Abonnemenfspreis
Inſerake
173. Jahrgang
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt.
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibungoder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall,
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Für und wider die Schiffahrtsabgaben.
* Nach der bereits mitgeteilten Rede des Prinzen
Ludwig von Bayern in der Sektion München des
Baye=
riſchen Vereines zur Hebung der Fluß= und
Kanalſchiff=
fahrt Bayerns wurde folgende Reſolution
angenom=
men: „Die Sektion München des Vereins für Hebung der
Fluß= und Kanalſchiffahrt in Bayern erblickt in der
bal=
digen Erledigung des vorliegenden Geſetzentwurfes
be=
treffend die Erhebung von Schiffahrtsabgaben unter der
Vorausſetzung ſeiner Ergänzung durch Beſtimmungen,
welche einige ſchwere Bedenken zu beſeitigen geeignet
er=
ſcheinen, eine kräftige Förderung der Intereſſen der
baye=
riſchen Binnenſchiffahrt, da von ihr die
Kanaliſie=
rung des Mains bis Aſchaffenburg abhängt.
Der Ausbau dieſer Strecke iſt aber als der Anfang aller
weiteren Kanalbauten in Bayern und als die unerläßliche
Vorausſetzung für die Ausführung der größeren Projekte
zu betrachten. Die Sektion erwartet von den durch die
Schiffahrtsabgaben aufzubringenden Mitteln, für deren
ſachgemäße Verwendung
die im Geſetzentwurf
vorgeſehenen Zweckverbände Gewähr leiſten, eine
weſentliche Förderung der bayeriſchen
Kanal=
projekte, deren baldige Durchführung für die weitere
wirt=
ſchaftliche Entwicklung unſeres engeren Vaterlandes eine
dringende Notwendigkeit iſt.”
Anderer Meinung iſt die Hanauer
Handels=
kammer, die in ihrem in den nächſten Tagen
erſchei=
nenden Jahresbericht die Anſicht ausſpricht, daß der
Ent=
wurf nach der Aufnahme, die er gefunden, wenig Ausſicht
auf Verwirklichung habe. Die faſt allgemeine Abneigung
der beteiligten Kreiſe in Handel und Induſtrie erkläre ſich
nicht nur aus grundſätzlichen Bedenken, ſondern habe
noch eine poſitive Rechtfertigung für ſich gewonnen,
nach=
dem die Veröffentlichung des Abgabentarifs erfolgt ſei
und dieſer ſich als weitgehend in agrarfreundlichem Sinne
aufgeſtellt erwieſen hat. Dieſe Situation ſchiebe die
In=
angriffnahme der von der Einführung der
Schiffahrts=
abgaben abhängig gemachten Kanaliſierung des
Mains von Offenbach über Hanau nach
Aſchaf=
fenburg bedauerlicherweiſe wiederum weiter hinaus und
mit ihr den Bau eines Mainhafens bei Hanau. Der
Be=
richt empfiehlt ſchließlich, da der Streit um die
Abgaben=
frage offenbar doch in abſehbarer Zeit nicht zu einem
be=
friedigenden Ergebnis geführt werden könne, die
Ufer=
ſtaaten möchten ſich für die Fortführung der
Mainkanali=
ſierung auf einen anderen Modus einigen, um die wenigen
für dieſes wichtige Werk erforderlichen Millionen
aufzu=
bringen, damit die fertig vorliegenden Projekte endlich zur
Durchführung gebracht werden könnten.
In der badiſchen Kammer ging beim Präſidium
folgender Antrag ein: „Die Kammer ſpricht ſich dahin aus,
die Regierung wolle die Neckarkanaliſation durch
ein bundesfreundliches Zuſammenwirken mit Württemberg
zu Ende zu bringen ſuchen, um ein Zuſammengehen mit
Württemberg in der Frage der Schiffahrtsabgaben
herbei=
zuführen.” Bekanntlich hat auf eine direkte Frage hin
die Regierung es abgelehnt, ihre Stellung in der Frage
der Neckarkanaliſation ſchon näher zu präziſieren. In der
Sitzung der Erſten Kammer beſprach Bürgermeiſter Dr.
Weiß=Eberbach die gleiche Angelegenheit. Er erklärte:
„In der Neckarkanaliſation droht der Standpunkt der
bis=
herigen Zurückhaltung ſich zu rächen; bei der Frage der
Schiffahrtsabgaben hätte ſich Baden mit Württemberg
verſtändigen ſollen. Ich hoffe, daß es noch nicht zu ſpät
iſt. Die Verhandlungen der badiſchen Regierung mit der
württembergiſchen ſind in den letzten Tagen weitergeführt
worden. Bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge
dürfte eine Antwort der badiſchen Regierung jedenfalls
doch bald zu erwarten ſein.”
Als ſchiffahrtsabgabenfreundlich hat ſich jetzt
Mei=
ningen bekannt. Auf eine Anfrage über die Stellung,
die die meiningiſche Staatsregierung gegenüber der von
Preußen geplanten Einführung von Schiffahrtsabgaben
auf den natürlichen Waſſerſtraßen einnimmt, erklärte
näm=
lich der Staatsminiſter v. Ziller in der Sitzung des
Land=
ages, die Staatsregierung werde dem Antrag Preußens
im Bundesrate zuſtimmen, da er für Sachſen=
Mei=
ningen einen großen Vorteil bedeute. Denn einmal ſollen
die Abgaben auf dem ganzen Strom in gleicher Weiſe
ver=
teilt erhoben werden, während bisher nur die Abgaben an
den Schleuſen erhoben worden ſeien, was beſonders die
Anwohner des Oberlaufes der Sträme und hier beſonders
die deutſchen Mittelländer betroffen hätte, ſodann aber
plane Bayern eine Kanaliſierunge des Mains
bis Bamberg. Der Antrag Preußens ſei äußerſt
weit=
ſichtig und von größter kultureller Bedeutung für das
deutſche Gemeinwohl; er bedeute einen ſtarken Schutz
gegen den Partikularismus.
In einen eigenartigen Konflikt gerät die Stadt
Leipzig mit der ſächſiſchen Regierung wegen
der Schiffahrtsabgaben. Seit längerer Zeit wird nämlich
von Leipzig der Bau eines Kanals angeſtrebt, der die
zweite Hauptſtadt Sachſens mit der Saale verbinden
ſoll. Eine zu dieſem Zweck gegründete Kanalgeſellſchaft
hat an die ſächſiſche Ständeverſammlung eine Eingabe
ge=
richtet, in der ſie darum bittet, „der endlichen Schaffung
eines Waſſerweges nach der Saale ihre Unterſtützung zu
leihen und zu dem Zwecke einer entſprechenden Vorlage
der königlich ſächſiſchen Regierung ihre Zuſtimmung zu
erteilen”. Ebenſo hat ſie ſich an das ſächſiſche Miniſterinm
des Innern gewandt, das ſie zur Einbringung einer
ſol=
chen Vorlage auffordert. In der ſehr ausführlichen
Be=
gründung der Eingaben wird ausgeführt, daß die
Schaf=
fung eines ſolchen Schiffahrtskanals für Leipzig eine
Le=
bensfrage ſei und daß die hohen, durch den ausſchließlichen
Landweg bedingten Transportkoſten Leipzig in ſeiner
wirtſchaftlichen Entwicklung ſchädigten und zurückhielten.
Die Angelegenheit hat ſchon im Jahre 1907 die ſtädtiſchen
Körperſchaften von Leipzig beſchäftigt und dieſe haben
ihre große Wichtigkeit dadurch anerkannt, daß ſie ſich
be=
reit erklärten, unter gewiſſen Vorausſetzungen für die
Bau=
koſten des Kanals, die auf 18 Millionen veranſchlagt ſind,
eine 3½prozentige Zinsgarantie bis zur Höhe von 300000
Mark jährlich zu übernehmen. Nun liegt die Sache aber
ſo, daß der Bau eines Schiffahrtskanals, der von Leipzig
ausgehend die Saale etwa in der Richtung auf Merſeburg
treffen würde, ein ziemlich zweckloſes Unternehmen wäre,
wenn nicht auch die Saale bis nach Halle ſchiffbar gemacht
würde. Dieſe Arbeit würde von Preußen und auf
preußiſche Koſten auszuführen ſein; es liegt aber auf der
Hand, daß Preußen einen ſolchen Bau, der ſowieſo ſchon
ſeine Eiſenbahneinnahmen beeinträchtigt, unter keinen
Um=
ſtänden vornehmen würde, wenn ihm nicht für die von
ihm auszubauende Strecke ſolche Schiffahrtsabgaben zur
Verfügung geſtellt würden, die einen Ausgleich für die
Be=
triebskoſten und eine angemeſſene Verzinſung des
Bau=
kapitals verbürgten. Der Widerſtand der ſächſiſchen
Re=
gierung gegen die Schiffahrtsabgaben kommt alſo hier in
einen Könflikt mit den Intereſſen der Stadt Leipzig, deren
Kanalpläne durch die Haltung der ſächſiſchen Regierung
unausführbar gemacht werden. Man darf annehmen, daß
die Petitionen an die Ständeverſammlung und an das
Miniſterium des Innern mit dem ausgeſprochenen Zwecke
abgeſandt ſind, um die Intereſſen Leipzigs gegenüber der
bis jetzt erfolgten Regierungspolitik zu wahren.
Zentrum und Bismarcksverehrung.
* Dem Zentralausſchuß zur Errichtung eines
Na=
tionaldenkmals für Bismarck gegenüber dem
Niederwald gehören auch einige Zentrumsmänner,
darunter anerkannte Führer wie Porſch und Trimborn
an. Ein ſozialdemokratiſches Blatt hat ſich berufen
ge=
glaubt, dieſen „Fauſtſchlag ins Geſicht des katholiſchen
Volkes” mit dem Hinweis auf den Kulturkampf zu
ver=
höhnen. Die „Köln. Volksztg.” erwidert darauf in einem
Leitartikel, in dem ſie mit folgenden bemerkenswerten
Sätzen für die Bismarckehrung durch das
Zentrum eintritt:
„Heute hat ſich mit Bezug auf dieſen Punkt zweifellos
eine Wandlung innerhalb der Zentrumspartei, wenigſtens
innerhalb ſehr weiter Kreiſe der Zentrumspartei,
voll=
zogen. Der Ablauf der Zeit hat die Erinnerung an den
hervorragenden Anteil, welchen Fürſt Bismarck an der
Bedrückung der deutſchen Katholiken in dem ſogenannten
großen Kulturkampf hatte, etwas zurücktreten laſſen, ſo
wenig dieſe Erinnerung verblaßt iſt und jemals verblaſſen
darf. Andererſeits treten die unauslöſchlichen
Verdienſte, die der erſte Kanzler des Deutſchen Reiches
um deſſen Gründung und Feſtigung ſich erworben hat, bei
einer Betrachtung des hiſtoriſchen, den Kämpfen der
un=
mittelbaren Gegenwart entrückten Staatsmannes mehr
und mehr in den Vordergrund. Fürſt Bismarck iſt der
Gründer des Deutſchen Reiches mehr als irgend eine der
bedeutenden Perſönlichkeiten ſeiner Zeit . .
Keine
Frage: Bismarck ſteht heute in den Augen auch der
wei=
teſten katholiſchen Kreiſe anders da, als vor einigen
Jahr=
zehnten. Seine Geſtalt wächſt vor unſeren Augen bei dem
notgedrungenen Vergleich mit manchem der Männer, die
heute die Geſchicke des Deutſchen Reiches in den Händen
haben. Und ſie wächſt mit dem Maße der Entfernung von
den politiſchen und kirchenpolitiſchen Kämpfen, in deren
Brandung der Lebende ſtand. Die deutſchen Katholiken
ehren in ihm nicht den Miniſter des Kulturkampfes,
ſon=
dern den Mann. der Deutſchland groß machte: auch für
ſie iſt ſeine Geſtalt das Symbol der deutſchen Einigkeit
geworden.”
Es wäre freudig zu begrüßen, wenn die vorſtehenden
Ausführungen der „Köln. Volksztg.” wirklich innerer
Ueberzeugung entſprießen und mehr als eine
vorüber=
gehende Anwandlung bedeuten.
England und Kreig.
* Die Kreter ſind mit England ſehr
unzu=
frieden und quittieren ihre Enttäuſchung mit
Denun=
ziationen beim Dreibund, der aber ſchwerlich für ſolche
Pläne zu haben ſein wird. Der Kreter Felix Venicelos
betont, ſeit der Euphrat= und Tigris=Konzeſſion ſei
Eng=
land plötzlich mit der Türkei wieder befreundet. „Der
Zweck, den die Politik Englands augenblicklich verfolgt,
iſt niemand, weder in Kreta noch in Griechenland, ein
Ge=
heimnis mehr: England ſucht einen Vorwand, ſich in
den Beſitz der ſtrategiſch ſo unendlich wichtigen Sudabai
auf Kreta zu ſetzen, das von derſelben militäriſchen
Wich=
tigkeit iſt wie Malta und Gibraltar. Der Dreibund hat
daher allen Grund, auf dieſe Intrige Englands zu achten
nach den Erfahrungen, die man mit Aegypten, Zypern und
Malta gemacht hat. Den Preis, für den die Türkei in den
Wiederbeſitz Kreras treten kann, dürfte die
Suda=
bai ſein. Wenn die Türkei „zufällig” auch Kreta verliert,
England weicht und wankt ſicher nicht von der Sudabai,
um Saloniki und Konſtantinopel von dort in Schach zu
halten. Auch in England weiß man nur zu gut, daß die
jungtürkiſche Wirtſchaft nicht ewig dauern kann, und daß
ihre Poſition zu wanken beginnen wird, wenn der
Natio=
nalitätenkampf im Parlament und dem ſo buntſcheckig
zu=
ſammengeſetzten Lande entbrennen wird. Doch die Politik
Englands war von jeher eine Opportunitätspolitik, und
nichts wird es hindern, morgen entrüſtet ſeine Stimme
für die ermordeten Griechen und Armenier zu erheben.
Bei den offenkundigen Beſtrebungen Englands, den
Bal=
kanbund gegen Oeſterreich und Deutſchland zu fördern,
fragt es ſich, ob der Dreibund es nicht für angezeigt
erach=
ten ſollte, das jetzt faſt ſchutzloſe Griechenland in ſeinen
Anſprüchen auf Kreta zu unterſtützen.”
Deutſches Reich.,
Zu den Verhandlungen bezüglich der
Zollpoli=
tik gegenüber Amerika erklärt ein augenſcheinlich
inſpiriertes Berliner Telegramm der „Kölniſchen Ztg.”:
„Die Beratungen, bei denen verſchiedene Vorſchläge
er=
wogen werden, haben natürlich keine beſchließende Kraft,
und die Entſcheidung ſteht in letzter Linie dem
Reich’s=
kanzler zu. Es ſind in den letzten Tagen vielfach
ame=
rikaniſche Zeitungsſtimmen bekannt geworden, die mit
Nachdruck gegen einen Zollkrieg Stellung nehmen, der,
nebenbei bemerkt, durch Einführung des deutſchen
Ma=
rimaltarifes noch gar nicht ausgeſprochen ſein würde.
Wem die guten wirtſchaftlichen Beziehungen der beiden
Länder am Herzen liegen, der wird nur wünſchen können,
das es gelingen möge, ihre Störung zu verhüten und
noch in letzter Stunde einen Weg zu finden, auf dem ſich
die jetzt noch widerſtreitenden Anſichten vereinigen laſſen.
Auf amerikaniſcher Seite liegen die eigentlichen
Schwie=
rigkeiten bekanntlich bei den Fleiſchexvorteuren, deren
For=
derungen Deutſchland ebenſo zurückweiſen wird, wie das
durch kleinere Staaten, z. B. Holland und Dänemark, um
nicht von Frankreich und Oeſterreich zu reden, geſchieht.”
Dem Vernehmen nach iſt dem Bundesrat der
Ent=
wurf eines Geſetzes über die Kontrolle des
Reichshaushalts zugegangen. Dieſer Entwurf will
nicht, wie in früheren Jahren, die in Preußen geltenden
Vorſchriften ausnahmslos auf das Reich übertragen,
ſon=
dern zugleich Vereinfachungen auf dem Gebiete der
Rechnungsprüfung bringen, wie ſie neuerdings
insbeſon=
dere im Reichstag in Vorſchlag gebracht worden ſind. Der
Entwurf bezweckt, die Verwaltung und vor allem den
Rechnungshof von Arbeiten, die ohne Schädigung des
Prüfungszwecks unterbleiben können, zu befreien und
da=
mit auch eine Verringerung des für dieſe Arbeiten
erfor=
derlichen Perſonals zu ermöglichen.
Eine Verpachtung von Norderncy iſt jetzt
in Ausſicht genommen. Es iſt dies ſachlich weſentlich da=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Nummer 23.
durch begründet, daß dort Einrichtungen getroffen werden
müſſen, die für den Staatsbetrieb ſehr große
Schwierig=
keiten machen würden. Früher hat die Gemeinde ſelbſt
Widerſtand geleiſtet, jetzt iſt ſie für Verpachtung und will
ſich an der Pacht beteiligen. Feſte Geſtalt haben die
Ver=
handlungen noch nicht angenommen, aber es iſt möglich
und wahrſcheinlich, daß ſie zu einem Reſultat führen
werden.
— Der wirtſchaftliche Ausſchuß erweiterte
die Zuſammenſetzung der Kommiſſion für Handel und
Schiffahrt von 12 auf 17 Mitglieder. Die Kommiſſion ſoll
bei den Vorbereitungen des Ausſchuſſes von
Handelsver=
trägen in allererſter Linie gehört werden.
— Der Vertrag mit der
Kolonialgeſell=
ſchaft für Südweſtafrika hat in der
Budgetkom=
miſſion eine ſo abfällige Kritik erfahren, daß der
Staats=
ſekretär in der Kommiſſion und gleich darauf auch in der
Plenarſitzung die Erklärung abgab, er werde den
Ver=
trag in der gegenwärtigen Form nicht abſchließen, ſondern
neue Vereinbarungen in die Wege leiten.
— In der Sitzung der Budgetkommiſſion des
preu=
ßiſchen Abgeordnetenhauſes äußerte ſich bei der Beratung
des Juſtizetats der Juſtizminiſter zum Kieler
Werft=
prozeß. Die Anklage ſei erhoben worden auf Grund
einer teilweiſe verſchwommenen Beweisaufnahme. Vieles
ſei verwickelt und unklar geweſen. Das treffe beſonders
zu für die Sachen, die die Kompetez des Schwurgerichtes
begründet hätten. Die Staatsanwaltſchaft wäre in der
Lage geweſen, die hierauf gerichteten Anklagen fallen zu
laſſen, weil ſie hätte einſehen müſſen, daß es ſehr ſchwer
geweſen wäre, einen Beweis zu führen, der den
Geſchwo=
renen genügen konnte. Die Staatsanwaltſchaft hätte ſich
beſchränken können auf Anklagen, die zur Kompetenz der
Strafkammer gehören. Im Hinblick auf dieſe
Erwägun=
gen ſeien der Staatsanwaltſchaft vom Miniſter
ernſte Vorwürfe gemacht worden.
— Zwiſchen der Mehrheit der Zweiten
ſäch=
ſiſchen Kammer und der Regierung iſt ein offener
Konflikt ausgebrochen, weil die letztere verlangt, daß
40000 Mark Penſionen für Fachlehrerinnen in den
Volks=
ſchulen auf die Gemeinden zu übernehmen ſeien. Wegen
dieſer Lapalie will die Regierung das neue Geſetz über
die Anſtellung der Fachlehrerinnen ſcheitern laſſen. Der
Kultusminiſter warf den Liberalen vor, ſie machten aus
der Frage eine Kraftprobe; dieſer Vorwurf wurde von den
nationalliberalen Abgeordneten Langhammer, Hettner und
Kaiſer nachdrücklichſt zurückgewieſen, ebenſo von den
Frei=
ſinnigen. Die geſamte Linke hat die Regierungsforderung
abgelehnt, nur 28 Konſervative waren dafür. Die
Mehr=
heit der Kammer verlangte die Uebernahme der 40000
Mark auf den Staat.
Ausland.
— Die franzöſiſche Kammer nahm das
Unterrichts=
budget an. Das Haus iſt von telephoniſchen und
tele=
graphiſchen Verbindungen abgeſchnitten.
Da Clemenceau ſeinen Austritt aus der
radi=
kalen Partei aufrecht erhält, trotzdem ihm die
Lei=
tung derſelben über das Zuſammengehen mit den
So=
zialdemokraten bei den Touloner Gemeindewahlen
aus=
führliche Aufklärungen gegeben hat, beſchloß der
Partei=
ausſchuß, die Austrittserklärung anzunehmen.
Miniſterpräſident Briand empfing eine von den
belgiſchen Deputierten Vandervelde und Anſeele
geführte Abordnung der belgiſchen Arbeiterpartei, die über
die von der franzöſiſchen Kammer bei der Zolltarifdebatte
beſchloſſene, gegen die ausländiſchen Arbeiter gerichtete
Steuer Beſchwerde erhob. Miniſterpräſident Briand
er=
klärte, daß die Regierung dieſe Steuer, die ſie ſchon in
der Kammer bekämpft habe, auch im Senate bekämpfen
werde.
— Das norwegiſche Storthing wurde am Mittwoch
vom. König in Gegenwart der Königin und des
diploma=
tiſchen Korps mit einer Thronrede eröffnet. Die
Thronrede erklärt die Beziehungen Norwegens zu den
fremden Mächten für befriedigend. Die Regelung der
Ver=
hältniſſe von Spitzbergen ſei Gegenſtand von
Auseinander=
ſetzungen mit den übrigen intereſſierten Mächten. Ferner
werden Geſetzentwürfe über die Rechtspflege, über eine
Produktionsſteuer auf Bier und über Schiedsgerichte bei
Streitigkeiten zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitern
ange=
kündigt. Nachdem das Storthing fünf radikale Mandate
kaſſiert und ſich definitiv konſtituiert hatte, wurde der
Konſervative Bratlie zum Präſidenten und der Liberale
Konow zum Vizepräſidenten gewählt. Die Regierung
wird die in der Thronrede angekündigten Geſetze vorlegen
und ſofort demiſſionieren. Der Auftrag zur
Neubil=
dung des Miniſteriums wird zuerſt an den
Li=
beralen Michelſen ergehen, doch iſt es noch ungewiß, ob
er annimmt.
Die bulgariſche Regierung befaßt ſich mit dem
Plane, den geltenden Handelsvertrag mit einigen
Aenderungen bis zum Jahre 1916, das heißt bis zum
Ablaufe der großen europäiſchen Handelsverträge, zu
ver=
längern. Die Entſcheidung dürfte in dieſen Tagen gefällt
werden.
— Die türkiſche Botſchaft in Berlin teilt
mit: Die in einigen Zeitungen erſchienene Nachricht, daß
der Großweſir Hakki=Paſcha in Rom mit dem griechiſchen
Geſandten perſönlich verhandelt hätte und daß eine
Ver=
ſtändigung in der Kretafrage auf der Baſis pekuniärer
Entſchädigung möglich wäre, entbehrt jeder
Be=
gründung. Wie aus den Erklärungen, die das neue
Kabinett in ſeinem Programm gegeben hat, hervorgeht,
iſt eine Aenderung des Standpunktes der ottomaniſchen
Regierung in dieſer Frage ausgeſchloſſen.
* Die „franzöſiſche Ausſtellung”und die
Pariſer Preſſe. Die Pariſer Blätter berichten mit
großer Ausführlichkeit teilweiſe Spalten lang über die
Eröffnung der franzöſiſchen Ausſtellung in Berlin und die
nachfolgende Soiree in der franzöſiſchen Botſchaft. Der
„Matin” gibt die Eindrücke einiger franzöſiſcher Gäſte über
das ſozuſagen hiſtoriſche Ereignis dieſer Ausſtellung
wie=
der. Henri de Rothſchild war über des Kaiſers
Liebens=
würdigkeit entzückt, der ſich für die Gemälde der
Samm=
lung Rothſchild ſehr zu intereſſieren ſchien. Er erkundigte
ſich auch nach dem Ankaufspreiſe und dem jetzigen Wert
einzelner Gemälde. Die Herren Cormon und de Nolhac
betrachteten die Ausſtellung als einen vollen Erfolg und
zeigten hohe Genugtuung über die Aus eichnungen,
die der Kaiſer den franzöſiſchen Ausſtellern und
Veran=
ſtaltern widerfahren ließ. Der Berliner Korreſpondent des
„Figaro” fügt ſeinem Bericht hinzu, die Ausſtellung, die
von keinem politiſchen Gedanken inſpiriert war, habe als
glückliche Konſequenz den Beſuch des Kaiſerpaares in der
Botſchaft herbeigeführt. Das Hauptverdienſt an der
deutſch=franzöſiſchen Annäherung komme neben den
diplo=
matiſchen Vertretern der Republik den patriotiſchen
Be=
mühungen der Politiker Etienne und Roch zu, dann den
Vertretern der Kunſt, Saint Saéns, Maſſenet und Roux,
die der jetzigen glänzenden Kundgebung franzöſiſchen
Gei=
ſtes den Weg vorbereitet hätten.
* London, 26. Jan. Wie verlautet, wird König
Eduard auf ärztlichen Rat auch in dieſem Jahre nach
Biarritz gehen. Der Termin für die Abreiſe iſt vorläufig
auf den 3. März feſtgeſetzt. — Der deutſche und der
ruſſiſche Botſchafter reiſten nach Windſor ab, um
einige Tage bei König Eduard zu Gaſte zu ſein.
Alt=Paris unter Waſſer.
*⁎* Ein feſſelnder hiſtoriſcher Rückblick, der im
„Gaulois” veröffentlicht wird, zeigt an intereſſanten
Beiſpielen, daß die neue
Ueberſchwemmungs=
kataſtrophe in Paris im vergangenen
Jahr=
hundert ihre zahlreichen Vorläufer hatte und daß die
Seine keineswegs jener friedliche Fluß iſt, als den ſie
der Fremde kennen lernt, der an einem ſonnigen
Frühlingsmorgen die Kais entlang ſchlendert. Vor
mehr als vier Jahrhunderten wurden zahlloſe
Men=
ſchenleben ein Opfer des Fluſſes; am 7. Januar 1469
trat die Seine über ihre Ufer und ihre Waſſer
dran=
gen vor bis zum Place Maubert und Marais. Bis zum
12. ſtieg die Ueberſchwemmung immer mehr; die
ge=
ängſtigten Bürger trugen damals in feierlicher
Pro=
zeſſion den Reliquienſchrein der heiligen Genoveva zum
Flußufer, um den Zorn des Elements zu beſchwören.
Hart bedroht war die Notre Dame=Brücke. Ein Jahr
ſpäter kam eine neue Ueberſchwemmung und diesmal
wurde die Brücke von den Waſſern ſchwer erſchüttert.
Aber die Schöffen, die die Brücke unterſuchen laſſen,
verſügen keinerlei Wiederherſtellungsarbeiten: als am
25. Oktober 1494 unter einem furchtbaren Sturme
plötzlich wieder Hochwaſſer eintritt, wird die Brücke
von den Fluten völlig zerſtört, und mit ihr ſinken die
65 Häuſer, die ſie bekrönten, in die Fluten der Seine.
500 Menſchen wurden dabei verſchüttet und ſtarben
in den Wellen. Die Empörung im Volke, im
Parla=
mente und am Hofe war ſo groß, daß man den
Vor=
ſteher der Kaufmannſchaft und alle Schöffen des
ver=
floſſenen Jahres, den Staatsanwalt, den Amtsſchreiber
und zwei Steuereinnehmer auf der Stelle verhaftete.
Der Vorſteher der Kaufmannſchaft und die Schöffen
des Jahres, in dem die nötigen Reparaturen verſäumt
worden waren, wurden zu hohen Geldſtrafen und zur
Erfüllung aller Schadenserſatzanſprüche aller
Betrof=
fenen verurteilt. Sie beſaßen nicht genug, um das
zu bezahlen, und ſchmachteten daher bis an ihr
Lebens=
ende im Kerker. Die Notre Dame=Brücke wurde von
1500—1512 dann wieder neu aufgeführt; dabei
er=
höhte man den Boden am Ufer, ſodaß die 13 Stufen
der Notre Dame=Kirche verſchwanden, alle Läden zu
Kellerräumen und die erſten Etagen zum
Straßen=
geſchoß wurden, Um 1547 riß ein Hochwaſſer zahlloſe
Schiffe mit ſich fort und die St. Michel=Brücke ſtürzte
ein: mit 17 Häuſern, die auf ihr ſtanden.
Der höchſte Waſſerſtand in der Geſchichte
von Paris wurde am 4. Juli 1615 erreicht; bei dieſer
Ueberſchwemmung zeigte der Waſſermeſſer am Pont=
Royal 9,82 Meter. Im Januar des folgenden Jahres
fror die Seine bis zu einigen Metern tief; plötzliches
Tauwetter löſte dann die Eismaſſen, unzählige
Fahr=
zeuge wurden zerſtört und unter dem Drucke der
Eis=
flut ſtürzte der Pont=Michel von neuem mit mehreren
Häuſern ein. Der Reſt der Brücke wird geräumt und
fällt im Juli der Hochflut endgültig zum Opfer. Die
Birſen=Brücke wurde ſo erſchüttert, daß viele Häuſer
einſtürzten, wobei große Schätze aus den Goldläden
und den Wechſelgeſchäften verloren gingen. Im
Fau=
bourg Saint=Marcel ſtürzen zwei Häuſer ein und
be=
graben 9 Menſchen unter ihren Trümmern. Aber
immer wieder fordert die Seine neue Opfer. 1641
reißen die Fluten die Marienbrücke mit, 1658 kommt
eine neue, furchtbare Ueberſchwemmung, 1697 eine
dritte, und 1740 erreicht die Seine am Pont=Royal
wieder 9,82 Meter. Auch mit dem 19. Jahrhundert
endigt nicht die Schreckenschronik: 1802, 1807, 1836, 1876
und ſchließlich 1880 ſuchen neue Hochwaſſerkataſtrophen
die Bürger von Paris heim.
Die Kinderſtube des engliſchen
Parlaments.
In den heißen Wahlkämpfen, deren Lärm
in dieſen Tagen in allen Gauen des Vereinigten
Kö=
nigreichs widerhallt, haben die Wähler eines Kreiſes
auch einen jungen
Zweiundzwanzigjähri=
gen dazu beſtimmt, im Unterhauſe als Abgeordneter
teilzunehmen an der Feſtſetzung der Geſetze, nach denen
die Nation regiert werden ſoll. Der Vorgang erinnert
eine engliſche Wochenſchrift daran, daß ſchon oft
Jüng=
linge, die kaum dem Knabenalter entwachſen waren,
als Geſetzgeber auf den Bänken des engliſchen
Unter=
hauſes Platz genommen haben; boshafte Kritiker haben
gelegentlich die Gruppe dieſer jungen Parlamentarier
„die Kinderſtube des Unterhauſes” genannt. Um 1613
zählte dieſe Kinderſtube des britiſchen Parlaments
nicht weniger als 40 „Pfleglinge”, von denen nicht
einer bereits ſein 20. Lebensjahr erreicht hatte; einer
von ihnen war beim Eintritt in die geſetzgebende
Kör=
perſchaft gerade 16 Jahre alt geworden. Als Edmund
Waller, der berühmte Lyriker aus den Tagen der
Stuarts, in das erſte Parlament Karls I. eintrat, war
er ein Schuljunge von 16 Jahren. Clarendon
behaup=
tete von ihm, er werde „im Parlament geſäugt”.
Jedenfalls war er wohl der einzige Abgeordnete, der
als 82jähriger auf ein parlamentariſches Debüt
zurück=
blicken konnte, das nicht weniger als zwei Drittel eines
Jahrhunderts zurücklag. Als Charles James Fox als
Abgeordneter von Midhurſt im Unterhauſe Platz nahm,
war er 19 Jahre alt und in ſeiner Erinnerung ſpukten
noch die Rutenhiebe, mit denen ſein energiſcher Vater
ihn zu züchtigen pflegte. Aber er war nur wenige
Wochen Mitglied des Hauſes, als er eine der
bedeu=
tendſten Jungfernreden hielt, die je in Weſtminſter
ge=
hört worden ſind. „Alle Leute ſprechen davon als von
einer ganz außerordentlichen Sache,” ſo ſchreibt der
beglückte Vater an einen Freund, „und ich bin darüber
nicht wenig erfreut.” Cheſterfield war 20 Jahre alt,
als er als vollberechtigter Abgeordneter im Parlament
Platz nahm. Seine erſte Rede elektriſierte das Haus
durch ihren Schwung und die ſcharfe Logik; aber ſein
Triumph ward ein wenig getrübt durch einen
Ord=
nungsruf, der ihn darüber aufklärte, daß er zu jung
ſei. um im Parlament das Wort ergreifen zu dürfen,
und ſich damit einer ſchweren Geldſtrafe ausſetze.
Wie raſch bisweilen ſolche jugendlichen britiſchen
Parlamentarier der „Kinderſtube” entwachſen, bewies
William Pitt; er war 21 Jahre alt, als der Kreis
Appleby den „Jungen” ins Unterhaus ſchickte. Wenige
Wochen ſpäter war er als einer der beſten Redner und
der gefürchtetſten Polemiker des Hauſes berühmt. Nach
ſeiner wundervollen Jungfernrede ſagte ein Mitglied
der Oppoſition zu Fox: „Pitt wird einer der erſten
Männer des Parlaments werden” worauf Fox nur
erwiderte: „Er iſt es ſchon” Mit 33 Jahren war Pitt
Schatzkanzler und mit 24 Jahren Premierminiſter.
Im letzten engliſchen Parlament waren 27 Mitglieder,
von denen noch keiner ſein 27. Jahr vollendet hatte,
und nach den jüngſten Wahlberichten werden auch im
neuen Unterhauſe eine Schar von Abgeordneten
teil=
nehmen, die ihrem Lebensalter nach in Deutſchland
nicht wahlberechtigt wären.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Januar.
Beſtätigt wurde der von dem katholiſchen Pfarrer
zu Ober=Mörlen auf die erſte Lehrerſtelle an der dortigen
Gemeindeſchule präſentierte Lehrer Aloys Schaack
eben=
daſelbſt für dieſe Stelle.
Von der Zweiten Kammer. Zu der
Angelegen=
heit Molthan veröffentlicht der Finanzausſchuß
folgende Mitteilung: Auf Antrag unſeres Mitgliedes,
des Herrn Abgeordneten Molthan, fand heute eine
kurze Beſprechung der Angelegenheit ſtatt, die ihn zur
Ankündigung ſeines Austrittes aus dem Ausſchuſſe
bewogen und die auch Erörterung in der Preſſe gefunden
hat. Es beſteht allſeitiges Einverſtändnis darüber, daß
ein Antrag des Herrn Molthan, oder irgend eines
Mit=
gliedes des Ausſchuſſes, die Zuſchüſſe zur
Landwirt=
ſchaftskammer zu kürzen, nicht geſtellt wurde; wie
über=
haupt Aeußerungen des Herrn Molthan über die
Möglichkeit derartiger Abſtriche nur bei einer
unverbind=
lichen allgemeinen Ausſprache über die Finanzlage des
Staates erfolgt ſind. Herr Molthan iſt mit dieſer
Kon=
ſtatierung einverſtanden und ſieht von ſeinem
Austritte aus dem Ausſchuſſe ab. Der
unter=
zeichnete Präſident des Finanz=Ausſchuſſes veröffentlicht
dies gemäß dem einſtimmigen Beſchluſſe des Ausſchuſſes.
* Rechtsanwaltſchaft. Am 13. Januar wurden
der Gerichtsaſſeſſor Ostar Colin zu Darmſtadt und
der Referendar Dr. Karl Walz zu Darmſtadt zur
Rechts=
anwaltſchaft bei dem Landgericht der Provinz
Starken=
burg, ferner der Gerichtsaſſeſſor Erwin Mengel zu
Nidda zur Rechtsanwaltſchaft bei dem Amtsgericht
Schotten zugelaſſen. — Am 27. Dezember 1909 hat der
Rechtsanwalt, Juſtizrat Dr. Joſeph Kuhn zu Mainz die
Zulaſſung zur Rechtsanwaltſchaft bei dem Landgericht
der Provinz Rheinheſſen und damit auch bei dem
Ober=
landesgericht aufgegeben.
H.K. Anleitung von Handwerker=Lehrlingen. Nach
der Gewerbenovelle vom 30. Mai 1908 (ſogen. kleiner
Befähigungsnachweis) dürfen nunmehr nur noch ſolche
Handwerker Lehrlinge anleiten, welchen die
geſetzliche Meiſterprüfung beſtanden habemn,
während den älteren Meiſtern, die das fragliche Recht
bereits beſaßen, die Anleitungsbefugnis durch die
Ver=
waltungsbehörden auf Antrag ſchriftlich weiter
ver=
liehen werden muß. Der Zweck dieſer Vorſchrift iſt,
daß nunmehr jeder Handwerker einen ſchriftlichen
Ausweis darüber beſitzen muß, daß er Lehrlinge
an=
leiten darf. Jeder Handwerker, der Lehrlinge anleiten
will, muß alſo nunmehr einen ſchriftlichen Ausweis
über ſeine Befugnis hierzu beſitzen. Als Ausweis
gelten die Meiſterbriefe nach beſtandener geſetzlicher
Meiſterprüfung oder von der Verwaltungsbehörde
aus=
geſtellte amtliche Beſcheinigung, daß die betreffenden
Handwerker zum Anleiten von Lehrlingen befugt ſind.
Falls aber Lehrlinge bei einem Meiſter in die Lehre
treten, der weder den Meiſterbrief noch einen anderen
ſchriftlichen Ausweis beſitzt, ſo erwachſen ihnen ganz
erhebliche Nachteile, da eine ſolche Lehrzeit ungeſetzlich
iſt, und die betreffenden Lehrlinge auf Grund derſelben
weder zunächſt die Geſellenprüfung, noch ſpäter die
Meiſterprüfung ablegen dürfen. Nur durch letzere
aber können ſie das Recht erwerben, ſelbſt ſpäter
Lehr=
linge anleiten zu dürfen. Die Handwerkskammer hat
ſich bereits im Vorjahre an Großh: Miniſterium ves
Innern, Abt. für Schulweſen, mit der Bitte gewandt,
die zur Entlaſſung kommenden Schüler, welche Ein
Handwerk erlernen wollen, durch die Lehrer bedeuten
zu laſſen, daß die Befugnis zum Anleiten von
Lehr=
lingen nicht ohne weiteres allen Handwerksmeiſtern
zuſteht, und daß ſich die künftigen Lehrlinge bezw. deren
Eltern erſt darüber vergewiſſern ſollen, ob der
be=
treffende Lehrherr auch tatſächlich die Befugnis zum
Anleiten von Lehrlingen beſitzt. Die genannte
Mini=
ſterialabteilung hat dieſem Antrag durch entſprechende
Weiſung an die Großh. Kreisſchulkommiſſionen
Rech=
nung getragen. Zugleich ſei darauf hingewieſen, daß
erfreulicherweiſe in vielen Zweigen des Handwerks
wieder weſentlich günſtigere Ausſichten für ein
Fort=
kommen beſtehen, umſomehr als jetzt die Ausbildung
der Lehrlinge geſetzlich geregelt iſt.
* Märchenimproviſationen. Eine neue Art Märchen
zu erzählen hat Frau Staatsrat Lotta Girgenſohn
aus Frankfurt a. M. ſich zur Aufgabe geſtellt. Sie will dem
Volksmärchen Eingang verſchaffen in die Häuſer, in die
Herzen von jung und alt, will dazu beitragen, Freude an
den reinen Bildern der Phantaſie zu wecken, der
urwüch=
ſigen Geſtaltungskraft des Volkes den Weg weiſen, das
alte ererbte Märchen, die Sage zu ehren und ſelbſt zu
ſchaffen und zu erfinden. Sie will ferner den
pädagogi=
ſchen Zweck verfolgen, die Jugend an das lebendige Wort
zu gewöhnen. Die Weisheit der Bücher ſoll ihr in erſter
Linie durch die freie Wiedergabe des Erzählers geboten
werden. Richtet ſich der Vorleſer mehr an den Verſtand
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Seite 3.
des Zuhörers, ſo greift der Erzähler hinein in das Gemüt
und kann die Saat einer geſunden, tapferen
Lebensauf=
faſſung ſtreuen. Durch das frei geſprochene Wort wird die
innere Verbindung zwiſchen Erzähler und Zuhörer
her=
geſtellt. Iſt dieſe Beziehung hergeſtellt, ſo erfolgt die
Wech=
ſelwirkung. Der Zuhörer ſoll nicht nur aufnehmen, er ſoll
ſelbſt erſchloſſen werden, er ſoll ſeinerſeits ſeine Gedanken
in Worte kleiden, die Bilder ſeiner Phantaſie mitteilen
lernen. Um dieſen Vorgang zu erklären, läßt die Dame
ſich von den Kindern Wörter geben. Aus dieſen Wörtern
entſpringt in ihrer Phantaſie das Märchen. — In der
Tat, der Verſuch, den Frau Girgenſohn geſtern hier im
Turnſaal der Mittelſchule II gab, bedeutete einen Erfolg.
Der Saal war dicht gefüllt mit Schülern der unteren
Klaſ=
ſen, die, Kopf an Kopf gedrängt, aufmerkſam den Worten
der Erzählerin lauſchten. Zunächſt erzählte die
Vortra=
gende den Kleinen das „Märchen von den Stricknadeln”
um dann auf ein Märchen überzugehen, zu der ihr ihre
Zuhörer ſelbſt den Stoff gaben. Es iſt nicht unintereſſant,
welche Worte die Kleinen im Märchen vereinigt wiſſen
wollten. Die Worte waren folgende: Ofenſetzer — Licht
Tintenfaß — Linſenſuppe — Kaffeemühle —
Federhal=
ter — Kartoffelklöße — Feenkönigin — Karzer —
Waſſer=
glas — Kuchen — Robinſon — Hut — Apfelbrei —
Pup=
penküche — Holzhacker — Gold — Kletterſtange —
Gar=
tenzaun — Schneewittchen — Chriſtbaum. Frau
Girgen=
ſohn verſtand es vortrefflich, den rechten Ton zu finden,
der zu den Herzen der kleinen Zuhörer drang, die mit
rau=
ſchendem Beifall dankten.
nn. Der Verein der Innenſtadt hielt Mittwoch
abend ſeine Hauptverſammlung im Reſtaurant
Traut=
mann ab. Der Vorſitzende, Herr Sanitätsrat Dr
Kolb, begrüßte die Verſammlung und widmete dem
verſtorbenen Herrn Oberbürgermeiſter Morneweg
einen warmen Nachruf. Auch ſein Nachfolger ſei ein
Mann mit Eifer und weitſchauendem Blick, von dem
zu hoffen ſei, daß er viele Jahre zum Segen der Stadk
Darmſtadt wirken möge. Bei der Beſprechung
ſtädti=
ſcher Angelegenheiten gab der Vorſitzende einen
Rück=
blick über die wichtigſten, von der Stadtverwaltung zur
Hebung des Verkehrs uſw. gefaßten Beſchlüſſe. Zu
begrüßen ſei die gleichzeitige Erhebung des Gas= und
Waſſergeldes. Durch den Wegfall des Oktrois
ver=
liere die Stadt eine beſonders große Einnahmequelle, die
durch die ſtädtiſchen Betriebe und die
Kommunal=
ſteuern zu erſetzen ſei. Das dürfe jedoch nicht aus
ſchließlich auf Koſten der Steuerzahler geſchehen,
ſon=
dern ein Erſatz durch Erhöhung des Gas= und
Waſſer=
preiſes, evtl. auch des elektriſchen Stromes müſſe
geſchaf=
fen werden. Doch könne eine Steuererhöhung nicht
ausbleiben. Erfreulich ſei der Ausbau des
Rettungs=
dienſtes und die Erbauung eines ſtädtiſchen
Schwimm=
bades. Die Tätigkeit des Vereinsvorſtandes ſei in
die=
ſem Jahre beſonders rege geweſen. Der
Bebauungs=
plan des neuen Bahnhofsgeländes, das Verhältnis der
Stadt zur Süddeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft, die
Berg=
ſtraßenbahn und die elektriſche Straßenbahn bildeten
häufig Beratungsgegenſtände, wobei als erfreuliches
Reſultat die Betriebsverlängerung der Saalbaulinie
bis 10 Uhr abends zu verzeichnen ſei. Der
Mitglieder=
ſtand des Vereins betrug Ende 1909 156. Der von
Herrn Kaufmann Rohde erſtattete Kaſſebericht ergibt
einen Vermögensſtand von 1466 Mark 66 Pfg. Dem
Vorſtand und Rechner wurde Entlaſtung erteilt. Bei
der Vorſtandswahl wurde Herr Sanitätsrat Dr. Kolb
zum Vorſitzenden wiedergewählt und auch die übrigen
Herren in ihren Aemtern beſtätigt. Neu gewählt
wur=
den die Herren Architekt Schembs und Rechtsanwalt Dr.
Bender. Als Delegierte in den
Bezirksvereinsaus=
ſchuß wurden gewählt die Herren Sanitätsrat Dr. Kolb,
Kaufmann Kahlert und Rechtsanwalt Dr. Lindt.
— Im Silberkranz. Fabrikant Hermann Joſeph
und Frau geb. Levi, Aliceſtraße 21, feierten das Feſt
der ſilbernen Hochzeit.
Deutſcher und Oeſterreichiſcher Alpenverein,
Sektion Darmſtadt. Für die Mitglieder und Freunde
der Sektion Darmſtadt wird es eine beſonders
erfreu=
liche Nachricht ſein, zu vernehmen, daß Herr Profeſſor
Lauteſchläger an der Hand einer reichen
Lichtbilder=
ſammlung am 2. Februar im Fürſtenſaal über ſeine
letzten Gebirgswanderungen ſprechen wird. (S. Anzeige.)
— Odenwald=Klub. Die Mitglieder des Klubs
ſeien hierdurch darauf aufmerkſam gemacht, daß die für
Sonntag, den 6. k. M., vorgeſehene Wanderung auf den
13. Februar verſchoben wurde.
— Vogelsberger Höhenklub. Die
Hauptverſamm=
lung des Vogelsberger Höhenklubs in Grebenhain
findet nicht am 14. Juni ſtatt, wie der Geſamtvorſtand
irrtümlich berichtete, ſondern am Sonntag, den 6. Juni,
am Tage nach der Einweihung des Bismarckturmes, die
für Samstag, den 5. Juni in Ausſicht genommen iſt.
— Ein Harem in Darmſtadt! — Nun werden wir
demnächſt auch hier in Darmſtadt eine jungtürkiſche
Invaſion haben. Freilich eine andere, als die, welche
jüngſt dem kranken Mann am Bosporus Thron und
Freiheit koſtete, eine Invaſion von jungen Türkinnen!
Mit dem Orient=Expreß — ſo plaudert ein Wiener
Blatt — kamen die jungen Odaliskenfeen an; Major
Bertrand Bey, in der dunkelblauen Uniform des
türki=
ſchen Leibregiments, mit breiten roten Streifen am
Zeinkleid, die Bruſt beſät mit blinkenden und
glitzern=
den Orden, der Osmanje=Orden und Medjidje=Orden
ſind darunter, auf dem ergrauten Haupte den
unver=
meidlichen roten Fez, iſt der Führer und Meiſter der
jungen Damen. Der freundliche, recht wohlgenährt
ausſehende alte Herr ſtellte uns in liebenswürdiger
Weiſe die jungen Damen vor, die einſt vor des Sultaus
Majeſtät tanzen und ſpielen durften, und die nun auch
uns durch ihre mannigfachen Künſte erfreuen wollen:
Scherifé, Münimé, Aina Ayak, Yldiz, Fatma, Féridjé,
Nazckté, Gilber — acht Mädels, alle jung und friſch;
die jüngſte 16, die älteſte knapp 22, alle klein und
zier=
lich, in prickelnd kniſternden ſchwarzen Seidenkleidchen,
das Geſicht mit dem Schleier verhüllt, doch nicht ſo, daß
uns der durchſichtige Flor nicht pikante Geſichtchen
ge=
zeigt hätte. Die Eunuchen Huſſin, Meſſoud, Mehmed,
dazu einige Dienerinnen begleiten die Geſellſchaft. Der
ſchon oben mit gebührendem Reſpekt erwähnte Herr
Major V. Bertrand Bey, Zeremonienmeiſter des
Pa=
diſchah, übergibt uns vor allem die Viſitenkarte, die in
zierlichem Druck außer allerlei türkiſchen Schriftzeichen,
die uns „ſpaniſch” vorkommen, eine lange, lange Reihe
von Titeln und Orden verraten, die des Sultans
Ver=
gnügungsdirektor ſeit einem Vierteljahrhundert errang.
Hier nur einige wenige Würden: Gründer und
Gene=
raldirektor des Hoftheaters S. M. des Sultans, Major
der Leibgarde, Zeremonienmeiſter, Organiſator der
abendlichen Amüſements im Kaiſerlichen Harem. . . .
Nun, wir ſind begierig auf dieſe Amüſements, die uns
Herr Major Bertrand an den kommenden Abenden im
Orpheum zum beſten geben wird.
— Der Große Jubiläums=Gala=Maskenball der
Geſellſchaft „Harmloſe” findet am Samstag, den
29. Januar, im „Kaiſerſaal” ſtatt. Die Geſellſchaft hat
bei ihrer großen Jubiläums=Damen= und Herrenſitzung
den beſten Beweis ihres Könnens geliefert und ſtehen
auch für den Maskenball zahlreiche Ueberraſchungen
bevor. (Siehe Inſerat.)
Einen Maikäfer brachte uns geſtern Chriſtian
Fornoff von der Knaben=Arbeits=Anſtalt, allerdings
hauchte der braune vorwitzige Burſche bald ſeine
Käfer=
ſeele aus. Es war ihm der frühzeitige Ausflug nicht
gut bekommen.
X. Zwingenberg, 26. Jan. Geſtern abend wurden
ſämtliche Straßenlampen zum erſten Male an
gezündet und unſer Amtsſtädtchen erſtrahlte in
herr=
lichem Licht. Bei der Anzündung der Lampen
beglei=
tete unſere Jugend die Anzünder und es herrſchte
be=
wegtes Leben in den Straßen. Auch in einzelnen
Ge=
ſchäftshäuſern brannte das neue Licht, und nur noch
wenige Tage und Zwingenberg wird vollſtändig mit
Gas verſorgt ſein.
Rüſſelsheim, 26. Jan. Einen prachtvollen
Opelwagen hat die Firma Opel hier in den letzten
Tagen für den deutſchen Kaiſer fertiggeſtellt. Der
ſchmucke Kraftwagen hat 50 PS. und war in den letzten
Tagen zu Frankfurt a. M. im Erker des
Generalver=
treters der Opelwerke, Herrn V. Degener=Böning
dortſelbſt, ausgeſtellt. Es iſt der zweite Wagen, den
der Kaiſer jetzt von der Firma Opel bezogen hat. Dank
ihrer außerordentlichen Erfolge hat die Firma Opel
zurzeit ganz enorme Aufträge zu bewältigen. Nach
Fertigſtellung der neuen Fabrikräume wird der
Be=
trieb bei Einſtellung vieler neuer Arbeitskräfte noch
weit umfangreicher geſtaltet werden.
Erbach, 26. Jan. Zu dem Artikel, das Terrain
für das zu erbauende neue Schulhaus betreffend,
wird dem „Krsbl.” berichtigend bemerkt:
Von der
Schenkung eines Platzes war bei dem erwähnten
Empfang des Stadt= und Schulvorſtandes durch Se.
Er=
laucht unſeren Grafen keine Rede. Der hohe Herr
be=
kundete nur ſein lebhaftes Intereſſe für die ganze Sache,
konnte aber, da es ſich um Fideikommißgut handelt,
na=
türlich vorläufig überhaupt noch keine irgendwie bindende
Zuſage erteilen.
Worms, 26. Jan. Eine für die preußiſchen
Lot=
terie=Einnehmer in Heſſen wichtige Entſcheidung
hat der Verwaltungsgerichtshof in Darmſtadt
getroffen. Die Stadt Worms hatte die preußiſchen
Lot=
terie=Einnehmer zu den Gewerbeſteuern herangezogen, der
Kreisausſchuß Worms dagegen die Steuerpflicht verneint.
Während der Provinzialausſchuß in Mainz die
Entſchei=
dung des Kreisausſchuſſes aufhob, hat ſie der
Verwal=
tungsgerichtshof, als oberſte Inſtanz, wieder hergeſtellt
Die Lotterie=Einnehmer ſind ſomit nicht
gewerbeſteuer=
pflichtig. — In der erſten diesjährigen
Stadtverord=
netenverſammlung erklärte Oberbürgermeiſter
Köhler, bisher ſei es, wenn auch manchmal mit
Schwie=
rigkeiten, gelungen, den Steuerſatz für unſere
Kommunal=
umlagen niedrig zu halten, ſodaß wir mit unſerem
Steuer=
ſatze hinter unſeren heſſiſchen Nachbarſtädten weſentlich
zu=
rückblieben. Die derzeitige Finanzlage ſtellte die Stadt=
verwaltung im neuen Jahre vor ſchwierige Aufgaben. Mit
dem ſeitherigen Steuerſatz von 97,5 Prozent werde nicht
mehr auszukommen ſein, eine Steuererhöhung ſei
unvermeidlich. Wie hoch aber der Steuerzuſchlag
werde, darüber laſſe ſich noch nichts auch nur annähernd
Zutreffendes ſagen. Der Oberbürgermeiſter gab dann der
Hoffnung Raum, daß es gelingen werde, die notwendige
Mehrbelaſtung, ſoweit dies übrigens tunlich ſei, zu
be=
ſchränken, ſodaß unſere Steuerbelaſtung auch nach ihrer
Erhöhung noch nicht ſo hoch ſein werde wie die in unſeren
heſſiſchen Nachbarſtädten. Zum Schluß ſeiner intereſſanten
Ausführungen ſtellte das Stadtoberhaupt noch feſt, daß
die allgemeinen wirtſchaftlichen Verhältniſſe eine
weſent=
liche Beſſerung erfahren haben, und dieſe Beſſerung werde
auch unſerem ſtädtiſchen Gemeinweſen in ſeiner
Finanz=
wirtſchaft zugute kommen.
B. Bingen, 26. Jan. Die im hieſigen Arreſthaus
untergebrachte Pfarrhausſchwindlerin Binneſeld
aus Wiesbaden verſuchte heute ſich mit einem Handtuch
zu erhängen. Das Handtuch riß aber ab und die
Frau wurde ſpäter in beſinnungsloſem Zuſtande, auf
dem Boden liegend, angetroffen.
Gießen, 26. Jan. Der Händler Ziegler hatte ſich
am 23. dieſes Monats als Dame verkleidet auf
den Koloſſeums=Maskenball begeben. Er machte ſich an
einen Herrn heran, der ihn für eine Frau hielt und
ſtahl ihm das Geld aus der Taſche. 60 bis 70 Mark
hatte Ziegler dabei eingeheimſt; Ziegler wurde jetzt
verhaftet.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Aenderung in der Bahn des neuen
Kometen. Sir Robert Ball und der Stab der
Aſtro=
nomen des Obſervatoriums von Cambridge haben eine
plötzliche Aenderung des Kurſes des Kometen von
Johannesburg feſtgeſtellt und verfolgen dieſe mit
gro=
ßem Intereſſe. Der Schweif des Kometen wird auf
eine Länge von 9000000 Meilen geſchätzt. Direktor
Archenhold in Berlin teilt mit, daß eine
Kursänder=
ung des Kometen, der ſeit einigen Tagen am
ſüdweſt=
lichen Himmel erſcheint, möglich und wahrſcheinlich iſt,
denn auf jede Veränderung des elektriſchen Zuſtandes
der Sonne reagiert die Kometenmaterie. Die
ange=
gebene Länge des Schweifes von neun Millionen
Mei=
len dürfte etwas niedrig geſchätzt ſein. Sie wird
un=
gefähr 18 Millionen engliſche Meilen betragen.
* Internationaler Kinderaustauſch.
In der Vereinigung der „Alliance francaise” in Berlin
ſprachen die Vertreter der Internationalen
Kindertauſch=Geſellſchaft aus Paris,
Ge=
neralſekretär Mr. Jeannot und Direktor Toni=Mathien.
Sie ſind gekommen, in Berlin ein Komitee zu
begrün=
den, das mit dem Pariſer Hand in Hand arbeiltt, das
Auskünfte vermittelt und die ausgetauſchten Kinder
überwacht. Zuerſt nahm Mr. Jeannot das Wort und
gab ein überſichtliches Bild der Arbeit, die in
auf=
opferndſter Weiſe von Mr. Toni=Mathieu und deſſen
Gattin getan wird und die die erfreulichſten Ergebniſſe
gehabt hat, denn die Zahl der „Getauſchten” iſt ſeit
1903, dem Begründungsjahre, um das Fünffache
geſtie=
gen. Man ſei in Frankreich ſpäter als anderwärts zu
der Erkenntnis der Bedeutung des Studiums von
Fremdſprachen gekommen und glaube im Kindertauſch
ein Mittel gefunden zu haben, dieſe ſo wichtige
Kennt=
nis breiteſten Schichten ohne große Koſten in
gründ=
licher Weiſe zu vermitteln und gleichzeitig zwiſchen
Nachbaxvölkern auf der Baſis des Sichkennens ein Sich=
verſtehen anzubahnen. Die vom franzöſiſchen Staat
unterſtützte Zentralſtelle in Paris vermittelt den
Aus=
tauſch von Kindern und jungen Leuten zwiſchen
Frank=
reich, England und Deutſchland. Sie zieht ſorgfältigſte
Erkundigungen über die Familien ein, welche die
Kin=
der aufsehmen, ſucht eine den verſchiedenen Ständen
entſprechend paſſende Umgebung und überwacht die
Kinder. Dieſe große, verantwortungsreiche Arbeit
wird in der Hauptſache von Frau Direktor Toni=
Ma=
thieu geleiſtet. Das Beſtreben wird jetzt noch dahin
gehen, bei den Bahnen Ermäßigungen für die
getauſch=
jen Kinder zu erwirken. Nach den Ausführungen des
Redners ſprach Direktor Toni=Mathien über die
Er=
fahrungen mit den Getauſchten.
* Verbrechen und Pſychiatrie. Zu der
Meldung über die Wiedervermählung der Frau von
Schönebeck, bei der nicht das geringſte perſönliche,
wohl aber ein hervorragend allgemeines Intereſſe in
Frage kommt, ſchreiben die „Leipziger Neueſten
Nach=
richten”. . . . „Es iſt unſagbar frech, unſagbar
wider=
lich. Aber die Richter haben nur getan, was die
Para=
graphen erlauben. Sie ſind den Pſychiatern gefolgt und
Frau von Schönebeck ſchmückt den Brautſchleier mit
Orangeblüten juſt, da zwei Jahre ſeit dem Tode ihrer
beiden Opfer vergangen ſind. . . . Der Laie aber glaubt
nicht an eine geiſtige Geſtörtheit, die den Willen
aus=
ſchließt; er glaubt den Pſychiatern nicht, die vor der
Frau aus Allenſtein Blumen zum Hochzeitsgemach
treuen. Und er iſt vor allem erſtaunt, daß dann, wenn
wirklich die Seele umnachtet war, wenn ſie, krankhaft
zerrüttet, den Antrieb zu dem ungeheuerlichen
Verbre=
chen gab, jetzt jede Feſſel abgeſtreift und jede Freiheit
geſtattet wird. Die Begriffe von Schuld und
Sühne werden verwirrt, und wenn auch die
Paragraphen ſtimmen, ſo hat man doch das üble
Ge=
fühl, daß hier dem Recht eine wächſerne Naſe gedrehi
worden iſt. Und dieſes fatale Gefühl wird verſtärkt
auf der einen Seite durch das völlige Fehlen jedes mil=
dernden Umſtandes, durch das Grauen einer Tat, die
nicht in heißer Leidenſchaſt, nicht in unwiderſtehlichem
Drange der Not, nicht in der Verteidigung eines
inne=
ren Rechts, ſondern nur in Lüſternheit und wilder Gier
vollbracht wurde, und auf der anderen Seite durch die
herausfordernde Frivolität des jetzigen Handelns. Das
Verfahren ſchwebt noch, das erfahren wir zum Troſt;
es iſt alſo möglich, daß der Richter über das Gutachten
der Pſychiater hinweg zu hartem Urteil kommt. Aber
inzwiſchen darf die Schuldige ſich der vollen Freiheit
erfreuen. Das iſt ſonſt nicht üblich. Und es hat ſchon
mancher durch Monate und Jahre hinter vergitterten
Fenſtern zitternd ſeines Schickſals geharrt, auf deſſen
Seele keine ſo ſchwere Blutſchuld laſtete. Der „Zuſtand
erheblichſter Bewußtſeinstrübung unter Ausſchluß der
normalen Willensfreiheit”, der den Pſychiatern ſo gern
als Werkzeug zur Befreiung von Schuld und Strafe
dient, hat auch für Frau von Schönebeck den Weg zu
einem neuen, fröhlichen Leben eröffnet, das ſelbſt von
den Qualen der Gewiſſensangſt befreit iſt. Denn die
Verantwortung iſt ja milde von ihr genommen. Der
neue Entwurf zum Strafgeſetz gibt den
Rich=
tern das Recht, die Verwahrung von Geiſteskranken in
einer öffentlichen Heil= oder Pflegeanſtalt
auszuſpre=
chen. Dieſe Beſtimmung wird hoffentlich zum Geſetz.
Wenn ſie aber beraten wird, dann mag man das
grauen=
volle Drama von Allenſtein getroſt als Schulfall
zitie=
ren, dann mag man auch an die grimmige Verhöhnung
erinnern, die das Rechtsgefühl erleidet, wenn die
Schuldige, geſchützt durch Paragraphen und Pſychiater,
die ihr den Blutfleck von der Hand gewaſchen haben,
fröhlich die Hochzeitsreiſe antreten darf.”
Mit der Frau ſelbſt haben wir es, wie geſagt, nicht
zu tun — die Nemeſis wird ſie, wie andere Frauen
ihrer Art, ſchon ereilen — aber das allgemeine
Rechts=
gefühl wird durch ſolche Vorgänge ſchwer verletzt, und
das darf nicht ſein. Die hier angeregte Frage iſt
nach=
gerade brennend geworden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 26. Jan. Die Berliner
große Oper iſt jetzt völlig geſichert; geſtern hat ſich
das Gründungsſyndikat konſtituiert. — In
Geſchäfts=
kreiſen, namentlich der Lebensmittelbranche, erregt die
Verhaftung einer zehnköpfigen
Schwindler=
bande großes Aufſehen, die ſeit zehn Jahren
Ge=
chäftsleute in raffinierter Weiſe ſchädigte. Es hat ſich
herausgeſtellt, daß die Führer der Bande ihre Agenten
in Geſchäften aller Art, namentlich in Warenhäuſern,
in Stellung zu bringen wußten, wo ſie ihnen beim
Jarenerſchwindeln helfen konnten. — Aus dem
Eiſenbahnzug fiel die 10 Jahre alte Tochter
Wanda des Plättereibeſitzers Rathke aus der
Berg=
ſtraße. Die Kleine hatte mit ihrer Mutter und einer
Tante ihre Großmutter in Weſenberg an der Stettiner
Bahn beſucht. Von dort fuhr man abends in einem
Wagen vierter Klaſſe zurück. Kurz vor dem Bahnhof
Granſee öffnete die Kleine aus Verſehen eine
Wagen=
tür, fiel hinaus und blieb mit Verletzungen am
Hinter=
kopf und an beiden Beinen liegen. Mitreiſende zogen
ſofort die Notleine, und der Zug kam bald zum Stehen.
Auf einer Tragbahre wurde das Kind dann im
Pack=
wagen mitgenommen, auf Bahnhof Granſee von einem
Arzt verbunden und vom Stettiner Bahnhof aus mit
einem Koppſchen Wagen nach der Charité gebracht.
Frankfurt, 27. Jan. Vor der hieſigen Zivilkammer
des Landgerichts ſchwebt ein Prozeß der
Marine=
ſchauſpiele gegen die „Ila‟. Das Landgericht
erließ vor einigen Monaten eine einſtweilige
Ver=
fügung, wonach die Marineſchauſpiele das Ahfeuern
von Kanonenſchlägen, Raketen und anderem
Feuer=
werk einzuſchränken hatten. Auf dem Grundſtück, auf
dem die Marineſchauſpiele etabliert waren, beruht eine
Servitut, wonach hier nur Villen oder villenähnliche
Gebände errichtet werden dürfen. Die Anwohner der
Umgegend beſchwerten ſich über das von dem
Feuer=
werk verurſachte Getöſe, und als auch Klagen bei der
Direktion ſeitens der Beſucher des „Ila‟=Theaters
über das Geräuſch einliefen, mußte eine Beſchränkung
eintreten. Die Marineſchauſpielleitung behauptet, daß
ſie hierdurch ihres Hauptreklamemittels beraubt
wor=
den ſei und der Beſuch ſo nachgelaſſen habe, daß ein
Schaden von 70000 Mark entſtanden wäre. Die „Ila
wurde auf Zahlung von einſtweilen 20000
Mark verklagt. Je nach dem Ausgang der Klage
werden die Marineſchauſpiele auch noch den Reſt ihres
vermeintlichen Anſpruches geltend machen.
Eſſen, 27. Jan. Auf dem Bahnhofe zu
Blanken=
ſtein erfolgte eine Exploſion, weil beim Abladen
von Benzinfäſſern ein ruſſiſcher Arbeiter im Uebermut
die brennende Zigarre in das Spundloch eines leeren
Faſſes hielt. Drei Arbeiter verbrannten
hoffnungs=
los, aber auch der Urheber erlitt ſchwere
Brandwun=
den; er iſt flüchtig.
Wattenſcheid, 27. Jan. Bei der Bewirtung der
Geretteten auf der Zeche „Holland” als Gäſte
des Kaiſers wies Graf Reimann auf die aufopfernde
Tätigkeit der Rettungsmannſchaften hin und hob
her=
vor, daß gleich am Tage nach der Rettung das Schächtchen
vollſtändig zuſammengedrückt worden ſei. Die Urſache
des Schachteinbruches bildete die ſchiefrige Beſchaffenheit
des Gebirges. Dieſes beſtand an der Bruchſtelle aus
tonſchiefrigem und ſteilliegendem Geſtein.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Nummer 23.
Czernowitz, 24. Jan. Der hieſige
ſozialwiſſenſchaft=
liche Verein hatte für geſtern den Vortrag eines
angeblichen Südafrikaforſchers namens Dr. Max
Neu=
meyer angekündigt. Es hatten ſich zahlreiche Zuhörer
eingefunden, die aber gleich bei den erſten Sätzen des
Redners erkannten, daß man es nicht mit einem
For=
ſcher, ſondern mit einem Schwindler zu tun habe.
Es kam infolgedeſſen zu einem großen Skandal:
der Tumult wuchs, je weiter Neumeyer ſprach, und
ſchließlich mußte der Obmann des Vereins den
Vor=
trag abbrechen. Es wurden Rufe laut: „Fort mit dem
Schwindler!” Schließlich mußte die Polizei einſchreiten
und den Saal räumen. Die herrſchende Verwirrung
benützte der Vortragende, um zu verſchwinden und zu
flüchten. Die Erhebungen ergaben, daß der angebliche
Dr. Neumeyer ein einfacher Handelsmann iſt, der vor
einigen Jahren aus einem galiziſchen Städtchen nach
Braſilien ausgewandert iſt. Wie er zu ſeinem
Doktor=
diplom und den Dokumenten gekommen iſt, die vom
öſterreichiſch=ungariſchen Konſulate in Buenos=Aires
beglaubigt waren, iſt noch unaufgeklärt.
Paris, 26. Jan. Als eine profeſſionelle
Leiden=
ſchafts=Dramatikerin iſt die Madame Dallemagne
den Gerichten bereits längſt bekannt, die ſich
neuer=
dings vor den Pariſer Geſchworenen wegen eines
Re=
volver=Attentats zu verantworten hatte. Die Dame
hatte längere Zeit mit dem kürzlich verſtorbenen Ex=
Miniſter und ſpäteren franzöſiſchen Geſandten in Lima
Merlou ein Verhältnis gehabt, das dem Politiker ſehr
verargt wurde und ihn in ſeiner Laufbahn hemmte. Als
er es dann gelöſt hatte, ließ er ſich von einer anderen
Schauſpielerin, Madame Bergé — denn auch Madame
Dallemagne hatte der Bühne angehört
zarie
Bande ſchlagen. Und das erbitterte natürlich die
Ver=
laſſene, die ſich überdies von Herrn Merlou materiell
geſchädigt fühlte, im höchſten Grade. Sie verübte
mehrere Gewalttätigkeiten auf offener Straße gegen
ihn, um ſchließlich zum Revolver zu greifen, ohne
aller=
dings den Ex=Geliebten zu verletzen. Dann wandte
ſich die Rachſucht der Verſchmähten gegen ihre glückliche
Nachfolgerin und ſie heckte mit kalter Berechnung einen
Anſchlag aus, um dieſe zu züchtigen. Tagelang
über=
wachte ſie Gehen und Kommen der Nebenbuhlerin in
dem Villenorte Le Véeinet, und als ſie dann genau ihre
Ausgänge ausſpioniert hatte, ſtellte ſie ſich an einen
Punkt, den die Dame mit ihrer Geſellſchafterin täglich
paſſierte, hinter ein Gebüſch, um auf beide Frauen
kaltblütig den Revolver abzufeuern. Die
Geſellſchaf=
terin wurde ſehr bedenklich verletzt, die Nebenbuhlerin
nur leicht. Während der Zeit, da die ſomit des
Mord=
verſuches Angeklagte in Unterſuchungshaft ſaß, iſt Herr
Merlon geſtorben, und der ganze Konflikt zwiſchen den
beiden Frauen mithin gegenſtandslos geworden. Dieſer
Tod wurde von dem Staatsanwalt gegen die
Ange=
klagte als eine Folge ihrer rachſüchtigen Anſchläge ins
Feld geführt: die Geſchworenen zeigten ſich indeſſen
ziemlich milde, ſchieden jeden Vorbedacht aus, was nach
den Feſtſtellungen eigentlich mehr als eigenartig iſt,
wollten ſogar nur eine Verurteilung zu zwei Jahren
Gefängnis mit Zubilligung des Strafaufſchubs,
muß=
ten aber ſchließlich doch einen verurteilenden Spruch
fällen, der zu der Zuerkennung zu fünf Jahren
Zuchthaus durch den Gerichtshof führte. Die
Ge=
ſchworenen reichten indeſſen ſofort ein Gnadengeſuch
ein, um die Strafe auf zwei Jahre Gefängnis
herab=
geſetzt zu ſehen. Bei der Verhandlung hatte der
Staats=
anwalt Fabre de Parrel der Preſſe ſcharfe
Vorhaltun=
gen über die Aufbauſchungen von banalen
Leidenſchaftsdramen gemacht; nur durch die
großen Veröffentlichungsmittel, die lärmende Reklame
würden ſolche Damen wie Frau Dallemagne in ihren
Abſichten beſtärkt, da ſie ſich als Märtyrerinnen
und Heroinen vorkommen.
Paris, 27. Jan.
Die Schankwirte von Lille
und anderen Städten des Norddepartements beſchloſſen,
ſich dem Alkoholſtreik von Roubaix und Tourocing
anzuſchließen.
Paris, 27. Jan. Die ſtreikenden Gerber in
Graulhet bei Albi begingen geſtern abend ernſte
Aus=
ſchreitungen. Sie zertrümmerten die Fenſterſcheiben
meh=
rerer Fabriken und zerſchnitten die Telephonlinien. Fünf
Streikende wurden verhaftet
Biſerta, 27. Jan. Alle Verſuche, den Panzerkreuzer
„Erneſt Renan” wieder flott zu bringen, ſind bisher
vergeblich geblieben.
Madrid, 26. Jan. Aus Valladolid richten zahlreiche
Arbeiterinnen Zuſchriften an die hieſigen
Blätter, worin in bitterſter Weiſe über den nahezu
vernichtenden Wettbewerb der Nonnenklöſten
Klage geführt wird, der ſie in ihren
Daſeinsbedingun=
gen aufs ſchwerſte ſchädige. Da die Nonnen meiſt auf
Koſten anderer Leute lebten, keine Miete zu zahlen
hätten, keine Steuern entrichteten und nichts für Löhne
auszugeben brauchten, da ſie die Arbeiten von ihrer
Obhut anvertrauten Mädchen ausführen ließen, ſo ſei
es unmöglich, mit ihnen in Wettbewerb zu treten. Viele
Wäſcherinnen, Plätterinnen, Stickerinnen, Näherinnen,
Strumpfwirkerinnen und andere Gewerbe ſeien dadurch
brotlos geworden
Chriſtiania, 26. Jan.
Die zur Verfolgung der
Spur des ſächſiſchen Ballons „Luna” nach dem
Graafjeld=Gebiet entſandten Skiläufer kehrten geſtern
abend ohne Reſultat zurück, meldeten aber, daß in
jenem Gebirgsteil ſo immenſe Maſſen Neuſchnee
liegen, daß eine vollſtändige Verſchüttung des Ballons
möglich wäre. Ob eine neue Truppe ausgeſandt wird.
iſt unter dieſen Umſtänden noch unſicher.
Petersburg, 26. Jan. Der Verleger Herzik
wurde wegen Herausgabe von Tolſtois Werk „Kirche
und Staat” zu 1½ Jahren Feſtung verurteilt.
Der Staatsanwalt bezeichnete dieſes Werk als
Gottes=
läſterung.
Kleines Feuilleton.
C.K. Vom Modefrühling. Aus Paris wird
geſchrieben: Und dräut der Winter noch ſo ſehr, in der
Mode wird es doch Frühling! Während die Pariſerin,
ſobald ſie ihr Heim verläßt, ſich mit einer Laſt
koſt=
barer Pelze umhüllt, als bräche ſie zum Nordpol auf,
liebt ſie es, in der Treibhauswärme ihrer Gemächer
die leichteſten und zarteſten Gewebe zu tragen, die in
ihrer durchſichtigen Schönheit bereits ein Ahnen des
Frühlings mit ſich führen. Ueberall in den großen
Ateliers der Modekünſtler werden ſchon jetzt die
wei=
chen, dünnen Stoffe verarbeitet, die den Glanz der
kommenden Frühlingsſaiſon bilden ſollen. Liebte man
ſchon im vorigen Sommer die ätheriſchen,
ſpinnweb=
feinen Gewebe, die durchſcheinenden, ſchillernden, in
einer unbeſtimmten Beleuchtung zitternden
Farben=
töne, die loſen, faltenreich drapierten Linien, ſo ſollen
im nächſten wunderſchönen Monat Mai die linden Lüfte
durch noch mehr entmaterialiſierte Stoffe wehen,
kolo=
riſtiſch noch feiner abgetönte Farbennüancen umſpielen
Mit dem Glanztaft verſchmelzen die duftigen Töne des
leichten Muſſelins das changierende Flimmern des
Seidenvoiles von Marquiſette, Mignonette, Surah
Foulard und all den unzähligen Stoffkombinationen,
aus denen die verwirrende Mannigfaltigkeit der neuen
Modelle entſteht. Auch in der Farbenauffaſſung neigt
die Mode koloriſtiſchen Akzenten zu, die die Farben der
vorigen Frühjahrsſaiſon in lebhafteren, reicheren
Tönen wiedererwecken. Die Nüancen des Kahki, des
Ecru, des Goldkäferfarbigen ſind wieder en vogue;
daneben bewahrt das Nattier=Blau und das blaſſere
Paſtell=Blau die alte Anziehungskraft. Aber als neue
Lieblingsfarben treten hinzu hellere Töne in Rot, in
Alt=Roſa, Miſchungen von Bläulich=Grün und Roſa=
Mauve. Ganz unbeſtimmte dämmrige Farbenſkalen,
die bald auf einen dunkleren, bald auf einen helleren
Grundton geſtimmt ſind, entziehen ſich der genaueren
Analyſe, wenn man ſie nicht nach ihren Namen mit
dem Mondſchein oder der Dämmerung vergleichen will
— Die Bücher der Königin Viktoria
unter dem Hammex. Aus London wird berichtet:
Bei Hodgſon findet jetzt eine intereſſante Verſteigerung
ſtatt: ein großer Teil der Bibliothek von Osborne,
welche die verſtorbene Königin Viktoria eifrig zu
be=
nutzen pflegte, wird meiſtbietend verkauft. Viele der
Bücher tragen auf dem Einband das königliche Wappen,
die Titelſeite zeigt den behördlichen Stempel „Amtlich
verkauft” Alle Werke waren perſönliches Eigentum
der britiſchen Herrſcherin; nachdem Osborne=Houſe von
König Eduard zu einem Sanatorium umgewandelt und
der Nation geſchenkt worden iſt, wurde die Auflöſung
der Bibliothek notwendig. Unter anderem kommen
Bücher zur Verſteigerung, die zeigen, wie eifrig die
Königin Viktoria ſich mit hindoſtaniſchen Studien
be=
ſchäftigte. Die Sammlung umfaßt auch ein „
Jähr=
liches Regiſter” von 143 Bänden, das von 1758 bis zum
Tode der Königin lückenlos vorliegt. Auch eine große
Weltgeſchichte wird ausgeboten, mehrere Bücher, die
ſich mit geiſtlichen Dingen beſchäftigen. Eine
Samm=
lung deutſcher Bücher und die Ausgabe von Zibbers
dramatiſchen Werken von 1754 legen Zeugnis ab von
der Vielſeitigkeit der Intereſſen der verſtorbenen
Kö=
nigin.
* Ein Rekord=Honorar von 700000
Mark hat, wie aus New=York berichtet wird, der
be=
kannte amerikaniſche Rechtsanwalt Samuel Untermeyer
in dieſen Tagen in ſein Einnahmebuch eintragen
kön=
nen. Die hübſche Summe bedeutet das verabredete
Honorar für die Bemühungen, die der amerikaniſche
Advokat für die Verſchmelzung der Boſton
Conſolida=
ted= und der Utah=Kupfergeſellſchaften aufgewandt hat.
eine Gebühren wurden ihm zum Teil in bar, zum
Teil in der Form von 3250 Aktien der Utah=Geſellſchaft
ausbezahlt, deren Marktwert pro Stück 212 Mark
be=
trägt.
** Die Suffragette als Soldat. Auf,
welche Gedanken man nicht in England hier und da
verfällt, um die Wehrkraft des Landes zu erhöhen!
Forderte da in der „Pall Mall Gazette” einer der
an=
geſeheneren Zeitungen Londons, die im allgemeiner
ein wirklich intelligentes Leſerpublikum hat, vor
eini=
gen. Tagen ein Herr C.W. Ratcliſſe
die
maliges konſervatives Parlamentsmitglied,
Suffragettes auf, ein Regiment junger Frauen
aufzu=
ſtellen, ſie zu drillen, zu trainieren . . . . und jede
Lach=
luſt würde gar bald durch ein Gefühl der Achtung und
der Nacheiferung erſetzt werden. Auf dieſen Vorſchlag
erwidert nunmehr Fräulein Annie Cecilia
Oldmea=
dow, daß ſie dieſen Gedanken bereits ſeit Monaten
ſchon unter dem Titel „Die Frauen=Territorials”
ver=
fechte. Die Frauen mit dem kriegeriſchen Lagerleben
und der gehörigen Disziplin vertraut zu machen,
würde mehr bewirken, um ihren geiſtigen Horizont
zu erweitern und patriotiſche Gefühle in ihnen zu
er=
regen, als alle die Stimmen, die je von den
kriegeri=
ſchen Suffragetten gefordert worden ſind. Mit
beſon=
derer Schärfe wendet die moderne Amazone ſich
da=
gegen, die Frauen nur auf den Samariterdienſt im
Kriege zu beſchränken. Das ſei der Tod der Frauen
bewegung, deren Hauptanziehungskraft gerade das
ge=
ſunde Leben in freier Luft und die kräftige körperliche
Bewegung ſei.
* Durch das „Zeugnis” eines Affen
wurde in Devalls Landing, Louiſiana, ein Ehepaan
namens Starr für ſchuldig befunden und zu
lebens=
länglichem Zuchthaus verurteilt. Chriſtopher und
Mamie Starr waren im vorigen Jahre Mitglieder
der James Ackermannſchen Zirkustruppe. Eines
Ta=
ges wurde der verſtümmelte Leichnam Ackermanns
vor dem Käfig ſeines Lieblingsaffen aufgefunden, und
es gelang eine Zeitlang nicht, den Mördern auf die
Spur zu kommen. Da fiel es den anderen
Mitglie=
dern der Truppe auf, daß der Affe jedesmal, wenn
Starr in Sicht kam, in die äußerſte Wut geriet und
ſich nicht eher beruhigte, als bis Starr das Affenhaus
verlaſſen hatte. Ebenſo betrug ſich das ſonſt zahme
Tier, wenn Frau Starr in ſeine Nähe kam.
Schlüſ=
ſige Beweiſe für die Schuld der Starrs waren nicht
aufzufinden, aber als der Affe in den Gerichtsſaal
gebracht wurde, zeigte er die höchſte Wut gegen die
bei=
den Angeklagten, und es heißt, daß dieſer Umſtand
die Geſchworenen zur Fällung des Wahrſpruchs
„Schuldig” mit veranlaßt hat.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
In dem am Sonntag, 30. Januar, abends 8 Uhr,
im Saale der Paulusgemeinde zum Beſten der
weiteren Ausſchmückung der Pauluskirche ſtattfindenden
Rezitationsabend des Herrn Fredy Wiener
wird dieſer Dichtungen von Schiller, Geibel,
Wilden=
bruch, Ernſt v. Wolzogen, Karl Schäfer u. a. zum
Vor=
trag bringen. Von beſonderem Intereſſe dürften zwei
neuere Gedichte der noch lebenden Dichterin Alberta
von Puttkamer ſein und zwar die Dichtung: „Horror
vacui” und die Ballade: „Graf Hugo von Egisheim”.
Den Schluß des Abends bildet die Schillerſche Dichtung:
„Das Eleuſiſche Feſt‟
mit der melodramatiſchen
Be=
gleitung von Schillings. Herr Reallehrer Keil, Organiſt
der Pauluskirche, hat dieſelbe freundlichſt übernommen.
Sport.
-tf. Fußball. Man ſchreibt uns: Zehn Jahre
ſind am heutigen Tage verfloſſen ſeit der Einberufung
des erſten allgemeinen Deutſchen Fußballtages, der
am 28. Januar 1900 in Leipzig ſtattfand; es war dies
die Geburtsſtunde des jetzigen großen Deutſchen
Fußballbundes. Zur Zeit der Gründung
gehör=
ten dem Deutſchen Fußballbunde 60 Vereine an, am
1. April 1904 waren es 194 Vereine mit 9316
Mitglie=
dern, und am 1. Januar 1909 umfaßte der Deutſche
Fußballbund 881 Vereine mit 58770 Mitgliedern; eine
überaſchende Vergrößerung, beſonders in den letzten
5 Jahren, wie wohl bei keiner anderen ſportlichen
Or=
ganiſation, und ein Beweis dafür, daß die innere
Ent=
wickelung der Vereine ſich auf erfreulichem Wege
be=
findet. Mit Freuden darf das in den erſten 10
Jah=
ren Errungene betrachtet werden.
sr. Die Pariſer Weltmeiſterſchafts=
Ringkämpfe zeitigten am 29. Abend einen
inter=
eſſanten Kampf zwiſchen dem deutſchen
Meiſterſchafts=
ringer Pohl (Abs II) und dem Franzoſen Vervet
der nach einer Geſamtzeit von 1:21 von dem Deutſchen
geworfen wurde. Ferner ſiegte der Däne Peterſen über
Maſſetti=Italien in 10:50 und Charles d’Anvers=
Bel=
gien über den Deutſchen Schackmann in 11.00.
Ro=
manoff und Aimable de la Calmette rangen
unent=
ſchieden.
Kaiſers Geburtstag.
In Darmſtadt.
Zur Feier des Geburtstages Sr. Maf. des Kaiſers
trugen geſtern viele private und ſämtliche öffentliche
Gebäude Flaggenſchmuck. Die Kaſernen und ſonſtigen
militäriſchen Gebäude der Garniſon waren außerdem
mit Girlanden und Emblemen geſchmückt. Die Schulen
und die öffentlichen Bureaus waren geſchloſſen. Ir
den Schulen fanden vormittags die üblichen
patrioti=
ſchen Feiern ſtatt.
Die militäriſche Feier hatte inſofern eine
Einſchränkung erfahren, als dienſtlicher Gründe
wegen die Parade ausfallen mußte. Dafür fand
nur Paroleausgabe ſtatt. Am Vorabend,
Mitt=
woch, fand nach Einbruch der Dunkelheit
Zapfen=
ſtreich ſtatt, an dem ſich ſämtliche Muſikkapellen der
Garniſon beteiligten. Der von einer großen
Menſchen=
menge begleitete Zug bewegte ſich durch die
Haupt=
ſtraßen der Stadt nach der Roſenhöhe, zur Wohnung
des preußiſchen Geſandten Frhrn. v. Jeniſch. Dort
wurden mehrere Stücke geſpielt, der Zapfenſtreich und
das Gebet geſchlagen, ein Choral geblaſen und dann
mit Spiel bis auf den Paradeplatz marſchiert, wo der
Zug ſich auflöſte. Geſtern früh ging von der Kaſerne
in der Alexanderſtraße das „Wecken” aus. Der Zug
ging über den Marktplatz, Kirch=, Pädagog=, Soder=,
Stifts= und Erbacher Straße nach der Roſenhöhe,
ſpielte vor der Wohnung des preußiſchen Geſandten
wiederum zwei Stücke und zog dann mit Spiel nach der
Kaſerne zurück. Auch diesmal hatte das militäriſche
Schauſpiel viele Zuſchauer angelockt.
Um ½8 Uhr
morgens blies eine Trompeterabteilung des 25. Art.=
Regts, auf der Stadtkirche einen Choral. Der
mili=
täriſche Feſtgottesdienſt fand in der üblichen
Weiſe ſtatt, um 9½ Uhr für die katholiſchen
Mann=
ſchaften in der St. Ludwigskirche, für die evangeliſchen
um 10 Uhr in der Stadtkirche. Nach der
Paroleaus=
gabe um 12 Uhr feuerte eine auf dem kleinen
Exerzier=
platz aufgeſtellte kombinierte Batterie des Feldart.=
Regiments Nr. 25 einen Ehrenſalut von 101 Schüſſen ab.
Die Offiziere veranſtalteten Feſteſſen in den Kaſinos.
Abends fanden in verſchiedenen Lokalen
Mannſchafts=
feiern ſtatt.
Von Perſonalveränderungen in der
Garniſon Darmſtadt ſind folgende bekannt
ge=
worden: Hauptmann v. Stockhauſen, Leibgarde=
Regiment Nr. 115, wurde zum Adjutanten der 7.
Di=
viſion ernannt. — Hauptmann Schwerdt, bisher im
oſtaſiatiſchen Detachement, als Kompagniechef in das
Leibgarde=Regiment Nr. 115 verſetzt. Oberleutnant
Frhr. v. Beuſt zum Hauptmann befördert und in das
Grenadier=Regiment Nr. 109 (Karlsruhe) verſetzt. Die
Fähnriche von der Wenſe, Scanzoni=von
Lich=
tenfels, Leibgarde=Regt. Nr. 115, und v. Neufvigle,
Gardedragoner=Regt. Nr. 23, zu Leutnants befördert.
Leutnant der Reſ. v. Grunelius zu den aktiven
Offizieren des Leibdragoner=Regiments Nr. 24
über=
getreten. Leutnant v. Böttcher, Leibdragoner=Regt.
Nr. 24, erhielt den Kaiſerpreis des 18. Armeekorps.
Bei dem preußiſchen Geſandten und Freifrau
von Jeniſch fand Mittwoch abend zur Vorfeier des
Geburtstages Seiner Majeſtät des Kaiſers und Königs
eine größere Feſttafel ſtatt. Der Einladung waren
gefolgt: Staatsminiſter Ewald, Finanzminiſter Gnauth,
der ruſſiſche Miniſterreſtdent Baron von Knorring, die
Generalität, die Herren des Hofſtaates, der
Oberbürger=
meiſter, höhere Beamte u. a.
Nachmittags 2 Uhr vereinigten ſich, wie alljährlich,
Beamten und Bürger der Stadt zu einem Feſteſſen
im feſtlich geſchmückten großen Saale des ſtädtiſchen
Saal=
baus. Die Beteiligung war diesmal weniger zahlreich,
als ſonſt. Den Trinkſpruch auf S. Maj. den Kaiſer brachte
Herr Staatsminiſter Ewald aus, der etwa folgendes
ſagte: „Die überwältigende Mehrheit unſeres Volkes
hält feſt und treu zur Monarchie in der Ueberzeugung, daß
in den Händen der Fürſten das Wohl des Volkes am
beſten geborgen iſt, da ſie unabhängig und unbeeinflußt
von den Parteirichtungen das Szepter führen. Tief im
Gemüte des deutſchen Volkes wurzelt des monarchiſche
Gefühl, die Anhänglichkeit an ihre Fürſten war ſchon ein
Grundzug der alten Deutſchen, wie uns Tacitus erzählt.
Auch für uns iſt der Kaiſer nicht lediglich ein
ge=
wiſſes dekoratives Element, wir erblicken in ihm
viel=
mehr den Repräſentanten des politiſch geeinten
Vater=
landes, den berufenen Vertreter deutſcher Art und
Sitte, der eingedenk des Wortes Friedrichs des
Großen, daß der König des Staates erſter Diener ſei,
als ein Vorbild unerſchütterlicher Pflichttreue
unauf=
hörlich an der Ausbildung und Sicherheit unſerer
Wehrkraft gearbeitet, den Frieden gewahrt und ſich der
Wohlfahrt, der Kultur und der Fürſorge für die
unbemit=
telten Klaſſen gewidmet hat. Es iſt ein geſchichtliches
Er=
eignis, daß nach der Annexion Bosniens und der
Herze=
gowina durch Oeſterreich die Bundestreue und die Armee
Deutſchlands genügt haben, der Welt den Frieden zu
er=
halten. Wir ſchließen uns heute in Dankbarkeit und
Ehr=
erbietung den Glückwünſchen an, die unſer in der
Reichs=
hauptſtadt weilender Großherzog dem Kaiſer darbringt.”—
Mit einem dreimaligen Hoch auf Seine Majeſtät den
Kai=
ſer ſchloß der Redner.
Herr Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing gedachte des
hohen Bundesgenoſſen des Kaiſers, unſeres erhabenen
Landesherrn, dem ſeine geſamte Perſönlichkeit und die
Art, wie er die Pflichten ſeines hohen Amtes auffaßt und
unermüdlich auf die Förderung des Landes bedacht iſt und
vorurteilslos und unbefangen jedem neuen Gedanken
ge=
genüberſteht, ſchon längſt die Herzen der treuen Söhne des
Landes gewonnen haben. Se. Königl. Hoheit der Groß
herzog bringt jeder ſelbſtändigen neuen ſchöpferiſchen
Tä=
tigkeit das wärmſte Intereſſe entgegen. Dieſer Grundzug
ſeiner Auffaſſung hat eine freie Stätte des Kunſtgewerbes
in Darmſtadt erſtehen laſſen und dazu beigetragen, der
Stadt eine Stellung als Kunſtſtadt zu ſichern, und der
Großherzog iſt in warmer Anteilnahme für die
Entwick=
lung unſerer Stadt beſtrebt, unſerer Stadt dieſe Stellung
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Seite 5.
zu erhalten und ihr in bedeutungsvollen Fragen
unter=
ſtützend zur Seite zu ſtehen. Treue und Liebe begleiten
den Großherzog, Treue und Liebe begleiten die Frau
Großherzogin und das herzerfreuende Bild eines innigen
Familienglückes im Großherzoglichen Hauſe. — Redner
ſchloß mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Königl. Hoheit
den Großherzog
Die Speiſen=Folge des Feſtmahles lautete:
Königin=Suppe — Zanderfilets gebacken, Sauce
toma=
tes, Kartoffelſalat — gedämpftes Ochſenrippenſtück auf
Kaiſerliche Art — friſche Helgoländer Hummer, Sauce
Mayonnaiſe — Steyriſche Kapaunen, Pariſer
Kopf=
ſalat, Kompott — Hohenzollerneis — Käſeſtangen,
Deſſert — Kaffee.
Die Tafelmuſik wurde von der Kapelle des
Garde=Dragoner=Regiments Nr. 23 unter Leitung des
Herrn Muſikmeiſters Mittelſtädt ausgeführt.
Im Hoftheater fand abends
Feſtvorſtel=
lung bei feſtlich erleuchtetem Hauſe ſtatt. Als
Ein=
leitung wurde Webers Jubelouvertüre geſpielt, deren
Schluß das Publikum ſtehend anhörte. Zur
Aufführ=
ung gelangte Wildenbruchs letztes Werk „Der dentſche
König”.
In Berlin.
* Berlin, 27. Jan. Zur Feier des
Geburts=
tages des Kaiſers trägt die Stadt reichen
Flaggen=
ſchmuck. Eingeleitet wurde die Feier auch in dieſem Jahre
durch ein großes Wecken. Der Kaiſer nahm zuerſt die
Glückwünſche der kaiſerlichen Familie entgegen und
empfing dann die Gratulationen der Damen und Herren
des engeren Hofes, des Hauptquartiers, ſowie der ſtändig
hier anweſenden Prinzen und Prinzeſſinnen des
könig=
lichen Hauſes, ſowie der allerhöchſten Gäſte. Am 8¾ Uhr
empfing der Kaiſer den Reichskanzler, Dr. von
Bethmann Hollweg, dem der Kaiſer den Schwarzen
Adlerorden verlieh. An ſeinem Geburtstage hat der Kaiſer
auch der Retter und der Verſchütteten der Zeche „
Hol=
land” gedacht. Heute werden in Wattenſcheid den bei
dem Rettungswerk Beteiligten vier Rettungsmedaillen am
Bande, ein Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens und vier
Allgemeine Ehrenzeichen überreicht werden.
Sodann begab ſich der Hof in die Schloßkapelle,
wo die Botſchafter und die übrigen Miſſionschefs, die
Bundesratsmitglieder, die Generalität, die
Admirali=
tät, die Miniſter, die Parlamentspräſidien uſw. ſich
eingefunden hatten. Hierbei führte der Kaiſer die
Großherzogin von Baden, der König von Sachſen die
Kaiſerin, der König von Württemberg die
Kron=
prinzeſſin und der Kronprinz die Großherzogin
von Heſſen. Der Kaiſer trug die Uniform des 1.
Garde=Regiments, die Kaiſerin eine fliederfarbene
Robe. Oberhofprediger Dryander hielt die Predigt.
Außer dem Schwarzen Adlerorden an den Reichskanzler
verlieh der Kaiſer noch viele Auszeichnungen.
An den Gottesdienſt ſchloß ſich die
Gratulations=
cvur im Weißen Saale, wobei der Kaiſer dem
Reichs=
kanzler und den Präſidien der Parlamente die Hand
reichte. Nach der Cour nahm der Kaiſer die
Glück=
wünſche des Staatsminiſteriums entgegen und begab
ſich ſodann mit feinen Söhnen zu Fuß nach dem
Zeug=
haus hinüber, wo ihn die Offiziere der Garniſon zur
Paroleausgabe und zu militäriſchen Meldungen
er=
warteten. Hier beſichtigte der Kaiſer auch die im
Licht=
hofe aufgeſtellten Modelle der Lenkballons und
Flug=
maſchinen. — Von hohen Auszeichnungen in der
Ge=
neralität werden genannt: Die Verleihung des
Schwar=
zen Adlerordens an den General von Deines, des
Groß=Komturkreuzes des Hausordens von Hohenzollern
an den Generaloberſten von Pleſſen und des
Großkreuzes des Roten Adlerordens an die
kommandie=
renden Generale von Löwenfeld und von
Mackenſen. Der Chef des Zivilkabinetts von
Valentini erhielt den Roten Adlerorden zweiter
Klaſſe mit Stern und Eichenlaub. — Nach der
Rück=
kehr ins Schloß fand Frühſtückstafel mit den Kindern
und Geſchwiſtern des Kaiſers ſtatt, während die
fürſt=
lichen Gäſte mit den Kronvrinzlichen Herrſchaften
ſpeiſten. — Um 6¼ Uhr abends findet Familientafel
für alle Fürſtlichkeiten im Ritterſaale ſtatt.
* Berlin, 27. Jan. Das „Militärwochenblatt”
meldet: Dem Generalleutnant z. D. Trotha, zuletzt
Kommandeur der Schutztruppe in Südweſtafrika, wurde
der Charakter als General der Infanterie verliehen;
Freiherr von und zu Egloffſtein, Kommandant der
20. Diviſion, wurde zum Gouverneur von Straßburg,
v. Gündell, Oberquartiermeiſter, zum Kommandeur
der 20. Diviſion ernannt. Zu Generalleutnants
wur=
den befördert: Matthias, Chef der Landesaufnahme,
v. Kroſigk, Kommandeur der 4. Garde=Infanterie=
Brigade, unter Ernennung zum Kommandeur der
28.
Diviſion, Oldenburg, Kommandeur der
71. Infanterie=Brigade, von Boehm,
Kom=
mandant von Berlin, Waldhauſen, Train=
Inſpekteur, v. Wegerer, Kommandeur der 30.
Infanterie=Brigade, unter Ernennung zum
Kom=
mandeur der 3. Diviſion. Dem Generalmajor Herzog
Ernſt Günther zu Schleswig=Holſtein wurde der
Cha=
rakter als Generalleutnant verliehen; Oberſt Freiherr
v. Freitag=Loringhoven, Kommandeur des
Infanterie=Regiments Nr. 12, wurde mit der
Wahr=
nehmung der Geſchäfte eines Oberquartiermeiſters
be=
auftragt; Fürſt zur Lippe wurde zum Chef des dritten
Bataillons des Infanterie=Regiments Nr. 55 ernannt
und Prinz Eitel Friedrich von Preußen wurde
zum Major befördert. Hauptmann Franke iſt aus
der Schutztruppe in Südweſtafrika ausgeſchieden und
unter Beförderung zum überzähligen Major beim
Stabe des zweiten Garde=Regiments zu Fuß angeſtellt
worden. Dominik, Hauptmann der Schutztruppe in
Kamerun, wurde der Charakter als Major verliehen.
* Berlin, 27. Jan. Durch Allerhöchſte Kabinetts=
Ordre wurden befördert: zum Admiral der
bis=
herige Vizeadmiral v. Holtzendorff unter
Er=
nennung zum Chef der Hochſeeflotte, zu Vizeadmiralen
die Kontreadmirale Paſchen, Direktor des Allgemeinen
Marinedepartements des Reichsmarineamts,
Roll=
mann, Direktor des Konſtruktionsdepartements des
Reichsmarineamts, v. Ingenohl, bisheriger
Admi=
ral à la suite des Kaiſers unter Ernennung zum Chef
des Kreuzergeſchwaders, zu Kontreadmiralen die
Kapi=
täne Reinhard Koch unter Ernennung zum zweiten
Admiral der Aufklärungsſchiffe, Spaeter, Direktor
der Marineakademie, Graf v. Spee, Chef des Stabes
des Kommandos der Marineſtation der Nordſee, und
Scheer, Chef des Stabes der Hochſeeflotte. Erhalten
haben den Charakter als Vizeadmiral Kontreadmiral
zur Dispoſition Gülich, zuletzt Kommandank in
Wil=
helmshaven, als Kontreadmiral Kapitän zur
Dispo=
ſition v. Grumme, zuletzt dienſttuender Flügeladjutant
des Kaiſers. Verliehen wurde der Stern zum Roten
Adlerorden zweiter Klaſſe mit Eichenlaub und der
Königlichen Krone dem Vizeadmiral v. Uſedom,
Ober=
werftdirektor in Kiel.
* München, 27. Jan. Heute, an Kaiſers
Ge=
burtstag, tragen alle öffentlichen Gebäude und viele
Privathäuſer Flaggenſchmuck. Bei dem Feſtmahle der
Of=
fiziere des Beurlaubtenſtandes, das geſtern wie, alljährlich
ſtattfand, gedachte Prinz Ludwig in herzlichen Worten der
letzten Kaiſermanöver und des kaiſerlichen Beſuches in
München zur Eröffnung der Schack=Galerie. Der
preu=
ßiſche Geſandte v. Schlozer gab geſtern abend eine
Feſt=
tafel, zu der u. a. die Miniſter und Geſandten der
deut=
ſchen Bundesſtaaten geladen waren. Miniſterpräſident
Freiherr v. Podewils brachte den Trinkſpruch auf den
Kai=
ſer aus. Der Prinzregent iſt aus Berchtesgaden hierher
zurückgekehrt; er gibt heute abend in der Reſidenz eine
größere Feſttafel. Heute abend findet im Alten
Rathaus=
ſaale ein Feſtmahl der Münchener Bürgerſchaft ſtatt.
* Wien, 26. Jan. Anläßlich des morgigen
Ge=
burtstages des deutſchen Kaiſers fand heute
im Hotel Metropole ein Feſtmahl der deutſchen
Kolonie ſtatt. Der deutſche Botſchafter von
Tſchirſchky brachte den erſten Toaſt aus, in
wel=
chem er es als Pflicht der Dankbarkeit bezeichnete,
zu=
nächſt des Kaiſers Franz Joſef zu gedenken. Sodann
gedachte der Botſchafter der ernſten Ereigniſſe des
ver=
gangenen Jahres und hob hervor, daß es dank der
Friedensliebe des Kaiſers Franz Joſef und des treuen
Zuſammenwirkens der beiden verbündeten Herrſcher
im Verein mit dem Dritten im Bunde gelang, die
drohenden Wolken zu zerſtreuen. So hat der Dreibund
ſeine Aufgabe, der Hort des europäiſchen Friedens zu
ſein, erfüllt. Der Botſchafter gedachte dann des 80.
Ge=
burtstages des Kaiſers Franz Joſef, den dieſer in
die=
ſem Jahre feiern wird, und ſchloß mit dem Wunſche,
daß Kaiſer Franz Joſef noch viele Jahre zum Wohle
ſeines Volkes regieren möge. Hierauf brachte das
Vor=
ſtandsmitglied der deutſchen Offiziers=Vereinigung,
Direktor Reutti, den Toaſt auf Kaiſer Wilhelm aus
und betonte die Notwendigkeit des Zuſammenhaltens
der Deutſchen im Auslande. Der Redner hob hierauf
die Handlungen des deutſchen Kaiſers hervor, die alle
von glühender Vaterlandsliebe diktiert ſeien. Er
ge=
dachte ſeines Wirkens als Mehrer der deutſchen Flotte,
bezeichnete Kaiſer Wilhelm als echten Fürſten der
Neu=
zeit und ſchloß mit der Verſicherung, dem Kaiſer und
dem Vaterlande immer treu zu bleiben und mit einem
dreimaligen Hurra auf den deutſchen Kaiſer.
Wien, 27. Jan. Anläßlich des Geburtstages
des deutſcheen Kaiſers gab der Botſchafter von
Tſchirſchky ein Frühſtück, an dem das Perſonal der
Botſchaft, die Mitglieder der deutſchen Kolonie, die
reichs=
deutſchen Vereine, die Vertreter der Bundesſtaaten, die
Konſulatsherren uſw. teilnahmen. Der Botſchafter brachte
einen Trinkſpruch auf Kaiſer Wilhelm aus, der von den
Feſtteilnehmern begeiſtert aufgenommen wurde.
* Peſt, 26. Jan. Die hier lebenden Reich=
sdeutt=
ſchen veranſtalteten heute zur Vorfeier des
Ge=
burtstages des deutſchen Kaiſers ein
Feſt=
mahl. Der Generalkonſul Graf, v. Brockdorff=Rantzau
erinnerte in einem mit Begeiſterung aufgenommenen
Trinkſpruch daran, daß der Reichskanzler v. Bethmann
Hollweg in ſeiner erſten Rede vor dem Reichstag
er=
klärte, das Bündnis zwiſchen der habsburgiſchen
Monarchie und dem Deutſchen Reich ſei ſo feſt
gegrün=
det, daß es keiner Worte darüber bedürfe.
* Peſt, 27. Jan. Zur Feier von Kaiſers
Ge=
burtstag gab heute der deutſche Generalkonſul Graf
v. Brockdorff=Rantzau den Mitgliedern der
deut=
ſchen Kolonie in den Räumen des Deutſchen Klubs ein
Feſteſſen. In ſeinem Trinkſpruch ſagte der Generalkonſul,
das ſchönſte Geſchenk, das die deutſche Kolonie dem Kaiſer
darbringen könne, beſtehe darin, daß ſie in ernſter,
gemein=
ſamer Arbeit dem deutſchen Namen, den zu tragen ſie ſtolz
ſei, im Auslande Ehre mache.
* Rom, 27. Jan. Geſtern abend fand im Hotel
Quirinal eine vom Deutſchen Künſtlerverein veranſtaltete
Kaiſer=Geburtstagsfeier ſtatt. Unter den
An=
weſenden befanden ſich Fürſt v. Bülow, Botſchafter v.
Ja=
gow, der Geſandte Freiherr v. Mühlberg, Freiherr von
der Tann=Rathſamhauſen, Freiherr Ritter v. Grünſtein.
Heute vormittag fand in der Kapelle der Botſchaft
Feſt=
gottesdienſt ſtatt. Beim Geſandten Freiherrn v.
Mühl=
berg findet heute mittag eine Feſttafel ſtatt und auf der
deutſchen Botſchaft heute abend großer Empfang der
deutſchen Kolonie.
* Rom, 27. Jan. Der Miniſter des Aeußern
Guic=
ciardini begab ſich nach der deutſchen Botſchaft, um
im Namen des Königs und der italieniſchen Regierung
die herzlichſten Glückwünſche anläßlich des Geburts=,
tages des deutſchen Kaiſers auszuſprechen.
* Rom, 27. Jan. Anläßlich des Geburtstages
des deutſchen Kaiſers wurde in der Kirche Santa
Maria dellkanima ein feierliches Tedeum geſungen, dem
der preußiſche Geſandte beim päpſtlichen Stuhl, der
Kar=
dinal Ferrata und hervorragende Perſönlichkeiten der
deutſchen Kolonie beiwohnten.
* Paris, 27. Jan. Der anläßlich des heutigen
Ge=
burtstages des deutſchen Kaiſers auf der
deutſchen Botſchaft geſtern veranſtaltete Empfang, zu dem
viele hervorragende Landsleute aus dem Reich, unter
ihnen der ehemalige Botſchafter Frhr. v. Stumm, Oberſt
v. Falkenhayn und Profeſſor Dr. Pannwitz, ſowie die
Mitglieder der deutſchen Kolonie trotz der durch die
Ueber=
ſchwemmungen vielfach verurſachten Verkehrsſtörungen
überaus zahlreich erſchienen waren, nahm einen ſehr
ſchö=
nen Verlauf. Am Schluſſe des Feſtabends, bei dem die
Sängerin Legeff, die Violinvirtuoſin Creſſi und er deutſche
Quartettverein die Gäſte durch künſtleriſch vollendete
Dar=
bietungen erfreuten, brachte der deutſche Botſchafter, Fürſt
von Radolin, in längerer Rede einen begeiſtert
aufgenom=
menen Trinkſpruch auf den deutſchen Kaiſer aus, wobei
er Veranlaſſung nahm, in herzlichen Worten dem
Mit=
gefühl für das durch die Hochwaſſerkataſtrophe ſo ſchwer
heimgeſuchte Frankreich Ausdruck zu verleihen.
* Paris, 27. Jan. Heute morgen fand in der
deutſch=evangeliſchen Kirche in der Rue blanche anläßlich
des Geburtstages des deutſchen Kaiſers ein
Feſtgot=
tesdienſt ſtatt, dem das Fürſtenpaar Radolin mit allen
Damen und Herren der Botſchaft, der bayeriſche
Geſchäfts=
träger und eine zahlreiche Gemeinde beiwohnten.
* Belgrad, 27. Jan. Anläßlich des
Geburts=
tages des deutſchen Kaiſers ſprachen der
Gene=
raladjutant Oberſt Juriſchitſch namens des Königs und
Miniſterpräſident Paſchitſch namens der Regierung dem
deutſchen Geſandten v. Reichenau ihre wärmſten
Glück=
wünſche aus.
* Kopenhagen, 26. Jan. Der Verein
deut=
cher Reichsangehöriger in Kopenhagen
feierte heute abend den Geburtstag Kaiſer
Wil=
helms durch ein Feſteſſen; der Vorſitzende des
Ver=
eins, Eiſenhut, toaſtete auf den König von Dänemark.
Der deutſche Geſandte, Graf Henckel v. Donnersmarck,
brachte den Toaſt auf Kaiſer Wilhelm aus, den er als
Friedensfürſten feierte. Der deutſche Pfarrer Lampe
toaſtete auf das deutſche Vaterland. Den Schluß
bil=
dete ein Ball, der die Teilnehmer bis in die
Morgen=
ſtunden vereinigte.
Petersburg, 27. Jan. Anlahlich des
Ge=
burtstagsfeſtes des deutſchen Kaiſers
fand in der lutheriſchen Petrikirche ein Feſtgottesdienſt
ſtatt. Anweſend waren der deutſche Botſchafter und
ſeine Gemahlin, ferner die Herren der Botſchaft, die
Botſchafter von Oeſterreich=Ungarn und Italien, der
Miniſter des Aeußern Iswolski, die in Petersburg
weilenden Offiziere der Regimenter, deren Chef der
deutſche Kaiſer iſt, ſowie zahlreiche Vertreter der
deut=
ſchen Kolonie.
Unwetter.
* Berlin, 27. Jan. Während hier ruhiger und
kal=
ter Froſt eingetreten iſt, laufen aus einzelnen Gegenden
Deutſchlands Sturmnachrichten ein. In Eſſen
brach geſtern abend ein furchtbarer Sturm los, der von
heftigem Schneegeſtöber begleitet war. Die
Straßenbah=
nen ſtellten den Betrieb ein. In der Eifel trat ſtarker
Schneefall ein. Hunderte von Arbeitern ſind damit
be=
ſchäftigt, die Bahnſtrecken frei zu legen. Der Schnee liegt
mehrfach drei Meter hoch. In Norddeutſchland
kam es zu vielen Unglücksfällen, in der Nordſee zu
zahl=
reichen Schiffskataſtrophen. Im Haag wütete geſtern ein
Blizzard, der im ganzen Lande große Störungen
verur=
ſachte. In Nord=England herrſchte geſtern ſtarker
Schneeſturm. In London wies das Thermometer zehn
Grad Kälte auf. In Italien wütet bereits ſeit einigen
Tagen ein furchtbares Unwetter. Aus Venedig wurde.
geſtern die falſche Nachricht an Beamte im Vatikan
gege=
ben, die Stadt ſei von einem Seebeben halb zerſtört
wor=
den.
* Hamburg, 25. Jan. Der geſtrige
Schnee=
ſturm hat Folgen gehabt, wie ſie im Verkehrsleben
Hamburgs ſeit vielen Jahren nicht erlebt worden
ſind. An ſich hätte wahrſcheinlich die niedergegangene=
Schneemenge zu ſo erheblichen Verkehrsüörungen nicht
ge=
führt, wenn nicht der Sturm die Maſſen ſtellenweiſe zu
unüberwindlichen Hinderniſſen zuſammengetragen hätte.
Fuhrwerke und Straßenbahnen kamen nur im
Kriech=
tempo vom Fleck oder blieben auch ſtundenlang ganz
ſtecken. Auf beſonders ſtark verwehten Strecken kam es
vor, daß Straßenbahnwagen, die ſonſt etwa 30 Minuten
zur Durchfahrung ihres Weges brauchen, den Endpunkt
erſt in zwei Stunden zu erreichen vermochten. Alle
Droſchken waren im Handumdrehen vergriffen. Auch die
Züge, beſonders die Vorortzüge und die Güterzüge, hatten
und haben ſelbſt heute noch Verſpätungen, die nach
Stun=
den rechneten. Ein Zug der Kaltenkirchener Kleinbahn,
der morgens halb neun in Altona eintreffen ſollte, um
die Altonaer und Hamburger mit Milch zu verſorgen, kam
erſt nach ſieben Stunden an, da er ſo lange im Schnee
ſtecken geblieben war und erſt hatte ausgegraben werden
müſſen. Die Hamburger Straßenreinigung war durch
den unerwarteten Schneefall vollſtändig überrumpelt
wor=
den. Die Schneepflüge, von denen wir überhaupt nur
50 Stück beſitzen, befanden ſich ſeit den Frühlingslüften
der letztvergangenen Wochen bereits im tiefſten
Sommer=
ſchlaf. Man behalf ſich alſo zunächſt mit den
Kehrmaſchi=
nen, die aber ſo gut wie nichts gegen Frau Holle
auszu=
richten vermochten. Auch als endlich die Pflüge
ſpät=
nachmittags „klargemacht” waren und in Tätigkeit traten,
konnten ſie höchſtens in einigen Hauptſtraßen wenige
„Fahrrinnen” im weithin glänzenden Schneemeer ſchaffen.
rſt als gegen 5000 Mann, wovon etwa vier Fünftel
Hals=
über Kopf unter den Arbeitsloſen oder unzureichend
Be=
ſchäftigten angeworben waren, mit Schaufeln und Karren
dem dichten weißen Pelz zuleibe rückten, zeigte ſich nach
und nach etwas Luft. Noch heute abend türmten ſich auf
den Straßenſeiten die Schneeberge auf. Alle Augenblicke
ſieht man eine Lawine von den Dächern niederſauſen. Aus
der Elbniederung kommen ganz märchenhafte Poſten von
gänzlich verſchneiten Dörfern, denen alle
Ver=
bindungen abgeſchnitten ſind, und von ſteckengebliebenen
Fahrzeugen, die nicht mehr vor= und rückwärts konnten.
Bei dem heftigen Schneeſturm kam auch der geſamte
Schiffsverkehr in der Elbmündung ins Stocken.
Madrid, 27. Jan. In Coruna ging bei hefs.
tigem Sturm ein Fiſcherboot unter; elf Inſaſſen
ertran=
ken. In San Sebaſtian iſt das Waſſer geſtiegen und in
eine Anzahl Häuſer eingedrungen.
Madrid, 27. Jan. Aus verſchiedenen Gegenden
Spaniens werden ſtarke Schneefälle und
Hagel=
ſchläge gemeldet. In einzelnen Teilen der Provinz
Sara=
goſſa liegt der Schnee einen Meter hoch.
Die Ueberſchwemmung in Frankreich.
* Paris, 26. Jan. Der Gemeinderat
zeich=
nete für die von der
Ueberſchwemmungskata=
ſtropye Betroffenen 150000 Franks, die
Handelskam=
mer 50000 Franks, die Gemeinde Enghien=les Bains
10000 Franks, der Dichter Edmond Roſtand 7000 Frks.
und mehrere Kreditinſtitute Beträge von 10000 bis
25000 Franks. Die geſamte, von der Pariſer Preſſe
eröffnete Subſkription erreichte den Betrag von 720000
Franks.
* Paris, 26. Jan. Nach einer kalten Nacht
be=
gann es heute früh um halb 7 Uhr zu ſchneien;
vor=
mittags fiel der Schnee in dichten Flocken, blieb aber
nicht lange liegen. Das Waſſer ſteigt immer
noch und richtet, beſonders im 12. und 13.
Arrondiſſe=
ment, ſowie auf der Place Maubert, am Pont. Neuf,
auf der Place de la Concorde und in Paſſy großen
Schaden an. Der Invalidenhof iſt überſchwemmt,
ebenſo die Strecke der Untergrundbahn unter der Place
de la Concorde. Nach einer Mitteilung der Orleans=
Eiſenbahn=Geſellſchaft iſt der Betrieb infolge des
Hoch=
waſſers vollſtändig eingeſtellt.
* Paris, 26. Jan. Die Seine ſteigt immer
noch; die Kanäle treten im vierten Arrondiſſement
über. Ein Teil des Miniſteriums des Auswärtigen
iſt geräumt; insbeſondere gefährdet iſt das
Javelver=
tel. Der Kriegsminiſter teilte Paris in fünf Bezirke
ein, deren jeder unter den Befehl eines Majors der
Landwehr geſtellt wird, die mit der Anordnung der
Hilfeleiſtung beauftragt ſind. 120 Seeleute und
74 Boote ſind aus den Häfen eingetroffen und nach
Alford beordert worden, wo nunmehr jede Gefahr für
das Leben von Menſchen beſeitigt iſt.
Die telegraphiſchen Verbindungen im
ſtädtiſchen und auswärtigen Verkehr ſind ziemlich gut
geſichert. 4177 Telephon=Abonnenten ſind vom
telepho=
niſchen Verkehr abgeſchnitten. Man erwartet für
mor=
gen ein weiteres Steigen des Waſſers um=
80 Zentimeter. Für die in Mauerwerk aufgeführten
Brücken hegt man keine Befürchtung, nur die in
Eiſen aufgeführten können durch die Anhäufung
trei=
bender Holztrümmer Schaden erleiden. Vorausſichtlich
wird der Verkehr auf denſelben unterſagt. Auch in
der Nähe der Bahnhöfe St. Lazare und Rue de Rome
iſt der Verkehr eingeſtellt. Das „Journal Offieiell”
iſt vormittags nicht erſchienen; es wird abends in
ab=
geändertem Format erſcheinen. Nach Meldungen aus
der Provinz ſteigt auch die Marne noch immer;
die Doubs und die Saone ſcheinen jedoch zu fallen.
Seite 6.
Dariſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910
Nummer 23.
Mehrere Tauſende, die von dem Unglück betroffen wurs
den, kommen mit ihrer Habe nach Paris.
Das anläßlich des Geburtstages des deutſchen
Kai=
ſers für morgen angeſagte Feſteſſen der deutſchen
Kölonie, das auch diesmal im Hotel „Kontinental”
ſtatt=
finden ſollte, mußte abgeſagt werden, da die
Küchen=
räume und die elektriſchen Beleuchtungsanlagen des
Hotels vollſtändig überſchwemmt ſind. In den
Kellern des Botſchafterpalaſtes ſteigt das Waſſer ſtetig,
trotzdem Tag und Nacht mehrere Pumpen tätig ſind.
Bisher iſt es jedoch wenigſtens gelungen, die in den
Kellerräumen befindlichen Heizanlagen vor
Ueberflut=
ung zu ſchützen. Ein Flügel des Miniſteriums des
Aeußern mußte heute mittag geräumt werden, da die
Mauern desſelben infolge des Hochwaſſers bedenkliche
Riſſe aufweiſen. Auch in den von der Seine
entfern=
teren Straßen machen ſich die Wirkungen des
Hoch=
waſſers mehr und mehr geltend. In der von dem
Zoulevard nach der Place de la Concorde führenden
Rue de Royal wurde der Wagenverkehr eingeſtellt, da
in den dort im Bau begriffenen Tunnel der
Unter=
grundbahn Waſſer eingedrungen und ein Sammelkanal
geborſten iſt, wodurch Senkungen hervorgerufen
wur=
den. Am Quai de Loupre ſind gerade gegenüber dem
Loupre=Muſeum Senkungen eingetreten, ſo daß dieſe
Gegend von dem Verkehr abgeſperrt werden mußte.
* Paris, 27. Jan. Das Hochwaſſer iſt nachts
noch geſtiegen. Geſtern abend wurde in Paris ein
wei=
teres Steigen der Seine um weitere 60 Zentimeter
feſt=
geſtellt; am oberen Laufe wurde um dieſelbe Zeit
eine Steigung um weitere 74 Zentimeter gemeſſen.
Es wird angenommen, daß die Seine im Laufe des
heutigen Tages auf neun Meter und zehn Zentimeter
ſteigt. Miniſterpräſident Briand ſtellte den
Betroffe=
nen die Gebäude zur Verfügung, die ehemals den
Kon=
gregationen gehörten; nötigenfalls wird die Regierung
auch die Kaſernen und Lyceen für die Opfer der
Ueber=
ſchwemmung bereit halten., Den Deputierten des
Seine=Departements erklärte Miniſterpräſident Briand,
die Lage ſei auch weiterhin als ſehr ernſt aufzufaſſen
Alle kommandierenden Generale in den von der
Ueber=
ſchwemmung nicht betroffenen Gegenden wurden von
dem Miniſterpräſidenten angewieſen, im Bedarfsfalle
Hilfstruppen zu entſenden. — Das Waſſer drang in
die Druckerei des Rathauſes ein. Man befürchtet, daß
das Waſſer auch in die Keller eindringen und die
Heiz=
ungs= und Beleuchtungsanlagen betriebsunfähig machen
wird. Die Gewölbe der Untergrundbahn zeigen
ſchwere Beſchädigungen. Im Kai des Louvres ſind
Ar=
beiter damit beſchäftigt, die dort errichtete Schutzwehr
zu erhöhen. Das Waſſer drang in die Unterkellerungen
des Muſeums ein. Es macht ſich bereits Mangel an
Lebensmitteln fühlbar. Eine Anzahl von Bäckern
ver=
langt ſehr hohe Brotpreiſe.
* Paris, 27. Jan. Fürſt Radolin mußte heute
mit ſeiner Familie in das Haus eines Herrn
der Botſchaft überſiedeln, da der weitere
Aufent=
halt im Botſchaftspalaſt infolge der Ueberſchwemmung
unmöglich geworden iſt. Die Heizungsanlagen und die
Küchenräume ſind daſelbſt vollſtändig überflutet. Das
Waſſer drang auch in das Erdgeſchoß des Hauſes ein;
dasſelbe wurde vollſtändig überflutet. Das
Botſchafts=
gebäude, deſſen Hof von der Straßenſeite aus
über=
ſchwemmt wurde, iſt nunmehr nur noch von der
Gartenſeite aus zugänglich.
* Paris, 27. Jan. Wegen desaugenblicklichen
Hochwaſſers wurde die Premiere von Roſtands
Chantecler auf den 1. Februar verſchoben. Auf
den Straßen ſchreitet das Waſſer immer mehr in der
Richtung auf den Straßendamm vorwärts. Der Kai
d’Auſterlitz, hat ſich unter dem Druck des Waſſers
ge=
hoben; im Innern des Lyoner Bahnhoſes dagegen
haben ſich die Bahnſteige geſenkt. Der Bahnhof von
Jory und die dort lagernden Waren ſind vollkommen
überſchwemmt. Um 8 Uhr vormittags drangen die
Fluten in die Straßen der Gemeinde Clichy.
* Paris, 27. Jan. Angeſichts der durch das
Hochwaſſer im Geſchäftsleben hervorgerufenen
Störungen wird die Regierung auf Erſuchen des
Prä=
ſidenten der Pariſer Handelskammer bei dem Senat
die raſcheſte Erledigung des Geſetzentwurfes über den
Aufſchub der Fälligkeiten beantragen. — Die um 1 Uhr
nachts vom Oberlaufe der Seine und ihrer Nebenflüſſe
eingetroffenen Nachrichten laſſen erhoffen, daß die
Ueberſchwemmung in Paris bereits den höchſten Stand
erreicht hat und nunmehr ein Fallen des Waſſers zu
erwarten iſt. — Auf dem Boulevard Berey erfolgte
heute nacht eine Senkung des Gewölbes der
Unter=
grundbahn, und große Waſſermaſſen drangen dort ein.
Da für die benachbarten Häuſer Einſturzgefahr beſteht,
wurden die Mieter aufgefordert, ihre Wohnungen zu
räumen.
Paris, 27. Jan. Aus der Provinz laufen
fort=
während neue Hochwaſſernachrichten ein.
Neu=
illy und Paiſance (Departement Seine et Oiſe) ſtehen
halb unter Waſſer. Die ganze Ebene bei Ronen iſt ein
einziger See. Die Gers, im Departement Auch, ſchwillt
auch beunruhigend an. Die Dörfer im Departement
des Hautes Pyrenées ſind überſchwemmt. Die Zuflüſſe
des Lac de Bourget beginnen zu ſinken, doch liegen im
Gebirge noch beträchtliche Schneemaſſen. In Tours
hat ein Wirbelſturm ſchweren Schaden angerichtet. Um
Mitternacht traf die Nachricht ein, daß die Marne
merk=
lich ſinkt. Auch aus Chatean Thierry und Troyes
lau=
ten die Nachrichten günſtiger. — In Melnn wurde eine
5000 Kubikmeter Holz enthaltende Brücke von den
Flu=
ten weggeriſſen.
* Paris, 27. Jan. Heute vormittag gegen 9 Uhr
iſt das Gewölbe der Orleansbahn
einge=
ſtürzt. In der Rue de Lille ſenkte ſich das
unter=
wühlte Pflaſter teilweiſe. In der deutſchen Botſchaft
ſteigt das Waſſer noch. Die Untergrundbahn erhält
den Betrieb aufrecht auf den Linien 2 und 3, vom
Place de la Nation bis zur Rue Dauphiné und von der
Avenue de Villiers bis zur Avenne Gambetta.
Die engliſchen Wahlen.
* London, 26. Jan. Nach den bis 3 Uhr
nach=
mittags bekannt gewordenen Wahlergebniſſen
ſind gewählt: 255 Unioniſten, 230 Liberale, 38 Vertreter
der Arbeiterpartei und 72 Nationaliſten. Der Gewinn
der Unioniſten beträgt hiernach 117; in den anderen
Zahlen hat ſich nichts geändert.
* London, 27. Jan. Bis zwei Uhr nachts waren
255 Unioniſten, 233 Liberale, 38 Mitglieder der
Arbei=
terpartei und 72 Nationaliſten gewählt; die Unioniſten
gewannen 117, die Liberalen 17 und die Arbeiterpartei
einen Sitz.
* London, 27. Jan. Bis gegen 2 Uhr
nachmit=
tags waren folgende Wahlergebniſſe bekannt:
257 Unioniſten, 246 Liberale, 40 Mitglieder der
Ar=
beiterpartei, 72 Nationaliſten. Die Unioniſten
ge=
wannen 119 Sitze; die Gewinne der übrigen Parteien
ſind unverändert.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Braunſchweig, 27. Jan. Geſtern abend kurz vor
7 Uhr begannen hier aus Anlaß der
Landtags=
eröffnung unter Teilnahme von mehreren tauſend
Perſonen die Wahlrechtsdemonſtrationen
der Sozialdemokraten. Da an einer Stelle
mehrere Schüffe abgegeben wurden, ging die Polizei
mit blanker Waffe vor; hierbei wurden etwa fünfzehn
Perſonen verletzt, wovon zwei wegen ſchwerer
Kopf=
wunden ins Krankenhaus gebracht werden mußten.
In der Nähe des Hoftheaters wurde ein
Oberwacht=
meiſter vom Publikum zu Boden geworfen und durch
Fußtritte ſchwer verletzt. Gegen acht Uhr zerſtreute ſich
die Volksmenge.
* Braunſchweig, 27. Jan. Nach amtlichen
Darſtell=
ungen nahmen die geſtrigen
ſozialdemokrati=
chen Kundgebungen ſtellenweiſe einen ernſten
Charakter an. Da die Menge der mehrmaligen
Auf=
forderung der Polizeiorgane zum Auseinandergehen
bezw. Weitergehen zum Trotz immer provozierender
vorging, die Polizeimannſchaften mit Eisſtücken
be=
worfen wurden und da weiter aus der Menge ein
Schuß abgegeben wurde, mußte die Polizei mit der
blanken Waffe vorgehen, wobei mehrere Verletzungen,
darunter auch einige ſchwere, vorkamen. Ueber die
Zahl und Art der Verletzungen iſt ſonſt nichts bekannt,
da die Verletzten ſich in ihre Wohnung oder zu einem
Arzt begaben. Ein Mann, der einen zu Boden
ge=
ſtürzten Polizeibeamten am Boden feſthielt und zu
würgen verſuchte, erhielt einen ſchweren Säbelhieb
über den Kopf und erlitt vermutlich eine
Gehirner=
ſchütternng. Mehrere Verhaftungen, wurden
vorge=
nommen. Ein von der Menge beſonders heftig
attackier=
ter Polizeiwachtmeiſter wurde ebenfalls, wenn auch
nicht ſchwer, verletzt. Die Polizei war über die
beab=
ſichtigten Demonſtrationen unterrichtet und hatte ſo
rechtzeitig entſprechende Maßnahmen treffen können.
* Oldenburg, 27. Jan. Die Staatsregierung ſchloß
mit der Allgemeinen Elektrizitäts=
Ge=
ſellſchaft in Berlin einen Vertrag über die
Ver=
ſorgung des Herzogtums mit elektriſcher Energie ab.
Die Anlagekoſten belaufen ſich auf 10 Millionen Mark.
* Salchendorf (Siegerland), 27. Jan. Nach einer
Tanzfeſtlichkeit kam es zu einer großen Schlägeren,
an der ſich 40 Leute beteiligten. Mehrere Verſonen
wurden ſchwer verletzt. Ein 17jähriger Burſche blieb
als Leiche auf dem Platze.
* Poſen, 27. Jan. Als Mörder des Arbeiters
Guſtav Heim aus Anaſtazewo bei Tremeſſen wurden
drei 20jährige Burſchen ermittelt; dieſelben legten
be=
reits ein Geſtändnis ab.
* Neapel, 27. Jan. In verfloſſener Nacht ſoll im
Kanal zwiſchen Iſchia und Niſita ein großer
Dampfer untergegangen ſein. Näheres iſt
noch nicht bekannt.
* Belgrad, 27. Jan. Prinz Georg begab ſich
heute in ſeine neue Garniſon Gornji Milanovac.
Bei der Abreiſe am Bahnhof war eine Ehrenkompagnie
mit Muſik aufgeſtellt. Zur Verabſchiedung hatten ſich
die Spitzen der Militärbehörden eingefunden.
* Chriſtiania, 27. Jan. Im heutigen Staatsrat
über=
reichte der Miniſterpäſident das Demiſſionsgeſuch
des geſamten Kabinetts. Der König nahm die
Demiſſion an und erſuchte die Miniſter, bis auf weiteres
die Geſchäfte weiterzuführen. Nach Schluß des
Staats=
rates empfahl der Miniſterpräſident dem König auf deſſen
Anfrage, ſich an den Führer der Rechten, Bratlie, wegen
der Neubildung des Kabinetts zu wenden. Das
Demiſ=
ſionsgeſuch der Regierung wird mit dem Ausfall der
letz=
ten Storthingswahlen begründet.
* Konſtantinopel, 27. Jan. Der Bruder des
Juſtiz=
miniſters Nedſchmeddin fiel heute nacht einem
Mordanſchlag zum Opfer.: Das Attentat galt
jedenfalls dem Juſtizminiſter ſelbſt.
* Athen, 27. Jan. Um Mitternacht wurde der Preſſe
mitgeteilt, daß die Regierung, da zwei Sitzungen der
Deputiertenkammer wegen Beſchlußunfähigkeit
des Hauſes geſchloſſen werden mußten, die Abſicht habe,
ihre Entlaſſung zu nehmen.
* Sydney, 27. Jan. Wegen ihrer Tätigkeit beim
Ausſtand der Minenarbeiter gegen Ende des
vorigen Jahres ſind der Vorſitzende des
Bergarbeiter=
verbandes, Nordens, zu drei Jahren Zwangsarbeit und
einige Führer der Ausſtändigen zu acht Monaten
Ge=
fängnis, ſowie acht Bergleute zu zwei Wochen bis drei
Monaten Zwangsarbeit verurteilt worden.
Waſhington, 27. Jan. Es verlautet, daß die
Regie=
rung der Vereinigten Staaten das deutſche
Ein=
fuhrverbot gegen amerikaniſches
Schlacht=
rieh bei der Entſcheidung der Frage, ob Deutſchland der
Minimaltarif zu bewilligen ſei, außer Betracht laſſen
wird. Iſt die Meldung richtig, ſo wäre Deutſchland damit
eine Stellung geſichert, die von der 25prozentigen
Zoller=
höhung, die nach dem 31. März eintritt, ausgenommen iſt.
* Toronto, 27. Jan. Bei einem Kampfe zwiſchen
dem kanadiſchen Fiſchereiinſpektor in Ontario und
umerikaniſchen Fiſchräubern, der am oberen
Niagarafluſſe ſtattfand, wurde einer der Räuber
er=
ſchoſſen. Die übrigen entkamen mit dem Leichnam des
Erſchoſſenen und der Bente an das amerikaniſche Ufer.
Ein täglicher Begleiter.
Nicht nur bei Husten und Katarrh als Folge der
schlimmen Herbst- und Winterwitterung schätzen
Tausende in den berühmten Wybert-Tabletten ein
vorzügliches Linderungsmittel, das wie kein anderes
geeignet ist, als wahres Hausmittel zu dienen. Beinahe
noch grösser ist die Zahl derjenigen Personen, bei
welchen Wybert-Tabletten im täglichen Gebrauch
stehen als ausserordentlich angenehme Bonbon, das
bei anhaltendem Sprechen den Mund feucht erhält,
das beim Singen der Stimme Wohlklang und Kraft
verleiht, kurz das Unzähligen von Menschen zum
un-
entbehrlichen täglichen Begleiter und Beschützer
ge-
worden ist. Sie finden Wybert-Tabletten in Schachteln
à Mk. 1.— in allen Apotheken. Depots in
Darm-
stadt: In sämtlichen Apotheken; Germania-Drogerie,
Mühlstr. 78; Minerva-Drogerie, Ecke Karl- u. Hügelstr.;
Medizinal-Drogerie von Fr. Beckenhaub, Ecke Schul=
und Kirchstrasse, und Drogerie von C. Watzinger,
(9800
Wilhelminenstrasse 11.
ie Goldene Medaille als höchſte Auszeichnung
für ihre vorzügliche Deſſert=Liköre und
Spezia=
litäten, für Cognacs und alkoholfreien Manru erhielt
wieder die renommierte Likörfabrik B. Kasprowicz-
Gneſen auf der Ausſtellung für deutſche Kochkunſt
und verwandte Gewerbe zu Breslau unter dem
Pro=
tektorat Sr. Durchlaucht des Fürſten von Hatzfeldt
Herzog zu Trachenberg. Das Publikum war durch
die Vorzüglichkeit der weltberühmten Marken förmlich
(2328
begeiſtert.
Rhein-, Mosel-, Bordeaux-Weine
Vorzügliche Tischweine von 70 Pfg. per
Flasche an, bis zu den feinsten Gewächsen.
Südweine — Champagner.
Deutscher u. französischer Cognac.
in- und Ausländische Liqueure.
Kgl. u. Grossh.
CARL WiLL, Hoflieferant.
Ernst-Ludwigstrasse 7. (18760a
Für die vielen Beweiſe freundlicher
Teil=
nahme bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter
Frau
Wilhelmine Gombel
geb. Salzer
ſprechen wir unſeren herzlichſten Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 25. Januar 1910.
(2285
Bankſagun
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines innigſtgeliebten,
un=
vergeßlichen Gatten, unſeres treubeſorgten Vaters
Elen
Herrn Herrmann Fink
Schlosser
ſprechen wir hiermit Allen, beſonders Herrn
Pfarr=
aſſiſtent Flöel für ſeine troſtreiche Grabrede, den
Herren Chef und Buchhalter und ſeinen
Mit=
arbeitern, dem Freien Schützen=Verein
Lands=
krone, für die zahlreichen Blumenſpenden, und
Allen, die ihn zur letzten Ruhe geleiteten, unſeren
(B2361
herzlichſten Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Pauline Fink u. Kinder,
Katharine Fink.
Darmſtadt, 27. Januar 1910.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Schweſter
Karoline Bachmever
ſage im Auftrage der Hinterbliebenen herzlichen
(*2170
Dank.
Emil Bachmeyer,
Gasanſtalt=Direktor.
Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße 2).
Feier des Allerhöchſten Geburtstags Sr. Majeſtät des
Kaiſers Wilhelm II.
Freitag, den 28. Januar 1910.
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr — Min.
Samstag, den 29. Januar 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min. Predigk
9 Uhr 25 Min. Sabbatausgang 6 Uhr 05 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 29. Januar 1910.
Vorabend 4 Uhr 45 Min. Morgens 8 Uhr — Min.
Nachmittags 4 Uhr — Min. Sabbatausgang 6 Uhr
05 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 30. Januar,
an: Morgens 7 Uhr — Min. Nachmittags 5 Uhr — Min.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr: „Der Waffen
ſchmied‟
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Vortrag von Profeſſor Scharvogel um 8 Uhr im Saale
der Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4½—11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (die Jungfraubahn
und deren Hochgebirgsnatur).
Verſteigerungskalender.
Samstag, 29. Januar.
Hofreite=Verſteigerung des Karl und Ferd. Groll
(Hölgesſtraße 3) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Dünger=Verſteigerung um 10 Uhr in der Drag.=
Kaſerne (Regiment Nr. 24).
Schwellen=Verſteigerung um 9¼ Uhr im
Güter=
bahnhof Eberſtadt.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldacſel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: S. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Seite 7.
Zum ersten Male in Beufschland!
M. . . iem 6
(
G
Prinzessin Zera
vom Kaiserlichen Harem
des Sultans Abdul Hamid II., nebst
echten Haremsdamen 8X
(ehemalige Frauen des
entthronten Sultans Abdul Hamid)
4
Unter Leitung
des
9274)
Golohel victor verkrand B6V Kaiserl. Harem des Vildiz Kiosk, mit
langjähriger Zeremonienmeister im
2 Lundelen&
2 bei im ien eil Bl. . (ug. B Zmmschsf. Gaskaplgel. in Barmstadlt.. dar bis wet bi un hu ie (
Gesellschaft „Harmlose‟
am Samstag, den 29. Januar 1910, abends 8u Uhr
:: im „Kaisersaal‟ Grufenstrasse 18. 33
KAR TN zum ermässigten Preise von 50 Pfg.: Verkehrsbüro, Ernst-Ludwigsplatz;
Numrich’s Filiale, Alexanderstr.; L. Simon, Papierhandlung, Grafenstr. 15;
G. Wenz, Zigarrengeschäft, Elisabethenstr. 40. Abends an der Kasse 75 Pfg.
2353)
Nur 4 Tage! s
Beſonders ſehenswert ſei u. a.:
oaneiner-Kanstratghe
In Brage von Pathe freres.
on Danhyna
Del Näubzug.
(234
Ergreifendes Drama. In
Farben=
kinematographie von Pathé fröres.
1ahr
eſen 1a
Der erbarmungstose Ladharzt.
Humoriſtiſch. Jeder muß lachen!
usw.
usw.
usw.
Jeden Dienstag und Freitag
Programmwechſel.
ehe e erte
Masseuse empfiehlt ſich den
geehrten Damen
1237a)
Beckſtraße 73, part.
Spez.: Kopf= und Geſichts=Maſſage.
S8Ze
K2
äſche zum Glanzbügeln wird angen.
*2235fi) Liebfrauenſtraße 46, Stb. p.
Geselischaristeisen
II. Cl. ab Darmstadt
am 10. März n. Sizilien, Neapel, Rom
etc., Dauer 33 Tage, Preis 96) Mk.,
am 18. Apriln Ob.-Italien (Nizza, Florenz),
Dauer 24 Tage. Preis 550 Mk.;
am 28. Mai n. Poris, Dauer 10 Tage,
Preis 260 Mk.;
am 11. Juni n. Ob.-Engadin, Tirol,
Venedig. Triest, Gastein, Salzburg.
Dauer 23 Tage, Preis 640 Mk.:
am 1. Sept. n. Paris u. z.
Weltaus-
stellung i. Brüssel, Dauer 12 Tage,
Preis 335 Mk.;
am 9. Sept. n. Brüssel u. London,
Dauer 12 Tage, Preis 430 Mk.
(779a
Programm gratis. Z. w. a. Frl. Schuchard bei
Pfarrer Schuchard, Rheinheim i. Hessen.
ORPHEUN
HEUTE Freitag, 28. Jan.
MORGEN Samstag, 29.Jan.
Unwiderruflich
2 leizie Gasisplele 2
Llane
de
Etoile de Paris.
(2375
eie. Gnetenrlich. e. .
Zum größten
Masken-Zal
im Städt. Saalbau am Samstag,
5. Februar, sind Karten im
Vor-
verkauf zu haben:
Fremdenkarten à 5 Mk.
bei. D. Faix & Söhne, Ernst-
Ludwigspl. 1, Edgar Wetzstein
(Hof), Ecke Elisabethen- und
Grafenstr., O. Titze (Glock’s
Hutmagazin),
Elisabethen-
strasse 4, und im
Ver-
kehrsbureau.
Mitgliedskarten à 3 Mk.
nur bei Otto Titze.
Karten für Studierende
nur bei Hans Schramm,
Georgenstraße.
An der Abendkasse
jede Karte 6 Mk.
Der grosse Rat.
Gaſtwirtevereins Darmſtadt.
Alle diejenigen, welche an obige Kaſſe
noch Forderungen haben, werden erſucht,
dieſelben bis ſpäteſtens 3. Fehr. I. J.
bei dem Rechner
(2326
J. Trauimann, Bismarckſtraße 82,
einzureichen.
Dr. braſces
Gyerin= und Honig-Gelee.
Gegen Wundwerden der Nasenflügel
und Oberlippe bei Schnupfen.
Ueberall zu haben. (2366D
(2282
ann ensſiehſt ſchinſahen
Blinder Munn von körben und Stühlen.
Arbeit wird abgeholt. Poſtkarte genügt.
754a)
Gg. Treusch, Müllerſtr. 15.
Junges kinderlaſes Ehepaar
wünſcht Kind zu adoptieren gegen einmalige
Vergütung. Offerten unter 6 66 an die
1Expedition.
(2194
Eleg. Ball=od. Geſellſchaftstoilette
handgemalt, Empireform, für kleine ſchlanke
Figur, preiswert abzugeben. Adreſſe in
der Expedition.
(*2210
Reinraſſ. ſchwarzen Spitzriden
u. =Hündin, 10 Woch. alt, preisw. zu verk.
*2186fso) Hugenſchütz, Langegaſſe 51.
Großherzogliches Hoftheater.
Freitag, den 28. Januar 1910.
106. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement D 27.
Der Waffenſchmied.
Komiſche Oper in 3 Akten
von Albert Lortzing.
Muſikal. Leitung: Kapellmeiſter Kittel.
Szeniſche Leitung: Hr. Riechmann.
Perſonen:
Graf von Liebenau . . . Hr. Hönel
Adelhof, Ritter aus
Hr. Riechmann
Schwaben . .
Hans Stadinger,
Waffen=
ſchmied und Tierarzt. . Hr. Hoff
Marie, ſeine Tochter
Frl. Zeiller
Irmentraut, Mariens Er=
Fr. Rudolph
zieherin .
Brenner, Gaſtwirt u. Sta=
Hr. Schwarze
dingers Schwager .
Georg, Liebenaus Knappe Hr. de Leeuwe
Ein Waffenſchmiedsgeſelle Hr. Ungibauer
Handlung: Worms.
Zeit: Mitte des 16. Jahrhunderts.
Nach dem 1. und ? Akte findet je eine
längere Pauſe ſtatt.
Preiſe der Plätze:
(Kleine Preiſe)
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremdenloge 5 Mk.,
Balkonloge 4.50 Mk., 1. Rang 4 Mk., 2. Rang
(1. bis 6. Reihe) 2.— Mk., (7. und 8. Reihe,
1.60 Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 3.50 Mk.)
(14. bis 20. Reihe) 3.— Mk., Parterre (1. bis
(5. Reihe) 2.20 Mk., (6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk.
1. Galerie 1.— Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Ende gegen 10 Uhr.
Anfang 7 Uhr. —
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
6 Uhr an.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt für den
Verkehr mit dem Abonnenten=Publikum an
allen Wochentagen, vormittags von 10 bis
12½ Uhr, geöffnet.
Vorverkauf.
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Samstag, 29. Jan. Außer Abonnement.
Volksvorſtellung zu ermäßigten Preiſen:
„Der Verſchwender.” Anfang 7 Uhr.
(Vergl. beſondere Anzeige.),
Sonntag, 30. Jan. 107. Ab.=Vorſt. C 28.
„Fauſt‟ (Gounod). Gr. Preiſe. Anfang
Uhr.
Montag, 31. Jan. 108. Ab.=Vorſt. B 27.
Neu einſtudiert: „Der Compagnon.
Kl. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Inventur-Räumungs-Ausverkauf
von Freitag den 28. Januar bis 2. Februar
Die Preise für die zurückgesetzten Waren sind
ganz bedeutend reduziert
Günstige Gelegenheit zum Einkauf von Wäsche
jeder Art
Eichbere’s Nachfolger
Inh. H. Eck
Leinen- und Wäsche-Geschäft
29 Obere Wilhelminenstrasse 29.
Hoflieferant
Große Knick=
Ster
per Stück
Pfennig
empfiehlt (2334
Darmstädter
Eiergrosshandel
Mathias Rosenstock
Telephon 490 Ludwigstr. 18.
I Heue Salz-Garken
St. 3 Pfg. 4, 5, 6, 7 u. 8 Pfg.
7 St. 20 „
Ia. Essig-Gurken
JIa. Tafel-Gurken
Mixed-Pickles
Rote Rüben
in nur feinſtem Weineſſig eingemacht
— in Eimer und dekorierten Blechdoſen
à 4, 5, 8, 10 und 12 Liter
empfiehlt
Gg. Korbus,
Einmachgeſchäft
36 Luiſenſtraße 36
Telephon 1093.
Meine ſelbſteingemachten Produkte, von
be=
kannter Güte, ſind in vielen Geſchäften
(durch Plakate erſichtlich) zu haben. (2356a
K. Höhn Nachf.
Karl Zessler.
G
5 Marktstrasse 5. (2340
ſt Znt, Sung.=Sonan
Fellvorlagen u. Fusstaschen in grosser Auswahl.
Empfehle:
schwere Waldhasen
2
Labins
ueh, bamrit ut Mitrahweinehrsten
russ. Wildgeflügel, junge Truthahnen (Welſche)
im Ausſchnitt ꝛc.
(2345
Heinrich Grimm, Hoflieferant.
D
koderherd
gut erhalten, billig zu verkaufen
(*2154
Dampfmolkerei Wolf, Woogsplatz 3.
a Herren= u. Damenmasken
Spotlbillip: zu verl. Geiſtberg 5. (*2160
Syag6 eg
P S99910
30
Gaßere
Sgestäßtt
Alexanderstrasse 23. (2
Alexanderstrasse 23.
Frühſtück - Mittagstiſch-Abendeſſen
— Preiswert und gut.
Einen Posten
Loder-Balischane
nur
(*2157
2.95 Mk.
Mainzer Schuhlager,
Darmstadt, Schillerplatz 4.
Weiß= u. Rotwein.
Das Beſte, was zum Preiſe von 70 Pfg.
pro Flaſche ohne Glas geboten werden
kann, bringe hiermit in empfehlende
Er=
innerung
(2350a
Georg Roth, Dieburgerstr. 12.
Eneieshaesaff
Speisecges tolveln
Ueberrheiner Goldgelbe
Industrie und Ella
Badische Magnum bonum
empfiehlt in gut erleſener Qualität
W. Nungesser, Dieburgerſtr. 10.
Fernſprecher 864. (24568a
Schlafzimmer
eichen, mit 2=türigem Schrank
Schlafzimmer
nußbaum mit 3=türigem Schrank, 180 breit,
Schlafzimmer
mahagoni, mit 3=türigem Schrank, 160 breit,
komplett, mit Patentmatratzen, alles neu,
ſtaunend billig abzugeben
Näh. in der Exped. ds. Bl.
(1872a
Ankauf
eehſeh
ue
von nur beſſeren getragenen Herren= u.
Damenkleidern u. dergl. bei reeller
Be=
zahlung. Jetzt Donnerstag hier.
Schrift=
liche Offerten unter H 100 an die Exped.
dieſes Blattes.
(2341fsi
120a)
g und eine Doppeiſlinte
1 Drillins nebſt Ruckſack, Patronen
ꝛc. billig zu verkaufen. Näh. Exp. (1554t
Inh. Carl Gröltz.
ſeltere Nähmaſchine 15 Mk., Winter=
(*2155
Jackett 6 Mk. zu verkaufen
Wilhelminenplatz 2, 1. Stock links.
Ein großer Poſten feines
irdenes Kochgeſchirr
billig zu verkaufen
(*2183
Näheres Mühlſtraße 5, 2. Etage.
r zu verkaufen: 3 Silber, 3 Hol=
Haſen länder, 1 Belg. Rieſe
Heidelbergerſtraße 27.
*2166fs)
39 25.
Kreitag, 280. Januar.
1910.
Nur 3 Tage!
29. Januar — 2. Februar
Saison-Ausverkauf.
Kath. Raab
vorm.
ALlCE-BAZAR
Spezialgeschäft für Braut- u. Baby-Ausstattungen.
21 Wilhelminenstrasse 21.
Das Geschäft bleibt von 1—216 geschlossen,
(2320
Gelegenheitskauf?
Guterhaltene, ſchwere goldene
Herren-Schlüsseluhr
mit Duplexgang, Einſchmelz=
Gold=
wert 115 Mk., für 150 Mk. zu
ver=
kaufen bei
(2113mdf
L. Borné, Hofuhrmacher
25 Ernſt=Ludwigſtraße 25.
Fahrrad
gut erhalten, mit Freilauf, zu kaufen geſucht
Offerten mit Preisangabe unter G 42
(*2129dfs
an die Expedi on ds. Bl.
Pogelkraftfutter. Göbels Spezial=Ge=§ 8190a)
ſchäft Ernſt=Ludwigſtraße 11.
(785a
von unerreichter Feinheit des Geschmacks
nur in Originalpackungen mit Firma u. Schutzmarke.
Käuflich in den besseren Lebensmittelgeschäften.
Glasſchränke, 1 Liſter mit
Erkerbe=
leuchtung, ſowie verſch. Schaukäſten ſehr
preiswert abzugeben
(2049a
Mühlſtraße 72, Papierhandlung.
914
Zur Bansaison
empfehle
(1613a
iafwigen-
ch
Bail-u Gesellschautsar isuren
ſowie
Damenkopfwaschen
mittelſt des neueſten Haartrockenapparats.
Paul Fröhling,
Damenfriseur — Bleichstr. 51.
NB. Anfertigung ſämtlicher Haararbeiten.
Telephon Hotel Kölniſcher Hof 418.
Die Aebelfrau.
Roman von Anny Wothe.
(Nachdruck verboten.)
7)
Die Auguſtſonne brannte heiß auf den weißen
Dünenſand, und über der Heide lag ſchon ein
roſen=
roter Schimmer.
Sie blühte wohl bald. Dann kam der Herbſt!
Der Park vom Gorlingshof träumte in trüger
Ruhe in dem flimmernden Sonnenlicht.
Unweit des Schloſſes lag ein freier, von
hundert=
fährigen Eichen umſtandener Platz.
Dort weilte oft die alte Gräfin Lidwina in dem
Schatten der hohen Bäume und lauſchte, wie die Wellen
des Meeres von fern auf den weißen Uferſand rollten,
im=
mer mit dem gleichen, ſchweren Schlage, als wenn dumpf
und grollend ein Herz hämmerte.
Auch heute ſaß die Blinde wieder in einem bequemen
Lehnſtuhl an ihrem Lieblingsplatz. Ein gedeckter
Kaffee=
tifch ſtand vor ihr. Das hohe Kelchglas mit einer Fülle
glutroter Nelken, das den Tiſch feſtlich ſchmückte, konnte
die Greiſin nicht ſehen, aber den betäubenden Duft der
Blumen atmete ſie wohlig ein, während ihre alten Hände
ein Kränzlein aus weißen Sternblumen für ihr Enkelkind
wanden, deſſen luſtiges Lachen fern im Park verklang.
Der Gräfin gegenüber waren Fridrun und Undine
mit leichten Handarbeiten beſchäftigt.
Du haſt noch gar nicht erzählt, Undine, nahm Gräfin
Lidmina das Wort, was Ebbo Klas eigentlich ſchreibt.
Ich dächte, er hätte uus ſchon nur zu lange gemieden,
e
Er iſt verſtimmt, Mudding, unſer Herr Vormund.
Undines übereilte Heirat ſcheint ihm etwas den Atem
ge=
nommen zu haben. Nun ſchmollt er, der gute Ebbo.
Undine warf ihrer ſchönen Stiefmutter einen
vernich=
tenden Blick zu, die Greiſin aber entgegnete, ſich höher in
ihrem Stuhl aufrichtend:
Ich wünſche nicht, Fridrun, daß Du von Ebbo Klas in
dieſem Tone ſprichſt. Er war meines Sohnes treueſter
Freund, und oft ſchien es mir, als ob auch Du ſeine
Ge=
ſellſchaft gern ſahſt.
Er iſt ein Pedant. Unaufhörlich hofmeiſtert er an
mir herum. Wenn es nach ihm ginge, dann ſchickte er mich
noch in die Kinderlehre.
In der Du vielleicht auch ſehr gut aufgehoben wärſt,
mein Kind.
Ich mag ihn nicht leiden, ſchmollte Fridrun, das
lang=
ſchleppende Kleid von dünnem, ſchwarzen Seidenkrepp
näher an ſich ziehend und nervös mit den Händen an dem
Gefältel zupfend.
Er tut immer ſo ſelbſtherrlich und geht mit uns
Frauen um, als wären wir nur ein Stück Spielzeug.
Nicht mit allen, warf Undine gleichmütig ein.
Natürlich mit Dir nicht. Die behandelt er ja wie eine
Königin. Denkſt Du vielleicht, ich weiß nicht, was dahinter
ſteckt? Verliebt iſt er in Dich, jawohl, verliebt, und daß
Du ſo ſans facon den Grafen Reimar zum Manne
nahmſt, hat ſeine Eitelkeit arg getroffen.
Ich begreife nicht, Fridrun, nahm Undine langſam das
Wort, wie Du bei einer ſolchen Auffaſſung der Verhält=
niſſe ſo unglaublich mit Ebbo Klas kokettieren kannſt, wie
es geſchehen iſt, als er das letzte Mal hier war. Ich
glaube, daß er aus dieſem Grunde nicht wieder
gekom=
men iſt, denn meines Vaters Geiſt, der hier noch durch alle
Räume weht, müßte ſich ja zürnend von ihm wenden,
wenn er, alle Freundespflicht mißachtend, die Avancen
ſich gefallen ließ, die Du ihm machteſt.
Ruhe, gebot die Greiſin. Zu Fridruns Ehre will ich
annehmen, daß Du zu weit gehſt, Undine. Deines Vaters,
meines Sohnes zweite Frau, iſt nun einmal nicht ernſt zu
nehmen. Ein ſpieleriges Ding iſt ſie immer geweſen,
ſelbſt in Marnars Todesſtunde und auch da, als ihr Kind
auf die Welt kam. Wo ſollte ſie wohl den Ernſt
herneh=
men für ein rechtſchaffenes Tun? Aber anſtatt Dir
dank=
bar zu ſein, daß Du es ihr ermöglicht haſt, in den alten
Verhältniſſen weiter zu leben, bemerke ich fortgeſetzt, daß
Fridrun unzufrieden mit Dir iſt und ſich unausgeſetzt
be=
müht, Dich zu kränken und Dir häßliche, taktloſe Dinge zu
ſagen. Willſt Du mir nicht vertrauen, was Fridrun dazu
veranlaßt?
Du mußt ſie ſelber fragen, Großmutter.
Nein, mein Kind, Du ſelbſt wirſt es mir ſagen, denn
Fridrun hat es nie ſo ganz genau mit der Wahrheit
ge=
nommen.
Mit blitzenden Augen ſtand die junge Witwe plötzlich
vor dem Stuhl der Greiſin.
Wahrheit, lachte ſie höhniſch. Nein, wahrhaftig, ich
bin nie wahr geweſen. Warum ſollte ich es denn auch ſein?
Um Euch zu gefallen? Ach, wenn Ihr wüßtet, wie ich es
ſatt habe, die Komödie zu ſpielen, die Ihr mir
aufgezwun=
gen habt, Ihr würdet mir mitleisvoll Enre milden Hände
Seite 10.
4
e
Aushamme Angeber
nur gültig bis Anfang März 1910
Während der Wintermonate laſſe in großen
Partien anfertigen:
Küche
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
pitch-pine, natur
amerikaniſch Pappel,
lackiert, Blätter
beſtehend aus:
1 Küchenſchrank mit Meſſingverglaſung
Anrichte mit Aufſatz,
1 Tiſch und 2 Stühle
zum Ausnahmepreis
von Mk. 165.-
L.764,38)
Die Muſter, neueſte aparte Modelle, ſtehen
bei mir fertig am Lager und bitte um deren
gefl. unverbindliche Beſichtigung.
Für erſtklaſſige Arbeit, la Material und
meiſterhafte Durcharbeitung eines jeden
Stückes übernehme weitgehendſte Garantie
In Anbetracht des konkurrenzlos billigen
Preiſes ſollte niemand verſäumen, von
dieſem Ausnahme=Angebot Gebrauch zu
machen. Die Zimmer können bis zum
Abruf unentgeltlich bei mir lagern.
Schitt
Möbel und Dekorationen
Darmstadt, Schlossgraben 13a
Telefon 891.
Gegr. 1879.
Champagner- und
Weinflaschen
werden zu höchſten Preiſen angekauft und
auf Wunſch im Hauſe abgeholt
(1818a
N. Simon,
Telefon 897.
Gardiſtenſtr. 34.
Schriftliche Beſtellung erbeten.
Brenntannapfel
liefert auf vorherige Beſtellung frei ins Haus
xer hI 65 Pfg., bei 10 hI 60 Pfx.
Conrad Appel,
Bismarckſtr. 61. (233a) Telephon 91.
(
Mur für Damen.
Eine fachgemäße und gründliche Behandlung
der Haare bei der
(17261a
8
.
Koprwäsche.
Trocknung mittelſt Elektrizität iſt die einzige
Gewähr für Erhaltung und Kräftigung
der Haare.
Preis Mark 1.25, inkl. Friſur,
Damen=Friſuren 75 Pfg.,
Kinder=Kopfwäſche 75 Pfg.
noyieltist: Pivayan
ohn
Spehlalldl. Elaason-Waschungen
im Friseur-Salon von
E ,
Friedrich Tillmann
Eſiſabethenſtraße 21.
Nummer 23.
M . . . . . . . . t . . te e t . . . . . . . . . . er . e.
2
40
MestwundAbscmntte
aus allen Abteilungen
riesig billig.
ebr.
C
Mochisonu
Markt 2.
Am m u m m a do m i u ä m du mn en i m
(2322
2
Mhce
Die reduzierten Preise sind auf
der Rückseite eines jeden
Etiquetts extra
vermerkt.
en
Mar
Dau
Telephon 127 Landgraf Philipp-Anlage 62 Telephon 127
Einzelkarte 5 Stück 10 Stücke=
Mk. 0.80 3.50
Wannenbäder I. Klasse . .
6.50
dto.
II. Klasse . . . . . . . Mk. 0.60. 2.50.
4.50
Kohlensäure-Bäder . . .
Mk. 1.80 7.20
13.−
Elektr. Schwiiz- u. Wannenbäder Mk. 2.25 10.—
18.−
Vibriationsmassage Gnkl. Douche) . Mk. 1.50 6.25 10.−
Alle medizinischen Bäder nach ärztlicher Vorschrift. (1361a
Garantiert reiner
Blelen Heit
aromatisch und von köstlichem Geschmack,
wirkt blutbildend, stärkend und
heilend.
Bestes Nähr- und Kräftigungsmittel
für Kranke und Kinder jeden Aiters.
Preiswert, lose und in Gläsern
zu haben bei:
(2280a
Fr. Beckenhaub
Medizinal-Drogerie
Ecke Schul- u. Kirchstr.
Drogerie C. Watzinger
Wilhelminenstrasse 11.
(Schwarz-weisse Rabattmarken).
Für Herren Aerzte
oder Rechtsanwälte!
Wartezimmer=Einrichtung
in maſſiv ital. Nußbaum,
beſtehend aus Bank mit Lehne, 2 Seſſeln,
4 Stühlen und Tiſch ſehr preiswert zu
ver=
kaufen. Näheres in der Exped. ds. Bl.
NB. Die Sachen ſind auch ganz beſonders
für eine Diele geeignet.
(1610t
Getr. Herrenkleider
kaufe ich bis Faſtnacht und bezahle
dafür ſehr gute Preiſe. (*1990mdfs
Offerten erbitte per Poſt
Mantel, Gervinusſtraße 41.
Günſtige Gelegenheit!
Grosses, reichgeschnitztes
Büfett
in hell Eichen, Prachtſtück, iſt ſehr preiswert
abzugeben. Adreſſe in der Expedition ds.
Bl. zu erfragen.
(2035t
Rader
und reparieren prompt
und billigst (2172a
Maler kober
Karlstrasse 30.
reichen. Aber ich will Euer Mitleid gar nicht. Frei ſein
will ich endlich mal, ganz frei ſein!
Ei, ei, Gräfin, fiel eine tiefe Stimme in die erregte
Debatte, wer känn ſich rühmen, je das erreicht zu haben,
was Sie ſich wünſchen?
Ebbo Klas, ſtammelte die junge Frau verwirrt, und
ein liebliches Erröten huſchte reizvoll über ihr bewegliches
Antlitz, und die langen, ſeidenglänzenden Wimpern
leg=
ten ſich ſcheu über die heißleuchtenden, blauen Augen.
Herzlich willkommen, Herr Doktor, rief Gräfin Lidwina
dem Rechtsanwalt und Freund ihres verſtorbenen Sohnes
die dürre Hand zum Kuſſe reichend. Ich beklagte mich
ſchon ſoeben bei Undine, daß Sie ſo ſelten von der Stadt
her den Weg zu uns heraus finden.
Geſchäfte, verehrteſte Frau Gräfin, immer Geſchäfte.
Grüß Gott, Frau Undine, fuhr Klas ſich lebhaft zu der
jungen Frau wendend, fort, ihre Finger zwiſchen ſeine
bei=
den, großen Hände nehmend. Das iſt mir aber eine
Freude, Sie endlich einmal wiederzuſehen. Umſonſt habe
ich ſchon alle Tage ausgeſchaut, ob nicht Ihr Wägelchen
mit Ihnen durch unſere altersgrauen Straßen raſſelte, aber
immer ſchaute ich vergebens aus, und da Sie nicht kamen,
mußte ich mich wohl oder übel herausbequemen nach dem
Gorlingshof.
Sie hätten ſich ja mit Undine in der Konditorei von
Fedderſon am Markt treffen können, lachte Fridrun
mali=
tiös auf.
Ein ſtaunender Blick aus den großen, lichtbraunen
Au=
gen des blondbärtigen Rieſen ließ Fridrun verſtummen.
Der Menſch war doch eigentlich unglaublich arrogant
und ſie, Fridrun, ſchüttelte ſich innerlich vor Lachen über
ſich ſelbſt, ſie fürchtete ſich wohl noch gar vor ihm?
Wie geht es meinem Patenkinde? fragte Ebbo Klas,
die Handſchuhe ablegend und dankend die gefüllte
Kaffee=
taſſe aus Undines Händen entgegennehmend.
Es jubiliert wie eine Heidelerche, lächelte Undine. Ach,
da kommt es ja ſelbſt angeſprungen.
Mit ausgebreiteten Armen flog die kleine Lorl auf
den Doktor zu.
Haſt Du mir was mitgebracht, Onkel? fragte ſie
ſtrah=
lend, während ſie ſich anſchickte, ſeine weiten Taſchen zu
unterſuchen.
Lorl, quäle den Onkel nicht, mahnte Undine.
Aber Lorl hatte ſchon triumphierend ein Bilderbuch
und eine kleine, allerliebſte Puppe aus der großen
Ver=
ſenkung gezogen.
Alles mein, beteuerte ſie, mit beiden Armen ihre
Schätze, die ſie auf den Tiſch gelegt hatte, umſpannend,
alles gehört Lorl, Lorl braucht alles.
Wie glich das Kind in ſeinem Begehren jetzt ſeiner
ſelbſtſüchtigen, leichtfertigen Mutter.
Mit angſtzitternder Hand ſtrich Urdine über das
blu=
menhaft zarte Kindergeſichtchen. Lächelnd drückte ſie dann
den weißen Sternblumenkranz, den die Großmutter
ge=
wunden, auf die blonden Locken.
Nur nicht werden wie die Mutter, bebte es heiß durch
Undines Seele, nur das nicht.
Ich glaube gar, Sie beten, Gräfin Undine, verſuchte
der Rechtsanwalt zu ſcherzen, natürlich für mich alten
Sünder.
Ei, wie ſchön ſteht Dir das Kränzlein, Lorl,
unter=
brach er ſich, und dann fuhr er fort:
Sie glauben gar nicht, wie ich mich geſehnt habe,
wie=
der hier draußen bei Ihnen zu ſitzen, den ſtillen Frieden
des Gorlingshofes zu atmen und ſeinen Frauen, — er
machte ringsum eine Verbeugung — ins Antlitz zu ſehen.
Sie ſind ein Schmeichler, Ebbo Klas, lächelte die
Greiſin, und Lorl klatſchte in die Händchen und rief:
Onkel Klas iſt gut, er hat mir viel mitgebracht.
Undine ſchwieg.
Fridrun aber ſah mit einem leuchtenden und
viel=
ſagenden Augenaufſchlag zu Dr. Klas herüber, der ihn ſo
verwirrte, daß er klirrend die Kaffeetaſſe auf den Tiſch
nie=
derſtellte.
Fridrun lächelte ſtill vor ſich hin. Undine aber ſagte
ernſt:
Es iſt mir ſehr lieb, beſter Doktor, daß Sie gekommen
ſind. Ich hätte vieles mit Ihnen zu bereden, auch über
Lorl. In den Papieren meines Vaters fand ich
mancher=
lei Aufzeichnungen, zu denen Sie mir vielleicht die
Kom=
meutare geben können.
Wenn ich es vermag, natürlich, gern. — Iſt der Herr
Graf nicht daheim?
Undine konnte es nicht verhindern, daß ſie rot wurde
unter dem ſeltſam forſchenden Blick der großen, braunen
Augen.
Graf Randolt iſt in Südegaarde. Ich ſchrieb Ihnen
ſchon, daß wir plötzlich den Inſpektor entlaſſen mußien.
Graf Reimar iſt faſt nie hier, plauderte Fridrun, ſich
wie ein Kätzchen in ihren Seſſel ſchmiegend und mit
halb=
geſchloſſenen Augen in die Sonne blinzelnd. Es iſt ihm
zu langweilig bei uns Frauen. Er benutzt jede
Gelegen=
heit, ſich davon zu machen, denn er haßt den Gorlingshof
und ſeine Bewohner,
Undine ſah erſchrocken und empört zu Fridrun
her=
über, aber ehe ſie antworten konnte, ſtürzte Lorl
wild=
erregt auf ihre Mutter zu.
Du lügſt, ſchrie ſie mit drohend erhobenen Fäuſtchen,
am ganzen Körper bebend. Es iſt nicht wahr. Onkel
Rei=
mar findet den Gorlingshof ſehr ſchön. Du ſollſt nicht
im=
mer ſo Böſes ſagen, Du ſollſt nicht!
Lorl, Lorl! rief Undine entſetzt, das Kind
beſchwich=
tigend in ihre Arme reißend. Lorl, wer wird denn ſo
böſe ſein? Augenblicklich gehſt Du zu Mutti und bitteſt
ſie um Verzeihung. Augenblicklich.
*..
Das Kind rührte ſich nicht.
Da ſeht Ihr ja, was Ihr mit Euerer berühmten
Er=
ziehung erreicht, lächelte Fridrun geringſchätzig. Ihr tut
eben alles, um das Kind gegen mich aufzuhetzen.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Seite 11.
Dg
Bekanntmachung.
Indem wir die nachſtehende Polizeiverordnung veröffentlichen, empfehlen
wir allen Grundſtücksbeſitzern, die mit der Erfüllung der in den §§ 1 und 3 dieſer
Polizeiverordnung feſtgeſetzten Verpflichtungen eine andere Perſon beauftragt haben oder
dies zu tun beabſichtigen, die beauftragte Perſon, Geſellſchaft oder Anſtalt alsbald
ge=
mäß § 8 namhaft zu machen. Zur Entgegennahme ſolcher — mündlicher oder
ſchrift=
licher — Erklärungen iſt außer uns auch das zuſtändige Polizeirevier befugt. Im
Intereſſe der Grundbeſitzer liegt es, ſelbſt dafür zu ſorgen, daß möglichſt gleichzeitig mit
dieſen Erklärungen auch die Bereiterklärungen der Verantwortlichen Vertreter eingehen.
Darmſtadt, den 24. Januar 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
Polizeiverordnung,
die Reinigung der Straßen betreffend.
Auf Grund des Artikel 56 Abſ. 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die Städteordnung für
das Großherzogtum Heſſen betreffend, vom 13. Juni 1874, wird nach Anhörung der
Stadtverordnetenverſammlung der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit
Geneh=
migung des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 9. Dezember 1908 zu
Nr. M. d. J. 20529 die nachſtehende Polizeiverordnung erlaſſen:
Die allgemeine Reinigung der Straßen liegt den Beſitzern (unmittelbaren und
mittelbaren — §§ 854 ff. B. G. B. —) der angrenzenden Grundſtücke ob, ſoweit nicht
die ſtädtiſche Reinigungsanſtalt gemäß den Beſtimmungen des Statuts vom 14.
Sep=
tember 1886 betreffend: „Die Reinigung der Straßen und öffentlichen Plätze in der
Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt” die Reinigung übernommen hat. Die Pflicht
zur Reinigung erſtreckt ſich nur auf den Teil der Straße, der an dem Grundſtücke des
Verpflichteten herzieht, und nicht über die Mitte der Straße hinaus. Sind mehrere
Beſitzer vorhanden, ſo trifft jeden die volle Verantwortlichkeit; ein Mieter oder Pächter
iſt jedoch nur dann als Beſitzer im Sinne dieſer Verordnung anzuſehen, wenn er allein
das betreffende Grundſtück benutzt.
Iſt eine Geſellſchaft, Gewerkſchaft, Genoſſenſchaft, Stiftung, ein Verein oder eine
Anſtalt oder eine ſonſtige juriſtiſche Perſon Beſitzer des Grundſtücks, ſo liegt die
Ver=
pflichtung zur Reinigung den Mitgliedern des Vorſtands ob; bei Grundſtücken, die ſich
im Beſitze oder in der Verwaltung einer ſtaatlichen oder kommunalen Behörde befinden
trifft die Verpflichtung den Vorſtand dieſer Behörde. Der Inhaber einer
Dienſt=
wohnung ſteht einem Mieter gleich.
Auf die Abfuhr des Hauskehrichts finden die Beſtimmungen der Abſ. 1 und 2
entſprechende Anwendung. Die Kehrichtgefäße ſind von den Grundſtücksbeſitzern zur
Abholung des Kehrichts durch die Straßenreinigungsanſtalt bereit zu halten, ſie dürfen
aber nicht auf der Straße aufgeſtellt werden.
§ 2.
Jede Verunreinigung der Straßen, insbeſondere auch durch Fuhrleute beim
Fahren von Bauſchutt, Dung, Sand, Lehm, Erde und anderem loſen Material iſt
verboten.
Jede Zuwiderhandlung bedingt, abgeſehen von der verwirkten Strafe, die
Ver=
pflichtung zur ſofortigen Reinigung der Straße.
§ 3.
Den Grundſtücksbeſitzern liegen außerdem bezüglich der Reinigung der Fußſteige
von Eis und Schnee folgende Verpflichtungen ob:
1. Die Fußſteige, gleichviel ob befeſtigt oder nicht, ſind in ihrer ganzen Breite bis
zum Rande der Fahrbahn, und Fußſteige von größerer Breite auf mindeſtens
3 Meter in der meiſtbegangenen Fläche ſtets von Schnee und Eis freizuhalten.
Der über Nacht gefallene Schnee iſt bis ſpäteſtens 8 Uhr morgens abzuräumen.
Iſt wegen andauernden ſtarken Schneefalls die völlige Freihaltung nicht
möglich, ſo muß die Abräumung in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr
abends mindeſtens alle drei Stunden erfolgen. Der von den Fußſteigen
ab=
geräumte Schnee iſt auf der Fahrbahn tunlichſt nahe dem Rande derſelben zu
lagern, wobei Straßenrinnen, Straßenbahngleiſe, ſowie Hydranten und, falls
anderweit Platz vorhanden iſt, Straßenecken, Straßenausgänge und
Haus=
eingänge freizuhalten ſind.
Das Lagern von Schnee, welcher von Hofreiten abgeräumt wurde, iſt auf
den Straßen und Plätzen unterſagt.
2. Sofern auf den Fußſteigen Glatteis oder infolge andauernden Schneefalls,
Froſteinwirkung oder aus anderen Urſachen eine gefährlich zu begehende
Schnee=
decke oder Schnee= und Eisbuckel ſich gebildet haben, oder die Fußſteige ſonſtwie
ſchwer zu begehen ſind, müſſen dieſe in einer Breite von 1,50 Meter mit Sand,
Kies, Sägeſpänen oder ſonſt geeignetem Streumaterial ausgiebig beſtreut werden.
Das Aufſtreuen iſt zu wiederholen, ſobald auf den Fußſteigen wieder glatte Stellen
entſtanden ſind. Dieſe Verpflichtung erſtreckt ſich auf die Zeit von morgens
7½ Uhr bis abends 8 Uhr.
Das Aufſtreuen von Abfällen oder ſonſt ungeeignetem Streumaterial iſt
verboten.
§ 4.
Beſchädigungen der Straße bei der Reinigung ſind ſorgfältig zu vermeiden,
ins=
beſondere iſt es verboten, bei Reinigung der Fußſteige ſcharfe Geräte, wie Beile, Pickel,
Stoßeiſen und dergleichen zur Entfernung des Schnees oder Eiſes zu verwenden.
§ 5.
Bei Froſtwetter iſt das Ausſchütten von Flüſſigkeiten in die Straßenrinnen
unterſagt.
6.
Bei Froſtwetter iſt das Schleifenziehen auf den Fußſteigen verboten.
§ 7.
Das Schneeballwerfen mit naſſem oder verunreinigtem Schnee iſt verboten.
§ 8.
Der Beſitzer eines Grundſtücks kann mit der Erfüllung der in den §§ 1 und 3
feſtgeſetzten Verpflichtungen eine andere Perſon, wie z. B. einen Hausverwalter oder
eine Geſellſchaft oder Anſtalt, die ſich die Reinigung von Straßen zur Aufgabe geſtellt
hat, beauftragen. Die Beauftragten, bei Geſellſchaften oder Anſtalten deren
Vorſtands=
mitglieder, ſind für die Einhaltung der Vorſchriften ausſchließlich verantwortlich, wenn
die beauftragte Perſon, Geſellſchaft oder Anſtalt dem Polizeiamte als verantwortliche
Vertreter durch den Grundſtücksbeſitzer ausdrücklich namhaft gemacht worden ſind, dieſe
zur Uebernahme der Verpflichtung ſich bereit erklärt haben und das Polizeiamt binnen
einer Friſt von 14 Tagen nach erfolgter Namhaftmachung Einſpruch gegen die
Ver=
tretung nicht erhoben hat.
Mehrere Beſitzer eines Grundſtücks können nach Maßgabe der Vorſchriften des
Abſatz 1 die Erfüllung der Verpflichtungen auf einen von ihnen übertragen.
§ 9.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung werden auf Grund des § 366 Poſ. 10
des Reichsſtrafgeſetzbuchs mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu
14 Tagen beſtraft.
§ 10.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tag der Veröffentlichung in Kraft.
Mit dem gleichen Tage wird das Polizeireglement vom 8. November 1856
auf=
gehoben.
Darmſtadt, den 9. Januar 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
(2253df
Halzvorſteigerung.
Mittwoch, den 2. Februar I. Js., vormittags ½9 Uhr,
wird zu Arheilgen bei Wirt Brücher das Durchforſtungsholz aus Rautenbuſch
Abt. 16 der Forſtwartei Steinacker, ſowie das Dürrholz aus den Diſtrikten Birken,
Diebsfang, Tannacker und Mühleck der Forſtwartei Bayerseich verſteigert und zwar:
Nutzſcheiter, rm: 63,1 Eichen II. Kl.
Scheiter, rm: 76 Buchen I. Kl., 85 Buchen II. Kl., 30 Hainbuchen (rund),
137 Eichen II. Kl., 4 Birken, 84 Kiefern; Knüppel, rm: 84 Buchen, 41
Hain=
buchen, 212 Eichen (hiervon 31 rm Pfoſten 2,5 m lang), 4 Birken, 101 Kiefern;
Reiſig, Knüppel, rm: 80 Buchen, 145 Eichen, 18 Kiefern; Reiſig, Wellen;
3280 Buchen, 660 Eichen, 770 Birken, 3220 Kiefern; Stöcke, rm: 35 Buchen,
64 Eichen, 1 Birke, 13 Kiefern.
Im Diſtrikt Birken werden von den Kiefern= und Birkenwellen nur die Nr.
bis 57 an der Langſchneiſe und Dreiſchläger Allee verſteigert. Blau unterſtrichene
Nummern werden nicht verſteigert. Auskunft erteilen die Großh. Forſtwarte Bayerer
zu Krauſe Buche und Klipſtein zu Bayerseich (beides Poſt Egelsbach).
Darmſtadt, 25. Januar 1910.
(2304
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoov.
Vorſchule der beiden Gymnaſien
zu Darmſtadt.
Aufnahme zu Oſtern 1910.
Anmeldungen für die unterſte Oſterklaſſe, ſowie für die beiden oberen
Oſter=
klaſſen und die beiden oberen Herbſtklaſſen, werden — ſoweit ſie nicht ſchon erfolgt ſind-
Dienstag, den 1. und Mittwoch, den 2. Februar,
vormittags von 9—1 Uhr
im Direktorzimmer des alten Gymnaſiums (Karlſtraße 2) entgegengenommen. Dabei
ſind Geburtsſchein und Impfſchein vorzulegen.
Im Herbſt 1910 wird eine Aufnahme von Anfängern nicht ſtattfinden. Es
können aber Knaben, die vor dem 1. Oktober 1904 geboren ſind, bei genügender geiſtiger
und körperlicher Befähigung ſchon jetzt zu Oſtern aufgenommen werden.
Darmſtadt, den 24. Januar 1910.
(2136a
Dr. Mangold, Geh. Schulrat.
Vorſchuledes Realgymnaſtums u. derOberrealſchule
zu Darmstadt.
Anmeldungen für das Oſtern 1910 beginnende Schuljahr werden für ſämtliche
Vorſchulklaſſen
Dienstag, den 1. Februar,
vormittags von 10 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, und
Mittwoch, den 2. Februar,
vormittags von 9 bis 1 Uhr,
auf dem Direktorzimmer im Realgymnaſium (Eingang durch das Portal vom
Kapell=
platz aus) entgegengenommen. Geburtsſchein und Impfſchein ſind dabei vorzulegen.
Die Großherzogliche Direktion.
Münch, Geh. Schulrat.
(2325fso
Brennholz-Verſteigerung Nr. XI
(Stadtwald).
Montag, den 31. d. M., vormittags 9 Uhr, werden im Saale der ſtädtiſchen
Turngemeinde, Woogsplatz 5, hier aus Abtrieb im Vorderen Woogsberg Abt. 40
(Nr. 1036 bis 1460 — Woogsbergſchneiſe, Jägermeiſterweg, Bernhardsackerſchneiſe) des
Schutzbezirkes Heiligkreuz, (Forſtwart Hofmann, Hirſchköpfe) verſteigert:
Scheiter: 655 rm Buche, 108 rm Eiche: Knüppel: 126 rm Buche, 25 rm
Eiche Knüppelreiſig: 27 rm Buche; Wellen=Reiſig: 45,75 Hundert Buche,
5,25 Hundert Eiche; Stöcke (fein): 169 rm Buche, 57 rm Eiche.
Das Holz iſt nach allen Richtungen hin gut abzufahren.
Darmſtadt, den 21. Januar 1910.
(2097if
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Brennholz-Verſteigerung Nr. All
(Stadtwald).
Freitag, den 4. Februar I. Js., morgens 9 Uhr, werden im Saale hieſiger
Turngemeinde, Woogsplatz 5, verſteigert:
I. In Darmſtädter Tanne (Forſtwart Ahlheim, Kahlertſtraße 12) aus den
regel=
mäßigen Hieben in Bürgerſchlag Abt. 29, 30, 18, ſowie in verſchiedenen Schlägen
das Dürrholz (von Nr. 1403 bis 1630):
Kiefern: Scheiter: 136 rm; Knüppelreiſig: 53 rm (darunter 12 rm Eichen);
Stöcke: 51 rm (grob) und 39 rm (fein).
II. In Beſſunger Tanne (Forſtwart Geriſch, Heidelbergerſtraße 112) aus der
Durch=
forſtung in Eichbaumeck Abt. 38 (Nr. 526 bis 653), ſowie aus verſchiedenen
Ab=
teilungen das Dürrholz (von Nr. 654 bis 804):
Kiefern: Scheiter: 130 rm; Knüppel: 5 rm; Knüppelreiſig: 138 rm; Stöcke:
50 rm (grob).
Unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert.
Aus den beiden Tannen finden weitere Brennholzverſteigerungen nicht mehrſtatt.
Darmſtadt, am 24. Januar 1910.
(2333fm
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Autz= und Brennholz=Verſteigerung.
Montag, den 31. ds. Mts., vormittags 9½ Uhr
anfangend, ſollen im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Kirchtanne, folgende
Holz=
ſortimente öffentlich verſteigert werden.
Kiefernſtamm 0,71 Feſtmeter.
83 Derbſtangen 7 bis 12 Meter lang,
76
Stück Sprießenhölzer 4,50 Meter lang.
1050
stück Bohnenſtangen.
27 Rm. Bolzenholz.
128 Rm. Kiefern=Scheiter, 80 Rm. Kiefern=Knüppel,
66 Rm. Kiefern=Stöcke und 880 Kiefern=Wellen.
Eberſtadt, den 25. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.
(2314df
Jagd-Verpachtung.
Montag, den 7. Februar I. Js., vormittags 11 Uhr,
wird auf hieſigem Rathaus die Gemeindejagd in zwei Bezirken auf weitere 6 Jahre
verpachtet.
1. Der Jagdbezirk I beſteht aus 400 Hektar Feld und 250 Hektar Wald.
2. Der Jagdbezirk II beſteht aus 600 Hektar Feld und 150 Hektar Wald.
Die hieſige Bahnſtation liegt Mitte des Jagdbezirks.
(2163mdf
Weiterſtadt, 25. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Becker.
Verſteigerungs=Anzeige.
Montag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Pfandlokal, Ludwigshöhſtraße 2, meiſtbietend gegen gleich
bare Zahlung:
Ein Sofa mit Umbau, ein Trumeau mit Spiegel, ein Bauerntiſchchen und
eine Hobelbank.
(2331fso
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
Nelle, Pfandmeiſter.
Slamm= u. Dauhelz
Nann jederkeir zum Soforrigen Schneiden
angefahren werden im
2
Sallibi Sagewerk Mant
Darmstadt. Weiterstädterstrasse 70. (2318a
gorn
Kompoſt=Verſtergerung.
Mittwoch, den 2. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll der auf dem ſtädtiſchen Gelände an
der Pallaswieſenſtraße, zunächſt des
frühe=
ren Schachtgrabens, und hieran anſchließend
vormittags 11 Uhr
der weſtlich des Südbahnhofes, am
Pfung=
ſtädter Weg, lagernde Kompoſt, zuſammen
etwa 550 cbm, losweiſe an Ort und Stelle
(2327fso
verſteigert werden.
Zuſammenkunft in der
Pallaswieſen=
ſtraße jenſeits des Bahnübergangs und
am Südbahnhof.
. *
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt. V
J. V.: Ekert.
Fuhrleiſtungen.
Die Fuhrleiſtungen für den Betrieb der
Straßenreinigung und die Abfuhr des
Hauskehrichts ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamt, Zimmer Nr. 7,
während der Dienſtſtunden zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 10. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 26. Januar 1910.
(2329fs
Tiefbauamt.
Bekanntmachung.
Freitag, den 18. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Peter Fink Eheleuten dahier
zugeſchriebene Hofreite:
Flur
qm
Nr.
IV 6085m
1000 348 Rhönring Nr. 57,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K148/09
Falls keine anderen rechtlichen Hinderniſſe
entgegenſtehen, kann Genehmigung der
Ver=
ſteigerung auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 25. Januar 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L2344,61
Bekanntmachung.
Freitag, den 25. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll das der Witwe des Tapeziers Friedrich
Fey, Katharine, geb. Kraft, dahier
zuge=
ſchriebene Grundſtück:
Flur Nr. qm
22 39 2754 Hofreitegrund im tiefen
mit Scheuer 1 See,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K1/10
Darmſtadt, den 10. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L1359,61
Mittwoch, den 2. Februar ds. Js.,
vormittags 10 Uhr,
findet im Geſchäftszimmer der
Garniſon=
verwaltung Darmſtadt — Riedeſelſtraße 60
— die Verdingung der Lieferung der
Ver=
brauchsgegenſtände ꝛc. für 1910 ſtatt, und
zwar von 120 rm Brennholz, 80 kg
Mandel=, 180 kg Kern=, 1150 kg
Schmier=
ſeife und 1050 kg Soda.
(1612a
Die Bedingungen liegen an der oben
bezeichneten Stelle zu Jedermanns
Ein=
ſicht aus, können auch von hier bezogen
werden.
M
fährt 300 Wellen, ſowie 4 rm
We Stockholz aus dem Diſtrikt
Eſcholl=
brückerſtr. nach Weiterſtädterweg 6 und zu
welch billigſt. Preiſe? Offerten unter G 28
an die Expedition ds. Bl.
(2284df
Filder
Delikateß=
Sauerkraut
das beſte,, was in dieſem Artikel
ge=
boten werden kann,
per Pfund 12 Pfg.
Arid Saderkrau
per Pfund 8 u. 10 Pfg.
Salzbrühbohnen
per Pfund 25 Pfg.
empfiehlt
(2357a
Gg. Korbus, Einmachgeſchäft,
36 Luiſenſtraße 36. Telephon 1093.
Meine ſelbſteingemachten Produkte von
bekannter Güte, ſind in vielen Geſchäften
(durch Plakate erſichtlich) zu haben.
Für altes Eisen, alte Metalle,
Papierabfälle aller Art,
Geschäfts-
papiere, Bücher und Akten
unter Garantie des Einſtampfens zahle
ſtets die höchſten Preiſe.
(126a
Lippmann May,
Teleph. 157. Kl. Ochſengaſſe 14.
Aufträge werden jederzeit prompt erledigt.
ſtoz billig zu verk.; Herren=
Umzugshalstt zim. (Eiche), Schreibtiſch,
Bücherſchr., Tiſch, Seſſel, daſ. auch ein Kind.
Liege= u. Sitzwagen, Gasküchenlampe u. noch
verſchied. Roßdörferſtr. 78, 3. St. (C2352,2
Lagerhausstr.
16
Lagerhausstr.
16
öffentl. angest. beeidigter Bücher-Rerisor u. kaufm. Sachverständige
gewährleistet durch langjährige Erfahrung und umfassende
Kenntnisse prakt., gewissenhafte Bücher-Revision -
Ein-
richtung — zeitweilige u. dauernde Führung der Bücher,
nach allen Systemen u. für alle Branchen, gemäss zu
ver-
einbarender Pauschalsumme.
22
2:
Aufstellung, Prüfung u. Beglaubigung von Bilanzen
22
u. Inventaren.
*:
2:
Auskunft u. Rat in all. kaufm. u. Steuer-Angelegen-
*
heiten. — Steuer-Erklärungen.
2:
Prüfung u. Aufstellung von Vormundschaftsabrech-
*
nungen. — Vermögensverwaltung etc.
(24770a
Samstag auf dem Markt
eine große Partie ſchwere
(2373
1
Trischgeschossche Hasen
per Stück Mk. 3.50.
Hch. Woerthge II. aus Groß=Zimmern.
R
„p.-Kap. f. 2. Stelle gebe ſelbſt. Off.
unter G 35 an die Exped. (2295a
Ein oder zwei möbl. ungen.
Zimmer
ſep., ſof. zu mieten geſ. Offerten unter
G 72 an die Expedition d. Blattes. (*2228
Ein junger, ſolider Herr, 22 Jahre alt,
ſucht per 1. Februar in anſtändiger
Familie ein gut möbliertes und heizbares
Zimmer, event. mit Penſion und
Klavier=
benutzung, Mitte der Stadt,
Familienan=
ſchluß erwünſcht. Gefl. Offerten mit
Preis=
angabe unter 6 60 an die Expedition ds.
Blattes.
(*2206
Schön möbl. ungen. Zimmer, nahe
Hochſchule, geſucht. Offert. u. G 7
an die Expedition ds. Blattes.
(*
Mathematik
durch akadem. gebild. Lehrer. Vorbereitung
für alle Examina (Einj.=, Finanz=, Geom.=I.
u. II., Matur.=). Repet. für Hochſchüler. Einz.
Stunden an Selbſtunterrichts=Befliſſene
bereitw. Sorgfält. ſchnelle Förderung. Beſte
Empfehl. Wittmannſtr. 30, I.
(B2046
zur Teilnahme an
emon N
aunat
Lamon u. Ferrell italienischer Konversation
gewünſcht. Preis mäßig. Offerten unter
F 67 an die Exp. ds. Bl.
(*1820if
la Unterricht
Italienische ert. Lehrerin,
in Italien geprüft.
(*1828if
Näheres zu erfragen Martinſtr. 4, part.
Erfolgreiche, gründliche Nachhilfe in
Franzöſiſch, Engliſch, Latein erteilt
Sprachlehrerin. Vorzügliche Empfehlungen.
Stundenpreis 50 Pfg.
(*1490dif
Eliſabethenſtraße 44.
Englischen Unterricht
ſucht gebildeter Herr. Angebot unter G 68
an die Expedition ds, Blattes.
(2369
Abendliche Turngelegenheit
ſucht gebildeter Herr. Gefl. Angaben unter
& 69 an die Expedition ds. Blattes. (2370
Zum 1. Febr. 2 Musiker
in einem Weinreſtaurant ab 8 Uhr abends
geſ. Off. m. Preis u. G 45 a. d. Exp. (*2142df
Dr. Dralle’s
Glyeerin- und Honig-Gelee,
In kalter Jahreszeit und auf Gebirgs-
und Seereisen gegen spröde und
auf-
gesprungene Haut. Glänzend bewährt!
Fettfrei!
(2367D
Restauration Weinberg.
Samstag, den 29. Januar,
aflcſichd
Metzelsuppe
Es ladet ein
(*2189
Gregor Lohfink.
Gesucht zum 1. Februar
2 elegant möbl. Zimmer (Wohn= u.
Schlaf=
zimmer mit 2 Betten), mit Gas od. elektr.
Licht und Bad von einem Ehepaar.
Jo=
hannesviertel bevorzugt. Offer. unt. E 52
(2336a
an die Expedition ds. Bl.
Restaurant Justizpalast
Samstag, den 29. Januar,
für einen jungen
Schlafſtelle Mann nächſt der
Mühlſtraße geſucht. Offerten unter G 59
(2355
an die Exvedition ds. Bl.
(Konzert)
Heute zum Frühſtück:
Wellfleiſch mit Kraut, Bratwurſt ꝛc.
Hierzu ladet freundlichſt ein
(*2226
Michael Schnellbacher.
klich erstklassig
ist das heutige neue
Muster-Programm.
Grossvaters
4.
Märchen
— dramatisch. —
43
RHR
5. Kilderherz
in herrlicher Koloration.
stc. etc.
(*2219
Jeden Montag u. Freitag Frogrammwechsel
Kochstunde.
An dem jetzt beginnenden Kurs können
(792a
ſich noch einige Damen beteiligen.
J. Friedrich
Frankfurterſtraße 74, I.
Gut erhaltenes Symphonion
billig zu verkaufen
Rhönring 121, Manſarde.
2360fs)
Flickerinnen
die die Arbeit abh. od. auch ins Haus
kom=
men, werden nachgewieſen: Waldſtr. 20 bei=
Frau Friedrich, Arbeitsvermittlung des
Gew.=Vereins d. Heimarbeiterinnen, Gruppe
(*1190ofi
Darmſtadt.
große Stücke 10 Pfg.
Waſche z. Waſchen rleine Stücke 4 Pfg.
J. Plösser I., MMalchen.
2317df)
wenn Sie einen Versuch mit
meinem auf Spezial-Naschine
allerneuesten Systems täglich
frisch
à Pfund Mk. 1.10
bei 10 Pfund à „ 1.05
machen.
Garantie für: Reinen Geschmack,
kräftiges Aroma, naturelle, fäglich
frische Röstung, grösste
Ausgiebig-
keit, schöne gleichmässige Farbe.
Feinere Sorten:
Kaushalt-Mischung . . Pfd. Mk. 1.20
Hotel-Mischung . . . . „ „ 1.40
Wiener Mischung . . . „ „ 1.60
Karlsbader Mischung . „ „ 1.80
Mocca-Mischung . . . „ „ 200
A. Reichard
Kaffee-Schnellrösterei mit Motorbetrieb
Ecke Bleich- und Casinostrasse
Telefon 104.
Versand nach allen Stadtteilen.
Postkolli-Versand nach auswärts.
(2371a
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Seite 13.
S.SekfennerSoohe
Inhaber Otto Dexheimer
Ernst-Ludwigstrasse 5
nächst dem weissen Turm
Spezialhaus für Gardinen.
Bis zum 81. Januar
Saison-Ausverkauf
grosser Partieen zurückgesetzter
Gardinen, Stores, Brise-bises, Bettdecken etc.,
Damen-
u. Kinderwäsche, Stickerei-Unterröcke, Farb.
Kaffee-
u. Künstler-Decken, Teegedecke m. Servietten, Bett-,
Tisch- u. Küchen- sowie Bade-Wäsche etc., Damen- u.
Kinder-Schürzen, Kopf-Chawles u. Fichus, Farbige
Oberhemden m. Mansch. Farbige Krawatten (spottbillig)
welche separat auf Tischen ausgelegt
(2065omg
zu bedeutend ermässigten Preisen!
NB. Dieser Verkauf findet nur gegen Barzahlung statt. — Umtausch ist nicht gestattet.
213if) Woogsplatz 13, 1. Et., geräum.
5=Zimmerwohnung, Badezimmer, Veranda,
Gas, reichliches Zubehör auf 1. April od.
früher zu vermieten. Näh. daſelbſt parterre.
1 Zimmer
3=Zimmerwohnung mit gr. Veranda u. Gas
für 1. April zu verm. Einzuſeh. v. 11 Uhr an.
Für einzelne Dame oder Herrn!
In feinem, ruhigem Hauſe 2, event. 3 Zim.
(unmöbliert), ſofort zu vermieten. Adreſſe
(217if
in der Exped. ds. Bl.
Großes, leeres Zimmer
zum Aufbewahren von Möbeln uſw. zu
vermieten Neue Ireneſtr. 1, pt. (2378if
138t) Mathildenplatz 11 Werkſtätte
per ſof. z. verm. Zu erfr. daſelbſt.
*108t) Beſſungerſtr. 74, 3. St. rechts, ein
großes ſchön möbliertes Zimmer mit guter
Bedienung per ſofort zu vermieten.
58t) Eliſabethenſtraße 40, 1. St. rechts,
möbliertes Zimmer, mit oder ohne Penſion,
ſofort zu vermieten.
1667t) Saalbauſtraße 25, 2. Stock möbl.
Zimmer, ſeparat. Eingang, zu vermieten.
709t) Eliſabethenſtr. 49, g. gut möbl. Z.
1273t) Hügelſtraße 71 2 ſchön möblierte
Zimmer, 1. Stock, ganz ſeparat, pro
Mo=
nat 20 Mk. zu vermieten.
*1797imdf) Wilhelmſtraße 51, 1. Stock,
möbl. Wohn= u. Schlafzimmer mit Gas.
(*1844mdfs) Bleichſtr. 40, II. lks., nächſt
den Bahnhöfen, gut möbl. Zimmer.
2139a) Stiftſtraße 40, parterre, ſehr
ſchön möbl. Wohn= und Schlafzimmer mit
Schreibtiſch, Gas und Kachelofen, pro
Monat 30 Mk. mit Kaffee.
hran
ner
1. Stock, ſchön
Liebiraueustr. 98, möbl. Zimmer
an anſtändigen Herrn.
(*1900mdfs
*1950mdf) Karlſtraße 65½, möbl.
Zim=
mer per 1. Februar auf 1 Monat zu verm.
2313t) Kirchſtr. 17, 3. St. lks., ein möbl.
Zimmer, p. Monat 15 Mk. m. Kaffee, ſof. z. v.
2la) Vittoriaplatg 10, I., ingutem
Hauſe iſt freundlich. gut möbl. Zimmer
an ruhigen Herrn zu vermieten.
A0gäleo) Heidelbergerſtr. 23 möbliertes
Zimmer mit guter Penſion für 50 oder
60 Mk. zu vermieten.
*2061dfso) Heidelbergerſtr. 29 Koſt und
Wohnung für 40 Mk. monatlich.
*2046mfso) Nieder=Ramſtädterſtr. 31,
2. Stock Hinterh., möbl. Zimmer an Fräul.
oder Herrn zu vermieten.
1869a) Hoffmannſtraße 5½, III., möbl.
Zimmer per ſofort oder ſpäter billig zu verm.
*2211fso) Luiſenſtraße 32, II., möbliert.
Zimmer n. d. Straße m. Koſt bei Gg. Wedel.
2207fso) Luiſenplatz 1, möhl. Zimmer.
205fso) Hügelſtraße 29, ſchön möbl.
Zimmer mit Schreibtiſch per 1. Februar an
einen beſſeren Herrn zu vermieten.
*2197) Waldſtraße 12, 2. Stock, möbl.
Zimmer per 1. Februar zu vermieten.
Ein=
gang Grafenſtraße 37c.
In einigen Tagen
meines
großen Inventurausverkaufs.
Versäumen Sie nicht die äusserst
günstige Gelegenheit gute, nicht
1 abgelagerte Schuhwaren zu
auf-
fallend niederen Preisen zu kaufen.
Ludwigstrasse
Belrich Bober,
3
Inhaber Reinhard König
gegenüber M. Schneider.
(2208mfs
Bücher-Revisor G. Bertele
öffentl. Buchführer und kaufm. Sachverständiger
(zugleich gerichtlich beeidigter Revisionsbeamter)
Darmstadt, Mühlstrasse 66 (Kapellplatz)
empfiehlt sich zur Vornahme von Revisionen aller
Art, Bilanz-Abschlüssen, ferner für Neu-Einrichtung
und Ordnen von Buchführungen, fortlaufende Buch-
:: hältung, Steuer-Erklärungen etc. etc.
**
Vielseitige Erfahrungen.
Vielseitige Erfahrungen.
Gr. Gralles
Glyeerin- und Honig-Gelee.
Gegen spröde und aufgesprungene
Haut. Fettfrei!
Ueberall zu haben. (2365D
Gelegenheitskauf!
Neue gold. ſchwere Herren=Uhr 85 Mk., neue
gold. Damen=Uhr 25 Mk. (3 Jahre Garant.),
neues mod. gold. Glieder=Armband 45 Mk.,
mod. lange gold. maſſive Damen=Kette, ſehr
billig, nach Gewicht zu verkaufen, lange ſilb.
Damen=Kette 8 Mk., Halskette mit Anhäng.
5 Mk., maſſiv ſilb. Ketten=Armband 5 Mk.,
ſilb. Börſe 7 Mk., feine ſilb. Damen=Taſche
18 Mk., ſilb. Becher 8 Mk. Alles iſt geſetzl.
geſtempelt. Viktoriaſtr. 50, 3. St. (*2173
Jübſcher, neuer Pelz zu 6 Mk. zu
ver=
kaufen
Karlſtraße 97, II. (*2163
gut erhaltene Ueberzieher für mittlere
2 Figur zu verkaufen Schwanenſtraße 72,
(*2188
3. Stock.
Oo
Zu verkaufen!
In der Wilhelmstrasse
3=ſtöck. 6=Zimmerhaus,
Stal=
lung für 223 Pferde, Vor= u.
großem Hintergarten. Der
Ge=
amtflächengehalt beträgt 1545qm,
der Mietertrag Mk. 4370.—. Der=
Kaufpreis iſt bei günſt.
Zahlungs=
bedingungen Mk. 80000.—. Ernſte
Reflektanten erhalten weiteren
Auf=
ſchluß bei Bankbeamten Seb. Eckler,
Rheinſtraße 9, Teleph. 243. (165a
O
Line Vla
enthaltend 7 Zimmer, Gas, Waſſerleitung,
großer Garten mit ca. 50 tragbaren
Obſt=
bäumen verſchiedener feiner Obſtſorten, iſt
ſofort billig zu verkaufen. Kaufliebhaber
erhalten näheren Beſcheid unter F 85
bei der Expedition ds. Bl.
(B2109
Verkauf
2
nogo fün G.
eines Landhausos zu 6850 Mk.
Nicht weit von Darmſtadt (Vorort mit
Bahnſtation) iſt ein neuzeitliches
Land=
haus mit 5 Zimmer, 1 Küche, 1 Kloſett,
1 Speiſekammer, 1 Waſchküche, Veranda
u. Balkon, Kellerräume u. groß. Garten
ſogleich günſtig zu verkaufen.
Anzahlung 1500 bis 2000 Mk.
Sofort beziehbar. Ernſte Offerten
erbittet man unter B 32 an die
Ge=
ſchäftsſtelle d. Bl. einzuſenden. (973a
(24769a
Sämtliche Karneval-Ariikel
wie Luftschlangen — Confetti — Knallerbsen
Kappen etc.
liefert an Wiederverkäufer zu Engros-Preisen
1
gpsoh
Jakob skurnik, Spozlaligeschat für Paplerwaren,
en gros
Telephon 1791
en défall. (2330fdo
Grafen=
ſtr. 18
Schlegels
ſtr. 18
Fheater- und Masken-Garderobe
Verleih= und Verſandhaus.
Ueber 1200
Hiſtoriſche
Kulissen
2346t) Waldſtraße 30, möbl. Wohn=
und Schlafzimmer zu vermieten. K. Liß.
Eliſabethenſtraße 46, H. p.
ſchön möbl. Zim., ſep. Eing., ſof. zu v. (*2184
*2168fso) Mathildenplatz 11, Seitenb.,
möbl. Zimmer mit ſeparatem Eingang.
Größtes Lager am Platze.
Kostüme und Dominos für Herren,
Damen und Kinder.
Koſtüme für Feſtzüge und Koſtümfeſte.
Fahnen von 50 Pf. an zu verleihen. (1563a
*2198fso) Mühlſtr. 10, Vorderhs. part.,
ſchön möbl. Zimmer, Mk. 3.50 p. W. m. Kaffee.
Landhaus
an der Arheilger Chauſſee zu verkaufen.
Offert. unt. A 67 an die Exped. (717a
In bevorzugter Lage iſt
ein Acker ſehr
preis=
wert zu verkaufen
Käufer erhalten nähere Auskunft unter
F 84 bei der Expedition ds. Bl. (B2108
Arheilgen,
Ein ſchöner Obſtgarten, über 100
Obſt=
bäume, Zwerg= und Hochſtämme, iſt zu
verkaufen. Daſelbſt kann gebaut werden.
Näheres bei Chriſtoph Fiedler, Frank=
(1142a
furterſtraße 37.
in guter Lage mit Bau=
Bauplatz geld an tüchtigen
Geſchäfts=
mann unter günſtigen Bedingungen zu
ver=
kaufen. Offerten unter G 64 an die Exp.
(*2202fso
dsBlerbeten,
Bückereien
gutgehend und zu billigen Preiſen zu
ver=
kaufen. Offerten von Selbſtreflektanten
unter E 44 an die Expedition. (*2132df
Das Immobilien=,
Hypotheken=
n. Hausverwaltungs=Büro
A
C. W. Braun, Darmstadt
Martinſtraße Nr. 74, Fernruf 890
vermittelt
(B771
An= und Verkauf von Häuſern,
Villen, Bauplätzen ꝛc.
Er= und Vermietungen von Wohnungen,
Geſchäftslokalen ꝛc.
An= und Ablagen von Kapitalien
in I. u. II. Hypotheken.
DriſcheSeiter (rüäde 17, Jahre alt rot,
prachtvolles, gut erzogenes Tier, zu
verkaufen. Näheres
*2179fs)
Aliceſtraße 43, Seitenbau L.
Juhus Kahn
Schulstrasse 15 Telephon 135
Ae-O
Ver Sicher ungsbüre
Hypotheken
Immobilien
Wohnungsnachweis.
(190a
Feinste Referenzen.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Nummer 23.
Kieler Sprotten.
Kiel, im Januar.
nge. Fünf Millionen Sprotten! Ein paar Tauſend
mögen es mehr oder weniger geweſen ſein, aber ſo um
und bei war’s das Erträgnis, mit dem nach einer Periode
dürftiger Fänge die Fiſcher der ſchleswig=holſteiniſchen
Oſt=
ſeeküſte eines Morgens in der verfloſſenen Woche die
Räu=
chereien von Kiel und Eckernförde überſchütteten. Ein
Se=
gen, der, ohne die Einmiſchung übernatürlicher Kräfte
ein=
geheimſt, ſelbſt das bibliſche Fiſchzugswunder auf dem
See Genezareth weit hinter ſich ließ. Fünf Millionen
Fiſche, und obendrein allerdelikateſter Qualität! Das
klingt nach einer Handvoll Goldfüchſe in jeder Fiſcherkate.
Aber leider: „Wenn de Fiſch’ wat gelt, denn hebbt wie
keen; und hebbt wi welk, denn ſo gelt ſe nir.
Das iſt die ewige Klage der armen Teufel, die
all=
nächtlich bei jedem Wetter da draußen in der See ihre
Wade ziehen. Der Preis, ja ſogar die
Verwendungsmög=
lichkeit für die Fiſche richtet ſich nach dem Angebot, mehr
als bei anderen Waren. Denn der Sprott will nur in
ab=
ſolut friſchem Zuſtand verarbeitet werden. Ja, wenn der
Fang von fünf Millionen ſich auf die ſechs Arbeitsnächte
verteilt hätte, dann hätte es was werden können mit der
Handvoll Goldfüchſe. Aber ſo .? Man darf
zweifel=
haft ſein, ob man den Sprottenfiſcher mehr um der Härte
ſeines Berufs willen bedauern ſoll oder wegen der
Ent=
täuſchungen, die ihn auch dann noch verfolgen, wenn er
das Glück beim Schopf aus dem Waſſer gezogen zu haben
glaubt. Nur gut, daß ihn die Gewohnheit gegen dieſe
ebenſo abgehärtet macht wie gegen die Arbeit; die
Schwie=
len, die ſeine Hände verhärten, umkruſten mit der Zeit
auch ſein Empfindungsleben, und das Phlegma, das man
dem Seemann im allgemeinen nachſagt, vertieft ſich bei
ihm zur Reſignation, die ihn vor Entmutigung ſchützt.
Mag er fünf Nächte vergeblich gearbeitet haben, er fährt
am ſechſten Abend wieder hinaus, ohne leidenſchaftliche
Hoffnung, aber auch keineswegs als verärgerter
Schwarz=
ſeher. Als ein in das Schickſal Ergebener, der ſein
Hand=
werk verſteht, ſeine Arbeit willig tut und die Geſetze der
Fiſcherei reſpektiert.
Geſetze ſind’s eigentlich nicht; nur mündliche, durch die
Ueberlieferung geheiligte Vereinbarungen, die der
anſtän=
dige Sprotten= und Heringsfiſcher jedoch unverbrüchlich
innehält auch ohne die Furcht vor drohenden
Strafpara=
graphen. Niemandem fällt es ein, die als wöchentliche
Schonzeit feſtgelegte Sonntagnacht durch einen Raubzug
zu entweihen; kein Boot bricht, um draußen dem anderen
das Fett von der Suppe zu löffeln, vor der allgemein
ver=
einbarten Nachmittagsſtunde auf; und wer auf dem
Fangplatz, dem er ſein Vertrauen geſchenkt, ſchon einen
anderen, der ſchneller geſegelt oder bei flauem Wind mit
den Riemen „gepullt”, vorfindet, denkt nicht daran, dem
Genoſſen das Recht des erſten Zuges zu beſtreiten. So
wenig wie der Erſtangekommene ſein Zugnetz zum zweiten
Male an der gleichen Fangſtelle auswerfen würde, ehe der
Nächſte und, ſind deren mehrere, alle der Reihe nach ihr
Glück verſucht haben. Erſt dann beginnt, vorausgeſetzt,
daß die Nacht noch lang genug, der Turnus von neuem.
Das heißt, von einzelnen Fiſchern iſt natürlich nicht
die Rede, denn einem Mann ſollte es ſchwer werden,
neben dem ſchweren Boot den mächtigen Fangapparat zu
regieren. Je zwei ſtarke Fahrzeuge vielmehr, ein jedes
mit drei Mann beſetzt, bilden eine Fanggenoſſenſchaft; die
Sechs teilen unter ſich die Enttäuſchungen, den Gewinn
und — zunächſt einmal — die Arbeit. Und die iſt um ſo
härter, je widriger das Waſſer, je eiſiger der Nordoſt, je
ſchwerer der Seegang iſt. Da gilt’s zunächſt einen Pfahl
in den Grund zu rammen, an dem dasjenige Boot, in dem
die braune Maſſe des dichtmafchigen, dickfädigen
Netz=
werkes hochaufgetürmt lagert, feſtgelegt, das eine Ende
der langen Wade verknüpft wird. Mit dem anderen Ende
rückt die Mannſchaft des zweiten Bootes im geraden Kurs
davon, weiter, immer weiter, bis der ganze Netzplan ſamt
den an beiden Enden befindlichen Zugleinen aus dem
feſt=
liegenden Fahrzeug heraus und ins Waſſer gehaſpelt iſt
und nun, an der oberen Kante mit Schwimmern verſehen,
an der unteren durch Blei beſchwert, als zwei Meter hohe
Wand, die ſich in der Mitte in einen langen Beutel öffnet,
ſenkrecht auf dem Grunde des Meeres ſteht. Dann legt ſich
die Mannſchaft des frei beweglichen Boots in die Riemen
und kehrt mit dem äußeren Ende der Wade in weitem
Bogen langſam zum feſtliegenden Fahrzeug zurück. Die
Boote werden längsſeit nebeneinander vertäut; und nun
beginnt in beiden die ſaure Arbeit des Netzeinholens,
Griff um Griff, eine Armlänge nach der andern, hüben
und drüben. Inwieweit der Fang geglückt, erkennt der
Fiſcher ſchon an der Zahl der in die Maſchen der Netzwand
verhaſpelten Fiſche, deren Maſſe jedoch, mehr und mehr
in die Enge getrieben, ſchließlich im Beutel des Netzes
vergeblich ſeine Zuflucht ſucht. Der iſt im Falle geſegneten
Fanges bisweilen ſo ſchwer, daß die ganze zwölfarmige
Fanggenoſſenſchaft nicht imſtande iſt, ihn ins Boot zu
heben, ohne zuvor ein tüchtiges Maß des ſelbſt in der
Dunkelheit ſilbrigen Gezappels mit der hölzernen
Boots=
ſchaufel an Bord zu ſcheffeln. Je leichter die letzte Arbeit,
deſto geringer der Erfolg, und leider nur zu oft endigt die
ganze Nachtarbeit mit einem knurrend hervorgeſtoßenen:
„Keinen Schwanz!”
Hat ſich der Fang halbwegs gelohnt, dann heißt es
ſchnellſtens damit an den Markt, nach Kiel oder dem
Nachbarſtädtchen Eckernförde, den beiden Plätzen, an denen
heute die Fiſchräucherei im Großbetriebe blüht. Aber ſo
eine Heimfahrt iſt leider zumeiſt ſchneller gedacht als
aus=
geführt. Denn die deutſchen Oſtſeeküſtenfiſcher arbeiten
noch bei weitem zumeiſt mit Segelfahrzeugen, erſt
allmäh=
lich bürgern ſich daneben die Motorboote ein; und weht
daher die Briſe konträr oder ſetzt ſie gar ganz aus, dann
heißt es geduldig kreuzen oder im Schweiße des
Ange=
ſichts rudern, zum mindeſten bis an den Dampfer, der von
der Reederei hinausgeſandt wurde, um, wenn der Fang
die Mühe lohnt, die Fiſcher in offener See zu erwarten,
ihre Beute an Bord zu nehmen und, ſeinen Anteil am
klingenden Lohn in Geſtalt von Frachtvergütung vorweg
berechnend, ſie dem Markte zuzuführen. Bis ſie dort bei
Tagesgrauen eintreffen, ſind die Fiſche, die geräde um die
gegenwärtige Jahreszeit ihren Höhepunkt delikaten
Fett=
gehalts erreicht haben, ſortiert, im Großen abgezählt und
liegen mauſetdt — kein Hering, keine Sprotte erträgt das
Leben in der freien Luft auch nur eine Minute — auf Deck
in den hoch übereinander gebauten flachen, offenen Kiſten.
Mit einem einzigen ſchnellen Raubtierblick wiſſen die
Agenten der Räuchereien Menge und Güte des Fanges zu
überſchlagen. Iſt er gering, ſo ſucht ein jeder ſo viel zu
erobern, wie er kann; der Fiſcher iſt der Herr der
Situa=
tion, der Preis ſchnellt in die Höhe. Je umfangreicher die
Zufuhr, deſto gleichgültiger die Aufkäufer; der Wettſtreit
der Nachfrage wandelt ſich in einen ſolchen des Angebots,
die Preiſe ſinken. Und werden gar fünf Millionen
Sprot=
ten auf einmal an den Markt geworfen, dann iſt’s von
vornherein gewiß, daß die Hälfte des mühſamen Fanges
an die Düngerfabriken geht, eiſenbahnwaggonweiſe zum
Groſchenlohn. Denn mehr als die Räuchereien am ſelben
Tag verarbeiten können, kaufen ſie nicht, und auch ſo viel
nur zu einem Spottpreiſe, der unter den Fiſchern manches
lange Geſicht erwirkt. Niedergeſchlagen ſehen ſie ihren
herrlichen Fang davonfahren, deſſen Verarbeitung bei der
äußerſten Empfindlichkeit der Ware keinen Aufſchub
er=
duldet. Hundert Hände regen ſich in den großen
Räuche=
reien, die Fiſche zuzurichten, zu waſchen, zu ſalzen, zu
ſchwälen. Schnell wandelt ſich das Silber ihres
Ge=
ſchupps in gleißendes Gold. Schnell ſind ſie gar, werden
zu je 80 Sück — ein Wall heißt das Maß — in die
ſau=
beren, glatten, flachen Kiſtchen verpackt, und wenn die
Abendzüge die Stadt verlaſſen, dann gehen die Kieler
Sprotten fix und fertig in alle Teile des Reichs und heute
längſt über deſſen Grenzen hinaus, ein delikater Genuß
den Liebhabern, von denen kaum einer der ſchweren
Ar=
beit und der mannigfachen Mühen gedenkt, unter denen
ſie in finſterer, kalter Winternacht vor knapp 24 Stunden
ihrem Elemente entriſſen wurden.
G. H.
Vermiſchtes.
— Vom franzöſiſchen Blumenhandel teilt Hamilton
Fyfe intereſſante Tatſachen und Einzelheiten in einem
engliſchen Blatte mit. Die Sonnenſtadt iſt auch im
Winter die Stadt der Blumen; in allen Straßen leuchten
dem Flaneur die farbenſchimmernden Kinder Floras
entgegen für ein paar Sous kann man ſich auch in
dieſer Zeit die Herrlichkeit des Frühlings und Sommers
vortäuſchen. Ein großer Teil dieſer Blumen kommt von
der Riviera. Jeden Tag um 1 Uhr trifft der
Blumen=
zug von Nizza ein. Es iſt ein langer Zug, und
wenn der Frühling beginnt, wird er noch länger. Jeder
Waggon iſt bis oben auf mit der leichten, blühenden
Fracht angefüllt; die Blumen ſind mit der größten
Sorgfalt verpackt; denn ſie haben zum großen Teil von
Paris aus noch eine lange Reiſe vor, gehen nach
Eng=
land und nach Deutſchland und müſſen an ihrem
Be=
ſtimmungsort friſch ankommen. Der Transport nach
England iſt ſehr bedeutend; vom November bis Mai
vorigen Jahres wurden von der Riviera über Marſeille
und Paris 2000 Tonnen Blumen geſandt. Da jedes
Pfund Blumen eine große Anzahl von Blumen enthält,
denn ihre feine Schönheit iſt ebenſo leicht wie zart, da
2240 Pfund erſt eine Tonne ausmachen, ſo kann man
ſich vorſtellen, was für eine koloſſale Menge das iſt. Es
ſind ſchon Blumen, die faſt 5 Millionen Pfund wiegen, in
einer Saiſon nach England gekommen. Doch der
Blumen=
verbrauch Englands iſt in den letzten Jahren von
Deutſch=
land überflügelt worden. Wir beziehen jetzt von der
Riviera faſt ein halb mal ſo viel Blumen wie die
Eng=
länder, während wir im Jahre 1903 bis 1904 nur de
Hälfte und in dem Jahre 1906/07 die gleiche Menge
Blumen von der Riviera erhielten. Es iſt ein Beweis
für den Reichtum und den Luxus Deutſchlands, daß ſich
unſer Blumenverbrauch innerhalb von ſechs Jahren
ver=
dreifacht hat, während der der Engländer zurückging. Doch
der franzöſiſche Blumenhandel baſiert nicht allein auf
dem Reichtum, der aus den Gärten der Azurküſte kommt,
ſondern auch in Paris wird eine große Menge Blumen
gezogen. So ſind in Montrouge rieſige Treibhäuſer, in
denen Flieder in allen Farben und in allen Stadien des
Blühens gezüchtet und verſandt wird. Die Färbung
wird durch verſchiedenartiges Licht erreicht, das man auf
die Blumen einwirken läßt. Iſt der natürliche Fliederton
modern, dann wachſen die Blumen in vollem
Sonnen=
licht auf; will man weißen Flieder haben, ſo wird das
Treibhaus verdunkelt. Durch geſchickte Miſchung von
Licht und Schatten läßt ſich auch gefleckter Flieder
er=
zielen. In einem andern Teil von Paris, in Charonne,
befinden ſich die bedeutendſten Orangeblüten=Züchtereien,
die den Brautkranz nicht nur der Pariſerinnen, ſondern
auch vieler Frauen im Auslande ſchmücken. So blühen
auch ſehr viele Veilchen, Maiglöckchen und andere
Blumen, die als „Blumen von Nizza” gelten, auf Pariſer
Boden heran.
Wer einen wirklich guten
trinken will, der probiere meine (2335a
Carlsbader und
Wiener Mischung
per Pfund 1,50 und 1,70 Mark.
Dieburger-
Georg Roth, strasse 9.
Ich Komite Sotert
und bezahle Ihnen wegen dringendem
Warenbedarf konkurrenzloſe höchſte Preiſe
für getragene Kleider, Schuhe,
Feder=
betten, Zahngebiſſe ꝛc.
(2337a
Jakob Friedel, Schlossgasse 29, Laden.
Wegen Umbau zu verkaufen
2. Schaufenſter mit Rolläden . 2.08/2.65 m
1 Fenſter mit Rolladen . . . 1.25/2.20 m
ev. Ladentür, zweiflgl. m. Rollad. 1.50/2.34 m
2175a) Herm. Berger, Ernst Ludwigstr. 10.
(2033t
Großer
Herrenſchreibtiſch
Eiche, mit Bildhauerarbeit, Prachtſtück,
ſehr preiswert zu verkaufen. Näh. Exped.
echt ſilberne Meſſer
1—2 Dutzend und Gabeln zu kaufen
geſucht. Offerten unter 6 56 an die Ex=
(*2178
pedition ds. Bl. erbeten.
Gebrauchter, gut erhaltener Kleiderkoffer
zu kaufen geſucht. Offerten u. G 55
(*2177
an die Expedition ds. Bl.
zu kaufen geſucht, ev.
Grammophon Pfandſchein. (2309df
Off. m. Preisang. u. G 43 a. d. Exp. d. Bl.
Danarienhähne, höchſt präm., zu verk.
S 2027a)
Waldſtr. 22, Stb., Heß.
Heute Freitag ſind auf dem Markte
mittlerer und kleiner Stand,
Schellfische, Cabliau
und grüne Heringe
zingetroffen. (*2171
Goooososossossestegesssossesssgsseseeeses
C
2
Nhteigtang!
2.
(eint=Selilen.
5
ℳ. 4
5
ni
(5
?
e e e ent ie
6
5
Zur Erhaltung der natürlichen Schönheit
6
gibt es nichts Besseres als die berühmten
3
und stets bewährten A0 K-Spezialitäten.
5
Zur Kautptlege
Aok-Teint-Seife
à 1,50 M.
Aok-Spezial-Creines gegen hartnäckige
Schönheitsübel u. z. Teintkonservierung à 2,— M.
3
degen Mitesser, Nickel usw.
Aok-Seesand-Mandelkleie
à 1.— M.
Aok-Gesichtsbinden
. . . . . . à 2,— M.
3
degen Runzein und Falten
Aok-Mandelpulver I .
à 2,— M.
*
Aok-Mandelmilch . . . . . . . . à 2,— M. 2
2
Aok-Gesichtsbinden .
. . . . à 2,— M.
Die in den Schönheits-Vorträgen der Frau
Barkamp empfohlenen Präparate und Apparate sind
älle mit diesbezügl. Gratis-Schönheits-Lexikon &
bei mir vorrätig:
5
4
Georg Frz. Frank,
(o
Sooossgesesssessseosesssgggsgeshensesgeed
linen Posten etwas trübe gewordener
Schweizer Stickereien
verkaufen wir, so lange Vorrat reicht, zu
wesentlich ermässigten Preisen.
Strauss & Mayer, Hoflieferanten
Schulstrasse 8.
(15870)
Schulstrasse 8.
Vorzügliche Qualität. Erprobte Passform.
Garantie für Haltbarkeit!
Jedes Paar
e
25
Mk,
Schuhfabrik Turul
Alfred Fraenkel, Com.-Ges.
DARMSTADT
Schulstr. 5. (789a
Filialen inallen grösseren Städten
Deutschlands.
2 große
Burean=Schreibtiſche
zuſammen oder getrennt verwendbar, ſowie
Herren-Schreibtisch mit Aufſatz
(*1992mfo
billig abzugeben
Rheinſtraße 12½, 1 Treppe.
Grbteilungshalber ein P IANIN0,
kreuzſaitig, ſofort
gegen Barzahlung zu verkaufen. (2366dfs
M iee
Anzuſehen Hügelſtraße 6, part.
Spottbillig: zwei Truweaurſpiegel, ein
anderer großer
*2172)
Karlſtraße 26, 1 . Stock.
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Seite 15s
aus anſtänd. Familie
Jüng. Fräulein gewandt im
Maſchinen=
ſchreiben und Stenographie, ſucht
Anfangs=
ſtelle. Offerten unter & 70 an die
Expe=
dition ds. Bl. erbeten.
(*2217
tüchtig, perfekt, empfiehlt ſich
Schneiderin, in und außer dem Hauſe
*2167) Rückertſtraße 15. Karte genügt.
*2047mf) Ein zwölfjähriges Mädchen
ſucht Beſchäftigung Dieburgerſtraße 40,
Seitenbau links.
(2057dfs
Mädchen
welche gedient haben, gute Zeugn. beſitzen
u. verſchiedene Landmädch. ſuchen Stellen in
Geſchäftsh. Frau Neßling, Ludwigſtraße 8.
(*2175fs
Gebildete Dame
ſucht Stelle zur Führung des Haush. oder
als Stütze. Offert. u. G 54 an d. Exped.
*2174f.) Saubere Frau ſucht Laufſtelle,
auch Wasch. u. Futz. Dieburgerſtr. 18, Hth. I. I.
ſucht für vormitt.
Junge Frau 2 St. Laufdienſt
*2176)
Gardiſtenſtraße 20, 2. Stock.
*2185) Ein Fräulein, Engliſch ſprechend,
im Haushalt u. Küche bewand., ſucht Stell.
zur Führung eines Haushalts bei einzelnem
Herrn. Offert. unt. & 57 an die Exped.
Stellen ſuchen
mehrere Mädchen jeder Art durch Frau
Weißmantel, Eliſabethenſtraße 37. (*2190
2242) Ein Mädchen ſrcht ſof. Stelle in
Reſtaur., ein Mädchen zum 1. Februar in
Geſchäftshaus, zwei Mädchen, die in
Haus=
arb. tüchtig, im kochen etwas bewandert,
zum 15. Februar in Privath. Frau Eliſab.
Frank, Saalbauſtraße 33.
Stellung ſuchen:
mehrere junge Alleinmädchen
mit guten Zeugniſſen ſofort u.
1. Februar durch das
Zentral=
ſtellenbureau v. Fr. Auguſte
Schmidt, Ballonplatz 5, II.
(*2201
Stellen ſuchen:
Perfekte Herrſchaftsköchin, älteres
Küchen=
mädchen in Hotel od. Reſtauration,
Allein=
mädchen, welche kochen u. etwas vom Kochen
verſtehen, in Privat= u. Geſchäftshäuſ. für
ſof. u. ſpät. Frau Dingeldein, Stellenbur.,
Schützenſtr. 10½. Telephon 531.
(*2238
*2239) Junge Frau ſucht nachmittags
Laufdienſt. Rundeturmſtr. 5, 1. Stock.
2232) Frau ſucht ſpülen für mittags oder
Laden o. Büro zum putzen für abends.
Näheres Wenckſtraße 48, Manſarde.
*223) Mädchen ſuchen Stellen in
Privat= und Geſchäftshäuſern.
Frau
Schmidt, Schlachthausplatz 3.
Kaufmann
mit ſämtl. Kontorarb. vertraut, zeichneriſch
gut veranlagt, ſucht in Möbelfabrik od. dgl.
p. ſof. evt. ſpäter Stellung. Gefl. Off. u.
G63 an die Expedition ds. Bl. (*2192
— Bauführer
24 J., 3 Sem. Baugewerkſch., m. gut. Zeugn.
ſow. gut. Baupraxis, ſucht p. 15. März od.
ſpäter Stelle f. Bureau u. Bauplatz. Off.
unter & 65 an die Expedition. (*2196fo
2050mdt) Für einen ordentl, ſauberen
15 jährigen Jungen
welcher die Mittelſchule beſucht hat, wird
leichte Beſchäftigung, per ſofort od. ſpät.
geſucht. Offerten u. G 20 Exped. erbeten.
für Sohn achtbarer Eltern
Fe
Lehrstelle in einer Gärtnerei geſucht
Offert. u. 2 85 an die Exped. d. Bl. (245a
e
M
2248df) Eine ſtenographiekundige
Maſchinenſchreiberin
(Adler) auf 2 Monate zur Aushilfe für ein
kaufmänniſches Bureau geſucht. Eintritt
1. Februar. Angebote mit Angabe
ſeit=
heriger Tätigkeit und der Gehaltsanſprüche
unter G 23 an die Expedition ds. Bl.
Jüngere Verkäuferin
352
für die Kindergarderoben=Abteilung ſucht
Theodor Schwab, Ernſt=Ludwigsplatz.
Mehrere tüchtige
PE
Verkauferinnen
für Kurz- und Wollwaren gesucht.
Offerten erbitten nebſt Bild, Zeugn. und
Gehaltsanſprüchen
(2359
Geschw. Knopf.
(*1801
2 Arbeiterinnen geſucht. omk
Konfektion E. Wißmann, Soderſtr. 84 I.
Tüchtige Schneiderm
perfekt im Abſtecken, für meine Aenderſtube
zum alsbaldigen Eintritt geſucht.
(2323
Vorerſt ſchriftliche Bewerbung mit
An=
gabe der ſeitherigen Tätigkeit und der
Ge=
haltsanſprüche erbeten
Arigstnongg
Joseph Stade, Luu wigstlasee 19.
2137a) Tüchtige Aushilfe und tüchtiges
Mädchen geſucht, das kochen kann
Wixanderſtraße 18.
Konsumartikel.
Eine Firma, die direkt mit Ueberſee arbeitet, beabſichtigt für den Vertrieb ihres
Konſumartikels am hieſigen Platze für die Stadt und Umgegend Lager zu halten und
wünſcht dieſerhalb mit einem Händler oder kleinerem Fabrikanten, der täglich die
Spezereiwaren= und Obſthändler in Stadt und Umgegend beſucht, ein Arrangement
für Uebernahme ihrer
(23499i
M
1
Vertretung
zu treffen. Vorzugsweiſe wollen ſich Reflektanten melden, welche bereits eigenes
Magazin und Fuhrwerk haben und bittet man um Angabe von Referenzen.
Es handelt ſich um einen gangbaren Artikel, wobei mit Leichtigkeit 1000 Mark
per Saiſon verdient werden können und zwar ohne eigene Kapitalsanlage.
Reflektanten, welche Garantie leiſten können, wenn auch nur für einen mäßigen
Betrag, werden bevorzugt.
Offerten sub K. O. 4575 an Rudolf Mosse, Köln, erbeten.
2249df) Bei hohem Gehalt und
dauernder Stellung ſuche ich eine
in Dekorationsarbeiten gewandte
D
Direktriee
für die Tapezierwerkſtätte.
Eintritt kann nach Wunſch erfolgen.
Offerten an Joseph Trier,
Hofmöbelfabrik, Darmſtadt.
Ein sauberes Mädchen
tagsüber geſ. Roßdörferſtr. 51½, I. (2228a
2153) Zuverläſſiges Mädchen in beſſ.
Haushalt, nicht kochen, geſucht
Viktoriaſtraße 41.
*2162fs) Gut empfohlene Putzfrau oder
Mädchen für einen Nachmittag in der
Woche geſucht
Steinſtraße 2, I.
Reinliche, zuverläſſige Frau
oder Mädchen zum Brötchentragen; geſucht.
2339a)
Bäckerei, Holzſtraße 21.
*2180) Jüngeres Mädchen von hier,
welches etwas nähen gelernt hat, als
Haus=
mädchen für ſehr gute Stelle geſucht.
Franks Stellenbureau, Karlſtraße 31.
Köchinnen, Hausmädch.,
Suche Alleinmädchen u.
Kinder=
mädchen in großer Anzahl. Frau
Weiß=
mantel, Eliſabethenſtraße 37.
(*2191
t zum 1. Februar nach Mainz ein
Geſucht Mädchen, das ſelbſtändig bürg.
kochen kann, nicht zu jung; Kindermädchen
iſt vorhanden. Geſucht Mädchen für hier
und auf Villas in die Umgegend.
Stellenbureau Debus
Karlſtraße 79
(*2222) Telephon 1737.
*2195) Zuverläſſige Perſon zu einzelner
Dame geſucht Wendelſtadtſtraße 8.
2215) In einfach bürgerlichen Haushalt
ein gebildetes älteres Fräulein (evangeliſch)
als Stütze der leidenden Hausfrau, zu
als=
baldigem Eintritt geſucht. Dienſtbote
vor=
handen. Anerbieten unter & 67 an die
Expedition ds. Bl.
2236) Junge Köchin für Hotel=Reſtaur.,
Büfettfräulein für 1=klaſſ. Cafés,
Küchen=
mädchen, Servierfräulein geſucht
Bureau Dingeldein, Schützenſtr. 10½.
Stellen finden:
Köchinnen in Privat= u. Herrſchaftshäuſern,
1. u. 2. Hausmädchen, tücht. Alleinmädch.,
welche koch. u. nicht koch., zu 2 Leut. u. einz,
Dame, mehr. jüng. Mädch. in gute Stell. f.
hier u. ausw. durch Frau Dingeldein, Stellenbpr.,
Schützenſtr. 10½. Telephon 531.
(*2237
Jahre lang beſetzter Poſten
für gewandtes Hausmädchen
in Herrſchaftshaus offen. Evangel. beſſ
Mädchen, die ſchneidern, feinbügeln, ſervieren
können, mit guten Zeug: erf. Näheres in
d. Exp. d. Blattes. Vorſtell. pormitt. (B2372
2377) Ein zuverläſſiges, einzelſtehend.
Frauenzimmer wird auf 1. April d. J.
gegen freie Wohnung zu Beſorgung eines
Bureaus geſucht. Näheres in der Exped.
4
e
Szie Vertrerung
einer angeſehenen Geſellſchaft
für die
Aatelobn
Versicherung
wird an fleißigen Herrn vergeben.
Hohe Bezüge!
Auf Wunſch
(2348D
feste Anstellung.
Gefl. Angebote zu richten unter
K. 199 D. an Daube &Co. in Berlin.
Einen geübten
Anwaltsgehilfen
(2338a
ſucht
Geheimer Juſtizrat Purgols.
2224) Tüchtige Provisionsreisende
auf einen großartigen Gebrauchsartikel,
den jedermann kauft, bei hohem Verdienſt
gesucht. Offerten unter G 74 an die
Expedition dieſes Blattes.
Gate Kistenz.
Gegen Gehalt und Proviſion wird ein
redegewandter Verkäufer (derſelbe braucht
kaufmänniſche Kenntniſſe nicht zu beſitzen),
dem gegen kleine Kaution das Inkaſſo
mit=
übertragen werden kann, für hieſigen Platz
und Umgegend zu engagieren geſucht.
Geeignete Bewerber wollen ſchriftliche
Offerte einreichen.
(2312dfs
Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges.
Ernſt=Ludwigſtraße 18.
(9700
Zul Hausierer!
Für ein hochfeinen Hauſier=Artikel werd.
tüchtige Verkäufer geſucht. Günſtig für
Karnevalszeit. Zu erfragen von 3—6 Uhr
Stehbierhalle „Hotel Heß”.
(*2199
Schneider
für die
Tapezierwerk=
ſtätte für dauernd
geſucht.
Offerten an Joseph
Trier, Hofmöbelfabrik,
Darmſtadt.
(2250df
Ein tüchtiger
Fuhrmann
geſucht
2209mdf) A. & J. Monnard.
Lehrling
mit guter Schulbildung, aus guter Familie,
ſucht bei ſofortiger Vergütung.
(2011a
M. W. Praſſel, Grafenſtr. 25.
Lehrling (2276dfs
mit guter Schulbildung für Oſtern geſucht.
Theodor Schwab, Ernſt=Ludwigsplatz.
Tapezierlehrling
per Oſtern geſucht H. Leichtweiß, Tape=
(B236
ziermeiſter, Beſſungerſtraße 41.
Waskenkoſtüm, eleg. ſchw. Domino, b. z.
M verleihen Dieburgerſtraße 13, I. (*2204
eines Maskenkoſtüm (Teufelin) billig zu
verleihen Roßdörferſtr. 69, 3. St. (*2203
Jamen=Maske, Zigeunerin, (3 Mark) zu
verleihen Gardiſtenſtraße 35.
(*2200
Damen=Maske (Amerika) billig zu verl.
*2182fs)
Liebigſtraße 44, 3. St.
Einguterhaltener Herren-Domino
zu kaufen geſucht Aliceſtr. 30, 2. St. (*2220
Zwei elegante, Masken-Anzüge
faſt neue
(Carmen und ſpaniſche Tänzerin) billig zu
verleihen oder auch zu verkaufen
2368fs)
Landwehrſtraße 1½, 3. St.
Kaskenkoſtüm (Aſſprerin u Baſaszo) u.
M weiße Ballſtieſel (42) zu verkauf. od. zu
verleihen Landwehrſtraße 6.
(*2230
Maskenkoſtüm, eleg. ſchw. Domino, z. verl.
M2227) Landgraf Philipp=Anlage 60½, p
zu
Damen=Maske (Carmen) verleih
50
2223)
Debus, Karlſtraße 79.
Schönes Maskenkoſtüm
(Spanierin) billig zu verleihen
*2042t) Gutenbergſtraße 11, part.
Hübſches Maskenkoſtüm zu verleihen od.
zu verkaufen Kaſinoſtr. 18, I. (*2208fd
ſaskenkoſtüm (Spanierin) zu verleihen
N*2214fs)
Kirchſtraße 19, 2. St.
Eleg. Maskenkoſtüm zu verkauf. od. auch
zu verl. Bismarckſtr. 82, part. (*2052mf
(Drienkalin) billig
Maskenkostüm zu verleihen
Maskenanzüge
in ſehr großer Auswahl, ſehr billig zu verl.
Joh. Wenz, Kirchſtr. 8, II.
(1376a
Masken-Garderobe
große Auswahl, billig für Herren u.
Damen, bei
*2029mf
Frau Böhm, Karlſtraße 26.
Eingang Kiesſtraße.
M
armen und
Eleg. Damen=Masken Schutztruppe
zu verleihen Parcusſtraße 10, I. (*1935mf
ſchöne Damenmasken zu verleihen
Wienersſtraße 51, part.
(*1970mfo
ſchwarz=ſeid. Domino zu verleihen
1 Mauerſtraße 12, part.
(*1998mfs
Tsteil. Roßhaarmatratze, neu aufgearb.,
rot. Drell, bill. zu verk.
(*1807omf
P. Frieſe, Tapezier, Viktoriaſtr. 26.
Neue Herren=Masken billig zu verleihen
N. W. Aberle junior, Magdalenen=
(*1370mdsf
ſtraße 13, Hinterbau.
Hochf. Maskenanzug
Für Tanzſtundt . (Spanier) billig abzug.
Näh. Nied.=Ramſtädterſtr. 34, part. (*1818if
Fleg. ſchwarz=ſeid. Domino mit Hut
bill. zu verl. Lukasweg 11, I. (*2090df
2470) Damen-Masken
Woogsplatz 13. part.
zu verleihen
Große Auswahl — Billige Preiſe.
4 eleg. Damenmasken
billig zu verleihen Kaſinoſtr. 17, II. r. (1819a
Schöne, faſt neue Maskenkoſtüme zu
ver=
leihen Rheinſtr. 12½, IV.
(*1959mdf
*1823mf)
Georgenſtraße 3, part.
chönes Maskenkoſtüm billig zu verleih.
*1942mf)
Wienersſtraße 74.
Samen=Maskenkoſtüme in großer
Aus=
wahl
Soderſtraße 47, I. I. (1870a
Eleg. Damen=Masken, teils neu, und
Herren=Dominos zu verleihen
Kies=
ſtraße 32, parterre.
(1315a
ſchöne Damenmasken, ſpan. Tänzerin
und Tirolerin, zu verleihen
(1638a
Karlſtraße 18, 2. Stock.
Damenmasken, Waſſernixe, Kartenſchläg.,
Münch. Kind’l, ſow. Clown. u.
Herren=
dom. b. zu verl. Rieſinger, Mauerſtr. 8, II. (*18a
Werſchied. hübſche Damenmasken bilig zu
verleihen Ludwigshöhſtraße 60. (B2296
Wer wirklich
ſchicke, neu angefertigte Damen-Maske
haben will, findet ſolche
(*2059df
Konfektion, Saalbauſtr. 26, 1. Stock.
zu
Laskenanzug (Span. Tänzerin) billosiat
Mverl. od. zu vk. Müllerſtr. 15, III.(2
M
Damen-Maskenanzug
zu verl. Schloßgartenſtr. 5, Laden. (*2106df
Herren= u. Damen=Dominos billig zu verl.
2264a)
Saalbauſtraße 26, I.
Schöne Damen=Masken zu verleihen
*2131df)
Mühlſtraße 26, II. r.
Pierrette u. Domino
billig zu verkaufen Marktplatz 4, I. (2278a
askenkoſtüm (Aſſyrerin, Baſazzo und
weiße Ballſtiefel (42) zu verkäufen od.
Landwehrſtraße 6. (*2156
zu verleihen
Schöner Damenmasken=Anzug
zu verleihen Mühlſtr. 17½, III. (*2066fm
Schöner Damenmasken=Anzug billig
zu verleihen oder zu verkaufen
Müllerſtraße 29, part.
*2169)
Maskenkoſtüme (Königin Luiſe) liefert
neu in allen Farben Stück zu 10 Mk.
und 12 Mk.
Karlſtraße 97, II.
(*2164
leg. ſchwarzer Chiffon- und Jett=
Domino, ſchwarzer Atlas-Domino
zu verleihen.
Kunert, Wilhelminen=
(*2240
ſtraße 10.
askenanzüge zu verleihen Mauer=
Ma ſtraße 20.
(*2241fso
Maskenanzug (Kornblume)
zu verleihen Zeughausſtraße 7, II. (*2216
Eine ſehr ſchöne Damen=Maske (neu) noch
nicht getragen, billig zu verleihen
Roßdörferſtraße 14½, I.
*2209)
Ein ſchönes Maskenkoſtüm (Damengigerl)
nebſt Klownanzug billig zu verleihen od.
(*2213
zu verkaufen Schloßgaſſe 13.
Maskenkostüm (Delft)
zu verleihen Beſſungerſtraße 81, II. (*2212
askenkoſtüm (Italienerin) billig zu ver=
Mleihen oder zu verkaufen
Gutenbergſtraße 14, p.
2221)
Einige ſehr gut erhaltene Emailherde
und eiſerne Oefen zu verkaufen
*2218) Kiesſtraße 31, Hinterhaus part.
Schöner Bernhardiner
Rüde, 1½ Jahr alt, ſehr wachſam, an die
Kette gewöhnt, als Hofhund zu verkaufen
Spottpreis von 50 Mark.
Hügelſtraße 1, 1. Stock.
2321df)
(*2244
Foxterrier
drahthaarig, 9 Mt. alt, mit la Stammbaum
umſtändeh. ſof. zu verkauf. Löffelgaſſe 19.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Januar 1910.
Nummer 23.
Ges Inventar-AuSverkaufe
Mittwoch, den 2. Februar.
Um mit den Winterwaren vollständig zu räumen,
verkaufe dieselben zu u. unter Selbstkostenpreis.
früher 55 bis 15 Mk. 6950
Herren-Paletots
jetzt nur . . 32 bis G Mk.
Nfrüher 25 bs15 Mk. H85
Herren-Loden-Joppe
jetzt nur . 15bis 2 Mk.
früher 60 bis 18 Mk. 5650
Herren-Anzüge
jetzt nur . . 36 bis 10 Mk.
früher . . 15 bis 10 Mk. 985
Herren-Hosen
jetzt nur . . . . 10 bis 2 Mk.
2250
Knaben-Anzüge. -Paletots. -Capes
von Mk. an
Niemand versäume diese seltene Gelegenheit,
wirklich gute, moderne Waren weit unter Preis einzukaufen.
Willie
Deuste
Marktstrasse 2.
(2363)
Marktstrasse 2.
Naturwein-Gelegenheitskauf
wegen Abgabe des Geschäftes, nur 3 Tage noch, solange Vorrat reicht.
1905er Dienheimer Tafelstein, Originalabzug, Korkbrand Grossh. Hess. Domäne,
per ¼ Fl. incl. Glas M. 1.50.
1905er Brück Eisel Riesling, Originalgewächs, Kommerzienrat Jul.
Espen-
schied, Bingen, per ¼ Fl. incl. Glas M. 1.50.
1904er Eltviller Freienborn, Originalabzug u. Korkbrand Freiherrl. Langwerth
v. Simmern’sche Gutsverwaltung, exquisiter Wein, per ¼ Fl. incl.
Glas M. 3.−
— Probeflaschen ohne Preiserhöhung.
H. Pfeil
*2231fs)
Ecke Luisen- und Schuchardstrasse.
D
Selangverei Liederzweig
Protekt.: Ihre Königl. Hoheit Grossherzogin Eleonore von Hessen.
(55. Vereinsjahr)
Samstag, den 5. Februar, abends 8 Uhr 11 Min.:
pompöſer
Grohe!
Mästenban
in der Turnhalle am Woogsplatz:
Karten für Nichtmitglieder im Vorverkauf: Herrn 1 Mk., Damen 50 Pfg.
ſind erhältlich Lei den Herren: E. Nau, Schuſtergaſſe, K. Koch, Zigarrengeſchäft,
Marktplatz und Wilh. Kaminsky, Zigarrengeſchäft, Rheinſtraße, ſowie auf dem
Verkehrsbureau, Abends an der Kaſſe: Herrn 1.50 Mk., Damen 1 Mk.
Maskenkarten für Mitglieder ſind nur beim Präſidenten Herrn Schneider=
Friedhofallee, erhältlich.
NB. Die Nachfeier findet Sonntag, den 6. Februar, bei unſerem
Mitglied Rapp in Arheilgen ſtatt. Abmarſch um 3 Uhr vom Schlachthof.
Der Vorstand.
2351fm)
arme
ptau
Odenwaldklub, ortsgrüppeparmstadtG.V7.)
Vortrag
mit Lichtbilder-Vorführungen
Fdes Herrn Oberlehrer Prof. Lauteschläger
über
2 3
eine Wanderung
Vom Dachſtein über den Groß=Glockner nach den Dolomiten
Dienstag, den 1. Februar 1910, abends 8½ Uhr (pünktlich),
im Gartensaal des städt. Saalbaus.
Die Mitglieder und Freunde des Klubs nebſt Damen ſind hierzu freundlichſt
(2332
eingeladen.
Der Vorstand.
Tegerverem Darmstauf.
Schutzherr: Seine Königl. Hoheit der Großherzog Ernſt Ludwig.
Feier des Allerhöchſten Geburtstages
(6
Seiner Majeifdrdes Kaners
Samstag, den 29. Januar 1910, abends 8 Uhr,
im Städtiſchen Saalbau
beſtehend aus: Prolog, Feſtanſprache (gehalten von dem
Kame=
raden Herrn Pfarrer Vogel), Konzert und Tanz unter gütiger
Mitwirkung des Fräulein Marie Becker, Fräulein Anna
Müller und der Herren Georg Jöckel und Ernſt Roth.
Zutritt haben nur die geladenen Ehrengäſte, unſere Ehrenmitglieder und unſere
Mitglieder nebſt ihren Familienangehörigen.
Fremde Perſonen, welche durch Mitglieder eingeführt werden wollen, müſſen am
Saaleingange den hierſelbſt anweſenden Vorſtandsmitgliedern Herrn Zöller und
Herrn Kammer vorgeſtellt werden.
Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt.
Das Vorausbelegen der Plätze iſt nicht geſtattet.
(1996sf
Orden, Ehren= und Verbandsabzeichen ſind anzulegen.
.
e.
Der Vorstand des Kriegervereins Darmsradt.
6
Vortr à
Sa.
des Herrn Professor Scharvogel,
Direktor der Großh. Keramiſchen Manufaktur,
am Freitag, den 28. Januar, abends 8 Uhr,
im Saale der Grossh. Zentralstelle für die Gewerbe, Neckarstrasse 3,
über
das -Wesen der Keramik und ihre Bedeutung für
Architektur und Kunstgewerbe
verbunden mit
einer Ausſtellung von Materialgruppen.
Hierzu beehren wir uns die Herren Kunſtgewerbetreibenden und Kunſtfreunde
ergebenſt einzuladen.
(2071of
Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe.
Noack.
S
390)
81e
Weisgemerbverein Warmsfel
Zu dem von Herrn Profeſſor Scharvogel, Direktor der Großh. Keramiſchen
Manufaktur, veranſtalteten
über das Wesen der Keramik und ihre Be-
Vortrag deutungfür Architektur u. Kunstgewerbe
verbunden mit einer Ausstellung von Material-Gruppen
am Freitag, den 28. Januar, abends 8 Uhr,
beehren wir unſere Mitglieder und die Mitglieder der kunſtgewerblichen Gruppe
unſeres Vereins ergebenſt einzuladen.
Der Vortrag findet im Saale der Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe,
(2324
Neckarstrasse 3, ſtatt.
Der Vorſtand des Ortsgewerbevereins.
Beuischer und Oesterreichischer Alpenverein
Sektion Darmstadt (E. 0.)
Sonntag, den 13. Februar 1910
Ausflu
&
Darmstadt — Frankenstein — Melibocus — Jugenheim.
Abmarſch von Böllenfalltor 8½ Uhr pünktlich.
Der Vorſtand.
2364)
Kirchengesangverein der Johannesgemeinde.
Zu unſerem am Montag, den 31. Januar, abends 8 Uhr,
im „Fürſtenſaal” in der Grafenſtraße ſtattfindenden
2
Familienabend
laden wir hierdurch unſere aktiven und inaktiven Mitglieder ein.
2342)
Der Vorstand.
Der Kluß der Damenfriſenre und Verrückenmacher
veranſtaltet am Montag, den 31. Januar,
im „Restaurant Kaisersaal” (grünes Zimmer)
c
Seinen I. grossen Demonstrafions-Abend
wozu wir die Herren Chefs, ſowie Friſeuſen und Gehilfen freundlichſt einladen.
Chema: Die moderne Damen=Frisur.
Demonſtranten: Die Herren Hamel und Schmidt, Frankfurt am Main.
(2376
Anfang 9½ Uhr.
Eintritt frei.
Der Vorstand.
Automatenhändler!
Kein Glücksſpiel mehr! Beſichtigen Sie
den neueſten Automat Freitag von 2 Uhr an
u. Samstag bis 11 Uhr vormittags. (*2187
Hotel „Stadt Friedberg”, Lüdeking.
Wee räee
zu
Kaufe allerhöchſten Preiſen
getrag. Herren= u. Damenkleider, Stiefel
und Wäſche. Jeden Mittwoch hier. Offert.
brr
Seanuten