Darmstädter Tagblatt 1910


29. Januar 1910

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173. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 36 Seiten.

Der Großſchiffahrtsweg Mannheim=Heilbronn.

* Die nationalliberale Fraktion hat in der Zweiten
badiſchen Kammer einen auch von den Linkslibera=
len
unterſtützten Antrag eingebracht, die Regierung wolle
die Frage der Neckarkanaliſation zwiſchen
Heilbronn und Mannheim durch bundesfreund=
liches
Zuſammenwirken der beiden Regierungen von Ba=
den
und Württemberg einer möglichſt baldigen Löſung
entgegenführen. Durch dieſen Antrag wird die Aufmerk=
ſamkeit
wieder auf ein Projekt hingelenkt, das ſeit Jahren
von Württemberg mit allem Nachdruck betrieben wird, dem
aber auch Baden von Anfang an ein wohlwollendes In=
tereſſe
entgegengebracht hat. Männer wie Schenkel und
der jetzige Finanzminiſter Max Honſell haben ſchon vor
mehreren Jahren wiederholt ihre Bereitwilligkeit ausge=
ſprochen
an der Durchführung des kühnen Planes, den
Rhein mit der Donau zu verbinden, nach Kräf=
ten
mitzuwirken. Honſell ſelbſt iſt vor 7½ Jahren als
Vertreter der badiſchen Regierung der Kommiſſion von
württembergiſchen, badiſchen und heſſi=
ſchen
Regierungsvertretern beigetreten, die im
Oktober 1903 in Heilbronn zur Beratung der Vorarbeiten
zuſammentrat. Mit Rückſicht darauf, daß Baden für die
Oberrheinregulierung und für den Ausbau ſeines Staats=
bahnnetzes
große Opfer zu bringen hatte, mußte Honſell
eine Beteiligung Badens an den Baukoſten für die
Neckarkanaliſation ablehnen, erklärte ſich aber gern bereit,
an der Ausarbeitung der Pläne mitzuwirken und dafür
zu ſorgen, daß das kühne Unternehmen von vornherein
auf eine breite Grundlage geſtellt würde.
In den letzten ſieben Jahren hat die techniſche Kom=
miſſion
, die aus Vertretern der drei Uferſtaaten zuſam=
mengeſetzt
iſt, wiederholt getagt, und ſteht nunmehr vor
dem Abſchluß ihrer großen Arbeit. Wie die Köln. Ztg.
hört, iſt die Beibehaltung des 115 Kilometer langen Fluß=
bettes
zwiſchen Mannheim und Heilbronn in Ausſicht ge=
nommen
. Die Fahrtiefe ſoll auf 22 Meter vertieft wer=
den
, um auch die Zulaſſung von 1000 Tonnenſchiffen zu
ermöglichen; die Schleuſen ſollen eine Länge von 85 Me=
ter
, eine Breite von 10½ Meter und eine Tiefe von
2½ Meter erhalten. Der Waſſerſpiegel wird durch 18 Hal=
tungen
gehoben, wodurch die übliche Fahrzeit der Schiffs=
züge
im freien Fahrwaſſer etwa um ein Drittel verlän=
gert
wird. Die Dauer der Bergfahrt iſt einſchließlich der
Verſchleuſung auf 41 Stunden, die der Talfahrt auf 37
Stunden berechnet. Zur Ausnutzung der Waſſerkräfte iſt
auf badiſcher Seite die Errichtung von vier Kraftwerken
bei Feudenheim, beim Schwabenheimer Hof, Hirſchhorn
und Neckargerach mit ſieben Ergänzungswerken geplant,
auf württembergiſcher Seite ein Kraftwerk bei Gundels=
heim
. Die Nutzkraftleiſtung der Hauptwerke zuſammen
iſt im Mittel auf rund 22000 PK. geſchätzt. In wieweit
dieſe elektriſche Kraft für die Zwecke der Großinduſtrie
in Mannheim und Umgebung nutzbar gemacht werden
kann, iſt eine Frage, über die jetzt noch Verhandlungen
ſchweben.
Die Koſten für die Ausführung dieſer Pläne ſind auf
40 bis 50 Millionen geſchätzt und ſollen auf den
Wunſch Württembergs gemeinſam von den drei Ufer=
ſtaaten
getragen werden. Soviel bekannt geworden iſt,
ſind in letzter Zeit zwiſchen der württembergiſchen und
badiſchen Regierung Verhandlungen wegen der Beteili=
gung
Badens an den Baukoſten gepflogen worden. Ueber
das Ergebnis wird Stillſchweigen beobachtet.

Der Sturz des griechiſchen Kabinetts.

* Die in Griechenland eingetretene Miniſterkriſis ent=
ſtand
durch wiederholte Beſchlußunfähigkeit der Kammer;
mitgewirkt hatte der Widerſtand der Regierung gegen die
Einberufung einer Nationalverſammlung, die wiederholt
von dem Militärbunde gefordert wird, aber wenig
Anklang findet. Der Sturz des Kabinetts Mavromichalis
iſt erfolgt, nachdem die Militärliga dem Miniſterpräſiden=
ten
Unfähigkeit und Mangel an Aufrichtigkeit vorgewor=
fen
hatte. General Zorbas teilte ihm mit, daß die Liga
einſtimmig die Demiſſion der Regierung fordere. Rhallis
und Theotokis wurden erſucht, das neue Kabinett zu un=
terſtützen
, damit es die ſchwebenden Budget= und An=
leihegeſetze
verabſchiede und zur Einberufung der Natio=
nalverſammlung
ſchreiten könne, deren Programm vor=
erſt
von der Kammer und dem König feſtgeſetzt werden

wird. Rhallis und Theotokis ſchloſſen ſich den Vorſchlä=
gen
der Liga an, die den kretiſchen Politiker Veniſelos
beſtimmte, um mit den Parteiführern zu verhandeln.
Dragoumis ſoll die Bildung des neuen Kabinetts
mit Zorbas als Kriegsminiſter übernehmen. Der Mini=
ſterpräſident
hatte eine lange Unterredung mit dem König.
In Regierungskreiſen wird die Situation
folgendermaßen dargeſtellt: Die Regierung bezeichnete
dem König die Einberufung der Nationalverſammlung
als inopportun und gefährlich, worauf der König ſich
24 Stunden Bedenkzeit ausbat. Man glaubt, daß er die=
ſen
Aufſchub zu Rückſprachen mit den Parteiführern be=
nutzen
wird. Iſt die Majorität geneigt, das Kabinett
auch fernerhin zu ſtützen, ſo würde dieſes vor die Kammer
treten, im anderen Falle demiſſionieren. Die Mitglieder
der Militärliga verſichern, ſie würden die Einberufung
der Nationalverſammlung durchaus nicht zu einer
conditio sine qua non machen. Die Liga halte dieſe
Maßregel für erwünſcht, werde ſich aber der Entſcheidung
der Parteiführer unterordnen. Hiernach wäre die formelle
Demiſſion des Kabinetts bisher noch nicht erfolgt.

Gegen die Truſts.

* Mit größter Erbitterung wütete acht Tage lang der
Kampf gegen die hohen Lebensmittelpreiſe in Amerika.
Durch eine große Anzahl von Boykotts bekämpfte man
die Truſts mit zäher Energie. Die New=Yorker boykot=
tierten
mit beſonderem Nachdruck den Truſt der Milch=
händler
. Der Kampf gegen den Fleiſchtruſt dauert
noch an. Die Regierung ſcheint Ernſt zu machen mit ihrem
Vorgehen gegen den Truſt, denn täglich finden Verhand=
lungen
vor der Groß=Jury und zahlreiche Zeugenverneh=
mungen
ſtatt. Einige 30 Angeſtellte von verſchiedenen
Konſervenfabriken wurden als Zeugen in der Unterſuchung
gegen den Fleiſchtruſt vor dem Richter verhört. Man
drohte ihnen mit eventueller Verhaftung, als ſie Miene
machten, nicht freiwillig vor dem Richter als Zeugen er=
ſcheinen
zu wollen.
Wie es ſcheint, iſt der Sturm gegen die Truſts ſchon
nicht ohne Erfolg geblieben. Aus New=York wird ge=
meldet
, daß die Furcht vor dem Fleiſchboykott die Truſts
zum Nachgeben veranlaßt habe. Seit Mittwoch ſinken
in allen Städten der Vereinigten Staaten die Preiſe für
Nahrungsmittel. Das Fleiſch iſt durchſchnittlich um ei=
nen
Cent per Pfund billiger geworden. Auch die Milch=
händler
haben nachgegeben. Sie verkaufen jetzt das Quart
Milch für acht ſtatt für neun Cent wie bisher.
Im Hinblick auf die allgemeine Preisſteigerung brachte
das Mitglied des Kongreſſes Sabbath eine Geſetzesvor=
lage
ein, wonach die Einfuhr der notwendigſten Nah=
rungsmittel
zollfrei ſein ſoll.
Aus New=York wird weiter gemeldet, daß dort der
Verkauf von Fleiſch in wenigen Tagen um zwei
Millionen Pfund zurückgegangen iſt. Die Agitation gegen
die großen Schlächter gewinnt immer mehr an Ausdeh=
nung
. Die Armour Company bringt nur noch 65 Wag=
gons
Fleiſch pro Tag auf den New=Yorker Markt, wäh=
rend
es früher über 100 waren. Andere Großſchlächter,
beſonders ſolche, die ihren Abſatz in den Zentralſtaaten ha=
ben
, leiden noch viel mehr unter dem Boykott.
Mitten im erbitterten Kampfe gegen den Fleiſchtruſt
melden New=Yorker Blätter bereits von der Gründung
eines neuen Rieſentruſtes. Mit einem Kapital von 300
Millionen Dollar hat ſich ein neuer Truſt in Amerika ge=
bildet
. Die größten Geſchäfte der Bekleidungs=
branche
haben ſich nach tagelangen Verhandlungen,
deren Ergebniſſe bisher geheim gehalten wurden, ſchließ=
lich
zu einer Aſſoziation vereinigt, um eine genaue Kon=
trolle
des Materials vom Rohprodukt an bis zur fertigen
Ware zu organiſieren. Die Baumwollfabrikanten, die
Baumwollplantagenbeſitzer in den Südſtaaten haben ſchon
vor längerer Zeit mit den Wollfabrikanten in England
Verbindungen angeknüpft, um dieſe dem Truſt geneigt zu
machen. Das Ergebnis der Verhandlungen iſt, daß die
engliſchen Wollgroßfabrikanten dem neuen Unternehmen
zwar ſehr günſtig gegenüberſtehen, ihr endgültiger Bei=
tritt
zum Truſt iſt jedoch bisher noch nicht erfolgt.

Teutſches Reich.

Der Reichstag beging den Geburtstag des
Kaiſers mit einer Feier in den feſtlich geſchmückten
Erfriſchungsräumen des Reichstags, wobei der erſte Vize=
präſident
Dr. Spahn den Toaſt auf den Kaiſer aus=
brachte
. Redner wies auf die Vermählung ſüddeutſcher
und norddeutſcher Kultur hin, die ſich mit der Belehnung

des Sohnes von ſchwäbiſcher Erde mit der Mark Bran=
denburg
auf dem Konſtanzer Konzil vollzogen habe. Dem
deutſchen Heere ſei die Geſtaltung bewahrt, die in drei
Kriegen das Erſtaunen von Freund und Feind erregt
habe. An den Maſten der ſtarken Kriegsflotte rage ſtolz
die deutſche Flagge, dem Feinde zum Trutz und dem
Reiche zum Schutz. Hoch und hehr, mächtig und feſt ſtehe
das deutſche Haus. Der Kaiſer habe ſich erwieſen als des
Weltfriedens mächtiger Hort. Deutſchland an der Front
der Menſchheit, ſei des Kaiſers Ziel. An die Abgeord=
neten
ergehe beſonders der Ruf des Pfalmiſten: Mein
Tagewerk gehört dem Kaiſer. Mit einem Hoch auf den
Kaiſer ſchloß Spahn ſeine Rede.
Die Gegner der Schiffahrtsabgaben im
Bundesrat, Sachſen, Baden und Heſſen, verfügen nur
über 10 Stimmen. Da zur Verhinderung einer Verfaſ=
ſungsänderung
mindeſtens 14 Stimmen nötig ſind, iſt,
wenn nicht etwa die Gegner noch in letzter Stunde weitere
Unterſtützung erhalten ſollten, die Annahme der Schiff=
fahrtsabgabenvorlage
im Bundesrat zu erwarten.
Wenn auch im Reichstag eine Mehrheit dafür da ſein
ſollte, wäre aber immer noch, da die Abgabenfreiheit der
Elbe und des Rheins auch durch internationale Verträge
verbürgt iſt, die Einwilligung Oeſterreichs und Hollands
zu erlangen, die ſich bis jetzt ablehnend verhalten. Es wird
alſo jedenfalls noch viel Waſſer den Rhein und die Elbe
hinabfließen, bis auf dieſen Strömen Abgaben von der
Schiffahrt erhoben werden.
Wie verlautet, werden drei Geſetzentwürfe,
nämlich das Stellenvermittlungsgeſetz, das Arbeitskam=
mergeſetz
und die Vorlage zur Regelung der Hausarbeit,
ſchon in den nächſten Tagen dem Bundesrat zugehen.
Man kann daher annehmen, daß die Vorlagen noch in der
erſten Hälfte des Februar dem Reichstage zur Beratung
überwieſen werden.
Die ſehr langwierigen Verhandlungen über den
portugieſiſchen Handelsvertrag haben ſchließ=
lich
, wie gemeldet, in der Kommiſſion zu einer Ver=
werfung
mit 15 gegen 11 Stimmen geführt und es wird
ſich nunmehr fragen, ob der Reichstag dem Beſchluß
ſeiner Kommiſſion beitritt. Der Widerſtand gegen den
Vertrag richtete ſich weniger gegen ſeine ganze Tendenz
als vielmehr gegen die nach Anſicht der Gegner ungenü=
gende
Berückſichtigung einzelner deutſcher Ausfuhrartikel.
Das fand einen ganz klaren Ausdruck in den Vertagungen,
die die: Abſtimmung in der Kommiſſion des=
halb
erfuhr, weil man meinte, daß noch
einige Aenderungen in den Vertrag eingefügt werden
könnten. Bekanntlich ſteht demgegenüber die Reichsregie=
rung
auf dem Standpunkte, daß der Vertrag als einheit=
liches
Ganzes anzunehmen oder abzulehnen war, und die
Nachricht, daß die portugieſiſche Regierung ſich zu Aende=
rungen
werde bereit finden laſſen, wurde denn auch von
portugieſiſcher Seite amtlich entſchieden in Abrede geſtellt.
Der Reichstag ſteht nun ebenſo wie ſeine Kommiſſion vor
der Frage, ob die Nachteile des Vertrages wirklich ſo groß
ſind, daß man ihrethalben einen vertragloſen Zuſtand auf
ſich nehmen müſſe, der ohne Zweifel ſowohl die deutſchen
wie die portugieſiſchen Geſchäfte ſtören und dem auslän=
diſchen
Wettbewerb eine willkommene Handhabe bieten
wird, ſich in Portugal an unſerer Stelle feſtzuſetzen und
ſowohl unſern Handel wie unſere Schiffahrt zu ver=
drängen
. Die Wichtigkeit unſerer zollpolitiſchen Bezieh=
ungen
zu Portugal iſt nicht ſo groß, wie die zu den Ver=
einigten
Staaten und Frankreich, aber immerhin bedeu=
tend
genug, um dem Reichstag die Pflicht einer nochmali=
gen
ernſten Prüfung aufzuerlegen.
Ueber den Arbeitsmarkt im Monat De=
zember
1909 teilt das Reichs=Arbeitsblatt mit:
Der Geſchäftsgang war im Monat Dezember für einige
Großinduſtrien günſtiger als im Vormonat, und faſt allent=
halben
beſſer als im gleichen Monat des Jahres 1908.
Immerhin machte ſich in der zweiten Hälfte des Monats
ein Rückgang der Beſchäftigungsziffer bemerkbar. Auf
dem Ruhrkohlenmarkt hat ſich die Beſſerung der
Lage fortgeſetzt. Die verſtärkte Nachfrage der Induſtrie
hielt an. Auch im Saarrevier und in Schleſien waren die
Werke durchweg gut beſchäftigt. Die Lage der Braunkoh=
leninduſtrie
hat ſich dagegen vielfach verſchlechtert, was im
weſentlichen auf den infolge des warmen Wetters gerin=
geren
Bedarf an Hausbrandkohle und Brilets zurüickzu=
führen
iſt. Die Metallinduſtrie war im Berichtsmonat
faſt durchweg befriedigend beſchäftigt. Die Berichte über
die Roheiſenerzeugung laſſen erkennen, daß ſie ſich ſowohl
in Oberſchleſien wie in Weſt= und Süddeutſchland durch=
aus
in demſelben Umfang gehalten hat wie im November.
Die dem Stahlwerksverband angehörenden Werke arbei=
teten
beſſer als im Vormonat; der Geſamtverſand an Pro=
dukten
A war höher. Ausreichend beſchäftigt waren auch
die Eiſengießereien; teilweiſe, z. B. in Weſtdeutſchland,

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Nummer 24.

war der Beſchäftigungsgrad höher als im Vormonat. Im
Maſchinenbau hat ſich die ſchon für den Vormonat zu
verzeichnende Belebung teilweiſe fortgeſetzt. Noch immer
ungleichmäßig war der Geſchäftsgang in der Textil
induſtrie. Die Baumwollſpinnereien in Schleſien,
Süddeutſchland und Elſaß=Lothringen litten noch immer
unter ſehr ſchlechter Beſchötigung; dagegen hatten die
ſächſiſchen Spinnereien etwas beſſer zu tun als im Vor=
monat
. Die übrigen Zweige der Induſtrie, wie die Wol=
len
=, Leinen=, Tuchinduſtrie, hatten vielfach Verbeſſerun=
gen
gegen den Vormonat aufzuweiſen. Im Bauge=
werbe
ſind vielerorts Verſchlechterungen eingetreten, die
allerdings unter dem Einfluſſe der warmen Witterung we=
niger
ſtark auftraten, als es im Winter für gewöhnlich
der Fall iſt. In der Bekleidungsinduſtrie iſt der
Beſchäftigungsgrad im letzten Teile des Monats teilweiſe
geſunken, während die Frühjahrsaufträge in anderen
Zweigen vermehrte Beſchäftigungsgelegenheit ſchufen.
Günſtig wirkt vielfach der im Jahre 1910 ſehr frühzeitige
Termin für das Oſterfeſt. Die chemiſche Induſtrie, die
Gummi=Induſtrie, die Papier=Induſtrie hatten flott zu
tun; nach Weihnachten machte ſich das übliche Sinken der
Beſchäftigungsziffer bemerkbar. Für die Tabakinduſtrie
brachte das Weihnachtsfeſt eine vermehrte Tätigkeit, die
jedoch nur vorübergehend war. Die Brauereien erzielten
infolge der milden Witterung und der Feſttage einen etwas
erhöhten Abſatz, jedoch wird die Lage in Berlin noch im=
mer
als ziemlich ungünſtig bezeichnet.
Bei den an das Kaiſerliche Statiſtiſche Amt berich=
tenden
Krankenkaſſen ergab ſich am 1. Januar gegen=
über
dem 1. Dezember des Vorjahres eine Abnahme der
verſicherungspflichtigen Mitglieder abzüglich der erwerbs=
unfähigen
Kranken um 143734, und zwar um 108 245
männliche und 35 489 weibliche, während am 1. November
die Abnahme gegen den Vormonat nur 45380 ( 54 625
männliche, 9245 weibliche) Perſonen betrug. Gegen=
über
dem 1. Januar 1909 war die Abnahme bei den
männlichen Verſicherten diesmal weſentlich geringer; ſie
betrug damals 177243 Perſonen. Die Zahl der weib=
lichen
Verſicherten ſank im Laufe des Dezember 1909 etwas
ſtärker als im gleichen Monate des Vorjahres (35 489 ge=
gen
29767), wobei jedoch zu berückſichtigen iſt, daß im
November 1909 bei den weiblichen Perſonen ein Zuwachs
eingetreten war, der gut doppelt ſo hoch war als im No=
vember
1908.
Die Arbeitsloſenziffern der Fachverbände im
4. Vierteljahre 1909 zeigen im ganzen eine recht weſentliche
Verbeſſerung gegenüber dem gleichen Zeitraume des Vor=
jahres
. Sie betrugen bei den gleichen Verbänden für Ende
Oktober 20 Prozent gegen 2,9 Prozent, für November
2,1 Prozent gegen 32 Prozent, für Ende Dezember 2/7
Prozent gegen 4,4 Prozent.
Die Berichte der Arbeitsnachweiſe lauten im
Vergleiche zum Vorjahre günſtig; zwar laſſen ſie in dem
gegen den Vormonat eingetretenen Rückgang der offenen
Stellen ebenfalls eine Verminderung der Beſchäftigung er=
kennen
, jedoch war das Verhältnis zwiſchen Angebot und
Nachfrage befriedigender als im Dezember 1908. Für
weibliche Arbeiter war dasſelbe auch hinſichtlich des No=
vember
1909 der Fall. Bei der Geſamtzahl der berich=
tenden
Arbeitsnachweiſe, für welche vergleichbare Zahlen=
angaben
vorliegen, kamen im Dezember auf 100 offene
Stellen für männliche bezw. weibliche 269 bezw. 107 Nach=
fragen
gegen 209 bezw. 120 im Vormonat und 330 bezw.
112 im Dezember 1908. Auf dem Berliner Arbeitsmürkte
flaute die Lage nach Beendigung der Weihnachtsſaiſon im
allgemeinen weſentlich ab und ſtellte ſich Ende Dezember
ungünſtiger als im Vorjahre. Im Regierungsbezirk Düſ=
ſeldorf
war faſt ausnahmslos das der Jahreszeit entſpre=
chende
Abflauen bemerkbar. Das Bangewerbe war noch
gut beſchäftigt. In Heſſen, Heſſen=Naſſan und Waldeck
brachte das Weihnachtsgeſchäft zwar eine intenſivere Be=
ſchäftigung
der vorhandenen Arbeiter, aber wenige Neu=
anſtellungen
. Sehr gut beſchäftigt waren die Leder= und
die Schuhinduſtrie. Bei den übrigen Gewerben ließ die
Beſchäftigung nach. Die Lage auf dem Münchener Arbeits=
markte
war günſtiger als im Vorjahre; die Zahl der Stel
lenbeſetzungen war weſentlich höher. In Württemberg
war der Beſchäftigungsgrad ebenfalls ungünſtiger als im
Vorjahre. Dank der günſtigen Witterung hatten Bau=
gewerbe
, Landwirtſchaft, teilweiſe auch Metall= und Ma=
ſchineninduſtrie
und die Bekleidungsgewerbe gut zu tun.
Die Einnahmen aus dem Güterverkehr deut=
ſcher
Eiſenbahnen waren im Dezember 1909 um
15067704 Mark höher als im gleichen Monate des Vor=
jahres
. Das bedeutet eine Mehreinnahme von 255 Mark
oder 10,72 Prozent auf 1 Kilometer.

Ausland.

Der böhmiſche Landtag wird für den 3. Februar
einberufen. Es beſteht wohlbegründete Hoffnung, daß bei
den Prager Verhandlungen zwiſchen Deutſchen und Tſche=
chen
eine Einigung auf ein wenn auch nur beſchränktes
Arbeitsprogramm zuſtande kommt.
Der franzöſiſche Senat nahm die Vorlage an, wo=
nach
die Fälligkeitstermine für Zahlungen in den Ueber=
ſchwemmungsgebieten
hinausgeſchoben werden.
Die letzten Reſultate der Wahlen in England ſtellen
ſich für die Regierung günſtiger. Bis Freitag mittag wa=

ren folgende Reſultate bekannt: Es waren gewählt 258
Unioniſten, 253 Liberale, 40 Mitglieder der Arbeiterpartei
und 70. Nationaliſten. Danach beträgt die Regierungs=
mehrheit
bis dahin 105 Stimmen.
Wie bereits mitgeteilt, hat das norwegiſche Kabi=
nett
demiſſioniert. Das Kabinett Knudſen iſt faſt
zwei Jahre alt geworden, da es im März 1908 die Nach=
folge
des Miniſteriums Lövland übernommen hatte. Es
iſt indes von Anbeginn nicht viel mehr als ein bloßes
Geſchäftsminiſterium geweſen, da ſich herausſtellte, daß
der Konſolidierten Linken, die allein hinter dem Kabinett
ſtand, einige Stimmen an der Mehrheit im Storthing
fehlten. Da Herr Knuhſen die Unterſtützung durch die
Sozialiſten ablehnte, die Moderaten aber ſich ſehr ſpröde
zeigten, ſo ergaben ſich ebenſo langwierige wie unfrucht=
bare
parlamentariſche Debatten, die erſt ein Ende fanden,
als man allerſeits einſah, daß bei den merkwürdigen Zah=
lenverhältniſſen
der Parteien überhaupt keine Regierung
mit ſicherer Mehrheit gebildet werden konnte, und daraus
die richtige Folgerung zog, das nun einmal vorhandene
Kabinett bis zu den Wahlen gewähren zu laſſen. Dieſe
Wahlen, die von Anfang Oktober bis 12. November 1909
vollzogen wurden, klärten dann die Lage: die Regierungs=
partei
der Konſolidierten Linken unterlag; die Männer der
Rechten und die Liberalen, die im Sinne der Michelſen
ſchen Sammlungspolitik bei den Wahlen vereint vorge=
gangen
waren, ſandten zuſammen 63 Abgeordnete in das
neue Storthing und haben damit eine ſichere und regie=
rungsfähige
Mehrheit. Knudſen erklärte denn auch ſchon
Mitte November, er werde aus dem für ſeine Partei un=
günſtigen
Wahlausgang die Konſequenz ziehen und mit
dem geſamten Kabinett nach dem Zuſammentritt des
Storthings im Januar zurücktreten. Das hat er nun
wahr gemacht.
Der Miniſterrat beſchloß, der türkiſchen Kammer
eine dringliche Vorlage zu unterbreiten, wodurch der Flot=
tenverein
ermächtigt wird, unter der Garantie der Regie=
rung
vier Torpedobootszerſtörer anzukaufen.
Der japaniſche Miniſter des Aeußern führte in einer
Rede in der Kammer aus, die Beziehungen Japans
zum Auslande ließen nichts zu wünſchen übrig. Was
Rußland angehe, ſei hier entgegen den verbreiteten ungün=
ſtigen
Gerüchten eine Beſſerung der Beziehungen und
eine Feſtigung der Freundſchaft zwiſchen den beiden Län=
dern
zu konſtatieren. Beide Staaten hätten das Beſtreben
nach beſtem Einvernehmen bekundet und würden es wei=
terhin
bekunden. Der Vorſchlag Amerikas= ſei
abgelehnt worden, da er den Verträgen widerſpreche
und unter den gegenwärtigen Verhältniſſen die Intereſſen
Japans in der Mandſchurei gefährden würde. Die
Freundſchaft Japans mit den Vereinigten Staaten werde
auch ferner auf dauerhafter Grundlage feſt beſtehen blei
ben. Die ſchwebenden Differenzen mit China ſeien güt=
lich
beigelegt worden. In Uebereinſtimmung mit der Po=
litik
der offenen Tür hätte Japan beſchloſſen, Port Arthur
zu öffnen und zur Erſchließung der Mandſchurei beizu=
tragen
und den Handel mit allen Nationen zu erleichtern.
Er hoffe zuverſichtlich, daß dieſe Politik die Anerkennung
der Mächte finden und Amerika wie die anderen Mächte
die Billigkeit der Ablehnung der amerikaniſchen Vor=
ſchläge
durch Japan zugeſtehen würden.

* London, 27. Jan. Die Lage in Nord= Dur=
ham
geſtaltet ſich ſchwierig infolge zunehmender Unruhen,
die teils auf die Wahlbewegung, teils auf den Kohlen=
arbeiterſtreik
zurückzuführen ſind. Die Streikenden demo=
lierten
die Hauptquartiere der Unioniſten und die Woh=
nung
eines Grubenbeſitzers. Der Letztere feuerte auf die
Menge und verwundete einen der Streikenden; auch das
Automobil des Grubendirektors wurde zerſtört und einen
Abhang hinabgeworfen. Ein ſtarkes Polizeiaufgebot
wurde an den Schauplatz der Unruhen gerufen.
* Waſhington, 28. Jan. Präſident Taft
richtete an den deutſchen Kaiſer folgendes Telegramm:
Am heutigen Geburtstage Eurer Majeſtät bringe ich Ihnen
meine herzlichen Glückwünſche dar und gebe zugleich den
guten Geſinnungen Ausdrück, von denen Regierung und
Volk der Vereinigten Staaten für Ihr Land erfüllt ſind
und den Wünſchen, die ſie für deſſen Gedeihen hegen.

Ernſt Moritz Arndt.

Zum 50. Jahrestage ſeines Todes.
*** Vor einem halben Jahrhundert, am 29. Jan.
1860, verſchied in Bonn nach kurzer Krankheit der
deutſche Freiheitsdichter Vater Arndt, nachdem er erſt
fünf Wochen vorher, anläßlich ſeines 90. Geburtstages,
Gegenſtand ebenſo begeiſterter wie herzlicher Kundgeb=
ungen
geweſen war. Sicherlich hatten die Aufregung
und Anſtrengung, die ihm dieſe Feier brachte, die Ab=
nahme
ſeiner Kräfte beſchleunigt; hatte er doch geglault
überallhin, von wo ihm Glückwünſche zu Teil geworden
waren, ſeinen beſonderen Dank ausſprechen zu müſſen,
und infolgedeſſen ſchon über hundert Dankſagungs=
ſchreiben
abgeſandt. Er ſelbſt glaubte noch nicht an ein
baldiges Hinſcheiden; wohl fühlte er ſich einige Tage
unpäßlich und mußte auch das Bett hüten, aber noch
drei Stunden vor ſeinem Tode ſagte er, freilich ſchwer
verſtändlich, daß in vierzehn Tagen alles wieder gitt
ſein werde.
Ein an Kämpfen um die idealſten Güter reiches
Leben war mit Ernſt Moritz Arndt erloſchen. Am 26.
Dezember 1769 auf Rügen, das damals noch ebenſo wie
ein Teil des pommerſchen Feſtlandes, zu Schweden ge=
hörte
, geboren, beſuchte er das Gymnaſium in Stral=
ſund
und ſtudierte in Greifswald, ſpäter in Jena Theo=
logie
, Geſchichte und Sprachen, widmete ſich aber haupt=
ſächlich
hiſtoriſchen und literariſchen Studien. Nachdem
er Oeſterreich=Ungarn und Frankreich bereiſt hatte, ließ
er ſich Oſtern 1800 als Privatdozent in Greifswald nie=

der und lebte von 1803 bis 1804 in Schweden. Als
Oeſterreich und Preußen durch Napoleon niedergewor=
fen
worden waren, erhob Arndt, der ſich ſchon damals
ganz als Deutſcher fühlte, die Fahne der Freiheit und
rief in feurigen Anſprachen, welche weiteſte Verbreit=
ung
fanden, zum Kampfe gegen den Erbſeind. Vor den
Verfolgungen Napoleons auf kurze Zeit wieder nach
Schweden gegangen, kehrte er nach Deutſchland zurück,
trat hier mit den angeſehenſten Patrioten in Verbind=
ung
und folgte einem Rufe Steins nach Petersburg,
um bei der Organiſation des Kampfes gegen Napoleon
mitzuwirken. Mit dem Reichsfreiherrn unterhielt er
ſeitdem freundſchaftliche Beziehungen und kehrte mit
ihm nach Deutſchland zurück, wo er fortfuhr, das Volk
durch Gedichte und Flugſchriften in gewaltig zünden=
den
Worten zur Erhebung gegen Napoleon zu begei=
ſtern
. Viele ſeiner Lieder, darunter Was iſt des Deut=
ſchen
Vaterland und Der Gott, der Eiſen wachſen
ließ werden für alle Zeiten im Volksmunde fortleben.
Im Jahre 1817, als die Freiheitskriege beendet waren,
übernahm Arndt eine Profeſſur in Bonn und gründete
dort den eigenen Herd mit der Schweſter Schleier=
machers
; aber die deutſch=nationale Bewegung, an der
er lebhaften Anteil nahm, brachte ihn ſchon 1820 um
ſein Amt, in das ihn erſt Friedrich Wilhelm IV. wieder
einſetzte. Zum Abgeordneten der deutſchen National=
verſammlung
gewählt, gehörte er zu der Deputation,
welche Friedrich Wilhelm IV. die Kaiſerkrone antrug.
Bis an ſein Lebensende war Arndt ein begeiſterter
Verfechter des deutſchen Einheitsgedankens, den er un=
entwegt
in Wort und Schrift zu fördern ſuchte: Wir

können ſeine Verdienſte nicht beſſer würdigen, als es in
dem ihm zum 90. Geburtstage überreichten Kölner
Ehrenbürgerbrief geſchah, worin ſein ruhmreiches Wir=
ken
zur Befreiung Deutſchlands, zur Belebung und
Hebung des deutſchen Nationalgefühls durch ſeine be=
geiſternden
Geſänge hervorgehoben und anerkannt
wurde, daß der gefeierte Mann in den Herzen der deut=
ſchen
Jugend die Liebe für die Wiſſenſchaft mit der Liebe
zum Vaterlande und zur wahren Freiheit zu wecken
verſtand. Ja, Vieles und Großes hat Arndt in tätiger
Teilnahme miterlebt; mehrere Menſchenalter hindurch
war es ihm beſchieden, durch Wort und Beiſpiel den
deutſchen Nationalſinn anzufachen und zu ſtärken. In
einer denkwürdigen Epoche hat er mit Rat und Tat kräf=
tig
eingegriffen und ſtets mutig für Freiheit und Recht
gekämpft. Das ſoll ihm unvergeſſen bleiben, und darum
wird Arndts Name im deutſchen Volke fortleben, deſſen
kommende Generationen ſich immer wieder an den zün=
denden
Liedern dieſes Mannes begeiſtern werden.
Das Schreiben, mit welchem die Univerſität Bonn
Arndts Tod mitteilte, ſchloß mit den Worten: Möge
über ſeinem Grabe der Bau deutſcher Einheit und
Einigkeit, woran er in ſchlimmen und guten Zeiten
gleich zuverſichtlich gearbeitet hat, ſich erheben! Dieſer
Wunſch hat ein Jahrzehnt ſpäter Erfüllung gefunden,
nachdem der Freiheitsdichter das Sehnen des deutſchen
Volkes nach Einigung Jahrzehnte hindurch wachgehalten
hatte. Ehre ſeinem Andenken immerdar!

Stadt und Land.
Darmſtadt, 29. Januar.

* Militärdienſtnachrichten. Freyer, Oberſtlt.
beim Stabe des Inf.=Leibregts. Großherzogin (3. Großh.
Heſſ.) Nr. 117, zum Oberſt befördert unter Ernennung

zum Kommandeur des 3. Lothring. Inf.=Regts. Nr. 135.
v. Wright, Oberſtlt. und Bat,s.=Kommandeur im Füſ.=
Re. t. von Gersdorff (Kurheſſ.) Nr. 80, zum Stabe des
Inf.=Leibregts. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117
verſetzt. Marquard, Major im Generalſtabe des
XVIII. Armeekorps, unter Verſetzung in das 5. Rhein,
Inf.=Regt. Nr. 65, zum Bats.=Kommandeur ernannt.
v. Blücher, Major im Generalſtabe der erſten Armee=
Inſp., in den Generalſtab des XVIII. Armeekorps ver=
ſetzt
. Frhr. Schenk zu Schweinsberg, Hauptmann,
perſönlicher Adjutant des Landgrafen von Heſſen König.
liche Hoheit, ein Patent ſeines Dienſtgrades verliehen.
Sander, Lt. im Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 116, Arndt, Lt. im Inf.=Leibregt. Groß=
herzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, Kuhn, Lt. im Inf.=
Regt. Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, zu Oberlts.
befördert. Chlodwig Landgraf von Heſſen=
Philippsthal=Barchfeld Hoheit, Rittm. à l. s. der
Armee, der Charakter als Major verliehen. Riedeſel
Frhr. zu Eiſenbach (Ludwig), Lt. im Leib=Drag.=Regt.
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 24, zum Oberleutnant befördert.
v. Grunelius, Lt. der Reſ. des Leib=Drag.=Regts.
Großh. Heſſ.) Nr. 24, kommandiert zur Dienſtleiſtung
bei dieſem Regt., als Lt. mit Patent vom 1. April 1907
im genannten Regiment angeſtellt. Freiſe, Oberſtit.,
beauftragt mit der Führung des 3. Württemberg. Feld=
Art.=Reats. Nr. 49, behufs Ernennung zum Kommandeur
dieſes Regiments in dem Kommando nach Württemberg
belaſſen. Frhr. v. Wöllwarth=Lauterburg, Haupt=
mann
und Battr.=Chef im 3. Württemberg. Feldart.=
Regt. Nr. 49, ein Patent ſeines Dienſtgrades verliehen.
Cramolini, Lt. im 1. Naſſau. Feldart.=Regt. Nr. 27,
zum Oberlt., Pohl, Major, Erſter Art.=Offizier vom
Platz in Mainz, zum Oberſtlt., Schäfer, Zeugfeldwebel
beim Art.=Depot in Wittenberg, unter Verſetzung zum
Art.=Depot in Mainz, zum Zeugleutnant beſördert.
Schwierz, Hauptm., Adjutant und Dolmetſcheroffizier,
aus dem Oſtaſiat. Detachement ausgeſchieden und mit
Patent vom 14. September 1900 T5t1 als Komp.=Chef im
Le bgarde=Inf.=Regt. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115 angeſtellt
(Berichtigend wiederholt.) Scanzoni v. Lichtenfels,
Fähnrich im Leibgarde=Inf.=Regt. (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 115, zum Leutnant mit Patent vom 29. Januar 1908,
Müller=Hempfina, Fähnrich im Inf.=Regt. Kaiſer
Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, zum Lt. mit Patene
vom 19. Juni 1908, de Harde, Unteroffiz. im Inj.=
Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, Volkmar,
Müller, Unteroffiziere im Inf.=Regt. Prinz Carll
(4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, André, Unteroſfs= en
5 Großh. Heſſ. Inf.=Regt. Nr. 168, zu Fähnrichen,
Thierolf (Hirſchberg), Vizefeldwebel des Leibgarde=
Inf.=Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, Seippel (Düſſeldorf),
Vizewachtm. des 2. Großh. Heſſ. Feldart.=Regts. Nr. 61,
Bocks (Barmen), Vizewachtmeiſter des Großh. Heſſ.
Train=Bats. Nr. 18, zu Lts. der Reſ., Sauvage,
Lt. der Reſ. des Inf.=Leib=Regts. Großherzogin (3. Großh.
Heſſ.) Nr. 117 zum Oberlt., Frhr. Röder v. Diersburg
(Marburg), Vizefeldwebel des Leibgarde=Inf.=Regiments
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, Hucke (II Caſſel), Warnke
(Marburg), Vizefeldwebel des Inf.=Regts. Kaiſer Wil=
helm
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, zu Lts. der Reſ, Probſt
(Gießen), Lt. der Reſ. des 2. Bad. Drag.=Regts. Nr. 21,
zum Oberlt., Wagner (Gießen), Vizefeldw. des Leib=
garde
=Inf.=Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, Dannert
(Gießen), Scharff (Wiesbaden), Vizefeldw. des Inf.=
Regts. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, Lucas
(Frankfurt a. M.), Vizefeldwebel des Inf.=Leib=Regts.
Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, Scheele
(II Darmſtadt), Vizefeldw. des Inf.=Regts. Prinz Carl
(4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, Schwarz (Friedberg), Ziu=
gehoer
(Frankfurt a. M.), Vizefeldwebel des Inſ.=Regts.
Heſſen Homburg Nr. 166, Hartmann (Frankfurt a. M.),
Vizefeldwebel des 5. Großh. Heſſ. Inf. Regts. Nr. 168,
zu Lts. der Reſ., die Oberärzte der=Reſ. Dr. Achert
(Friedberg), Dr. Joeckel (Mainz) zu Stabsärzten. die
Unterärzte der Reſ. Dr. Dieffenbach (I Darmſtadt),
Dr. Kramer (Gießen) zu Aſſiſt.=Aerzten beſördert.
L. Das Oberlandesgericht beſchäftigte ſich geſtern
mit der Frage, ob in der Ernennung zum Regierungs=
baumeiſter
die Uebertragung eines Titels zu finden ſei.
Einem in Bad=Nauheim wohnenden Architekten hatte
das Miniſterium, wie üblich, nach beſtandenem Staats=
examen
den Charakter als Regierungsbaumeiſter ver=
liehen
. Dieſe Ernennung wurde ſpäter wieder zurück=
gezogen
, weil der Betreffende für den Staatsdienſt un=
geeignet
ſei und ausdrücklich bemerkt, daß er nicht mehr
befugt ſei, den Titel Regierungsbaumeiſter zu führen.
Trotz dieſes Hinweiſes legte ſich der Architekt in Zei=
tungsannoncen
den beanſtandeten Titel bei und wurde
durch amtsgerichtlichen Strafbefehl wegen unerlaubter
Titelführung zu 5 Mark Geldſtrafe verurteilt. Er legte
dagegen Einſpruch ein, wurde vom Schöffengericht frei=
geſprochen
, von der Strafkammer jedoch in die im Straf=
befehl
angedrohte Strafe verurteilt. Dieſe Entſcheid=
ung
focht er mit Reviſion an, indem er beſtritt, daß
das Wort Regierungsbaumeiſter einen Titel im Sinne
des Geſetzes enthalte; dasſelbe bedeute keine Ehrung,
ſondern lediglich die Bezeichnung einer beſtimmten
Beamtenkategorie. Auch habe er nicht vorſätzlich gehau=
delt
. Das Rechtsmittel wurde als unbegründet ver=
worfen
und das Strafurteil beſtätigt. Das oberſte
Gericht erblickte in der Ernennung zum Regierungs=
baumeiſter
durch das Miniſterium auf Grund beſtau=

[ ][  ][ ]

Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Seite 3.

denen Examens die Uebertagung eines Titels und er=
achtete
auch den Vorſatz für erwieſen.
L. Vor der Strafkammer ſtanden geſtern der 35 Jahre
alte Taglöhner Johann Kißner und der 21 Jahre alte
Nikolaus Rauſch von Seligenſtadt, die vom Schöffen=
gericht
wegen Jagdvergehens, erſterer zu ſechs Wochen
und letzterer zu einer Woche Gefängnis verurteilt,
wegen Fiſchereifrevels dagegen freigeſprochen worden
ſind. Der Staatsanwalt brachte die Sache in die zweite
Inſtanz, wöſelbſt nachgewieſen wurde, daß beide öffent=
lich
, ohne jede Scheu, am hellen Sonntag mittag zur
Schonzeit die Jagd ausgeübt und daß ſie damals auch
unerlaubt gefiſcht haben. Kißner ſteht im Ruf der ge=
werbsmäßigen
Wilderei und wurde zu 5 Monaten Ge=
fängnis
, ſowie 1 Woche Haft, der andere zu 14 Tagen
Gefängnis und 4 Tagen Haft verurteilt. Die bei der
Tat gebrauchten Gewehre und Jagdgeräte wurden ein=
gezogen
.
Kaiſers Geburtstag. Die hieſige heſſiſche Gruppe
des Vereins inaktiver Offiziere der deutſchen Armee und
Marine feierte den Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers
wie in den früheren Jahren durch ein Feſteſſen in den
oberen Räumen der Vereinigten Geſellſchaft, an dem auch
eine Anzahl Nichtmitglieder des Vereins, höhere inaktive
Offiziere und Mitglieder der Vereinigten Geſellſchaft teil=
nahmen
. Herr Generalmajor v. Kunowski brachte
in kernigen Worten den Toaſt auf Se. Majeſtät den Kai=
ſer
aus. Das Eſſen, das Herr Kaſinowirt Rehmann lie=
ferte
, war wie immer vortrefflich.
N. Bezirksverein Martinsviertel. Die ordentliche
Generalverſammlung des Bezirksvereins Martins=
viertel
fand im Saale der Reſtauration Peter Barth
ſtatt. Der Vorſitzende, Herr Stadtverordneter Möſer,
erſtattete den Tätigkeitsbericht, der faſt eine Stunde
in Anſpruch nahm und davon Zeugnis gab, welch'
große erſprießliche Arbeit im Intereſſe des Viertels
geleiſtet wurde. Der Verein iſt auf 262 Mitglieder
angewachſen und das Vermögen auf 1521 Mk. geſtiegen.
Behandelt wurde in 9 Vorſtandsſitzungen und 3 Be=
zirksverſammlungen
: die Verlegung des Hauptbahn=
hofes
, der Ausbau der elektriſchen Straßenbahn, Ver=
breiterung
der Pankratiusſtraße, Kaupſtraße, Schloß=
gartenſtraße
, Durchführung der Ruthsſtraße und Becker=
ſtraße
uſw. Neben dieſer ernſten Arbeit fanden ſich
die Mitglieder zu dem alljährlich veranſtalteten Som=
merfeſt
und der Weihnachtsfeier ſehr zahlreich ein. Letz=
tere
Feier warf zu Gunſten der Armen des Viertels
den ſchönen Betrag von 178 Mk. ab. Bei der Vor=
ſtandswahl
wurde Herr Stadtverordneter Joh. H.
Möſer als 1. Vorſitzender einſtimmig wiedergewählt.
Die ausſcheidenden Vorſtandsmitglieder, die Herren
Gg. Weber, Chr. Fey, Phil. Treſſer, H. Fey, B. Drechs=
ler
, Gg. Scheidler wurden ebenfalls wiedergewählt, und
die Herren Adolf Kahn und Ludwig Pohl neugewählt.
Hierauf kamen die im Laufe des verfloſſenen Jahres
eingereichten Eingaben an die Stadtverwaltung durch
Herrn Bruchhäuſer zur Verleſung. Es entſpann
ſich eine ſehr lebhafte Debatte über die vorgeſchlagene
Linienführung der elektriſchen Straßenbahn in das
Herz des Martinsviertels und die geforderte Beleuch=
tung
des Herrngartens für ſogenannte Richtungs=
laternen
. Uebereinſtimmend wurde betont, daß mit
allem Nachdruck daran gearbeitet werden muß, daß dem
Martinsviertel mit ſeinen über 22000 Einwohnern
die elektriſche Straßenbahn zugeführt wird und zwar
mit der Linienführung durch die Hochſchul= und Pan=
kratiusſtraße
, in Verbindung mit dem Schloßgarten=
platz
. Ebenſo kann die Beleuchtung des Herrngartens
bis nach Theaterſchluß nicht mehr länger hinausge=
ſchoben
werden.
Vogelsberger Höhen=Klub. Am 27. Januar fand
im Prinz Karl der erſte Lichtbildervortrag ſtatt. Herr
Götz jun. führte die Anweſenden im Geiſte von Gelu=
hauſen
aus über Büdingen, Gedern, Herchenhain auf
den Hoherodskopf und den Taufſtein, dann durch das
reizende Schwarzbachtal nach Hochwaldhauſen, Ilbes=
hauſen
, Lauterbach, Alsfeld.
Als Wanderziel
wird nun Marburg genommen, von dort
führt der Weg über Homberg, Meiches, Ulrich=
ſtein
wieder in den hohen Vogelsberg, um
über Schotten, Nidda durch die Wetterau nach Bad=
Nauheim-Friedberg zu gelangen. Hier ſchließt die
zehntägige Wanderung, die heute in anderthalb Stun=
den
im Geiſte zurückgelegt wird. 70 herrliche Aufnah=
men
wurden gezeigt; der Vortrag war feſſelnd, Herr
Götz erntete den wohlverdienten Beifall. Zum Schluß
wurde auch Kaiſers Geburtstag gedacht und ein Kaiſer=
hoch
ausgebracht, währenddeſſen ein Bildnis Sr. Maj.
des Kaiſers auf der Leinwand erſchien.
Verein für Vogel= und Geflügelzucht (ält. Verein).
In der letzten Hauptverſammlung hatten ſich weitere
acht Herren als Mitglieder gemeldet, welche vor Schluß

der Verſammlung ohne Widerſpruch aufgenommen
wurden. Hierauf erſtattete der erſte Vorſitzende den
Jahresbericht, welcher ein klares Bild über die Tätig=
keit
des Vereins im abgelaufenen Jahre gab. Der Be=
richt
, der mit allſeitigem Beifall aufgenommen wurde,
gab zu Beanſtandungen keine Veranlaſſung. Anſchlie=
ßend
hieran berichtete der Rechner, Herr Karl Heß,
über die finanziellen Verhältniſſe des Vereins, die
durchaus geordnete ſind, wodurch die Vermögenslage
des Vereins als günſtig bezeichnet werden kann. Die
Rechnung wurde geprüft und richtig befunden, worauf
dem Rechner Entlaſtung erteilt wurde. Der für die
Brieftaubenzüchter wichtige Antrag, vor der im nächſten
Jahre ſtattfindenden Vereinsausſtellung einen Preis=
flug
abzuhalten, deſſen Ergebnis bei der Prämiierung
in Betracht gezogen werden ſoll, wurde von den An=
weſenden
einſtimmig angenommen. Bei der Neuwahl
des Vorſtandes wurden die ſeitherigen Vorſitzenden,
Herr Ph. Brohm als erſter und Herr Friedr. Wei=
gold
als zweiter Vorſitzender auf Antrag aus der
Verſammlung per Akklamation wiedergewählt. Ferner
wurden die ſeitherigen Vorſtandsmitglieder, die Herren
A. Heil, M. Oppel, K. Heß, Joh. Scheuermann, Wilh.
Maurer, Ludwig Möſer III., H. Heß, Ph. Heeb, J. Lang,
G. Lorz, L. Schneider und A. Haas, einſtimmig wieder=
gewählt
. Dieſes Wahlergebnis dürfte als der ſicherſte
Beweis anzuſehen ſein, daß der Verein mit der Tätig=
keit
des Vorſtandes zufrieden war und auch für di:
Folge als zu erſtrebendes Ziel die Hebung und För=
derung
der Geflügelzucht anſehen wird. Mit der übli=
chen
Freiverloſung von einem Hahn, Tauven und Fut=
ter
konnte die Verſammlung mit dem Wunſche, daß das
neue Vereinsjahr ſich der gleichen Anerkennung der
beteiligten Kreiſe wie im abgelaufenen Jahre erfreuen
möge, geſchloſſen werden.
Der Evangeliſche Kirchengeſangverein für die
Stadtkirche veranſtaltet Dienstag, 1. Februar, 8 Uhr,
im Gemeindehauſe (Kiesſtraße 17) einen Familien=
abend
, zu dem alle Freunde des Kirchen= und Volks=
geſangs
freundlichſt eingeladen ſind. Neben anderen
Darbietungen werden von Profeſſor A. Mendelsſohn
herausgegebene weltliche Volkslieder vom Chor geſungen
werden.
Liedertafel. Wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich,
fordert der Vorſtand der Darmſtädter Liedertafel die im
kommenden Jahre ihr 70jähriges Beſtehen feiert, ſtimm=
begabte
, ſangesfrohe Herren zum Eintritt in den Chor
des Vereins auf. Letzterer wird dieſes Jahr u. a. ein
größeres Werk für Deklamation, Soli, Chor und Orcheſter
zur Feier der 40. Wiederkehr des namentlich für uns Heſſen
ſo glorreichen Tages von Gravelotte aufführen. Zu dieſem
Zweck iſt eine Verſtärkung des jetzt 70 Sänger zählenden
Chores erwünſcht. Gewiß finden ſich in unſerer Stadt
noch viele geſangliebende Leute, die ſich gerne einem ſchö=
nen
Männerchor anſchließen. Die Proben finden an zwei
Abenden der Woche in einem im Stadtzentrum gelegenen
ungeſtörten Lokal ohne Reſtauration ſtatt.
* Eine Automobildampfſpritze der Wiesbadener
Feuerwehr wurde geſtern hier vorgeführt.
Orpheum. Heute, Samstag, wird ſich im Rah=
men
eines Familien=Abends Liane de Vriés nach
ihrem hieſigen, ſo erfolgreichen Gaſtſpiele vom Darm=
ſtädter
Publikum verabſchieden. Morgen, Sonntag,
gelangt in zwei Vorſtellungen, nachmittags und abends,
das derzeitige Programm letztmalig zur Darſtellung,
da am Montag wegen anderweitiger Benutzung des
Etabliſſements die Vorſtellung ausfallen muß. (S. Anz.)
Das Kaiſerpanorama führt noch einſchließlich
morgen, Sonntag, in die Schweiz, und zwar nach
Mürren, Wengen, Grindelwald uſw., hauptſächlich aber
nach den weltbekannten Stationen der Jungfraubahn,
wo wir ſtaunenden Auges das Majeſtätiſche der Ge=
birgswelt
, ſowie die Wunderwerke im Eiſenbahnbau,
die bis hinauf in die höchſten Eisregionen führen, zu
ſehen bekommen.
Flugſchrift. Unter dem Titel Zur Frage der
Reorganiſation der Staatsbehörden in Heſſen iſt eine
Schrift von Karl Kern erſchienen, die in der Buchhand=
lung
. Saeng zu beziehen iſt. (S. Anz.)
Von Liane de Vriés. Herr Photograph Gie=
ſinger
hat von Mde. Liane de Vriés eine Anzahl künſt=
leriſch
ſchöner Aufnahmen hergeſtellt, die bereits in dem
Schaukaſten der Firma Faix zur Ausſtellung gelangt ſind
und allgemein die Aufmerkſamkeit der Paſſanten erregen.
Maskenball der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla
Seit Jahrzehnten ſchon rangiert der große Maskenball
am Samstag vor Faſtnacht im Städtiſchen Saalbau un=
ter
der Fülle gleicher Veranſtaltungen unbeſtritten an
erſter Stelle. Dieſer vornehme Maskenball bietet den An=
gehörigen
aller Geſellſchaftskreiſe Gelegenheit zu einem
Rendezvous im Schutze und Rahmen fröhlichen Mummen=

ſchanzes. Was für München und andere Kunſtzentren
die vielgeprieſenen Künſtler=Redouten ſind, iſt für Darm=
ſtadts
Geſellſchaft der große Maskenball am Faſtnachts=
ſamstag
im Saalbau. Ja, für viele Familien bildet dieſer
Maskenball Erſatz für karnevaliſtiſche Privatveranſtaltun=
gen
. Man vereinbart einfach, ſich dort in beſtimmten Ko=
ſtümen
in Gruppen zu treffen und bildet geſchloſſene
Kreiſe. Der Städtiſche Saalbau bietet mit ſeinen zahlrei=
chen
ſchönen und geeigneten Nebenräumen ja wie kein an=
deres
Lokal gerade hierzu Gelegenheit. Es iſt ſelbſtredend,
daß der Saalbau wie immer eine feenhafte Dekoration
erhalten wird und auch, daß der Elferrat der Karneval=
geſellſchaft
Narrhalla wieder für Ueberraſchungen ſchön=
ſter
Art Sorge tragen wird. Wird doch auf die Vorberei=
tung
dieſes Maskenfeſtes ſtets beſondere Sorgfalt ver=
wendet
. Die vorbereitenden Arbeiten ſind ſchon jetzt in
vollem Gange und auch die beiden tüchtigſten hieſigen Mi=
litärorcheſter
ſind bereits verpflichtet. Alles Nähere be=
liebe
man aus den Plakaten und Anzeigen zu erſehen.
Hurra, das Leben! Man ſchreibt uns: Die Vor=
bereitungen
zu der am morgigen Sonntag im Schützen=
hof
ſtattfindenden großen karnevaliſtiſchen Herren= und
Damenſitzung, veranſtaltet von der hieſigen Orts=
gruppe
des Deutſchnationalen Handlungs=
gehilfen
=Verbandes, ſind beendet und laſſen
darauf ſchließen, daß die Sitzung eine brillante wird.
Es werden erſte hieſige Karnevalskräfte die Bütt be=
ſteigen
. Damit mit dem nachfolgenden Tanze etwas
früher wie ſonſt begonnen werden kann, iſt der Sitz=
ungs
=Anfang auf punkt 5.11 Uhr feſtgelegt.
Ludwigshöhe. Ein Blick auf das aus den bei
züglichen Anzeigen auszugsweiſe erſichtliche Programm
zu dem nächſten Sonntagskonzerte der Kavelle des
Leibgarde=Regiments, verſpricht dem muſikliebenden
Publikum ſicher wieder einige anregende genußreiche
Stunden. Es ſei deshalb an dieſer Stelle auf das
Konzert beſonders aufmerkſam gemacht.
Städt. Saalbau. Man ſchreibt uns: Kommen=
den
Sonntag findet im Saalbau das vorletzte karne=
valiſtiſche
Konzert des diesjährigen Faſchings ſtatt.
Karl Maria v. Weber und ſeine karnevalfrohe
Kapelle werden den Reigen der Veranſtaltungen mit zwei
humoriſtiſchen Abenden, nächſten Sonntag
und Faſtnachtdienstag, ſchließen. Die von allen
Beſuchern geſchätzte Fähigkeit des Konzertleiters, ſeinen
bodenſtändigen rheiniſchen Humor überall und
ſofort zur Geltung zu bringen, bürgt dafür, daß bei
beiden Veranſtaltungen die rechte Stimmung ſich baldigſt
einſtellen wird. Ein Abend bei Weber ſagt und ver=
ſpricht
mehr als viele Worte. Daß für die neueſten
Lieder und mancherlei Ueberraſchungen Sorge getragen
wird, iſt ebenſo ſelbſtverſtändlich wie der beliebte Tanz
im Gartenſaal. (Siehe Anzeige.)
Kaiſerſaal Fürſtenſaal. Ein moderner
karnevaliſtiſcher Abend’ iſt für nächſten Sonntag,
den 30. Januar, vorbereitet. Die Kapelle des Leibgarde=
Regiments unter Leitung des Obermuſikmeiſters Hauske
gewährleiſtet einige genußreiche und faſchingsfröhliche
Stunden. Insbeſondere ſei auf eine Anzahl humoriſtiſcher
Soloſtücke auf verſchiedenen Inſtrumenten, ſowie Voll=
ſtedts
originelle Humoreske Im Automatenſalon hin=
gewieſen
. Verſchiedene neue Chorlieder und neueſte
Operettenmuſik vervollſtändigen das Programm. Ein
Tänzchen im Fürſtenſaal wird den Abend beſchließen.
(Vergl. die Anzeige.)
Turngeſellſchaft. Wie aus dem Anzeigeteil er=
ſichtlich
iſt, hält die Turngeſellſchaft Darmſtadt ihren dies=
jährigen
Maskenball am 5. Febr. 8 Uhr 11 Min. ab.
Der Bayern=Verein begeht am Samstag, den
5. Februar, im Saale des Perkeo, Alexanderſtraße,
ſeinen Maskenball. (Näh. Anzeige.)
Münchener Jubelfeſt. Wie in den letzten
Jahren, ſo veranſtaltet auch diesmal in gewohnter Weiſe
der Beſitzer des Kölniſchen Hofes in der Bleich=
ſtraße
in ſeinen karnevaliſtiſch ausgeſtatteten Räumen
vom 1. Februar ab wieder ein großes Müncher Jubel=
feſt‟

Herrn Huth gelang es diesmal wieder, das ſchon von
früher durch ſeine guten Leiſtungen bekannte Strand=
damen
=Orcheſter (Dir. Jädicke) zu gewinnen. Zum
Ausſchank kommt das beliebte bayriſche Hofbräu
Dominator
Nummer 4 der Darmſtädter Faſtnachts=
Zeitung iſt ſoeben erſchienen. Die Fülle vorzüglicher
humoriſtiſcher Beiträge, wie Datterich, Der fliegende
Heiner, Die moderne Welt, Des verpuſchte Hand=
werk
Karnevaliſtiſche Vorträge uſw. werden die Lektüre
zu einem Genuß machen.
* Ein Spitzbube. Der 22 Jahre alte Kaufmann
Korte von hier, der für die Darmſtädter Möbelfabrik
2500 Mark zur Bank bringen ſollte, iſt bis jetzt nicht
zurückgekehrt.

Großherzogliches Hoftheater.

Donnerstag, den 27. Januar.
Zum erſten Male:
Der deutſche König.
Schauſpiel in fünf Akten von Ernſt v. Wildenbruch.
W-l. In dem Rahmen einer Feſtvorſtellung ging
an Kaiſers Geburtstag Wildenbruchs hinterlaſſenes
fünfaktiges Schauſpiel Der deutſche König in
Szene. Es behandelt die Zeit des Ueberganges der
deutſchen Königskrone von Konrad I. auf Heinrich I.,
der von 919 bis 936 regierte. Wildenbruch hat über das
Drama ſelbſt folgendes geſchrieben: Die deutſche Ge=
ſchichte
; ſo überreich an Unterlaſſungen, ſo überarm an
großem Vollbringen, enthält einen Vorgang von reiner
Herrlichkeit; das iſt die Uebertragung der Königskrone
von Kaiſer Konrad I., dem Rheinfranken, auf Heinrich
den Ludolfinger, den Sachſen. Dieſen großen Stoff
habe ich dem Stücke zugrunde gelegt. Weil er unter
dem harmloſen Namen des Finklers in der Erinner=
ung
fortlebt, wiſſen und ahnen kaum einige, daß ein
ſolcher Mann nicht der hätte werden können, der er war
und ward, wenn er nicht elementare Gewalten in ſei=
nem
Selbſt niederzuringen gehabt hätte. In Merſe=
burg
war die geheimnisvolle Frau geboren, die ſo tief
in ſeiner Seele gewirkt hat. Die Geſchichte weiß und
ſagt von ihr wenig. Dem Schaffen der Phantaſie bleibt
es überlaſſen, ihr und ihrem Verhältnis zu dem großen
Ludolfinger nachzugehen.
. .
Die geheimnisvolle Frau, die ſo tief in ſeiner
Seele nachgewirkt hat iſt Hateburg. Die Geſchichte
überliefert, daß Heinrich mit ihr kurze Zeit vermählt
geweſen iſt und einen Sohn Thankmar von ihr hatte,
der ſpäter von der Erbfolge zugunſten der Söhne der
Mathildis ausgeſchloſſen wurde. Bei ſeiner Wahl zum
König in Fritzlar war er übrigens ſchon 43 Jahre, alſo
nicht der Jüngling, als den ihn Wildenbruch darſtellt.
Auch war er damals ſchon mit Mathildis vermählt und
Vater mehrerer Kinder. In dem Drama iſt Hateburg
die Frau des brutalen, von Eiferſucht verfolgten Grenz=
grafen
Osdach auf Burg Keuſchberg. Unter ſehr zu=

fälligen Umſtänden erblickt Heinrich ſie, als ihr Gatte
dem im Hauſe Ludolfs von Sachſen weilenden König
Konrad erklärt, die Burg Keuſchberg und Merſeburg
gegen die heidniſchen Feinde nicht mehr halten zu kön=
nen
. Sein mutiges und unerſchrockenes Weib wider=
ſpricht
ihm und fasziniert den anweſenden jungen Her=
zog
Heinrich durch ihre bedeutende Perſönlichkeit. Er
macht ſich mit ſeinen Getreuen auf und entſetzt die Burg
Keuſchberg, erliegt aber ſofort den elementaren Ge=
walten
in ſeinem Selbſt der wilden Leidenſchaft zu
Hateburg, mit der er den Schwur der Treue wechſelt,
trotzdem ſie ſich durch einen Eid dem Kloſter geweiht
hatte und er der milden und ſchönen Mathildis verlobt
war. Cr zerfällt mit ſeinen Getreuen und ſeiner Fa=
milie
. Hateburg aber erkennt bald, daß er unter dem
Einfluß ſeiner Leidenſchaft zugrunde gehen müſſe und
hilft ihm, ſie niederzuringen indem ſie ihm frei=
willig
entſagt und in ein Kloſter zu gehen beſchließt.
Nachdem er wieder zu ſich gekommen und die frühere
Größe wieder in ihm erwacht iſt und er ſich vor ſich ſelbſt
und dem verſammelten Volke gedemütigt hat, über=
nimmt
er die ihm von dem ſterbenden König Konrad
angebotene Königskrone und vereinigt ſich nach Ver=
treibung
der das Land brandſchatzenden Feinde wieder
mit Mathildis.
Daß das Drama zu Wildenbruchs beſten Werken
gehöre, kann man gerade nicht behaupten, aber es trägt
ganz den Charakter aller ſeiner geſchichtlichen Dramen
und teilt mit dieſen die ſtarke Bühnenwirkung. Es
fehlt ihm indeſſen die geſchloſſene Handlung und es ſetzt
ſich mehr aus einzelnen bis zu höchſter theatraliſcher
Wirkung geſteigerten Szenen zuſammen. Was wir an
dem Charakter des Helden des Stückes vermiſſen, iſt die
pſychologiſche Vertiefung; die Uebergänge ſind zu plötz=
lich
. Die effektvollſten, wenn auch gerade nicht wahr=
ſcheinlichſten
Szenen, ſind die Begegnungen der beiden
Könige mit den Hunnenhäuptlingen, die ſich als Schuld
und Sühne darſtellen. Von irgend einer neuen Seite
zeigt ſich uns der Dichter in dieſem ſeinem letzten Werke
nicht.
Die Aufführung, die von Herrn Oberregiſſeur
Valdek geleitet wurde, ließ auf eine ſorgfältige und

liebevolle Einſtudierung ſchließen. Den jugendlichen
Herzog Heinrich verkörperte Herr Baumeiſter ſehr
ſympathiſch und ſpielte ihn mit hinreißendem Tempera=
ment
und dramatiſcher Leidenſchaft, ohne das theatra=
liſche
Pathos, an dem das Stück vielfach Ueberfluß hat,
ſtörend hervortreten zu laſſen; vielmehr kann man
ſagen, daß er durch ſeine Kunſt darüber hinweghalf. Die
Rolle der mißhandelten, ſtets in den höchſten Tönen der
Leidenſchaft ſich bewegenden Hateburg ſpielte Fräulein
Oſter in dem Stile der Rabenſteinerin mit beſtem
rfolge; von milder Schönheit und lieblicher Jung=
fräulichkeit
war die Mathildis des Fräulein Holt=
haus
; eine charakteriſtiſche Ausgeſtaltung verlieh
Frau Scherbarth der dankbaren Rolle der alten
Oda; eine vornehme Erſcheinung ſtellte die Haduwich
des Fräulein Heumann dar, wenn ſie auch als Her=
zogin
=Mutter etwas zu jugendlich war. Den König
Konrad ſpielte Herr Hein z der ſich mit der Rolle
des erſt am Schluſſe zu tatkräftigem Handeln ſich er=
hebenden
, müden und tatenloſen Königs gut abfand.
Von den übrigen 24 Rollen ſeien noch erwähnt: der
jugendliche und ſchwärmeriſche Eberhard des Herrn
Veſtermann der friſche Reginber des Herrn
Schneider, der finſtere und feige Osdach des Herrn=
Lehrmann, der tatenfrohe Hauptmann Foldak des
Herrn Bohne und die beiden Furcht und Schrecken
erregenden hunniſchen Häuptlinge der Herren Riech=
mann
und Jürgas.
Herr Oberregiſſeur Valde k hatte mit viel Kunſt und
Verſtändnis aus den vorhandenen Mitteln einen ge=
ſchmack
= und effektvollen Rahmen für das Stück geſchaf=
fen
, namentlich waren die beiden letzten Bilder des 5.
Aktes von überraſchender Wirkung. Dagegen ließ die
Linde hinter dem Hauſe des Herzogs Ludolf, die die
mehr als hundertjährige Oda noch gepflanzt hat, und
die, wenn wir nicht irren, die Eſche aus Hundings Haus
war, auf kein botaniſches Spezialſtudium ſchließen. Der
Umfang dieſes Rieſenbaumes deutete auf ein Alter von
mindeſtens 300 bis 400 Jahren. Das auf den Stamm
aufgeklebte friſche Grün wirkte ernüchternd.
Das Publikum nahm das Stück ſehr beifällig auf.

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Seite 42

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Nummer 24.

gs. Unfälle. In der Viktoriaſtraße fiel geſtern ein
Milchmann die Treppe hinunter und verletzte ſich
am Kopfe, desgleichen ein aus Pfungſtadt geburtiger
Mann in der Bismarckſtraße. Beide wurden durch die
Rettungswache nach dem Städtiſchen Krankenhaus ver=
bracht
. In einer Maſchinenfabrik wurde einem Tag=
löhner
die rechte Hand derartig gequetſcht, daß er
mittels Krankenautomobils nach dem Städtiſchen Kran=
kenhaus
geſchafft werden mußte. Ein zugereiſter gei=
ſteskranker
Mann aus Biſchofsheim mußte auch in
das Städtiſche Spital verbracht werden. In der Eiſen=
bahnwerkſtätte
am Dornheimerweg fiel ein Schloſſer eine
hohe Leiter herunter und zog ſich eine Gehirner=
ſchütterung
zu. Er wurde ebenfalls durch die Ret=
tungswache
in das Städtiſche Krankenhaus geſchafft.
Ein 72jähriger Mann fiel in der Aliceſtraße infolge von
Krämpfen nieder und verletzte ſich am Kopf. Auch er
wurde durch die Rettungswache in das Städtiſche Kran=
kenhaus
verbracht.
Groß=Gerau, 27. Jan. Zur Anzeige kamen vier
13jährige Knaben (!), die am Neujahrstage dem
Waſenmeiſter Ehrhardt neun Tauben aus dem Schlage
der Abdeckerei geſtohlen hatten. Drei der Jungen führten
den Diebſtahl aus, während der vierte Schmiere ſtand.
Da zwei Knaben die geſtohlenen Tiere mit nach Hauſe
brachten, woſelbſt ſie zubereitet wurden und den Familien
zum Mahle dienten, werden ſich nun auch die beiden =
ter
wegen Hehlerei verantworten müſſen.
Groß=Zimmern, 27. Jan. Zur Feier des Geburts=
tages
des Kaiſers fanden ſich im Saale des Löwenbräu
(A. Wagner) zirka 50 Herren unſerer Gemeinde zuſam=
men
. Bei einem vorzüglichen Mahle und guten muſika=
liſchen
Darbietungen, abwechſelnd mit gemeinſchaftlichen
Geſängen verliefen die Stunden in der angenehmſten
Weiſe. Die Feſtrede, gehalten von Herrn Dekan Knodt,
war markig und begeiſternd. In vorgerückter Stunde
ſchied man voneinander in der fröhlichſten Stimmung und
mit dem gegenſeitigen Verſprechen des Wiederſehens im
nächſten Jahre.
Mainz, 27. Jan. Ein Kommis von Latſcha in
der Klaraſtraße hat ſeit einiger Zeit die geſamten Ein=
nahmen
in Höhe von 3000 Mark unterſchlagen.
Als geſtern eine Reviſion vorgenommen wurde, ſtellten
ſich die Unterſchlagungen heraus. Das Geld ſoll er in
Damenkneipen ausgegeben haben. Aus einer Kühl=
zelle
des Schlacht= und Viehhofes wurde ſchon wieder
die Hälfte eines geſchlachteten Schweines geſtohlen.
Mainz, 27. Jan. Für die aus dem heſſiſchen
Staatsdienſte aus Sparſamkeitsrückſichten entlaſſenen
Bauaſpiranten hat ſich hier eine Kommiſſion gebil=
det
, die die Vermittelung von Stellungen für die ſo em=
pfindlich
getroffenen Beamten bei Behörden, Kommunen
oder Privaten übernimmt. Die diesbezüglichen Offerten
nimmt der Beauftragte der Vermittelungskommiſſion,
Herr V. Hufbauer, Große Bleiche 35 dahier, entgegen. Die
zur Zeit ſtellenloſen Beamten gehören dem Hoch= und Tief=
bau
= ſowie dem Waſſerbaufach an. Mehrere Herren be=
ſitzen
auch die Qualifikation als Geometer.
(*) Grebenhain, 27. Jan. Große Verkehrs=
ſtörungen
hat das heftige Schneewetter der drei letzten
Tage auf der Vogelsbergbahn Lauterbach-Grebenhain-
Gedern hervorgerufen. Es ſind ungeheuere Schneemaſſen
niedergegangen, und der heftige Sturm hat auf dem Bahn=
körper
mächtige Schneewehen zuſammengejagt. Die Ein=
ſchnitte
der Bahnlinie waren vollſtändig dem Erdboden
gleich gemacht‟ Die Maſchinen und Züge ſtaken bis an
die Fenſter im Schnee. Bei Ilbeshauſen blieb der von
Gedern kommende Abendzug im Schnee ſtecken, mußte
ſchließlich umkehren und in Ilbeshauſen warten, bis der
Schneepflug von Stockheim eingetroffen war und freie
Bahn gemacht hatte. Der Zug traf infolgedeſſen mit zwei=
einhalbſtündiger
Verſpätung in Lauterbach ein. Auch die
Züge von Lauterbach bis Gedern erlitten einſtündige
Verſpätung. In den Einſchnitten bei Nösberts, Herbſtein,
Hartmannshain, Crainfeld und Rixfeld lag der Schnee
meterhoch. Auf allen Stationen und auf der ganzen
Bahnlinie ſind Hunderte von Bahnbedienſteten und ein=
geſtellten
Arbeitern mit dem Schaufeln des Schnees be=
ſchäftigt
.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

* Der Halleyſche Komet wird nach Annahme
der Gelehrten möglicherweiſe in den letzien Tagen des
Februar ſchon für das bloße Auge ſichtbar ſein. Am 28.
Januar befindet er ſich in Konjunktion mit dem Saturn.
Seine Konjunktion mit dem Mars iſt bereits am 15.
Januar vergangen. An dieſem Tage erreichte der Ab=
ſtand
zwiſchen dem Kometen und dieſem Planeten mit
rund 60 Millionen Kilometer die geringſte Größe. Am
11. März wird der Komet die Erdbahn zum erſten
Male ſchneiden, nachdem er ſich der Erde ſchon vorher
zu nähern begonnen hat. Die größte Sonnennähe fällt
auf den 20. April, die größte Erdnähe bekanntlich
auf den 18. Mai, nachdem die Kreuzung der Venus=
bahn
am 3. Mai ſtattgefunden hat. Um den 1. Juli
wird das Geſtirn die Bahn des Mars durchqueren, der
ihm dann gleichfalls ziemlich nahe ſtehen wird. Die
Bahn des Jupiter erreicht der Komet erſt im April
1911. Da ſich dieſer größte Planet des Sonnenſyſtems
dann aber in einem ganz anderen Teil ſeiner Bahn be=
wegt
, wird eine größere Annäherung nicht ſtattfinden.
Die neueſten Schuhmoden. Mit den
graziöſen fußfreien Röcken, die in Paris jetzt ihre
Triumphe feiern und die kleinen Füße und ſchlanken
Feſſeln der eleganten Franzöſinnen den Blicken der
Mitwelt preisgeben, hat die Bekleidung des Fußes ge=
ſteigerte
Bedeutung erhalten, und die Modeſchöpfer
haben nicht lange gezögert, der Chauſſure ihre erfinde=
riſche
Phantaſie zuzuwenden. Eine Reihe neuer Schuh=
und Stiefelformen ſind entſtanden. Man ſieht neue
Schuhe, bei denen die Spitzenkappe nicht mehr in einem
geraden Hohlſaum abſchneidet; die Kappe wird verlän=
gert
und ohne Unterbrechung in einer langen, gegen
das Ende zu ſich verjüngenden Spitze über den Spann
bis zur Feſſel emporgezogen. Die übrigen Teile des
Stiefels werden dann gewöhnlich in mattgrauem oder
mattbraunem Hirſchleder gearbeitet. Daneben ſieht
man wiederum andere Schuhe, die ganz aus Stoff ge=
arbeitet
ſind und an denen nur die Spitze und die Ab=
ſätze
mit glänzendem Chevreau bekleidet ſind. Sehr
auffällig iſt eine andere Kreation der Schuhmode:
während das Vorderblatt des Stiefels in ſchwarzem
Leder gearbeitet iſt, ſind zum Schaft und zum hin=
teren
Teil des Stiefels buntleuchtende Lederfarben ge=
wählt
, rotes Lackleder, gelbes Lackleder, bisweilen auch
eine Art Vergoldung. Gegenüber dieſen immerhin
etwas exzentriſchen Modeſchöpfungen gewinnt der gra=
Fiöſe Halbſchuh mit ſehr hohen Abſätzen immer mehr
Anhänger. Ueber den Spann ſchmiegen ſich drei
ſchmale, graziös gearbeitete Lederſpangen, die meiſt mit

ſchillernden Knöpfen aus Straß geſchmückt ſind. Frei=
lich
iſt dieſe graziöſe Chauſſure nicht immer dem rau=
hen
Winter gewachſen. Die letzte Neuheit aber ſind die
Federſchuhe; der ganze Fuß iſt mit Pfauenfedern
oder Kolibrifedern überzogen, deren Farbtöne genau
abgeſtimmt ſind und gegen die Feſſel zu immer dunkler
werden. Dieſe Feenſchuhe ſind freilich nur wenigen
zugänglich, denn ihre Herſtellung iſt Leine Gedulds=
probe
und ein Kunſtſtück zugleich. Mehrere Tauſend
Francs muß die elegante Modedame anlegen, wenn
ſie ihre kleinen Füße mit dieſem ſchillernden Feder=
kleid
ſchmücken will.
* Hamburg, 27. Jan. Der Aufſichtsrat des
Deutſchen Schauſpielhauſes wählte heute den
Intendanten des Mannheimer Hoftheaters, Dr. Karl
Hagemann, als Nachfolger Baron Bergers zum
Direktor des Deutſchen Schauſpielhauſes.

Kleines Feuilleton.

* Den Rekord im mehrſtimmigen Wäh=
len
hat wohl Mr. W. J. Haywood von Herne Hill
geſchlagen, der in ſechs Counties Grund beſitzt, und zwar
in Surrey, Middleſex, Hampfhire, Suſſex, Kent und
Eſſex. In England iſt nämlich das Stimmrecht zum
Teil noch an Landbeſitz gebunden, ſo daß ein Mann, der
in verſchiedenen Wahlkreiſen Güter ſein eigen nennt,
auch verſchiedene Male das Wahlrecht hat. Haywood
iſt bereits über 70 Jahre alt, beſchloß aber, ſein Mög=
lichſtes
zu tun, um alle ſechs Stimmen abzugeben. Zu
dieſem Zweck mußte er an einem Tage etwa 350 eng=
liſche
Meilen zurücklegen, das ſind ungefähr 560 Kilo=
meter
. Er ſicherte ſich die Unterſtützung eines bekann=
ten
engliſchen Automobilfahrers, des Mr. Charles Jar=
rott
. Um ein Viertel vor 8 Uhr begann die Reiſe, die
um ſo bemerkenswerter war, als Mr. Haywood zum
erſten Male in einem Automobil fuhr. Er erreichte
das Wahllokal in Norwood kurz, ehe es um 8 Uhr er=
öffnet
wurde, und kaum gewählt, ging’s weiter nach
Aſhford, wo das Auto kurz vor 9 Uhr eintraf, dann 50
Kilometer weiter nach Hampfhire und weiter nach Suſ=
ſer
und Newhaven. Hier trafen die Reiſenden um 12½
Uhr ein und mußten 20 Minuten auf friſches Petro=
leum
warten. Die letzten beiden Wahlorte nahmen die
meiſte Zeit in Anſpruch. Von Newhaven nach Herne
Bay ſind es etwa 125 Kilometer, die in etwa 3 Stunden
zurückgelegt wurden. Von da ging’s, ſo ſchnell das
Auto laufen wollte, nach Gravesend an der Themſe,
um die Fähre noch zu erreichen. Es war inzwiſchen
dunkel geworden und die Fähre geſchloſſen. Geld und
aute Worte erzielten jedoch eine Extra=Ueberfahrt. So

kam das Auto gerade zehn Minuten vor Schluß des
Wahllokales in Leigh an und wurde mit allgemeinem
Hurra empfangen. Damit war die Aufgabe vollendet,
und über London ging’s nach Hauſe zurück.
* Ein Damenempfang bei Moham=
med
V. Am türkiſchen Hofe hält jetzt die moderne
Zeit mit ſchnellen Schritten ihren Einzug. Das letzte
Bairamfeſt hat Veranlaſſung zu einer Neuerung gege=
ben
, die wohl bemerkt zu werden verdient; zum erſten
Male ſind die Damen der Hofgeſellſchaft bei dem Kali=
fen
der Gläubigen zum Handkuſſe und Glückwunſch zu=
gelaſſen
worden. Die Auserwählten, denen dieſe Ehre
zuteil wurde, waren die Frauen der Miniſter, der
Großwürdenträger und hohen Staatsbeamten. Sié
begaben ſich an dem feſtgeſetzten Tage in großer Toi=
lette
in den Palaſt von Dolma=Bagtſche, wo der Sul=
tan
ſie empfangen wollte. Was die Toilettenfrage au=
geht
, ſo muß man ſich dieſe Damen nicht in der über=
lieferten
alttürkiſchen Frauentracht vorſtellen, ſondern
die Kleidung, die ſie bei dieſer Gelegenheit trugen,
unterſchied ſich nur noch wenig von der üblichen euro=
päiſchen
Frauentracht. Es gibt unter dieſen Damen
der türkiſchen Hofgeſellſchaft mehr als eine, die ihre
Kleider bei den großen Pariſer Schneidern herſtellen
läßt. Die Damen trugen bei dem Empfange ihre ſchön=
ſten
Edelſteine, woran in den großen türkiſchen Fa=
milien
kein Mangel iſt; das Geſicht war unbedeckt, denn
das Geſetz der Muſelmänner beſtimmt, daß die Frauen
vor ihrem Sultan unverſchleiert erſcheinen. Moham=
med
V empfing die Damen ungemein liebenswürdig.
Im ganzen dauerte der Empfang etwa eine Stunde,
und die Damen waren von der Freiheit und Freund=
lichkeit
der Unterhaltung des Sultans ſehr erbaut.
Später wurden ihnen in einem anſtoßenden Gemache
Erfriſchungen dargeboten. Dies war in großen Zügen
der Verlauf einer Zeremonie, die, an ſich ohne weitere
geſchichtliche Bedeutung, doch inſofern intereſſant iſt,
als ſie die Anfänge der Entwickelung eines neuen
Geſellſchaftslebens am Sultanshofe ahnen läßt.
Ernſt Moritz Arndts Grabichrift. An
Ernſt Moritz Arndts 50. Todestage, am 29. Januar,
wird der Wortlaut der Grabſchrift intereſſieren, die er
ſich ſelber gedichtet hat und die auf ſeinem Grab auf
dem Friedhofe in Bonn angebracht iſt. Sie lautet:
Gute Nacht! Ihr meine Freunde, / Alle meine Lieben,
Alle, die ihr um mich weint, 7 Laßt euch nicht betrü=
ben
; ½ Dieſen Abſtieg, den ich tu’ ½ In die Erde nie=
der
! Seht, die Sonne geht zur Ruhl, Kommt doch
morgen wieder.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 27. Jan. Der Kaiſer
und die Kaiſerin machten heute nachmittag eine ge=
meinſame
Ausfahrt. Abends 8 Uhr war im reichge=
ſchmückten
königlichen Opernhauſe auf allerhöchſten
Befehl Galaoper, zu der der Reichskanzler, die
Botſchafter, die Generäle und Admiräle, die Miniſter,
die Vertreter des hohen Adels mit ihren Damen, Offi=
ziere
, Parlamentarier, hohe Beamte und Staatsver=
treter
erſchienen waren. Auch die franzöſiſchen Gäſte
von der Rokokoausſtellung befanden ſich unter den Ge=
ladenen
. In der großen Hofloge hatten der Kaiſer und
die Kaiſerin Platz genommen. Rechts vom Kaiſer ſaßen
die Großherzoginnen von Baden und von Heſſen,
Prinzeſſin Heinrich, Prinz Eitel Friedrich, links neben
der Kaiſerin der König von Sachſen, die Kronprinzeſſin,
die Kronprinzeſſin von Griechenland, Prinz Auguſt
Wilhelm und andere Fürſten. Hinter den Majeſtäten
ſah man den Kronprinzen zwiſchen der Prinzeſſin von
Rumänien und der Prinzeſſin Friedrich Leopold, die
Großherzöge von Baden, Heſſen, Mecklenburg= Schwe=
rin
, von Oldenburg und alle anderen fürſtlichen Gäſte
Gegeben wurde der zweite Akt von Wagners Rienzi=
unter
Leitung des Generalmuſidirektors Dr. Muck.
Nach der Oper hielten die Majeſtäten Cercle. Mit dem
Einbruch der Dunkelheit begann die Illumina=
tion
, die beſonders bei den großen Warenhäuſern,
Banken, Hotels, Cafés eindrucksvoll war. In den
Straßen wogte eine ungeheure Menſchenmenge. Das
Wetter iſt tröcken und milde. Der Luftkreuzer
M. III‟ ſtieg heute vormittag 11½ Uhr zu einer
Probefahrt auf bei einer Windſtärke von 2 bis 3 Se=
kundenmetern
aus ſüdöſtlicher Richtung. Die Fahrt
ging in einer Höhe von 150 Meter direkt auf Berlin
zu. Der Stadtbahnhof Tiergarten war heute abend
längere Zeit ohne Gasbeleuchtung. Zur Auf=
rechterhaltung
des Verkehrs mußten die für ſolche Fälle
in Bereitſchaft gehaltenen Pechfackeln angezündet wer=
den
. Die Urſache der Lichtſtörung wurde in einem
ſchadhaften Gasrohr gefunden, deſſen ungünſtige An=
lage
ein öfteres Einfrieren geſtattet.
Marburg, 28. Jan. Mitten in der Stadt wurde
geſtern abend der bejahrte Inſtitutsdiener Groeger von
einem Jagdſchlitten überrannt und ſofort ge=
tötet
.
Koburg, 28. Jan. Die Koſten für den geplanten
Umbau der Feſte belaufen ſich auf zwei Millionen
Mark; ſie ſollen durch eine Lotterie aufgebracht werden.
Bielefeld, 28. Jar. Heute früh brach in der Auto=
mobilreparaturwerkſtätte
des Automobil=
warenlagers
der Firma Dürkopp u. Co. eine
Feuersbrunſt aus, die eine große Ausdehnung an=
nahm
. Die durch Türen verbundenen Abteilungen
ſtanden ſofort in Flammen. Das Feuer mußte mit 10
Schlauchleitungen bekämpft werden, ehe es gelang, der
Flammen Herr zu werden. Nach Mitteilungen der Di=
rektion
der Firma Dürkopp iſt der größte Teil der
Reparaturwerkſtätte den Flammen zum Opfer gefallen.
Der Betrieb erleide aber keine Störung.
Oldenburg, 27. Jan. Zu der Meldung von der Ver=
ſorgung
des Herzogtums mit Elektrizität
ſeitens der Allgemeinen Elektrizitätsgeſellſchaft wird mit=
geteilt
, daß es ſich nur um einen Vorvertrag handelt,
und daß auch die Höhe der Koſten noch nicht feſtſteht.
Kuxhaven, 28. Jan. Der Stettiner Kohlendampfer
Kurt Retzlaff ſtieß heute nacht in der Nähe des 5.
Feuerſchiffes mit dem ausgehenden engliſchen Kohlen=
dampfer
Marion Lee zuſammen. Marion Lee‟
iſt geſunken und liegt im Fahrwaſſer. Die Mannſchaft
iſt gerettet und hier gelandet.
Wien, 28. Jan. Geſtern iſt der Bruder der Frau
des verhafteten Oberleutnants Hofrichter, der Kauf=
mann
Gerasdorfer an einem Herzſchlag geſtor=
ben
; von der Unſchuld Hofrichters überzeugt, führte er
die ganze Aktion zum Nachweis der Schuldloſigkeit ſei=
nes
Schwagers.
Wien, 28. Jan. Auf dem Transport von Serres
nach Saloniki entſprangen aus dem Poſtzuge 15
Häftlinge, unter ihnen der berüchtigte Bandenführer
Simon, der zu 15 Jahren Kerker verurteilt worden
war. Vier Gendarmen hatten den Transport begleitet,

ſich aber in einem anderen Abteil aufgehalten und ſo
von der Flucht nichts bemerkt.
Cannes, 28. Jan. Das Torpedoboot 192 ſtran=
dete
geſtern bei der Inſel Saint Marquerite; das
Schiff iſt wahrſcheinlich verloren. Die Beſatzung iſt
gerettet.
London, 28. Jan., 5 Uhr morgens. Der Torpe=
dobootszerſtörer
Eden wurde heute früh bei
Dover während eines heftigen Sturmes auf Straud
getrieben und durch den Seegang zertrümmert. Schlep=
per
ſind behilflich, die Beſatzung zu retten.

Der ſtädtiſche Voranſchlag für 1910.

Im Anſchluß an das bereits mitgeteilte Vorwork
ſeien über den zur Zeit offenliegenden Voranſchlagsent=
wurf
der Bürgermeiſterei noch die nachſtehenden, beſonders
bemerkenswerten Einzelheiten gebracht.
Der Voranſchlag der Stadthauptkaſſe ſchließt
in Einnahme und Ausgabe mit 6682310 Mark für die
Verwaltung und 957300 Mark für das Vermögen ab, zu=
ſammen
mit 7639610 Mark. Die Etats der verſchiedenen
Nebenverwaltungen und Betriebe mit beſonderer Verrech=
nung
ergeben in Einnahme und Ausgabe: Elektrizitäts=
werk
817300 Mark, Gaswerk 2098 855 Mark, Waſſerwer=
655 390 Mark, Polizeikaſſe 396050 Mark, Krankenhaus
401 410 Mark, Armenkaſſe 370 200 Mark, Pfandhaus
167 100 Mark, Grunderwerbskaſſe 177542 Mark, Saalbau=
kaſſe
58 400 Mark, Straßenbahnkaſſe 630 333 Mark, Schlacht=
hofkaſſe
610 210 Mark, Fleiſchbeſchau 19275 Mark, Hallen=
ſchwimmbad
153050 Mark, Knabenarbeitsanſtalt 22900
Mark, Sparkaſſenverwaltung 58040 Mark, zuſammen
14 275 665 Mark.
Man ſieht daraus, um welch' bedeutende Summen
es ſich bei der ſtädtiſchen Finanzverwaltung handelt. An
Zuſchüſſen aus der Hauptkaſſe bedürfen: die Polizei=
kaſſe
362 250 Mark, die Krankenhauskaſſe 103000 Mark, die
Armenkaſſe 230 225 Mark, die Pfandhauskaſſe 3100 Mark,
die Saalbaukaſſe 13500 Mark die Straßenbahnkaſſe 48000
Mark, das Hallenſchwimmbad 61000 Mark, die Knaben=
arbeitsanſtalt
5750 Mark. Dagegen ſollen folgende Be=
triebe
die dabei bemerkten Ueberſchüſſe an die Stadt=
hauptkaſſe
abliefern: Elektrizitätswerkskaſſe 90000 Mark,
Gaswerkskaſſe 409000 Mark, Waſſerwerkskaſſe 211000
Mark, Schlachthofkaſſe 212000 Mark.
Wie allgemein bekannt, iſt auch der diesmalige Vor=
anſchlagsentwurf
für unſere Stadt im Zeichen der
Finanznot abgeſchloſſen. Zu den allgemein ſteigenden
Ausgaben kam in dieſem Jahre noch für alle Gemeinden
die Oktroi erheben, der Umſtand in Betracht, daß durch
das Reichszolltarifgeſetz vom 25. Dezember 1902 die
Oktroiabgabe auf Getreide, Hülſenfrüchte, Mehl und
andere Mühlenfabrikate, desgleichen auf Backwaren, Vieh,,
Fleiſch, Fleiſchwaren und Fett vom 1. April 1910 ab fallen
mußte. Durch dieſe Geſetzesbeſtimmung erleidet die ſeit=
herige
Oktroiabgabe in unſerer Stadt einen Ausfall von
380000 Mark. Um nun nicht dieſen ganzen Ausfall und
den weiteren Mehrbedarf an ſtädtiſchen Ausgaben nur auf
dem Wege der direkten Gemeindebeſteuerung
decken zu müſſen, was bei der gleichzeitig bevorſtehenden
weſentlichen Erhöhung der direkten Staatsſteuern recht be=
denklich
erſchien, hat die Bürgermeiſterei, im Einverſtänd=
nis
mit dem ſtädtiſchen Finanzausſchuß, neben der unab=
weislichen
Erhöhung der direkten Steuern auch noch eine
Ausgeſtaltung der Oktroieinnahme für ſolche Gegenſtände
die einer ſolchen noch unterworfen werden können, ſowie
verſchiedener anderer Einnahmen, Marktſtandgeld; Schul=
geld
der höheren Schulen. Waſſer= und Gaspreis ſowie
Schlachthofgebühren, in Ausſicht genommen. Die Neuein=
führung
und Erhöhung dieſer Einnahmen bedarf noch der
Genehmigung der Aufſichtsbehörde, ſodaß in dieſer Be=
ziehung
die in den Voranſchlag eingeſtellten desfallſigen
Einnahmen nur vorbehaltlich der Erteilung dieſer Ge=
nehmigung
Gültigkeit haben. Was die noch verbleibende
Oktroieinnahme betrifft. ſo iſt ſolche zu 403 747 Mk.
(im Vorjahre 728747 Mark) veranſchlagt. Die durch die
Oktroiverwaltung entſtehenden Koſten ſind zu 81940 Mark
berechnet (im Vorjahre 137137 Mark), ſodaß das Oktroi
einen Ueberſchuß von 321807 Mark verſpricht.
(Schluß folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 24.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Seite 3e.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 28. Jan. Die Beratung des
Militäretats
wird fortgeſetzt. Abg. v. Byern (konſervativ): Wir
wünſchen, daß nicht nur eine Erhöhung der Mannſchafts=
löhne
, ſondern auch eine jahrliche freie Urlaubsjahrt ge=
wahrt
werde. Die zweijäyrige Dienſtzeit für die Kaval=
lerie
iſt nicht dentbar. Die Verſchwendung von Munition
billigen wir nicht, daß ſie aber vorgekommen iſt, halten
wir noch nicht fur erwieſen. Anzuerkennen iſt, daß der
Etat augerordentlich ſparſam aufgeſtellt worden iſt. Die
Schlagfertigkeit des Heeres darf aver nicht unter falſcher
Sparſamkeit leiden. (Sehr richtig!) Es wäre dringend
zu wunſchen, daß penſionierte Offiziere in weiteſtem Maße
in Beamtenſtellungen untergebracht würden; denn dadurch
würde der Penſionsetat weſentlich verringert werden.
Wünſchenswert wäre es, der Privatinduſtrie mehr Waffen=
auftrage
zu erteilen. Vielfach müſſen wegen Arbeitsman=
gel
Arveiter entlaſſen werden. Die militariſche Jugend=
erziehung
entſpricht durchaus unſeren Wünſchen.
Oberſt
Wandel erklärt, die Waffenbeſtellungen ſeien infolge des
Sparſamkeitsprinzips ſo klein, daß kaum die eigenen Mi=
litärbetriebe
voll beſchäftigt ſeien. Abg. Mugdan
(freiſ. Volksp.): Die Erſparniſſe im außerordentlichen Etat
ſind nur ein Rechenkunſtſtück. Die Ausgaben werden wie=
derkehren
. Für die Veteranenbeihilfen und die erhöhten
Mannſchaftslöhnungen muß Geld vorhanden ſein, zumal
nach den neuen Steuerlaſten. Die penſionierten Offiziere
ſollten für die Zivil= und Militärverwaltungen nutzbar ge=
macht
werden. Der Duellunfug ſollte ernſtlich beſeitigt
werden. Die Bevorzugung des Adels beſteht nicht nur
weiter, es iſt ſogar in dieſer Beziehung ſchlimmer gewor=
den
. Das Einjahrigenprivileg ſollte auch auf gewerbliche
Schulen, Bauſchulen uſw. ausgedehnt werden, wie über=
haupt
die Dienſtzeit verkürzt werden muß. Wir verlangen
die Zulaſſung jüdiſcher Militärärzte, ſie waren zahlreich
vorhanden und beſonders qualifiziert. (Beifall links.)
Abg. Liebermann von Sonnenberg (Wirtſch.
Vgg.): Ausgaben, die die Kriegstüchtigkeit der Armee ſtei=
gern
, müſſen bewilligt werden. Wie der vorgeſtrige Zwi=
ſchenfall
mit dem bayeriſchen Militärbevollmächtigten
zeigte, ſoll man nicht ein deutſches Kontingent gegen das
andere ausſpielen. Das Einjährigenprivileg wäre am be=
ſten
ganz abzuſchaffen. Bei Reformen ſollte das Kriegs=
miniſterium
feſthalten an dem ſeit hündert Jahren be=
ſtehenden
Prinzip des allgemeinen Wehrrechts. (Bravo!)
Preußiſcher Kriegsminiſter v. Heeringen: Für
Munitionsvergeudung haben wir nicht die nötige
Menge Patronen, trotzdem ſie eigentlich da ſein ſollte.
Der Offizier wird erſt verabſchiedet, wenn er ſeit
längerer Dienſtzeit an die Grenze kommt, daß er nicht
mehr befördert werden kann. Wenn er keine Zukunft
mehr hat, ſchwinden auch die Nerven, und dann iſt er
nicht mehr dienſtfähig. Wir haben den Grundſatz, daß
niemand den Abſchied bekommt, ehe nicht ſeine Wäſche
abſolut rein iſt. (Sehr richtig!) Der Duellunfug, wie
es einer der Herren Abgeordneten nannte, iſt ſeit 1897
derart zurückgegangen, daß im letzten Jahre von 20000
aktiven Offizieren nur drei an einem Duell beteiligt
waren. Er wird aber nach Möglichkeit noch mehr ein=
geſchränkt
werden. Eine Bevorzugung des Adels be=
ſteht
nicht. Es liegen derartig viele Meldungen bei den
Regimentern vor, daß der Kommandeur wohl am lieb=
ſten
diejenigen Anwärter annimmt, deren Familien
bereits länger zum Regiment gehört haben. Dadurch
wird im Regiment eine Art Familienband geſchaffen.
Hiersgibt es keine Bevorzugung, auch nicht im General=
ſtabe
; allein auf die Tüchtigkeit kommt es tn. (Bravo!
rechts.) Strafgarniſonen kennen wir nicht. Den im
großen betriebenen Luxus beſtreite ich, im einzelnen
bedauere ich ihn. Nötigenfalls wird Remedur eintreten.
Kleinere Repräſentationsgeſchenke ſind überall üblich,
es handelt ſich aber ſtets nur um geringe Beträge.
Einem etwaigen übertriebenen Luxus der Einjährigen
werde ich nachgehen und dem Uebelſtande ſteuern. Ab=
ſchaffen
können wir das Einjährigenprivileg nicht.
Das würde uns jährlich etwa 24 Millionen koſten.
Denn die Friedenspräſenzſtärke müßte im Intereſſe der
Stärkung des Beurlaubtenſtandes weſentlich erhöht
werden. Den Aerztemangel bedauern auch wir. Die
Herren halten ſich von uns fern, weil ihnen die Aus=
übung
von Privatpraxis nicht ſo möglich iſt. Auch von
einem hermetiſchen Abſchließen der Offiziere von der
übrigen ſtaatserhaltenden Bevölkerung kann keine
Rede ſein. Wir ſchließen uns lediglich zuſammen, um
feſt zu ſtehen, um dadurch im Ernſtfalle das Heer zu
fördern. (Beifall.)
Abg. Korfanty (Pole): Ein
Brief, der mir zugegangen iſt, berichtet eine ganz unge=
heuerliche
Mißhandlung eines polniſchen Soldaten
durch ſeine Kameraden. Auch die Armee treibt eine
antipolniſche Politik, und die Kriegervereine ſind eine
Schutztruppe des Hakatismus. Kriegsminiſter v.
Heeringen: Die behauptete Mißhandlung werde ich
unterſuchen laſſen und nötigenfalls Remedur ſchaffen.
Die Behauptung, daß die Kriegsgerichte ihre Urteile je
nach der Charge fällen, muß ich ablehnen. Uebrigens
iſt dieſe Rechtſprechung gar nicht ſo drakoniſch. In den
letzten vier Jahren kamen auf etwa 10000 Verurtei=
lungen
nur 151, welche Gefängnisſtrafen über 2 Jahre
ausſprachen. Die Armee hält ſich fern von der Politik.
Die Kriegervereine gehören nicht der Armee an, für
ſie bin ich nicht verantwortlich. Abg. Werner
(Reformpt.): Die Mißhandlungen ſind erheblich zurück=
gegangen
. Vereinzelt werden ſie in einer großen
Armee immer vorkommen. Die zweijährige Dienſtzeit
für die Kavallerie iſt ſehr wohl durchführbar. Unſer
Heer hat ſich als Friedensinſtrument beſtens bewährt.
Auf Zeitungsartikel ehemaliger Offiziere ſollte man
weniger Gewicht legen und mehr auf die Aeußerungen
der Militärverwaltung achten. Den Militärbeamten
die ja wahlberechtigt ſind, ſollte die Erlaubnis gegeben
werden, auch politiſche Verſammlungen zu beſuchen.
Abg. Lehmann=Jena (Wilder): Die Zahl der Gar=
niſonen
in Sachſen=Weimar iſt gering. Reuß ä. L. hat
überhaupt kein Militär. Abg. Erzberger (Ztr.):
Vom Erſparten kann erſt geſprochen werden, wenn der
ordentliche Etat kleinere Ziffern aufweiſt. Wir hätten
gerne die Erhöhung der Mannſchaftslöhnung durchge=
führt
geſehen, ebenſo die Veteranenbeihilfe. Wie
kommt es, daß in Induſtrie= und Handelsgegenden
Mangel an Offizieren herrſcht, während in der Garde
die zuläſſige Zahl überſchritten wird? Wir hoffen, daß
der Kriegsminiſter der politiſchen Betätigung der Re=
ſerveoffiziere
weiter entgegenkommen wird. Sparſam=
keit
iſt nötig beſonders bei den Dienſtreiſen. Bedenk=
lich
iſt das enorme Anwachſen des Unteroffizierkorps.
Die Kontrollverſammlungen ſollten jährlich nur ein=
mal
vorgenommen werden. (Bravo!)
Kriegsminiſter v. Heeringen: Die Vermehrung
der Unteroffiziersſtellen iſt auch der Verwaltung un=
angenehm
. Betreffs der Verdingungen ſuchen wir mög=
lichſt
den Wünſchen des Hauſes entgegenzukommen.
Ein Vertagungsantrag wird abgelehnt.

Abg. Noske (Soz.): Vielen Forderungen ſei von der
Militärverwaltung nicht entſprochen worden. Das Heer
ſolle nicht dazu benutzt werden, die Sozialdemokraten zu
bekämpfen. Zum Zentrum gewendet führt Redner aus:
Wenn Sie 500 Millionen neue Steuern bewilligt haben,
dann hätten Sie auch den Mut haben können, die paar
Millionen zu bewilligen, um Soldaten und Veteranen ein
beſſeres Daſein zu ſichern. Die Beſtrafungen für Solda=
tenſchinder
ſeien zu milde. Recht bedenklich ſei der Mangel
an Aufſicht in den Truppenteilen; hierdurch würden Be=
trügereien
verurſacht und begünſtigt. Geradezu unſinnig
ſei es, die Mannſchaften des Beurlaubtenſtandes für den
ganzen Tag der Kontrollverſammlung unter Militärſtraf=
recht
zu ſtellen. Der Rückgang der Militärkriminalität
in Sachſen iſt auf die dortige ſtarke ſozialdemokratiſche Be=
wegung
zurückzuführen. Wir müſſen zur Politik des ge=
ſunden
Menſchenverſtandes kommen. (Beifall bei den So=
zialdemokraten
.
Kriegsminiſter v. Heeringen: Einzelne Angaben
des Vorredners ſind unrichtig. Das franzöſiſche Militär=
ſtrafrecht
ſoll allerdings reformiert werden; augenblicklich
iſt es zweifellos noch rückſtändiger als unſeres. Gegen
das Prügeln von Rekruten durch alte Soldaten kämpfen
wir mit aller Macht an. Die Zahl der Selbſtmorde in der
Armee iſt nicht größer als im Zivil. Wir kennen keine
Garden= und Linienunterſchiede; für uns gibt es nur
preußiſche und deutſche Offiziere. Sozialdemokraten können
wir als Offiziere allerdings nicht brauchen, weil die Armee
auf dem Standpunkt ſteht: Für König und Vaterland!
den Sie grundſätzlich bekämpfen. Das deutſche Volk hält
nach wie vor zu ſeiner Armee und wird ihr auch in ernſter
Zeit, wie 1870/71, ſein Vertrauen bewahren.
Nach perſönlichen Bemerkungen wird die Weiterbera=
tung
auf morgen, Samstag, 12 Uhr vertagt; außerdem an=
dere
Etats. Schluß 7½ Uhr.

Unwetter.

* Hamburg, 27. Jan. Der geſtrige Schnee=
ſturm
und die Nordoſtſtürme brachten für den
Verkehr der in der Elbemündung ein= und auslaufen=
den
Schiffe erhebliche Störungen mit ſich.
* Innsbruck, 27. Jan. Bei Igels gerieten
geſtern zwei Männer in einen Schneeſturm und
blieben bewußtlos liegen; am nächſten Tag wurden ſie
völlig ermattet aufgefunden.
* Konſtantinopel 27. Jan. Der ſeit zehn
Tagen in Konſtantinopel wehende Schneeſturm
wurde in der vorvergangenen Nacht zum Orkan. Da=
bei
erlitten faſt alle Stationsſchiffe der Großmächte
Havarien. Die Bojen des deutſchen Schiffes Loreley
und des öſterreichiſchen Schiffes Taurus wurden ent=
ankert
. Die Lorelen hatte rechtzeitig Dampf aufge=
macht
und erlitt deshalb nur eine Havarie an einem
Beiboot.

Die Ueberſchwemmung in Frankreich.

* Paris, 27. Jan.Das Wetter iſt heute hier
trocken. Die Nachrichten vom Oberlauf der Seine lau=
ten
beſſer, doch erwartet man für morgen noch ein
Steigen der Flut um etwa 30 Zentimeter. Der Stadt
teil Bercy iſt vollſtändig geräumt. Der Verkehr
auf der Pont d’Arcole iſt ſeit zehn Uhr vormittags
unterbrochen, da die Brücke durch Schwemmholz be=
droht
iſt. Im Palais Bourbon ſteht der innere
Hof unter Waſſer, es iſt nur ein einziger Zugang zur
Deputiertenkammer vorhanden. In der Straße Tra=
verſiere
iſt die Decke eines Hauſes eingeſtürzt, wodurch
eine Perſon verletzt wurde, die Cours la Reine und
die benachbarten Straßen ſind überſchwemmt, die Ka=
naliſation
auf dem Boulevard de Courcelles iſt ge=
platzt
. Das Kaufhaus von Printemps iſt infolge Ueber=
ſchwemmung
der Kellerräume geſchloſſen. Das Rat=
haus
in Jory ſteht ſeit heute früh 10 Uhr unter
Waſſer. Die Saone nimmt fortgeſetzt ab, obwohl
etwa zehn Dorfſchaften und ein Teil von Châlon
ſur Saone, Verdun ſur le Doubs und Tour=
nus
noch unter Waſſer ſtehen. In der Nähe von Autun
ſind die Brücken eingeſtürzt. Bei Juviſy bildet das
Hochwaſſer einen gewaltigen See, der mit einer leich=
ten
Eisdecke überzogen iſt. Rathäuſer und Schulen ſind
mit Kranken überfüllt.
In Villars bei St.
Etienne wurden drei Arbeiter durch einen Erdrutſch
verſchüttet. Zwei Mann ſind tot, der dritte wurde
verletzt.
* Paris, 27. Jan. Nunmehr dringt das Waſſer
auch durch die an einzelnen Stellen geborſtenen Kai=
Mauern hinter der deutſchen Botſchaft, ſodaß auch der
Kai d’Orſay, von welchem man bisher zum Garten
der deutſchen Botſchaft Zutritt hatte, bald vollſtändig
überſchwemmt und das Botſchaftspalais von
beiden Seiten von Waſſer umgeben ſein dürfte. Die
Regierung ſtellte der deutſchen Botſchaft zwei Kähne
zur Verfügung, damit der Verkehr mit dem Botſchafts=
gebäude
einigermaßen aufrechterhalten werden kann.
In einem in der Rue de Lille gegenüber der deutſchen
Botſchaft gelegenen Hauſe, in welchem ein Mädchen=
heim
untergebracht iſt, iſt die Waſſerleitung ge=
platzt
, ſodaß auch die oberen Stockwerke von Ueber=
ſchwemmungsgefahr
bedroht ſind. In dem Hauſe be=
finden
ſich etwa 80 Mädchen, zumeiſt Lehrerinnen und
Putzmacherinnen, darunter mehrere Kranke, welche von
der deutſchen Botſchaft mit Lebensmitteln verſehen
wurden. Im Publikum werden ernſte Beſorgniſſe
laut, daß die aus den Sammelkanälen ausgetretenen
Waſſermaſſen auch die Grundmauern vieler
Häuſer ſchwer beſchädigt haben. Es iſt der
Ausbruch von Epidemien zu befürchten, falls nicht die
ſtrengſten Vorſichtsmaßregeln getroffen und beobachtet
werden ſollten.
7040 Telephonverbindungen ſind infolge
des Hochwaſſers unterbrochen. Gegen 3 Uhr nach=
mittags
überflutete das Waſſer den Kai Berthier; der
Kai des Grands Auguſtins iſt vollſtändig überſchwemmt.
Die Boulogne ſur Seine=Kais und die benachbarten
Straßen ſtehen unter Waſſer. Barken verſehen das
Rettungswerk und verſorgen die Bewohner mit Nah=
rungsmitteln
. Im Departement Gard ſteigt die Rhone
weiter.
Im Juſtizpalaſt verſagt die elektriſche Be=
leuchtung
vollſtändig, ſodaß man Petroleumlam=
pen
und Kerzen benutzen muß. Zur Beförderung
der in den überſchwemmten Stadtteilen wohnenden
Deputierten wird von und nach der Kammer ein regel=
rechter
Dienſt mit Booten eingerichtet. In Sév=
res
haben ſich die Mauern der zu ebener Erde gelege=
nen
Ateliers der Porzellanmanufaktur allgemein ge=
ſenkt
; das gefamte Perſonal wurde entlaſſen. In
St. Ouen iſt ein großer Teil der Stadt überflutet.
In Neuilly und Plaiſance hat die Ueber=
ſchwemmung
den Umfang einer Kataſtrophe angenom=
men
. Das Waſſer hat hier bereits die zmeite Etage der
Häuſer erreicht.

* Paris, 28. Jan. Nach den im Miniſterium der
öffentlichen Arbeiten geſtern abend eingelaufenen Nach=
richten
ſollte das Hochwaſſer der Seine heute
morgen um 6 Uhr das Maximum erreicht haben
und dann langſam fallen, doch ſcheint ſich dieſe Hoffnung
nicht zu verwirklichen, da neuerdings wieder
Regenwetter eingetreten iſt. Nunmehr ſind auch ein=
zelne
Stellen des Place de la Concorde durch aus den
Sammelkanälen heraustretendes Waſſer überſchwemmt
und auch dieſer Platz, der die Hauptverbindung der
Stadtteile des rechten Ufers mit denen des linken Ufers
darſtellt, wurde teilweiſe für den Verkehr geſperrt.
Ebenſo hat ſich hinter dem kleinen Kunſtpalaſt, in den
Elyſeeſchen Feldern, Waſſer angejammelt, doch konnte
dieſe Gegend durch Aufführung von Notdämmen vor
der direkten Ueberſchwemmung von der Seine her bis=
her
noch geſchützt werden. Um 2 Uhr nachts erreichte
das Hochwaſſer die Bruſtwehren des Louvre=Kais;
man machte verzweifelte Anſtrengungen, um die Bruſt=
wehren
durch Zementſäcke zu erhöhen und ſie mit Bal=
ken
zu ſtützen, da im Falle des Nachgebens des Mauer=
werkes
die ganze Gegend des Louvre, des Place de la
Concorde und der Elyſeeſchen Felder einer Kataſtrophe
ausgeſetzt iſt. Am bedenklichſten wird die Lage auf dem
St. Lazare=Bahnhofe, wo das aus den Sammelkanälen
heranstretende Waſſer noch raſch ſteigt. Auch die ſchon
ziemlich hochgelegenen Parterreräume ſind bis zur Rue
d’Amſterdam nunmehr unter Waſſer geſetzt. Bei dem:
Bahnhofe St. Lazare ſind weitere Einſtürze erfolgt.
Man beginnt, lebhafte Befürchtungen zu hegen, ob die
Gebäude daſelbſt den Ueberſchwemmungen ſtandhalten
können. Die Straße, ſowie die beiden Plätze vor dem
Bahnhofe wurden abgeſperrt und die Reiſenden können
nur noch durch zwei Seitentore in den Bahnhof gelan=
gen
. Nachts ſind auch in das Stadtinnere große Waſſer=
maſſen
eingedrungen, da zwei Seitenkanäle unterhalb
des Stadthausplatzes geborſten ſind. Der Vorort St.
Ouen iſt ſeit geſtern abend in völlige Dunkelheit ge=
hüllt
, da die dortige Gasfabrik in beträchtlicher Höhe
überſchwemmt iſt. Der oberſte Sanitätsrat trat zu
einer Sitzung zuſammen, um über die zu ergreifenden
Maßregeln zu beraten. Dem Publikum wird dringend
ans Herz gelegt, nur abgekochtes Waſſer zu verwenden,
und auch vor dem Genuß roher Gemüſe wird gewarnt,
da dasſelbe aus zumeiſt überſchwemmten Gegenden her=
ſtammt
. Auch wird beſondere Sorgfalt bei der Desin=
fektion
der vom Hochwaſſer betroffenen Häuſer empfoh=
len
. Der Papſt hat an den Erzbiſchof von Paris
30000 Franks geſandt; der Zar und der König der
Belgier ſpendeten je 10000 Franks.
* Paris, 28. Jan., 2 Uhr früh. Die Lage hatte
ſich bis Mitternacht noch weiter verſchlimmert;
das Waſſer war bis dahin noch etwa zehn Zenti=
meter
geſtiegen, ſcheint jetzt aber zum Stillſtand
gekommen zu ſein. Dabei herrſcht ſtrenge Kälte; wo
das Waſſer nicht tief iſt, iſt es gefroren. Das 12. Arron=
diſſement
, eines der größten von Paris, ſteht völlig
unter Waſſer; ſeine Straßen ſind ganz in Dunkel ge
hüllt. Die Verbindung mit der übrigen Stadt läßt ſich
nur durch die Rue Roqnette aufrecht erhalten. Trotz
der ſpäten Stunde drängen ſich die Neugierigen an den
hauptſächlich bedrohten=Punkten-zuſammen, ſo beſon=
ders
an der Pfahlbrücke, deren Pfoſten abgeſägt wer=
den
, weil das treibende Holz ſich an ihnen ſtaut.
* Paris, 28. Jan., 6 Uhr früh. Die Schrecken
der vergangenen Nacht, wo die Ueberſchwem=
mung
ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte, wurden
durch den Mangel än Beleuchtung vermehrt, der ſich
auf große Teile der Stadt erſtreckt. Das Waſſer er=
reichtein
der Nacht allenthalben die Scheitel der
Brückengewölbe, und ſtieg mehrfach bis zur Höhe des
Brückenbelags. Der Verkehr über die Brücken
wurde darauf auch für alle Straßenbahnen und Omni=
buſſe
geſperrt. Der Place de la Corcorde iſt durch
Infanterie abgeſperrt, die auch Gräben durch den Jardin
de Paris gezogen hat. Im Palais Bourbon ſind
alle Kommiſſionsſitzungsſäle der Deputiertenkammer
in Schlafräume für das Perſonal umgewandelt, da die
Wohnungen unter Waſſer ſtehen. Von der oberen
Seine, Yonne und Marne trafen im Laufe der Nacht
Meldungen ein, wonach das Waſſer zu fallen begonnen
habe. Bei der Marne iſt der Rückgang ſchon recht er=
heblich
.
* Paris, 28. Jan. Da aus dem unterirdiſchen
Bahnhofe des Kai dOrſai immer neue Waſſer=
maſſen
hervordringen, nimmt die Ueberſchwemmung
in der Rue de Lille und den benachbarten Straßen
fortwährend zu. Das Waſſer ſteht daſelbſt bereits an
zwei Meter hoch. Die deutſche Botſchaft iſt
nunmehr von allen Seiten abgeſchnitten und nur mit=
tels
umſtändlicher Kahnfarten zu erreichen. Der Ver=
kehr
zwiſchen den Kanzleigebäuden und den Botſchafts=
räumen
iſt nur über das Dach eines kleinen, eben=
erdigen
Verbindungsflügels möglich. Das deutſche
Konſulat mußte heute geräumt werden. Die Beamien
und das Dienſtperſonal konnten das Haus nur mit
Mühe verlaſſen. Auch das Mädchenheim in der Rue
de Lille wurde heute nacht geräumt. Die Parterre=
wohnungen
aller Straßen dieſer Gegend ſind voll=
ſtändig
überſchwemmt. Unaufhörlich müſſen
Kähne aufgeboten werden, um ſchwer kranke Leute aus
den gefährdeten Wohnungen zu bergen. Die Verpro=
viantierung
iſt daſelbſt mit großen Schwierigkeiten
verbunden, ſodaß die meiſten Leute die überſchwemm=
ten
Wohnungen verlaſſen. Die Lage in der Nähe des=
Saint Lazare=Bahnhofes iſt höchſt bedenklich; die Stra=
ßen
gleichen hier einem reißenden Fluß. Die Gas=
kandelaber
verſinken allmählich im Bo=
den
. Das mit dem Bahnhofsgebäude verbundene
Hotel Terminus wurde auf polizeilichen Befehl ge=
räumt
. Viele Pariſer Zeitungen befürchten, daß ihnen
das Weitererſcheinen unmöglich gemacht wird, da ſich
ſtarker Mangel an Papier fühlbar macht, teils weil die
Zufuhr erſchwert iſt, teils weil die Fabrik in Cor=
beille
, von welcher die Mehrzahl der hieſigen Blätter
ihr Papier bezieht, infolge der Ueberſchwemmungen
ihren Betrieb faſt gänzlich einſtellen mußte.
* Paris, 28. Jan. Der Untergrundbahn=
hof
Tuileries iſt faſt ganz unter Waſſer;
die Flut drang auch in die Keller der in der Rue de
Rambuteau gelegenen Markthallen ein, ſodaß die dort
lagernden Waren heraufgebracht werden mußten. Der
Tunnel zwiſchen Courcelles und Levalets iſt
überſchwemmt. Der Zugsverkehr zwiſchen Paris und
Auteuil iſt eingeſtellt worden. An der Place Péreire
iſt ein Sammelkanal geborſten; die Waſſermaſſen er=
goſſen
ſich ſo ſchnell in die Arbeitsſtätten der im Ven be=
griffenen
Untergrundbahn, daß dieſe von den Moei=
tern
in aller Haſt geräumt werden mußten. Auf den
Champs Elyſées verſchwand ein Kutſcher mitſamt dem
Pferde in einer Erdſenkung; der Kutſcher wurde ge=
rettet
.

* London, 28. Jan. Der Lordmayor leitete eine
Sammlung zu Gunſten der Opfer der Ueber=
ſchwemmungskataſtrophe
in Paris ein..

[ ][  ][ ]

Seite 6

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.
Nummer 24.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Vom Hoftheater. In der Tiefland= Auf=
führung
am Dienstag, den 1. Februar, wird die Partie
des Pedro Herr Heinrich Henſel,kerſter Tenor
des Königl. Theaters in Wiesbaden, ſingen, der ſich
durch eine Reihe von Gaſtſpielen (Amſterdam uſw.) als
Künſtler einen Namen von gutem Klang erworben hat.
Weiter iſt es unſerer Bühnenleitung gelungen, die
K. K. Oeſterr. Kammerſängerin Anna von Milden=
burg
vom Hofoperntheater in Wien, die kürzlich an
unſerer Nachbarbühne in Frankfurt als Iſolde ſo
außerordentliches Aufſehen erregte, für eine einmalige
Gaſtbarſtellung zu gewinnen. Die weltberühmte Künſt=
lerin
, die ſich auf dem Weg zu einem Gaſtſpiel in Lon=
don
befindet, wird am Sonntag, den 6. Februar, in
der auf Allerhöchſten Befehl ſtattfindenden Lohengrin=
Aufführung die Ortrud ſingen, die in ihrer Dar=
ſtellung
zu den großartigſten Leiſtungen der deutſchen
Bühne zählen ſoll. Den Lohengrin ſingt wiederholt
der Heldentenor des Mannheimer Hoftheaters, Herr
Decker. Die Vorſtellung findet zwar außer Abonne=
ment
, abernicht bei erhöhten Preiſen ſtatt. Alles nähere
wird durch die Theateranzeige bekannt.

Sport.

F.=K. Germania=Darmſtadt. Kommenden
Sonntag ſpielen die 1. und 2. Mannſchaft gegen die
gleichen des Sport=Klubs Griesheim (Retourſpiele).
sr. Die Weltmeiſterſchafts=Ringkämpfe
in Paris ergaben am 30. Abend wieder intereſſante
Kämpfe. Romanoff (Rußland) ſiegte in 15 Min. über
Element (Frankreich), Aimable de la Calmette ( Frank=
reich
) in 14 Min. über den Deutſchen Schackmann, Pe=
terſen
(Dänemark) in 33 Min. über Vervet ( Frank=
reich
) und Pohl=Abs II (Deutſchland) in 11 Min.
über den Italiener Maſſetti.
sr. Der Weltmeiſterſchafts= Schachwett=
kampf
zwiſchen Lasker und Schlechter wird
etzt, nachdem die erſten fünf Partien in Wien geſpielt
worden waren, in Berlin ſeinen Fortgang nehmen.
Die ſechſte Partie wird am Samstag, den 29. Januar
geſpielt werden, und zwar im Hotel de Rome, Unter
den Linden 39. Als Spielzeit ſind die Stunden von
4 bis 7 Uhr nachmittags und 8½ bis 10½ Uhr abends
ſeſtgeſetzt. Wie ſchon erwähnt, iſt der augenblickliche
Stand des Matches: Schlechter 3, Lasker 2 Points.

Luftſchiffahrt.

sr. Major v. Parſeval, der auf Einladung des
Belgiſchen Aeroklubs in Brüſſel einen Lichtbilder= Vor=
trag
über deutſche Lenkballons hielt, und bei dieſer
Gelegenheit zum Ehrenmitgliede des Klubs ernannt
wurde, ſtellt den Beſuch eines ſeiner Luftkreuzer wäh=
rend
der Brüſſeler Weltausſtellung in Ausſicht.

Landwirtſchaftliches.

Groß=Gerau, 27. Jan. Der letzte Ferkel=
markt
nahm einen ſehr flotten Verlauf. Da die Nach=
frage
das Angebot bei weitem überſtieg, waren die auf=
getriebenen
337 Tiere alsbald bis auf das letzte Stück
verkauft, und daher die Preiſe auch ziemlich feſt. Be=
zahlt
wurden für Ferkel 1220 Mk., für Springer
230 Mk. und für Einleger 3456 Mk. pro Stück.
Der nächſte Ferkelmarkt wird am Montag, den 31.
2s. Mts. abgehalten.

Literariſches.

Das Januarheft von Buttericks Moden=
Revue entſpricht in Aufmachung ſowohl wie in Aus=
ſtattung
durchaus allen Anſprüchen, die an ein Moden=
Journal erſten Ranges geſtellt werden. Die Farben=
bilder
und ſonſtigen Abbildüngen ſind einfach künſtle=
riſch
vollendet und zeigen, namentlich in dieſem vor=
liegenden
Januarheft, eine reiche Auswahl von Geſell=
ſchafts
= und anderen Toiletten, für jegliche Zwecke ge=
eignet
. Daran ſchließt ſich eine reiche Auswahl von
Paletots, geſchmackvollen Bluſen und einzelnen Röcken.
Eine beſondere Abreilung iſt, wie üblich, der Ingend
gewiömet und bringt ſowohl für den zierlichen Back=
fiſch
, bis hinab für die Allerkleinſten, eine Zuſammen=
ſtellung
der allerliebſten Toiletten. Dem Faſching iſt eine
beſondere Tafel von Maskenkoſtümen für Herren, Da=
men
und Kinder gewidmet. Dazu geſellt ſich eine
Ueberſicht der neueſten Hutmoden für den Winter, nebſt
einer Anleitung, dieſelben herzuſtellen. Jeden Monat
erſcheint ein Heft. Man abonniert bei jeder Buchhand=
lung
, bei jedem Poſtamt oder dirett bei der Aktien=
Geſellſchaft für Buttericks Verlag, Zerlin W. 8, oder
der Vertriebsſtelle Wilhelm Opetz in Leivzig.
Im Verlag von Griebens Reiſeführer, Abert
Goldſchmidt, Berlin W. 35, erſchien: 1. Winter=
ſport
und Winterkuren in der Schweiz.
Band 135.. Mit vier Karten. Preis 2 Mark. Das
hübſch und gediegen ausgeſtattete Buch eingeleitet
von einem Aufſatz Dr. med. Bielings: Die Bedeutung
des Winterſports für Geſunde und Kranke iſt von
einem der beſten Kenner der Schweiz bearbeitet. In
knapper Form, und doch in jeder Hinſicht ausführlich
genug, werden darin alle für den Winterſport in Be=
tracht
kommenden Orte des Landes behandelt. Ein vor=
zügliches
Kartenmaterial unterſtützt den Tonriſten bei
der praktiſchen Benutzung des Buches aufs trefflichſte.
2. Winterſport in Thüringen, Bd. 134,
1,20 Mark. Eingeleitet durch einen die Bedeutung des
Winterſports für Geſunde und Kranke behandelnden
Aufſatz von einem namhaften Spezialarzt, ſchildert das
von einem der beſten Kenner des Gebiets, Herrn Ober=
lehrer
E. Piltz, bearbeitete Büchlein das Gebirge im
winterlichen Zuſtande und gibt dem Anfänger eine
Fülle praktiſcher Winke und berichtet über ſämtliche
Orte im Thüringerwald, die für Wintertouren,=Sport
und =Kuraufenthalt in Betracht kommen, allſeitig
gründlich und zuverläſſig. Beigegeben iſt ein reiches
Kartenmaterial. 3. Winterſport in Tirol
(2 Mark) iſt ein Wegweiſer für Solche, welche zwecks
Betätigung des Winterſports Tirol aufſuchen wollen.
Auf 136 Seiten iſt in knapper, überſichtlicher Form
alles Wiſſenswerte durch den in Winterſportkreiſen
rühmlichſt bekannten Herrn Rud. Gomperz, den dabei
die Tiroler Winterſportvereine freundlichſt unterſtützt
haben, zuſammengeſtellt worden. Solchen, die in Tirol
Winterſport treiben wollen, wird der Führer eine ver=
läßliche
Handhabe bieten. Das Kartenmaterial iſt mit
jgroßer Hargialt zuſammengeſtellt.

Vermiſchtes.

O Belehrung über die Jnvalidenver=
ſicherung
in Fortbildungsſchulen. Die
Landesverſicherungsanſtalt Berlin läßt jetzt in den Ber=
liner
Fortbilduugsſchulen kleine Büchelchen über eie

Invalidenverſicherung verbreiten. Jeder Schüler erhält
ein Heftchen, in dem in großen Zügen das Geſetz über
die Alters= und Invalidenverſicherung erläutert wird.
In den erſten Abſchnitten wird die zwangsweiſe Ver=
ſicherung
behandelt, der letzte Abſchnitt geht auch auf die
freiwillige Verſicherung ein. Zunächſt wird die Frage
behandelt, wer verſichert ſein muß, dann wird ausein=
andergeſetzt
, wie und wann die Verſicherung zu erfolgen
hat, und ſchließlich wird erläutert, Marken welcher
Klaſſe zu kleben ſind. Bei der freiwilligen Verſicherung
wird beſonders auseinandergeſetzt, wer zür freiwilligen
Verſicherung berechtigt iſt. Durch dieſe Belehrung kann
immerhin manches Gute erreicht werden.
CK. Die Chineſen als Gourmands. Die
in Europa ſo weit verbreitete Legende von der Mäßigkeit
der Chinſen und von ihrer Abneigung gegen die Freuden
der Tafel zerſtört der italieniſche Marineleutnant Bette=
loni
im Bulletin der italieniſchen geographiſchen Geſell=
chaft
. Die ärmſten Klaſſen ſind wohl mäßig und begnü=
gen
ſich mit einem in Waſſer gekochten Reis= oder Mais=
gericht
, aber hier iſt nur der Zwang der Vater der Tu=
gend
: ſobald auch nur der ärmſte Chineſe imſtande iſt,
ſich leckere Tafelfreuden zu bereiten, ſo zögert er nicht, ſon=
dern
ſpeiſt außerordentlich ſtark und mit großem Raffine=
ment
. Und in dieſer Neigung wird er unterſtützt durch die
für europäiſche Begriffe fabelhafte Billigkeit der Lebens=
mittel
: Fleiſch, Gemüſe und Zutaten ſind ſo billig, daß
ein Chineſe mit 2030 Pfennig pro Tag nicht nur gut,
ſondern ſogar ausgezeichnet leben kann. Mit einem Haus=
haltungsgeld
von 20 Mark im Monat kann der Chineſe
ſich täglich eine Tafel bereiten, die der europäiſche Arbeiter
ſelbſt an Feiertagen ſich kaum gönnen kann: Gemüſe, Eier,
Fiſch. Schweinefleiſch, Hammelfleiſch, Reis und Tee. Die
Berichte von den bisweilen widerlichen Delikateſſen der
Chineſen ſind faſt immer übertrieben; in Südchina wird
zwar Hundefleiſch gegeſſen, aber es iſt kein Nationalgericht,
und die Legende, daß jeder gute Chineſe täglich Hunde=
fleiſch
eſſen müſſe, entſtammt dem Reich der Fabel.

Das Weſen der Keramik und ihre Bedeutung
für Architektur und Kunſtgewerbe.
,

St. Im Sitzungsſaale der Großh. Zentralſtelle für
die Gewerbe hielt geſtern abend Herr Proſeſſor Schar=
voge
., Direktor der Großh. Keramiſchen Manufaktur,
einen Vortrag über das Thema Das Weſen der Kera=
mik
und ihre Bedeutung für Architektur und Kunſt=
gewerbe‟
. Ein zahlreiches, ſachverſtändiges Publikum
darunter viele Profeſſoren der Techniſchen Hochſchule,
Vertreter der Großh. Bauabteilung, die Mitglieder des
Mittelrheiniſchen Architekten= und Ingenieurvereins,
viele Künſtler und Kunſtgewerbler, auch Damen, wohn=
ten
dem Vortrag bei. Herr Geheimer Regierungsrat
Noack als Vorſitzender des Landesgewerbevereins
hießt die Erſchienenen herzlichſt willkommen und ſprach
dem Herrn Kuſtos Dr. Kienzle Dank für das Ar=
rangement
der Ausſtellung von Material=
gruspen
aus, die mit dem Vortrag verbunden war.
Herr Profeſſor Scharvogel führte einleitend
aus, daß eine Reihe weiterer Vorträge dem heutigen
folgen ſollen, dieſer alſo keineswegs erſchöpfend ſein
könne. Der Deutſche genieße in der Welt leider in
künſtleriſchen Dingen noch keinen Kredit, wie das z. B.
mit der Induſtrie der Fall ſei. Er ſtehe immer noch
in dem Ruf eines ungelenken, ungeſchlechten und wenig
geſchickten Menſchen. Das Gegenteil vom Franzoſen,
ja vom Japaner, deſſen Kunſterzeugniſſe vielfach bei
uns noch höher geſchätzt werden, als die deutſche Kunſt.
Die Herſtellung beſſerer und preiswürdigerer Ware
im Kunſtgewerbe werde zur unumgänglichen Notwen=
digkeit
, wenn nicht die wirtſchaftliche Lage noch ſchlim=
mer
werden und Deutſchland eines Tages ganz aus=
geſchaltet
werden ſoll. Redner ging dann auf ſein
eigentliches Thema ein und betönte die Notwendigkeit
der Ausbreitung der Kenntnis des Weſens der guten
Keramit. An Hand der intereſſanten Ausſtellung er=
örterte
er das Weſen der einzelnen Materialien. Zu=
nächſt
das Terrakotta, ein ſangendes und Waſſer
durchlaſſendes Material, das für Baukeramik nicht ge=
eignet
iſt. Um das zu erzielen, muß eine Ofenhaut
erzeugt werden, die durch ſcharfes Brennen die Terrag
kotten wetterbeſtändigt macht. Dann wurde Irden=
ware
, das meiſt mit einer Bleiglaſur verſehene Ge=
ſchirr
, erklärt. Unter der Bleiglaſur ſind dieſe Sachen
bemalt. Es laſſen ſich auf dieſem Wege reizvolle Wirk=
ungen
erzielen, wie einige Stücke aus unſerer Gegend
zeigten. Den Uebergang zur Feinkeramik bildet die
Schmelzware. Unter dieſe Rubrik fallen Majolika,
Fayence, Delft uſw. Die Fayence=Induſtrie hat bis
in das 19. Jahrhundert bei uns geblüht, heute domi=
niert
Delft allein. Danach kommt Redner zum Stein=
gut
, das in England erfunden wurde, als Erſatz für
das teuere Porzellan, das für viele unerſchwinglich war.
Charakteriſtiſch für Steingutwaren iſt die Handarbeit.
Viele Stücke ſind reine Handarbeit. Das Steinzeug
trägt ſeinen Namen mit mehr Recht, als das vor=
genannte
Material, denn es iſt tatſächlich Stein=
material
, ſchwer, hart und widerſtandsfähig. Die ganze
Gruppe des Steinzeuges macht den Eindruck von ſoli=
dem
und ſchwerem, zum Unterſchied von dem zierlichen
und leichten Steingut. Den Uebergang vom Stein=
zeug
zum Porzellan bildete das Wedgewood.
Das Hauptmerkmal des Porzellans iſt, daß es in
dünnen Stücken lichtdurchläſſig iſt. Das chineſiſche Por=
zellan
iſt von der deutſchen Induſtrie noch nicht er=
reicht
. Die Chineſen verfügen über eine bedeutend
reichere Farbenſkala, für die man bei uns als Erſatz
zur Porzellanmalerei kam, die aber nach Meinung des
Vortragenden Erſatz für die chineſiſchen Schmelzfarben
nicht bilden kann. Einen Schritt vorwärts brachte
Kopenhagen durch die Unterglaſurtechnik. Dabei ſind
die Stücke, die größere weiße Flächen zeigen, die
ſchöneren.
Redner erörterte hiernach die Merkmale der verſchie=
denen
Techniken und warf dann einen Blick auf die Ent=
wicklung
der keramiſchen Technik, die gewiſſermaßen ſchon
an der Wiege der Menſchheit ſtand. Schon in der prä=
hiſtoriſchen
Zeit hat man ſehr reizvolle Formen in Kera=
miken
gefertigt, wenn die Technik auch primitiver war.
Die Schmelzwaren glaubte man bis vor etwa 20 Jahren
höchſtens bis ins 16. Jahrundert zurückzuführen. Heute
weiß man, daß ſchon lange vor der Zeit Alexanders des
Großen dieſe Ware hergeſtellt wurde. Die größte Rolle
in der Herſtellung der Keramiken ſpielt die Erfindung
der Töpferſcheibe, eine der praktiſchſten Maſchinen, die je
erfunden wurden. Das alte deutſche Steinzeug iſt heute
ſo rar, daß es mit Gold aufgewogen wird. Nachdem durch
Seefahrer chineſiſches Porzellan eingeführt worden war,
erfanden die ſchlauen Holländer die Delfter Ware, die
ihren Weg über die ganze Welt nahm.
Zum Schluß ging der Vortragende noch auf die
Bedeutung der Keramik für das Kunſtgewerbe ein. Die
Gefäße unterliegen in heutiger Zeit der Mode. Das
iſt ſehr bedauertich, denn ein wirklich gutes Stück be=
darf
jahrelangen Verſuchens und ernſten Arbeitens,
bis eEsſei unbedingt notwendig, ſich

von dieſem Zwang freizumachen, dem das falſche
Steinzeug leider entgegenkommt. Der Amerikaner
kauft nur billiges Zeug in Deutſchland, während das
teure in Amerika ſelbſt hergeſtellt wird. Die Technik
des Scharffeuerſteinzeuges iſt außerordentlich ſchwierig,
aber ungemein reizvoll. Unſere Produktion muß
unbedingt veredelt werden, wenn wir uns auf dem
Weltmarkt behaupten wollen. Leider ſind unſere
Töpfer ſo ſchwer dazu zu bringen. Eine Befruchtung
kann nur von oben nach unten erfolgen. Völlig verſagt
hat unſere Induſtrie auf dem Gebiete der Baukeramik.
Das iſt nicht die Schuld der Architekten, es iſt im
weſentlichen in der falſchen Anſchauung begründet, daß
man den alten Rohziegelbau wieder aufleben laſſen
müſſe. Der heute moderne Eiſenbetonbau ſchreit ge=
radezu
nach einer Baukeramik. Terrakotta mit Ofen=
haut
und Steinzeug iſt dazu ſehr geeignet,
es iſt viel wetterbeſtändiger als Sand= und Kalkſtein.
Bei uns rufe man immer nach dem Staat. Das ſollte
nicht ſo oft geſchehen. In Amerika habe die Induſtrie ſich
ſelbſt geholfen, habe ſelbſt keramiſche Fachſchulen ins Leben
gerufen. Die Keramiſche Manufaktur in Darmſtadt ver=
folgt
ähnliche Ziele. Es werden hier Gartenterrakotten,
polygrome Terrakotten, Scharffeuerſteinzeug, Baukera=
miken
uſw. hergeſtellt. Der Verſuch ſei durchaus ge=
lungen
, was die ſteigende Frequenz beweile. ( Leb=
hafter
Beifall.)
Herr Geh. Regierungsrat Noack ſprach dem Vortra=
genden
Dank aus.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korréſp.=Bureau.)
* Berlin, 28. Jan. Der Berliner Lokal=Anzeiger
meldet aus Berlin: Im Grünenlinder Forſt bei Kalk=
berge
=Rüdersdorf erſchoß der Förſter Nuſche in der
Notwehr den Arbeiter Guſtav Augat aus Kalkberge,
den er des Wilderns verdächtigt hatte. Der Förſter
ſtellte ſich nach der Tat der Polizei.
* Berlin, 28. Jan. Die hieſige amerikaniſche Bot=
ſchaft
erſucht uns um die Veröffentlichung nachſtehender
Mitteilung: Um gewiſſe irrige Schlüſſe zu berichtigen,
die aus dem Bericht des Chefs des Viehzuchtdeparte=
ments
der Vereinigten Staaten=Regierung, Dr. Mel=
vin
, bezüglich der Fleiſchbeſchau in den Ver=
einigten
Staaten gezogen worden ſind, erläßt
das Landwirtſchaftsminiſterium folgende Erklärung:
Alles Fleiſch und Nahrungsmittel, die in Etabliſſe=
ments
hergeſtellt werden, welche zwiſchenſtaatlichen oder
Exporthandel betreiben, ſind durch Geſetz der Unter=
ſuchung
unterworfen. Die Unterſuchung wird ſorgſam
in wiſſenſchaftlicher Weiſe ausgeführt, die den Vergleich
mit jedem anderen Lande leicht aushält. Manche kleine
Städte haben noch keine Unterſuchung von für zu lokalem
Verbrauch beſtimmten Fleiſch, aber dieſes Fleiſch
kommt nicht zur Verſendung in andere Staaten oder
nach dem Auslande. Nur auf dieſes nicht unterſuchte
Fleiſch bezog ſich der Chef des Viehzuchtdepartements.
* Braunſchweig, 27. Jan. Bei dem Feſtmahle zum
Geburtstage des Kaiſers hielt Staatsminiſter v.
Otto eine Anſprache, in der er u. a. ſagte: Dem
letzten Regierungsjahr des Kaiſers gab das Gepräge
der Ausklang der durch Deutſchlands Machtſtellung
und durch deutſche Treue unter Sr. Maj. Führung be=
wirkten
Löſung der orientaliſchen Wirren und die
Reichsfinanzreform. Ich müßte in den Vers
handlungen nicht Bundesbevollmächtigter, nicht der Ver=
treter
Braunſchweigs geweſen ſein, ſollte ich nicht rück=
haltlos
bekennen: ich bedauere den Ausgang der Ver=
handlungen
. Um die Finanzen des Reiches. um
Deutſchlands inneren Frieden wäre es beſſer beſtellt,
wenn die Finanzreform nach den Vorſchlägen der dent=
ſchen
Regierung geſtaltet worden wäre. Und doch hat
Bräunſchweig für die Annahme der Finanzreform, wie
ſie geboten wurde, gewirkt und geſtimmt. Die Regie=
rung
eines bankrotten Staates und auf
dem Wege zum Bankrott war mindeſtens das Deutſche
Reich iſt wehrlos und ohnmächtig gegen über
den Parteiſtrömungen des Volkes und der
Volksvertretung. Eine ſtarke,t von Pflichtbe=
wußtſein
durchdrungene Regierung iſt eine der weſent=
lichſten
Bedingungen des Gedeihens eines Staats=
weſens
. Aus dieſer Erwägung iſt Braunſchweigs
Stellungnahme erwachſen.
* Peſt, 28. Jan. Das Abgeordnetenhaus
nahm mit großer Majorität einen Mißtrauens=
antrag
gegen das Kabinett Khuen= He=
dervary
an. Der Miniſterpräſident erklärte, da der
Regierung ein Mißtrauensvotum gegeben worden ſei,
ſtänden ihr zwei Wege offen: die Demiſſion oder die
Auflöſung des Hauſes. Sofort könne ſie ſich nicht ent=
ſcheiden
. Hierauf ließ der Miniſterpräſident ein
Königliches Handſchreiben verleſen, durch das das Ab=
geordnetenhaus
bis zum 24. März vertagt wird. Die
Miniſter verließen unter großem Lärm des Hauſes den
Saal.
* Amſteg, 28. Jan. Die Hilfsexpedition von
Linttal iſt heute früh auf der Hüfihütte eingetroffen:
man fand dort im Hüttenbuch die Notiz, daß die bei=
den
vermißten Touriſten am 22. Januar die
Hütte verließen, um ſich wieder nach der Claridenhütte
zurückzubegeben, und daß ſie ſchon drei Tage ohne
Nahrung ſeien. Die Wahrſcheinlichkeit iſt groß, daß
ſie auf dem Wege von Linttal zwiſchen der Hüfi= und
Claridenhütte umgekommen ſind. Beide Hilfskolonnen
kehrten heute nach Amſteg zurück.
* London, 28. Jan. Bis ½12 Uhr mittags lagen
folgende Wahlreſultate vor: 261 Unioniſten, 256
Liberale, 40 Mitglieder der Arbeiterpartei und 74 Na=
tionaliſten
. Die Unioniſten gewannen 123 Sitze, die
Gewinnziffern der anderen Parteien ſind unverändert.
* Kairo, 28. Jan. Während der geſtern unternom=
menen
Flugverſuche ſtürzte der Aviatiker Latham
aus einer Höhe von 40 Metern mit ſeinem Apparat zur
Erde; dieſer wurde vernichtet, Latham blieb unverletzt.
* Tokio, 28. Jan. In dem Expoſé, das Graf Ko=
mura
in der geſtrigen Sitzung des Abgeordneten=
hauſes
über die auswärtige Politik hielt, findet ſich
folgender Paſſus: Deutſchland fährt fort, eine ge=
rechte
und freundſchaftliche Haltung Japan gegenüber
zu beobachten. Die Kaiſerliche Regierung kann mit
hoher Befriedigung konſtatieren, daß die Politik
Deutſchlands im fernen Oſten in keiner Weiſe mit der
Politik Japans kollidiert.

** Karlsruhe, 28. Jan. In der letzten Zeit hat
in Baden eine große Agitation für die Ver=
ſtändigung
mit Württemberg= wegen der
Neckarkanaliſation eingeſetzt und die Groß=
blockparteien
brachten im badiſchen Landtag eine
Interpellation ein, die heute nachmittag von der Re=
gierung
beantwortet wurde. Der Miniſter des In=
nern
, v. Bodmann, gab im Namen der. Regier=
ung
die Erklärung ab, daß Baden am 24. Januar 1910
der württembergiſchen Regierung zur Regelung der
Angelegenheit den Vorſchlag gemacht habe, daß Baden

[ ][  ][ ]

Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1940.

Seite 7.

ſch bereit erklärt ſade, den Bau des Reckarkanals zu
übernehmen und ein Drittel der Koſten dafür zu tra=
gen
. Die Schiffahrtsabgaben auf dem kanaliſierten
Neckar wolle Baden übernehmen und daraus die Ko=
ſten
tilgen und verzinſen; ſollte ein Ueberſchuß ver=
bleiben
, ſo wolle Baden denſelben an Württemberg ab=
liefern
. Auf dieſes Angebot hat am 26. Januar die
württembergiſche Regierung erwidert, daß
ſie im gegenwärtigen Augenblick nicht darauf eingehen
könne.
* Weimar, 28. Jan. Die Großherzogin Feo=
dora
iſt plötzlich erkrankt, ſo daß der Leibarzt die
Verantwortung ſelbſtändiger Behandlung ablehnte
und man einen Jenger Profeſſor herbeiholen mußte.
Der Einladung zur Geburtstagsfeier des Kaiſers
konnte darum nur Großherzog Wilhelm Ernſt Folge
leiſten. Ueber die Art der Krankheit wird Schweigen
beobachtet. Eine ſpätere Meldung beſagt, daß in dem
Befinden der erkrankten Großherzogin, das die Be=
rufung
des Gynäkologen Profeſſors Stintzing=Jeua
nötig machte, eine erhebliche Beſſerung eingetreten iſt.
Die Fürſtin hat das Bett verlaſſen und befindet ſich
den Umſtänden nach wohl, (Frkf. Ztg.)

Briefkaſten.

S., hier. U. E. kann es im allgemeinen niemandem
verboten werden, zu jeder Zeit ſeinen Hund ſpazieren
zu führen. Aus welchen Gründen dies geſchieht, iſt
hierbei einerlei. Am allerwenigſten kann man jeman=
dem
verbieten, mit ſeinem Hunde auf der Straße
ſpazieren zu gehen. Man kann auch ſeinen Hund ohne
Begleitung auf die Straße gehen laſſen. Es würde ſich
empfehlen, zunächſt bei dem Polizeiamt den Grund
des Verbots feſtzuſtellen, evtl. auf eine Abänderung
hinzuwirken. Nötigenfalls wäre eine Beſchwerde an
Großh. Kreisamt geboten.
J.
Fr. B., hier. Wenn auch die Berechtigung zum
Einjährig=Freiwilligen=Dienſt ohne die geſetzlichen
Vorausſetzungen (Examina) erworben werden kann,
ſo ſteht doch immerhin in Betracht kommenden Per=
ſonen
nie ein Anſpruch hierauf zu. Die Berechtigung
wird in dieſen Fällen durch Verleihung erworben.
Wir empfehlen Ihnen, bei Großh. Kreisamt vorſtellig
zu werden, am beſten durch perſönliche vorherige Rück=
ſprache
.
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und es iſt eine Luſt, auf dem Bobsleigh und
A
dem Ski über die glänzende Bahn dahinzuſauſen.
Eine Luſt, aber auch eine Gefahr, denn die Er=
V
hitzung in der ſchneidenden Luft, die beſchleunigte
tmung bergen die Gefahr der Erkältung in ſich.
Dagegen ſchützt man ſich durch den Gebrauch
von Fays ächten Sodener Mineral=Paſtillen,
von denen man während der Fahrt immer
eine im Munde haben ſollte. Fays ächte
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Sodener kauft man in einſchlägigen Geſchäften
für 85 Pfg. pro Schachtel.
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Nachfolg.
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Eltern, Vormünder ſchwach befähigter, ſchwer erziehbarer
ſchulentlaſſener Knaben ſeien auf die neu errichtete
Arbeitslehrkolonie Steinmühle bei Homburg v. d. H.
aufmerkſam gemacht. Unter ärztlicher Aufſicht und unter
Leitung eines Pädagogen und eines Landwirts werden
dort ſolche Knaben in möglichſt kurzer Zeit körperlich und
geiſtig ſoweit gefördert, daß ſie für eine freie Lehre
tauglich ſind und ſpäter in einem Beruf ihr Fortkommen
finden können. (Siehe Anz)
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Weißwaren Ausstattungen
Wäsche.
(2263a

Familiennachrichten.

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Heute verſchied nach längerer Krankheit
(2419
mein lieber Sohn
Dr. Mod. Radch Bloßer
prakt. Arzt in Trebur.
Im Namen der trauernden Familie:
Dr. Siebert,
Geheime=Oberrechnungsrat.
Darmſtadt, den 27. Januar 1910.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Donnerstag Abend 6¾ Uhr entſchlief ſanft
nach längeren, ſchweren, mit großer Geduld
ertragenen Leiden, unſer unvergeßlicher, treuer,
herzensguter Vater, Schwiegervater und Groß=
vater
,
(B2494
Oberförster i. P.
Adolf Müller
Ritter hoher Orden
im kaum vollendeten 89. Lebensjahre.
Louiſe Wallenfels, geb. Müller,
Marie Müller,
Johanna Springmeyer, geb. Müller,
Adolf Müller,
Karl Wallenfels, Gr. heſſ. Forſtmeiſter,
6 Enkelkinder.
Darmſtadt, Grünberg, den 27. Januar 1910.
Die Beerdigung findet ſtatt: Sonntag, den
30. Januar, nachmittags 3¼ Uhr, vom Sterbe=
hauſe
, Heidelbergerſtraße 89 aus. Einſegnung
daſelbſt 10 Minuten vor 3 Uhr.

Todes-Anzeige.
Allen Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch die ſchmerzliche Nachricht, das es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, unſeren treube=
ſorgten
unvergeßlichen Gatten, Vater, Bruder,
Schwager und Onkel
(*2313
Herrn
Heinrich Massino Vili.
heute morgen 3 Uhr, nach kurzem ſchwerem
Krankenlager im 57. Lebensjahre in ein beſſeres
Jenſeits abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Marg. Maſſing nebſt Kinder,
Familie Hofmann,
Familie Müller.
Griesheim i. Ried, den 28. Januar 1910.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. Januar
nachmittags 1 Uhr, vom Sterbehaus Schaaf=
gaſſe
10 aus, ſtatt.

Schneebericht.

Nonrod: 16 cm lückenloſer Pulverſchnee. Lin=
denfels
: 12 cm, lückenhaft, alter Schnee. Wald=
michelbach
: 12 cm, lückenlos, Rodelbahn gut.
Michelſtadt: 5 cm, lückenlos, alter Schnee. Nie=
der
=Beerbach: Rodelbahn gut. Feldberg i. T.:
80100 cm, Pulverſchnee, Ski= und Rodelbahn gut.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit Donnerstag früh: Flache
Randwirbel brachten geſtern noch ſtrichweiſe geringe
Schneefälle, über Nacht aber hat ſich die weſtliche Zyklone
verſtärkt und dringt nun energiſcher als ſeither vor. Auf
ihrer Südſeite werden ſehr milde Luftmaſſen herangeführt,
die bei ſüdlichem Winde auch bis Mitteldeutſchland Er=
wärmung
bringen.
Ausſichten in Heſſen am Samstag, den 29. Januar:
Auffriſchender Süd, Schneefälle, Erwärmung und ſpäter
Tauwetter.

Tageslalender,
Samstag, 29. Januar.

Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Der Verſchwender.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Franzöſiſcher Vortrag von Dr. Thomas um 8 Uhr:
im Muſikvereinsſaal.
Geburtstagsfeier S. M. des Kaiſers um 8 Uhr im
Saalbau (Kriegerverein).
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Maskenbälle: Bürgerverein Darmſtadt und Darm=
ſtädter
Fechtklub im Hotel Heß. Geſellſchaft Ein=
tracht
um 8½ Uhr im Hotel Zur Traube‟. Turn=
gemeinde
Darmſtadt um 8.11 Uhr im Turnhauſe.
Geſanaverein Sängerluſt um 8 Uhr im Mathilden=
höhſaal
. Geſangverein Melomanen um 8.11 Uhr
im Schützenhof‟. Geſellſchift Harmloſe um 8.11 Uhr
im Kaiſerſaal. Athleten=Verein um 8 Uhr im
Perkeo‟
Karnevaliſtiſche Unterhaltung um 9 Uhr im
Reſtaurant Zur Oper
Kappenabend um 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant Kratſ h.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4½ 11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (die Jungfraubahn
und deren Hochgebirgsnatur).

Sonntag, 70. Januar.

Großh. Hoftheater, Anfang ½7 Uhr: Fauſt.
Vorſtellung um 4 und 8 Uhr im Orpheum.
Familienabend des Frauenvereins des Oſtbezirks
der evang. Stadtgemeinde um 7¼ Uhr im Gemeinde=
haus
.
Vortrag von H. Dirkſen um 4½ Uhr Neckarſtraße 22.
Rezitationsabend von Fredy Wiener um 8 Uhr
im Saale der Paulusgemeinde.
Volksbildungsabend um 8 Uhr im Konkordia=
ſaal
(Kath. Frauenbund und Volksverein für das
kath. Deutſchland).
Abendunterhaltung des Zitherklubs Edelweiß um
7 Uhr im Feierabend.
Damen= und Herrenſitzung des deutſchnationalen
Handlungsgehilfen=Verbandes um 5 Uhr 11 Min. im
Schützenhof
Kappenabend des Telegraphen=Arbeitervereins um
4.11 Uhr im Reſtaurant Zur Sonne‟
Kappenabend des Kath. Männer=Arbeitervereins um
4.11 Uhr im Geſellenhaus.
Kappenabend der Geſellſchaft Allemania um 7.11 Uhr
im Reſtaurant Hofferbert.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Reſtaurant Kratſch.
Konzert um 4 Uhr in der Alten Poſt
Konzert um 4 Uhr im Reſtaurant Schillereck
Konzert um 5.11 Uhr im Reſtaurant Juſtizpalaſt.
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im Kaiſerſaal.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Crafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (die Jungfraubahn
und deren Hochgebirgsnatur).

Verſteigerungskalender.
Montag, 31. Januar.

Hofreite=Verſteigerung des Gaſtwirt Karl Blome
(Schloßgaſſe) um 9 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Ant. Welchert ( Grafen=
ſtraße
22½) um 11 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr Ludwigs=
höhſtraße
2.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um 9½ Uhr
im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Kirchtanne.
Stamm=, Nutz= und Brennholz=Verſteigerung
um 9 Uhr im Büttekborner Gemeindewald; Zuſammen=
kunft
auf der Darmſtädter Chauſſee am Eingang des
Waldes.
Stammholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Schaaf=
heimer
Gemeindewald; Zuſammenkunft auf dem Heu=
weg
an der Oſtheimerſtraße.

Kunſtverein. Täglich geöffnet von 111 Uhr,
Sonntags von 101 Uhr, Mittwochs von 24 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Holbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldackel; für den übrigen=
redaktionellen
Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: F. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Die Aebelfrau.
Roman von Anny Wothe.
(Nachdruck verboten.)
18)

Ich muß doch ſehr bitten, Gräfin, miſchte ſich Ebbo
Klas in die peinliche Auseinanderſetzung, mir als Lorls
Vormund auch ein Wort zu geſtatten. Kinder wiſſen oft
am beſten, wer es ehrlich und aufrichtig mit ihnen meint,
und ihr natürliches Wahrheitsgefühl iſt noch ſo friſch und
ungekünſtelt, deß es ſich tief empört, wenn es durch irgend
etwas, wenn auch nur ſcheinbar, verletzt wird.
Du haſt Mudding falſch verſtanden, Lorl, ſagte er
ſtreng zu dem Kinde. Augenblicklich geh’ zu ihr und
bitte ſie um Vergebung.
Lorl ſchüttelte die blonden Locken.
Lorl will nicht. Lorl will Dir lieber die Puppe
wiedergeben und auch das Bilderbuch.
So gib es her, ich will es artigen Kindern ſchenken.
Lorl ſah ſtumm zu, wie Ebbo Klas das Buch und
das Püppchen wieder in die Taſchen ſeines Ueber=
ziehers
verſenkte. In den blauen Kinderaugen funkelte
es wie von verhaltenen Tränen. Faſt atemlos ver=
folgte
Lorl jede Bewegung des Rechtsanwalts.
Sie müßte die Rute haben, bemerkte die alte Grä=
fin
, die lichtloſen Augen ſtarr auf das Kind gerichtet.
Die Lippen Lorls preßten ſich feſt und trotzig auf=
einander
.
Komm her, Lorl, gebot Undine, und ſieh’ mich an.
Du wirſt zwei Tage keine ſüße Speiſe eſſen, auch keinen
Kuchen oder Obſt. Jetzt geh’ und komm erſt dann wie=
der
, wenn Du abbitten gelernt haſt.

Mit tiefgeſenktem Köpfchen, ohne aufzuſehen, ſchlich
das Kind zögernd von dannen.
Undines Hände zitterten leicht, als ſie ſich jetzt zu
Ebbo Klas wandte:
Sie ſehen, lieber Doktor, daß wir es nicht leicht mit
dem Wildfang haben. Lorl liebt den Grafen Reimar
leidenſchaftlich und befindet ſich ſeinetwegen fortgeſetzt
im Verteidigungszuſtand. Ich habe oft eine folternde
Angſt, daß all die guten Anlagen und Eigenſchaften des
Kindes in falſche Bahnen geraten könnten, und darum
wollte ich ſo gern ſchon lange mit Ihnen über Lorl
ſprechen.
Du tuſt, als ginge mich die ganze Sache nichts an,
Undine, ſchmollte die junge Gräfin. Bin ich denn nicht
Lorls Mutter?
Du vergißt, Fridrun, daß mein Vater Ebbo Klas
und mir alle Rechte eines Vormundes über Lorl ge=
geben
hat. Deine ewig wechſelnden Launen, mit denen
Du das Kind einen Augenblick von Dir ſtößt, um es
im nächſten mit Liebkoſungen und Geſchenken zu über=
ſchütten
, haben eben Lorl zu dem kleinen Unart ge=
macht
, der ſie jetzt iſt. Die unbeſtechliche Wahrheitsliebe
des Kindes aber iſt, wenn ſie ſich auch ſehr unmanier=
lich
und unartig äußert, doch immerhin etwas, was
mich hoffen läßt, daß wir doch noch ein gutes und brauch=
bares
Menſchenkind aus dem lieben, kleinen Geſchöpf
erziehen zu können.
Das glaube auch ich, Gräfin Undine, ſtimmte der
Rechtsanwalt bei. Wir wollen doch die Geſchichte nicht
ſo tragiſch nehmen und lieber darauf ſinnen, wie wir
dem Grundübel ſteuern können, das Lorl ſo rebelliſch
macht.

Er ſah lange und aufmerkſam in Fridruns Geſicht,
und unter dem ernſten Blick der großen, lichtbraunen
Augen errötete dieſe und ſah in faſt ſcheuer Verlegen=
heit
zu ihm auf.
Die Augen zwangen ſo ſeltſam. In nervöſer Haſt
erhob ſie ſich unvermittelt, und mit einem leichten Nei=
gen
des Hauptes zu Gräfin Lidwina, ſagte ſie:
Darf ich Dich ins Haus führen, Mudding? Es wird
kühl, und Undine und Ebbo Klas haben ja noch aller=
lei
Geſchäfte.
Die Greiſin erhob ſich, und Ebbo Klas die Hand
reichend, bemerkte ſie herzlich:
Ich hoffe, daß Sie zum Tee bleiben, lieber Doktor.
Da ſollen Sie uns aus der Stadt erzählen.
Ebbo Klas verſprach es. Fridruns ſtrahlendes Ab=
ſchiedslächeln
überſah er mit Abſicht.
Jetzt ſenkte ſich ſein Auge, nachdem die beiden
Frauen langſam davongeſchritten waren, in Undines
Blick.
Wie halten Sie es hier bloß aus? fragte er in heller
Verzweiflung. Es heißt ja doch ſchließlich gegen Wind=
mühlen
kämpfen, wenn man Gräfin Fridrun zu einer
anderen Lebensauffaſſung bekehren will. Solange das
Kind den Händen der Mutter anvertraut iſt, werden
Sie nicht aufhören zu fürchten und zu ſorgen.
Ja, ich kann Fridrun doch das Kind nicht fortneh=
men
, lieber Doktor. Es gehört ihr doch nun mal.
Nein, aber Sie können ſie ſelber auf einige Zeit
entfernen.
Undine erſchrak.

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Seite 10

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Nummer 24.

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Ich habe gehört, daß Gräfin Fridrun nach dem
Süden möchte.
Sie werden doch dieſer Reiſe nicht etwa das Wort
reden, Doktor?
Warum denn nicht? Die Gräfin hat ihren Willen,
und Sie werden den Störenfried für einige Zeit los.
Ihre Nerven, liebe Freundin, brauchen Ruhe und noch=
mals
Ruhe, und Lorl wird ohne den ſtörenden Einfluß
der Mutter gewiß bald wieder zu ſich kommen und
wieder lieb und artig werden.
Undine ſchüttelte den Kopf.
Es geht nicht, lieber Doktor! Großmudding wünſcht,
daß Fridrun die Trauerzeit hier in aller Stille und
Zurückgezogenheit verlebt, und außerdem wünſcht auch
Graf Randolt die Reiſe nicht, da er ſelbſt den Winter
im. Süden zuzubringen gedenkt.
Undine hatte geſprochen, ohne den blonden Mann
anzublicken, der vor ihr ſtand und ſich bemühte, ihr in
die Augen zu ſehen.
Sägen Sie mal, Undine, aber offen und ehrlich,
wie es unſere alte Freundſchaft bedingt. Mußte das
ſein? Ich meine das mit der Heirat. Mußte das wirk=
lich
ſein?
Es mußte ſein, Ebbo Klas. Aber nun fragen Sie,
bitte, nicht mehr und kommen Sie. Wir wollen noch
einen Gaug um den Sce herum machen. Dabei läßt ſich
ja alles beſprechen.
Sie reichte ihm warz ihre beiden Hände entgegen,
fund der blonde Mann neigte ſeinen lockigen Kopf tief
auf die weiken Fras au küßte ſie voll heiliger

Andacht, dann ſchritten die beiden den Parkweg hinun=
ter
dem See zu.
Sie ſahen nicht, daß ein dunkelglühendes Augen=
paar
ihnen drohend folgte.
Graf Reimar war langſam, unbemerkt, den Weg
vom Schloſſe hergekommen.
Er ſtand jetzt ſtill und ſah dem Paare nach, wie es
ſo einträchtig, heiter plaudernd, dahinſchritt. Jetzt, da
unten am Weg, flog Lorl mit ausgebreiteten Armen
auf Undine zu.
Das Kind ſchien ſtürmiſch etwas zu erbitten. Jetzt
kniete Undine am Boden und küßte das weinende Kind,
das ſich ganz zerknirſcht das weiße Sternblumenkränz=
lein
aus den Locken riß und mit großen, tränenvollen
Augen bittend zu Undine aufſah.
Undine nickte zärtlich und drückte wieder den Kranz
auf das Kinderhaupt, und dann nahm ſie Lorls Hand
in die ihre, und das andere Händchen faßte dieſer Kerl,
dieſer Federfuchſer, den Graf Reimar nicht ausſtehen
konnte, ganz ſelbſtverſtäudlich, als gehörte es ihm, und
dann ſchritt das Paar, das Kind in der Mitte, den See=
weg
entlang. Und ringsherum war Sonnengold und
überall friſchquellendes Leben. In Blüten ſtanden
Buum und Strauch.
Graf Reimar ſah den beiden übellaunig und grü=
belnd
nach. Wie gut die hohen Geſtalten zueinander
paßten. Und das Kind trippelte ſo vergnügt zwiſchen
ihnen, wie in treuer Eltern Hut.
Zornig riß Graf Reimar plötzlich die Büchſe von
der Schulter und zielte nach der weißen Möwe, die ge=

michich ihr fiberſhiamentes Giſcher honug, mn
dem Meere zuzufliegen.
Ein blitzender Krach und das Tier fiel tödlich ge=
troffen
in den weißen Sand.
Erſchreckt durch den unerwarteten Schuß, war Un=
dine
ſtehen geblieben.
Jetzt kam ſie langſam an Ebbo Klas' Seite den
Weg zurück.
Sie ſagte kein Wort, aber ſie nahm mit blaſſem
Antlitz die blutige Möwe auf und ſagte zu Lorl:
Wir wollen ihr ein weiches Bettchen machen, Lorl,
und Du kannſt ihr Dein Kränzlein geben, komm, Kind.
Behutſam trug ſie die Möwe dem Schloſſe zu.
Lorl ſprang fragend und plaudernd um ſie her.
Einen Augenblick ſahen ſich die beiden Männer feſt
in die Augen.
Daß die Weiber doch gleich immer alles ſo tragiſch
nehmen, bemerkte der Graf. Mein Gott, eine Möwe!
Hunderte habe ich oſt an einem Tage erlegt.
Der Schuß hätte aber auch die Gräfin oder das
Kind treffen können, Herr Graf.
Oder Sie ſelbſt, beſter Doktor. Warum nicht gar,
lachte Reimar nervös auf. Ich ſpürte plötzlich eine ſo
unbändige Wut, etwas zu vernichten, aber das ver=
ſtehen
Sie wohl nicht, Herr Rechtsanwalt. Sie regieren
die Welt von Ihrem Schreibtiſch aus und vergeſſen da=
bei
den warmen Pulsſchlag des unverkümmerten
Lebens.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

e 12.

Sanstng. 20. Jaungr.

1910.

daſelbſt ſtatt=
findenden
Zuchtviehmarkt eine Verloſung von Vieh und Gebrauchsgegenſtänden zu
verbinden.
Das Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veran=
ſtaltung
dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 3500 Loſe zu 1 Mk.
das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 60% des Bruttoerlöſes aus dem
Verkaufe der Loſe zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind.
Der Vertrieb der Loſe in der Provinz Starkenburg wurde geſtattet.
(2389

Bekanntmachung.

Betrffend: Die Nachſuchung der Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt auf
Grund von Schulzeugniſſen.
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugniſſe die Berech=
tigung
zum einjährig=freiwilligen Dienſt nachſuchen wollen, werden hierdurch auf die
nachfolgenden, bei Anbringung der Geſuche zu beachtenden Vorſchriften mit dem An=
fügen
aufmerkſam gemacht, daß hiernach unvollſtändige Geſuche ohne weiteres zurück=
gegeben
werden.
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen, wenn der ſich Meldende im Großherzogtum geſtellungspflichtig iſt, d. h.
ſeinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt kann nicht vor vollendetem
17. Lebensjahr und muß ſpäteſtens bis zum 1. Februar des Jahres nachgeſucht
werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.
Sollten einzelne der nachſtehend unter ad aufgeführten Papiere und insbeſondere
das Schulzeugnis wegen noch nicht vollendetem Schulbeſuch bis zu vorangeführtem
Termin nicht vorgelegt werden können, ſo iſt gleichwohl das Geſuch bis zu dieſem Zeit=
punkt
einzureichen und in demſelben anzugeben, daß die etwa noch fehlenden Papiere
nachfolgen würden. Die Einreichung dieſer Papiere muß bei Verluſt des Anrechts
der Berechtigung ſpäteſtens bis 1. April desſelben Jahres erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein und iſt hierzu
ein Bogen im Aktenformat (nicht Brieſpapier) zu verwenden. Auch iſt die nähere
Adreſſe anzugeben. Das Geſuch iſt an die unterzeichnete Behörde, ohne perſönliche
Adreſſe zu richten.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtandsregiſter, nicht Taufſchein).

L
die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unterhalts, mit Einſchluß
der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und Wohnung, von dem Bewerber ge=
tragen
werden ſollen; ſtatt dieſer Erklärung genügt die Erklärung des geſetz=
lichen
Vertreters oder eines Dritten, daß er ſich dem Bewerber gegenüber zur
Tragung der bezeichneten Koſten verpflichte und daß, ſoweit die Koſten von
der Militärverwaltung beſtritten werden, er ſich dieſer gegenüber für die Er=
ſatzpflicht
des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
Die Unterſchrift des geſetzlichen Vertreters und des Dritten, ſowie die
Fähigkeit des Bewerbers, des geſetzlichen Vertreters oder des Dritten, zur Be=
ſtreitung
der Koſten iſt obrigkeitlich zu beſcheinigen. Uebernimmt der geſetzliche
Vertreter oder der Dritte die in vorſtehendem Abſatze bezeichneten Verbindlich=
keiten
, ſo bedarf ſeine Erklärung, ſofern er nicht ſchon kraft des Geſetzes zur
Gewährung des Unterhalts verpflichtet iſt, der gerichtlichen oder notariellen
Beurkundung.
c) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches für Zöglinge von höheren Schulen
(Gymnaſien, Realgymnaſien, Ober=Realſchulen, Prozymnaſien, Realſchulen,
Realprogymnaſien, höheren Bürgerſchulen und ſonſtigen militärberechtigten
Anſtalten) durch den Direktor der Anſtalt, für alle übrigen jungen Leute durch
die Polizei=Obrigkeit oder ihre vorgeſetzte Dienſtbehörde auszuſtellen iſt.
d) Das Schulzeugnis.
Sodann wird noch beſonders bemerkt:
zu pos. d) daß die Schulzeugniſſe, mit Ausnahme der Reifezeugniſſe, für die Uni=
verſität
und die derſelben gleichgeſtellten Hochſchulen und Reifezeugniſſe
für die Prima der Gymnaſien Realgymnaſien und Ober=Realſchulen,
ſowie Reifezeugniſſe (Zeugniſſe über die beſtandene Schlußprüfung) der
Progymnaſien, Realprogymnaſien und Realſchulen, ſämtlich nach Muſter 18
zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 Neuabdruck Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901 ausgeſtellt ſein müſſen.
Im übrigen wird auf die Beſtimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der an=
geführten
Wehrordnung verwieſen.
Großherzogliche Prüfungs=Kommiſſion für Einjährig=Freiwillige zu Darmſtadt.
Der Vorſitzende:
von Starck, Regierungsrat.
(21446a

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.

Geſundene und verlorene Sachen.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt. 1 Doublegold=Kettenarmband. 1 gold.
Ketten=Armband. 1 Zehnmarkſtück, 1 ſchwarzes Portemonnaie mit Inhalt. 10 Poſe
der Preußiſche Klaſſenlotterie. 1 ſilberne Vorſtecknadel mit hellgelbem Opal. 1 rotes
Portemonnaie mit Inhalt. 1 Damenſchirm ohne Griff 1 Metermaß. 1 Zwicker mit
Futteral. 1 dunkelgrünes Portemonnaie mit einigen Pfennigen Inhalt. 1 Hundemarke
mit der Nr. 376 VII. 1 Dienſtbuch, auf den Namen Marie Weber lautend. 1 ſchwarzer
wollener Schal (in einer Droſchke liegen geblieben). 2 braune Haarpfeile. 1 mittelgroßer
Schlüſſel. 1 Stück roſa Stoff mit weißen Streifen. 1 ſchwarze Damen=Schürze.
1 ſchwarzer Arbeitsbeutel mit 1 Taſchentuch, 1 größeren weißen Tuch und Stickarbeit
(Buchſtaben). 2 mittelgroße Schlüſſel (zuſammengebunden). 2 mittelgroße und 3 kleine
Schlüſſel an einem gelben Ring. 1 Zugkette. 1 weißer Kinder=Pelz. 1 dunkelblaue
Knaben=Mütze. 1 dunkelblauer Damengürtel mit gelbem Schloß. 1 ſilberner vergold.
Ring mit weißem Stein. 1 Roſenkranz. 1 Literblech, 1 weißes Taſchentuch, gez. M. W.
1. kleines ſchwarzes Portemonnaie mit 6 Pfennigen Inhalt. 1 großer Hausſchlüſſel.
1 angefangener Strickſtrumpf mit Stock. 1 braunes Halstuch mit farbigen Streifen.
Verloren: 1 hellbr. Damen=Portemonnaie mit einigen Pfg. Inh. 1 einz Herren=
Gummiſchuh. 1 einz. Kinder=Gummiſchuh. 1 woll. br. Handſchuh. 1 weißer Herren=
Glacéhandſchuh. 1 hellblauer längl. Anhänger von einem Ohrring. 1 Krawattennadel
aus blauem Email und Goldfaſſung. 1 hellbraunes Damen=Portemonnaie mit 1.50 Mk.
Inhalt. 1 ſilberne Remontoir=Uhr mit Goldrand nebſt 1 Wein=, Bier= und Sektzipfel.
1 Bierzipfel (grün=weiß). 1 goldene Halskette in Schlangenform. 1 Paar blaue Kinder=
Handſchuhe. 1 goldenes Ketten=Armband. 1 grauer Damen=Pelz. 1 ſchwarzledernes
Portemonnaie mit 8 Mk. Inhalt. 1 goldener Zwicker. 1 ſchwarzes Damen= Porte=
monnaie
mit 1,47 Mk. Inhalt. 1 kleines dunkles Portemonnaie mit etwa 80 Mk. Inh.
Double=Kneifer. 2 mittelgroße Schlüſſel (zuſammengebunden). 1 brauner Samt=
arbeitsbeutel
mit Strickzeug, Portemonnaie u. 1 Schlüſſel, 1 weißes Taſchentuch, gez. B.
1 goldener Zwicker, 1 violettblaues Portemonnaie mit 20 Mk. Inhalt. 1 goldene
Damen=Uhr. 1 goldener Manſchettenknopf in Größe eines Einmarkſtücks mit einem N
darauf. 1 Damen=Goldgürtel mit runder Schnalle. 1 Buch (Andreas Hofer). 1 Zwanzig=
markſchein
. 1 grauer Damengürtel mit ſilberner Schnalle. 1 ſchwarze Straußenfeder.
1 ſilbernes Ketten=Armband mit ſchwarzem Stein. 1 Kinder=Brille. 1 goldene Broſche
mit Herren=Photographie. 1 Brillantring. 1 dunkles Portemonnaie mit 5 Mk. Inhalt.
1 ſchwartes Ledertäſchchen mit ſilbernem Bügel und Kette, Inhalt 1 gold. Kneifer uſw.
Entlaufen: 1 Dobermannpinſcher. 1 kleiner ſchwarzer Hund.
Entflogen: 5 Brieftauben (3 weiße, 1 gelbe und 1 rote).
Das Fundbureau Großherzoglichen Polizeiamts,
(2417
iſt geöffnet an allen Werktagen von 812 Uhr vormittags und 26 Uhr nachmittags.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.

In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
finden
ſich: 2 Spitzhunde, 3 Pinſcher, 1 Dachshund. 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Sonntagsruhe in den Apotheken.

Am Sonntag, den 30. Januar, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr
abends die beiden nachfolgenden Apotheken geöffnet:
Hirſch=Apotheke, Nieder=Ramſtädterſtraße, und
Apotheke am Juſtizgebäude Bismarckſtraße.
Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.

Aufſtellung der Rehrntierungsſtammrolle für die Stadt für 1910.

Alle im Jahre 1890 geborenen, hier wohnhaften oder ſich dauernd hier auf=
haltenden
Militärpflichtigen haben ſich in der Zeit vom 15. bis Ende Januar ds. Js.,
vormittags von 9 bis 12 Uhr, im Stadthauſe, Rheinſtraße 16/18, Zimmer Nr. 20,
zur Stammrolle anzumelden. Die nicht in Darmſtadt geborenen Militärpflichtigen
haben ihren Geburtsſchein vorzulegen und durch eine Beſcheinigung des Arbeit=
gebers
oder ein ſonſtiges Zeugnis nachzuweiſen, daß ſie hier dauernden Aufenthalt
genommen haben und nicht nur vorübergehend anweſend ſind.
Außerdem haben ſich in vorbezeichneter Zeit, unter Vorlage ihres Loſungs=
ſcheines
und der vorerwähnten Aufenthaltsbeſcheinigung, alle Militärpflichtigen früherer
Jahre zu melden, die bisher weder einem Truppenteil überwieſen worden ſind, noch
einen Ausmuſterungsſchein oder eine Ausſtandsbewilligung erhalten haben.
Militärpflichtige, die z. Zt. von hier abweſend ſind, müſſen von ihren geſetzlichen
Vertretern oder Arbeitgebern angemeldet werden.
(1390a
Eine Unterlaſſung der Anmeldung wird mit Geldſtrafe bis zu 30 Mk.
oder mit Haft bis zu 3 Tagen beſtraft.
Darmſtadt, den 12. Januar 1910
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Egenolf.

Darmſtadt, den 23. Januar 1910,
Nachſtehende Bekanntmachung des Kommandos des III. Stammſeebataillons in
Wilhelmshaven bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis.

Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jaeger.

Einſtellung von Dreijährig=Freiwilligen für das III. See=
bataillon
(Marine=Infanterie) in Tſingtau (China).

Einſtellung: Oktober 1910. Ausreiſe nach Tſingtau: Januar 1911, He mreiſe
Frühjahr 1913. Bedingungen: Mindeſtens 1,65 Meter groß, kräftig, vor dem 1. Oktober
1891 geboren (jüngere Leute nur bei beſonders guter körperlicher Entwicklung). Es
werden junge Leute aller Berufsarten eingeſtellt, Handwerker erhalten jedoch den Vorzug.
In Tſingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungs=
zulage
gewährt.
Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter Beifügung eines vom Zivilvorſitzenden
der Erſatzkommiſſion ausgeſtellten Meldeſcheins zum freiwilligen Dienſteintritt auf
drei Jahre zu richten an:
(2167mso
Kommando des III. Stammſeebataillons, Wilhelmshaven.

Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſtwaren in der Haupl= und Reidenzſadt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

Ochſenfleiſch
½ kg 86 Pfg.
per
. ,
Rindfleiſch
.. . 7. 80
Kalbfleiſch
80
.,,,
Hammelfleiſch
½ 8060,

Bruſt .
60
Schweinefleiſch (Bratenſt.)
½ 96
Bauchläppchen.
12 90
Kottelets u. geſalz. Fleiſch
½2 100
Speck, geräuchert
. ½ 110

Dörrfleiſch
per ½ kg 110 Pfg.
Schinken m. Bein . .
110
Rollſchinken
, ½ 130
Schweineſchmalz roh und
ausgelaſſen .
½ 90
Schwartenmagen, Fleiſch=
und Bratwurſt
90
Leber= und Blutwurſt.
2s . 72

Anmeldung ſchulpflichtiger Kinder zur Auf=
nahme
in die Mittel= und Stadtſchulen.

An die Eltern, Pflegeeltern und Vormünder von Kindern, die bis zum 4. April
d. Js. einſchließlich das 6. Lebensjahr zurückgelegt haben werden, ergeht hiermit die
Aufforderung, dieſe Kinder, ſoweit ſie nicht in andere Schulen eintreten, rechtzeitig zur
Aufnahme in die Mittel= oder Stadtſchulen anzumelden.
Bei der Anmeldung iſt Nachweis über das Alter der Kinder und Impfſchein oder
Beſcheinigung über Befreiung von der Impfung vorzulegen.
Auf Wunſch der Eltern oder deren Stellvertreter können ausnahmsweiſe auch
geiſtig und leiblich reife Kinder in die Schule aufgenommen werden, die erſt bis zum
30. September d. Js. das 6. Lebensjahr vollenden. Die Aufnahme jüngerer
Kinder iſt unzuläſſig,
Es wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß diejenigen Kinder, die bei
Vollendung des 14. Lebensjahres die Schule nicht volle 8 Jahre beſucht haben, bis zur
vollſtändigen Erfüllung ihrer Schulpflicht in der Schule zurückgehalten werden.
Die Nichtanmeldung in dem vorgeſchriebenen Termin kann bei den Mittelſchulen
zur Folge haben, daß die Aufnahme unmöglich iſt.
Die Anmeldungen haben zu erfolgen:
Dienstag, den 1. Februar d. Js., vormittags von 8½ Uhr bis 12 Uhr,
und nachmittags von 2 bis 4 Uhr und zwar:
für die Knaben=Mittelſchule I im Schulhaus in der Friedrichsſtraße,
Mädchen=
Viktoriaſtraße,
, ,
I

Mittelſchule II
Hermannsſtraße,


Stadtknabenſchule I
am Ballonplatz,
in der Müllerſtraße,
,,
,,
, ,
III
,, ,

Ludwigshöhſtraße,
Stadtmädchenſchule I
Rundeturmſtraße,
,
,
, ,
Emi ſtraße,
III
,,,,
Beſſunger Straße,
Bezirksſchule IV
Lagerhausſtraße.
,
Der Bezirk der Mittelſchule II, in die Knaben und Mädchen aufgenommen wer=
den
, wird begrenzt durch die Rheinſtraße, den Paradeplatz die Alexanderſtraße und die
Dieburger Straße, mit Ausſchluß der Grenzſtraßen und Plätze=
Die Aufnahme der Kinder in die Stadtſchulen findet nach der unten abgedruckten
Bezirkseinteilung ſtatt Den Herren Oberlehrern der verſchiedenen Gruppen der Stadt=
knaben
= und Mädchenſchulen bleibt überlaſſen, je nach Bedürfnis hinſichtlich der Ueber=
weiſung
von Kindern aus einer Schulgruppe in eine andere ſich zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 7. Januar 1910.
Der Vorſitzende der Schulvorſtände:
Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.

Bezirks=Einteilung

für die Stadtknaben= und Stadtmädchenſchulen.
Bezirk
(Stadtknabenſchule I und Stadtmädchenſchule I)
umfaßt den Stadtteil zwiſchen der Heinrichſtraße, Eſchollbrücker Straße und Holzhof=
allee
einerſeits und der Allee, Rheinſtraße, Wilhelminen=, Zeughaus=, Hochſchul=, Mag=
dalenen
=, Alexander=, Heinheimer= und Gutenbergſtraße andererſeits.
Von den Grenzſtraßen gehören zu dem Bezirk die Rhein=, Wilhelminen=, Alexander=,
Heinheimer= und Gutenbergſtraße, ſowie die Nordſeite der Heinrichſtraße.
Bezirk II
(Stadtknabenſchule II und Stadtmädchenſchule II)
umfaßt den nördlichen Stadtteil, begrenzt von der Frankfurter=, Wilhelminen=, Zeug=
haus
=, Hochſchul=, Magdalenen=, Dieburger=, Heinheimer= und Gutenbergſtraße, ein=
ſchließlich
der Grenzſtraßen, mit Ausnahme der betreffenden Strecken der Dieburger=
und Heinheimerſtraße und der Gutenbergſtraße.
Bezirk III
(Stadtknabenſchule III und Stadtmädchenſchule III)
umfaßt den Stadtteil ſüdlich von der Heinrich=, Eſchollbrückerſtraße und Holzhofallee,
einſchließlich der Südſeite der Heinrichſtraße und der beiden anderen Grenzſtraßen
(beiderſeitig).
Bezirk IV
(Bezirksſchule IV (Lagerhausſtraßel)
umfaßt den nordweſtlichen Stadtteil, begrenzt von der Frankfurter=, Wilhelminen= und
Rheinſtraße, ohne die genannten Grenzſtraßen.
(1408sss

Verſteigerungs=Anzeige.

Montag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Pfandlokal, Ludwigshöhſtraße 2, meiſtbietend gegen gleich
pare Zahlung:
Ein Sofa mit Umbau, ein Trumeau mit Spiegel, ein Bauerntiſchchen und
eine Hobelbank.
(2331fso
Dermſtadt, den 26. Januar 1910.
Nelle, Pfandmeiſter.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Nummer 24.

Holz-Verſteigerung.

Freitag, 4. Februar I. Js., morgens 9½ Uhr ab,
werden bei Wilhelm Gruber Witwe zu Thomashütte verſteigert aus Diſtrikt
I Eichen, Oberwäldchen 2 und 4, Untere Langwieſe 11, ſowie das Dürr= und Wind=
fallholz
aus der ganzen Forſtwartei Thomashütte, und zwar: 2 rm Eiche Nutz=
ſcheiter
; ferner Scheiter, rm: 8 Buche, 24 Eiche, 1 Erle, 184 Kiefer, 1 Lärche, 3 Fichte;
Knüppel, rm: 8 Buche, 2 Hainbuche, 2 Eſche, 108 Eiche, 4 Erle, 85 Kiefer, 24 Fichte;
54 rm Eiche Knüppelreiſig; Reiſig, Hdt. Wellen: 3 Buche, 12,0 Eiche, 0,5 Aſpe,
20,0 Kiefer, 1,0 Fichte; Stöcke, rm: 2 Buche, 20 Eiche, 1 Erle, 97 Kiefer, 4 Fichte.
Das Holz iſt vorher einzuſehen. Auskunft erteilt Forſtwart Ruppert zu Fall=
torhaus
Steinacker.
Meſſeler Forſthaus, 27. Januar 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
(2329
Schag.

Holz-Verſteigerung.

Mittwoch, den 2. Februar, vormittags 9½ Uhr,
werden im Darmſtädter Hof zu Griesheim aus Diſtrikt Eichwäldchen verſteigert:
1419 Stück Fichtenderbſtangen (717 m lang und 713 cm Mittendurch=
meſſer
); Scheiter, rm: 63 Eiche, 15 Kiefer; Knüppel, rm: 4 Buche, 22 Eiche,
1 Linde, 118 Kiefer; Reisknüppel, rm: 3 Fichte; Reiſig, Wellen: 620 Buche,
2840 Eiche, 60 Linde, 1390 Kiefer; Stöcke, rm: 20 Eiche, 20 Kiefer, 1 Fichte.
Auskunft erteilt Forſtwart Baſſenauer zu Griesheim.
(2416
Dornberg, den 26. Januar 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Dornberg.
Kleinkopf.

Stamm=, Stangen= und Brennholz=Verſteigerung.

Donnerstag, den 3. Februar I. J., morgens 10 Uhr beginnend, werden im
Roßdörfer Gemeindewald, Diſtrikt Mark, von Abz. Nr. 359 bis 637 an Ort und Stelle
verſteigert:

Stämme 1 Eiche
0,40 fm
Derbſtangen 6 Eſche = 0,38 fm
Lärche 0,23
94 Fichte 7,53
2 Kiefern 0,84
9 Fichte = 13,20
3 Tanne 0,20
31,60
30
Reisſtangen 80 Fichte = 0,94
302 .
76,60
Die Zuſammenkunft iſt auf der Kubig.
Freitag, den 4. Februar I. J., morgens 10 Uhr, werden auf dem Rathaus
dahier aus dem Diſtrikt Mark von Abz. Nr. 408 bis 854 verſteigert.:
Scheiter rm 6 Buche, 1 Birke, 3 Eiche, 1 Lärche, 21 Fichte u. Tanne, 1 Kaſtanie,
Knüppel rm 13 Buche, 1 Birke, 17 Eiche, 3 Erle, 16 Fichte u. Tanne,
H
Wellen Stück 2735 Buche, 750 Eiche, 165 Erle, 1000 Fichte,
Stöcke rm 2 Buche, 1 Eiche, 57 Kiefern, 42 Fichte.
Förſter Haber zu Roßdorf erteilt nähere Auskunft.
Roßdorf, den 27. Januar 1910.
(2433so
Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
Müller.

Stammholz=Verſteigerung.

Dienstag, den 1. Februar I. J., vormittags 10 Uhr anfangend,
werden im Spachbrücker Gemeindewald, Diſtrikt Mark, verſteigert:
Stämme: 4 eichen 6269 cm Durchm., 38 m lang, 6,54 fm
5158
36 6,08
11 4049
38 8,00
3039
37. 1,82

n
14 kiefern 2944
510 8,05
2
9 rm eichen Scheiter I. Klaſſe.
Die Zuſammenkunft iſt in der Reſtauration Wildpark an der Bahnſtation Meſſel.
Der Anfang der Verſteigerung iſt auf der Klein=Zimmerer Grenzſchneiſe an der neuen
Kreisſtraße.
Spachbrücken, am 24. Januar 1910.
(2166ms
Großherzogliche Bürgermeiſterer Spachbrücken.
Illert.

Stammholz-Verſteigerung.

Montag, den 31. Januar, vormittags 10 Uhr anfangend,
werden im Schaafheimer Gemeindewald, Diſtrikt Oſtheimerſtraße, Harreshäuſerbuſch
und Loosacker, verſteigert
161 Kiefernſtämme 153,57 fnr.
Fichtenſtamm
20 Stück Fichtenſtangen.
Bemerkt wird, daß ſämtliche Stämme nicht unter 34 cm Zopf und darunter ſich
20 Stück Oberſtänder mit ca. 39 fm Inhalt befinden.
(2157ms
Zuſammenkunft auf dem Heuweg auf der Oſtheimerſtraße.
Schaafheim, den 24. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Schaafheim.
J. V.: Merkel, Beigeordneter.

Bekanntmachung.

Der Brieftaubenklub und der Brieftauben=Klub Heimkehr Ober=Ramſtadt,
beide Vereine haben ihre Brieftauben der Marineverwaltung zur Verfügung geſtellt.
Ober=Ramſtadt, den 26. Januar 1910.
(2390
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Fritſch.

Montag, den 31. ds. Mts., vormittags 10 Uhr,

ſoll der für das unterzeichnete Lazarett in der Zeit vom 1. April 1910 bis Ende März
1911 erforderliche Bedarf an Verpflegungsbedürfniſſen, Selters, Vilbeler Waſſer, Bier,
Milch, ſowie die Abnahme der Küchenabfälle, Brotreſte und Knochen verdungen werden.
Die Bedingungen, welche vor Einſendung der Angebote durch Unterſchrift
anzuerkennen ſind, liegen im Geſchäftszimmer des Garniſonlazaretts, Alexander=
(1915ss
ſtraße 27, zur Einſicht auf.
Garniſonlazarett.

Staatl konzess, und beautsichtigte
Hessische Handelslehranstalt
am Ernst-Ludwigsplatz.
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I. Einjährige Handelsschule mit vollem Tagesunterricht.
II. Halbjahrskurse zur Vorbereitung für den kaufm. Beruf.
Das Sommersemester beginnt Dienstag den 12. April, 8 Uhr.
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Anmeldungen werden frühzeitig erbeten.
Prospekte durch Wilh. Siedersleben, staatl. geprüfter Handelslehrer.

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Holel und Abendſtunden. Keine Vorauszahlung. Honorar mäßig. Dauer des
Unterrichts zirka 10 Stunden. Schreibkrampf heilbar. (1014a
Kalligr. Lehrer Wohnung: Bleichstrasse 17, I.

Vorſchuledes Realgymnaſtiumsu. derOberrealſchule

zu Darmstadt.
Anmeldungen für das Oſtern 1910 beginnende Schuljahr werden für ſämtliche
Vorſchulklaſſen
Dienstag, den 1. Februar,
vormittags von 10 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, und
Mittwoch, den 2. Februar,
vormittags von 9 bis 1 Uhr,
auf dem Direktorzimmer im Realgymnaſium (Eingang durch das Portal vom Kapell=
platz
aus) entgegengenommen. Geburtsſchein und Impfſchein ſind dabei vorzulegen.
Die Großherzogliche Direktion.
Münch, Geh. Schulrat.
(2325fso

Vorſchule der beiden Gymnaſien
u Darmſtadt.

Aufnahme zu Oſtern 1910.
Anmeldungen für die unterſte Oſterklaſſe, ſowie für die beiden oberen Oſter=
klaſſen
und die beiden oberen Herbſtklaſſen, werden ſoweit ſie nicht ſchon erfolgt ſind
Dienstag, den 1. und Mittwoch, den 2. Februar,
vormittags von 91 Uhr
im Direktorzimmer des alten Gymnaſiums (Karlſtraße 2) entgegengenommen. Dabei
ſind Geburtsſchein und Impfſchein vorzulegen.
Im Herbſt 1910 wird eine Aufnahme von Anfängern nicht ſtattfinden. Es
können aber Knaben, die vor dem 1. Oktober 1904 geboren ſind, bei genügender geiſtiger
und körperlicher Befähigung ſchon jetzt zu Oſtern aufgenommen werden.
Darmſtadt, den 24. Januar 1910.
(2136a
Dr. Mangold, Geh. Schulrat.

Pfr. Ebert’s Höh. Lehranstalt
staatl.
Frankfurt a. M. Konz.
Sexta bis Prima inkl. meiſtens geteilt. Schularbeiten unter Aufſicht. Beſond. Klaſſen
zur Vorbereit. f. d. Einjährige. Einzelkurſe zum Abiturium f. Herren und Damen
u. für junge Ausländer zur Erlern. d. Deutſchen. Penſion im eigen. Hauſe mit groß.
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(24230

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nehmen wir zu den Bedingungen des Proſpekts bis 4. Februar abends von unſeren
Mitgliedern entgegen.
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Darmstädter Volksbauk
eingetragene Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht.

Lieferung von Kreide,
Schwämmen und Tinte für die
Schulen für 1910.

Obige Lieferung ſoll vergeben werden.
Angebote ſind unter Beilegung von
Muſtern bis
Mittwoch, den 9. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei uns einzureichen.
Die Lieferungsbedingungen liegen auf
dem Stadthaus, Zimmer Nr. 39, zur Ein=
(2388ss
ſicht offen.
Darmſtadt, den 22. Januar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.

N1a
Kompoſt=Verſteigerung.

Mittwoch, den 2. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll der auf dem ſtädtiſchen Gelände an
der Pallaswieſenſtraße, zunächſt des frühe=
ren
Schachtgrabens, und hieran anſchließend
vormittags 11 Uhr
der weſtlich des Südbahnhofes, am Pfung=
ſtädter
Weg, lagernde Kompoſt, zuſammen
etwa 550 cbm, losweiſe an Ort und Stelle
(2327fso
verſteigert werden.
Zuſammenkunft in der Pallaswieſen=
ſtraße
jenſeits des Bahnübergangs und
am Südbahnhof.
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Ekert.

Fuhrleiſtungen.

Die Fuhrleiſtungen für den Betrieb der
Straßenteinigung und die Abfuhr des
Hauskehrichts ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamt, Zimmer Nr. 7,
während der Dienſtſtunden zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 10. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
(2329fs
Tiefbauamt.


Bekanntmachung.

Montag, den 14, Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die der Chriſtian Rupp Witwe dahier
und Kindern zuſtehende Liegenſchaft:
Flur
Nr.
qm
II 926¾%/100 251 Hofreite Stiftſtraße
Nr. 50,
II 92685
100 179 Grabgarten daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K143.09
werden.
Falls keine anderen rechtlichen Hinderniſſe
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 25. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I
(L2406,61
Müller.

Bekanntmachung.

Die Zahlung der rückſtändigen Be=
träge
für erſteigerte Runkelrüben von der
ſtädtiſchen Pallaswieſe (aus der Verſteige=
rung
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt
vom 4. Oktober 1909) hat bei Vermeidung
des Mahn= und bezw. Pfändungsver=
fahrens
bis längſtens Ende Januar 1910
an den Werktagen, vormittags von 8½ bis
12½ Uhr, hierher zu erfolgen.
(1414a
Darmſtadt, den 10. Januar 1910.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Bekannimachung.

Montag, den 14. Februar I. Js.,
vormittags 9 Uhr,
ſollen die den Fabrikant Georg Ludwig
Anton Eheleuten auf der Waldmühle bei
Ober=Ramſtadt, ſowie den Kindern erſter
Ehe des Georg Ludwig Anton daſelbſt im
Grundbuch der Gemarkung Darmſtadt zu=
geſchriebenen
Immobilien:
qm
Flur
2ri
II
21e/100 130 Hofreite Stiftſtr.ſ.
jetzt zuſ.
/100 144 Grabgarten daſ. Wieners=
II
II 9277/100 422 Hofreite Mühl ſtr. 61,
weg
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K82,09
werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 20. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L2407,61

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[ ][  ][ ]

Nummer 24a

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910

Seite 13.

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1 Kinderbett 70/150cm, bronciert statt 26.00 jetzt Mk. 20.00
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[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910

Nummer 24.

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Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

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Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

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N5 24.

Samstag, 29. Januar.

1910.

[ ][  ][ ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Nummer 24.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt 1.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 20. Jan.: dem Fuhrknecht Johannes
Stork, Löffelgaſſe 1, eine T. Toni. Am 23.: dem
Taglöhner Karl Wolf, Große Kaplaneigaſſe 30, eine
T. Gertrud Marie. Dem Former Jakob Eckert, Wen=
delſtadtſtr
. 46, eine T. Marie Eliſabethe. Am 26.: dem
Schneider Rich. Wagner, Kiesſtr. 5, eine T. Frieda.
Am 25.: dem Schloſſer Wilh. Schaffnit, Rhönring 75,
eine T. Johanna Margarete Chriſtine. Am 21.: dem
Kaufmann Karl Hofmann, Wienersſtr. 93, eine T.
Anna Margarete. Am 24.: dem Taglöhner Friedrich
Zimmer, Große Bachgaſſe 24, ein S. Ernſt. Am 23.:
dem Hausburſchen Peter Heckmann. Nieder= Ram=
ſtädter
Straße 45, eine T. Eliſabeth Anna. Am 22.:
dem Brauereibetriebsleiter Hermann Wiener, Tau=
nusſtr
. 10, ein S. Philipp Karl Hermann.
Aufgebotene. Am 24. Jan.: Feilenfabrikant Karl
Heinrich Sonnthal, Stiftſtr. 57, mit Mina Rein=
gruber
, Kranichſteiner Straße 12. Kaufmann Franz
Erkert in Nordhauſen mit Margareta Luiſe Birin=
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. Dieburger Straße 54. Schloſſer Philipp Metzler,
Griesheim a. M., mit Anna Maria Rapp, Wiebels=
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. Am 25.: Notariatsgehilfe Joſeph Zeiß, Groß=
Gerau, mit Eliſe Margareta Sophie Schröbel, Fürth.
Landwirt Georg Schüßler in Alsbach mit Luiſe Wil=
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Schickedanz, ebendaſelbſt. Am 26.: Metzger Georg
Fabian mit Marie Müller, beide Ladenburg. Poſt=
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Geſtorbene. Am 24. Jan.: Sophie Schroth, geb.
Koch, Ehefr. des Maurers, 70 J., ev., Pankratiusſtr. 21.
Am 25.: Oberſtleutnant a. D. Karl Leydhecker, 64 J.,
ev., Prinz Chriſtiansweg 11. Wilhelmine Helm=
ſtädter
, geb. Stork. Ehefr. des Schneiders. 48 J., ev.,
Gervinusſtr. 49. Wilh. Krämer, S. des Poſtſchaff=
ners
, 23 Tage, ev., Feldbergſtr. 27. Am 26.: Dorothe
Lutz, geb. Grünewald, Witwe des Weißbinders, 69
J., ev., Große Ochſengaſſe 15.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
Sonntag Sexageſimae, den 30. Januar 1910
Hoſkirche: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Mittwoch, den 2. Februar, abends 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Weißgerber.
Vorm. 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer D. Diehl.
Nachmittags 6 Uhr: Profeſſor Trümpert. Mitt=
woch
, den 2. Februar, abends 8 Uhr: Kirchen=
muſikaliſche
Abendfeier.
Stadtkapelle: Vorm. um ½ 10 Uhr: Pfarrer D. Diehl.
Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Vogel.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
30. Jan., abends 7¼ Uhr: Familien=Abend des Frauen=
Vereins des Oſt bezirks.
Freitag, den 4. Februar,
abends 8¼ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer D. Diehl.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vormittags 8½ Uhr:
Militärhilfsgeiſtlicher Lic. Lang. Vorm. 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt in der Oberrealſchule, Kapellſtraße 5.
Sohanneskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Kraus.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
D. Waitz. Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt
für den Weſt=Bezirk. Pfarrer D. Waitz.
Abends
um 6 Uhr: Pfarrer Widmann.
Eliſabethenſtiſt: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Knöpp.
Vorm. 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
Deggau.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vorm. 10 Uhr:
Pfarrer Walz. Der Kindergottesdienſt fällt wegen
Sitzung der Gemeindevertretung aus. Nachmittags
6 Uhr: Pfarraſſiſtent Flöel. Feier des hl. Abendmahls
mit vorausgehender Beichte.
Gemeindehaus, Hofgartenſtr. 8: Mitt=
woch
, den 2. Februar, abends 8 Uhr: Miſſionsſtunde.
Miſſionar Ruhland.
Pauluskirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarraſſiſtent Flöel. Vorm. 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarraſſiſtent Flöel.
Lutheriſcher Hottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am Sonntag Sexageſimae, den 30. Januar,
nachmittags 5 Uhr, im Feierabend‟, Stiftſtraße 47.
Pfarrer Anthes.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 30. Jan.,
vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmit=

tags um 4 Uhr: Evangeliſationsverſammlung. Pfarrer
Veller. Abends 8 Uhr:
Blaukreuzverſamm=
lung
. Dienstag, den 1. Februar, abends 8½ Uhr:
Frauen= und Jungfrauen=Verſammlung. Donnerstag,
den 3. Februar, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
Veller.

Aſtkatholiſche Gemeinde: Sonntag, den 30. Januar,
vormittags 10 Uhr, in dem Gemeindehaus der evan=
geliſchen
Johannesgemeinde, Kahlertſtr. 26, Gottesdienſt
mit Predigt. Herr Pfarrer Ullmann aus Heßloch.

Gottesdienſt der Reuapoſtoliſchen Gemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
13): Sonntag, nachmittags 4 Uhr. Mittwoch,
abends 8½ Uhr.

Baptiſtengemeinde (Nieder=Ramſtädterſtraße 13):
Sonntag, den 30. Januar, vormittags 10 Uhr: Predigt.
Vormittags 11¼ Uhr: Sonntagsſchule. Nachmit=
tags
4 Uhr: Predigt. Zutritt jedermann gern geſtattet.

Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigskirche: Samstag, den 29. Januar, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte.
Sonntag Sexageſimae, den 30. Januar 1910
Vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. Um 7 Uhr: Austeilung
der hl. Kommunion. Um 8 Uhr: Militärgottesdienſt
mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottesdienſt. Nachmit=
tags
um 3 Uhr: Armenſeelenandacht für die Abgeſtor=
benen
der Gemeinde. Um 6 Uhr Herz Mariä= Bruder=
chaftsandacht
mit Predigt. Dienstag und Donners=
tag
, nachmittags um 5 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte
Mittwoch vor der 9 Uhr=Meſſe: Wachsweihe. Frei=
tag
um 9 Uhr: Segenamt zu Ehren des Herzens Jeſu.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Nachmittags um 2 Uhr: Roſen=
kranzandacht
. Um 4 Uhr: Verſammlung im Mädchen=
heim
.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: hl. Meſſe.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 29. Januar, nach=
mittags
um 4½ Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur hl. Beichte.
Sonntag, den 30. Januar 1910
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½ 7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: hl. Meſſe mit
Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Katechetiſche Predigt und An=
dacht
. Donnerstag, nachmittags um 5 Uhr: Gelegen=
heit
zur hl. Beichte. Freitag, nachmittags um 6 Uhr:
Herz Jeſu=Andacht.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
29. Januar, nachmittags um 4 Uhr und abends um
8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Sonntag Sexageſimae, den 30. Januar 1910
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 7 Uhr: hl. Meſſe. Um 9 Uhr: Amt mit
Predigt. Nachmittags um ½3 Uhr: Katechetiſche
Predigt und Armenſeelenandacht. Bibliothek ( Heerd=
weg
28): Dienstag nachm. von 67 Uhr.
Dienstag
und Donnerstag, nachmittag um 5 Uhr: Gelegenheit zur
hl. Beichte.
Kapelle zu Eberſtadt: Samstag, den 29. Januar, nach=
mittags
um 5 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag Sexageſimae, den 30. Januar 1910
Vorm. um 6 Uhr: Beichte. Um ½7 Uhr: Aus=
teilung
der hl. Kommunion. Um ¼10 Uhr: Hochamt
und Predigt. Nachmittags um ½2 Uhr: Andacht.
Während der Woche um ¾8 Uhr: hl. Meſſe.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag Sexageſimae, vormit=
tags
um ½8 Uhr: Amt und Predigt. Vorher Beicht=
gelegenheit
.

The English Church (Hofkirche)
Divine Service
on Sunday, the 30th of January 1910
at 3,15 p. m.
Reverend Dr. MacDonald Chaplain at Heidelberg.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 19. Jan.: Dem Taglöhner
Wilhelm Quik S. Ferdinand Georg, geb. 20. Novbr.
23. Jan.: Dem Zuſchneider Philipp Gutermuth S. Hans,

geb. 18. Novbr. Dem Buchdruckereibeſitzer Peter Paul
Dietrich S. Ferdinannd Paul Franz Adolf, geb. 16. Dez.
Dem Hausburſchen Wilhelm Paul Saile T. Greta Käte
Maria, geb. 19. Dez. Dem Tapezier Jakob Finder=
meyer
T. Roſa, Math., geb. 4. Jan. 22. Jan.: Dem Dach=
deckermeiſter
Karl Geider T. Regina Kath. Margarete,
geb. 22. Nov. 23. Jan.: Dem Geometer I. Kl. Emil
Friedrich Heinrich Schaub S. Karl Heinz Emil, geb. 4. Dez.
Johannesgemeinde: 23. Jan.: Dem Kauf=
mann
Hermann Sonnthal S. Hermann Karl, geb.
5. Dez. Dem Uhrmacher Rudolf Schäffer S. Wilhelm,
geb. 3. Jan. Eine unehel. T. Katharine, geb. 28. Dez.
Dem Schuhmacher Chriſtian Fraſch T. Anna Marie
Chriſtiane, geb. 29. Dez. Dem Lokomotivführer Georg
Bär T. Elſa Margarete Dorothea, geb. 31. Dez. Dem
Gerichtsſchreibergehilfe Karl Härter S. Heinrich Georg,
geb. 25. Dez. 27. Jan.: Dem Eiſenbahnſchaffner Fried=
rich
Deuſer S. Friedrich Philipp Karl, geb. 6. Jan.
Martinsgemeinde: 23. Januar: Dem Bureau=
aſſiſtent
Jakob Heid S. Albert Jakob, geb. 13. Dez. Tem
Gaswerksarbeiter Karl Dörr T. Bertha, geb. 14. Dez.
Dem Buchhalter Richard Paul Starke S. Hermann Paul
Richard, geb. 28. Dez. Dem Telegraphenleitungsaufſeher
Adolf Olf T. Margarete Chriſtine, geb. 1. Jan. 22. Jan.:
Ein unehel. S. Willy, geb. 4. Nov. 23. Jan.: Dem Bäcker
Karl Eugen Kalbfell S. Albert, geb. 26. Dez. 26. Jan.:
Dem Wirt Johann Friedrich Geiß S. Ludwig Heinrich,
geb. 9. Jan.
Petrusgemeinde: 23. Januar: Ein unehel
S. Wilhelm, geb. 8. Jan. Dem Oktroiaufſeher Johann
Adam Foſhag, S. Heinz Adam, geb. 16. Dez. Dem
Elektromonteur Georg Karl Eberhardt T. Margarete,
geb. 8. Dez. Dem Kaufmann Ludwig Darmſtädter T.
Erna Suſanna Käthe, geb. 29. Dez.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 15. Jan.: Taglöhner Wilhelm.
Ihrig und Katharina Waygandt. 20. Jan.: Bäcker
Philipp Hartmann und Margaretha Müller. 22. Jan.:
Steinhauer Philipp Vock u. Anna Maria Kabey. 23. Jan.:
Spengler und Inſtallateur Johann Heinrich Riddel zu
Frankfurt a. M. u. Anna Trautmann.
Johannesgemeinde: 22. Jan.: Dreher Hein=
rich
Schmiedeskamp von hier u. Karoline Henninaer v.
Limburg a. L.
Martinsgemeinde: 22. Jan.: Kaufmann Karl=
Wäßa und Marie Joſepha Ströhl, beide hier.
Petrusgemeinde 19. Jan.: Suſanne Koch geb.
Wamboldt, Ehefrau des Schloſſers Johann Koch, 43 J.,
ſtarb 16. Jan. 23. Jan.: Karoline Roth, Ehefrau des
Fuhrmanns Carl Roth, 45 J., ſtarb 20. Jan. 26. Jan.:
Schloſſer Hermann Fink, 27 J., ſtarb 23. Jan.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 14. Jan.: Fabrikarbeiter Konrad=
Fiſcher, 26 J., ſtarb 12. Jan. 18. Jan.: Margarete Klopſch,
34 J., ſtarb 15. Jan. 18. Jan.: Johann Georg Lauten=
ſchläger
S. des Poſtſchaffners Johann Georg Lauten=
ſchläger
, 7 Mt., ſtarb 16. Jan. 24. Jan.: Charlotte Bux=
mann
, 87 J., ſtarb 21. Jan. 22. Jan.: Schuhmacher
Ludwig Knell, 71 J., ſtarb 19. Jan. 21. Jan.: Luiſe
Schneider T. des Maſchiniſten Ludwig Schneider, 4 J.,
ſtarb 22. Jan. Landgeſtütsdiener i. P. Johannes Peth,
66 J., ſtarb 22. Jan. 25. Jan.: Wilhelmine Gombel geb.
Salzer Witwe des Pfarrers Hermann Gombel, 80 J
ſtarb 23. Jan. 26. Jan.: Privatier Ferdinand Federlin,
58 J., ſtarb 23. Jan. 19. Jan.: Witwe Marie Frieda
Scherff, geb. Hager, 51 J., ſtarb 15. Jan. zu Wiesbaden.
Hilfsbahnwärter Wilhelm Pletſch, 31 J., ſtarb 17. Jan.
27. Jan.: Oberſtleutnant a. D. Karl Johann Leydhecker,
64 J., ſtarb 25. Jan. Wilhelmine Helmſtädter, Ehefrau,
geb. Stork, 49 J., ſtarb 25. Jan.
Johannesgemeinde: 23. Jan.: Lina Rapp=
geb
. Volz, Ehefrau des Rentners Mathias Rapp, 55 J.,
ſtarb 21. Jan. 26. Jan.: Karoline Bachmeyer, T. des
Schuhmachermeiſters Zacharias Bachmeyer, 54 J., ſtarb
23. Jan. Bankprokuriſt Wilhelm Sammt, 84 J., ſtarb=
23. Jan.
Martinsgemeinde: 25. Jan.: Herbert Johann
Heinrich Gottlieb Kugler S. des Flaſchenbierhändlers
Johann Kugler, 2 Mt., ſtarb 22. Jan. 21. Jan.: Bierbrauer
Michael Eckardt, 54 J., ſtarb 19. Jan. Katharine Netz, T.
des Straßenbahnſchaffners Ludwig Netz, 10 Mt., ſtarb
18. Jan. 23. Jan.: Bürgermeiſtereikanzliſt i. P., Georg
Binzer, 74 J., ſtarb 21. Jan. 24. Jan.: Bureaugehilfer
Adam Schneider, 22 J., ſtarb 21. Jan.
Paulusgemeinde: 22. Jan.: Privatin Eliſe
Mulot, 90 J.; ſtarb 19. Jan. Kaufmann Georg Link,
52 J., ſtarb 20. Jan. (Einſegnung).

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Nummer 24

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

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des



Eünuchen 2

langjähriger Zeremonienmeister im
Kaiserl. Harem des Vildiz Kiosk, mit

Demnächst Gastspiel

in Darmstadt!

2 2. Ankan

Januar 1910
Samstag, 29.5


Abschieds u.
G

Ehren-Abend Sa
150
für
ä
Liane

Morgen

Januar 1910
Sonntag, 30.
Grosse
Vorstellungen
nachm. 4 Uhr
Volks-Vorstellung
bei kleinen Preisen
mit ungekürztem Programm
Sesowie abends 8¼ Uhr. 60

Letztes Auftreten
des vornehmen II.-Januar-Programms.
Der beispiellose Erfolg der Saison

Montag, 31. Jan. 1910
(wegen anderw. Vergebung d. Etablissements)
Keine Vorstellung.

5oes6a6s6060é
§ Haben Sie Kinder?
§ Wollen Sie denselben eine
grosse Freude bereiten?

(2487,

Seite 24.

M

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Nummer 24,

Zum ersten Male
in Deutschland!

Prinzessin Zora

vom Kaiserlichen Harem
des Sultans Abdul Hamid II., nebst

echten Haremsdamen 84

(ehemalige Frauen des
entthronten Sultans Abdul Hamid)

Zam Karhevar 1er
Me
M

Gold- und Silber-Lahnband Meter 3
Gold- und Silber-Kordel . . Mleter 4
Gold- und Silber-Franzen sſtr. 30. 3. 20
Gold- und Silber-Spitzen r. Mreter 45
Armhänder und Spangen . Stück 25
Diademe und Münzengehänge st. 30
Geld- unld Shber-Hunzen- Dtzd. 8, 6. 5
Gold- und Silber-Schellen. . ptz. 8

Elitersterne und Schmetterlinge
St. 15, 10, 8, 3
Glowh-stoffe . .. . . . . . Meter 90
Ah mit Gold- und Silberdurchzug
Tarlatane
Meter 15
ih in allen Farben
Karlebal-samh
Meter 60
in in allen Farben
II
Karneval-Sa
Mtr 50
He in allen Farben

Karneval-At
Meter 95

Ballhandschuhe Balstrümpfe
. . Bunstorte . . Damdcher
Masken-Bilder

(2466

Bürger

Samstag, 29. Januar
von 8 Uhr an:

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25
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Tiſche v. 3 Mk. an, maſſiv eich. Schrank mod.
gebeizt 30 Mk. z. verk. Wendelſtadtſtraße 2.
Off. MI 80 bittet verſpr. Brief abhol. (*2361

Großherzogliches Hoftheater.
Samstag, den 29. Januar 1910.
Außer Abonnement.
Volksvorſtellung zu ermäßigten Preiſen.
Der Verſchwender.
Original=Zaubermärchen in 3 Abteilungen
von Ferdinand Reimund.
Muſik von Konradin Kreutzer.
Muſikaliſche Leitung: Chordirektor Heinz.
Szeniſche Leitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Erſte Abteilung.
Frl. Oſter
Fee Cheriſtane
Azur, ihr dienſtbarer Geiſt Hr. Dramſch
Julius von Flottwell, ein
Hr. Baumeiſter
reicher Edelmann
Wolf, ſein Kammerdiener Hr. Lehrmann
Chevalier

Dumont,
Herr von
Pralling,
Herr von
Helm,
Herr von
Walter,

Flottwell’s
Freunde

Hr. Wagner
Hr. Bohne
Hr. Jungmann
Hr. Kretſchmer

Roſa, Kammermädchen
Valentin, Diener . . .
Sockel Baumeiſter
Fritz,
Johann, Diener

Frl. Grünberg.
Hr. Speiſer
Hr. Holler
Hr. Kroczak
Hr. Klotz

Zweite Abteilung (ſpielt 3 Jahre ſpäter).
Julius von Flottwell
. Hr. Baumeiſter
Chevalier von Dumont . Hr. Wagner
Herr von Pralling
. Hr. Bohne
Herr von Helm .
. Hr. Jungmann
Präſident von Klugheim . Hr. Knispel
Amalie, deſſen Tochter
Frl. Reick
Baron Flitterſtein
Hr. Schneidek

Hr. Speiſer
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Abonnement C 28.
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in 5 Akten von Ch. Gounod
Muſikal. Leitung: Kapellmeiſter Kittel.
Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Valdel=
Perſonen:

Fauſt
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Mephiſtopheles. . §.§ . . Hr. Stephani
Margarethe
Valentin, ihr Bruder
Marthe Schwerdtlein, deren
Frl. Howard
Nachbarin .
,
Frl. Zeiller
Siebel,
Studenten
Hr. Ungibauer
Wagner,
Eine Geiſterſtimme
Nach dem 2. und 4. Akte findet je eine
längere Pauſe ſtatt.

Hr. H. Hacker
Frl. Geyersbach
Hr. Dramſch

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(1. bis 6. Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe)
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Nummer 24.

Dartſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Jänuar 1910

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910

Nummer 24,

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6 Zitronen
1 Madeleinetorte
3 Pakete Puddingpulver 90 grosser Haussegen (Brandmalerei)
85 Pf grosser Zwiebelkasten 65 Pf. 4 Emailleschüssel
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Paket-=Kerzen 65., 1 Mlchtept, 1 Asbest-Tellr Ur. 1Waseräasche, 1 Tableit
2 Wassergläser 65 p. 4 Bierbecher mit Tableit Gre 1 Par Danen-Hauschuhe Gre 1 Suppenterrine
3 Esslöffel 85 r. 5 Feslöblel im Finl Bre Wäschstrockter Bri= 1 Küchenlampe
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4 Zylinder 35 1 Koselbirstenhaler
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2 Rollen Klosettpapier 19p. 1 Wärmflasche 85 Pf. 1 Sand-Seife-Soda-Gestell 85 Pf. 1 Karloffelpresse 85 Pf 85 Pr. 1 Brotkorb mit Einlage
1 Reibeisen
1 Suppensieb 90 pf. 1 Tablett
2 Tassen mit Untertassen 65. 1 Schwammständer
1 Schwamm
1 Handbürste
C
1 Waschlappen 1 verslute Spülwranne Am Gewürzschrank
1 Brotkorb
(
1 Paket Zwieback 99 Taschenlauge
2 Batterien 85 1 Flasche Kopfwasser
1 Bartbinde
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1 Bartkamm 5 Foller
1 Brosche
1 Brennschere
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1 Stück Seife Grosse schware Bamen Urkeiie Gr. 10 Rolien Klosettpapier 85 Pf. 1 Kavalier-Herren-Uhrkette 85 Pf. [ ][  ][ ]

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Sonntag, den 30. Januar,
karnevalistischer Abend
der Kapelle des Leibgarde-Regiments.
Leitung: Obermusikmeister Hauske.
Aus dem Programm: Humoreske Im Automatenſalon v. Vollſtedt;
Neueſte Operettenmuſik; Komiſche Soloſtücke auf verſchiedenen Inſtrumenten;
Neue Karnevalslieder.
(2474
im Fürstensaal.
Tan2
Anfang 8 Uhr.
Eintritt 40 Pfg.

Städt. Saalbauf
Sonntag, den 30. Januar, abends 8 Uhr:
Vorletztes humoristisch, Konzert

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Direktion: Otto Jeädicke.
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Eintritt frei
Sonntags beginnt das Konzert um 4 Uhr.
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(Heute Samstag, 8 Uhr Eintritt frei), Sonntag, 4 und 8 Uhr
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Variété-Sterne,
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Ludwigshohe.
Sonntag, den 30. Januar:

KONZER
S
der Kapelle des Leibgarde=Regiments
(Größerer Teil derſelben)
(B2497
unter Leitung des Obermuſikmeiſters Hauske.
Aus dem Programm: Ouvertüre zu Lodoiska von L. Cherubini. Fantaſie
aus Lohengrin von R. Wagner. Arie aus Titus von Mozart (für Oboe und
Klarinette). Fantaſie über neuere deutſche Lieder von Ed. Strauß. Nordſeebilder,
Walzer von Joh. Strauß u. a. m.
Anfang 4 Uhr.
Eintritt 25 Pfg.


Restaurant Iustizpalast-
morgen
: Sonntag, den 30. Januar



Karhevanst.
Konzel

humoristische Vorträge etc.
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Restaurant zur alten Post.
Sonntag, den 30. und Montag, den 31. Januar:
Grosses karneralistisches Konzert
(*2350
ausgeführt von
der ſo beliebten Damen=Kapelle Jenny Lerch.
Eintritt frei. Anfang nachmittags 4 Uhr.

[ ][  ][ ]

Seite

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Nummer 24.

Kommt,

Jain

und Nauh.

2475

DasMaskenfest derLIEDERTAFEL‟
am Samstag, den 12. Februar 1910
in der Turnhalle am Woogsplatz
Ein Abend am Rhein.

Richard Wagner-Verein Darmstadt.
Donnerstag, den 3. Februar 1910, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde:
Erster Kammermusikabend

des Rosé-Quartetts
(2486
aus Wien.
Programm: 1. Streichquartett in Es-dur von Karl v. Dittersdorf. 2. Streichquartett
in D-dur, op. 76, Nr. 5 von Josef Haydn. 3. Streichquartett in Cdur
von W. A. Mozart.
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz zu 5 Mk., Saal zu 3 Mk.,
Vorsaal zu 1.50 Mk. und Galerie zu 1.50 Mk. in Arnold Bergstraessers Hofbuchhandlung
und im Verkehrsbüro; Studentenkarten zu 1 Mk. und Schülerkatten zu 50 Pfg. bei
Georg Thies Nachf. und abends an der Kasse. Beitrittserklärungen für das am
1. Januar begonnene neue Vereinsjahr, welche noch vor dem obigen Konzerte er-
folgen
, berechtigen zum freien Besuche desselben. Der Jahresbeitrag
(15 Konzerte und Vorträge) beträgt 12 Mk.
Der Vorstand.
VO R

I
A G.
Sonntag nachmittag 4½ Uhr präzis hält Pred. H. Dirkſen (Amerika) einen
Vortrag im Saal Neckarſtraße 22 (Hinterhaus) über:
(*2325
N
Schwierigkeiten der biber beseltigt.
Verſchiedene Einwände gegen die Inſpiration der Bibel finden hierbei Erleuchtung.
Jedermann willkommen.
Eintritt frei.
Sonntag, 30. Januar, abends 8 Uhr,
im Saale der Paulusgemeinde
zum Beſten der weiteren Ausſchmückung der Pauluskirche
Rezitations=Abend
von Herrn Fredy Wiener
(auserwählte Dichtungen aus älterer und neuerer Zeit).
Anfang 8 Uhr.
Ende gegen ½10 Uhr.
Karten zu 1 Mk. und zu 50 Pfg. ſind im Vorverkauf zu haben in den Hof=
buchhandlungen
von Waitz, Eliſabethenſtraße 16, und Bergſtraeßer, Rheinſtraße 6.
in der Papierhandlung von W. Heckmann, Mühlſtraße 72, ſowie beim Küſter der
(B2123
Paulustirche.
Programme ebendaſelbſt.

Zitherklub Edelweiss‟.
Sonntag, den 30. Januar 1910, abends 7 Uhr:
Abehäumterhanung I T2
im Saale des Feierabend‟ Stiftstrasse 47
unter gütiger Mitwirkung der Damen Fräulein Krausemann, Fräulein Schmidt,
Fr. Schmidt und der Herren Adolf Jungmann vom Großherzogl. Hoftheater
und Paul Rathmachers
(2154ms
Der Vorstand.
wozu Freunde des Zitherspiels höflichst einladet

41
Gesanqverein Sangerius.
Inhaber der Medaille für Kunſt und Wiſſenſchaft.

Dirigent: Muſikdirektor Bartke Gegr. 1849.
Samstag, 29. Januar, Anfang 8 Uhr
Grosser Masken-Ball
Seee ee.
im Mathildenhöhsaale.
Für Nichtmitglieder ſind Karten erhältlich im Vorverkauf bei: Friſeur Hch.
Schnebele, Schuſtergaſſe 19, Kaufmann Bernh. Drechsler, Liebfrauenſtraße 63 und
(1954ss
Verkehrsbüro, Ernſt=Ludwigplatz, pro Perſon 1 Mk.
Maskenkarten für Mitglieder unentgeltlich bei Ludw. Schramm, Schuchardtſtraße 4,
NB. Sonntag, 30. Januar, nachmittags 4 Uhr, Nachfeier auf dem Heiligen Kreuzberg,
Der Vorſtand.

Achtung!
Achtung!
Telegraphen-Arbeiter-Verein
Sonntag, den 30. Januar, ab nachmittags 4.11 Uhr

Kappen-Abend
Emit Konzert u. komisch. Vorträgen
im Vereinslokal Zur Sonne Luiſenſtraße 6.
Hierzu ſind unſere Mitglieder, ſowie Freunde und Gönner des Vereins
Der Vorstand.
freundlichſt eingeladen
(*2262)

Restauration Hawerkaste‟

Ecke Elisabethen- und Saalbaustrasse
Heute Samstag: Metzelsuppe.

Von Morgens 8 Uhr ab
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S.
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Wellfleisch mit Kraut.
Em. Friebis.
Hierzu ladet freundlichſt ein

(*2353

Für

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Lodenjoppen in vielen Farben,
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Gestickte Leibgürtel (Zillertaler),
Schwarze, gestickte Lederhosen,
Wadenstutzen in vielen Farben,
Bauernhemden in grobem Tuch,
Farbige Schleifentücher mit Ring.

Her-

Touristen-Anzüge.

B
Tennis-Anzüge.2

Willy Schwaß

2464)

Ludwigsplatz.

Bayern=verein Larmſtadf
Protektor Se. Königliche Hoheit Prinz Aifons von Bayern.
Samstag, den 5. Februar, abends 8 Uhr 11
Großer Maskenball
im närrisch dekorierten Saale des Perkeo, Alexanderstrasse.
Aufführung des Zopftanzes im Natioualkostüm.
Hochzet vum Wastelhuber’s Sepp mit ’m Kreuzhofbauern
seiner Annamirl.
Um 12 Uhr 1 kummt der Wurzelsepp vum Nordpol und sei
Fraa, die Wurzellies vum Südpol zurück.
Dös ist Tatsach!
Herren=Masken Mk. 1., Damen=Masken Mk. 050, Unmaskierte Herren Mk. 1.,
(2501sds
eine Dame frei.
Karten=Vorverkauf bei den Herren Eckle & Bork, Saalbauſtraße 40 und Friſeur
Söllner, Schuchardſtraße 11. Mitglieder=Maskenkarten nur bei Ecklo & Bork.

8
Ea

Sonntag, 30. Januar:
Grosser Kappenabend
mit humoriſtiſchen Vorträgen

Humorist erster Klasse
(*2342
wozu wir ganz ergebenſt einladen.
Gesellschaft Allemania
Kiesſtraße 27. Restauration Hofferbert. Anfang 7 Uhr 11 Min.

zu den
Großen närriſchen Schaufenſtertagen
genannt:
Prinz Karnevals närriſches Panoptikum
Faſtnacht=Sonntag,=Montag und Dienstag.
Einzig!
Originell!
Neu!
Humor, Witz, Satyre hinter Glas u. Rahmen
die köſtlichſten Ideen verkörpert dargeſtellt und erläutert. Täglich großes Masken=
treiben
, urfidele Konzerte, Maskenbälle. Faſtnacht=Dienstag nachm. 3 Uhr:
Preiskorſo des Uler Komitees der Wormſer Narrhalla als Preisrichter=Kollegium
in den närriſch dekorierten Wagen,

Grosser Umzug
öffentliches Preisgericht, Prämierung, Preisverteilung.
Mit herzlichem Willkommen!

2473sf

Der Fest-Ausschuss.

[ ][  ][ ]

Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910

Seite 31g

5e

AP
Of0os
Hiesjährige AAskEnbAtr des Barmstädter Mannergesar
findet am 12. Februar im Schützenhof statt.
Fremdenkarten im Vorverkauf 1 Mark auf dem Bureau des Verkehrsvereins.
Maskenkarten für Mitglieder sind bei Herrn Anton Fischer, Frankfurterstrasse 14, gratis zu haben.

(2463sod

Turngesellschaft Darmstadt.
Samstag, den 5. Februar 1910, abends 8 Uhr 11 Minuten:
in den närriſch dekorierten Räumen unſeres Turnhauſes
Dieburgerstrasse 26.
Grosser
Ieser Haskenban

für Mitglieder 50 Pfg., eine Dame frei jede weitere Dame 50 Pfg.
Eintritt für Fremde: a) an der Kaſſe: Herren 1.50 Mk., Damen 1 Mk.; b) im Vorverkauf: Herren 1 Mk., Damen 50 Pfg.
ſind im Vorverkauf zu haben bei den Herren: J. Stichel, Schulſtraße 1, Friedrich Marguth, Zigarren=
karfen
handlung, Gr. Ochſengaſſe; Chr. Wagner, Friſeur, Gr. Ochſengaſſe 39; Wilh. Ackermann, Kolonialwaren=
geſchäft
, Liebfrauenſtraße; Gg. Wilhelm, Arheilgerſtr. 50 und bei dem Reſtaurateur Peter Fuchs, Dieburgerſtraße 26.
Karten für Mitglieder ſind nur bei Schneidermeiſter N. Dingeldeyn, Mühlſtraße 46, zu haben.
Die Nachfeier findet Sonntag, den 6. Februar 1910 in Arheilgen ſtatt.
(2412

Das närrische Komitee.

(2413s
im

Maskenkrunsenen
aisersauf
Fastnachtsonntag, den 6. Februar ds. Js., abends 7 Uhr 11 Min.
166
Kaufmännische Stenographen-Gesellschaft Gabeisberger

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Grotektor Se. Kgl. Hoheit der Großherzog.
Sonntag, 8½ Uhr: Kaiſerfeier mit Vortrag
von Herrn Oberlehrer Sandmann über:
Die deutſche Flotte.
Montag, 8½ Uhr: Franzöſiſch. 9 Uhr:
Männerchorprobe.
Dienstag, 9 Uhr: Poſaunenchor.
Mittwoch, 9 Uhr: Bibelſtunde. Herr Pfr.
Knöpp.
Donnerstag, 8¾ Uhr: Turnen. Lagerhaus=
ſtraße
25.,
Freitag, 9 Uhr: Orcheſterprobe.
Samstag, 9 Uhr: Wochenſchluß.

Chriſtliche Gemeinſchaft
Immanuel, E. V.

Rheinſtraße 2.
Sonntag, vormittags 9 Uhr: Bibelbe=
beſprechung
. Vormittags 11 Uhr:
Sonntagsſchule. Nachmittags 4 Uhr:
Jugendbund. Abends 8¼ Uhr: Evan=
geliſation
.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Blaukreuz.
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Freitag, abends 8½ Uhr: Gebetſtunde.

Chriſtlicher Verein junger Männer
Darmſtadt=Oſt.

Riegerplatz 3.
Sonntag, nachmittags 5 Uhr: Jugendab=
teilung
: Spiele. Nachmittags 5½ Uhr:
Kaiſers Geburtstagsfeier des Soldaten=
heims
und des Vereins. Anſprache von
Herrn Diviſionspfarrer Schettler. Dekla=
mation
. Männerchor.
Soldatenheim: von nachmittags 2 Uhr
ab geöffnet.
Montag, abends 8½ Uhr: Uebung des
Poſaunenchors.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Uebung des
Streichchors. Unterricht in Engliſch.
Unterhaltungsabend der Jugendabteilung.
Bibelbeſprechſtunde für Soldaten.
Mittwoch, abends 8¼ Uhr: Bibelſtunde für
Abends 8½ Uhr: Bibliſche
Frauen.
Beſprechung der älteren Abteilung.
(Apoſtelgeſchichte.)
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Freie Ver=
einigung
. 8¾ Uhr: Bibelſtunde der
Jugendabteilung.
Freitag, abds. 3½ Uhr: Männerchor.
Samstag, abends 9 Uhr: Gebetsver=
einigung
.


Seafſese
Krenengesangvercls Us Ui Näusgssehe.
Familienabend, Dienstag, den 1. Februar, abends 8 Uhr,
im Gemeindehaus (Kiesſtraße 17)
Volksliedervorträge des Chores und andere Darbietungen.
Teekarten (20 Pfg.) im Gemeindehaus und in der Hofbuchhandlung Waitz. Alle Freunde
des Vereins und des Volksgeſangs ſind hierzu eingeladen.
Der Vorstand.
0
2501)
J. A.: Dr. Flöring.

Karheoanstische nerten u. Bamenstrzung
des
Kath. Männer-Arbeitervereins
findet
Sonntag, 30. Januar 1910

in ſämtl. Räumen des Kath. Geſellenhauſes, Friedrichſtr. 30, ſtatt.
Anfang 411.
2384)
Das Komitee.

24)
Reſtaurarion zum Schiueren
Schillerplatz.
Sonntag, den 30. Januar, von 4 Uhr ab:
(*2310
Grosses carnevalistisches Konzert
mit Gesangseinlage,
ausgeführt von einem Teil der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 115.
Franz Hipp ler.
Eintritt frei.

6
2
C

DARMerabl
SSchUlsTR. 123
SILEErON 160

2467a


Schwarz=weiße Kaparrmarken.

:: Moderne ::
Gehrock-Anzüge
Smoking-Anzüge
:: Frack-Anzüge::
Gesellschafts-Westen

empfiehlt
in vornehmster Ausführung

Willy Schwab
Ludwigsplatz Ecke Schulstraße.
(2485)

Neu= und Anſtricken
von Strümpfen ſowie Beinlängen auf der=
Maſchine billig und prompt. Heinheimer=
(2827a
ſtraße 20, 3. Stock.

eroßt 3
99 zur Volksvorſtellung
Sperrußz 551, 55 Der Verſchwender‟
(*2333
abzugeben Schulſtraße 14, I.

2
IOe
Madwigstoler
Jeden Mittwoch und
Samstag Nachmittag
Kur-Konzert
Mittwochs Kapelle des Großh. Heſſ. Artill.=
Regts. Nr. 61, Leitung M. Weber
Samstag Kapelle des Leibgarde=Inf.=Regts
(B1023
Nr. 115, Leitung H. Hauske
Eintritt 25 Pfg.
10 Abonnementskarten zu Mk. 1.50
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an
der Kaſſe.
Für Nichtkonzertbesucher sind
die oberen Räume reserviert.

(*
Kliſer=äp
Pauorama.

1 Luiſenplatz
Luiſenplatz 1.
(2472
Die hochintereſſante
Jungfraubahn
und deren wunderbaren
Fgenada
Hochgebingsnauur.200

Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Adolf Rady,
Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Dampfer Graf Walderſee, von New=York
kommend, 26. Januar 6 Uhr 30 Min.
morgens Scilly paſſiert.
Dampfer Hohenſtaufen, nach Mittel=
braſilien
, 25. Januar 5 Uhr nachm. von
Oporto.
Dampfer Iſtria, nach Mexiko, 25. Januar
12 Uhr 50 Min. mittags St. Catherines
Point paſſiert.
Dampfer Karthago‟, 25. Januar vor Rio
Grande do Sul.
Dampfer Weſterwald, 25. Januar in St.
Thomas.,
Dampfer Nicomedia‟, 24. Januar in New=
Orleans.
Dampfer Hohenſtaufen nach Mittel=
braſilien
, 26. Januar 7 Uhr morgens in
Liſſabon.
Dampfer König Friedrich Auguſt‟, 26.
Januar 8 Uhr morg. in Buenos Aires.
Dampfer Sieglinde‟ 26. Januar 6 Uhr
nachmittags von Buenos Aires nach
Montevideo.

Programm
zu dem am Samstag, den 29. Januar
von 121 Uhr vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle des Großh.
Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61. Leitung: Muſik=
meiſter
Weber.
1. Fröhlich Pfalz, Gott erhalt’s, Deut=
ſcher
Sängermarſch von Gruß. 2. Ouvertüre
zur Operette Bandittenſtreiche von Suppé.
3. Fantaſie aus der Oper Das Glöckchen
des Eremiten von Maillart. 4. Quand
Pamour meurte, Valse boston von Cre=
mieux
. 5. a) Wer nicht liebt Wein, Weib
und Geſang‟;
b) Die alten Deutſchen
tranken noch eins, Lieder von Waldmann.
6. Hopfen und Malz, Gott erhalt’s, Marſch
von Weber.

[ ][  ][ ]

Darmstadt, Ludwigstr. 12

Grererafetfefefefetgrefe

vonl samstag, den z. . Jan.
bis einschließlich

den Z. Sehruak.

irischalts-hrriker
Virischaltschruikei

1 Putztuch, 1 Pfd. Seife
3 Pakete Seifenpulver
1 Bogen Schmirgelpapier
1 Flasche Metallin . .

zus.

1 Kaffeedose, 1 Zuckerdose
1 Kaffeesieb u. 1 Kaffeemass, zus.
Messergarnitur, bestehend aus:
Brotmesser, 1 Fleischmesser
1 Küchenmesser .
zus.
Besteckkorb, 6 Kaffeelöffel
6 Esslöffel .
. 2u8.

Servierbrett, 1 Rolldecke
Spirituskocher . .

zus.

1 Bügelbrett u. 1 Plätteisen, zus.
1 Wichskasten, 1 Glanzbürste
1 Auftragbürste
zus.

1 Zwiebelhalter und
Bouillonsieb

95 Pf.
95 Pf.

Pf.

1 Blumen-Ampel und
1 Aschenbecher .

1 Klosettpapierhalter und
O Rolien Klosettpapier .

zus.

zus.

zus.

Pf.

95 Pf.
95 Pf.

1 Waschschüssel, oval
1 Seifenschale und
1 Pfund Seife . . . . zus.

Pf.

1 Spiegel mit Holzrahmen
1 Haarbürste
. . . 2u8,
1 Salat-Besteck, 1 Sanduhr,
1 Korkenzieher und
1 Senflöffel .
zus.

75

Pf.

Pf.

1 Kohlenkasten (Eisen) und
Kohlenschaufel . . .

zus-

Pf.

1 Seife-Sand-Sodagestell
60 Stück Klammern und
2 Pakete Seifenpulver

zus.

3.

Pf.

Wasserflasche, 1 Paket Kerzen u.
Leuchter
zus.
Petroleumkanne und
1 Zylinderputzer

zus.
1 Taschenmesser, 1 Taschenschere
Zigarren-Abschneider
zus.
1 Barometer mit Thermometer
1 Stück Toilettenseife . . . zus.
1 Ofenschirm . . . 1ge
Kohlenfüller
Küchenlampe mit Spiegel
zus-
2 Zylinder

95 Pf.
95 P.

Pf.

95 P.
95 Pf.
95 Pf.

Pf.

1 Springform, 1 Reibeisen
1Bouillonsieb, 1 Kartoffelschäler
1 Kaffeesieb .
zus.

Pf.

95 Pf.

6 Bierbecher mit Goldrand
Tablett
2118.
Kasscrolle (Aluminium)
1 Asbest-Teller
mus. 95 Pf
Tranchier-Besteck (Solinger Stahl) 95 Pf

1 Briefkasten . . . . . . Mes . 95 Pf.
1 Handtuchhalter und
Kleiderhalter . .1 . . . zus. 95 Pf.
1 Schneide-Brett und
1 Brotmesser
eut. 95 Pf.
1 Paneel-Brett und
1 Wandspruch
eus 95 Pf.
Bürstenhalter und.
1 Schlüsselhalter
euz. 95 Pf.
2 Bügeleisen und
eut. 95 Pf.
1 Untersatz . . .
1 Essenträger, Emaille . . . . 95 Pf.
1 Kaffeemühle, mittelgross . . . 95 Pf.
1 Fenstereimer, Emaille . . . . . . . 95 Pf.
1 Wasserkanne, Emaille . . .. . . 95 Pf.
3 Milchtöpfe, Emaille . . . 7. . 95 Pf.
200 Bogen Butterbrotpapier und

2 Paket Kerzen
. . zus. 95 Pf.
2 Vasen mit Metallverzierung
95 Pf.
1 Wandbild mit Goldrahmen . . 95 Pf.
1 Haussegen, holzgerahmt unter Glas 95 Pf.
1 Blumen-Topf, Majolika
95 Pf.

6 Obertassen, 6 Untertassen,
6 Kaffeelöffel und 3 Dessert-
zus
.
Teller .
SC.

Pf.

1 Wäschetrockner und
60 Klammern . . . . . . zus,
1 Waschbrett, verzinkt und
zus,
60 Klammern
1 Fussmatte, 1 Pfd. Seife und
zus.
1 Lambribürste

Pf.
Pf.
Pf.

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Verkauf so lange Vorrat. Preise netto.

1 Satz Schüsseln, 6 Stück
4 Eierbecher .A-F. . Feie zus. 95 Pf.
4 Kuchen-Teller mit Schrift
5 Stück Dessertteller, Porz. zus. 95 Pf.
1 Eier-Pfanne, Aluminium Ker. 95 Pf.
Kilch-Topf, Aluminium F.F. . 95 Pf.
Fenstereimer, 1 Fensterleder
1 Paket Seifenpulver
Seut. 95 Pf.
1 Glasschüssel
6 Glasteller . . . . . . 3.. zus. 95 Pf.

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3 Taillenverschlüsse
3 Dutz. Taillenstähe
1 Stück Taillenband
1 Zentimetermass
3 Pack Haken u. Augen, zus. Pf. 6 Dutz. Druckknöpfe
2 Dutz. Kragenstäbe
1 Rolle Nahtband
4 Meter Besenlitze . zus. 8 6 Stück Halbleinenband
2 Stück Schürzenband
10 Meter Lamalitze
3 Paar Armblätter
zus. p 2 Dutz. Sicherheitsnadeln
3 Brief Stopfnadeln
3 Brief Blitznadeln
3 Brief Stecknadeln
Stopf-Ei
3 Pakete Haarnadeln
3 Pakete Lockennadeln, zus. Pf. 2 Dutzend Schuhriemen
3 Meter Strumpfgummiband
1 PaarDamen-Strumpfhalterzus. 3n Stück Roleauxkordel
6 Meter Ringband
4 Porzellan-Ringe
4 Porzellan-Quasten
1 Dutz. Beinringe . zus. r. 1 Nähkasten und
1 Schablonenkasten . 2u8. 5 Pf. 1 Armband
Kollier und
Flasche Odeur . . . . zus. 35 Pf

Schürzen

3 Damen-Blaudruckschürzen
zus.
mit Borde .
1 Blaudruckschürze, extra weit, mit
Volant und Tasche .
1 Blaudruckschürze m. Miedergürtel
1 Kinder-Trägerschürze
weiss oder schwarz
*
3 Stück Zierschürzen mit Borde, zus.
Damen-Putz
,
1 Auto-Schleier, farbig
1 Balltuch, Blumenmust. m. Hohlsaum
1 Kinder-Tellermütze . a. n K. 2.
3 Chiffon-Schleifen . . . . . ..
Ein grosser Posten Damen-Gürtel
Stück
zum Aussuchen
1 Damen-Krawatte
h-2 95 Pf
1 Damen-Jabot, einseitig

Pf.

95 P.
95 Pf.
95 Pf.
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95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
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[ ][  ][ ]

1 Zahabürste
1 Dose Zahnpulver
1 Stück Seife und
1 Seifenschale, Cell

Harbürste und
1 Kleiderbürste .

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Darmstadt

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I. 1e0f
er
von Samstag den 29. Januar bis Montag den 7. Februar
2
Manufaktur
Herren-Artikel
Damen-Wäsche

3 Herren-Stehkragen . . .. .
2 Stk. Herren-Steh-Umlegkragen
4 Stück Umlegkragen . . . . . .
3 Stück Herren-Stehkragen mit
umgeb. Ecken . .

meſkafe
4 Knaben-Stehkragen . . . . . .

3 Paar Manschetten . . . . 342!
2 Serviteurs (Vorhemden) . . .
1 bunte Garnitur bestehend aus
1Vorhemd, 1 Paar Manschetten
1 Paar Herren-Hosenträger, gute
Qualität . . . . . . 39. . . .
eleg. Spazierstock .

95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.

1 Posten Herren-Krawatten
Diplomaten, Regattes mit u. ohne Band
Serie 3
Serie 2
Serie 1
Ohp
SStück 90 Pf. 2 Stück 95 Pf. 1 Stück 95 Pf.
Heren Hrauatte, Selbsthinder
eleg. breite Form . . . . . . . 95 Pf.
P
arfümerie- und
Lederwaren
2 eleg. Portemonnaies . . . . . . 95 Pf.

1 Schnurrbartbinde
1 Flasche Bartwasser
1 Stange Cosmetique
1 Tube Bartwichse zus.

3 Fiaschen Ba). ſum . . . . . 85 Pf.
2 Flaschen Franzbranntwein . 95 Pf.
2 Pfd. Toilett.-Fettseife, 10 St. 95 Pf.
1 Haarbürste u. 1Handspieg. zus. 95 Pf.

Kanmgarnftur, bestehend ausr
1 Aufsteckkamm
2 Seitenkämme
1 Frisierkamm
1 Staubkamm
1 Taschenspiegel zus. 30 pf.

Bürstengarnitur bestchend aus
1 Kleiderbürste
Gh
1 Haarbürste und
1 Handbürste . . . . zus.60 Pf.

1 Damen-Hemd, Barchent oder
Hemdentuch, Achsel- oder
Vorderschluss . .... . .7. . .
1 Damen-Beinkleid mit Stickerei
1 Anstands-Rock, Barchent mit
Volant und Feston . . .. . .. ..
1 Damen-Nachtjacke mit Spitze
und Feston . . ... .ngg!
1 Kissen-Bezug, gebogt oder mit
Einsatz . . . . . . . . . . . .

12 St. Erstlings-Hemdchen, Cret. 95 Pf.
3 Kinderjäckchen, weiss gestrickt 95 Pf.
1 Kinder-Röckchen mit Leibchen,
bunt gestrickt . . . . . . . . . 95 Pf.
1 Trikot-Untertaille, wss. m. Spitze 95 Pf.
1 Herren-Hemd, bunt . . . Stück 95 Pf.
1 Damen-Hemd, bunt .. . Stück 95 Pf.
4
1 Anstandsrock, bunt . .f. T. . . . 95 Pf.
3 Stück Frottier-Handtücher . 95 Pf.
1 Kinder-Badetuch: .. . . . arafer . 95 Pf.

95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.
95 Pf.

Taschentücher
12 Stück Linontaschentücher . . 95 Pf.
12 Stück Taschentücher, Batist
mit Hohlsaum . . . . . . ... 95 Pf.
6 Stück Taschentücher, Batist m.
bunter Kante . . . . . . ... 95 Pf.
4 Herren-Taschentücher,weiss
mit bunter Kante en ede jedes . 95 Pf.
4 Damen-Taschentücher, mit
Buchstaben und Hohlsaum . 95 Pf.

1 Posten Kinder-Kleidchen
Barchent, farbig, Stück 95 Pf.
2 Bett-Vorlagen, imit. Perser . . 95 Pf.
1 Tuch-Tischdecke, m. eleg. Rand 95 Pf.
1 Tischdecke m. Franzen, waschb. 95 Pf.
6 Mtr. Gardinen . . . . . . . . . 95 Pf.
1 Mtr. Wachstuch, 85 cm breit . 95 Pf.
Linoleum, 200 cm breit, p. OMtr. 95 Pf.

Waren
3 Mltr. Hemdenbiber, bunt H . . . 98 Pf.
2½ Meter Velour, passend für
Rock oder Bluse . .r. . . . . 95 Pf.
5 Mtr. Handtuchzeug, Gerstenk.
mit bl. Rand . . . . . . Secez. 95 Pf.
4 Stück Drell-Handtücher, i ge-
säumt
und gebandelt . .. . . 95 Pf.
4 Mtr. Bettkattun, hübsche Must. 95 Pf.
1 Kolter, grau mit bunter Kante 95 Pf.
1 Bettuch, bunt hofocwie gagese z. 95 Pf.
Handschuhe
und Strümpfe
2 Paar lange Ball-Handschuhe . . 95 Pf.

Paarlange Ballandschnufte u.
1 Paar Handschuh-Halter zus. 90 Pf.

Pasar bamen-Giaehandschuhe 35 Pf.
2 Paar Damen-Handschuhe, Trik.
oder gestrickt . .e . . . . . . 95 Pf.
1 Pr. Herren-Socken, reine Wolle 95 Pf.
2 Paar Herren-Socken . . . . . . 95 Pf.
2 Pr. Kinderstrümpfe, Halbwolle 95 Pf.
Papier- und
Schreibwaren
1 Postkarten-Album f. 300 Kart. 95 Pf.

1 Postkarten-Album
2 Mappen Briefpapier- u.
Kuverts. . . . . . . zus.

100 Pagen Prietgapier, Repp.,

1 Motizbuch mit Bleistift . . 327.95 Pf.
1 Davidis-Kochbuch, 480Seifen . 95 Pf.
5 Stück Romane, versch. Sachen 95 Pf.

Uinenl, Federhater, Blel., 1 Federdose mit 6 Fe-
dern
, 1 Radiergummi und
1 Tintenwischer . . . zus.

Tapisserie
1Ueberhandtuch, gestickts. .. . . . . 95 Pf.
1 Tischläufer, gez.i-enegeie ng. ..95 Pf.
1 Milieu, gez. . . .. . .7..7.Nor. 95 Pf.
1 Bürsten-Tasche und
1 Zeitungshalter . . . . . . zus. 95 Pf.
1 Kragen-Manschettenkasten u.
1 Krawattenkasten . . . . Zzus. 90 Pf.
1 Partie Korsetts zum Aussuchen 95 Pf.

100 Kuverts, Repp z.. 1. . 2us. 95 Pf.
747
1 Bürgerliches Gesetzbuch

[ ][  ][ ]

Seite 34.

Daruſtädter Tagblatt, Samstag, den 29. Januar 1910.

Nummer 24.

Ewas Was ele mieresstcht:

SPfg. Ligarete.
Dk ihr 62
in Deutschland nach orientalischem
System von garantiert naturell aro-
matischen
Tabaken hergestellt, kann
diese Cigarette trotz der hervor-
ragend
guten Qualität schon mit

das Stück verkauft werden.
Beschten Sie den Nlamen .2
unddie
Wrlall fiems elldze
Zu haben in den einschlägigen
durch
Plakate kenntlich gemachten
Geschäften.
(1417a

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg
(Nachdruck verboten.)

Feſtliche Zeiten. Der Geburtstag des Kaiſers.
Die Gala=Oper. Bunte Nächte. In den Hotels.
Franzöſiſche Gäſte. Stimmungen und Verſtimmun=
gen
. Die Ausſtellung von Werken franzöſiſcher Kunſt
des 18. Jahrhunderts. Das Hohelied des Rokoko.
Ein Stück Kunſtgeſchichte und ein Stück Geſchichte.
Feſtliche Tage und feſtliche Nächte,
Kometen am Himmel und auf der Erde, Mummenſchanz
und Tändelſpiel, franzöſiſche Kunſt und galliſche Ver=
droſſenheit
, dazu, damit auch die Kehrſeite nicht fehle
Hochwaſſer und Ueberſchwemmungsgefahr, das alles
wirrte und ſchwirrte in dieſen Tagen bunt durchein=
ander
. Das Geburtstagsfeſt des Kaiſers
hatte wiederum eine Reihe glänzender Bilder entrollt,
die freilich mehr höfiſcher Natur waren und ſich haupt=
ſächlich
in den Sälen des Königlichen Schloſſes ab=
ſpielten
, denn die Zeiten eines Ludwig XIV. und XV.,
in denen auch das Volk teilnehmen konnte an den
prunkenden Feſtlichkeiten, wenn auch nur von den
Galerien, ſind längſt vorüber, heute herrſcht mehr wie
je ſtrenge Abgeſchloſſenheit und eine vornehme Exklu=
ſivität
, die bloß gelegentlich aus ganz beſonderen
Gründen durchbrochen wird. Nur die Gala=Oper
bildet, eine Ausnahme, ſie vereint im Parkett eine
Reihe nicht bei Hofe vorgeſtellter Perfönlichkeiten, die
als Vertreter von Kunſt, Wiſſenſchaft und Literatur
der äußerlich ſo glänzenden Geſellſchaft doch erſt ihr
charakteriſtiſches weltſtädtiſches Gepräge verleihen.
Auch diesmal wieder bot das am Abend des kaiſerlichen
Geburtstages mit ſo erleſenem Geſchmack auf das

reichſte geſchmückte Innere unſeres Opernhauſes den
ſchönheitsfreudigen Rahmen dar für all den Pomp und
die Pracht, die unſer Hof bei dieſen und ähnlichen
frohen Gelegenheiten zu entfalten verſteht. Zu der
Verſammlung der Könige und Fürſten, der Großen des
Reiches und der Geſandten fremder Mächte, die die
kaiſerliche Familie umgaben, zu der feſtlich gekleideten
Zuſchauerſchar, welche das gewaltige Haus bis zum
letzten Plätzchen des Olymps hinauf füllte, fügten ſich
in geeigneter Weiſe die farbenprächtigen Bilder der
Bühne; hatte man doch den zweiten Akt aus Rienzi
gewählt, in welchem der ſiegreiche Volkstribun der,
gleich manch' altem Fürſtengeſchlecht entſtammten hohen
Herren, viel Sinn für Aeußerlichkeiten hegte, als unge=
krönter
Herrſcher Romas die Deputationen von Adel
und Volk empfängt, wobei die hehren Klänge des
Friedenschors eine ſinnige Huldigung für den Kaiſer
bildeten, die gewiß auch von ſeinen fremdſprachigen
Gäſten verſtanden wurde.
Wer zu jenem Feſte keinen Zutritt erlangen kann
und doch etwas naſchen möchte von dem koſtſpielig=
geſellſchaftlichen
Aufwand, der im modernen Berlin
getrieben wird, der muß am ſpäten Abend einer der=
artigen
höfiſchen Veranſtaltung oder einer Gala=Oper
den Lichthof eines unſerer großen Hotels auf=
ſuchen
und ſich dort bei einem Fläſchchen Wein oder
einem Krüglein echten Bieres an einem guten Beob=
achtungspoſten
niederlaſſen. Da kann er verhältnis=
mäßig
billig zu ſeinem Vergnügen kommen, kann eine
umfaſſende Toilettenſchau vornehmen, eine Revne der
Berliner Schönheiten abhalten und ſeinem Drang nach
Spott und Kritik, falls er dies will und über jene edlen
Gaben verfügt, willfahren, zu ſeiner und vielleicht auch
der Umſitzenden Beluſtigung. Denn es gehört jetzt zum
guten Ton, nicht gleich vom Schloß, den Palais, den
ſonſtigen gaſtlichen Stätten, der Oper nach Haus zu
fahren, ſondern ſich noch auf ein Stündchen in größerer
oder kleinerer Vereinigung in einem jener Hotels zu=
ſammenzufinden
, zu ſehen und geſehen zu werden, über
das Erlebte und Erſchaute zu plaudern und zu medi=
ſieren
, wohl auch um den knurrenden Magen zu be=
friedigen
und den Durſt zu löſchen, falls dies nicht
vorher ſo recht nach Wunſch geſchehen konnte. Dann
rauſchen die wundervoll geſtickten Courſchleppen über
die die marmornen Flieſen und Treppen bedeckenden rei=
chen
Teppiche des Orients, weiße Schultern leuchten und
Diademe blitzen, auf den Uniſormen der Herren
funkeln die Ordensſterne, der von Madame Etikette
ausgeübte ſteife Zwang iſt gewichen und man freut ſich,
daß man unter ſich iſt und nicht bloß verhalten zu
flüſtern braucht, die uneingezwängte Daſeinsfreude
kommt zum Recht und mit ihr tritt ein Stück neueſten
Berliner Lebens in die Erſcheinung, das anßerordent=
lich
feſſelnd und unterhaltend wirkt.
Und das auch die Fremden willig als intereſſanten
Ausſchnitt der jungen Weltſtadt rühmen, wie man es
gerade in dieſen Tagen mehrfach von franzöſiſcher
Seite vernehmen konnte. Denn wir ſtehen augenblick=
lich
ſehr im Zeichen Frankreichs, d. h. franzöſiſcher
Kunſt und, damit indirekt in Verbindung, franzöſiſcher
Beurteilung. Iſt doch aus Anlaß der Ausſtellung
von Werken franzöſiſcher Kunſt des 18.
Jahrhunderts in unſerer Königlichen Akademie
der Künſte eine ganze Schar franzöſiſcher Künſtler und
Journaliſten nach Berlin gekommen, die das große, ſo
ſchnell zu Wachstum und Anſehen gelangte Baby unter
den europäiſchen Weltſtädten, genau kennen lernen
wollen. Leider wurde ihre Stimmung gleich zu Anfang
dadurch beeinflußt, daß ſie bei der Eröffnung der Aus=
ſtellung
durch das Kaiſerpaar in drangvoll= fürchter=
licher
Enge im Vorraum warten mußten, ohne Ge=
legenheit
zu finden, den Kaiſer bei ſeinem Rundgang
begleiten und beobachten zu können, welche Eindrücke
er von den Werken der einzelnen Meiſter empfing und
wie überhaupt ſein Art und Weſen iſt. Ob dieſe
Abſperrung im Wunſche des Monarchen lag, mag baß
bezweifelt werden, läßt er es doch nicht an Aufmerk=
ſamkeiten
gegen Angehörige des franzöſiſchen Reiches
fehlen und verfolgt genan die hauptſächlichſten Pariſer
Blätter. Auch von dem Feſt in der franzöſiſchen
Botſchaft, das aus Anlaß der Eröffnung gegeben
und vom Kaiſer= wie vom Kronprinzenpaar, von
erlauchten und edlen Herren und deren Damen, da=
für
aber gar nicht, bis auf Profeſſor Kampf als Präſi=
denten
der Akademie, von jenen beſucht ward, die eine
weithin ſichtbare Stellung in der Kunſt, Wiſſenſchaft,
Literatur einnehmen, blieben unſere franzöſiſchen
Kollegen ausgeſchloſſen. Dies mag ihre Laune nicht
erhöht haben, und der Niederſchlag dürfte nicht aus=
bleiben
. Daß die deutſche Preſſe gleichfalls nicht be=
rückſichtigt
ward, darf nach manch einheimiſchem Bei=
ſpiel
nicht wundernehmen; ſehr richtig betont die Voſſ.
Ztg., daß ſie es ablehnt, ſich Informationen auf Um=

wegen zu verſchaffen oder ſich ſolche in der Portierloge
von einem ſubalternen Gönner zuſtecken zu laſſen.
Bravo! Wenn doch dieſen würdigen Standpunkt auch
andere vielgeleſene Berliner und deutſche Zeitungen
einnehmen wollten, es wäre baldemanches in Punkto
Preſſe beſſer!
Aber ſolch kleine Verdrießlichkeiten und Enttäu=
ſchungen
können uns nicht die innige Freude an all
dem Schönen und Herrlichen ſtören, das die genannte
franzöſiſche Ausſtellung in quellender Fülle
enthält, uns immer wieder und wieder zu ſtillem, aber
deſto tieferem Entzücken zwingend. Nur der Bereit=
willigkeit
des Kaiſers, einzelner deutſcher Fürſten,
franzöſiſcher, belgiſcher und deutſcher Kunſtfreunde, ſich
auf einige Zeit von ihren auch materiell hochbewerte=
ten
Kunſtſchätzen die Ausſtellung iſt mit dem beſchei=
denen
Sümmchen von zwanzig Millionen Mark ver=
ſichert
zu trennen, iſt es zu danken, daß wir ein
geſchloſſenes Bild der franzöſiſchen Kunſt des 18. Jahr=
hundert
erhielten mit den köſtlichſten Perlen der größten
Meiſter jener Epoche. Was dieſe Sammlung bedeutet,
geht ſchon daraus hervor, daß etwa neunzig Künſtler
mit nahe vierhundert Werken, neben Gemälden und
Skulpturen mit Radierungen, Farbenblättern, Zeich=
nungen
uſw., und neben den wahrlich einzig=ſchönen
Gobelins aus franzöſiſchem Staatsbeſitz und verſchiede=
nen
erleſenen Erzeugniſſen des Kunſtgewerbes, ver=
treten
ſind, darunter vor allem Watteau, Boucher,
Lancret, Chardin, Fragonard, Pater, Pesne, Nattier,
Houdon, Greuze, Falconet, Silveſtre, o, und wie viele
andere noch neben ihnen.
Aber wenn man durch dieſe Säle und Gemächer
ſchreitet, ſind uns Namen Schall und Rauch, jedes der
Werke ſpricht ja ſeine eindringliche Sprache, die ſich
insgeſamt verdichtet zu einer ſo lebhaften, packenden,
anmutigen Schilderung der Herrſchaft des Rokoko, daß
man gar nicht weiter nach beſonderen Legitimationen
ſucht und ſich ſo echt und recht am Ganzen freut. Es
iſt uns, als ob man tändelnd=lockende Weiſen vernimmt,
als ob man hohe Hallen und parkumfriedete Wieſen
mit farbenfrohen Gruppen ſchöner Damen und Kava=
liere
bevölkert ſieht, Romane entſpinnen und entwirren
ſich, ein Werther würde in dieſen Kreiſen als ſehr
törichter Schwärmer ausgelacht werden, die Daſeins=
freude
, das Hätſcheln des eigenen Ichs iſt auf die Spitze
getrieben, heute luſtig und morgen wieder luſtig und,
wenn’s ſein ſoll, nach uns die Sintflut! Inmitten
dieſer Verherrlichungen des ſich wenig um Geſetze und
Ueberlieferungen kümmernden ſchrankenloſen Lebens=
genuſſes
, verſteht man den berückenden Leichtſinn jener
Zeit, aber man fühlt auch, zumal beim Betrachten ein=
zelner
Bildniſſe und Büſten jener zum Hofe gehören=
den
Damen und Herren, in deren Zügen ſo beredt
Hochmut und Ueberhebung ausgeprägt ſind, das Kom=
men
der blutigen Sintflut, die mit jäher Wucht all
den lächelnden, graziöſen Tand hinwegwiſchte mit dem
von den Schrecken der Guillotine unterſtützten Befehl
des von jenen Großen ſo verachteten Volkes: Platz da,
jetzt kommen wir! In dieſer Hinſicht verkörpert die
Ausſtellung auch ein lehrreiches Stück Geſchichte, ſie
regt nicht nur auf das liebenswürdigſte unſere Sinne
an, ſie kann uns auch recht nachdenklich ſtimmen in
unſeren Tagen des Luxus, der trotz allen Warnungen
und Ermahnungen ſo bedenkliche Fortſchritte macht,
als ob Groß=Berlin nur bevölkert wäre von Millio=
nären
und zählt von dieſen nach der jüngſten Sta=
tiſtik
bloß lumpige zweitauſend!

Keine Mutter verſäume, ihren kleinen
Lieblingen während der
Zahnzeit
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die allgemeine Kräftezunahme günſtig
beeinflußt, beſonders aber Appetit und
Verdauung anregt, als auch das leichte
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