Abonnementspreis
Inſerate
173. Jahrgang
1
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Gloſſen zur Geſchichte des Tages.
Die Intrige und der ſachliche Kanzler.
Es liegt im Weſen der politiſchen Intrige, daß ſie
nie zur Ruhe kommt, daß ſie keine Ferien und keine
Schonzeit kennt. Nur die Perſonen wechſeln. Immer
hält die politiſche Intrige mit der Politik, als heimliche
Begleiterin, Schritt und Tritt. Und häufig marſchieren
beide ſo nahe aneinander, daß es ſchwer iſt, zu ſagen, wo
die Grenzlinie zwiſchen ihnen läuft. Die Intrige iſt nicht
das Merkmal der ſchwachen Regierungen. Sie gedeiht
ſauch da, wo ein Bismarck das Heft in eiſernen Händen
hält. Nur treibt ſie es dann heimlicher und unehrlicher.
Wir wiſſen es aus den Briefen, Reden und Erinnerungen
des Einzigen und Unvergeßlichen.
Neun lange Jahre hielt Bernhard von Bülow
der Intrige Stand. In mancherlei Geſtalt und Kleid, von
den entgegengeſetzteſten Seiten grub ſie ihre Gänge gegen
ihn, der auf dem höchſten und darum am heißeſten
begehr=
ten Poſten ſtand. Er fiel erſt, als die Freunde ſich von
ihm ſtahlen und ihn an ſeine Todfeinde, klingenden
Vor=
teiles wegen, verrieten. Er ging, und Theobald von
Bethmann Hollweg ward auf den Poſten geſtellt,
den keiner behaupten wird, ohne daß die Intrige ſich ihn
zum Ziele nimmt. Aber noch nie zuvor erhob ſie ſo
ſchnell, nach wenigen Monaten ſchon, ihr Haupt. Wer
lenkt ſie diesmal, wem ſoll ſie dienen? Wem haben die
Vermummten die Kanzlerwohnung zugedacht, wo die
neuen Tapeten kaum trocknen und die von Wilhelm Bode
ausgewählten Möbel in der Stille der Nacht geſpenſtiſch
knacken? Einige Verſchworene ſitzen an ſeinem Tiſche und
loben mit eiferndem Munde alle ſeine Entſchließungen,
die — oben oder unten — Mißfallen oder Mißdeutung
erwecken können.
*
*
Man verbreitet, der Kaiſer ſei des fünften
Kanz=
lers überdrüſſig, finde ihn zu pedantiſch, zu bedächtig, zu
ſehr am Einzelnen haftend, nicht großzügig genug. Um
Kleinigkeiten erbitte er, ſtatt ſelbſt zu entſcheiden, die
kaiſerliche Willensäußerung. Möglich, daß Bernhard von
Bülow durch ſeine Meiſterſchaft, den Stoff zu beherrſchen
und im mündlichen und ſchriftlichen Vortrage das
Bei=
werk nicht in die Reihe des Wichtigen zu ſtellen, den
Kai=
ſer verwöhnt hatte. Aber der Kaiſer wußte, was der
Kanzlerwechſel in dieſer Beziehung für ihn bedeutete, und
kannte den Schloßherrn von Hohenfinow, auf deſſen
Jagd=
gründen er als Prinz Wilhelm den erſten Bock zur Strecke
brachte, ſeit mehr als dreißig Jahren als einen nicht ſehr
ſchmiegſamen, aber unerſchütterlich gewiſſenhaften Diener
der Krone und des Staates.
Dieſer fünfte Kanzler des Deutſchen Reiches iſt
der einzige, der keine Preſſe hat. Weder eine
feindliche, noch eine freundliche. Theobald von Bethmann
Hollweg, der Enkel Frankfurter und Pariſer Bankiers,
hält nicht viel von der öffentlichen Meinung. Sie iſt ihm
zu launiſch, zu flatterhaft — nicht immer ernſt genug.
Er hat nichts gegen die Journaliſten, er achtet jede Arbeit
und jeden Stand. Der verantwortliche Lenker aber der
Geſchicke eines mächtigen Reiches darf, ſo meint er,
über=
hören, was, um mit Wippchen zu ſprechen, „der papierne
Blätterwald rauſcht‟. Er glaubt nicht, daß ein moderner
Kanzler auf dem Inſtrumente der Preſſe mit der
Virtuo=
ſität eines Moritz Roſenthal oder Frédéric Lamond zu
ſpielen wiſſen muß. Er glaubt, daß „Sachlichkeit”
ſtärker ſei als „Stimmung” und hat, von Anfang an,
nur Fühlung mit der öffentlichen Meinung geſucht, um
ſie väterlich zu vermahnen oder um „richtigzuſtellen” und
„Irrtümer aufzuklären”, — als ob das gedruckte Wort ſich
zurückholen ließe!
Wer ſtürzen will — und die Intrige will immer
ſtür=
zen — der muß auch Nachfolger anzubieten haben. Nun,
da iſt ja noch die Kanzlerliſte vom Sommer. Sie
lautete, ſo, wie ſie dem Kaiſer vorlag: „1. Graf Wedel,
z. von Bethmann Hollweg, 3. Freiherr von Rheinbaben,
4. von Tirpitz, 5. von Einem‟. Die Herren von Einem
und von Tirpitz ſind keine Kandidaten mehr für die
Kanz=
lerſchaft. Aber wer weiß, vielleicht ließe Graf Wedel, der
die Erbſchaft des Fürſten von Bülow ausſchlug, ſich durch
ein kaiſerliches Machtwort doch dazu bewegen, die
Erb=
ſchaft des Herrn von Bethmann Hollweg zu übernehmen.
Oder man rückt die Klugheit und das unleugbare Verdienſt
des Herrn von Rheinbaben, der zwar den Liberalen von
Baſſermann bis Bebel eine béte noire iſt,doch dafür von den
Konſervativen umſo zärtlicher geliebt wird, in die rechte
Beleuchtung.
Der Mann der Situation aber iſt, ohne Frage, im
Augenblicke Herr Bernhard Dernburg. Die
In=
trige ſpielt ihn, ohne ſein Zutun und vorläufig noch ohne
genau erkennbare Richtung, deswegen aus, weil keinen
ſeiner Miniſterkollegen im Reiche und in Preußen die
Sonne kaiſerlicher Huld ſo warm beſtrahlt wie ihn. Er
hat, auch als Privatmann, in den letzten Tagen
untrüg=
liche Zeichen höchſter kaiſerlicher Gunſt empfangen. Es iſt
ſicher, daß der Kaiſer mit Herrn Dernburg in ſeinem
jetzi=
gen Wirkungskreiſe außerordentlich zufrieden iſt. Muß
man daraus ſchließen, daß er ihm einen anderen
Wir=
kungskreis anweiſen will?
Jede Intrige verteilt das Fell des Bären, bevor er
erlegt ward. Diesmal aber möchte man dem Bären denn
doch etwas ſtärkere Zähne und ſchärfere Klauen
wün=
ſchen . . .
Helgoland.
* Ueber die Zukunft der Inſel Helgoland wird den
„Berl. Neueſt. Nachr.” anläßlich der letzthin geäußerten
Befürchtungen von einem Kenner der Verhältniſſe, der
auch mit den Plänen des Reichsmarineamts vertraut iſt,
geſchrieben:
Bekanntlich fordert der preußiſche Etat für 1910 neue
Summen für Errichtung von Schutzmauern an der
Süd=
weſtſeite der Inſel, um die fortſchreitenden Abbröckelungen
an dieſer Seite zu verhindern. In der Preſſe iſt die
Be=
ſürchtung ausgeſprochen worden, daß der Beſtand der
Inſel zurzeit gefährdet ſei und die vielen Millionen, die
man für die Inſel ſeit 1890 ausgegeben habe und noch
auszugeben gedenke, eines Tages in den Wellen der
Nord=
ſee verſchwinden werden. Dieſe Befürchtung liegt aber
nur vor, wenn die Schutzarbeiten aus Kurzſichtigkeit nicht
ausgeführt werden ſollten. Werden die Pläne der
Regie=
rung in die Wirklichkeit umgeſetzt, ſo iſt der Beſtand der
Inſel geſichert. Die Lage iſt folgende: Abbröckelungen
durch Unterwaſchungen finden nur an der Südweſtſeite
der Inſel ſtatt, die aus poröſem Geſtein beſteht. An dieſer
Seite umtoben die Stürme die Inſel, unterwaſchen am
Waſſerſpiegel das Geſtein, höhlen es aus und laſſen es
allmählich nachfallen. An der Nordoſt= und
Unterland=
ſeite ſind dieſe Abbröckelungen bisher nicht beobachtet
worden, da hier die Düne den nötigen Schutz für die
Brandung bietet. Schützt man jedoch die Südweſtſeite
durch Granitmauern nach den vorliegenden Plänen, ſo
hören die Unterwaſchungen mit ihren Folgeerſcheinungen
auf. Darauf iſt das Beſtreben der Verwaltung gerichtet
und dadurch wird auch erreicht, daß die in Angriff
genom=
menen Hafenbauten, die an ſich nicht gefährdet ſind, ihren
Zweck erfüllen. Der militäriſche Wert der Inſel iſt
be=
kannt, die Inſel als Flottenſtützpunkt hindert feindliche
Flotten am Einlaufen in die deutſchen Flußmündungen.
Helgoland äls ſtarke Feſtung muß erhalten werden und
kann nur erhalten werden durch den Bau der geplanten
Schutzmauern, ohne die allerdings die Batterien einmal
ins Meer verſinken würden. Dieſer Bau iſt alſo eine
Notwendigkeit für den Beſtand der Inſel und einen Teil
der Befeſtigungsanlagen. Hoffentlich ſind die
geſetzgeben=
den Körperſchaften nicht zu kurzſichtig und unterſtützen
die weitausſchauenden Pläne der Regierung.
Japan.
— Im japaniſchen Parlament hat dieſer
Tage der Miniſter des Aeußern ſich in einer
län=
geren Rede über die Situation auf dem Gebiete der
äußeren Politik Japans in längeren
Ausfüh=
rungen ergangen, die zum Teil von weitergehendem
In=
tereſſe ſind. Es iſt ja klar, daß bei derartigen offiziellen
Aeußerungen gern Schönfärberei getrieben wird und
manche Darſtellung den Tatſachen nicht ſo genau
ent=
ſpricht, weil man nicht gut die Wahrheit ſagen kann, teils
aus politiſchen, teils aus taktiſchen Gründen. So iſt es
auch begreiflich, wenn der japaniſche Miniſter des Aeußern
in ſeiner Rede erklärte, daß eine Feſtigung der
Freund=
ſchaft zwiſchen Rußland und Japan zu konſtatieren ſei.
Man weiß zur Genüge, welche Ziele Japan auf dem
aſiatiſchen Feſtlande verfolgt und dieſe Phraſe
muß daher, bei Lichte beſehen, einen etwas komiſchen
Eindruck machen. Tatſache iſt doch, daß Japan auf dem
beſten Wege iſt, Korea noch enger anzugliedern und zu dem
Zwecke zehntauſende von Truppen dorthin gebracht hat.
Dieſe große Truppenkonzentration iſt aber nicht für
Korea allein berechnet, denn hierfür würde weit weniger
reichen, man verfolgt dabei noch ganz andere Zwecke und
dieſe ſind gerade nicht in letzter Linie gegen Rußland
ge=
richtet. Japan geht zweifellos darauf aus, auch in der
Mandſchurei ſeinen Einfluß ſowohl auf
wirtſchaft=
lichem wie auch auf politiſchem Gebiete zu erweitern, und
hierauf ſind alle japaniſchen Anſtrengungen gerichtet. Aus
dieſem Grunde iſt es auch geſchehen, daß Japan den
Vor=
ſchlag Amerikas hinſichtlich der Neutraliſierung der
mand=
ſchuriſchen Bahn energiſch abgelehnt hat und der Miniſter
iſt auch ſo offen in ſeiner Rede, als Grund hierfür rund
heraus zu erklären, daß dies geſchehen ſei, weil dieſer
Vorſchlag nicht bloß den Verträgen widerſpräche, ſondern
auch unter den gegenwärtigen Verhältniſſen die Intereſſen
Japans in der Mandſchurei gefährden würde.
Bei der Ablehnung dieſes weitgehenden Projektes
dürfte aber auch noch ein anderes Moment in Frage
ge=
kommen ſein: Der alte Haß gegen die Vereinigten
Staaten von Nordamerika. Es iſt in aller
Er=
innerung, wie man nicht weit von einem folgenſchweren
amerikaniſch=japaniſchen Kriege entfernt war, daß
Ame=
rika ſogar ſeine Flotte bereits mobil gemacht hatte, die
dann die große Fahrt zu Uebungszwecken antrat,
viel=
leicht aber auch aus dem Grunde, weil man doch eine
erhöhte Zuſpitzung der Dinge befürchtete. Für dieſes
Amerika den Schleppenträger zu bilden, dafür dünkt man
ſich in Japan zu gut, denn man ſagte ſich, daß dieſe „
Neu=
traliſierung” doch wohl nicht in letzter Linie aus dem
Grunde vorgeſchlagen worden iſt, um den Einfluß
Ame=
rikas in Geſtalt der Beteiligung beträchtlichen
amerikani=
ſchen Kapitals in erhöhtem Maße zu ſtärken. Die Japaner
ſind von je mißtrauiſche Leute geweſen und es iſt nicht
ſo leicht möglich, ſie hereinzulegen. Das hat England zu
ſeinem Leidweſen ſehen müſſen, wo man ſicherlich gehofft
hatte, von dem Bündnis mit Japan reiche Früchte zu
ernten, während das Reſultat das iſt, daß heute England
von dieſem Bündnis, das lediglich Japan zuſtatten
ge=
kommen iſt, mehr als genug hat.
Bei dieſem japaniſchen Mißtrauen gegen alles
Fremde wird man auch keine allzu großen Hoffnungen
auf die Oeffnung des Hafens Port Arthur für den
Welthandel ſetzen dürfen, denn Japan wird es ſchon
treff=
lich verſtehen, die Sache ſo zu handhaben, daß man bei
aller Freiheit des Handels ſelber nicht zu kurz dabei
weg=
kommt. Es liegt in der Natur der Sache, daß Japan bei
dem bisher in ſeiner Aſienpolitik Erreichten nicht ſtehen
bleiben, ſondern ſuchen wird, ſeinen Einfluß in Oſtaſien
zu einem dominierenden zu geſtalten. Die Japaner
über=
ſtürzen nichts, man wird langſam, aber ſicher vorgehen,
bis man, wie beim ruſſiſchen Kriege, den Moment für
den günſtigſten erachtet. Daß es dann zu folgenſchweren
Konflikten mit vielleicht nicht bloß einer Macht kommen
wird, liegt auf der Hand, und von keiner anderen Seite
als von Japan droht Gefahr für den Weltfrieden.
Deutſches Reich.
— In mehreren Blättern iſt gemeldet worden, daß
der Gouverneur von Deutſch=Südweſtafrika, von
Schuckmann, ſeinen Abſchied eingereicht habe. Man
wird annehmen können, daß die Zeitungsmeldungen den
Ereigniſſen voraufgeeilt ſind. Es iſt kein Geheimnis, daß
die Auffaſſungen des Gouverneurs von Schuckmann ſich
mit denen des Staatsſekretärs nicht in allen Punkten
decken, und durch die Worte, die der Staatsſekretär im
Reichstgg geſprochen hat, iſt das auch in weiteſten
Krei=
ſen in ?nicht mißzuverſtehender Weiſe bekannt geworden.
Es iſt anzunehmen, daß die Meinungsverſchiedenheiten
auch ſchon in früheren Erörterungen zutage getreten ſind.
Auf privatem Wege wurde ſchon vor einiger Zeit aus
Südweſtafrika die Nachricht verbreitet, daß Herr von
Schuckmann von Rücktrittsgedanken ſpräche, und wenn
er damals ſchon dieſe Abſicht gehabt haben ſollte, ſo würde
ſie durch die jüngſten Vorkommniſſe ſowohl im Reichstag
wie auch in Südweſtafrika ſelbſt wohl eine Verſtärkung
er=
fahren haben.
— Die Ablehnung des deutſch=
portugie=
ſiſchen Handelsvertrages durch die Kommiſſion
des deutſchen Reichstages wird, wie der „Köln. Ztg.” aus
Liſſabon gemeldet wird, dort allgemein beſprochen.
Die Oppoſition benutzt die Gelegenheit, wieder zu
behaup=
ten, die deutſche Unterſchrift ſei nur ein Köder geweſen,
um die Madeira=Entſchädigung zu erhalten. Ernſte
Blät=
ter, wie das „Jornal do Commereio”, als Organ des
portugieſiſchen Großhandels, bedauern die Ablehnung,
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Nummer 25.
ſehr und hoffen auf ein beſſeres Ergebnis im Plenum.
Sie betonen, es ſei ſehr zu bedauern, daß Deutſchland nicht
wegen einer Durchſicht der Tabellen neu unterhandelt
habe. Portugal brauche Handelsverträge mit
Meiſtbe=
günſtigung. Die deutſche Ablehnung mache weitere
Ab=
ſchlüſſe ungeheuer ſchwierig. Die erhöhten Sätze der
Ta=
belle können erſt nach Inkrafttreten des neuen
portugie=
ſiſchen Generaltarifs eintreten, da Verträge mit
Meiſtbe=
günſtigungsklauſel mit Rußland und Norwegen
vor=
liegen.
— Im Befinden des Reichstagspräſidenten Grafen
Stolberg=Wernigerode iſt eine ſtete, wenn auch
nur langſame Beſſerung zu verzeichnen. Bei der Natur
der Erkrankung wird es dem Präſidenten wohl nicht
möglich ſein, die Präſidialgeſchäfte vor Oſtern wieder zu
übernehmen.
— Das Zentrum hat beſchloſſen, den Kandidaten
der Wirtſchaftlichen Vereinigung, Poſtverwalter Hädrich,
bei der Reichstagserſatzwahl in Eiſenach
zu unterſtützen.
— Die Vorarbeiten für die neue preußiſche
Wahlrechtsvorlage ſind, Blättermeldungen
zu=
folge, ſoweit gediehen, daß die Einbringung der Vorlage
im Landtage in den nächſten Wochen erwartet wird.
— Die 37. Tagung des Landesausſchuſſes
für Elſaß=Lothringen iſt am Freitag nachmittag
durch den kaiſerlichen Statthalter, Grafen von Wedel mit
einer Rede eröffnet worden, in der er verſchiedene neue
Geſetzentwürfe ankündigte. Ferner teilte Graf von Wedel
mit, daß die Verhandlungen über die
Verfaſſungs=
reform noch fortdauerten und in nicht zu ferner Zeit
ein befriedigendes Ergebnis bringen würden. Der
Staatsſekretär Freiherr Zorn v. Bulach berief den
Alters=
präſidenten Ditſch zur Leitung der Verhandlungen, bis
zur Wahl eines Präſidiums. Ditſch bedauerte in ſeinem
Rückblick, daß das abgelaufene Jahr in der
Verfaſſungs=
frage keinen Fortſchrit gebracht habe.
— Die Zweite badiſche Kammer nahm den
Antrag Rebmann (nl.) und Genoſſen, dahingehend, die
Regierung wolle die Frage der Neckarkanaliſation
durch bundesfreundliches Zuſammenwirken der beiden
Re=
gierungen von Württemberg und Baden einer möglichſt
baldigen Löſung entgegenführen und zugleich ein
Ein=
verſtändnis in der Frage der Schiffahrtsabgaben
anſtreben, nach Ablehnung der Kommiſſionsberatung mit
B9 gegen 25 Stimmen des Zentrums und der
Konſervati=
ven an.
Ausland.
— In der Preſſe iſt das Gerücht aufgetaucht, bei den
Verhandlungen über eine Annäherung zwiſchen Rußland
und Oeſterreich=Ungarn ſei ein Fortbeſtehen des Status
quo auf dem Balkan ins Auge gefaßt worden, jedoch bei
ſtrenger Abgrenzung der ruſſiſchen und öſterreichiſchen
Einflußſphäre. Dies erweiſt ſich nach Informationen
aus gutunterrichteten Stellen als völlig unbegründet. Von
einer ſolchen Abgrenzung iſt überhaupt keine Rede
ge=
weſen.
— Im ungariſchen Abgeordnetenhauſe unterbreitete
nach Verleſung des Vertagungserlaſſes Graf Theodor
Batthyany einen Antrag, worin ſich das
Abgeord=
netenhaus dagegen verwahrt, daß die Regierung, der das
Mißtrauen ausgeſprochen wurde, den Staatshaushalt
führe, Steuern einziehe, Rekruten aushebe, wegen der
Handelsverträge verhandle, den rumäniſchen
Handelsver=
trag im Verordnungswege durchführe, Anleihen abſchließe,
Verſügungen für Bosnien treffe und die gemeinſamen
Ausgaben auszahle. Apponyi und Molnar erklärten, daß
die Regierung mit der Vertagung die
Verfaſ=
ſung verletzt habe, da ſie nach der
Mißtrauenserklä=
rung nur die Wahl zwiſchen dem eigenen Rücktritt und
der Auflöſung des Reichstages hätte. Andraſſy gab zu,
daß die Vertagung mit dem Geiſt der Verfaſſung nicht in
Einklang ſtehe, lehnte jedoch den Antrag Batthyanys ab.
Der Antrag wurde von der Mehrheit angenommen, womit
die Sitzung zu Ende war.
— Infolge der Verkehrsſchwierigkeiten und der
ver=
hältnismäßig wenigen Abgeordneten, die zu
der Vor= und Nachmittagsſitzung der franzöſiſchen
Kam=
mer erſchienen waren — ein großer Teil war in hohen
Stiefeln gekommen — wurde in den Wandelgängen lebhaft
darüber geſtritten, ob man weiter ſitzen ſolle. Man machte
dagegen geltend, daß man das Budget auch ſpäter
erle=
digen könne, wenn man ſolche Reden, die nur für die
Wahlkreiſe der betreffenden Redner Intereſſe hätten,
ver=
meide, und daß das Perſonal der Kammer jetzt beim
Ret=
tungsdienſte beſſer am Platze ſei. Die Kammer ſetzte
zu=
nächſt die Beratung des Etats der öffentlichen Arbeiten
fort, beſchloß dann aber, angeſichts des Fehlens
zahlrei=
cher Abgeordneter, die Beratung des Budgets acht Tage
auszuſetzen. — Miniſter Millerand, der mit der
Maßnahme nicht einverſtanden war, zollte den Helfern
vom Zivil und Militär Anerkennung, hielt im übrigen
aber den Augenblick für ſchlecht gewählt, um das
Ver=
trauen der Bevölkerung zu den Männern, denen es
ob=
liege, ſeine Intereſſen zu wahren, zu verringern.
Im Senat wurde der Antrag, weitere zwei
Mil=
lionen Franken für die von der
Ueber=
ſchwemmung Betroffenen bereit zu ſtellen, einer
Kom=
miſſon überwieſen, was den Arbeitsminiſter zu der
Be=
merkung veranlaßte, daß die Regierung keines Anſpornes
bedürfe, um ihre Pflicht zu tun.
— Nach den Reſultaten über die Wahlen in England,
die bis Samstag mittag vorlagen, war der Stand der
Parteien folgender: 264 Konſervative, 263 Liberale,
40 Mitglieder der Arbeiterpartei, 76 Nationaliſten. Die
Regierungsmehrheit betrug bis dahin 115 Sitze.
Jeden=
falls iſt es jetzt ſicher, daß die Regierung über eine
Mehr=
heit verfügen wird, um das Budget und die gegen die
Lords gerichtete Bill durchzubringen. Die Konſervativen
hätten 164 Sitze ihren Gegnern abnehmen müſſen, um eine
Mehrheit von einer einzigen Stimme zu erzielen, ſie
ha=
ben aber nur einen Nettogewinn von 105 Stimmen erzielt.
Nach amtlicher Bekanntmachung wird der König das
Par=
lament am 21. Februar eröffnen.
— Der König von Norwegen beauftragte den
Stor=
thingpräſidenten Konow mit der Bildung des Ka=
ISII
binetts. Konow nahm den Auftrag an.
— Die Nachrichten aus Griechenland werden als ſehr
bedenklich aufgefaßt. Namentlich glaubt man, daß die
Forderung auf Einberufung der Nationalverſammlung,
da ſich der König bisher ihr entſchieden widerſetzt, zu
um=
ſtürzenden Ereigniſſen führen könne. Man nimmt an,
daß die Entſcheidung in wenigen Tagen fallen muß und
betrachtet den Gang der Ereigniſſe, die zu immer.
grö=
ßerer Verwirrung führen, nicht ohne Beſorgnis.
Veni=
zelos unterhandelte am Freitag mit Theotokis, der
erklärte, ſeine Partei mache die endgültige Zuſtimmung
zur Berufung der Nationalverſammlung von der
Zu=
ſtimmung des Königs abhängig. Die Theotokiſten
be=
wieſen dadurch ihre Loyalität. Falls der König zuſtimme,
werde das Berufungsdekret kein beſtimmtes Datum
feſt=
ſetzen, ſondern ſich auf die Erklärung beſchränken, daß die
Nationalverſammlung vor dem Zuſammentritt der neuen
Kammer tagen werde.
* Eine Rede des deutſchen Botſchafters
in London. Der Botſchafter Graf Wolff=
Metter=
nich hielt bei dem Feſtmahl, das der deutſche Verein im
großen Saale des Cecil=Hotels anläßlich der Feier des
Geburtstages des deutſchen Kaiſers gab, eine Rede, in
der er u. a. ausführte: Deutſchland habe Kriege geführt
um ſeine nationalen Ziele zu erreichen. Seit nunmehr
40 Jahren habe Deutſchland den Frieden bewahrt.
Deutſch=
land verlange keine neuen Länderſtrecken und ſeine
Er=
oberungsabſichten ſeien auf die Erſchließung fremder
Märkte gerichtet. Dieſe Politik werde geführt von den
Waffen des Geiſtes, des Fleißes und der Geſchicklichkeit,
nicht mit roher Gewalt. Das gegenſeitige Vertrauen der
Völker mache den Schutz der Intereſſen nicht entbehrlich!
Dazu ſeien Heer und Flotte da. Deutſchland baue ſeine
Flotte nach einem ſeit langem feſtgelegten Plane und
be=
anſpruche nicht, die ſtärkſte auf dem Meere zu ſein. Das=
Meer ſei frei und gehöre niemand allein, aber
Deutſch=
land wolle im Einklange mit ſeinen überſeeiſchen
Inter=
eſſen eine achtunggebietende Stellung einnehmen und
nicht allein von dem guten Willen anderer Seemächte
ab=
hängen. — Dieſe Rede des Botſchafters machte auf die
etwa 500 Feſtteilnehmer einen außerordentlichen Eindruck
der ſich zu beſonderen Beifallskundgebungen bei den
Sätzen ſteigerte: das Meer iſt frei und gehöre niemand
allein, ſowie dem Ausſpruch, daß ebenſowenig wie das
deutſche Heer die deutſche Flotte jemand bedrohe, ſolange
Deutſchland nicht bedroht werde. — Auch in der engliſchen
Preſſe hat die Rede einen außerordentlich ſtarken
Wider=
hall gefunden. Sämtliche Blätter ſind ſich einig darüber,
daß die Rede von ungewöhnlicher Bedeutung ſei. Die
großen Zeitungen drucken ſie im Wortlaut ab.
Die Freiberger.
Eine Berliner Theaterplauderei.
Auch die „Freiberger” dieſe Naſſauer des
Theaters, haben einſt beſſere Zeiten geſehen. Früher
verdienten ſie ihren Namen mit Recht, denn das Billett,
das ihnen den Eintritt gewährte, koſtete ſie wirklich
nicht einen Pfennig. So war es noch vor etwa
fünf=
zehn bis zwanzig Jahren, als Berlin weniger
Büh=
nenhäuſer beſaß und die Konkurrenz ſich noch nicht ſo
wild und rückſichtslos geberdete wie heute. Schon
da=
mals jedoch unterſchied man zwei ſtreng von einander
geſonderte Kategorien von Freibergern. Zu der einen
gehörten die meiſt in der nächſten Nachbarſchaft des
betreffenden Theaters wohnenden kleinen Leute, denen
man, wenn eine Novität nicht ſo recht eingeſchlagen
war=
zu den erſten Wiederholungen meiſt unmittelbar vor
Beginn der Vorſtellung die Freibilletts ins Haus
ſchickte, damit der Zuſchauerraum auf die wenigen
zah=
lenden Beſucher nicht einen gar zu troſtloſen Eindruck
machte. Dieſe Freiberger rekrutierten ſich aus den
Friſeurgeſchäften, den Delikateßläden und den
Portier=
familien „von nebenan” Gutmütige, liebenswürdige
Theaterbeſucher, die dankbar ſelbſt über den albernſten
Witz ſich amüſierten, auch wenn ſie mit bloßem Kopf
und ohne Ueberzieher gekommen waren, um die
fünf=
undzwanzig Pfennige für die Garderobe zu ſparen.
Dieſe Art Freiberger exiſtiert auch heute noch. Jedem,
der die zweite oder dritte Aufführung eines Stückes
beſucht, wird es ſchon aufgefallen ſein, wie ſtattlich
ge=
füllt das Parkett, das zu Beginn noch gähnende Lücken
aufwies, ſich kurz vor dem Anfang des zweiten Aktes
zeigt. Das taten die noch in letzter Minute durch
rei=
tende Boten zuſammengetrommelten Fähnlein der
Freiberger. Sie kommen oft in höchſt fragwürdiger
Geſtalt, aber ſie ſind da, ſie füllen das Haus, und der
ahnungsloſe Logenbeſucher erzählt nun überall, wie
glänzend beſucht das neue Stück des Herrn F. war.
Weitaus wichtiger waren bereits in den
harmloſe=
ren, früheren Zeiten die Freiberger, die man zu den
Premieren ſelbſt mit Freibilletts bedachte. Man nannte
ſie die „Intimen des Hauſes” aber gerade ſic
erwieſen ſich im entſcheidenden Moment nur zu oft als
die gefährlichſten Flaumacher. Einen von ihnen, der
vor Jahren zu den „Intimen” eines Operettentheaters
gehörte, habe ich oft beobachtet. Kaum ſaß er auf ſeinem
unbezahlten Parkettplatz, kaum hob der Kapellmeiſter
den Stab, um die Ouvertüre zu beginnen, ſo wandte
ſich der „Intime” auch ſchon mit eſſigſaurem Geſicht zu
ſeinem Nachbar und ſagte laut und vernehmlich: „Schon
faul!” Zwei Seelen wohnen in der Bruſt ſolcher
Freiberger. Sie haben ein Freibillett, aber ſie haben
auch eine Ueberzeugung. Fällt der Vorhang nach einem
Akt und das Publikum klatſcht, ſo erhebt ſich begeiſtert
auch der Freiberger. Die Hände bewegt er weithin
ſichtbar gegeneinander, lebhaft, aber geräuſchlos.
Da=
für aber ziſcht er energiſch zwiſchen den wie in
freu=
diger Bewunderung halb geöffneten Lippen. Er iſt
eben ein Mann von Charakter. Sein Klatſchen ſieht
man, aber man hört es nicht; ſein Ziſchen hört man,
aber man ſieht es nicht. So verſteht er es ſehr geſchickt.
eines zu tun und das andere nicht zu laſſen, denn nicht
das Freibillett, ſondern die Ueberzeugung iſt des
Mannes Ehre. Und deshalb ſchimpfen dieſe
Freiber=
ger auch in den Zwiſchenakten tapfer darauf los,
vor=
ausgeſetzt, daß kein Beamter der Direktion ſich in
un=
mittelbarer Nähe befindet.
Heute hat ſich das alles vollkommen geändert.
Rich=
tige Freiberger gibt es kaum mehr, ebenſowenig, wie
es noch richtige Freibilletts gibt. Auch das
Frei=
billett iſt in die Steuerſchraube geraten, die ſelbſt
vor den geheiligſten Ueberlieferungen nicht
zurück=
ſchreckt. Seitdem die Zahl der Theater in Berlin immer
mehr gewachſen und der Wettkampf, durch irgend welche
Senſationen das zahlende Publikum anzulocken, immer
heftiger geworden iſt, während ſich die zahlende Menge
keineswegs im entſprechenden Verhältnis vermehrt
hat, ſeitdem iſt es für einen Bühnenleiter immer
ſchwieriger geworden, auch nur einigermaßen auf ſeine
Koſten zu kommen. Die immerhin nicht allzu große
Zahl von Theaterbeſuchern, die ihr Billett zu dem
reellen Kaſſenpreis erſteht, verteilt ſich auf immer
mehr Bühnen, ſo daß für die einzelne verteufelt wenig
übrig bleibt. Für Freibilletts dagegen finden ſich immer
noch Abnehmer genug. Da aber auch die
anſpruchloſe=
ſten Direktoren von Freibilletts allein nicht gut leben
können, ſo erfand man die Steuer auf Freibilletts.
Zu=
nächſt führte ſich dieſe neue Steuer recht beſcheiden ein.
Es wurden für jedes Billett fünfundzwanzig, dann
fünfzig Pfennige erhoben, die angeblich irgend einem
wohltätigen Zweck zugeführt werden ſollten, über deſſen
Charakter man freilich nur in den allerſeltenſten Fällen
aufgeklärt wurde.
Doch das genügte ſchon ſehr bald nicht mehr, und
immer höher wuchs die Steuer auf Freibilletts, die
heute dieſen Namen kaum noch verdienen. Es iſt ein
offenes Geheimnis, und die Spatzen pfeifen es von
den Dächern, daß es momentan in Berlin eine ganze
Reihe von Theatern gibt, die nicht einmal mehr mit
den ſogenannten Vereinsvorſtellungen mit halben
Kaſſenpreiſen durchkommen können. Sie leben faſt
aus=
ſchließlich von dem, was ſie Freibilletts nennen.
Ueber=
allhin, an Privatleute und an beſuchte Zigarrenläden
ſchicken ſie gedruckte Gutſcheine, auf die hin man abends
zu jeder beliebigen Vorſtellung gegen Erlegung der
„Steuer” zwei oder mehrere vortreffliche Parkettplätze
bekommen kann. Dieſe „Steuer” iſt jetzt allerdings bis
auf 1 Mark 50 für jedes einzelne Billett geſteigert
wor=
den. Dementſprechend iſt auch der Uebermut der Frei=
berger faſt bis ins Ungemeſſene gewachſen. Für=
1 Mark 50 fühlen ſie ſich jetzt vollkommen als zahlende
Beſucher, und es gibt keine ſchärferen und
mitleids=
loſeren Kritiker als gerade ſie. Auf den biederen
Fremdling aus der Provinz, der treu und ehrlich an
die Kaſſe geht und ſich für fünf oder ſechs Mark ſeinen
Platz kauft, ſehen ſie mit ſouveränem Mitleid herab.
Der Aermſte verſteht es eben nicht beſſer, und dabei
amüſiert er ſich womöglich noch für ſein Geld. Der
Freiberger für ſeine 1 Mark 50 dagegen amüſiert ſich
nie. Kein Schauſpieler, ſelbſt wenn er dreißigtauſend
Mark Gage bekommt, iſt ihm gut genug, keine
Salon=
dame findet er hübſch genug, keine Dekoration koſtbar
genug, und kein Stück vermag ihn zu befriedigen. Er
ſchimpft ſtets und unentwegt aus ſeiner ehrlichen, durch
1 Mark 50 genügend gefeſtigten Ueberzeugung heraus.
Dabei iſt es erſtaunlich, aus welchen guten
geſell=
ſchaftlichen Kreiſen dieſe Freiberger nur zu häufig
ſtammen. Seinen eigenen Mitgliedern bewilligt ja
jeder Direktor gern Freibilletts, ſogar gegen eine
er=
heblich niedrigere Steuer als ſonſt, in der
Vorausſetz=
ung, daß ſie von den Angehörigen der Mitglieder
be=
nutzt werden. In dem vornehmſten Privattheater
Ber=
lins wurden kürzlich einem Mitgliede dritten Ranges
zwei ſolcher Billetts anſtandslos gewährt. Abends an
ber Kaſſe erſchien nun eine elegant gekleidete äktere
Dame und erhob eins der für den Schauſpieler F.
be=
willigten Freibilletts. Das zweite würde ihr Sohn
gleich abholen. Zehn Minuten ſpäter kam ein ſehr
feudal ausſehender Herr, erklärte dem Kaſſierer, er ſei
der Graf Soundſo, und ließ ſich das zweite Billett
aus=
händigen. Leute, die es einfach für unter ihrer Würde
halten würden, wenn ſie die Rennen im Grunewald
oder in Hoppegarten auf ein Freibillett beſuchen ſollten,
finden nichts dabei, wenn ſie ſich ſolche Billetts bald in
dem, bald in jenem Theater zuſammenſchnorren.
In Paris hatten ſich in den letzten Jahren ganz
ähnliche Mißbräuche eingebürgert, aber dort hat
neuer=
dings die „Société des auteurs dramatiques” energiſch
dagegen Front gemacht, weil unter dem Unfug der
Freiberger die Autoren nicht weniger zu leiden haben
als die Theaterleiter ſelbſt. Die allmächtige
Vereinig=
ung der franzöſiſchen Bühnenſchriftſteller hat einfach
beſchloſſen, daß kein Direktor mehr ein Billett unter
dem Kaſſenpreis verkaufen und daß er allabendlich auch
nur eine ganz beſtimmte und beſchränkte Anzahl von
wirklichen Freibilletts ausgeben dürfe. Die Pariſer
Direktoren haben ſich mit dieſer Maßregel durchaus
einverſtanden erklärt. Bei uns in Deutſchland aber
ind die Bühnenſchriftſteller leider noch lange nicht
tramm genug organiſiert, um für ihre Intereſſen in
ähnlich energiſcher Weiſe eintreten zu können.
Außer=
dem dürfte es gerade in Berlin für manchen
Bühneu=
leiter unvermeidlich den Ruin bedeuten, wenn er für
immer auf alle „Freiberger” verzichten müßte. —7.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 31. Januar.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen
Herr=
ſchaften ſind am Freitag nachmittag 2 Uhr 2 Min.
mit Gefolge von Berlin wieder hier eingetroffen. Die
Fürſtin=Mutter zu Erbach=Schönberg iſt
abends 11 Uhr 17 Min. hier eingetroffen und hat im
Neuen Palais Wohnung genommen. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Großherzog
empfingen am Samstag den Major Marquard, Bat.=
Kommandeur im 5. Rhein. Inf.=Regt. Nr. 65, den Major
Frhrn. v. Schauroth vom Stabe des Garde=Drag.=
Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23, den Leutnant v.
Neuf=
ville von demſelben Regiment, den Profeſſor Dr. Anthes,
Großh. Denkmalpfleger für die Altertümer, den
Forſt=
meiſter Eickemeyer von Bensheim, den Kulturtechniker
Kunz von Lauterbach, den Ehrenbeigeordneten Egenolf,
den Kommerzienrat Sacky=Richart von Mainz den
Rechtsanwalt Dr. Reen und Jakob Glotzbach, Präſidenten
des Mainzer Karneval=Vereins; zum Vortrag den
Staatsminiſter Ewald, den Vorſtand des Kabinetts
Geheimerat Römheld.
-
Charaktererteilung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Amtsrichter bei dem
Amts=
gericht Bad Nauheim Friedrich Schulz und dem
Amts=
richter bei dem Amtsgericht Darmſtadt I Dr. Karl
Wolff den Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt.
L. Die Strafkammer intereſſierte ſich am Samstag
zuerſt für eine Anklage gegen den Metzgermeiſter Willy
Stern und ſeine Ehefrau von Pfungſtadt wegen
Ueber=
tretung des Nahrungsmittelgeſetzes. Am 29. Auguſt vor,
Jahres erſchien bei dieſen ein Junge und kaufte 10 Pfund
Fleiſch, die Stern abwog, während die Frau das Fleiſch
in ein Papier wickelte. Die Ware war für den Konkur==
Nummer 25.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910=
Seite 3.
renten des Stern, den Metzgermeiſter Meyer, beſtimmt
und wurde von dieſem, als er dreiviertel Stunden ſpäter
nach Hauſe kam und das Fleiſch aus dem Keller holte,
alsbald beanſtandet, weil es grünlich ausſah, Würmer
zeigte und unleidlich roch. Sofort wurde das Fleiſch
zurückgeſchickt und das Geld wieder herausverlangt. Der
Verkäufer ließ ſich jedoch auf nichts ein, ſondern
behaup=
tete, ſein Fleiſch ſei gut geweſen. Das Schöffengericht,
vor welches der Fall kam, ſprach die Eheleute Stern
man=
gels Beweiſes frei. Der Staatsanwalt legte jedoch Berufung
ein. In der zweiten Inſtanz wurde nachgewieſen, daß
hereits im Hof des Meyer direkt nach dem Erwerb
be=
merkt worden war, daß das gekaufte Fleiſch verdorben
und ungenießbar war und die Verkäufer fahrläſſig
han=
delten, als ſie es in den Verkehr brachten. Stern wurde
daher zu 40, ſeine Ehefrau zu 20 Mark Geldſtrafe
ver=
urteilt. — Jakob Wiemer von Arheilgen nahm aus
Gut=
mütigkeit einen noch nicht 13 Jahre alten Jungen auf und
beſchäftigte ihn leicht in ſeiner Ziegelei. Da ſein Betrieb
nicht als vorübergehend anzuſehen iſt, weil er ſtändige
Gewerbeanlagen und Arbeitskräfte beſitzt, wurde er wegen
Uebertretung der Gewerbeordnung zu 5 Mark Geldſtrafe
verurteilt. Das Schöffengericht hatte ihn freigeſprochen.
E Zur 22. Sitzung der Stadtverordnetenverſammlung,
die mit Rückſicht auf wichtige Mitteilungen in der
nicht=
öffentlichen Sitzung diesmal am Mittwoch ſtatt am
Don=
nerstag ſtattfindet, iſt folgende Tagesordnung
feſt=
geſetzt: 1. Mitteilungen. 2. Herſtellung einer Wohnung
im Hauſe Fuchsſtraße 19 für den Sekundärarzt des
Kran=
kenhauſes. 3. Vorübergehende Vermietung einer
Woh=
nung im Hauſe Bismarckſtraße 38. 4. Uebernahme der
Flotow=Gedenktafel (Dieburger Straße 235) in die
Un=
terhaltung der Stadt. 5. Schaffung von Rückhaltebecken
für den Darmbach unterhalb der Stadt. 6. Aenderung der
Badeordnung des Hallenſchwimmbades hinſichtlich der
Preiſe für Wannenbäder. 7. Rückvergütung von Koſten
der Waſſerleitung im Gräfenhäuſer Weg und in der
Helf=
mannſtraße. 8. Die Reinigung der Wäſche aus den
ſtädti=
ſchen Betrieb, Schulen uſw. im Schwimmbad.
* Adolf Müller 7. Am Donnerstag abend iſt der
Oberförſter i. P., Dichter und Schriftſteller Adolf
Müller, nach längerem Krankſein im 89.
Lebens=
jahre geſtorben. Der Heimgegangene war eine in
Darmſtadt, ja in Heſſen und auch über Heſſens Grenzen
hinaus bekannte und geſchätzte Perſönlichkeit. Er war
geboren am 16. Januar 1821 zu Friedberg in der
Wetterau, beſuchte die Auguſtinerſchule in Friedberg,
das Gymnaſium in Darmſtadt, ſtudierte bis 1842 Forſt=
und Naturwiſſenſchaft in Gießen, wurde Oberförſter zu
Gladenbach, trat 1866 in den preußiſchen Staatsdienſt
und wurde 1877 in die Oberförſterei Krofdorf bei
Gie=
ßen verſetzt. 1891 trat Ad. Müller in den Ruheſtand
und lebte ſeitdem in Darmſtadt. Schon früh brachten
ihn gleiche Neigung und gleiches Streben mit ſeinem
jüngſten Bruder, Karl, in innigen Verkehr des
Stu=
diums und geiſtigen Austauſches, dem eine
gemein=
ſchaftliche literariſche Tätigkeit entſproß. Es erſchienen
wertvolle Schriften über die Tier= und Vogelwelt, u. a.:
„Charakterzeichnungen der vorzüglichſten deutſchen
Singvögel”; „Wohnungen., Leben und
Eigentümlich=
keiten in der Tierwelt” „Gefangenleben der beſten
ein=
heimiſchen Singvögel‟; „Die heimiſchen Säugetiere und
Vögel nach ihrem Nutzen und Schaden”; „Unſere
nütz=
lichſten Säugetiere und Vögel”; „Der Hund und ſeine
Jagd”, „Tiere der Heimat” Zu dieſen Werken hat
Adolf Müller die meiſten Illuſtrationen ſelbſt auf Holz
gezeichnet. Er ſchrieb auch mehrere Dramen und
Opern=
texte, u. a. „Die letzten Tage von Pompeji”, „Fauſts
Kampf und Sieg”, „Thusnelda” uſw. Daneben ſchrieb
er für die „Gartenlaube‟, „Weſtermanns Monatshefte‟
„Ueber Land und Meer” uſw.
— Gründung einer Gartenſtadt=Genoſſenſchaft. Der
Vorſtand des Mietervereins hat ſich nach mehrfachen
Verhandlungen und in dem Streben, ſich immer mehr
in den Wohlfahrtsdienſt der Allgemeinheit zu ſtellen,
entſchloſſen, in Verbindung mit anderen Organiſationen
die Gründung einer Baugenoſſenſchaft in die Hand zu
nehmen. Nach dem Vorbild und den günſtigen
Ergeb=
niſſen in einer Anzahl anderer deutſcher Städte ſoll die
Genoſſenſchaft in erſter Linie den Gedanken einer
Gar=
tenſtadt zur Verwirklichung bringen, das heißt die
Er=
richtung von Wohnhäuſern für eine, höchſtens zwei
Fa=
milien betreiben, bei gleichzeitiger Ausſtattung mit
einem ausreichenden Garten. Die Genoſſenſchaft ſoll
einen ſtreng gemeinnützigen Charakter haben und
wah=
ren, das heißt, ſie ſoll nicht mit Spekulationsabſichten
arbeiten und der Gewinn aus dem Unternehmen ſoll
beſchränkt werden auf die Verteilung einer Dividende
von höchſtens 4 Prozent. Vorläufige Erklärungen, die
zunächſt unverbindlich ſein ſollen, nimmt der
Vereins=
vorſitzende entgegen.
n. Notſtandsarbeiten. In der Beſchäftigung
Arbeits=
loſer feitens der Stadt ſoll demnächſt aus Gründen der
Gerechtigkeit und Zweckmäßigkeit ein neues Verfahren
Platz greifen, wozu der ſtarke Andrang in dieſem
Win=
ter veranlaßt. Nicht weniger als 500 Arbeitsloſe (eine
bedeutend höhere Zahl als früher) haben in der Zeit
vom 1. November vor. Jahres bis jetzt bei der
Stadt=
verwaltung um Beſchäftigung durch Notſtandsarbeiten
nachgeſucht, und für letztere kommt faſt ausſchließlich
der Betrieb des Tiefbauamtes in Betracht. Dieſem war
es durch Bereitſtellung bedeutender Mittel durch die
Stadtverordnetenverſammlung und entſprechende
um=
ſichtige Maßnahmen möglich, 218 der Bewerber bei
Straßenherſtellung, ſowie der Darmbachregulierung
ein=
zuſtellen und weitere 50 bei dem Unternehmer der
Ka=
nalbauten in der Landwehr= und Wilhelminenſtraße
uſw. unterzubringen. Die übrigen mußten abgewieſen
werden und konnten eventuell
Arbeitsloſenunterſtütz=
ung in Anſpruch nehmen. Um auch ſie durch
Beſchäf=
tigung zu berückſichtigen, wodurch den Arbeitswilligen
die Entwöhnung von Arbeit und das verbitternde
Ge=
fühl der Unterſtützung erſpart wird, empfiehlt es ſich,
nach dem Vorgang anderer Stadtverwaltungen (Mainz)
mit der Verwendung abzuwechſeln, das heißt die bisher
Beſchäftigten auf einige Wochen zu entlaſſen und ſtatt
ihrer eine entſprechende Anzahl der übrigen
einzuſtel=
len. Nach einiger Zeit hat dann abermals ein Wechſel
ſtattzufinden. Die Stadt iſt zu dieſem Aushilfsmittel
durch die Verhältniſſe gezwungen; eine Tatſache, welche
andere Stellen und jeden mit Gemeinſinn begabten
Privaten zur möglichſten Beſchaffung von
Arbeitsge=
legenheit anregen ſollte.
nn. Zur Regelung der Staatsaufſicht über die
Tech=
niſchen Unterrichtsanſtalten und über die Befreiung von
Schülern vom Beſuch der obligatoriſchen
Fortbildungs=
ſchulen in Heſſen hat das Großherzogl. Miniſterium
des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, die
nachſtehenden, tiefeinſchneidenden Beſtimmungen
erlaſ=
ſen: Schüler privater Handelslehranſtalten können,
wie ſeither, in Einzelfällen vom Beſuch der
obligatori=
ſchen Fortbildungsſchule befreit werden. Doch ſoll dies
in der Regel nur dann geſchehen: 1. wenn der Leiter
der Anſtalt ein geprüfter Lehrer iſt; 2. wenn die
Haupt=
fächer der obligatoriſchen Fortbildungsſchule in den
Lehrplan der Privatanſtalt aufgenommen ſind und ihnen
ausreichende Zeit gewidmet wird; 3. die
Unterrichts=
zeit um 7 Uhr abends beendigt iſt. Durch dieſe
Beſtim=
mungen werden die hinſichtlich der „ſtaatlich
anerkann=
ten kaufmänniſchen Fortbildungsſchulen” getroffenen
Anordnungen nicht berührt.
— Feuerwehr=Auto. Das Feuerwehrkommando
ſchreibt uns: Die Süddeutſche Automobilfabrik Gaggenau
(Baden) ſtattete am Freitag unſerer Stadt mit einem
Feuerwehr=Auto einen Beſuch ab. Dieſes, eine
Auto=
mobil=Hochdruck=Zentrifugal=Feuerſpritze, wurde in den
letzten Wochen in einer größeren Anzahl deutſcher Städte
zur Prüfung ſeiner Leiſtungsfähigkeit vorgeführt und ſo
auch am 26. ds. Mts. in unſerer Nachbarſtadt Frankfurt
am Main. Auf Veranlaſſung des Herrn Branddirektors
Fiſcher, der dort der Vorführung beiwohnte, hatten wir
auch Gelegenheit, dieſe neue Spritze hier zu ſehen und ihre
Leiſtungsfähigkeit zu beobachten. Die Spritze als
Auto=
fahrzeug vereint verſchiedene Einrichtungen. Es iſt
zu=
gleich Mannſchafts= und Gerätewagen, ſowie Gasſpritze,
und ſoll Erſatz ſchaffen für eine Dampfſpritze. Es iſt auf
einem Charri eine Hochdruck=Zentrifugalpumpe
angeord=
net, die durch die Kraft des Motors in Betrieb zu ſetzen
iſt. Auf beiden Seiten der Pumpe ſind je zwei Anſchlüſſe
für Schläuche, ſodaß mit vier Schläuchen Waſſer abgegeben
werden kann. Der Saugſtutzen befindet ſich am
Wagen=
ende. Durch Verbindung mit der Waſſerleitung ſteigert
der Druck der letzteren auch den Druck der Pumpe und
ermöglicht, einen ſtärkeren und kräftigeren Strahl
abzu=
geben. Dieſe neue Feuerſpritze wurde geſtern nachmittag
3 Uhr von der Feuerwehr unter Leitung des
Branddirek=
tors Fiſcher vorgeführt. Es waren hierzu erſchienen:
Vertreter des Polizeiamtes, der Bürgermeiſterei, der
Waſſerwerksverwaltung, die Brandmeiſter der Feuerwehr
und außerdem viele Intereſſenten. Der Vorführung lag
die Prüfung der Leiſtungsfähigkeit der Spritze zugrunde.
Die Ergebniſſe waren ſehr gute; es wurde mit 1, 2, 3 und
4 Schlauchlinien gearbeitet, 1 Schlauchlinie auf den
Um=
gang des Turmes gezogen und von hier noch das Kreuz
überſpritzt. Es konnte feſtgeſtellt werden, daß durch die
Pumpe der Waſſerdruck bedeutend zu erhöhen iſt und
da=
bei ſtarke, kräftige Strahlen zu erzielen ſind, was allgemein
befriedigte. Durch zwei Probefahrten nach den verſchiedenen
Stadtteilen wurde auch gezeigt, daß der Wagen mit
Be=
ſatzung von 12 Mann und allen ötigen Geräten glatt alle
Steigungen fährt. Wenn wir ſo der Süddeutſchen
Auto=
mobilgeſellſchaft Dank zollen für die dargebotene
Gele=
genheit, ſo wollen wir aber auch nicht verſehlen, den
Wunſch zu äußern, ein ſolch vorteilhaftes und für unſere
Verhältniſſe erforderliches Geräte recht bald in dem Be= der Feuerwehr zu ſehen.
— Der Kirchengeſangverein der
Johannes=
gemeinde veranſtaltet am Montag, den 31. Januar,
abends, im Fürſtenſaale einen Familienabend
mit muſikaliſchen und anderen Aufführungen, wozu die
aktiven und inaktiven Mitglieder nebſt ihren Familien
freien Eintritt haben.
* Schießen bei Begräbniſſen und Hochzeiten. Den
zum Landesverband gehörigen militäriſchen Vereinen,
die eine beſondere Schießabteilung beſitzen, kann die
Erlaubnis zur Abgabe von Ehrenſalven durch die
Kreisämter ein für allemal widerruflich erteilt
wer=
den. So lange dieſe Erlaubnis nicht erteilt iſt, muß ſie
in jedem einzelnen Falle nachgeſucht werden. Das
Schießen bei Hochzeiten iſt nur auf in jedem einzelnen
Falle einzuholende polizeiliche Erlaubnis hin geſtattet.
Der hieſige Rollerſche Stenographenverein von
1887 eröffnet Mitte Februar neue Anfängerkurſe für
Damen und Herren, und wolle man auf die jeweiligen
Inſterate aufmerkſam ſein.
— Die Kaufmänniſche Stenographen=Geſellſchaft
„Gabelsberger” eröffnet, wie aus dem Anzeigenteil
er=
ſichtlich, am Dienstag, den 1. Februar d. J., abends
8½ Uhr, in ihrem Unterrichtslokal, Bleichſtraße 1, einen
neuen Lehrgang für Anfänger in der
Gabelsberger=
ſchen Stenographie. Damen und Herren iſt hier wieder
Gelegenheit geboten, dieſes verbreitetſte Syſtem ſich
anzu=
eignen.
* „Datterich.” Zum Beſten hilfsbedürftiger
Kriegs=
veteranen iſt für den 19. Februar eine Wiederholung
der „Datterich”=Aufführung beabſichtigt.
— Orpheum. Heute Montag, 31. Januar, fällt aus
Anlaß des Kaiſer=Kommerſes der Studentenſchaft die
Vorſtellung aus. — Morgen Dienstag, 1. Februar,
treten die für die erſte Hälfte des Februar neu
engagier=
ten Kunſtkräfte erſtmalig auf, ebenſo findet das erſte
mit Spannung erwartete Gaſtſpiel der acht Harems=
Damen in der orientaliſchen Ausſtattungs=, Geſangs=
und Tanz=Szene „Ein Abend im Harem des Sultans
Abdul Hamid II.” ſtatt. (S. Inſ.)
A Auf den Wochenmärkten mangelt es nicht an
reichlichen Zufuhren aller Viktualien, beſonders ſind auch
die Wintergemüſe mannigfaltig vertreten. Angeſichts
des baldigen Schluſſes der Haſenjagd waren von den
vielen Treibjagden Haſen ſtark angefahen; der
durch=
ſchnittliche Preis war 3,50 Mk. Sonſt ſind an
Durch=
ſchnittspreiſen zu verzeichnen: Butter ½ Kg. 1,25 M., in
Partien 1,20 M., Eier 9—10 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr.
20 Pf., Handkäſe 4—10 Pf., Kartoffeln der Zentner
3—4 M., Kumpf (10 Liter) 50—60 Pf., ½ Kg. 3 bis
5 Pf., Mäuschen der Zentner 8 M.; Obſt u. dgl.: Aepfeli
und Birnen ½ Kg. 10—18 Pf., Nüſſe 100 Stück 45 Pf.,
Kaſtanien ½ Kg. 16 Pf., Zitronen 4—5 Pf.: Apfelſinen
5—10 Pf.: Salat, Gemüſe u. dgl.: Kopfſalat 14 bis
15 Pf., Endivien ½ Kg. 35—40 Pf., Körbchen Feldſalat
10—12 Pf., Bündel Radieschen 8 Pf., Meerrettich 10—30 Pf.,
Roterüben ½ Kg. 7—10 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 10 Pf.,
Firſing 3—8 Pf., Grünkohl 4—5 Pf., Roſenkohl ½ Kg.
18—20 Pf., Gelberüben ½ Kg. 5—6 Pf., Weißerüben 2 bis
3 Pf., Paradiesäpfel ½ Kg. 70—80 Pf., Spinat ½ Kg.
14—15 Pf., Kohlrabi 3—4 Pf., Blumenkohl 25—60 Pf.,
Rotkraut 15—20 Pf., Weißkraut 9—10 Pf., Schwarzwurz
Kg. 20—25 Pf.: Geflügel und Wildbret: Gänſe
½ Kg. 80—85 Pf., Hahnen und Suppenhühner 2—3 M.,
Tauben 60—70 Pf., Lapins 1 M.; Fiſche ½ Kg.:
Rhein=
fiſche 35—40 Pf., Rotzungen 45 Pf., Kabeljau, Stockfiſch,
Seelachs, große Schellfiſche 30 Pf., kleine Schellfiſche 20
bis 22 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch
56 Pf., Hackfleiſch 60 Pf., Rindsfett 50 Pf., Rindswürſtchen
(Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch 88—96 Pf., Blut=und
Leber=
wurſt 66 Pf., Fleiſchwurſt und Schwartenmagen 76 Pf.
Fremdenverkehr. Nach einer von Großh.
Polizei=
amt veranlaßten Zuſammenſtellung über den
Fremden=
verkehr in hieſiger Stadt im Jahre 1909 haben im
ganzen in Gaſthäuſern, Logierwirtſchaften und Herbergen
66825 Perſonen mit 110 588 Logiertagen übernachtet.
Rechnet man hierzu noch die Zahl der im Jahre 1909
erfolgten Zuzüge (dauernde Niederlaſſungen in hieſiger
Stadt) mit 14571 und Wegzüge mit 14730, ſo ergibt
ſich für 1909 ein Geſamtwechſel von 96 126 Perſonen.
— Der Klub der Köche in Darmſtadt, unter dem
Vorſitzenden Herrn Georg Phildius, Küchenmeiſter im
Großherzogliches Hoftheater.
Freitag, 28. Inuar.
„Der Waffenſchmied‟
W—l. Die heutige Wiederaufführung von Lortzings
„Waffenſchmied” war zwar nicht zahlreich veſucht,
das Publikum war aber deſto beifallsfreudiger. Es wurde,
wie dies bei den Lortzingſchen Opern der Fall zu ſein
pflegt, von vornherein in eine ſo animierte und
froh=
behagliche Stimmung verſetzt, daß es nach jeder Nummer
Beifall bei offener Szene ſpendete. Die Partie des
zwei=
geſtaltigen Grafen von Liebenau ſang wieder Herr
Hö=
nel, deſſen ſchönes und klangvolles, auf den lyriſchen
Grundton geſtimmtes Organ ſich für den Charakter dieſer
Partie ſehr wohl eignet, wenn auch Herr Hönel noch mehr
daraus machen könnte, wenn er mehr aus ſich
heraus=
ginge; das Spiel iſt noch recht unfrei, es wäre dem
Sän=
ger zu empfehlen, bei einem tüchtigen Schauſpieler
Unter=
richt zu nehmen. Frl. Zeiller nahm als Marie durch
ihre zierliche Erſcheinung, ihr lebendiges und hübſch
poin=
tiertes, ſchelmiſches Spiel für ſich ein und ſang auch ihre
Partie mit geringen Ausnahmen, wo ſie zum Detonieren
neigte, ſehr hübſch. Herr Riechmann als Ritter
Adel=
hof war unübertrefflich und iſt als ſolcher vorerſt
unerſetz=
lich. Herr de Leeuwe als Georg zeichnete ſich durch
friſchen und natürlichen Humor und wirkliche Komik ſehr
vorteilhaft aus.
Neu war Herr Hoff als Meiſter Stadinger. Eine
gewiſſe Schwerfälligkeit in Spiel und Geſang haftete
die=
ſer ans Poſſenhafte ſtreifenden und vorwiegend komiſch
wirken ſollenden Figur noch an, wenn auch anzuerkennen
iſt, daß Herr Hoff ſich ſeiner geſanglichen Aufgabe mit
lo=
benswertem Gelingen unterzog und namentlich das
Waf=
fenſchmiedlied ſehr beifallswürdig ſang, ſo daß er den
letz=
ten Vers wiederholen mußte. Die Beſetzung der Rolle
der Jungfer Irmentraut durch Frau Rudolph
bedeu=
tete eine weſentliche Verbeſſerung gegen früher.
Darſtel=
leriſch iſt es kaum einer ihrer Vorgängerinnen ſo gut
ge=
lungen, die komiſchen Pointen der Rolle hervorzukehren,
ohne in ſtörende Uebertreibungen zu verfallen. Die Rolle
das Gaſtwirts hatte in Herrn Schwarze einen tüchtigen
L
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
— Die Großherrzogliche Hofkapelle in
Saarbrücken. Der große Erfolg, welcher vor vier
Jahren auf dem Muſikfeſte in Saarbrücken unſerer
Hofkapelle beſchieden war, mag in erſter Linie der
dorti=
gen „Geſellſchaft der Muſikfreunde” Veranlaſſung
ge=
geben haben, das Orcheſter für den 21. und 22. dieſes
Monats zu einer zweimaligen Aufführung des gleichen
Programms zu gewinnen. Erläuternd ſei hierzu
be=
merkt, daß die „Geſellſchaft der Muſikfreunde” aus einer
ſolch großen Mitgliederzahl beſteht, daß ungeachtet des
mächtigen Saales jede Aufführung zweimal vor
voll=
beſetztem Hauſe vor ſich geht. Für die beiden hier
er=
wähnten Konzerte war noch eine jugendliche,
ganz ausgezeichnete Sängerin, Fräulein Engell vom
Wiesbadener Hoftheater, engagiert worden, die mit
unſeren Darmſtädter Muſikern um die Palme rang.
Den Taktſtock führte Muſikdirektor Cormann aus
Saarbrücken, der auch der Leiter des trefflichen
gemiſch=
ten Chores der genanten Geſellſchaft iſt. Außer drei
Geſangsnummern enthielt das Programm 4
Orcheſter=
werke: die unvollendete H-moll-Sinfonie von Schubert,
den erſten Satz aus der Es=dur- (romantiſchen) Sinfonie
von Bruckner, die Variationen über ein Haydnſches
Thema von Brahms und die Ouvertüre „Im Frühling‟
von Goldmark.
Aus den dortigen Zeitungen, die einhellig die hohe
Leiſtungsfähigkeit des Orcheſters anerkennen, erwähnen
wir auszugsweiſe folgendes: Die „Saar=Poſt” ſchreibt:
„Nach Schluß der laufenden Saiſon wird der Chroniſt,
der über die muſikaliſchen Veranſtaltungen Bericht zu
erſtatten und das Fazit zu ziehen hat, das geſtrige
Konzert wohl zu den Höhepunkten der muſikaliſchen
Erlebniſſe dieſes Winters zählen. In der Tat, es bot
der geſtrige Abend Stunden hehrſten künſtleriſchen
In=
haltes, die das Hoftheaterorcheſter aus
Darm=
ſtadt in Gemeinſchaft mit Fräulein Engell aus
Wies=
baden den Zuhörern bereitete. An erſter Stelle ſtand
die leider unvollendet gebliebene H-moll=Sinfonie von
Schubert. Die Aufführung unter Cormanns Leitung
war eine vollkommene. Die Solopartien wurden mit
einer nicht zu überbietenden Vollkommenheit
vor=
getragen: Das Zuſammenſpiel war ein vollendetes;
die dynamiſche Abſchattierung des Vortrages eine
tadelloſe. Fand der Vortrag des erſten Satzes ſchon
lebhaften Applaus, ſo enthuſiasmierte die über alles
Lob erhabene Darbietung des Andante die
Zuhörer=
ſchaft. Nicht minder vollkommen wurde das in Ton
und Inhalt weſentlich anders geartete Allegro aus
Bruckners romantiſcher Symhponie zu Gehör
gebracht. . . . . In geradezu begeiſterter Weiſe ſchildert
der Referent der „Neuen Saarbrücker Zeitung” den
Verlauf des Konzertes: „. . . . Selbſt des kritiſchſten
Kritikers ſchwarzes Herz mußte bei ſolchen
Darbiet=
ungen hehrer Kunſt weit und groß werden und in
frohdankbarer Stimmung die Zauberklänge der Muſik
ganz genießen, denn ſowohl die Darbietungen von
Fräulein Engell aus Wiesbaden als auch des
Groß=
herzoglichen Hoforcheſters aus Darmſtadt ſtanden auf
einer ſolch künſtleriſchen Höhe, daß alle kritiſchen
Reg=
ungen hinter der großen Freude reinen Kunſtgenuſſes
zurücktraten. . Gegenüber einer ſolchen Sängerin
kann ſich natürlich auch nur ein Orcheſter behaupten,
das ganz auf der Höhe ſteht. Das iſt ſelbſt bei
unſe=
ren deutſchen Hoforcheſtern nicht immer der Fall. Aber
das Großherzogliche Hoforcheſter aus
Darmſtadt, das wir am Freitag hörten, ſteht auf einer
hohen Stufe künſtleriſchen Höhe und wußte ſich ſiegreich
neben der Sängerin zu behaupten. Der Streicherchor
iſt ganz vorzüglich, auch unter den Holzbläſern ſind
tüchtige Kräfte und das Waldhorn war geradezu ideal
beſetzt. Dazu kommt eine künſtleriſche Reife der
Ein=
zelnen, das vollendete Zuſammenſpiel und das
ver=
ſtändnisinnige Eingehen auf jeden leiſen Wink des
Dirigenten, ſodaß ſich Herr Muſikdirektor Viktor
Cor=
mann kein beſſeres Orcheſter hätte wünſchen können.”
Nach einem näheren Eingehen des Berichterſtatters
auf die Ausführung der einzelnen Werke ſchließt er
mit dem Satze: „So war das vierte Doppelkonzert der
Geſellſchaft der Muſikfreunde ein Ereignis im
muſika=
liſchen Leben unſerer Saargroßſtadt, an dem noch
man=
cher Muſikfreund lange zehren wird, hat er ihm doch
„Augenblicke unvermiſcht reinen Glückes zu danken”.”
* Eine praktiſche Neuerung. In
zahl=
reichen italieniſchen Muſeen werden
Eintritts=
karten in Geſtalt von hübſchen Kartons, verſehen mit
einer ſchwarzen oder polychromen Reprodnktion=
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Nummer 25.
Hotel „Zur Traube”, welcher im Herbſt mit ſeiner
ſchönen Ausſtellung für Kochkunſt und den hieran
an=
ſchließenden Ball gezeigt hat, was eine kleine Schar gut
geſinnter Kollegen zuſammenbringen kann, feiert am
heutigen Montag im Wein=Reſraurant Hilgers ſeinen
Kappenabend.
* Maskenball der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla.
Zu dem großen Gala=Elite=Maskenball am Samstag,
den 5. Febr., in ſämtlichen Räumen des Städtiſchen
Saalbaues ſind die Karten für Studierende
nicht, wie es in einer Anzeige hieß, bei Herrn Hans
Schramm, ſondern nur bei Herrn Max Anſpach,
Ernſt=Ludwigsplatz, zu haben.
§ Unfall. Am Freirag nachmittag wurde in der
Heidelbergerſtraße ein Straßenkehrer von einem
Rad=
fahrer umgefahren und trug mehrere Verletzungen davon.
* Erwiſchter Spitzbube. Der junge Defraudant
Korte von hier, der am Freitag, wie gemeldet, mit
2500 Mark geſtohlenen Geldes flüchtig ging, wurde ſchon
am Samstag in Wiesbaden verhaftet.
— Pfungſtadt, 29. Jan. Die hieſige
Gemeindever=
tretung erſtrebt eine Erhöhung des jährlichen
Hieb=
ſatzes für den hieſigen Gemeindewald. Sie
be=
gründete dieſen Antrag bei der Kreisbehörde damit, daß
ſeit dem Jahre 1848 die hieſige Gemeinde über 400
Mor=
gen an Wald und Waldboden angekauft habe, wie auch
andererſeits durch Genehmigung des Geſuchs eine
noch=
malige Erhöhung der Gemeindeumlagen vermieden
werden könne. Während nun die Forſtbehörde die
Er=
weiterung des Hiebſatzes genehmigte, hat das Großh.
Kreisamt ſeine Zuſtimmung verſagt. Die
Stadtver=
waltung will nun nochmals unter eingehender
Darleg=
ung der Gründe bei der vorgeſetzten Behörde vorſtellig
werden.
S. Auerbach, 28. Jan. Morgen werden es 25 Jahre
daß Herr Hauptlehrer Schwebel und Herr Lehrer
Lanz ihre Lehrtätigkeit an der hieſigen Volksſchule
begonnen haben. Erſterer iſt ebenſo lange Stammgaſt
in der Brauerei „Zum Schützenhof”, welche inzwiſchen
dreimal ihren Beſitzer gewechſelt hat. Herr Lanz
be=
geht ebenfalls ſein 25jähriges Stammgaſtjubiläum im
„Hotel Bauer” deſſen Beſitzer innerhalb dieſer Zeit
fünfmal wechſelte.
Schönberg, 29. Jan. Nach einem Bericht aus
Wernigerode führte am vergangenen Montag
Prinz Wilhelm zu Stolberg=
Wernige=
rode ſeine junge Gemahlin in das Stammſchloß
ſeiner Väter ein. Das Paar traf um 1 Uhr, von einem
Beſuche bei der Gräfin Konſtantin aus Ilſenburg
kom=
mend, in Wernigerode ein und wurde am Bahnhof vom
Fürſten Chriſtian Ernſt empfangen. Zur Begrüßung
waren auch die Spitzen der Behörden zugegen; namens
der Stadt überreichte Bürgermeiſter Ebeling einen
Blumenſtrauß. Nach der Vorſtellung erfolgte im
vier=
ſpännigen Galawagen die Auffahrt zum Schloſſe durch
die Straßen der Stadt, die mit Ehrenpforten und
Fahnen ebenſo wie das Schloß feſtlich geſchmückt waren.
Um 2 Uhr fand Familienfrühſtück und abends Galatafel
ſtatt, an welcher die Verwandten der Prinzeſſin Edda,
die ſchon am Tage vorher in Wernigerode angekommen
waren: die Fürſtin=Mutter zu Erbach=Schönberg, Fürſt
und Fürſtin zu Erbach=Schönberg, Prinz und
Prin=
zeſſin Viktor zu Erbach=Schönberg, teilnahmen und zu
welcher zahlreiche Einladungen ergangen waren.
Vährend der Tafel begrüßte der Fürſt zu Stolberg=
Wernigerode ſeine Schwägerin. Am Mittwoch brachten
die Damen der Grafſchaft Wernigerade den
Neuver=
mählten ihre Glückwünſche dar.
Am 28. reiſte das
Paar nach ſeinem neuen Wohnſitze Rom ab.
Stockſtadt, 29. Jan. Der Forſtgehilfe und Kutſcher
Jak. Dillmann von hier, der auf dem Frhr. von
veylſchen Gute zu Schmittshauſen bedienſtet iſt, wollte
in einem Nachen über den Rhein ſetzen, um Lapins zu
ſchießen. Durch das Schwanken des Nachens ging das
geladene Gewehr des Mannes ros, der Schuß
drang dem Manne in die linke Hand ein und die Kugel
nahm ihren Weg durch den ganzen Arm, um an der
Schulter wieder herauszukommen. Der Unglückliche
wurde in das Spital nach Darmſtadt überführt, und
wird ihm ſein Arm zweifellos abgenommen werden
müſſen.
— Worms, 28. Jan. Zur Vorbereitung der
när=
riſchen Schaufenſterausſtellung
herrſcht
fieberhafte Tätigkeit, und max kann ſchon gewiß ſein,
daß ſich ſämtliche Geſchäftsleute anſchließen. Jeder wird
hier ſeinen Witz erproben und mit lokalen oder
politi=
ſchen Anſpielungen, mit ulkigen Gruppen oder
humo=
riſtiſcher Reklame ein Straßenbild herſtellen, wie
es=
einzig in ſeiner Art iſt. Die zahlreichen Beſucher der
Stadt, die wir am Sonntag, Montag und Dienstag, den
6., 7. und 8. Februar erwarten, dürfen ſich auf etwas
Außergewöhnliches gefaßt machen.
Worms, 29. Jan. Die ſtreikenden Arbeiter der
Firma Jakob Stumpf haben die Arbeit wieder
aufgenommen. Der entlaſſene Arbeiter iſt nicht
wieder eingeſtellt worden. — Geſtern nachmittag wurde
der hier wohnhaft geweſene Fuhrmann Phil.
Burk=
hart in der Nähe von Pfeddersheim von ſeinem Fuhr=
werk überfahren. B. wurde ins hieſige
Kranken=
haus gebracht, wo er heute nacht ſeinen Verletzungen
erlegen iſt. Er war Witwer und hinterläßt vier
Kinder im Alter von 3—13 Jahren.
(*) Herchenhain, 28. Jan. Unſer Ort hat als
höchſt=
gelegenes Dorf des Heſſenlandes ſeit Jahren nicht ſo
hohen Schnee gehabt wie gegenwärtig. Hunderte von
Menſchenkindern ſind hier und in den Nachbarorten
daran, die Verbindung mit den Dörfern aufrecht zu
er=
halten. Die freigeſchaufelten Kreisſtraßen gleichen
Hohl=
wegen. Oft ſind am nächſten Morgen die Straßen
wie=
der infolge des Sturmes zugeweht. Das Schaufeln des
Schnees geſchieht auf Koſten des Kreiſes, der den
Ar=
beitern die Stunde 20 Pfennige zahlt. Die Briefträger
ſind jetzt ſchlimm daran; bei Dirlammen blieb einer im
Schnee ſtecken. Hier oben liegt der Schnee
durchſchnitt=
lich einen Meter hoch, ſtellenweiſe auch höher. Bei
man=
chen Häuſern, die dem Sturm ausgeſetzt waren, lag der
Schnee bis an die Fenſter der Gebände: Da bewährt es
ſich ſehr, daß die Vogelsberger Landwirte Wohnhaus,
Scheune und Stallungen unter einem Dache haben, ſo
daß ſie beim Füttern nicht aus dem Hauſe brauchen.
eines Hauptſtücks der Sammlungen ausgegeben. In
dieſer Form werden ſie aufbewahrt, weitergezeigt oder
weitergegeben und dienen ſowohl als Andenken wie
als ſelbſttätige Propaganda für das Muſeum.
Ander=
wärts pflegen bekanntlich die Eintrittsbillette, die ſich
kaum von den Trambilletten unterſcheiden, ein kurzes
Leben zu friſten, indem ſie nach dem Gebrauch
wegge=
worfen werden und niemand mehr zum Beſuch der
Muſeen einladen.
* Das verkannte Erdbeben. Aus
Peters=
burg wird berichtet: Am 6. Januar regiſtrierte der
Seismograph der Bulkowoſchen Sternwarte
zwi=
ſchen mittags und nachmittags fortwährend
aufein=
anderfolgende Erdſtöße und =erſchütterungen. Es wurde
feſtgeſtellt, daß dieſe Erſcheinungen in Zarskoje=Sſelo,
das in der Nähe von Bulkowo liegt, den Urſprung
haben. Wie es ſich nun ſpäter herausſtellte, hatte der
Seismograph die anläßlich des Epiphaniasfeſtes in
Zarskoje=Sſelo bei der Waſſerweihe in Gegenwart des
Kaiſers abgegebenen Geſchützſalven genau verzeichnet.
— Reformen im Theaterbau. In der
Reichshauptſtadt ſind bekanntlich in der letzten Zeit eine
ganze Reihe neuer Theaterobjekte aufgetaucht, die den
Berlinern die langerſehnte „Große Oper” mit allen
Einrichtungen der modernen Technik bringen ſollen.
Neuerdings hat der Architekt Werner Behrendt in
Schöneberg ein ganz eigenartiges Modell fertiggeſtellt,
um an ihm nachzuweiſen, wie es möglich iſt, auf einer
verhältnismäßig ſehr geringen Grundfläche, trotz der
einſchränkenden Polizeiverordnungen für
Theaterbau=
ten ein Publikum von 3000 bis 3200 Perſonen im Sinne
Richard Wagners (das heißt alle Plätze der Bühne
zu=
gewandt), ohne ſtörende Seitenränge, unterzubringen.
Selbſt die entfernteſten Plätze ſollen dabei noch einen
Ueberblick über faſt die ganze Bühne haben und zugleich
noch in auskömmlichem Bereiche der Hörweite für die
geſanglichen und orcheſtralen Tonwellen liegen. An
dem Modell wird gleichzeitig eine neue bauliche
Ein=
richtung vorgeführt, durch die eine gänzliche Trennung
von Bühne und Zuſchauerraum erreicht und es der
Feuerwehr ermöglicht wird, im Falle der Not mit ihren
Wagen ſogar auf die Bühne oder direkt in das
Zu=
ſchauerhaus zu gelangen, während dem Publikum
wie=
derum durch neue techniſche Einrichtungen der ſofortige
Ausweg ins Freie ohne hinderliche Treppen und
Kor=
ridore freiſteht. Außerdem ſoll das Modell noch zwei
andere, gleichfalls unter Muſter= bezw. Patentſchutz
ge=
ſtellte neue Bühnenvorrichtungen zur Darſtellung
brin=
gen, die den Beweis liefern ſollen, daß es ohne die
bis=
her bekannte und verſchiedentlich als unpraktiſch
erwie=
ſene Drehbühne möglich iſt, ſchon während des Spieles
zwei oder mehr andere Szenerien fertig aufgebaut ſo
be=
reit zu halten, daß der Szenenwechſel innerhalb
weni=
ger Sekunden erfolgen kann. Auf das Modell, das
demnächſt öffentlich ausgeſtellt werden ſoll, darf man
mit Recht geſpannt ſein.
* Mannheim, 29. Jan. Der Stadtrat hat
in ſeiner heutigen Sitzung dem Geſuch des Hofoper=
Intendanten Dr. Hagemann ihn zum 1.
Septem=
ber 1910 von ſeinem bis 1. September 1912 laufenden
Vertrage entbinden zu wollen, die einſtimmige
Geneh=
migung erteilt.
Kleines Feuilleton.
* Wiener Hofball. Unter den Feſtlichkeiten
des Wiener Faſchings ſteht, was den äußeren
Glanz anbetrifft, obenan der Hofball, der weniger
erkluſiv als der „Ball bei Hofe” der breiten Maſſe der
„hoffähigen” Geſellſchaft den rieſigen „großen
Redou=
tenſaal” der kaiſerlichen Hofburg eröffnet und ſich heuer
nach Angabe der Hofſtatiſtiker eines beſonders ſtarken
Beſuches erfreut hat. Der Hofball nimmt aber auch in
kulinariſcher Hinſicht, und zwar ſowohl nach Menge wie
nach Güte der auf den Bufetts dargebotenen leiblichen
Genüſſe, den erſten Platz ein. Da wird zunächſt einmal
nach alter 200jähriger Ueberlieferung Bouillon gereicht,
die aus vielen, genau vorgeſchriebenen Ingredienzien
beſteht. Heuer waren es 250 Liter, und zu ihrer
Her=
ſtellung waren beinahe 14 Tage nötig, drei Tage allein
für das ununterbrochene Kochen. Außer der warmen
Bouillon lockten 700 „kalte” Schüſſeln mit ausgeſuchten
Leckerbiſſen. Es ſeien nur genannt: 30 Schüſſeln
Hum=
mer, 16 Schüſſeln Hummer=Mayonnaiſe, 60 Schüſſeln
Schinken, 40 Schüſſeln Zunge, 10 Schüſſeln franzöſiſche
und 25 Schüſſeln ſteiriſche Maſthühner, 10 Schüſſeln
Rehrücken geſpickt, nach Vanderbilt, 30 Schüſſeln
ruſſi=
ſcher Schinken, 10 Schüſſeln Asberger Filet, ſechs
Schüf=
ſeln Donauwild, acht Schüſſeln Wildhaſchee, je 20
Schüſſeln ruſſiſcher und franzöſiſcher Salat, je 50 Schüſs
ſeln Kompott und Geele, 60 Schüſſeln mit verſchiedenen=
Tunken. Beſonders anzuführen wären mehrere Schüſs
ſeln, deren Laſt nur für die kaiſerliche Tafel ſelbſt
be=
ſtimmt war. Zu dieſer Legion von Schüſſeln geſellten
ſich noch mehrere tauſend belegte Brötchen, Paſteten und
andere Herrlichkeiten. Auch die Hofzuckerbäckerei
lie=
ferte ihren wohl gemeſſenen Teil von Leckerbiſſen und
Erfriſchungen: 30000 Faſchingskrapfen, 80 Kilogramm
Gefrorenes verſchiedenſter Art, 4000 Stück
Nachtiſch=
bäckereien, 500 Kilogramm Zuckerſachen und rund 600
Liter Liköre, Limonaden, Punſch uſw.
Vierzehn Tage angeſtrengter Arbeit brauchten die
etwa 100 Perſonen, Beamte und Köche, die unter dem
Kommando des Hofwirtſchaftsdirektors und des
Hof=
chefkochs ſtehen, um dieſe Maſſen Gaumen= und
Magen=
labſals herzuſtellen. Nimmt man nun noch die beſten
öſterreichiſchen, ungariſchen, namentlich Tokayer,
Rhein=, Moſel= und franzöſiſchen Weine dazu, womit die
kaiſerlichen Kellereien aufwarten, ſo hat man ein
voll=
ſtändiges Bild von den kulinariſchen Genüſſen, deren
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 29. Jan. Der
Großher=
zog und die Großherzogin von Baden
wohn=
ten geſtern abend mit dem Kaiſer und der Kaiſerin der
Vorſtellung von Sudermanns „Strandkinder” im
König=
lichen Schauſpielhauſe bei. Nach der Vorſtellung reiſte
das Großherzogspaar nach Karlsruhe zurück. — Einen
böſen Streich haben Wagendiebe dem
Kartoffelgroß=
händler Janiſchewski aus der Yſtanerſtraße geſpielt.
Die=
ſer hatte abends um 8 Uhr einen zweiſpännigen
Kaſten=
wagen auf dem Stettiner Güterbahnhof ohne Aufſicht
ſtehen laſſen. Sofort ſprangen Diebe auf den Bock und
fuhren von dannen. Vermutlich haben ſie ſich mit ihrer
Beute in die Provinz begeben, um ſie dort zu verkaufen.
Der Beſtohlene, der einen Schaden von 2500 Mark
erlei=
det, ſetzte auf die Ermittelung des Fuhrwerks eine hohe
Belohnung aus. Beſpannt war der Wagen mit einer
Schimmelſtute und einem ſchwarzen Wallach mit langem
Schweif. Der Wagen war beladen mit leeren Säcken. —
Ein Zopfabſchneider wurde geſtern abend am
Zeughaus feſtgenommen. Als zwiſchen 7½ und 7½ Uhr
der Kaiſer nach dem Opernhauſe fuhr, gab es zwiſchen
dem Schloſſe und der Schloßbrücke ein großes Gedränge.
Einer der vielen Kriminalbeamten, die ſich unter das
Publikum gemiſcht hatten, ſah nun, daß in der Nähe der
Schloßbrücke ein junger Mann ſich auffallend an Damen
heranmachte. Plötzlich ſchnitt der Menſch einem jungen
Mädchen den halben Zopf ab und ſuchte dann in der
Menge zu verſchwinden. Der Beamte rief dem Mädchen,
das ſich mit einem Schrei umdrehte, zu, es ſollte eine
An=
zeige machen, weil er keine Zeit hatte, nach Namen und
Wohnung zu fragen. Er verfolgte den Täter und nahm
ihn am Zeughaus feſt. Der Verhaftete nennt ſich Joſeph
Fodor und ſtammt aus Ungarn. Er behauptet, daß er
vor drei Wochen nach Berlin gekommen ſei, um zu
ſtudie=
ren, und daß er ſich nebenbei mit Adreſſenſchreiben
beſchäf=
tige. Von dem Zopf fand man bei ihm nichts vor. Wohl
aber hatte er in der Ueberziehertaſche eine Schachtel und
ein ſcharfgeſchliffenes offenes Meſſer. Der Verhaftete, ein
Mann von 27 Jahren, wurde nach dem Polizeipräſidium
gebracht. Er ſpricht nur wenig Deutſch
München, 29. Jan. In der Rheinpfälzer Heil= und
Pflegeanſtalt zu Frankenthal wollte ein dort
be=
ſchäftigter Wärter ſeine 2 Vordermänner durch
Subli=
matpaſtillen, die er ihnen in den Kaffee getan hatte,
vergiften. Durch den verdächtigen Geſchmack des
Getränkes wurde die Dat entdeckt; der Täter wurde
verhaftet.
Dresden, 29. Jan. Am 14. März werden in der
Vorſtadt Cotta zehn dem Grafen Ulrich de Civry in
Paris, dem Gatten der natürlichen Tochter des letzten
Herzogs von Braunſchweig, gehörige Bauſtellen, die
zu=
ſammen auf 295000 Mark abgeſchätzt worden ſind,
ver=
ſteigert, und zwar zwangsweiſe. Die
Zwangsver=
ſteigerung reſultiert aus einem Erbſchaftsprozeß, den
der Graſ verloren hat.
Weimar, 29. Jan. Die Meldungen von einer
plötz=
lichen Erkrankung der jungen
Großherzo=
in ſind übertrieben. Allerdings wurde der Jenger
Profeſſor Stintzing nach Weimar berufen, doch iſt das
Befinden der Patientin keineswegs beſorgniserregend.
Die Großherzogin hat das Bett bereits verlaſſen und
befindet ſich auf dem Wege völliger Geneſung. Die
Auf=
regung der Einzugsfeierlichkeiten, in Verbindung mit
dem ſchlechten Wetter während der Einzugstäge, waren
die Urſache der plötzlichen Erkrankung.
Paris, 29. Jan. In der Vorſtadt Temple
plün=
derte das Publikum geſtern den Laden eines
Gemüſehändlers, der ſeine Waren zu
übertrie=
benen Preiſen verkaufte. Während des hierdurch
her=
vorgerufenen Auflaufs wurden aus einem Fenſter
fünf Revolverſchüſſe abgegeben, wodurch eine
Frau leicht verletzt wurde. In derſelben Straße
zer=
ſtörte die Menge aus dem gleichen Motiv die Auslagen
eines Kolonialwarenhändlers und zertrümmerte die
Schaufenſter des Ladens.
London, 28. Jan. Die 40 Mann zählende Beſatzung
des heute früh geſtrandeten
Torpedoboot=
zerſtörers „Eden” wurde gerettet.
London, 29. Jay. Unweit der City Road=Station,
im Oſten Londons, orach in einem dreiſtöckigen Gebäude
im oberſten Geſchoß, in dem ſich fünf Kinder im
Alter von acht Monaten bis 12 Jahren allein befanden;
Feuer aus. Als die Feuerwehr die brennenden
Stu=
ben erreichte, fand ſie die Kleinen in Flammen ſtehend
und furchtbar verletzt vor. Drei ſtarben auf dem
Wege zum Hoſpital, die anderen beiden bald nach ihrer
Ankunft.
Parlamentariſches.
* Der „Darmſt. Ztg.” wird folgendes Schreiben
Großh. Staatsminiſteriums an den
Präſi=
denten des Finanzausſchuſſes der Zweiten,
Kammer zur Verfügung geſtellt:
Unter Bezugnahme auf die Ausführungen des
Großherzoglich Badiſchen Finanzminiſters Honſell in
der Sitzung der Zweiten Badiſchen Kammer vom 11.
d. M. über die Zunahme in der Zahl der Badiſchen
Staatsbeamten und über die Steigerung des
perſönli=
chen Aufwands der Badiſchen Staatsverwaltung im
Laufe der letzten zehn Jahre haben Euer
Hochwohlge=
boren zur Gewinnung eines Vergleichs um ebenmäßige
Ziffernangabe für Heſſen erſucht, die wir uns beehren
Ihnen nachſtehend ergebenſt mitzuteilen:
Es betrug die Anzahl der etatsmäßigen
Beamten in der allgemeinen Staatsverwaltung
(ausſchließlich Eiſenbahnverwaltung und
Volksſchul=
lehrer): in Baden 1899: 5934, 1909: 8614; in Heſſen
2652 bezw. 3500. Die Steigerung beträgt danach in
Baden 2680 oder 45 Prozent, in Heſſen 848 oder 32
Pro=
zent. Die Zunahme in Heſſen iſt danach
erheb=
lich geringer; bei einer Einwohnerzahl Heſſens von
1 209 175 und Badeus von 2010728 kommt in Heſſen im
Jahre 1909 ein Beamter auf 367 Einwohner, in
Baden=
ſchon auf 232 Einwohner.
Der perſönliche Aufwand in der allgemeinen
Staatsverwaltung (ausſchließlich Eiſenbahnverwalt=,
ung) an Gehalten, Wohnungsgeld, Dienſtzulage, Ruhe=
und Unterſtützungsgehalten,
Hinterbliebenenverſorg=
ung, Reiſe= und Umzugsgebühren, Gebühren,
Vergüt=
ungen, Beihilfen u. dergl. betrug in Baden im ganzen
1899: 17,4 Millionen Mark, 1909: 37,8 Mill. Mk., das iſt
mehr 20,4 Mill. Mk. oder 117 Prozent (auf den Kopf.
der Bevölkerung 8,3 Mark oder 79 Prozent); in
Heſ=
ſen 1899: im ganzen 11,3 Mill. Mk., 1909: 19,1 Mill.=
Mk., das iſt mehr 7,8 Mill. Mk. oder 69,2 Prozent (auf
den Kopf der Bevölkerung 4,64 Mark oder 45,4
Pro=
zent). Sonach iſt auch die Steigerung in dem
per=
ſönlichen Aufwand in Heſſen weſentlich geringer, wobei
allerdings zu beachten iſt, daß im Jahre 1907 in Baden
eine allgemeine und erhebliche Beſoldungsaufbeſſerung
durchgeführt, in Heſſen dagegen nur ein
Wohnungsgeld=
zuſchuß eingeführt worden iſt.
Weiterhin betrug im Jahre 1909 der perſönliche
Aufwand der allgemeinen Staatsverwaltung in
Ba=
den 37,8 Mill. Mk., in Heſſen 19,1 Mill. Mk.;
der=
ſtaatliche Aufwand für Volksſchullehrer in Baden 3,9
Mill. Mk., in Heſſen 3,2 Mill. Mk., zuſammen 41
Mill. Mk. und 22,3 Mill. Mk.; das Aufkommen an
direk=
ten Steuern in Baden 28,3 Mill. Mk., in Heſſen
14,1 Mill. Mk.; der Geſamtaufwand überſteigt die
direk=
ten Steuern in Baden um 13,4 Mill. Mk., in
Heſ=
ſen um 8,2. Mill. Mk.
Somit hat Baden auch zu den perſönlichen Koſten
der allgemeinen Verwaltung und für Volksſchullehrer
über den Betrag der direkten Steuern hinaus einen
weſentlich höheren Zuſchuß zu leiſten als Heſſen,
wie=
wohl der ſtaatliche Aufwand für Volksſchullehrer in
Baden vergleichsweiſe erheblich niedriger iſt als in
Heſſen.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 29. Jan. Die Beratung des
Militäretats
wird fortgeſetzt.
Abg. Müller=Meiningen (frſ. Vpt.): Alle
Par=
teien haben dasſelbe Intereſſe am Militärweſen, das
dem deutſchen Volke ganz beſonders am Herzen liegt;
aber wir verlangen Reformen, z. B. hinſichtlich des
Strafrechts, deſſen Abſolutismus verſchwinden muß,
ſerner hinſichtlich des Beſchwerderechts. Aber der
Kriegsminiſter hat das Beſchwerderecht noch verſchärft.
In dem Bonner Fall Veith iſt man mit unglaublicher
Nachſicht vorgegangen. Was Bonner Boruſſenrecht iſt,
muß jemand anderen billig ſein. (Sehr richtig! links.)
Mißhandlungen durch die alten Soldaten und auch
Offiziere kommen immer noch vor. Der
Bureaukratis=
mus äußert ſich z. B. in einer bedauerlichen
Einſchrän=
kung der doch notwendigen Kritik. Die
Familientra=
dition eines Garderegiments kann auch aufrecht
er=
halten werden, wenn es ganz und gar nach Mörchingen
Nummer 25.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Seite 5.
oder Forbach verſetzt wird. (Sehr gut! links.) In hohen
und bevorzugten Stellungen iſt der Adel
unverhältnis=
mäßig ſtart vertreten. Die zweijährige Dienſtzeit für
die Kavallerie muß kommen. Die militäriſche
Ausbil=
dung des Menſchen muß ſchon in der Schule beginnen.
Die Armee muß im beſten Sinne des Wortes ein
Volksheer ſein; das iſt die Aufgabe des neuen Herrn
Kriegsminiſters im Sinne der Gerechtigkeit. (Beifall
links.)
Bayeriſcher Generalmajor von Gebſattel: Der
Herr Vorredner hat geſagt, daß die Mißhandlungen in
Bayern in neuerer Zeit beſonders häufig ſind. Das
leugne ich, das iſt nicht richtig. Eine ſolche Angabe muß
man beweiſen. Dr. Müller=Meiningen hat dieſen
Be=
weis aber nicht zu führen verſucht. Seine Angaben in
der bayeriſchen Kammer, die ich hier nach dem
Steno=
gramm verleſe, haben ungefähr das Gegenteil von dem
geſagt, was er hier ſagte. (Sehr richtig! rechts.) Ich
leugne, ſolange nicht erwieſen iſt, daß dieſe
Mißhand=
lungen ſich in letzter Zeit gehäuft haben. Dankbar bin
ich dem Abg. Müller=Meiningen für die warmen
Worte, die er meinem Vorgänger Endres gewidmet hat.
Abg. Sachſe (Soz.): Bei der Beſprechung der
Interpellation über den Mansfelder Bergſtreik hat der
Kriegsminiſter beſtritten, daß einem Mädchen
unge=
bührliche Behandlung von ſeiten der Soldaten zuteil
geworden ſei: Allerdings handelte es ſich nur um eine
Verkäuferin, nicht um ein Dienſtmädchen. Auch die
übrigen Beſchwerden halte ich aufrecht. Nur der
Be=
ſonnenheit des Publikums und der Ordnungsmänner
war es zu danken, daß kein Blut vergoſſen worden iſt.
Die bisherigen Gerichtsurteile beweiſen, daß die
Hin=
zuziehung von Truppen nicht notwendig geweſen iſt.
(Vizepräſident Dr. Spahn bittet den Redner, von dieſem
bereits in der Interpellation erledigten Thema
abzu=
ſehen.) Daß der Miniſter mein Telegramm,
unter=
zeichnet: die Streikleitung, Sachſe, nicht beantwortet
hat, iſt eine Mißachtung, die einem anſtändigen Manne
nicht angetan werden durfte. Wir proteſtieren, daß ein
anſtändiger Bürger ſo behandelt wird.
Kriegsminiſter von Heeringen: Am 22. Oktober
war die Lage in Hettſtedt ſo, daß die Menge erſt nach
zweimaligem Trommelwirbel zögernd
auseinander=
ging, daß alſo um Haaresbreite ein blutiger
Zuſammen=
ſtoß erfolgt wäre. Dieſe Tatſache kann nicht aus der
Belt geſchafft werden Die vorgenommenen
Verhaf=
tungen ſind nicht zur Kenntnis der Behörde gekommen.
Ordnung und Ruhe trat immer ein, ſobald die weißen
Binden der Ordnungsmänner aus der Maſſe
ver=
ſchwanden. (Lachen und Zurufe links. Hört, hört!
rechts.) Die Depeſche habe ich nicht beantwortet, weil
die darin berührte Angelegenheit ſchon lange erledigt
war. Der Zuſammenſtoß mit dem Bonner Einjährigen
Veith iſt nicht erfolgt, weil dieſer etwa katholiſch war
oder die Satisfaktion verweigert hatte, er war vielmehr
die direkte Entwickelung aus früheren Neckereien beim
Baden. Wir meſſen nicht mit zweierlei Recht in der
Armee. Ein militäriſches Vergehen lag nicht vor. Der
Fall unterliegt aber noch einer gerichtlichen
Nach=
prüfung. Im Blankenburger Duell hat der Ehrenrat
völlig korrekt gehandelt. Straflos ſind die Herren nicht
geweſen, mit Strafen iſt dem Duell nicht nahe zu
kom=
men. Durch die Kabinettsorder, wie die letzthin
er=
folgte, werden ſie am beſten eingeſchränkt. Wenn ein
Offizier mit dem Rechte des Uniformtragens
verab=
ſchiedet wird, hat er auch die Konſequenzen zu ziehen
und das Disziplinarrecht des allerhöchſten Kriegsherru
kanzuerkennen. Zwiſchen dem Kaiſer und mir gibt es
keine Mittelsperſonen, auch nicht in der Geſtalt des
Militärkabinetts. Einem Offizier wird nur die
Pen=
ſion gewährt, die ſein einklagbares Recht iſt. Um dem
Kriegsminiſter Einfluß auf den Perſonalſtand der
Armee einzuräumen, müßte eine Verfaſſungsänderung
vorgenommen werden. Nur der Kaiſer beſetzt die
Stellen. Ich könnte eine ſolche Verfaſſungsänderung
nicht befürworten. (Bravo! rechts.) Das perſönliche
Verhältnis des Kaiſers zu den Offizieren iſt die
Haupt=
ſtütze und Stärke der Armee. (Lebh. Bravo! rechts.) Der
Offizier ſchwört nicht auf die Verfaſſung, ſondern er
leiſtet dem Kriegsherrn den Eid. Dies Verhältnis iſt
zum Segen des Vaterlandes. (Sehr richtig! rechts.)
Eine Bevorzugung des Adels bei Beförderungen in der
Armee und im Generalſtabe lehne ich ab. Es geht alles
ſeinen regelrechten Gang. Die Beſtrebungen des
ver=
dienten bayeriſchen Generals von Endres für die
Bil=
dung des Offizierkorps haben ſich auf Preußen wegen
der zahlreichen Fehlſtellen nicht ohne weiteres
über=
tragen laſſen. Eine weitere Herabſetzung der
zwei=
jährigen Dienſtzeit will auf jeden Fall überlegt werden.
Die Anforderungen an die Arbeitskraft wachſen täglich.
Auf Parade legen wir noch minimalen Wert.
Abg. v. Oldenburg=Januſchau (konſ.): Wenn
die Mansfelder ſich ſo benommen haben, wie der Herr,
der der Rechten eben zurief: Halten Sie das Maul!, ſo
iſt noch viel zu gelinde mit ihnen verfahren worden.
(Sehr richtig! rechts. Zurufe links.) Der Offizier ſoll
ſich nicht um Politik kümmern. Die Mißhandlungen
haben erfreulich abgenommen. Die Verhältniſſe in der
franzöſiſchen Armee, wo ein Offizier vor der Front
abbitten muß, möchten wir nicht haben. Wohin es
damit geht, wird die Zukunft lehren. Die Vorwürfe
gegen das Militärkabinett wie über die Bevorzugung
des Adels treffen nicht zu. Wir wollen möglichſt wenig
rütteln an den preußiſchen Traditionen, und dazu
ge=
hören auch das Militärkabinett und die adeligen
Offi=
ziere. Wenn jemand 30 Jahre dient und noch
Kom=
pagnie= oder Schwadronschef iſt, ſo iſt die beſte Bouillon
abgeſchöpft: (Große Heiterkeit.) Die Ausſichten ſind in
Friedenszeiten ſchlecht. Den Sozialdemokraten paßt
natürlich die preußiſche Tradition nicht. Der Kaiſer
muß jeden Moment imſtande ſein, zu einem Offizier
zu ſagen: Nehmen Sie zehn Mann und ſchließen
Sie den Reichstag! (Minutenlange, ſich immer
wiederholende ſchallende Heiterkeit, aus der ſich
allmäh=
lich erregte Zurufe ſeitens der Sozialdemokraten
los=
löſen. Ledebour ruft: Was ſagt der Präſident dazu?)
Vizepräſident Erbprinz zu Hohenlohe: Ich
verbitte mir jede Kritik in dieſer Form. Ich rufe Sie
zur Ordnung. — Abg. v. Kreth (konſ.) ruft: Iſt kein
Militärarzt da? — Abg. Dr. Ofann (natl.) (zunächſt
infolge der noch anhaltenden großen Unruhe ſehr
ſchwer verſtändlich): Ich möchte in die ſachlichen
Bah=
nen zurückkommen. Redner weiſt mehrere Angriffe
des Abg. Noske zurück, geht dann auf die Rede des
Abg. Liebermann von Sonnenberg ein und erklärt:
Wir werden unſere Bahn weiter gehen und in
natio=
nalen und Heeresfragen unſeren Opfermut ſtets
betä=
tigen und national ſein, ſolange wir hier ſind. (Lebh.
Beifall bei den Nationalliberalen). — Abg.
Schra=
der (frſ. Vgg.): Ich danke Herrn von Oldenburg für
dieſen Blick, den er uns in ſein Inneres hat tun laſſen
(lebhafter Beifall links), wie er abſolnt rückſtändig iſt
und unſere heutigen Zuſtände vollkommen leugnet und
vom allerhöchſten Kriegsherrn geſetzwidrige Handlungen
ordert. Der Treneid wird dem Kaiſer nicht als
Per=
ſon, ſondern als Chef und Repräſentanten des
Staa=
tes geleiſtet. (Lebhafter Beifall links, Widerſpruch
rechts.) Die Offiziere müſſen vor dem Recht ebenſo
daſtehen wie jeder andere. Das Militärkabinett und
zahlreiche andere Einrichtungen ſind mit einem
Volks=
heer nicht zu vereinbaren.
VehMlte.
Ein Zwiſchenfall.
Abg. Singer (Soz.) erklärt zur
Ge=
ſchäftsordnung: von Oldenburg hat geſagt, der
Kaiſer müſſe in der Lage ſein, einem
Leut=
naut zu ſagen: Nehmen Sie 10. Mann und ſchließen
Sie den Reichstag. Ich will nicht über die Auffaſſung
der Rolle ſprechen, die hier dem Reichstage zugemutet
wird, auch nicht davon, daß dieſe Redewendung als
eine direkte Aufforderung zum Verfaſſungsbruch
an=
zuſehen iſt. (Sehr richtig! links.) Ich frage den
Prä=
ſidenten, ob er dieſe Aeußerung gehört hat. Hat er es
gehört, ſo hätte er dem Redner ſagen müſſen, was er der
Achtung und Würde des Reichstages ſchuldig iſt. Hat
er es nicht gehört, ſo nehme ich an, daß er das
Ver=
ſäumte jetzt nachholt. (Beifall links.)
Vizepräſident Erbprinz zu Hohenlohe: Ich habe
die Aeußerung des Abg. von Oldenburg ſo aufgefaßt,
als ob er von der Disziplin im preußiſchen Heere
ſpräche. Mit der fraglichen Aeußerung wollte er, wie
ich glaube, nur das ſagen, daß der preußiſche Soldat
bis zum Aeußerſten dem Rufe ſeines Kriegsherrn zu
folgen habe. (Lärm links, Zuſtimmung rechts.) Ich
möchte nicht glauben, daß von Oldenburg wirklich im
Ernſt ſagen wollte, daß die preußiſche Armee dazu da
ſei, um mit 10 Mann den Reichstag zu ſprengen. Das
würde ich ohne Zweifel in der ſchärfſten Weiſe gerügt
haben. — Abg. von Oldenburg=Januſchau (konſ.):
Der Präſident hat mich richtig verſtanden. Ich habe
damit nur den äußerſten Beweis der Disziplin
kenn=
zeichnen wollen, die nach keinen Beweggründen zu
fra=
gen hat. — Abg. Baſſermann (natl.): Ich erkläre
namens meiner Freunde, daß wir die Aeußerung des
Abg. von Oldenburg ſo wie der Abgeordnete Singer
verſtanden haben. Wir müſſen darin eine Mißachtung
des Reichstages und der verfaſſungsmäßigen Rechte
er=
blicken und ſtellen die Tatſache feſt, daß ſie Beifall auf
einzelnen Bänken des Hauſes gefunden hat. (Sehr
richtig!) — Abg. Gröber (Zir.): Die Worte von
Oldenburgs ſind nach meiner Auffaſſung nicht gerade ſo
harmlos geweſen (ſehr richtig!), wie uns jetzt verſichert
wird. Ich habe namens meiner Freunde unſer tiefſtes
Bedauern auszuſprechen, daß ein Mitglied des Hauſes
ſich zu einer ſolchen Aeußerung hinreißen ließ. — Abg.
Müller=Meiningen (frſ.= Vp.): Wir proteſtieren
gegen dieſe Aufreizung zu einem offenbaren
Verfaſ=
ſungsbruch und Hochverrat. Wir ſind in keiner Weiſe
zufrieden mit den Erklärungen, die notgedrungen dazu
gegeben worden ſind. (Sehr richtig!) In den Reden
von den deutſchen Bundesbrüdern liegt eine große
Ge=
fährdung des bundesſtaatlichen Charakters des Reiches.
Man kaun das föderative Prinziv des Reiches kaum
ſchwerer ſchädigen. Wir proteſtieren auf das
aller=
ſchärfſte gegen dieſe Aeußerung ſowohl als auch gegen
die Untätigkeit des Präſidenten. (Sehr richtig! Zuruf
des Abg: Sachſe: Herunter vom Präſidentenſtuhl!)
Vizepräſident Erbprinz zu Hohenlohe: Ich
kann einen ſolchen Ausdruck nicht zulaſſen, ſo lange ich
als Präſident hier fungiere. Ich verbitte mir ſolche
Ausdrücke und rufe Sie zur Ordnung. (Bravo!)
Abg. v. Oldenburg (konſ.): Ich kann nur gegen
dieſe Auffaſſung proteſtieren und proteſtiere auch dagegen,
daß in dem Ausdruck Bundesbruder eine Beleidigung zu
ſehen iſt. (Aha! links. Zuſtimmung rechts.)
Abg. Singer (Soz.): Namens meiner Freunde lege
ich nachdrücklich Verwahrung ein, daß jene Aeußerung
vom Präſidenten nicht ernſt genommen wurde, und
mei=
nem Geſchmack würde es nicht entſprechen, in dieſer Weiſe
ſelbſt nicht ernſt genommen zu werden, wie von
Olden=
burg durch den Präſidenten. Durch die Erklärung des
Prä=
ſidenten iſt nicht erwieſen, daß er die Aeußerung richtig
verſtanden hat. Im Hauſe iſt ſie nicht anders verſtanden
worden, nämlich wie ſie auch wohl gemeint war. Wenn
von Oldenburg jetzt ſeine Aeußerung abſchwächt, ſo
ent=
ſpricht es nicht dem Mute eines Mannes, ein ſolches Wort
in dieſer Weiſe nicht zurückzunehmen, ſondern
abzu=
ſchwächen. Außerparlamentariſch würde man das
Knei=
ſen nennen. (Heiterkeit.) Ich ſtelle aber feſt, daß der
Präſident die Aeußerung gerügt hätte, wenn er ſie ſo
ver=
ſtanden hätte wie die Mitglieder des Hauſes. Wir
mei=
nen allerdings, der Präſident wollte nicht anders
ver=
ſtehen. Es wäre zum Schutze des Reichstages und ſeiner
Würde nötig geweſen, daß er ſie richtig verſtanden hätte.
(Beifall links.) — Abg. v. Oldenburg (konſ.): Meine
Aeußerung wollte ein Beiſpiel von der äußerſten
Kon=
ſequenz der Disziplin charakteriſieren. Ich wollte nicht
abſchwachen, das habe ich mein Leben lang nicht getan.
Was Singer von mir denkt, iſt mir wurſcht. (Beifall
rechts. Zuruf des Abg. Ledebour: Er kneift! Der
Prä=
ſident kneift auch!) — Vizepräſident Hohenlohe: Ich
führe dieſes Amt kraft der Wahl des Hauſes, und ſo lange
ich es führe, laſſe ich mich auf dieſe Weiſe und mit ſolchen
Worten nicht kritiſieren. (Bravo! rechts. Minutenlange
große Bewegung.)
Abg. Vogt=Hall (wirtſchaftl. Vgg.) wünſcht
unter beſtändiger Unruhe des Hauſes möglichſte
Beſchleunigung der Abſchätzungsgeſchäfte für die
Manö=
verſchäden und Berückſichtigung der kleineren
Gewerbe=
treibenden bei den Armeelieferungen. — Kriegsminiſter
v. Heeringen: Daß die Manöver bedeutende
Anforde=
rungen an die Landwirtſchaft ſtellen, iſt uns klar. Die
Manöver ſind aber mit Notwendigkeit die wichtigſten
Uebungen im ganzen Jahre. Wenn Herr Schrader das
automatiſche Anwachſen des Militäretats beklagt, ſo ſollte
er vor allem nicht auf Verkürzung der Dienſtzeit drängen.
Die Kameradſchaft zwiſchen Offizier und Mann beſteht
heute wie je. Bei der Expedition nach Südweſtafrika hat
ſich die Kameradſchaft ſo recht wieder gezeigt, wo Offizier
und Mann für einander gelitten haben und geſtorben
ſind, wo ſie zuſammen gedarbt und gedurſtet haben. Die
Kameradſchaft beſteht genau ſo wie früher.
Damit ſchließt die Debatte. Vizepräſident Dr.
Spahn macht Mitteilung von einem Schreiben des
Abg. Ledebour, in welchem dieſer wegen des ihm erteilten
Ordnungsrufes an das Haus appelliert. Hierüber wird
am Montag ohne Debatte abgeſtimmt werden.
Danach tritt Vertagung ein. In einer
Geſchäfts=
ordnungsdebatte bittet Abg. Mommſen (frſ. Vgg.), den
Teil der Oldenburgſchen Rede, in dem der Ordnungsruf
an den Abg. Ledebour erteilt wurde, den Abgeordneten
zu=
gehen zu laſſen. — Auf Anregung des Abg.
Baſſer=
mann (natl.) wird einſtimmig beſchloſſen, die
Ab=
ſtimmung über den Appell des Abg.
Lede=
bour erſt am Dienstag, wenn das ganze Stenogramm
vorliegt, vorzunehmen.
Nächſte Sitzung Montag, 1 Uhr: Dritte Leſung
der Nachtragsetats, kleinere Etats und Rechnungsſachen.
Schluß gegen 5 Uhr.
* Berlin, 28. Jan. In der Sitzung der
Bud=
getkommiſſion des Reichstages führte
Staatsſekretär Dernburg aus, daß er die
Zeitungs=
nachrichten über den dem Gouverneur von
Süd=
weſtafrika, von Schuckmann, gebrachten Fackelzug
für ganz unwahrſcheinlich gehalten habe und
daß er es nicht für notwendig erachtete, deswegen
hinauszutelegraphieren. Er erhielt nunmehr folgendes,
von Gouverneur v. Schuckmann ohne Anfrage
abge=
ſandtes Telegramm: „Selbſtverſtändlich habe Fackelzug
weder geahnt, noch angenommen. Zehn Uhr ſchlafen,
hörte ſingen, kaum erwacht, Leute abzogen mit „
Deutſch=
land. Deutſchland” Bin gar nicht aufgeſtanden. Außer
durch Abſingen patriotiſcher Lieder Ruhe nicht geſtört.”
Das Telegramm beſtätige ſeine Anſicht, die er gelegentlich
der Zeitungsmeldungen ausgeſprochen habe. Uebrigens
bemerke er, daß der Gouverneur bereits im November ein
ärztliches Atteſt eingereicht habe, wonach ſeine
Beurlau=
bung in die Heimat notwendig ſei. Er hoffe, daß die
Ge=
ſundheit Herrn v. Schuckmanns wieder hergeſtellt und
der verdiente Gouverneur dem Schutzgebiete
er=
halten bleibe.
ſich die Gäſte des Kaiſers auf dem Hofball erfreuen
dür=
fen, — wenn ſie ſich nämlich rechtzeitig genug bei den
Bufetts einſtellen und nicht davor zurückſchrecken, ſich
auf die Zehen treten und in die Rippen ſtoßen zu
laſ=
ſen und die Kleider in Gefahr zu bringen. Denn man
glaubt es gar nicht, was für ein demokratiſches
Ge=
dränge ſelbſt in dieſer ariſtokratiſchen Verſammlung die
Ausſicht erzeugt, ſich einen guten Biſſen und einen guten
Tropfen zu verſchaffen, und mit welcher plebejiſchen
Ge=
ſchwindigkeit die Hunderte von Schüſſeln abgeräumt
werden, ſo daß den Zurückhaltenden und Schüchternen
in der Regel nichts übrig bleibt, als ſich an der
Vor=
ſtellung der Genüſſe, die die anderen gehabt haben, zu
ergötzen.
— Kometenaberglaube in Rußland. Aus
Petersburg wird berichtet: Das Erſcheinen des neuen
Kometen hat in der ruſſiſchen Volksſeele abergläubiſche
Furcht neu erwachen laſſen, und die düſterſten
Ahnun=
gen verbindet die peſſimiſtiſche Phantaſie der Menge
mit dem neuentdeckten Himmelskörper. Viele erblicken
in dem neuen Kometen den Vorboten eines gewaltigen
blutigen Krieges im fernen Oſten, und andere ſehen
mit Grauen das Ende der Welt heraufziehen. Die
furchtbare Kälte, von der Rußland in dieſem Jahre
heimgeſucht wird, wird auf den Einfluß des Kometen
zurückgeführt; für die Ueberſchwemmungskataſtrophe
in Paris findet der abergläubiſche Ruſſe in dem
Kometen eine Erklärung, von der Zukunft aber
er=
wartet er mit bangem Herzen furchtbare Seuchen, einen
neuen Anſturm der mörderiſchen Cholera und ein blutiges
Wiederaufleben der ſchlimmſten Revolutionszeit. Auf
dem Marsfelde in Petersburg ſtrömen ungeheuere
Menſchenmaſſen zuſammen und ſtarren zweifelnd und
bangend empor zu dem neuen Stern, der deutlich
ſicht=
bar iſt. Die populären Zeitungen veröffentlichen lange
Artikel mit düſteren Prophezeiungen, die eifrig geleſen
und ängſtlich kommentiert werden. Ueberall ſind die
Kirchen überfüllt. Noch ſchlimmer wie in der
Haupt=
ſtadt iſt das Bild, das die aus den Provinzen
eintreffen=
den Nachrichten von der Kometenfurcht der
Landbevöl=
kerung entrollen. Faſt alle Provinzgouverneure haben
die Landpolizei verſtärkt, um während der Sichtbarkeit
des Kometen Ausſchreitungen des Volksaberglaubens
begegnen zu können.
C.K. Tafts Tänzchen. William Taft, der
dickſte Präſident, deſſen ſich die Vereinigten Staaten je
rühmen konnten, hat neuen Ruhm auf ſeine Perſon
gehäuft: trotz ſeiner 250 Pfund ſchwang er bei einem
Wohltätigkeitsball in Waſhington zum Entzücken aller
Amerikaner das Tanzbein. Seit 26 Jahren beſaß
Amerika keinen tanzenden Präſidenten, Taft blieb die
Ehre, ſeit der Präſidentſchaft von Arthur, 1881—1885,
zum erſten Male dem amerikaniſchen Volke wieder
einen Präſidententanz zu zeigen. Es war die ſchönſte
Dame des Balles, die Taft engagierte, Frau Pearſe
Horne; die geehrte Tänzerin ſchildert jetzt im „New=
York Americain” ihre Eindrücke von Tafts tänzeriſchen
Talenten: „Der Präſident iſt ein idealer Tänzer, er
tanzt mit einer märchenhaften Leichtigkeit aber leider
hat er einen ein wenig kurzen Atem.‟ Doch das trübt
nicht den Stolz Amerikas, das glücklich iſt, wieder einen
tanzenden Präſidenten zu haben.
— Von der Entdeckung des Löſchblatts,
das in kurzer Zeit den Streuſand, deſſen ſich die
Menſchheit jahrhundertelang bedient hatte, verdrängte,
plaudert „T. P.’s Weekly‟. Das erſte Löſchblatt wurde
in einer engliſchen Papierfabrik in der Grafſchaft
Berkſhire hergeſtellt. Der Nachläſſigkeit eines
Arbei=
ters verdankt die ſchreibende Welt die Entdeckung: Der
Arbeiter vergaß zufällig, der rohen Papiermaſſe den
nötigen Leimzuſatz zu geben. Der Fabrikbeſitzer war
außer ſich, und der unfreiwillige Entdecker des
Löſch=
blattes wurde zur Strafe für ſeine Nachläſſigkeit
ent=
laſſen. Später bemerkte der Fabrikant, daß das
miß=
ratene Papier die Eigenſchaft hatte, Tinte aufzuſaugen,
ohne die Schrift zu verwiſchen. Der kluge
Geſchäfts=
mann ſchlug die Reklametrommel und fabrizierte von
dieſem Tage an nur noch Löſchpapier, das ihn in kurzer
Zeit zum reichen Manne machte.
* Die verſcherzte Liebesheirat. Vor 10
Jahren ſtarb in England im hohen Alter von 97
Jah=
ren der „Vater des engliſchen Parlaments”, wie er
ge=
nannt wurde, Sir Villiers. Er war unvermählt
ge=
blieben. Wenig bekannt dürfte ſein, warum dies
geſchah. Schon in jungen Jahren hatte er ſich verlobt,
und zwar mit einem außerordentlich reichen Mädchen,
Miß Melliſh. Die Hochzeit war bereits anberaumt,
als einige Tage zuvor die Braut ſcherzhaft zu ihrem
Bräutigam ſagte: „Du heirateſt mich ja doch nur meines
Geldes wegen. Das war ein böſer Scherz! „Meinſt
Du?” antwortete ihr der Bräutigam, „nun, ich will Dir
das Gegenteil beweiſen, wenn ich auch dabei zu Grunde
gehe. Ich heirate nun überhaupt nicht!‟ Der
Starr=
kopf hat ſein Verſprechen bis an ſein Lebensende
ge=
halten, und keinerlei Bemühungen, keine Tränen der
Braut konnten ihn je von ſeinem Vorſatz abbringen.
Aber auch die Braut heiratete nun nicht. Sie blieben
ſich „unvermählt” treu ihr Leben lang. Er ſtieg im
Ruhm höher und höher; ſie aber wurde eine vergrämte
alte Jungfer. Bei ihrem Tode vermachte ſie dem
ewigen Bräutigam 20 Millionen Mark, die er aber zu
Gunſten ſeiner Vaterſtadt ablehnte. Merkwürdige
Leute!
Erdbeben.
— Seismiſche Station Darmſtadt=
Ju=
genheim, 29. Jan., vorm. 9 Uhr. In der
vergange=
nen, ſehr ſtürmiſchen Nacht vom 28. zum 29. Januar
wurden drei mittelſtarke Erdbeben regiſtriert
die ſcheinbar vom gleichen Herd ausgingen; Herd nur
Seite
Darmſtädter Tagblatt, Möntag, den 31. Januar 19
etwa 800 Kilometer eutfernt, möglicherweiſe im Süden.
Das erſte Beben begann nachts kurz vor 1. Uhr, das
zweite 1,14¼ Uhr, das dritte und ſchwächſte folgte
am Morgen 6,13½ Uhr.
* Heidelberg, 29. Jan. Der Seismograph
der Königsſtuhl=Sternwarte verzeichnere
in der verfloſſenen Nacht zwei mittelſtarke
Fern=
beben, anſcheinend von dem gleichen Herd wie das
Erdbeben vom Samstag, den 22. Januar. Das erſte
Beben begann 12,59 Uhr, das zweite 1,14 Uhr.
* Laibach, 29. Jan. Geſtern abend um 7 Uhr 13
Minuten wurde von der Erdbebenwarte ein ſchwaches
Fernbeben mit der Herddiſtanz 1200 Kilometer
ver=
zeichnet. Heute nacht erfolgten drei Nahbeben=
Auf=
zeichnungen. Die Herddiſtanz betrug 130 Kilometer.
* Graz, 29. Jan. Geſtern nachmittag 2 Uhr 47
Minuten erfolgte in Adelsberg ein heftiger, zwei
Se=
kunden andauernder Erdſtoß von Weſt nach Oſt.
Heute früh 1 Uhr 5 Minuten wurden in Steiermark
an vielen Orten Erdſtöße wahrgenommen.
Unwetter und Hochwaſſer.
* Berlin, 29. Jan. Die Morgenblätter melden aus
Berlin: Während in Berlin geſtern ruhiges Froſtwetter
herrſchte, trafen aus Norddeutſchland
ununterbro=
chen Nachrichten über ſchwere Schneeſtürme ein, ſo
aus Lübeck, Oſtfriesland uſw. Am
Nieder=
rhein befürchtet man, daß das Hochwaſſer zu einer
Kataſtrophe führt. In den letzten 24 Stunden
ſtürmte, ſchneite und regnete es ununterbrochen. Rhein
und Ruhr traten aus ihren Ufern, wie man es ſeit
langen Jahren nicht mehr erlebte. In Duisburg=
Meide=
rich iſt die ganze Unterſtadt unter Waſſer.
* Paris, 28. Jan. Von den Küſten des
Atlan=
tiſchen Ozeans und des Aermelkanales werden
hef=
tige Stürme gemeldet. Es ſcheiterte ein Schiff, wobei
ſieben Menſchen den Tod fanden.
Perugia, 28. Jan. Infolge eines durch die
Re=
gengüſſe verurſachten Erdrutſches ſtürzten in
Borgo und San Bartolomeo (Provinz Cubbio) drei
Häuſer ein und begruben elf Perſonen unter den
Trümmern; ſieben konnten noch lebend herausgezogen
werden, während die übrigen bereits tot ſind.
* Vigo, 28. Jan. Ein Fiſchdampfer iſt geſtern
bei dem bereits ſeit drei Tagen herrſchenden Sturm
ge=
cheitert. Die aus zehn Mann beſtehende Beſatzung iſt
umgekommen.
* Brüſſel, 28. Jan. Infolge des andauernden
Re=
genwetters traten in Flandern große
Ueberſchwem=
mungen ein. Gent und Umgebung wurden beſonders
ſchwer heimgeſucht. Aus einzelnen Ortſchaften flüchten
die Bauern. Mehrere Fabriken müſſen den Betrieb
ein=
ſtellen. Das Waſſer ſteigt fortgeſetzt.
* London, 28. Jan. Die in England herrſchenden
Schneeſtürme riefen überall Störungen im
telegra=
phiſchen Verkehr hervor. An den Küſten wurden an ver
ſchiedenen Stellen Wracks angetrieben.
* Kopenhagen, 29. Jan. Seit geſtern abend
herrſcht über ganz Dänemark ein heftiger
Schnee=
ſturm, der die ganze Nacht über anhielt und viele
Ver=
kehrsſtörungen zur Folge hatte. Auf Seeland iſt der
Eiſenbahnbetrieb gänzlich eingeſtellt, jedoch ſeitdem an
einigen Stellen wieder aufgenommen worden. Die
Hauptlinien nach Deutſchland über Warnemünße, Korſör,
Kiel werden bis heute abend wieder freigelegt worden
ein, ſo daß die Züge wieder fahrplanmäßig abgehen
können.
H. B. Abbazia, 29. Jan. Eine rieſige
Sturg=
welle hat geſtern nacht die Hafenortſchaft Bescanova
überſchwemmt. 48 Familien konnten ſich nur mit
Zurücklaſſung ihrer ſämtlichen Habſeligkeiten retten.
24 Häuſer wurden total zerſtört.
Die Ueberſchwemmung in Frankreich.
* Paris, 28. Jan. 10423
Telephonabon=
nenten ſind vom Verkehr abgeſchnitten. In der
Pariſer Telegraphenzentrale droht das Eindringen des
Waſſers in die Kellerräumlichkeiten, wo ſich auch die
Kabelleitungen befinden. Die direkten telegraphiſchen
Verbindungen mit Oeſterreich, England,
Hol=
land, Dänemark und zahlreichen Städten
Frank=
reichs ſind unterbrochen. Aus den Vororten ſtrömen
maſſenhaft Menſchen nach Paris, um hier Zuflucht zu
ſinden, während wieder zahlreiche wohlhabende Leute
die Stadt zu verlaſſen beginnen. Namentlich die
Fremden beſchleunigen ihre Abreiſe. Im
Geſchäfts=
leben iſt eine ſchwere Stockung eingetreten. In
der Bevölkerung, die bisher im großen und ganzen eine
ruhige Stimmung beobachtet hat, greift nunmehr eine
tiefgehende Beſorgnis Platz. Außerordentlich groß iſt
die Gefahr, welche den bisher verſchonten Stadtteilen
durch die Untergrundbahn erwächſt, welche bei
der Place du Havre bereits bis an den Rand mit Waſſer
gefüllt iſt. Der Polizeipräfekt hat einen Aufruf
er=
laſſen, in welchem er unter Hinweis auf die
unzu=
reichenden Rettungsmittel an alle Perſonen,
die Wagen, Bovte oder irgendwelche Fahrzeuge beſitzen,
die Bitte richtet, dieſelben ihm zur Verfügung zu ſtellen.
Die Polizeikommiſſare wurden übrigens angewieſen, im
Notfalle die Wagen zu requirieren. Aus den
Kriegs=
häfen treffen ununterbrochen Rettungsboote ein. In
der Rue de Rom wurde von Truppen ein Notdamm
errichtet, um den Abfluß der Waſſermaſſen, welche
gegenwärtig vor dem St. Lazare=Bahnhof einen
regel=
rechten See bilden, zu verhindern, da zu befürchten iſt,
daß von dort aus die großen Boulevards
über=
flutet werden könnten. Die
Verkehrsſtörnn=
gen ſind oft unüberwindlich. Viele Lohnkutſcher
drohen, daß ſie unter dieſen Umſtänden lieber zu Hauſe
bleiben wollen.
* Paris, 28. Jan. Das Wetter hat ſich weiter
aufgeheitert und die Temperatur war nachts
un=
gefähr auf dem Gefrierpunkt. Nach den letzten
Nach=
richten ſteigt die Seine nicht mehr und man
gibt ſich abermals der Hoffnung hin, daß das Hochwaſſer
allmählich abnehmen werde. Dagegen füllen ſich die
Sammelkanäle und die Untergrundbahn immer mehr
mit Waſſer, und dies wird ſo lange andauern, bis der
Waſſerſtand dort den der Seine erreicht haben wird.
Einer der Ingenieure, die die Ausführung der
Not=
dämme zwiſchen der Invaliden= und Alma=Brücke
über=
wachen, erklärte einem Berichterſtatter um ½2 Uhr
nachts: Wir hoffen, daß die Gefahr von der Flußſeite
her vorüber iſt. Viel ſchlimmer iſt es jedoch, daß der
Boden unter unſeren Füßen ſich jeden Augenblick
ſen=
ken kann, denn dann würde das Waſſer an zahlreichen
Stellen hervordringen und in wenigen Augenblicken
den Concordiaplatz und die benachbarten Straßen
über=
ſchwemmen. Der Chefarchitekt der Stadt gab einem
Mitarbeiter des „Echo de Paris” die beruhigende
Er=
klärung ab, daß im gegenwärtigen Angenblick in Paris
kein einziges Gebäude vom Einſturz bedroht ſei. — Aus
Toulon ſind geſtern abend mit Sonderzug 60
Rer=
tungsboote mit 75 Matroſen abgegangen.
Aus
St. Malo wird gemeldet, daß eine Anzahl Neufund=
länder Fiſcher aus eigenem Antrieb mit einem Dutzend
Rettungskähnen nach Paris abgegangen ſind.
Die Verproviantierung in einzelnen
über=
ſchwemmten Straßen iſt mit großen
Schwierig=
keiten verbunden. In vielen Häuſern, des
be=
ſonders ſtark heimgeſuchten Viertels Groß=Cailloux, in
der Nähe des Invalidendomes, riefen viele Bewohner
von den Fenſtern aus Sringend nach Brot; ſie befinden
ſich ſeit Mittwoch ohne Lebensmittel. — Trotz
der beruhigenden Mitteilungen, die von den Behörden
bezüglich der Lebensmittelverſorgung von Paris
abge=
geben wurden, macht ſich doch auch in dieſer Beziehung
jetzt eine nnleugbare Beſorgnis geltend. Alle
Lebens=
mittelhandlungen ſind ſeit geſtern überfüllt. Perſonen
aller Schichten ſuchen ſich mit Lebensmitteln für mehrere
Tage zu verſorgen. In zwei Spezereiwarengeſchäften
in Fanbourg dn Temple, die ihre Preiſe erhöht hatten,
verübte die Menge arge Ansſchreitungen. Die Läden
wurden teilweiſe geplündert und mehrere Perſonen
im Handgemenge verwundet.
* Paris, 29. Jan., 6 Uhr früh. Das Hochwaſſer
iſt im Laufe der Nacht um 13 Zentimeter geſunken. Um
2 Uhr früh drang das Waſſer in die Keller der Großen
Oper und in die Werkſtätten des Münzgebäudes ein. Der
Stadt= und der dort gelegene Untergrundbahnhof wurden
mit Abzugsgräben umgeben. Am Untergrundbahnhof an
der Rue Danton und am Boulevard St. Germain, 500
Meter von der Seine entfernt, hört man das furchtbare
Toſen des unterirdiſchen Stromes. Es wird gefürchtet,
daß die Caiſſons im Tunnel unter der Seine gebrochen
ſind. Um Mitternacht erklärte das Miniſterium der
öf=
fentlichen Arbeiten, daß der Stillſtand des
Hochwaſ=
ſers der Seine andauert. Stromaufwärts nehme die
Flut ab.
Uhr vormittags. Obwohl die Meldung von dem
leichten Sinken des Hochwaſſers, die übrigens
noch nicht amtlich beſtätigt iſt, ſich mit Windeseile
ver=
breitet hat, haben die Schrecken der
Ueber=
ſchwemmung die ganze Nacht unvermindert
ange=
dauert. In der Rue Jeannot erreichte das Waſſer eine
Höhe von zwei Metern. Man mußte mit
verzwei=
felten Anſtrengungen die Frauen und Kinder retten.
Ju=
ſtizminiſter Barthou und ſeine Familie, deren
Woh=
nung in der Avenue Antin überſchwemmt iſt, mußten
auf den Rücken von Männern teils in ein Boot, teils in
das Juſtizminiſterium flüchten. Auch an der
Ankunfts=
eite des Bahnhofs am Quai d. Orſay, deſſen
Gewölbe einen ungeheuren Waſſerdruck auszuhalten
ha=
ben, iſt das Trottoir vor dem Gebäude der Ehrenlegion
geborſten und der Verkehr aus der Avenue
Alexan=
der III. infolge Aushöhlung der Straße unterbrochen. Die
geſperrten Brücken Mirabeau und Generelle Paſſy ſtehen
unter Waſſer.
* Paris, 29. Jan. Die Stimmung der
Be=
völkerung iſt eine ruhigere geworden. Das heitere
trockene Wetter hält an; allerdings hat auch die
Tem=
peratur zugenommen. Der Waſſerſtand der Seine iſt
etwas, wenn auch kaum merklich, gefallen.
Die
Kahnverbindungen mit den Häuſern der
überſchwemm=
ten Straßen werden jedoch immer mühſeliger. An
mehreren Stellen haben ſich, offenbar infolge von
Sen=
kungen, regelrechte Strndel gebildet, denen die
Fähr=
leute nur mit Aufgebot aller Kräfte ausweichen können.
Die Ueberſchwemmungen in den benachbarten
Stra=
ßen und auf dem Boulevard Hausman breiten ſich
wei=
ter aus. Truppen und Arbeiter reißen das Pflaſter
in den Straßen auf, um Material für die Errichtung
von Notdämmen zu gewinnen. Die Kellergeſchoſſe
und Toreingänge der Häuſer werden zugemauert und
mit Schutzwehren aus Brettern und Ziegelſteinen
ver=
ſehen, doch iſt es ſehr fraglich, ob dieſe Vorkehrungen
genügen, da immer neue Waſſermaſſen zuſtrömen,
welche nicht von der Seine herrühren, ſondern
wahr=
ſcheinlich aus dem großen und hochgelegenen
Sammel=
kanal von Elichy. Die vor dem Bahnhofe St. Lazare
nach dem Börſenplatz und der Place de la Republiqhue
führende Untergrundbahn füllt ſich fortgeſetzt
mit Waſſer. Die vier Meter hohen Schutzdämme,
welche man an einzelnen Punkten des Tunnels
errich=
tet hat, werden bereits an mehreren Stellen
über=
flutet.
1 Uhr mittags. Das Wetter iſt jetzt trocken und
die Sonne ſcheint. Das Waſſer fällt
andau=
ernd, ſowohl in der Provinz wie in Paris. Seit geſtern
früh iſt die Marne bei Chalifert um 25 Zentimerer
gefallen, die Seine bei Montreau um 21 Zentimeter,
die Yonne um 47 Zentimeter. Das Palais Bourbon
iſt noch immer von Waſſer umgeben. Die Station Place
de la Republique der Untergrundbahn iſt noch bis an
die Decke mit Waſſer gefüllt. Beim Palais de Juſtice
und am Lyoner Bahnhof ſind neuerdings
Boden=
ſenkungen eingetreten. Auf dem Boulevard
Dide=
rot hat die Bodenſenkung eine Länge von 150 Metern.
Miniſter Millerand beſuchte heute in einem Boot
die meiſten bedrohten Stadtteile und traf
Vorkehrun=
gen für die Verproviantierung der Stadt.
* Paris, 20. Jan., nachmittags 4 Uhr. Dias
Waſſer iſt am Nachmittag plötzlich in den Temple=
Bahnhöf der Untergrundbahn eingedrungen und ſteht
an den Wänden des Gewölbes ſieben Meter hoch.
* Varis, 30. Jan. Nach den amtlich bekanntges
gebenen Ziffern iſt die Seine im Laufe des geſtrigen
Tages um 13 Zentimeter gefallen. Die Nachrichten
vom Oberlauf des Fluſſes lauten beruhigend. Das
Waſſer fällt ſtetig. Das Hochwaſſer der Marne
und Yonne iſt bedeutend zurückgegangen. Der Grand
Morin iſt infolge des Regenwetters ſtark angeſchwollen;
er dürfte für Paris nur von geringer Bedeutung ſein.
Die Sicherheit der Pariſer Brücken iſt bisher nicht in
Frage geſtellt.
* Paris, 30. Jan. Die Seine iſt in der Nacht
um weitere 20 Zentimeter gefallen und fährt fort,
lang=
ſam aber regelmäßig zurückzugehen. Den
ſchlam=
migen Charakter verliert das Waſſer mehr und mehr.
* Rouen, 29. Jan. Die Seine erreichte ein:
Höhe von 9 Metern 85 Zentimetern und
überſchwemmte die Kaianlagen. Viele Häuſer ſind
um=
lutet. Mehrere Werke ſtehen ſtill.
Vermiſchtes.
— Ueber weiblichen Beruf. Man ſchreibt
uns: Die Wahrheit, daß jedes Weibes eigenſter
Be=
ruf der einer Gattin und Mutter ſei, wird im Ernſte
kaum von jemandem beanſtandet werden. Wir leben
aber in einem Zeitalter zunehmender Eheloſigkeit,
be=
ſonders in den höheren Ständen. Soll nun ein großer
Ueberſchuß ledig bleibender Töchter aus ſolchen
Häu=
ſern geſellſchaftlich den Brüdern gegenüber
herab=
teigen dadurch, daß ſie kärglich bezahlte
Handarbei=
terinnen oder gar Almoſenempfängerinnen werden?
Ler die geſamte Entwickelung unſerer Gegenwart und
ihrer etwa beklagbaren Zuſtände nicht zu hemmen
ver=
mag, der iſt auch nicht beſugt, einſeitig das Weib in
die Schranken früherer Verhältniſſe zurückzuverweiſen
oder darin zu halten. Es dürfte auch nicht gelingen,
dem Entwickelungsgange Halt zu gebieten, ſo gut und
nützlich das auch ſein könnte. Es iſt möglich, daß nach
großen Erſchütterungen ſich auch das heutige, gewiß
mehrfach ungeſunde Getriebe der Menſchheit
zurück=
bilde. Wir Alten und Aelteren erleben es aber wohl
laum, müſſen vielmehr zurzeit mit dem Gegebenen
rechnen. Wenn man ſich darüber beklagt, daß
Ober=
ehrer unter weiblicher Leitung ſtehen ſollen, ſo
er=
ſcheint dies freilich peinlich, es tut dem männlichen
Bewußtſein wehe; das ſind aber Mißſtände, die ſich
leicht vermeiden ließen, und zwar dadurch, daß man
an Anſtalten, die unter weiblicher Leitung ſtehen, nur
Frauen beſchäftigt. Dann würde eine Frau
Schul=
direktorin nur Lehrerinnen und Oberlehrerinnen
unter ſich haben. Niemals aber kann ein Mann beſſeres
Verſtändnis für weibliches Seelenleben haben als
irgend ein Weib ſelber. Auch die unverheiratete
Leh=
rerin iſt ja Tochter, vielleicht Schweſter, hat
Freun=
dinnen und kennt vor allem ihr eigenes Gemüt.
Die engliſchen Wahlen.
* London, 29. Jan. Bis 1 Uhr nachmittags
lie=
gen ſolgende Wahlreſultate vor: 269
Konſer=
vative, 268 Liberale, 40 Mitglieder der Arbeiterpartei
und 77 Nationaliſten. Die Konſervativen gewannen
126 Sitze, die übrigen Gewinnziffern ſind unverändert.
* London, 29. Jan. Bis 4 Uhr nachmittags
waren folgende Wahlergebniſſe bekannt: 271.
Konſervative, 272 Liberale, 40 Arbeiterpartei und 80
Nationaliſten. Die Konſervativen gewannen 127 Sitze.
In Jarrow=Durham eroberten die Liberalen ein
Man=
dat, welches bisher die Arbeiterpartei inne hatte. (
Es=
fehlen jetzt noch ? Reſultate.)
Darmſtadt, 31. Januar.
Großh. Hoftheater. In der Volksvorſtellung am
Samstag, bei der Raimunds „Verſchwender” wieder zur
Aufführung gelangte, wurde Herr Baumeiſter, der
die Rolle des „Flottwell”
ſpielte, am Schluſſe des
2. Aktes ohnmächtig. Herr Lehrmann machte dem
Pub=
likum Mitteilung von der durch den Zwiſchenfall
ein=
tretenden Verzögerung, worauf Herr Regiſſeur Hacker,
der die Regie am Abend führte, einſprang und die
Rolle, obwohl er ſie ſeit mehr als 5 Jahren nicht mehr
geſpielt hatte, zu Ende führte. Nach den geſtern
einge=
zogenen Erkundigungen iſt Herr Baumeiſter
wieder=
hergeſtellt.
J. Der Kriegerverein feierte am Samstag im
Städti=
ſchen Saalbau den Geburtstag Sr. Maj. des Kaiſers. Der
Saal war dicht beſetzt. Außer den Abordnungen der
hie=
ſigen Regimenter war eine große Anzahl geladener Gäſte
der Militär= und Zivilbehörden erſchienen, unter anderen
als Vertreter der Stadt Herr Beigeordneter Mueller,
der Vorſitzende der Kriegerkameradſchaft „Haſſia‟, Exzellenz
Hof, der frühere Stadtkommandant Herr Generalmajor
v. Lyncker, Kommandeure der hieſigen Regimenter,
ſo=
wie eine große Anzahl Offiziere des aktiven und
beur=
laubten Standes. Die Feier nahm ihren Anfang mit
einem von Herrn G. Jöckel muſterhaft vorgetragenen und
von Herrn Kamerad Hauptmann a. D. Kuſchel verfaßten
Prolog. Dann begrüßte der 2. Vorſitzende, Herr
Oberbür=
germeiſter und Hauptmann a. D. Schäfer, die
Feſtver=
ſammlung und widmete beſondere Worte des Dankes den
geladenen Gäſten. Die Feſtrede hielt Herr Kamerad
Pfarrer Vogel, welcher es verſtand, durch Aufrollen eines
klaren Bildes der deutſchen Geſchichte in einer recht
ker=
nigen Anſprache in beſonderem Maße die Feſtſtimmung
der Anweſenden zu erhöhen. Die Rede ſchloß mit einem
dreifachen Hoch auf Se. Maj. den Kaiſer. Für die
Ge=
ſangsvorträge hatten ſich Frl. Marie Becker und Herr
Ernſt Roth, Schüler der Joachimſchen Geſangsſchule, in
den Dienſt der Sache geſtellt. Die Begleitung am
Schied=
mayerſchen Flügel, aus dem Pianofortelager des
Kame=
raden Karl Arnold, hatte Herr Kamerad Jöckel
übernom=
men. Durch heitere Vorträge in Darmſtädter Mundart
erfreute Herr G. Jöckel. Den Trinkſpruch auf Heer und
Flotte brachte Herr Kamerad Bruchhäuſer aus. Der Herr
Vertreter des Diviſionskommandeurs erwiderte in
wür=
digen und warmen Worten. Die Muſik ſtellte die Kapelle
des Großh. Trainbataillons unter Leitung ihres
Kapell=
meiſters Herrn Röder. Ein Tanz ſchloß die würdig
ver=
laufene Feier.
Unfall. Herr Chordirektor Heinz fiel am
Samstag in eine Verſenkung der Bühne. Wie uns
mitgeteilt wird, war Herr Heinz an dem Orte, wo
ihn der Unfall ereilte, nicht dienſtlich beſchäftigt.
So=
ort wurde Herr Dr. med. Loeb zur Konſultation
herangezogen, der keine Verletzung konſtatierte,
außer einer geringfügigen Hautwunde. Wegen der
Nervenchoc’s empfahl Herr Dr. Loeb einige Tage
Ruhe, die Herr Chordirektor Heinz, welcher Junggeſelle
iſt, im Hoſpital zubringt.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 30. Jan. Die „Norddeutſche Allgemeine
Zeitung” ſchreibt in ihrer Wochen=Rundſchau: Es wäre
nicht zu verwundern, wenn nicht von Zeit zu Zeit
Verſuche gemacht würden, die innigen
Beziehun=
gen zwiſchen Berlin und Wien von außen her
zu lockern, und man wird auch zu erwarten haben, daß
die immer wieder erkannte Vergeblichkeit ſolcher
Ver=
ſuche von ihrer Wiederholung abſchrecken wird.
Neuer=
dings bemüht man ſich, aus dem in der „Nowoje
Wremja” veröffentlichten Interview eine
Unfreund=
lichkeit Aehrenthals gegen Deutſchland herauszuleſen
und auf dieſer Grundlage Verſtimmung zu erzeugen.
Gleichzeitig arbeitet man mit Erfindungen, die in das
geſellſchaftliche Gebiet hinübergreifen und die
perſön=
lichen Beziehungen zwiſchen dem öſterreichiſch=
ungari=
ſchen Miniſter des Auswärtigen und dem kaiſerlichen
Botſchafter in Wien als getrübt erſcheinen laſſen ſollen.
Mit dieſem letzteren böswilligen Klatſch wurde bereits
von Wien aus aufgeräumt und wir wollen kein Woxt
mehr darüber verlieren. Hinſichtlich des Interviews
in der „Nowoje Wremja” wurde durch eine politiſche
Korreſpondenz feſtgeſtellt, daß ſich Herr Weſſelitzky
bei der Wiedergabe der Worte von Aehrenthals
weit=
gehende Freiheiten erlaubte. Gegen den ſachlichen
In=
halt des berichtigten Interviews iſt vom Standpunkte
der deutſchen Politik nicht das Mindeſte einzuwenden.
Es iſt eine ſeltſame Vorſtellung, zu meinen, daß man
n Berlin ſcheel ſieht, wenn von Wien oder von
Pe=
tersburg aus für die Verbeſſerung der Beziehungen
beider Reiche gearbeitet wird. Das Ergebnis dieſer
jüngſten Kampagne zur Störung der Beziehungen
zwi=
ſchen Deutſchland und Oeſterreich=Ungarn kann daher
auch diesmal nur das ſein, das unſeren Gegnern die
unerſchütterliche Feſtigkeit unſeres
Bun=
gesverhältniſſes und die Unfruchtbarkeit ihrer
kleinlichen Minierarbeit vor Augen tritt.
* Berlin, 30. Jan. Die belgiſche
Sonder=
geſandſchaft zur Notifizierung der Thronbeſteigung
des Königs Albert iſt heute hier eingetroffen.
Nummer 25.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Seite 7..
Stuttgart, 29. Jan. Heute nachmittag fand hier
in einem Kommiſſionsſitzungszimmer der Zweiten Kammer
eine Konferenz badiſcher und
württem=
bergiſcher Abgeordneten in Sachen der
Neckarkanaliſation ſtatt. Wie der „Schwäbiſche
Merkur” berichtet, war die Konferenz von 20
badi=
ſchen und 27 württembergiſchen Abgeordneten
(Nationalliberalen, Volkspartei und
Sozialdemo=
kraten) beſucht. Die Teilnehmer faßten nach
drei=
ſtündiger eingehender Beratung folgenden Beſchluß:
Die Konferenz badiſcher und württembergiſcher
Abgeord=
neter ſtellt als ihre übereinſtimmende Meinung feſt, daß
eine Kanaliſation des Neckars eine notwendige, nicht
aufſchiebbare Maßregel, und daß ein Zuſammenwirken
der Regierungen von Baden und Württemberg zu dieſem
Zwecke geboten iſt.
* Straßburg, 30. Jan. Die heute nachmittag von
dem ſozialdemokratiſchen Verein, dem liberalen Verein
und der elſaß=lothringiſchen Volkspartei einberufene
öf=
fentliche Verſammlung, die ſich mit dem Wahlrecht
zum Landesausſchuß beſchäftigte, faßte einſtimmig
eine Reſolution, in der gegen das beſtehende Wahlſyſtem
proteſtiert und die Einführung des allgemeinen, gleichen,
direkten und geheimen Wahlrechts unter Anwendung des
Proportionalverfahrens verlangt wird unter
Aufrecht=
erhaltung der Forderung der Gewährung der Autonomie
an Elſaß=Lothringen. Am Schluſſe der Sitzung nahmen
mehrere Redner Veranlaſſung, unter lebhafter
Zuſtim=
mung der Verſammlung gegen die bekannten geſtrigen
Aeußerungen des konſervativen Abgeordneten v.
Olden=
burg=Januſchau im Reichstage energiſch zu proteſtieren.
* Leipzig, 29. Jan. Das Reichs gericht verwarf
die Reviſion des Verlegers Peter Ganter, Herausgeber
der „Doppelten Moral” und Verſenders der blauen
Briefe, der am 27. Juli vom Landgericht München wegen
Urkundenfälſchung und verſuchten Betruges, ſowie wegen
Vergehens gegen das Poſtgeſetz zu einem Jahr
Gefäng=
nis verurteilt worden war, und ebenſo die Reviſion des
ſitangeklagten, Kaufmanns Hamburg, der wegen
Bei=
hilfe verurteilt worden war.
Eiſenach, 30. Jan. Nach den bis heute Vormittag
vorliegenden Ergebniſſen der Reichstagserſatzwahl
im Kreiſe 2, Sachſen=Weimar, wurden abgegeben für
Soz.) 10181, für Dr. Appelius (nat.) 5716 und
für Hädrich (deutſch=ſoz.) 3940 Stimmen. Da nur noch
die Wahlergebniſſe von zehn kleinen Orten ausſtehen,
n
i eine weſentliche Aenderung des
Geſamtergeb=
ſes nicht erwartet wird, dürfte die Wahl Lebers
geſichert ſein.
* Danzig, 29. Jan. Der Wirtſchaftseleve van den
Velden, der ſeinerzeit wegen Ermordung des
Amts=
vorſtehers Elert unter Anklage ſtand, dürfte dauernd
iner Irrenanſtalt überwieſen werden.
rakau, 29. Jan. Das Schwurgericht hat
nach 14tägiger Verhandlung die Frau Dr. med.
Bogowſka von der Anklage, ihren Anwalt Dr. Lewicki
am 5
uni v. J. ermordet zu haben, freigeſprochen.
Peſt, 29. Jan. In der heutigen Audienz des Gra=
Khuen=Hedervary bei dem König lehnte
dieſer die Demiſſion des Miniſterpräſidenten ab und
ge=
hmigte den Vorſchlag auf Anordnung von Neuwahlen,
e daß über deren Zeitpunkt ſchon eine Entſcheidung
getroffen worden wäre. Das Magnatenhaus beſchloß in
ner heutigen Sitzung, gegen die Vertagung des
Reichs=
tages zu proteſtieren
London, 29. Jan. Der geſtern in Falmouth
ein=
roffene Dampfer „Trafalgar” berichtet, daß er am
D.
von einem Meteor getroffen
eute waren wie von einem elektri=
Eir
Schlage
rt. Das ganze Schiff wurde von
t erhellt. Der Dampfer erlitt
kei=
dſch
n. Die Kompaſſe waren zunächſt
un=
ar, fu
erten jedoch am Lande wieder.
. Als der Schnellzug von
don abends mit einer Geſchwindig=
Station Stoats Neſt durchfuhr,
wei Wagen wurden auf den
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Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Mitteilung, daß unſere liebe
Schweſter, Schwägerin und Tante
(B2539
Fräulein Auguste Funk
nach kurzem Leiden ſanft entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Kayſer Wwe., geb. Funk,
nebſt Kinder,
Stationsvorſteher i. P. Ernſt Riedel u. Frau
Eliſabeth, geb. Funk, nebſt Kinder,
Inſpektor Roth u. Söhne.
Darmſtadt, Barmen, Berlin, Offenbach,
den 28. Januar 1910.
Die Beerdigung findet Montag, den 31. Jan.
nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des
Beſſunger Friedhofes aus, ſtatt.
Todes-Anzeige.
Geſtern vormittag 9 Uhr verſchied nach
kurzem Leiden infolge eines Herzſchlages unſer
innigſtgeliebter Schwager und Onkel (B2570
Herr Rentner
Heinrich Jammer
Freunde und Bekannte bitten wir um ſtille
Teilnahme.
Darmſtadt, 1 den 30. Januar 1910.
Staufenberg,
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Fiuk Wwe.,
Marie Bechthold, geb. Fink,
Eliſabethe Max, geb. Fink,
Katharina Hammel, geb. Fink,
Ludwig Fink II.,
Minna Deibel, geb. Fink,
Fräulein Veronika Gerhard.
Die Beerdigung findet Montag, den 31. Jan.,
2 Uhr nachmittags, vom Sterbehauſe,
Witt=
mannsſtraße 28 aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Heute früh um ½ 6 Uhr entſchlief ſanft nach
kurzem ſchweren Leiden meine liebe Schweſter
Henriette Geiger
im 83. Lebensjahre.
(2571
Darmſtadt, den 30. Januar 1910.
Elise Geiger.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 1. Febr.,
nachmittags um ½ 3 Uhr, vom Portale des ſtädt.
Friedhofes aus, ſtatt, die Einſegnung! Stunde
vorher in der Friedhofskapelle.
Kondolenzbeſuche dankend abgelehnt.
Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meine liebe Gattin, unſere treuſorgende
Mut=
ter, Tochter, Schwiegertochter, Schweſter und
Schwägerin
(2553
Frau Anna Ewald, geb. Stumpf
nach langem, ſchweren, mit Geduld getragenen
Leiden, in ein beſſeres Jenſeits abzurufen.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Aug. Ewald, Schloſſermeiſter.
Darmſtadt, den 29. Januar 1910.
Die Beerdigung findet Montag, den 31. Januar,
nachmittags 4 Uhr, vom Portale des
Fried=
hofes aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die zahlreiche Anteilnahme bei dem
Hin=
ſcheiden unſerer unvergeßlichen Mutter,
Groß=
mutter, Schwiegermutter, Schweſter und Tante
Dorothea Lutz Wwe.
ſagen wir auf dieſem Wege Allen herzlichen Dank.
Insbeſondere danken wir dem Herrn Pfarrer
D. Dr. Diehl für die troſtreichen Worte am Grabe,
den Gemeindeſchweſtern der Stadtgemeinde für
ihren Beiſtand, ſowie für die zahlreichen
Blumen=
ſpenden.
(2552
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Alex. Röhrich.
Familie Adam Merz.
Darmſtadt (Gr. Ochſengaſſe), 29. Januar 1910.
Me
Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei unſerem ſo früh heimgegangenen
(B2538
Herrl
Gg. Friedrich Schmunk
ſprechen wir hiermit Allen, beſonders den
Ver=
einen für den erhebenden Geſang= am Hauſe und
am Grabe, die zahlreichen Blumenſpenden,
ſo=
wie Allen, die ihn zur letzten Ruhe geleitet, unſeren
herzlichſten Dank aus.
Roßdorf, den 27. Januar 1910.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr: „Der Compagnon”.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Familienabend des Kirchengeſangvereins der
Johannesgemeinde um 8 Uhr im „Fürſtenſaal”.
Demonſtrations=Abend des Klubs der
Damen=
friſeure u. Perückenmacher um 9½ Uhr im „Kaiſerſaal”.
Hauptverſammlung des Richard Wagner=Vereins
um 6 Uhr im „Kaiſerſaal”.
Hauptverſammlung des Vereins ſtädtiſcher
Be=
amten um 8 Uhr im Saalbau.
Hauptverſammlung der Freiwilligen Feuerwehr um
9 Uhr bei Kamerad Rühl.
Konzert um 4 Uhr in der „Alten Poſt”.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 1. Februar.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 10 Uhr in der
„Ludwigshalle‟
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr
Runde=
turmſtraße 16.
Stammholz=Verſteigerung um 10 Uhr im
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſez
für den Inſeratenteil: F. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Völle hervor, entwöhnen den
Organismus der Arbeit und
er=
ſchweren die Ausnutzung der
Nahrung. Diejenigen bleiben am
geſündeſten, die „trocken eſſen” und
Getränke bevorzugen, die dem
Magen Nahrungsſtoffe d. h. Arbeit
bieten. Kakao, der ſo gut entölt und
Iſo fein verarbeitet iſt, daß kein
Fett=
auge und kein Satz die
Appetit=
lichkeit ſtört, und der den
Magen=
ſaft ebenſo ſtark abſondert wie
ſtarker Kaffee, iſt berufen, die Völker
vondenVerheerungen der
nervenzer=
rüttenden Getränke zuheilen. Unſere
Fabrik hat ſolche muſtergiltigen
Kakaofabrikate geſchaffen und
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Die Aebelfrau.
Roman von Anny Wothe.
(Nachdruck verboken.)
19)
Ebbo Klas fühlte wohl, daß der Spott ihn reizen
ſollte, aber er antwortete dennoch beherrſcht, ein
er=
zwungenes Lächeln auf den Lippen:
Wir Rechtsanwälte, Herr Graf, haben täglich
Gele=
genheit, in ſo viele Abgründe des Gemütes zu blicken, daß
eigentlich nichts uns mehr ſchrecken kann. Das Leben iſt ſo
reich an den mannigfaltigſten Ueberraſchungen, es verfährt
oft ſo willkürlich und unberechenbar, daß ein kleines
Men=
ſchenhirn ſeiner Allſeitigkeit kaum gerecht zu werden
ver=
mag. Nicht einmal das darf man von ihm als
ſelbſtver=
ſtändlich erwarten, was uns Fachleuten für Recht und
Un=
recht der Beruf zur Pflicht macht: die gewiſſenhafte
Er=
gründung und Beurteilung ſeiner pſychologiſchen
Pro=
bleme, in denen die Ungereimtheit der Tatſachen wurzelt.
Ein hochmütiger Blick des Grafen traf ihn.
Sollte dieſer Kerl, dieſer Rechtsverdreher, dieſer
Schreibknabe vielleicht gar die Frechheit haben, ihn
ver=
ſpotten zu wollen?
Nein, dazu war dieſer Doktor Klas mit den großen,
groben Händen — Graf Reimar ſchüttelte ſich innerlich
vor ihnen — wohl doch zu inferior.
Sie haben Geſchäfte hier, Herr Rechtsanwalt? forſchte
er hochmütig, langſam im Weiterſchreiten den Lauf ſeiner
Büchſe prüfend.
Ebbo Klas lachte gemütlich in ſich hinein.
Der mumn Tei, der Guaf. Haupiſchlic inrich
ge=
kommen, um endlich mal meine alte Freundin Undine
wiederzuſehen.
Verzeihen Sie. Mir war von dieſer Freundſchaft
mei=
ner Frau zu Ihnen nichts bekannt.
O, bitte, das tut nichts. Der Herr Graf wiſſen bisher
noch ſehr wenig um das Leben der gnädigen Gräfin, und
da iſt es wohl begreiflich, wenn Sie auch noch nicht über
die Freundſchaft, die mich mit dem Gorlinsghof verbindet,
unterrichtet ſind.
Graf Reimar biß ſich wütend auf die Lippen.
Sie haben mich ganz falſch verſtanden. Ich bin weit
davon entfernt, meine Frau in ihren Freundſchaften
irgend=
wie beſchränken zu wollen, aber Sie werden es begreiflich
finden, wenn ich mich über die beſtehenden Tatſachen
etwas zu informieren ſuche.
Da dürfte die Gräfin ſelbſt die zuverläſſigſte
Bericht=
erſtatterin ſein. Da ich die Ehre hatte, den Ehekontrakt
der Herrſchaften zu ſchließen, weiß ich jedoch nicht, ob die
Gräfin die Verpflichtung anerkennen wird, Rechenſchaft
über die Gefühle abzulegen, die ſie mit ihren alten
Freun=
den verbindet. Ich meine, daß Gräfin Undine ſich
unan=
taſtbare, vollſtändige Freiheit vorbehalten.
Soweit ſie die Ehre meines Hauſes und meines
Na=
mens nicht verletzt, allerdings.
Was wollen Sie damit ſagen, Herr Graf? Wollen
Sie nicht etwas deutlicher werden?
Das ſoll heißen, ich dulde keine Einmiſchungen in
meine häuslichen Angelegenheiten, keine, mein Herr
Rechtsanwalt.
ee ee en
in das verzerrte, zornige Antlitz, dann aber lachte er
amü=
ſiert auf und ſagte, den weißen Panama von dem etwas
erhitzten Geſicht nehmend, mit überlegenem Ton, der
förm=
lich in Spottſucht getaucht ſchien:
Mein beſter Graf, eigentlich müßte ich wohl oder übel
jetzt den Staub von meinen Füßen ſchütteln und Ihnen
morgen meinen Sekundanten ſchicken. Ich habe aber
wirk=
lich beſſeres zu tun, als mich um Bagatellen zu ſchlagen
und außerdem iſt mir die Freundſchaft, die mich ſeit
zwan=
zig Jahren mit dem Gorlingshof verknüpft, doch zu heilig,
als daß ich ſie der Laune eines Mannes wegen aufs Spiel
ſetze.
Mein Herr!
Ich bitte, Herr Graf. Ich habe Ihnen nichts mehr zu
ſagen, als daß ich in Ihrer Anweſenheit den Gorlingshof
nicht mehr betreten werde. Da ich aber meine Beſuche als
Lorls Vormund hier nicht ganz einſtellen kann und es ja
auch nicht Ihr Haus iſt, das ich betrete, ſo werde ich mir
erlauben, für meine Beſuche immer die Zeit Ihrer
Ab=
weſenheit auszuſuchen. Ich habe die Ehre.
Er zog grüßend den Hut und ſchritt dem Gorlingshof
zu, vor deſſen Hauptportal jetzt Undine, Lorl an der Hand,
ſeiner wartete.
Knirſchend vor Wut ſah der Graf ihm nach Was
er=
laubte ſich dieſer Kerl, dieſer Tintenſuchſer? Welche
Sprache und dabei dieſe ruhige Sicherheit. Wie einen
dummen Jungen hatte er ihn abgekanzelt. Rechenſchaft
ſollte er ihm für dieſe beleidigende Art geben, mit der er,
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Nummer 25.
Mun
über
Eingetragene
Schutzmarke
sagt der bekannte und angesehene Chemiker der Seifenindustrie,
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e e e et e
Undine die ganze Geſchichte?
Der Graf beobachtete, halb von einem Jasminſtrauch
verborgen, mit glühenden Augen den Platz vor dem Hauſe,
wo Undine noch immer mit Ebbo Klas ſtand, wie es ſchien,
mit bittend erhobenen Händen, und eifrigſt auf ihn
ein=
ſprach.
Das wäre noch ſchöner, wenn Undine ſich unterſtand,
dieſen Kerl vielleicht gar noch zum Bleiben zu bitten.
Freund, Freund! Das fehlte auch noch, ſeine Frau
brauchte keine Freunde. Der Rechtsanwalt war er und
Lorls Vormund, ſonſt nichts.
Aergerlich bog Reimar, um Ebbo Klas nicht abermals
zu begegnen, in einen abſeits führenden Gang des Parkes
emn.
Die Sonne war im Verſcheiden. Tiefer Abendfrieden
ſenkte ſich auf die Welt, und in dieſem feierlichen
Abend=
gold kam ihm ein Weib entgegen, ein Weib, das er einſt
geliebt, und das er noch nicht wieder allein geſprochen ſeit
der ſchrecklichen Stunde, da er ſie in den Armen eines
an=
deren fand, in der er ſie von ſich ſtieß. —
Und dieſes Weib ſtrebte lächelnd, mit unſchuldsvollem
Kinderblick in den blauen Augen, auf ihn zu. Ein
ſchwar=
zer Schleier umhüllte leicht und duftig das lichtbraune
Haar und fiel lang auf die Schleppe ihres Kleides. Ein
unſagbarer, ſüßer, mädchenhafter Zauber umfloß die
gra=
ziöſe Geſtalt, und in ihrer Stimme klopfte es wie von
tauſend ungeweinten Tränen, als ſie, dem Grafen beide
Hände entgegenſtreckend, ausrief:
Reimar! Endlich finde ich Dich. Endlich kann ich Dir
ſſagen —
Er winkte abwehrend mit der Hand, ohne ſtehen zu
bleiben.
Was ſoll das, Gräfin? fragte er eiſig. Ich wüßte
eren e er e e e en
ſich für immer ſchieden.
Reimar, ſprich nicht ſo zu mir, flehte ſie, und große
Tränen traten wie funkelnde Tropfen in Fridruns Augen.
Du zerreißt mir das Herz, Du weißt nicht, wie unſagbar,
wie namenlos ich gelitten, Du weißt nicht, wie ſchwer ich
gekämpft und heiß die Stunde von Gott erbeten, wo ich Dir
einen Einblick in mein Herz gewähren durfte. Du haſt
es aber, ſo lange Du Deinen Fuß in dieſes unſelige Haus
geſetzt haſt, immer vermieden, mir zu begegnen. In
Dei=
nen Augen, Reimar, aber habe ich doch geleſen, daß die
alte Liebe in Dir nicht geſtorben iſt. Du kannſt nicht
ver=
geſſen, wie ich nicht vergeſſen kann, all die tauſend
Won=
nen, all der Liebe Glück und Leid! Oft, wenn Du Dich
unbeobachtet glaubteſt, ſah ich Deinen heiß aufglühenden
Blick und ich fühlte, daß er mir galt, mir und unſerer Liebe,
Reimar, die ja nicht geſtorben iſt, die wieder aufblühen
wird, wenn wir ſie pflegen.
Fridrun hatte, an ſeiner Seite dahinſchreitend, in
fie=
berhafter Haſt geſprochen. Wie ein Sturmwind waren
die Worte über ihn hingebrauſt. Jetzt ſtand er ſtill, und
ſein gebräuntes Antlitz ſah unbewegt in das ihre.
Sie ſind einem verhängnisvollen Irrtum verfallen,
Gräfin Fridrun. Ich liebe Sie nicht, und ich habe Sie
auch vielleicht nie geliebt.
Fridrun lachte leiſe auf, ihr altes, ſüßes, girrendes,
be=
törendes Lachen.
Und das ſoll ich Dir glauben, Reimar? Sehe ich denn
nicht täglich, wie Du heimlich mein Kind für Dich zu
ge=
winnen ſuchſt, wie Du glücklich biſt, wenn es ſein
Händ=
chen in das Deine ſchmeichelt, wenn es lacht und mit Dir
ſcherzt? Meinſt Du denn, ich wüßte nicht, warum Du
die=
ſen ganzen ſchmählichen Handel hier eingingſt? Furcht
hatteſt Du vor Dir ſelber. Du glaubteſt, daß die alten,
heißen Flammen wieder ſo ſchrankenlos emporlodern
kömten wie einſt, und Du wollſt dich vor Dir felber
ſchützen. Da opferteſt Du den Gorlingshof und nahmſt
das kaltherzige Weib, das ſich verkaufte, um leben zu
kön=
nen, und meinteſt, dem Verhängnis einen Riegel
vorzu=
ſchieben, ohne zu wiſſen, daß Liebe ſich nicht binden läßt
und nicht nach Recht und Pflichten fragt.
Aber noch iſt es nicht zu ſpät, Reimar. Die übereilt
geſchloſſene Heirat iſt rückgängig zu machen. Undine iſt
viel zu ſtolz, Dich zu halten. Jede Stunde wird ſie Dich
freigeben, wenn Du es verlangſt, und dann, ach, Reimar,
dann kann ich endlich Dir gehören. Die Tage des Leids
ſind dann verſunken. Du wirſt wieder lernen, mir zu
ver=
trauen, Du wirſt mir glauben, daß nur ein böſer Zufall
mich damals ſchuldig ſcheinen ließ. Du wirſt wieder an
meine Liebe glauben wie einſt, ehe ich in dieſe Knechtſchaft
einer ſchrecklichen Ehe geriet, in die Du mich damals, als
Du Dich von mir wandteſt, ja förmlich mit Gewalt
hinein=
getrieben.
Sie ſchien eine gute Verſorgung, dieſe Ehe, gab der
Graf, endlich zu Worte kommend, zurück, und daß ſie es
auch tatſächlich geblieben iſt, haben Sie, Gräfin, nur dem
Opfermut meiner Frau zu verdanken. Das bitte ich, nicht
zu vergeſſen. Ich werde nicht dulden, daß Sie Undine,
die nur für Sie, Ihr Kind und für die alte, blinde Frau
dort lebt, ſchmähen, denn ohne Undine wären Sie heute
vielleicht noch elender als damals, da ich Sie in den
Ar=
men Ihres Liebhabers überraſchte, und alle Ihre ſtolzen
Hoffnungen, die ſich für Sie an eine Ehe mit mir knüpften,
in Trümmer gingen. Für mich iſt dieſe Zeit ausgelöſcht,
und ich wünſche auch nicht, wieder an ſie erinnert zu
wer=
den. Wenn ich Ihnen, Gräfin, aber raten darf, ſo
ver=
geſſen Sie dieſe Epiſode gleichfalls. Nur dann wird es
möglich ſein, hier gemeinſam im Gorlingshof
auszu=
kommen.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 25.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Seite 11,
Kompoſt=Verſteigerung.
Mittwoch, den 2. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll der auf dem ſtädtiſchen Gelände an
der Pallaswieſenſtraße, zunächſt des
frühe=
ren Schachtgrabens, und hieran anſchließend
vormittags 11 Uhr
der weſtlich des Südbahnhofes, am
Pfung=
ſtädter Weg, lagernde Kompoſt, zuſammen
etwa 550 cbm, losweiſe an Ort und Stelle
verſteigert werden.
(2327fso
Zuſammenkunft in der
Pallaswieſen=
ſtraße jenſeits des Bahnübergangs und
am Südbahnhof.
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Ekert.
Stadtiſche Schulzahnklimn
Luiſenſtraße 20, II.
Sprechſtunden Wochentags:
Morgens von 10—12
Mittags von 2—5.
(1508a
Bekanntmachung.
Montag, den 7. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Heinrich Hedtrich Eheleuten
dahier zuſtehende Hofreite:
Flur
Nr. qm
VIII 7454/1000 489 Artillerieſtraße 4,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K104/09¾/10
Darmſtadt, den 25. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L2527,62
Bekanntmachung.
Montag, den 7. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Heinrich Hedtrich Eheleuten
dahier zugeſchriebene Hofreite:
Flur Nr.
qm
VIII 7454
/1000 489 Artillerieſtraße 4,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K8/10
Darmſtadt, den 25. Januar 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Muller.
(L2526,62
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 3. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Kaufmann Karl Henkelmann
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
qm
Nr.
Flur
22 5758
ooo 446 Hofreite Emilſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K169/09
Darmſtadt, den 21. Dezember 1909.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L103,60
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 17. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Schloſſermeiſter Johannes Pauli
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegen=
ſchaft:
Nr.
Flur
qm
VIII 65¾10 354 Hofreite
Moosberg=
ſtraße Nr. 88,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Wittmann=
ſtraße 1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteigerung
wird auch dann erfolgen, falls ein der
Schätzung entſprechendes Gebot nicht
ein=
gelegt wird und andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen.
Darmſtadt, den 25. Januar 1910,
Großherzogl. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
(L2582,62
Frantz.
Bekanntmachung.
Montag, den 28. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem verſtorbenen Abraham
Guthmann dahier zugeſchriebenen
Liegen=
ſchaften:
Nr.
Flur
qm
118 331 Hofreite Annaſtraße
II
Nr. 6,
II
119 119 Grabgarten daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Wittmann=
ſtraße 1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteigerung
wird auch dann erfolgen, falls ein der
Schätzung entſprechendes Gebot nicht
ein=
gelegt wird und andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen.
Darmſtadt, den 14. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
(L1580,61
Frantz.
Die Zimmer= und Stakerarbeiten zum
Neubau der Infanterie=Kaſerne zu
Wiesbaden, II. Bauabſchnitt, werden in
2 Loſen getrennt, öffentlich ausgeſchrieben.
Die Zeichnungen, Bedingungen und die
Verdingungsanſchläge liegen im
Neubau=
büro Infanterie=Kaſerne an der Weſter
waldſtraße zur Einſicht aus, letztere können
auch von dort gegen eine Gebühr von
zu=
ſammen 1,50 Mk. bezogen werden.
Die Angebote ſind verſchloſſen, mit
ent=
ſprechender Aufſchrift verſehen, an
oben=
bezeichnetes Büro bis Montag, den 14.
Februar, 10 Uhr vormittags, einzureichen.
(C2544,31
Zuſchlagsfriſt 4 Wochen.
Militär=Bauamt Wiesbaden.
Verkauf von Matratzenſtreu.
Mittwoch, den 2. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr beginnend,
wird auf dem Hofe der Kavalleriekaſerne an
der Holzhofallee in Darmſtadt die Matratzen=
(2547
ſtreu einer Eskadron verkauft.
Leib=Bragoner=Regiment Nr. 24.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3
be=
finden ſich: 1 Spitzhund, 2 Pinſcher, 1 Dachshund (Baſtard). 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Darmſtadt, den 25. Januar 1910
Nachſtehende Bekanntmachung des Kommandos des III. Stammſeebataillons in
Wilhelmshaven bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jaeger.
Einſtellung von Dreijährig=Freiwilligen für das III.
See=
bataillon (Marine=Infanterie) in Tſingtau (China).
Einſtellung: Oktober 1910, Ausreiſe nach Tſingtau: Januar 1911, Heimreiſe
Frühjahr 1913. Bedingungen: Mindeſtens 1,65 Meter groß, kräftig, vor dem 1. Oktober
1891 geboren (jüngere Leute nur bei beſonders guter körperlicher Entwicklung). Es
werden junge Leute aller Berufsarten eingeſtellt, Handwerker erhalten jedoch den Vorzug.
In Tſingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark
Teuerungs=
zulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter Beifügung eines vom Zivilvorſitzenden
der Erſatzkommiſſion ausgeſtellten Meldeſcheins zum freiwilligen Dienſteintritt auf
drei Jahre zu richten an:
(2167mso
Kommando des III. Stammſeebataillons, Wilhelmshaven.
Vorſchuledes Realgymnaſtums u. derOberrealſchule
zu Darmstadt.
Anmeldungen für das Oſtern 1910 beginnende Schuljahr werden für ſämtliche
Vorſchulklaſſen
Dienstag, den 1. Februar,
vormittags von 10 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, und
Mittwoch, den 2. Februar,
vormittags von 9 bis 1 Uhr,
auf dem Direktorzimmer im Realgymnaſium (Eingang durch das Portal vom
Kapell=
platz aus) entgegengenommen. Geburtsſchein und Impfſchein ſind dabei vorzulegen.
Die Großherzogliche Direktion.
Münch, Geh. Schulrat.
(2325fso
vorſchule der beiden Gymnaſien
zu Darmſtadt.
Aufnahme zu Oſtern 1910.
Anmeldungen für die unterſte Oſterklaſſe, ſowie für die beiden oberen
Oſter=
klaſſen und die beiden oberen Herbſtklaſſen, werden — ſoweit ſie nicht ſchon erfolgt ſind
Dienstag, den 1. und Mittwoch, den 2. Februar,
vormittags von 9—1 Uhr
im Direktorzimmer des alten Gymnaſiums (Karlſtraße 2) entgegengenommen. Dabei
ſind Geburtsſchein und Impfſchein vorzulegen.
Im Herbſt 1910 wird eine Aufnahme von Anfängern nicht ſtattfinden. Es
können aber Knaben, die vor dem 1. Oktober 1904 geboren ſind, bei genügender geiſtiger
und körperlicher Befähigung ſchon jetzt zu Oſtern aufgenommen werden.
Darmſtadt, den 24. Januar 1910.
(2136a
Dr. Mangold, Geh. Schulrat.
Staatl. konzess. und beaufsichtigte
Hessische Handelslehranstalt
Rheinstrasse 1
DARMSTAD
am Ernst-Ludwigsplatz.
I. Einjährige Handelsschule mit vollem Tagesunterricht.
II. Halbjahrskurse zur Vorbereitung für den kaufm. Beruf.
Das Sommersemester beginnt Dienstag, den 12. April, 8 Uhr.
Lehrplan und Aufnahmebedingungen durch
(2534a
Sprechstunden:
Wilh. Siedersleben,
Montag bis Freitag 12—1 Uhr.
staatl. geprüfter Handelslehrer.
Verſteigerungs=Anzeige.
Montag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Pfandlokal, Ludwigshöhſtraße 2, meiſtbietend gegen gleich
bare Zahlung:
Ein Sofa mit Umbau, ein Trumeau mit Spiegel, ein Bauerntiſchchen und
eine Hobelbank.
(2331fso
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
Nelle, Pfandmeiſter.
Verſteigerungs-Anzeige.
Dienstag, den 1. Februar 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Saale „Zur Roſenhöhe‟, Rundeturmſtr. 16, zwangsweiſe gegen
Barzahlung
a. 1 Vorrat Normalhemden, Metzgerbluſen, Knabenhoſen, Damenhemden,
Knabenanzüge, Kinderſchürzen, Damenunterröcke, Herrenmützen,
Divan, 1 Spiegelſchrank, 3 Stühle, 1 Kaſſenſchrank, 1 Bohrmaſchine,
2 Sofas, 1 Nähmaſchine, 1 Fahrrad und verſchiedene andere Gegenſtände.
Ferner auf freiwilligen Antrag des Wilhelm Hainfeld
beſtimmt:
eirca 700 Kommandobücher, 2 Fir=
1 Paliſanderflügel, menſchilder, 1 Paar Vorhänge und
verſchiedene andere Gegenſtände.
Die fettgedruckten Gegenſtände werden beſtimmt verſteigert.
Darmſtadt, den 29. Januar 1910.
(2529
Rollenhagen, Großh. Gerichtsvollzieher,
Kaſinoſtraße 24.
*4
Blamm=, Nlangen= und Drennholz=Verſteigerung.
Donnerstag, den 3. Februar I. J., morgens 10 Uhr beginnend, werden im
Roßdörfer Gemeindewald, Diſtrikt Mark, von Abz. Nr. 359 bis 637 an Ort und Stelle
verſteigert:
Stämme 1 Eiche — 0,40 fm
Derbſtangen 6 Eſche
— 0,38 fm
2 Lärche — 0,23 „
94 Fichte — 7,53 „
Kiefern — 0,84 „
Fichte = 13,20 „
3 Tanne — 0,20 „
30
— 31,60 „
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Reisſtangen 80 Fichte — 0,94 „
302
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Die Zuſammenkunft iſt auf der Kubig.
Freitag, den 4. Februar I. J., morgens 10 Uhr, werden auf dem Rathaus
dahier aus dem Diſtrikt Mark von Abz. Nr. 408 bis 854 verſteigert.:
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Stöcke rm 2 Buche, 1 Eiche, 57 Kiefern, 42 Fichte.
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Roßdorf, den 27. Januar 1910.
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Ehemaliger Schüler der
Glashütter Uhrmacher- Schule.
Prämien-Diplom des Zentral-
Ver-
bandes deutscher Uhrmacher.
(1609a
Bekanntmachung.
Die Holzverſteigerung vom 28. ds. Mts.
aus dem Meſſeler Gemeindewald iſt
ge=
nehmigt. Abfuhrſcheine können bis zum
3. Februar 1910 bei unterzeichneter Stelle
in Empfang genommen werden. (2540
Meſſel, 28. Januar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Meſſel.
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
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28
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Darmstädter Volksbank
eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.
Durch gemeinſchaftlichen Beſchluß des Vorſtandes und Aufſichtsrates wurde der
Zinsfuß für Spareinlagen vom 29. Januar 1910 an wie folgt feſtgeſetzt:
Einlagen bis zu Mk. 1500.— einſchließlich werden mit
3½%, höhere Einlagen bis zu Mk. 4000.— mit 3%
und Beträge über Mk. 4000.— mit 2½ % jährlich verzinſt.
-2
Für beſtehende Spareinlagen tritt der ermäßigte Zinsfuß auf Grund des § 3
Abſatz 5 des Reglements erſt mit dem 1. Mai 1910 in Kraft.
Darmſtadt, den 28. Januar 1910.
(2525os
Der Vorstand:
Stein.
L. Habicht.
Brennholz-Verſteigerung Nr. IIII.
(Stadtwald.)
Montag, den . Februar I. Js., morgens 9½ Uhr,
werden im Saale hieſiger Turngemeinde, Woogsplatz 5, in der Forſtwartei
Beſſunger Laubwald (Förſter Lehr, Klappacherſtraße 84) aus Franzoſenberg 15
(Abz. Nr. 527—738), Hirtenhaus 23 (Abz. Nr. 739—931), ſowie aus verſchiedenen
Diſtrikten das Dürrholz (von Abz. Nr. 932—973) verſteigert:
Scheiter: 68 rm Buchen, 118 rm Eichen, 18 rm Erlen (7 rm rund), 13 rm
Kiefern; Knüppel: 321 rm Buchen, 131 rm Eichen, 32 rm Erlen, 37 rm
Kiefern; Knüppelreiſig: 48 rm Eichen; Wellenreiſig: 44½ Hdt. Buchen;
Stöcke (grob): 9 rm Buchen, 7 rm Nadelholz, 33 rm Eichen (fein).
Das Holz ſitzt an den gut verſteinten Wegen: Schnampelweg, Roßdörfer
Straße, Heuweg, Stellweg, Oppermannswieſen= und Albertsbrunnenweg.
Unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert.
(2561of
Im Beſſunger Laubwald findet aus diesjähriger Holzernte keine
Ver=
ſteigerung mehr ſtatt.
Darmſtadt, den 28. Januar 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Holzverſteigerung aus dem Domanialbeſitz
in den Gemarkungen Eberſtadt und Malchen.
Freitag, den 4. Februar I. J., vormittags 10 Uhr,
im Gaſthaus zum Mühltal (Gebr. Bauer) in Eberſtadt.
Nutzholz: 3 Nußbäume (49—60 cm D.) — 1,32 fm; 10 Akazien = 0,88 fm;
9 Birke — 0,50 fm; 2,5 rm Akazien=Nutzknüppel (Zaunpfoſten 2,5 m l.), 6 Pappeln
1,13 fm, 75 Kiefern=Reißſtangen, 1 Kiefer=, 1 Lärchenſtämmchen.
Brennholz: aus Diſtrikt Haſelberg (an der alten Darmſtädter Straße und vorm
Dieterswald), Kuhruhe, Büchelsberg, Hirtenbach uſw. Kiefer: 8 rm Scheit, 35 rm
Knüppel, 2420 Wellen, 15 rm Stöcke, 1,8 Reiſig. Nußbaum: 4 rm Scheit, 12,8 rm
Reiſig. Pappel: 6 rm Reiſig. Obſtbaum: 9 rm Reiſig.
Aus Diſtrikt Riedberg (öſtlich Eberſtadt) und Gemarkung Malchen (nächſt der
Eberſtadt-Seeheimer Kreisſtraße nördlich der Einfriedigung). Kiefer: 4 rm Scheit,
22 rm Knüppel, 1080 Wellen, 16 rm Stöcke.
Das Nußbaumholz liegt 1 km öſtlich Eberſtadt am alten Nieder=Ramſtädter Weg
nächſt dem Weinweg, das Pappel= und Akazienholz in der Hirtenbach und dem
Lärchen=
wäldchen.
Auskunft erteilen für Diſtrikt Riedberg und Gemarkung Malchen: Forſtwart
Pfeiffer zu Eberſtadt, für alles übrige Holz Forſtwartſtellvertreter Old,
Wilhelm=
ſtraße 23 zu Eberſtadt.
Eberſtadt, 28. Januar 1910.
(2560
Großherzogliche Oberförſterei Eberſtadt.
Joſeph.
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Nummer 25₰
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Seite 13.
Bekanntmachung.
Vierprozentige Deutſche Reichs= und Preußiſche
conſolidierte Staatsanleihe.
— Unkündbar bis 1. April 1918.
Von den auf Grund geſetzlicher Ermächtigung jetzt ſeitens der Finanzverwaltungen des Reichs und Preußens auszugebenden
vierprozentigen Anleihen haben übernommen:
1. Die Reichsbank, die Königliche Seehandlung (Preußiſche Staatsbank), die Bank für Handel und Induſtrie, die Berliner
Handels=Geſellſchaft, S. Bleichröder, die Commerz= und Discontobank, Delbrück Leo & Co., die Deutſche Bank, die Direction der
Disconto=Geſellſchaft, die Dresdner Bank, F. W. Krauſe & Co. Bankgeſchäft, Mendelsſohn & Co., die Mitteldeutſche Creditbank,
die Nationalbank für Deutſchland, der A. Schaaffhauſen’ſche Bankverein, ſämtlich zu Berlin, ſowie Sal. Oppenheim jr. & Co. zu
Cöln, Lazard Speyer=Elliſſen und Jacob S. H. Stern zu Frankfurt a. M., L. Behrens & Söhne, die Norddeutſche Bank in Hamburg,
die Vereinsbank in Hamburg und M. M. Warburg & Co. zu Hamburg, die Allgemeine Deutſche Creditanſtalt zu Leipzig, die
Rheiniſche Creditbank zu Mannheim, die Bayeriſche Hypotheken= und Wechſelbank und die Bayeriſche Vereinsbank zu München,
die Königliche Hauptbank zu Nürnberg, die Oſtbank für Handel und Gewerbe zu Poſen und die Württembergiſche Vereinsbank
zu Stuttgart den Nennbetrag von
1f
Dreihundertvierzig Millionen Maut Reichsanleihe,
2. die Königliche Seehandlung (Preußiſche Staatsbank) und ebendieſelben Firmen den Nennbetrag von
tnteret
M
Hunderwierzig Millionen Mark greußiſche Staatsanleihe,
und legen beide Beträge gemeinſchaftlich unter den nachſtehenden Bedingungen hiermit zur öffentlichen Zeichnung auf. Die
Anleihen werden mit vier vom Hundert jährlich verzinſt; die Zinſen werden am 2. Januar und 1. Juli bezahlt.
eih fa=
Berlin, im Januar 1910.
Reichsbank=Direktorium.
Königliche Seehandlung (Preußiſche Staatsbank).
Havenſtein. v. Grimm.
von Dombois.
Bedingungen.
1. Die Zeichnung findet
am Sonnabeud, den 5. Februar d. J., von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags
ſtatt bei: dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere, der Seehandlungs=Hauptkaſſe und der Preußiſchen Central=Genoſſenſchaftskaſſe,
bei allen Reichsbank=Hauptſtellen, Reichsbankſtellen und den Reichsbank=Nebenſtellen mit Kaſſeneinrichtung, bei der Königlichen Hauptbank in
Nürnberg und ihren ſämtlichen Zweiganſtalten, ſowie ferner bei:
der Bank für Handel und Induſtrie, der Berliner Handels=Geſellſchaft, S. Bleichröder, der Commerz= und Disconto=Bank, Delbrück
Leo & Co., der Deutſchen Bank, der Direction der Disconto=Geſellſchaft, der Dresdner Bank, F. W. Krauſe & Co. Bankgeſchäft,
Mendelsſohn & Co., der Mitteldeutſchen Creditbank, der Nationalbank für Deutſchland und dem A. Schaaffhauſen’ſchen Bankverein,
ſämtlich zu Berlin, Sal. Oppenheim jr. & Co. zu Cöln, Lazard Speyer=Elliſſen und Jacob S. H. Stern zu Frankfurt a. M.,
L. Behrens & Söhne, der Norddeutſchen Bank in Hamburg, der Vereinsbank in Hamburg und M. M. Warburg & Co. zu Hamburg,
der Allgemeinen Deutſchen Creditanſtalt zu Leipzig, der Rheiniſchen Creditbank zu Mannheim, der Bayeriſchen Hypotheken= und
Wechſelbank und der Bayeriſchen Vereinsbank zu München, der Oſtbank für Handel und Gewerbe zu Poſen und der Württembergiſchen
Vereinsbank zu Stuttgart und bei den in Deutſchland belegenen Haupt= bezw. Zweigniederlaſſungen dieſer Firmen.
2. Die aufgelegten Anleihebeträge werden ausgefertigt für die Reichsanleihe in Schuldverſchreibungen zu 10000, 5000, 1000, 500,
200 Mark, für die Preußiſche Staatsanleihe in Schuldverſchreibungen zu 10000, 5000, 2000, 1000, 500, 200, 100 Mark, beide mit
Zinsſcheinen über vom 1. Juli d. J. laufende Zinſen. (ata aan a
E
3. Der Zeichnungspreis beträgt:
a) für diejenigen Stücke, die unter Sperrung bis 15. Januar 1911 in das Reichs= oder Staatsſchuldenbuch einzutragen ſind,
101,80 Mark für ie 100 Mark Nennwert;
b) für alle übrigen Stücke 102,— Mark für je 100 Mark Nennwert.
Die Eintragung in die Schuldenbücher erfolgt gebührenfrei. Der amtliche Schriftwechſel in Schuldbuchangelegenheiten
erfolgt als portopflichtige Dienſtſache.
z
Ier
a erieg,
Stückzinſen werden in üblicher Weiſe verrechnet.
4. Bei der Zeichnung hat jeder Zeichner eine Sicherheit von 5% des gezeichneten Nennbetrages in bar oder ſolchen nach dem
Tageskurſe zu veranſchlagenden Wertpapieren zu hinterlegen, welche die betreffende Zeichnungsſtelle als zuläſſig erachtet. Die
vom Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere ausgegebenen Depotſcheine ſowie die Depotſcheine der Königlichen Seehandlung
(Preußiſche Staatsbank) vertreten die Stelle der Effekten.
Den Zeichnern ſteht im Falle der Reduktion die freie Verfügung über den überſchießenden Teil der geleiſteten Sicherheit zu.
Zeichnungsſcheine ſind bet allen Zeichnungsſtellen unentgeltlich zu haben.
Es können aber die Zeichnungen auch ohne Verwendung von Zeichnungsſcheinen erfolgen, und zwar brieflich mit
folgen=
dem Wortlaut: „Auf Grund der öffentlich bekanntgemachten Bedingungen zeichne ich von den jetzt aufgelegten 4%
Reichs= bezw. Preußiſchen Staatsanleihen
— Deutſche Reichsanleihe
nom. M.
Preuß. Staatsanleihe
nom. M.
und verpflichte mich zu deren Abnahme oder zur Abnahme desjenigen geringeren Betrages, welcher mir auf= Grund gegenwärtiger
Anmeldung zugeteilt wird.
Soweit meine Zeichnung bei der Zuteilung nicht berückſichtigt wird bin ich einverſtanden, daß ſtatt=
Reichs=
anleihe auch Preuß. Staatsanleihe oder ſtatt Preuß. Anleihe auch Reichsanleihe zugeteilt wird‟)a
Ich bitte um Zuteilung‟)
von Stücken, die unter Sperrung bis 15. Januar 1911 für mich in das Reichs=oder, Staatsſchuldbuch
*) Das Nichtzutreffende
einzutragen ſind, zum Preiſe von 101,80
%-
iſt fortzulaſſen.
Ich bitte um Zuteilung?)
von Stücken, die bis 15. November 1910 der Sperre unterliegen, zum Preiſe von 102,—%.
Ich bitte um Zuteilung‟
von freien, d. h. keiner Sperre unterliegenden Stücken, zum Preiſe von 102,—%.
Als Sicherheit hinterlege ich
Solche Zeichnungsbriefe können nach Belieben an jede der obigen Zeichnungsſtellen gerichtet werden.
5. Die Zuteilung erfolgt tunlichſt bald nach der Zeichnung dergeſtalt, daß zunächſt die Schuldbuch=Zeichnungen, ſodann diejenigen
Zeichnungen vorzugsweiſe berückſichtigt werden, für welche der Zeichner ſich, ohne Eintragung ins Schuldbuch, einer Sperre bis
zum 15. November 1910 unterworfen hat; im übrigen entſcheidet das Ermeſſen der Zeichnungsſtelle.
Anmeldungen auf beſtimmte Stücke können nur inſoweit berückſichtigt werden, als dies mit den Intereſſeneder anderen
Zeichner verträglich erſcheint.
6. Die Zeichner können die ihnen zugeteilten Anleihebeträge vom 19. Februar ds. J. ab jederzeit voll bezahlen, ſie ſind jedoch ver=
40% des zugeteilten Betrages am 19. Februar d. J.
pflichtet:
20 %
ſpäteſtens am 3. März d. J.
„ 20. April d. J.
25 % „ „
,
20%
28. Juni d. J.
zu bezahlen. Zeichnungsbeträge bis 1000 Mark einſchließlich ſind am 19. Februar d. J. ungeteilt zu berichtigen.— Die Abnahme
muß an derſelben Stelle erfolgen, welche die Zeichnung angenommen hat.
7. Wird die Zahlung im Fälligkeitstermine verſäumt, ſo kann dieſelbe noch innerhalb eines Monats unter Berechnung einer
Ver=
tragsſtrafe von 5% des fälligen Betrages erfolgen. Wird auch dieſe Friſt verſäumt, ſo verfällt die hinterlegte Sicherheit.
8. Soweit nicht ſogleich Schuldverſchreibungen verabfolgt werden können, erhalten die Zeichner vom Reichsbank=Direktorium bezw.
von der Königlichen Seehandlung (Preußiſche Staatsbank) ausgeſtellte Interimsſcheine, über deren Umtauſch in
Schuldver=
ſchreibungen das Erforderliche öffentlich bekanntgemacht werden wird. Soweit eine Sperrverpflichtung eingegangen iſt, werden
die Schuldverſchreibungen wie auch die Interimsſcheine den Erwerbern erſt vom 15. November 1910 ab ausgehändigt.
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 34. Januar 1910.
Nummer 25.
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Gaſtwirte=Verſammlung
Dienstag, den 1. Februar d. Js.,
nachmittags 3 Uhr,
im Saale des „Hanauer Hofs”, Heinheimerſtraße 8.
Tagesordnung:
Stellungnahme zu den Verhandlungen mit der Boykott=Kommiſſion.
Sämtliche Gaſtwirte von Darmſtadt und Umgebung werden hiermit höfl. zu
dieſer Verſammlung eingeladen.
Der Vorſtand
Der Vertreter
der Freien Gaſtwirte=Vereinigung
der nicht organiſierten Gaſtwirte
Zahlſtelle Darmſtadt
J. A.
J. A.
Anton Ettling, 1. Vorſ.
Peter Franz Schweitzer.
Der Vorſtand
des Gaſtwirte=Vereins Stadt und Landkreis Darmſtadt
Gg. Heppenheimer, 1. Vorſ.
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Vereinigte Geſellſchaft.
Freitag, den 4. Februar 1910, abends 8 Uhr:
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Karten für das Balleſſen werden bis 4. Februar, mittags 12 Uhr, durch den
Geſellſchaftswirt zum Preiſe von 2 Mark ausgegeben. Hierbei werden zugleich für
maskierte Perſonen die Abzeichen verabfolgt. Für nicht mit Karten verſehene
Teil=
nehmer erhöht ſich der Preis auf 2.50 Mark.
Im Intereſſe geordneten Servierens wird gebeten, die Löſung von Tiſchkarten
nicht zu verſäumen.
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Jeden Montag u. Freitag
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Dienstag, den 1. Februar 1910
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dargestellt von
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Harems-
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Unter Leitung —
des Kaiserl. Zeremonienmeisters
am Hofe d. Sultans Abdul Hamid Il.
Colonel Victor Bertrand Bey.
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Nummer 25.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Seite 15e
Air
MM
diesjährige MAskEnbAEr des Darmstädter Nannergesungverelts
findet am 12. Februar im Schützenhof statt.
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Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Nummer 25.
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Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 31. Januar 1910.
Nummer 25.
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H. Frankfurt a. M., 29. Jan. (
Börſen=
wochenbericht.) Die noch immer ungeklärte
all=
gemeine Situation an der New=Yorker Börſe hat
wäh=
rend der ganzen Woche einen verſtimmenden Einfluß
ausgeübt. Wenn auch zeitweilig dort wieder
Preis=
ſteigerungen eintraten, ſo war dieſe Beſſerung der
Feſtigkeit am Kupfermarkt zu verdanken; aber ſo lange
eine gründliche Reinigung nicht ſtattgefunden hat, kann
auf Stabilität nicht gerechnet werden. Es ſind daher
weitere Ueberraſchungen von dort nicht ausgeſchloſſen.
Unſere Märkte behaupten demgegenüber bei großer
Zurückhaltung der Spekulation eine gute Haltung,
wozu die Flüſſigkeit des Geldmarktes einen
weſent=
lichen Faktor gegenüber den ausländiſchen Einflüſſen
bildet. Der Ultimo nahm einen normalen Verlauf
und ſtellte ſich Schiebungsgeld auf etwa 3½ Prozent.
Bei der Deutſchen Reichsbank hat bis zum 27. d. M.
der Metallbeſtand um 18 Millionen Mark zugenommen
gegen den letzten Status. Wechſel und Lombard haben
um 3 Millionen Mark, Schatzſcheine um 50 Millionen
Mark abgenommen. Die ſtenerfreie Notenreſerve iſt
auf 190 Millionen Mark geſtiegen, iſt aber gegenwärtig
noch um 75 Millionen Mark geringer als im
Vor=
jahre. Die Bank dürfte ſich demnächſt veranlaßt fühlen,
ihren offiziellen Zinsſatz um ein weiteres halbes
Pro=
zent, auf 4 Prozent, zu ermäßigen, denn der
Privat=
diskont iſt, trotz der Ankündigung von zuſammen 480
Millionen Mark neuer Anleihen des Reiches und von
Preußen, unverändert niedrig (3½—3 Prozent)
ge=
blieben. Deutſche Renten waren etwas niedriger am
Markte auf Verkäufe des Privatpublikums, das glaubte,
die neu zu emitierenden Obligationen billiger zu
er=
halten.
Von den ausländiſchen Staatsfonds waren die
öſterreichiſch=ungariſchen recht feſt auf die Nachricht,
daß die öſterreichiſche Poſtſparkaſſe ihre Beſtände von
der übernommenen Kronenrente ausverkauft habe.
Ruſſen waren feſt infolge der Hoffnung auf ein
Unter=
bleiben auch einer inneren Anleihe im Jahre 1910.
Für die verſchiedenen verzinslichen japaniſchen
An=
leihen beſtand regere Nachfrage auf
Konverſions=
gerüchte, die von einer Umwandlung der nächſtfälligen
inneren Anleihe in eine äußere Schuld wiſſen wollten.
Portugieſen ſind weiter erholt, da ſich die Meldungen
von den durch das Unwetter angerichteten Schäden
ſcheinbar als übertrieben erweiſen. Transportwerte
lagen ruhiger; einiges Intereſſe wendete ſich den
bei=
den Schiffahrtsaktien Hamburger Paket und
Nord=
deutſcher Lloyd zu infolge der hoffnungsvolleren
Be=
urteilung einer Neuregelung unſerer
Handelsbezieh=
ungen zu den Vereinigten Staaten. Lombarden
waren ſchwach. Die Einſetzung eines Komitees zur
Beratung der Sanierungsmöglichkeit für die
öſter=
reichiſche Südbahn hat auf den Kurs dieſer Aktien
einen kaum nennenswerten ſtimulierenden Einfluß
ausgeübt. Die Anſchauungen für dieſe Aktien bleiben,
wenn auch zuweilen ein kleines ſpekulatives
Auf=
flackern Belebung erfolgen läßt, im Grunde durchaus
peſſimiſtiſche. In Süddeutſcher Eiſenbahn=Geſellſchaft
war einige Frage vorhanden, die den Kurs etwas
er=
höhte.
Am Bankenmarkt erfolgten vorübergehend
Ge=
winnrealiſationen, denen aber ſchließlich erneutes
Intereſſe für die leitenden Werte dieſes Gebietes
folgte. Namentlich waren wieder die Aktien der
Deut=
ſchen Bank im Vordergrunde des Verkehrs. Eine
Er=
holung um über 2 Prozent erzielten Deutſche
Reichs=
bank=Anteile. Auf dem Montangebiet ſchien die
Spe=
kulation unter dem allgemeinen Eindruck eher geneigt,
den weniger günſtigen Momenten größere Beachtung
zu ſchenken und es waren daher Glattſtellungen zu
er=
mattenden Kurſen an der Tagesordnung. So lange
nicht die Abſchlüſſe unſerer großen Montan=
Unter=
nehmungen vorliegen, dürften daher noch öfters
Schankungen nach oben oder unten erfolgen. Es iſt
in der Preſſe und durch die Veröffentlichungen der
Bankinſtitute ja oft genug darauf hingewieſen
wor=
den, daß die Spekulation in der Bewertung der
Kon=
junkturbeſſerung ſchon vorauszueilen beginne, oder
vorausgeeilt iſt. Gleichzeitig hörte man von einer
Ab=
ſchwächung der amerikaniſchen Roheiſenpreiſe und von
weniger zuverſichtlich lautenden Berichten über den
dortigen Roheiſenmarkt. Hingegen lagen auch
befrie=
digende Meldungen vor, ſo vom Stahlwerksverband
und die Preiserhöhung für Halbzeugfabrikate. Ferner
wurde noch bekannt, daß eine größere Ausfuhr von
Roheiſen nach Belgien ſtattgefunden habe, und zwar
zu lohnenden Preiſen, da in jenem Lande die
Pro=
duktion hinter der Nachfrage zurückblieb. Des
weite=
ren wird eine baldige Preisbeſſerung für
Walzdraht=
ſabrikate erwartet. Man darf alſo im allgemeinen den
Schluß ziehen, daß die Grundlagen unſerer Induſtrie
wohl durchaus günſtige und vielverſprechende ſind, daß
jedoch die Warnungen vor Uebertreibungen an der
Börſe ebenſo wohlberechtigte als begründete ſind.
Kali=
werte waren während der ganzen Woche ruhig und
ohne weſentliche Veränderung. Erfreulich iſt, daß auch
Frankreich wieder mit Beſtellungen an unſere Induſtrie
herantritt; ſo hat die franzöſiſche Oſtbahn letzthin bei
der Sächſiſchen Maſchinenfabrik in Chemnitz eine
Be=
ſtellung von 20 Lokvmotiven gemacht.
Am Kaſſainduſtriemarkt herrſchte keine einheitliche
Tendenz und zum Teil Realiſationsluſt; auch
Elektri=
zitätswerte ſchließen ſchwächer. Erwähnenswert iſt
das Abkommen der oldenburgiſchen Regierung mit der
Allgemeinen Elektrizitätsgeſellſchaft in Höhe von 10
Millionen Mark. Als weſentlich höher wären
hervor=
zuheben: Gummi Peter bis 370½, welche eine
Erhöh=
ung ihres Aktienkapitals um 2 Millionen Mark
vor=
nehmen und dieſe neuen Aktien zu 250 Prozent den
Aktionären offerieren; ferner ſtiegen Moenus um faſt
16 Prozent, Chemiſche Griesheim und Frankfurter
Gas um etwa 14 Prozent. Schrammſche Sackfabriken
Offenbach a. M., die kürzlich zu 300 Prozent eingeführt
wurden, ſchließen zuletzt 285 Prozent. Die
Elektrizi=
täts=Geſellſchaft Boeſe hat den Termin zu den
Ein=
zahlungen für Umwandlung der bisherigen
Vorzugs=
aktien bis zum 31. Januar verlängert, da bis vor
einigen Tagen noch nicht die erwartete Höhe von
750000 Mark erreicht war. Der Aktienkurs iſt
in=
zwiſchen wieder auf 25 Prozent zurückgegangen. Matter
lagen noch Neue Photographiſche Geſellſchaft (86).
Von Loſen notieren: Augsburger 41,75,
Braun=
ſchweiger 222,50, Finnländer 175,25, Freiburger 59,
Genuaer 245, Mailänder 45=Fr.=Loſe 145, Türkiſche
181,40, Mailänder 10=Fr.=Loſe 32,50, Ungariſche 374,
Meininger 40,40 6, Venediger 40, Pappenheimer 75½
in Reichsmark, Gothaer Prämie I 143,90, Gothaer
Prämie II 117,80 G, Donau=Regulierung 143,25,
Mad=
rider 78,50 in Prozent; ferner ſchließen: 4proz. Reichs
(bis 1918 unkündbar) 102,30, 3½proz. Reichs 94,05,
3proz. Reichs 85,40 B, 4proz. Heſſen von 1899 101,40 G,
4proz. Heſſen von 1906 101,70 6, 4proz. Heſſen von 190
101,70, 4proz. Heſſen von 1909 101,70, G, 3½proz, Heſs
ſen 93,10 G, 3proz. Heſſen 82,10, 4proz. Darmſtädter
101 P 3½proz. Darmſtädter 92,40 G, 4proz. Heſſ. Landess
Hypoth.=Pfdbr. (Serie 18—20) 101,60, 3½proz. Heſſ.
Landes=Hypoth.=Pfdbr. (Serie 9—11) 92,80 G, 4proz=
Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 10—12) 101,60 G, 3½proz.
Heſſ. Pfdbr. (Serie 1—3) 93,20 G, 3½proz. Heſſ. Pfdbr
(Scrie 4) 92,80 G, Darmſtädter Bank 138,00, Süddeutſche
Eiſenbahn=Geſellſchaft 120,65, Balt. u. Ohio 115,90, 4½a
pro: Ruſſen 99,75, 4proz. Ruſſen (1902er) 91,10, 3/uproßs
Ruſſen 86,80, 3½proz. Ruſſen 86,00, 3proz: Ruſſen 76,75,
4½proz. Japaner 97,90, 4proz. Japaner 92,40, 5proz=
Merik. (Tamaulipas) 100,55, 5proz. Chineſ. Eiſ=Anl,
(Tientſin-Pukow) 102,70.
Luftſchiffahrt.
sr. Einen Flug über das frazöſiſche
Ueberſchwemmungsgebiet der Meuſe hat der
bekannte Aviatiker Sommer ausgeführt, der ſich über
10 Minuten erſtreckte und abermals den Beweis
er=
brachte, daß der Aeroplan ſchon heute für mancherlei
praktiſche Zwecke Verwendung finden kann.
sr. Für das aviatiſche Meeting von
Cannes, das in der Zeit vom 27. März bis 3. Aprill
abgehalten wird, gelangt jetzt das Programm zur
Ver=
öffentlichung. Es gelangen gegen 100000 Franks für
Preiſe zur Verteilung. Davon entfallen auf die
Paſ=
ſagierflüge 5000, auf den Preis für beſte Bahnflüge
10000, auf die Preiſe für beſte Dauerflüge 12000, auf
die Preiſe für die regelmäßigſten Flüge über eine halbe
Stunde 5000, auf Mechaniker=Preiſe 1000, auf die Preiſe
für beſte Landungen 5000 und 15000 Franks für
Ueber=
landflüge. Ferner ſind noch Preiſe für Zurücklegung
einer Bahnrunde von 500 Franks ausgeſetzt, während
die Veranſtalter dieſes Flugmeetings für den
Wettbe=
werb Nizza=-Cannes-Nizza 17500 Franks zuſchießen,
die jedoch nur an Aviatiker fallen ſollen, die an dem
Meeting von Cannes teilgenommen haben.
Sport.
sr. Die Pariſer Weltmeiſterſchaftss
ringkämpfe haben nunmehr ihren Abſchluß
gefun=
den. Um die Entſcheidung rangen am letzten Abend der
deutſche Meiſterſchaftsringer Pohl (Abs II) und der
Däne Peterſen. Nach intereſſantem Kampf gelang
es dem Dänen nach einer Geſamtzeit von 46 Minuten,
Pohl zu bezwingen und damit die Weltmeis
ſterſchaft definitiv zu erwerben. Den
zwei=
ten Preis erhielt Pohl (Abs II)=Deutſchland, den
drit=
ten der Franzoſe Vervet, der ſeinen Landsmann
Cle=
ment am Schlußtage nach 32 Minuten warf, den vierten
Preis Aimable de la Calmette=Frankreich, den fünften
Romanoff=Rußland und den ſechſten Clement=
Frank=
reich. — Pohl (Abs II) erlitt hiermit u. W. die erſte
Niederlage. Er ging bekanntlich auch aus der
Ring=
kampfkonkurrenz in Darmſtadt (Orpheum) um die
Mei=
ſterſchaft für Süddeutſchland als Sieger hervor.
in Ihr Gedächtnis müſſen Sie ſich, daß es loſe ausgewogenen
Hathreiners Malzkaffee nicht gibt. Hwiſchen Malzkaffee und
Malz=
kaffee iſt ein Unterſchied wie Tag und Nacht! Loſer Malzkaffee iſt
vielfach weiter nichts wie gebrannte Gerſte. Der echte Kathreiners
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kaffee kommt nur in geſchloſſenen Daketen mit Bild des Ofarrer Aneipp
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