Darmstädter Tagblatt 1910


28. Januar 1910

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173. Jahrgang

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Für und wider die Schiffahrtsabgaben.

* Nach der bereits mitgeteilten Rede des Prinzen
Ludwig von Bayern in der Sektion München des Baye=
riſchen
Vereines zur Hebung der Fluß= und Kanalſchiff=
fahrt
Bayerns wurde folgende Reſolution angenom=
men
: Die Sektion München des Vereins für Hebung der
Fluß= und Kanalſchiffahrt in Bayern erblickt in der bal=
digen
Erledigung des vorliegenden Geſetzentwurfes be=
treffend
die Erhebung von Schiffahrtsabgaben unter der
Vorausſetzung ſeiner Ergänzung durch Beſtimmungen,
welche einige ſchwere Bedenken zu beſeitigen geeignet er=
ſcheinen
, eine kräftige Förderung der Intereſſen der baye=
riſchen
Binnenſchiffahrt, da von ihr die Kanaliſie=
rung
des Mains bis Aſchaffenburg abhängt.
Der Ausbau dieſer Strecke iſt aber als der Anfang aller
weiteren Kanalbauten in Bayern und als die unerläßliche
Vorausſetzung für die Ausführung der größeren Projekte
zu betrachten. Die Sektion erwartet von den durch die
Schiffahrtsabgaben aufzubringenden Mitteln, für deren
ſachgemäße Verwendung
die im Geſetzentwurf
vorgeſehenen Zweckverbände Gewähr leiſten, eine
weſentliche Förderung der bayeriſchen Kanal=
projekte
, deren baldige Durchführung für die weitere wirt=
ſchaftliche
Entwicklung unſeres engeren Vaterlandes eine
dringende Notwendigkeit iſt.
Anderer Meinung iſt die Hanauer Handels=
kammer
, die in ihrem in den nächſten Tagen erſchei=
nenden
Jahresbericht die Anſicht ausſpricht, daß der Ent=
wurf
nach der Aufnahme, die er gefunden, wenig Ausſicht
auf Verwirklichung habe. Die faſt allgemeine Abneigung
der beteiligten Kreiſe in Handel und Induſtrie erkläre ſich
nicht nur aus grundſätzlichen Bedenken, ſondern habe
noch eine poſitive Rechtfertigung für ſich gewonnen, nach=
dem
die Veröffentlichung des Abgabentarifs erfolgt ſei
und dieſer ſich als weitgehend in agrarfreundlichem Sinne
aufgeſtellt erwieſen hat. Dieſe Situation ſchiebe die In=
angriffnahme
der von der Einführung der Schiffahrts=
abgaben
abhängig gemachten Kanaliſierung des
Mains von Offenbach über Hanau nach Aſchaf=
fenburg
bedauerlicherweiſe wiederum weiter hinaus und
mit ihr den Bau eines Mainhafens bei Hanau. Der Be=
richt
empfiehlt ſchließlich, da der Streit um die Abgaben=
frage
offenbar doch in abſehbarer Zeit nicht zu einem be=
friedigenden
Ergebnis geführt werden könne, die Ufer=
ſtaaten
möchten ſich für die Fortführung der Mainkanali=
ſierung
auf einen anderen Modus einigen, um die wenigen
für dieſes wichtige Werk erforderlichen Millionen aufzu=
bringen
, damit die fertig vorliegenden Projekte endlich zur
Durchführung gebracht werden könnten.
In der badiſchen Kammer ging beim Präſidium
folgender Antrag ein: Die Kammer ſpricht ſich dahin aus,
die Regierung wolle die Neckarkanaliſation durch
ein bundesfreundliches Zuſammenwirken mit Württemberg
zu Ende zu bringen ſuchen, um ein Zuſammengehen mit
Württemberg in der Frage der Schiffahrtsabgaben herbei=
zuführen
. Bekanntlich hat auf eine direkte Frage hin
die Regierung es abgelehnt, ihre Stellung in der Frage
der Neckarkanaliſation ſchon näher zu präziſieren. In der
Sitzung der Erſten Kammer beſprach Bürgermeiſter Dr.
Weiß=Eberbach die gleiche Angelegenheit. Er erklärte:
In der Neckarkanaliſation droht der Standpunkt der bis=
herigen
Zurückhaltung ſich zu rächen; bei der Frage der
Schiffahrtsabgaben hätte ſich Baden mit Württemberg
verſtändigen ſollen. Ich hoffe, daß es noch nicht zu ſpät
iſt. Die Verhandlungen der badiſchen Regierung mit der
württembergiſchen ſind in den letzten Tagen weitergeführt
worden. Bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge
dürfte eine Antwort der badiſchen Regierung jedenfalls
doch bald zu erwarten ſein.
Als ſchiffahrtsabgabenfreundlich hat ſich jetzt Mei=
ningen
bekannt. Auf eine Anfrage über die Stellung,
die die meiningiſche Staatsregierung gegenüber der von
Preußen geplanten Einführung von Schiffahrtsabgaben
auf den natürlichen Waſſerſtraßen einnimmt, erklärte näm=
lich
der Staatsminiſter v. Ziller in der Sitzung des Land=
ages
, die Staatsregierung werde dem Antrag Preußens
im Bundesrate zuſtimmen, da er für Sachſen= Mei=
ningen
einen großen Vorteil bedeute. Denn einmal ſollen
die Abgaben auf dem ganzen Strom in gleicher Weiſe ver=
teilt
erhoben werden, während bisher nur die Abgaben an
den Schleuſen erhoben worden ſeien, was beſonders die
Anwohner des Oberlaufes der Sträme und hier beſonders

die deutſchen Mittelländer betroffen hätte, ſodann aber
plane Bayern eine Kanaliſierunge des Mains
bis Bamberg. Der Antrag Preußens ſei äußerſt weit=
ſichtig
und von größter kultureller Bedeutung für das
deutſche Gemeinwohl; er bedeute einen ſtarken Schutz
gegen den Partikularismus.
In einen eigenartigen Konflikt gerät die Stadt
Leipzig mit der ſächſiſchen Regierung wegen
der Schiffahrtsabgaben. Seit längerer Zeit wird nämlich
von Leipzig der Bau eines Kanals angeſtrebt, der die
zweite Hauptſtadt Sachſens mit der Saale verbinden
ſoll. Eine zu dieſem Zweck gegründete Kanalgeſellſchaft
hat an die ſächſiſche Ständeverſammlung eine Eingabe ge=
richtet
, in der ſie darum bittet, der endlichen Schaffung
eines Waſſerweges nach der Saale ihre Unterſtützung zu
leihen und zu dem Zwecke einer entſprechenden Vorlage
der königlich ſächſiſchen Regierung ihre Zuſtimmung zu
erteilen. Ebenſo hat ſie ſich an das ſächſiſche Miniſterinm
des Innern gewandt, das ſie zur Einbringung einer ſol=
chen
Vorlage auffordert. In der ſehr ausführlichen Be=
gründung
der Eingaben wird ausgeführt, daß die Schaf=
fung
eines ſolchen Schiffahrtskanals für Leipzig eine Le=
bensfrage
ſei und daß die hohen, durch den ausſchließlichen
Landweg bedingten Transportkoſten Leipzig in ſeiner
wirtſchaftlichen Entwicklung ſchädigten und zurückhielten.
Die Angelegenheit hat ſchon im Jahre 1907 die ſtädtiſchen
Körperſchaften von Leipzig beſchäftigt und dieſe haben
ihre große Wichtigkeit dadurch anerkannt, daß ſie ſich be=
reit
erklärten, unter gewiſſen Vorausſetzungen für die Bau=
koſten
des Kanals, die auf 18 Millionen veranſchlagt ſind,
eine 3½prozentige Zinsgarantie bis zur Höhe von 300000
Mark jährlich zu übernehmen. Nun liegt die Sache aber
ſo, daß der Bau eines Schiffahrtskanals, der von Leipzig
ausgehend die Saale etwa in der Richtung auf Merſeburg
treffen würde, ein ziemlich zweckloſes Unternehmen wäre,
wenn nicht auch die Saale bis nach Halle ſchiffbar gemacht
würde. Dieſe Arbeit würde von Preußen und auf
preußiſche Koſten auszuführen ſein; es liegt aber auf der
Hand, daß Preußen einen ſolchen Bau, der ſowieſo ſchon
ſeine Eiſenbahneinnahmen beeinträchtigt, unter keinen Um=
ſtänden
vornehmen würde, wenn ihm nicht für die von
ihm auszubauende Strecke ſolche Schiffahrtsabgaben zur
Verfügung geſtellt würden, die einen Ausgleich für die Be=
triebskoſten
und eine angemeſſene Verzinſung des Bau=
kapitals
verbürgten. Der Widerſtand der ſächſiſchen Re=
gierung
gegen die Schiffahrtsabgaben kommt alſo hier in
einen Könflikt mit den Intereſſen der Stadt Leipzig, deren
Kanalpläne durch die Haltung der ſächſiſchen Regierung
unausführbar gemacht werden. Man darf annehmen, daß
die Petitionen an die Ständeverſammlung und an das
Miniſterium des Innern mit dem ausgeſprochenen Zwecke
abgeſandt ſind, um die Intereſſen Leipzigs gegenüber der
bis jetzt erfolgten Regierungspolitik zu wahren.

Zentrum und Bismarcksverehrung.

* Dem Zentralausſchuß zur Errichtung eines Na=
tionaldenkmals
für Bismarck gegenüber dem
Niederwald gehören auch einige Zentrumsmänner,
darunter anerkannte Führer wie Porſch und Trimborn
an. Ein ſozialdemokratiſches Blatt hat ſich berufen ge=
glaubt
, dieſen Fauſtſchlag ins Geſicht des katholiſchen
Volkes mit dem Hinweis auf den Kulturkampf zu ver=
höhnen
. Die Köln. Volksztg. erwidert darauf in einem
Leitartikel, in dem ſie mit folgenden bemerkenswerten
Sätzen für die Bismarckehrung durch das
Zentrum eintritt:
Heute hat ſich mit Bezug auf dieſen Punkt zweifellos
eine Wandlung innerhalb der Zentrumspartei, wenigſtens
innerhalb ſehr weiter Kreiſe der Zentrumspartei, voll=
zogen
. Der Ablauf der Zeit hat die Erinnerung an den
hervorragenden Anteil, welchen Fürſt Bismarck an der
Bedrückung der deutſchen Katholiken in dem ſogenannten
großen Kulturkampf hatte, etwas zurücktreten laſſen, ſo
wenig dieſe Erinnerung verblaßt iſt und jemals verblaſſen
darf. Andererſeits treten die unauslöſchlichen
Verdienſte, die der erſte Kanzler des Deutſchen Reiches
um deſſen Gründung und Feſtigung ſich erworben hat, bei
einer Betrachtung des hiſtoriſchen, den Kämpfen der un=
mittelbaren
Gegenwart entrückten Staatsmannes mehr
und mehr in den Vordergrund. Fürſt Bismarck iſt der
Gründer des Deutſchen Reiches mehr als irgend eine der
bedeutenden Perſönlichkeiten ſeiner Zeit . .
Keine
Frage: Bismarck ſteht heute in den Augen auch der wei=
teſten
katholiſchen Kreiſe anders da, als vor einigen Jahr=
zehnten
. Seine Geſtalt wächſt vor unſeren Augen bei dem

notgedrungenen Vergleich mit manchem der Männer, die
heute die Geſchicke des Deutſchen Reiches in den Händen
haben. Und ſie wächſt mit dem Maße der Entfernung von
den politiſchen und kirchenpolitiſchen Kämpfen, in deren
Brandung der Lebende ſtand. Die deutſchen Katholiken
ehren in ihm nicht den Miniſter des Kulturkampfes, ſon=
dern
den Mann. der Deutſchland groß machte: auch für
ſie iſt ſeine Geſtalt das Symbol der deutſchen Einigkeit
geworden.
Es wäre freudig zu begrüßen, wenn die vorſtehenden
Ausführungen der Köln. Volksztg. wirklich innerer
Ueberzeugung entſprießen und mehr als eine vorüber=
gehende
Anwandlung bedeuten.

England und Kreig.

* Die Kreter ſind mit England ſehr unzu=
frieden
und quittieren ihre Enttäuſchung mit Denun=
ziationen
beim Dreibund, der aber ſchwerlich für ſolche
Pläne zu haben ſein wird. Der Kreter Felix Venicelos
betont, ſeit der Euphrat= und Tigris=Konzeſſion ſei Eng=
land
plötzlich mit der Türkei wieder befreundet. Der
Zweck, den die Politik Englands augenblicklich verfolgt,
iſt niemand, weder in Kreta noch in Griechenland, ein Ge=
heimnis
mehr: England ſucht einen Vorwand, ſich in
den Beſitz der ſtrategiſch ſo unendlich wichtigen Sudabai
auf Kreta zu ſetzen, das von derſelben militäriſchen Wich=
tigkeit
iſt wie Malta und Gibraltar. Der Dreibund hat
daher allen Grund, auf dieſe Intrige Englands zu achten
nach den Erfahrungen, die man mit Aegypten, Zypern und
Malta gemacht hat. Den Preis, für den die Türkei in den
Wiederbeſitz Kreras treten kann, dürfte die Suda=
bai
ſein. Wenn die Türkei zufällig auch Kreta verliert,
England weicht und wankt ſicher nicht von der Sudabai,
um Saloniki und Konſtantinopel von dort in Schach zu
halten. Auch in England weiß man nur zu gut, daß die
jungtürkiſche Wirtſchaft nicht ewig dauern kann, und daß
ihre Poſition zu wanken beginnen wird, wenn der Natio=
nalitätenkampf
im Parlament und dem ſo buntſcheckig zu=
ſammengeſetzten
Lande entbrennen wird. Doch die Politik
Englands war von jeher eine Opportunitätspolitik, und
nichts wird es hindern, morgen entrüſtet ſeine Stimme
für die ermordeten Griechen und Armenier zu erheben.
Bei den offenkundigen Beſtrebungen Englands, den Bal=
kanbund
gegen Oeſterreich und Deutſchland zu fördern,
fragt es ſich, ob der Dreibund es nicht für angezeigt erach=
ten
ſollte, das jetzt faſt ſchutzloſe Griechenland in ſeinen
Anſprüchen auf Kreta zu unterſtützen.

Deutſches Reich.,

Zu den Verhandlungen bezüglich der Zollpoli=
tik
gegenüber Amerika erklärt ein augenſcheinlich
inſpiriertes Berliner Telegramm der Kölniſchen Ztg.:
Die Beratungen, bei denen verſchiedene Vorſchläge er=
wogen
werden, haben natürlich keine beſchließende Kraft,
und die Entſcheidung ſteht in letzter Linie dem Reich’s=
kanzler
zu. Es ſind in den letzten Tagen vielfach ame=
rikaniſche
Zeitungsſtimmen bekannt geworden, die mit
Nachdruck gegen einen Zollkrieg Stellung nehmen, der,
nebenbei bemerkt, durch Einführung des deutſchen Ma=
rimaltarifes
noch gar nicht ausgeſprochen ſein würde.
Wem die guten wirtſchaftlichen Beziehungen der beiden
Länder am Herzen liegen, der wird nur wünſchen können,
das es gelingen möge, ihre Störung zu verhüten und
noch in letzter Stunde einen Weg zu finden, auf dem ſich
die jetzt noch widerſtreitenden Anſichten vereinigen laſſen.
Auf amerikaniſcher Seite liegen die eigentlichen Schwie=
rigkeiten
bekanntlich bei den Fleiſchexvorteuren, deren For=
derungen
Deutſchland ebenſo zurückweiſen wird, wie das
durch kleinere Staaten, z. B. Holland und Dänemark, um
nicht von Frankreich und Oeſterreich zu reden, geſchieht.
Dem Vernehmen nach iſt dem Bundesrat der Ent=
wurf
eines Geſetzes über die Kontrolle des
Reichshaushalts zugegangen. Dieſer Entwurf will
nicht, wie in früheren Jahren, die in Preußen geltenden
Vorſchriften ausnahmslos auf das Reich übertragen, ſon=
dern
zugleich Vereinfachungen auf dem Gebiete der
Rechnungsprüfung bringen, wie ſie neuerdings insbeſon=
dere
im Reichstag in Vorſchlag gebracht worden ſind. Der
Entwurf bezweckt, die Verwaltung und vor allem den
Rechnungshof von Arbeiten, die ohne Schädigung des
Prüfungszwecks unterbleiben können, zu befreien und da=
mit
auch eine Verringerung des für dieſe Arbeiten erfor=
derlichen
Perſonals zu ermöglichen.
Eine Verpachtung von Norderncy iſt jetzt
in Ausſicht genommen. Es iſt dies ſachlich weſentlich da=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

Nummer 23.

durch begründet, daß dort Einrichtungen getroffen werden
müſſen, die für den Staatsbetrieb ſehr große Schwierig=
keiten
machen würden. Früher hat die Gemeinde ſelbſt
Widerſtand geleiſtet, jetzt iſt ſie für Verpachtung und will
ſich an der Pacht beteiligen. Feſte Geſtalt haben die Ver=
handlungen
noch nicht angenommen, aber es iſt möglich
und wahrſcheinlich, daß ſie zu einem Reſultat führen
werden.
Der wirtſchaftliche Ausſchuß erweiterte
die Zuſammenſetzung der Kommiſſion für Handel und
Schiffahrt von 12 auf 17 Mitglieder. Die Kommiſſion ſoll
bei den Vorbereitungen des Ausſchuſſes von Handelsver=
trägen
in allererſter Linie gehört werden.
Der Vertrag mit der Kolonialgeſell=
ſchaft
für Südweſtafrika hat in der Budgetkom=
miſſion
eine ſo abfällige Kritik erfahren, daß der Staats=
ſekretär
in der Kommiſſion und gleich darauf auch in der
Plenarſitzung die Erklärung abgab, er werde den Ver=
trag
in der gegenwärtigen Form nicht abſchließen, ſondern
neue Vereinbarungen in die Wege leiten.
In der Sitzung der Budgetkommiſſion des preu=
ßiſchen
Abgeordnetenhauſes äußerte ſich bei der Beratung
des Juſtizetats der Juſtizminiſter zum Kieler Werft=
prozeß
. Die Anklage ſei erhoben worden auf Grund
einer teilweiſe verſchwommenen Beweisaufnahme. Vieles
ſei verwickelt und unklar geweſen. Das treffe beſonders
zu für die Sachen, die die Kompetez des Schwurgerichtes
begründet hätten. Die Staatsanwaltſchaft wäre in der
Lage geweſen, die hierauf gerichteten Anklagen fallen zu
laſſen, weil ſie hätte einſehen müſſen, daß es ſehr ſchwer
geweſen wäre, einen Beweis zu führen, der den Geſchwo=
renen
genügen konnte. Die Staatsanwaltſchaft hätte ſich
beſchränken können auf Anklagen, die zur Kompetenz der
Strafkammer gehören. Im Hinblick auf dieſe Erwägun=
gen
ſeien der Staatsanwaltſchaft vom Miniſter
ernſte Vorwürfe gemacht worden.
Zwiſchen der Mehrheit der Zweiten ſäch=
ſiſchen
Kammer und der Regierung iſt ein offener
Konflikt ausgebrochen, weil die letztere verlangt, daß
40000 Mark Penſionen für Fachlehrerinnen in den Volks=
ſchulen
auf die Gemeinden zu übernehmen ſeien. Wegen
dieſer Lapalie will die Regierung das neue Geſetz über
die Anſtellung der Fachlehrerinnen ſcheitern laſſen. Der
Kultusminiſter warf den Liberalen vor, ſie machten aus
der Frage eine Kraftprobe; dieſer Vorwurf wurde von den
nationalliberalen Abgeordneten Langhammer, Hettner und
Kaiſer nachdrücklichſt zurückgewieſen, ebenſo von den Frei=
ſinnigen
. Die geſamte Linke hat die Regierungsforderung
abgelehnt, nur 28 Konſervative waren dafür. Die Mehr=
heit
der Kammer verlangte die Uebernahme der 40000
Mark auf den Staat.

Ausland.

Die franzöſiſche Kammer nahm das Unterrichts=
budget
an. Das Haus iſt von telephoniſchen und tele=
graphiſchen
Verbindungen abgeſchnitten.
Da Clemenceau ſeinen Austritt aus der radi=
kalen
Partei aufrecht erhält, trotzdem ihm die Lei=
tung
derſelben über das Zuſammengehen mit den So=
zialdemokraten
bei den Touloner Gemeindewahlen aus=
führliche
Aufklärungen gegeben hat, beſchloß der Partei=
ausſchuß
, die Austrittserklärung anzunehmen.
Miniſterpräſident Briand empfing eine von den
belgiſchen Deputierten Vandervelde und Anſeele
geführte Abordnung der belgiſchen Arbeiterpartei, die über
die von der franzöſiſchen Kammer bei der Zolltarifdebatte
beſchloſſene, gegen die ausländiſchen Arbeiter gerichtete
Steuer Beſchwerde erhob. Miniſterpräſident Briand er=
klärte
, daß die Regierung dieſe Steuer, die ſie ſchon in
der Kammer bekämpft habe, auch im Senate bekämpfen
werde.

Das norwegiſche Storthing wurde am Mittwoch
vom. König in Gegenwart der Königin und des diploma=
tiſchen
Korps mit einer Thronrede eröffnet. Die
Thronrede erklärt die Beziehungen Norwegens zu den
fremden Mächten für befriedigend. Die Regelung der Ver=
hältniſſe
von Spitzbergen ſei Gegenſtand von Auseinander=
ſetzungen
mit den übrigen intereſſierten Mächten. Ferner
werden Geſetzentwürfe über die Rechtspflege, über eine
Produktionsſteuer auf Bier und über Schiedsgerichte bei
Streitigkeiten zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitern ange=
kündigt
. Nachdem das Storthing fünf radikale Mandate
kaſſiert und ſich definitiv konſtituiert hatte, wurde der
Konſervative Bratlie zum Präſidenten und der Liberale
Konow zum Vizepräſidenten gewählt. Die Regierung
wird die in der Thronrede angekündigten Geſetze vorlegen
und ſofort demiſſionieren. Der Auftrag zur Neubil=
dung
des Miniſteriums wird zuerſt an den Li=
beralen
Michelſen ergehen, doch iſt es noch ungewiß, ob
er annimmt.
Die bulgariſche Regierung befaßt ſich mit dem
Plane, den geltenden Handelsvertrag mit einigen
Aenderungen bis zum Jahre 1916, das heißt bis zum
Ablaufe der großen europäiſchen Handelsverträge, zu ver=
längern
. Die Entſcheidung dürfte in dieſen Tagen gefällt
werden.
Die türkiſche Botſchaft in Berlin teilt
mit: Die in einigen Zeitungen erſchienene Nachricht, daß
der Großweſir Hakki=Paſcha in Rom mit dem griechiſchen
Geſandten perſönlich verhandelt hätte und daß eine Ver=
ſtändigung
in der Kretafrage auf der Baſis pekuniärer
Entſchädigung möglich wäre, entbehrt jeder Be=
gründung
. Wie aus den Erklärungen, die das neue
Kabinett in ſeinem Programm gegeben hat, hervorgeht,
iſt eine Aenderung des Standpunktes der ottomaniſchen
Regierung in dieſer Frage ausgeſchloſſen.

* Die franzöſiſche Ausſtellungund die
Pariſer Preſſe. Die Pariſer Blätter berichten mit
großer Ausführlichkeit teilweiſe Spalten lang über die
Eröffnung der franzöſiſchen Ausſtellung in Berlin und die
nachfolgende Soiree in der franzöſiſchen Botſchaft. Der
Matin gibt die Eindrücke einiger franzöſiſcher Gäſte über
das ſozuſagen hiſtoriſche Ereignis dieſer Ausſtellung wie=
der
. Henri de Rothſchild war über des Kaiſers Liebens=
würdigkeit
entzückt, der ſich für die Gemälde der Samm=
lung
Rothſchild ſehr zu intereſſieren ſchien. Er erkundigte
ſich auch nach dem Ankaufspreiſe und dem jetzigen Wert
einzelner Gemälde. Die Herren Cormon und de Nolhac
betrachteten die Ausſtellung als einen vollen Erfolg und
zeigten hohe Genugtuung über die Aus eichnungen,
die der Kaiſer den franzöſiſchen Ausſtellern und Veran=
ſtaltern
widerfahren ließ. Der Berliner Korreſpondent des
Figaro fügt ſeinem Bericht hinzu, die Ausſtellung, die
von keinem politiſchen Gedanken inſpiriert war, habe als
glückliche Konſequenz den Beſuch des Kaiſerpaares in der
Botſchaft herbeigeführt. Das Hauptverdienſt an der
deutſch=franzöſiſchen Annäherung komme neben den diplo=
matiſchen
Vertretern der Republik den patriotiſchen Be=
mühungen
der Politiker Etienne und Roch zu, dann den
Vertretern der Kunſt, Saint Saéns, Maſſenet und Roux,
die der jetzigen glänzenden Kundgebung franzöſiſchen Gei=
ſtes
den Weg vorbereitet hätten.
* London, 26. Jan. Wie verlautet, wird König
Eduard auf ärztlichen Rat auch in dieſem Jahre nach
Biarritz gehen. Der Termin für die Abreiſe iſt vorläufig
auf den 3. März feſtgeſetzt. Der deutſche und der
ruſſiſche Botſchafter reiſten nach Windſor ab, um
einige Tage bei König Eduard zu Gaſte zu ſein.

Alt=Paris unter Waſſer.

** Ein feſſelnder hiſtoriſcher Rückblick, der im
Gaulois veröffentlicht wird, zeigt an intereſſanten
Beiſpielen, daß die neue Ueberſchwemmungs=
kataſtrophe
in Paris im vergangenen Jahr=
hundert
ihre zahlreichen Vorläufer hatte und daß die
Seine keineswegs jener friedliche Fluß iſt, als den ſie
der Fremde kennen lernt, der an einem ſonnigen
Frühlingsmorgen die Kais entlang ſchlendert. Vor
mehr als vier Jahrhunderten wurden zahlloſe Men=
ſchenleben
ein Opfer des Fluſſes; am 7. Januar 1469
trat die Seine über ihre Ufer und ihre Waſſer dran=
gen
vor bis zum Place Maubert und Marais. Bis zum
12. ſtieg die Ueberſchwemmung immer mehr; die ge=
ängſtigten
Bürger trugen damals in feierlicher Pro=
zeſſion
den Reliquienſchrein der heiligen Genoveva zum
Flußufer, um den Zorn des Elements zu beſchwören.
Hart bedroht war die Notre Dame=Brücke. Ein Jahr
ſpäter kam eine neue Ueberſchwemmung und diesmal
wurde die Brücke von den Waſſern ſchwer erſchüttert.
Aber die Schöffen, die die Brücke unterſuchen laſſen,
verſügen keinerlei Wiederherſtellungsarbeiten: als am
25. Oktober 1494 unter einem furchtbaren Sturme
plötzlich wieder Hochwaſſer eintritt, wird die Brücke
von den Fluten völlig zerſtört, und mit ihr ſinken die
65 Häuſer, die ſie bekrönten, in die Fluten der Seine.
500 Menſchen wurden dabei verſchüttet und ſtarben
in den Wellen. Die Empörung im Volke, im Parla=
mente
und am Hofe war ſo groß, daß man den Vor=
ſteher
der Kaufmannſchaft und alle Schöffen des ver=
floſſenen
Jahres, den Staatsanwalt, den Amtsſchreiber
und zwei Steuereinnehmer auf der Stelle verhaftete.
Der Vorſteher der Kaufmannſchaft und die Schöffen
des Jahres, in dem die nötigen Reparaturen verſäumt
worden waren, wurden zu hohen Geldſtrafen und zur
Erfüllung aller Schadenserſatzanſprüche aller Betrof=
fenen
verurteilt. Sie beſaßen nicht genug, um das
zu bezahlen, und ſchmachteten daher bis an ihr Lebens=
ende
im Kerker. Die Notre Dame=Brücke wurde von
15001512 dann wieder neu aufgeführt; dabei er=
höhte
man den Boden am Ufer, ſodaß die 13 Stufen
der Notre Dame=Kirche verſchwanden, alle Läden zu
Kellerräumen und die erſten Etagen zum Straßen=
geſchoß
wurden, Um 1547 riß ein Hochwaſſer zahlloſe

Schiffe mit ſich fort und die St. Michel=Brücke ſtürzte
ein: mit 17 Häuſern, die auf ihr ſtanden.
Der höchſte Waſſerſtand in der Geſchichte
von Paris wurde am 4. Juli 1615 erreicht; bei dieſer
Ueberſchwemmung zeigte der Waſſermeſſer am Pont=
Royal 9,82 Meter. Im Januar des folgenden Jahres
fror die Seine bis zu einigen Metern tief; plötzliches
Tauwetter löſte dann die Eismaſſen, unzählige Fahr=
zeuge
wurden zerſtört und unter dem Drucke der Eis=
flut
ſtürzte der Pont=Michel von neuem mit mehreren
Häuſern ein. Der Reſt der Brücke wird geräumt und
fällt im Juli der Hochflut endgültig zum Opfer. Die
Birſen=Brücke wurde ſo erſchüttert, daß viele Häuſer
einſtürzten, wobei große Schätze aus den Goldläden
und den Wechſelgeſchäften verloren gingen. Im Fau=
bourg
Saint=Marcel ſtürzen zwei Häuſer ein und be=
graben
9 Menſchen unter ihren Trümmern. Aber
immer wieder fordert die Seine neue Opfer. 1641
reißen die Fluten die Marienbrücke mit, 1658 kommt
eine neue, furchtbare Ueberſchwemmung, 1697 eine
dritte, und 1740 erreicht die Seine am Pont=Royal
wieder 9,82 Meter. Auch mit dem 19. Jahrhundert
endigt nicht die Schreckenschronik: 1802, 1807, 1836, 1876
und ſchließlich 1880 ſuchen neue Hochwaſſerkataſtrophen
die Bürger von Paris heim.

Die Kinderſtube des engliſchen
Parlaments.

In den heißen Wahlkämpfen, deren Lärm
in dieſen Tagen in allen Gauen des Vereinigten =
nigreichs
widerhallt, haben die Wähler eines Kreiſes
auch einen jungen Zweiundzwanzigjähri=
gen
dazu beſtimmt, im Unterhauſe als Abgeordneter
teilzunehmen an der Feſtſetzung der Geſetze, nach denen
die Nation regiert werden ſoll. Der Vorgang erinnert
eine engliſche Wochenſchrift daran, daß ſchon oft Jüng=
linge
, die kaum dem Knabenalter entwachſen waren,
als Geſetzgeber auf den Bänken des engliſchen Unter=
hauſes
Platz genommen haben; boshafte Kritiker haben
gelegentlich die Gruppe dieſer jungen Parlamentarier
die Kinderſtube des Unterhauſes genannt. Um 1613
zählte dieſe Kinderſtube des britiſchen Parlaments
nicht weniger als 40 Pfleglinge, von denen nicht

einer bereits ſein 20. Lebensjahr erreicht hatte; einer
von ihnen war beim Eintritt in die geſetzgebende Kör=
perſchaft
gerade 16 Jahre alt geworden. Als Edmund
Waller, der berühmte Lyriker aus den Tagen der
Stuarts, in das erſte Parlament Karls I. eintrat, war
er ein Schuljunge von 16 Jahren. Clarendon behaup=
tete
von ihm, er werde im Parlament geſäugt.
Jedenfalls war er wohl der einzige Abgeordnete, der
als 82jähriger auf ein parlamentariſches Debüt zurück=
blicken
konnte, das nicht weniger als zwei Drittel eines
Jahrhunderts zurücklag. Als Charles James Fox als
Abgeordneter von Midhurſt im Unterhauſe Platz nahm,
war er 19 Jahre alt und in ſeiner Erinnerung ſpukten
noch die Rutenhiebe, mit denen ſein energiſcher Vater
ihn zu züchtigen pflegte. Aber er war nur wenige
Wochen Mitglied des Hauſes, als er eine der bedeu=
tendſten
Jungfernreden hielt, die je in Weſtminſter ge=
hört
worden ſind. Alle Leute ſprechen davon als von
einer ganz außerordentlichen Sache, ſo ſchreibt der
beglückte Vater an einen Freund, und ich bin darüber
nicht wenig erfreut. Cheſterfield war 20 Jahre alt,
als er als vollberechtigter Abgeordneter im Parlament
Platz nahm. Seine erſte Rede elektriſierte das Haus
durch ihren Schwung und die ſcharfe Logik; aber ſein
Triumph ward ein wenig getrübt durch einen Ord=
nungsruf
, der ihn darüber aufklärte, daß er zu jung
ſei. um im Parlament das Wort ergreifen zu dürfen,
und ſich damit einer ſchweren Geldſtrafe ausſetze.
Wie raſch bisweilen ſolche jugendlichen britiſchen
Parlamentarier der Kinderſtube entwachſen, bewies
William Pitt; er war 21 Jahre alt, als der Kreis
Appleby den Jungen ins Unterhaus ſchickte. Wenige
Wochen ſpäter war er als einer der beſten Redner und
der gefürchtetſten Polemiker des Hauſes berühmt. Nach
ſeiner wundervollen Jungfernrede ſagte ein Mitglied
der Oppoſition zu Fox: Pitt wird einer der erſten
Männer des Parlaments werden worauf Fox nur
erwiderte: Er iſt es ſchon Mit 33 Jahren war Pitt
Schatzkanzler und mit 24 Jahren Premierminiſter.
Im letzten engliſchen Parlament waren 27 Mitglieder,
von denen noch keiner ſein 27. Jahr vollendet hatte,
und nach den jüngſten Wahlberichten werden auch im
neuen Unterhauſe eine Schar von Abgeordneten teil=
nehmen
, die ihrem Lebensalter nach in Deutſchland
nicht wahlberechtigt wären.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Januar.

Beſtätigt wurde der von dem katholiſchen Pfarrer
zu Ober=Mörlen auf die erſte Lehrerſtelle an der dortigen
Gemeindeſchule präſentierte Lehrer Aloys Schaack eben=
daſelbſt
für dieſe Stelle.

Von der Zweiten Kammer. Zu der Angelegen=
heit
Molthan veröffentlicht der Finanzausſchuß
folgende Mitteilung: Auf Antrag unſeres Mitgliedes,
des Herrn Abgeordneten Molthan, fand heute eine
kurze Beſprechung der Angelegenheit ſtatt, die ihn zur
Ankündigung ſeines Austrittes aus dem Ausſchuſſe
bewogen und die auch Erörterung in der Preſſe gefunden
hat. Es beſteht allſeitiges Einverſtändnis darüber, daß
ein Antrag des Herrn Molthan, oder irgend eines Mit=
gliedes
des Ausſchuſſes, die Zuſchüſſe zur Landwirt=
ſchaftskammer
zu kürzen, nicht geſtellt wurde; wie über=
haupt
Aeußerungen des Herrn Molthan über die
Möglichkeit derartiger Abſtriche nur bei einer unverbind=
lichen
allgemeinen Ausſprache über die Finanzlage des
Staates erfolgt ſind. Herr Molthan iſt mit dieſer Kon=
ſtatierung
einverſtanden und ſieht von ſeinem
Austritte aus dem Ausſchuſſe ab. Der unter=
zeichnete
Präſident des Finanz=Ausſchuſſes veröffentlicht
dies gemäß dem einſtimmigen Beſchluſſe des Ausſchuſſes.
* Rechtsanwaltſchaft. Am 13. Januar wurden
der Gerichtsaſſeſſor Ostar Colin zu Darmſtadt und
der Referendar Dr. Karl Walz zu Darmſtadt zur Rechts=
anwaltſchaft
bei dem Landgericht der Provinz Starken=
burg
, ferner der Gerichtsaſſeſſor Erwin Mengel zu
Nidda zur Rechtsanwaltſchaft bei dem Amtsgericht
Schotten zugelaſſen. Am 27. Dezember 1909 hat der
Rechtsanwalt, Juſtizrat Dr. Joſeph Kuhn zu Mainz die
Zulaſſung zur Rechtsanwaltſchaft bei dem Landgericht
der Provinz Rheinheſſen und damit auch bei dem Ober=
landesgericht
aufgegeben.
H.K. Anleitung von Handwerker=Lehrlingen. Nach
der Gewerbenovelle vom 30. Mai 1908 (ſogen. kleiner
Befähigungsnachweis) dürfen nunmehr nur noch ſolche
Handwerker Lehrlinge anleiten, welchen die
geſetzliche Meiſterprüfung beſtanden habemn,
während den älteren Meiſtern, die das fragliche Recht
bereits beſaßen, die Anleitungsbefugnis durch die Ver=
waltungsbehörden
auf Antrag ſchriftlich weiter ver=
liehen
werden muß. Der Zweck dieſer Vorſchrift iſt,
daß nunmehr jeder Handwerker einen ſchriftlichen
Ausweis darüber beſitzen muß, daß er Lehrlinge an=
leiten
darf. Jeder Handwerker, der Lehrlinge anleiten
will, muß alſo nunmehr einen ſchriftlichen Ausweis
über ſeine Befugnis hierzu beſitzen. Als Ausweis
gelten die Meiſterbriefe nach beſtandener geſetzlicher
Meiſterprüfung oder von der Verwaltungsbehörde aus=
geſtellte
amtliche Beſcheinigung, daß die betreffenden
Handwerker zum Anleiten von Lehrlingen befugt ſind.
Falls aber Lehrlinge bei einem Meiſter in die Lehre
treten, der weder den Meiſterbrief noch einen anderen
ſchriftlichen Ausweis beſitzt, ſo erwachſen ihnen ganz
erhebliche Nachteile, da eine ſolche Lehrzeit ungeſetzlich
iſt, und die betreffenden Lehrlinge auf Grund derſelben
weder zunächſt die Geſellenprüfung, noch ſpäter die
Meiſterprüfung ablegen dürfen. Nur durch letzere
aber können ſie das Recht erwerben, ſelbſt ſpäter Lehr=
linge
anleiten zu dürfen. Die Handwerkskammer hat
ſich bereits im Vorjahre an Großh: Miniſterium ves
Innern, Abt. für Schulweſen, mit der Bitte gewandt,
die zur Entlaſſung kommenden Schüler, welche Ein
Handwerk erlernen wollen, durch die Lehrer bedeuten
zu laſſen, daß die Befugnis zum Anleiten von Lehr=
lingen
nicht ohne weiteres allen Handwerksmeiſtern
zuſteht, und daß ſich die künftigen Lehrlinge bezw. deren
Eltern erſt darüber vergewiſſern ſollen, ob der be=
treffende
Lehrherr auch tatſächlich die Befugnis zum
Anleiten von Lehrlingen beſitzt. Die genannte Mini=
ſterialabteilung
hat dieſem Antrag durch entſprechende
Weiſung an die Großh. Kreisſchulkommiſſionen Rech=
nung
getragen. Zugleich ſei darauf hingewieſen, daß
erfreulicherweiſe in vielen Zweigen des Handwerks
wieder weſentlich günſtigere Ausſichten für ein Fort=
kommen
beſtehen, umſomehr als jetzt die Ausbildung
der Lehrlinge geſetzlich geregelt iſt.
* Märchenimproviſationen. Eine neue Art Märchen
zu erzählen hat Frau Staatsrat Lotta Girgenſohn
aus Frankfurt a. M. ſich zur Aufgabe geſtellt. Sie will dem
Volksmärchen Eingang verſchaffen in die Häuſer, in die
Herzen von jung und alt, will dazu beitragen, Freude an
den reinen Bildern der Phantaſie zu wecken, der urwüch=
ſigen
Geſtaltungskraft des Volkes den Weg weiſen, das
alte ererbte Märchen, die Sage zu ehren und ſelbſt zu
ſchaffen und zu erfinden. Sie will ferner den pädagogi=
ſchen
Zweck verfolgen, die Jugend an das lebendige Wort
zu gewöhnen. Die Weisheit der Bücher ſoll ihr in erſter
Linie durch die freie Wiedergabe des Erzählers geboten
werden. Richtet ſich der Vorleſer mehr an den Verſtand

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Nummer 23.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

Seite 3.

des Zuhörers, ſo greift der Erzähler hinein in das Gemüt
und kann die Saat einer geſunden, tapferen Lebensauf=
faſſung
ſtreuen. Durch das frei geſprochene Wort wird die
innere Verbindung zwiſchen Erzähler und Zuhörer her=
geſtellt
. Iſt dieſe Beziehung hergeſtellt, ſo erfolgt die Wech=
ſelwirkung
. Der Zuhörer ſoll nicht nur aufnehmen, er ſoll
ſelbſt erſchloſſen werden, er ſoll ſeinerſeits ſeine Gedanken
in Worte kleiden, die Bilder ſeiner Phantaſie mitteilen
lernen. Um dieſen Vorgang zu erklären, läßt die Dame
ſich von den Kindern Wörter geben. Aus dieſen Wörtern
entſpringt in ihrer Phantaſie das Märchen. In der
Tat, der Verſuch, den Frau Girgenſohn geſtern hier im
Turnſaal der Mittelſchule II gab, bedeutete einen Erfolg.
Der Saal war dicht gefüllt mit Schülern der unteren Klaſ=
ſen
, die, Kopf an Kopf gedrängt, aufmerkſam den Worten
der Erzählerin lauſchten. Zunächſt erzählte die Vortra=
gende
den Kleinen das Märchen von den Stricknadeln
um dann auf ein Märchen überzugehen, zu der ihr ihre
Zuhörer ſelbſt den Stoff gaben. Es iſt nicht unintereſſant,
welche Worte die Kleinen im Märchen vereinigt wiſſen
wollten. Die Worte waren folgende: Ofenſetzer Licht
Tintenfaß Linſenſuppe Kaffeemühle Federhal=
ter
Kartoffelklöße Feenkönigin Karzer Waſſer=
glas
Kuchen Robinſon Hut Apfelbrei Pup=
penküche
Holzhacker Gold Kletterſtange Gar=
tenzaun
Schneewittchen Chriſtbaum. Frau Girgen=
ſohn
verſtand es vortrefflich, den rechten Ton zu finden,
der zu den Herzen der kleinen Zuhörer drang, die mit rau=
ſchendem
Beifall dankten.
nn. Der Verein der Innenſtadt hielt Mittwoch
abend ſeine Hauptverſammlung im Reſtaurant Traut=
mann
ab. Der Vorſitzende, Herr Sanitätsrat Dr
Kolb, begrüßte die Verſammlung und widmete dem
verſtorbenen Herrn Oberbürgermeiſter Morneweg
einen warmen Nachruf. Auch ſein Nachfolger ſei ein
Mann mit Eifer und weitſchauendem Blick, von dem
zu hoffen ſei, daß er viele Jahre zum Segen der Stadk
Darmſtadt wirken möge. Bei der Beſprechung ſtädti=
ſcher
Angelegenheiten gab der Vorſitzende einen Rück=
blick
über die wichtigſten, von der Stadtverwaltung zur
Hebung des Verkehrs uſw. gefaßten Beſchlüſſe. Zu
begrüßen ſei die gleichzeitige Erhebung des Gas= und
Waſſergeldes. Durch den Wegfall des Oktrois ver=
liere
die Stadt eine beſonders große Einnahmequelle, die
durch die ſtädtiſchen Betriebe und die Kommunal=
ſteuern
zu erſetzen ſei. Das dürfe jedoch nicht aus
ſchließlich auf Koſten der Steuerzahler geſchehen, ſon=
dern
ein Erſatz durch Erhöhung des Gas= und Waſſer=
preiſes
, evtl. auch des elektriſchen Stromes müſſe geſchaf=
fen
werden. Doch könne eine Steuererhöhung nicht
ausbleiben. Erfreulich ſei der Ausbau des Rettungs=
dienſtes
und die Erbauung eines ſtädtiſchen Schwimm=
bades
. Die Tätigkeit des Vereinsvorſtandes ſei in die=
ſem
Jahre beſonders rege geweſen. Der Bebauungs=
plan
des neuen Bahnhofsgeländes, das Verhältnis der
Stadt zur Süddeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft, die Berg=
ſtraßenbahn
und die elektriſche Straßenbahn bildeten
häufig Beratungsgegenſtände, wobei als erfreuliches
Reſultat die Betriebsverlängerung der Saalbaulinie
bis 10 Uhr abends zu verzeichnen ſei. Der Mitglieder=
ſtand
des Vereins betrug Ende 1909 156. Der von
Herrn Kaufmann Rohde erſtattete Kaſſebericht ergibt
einen Vermögensſtand von 1466 Mark 66 Pfg. Dem
Vorſtand und Rechner wurde Entlaſtung erteilt. Bei
der Vorſtandswahl wurde Herr Sanitätsrat Dr. Kolb
zum Vorſitzenden wiedergewählt und auch die übrigen
Herren in ihren Aemtern beſtätigt. Neu gewählt wur=
den
die Herren Architekt Schembs und Rechtsanwalt Dr.
Bender. Als Delegierte in den Bezirksvereinsaus=
ſchuß
wurden gewählt die Herren Sanitätsrat Dr. Kolb,
Kaufmann Kahlert und Rechtsanwalt Dr. Lindt.
Im Silberkranz. Fabrikant Hermann Joſeph
und Frau geb. Levi, Aliceſtraße 21, feierten das Feſt
der ſilbernen Hochzeit.
Deutſcher und Oeſterreichiſcher Alpenverein,
Sektion Darmſtadt. Für die Mitglieder und Freunde
der Sektion Darmſtadt wird es eine beſonders erfreu=
liche
Nachricht ſein, zu vernehmen, daß Herr Profeſſor
Lauteſchläger an der Hand einer reichen Lichtbilder=
ſammlung
am 2. Februar im Fürſtenſaal über ſeine
letzten Gebirgswanderungen ſprechen wird. (S. Anzeige.)
Odenwald=Klub. Die Mitglieder des Klubs
ſeien hierdurch darauf aufmerkſam gemacht, daß die für
Sonntag, den 6. k. M., vorgeſehene Wanderung auf den
13. Februar verſchoben wurde.
Vogelsberger Höhenklub. Die Hauptverſamm=
lung
des Vogelsberger Höhenklubs in Grebenhain
findet nicht am 14. Juni ſtatt, wie der Geſamtvorſtand
irrtümlich berichtete, ſondern am Sonntag, den 6. Juni,
am Tage nach der Einweihung des Bismarckturmes, die
für Samstag, den 5. Juni in Ausſicht genommen iſt.
Ein Harem in Darmſtadt! Nun werden wir
demnächſt auch hier in Darmſtadt eine jungtürkiſche
Invaſion haben. Freilich eine andere, als die, welche
jüngſt dem kranken Mann am Bosporus Thron und
Freiheit koſtete, eine Invaſion von jungen Türkinnen!

Mit dem Orient=Expreß ſo plaudert ein Wiener
Blatt kamen die jungen Odaliskenfeen an; Major
Bertrand Bey, in der dunkelblauen Uniform des türki=
ſchen
Leibregiments, mit breiten roten Streifen am
Zeinkleid, die Bruſt beſät mit blinkenden und glitzern=
den
Orden, der Osmanje=Orden und Medjidje=Orden
ſind darunter, auf dem ergrauten Haupte den unver=
meidlichen
roten Fez, iſt der Führer und Meiſter der
jungen Damen. Der freundliche, recht wohlgenährt
ausſehende alte Herr ſtellte uns in liebenswürdiger
Weiſe die jungen Damen vor, die einſt vor des Sultaus
Majeſtät tanzen und ſpielen durften, und die nun auch
uns durch ihre mannigfachen Künſte erfreuen wollen:
Scherifé, Münimé, Aina Ayak, Yldiz, Fatma, Féridjé,
Nazckté, Gilber acht Mädels, alle jung und friſch;
die jüngſte 16, die älteſte knapp 22, alle klein und zier=
lich
, in prickelnd kniſternden ſchwarzen Seidenkleidchen,
das Geſicht mit dem Schleier verhüllt, doch nicht ſo, daß
uns der durchſichtige Flor nicht pikante Geſichtchen ge=
zeigt
hätte. Die Eunuchen Huſſin, Meſſoud, Mehmed,
dazu einige Dienerinnen begleiten die Geſellſchaft. Der
ſchon oben mit gebührendem Reſpekt erwähnte Herr
Major V. Bertrand Bey, Zeremonienmeiſter des Pa=
diſchah
, übergibt uns vor allem die Viſitenkarte, die in
zierlichem Druck außer allerlei türkiſchen Schriftzeichen,
die uns ſpaniſch vorkommen, eine lange, lange Reihe
von Titeln und Orden verraten, die des Sultans Ver=
gnügungsdirektor
ſeit einem Vierteljahrhundert errang.
Hier nur einige wenige Würden: Gründer und Gene=
raldirektor
des Hoftheaters S. M. des Sultans, Major
der Leibgarde, Zeremonienmeiſter, Organiſator der
abendlichen Amüſements im Kaiſerlichen Harem. . . .
Nun, wir ſind begierig auf dieſe Amüſements, die uns
Herr Major Bertrand an den kommenden Abenden im
Orpheum zum beſten geben wird.
Der Große Jubiläums=Gala=Maskenball der
Geſellſchaft Harmloſe findet am Samstag, den
29. Januar, im Kaiſerſaal ſtatt. Die Geſellſchaft hat
bei ihrer großen Jubiläums=Damen= und Herrenſitzung
den beſten Beweis ihres Könnens geliefert und ſtehen
auch für den Maskenball zahlreiche Ueberraſchungen
bevor. (Siehe Inſerat.)
Einen Maikäfer brachte uns geſtern Chriſtian
Fornoff von der Knaben=Arbeits=Anſtalt, allerdings
hauchte der braune vorwitzige Burſche bald ſeine Käfer=
ſeele
aus. Es war ihm der frühzeitige Ausflug nicht
gut bekommen.
X. Zwingenberg, 26. Jan. Geſtern abend wurden
ſämtliche Straßenlampen zum erſten Male an
gezündet und unſer Amtsſtädtchen erſtrahlte in herr=
lichem
Licht. Bei der Anzündung der Lampen beglei=
tete
unſere Jugend die Anzünder und es herrſchte be=
wegtes
Leben in den Straßen. Auch in einzelnen Ge=
ſchäftshäuſern
brannte das neue Licht, und nur noch
wenige Tage und Zwingenberg wird vollſtändig mit
Gas verſorgt ſein.
Rüſſelsheim, 26. Jan. Einen prachtvollen
Opelwagen hat die Firma Opel hier in den letzten
Tagen für den deutſchen Kaiſer fertiggeſtellt. Der
ſchmucke Kraftwagen hat 50 PS. und war in den letzten
Tagen zu Frankfurt a. M. im Erker des Generalver=
treters
der Opelwerke, Herrn V. Degener=Böning
dortſelbſt, ausgeſtellt. Es iſt der zweite Wagen, den
der Kaiſer jetzt von der Firma Opel bezogen hat. Dank
ihrer außerordentlichen Erfolge hat die Firma Opel
zurzeit ganz enorme Aufträge zu bewältigen. Nach
Fertigſtellung der neuen Fabrikräume wird der Be=
trieb
bei Einſtellung vieler neuer Arbeitskräfte noch
weit umfangreicher geſtaltet werden.
Erbach, 26. Jan. Zu dem Artikel, das Terrain
für das zu erbauende neue Schulhaus betreffend,
wird dem Krsbl. berichtigend bemerkt:
Von der
Schenkung eines Platzes war bei dem erwähnten
Empfang des Stadt= und Schulvorſtandes durch Se. Er=
laucht
unſeren Grafen keine Rede. Der hohe Herr be=
kundete
nur ſein lebhaftes Intereſſe für die ganze Sache,
konnte aber, da es ſich um Fideikommißgut handelt, na=
türlich
vorläufig überhaupt noch keine irgendwie bindende
Zuſage erteilen.
Worms, 26. Jan. Eine für die preußiſchen Lot=
terie
=Einnehmer in Heſſen wichtige Entſcheidung
hat der Verwaltungsgerichtshof in Darmſtadt
getroffen. Die Stadt Worms hatte die preußiſchen Lot=
terie
=Einnehmer zu den Gewerbeſteuern herangezogen, der
Kreisausſchuß Worms dagegen die Steuerpflicht verneint.
Während der Provinzialausſchuß in Mainz die Entſchei=
dung
des Kreisausſchuſſes aufhob, hat ſie der Verwal=
tungsgerichtshof
, als oberſte Inſtanz, wieder hergeſtellt
Die Lotterie=Einnehmer ſind ſomit nicht gewerbeſteuer=
pflichtig
. In der erſten diesjährigen Stadtverord=
netenverſammlung
erklärte Oberbürgermeiſter
Köhler, bisher ſei es, wenn auch manchmal mit Schwie=
rigkeiten
, gelungen, den Steuerſatz für unſere Kommunal=
umlagen
niedrig zu halten, ſodaß wir mit unſerem Steuer=
ſatze
hinter unſeren heſſiſchen Nachbarſtädten weſentlich zu=
rückblieben
. Die derzeitige Finanzlage ſtellte die Stadt=

verwaltung im neuen Jahre vor ſchwierige Aufgaben. Mit
dem ſeitherigen Steuerſatz von 97,5 Prozent werde nicht
mehr auszukommen ſein, eine Steuererhöhung ſei
unvermeidlich. Wie hoch aber der Steuerzuſchlag
werde, darüber laſſe ſich noch nichts auch nur annähernd
Zutreffendes ſagen. Der Oberbürgermeiſter gab dann der
Hoffnung Raum, daß es gelingen werde, die notwendige
Mehrbelaſtung, ſoweit dies übrigens tunlich ſei, zu be=
ſchränken
, ſodaß unſere Steuerbelaſtung auch nach ihrer
Erhöhung noch nicht ſo hoch ſein werde wie die in unſeren
heſſiſchen Nachbarſtädten. Zum Schluß ſeiner intereſſanten
Ausführungen ſtellte das Stadtoberhaupt noch feſt, daß
die allgemeinen wirtſchaftlichen Verhältniſſe eine weſent=
liche
Beſſerung erfahren haben, und dieſe Beſſerung werde
auch unſerem ſtädtiſchen Gemeinweſen in ſeiner Finanz=
wirtſchaft
zugute kommen.
B. Bingen, 26. Jan. Die im hieſigen Arreſthaus
untergebrachte Pfarrhausſchwindlerin Binneſeld
aus Wiesbaden verſuchte heute ſich mit einem Handtuch
zu erhängen. Das Handtuch riß aber ab und die
Frau wurde ſpäter in beſinnungsloſem Zuſtande, auf
dem Boden liegend, angetroffen.
Gießen, 26. Jan. Der Händler Ziegler hatte ſich
am 23. dieſes Monats als Dame verkleidet auf
den Koloſſeums=Maskenball begeben. Er machte ſich an
einen Herrn heran, der ihn für eine Frau hielt und
ſtahl ihm das Geld aus der Taſche. 60 bis 70 Mark
hatte Ziegler dabei eingeheimſt; Ziegler wurde jetzt
verhaftet.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

* Aenderung in der Bahn des neuen
Kometen. Sir Robert Ball und der Stab der Aſtro=
nomen
des Obſervatoriums von Cambridge haben eine
plötzliche Aenderung des Kurſes des Kometen von
Johannesburg feſtgeſtellt und verfolgen dieſe mit gro=
ßem
Intereſſe. Der Schweif des Kometen wird auf
eine Länge von 9000000 Meilen geſchätzt. Direktor
Archenhold in Berlin teilt mit, daß eine Kursänder=
ung
des Kometen, der ſeit einigen Tagen am ſüdweſt=
lichen
Himmel erſcheint, möglich und wahrſcheinlich iſt,
denn auf jede Veränderung des elektriſchen Zuſtandes
der Sonne reagiert die Kometenmaterie. Die ange=
gebene
Länge des Schweifes von neun Millionen Mei=
len
dürfte etwas niedrig geſchätzt ſein. Sie wird un=
gefähr
18 Millionen engliſche Meilen betragen.
* Internationaler Kinderaustauſch.
In der Vereinigung der Alliance francaise in Berlin
ſprachen die Vertreter der Internationalen
Kindertauſch=Geſellſchaft aus Paris, Ge=
neralſekretär
Mr. Jeannot und Direktor Toni=Mathien.
Sie ſind gekommen, in Berlin ein Komitee zu begrün=
den
, das mit dem Pariſer Hand in Hand arbeiltt, das
Auskünfte vermittelt und die ausgetauſchten Kinder
überwacht. Zuerſt nahm Mr. Jeannot das Wort und
gab ein überſichtliches Bild der Arbeit, die in auf=
opferndſter
Weiſe von Mr. Toni=Mathieu und deſſen
Gattin getan wird und die die erfreulichſten Ergebniſſe
gehabt hat, denn die Zahl der Getauſchten iſt ſeit
1903, dem Begründungsjahre, um das Fünffache geſtie=
gen
. Man ſei in Frankreich ſpäter als anderwärts zu
der Erkenntnis der Bedeutung des Studiums von
Fremdſprachen gekommen und glaube im Kindertauſch
ein Mittel gefunden zu haben, dieſe ſo wichtige Kennt=
nis
breiteſten Schichten ohne große Koſten in gründ=
licher
Weiſe zu vermitteln und gleichzeitig zwiſchen
Nachbaxvölkern auf der Baſis des Sichkennens ein Sich=

verſtehen anzubahnen. Die vom franzöſiſchen Staat
unterſtützte Zentralſtelle in Paris vermittelt den Aus=
tauſch
von Kindern und jungen Leuten zwiſchen Frank=
reich
, England und Deutſchland. Sie zieht ſorgfältigſte
Erkundigungen über die Familien ein, welche die Kin=
der
aufsehmen, ſucht eine den verſchiedenen Ständen
entſprechend paſſende Umgebung und überwacht die
Kinder. Dieſe große, verantwortungsreiche Arbeit
wird in der Hauptſache von Frau Direktor Toni= Ma=
thieu
geleiſtet. Das Beſtreben wird jetzt noch dahin
gehen, bei den Bahnen Ermäßigungen für die getauſch=
jen
Kinder zu erwirken. Nach den Ausführungen des
Redners ſprach Direktor Toni=Mathien über die Er=
fahrungen
mit den Getauſchten.
* Verbrechen und Pſychiatrie. Zu der
Meldung über die Wiedervermählung der Frau von
Schönebeck, bei der nicht das geringſte perſönliche,
wohl aber ein hervorragend allgemeines Intereſſe in
Frage kommt, ſchreiben die Leipziger Neueſten Nach=
richten
. . . . Es iſt unſagbar frech, unſagbar wider=
lich
. Aber die Richter haben nur getan, was die Para=
graphen
erlauben. Sie ſind den Pſychiatern gefolgt und
Frau von Schönebeck ſchmückt den Brautſchleier mit
Orangeblüten juſt, da zwei Jahre ſeit dem Tode ihrer
beiden Opfer vergangen ſind. . . . Der Laie aber glaubt
nicht an eine geiſtige Geſtörtheit, die den Willen aus=
ſchließt
; er glaubt den Pſychiatern nicht, die vor der
Frau aus Allenſtein Blumen zum Hochzeitsgemach
treuen. Und er iſt vor allem erſtaunt, daß dann, wenn
wirklich die Seele umnachtet war, wenn ſie, krankhaft
zerrüttet, den Antrieb zu dem ungeheuerlichen Verbre=
chen
gab, jetzt jede Feſſel abgeſtreift und jede Freiheit
geſtattet wird. Die Begriffe von Schuld und
Sühne werden verwirrt, und wenn auch die
Paragraphen ſtimmen, ſo hat man doch das üble Ge=
fühl
, daß hier dem Recht eine wächſerne Naſe gedrehi
worden iſt. Und dieſes fatale Gefühl wird verſtärkt
auf der einen Seite durch das völlige Fehlen jedes mil=

dernden Umſtandes, durch das Grauen einer Tat, die
nicht in heißer Leidenſchaſt, nicht in unwiderſtehlichem
Drange der Not, nicht in der Verteidigung eines inne=
ren
Rechts, ſondern nur in Lüſternheit und wilder Gier
vollbracht wurde, und auf der anderen Seite durch die
herausfordernde Frivolität des jetzigen Handelns. Das
Verfahren ſchwebt noch, das erfahren wir zum Troſt;
es iſt alſo möglich, daß der Richter über das Gutachten
der Pſychiater hinweg zu hartem Urteil kommt. Aber
inzwiſchen darf die Schuldige ſich der vollen Freiheit
erfreuen. Das iſt ſonſt nicht üblich. Und es hat ſchon
mancher durch Monate und Jahre hinter vergitterten
Fenſtern zitternd ſeines Schickſals geharrt, auf deſſen
Seele keine ſo ſchwere Blutſchuld laſtete. Der Zuſtand
erheblichſter Bewußtſeinstrübung unter Ausſchluß der
normalen Willensfreiheit, der den Pſychiatern ſo gern
als Werkzeug zur Befreiung von Schuld und Strafe
dient, hat auch für Frau von Schönebeck den Weg zu
einem neuen, fröhlichen Leben eröffnet, das ſelbſt von
den Qualen der Gewiſſensangſt befreit iſt. Denn die
Verantwortung iſt ja milde von ihr genommen. Der
neue Entwurf zum Strafgeſetz gibt den Rich=
tern
das Recht, die Verwahrung von Geiſteskranken in
einer öffentlichen Heil= oder Pflegeanſtalt auszuſpre=
chen
. Dieſe Beſtimmung wird hoffentlich zum Geſetz.
Wenn ſie aber beraten wird, dann mag man das grauen=
volle
Drama von Allenſtein getroſt als Schulfall zitie=
ren
, dann mag man auch an die grimmige Verhöhnung
erinnern, die das Rechtsgefühl erleidet, wenn die
Schuldige, geſchützt durch Paragraphen und Pſychiater,
die ihr den Blutfleck von der Hand gewaſchen haben,
fröhlich die Hochzeitsreiſe antreten darf.
Mit der Frau ſelbſt haben wir es, wie geſagt, nicht
zu tun die Nemeſis wird ſie, wie andere Frauen
ihrer Art, ſchon ereilen aber das allgemeine Rechts=
gefühl
wird durch ſolche Vorgänge ſchwer verletzt, und
das darf nicht ſein. Die hier angeregte Frage iſt nach=
gerade
brennend geworden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 26. Jan. Die Berliner
große Oper iſt jetzt völlig geſichert; geſtern hat ſich
das Gründungsſyndikat konſtituiert. In Geſchäfts=
kreiſen
, namentlich der Lebensmittelbranche, erregt die
Verhaftung einer zehnköpfigen Schwindler=
bande
großes Aufſehen, die ſeit zehn Jahren Ge=
chäftsleute
in raffinierter Weiſe ſchädigte. Es hat ſich
herausgeſtellt, daß die Führer der Bande ihre Agenten
in Geſchäften aller Art, namentlich in Warenhäuſern,
in Stellung zu bringen wußten, wo ſie ihnen beim
Jarenerſchwindeln helfen konnten. Aus dem
Eiſenbahnzug fiel die 10 Jahre alte Tochter
Wanda des Plättereibeſitzers Rathke aus der Berg=
ſtraße
. Die Kleine hatte mit ihrer Mutter und einer
Tante ihre Großmutter in Weſenberg an der Stettiner
Bahn beſucht. Von dort fuhr man abends in einem
Wagen vierter Klaſſe zurück. Kurz vor dem Bahnhof
Granſee öffnete die Kleine aus Verſehen eine Wagen=
tür
, fiel hinaus und blieb mit Verletzungen am Hinter=
kopf
und an beiden Beinen liegen. Mitreiſende zogen
ſofort die Notleine, und der Zug kam bald zum Stehen.
Auf einer Tragbahre wurde das Kind dann im Pack=
wagen
mitgenommen, auf Bahnhof Granſee von einem
Arzt verbunden und vom Stettiner Bahnhof aus mit
einem Koppſchen Wagen nach der Charité gebracht.
Frankfurt, 27. Jan. Vor der hieſigen Zivilkammer
des Landgerichts ſchwebt ein Prozeß der Marine=
ſchauſpiele
gegen die Ila‟. Das Landgericht
erließ vor einigen Monaten eine einſtweilige Ver=
fügung
, wonach die Marineſchauſpiele das Ahfeuern
von Kanonenſchlägen, Raketen und anderem Feuer=
werk
einzuſchränken hatten. Auf dem Grundſtück, auf
dem die Marineſchauſpiele etabliert waren, beruht eine
Servitut, wonach hier nur Villen oder villenähnliche
Gebände errichtet werden dürfen. Die Anwohner der
Umgegend beſchwerten ſich über das von dem Feuer=
werk
verurſachte Getöſe, und als auch Klagen bei der
Direktion ſeitens der Beſucher des Ila‟=Theaters
über das Geräuſch einliefen, mußte eine Beſchränkung
eintreten. Die Marineſchauſpielleitung behauptet, daß
ſie hierdurch ihres Hauptreklamemittels beraubt wor=
den
ſei und der Beſuch ſo nachgelaſſen habe, daß ein
Schaden von 70000 Mark entſtanden wäre. Die Ila
wurde auf Zahlung von einſtweilen 20000
Mark verklagt. Je nach dem Ausgang der Klage
werden die Marineſchauſpiele auch noch den Reſt ihres
vermeintlichen Anſpruches geltend machen.
Eſſen, 27. Jan. Auf dem Bahnhofe zu Blanken=
ſtein
erfolgte eine Exploſion, weil beim Abladen
von Benzinfäſſern ein ruſſiſcher Arbeiter im Uebermut
die brennende Zigarre in das Spundloch eines leeren
Faſſes hielt. Drei Arbeiter verbrannten hoffnungs=
los
, aber auch der Urheber erlitt ſchwere Brandwun=
den
; er iſt flüchtig.
Wattenſcheid, 27. Jan. Bei der Bewirtung der
Geretteten auf der Zeche Holland als Gäſte
des Kaiſers wies Graf Reimann auf die aufopfernde
Tätigkeit der Rettungsmannſchaften hin und hob her=
vor
, daß gleich am Tage nach der Rettung das Schächtchen
vollſtändig zuſammengedrückt worden ſei. Die Urſache
des Schachteinbruches bildete die ſchiefrige Beſchaffenheit
des Gebirges. Dieſes beſtand an der Bruchſtelle aus
tonſchiefrigem und ſteilliegendem Geſtein.

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

Nummer 23.

Czernowitz, 24. Jan. Der hieſige ſozialwiſſenſchaft=
liche
Verein hatte für geſtern den Vortrag eines
angeblichen Südafrikaforſchers namens Dr. Max Neu=
meyer
angekündigt. Es hatten ſich zahlreiche Zuhörer
eingefunden, die aber gleich bei den erſten Sätzen des
Redners erkannten, daß man es nicht mit einem For=
ſcher
, ſondern mit einem Schwindler zu tun habe.
Es kam infolgedeſſen zu einem großen Skandal:
der Tumult wuchs, je weiter Neumeyer ſprach, und
ſchließlich mußte der Obmann des Vereins den Vor=
trag
abbrechen. Es wurden Rufe laut: Fort mit dem
Schwindler! Schließlich mußte die Polizei einſchreiten
und den Saal räumen. Die herrſchende Verwirrung
benützte der Vortragende, um zu verſchwinden und zu
flüchten. Die Erhebungen ergaben, daß der angebliche
Dr. Neumeyer ein einfacher Handelsmann iſt, der vor
einigen Jahren aus einem galiziſchen Städtchen nach
Braſilien ausgewandert iſt. Wie er zu ſeinem Doktor=
diplom
und den Dokumenten gekommen iſt, die vom
öſterreichiſch=ungariſchen Konſulate in Buenos=Aires
beglaubigt waren, iſt noch unaufgeklärt.
Paris, 26. Jan. Als eine profeſſionelle Leiden=
ſchafts
=Dramatikerin iſt die Madame Dallemagne
den Gerichten bereits längſt bekannt, die ſich neuer=
dings
vor den Pariſer Geſchworenen wegen eines Re=
volver
=Attentats zu verantworten hatte. Die Dame
hatte längere Zeit mit dem kürzlich verſtorbenen Ex=
Miniſter und ſpäteren franzöſiſchen Geſandten in Lima
Merlou ein Verhältnis gehabt, das dem Politiker ſehr
verargt wurde und ihn in ſeiner Laufbahn hemmte. Als
er es dann gelöſt hatte, ließ er ſich von einer anderen
Schauſpielerin, Madame Bergé denn auch Madame
Dallemagne hatte der Bühne angehört
zarie
Bande ſchlagen. Und das erbitterte natürlich die Ver=
laſſene
, die ſich überdies von Herrn Merlou materiell
geſchädigt fühlte, im höchſten Grade. Sie verübte
mehrere Gewalttätigkeiten auf offener Straße gegen
ihn, um ſchließlich zum Revolver zu greifen, ohne aller=
dings
den Ex=Geliebten zu verletzen. Dann wandte
ſich die Rachſucht der Verſchmähten gegen ihre glückliche
Nachfolgerin und ſie heckte mit kalter Berechnung einen
Anſchlag aus, um dieſe zu züchtigen. Tagelang über=
wachte
ſie Gehen und Kommen der Nebenbuhlerin in
dem Villenorte Le Véeinet, und als ſie dann genau ihre
Ausgänge ausſpioniert hatte, ſtellte ſie ſich an einen
Punkt, den die Dame mit ihrer Geſellſchafterin täglich
paſſierte, hinter ein Gebüſch, um auf beide Frauen
kaltblütig den Revolver abzufeuern. Die Geſellſchaf=
terin
wurde ſehr bedenklich verletzt, die Nebenbuhlerin
nur leicht. Während der Zeit, da die ſomit des Mord=
verſuches
Angeklagte in Unterſuchungshaft ſaß, iſt Herr
Merlon geſtorben, und der ganze Konflikt zwiſchen den
beiden Frauen mithin gegenſtandslos geworden. Dieſer
Tod wurde von dem Staatsanwalt gegen die Ange=
klagte
als eine Folge ihrer rachſüchtigen Anſchläge ins
Feld geführt: die Geſchworenen zeigten ſich indeſſen
ziemlich milde, ſchieden jeden Vorbedacht aus, was nach
den Feſtſtellungen eigentlich mehr als eigenartig iſt,
wollten ſogar nur eine Verurteilung zu zwei Jahren
Gefängnis mit Zubilligung des Strafaufſchubs, muß=
ten
aber ſchließlich doch einen verurteilenden Spruch
fällen, der zu der Zuerkennung zu fünf Jahren
Zuchthaus durch den Gerichtshof führte. Die Ge=
ſchworenen
reichten indeſſen ſofort ein Gnadengeſuch
ein, um die Strafe auf zwei Jahre Gefängnis herab=
geſetzt
zu ſehen. Bei der Verhandlung hatte der Staats=
anwalt
Fabre de Parrel der Preſſe ſcharfe Vorhaltun=
gen
über die Aufbauſchungen von banalen
Leidenſchaftsdramen gemacht; nur durch die
großen Veröffentlichungsmittel, die lärmende Reklame
würden ſolche Damen wie Frau Dallemagne in ihren
Abſichten beſtärkt, da ſie ſich als Märtyrerinnen
und Heroinen vorkommen.
Paris, 27. Jan.
Die Schankwirte von Lille
und anderen Städten des Norddepartements beſchloſſen,
ſich dem Alkoholſtreik von Roubaix und Tourocing
anzuſchließen.
Paris, 27. Jan. Die ſtreikenden Gerber in
Graulhet bei Albi begingen geſtern abend ernſte Aus=
ſchreitungen
. Sie zertrümmerten die Fenſterſcheiben meh=
rerer
Fabriken und zerſchnitten die Telephonlinien. Fünf
Streikende wurden verhaftet
Biſerta, 27. Jan. Alle Verſuche, den Panzerkreuzer
Erneſt Renan wieder flott zu bringen, ſind bisher
vergeblich geblieben.
Madrid, 26. Jan. Aus Valladolid richten zahlreiche
Arbeiterinnen Zuſchriften an die hieſigen
Blätter, worin in bitterſter Weiſe über den nahezu
vernichtenden Wettbewerb der Nonnenklöſten
Klage geführt wird, der ſie in ihren Daſeinsbedingun=
gen
aufs ſchwerſte ſchädige. Da die Nonnen meiſt auf
Koſten anderer Leute lebten, keine Miete zu zahlen
hätten, keine Steuern entrichteten und nichts für Löhne

auszugeben brauchten, da ſie die Arbeiten von ihrer
Obhut anvertrauten Mädchen ausführen ließen, ſo ſei
es unmöglich, mit ihnen in Wettbewerb zu treten. Viele
Wäſcherinnen, Plätterinnen, Stickerinnen, Näherinnen,
Strumpfwirkerinnen und andere Gewerbe ſeien dadurch
brotlos geworden
Chriſtiania, 26. Jan.
Die zur Verfolgung der
Spur des ſächſiſchen Ballons Luna nach dem
Graafjeld=Gebiet entſandten Skiläufer kehrten geſtern
abend ohne Reſultat zurück, meldeten aber, daß in
jenem Gebirgsteil ſo immenſe Maſſen Neuſchnee
liegen, daß eine vollſtändige Verſchüttung des Ballons
möglich wäre. Ob eine neue Truppe ausgeſandt wird.
iſt unter dieſen Umſtänden noch unſicher.
Petersburg, 26. Jan. Der Verleger Herzik
wurde wegen Herausgabe von Tolſtois Werk Kirche
und Staat zu 1½ Jahren Feſtung verurteilt.
Der Staatsanwalt bezeichnete dieſes Werk als Gottes=
läſterung
.

Kleines Feuilleton.

C.K. Vom Modefrühling. Aus Paris wird
geſchrieben: Und dräut der Winter noch ſo ſehr, in der
Mode wird es doch Frühling! Während die Pariſerin,
ſobald ſie ihr Heim verläßt, ſich mit einer Laſt koſt=
barer
Pelze umhüllt, als bräche ſie zum Nordpol auf,
liebt ſie es, in der Treibhauswärme ihrer Gemächer
die leichteſten und zarteſten Gewebe zu tragen, die in
ihrer durchſichtigen Schönheit bereits ein Ahnen des
Frühlings mit ſich führen. Ueberall in den großen
Ateliers der Modekünſtler werden ſchon jetzt die wei=
chen
, dünnen Stoffe verarbeitet, die den Glanz der
kommenden Frühlingsſaiſon bilden ſollen. Liebte man
ſchon im vorigen Sommer die ätheriſchen, ſpinnweb=
feinen
Gewebe, die durchſcheinenden, ſchillernden, in
einer unbeſtimmten Beleuchtung zitternden Farben=
töne
, die loſen, faltenreich drapierten Linien, ſo ſollen
im nächſten wunderſchönen Monat Mai die linden Lüfte
durch noch mehr entmaterialiſierte Stoffe wehen, kolo=
riſtiſch
noch feiner abgetönte Farbennüancen umſpielen
Mit dem Glanztaft verſchmelzen die duftigen Töne des
leichten Muſſelins das changierende Flimmern des
Seidenvoiles von Marquiſette, Mignonette, Surah
Foulard und all den unzähligen Stoffkombinationen,
aus denen die verwirrende Mannigfaltigkeit der neuen
Modelle entſteht. Auch in der Farbenauffaſſung neigt
die Mode koloriſtiſchen Akzenten zu, die die Farben der
vorigen Frühjahrsſaiſon in lebhafteren, reicheren
Tönen wiedererwecken. Die Nüancen des Kahki, des
Ecru, des Goldkäferfarbigen ſind wieder en vogue;
daneben bewahrt das Nattier=Blau und das blaſſere
Paſtell=Blau die alte Anziehungskraft. Aber als neue
Lieblingsfarben treten hinzu hellere Töne in Rot, in
Alt=Roſa, Miſchungen von Bläulich=Grün und Roſa=
Mauve. Ganz unbeſtimmte dämmrige Farbenſkalen,
die bald auf einen dunkleren, bald auf einen helleren
Grundton geſtimmt ſind, entziehen ſich der genaueren
Analyſe, wenn man ſie nicht nach ihren Namen mit
dem Mondſchein oder der Dämmerung vergleichen will
Die Bücher der Königin Viktoria
unter dem Hammex. Aus London wird berichtet:

Bei Hodgſon findet jetzt eine intereſſante Verſteigerung
ſtatt: ein großer Teil der Bibliothek von Osborne,
welche die verſtorbene Königin Viktoria eifrig zu be=
nutzen
pflegte, wird meiſtbietend verkauft. Viele der
Bücher tragen auf dem Einband das königliche Wappen,
die Titelſeite zeigt den behördlichen Stempel Amtlich
verkauft Alle Werke waren perſönliches Eigentum
der britiſchen Herrſcherin; nachdem Osborne=Houſe von
König Eduard zu einem Sanatorium umgewandelt und
der Nation geſchenkt worden iſt, wurde die Auflöſung
der Bibliothek notwendig. Unter anderem kommen
Bücher zur Verſteigerung, die zeigen, wie eifrig die
Königin Viktoria ſich mit hindoſtaniſchen Studien be=
ſchäftigte
. Die Sammlung umfaßt auch ein Jähr=
liches
Regiſter von 143 Bänden, das von 1758 bis zum
Tode der Königin lückenlos vorliegt. Auch eine große
Weltgeſchichte wird ausgeboten, mehrere Bücher, die
ſich mit geiſtlichen Dingen beſchäftigen. Eine Samm=
lung
deutſcher Bücher und die Ausgabe von Zibbers
dramatiſchen Werken von 1754 legen Zeugnis ab von
der Vielſeitigkeit der Intereſſen der verſtorbenen =
nigin
.
* Ein Rekord=Honorar von 700000
Mark hat, wie aus New=York berichtet wird, der be=
kannte
amerikaniſche Rechtsanwalt Samuel Untermeyer
in dieſen Tagen in ſein Einnahmebuch eintragen kön=
nen
. Die hübſche Summe bedeutet das verabredete
Honorar für die Bemühungen, die der amerikaniſche
Advokat für die Verſchmelzung der Boſton Conſolida=
ted
= und der Utah=Kupfergeſellſchaften aufgewandt hat.
eine Gebühren wurden ihm zum Teil in bar, zum
Teil in der Form von 3250 Aktien der Utah=Geſellſchaft
ausbezahlt, deren Marktwert pro Stück 212 Mark be=
trägt
.
** Die Suffragette als Soldat. Auf,
welche Gedanken man nicht in England hier und da
verfällt, um die Wehrkraft des Landes zu erhöhen!
Forderte da in der Pall Mall Gazette einer der an=
geſeheneren
Zeitungen Londons, die im allgemeiner
ein wirklich intelligentes Leſerpublikum hat, vor eini=
gen
. Tagen ein Herr C.W. Ratcliſſe

die
maliges konſervatives Parlamentsmitglied,
Suffragettes auf, ein Regiment junger Frauen aufzu=
ſtellen
, ſie zu drillen, zu trainieren . . . . und jede Lach=
luſt
würde gar bald durch ein Gefühl der Achtung und
der Nacheiferung erſetzt werden. Auf dieſen Vorſchlag
erwidert nunmehr Fräulein Annie Cecilia Oldmea=
dow
, daß ſie dieſen Gedanken bereits ſeit Monaten
ſchon unter dem Titel Die Frauen=Territorials ver=
fechte
. Die Frauen mit dem kriegeriſchen Lagerleben
und der gehörigen Disziplin vertraut zu machen,
würde mehr bewirken, um ihren geiſtigen Horizont
zu erweitern und patriotiſche Gefühle in ihnen zu er=
regen
, als alle die Stimmen, die je von den kriegeri=
ſchen
Suffragetten gefordert worden ſind. Mit beſon=
derer
Schärfe wendet die moderne Amazone ſich da=
gegen
, die Frauen nur auf den Samariterdienſt im
Kriege zu beſchränken. Das ſei der Tod der Frauen
bewegung, deren Hauptanziehungskraft gerade das ge=
ſunde
Leben in freier Luft und die kräftige körperliche
Bewegung ſei.
* Durch das Zeugnis eines Affen
wurde in Devalls Landing, Louiſiana, ein Ehepaan
namens Starr für ſchuldig befunden und zu lebens=
länglichem
Zuchthaus verurteilt. Chriſtopher und
Mamie Starr waren im vorigen Jahre Mitglieder
der James Ackermannſchen Zirkustruppe. Eines Ta=
ges
wurde der verſtümmelte Leichnam Ackermanns
vor dem Käfig ſeines Lieblingsaffen aufgefunden, und
es gelang eine Zeitlang nicht, den Mördern auf die
Spur zu kommen. Da fiel es den anderen Mitglie=
dern
der Truppe auf, daß der Affe jedesmal, wenn
Starr in Sicht kam, in die äußerſte Wut geriet und
ſich nicht eher beruhigte, als bis Starr das Affenhaus
verlaſſen hatte. Ebenſo betrug ſich das ſonſt zahme
Tier, wenn Frau Starr in ſeine Nähe kam. Schlüſ=
ſige
Beweiſe für die Schuld der Starrs waren nicht
aufzufinden, aber als der Affe in den Gerichtsſaal
gebracht wurde, zeigte er die höchſte Wut gegen die bei=
den
Angeklagten, und es heißt, daß dieſer Umſtand
die Geſchworenen zur Fällung des Wahrſpruchs
Schuldig mit veranlaßt hat.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

In dem am Sonntag, 30. Januar, abends 8 Uhr,
im Saale der Paulusgemeinde zum Beſten der
weiteren Ausſchmückung der Pauluskirche ſtattfindenden
Rezitationsabend des Herrn Fredy Wiener
wird dieſer Dichtungen von Schiller, Geibel, Wilden=
bruch
, Ernſt v. Wolzogen, Karl Schäfer u. a. zum Vor=
trag
bringen. Von beſonderem Intereſſe dürften zwei
neuere Gedichte der noch lebenden Dichterin Alberta
von Puttkamer ſein und zwar die Dichtung: Horror
vacui und die Ballade: Graf Hugo von Egisheim.
Den Schluß des Abends bildet die Schillerſche Dichtung:
Das Eleuſiſche Feſt‟
mit der melodramatiſchen Be=
gleitung
von Schillings. Herr Reallehrer Keil, Organiſt
der Pauluskirche, hat dieſelbe freundlichſt übernommen.

Sport.

-tf. Fußball. Man ſchreibt uns: Zehn Jahre
ſind am heutigen Tage verfloſſen ſeit der Einberufung
des erſten allgemeinen Deutſchen Fußballtages, der
am 28. Januar 1900 in Leipzig ſtattfand; es war dies
die Geburtsſtunde des jetzigen großen Deutſchen
Fußballbundes. Zur Zeit der Gründung gehör=
ten
dem Deutſchen Fußballbunde 60 Vereine an, am
1. April 1904 waren es 194 Vereine mit 9316 Mitglie=
dern
, und am 1. Januar 1909 umfaßte der Deutſche
Fußballbund 881 Vereine mit 58770 Mitgliedern; eine
überaſchende Vergrößerung, beſonders in den letzten
5 Jahren, wie wohl bei keiner anderen ſportlichen Or=
ganiſation
, und ein Beweis dafür, daß die innere Ent=
wickelung
der Vereine ſich auf erfreulichem Wege be=
findet
. Mit Freuden darf das in den erſten 10 Jah=
ren
Errungene betrachtet werden.
sr. Die Pariſer Weltmeiſterſchafts=
Ringkämpfe zeitigten am 29. Abend einen inter=
eſſanten
Kampf zwiſchen dem deutſchen Meiſterſchafts=
ringer
Pohl (Abs II) und dem Franzoſen Vervet
der nach einer Geſamtzeit von 1:21 von dem Deutſchen
geworfen wurde. Ferner ſiegte der Däne Peterſen über
Maſſetti=Italien in 10:50 und Charles d’Anvers= Bel=
gien
über den Deutſchen Schackmann in 11.00. Ro=
manoff
und Aimable de la Calmette rangen unent=
ſchieden
.

Kaiſers Geburtstag.

In Darmſtadt.
Zur Feier des Geburtstages Sr. Maf. des Kaiſers
trugen geſtern viele private und ſämtliche öffentliche
Gebäude Flaggenſchmuck. Die Kaſernen und ſonſtigen
militäriſchen Gebäude der Garniſon waren außerdem
mit Girlanden und Emblemen geſchmückt. Die Schulen
und die öffentlichen Bureaus waren geſchloſſen. Ir
den Schulen fanden vormittags die üblichen patrioti=
ſchen
Feiern ſtatt.
Die militäriſche Feier hatte inſofern eine
Einſchränkung erfahren, als dienſtlicher Gründe
wegen die Parade ausfallen mußte. Dafür fand
nur Paroleausgabe ſtatt. Am Vorabend, Mitt=
woch
, fand nach Einbruch der Dunkelheit Zapfen=
ſtreich
ſtatt, an dem ſich ſämtliche Muſikkapellen der
Garniſon beteiligten. Der von einer großen Menſchen=
menge
begleitete Zug bewegte ſich durch die Haupt=
ſtraßen
der Stadt nach der Roſenhöhe, zur Wohnung
des preußiſchen Geſandten Frhrn. v. Jeniſch. Dort
wurden mehrere Stücke geſpielt, der Zapfenſtreich und
das Gebet geſchlagen, ein Choral geblaſen und dann
mit Spiel bis auf den Paradeplatz marſchiert, wo der
Zug ſich auflöſte. Geſtern früh ging von der Kaſerne

in der Alexanderſtraße das Wecken aus. Der Zug
ging über den Marktplatz, Kirch=, Pädagog=, Soder=,
Stifts= und Erbacher Straße nach der Roſenhöhe,
ſpielte vor der Wohnung des preußiſchen Geſandten
wiederum zwei Stücke und zog dann mit Spiel nach der
Kaſerne zurück. Auch diesmal hatte das militäriſche
Schauſpiel viele Zuſchauer angelockt.
Um ½8 Uhr
morgens blies eine Trompeterabteilung des 25. Art.=
Regts, auf der Stadtkirche einen Choral. Der mili=
täriſche
Feſtgottesdienſt fand in der üblichen
Weiſe ſtatt, um 9½ Uhr für die katholiſchen Mann=
ſchaften
in der St. Ludwigskirche, für die evangeliſchen
um 10 Uhr in der Stadtkirche. Nach der Paroleaus=
gabe
um 12 Uhr feuerte eine auf dem kleinen Exerzier=
platz
aufgeſtellte kombinierte Batterie des Feldart.=
Regiments Nr. 25 einen Ehrenſalut von 101 Schüſſen ab.
Die Offiziere veranſtalteten Feſteſſen in den Kaſinos.
Abends fanden in verſchiedenen Lokalen Mannſchafts=
feiern
ſtatt.
Von Perſonalveränderungen in der
Garniſon Darmſtadt ſind folgende bekannt ge=
worden
: Hauptmann v. Stockhauſen, Leibgarde=
Regiment Nr. 115, wurde zum Adjutanten der 7. Di=
viſion
ernannt. Hauptmann Schwerdt, bisher im
oſtaſiatiſchen Detachement, als Kompagniechef in das
Leibgarde=Regiment Nr. 115 verſetzt. Oberleutnant
Frhr. v. Beuſt zum Hauptmann befördert und in das
Grenadier=Regiment Nr. 109 (Karlsruhe) verſetzt. Die
Fähnriche von der Wenſe, Scanzoni=von Lich=
tenfels
, Leibgarde=Regt. Nr. 115, und v. Neufvigle,
Gardedragoner=Regt. Nr. 23, zu Leutnants befördert.
Leutnant der Reſ. v. Grunelius zu den aktiven
Offizieren des Leibdragoner=Regiments Nr. 24 über=
getreten
. Leutnant v. Böttcher, Leibdragoner=Regt.
Nr. 24, erhielt den Kaiſerpreis des 18. Armeekorps.
Bei dem preußiſchen Geſandten und Freifrau
von Jeniſch fand Mittwoch abend zur Vorfeier des
Geburtstages Seiner Majeſtät des Kaiſers und Königs
eine größere Feſttafel ſtatt. Der Einladung waren
gefolgt: Staatsminiſter Ewald, Finanzminiſter Gnauth,
der ruſſiſche Miniſterreſtdent Baron von Knorring, die
Generalität, die Herren des Hofſtaates, der Oberbürger=
meiſter
, höhere Beamte u. a.
Nachmittags 2 Uhr vereinigten ſich, wie alljährlich,
Beamten und Bürger der Stadt zu einem Feſteſſen
im feſtlich geſchmückten großen Saale des ſtädtiſchen Saal=
baus
. Die Beteiligung war diesmal weniger zahlreich,
als ſonſt. Den Trinkſpruch auf S. Maj. den Kaiſer brachte
Herr Staatsminiſter Ewald aus, der etwa folgendes
ſagte: Die überwältigende Mehrheit unſeres Volkes
hält feſt und treu zur Monarchie in der Ueberzeugung, daß
in den Händen der Fürſten das Wohl des Volkes am
beſten geborgen iſt, da ſie unabhängig und unbeeinflußt
von den Parteirichtungen das Szepter führen. Tief im
Gemüte des deutſchen Volkes wurzelt des monarchiſche
Gefühl, die Anhänglichkeit an ihre Fürſten war ſchon ein
Grundzug der alten Deutſchen, wie uns Tacitus erzählt.
Auch für uns iſt der Kaiſer nicht lediglich ein ge=
wiſſes
dekoratives Element, wir erblicken in ihm viel=
mehr
den Repräſentanten des politiſch geeinten Vater=
landes
, den berufenen Vertreter deutſcher Art und
Sitte, der eingedenk des Wortes Friedrichs des
Großen, daß der König des Staates erſter Diener ſei,
als ein Vorbild unerſchütterlicher Pflichttreue unauf=
hörlich
an der Ausbildung und Sicherheit unſerer
Wehrkraft gearbeitet, den Frieden gewahrt und ſich der
Wohlfahrt, der Kultur und der Fürſorge für die unbemit=
telten
Klaſſen gewidmet hat. Es iſt ein geſchichtliches Er=
eignis
, daß nach der Annexion Bosniens und der Herze=
gowina
durch Oeſterreich die Bundestreue und die Armee
Deutſchlands genügt haben, der Welt den Frieden zu er=
halten
. Wir ſchließen uns heute in Dankbarkeit und Ehr=
erbietung
den Glückwünſchen an, die unſer in der Reichs=
hauptſtadt
weilender Großherzog dem Kaiſer darbringt.
Mit einem dreimaligen Hoch auf Seine Majeſtät den Kai=
ſer
ſchloß der Redner.
Herr Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing gedachte des
hohen Bundesgenoſſen des Kaiſers, unſeres erhabenen
Landesherrn, dem ſeine geſamte Perſönlichkeit und die
Art, wie er die Pflichten ſeines hohen Amtes auffaßt und
unermüdlich auf die Förderung des Landes bedacht iſt und
vorurteilslos und unbefangen jedem neuen Gedanken ge=
genüberſteht
, ſchon längſt die Herzen der treuen Söhne des
Landes gewonnen haben. Se. Königl. Hoheit der Groß
herzog bringt jeder ſelbſtändigen neuen ſchöpferiſchen =
tigkeit
das wärmſte Intereſſe entgegen. Dieſer Grundzug
ſeiner Auffaſſung hat eine freie Stätte des Kunſtgewerbes
in Darmſtadt erſtehen laſſen und dazu beigetragen, der
Stadt eine Stellung als Kunſtſtadt zu ſichern, und der
Großherzog iſt in warmer Anteilnahme für die Entwick=
lung
unſerer Stadt beſtrebt, unſerer Stadt dieſe Stellung

[ ][  ][ ]

Nummer 23.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

Seite 5.

zu erhalten und ihr in bedeutungsvollen Fragen unter=
ſtützend
zur Seite zu ſtehen. Treue und Liebe begleiten
den Großherzog, Treue und Liebe begleiten die Frau
Großherzogin und das herzerfreuende Bild eines innigen
Familienglückes im Großherzoglichen Hauſe. Redner
ſchloß mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Königl. Hoheit
den Großherzog
Die Speiſen=Folge des Feſtmahles lautete:
Königin=Suppe Zanderfilets gebacken, Sauce toma=
tes
, Kartoffelſalat gedämpftes Ochſenrippenſtück auf
Kaiſerliche Art friſche Helgoländer Hummer, Sauce
Mayonnaiſe Steyriſche Kapaunen, Pariſer Kopf=
ſalat
, Kompott Hohenzollerneis Käſeſtangen,
Deſſert Kaffee.
Die Tafelmuſik wurde von der Kapelle des
Garde=Dragoner=Regiments Nr. 23 unter Leitung des
Herrn Muſikmeiſters Mittelſtädt ausgeführt.
Im Hoftheater fand abends Feſtvorſtel=
lung
bei feſtlich erleuchtetem Hauſe ſtatt. Als Ein=
leitung
wurde Webers Jubelouvertüre geſpielt, deren
Schluß das Publikum ſtehend anhörte. Zur Aufführ=
ung
gelangte Wildenbruchs letztes Werk Der dentſche
König.
In Berlin.
* Berlin, 27. Jan. Zur Feier des Geburts=
tages
des Kaiſers trägt die Stadt reichen Flaggen=
ſchmuck
. Eingeleitet wurde die Feier auch in dieſem Jahre
durch ein großes Wecken. Der Kaiſer nahm zuerſt die
Glückwünſche der kaiſerlichen Familie entgegen und
empfing dann die Gratulationen der Damen und Herren
des engeren Hofes, des Hauptquartiers, ſowie der ſtändig
hier anweſenden Prinzen und Prinzeſſinnen des könig=
lichen
Hauſes, ſowie der allerhöchſten Gäſte. Am 8¾ Uhr
empfing der Kaiſer den Reichskanzler, Dr. von
Bethmann Hollweg, dem der Kaiſer den Schwarzen
Adlerorden verlieh. An ſeinem Geburtstage hat der Kaiſer
auch der Retter und der Verſchütteten der Zeche Hol=
land
gedacht. Heute werden in Wattenſcheid den bei
dem Rettungswerk Beteiligten vier Rettungsmedaillen am
Bande, ein Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens und vier
Allgemeine Ehrenzeichen überreicht werden.
Sodann begab ſich der Hof in die Schloßkapelle,
wo die Botſchafter und die übrigen Miſſionschefs, die
Bundesratsmitglieder, die Generalität, die Admirali=
tät
, die Miniſter, die Parlamentspräſidien uſw. ſich
eingefunden hatten. Hierbei führte der Kaiſer die
Großherzogin von Baden, der König von Sachſen die
Kaiſerin, der König von Württemberg die Kron=
prinzeſſin
und der Kronprinz die Großherzogin
von Heſſen. Der Kaiſer trug die Uniform des 1.
Garde=Regiments, die Kaiſerin eine fliederfarbene
Robe. Oberhofprediger Dryander hielt die Predigt.
Außer dem Schwarzen Adlerorden an den Reichskanzler
verlieh der Kaiſer noch viele Auszeichnungen.
An den Gottesdienſt ſchloß ſich die Gratulations=
cvur
im Weißen Saale, wobei der Kaiſer dem Reichs=
kanzler
und den Präſidien der Parlamente die Hand
reichte. Nach der Cour nahm der Kaiſer die Glück=
wünſche
des Staatsminiſteriums entgegen und begab
ſich ſodann mit feinen Söhnen zu Fuß nach dem Zeug=
haus
hinüber, wo ihn die Offiziere der Garniſon zur
Paroleausgabe und zu militäriſchen Meldungen er=
warteten
. Hier beſichtigte der Kaiſer auch die im Licht=
hofe
aufgeſtellten Modelle der Lenkballons und Flug=
maſchinen
. Von hohen Auszeichnungen in der Ge=
neralität
werden genannt: Die Verleihung des Schwar=
zen
Adlerordens an den General von Deines, des
Groß=Komturkreuzes des Hausordens von Hohenzollern
an den Generaloberſten von Pleſſen und des
Großkreuzes des Roten Adlerordens an die kommandie=
renden
Generale von Löwenfeld und von
Mackenſen. Der Chef des Zivilkabinetts von
Valentini erhielt den Roten Adlerorden zweiter
Klaſſe mit Stern und Eichenlaub. Nach der Rück=
kehr
ins Schloß fand Frühſtückstafel mit den Kindern
und Geſchwiſtern des Kaiſers ſtatt, während die fürſt=
lichen
Gäſte mit den Kronvrinzlichen Herrſchaften
ſpeiſten. Um 6¼ Uhr abends findet Familientafel
für alle Fürſtlichkeiten im Ritterſaale ſtatt.
* Berlin, 27. Jan. Das Militärwochenblatt
meldet: Dem Generalleutnant z. D. Trotha, zuletzt
Kommandeur der Schutztruppe in Südweſtafrika, wurde
der Charakter als General der Infanterie verliehen;
Freiherr von und zu Egloffſtein, Kommandant der
20. Diviſion, wurde zum Gouverneur von Straßburg,
v. Gündell, Oberquartiermeiſter, zum Kommandeur
der 20. Diviſion ernannt. Zu Generalleutnants wur=
den
befördert: Matthias, Chef der Landesaufnahme,
v. Kroſigk, Kommandeur der 4. Garde=Infanterie=
Brigade, unter Ernennung zum Kommandeur der
28.
Diviſion, Oldenburg, Kommandeur der
71. Infanterie=Brigade, von Boehm, Kom=
mandant
von Berlin, Waldhauſen, Train=
Inſpekteur, v. Wegerer, Kommandeur der 30.
Infanterie=Brigade, unter Ernennung zum Kom=
mandeur
der 3. Diviſion. Dem Generalmajor Herzog
Ernſt Günther zu Schleswig=Holſtein wurde der Cha=
rakter
als Generalleutnant verliehen; Oberſt Freiherr
v. Freitag=Loringhoven, Kommandeur des
Infanterie=Regiments Nr. 12, wurde mit der Wahr=
nehmung
der Geſchäfte eines Oberquartiermeiſters be=
auftragt
; Fürſt zur Lippe wurde zum Chef des dritten
Bataillons des Infanterie=Regiments Nr. 55 ernannt
und Prinz Eitel Friedrich von Preußen wurde
zum Major befördert. Hauptmann Franke iſt aus
der Schutztruppe in Südweſtafrika ausgeſchieden und
unter Beförderung zum überzähligen Major beim
Stabe des zweiten Garde=Regiments zu Fuß angeſtellt
worden. Dominik, Hauptmann der Schutztruppe in
Kamerun, wurde der Charakter als Major verliehen.
* Berlin, 27. Jan. Durch Allerhöchſte Kabinetts=
Ordre wurden befördert: zum Admiral der bis=
herige
Vizeadmiral v. Holtzendorff unter Er=
nennung
zum Chef der Hochſeeflotte, zu Vizeadmiralen
die Kontreadmirale Paſchen, Direktor des Allgemeinen
Marinedepartements des Reichsmarineamts, Roll=
mann
, Direktor des Konſtruktionsdepartements des
Reichsmarineamts, v. Ingenohl, bisheriger Admi=
ral
à la suite des Kaiſers unter Ernennung zum Chef
des Kreuzergeſchwaders, zu Kontreadmiralen die Kapi=
täne
Reinhard Koch unter Ernennung zum zweiten
Admiral der Aufklärungsſchiffe, Spaeter, Direktor
der Marineakademie, Graf v. Spee, Chef des Stabes
des Kommandos der Marineſtation der Nordſee, und
Scheer, Chef des Stabes der Hochſeeflotte. Erhalten
haben den Charakter als Vizeadmiral Kontreadmiral
zur Dispoſition Gülich, zuletzt Kommandank in Wil=
helmshaven
, als Kontreadmiral Kapitän zur Dispo=
ſition
v. Grumme, zuletzt dienſttuender Flügeladjutant
des Kaiſers. Verliehen wurde der Stern zum Roten
Adlerorden zweiter Klaſſe mit Eichenlaub und der
Königlichen Krone dem Vizeadmiral v. Uſedom, Ober=
werftdirektor
in Kiel.

* München, 27. Jan. Heute, an Kaiſers Ge=
burtstag
, tragen alle öffentlichen Gebäude und viele
Privathäuſer Flaggenſchmuck. Bei dem Feſtmahle der Of=
fiziere
des Beurlaubtenſtandes, das geſtern wie, alljährlich
ſtattfand, gedachte Prinz Ludwig in herzlichen Worten der
letzten Kaiſermanöver und des kaiſerlichen Beſuches in
München zur Eröffnung der Schack=Galerie. Der preu=
ßiſche
Geſandte v. Schlozer gab geſtern abend eine Feſt=
tafel
, zu der u. a. die Miniſter und Geſandten der deut=
ſchen
Bundesſtaaten geladen waren. Miniſterpräſident
Freiherr v. Podewils brachte den Trinkſpruch auf den Kai=
ſer
aus. Der Prinzregent iſt aus Berchtesgaden hierher
zurückgekehrt; er gibt heute abend in der Reſidenz eine
größere Feſttafel. Heute abend findet im Alten Rathaus=
ſaale
ein Feſtmahl der Münchener Bürgerſchaft ſtatt.
* Wien, 26. Jan. Anläßlich des morgigen Ge=
burtstages
des deutſchen Kaiſers fand heute
im Hotel Metropole ein Feſtmahl der deutſchen
Kolonie ſtatt. Der deutſche Botſchafter von
Tſchirſchky brachte den erſten Toaſt aus, in wel=
chem
er es als Pflicht der Dankbarkeit bezeichnete, zu=
nächſt
des Kaiſers Franz Joſef zu gedenken. Sodann
gedachte der Botſchafter der ernſten Ereigniſſe des ver=
gangenen
Jahres und hob hervor, daß es dank der
Friedensliebe des Kaiſers Franz Joſef und des treuen
Zuſammenwirkens der beiden verbündeten Herrſcher
im Verein mit dem Dritten im Bunde gelang, die
drohenden Wolken zu zerſtreuen. So hat der Dreibund
ſeine Aufgabe, der Hort des europäiſchen Friedens zu
ſein, erfüllt. Der Botſchafter gedachte dann des 80. Ge=
burtstages
des Kaiſers Franz Joſef, den dieſer in die=
ſem
Jahre feiern wird, und ſchloß mit dem Wunſche,
daß Kaiſer Franz Joſef noch viele Jahre zum Wohle
ſeines Volkes regieren möge. Hierauf brachte das Vor=
ſtandsmitglied
der deutſchen Offiziers=Vereinigung,
Direktor Reutti, den Toaſt auf Kaiſer Wilhelm aus
und betonte die Notwendigkeit des Zuſammenhaltens
der Deutſchen im Auslande. Der Redner hob hierauf
die Handlungen des deutſchen Kaiſers hervor, die alle
von glühender Vaterlandsliebe diktiert ſeien. Er ge=
dachte
ſeines Wirkens als Mehrer der deutſchen Flotte,
bezeichnete Kaiſer Wilhelm als echten Fürſten der Neu=
zeit
und ſchloß mit der Verſicherung, dem Kaiſer und
dem Vaterlande immer treu zu bleiben und mit einem
dreimaligen Hurra auf den deutſchen Kaiſer.
Wien, 27. Jan. Anläßlich des Geburtstages
des deutſcheen Kaiſers gab der Botſchafter von
Tſchirſchky ein Frühſtück, an dem das Perſonal der
Botſchaft, die Mitglieder der deutſchen Kolonie, die reichs=
deutſchen
Vereine, die Vertreter der Bundesſtaaten, die
Konſulatsherren uſw. teilnahmen. Der Botſchafter brachte
einen Trinkſpruch auf Kaiſer Wilhelm aus, der von den
Feſtteilnehmern begeiſtert aufgenommen wurde.
* Peſt, 26. Jan. Die hier lebenden Reich= sdeutt=
ſchen
veranſtalteten heute zur Vorfeier des Ge=
burtstages
des deutſchen Kaiſers ein Feſt=
mahl
. Der Generalkonſul Graf, v. Brockdorff=Rantzau
erinnerte in einem mit Begeiſterung aufgenommenen
Trinkſpruch daran, daß der Reichskanzler v. Bethmann
Hollweg in ſeiner erſten Rede vor dem Reichstag er=
klärte
, das Bündnis zwiſchen der habsburgiſchen
Monarchie und dem Deutſchen Reich ſei ſo feſt gegrün=
det
, daß es keiner Worte darüber bedürfe.
* Peſt, 27. Jan. Zur Feier von Kaiſers Ge=
burtstag
gab heute der deutſche Generalkonſul Graf
v. Brockdorff=Rantzau den Mitgliedern der deut=
ſchen
Kolonie in den Räumen des Deutſchen Klubs ein
Feſteſſen. In ſeinem Trinkſpruch ſagte der Generalkonſul,
das ſchönſte Geſchenk, das die deutſche Kolonie dem Kaiſer
darbringen könne, beſtehe darin, daß ſie in ernſter, gemein=
ſamer
Arbeit dem deutſchen Namen, den zu tragen ſie ſtolz
ſei, im Auslande Ehre mache.
* Rom, 27. Jan. Geſtern abend fand im Hotel
Quirinal eine vom Deutſchen Künſtlerverein veranſtaltete
Kaiſer=Geburtstagsfeier ſtatt. Unter den An=
weſenden
befanden ſich Fürſt v. Bülow, Botſchafter v. Ja=
gow
, der Geſandte Freiherr v. Mühlberg, Freiherr von
der Tann=Rathſamhauſen, Freiherr Ritter v. Grünſtein.
Heute vormittag fand in der Kapelle der Botſchaft Feſt=
gottesdienſt
ſtatt. Beim Geſandten Freiherrn v. Mühl=
berg
findet heute mittag eine Feſttafel ſtatt und auf der
deutſchen Botſchaft heute abend großer Empfang der
deutſchen Kolonie.
* Rom, 27. Jan. Der Miniſter des Aeußern Guic=
ciardini
begab ſich nach der deutſchen Botſchaft, um
im Namen des Königs und der italieniſchen Regierung
die herzlichſten Glückwünſche anläßlich des Geburts=,
tages des deutſchen Kaiſers auszuſprechen.
* Rom, 27. Jan. Anläßlich des Geburtstages
des deutſchen Kaiſers wurde in der Kirche Santa
Maria dellkanima ein feierliches Tedeum geſungen, dem
der preußiſche Geſandte beim päpſtlichen Stuhl, der Kar=
dinal
Ferrata und hervorragende Perſönlichkeiten der
deutſchen Kolonie beiwohnten.
* Paris, 27. Jan. Der anläßlich des heutigen Ge=
burtstages
des deutſchen Kaiſers auf der
deutſchen Botſchaft geſtern veranſtaltete Empfang, zu dem
viele hervorragende Landsleute aus dem Reich, unter
ihnen der ehemalige Botſchafter Frhr. v. Stumm, Oberſt
v. Falkenhayn und Profeſſor Dr. Pannwitz, ſowie die
Mitglieder der deutſchen Kolonie trotz der durch die Ueber=
ſchwemmungen
vielfach verurſachten Verkehrsſtörungen
überaus zahlreich erſchienen waren, nahm einen ſehr ſchö=
nen
Verlauf. Am Schluſſe des Feſtabends, bei dem die
Sängerin Legeff, die Violinvirtuoſin Creſſi und er deutſche
Quartettverein die Gäſte durch künſtleriſch vollendete Dar=
bietungen
erfreuten, brachte der deutſche Botſchafter, Fürſt
von Radolin, in längerer Rede einen begeiſtert aufgenom=
menen
Trinkſpruch auf den deutſchen Kaiſer aus, wobei
er Veranlaſſung nahm, in herzlichen Worten dem Mit=
gefühl
für das durch die Hochwaſſerkataſtrophe ſo ſchwer
heimgeſuchte Frankreich Ausdruck zu verleihen.
* Paris, 27. Jan. Heute morgen fand in der
deutſch=evangeliſchen Kirche in der Rue blanche anläßlich
des Geburtstages des deutſchen Kaiſers ein Feſtgot=
tesdienſt
ſtatt, dem das Fürſtenpaar Radolin mit allen
Damen und Herren der Botſchaft, der bayeriſche Geſchäfts=
träger
und eine zahlreiche Gemeinde beiwohnten.
* Belgrad, 27. Jan. Anläßlich des Geburts=
tages
des deutſchen Kaiſers ſprachen der Gene=
raladjutant
Oberſt Juriſchitſch namens des Königs und
Miniſterpräſident Paſchitſch namens der Regierung dem
deutſchen Geſandten v. Reichenau ihre wärmſten Glück=
wünſche
aus.
* Kopenhagen, 26. Jan. Der Verein deut=
cher
Reichsangehöriger in Kopenhagen
feierte heute abend den Geburtstag Kaiſer Wil=
helms
durch ein Feſteſſen; der Vorſitzende des Ver=
eins
, Eiſenhut, toaſtete auf den König von Dänemark.
Der deutſche Geſandte, Graf Henckel v. Donnersmarck,
brachte den Toaſt auf Kaiſer Wilhelm aus, den er als
Friedensfürſten feierte. Der deutſche Pfarrer Lampe
toaſtete auf das deutſche Vaterland. Den Schluß bil=
dete
ein Ball, der die Teilnehmer bis in die Morgen=
ſtunden
vereinigte.

Petersburg, 27. Jan. Anlahlich des Ge=
burtstagsfeſtes
des deutſchen Kaiſers
fand in der lutheriſchen Petrikirche ein Feſtgottesdienſt
ſtatt. Anweſend waren der deutſche Botſchafter und
ſeine Gemahlin, ferner die Herren der Botſchaft, die
Botſchafter von Oeſterreich=Ungarn und Italien, der
Miniſter des Aeußern Iswolski, die in Petersburg
weilenden Offiziere der Regimenter, deren Chef der
deutſche Kaiſer iſt, ſowie zahlreiche Vertreter der deut=
ſchen
Kolonie.

Unwetter.

* Berlin, 27. Jan. Während hier ruhiger und kal=
ter
Froſt eingetreten iſt, laufen aus einzelnen Gegenden
Deutſchlands Sturmnachrichten ein. In Eſſen
brach geſtern abend ein furchtbarer Sturm los, der von
heftigem Schneegeſtöber begleitet war. Die Straßenbah=
nen
ſtellten den Betrieb ein. In der Eifel trat ſtarker
Schneefall ein. Hunderte von Arbeitern ſind damit be=
ſchäftigt
, die Bahnſtrecken frei zu legen. Der Schnee liegt
mehrfach drei Meter hoch. In Norddeutſchland
kam es zu vielen Unglücksfällen, in der Nordſee zu zahl=
reichen
Schiffskataſtrophen. Im Haag wütete geſtern ein
Blizzard, der im ganzen Lande große Störungen verur=
ſachte
. In Nord=England herrſchte geſtern ſtarker
Schneeſturm. In London wies das Thermometer zehn
Grad Kälte auf. In Italien wütet bereits ſeit einigen
Tagen ein furchtbares Unwetter. Aus Venedig wurde.
geſtern die falſche Nachricht an Beamte im Vatikan gege=
ben
, die Stadt ſei von einem Seebeben halb zerſtört wor=
den
.
* Hamburg, 25. Jan. Der geſtrige Schnee=
ſturm
hat Folgen gehabt, wie ſie im Verkehrsleben
Hamburgs ſeit vielen Jahren nicht erlebt worden
ſind. An ſich hätte wahrſcheinlich die niedergegangene=
Schneemenge zu ſo erheblichen Verkehrsüörungen nicht ge=
führt
, wenn nicht der Sturm die Maſſen ſtellenweiſe zu
unüberwindlichen Hinderniſſen zuſammengetragen hätte.
Fuhrwerke und Straßenbahnen kamen nur im Kriech=
tempo
vom Fleck oder blieben auch ſtundenlang ganz
ſtecken. Auf beſonders ſtark verwehten Strecken kam es
vor, daß Straßenbahnwagen, die ſonſt etwa 30 Minuten
zur Durchfahrung ihres Weges brauchen, den Endpunkt
erſt in zwei Stunden zu erreichen vermochten. Alle
Droſchken waren im Handumdrehen vergriffen. Auch die
Züge, beſonders die Vorortzüge und die Güterzüge, hatten
und haben ſelbſt heute noch Verſpätungen, die nach Stun=
den
rechneten. Ein Zug der Kaltenkirchener Kleinbahn,
der morgens halb neun in Altona eintreffen ſollte, um
die Altonaer und Hamburger mit Milch zu verſorgen, kam
erſt nach ſieben Stunden an, da er ſo lange im Schnee
ſtecken geblieben war und erſt hatte ausgegraben werden
müſſen. Die Hamburger Straßenreinigung war durch
den unerwarteten Schneefall vollſtändig überrumpelt wor=
den
. Die Schneepflüge, von denen wir überhaupt nur
50 Stück beſitzen, befanden ſich ſeit den Frühlingslüften
der letztvergangenen Wochen bereits im tiefſten Sommer=
ſchlaf
. Man behalf ſich alſo zunächſt mit den Kehrmaſchi=
nen
, die aber ſo gut wie nichts gegen Frau Holle auszu=
richten
vermochten. Auch als endlich die Pflüge ſpät=
nachmittags
klargemacht waren und in Tätigkeit traten,
konnten ſie höchſtens in einigen Hauptſtraßen wenige
Fahrrinnen im weithin glänzenden Schneemeer ſchaffen.
rſt als gegen 5000 Mann, wovon etwa vier Fünftel Hals=
über
Kopf unter den Arbeitsloſen oder unzureichend Be=
ſchäftigten
angeworben waren, mit Schaufeln und Karren
dem dichten weißen Pelz zuleibe rückten, zeigte ſich nach
und nach etwas Luft. Noch heute abend türmten ſich auf
den Straßenſeiten die Schneeberge auf. Alle Augenblicke
ſieht man eine Lawine von den Dächern niederſauſen. Aus
der Elbniederung kommen ganz märchenhafte Poſten von
gänzlich verſchneiten Dörfern, denen alle Ver=
bindungen
abgeſchnitten ſind, und von ſteckengebliebenen
Fahrzeugen, die nicht mehr vor= und rückwärts konnten.
Bei dem heftigen Schneeſturm kam auch der geſamte
Schiffsverkehr in der Elbmündung ins Stocken.
Madrid, 27. Jan. In Coruna ging bei hefs.
tigem Sturm ein Fiſcherboot unter; elf Inſaſſen ertran=
ken
. In San Sebaſtian iſt das Waſſer geſtiegen und in
eine Anzahl Häuſer eingedrungen.
Madrid, 27. Jan. Aus verſchiedenen Gegenden
Spaniens werden ſtarke Schneefälle und Hagel=
ſchläge
gemeldet. In einzelnen Teilen der Provinz Sara=
goſſa
liegt der Schnee einen Meter hoch.

Die Ueberſchwemmung in Frankreich.

* Paris, 26. Jan. Der Gemeinderat zeich=
nete
für die von der Ueberſchwemmungskata=
ſtropye
Betroffenen 150000 Franks, die Handelskam=
mer
50000 Franks, die Gemeinde Enghien=les Bains
10000 Franks, der Dichter Edmond Roſtand 7000 Frks.
und mehrere Kreditinſtitute Beträge von 10000 bis
25000 Franks. Die geſamte, von der Pariſer Preſſe
eröffnete Subſkription erreichte den Betrag von 720000
Franks.
* Paris, 26. Jan. Nach einer kalten Nacht be=
gann
es heute früh um halb 7 Uhr zu ſchneien; vor=
mittags
fiel der Schnee in dichten Flocken, blieb aber
nicht lange liegen. Das Waſſer ſteigt immer
noch und richtet, beſonders im 12. und 13. Arrondiſſe=
ment
, ſowie auf der Place Maubert, am Pont. Neuf,
auf der Place de la Concorde und in Paſſy großen
Schaden an. Der Invalidenhof iſt überſchwemmt,
ebenſo die Strecke der Untergrundbahn unter der Place
de la Concorde. Nach einer Mitteilung der Orleans=
Eiſenbahn=Geſellſchaft iſt der Betrieb infolge des Hoch=
waſſers
vollſtändig eingeſtellt.
* Paris, 26. Jan. Die Seine ſteigt immer
noch; die Kanäle treten im vierten Arrondiſſement
über. Ein Teil des Miniſteriums des Auswärtigen
iſt geräumt; insbeſondere gefährdet iſt das Javelver=
tel
. Der Kriegsminiſter teilte Paris in fünf Bezirke
ein, deren jeder unter den Befehl eines Majors der
Landwehr geſtellt wird, die mit der Anordnung der
Hilfeleiſtung beauftragt ſind. 120 Seeleute und
74 Boote ſind aus den Häfen eingetroffen und nach
Alford beordert worden, wo nunmehr jede Gefahr für
das Leben von Menſchen beſeitigt iſt.
Die telegraphiſchen Verbindungen im
ſtädtiſchen und auswärtigen Verkehr ſind ziemlich gut
geſichert. 4177 Telephon=Abonnenten ſind vom telepho=
niſchen
Verkehr abgeſchnitten. Man erwartet für mor=
gen
ein weiteres Steigen des Waſſers um=
80 Zentimeter. Für die in Mauerwerk aufgeführten
Brücken hegt man keine Befürchtung, nur die in
Eiſen aufgeführten können durch die Anhäufung trei=
bender
Holztrümmer Schaden erleiden. Vorausſichtlich
wird der Verkehr auf denſelben unterſagt. Auch in
der Nähe der Bahnhöfe St. Lazare und Rue de Rome
iſt der Verkehr eingeſtellt. Das Journal Offieiell
iſt vormittags nicht erſchienen; es wird abends in ab=
geändertem
Format erſcheinen. Nach Meldungen aus
der Provinz ſteigt auch die Marne noch immer;
die Doubs und die Saone ſcheinen jedoch zu fallen.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Dariſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910

Nummer 23.

Mehrere Tauſende, die von dem Unglück betroffen wurs
den, kommen mit ihrer Habe nach Paris.
Das anläßlich des Geburtstages des deutſchen Kai=
ſers
für morgen angeſagte Feſteſſen der deutſchen
Kölonie, das auch diesmal im Hotel Kontinental ſtatt=
finden
ſollte, mußte abgeſagt werden, da die Küchen=
räume
und die elektriſchen Beleuchtungsanlagen des
Hotels vollſtändig überſchwemmt ſind. In den
Kellern des Botſchafterpalaſtes ſteigt das Waſſer ſtetig,
trotzdem Tag und Nacht mehrere Pumpen tätig ſind.
Bisher iſt es jedoch wenigſtens gelungen, die in den
Kellerräumen befindlichen Heizanlagen vor Ueberflut=
ung
zu ſchützen. Ein Flügel des Miniſteriums des
Aeußern mußte heute mittag geräumt werden, da die
Mauern desſelben infolge des Hochwaſſers bedenkliche
Riſſe aufweiſen. Auch in den von der Seine entfern=
teren
Straßen machen ſich die Wirkungen des Hoch=
waſſers
mehr und mehr geltend. In der von dem
Zoulevard nach der Place de la Concorde führenden
Rue de Royal wurde der Wagenverkehr eingeſtellt, da
in den dort im Bau begriffenen Tunnel der Unter=
grundbahn
Waſſer eingedrungen und ein Sammelkanal
geborſten iſt, wodurch Senkungen hervorgerufen wur=
den
. Am Quai de Loupre ſind gerade gegenüber dem
Loupre=Muſeum Senkungen eingetreten, ſo daß dieſe
Gegend von dem Verkehr abgeſperrt werden mußte.
* Paris, 27. Jan. Das Hochwaſſer iſt nachts
noch geſtiegen. Geſtern abend wurde in Paris ein wei=
teres
Steigen der Seine um weitere 60 Zentimeter feſt=
geſtellt
; am oberen Laufe wurde um dieſelbe Zeit
eine Steigung um weitere 74 Zentimeter gemeſſen.
Es wird angenommen, daß die Seine im Laufe des
heutigen Tages auf neun Meter und zehn Zentimeter
ſteigt. Miniſterpräſident Briand ſtellte den Betroffe=
nen
die Gebäude zur Verfügung, die ehemals den Kon=
gregationen
gehörten; nötigenfalls wird die Regierung
auch die Kaſernen und Lyceen für die Opfer der Ueber=
ſchwemmung
bereit halten., Den Deputierten des
Seine=Departements erklärte Miniſterpräſident Briand,
die Lage ſei auch weiterhin als ſehr ernſt aufzufaſſen
Alle kommandierenden Generale in den von der Ueber=
ſchwemmung
nicht betroffenen Gegenden wurden von
dem Miniſterpräſidenten angewieſen, im Bedarfsfalle
Hilfstruppen zu entſenden. Das Waſſer drang in
die Druckerei des Rathauſes ein. Man befürchtet, daß
das Waſſer auch in die Keller eindringen und die Heiz=
ungs
= und Beleuchtungsanlagen betriebsunfähig machen
wird. Die Gewölbe der Untergrundbahn zeigen
ſchwere Beſchädigungen. Im Kai des Louvres ſind Ar=
beiter
damit beſchäftigt, die dort errichtete Schutzwehr
zu erhöhen. Das Waſſer drang in die Unterkellerungen
des Muſeums ein. Es macht ſich bereits Mangel an
Lebensmitteln fühlbar. Eine Anzahl von Bäckern ver=
langt
ſehr hohe Brotpreiſe.
* Paris, 27. Jan. Fürſt Radolin mußte heute
mit ſeiner Familie in das Haus eines Herrn
der Botſchaft überſiedeln, da der weitere Aufent=
halt
im Botſchaftspalaſt infolge der Ueberſchwemmung
unmöglich geworden iſt. Die Heizungsanlagen und die
Küchenräume ſind daſelbſt vollſtändig überflutet. Das
Waſſer drang auch in das Erdgeſchoß des Hauſes ein;
dasſelbe wurde vollſtändig überflutet. Das Botſchafts=
gebäude
, deſſen Hof von der Straßenſeite aus über=
ſchwemmt
wurde, iſt nunmehr nur noch von der
Gartenſeite aus zugänglich.
* Paris, 27. Jan. Wegen desaugenblicklichen
Hochwaſſers wurde die Premiere von Roſtands
Chantecler auf den 1. Februar verſchoben. Auf
den Straßen ſchreitet das Waſſer immer mehr in der
Richtung auf den Straßendamm vorwärts. Der Kai
d’Auſterlitz, hat ſich unter dem Druck des Waſſers ge=
hoben
; im Innern des Lyoner Bahnhoſes dagegen
haben ſich die Bahnſteige geſenkt. Der Bahnhof von
Jory und die dort lagernden Waren ſind vollkommen
überſchwemmt. Um 8 Uhr vormittags drangen die
Fluten in die Straßen der Gemeinde Clichy.
* Paris, 27. Jan. Angeſichts der durch das
Hochwaſſer im Geſchäftsleben hervorgerufenen
Störungen wird die Regierung auf Erſuchen des Prä=
ſidenten
der Pariſer Handelskammer bei dem Senat
die raſcheſte Erledigung des Geſetzentwurfes über den
Aufſchub der Fälligkeiten beantragen. Die um 1 Uhr
nachts vom Oberlaufe der Seine und ihrer Nebenflüſſe
eingetroffenen Nachrichten laſſen erhoffen, daß die
Ueberſchwemmung in Paris bereits den höchſten Stand
erreicht hat und nunmehr ein Fallen des Waſſers zu
erwarten iſt. Auf dem Boulevard Berey erfolgte
heute nacht eine Senkung des Gewölbes der Unter=
grundbahn
, und große Waſſermaſſen drangen dort ein.
Da für die benachbarten Häuſer Einſturzgefahr beſteht,
wurden die Mieter aufgefordert, ihre Wohnungen zu
räumen.
Paris, 27. Jan. Aus der Provinz laufen fort=
während
neue Hochwaſſernachrichten ein. Neu=
illy
und Paiſance (Departement Seine et Oiſe) ſtehen
halb unter Waſſer. Die ganze Ebene bei Ronen iſt ein
einziger See. Die Gers, im Departement Auch, ſchwillt
auch beunruhigend an. Die Dörfer im Departement
des Hautes Pyrenées ſind überſchwemmt. Die Zuflüſſe
des Lac de Bourget beginnen zu ſinken, doch liegen im
Gebirge noch beträchtliche Schneemaſſen. In Tours
hat ein Wirbelſturm ſchweren Schaden angerichtet. Um
Mitternacht traf die Nachricht ein, daß die Marne merk=
lich
ſinkt. Auch aus Chatean Thierry und Troyes lau=
ten
die Nachrichten günſtiger. In Melnn wurde eine
5000 Kubikmeter Holz enthaltende Brücke von den Flu=
ten
weggeriſſen.
* Paris, 27. Jan. Heute vormittag gegen 9 Uhr
iſt das Gewölbe der Orleansbahn einge=
ſtürzt
. In der Rue de Lille ſenkte ſich das unter=
wühlte
Pflaſter teilweiſe. In der deutſchen Botſchaft
ſteigt das Waſſer noch. Die Untergrundbahn erhält
den Betrieb aufrecht auf den Linien 2 und 3, vom
Place de la Nation bis zur Rue Dauphiné und von der
Avenue de Villiers bis zur Avenne Gambetta.

Die engliſchen Wahlen.

* London, 26. Jan. Nach den bis 3 Uhr nach=
mittags
bekannt gewordenen Wahlergebniſſen
ſind gewählt: 255 Unioniſten, 230 Liberale, 38 Vertreter
der Arbeiterpartei und 72 Nationaliſten. Der Gewinn
der Unioniſten beträgt hiernach 117; in den anderen
Zahlen hat ſich nichts geändert.
* London, 27. Jan. Bis zwei Uhr nachts waren
255 Unioniſten, 233 Liberale, 38 Mitglieder der Arbei=
terpartei
und 72 Nationaliſten gewählt; die Unioniſten
gewannen 117, die Liberalen 17 und die Arbeiterpartei
einen Sitz.
* London, 27. Jan. Bis gegen 2 Uhr nachmit=
tags
waren folgende Wahlergebniſſe bekannt:
257 Unioniſten, 246 Liberale, 40 Mitglieder der Ar=
beiterpartei
, 72 Nationaliſten. Die Unioniſten ge=
wannen
119 Sitze; die Gewinne der übrigen Parteien
ſind unverändert.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Braunſchweig, 27. Jan. Geſtern abend kurz vor
7 Uhr begannen hier aus Anlaß der Landtags=
eröffnung
unter Teilnahme von mehreren tauſend
Perſonen die Wahlrechtsdemonſtrationen
der Sozialdemokraten. Da an einer Stelle
mehrere Schüffe abgegeben wurden, ging die Polizei
mit blanker Waffe vor; hierbei wurden etwa fünfzehn
Perſonen verletzt, wovon zwei wegen ſchwerer Kopf=
wunden
ins Krankenhaus gebracht werden mußten.
In der Nähe des Hoftheaters wurde ein Oberwacht=
meiſter
vom Publikum zu Boden geworfen und durch
Fußtritte ſchwer verletzt. Gegen acht Uhr zerſtreute ſich
die Volksmenge.
* Braunſchweig, 27. Jan. Nach amtlichen Darſtell=
ungen
nahmen die geſtrigen ſozialdemokrati=
chen
Kundgebungen ſtellenweiſe einen ernſten
Charakter an. Da die Menge der mehrmaligen Auf=
forderung
der Polizeiorgane zum Auseinandergehen
bezw. Weitergehen zum Trotz immer provozierender
vorging, die Polizeimannſchaften mit Eisſtücken be=
worfen
wurden und da weiter aus der Menge ein
Schuß abgegeben wurde, mußte die Polizei mit der
blanken Waffe vorgehen, wobei mehrere Verletzungen,
darunter auch einige ſchwere, vorkamen. Ueber die
Zahl und Art der Verletzungen iſt ſonſt nichts bekannt,
da die Verletzten ſich in ihre Wohnung oder zu einem
Arzt begaben. Ein Mann, der einen zu Boden ge=
ſtürzten
Polizeibeamten am Boden feſthielt und zu
würgen verſuchte, erhielt einen ſchweren Säbelhieb
über den Kopf und erlitt vermutlich eine Gehirner=
ſchütternng
. Mehrere Verhaftungen, wurden vorge=
nommen
. Ein von der Menge beſonders heftig attackier=
ter
Polizeiwachtmeiſter wurde ebenfalls, wenn auch
nicht ſchwer, verletzt. Die Polizei war über die beab=
ſichtigten
Demonſtrationen unterrichtet und hatte ſo
rechtzeitig entſprechende Maßnahmen treffen können.
* Oldenburg, 27. Jan. Die Staatsregierung ſchloß
mit der Allgemeinen Elektrizitäts= Ge=
ſellſchaft
in Berlin einen Vertrag über die Ver=
ſorgung
des Herzogtums mit elektriſcher Energie ab.
Die Anlagekoſten belaufen ſich auf 10 Millionen Mark.
* Salchendorf (Siegerland), 27. Jan. Nach einer
Tanzfeſtlichkeit kam es zu einer großen Schlägeren,
an der ſich 40 Leute beteiligten. Mehrere Verſonen
wurden ſchwer verletzt. Ein 17jähriger Burſche blieb
als Leiche auf dem Platze.
* Poſen, 27. Jan. Als Mörder des Arbeiters
Guſtav Heim aus Anaſtazewo bei Tremeſſen wurden
drei 20jährige Burſchen ermittelt; dieſelben legten be=
reits
ein Geſtändnis ab.
* Neapel, 27. Jan. In verfloſſener Nacht ſoll im
Kanal zwiſchen Iſchia und Niſita ein großer
Dampfer untergegangen ſein. Näheres iſt
noch nicht bekannt.
* Belgrad, 27. Jan. Prinz Georg begab ſich
heute in ſeine neue Garniſon Gornji Milanovac.
Bei der Abreiſe am Bahnhof war eine Ehrenkompagnie
mit Muſik aufgeſtellt. Zur Verabſchiedung hatten ſich
die Spitzen der Militärbehörden eingefunden.
* Chriſtiania, 27. Jan. Im heutigen Staatsrat über=
reichte
der Miniſterpäſident das Demiſſionsgeſuch
des geſamten Kabinetts. Der König nahm die
Demiſſion an und erſuchte die Miniſter, bis auf weiteres
die Geſchäfte weiterzuführen. Nach Schluß des Staats=
rates
empfahl der Miniſterpräſident dem König auf deſſen
Anfrage, ſich an den Führer der Rechten, Bratlie, wegen
der Neubildung des Kabinetts zu wenden. Das Demiſ=
ſionsgeſuch
der Regierung wird mit dem Ausfall der letz=
ten
Storthingswahlen begründet.
* Konſtantinopel, 27. Jan. Der Bruder des Juſtiz=
miniſters
Nedſchmeddin fiel heute nacht einem
Mordanſchlag zum Opfer.: Das Attentat galt
jedenfalls dem Juſtizminiſter ſelbſt.
* Athen, 27. Jan. Um Mitternacht wurde der Preſſe
mitgeteilt, daß die Regierung, da zwei Sitzungen der
Deputiertenkammer wegen Beſchlußunfähigkeit
des Hauſes geſchloſſen werden mußten, die Abſicht habe,
ihre Entlaſſung zu nehmen.
* Sydney, 27. Jan. Wegen ihrer Tätigkeit beim
Ausſtand der Minenarbeiter gegen Ende des
vorigen Jahres ſind der Vorſitzende des Bergarbeiter=
verbandes
, Nordens, zu drei Jahren Zwangsarbeit und
einige Führer der Ausſtändigen zu acht Monaten Ge=
fängnis
, ſowie acht Bergleute zu zwei Wochen bis drei
Monaten Zwangsarbeit verurteilt worden.
Waſhington, 27. Jan. Es verlautet, daß die Regie=
rung
der Vereinigten Staaten das deutſche Ein=
fuhrverbot
gegen amerikaniſches Schlacht=
rieh
bei der Entſcheidung der Frage, ob Deutſchland der
Minimaltarif zu bewilligen ſei, außer Betracht laſſen
wird. Iſt die Meldung richtig, ſo wäre Deutſchland damit
eine Stellung geſichert, die von der 25prozentigen Zoller=
höhung
, die nach dem 31. März eintritt, ausgenommen iſt.
* Toronto, 27. Jan. Bei einem Kampfe zwiſchen
dem kanadiſchen Fiſchereiinſpektor in Ontario und
umerikaniſchen Fiſchräubern, der am oberen
Niagarafluſſe ſtattfand, wurde einer der Räuber er=
ſchoſſen
. Die übrigen entkamen mit dem Leichnam des
Erſchoſſenen und der Bente an das amerikaniſche Ufer.

Ein täglicher Begleiter.
Nicht nur bei Husten und Katarrh als Folge der
schlimmen Herbst- und Winterwitterung schätzen
Tausende in den berühmten Wybert-Tabletten ein
vorzügliches Linderungsmittel, das wie kein anderes
geeignet ist, als wahres Hausmittel zu dienen. Beinahe
noch grösser ist die Zahl derjenigen Personen, bei
welchen Wybert-Tabletten im täglichen Gebrauch
stehen als ausserordentlich angenehme Bonbon, das
bei anhaltendem Sprechen den Mund feucht erhält,
das beim Singen der Stimme Wohlklang und Kraft
verleiht, kurz das Unzähligen von Menschen zum un-
entbehrlichen
täglichen Begleiter und Beschützer ge-
worden
ist. Sie finden Wybert-Tabletten in Schachteln
à Mk. 1. in allen Apotheken. Depots in Darm-
stadt
: In sämtlichen Apotheken; Germania-Drogerie,
Mühlstr. 78; Minerva-Drogerie, Ecke Karl- u. Hügelstr.;
Medizinal-Drogerie von Fr. Beckenhaub, Ecke Schul=
und Kirchstrasse, und Drogerie von C. Watzinger,
(9800
Wilhelminenstrasse 11.
ie Goldene Medaille als höchſte Auszeichnung
für ihre vorzügliche Deſſert=Liköre und Spezia=
litäten
, für Cognacs und alkoholfreien Manru erhielt
wieder die renommierte Likörfabrik B. Kasprowicz-
Gneſen auf der Ausſtellung für deutſche Kochkunſt
und verwandte Gewerbe zu Breslau unter dem Pro=
tektorat
Sr. Durchlaucht des Fürſten von Hatzfeldt
Herzog zu Trachenberg. Das Publikum war durch
die Vorzüglichkeit der weltberühmten Marken förmlich
(2328
begeiſtert.

Rhein-, Mosel-, Bordeaux-Weine
Vorzügliche Tischweine von 70 Pfg. per
Flasche an, bis zu den feinsten Gewächsen.
Südweine Champagner.
Deutscher u. französischer Cognac.
in- und Ausländische Liqueure.
Kgl. u. Grossh.
CARL WiLL, Hoflieferant.

Ernst-Ludwigstrasse 7. (18760a

Für die vielen Beweiſe freundlicher Teil=
nahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter
Frau
Wilhelmine Gombel
geb. Salzer
ſprechen wir unſeren herzlichſten Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Darmſtadt, 25. Januar 1910.

(2285

Bankſagun

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines innigſtgeliebten, un=
vergeßlichen
Gatten, unſeres treubeſorgten Vaters
Elen
Herrn Herrmann Fink
Schlosser
ſprechen wir hiermit Allen, beſonders Herrn Pfarr=
aſſiſtent
Flöel für ſeine troſtreiche Grabrede, den
Herren Chef und Buchhalter und ſeinen Mit=
arbeitern
, dem Freien Schützen=Verein Lands=
krone
, für die zahlreichen Blumenſpenden, und
Allen, die ihn zur letzten Ruhe geleiteten, unſeren
(B2361
herzlichſten Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Pauline Fink u. Kinder,
Katharine Fink.
Darmſtadt, 27. Januar 1910.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Schweſter
Karoline Bachmever
ſage im Auftrage der Hinterbliebenen herzlichen
(*2170
Dank.
Emil Bachmeyer,
Gasanſtalt=Direktor.

Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.

Hauptſynagoge (Friedrichſtraße 2).
Feier des Allerhöchſten Geburtstags Sr. Majeſtät des
Kaiſers Wilhelm II.
Freitag, den 28. Januar 1910.
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr Min.
Samstag, den 29. Januar 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min. Predigk
9 Uhr 25 Min. Sabbatausgang 6 Uhr 05 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.

Samstag, den 29. Januar 1910.
Vorabend 4 Uhr 45 Min. Morgens 8 Uhr Min.
Nachmittags 4 Uhr Min. Sabbatausgang 6 Uhr
05 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 30. Januar,
an: Morgens 7 Uhr Min. Nachmittags 5 Uhr Min.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Der Waffen
ſchmied‟
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Vortrag von Profeſſor Scharvogel um 8 Uhr im Saale
der Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4½11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (die Jungfraubahn
und deren Hochgebirgsnatur).

Verſteigerungskalender.
Samstag, 29. Januar.

Hofreite=Verſteigerung des Karl und Ferd. Groll
(Hölgesſtraße 3) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Dünger=Verſteigerung um 10 Uhr in der Drag.=
Kaſerne (Regiment Nr. 24).
Schwellen=Verſteigerung um 9¼ Uhr im Güter=
bahnhof
Eberſtadt.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldacſel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: S. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt

[ ][  ][ ]

Nummer 23.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

Seite 7.

Zum ersten Male in Beufschland!

M. . . iem 6
(

G
Prinzessin Zera

vom Kaiserlichen Harem
des Sultans Abdul Hamid II., nebst

echten Haremsdamen 8X

(ehemalige Frauen des
entthronten Sultans Abdul Hamid)

4

Unter Leitung
des
9274)

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Freitag, den 28. Januar 1910.
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von Albert Lortzing.
Muſikal. Leitung: Kapellmeiſter Kittel.
Szeniſche Leitung: Hr. Riechmann.
Perſonen:
Graf von Liebenau . . . Hr. Hönel
Adelhof, Ritter aus
Hr. Riechmann
Schwaben . .
Hans Stadinger, Waffen=
ſchmied
und Tierarzt. . Hr. Hoff
Marie, ſeine Tochter
Frl. Zeiller
Irmentraut, Mariens Er=
Fr. Rudolph
zieherin .
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Hr. Schwarze
dingers Schwager .
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Handlung: Worms.
Zeit: Mitte des 16. Jahrhunderts.
Nach dem 1. und ? Akte findet je eine
längere Pauſe ſtatt.
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Balkonloge 4.50 Mk., 1. Rang 4 Mk., 2. Rang
(1. bis 6. Reihe) 2. Mk., (7. und 8. Reihe,
1.60 Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 3.50 Mk.)
(14. bis 20. Reihe) 3. Mk., Parterre (1. bis
(5. Reihe) 2.20 Mk., (6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk.
1. Galerie 1. Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Ende gegen 10 Uhr.
Anfang 7 Uhr.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
6 Uhr an.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt für den
Verkehr mit dem Abonnenten=Publikum an
allen Wochentagen, vormittags von 10 bis
12½ Uhr, geöffnet.
Vorverkauf.
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Samstag, 29. Jan. Außer Abonnement.
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Montag, 31. Jan. 108. Ab.=Vorſt. B 27.
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[ ][  ][ ]

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Die Aebelfrau.
Roman von Anny Wothe.
(Nachdruck verboten.)
7)

Die Auguſtſonne brannte heiß auf den weißen
Dünenſand, und über der Heide lag ſchon ein roſen=
roter
Schimmer.
Sie blühte wohl bald. Dann kam der Herbſt!
Der Park vom Gorlingshof träumte in trüger
Ruhe in dem flimmernden Sonnenlicht.
Unweit des Schloſſes lag ein freier, von hundert=
fährigen
Eichen umſtandener Platz.
Dort weilte oft die alte Gräfin Lidwina in dem
Schatten der hohen Bäume und lauſchte, wie die Wellen
des Meeres von fern auf den weißen Uferſand rollten, im=
mer
mit dem gleichen, ſchweren Schlage, als wenn dumpf
und grollend ein Herz hämmerte.
Auch heute ſaß die Blinde wieder in einem bequemen
Lehnſtuhl an ihrem Lieblingsplatz. Ein gedeckter Kaffee=
tifch
ſtand vor ihr. Das hohe Kelchglas mit einer Fülle
glutroter Nelken, das den Tiſch feſtlich ſchmückte, konnte
die Greiſin nicht ſehen, aber den betäubenden Duft der
Blumen atmete ſie wohlig ein, während ihre alten Hände
ein Kränzlein aus weißen Sternblumen für ihr Enkelkind
wanden, deſſen luſtiges Lachen fern im Park verklang.
Der Gräfin gegenüber waren Fridrun und Undine
mit leichten Handarbeiten beſchäftigt.
Du haſt noch gar nicht erzählt, Undine, nahm Gräfin
Lidmina das Wort, was Ebbo Klas eigentlich ſchreibt.
Ich dächte, er hätte uus ſchon nur zu lange gemieden,

e
Er iſt verſtimmt, Mudding, unſer Herr Vormund.
Undines übereilte Heirat ſcheint ihm etwas den Atem ge=
nommen
zu haben. Nun ſchmollt er, der gute Ebbo.
Undine warf ihrer ſchönen Stiefmutter einen vernich=
tenden
Blick zu, die Greiſin aber entgegnete, ſich höher in
ihrem Stuhl aufrichtend:
Ich wünſche nicht, Fridrun, daß Du von Ebbo Klas in
dieſem Tone ſprichſt. Er war meines Sohnes treueſter
Freund, und oft ſchien es mir, als ob auch Du ſeine Ge=
ſellſchaft
gern ſahſt.
Er iſt ein Pedant. Unaufhörlich hofmeiſtert er an
mir herum. Wenn es nach ihm ginge, dann ſchickte er mich
noch in die Kinderlehre.
In der Du vielleicht auch ſehr gut aufgehoben wärſt,
mein Kind.
Ich mag ihn nicht leiden, ſchmollte Fridrun, das lang=
ſchleppende
Kleid von dünnem, ſchwarzen Seidenkrepp
näher an ſich ziehend und nervös mit den Händen an dem
Gefältel zupfend.
Er tut immer ſo ſelbſtherrlich und geht mit uns
Frauen um, als wären wir nur ein Stück Spielzeug.
Nicht mit allen, warf Undine gleichmütig ein.
Natürlich mit Dir nicht. Die behandelt er ja wie eine
Königin. Denkſt Du vielleicht, ich weiß nicht, was dahinter
ſteckt? Verliebt iſt er in Dich, jawohl, verliebt, und daß
Du ſo ſans facon den Grafen Reimar zum Manne
nahmſt, hat ſeine Eitelkeit arg getroffen.
Ich begreife nicht, Fridrun, nahm Undine langſam das
Wort, wie Du bei einer ſolchen Auffaſſung der Verhält=

niſſe ſo unglaublich mit Ebbo Klas kokettieren kannſt, wie
es geſchehen iſt, als er das letzte Mal hier war. Ich
glaube, daß er aus dieſem Grunde nicht wieder gekom=
men
iſt, denn meines Vaters Geiſt, der hier noch durch alle
Räume weht, müßte ſich ja zürnend von ihm wenden,
wenn er, alle Freundespflicht mißachtend, die Avancen
ſich gefallen ließ, die Du ihm machteſt.
Ruhe, gebot die Greiſin. Zu Fridruns Ehre will ich
annehmen, daß Du zu weit gehſt, Undine. Deines Vaters,
meines Sohnes zweite Frau, iſt nun einmal nicht ernſt zu
nehmen. Ein ſpieleriges Ding iſt ſie immer geweſen,
ſelbſt in Marnars Todesſtunde und auch da, als ihr Kind
auf die Welt kam. Wo ſollte ſie wohl den Ernſt herneh=
men
für ein rechtſchaffenes Tun? Aber anſtatt Dir dank=
bar
zu ſein, daß Du es ihr ermöglicht haſt, in den alten
Verhältniſſen weiter zu leben, bemerke ich fortgeſetzt, daß
Fridrun unzufrieden mit Dir iſt und ſich unausgeſetzt be=
müht
, Dich zu kränken und Dir häßliche, taktloſe Dinge zu
ſagen. Willſt Du mir nicht vertrauen, was Fridrun dazu
veranlaßt?
Du mußt ſie ſelber fragen, Großmutter.
Nein, mein Kind, Du ſelbſt wirſt es mir ſagen, denn
Fridrun hat es nie ſo ganz genau mit der Wahrheit ge=
nommen
.
Mit blitzenden Augen ſtand die junge Witwe plötzlich
vor dem Stuhl der Greiſin.
Wahrheit, lachte ſie höhniſch. Nein, wahrhaftig, ich
bin nie wahr geweſen. Warum ſollte ich es denn auch ſein?
Um Euch zu gefallen? Ach, wenn Ihr wüßtet, wie ich es
ſatt habe, die Komödie zu ſpielen, die Ihr mir aufgezwun=
gen
habt, Ihr würdet mir mitleisvoll Enre milden Hände

[ ][  ][ ]

Seite 10.

4
e

Aushamme Angeber
nur gültig bis Anfang März 1910
Während der Wintermonate laſſe in großen
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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

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will ich endlich mal, ganz frei ſein!
Ei, ei, Gräfin, fiel eine tiefe Stimme in die erregte
Debatte, wer känn ſich rühmen, je das erreicht zu haben,
was Sie ſich wünſchen?
Ebbo Klas, ſtammelte die junge Frau verwirrt, und
ein liebliches Erröten huſchte reizvoll über ihr bewegliches
Antlitz, und die langen, ſeidenglänzenden Wimpern leg=
ten
ſich ſcheu über die heißleuchtenden, blauen Augen.
Herzlich willkommen, Herr Doktor, rief Gräfin Lidwina
dem Rechtsanwalt und Freund ihres verſtorbenen Sohnes
die dürre Hand zum Kuſſe reichend. Ich beklagte mich
ſchon ſoeben bei Undine, daß Sie ſo ſelten von der Stadt
her den Weg zu uns heraus finden.
Geſchäfte, verehrteſte Frau Gräfin, immer Geſchäfte.
Grüß Gott, Frau Undine, fuhr Klas ſich lebhaft zu der
jungen Frau wendend, fort, ihre Finger zwiſchen ſeine bei=
den
, großen Hände nehmend. Das iſt mir aber eine
Freude, Sie endlich einmal wiederzuſehen. Umſonſt habe
ich ſchon alle Tage ausgeſchaut, ob nicht Ihr Wägelchen
mit Ihnen durch unſere altersgrauen Straßen raſſelte, aber
immer ſchaute ich vergebens aus, und da Sie nicht kamen,
mußte ich mich wohl oder übel herausbequemen nach dem
Gorlingshof.
Sie hätten ſich ja mit Undine in der Konditorei von
Fedderſon am Markt treffen können, lachte Fridrun mali=
tiös
auf.
Ein ſtaunender Blick aus den großen, lichtbraunen Au=
gen
des blondbärtigen Rieſen ließ Fridrun verſtummen.
Der Menſch war doch eigentlich unglaublich arrogant
und ſie, Fridrun, ſchüttelte ſich innerlich vor Lachen über
ſich ſelbſt, ſie fürchtete ſich wohl noch gar vor ihm?
Wie geht es meinem Patenkinde? fragte Ebbo Klas,
die Handſchuhe ablegend und dankend die gefüllte Kaffee=
taſſe
aus Undines Händen entgegennehmend.
Es jubiliert wie eine Heidelerche, lächelte Undine. Ach,
da kommt es ja ſelbſt angeſprungen.

Mit ausgebreiteten Armen flog die kleine Lorl auf
den Doktor zu.
Haſt Du mir was mitgebracht, Onkel? fragte ſie ſtrah=
lend
, während ſie ſich anſchickte, ſeine weiten Taſchen zu
unterſuchen.
Lorl, quäle den Onkel nicht, mahnte Undine.
Aber Lorl hatte ſchon triumphierend ein Bilderbuch
und eine kleine, allerliebſte Puppe aus der großen Ver=
ſenkung
gezogen.
Alles mein, beteuerte ſie, mit beiden Armen ihre
Schätze, die ſie auf den Tiſch gelegt hatte, umſpannend,
alles gehört Lorl, Lorl braucht alles.
Wie glich das Kind in ſeinem Begehren jetzt ſeiner
ſelbſtſüchtigen, leichtfertigen Mutter.
Mit angſtzitternder Hand ſtrich Urdine über das blu=
menhaft
zarte Kindergeſichtchen. Lächelnd drückte ſie dann
den weißen Sternblumenkranz, den die Großmutter ge=
wunden
, auf die blonden Locken.
Nur nicht werden wie die Mutter, bebte es heiß durch
Undines Seele, nur das nicht.
Ich glaube gar, Sie beten, Gräfin Undine, verſuchte
der Rechtsanwalt zu ſcherzen, natürlich für mich alten
Sünder.
Ei, wie ſchön ſteht Dir das Kränzlein, Lorl, unter=
brach
er ſich, und dann fuhr er fort:
Sie glauben gar nicht, wie ich mich geſehnt habe, wie=
der
hier draußen bei Ihnen zu ſitzen, den ſtillen Frieden
des Gorlingshofes zu atmen und ſeinen Frauen, er
machte ringsum eine Verbeugung ins Antlitz zu ſehen.
Sie ſind ein Schmeichler, Ebbo Klas, lächelte die
Greiſin, und Lorl klatſchte in die Händchen und rief:
Onkel Klas iſt gut, er hat mir viel mitgebracht.
Undine ſchwieg.
Fridrun aber ſah mit einem leuchtenden und viel=
ſagenden
Augenaufſchlag zu Dr. Klas herüber, der ihn ſo
verwirrte, daß er klirrend die Kaffeetaſſe auf den Tiſch nie=
derſtellte
.

Fridrun lächelte ſtill vor ſich hin. Undine aber ſagte
ernſt:
Es iſt mir ſehr lieb, beſter Doktor, daß Sie gekommen
ſind. Ich hätte vieles mit Ihnen zu bereden, auch über
Lorl. In den Papieren meines Vaters fand ich mancher=
lei
Aufzeichnungen, zu denen Sie mir vielleicht die Kom=
meutare
geben können.
Wenn ich es vermag, natürlich, gern. Iſt der Herr
Graf nicht daheim?
Undine konnte es nicht verhindern, daß ſie rot wurde
unter dem ſeltſam forſchenden Blick der großen, braunen
Augen.
Graf Randolt iſt in Südegaarde. Ich ſchrieb Ihnen
ſchon, daß wir plötzlich den Inſpektor entlaſſen mußien.
Graf Reimar iſt faſt nie hier, plauderte Fridrun, ſich
wie ein Kätzchen in ihren Seſſel ſchmiegend und mit halb=
geſchloſſenen
Augen in die Sonne blinzelnd. Es iſt ihm
zu langweilig bei uns Frauen. Er benutzt jede Gelegen=
heit
, ſich davon zu machen, denn er haßt den Gorlingshof
und ſeine Bewohner,
Undine ſah erſchrocken und empört zu Fridrun her=
über
, aber ehe ſie antworten konnte, ſtürzte Lorl wild=
erregt
auf ihre Mutter zu.
Du lügſt, ſchrie ſie mit drohend erhobenen Fäuſtchen,
am ganzen Körper bebend. Es iſt nicht wahr. Onkel Rei=
mar
findet den Gorlingshof ſehr ſchön. Du ſollſt nicht im=
mer
ſo Böſes ſagen, Du ſollſt nicht!
Lorl, Lorl! rief Undine entſetzt, das Kind beſchwich=
tigend
in ihre Arme reißend. Lorl, wer wird denn ſo
böſe ſein? Augenblicklich gehſt Du zu Mutti und bitteſt
ſie um Verzeihung. Augenblicklich.
*..
Das Kind rührte ſich nicht.
Da ſeht Ihr ja, was Ihr mit Euerer berühmten Er=
ziehung
erreicht, lächelte Fridrun geringſchätzig. Ihr tut
eben alles, um das Kind gegen mich aufzuhetzen.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 23.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

Seite 11.

Dg
Bekanntmachung.

Indem wir die nachſtehende Polizeiverordnung veröffentlichen, empfehlen
wir allen Grundſtücksbeſitzern, die mit der Erfüllung der in den §§ 1 und 3 dieſer
Polizeiverordnung feſtgeſetzten Verpflichtungen eine andere Perſon beauftragt haben oder
dies zu tun beabſichtigen, die beauftragte Perſon, Geſellſchaft oder Anſtalt alsbald ge=
mäß
§ 8 namhaft zu machen. Zur Entgegennahme ſolcher mündlicher oder ſchrift=
licher
Erklärungen iſt außer uns auch das zuſtändige Polizeirevier befugt. Im
Intereſſe der Grundbeſitzer liegt es, ſelbſt dafür zu ſorgen, daß möglichſt gleichzeitig mit
dieſen Erklärungen auch die Bereiterklärungen der Verantwortlichen Vertreter eingehen.
Darmſtadt, den 24. Januar 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.

Polizeiverordnung,

die Reinigung der Straßen betreffend.
Auf Grund des Artikel 56 Abſ. 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die Städteordnung für
das Großherzogtum Heſſen betreffend, vom 13. Juni 1874, wird nach Anhörung der
Stadtverordnetenverſammlung der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Geneh=
migung
des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 9. Dezember 1908 zu
Nr. M. d. J. 20529 die nachſtehende Polizeiverordnung erlaſſen:
Die allgemeine Reinigung der Straßen liegt den Beſitzern (unmittelbaren und
mittelbaren §§ 854 ff. B. G. B. ) der angrenzenden Grundſtücke ob, ſoweit nicht
die ſtädtiſche Reinigungsanſtalt gemäß den Beſtimmungen des Statuts vom 14. Sep=
tember
1886 betreffend: Die Reinigung der Straßen und öffentlichen Plätze in der
Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt die Reinigung übernommen hat. Die Pflicht
zur Reinigung erſtreckt ſich nur auf den Teil der Straße, der an dem Grundſtücke des
Verpflichteten herzieht, und nicht über die Mitte der Straße hinaus. Sind mehrere
Beſitzer vorhanden, ſo trifft jeden die volle Verantwortlichkeit; ein Mieter oder Pächter
iſt jedoch nur dann als Beſitzer im Sinne dieſer Verordnung anzuſehen, wenn er allein
das betreffende Grundſtück benutzt.
Iſt eine Geſellſchaft, Gewerkſchaft, Genoſſenſchaft, Stiftung, ein Verein oder eine
Anſtalt oder eine ſonſtige juriſtiſche Perſon Beſitzer des Grundſtücks, ſo liegt die Ver=
pflichtung
zur Reinigung den Mitgliedern des Vorſtands ob; bei Grundſtücken, die ſich
im Beſitze oder in der Verwaltung einer ſtaatlichen oder kommunalen Behörde befinden
trifft die Verpflichtung den Vorſtand dieſer Behörde. Der Inhaber einer Dienſt=
wohnung
ſteht einem Mieter gleich.
Auf die Abfuhr des Hauskehrichts finden die Beſtimmungen der Abſ. 1 und 2
entſprechende Anwendung. Die Kehrichtgefäße ſind von den Grundſtücksbeſitzern zur
Abholung des Kehrichts durch die Straßenreinigungsanſtalt bereit zu halten, ſie dürfen
aber nicht auf der Straße aufgeſtellt werden.
§ 2.
Jede Verunreinigung der Straßen, insbeſondere auch durch Fuhrleute beim
Fahren von Bauſchutt, Dung, Sand, Lehm, Erde und anderem loſen Material iſt
verboten.
Jede Zuwiderhandlung bedingt, abgeſehen von der verwirkten Strafe, die Ver=
pflichtung
zur ſofortigen Reinigung der Straße.
§ 3.
Den Grundſtücksbeſitzern liegen außerdem bezüglich der Reinigung der Fußſteige
von Eis und Schnee folgende Verpflichtungen ob:
1. Die Fußſteige, gleichviel ob befeſtigt oder nicht, ſind in ihrer ganzen Breite bis
zum Rande der Fahrbahn, und Fußſteige von größerer Breite auf mindeſtens
3 Meter in der meiſtbegangenen Fläche ſtets von Schnee und Eis freizuhalten.
Der über Nacht gefallene Schnee iſt bis ſpäteſtens 8 Uhr morgens abzuräumen.
Iſt wegen andauernden ſtarken Schneefalls die völlige Freihaltung nicht
möglich, ſo muß die Abräumung in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr
abends mindeſtens alle drei Stunden erfolgen. Der von den Fußſteigen ab=
geräumte
Schnee iſt auf der Fahrbahn tunlichſt nahe dem Rande derſelben zu
lagern, wobei Straßenrinnen, Straßenbahngleiſe, ſowie Hydranten und, falls
anderweit Platz vorhanden iſt, Straßenecken, Straßenausgänge und Haus=
eingänge
freizuhalten ſind.
Das Lagern von Schnee, welcher von Hofreiten abgeräumt wurde, iſt auf
den Straßen und Plätzen unterſagt.
2. Sofern auf den Fußſteigen Glatteis oder infolge andauernden Schneefalls,
Froſteinwirkung oder aus anderen Urſachen eine gefährlich zu begehende Schnee=
decke
oder Schnee= und Eisbuckel ſich gebildet haben, oder die Fußſteige ſonſtwie
ſchwer zu begehen ſind, müſſen dieſe in einer Breite von 1,50 Meter mit Sand,
Kies, Sägeſpänen oder ſonſt geeignetem Streumaterial ausgiebig beſtreut werden.
Das Aufſtreuen iſt zu wiederholen, ſobald auf den Fußſteigen wieder glatte Stellen
entſtanden ſind. Dieſe Verpflichtung erſtreckt ſich auf die Zeit von morgens
7½ Uhr bis abends 8 Uhr.
Das Aufſtreuen von Abfällen oder ſonſt ungeeignetem Streumaterial iſt
verboten.
§ 4.
Beſchädigungen der Straße bei der Reinigung ſind ſorgfältig zu vermeiden, ins=
beſondere
iſt es verboten, bei Reinigung der Fußſteige ſcharfe Geräte, wie Beile, Pickel,
Stoßeiſen und dergleichen zur Entfernung des Schnees oder Eiſes zu verwenden.
§ 5.
Bei Froſtwetter iſt das Ausſchütten von Flüſſigkeiten in die Straßenrinnen
unterſagt.
6.
Bei Froſtwetter iſt das Schleifenziehen auf den Fußſteigen verboten.
§ 7.
Das Schneeballwerfen mit naſſem oder verunreinigtem Schnee iſt verboten.
§ 8.
Der Beſitzer eines Grundſtücks kann mit der Erfüllung der in den §§ 1 und 3
feſtgeſetzten Verpflichtungen eine andere Perſon, wie z. B. einen Hausverwalter oder
eine Geſellſchaft oder Anſtalt, die ſich die Reinigung von Straßen zur Aufgabe geſtellt
hat, beauftragen. Die Beauftragten, bei Geſellſchaften oder Anſtalten deren Vorſtands=
mitglieder
, ſind für die Einhaltung der Vorſchriften ausſchließlich verantwortlich, wenn
die beauftragte Perſon, Geſellſchaft oder Anſtalt dem Polizeiamte als verantwortliche
Vertreter durch den Grundſtücksbeſitzer ausdrücklich namhaft gemacht worden ſind, dieſe
zur Uebernahme der Verpflichtung ſich bereit erklärt haben und das Polizeiamt binnen
einer Friſt von 14 Tagen nach erfolgter Namhaftmachung Einſpruch gegen die Ver=
tretung
nicht erhoben hat.
Mehrere Beſitzer eines Grundſtücks können nach Maßgabe der Vorſchriften des
Abſatz 1 die Erfüllung der Verpflichtungen auf einen von ihnen übertragen.
§ 9.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung werden auf Grund des § 366 Poſ. 10
des Reichsſtrafgeſetzbuchs mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu
14 Tagen beſtraft.
§ 10.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tag der Veröffentlichung in Kraft.
Mit dem gleichen Tage wird das Polizeireglement vom 8. November 1856 auf=
gehoben
.
Darmſtadt, den 9. Januar 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
(2253df


Halzvorſteigerung.

Mittwoch, den 2. Februar I. Js., vormittags ½9 Uhr,
wird zu Arheilgen bei Wirt Brücher das Durchforſtungsholz aus Rautenbuſch
Abt. 16 der Forſtwartei Steinacker, ſowie das Dürrholz aus den Diſtrikten Birken,
Diebsfang, Tannacker und Mühleck der Forſtwartei Bayerseich verſteigert und zwar:
Nutzſcheiter, rm: 63,1 Eichen II. Kl.
Scheiter, rm: 76 Buchen I. Kl., 85 Buchen II. Kl., 30 Hainbuchen (rund),
137 Eichen II. Kl., 4 Birken, 84 Kiefern; Knüppel, rm: 84 Buchen, 41 Hain=
buchen
, 212 Eichen (hiervon 31 rm Pfoſten 2,5 m lang), 4 Birken, 101 Kiefern;
Reiſig, Knüppel, rm: 80 Buchen, 145 Eichen, 18 Kiefern; Reiſig, Wellen;
3280 Buchen, 660 Eichen, 770 Birken, 3220 Kiefern; Stöcke, rm: 35 Buchen,
64 Eichen, 1 Birke, 13 Kiefern.
Im Diſtrikt Birken werden von den Kiefern= und Birkenwellen nur die Nr.
bis 57 an der Langſchneiſe und Dreiſchläger Allee verſteigert. Blau unterſtrichene
Nummern werden nicht verſteigert. Auskunft erteilen die Großh. Forſtwarte Bayerer
zu Krauſe Buche und Klipſtein zu Bayerseich (beides Poſt Egelsbach).
Darmſtadt, 25. Januar 1910.
(2304
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoov.

Vorſchule der beiden Gymnaſien
zu Darmſtadt.

Aufnahme zu Oſtern 1910.
Anmeldungen für die unterſte Oſterklaſſe, ſowie für die beiden oberen Oſter=
klaſſen
und die beiden oberen Herbſtklaſſen, werden ſoweit ſie nicht ſchon erfolgt ſind-
Dienstag, den 1. und Mittwoch, den 2. Februar,
vormittags von 91 Uhr
im Direktorzimmer des alten Gymnaſiums (Karlſtraße 2) entgegengenommen. Dabei
ſind Geburtsſchein und Impfſchein vorzulegen.
Im Herbſt 1910 wird eine Aufnahme von Anfängern nicht ſtattfinden. Es
können aber Knaben, die vor dem 1. Oktober 1904 geboren ſind, bei genügender geiſtiger
und körperlicher Befähigung ſchon jetzt zu Oſtern aufgenommen werden.
Darmſtadt, den 24. Januar 1910.
(2136a
Dr. Mangold, Geh. Schulrat.

Vorſchuledes Realgymnaſtums u. derOberrealſchule

zu Darmstadt.
Anmeldungen für das Oſtern 1910 beginnende Schuljahr werden für ſämtliche
Vorſchulklaſſen
Dienstag, den 1. Februar,
vormittags von 10 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, und
Mittwoch, den 2. Februar,
vormittags von 9 bis 1 Uhr,
auf dem Direktorzimmer im Realgymnaſium (Eingang durch das Portal vom Kapell=
platz
aus) entgegengenommen. Geburtsſchein und Impfſchein ſind dabei vorzulegen.
Die Großherzogliche Direktion.
Münch, Geh. Schulrat.
(2325fso

Brennholz-Verſteigerung Nr. XI

(Stadtwald).
Montag, den 31. d. M., vormittags 9 Uhr, werden im Saale der ſtädtiſchen
Turngemeinde, Woogsplatz 5, hier aus Abtrieb im Vorderen Woogsberg Abt. 40
(Nr. 1036 bis 1460 Woogsbergſchneiſe, Jägermeiſterweg, Bernhardsackerſchneiſe) des
Schutzbezirkes Heiligkreuz, (Forſtwart Hofmann, Hirſchköpfe) verſteigert:
Scheiter: 655 rm Buche, 108 rm Eiche: Knüppel: 126 rm Buche, 25 rm
Eiche Knüppelreiſig: 27 rm Buche; Wellen=Reiſig: 45,75 Hundert Buche,
5,25 Hundert Eiche; Stöcke (fein): 169 rm Buche, 57 rm Eiche.
Das Holz iſt nach allen Richtungen hin gut abzufahren.
Darmſtadt, den 21. Januar 1910.
(2097if
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Brennholz-Verſteigerung Nr. All

(Stadtwald).
Freitag, den 4. Februar I. Js., morgens 9 Uhr, werden im Saale hieſiger
Turngemeinde, Woogsplatz 5, verſteigert:
I. In Darmſtädter Tanne (Forſtwart Ahlheim, Kahlertſtraße 12) aus den regel=
mäßigen
Hieben in Bürgerſchlag Abt. 29, 30, 18, ſowie in verſchiedenen Schlägen
das Dürrholz (von Nr. 1403 bis 1630):
Kiefern: Scheiter: 136 rm; Knüppelreiſig: 53 rm (darunter 12 rm Eichen);
Stöcke: 51 rm (grob) und 39 rm (fein).
II. In Beſſunger Tanne (Forſtwart Geriſch, Heidelbergerſtraße 112) aus der Durch=
forſtung
in Eichbaumeck Abt. 38 (Nr. 526 bis 653), ſowie aus verſchiedenen Ab=
teilungen
das Dürrholz (von Nr. 654 bis 804):
Kiefern: Scheiter: 130 rm; Knüppel: 5 rm; Knüppelreiſig: 138 rm; Stöcke:
50 rm (grob).
Unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert.
Aus den beiden Tannen finden weitere Brennholzverſteigerungen nicht mehrſtatt.
Darmſtadt, am 24. Januar 1910.
(2333fm
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Autz= und Brennholz=Verſteigerung.

Montag, den 31. ds. Mts., vormittags 9½ Uhr
anfangend, ſollen im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Kirchtanne, folgende Holz=
ſortimente
öffentlich verſteigert werden.
Kiefernſtamm 0,71 Feſtmeter.
83 Derbſtangen 7 bis 12 Meter lang,
76
Stück Sprießenhölzer 4,50 Meter lang.
1050
stück Bohnenſtangen.
27 Rm. Bolzenholz.
128 Rm. Kiefern=Scheiter, 80 Rm. Kiefern=Knüppel,
66 Rm. Kiefern=Stöcke und 880 Kiefern=Wellen.
Eberſtadt, den 25. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.
(2314df

Jagd-Verpachtung.

Montag, den 7. Februar I. Js., vormittags 11 Uhr,
wird auf hieſigem Rathaus die Gemeindejagd in zwei Bezirken auf weitere 6 Jahre
verpachtet.
1. Der Jagdbezirk I beſteht aus 400 Hektar Feld und 250 Hektar Wald.
2. Der Jagdbezirk II beſteht aus 600 Hektar Feld und 150 Hektar Wald.
Die hieſige Bahnſtation liegt Mitte des Jagdbezirks.
(2163mdf
Weiterſtadt, 25. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Becker.

Verſteigerungs=Anzeige.

Montag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Pfandlokal, Ludwigshöhſtraße 2, meiſtbietend gegen gleich
bare Zahlung:
Ein Sofa mit Umbau, ein Trumeau mit Spiegel, ein Bauerntiſchchen und
eine Hobelbank.
(2331fso
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
Nelle, Pfandmeiſter.

Slamm= u. Dauhelz

Nann jederkeir zum Soforrigen Schneiden
angefahren werden im
2
Sallibi Sagewerk Mant
Darmstadt. Weiterstädterstrasse 70. (2318a

[ ][  ][ ]

gorn
Kompoſt=Verſtergerung.

Mittwoch, den 2. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll der auf dem ſtädtiſchen Gelände an
der Pallaswieſenſtraße, zunächſt des frühe=
ren
Schachtgrabens, und hieran anſchließend
vormittags 11 Uhr
der weſtlich des Südbahnhofes, am Pfung=
ſtädter
Weg, lagernde Kompoſt, zuſammen
etwa 550 cbm, losweiſe an Ort und Stelle
(2327fso
verſteigert werden.
Zuſammenkunft in der Pallaswieſen=
ſtraße
jenſeits des Bahnübergangs und
am Südbahnhof.
. *
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt. V
J. V.: Ekert.

Fuhrleiſtungen.

Die Fuhrleiſtungen für den Betrieb der
Straßenreinigung und die Abfuhr des
Hauskehrichts ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamt, Zimmer Nr. 7,
während der Dienſtſtunden zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 10. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
(2329fs
Tiefbauamt.

Bekanntmachung.

Freitag, den 18. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Peter Fink Eheleuten dahier
zugeſchriebene Hofreite:
Flur
qm
Nr.
IV 6085m
1000 348 Rhönring Nr. 57,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K148/09
Falls keine anderen rechtlichen Hinderniſſe
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 25. Januar 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L2344,61

Bekanntmachung.

Freitag, den 25. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll das der Witwe des Tapeziers Friedrich
Fey, Katharine, geb. Kraft, dahier zuge=
ſchriebene
Grundſtück:
Flur Nr. qm
22 39 2754 Hofreitegrund im tiefen
mit Scheuer 1 See,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K1/10
Darmſtadt, den 10. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L1359,61

Mittwoch, den 2. Februar ds. Js.,
vormittags 10 Uhr,

findet im Geſchäftszimmer der Garniſon=
verwaltung
Darmſtadt Riedeſelſtraße 60
die Verdingung der Lieferung der Ver=
brauchsgegenſtände
ꝛc. für 1910 ſtatt, und
zwar von 120 rm Brennholz, 80 kg
Mandel=, 180 kg Kern=, 1150 kg Schmier=
ſeife
und 1050 kg Soda.
(1612a
Die Bedingungen liegen an der oben
bezeichneten Stelle zu Jedermanns Ein=
ſicht
aus, können auch von hier bezogen
werden.

M

fährt 300 Wellen, ſowie 4 rm
We Stockholz aus dem Diſtrikt Eſcholl=
brückerſtr
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(2284df

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Heute zum Frühſtück:
Wellfleiſch mit Kraut, Bratwurſt ꝛc.
Hierzu ladet freundlichſt ein
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dramatisch.
43
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5. Kilderherz

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stc. etc.

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Nummer 23.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

Nummer 23.

Kieler Sprotten.

Kiel, im Januar.
nge. Fünf Millionen Sprotten! Ein paar Tauſend
mögen es mehr oder weniger geweſen ſein, aber ſo um
und bei war’s das Erträgnis, mit dem nach einer Periode
dürftiger Fänge die Fiſcher der ſchleswig=holſteiniſchen Oſt=
ſeeküſte
eines Morgens in der verfloſſenen Woche die Räu=
chereien
von Kiel und Eckernförde überſchütteten. Ein Se=
gen
, der, ohne die Einmiſchung übernatürlicher Kräfte ein=
geheimſt
, ſelbſt das bibliſche Fiſchzugswunder auf dem
See Genezareth weit hinter ſich ließ. Fünf Millionen
Fiſche, und obendrein allerdelikateſter Qualität! Das
klingt nach einer Handvoll Goldfüchſe in jeder Fiſcherkate.
Aber leider: Wenn de Fiſch’ wat gelt, denn hebbt wie
keen; und hebbt wi welk, denn ſo gelt ſe nir.
Das iſt die ewige Klage der armen Teufel, die all=
nächtlich
bei jedem Wetter da draußen in der See ihre
Wade ziehen. Der Preis, ja ſogar die Verwendungsmög=
lichkeit
für die Fiſche richtet ſich nach dem Angebot, mehr
als bei anderen Waren. Denn der Sprott will nur in ab=
ſolut
friſchem Zuſtand verarbeitet werden. Ja, wenn der
Fang von fünf Millionen ſich auf die ſechs Arbeitsnächte
verteilt hätte, dann hätte es was werden können mit der
Handvoll Goldfüchſe. Aber ſo .? Man darf zweifel=
haft
ſein, ob man den Sprottenfiſcher mehr um der Härte
ſeines Berufs willen bedauern ſoll oder wegen der Ent=
täuſchungen
, die ihn auch dann noch verfolgen, wenn er
das Glück beim Schopf aus dem Waſſer gezogen zu haben
glaubt. Nur gut, daß ihn die Gewohnheit gegen dieſe
ebenſo abgehärtet macht wie gegen die Arbeit; die Schwie=
len
, die ſeine Hände verhärten, umkruſten mit der Zeit
auch ſein Empfindungsleben, und das Phlegma, das man
dem Seemann im allgemeinen nachſagt, vertieft ſich bei
ihm zur Reſignation, die ihn vor Entmutigung ſchützt.
Mag er fünf Nächte vergeblich gearbeitet haben, er fährt
am ſechſten Abend wieder hinaus, ohne leidenſchaftliche
Hoffnung, aber auch keineswegs als verärgerter Schwarz=
ſeher
. Als ein in das Schickſal Ergebener, der ſein Hand=
werk
verſteht, ſeine Arbeit willig tut und die Geſetze der
Fiſcherei reſpektiert.
Geſetze ſind’s eigentlich nicht; nur mündliche, durch die
Ueberlieferung geheiligte Vereinbarungen, die der anſtän=
dige
Sprotten= und Heringsfiſcher jedoch unverbrüchlich
innehält auch ohne die Furcht vor drohenden Strafpara=
graphen
. Niemandem fällt es ein, die als wöchentliche
Schonzeit feſtgelegte Sonntagnacht durch einen Raubzug
zu entweihen; kein Boot bricht, um draußen dem anderen
das Fett von der Suppe zu löffeln, vor der allgemein ver=
einbarten
Nachmittagsſtunde auf; und wer auf dem
Fangplatz, dem er ſein Vertrauen geſchenkt, ſchon einen
anderen, der ſchneller geſegelt oder bei flauem Wind mit
den Riemen gepullt, vorfindet, denkt nicht daran, dem
Genoſſen das Recht des erſten Zuges zu beſtreiten. So
wenig wie der Erſtangekommene ſein Zugnetz zum zweiten
Male an der gleichen Fangſtelle auswerfen würde, ehe der
Nächſte und, ſind deren mehrere, alle der Reihe nach ihr
Glück verſucht haben. Erſt dann beginnt, vorausgeſetzt,
daß die Nacht noch lang genug, der Turnus von neuem.

Das heißt, von einzelnen Fiſchern iſt natürlich nicht
die Rede, denn einem Mann ſollte es ſchwer werden,
neben dem ſchweren Boot den mächtigen Fangapparat zu
regieren. Je zwei ſtarke Fahrzeuge vielmehr, ein jedes
mit drei Mann beſetzt, bilden eine Fanggenoſſenſchaft; die
Sechs teilen unter ſich die Enttäuſchungen, den Gewinn
und zunächſt einmal die Arbeit. Und die iſt um ſo
härter, je widriger das Waſſer, je eiſiger der Nordoſt, je
ſchwerer der Seegang iſt. Da gilt’s zunächſt einen Pfahl
in den Grund zu rammen, an dem dasjenige Boot, in dem
die braune Maſſe des dichtmafchigen, dickfädigen Netz=
werkes
hochaufgetürmt lagert, feſtgelegt, das eine Ende
der langen Wade verknüpft wird. Mit dem anderen Ende
rückt die Mannſchaft des zweiten Bootes im geraden Kurs
davon, weiter, immer weiter, bis der ganze Netzplan ſamt
den an beiden Enden befindlichen Zugleinen aus dem feſt=
liegenden
Fahrzeug heraus und ins Waſſer gehaſpelt iſt
und nun, an der oberen Kante mit Schwimmern verſehen,
an der unteren durch Blei beſchwert, als zwei Meter hohe
Wand, die ſich in der Mitte in einen langen Beutel öffnet,
ſenkrecht auf dem Grunde des Meeres ſteht. Dann legt ſich
die Mannſchaft des frei beweglichen Boots in die Riemen
und kehrt mit dem äußeren Ende der Wade in weitem
Bogen langſam zum feſtliegenden Fahrzeug zurück. Die
Boote werden längsſeit nebeneinander vertäut; und nun
beginnt in beiden die ſaure Arbeit des Netzeinholens,
Griff um Griff, eine Armlänge nach der andern, hüben
und drüben. Inwieweit der Fang geglückt, erkennt der
Fiſcher ſchon an der Zahl der in die Maſchen der Netzwand
verhaſpelten Fiſche, deren Maſſe jedoch, mehr und mehr
in die Enge getrieben, ſchließlich im Beutel des Netzes
vergeblich ſeine Zuflucht ſucht. Der iſt im Falle geſegneten
Fanges bisweilen ſo ſchwer, daß die ganze zwölfarmige
Fanggenoſſenſchaft nicht imſtande iſt, ihn ins Boot zu
heben, ohne zuvor ein tüchtiges Maß des ſelbſt in der
Dunkelheit ſilbrigen Gezappels mit der hölzernen Boots=
ſchaufel
an Bord zu ſcheffeln. Je leichter die letzte Arbeit,
deſto geringer der Erfolg, und leider nur zu oft endigt die
ganze Nachtarbeit mit einem knurrend hervorgeſtoßenen:
Keinen Schwanz!
Hat ſich der Fang halbwegs gelohnt, dann heißt es
ſchnellſtens damit an den Markt, nach Kiel oder dem
Nachbarſtädtchen Eckernförde, den beiden Plätzen, an denen
heute die Fiſchräucherei im Großbetriebe blüht. Aber ſo
eine Heimfahrt iſt leider zumeiſt ſchneller gedacht als aus=
geführt
. Denn die deutſchen Oſtſeeküſtenfiſcher arbeiten
noch bei weitem zumeiſt mit Segelfahrzeugen, erſt allmäh=
lich
bürgern ſich daneben die Motorboote ein; und weht
daher die Briſe konträr oder ſetzt ſie gar ganz aus, dann
heißt es geduldig kreuzen oder im Schweiße des Ange=
ſichts
rudern, zum mindeſten bis an den Dampfer, der von
der Reederei hinausgeſandt wurde, um, wenn der Fang
die Mühe lohnt, die Fiſcher in offener See zu erwarten,
ihre Beute an Bord zu nehmen und, ſeinen Anteil am
klingenden Lohn in Geſtalt von Frachtvergütung vorweg
berechnend, ſie dem Markte zuzuführen. Bis ſie dort bei
Tagesgrauen eintreffen, ſind die Fiſche, die geräde um die
gegenwärtige Jahreszeit ihren Höhepunkt delikaten Fett=
gehalts
erreicht haben, ſortiert, im Großen abgezählt und
liegen mauſetdt kein Hering, keine Sprotte erträgt das
Leben in der freien Luft auch nur eine Minute auf Deck
in den hoch übereinander gebauten flachen, offenen Kiſten.
Mit einem einzigen ſchnellen Raubtierblick wiſſen die
Agenten der Räuchereien Menge und Güte des Fanges zu
überſchlagen. Iſt er gering, ſo ſucht ein jeder ſo viel zu
erobern, wie er kann; der Fiſcher iſt der Herr der Situa=
tion
, der Preis ſchnellt in die Höhe. Je umfangreicher die
Zufuhr, deſto gleichgültiger die Aufkäufer; der Wettſtreit
der Nachfrage wandelt ſich in einen ſolchen des Angebots,
die Preiſe ſinken. Und werden gar fünf Millionen Sprot=
ten
auf einmal an den Markt geworfen, dann iſt’s von
vornherein gewiß, daß die Hälfte des mühſamen Fanges
an die Düngerfabriken geht, eiſenbahnwaggonweiſe zum
Groſchenlohn. Denn mehr als die Räuchereien am ſelben

Tag verarbeiten können, kaufen ſie nicht, und auch ſo viel
nur zu einem Spottpreiſe, der unter den Fiſchern manches
lange Geſicht erwirkt. Niedergeſchlagen ſehen ſie ihren
herrlichen Fang davonfahren, deſſen Verarbeitung bei der
äußerſten Empfindlichkeit der Ware keinen Aufſchub er=
duldet
. Hundert Hände regen ſich in den großen Räuche=
reien
, die Fiſche zuzurichten, zu waſchen, zu ſalzen, zu
ſchwälen. Schnell wandelt ſich das Silber ihres Ge=
ſchupps
in gleißendes Gold. Schnell ſind ſie gar, werden
zu je 80 Sück ein Wall heißt das Maß in die ſau=
beren
, glatten, flachen Kiſtchen verpackt, und wenn die
Abendzüge die Stadt verlaſſen, dann gehen die Kieler
Sprotten fix und fertig in alle Teile des Reichs und heute
längſt über deſſen Grenzen hinaus, ein delikater Genuß
den Liebhabern, von denen kaum einer der ſchweren Ar=
beit
und der mannigfachen Mühen gedenkt, unter denen
ſie in finſterer, kalter Winternacht vor knapp 24 Stunden
ihrem Elemente entriſſen wurden.
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Vermiſchtes.

Vom franzöſiſchen Blumenhandel teilt Hamilton
Fyfe intereſſante Tatſachen und Einzelheiten in einem
engliſchen Blatte mit. Die Sonnenſtadt iſt auch im
Winter die Stadt der Blumen; in allen Straßen leuchten
dem Flaneur die farbenſchimmernden Kinder Floras
entgegen für ein paar Sous kann man ſich auch in
dieſer Zeit die Herrlichkeit des Frühlings und Sommers
vortäuſchen. Ein großer Teil dieſer Blumen kommt von
der Riviera. Jeden Tag um 1 Uhr trifft der Blumen=
zug
von Nizza ein. Es iſt ein langer Zug, und
wenn der Frühling beginnt, wird er noch länger. Jeder
Waggon iſt bis oben auf mit der leichten, blühenden
Fracht angefüllt; die Blumen ſind mit der größten
Sorgfalt verpackt; denn ſie haben zum großen Teil von
Paris aus noch eine lange Reiſe vor, gehen nach Eng=
land
und nach Deutſchland und müſſen an ihrem Be=
ſtimmungsort
friſch ankommen. Der Transport nach
England iſt ſehr bedeutend; vom November bis Mai
vorigen Jahres wurden von der Riviera über Marſeille
und Paris 2000 Tonnen Blumen geſandt. Da jedes
Pfund Blumen eine große Anzahl von Blumen enthält,
denn ihre feine Schönheit iſt ebenſo leicht wie zart, da
2240 Pfund erſt eine Tonne ausmachen, ſo kann man
ſich vorſtellen, was für eine koloſſale Menge das iſt. Es
ſind ſchon Blumen, die faſt 5 Millionen Pfund wiegen, in
einer Saiſon nach England gekommen. Doch der Blumen=
verbrauch
Englands iſt in den letzten Jahren von Deutſch=
land
überflügelt worden. Wir beziehen jetzt von der
Riviera faſt ein halb mal ſo viel Blumen wie die Eng=
länder
, während wir im Jahre 1903 bis 1904 nur de
Hälfte und in dem Jahre 1906/07 die gleiche Menge
Blumen von der Riviera erhielten. Es iſt ein Beweis
für den Reichtum und den Luxus Deutſchlands, daß ſich
unſer Blumenverbrauch innerhalb von ſechs Jahren ver=
dreifacht
hat, während der der Engländer zurückging. Doch
der franzöſiſche Blumenhandel baſiert nicht allein auf
dem Reichtum, der aus den Gärten der Azurküſte kommt,
ſondern auch in Paris wird eine große Menge Blumen
gezogen. So ſind in Montrouge rieſige Treibhäuſer, in
denen Flieder in allen Farben und in allen Stadien des
Blühens gezüchtet und verſandt wird. Die Färbung
wird durch verſchiedenartiges Licht erreicht, das man auf
die Blumen einwirken läßt. Iſt der natürliche Fliederton
modern, dann wachſen die Blumen in vollem Sonnen=
licht
auf; will man weißen Flieder haben, ſo wird das
Treibhaus verdunkelt. Durch geſchickte Miſchung von
Licht und Schatten läßt ſich auch gefleckter Flieder er=
zielen
. In einem andern Teil von Paris, in Charonne,
befinden ſich die bedeutendſten Orangeblüten=Züchtereien,
die den Brautkranz nicht nur der Pariſerinnen, ſondern
auch vieler Frauen im Auslande ſchmücken. So blühen
auch ſehr viele Veilchen, Maiglöckchen und andere
Blumen, die als Blumen von Nizza gelten, auf Pariſer
Boden heran.

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*2047mf) Ein zwölfjähriges Mädchen
ſucht Beſchäftigung Dieburgerſtraße 40,
Seitenbau links.

(2057dfs
Mädchen
welche gedient haben, gute Zeugn. beſitzen
u. verſchiedene Landmädch. ſuchen Stellen in
Geſchäftsh. Frau Neßling, Ludwigſtraße 8.
(*2175fs
Gebildete Dame
ſucht Stelle zur Führung des Haush. oder
als Stütze. Offert. u. G 54 an d. Exped.
*2174f.) Saubere Frau ſucht Laufſtelle,
auch Wasch. u. Futz. Dieburgerſtr. 18, Hth. I. I.
ſucht für vormitt.
Junge Frau 2 St. Laufdienſt
*2176)
Gardiſtenſtraße 20, 2. Stock.

*2185) Ein Fräulein, Engliſch ſprechend,
im Haushalt u. Küche bewand., ſucht Stell.
zur Führung eines Haushalts bei einzelnem
Herrn. Offert. unt. & 57 an die Exped.

Stellen ſuchen
mehrere Mädchen jeder Art durch Frau
Weißmantel, Eliſabethenſtraße 37. (*2190

2242) Ein Mädchen ſrcht ſof. Stelle in
Reſtaur., ein Mädchen zum 1. Februar in
Geſchäftshaus, zwei Mädchen, die in Haus=
arb
. tüchtig, im kochen etwas bewandert,
zum 15. Februar in Privath. Frau Eliſab.
Frank, Saalbauſtraße 33.

Stellung ſuchen:
mehrere junge Alleinmädchen
mit guten Zeugniſſen ſofort u.
1. Februar durch das Zentral=
ſtellenbureau
v. Fr. Auguſte

Schmidt, Ballonplatz 5, II.

(*2201

Stellen ſuchen:
Perfekte Herrſchaftsköchin, älteres Küchen=
mädchen
in Hotel od. Reſtauration, Allein=
mädchen
, welche kochen u. etwas vom Kochen
verſtehen, in Privat= u. Geſchäftshäuſ. für
ſof. u. ſpät. Frau Dingeldein, Stellenbur.,
Schützenſtr. 10½. Telephon 531.
(*2238
*2239) Junge Frau ſucht nachmittags
Laufdienſt. Rundeturmſtr. 5, 1. Stock.

2232) Frau ſucht ſpülen für mittags oder
Laden o. Büro zum putzen für abends.
Näheres Wenckſtraße 48, Manſarde.

*223) Mädchen ſuchen Stellen in
Privat= und Geſchäftshäuſern.
Frau
Schmidt, Schlachthausplatz 3.

Kaufmann
mit ſämtl. Kontorarb. vertraut, zeichneriſch
gut veranlagt, ſucht in Möbelfabrik od. dgl.
p. ſof. evt. ſpäter Stellung. Gefl. Off. u.
G63 an die Expedition ds. Bl. (*2192


Bauführer
24 J., 3 Sem. Baugewerkſch., m. gut. Zeugn.
ſow. gut. Baupraxis, ſucht p. 15. März od.
ſpäter Stelle f. Bureau u. Bauplatz. Off.
unter & 65 an die Expedition. (*2196fo
2050mdt) Für einen ordentl, ſauberen
15 jährigen Jungen
welcher die Mittelſchule beſucht hat, wird
leichte Beſchäftigung, per ſofort od. ſpät.
geſucht. Offerten u. G 20 Exped. erbeten.

für Sohn achtbarer Eltern
Fe
Lehrstelle in einer Gärtnerei geſucht
Offert. u. 2 85 an die Exped. d. Bl. (245a

e
M

2248df) Eine ſtenographiekundige
Maſchinenſchreiberin
(Adler) auf 2 Monate zur Aushilfe für ein
kaufmänniſches Bureau geſucht. Eintritt
1. Februar. Angebote mit Angabe ſeit=
heriger
Tätigkeit und der Gehaltsanſprüche
unter G 23 an die Expedition ds. Bl.

Jüngere Verkäuferin
352
für die Kindergarderoben=Abteilung ſucht
Theodor Schwab, Ernſt=Ludwigsplatz.

Mehrere tüchtige
PE
Verkauferinnen
für Kurz- und Wollwaren gesucht.
Offerten erbitten nebſt Bild, Zeugn. und
Gehaltsanſprüchen
(2359
Geschw. Knopf.
(*1801
2 Arbeiterinnen geſucht. omk
Konfektion E. Wißmann, Soderſtr. 84 I.

Tüchtige Schneiderm
perfekt im Abſtecken, für meine Aenderſtube
zum alsbaldigen Eintritt geſucht.
(2323
Vorerſt ſchriftliche Bewerbung mit An=
gabe
der ſeitherigen Tätigkeit und der Ge=
haltsanſprüche
erbeten
Arigstnongg
Joseph Stade, Luu wigstlasee 19.
2137a) Tüchtige Aushilfe und tüchtiges
Mädchen geſucht, das kochen kann
Wixanderſtraße 18.

Konsumartikel.
Eine Firma, die direkt mit Ueberſee arbeitet, beabſichtigt für den Vertrieb ihres
Konſumartikels am hieſigen Platze für die Stadt und Umgegend Lager zu halten und
wünſcht dieſerhalb mit einem Händler oder kleinerem Fabrikanten, der täglich die
Spezereiwaren= und Obſthändler in Stadt und Umgegend beſucht, ein Arrangement
für Uebernahme ihrer
(23499i
M
1
Vertretung
zu treffen. Vorzugsweiſe wollen ſich Reflektanten melden, welche bereits eigenes
Magazin und Fuhrwerk haben und bittet man um Angabe von Referenzen.
Es handelt ſich um einen gangbaren Artikel, wobei mit Leichtigkeit 1000 Mark
per Saiſon verdient werden können und zwar ohne eigene Kapitalsanlage.
Reflektanten, welche Garantie leiſten können, wenn auch nur für einen mäßigen
Betrag, werden bevorzugt.
Offerten sub K. O. 4575 an Rudolf Mosse, Köln, erbeten.

2249df) Bei hohem Gehalt und
dauernder Stellung ſuche ich eine
in Dekorationsarbeiten gewandte

D
Direktriee
für die Tapezierwerkſtätte.
Eintritt kann nach Wunſch erfolgen.
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Hofmöbelfabrik, Darmſtadt.

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tagsüber geſ. Roßdörferſtr. 51½, I. (2228a

2153) Zuverläſſiges Mädchen in beſſ.
Haushalt, nicht kochen, geſucht
Viktoriaſtraße 41.

*2162fs) Gut empfohlene Putzfrau oder
Mädchen für einen Nachmittag in der
Woche geſucht
Steinſtraße 2, I.

Reinliche, zuverläſſige Frau
oder Mädchen zum Brötchentragen; geſucht.
2339a)
Bäckerei, Holzſtraße 21.

*2180) Jüngeres Mädchen von hier,
welches etwas nähen gelernt hat, als Haus=
mädchen
für ſehr gute Stelle geſucht.
Franks Stellenbureau, Karlſtraße 31.
Köchinnen, Hausmädch.,
Suche Alleinmädchen u. Kinder=
mädchen
in großer Anzahl. Frau Weiß=
mantel
, Eliſabethenſtraße 37.
(*2191
t zum 1. Februar nach Mainz ein
Geſucht Mädchen, das ſelbſtändig bürg.
kochen kann, nicht zu jung; Kindermädchen
iſt vorhanden. Geſucht Mädchen für hier
und auf Villas in die Umgegend.
Stellenbureau Debus
Karlſtraße 79
(*2222) Telephon 1737.

*2195) Zuverläſſige Perſon zu einzelner
Dame geſucht Wendelſtadtſtraße 8.
2215) In einfach bürgerlichen Haushalt
ein gebildetes älteres Fräulein (evangeliſch)
als Stütze der leidenden Hausfrau, zu als=
baldigem
Eintritt geſucht. Dienſtbote vor=
handen
. Anerbieten unter & 67 an die
Expedition ds. Bl.

2236) Junge Köchin für Hotel=Reſtaur.,
Büfettfräulein für 1=klaſſ. Cafés, Küchen=
mädchen
, Servierfräulein geſucht
Bureau Dingeldein, Schützenſtr. 10½.

Stellen finden:
Köchinnen in Privat= u. Herrſchaftshäuſern,
1. u. 2. Hausmädchen, tücht. Alleinmädch.,
welche koch. u. nicht koch., zu 2 Leut. u. einz,
Dame, mehr. jüng. Mädch. in gute Stell. f.
hier u. ausw. durch Frau Dingeldein, Stellenbpr.,
Schützenſtr. 10½. Telephon 531.
(*2237

Jahre lang beſetzter Poſten
für gewandtes Hausmädchen
in Herrſchaftshaus offen. Evangel. beſſ
Mädchen, die ſchneidern, feinbügeln, ſervieren
können, mit guten Zeug: erf. Näheres in
d. Exp. d. Blattes. Vorſtell. pormitt. (B2372

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Frauenzimmer wird auf 1. April d. J.
gegen freie Wohnung zu Beſorgung eines
Bureaus geſucht. Näheres in der Exped.

4
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Geheimer Juſtizrat Purgols.

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den jedermann kauft, bei hohem Verdienſt
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Gegen Gehalt und Proviſion wird ein
redegewandter Verkäufer (derſelbe braucht
kaufmänniſche Kenntniſſe nicht zu beſitzen),
dem gegen kleine Kaution das Inkaſſo mit=
übertragen
werden kann, für hieſigen Platz
und Umgegend zu engagieren geſucht.
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Stehbierhalle Hotel Heß.
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Darmſtadt.
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mit guter Schulbildung, aus guter Familie,
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M. W. Praſſel, Grafenſtr. 25.

Lehrling (2276dfs
mit guter Schulbildung für Oſtern geſucht.
Theodor Schwab, Ernſt=Ludwigsplatz.

Tapezierlehrling
per Oſtern geſucht H. Leichtweiß, Tape=
(B236
ziermeiſter, Beſſungerſtraße 41.

Waskenkoſtüm, eleg. ſchw. Domino, b. z.
M verleihen Dieburgerſtraße 13, I. (*2204
eines Maskenkoſtüm (Teufelin) billig zu
verleihen Roßdörferſtr. 69, 3. St. (*2203
Jamen=Maske, Zigeunerin, (3 Mark) zu
verleihen Gardiſtenſtraße 35.
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Damen=Maske (Amerika) billig zu verl.
*2182fs)
Liebigſtraße 44, 3. St.

Einguterhaltener Herren-Domino
zu kaufen geſucht Aliceſtr. 30, 2. St. (*2220

Zwei elegante, Masken-Anzüge
faſt neue
(Carmen und ſpaniſche Tänzerin) billig zu
verleihen oder auch zu verkaufen
2368fs)
Landwehrſtraße 1½, 3. St.

Kaskenkoſtüm (Aſſprerin u Baſaszo) u.
M weiße Ballſtieſel (42) zu verkauf. od. zu
verleihen Landwehrſtraße 6.
(*2230
Maskenkoſtüm, eleg. ſchw. Domino, z. verl.
M2227) Landgraf Philipp=Anlage 60½, p
zu
Damen=Maske (Carmen) verleih
50
2223)
Debus, Karlſtraße 79.

Schönes Maskenkoſtüm
(Spanierin) billig zu verleihen
*2042t) Gutenbergſtraße 11, part.

Hübſches Maskenkoſtüm zu verleihen od.
zu verkaufen Kaſinoſtr. 18, I. (*2208fd

ſaskenkoſtüm (Spanierin) zu verleihen
N*2214fs)
Kirchſtraße 19, 2. St.
Eleg. Maskenkoſtüm zu verkauf. od. auch
zu verl. Bismarckſtr. 82, part. (*2052mf

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Joh. Wenz, Kirchſtr. 8, II.
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Damen, bei
*2029mf
Frau Böhm, Karlſtraße 26.
Eingang Kiesſtraße.
M
armen und
Eleg. Damen=Masken Schutztruppe
zu verleihen Parcusſtraße 10, I. (*1935mf
ſchöne Damenmasken zu verleihen
Wienersſtraße 51, part.
(*1970mfo
ſchwarz=ſeid. Domino zu verleihen
1 Mauerſtraße 12, part.
(*1998mfs
Tsteil. Roßhaarmatratze, neu aufgearb.,
rot. Drell, bill. zu verk.
(*1807omf
P. Frieſe, Tapezier, Viktoriaſtr. 26.
Neue Herren=Masken billig zu verleihen
N. W. Aberle junior, Magdalenen=
(*1370mdsf
ſtraße 13, Hinterbau.
Hochf. Maskenanzug
Für Tanzſtundt . (Spanier) billig abzug.
Näh. Nied.=Ramſtädterſtr. 34, part. (*1818if
Fleg. ſchwarz=ſeid. Domino mit Hut
bill. zu verl. Lukasweg 11, I. (*2090df
2470) Damen-Masken
Woogsplatz 13. part.
zu verleihen
Große Auswahl Billige Preiſe.

4 eleg. Damenmasken
billig zu verleihen Kaſinoſtr. 17, II. r. (1819a
Schöne, faſt neue Maskenkoſtüme zu ver=
leihen
Rheinſtr. 12½, IV.
(*1959mdf

*1823mf)

Georgenſtraße 3, part.

chönes Maskenkoſtüm billig zu verleih.
*1942mf)
Wienersſtraße 74.

Samen=Maskenkoſtüme in großer Aus=
wahl

Soderſtraße 47, I. I. (1870a

Eleg. Damen=Masken, teils neu, und
Herren=Dominos zu verleihen Kies=
ſtraße
32, parterre.
(1315a
ſchöne Damenmasken, ſpan. Tänzerin
und Tirolerin, zu verleihen
(1638a
Karlſtraße 18, 2. Stock.

Damenmasken, Waſſernixe, Kartenſchläg.,
Münch. Kind’l, ſow. Clown. u. Herren=
dom
. b. zu verl. Rieſinger, Mauerſtr. 8, II. (*18a
Werſchied. hübſche Damenmasken bilig zu
verleihen Ludwigshöhſtraße 60. (B2296

Wer wirklich
ſchicke, neu angefertigte Damen-Maske
haben will, findet ſolche
(*2059df
Konfektion, Saalbauſtr. 26, 1. Stock.
zu
Laskenanzug (Span. Tänzerin) billosiat
Mverl. od. zu vk. Müllerſtr. 15, III.(2
M
Damen-Maskenanzug
zu verl. Schloßgartenſtr. 5, Laden. (*2106df
Herren= u. Damen=Dominos billig zu verl.
2264a)
Saalbauſtraße 26, I.

Schöne Damen=Masken zu verleihen
*2131df)
Mühlſtraße 26, II. r.

Pierrette u. Domino
billig zu verkaufen Marktplatz 4, I. (2278a
askenkoſtüm (Aſſyrerin, Baſazzo und
weiße Ballſtiefel (42) zu verkäufen od.
Landwehrſtraße 6. (*2156
zu verleihen

Schöner Damenmasken=Anzug
zu verleihen Mühlſtr. 17½, III. (*2066fm
Schöner Damenmasken=Anzug billig
zu verleihen oder zu verkaufen
Müllerſtraße 29, part.
*2169)
Maskenkoſtüme (Königin Luiſe) liefert
neu in allen Farben Stück zu 10 Mk.
und 12 Mk.
Karlſtraße 97, II.
(*2164
leg. ſchwarzer Chiffon- und Jett=
Domino, ſchwarzer Atlas-Domino
zu verleihen.
Kunert, Wilhelminen=
(*2240
ſtraße 10.
askenanzüge zu verleihen Mauer=
Ma ſtraße 20.
(*2241fso
Maskenanzug (Kornblume)
zu verleihen Zeughausſtraße 7, II. (*2216
Eine ſehr ſchöne Damen=Maske (neu) noch
nicht getragen, billig zu verleihen
Roßdörferſtraße 14½, I.
*2209)

Ein ſchönes Maskenkoſtüm (Damengigerl)
nebſt Klownanzug billig zu verleihen od.
(*2213
zu verkaufen Schloßgaſſe 13.

Maskenkostüm (Delft)
zu verleihen Beſſungerſtraße 81, II. (*2212

askenkoſtüm (Italienerin) billig zu ver=
Mleihen oder zu verkaufen
Gutenbergſtraße 14, p.
2221)

Einige ſehr gut erhaltene Emailherde
und eiſerne Oefen zu verkaufen
*2218) Kiesſtraße 31, Hinterhaus part.

Schöner Bernhardiner
Rüde, 1½ Jahr alt, ſehr wachſam, an die
Kette gewöhnt, als Hofhund zu verkaufen
Spottpreis von 50 Mark.
Hügelſtraße 1, 1. Stock.
2321df)

(*2244
Foxterrier
drahthaarig, 9 Mt. alt, mit la Stammbaum
umſtändeh. ſof. zu verkauf. Löffelgaſſe 19.

[ ][  ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.

Nummer 23.

Ges Inventar-AuSverkaufe

Mittwoch, den 2. Februar.
Um mit den Winterwaren vollständig zu räumen,
verkaufe dieselben zu u. unter Selbstkostenpreis.
früher 55 bis 15 Mk. 6950
Herren-Paletots
jetzt nur . . 32 bis G Mk.
Nfrüher 25 bs15 Mk. H85
Herren-Loden-Joppe
jetzt nur . 15bis 2 Mk.
früher 60 bis 18 Mk. 5650
Herren-Anzüge
jetzt nur . . 36 bis 10 Mk.
früher . . 15 bis 10 Mk. 985
Herren-Hosen
jetzt nur . . . . 10 bis 2 Mk.
2250
Knaben-Anzüge. -Paletots. -Capes

von Mk. an

Niemand versäume diese seltene Gelegenheit,
wirklich gute, moderne Waren weit unter Preis einzukaufen.
Willie
Deuste

Marktstrasse 2.

(2363)

Marktstrasse 2.

Naturwein-Gelegenheitskauf
wegen Abgabe des Geschäftes, nur 3 Tage noch, solange Vorrat reicht.
1905er Dienheimer Tafelstein, Originalabzug, Korkbrand Grossh. Hess. Domäne,
per ¼ Fl. incl. Glas M. 1.50.
1905er Brück Eisel Riesling, Originalgewächs, Kommerzienrat Jul. Espen-
schied
, Bingen, per ¼ Fl. incl. Glas M. 1.50.
1904er Eltviller Freienborn, Originalabzug u. Korkbrand Freiherrl. Langwerth
v. Simmern’sche Gutsverwaltung, exquisiter Wein, per ¼ Fl. incl.
Glas M. 3.
Probeflaschen ohne Preiserhöhung.

H. Pfeil

*2231fs)

Ecke Luisen- und Schuchardstrasse.

D
Selangverei Liederzweig
Protekt.: Ihre Königl. Hoheit Grossherzogin Eleonore von Hessen.
(55. Vereinsjahr)

Samstag, den 5. Februar, abends 8 Uhr 11 Min.:
pompöſer
Grohe!
Mästenban
in der Turnhalle am Woogsplatz:
Karten für Nichtmitglieder im Vorverkauf: Herrn 1 Mk., Damen 50 Pfg.
ſind erhältlich Lei den Herren: E. Nau, Schuſtergaſſe, K. Koch, Zigarrengeſchäft,
Marktplatz und Wilh. Kaminsky, Zigarrengeſchäft, Rheinſtraße, ſowie auf dem
Verkehrsbureau, Abends an der Kaſſe: Herrn 1.50 Mk., Damen 1 Mk.
Maskenkarten für Mitglieder ſind nur beim Präſidenten Herrn Schneider=
Friedhofallee, erhältlich.
NB. Die Nachfeier findet Sonntag, den 6. Februar, bei unſerem
Mitglied Rapp in Arheilgen ſtatt. Abmarſch um 3 Uhr vom Schlachthof.
Der Vorstand.
2351fm)

arme
ptau
Odenwaldklub, ortsgrüppeparmstadtG.V7.)
Vortrag
mit Lichtbilder-Vorführungen
Fdes Herrn Oberlehrer Prof. Lauteschläger

über
2 3
eine Wanderung
Vom Dachſtein über den Groß=Glockner nach den Dolomiten
Dienstag, den 1. Februar 1910, abends 8½ Uhr (pünktlich),
im Gartensaal des städt. Saalbaus.
Die Mitglieder und Freunde des Klubs nebſt Damen ſind hierzu freundlichſt
(2332
eingeladen.
Der Vorstand.

Tegerverem Darmstauf.
Schutzherr: Seine Königl. Hoheit der Großherzog Ernſt Ludwig.

Feier des Allerhöchſten Geburtstages
(6
Seiner Majeifdrdes Kaners
Samstag, den 29. Januar 1910, abends 8 Uhr,
im Städtiſchen Saalbau
beſtehend aus: Prolog, Feſtanſprache (gehalten von dem Kame=
raden
Herrn Pfarrer Vogel), Konzert und Tanz unter gütiger
Mitwirkung des Fräulein Marie Becker, Fräulein Anna
Müller und der Herren Georg Jöckel und Ernſt Roth.
Zutritt haben nur die geladenen Ehrengäſte, unſere Ehrenmitglieder und unſere
Mitglieder nebſt ihren Familienangehörigen.
Fremde Perſonen, welche durch Mitglieder eingeführt werden wollen, müſſen am
Saaleingange den hierſelbſt anweſenden Vorſtandsmitgliedern Herrn Zöller und
Herrn Kammer vorgeſtellt werden.
Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt.
Das Vorausbelegen der Plätze iſt nicht geſtattet.
(1996sf
Orden, Ehren= und Verbandsabzeichen ſind anzulegen.
.
e.
Der Vorstand des Kriegervereins Darmsradt.

6
Vortr à
Sa.

des Herrn Professor Scharvogel,
Direktor der Großh. Keramiſchen Manufaktur,
am Freitag, den 28. Januar, abends 8 Uhr,
im Saale der Grossh. Zentralstelle für die Gewerbe, Neckarstrasse 3,
über
das -Wesen der Keramik und ihre Bedeutung für
Architektur und Kunstgewerbe
verbunden mit
einer Ausſtellung von Materialgruppen.
Hierzu beehren wir uns die Herren Kunſtgewerbetreibenden und Kunſtfreunde
ergebenſt einzuladen.
(2071of
Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe.
Noack.

S
390)
81e
Weisgemerbverein Warmsfel

Zu dem von Herrn Profeſſor Scharvogel, Direktor der Großh. Keramiſchen
Manufaktur, veranſtalteten
über das Wesen der Keramik und ihre Be-
Vortrag deutungfür Architektur u. Kunstgewerbe
verbunden mit einer Ausstellung von Material-Gruppen
am Freitag, den 28. Januar, abends 8 Uhr,
beehren wir unſere Mitglieder und die Mitglieder der kunſtgewerblichen Gruppe
unſeres Vereins ergebenſt einzuladen.
Der Vortrag findet im Saale der Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe,
(2324
Neckarstrasse 3, ſtatt.
Der Vorſtand des Ortsgewerbevereins.

Beuischer und Oesterreichischer Alpenverein
Sektion Darmstadt (E. 0.)
Sonntag, den 13. Februar 1910

Ausflu
&

Darmstadt Frankenstein Melibocus Jugenheim.
Abmarſch von Böllenfalltor 8½ Uhr pünktlich.
Der Vorſtand.
2364)

Kirchengesangverein der Johannesgemeinde.
Zu unſerem am Montag, den 31. Januar, abends 8 Uhr,
im Fürſtenſaal in der Grafenſtraße ſtattfindenden
2


Familienabend
laden wir hierdurch unſere aktiven und inaktiven Mitglieder ein.

2342)

Der Vorstand.

Der Kluß der Damenfriſenre und Verrückenmacher
veranſtaltet am Montag, den 31. Januar,
im Restaurant Kaisersaal (grünes Zimmer)
c
Seinen I. grossen Demonstrafions-Abend
wozu wir die Herren Chefs, ſowie Friſeuſen und Gehilfen freundlichſt einladen.
Chema: Die moderne Damen=Frisur.
Demonſtranten: Die Herren Hamel und Schmidt, Frankfurt am Main.
(2376
Anfang 9½ Uhr.
Eintritt frei.
Der Vorstand.

Automatenhändler!
Kein Glücksſpiel mehr! Beſichtigen Sie
den neueſten Automat Freitag von 2 Uhr an
u. Samstag bis 11 Uhr vormittags. (*2187
Hotel Stadt Friedberg, Lüdeking.

Wee räee
zu
Kaufe allerhöchſten Preiſen
getrag. Herren= u. Damenkleider, Stiefel
und Wäſche. Jeden Mittwoch hier. Offert.
brr
Seanuten