis.
Unrichtig iſt jedenfalls, daß das preußiſche Wahlrecht
urſprünglich auf agrariſche und feudale Zuſtände zuge=
ſpitzt
geweſen ſei. Das Abgeordnetenhaus iſt von fort=
ſchrittlichen
zu nationalliberalen und dann zu konſer=
vativen
Majoritäten übergegangen. Die preu
ßiſchen Finanzen ſind aufgebaut auf den ſtaatlichen
Betriebsverwaltungen und den direkten Steuern.,
Kein Menſch kann unſerer Einkommen= und Ver=
mögensſteuer
vorwerfen, daß ſie die Reichen bevor=
zugt
, und noch jede Novelle hat die Tendenz gehabt,
die Wohlhabenden noch ſtärker zu belaſten. (Sehr
richtig!) Sehr demokratiſch regierte Länder kämpfen
bisher vergeblich um eine ähnliche Geſetzgebung. ( Leb=
hafte
Zuſtimmung rechts.) Ich habe auch sbisher
eigentlich nicht bemerkt, daß die preußiſchen Volks=
maſſen
unter dieſer, vom Dreiklaſſen=Parlament ge=
machten
Geſetzgebung ſeufzen. Dafür wird als unſo=
zial
, als arbeiterfeindlich, als agrariſch die Steuer=
geſetzgebung
gebrandmarkt, die der mit dem = allgemei=
nen
, gleichen und geheimen Wahlrecht gewählte Reichs=
tag
gemacht hat. (Bewegung.) Ich halte dieſe Vor=
würfe
für ungerecht, aber ſie werden erhoben, und ge=
rade
die letzte Steuererhöhung im Reiche hat die
größte Mißſtimmung da hervorgerufen, wo man das
Reichstagswahlrecht für Preußen forderte. Und un=
ſere
Betriebsverwaltungen! Ich wüßte nicht, daß die
Verſtaatlichung der Eiſenbahnen eine unſoziale Maß=
regel
geweſen wäre. (Sehr richtig!) Im Gegenteil.
Und iſt etwa die Art, wie in den ſtaatlichen Betriebs=
verwaltungen
die Lohnpreiſe geregelt ſind, ſind die
hohen Aufwendungen für Verbeſſerung der Wöhn=
ungsverhältniſſe
der minderbemittelten Beamten und
Arbeiter ein Zeichen dafür, daß das ſogenannte Geld=
ſackparlament
ſo ganz ſeiner ſozialen Verpflichtungen
uneingedenk geweſen wäre? Ein weiterer hervor=
ſtechender
Zug unſerer Geſetzgebung iſt die Ausdehn=
ung
der Selbſtverwaltung im weiteſten Sinne des
Wortes. Der Schwerpunkt der wirtſchaftlichen und
kulturellen Entwickelung unſeres Landes liegt in der
Tätigkeit der Kommunalverbände. Die für das Wohl
und Wehe des einzelnen Staatsbürgers einſchneidend=
ſten
Maßregeln werden dort getroffen. Eine Geſetz=
gebung
aber, die ſich von dieſem Gedanken hat leiten
laſſen, die damit doch nur das weiter ausgebaut hat,
wozu Stein und Hardenberg die Grundlage legten,
kann man doch eigentlich nicht reaktionär nennen.
Nun zu dem Kapitel Polizeiwillkür. Ich kenne keine
Geſetzgebung, welche gleich der preußiſchen den Rechts= in der minutiöſeſten Weiſe ausgebildet und faſt
jede polizeiliche Verfügung mit dem Schutzzaun dreier
Inſtanzen umgeben hätte. Wir haben dadurch ſogar
eine neue Art bureaukratiſcher Umſtändlichkeit und
Vielſchreiberei geſchaffen (ſehr richtig! rechts), nach
deren Beſeitigung man jetzt ruft. Und ſchließlich die
Bevorzugung des Agrariertums zu Laſten des Han=
dels
und der Induſtrie und des vierten Standes. Da=
bei
vergißt man, daß faſt die ganze Geſetzgebung, in
der ſich eine derartige Einſeitigkeit äußern könnte, von
Preußen auf das Reich übergegangen iſt. Will man
ein Wahlrecht dafür verantwortlich machen, dann
würde es das Reichstagswahlrecht ſein. Ich
glaube aber gar nicht, daß der gemäßigte
Liberalismus Preußens Geſetzgebung, an der
er ſelbſt durchgehend mitgearbeitet hat, als ſe
rückſchrittlich verwirft. Was Sie meinen, das iſt, daß
die preußiſche Regierung in der Verwaltung und in
der Anwendung der Geſetze die Konſervativen bevor=
rechte
. (Sehr richtig! links.) Sie werden ſchon hören,
wie weit das richtig iſt, und daß ſie das tue oder tun
müſſe unter dem Drucke der durch das DDreiklaſſen=
wahlrecht
übermächtig gewordenen konſervativen Par=
tei
. (Lebhaftes ſehr richtig! links.) Um dieſen Druck
zu brechen, ſoll das Wahlrecht geändert werden: Das
berührt das Verhältnis der Regierung zu den Par=
teien
. Ich habe böſe Dinge darüber zu hören bekom=
men
, daß ich im Reichstag geſagt habe, in Deutſchland
könne die Regierung keine Parteiregierung ſein.
Man müßte im Reiche doch erſt den Bundesrat be=
ſeitigen
, wenn man zur Parteiregierung kommen
wollte. Aber ich will hier von Preußen ſprechen. Meine
Herren! Eine preußiſche Regierung, die ſich als Partei=
regierung
in dem Sinne etablieren wollte, daß ſie ein=
ſeitig
die Geſchäfte einer beſtimmten Partei betreiben

[ ][  ][ ]

würde, würde dem geſchichtlichen Preußen ſein Ende
bereiten, und eine Partei, die es darauf abſähe, die es
verſuchte, eine Regierung ſo in ihren Bann zu zwin=
gen
, würde den Totengräber dabei ſpielen. (Beiſall
und Zuſtimmung.) Preußen läßt ſich nicht in das
Fahrwaſſer des parlamentariſchen Regimes verſchlep=
pen
, ſo lange die Macht ſeines Königtums ungebrochen
bleibt. Und an der Macht dieſes Königtums, das
immer eine ſtolze Tradition darin gefunden hat, ein
Königtum für alle zu ſein, wird nicht gerührt werden.
(Lebhaftes Bravo!) Stellte ſich aber die Regierung ein=
ſeitig
in den Dienſt einer Partei, und ſei es auch der
ſtärkſten, bewahrte ſie nicht in ihrem ganzen Organis=
mus
und auch in ihrer Beamtenſchaft die Unabhängig=
keit
und Selbſtändigkeit gegenüber den Parteien, dann
würden wir dem Lande einen halben Parlamentaris=
mus
vortäuſchen, der außer allen übrigen Mängeln
hes Parlamentarismus noch den beſonderen hätte, daß
er innerlich unwahr und ungerecht wäre. (Sehr rich=
tig
!) Auch Sie, meine Herren von der konſervativen
Partei, wollen und müſſen Ihre Selbſtändigkeit und
Unabhängigkeit behalten. (Heiterkeit links.) Je mehr
Sie Ihre Stärke allein auf die eigene Arbeit und die
eigene Ueberzeugung Ihrer Anhänger ſtützen, um ſo
beſſer wird es nicht nur für Staat und Regierung, ſon=
dern
auch für Sie ſelbſt ſein. Aber dieſelbe Unab=
hängigkeit
werde ich auch der Regierung Ihnen gegen=
über
wahren. Sie, meine Herren von den liberalen
Parteien, klagen darüber, daß die politiſchen Beam=
ten
, inſonderheit die Landräte, nicht nur den Konſer=
vativen
Handlangerdienſte leiſteten (ſehr richtig!
links), ſondern auch die anderen Parteien ſchikanier=
ten
und an der freien Entfaltung hinderten. ( Leb=
haftes
ſehr richtig; links.)
Die Beamten ſind Diener des Staates, aber nicht Die=
ner
irgend einer Partei. Wie die politiſchen Beamten die
Regierungspolitik zu vertreten haben, gegenüber allen
Parteien zu vertreten haben, darüber haben wir feſtſtehende
und allgemein anerkannte Grundſätze. (Zurufe bei den
Sozialdemokraten.) Jede Lockerung dieſer Grundſätze
wäre beginnender Verfall des Staatsorganismus. Da der
Beamte auch perſönlich eine feſte politiſche Ueberzeugung
haben muß, ſo werden an den Takt und das Verantwort=
lichkeitsgefühl
der Beamten große und ſchwere Anforde=
rungen
geſtellt. Auf die Arbeit, die von ihnen verlangt
wird und die ſie nur leiſten können in Gemeinſchaft mit
der geſamten Bevölkerung, können politiſche Gegenſätze un=
heilvoll
einwirken. Wachſen ſich dieſe Gegenſätze Gott
ſei Dank iſt dies nicht der Fall dahin aus, daß die Macht
der Beamten allgemein oder auch nur in größerem Um=
fange
politiſch mißbraucht würde, ſo wäre das für den
Staat verhängnisvoll. Es müßte das gerade die Eigen=
ſchaften
lahmlegen, deren unſer Staat, der ſich nach gewal=
tigem
Aufſchwunge innerlich zu konſolidieren hat, in erſter
Reihe bedarf. (Lebhafte Zuſtimmung.) Jede Verfeh=
mung
Andersdenkender rächt ſich. Preußen und Deutſch=
land
wiſſen davon ein trübes Lied zu ſingen, wenn ſie ſich
der bleiernen Schwere erinnern, die in den zwanziger und
dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf dem
Lande laſtete. Wo ein Mißbrauch ſtattfindet, mißbillige
ich ihn auf das entſchiedenſte. (Lachen bei den Sozial=
demokraten
.) Lachen Sie doch nicht ſo, meine Herren; wenn
Sie nichts anderes einwenden können, dann ſchweigen Sie
doch lieber. Ebenſo mißbillige ich die mancherlei Schi=
kanen
, wie Saalabtreibungen und ähnliches. Dagegen
proteſtiere ich, daß man unſerem politiſchen Beamtentum
Tendenzen in ſeiner Amtsführung nachſagt, wie ich ſie ſo=
eben
geſchildert und gerügt habe. Das iſt eine Verdrehung
und Verzerrung der Wirklichkeit. Nicht nur die
Standeseigenart, ſondern die ganze Geſchichte Preu=
ßens
, die Notwendigkeit, ſich in zähem Ringen um die
ſtaatliche und wirtſchaftliche Exiſtenz durchzuſetzen und zu
behaupten, haben den Typus des preußiſchen Beamten ge
ſchaffen. Das hat ſeiner ganzen Art den geſtrengen, viel
fach barſchen und abweiſenden, auf die Behauptung des
Errungenen bedachten Charakter aufgeprägt, den Sie kon=
ſervativ
nennen mögen. Rückſchrittlich, reaktionär iſt er
nicht. Denn mit ihm, nicht trotz ihm, iſt Preußen der füh=
uende
Staat Deutſchlands geworden. (Lebhafte Zuſtim=
mung
rechts.) Gewiß hat der Geiſt des preußiſchen Be=
ämtentums
nicht immer Stich gehalten. Gerade ſeine beſten
Eigenſchaften können auch die Quelle großer Fehler wer=
den
. So iſt er nach dem großen Aufſchwunge bei dem
Steinſchen Reformwerk ſpäter in den von Stein ſo bitter
beklagten Bureolismus verfallen, wie er den Bureau=
kratismus
nannte. Wir können auf die Dauer den konſer=
vativen
Organismus Preußen nur erhalten, wenn er von
freiem und vorurteilsloſem Geiſte erfüllt iſt. (Sehr richtig!
Lachen bei den Sozialdemokraten.)
Ich habe dieſe Frage kurz geſtreift, nicht um ein Lob=
redner
der Gegenwart zu ſein. Ich habe im Gegenteil auf
Mängel und Gefahren hingedeutet, die an ihrem Teil an
dem Unmut ſchuld ſind, der weite Kreiſe des Volkes er=
füllt
. Aber dieſer Unmut reicht doch viel weiter, denn
hinter allem ſteht das dumpfe Gefühl, daß wir uns bei un=
erhörtem
wirtſchaftlichen Aufſchwunge politiſch und kulturell
in einer Periode der Stagnation befinden. Die Sorge
darum, ob wir mit der höheren wiſſenſchaftlichen Erzieh=
ung
und Heranbildung unſerer Jugend noch auf dem rich=
tigen
Wege ſind, belaſtet und bedrückt weite Kreiſe der
Nation. Der Drang nach innerlich vertieftem religiöſen
Leben, der immer ein Grundpfeiler des deutſchen Weſens
ſein wird, empfindet es vielfach ſchmerzlich, nicht immer
volle Genüge zu finden. Meine Herren, man muß auf alle
dieſe und ähnliche Quellen zurückgehen, um es zu erken=
nen
, weshalb unſere Zeit von ſolcher Mißſtimmung er=
füllt
iſt. Und nun explodiert dieſe Mißſtimmung bei einer
Reform unſeres Wahlrechtes. Man wiegt ſich in der Hoff=
nung
, daß der Anfang zu allem Guten gefunden ſein werde,
wenn nur erſt das Dreiklaſſenwahlrecht abgeſchafft wäre.
Ich muß immer wieder betonen, daß das der große Fehl=
griff
wenigſtens für alle diejenigen iſt, welche von der all=
gemeinen
Demokratiſierung unſeres Staatslebens das
große Heil erwarten. Es hat eine Zeit gegeben, wo die
politiſche Erziehung des Volkes in ſeiner Maſſe vom Par=
lament
ausging. Mir ſcheint dieſe Zeit vorüber. Was
einer unſerer bedeutendſten lebenden Geſchichtsſchreiber die
Politiſierung der Geſellſchaft genannt hat, kann nur noch
von den unteren Gliedern des Staates und Volkes aus=
gehen
. Da vollzieht ſich vor allem die Erziehung zu dem
ſtaatlichen Verantwortlichkeitsgefühl, das die Grundlage
äller politiſchen Kultur iſt. Vergleichen Sie damit die
Wirkung, die die politiſche Tätigkeit der Parlamente in
der Gegenwart auf die politiſche Bildung des Volkes aus=
übt
. Ich ſpreche nicht von Fällen, wo die Entſcheidung
über Lebensfragen der Nation das Volk in ſeinen Tiefen
aufrührt. Das iſt nicht das tägliche Brot und ſoll nicht
das tägliche Brot ſein. Welchen Anteil nimmt denn aber
das Volk an der laufenden ſachlichen Arbeit unſerer Par=
lamente
? Die Preſſe bringt Stimmungsbilder, bei denen
man häufig den Eindruck nicht abweiſen kann, als handle
es ſich um Theatervorſtellungen. Verläuft die Sitzung ſach=
lich
, und mag es ſich um die wichtigſten Gegenſtände han=
deln
, dann heißt es, daß öde Langeweile über dem Hauſe
brüte. (Heiterkeit.) Aber wenn es ein ſogenannter großer

Tag iſt, dann wird geſchrieben, welche Krawatte oder
welche Weſte der Miniſter an hatte; was er ſachlich ſagte,
wird von oben herunter ſchnell abgetan, und luſtig wird
es, wenn berichtet werden kann, daß der Abgeordnete So=
undſo
temperamentvolle Angriffe gegen den Miniſter rich=
tete
, wobei er kräftige und energiſche Töne fand und wo=
möglich
einen Ordnungsruf erhielt. (Lebhafte Heiterkeit.)
Sie lachen darüber, ich halte es für eine ſehr ernſte Sache.
So wird die große Maſſe des zeitungsleſenden Publikums
allmählich dazu geführt, die Senſation als Kernpunkt des
politiſchen Lebens anzuſehen. Ich übe damit ſelbſtver=
ſtändlich
keine Kritik an unſeren Parlamenten, aber ich
muß mich doch fragen, ob die Behauptung noch zu recht=
fertigen
iſt, daß unſere Parlamente das Zentrum ſeien,
von dem politiſche Kultur und politiſche Erziehung auf die
Maſſe des Volkes ausſtrahlt, und ob nicht umgekehrt die
demokratiſche Entwickelung des Parlamentarismus zur
Verflachung und zur Verrohung des politiſchen Sinnes
führt, alſo gerade den Entwickelungsprozeß hemmt, den
wir brauchen und der von einer demokratiſchen Reform des
Wahlrechtes erwartet wird.
Meine Herren! Ich bin in meinen bisherigen Aus=
führungen
der Ueberſchätzung der Wahlrechtsfrage in ihren
Gründen und in ihren Wirkungen entgegengetreten. Laſ=
ſen
Sie mich jetzt noch in kurzen Worten über die allgemei=
nen
Richtlinien der Reform ſprechen, die wir Ihnen vor=
ſchlagen
.
Redner erörtert dann eingehend die einzelnen Vor=
ſchläge
der Vorlage und ſchließt: Preußen muß ſich im
Zuſammenhang mit der ganzen deutſchen
Entwicklung erhalten. Dazu gehört nicht nur
Achtung und Verſtändnis für die beſondere politiſche und
Kulturkraft, ſondern vor allem, daß ſich Preußen ſelbſt
ſtark erhält und daß es auch dieſe ſeine Stärke dem Reiche
dienſtbar mache. Wenn Sie, und damit will ich ſchließen,
bei der Beratung der geſamten Wahlrechtsfrage neben der
agitatoriſchen Parteipolitik auch ſolche Geſichtspunkte, wie
ich ſie eben vorgebracht habe, zu ihrem Rechte kommen laſ=
ſen
, dann werden Sie Beſchlüſſe faſſen, die dem Wohle
nicht nur Preußens, ſondern auch des Deutſchen Reiches
dienen. (Stürmiſcher Beifall rechts, Ziſchen bei den So=
zialdemokraten
, darauf erneuter Beifall rechts.)
Luftſchiffahrt.
* Berlin, 9. Febr. Das Militärluftſchiff
M. III das heute vormittag zu einer Fernfahrt nach
Jüterbog aufgeſtiegen war, traf um halb 5 Uhr wieder
auf dem Tegeler Schießplatz ein; es konnte jedoch, an=
ſcheinend
infolge eines Defektes der Höhenſteuerung,
nicht niedergehen und trieb nach Mariendorf ab, wo es
um 5 Uhr 30 Min. glatt landete. Offiziere und
Mannſchaften des Luftſchifferbataillons waren bereits
zur Stelle, um eine Nachfüllung vorzunehmen. Das
Fahrzeng wird die Heimreiſe auf dem Luftweg zurück=
legen
.
* Berlin, 10. Febr. Das geſtern bei Marien=
dorf
gelandete Militärluftſchiff M. III iſt
eute nacht in demontiertem Zuſtande auf Wa=
gen
nach Tegel zurückbefördert worden. Zum Trans=
port
waren elf Fahrzeuge nötig. Die Gondel wird
etzt erſt abgeholt.

Hochwaſſer.

* Gießen, 9. Jan. Die Lahn, Ohm, Lumda
und Wieſeck ſind ſtark im Steigen begriffen, ſchon
jetzt beginnen ſie über die Ufer zu treten. Infolge des
Tauwetters, das den Schnee des Vogelsberges raſch zur
Schmelze bringt, iſt weiteres Steigen der Waſſermaſſen
und damit Hochwaſſer zu erwarten. Zwiſchen Klein=
Linden, Heuchelheim und Dutenhofen ſind ſchon große
Strecken des Lahntals überſchwemmt. Der
Lückenbach überſchwemmt ſein Wieſental zwiſchen Leih=
geſtern
, Großen=Linden und Allendorf. Auch in der
Wetterau ſtehen die Wieſentäler zum Teil unter Waſſer
und dieſes ſteigt noch fortgeſetzt. Regenwetter und Tau=
wetter
haben ein ſtarkes Anwachſen der Nidda, Nidder,
Wetter und Uſa mit ſich gebracht.
* Mannheim, 10. Febr. Rhein und Neckar
ſind in verfloſſener Nacht wiederum ſehr erheblich
geſtiegen. Der Waſſerſtand des Rheins betrug heute
früh 6,28, der des Neckars 6,46 Meter. Der Neckar iſt weit
über ſeine Ufer getreten und hat das Vorland überflutet.
* Oldenburg, 9. Febr. Infolge der ſtarken Schnee=
ſchmelze
haben die Hunte und ihre Nebenflüſſe einen
überaus hohen Waſſerſtand erreicht. In dem Nach=
barorte
Everſten hat die Ueberſchwemmung bedrohliche
Dimenſionen angenommen. Ein Haus ſteht bereits zur
Hälfte im Waſſer, ein anderes iſt vollſtändig vom Waſſer
eingeſchloſſen.
* Paris, 9. Febr., mittags. Die Seine iſt in den
letzten 24 Stunden um 21 Zentimeter geſtiegen.
Für morgen wird ein neues Steigen um 30 Zentimeter
erwartet. Das Quartier des Bahnhofs und des Kai von
Jory iſt auf eine Länge von 80 Metern mit Waſſer bedeckt.
* Paris, 9. Febr. Von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr
nachmittags iſt die Seine um 6 Zentimeter geſtiegen.
Pioniere errichten Schutzdämme vor mehreren Brücken.
In Troyes iſt die Seine um 80 Zentimeter geſtiegen.
Auch aus dem Rhone= und Ain=Gebiet werden Ueber=
ſchwemmungen
gemeldet.

Handel und Verkehr.

Man ſchreibt uns: Bekanntlich hat die Ber=
C
liner Regierung gegen die Börſenzulaſſung der
neuen bulgariſchen Staatsanleihe, die mor=
gen
zur Zeichnung aufgelegt wird, Widerſpruch erho=
ben
. Das zeitliche Zuſammenfallen dieſer ausländiſchen
Finanzaktion mit der des Reiches und Preußens recht=
fertigt
den Widerſpruch ſchon vom rein geſchäftlichen
Standpunkt aus, ſodaß auf andere Gründe, die für die
deutſche Regierung vermutlich in Frage gekommen ſind,
hier nicht eingegangen zu werden braucht. Das Hambur=
ger
Emiſſionshaus für die neue bulgariſche Anleihe hält
nach einer Meldung der Voſſ. Ztg. an der Abſicht feſt,
ihre Zulaſſung zur Hamburger Börſe zu beantragen.
Dabei wird angenommen, daß die Berliner Regierung
auf die Regierung des Hamburger Staates behufs Ver
hinderung der Einführung dieſer Anleihe in Hamburg
keinen Einfluß ausüben werde. Das Hamburger
Emiſſionshaus rechnet alſo, wie man ſieht, mit der Mög=
ichkeit
, die Hamburger Regierung werde die Börſenzulaſ=
ſung
der bulgariſchen Anleihe im Gegenſatz zur Haltung
der Berliner Regierung geſtatten. In Fällen ſolcher Art
muß aber unſeres Erachtens die Uebereinſtimmung
in der Haltung beider Regierungen ſich von ſelbſt ver=
ſtehen
. Es ſollte nicht erſt der Ausübung eines Berliner
Einfluſſes bedürfen, um gegenüber ausländiſchen Finanz=
aktionen
jede bundesſtaatliche Regierung zur Annahme
des Berliner Standpunktes zu beſtimmen. Nur wenn die
deutſchen Regierungen die Zulaſſung ausländiſcher An=
leihen
zur Börſennotierung einheitlich behandeln, beſteht
die Möglichkeit, von den ausländiſchen Staaten im Zu=
ſammenhange
mit den Anleihen Bedingungen erfüllt zu
ſehen, die für die deutſche Volkswirtſchaft günſtig ſind.

Kann aber das Ausland ſich darauf einrichten, daß An=
leihen
, deren Börſenzulaſſung in Berlin verweigert wird,
in Hamburg oder in Dresden oder in München zur Bör=
ſennotierung
zugelaſſen werden, dann iſt es Deutſchland
gegenüber in einer weit vorteilhafteren Lage als gegenüber
Einheitsſtaaten, wie Frankreich, England uſw. Man weiß,
daß dieſe kapitalkräftigen Mächte ſeit langer Zeit gewohnt
ſind, die Börſenzulaſſung ausländiſcher Anleihen von
ihrer Nationalwirtſchaft zu gewährenden Vorteilen abhin=
gig
zu machen. Dieſelbe Einheitlichkeit des Vorgehens,
die dabei für Frankreich uſw. ſelbſtverſtändlich iſt, muß
auch im deutſchen Bundesſtaate ſelbſtverſtändlich erſchei=
nen
. Iſt dies bei uns im einzelnen Falle nicht ohne wei=
teres
zu erreichen, dann muß die Berliner Regierung es
durch Ausübung ihres Einfluſſes verhindern, daß das
nationale Geſamtintereſſe nicht durch partikulariſtiſche
Sonderintereſſen beeinträchtigt werde. Betreffs der bul=
gariſchen
Anleihe iſt ſchwerlich ein partikulariſtiſches Vor=
gehen
der Hamburger Regierung zu beforgen. Wenn
aber wider alles Vermuten der Hamburger Senat das
Vorgehen Berlins durchkreuzte, dann wäre es unſeres Er=
achtens
nicht nur das Recht, ſondern auch die Pflicht der
Regierung, auf Hamburg den entſprechenden Einfluß aus=
zuüben
.
* Berlin, 10. Febr. Die Deutſche Reichs=
bank
hat den Diskont von 4½ auf 4 Prozent und
den Lombardzinsfuß von 5½ auf 5 Prozent herab=
geſetzt
. In der heutigen Sitzung des Zentralaus=
ſchuſſes
der Reichsbank führte Präſident
Havenſtein nach Vorlegung des letzten Wochen= Aus=
weiſes
aus, daß die Anſprüche an die Reichsbank um
die Monatswende ziemlich hoch geweſen ſeien, aber
auch ſeitdem die Rückflüſſe einen entſprechend großen
Umfang angenommen haben. Der Status der Bank
nähere ſich daher wieder normalen Verhältniſſen. Die
Rückflüſſe hatten jedoch lediglich eine Abnahme des
Notenumlaufes zur Folge, während leider etwas Gold
infolge von Arbitragegeſchäften nach Argentinien ge=
floſſen
iſt. Der hieſige Privatdiskont iſt wie in den
Nachbarländern niedrig. Die Deviſen auf Amerika
und Rußland zeigten aber Neigung, zu ſteigen, daher
ſei Vorſicht nötig und es erſcheine deshalb die Herab=
ſetzung
des Diskonts um nur ein halbes Prozent
richtig.

Das Befinden des Königs von Schweden.

* Karlsruhe 9. Febr. Laut dem Hofbericht
der Karlsruher Zeitung trafen beim Großherzog über
das Befinden des Königs von Schweden günſtige
Nachrichten ein; das Allgemeinbefinden des Patienten
ſei ſehr befriedigend.
* Stockholm, 9. Febr. Heute abend wurde
folgendes Bulletin über das Befinden des =
nigs
ausgegeben: Der König hat im Laufe des Tags
häufig kurze Zeit geſchlafen und flüſſige Nahrung zu
ſich genommen. Die Schmerzen ſind faſt vollſtändig
verſchwunden, nur ein Gefühl der Mattigkeit macht ſich
geltend. Der Verläuf der Krankheit war bisher normal.

Letzte Nachrichten.

H. B. Berlin, 10. Febr. Der Inhaber der Pots=
damer
Bank=Firma Ullrich u. Wolif, Karl Albrecht,
hat ſich nach Eröffnung des Konkurſes über ſein Ge=
ſchäft
und nach Feſtſtellung einer Unter=Bilanz von
200000 Mark heute in ſeiner Potsdamer Wohnung er=
ſchoſſen
. Als ſich die Kunde von dem Selbſtmorde
des Bankiers in der Stadt verbreitete, eilten Fahl=
reiche
Kunden in das faſt geräumte Geſchäft und es
ſpielten ſich dort dramatiſche Szenen ab.
* Wiesbaden, 8. Febr. Die ſchon mitgeteilte Ver=
haftung
des Direktors Werner aus Eltville
erregt großes Aufſehen. Sein Einverſtändnis mit dem
mit etwa 150000 Mark aus Frankfurt durchgebrannten
Buchhalter Flick ſteht mit ziemlicher Gewißheit feſt.
Die Frankfurter Kriminalpolizei hat eine ſehr gründ=
liche
Durchſuchung der Wohnräume der Familie Flick
vorgenommen und dabei intereſſante Schriftſtücke ge=
funden
, die den unzweifelhaften Beweis erbrachten, daß
Flick und Werner im Januar 1909 ineregem Gedanken=
austauſch
ſtanden. Die Frankfurter Kriminalbeamten
ſtellten auch feſt, daß Werner nach der Flucht Flicks
Briefe erhielt, deren Aufſchrift eine merkwürdige Aehn=
lichkeit
mit der Schrift Flicks hatte. Noch aber ließ man
Werner in Ruhe. Erſt vorgeſtern ſchritt man zu einer
Hausſuchung, die ein ſehr intereſſantes Material zutage
förderte. Es wurde klipp und klar der Beweis erbracht,
daß Werner genau über den Fortgang der Unter=
ſchlagungen
bei der Landwirtſchaftlichen Zentral= Dar=
lehenskaſſe
unterrichtet war. Die Annahme ſcheint
durchaus begründet, daß Flick, wie bereits erwähnt, auf
Veranlaſſung des Freundes Werner die Unterſchlagun=
gen
begangen hat. Nun iſt es auch erklärlich, warum
Flick ſich energiſch dagegen ſträubte, ſeinen Wohnſitz in
Frankfurt zu nehmen. Er konnte in Wiesbaden mit
dem Komplizen viel ungeſtörter verkehren. Geſtern
und heute hat die Frankfurter Kriminalvolizei ein=
gehende
Vernehmungen vorgenommen, die aber noch
nicht abgeſchloſſen ſind. Flick iſt vermutlich noch in
Deutſchland. Es ſteht feſt, daß er auch mit anderen
Perſonen, außer Werner, nach ſeiner Flucht noch in
Briefwechſel geſtanden hat.
H.B. Waſhington, 10. Febr. Der Senat hat den
Geſetzentwurf angenommen, wonach die Statue des
Generals von Steuben als Geſchenk an den
deutſchen Kaiſer geſandt werden ſoll. Sie ſtellt
die Gegengabe der Union an den Kaiſer dar für die
Entſendung der Statue Friedrichs des Großen.

Geſchäftliches.

Im Anſchluß an die geſtrige Notiz über die weiße
Woche im Mainzer Warenhaus ſei noch die wunder=
bare
Frühlingsdekoration des inneren Lokals
erwähnt. Die Firma hat keine Koſten geſcheut, um dem
Darmſtädter Publikum geſchmackvolle Dekorationen vor
Augen zu führen, wie ſolche in den bedeutendſten Ge=
ſchäften
der Großſtadt nicht hübſcher zu ſehen ſind. Ein
Beſuch iſt zu empfehlen. Die Innen=Dekorationen wurden
(3304
von der Hofgärtnerei Henkel ausgeführt.

Für die ſo überreich eingelaufenen Gratu=
lationen
, Blumen u. Geſchenke anläßlich unſerer

Silbernen Hochzeit

danken herzlichſt

(*3379

Hugo Münkel u. Frau.

[ ][  ][ ]

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Freunden und Bekannten die ſchmerzliche
Nachricht, daß mein lieber Gatte, unſer Vater,
Schwiegervater und Großvater
(3290
Herr August Saeger
Oberzahlmeister à. D.
heute früh 9 Uhr nach langem, ſchwerem, mit
großer Geduld ertragenen Leiden im 69. Lebens=
jahre
ſanft entſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Pankow, Heriſau, 10. Febr. 1910.
Die Beerdigung findet Samstag, den 12. Febr.,
nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehauſe, Hügel=
ſtraße
67 aus, ſtatt.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Der Raub der
Sabinerinnen.

Die Beerdigung von Frau Doro=
thea
Landau Wwe. findet nicht um
3 Uhr, ſondern heute Freitag Nach=
mittag
½3 Uhr, vom Portale des
Friedhofes aus, ſtatt. (*3315

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe innigſter Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter, Schwie=
germutter
, Großmutter, Schwägerin und Tante
Frau
Ellsabethe Wehchel WWo.
ſagen wir unſern tiefgefühlten Dank. (B3305
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Wilhelm Wenchel,
Familie Ludwig Hering.

Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Verſammlung des Ortsgewerbevereins um 8½ Uhr
im Reſtaurant Sitte.
Konzert um 5 Uhr im Kölniſchen Hof.

Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme,
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden bei dem
Hinſcheiden meiner lieben Gattin, unſerer teuren
Tochter, Schweſter, Schwägerin, Schwiegermutter
und Großmutter
(3280
Frau Susanne Stein
geb. Gehbauer
ſagen wir innigen Dank.
(3280
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Joh. Ludwig Stein,
Markſtr. 7.

Druck und Verlag: L. C. Witlich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Oito Waldacßek; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nächrichten: Mar Skteeſe;
für den Inſeratenteil: F. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren, Etwaige
Honorakforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Die Aebelfrau.
Roman von Anny Wothe.
(Nachdruck verboten.)
*29)

Sie wollen mir helfen, Ebbo Klas? Gewiß, ich leſe
es in Ihrem Geſicht. O, ich danke Ihnen, danke Ihnen
aus tiefſter Seele. Ich werde ohne Ihre Einwilligung
vorläufig nichts tun.
Wollen Sie mir den ominöſen Zettel anvertrauen?
Einen Augenblick bohrten ſich beider Blicke feſt inein=
ander
.
Fridrun ſchüttelte leicht den Kopf.
Noch nicht, lächelte ſie, aber ich verſpreche Ihnen, Lutz!
letzte Worte am Tage meiner Abreiſe in Ihre Hände zu
legen. Leben Sie wohl, Ebbo Klas. Ich glaube, Ihnen
heute den Beweis gegeben zu haben, daß ich Sie für mei=
nen
beſten und treueſten Freund halte.
Das können Sie, Gräfin.
Faſt mit hartem Druck umſchloß ſeine gewichtige
Rechte ihre zarte Hand.
Noch ein flimmernder Blick, ein betörendes Lächeln,
und Fridrun rauſchte aus dem Zimmer.
Begleiten Sie die Frau Gräfin an den Wagen,
herrſchte Ebbo Klas ſeinem Bureanvorſteher zu. Seine
Stimme war ganz heiſer.
Fridruns Hände ballten ſich zornig.
Nicht einmal das Geleit gab er ihr. Trotz aller Ent=
rüftung
grüßte ſie aber dennoch voll gewinnender Liebens=
würdigkeit
die bis auf die Erde ſich verbeugenden Schrei=
ber
. Dann ſchritt ſie hinab zu ihrem Wagen, wo die
Rappen ſchon ungedüldig ihrer harrten.

Dem Aniſcher di Zihek wbeiſend, länt ſeſic e=
haglich
in die weichen Polſter zurück. Sie wollte träumen
auf der Heimfahrt von dem Manne, den ſie in den Staub
treten wollte, weil er ſie verſchmähte.
Die alte, ſchläfrige Stadt, die Heide ſchienen ihr plötz=
lich
nicht mehr öde in dem herbſtlichen Nebelgrau, denn
überall keimten ihr berauſchende Verheißungen.
Ebbo Klas, der ſollte ihr helfen. Er liebte ſie, und
er war ihr Sklave, wenn er ſich auch noch ſo ſehr dagegen
wehrte. Sie kannte ihre Macht.
Ebbo Klas aber ſaß in ſeinem Schreibſtuhl, den Kopf
in beide Hände vergraben, und ſtarrte vor ſich hin.
Sie iſt ſchrecklich, ſtöhnte er dann plötzlich auf, und
ich liebe ſie doch, liebe ſie bis zum Wahnſinn. Und ſie
ſpielt mit mir, wie ſie mit allen geſpielt hat.
Eine Weile ſaß er in dumpfem Hinbrüten. Dann
aber ſprang er erregt auf.
Nie, nie darf es geſchehen. Das verhängnisvolle
Blatt muß mein werden mit Liſt oder Gewalt, gleichviel.
Undine ſoll nicht an der Rache dieſer Frau zu Grunde
gehen, ſie darf nie von dem entſetzlichen Verdacht erfah=
ren
, der, wenn er ſich bewahrheitet, Undine ja auf ewig
von dem Grafen trennt.
Suchend ſtöberte er dann in ſeinen Papieren. Endlich
ſchien er gefunden zu haben. Sein blaſſes Antlitz gewann
wieder die gewohnten friſchen Farben, und faſt war es,
als verſtecke ſich ein Lächeln in dem rotblonden Bart, der
ihm lang auf die Bruſt wallte, als er ſich wieder an ſei=
nem
Schreibtiſch niederließ und eifrig ſchrieb.
Der Herbſttag ging zur Rüſte, da legte er endlich tief
aufatmend die Feder fort.
Sein Werk war getan.

Gäſt lühe nerite in Bohnſinner ein Konin
auf ihren Gatten, der, wie Dorret ihr geſagt, heute kom=
men
wollte, Abſchied von ihr zu nehmen, bevor er ſeine
Reiſe nach dem Süden antrat.
Undines Antlitz war bleich. Ihre Geſtalt war
ſchlanker geworden, und um den Mund lag ein feiner
Leidenszug, den ſie früher nicht gehabt. Ihre dunklen
Augen hatten einen weichen, ſamtartigen Glanz. Sie
ſaß in einem hochlehnigen Seſſel, das rotſchimmernde
Haar feſt an die veilchenfarbenen Polſter geſtemmt.
Dorret hatte fürſorglich eine graue Pelzdecke über ihre
Füße gebreitet.
So ſaß ſie und wartete ſchon lange.
Draußen heulte der Wind. Und ſie dachte an die
Nacht, die unheimliche Nebelnacht, die ſie mit Reimar
in den Dünen durchwachte.
Wie lange das her war! Sie fand die Wochen
nicht zuſammen. Und nun wollte er fort. Sie freute
ſich deſſen. Der Gedanke war ihr in ihrer langen
Krankheit unerträglich geweſen, ihn täglich, ſtündlich
hier zu wiſſen.
Den Abſchied würde er ja wohl kurz machen. Auch
das würde vorübergehen. Der Tag neigte ſich. Nun
mußte er jede Minute kommen. Wie gut, daß Fridrun
noch nicht aus der Stadt zurückgekehrt und die Groß=
mutter
in ihrem Zimmer ein wenig ruhte. Sie war
jetzt ſo oft müde, die alte Frau. Nur im Wohnzimmer
war neutrales Gebiet, da konnte ſie am beſten ihm ein
paar Abſchiedsworte auf den Weg geben.
Und wie ſie noch ſann, da ſtand er ſchon plötzlich
vor ihr, und um ſie her wehte es wie Veilchenduft.
Ein großer Strauß der blauen Blüten ruhte in
Undines ſchmal gewordenen Händen. Einen Augen=

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blick hielt ſeine lebenswarme Rechte auch ihre Hand
umſchloſſen, dann ließ Graf Reimar ſie wie erſchreckt
fallen.
Mit einem eigentümlichen Ausdruck ſeiner dunklen
Augen ſah der Graf auf ſeine junge Gattin nieder.
Ich freue mich, Dich ſo viel beſſer zu finden, Undine,
begann er mit etwas verſchleierter Stimme.
Sie barg wider Willen ihr Antlitz in den duftigen
Strauß, dann deutete ſie auf einen Seſſel.
Du kommſt, um Abſchied zu nehmen, Reimar?
Ja, es wird mir dieſes Mal etwas ſchwer, fortzu=
gehen
.
Erſtaunt ſah ſie zu ihm herüber.
Er errötete unter dieſem Blick faſt wie ein jünges
Mädchen.
Haſtig erwiderte er:
Es gibt ſo vielerlei Widerwärtigkeiten, die mich
eigentlich hier halten. Zuerſt wagte ich nicht zu reiſen,
weil Dein Zuſtand dem Arzte noch immer bedenklich
ſchien.
O, auf mich hätteſt Du keine Rückſicht nehmen
ſollen, wehrte Undine herb ab.
Ein prüfender Blick traf ſie, als er unbeirrt
fortfuhr:
Dann kamen allerlei Mißhelligkeiten mit dem In=
ſpektor
in Südegaarde. Der neue ſcheint ſich aber jetzt
gut anzulaſſen, und ich glanbe, daß ich es wagen kann,
fortzugehen, wenn nicht wieder neue Hemmniſſe ein=
treten
.
Fragend ſah Undine zu ihm auf. Da gewahrte ſie
einen ſeltſamen Blick, der wie in heimlicher Zärtlichkeit
ihre ganze Geſtalt umfing. Ein Schauer rann durch
zihre Glieder.
Was ſollte das? Was wollte er von ihr?

Du haſt Aerger gehabt?
Nein, das wäre zu viel behauptet. Ich bin nur in
Sorge um Dich.
Um mich? Es war ein unverhohlenes Erſtaunen,
das aus Undines Worten brach.
Wieder färbte ein helles Rot den Bronzeton ſeiner
Haut.
Deine Stiefmutter haßt Dich, kam es langſam aus
ſeinem Munde. Sie ſucht Dir zu ſchaden. Ich möchte
Dich warnen.
Undine lächelte leiſe.
Du ſiehſt Geſpenſter. Fridrun iſt ja gar nicht ernſt
zu nehmen.
Du täuſcheſt Dich. Sie ſinnt auf Rache.
Sie trifft mich nicht. Im übrigen iſt ſie ent=
ſchloſſen
, zu reiſen, und ich werde ſie kaum hindern
können.
Es iſt vielleicht auch beſſer, als wenn ſie hier im
Gorlingshof darauf ſinnt, Dich zu kränken.
Undine horchte auf. Jetzt alſo wünſchte er die
Reiſe ſelbſt. Ein heißer Schmerz, ein tiefes, wildes
Weh zuckte plötzlich in ihr auf. Hatte Reimar es nicht
früher ſelbſt angedeutet, daß Fridrun verſuchen wollte,
ihn im Süden zu treffen, und nun redete er Fridruns
Reiſe ſelber das Wort?
Wie Eiſeskälte legte es ſich plötzlich auf Un=
dines
Seele.
Du haſt Deine Anſichten über meine Stiefmutter
geändert?
Ihre Stimme klang ihr ſelber ganz fremd.
Nein, aber ich hatte in letzter Zeit öfters Gelegen=
heit
, Gräfin Fridrun zu ſprechen, und dg iſt mir
mancherlei aufgefallen.

Undine ſchloß die Augen. Da hatte Dorret alſo
doch recht gehabt, daß er jetzt öfter mit Fridrun zu=
ſammen
geweſen. Brach nun das Verhängnis doch
herein? Nein, das durfte, das ſollte nicht ſein.
Ich hätte ſo gern noch einiges Geſchäftliche mit
Dir beſprochen, lenkte ſie mit müder Stimme ab. Es
iſt mir ſö vieles noch unklar in Lutz’ Verhältniſſen
geblieben, und auch die Bücher meines Vaters geben
keine genane Auskunft. Vielleicht hilfſt Du mir da ein
wenig.
Reimar war ganz blaß geworden.
Undine gewahrte es voll Staunen.
Später gern, antwortete er haſtig. Sobald ich
zurückkehre, ſtehe ich gern zu Deiner Verfügung.
Wird es ſehr lange ſein, daß Du fernbleibſt? fragte
Undine faſt ſchüchtern. Es quält mich da etwas, was
ich nicht verſtehe. Ich habe immerfort in meiner
Krankheit daran denken müſſen.
Wünſcheſt Du, daß ich bald zurückkehre, Undine?
Er hatte ſich tief zu ihr herniedergebeugt. Es
war ihr, als klopfte es wie Angſt in ſeiner Stimme.
Nein, nein, wehrte ſie erſchreckt ab. Laß Dich, bitte,
durch mich nicht ſtören.
Er trat ſchnell und weit von ihr zurück, und ſeine
Augen wurden kalt.
Ei, ei, ein zärtliches Tete=a=tete, verzeiht, rief
lachend Fridruns Stimme. Verzeihe, Undine, hätte ich
geahnt, daß Du von Reimar Abſchied nehmen wollteſt,
ich wäre natürlich hier nicht hereingeplatzt, ſetzte ſie
hinzu, näher an den Kamin tretend und die ſchwarzen
Fahrhandſchühe läſſig abſtreifend. Es wird ſchon kalt,
Eine glühende Röte flog über Undines Antlitz.
Sie wagte nicht, Reimars Aüge zu begegnen.
(Fortſetzung folat.)

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Betreffend: Abgabe von Waſſer für
Neubauten.
Die Anmeldungen zum Waſſerbezug für
Neubauten erfolgen vielfach ſo ſpät, daß
beim Beginn der Bauarbeiten das Waſſer
nicht zur Verfügung ſtehen kann. Da die
Abgabe von Waſſer aus dem nächſtliegen=
den
Straßenhydranten für den Unternehmer
mit Umſtänden und Koſten verbunden iſt,
wird des öfteren verſucht, entgegen der Be=
ſtimmung
des §7 der Waſſerbezugsſatzungen,
Waſſer aus einem Nachbargrundſtück zu
beziehen.
(2831ff
Wir ſehen uns daher veranlaßt, darauf
aufmerkſam zu machen, daß einem Antrag
auf Einführung der Waſſerleitung in
Neubauten nur dann rechtzeitig entſprochen
werden kann, wenn dieſer Antrag bei der
Waſſerwerksverwaltung rechtzeitig geſtellt
worden iſt. Im Intereſſe der Unternehmer
dürfte es liegen, wenn gleichzeitig mit der
Abgabe des Baugeſuchs an die Bau=
polizei
auch der Antrag auf Waſſerzufüh=
rung
bei der Waſſerwerksverwaltung ein=
gereicht
würde.
Darmſtadt, den 2. Februar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Ekert.

Offenlage von Stenerhebregiſtern.

Die Gemeinde= und Kirchenſteuer=Nach=
XXIII der
trags=Hebregiſter Nr. XXVI.
Gemeinde Darmſtadt, ſowie Nr. XXI-XXIII
der Gemeinde Darmſtadt (Beſſunger Stadt=
teil
) für 1909 liegen vom 12. lfd. Mts. an
acht Tage lang auf dem Bureau der Stadt=
kaſſe
, Grafenſtraße 28, zur Einſicht auf.
Beſchwerden gegen die Beitragspflicht
oder gegen das angenommene Beitrags=
verhältnis
müſſen binnen der erſten vier
Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfriſt
(ſchriftlich oder mündlich) bei Großherzog=
lichem
Kreisamt vorgebracht werden. Später
vorgebrachte Beſchwerden finden keine Be=
rückſichtigung
.
Darmſtadt, den 9. Februar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.
(3287

5g
Erdarbeiten.

Die während des Rechnungsjahres 1910
bei der ſtädtiſchen Waſſerwerks=Verwaltung
zur Ausführung kommenden Erdarbeiten
ſollen verdungen werden.
Bedingungen liegen in dem Geſchäfts=
zimmer
der unterzeichneten Verwaltung,
Waldſtraße Nr. 19, während der Dienſt=
(3282fi
ſtunden zur Einſicht offen.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 17. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 10. Februar 1910.
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 16. Februar I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll das dem Reſtaurateur Anton Welchert
zuſtehende Anweſen (Grafenſtraße Nr. 22½,
Hotel Darmſtädter Hof) dahier
Flur
Nr.
qm
I 314¾/10 142 Hofreite Grafenſtr.,
I 3149/10 245 Hofreite Waldſtraße,
nebſt allem Zube=
hör
, insbeſond. auch
das Hotelinventar
in unſerem Bureau Grafenſtraße 30
wiederholt öffentlich zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K185/09
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, wird Genehmigung auch
dann erfolgen, wenn die Taxe nicht er=
reicht
wird.
Darmſtadt, den 4. Februar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L3025,62

Bekanntmachung.

Freitag, den 18. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Peter Fink Eheleuten dahier
zugeſchriebene Hofreite:
Flur Nr.
qm
IV 6088//1000 348 Rhönring Nr. 57,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K148/09
werden.
Falls keine anderen rechtlichen Hinderniſſe
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 25. Januar 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L2344,61

Bekanntmachung.

Freitag, den 25. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll das der Witwe des Tapeziers Friedrich
Fey, Katharine, geb. Kraft, dahier zuge=
ſchriebene
Grundſtück:
Flur Nr. qm
22 39 2754 Hofreitegrund im tiefen
See,
mit Scheuer
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
K1/10
Darmſtadt, den 10. Januar 1910
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
(L1359,61
Müller.

Gelegenheitskauf für Freunde
heſſiſcher Geſchichte!

M. Merian, Beſchreibung der vor=
nehmſten
Städte und Plätze in Heſſen ꝛc.
Mit vielen Kupfern. Frankfurt 1655.
Schönes Exemplar in gutem Einband. An=
gebote
unter L 27 an die Expedition ds.
Blattes.
(3286fs

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 1 Pinſcher.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Holzverſteigerung.

Donnerstag, den 17. Februar I. Js., 129 Uhr vormittags,
wird zu Arheilgen bei Wirt Brücher das Dürr= und Windfallholz aus der ganzen
Forſtwartei Kleeneck verſteigert:
Stämme, fm: 1 Kirſchbaum 0,41 fm aus dem Grasgarten des Meſſeler
Falltorhauſes; Scheiter, rm: 40 Buchen I. Kl., 134 Buchen II. Kl., 5 Hain=
buchen
, 172 Eichen II. Kl., 28 Birken, 3 Erlen, 8 Kiefern, 1 Fichte; Knüppel,
rm: 50 Buchen, 26 Hainbuchen, 203 Eichen, 18 Birken, 7 Erlen, 2,5 Kirſch=
baum
, 3 Aſpen, 16 Kiefern, 11 Fichten; Knüppelreiſig, rm: 476 Eichen,
2 Birken; Reiſig, Wellen: 1310 Buchen, 190 Birken, 50 Kirſchbaum;
Stöcke, rm: 47 Buchen, 107 Eichen, 6 Birken, 2 Kirſchbaum, 2 Kiefern,
2 Fichten.
Blau unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert.
Nähere Auskunft durch Forſtwart Lang, Meſſeler Falltorhaus, Poſt Meſſel.
Darmſtadt, den 9. Februar 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
(3301

Der Brieftaubenklub Gräfenhauſen

hat ſeine Brieftauben der Marineverwaltung zur Verfügung geſtellt.
(3271
Gräfenhauſen, den 9. Februar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Gräfenhauſen.
Petri.

Ein= und Verkaufsgenoſſenſchaft der Schneider=Innung
zu Darmſtadt.

Eingetr. Genoſſenſch. m. beſchr. Haftpflicht.
Schluss-Bilanz am 31. Dezember 1909.

Atüira fTasstra
1909
Mk.
Mk.
Dezember 31 Kaſſenbeſtand
231.18
(28
Kunden=Conto
5034.05) §.
,
.3
Waren=Conto
-
7 416.72
3.
Inventar=Conto
-

25.10
2.
2.
Lieferanten=Conto
1824.76
-
Zinſen=Conto der unkündbaren Kapitaleinlagen
115.20
-
Unkündbare Kapitaleinlagen
3 495.38

Geſchäfts=Anteil=Conto
-
4 625.-
,
Reſervefonds
-

,
,
1215.-
Hilfsreſervefonds
500.

,
,
Unerhobene Kapitaldividende

92.
,,
Unerhobene Warendividende
,
771.35
Ueberweiſungsfond an Angeſtellte
30.
O
Gewinn=Vortrag für 1910
38.36
12707.05 12 70705

Im Laufe des Jahres trat kein Mitglied ein.
Im Laufe des Jahres ſchied kein Mitglied aus.
Zahl der Mitglieder am 31. Dezember 1909 24.
Die Geſchäftsguthaben der Mitglieder betrugen am 31. Dezember 1908 4665 Mk.,
hiervon zurückbezahlt 200 Mk., hinzubezahlt 160 Mk., ſomit haben ſich die Geſchäfts=
guthaben
vermindert um 40 Mk.
(3291
Die Haftſumme hat ſich nicht verändert.
Der Betrag der Haftſumme iſt zur Zeit 4800 Mk.
Fertiggeſtellt: Darmſtadt, 28. Januar 1910.
Michael Oehlenschläger,
Wilhelm Hofmann,
Joseph Hübner,
Vorſitzender.
Kontrolleur.
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ſchloſſen
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Bekanntmachung.

(Stadtwald.)
Die Brennholzverſteigerung Nr. XIII.
vom 7. Februar l. Js. iſt genehmigt; die
Abfuhrſcheine können vom 15. ds. Mts. ab=
bei
der Stadtkaſſe in Empfang genommen
werden. Ueberweiſung findet Tags darauf
ſtatt.
(3300
Darmſtadt, den 10. Februar 1910.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Bekanntmachung.

Die am 7. und 8. ds. Mts. in Roß=
dorf
abgehaltene Holzverſteigerung iſt ge=
nehmigt
. Die Abfuhrſcheine können vom
14. ds. Mts. an bei den Kaſſen abgeholt:
werden.
(3268
Ober=Ramſtadt, 9. Februar 1910.
Großh. Oberförſterei Ober=Ramſtadt.
Daab.

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Morgen Samstag wieder
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Das verwunschene

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lungen
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Titel der einzelnen Vorgänge:
1. Das Schloß. 2. Die ſchöne Prin=
zeſſin
. 3. Ein Feſt im Schloſſe.
4. Unſelige Tat. 5. Die Bettlerin.
6. Die Meeresfee. 7. Der arme Fiſcher.
8. Auf dem Meeresgrund. 9. Der
Schwur. 10. Aus dem Meere. 11. Hoch=
zeit
. 12. Undankbare Menſchen. 13.
Die Brautnacht. 14. Es brandet das
Meer. 15. Der Tod. 16. Das ver=
ſunkene
Schloß.
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Nur heute Freitag.

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[ ][  ][ ]

Sport.

Rt. Rittmeiſter Graf Fritz Königs=
marck
, der zuletzt als Reitlehrer und Maſter beim
Militär=Reitinſtitut zu Hannover tätig war, iſt infolge
einer Duellaffäre der Abſchied erteilt worden. Graf
Fritz Königsmarck gehörte früher dem Königs=Ulanen=
Regiment an und war bis vor wenigen Jahren einer
unſerer beſten Herrenreiter. Als der beſte Schüler
eines Heyden=Linden, errang er von Mitte der neun=
ziger
Jahre an auf Pferden wie Mascaret II., Quick=
ſight
, Lawine, Medley, Granit, Nil, Museipola, Qui=
lon
, Robert, Bavarian, Cloven Foot und anderen auf
den deutſchen Hindernisbahnen große Erfolge. Un=
übertrefflich
war ſeine Kunſt im Finiſhreiten, in der
er faſt ſeinen Lehrmeiſter übertraf. Trotz aller Fertig=
keit
iſt es ihm in keinem Jahre vergönnt geweſen, das
Championat unter den Herrenreitern zu erringen.
1899 ſtand er an dritter Stelle hinter Leutnant Suer=
mondt
und Herrn H. Lücke. Außer ſeinen eigenen
Pferden ritt er häufig für Herrn K. von Tepper=Laski,
Kapitän Jve, Herrn Behrens=Hamburg, Graf Schlip=
penbach
u. a. Als Heyden=Linden ſich vom Rennreiten
zurückzog, ließ er ſeine Pferde faſt ausſchließlich von
Graf Fritz Königsmarck reiten.
At. Die Verſuchsabteilung der Ver=
kehrstruppen
veranſtaltet zurzeit im Harz die all=
jährliche
winterliche Automobil=Prüfung, an der dies=
mal
4 Armee=Laſtzüge, 10 kleine Wagen, 5 Perſonen=
Automobile und 9 Motorräder beteiligt ſind. Die
tleinen Wagen ſollen bei dieſer Prüfung zum erſten
Male ihre Ueberlegenheit über die Motorräder er=
weiſen
. Als Ausgangspunkt für die Uebungsfahe
dient Harzburg, von wo aus u. a. Fahrten nach
Braunlage, Haſſelfeld unternommen werden. Die
Uebungsfahrten werden ſich noch bis zum 11. Februar
ausdehnen. Am 14. ſoll die Rückfahrt nach Berlin an=
getreten
werden, welches von den kleinen Wagen am
15. Februar und von den Laſtwagen am 16. Februar
erreicht wird.
sr. Die Berliner Ringkampf= Konkur=
renz
im Etabliſſement Buggenhagen brachte am letze
ten Abend nur zwei Kämpfe. Im Entſcheidungskampf
ſiegte Schneider=Luckenwalde über Altmann=Berlin
nach einer Geſamtzeit von 1 Stunde 2 Minuten, und
den Revanchekampf zwiſchen Hein=Berlin und dem
Neger Illa gewann der Berliner in 54 Minuten.
sr. Der Weltmeiſterſchafts= Schachwett=
kampf
zwiſchen Lasker und Schlechter geht
ſeinem Ende entgegen. Die neunte Partie, die nach
dem 51. Zuge abgebrochen worden war, geſtaltete ſich
nach Wiederaufnahme des Kampfes außerordentlich
ſpannend. Lasker gewann eine ſtarke Angriffsſtellung,
überſah jedoch im 56. Zuge die richtige Konſequenz, ſo=
daß
es Schlechter noch gelang, ein Remis zu erzielen.
Die zehnte Partie, die letzte des Matches, eröffnete
Lasker mit einem Damen=Gambit. Auch dieſe Partie
dürfte einen ſpannenden Verlauf nehmen. Sie wurde
zünächſt nach dem 15. Zuge abgebrochen und wird nun=
mehr
die Entſcheidung darüber zu bringen haben, ob
Schlechter als Sieger aus dem Wettkampf hervorgeht,
oder ob dieſer unentſchieden endet. Schlechter führt
zurzeit mit 5 Points, während Lasker nur 4 Points
buchen konnte. Falls Lasker die letzte Partie ge=
winnt
, iſt der Kampf unentſchieden. Ausſicht auf Sieg
hat Lasker jedenfalls nicht mehr.

Luftſchiffahrt.

sr. Das Internationale Flugmeeting.
von Heliopolis war am dritten Tage vom Wetter

wenig begünſtigt. Infolge heftigen Windes mußten
die Konkurrenzen ausfallen. Allein Balſan wagte es,
am Nachmittag aufzuſteigen, mußte jedoch ſeinen Wage=
mut
mit der Vernichtung ſeines Apparates büßen. Er
geriet bald in einen Wirbelwind, der ſeine Flug=
maſchine
aus dem Gleichgewicht brachte, ſodaß ſie
kopfüber zur Erde niederſtürzte und völlig zer=
trümmerte
. Balſan ſelbſt kam wie durch ein
Wunder mit ganz geringen Verletzungen davon und
wurde von den zahlreich anweſenden Zuſchauern ſtür=
miſch
applandiert.
Intereſſante Flugverſuche auf dem
See von St. Moritz ſtehen in nächſter Zeit in
Ausſicht. Kapitänleutnant Engelhardt beabſichtigt,
einen Teil ſeiner Schüler in St. Moritz weiter aus=
zubilden
. Er wird ſich in Begleitung eines Inge=
nieurs
und dreier Mechaniker demnächſt nach St. Mo=
ritz
begeben, wohin ſchon zwei Wright=Maſchinen von
Berlin aus abgegangen ſind. Ferner wird auch der
franzöſiſche Aviatiker Santos=Dumont, der zurzeit in
St. Moritz weilt, mit der von ihm ſelbſt konſtruierten
Flugmaſchine Aufſtiege unternehmen. Bei der gün=
ſtigen
Lage des Sees, deſſen Eisfläche dreiviertel=
Quadratkilometer mißt, dürfte es zu intereſſanten
Vorführungen kommen.

Vermiſchtes.

* Indiſche Königreiche. Ein größeres Kunterbunt
von Staatengebilden wie jenes im indiſchen Kaiſerreich
iſt auf dem weiten Erdball nicht wiederzufinden. Neben
großen Staaten wie Haidarabad, das bei einer Bevöl=
kerung
von zwölf Millionen die Ausdehnung des hal=
ben
Preußens hat, oder Maiſſur, ſo groß und volkreich
wie Bayern, gibt es Königreiche und Fürſtentümer,
denen gegenüber der europäiſche Operettenſtaat von
Monte Carlo als eine Großmacht gelten könnte. Die
15000 Untertanen des monagaſſiſchen Spieltiſchfürſten
könnten hinreichen, um gleich zwei Dutzend von unab=
hängigen
Königreichen, Fürſten= und Herzogtümern
Indiens zu bevölkern. Höchſt Intereſſantes weiß Ernſt
v. Heſſe=Wartegg in der Gartenlaube über dieſe
indiſchen Staaten zu erzählen. Merkwürdig iſt unter
anderem, daß eine Reihe von ihnen nicht von einem,
ſondern von zwei Fürſten gleichzeitig regiert wird. Das
große Königreich Bhopal wird von einer Begum, das
heißt Fürſtin, regiert. In Bhopal geht die Erbfolge
nicht auf die Söhne, ſondern auf die Töchter über. Die
heutige Begum, eine der weiſeſten Herrſcherinnen von
Indien, führt auch eine der glänzendſten Hofhaltungen.
Sie nimmt an allen Feſtlichkeiten teil, und doch hat
noch kein männliches Weſen ihe Antlitz geſehen, denn
wie alle Hindufrauen iſt ſie ſtets verſchleiert. Die
Schatzkammern vieler indiſcher Fürſten ſind außer=
ordentlich
reich. Weil es an dieſen Höfen, die in den
meiſten Fällen noch keine Eiſenbahnverbindung haben,
an jeder Gelegenheit fehlt, Geld auszugeben, ſammelten
ſich die Einnahmen der Fürſten ſeit Generationen an.
Sie erwarben höchſtens Geſchmeide und koſtbare Edel=
ſteine
zu ihrem eigenen Schmuck, um bei großen Feſt=
lichkeiten
möglichſt von ihren tributpflichtigen Feudal=
baronen
und vom Volke abzuſtechen, denn Zepter und
Kronen gibt es in Indien nicht. Dieſe Schätze, dazu
Goldmohurs (Münzen) in ganzen Kiſten, haben ſich von
Vater auf Sohn durch Jahrhunderte angehäuft. Die
Schatzkammern von Baroda, Udaipur, Haidarabad und
Patiala, deſſen Fürſt im Staatskleid in koſtbare Per=
len
geradezu eingehüllt iſt, übertreffen wohl an Reich=
tum
alle Schatzkammern Europas.
nge. Merkwürdiges vom Fingerring. Die Ge=
ſchichte
des Fingerringes, der zu den älteſten Schmuck=

ſticken des Menſchen gehört, iſt reich an merlwürdigen
Einzelheiten. Nach altengliſchem Brauche ſteckte der
Bräutigam der Braut den Verlobungsring an den
Daumen der linken Hand mit den Worten: Im
Namen des Vaters, dann im Namen des Sohnes
auf den Zeigefinger, im Namen des heiligen Geiſtes
auf den zweiten Finger und ſchließlich auf den dritten,
indem er Amen! ſagte. Wenn auf der Inſel Man
einem jungen Mädchen von einem ledigen Mann ſchwe=
rer
Schimpf angetan worden und er vor Gericht in
ihrer Gegenwart als ſchuldig befunden worden war,
überreichte man ihr ein Schwert, einen Strick und
einen Ring. Mit dem Schwerte durfte ſie ihm den
Kopf abſchlagen, mit dem Strick ihn aufknüpfen und
mit dem Ring zum Heiraten zwingen. Nach der Ueber=
lieferung
wurde dieſe letztere Strafe, in mehr als
einem Falle wohl nicht die mildeſte, faſt jedes Mal
über den Sünder verhängt. Trauringe haben beſon=
ders
in England vom ſiebzehnten bis zum neun=
zehnten
Jahrhundert eine große Rolle geſpielt; die
noch erhaltenen älteren zeigen eine Verzierung in
Schädelform, ſpätere verraten ihre ehemglige Beſtim=
mung
durch ein Haargeflecht, das eine Graburne dar=
ſteillt
oder in irgend einer anderen paſſenden Verar=
beitung
an Tod und Scheiden erinnert. Im allge=
meinen
hatten ſolche Ringe nur eine rein perſönliche,
individuelle Bedeutung, zuweilen wurden aber auch
jenſeits des Kanals Trauer= oder Gedächtnisringe der=
ſelben
Art in Maſſen getragen, ſo z. B. als Nelſon,
der britiſche Nationalheld, bei Trafalgar gefallen war.
Ringe mit giftigen Subſtanzen in einer Kapſel waren
ſchon im Altertum bekannt; von Plinius hören wir,
daß ein im Kapitol auf Wache ſtehender Soldat, der
wegen eines ſchweren Vergehens zur Tortur verur=
teilt
war, ſich, um der Strafe zu entgehen, mit Hilfe
ſeines Fingerringes vergiftete. Kaiſer Heliogabal trug
ſtets einen Giftring an der Hand, aber er wurde von
den Prätorianern ſo plötzlich überfallen und ermorder,
daß er keine Zeit fand, ſich eigenhändig damit ins
Jenſeits zu befördern. Von Cäſar Borgia hat ſich ein
mit der Jahreszahl 1503 und der Inſchrift: Fays ce
qne doys avien que vourra verſehener Ring mit
einer kleinen, unzweifelhaft für Gift beſtimmten Aus=
höhlung
erhalten. Solche Fingerreifen ſollen bei
ihren ſpäteren, ahnungsloſen Beſitzern zuweilen mehr
oder minder ſchwere Vergiftungserſcheinungen hervor=
gerufen
haben. Vor einiger Zeit tauchte in Paris ein
Ring auf. deſſen Verzierung aus einem kleinen =
wen
mit hohlen Klauen beſteht, die durch einen Druck
mit einem unſichtbaren, winzigen Giftbehälter in Ver=
bindung
gebracht werden können. Zum Kavitel des
Merkwürdigen vom Fingerringe gehören in gewiſſem
Sinne auch wohl Inſchriften, die von geſchichtlich be=
kannten
Perſönlichkeiten mit Diamantenringen auf
Glas geſchrieben ſind. Eines Tages beklagte König
Franz I. von Frankreich ſich in Gegenwart ſeiner
Schweſter Margarete über die Unbeſtändigkeit der ſei=
nem
Herzen ſehr naheſtehenden Herzogin d’Eſtampes,
trat dann plötzlich ans Fenſter und ritzte mit ſeinem
Schreibering folgenden, ebenſo kurzen wie tiefſinni=
gen
Versſpruch hinein:
Souvent femme varie.
Mal habil qui sy fié
Margarete, die mit der Herzogin befreundet war, be=
merkte
nichts zu dieſer Anklage ihres Geſchlechts, ſon=
dern
begnügte ſich, mit ihrem Diamantring ebenſo un=
auslöſchlich
eine Gegenklage auf das Glas zu ſchreiben:
Souvent homme varie,
Bien folle qui sy fie.

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Kreiſes Süddeutſchland. 4 Meldungen
aus Franifurt, Mannheim u. Mainz.
4. Vorführung der verſchiedenen
Schwimmarten,
5. Tauchen nach Tellern.
6. Vorführung von Rettungs= und
Wiederbelebungsverſuchen.
7. Kopfweitſprung.
8. Gaſtwettſchwimmen für Vereine des
Kreiſes Süddeutſchland.
Pauſe.
9, Staffettenſchwimmen um den Kranz
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darm=
ſtadt
, 4 X 50 m. 4 Mannſchaften aus
Frankfurt und Offenbach=
10. Damenſtaffette.
11. Hindernisſchwimmen (Nachenzu unter=
tauchen
, Fäſſer zu überklettern).
12. Schwimmen für Darmſtädter Ein=
wohner
.
13. Streckentauchen.
14. Waſſerballſpiel.
15. Lampion=Reigen.
Anſchließend an obige Veranſtaltungen
findet eine Nachfeier mit Preisverteilung
im Gartenſaal des ſtädtiſchen Saalbaues
ſtatt. Die Muſik wird von der Kapelle
des Leibgarde=Regiments Nr. 115 geſtellt.
Darmſtadt, den 10. Februar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
3315fs)
J. V.; Egenolf.

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Etiquett grün, Mk. 3.
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doch bald.
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Satyr und Nymphe.
Walzer-Duétt I. Teil.
Walzer-Duett II. Teil.
Desmond-Couplet.
April-Couplet.
Ferner neu erschienen:
Instramentur
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mit Klavierbegleitung
von
Prof. Willy Burmester.
Gavotte.
Air.
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Musikhaus
Jager
Georgenstr. 11.

Kezart- ereilte

Samstag, den 12. Februar 1910:

9
eroßes Bantest
in sämtlichen Räumen des Saalbaues mit vorausgehendem
Promenade-Konzert
ausgeführt von der Kapelle des Leibg.-Reg. Nr. 115.
Anfang 8½ Uhr abends.

Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der Mitglieds- oder
Gastkarten gestattet.

Zu dieser Veranstaltung können junge Herren, welche noch nicht über
ein selbständiges Einkommen verfügen, durch Vereins mit glieder eingeführt
werden. Die Letzteren erhalten Karten hierfür, sowie auch solche für einzu-
führende
Ortsfremde auf persönliches oder schriftliches Anfordern:
Freitag, den 11. Februar und Samstag, den 12. Februar, nachmittags von 35
Uhr im Vereinshause, Schulstr. 8.
Hier ansässige Nichtmitglieder haben in keinem Falle Zutritt.
Vereins-Auskunftsstelle: Hof-Buch- und Kunsthandlung von
Müller & Rühle, Elisabethenstr. 5.
(3164mf

V
Anstands- u. Tanz-Unterricht
An einem neuen Privatkursus können noch Damen und
Herren teilnehmen. Gefl. Anmeldungen jederzeit.
Ergebenst
(Elisabethenstr. 52)
H. Volkert, Lehrer der Tanzkunst.
Bündesmitglied deutscher Tanzlehrer.
(Privatstunden jederzeit.)
(*3338

Deutschvölkischer Turnverein Jahn, Darmstadt
(Deutscher Tunerbund)
Sonntag, den 13. ds. Mts., nachmittags ½4 Uhr,
Erste Jahres-Hauptversammlung
im Schützenhof (Gartenſaal).
(3313
Erſcheinen aller Mitglieder unbedingt erforderlich.
Der Tururat.

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ſtets preiswürdig zu haben; ebenſo werden
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Dienstag avend
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im Saalbau vertauſcht worden. Bitte den=
ſelben
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der am Faſtnacht=Dienstag um ¾3 Uh
die zwei blonden Damen vor dem Geſchäft
Nietſchmann anſprach, wird von der einen
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L 17 an die Expedition ds. Bl.
(*3294

Großherzogliches Hoftheater.
Freitag, den 11. Februar 1910.
116. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement B 29.
Der Raub der Sabinerinnen.
Schwank in 4 Akten von Franz und Paul
von Schönthan.
Szeniſche Leitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Martin Gollwitz, Profeſſor Hr. Lehrmann
Friederike, deſſen Frau . . Fr. Scherbaxth
Paula, deren Tochter . . Frl. Gothe
Hr. Weſtermann
Dr. Neumeiſter .
Frl. Grünberg
Marianne, ſeine Frau
Hr. Wagner
Karl Groß
Emil Groß, genannt Stern=
Hr. Schneider
eck, deſſen Sohn
Emanuel Strieſe, Theater=
Hr. Jordan
direktor .
Roſa, Dienſtmädchen bei
Fr. Rudolph
Gollwitz
Auguſte, Dienſtmädchen bei
Frl. Daniel
Neumeiſter.
Hr. Knispel
Meißner, Schuldiener .
Nach dem 2. Akte findet eine längere
Pauſe ſtatt.
Krank: Hr. Baumeiſter, Frl. Reick.
Preiſe der Plätze:
(Kleine Preiſe)
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremdenloge 5 Mk.,
Balkonloge 4.50 Mk., 1. Rang 4 Mk., 2. Rang:
(1. bis 6. Reihe) 2. Mk., (7. und 8. Reihe)
1.60 Mk., Sperrſitz: (1. bis 13. Reihe) 3.50 Mk.,
(14. bis 20. Reihe) 3. Mk., Parterre: (1. bis
5. Reihe) 2.20 Mk., (6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk.,
1. Galerie 1. Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Anfang 7 Uhr. Ende 9½ Uhr.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
6 Uhr an.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt für den
Verkehr mit dem Abonnenten=Publikum an
allen Wochentagen, vormittags von 10 bis
12½ Uhr, geöffnet.
Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Sonntag, 13. Febr. 117. Ab.=Vorſt. D 30.
Die Dollarprinzeſſin. Große
Preiſe. Anfang 6½ Uhr.
Dienstag, 15. Febr. 118. Ab.=Vorſtell.
§ 30. Neu einſtudiert: Wilhelm
Tell (Oper). Große Preiſe. Anf. 7 Uhr.
Mittwoch, 16. Febr. 119. Ab.=Vorſtell.
Neu einſtudiert: Macbeth.
A. 30.
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.

[ ][  ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 12. Februar 1910.

Nummer 35.

6e
66
4
Darmstädter Mlobehabrik
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Haupt-Ausstellungshaus u. Fabrik DARMSTADT- Heidelbergerstrasse 129
Filiale: Frankfurt a. M., Kaiser-Wilhelm-Passage.

P. P.

Sehr verehrlichen Interessenten zur gefl. Nachricht, dass die
Benovation unserer Ausstellungsräume beendet ist.
Wir bringen bei allerbilligster Preisstellung sehr schöne Modelle
nicht allein in modernem Geschmack, sondern auch in historischen Stil-
arten
. Es ist unser eifrigstes Bestreben, Wohnräume zu schaffen.
welche in erster Linie dem Zweck dienen, also praktisch durchgeführt
und den Lebensbedingungen der Besteller angepässt sind unter Berück-
sichtigung
einer künstlerischen Form und harmonievollen Farbstimmung,
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erzeugnissen
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Für die geehrten Interessenten arbeiten wir stets Spezial- Kosten-
voranschläge
mit einem Grundriss der Vohnung aus, unter Berücksich-
tigung
aller Vünsche und geben genaue Erläuterungen über vorteilhafte
Anordnung der Zimmer, sowie Arrangement der Möbel, Dekorationen, über
nehmen die Auswahl der Tapeten, nebst Angabe der Malerarbeiten, so-
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jede Vohnung den Reiz einer stilvollen und kunstgeverblichen
Durchführung hat, gleichviel ob eine grössere oder bescheidene Summe
dafür angelegt werden kann.
Indem wir noch zu einer zwanglosen Besichtigung unseres Haupt-
ausstellungshauses
von ca. 500 Musterzimmern ergebenst einladen.
zeichne
Hochachtungsvoll.
Darmstädter Möbelfabrik
Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
3048omf)

Richard Wagner-Verein Darmstadt.
Dienstag, den 15. Februar 1910, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde:
3265)
Zweites Konzert

der

Meininger Hofkapelle
unter Leitung von Hofkapellmeister Professor Wilhelm Berger.
Programm: 1. Konzert in D-moll für Streichorchester von 6. F. Händel.
2. Symphonie Nr. 2 in D-dur von Johannes Brahms. 3. Variationen und Fuge in
F-moll von Wilhelm Berger (zum ersten Male). 4. Serenade in Es-dur für Blas=
instrumente
von Richard Strauss (zum ersten Male). 5. Ouverture zur Oper =Rienzi=
(zu Richard Wagners Gedächtnis, gest. 13. Februar 1883).
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz zu 5 M., Saal zu 3 M. und
Galerie zu 2 Mk. in Arnold Bergstraessers Hofbuchhandlung und im Verkehrsbüro;
Studentenkarten zu 1.50 M. und Schülerkarten zu 1 M. bei Georg Thies Nachfolger unef
abends an der Kasse. Beitrittserklärungen für das am 1. Januar begonnene
neue Vereinsjahr, welche noch vor dem obigen Konzerte erfolgen, berechtigen zum
freien Besuche desselben. Der Jahresbeitrag (15 Konzerte und Vorträge)
beträgt 12 M.
Der Vorstand.

gef.
Deutscher u. Gesierr. Aipenverein

Sektion Darmstadt (E. V.)
Sonntag, den 13. Februar 1910:
ustlug.

Darmstadt-Frankenstein-Melibokus-Jugenheim.
Abmarſch vom Böllenfalltor 8½ Uhr pünktlich.

Der Vorstand.

(3263

Stammtisch-
Gesellschaft

5g66
Wbie Ungewissen Gegründet 1903

Samstag, 12. Februar,

Darmstadt
Motto: Ungewiss, awer gewiss.
8 Uhr 11 Min, im Concordiasaal
Waldstrasse 33

Grosses

idskenkranzentel es 25
Wir laden hierzu unsere Mitglieder, Freunde und Gönner freundlichst ein
Der Vorstand.
*3035of)

23000 Stecklings=
töpfe
, auch 4= u. 5=zöllig,
in der Exp. d. Bl. (*3287.

(81
A,
OrisgenneroveremnWarmsfadf.e
V. Winterverſammlung
am Freitag den 11. Februar, abends 8½ Uhr im Reſtaurant
Sitte (Gelber Saal), Karlſtraße.
Tagesordnung:
Vortrag des Herrn Postinspektor Kraft

Wer

4
Welches ſind die Gründe für die deutſche Nüchternheitsbewegung?
Unſere Mitglieder laden wir hierzu ergebenſt ein. Gäſte ſind freundl. willkommen.
3195mf
Der Vorstand.

Einladung
zu der
Verſammlung der evang. Männer der Martinsgemeinde
auf Montag, den 14. Februar, abends 8½ Uhr,
im Gemeindehaus, Mollerstrasse 23.
Herr Chefarzt Dr. med. Sell aus Winterkasten (Odenwald)
ſpricht über:
Die Tuberkuloſe, einer der gefährlichſten Feinde
CC
der Volkswohlfahrt.
Gäſte willkommen. (3266
Der Eintritt iſt frei.
(Der Vortrag beginnt pünktlich 8½ Uhr.)
Der Arbeits-Ausschuss der Männervereinigung.

Sau
2
Mar

Einzelkarte 5 Stück 10 Stück
3.50
650

Telephon 127 Landgraf Philipp-Anlage 62 Telephon 127
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