Abonnementspreis
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173. Jahrgang
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bet
für Aufnahme von Anzeigen an
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Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Parlament und Preſſe.
* Die „Münch. N. Nachr.” ſchreiben: Die
Dif=
ferenzen zwiſchen der
Journaliſtentri=
büne der Zweiten Kammer des bayeriſchen
Landtages und Direktorium der Kammer
haben in weiten Kreiſen Aufſehen erregt. Einmütig,
ohne Unterſchied der Parteiſtellung, wird das Vorgehen
dés Direktoriums in allen Blättern des Landes
mißbil=
ligt, auf das ſchärfſte mißbilligt; in der Sache ſelbſt und
wegen der ungewöhnlichen Formloſigkeit.
Aus dieſer verfahrenen Situation kann dem
Direk=
torium nur die Einſicht heraushelfen, daß hier ein Fehler
begangen worden iſt, der durch eine verſtändige
Selbſt=
erkenntnis und durch eine offene Ausſprache und eine
männlich=mutige Zurücknahme des verfehlten Schrittes
allein wieder gut zu machen iſt. Die Erklärung der
Jour=
naliſtentribüne ermöglicht, die verfehlte Poſition wieder in
ſchicklicher Weiſe zu räumen, da ſie den Standpunkt der
Berichterſtattunge im Landtag würdig und ohne
Provoka=
tion gewahrt hat.
Damit iſt aber die Hauptfrage noch nicht erledigt, die
der Beſchwerde des Kammerdirektoriums zufolge dahin
aufgeworfen worden iſt, ob die Preſſe ein Recht habe, auf
die Verkürzung der Sitzungen der Parlamente
hinzuwir=
ken; und dies führt zu der Stellung der Preſſe zu dem
politiſchen Leben des Volkes, ſeinen Organen und damit
zu den öffentlich tagenden Körperſchaften überhaupt.
In dieſer Hinſicht liegen die Dinge nun einmal ſo:
Die Bäche und Ströme des öffentlichen Lebens fließen
unaufhaltſam, die Preſſe iſt dazu da, die Oeffentlichkeit
über alle Vorgänge zu unterrichten, die Vorgänge in ihrem
Zufammenhang darzuſtellen und zu beurteilen. Dieſes
Urteil der Tageszeitungen ſetzt ſich heute bei dem lebhaften
Konnex zwiſchen der Tageszeitung und zahlloſen
Perſön=
lichkeiten und Organiſationen, die Einſicht und Einfluß
im öffentlichen Leben beanſpruchen, aus der Mitwirkung
einer unendlichen Anzahl wertvoller Kräfte zuſammen, die
in der Zeitung namenlos und anſpruchslos nur die Macht
der Gründe wirken laſſen wollen. Die deutſche Preſſe in
ihrer heutigen Entwickelung kann nicht, wie die Ignoranz
in parlamentariſchen und anderen Kreiſen immer noch
an=
nimmt, der Wahrheit willkürlich eine wächſerne Naſe
an=
ſetzen, noch in ihrem Urteil blind durch die Tagesgeſchichte
raſen. In der Fühlung der Preſſe mit unendlich
zahlrei=
chen Kreiſen des Volkes, die ſich im Hinblick auf die
Ver=
pflichtung der Preſſe zur Diskretion mit beſonderer
Offen=
heit ihr gegenüber erſchließen, iſt begründet, daß ihre
Be=
richterſtattung und ihre Urteile und namentlich, wenn ſie
öffentliche Schäden mit äußerſtem Nachdruck und Schärfe
rügen muß, als Ausdruck erſt eines überaus weiten
Be=
reiches des öffentlichen Lebens Berechtigung gewinnen.
Die Preſſe iſt zugleich die unentbehrliche Helferin
aller öffentlichen Inſtitution geworden. Auf das
Par=
lament kann die öffentliche Diskuſſion der Angelegenheiten
des Tages nicht warten. Damit muß das Parlament ſich
abfinden und darauf muß auch das Parlament ſich
ein=
richten in ſeinen Debatten, wenn es für dieſe noch
In=
tereſſe in der Oeffentlichkeit finden will. Und iſt das
In=
tereſſe in den letzten Jahren geringer geworden, dann liegt
die Schuld nicht an der Preſſe, ſondern an den Debatten,
weil dieſe für die Oeffentlichkeit oft zu wenig Intereſſe
bie=
ten. Böten ſie es infolge praktiſcher Arbeit und neuer
Gedanken und eindrucksvoller Anregungen, dann würde
die Preſſe von der Oeffentlichkeit ſelbſt gezwungen, über
die Sitzungen ausführlicher zu berichten.
Weiter aber müſſen ſich die Parlamente gefallen laſſen,
daß auch ihre Leiſtungen und ihre Arbeitsart der kritiſchen
Prüfung unterworfen werden. Nicht von der Laune der
Publiziſtik; nein, weil die Preſſe dabei den Sorgen und
Beſchwerniſſen Ausdruck zu geben hat, die im Volke ſelbſt
ſich äußern, das auf 5 oder 6 Jahre ſeinen Einfluß auf
die öffentlichen Angelegenheiten bei jeder Wahl aus der
Hand gibt. Und mag es den hochmögenden Herren
un=
ſerer Zweiten Kammer oder in anderen Parlamenten
ange=
nehm ſein oder nicht, es wird eine allgemeine Wahrheit
ausgeſprochen, wenn man konſtatiert: Die Parlamente
verlieren, wenn ſie ſo weiter arbeiten, mit jedem Jahr
an Intereſſe und damit an Anſehen und Einfluß;
nament=
lich wegen der Weitſchweifigkeit der
Plenar=
verſammlungen und der mangelhaften Vorbereitung
der weitaus meiſten Reden. Sehr vielen
Parlamenta=
riern iſt heute das Gefühl dafür abhanden gekommen, daß,
wenn ſie reden, ſie von der wichtigſten Kanzel reden, die
das Land zu vergeben hat; und daß ſie auch demgemäß
ſich vorher zu prüfen haben, ob auch ihr „Was und Wie‟
jener hohen Verpflichtung genügt.
Auf dieſe für unſer Verfaſſungsleben ſo bedauerliche
Entwickelung hinzuweiſen, iſt eine ganz beſondere Pflicht
der Preſſe; eine Pflicht, der ſie ſich als Organ des Volkes
mit peinlichen Gefühlen unterzieht, aber dem Zwange
ihrer Pflichten gehorchend unterziehen muß und weiter
wird.
Die preußiſche Wahlrechtsvorlage und die
Parteien.
Die ſozialdemokratiſche Preſſe läßt an
der Wahlrechtsvorlage der Regierung von der Einführung
der direkten Wahl abgeſehen, kein gutes Haar. Auf den
gleichen Ton iſt die Kritik des freiſinnigen „Berl.
Tageblattes” geſtimmt, das empfiehlt, die Vorlage der
Regierung „vor die Füße” zu werfen. Bedeutend ruhiger
urteilt die „Freiſinnige Ztg.”, obwohl auch ſie, in
Ueber=
einſtimmung mit anderen volksparteilichen Organen, den
Entwurf für höchſt unzulänglich hält. Die Verſagung der
geheimen Wahl bildet für die Freiſinnigen den größten
Stein des Anſtoßes. Während aber die „Freiſ. Ztg.”
tkotz=
dem kein „Unannehmbar” ausſpricht, erklärt das führende
Kölner Zentrumsblatt: „Die Aufrechterhaltung der
öf=
fentlichen Stimmabgabe allein ſchon macht für uns die
ganze, Wahlrechtsvorlage unannehmbar.” — Ungeachtet
dieſerſſchroffen Abſage bekundet die „Köln. Volksztg.” die
Bereitwilligkeit des Zentrums, an der Erzielung eines
poſitiven Ergebniſſes mitzuarbeiten. Denn trotz der
Bei=
behaltung der öffentlichen Wahl, trotz der „ſtärkſten
Be=
denken”, die die „Köln. Volksztg.” gegen die geplante
Er=
möglichung des Aufrückens in eine höhere Abteilung
äu=
ßert, ſchreibt das rheiniſche Zentrumsblatt: „Es wird
eine ſchwere Aufgabe der Kommiſſion ſein, der Vorlage
mehr Klarheit und den einzelnen Beſtimmungen mehr
Feſtigkeit zu geben.” — Die Verweigerung der Mitarbeit
würde auch vom Standpunkte der „Köln. Volksztg.” aus
um ſo weniger gerechtfertigt ſein, als gerade ſie in
ver=
ſchiedenen Richtungen anerkennt, daß der plutokratiſche
Charakter des jetzigen Wahlrechtes durch die Vorlage
ab=
geſchwächt wird. Außerdem iſt es wiederum die „Köln.
Volksztg.”, die nachweiſt, welche Vorteile der Minderheit
aus den neuen Vorſchriften über die Regelung der
Abſtim=
mung erwachſen.
Der radikalen Kritik kann die Regierung, wenn ſie
ſich nicht ſelbſt täuſchen will, die Erkenntnis entnehmen,
daß der wundeſte Punkt ihres Entwurfes die
Verwei=
gerung der geheimen Abſtimmung iſt. Nur weil
die öffentliche Abſtimmung beibehalten wird, erhielt der
Radikalismus Gelegenheit mit einem Schein von Recht
zu ſagen: die Anwartſchaft auf eine höhere Abteilung
be=
deutet für Beamte, Militäranwärter uſw. ein kontrolliertes
und darum korrumpierendes Privilegium. Im Zentrum
ſcheint man, wie aus der „Köln. Volksztg.” hervorgeht, es
nicht für unmöglich zu halten, daß die geheime Wahl nur
aus dem Grunde nicht in die Vorlage gebracht ſei, weil
man in der geheimen Abſtimmung ein Handelsobjekt für
die Beratungen mit den Parteien behalten wolle. Ob
dieſe Vermutung zutrifft, kann im jetzigen Stadium der
Wahlrechtsfrage in keiner Weiſe beurteilt werden.
Die Konſervativen verhalten ſich der Vorlage
gegenüber im ganzen reſerviert, für die
National=
liberalen iſt beſonders auch die Verweigerung der
geheimen Abſtimmung ein Stein des Anſtoßes. Es iſt
übrigens intereſſant, daß die Sozialdemokraten die
ge=
heime Wahl als Abwehr gegen den Terrorismus der
herr=
ſchenden Klaſſe und die bürgerlichen Parteien als Abwehr
gegen den Terrorismus der Sozialdemokratie verlangen.
So ſagt die „Köln. Ztg.”: „Namentlich um die geheime
Wahl wird ſich vorausſichtlich im Abgeordnetenhauſe
ein erbitterter Kampf entſpinnen, und wir hoffen, daß es
im Laufe der Verhandlungen gelingen werde, die
Konſer=
vativen davon zu überzeugen, daß, wenn ihnen auf der
einen Seite die öffentliche Wahl Vorteile bringt, ſie doch
auf der anderen dem Terrorismus der Sozialdemokratie
den gefährlichſten Vorſchub leiſtet.”
Die letzten Wahlen zum preußiſchen
Abgeordneten=
hauſe haben dies bekanntlich bewieſen.
Holland und die Schiffahrtsabgaben.
Die leitende Zeitung Hollands, der „Nieuwe
Rotter=
damſche Courant”, die in dieſer Frage auch die Wort=
führerin der Rotterdamer Intereſſen iſt, bringt gegen die
Schiffahrtsabgaben im Deutſchen Reiche einen Leitartikel
mit der Ueberſchrift „Das agrariſche Vorhaben”. In ihm
wird ausgeführt, daß die Aufhebung der Rheinzölle und
das Zuſtandekommen der internationalen
Rheinſchiff=
fahrtsakte im Jahre 1868 auch ein Sieg für den führenden
Bundesſtaat Preußen war, der die Aufhebung der Abgaben
tapfer vertrat. Wenn Baden, Heſſen und Sachſen nunmehr
beſiegt aus dem Bundesrat zurückkehren ſollten, ſo
könn=
ten ſie ſich auf die Rhein= und Elbſchiffahrtsakte
beru=
fen, die unkündbar ſeien. Dies werde auch hinſichtlich des
Rheins der Standpunkt Hollands, hinſichtlich der Elbe
der Standpunkt Oeſterreichs ſein.
Jedenfalls mute man Holland etwas
Un=
natürliches zu, wenn man ſeine Zuſtimmung zur
Wiedereinführung der Rheinabgaben erbittet, die es aus
freien Stücken ſchon im Jahre 1850 aufgehoben habe. Mit
dem Verſprechen von Kanaliſation aus dem Betrage der
Abgaben ſei es nicht dazu zu bewegen. Es wäre für
Holland am einſachſten, wenn das Abgabenprojekt im
Bun=
desrat leicht niedergemacht werde; dann brauche es zu einer
doch unerfüllbaren Forderung nicht nein zu ſagen. Ueber
Drohungen werde man ſich nicht aufregen, denn man
könne Rotterdam nicht treffen, ohne die deutſchen
Rhein=
häfen eu vernichten.
Teutſches Reich.
Gegenüber Befürchtungen, die in der letzten Zeit
laut geworden ſind, verſichert der Berliner Korreſpondent
der „Münch. N. N.” „auf Grund von Mitteilungen
unter=
richteter Kreiſe”, daß der Reichskanzler nicht nur
die maßgebende Entſcheidung in auswärtigen
An=
gelegenheiten ſelbſt treffe, ſondern daß er auch die
Verhandlungen ſelbſt leite, zum Beiſpiel jetzt bei den
Ent=
ſchließungen über den deutſch=amerikaniſchen
Handels=
vertrag. „Die Anſicht des Reichskanzlers geht dahin, daß
er ſich nicht auf die innere Politik im Reich und in
Preu=
ßen beſchränken und die auswärtigen Angelegenheiten
dem jeweiligen Staatsſekretär überlaſſen dürfe. Gerade
die Führung der auswärtigen Angelegenheiten, ſo dürfte
ſeine Auffaſſung ſein, ſei mehr maßgebend für Anſehen
und Stellung des Reichs als irgend ein anderes Reſſort.
Hier handle es ſich um die wahren Lebensfragen von Staat
und Nation. Ein Reichskanzler, der hier die Zügel aus
der Hand gibt, würde ſich ſeiner erſten Pflicht und damit
auch ſeiner beſten Kraft berauben — weit mehr noch, als
wenn er die Leitung der Geſchäfte in Preußen einem
Stellvertreter überließe, in den er nicht rückhaltloſes und
unbedingtes Vertrauen ſetzt.”
— Zu den Bundesratsverhandlungen
über die Schiffahrtsabgaben leſen wir in
Ber=
liner Blättern: Das bisherige Ergebnis der Beratungen
iſt lediglich die grundſätzliche Feſtſtellung, daß für die
In=
terpretation des Artikels 54 der Reichsverfaſſung im Sinne
des preußiſchen Antrages die verfaſſungsmäßige
Mehr=
heit im Bundesrat vorhanden iſt. Es kann aus dieſem
Grunde für die weitere Behandlung der ganzen
Angelegen=
heit die Frage nunmehr ausſcheiden, ob die Einführung
von Schiffahrtsabgaben auf regulierten Waſſerſtraßen im
Sinne der Verfaſſung liegt oder nicht. Die Bildung von
Stromzweckverbänden zur Finanzierung der erforderlichen
Bauten und die Erhebung von Abgaben hierfür iſt im
Prinzip feſtgelegt. In dieſem Rahmen wird nun
ver=
ſucht werden, bei der weiteren Beratung der
Vor=
lage dem abweichenden Standpunkt von Sachſen, Baden
und Heſſen weitgehend entgegenzukommen, um unter
Wahrung des ganzen Prinzips eine möglichſte
Ueberein=
ſtimmung über die Einzelheiten zu erzielen. Zu dieſem
Zweck werden die Arbeiten in den Ausſchüſſen des
Bun=
desrates demnächſt wieder aufgenommen, um die
end=
gültige Geſtaltung des Entwurfes zu beenden. Da die
preußiſche Vorlage in ihren Einzelheiten bereits ſeit faſt
5 Jahren bekannt und wie kaum eine andere Frage von
Freunden und Gegnern unter allen Geſichtspunkten erörtert
iſt, ſo darf man auch aus allgemeinen politiſchen
Rückſich=
ten auf eine baldige Veräbſchiedung im Bundesrat hoffen,
damit der Reichstag den Geſetzentwurf noch in ſeiner
ge=
genwärtigen Tagung durchberaten kann. Nachdem er
dann die verfaſſungsmäßige Zuſtimmung aller
geſetzgeben=
den Faktoren erhalten hat, werden die Verhandlungen
mit den beteiligten fremden Staaten, Oeſterreich und
Hol=
land, beginnen.
Die Ausſichten für die Annahme des
Reichs=
kaligeſetzes ſind nicht ſo günſtige, als man bisher
annahm. Für das Geſetz iſt eigentlich bis jetzt nur die
Rechte im Reichstage, die Linke und das Zentrum ſtehen=
dem Entwurfe auch in der neuen Faſſung nicht ſehr
ſym=
pathiſch gegenüber und halten die Errichtung eines
Zwangsſyndikats für zu weitgehend und unheilvoll als
Präzedenz für künftige ähnliche Situationen in der
In=
duſtrie. Das Geſetz bedarf eingehender
Kommiſſions=
beratung.
— Der geſchäftsführende Ausſchuß des
Alldeut=
ſchen Verbandes trat in Berlin zu einer Sitzung
zu=
ſammen, um zu der Angelegenheit der Eingabe der
rhei=
niſch=weſtfäliſchen Alldeutſchen an den Reichskanzler, in
der ſie heftige Angriffe gegen das Auswärtige Amt
rich=
teten und die von dieſem zurückgewieſen wurden, Stellung
zu nehmen. Es wurde ein Schreiben an den Reichskanzler
gerichtet, in dem es heißt: „Der geſchäftsführende
Aus=
ſchuß des Alldeutſchen Verbandes kann die Form jener
Entſchließung zwar in ihrem ganzen Umfange und die Art
des Vorgehens der rheiniſch=weſtfäliſchen
Vertrauensmän=
ner nicht billigen. Er betrachtet indes die Entſchließung
als einen Ausfluß der ernſten Sorge um die Auswärtige
Politik des Reiches.”
— Zur Beſprechung über die neue
Wahlrechts=
vorlage ſind die Fraktionen des preußiſchen
Ab=
geordnetenhauſes auf Dienstag einberufen
wor=
den. Was man bisher in Abgeordnetenkreiſen gehört hat,
iſt für den Entwurf nicht ausſichtsreich.
Ausland.
— „Paris Journal” veröffentlicht eine Unterredung
mit dem Senator Admiral de Cuverville, der das im
franzöſiſchen Miniſterrate zur Erörterung gelangende
neue Marineprogramm als unzureichend bezeich
net. Deutſchland beſitze infolge der Unvorſichtigkeit ganz
unbeſtreitbar die zweitmächtigſte Kriegsflotte der ganzen
Welt. Wenn Frankreich eine durchaus unerläßliche
Kraft=
anſtrengung machen wolle, dann müſſe es den deutſchen
überlegene Schiffe und zwar wenigſtens ſechs
Panzer=
ſchiffe von mindeſtens 26000 Tonnen Deplazement bauen.
— Obgleich bisher noch nicht offiziell mitgeteilt
wor=
den iſt, wann die nächſte Sitzung des engliſchen Kabinetts
ſtattfindet, nimmt man in Londoner gut unterrichteten
Kreiſen an, daß das Miniſterium am kommenden
Don=
nerstag zuſammentreten wird. Ueber die Rückkehr des
Premierminiſters Asquith von ſeiner Erholungsreiſe
und über die Neubeſetzung verſchiedener
Miniſterporte=
feuilles iſt noch nichts Sicheres bekannt. Doch iſt es höchſt
wahrſcheinlich, daß die Rekonſtruierung des Miniſteriums
Asquith noch vor der Eröffnung des Unterhauſes am 21.
Februar ſtattfinden wird. Man nimmt allgemein an, daß
der bisherige Lordpräſident des Geheimen Rates Viscount
Wolverhampton wegen ſeines hohen Alters ſein Amt nie
derlegen wird. Der bisherige Landwirtſchaftsminiſter Earl
Carrington wird höchſtwahrſcheinlich an Stelle des Earl
Brey als Generalgouverneur von Kanada nachOttawa gehen.
Das Gerücht vom Rücktritt Mc. Kennas von ſeinem Poſten
als erſter Lord der Admiralität erhält ſich mit großer
Be=
ſtimmtheit. Auch das Staatsſekretariat des Innern, deſſen
bisheriger Inhaber Herbert Gladſtone zum
Generalgou=
verneur von Südafrika ernannt worden iſt, muß neu
be=
ſetzt werden. Es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß der
Kriegsminiſter Haldane an Stelle Me. Kennas zum erſten
Lord der Admiralität ernannt wird.
— Die bevorſtehende Auflöſung der Militärliga in
Griechenland wirft bereits ihren Schatten voraus, indem
ſich auf Anregung des kretiſchen Führers Venizelos eine
Reformpartei bildet, die auf die Geſetzgebung des
Landes beſtimmenden Einfluß zu gewinnen ſucht. Gegen
dieſe haben nun Theotokis und Rhallis ein Kartell
ge=
ſchloſſen, damit Vertreter dieſer neuen Partei nicht ſchon
bei den Wahlen zur Nationalverſammlung in der
Ver=
ſammlung ſelbſt in Aktion treten. Nach den neueſten
Meldungen ſoll die bevorſtehende Amneſtie für
Ty=
paldos und Genoſſen auf alle ausgedehnt werden, die
von dem 15. Auguſt bis heute wegen politiſcher Vergehen
beſtraft oder angeklagt ſind.
— Deutſchland, Oeſterreich, die Pforte und
Griechen=
land erhalten von der Note Kenntnis, die ſeitens der
vier Schutzmächte Kretas an das kretiſche Exekutivkomitee
zu Händen des Kommiſſars Zaimis gerichtet werden
wird. Die Note ſoll unzweideutig zum Ausdruck bringen,
daß jede Verletzung der ottomaniſchen Hoheitsrechte,
ins=
beſondere die Entſendung kretenſiſcher Abgeordneter zur
Athener Nationalverſammlung, die Landung von Truppen
der Schutzmächte unverzüglich zur Folgen haben würde.
— Beim Repräſentantenhauſe der
Ver=
einigten Staaten war am Montag ein Geſetzentwurf
eingebracht worden bezüglich der Gründung von
Geſell=
ſchaften, die ſich mit dem internationalen Handel befaſſen.
Das Geſetz findet auf Geſellſchaften Anwendung, die unter
den Geſetzen irgend eines fremden Staates errichtet
wor=
den ſind. Nach dem Geſetzentwurf darf keine derartige
Geſellſchaft Obligationen irgend einer anderen
Geſell=
ſchaft kaufen, auf eine andere Weiſe erwerben oder im Beſitz
haben und ſie hat auch nicht das Recht, Bankgeſchäfte zu
machen.
*
*
*
* Zum Fall Schönebeck äußerte ſich der
preußiſche Juſtizminiſter im preußiſchen
Ab=
geordnetenhauſe folgendermaßen: In dem Fall
Schöne=
beck muß ich mir wegen der ſchwebenden Unterſuchung
größte Zurückhaltung auferlegen.
Die Frau von
Schönebeck wurde 1907 wegen des Verdachts der
An=
ſtiftung zum Morde verhaftet. Sie wurde dann
in=
folge geiſtigen Zuſammenbruchs in eine Jrrenanſtalt
übergeführt, dort ſechs Wochen lang beobachtet und, weil
ſie nicht transportfähig war, auch nach dieſer
Beobacht=
ungsfriſt in der Anſtalt belaſſen. Das Ergebnis der
Beobachtung war, daß es ſich nicht erweiſen laſſe, daß
ſie ſchon zur Zeit der Tat geiſteskrank geweſen ſei.
Nun wurde vom Unterſuchungsrichter ein Gutachten
vom Medizinalkollegium in Königsberg eingefordert,
das die hohe Wahrſcheinlichkeit feſtſtellte, daß
Geiſtes=
krankheit zur Zeit der Tat vorhanden geweſen ſei.
Hierauf wurde Frau von Schönebeck ſofort aus der
Haft entlaſſen. Es wurde dann aber noch ein
Obergut=
achten von Berlin eingefordert, und dies ſprach ſich
da=
hin aus, daß es ſich zwar um eine hyſteriſche Perſon
handle, daß ſie aber zur Zeit der Tat ſich wohl nicht in
einem die Verantwortung ausſchließenden Zuſtande
befunden habe. Inzwiſchen hat die Vorunterſuchung
ihren Fortgang gefunden. Frau von Schönebeck ſteht
unter Pflegſchaft. Die Nachrichten von ihrer
Wieder=
verheiratung in London ſcheinen zutreffend zu ſein. (!)
Ueber die Fortſetzung des Verfahrens wird das
zuſtän=
dige Gericht zu befinden haben.
* Billige Geſandtſchaften. Der „Augsb.
Abendztg.” wird aus Brüſſel geſchrieben: Zurzeit
be=
finden ſich an faſt allen europäiſchen Höfen Abordnungen
aus Belgien, welche die Thronbeſteigung König
Al=
berts ankündigen und gleichzeitig Kenntnis von dem Tode
König Leopolds II. geben. Man dürfte ſich gewundert
haben, daß an jeden einzelnen Hof eine andere
Abord=
nung entſandt wurde, während es doch nahe gelegen
hätte, dieſen Staatsakt durch Rundreiſen und durch ein
und dieſelbe Geſandtſchaft erledigen zu laſſen. Es hat
ſogar Leute gegeben, die von Geldverſchwendung geredet
haben. Dieſe Leute täuſchen ſich; dieſe verſchiedenen
Staatsreiſen koſten Belgien keinen Centimes, denn man
hat es verſtanden, die Eitelkeit zu wecken. Der Führer
einer jeden Abordnung und alle ihre Teilnehmer haben die
Koſten ſelbſt zu beſtreiten, und es waren nicht wenige, die
ſich gemeldet haben und die gern irgendwohin gereiſt
wä=
ren. Jeder der Herren erhält irgend einen Orden und
vielleicht auch ſpäter, wenn er zurückgekehrt iſt, einen
zwei=
ten belgiſchen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 8. Februar.
— Keine Audienzen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog werden am Mittwoch, den 9. d. Mts., weder
Audienzen erteilen, noch Meldungen entgegennehmen.
Die Vorträge der Miniſter pp. finden von ½11 Uhr
vormittags an im Reſidenzſchloß ſtatt.
— Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Hauptmann im 1. Badiſchen
Leib=Grenadier=Regiment Nr. 109 Freiherrn v. Beuſt,
either Oberleutnant im Leibgarde=Infanterie=Regiment
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, das Ritterkreuz 2. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verlieyen.
— Ernennung. Se. Königl. Hoheit der Groß
herzog haben den außerordentlichen Profeſſor
Ober=
lehrer Dr. Auguſt Meſſer in Gießen mit Wirkung vom
2. Mai d. J. an zum ordentlichen Profeſſor in der
philo=
ſophiſchen Fakultät der Landesuniverſität ernannt.
-
Charaktererteilung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Oberlehrer an dem
Real=
gymnaſium zu Darmſtadt Dr. Wilhelm Kalbfleiſch
den Charakter als Profeſſor erteilt.
Stationskontrolleur. Am 21. Januar 1910 wurde
im Namen des Deutſchen Kaiſers, mit Allerhöchſter
Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit des
Groß=
herzogs und nach Vernehmung des Ausſchuſſes des
Bundesrats für Zoll= und Steuerweſen der Großh.
Reviſionskontrolleur Finanzamtmann Ernſt
Pull=
mann in Mainz den Königlich Prußiſchen
Hauptzoll=
ämtern zu Harburg a. d. Elbe, Lüneburg, Stade und
Verden als Stationskontrolleur mit dem Wohnſitz in
Harburg vom 1. Mär: 1910 ab beigeordnet.
L. Die Strafkammer verhandelte geſtern gegen den
35 Jahre alten Kaufmann J. Morgenſtern von Neu=
Iſenburg wegen Urkundenfälſchung. Der Angeklagte, ein
ſtrebſamer Geſchäftsmann, bemerkte, daß ſein Kredit durch
ſchlechte Auskunft über ſeine Geſchäftslage litt und
be=
fürchtete das äußerſte. Als Täter hatte er feinen Nachbar
Werner in Verdacht. Um dieſen zu fangen, ſandte er ihm
aus dem Hotel Briſtol unter dem Namen Fritz Fiſcher
einen Brief, in dem er für ein ſchleſiſches Gardinenhaus
um Auskunft über die Firma Morgenſtern bat. Ein Kuvert
mit Marke war beigelegt. Er hatte ſich in der Perſon
ge=
irrt, erfuhr aber, daß ein gewiſſer Reitz zwei Auskünfte
über ihn erteilt habe. In einer hieß es, er ſei ein genialer
Geſchäftsmann, der, wenn er einmal ein Falliſſement
machen mußte, es ſo eingerichtet habe, daß nichts mehr bei
ihm zu holen ſei. Dieſe wenig ſchmeichelhafte
Redewen=
dung veranlaßte ihn, den Reitz wegen Beleidigung zu
ver=
klagen. Die Sache wurde aber vergleichsweiſe erledigt,
nachdem der Angeklagte erklärt hatte, er habe ihn nicht
be=
leidigen wollen und halte ihn auch keiner ſtrafbaren
Hand=
lung für fähig. Auch das gegen ihn eingeleitete Verfahren
nahm ein günſtiges Ende. Das Gericht nahm in
Ueberein=
ſtimmung mit dem Verteidiger, Juſtizrat Hallwachs,
an, daß ihm bei Abfaſſung des Fiſcherbriefes das
Bewußt=
ſein gefehlt habe, daß er eine beweiserhebliche Urkunde
herſtellte. Der Staatsanwalt Hoos hatte die Anklage auch
nicht aufrecht erhalten, weil er unter allen Umſtänden für
erwieſen erachtete, daß Morgenſtern glaubte, in Notwehr
zu handeln, als er unter falſchem Namen um Auskunft
bat. — Der 59 Jahre alte Schuhmacher Adolf Eberle
von Offenbach, der vor einigen Monaten wegen
Sittlich=
keitsverbrechen 4 Jahre Gefängnis davontrug, ſtand
wie=
derum wegen eines gleichen, bereits im Jahre 1902
began=
genen Verbrechens vor Gericht. Nach nicht öffentlicher
Ver=
handlung wurde ihm eine Zuſatzſtrafe von 1 Jahr zuteil.
* Abgeſtiegen ſind im „Hotel zur Traube” Comte
Théodore de Reneſſe, belgiſcher Geſandter, Brüſſel, mit
zwei Offizieren und Bedienung; Ihre Durchlauchten Fürſt
und Fürſtin zu Erbach=Schönberg.
D. Konferenz der Kreisobſtbaubeamten. Man ſchreibt
uns: In Gegenwart des Herrn Kreisrat v. Hahn=
Hep=
penheim fand am vergangenen Samstag nachmittag in
Frankfurt die erſte diesjährige Konferenz der
Kreisobſt=
baubeamten des Großherzogtums Heſſen ſtatt, die durch
Kreisobſtbauinſpektor Bieſterfeldt=Offenbach geleitet wurde.
Verhandelt wurde über folgende Fachfragen: 1.
Einheit=
licher Schnitt der Straßenobſtbäume: Ohrtmann=
Heppen=
heim; 2. Bewertung unſerer Konſervengläſer: Surma=
Groß=Gerau; 3. Die Bedeutung der Phaenologie in der
Praxis Metternich=Büdingen. Zum erſten Punkt
einigte man ſich dahin, die Kronen erſt in einer Höhe von
2,20—2,50 m zu erziehen. Der erſte regelrechte Schnitt iſt
Maskierte Mahlzeiten.
Plauderei von M. Kron.
(Nachdruck verboken.)
E. Ein blau in blau dekorierter Saal, durchflutet
von elektriſchem Licht, das durch mattblaue
Seiden=
ſchleier gedämpft wird! Die Wände ſind mit
indigo=
blauem Rupfen überſpannt, harmonierender Molleton
bedeckt den Boden, das große Dekorationsſofa und die
hochlehnigen Stühle überzieht dunkelblaues Leder und
das Holz der Möbel iſt bläulich=weiß lackiert. Selbſt
die Bilder ſind blau getönte Photographien in blauen
Lackrahmen. Inmitten dieſes blauen Milieus ſteht eine
Tafel mit blau gewäſſertem Tiſchtuch, entſprechenden
Servietten, Delffter Porzellan und Meſſern, Gabeln
und Löffeln mit Delffter Griffen, zartblauen
Wein=
karaffen und Gläſern und blau gemalten Fruchtſchalen
und Tafelaufſätzen. Die letzteren ſchmücken blaue
Hyazinthen und Hortenſien, die auch die Sträußchen
ergeben, welche neben den Tellern der Damen liegen,
und in den erſteren befanden ſich ſeltſame Gebilde —
Fiſche, Vögel, Wickelkinder, Kürbiſſe, Fröſche uſw. —
natürlich ſämtlich blau in verſchiedenſten Nüancen.
Sieht man genauer zu, ſo erkennt man, daß ſie ihre
mannigfaltige Form durch Umſchläge von kunſtvoll
gefältetem Seidenpapier erhalten haben.
Und nun treten die Gäſte ein. Sie ſind ſamt und
ſonders weiß getleidet — die Damen in modiſche
Abendtoiletten, die Herren in Lawn=Tennis=Anzüge —,
aber alle tragen irgend einen blauen Aufputz, ein
Sträußchen, eine Nadel, eine Perlenſchnur oder ſonſt
ein Schmuckſtück in der Farbe der Treue. Und was uns
am verwunderlichſten däucht — der männliche, wie der
weibliche Teil der Geſellſchaft erfreut ſich eines blauen
Hauptſchmuckes. Daß es Perücken ſind, verſteht ſich von
ſelbſt. Auf ein Glockenzeichen der Hausfrau öffnet ſich
die Tür und ein Diener in blauer Livree rollt eine Art
Teewagen aus blau lackiertem Holz herein, vor den
ein künſtlicher Pfau vorgeſpannt iſt. Darauf befindet
ſich eine Schüſſel mit großen blauen Zwetſchen und
eine zweite mit flachen, blauen Fiſchlein. Eine
merk=
würdige Zuſammenſtellung, in der Tat! Aber die
Gäſte, denen dies Entree ſerviert wird, nehmen ſich
ohne Zagen davon, ſie ſchlagen jedoch Zwetſchen wie
Fiſche mit dem Meſſer an, als wären es Eier, und ſiehe
da, unter den dünnen blauen Kruſten der
Meerbe=
wohner finden ſich appetitliche geröſtete Brötchen, wäh=
rend die der Früchte beſten Aſtrachankaviar enthalten.
Nun wird der Pfau vom Wagen ausgeſpannt, auf eine
Schüſſel geſtellt und vom Hausherrn tranchiert —
ſeinen Inhalt bildet ein Blaukohlgericht mit gebratenen
Schnepfen. Als dritter Gang folgt ein Sofakiſſen,
kombiniert aus blau geſottenen Karpfen, die mit blauen
Vegeiabilien — Rapunzelwurzel, Oliven und Pflaumen
in Oel, violetten Eierfrüchten und ſonſtigen Dingen,
denen die Natur einen bläulichen Ton verliehen
belegt ſind. Die Fiſche ſind derart zuſammengefügt,
daß ſie wirklich den Eindruck eines viereckigen Kiſſens
machen, auf dem der Belag das Muſter einer Stickerei
ergibt. Und ſo geht es weiter; jede Speiſe erſcheint
äußerlich als etwas anderes, als das, was ſie wirklich
iſt, und eine jede iſt blau. Daß die Weine ihren
natür=
lichen Ton beibehalten haben, bemerkt man nicht, da ſie
aus blauen Gläſern getrunken werden.
Dieſe blaue, maskierte Mahlzeit wurde vor ein
paar Jahren von dem Petroleumkönig Rockefeller einer
Schar von erleſenen Gäſten offeriert. Sie fand ſo viel
Anklang, daß bald zur Karnevalszeit dieſe Art von
Gelagen unter dem Sternenbanner Mode wurde.
Selbſtredend variierte man die Idee in mannigfachſter
Weiſe; bei roten Mahlzeiten ſervierte man in einem
hölliſchen Interieur, beleuchtet von roten, lodernden
Feuern und erfüllt von Teufeln und Teufelinnen,
Krammetsvögel in Hummerſchalen und Gefrorenes in
ausgehöhlten Tomaten,bei einem grünen Souper in einem
aus Blattpflanzen gebildeten Laubengang Ragouts in
Salatköpfen, grüne, eingemachte Pflaumen ſtreifenartig
als Endivienſalat zugeſchnitten, grün gefärbtes
Back=
werk in Birnenform uſw. Das Bizarrſte war aber doch
ein Streichholzſouper. Der Saal war nach dem Muſter
einer Streichholzfabrik dekoriert, die Gäſte erſchienen
in Arbeiterkitteln und es gab nichts zu eſſen, als
treichhölzer — gelbe Streichhölzer mit roten und
ſchwarzen und rote und grüne mit gelben Köpfen.
Sämtliche Speiſen, gleichviel, ob ſie aus Fleiſch, Fiſchen,
Gemüſen, Früchten oder Kuchen beſtanden, waren als
Streichhölzer zugeſchnitten und trugen als Kopf irgend
eine wohlſchmeckende Würze. Damit die Speiſen aber
nicht zu trocken waren, reichte man Saucen dazu, die
allerhand für die Streichholzfabrikation notwendige
Chemikalien darſtellten. Die Tafelaufſätze hatte man
aus ſchwediſchen Zündholzſchachteln künſtleriſch
zuſam=
mengeſetzt. Zum Schluß ſang die Geſellſchaft nach der
Melodie der bekannten Gavotte einen Carmen, deſſen
Refrain allemal die ſinnigen Worte „Tändſtick —
Parafinerade!” bildeten. Man behauptet indeſſen, daß
dies Streichholzſouper viel luſtiger geweſen ſein ſoll.,
als die einfarbigen Mahlzeiten, die nach allgemeinem
Urteil etwas Unheimliches hatten. Wenn man ſich in
der Phautaſie den blan beleuchteten und blau
dekorier=
ten Saal mit den weiß gekleideten Menſchen darinnen
vorſtellt, kann man das wohl begreifen.
Jedoch das Unheimliche und Groteske übt auf
über=
reizte Gemüter eine große Anziehungskraft und daher
ſtreben die upper ten thousand fener Kreiſe, die von
allen Genüſſen überſättigt ſind, mit Fleiß und heißem
Bemühen danach, ſich immer neue Senſationen der Art
zu verſchaffen, ja einer überbietet den anderen in dem
Bemühen, Grauſiges zu erdenken. Ich erinnere hier
an den tollen Brauch, der ſich vor etwa einem
Jahr=
zehnt auf ariſtokratiſchen Pariſer Maskenbällen
ein=
gebürgert hatte, der darin beſtand, Wachsfiguren
ein=
zeln und gruppenweiſe unter die Gäſte zu plazieren.
Die Anordnung war in der Weiſe geſchehen, daß auf
den erſten Blick niemand bemerkte, daß dieſe oder jene
Geſtalt eine Puppe war und deſſen erſt gewahr wurde,
wenn er ſie berührte. Das Erſchrecken über die
Stei=
figkeit und Lebloſigkeit des wächſernen Ballgaſtes war
dann regelmäßig groß und ſelbſt nachdem man die
Fi=
guren von den Menſchen unterſcheiden gelernt, konnte
man ſich beim Blick auf dieſelben eines leichten Grauens
nicht erwehren. Die Leute hatten alle das Gefühl, als
ob Tote unter ihnen weilten, doch war gerade dies der
Witz bei der Sache. Erſt als eine junge Dame zufällig
an einen wächſernen Kavalier, der, die Vorbeitanzenden
durch ein Monocle fixierend, auf einem Stuhl ſaß,
an=
geſtoßen hatte und vor Entſetzen darüber in Krämpfe
verfallen war, tat man den ſcheußlichen Scherz in Acht
und Bann. Doch, um auf unſere maskierten
Mahl=
zeiten zurückzukommen, will ich hier erzählen, daß man
auf einem engliſchen Landſitz — wenn ich nicht irre, vor
zwei Jahren — eine Knochenmahlzeit veranſtaltete.
Die Wände des Eßzimmers waren ſchwarz
ausgeſchla=
gen und die Gäſte als Gerippe maskiert, was man aber
ſpeiſte, waren lauter Knochen — Braten knochenförmig
zugeſchnitten, Fricaſſees, Aspies, Gemüſe und Crémes
in gebackene Knochenformen gefüllt uſw. Viel
erzähl=
ten die Zeitungen auch ſeinerzeit von einem Bronze=
Souper, das gleichfalls unheimlich geweſen ſein ſoll:
Die Tafelnden trugen zwar Geſellſchaftskleider der
Mode nach, aber die Köpfe waren mit brauner und
grünlicher Schminke und dazu paſſenden Perücken ſo
hergerichtet, daß ſie wie Bronzeköpfe ausſahen und die
nach dem Anwachſen, alſo im zweiten Jahre nach der
Pflanzung, auszuführen. Um eine Kräftigung der Aeſte
zu bewirken, entſchied man ſich für einen kürzeren Schnitt.
Jedoch ſoll an Hand zahlreicher Erfahrungen nicht direkt
über dem Auge, ſondern über einem 4—5 cm langen
Zap=
fen geſchnitten werden. Der ſogenannte Sommerſchnitt
wird aus wachstumstechniſchen Gründen verworfen. Der
zweite Schnitt kann bei regelmäßigem Wachstum
unter=
bleiben, an deſſen Stelle tritt das Auslichten. Jedoch iſt
ein Zurückſchneiden der Hauptleitzweige im zweiten bis
eventuell fünften Jahre nicht auszuſchließen. Dieſes wird
auf Herſtellung des Gleichgewichtes beſchränkt. Die zweite
Aſtſerie iſt erſt in einer Höhe der Verlängerung von 80 cm
bis 1 m zuläſſig. Die tieferſtehenden Zweige ſind zur
Ver=
ſtärkung ſo weit als möglich beizubehalten. Vergabelungen
der Seitenäſte ſollten erſt bei einer Länge von 70—80 cm
belaſſen werden. Im Punkt 2 wurde über die
gebräuch=
lichſten Konſervengläſerfabrikate verhandelt. Großes
Inter=
eſſe erregten die Ausführungen des Koll. Metternich
unter Punkt 3. Sie beſtätigen den volkswirtſchaftlichen
Wert der Forſchungen des Herrn Prof. Ihne=Darm
ſtadt. Referent erläuterte ſeine erfolgreichen Beobachtungen
bezüglich des Gedeihens einzelner Apfelſorten. Die
vorge=
führten Früchte unterſchieden ſich auffällig; z. B.
Lands=
berger Reinetten aus Zone 5, alſo der höchſten Lage, zeigten
beſſere Entwicklung, ſchönere Färbung, kein Welken,
feſte=
res Fleiſch, beſſeren Geſchmack als ſolche aus Zone 2. Auch
ſtellte Redner dar, daß in Zone 5 nicht der geringſte
Pilz=
befall (hauptſächlich Meltau) erſcheine, dagegen in Zone 2
ſehr ſtarkes Auftreten beobachtet wurde. Bei anderen
Sorten fiel das Gegenteil auf. Es iſt hieraus erſichtlich,
daß eine bedeutungsvolle, arbeitsreiche Aufgabe ihrer
Er=
ledigung harrt. Nach Erörterung einiger allgemeiner
An=
gelegenheiten ſchloß Herr Bieſterfeldt nach 7 Uhr die
Ver=
handlungen.
Kaiſerpreis. Den vom Kaiſer geſtifteten
Ehren=
preis für Kavallerieoffiziere erhielt, wie ſchon mitgeteilt,
im 18. Armeekorps Leutnant v. Boetticher vom
2. Großh. Heſſ. Drag.=Regt. (Leib=Dragoner) Nr. 24.
Der Ritt um den Kaiſerpreis fand im Herbſt v. J.
ſtatt. Die Zahl der Teilnehmer betrug 31, die Entfernung
107 km. Der Sieger gebrauchte an Zeit 11 Stunden
20 Minuten.
— Jubiläum. Am 10. Februar feiert der
Rohr=
leger Johannes Walter am ſtädtiſchen Waſſerwerk
ſein 25 jähriges Dienſtjubiläum.
* Städtiſche Straßenbahn. Die Fahrgeldeinnahme
vom Januar I. Js. betrug — 28802,33 Mk., die des
Vorjahres — 29699,95 Mk. Die Einnahme für den
Wagenkilometer im Januar l. Js. — 30,70 Pfg., die des
Vorjahres = 30,55 Pfg. Hierbei iſt zu berückſichtigen,
daß im Januar vorigen Jahres der Verkehr infolge
des Rodel= und Schlittſchuhſports außergewöhnlich
leb=
haft war, ſo daß auf den Außenſtrecken häufig
Betriebs=
verſtärkungen erforderlich waren.
— Ausſchußzſitzung der Vereinigten Bezirksvereine.
In dieſen Tagen fand eine Ausſchußſitzung der
Ver=
einigten Bezirkspereine ſtatt unter dem Vorſitz
des Stadtverordneten Dr. Kolb. Der erſte Punkt der
Tagesordnung betraf die auf die Dauer nicht aufrecht
zu erhaltenden Zuſtände an der Ecke des Schloßgrabens
und Schillerplatzes. Die dort beſtehenden Mißſtände
haben ſchon Unfälle gezeitigt, und der Ausſchuß hat
deshalb beſchloſſen, die von dem Bezirksverein Altſtadt
angeregten Schritte bei den maßgebenden Stellen in
kräftigſter Weiſe zu unterſtützen. Sodann wurde die
Umgeſtaltung der Handwerkerſchule in eine
obligatori=
ſche gewerbliche Fortbildungsſchule beſprochen.
Stadt=
verordneter Sames und Hauptlehrer Lönk lieferten
ſehr eingehende Referate über dieſen Punkt, wobei
be=
ſonders die Verhältniſſe der Stadt München in
Ver=
gleich gebracht wurden. Nach der überaus gründlichen
Behandlung des Stoffes durch die Vortragenden war
es der Wunſch der Verſammlung, die Debatte über
die=
ſen Gegenſtand mit Rückſicht auf die vorgeſchrittene
Zeit und die Wichtigkeit der Sache zu vertagen auf eine
im großen Kreiſe ſtattfindende Verhandlung, die der
Ausſchuß in einigen Wochen veranſtalten ſoll. Der
An=
trag des Altſtadtvereins auf Wiedererrichtung der
Halteſtelle der elektriſchen Bahn an der Stadtkirche
wird dann ebenfalls zur Beſprechung kommen, wenn
nicht bis dahin die Bürgermeiſterei den berechtigten
Wünſchen der Bürgerſchaft entgegengekommen iſt.
Gegen halb 1 Uhr wurde die ſehr angeregt verlaufene
Sitzung geſchloſſen.
— Verein für Verbreitung von Volksbildung. In
ſeinem ſechſten, dem Schlußvortrag, des vom Verein
für Verbreitung von Volksbildung veranſtalteten
Vor=
tragszyklus über „Die Geſchichte des Mittelalters”
ſpricht Herr Profeſſor Dr. A. E. Berger Mittwoch, den
6. Februar, über: Heinrich V und das Wormſer
Kon=
kordat. Lothar von Supplinburg und Konrad III.
Bernhärd von Elairvaux und der zweite Kreuzzug.
Folgen des Inveſtiturſtreites und des Scheiterns der
Kreuzzugunternehmung für die abendländiſche
Bild=
ung: Verweltlichung der Lebensideale, Anbruch des
Zeitalters der ſogenannten Laienkultur.
— Zur Milchpreiserhöhung ſeitens der Landwirte
Man ſchreibt uns: Am Freitag, den 4. dieſes Monats,
fand auf Einladung des Milchhändlervereins
Darmſtadt und Umgegend eine Verſammlung
ſtatt, zu der faſt alle Händler erſchienen waren. Zur
einzigen Beratung ſtand „Stellungnahme zur gefor
derten Milchpreiserhöhung der Milchproduzenten” auf
der Tagesordnung. Nachdem ſich alle Redner gegen
dieſen Aufſchlag ausgeſprochen hatten, wurde
ganz beſonders hervorgehoben, daß es faſt nur
die=
jenigen Produzenten ſind, die eine Preiserhöhung
er=
zwingen wollen, welche den Titel „Oekonomierat”
be=
ſitzen. Es gelangte folgende Reſolution zur
ein=
ſtimmigen Annahme: „Die unter dem Heutigen
ſtatt=
gefundene Verſammlung von Milchhändlern erachtet
die Milchpreiserhöhung der Landwirte für nicht
gerecht=
fertigt, vielmehr erblickt ſie darin ein Produkt
organi=
ſatoriſcher Macht. Sie ſieht ſich deshalb veranlaßt,
ge=
ſchloſſen ſich dagegen zu verwahren, geſtützt auf die
Hilfe der Konſumenten, da die derzeitige Lage weder
für Händler noch Konſument es geſtattet, einen
Preis=
aufſchlag ertragen zu können.
— Die Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger”
veranſtaltete am Sonntag abend im dicht beſetzten
Schützenhofſaal einen „Bunten Abend” mit
an=
ſchließendem karnevaliſtiſchem Tanzkränzchen. Mit dem
Automobil=Terzett (Frl. Krauſemann, Frau Altſchüler
und Herr Rathmachers) begann das Programm. Die
komiſchen Vorträge des Herrn Erbes ſetzten die
Lach=
muskeln der Anweſenden ſtark in Bewegung. Großen
Beifall fand das Duett „Das Tanzpärchen” von Frl.
Krauſemann und Frau Altſchüler. Mit ihren
tadel=
loſen Couplets hatte Frau Schmidt bald Stimmung
gemacht, auch ſie wurde ſtark applandiert. Ebenſo das
Ehe=
paar Altſchüler mit ſeiner Duoſzene „Im Manöver”
Mit den Duetts aus „Die geſchiedene Frau” und „Der
tapfere Soldat” wußten Frl. Krauſemann und Herr
Rathmachers wiederum den Beifall des Publikums zu
entfachen. Als letzte Programm=Nummer wurde das
Theaterſtück „Das Schwert des Damokles” aufgeführt.
Der muſikaliſche Teil wurde von der Kapelle der 61er,
M. Weber, in beſter Weiſe erledigt,
Orpheum. Heute (Faſtnacht=Dienstag) und
mor=
gen (Aſchermittwoch) fallen die Vorſtellungen aus.
— Der Olympia=Kinematograph, Ernſt=
Ludwig=
ſtraße, bringt mit ſeinem heutigen Programmwechſel
wieder eine Reihe ſchöner lebender Photographien zur
Vorführung. Beſonders erwähnt ſeien aus dem drama
tiſchen Teil die beiden Dramen; „Tragiſche Stunden”
und „Die Poſtbeamtin”. Der humoriſtiſche Teil zeigt
u. a.: „Der verſpätete Bräutigam”, ſowie „Herr Lehmann
hat ’nen Schwamm gegeſſen”. (Siehe Anzeige.
* Kaiſerpanorama. An die Riviera führt dieſe
Woche das Kaiſerpanorama. Die großartigen
landſchaft=
lichen Reize dieſer Gegend ſind in vorzüglicher
Natürlich=
keit dargeſtellt; außer Mentone und Roccebrune werden
auch Monaco und Monte Carlo gezeigt. Die
Schön=
heiten dieſer Sammelplätze der eleganten Welt werden
eingehend vorgeführt. Nachdem man die bekannte
Spiel=
hölle verlaſſen hat, bekommt man das prächtige Kap
Martin und Villafranca zu ſehen, um nach kurzer
Wanderung durch „Nizza” in der herrlichen Palmenallee
in Cannes zu landen. Naturfreunden, Schülern und
Schülerinnen iönnen wir dieſen „Garten Europas” ganz
beſonders zum Beſuch empfehlen.
§ Feſtgenommen. Ein Schreiner von hier und ein
Taglöhner von Griesheim ſind geſtern vormittag wegen
ſchweren Diebſtahls durch die Polizei feſtgenommen
worden.
§ Selbſtmord. Ein in der Rundeturmſtraße
wohn=
hafter Stadttaglöhner hat geſtern vormittag in ſeiner
Wohnung ſeinem Leben durch Erhängen ein Ende
gemacht.
§ Unfug. Zwei junge Leute verübten geſtern
vor=
mittag im Hofe des Poſtamts in der Rheinſtraße groben
Unfug.: Die Beiden mußten von mehreren
Poſt=
bedienſteten mit Gewalt aus dem Poſthofe entfernt
werden. Bei dieſer Gelegenheit gab der eine junge
Mann mit einem Revolver einen Schreckſchuß ab.
** Zwingenberg, 7. Febr. Herr Finanzrat
Schrei=
ner hat ſeinen Wirkungskreis dahier verlaſſen und das
Finanzamt in Bingen übernommen. Da Herr
Finanz=
amtmann Krab in Homberg ſein neues Amt dahier
vor=
erſt noch nicht antritt, ſo wurde Herr Finanzaſſeſſor Ohl
mit der interimiſtiſchen Verwaltung des hieſigen
Finanz=
amtes betraut.
§* Auerbach, 6. Febr. Herr Pfarrer Dr.
Eigen=
brodt, der viele Jahre hier gewirkt und ſeit einigen
Jahren in Darmſtadt in Penſion lebt, erhält in Anbetracht
ſeiner vielen Verdienſte, die er ſich in der hieſigen
Ge=
meinde erworben, durch den Verſchönerungs= und
Kur=
verein bei der Kirche einen entſprechenden Denkſtein
geſetzt. — Herr Oberſtleutnant Mootz hier wurde in der
kürzlich in Bensheim ſtattgefundenen
Generalverſamm=
lung der Kreisgruppe Bensheim des Deutſchen
Flotten=
vereins zum Vorſitzenden der Kreisgruppe gewählt.
§* Von der Bergſtraße, 7. Febr. Bei den bis jetzt
abgehaltenen Holzverſteigerungen wurden bei
Brennholz teils ſehr hohe Preiſe erzielt. Dagegen iſt der
Preis des Nutzholzes niedriger wie in den letzten Jahren.
Wahrſcheinlich infolge des hohen Brennholzpreiſes wurde
der Holzſchlag in den Staatswaldungen erweitert.
— Mainz=Mombach, 6. Febr. Ein 10jähriger
Lebensretter. Ein achtjähriger Schulknabe von hier
vergnügte ſich geſtern auf dem Eis in den ſog. Schachten,
das ſind tiefe Sümpfe, die hinter dem kleinen Vordamme
zwiſchen hier und Budenheim liegen und vom letzten
Hoch=
waſſer her völlig mit Waſſer ausgefüllt ſind. Der Junge
brach in dem ſchon auftauenden Eiſe ein und ſteckte
be=
reits bis zum Halſe im eiskalten Waſſer, als ein
zehn=
jähriger Kamerad dem verzweifelt um ſein Leben
kämpfenden Kinde raſch einen langen Weidenſtock reichte,
an dem ſich der Ertrinkende feſtklammerte, ſodaß er durch
das nachbrechende Eis in Sicherheit gebracht werden
konnte. Ohne die Beſonnenheit des kleinen zehnjährigen
Burſchen wäre der Junge ſicher ertrunken.
II.B. Mainz, 7. Febr. Der Schloſſer L. Feſt aus
Ober=Reifenbach drang geſtern abend in die Wohnung
ſeiner von ihm getrennt lebenden Frau und verſuchte,
dieſe zu ermorden. Er verletzte ſie durch mehrere
Stiche in die Herzgegend ſchwer. Der Stiefſohn und
die Stieftochter des Feſt, ſowie der zufällig anweſende
Bräutigam der Tochter wollten der Frau zu Hilfe eilen,
wurden aber von dem Wüterich durch Stiche ſchwer
ver=
letzt, ſo daß ſie ſämtlich ins Spital gebracht werden
mußten. Herbeieilenden Hausbewohnern gelang= es
endlich, den Wütenden zu überwältigen und der
Poli=
zei zu übergeben.
— Zornheim, 6. Febr. Eine Trauung auf dem
Krankenbette wurde in der letzten Woche in der
hie=
ſigen Gemeinde vollzogen. Dieſer äußerſt ſeltene Fall hatte
ſeine Urſache darin, daß der Bräutigam plötzlich ernſtlich
erkrankte, ſodaß er ſich nicht in die Kirche zur bereits
feſt=
geſetzten Trauung begeben konnte. Da aber auch mit der
Faſtenzeit die ſog. geſchloſſene Zeit beginnt, in der nach
den Beſtimmungen der katholiſchen Kirche von Faſtnacht
bis Oſtern eine kirchliche Trauung nicht erfolgen ſoll, ſo
entſchloß ſich das junge Paar zur Trauung am
Kranken=
bette.
Oſthofen, 5. Febr. Heute vormittag wurde, wie die
„Oſth. Ztg.” meldet, auf der Amtsſtube des Herrn Geh.
Juſtizrats Köhler der Vertrag zwiſchen den
Bevoll=
mächtigten des rheinheſſiſchen
Elektrizi=
tätsverbandes, die Herren Bürgermeiſter
Mah=
ler, Muth, Römer und Schätzel, ſowie Verbandsanwalt
Dr. Goldſchmitt und Verbandsſchriftführer Schill und
dem Direktor der Rhein. Schuckertgeſellſchaft Herrn
Bührung, Mannheim, notariell vollzogen. Auch der um
das Zuſtandekommen dieſes großen kulturellen Werkes
hochverdiente Herr Geh. Regierungsrat Dr. Kayſer
war als Vertreter der Aufſichtsbehörde erſchienen.
B. Aus Rheinheſſen, 7. Febr. Die Umſätze im
Weinverkaufsgeſchäfte könnten zur Zeit nicht
lebhafter ſein, als ſie es tatſächlich ſind. Wer noch alte
Weine lagern hat, wird ſie jetzt ſchlank und zu guten
Prei=
ſen los. Auch die wenigen 1908er, die in erſter Hand noch
lagern, werden raſch aufgekauft. Hohe Preiſe erzielen be=
Speiſen hatte man mit Hilfe dunkel gebratener Kruſten
und brauner Glaſuren ebenfalls als
Bronzegegen=
ſtände maskiert. Das Eſſen fand in einem Zimmer
ſtatt, deſſen Wände mit gepreßter, metalliſch glitzernder
brauner Pappe beklebt war, die Bronzereliefs
imi=
tierte. Das Tiſchtuch, die Teller, kurz alles —
ſchim=
merte wie Bronze. Ziemlich verbreitet ſind die Mar
mormahlzeiten, bei denen buchſtäblich nur eine Farbe
zu ſehen iſt, nämlich weiß. Die Gäſte ſind ſchneeweiß
geſchminkt, reſpektive gepudert, haben weiße Perücken
auf den Köpfen und tragen weiße griechiſche Koſtüme.
Die Speiſen aber — man denke — befinden ſich in
Attrappen aus Porzellan, das die Form von antiken
Büſten hat. Es ſoll aber eigentlich nie rechte
Fröhlich=
keit bei dieſen Veranſtaltungen aufkommen, da es zu
deprimierend wirkt, die braunen oder weißen, durch die
viele Schminke auch in ihrer Beweglichkeit gehinderten
Geſichter vor ſich zu haben. Die Marmormahlzeiten
ſind zum mindeſten künſtleriſch ſchön, während bei den
Bronze=Soupers, Diners uſw. der Effekt vollſtändig
tot und ſteinern iſt. Man darf eben nicht vergeſſen
daß dabei immer nur der nämliche braune Ton, der
nur in den Vertiefungen leichte Grünſpanpatina
imi=
tiert, zum Ausdruck gelangt. Die blauen, roten und
grünen Soupers ſind dagegen, wenn auch bizarr,
un=
gemein maleriſch, inſofern, als jede nur denkbare
Schattierung und Nüance von blau, rot oder grün
ſicht=
bar wird und zudem die weißen Gewänder und die
Fleiſchtöne in den Geſichtern der Gäſte Abwechslung
in das Ganze bringen.
Unter den maskierten Mahlzeiten wären auch noch
ſolche zu nennen, bei denen nur die Speiſen allein
unter falſcher Flagge erſcheinen, während das Milieu
und die Kleidung der Gäſte nichts Ungewöhnliches
auf=
weiſen. Da gibt es z. B. exotiſche Soupers, die recht
amüſant ſein können. Auf den Menüs lieſt man:
„Krokodillebern in Sauce béarnaiſe, garniertes
Tiger=
filet, Giraffenzungen, Salat von Pampasgras, Puree
von Papyrusſtauden uſw. Die Gerichte ſind ſo
deko=
riert, daß ſie in irgend einer Weiſe auf ihre
hypothe=
tiſche Beſchaffenheit hinweiſen. Eine amerikaniſche
Miß veranſtaltete ein Blumen=Souper, welches ihrem
zarten, ätheriſchen Empfinden entſprach. Jedes Gericht
hatte das Ausſehen eines fein arrangierten
Blumen=
buketts.
Doch es würde zu weit führen, all die phantaſtiſchen
Ideen zu nennen, die auf dem in Rede ſtehenden
Ge=
biet in den Köpfen reicher Leute keimen und erblühen.
Im übrigen ſind die maskierten Mahlzeiten keines=
wegs etwas neues, da ſie ſchon bei den alten Römern
ſehr beliebt waren. Vornehme Leute ſchätzten die Kunſt
des Koches je zum Teil nach ſeiner Fähigkeit, gebratene
Vögel in Form eines Haſen, einen Haſen in der eines
Fiſches aufzutragen uſw.
Alles iſt ſchon dageweſen — ſagt Ben Akiba.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
— Das Deutſche Haus auf der Brüſſeler
Weltausſt ellung. Die bevorſtehende Brüſſeler
Weltausſtellung, die im April dieſes Jahres eröffnet
werden wird, bringt wieder die Einrichtung eines
deut=
ſchen Hauſes, das ſchon auf der Chicagoer
Weltausſtel=
lung und ſpäter auch auf der Pariſer einen vollen
Er=
folg hatte. Als Novum wird Deutſchland diesmal
ſeine Ausſtellungshallen, in die ſich das Deutſche Haus
als Repräſentationsraum organiſch einfügen ſoll, mit
Hilfe Belgiens ſelbſt bauen, da die belgiſchen Hallen
bereits ſtark überlaſtet ſind. Für den Bau der
einzel=
nen Hallen ſind hervorragende deutſche Architekten und
Künſtler gewonnen worden. Die Ausführung wird
direkt von Berlin aus geleitet und iſt dem Architekten
Otto Walter, unter der Aufſicht des
Reichskommiſ=
ſariats, übertragen worden. Bei dieſem Beſchluß iſt
man einem Vorſchlage des Profeſſer Emanuel v.
Sei=
del gefolgt, der mit dem Entwurf der Pläne für das
Deutſche Haus vom Reichskommiſſariat betraut
wor=
den iſt. Die weſentlichſte Tendenz der Hallenbauten
geht dahin, einen intereſſanten architektoniſchen
Ab=
ſchluß zu zeigen, ohne ihren Charakter oder ihre
Kon=
ſtruktion irgendwie zu verleugnen.
Die Gebäulichkeiten ſelbſt ſind in der Hauptſach
ſehr einfach gehalten, immerhin aber zeigen ſie eine
ſtark vornehme Tendenz und fortſchrittliche moderne
Denkungsweiſe. In der Farbe ſind ſie möglichſt
ein=
fach zuſammengehalten: weiße Faſſaden mit grauen
Ziegeldächern, ſchwarze Säulen und teilweiſe
Vergold=
ungen, dieſe hauptſächlich an den Plaſtiken. Unter den
Plaſtiken des Gartens befinden ſich eine rieſige
Reiter=
figur auf einer 18 Meter hohen Sandſteinſäule, von
Bildhauer Ebbinghaus=Berlin, die Produktivität
dar=
ſtellend, ſowie Nymphenburger Porzellanarbeiten. Das
Innere des Repräſentationsgebäudes iſt in ſeinen
unte=
ren Teilen wirkungsvoll mit Vorhallen ausgeſtattet
In dem Treppenhaus wurde der von der Münchener
Ausſtellung 1908 her bekannte Brunnen von Profeſſor
Hildebrand aufgeſtellt. Dem Bureau des
Reichskom=
miſſars iſt ein Empfangsſaal vorgelagert. Die Wände
werden mit Bildern von der Hand erſter Münchener
Künſtler geſchmückt. An den Empfangsfaal ſchließt ſich
ein elegantes Damenzimmer an, während auf der
an=
deren Seite des Veſtibüls ein Vortragsſaal eingerichtet
iſt. Die Treppen führen zu einem großen
Repräſen=
tationsſaal, der für größere Feſte direkt mit den
Re=
ſtaurationsräumlichkeiten in Verbindung gebracht
wer=
den kann. Der Saal iſt hauptſächlich als
Gewölbe=
löſung intereſſant. Die Wände werden mit Damaſten
geſchmückt werden; außerdem hat der Prinzregent von
Bayern, da bei der ganzen Ausſtellung die Münchener
Kunſt ſo ſtark im Vordergrunde ſteht, zur
Ausſchmück=
ung ausnahmsweiſe auch die Herkulesgobelins der
Münchener Reſidenz zur Verfügung geſtellt. Das
Wein=
réſtaurant iſt in ſeinem ganzen Innern als
Porzellan=
ſaal durchgeführt, und zwar von der
Porzellanmanu=
faktur Nymphenburg. Ein beſonders reizvolles Moment
der Ausſtellung dürfte das unter Bäumen liegende
Münchener Haus bilden, das, von den Vereinigten
Münchener Brauereien ausgeführt, ſowohl in ſeinem
Aeußeren wie in ſeinem Inneren die Münchener
Ar=
chitektur und Kunſt ſpeziell auf dieſem Gebiete
vor=
führt.
*. Frankfurter Theater=Spielplan.
1. Opernhaus. Dienstag, 8. Febr.: Die geſchiedene
Frau. Mittwoch, 9.: Die Afrikanerin. Donnerstag,
10.: Lobetanz. Freitag, 11.: Der fliegende Holländer.
Samstag, 12.: Tiefland. Sonntag, 13., 3½: Ein
Wal=
zertraum; 7 Uhr: Mignon. Montag, 14.: Die
Wal=
küre. Dienstag, 15.: Lobetanz. — 2.
Schauſpiel=
hans: Dienstag, 8. Febr.: Bei uns da drüben.
Mitt=
woch, 9., 2½: Wilhelm Tell; 7 Uhr: Die
Revolutions=
hochzeit. Donnerstag, 10.: Der dunkle Punkt.
Frei=
tag, 11.: Die Jungfrau von Orleans. Samstag, 12.:
Der moraliſche Teeabend. Sonntag, 13., 3½: Die
fremde Frau; 7 Uhr: Wenn der junge Wein blüht.
Montag, 14.: Die Revolutionshochzeit. Dienstag, 15.:
Das Konzert.
* Paris, 7. Febr. Die Generalprobe des
Ro=
ſtandſchen „Chanteeler” fand geſtern abend im
Theater Porte St. Martin vor dicht beſetztem Hauſe
ſtatt. Auch vor dem Theater hatte ſich trotz des ſtarken
Regens eine dichte Menſchenmenge angeſammelt. Jean
Coquelin ſprach, bevor der Vorhang aufging, den
Prolog. Der Erfolg des erſten und zweiten Aktes war
bedeutend, namentlich die Inſzenierung rief einen
großen Eindruck hervor. Der dritte Akt ließ das
Publikum kalt; der vierte und letzte Akt weiſt große
poetiſche Schönheiten auf. Zum Schluß wurde Roſtands
Name ſtürmiſch gerufen.
ſonders die Winzervereine. So wurden dem Winzerverein
Bechtheim für ſieben Stück 1907er je 750 Mark, dem
Win=
zerverein Alsheim für 1908er 680—750 Mark bezahlt.
Fer=
ner gingen in Hahnheim vier Stück 1905er zu je 700 Mark,
in Mommenheim vier Stück 1909er zu je 550 Mark, in
Selzen einige Poſten 1908er zu je 625 bis 675 Mark, in
Dexheim 1907er und 1908er zu je 600 und 585 Mark, in
Waldülversheim drei Stück 1906er zu je 550 Mark in an
deren Beſitz über. In Nackenheim erbrachten mehrere Po
ſten 1909er 775—900 Mark, einige Stück 1908er, die dort
noch lagerten, 800—850 Mark, in Nierſtein etwa 25 Stück
1908er etwa 1100 Mark, in Oppenheim 1908er 750—900
Mark, 1909er je 750 Mark. — Die Winzer beginnen eben
allenthalben mit dem Rebſchnitt. In vielen Orten iſt man
mit dem Holz, beſonders in den geringeren Lagen nicht
zu=
frieden. In den allergeringſten Lagen findet man ſogar
Weinberge, deren Holz derartig dürr iſt, daß die Winzer
vorziehen, dieſe Weinberge auszuhauen.
* Alsfeld, 7. Febr. Daß Großh. Miniſterium des
Innern hat den Bureauvorſteher bei dem Kreisamt Schot
ten, Johannes Hach, beauftragt, vom 1. März ds. Js.
an bis auf weiteres die Stelle eines Bureauvorſtehers bei
dem Kreisamt Alsfeld zu verſehen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 6. Febr. Der
ameri=
kaniſche Botſchafter Dr. David J. Hill und
ſeine Gemahlin gaben geſtern abend, an dem ihre 18 Tochter Miß Hill zum erſten Male in die
Ge=
ellſchaft eingeführt wurde, im Hotel Adlon ein
glän=
zendes Ballfeſt. Das kaiſerliche Haus, die
Hofge=
ſellſchaft, die Diplomatie, die Generalität, die Reichs
und Staatsbehörden hatten ihre Vertreter entſandt. In
ſämtlichen Feſträumen bewegte ſich von 10 Uhr ab eine
illuſtre Geſellſchaft. Die hohen Würdenträger in ihren
ordenbeſäten Uniformen, die Damen in ihren koſtbaren
Toiletten vereinten ſich zu einem wunderbaren Bilde
von erleſener Schönheik im vornehmen Rahmen. Nach
der Vorſtellung begann der Tanz. Um Mitternacht
wurde das Souper an kleinen Tiſchen eingenommen.
Am Tiſch von Miß Hill, der zu Ehren das Feſt
ſtatt=
fand, ſaß Prinz Oskar von Preußen. Faſt alle
Mini=
ſter und Staatsſekretäre wohnten dem Feſt bei, in deſ.
ſen Verlauf auch der Kronprinz erſchien. — In der
vergangenen Nacht ſtatteten Einbrecher dem
Kon=
tor der Nutzholzhandlung von B., das ſich im
Hochpar=
terre des Hauſes Augsburger= und Joachimstaler
Straße 36 befindet, einen Beſuch ab, bei dem ſie aber
nür eine Schreibmaſchine und die Portokaſſe erbeuteten.
Die Portierfrau hatte an der Haustüre ein Plakat
an=
gebracht mit der unorthographiſchen Aufſchrift „
Zu=
ſchließen. Schließer deweckt‟. Den Einbrechern, tat
dieſe Schreibweiſe des ſchönen Fremdwortes „defekt
wehe; ehe ſie alſo an die „Arbeit” gingen, ſtrichen ſie
die Aufſchrift aus und ſchrieben entrüſtet darüber
„korrekt!” Dann öffneten ſie mittels Nachſchlüſſels die
Korridor= und Kontortüre und drangen bis zum
Geld=
ſchrank vor. Als dieſer ihren Bemühungen widerſtand,
riſſen ſie alle Pulte auf und begnügten ſich ſchließlich
mit einer Ideal=Schreibmaſchine 65 291 und der
Porto=
kaſſe.
Schwanheim a. M., 7. Febr. Der Delegiertentag
des zu Pfingſten hier aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums
des Geſangvereins „Konkordia” ſtattfindenden großen
Gefangswettſtreites findet am 13. März im Saale
des „Naſſauer Hofes” ſtatt. Der unter dem Protektorat
des Herrn Regierungspräſidenten Dr. von Meiſter ſtehende
Wettſtreit bringt an Preiſen über 3000 Mark in bar, einen
Kaiſerpreis, einen Preis der Großherzogin=Mutter von
Luxemburg, ſowie höchſt wertvolle Ehrenpreiſe zur
Ver=
teilung.
Plochingen, 7. Febr. Infolge des anhaltenden
Regens iſt der Neckar fortgeſetzt im Steigen
be=
griffen. Er führt ſchmutzig=gelbe Waſſermaſſen mit
ſich und es dürfte, obwohl weiteres Steigen zu erwarten
iſt, vorerſt ein Austritt noch nicht zu befürchten ſein.
Aus der Pſalz, 7. Febr. Infolge eines
Geſtänd=
niſſes einer in dem pfälziſchen Orte
Jakobswei=
ler verſtorbenen Frau wurden dort vier Arbeiter
unter dem Verdacht verhaftet, vor acht Jahren einen
bisher unaufgeklärten Mord an einem
Kur=
gaſt bei Wiesbaden verübt zu haben, wobei den
Mör=
dern 2800 Mark in die Hände fielen.
Köln, 6. Febr. Während der letzten Nacht fuhr
in=
folge falſcher Weichenlage der von Bonn kommende
Schnellzug bei der Station Rodenkirchen auf einen
Güterzug. Der Führer des Schnellzuges wurde
erheblich, einige Paſſagiere durch Glasſplitter leicht
verletzt.
Leipzig, 7. Febr. Der „Chemnitzer Allgemeinen
Zeitung” zufolge iſt in Dresden bei einer hochſtehenden
Perſönlichkeit ein Telegramm eingegangen, welches
be=
ſagt, daß die Hülle des ſeit Wochen vermißten
Bal=
lons „Luna” geborgen ſein ſoll, und zwar ſoll die
Hülle im nördlichen Teile Finnlands ohne Korb gebor=
gen worden ſein. Ueber das Schickſal des Führers des
Ballons, des Leutnants Richter vom 5. Sächſiſchen
In=
fanterie=Regiment Nr. 177, liegt keine Nachricht vor.
Erfurt, 7. Febr. Durch ein heftiges Großfeuer
wurde in Thal bei Ruhla die bedeutende Etui=Fabrik
Schenk u. Kirſchner mit allen Nebengebäuden
einge=
äſchert. Der Schaden iſt groß. Die Entſtehungsurſache
konnte noch nicht ermittelt werden.
Hamburg, 6. Febr. Ein ärztlicher
Kunſtfeh=
ler, der dem betreffenden Arzt eine Anklage wegen
fahrläſſiger Körperverletzung zugezogen
hat, beſchäftigte die hieſige zweite Strafkammer.
An=
geklagt iſt der praktiſche Arzt Dr. K., zu dem ſich im
Anfang vorigen Jahres eine Frau in Behandlung
be=
geben hatte, die an einem Augenleiden litt. Der
An=
geklagte wollte der Frau eine Atropiplöſung in das
kranke Auge träufeln, vergriff ſich aber in der Flaſche
ung nahm ſtatt deſſen Salpeterſäure. Als die Frau
furchtbar an zu ſchreien fing, merkte er ſeinen Irrtum
und ergriff die geeigneten Gegenmaßregeln, Trotzdem
iſt die Sehkraft des lädierten Auges ſtark
zurückgegan=
gen. Der Arzt erklärte in der Verhandlung, daß er
an dem betreffenden Tage einen Kollegen mit einer
großen Praxis habe vertreten müſſen, ſo daß er etwas
nervös geworden ſei. Nach der Abfertigung der
Pa=
tienten ſeines Kollegen ſei am Abend dann die Frau
n ihm gekommen, und er habe in der Eile nach der
Stelle gegriffen, wo ſonſt immer die Atropinflaſche zu
ſtehen pflegte. Seine Haushälterin müſſe jedenfalls
beim Aufräumen den Standort der Flaſchen
verwech=
ſelt haben. Die als Zeugin geladene Haushälterin gal
dieſe Möglichkeit auch zu. Der Angeklagte hat ſich
ver=
pflichtet, der verletzten Fran eine jährliche Rente von
1000 Mark bis zum 50. Lebensjahre und von da ab eine
lebenslängliche Rente von 850 Mark jährlich zu zahlen.
Der Verteidiger hob dieſes Moment hervor und plä
dierte für Freiſprechung, da ein entſchuldbares
Ver=
ſehen vorliege. Der Gerichtshof nahm eine fahrläſſige
Handlung des Angeklagten an und erkannte auf 300
Mark Geldſtrafe.
Aus Nordſchleswig, 6. Febr. Die Frage, ob
Her=
zog Ernſt Günther zu Schleswig=Holſtein=
Sonder=
burg=Auguſtenburg als Mitglied eines regieren
den Fürſtenhauſes anzuſehen ſei, beſchäftigte den
Kreis=
tag des Kreiſes Apenrade, in dem der Herzog
Liegen=
ſchaften beſitzt. Ein Hofbeſitzer in Gravenſtein hatte
gegen die Gültigkeit der Wahl im Wahlverband der
größeren Grundbeſitzer Einſpruch erhoben. Sei der
Herzog nicht als Mitglied eines regierenden
Fürſten=
hauſes anzuſehen, ſo müſſe die Wahl des deutſchen
Guts=
pächters Wohlers=Gravenſtein als ungültig erklärt
werden, da in dem Falle der Herzog zu Unrecht in die
Wählerliſte aufgenommen worden ſei. Der Kreistag
beſchloß einſtimmig, dem Einſpruch ſtattzugeben. Er
hat damit erklärt, daß nach ſeiner Anſicht der Herzog
nicht einem regierenden Fürſtenhauſe angehört.
Er=
langt die Entſcheidung Rechtskraft, ſo wird der Name
des Herzogs aus der Wählerliſte geſtrichen.
Wien, 6. Febr. In der Affäre Hofrichter
verlautet, es ſei wahrſcheinlich, daß eine Unterſuchung
des Geiſteszuſtandes des Angeklagten vorgenommen
wird. Die Gründe für dieſen Beſchluß werden nicht
angegeben.
Rom, 7. Febr. Ein Kinderſtreik iſt in der
kleinen Gemeinde Camburzano in der Provinz Biella
ausgebrochen. Der ſozialiſtiſche Gemeinderat des Ortes
war mit der Schulleiterin in Konflikt geraten und hatte
ihre Ausweiſung verfügt, aber die Lehrerin hatte ihre
Vorgeſetzten für ſich, die ihr ein gutes Zeugnis
aus=
ſtellten und weigerte ſich, zu gehen. Als ſie zur
ge=
vohnten Stunde ihrer Pflicht nachkommen wollte,
wandten ſich ihre Schüler mit einer Erklärung an den
Gemeinderat, worin ſie ihre Uebereinſtimmung mit
dem Beſchluß der Behörde ausdrückten und begannen
den Streik. Trotz der Anſtrengungen mancher
vernünf=
tiger Eltern haben ſie ſeit einem Monat die Schule
nicht mehr betreten.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— Die Meininger Hofkapelle, die bei ihrem
Wiedererſcheinen in Darmſtadt im vorigen Frühjahr
unter Profeſſor Wilhelm Berger einen ſo
ungewöhn=
lichen Erfolg hatte, wird, wie wir hören, auf ihrer
dies=
jährigen Tournée durch Süddeutſchland auch Darmſtadt
berühren und am 15. Februar hier ein Konzert geben
eine Nachricht, die von unſeren kunſtliebenden Kreiſen
mit großer Freude vernommen werden wird. Das
Programm des Abends enthält u. a. zwei Stücke, die
noch von Bülows Zeiten her Glanznummern der
Ka=
pelle geblieben ſind: Brahms D=dur=Symphonie Nr. 2
und Richard Strauß' Serenade für Blasinſtrumente in
Es-dur, Opus 7.
Die Ueberſchwemmung in Frankreich.
* Paris, 7. Febr. Die Loire und ihre
Neben=
flüſſe ſind infolge der Schneeſchmelze und der
ſtar=
ken Regengüſſe über die Ufer getreten. Mehrere
Ort=
ſchaften ſind bereits vom Hochwaſſer umgeben und
können ſich nur mit Mühe verproviantieren.
* Paris, 7. Febr. Dem „Petit Pariſien” zufolge
beträgt die Zahl der durch die Ueberſchwemmung
beſchäftigungslos gewordenen Arbeiter 110000. Davon
entfallen auf die Stadt Paris 25000 und 85000 auf die
Departements Seine, Seine et Marne und Seine et
Oiſe.
H.B. Paris, 7. Febr. „Echo de Paris” verſichert,
daß die Miniſter Briand und Cochery geſtern abend
den Umfang der Kredite feſtgeſetzt haben, welche noch
vom Parlament für die vom Hochwaſſer
Geſchädig=
ten gefordert werden ſollen. Es handelt ſich um die
Summe von 20 Millionen Francs. Dieſe
Summe ſoll nicht allein vom Staate getragen werden,
ſondern auch die Stadt Paris ſoll ihren Anteil hieran
haben. Von verſchiedenen Seiten wird berichtet, daß
die Grundlagen der Organiſation eines Handels=
und Induſtrie=Diſtriktes, wie er vom „Matin”
befür=
wortet worden iſt, keine Ausſicht auf Erfolg haben und in
der geſtrigen Beratung abgelehnt wurden. Ein
endgül=
tiger Beſchluß in dieſer Frage ſoll jedoch vom
Miniſter=
rat getroffen werden, der heute im Elyſee ſtattfindet.
* Paris, 7. Febr. Der Miniſterrat beſchloß, von
der Kammer einen Kredit von 20 Millionen
zur Unterſtützung der durch das Hochwaſſer
Geſchädig=
ten zu verlangen. Ferner nahm man den Entwurf
der Marinevorlage an, die demnächſt bei der Kammer
eingebracht wird.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Beröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Nachdem die Stadt Darmſtadt durch den Bau
des Schwimmbades unter Aufwendung
bedeu=
tender Koſten in den Beſitz eines wahren hygieniſchen
Kleinods gekommen iſt, deſſen Benutzung allen Kreiſen
der Bevölkerung zu jeder Jahreszeit nicht genug
empfohlen werden kann, ſcheint man jetzt die
Spar=
ſamkeitsbeſtrebungen, wohl mit Rückſicht auf die
ſtädti=
ſchen Finanzen, aber ſehr zu Unrecht, auch auf den
Betrieb des Schwimmbades für Männer übertragen
zu haben. Die Ueberzeugung von dem geſundheitlichen
Wert einer regelmäßigen Benutzung des
Schwimm=
bades dringt anſcheinend in immer weitere Kreiſe der
Bevölkerung. Zeitweiſe findet man in letzter
Zeit=
alle unteren Badezellen beſetzt. Das war auch am
vergangenen Freitag, abends zwiſchen 6 und 7 Uhr.
der Fall. Um keine Zeit zu verlieren, begab ich mich
mit einem anderen Abonnenten auf die Galerie, deren
Badezellen angeblich nur für Schüler und zur
Benutz=
ung an Volkstagen beſtimmt ſind. Sofort mußte
un=
angenehm auffallen, daß in allen oberen Zellen
Fuß=
matten fehlten und der innere Gang nicht mit einem
Läufer bedeckt war, die aber durchaus notwendig ſind,
weil der Boden nicht beſonders geheizt wird, wie es
im unteren Stock der Fall iſt. Aber auch die
Reinlich=
keit des Fußbodens ließ zu wünſchen übrig, denn
un=
ſere Fußſohlen waren auf dem kurzen Weg vom Bad
bis in die Zelle recht ſchmutzig geworden. Auf unſere
Frage nach dem Grund des Fehlens der Matten und
des Läufers wurde uns von der einen Seite die
Ant=
wort, ſie ſeien nicht in genügender Zahl vorhanden,
von der anderen, anſcheinend beſſer unterrichteten.
man halte ſie nicht für nötig, weil die oberen Zellen
doch nur für Schüler und die Badegäſte an Volkstagen
beſtimmt ſeien. Eine merkwürdige Auffaſſung
führ=
wahr! Als ob die Schüler und die Leute aus den
we=
niger bemittelten Volkskreiſen ein weniger
empfind=
liches Nervenſyſtem hätten! Gerade ihnen gegenüber
ſollte eine größere Rückſicht Platz greifen, denn der in
der Entwickelung begriffene Körper beſitzt, ebenſo wie
der Körper der an kühle Bäder nicht gewohnten
Ar=
beiter, weniger Widerſtandskraft gegen die
Einwirk=
ung größerer Temperaturunterſchiede. Für ſie tritt
die Gefahr des Verſagens des in der Haut liegenden
Wärmeregulierungsapparates und damit eine
Erkält=
ungskrankheit viel eher in greifbare Nähe. Die
billi=
geren Preiſe der Volksbäder dürfen keineswegs
da=
hin führen, den notwendigen Schutz gegen
Erkält=
ungen als entbehrlich anzuſehen. Hier Sparſamkeit
zu üben iſt unangebracht und bringt direkte Gefahren
für die Geſundheit.
Bei dieſer Gelegenheit möchte ich noch auf anderes
hinweiſen, das dringend der Abhilfe bedarf: Ich halte
es für äußerſt geſundheitsgefährdend, daß in den
Aborten des Schwimmbades für Männer jede Heizung
ehlt, da ſie, wie ich mich oft zu überzeugen
Gelegen=
heit hatte, faſt nur unmittelbar vor oder nach dem Bad
Kleines Feuilleton.
*⁎* „Weiberfaſtnacht‟ Einer der
wunder=
lichſten und luſtigſten Karnevalsbräuche iſt die „
Wei=
berfaſtnacht” die im ſüdlichen Elſaß und im
württem=
bergiſchen Zabergau alljährlich Jung und Alt im frohen
Faſchingstaumel mit ſich fortriß. Im elſäſſiſchen
Sund=
gau führte der Faſtnachtsmontag den Namen Hirztag,
von „Hirzen”, zechen. Das war der Tag der Frauen
und Jungfrauen, denn ſie allein hatten dann das Recht,
die Wirtshäuſer zu beſuchen. Die Männer mußten zu
Hauſe bleiben, ja durften ſich nicht einmal an den
Fen=
ſtern zeigen. Wagte es einer, dieſem Verbote zu trotzen
ſo fielen die Angehörigen des weiblichen Geſchlechts
über ihn her und pfändeten ihm Hut oder Mütze, die
er nur gegen einige Schoppen Wein einlöſen konnte
Die Weiber kamen, zum größten Teile maskiert, auf
dem Marktplatz zuſammen und brachten Lebensmittel,
wie Braten, Kuchen uſw. mit. Aus dem
Gemeinde=
keller erhielten ſie dann zwei Faß Wein, luden dieſe
auf ein drollig aufgeputztes und mit Schellen
behange=
nes Pferd, welches ein vermummtes Weib führte. Jeder
Wirt und Bäcker mußte ihnen einen Laib Brot liefern
und die Gemeindekaſſe ſpendete ihnen 12 Schillinge, die
zum Ankaufe eines Bockes verwandt wurden, der
eben=
falls aufgeputzt wurde. Das Pferd mit dem Wein und
den Bock in der Mitte zogen nun die Weiblein die
Dorfſtraße entlang. Jeder, der des Weges kam, wurde
gezwungen, um den Bock zu tanzen. Ein ſolennes
Zechgelage ſchloß die Feier. Im Münſtertale, wo die
Sitte ebenfalls beſtanden hatte, wurde ſie bereits im
Jahre 1681 abgeſchafft. Auch in anderen Teilen des
Elſaß ſcheint eine ähnliche „Weiberherrſchaft” am
Faſt=
nachtsmontag üblich geweſen zu ſein, wie aus einer
Stelle aus Moſcheroſchs „Philander von Sittewald‟
hervorzugehen ſcheint, die lautet: „Vor Zeiten. als die
Weiber Meiſter waren, trug man krumme Hörner an
den Schuhen, vornen it Knöpfen geziert, deſſen
uns das liebliche Küchenliedchen noch jährlich erinnert:
„Spitze Schuh und Knöpflein dran, ¾ Die Frau iſt
Meiſter und nicht der Mann!”. Dieſe elſäſſiſchen
„Weibertage” hatten ein Gegenſtück in der Weiberzeche
des Zabergaus im Württembergiſchen. Bald nach
Neu=
jahr wurden in jeder Gemeinde einige Frauen gewählt,
welche von dem Ortsſchulzen die Erlaubnis erbaten,
zur Faſtnacht die „Weiberzeche” abhalten zu dürfen.
Dieſe Erlaubnis wurde erteilt. Und ſo kamen die
Frauen ſchon früh morgens an Faſtnacht auf dem
Rat=
hauſe zuſammen und hielten — und das war das
Er=
freuliche an der Sache — Gericht über ſich ſelbſt und
ihre Tätigkeit im verfloſſenen Jahre, wobei dann alle
vorgekommenen Ordnungswidrigkeiten in Küche und
Haus zur Verhandlung gebracht und die ſchuldig
be=
fundenen Frauen entſprechend verurteilt wurden. Die
Urteile waren manchmal recht hart. Wer z. B. der
Un=
ſauberkeit bezichtigt wurde, mußte Kinder oder
Küchen=
geſchirr vor den Richterinnen im Rathaus reinigen
Widerſetzlichkeiten gab es nicht, da ſie die Uebeltäterin
aus der Ortsgemeinſchaft würden ausgeſchloſſen haben.
Nach der ernſten Sitzung aber begann der Feſtſchmaus.
Bürgermeiſter und Schulteiß fungierten als Kellner
waren ſtreng ausge=
Die übrigen „Mannsbilder
ſchloſſen. Es war jedermann ſtreng unterſagt, über
das, was bei dieſen Zuſammenkünften geſchah, etwas
zu verraten. Wenn man trotzdem der Veranſtaltung
den Namen „Weiberzeche” beilegte, ſo ſcheint das
Ver=
bot nicht genau befolgt worden zu ſein. Einige
Chro=
niſten behaupten ſogar ganz beſtimmt, daß man ſich
nach der Gerichtsverhandlung fleißig einſchenken ließ,
und daß manche Frauen gar weidlich gezecht hätten.
Unter dem Rathauſe fanden ſich Muſikanten ein, die
muſizierten und dafür bewirtet wurden. Das Geſchrei
und Gekreiſch ſoll oft nicht gering geweſen ſein und
ſo=
gar die Muſik übertönt haben. Vor Anbruch der Nacht
nach Hauſe zu gehen, war ſtreng verboten, aber um den
grollenden Ehemann zu beſänftigen, erhielt jede der
Teilnehmerinnen noch einen Krug Wein, den ſie mit
nach Hauſe nahm. Dieſe „Weiberfaſtnachten” ſind
offen=
bar römiſchen Urſprungs und ſtehen zu den Myſterien
der Ceres in Beziehung. Bei den in Rom zu Ehren
der Ceres veranſtalteten Feſtlichkeiten durfte nämlich
ebenfalls kein Mann zugegen ſein, und in dem
würt=
tembergiſchen Orte Ochſenbach bei Guglingen nannte
man die Weiberfaſtnacht das Feſt der „Bonnen Deen”,
was offenbar von dem Ehrennamen der Ceres „bona
dea” hergeleitet iſt.
* In einer Truhe gefangen. Die beiden
9 und 11 Jahre alten Knaben Maſchke und Wiehe wurden
ſeit Samstag nachmittag in Potsdam vermißt. Als man
ſpät abends zu einer alten Truhe auf dem Hofe des
Pa=
laſtes Barberini kam, entdeckte man in ihr die beiden
Knaben vollſtändig ermattet und ohne Lebenszeichen. Sie
hatten am Nachmittag mit der Truhe „Arche Noah”
ge=
ſpielt und waren hineingekrochen, der Deckel ſchnappte ins
Schloß und die Kleinen waren hilflos eingeſchloſſen. Sie
verloren ſchließlich das Bewußtſein und brachten ſo ſechs
Stunden in ihrem Gefängnis zu. Endlich kam man auf
den Gedanken, daß die Kinder in der rieſigen Truhe ſtecken
könnten, und ließ dieſe von einem Feuerwehrmann
auf=
brechen.
* Unſer Storch in Afrika. Bisher hat man
angenommen, daß die europäiſchen Störche in Nordafrika
überwintern. Neue Verſuche in Deutſchland und Ungarn
aber haben bewieſen, daß einige Störche bis nach
Süd=
afrika auswandern. Das Zentralbureau für
Ornitholo=
gie in Budapeſt hat jetzt wieder einen Bericht erhalten, daſ
vier mit Ringen bezeichnete Störche in Transvaal und
den benachbarten Ländern aufgefunden wurden. Die
Ent=
fernung von Ungarn bis dahin beträgt rund 8850
Kilo=
meter.
benutzt werden. Beſonders kalt iſt der Abort an der
Nordſeite. An einem freien Schultag hatte ich kürzlich
Gelegenheit, eine größere Anzahl älterer Schüler beim
Tauchen nach in das Waſſer geworfenen Gegenſtänden
zu beobachten. Dieſe Beſchäftigung hatten ſie aber
ſchon ſo intenſiv und ſo lange getrieben, daß ſie beim
Aufenthalt außerhalb des Waſſers am ganzen
Kör=
per ſchlotterten und zitterten. Nach Ausſage der
Auf=
ſeher trieben ſie ihr Spiel ſchon länger als eine
Stunde. Eltern und Lehrer muß man auf ſolch
un=
inniges Verhalten aufmerkſam machen und
den Aufſetern die Befugnis erteilen, ein allzu langes
Verbleiben im Waſſer zu verhindern. Ein kaltes Bad,
bei dem durch die Bewegung des Körpers die verloren
gehende Körperwärme wieder erſetzt wird, ſollte nicht
länger als 5—10 Minuten dauern. Zum Schluß ſollte
jeder die kalte Brauſe benutzen, den Körper raſch
ab=
trocknen, unverzüglich ſich anziehen, um entweder
einen längeren Spaziergang von nicht zu langſamer
Gangart anzuſchließen, oder ſofort auf dem kürzeſten
Wege die Wohnung aufzuſuchen. Vielfach beobachtet
man, daß nach dem Bad in den Räumen des
Schwimm=
bades die auf das kalte Bad notwendig folgende
Reak=
tion der Haut und die Erweiterung der Hautgefäße
mit ihrem ſo wohltuenden Wärmegefühl unter dem
Badetuch abgewartet wird. Ich halte dies für
ver=
kehrt, da dann im Freien die Haut unter Umſtänden
momentan eine zu große Wärmemenge abgibt und
daraus nur zu leicht Erkältungskrankheiten entſtehen,
zumal bei Leuten, deren Haut wegen des ſeltenen
Ge=
brauchs eines kalten Bades nicht eingeübt iſt, auf einen
abnormen Kältereiz entſprechend zu reagieren. .. .t.
— Wohl nur, um der Faſchingsſtimmung Rechnung
zu tragen, iſt eine von einem rheinheſſiſchen
Unter=
erheber an die Zweite Kammer gerichtete Vorſtellung
den Mitgliedern des hohen Hauſes als Druckſache
— Nr. 338 — mitgeteilt worden. Der Verfaſſer
befür=
wortet die Beibehaltung der ſtaatlichen
Untererheb=
ſtellen und empfiehlt ſich am Schluſſe ſeiner
Ausfüh=
rungen, die er „Hochachtungsvoll dankend mit aller
Ergebenheit” zeichnet, als Gemeinde=Einnehmer, „
vor=
ausgeſetzt, daß der derzeitige Einnehmer nicht mehr
verwalten wollte oder könnte‟
Zur Begründung ſeiner Anſicht führt er u. a. aus,
„daß bei den Untererhebſtellen die Leute den ganzen
Monat über 25 Tage lang bezahlten” und daß, wenn
einmal der Tag bekannt gemacht worden ſei, „wo die
Bezirkskaſſe in einer Gemeinde heben wolle, erhoben
würde, ob jetzt Geld da ſei oder nicht” Auch die
„Polizeikontrolle übten die Untererheber gewiſſermaßen
in der Gemeinde aus” ſo habe er während ſeiner
Dienſtzeit ſchon „5 Hunde zur Anzeige gebracht, welche
dann nachher die üblichen Strafen nebſt Koſten und den
ſeſtgeſetzten Steuerfuß hätten zahlen müſſen” uſw. uſw.
Bedenkt man, daß dieſe Druckſache etwa 40 Mart
Koſten verurſacht haben wird, und daß öfters ſolche
humoriſtiſch wirkende Vorſtellungen dem Druck
über=
geben werden, die dann namentlich auf den einzelnen
Bureaus mit vielem Eifer und Vergnügen geleſen
werden, ſo iſt doch wohl die Frage berechtigt, warum die
Kammer bei ihrem geräuſchvollen Rufen nach
Spar=
ſamkeit nicht ſelbſt mit gutem Beiſpiel voran geht und
von der Drucklegung ſolcher Elaborate Abſtand nimmt!
Vermiſchtes.
— Eine Königin im Dienſte der
Nächſten=
liebe. Wie der „N. G. C.‟ aus Bukareſt gemeldet
wird, hat der rumäniſche Staat ſoeben den Ankauf der
„Vatra Luminuoſa” beſchloſſen, des bekannten
Blin=
denaſyls, das ſein Entſtehen der Königin Eliſabeth
von Rumänien verdankt und zu den Lieblingswerken
der Königin gehört. Die Königin hat ſich dieſes Unter
nehmens ſtets mit außerordentlicher Hingebung
ange=
nommen und kann auf den Erfolg mit berechtigtem
Stolze zurückblicken. Ihr iſt es zu verdanken, daß für
das Aſyl ſehr beträchtliche Summen zuſammengefloſſen
ſind. Allein die deutſchen Sammlungen ergaben einen
Ertrag von einer Million Franken. Der König von
Rumänien hat das Blindenaſyl durch eine großartige
Spende von einer halben Million Franken unterſtützt,
ſo daß es finanziell vollkommen geſichert worden iſt, die
privaten Sammlungen abgeſchloſſen werden durften und
der rumäniſche Staat ſich nunmehr entſchließen konnte,
die weitere Sorge für die Erhaltung des Werkes auf
ſeine eigenen Schultern zu nehmen.
Werden ſich die Chineſen das
Opiumrauchen abgewöhnen? Die
Gedanken=
verbindung zwiſchen China und Opium iſt durch die
Ge=
ſchichte und die Literatur von Jahrzehnten faſt
unauflös=
lich geworden. Nun ſollte aber endlich das 20.
Jahrhun=
dert eine ſtrenge Unterdrückung des Opiumlaſters in China
bringen, was für das gewaltige Reich ohne Zweifel einen
Fortſchritt von ungeheurer Tragweite bedeuten würde.
Kenner des Landes und Volkes haben aber der Ernſthaftig
keit und der Wirkſamkeit dieſer Beſtrebungen kein beſonders
großes Vertrauen entgegengebracht, und was man ſeit den
Erſten Nachrichten über den Erfolg des Kampfes gegen das
Opium in China gehört hat, läßt dieſen Peſſimismus
ge=
rechtfertigt erſcheinen. Eine neue Beſtätigung dafür liefert
ein Bericht des „Lancet‟=Korreſpondenten aus Peking. Es
heißt darin, daß die Nachfrage nach Opium wenigſtens in
manchen Teilen des Reiches genau ſo groß iſt wie zuvor.
In Schantung aber hat neuerdings ſogar eine große
Zu=
nahme der Opiumeinfuhr ſtattgefunden, ſo daß die Zollbe
hörde von Kiautſchou einmal ein Exempel aufſtellen wollte
indem ſie 40 Kiſten beſchlagnahmte und ihre Beſitzer ins
Gefängnis ſteckte. Alsbald hat ſich aber eine Rechtsfrage
daraus entwickelt, ob ein ſolches Vorgehen mit den
Ver=
trägen und Geſetzen vereinbar iſt. In Peking ſelbſt, dem
Ausgangspunkt der opiumfeindlichen Erlaſſe, ſcheint das
Laſter auch nur aus der Oeffentlichkeit in die Heimlichkeit
übergegangen zu ſein. Solange ſcharfe Unterſuchungen
ſtattfanden, trat namentlich bei den Beamten eine
Unter=
brechung im Opiumgenuß ein, aber ſpäter wurde er eben
wieder aufgenommen. Die alleinige Ausnahme davon
ſcheinen die Offiziere der Armee zu machen. Sonſt blüht
der Handel mit Opium und Opiumpfeifen auch in Peking
nach wie vor, wenn er auch jetzt mehr geheim betrieben
wird.
Literariſches.
Griebens Reiſeführer.
Band 87:
Monte Carlo und Nizza. 1,50 Mk. Verlag von
Albert Goldſchmidt in Berlin W. — Mit dem Beginn
der Reiſezeit nach dem Süden, der Saiſon der Riviera,
iſt eine Neuauflage von „Monte Carlo und Nizza”, in
praktiſcher Anordnung, mit reichhaltigem Text,
erſchie=
nen. Das Bändchen iſt von einem trefflichen Kenner
des Landes verfaßt. Hotels, Reſtaurants, möblierte
Zimmer und Wohnungen ſind in überſichtlicher
Weiſ=
geordnet, ſo daß jeder mit Leichtigkeit das gerade für
ihn Paſſende herausfindet. Ebenſo muſtergültig iſt das
Verkehrsweſen” behandelt. Dem Führer iſt ein ſach=
gemäß bearbeitetes Kartenmaterial beigegeben, der
frühere Plan von Monte Carlo=Condamine=Monaco
iſt durch einen Neuſtich in größerem Maßſtabe erſetzt
worden.
* Neu erſchienene Broſchüren:
Journa=
liſten= und Schriftſtellerverein „Concordia”. 1859—1909.
Eine Feſtſchrift. I. Werden und Walten der „
Concor=
dia” von Julius Stern. II. Die ſoziale Arbeit der
„Concordig” von Dr. Sigmund Ehrlich. Wien, 1909.
Verlag des Journaliſten= und Schriftſtellervereins
„Concordia‟. Druck von Chriſtoph Reißers Söhnen.
Wien V.
Wie erhält man ſeine Augen geſund und
leiſtungsfähig? Von Dr. med. E. Praun, Augenarzt
und Beſitzer der früher Geh. Rat Weberſchen
Augen=
klinik, ord. Arzt der Augenabteilung des
Diakoniſſen=
hauſes Eliſabethenſtift in Darmſtadt. Vierte Auflage.
23.—25. Tauſend. Darmſtadt, Verlag von Johs. Waitz,
1910. — Unſere Nerven. Ein Buch über Glück und
Geſundheit. Von Frode Sadolin. Aus dem Däniſchen.
Preis 1 Mk. 80 Pfg. Kommiſſionsverlag von Rudolph
Hartmann in Leipzig.
Beinleiden, Krampfadern,
Unterſchenkelgeſchwüre (offene Beine, Kindsbeine,
Bein=
ſchäden, trockene Flechte, Salzfluß), ihr Weſen, ihre
Ur=
ſachen, Erſcheinungen, Verhütung und naturgemäße
Behandlung. Nach dem neueſten wiſſenſchaftlichen
Standpunkte, ſowie nach eigenen reichen Erfahrungen
dargeſtellt von Dr. med. Kühner (60 Pfg.). Leipzig,
Hof=
verlagsbuchhandlung Edmund Demme.
Die
Wahl=
rechtsänderung in Hamburg und der Liberalismus, nebſt
einem Abdruck des hamburgiſchen Wahlgeſetzes vom
5. März 1906 und der Abänderungen desſelben vom
11. Februar 1907 und 25. Januar 1909. Von Dr. Julius
Goldfeld. Hamburg, Otto Meißners Verlag, 1909.
L. Gengnagel. Reform des evangeliſchen
Religions=
unterrichts. Verlag von Fr. Zilleſſen, Berlin C., 19.
Preis 40 Pfg. — Auf alten und neuen Alpenbahnen.
Eine techniſche Reiſeplauderei in Briefen von D. Kauth,
Diplom=Ingenieur und Dozent an der
Gewerbe=
akademie zu Friedberg in Heſſen. Druck und Verlag
von Karl Damm, Friedberg i. Heſſen. — Verhandlungen
des erſten deutſchen Jugendgerichtstages vom 15. bis 17.
März 1909. Herausgegeben von der Deutſchen Zentrale
für Jugendfürſorge. (IV und 154 S.) gr. 8. 1908.
Steif geheftet 2.80 Mark. Verlag von B. G. Teubner in
Leipzig und Berlin.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 7. Febr. Die „Nordd. Allg. Ztg.” ſchreibt:
Das Geſetz betreffend die Handelsbeziehungen
zu den Vereinigten Staaten von Amerika,
das der Reichstag am Samstag ohne Debatte in drei
Leſungen angenommen hat, wird heute im
Reichsgeſetz=
blatt veröffentlicht. Im Anſchluß daran iſt eine
Bekannt=
machung des Reichskanzlers erſchienen, wonach der
Bun=
desrat beſchloſſen hat, daß auf die Erzeugniſſe der
Ver=
einigten Staaten vom 8. Februar ab die in den geltenden
Handelsverträgen zugeſtandenen Zollſätze anzuwenden
ſind. Es iſt zu erwarten, daß heute auch der Präſident
Taft eine Proklamation erläßt, welche den deutſchen
Er=
zeugniſſen die Verzollung nach den Sätzen des
amerika=
niſchen Minimaltarifs ſichert. Der Handelsverkehr
zwi=
ſchen beiden Ländern wird ſich ſomit bis auf weiteres auf
der Grundlage vollziehen, daß ſie ſich gegenſeitig autonom
als meiſtbegünſtigt behandeln.
* Ruhla, 7. Febr. In dem benachbarten Ort Thal
iſt in der vergangenen Nacht die Etuifabrik von Schenk
und Kürſchner vollſtändig durch Feuer
einge=
äſchert worden.
* Chemnitz, 7. Febr. Nach einer Meldung der
„Chemnitzer Allgemeinen Zeitung” wurde die Hülle des
ſeit Wochen vermißten Ballons „Luna” im nördlichen
Finnland ohne Korb aufgefunden, über das
Schickſal des Führers, Leutnant Richter, liegt keine
Nachricht vor.
* Kirbach (Sachſen), 7. Febr. Die hieſige Tuchfabrik
von Otto Roßler iſt heute früh vollſtändig
nieder=
gebrannt.
* Paris, 7. Febr. Nach einer nach Breſt gelangten
Meldung ſind 50 Mann der Beſatzung des kleinen
Kreuzers „Friart” vom Marokkogeſchwader nach dem
Genuß verdorbener Fleiſchkonſerven ernſtlich erkrankt,
doch kam bis jetzt kein Todesfall vor.
* Beauvais (Frankreich), 7. Febr. Das im hieſigen
Hauptpoſtbureau ausgebrochene Feuer zerſtörte die
geſamte Telephonanlage.
* London, 7. Febr. Der ſchwediſche Gelehrte Dr.
Ekenberg, der des verſuchten Mordes durch
Ab=
ſendung von Bomben mit der Poſt an verſchiedene
Perſonen in Schweden beſchuldigt wurde, iſt in der
vergangenen Nacht an einem Schlaganfall geſtorben.
* Konſtantinopel, 7. Febr. Die Blätter melden,
daß der Miniſterrat das Programm für die
Schiffsbauten genehmigte. Danach ſollen
im Verlaufe von 10 Jahren insgeſamt 5 Millionen
Pfund auf Schiffsbauten verwandt werden; unter
an=
derem ſind zwei Dreadnoughts und zwei
Panzer=
kreuzer vorgeſehen.
H. B. Straßburg i. E., 7. Febr. Das Verhältnis des
demokratiſchen Abgeordneten Blumenthal zu der
liberalen Partei ſcheint nach einem geſtern
ge=
faßten Beſchluß der liberalen Landespartei endgültig
gelöſt. Der Parteivorſtand des liberalen
Landesaus=
ſchuſſes erklärte ein Verbleiben Blumenthals in der
Partei für unmöglich angeſichts des gebotenen Kampfes
gegen das Zentrum. Blumenthal hat bekanntlich bei
der Etatdebatte in der Kompetenzfrage eine für das
Zentrum wohlwollende Neutralität eingenommen. Die
Mitglieder des Landesausſchuſſes beabſichtigen, in der
Verfaſſungsfrage eine gemeinſame Aktion dahin
einzu=
leiten, daß ſie durch eine Denkſchrift die Mitglieder der
ſüddeutſchen Parlamente und dieſe ihre Regierungen
auffordern, im Bundesrat für die Verleihung der
Auto=
nomie und des allgemeinen Wahlrechtes tätig zu ſein.
H. B. Breslau, 7. Febr. Die hieſigen
Sozialdemo=
kraten veranſtalteten geſtern nachmittag eine große
Wahlrechtsdemonſtration. Es kam mehrfach
zu Zuſammenſtößen mit der Polizei, die in
verſchiedenen Straßen poſtiert war. Man hörte Rufe
auf das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht. Es
gelang der Schutzmannſchaft, die vielen Tauſende von
Demonſtranten vom Ringe ganz fernzuhalten. Auf den
in den Ring einmündenden Hauptſtraßen der Stadt
aber herrſchte ein ſolches Gedränge, daß der
Wagen=
verkehr völlig ſtockte und die Straßenbahn nicht mehr
zu fahren vermochte. Die Polizei ſah ſich zur
Auf=
rechterhaltung der Ordnung ſchließlich genötigt, die
Volksmenge nach den Seitenſtraßen zu zerſtreuen. Die
Schutzmannſchaft (berittene) ſprengte in die dichten
Volksmengen hinein und machte ſchließlich, als die
Zer=
ſtreuung der Maſſen nicht gelang, von der flachen
Klinge Gebrauch. Eine große Anzahl Leute wurde
verletzt, jedoch wird nur von einem Schwerverletzten
berichtet. Verhaftet wurden 21 Perſonen.
In Schluseltus
AufButterbrot eine appetitreizende Dilicateſſe.
„Auf dem ſächſiſchen Kreistage”, ſo berichtet der
„Dresdener Anzeiger”, „hat der Dresdner
Oberbürger=
meiſter Beutler in der Diskuſſion über die Städtiſchen
Elektrizitätswerke mitgeteilt, daß die Osram=Lampe in
Dresden in ſolchem Umfange eingeführt worden ſei, daß
das Städtiſche Elektrizitätswerk Dresden infolge von
Stromerſparnis bei den Konſumenten einen
Jahres=
ausfall von 240000 Mk. an elektriſchem Strom erfahren
hat. Dieſen Ausfall können die Elektrizitätswerke jedoch
durch die infolge der Stromerſparnis ermöglichte
Aus=
dehnung der Anſchlüſſe und Einführung der hochkerzigen
Intenſiv=Osram=Lampen leicht wieder einbringen. (3082)
25
Geenee ee e en een e eie
Seee , enenene ee eeatcche
Lupelen 2. A. Stürzer Nacht.
35
Schützenstrasse.
in grösster Auswahl
Sen e eeen Seer
eecen
Seeneen een een ecen
Ze
Mallle
J
35
e
pr. Stück 20 Pfg. (5 Stück
Marke-„Faustring 9s eta) angetenigt oae
demWrspfüngl. Herept vom langjähr. Fabrikanten dor
enenee heennenet e enhanternennn
as teure Rindfleiſch, das man bisher zur Bouillon
auskochte, verwende man lieber zum Braten und
als Saucenfleiſch, denn gute Fleiſchbrühe kann man
heute ohne Fleiſch — bequemer und billiger — aus
Maggis Bouillon=Würfeln zu 5 Pf. bereiten. Sie ſind
mit beſtem Fleiſchextrakt hergeſtellt, enthalten auch bereits
die nötigen Gemüſeauszüge, Kochſalz und Gewürz, und
geben — nur durch Uebergießen mit kochendem Waſſer —
augenblicklich delikate, gebrauchsfertige Fleiſchbrühe, zu
Trink= oder Kochzwecken. Ein Verſuch führt zu
dauern=
der Verwendung. Man achte aber beim Einkauf ſtets
auf den Namen „Maggi” und die Schutzmarke „
Kreuz=
ſtern”.
(K3100, 17
Onder Sastilten.
Hegen.
Jtudten „Kleiherkeib.
271M
Familiennachrichten.
Statt Karten.
(*3102
Settchen Wartensieben
Edermann Msochster
VERLOBTE.
Ober-Ramstadt
Darmstadt
Statt Karten.
(B3104
Marla Rettig
Heinrich Beck
Erbach i. O.
Darmstadt
im Februar 1910.
Durch die glückliche Geburt eines
strammen Stammhalters wurden
hoch-
erfreut
(3105
Heinrich Brinkmann u. Frau
Sophie, geb. Goldmann.
Mühlhausen i. Thür., 5. Februar 1910.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben Gatten, unſeres
Vaters, Bruders, Schwiegerſohnes, Schwagers
und Onkels
(3083
Herrn Jdkop Sduter
Werkführer
ſprechen wir hiermit unſeren herzlichen Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 7. Februar 1910.
Todes-Anzeige.
Heute früh um 9 Uhr verſchied plötzlich
unſer innigſtgeliebter treuer Sohn u. Bruder
Herr Max Edeimann
Diplomingenieur
im Alter von 32 Jahren.
(B3075
Um ſtille Teilnahme bitten
Max Edelmann
und Frau Bertha, geb. Welcker,
nebst Familie.
Brüſſel-Koekelberg, 2. Febr. 1910.
4, Avenue du panthéon.
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr: „Die Fledermaus”.
Karneval à la Köln um 7 Uhr im Saalbau.
Kappenabend des Katholikenvereins um 8 Uhr im
„Konkordiaſaal”.
Kappenabend des Kath. Lehrlingsvereins um 8.11 Uhr
im Geſellenhaus.
Maskenredoute um 8.11 Uhr im „Mathildenhöhſaal”
Maskenball um 8.11 Uhr im „Schützenhof”
Närriſche Luftſchiff=Ausſtellung um 4.11 Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.
Karnevaliſtiſche Konzerte: 4.11 Uhr im Britannia=
Hotel. — 6.11 Uhr im Hotel Heß. — 4 Uhr in der
Reſtauration „Zur Oper”
— 4 Uhr in der „Stadt
Pfungſtadt‟. — 4 Uhr im „Heſſenbräu”
Im „Kaiſer=
Im „Schützenhof”
In Erkers
ſaal=Fürſtenſaal”
Brauerei. — 5 Uhr im „Heſſiſchen Hof‟. — 8½ Uhr
Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Heute verſchied plötzlich unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin
und Tante
(B3078
Frau
Eisabethe Wenchel Wue.
im 73. Lebensjahre.
Darmſtadt, den 6. Februar 1910.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet ſtatt: Mittwoch, den
9. I. Mts., vormittags 11½ Uhr, vom
Ein=
gange des Beſſunger Friedhofes aus.
Kondolenzbeſuche und Blumenſpenden dankend
abgelehnt.
im Hotel „Zur Traube‟. — 4 Uhr in der „Alten Poſt”.
— Im Reſtaurant Sitte. — Auf Hugenſchütz”
Felſen=
keller.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Reſtaurant „Metropol”.
Konzert um 5 Uhr im „Kölniſchen Hof”
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4½—11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (die Riviera)
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 9. Februar.
Hofreite=Verſteigerung der Friedrich Fey Witwe
(Grafenſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 10 Uhr in der
„Ludwigshalle‟.
Holzverſteigerung um ½9 Uhr bei Wirt Brücher
zu Arheilgen.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Mitteilung, daß es Gott dem
All=
mächtigen gefallen hat, unſeren lieben Gatten
und Vater, den
(3088
Großherzogl. Hofſtallportier i. P.
Kuno Nees
nach längerem Leiden zu ſich zu rufen.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 6. Februar 1910.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 8. d. M.,
nachmittags 2½ Uhr, vom Portale des
Darm=
ſtädter Friedhofes aus, ſtatt.
Holzverſteigerung um 9 Uhr in der Güntherſchen
Gaſtwirtſchaft zu Roßdorf.
Stammholz=Verſteigerung um 9 Uhr im
Pfung=
ſtädter Gemeindewald; Zuſammenkunft an der
Sand=
ſchollenſchneiſe am Eingang des Waldes.
Kunſtverein. Täglich geöffnet von 11—1 Uhr,
Sonntags von 10—1 Uhr, Mittwochs von 2—4 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldarßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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oder Offiziere abgeben wollen. Möbel nur
zum Teil erforderlich. Offerten unter K50
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„ „ Kautzsch, Bleichſtr. 32,
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Dienstag, abends 8½ Uhr: Monatliche
Mitgliederverſammlung und
Kreppel=
abend.
Mittwoch, abends 8½ Uhr: Freie
Ver=
einigung.
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde
im Vereinshaus.
Freitag, abds. 8½ Uhr: Freie Vereinigung.
Samstag, abds. 9 Uhr: Gebetsſtunde.
Kurſe vom 7. Februar 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
In Proz.
Bf. Staatspapiere.
4 Dſche. Reichsſchatzanw, 100,70
3½ Deutſche Reichsanl. 94,10
85,20
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,70
3½ do. Conſols . . . . 94,10
85,20
8 do. do.
102,00
A4 Bad. Staatsanleihe
94,20
do.
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanl . 102,30
93,50
do.
3½
84,00
do.
B
4 Hamburger Staarsanl. 102,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . 102,00
93,30
do.
3½
81,90
do.
3
3
Sächſiſche Rente . . . 85,00
4 Württemberger v. 1907 101,75
93,80
do.
B½
Bulgaren=Tabak=Anl. 101,30
Griechen v. 1887 . . 46,70
3¾ Italiener Rente . . . 104,70
A½ Oeſterr. Silberrente . 99,10
do. Goldrente . . 99,90
4
do. einheitl. Rente. 95,30
3 Portug. unif. Serie I 64,40
do. unif. Ser. III
8
Spezial . 12,50
do.
5 Rumänier v. 1903 . . 102,30
p. 1890 . . 95,00
do.
4
v. 1905 . . 91,30
do.
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 91,70
InProz.
Zt.
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 91,10
do. v. 1905 . . . . 100,00
-
Schweden . . . . . .
-
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 88,50
4 do. unifiz. v. 1903 94,40
4 Ungar. Goldrente . . 95,90
do. Staatsrente . 92,75
5 Argentinier . . . . . . 101,00
do.
91,70
4½ Chile Gold=Anleihe
92,50
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,75
41
100,00
do.
4½ Japaner
Innere Mexikaner . . 101,30
5
do.
Gold=Mexikan. v. 1904 95,90
5 Gold=Mexikaner . . . 102,75
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt .
. . . . . 135,00
4 Nordd. Lloyd . . . . 102,40.
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 121,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 600
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 114,90
4 Gotthardbahn . . . . .
In Proz.
81.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 161,30
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 23,10
4 Pennſylvania R. R. 132,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 195,00
Werger=Brauerei ..
83,00
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 432,50
Fabrik Griesheim . . . . 270,00
Farbwerk Höchſt . . . . . 447,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . . . . 330,00
Lahmeyer . . . . . . . . . 107,40
Schuckert . . . . . . . . . 136,90
Siemens & Halske . . . 237,80
Adlerfahrradwerke Kleyer 376,50
Bochumer Bb. u. Guß . . 247,20
Gelſenkirchen . . . . . . . 218,90
Harpener . . . . . . . . . 208,60
Phönix, Bergb. u.
Hütten=
betrieb . . . . . . . . . 221,40
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ..
Pfälzer Prt. . . . . . 101,20
do.
93,60
Eliſabeth., ſteuerpfl. . —
1
ſteuerfrei . —
do.
Oeſterr. Staatsbahn. 106,20
do.
99,60
alte
do.
5 Oeſterr. Südbahn . . 102,90
do.
85,40
do.
59,40
Raab=Oedenburger . . 77,10
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 88,20
4 Kronpr. Rudolfbahn . 99,80
In Proz.
St.
2¾/0 Livorneſer . . . . . . 76,20
4 Miſſouri=Pacific . .
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,20
5 Anatoliſche Eiſenb. . . —
5 Tehuantepec . . . . . 102,90
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 182,80
Darmſtädter Bank . . 137,80
4 Deutſche Bank . . . . 258,30
4 Deutſche Vereinsbank 128,80
Diskonto=Geſellſchaft . 195,80
4 Dresdner Bank . . . . 164,70
4 Mitteldent. Kreditbk. 120,60
Nationalbk. f. Deutſchl. 130,40
Pfälzer Bank . . . . . 100,90
4 Reichsbank . . . . . . 150,00
Rhein. Kredit=Bank 136,75
64
Wiener Bank=Verein 139,70
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,50
3½
do. S. 19. . . . . 92,80
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 99,60
Hamb.=Hypoth.=Bank 101,00
do.
3½
91,50
Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
a
do.
3½
92,60
4 Meming. Hyp.=Bank 101,00
do.
31
91,60
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,20
do. (unk. 1914) 92,00
3½
4 Sädd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,40
3½
da.
93,60
InProz.
Sf.
Städte=
Obligationen
1 Darmſtadt . . . . . . 101,00
3½ do.
Frankfurt . . . . . . . 101,20
96,00
3½ do.
4
Gießen . . . . . . . . 101,00
do.
3½
Heidelberg . . . . . . 100,50
92,00
31
do.
Karlsruhe . . . . . . 100,80
3½
do.
92,00
Magdebug. . . . . . —
—
3½ do.
4 Mains . . . . . . . . 101,00
3½ ds.
Mannheiss . . . . . . 101,00
½ do.
92,20
München . . . . . . . 101,00
3½ Nauheim
92,00
4 Nürnberg . . . . . . . 101,30
3½ do.
93,00
4 Offenbach . . . . . . . —
3½ do.
91,80
4 Wiesbaden . . . . . . 100,85
do.
95,60
Worms . . . . . . . . —
3½
do.
4 Liſſaboner v. 1886. . 83,00
Berzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche Tlr. 100 158,90
3½ Cöln=Mindner „ 100 137,50
5 Donau=Reg. fl. 100 144,00
3 Holl. Komm. . 100 107,75
InProz
S.
3 Madrider Fs. 100 78,00
4 Meining. Pr.=
Pfand=
briefe. . . .
137,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe 175,20
3 Oldenburger . .
125,75
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
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v. 1858 „ 100 465,00
Ungar. Staats
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20 Franks=Stücke . . . . 16,25
Oeſterr. 20=Kronen . . . . 16,90
Amerikaniſche Noten . . . 4,19
Engliſche Noten . . . . . 2),43
Franzöſiſche Noten . . . . 81,30
Holländiſche Noten . . . . 168,50
Italieniſche Noten . . . . 80,85
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,90
Ruſſiſche Noten . . . . . . 2158)
Schweizer Noten . . . . . 81,10
Reichsbank=Diskonto
4½%
Reichsbank=Lombard Zsf. 5½%
1 1 25 1. 15 1. 1. . 1 is in 1 1.
1 2 M. . . 1. . . . . 1. 1. Z S. . . . (. . 80
5
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Im gelben Saal:
Fastnacht-
Gelegenheit
290
. Dienstag erosses Karhebar Konzerr zum Tanzen. 1
I
Nur 3 Tagel
Das heutige vollſtändig neue
(3091
Karheval-
Programm
zeigt u. a. die humoriſt. Schlager:
HerrLehmann hat'nen
Schwamm gegessen.
Koloſſaler Lacherfolg!
RM84
Der versputete Bräutigam.
Humoriſtiſch!
Humoriſtiſch!
sowie dis übrige reichhaltige Frogramm.
Lienstag: u. Freitags Programmwechsel.
Liebfrauenstr. 78, 3. Stock.
Kleinstes Honorar.
*3103)
Strengste Diskretion.
Phr. 1
Elextr. Beleuchtungskörper
abzugeben
*3133)
Bismarckſtraße 47, 1. Stock.
Verloren
ſchwarze Emaillebroſche
goldene Faſſung, in der Mitte eine Reihe
Perlen, verziert mit kleinen Diamanten, von
Dieburgerſtraße bis zum Markt
(*3114
Abzugeben gegen Belohnung
Dieburgerſtraße 144.
verloren
ſchwarze lederne Viſitenkartentaſche auf
der Neckarſtraße, abzugeben geg. Belohnung
Annaſtraße 44, parterre.
(B3077
a
A 15
Vertoren
Samstag auf Sonntag früh ein brauner
Pelz (Skunks).
(*3130
Abzugeben gegen Belohnung
Mühlſtr. 26 2. Stock rechts.
Zur ſilbernen Hachzeit
Wunſerem dicken Julius,
V Emma — Peterle
Wein dreifaches Hoch,
Wdaß es in der Saalbau- W
(
Wſtraße ſchallt und in der
V
WBismarckſtraße wider- W/
hallt. (*3074 6
pe 2.
Brwat=Mädchen=Arbettsanſtalt.
Die ſatzungsgemäße
Mitglieder=Versammlung
findet Mittwoch, 16. Februar, nachmittags 5 Uhr,
(3067im
in der Anſtalt, Karltraße 16, ſtatt.
Tagesordnung: Die Gegenſtände des § 8 der Satzung.
Darmſtadt, den 5. Februar 1910.
Für den Vorſtand: Nebel.
Hoter zur Fraube.
Dienstag abend 8½ Uhr
(34
Karnevalist. Konzert.
Hugenschutz Freisenkeiler
Heute Dienstag
Gemütlicher Familien-Abend
Eintritt frei.
mit einer gut beſetzten
Tiroler Kapelle.
Hans Tod.
(*3110
S
Dankſagung.
Für die vielen gütigen Ehrungen,
Spen=
den und Gratulationen, welche ich alkſeitig
zu meinem 80. Geburtstag erhielt, fühle
mich verbunden, hiermit allen freundlichen
und lieben Gratulanten meinen
tiefgefühl=
teſten Dank auszuſprechen und zeichne gerne
ergebenſt und hochachtend
Herm. Reichhardt
Gr. Hofſänger i. P. (*3064
Hg
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Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Valdek.
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Frank, Gefängnisdirektor . Hr. Jürgas
Prinz Orlofsky.
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12½ Uhr, geöffnet.
Anfang 7 Uhr. — Ende 10¼ Uhr.
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mentstochter”. Kl. Pr. Anf. 7 Uhr.
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(*3128
3 32.
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Die Aebelfrau.
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(Nachdruck verboten.)
26)
Da muß ja jetzt die Sonne ſcheinen, lachte Dorret auf.
Es ſollte luſtig klingen, aber es war wie leiſes Weh in der
jungen Stimme.
Tut ſie auch, tut ſie auch, nickte der braune
Schiffers=
mann bedächtig. Jetzt iſt es wirklich hier ganz hell
gewor=
den, Dorret.
Einen Augenblick ſah er ſie voll heimlicher Zärtlichkeit
an, dann ſagte er verſchämt, mit dem Aermel ſeiner groben
Friesjacke über die erhitzttze Stirn ſtreichend:
Ich möchte Dir etwas ſagen, Dorret.
Aber, bitte, recht ſchnell. Ich muß gleich wieder zurück
in den Gorlingshof.
So ſchnell geht das nun nicht, wandte Olaf verlegen
ein. Weil ich die Worte nicht ſo fein und zierlich ſetzen
kann, wie Deine hochgeborenen Herrn Grafen. Nein, das
kann ich nicht. Aber ich wollte es Dir ſchon lange ſagen.
Ich habe Dich lieb, und ich wollte Dich fragen, ob Du
meine Frau werden willſt. Ja oder nein? Potz, Blitz,
ſieh mich doch nicht ſo verängſtigt an. Bin ich denn ein
Mörder? Willſt Du es mit mir verſuchen?
Nein, nein, rief Dorret, die Hände zur Abwehr
er=
hoben, weit von ihm forttretend. Nie, Ohm, werde ich
Eure Frau.
Warum nicht? fragte er hart, ihren Arm ergreifend
und ihn in ſeiner eiſernen Fauſt feſt zuſammenpreſſend.
Warum nicht? Iſt Dir etwa das bleiche Milchſuppengeſicht
lieber, das Du Tag und Nacht pflegteſt, als wäre es das
koſtbarſte Gut? Geſtehe es, und ich ſchlage dem Kerl jeden
Knochen einzeln entzwei. Es iſt ein Glück, daß er hier
den Staub von den Füßen ſchüttelte, ſonſt hätte ich ihn
laufen gelehrt.
Schämt Euch, Ohm. So ſündhaft und ſchlecht zu
reden. Wenn Ihr glaubt, mich damit gewinnen zu
kön=
nen, ſo ſeid Ihr gründlich im Irrtum. Ich mag Euch
nicht.
Dorret! ſchrie der Kapitän wild auf, die breiten Hände
vor ſein heißes Geſicht preſfend.
Geht, rief. Dorret, heftig mit dem Fuße ſtampfend.
Ich will Euch nicht ſehen. Ihr ſeid nicht gut zu mir, und
Eure Frau werde ich nie!
Das wird ſich finden, gab Olaf rauh zurück.
Unmün=
dige Kinder haben keinen Willen, und der Grootvader hat
es ſo beſtimmt. Richte Dich danach. Petri Stuhlfeſt ſoll
die Hochzeit ſein.
Mit Euch, Ohm? Dorret lachte gequält auf. Geht,
ſchlaft Euren Rauſch aus, und wenn Ihr nicht vernünftig
werdet, dann laufe ich lieber in das tiefſte Meer, als in
Eure Arme. Habt Ihr mich verſtanden, Ohm?
Ich muß wohl, Du biſt ja ſehr deutlich. Aber hüte
Dich, daß Dich Dein Wort nicht noch mal gereut. Hüte
Dich, Dorret.
Hatte Ekke Thornſen nicht heute ſchon ähnlich zu ihr
geredet?
Ein leiſer Schauer rann durch Dorrets Glieder, aber
der Trotz verſcheuchte gleich wieder das ängſtliche Bangen.
Ohne den Kapitän noch eines Blickes zu würdigen,
ging ſie zu der alten Tjalda in die Küche.
Olaf aber ſank wie gebrochen auf dem breiten
Binſen=
ſtuhle zuſammen und drückte ſeine braunen Fäuſte
auf=
ſtöhnend feſt gegen die brennenden Augen.
Sie bat kein Herz, murmelte er dumpf vor ſich hin,
kein Herz für das, was ich fühle; aber mein ſoll ſie doch
werden. Sie iſt das einzige, was ich liebe. Ihretwegen
klebe ich jetzt ſchon hier Jahr um Jahr an der Scholle,
wo alles mich drängt, hinauszufliegen auf das wilde
Meer. Aber nur Geduld. Ich kann warten, lange
war=
ten, und endlich wird der Sieg doch mein.
Draußen rührte die alte Tjalda die Suppe im
kupfer=
nen Keſſel über dem Feuer und ſagte gedankenvoll zu
Dorret:
Heute nacht ſah ich die Lichter brennen. Eine Braut
kommt ins Haus. Eine Braut.
Da lächelte Dorret, ein ſtilles, bitteres, wehes Lächeln.
Nein, ihr blühte kein Hochzeitskranz.
Sie wußte es beſſer.
Von der Tenne her aber klangen die Stimmen der
Knechte und Mägde, die lachend ſangen:
Wir winden dir den Jungfernkranz
Mit veilchenblauer Seide.
Dorret ſchloß die Tür. Dann ging ſie feſt und ſicher
zurück in die große Stube, den Tiſch für die
Mittagsmahl=
zeit zu rüſten.
Weiße Möwen umflatterten mit heiſerem Schrei das
Haus, ſich den gewohnten Imbiß fordernd. Zum
erſten=
mal aber hatte Dorret die zartſchillernden, geſiederten
Gäſte, die ſie ſonſt ſo liebte, vergeſſen.
Das Mahl blieb aus.
Zur ſelben Zeit flog ein ſtattlicher Viererzug die
ſchmale Straße entlang, die zu der grauen Stadt
führte, in der Ebbo Klas als Rechtsanwalt hauſte.
Schwer und träge dehnte ſich das Meer, und braun
und verdorrt lag die Heide.
Gräfin Fridrun, die den Viererzug mit ſicherer
Hand der Stadt zu lenkte, atmete in tiefen, wohligen
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in der Exped. des Tagblatts.
Zügen die kühle Oktoberluft. Das ſchwarze,
eng=
anliegende Dreß aus ſtumpfem Tuch ſtand ihr gut zu
dem zart blühenden Geſicht mit den großen,
leuchten=
den Augen. Der kleine, ſchwarze Herrenhut aus Filz
ſaß keck auf der weichen Fülle ihres braunlockigen
Haares, das hochaufgeſteckt in natürlichen Ringeln
darunter hervorquoll. Die Hände, die ſo zart und
ſchmal waren und die doch ſo energiſch die kräftigen
Rappen bändigten, ſteckten in langen, ſchwarzen
Stulp=
handſchuhen. Mit verſchränkten Armen und
undurch=
dringlichem Geſicht thronte der Kutſcher neben Fridrun.
Nur zuweilen wagte er einen ſcheuen Seitenblick auf
ſeine Herrin.
War das wirklich die noch vor kurzem ſo ganz im
tiefen Schmerz vergehende trauernde Witwe des Grafen
Marnar von Randolt?
In den blauen Augen flackerte es wie heißes
Be=
gehren, und die ſchmalen Lippen glühten ſo rot, ſo
purpurrot.
Erſchreckt wandte der Kutſcher, als ſei er auf einem
unerlaubten Gedanken ertappt, den Kopf zur Seite.
Unbeweglich ſah er dann wieder, nachdem er ſich
über=
zeugt, daß ſeine Herrin nicht auf ihn achtete, auf den
holperigen Weg.
Wenn das man gut abgeht, dachte er. Das Weib
iſt ja heute, als hätte es der Satan geritten. Na, wer
die hüten muß.
Gleich Ungewittern ſtürmten jetzt die Rappen in
die engen, winkeligen Straßen des Städtchens. Fridrun
bemerkte wohl, wie überall neugierige Geſichter an den
Fenſtern auftauchten, aber ſie wollte keine Notiz von
ihnen nehmen. Nur hier und da ſenkte ſie grüßend im
Vorüberfahren die Peitſche. Sie gab auch anſcheinend
nicht acht darauf, daß am Markt im Gaſthaus „Zum
Falken” di Offiziere der kleinen Garniſon an die
Fenſter ſtürzten und ſich mühten, einen Blick von ihr
zu erhaſchen. Aber im Geiſte hörte ſie es durcheinander
ſchwirren:
Donnerwetter, die ſchöne Randolt iſt wieder da.
Rührt euch, ihr Kerle, die Sonne ſteigt.
Ein Trupp junger Marineoffiziere, der ſoeben
über den Markt dem „Falken” zuſteuerte, blieb wie
angewurzelt ſtehen, als das königliche Geſpann mit der
ſchönen Frau jetzt vorbeijagte.
Als ſie endlich die Hacken zuſammenklappten und
die Hand an die betreßte Mütze legten, hielt der
Vierer=
zug ſchon drüben vor dem Hauſe des Rechtsanwalts,
und Fridrun ſprang leicht und gewandt von ihrem hohen
Sitz herab, dem Kutſcher nachläſſig die Zügel zuwerfend.
Habt Ihr ſie geſehen? fragten die Offiziere laut
durcheinander. Sie iſt faſt noch ſchöner geworden, Graf
Marnar Randolts Witwe. Und die Rappen! Der
Alte muß doch viel hinterlaſſen haben.
Jawohl — Schulden, warf vorlaut ein blutjunger
Marineleutnant ein.
Der verweiſende Blick eines älteren Seeoffiziers
ließ ihn verſtummen.
Gräfin Fridrun aber ſtieg unterdes leichten Fußes
die ſchmale, wackelige Holzſtiege empor, die zur Kanzlei
von Ebba Klas führte.
Ihre Wangen glühten, als ſie, die Handſchuhe
ab=
ſtreifend, im befehlenden Tone zu dem ergauten
Bureauvorſteher, der ihr etwas mißtrauiſch entgegen
ging, ſagte:
Melden Sie mich ſofort dem Herrn Rechtsanwalt.
Ich weiß nicht, gnädigſte Gräfin, wandte der
Be=
amte verlegen, ſeine große Brille auf die Stirn
ſchiebend, ein, ob der Herr Rechtsanwalt —
Aber da iſt er ja ſchon, lächelte Fridruu und ſah=
ſtrahlend in Doktor Klas’ Augen, die erſtaunt den ihren
begegneten.
(Fortſetzung folgt.)
Scotts Emulſion macht widerſtandsfähig.
Kindern, die nicht eſſen, wie es ſich gehört, verdrießlich
und teilnahmlos ſind muß durch Verabreichung eines
appetitverbeſſernden Nährmittels nachgeholfen werden.
Wie wertvoll Scotts Emulſion in ſolchen Fällen
iſt=
zeigt der folgende Brief:
(3081Mf
Hamburg, Luruperweg 58, 30. März 1908.
„An unſerem Söhnchen Otto konnten wir, als es etwa
2½ Jahr alt war, keine rechte Freude mehr haben, denn das
Kind wollte nicht recht vorangehen. Ohne daß ihm etwas
eigentliches fehlte, war der Junge doch verdrießlich und ſchien
nicht die geringſte Widerſtandsfähigkeit zu beſitzen. Nach
ver=
ſchiedenen vergeblichen Verſuchen mit anderen Mitteln griffen
wir auf Anraten unſeres Arztes zu Scotts Emulſion, die das
Kind ſofort und gerne nahm. Obgleich wir ihm nur eine geringe
Menge, nämlich täglich drei Kaffeelöffel voll gaben, zeigte ſich die
Wirkung doch bald, da der Junge ſich zuſehends
kräftigte und eine blühende Geſichtsfarbe bekam.”
(gez.) Frau Otto Schramm.
Die ungewöhnlich hohe Nährkraft von
Scotts Emulſion rührt von den allerfeinſten
Rohmaterialien her, die in den
langer=
probten Scottſchen Verfahren vollkommen
leicht verdaulich und ſchmackhaft gemacht
& ſind. Kinder ſowohl als auch Erwachſene
gebrauchen Scotts Emulſion mit größtem
Vorteil. Jede Packung der echten Scotts
Nur echt mit dieſe Emulſion muß die nebenſtehende
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ſchen Verfahren=! folge bietet.
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und zwar nie loſe nach Gewicht oder Maß, ſondern nur in verſiegelten
tmarke (Fiſcher mit dem Dorſh).
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50,0, unterphosphorigſaurer Kalk
mi pulv. 2,0, deſtill. Waſſer 12),), I.
pulv. Tragant 3,0, feinſter arab.E
kohol 11,0. Hierzu aromatiſche Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Saultheriail
ie 2 Troths
(3 15.
Diendtag, 8. Fehruar.
1910.
u gr
ſchnittsmarktpreiſe im Kreiſe Darmſtadt haben im Monat Januar 1910 für Hafer
(3069
17.— Mk., für Heu 11.— Mk., für Stroh 6.— Mk. pro 100 Kilo betragen.
Bekanntmachung.
Betreffend: Das Tuberkuloſe=Wandermuſeum der Landesverſicherungsanſtalt Großh.
Heſſen.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntnis, daß das Tuberkuloſe=Wandermuſeum der
Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen zur Schau geſtellt werden wird:
1. in Pfungſtadt vom 11.—15. Februar einſchließlich im Rathausſaal.
Eröffnung am 11. Februar, 2 Uhr nachmittags.
2. in Eberſtadt vom 18.—22. Februar einſchließlich im Schulſaal (Rathaus).
Eröffnung am 18. Februar, 2 Uhr nachmittags.
3. in Ober=Ramſtadt vom 25. Februar bis 1. März einſchließlich im
Rathausſaal.
Eröffnung am 25. Februar, 2 Uhr nachmittags.
4. in Arheilgen vom 4.—8. März einſchließlich im Rathausſaal.
Eröffnung am 4. März, 2½ Uhr nachmittags.
5. in Griesheim vom 11.—15. März einſchließlich im alten Schulhaus.
Eröffnung am 11. März, 2½ Uhr nachmittags.
Darmſtadt, den 4. Februar 1910.
(3071id
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Betreffend: Amtliche Handausgabe=Beſtimmungen über die Anlegung und den Betrieb
von Dampfkeſſeln.
Im Staatsverlag iſt erſchienen und durch alle Buchhandlungen zum Preis von
1 Mk. 60 Pfg. zu beziehen: Beſtimmungen über die Anlegung und den Betrieb
von Dampfkeſſeln, 102 Seiten, 8‟, in Umſchlag broſchiert.
Darmſtadt, den 3. Februar 1910.
(3070
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Starck.
Bekanntmachung.
Betreffend: Erweiterung der Gleisanlagen auf Bahnhof Ober=Ramſtadt.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß auf dem Bahnhof Ober=
Ramſtadt die Verlängerung der Gleiſe II und III beabſichtigt iſt.
Der Plan nebſt Beſchreibung über die beabſichtigte Aenderung und über die in
Ausſicht genommenen Veränderungen an den Wegen liegt in der Zeit von Mittwoch,
den 9. bis Mittwoch, den 16. Februar ds. Js. einſchließlich auf der Großh.
Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt zur Einſicht offen, woſelbſt auch während der
Offen=
legungsfriſt Einwendungen gegen das Projekt ſchriftlich oder zu Protokoll
vorzu=
bringen ſind.
(3068
Darmſtadt, den 4. Februar 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
E.: von Starck.
Autiche= Rachrichen des Groſherzegſichen Palheiants Darnſahbt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3
be=
finden ſich: 1 Pinſcher.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung.
Aufrechthaltung der Sicherheit und Ordnung während der Faſtnachtszeit betr.
Nachdem in den letzten Jahren wiederholt Ausſchreitungen an den Faſtnachtstagen
vorgekommen ſind, haben wir uns gleichwie im verfloſſenen Jahre veranlaßt geſehen, den
Polizeiaufſichtsdienſt in den verkehrsreichſten Straßen der Stadt an den
Faſtnachts=
tagen zu verſtärken.,
Die Beamten ſind mit ſtrengſter Weiſung verſehen, gegen alle Ausſchreitungen
unnachſichtlich vorzugehen.
Alle Verkleidungen, ſowie das Anheften und Verteilen von bildlichen
Dar=
ſtellungen, Liedern, Zetteln und dergleichen, welche gegen die guten Sitten verſtoßen,
ſind verboten.
Ebenſo iſt das unbefugte Tragen von Militär= und Beamtenuniform unterſagt.
Aus feuerpolizeilichen Gründen muß das Tragen von Laternen, die mit Spiritus,
Petroleum oder ähnlichen leicht entzündlichen Flüſſigkeiten geſpeiſt werden, bei
Masken=
bällen, Aufzügen oder ähnlichen Gelegenheiten verboten werden. In öffentlichen
Ver=
ſammlungen, wie insbeſondere Ballſälen und Wirtſchaften, iſt in anbetracht der
Feuersgefahr das Werfen mit Papierſchlangen, Papierſchnitzeln oder ſonſtigen
feuergefährlichen Gegenſtänden unzuläſſig. Außerdem müſſen ſämtliche Ein= und
Ansgänge, ſowie die Korridore im Innern der Räume freigehalten werden und
dürfen nicht durch Tiſche, Stühle, Bänke oder dergleichen verſtellt ſein.
Auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ſowie aus den Häuſern darf nicht
mit Orangen, Aepfeln oder ſonſtigen harten Gegenſtänden geworfen werden. Beim
Werfen mit Papierſchlangen iſt darauf zu achten, daß die Leitungsdrähte der
elektriſchen Straßenbahn nicht damit behängt werden.
Aus geſundheitspolizeilichen Gründen iſt das Aufheben und Anſammeln von
Konfetti oder Papierſchlangen von der Straße, desgleichen das Werfen mit aufgehobenen
Konfetti oder Papierſchlangen nicht zuzulaſſen. Ebenſo iſt der Verkauf und Gebrauch
von Pfauenfedern und Federwedeln zu beanſtanden. Sollten in letzterer Richtung
Beläſtigungen des Publikums hervortreten, ſo iſt die Beſchlagnahme der Gegenſtände
zu gewärtigen.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Vorſchriften werden auf Grund der beſtehenden
geſetzlichen und verordnungsmäßigen Beſtimmungen geahndet werden.
Indem wir dies zur Kenntnis des Publikums bringen, richten wir an die
Ein=
wohnerſchaft die Bitte, unſere Polizeiorgane in der Durchführung der getroffenen
Maß=
nahmen nach Möglichkeit unterſtützen zu wollen.
Darmſtadt, den 2. Februar 1910.
(2804fsoi
Großherzogliches Polizeiamtt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
Bekanntmachung.
Zur Verhütung von Unglücksfällen ſehen wir uns wiederholt veranlaßt, die
Eigentümer und Führer von Fuhrwerken jeder Art auf diegeltenden Beſtimmungen
über die Beleuchtung der Fuhrwerke nach Eintritt der Dunkelheit, ſowie über
Einhalten der rechten Straßenſeite und Fahren in gemäßigter Geſchwindigkeit
hinzuweiſen.
Die Schutzmannſchaft iſt zur ſtrengen Ueberwachung und gegebenenfalls
Anzeige=
erhebung angewieſen.
(2901soi
Darmſtadt, den 2. Februar 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
Bekanntmachung.
Die auf Grund der unten abgedruckten Geſetzesvorſchrift vorzunehmende Reviſion
von Mietwohnungen und Schlafſtellen findet z. Zt. im VI. Polizei=Revier ſtatt.
Darmſtadt, den 21. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei (Baupolizei).
Mueller.
Artikel 1 des Geſetzes, betreffend die polizeiliche Beaufſichtigung von
Miet=
wohnungen.
„Die Geſundheitsbeamten des Staates und die Ortspolizeibehörden ſowie die
von den letzteren Beauftragten ſind befugt, die zum Vermieten beſtimmten Wohnungen
und Schlafſtellen einer Unterſuchung in der Richtung zu unterwerfen, ob aus deren
Benutzung zum Wohnen oder Schlafen Nachteile für die Geſundheit oder Sittlichkeit
nicht zu beſorgen ſind.
Gleiche Befugnis ſteht den genannten Organen bezüglich der Schlafräume zu,
welche von Arbeitgebern ihren Arbeitern (Lehrlingen, Geſellen, Gehilfen, Dienſtboten uſw.)
zugewieſen werden.”
(2131iii
Et.
=
Bilmm-, Blungen= und Brrungoh=Verſteigerung.
In den Waldungen der Gemeinde Ober=Ramſtadt, Diſtrikte Kätzenwald,
Gries=
bach und Eichelberg, werden nachſtehende Holzſortimente an Ort und Stelle verſteigert:
Donnerstag, den 10. Februar 1. Js.
39 Eichen=Stämme von 15—32 cm mittl. Durchm. 5—10 m Lg.
11 Kiefern
„ 23—43 „ „
4—12 „
11
14—31 „
Lärchen „
8—10 „ „
,
„
Fichte
„15—27
10—15 . „
8—13
30 Fichten=Debrſt.
10—14 „ „
Freitag, den 11. Februar I. Js.
Rm. 161 Buchen, 16 Eichen, 29 Kiefern und 2 Lärchen=Scheiter; Rm. 123 Buchen,
29 Eichen, 19 Kiefern, 2 Lärchen und 8 Fichten=Knüppel; 32 Hundert Buchen=, Eichen=,
Kiefern= und Fichten=Wellen; Rm. 54 Buchen, 14 Eichen, 14 Kiefern, 6 Lärchen und
8 Fichten=Stöcke.
Die Zuſammenkunft an beiden Tagen, jedesmal vormittags 9 Uhr, am Diſtrikt
Kätzenwald auf dem Vicinalweg Nieder=Ramſtadt=Nieder=Modau.
(2895si
Ober=Ramſtadt, den 2. Februar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Fritſch.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 9. Februar 1910, vormittags 10 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle‟,
Obergaſſe, öffentlich zwangsweiſe gegen Barzahlung:
1 größeres Quantum gebrannten Kaffee, 3 Korbflaſchen Schnaps,
ca. 300 Flaſchen Rotwein, 2300 Zigarren, mehrere Flaſchen
Koguak und Likör, Wal= und Haſelnüſſe, 1 Partie
Bürſten=
waren u. a. m.
Ferner hieran anſchließend ebenfalls zwangsweiſe:
1 Kaſſenſchrank, 1 Ladeneinrichtung, 1 photograph. Apparat, verſchiedene
Kunſt=
blätter, Anſichtskarten, Kuverts, Füllfederhalter, 90 Stäbe Bilderleiſten,
2 Ladentheken, 2 Warenſchränke, 1 Real, 25 Geſchäftsbücher, 18 Rollen
Wattierleinen, 1 Stück Samt, mehrere Pack Seidenfutter, mehrere Stücke
Leinen, Drell und Tiſchzeug, 1 Handwagen, 3 Wagen (Rollen), 1 Pianino,
1 Spiegelſchrank, 1 Kleiderſchrank und verſchiedene andere Hausmobilien.
Die Verſteigerung der in Fettdruck aufgeführten Gegenſtände findet
beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, am 7. Februar 1910.
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher
3093)
Friedrichſtraße 24, I.
Brennholz-Verſteigerung.
Donnerstag, den 10. ds. Mts., von vormittags 9 Uhr an,
werden in dem oberen Lokale der Turngemeinde dahier (Woogsplatz 5), aus
Do=
manialwald=Diſtrikt Beſſunger Forſthaus (Katzenſchneiſe, Salmerſeekopf. Stockſchlag
und Haſenruh verſteigert:
Nutzſcheiter (rund), rm: 8 Hainbuchen, 3 Erlen; Scheiter, rm: 328 Buchen,
32 Hainbuchen, 78 Eichen, 7 Birken, 12 Erlen, 2 Aſpen, 1 Linden; Knüppel,
rm: 75 Buchen, 40 Hainbuchen, 1 Eſchen, 18 Eichen, 2 Birken, 5 Erlen,
Reiſig, Wellen: 4220 Buchen, 1810 Hainbuchen, 410 Eichen, 90 Birken,
130 Erlen, 10 Aſpen, 30 Linden, 220 Fichten; Stöcke, rm: 9 Buchen, 25
Hain=
buchen, 6 Eichen, 5 Erlen, 4 Fichten; Stöcke, fein zerkleinert, rm: 73 Buchen,
19 Eichen.
Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz vor der Verſteigerung einzuſehen. Großh.
Förſter von der Au zu Beſſunger Forſthaus und Forſtwartaſpirant Kirſchner
da=
hier werden dasſelbe auf Verlangen vorzeigen. Das Holz mit blau unterſtrichenen
Nummern kommt nicht zur Verſteigerung.
Darmſtadt, 1. Februar 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann.
(2674mf
Brennholz=Verſteigerung.
Freitag, den 11. Februar, vormittags 9½ Uhr anfangend,
ſollen im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Klingsackertanne
300 rm Kiefern=Scheiter
„Knüppel
10 „
„ zerkleinerte Stöcke
20.
* ganze Stöcke
202
500 Stück Wellen
40 rm Buchen=Knüppel
1520 Buchen=Wellen.
Die Zuſammenkunft iſt an der Station der Main=Neckar=Bahn.
Eberſtadt, den 4. Februar 1910
(3094im
Großherzogliche Bürgermeiſterei Eberſtadt
Schäfer.
Stamm= und Brandholz=Verſteigerung.
Freitag, den 11. Februar 1910, vormittags 9½ Uhr,
wird auf dem Rathaus zu Weiterſtadt aus dem Gemeindewald daſelbſt, Diſtrikt
Täubcheshöhl, das Brandholz verſteigert, und zwar: 128 rm Kiefern=Scheiter, 180 rm
Knüppel, 5620 Kiefern=Wellen, 81,5 rm Stöcke.
Ferner an demſelben Tag, nachmittags 3 Uhr,
an Ort und Stelle, Abtriebsfläche am Pflanzgarten Frankenſteiner Schneiſe, am
Merck’ſchen Waſſerwerk entlang, in der Täubcheshöhl werden verſteigert: 48 Stämme
33,96 fm Inhalt und 53 Stück Derbſtangen 9 und 12 m lang, 10 cm Durchmeſſer.
Weiterſtadt, 5. Februar 1910.
(3004oim
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Becker.
Slamm= u. Bauholz
kann jederzeit zum sofortigen Schneiden
angefahren werden im
1
Dampfsägewerk Mahr
Darmstadt, Weiterstädterstrasse 70. (2318a
Bekanntmachung.
Die Fuhrleiſtungen bei dem ſtädtiſchen
Gaswerk für das Rechnungsjahr 1910
(1. April 1910 bis 31. März 1911) ſollen
verdungen werden.
(2728dsi
Angebote ſind bis
Samstag, den 12. Februar I. Js.,
vormittags 12 Uhr,
bei der unterzeichneten Verwaltung,
Frank=
fürterſtraße 29
, I, Zimmer 3, verſchloſſen
Und mit der Aufſchrift: „Angebot auf
Fuhr=
leiſtungen” verſehen, einzureichen, woſelbſt
auch die Verdingungsbedingungen
einge=
ſehen und die Angebotsſcheine koſtenlos in
Empfang genommen werden können.
Darmſtadt, den 1. Februar 1910.
Städtiſche Gaswerksverwaltung.
Bekanntmachung.
Die Kohlenanfuhr und das Ausladen
der Kohlen für die ſtädtiſchen
Elektrizitäts=
werke im Verwaltungsjahr 1910 ſoll
ver=
geben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen auf dem Bureau der unterzeichneten
Verwaltung, Luiſenſtraße 22, während der
Dienſtſtunden offen, wöſelbſt auch die
An=
gebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis Mittwoch, den
16. Februar 1910, vorm. 10 Uhr, bei
unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 4. Februar 1910
Städt. Elektrizitätswerksverwaltung Darmſtadt.
Meyer.
(3021oi
Bekanntmnachung.
Die Lieferung der im Verwaltungsjahr
1910 — zur Abdeckung von Kabeln —
not=
wendig werdenden vollen Ringofenſteine
ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen auf dem Bureau der unterzeichneten
Verwaltung, Luiſenſtraße 22, während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die
An=
gebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis Dienstag, den
15. Februar 1910, vorm. 10 Uhr, bei
unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 4. Februar 1910.
Städt. Elektrizitätswerksverwaltung Darmſtadt.
Meyer.
(3022oi
Bekanntmachung.
Die Abfuhr der im Verwaltungsjahr
1910 ſich ergebenden Schlacken ꝛc. ſoll
vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen auf dem Bureau der unterzeichneten
Verwaltung, Luiſenſtraße 22 während der
Dienſtſtunden offen, woſelbſt auch die
An=
botsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis Donnerstag, den
17. Februar 1910, vorm. 10 Uhr, bei
unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 4. Februar 1910.
Städt. Elektrizitätswerksverwaltung Darmſtadt.
Meyer.
(3020oi
Gop-foh
Konkursverfuhren.
Nachſtehender Gerichtsbeſchluß wird
hier=
durch zur öffentlichen Kenntnis gebracht:
Ueber das Vermögen des Kaufmanns
Karl Jungmann in Darmſtadt, Inhabers
der Tapetenhandlung, wird heute, am 5.
Februar 1910, vormittags 10½ Uhr, das
Konkursverfahren eröffnet, da der
Gemein=
ſchuldner ſeine Zahlungen eingeſtellt und
Antrag auf Konkurseröffnung geſtellt hat.
Der Rechtsanwalt Fr. Buß in
Darm=
ſtadt wird zum Konkursverwalter
er=
nannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
25. Februar 1910 bei dem Gerichte
an=
zumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über die
Beibehaltung des ernannten oder die Wahl
eines anderen Verwalters, ſowie über die
Beſtellung eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132 der
Konkursordnung bezeichneten Gegenſtände
und zur Prüfung der angemeldeten
Forde=
rungen auf
Donnerstag, den 3. März 1910,
nachmittags 4 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer
Nr. 219, Termin anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Kon=
kursmaſſe gehörige Sache in Beſitz haben
oder zur Konkursmaſſe etwas ſchuldig ſind,
wird aufgegeben, nichts an den
Gemein=
ſchuldner zu verabfolgen oder zu leiſten,
auch die Verpflichtung auferlegt, von dem
Beſitze der Sache und von den Forderungen,
für welche ſie aus der Sache abgeſonderte
Befriedigung in Anſpruch nehmen, dem
Konkursverwalter bis zum 25, Februar
1910 Anzeige zu machen.
(3063
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.
2 Bureau-Schreibtische
mit Aufſatz (zuſ. 44 Mk.), 2 Schreibmaſchinen,
Tiſche à 9 Mk., Kücheneinrichtung (blaugrau
mit Kunſtglas) 65 Mk., Sofa mit 2 Seſſeln
in Roßhaar gearbeitet 160 Mk., 1 Vertiko
mit Kriſtallſpiegel 34 Mk., 1 groß.
Grammo=
phon mit Platten 50 Mk., 1 Diwan (Moquet),
gebraucht, 50 Mk., zu verkaufen
*3127
Riegerplatz 8, I an der Martinskirche.
erhalten
Zur Konfirmation Sie
gegen bequeme
Anzugsſtoffe n. Wäſche Teilzahlung von
kulanter auswär iger Firma. Gefl. Offerten
erbeten unter K 66 an die Exped. (*3124
eiſerne Bettſtelle
Wegen Abreise f. 10 M., Spiegel
2 Mk., moderner Kinder=Lieg= und
Sitz=
wagen 17 Mk. Anzuſehen von 1—5 Uhr
3089) Roßdörferſtr. 46, Hinterh. part.
toriſtin oder Verkäuferin. Offerten unter
K 64 an die Expedition dieſes Blattes
erbeten.
*312imd) Fräukein, Anfängerin, mit
Stenographie und Schreibmaſchine vertraut,
die Expedaion dieſes Blattes.
wünſcht einer Dame nachmittags Geſellſchaft
*2865soi) Hausmädchen und Mädchen,
welche kochen können und gute Zeugniſſe
beſitzen, ſuchen Stellen zum 1. März
Frau Nebling, Ludwigſtr. 8.
*3077im) Aelteres Mädchen hat von!
10 Uhr ab frei, geht auch halbe Tagswaſchen
und putzen Aliceſtraße 43, Manſarde.
*3111) Junges Mädchen aus guter
Familie ſucht Stellung bis 1. April in
beſſerem Hauſe, wo ſich dasſelbe im Haush.
und der feineren Küche ausbilden kann,
ohne gegenſeitige Vergütung.
Familien=
anſchluß erwünſcht. Offert. erwünſcht unt.arbeit übernimmt, zum 1. März evtl. früher.
K 58 an die Exp. ds. Bl.
*3090) Junge Witwe ſucht für morgens! *3125) Suche Köchinnen u. Mädch. für
2 Stunden Laufdienſt. Schloßgaſſe 12.
mädchen, welche kochen, ſuchen Stellen.
Bureau Frau Dingeldein,
Schützenſtraße 10½.
Telephon 531.
17 Jahre alt, ſucht
Junger Kaufmann, Stelle, auch auf
Bureau, gegen geringe Vergütung. Offert. *3132) Suche in großer Anzahl:
Köch=
unter K 62 an die Exped.
tragen von Büchern empfiehlt ſich ein
zu=
an die Expedition dieſes Blattes.
Herrschaftsgärtner
Zeugniſſe, ſucht Stellung. Offerten unter
K 53 an die Expedition ds. Bl. (*3084
Lehrstelle
geſ. in Papierwaren=,
Schreimaterialien=
geſchäft od. Buchbinderei f. Oſtern. Gefl.Gärtner, Hilfsjäger, 20 Tiſchler, 15 Schloſſer,
Off. unt. K 40 an die Exp. d. Bl. (*3046oim Mechaniker, Heizer, v. Schneider, Stell=
2
12
Fur Buro
geſucht für ſofort oder ſpäter Stenotzpistin
(Anfängerin) mit guter Handſchrift, welche
flott ſtenographieren und Schreibmaſchine
bedienen kann. Schriftl. Offerten mit
An=
änſprüchen unter K8 an die Exp. (*2942sid in der Buchführung im Alter von 16—18 J.
und 1 junges
Perfekte Büglerin Mädchen für
leichte Arbeit geſucht.
(*2983soi
Färberei Mack, Schulſtr. 13.
*3080) 14: bis 16=jährige Mädchen
für Mazzenfabrik geſucht
Bleichſtraße 13.
Eine Zuarbeiterin
geſucht für Putz
(3090a
Helene Martin, Ernſt=Ludwigſtr. 7.
Für die Dampfwaſchanſtalt
des ſtädtiſchen Krankenhauſes,
(3085
Grafenſtraße 9, werden
einige junge Mädchen
nicht unter 17 Jahre alt, zum alsbaldigen
Eintritt geſucht. Bewerberinnen wollen ſich
alsbald bei dem Oberverwalter daſelbſt
melden.
*3108imd) Junge Mädchen können
Weiß=
zeugnähen und Zuſchneiden erlernen. Näh.
Mauerſtr. 17, parterre, rechts.
286sol) Geſucht: Köchinnen,
Haus=
mädchen, Mädchen zu einer Dame, ſowie zu
zwei Leuten Frau Nebling, Ludwigſtr. 8.
Mähze
00a 6
rur Junges Ehepaur
(Offiziersfamilie) wird ein im Kochen u.
ſonſtigen häuslichen Arbeiten durchaus
er=
fahrenes
(3023oim
älteres Mädchen
geſucht. Eintritt 1. oder 15. April. Gute
Zeugniſſe erforderlich. Abſchriften von
ſolchen mit Angabe von Alter und
Lohn=
forderungen unter K 37 an die Exp. erb.
Suche
ein anſtändiges, zuverläſſig., beſſeres evang.
Mädchen als Stütze, zwiſchen 30 und
40 Jahren, welches in der Küche, Nähen
und beſſeren Hausarbeit erfahren iſt, mit
guten Empfehlungen. Mädchen vorhanden.
Offerten unter K 20 an die Exp. (*2993sis
ſucht und
Verein f. Hausbeamtinnen empfiehlt
Haushälterinnen, Pflegerinnen, Erzieherin.,
Stützen, Kinderfräul. ꝛc. Sprechſt. tägl. von
3 bis 5 Uhr, außer Mittwoch und Samstag,
einſchl. Donnerstag vorm. von 11—12 Uhr.
Wilhelminenstr. 27, II.
1218a)
2846so) Braves, ſauberes Mädchen in
kleinen Haushalt geſucht
Soderſtraße 75, parterre.
u bei hohem Lohn.
äöchen geſucht (*3098
Neckarſtraße 20, part.
e
3104) e
DFrau
zum Brötchentragen geſucht Soderſtr. 79.
Mädchen jeder Art,ſof. u. ſpäter. Frau
Weißmantel, Eliſabethenſtr. 37.
(*3097 3065im) Junges beſſeres Mädchen
tagsüber zu 2 Kindern geſucht
Herderſtraße 17, 1. Stock. *3068) Ein zuverläſſiges. Mädchen,
ſucht Stellung. Offerten unter K 67 an welches Hausarbeit verrichten kann, für den
ganzen Tag geſucht. Näh. Exp. *3066if) Gebildetes junges Mädchen! *3070id) Zuverläſſiges Mädchen, das
kochen kann, gegen guten Lohn geſucht per
zu leiſten evtl. auch vorzuleſen. Näh. Exp. ſofort oder 1. April nach auswärts. Zu
erfragen Mathildenſtraße 36, I. 3075) Junges braves Mädchen für
den ganzen Tag geſucht Hochſtraße 26, I. Meee Ze
Reinliche Lauffrau
ſof. geſucht I. Schäfer, Kirchſtr. 8. (*3082
Kinderfrauiein
geſucht zu einem kleinen Kinde, das Haus=
Wo? ſagt die Expedition ds. Bl. (B3079 allein, ſow. in Saiſon n. Wiesbaden, Bügel=,
*3131) Perfekte Herrſchaftsköchin, Allein= Zimmer=, Spül=u. Hausmädch. in ſ. gute Stell.,
hoh. Lohn Jöckel, Eliſabethenſtraße 32. B3096) Per ſofort reinliches zuverläſſig.
Mädchen, das Liebe zu Kindern hat, auch
kochen kann, in kleinen Haushalt geſucht.
Evtl. auch eine Aushilfe Martinſtr. 97, pt. (*3094innen in Privat= und Herrſchaftshäuſer,
*3076imd) Zum ſtundenweiſe Nach= erſte und zweite Hausmädchen, Alleinmäd=
chen, welche kochen und nicht kochen, in
verläſſiger Buchhalter. Offert. unter K 51 Privat= und Geſchäftshäuſer, Beiköchinnen
für ſofort und 1. März. Büro Frau Dingeldein,
Schützenſtraße 10½, Telephon 531. 3135) Ein junges gewandtes Mädchen
37 J. alt, verh., 2 Kinder, geſt. auf erſtkl.als Stütze und ein Kochlehrfräulein ge=
geſucht Ludwigſtraße 15, II. Stellen erhalten!
als Expedient, Buchhalter, Kommis, Auf=
ſeher, Verwalter, Hofmeiſter, Kutſcher,
Diener, Pfleger, Oberſchweizer, Vogt,
macher, Maſchiniſt, Sattler, Wirtſchafterin,
Buchhalterin, Kaſſiererin, Junafern uſw.
durch Stellennachweis-Germania Dresden 12.
G. Dressler. (Retourmarke).
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1 jungen Mann
gabe der bisherigen Tätigkeit und Gehalts=mit ſchöner Handſchrift u. etwas Kenntnis
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Erſte Firma ſucht für hieſigen Platz einen
redegewandten, vertrauenswürdigen Mann
für ihren gut eingeführten, leicht verkäuf=
lichen Artikel für dauernde Anſtellung; außer
dem Verkauf hat der Betreffende auch bei
den Kunden zu kaſſieren. Bewerber mit
guten Empfehlungen, welche kleine Kaution
ſtellen können, belieben Offerten mit An=
gaben der bisherigen Tätigkeit zu richten
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welche den Verkauf auf eigene
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tretung kann übertragen werden.
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Frankfurt a. M.
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pflicht=, Unfall= und Glasverſicherung
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ht verlange
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anſpruch unter K 56 an die Exp. für
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meister, in Crumstadt b. D., Kaiserstr. 16. (20080im Gartenarbeiter u. Gärtnerlehrling
Gartenarbeiter geſucht. Daſelbſt wird ein
braver Junge bei freier Koſt u. Wohnung
und wöchentlicher Vergütung in die Lehre
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genommen.
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(B2362
ziermeiſter, Beſſungerſtraße 41.
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Lehrling gesucht.
Karl Buchner, Hofbuchhandlung,
Rheinſtraße 15.
N
Benluing
mit guter Schulbildung, aus guter Familie,
ſucht bei ſofortiger Vergütung.
(2011a
M. W. Praſſel, Grafenſtr. 25.
Glaserlehrling
geſucht
(B2657
Frz. Langheinz, Karlſtraße 41.
Tapezier=Lehrling
zu Oſtern geſucht
(2815a
Theodor Schardt, Tapeziermſtr., Hochſtr. 13.
e
M
Seen
2531a) Für das Kontor einer
hieſigen Samenhandlung en gros
wird zum 1. Mai
1 Lehrling
mit guter Schulbildung geſucht. Off.
unt. H 20 an die Expedition ds. Bl.,
und
Lehrling.
mso)
Hieſiges Kolonialwaren=Engrosgeſchäft
ſucht per Oſtern einen Lehrling mit guter
Schulbildung aus achtbarer Familie.
Selbſt=
geſchriebene Offert. erb. unt. H 70 an d. Exp.
Lehriind
aus achtbarer Familie, auf das Kontor
einer hieſigen Weinhandlung geſucht.
Selbſt=
geſchriebene Offerten unter K 61 an die
Expedition dieſes Blattes.
(*3092ids
3089a) Ein braver Junge wird in die Lehre
geſucht Peter Stork, Tapeziermeiſter,
Landwehrſtraße 17.
V
M
9
Ein Grosser Hadeh
mit 2 bis 3 Schaufenſtern, Entreſol oder
erſten Stock, auf dem Marktplatz oder der
nächſten Straße am Markt, wird für
Früh=
jahr oder Herbſt 1911 zu mieten geſucht.
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4
N
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mit Veranda oder Garten und eine
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nung von 3—4 Zimmern im gleichen Hauſe.
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2 Betten, Waſchtiſch, 2 Nachtſchränke,
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tuchſtänder, 2 Stühle ſpottbillig zu verk.
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bendtison
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Auschanfe des berühmten
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REFORM-RESTAURANT
THAETUA
3232.
Dienstag, 8. Februar.
1910.
Politiſches.
Das Vorrecht der Schwächeren.
* In unſerem geſamten ſozialen, wirtſchaftlichen und
kulturellen Leben iſt das Prinzip der Majorität und
Su=
periorität, das auf ganz veralteten Anſchauungen beruht,
zum Nachteil unſerer Geſetzgebung und der Entwickelung
des Parteilebens, noch immer vorherrſchend. Eine neue
Zeit erzeugt neue Anſchauungen und ſtellt neue Geſetze und
Forderungen auf. Zu dieſen gehört das Recht der
Mi=
norität und Inferiorität. In unſerem Staatsweſen ſtehen
wenige Männer, die das geringe Verdienſt geiſtiger
Fähig=
keiten beſitzen, an der Spitze und leiten das Staatsweſen,
während die, welche zufällig eine Bildung nicht genoſſen
haben, abſeits der Leitung der Staatsgeſchäfte ſtehen.
Un=
ſere moderne Zeit fordert, daß die Anſicht dieſer Leute
in erſter Linie gehört und berückſichtigt wird und daß die
wenigen, die ſich bevorzugt glauben, ſich ihnen
unterord=
nen. Auf dem konfeſſionellen Gebiete iſt es nicht anders.
Diejenige Konfeſſion, die ſich in der Mehrheit befindet,
muß ſich denjenigen unterordnen, welche die Minderheit
ſind und die Anſichten und Beſchlüſſe dieſer Minderheit in
erſter Linie berückſichtigen und zur Ausführung bringen.
Nur ſo kann der konfeſſionelle Frieden hergeſtellt und
dauernd erhalten bleiben. In der auswärtigen Politik
iſt hierin ſchon ein Schritt zum Beſſeren gemacht worden,
indem der mächtigere und einflußreichere Staat den
ſchwä=
cheren Staaten den Vorrang läßt und ſeine Intereſſen
den=
jenigen dieſer Staaten unterordnet. Es iſt ein
bleiben=
des Verdienſt des Alldeutſchen Verbandes, dieſes von dem
Deutſchen Reiche in Marokko befolgte Prinzip in das rechte
Licht gerückt zu haben.
Auch in unſeren Parlamenten herrſcht noch das
veral=
tete Prinzip der Majorität vor. Die Geſetze kommen nach
Mehrheitsbeſchlüſſen zuſtande, während die Minderheit,
die in der Regel das Richtigere und Beſſere vorſchlägt,
ſchon weil ſie ſich von der drückenden Laſt der
Verantwort=
lichkeit von vornherein frei weiß, nicht berückſichtigt wird.
Es wäre deshalb der einzig richtige Weg, zu einer
erſprieß=
lichen parlamentariſchen Tätigkeit zu gelangen, wenn die
Stimmen der Minorität dreifach gezählt würden. Dieſer
Grundſatz muß auch für jedes neuzeitliche Wahlrecht
maß=
gebend ſein. Diejenigen, welche ohne Bildung, Beſitz und
höheres Einkommen ſind, müſſen bei den Reichstags= und
Landtagswahlen mindeſtens zwei Stimmen haben,
wäh=
rend für die nach jener Richtung hin ohnehin ſchon ſo
Bevorzugten eine Stimme genügt; auch der Jugend iſt ein
Vorrecht vor dem Alter, den Frauen ein ſolches vor den
Männern einzuräumen. Nur ſo wird ein gerechter
ſozia=
ler Ausgleich möglich. In Gemeinde, Kirche und Schule
wird ſich dieſes Prinzip des von Untenherauf=Regierens
dann von ſelbſt Geltung verſchaffen.
Zu ganz neuen und bahnbrechenden Reſultaten
ge=
langen wir auf Grund dieſes Prinzips auf dem Gebiete
des kulturellen Lebens. Die vielen Geſunden z. B. haben
viel zu große Vorrechte vor den Kranken; mindeſtens die
Hälfte der Erholungsorte und Sommerfriſchen müſſen von
der großen Zahl der Geſunden, die einer Erholung nicht
be=
dürfen, an die Kranken abgetreten werden, unter der
Pflege von Kunſt und Wiſſenſchaft und der Kulturaufgaben
leidet das Proletariat; die vielen einträglichen Stellen,
die doch von den in der Minderheit und Inferiorität
be=
findlichen Frauen beſetzt werden könnten, werden unbilliger
Weiſe alle den Männern vorbehalten und ſo iſt es auf
allen Gebieten: Die wenigen Arbeitsloſen und
Arbeits=
ſcheuen werden von den vielen Arbeitenden beeinträchtigt
und verdrängt, die wenigen ſtellenſuchenden Entgleiſten
und entlaſſenen Sträflinge von den vielen unbeſtraften
Leuten, denen ja ſonſt Stellen genug offen ſtehen, die
Un=
befähigten von den Befähigten, denen ja das Fortkommen
nicht ſchwer werden kann, die Schwachen von den
Star=
ken, die Trägen von den Fleißigen, die Jungen von den
Alten ꝛc.
Man könnte dieſe Beiſpiele einer verkehrten und mit
unſeren modernen Anſchauungen nicht mehr zu
verein=
barenden inhumanen Anſchauung und eines ſich darauf
eründenden zum Unrecht gewordenen Rechtes noch um
Hunderte vermehren. Aber die wenigen hier angeführten
werden genügen, um zu beweiſen, daß eine Umkehr nötig
iſt und auf allen Gebieten des Lebens das Vorrecht und
die Herrſchaft der Minorität und der Inferiorität zur
Geltung gelangen müſſen.
* In der Angelegenheit der
Schiffahrtsabga=
ben iſt nunmehr eine Verſtändigung zwiſchen Preußen
und den Oppoſitionsſtaaten erzielt worden, indem Preußen
ſich zu Konzeſſionen bereit erklärt hat. Dieſe ſind im
we=
ſentlichen die folgenden: Sachſen erhält ein preußiſches
Re=
giment, die Garniſon wird noch beſtimmt werden; Baden
erhält die Erlaubnis, auf den Flüſſen neben der badiſchen
auch die preußiſche Flagge zu führen; Heſſen darf auf ſeine
eigenen Koſten Eiſenbahnen bauen und die beiden Reuß
werden zu einer preußiſchen Provinz vereinigt werden.
* Dem Reichstag iſt ein Geſetzentwurf, betr. die
Uebervölkerung, zugegangen. Danach ſollen
Fa=
milien, die mehr als zwei Kinder haben, mit doppelten
Steuern belegt werden, falls ſie nicht vorziehen, nach
Frankreich auszuwandern. Zugleich ſoll dadurch der
Fi=
nanznot des Reiches abgeholfen werden, wozu nach
An=
ſicht der Regierung und der Mehrheitsparteien der
Mittel=
ſtand und die unbemittelten Klaſſen der Bevölkerung, die
ſich durch Kinderreichtum auszeichnen, am meiſten
beizu=
tragen berufen ſind. Doch wird nicht der ganze
Steuer=
betrag an den Staat abgeführt werden, da beabſichtigt iſt,
für Ledige und Kinderloſe Prämien auszuſetzen.
* Dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg
iſt eine Luftveränderung verordnet worden. Er wird
des=
halb in kurzer Zeit eine Reiſe nach Italien antreten und
ſich zunächſt einige Zeit in Kanoſſa aufhalten.
* Das radikale däniſche Kabinett hat die
Ein=
ſetzung der Republik beſchloſſen. Der König wird
pen=
ſioniert und erhält die Erlaubnis, einen bürgerlichen
Na=
men anzunehmen; außerdem wird ihm ein ſtandesgemäßer
Landſitz in einem Lande angewieſen werden, mit deſſen
Entdeckung die Univerſität Kopenhagen ihren Ehrenbürger
Cook beauftragen wird.
* Das neue griechiſche Kabinett
Popopupu=
papulos hat wieder demiſſioniert, da eine
Verſtän=
digung mit dem Unteroffiziers= und Rekrutenbund nicht
zu erzielen war. Der König wird nunmehr die Bildung
eines Kabinetts aus den Reihen der Bundesbrüder
ver=
ſuchen.
* Die Kretafrage hat endlich eine befriedigende
Löſung gefunden. Die Inſel, die ein ewiger Zankapfel
zwiſchen Griechenland und der Türkei iſt und damit eine
ſtete Kriegsgefahr bildet, wird an die Mächte meiſtbietend
verſteigert werden. Außer der Türkei, Griechenland und
den ſog. Schutzmächten dürfen auch die anderen
zahlungs=
kräftigen Mächte ſich an der Verſteigerung beteiligen.
Vor=
ausſichtlich wird die Inſel an England fallen, das dort
eine Kohlenſtation errichten wird. Deutſchland wird, um
die Eiferſucht der anderen Mächte nicht zu erregen und
ihre Empfindlichkeit zu ſchonen, ſich ſeinem Grundſatz
ent=
ſprechend Zurückhaltung auferlegen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 8. Februar.
** Jubiläum. Unſere Faſtnachtszeitung
begeht heute die Feier ihreszehnjährigen
Be=
ſtehens. Den verehrten Leſern und verehrteren
Leſe=
rinnen unſeres Blattes iſt es geſtattet, den
zehnjähri=
gen Geburtstag unſeres Kindes bei Kreppeln und
Kaffee heute würdig zu feiern und ihm dabei ein
kräf=
tiges Weitergedeihen zu wünſchen.
* Weltuntergang. Wie bekannt, wird am 18. Mai,
wenn die Erde durch den. Schweif des Halleyſchen
Kometen geht, die Welt untergehen. Wir teilen
un=
ſeren Leſern jetzt ſchon mit, daß wir von verſchiedenen
Punkten der Erde ausführliche Mitteilungen über den
Weltuntergang bringen werden. Erfolgt der
Weltunter=
gang nachmittags oder abends oder auch nachts, ſo
wer=
den wir ein Extrablatt herausgeben, damit unſere Leſer
früh morgens eine genaue Beſchreibung des erfolgten
Weltunterganges leſen können.
6 Vor den Krieggericht der 35. Dioiſion ſtand
geſtern der Muſikmeiſter eines hieſigen Regiments
wegen verſchiedener, zum Teil ſchwerer Vergehen, die,
obwohl die Urſache ſelbſt dem Laien ziemlich harmlos
klingt, zu doppelt ſchweren Verbrechen wurden, weil
die Umſtände erſchwerend hinzutraten. Der
Muſik=
meiſter, der ſeiner Kapelle ſchon ſeit 4 Wochen durch
außergewöhnliche Reizbarkeit, wechſelnd mit
auffallen=
der Luſtigkeit aufgefallen war, erhielt auf dem
Gries=
heimer bei einer größeren Exerzierübung den Befehl,
das Signal „Vorgehen” zu blaſen, worauf zum
Ent=
ſetzen der Herren Offiziere und zum Gaudium der
Mannſchaft der Narrhallamarſch ertönte. Da auch beim
wiederholten Befehl anſtelle des Signals der
Narr=
hallamarſch ertönte, und infolge der ungewohnten
Klänge verſchiedene Pferde durchgingen, mußte die
Uebung abgebrochen werden. Der Muſikmeiſter hatte
ſich nun wegen folgender Straftaten zu verantworten:
1. Ungehorſam gegen einen Dienſtbefehl; 2. Verharren
im Ungehorſam, weil trotz dreifachen Befehls, ein
Signal zu blaſen, der Narrhallamarſch geſpielt wurde;
3. militäriſcher Aufruhr, weil der Angeklagte ſich mit
ſeiner Kapelle „zuſammengerottet” hatte, um gegen den
Dienſtbefehl zu revoltieren; 4. Meuterei, weil infolge
ſeines Vorgehens ſelbſt die Pferde gegen ihre
Vorge=
ſetzten Stellung nahmen, dieſe abwarfen und tätlich
angriffen; 5. u. 6. die genannten Verbrechen vor
verſam=
melter Mannſchaft und unter der Waffe ſich abſpielten; 7.
Sachbeſchädigung und Verletzung von Dienſtgegenſtänden;
8. Körperverletzung, weil durch die ſcheugewordenen
Pferde verſchiedene Mannſchaften verletzt wurden. —
Nach dem M.=St.=G.=B. ſtehen auf dieſe Verbrechen
ins=
geſamt 349 Jahre Zuchthaus, Degradation ſowie
Aus=
ſtoßung aus dem Heere. Der Angeklagte entſchuldigt
ſich damit, daß er mit ſeiner Kapelle ſeit Wochen nichts
anderes mehr ſpielte, als Karnevalkonezrte, in denen
der Narrhallamarſch vorherrſchend ſei. Die Muſik ſei
ſämtlichen Muſikern und Inſtrumenten ſo feſt
einge=
fleiſcht, daß ſie unmöglich etwas anderes ſpielen
konn=
ten. Es ſei ihm alſo phyſiſch unmöglich geweſen, den
Befehl auszuführen. Außerdem ſei er von Köln. Auf
Antrag des Verteidigers wurde beſchloſſen, die
Ver=
handlung bis nach Faſtnacht zu vertagen, da
in=
zwiſchen die geſamte Kapelle vernehmungsunfähig
ge=
worden ſei. Das Gericht gab dem Antrage ſtatt. Der
Angeklagte kam zur Unterſuchung ſeines derzeitigen
Geiſteszuſtandes ins Garniſonlazarett.
Verkehrsverbeſſerungen. Die den Verkehr in
der Kirchſtraße regelnden Schutzleute ſollen
jetzt mit langen Stangen ausgerüſtet werden, damit
es ihnen möglich iſt, ganze Trupps von Paſſanten auf
einmal auf die vorgeſchriebene Straßenſeite zu
beför=
dern; auch dürften ihnen die zur Dienſt=Erleichterung
angeſchafften Rollſchuhe ſehr zuſtatten kommen. Eine
weitere Dienſterleichterung ſoll durch Drehung des
auf dem Schneiderſchen Warenhaufe ſtehenden „
Mer=
kur” geſchaffen werden, der durch ſein Arme= und
Beine=Ausſtrecken ſeither viel zur Irreführung des
Publikums beigetragen hat.
* Zur Entlaſſung der Baubeamten. Um die 40
entlaſſenen Baubeamten der drohenden
Verproletari=
ſierung zu entreißen, hat der Große Rat der Narrhalla
beſchloſſen, dieſe 40 Beamten mit der Ausarbeitung
der Entwürfe zum nächſtjährigen Faſtnachtszug zu
be=
auftragen, d. h. inſoweit die Herren angeſichts ihrer
Lage ſich ihren Humor nicht rauben ließen.
* „Auch ein Grund.” Wie der „Frankf.
General=
anzeiger” erfährt, iſt die auf Freitag im Hoftheater
anberaumt geweſene Vorſtellung von Wildenbruchs
„Deutſcher König” abgeſetzt worden, weil einem der
Hunnen ein unausſprechliches Kleidungsſtück geplatzt
war.
*: Die Steuerbehörde hat, da die Bezirkskaſſe in der
Lindenhofſtraße von Steuerzahlern immer noch zu ſehr
überlaufen wird, ein neues Haus an der Eberſtädter
Grenze angekauft.
— Verlegung von Kaiſers Geburtstag. Wie wir
aus ſicherer Quelle hören, ſchweben z. Zt. bei der
Staats=
behörde Verhandlungen über die Verlegung von
Kai=
ſers Geburtstag. Der 27. Januar iſt auch der
Gründ=
ungstag des deutſchen Grußvereins. Man fürchtet
daher, daß amtliche Feiern an dieſem Tage zu
irrtüm=
lichen Auffaſſungen Anlaß geben könnten.
Der Verband der deutſchen Dachdecker hat der
Grafen Zeppelin in Anerkennung ſeiner
Ver=
dienſte um das Dachdeckergewerbe zum Ehrenmitglied
ernannt.
-st. Neues Gebiet für Verwendung der
Polizei=
hunde. Mit der Zunahme der Größe Darmſtadts haben
ſich auch die Fälle vermehrt, in denen ſich Perſonen
nachts, nachdem die außerordentlichen Laternen
aus=
gelöſcht ſind, verlaufen haben bezw. den Weg nach
Haufe nicht finden können. Unter dieſen befinden ſich
auch öfters Ehemänner, und es dürfte allgemein
bekannt ſein, welche Fülle von Beſorg= und Kümmer=
Feuilleton.
** Ein Muſtergefängnis, das allen
Anfor=
derungen unſerer humanen Zeit entſpricht, iſt in
Wol=
fahrtsheim mit einem Koſtenaufwande von 30 Millionen
Mark erbaut worden. Das Gebäude hat Raum für
200 „Bewohner‟. Das Wort „Gefangene” iſt ſtreng
verpönt. Jeder derſelben hat ein Wohn= und ein
Schlafzimmer, da nach ärztlichem Gutachten der Aufent.
halt im Schlafzimmer tagsüber ungeſund iſt. Das
ganze Haus iſt überhaupt nach ſtreng hygieniſchen
Vor=
ſchriften erbaut und eingerichtet worden. Im
Erd=
geſchoß befinden ſich die Eßräume, im Kellergeſchoß die
Baderäume, in denen hygieniſche Bäder aller Art zu
haben ſind. Zehn Aerzte, darunter zwei Zahnärzte,
ſtehen den Bewohnern zu Gebote. An die Eßräume
ſchließt ſich ein großer Leſeſaal mit Bibliothek, bei deren
Auswahl die Wünſche der Bewohner berückſichtigt
wer=
den. Ein rieſiger Park, der das Haus umgibt, gibt den
Bewohnern Gelegenheit, ſich in freier Natur zu ergehen.
Für Liebhaber iſt außerdem eine Jagd gepachtet
wor=
den. An Sonntagen finden Aufführungen auf einer
beſonders dazu erbauten Bühne ſtatt. Mit dem Hauſe
iſt ein ausgedehntes Stellenvermittelungsbureau für
Stellen aller Art verbunden, bei dem die entlaſſenen
Bewohner vor allen anderen Bewerbern den Vorzug
erhalten.
* Kein Entlobungsgrund. Nach der neulich
mitgeteilten Entſcheidung des Landgerichts Göttingen iſt
es kein Grund zur Entlobung mehr, wenn eine Braut
allein den Maskenball beſucht oder ſich in einem chambre
separée aufhält. Der Bräutigam hat kein Recht, ohne
wei=
teres anzunehmen, daß das Mädchen auf den Maskenball
geht, um an dem nächtlichen Treiben teizunehmen,
vor=
ausgeſetzt, daß ſie 30 Jahre alt iſt.
* In der Nähe der Saalburg wurde das Skelett
eines vorſintflutlichen Menſchen ausgegraben. Wie
Pro=
feſſor Jakob Ypſilon feſtgeſtellt hat, handelt es ſich um das
Skelett eines ausgeſtorbenen ſeltenen Exemplares,
näm=
lich um das eines populären Finanzminiſters.
* Die Univerſität Kopenhagen hat eine
Kommiſſion ernannt, welche die Tagebücher Cooks
herausgeben ſoll. Sie werden auf Koſten der Univerſität
in einer Prachtausgabe mit wiſſenſchaftlichen
Anmerkun=
gen verſehen, erſcheinen. Auch wird die Univerſität eine
Medaille ihres berühmten Ehrendoktors prägen und
ſein Bild in der Aula der Univerſität aufhängen laſſen.
* Das verkehrte Konzert. In Amerika
veranſtaltet man jetzt Konzerte neuen Stils, indem
man alle Konzertſtücke von hinten anfängt und nach
vorn ſpielt. Dadurch entſtehen ganz neue, überraſchende
muſikaliſche Effekte.
* Cook, der Ehrendoktor der Univerſität
Kopen=
hagen, hat ſich längere Zeit in der Heilanſtalt Weizenau
bei Heidelberg aufgehalten, um ſich unter ärztliche
Be=
obachtung zu ſtellen. Das ärztliche Gutachten lautet
dahin, daß Cook den Nordpol im Dämmerzuſtande
ent=
deckt hat.
Die deire Zeite.
Ihr liewe Leit, Ihr liewe Leit,
Was is des for e deire Zeit!
Die Steiern ſinn net zu erſchwinge,
Was werd erſt noch die Zukunft bringe?
Un hot mer noch en beeje Mann,
Dann is mer erſt recht iwwel dran.
Er kommt ſtets mit Gezank nach Haus
Unn geht aach brummend wieder naus.
Des Eſſe is em nie net recht,
Die Kinner zieht mer aach zu ſchlecht.
Am liebſte käm er gar net mehr,
Wenn des verfluchte Geld net wär.
An allem is die Deirung ſchuld,
Da reißt em Mann halt die Geduld.
Er muß ſei Sorge dann vertrinke,
Dort, wo em noch die Freide winke.
Ach, wenn des Geld doch Gummi wär',
Dann zög’ ich’s in die Läng’ gar ſehr.
Kauft’ Fleiſch und lauter gute Sache,
Dann kennt mein Heiner wider lache.
Die Kinner wärn em net zu viel,
Die Arweit aach e leichter Spiel.
Dann was mer ſchafft mit frohem Mut,
Des geht alleweil noch emol ſo gut.
Drum liewe Leit, drum liewe Leit,
Die Schuld trägt nor die deier Zeit!
Unn wenn des net bald annerſt werd,
Dann peif ich auf de eigne Herd.
Der is nor ſchee, wenns Lewe leicht.
Unn es netige Geld aach reicht.
Wann de Mann net immer brummt,
Zeitig aus em Wirtshaus kummt, 2=
Wenn es Wochegeld aach langt,
Uff em Diſch die Leibſpeiſ prangt,
Dann is immer Sunneſchei
Unn aach leicht vergnigt zu ſei”.
Ach liewe Leit, ach liewe Leit,
Wär’ doch vorbei die deire Zeit!
B.E.
niſſen im häuslichen Kreiſe die nicht rechtzeitige
Heim=
kehr des Familienhauptes hervorruft; ganz abgeſehen
von der unnötigen Licht= und Wortverſchwendung
ſei=
tens der liebend beſorgten Gattin. Da nun unſere
Damenwelt bekanntlich unausgeſetzt beſtrebt iſt, auf
allen Gebieten vorwärts zu kommen und es dem
ſtar=
ken Geſchlecht gleich und über zu tun, ſo iſt es nicht
zu verwundern, wenn einige beſorgte Gattinnen nach
langem Nachſinnen einmal (Oho!! Die Red.) einen
wirklich guten Gedanken gefaßt haben, nämlich: die
Heranziehung der Polizeihunde zum Aufſpüren und
Herbeiholen verlaufener oder ſäumiger Ehemänner.
In einem Falle hat eine betroffene Ehefrau einen
be=
züglichen Verſuch gemacht: als ihr Gatte nachts 2 Uhr
noch nicht daheim war, lieh ſie ſich von einem Wächter
der Wach= und Schließgeſellſchaft, die ja auch ſolche
Hunde mitführen, den „Packan”, ließ ihn an ihrem
Ehering riechen und brachte ihn mit einem energiſchen
„Apport” auf den Trab. Und wirklich, nicht lange
darauf brachte der brave Hund den ſäumigen Gatten
am Hoſenbein angezerrt. Er hatte den Unglücklichen
in einer Weinwirtſchaft mit Damenbedienung, in die
er ſich vom Suchen nach dem richtigen Nachhauſewege
gerettet hatte und aus Verſehen ſitzen geblieben war,
weil ſeine Uhr nachging, gefunden. Geſtützt auf
die=
ſen beweiskräftigen Fall, hat ſich eine Abordnung des
„Ehefrauenbundes mit unbeſchränktem
Haus= und Recht in allen Dingen” an die
hieſige Polizeibehörde mit der Bitte gewandt, die den
Schutzleuten zugewieſenen Hunde, die doch ſicher nicht
dümmer ſind wie diejenigen der Wach= und
Schließ=
geſellſchaft und die nachts doch nichts zu tun haben,
für obige Zwecke unentgeltlich zur Verfügung zu
ſtellen und, wie hente bekannt geworden iſt, auch in
zuvorkommendſter Weiſe Zuſage erhalten. Die
Un=
fall= und Feuermeldeſtellen, ſowie ſämtliche
Schutz=
leute haben Weiſung erhalten, Wünſche beſorgter
Gat=
tinnen auf Abgabe der Polizeihunde unverweilt zu
erfüllen. So hat der nimmer raſtende Frauenſinn,
und noch dazu hier in unſerer Reſidenz, einen großen
Erfolg erzielt und ein neues Licht angezündet, neben
den vielen anderen, die von Darmſtadt aus über die
ganze Erde leuchten. Ein dreimaliges „Hurra”
un=
ſeren findigen Ehefrauen!
Die Karnevalgeſellſchaft Narhalla hat, wie uns
mit=
geteilt wird, beſchloſſen, aus dem zirka 15000 Mark
betra=
genden Ueberſchuß der diesjährigen Karnevalſaiſon
einen Fonds zu bilden, der aus den jeweils noch folgenden
Ueberſchüſſen und zu erwartenden freiwilligen Spenden
auf zirka 100000 Mark gebracht werden ſoll. Die Zinſen
dieſes Fonds ſollen verſchiedenen Wohlfahrtszwecken
die=
nen. Vor allem wird eine
Rednerhonorierungs=
kaſſe gegründet werden, aus der jedem Vortragenden
das geſprochene Wort mit 10 Pfg., die im Heinerdialekt, de
ſie ſich faſt immer durch beſonderen Geiſtgehalt
auszeich=
nen, mit 15 Pfg. honoriert werden. Es entſpricht das
einem Wunſche verſchiedener Redner, die der Anſicht ſind
daß in heutiger Zeit bei jedem Geſchäft etwas
heraus=
kommen muß. Eine Anſicht, der man zweifellos
beipflich=
ten muß, wenn man bedenkt, wieviel Stunden geiſtiger
Arbeit dazu gehören, einen Büttvortrag auszuarberten, je
nicht genug damit, es müſſen oft noch Reiſen in die
Nachbarſtädte Mainz uſw. unternommen werden, um Geiſt
und Witze zu ſammeln, da in unſerer ernſten Reſidenz der
Humor leider zu ſelten blüht. Wie weiter dazu
ver=
lautet, hat ſich die Mehrzahl der Redner bereits zu einem
„Original=Karnevaliſten=Rede=Klub” organiſiert. Dem
Vorſtand gehören die Herren Teufel, Jules, Schauber,
Rapp, Nutz und Schuſter an. — Weiter ſoll ein Teil der
Zinſen zur Gründung einer Penſionskaſſe für
El=
ferräte Verwendung finden. Nach den Statuten dieſer
Kaſſe erhält jeder Rat, der einmal austritt, ſofort
Pen=
ſion, weil ſchon die Tatſache ſeiner Mitgliedſchaft die gute
Sache des Karnevals ganz bedeutend fördert. Durch
Wie=
dereintreten erliſcht das Anrecht auf die Penſion nicht
Doch iſt das mehr als U1malige Aus= und
Wiederein=
treten unterſagt. — Die dritte Kaſſe ſoll eine Prinzen=
Altersunterſtützungskaſſe werden. Aus dieſer
erhalten alle ehemaligen Prinzen Karneval eine
Ehren=
apanage; ſolche, die mehrmals den Thron beſtiegen,
beſon=
dere Erhöhung, und invalid Gewordene erhalten außerdem
einen Kriegsveteranenſold. Für letzteren Fonds kommt
vorerſt nur Prinz Ludwig I., der Verſicherer, in Betracht.
F. Neue Muſikſchule. Herr Traugott Myrrhen, Hof=
und Kammermuſiker Sr. Durchlaucht des Fürſten von
Hornburg und Direktor des Traugott Munkell=
Konſerva=
toriums, teilt einem verehrlichen Publikum zur gefälligen
Kenntnisnahme mit, daß er mit heutigem eine
Zieh=
harmonika=Schule eröffnet hat. Lehrgang nach
eige=
ner, auf ſtreng wiſſenſchaftlich gebildeter Baſis ruhender Me
thode, bei welcher die Individualität bis ins kleinſte
be=
rückſichtigt iſt. Beſonders ſind auch zum erſten Male die
Mundharmonika, Dudelſack und Maultrommel zum
Ge=
genſtand ernſter Studien geworden und ſtehen auch für
dieſe Lehrfächer nur prima Lehrkräfte zur Verfügung.
— Begrüßung der Luftſchiffe. Zur Vermeidung
allzu vielen Glockengeläutes bei dem
Paſſie=
ren von Luftkreuzern über unſere Stadt ſind
die verſchiedenen Kirchtürme mit Telephon
unter=
einander verbunden worden. Ein auf der
Hammels=
trift errichteter Ausguck=Poſten wird beim
Heran=
nahen eines Luftſchiffes ſofort mit 2ſpännigem
Kuh=
wagen zur Stadt eilen und die am Rheintor befindliche
Alarm=Telephon=Zentrale benachrichtigen, welche dann
entſcheiden wird, ob es ſchicklich iſt, zu läuten oder
nicht.
Konzeſſionserteilung. Wie wir aus
zuverläſſi=
ger Quelle erfahren, wurde dem Pächter des „Neuen
Schießhauſes” die nachgeſuchte Varieté=
Kon=
zeſſion erteilt. Ein regelmäßiger
Automobilver=
kehr (Einzylinder=Wagen) wird den Verkehr mit der
Stadt vermitteln. Zur Eröffnungsvorſtellung ſind
bereits 20 ehemalige Haremsdamen aus
Konſtanti=
nopel eingetroffen und dürfte auch durch das übrige
reichhaltige Programm jeder Beſucher befriedigt
werden.
Unfall. Der neue Komet hat geſtern abend einen
bedauernswerten Unfall veranlaßt. Ein hieſiger
Einwoh=
ner, der ſeit dem Erſcheinen des neuen Geſtirns
allabend=
lich den Zeitpunkt verpaßte, ſtellte ſich geſtern nachmittag
4 Uhr auf ſein Dach, den Blick ſtarr auf den nördlichen
Himmel gerichtet. So ſtand er noch, bis man ihn um
Mitternacht nach langem Suchen fand. Er hatte die
Ge=
nickſtarre, war auf beiden Augen erblindet, konnte nicht
mehr laufen und nicht ſprechen, nur noch das Wort Komet
lallen. Geſehen hat er ihn nicht. Der Unglückliche wurde
mittels Krankenautomobils durch die Rettungswache in
das Städtiſche Krankenhaus verbracht.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 6. Febr. Vor dem
Reichstagsgebäude entſtand heute nachmittag ein
großer Auflauf. Während der Sitzung war nämlich
ein Leutnant mit zehn Soldaten im Sitzungsſaale
erſchie=
nen, um auf Befehl des Kaiſers den Reichstag zu ſchließen.
Der Abgeordneten bemächtigte ſich eine Panik und ſie er=
griffen ſchleunigſt die Flucht, wobei einzelne über die
Bänke ſtolperten und zu Fall kamen. Der Abgeordnete
Kantor, der in der Reſtauration gerade bei Auſtern und
Champagner ſaß, floh durch das Fenſter auf den Korridor.
Der Abgeordnete Bergererz, der bisher dem Zentrum
an=
gehörte, wurde vor Schreck ganz rot und gehört ſeitdem
der ſozialdemokratiſchen Partei an. Nur der Abgeordnete
v. Burgolden hatte die Faſſung behalten und ſah
ſchmun=
zelnd den Vorgängen zu. Der Vizepräſident Erbprinz von
Hohenfeuer rief den Leutnant zur Ordnung, da er aber
keinen Namen nannte, blieb der Ordnungsruf wirkungslos.
Der Leutnant nahm darauf von dem Sitzungsſaale
Be=
ſchlag und erklärte, daß der Reichstag nach Januſchau
ver=
legt ſei. — Das Muſter eines Polizeihundes iſt in
dem Schäferhand „Schlau” entdeckt worden. Geſtern
wurde in der Querſtraße der Kolonialwarenhändler Reich
ermordet aufgefunden. Der Mörder hatte bei der Flucht
ein Tuch verloren. Man ließ den Polizeihund Schlau
Witterung davon nehmen, worauf er die Töne es eebach
herausbellte. Sofort wußte man, daß der Mörder eir
früherer Ausläufer des Geſchäftes mit Namen Seebach ſei,
der alsbald verhaftet wurde und den Mord eingeſtand.
** Eisleben, 7. Febr. Unſer Ort iſt in dieſem Winter
vom Fremdenverkehr ganz entblößt. Wegen der andauern
den milden Witterung gibt es kein Eis und unſer Ort iſt
deshalb nicht aufzufinden.
* Dalles (in Böotien), 7. Febr. Ein ſchwerer
Un=
fall ereignete ſich heute an dem hieſigen Clio=Theater.
Während der Vorſtellung von Schillers „Don Carlos”
verſchluckte der Darſteller der Titelrolle ſämtliche
End=
ſilben, infolgedeſſen er in eine ſchwere Krankheit verfiel
und nach Schluß der Vorſtellung ins Spital gebracht
wer=
den mußte, wo er hoffnungslos darniederliegt.
R. New=York, 7. Febr. (5,0573 Sek. nach Schluß der
Redaktion eingetroffen.) Die Verhandlungen
Pierre Morgans mit der Süddeutſchen
Eiſen=
bahn=Geſellſchaft, betreffend den Ankauf der
Darm=
ſtädter Straßenbahn als Altertumsobjekt von
ungeheurem Wert, ſind nunmehr abgeſchloſſen. Pierre
Morgan zahlt 20 Millionen Mark für die alten
Loko=
motiven, Waggons und Schienen und verpflichtet ſich
außerdem, den Verkehr mit 30 Wrightſchen
Flug=
maſchinen neueſter Konſtruktion aufrecht zu erhalten.
Ein Exemplar der Lokomotiven und Waggons ſoll
dem Großherzoglichen Landesmuſeum überlaſſen
wer=
den und neben der alten Feuerwehrſpritze im
Hof=
raum Aufſtellung finden. Alle anderen Lokomotiven
und Waggons werden nach Amerika verſchifft und in
Morgans Privat=Muſeum untergebracht werden,
wo=
ſelbſt ein großer Saal zur Aufnahme dieſer uralten
Sehenswürdigkeiten reſerviert worden iſt. Die
Schie=
nen und ſonſtiges altes Eiſen gedenkt P. Morgan
ein talentvoller Handelsmann —, nach Kiel für den
Bau von Panzerſchiffen verkaufen zu können, wovon
er ſich einen großen Nebenverdienſt verſpricht. Die
Darmſtädter — meint der Berichterſtatter — können
ſtolz darauf ſein, daß ſie als erſte einen geregelten
Flugmaſchinen=Verkehr nach den umliegenden Ort
ſchaften haben werden, und ſie werden natürlich nichts
unterlaſſen, P. Morgan und der einſichtsvollen
Süd=
deutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft Dank zu wiſſen. (
Hof=
fentlich ſind die 30 Wrightſchen Flugapparate ſchon
unterwegs. Anm. der Red.)
Stadtverordneten=Verſammlung.
1. Sitzung.
St. Darmſtadt, 7. Februar.
Die Sitzung wird um halb 4 Uhr pünktlich durch
den Herrn Oberbürgermeiſter eröffnet. Die
Stadtver=
ordneten ſind, wie immer, ſchon ſeit 3 Uhr vollzählig
verſammelt. Der Vorſitzende macht folgende
Mitteilungen:
Der Hausbeſitzerverein bittet in einer
Ein=
gabe um Erlaß des Waſſergeldes, der
Kanaleinlaufs=
gebühren, um Herabſetzung der Gas= und elektriſchen
Strompreiſe für Hauseigentümer, Uebernahme der
Straßenreinigung, ſowie der Häuſerreparaturen, de
Brandverſicherungskoſten und ſonſtigen Ausgaben der
Hausbeſitzer auf die Laſten der Stadt, damit der in ſei
ner Exiſtenz ſchwer bedrohte Hausbeſitzerſtand vor dem
Verhungern bewahrt werde. Der Vorſitzende empfiehlt
dringliche Behandlung der Sache. Man beſchließt nach
warmer Befürwortung der Eingabe ſeitens des Stadtv.
Mäuſer, derſelben ohne Debatte
ſtattzu=
geben, und dem Vorſitzenden des Vereins, Herr F
C. Möhr, wegen ſeiner unſchätzbaren Verdienſte um
das Wohl der Stadt und angeſichts der Tatſache, daß
die vorliegende Eingabe die 100ſte dieſes Inhalts iſt,
zum Ehrenbürger der Stadt Darmſtadt zu
er=
nennen. Die für „Eingeſandts” verantwortlich
zeich=
nenden Redakteure der hieſigen Blätter ſollen zur
Ueberreichung der Ehrenurkunde eingeladen werden.
Stadtv. Schabb hat einen Antrag eingebracht,
nicht nur die toten großen Söhne unſerer Stadt durck
Straßenbenennung mit ihren unſterblichen Namen zu
ehren, ſondern das auch ſchon mit den Lebenden zu tun
in richtiger Erkenntnis der Tatſache, daß der Lebende
mehr von der Ehrung hat als der Tote. In Vorſchlag
gebracht werden folgende Namen: Zapfenleyerweg,
Jackelſtraße, Lundtgaſſe, Ringerſtraße, Mäuſerweg
Hemmerichſtraße, Stefſeusweg uſw. Für letzteren wirt
der Gräfenhäuſer Weg vorgeſchlagen. Aus der Mitte
der Verſammlung heraus wird eine Anzahl weitere:
Vorſchläge gemacht, die ſämtlich angenommen werden
Stadtv. Jackel empfiehlt, die neuen Straßenſchilder
nicht in dem tenren Email herſtellen zu laſſen,
ſon=
dern in Rückſicht auf die allgemeine finanzielle Lage
einfache Papierſtreifen beſchreiben zu laſſen. Von den
Beamten im Stadthaus werde zweifellos einer ſchön
in Rundſchrift die Sache machen können. — Der Antrag
wird angenommen.
Die Stadtv. Lundt und Schabb haben einen
Antrag eingebracht, einen Stenographen zu den
Ple=
narverſammlungen anzuſtellen, der ihre Reden
ſteno=
graphiert. Die Reden ſollen dann im Wortlaut den
hieſigen Tageszeitungen überwieſen werden. Einem
Blatt, das etwa Kürzungen an dem Wortlaut
vor=
nimmt, ſollen ſofort die amtlichen Bekanntmachungen
entzogen werden. Der Antrag wird damit begründet,
daß die bürgerlichen Blätter äußerſt mangelhaft über
die wichtigen Reden der Stadtvv. berichten und darum
zahlreiche Bezirksverſammlungen abgehalten werden
müſſen, damit die Wähler überhaupt etwas von den
Gewählten hören oder leſen. Der Antrag, der von
den Stadtvv. Hemmerich und Jackel warm
unter=
ſtützt wird, findet Annahme. — Stadtv. Barmut
be=
antragt hierauf, in geeigneter Weiſe für die nun
kalt=
geſtellten Berichterſtatter Sorge zu tragen.
Ein Zwiſchenfall.
Als der Redner hierbei perſönliche Verhältniſſe
zur Sprache bringt und Bezüge aus der
Armenunter=
ſtützungskaſſe empfiehlt, verlaſſen die Berichterſtatter
demonſtrativ den Saal. Auf Erſuchen des Vorſitzenden
wird dann die Angelegenheit in die geheime Sitzung
verwieſen, und die Berichterſtattung=swieder- aufges.
unmmen.
Man tritt in die Tagesordnung ein.— Der
Vor=
ſitzende legt den
I1-
Städtiſchen Voranſchlag für 1911
vor. Er führt dazu aus: Schon in ſeiner Tätigkeit als
Landtagsabgeordneter ſei er wiederholt und zu jeder
Zeit für Sparſamkeit in der Verwaltung eingetreten.
Das dort vorgeſchlagene Sparſamkeitsſyſtem habe er in
der Verwaltung der Stadt in die Praxis übertragen.
Einzelheiten darüber ſeien in der 567 Seiten
umfaſſen=
den Denkſchrift zum 490 Seiten umfaſſenden
Voran=
ſchlag niedergelegt. Die Drucklegung dieſer Denkſchrift
koſte übrigens nicht, wie verlautbart war, 1200 Mark.
ſondern nur 120 Mark. Im beſonderen weiſt Redner
noch darauf hin, daß außer dem Strich der
Sonderge=
bühren für Schuldiener noch die Koſten für die
Blech=
ſchilder an den Hüten der Straßenkehrer uſw. erſpart
werden können; ferner ſollen Erſparniſſe erzielt
wer=
den durch Herabſetzung der Bureaudienſtzeit der
ſtädti=
ſchen Beamten und Beſchränkung der Arbeitszeit auf
die Zeit der Tageshelle, durch Vereinfachung der
Uni=
formen der Bürgermeiſtereidiener (Verminderung der
Knöpfe, Verkürzung der Rockſchöße uſw.). Hingegen
waren andere große Ausgaben nicht zu umgehen, ſo
daß trotz aller Sparſamkeit der Steneraufſchlag auf
169 Prozent erhöht werden muß.
In der Debatte wurden die unumgänglichen
Aus=
gaben für Schulhausbauten (3¾ Millionen), für
Um=
bau des Ausſtellungshauſes (300000 Mark), für
Aus=
bau der elektriſchen Straßenbahn (420000 Mark),
Ex=
höhung des Zuſchuſſes zum Hoftheater (auf 50000 Mk.)
Erhöhung der Gehälter der Beigeordneten und oberen
ſtädtiſchen Beamten (700000 Mark) Grundſtücksankäufe
im Gelände des neuen Bahnhofs (2¼ Millionen) uſwe
uſw. ohne Widerſpruch bewilligt.
Eine längere Debatte entſtand über einen Antrag
des Polizeiamtes, zur Bekämpfung der
Wan=
zenplage im Xx. Polizeirevier einen
Kre=
dit von 5 Mark zur Verfügung zu ſtellen und einen
Kammerjäger mit der Bekämpfung zu beauftragen.
Stadtv. Steffen führt aus: Ich bin aus
prin=
zipiellen Gründen gegen jede direkte oder indirekte
Unterſtützung der bewaffneten Macht, zu der auch die
Polizei gehört. Sachlich halte ich die Forderung für
durchaus unberechtigt, weil ſie die Bevorzugung einer
beſtimmten Geſellſchaftsklaſſe gegenüber der
arbeiten=
den Bevölkerung bedeutet. Zahlloſe Mitglieder des
Proletariats werden von Wanzen gebiſſen, ohne daß
die Polizei ſich darum kümmert. In
Gräfen=
hauſen im Ohlyſtift ſind in der letzten Zeit
ſo viele Mißſtände vorgekommen, Mißhandlungen
Geiſteskranker uſw., daß
ich dieſe Dinge (der
Redner wird hier unterbrochen und erſucht, zur Sache
zu ſprechen, da noch 22 Punkte auf der Tagesordnung
ſtehen). Er behält ſich vor, auf die ſchreienden
Miß=
ſtände im Ohlyſtift zurückzukommen.
Abg. Zapfenleyer: Da das 20. Polizeirevier
in Beſſungen liegt, als deſſen erwählter Stadtvater ich
hier das Wort ergreife, bitte ich, den nachgeſuchten
Kredit zu bewilligen. Ueberhaupt müſſe dem Stadtteil
Beſſungen mehr Aufmerkſamkeit geſchenkt werden. —
Stadtv. Mänſer iſt gegen den Antrag, weil er
wie=
derum die Bevorzugung eines Stadtteiles gegenüber
dem Martinsviertel bedeute. Hier leben ebenfalls
zahl=
reiche Wanzen, die eine Plage für die Bewohner ſind,
und kein Menſch regt ſich zur Bekämpfung. Auch geht
noch immer keine elektriſche Straßenbahn ins Herz des
20000 Menſchen zählenden Martinsviertels, und der
Herrngarten iſt noch immer unbeleuchtet. (Rufe: Zur
Sache!) Ja, meine Herren! Jedesmal, wenn ich hier
die Intereſſen des Martinsviertels vertrete, werde ich
zur Sache gerufen. Immer wird das Martinsviertel
ſtiefmütterlich behandelt. Ich werde mich an die
Oef=
fentlichkeit wenden.
Stadv. Jackel: M. ſ. g. H.! Ich hätte es, was
den Voranſchlag anbelangt, den wo uns der Herr
Ober=
bürgermeiſter ſoeben vorgelegt hat, lieber geſehen,
wenn man bei den Schulhausbauten, die wo eine
Un=
menge Geld beanſpruchen, mehr die Hand aufs
Porte=
monnaie gehalten hätte. Da hätte man meines
Er=
achtens nach doch mehr ſparen können, wenn man
au=
ſtatt vier verſchiedener ein größeres Schulhaus erbaut
hätte. Ich habe dieſen Vorſchlag ſchon früher einmal
gemacht und bitte ſehr, denſelben nochmals zu erwägen.
Was die Sache ſelbſt betrifft, ſo habe ich im allgemeinen
nichts gegen die Bekämpfung der Wanzen, die wo die
Schutzleute da ſo plagen, einzuwenden, aber ich bitte,
nicht die Sache ſo ohne weiteres einem Kammerjäger
zu übergeben. Meines Erachtens nach haben wir
be=
ſonders die Pflicht, dem Gewerbeſtand, der wo ſehr
da=
niederliegt, zu helfen, und ich bitte, zunächſt ein
öffent=
liches Ausſchreiben zu erlaſſen, ob nicht ein
Gewerbe=
treibender ein Mittel zur Vertreibung der Plagegeiſter,
die einen Menſchen abſchlachten können, beſitzt. (
Bei=
fall.) — Stadtv. Maux, der wie gewöhnlich eingenickt
war, hat nur das Wort „abſchlachten” gehört. Er
pro=
teſtiert gegen die Erhöhung der Gebühren im
Schlacht=
haus, und wird darauf aufmerkſam gemacht, daß noch
immer der Wanzenvertilgungsantrag zur Debatte ſteht.
— Stadtv. Barmut: Meine Herren! Ich muß aus
Gründen der Humanität und Menſchlichkeit dringend.
warnen, die genannten Tiere ohne größte Not zu töten.
Sie ſind Gottes Geſchöpfe wie wir alle, und als
Mit=
glied des Tierſchutzvereins und verwandter
Beſtrebun=
gen proteſtiere ich energiſch gegen jede Quälerei. Wenn
der Antrag, die Wanzen zu vertilgen, durchgeht, bitte
ich, eine Kommiſſion zu wählen, die die zu
ergreifen=
den Maßnahmen genau prüft, damit Gewähr dafür
ge=
geben iſt, daß die Tiere zunächſt ſchmerzlos betäubt und
dann möglichſt ſchnell und ſicher getötet werden.
Nachdem noch 17 Redner zur Debatte geſprochen,
wird die Angelegenheit vertagt und die Kommiſſion
mit Prüfung der Angelegenheit beauftragt. — Wegen
der vorgerückten Stunde wird die Sitzung um=9 Uhr
abends abgebrochen.
Literariſches.
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eine Schrift „Fünfundſiebenzig Vorſchläge
ur Beſeitigung der Finanznot in
Heſ=
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der 3. Band des umſangreichen Werkes der
Ge=
ſchichte der heſſiſchen Wahlreform. (560
Seiten. Preis geh. 4,50 Mk.) Wir verweiſen
bezüg=
lich des Werkes auf die Beſprechung des 1. Bandes
vor 7 Jahren.
Erſchienen am Faſtnachts=Dienstag. 10. Jahrgaug.
Unverautwortliche Redaktion des „Tagblatts”
(Das Uebelnehmen und Nachdrucken vorſtehender=Ar
tikel iſt verboten -