Darmstädter Tagblatt 1910


22. Januar 1910

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173. Jahrgang

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 28 Seiten.

Staatsſekretär Dernburg und der Diamantenſtreit.

** Staatsſekretär Dernburg kann mit dem Beſchluß
der Budgetkommiſſion des Reichstages
vom Donnerstag noch mehr zufrieden ſein, als mit
der früheren Billigung ſeiner Diamantenpolitik durch
dieſe Kommiſſion. Es handelt ſich bei dieſem Be=
ſchluſſe
um folgenden Fall: Vor einigen Tagen
war dem Reichstag ein Telegramm aus
Lüderitzbucht zugegangen, das mit Bezug auf
die Diamantenfrage dem Staatsſekretär im Reichskolo=
nialamt
ſchwere und heftige Vorwürfe macht und ſich in
beleidigenden Aeußerungen gegen ihn ergeht. Die Bud=
getkommiſſion
des Reichstags, der das Telegramm vor=
gelegt
wurde, fand für gut, es nicht öffentlich bekanntzu=
geben
. Trotzdem wurde es in der agrariſchen Deutſchen
Tageszeitung veröffentlicht. Indes entſprach dieſe Ver=
öffentlichung
nicht dem Wortlaut, der dem Reichstag vor=
lag
, die Faſſung war vielmehr ſtark abgetönt. Aus Andeu=
tungen
des genannten Blattes geht hervor, daß das Tele=
gramm
ihm verſtümmelt zugegangen iſt. Ueber den In=
halt
weiß man ungefähr folgendes: Die Depeſche behaup=
tet
, die Denkſchrift der Regierung über die Diamanten=
frage
enthalte abſichtliche Unwahrheiten. Sie verlangt eine
Unterſuchung gegen den Staatsſekretär Dernburg. Sie
ſagt, daß die Deutſche Diamantengeſellſchaft nicht nur nicht
ſachgemäß arbeite, ſondern auch nicht die zugeſagte Vier=
telmillion
für Vorarbeiten ausgegeben habe. Den kleineren
Geſellſchaften ſei ein grundloſer Tribut auferlegt worden.
Der Staatsſekretär habe das Sperrgebiet als Geſchenk an
die Kolonialgeſellſchaft gegeben. Die Begünſtigung der
Geſellſchaft ſei abſichtlich erfolgt. Das Kolonialamt kenne
die Verhältniſſe nicht. Man habe im Lande Kapital genug
gehabt, eine neue Geſellſchaft mit Begünſtigung der fis=
kaliſchen
Intereſſen ſei in drei Tagen zu gründen möglich.
Der Landesrat müſſe das Beſtimmungsrecht haben uſw.
Die Depeſche iſt gezeichnet: Kreplin, Bürgermeiſter.
In der Budgetkommiſſion des Reichs=
tags
waren die Meinungen darüber geteilt, ob man das
Telegramm der Oeffentlichkeit übergeben ſolle. Präſident
Graf Stolberg iſt abweſend und Vizepräſident Spahn
wollte die Sache nicht ohne ihn entſcheiden. Nach einer
längeren Verhandlung, in der, wie ſchon bei der Behand=
lung
der Diamantenfrage vorige Woche, der Vertreter des
Zentrums einigermaßen den Lüderitzbuchtern die Stange
gehalten hatte, kam die Kommiſſion auf Antrag des ſozial=
demokratiſchen
Vertreters zu dem einſtimmigen Be=
ſchluß
, zur Tagesordnung überzugehen. Selbſtverſtänd=
lich
hatte Herr Dernburg ſich in allen Punkten, die ſachlich
aus dem Telegramm herauszuſchälen waren, durchaus ge=
rechtfertigt
.
Die Kommiſſion hat alſo nicht nur einſtimmig die un=
erhörten
Lüderitzbuchter Angriffe auf Dernburg als durch
die Kommiſſionsbeſchlüſſe erledigt erklärt, ſondern auch
dieſen Beſchluß gemäß einem ſozialdemokratiſchen Antrage
gefaßt. Wie die Dinge liegen, erwies ſich ein derartiger
ſozialdemokratiſcher Antrag als der regierungsfreundlichſte
von allen, und ſeine Begründung iſt in demſelben Sinne
ausgefallen. Ein ſolches Vorkommnis gehört unter den
obwaltenden Verhältniſſen zu den größten parlamentari=
ſchen
Seltenheiten und wird deshalb beſondere Beachtung
finden. Die Auffaſſung des Zentrums und der Konſer=
vativen
, die Beſchlußfaſſung auszuſetzen und weiteres Ma=
terial
abzuwarten, iſt mit Recht auch von ihren Urhebern
fallen gelaſſen worden. Sie hätte ſowohl neue Anſprüche
der Lüderitzbuchter zur Folge gehabt, wie den Staats=
ſekretär
längere Zeit einem Verdachte ausgeſetzt, unter dem
er keinen Augenblick ſtehen darf.
Vielleicht erhält die Sache noch in bezug auf die eine
odere Perſon ein Nachſpiel. Von dem Bürgermeiſter
Kreplin, der ſich offenbar von den Diamantenintereſſenten
hat mißbrauchen laſſen, ſagte der Staatsſekretär, nach dem
Wortlaut der Depeſche könne er den Bürgermeiſter nicht
mehr als ſeinen Untergebenen behalten. Das iſt vollkom=
men
in der Ordnung. Es wäre aber auch nichts dagegen
einzuwenden, wenn der Gouverneur von ſeiner Auswei=
ſungsbefugnis
Gebrauch machte gegen die Perſonen, die
in dem Aerger, daß nicht ihnen der ganze Diamantenſegen
zugefloſſen iſt, von einem Anſchluß an Südafrika geſpro=
chen
haben.

Aus der Statiſtik der Eiſenbahnen Deutſchlands
für 1908.

B.C. Von der im Reichs=Eiſenbahnamt bearbeiteten
Statiſtik der im Betriebe befindlichen Eiſenbahnen
Deutſchlands, abgeſehen von den ſogenannten Kleinbah=
nen
, iſt der die Ergebniſſe des Rechnungsjahres 1908 um=
faſſende
Band XXIXx erſchienen. Wir entnehmen dem=
ſelben
folgende Zahlen von allgemeinem Intereſſe.
Die Eigentumslänge der deutſchen vollſpurigen
Eiſenbahnen iſt von 48 280 km am Ende 1898 auf
57354 km am Ende 1908, alſo um 18,8 v. H., gewachſen
Von dieſer Länge entfielen 1898 44579 km oder 92,3 v. H.
auf Staatsbahnen und 3701 km oder 7,7 v. H. auf Pri=
vatbahnen
. Bei einem Flächeninhalt von rund 540 778 gkm
beſaß Deutſchland 1898: 48 228 km, 1908 dagegen
57125 km vollſpurige Eiſenbahnen, ſo daß auf
100 akm entfielen 1898: 8,92 km und 1908: 10,56 km Eiſen=
bahnen
. Auf 10 000 Einwohner, deren im Reich im er=
ſteren
Jahr 54,31 Millionen, im letzteren 62,98 Millionen
gezählt wurden, kamen 1898: 8,88 km und 1908: 9,07 km
Eiſenbahnen. Zur Bewältigung des Verkehrs ſtanden den
volſpurigen deutſchen Eiſenbahnen im Rechnungsjahre
1908 25 634 Lokomotiven, 53586 Perſonen=
wagen
einſchließlich 223 Triebwagen und 535 999 Ge=
päck
= und Güterwagen zur Verfügung. Die Be=
ſchaffungskoſten
der Fahrzeuge haben ſich in 10 Jahren
von 2182,16 auf 3621,87 Millionen Mark oder um 66,0 p. H.
erhöht. Die eigenen und fremden Perſonen=, Gepäck=,
Güter= und Poſtwagen haben auf den vollſpurigen Be=
triebsſtrecken
im Jahre 1908 25695,68 Millionen und auf
1 km der durchſchnittlichen Betriebslänge 451145 Wa=
genachskilometer
geleiſtet. Auf die Perſonenwagen
entſielen hiervon 6899 64, auf die Gepäck= und Güterwagen
18 287,06 und auf die Poſtwagen 509,98 Millionen Achs=
kilometer
.
Der Perſonenverkehr hat in dem Zeitraum
von 1898 bis 1908 einen weiteren Aufſchwung genommen.
Im Jahre 1908 wurde eine Einnahme von 773,19 gegen
507,53 Millionen Mark im Jahre 1898, mithin ein Mehr
von 52,3 v. H. erzielt. Jedes Kilometer brachte eine Ein=
nahme
von 13.903 Mark gegen 10829 Mark im Jahre
1898, mithin ein Mehr von 3074 Mark oder 28,4 v. H. Da=
gegen
iſt die Einnahme auf je 1000 Achskilometer der Per=
ſonen
= und Gepäckwagen von 105 Mark auf 90 Mark zu=
rückgegangen
. Die eigentliche Perſonenbeförde=
rung
einſchließlich Militär= und Sonderzüge hat ein
Mehr von 253,86 Millionen Mark oder 52,0 v. H., die Be=
förderung
von Gepäck und Hunden ein ſolches von 967
Millionen Mark oder 60,4 v. H. aufzuweiſen, während die
Nebenerträge einen Zuwachs von 2,12 Millionen Mark
oder 64,2 v. H. erzielten. Der Anteil der Wagen:
klaſſen an der Geſamteinnahme aus der Perſonenbe=
förderung
ſtellt ſich im Jahre 1908 auf 3,16 v. H. in der
1. Klaſſe, 17,84 v. H. in der 2. Klaſſe, 41,67 v. H. in der
3. Klaſſe, 35,49 v. H. in der 4. Klaſſe und 1,84 v. H. bei der
Militärbeförderung gegen 4,31, 23,20, 48,25, 21,54, 2,70 v. H.
im Jahre 1898. Hiernach hat die Benutzung der drei
erſten Klaſſen abgenommen und die der vier=
ten
Klaſſe zugenommen.
Während die Einnahme im Jahre 1898 1195,54
Millionen Mark betragen hat, iſt ſie im Jahre 1908 auf
1726,84 Millionen Mark gewachſen, mithin hat eine Zu=
nahme
von 44,4 v. H. ſtattgefunden. Die geſamten Be=
triebseinnahmen
ausſchließlich des Pachtzinſes
ſied von 1836,19 Millionen Mark im Jahre 1898 auf
2695,08 Millionen Mark im Jahre 1908, alſo um 46,8 v. H.
geſtiegen, obwohl die durchſchnittliche Betriebslänge nur um
19,2 v. H. zugenommen hat. Die Betriebsausgaben
ausſchließlich der Koſten für erhebliche Ergänzungen, Er=
weiterungen
und Verbeſſerungen und der Pachtzinſe ſind
in der Zeit von 1898 bis 1908 von 1093.71 auf 1947,80 Mil=
lionen
Mark, alſo um 78,1 v. H., die Ausgaben auf 1 km
der durchſchnitlichen Betriebslänge von 92881 auf 34 198
Mark, alſo um 49,5 v. H. geſtiegen. Unter Ausſcheidung
der Koſten für erhebliche Ergänzungen, Erweiterungen und
Verbeſſerungen, ſowie der Pachtzinſe hat der Ueber=
ſchuß
der Betriebseinnahmen über die Be=
triebsausgaben
betragen im Jahre 1898: 742,90,
im Jahre 1908: 747,28 Millionen Mark, er hat alſo um
0,6 v. H. zugenommen, dagegen iſt er im Verhältnis zu
der Geſamteinnahme des Pachtzinſes von 40,46 auf
27,73 b. H. geſunken.
Die Anzahl der Beamten und Arbeiter
einſchließlich der Handwerker, Lehrlinge und Frauen be=
trug
im Jahre 1908: 699 156 Perſonen, mithin kam auf
je 90 Einwohner ein Eiſenbahnbedienſteter. Gegen das
Jahr 1898 hat eine Vermehrung der Beamten und Arbeiter
um 188 143 Perſonen oder 36,8 v. H. ſtattgefunden, wäh=
rend
in gleicher Zeit die Eigentumslänge der Eiſenbahnen
nur um 188 v. H. zugenommen hat. Die Beſoldun=
gen
und ſonſtigen perſönlichen Ausgaben für Beamte und
Arbeiter betrugen im Jahre 1908 unter Hinzurechnung
von 63,21 Millionen Mark für Wohlfahrtszwecke im gan=
zen
1144,90 gegen 662,23 Millionen Mark im Jahre 1898;
ſie haben mithin um 72.9 v. H. zugenommen. Die Ge=
ſamtſumme
der verſönlichen Ausgaben iſt hiernach beträcht=
lich
mehr gewachſen als die Geſamtzahl der Beamten und
Arbeiter, ſo daß die durchſchnittliche Aufwendung für jede
beſchäftigte Perſon von 1296 Mark auf 1638 Mark
26/4 v. H. geſtiegen iſt.

Die engliſchen Wahlen.

** Die letzten Reſultate der engliſchen Wah=
len
ſind für die Liberalen ungünſtig ausgefallen. Bis
Freitag mittag waren folgende Zahlen bekannt. Es wa=
ren
gewählt: 163 Unioniſten, 137 Liberale, 29 Mitglieder
der Arbeiterpartei und 53 Nationaliſten. Die Unioniſten
haben damit 72, die Liberalen 9 Sitze gewonnen. Danach
ſind bisher im ganzen 382 Wahlreſultate bekannt.
Von den gewählten Abgeordneten ſind 219 miniſterielle
und 163 Mitglieder der Oppoſition. Die Regierungsmehrheit
beträgt bis jetzt alſo 56. Die Zahl der Sitze des Unterhauſes
beträgt 670. Der Stand des vorigen Unterhauſes=
ohne
die 83 Iren war 419 Miniſterielle gegen 168 An=
hänger
der Oppoſition. Die Iren werden im Kampfe mit
dem Oberhauſe jedenfalls nicht zur Oppoſition gehen. Man
rechnet in dem neuen Unterhauſe mit einer Re=
gierungsmehrheit
von etwa 100 Stimmen. Die
Regierung dürfte damit zwar ihr Budget durchſetzen und
den Sturm auf die Freihandelsſtellung abſchlagen, allein
im übrigen bedeutend geſchwächt hinſichtlich der parlamen=
tariſchen
Mehrheit und des Rückhalts bei den Wählern
und nicht länger unabhängig, ſondern auf die Unter=
ſtützung
der Arbeiterpartei und der iriſchen Nationaliſten
angewieſen, an die Geſchäftsleitung zurückkehren. Daß=
unter
ſolchen Verhältniſſen große Taten, wie die Beſchnei=
dung
der Macht des Oberhauſes oder die Gewährung von
Home Rule für Irland, zu erwarten ſtänden, gilt als aus=
geſchloſſen
. Die Regierung muß ſich, wie bemerkt, bei
der vorausſichtlichen geringen Mehrheit auf die Arbeiter=
partei
ſtützen, und es kann leicht der Fall eintreten, daß
dieſe dem Kabinett eines Tages in irgend einer Frage die
Gefolgſchaft verweigert. Dann dürfte es mit der liberalen
Herrſchaft aber für eine Weile zu Ende ſein. Wir in
Deutſchland hätten, wie ſchon mehrfach erwähnt, allen
Grund, eine derartige Wendung zu bedauern, denn ſie
würde nicht ohne Einfluß auf die jetzt nach vielen Be=
mühungen
wenigſtens etwas gebeſſerten deutſch=engliſchen
Beziehungen ſein.
Selten haben ſich in England die Parteien mit ſolcher
Schroffheit gegenüber geſtanden, wie diesmal; der
Wahlkampf war einer der heftigſten, den die engliſche
Parlamentsgeſchichte zu verzeichnen hat, und ſelten dürfte
auch mit ſolcher Skrupelloſigkeit, wenigſtens von der einen
Seite, vorgegangen worden ſein, wie diesmal. Es ſteht
außer Frage, daß lediglich ihr die Konſervativen die Er=
folge
zu verdanken haben, die ſie erzielten. Die Tarif=
reform
, die den Konſervativen begreiflicherweiſe im hohen
Maße unbequem war, hatte man vollſtändig in den Hin=
tergrund
geſtellt. Um ſo mehr ſtieß man in die chauvini=
ſtiſche
Poſaune und ſuchte die Gemüter mit der deut=
ſchen
Gefahr zu erſchrecken, womit man Erfolg ge=
habt
hat.

Deuſches Reich.

Der Petitionskommiſſion des Reichs=
tages
liegen bereits jetzt über 600 Petitionen zur
Bearbeitung vor. Ein großer Teil davon ſind ſolche, die
in der vorigen Seſſion nicht mehr im Plenum zur Bera=
tung
geſtellt werden konnten. Ein anderer Teil ſind Wie=
derholungen
und nur der geringere Teil betrifft neue Ein=
gaben
. In der vorigen Seſſion gelangten insgeſamt
8912 Petitionen an den Reichstag. Davon wurden
etwa 5000 von der Petitionskommiſſion bearbeitet, die
übrigen von der Fachkommiſſion. In der erſten Sitzung=
wurde
über die geſchäftliche Behandlung der=
Petitionen verhandelt. Lebhaft beklagt wurde, daß ſo
viele fertiggeſtellte Berichte nicht mehr an das Plenum
kämen und dann durch den Schluß der Seſſion unter den
Tiſch fielen. Es müſſe für die Beratung der Petitionen
im Plenum mehr Zeit zur Verfügung geſtellt werden.
Hierüber ſoll mit dem Präſidium verhandelt werden.
Außerdem ſolle den Fraktionen nahegelegt werden, ſich
darüber zu verſtändigen, daß bei der Beratung der Peti=
tionen
weniger und kürzer geredet wird. (!) Schärfer ſol=
len
in Zukunft die ſogenannten Querulanten=
Petitionen überwacht und von vornherein zurück=
geſtellt
werden. Es kommt alljährlich eine Anzahl Peti=
tionen
an den Reichstag, die ſchon wiederholt, oft fünf=
bis
zehnmal, abgelehnt ſind und immer von neuem mit
denſelben alten Klagen wiederkommen. Da manche Peti=
tionen
von geſetzesunkundigen ärmeren Leuten eingereicht
werden, denen mit einer Belehrung über den einzuhalten=
den
Inſtanzenzug geholfen werden könne, ſo wurde vom
Zentrum angeregt, ſolchen Petenten neben dem formalen
Beſcheid eine belehrende= Auskunft vom Bureau=zu geben.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Nummer 18.

Dieſer Gedanke ſoll weiter erwogen werden. Auch auf
dieſe Weiſe ſoll verſucht werden, eine ſchnelle Erledigung
der Petitionen herbeizuführen unter vollſter Wahrung des
Petitionsrechtes und gewiſſenhafter Prüfung des Sachver=
halts
.
Weshalb dem vom Reichstag in der vorigen Ta=
gung
angenommenen Geſetzentwurfe über die Gewährung
von Beihilfen an Kriegsteilnehmer durch den
Bundesrat bisher nicht zugeſtimmt worden iſt, iſt jetzt
auch authentiſch durch dieſen ſelbſt klargeſtellt, wie die
Berl. Pol. Nachr. melden. Der Bundesrat hat danach
die Beſchlußfaſſung über den Entwurf ausgeſetzt, bis zu
überſehen iſt, daß die Einnahmen des Reiches die Deckung
der Ausgaben ermöglichen. Er hat damit den von ihm
aufgeſtellten Grundſatz hochgehalten, keine neuen Aus=
gaben
zu bewilligen, ohne daß die nötigen Deckungsmittel
vorhanden ſind. Formell, ſo ſagt der Bundesrat in ſeiner
Erklärung weiter, ſtände zudem ſeiner Zuſtimmung und
der kaiſerlichen Vollziehung des Geſetzes der Umſtand ent=
gegen
, daß vom Reichstag der Tag des Inkrafttretens
offen gelaſſen ſei.
Der Parteitag der Freiſinnigen Vereinigung, der
endgültig namens der Partei zur linksliberalen
Parteiverſchmelzung Stellung zu nehmen hat, ſoll
auf Samstag, den 5. März, nach Berlin einberufen wer=
den
. Falls er, woran kaum zu zweifeln ſein dürfte, die
inzwiſchen noch einmal vom Viererausſchuß und den drei
Parteileitungen durchzuberatenden programmatiſchen und
organiſatoriſchen Vorlagen billigt und der Fuſion glatt
zuſtimmt, werden ſich die Delegierten am Tage darauf,
Sonntag, den 6. März, am erſten konſtituierenden Partei=
tag
der neuen Geſamtpartei in Berlin beteiligen. Es iſt
anzunehmen, daß auch die Süddeutſche Volkspartei, die
ihren entſcheidenden Parteitag ſchon Ende Februar halten
will, am Gründungstage der neuen Geſamtpartei in Ber=
lin
zahlreich vertreten ſein wird.
Die Blätter melden aus Berlin: Die Verbeſſerung
der deutſch=engliſchen Beziehungen ſoll auch
durch einen Studentenausſchuß angeſtrebt werden,
den ein Komitee in die Hand nahm, das ſich nach dem
Muſter des letzthin in London gegründeten Anglo German
Student Comitee organiſieren wird.
Nach Mitteilungen des Eiſenbahnminiſters Frhrn.
v. Marſchall in der Zweiten badiſchen Kammer legt die
badiſche Regierung den größten Wert auf die Er=
haltung
der Selbſtändigkeit der badiſchen
Eiſenbahnen; naturgemäß könne aber dieſe Selbſtän=
digkeit
, ſchon mit Rückſicht auf die Kleinheit des badiſchen
Bahnnetzes, nur eine beſchränkte ſein. Die Beziehungen
zu den andern deutſchen Bahnverwaltungen ſind, wie der
Miniſter verſichert, gut; auch die Praxis des Staatsbahn=
wagen
=Verbandes hat ſich bewährt. Für die von Regie=
rungsrat
a. D. Endres betriebene Agitation zugunſten
eines föderativen Zuſammenſchluſſes der deutſchen Eiſen=
bahnverwaltungen
lehnt die Regierung die Verantwortung
ab, ohne dabei in Abrede ſtellen zu wollen, daß die Vor=
ſchläge
brauchbare Gedanken enthalten. Zu den in der
Kommiſſion geäußerten Klagen über eine Schädigung der
badiſchen Bahnen durch die preußiſche Verwaltung er=
klärte
der Regierungsvertreter, daß hierin eine weſentliche
Beſſerung durch freundſchaftliches Entgegenkommen Preu=
ßens
eingetreten ſei, die ſich insbeſondere in einer reicheren
Ausgeſtaltung der durchgehenden Schnellzüge äußert. Be=
ſonderes
Intereſſe beanſpruchte die Mitteilung, daß ſich in
neueſter Zeit alle deutſchen Staatseiſenbahn= Verwal=
tungen
zum Zweck der Tarifverhandlungen mit dem Aus=
land
geeinigt haben, wodurch die deutſchen Bahnen den
ausländiſchen geſchloſſen gegenübertreten. Das früher

mögliche Verhandeln einzelner Bahnverwaltungen mit
dem Ausland iſt jetzt nicht mehr möglich.
Eine neue Statiſtik der Frauenorgani=
ſation
im Deutſchen Reich bereitet jetzt das Kai=
ſerliche
Statiſtiſche Amt vor, das bereits vor zwei Jahren
eine ſolche Statiſtik aufgenommen hat. Im Rahmen die=
ſer
erſten Veröffentlichung wird jetzt eine erneute Umfrage
bei den betreffenden Vereinsvorſtänden für das Jahr 1909
vorgenommen.
Die Hauptleitung des Alldeutſchen Verban=
des
hat am 18. Januar eine Bittſchrift an den Reichstag
gerichtet, in der die Volksvertretung gebeten wird, auf end=
liche
Vorlegung der ſchon längſt in Ausſicht geſtellten Ge=
ſetzesvorlage
über die Aenderung der Beſtimmungen
betr. die Reichs= und Staatsangehörigkeit zu
dringen. Am ſelben Tage hat der Alldeutſche Verband
dem Reichskanzler eine Denkſchrift übergeben, in der be=
ſtimmte
und brauchbare Vorſchläge zur Geſtaltung der
künftigen Regelung dieſes wichtigen Rechtsgebietes unter=
breitet
werden.

Ausland.

Eine Anzahl der älteſten Generale in Oeſter=
reich
hat ein Schreiben erhalten, worin dargelegt wird, es
ſei Allerhöchſter Wunſch, auch die oberen Chargen der Ge=
nerale
zu verjüngen. Allerdings ſoll es den alten Offi=
zieren
überlaſſen bleiben, den Zeitpunkt ihres Rücktrittes
ſelbſt zu beſtimmen. Es ſoll in Oeſterreich Grundſatz wer=
den
, daß die höheren Offiziere nicht länger als 40 Dienſt=
jahre
auf ihrem Poſten bleiben.
Der franzöſiſche Senat nahm mehrere Artikel des
Geſetzesentwurfes über die Altersverſicherung
an und ſetzte insbeſondere feſt, daß die in Frankreich woh=
nenden
ausländiſchen Arbeiter bezüglich des Altersverſiche=
rungsgeſetzes
denſelben Beſtimmungen unterworfen wer=
den
ſollen wie die Franzoſen. Die ausländiſchen Arbeiter
werden außerordentliche Zuwendungen genießen, welche aus
den Beiträgen ihrer Arbeitgeber und den Budgetüberſchüſ=
ſen
herrühren, wenn Verträge mit ihren Geburtsländern
franzöſiſchen Staatsangehörigen dieſelbe Behandlung ga=
rantieren
. Der Antrag Humbert, wonach die gegenwär=
tig
der Armee des Mutterlandes einverleibten, beſonders
gefährlichen Apachen im Verſetzungswege den afrikani=
ſchen
Disziplinarbataillonen zugeteilt werden ſollen, wurde
an den Heeresausſchuß verwieſen. In der Begründung
des Antrages heißt es, daß der gegenwärtige Zuſtand ge=
radezu
eine öffentliche Gefahr bilde und deshalb nicht bis
zur Abänderung des Rekrutengeſetzes gewartet werden
dürfe.
In der Kammer, die ſich mit dem Etat des Un=
terrichtsminiſters
beſchäftigte, ſprach Berichterſtat=
ter
Steeg, der die Kampagne gegen die Laienſchule verur=
teilte
, die Laienſchule achte die Gewiſſensfreiheit. Redner
wies ferner die gegen die Lehrer erhobenen Vorwürfe der
Unmoral und antipatriotiſchen Geſinnung zurück, ebenſo
die Beſchuldigung, daß die ſteigende Kriminalität der Ju=
gendlichen
der Primanerſchule zu danken ſei. Sie ſei einer
zügelloſen Preſſe und dem Alkoholismus zuzuſchreiben.
Das Lehrlingsweſen müſſe organiſiert werden. Steeg
ſchloß mit einem Appell an die aufgeklärte Demokratie ge=
genüber
der unwiſſenden Demokratie.
Nach dem letzten Miniſterrate richtete die Türkei
an alle Großmächte durch Vermittelung der türkiſchen
Botſchafter eine Note, in der ſie gegen den Gebrauch der
neubeſtellten kretiſchen Briefmarken mit dem Aufdruck
Hellas, ſowie dagegen proteſtiert, daß fortgeſetzt Gerichts=
entſcheidungen
im Namen des Königs der Hellenen gefällt
werden.

Der Agenzia Stefani wird aus Abeſſinien ge=
meldet
: Das Land iſt andauernd ruhig. Die Beziehungen
zwiſchen der Regierung und den Generalgouverneuren
ſcheinen ſich gebeſſert zu haben. Im Zuſtand Meneliks
zeigten ſich in den letzten Tagen leichte Beſſerungserſchei=
nungen
, dennoch iſt der Zuſtand des Kaiſers hoffnungs=
los
. Der Einfluß der Kaiſerin behält am Hofe die Ober=
hand
.
1e5e
3
* Marmor aus Deutſch=Südweſt. In der
Wandelhalle des Reichstags waren am Donnerstag
auf einem Tiſche eine größere Zahl verſchieden gefärbter
Marmorplatten zur Beſichtigung aufgelegt. Sie
entſtammen durchweg der ſüdweſtafrikaniſchen Kolonie,
und zwar einem Lager, das in unmittelbarer Nähe der
Otavibahn ſich befindet und etwa 160190 Kilometer von
der Küſte entfernt iſt. Wie verſichert wird, iſt dieſes Lager
von ganz koloſſalem Umfange und daher imſtande, ſchier
unerſchöpfliche Mengen von Marmor zu liefern. Die Güte
des Marmors ſoll den beſten europäiſchen Marmorlagern
nicht im geringſten nachſtehen. Man hat, wie aus den
Proben zu erſehen iſt, ſehr mannigfaltige Färbungen ge=
funden
. Beſonders ſchön iſt ein gelblich=brauner, nicht
allzu dunkler Marmor; aber auch die modernen rötlichen,
dann die hellgrauen Marmorarten laſſen an Schönheit
nichts zu wünſchen übrig. Bloß rein weißen Marmor hat
man bisher in Deutſch=Südweſtafrika nicht gefunden. Die
Frachtverhältniſſe für den Transport des Marmors vom
Bruch zur Küſte und von da nach dem Mutterland ſollen
ehr billig ſein, ſo daß die Einführung dieſes kolonialen
Marmors nach Europa ſich als lohnender Induſtriezweig
erweiſen dürfte.
Das Kölner Landgericht über die
Bierpreiserhöhung. Eine bemerkenswerte und
möglicherweiſe folgenſchwere Entſcheidung betreffend die
Bierpreiserhöhung hat das Kölner Landgericht gefällt.
Es hat nämlich die Anſprüche mehrerer Brauereien auf
Zahlung von 4 Mark Aufſchlag pro Hektoliter zurück=
gewieſen
mit der Begründung, daß die Erhöhung des
Preiſes nicht höher ſein dürfe als der Betrag der geſetz=
lichen
Brauſteuererhöhung. (Wir geben die Mitteilungſo
wieder, wie wir ſie in einem vielgeleſenen Berliner Blatte
gefunden haben.) Vermutlich hat die Entſcheidung, oder
wenigſtens ihre Begründung, durch ihre große Tragweite
beide Teile überraſcht. Daß ein Gericht über Warenpreiſe
entſcheidet, iſt, abgeſehen von Wucherfällen, ungewöhnlich.
Im vorliegenden Falle iſt der Grund klar: Das Kölner
Gericht ſieht in der Bierpreiserhöhung nur die Kon=
ſequenz
der Steuererhöhung und läßt ſie des=
halb
auch nur im Betrage der letzteren gelten. Das mag
ſtreng juriſtiſch zutreffen, der Standpunkt des Gerichts iſt
aber praktiſch nur dann durchführbar, wenn der Zuſam=
menhang
zwiſchen Steuererhöhung und Warenpreisſteige=
rung
deutlich erkennbar und ganz unzweifelhaft iſt. So=
bald
er verſchleiert werden kann, etwa durch Verſtreichen=
laſſen
einer gewiſſen Zwiſchenzeit, ſtehen die Gerichte vor
einer unmöglichen Aufgabe.
* Die Israeliten in Paläſtina. Den
Londoner Blättern geht aus Feruſalem die Nachricht
zu, daß mit der Proklamation der türkiſchen
Verfaſſung aus allen Weltteilen die Juden nach
ihrem alten Stammlande zurückſtrömen. In Jeruſalem
allein gehören vier Fünftel der Bevölkerung (etwa
100000) dem moſaiſchen Glauben an, während in Jaffa.
Tiberias, Safed und Haifa (Breg Carmel) die Juden
bereits nach Zehntauſenden zählen. Sie haben faſt die
ganze ausgedehnte Ebene von Esdraelon aufgekauft
und ihre aufblühenden Kolonien dehnen ſich von Dan
bis nach Berſheba, ja ſelbſt noch weiter ſüdlich, bis nach
der ägyptiſchen Grenze zu aus.
Tauſende verlaſſen
Perſien, um Zuflucht und Schutz im heiligen Lande u
finden und Hunderte kommen mit jedem Schiff aus
Odeſſa an. Beſonders begehrt von jüdiſchen Kapita=
liſten
iſt das Jordantal, das das Privateigentum des
Ex=Sultans Abdul Hamid war. Die Zioniſten,
deren Agenten überall im Lande zu finden ſind, kaufen
von den mohammedaniſchen Effendis, deren Einkommen
ſich ſeit der Revolution bedenklich verminderte, den
reichen Landbeſitz auf. Ganz Jeruſalem iſt bereits im
weſentlichen eine jüdiſche Stadt geworden. Handel und
Banken ſind von Juden monopoliſiert. Die Regierung
hat es für notwendig gefunden, eine Kompagnie jüdi=

Die vierbeinige Polizei.
Von Wilhelm Meiſter, Oeynhauſen.
(Nachdruck verboken.)

Unheimlich den Mördern und Spitzbuben, für die
Polizei und für den ehrlichen friedlichen Bürger aber
eine Quelle wohltuender Befriedigung ſind die ſich
häufenden und zum Teil verblüffenden Erfolge der
Polizeihunde. Wenn heute irgendwo ein Verbrechen
geſchehen iſt, bei dem die Polizei nicht ſofort den Täter
faſſen kann, dann iſt ſo ziemlich das Erſte die Heran=
holung
eines Polizeihundes, wenn ein ſolcher in der
Nähe zu erreichen iſt.
Und doch iſt die ſyſtematiſche Verwendung
von Hunden im Polizeidienſt noch ganz jungen Da=
tums
. Es ſind noch nicht 10 Jahre verfloſſen, ſeit die
erſten Polizeihunde in Deutſchland auftauchten. Das
Polizeihundweſen, heute ſchon weit hinaus ins Aus=
land
verbreitet, gehört auch zu den bedeutungsvollen
Errungenſchaften, bei denen Deutſchland das Ur=
ſprungsverdienſt
hat. Der erſte, oder mindeſtens einer
der erſten offiziell angeſtellten Polizeihunde war
Cäſar in Schwelm in Weſtfalen. Dort wurde auch,
mit dem Sitze in Elberfeld, 1902 der Verein für Zucht
und Verwendung von Polizeihunden, ſowie im Jahre
1903 die Zeitſchrift Der Polizeihund gegründet. Und
damit war die Möglichkeit der ſchnellen Verbreitung
des jetzt allſeitig als erfolgreich anerkannten Polizei=
hundweſens
geſchaffen. So viel Skeptiker und grund=
ſätzliche
Gegner anfänglich der Neuerung gegenüber=
ſtanden
, heute hört man nichts mehr von einer ernſt=
haften
Gegnerſchaft. Die Erfolge haben zu über=
zeugend
geſprochen.
Subaltern= und Unterbeamte der Polizei machten
den erſten Anfang auf eigene Koſten und eigene Ge=
fahr
. Die maßgebenden Behörden beobachteten ſehr
zweifelnd und ſkeptiſch dieſe Verſuche und nur lang=
ram
und zögernd ließen ſie ſich zu amtlicher Förder=
ung
und Sanktionierung der vierbeinigen Polizei be=
wegen
. Bezeichnend aber für das große Bedürfnis
war ſchon nach den erſten ſenſationellen Erfolgen von
Polizeihunden, die in der in= und ausländiſchen Preſſe
beſprochen wurden, die große Nachfrage nach Informa=
zion
und Polizeihunden.
Gegenwärtig beträgt die Zahl der Polizeihunde in
Deutſchland wohl ſchon nahe an tauſend oder mehr!
Und ſchon in den erſten Jahren griff das Ausland das

neue Hilfsmittel der Polizei mit Intereſſe auf. Zu=
erſt
kam Oeſterreich, faſt gleichzeitig die Schweiz.
Nach Rußland wurde der erſte deutſche Polizeihund
im Jahre 1904 durch Vermittelung der Redaktion des
Polizeihund in Schwelm abgegeben. Es war dies
eine Hündin Hexe aus dem Zwinger des Polizei=
kommiſſars
Kappe in Neheim a. d. Ruhr, eines in der
Polizeihunddreſſur hervorragenden Beamten. Für
250 Mark wurde die Hündin an den Kriminalpolizei=
direktor
Rudoi in Kiew verkauft und von einem
eigens auf vier Wochen nach Schwelm entſandten Kri=
minalbeamten
abgeholt. Als Hexe wenige Wochen
nach ihrer Ankunft den Erfolg hatte, mit ihrer Naſe
einen Gattenmörder ausfindig zu machen, kaufte die=
ſelbe
Polizeidirektion noch drei weitere Hunde in
Schwelm, um ſich dann den weiteren Bedarf ſelbſt
heranzuzüchten. Bald wurden auch zu hohen Preiſen
deutſche Polizeihunde für Peterhof, Petersburg, Riga,
uſw. gekauft. Inzwiſchen waren ferner Italien
und Frankreich mit der Einführung von Polizei=
hunden
gefolgt und es wurden zur Provaganda für
die Sache Dreſſurvorführungen in den Hauptſtädten
veranſtaltet, bei denen mehrmals deutſche Hunde mit
ihren Führern großes Aufſehen durch ihre Leiſtungen
erregten.
Die Ausbildung der Hunde für die Zwecke
der Polizei iſt keine leichte Aufgabe. Sie erfordert
viel Ruhe, Umſicht, Geduld und Ausdauer, und
Hundeverſtand‟. Deshalb iſt auch die Heranbildung
geeigneter Führer der Hunde eine beſonders notwen=
dige
Folge. Als der Wert der Hunde zum Schutze der
Beamten und beſonders für die Entdeckung von Ver=
brechern
mehr und mehr Anerkennung fand, wurde es
ſchließlich, wie ich erfuhr, in Regierungskreiſen gar
nicht mehr gern geſehen, wenn erprobte deutſche Po=
lizeihunde
durch Verkauf ins Ausland uns verloren
gingen, und diesbezügliche Winke wurden gegeben, um
ſolche Verkäufe einzuſchränken.
Intereſſant zugleich für die Polizeihunde wie für
das Publikum, beſonders auch für die Hundeliebhaber,
die Kynologen, iſt die Raſſenfrage. Das war ein,
namentlich durch das Intereſſe der immer ſtreitluſtigen
Kynologen, lange und heiß umſtrittenes Kapitel.
Welche Hunderaſſen eignen ſich am beſten
für die Zwecke der Polizei? Der ſchon er=
wähnte
erſte angeſtellte‟ Polizeihund Cäſar in
Schwelm war eine nicht einmal ganz raſſereine
deutſche Dogge mittlerer Größe. Cäſar war ein

beſonders kluges Tier. Er erleichterte ſeinem Führer
den Nachtdienſt ganz außerordentlich, indem er Ab=
zweigungen
der Patrouillengänge auf Befehl allein be=
lief
, Verdächtiges durch Lautgeben meldete und dann
mit ſeinem Führer, der in der Zeit einen anderen
Straßenzug beging, an gewiſſermaßen verabredeter
Stelle wieder zuſammentraf. Zu einer großen Tat=
fand
er keine Gelegenheit, denn er verunglückte eines
Abends im Dienſt, als er übermütig eine Katze ver=
folgte
und dabei auf der Chauſſee blindlings vor einen
Straßenbahnwagen lief, der ihn ſofort tötete. Seine
Raſſe kam nach wenigen Verſuchen für die Polizei
außer Betracht, trotz der guten Leiſtungen. Aus trif=
tigen
Gründen: Im Anfang der ſyſtematiſchen Ver=
wendung
von Hunden wurden ſie hauptſächlich zum
Schutz der Beamten in gefährlichen Bezirken geführt
zum Abſuchen dunkler und ſchwer zugänglicher Schlupf=
winkel
uſw. Dieſe Art der Verwendung iſt nament=
lich
in den Großſtädten, beſonders auch Hafenſtädten,
wichtig geworden. Die Dogge, wie überhaupt die gro=
ßen
, ſchweren Hunderaſſen, erſchien in dieſem Dienſt
für den Ernſtfall bald zu gefährlich. Dazu zeigte ſie
ſich bei weitem nicht ſo hervorragend wetterfeſt, wie
die gleichzeitig konkurrierenden beiden Raſſen klei=
neren
Schlages. Der engliſche Airedale= Ter=
rier
, ſeit vielen Jahren beim deutſchen Heere im Ge=
brauch
für Meldedienſt und Aufſuchung von Verwun=
deten
, deshalb auch weit bekannter unter der Bezeich=
nung
Kriegshund, erwies ſich bald als der richtige,
brauchbare Geſelle für die Polizei. Feine Spürnaſe,
eine wunderbare Gelehrigkeit, größte Ausdauer und
Tapferkeit, Schnelligkeit, ſowie Gewandtheit in der
Ueberwindung von Hinderniſſen, dazu faſt unbegrenzte
Wetterfeſtigkeit das ſind ſeine wertvollen Eigen=
ſchaften
, von verdorbenen Exemplaren abgeſehen, die
meiſt durch Schuld der Beſitzer in jeder Raſſe vor=
kommen
. Die Erſolge mit dem Airedale=Terrier führ=
ten
die Polizeihundſache beſonders im rheiniſch= weſt=
fäliſchen
Induſtriegebiet raſch vorwärts. Aber gleich
zu Anfang trat mit dieſem Engländer unſer guter
deutſcher Schäferhund in Wettbewerb und
zeigte ſich dem Airedale=Terrier in guten, brauchbaren
Eigenſchaften ebenbürtia, ſodaß jetzt wohl dieſe beiden
Raſſen gleich ſtark in dem deutſchen Polizeihundekorps
vertreten ſein dürften. Die dritte Raſſe, welche neben
dieſen beiden aus den mancherlei Verſuchen auch mit
anderen ſchließlich erfolgreich blieb, iſt der Dober=
mannpinſcher
. Einer der erfahrenſten Polizei=

[ ][  ][ ]

Nummer 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Seite 3.

ſcher Gendarmen zu organiſieren. Millionen von Mark
werden alljährlich aus allen Teilen Europas und
Amerikas nach Paläſtina geſandt, um den Koloniſten zu
helfen, Wohnungen, Hoſpitäler, Schulen und Siechen=
häuſer
zu bauen. Allein in Jeruſalem gibt es bereits
über 100 jüdiſche Schulen, und Synagogen wachſen im
ganzen Lande wie die Pilze hervor. Der Wert des
Landes hat ſich vervierfältigt. Der unwiſſende und
verkommene Fellahin wird überall von dem ſcharfen
europäiſch=jüdiſchen Anſiedler verdrängt und deſſen
moderne Landwirtſchaftsgeräte und Methoden haben
dem Boden Ernten, von denen die Eingeborenen nie=
mals
träumten, abgelockt. Die Antlo=Paläſtina= Ge=
ſellſchaft
, ein zioniſtiſches Bank= und Handelsunter=
nehmen
, gewinnt täglich an Ausdehnung und Einfluß.
Die jungtürkiſche Regierung ſteht einem Problem
gegenüber, wie kaum je zuvor eine neue patriotiſche
Regierung.
* Belgrad, 20. Jan. Der Dnevni Liſt meldet,
daß Kronprinz Alexander ſich am Sonntag zu
einem privaten Beſuch des Königs von Bulgarien nach
Sofia begeben und bis Dienstag dort verweilen werde.
Politicen bringt die Nachricht von einem neuen Kon=
flikt
des Prinzen Georg. Dieſer habe bei der geſtri=
gen
Soiree den ſerbiſchen Generalkonſul in Budapeſt,
Chriſtitſch, zum Verlaſſen des Saales aufgefordert, der
Generalkonſul habe dieſem Verlangen aber nicht ent=
ſprochen
.

hundleute, Polizeikommiſſar Kappe in Neheim, ver=
ſicherte
mir bereits im Jahre 1905, nachdem er in ſei=
nen
Zwinger neben Airedale=Terriers und deutſchen
Schäferhunden auch einen guten Dobermannpinſcher
aufgenommen und erprobt hatte, daß er glaube, für
die kriminaliſtiſche Seite des Polizeihunddienſtes
würde dieſe Raſſe ſchließlich, obwohl der Dobermann
nicht zu den wetterfeſten Hunden gehört, vorgezogen
werden. Es ſcheint, daß Herr Kappe recht behalten
wird. Wetterfeſt iſt der Dobermann nicht, das iſt ein
Nachteil; auch ſein Geruchsſinn iſt ſchwerlich ſchärfer
entwickelt als bei den anderen beiden genannten Raſ=
ſen
, die als Kriminalhunde ja durch ihre vielen, un=
beſtrittenen
Erfolge wohlverdiente Anerkennung ge=
funden
haben, aber er beſitzt den einen, manchmal wich
ligen Vorzug, daß ihm die Jagdleidenſchaft abgeht
Beſonders dem Airedale=Terrier, der in ſeiner Hei=
mat
viel zur Jagd verwendet wird, haftet daher die
Neigung dazu noch an. Deshalb kommt es vor, daß
er bei Verfolgung einer Menſchenſpur dieſe aufgibt,
wenn er auf eine friſche Wildſpur trifft. Der Dober=
mann
aber bleibt auch in Feld und Wald unentwegt
auf der Spur. In einem Falle freilich verhält ſich bei
der Spurverfolgung eine Rüde, gleichviel welcher
Raſſe, genau wie die andere: Begegnet ihm auf der
Suche das ſeltene Glück, auf die Spur einer heißen
Hündin zu ſtoßen, dann iſt’s ſicher vorbei mit dem
dienſtlichen Pflichteifer.
Nicht zu unterſchätzen und bisher viel zu wenig
gewürdigt iſt der finanzielle Vorteil, den die
Verwendung von Polizeihunden bei ſyſtematiſcher Be=
nutzung
gewährt. Ganz abgeſehen von der Sicher=
heit
, die der Hund ſeinem Führer in gefährlichen Be=
zirken
gegen hinterliſtige Angriffe bietet der Hund
wittert ja auf bedeutende Entfernung eine aus irgend
einem Verſteck drohende Gefahr, warnt den Beamten
rechtzeitig durch ſein Verhalten und ſchützt ihn im Falle
eines verſuchten tückiſchen Angriffs mit größter Bra=
vour
, iſt es von großer Bedeutung, daß der flinke
Gehilfe in einem Bruchteil der Zeit, die ſein Führer
brauchen würde, große Strecken abläuft, dabei mit
größter Sicherheit alles Verdächtige, was dem Beam=
ten
leicht entgehen kann, bemerkt und meldet. Die
Vermehrung der Beamten für den Nachtdienſt
kann durch Verwendung von Polizeihunden in den
meiſten Fällen ganz unnötig gemacht werden, weil es
dem von einem Hunde begleiteten Beamten möglich iſt
weit größere Reviere und dieſe weit gründlicher ab=
zupatrouillieren
, als einem Beamten ohne dieſen bil=
Ligen, anſpruchsloſen und doch ſo zuverläſſigen Hilfs=

beamten, der rein nur für’s Freſſen ſeinen Dienſt tut.
Auf dieſen Geſichtspunkt alle Verwaltungen be=
ſonders
aufmerkſam zu machen, iſt jedenfalls im Inter=
eſſe
der Steuerzahler und im Intereſſe der Sicherheit
der Beamten und des Eigentums nicht unwichtig. Er
ſollte überall da hervorgehoben werden, wo ſich noch,
was ja allerdings ſelten geworden iſt, gegen die Ein=
führung
der vierbeinigen Polizei Bedenken erheben.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

* Die Senſation in der Zeitung. Einem
Aufſatz des Profeſſors Wilhelm Foerſter im Tag,
der ſich gegen das journaliſtiſche Uebel wendet, der
Zeitung durch Senſation Leſer zuzuwenden, entnehmen
wir folgendes: Nachdem das Uebel ſo groß geworden
iſt, ſcheint endlich auch die entſprechende Größe ſittlicher
Energie in weiten Kreiſen der Menſchheit gegen jenen
unſäglichen Unfug zu erwachen, und man darf das
ſichere Vertrauen zu den hervorragenden Geiſtes= und
Willenskräften der vielen in der Publiziſtik tätigen
Männer und Frauen haben, daß ſie ſich dieſer ſteigenden
Bewegung nicht bloß anſchließen, ſondern mit ihrer
großen Sachkenntnis ſchließlich die Führung zum
Rechten übernehmen werden. Aller Anfang iſt ſchwer
und es iſt daher kaum möglich, ſofort zu ſagen, was
zunächſt geſchehen müßte. Nur das eine darf mit
Sicherheit geſagt werden, daß diejenigen, denen die Not
beſonders vor die Augen getreten iſt, die Pflicht haben,
unabläſſig auf allen Wegen, die ihren Aeußerungen
zugänglich ſind, den Ruf erſchallen zu laſſen, daß ein
Halt zu machen ſei mit dem Elend der allzu ausführ=
lichen
, allzu ſenſationellen, allzu unabläſſigen Bericht=
erſtattungen
über menſchliches Elend ſittlicher und
natürlicher Art, und zwar etwa in ſolcher Weiſe, daß
einige der bedeutendſten Organe der Publiziſtik ſich
zuſammentun und jene Berichterſtattungen auf das ge=
ringſte
Maß des Tatſächlichen und nur in längeren
Perioden zu Veröffentlichenden zuſammendrängen und
dabei auf die Ueberfülle des Räſonnements, welches
daran geknüpft wird und welches meiſtens nur ſehr
unvollkommene Grundlagen hat, verzichten, dagegen
von Zeit zu Zeit wahrhaft kompetenten Männern aus
der ärztlichen, gerichtlichen und pädagogiſchen Praxis
zu allgemeineren Betrachtungen das Wort geben.
* Im Beſitze eines alten weimariſchen Offiziers
wurde eine bisher unbekannte, ſehr ſchöne Büſte von
Karl Auguſt aufgefunden, die ſehr wahrſcheinlich
ein Werk Martin Klauers, des Goethehildhauers, iſt.

CK. Eine neue Briefmarke von Afgha=
niſtan
. Aus Kabul kommt eine für alle Philateliſten
wichtige Nachricht. Der Emir von Afghaniſtan hat die
Erlaubnis zur Ausgabe einer neuen Marke gegeben.
Die Marke iſt blau und zeigt die Anſicht einer Moſchee,
die von Sternen umgeben iſt,
* Zur Erhaltung der Auerochſen. Wie
bekannt, ſind Auerochſen, dieſe Ueberreſte einer Fauna
längſt vergangener Zeiten, in Europa nur noch an zwei
Stellen in Rußland vorhanden: im Walde von Bjelo=
weſch
und im Gebiete der Kubankoſaken im Kaukaſus.
Hier wie dort iſt die Jagd auf dieſe Tiere ſtreng ver=
pönt
, und ſie genießen die ſorgſamſte Pflege, um das
Ausſterben der ſeltenen Tierart zu verhindern. Der
Bjeloweſcher Wald bildet ein Beſitztum des Zaren, der
Teil des Kubangebietes dagegen, in dem die Auerochſen
hauſen, war bisher an den Großfürſten Sergius
Michailowitſch verpachtet. Nun läuft aber der Pacht=
vertrag
in kürzeſter Zeit ab, und die Koſaken=Stanizen
(Anſiedelungen), denen das Land gehört, verweigern
ſeine Erneuerung. Es iſt natürlich zu erwarten, daß
bei einer Aufteilung des Landes unter die Koſaken
die bisher beobachteten Maßnahmen zur Erhaltung der
Auerochſen nicht mehr durchführbar wären, während
das gänzliche Verſchwinden der kaukaſiſchen Herde nicht
nur vom ſportlichen, ſondern mehr noch vom wiſſen=
ſchaftlichen
Standpunkte einen ſchweren Verluſt be=
deuten
würde. Es iſt daher bei der Petersburger
Akademie der Wiſſenſchaften unter dem Vorſitz des
Großfürſten Sergius Michailowitſch und unter Hinzu=
ziehung
von Vertretern der Gelehrtenwelt eine Kom=
miſſion
eingeſetzt worden, die ſich der Aufgabe unter=
ziehen
ſoll, zwiſchen den geſetzlichen Anſprüchen der
Kubankoſaken und den Intereſſen der Wiſſenſchaft einen
Ausgleich herbeizuführen.
* Kopenhagen, 20. Jan. Das Univerſi=
täts
=Konſiſtorium veröffentlicht eine Erklärung,
die mit dem geſtern herausgegebenen Bericht der
Cook=Kommiſſion übereinſtimmt. Wie in
der Veröffentlichung ferner mitgeteilt wird, drückte der
Rektor der Univerſität bei dem Empfang der Notiz=
bücher
Cooks den Wunſch aus, mit dieſem in direkte
Verbindung zu treten. Der Sekretär Lonsdal teilte
darauf am 10. Januar mit, daß er auf ein Telegramm
an die von Cook aufgegebene Adreſſe keine Antwort er=
halten
habe. Für die bloßgeſtellte Univerſität Kopen=
hagen
dürfte ſich in dieſer Angelegenheit Stillſchweigen
empfehlen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. Januar.

* Vom Hofe. Prinzeſſin Auguſte Reuß jüngere
Linie iſt Donnerstag mittag 12 Uhr im Auto im Neuen
Palais eingetroffen und hat daſelbſt Wohnung ge
nommen. Graf Eberhard, ſowie Graf und Gräfin
Karl zu Stolberg=Wernigerode nahmen an
der Frühſtückstafel im Neuen Palais teil. Die Groß=
herzoglichen
Herrſchaften folgten abends einer Einladung
des Staatsminiſters Ewald zum Ball. (Darmſt. Ztg.)
Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Wirklichen Geheimerat
D. Adolf Buchner Exzellenz zu Darmſtadt die Erlaubnis
zur Annahme und zum Tragen der ihm von Sr. Maj.
dem König von Preußen verliehenen Roten Kreuz=Medaille
1. Klaſſe erteilt.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Heinrich Kilian aus Mainz die Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Meiches, Kreis Schotten.
* Aus der Geſellſchaft. Donnerstag abend fand
Herrn Staatsminiſter
bei Seiner Exzellenz
Ewald in den Räumen des Miniſterhotels ein
Abendeſſen mit nachfolgendem Tanz ſtatt, an dem
über 200 Gäſte teilnahmen. Ihre Königlichen Hohei=
ten
der Großherzog und die Großherzogin
beehrten das Feſt mit ihrer Gegenwart; ferner waren
der Einladung gefolgt: Graf und Gräfin zu Erbach=
Fürſtenau, Prinzeſſin Helene zu Solms=Braunfels,
Prinz von Schönburg=Waldenburg, Graf und Gräfin
Wilhelm von Schlitz gen. von Görtz, der Königlie
Preußiſche Geſandte Freiherr von Jeniſch nebſt Ge=
mahlin
, Mrs. Harford u. a. Das Feſt hielt die Gäſte,
vorwiegend aus den jüngeren Offiziers= und Beamten=
kreiſen
, bis 1 Uhr beiſammen. (Darmſt. Ztg.)
Der Provinzial=Ausſchuß der Provinz Starken=
burg
wird am Samstag, den 29. Januar, vormittags
9½ Uhr, folgende Tagesordnung erledigen:
1. Beſchwerde des Heinrich Wick II. zu Dieburg und
15 Genoſſen wegen Zuziehung zu den Geländeerwerbs=
koſten
in der Teobaldſtraße und Minnefelderſeeſtraße
2. Geſuch der Thereſe Frickel, geborene Neßler, zu
Darmſtadt um Erteilung eines Wandergewerbeſcheines
für das Jahr 1910.
n. Das Schöffengericht I ſprach geſtern einen hieſi=
gen
Friſeur, welcher der Uebertretung der Laden=
ſchlußverordnung
beſchuldigt war, frei. Dieſer Fall iſt
von einer gewiſſen prinzipiellen Bedeutung. Der Be=
treffende
führt in ſeinem Geſchäftslokal auch Zigar=
ren
, ſowie Parf ümerieartikel, und der Ver=
laufsraum
für dieſe Waren bildet gleichzeitig den Zu=
gang
zu dem Friſier= und Barbierraum. Nun iſt für
derartige Verkaufsgeſchäfte bekanntlich hier der Acht=
uhrladenſchluß
eingeführt, während das Friſeurgewerbe
bis 9 Uhr abends ausgeübt werden kann. Hierdurch
entſtand im Fragefalle ein Konflikt, denn der Ange=

klagte konnte der erwähnten Lokalverhältniſſe wegen,
wenn er überhaupt das Friſeurgewerbe länger betrei=
ben
wollte, den Verkaufsraum nicht ſchließen. Auf Rat
der Polizei half er ſich dadurch, daß er vor das Zigar=
renverkaufsabteil
einen Vorhang anbrachte, und den
Parfümerieauslagekaſten verſchloſſen hielt. Trotzdem
erfolgte durch den Konkurrenten eine Anzeige und er=
ging
Strafbefehl, gegen den der Betreffende Einſpruch
einlegte. Die Verwaltungsbehörde vertrat die
Auffaſſung, beide Räume müßten getrennt und
durch völligen Verſchluß des Verkaufsraumes nach 8
Uhr abends, der Vorſchrift entſprochen werden. Das
Schöffengericht war anderer Anſicht und begrün=
dete
ſeine Entſcheidung unter anderem damit, daß nach
Lage der Verhältniſſe ein Feilhalten der Waren nicht
gegeben erſcheine und der Angeklagte der Verordnung
nachgekommen ſei. Die Sache wird wohl zur oberin=
tanzlichen
Entſcheidung gebracht werden, da Urteile
unſeres Oberlandesgerichts gerade in der Richtung nicht
vorliegen und die Rechtſprechung anderer Bundesſtaa=
ten
auf verſchiedenem Standpunkte ſteht.
Berichtigung. In dem geſtern abgedruckten
Vortrag des Herrn Oberbürgermeiſters
muß es auf Seite 12 Spalte 3 unter Ziffer 7 heißen:
. . Für die Oberaſſiſtenten= und Sekretärſtellen bei
der Bürgermeiſterei und den dieſen gleich zu erach=
tenden
Stellen bei den Nebenverwaltungen wird nach
wie vor die Ableiſtung der ſtaatlichen Prüfung für
die mittleren Finanzbeamten und Verwaltungs=
beamten
, oder für die Gerichtsſchreiber maßgeblich
ſein.
Die Uebungen der Mannſchaften des Beurlaubten=
ſtandes
finden im Jahre 1910 vorausſichtlich zu fol=
genden
Zeiten ſtatt: a) Reſerve der Infanterie I. Rate:
1. Hälfte des Monats Mai, II. Rate: 2. Hälfte des Mo=
nats
Mai; für Landwehr=Infanterie: 1. Hälfte des Mo=
nats
Juni; b) für Reſerve der Feldartillerie: Monat Juli,
für Landwehr der Feldartillerie: 1. Hälfte des Monats
Juli; e) ehemalig Einjährig=Freiwillige: 1. Infanterie
Frühjahrsübung: April und Mai, Herbſtübung: Auguſt
und September, 2. Kavallerie während der Herbſtübun=
gen
, 3. Feldartillerie während der Schießübungen, 4. Train
Juni und Juli; d) Kavalleriſten der Reſerve behufs Aus=
bildung
als Train=Aufſichtsperſonal: Monat Juni.
In der nichtöfffentlichen Sitzung der Stadtver=
ordneten
=Verſammlung wurden als Schutzleute ange=
ſtellt
Philipp Baußmann und Johann Straßer.
Hinſichtlich der vorliegenden Geſuche um Erteilung der
Erlaubnis zum Betriebe von Schankwirtſchaften wurde
die Bedürfnisfrage für Schuknechsſtraße 63 verneint
und für Marktplatz 11½, Obergaſſe 2, Kiesſtraße 69,
Bleichſtraße 25 und Gardiſtenſtraße 13 bejaht. In den
Ortsgeſundheitsrat wurde Herr Stadtverordneter Dr.
öllner und in den Verwaltungsrat der ſtädtiſchen
Sparkaſſe Herr Bauunternehmer Ludwig Wagner
gewählt, nachdem durch das Ausſcheiden des Herrn
Rentners Mahr aus den beiden Körperſchaften eine
Erſatzwahl notwendig geworden war. Ebenſo mußte
Erſatzwahl für den verſtorbenen Stadtverordneten K.
Ph. Müller ſtattfinden. In die Deputationen und
Ausſchüſſe, denen dieſer angehört hatte, wurden ge=
wählt
: Herr Stadtverordneter Leyerzapf ( Vieh=
markt
=Deputation), Herr Stadtverordneter Roth
(Feuerlöſch=Ausſchuß), Herr Landwirt Heinrich Fey
(Ausſchuß zur Kontrolle der Obſtbaumpflege). In den
Hochbau=Ausſchuß wurde ein Erſatzmitglied zunächſt
nicht gewählt.
Seinen 80. Geburtstag feiert in voller geiſtiger
und körperlicher Friſche am 25. Januar d. J. Herr
Oberfeuerwerker i. P. Joh. Bürſtlein. Er
blickt auf eine 36jährige Dienſtzeit im Großh. Feld=
artillerie
=Regiment Nr. 25 zurück, widmete ſich hier=
auf
dem hieſigen Polizeidienſt, woſelbſt er auch dieſes
Jahr 25 Jahre zur vollſten Zufriedenheit ſeiner Vor=
geſetzten
tätig iſt. Durch ſeinen biederen Charakter
gewann er ſich jedermanns Zuneigung und Achtung.
§ Darmſtadts Einwohnerzahl. Nach der von
Großh. Polizeiamt ſeither allmonatlich gefertigten Zu=
ſammenſtellung
bezifferte ſich die Einwohnerzahl
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt am 1. Januar
1910 unter Berückſichtigung der ſeit der letzten Volks=
zählung
vorgekommenen Geburten und Sterbefälle, ſowie
der Zu= und Wegzüge auf 90 314 (einſchließlich Militär)
und zwar 44648 männliche und 45 666 weibliche.

Kreiskaufmannsgericht D. H. V. Man ſchreibt uns:
Schon am 22. Juli 1907 beantragte die hieſige Orisgruppe
des Deutſchnationalen Handlungsgehilfenverbandes die
Erweiterung des Kaufmannsgerichts Darmſtadt zum Kreis=
kaufmannsgericht
. Die Stadtverordnetenverſammlung, ſo=
wie
das Kaufmannsgericht ſagten, durch gleichartige An=
träge
der genannten Ortsgruppe veranlaßt, Unterſtützung
und Befürwortung der Eingabe zu. Das Kreisamt lehnte
leider den Antrag ab, da ein Bedürfnis zurzeit nicht vor=
liege
. Auf die Dauer kann aber ein Zuſtand nicht aufrecht
erhalten bleiben, der es den vor den Toren der Stadt woh=
nenden
, ſelbſtändigen und angeſtellten Kaufleuten unmög=
lich
macht, von den Wohltaten ſchnellen und billigen Rechts=
ſpruchs
Gebrauch zu machen, eine Wohltat, deren ſich die
hieſigen Kaufleute bekänntlich ſchon ſeit mehreren Jahren
erfreuen. Die hieſige Ortsgruppe hat nun nochmals das
Großh. Kreisamt um Anſchluß der Landgemeinden an das
Kaufmannsgericht Darmſtadt gebeten. Die Großh. Han=
delskammer
und auch der Hanſabund, Ortsgruppe Darm=
ſtadt
, wurden um Unterſtützung und Befürwortung der
Eingabe gebeten. Die Koſtenfrage kann durch das bereit=
willige
Entgegenkommen der in Betracht kommenden Land=
gemeinden
als gelöſt betrachtet werden.
Kunſtabend. Hofphotograph Hans Hilden=
brand
aus Stuttgart veranſtaltete am Donnerstag abend
im Saalbau eine Vorführung von Photographien in natür=
lichen
Farben nach dem Syſtem Lumiére. Nachdem das
Lumiériſche Verfahren in kurzen Zügen dargelegt war,
wurden Hochgebirgsſzenen, Landſchaften, Blumen und
Früchte uſw. in Projektionen vorgeführt. Man kann den
Eindruck, den dieſe Photographien erweckten, kurz dahin zu=
ſammenfaſſen
, daß man geradezu von einer vollendeten Wie=
dergabe
der Natur ſpricht; die Bilder könnte man für Ge=
mälde
halten, ſo vorzüglich ſind z. B. die Farben bei Land=
ſchaften
wiedergegeben. Deshalb gewährt ihr Anblick auch
einen hohen künſtleriſchen Genuß und man muß ſtaunen
über die techniſchen Erfolge auf dem Gebiete der Photo=
graphie
.
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 15. Januar l. J. männ=
lich
8619, weiblich 5584, zuſ. 14 203, in Prozenten 60,69,
39,31; am 8. Januar l. J. männlich 8567, weiblich 5562,
zuſ. 14 129, in Prozenten 60,64, 39,36. Der Kranken=
ſtand
betrug am 15. Januar l. J. männlich 481, weiblich
197, in Prozenten 5,58, 3,53; am 8. Januar I. J. männ=
lich
440, weiblich 169, in Prozenten 5,13, 3,05. An
Krankengeld wurde gezahlt in der Woche vom
10. Jan. bis 15. Januar I. J. 5399,32 Mk., in der Woche
vom 3. Januar v. J. bis 8. Januar I. J. 4915,10 Mk.
An Wöchnerinnen waren vorhanden am 15. Januar
I. J. 38, am 8. Januar l. J. 35; Sterbefälle
kamen vor in der Woche vom 10. Januar bis 15. Januar
I. J. 3; vom 3. Januar bis 8. Januar I. J. 1.
Aquarien= und Terrarien=Ausſtellung. Wie man
uns ſchreibt, beabſichtigt der hieſige Verein für Aquarien=
und Terrarienkunde Hottonia, in dieſem Sommer eine
Ausſtellung von Aquarien und Terrarien im größeren Stil
zu veranſtalten. Die Beſchickung der Ausſtellung ſoll nicht
nur durch Vereinsmitglieder allein erfolgen, ſondern es
ſollen auch andere hieſige Liebhaber, welche dem Verein
nicht angehören und im Beſitz von ſachgemäß eingerichteten
und beſetzten Aquarien und Terrarien ſind, als Ausſteller
zugelaſſen werden. Auf der Hottonia=Ausſtellung ſollen
neben der einheimiſchen Flora und Fauna unſerer Ge=
wäſſer
auch die in letzter Zeit in großer Zahl eingeführten
farbenprächtigen exotiſchen Zierfiſche, die ſich durch ihre
Paarungsſpiele, Brutpflege und ſonſtigen biologiſchen
Eigentümlichkeiten auszeichnen, ſowie einheimiſche und tro=
piſche
Reptilien und auch Pflanzen der überſeeiſchen Län=
der
vertreten ſein. Das lebende Tiermaterial ſoll weiter
durch die umfangreiche Präparatenſammlung des Vereins,
durch Fachliteratur uſw. in wirkungsvoller Weiſe ergänzt
werden, ſo daß die Ausſtellung ein richtiges Bild über den
heutigen Stand der Liebhaberei ergeben wird.
* Hansbeſitzer=Verein. In der Vorſtandsſitzung
wurde lebhaft die geplante Steuererhöhung beſprochen.
Sämtliche Vorſtandsmitglieder ſind der Anſicht, daß
eine Erhöhung von 46 Prozent der Vermögensſteuer
einen Wegzug von reichen Leuten zur Folge habe, daß
der Zuzug durch die fortgeſetzte Beunruhigung über
die Steuererhöhung nachläßt und deshalb ein großer
Nachteil für Darmſtadt entſteht; auch die ſo ſtarke Er=
höhung
der Einkommenſteuer wird unbedingt nach=
teilig
wirken. Es ſoll mit den anderen heſſiſchen Haus=

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Nummer 18.

beſitzer=Vereinen gegen die Gemeindeſteuervorlage
vorgegangen werden, dahingehend, daß in dem neuen
Geſetz mindeſtens die Hälfte der Schulden in Abzug
gebracht werden kann. Es wurde eine Verſammlung
beſchloſſen, die Montag, 24. Jan., in dem gelben Saale
der Reſtauration Sitte ſtattfinden ſoll. Ferner käm
zur Sprache die gegenwärtig ſtattfindende Einſchätz=
ung
des Grundbeſitzes ſeitens des Finanzamts Darm=
ſtadt
I, um die Wertzuwachsſteuer zu beſtimmen. Den
Hausbeſitzern ſei dringend zu raten, bei etwaigen zu
geringen Einſchätzungen gegen ihre früheren Erwerbs=
koſten
, Verbeſſerungen, Aufwendungen uſw. Einſpruch
zu erheben (die Friſt des Einwands beträgt von dem
Tage der Zuſtellung zwei Monate). Die jetzige erſte
Feſtſtellung vermeidet ſpäter größere Schwierigkeiten,
wenn auch dadurch möglicherweiſe die Vermögensſteuer
erhöht wird. Es wurde eine Zuſammenſtellung von
leeren Wohnungen zur Kenntnis gebracht; ſo ſtanden
in Darmſtadt 1908 851 Wohnungen mit einem Miets=
verluſt
von 643000 Mark, 1909 726 Wohnungen mit
einem Mietsverluſt von 330000 Mark leer. Mithin
haben ſich die leeren Wohnungen um 135 ver=
ringert
, die Hälfte, über 412 Stück, ſind Wohnungen
von 13 Zimmer.
Vom Landeslehrerverein. Der Finanzausſchuß
der Zweiten Kammer hat bekanntlich den Beſchluß ge=
faßt
, den Staatsbeamten für das nächſte Rechnungs=
jahr
eine Teuerungszulage zu gewähren. Der Vor=
ſtand
des Landeslehrervereins richtete deshalb an die
Zweite Kammer die Bitte, daß für das Rech=
nungsjahr
1910 den Lehrern und Lehrerinnen an Volks=
ſchulen
die gleiche Teuerungszulage gewährt werde,
wie ſie den Staatsbeamten zuteil werden ſoll. Der
Landeslehrerverein hält ſeine Hauptverſammlung am
30. März zu Bad Nauheim ab.
Der Bezirksverein Altſtadt hält Montag, den 24.
Januar ſeine Generalverſammlung im hinteren Sälchen
der Brauerei Zur Krone ab. (S. Anz.)
Von der Sanitäts=Hauptkolonne Darmſtadt.
Das am Samstag abend bei der offiziellen Prüfung der
Mitglieder dem Kolonnenführer, Herrn Oberleutnant
Lotheißen, überreichte Gruppenbild iſt auf
einige Zeit in dem Schaufenſter der Firma: Haas &
Bernhard, Rheinſtraße 19, ausgeſtellt.
Das Kaiſerpauorama führt ſeine Beſucher noch
einſchließlich morgen, Sonntag, von Trieſt nach Athen
und Kleinaſien, eine Reiſe, ebenſo lehrreich wie intereſ=
ſant
, da ſie nicht nur Gelegenheit bietet, Land und
Leute dieſer Gegenden kennen zu lernen, ſondern uns
auch gleichzeitig mit den alten Kulturdenkmälern be=
kannt
macht.
Der Geſangverein Sängerluſt veranſtaltet
ſeinen diesjährigen großen Maskenball Samstag, den
29. Januar, im Mathildenhöhſaale. (Näheres ſiehe
Anzeige.),
Der Klub Fröhlichkeit veranſtaltet heute,
Samstag abend, in Hugenſchütz Felſenkeller einen
Maskenball mit Preisverteilung. (Näheres ſ. Anzeige.)
Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Der Kartenvorverkauf
für das morgen Sonntag abend 8 Uhr 11 Minuten in der
Narrhalla am Woogsplatz ſtattfindende erſte große
Muſik=und Geſangsfeſtder Reſidenz iſt enorm
und läßt wieder auf den gewohnten zahlreichen Beſuch
ſchließen. Ein Beweis, daß das Arrangement eines von
gewohnten Rahmen der Sitzung abweichenden Karneval=
feſtes
ſympathiſch begrüßt wird. Die Anmeldungen von
Reden, Vorträgen und Liedern ſind ungewöhnlich zahlreich
eingelaufen, die beſten Karnevalkräfte und Künſtler ſind
vertreten. Beſonderes Intereſſe dürften die künſtleriſchen
Bronzegruppe en erregen, die von acht Jüng=
lingen
unter Leitung des Herrn Bauer geſtellt werden.
Trotz des reichen Materials wird das Präſidium beſtrebt
ſein, das Programm möglichſt prompt abzuwickeln, damit
pünktlich um 11 Uhr 11 Minuten der Narrhallamarſch den
abziehenden Elfern geſpielt werden kann. Nach kurzer
Pauſe ſoll dann der Tanz beginnen.
Ludwigshöhe. Wie aus der Anzeige erſichtlich,
konzertiert nächſten Sonntag das Muſikkorps des Leib=
garde
=Regiments unter Herrn Hauskes Leitung nach
einer vorzüglich zuſammengeſtellten Vortragsordnung
Beſonders hervorgehoben ſei die hier ſelten gehörte Muſik
aus Karl Goldmarks Oper Das Heimchen am Herd‟
ſowie Stücke aus Rienzi, Zampa, Madame Angot
Als Soliſt wird Herr Ludwig das 9. Violinkonzert von
Beriot vortragen.
Im Café Metropole konzertiert z. Zt. das be
liebte Damenorcheſter, Dir. Jenny Lerch, mit beſtem Er=
folg
. Die Konzertſtücke ſind ſehr vielſeitig. (Näheres
ſiehe Anzeige.)
Konzerthaus Kratſch. Auf die in genanntem
Konzerthaus angezeigten urfidelen humoriſtiſchen Kon=
zerte
ſei hierdurch hingewieſen. (Siehe Anz.)
Orpheum. Das Gaſtſpiel Liane de Vriés, das
ſich leider bereits wieder ſeinem Ende nähert, geſtaltet ſich
ſowohl für dieſe, als auch für ihre Direktion zu einem gro=
ßen
, außergewöhnlichen Erfolg. Wohl ſelten, vielleicht
niemals, werden beim Varieté, einer Künſtlerin ſolch ſpon=
tane
und überaus herzliche Sympathiekundgebungen von
einem diſtinguierten Publikum geſpendet, wie der ſchönen
Liane deren entzückender Charme und pikante Drolerie
alle bezaubert; in liebenswürdigſter Weiſe leiſtet ſie all=
abendlich
dem ſechsfachen Hervorruf Folge. Anläßlich des
heutigen Familien=Abends bringt die Künſtlerin neue Vor=

träge zu Gehör. Morgen Sonntag finden wie üblich
zwei Vorſtellungen ſtatt; abends ſetzt Liane de Vriés ihr
Gaſtſpiel fort. (S. Anz.)
§ Feſtgenommen. Ein Kaufmann, welcher von
Frankfurt a. M. aus wegen Urkundenfälſchung ſteck=
brieflich
verfolgt wurde, iſt durch die Polizei hier feſt
genommen worden.
Nr. 3 der Darmſtädter Faſtnachts=Zeitung‟
bringt eine in gutem Humor gehaltene Närriſche Rund=
ſchau
von Rob. Schneider, die viel Heiterkeit erregen
wird, wie nicht minder die Plauderei des Datterich
die ſich diesmal vorzugsweiſe auf lokalem Boden be=
wegt
, Heſſens Finanznot wird durch zwei geiſtvolle
Gedichte beleuchtet, während Vetter und Gevatter
praktiſche Vorſchläge machen zur Neuregelung des
lebensgefährlichen Verkehrs in der oberen Eliſabethen=
ſtraße
.
Mörfelden, 20. Jan. Der Schreinermeiſter W. Küch=
ler
II. von hier hatte vor Jahren gelegentlich einer im
Hauſe des Maurers L. Schaffner II. vorgenommenen Re=
paratur
zu deſſenFrau die ſpaßhafte Aeußerung getan, das
Schaffnerſche Haus bleibe trotz aller Ausbeſſerung eine
alte Baracke, die er für 100 Mark in Brand ſtecke
Als ſpäter in Mörfelden mehrere Brände ausbrachen,
brachte L. Schaffner die Küchlerſche Aeußerung mit dieſen
Bränden in Zuſammenhang und Küchler litt ſeitdem ſo
ſchwer unter dem Verdacht der Brandſtiftung, daß er von
hier fortziehen wollte. Die gegen Schaffner angeſtrengte
Beleidigungsklage hatte langwierige Verhandlungen, Zeu=
genvernehmungen
und große Koſten zur Folge und endete
geſtern mit einem Vergleich unter gleichmäßiger Tragung
der Koſten auf beiden Seiten und einer Ehrenerklärung
Schaffners zugunſten des Klägers Küchler. Und dies alles
wegen eines Ulks.
Mainz, 20. Jan. In der geſtrigen Stadtverord=
netenverſammlung
fragte Juſtizrat Börckel an, ob es
richtig ſei, daß dem Beigeordneten Berndt von der
nationalliberalen Partei das Landtagsmandat für den
aus Geſundheitsrückſichten zurückgetretenen Dr. Pa=
genſtächer
angeboten worden ſei und ob Berndt an=
genommen
habe. Der Oberbürgermeiſter erwiderte,
daß er, als an ihn die Frage herangetreten ſei, es ab=
gelehnt
habe, daß der Beigeordnete Berndt das Land=
tagsmandat
annehme, weil bei den immer ausgedehn=
teren
Geſchäften der Bürgermeiſterei auf keine Kraft
auch nicht vorübergehend, verzichtet werden könne. Die
Stadtverordneten Molthan, Adelung und Reinach er=
klärten
, daß ſie grundſätzlich keine Bedenken hätten,
wenn ein Beigeordneter die Stadt im Landtag ver=
treten
würde. Andere Städte hätten ja auch ſtädtiſche
Vertreter in den Parlamenten.
Mainz, 20. Jan. Nach Erhöhung der verſchiedenen
ſtädtiſchen Gefälle, der Oktroihafengebühren uſw., ver=
bleibt
immer noch ein Defizit von rund 215000
Mark, das entweder durch Erhöhung der Umlagen oder
durch andere Mehreinnahmen gedeckt werden müß. Die
von den Stadtverordneten ernannte beſondere Kom=
miſſion
verhandelte in Gemeinſchaft mit dem ſtädti=
ſchen
Finanzausſchuß über die Einführung
neuer Abgaben. Die Bürgermeiſterei hat eine
Vorlage ausgearbeitet, die dahin geht, daß das Oktroi
auf die durch das Zollgeſetz nicht berührten Gegen=
ſtände
erheblich erhöht werden ſoll. Die Kommiſſion
war damit einverſtanden, außerdem wurde einer Er=
böhung
des Gaspreiſes um einen Pfennig zugeſtimmt.
Die Erhöhung der Schlachthofgebühren um den Betrag
von 170000 Mark iſt bereits beſchloſſen. Aus dem
Hafen werden 50000 Mark und von der Sparkaſſe
100000 Mark entnommen, ſodaß nur ein Fehlbetrag
von ungefähr 215000 Mark verbleibt, der entweder
durch Oktrois oder erhöhte Umlagen aufzubringen iſt.
* Mainz, 21. Jan. Der Kirchendiener Bicking von
der St. Stephanskirche wurde wegen bedeutender Kirchen=
diebſtähle
verhaftet.
Worms, 20. Jan. Die in der Donnersbergerſtraße ent=
ſtandene
Aushöhlung des Straßenkörpers be=
findet
ſich, wie der Wormſer Zeitung mitgeteilt
wird, außerhalb des ehemals Reiſingerſchen Bierkellers
und iſt jedenfalls auf die Veränderung von Hohlräumen
die vielleicht ſchon bei der Erbauung des fraglichen Kellers
im Erdreich außerhalb des Mauerwerks entſtanden ſind,
zurückzuführen. Jedenfalls haben die durch den Straßen
verkehr veruſachten Erſchütterungen Senkungen des Erd=
körpers
in der Umgebung dieſer Höhlungen herbeigeführt,
die einen Bruch des Straßenkanals der Donnersberger=
ſtraße
und das Eindringen von Kanalwaſſer in die Füll=
maſſen
des in der Nähe liegenden, ſeinerzeit ſehr ſorgfältig
ausgefüllten Kellerraumes im Gefolge hatten. An ſich iſt
die entſtandene Einſenkung kein außergewöhnliches Vor
kommnis (!) und ohne Gefahr für den Verkehr der elek
triſchen Straßenbahn.
Worms, 20. Jan. Der Verkehrsverein wird im
April oder Mai der Bevölkerung von Worms und
Umgegend den Wrightſchen Flugapparat in
Tätigkeit vorführen.
B Bingen, 20. Jan. Die heutige Stadtverordneten=
ſitzung
die erſte in dieſem Jahre geſtaltete ſich außer=
ordentlich
angeregt. In erſter Linie gab Herr Bürger=
meiſter
Neff einen ausgiebigen Bericht über die Tätigkeit
der ſtädtiſchen Verwaltung im Jahre 1909. Dann brachte
er ein vom Miniſterium eingegangenes Schreiben
zur Verleſung, in welchem die Städte aufgefordert werden,
eine Erhöhung der direkten ſtädtiſchen

Steuern in der nächſten Zeit, beſonders in dieſem Jahre,
tunlichſt zu unterlaſſen. Die äußerſte Sparſamkeit
müſſe empfohlen werden und alle nicht unbedingt nötigen
Ausgaben ſolle man unterlaſſen. Alles im Hinblick auf die
zu erwartende bedeutende Erhöhung der Staatsſteuern und
unter Berückſichtigung der geographiſchen und wirtſchaft=
lichen
Lage des Großherzogtums gegenüber der Konkur=
renz
der Nachbarſtaaten. Gegen verſchiedene Einzelheiten
dieſes ſtaatlichen Rundſchreibens proteſtierte der Stadtver=
ordnete
May, der ſie als einen Eingriff in die ſtädtiſche
Selbſtverwaltung bezeichnete. Ueberhaupt wurde das
Rundſchreiben von den Stadtverordneten anſcheinend mit
ziemlich gemiſchten Gefühlen aufgenommen.
Bingen, 20. Jan. Der alte Bopp, ein Ori=
ginal
eines alten rheiniſchen Wirtes, hat ſein an dem
Fuße des Schloß=Rheinſtein=Felſen gelegenes, von
Rheinreiſenden vielbeſuchtes Wirtshaus an einen Herrn
aus Godesberg verkauft. Bopp erlangte ſeinerzeit
eine gewiſſe Berühmtheit, als Prinz Heinrich von
Preußen, der Schloßherr von Rheinſtein, auf einer
nächtlichen Fahrt bei Bopp anklopfte. B. ſchimpfte
mörderiſch auf die Automobiliſten, die die Chauſſee un=
ſicher
machten, ging aber ſchließlich doch mit dem unbe=
kannten
Sportsmann aufs Schloß. Beim Anklopfen
daſelbſt hieß es ſchließlich: Wer iſt draußen?, und als
Bopp die Antwort hörte: Prinz Heinrich von Preu=
ßen
war er ſprachlos. Seit der Zeit waren der Prinz
und B. Freunde wie B. jedem Gaſte erzählte.
Gießen, 20. Jan. Der 14 Jahre alte Konrad Bal=
ſer
und der 13 Jahre alte Franz Henn von hier, die
ſich in letzter Zeit mit gleichalterigen Burſchen an einer
Anzahl von Diebſtählen beteiligten, trafen geſtern nach=
mittag
in der Wilhelmſtraße einen achtjährigen Jun=
gen
, der für ſeine Mutter etwas eingekauft hatte und
ein Portemonnaie mit 2 Mark Inhalt in der Hand
trug. Einer der Burſchen hielt den Jungen feſt, wäh=
rend
der andere ihm das Geld abnahm. Beide
ergriffen dann die Flucht, vernaſchten das Geld zum
Teil und begaben ſich darauf in den Kinematograph;
von wo ſie ein Schutzmann holte und ſie in Polizei=
haft
brachte.

Kleines Feuilleton.

CK Könige und Sammler. Von der
Sammlerleidenſchaft gekrönter Häupter weiß der Pie=
colo
allerlei Intereſſantes zu erzählen. Der König
von England hat eine Leidenſchaft für Spazierſtöcke;
ſeine Sammlung umfaßt viele Tauſend Stöcke, dar=
unter
manche Reliquie von hiſtoriſcher Bedeutung. Der
deutſche Kaiſer beſitzt in Potsdam eine Sammlung
von Schuhzeug, die nicht weniger als 1985 Stück um=
foßt
. Man ſieht da die Pantoffeln Voltaires, Stiefel
von Wallenſtein, von Peter dem Großen, von Napo=
leon
I., die Fußbekleidung Talmas und manche an=
dere
Stücke von hiſtoriſchem Intereſſe. Die Kaiſerin
dagegen ſammelt Fächer. Der König von Italien iſt
auf ſeine große Medaillenſammlung ſtolz und läßt
keine Gelegenheit vorübergehen, neue, koſtbare Stücke
für ſie zu erwerben. Aber die ſeltſamſte Sammler=
leidenſchaft
iſt wohl die des Königs von Siam, der ſich
ein Vergnügen daraus macht, Streichhölzerſchachteln
zu ſammeln, und in einem Gemache ſeines Palaſtes
Tauſende und Abertauſende bereits aufgehäuft hat.
Doch die Vorliebe, von einem Gegenſtand durch eif=
riges
Sammeln die größtmögliche Zahl von Varietäten
zuſammenzubringen, befällt wie den König auch den
gewöhnlichen Sterblichen. So herrſcht in London ſeit
einigen Jahren eine wunderliche Sammlerleidenſchaft,
die bei den Damen der Geſellſchaft faſt zur Manie aus=
artet
: das Sammeln von Fingerhüten. Mrs. Vander=
bilt
hat für einige Exemplare rieſenhafte Preiſe ge=
zahlt
, dafür aber rühmt ſie ſich auch, in ihrer Kollektion
die Fingerhüte zu beſitzen, die einſt die Königin Eli=

ſabeth und die Königin Viktoria benutzten. London
ſt überhaupt das gelobte Land der Kurioſitätenſammler
und derer, die die wunderlichen Vorlieben der Mit=
menſchen
praktiſch ausnutzen. Erſt vor kurzem hat ein
fanatiſcher Kurioſitätenſammler viele hundert Mark
bezahlt für ein Halsband, das der Hund Lord Byrons
getragen haben ſoll. Dagegen wurde kürzlich für die
Petſchafts Cromwells nur der verhältnismäßig kleine
Betrag von 200 Mark bezahlt, während die zwei Fe=
dern
, die zur Unterzeichnung des Vertrages von
Amiens 1801 dienten, von Sir H. Burnell mit 10000
Mark bezahlt wurden.
* Der Halleyſche Komet und die Po=
litik
. In einem Briefe an die Times macht Lord
Crawford, der ehemalige Präſident der Aſtronomiſchen
Geſellſchaft, darauf aufmerkſam, daß das Erſcheinen
des Halleyſchen Kometen auf die halbziviliſierten aſia=
riſchen
Völkerſchaften einen bedenklicheren und weni=
ger
wiſſenſchaftlichen Eindruck machen werde, als auf
uns Weſteuropäer. Er ſagt: In der Vergangenheit
wurde das plötzliche Erſcheinen eines Kometen ſtets
als das Anzeichen von Peſt, Hungersnot und Bürger=
krieg
angeſehen und als ſolches iſt es ſtets von Agita=
toren
und Fanatikern ausgebeutet worden, um die
breiten Volksmaſſen, deren Leidenſchaften unter dem
Eindrucke perſönlichen Schreckens und religiöſen Haſſes
leicht gegen Geſetz und Ordnung aufgepeiſcht werden
künnen, anzureizen. Zu Hauſe mag dies wenig Be=
deutung
haben, aber es gibt Völker und Nationen.
deren wiſſenſchaftliche Erziehung nicht ſo ſchnell wie
unſere eigene vorgeſchritten iſt, und einige dieſer Völ=
ker
befinden ſich gerade in einem=Zuſtands=der=pali=

tiſchen Unruhe und Unzufriedenheit. Beſonders iſt
dies gegenwärtig in Marokko, Aegypten und verſchiede=
nen
Teilen von Indien der Fall. Da die Natur dies=
mal
den Agitatoren in die Hände ſpielt, ſo iſt es die
Aufgabe aller ziviliſierten Länder, ſich im voraus gegen
etwaige Gefahren zu ſichern, und ich erlaube mir vor=
zuſchlagen
, an die Eingeborenen=Preſſe eine Serie von
pppulär=wiſſenſchaftlichen Aufſätzen zu ſenden, in die
rerſchiedenen Dialekte der Eingeborenen übertragen.
die das Erſcheinen des Kometen ankünden und will=
kommen
heißen.
* Rechtsirrtum. Vor dem Amtsgericht eines
ländlichen Ortes in einem norddeutſchen Kleinſtaate
hat ein Rechtsanwalt einen Grundbuchstermin wahr=
zunehmen
. Der bejahrte Oberamtsrichter bemerkt am
Schluſſe der Verhandlung: Damit wäre ja nun alles
erledigt, Herr Doktor, bis auf die von Ihrer Partei
noch abzugebende eidesſtattliche Erklärung. Die iſt
meines Wiſſens nicht nötig, meint der Rechtsanwalt.
Bitte, ſagte der Gerichtsvorſitzende, überzeugen Sie
ſich ſelbſt, und reicht ihm das vor ihm aufgeſchlagene
Bürgerliche Geſetzbuch. Der erfahrene Anwalt lieſt
kopfſchüttelnd den ihm bisher ganz unbekannten Para=
graphen
. Als er in dem Buche weiter blättert, fällt
ſein Blick auf deſſen Titelblatt. Lächelnd reicht er es
zurück, denn da ſteht gedruckt: Entwurf eines Bür=
gerlichen
Geſetzbuches. Ja, da habe ich keine Schuld
entgegnete treuherzig der alte Herr, das hat mir die
Regierung 1900 zugeſchickt, und danach habe ich nun
ſchon zehn Jahre lang Recht geſprochen!

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 20. Jan. Der Blumen=
ball
zu Gunſten des Säuglingsheims Weſtend hat
eine Einnahme von 50000 Mark ergeben. Eine einzige
Dame, die Erfriſchungen verkaufte, nahm 6000 Mart
ein. In den letzten Wochen wurde eine Anzahl au=
geſehener
und begüterter Familien durch Droh=
briefe
in Angſt und Schrecken verſetzt. So erhielt
die Frau Kommerzienrätin E. in der Aſchaffenburger
Straße kurz hintereinander drei derartige Briefe. In
dem erſten Schreiben wurde der Dame die Mitteilung
gemacht, daß ſie auf beiden Augen geblendet würde,
falls ſie nicht vom Tage des Empfanges des Schreibens
an Tag und Nacht ein Paket mit 3000 Mark in Bank=
noten
in ihrer Wohnung zur Abholung bereit halte
Ein ähnlicher Brief ging dem Fabrikbeſitzer R. in der
Alexandrinenſtraße zu, dem angedroht wurde, daß im
Nichtzahlungsfalle ſeine Fabrik in die Luft geſpreugt
werden würde. Nach mehrwöchentlicher Tätigkeit ge=
lang
es ſchließlich der Schöneberger Kriminalpolizei,
Licht in die Erpreſſer=Affäre zu bringen. Es wurde
eine Spur der Mittelsperſonen, die für die Erpreſſer
arbeiten, aufgedeckt, und zwar gelang dies durch Hand=
ſchriftenvergleichung
. Geſtern wurde die 25jährige
Frieda Schinorda aus der Kleinen Frankfurter Sträße
verhaftet, in deren Wohnung noch weitere Erpreſſer=
briefe
, mit Trauerrand verſehen, vorgefunden wurden.
Die Feſtgenommene wurde trotz Leugnens nach dem
Unterſuchungsgefängnis überführt. Zu einer auf=
ſehenerregenden
Szene, die im Theaterleben
Berlins glücklicherweiſe zu den Seltenheiten gehört,
kam es geſtern im Deutſchen Theater nach Schluß der
Vorſtellung. Dort wurde laut Morgenpoſt, der
Herausgeber der Schaubühne‟ Herr Siegfried Jacob=
ſohn
, als er das Theater verlaſſen wollte, von Frl. Ide
Roland, dem Mitgliede des Hebbel=Theaters, angel=
griffen
. Die Schauſpielerin machte mehrfach den Ver=
ſuch
, dem Kritiker ins Geſicht zu ſchlagen, was jedoch
von dieſem und den Umſtehenden abgewehrt wurde.
Frl. Roland war gereizt durch einen Artikel Jacob=
ſohns
, der ſich mit dem Hebbel=Theater beſchäftigte und
ſie, als die Vertrauensperſon des Direktors Robert,
in gewiſſem Sinne mit für den Zuſammenbruch des
Theaters verantwortlich machte. Als heute nach
mittag der Wagen der Firma Spindler ſich auf
dem Wege vom Berliner Hauptkontor zur Fabrik in
Spindlerfelde befand, wurde der Kutſcher von einem
entgegenfahrenden Kollegen darauf aufmerkſam ge=
macht
, daß ſich hinten an ſeinem Wagen zwei Burſchen
befänden, Er ſtieg ab und entdeckte, während die beiden
jungen Männer in einen nahen Wald flüchteten, daß
eine Taſche, die 15000 Mark in Silber zur Lohn=
zahlung
enthielt, verſchwunden war. Drei der
Tat verdächtige junge Männer wurden heute in
Köpenick feſtgenommen. Drei Beutel, die 3000 Mark
enthielten, und die vermutlich von den Dieben auf der
Flucht fortgeworfen wurden, ſind inzwiſchen gefunden
und abgeliefert worden.
Frankfurt, 20. Jan. Heute mittag wurde an der
Ecke Nonnengaſſe und Fahrgaſſe das 7jährige Mädchen

[ ][  ][ ]

Nummer 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Seite 5.

Ottilie Amrhein von einem Metzgerwagen über=
ſahren
. Das Mädchen war ſofort tot.
Frankfurt, 21. Jan. Das Großherzogspaar
von Weimar traf heute im Extrazug von St. Moritz
hier ein und hat im Carlton=Hotel Wohnung genommen.
Die Weiterfahrt nach Weimar erfolgt morgen früh.
Frankfurt, 21. Jan. Der ſeit zwei Tagen ver=
ſchwundene
, an der Fahrkartenausgabe im hieſigen
Hauptbahnhofe beſchäftigt geweſene Eiſenbahn=Aſſiſtent
Winter hat ſich, wie jetzt feſtgeſtellt iſt, Unter=
ſchlagungen
zuſchulden kommen laſſen: Nach den bis=
herigen
Feſtſtellungen hat er für zirka 2000 Mark
Fahrkarten verkauft, ohne den Betrag dafür abzu=
liefern
. Man vermutet, daß er ſich nach England ge=
wandt
hat.
Die Verwaltung der
Gelſenkirchen, 21. Jan.
Zeche Holland teilt mit, daß die Auf=
räumungsarbeiten
raſch vonſtatten gehen. Heute
morgen um 4 Uhr iſt es den Rettungsmannſchaften ge=
lungen
, bis zur Fußmauer zu gelangen, an welcher am
Unglückstage gemauert werden ſollte. Von dort bis
zu der Mauer, hinter welcher man die Verſchütteten
vermutet, ſind unter ſchwierigen Umſtänden zehn Meter
Schutt wegzuräumen. Wenn alles gut geht, hofft man
in kommender Nacht die Verunglückten herauszubrin=
gen
. Inzwiſchen wurden Sauerſtoffapparate und
Liederbelebungsmittel an die Unfallſtelle geſchafft.
Lebenszeichen von den Verunglückten wurden nicht
mehr vernommen.
Dresden, 21. Jan. Die Beſitzerin des Lahmannſchen
Sanatoriums Weißer Hirſch, Frau Profeſſor Peria
ſtarb geſtern am Herzſchlag.
Eisleben, 21. Jan. Dieſer Tage ſtanden wiederum
13 Perſonen, unter ihnen zwei Frauen, wegen Nöti=
gung
, Beleidigung, Drohung, Widerſtandes, Gewalt=
tätigkeiten
uſw. bei Gelegenheit des Mansfelder
Bergarbeiterſtreiks vor der hieſigen Straf=
kammer
. Ein Arbeiter wurde zu 6 Monaten einer
Woche Gefängnis verurteilt, obſchon nur 3 Monate eine
Woche beantragt worden wären. Andere Arbeiter er=
hielten
4 und 3 Monate, 5 Tage oder Geldſtrafe. Die
Sache zweier Angeklagten wurde dem Schwurgericht
überwieſen. Die beiden Frauen wurden freigeſprochen.
Einer der als Zeuge geladenen Gendarmen ſagte zwar
aus, die Weiber ſeien die ſchlimmſten geweſen, er habe
müſſen mit dem Karabiner die Leute zurückſchrecken, ein
Gendarm habe an der Erde gelegen, der Karabiner ſei
ihm weggezogen worden; allein gegen die angeklagten
Frauen konnte nichts Belaſtendes beigebracht werden.
Rom, 21. Jan. In einer von der Tagespreſſe mit=
geteilten
Bevölkerungsſtatiſtik des Königreichs Italien
wird jetzt zum erſten Mal die Zahl der Opfer der
Erdbebenkataſtrophe in Calabrien und Sizilien
mit Beſtimmtheit angegeben, nämlich mit 77283 Per=
ſonen
, die am Morgen des 28. Dezember 1908 unter
den Trümmern ihrer Häuſer umkamen.
London, 21. Jan. Im Kohlenbergwerk von
Hurton bei Seahm Harbur in der Grafſchaft Durham
verſuchten heute nachmittag mehrere hundert Aus=
ſtändige
, ſich eines Kohlendepots zu bemächtigen,
und wurden von ungefähr 60 Polizeibeamten zurück=
getrieben
. Die Menge bewarf ſodann die Polizei mit
Steinen, welche Feuer gab und ſechs Streikende ver=
wundete
. Die Ausſtändigen begannen einen neuen
Steinhagel gegen die Polizei, durch den mehrere Leute
verwundet wurden. Auch in der Bergwerkskanzlei
und in das Haus des Direktors wurden zahlreiche
SSteine geworfen.
New=York, 21. Jan. Das demokratiſche Amerika
jubiliert darüber, daß Fräulein Marjorie Gould,
die Tochter von George Jay Gould und Enkelin des
verſtorbenen Eiſenbahnkröſus Jay Gould, ihre zahl=
reichen
europäiſchen Freier abgewieſen hat, um ihre
Hand Anthony Drexel fun, aus Philadelphia zu
reichen. Unter den ausländiſchen Bewerbern um Miß
Goulds Hand und Geld werden der Fürſt Roma=
nowski
, der Herzog von Alba und Prinz Franz Joſepl
von Braganza genannt. Die Familie Drexel iſt vor mehr
als hundert Jahren aus Deutſchland in der Neuen
Welt eingewandert und hat in Philadelphia eines der
berühmteſten Bankhäuſer Amerikas begründet, mit dem
eine Weile Pierpont Morgan ſehr eng liiert war. Der
Bräutigam, ein 22jähriger junger Mann, iſt in dem
Bankhaus angeſtellt. Seine Schweſter, Fräulein Marga=
reta
Drexel, und ſeine Braut Marjorie Gould wurden
von den geſellſchaftlichen Klatſchbaſen Amerikas wohl
ein dutzendmal mit allen möglichen hohen Herren mit
leeren Taſchen aus Europa verlobt, ſo daß man jetzt
ordentlich erleichtert aufatmet, da wenigſtens eine der
jungen Damen und ihr Geld im Lande bleibt. Dſer
New=York American Miſter Hearſts New=Yorker
Zeitung, nennt die Verlobung einen amerika=
niſchen
Triumph. (!) Dasſelbe Blatt hat eine
Agitation eingeleitet, um den Kongreß zu veranlaſſen,
eine Ausfuhrſteuer auf nach dem Ausland gehende
Mitgiften zu autoriſieren. Die Mutter der Braut
war eine durch Schönheit und Talent hervorragende
Schauſpielerin, die jedoch ſeit ihrer Verheiratung mit
George Jay Gould die Bühne nicht mehr betreten hat.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nacht
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Richard Wagner=Verein. Das aus den
Herren Profeſſor Arnold Roſé, k. k. Kammervirtuos,
Paul Fiſcher, Anton Ruſitzka und Profeſſor Friedrich
Buxbaum, ſämtlich Mitglieder des k. k. öſterreichiſchen
Hoforcheſters in Wien beſtehende Streichquartett
wird auf Veranlaſſung des Richard Wagner=Vereins am
3. Februar zum erſten Male nach Darmſtadt kommen. Der
Abend verſpricht zu einem muſikaliſchen Ereignis zu wer=
den
, da das Quartett Weltruf genießt und für das Wie=
ner
Muſikleben etwa das bedeutet, was das Joachim=
quartett
für Berlin und Deutſchland geweſen iſt.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 21. Jan. Im Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer wurde heute in
Gegenwart der Miniſter Dr. Ewald und Dr.
Gnauth die Beratung des Juſtizetats zu Ende
geführt, nachdem der Finanzminiſter mit Bezug auf die
Auslaſſungen eines hieſigen Blattes die Erklärung ab=
gegeben
hatte, daß er die ihm zugeſchriebenen Bemerk=
ungen
über den Antrag auf Vereinfachung der Staats=
verwaltung
niemals in dieſer oder irgend einer ähn=
lichen
Form geäußert habe. Bei Beſprechung der Poſi=
tion
Porto, Telegraphen= und Fernſprechgebühren
177600 Mark, wurde von verſchiedenen Rednern die
Höhe dieſer Summe bemängelt, die jedoch auf vertrag=
licher
Vereinbarung mit der Reichspoſt beruht. Man
hofft, bei Durchführung der Vereinfachungen in der
Staatsverwaltung und Verminderung des Schreib=
werks
auch ſpäter eine weſentliche Reduzierung dieſer
Summe zu erreichen. Der allgemeine Fonds für Stell=
vertretungs
= und Aushilfekoſten, für welchen 170000

Mark angeſetzt ſind, ebenſo wie im vorigen Jahre,
konnte mit Rückſicht auf den Umſtand nicht verringert
werden, daß diesmal eine Anzahl Stellen nur auf den
Inhaber bewilligt werden und daher vielfach Vertrei=
ungskoſten
in Anſpruch genommen werden dürften, Im
Vermögensetat ſind die Koſten für den Neubau eines
Amtsgerichts in Friedberg auf 148000 Mark berech=
net
. Der Ausſchuß beſchloß, von der Ausführung des
Neubaues vorläufig abzuſehen, und zur Gewinnung
von Bureauräumen uſw. die Wohnung des dienſtauf=
ſichtsführenden
Richters herzurichten. Zu dem Kapitel:
Kreditübertragungen wurde der Vorſchlag, aus der
Nachbewilligung für das Juſtizgebäude und Provinzial=
arreſthaus
zu Mainz für Einrichtung des derzeitigen
Provinzialarreſthauſes, 43000 M. für Wohnungen für 16
kleinere und mittlere Beamtenfamilien zu bewilligen, ge=
nehmigt
. Am Dienstag ſoll mit der Beratung des Etats
für das Finanzminiſterium, und zwar mit dem Referat
des Abg. Dr. Weber über den Forſtetat, begonnen
werden.

Sitzung der Großh. Handelskammer Darmſtadt

vom 17. Januar.
Als Vorſitzende der Handelskammer
wurden wiedergewählt die Herren Bankdirektor C.
Pareus, Geh. Kommerzienrat Dr. L. Merck und Kom=
merzienrat
F. Jacobi. Die bereits vorhandenen Kom=
miſſionen
für Bank= und Verſicherungsweſen, für
Schulweſen, für Geſetz=, Steuer= und Zollweſen, für
Verkehrsweſen und für Kleinhandel wurden infolge
des Ausſcheidens des Herrn Kommerzienrat Roeder
durch Zuwahl verſchiedener Herren ergänzt. Es ſetzen
ſich die hauptſächlichſten Kommiſſionen nunmehr folgen=
ermaßen
zuſammen: Kommiſſion für Geſetz=,
Steuer= und Zollweſen: Geh. Kommerzienrat
Dr. L. Merck (Vorſitzender), B. Bodenheimer, L. Fiſcher,
Kommerizenrat L. Frölich, W. Kalbfuß, W. Rummel,
Kommerzienrat H. Schlager, Eugen Trier. Kom=
niſſion
für Verkehrsweſen: Kommerzienrat
F. Jacobi (Vorſitzender), L. Fiſcher, Kommerizenrat
Frölich, C. Karp, W. Kölb, E. Trier, C. Wittich und
Eiſenbahndirektor C. Wolff. Kommiſſion für
Kleinhandel: W. Kölb (Vorſitzender), B. Boden=
heimer
, L. Fiſcher, W. Kalbfuß, C. Karp. Dem Kura=
torium
der Kaufmänniſchen Fortbil=
dungsſchule
gehören in unveränderter Weiſe an:
Kommerzienrat L. Frölich (Vorſitzender), Syndikus Dr.
Human, W. Kölb, Kommerzienrat F. Jacobi, Kommer=
zienrat
H. Schlager, W. Rummel, Beigeordneter Fr.
Schmitt als Vertreter der Stadt Darmſtadt und Th.
Kalbfuß und C. Wittich als Vertreter des Handels=
vereins
. Die auswärtigen Herren werden je nach
Wunſch zu den Kommiſſionsſitzungen zugezogen.
Auf Grund einer gemeinſamen Beratung der Heſſi=
ſchen
Handelskammern iſt im Anſchluß an die auf dem
Heſſiſchen Handelskammertag vom 28. Oktober v. J.
gefaßten Beſchlüſſe bezüglich des Geſetzentwurfs
über die Gemeindeumlagen eine neue, ſehr
ausführliche Eingabe an den Erſten Ausſchuß der
Zweiten Kammer der Landſtände gerichtet worden. In
dieſer Eingabe ſind die Anſichten der Heſſiſchen Han=
delskammern
bezüglich des Abſchnitts über die Ge=
werbeſteuer
nochmals dargelegt und iſt zugleich dem
Wunſche Ausdruck verliehen worden, es möchten von
ſeiten der Geſetzgebung alle Anträge auf weitere Be=
vorzugung
des landwirtſchaftlichen Grundbeſitzes und
des landwirtſchaftlichen Betriebskapitals als ungerecht=
fertigt
abgelehnt werden.
Nach längeren Verhandlungen mit dem Großh.
Kreisamt Darmſtadt iſt für den Bezirk Darmſtadt in
Ausführung des Reichsgeſetzes vom 7. Juni
1909 gegen den unlauteren Wettbewerb
eine Bekanntmachung bezüglich des § 7 Abſ. 2 und des
§ 9 Abſ. 2 dieſes Geſetzes erlaſſen worden, welche
fölgenden Wortlaut hat: 1. Wer in öffentlichen Be=
kanntmachungen
oder in Mitteilungen, die für einen
größeren Kreis von Perſonen beſtimmt ſind, den Ver=
kauf
von Waren unter der Bezeichnung eines Ausver=
kaufs
wegen Aufgabe einer Warengattung oder wegen
Umbaues oder Umzuges oder wegen eines elementaren
Ereigniſſes ankündigt, hat drei Tage vor der Ankündi=
ugng
bei der Großh. Handelskammer Darmſtadt An=
zeige
über den Grund des Ausverkaufs und den Zeit=
punkt
ſeines Beginns zu erſtatten und ein Verzeichnis
der auszuverkaufenden Waren einzureichen. Der An=
kündigung
eines Ausverkaufs im Sinne des Ab=
ſatzes
1 ſteht jede ſonſtige Ankündigung gleich,
welche den Verkauf von Waren wegen Be=
endigung
des Geſchäftsbetriebs, Aufgabe einer ein=
zelnen
Warengattung oder Räumung eines beſtimmten
Warenvorrats aus dem vorhandenen Beſtande betrifft.
Auf Saiſon= und Inventurausverkäufe, die in der
Ankündigung als ſolche bezeichnet werden und im
ordentlichen Geſchäftsverkehr üblich ſind, finden die
vorſtehenden Anordnungen keine Anwendung. 2.
Saiſon= und Inventurausverkäufe, die in der Ankün=
digung
als ſolche bezeichnet werden und im ordentlichen
Geſchäftsverkehr üblich ſind, dürfen in einem Geſchäft
innerhalb eines Kalenderjahres im ganzen nur zwei=
mal
, und zwar in der Dauer von je vier Wochen abge=
halten
werden.
Der eine dieſer Ausverkäufe darf nur in die Zeit
vom 2. Januar bis 15. Februar, der andere nur in die
Zeit vom 1. Juni bis 15. Auguſt gelegt werden.
Die neuen Vorſchriften ſind mit dem 1. Januar 1910
in Kraft getreten. Die Handelskammer iſt verpflichtet,
von jeder eingehenden Ausverkaufs=Anzeige, wenn ſie
den Stadtbezirk betrifft, dem Großh. Polizeiamt, wenn
ſie den Landbezirk betrifft, dem Großh. Kreisamt
Darmſtadt Mitteilung zu machen. Auch für den Kreis
Bensheim iſt auf Grund der mit dem Kreisamt Bens=
heim
gepflogenen Verhandlungen unter dem 6. Dezem=
ber
v. J. eine Bekanntmachung zwecks Regelung des
Ausverkaufsweſens gemäß § 7 Abſ. 2 und § 9 Abſ. 2
des Geſetzes gegen den unlauteren Wettbewerb erlaſſen
worden.
Der Handelskammer war ein Rundſchreiben des
Kaiſerl. Statiſtiſchen Amts zugegangen, worin auf die
Notwendigkeit gewiſſenhafter Ausfüllung
der ſtatiſtiſchen Ausweispapiere beim
Export aufmerkſam gemacht wurde. Gleichzeitig war
in Ausſicht geſtellt worden, es würde künftighin öfters
von der Befugnis Gebrauch gemacht werden, Sen=
dungen
, über welche ungenaue oder unzulänglich aus=
gefertigte
Anmeldepapiere vorgelegt würden, bis zur
vorſchriftsmäßigen Anmeldung vom weiteren Trans=
port
auszuſchließen. Die Handelskammer hatte hier=
von
die hauptſächlich am Export beteiligten Firmen
des Bezirks in Kenntnis geſetzt, worauf eine Anzahl
von Klagen über die bereits ſeither im Grenzverkehr
geübte, wenig Großzügigkeit verratende Behandlungs=
weiſe
der ſtatiſtiſchen Anmeldepapiere eingelaufen iſt.
Da anzunehmen iſt, daß auch in den übrigen deutſchen
Handelskammerbezirken ähnliche Klagen vorhanden
ſind, wurde das Präſidium des Deutſchen Handelstages

gebeten, eine diesbezügliche Umfrage zu veranſtalten.
Gleichzeitig wurde der Anſicht Ausdruck verliehen, daß
es wohl zweckmäßig ſein würde, an zuſtändiger Stelle
dahin zu wirken, daß künftighin 1. Rückſendungen hin=
reichend
ausgefüllter ſtatiſtiſcher Anmeldepapiere
lediglich wegen belangloſer Fragen, die auf die Be=
ſtimmung
des Zollſatzes keinen Einfluß ausüben,
unterbleiben möchten, und 2. das Anhalten der Güter
an den Verſandſtellen der Eiſenbahnen, namentlich aber=
an
den Grenzſtationen unterſagt werden möchte.
Die Handelskammer hatte irgend welche Bedenken=
gegen
die Zulaſſung des Lohnveredellungs=
verkehrs
mit ausländiſcher ungefärbter,
zweimal gezwirnter künſtlicher Seide
zum Färben nicht vorzubringen. Ebenſo ſprach ſie
ſich nicht gegen den Veredelungsverkehr mitt
inländiſchen rohen Geweben aus Flachs
zum Bleichen in Irland aus. Weiter waren
auch keine Bedenken gegen die Zulaſſung des Ver=
edelungsverkehrs
mit ausländiſchem
Papier zur Herſtellung von Fahrſcheinen=
in
Blöcken vorzubringen. Weiter hat die Händels=
kammer
der Bewilligung eines bisher im Zollgébiet
noch nicht geſtatteten ſtändigen Eigenveredel=
ungsverkehrs
mit rohen Druckknöpfen
aus Meſſingblech zum Weißkochen ( Ver=
zinnen
), Lackieren und Verſilbern zuge=
ſtimmt
.
Dem Kaiſerl. Patentamt wurde auf eine entſpre=
chende
Anfrage mitgeteilt, daß das Wort Null, in
Ziffern und in Buchſtaben geſchrieben, als Beſchaffen=
heitsangabe
z. B. für Mehl und Graupen gebräuch=
lich
ſei.
Weiter wurde dem Kaiſerl. Patentamt unter gleich=
zeitiger
Beantwortung einer Anzahl von Fragen ge=
ſchrieben
, die beteiligten Verkehrskreiſe hätten ein leb=
haftes
Intereſſe daran, daß der ſchlagwortartige
Gebrauch der Worte Montag, Dienstag,
Mittwoch, Donnerstag uſw. als z. B. Konſer=
ven
=Mittwoch, Fiſch=Donnerstag oder dergl. dem
freien Verkehr erhalten bleibe.
Bezüglich der Ausfuhrvergütung für
Zigarren wurde dem Großh. Miniſterium der Fi=
nanzen
eine längere Eingabe unterbreitet, in welcher
das Miniſterium gebeten wurde, im Intereſſe der am
Export beteiligten heſſiſchen Zigarren=Fabriken darauf
hinwirken zu wollen, daß 1. die Ausfuhrvergütung den
wirklichen Verhältniſſen entſprechend in die Höhe ge=
etzt
wird, 2. daß eine ſchriftliche Erklärung der ausfüh=
renden
Firma über die Art und Herkunft des zur Her=
ſtellung
der Zigarren verwendeten Tabaks hinſichtlich
der Gewährung der höheren Vergütungsſätze als aus=
reichend
erachtet wird. Eine ſolche ſchriftliche Erklär=
ung
genügt nach dem oben Geſagten ſchon heute bei
ſolchen Zigarren, welche nur mit ausländiſchem Tabak
gedeckt ſind. Außerdem könnte zur Verhütung von
Unterſchleifen die Beſtimmung getroffen werden, daß
den oberen Stenerbeamten auf Verlangen Einſicht in
die Fabrikationsmiſchung und Lohnbücher gewährt wer=
den
muß. Endlich könnte auch die Vereidigung des
Meiſters der betreffenden Fabrik vorgeſchrieben wer=
den
. Als wirkſame Strafandrohung könnte u. a. das
Verbot der Ausübung des Gewerbes auf beſtimmte Zeit
(vergl. § 10 Abſ. 2 des Tabakſteuergeſetzes) in das neue
Regulativ aufgenommen werden. Durch eine ſolche
Reform würde u. E. den berechtigten Intereſſen der
am Export beteiligten Zigarrenfabriken Rechnung ge=
tragen
werden. Es würde die durch die Reichsfinanz=
reform
hart betroffene Tabakinduſtrie in die Lage ver=
ſetzt
werden, auf dem Wege des Exportes ihre über=
füllten
Lager zu räumen und ihren bisherigen Arbei=
terſtamm
zu erhalten. An einer derartigen ſozial=
politiſch
günſtig wirkenden Maßregel müßten auch die
verſchiedenen deutſchen Staatsregierungen Intereſſe
haben.
An der Konferenz in Köln, bezüglich Veränder=
ung
der Eiſenbahnlinie Aachen=Brüſſel,
hat in Vertretung der Handelskammer Herr Bank=
direktor
Parcus teilgenommen. Auf Grund der Ver=
handlungen
wurde in längeren Ausführungen dem
Miniſter der öffentlichen Arbeiten in Berlin eine Ein=
gabe
des Inhalts unterbreitet, er möchte die geplante
Abänderung der Eiſenbahnverbindung Aachen=Brüſſel
in der Weiſe herbeiführen, daß die direkte Linie von
Aachen über Gemmenich, Viſe, Tongern für den inter=
nationalen
Verkehr ausgebaut werde.
Der Eiſenbahndirektion Mainz wurde der Beſcheid
erteilt, es ſei nichts dagegen einzuwenden, daß die für
Tonwaren des Spezialtarifs 2 vorge=
ſchriebenen
Verpackungsbeſchränkungen
auch für Töpfergeſchirr und Steinzeug, gemeines ( Ge=
fäße
und Geräte zum Haus= und Gewerbegebrauch) zur
Bedingung gemacht würden.
Der Eiſenbahndirektion Kattowitz wurde auf eine
entſprechende Umfrage hin ein Gutachten des Inhalts
erteilt, daß die Bewilligung des bei der Ständigen
Tarifkommiſſion der deutſchen Eiſenbahnen geſtellten
Antrags, Fettſäuren in das Verzeichnis
der zur Beförderung in Keſſelwagen Zu=
gelaſſenen
Flüſſigkeiten aufzunehmen,
im Intereſſe der deutſchen Seifeninduſtrie liege. Es
ſei kein Grund vorhanden, eine Differenzierung von=
Neutralfetten, welche ſchon geraume Zeit in Keſſel=
wagen
befördert werden, und von Fettſäuren, welche
dadurch hergeſtellt werden, daß dieſen Fetten das Gly=
zerin
entzogen worden iſt, aufrecht zu erhalten. Im
Anſchluß hieran wurde noch der Wunſch ausgeſprochen,
es möchten noch für dieſe Beförderung in Keſſelwagen
Spezialwagen gebaut werden, deren Keſſel im Innern
verbleit ſind, weil Fettſäure Eiſen derart angreift, daß
die Wagen in kurzer Zeit ruiniert werden, wobei die
Fettſäure durch die Aufnahme von Eiſen in ihrer
Qualität einbüßt.
Die Frage der Induſtrieanſchlußgleiſe,
ſowie ſonſtigen Anlagen am neuen Haupt=
bahnhof
in Darmſtadt iſt durch mehrere mündliche
und ſchriftliche Erörterungen mit der Stadtverwaltung
nach Möglichkeit gefördert worden.
Vom Syndikus war zwecks Fertigſtellung
des Jahresberichts der Bericht über die allge=
meine
wirtſchaftliche Lage im Jahre 1909 nebſt Bericht=
über
die im Handelskammerbezirk vertretenen Bran=
chen
vorgelegt worden. Nachdem die allgemeine Ein=
leitung
durchgeſprochen worden war, wurde die Be=
ſprechung
der einzelnen Branchen an eine Sonderkom=
miſſion
verwieſen.

Handel und Verkehr.

* Berlin, 21. Jan. Die Deutſche Reichs=
bank
hat den Diskont von 5 auf 4½ Prozent und den
Lombardziusfuß von 6 auf 5½ Proz. herabgeſetzt. In
der heutigen Sitzung des Zentralausſchuſſes
wurde ſeitens des Direktoriums ausgeführt, daß ſeit
dem letzten Wochenausweis der Status ſich bis zum 19.
Januar um weitere 19 Millionen gebeſſert habe. Die
Geſamtanlagen haben um 90 Millionen abgenommen;

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblattz Samstag, den 22. Januar 1910.

Nummer 18.

der Metallvorrat hat ſich nnerdings um 50 Millionen
Mark vermehrt. Die ſteuerfreie Notenreſerve habe ſich
auf 119 Millionen Mark erhöht, ſei aber noch um 80
Millionen Mark ſchwächer, als zur gleichen Zeit des
Vorjahres, wo ein 4prozentiger Diskontſatz beſtand.
Da der Kapitalmarkt noch nicht ſo flüſſig ſei, um allen
Anforderungen zu genügen, und da ferner auch für
etwaige Rückſchläge Vorſorge getroffen werden müſſe,
ſo könne nur eine Herabſetzung des Diskonts um ein
halbes Prozent erfolgen. Der Zentralausſchuß erklärte
ſich mit den Ausführungen vollkommen einverſtanden.

Deutſcher Reichstag.

* * Berlin, 21. Jan. Vizepräſident Spahn eröffnet
die Sitzung um 12,15 Uhr. Auf der Tagesordnung ſteht
zunächſt die
zweite Leſung des Etats der Reichseiſen=
bahnen
.
Abg. Carſtens (frſ. Vp.): Wie wir dem bisherigen
Chef der Reichseiſenbahnen Dank wiſſen, ſo hoffen wir,
daß es dem neuen Chef gelingen möge, ſeinem Amte eine
immer mehr wachſende Bedeutung als Aufſichtsamt zu ver=
ſchaffen
. Die Lage der Arbeiter und Hilfsbeamten der
Eiſenbahnen iſt höchſt unbefriedigend. Das Betriebsma=
terial
reicht vielfach nicht mehr aus. Die Exiſtenzberech=
tigung
des Reichseiſenbahnamtes wird jetzt von keiner
Seite mehr angezweifelt, es beſteht verfaſſungsmäßig und
wir wollen es erhalten. Der Präſident möge ſeinen Ein=
fluß
geltend machen auf die Entſcheidungen des preußiſchen
Miniſters der öffentlichen Arbeiten; erforderlichen Falles
ſtehen wir hinter ihm. (Beifall links.) Abg. Schwa=
bach
(nl.): Die Zuſammenſchließung der deutſchen Ei=
ſenbahnen
hinſichtlich ihrer Finanzwirtſchaft, etwa nach
dem Muſter der preußiſch=heſſiſchen Eiſenbahngemeinſchaft,
iſt ein erſtrebenswertes Ziel. Das Reichseiſenbahnamt
möge eine ſegensreiche Tätigkeit entfalten, zunächſt in der
Herbeiführung von Uebereinkommen über die Tariffeſt=
etzung
. Das Amt möge auch auf den Ausbau der inter=
nationalen
Verkehrsabkommen achten. (Beifall bei den Nl.)
Präſident des Reichseiſenbahnamtes Wackerzapp:
Den ehrenden Worten für meinen Amtsvorgänger ſchließe
ich mich voll und ganz an. Bezüglich der von dem Abg.
Carſtens vorgebrachten Klage über zu niedrige Löhne be=
merke
ich: Man kann die Löhne nur in Etappen und
nach den Lebensbedingungen der einzelnen Gegenden auf=
beſſern
. Die hohen Löhne des Weſtens können nicht ohne
weiteres auf andere Gegenden übertragen werden. In den
letzten Jahren waren die Klagen geringer als früher; wei=
teren
Wünſchen kann die Verwaltung heute bei dem beſten
Willen nicht entſprechen. Es iſt gewünſcht worden, die in=
ternationalen
Abkommen betreffend die Frachtgebühren
einige Zeit vor ihrem Inkrafttreten bekant zu geben. Das
internationale Tarifkomitee empfiehlt hierfür eine zwei=
monatliche
Publikationsfriſt. Die internationale Rege=
lung
der Perſonentarife nach dem Vorbilde der Fracht=
tarife
dürfte bald verwirklicht werden. Die Schweiz hat
einen entſprechenden Entwurf ausgearbeitet.
Abg. Zietzſch (Soz.): Wir meinen, daß das Amt
nicht den Vorausſetzungen entſpricht, die bei Schaffung der
Verfaſſung maßgebend waren, weil ſeinen Zentraliſie=
rungsbeſtrebungen
die Dezentraliſation der Einzelſtaaten
entgegenſteht. Beſonders die thüringiſchen Staaten haben
über das mangelnde Entgegenkommen Preußens zu klagen;
dabei zieht Preußen einen erheblichen Reingewinn aus ſei=
nen
thüringiſchen Bahnen.
Präſident Wackerzapp: Die Hauptvorwürfe des
Vorredners ſind bereits im vorigen Jahre durch meinen
Vorgänger eingehend und zwar unter allſeitigem Beifall
zurückgewieſen worden. Im übrigen müßte der Vorredner
bei ſeinem Standpunkte das Reichseiſenbahnamt in ſeiner
Stellung ſtärken, anſtatt es fortgeſetzt als ohnmächtig hin=
zuſtellen
. Die thüringiſchen Bahnen hat Preußen gebaut,
wenigſtens mit den ſonſt üblichen Zuſchüſſen, und es hat
jetzt auch ein Anrecht auf Gewinn, entſprechend ſeinem
Anlagekapital. Thüringen iſt hinſichtlich ſeiner Bahnen
nicht ſchlechter geſtellt als irgend ein anderes Gebiet
Deutſchlands.
Abg. Pfeiffer (Zentr.): Der neue Präſident möge
die Schund= und Schmutzliteratur von den Bahnhöfen ent=
fernen
. Die Raucher werden auf den preußiſchen Bahnen
ungebührlich zurückgeſetzt Abg. Storz (ſüdd. Vp.): Den
thüringiſchen Staaten gegenüber ſollte die preußiſche Ei=
enbahnverwaltung
mehr Entgegenkommen zeigen. Auch
von Württemberg her kommen immer neue Klagen. Abg.
Behrens (wirtſch. Vgg.): Bei Vergebungen von Ma=
teriallieferungen
ſollte die Siegerländer Induſtrie mehr
berückſichtigt werden.
Die Arbeiterlohnverhältniſſe ſind
völlig ungenügend. Darin liegt eine große Gefahr für die
Betriebsſicherheit. Die Dienſtzeit der Lokomotivführer
muß gekürzt werden. Abg. Weber (nl.): Man ſollte
auf den Bahnhöfen die politiſche Preſſe nicht beſchränken.
Der neue Präſident möge es ermöglichen, daß man überall
im Deutſchen Reiche ſein Gepäck nach irgend einem Orte
aufgeben kann. Abg. Bindewald (wirtſch. Vgg.):
Unſerem Eiſenbahnweſen fehlt die Großzügigkeit. Beſon=
dere
Mißſtände beſtehen auf den oberheſſiſchen Linien, auch
für den Güterverkehr. Mit dem Verkaufsverbot der ſozial=
demokratiſchen
Zeitungen erreicht man nichts, vielmehr
ſollte man die Erpreſſerpreſſe (Zuruf: Wahrheit!) vom
Bahnhofsverkauf ausſchließen, ſonſt leiſtet die Eiſenbahn=
verwaltung
dem Erpreſſerhandwerk Vorſchub. (Lebhaftes
Sehr richtig! auf allen Seiten.) Abg. Lehmann=
Wiesbaden (Soz.): In ſeinen Klagen über die Revolver=
preſſe
und deren Urheber wir wiſſen, wen er meint
ſtimme ich mit dem Vorredner völlig überein. In Bezug
auf Zentraliſation des Eiſenbahnweſens ſtehen wir noch
heute auf dem gleichen Standpunkt wie 1870. Der Aus=
ſchluß
politiſcher Zeitungen iſt ein Mißbrauch der Macht.
Präſident Wackerzapp: Ueber die Dienſt= und
Ruhezeiten der Beamten haben alle deutſchen Verwaltun=
gen
unter Mitwirkung des Reichseiſenbahnamtes beſtimmte
Vorſchriften erlaſſen. Danach beträgt die Dienſtzeit im
Höchſtfalle 14 Stunden, iſt aber dann durch längere Ruhe=
pauſen
unterbrochen oder aber weniger anſtrengend. Die
Erfahrungen mit dem Güterwagenverband ſind bei den
Erſparniſſen, die ſie gebracht haben, ſehr günſtig geweſen.
Der Etat wird genehmiigt.
Es folgt die zweite Leſung des
Nachtragsetats für die Schutzgebiete.
Der Nachtragsetat ſieht für Zölle und aus der Berg=
verwaltung
für Südweſtafrika ein Mehr von 1800000 Mk.
vor; zur Verhinderung des Diebſtahls und Schmuggels
von Diamanten, ſowie zu ſonſtigen notwendigen Maß=
nahmen
aus Anlaß der Auffindung von Diamanten wer=
den
1040000 Mark gefordert (zugeſetzt ſind 240000 Mark);
zur Gewinnung von Diamanten werden verlangt 160000
Mark und für den Umbau der Bahnſtrecke Karibib- Wind=
huk
, ſowie zum Bau der Nord=Südbahn als erſte Rate
4 900 000 Mark (zugeſetzt ſind 1 400000 Mark.) Hierzu lie=
gen
vor eine Petition um ſchleunigen Ausbau des Ha=
ens
von Tanga und Petitionen und eine Depeſche an das
Reichstagspräſidium wegen Einleitung einer Unterſuchung

über die Tätigkeit und Konzeſſion der Deutſchen Diaman=
tengeſellſchaft
.
Der Kommiſſionsberichterſtatter Semler bean=
tragt
, dieſe Petitionen für erledigt zu erklären, bezw.
über ſie zur Tagesordnung überzugehen. Abg. Lede=
bour
(Soz.): Den Anſiedlern in Oſtafrika wird von
der Kolonialverwaltung jedes Riſiko überlaſſen. Die
Verwaltung lehnt jede Verantwortung, aber auch ſelbſt
jede Ermutigung ab. Der Beweis iſt nicht erbracht,
daß Deutſche, Handwerker, Arbeiter uſw. in Oſtafrika
ihren Unterhalt gewinnen können. Die klimatiſchen
Verhältniſſe ſind derart, daß ſie ſich dort gar nicht auf
die Dauer halten können. Abg. Arning (natl!):
Von jeher haben die Sozialdemokraten ſich bemüht,
unſere Kolonien vor dem Volke herabzuſetzen. Ich
kann konſtatieren, daß der Aufenthalt in den oſtafrika=
niſchen
Hochländern durchaus geſund zu erachten iſt.
Oſtafrika iſt nicht ungeſunder als Süd=Ungarn. Dazu
kommt, daß das oſtafrikaniſche Hochland nur dünn be=
völkert
iſt. Zur Anſiedelung eignet es ſich ſehr gut.
Die Bewilligung der erforderlichen Koſten wird dem
ganzen Vaterlande zum Segen gereichen. (Beifall
rechts und bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Lie=
bert
(Rchspt.): Unſere Anſichten über Oſtafrika ſind
nicht ntopiſcher als die der Sozialdemokraten über ge=
wiſſe
andere Dinge. In Oſtafrika gibt es in den Hoch=
ländern
gemäßigtes und ſogar alpines Klima, ähnlich
wie in Braſilien. Abg. Erzberger (Ztr.): Wie
die künftige deutſche Generation in Oſtafrika ſich ent=
wickeln
wird, ſteht mit dem Bahnbau in keiner Be=
ziehung
. Die Möglichkeit, eine dichtere Anſiedelung zu
ernähren, iſt durchaus gegeben. Die Belaſtung der
Stenerzahler iſt auch nicht zu groß. Die Rentabilität
der Bahn iſt erwieſen. Abg. Ledebour (Soz.) deu=
tet
das Schweigen Dernburgs dahin, daß er ſeine An=
ſicht
geändert habe und jetzt den Anſiedelungsideen zu=
ſtimmt
.
Staatsſekretär Dernburg weiſt dieſe Aeußerung
entſchieden zurück.
Nach Bemerkungen Ledebours ſchließt die
Debatte. Einige Kapitel werden bewilligt und die
Weiterberatung auf Dienstag 1 Uhr vertagt:
Reſt der heutigen Tagesordnung, Ueberſicht der Ein=
nahmen
und Ausgaben der Verwaltung der Maria=
nen
, Karolinen und Samoa, Militär=Etat. Schluß
4½ Uhr.

* Berlin, 21. Jan. Die Budgetkommiſ=
ſion
des Reichstages beſchäftigte ſich heute mit
der Zuſammenſetzung der Bevölkerung und den Ver=
hältniſſen
der Gemeinden in Südweſtafrika. Staats=
ſekretär
Dernburg konſtatierte, daß das deutſche Volks=
tum
im Schutzgebiete im letzten Jahre keine Fortſchritte
gemacht habe. Auch werde ſehr viel prozeſſiert. Dem
Landesrat das Recht zur Beſchlußfaſſung zu geben, er=
ſcheine
noch nicht angängig. Der Antrag Erzberger,
nach welchem den Gemeinden auch für ihre zukünftige
Entwickelung genügend Land vorbehalten bleiben und
ihnen ausreichende Steuerquellen zur Verfügung ge=
ſtellt
werden ſollen, wird angenommen.
* Berlin, 21. Jan. Die Wahlprüfungs=
kommiſſion
des Reichstages erklärte die Wahl von
Kleye (natl., 2. braunſchweigiſcher Wahlkreis) gegen
vier Stimmen für ungültig. Die Wahl von Gle=
watzki
(Zentrum, 3. Oppeln) wurde für gültig er=
klärt
.

Luftſchiffahrt.

* Paris, 21. Jan. Aus Oran wird berichtet,
daß der Flieger Olieslagers geſtern nachmittag
auf dem Flugplatze von Senia mit ſeinem Monoplan
in die Telegraphendrähte einer Eiſenbahnlinie geriet.
Die Drähte zerſchnitten das vom Benzinreſervoir zum
Motor führende Rohr. In einigen Minuten ſtand der
Aeroplan in Flammen und ſtürzte zu Boden. Olies=
lagers
blieb, abgeſehen von einer leichten Brandwunde
im Geſicht, wunderbarerweiſe unverletzt.

Unwetter und Hochwaſſer.

* Bingen, 21. Jan. Da der Rhein ganz bedeutend
geſtiegen iſt, wurden die unteren Kaimauern, auf denen die
Sand= und Braunſteinlager ſich befinden, überſchwemmt.
In ſtarkem Steigen iſt die Nahe begriffen, die geradezu
Hochwaſſerſtand aufweiſt. Auch die in die Nahe münden=
den
Bäche bringen Hochwaſſer mit. Die flachen Ufer der
rechten Seite der Nahe ſind im unteren Bezirke teilweiſe
überſchwemmt.
* Mannheim, 21. Jan. Der Waſſerſtand des
Rheines iſt in der vergangenen Nacht von 5,17 Meter
um 1,31 Meter auf 6,48 Meter, der des Neckars von 6,11
Meter um 0,95 Meter auf 7,06 Meter weiter geſtiegen. Auch
in Maxau iſt der Waſſerſtand des Rheines von 5,58 Meter
auf 6,40 Meter angewachſen. Vom Oberrhein wird ein
raſches Fallen des Waſſerſtandes gemeldet, auch von
Heilbronn wird ein raſches Fallen des Neckars gemeldet.
* Metz, 21. Jan. Die Moſel iſt ſeit Mittwoch um
faſt 2 Meter geſtiegen und erreichte geſtern abend einen
Pegelſtand von 6,12 Meter. Das Waſſer fällt aber jetzt
langſam. Das ganze Moſeltal, ſoweit die Blicke reichen,
iſt in einen gewaltigen See verwandelt, nur wenige,
Baumgipfel und Dächer ragen aus den Fluten hervor. Die
Bewohner der Symphorieninſel wurden durch Kähne und
Flöße aus ihrer bedrängten Lage befreit. Die Friedhöfe
ſtehen zum Teil unter Waſſer.
* Hamburg., 21. Jan. Die andauernden Regen=
güſſe
haben in den Elbmarſchen zu ſchweren Hochwaſſer=
kalamitäten
geführt. Im Lande Hadeln ſtehen mei=
lenweit
Landflächen unter Waſſer. Der Verkehr iſt nur
noch mittels Fahrzengen möglich.
* Wien, 21. Jan. Infolge heftiger Schneeſtürme,
die im Weſten der Monarchie in den letzten Tagen herrſch=
ten
, ſind die direkten telegraphiſchen Verbindungen von
Wien mit der Schweiz und Frankreich unterbrochen. Der
Depeſchenverkehr muß über Umwege geleitet werden; auch
mit Rom iſt die direkte Drahtverbindung unterbrochen.
Innsbruck, 20. Jan. Aus ganz Tirol werden
ungeheure Schneefälle gemeldet. Die telephoniſchen
und telegraphiſchen Verbindungen ſind zum großen Teil
unterbrochen; auch der Zugverkehr erleidet große Störun
gen, da viele Züge im Schnee ſtecken blieben oder die
Bahnlinien durch Lawinen verlegt ſind. Die in vielen =
lern
niedergegangenen Lawinen richteten jedoch bisher
größeren Schaden nicht an.
Mailand, 21. Jan. Auf dem Tyrrheniſchen Meer
wütet ſeit zwei Tagen ein ſchwerer Sturm. Fünf Segel=
ſchiffe
ſcheiterten an der Toskaniſchen Küſte. Der Seepoſt=
verkehr
und das Unterſeekabel mit Livorno ſind unter=
brochen
.
* Paris, 20. Jan. Infolge Hochwaſſers iſt der
Bootsverkehr auf der Seine eingeſtellt. Auch aus der Pro=
vinz
laufen immer neue Unglücksnachrichten ein. Bei
Belfort ſteht das Gelände weithin unter Waſſer; die
Eiſenbahnverbindung mit Baſel iſt unterbrochen. In
Beſangon ſind alle Kellerräume überſchwemmt. Aus
Beſangon ſind Truppen den Einwohnern von Mont=

beliard zu Hilfe geeilt, wo die Poſt und ihre Beamten
vom Verkehr abgeſchnitten ſind. Der angeſchwollene
Doubs führt zahlreiche Tierleichen mit ſich. In De=
cault
(Dep. Sarthe) ſtürzte ein Zug in eine Schlucht in=
folge
Senkung des Erdreichs, die durch den Regen herbei=
geführt
wurde; 2 Perſonen büßten dabei ihr Leben ein,
ſieben Perſonen wurden verletzt.

Der Brand des türkiſchen Parlaments=
gebäudes
.

* Konſtantinopel, 20. Jan. Die Unterſuchungs=
kommiſſion
konſtatiert, daß die Urſache des Bran=
des
des Parlamentsgebäudes keineswegs an der Hei=
zungsanlage
liege; ſie neigt der Anſicht zu, daß es ſich um
einen verbrecheriſchen Anſchlag handelt. Die
verſchiedenen in der Stadt verbreiteten Gerüchte konnten
bisher nicht auf ihre Stichhaltigkeit geprüft werden. Ei=
nem
Beſchluß des Miniſterrats zufolge wird die Kammer
in dem unweit des Yildiz gelegenen Hauſe des früheren
Kriegsminiſters Riza ihre Sitzungen abhalten. Die Vor=
legung
des Programms der Regierung wurde auf Sonn=
tag
vertagt.
* Konſtantinopel, 21. Jan. Die Kammer
hielt geſtern eine Sitzung im Deputiertenklub ab. Sie
verhandelte über die durch den Brand des Parla=
mentsgebäudes
notwendig gewordenen Maßnah=
men
. Außerdem wurde die Abſendung eines Dank=
telegramms
auf die vom deutſchen Reichstage einge=
gangene
Beileidsdepeſche beſchloſſen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 21. Jan. Das aus dem Kunſtgewerle=
muſeum
geſtohlene Bronzerelief, Friedrich
den Großen als Reiter darſtellend, iſt in vergoldetem
Kupfer gefaßt und modelliert von Schadow.
* Berlin, 21. Jan. Die B. 2 meldet aus
Madrid: Auch auf einem zweiten, dem Herzog von
Benvent gehörigen Pachthofe wurde eine Falſch=
münzerwerkſtätte
entdeckt. Der Herzog wird
heute nach Guadix überführt, um dem Unterſuchungs=
richter
ausgeliefert zu werden.
* München, 21. Jan. Ein Münchener Bürger, der
ungenannt bleiben will, ſtellte zur Erbauung eines
Bürgerheims 500000 Mark zur Verfügung.
Die bürgerlichen Kollegien ſtellten den gleichen Betrag
in Ausſicht. Die Stadtgemeinde trat hierfür bereits
ein entſprechendes Grundſtück in der Nähe des Schloſſes
Nymphenburg ab.
* Gelſenkirchen, 21. Jan. Die Verwaltung der Zeche
Holland teilt mit, daß die Aufräumungs=
arbeiten
raſch vonſtatten gehen. Man hofft, im
Laufe des Tages die Verunglückten zu bergen, falls ſich
nicht nnerwartete Hinderniſſe in den Weg ſtellen. Die
von anderer Seite verbreitete Meldung, man habe ſich
heute morgen mit den Verſchütteten verſtändigt, iſt
falſch. Seit vorgeſtern nachmittag hörte man von ihnen
nichts mehr.
* Gelſenkirchen, 21. Jan. Um 12 Uhr 30 Minuten
mittags gelang es, eine Verbindung mit den Ver=
ſchütteten
herzuſtellen. Von 5 wurden Lebenszei=
chen
wahrgenommen. Ueber das Schickſal des Sechſten
iſt nichts bekannt. Man iſt bis auf 2½ Meter zu den
Verſchütteten vorgedrungen. Ihre Bergung dürfte in
2 bis 3 Stunden erfolgen.
* Gelſenkirchen, 21. Jan., 6 Uhr abends. Die 6 ver=
ſchütteten
Bergleute ſind noch am Leben.
Die Rettungsarbeiten werden jedoch noch längere Zeit
in Anſpruch nehmen.
* Wilhelmshaven, 21. Jan. Der neu entdeckte
Komet, der geſtern abend zwiſchen 5 und 6 Uhr hier
am ſüdweſtlichen Abendhimmel mit bloßem Auge ganz
deutlich beobachtet wurde, ſtand ziemlich tief am Hori=
zont
, links von dem Punkt, wo die Sonne untergeht.
Die Länge des Schweifs betrug 5 bis 6 Grad.
* Miesbach (Bayern), 21. Jan. In dem Kohlen=
bergwerk
bei Hausham iſt in der vergangenen Nacht
eine 350 Meter lange Strecke eingeſtürzt. Heute
früh konnte die Belegſchaft nicht einfahren. Wie der
Miesbacher Anzeiger meldet, werden bisher zwei
Bergleute vermißt.
* Odenſe, 21. Jan. Bei einem ſeit Neujahr er=
krankten
Hafenarbeiter wurden jetzt die ſchwarzen
Pocken feſtgeſtellt. Seine Frau und ſeine beiden Kin=
der
, ſowie der behandelnde Arzt und zwei Mädchen ſind
ebenfalls erkrankt. Alle ſieben Perſonen wurden in
eine Quarantäneanſtalt gebracht. Die Krankheit ver=
läuft
glimpflich. Es beſteht die Möglichkeit, daß noch
mehr Perſonen angeſteckt ſind, da die Patienten bisher
nicht iſoliert waren. Heute wurden ſämtliche Schulen
und Vergnügungsetabliſſements geſchloſſen, eine allge=
meine
Impfung angeordnet und ſonſtige Vorſichtsmaß=
regeln
getroffen. Die Krankheit wurde durch den
Dampfer Tialve aus Windau eingeſchleppt.
* Bern, 21. Jan. Im Kanton Wallis, oberhalb
Evolene, wurden drei Männer, welche Vieh beſorgen
wollten, von einer Lawine fortgeriſſen und noch nicht
aufgefünden.
* Rom, 21. Jan. Bei dem Konſtruktionszeichner Al=
bert
Cordon, der ſeit 1908 im Marineminiſterium be=
ſchäftigt
iſt, wurde auf begründete Beſchuldigungen, die
gegen ihn erhoben wurden, in der vergangenen Nacht eine
Hausſuchung abgehalten, wobei mehrere dem Ma=
rineminiſterium
gehörige Zeichnungen gefunden wurden,
die ſich aber weder auf die Verteidigung Italiens zur See
noch auf Schiffsneubauten beziehen. Cordon iſt zur Ver=
ügung
der Gerichtsbehörde geſtellt.
* London, 21. Jan. Der Herzog und die Herzogin
von Connaught ſind mit dem Prinzen Arthur
heute nach Oſt=Afrika abgereiſt. König Edward hatte
ſich zur Verabſchiedung auf dem Bahnhofe eingefunden.
* London, 21. Jan., 1 Uhr nachmittags. Gewählt
ind bis jetzt: 172 Unioniſten, 141 Liberale, 29 Mitglie=
der
der Arbeiterpartei und 54 Nationaliſten. Die Uniy=
niſten
gewinnen 77, die Regierungspartei 10 Mandate.
Der liberale Einpeitſcher Peaſe iſt in Saffron= Wal=
den
(Eſſex) dem Unioniſten Preby unterlegen. Peaſe
erhielt 4011, Preby 4283 Stimmen.
* Konſtantinopel, 21. Jan. Der Kriegsmini=
ſter
Mahmud Schewket Paſcha gab geſtern zu
Ehren des Generaloberſten Frhrn. v. d. Goltz ein
Abſchiedseſſen, an welchem teilnahmen: die Mar=
ſchälle
Ghazi Muktar Paſcha und Fnad Paſcha, etwa=30
höhere türkiſche Offiziere und ferner Marſchall Strem=
pel
. Der Kriegsminiſter toaſtete auf den deutſchen Kai=
ſer
und auf die deutſche Armee unter dem Ausdruck des
tiefſten Dankes für die Entſendung deutſcher Offiziere
nach der Türkei, insbeſondere des allgemein verehrten
Generals von der Goltz. Dieſer erwiderte mit einem
Trinkſpruche auf den Sultan und die fürkiſche Armee.
Weiter ſprachen Freiherr von der Goltz auf den Kriegs=
miniſter
und Ghazi auf Freiherrn von der Goltz. Sämt=
liche
Toaſte wurden mit großer Begeiſterung aufge=
nommen
.

[ ][  ][ ]

Nummer 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Seite 7.

2 Ahen, 21. Jan. Der Finanzminiſter ver=
öffentlicht
im Namen der Regierung eine Erklärung,
in welcher lebhaft gegen den von mehreren Blättern
angeregten Gedanken von der Einberufung einer
Nationalverſammlung proteſtiert wird. Er
weiſt nach, daß dieſe Einberufung eine Menge Gefah=
ren
in ſich bergen und die Ausführung von Reformen
ſtören würde.
* New=York, 21. Jan. Ein Telegramm des New=
York Herald meldet aus Peking: Ein Kaiſer=
liches
Edikt wurde veröffentlicht, das die formelle
Genehmigung des Thrones zu dem Abkommen, betref=
fend
die amerikaniſche Anleihe für den Bau der Eiſen=
bahn
von Tſchin=Tſchou=Fu über Zizikar nach Aigun,
enthält. In dem Abkommen wird die Höhe der Anleihe
mit 50 Millionen Dollars angegeben. Die Bauausfüh=
rung
ſoll an die engliſche Firma Paullings vergeben
werden. Amerika wird einen großen Teil der Inge=
nieure
ſtellen und die Hälfte des Materials, das im
Auslande gekauft wird, liefern. Das Abkommen ſieht
ſchließlich vor, daß andere Nationen einen kleinen Au=
teil
an der Anleihe erhalten dürfen.

Schneebericht.

Felsberg 10 Zentimeter, Lindenfels 3 Zentimeter ( Ro=
delbahn
gut), Beerfelden 5 Zentimeter, Michelſtadt 2 Zen=
timeter
(ſchneit weiter), Feldberg i. T. 2530 Zentimeter
(Skibahn gut.)

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Darmstadt
Mainz
16. Januar 1910.

Danklagung.
Für die zahlreichen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
an dem plötzlichen Dahinſcheiden meines
lieben Gatten, unſeres guten Vaters, Schwagers
und Onkels, des
(1989
Herrn Michael Eckardt
Bierbrauer
ſagen wir aufrichtigen Dank, insbeſondere Herrn
Pfarrer Widmann für die tröſtenden Worte am
Grabe, dem Perſonal der Brauereien J. Diſchinger,
Zur Krone, Louis Heß, ſowie derer Zum
goldenen Anker. Ferner gedenken wir auch derer,
welche ihm noch das letzte Geleite gegeben haben.
Nameng der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Adelheid Eckardt Wwe. nehſt Sohn.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines unvergeßlichen Mannes,
unſeres Vaters und Sohnes, ſagen wir Allen, ins=
beſondere
Herrn Pfarrer Widmann und den Ge=
(1940
meindeſchweſtern, innigſten Dank.
Lina Scherer und Kinder,
Ph. Scherer, Spenglermeiſter.
Darmſtadt, den 19. Januar 1910.

Todes-Anzeige.
Heute abend 9¼ Uhr entschlief nach kurzem Kranksein im 53. Lebens-
jahre
mein lieber Gatte, unser guter Vater, Schwager und Onkel
Herr Geore
Eik
Kaufmann.
Um stille Teilnahme bitten
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Elise Link, geb. Pohl, u. Sohn.

Darmstadt, den 20. Januar 1910,
Ohlystraße 33.

(1985

Die Einsegnung findet Samstag, den 22. Januar 1910, um 6 Uhr nachmittags im Hause, die
Feuerbestattung Sonntag, den 23. Januar 1910, um 3 Uhr nachmittags, in Mannheim statt.
Kondolenzbesuche dankend verbeten.

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute mittag entſchlief plötzlich meine gute
Frau
Lina Rapp geb. Volz
infolge eines Hirnſchlages.
Um ſtille Teilnahme bittet
im Namen der Hinterbliebenen:
Mathias Rapp.
Darmſtadt, den 21. Januar 1910.
Kahlertſtraße 3.
(2030
Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags
2½ Uhr, vom Sterbehaus Kahlertſtraße 3 aus,
ſtatt. Die Einſegnung ¼ Stunde vorher.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Allen Freunden und Bekannten zur Nach=
richt
, daß unſere liebe Schweſter und Tante
Fräulein Charlotte Buxmann
nach kurzem Krankenlager heute morgen ½8 Uhr
im nahezu vollendeten 87. Lebensjahre ver=
ſchieden
iſt.
(2029
Im Namen der Hinterbliebenen:
Dr. Karl Buxmann,
Geh. Ober=Med.=Rat i. P.
Darmſtadt, den 21. Januar 1910.
Die Beerdigung findet Montag, 24. ds. Mts., vor=
mittags
11 Uhr, von der Friedhofskapelle aus, ſtatt.
Blumenſpenden u. Trauerbeſuche dankend verbeten.

eie eet

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit Donnerstag früh: Unter
dem Einfluß des weſtlichen Hochdruckgebietes iſt in der
Nacht weitere geringe Abkühlung eingetreten, ſodaß auch
in den Ebenen leichter Froſt eingetreten iſt. Dabei iſt
ſtrichweiſe, beſonders in Oberheſſen, leichter Schnee gefal=
len
. Da immer noch kleine Randwirbel vorhanden ſind, iſt
auch morgen noch ſtrichweiſe Schnee zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen am Samstag, den 22. Januar:
Froſt langſam zunehmend, ſtrichweiſe leichter Schnee.

Tageskalender.
Samstag, 22. Januar.

Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
92. Vereinsabend des Inſtrumentalvereins um 8¼ Uhr
im Fürſtenſaal
Franzöſiſcher Vortrag von Dr. Thomas um 8 Uhr
im Muſikvereinsſaal.
Geburtstagsfeier S. M. des Kaiſers um 8 Uhr in
der Ludwigshalle‟ (Kriegerkameradſchaft Germania),
Ball des Oekonomenvereins um 8 Uhr im Schützenhof
Maskenbälle: Brennerklubs Wallachei um 8 Uhr
im Rummelbräu Klub Fröhlichkeit um 8 Uhr
auf Hugenſchütz Felſenkeller.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant Metropol.
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant Kratſch.

Sonntag, 27. Januar.

Großh. Hoftheater, Anfang 6 Uhr: Die Walküre.
Vorſtellung um 4 und 8 Uhr im Orpheum.
Vortrag von H. Dirkſen um 4½ Uhr Neckarſtraße 22.
Gemeindeabend der Petrusgemeinde um 7½ Uhr
im Gemeindehaus.
Hauptverſammlung der Turngeſellſchaft um 3 Uhr
im Vereinslokal.
Generalverſammlung des Geſangvereins Lieder=
zweig
um 4 Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz.
Muſik= und Geſangsfeſt der Narrhalla um 8.11 Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.
Damen= und Herrenſitzung der Geſellſchaft Harm=
loſe
um 6.11 Uhr im Kaiſerſaal.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 4 Uhr im Reſtaurant Zur Sonne.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Reſtaurant Metropol.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Reſtaurant Kratſch.
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert in der Alten Poſt
Fußball=Wettkampf um ½3 Uhr auf dem Olympia=
Sportplatz an der Heidelbergerſtraße.
Tanzkränzchen um 4 Uhr in der Stadt Pfungſtadt.

Verſteigerungskalender.
Montag, 24. Januar.

Hofreite=Verſteigerung des Peter Lotz ( Becker=
ſtraße
9) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Acker=Verſteigerung des Bäckermeiſter Ad. Handſchuh
um 10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr
in der Gaydoulſchen Gaſtwirtſchaft zu Hahn bei Ober=
Ramſtadt.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr
im Nieder=Ramſtädter Gemeindewald; Zuſammenkunft
im Bonstal am Eingang des Waldes.
Stammholz=Verſteigerung im Pfungſtädter Ge=
meindewald
; Zuſammenkunft am Bahnwärterhaus
Malcher Weg.
Nutzholz=Verſteigerung um 10 Uhr im Gundern=
häuſer
Gemeindewald; Zuſammenkunft auf dem Meſ=
ſeler
Weg am Eingang des Waldes.
Stamm= u. Brennholz=Verſteigerung um 10 Uhr
im Georgenhäuſer Gemeindewald; Zuſammenkunft bei
Gaſtwirt Schneider am Bahnhof Meſſel.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldacßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

20
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Da

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[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

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Die Aebelfrau.
Roman von Anny Wothe.
(Nachdruck verboten.)
12)

Sei doch nicht ſo grob, Tjalda, bat das Mädchen
ſanft, ihre Hand ſchmeichelnd der Magd entgegen=
ſtreckend
. Es iſt ſo ſchön, wenn Großvadding erzählt.
Ganze Geſchichten kann ich mir dabei denken.
Ganz verrückt biſt Du auch, tadelte Tjalda. Ich
hab’s ja immer geſagt, es taugt nicht für Dich, daß Du
immer in den Gorlingshof liefeſt. Aber Ekke Thornſen
wollte es ſo, und nicht mal der Kapitän, Herr Olaf,
konnte was dagegen machen, als er von der weiten
Reiſe wiederkam und ſah, daß Du ein vornehmes Fräu=
lein
geworden warſt, das gar nicht mehr in unſer altes
Frieſenhaus paßt.
Tjalda, alte, närriſche Tjalda! Sei doch nicht ſo
grantig und ſieh’ mich an. Bin ich nicht Deine alte
Dorret, die Dich lieb hat? Sieh, Großvader nickt ſchon
in ſeinem Stuhl, da laß mich hier auch noch ein wenig
träumen. Schlafen kann ich doch nicht bei dem Graus
da draußen. Ich höre ſo gern, wenn der Sturm tobt,
und oft lauſche ich dem Donnern der Wogen die ganze
Nacht.
Sollteſt auch was Beſſeres tun, grollte die Alte.
Na, ich geh’ in die Klappe. Morgen früh muß ich zeitig
heraus, und meine alten Glieder wollen auch nicht
mehr ſo wie ſie möchten.
Sorgſam verlöſchte Tjalda das Licht, dann ſchlürfte
ſie hinaus.
Das Schiff, das von der Decke herabhing, ſchwankte
in dem unſicheren Licht des Herdfeuers geſpenſtig auf

und nieder. Ekke Thornſen ſaß ganz im Dunkeln und
ſchlief. An ſeine Knie geſchmiegt die blonde Enkelin,
ſah mit großen Augen in die Flammen und lauſchte
ſinnend in die Sturmnacht hinaus.
Hoiahoi! klang es wie Geiſterruf.
Dorret ſchauerte leicht zuſammen. Wer mochte es
ſein, der da draußen mit dem Tode rang?
War es jemand, um den andere Leid trugen, oder
waren es ſolche, die niemand auf Erden hatten, die ein=
ſam
waren wie ſie, ganz einſam?
Nicht mal Undine hatte ſie mehr, nein, auch dieſe
nicht, die ſie ſo ſehr geliebt, die ſie ſeit ihren früheſten
Kindertagen angebetet hatte. Seit das eine, das Un=
begreifliche
geſchehen, ſeit der Stunde, da ihr Undine
geſagt, daß ſie die Frau des neuen Herrn werden wollte,
des Eindringlings, den Dorret haßte, da war ſie wie
zerſchlagen heimgekehrt in die Wiedingharde, und ſie
hatte nicht mehr froh werden können, weil eine ſo heiße
Angſt um Undine ſie folterte, Tag und Nacht.
Einſt, da hatte ſie nach Mädchenart bunte Träume
mit der frohen Geſpielin geſponnen. Ein Märchen=
prinz
mußte es ſein, der kommen würde, um ihre Un=
dine
zu freien. Ein Uebermaß von Liebe ſollte er über
ſie hinſtrömen, ein wonniges Glück ihr bereiten. Kraft
und Schönheit und die herrlichſten Tugenden mußten
ſein eigen ſein.
Und nun war der ernſte, finſtere Mann, der nie
lachte, Undines Gatte geworden? Ganz ſtill, ohne
Sang und Klang, in der kleinen Kirche, in der noch der
Duft der Totenkränze um den verſtorbenen Vater hing.
Dorret hätte wild aufſchreien mögen, als die Braut ſo
ernſt, ſtumm und bleich an der Seite des Mannes vor

dem Altar ſtand, der kaum einen Blick für Undine
hatte.
Er iſt ſchrecklich, Undine, hatte ſie kurz nach dem
ſtillen Mahl, als ſie der Freundin half, die Reiſekleider
anzulegen, heftig aufgeſchluchzt. Wie konnteſt Du ihn
nur nehmen, ihn, der Dein Feind iſt?
Schweige, Dorret, hatte Undine ernſt und beſtimmt
zurückgegeben. Frage nicht. Es mußte ſein: Wenn
ich zurückkehre, wirſt Du Dich an den Gedanken ge=
wöhnt
haben.
Warum bleibſt Du nicht hier? Wie kannſt Du es
über Dich gewinnen, mit dem fremden Mann hinaus=
zuziehen
in die Welt, den Du gar nicht kennſt und den
Du gar nicht magſt?
Es iſt ſein Wunſch, hatte Undine mit einem ſelt=
ſamen
Lächeln um den Mund zurückgegeben. Er meint,
die Hochzeitsreiſe würde uns den Verkehr erleichtern
und uns der Welt als regelrechtes Ehepaar zeigen. Im
übrigen wird Reimar Randolt nur wenig auf dem
Gorlingshof ſein. Dieſer bleibt wenigſtens unſer.
Du haſt Dich verkauft, hatte Dorret aufgeſchrien,
elend verkauft an dieſen Menſchen, der es wagt, Dich
als Kauſpreis zu fordern. Verkauft um die anderen,
nicht kür Dich.
Still, ſtill, Kleines, hatte Undine gebeten. Es war
ſelbſt mein Wunſch und Wille. Nun werde ich, was,
wie ſie ſagen, meine arme Mutter war, eine Nebelfrau.
Es hatte ſo ſeltſam gezuckt in dem weißen Geſicht
mit den dunklen Augen, und Dorret hatte laut aufge=
weint
.
Und dann war Undine zurückgekehrt von der Hoch=
zeitsreiſe
, aus einem fernen Lande, wo immer die
Blumen blühen und Graf Reimar mit ihr.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

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Minh er hier here ichies de den eieten=
gereicht
und hatte ſie ſchöne Feindin angeredet.
O, wie ſie ihn haßte, den Stolzen, Spöttiſchen, Herri=
ſchen
, dem Undine zu eigen war, und den ſie nicht liebte,
ſie, die geſchaffen war, einem Mann ſo reiches Glück zu
geben.
Ein ſeltſames Paar, die beiden im Gorlingshof. Er
war faſt nie daheim, und jetzt ſprach man ſchon wieder von
einer großen Weltreiſe, die er im nächſten Frühjahr antre=
ten
wollte.
Und Undine wurde immer ſchöner, ſtolzer und blei=
cher
. Wie Märchenduft ſpann es ſich um ihre herrliche Ge=
ſtalt
, wie ein Märchenſchein um ihr ſchimmerndes Haupt,
das ſie hoheitsvoll trug mit ſeiner rotflimmernden Haar=
pracht
, die wie aus Sonnenfäden gewoben erſchien.
So ſann Dorret bei dem verlöſchenden Herdfeuer in
der Sturmnacht, während die Fenſter klirrten und der
weiße Giſcht der Wogenkämme über die Dünen hinweg
gegen die Scheiben flog. Brauſend und ziſchend grollte
das Meer.
Das plötzlich ein dröhnender Schlag, als wenn Felſen
zerriſſen, und dann einen Augenblick lautloſe, beängſtigende
Stille.
Großvader, rief Dorret ängſtlich, den Alten wachrüt=
telnd
. Großvader, wacht auf! Dort drüben am Felſenriff
iſt, glaube ich, ein Schiff zerſchellt. Hört doch, Großvader!
Ja, ja, nickte Ekke Thornſen. Im Nebel, im Nebel.
Hei, das wird luſtig, wenn die Trümmer fliegen, die Ma=
ſten
verſchwinden, die Brandung brüllt. Hörſt Du es nicht?
Und dann wird es ſtill, totenſtill. Komm, Dorret, ich will
jetzt ſchlafen gehen. Die da draußen auf dem wilden
Meere waren, ſchlafen jetzt auch.
Sorglich geleitete Dorret den Großvater in die Kam=
mer
.
Als ſie zurückkehrte, ſtand in ihrem jungen Geſicht eine

e e
Holzſcheite in des Herdes Glut.
Den großen, kupfernen Waſſerkeſſel, der vom Hebbom
über dem Feuer herabhing, füllte ſie fürſorglich mit fri=
ſchem
Waſſer, dann nahm ſie die weiße Frieſenhaube mit
dem hängenden Goldſchmuck über der weißen Stirn von
den blonden Flechten und legte ſie mit flinker Hand in die
alte geſchnitzte Truhe. Einen Augenblick ſtand ſie noch mit
ſich kämpfend, dann riß ſie das dunkle Regenrade von der
Wand. Feſt band ſie noch die ſchwarze Wachstuchkappe
um das blonde Haupt. Behutſam ſchloß ſie die Tür. Auf
der Vorſchur des Hauſes entzündete ſie ſchnell das Licht
einer Laterne, dann ſchritt ſie, die Haustür hinter ſich ſchlie=
ßend
, mit kräftigen Schritten in die Sturmnacht hinaus.
Grelle Blitze zuckten hernieder. Der Dünenſand wehte
Dorret wie ſcharfe Nadeln ins Geſicht. Ein raſender Don=
ner
, Wogen und Brauſen umtoſte ſie wie ein Geiſterheer.
Aber mutig ſchritt Dorret vorwärts, immer durch den tie=
fen
Sand, dem Strande zu.
Wie Glühwürmchen leuchteten ihr die Laternen der
Schiffer, die am Ufer untätig hin und her liefen, entgegen.
Der Sturmwind nahm ihr faſt den Atem, aber ener=
giſch
ſtemmte ſich Dorret ihm entgegen.
Jens Lüng, rief ſie dem braunen Fiſcher zu, der ihr
mit ſeiner Laterne beim Näherkommen erſtaunt ins Ge=
ſicht
leuchtete. Ihr ſeid nicht mit dem Ohm hinausgezogen,
Ihr, der doch ſonſt immer einer der erſten iſt, wenn es zu
retten gibt?
Dorret Bunſen, ſtaunte der Fiſcher, kieke mal hin. Wat
willſte denn hier, mein Döchting? Geh man ſlapen, Kind.
Dat taugt hier nicht vor de Weiber.
Sind Menſchen in Gefahr, Jens Lüng? Wird Olaf
Thornſen ſie retten?
Ja, dat iſt ja eben, dat et allens egal Unſinn is. Keen
Menſch kummt da wieder raus. Drüben bei der Nebelfrau

ihren Klippen is det Schiff zerſchellt. Mit Mann und
Maus untergegangen.
Und Ihr ſteht hier und verſucht nicht zu retten? Flas
Jörn, Lille Lorenzen, ſo helft doch, tummelt Euch.
Die Schiffer zuckten die Achſeln.
Olaf Thornſen iſt ſeit Stunden fort. Zwölf der Un=
ſerigen
ſind mit ihm draußen. Wenn ſie nicht wiederkeh=
ren
, ſind unſere Weiber und Kinder Bettler.
Was ſchert Euch Weib und Kind, wenn es gilt, Eure
Mitmenſchen aus höchſter Gefahr zu retten! Schämt Euch,
feige an Euch ſelbſt zu denken, wo Sterbende um Hilfe
ſchreien. Hört Ihr die Rufe? Seht Ihr die Leuchtkugeln
in den Nebel ſteigen? Noch ſind Lebende an Bord. Noch
iſt es Zeit.
Was geht hier vor? rief plötzlich eine harte, gebie=
teriſche
Stimme durch das Windesgebrauſe.
Der neue Herr, ging es wie ein geheimnisvolles Flü=
ſtern
durch die Reihen.
Im Teerrock und Teerkappe ſtand Reimar von Ran=
dolt
an Dorrets Seite, die ihn erſchreckt mit großen Augen
anſtarrte.
Es iſt unmöglich, Herr, hinauszurudern, nahm Lens
Lüng das Wort, die Brandung iſt arg. Beim Scheine der
Blitze ſahen wir vorhin deutlich am Kimming die Not=
flagge
aufgehißt, ehe das Schiff gegen das Riff getrieben
wurde.
Und wer iſt draußen?
Kapitän Olaf Thornſen und zwölf unſerer Beſten,
Herr.
Macht ein Boot klar.
Es geht nicht, Herr, wir müſſen den Morgen abwarten.
Feige ſeid Ihr, rief Dorret mit glühenden Wangen,
ſchämt Euch, und zu Reimar fuhr ſie fort:
Laßt nicht nach, Herr, ſie müſſen, ſonſt, bei Gott, fahre
ich ſelber hinaus in die Nacht.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

365 9.
1910.
Samstag, 22. Januar.


Betreffend: Ausführung des Reichsgeſetzes vom 28. Dezember 1908 betr. die Abänderung
der Gewerbeordnung, hier die in § 138 vorgeſchriebene Anzeige.

Das Großherzogliche Kreisamt Darmſtadt
an die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter dürfen in Betrieben, in denen in der
Regel mindeſtens zehn Arbeiter beſchäftigt werden und in dieſen gleichſtehenden Anlagen
(vergl. § 129 der Ausführungsanweiſung zur Gewerbeordnung vom 23. Dezember 1909
Regierungsblatt S. 340) nicht beſchäftigt werden, bevor der Arbeitgeber der Ortspolizei=
behörde
d. i. Ihnen die in § 138 Gewerbeordnung vorgeſchriebene Anzeige erſtattet hat.
Wie die Anzeige erſtattet werden muß, ergeben die Beſtimmungen in § 130 der Aus=
führungsanweiſung
. Zur raſcheren Erledigung empfiehlt ſich, daß die Anzeigenden das
in der Anlage 1 abgedruckte Formular, das in der L. C. Wittichſchen Hofbuchdruckerei,
der Buchdruckerei H. C. Kunze und dem Papierhaus Elbert erhältlich iſt, benutzen. Die
Anzeigenden ſind dann ſicher, alle erforderlichen Angaben gemacht zu haben, während
andererſeits Ihnen die weitere Behandlung der Sache erleichtert wird. Alsbald nach
Eingang der Anzeige iſt dem Anzeigenden der Empfang zu beſtätigen und die in § 132
der Ausführungs=Anweiſung vorgeſchriebene Mitteilung zu machen. Sie haben hierzu
das in Anlage 2 abgedruckte Muſter zu verwenden. Gleichzeitig iſt eine Abſchrift der
Anzeige ohne Begleitſchreiben der Großh. Gewerbeinſpektion Darmſtadt einzuſenden.
Auf Grund der Anzeigen haben Sie ferner die Einträge in die von Ihnen zu
führenden Verzeichniſſe (vergl. § 131 und Anl. VIII und IX der Ausführungs=Anweiſung)
einzutragen.
Die Verzeichniſſe VIII und IX können von der L. C. Wittich’ſchen Hofbuchdruckerei,
der Buchdruckerei H. C. Kunze und dem Papierhaus Elbert dahier bezogen werden.
In dieſe neuen Verzeichniſſe ſind die noch geltenden Einträge der ſeitherigen Verzeich=
niſſe
zu übertragen.
Die in §§ 150159 der Ausführungs=Anweiſung enthaltenen Beſtimmungen ſind
zu beachten.
Alljährlich ſind bis zum 5. Dezember die nach Anlage VIII und IX geführten
Verzeichniſſe uns in Urſchrift zur Einſicht vorzulegen. Die Großh. Bürgermeiſtereien,
die ſolche Verzeichniſſe mangels entſprechender Anzeigen nicht führen, haben dies eben=
falls
bis zum 5. Dezember eines ieden Jahres zu berichten.
Unſere Verfügung vom 7. Oktober 1904 iſt hiermit aufgehoben.
(1960
J. V.: von Werner.

Anlage 1.
Anzeige über Beſchäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen,
ſowie erwachſener Arbeiterinnen nach § 138 der Reichsgewerbeordnung,

Maeten 3
erſtatet am
192.
Bezeichnung des Betriebs, bezw. Anlage:

1.
ing
5.
3.
7.
4.
8.
6.
Wochentage fArbeicheſten h 1 Patn
Zu=und Vorname
Art der
Be=
an
welchen die Be=
merkungen

7 der Beſchäftigten (Alter(Beſchäftigung ſchäftigungſtattſindeilweginn Erde Beginn! Ende

*) Bei Beſchäftigung von Arbeiterinnen iſt das
Ende der Arbeitszeit an Hamstagen ſowie an Vor=
abenden
von Beſtagen gemäß § 137 Abſ. 1 desoben
(Unterſchrift des Betriebsunternehmers.)
erwähnten Reichsgeſetzes beſonders zu vermerken.
Anlage 2.
Der
wird der Empfang
der in § 138 der Gewerbeordnung vorgeſchriebenen Anzeige beſtätigt.
Gleichzeitig wird zur Folge der Vorſchrift in § 132 der Ausführungs=Anweiſung
zur Gewerbeordnung vom 23. Dezember 1909 der Anzeigende darauf hingewieſen, daß
er in den Räumen, in denen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter beſchäftigt werden,
den in § 138 Abſ. 2 der Gewerbeordnung vorgeſchriebenen Auszug aus der Gewerbe=
ordnung‟
) und, ſofern er jugendliche Arbeiter beſchäftigt, außerdem das ebenda erwähnte
Verzeichnis der jugendlichen Arbeiter‟) aushängen mußz.
den
Großh. Bürgermeiſterei.
*) Der Auszug hat in der Faſſung der Anlage X der Bekanntmachung vom 23. Dezember 1909
(Regierungsblatt Seite 356) zu entſprechen. Der Auszug iſt zu haben bei der L. C. Wittich’ſchen Hof=
buchdruckerei
der Buchdruckerei H. C. Kunze und dem Papierhaus Elbert zu Darmſtadt.
23.) Das Verzeichnis hat der Anlage Xl der Bekanntmachung vom 23. Dezember 1909 ( Regierungs=
blatt
Seite 358) zu entſprechen. Das Verzeichnis iſt zu haben bei der L. C. Wittich ſchen Hofbuch=
druckerei
, der Buchdruckerei H. C. Kunze und dem Papierhaus Elbert zu Darmſtadt.

Bekanntmachung.

Betreffend: Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit im Gewerbebetrieb.
Auf Grund der §§ 105 b, 1050 Abſatz 3. 105e der Gewerbeordnung, des § 108
der Vollzugsverordnung und des § 65 der Ausführungsanweiſung zur Gewerbeordnung
wird hiermit unter Aufhebung der Beſtimmungen der Bekanntmachung vom 18. März
1909 für das Bäckereigewerbe mit Wirkung vom 29. Januar 1910 an für den Kreis
Darmſtadt beſtimmt wie folgt:
Bäckereigewerbe.
A. Die Beſchäftigung von Gehilfen und Lehrlingen iſt an allen Sonn= und Feſt=
tagen
(abgeſehen von der unter B vorgeſehenen Ausnahme) geſtattet bis 9 Uhr vor=
mittags
unter folgenden Bedingungen:

L
1. für Gehilfen als 12 Stunden, oder falls die Arbeit durch eine Pauſe von
mindeſtens einer Stunde unterbrochen wird, einſchließlich dieſer Pauſe
13 Stunden.
2. Für Lehrlinge muß die Dauer der Arbeitsſchicht im erſten Lehrjahre zwei
Stunden weniger, im zweiten Lehrjahre eine Stunde weniger als die nach
vorſtehenden Beſtimmungen für Gehilfen zuläſſige Dauer betragen.
II. Auf die um 9 Uhr vormittags endigende Schicht iſt eine ununterbrochene Ruhe=
zeit
bis mindeſtens 11 Uhr abends zu gewähren,
III. In der Ruhezeit von 9 Uhr vormittags bis 11 Uhr abends dürfen Gehilfen und
Lehrlinge wenn nicht Gefahr im Verzug iſt, und abgeſehen von dem unter IV
erwähnten Fall weder zu Arbeiten, die in dem betreffenden Betrieb auf Grund
des § 105 c Abſatz 1 Gewerbeordnung zuläſſig ſind, noch zu Arbeiten in dem etwa
mit dem Betrieb verbundenen Handelsgewerbe herangezogen werden.
IV. In jedem Betriebe darf in der Zeit zwiſchen 7 und 8 Uhr nachmittags ein Gehilfe
oder Lehrling eine halbe Stunde mit Herſtellung des Hefeteigs beſchäftigt werden.
Dem ſo beſchäftigten Arbeiter iſt dann eine ununterbrochene Ruhezeit bis min=
deſtens
11½ Uhr abends zu gewähren.
V. In denjenigen Gemeinden des Kreiſes, in denen die Bäcker ortsüblich an Sonn=
und Feſttagen für ihre Kunden das Ausbacken der von dieſen bereiteten Kuchen
oder das Braten von Fleiſch beſorgen, darf in jedem Betrieb ein über 16 Jahre
alter Gehilſe oder Lehrling mit ienen Arbeiten in der Zeit von 910 Uhr vor=
mittags
beſchäftigt werden. Dem ſo beſchäftigten Arbeiter iſt von 10 Uhr vor=
mittags
eine ununterbrochene Ruhezeit bis mindeſtens 12 Uhr nachts zu ge=
währen
. Die Beſtimmungen unter III finden auch auf dieſen Arbeiter
Anwendung. Wird der Arbeiter auch zu der unter IV erwähnten Arbeit heran=
gezogen
, ſo iſt eine Ruhezeit bis mindeſtens 12½ Uhr nachts zu gewähren.
B. In der Stadt Darmſtadt darf am Karfreitag eine Arbeitsſchicht wie an den
Werktagen eingelegt werden mit der Einſchränkung, daß die Schicht ſpäteſtens um
2 Uhr nachmittags beendet iſt, und unter der Bedingung, daß den Gehilfen und Lehr=
lingen
an den zweiten Feiertagen von abends 10 Uhr bis zum nächſten Abend 7 Uhr
eine ununterbrochene Rühezeit (vergl. 4., III.) gewährt wird.
C. Zuwiderhandlungen werden nach § 146a der Gewerbeordnung mit Geldſtrafe
bis zu 600 Mark, im Unvermögensfalle mit Haft beſtraft.
Darmſtadt, den 18. Januar 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(1941
von Grancy.

Darmſtadt, am 20. Januar 1910.
Betreffend: Die Einſendung der für die Großherzogliche Landeswaiſenanſtalt zu er=
hebenden
Kollekten und Büchſengelder.

Das Graßherzagliche Kreisamt Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Beſtehender Vorſchrift gemäß ſollen die in Ihren Gemeinden aufgeſtellten Sammel=
büchſen
am 31. Januar jeden Jahres von Ihnen und dem den Mitverſchluß führen=
den
Gemeinderatsmitglied geöffnet und deren Inhalt nebſt dem vorſchriftsmäßig aus=
gefertigten
und unterſchriebenen Sortenzettel bis ſpäteſtens 31. März jeden Jahres
von Ihnen gelegentlich perſönlich oder durch andere Koſten nicht verurſachende Ge=
legenheit
auf unſerem Bureau übergeben werden. Solte nichts eingegangen ſein,
ſo iſt eine von Ihnen und dem betreffenden Gemeinderatsmitglied zu unterſchreibende
Beſcheinigung hierüber vorzulegen.
(1962
Wir empfehlen Ihnen, dieſer erwähnten Vorſchrift pünktlich nachzukommen.
J. V.: von Starck.

Bekanntmachung.

Betreffend: Das Erſatz=Geſchäft pro 1910, hier die Zurückſtellung der mit dem Berechtigungs=
ſchein
zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt verſehenen Miltärpflichtigen.
Dieienigen im Jahre 1890 geborenen Militärpflichtigen, welche ſich im Beſitz des
Berechtigungsſcheines zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt befinden und im
Kreis Darmſtadt dauernden Aufenthalt haben, werden darauf hingewieſen, daß ſie
gemäß § 93. 2 der Wehr=Ordn. ihre Zurückſtellung beantragen müſſen und daher auf=
gefordert
, ihre Berechtigungsſcheine alsbald hier, Neckarſtraße 3, 3. Stock Zimmer
Nr. 38 vorzulegen, damit in denſelben der erforderliche Zurückſtellungsvermerk ein=
tragen
werden kann.
Es wird noch ausdrücklich darauf hingewieſen, daß die Abſicht, ſich am 1. April=
oder
1. Oktober 1. J. zum Dienſtantritt melden zu wollen, von der Verpflichtung, die
Zurückſtellung zu beantragen, nicht entbindet.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1909.
Der Zivil-Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
v. Werner, Reg.=Rat.
(197a

Bekanntmachung.

Betreffend: Geſuche Militärpflichtiger um Verlängerung ihrer Zurückſtellung.
Ich bringe hierdurch zur Kenntnis derjenigen Militärpflichtigen, welche Berechti=
gungsſcheine
zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt beſitzen und deren Zurückſtellung
am 1. Oktober I. Js. abläuft, daß Geſuche um Verlängerung der Zurückſtellung
1. bei derjenigen Erſatz=Kommiſſion einzureichen ſind, welche unch Ausweis
des Berechtigungsſcheins die erſte Zurückſtellung verfügt hat,
2. daß dieſe Geſuche ſchriftlich unter näherer Begründung zu ſtellen und den=
ſelben
der Berechtigungsſchein, ſowie eine Beſcheinigung, aus der ſich die Not=
wendigkeit
weiterer Zurückſtellung ergibt, beizufügen und
3. daß dieſe Geſuche, ſoweit die Erſatzkommiſſion Darmſtadt zuſtändig iſt, im
Juli oder Auguſt l. Js. anzubringen ſind. Geſuche, die jetzt ſchon eingereicht
werden, würden als verfrüht zurückgegeben werden müſſen.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1909.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
v. Werner.
(196a

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.

Gefundene und verlorene Sachen.
Gefunden: 5 Elſaß=Lothringiſche Geldlotterie=Loſe. 1 rotes Portemonnaie mit
Inhalt und 6 kleinen Schlüſſeln. 1. Regenſchirm ohne Griff. 1 großer brauner Damen=
Pelz. 1 brauner Glacéhandſchuh (Offizier=Handſchuh).
kleiner goldener Ohrring
mit hellem Steinchen. 1 Ketten=Armband mit Kugelanhänger. 2 mittelgroße Schlüſſel
(zuſammengebunden). 1 weißes Taſchentuch, gez. G. 1 Gummiball (weißerot=blau).
1 Kaufbrief, auf den Namen Peter Rothenhäuſer lautend. 1 brauner mit Silberein=
lagen
verzierter Schirmgriff. 1 älterer Damen=Regenſchirm. 1 Paket Rabitplatten für
Photographen. 1 blauer Damen=Gummigürtel mit dunkler Schnalle. 1 vergoldete
Broſche mit rotem Stein und einer Perle. 1 graues Kinder=Portemonnaie. 1 große
ſchwarze Handtaſche mit 4 kleinen Schlüſſeln. 1 brauner Bücherranzen mit Inhalt.
1 Regenſchirm. 1 Taſchenmeſſer mit Perlmutſtiel. 1 kleines braunes Portemonnaie
mit Inhalt. 1 goldener Zwicker.
Verloren: 1 ſilbernes Halskettchen. 1 Etuis mit Füllfederhalter und Zeichen=
utenſilien
. 1 Portemonnaie mit 72 Mk. Inhalt. 1 Broſche (3 große Amethyſten in
Gold gefaßt. 1 kleiner goldener Ohrring mit 1 weißen Perlchen in der Mitte. 1 graues
Krokodilleder=Portemonnaie mit einem Zweimarkſtück und einem kleinen fülbernen Bär.
1 Pfandſchein über einen Ueberzieher. 1 Reißzeug in einem grauen Säckchen. 1 Schild=
patt
=Kamm. 1 Hunde=Halsband mit Marke und der Nr. 7664. 1 Schabloneblatt E. K.
1 blaugrüne Reiſedecke. 1 Portemonnaie mit 56 Mk. Inhalt. 2 Einmarkſtücke in
einem Kuvert. 1 weißer Kinder=Pelz. 1 Damen=Zwicker mit Nickelgeſtell. 1 Päckchen.
enthaltend 7 neue Herren=Stehtragen. 1 rotlederne Brieſtaſche mit Schloß.
Muff.
1 ſchwarzer Samtgürtel mit ſchwarzer Schnalle. 2 Aktenſtücke vom ſtädtiſchen Gaswerk.
1 Theater=Abonnementskarte (B 114, Sperrſitz). 1 goldener Siegelring mit ſchwarzem
Stein. 1 goldene Remontoir=Uhr. 1 ſilberne Damen=Uhrkette, doppelt, mit 1 Bügel
und 1 Quaſte. 1 goldenes halbrundes Bröſchchen mit rotem Steinchen. 1 braunes
Damen=Portemonnaie mit 5 Mk. Inhalt. 1 Korallen=Armband 1 Filigran=Kollier.
1 Damen=Goldgürtel. 1 rotes Portemonnaie mit etwa 3 Mk. Inhalt. 1 goldene
Damen=Uhr mit Kette, auf dem Rückdeckel Email=Verzierung. 1 dunkelbraune Federbog.
1 goldene Broſche mit Granaten. 1 ſchwarzwollener Umhängekragen. 1 rotbraunes
Portemonnaie mit 8 Mk. Inhalt. 1 ſchwarzlederne Handtaſche mit 28 Mk. Inhalt.
1 rotledernes Portemonnaie mit 23 Mk. Inhalt. 1 Damen=Regenſchirm mit Glasknopf.
1 Zwanzigmarkſtück. 1 goldene Damen=Uhr mit ſchwarzer Stahlkette. 1 ſchwarzſeidener
Damen=Gürtel. 1 filbernes Glieder=Armband. 1 Portemonnaie mit etwa 4 Mk. Inhalt.
Zugelaufen bei Privaten: 1 Dobermannpinſcher.

Entantſat 1 goßte auner intr. 1 lücher ſchmner dund. 1. Hin
(Rottweiler).
Das Fundbureau Großherzoglichen Polizeiamts
(1945
iſt geöffnet an allen Werktagen von 812 Uhr vormittags und 26 Uhr nachmittags.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.

In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
finden
ſich: 1 ſchottiſcher Schäferhund, 1 Pinſcher, 1 Hofhund. 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Sonntagsruhe in den Apotheken.

Am Sonntag, den 23. Januar, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr
abends die beiden nachfolgenden Apotheken geöffnet:
Einhorn=Apotheke, Kirchſtraße und
Beſſunger Apotheke, Karlſtraße.
Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.

Bekanntmachung.

Betreffend: Den Fahrverkehr auf dem Luiſenplatz.
Zur Aufrechterhaltung eines geordneten Fahrverkehrs in den Straßen der Stadt
weiſen wir darauf hin, daß nach der Polizeiverordnung vom 20. Februar 1904, betreffend
den Verkehr von Fuhrwerken in der Haupt= und Reſidenzſtadt, alle Fahrzeuge, alſo
insbeſondere Wagen jeder Art, Automobile, Handkarren, Fahrräder uſw., ſtets die
rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten haben. Nach der anderen Seite der Fahr=
bahn
darf nur, wenn dort angehalten werden ſoll, und nicht früher als notwendig, ab=
gebogen
werden. Zuwiderhandlungen können mit Geldſtrafe bis zu 60 Mk. oder mit
Haft bis zu 14 Tagen beſtraft werden.
Mil Rückſicht auf den ſtarken Verkehr auf dem Luiſenplatz iſt die Schutz=
mannſchaft
angewieſen worden darauf hinzuwirken, daß alle Fahrzeuge, die die Rhein=
ſtraße
herauf= oder herunterfahren, ſtets rechts am Ludwigsdenkmal vorbeifahren
und auch hierbei die rechte Seite der betreffenden Fahrbahn einhalten.
Darmſtadt, den 18. Januar 1910.
(1884fs
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Nummer 18.

Bekannt machung,

Die Beleuchtung von Einfahrten, Höfen, Treppen, Fluren uſw. betreffend.
Wir weiſen wiederholt auf die den Eigentümern von Grundſtücken obliegende
Verpflichtung hin, die Toreinfahrten, Höfe, Hausflure, Gänge und Treppen, ſo=
fern
und ſolange ſie jedermann zugänglich ſind, während der Dunkelheit ſo aus=
reichend
zu beleuchten, daß für die daſelbſt verkehrenden Perſonen keine Gefahr
beſteht.
Dieſe Verpflichtung liegt namentlich auch den Inhabern von Fabriken, ge=
werblichen
Anſtalten und Arbeitsſtätten, von Vergnügungs=, Verſammlungs= und
Schankſtätten (den letzteren insbeſondere auch hinſichtlich der Bedürfnisanſtalten) ob.
Pflichtwidrige Unterlaſſung der Beleuchtung würde, falls hierdurch jemand zu
Schaden kommt, die Entſchädigungspflicht ſowie die ſtrafrechtliche Verantwortlich=
keit
begründen.
Die obengenannte Verpflichtung kann durch Vertrag auf Hausverwalter,
Mieter uſw. übertragen werden. Dies ſetzt jedoch die übereinſtimmende Willens=
erklärung
beider Parteien, des Vermieters und des Mieters voraus. Eine einſeitige
Erklärung des Vermieters (als ſolche iſt auch der ohne vorherige Verſtändigung mit
dem Mieter erfolgende Aushang einer Hausordnung zu zählen) kann die obengenannte
Verpflichtung für den Mieter nicht begründen.
Darmſtadt, den 18. Januar 1910.
(1879fs
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.

Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſtwaren in der Haupt= und ReſidenzRadt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

Ochſenfleiſch . . . . . per ½ kg 86 Pfg.
Rindfleiſch . . . . . .
80
Kalbfleiſch
80
.. . ,
Hammelfleiſch
80-60,
,
Bruſt .
Schweinefleiſch (Bratenſt.) 2 ½ 96
Bauchläppchen.
N
½ 90
Kottelets u. geſalz. Fleiſch ½ 100
Speck, geräuchert . . ½ 110

per ½ kg 110 Pfg.
Dörrfleiſch
110
Schinken m. Bein . .
Rollſchinken
½ 130
Schweineſchmalz roh und
ausgelaſſen .
½ 90
Schwartenmagen, Fleiſch=
und Bratwurſt
90
Leber= und Blutwurſt.
, 75 72

Anmeldung ſchulpflichtiger Kinder zur Auf=
nahme
in die Mittel= und Stadtſchulen.

An die Eltern, Pflegeeltern und Vormünder von Kindern, die bis zum 4. April
d. Js. einſchließlich das 6. Lebensjahr zurückgelegt haben werden, ergeht hiermit die
Aufforderung, dieſe Kinder, ſoweit ſie nicht in andere Schulen eintreten, rechtzeitig zur
Aufnahme in die Mittel= oder Stadtſchulen anzumelden.
Bei der Anmeldung iſt Nachweis über das Alter der Kinder und Impfſchein oder
Beſcheinigung über Befreiung von der Impfung vorzulegen.
Auf Wunſch der Eltern oder deren Stellvertreter können ausnahmsweiſe auch
geiſtig und leiblich reife Kinder in die Schule aufgenommen werden, die erſt bis zum
30. September d. Js. das 6. Lebensjahr vollenden. Die Aufnahme jüngerer
Kinder iſt unzuläſſig.
Es wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß diejenigen Kinder, die bei
Vollendung des 14. Lebensjahres die Schule nicht volle 8 Jahre beſucht haben, bis zur
vollſtändigen Erfüllung ihrer Schulpflicht in der Schule zurückgehalten werden.
Die Nichtanmeldung in dem vorgeſchriebenen Termin kann bei den Mittelſchulen
zur Folge haben, daß die Aufnahme unmöglich iſt.
Die Anmeldungen haben zu erfolgen:
Dienstag, den 1. Februar d. Js., vormittags von 8½ Uhr bis 12 Uhr,
und nachmittags von 2 bis 4 Uhr und zwar:
für die Knaben=Mittelſchule I im Schulhaus in der Friedrichsſtraße,
Mädchen=
,
1
Viktoriaſtraße,

Mittelſchule II

Hermannsſtraße,

,,
Stadtknabenſchule I
am Ballonplatz,
in der Müllerſtraße
,,
n
,
III
,
Ludwigshöhſtraße,

Stadtmädchenſchule

Rundeturmſtraße,

,
Emilſtraße,
M;
,, ,
Beſſunger Straße,
6
Bezirksſchule IV
Lagerhausſtraße.
Der Bezirk der Mittelſchule II, in die Knaben und Mädchen aufgenommen wer=
den
, wird begrenzt durch die Rheinſtraße, den Paradeplatz, die Alexanderſtraße und die
Dieburger Straße, mit Ausſchluß der Grenzſtraßen und Plätze.
Die Aufnahme der Kinder in die Stadtſchulen findet nach der unten abgedruckten
Bezirkseinteilung ſtatt. Den Herren Oberlehrern der verſchiedenen Gruppen der Stadt=
knaben
= und Madchenſchulen bleibt überlaſſen, je nach Bedürfnis hinſichtlich der Ueber=
weiſung
von Kindern aus einer Schulgruppe in eine andere ſich zu verſtändigen
Darmſtadt, den 7. Januar 1910.
Der Vorſitzende der Schulvorſtände:
Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.

Bezirks=Einteilung

für die Stadtknaben= und Stadtmädchenſchulen.
Bezirk I
(Stadtknabenſchule I und Stadtmädchenſchule I)
umfaßt den Stadtteil zwiſchen der Heinrichſtraße, Eſchollbrücker Straße und Holzhof=
allee
einerſeits und der Allee, Rheinſtraße, Wilhelminen=, Zeughaus=, Hochſchul=, Mag=
dalenen
=, Alexander=, Heinheimer= und Gutenbergſtraße andererſeits.
Von den Grenzſtraßen gehören zu dem Bezirk die Rhein=, Wilhelminen=, Alexander=,
Heinheimer= und Gutenbergſtraße, ſowie die Nordſeite der Heinrichſtraße.
Bezirk II
(Stadtknabenſchule II und Stadtmädchenſchule II)
umfaßt den nördlichen Stadtteil, begrenzt von der Frankfurter=, Wilhelminen= Zeug=
haus
=, Hochſchul=, Magdalenen=, Dieburger=, Heinheimer= und Gutenbergſtraße, ein=
ſchließlich
der Grenzſtraßen, mit Ausnahme der betreffenden Strecken der Dieburger=
und Heinheimerſtraße und der Gutenbergſtraße.
Bezirk III
(Stadtknabenſchule III und Stadtmädchenſchule III)
umfaßt den Stadtteil ſüdlich von der Heinrich=, Eſchollbrückerſtraße und Holzhofallee,
einſchließlich der Südſeite der Heinrichſtraße und der beiden anderen Grenzſtraßen
(beiderſeitig).
Bezirk IV
(Bezirksſchule IV (Lagerhausſtraße))
umfaßt den nordweſtlichen Stadtteil, begrenzt von der Frankfurter=, Wilhelminen= und
Rheinſtraße, ohne die genannten Grenzſtraßen.
(1408sss

Das Beſchneiden der Hecken.

Nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir zur Kenntnis der Beteiligten. Unſer
Feldſchutzperſonal iſt angewieſen, diejenigen, die ſich der fraglichen Arbeit bis Ende
März d. Js. nicht unterzogen haben, zur Anzeige zu bringen, worauf Beſtrafung der
Säumigen mit 1 bis 30 Mark und Ausführung des Zurückſchneidens auf deren Koſten
von Amts wegen eintritt.
Darmſtadt, den 11. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V: Jaeger.

Polizei=Verordnung.

Auf Grund des Art. 43 Abſ. 2 des Feldſtrafgeſetzbuchs vom 13. Juli 1904, der
Artikel 78 und 48, V, 2 der Kreis= und Provinzial=Ordnung vom 12. Juni 1874 wird
mit Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes und mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums
des Innern vom 10. Februar 1905 zu Nr. M. d. J. III. 1336 für den Kreis Darmſtadt
nachſtehendes verordnet:
§ 1. Jeder Beſitzer eines Grundſtücks iſt gehalten, die auf dem Grundſtücke be=
findlichen
Hecken und Sträuche, ſoweit ſie an öffentliche Fahr= und Fußwege oder
Plätze angrenzen, alljährlich und zwar in der Zeit zwiſchen dem 1. Auguſt des einen
und dem 1. März des folgenden Jahres ſoweit zurückzuſchneiden und jederzeit ſoweit
zurückzubinden, daß ſie nicht über die Nachbar= und Weggrenze hinausragen.
§ 2. Desgleichen iſt jeder Beſitzer eines Grundſtücks gehalten, die zu demſelben
gehörigen Garten=Einfriedigungen, ſoweit ſie an öffentliche Wege oder Plätze angrenzen,
ſtets in ordnungsmäßigem Zuſtande zu erhalten und etwaige Lücken in ihnen aus=
zubeſſern
.
§ 3. Zuwiderhandlungen unterliegen einer Geldſtrafe von einer bis dreißig Mark,
außerdem wird das Zurückſchneiden der Hecken und Sträuche, Zurückbinden der Schöß=
llinge
und die Ergänzung der mangelhaften Garteneinfriedigung erforderlichenfalls auf
Koſten der Säumigen von Amts wegen ausgeführt.
(1499ss
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.

Großh. Lehrerinnen=Seminar der Viktoria=Schule
zu Darmſtadt.

Die Aufnahmeprüfung für das Lehrerinnen=Seminar findet Mittwoch, den
6. April 1910, vormittags ½8 Uhr, im Schulhauſe der Viktoriaſchule ( Hoch=
ſtraße
44) ſtatt.
Selbſtgeſchriebene Geſuche um Zulaſſung zu dieſer Prüfung oder um Auf=
nahme
in das Seminar ſind bis ſpäteſtens zum 1. Februar 1910 bei der unter=
zeichneten
Behörde einzureichen.
Dem Geſuch iſt veizulegen:
1. ein ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf,
2. ein Tauf= oder Geburtsſchein,
3. die Zeugniſſe über die bisher emnpfangene Schulbildung,
4. Impfſchein.
Die Bewerberin muß am 30. September 1910 das 16. Lebensjahr vollendet haben.
Eine beſondere Anzeige der geſchehenen Zulaſſung zu der Prüfung oder der
Aufnahme wird nicht erfolgen.
Der Unterricht in Schule und Seminar beginnt Montag, den 4. April 1910,
8½ Uhr.
Darmſtadt, 18. Dezember 1909.
(24340a
Die Großherzogliche Direktion
der Viktoriaſchule und des Lehrerinnen=Seminars.
Dr. Otto.

Montag, den 31. ds. Mts., vormittags 10 Uhr,

ſoll der für das unterzeichnete Lazarett in der Zeit vom 1. April 1910 bis Ende März
1911 erforderliche Bedarf an Verpflegungsbedürfniſſen, Selters, Vilbeler Waſſer, Bier,
Milch, ſowie die Abnahme der Küchenabfälle, Brotreſte und Knochen verdungen werden.
Die Bedingungen, welche vor Einſendung der Angebote durch Unterſchrift
anzuerkennen ſind, liegen im Geſchäftszimmer des Garniſonlazaretts, Alexander=
ſtraße
27, zur Einſicht auf.
(1915ss
Garniſonlazarett.

Faſelvieh=Vergebung.

Ein der Gemeinde Pfungſtadt gehöriger guterhaltener Faſelochſe, Faſeleber, ſo=
wie
ein Ziegenbock ſollen auf dem Submiſſionswege vergeben werden.
Offerten ſind bis Mittwoch, den 26. ds. Mts., vormittags 11 Uhr, bei der
unterzeichneten Behörde verſchloſſen einzureichen, woſelbſt auch bis zu genanntem Ter=
mine
die Submiſſionseröffnung ſtattfindet.
Die Bedingungen liegen auf hieſiger Bürgermeiſterei zur Einſicht offen.
Pfungſtadt, den 19. Januar 1910.
(1903fs
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Stamm= und Brennholz=Verſteigerung.

Montag, den 24. und Dienstag, den 25. Januar I. Js.,
vormittags 10 Uhr anfangend,
werden im Georgenhäuſer Gemeindewald, Diſtrikt Mark, verſteigert:
3 Eichen=Stämme 2,90 fm, 135 rm Buchen, 11 rm Eichen Scheiter,
4 Buchen
2,15
31 rm Fichten Knüppel,
80
,
,
- 23,80 13300
100 150 Fichten Wellen,
90 Fichten
,
Derbſt. 18,30
17 rm Fichten Stöcke.
50
181
Das Stammholz kommt den erſten Tag zur Verſteigerung. Zuſammenkunft iſt
bei Herrn Gaſtwirt Schneider am Bahnhof Meſſel.
(1950
Georgenhauſen, den 19. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Georgenhauſen.
Lehr.

Freiſtellen an den Mittelſchulen.

Geſuche um Freiſtellen an den Mittel=
ſchulen
für das Schuljahr 1910/11 ſind bis
zum 25. Januar ds. Js. bei uns einzu=
reichen
. Freiſtellen können nur bis zu 5%
der Zahl der Schüler und Schülerinnen und
nur in den fünf oberen Klaſſen vergeben
werden. Vorausſetzung der Bewilligung
iſt Bedürftigkeit der Eltern, ſowie regel=
mäßiger
Schulbeſuch, Fleiß, Ordnungsliebe,
Reinlichkeit und gutes Betragen des be=
treffenden
Kindes.
Die Vergebung der Freiſtellen erfolgt
auf ein Jahr und in ſtets widerruflicher
Weiſe; es muß daher für diejenigen, die
im ablaufenden Schuljahr bereits Frei=
ſtellen
hatten, um weitere Verleihung nach=
geſucht
werden.
In den Geſuchen iſt neben deutlicher
Angabe des Berufs und der Wohnung der
Eltern oder Pflegeeltern, noch die Schul=
gruppe
, die das betreffende Kind beſucht,
(897sss
näher zu bezeichnen.
Darmſtadt, den 4. Januar 1910
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.

Bekanntmachung.

Die Lieferung des bei nachſtehenden
ſtädtiſchen Betrieben, und zwar: dem
Elektrizitätswerk, dem Gaswerk, dem Waſſer=
werk
, dem Schlachthof und der elektriſchen
Straßenbahn im Verwaltungsjahr 1910
(1. April 1910 bis Ende März 1911) be=
nötigten
Dampfzylinder= und Maſchinen=
öls
ſoll vergeben werden.
Die Verdingungsbedingungen liegen auf
dem Stadthaus, Zimmer Nr. 39, zur Ein=
ſicht
offen und können daſelbſt auch auf
Wunſch gegen Zahlung einer Gebühr von
50 Pfg. abgegeben werden. Verſendung
der Bedingungen nach auswärts findet
nicht ſtatt.
Angebote ſind bis zum 1. Februar l. J.,
vormittags 10 Uhr, einzureichen. (1460ss
Darmſtadt, den 12. Januar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Ekert.

Bekanntmachung.

Samstag, den 29. Januar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Karl Groll und dem Ferdi=
nand
Groll zu Darmſtadt zugeſchriebene
Liegenſchaft:
qm
Flur Nr.
822
264 Hofreite Hölges=
ſtraße
Nr. 3,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K243/08
werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 4. Januar 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
(L837,61a
Müller.

Bekanntmachung.

Die Zahlung der rückſtändigen Be=
träge
für erſteigerte Runkelrüben von der
ſtädtiſchen Pallaswieſe (aus der Verſteige=
rung
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt
vom 4. Oktober 1909) hat bei Vermeidung
des Mahn= und bezw. Pfändungsver=
fahrens
bis längſtens Ende Januar 1910
an den Werktagen, vormittags von 8½ bis
12½
Uhr, hierher zu erfolgen.
(1414a
Darmſtadt, den 10. Januar 1910.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Bekanntmachung.

Montag, den 7. Febuar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Kaufmann Georg Schwab
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
:
Nr.
qm
Flur
III 3321
3/100 321 Hofreite Stiftſtraße,
III 33¾/100 141 Grabgarten daſelbſt,
in unferem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K174/09
Darmſtadt, den 30. Dezember 1909.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L839,61

Bekanntmachung.

Montag, den 7. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Hugo Stieſi Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr.
qm
IV
259 Hofreite Mollerſtraße,
6328/1
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K178/09
Darmſtadt, den 31. Dezember 1909.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L838,61

Bekanntmachung.

Montag, den 7. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Landwirt Ludwig Simon
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
:
qm
Nr.
Flur
IV 3300/100 747¾/10 Hofreite Müller=
ſtraße
Nr. 15,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K182/09
Darmſtadt, den 4. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L836,60

Matratzenſtreu=Verkauf.

Dienstag, den 25. Januar ds. Js.,
vormittags 10 Uhr,
wird die Matratzenſtreu der 1. und 2. Batterie
meiſtbietend verſteigert.
(1991
Darmſtadt, den 21. Januar 1910.
. II. Abteilung Feld=Art.=Regts. Nr. 25.

[ ][  ][ ]

Nummer 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Seite 13,

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 15. Jan.: dem Kaufmann Karl
Emrich, Große Ochſengaſſe 15, e. T. Gertrude. Am
16.: dem Metzgermeiſter Gg. Dintelmann. Kleine
Ochſengaſſe 2, e. S. Ludwig. Am 13.: dem Kaufmann
Emil Grünbaum, Landgraf=Philipp=Anlage 58, ein
Sohn Kurt. Am 14.: dem Werkführer Johann Jakob
Berckenbrinck, Kiesſtr. 35, e. T. Martha Minna Char=
lotte
. Am 18.: dem Fuhrmann Kaſpar Velten, Wen=
belſtadtſtr
. 49, e. S. Wilhelm. Am 15.: dem Schloſſer
Martin Schmidtmer, Mollerſtr. 32, e. S. Georg Lud=
wig
. Am 19.: dem Eiſengießer Theodor Bilgenroth,
Feldbergſtr. 30, e. S. Paul Willi. Am 17.: dem Schloſſer
Heinrich Matheis, Große Kaplaneigaſſe 11, e. S. Adolf.
Am 16.: dem Kaſſier Adam Streub, Liebfrauenſtr. 82,
e. T. Marie Katharine.
Aufgebotene. Am 17. Jan.: Eiſendreher Heinrich
Gimbel, Feldbergſtr. 45, mit Friederike Luiſe Weh=
laſt
, ebendaſelbſt. Schuhmacher Heinrich Adam Füller,
Heinheimerſtr. 18, mit Suſanna Braun in Dieburg.
Am 18.: Brauer Joſeph Wiendl in Nürnberg mit
Arbeiterin Katharina Hausperger, ebendaſelbſt.
Dienſtknecht Anton Faber in Hörnsheim mit Maria
Linker, ebendaſelbſt. Artiſt Robert Eichel, Laute=
ſchlägerſtr
. 22, mit Seiltänzerin Johanna Thereſia
Weinheimer, ebendaſelbſt. Bäcker Wilhelm Hof=
mann
, Liebfrauenſtr. 61, mit Dienſtbote Berta Sophie
Kuhn, ebendaſelbſt. Am 19.: Kaufmann Wilhelm
Kreuß in Biebesheim mit Maria Luiſe Rückert in
Groß=Gerau. Am 20.: Friſeur Heinrich Liſtmann in
Mainz=Kaſtel mit Erneſtine Johannette Philippine
Rentz in Frankfurt a. M. Weingutsbeſitzer Peter
Joſeph genannt Paul Schmidt in Ahrweiler mit
Fanny Mary Urbach, dahier.
Geſtorbene. Am 17. Jan.: Spengler Oskar Ph.
Scherer, 41 J., ev., Müllerſtr. 7. Am 18.: Kathar.
Netz, Tochter des Straßenbahnſchaffners, 9 Mon., ev.,
Kaupſtr. 44. Bäcker Hch. Gilch, 16 J., ev., Groß=
Umſtadt. Am 19.: Bierbrauer Michael Eckhardt,
54 J., ev., Kranichſteiner Straße 36. Privatin Eliſe
Mulot, 90 J., ev., Frankfurter Straße 35. Schuh=
macher
und Laternenanzünder Ldg. Knell, 71 J., ev.,
Marktſtr. 3. Marie Margar. Hochſchild geb. Daab,
Witwe des Buchhalters, 32 J., ev., Elgenrod.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Gebffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 31. Dez. 1909: dem Straßenbahn=
ſchaffner
Philipp Deuchert, Karlſtr. 65, e. T. Katha=
rina
Lina. Am 5. Jan. 1910: dem Schutzmann Johs
Straßer, Martinſtr. 95, e. S. Johannes Werner. Am
4.: dem Leutnant im Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23
Eyning Freiherr von Rotenhan, Martinſtr. 55, e. T.
Am 5.: dem Straßenreiniger Friedrich Zitzmann,
Forſtmeiſterſtr. 11, e. T. Eliſabeth. Am 4.: eine unehel.
Tochter Lieſelotte. Am 8.; ein unehel. Sohn Wilhelm.
Am’9.: dem Kaſſelſchmied Wilhelm Gimbel, Heerd=
weg
58, e. S. Johannes Adam. Am 5.: dem Taglöhner
Peter Maldinger, Heidelberger Straße 40, e. S. Lud=
wig
Paul. Am 9.: dem Lokomotivheizer Konrad
Lautenſchläger, Ahaſtr. 8, e. T. Elſe. Am 11.: dem
Großh. Oberlehrer Heinrich Getroſt, Ohlyſtr. 38, e.
Tochter. Am 12.: dem Trompeter=Sergeanten im Feld=
artillerie
=Regiment Nr. 61 Guſtav Wilhelm Chriſtoph
Ludwig, Ludwigshöhſtr. 1½, e. S. Guſtav Georg.
Am 13.: dem Bäcker Franz Joſeph Kappler, Sand=
bergſtr
. 32, e. S. Joſeph Paul. Am 16.: dem Schreiner
Gerhard Maximilian Geyer, Bruchwieſenſtr. 6½,
ein Sohn. Dem Sergeanten im Großh. Artilleriekorps
Hermann Spamer, Heidelberger Straße 118, e. T
Marie Eliſabeth Ottilie. Ein unehel. Sohn Walter.
Am 17.: dem Steindrucker Johann Ernſt Krönung,
Weinbergſtr. 6, e. T. Anna Berta. Dem Taglöhner
Joſeph Sanderbeck, Beſſunger Straße 56, e. S. Martin
Peter Konrad. Am 30. Dez. 1909: dem Diener Karl
Hohmaier, Neue Niederſtr. 17, e. T. Sophie. Am
11. Jan. 1910: Eine unehel. Tochter Marie Margarete.
Am 19.: dem Taglöhner Johannes Rühl, Heidel=
berger
Straße 114, e. T. Marie Eliſabethe. Am 15.:
dem Herrſchaftsdiener Juſtus Schäfer, Wilhelm=
ſtraße
55, e. T. Elſe Emilie.
Aufgebotene. Am 10. Jan.: Tapezier Friedrich
Ehrhardt, Tannenſtr. 17, mit Karoline Engel, Hein=
richſtraße
162. Am 19.: Küfer Reinhard Gelfius,
Nieder=Ramſtädter Straße 118, mit Verkäuferin
Dorothea Hildenbrand, Wienersſtr. 38.
Eheſchließungen. Am 6. Jan.: Kaufmann Andreas
Mau Diem mit Johanna Auguſte Royale Köhne,
Landskronſtr. 39. Am 8.: Buchhändler Benno Johs.
Schultheitz, Bruchwieſenſtr. 2, mit Ida Marie
Liſchke zu Dölitz=Leipzig. Am 12.: Bäckergehilfe
Friedrich Wilhelm Opitz, Landwehrſtr. 25, mit Mar=
garete
Hauffmann, Schießhausſtr. 5. Am 15.: Former
Wilhelm Weißmautel, Tannenſtr. 13, mit Eliſabethe
Margarete Heil, Marktplatz 11. Kaufmann Heinrich
Joſeph Pings zu Koblenz=Lützel mit Katharina
Günther, Wilhelmſtr. 51.
Geſtorbene. Am 7. Jan.: Eliſabeth Zimmer geb.
Meyer, Witwe des Fabrikanten, 60 J., ev., Heinrich=
ſtraße
. 23. Am 8.: Chriſtine Todt geb. Rohrbach,
Witwe des Gaſtwirts, 68 J., ev., Moosbergſtr. 88. Am
10.: Kaufmann Heinrich Emil Mauke, 54 J., ev.,
Heerdweg 90. Rentner Georg Jacoby IV., 64 J., ev.,
Heidelberger Straße 92. Am 11.: Großh. Miniſterial=
kanzliſt
i. P. Eduard Spamer, 79 J., ev., Neue
Niederſtr. 10. Am 16.: Johannette Suſanne Philippine
Koch geb. Wambold, Ehefrau des Maſchinenſchloſſers,
43 J., ev., Heidelberger Straße 113. Am 18.: Heinrich
Auguſt Rebelein, Sohn des Metzgermeiſters, 1 Mon.,
ev., Karlſtr. 65. Am 1.: Oberpoſtpraktikant Heinrich
Wilhelm Lang, 38 J., ev., Mathildenſtr. 23.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
Sonntag Septuageſimae, den 23. Januar 1910
Hoſkirche: Samstag, den 22. Januar, abends 6 Uhr:
Beichte. =Sonntag, den 23. Januar, vorm. ½10 Uhr:
Beichte und Anmeldung zur heil. Kommunion in der
Sakriſtei. Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit
Feier des heil. Abendmahls. Mittwoch, den 26. Jan.,
abends 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte.
Vorm. 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte.
Nachm. 6 Uhr: Pfarrer Kleberger. Nach der Predigt:
Feier des heil. Abendmahls mit Vorbereitung.
Stadtkapelle: Vorm. um ½ 10 Uhr: Pfarrer D. Diehl.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Kleberger
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Freitag, den
28. Januar, abends 8¼ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
D. Diehl.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vormittags 8½ Uhr:
Diviſionspfarrer Lic. Schettler.
Vorm. 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt in der Oberrealſchule, Kapellſtraße 5.
Johanneskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Widmann. Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt
Abends
für den Oſt=Bezirk. Pfarrer Widmann.
um 6 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Eliſabethenſtiſt: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Deggau. Vorm. 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
Deggau.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vorm. 10 Uhr:
Pfarraſſiſtent Flöel. Vormittags 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarraſſiſtent Flöel. Abends 7½ Uhr:
Gemeindeabend im Gemeindehaus.
Gemeindehaus, Hofgartenſtr. 8: Mitt=
woch
, den 26. Januar, abends 8 Uhr: Bibelſtunde.
Geheimerat D. Walz.
Pauluskirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarrer Rückert. Vorm. 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarrer Rückert. Abends 6 Uhr: Pfarraſſi=
ſtent
Flöel.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 23. Jan.,
vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt.
Nachmit=
tags
um 4 Uhr: Evangeliſationsverſammlung. Pfarrer
Veller. Abends 8 Uhr: Blaukreuzverſamm=
lung
. Dienstag, den 25. Januar, abends 8½ Uhr:
Frauen= und Jungfrauen=Verſammlung. Donnerstag,
den 27. Januar, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
Veller.

Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
13): Sonntag, nachmittags 4 Uhr. Mittwoch,
abends 8½ Uhr.

Baptiſtengemeinde (Nieder=Ramſtädterſtraße 13):
Sonntag, den 23. Januar, vormittags 10 Uhr: Predigt.
Vormittags 11 Uhr: Sonntagsſchule. Nachmittags
4 Uhr: Predigt. Herzlich willkommen iſt jedermann.

Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigskirche: Samstag, den 22. Januar, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte.
Sonntag Septuageſimae, den 23. Januar 1910
Feſt der hl. Familie
Vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. Um 7 Uhr: Austeilung
der hl. Kommunion. Um 8 Uhr: Militärgottesdienſt=
mit
Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
-
Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottesdienſt. Nachmit=
tags
um 3 Uhr: Katechetiſche Predigt und Andacht zur
hl. Familie. Donnerstag, vorm. um ½ 10 Uhr: Zur
Feier des Geburtstages Seiner Majeſtät des Deutſchen
Kaiſers levitiertes Hochamt mit Predigt und Te Deum.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Nachmittags um 4 Uhr: Ver=
ſammlung
im Mädchenheim und in der Kapelle Vortrag
für die Jugendabteilung der Jungfrauen=Kongregation
und um 4½ Uhr: Verſammlung der Jungfrauen= Kon=
gregation
, Um 6 Uhr: Roſenkranzandacht.
Kapelle der Engliſchen Sträulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: hl. Meſſe.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 22. Januar, nach=
mittags
um 4½ Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur hl. Beichte.
Sonntag, den 23. Januar 1910
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: hl. Meſſe mit
Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Andacht für die Abgeſtorbenen
der Gemeinde. Mittwoch, den 26. Januar, abends
½9 Uhr: Religiös=wiſſenſchaftlicher Vortrag für Männer
und Jünglinge. Thema: Unſere heilige Kirche‟.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
22. Januar, nachmittags um 4 Uhr und abends um
8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Sonntag Septuageſimae, den 23. Januar 1910
Feſt der hl. Familie
Kollekte für das Erziehungshaus in Drais
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 7 Uhr: hl. Meſſe. Um 9 Uhr: Amt mit
Predigt. Nachmittags um ½3 Uhr: Katechetiſche
Predigt und Herz Mariä=Andacht. Bibliothek ( Heerd=
weg
28): Dienstag nachm. von 67 Uhr.
Kapelle zu Eberſtadt: Samstag, den 22. Januar, nach=
mittags
um 5 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag Septuageſimae, den 23. Januar 1910
Feſt der hl. Familie
Vorm. um 6 Uhr: Beichte.
Um ½7 Uhr: Aus=
teilung
der hl. Kommunion. Um ¼10 Uhr: Hochamt

und Predigt. Nachmittags um ½2 Uhr: Andacht.
Während der Woche um 48 Uhr: hl. Meſſe.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag Septuageſimae, vor=
mittags
um ½8 Uhr: Amt und Predigt. Vorher Beicht=
gelegenheit
.

The English Church (Hofkirche)
Divine Service
on Sunday, the 23rd of January 1910
at 3,15 p. m.
Reverend Dr. MacDonald Chaplain at Heidelberg.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 14. Januar: Dem Gaſtwirt
Adam Treuſch T. Marie Emma, geb. 29. Dezember.
Johannesgemeinde: 15. Jan.: Dem Arzt
Dr. med. Ernſt Draudt T. Dorothea Emma Anna
Auguſte Eliſabeth Adele Alice, geb. 28. September.
16. Januar: Dem Keſſelſchmied Eduard Schork S. Georg
Wilhelm, geb. 27. November. Unehel. S. Franz Paul,
geb. 24. Dezember. Dem Schuhmacher Georg Mantel T.
Margarete, geb. 24. Oktober.
Hofgemeinde: 16. Januar: Dem Großh. Hof=
kutſcher
Daniel Chriſt S. Heinrich Adam, geb. 7. Dez. 1909.;
Martinsgemeinde: 13. Januar: Dem Fabrik=
arbeiter
Adam Ruppel S. Adam, geb. 31. Dezember.
16. Januar: Dem Fuhrmann Andreas Bernhardt T.
Katharine, geb. 12. Dezember. Dem Lokomotivshilfsheizer
Johann Keil S. Hans Leonhard, geb. 17. Dezember.
18. Januar: Dem Küchenchef und Reſtaurateur Karl
Heinrich Rupp S. Heinrich Karl. 13. Januar: Dem
Kellner Gottfried Konrad Karl Auguſt Wilhelm Louis
Lahme T. Wilhelmine Anna, geb. 4. Nov. 16. Januar:
Uneheliche T. Anna Gertrud, geb. 22. Dezember.
Petrusgemeinde: 15. Januar: Dem Haus=
burſchen
Adam Kreuz T. Marie, geb. 8. Juli. 16. Januar:
Unehel. S. Konrad, geb. 19. November. Dem Weißbinder
Ludwig Bergſträßer S. Karl, geb. 1. Januar. Dem
Schmied Heinrich Müller T. Eliſabethe Margarete, geb.
12. November. Dem Poſtboten Philipp Nungeſſer S.
Ernſt Philipp, geb. 21. Dezember. Unehel. T. Lieſelotte,
geb. 4. Januar.
Paulusgemeinde: 16. Januar: Dem Metzger=
meiſter
Jakob Auguſt Rebelein S. Heinrich Auguſt, geb.
10. Dezember.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 15. Januar: Evang. Pfarrer
Ludwig Weiſel zu Wallertheim, Kreis Alzey, und Helene
Wilhelmine Hoos.
Martinsgemeinde: 16. Jan.: Schloſſer Ludwig
Friedrich Flach und Eliſabeth Hofſommer, beide hier.
19. Januar: Metzger Georg Karl Bernius und Marie
Krämer, beide hier.
Petrusgemeinde 15. Januar: Former Wilhelm
Weißmantel und Eliſabethe Margarete, geb. Heil.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 14. Januar: Anna Bickel, geb.
Scherrer, Ehefrau des Gr. Stationsvorſtehers a. D.
Georg Bickel, 57 J., ſtarb 12. Jan. 15. Januar: Rechnungs=
rat
Georg Ludwig Müller, 54 J., ſtarb 13. Januar.
Martinsgemeinde: 19. Januar: Spengler Oskar
Scherer, 41 Jahre, ſtarb 17. Januar.
Petrusgemeinde: 12. Januar: Renter Georg
Jakoby IV., 65 J., ſtarb 10. Januar. 13. Januar: Kauf=
mann
Heinrich Ernſt Benkeſſer, 61 J., ſtarb 11. Januar.
Miniſterialkanzliſt Eduard Spamer, 79 J., ſtarb 11. Jan.
Paulusgemeinde: 18. Januar: Heinrich Auguſt
Rebelein, S. des Metzgermeiſters Jakob Auguſt Rebelein,
1 Mon., ſtarb 18. Januar (Einſegnung).
Getaufte bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 1. Januar: Dem
Bierbrauer Georg Mühllehner S. Georg, geb. 25. Dez. 1909.
2. Januar: Dem Hofſtallbeiknecht Georg Mauer T. Anna
Marg., geb. 27. Dezember 1909. 6. Januar: Dem Stadt=
taglöhner
Farl Friedrich Simmerock S. Karl Friedrich,
geb. 14. Auguſt 1909. 11. Januar: Dem Schuhmacher
Eduard Hanemann T. Eliſabetha, geb. 12. Dezemb. 1909.
St. Eliſabethengemeinde: 2. Januar: Dem
Schuhmacher Alexander Ziemer T. Friederike Katharina,
geb. 4. Dezember. Dem Bankbeamten Wilhelm Johann
Philipp Neudörfer S. Rudolf Leopold, geb. 24. November.
5. Januar: Dem Verwaltungsſekretär Johann Schneider
S. Alfred, geb. 23. Dezember. 6. Januar: Dem Küchen=
chef
Gottfried Cremerius S. Gottfried Alfred, geb. 26. Nov.
16. Januar: Dem Maſchinenſchloſſer Melchior Philipp
Plagge T. Anna Eliſabeth Margarete Emilie, geb. 21. Dez.
17. Januar: Dem Schmied Anton Tritſchler S. Hugo,
geb. 1. Oktober.
Getraute bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 9. Januar: Georg
Seibert und Anna Kreher, beide aus Münſter b. Dieburg.
15. Januar: Heizer Georg Weber und Magdalena=
Wiſſinger, beide dahier.
St. Eliſabethengemeinde: 18. Januar: Adamz
Braun aus Münſter und Katharina Bollinger dahiel=
Beerdigte bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 1. Januar: Katharinck=
Schuchmann, geb. Jacob zu Nieder=Ramſtadt, Ehefrau
des Jakob Schuchmann II., 54 J., 3 Monate, ſtarb
29. Dezember 1909. 2. Januar: Johann Wilhelm Jamin,
S. des Tapezierers Wilhelm Johann Jamin, 1
9 Mon., ſtarb 30. Dezember 1909. Kellner Franz. Moſthaf,
39 J. 9 Mon., ſtarb 31. Dezember 1909. 10. Januar:
Privatier Johann Scheich, 81 J. 4 Tg., ſtarb 7. Jan.
St. Eliſabethengemeinde: 6. Januar: Maria
Katharina Filſinger, Ehefrau des Großh. Pfandmeiſters
Wilhelm Filſinger, 63 J., ſtarb 3. Januar. 12. Januar:
Johanna Werth, Ehefrau des Ingenieurs Konrad Werth,
ſtarb 8. Januar. 14. Januar: Johanna Heiß, T. des
Tünchers Johann Heiß, 4½ M., ſtarb 12. Januar.

(Anzüge jeder Art
Knabenkleider uſw.) werden billig
u. gut angefertigt, ſowie Gebrauchtes mit=
verarbeitet
. Liebfrauenstr. 46 II r. (*17857


nabhängige Frau empſiehit ſich fün
ganze und halbe Tage im Ausbeſſern
aller Wäſche, Gardinen, Kleider und
Herren=Garderobe.
*1632sms)
Müllerſtraße 30, II. links.

Heimarbeit für Schneiderin
Dieſelbe nimmt noch Kunden an für ein=
fache
Näharbeiten in und außer dem Hauſe.
Frau Meisinger hier, Heidelberger=
Kraße 108½, II. E.
(*1488dsi

Frankfurterſtraße 76, 1. Stock
Verſchied. gebrauchte Möbel
2 Tiſche, 3 Stühle, 2 Sofas,
1 Bettſtelle, 1 Sprungrahmen
z. j. annehmb. Preis zu verk.

in allen Friſuren
Friseuse, bewandert, nimmt
noch einige Kunden an
(1341a
Frau Friedrich, Soderſtraße. 21.

üchtige Schneiderin empfiehlt ſich
1 im Kleidermachen. (Maskerade
nicht ausgeſchloſſen.) Frau Röder
Dornheimerweg 2.
(*1547som

Einige Wagen

(194780

asenhen
Wier
zu verkanfen Kranichſteinerſtr. 65,

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Nummer 18.

Seiden- u. Spitzenhaus
Zuuard Volz

Unser Spitzenausverkauf, bietet die denk-
bar
günstigste Kaufgelegenheit. Die beispiel-
losen
Preisermässigungen, bieten dem Publi-
kum
enorme Ersparnisse. Die Qualitäten sind
von gediegenster Beschaffenheit und ist
schleuniger Einkauf sehr zu empfehlen.
Unsere Schaufenster zeigen deutlich, was
die Firma mit diesem Verkauf bietet. :

Tüchtige Verkäuferin
ſucht per 1. April Stelle in Weiß= oder
Modewarengeſchäft. Gefl. Offerten unter
E 2 an die Expedition ds. Bl. (*1291ids

geübt im Maſchinenſchreib.
Fräulein u. Stenographie, ſucht An=
fangsſtelle
mit beſcheid. Anſprüchen. Offert.
unter E 34 an die Exped.
(*1396mss

S=
Tuchtige erſte Verkäuferin
(Wäſche und Trikotagen) auch im Einkauf
und Einrichtung von Wäſche perfekt, ſucht
per 1. März oder April in Darmſtadt oder
Frankfurt Stellung.
Offerten unter F 36 an die Expd. ds.
Bl. erbeten.
(*1758

Gebildetes Fräulein
möchte alleinſtehender Dame täglich 12
Stunden Geſellſchaft leiſten (Vorleſen, Muſi=
zieren
ꝛc.) Angebote unter F 30 an die
Expedition dieſes Blattes.
(B1998

Perfekte Büglerin
empfiehlt ſich im Bügeln und Ausbeſſern
ganze u. halb. Tage Aliceſtraße 1, I. (*1626

1650 Eine tüchtige Büglerin empfiehlt
ſich in Stärkwäſche unter tadelloſer Aus=
führung
(geht auch aus). Näheres Darm=
ſtraße
10, 2. Stock.

1689 Junge Frau empfiehlt ſich im Strik=
ken
bei billiger Berechnung. Erfr. in d. Exp.

*1675) Mädchen, das kochen kann und
alle Hausarbeit verſteht, ſucht Aushilfſtelle
von 1. Februar ab.
Näheres Heinrichſtraße 94, I. Stock.

1653) Nehme vom 1. Februar Laufdienſt
von vorm. 7 bis nachm. 4 Uhr od. Aushilfe
f. d. ganz. Tag. Näh. Weinbergſtr. 45, pt.

12
(1644
Haushalterin
80
in Küche u. Haushalt wohlerfahren ſucht
Stelle beibeſſ. Herrn Eliſabethenſtr. 43, Wagner.

Familie, muſikal., mit guter Schulbildung,
im Weißnähen u. Hausarb. bewand., ſucht
Kinderfrauein
od. Stütze der Hausfrau in beſſ. Familie.
Familienanſchluß. Gehalt nach Uebereink.
Geht auch gern aufs Land. Gefl. Anerbiet.
an Hilda Foerster, Heidelberg, Haſpelgaſſe 5.

*1719) Eine kinderloſe, unabhängige Frau
ſucht Laufdienſt oder abends Laden putzen
Rundeturmſtraße Nr. 1, 1. St.

*1721) Ein Mädchen ſucht Laufſtelle,
Näheres Weinbergſtraße Nr. 2a.

*1729soi) Eine Frau geht waſchen und
putzen Liebfrauenſtr. 58, 3. St. I.

. Kindermädchen, welches
Stellen ſuchen. Hausarbeit mit verſieht,
ſowie nähen und bügeln kann, Allein=
mädchen
, Aushilfe mit guten Zeugniſſen.
Stellenbüro Nösinger, Magdalenenſtr. 21. (81734

*1738) Eine junge Frau ſucht ½ Tage
zu putzen Kranichſteinerſtraße 31.

B2000) Eine reinl., anſt. Frau ſucht
Arbeit, auch für halbe Tage, geht auch
Wäſche ausb., nimmt auch Heimarbeit an.
Frau Eppler, Forſtmeiſterplatz 5, Hinterh.

2019) Beſtempfohlene Frau nimmt Stelle
für Waſchen und Putzen ꝛc. Näheres
Emilſtraße 2, Manſarde.

2020) Unabhängige, geſetzte Frau, mit
beſten Empfehlungen, ſucht Stelle zur
Führung des Haushaltes, zur Vertretung
u. Pflege der erkrankten Hausfrau ꝛc., auch
tageweiſe. Näheres Emilſtraße 2, Manſ.
*1623) Junge Frau ſucht Waſchen und
Putzen Gartenſtraße 9, Hinterhaus II.
1705) Zuverläſſige Frau ſucht waſchen
und putzen Karlſtraße 96.

Setzung des Inventur-Ausverkaufs
in Spitzen-Besätze-Knöpfe

Eine Partie Spachtel- und Tüllspitzen per Mtr.
20, 35, 50 Pfg.
Eine Partie Spachtel- und Tüllmotive per Mtr.
12, 25, 65 Pfg. u. 1.00 Mk.
Eine Partie Spachtel- und Tüllstoffe per Mtr.
1.40, 1.75 u. 2.25 Mk.
Eine Partie Kleiderbesätze
per Mtr.
15, 25-u. 40 Pfg.
1943)

Eine Partie elegante Kleiderbesätze . per Mtr.
80 Pfg., 1.20 u. 1.90 Mk
Eine Partie schwarze Kleiderbesätze . per Mtr.
45, 85 Pfg. u. 1.50 Mk.
Eine Partie schwarze Perlbesätze . . per Mtr.
35, 45 Pfg. u. 1.00 Mk.
Eine Partie Knöpfe
per Dtzd. 10, 25, 35 Pfg.
nur moderne Formen

(1629
Hausmädchen
welches Nähen und Bügeln kann, 19jährig.
Alleinm., 16jährig. Kinderm. ſuch. Stellg. ſof.
od. 1. Februar. Stellenb. Schulz, Schulſtr. 3. 1717) Jüngeres Mädchen, welches näh.
und etwas bügeln kann, ſucht Stelle als
beſſeres Haus= oder Kindermädchen. Gefl.
Offerten unter F 31 an die Expedition. Zum 1. Febr. 2 Allein=
Stellen ſuchen. mädchen, in Hausarbeit
tüchtig, auch nicht unerfahr. im Kochen, in
Privath., u. 1 fleiß. Mädch. in Geſchäftsh.
(nicht Wirtſch.), 2 Mädch., d. einf. bürg. koch.,
15. Febr. Frau Elisab. Frank, Saalbanstr. 33. (*1779 1764) Stellen ſuchen mehr. Mädchen
in Privat= u. Geſchäftshäuſer.
Frau Schmidt, Schlachthausplatz 3. n ſuchen Stelle
Große Anzahl Mädchen in Privat= und
Geſchäftshäuſer, auch Wirtſchaft
durch Frau Weissmantel,
(*1746
Eliſabethenſtraße 37. 1759) Tücht. Mädch. ſ. St. zum 1. Febr.,
Mädchen ſofort. Stellenburean Debus,
Karlſtraße 79, Telephon 1737. Junges Fräulein
mit Töchterſchulbildung aus achtbarer
Familie, im Haush. tücht., ſucht Stellung
per 1. April, ev. früher, als Stütze der
Hausfrau bei beſſerer Familie. Gute
Behandlung und Familienanſchluß Vor=
bedingung
. Gefl. Offerten unter F 37
an die Expedition ds. Bl. erbeten. (2015si *1781) Frau nimmt Waſchen und Putzen
an Brandgaſſe 2 (Jährling). Junger, ſtrebſamer
Kaufmann
ſucht per 1. März oder ſpäter in einer
mittleren Druckerei Stellung als Kontoriſt
oder Expedient. Gefl. Offert. unt. D 86
an die Expedition d. Bl. erbeten. (*1249ids Kaufmann
*1628) 19jähriges Mädchen, aus guterlempfiehlt ſich zum Nachtragen von Büchern,
Ausſchreiben von Rechnungen oder auch
zu ſchriftl. Heimarbeit. Gefl. Offert. unter
Stellung für 15. Februar 1910 od. ſpät. als E 1 an die Expedition d. Bl. (*1285ids Dadtechminer aie)
Abſolvent einer Baugewerkſchule, einige
Semeſter Hochſchule, die Zeit her ſelbſtändig
im Baugeſch., ſucht Stellung. Uebernimmt
auch Bauleitung außerhalb. Gefl. Offerten
unt. E 91 an die Exped. ds. Bl. (*1583fs vom Lande,
Anſtändig. junger Mann 21 Jahre alt,
aus gut. Familie, ſucht Beſchäftigung gleich
welcher Art; derſelbe kann gut mit Pferden
umgehen, eignet ſich auch f. ſchriftl. Arbeiten.
Offerten unter E 72 an die Exp. (*1522ds 1664sid) Jg. Mann (Kaufmann) wünſcht
Stellg. als Reiſender od. ſonſt. Vertrauensp.
Gefl. Off. u. F 15 an die Exped. d. Bl. Ma
ruchtiger Techniker,
gel. Bau= u. Maſchinenſchl., ſucht ſofort oder
ſpäter, am liebſten dauernde Stellung. Off.
unt. P 11 an die Exped. d. Bl. (*1655so Junger Schreibgehilfe
(auch Maſchinenſchreiber) ſucht, geſtützt auf
la Zeugniſſe, ſofort oder ſpäter Stellung.
Off. unter F 28 a. d. Expedition. (*1724 Durchaus zuverl. Mann,
27 J. alt, gedient, ſucht dauernde Stellung
als Kaſſier, Bureaudiener od. dergl. Kaution
kann geſtellt werden. Pr. Zeugn. vorhanden.
Off. u. P 7 an die Exped. d. Bl. (*1654

ſucht Stellg. als
Junger verh. Mann Kaſſierer, Haus=
burſche
od. ſonſt ähnlichen Poſten. Kaution
kann geſtellt werden. Gefl. Offerten unter
(*1189oms
D 72 an die Expedition.

Bautechniker
Mehrere Jahre auf hieſigem Architektur=
Büro tätig, mit allen Büroarbeiten u. auf
der Bauſtelle erfahren, zur Zeit in unge=
kündigter
Poſition, ſucht per 1. April ander=
weitige
dauernde Stellung. Offerten unter
F 6 an die Expedition erbeten. (*1638sm

1691) Jung, ſtrebſ., verh. Mann mit
prima Zeugn. u. Ref., ſ. Stell. irg. w. Art.
Offerten unter F 24 an die Exped. ds. Bl.

*1773) Spezereihändler ſucht Beſchäftig=
ung
auf einige Stunden des Tages. Off.
unter F 41 an die Expedition.

(*1445
Solider Mann
mittl. Jahre ſucht Stellung als Einkaſſierer,
Bürodiener od ſonſt. Stelle. Kaution kann
geſt. werden. Off. unt. E 14 an die Exped.

Ich ſuche für meinen Sohn
der bis Oſtern die Primareife und die Be=
rechtigung
zum Einjährigen=Freiwilligen
erreicht hat, paſſende Lehrſtelle. Gefl. Ant=
wort
unter E 79 an die Exped. (*1554dfs

Tar Uberreuischuler
wird kaufmänniſche Lehrſtelle geſucht, ev.
Anwaltsbüro. Off. u. B86 an d. Exped. (*1620si



Mh
Me

1808dfs) Wir ſuchen zum ſofortigen Ein=
tritt
eine durchaus erfahrene und begabte
6
Stenotypistin
Rechtsanwälte
Dr. Bender, Schoedler, Raab,
Kaſinoſtraße 8.

das
ſchon als
Tücht. Mädchen, Verkäuferin in
Schweinemetzgerei tätig war, ſofort eventl.
ſpäter geſucht. Näheres Städt. Arbeits=
(*1238ids
nachweis, Waldſtraße 6.

Fihalag
Tüchiige Verkadferi
für unſere Putz=Abteilung
per Februar geſucht
(1842dsi
Strauss & Mayer, Schulſtraße 8.

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für Soutache und Kurbelſtickerei zum bald.
Eintritt geſucht. Off. m. Gehaltsanſprüchen
bei freier Station und Wohnung an
Hans Evanschitzky,
Sontache und Kurbelſtickerei,
Saarbrücken, Bahnhofſtr. 40.

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und Lehrmädchen
ſucht per 1. März 1910
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gut bezahlte Beschäftigung.
Eichbergs Nachfolger
29 obere Wilhelminenstr. 29.
(1655id

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Rock-Arbeiterinnen
2
für die fein. Damenſchneiderei ſof. od. ſpät.
in dauernde Stellung geſucht.
G. Proeser, Schneidermeiſter
(*1666soi
Schulſtraße 8.

24799a) Modes=Lehrmädchen geſucht
Lina Adler, Mauerſtraße 20.

Mädchen
für leichte Handarbeit geſucht
(1623ids
Liebigſtraße 25, Hinterbau.
Hädchen
für leichte Fabrikarbeit für
dauernd geſucht
(1946
Schuheremefabrik
Pallaswieſenſtraße 153.

Geilbte Büiglerin
geſucht Rückertſtraße 14.
(B1997
fürs Kleidermachen
Lehrmädchen ſucht Therese Merte,
Heidelbergerſtraße 23.
(B1597

(1540
Lehrmädchen gesucht!
sm
Confektion von der Schmitt, Karlſtraße 30, II.
(4
2
Sesuchr

jetzt oder ſpäter zur vollſtändigen Führung
eines ruhigen Haushaltes eine erfahrene
Frau oder Mädchen. Muß richtig kochen
können. Nur ſolche mit guten und mehr=
jährigen
Zeugniſſen wollen ſich melden.
Näheres in der Expedition ds. Bl. (*1484dfs

Ein zuverläſſiges Mädchen,
in allen Hausarbeiten gründlich erfahren,
tagsüber geſucht Mühlſtr. 62, III. (*1595fs

Tüchtiges Mädchen.
das gut kochen kann, per 1. Februar geſucht
Viktoriaſtraße 30, I. (1905a

Gebildete jängere Dame
geſucht als Geſellſchaft u. Unterſtützung
zu älterer Dame. Antworten unt. E 99
an die Expedition ds. Bl.
(*1614fso

1611ids) Für 1. Febrnar ein ſauberes,
fleißiges Mädchen, welches auch etwas
kochen kann, in kl. Haushalt. Lohn 20 Mk.
Heidelbergerſtraße 98, I.
*1674) Reltere, alleinſtehende Frau,
die Liebe zu Kinder hat, kann ſofort gute,
dauernde Stelle bekommen.
Zu erfragen Wendelſtadtſtraße 47, part.
Vom Lande bevorzugt.

Haushälterin
zu einem Witwer mit 1 Kind geſucht.
Später Verehelichung nicht ausgeſchloſſen.
Off. mit Gehaltsanſprüchen unter F 18
befördert die Exped. ds. Bl.
(*1668
(
Zuverläſſiges, ordentliches
Kindermädchen
zu einjährigem Kind per 1. März bei
gutem Lohn geſucht. Offerten unter
F 13 an die Exped. d. Bl. (1948
Pich Grſtcht ſonn ein
junges, ſauberes Mädchen
für vormittags Inſelſtraße 42, I.

1972) Tücht. Alleinmädchen, ſelbſt. im
Kochen, zu kl., feiner Familie per ſof. nach
Frankfurt geſucht. Hoher Lohn. Näheres
Stellenbüro Hahn, Schuchardſtraße.

168730) Mädchen mit guten Zeuniſſen
erhalten die beſten Stellen, Mädchen, wel=
ches
kochen kann, zu 2 Leuten u. einer Dame
Frau Neßling, Ludwigſtraße 8.

*1649so) Geſucht per 1. Febr. eine unabh.,
ſaubere Lauffrau (Mädchen) für morgens
3½10 Uhr. Näheres in der Exped. d. Bl.
au

ruchtige Kochin
verſehen mit guten Zeugniſſen zu kinderl.
Ehepaar in London geſucht. Näh. Anna=
ſtraße
55 zwiſchen 11 u. 12 Uhr=vorm. (*1619so

[ ][  ][ ]

Nummer 18=

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910

Seite 15.

Per 1. resp. 15. Februar er.
tüchtiges, fleißiges Mädchen für
kinderloſen Haushalt, das auch kochen
kann, bei höchſtem Gehalt geſucht
Viktoriaſtr. 43, II. Etage. (*1653so
e
Zum 1. Februar ſauberes,
tüchtig. Hausmädchen geſucht,
welch. auch koch. kann, in kindl. Haush. Vor=
zuſt
. 24 Uhr nachm. Viktoriastr. 75, I. (*1648so
44e
Heg
Slüße Gesuchf
für größeren Haushalt mit 2 Kinder. Muß
in Hausarb., ſowie Näharbeiten bew. ſein.
Offerten unt. P 2 an die Exped. (*1634
Nähe an
von morgens bis
1 Madchen nachmitt. geſucht
*1539) Bleichſtraße 51, Friſeurladen.
Ein junges, braves, Mädchen
fleißiges
per 1. Februar geſucht (wenn auch noch
nicht gedient) Neue Ireneſtr. 70, 1. (*1718
fpau geſucht von 710 vorm.,
Monatsn au 24 Uhr nachmittags
Reſtauration Alexandereck. (*1727

.Köchim in gutes Haus,
Stellen finde
,
Alleinmädchen, die
kochen und nicht kochen können, in Privat=
und Geſchäftshäuſer.
(*1733
Stellenbüro Nösinger, Magdalenenſtr. 21.
für ſofort oder 1. Februar
6
Gesücht ein Mädchen, welches bürger=
lich
kochen kann. Kindermädchen vor=
handen
. Heinrichſtraße 162. I. (*1736oimd

per 1. Februar oder ſpäter ein
Gesucht ſolid., geſundes, tücht. Allein=
mädchen
a. l. von auswärts, gut empfohl.
in kl. Haushalt Moſerſtraße 2, I. (B2024
(174,
Als Stutze der Hausfrau
wird ſauberes Mädchen geſucht, das ſich
aller Hausarbeit unterzieht und im Ge=
ſchäft
mit tätig ſein kann. Offerten unter
F 26 an die Expedition ds. Bl. (*1710

Zaf!
Sesucht

Köchinnen, Hausmädchen, tücht. Allein=
mädchen
, in Herrſchafts=, Privat= und
Geſchäftshäuſern.
(*1767
Frau Mina Dingeldein, Stellenverm.
Schützenſtraße 10½, Telephon 531.

*1744soi) Per 1. Februar ein Mädchen
geſucht Waldſtraße 55.

1752) Aeltere perſelte Köchin in Herr=
ſchaftshaus
, ſowie älteres Alleinmädchen
in kleines Privathaus zum 1. Februar
oder ſpäter geſucht Stellenbüro Schulz,
Schulſtraße 3.

*1753) Köchin., Haus= u. Z mmermädch.
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Bureau Beck, Eliſabethenſtr. 45.
*1768) Laufmädchen, 1416jähr., geſucht
von 8½il Uhr Viltoriaplatz 1. III.
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den Abendſtunden geſucht. Kenntniſſe in
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ſpäteſtens 1. April ds. Js. für dauernd
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[ ][  ][ ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Nummer 18.

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Kurſe vom 21. Januar 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Bf. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,80
3½ Deutſche Reichsanl. 94,20
85,40
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,90
3½ do. Conſols . . . . 94,20
85,30
8 do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 102,25
94,00
do.
8½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanl . 102,60
93,60
do.
3½
83,90
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 101,90
4 Heſſ. Staatsanleihe . 101,80
3½
do.
82,40
do.
85,00
Sächſiſche Rente .
4 Württemberger v. 1907 102,00
3½
94,00
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,50
4¾ Griechen v. 1887 . . 47,90
3¾ Italiener Rente . . . 104,60
4½ Oeſterr. Silberrente . 99,00
do. Goldrente . . 99,90
do. einheitl. Rente 95,00
Portug. unif Serie I 64,60
do. unif. Ser. III 65,50
Spezial.
do.
3
5 Rumänier v. 1903 . . 102,20
do. v. 1830 . . 94,80
v. 1905 .
do.
4
4 Ruſſen v. 1880 . ; 91,70

InProt.
Sf.
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 91,40
½ do. v. 1905 . . . . 99,70
. 94,50
Schweden . . . . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,00
Türk. Admin. v. 1903 88,60
4 do. unifiz. v. 1903 94,70
4 Ungar. Goldrente . . 96,50
4 do. Staatsrente . 92,70
5 Argentinier . . . . . . 101,50
99,80
do.
4
4½ Chile Gold=Anleihe 93,50
5 Chineſ. Staatsanleihe 103,00
99,90
do.
4½
4½ Japaner . .
.. . 97,50
Innere Mexikaner . . 100,80
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 95,50
5 Gold=Mexikaner . . .
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . . 134,70
4 Nordd. Lloyd . . . . 102,75
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 120,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 600
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 117,00
4 Gotthardbahn . . . .

In Proz.
51.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 161,60
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 23,50
4 Pennſylvania R. R. 132.00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 196,00
Werger=Brauerei .
80,00
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 432,50
Fabrik Griesheim . . . . 202,00
Farbwerk Höchſt . . . . . 451,00
Verein chem. Fabriken
Mannheis . . . . . . . 333,00
Lahmeyer . . . . . . . . . 107,30
Schuckert . . . . . . . . . 138,00
Siemens &e Halske . . . 243,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 377,00
Bochumer Bb. u. Guß . . 251,80
Gelſenkirchen . . . . . . . 221,30
Harpener . . . . . . . . . 213,50
Phönix, Vergb. u. Hütten=
betrieb
. . . . . . . . . 224,30
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 90,90
Pfälzer Prt. . . . . . 100,90
do.
93,60
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
do.
ſteuerfrei .
4
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
99,50
do.
3
alte .
5 Oeſterr. Südbahn . . 102,60
do.
do.
59,70
3 Raab=Oedenburger . . 76,10
4
Ruſſ. Südweſt. . . . . 88,50
4 Kronpr. Rudolfbahn . 99,50

In Proz.
S7.
2¾/10 Livorneſer . . . . . . 75,70
Miſſouri=Paciſic . .. 82,00
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,50
5 Anatoliſche Eiſenb.. .
5 Tehuantepec . . . . . 102,70
Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ. 184,40
4 Darmſtädter Bank . . 138,90
Deutſche Bank . . . . 257,30
4 Deutſche Vereinsbank 128,00
4 Diskono=Geſellſchaft . 198,10
4 Dresdner Bank . . . . 164,20
4 Mitteldent. Kreditbk. 120,25
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 130,90
4 Pfälzer Bank . . . . . 100,80
148,50
4 Reichsbank . . . .
Rhein. Kredit=Bank 136,75
4
4 Wiener Bank=Verein 139,10
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,30
3½ do.
S. 19 . . . . . 92,80
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 101,00
do.
91,50
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,60
Meining. Hyp.=Bank 101,00
3,
do.
4 Rhein. Hppoth.=Bank
(unk. 1917) 100,80
3½
do. (unk. 1914) 91,80
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,40
95.
3½
94.00

InProz.
Sf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt . . . . . . 100,60
3½ do.
4 Frankfurd . . . . .. . 101,10
96,00
do.
3½
Gießes . . . . . . . . 100,80
3½ do.
4 Heidelberg . . . . . . 100,50
do.
3½
92,00
Karlsruhe . . . . . . 101,10
do.
3½
92,60
4 Magdeburs. . . .. .
.
3½
-
4 Mainz . . . . .. .
-
3½ do.
Mannheiz . . . . . . 101,20
do.
92,10
20
München . . . . . . . 100,50
3½ Nauheim
92,00
4 Nürnberg. . . . . . . 101, 10
3½ do.
93,00
4 Offenbach . . . . . . . 100,50
do.
3½
92,00
Wiesbaden . . . . . . 101,10
do.
Worms . . . . . . . .

4 Liſſaboner v. 1886. .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche
Tlr. 100 158,50
3½ Cöln=Mindner 100 137,50
Donau=Reg. fl. 100
3 Holl. Komm. 100 108.30

Sl.
InProz.
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.= Pfand=
briefe
. . . .
137,10
,
4 Oeſterr. 1860er Loſe 175,00
3 Oldenburger . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 113,40
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
Braunſchweiger Tlr. 20 223,40
Freiburger
Fs. 15
Mailänder
Fs. 45
Fs. 10
do.
Meininger
fl. 7 40,60
Oeſterreicher v. 1864 100 572,00
do. v. 1858 100 465,50
Ungar. Staats
100 373,00
Venediger
Frs. 30
Türkiſche
400 183,60
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,40
20 Franks=Stücke . . . . 16,25
Oeſterr. 20=Kronen . . . . 16,90
Amerikaniſche Noten . . . 4,19
Engliſche Noten . . . . . 20,42½
Franzöſiſche Noten . . . . 81,25
Holländiſche Noten . . . . 168,60
Italieniſche Noten . . . . 80,90
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten . . . . . . 215½
Schweizer Noten . . . . . 81,10
Reichsbank=Diskonto . .
4%
Reichsbank=Lombard ZsI. 5%

[ ][  ][ ]

3618.

Samstag, 22. Januar.

1910.

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Seite 19.

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Seite 20

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

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[ ][  ][ ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Nummer 18,

Zu haben in den einschlägigen durch
Plakate kenntlich gemachten Geschäften.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)

Freud und Leid. Die Tragödie der Schweſter Hertha.
Schuld und Sühne‟. Neue Vergnügungen.
Das Ballfeſt der Blumen. Ein Schriftſteller=Ball.
Aus den Konzertſälen. Lorbeeren und Diſteln.
In der Urania‟.
Freud und Leid ſind ja treue Geſchwiſter, aber
nirgends findet man ſie ſo eng vereint als in der Welt=
ſtädt
. Hier prallen ja oft genug die Gegenſätze herb
anfeinander und häufig miſcht ſich in frohes Lachen
wehes Weinen. So drang dieſer Tage in das helle
Schellengeklapper des Prinzen Karneval die düſtere
Klage um ein jäh dahingeſunkenes, junges Menſchen=
leben
. Das tragiſche Ende der Schweſter
Hertha wird hier allgemein beſprochen und lebhaft
erörtert, wobei man heftige Kritik übt an dem Verhal=
ten
der Leitung des Virchow=Krankenhauſes, das über=
haupt
in den letzten Jahren mehrfach, und nicht immer
zu ſeinem Vorteil, die Oeffentlichkeit beſchäftigt. Da=
iſt’
ein lebensfrohes, gebildetes, pflichterfülltes Mäd=
chen
, welches ſich ohne materiellen Zwang, nur aus
innerem Trieb, dem ſchweren Beruf einer Kranken=
ſchweſter
gewidmet, mit aufrichtiger Hingebung, voll
Luſt und Eifer die in einem Krankenhauſe wahrlich
nicht leichten Gebote der Nächſtenliebe erfüllend. Nach
übereinſtimmenden Berichten verging ſich Schweſter
Hertha ſo furchtbar, daß ſie kürzlich abends zuſah, wie
zwei Probeſchweſtern und eine Lehrſchweſter ſich einen
aus den Krankenſälen zurückgekommenen, alſo übrig
gebliebenen kleinen Reſt Braten nach anderen Mit=
teilungen
handelte es ſich überhaupt nur um etwas
Tunke teilten und daß ſie ſelbſt mit Brot ein bißchen
Sauce nahm. Gut, das mag ein Vergehen geweſen
ſein gegen die mit Recht ſtrengen Vorſchriften der An=
ſſtält
, aber war es denn uun ſo arg gefehlt, daß, nach=
dem
einige Wochen ſpäter eine Anzeige aus Rache er=
folgte
, jene drei Schweſtern ſofort entlaſſen wurden.
man Schweſter Hertha ihres Amtes enthob, bis die
Krankenhausdeputation über ihr Verbleiben oder ihre
Entlaſſung entſchieden, und ihr bei dem gemeinſamen
Mittagstiſch ein offizieller Verweis erteilt ward, was
ſie gewiß als härteſte Strafe empfunden. Schutz= und
hilflos waren jene drei Schweſtern, die zuſammen ge=
rad’
zehn Mark beſaßen, auf die Straße geſetzt und
wurden vor Hunger und ſonſtigen Entbehrungen nur
durch eine ſchnelle Geldſammlung der übrigen Schwe=
ſtern
gerettet, denn wo ſie um eine Stellung anpochten,
wies man ſie ab, ſoll doch die Direktion auf Anfragen
um Auskunft geantwortet haben: Wegen grober
Dienſtverletzung entlaſſen. Schweſter Hertha konnte

die Kränkung nicht überwinden, eine ſtarke Doſis
Morphium ließ ſie den ewigen Schlaf ſuchen und fin=
den
, eine junge, verheißungsvolle Menſchenblüte ward
durch rauhen Lebensfroſt geknickt. Und der Lebende
hat recht in dieſem Falle hat man auch der Toten
recht gegeben, leider zu ſpät.
Die Lebenden haben allerdings recht, ſich des
Daſeins zu freuen, zumal, wenn es ſie ſo heiter an=
lächelt
, wie auf dem Ballfeſt der Blumen in den
Hallen am Zoologiſchen Garten. Man iſt glücklicher=
weiſe
des trockenen Tones ſatt geworden, der bisher
vielfach auf unſeren großen öffentlichen Feſten geherrſcht,
ſo nach Schema Abe, und bringt mit Erfolg jetzt
Eigenart und Farbe und damit zugleich Stimmung in
die feſtlichen Veranſtaltungen großen Stils hinein. Das
bewies ſchon neulich das gelungene Goethefeſt des
Deutſchen Lyceum=Klubs und das zeigte anch jenes zum
Beſten des Sänglingsheims Weſtend ſtattgefundene
Blumenballfeſt, das gewiß einen reichen Ertrag abge=
worfen
, denn es war kunffig voll, aber in dieſem Ge=
wühl
holder, lockender Erſcheinungen ließ man ſich
ſchon ganz gerne knuffen! In der Tat, es zeigte ſich
von neuem, über welch reizenden Mädchenflor Berlin
verfügt, wenn es nur will! Soviele ſchöne und an=
mutige
, mit erleſenem Geſchmack gekleidete weibliche
Geſtalten hat man ſeit langem nicht beiſammen geſehen,
wie an dieſem, bis zum granenden Morgen
danernden Abend. Sehr hübſch im Charakter des
Ganzen war der Rieſenſaal ausgeſchmückt mit Blumen=
und Tannengirlanden, mit Velarien und Teppichen,
zahlloſe Blumenzelte waren von den Patroneſſen des
Feſtes errichtet und wurden in ihnen ſeitens der letz=
teren
Erfriſchungen ausgeteilt. Gold ward nicht
ungern entgegengenommen, ſelbſt nicht im Diſtelzelt=
der
Gräſin Schlippenbach und dito der aus gleißendem
Goldregen errichteten Laube der Gräfinnen Matuſchka
und Stillfried. Eine ſtattliche Reihe junger Damen
war in gewählten Blumentrachten erſchienen, ein volles
Hundert vereinte ſich auf der Bühne, erwachte durch die
Klänge der Muſik aus tiefer Ruhe zu heller Lebens=
freude
und führte einen graziöſen Reigen auf, der
ranſchenden Beifall fand.
Eine ſchon im vergangenen Jahre glücklich durch=
geführte
Idee wiederholten diesmal mit gleichem Er=
folge
unſere Kollegen vom Berliner Schrift=
ſteller
=Klub, indem ſie eine längere Pauſe im
heiteren Ballgetriebe durch eine Schlager=Revue
ausfüllen ließen. Um Mitternacht ſtrömten die Ball=
gäſte
aus dem Mozartſaal in den anſchließenden
Theaterraum des Neuen Schauſpielhauſes und folgten
frendig all jenen Drollerien, die ihnen auf der Bühne,
von den beliebteſten Mitgliedern unſerer der heiteren
Muſe gewidmeten Bühnen dargeboten wurden, wobei
ſich der Graf von Luxemburg zur Geſchiedenen
Frau geſellte beim Schimmer der Ewigen Lampe‟
Wie ſehr ſich Berlins gutes winterliches Vergnügungs=
programm
erweitert, bewies auch dieſes ſehr gelungene
Feſt, denn vor wenigen Jahren gab es nur eine einzige
derartige literariſche Vergnügung, den noch immer an
der Spitze ſtehenden Ball des Vereins Berliner Preſſe,
heute haben wir deren vier oder fünf, und alle erfrenen
ſich regſten Beſuches und erwecken allgemeines
Intereſſe.
Wie es vielen ſchwer ſein mag, bei den Feſten die
richtige Auswahl zu treffen, ſo auch bei den Konzer=
ten
, deren Zahl gleichfalls von Jahr zu Jahr anſchwillt
in beängſtigender Fülle. Man fragt ſich ſtets von neuem,
wo denn das Publikum oder, wie einſt ein bekannter
Mime ſich gewählt ausdrückte: die Publikümmer
hertommen ſoll, um all die ſehnenden Wünſche der
Konzertierenden nach vollen Sälen und ermunterndem
Beifall zu erfüllen. Auch hier glauben ſich viele berufen
und ſind nur wenige auserwählt; dieſen werden ge= und güldene Lorbeeren zuteil, den erſteren Ent=
täuſchungen
und Koſten. Der große Saal der Phil=
harmonie
war kürzlich bis zum letzten Plätzchen
gefüllt, als Frau Lilli Lehmann ihren zweiten
Liederabend gab, und der Jubel zum Schluß wollte
kein Ende nehmen. Wie dieſe erleſene Meiſterin noch
zu ſingen verſteht, iſt bewundernswert, ſelbſt einzelne
Manieriertheiten nimmt man willig mit in den Kauf,
da man für ſie ja gleich darauf reich entſchädigt wird.
Leider war das Programm diesmal etwas einſeitig zu=
ſammengeſtellt
, drei Moderne: Weingärtner, Richard
Strauß und Hugo Wolf, und das Meiſte dieſes Trips
war auf Dunkel geſtimmt. Nicht minderen Beifall
einer dichten Zuhörerſchar erntete Willy Bur=
meſter
mit ſeinem letzten populären Konzert in der
Philharmonie; Bruch, Tſchaikowsky, Mendelsſohn ge=
langten
zu Gehör, die ſaubere Schnlüng des trefflichen

Violiniſten wurde ihnen durchaus gerecht. Eugen
Yſaye wirkte an der gleichen Stelle in glänzender
Weiſe in dem von Arthur Nikiſch dirigierten
ſechſten Philharmoniſchen Konzert mit und begeiſterte
durch das Vieuxtempsſche Violinkonzert. Zur innigen
Genugtnung aller war auch hier Mendelsſohn, mit der
Onvertüre Meeresſtille und glückliche Fahrt, und
Tſchaikowsky, mit ſeiner F-moll=Symphonie, ein Ehren=
platz
eingeräumt. Der Geſellſchaft der Muſil=
freunde
, die vor zwei Jahren begründet ward, um
durch Einſtudierung ſelten gehörter oder neuer Werke
wichtige Lücken auszufüllen, verdanken wir eine er=
hebende
Aufführung des Verdiſchen Reqniems, bei der
Oskar Fried als Dirigent alle Schwierigkeiten
mnſterhaft überwand und uns einen reinen, lang nach=
hallenden
Genuß verſchaffte. Das war auch bei dem
kürzlichen fünften Geſellſchaftskonzert jener Vereini=
zung
der Fall mit der Darbietung der Hayduſchen
Midi=Symphonie, die einen berückenden Reiz ausübte.
Von Gnſtav Mahlers Nachtmuſik dem vierten Satz
ſeiner 7. Symphonie, und Konrad Anſorges Tondich=
tung
für Orcheſter und Tenorchor Ausſöhnung kann
man das nicht behaupten. Beides iſt ſchon Ueber=
Straußiſch und hinterläßt ſehr gemiſchte Gefühle, bei
denen ein harmoniſcher Eindruck ausgeſchloſſen iſt.
Wer genug hat an=Tanz=und Spiel, an Sang und
Klaug, wen es gelüſtet, dem lärmend=ruheloſen Berlin
zu entfliehen, wenn auch nur auf eine ganz kleine
Spanne Zeit, ohne daß er tief in den Geldbeutel zu
greifen braucht, dersmag jetzt die Urania aufſuchen,
um ſich am Firnenglanz des Ober=Engadin
zu erfrenen und zu erquicken. Vom Bodenſee aus ge=
langen
wir mittels der neuen Albulabahn in die win=
terliche
Alpenwelt hinein, nach Davos und St. Moritz,
die Gletſcher des Bernina nehmen uns in ihren Bann
und wir ruhen dann aus in der Frühlingspracht des
Crmer Sees
die gewaltigen farbigen Lichtbilder
und Wandelpanoramen ſind ſo künſtleriſch u. naturgetreu,
daß man oft den Schein für das Sein nimmt und die
bald lauten, bald verhaltenen Ausrufe des Entzückens
der Umſitzenden wohl verſteht.

Sport.

Fußball. Sonntag nachmittag ſtehen ſich auf
dem Olympia=Sportplatz an der Heidelbergerſtraße die
1. Mannſchaften des V. f. B. Union=Mannheim
und des F.=K. Olympia=Darmſtadt 1898 in
dem fälligen Ligaſpiel (Klaſſe A) um die Meiſterſchaft
des Weſtkreiſes gegenüber. Das Vorſpiel endete
ſeinerzeit mit 111 nnentſchieden.
F.=K. Germania 1909. Sonntag ſtehtdie
1. Mannſchäft des F.=K. Germania der gleichen des
F.=K. Teutonia=Pfungſtadt 1906 im Retourſpiel in
Pfungſtadt gegenüber. Die 2. Mannſchaft ſteht der 1.
des F.=K. Olympia=Bickenbach auf dem hieſigen Exer=
zierplatz
im Vorſpiel gegenüber.
sr. Im Schach=Weltmeiſterſchaftskampf
Lasker=Schlechter mußte die vierte Partie aber=
mals
abgebrochen werden. Bisher iſt es keinem der
Meiſter gelungen, einen weſentlichen Vorteil zu er=
ringen
, ſodaß dieſe Partie in ziemlich gleicher Stel=
lung
nach dem 57. Zuge zum zweiten Male unter=
brochen
werden mußte.

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Anerkennung beruhen aufsihrer leichten
Verdaulichkeit, ihrem
Wohlgeſchmack
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Seite 23.

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Jahr neu aufgenommen sind und bald aufgestellt werden müssen.
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Darmſzädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Seite 24

Nummer 18.

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[ ][  ][ ]

Samstag, 22. Januar.

1910,

6
Café Mecropol.
Täglich Konzert
(*17.
des Wiener Damen-Orchesters, Dir. Jenny Lerch.
Sonntags 2 Konzerte, 4 und 8 Uhr.
Eintritt frei.
Programm 10 Pfg.

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Morgen Sonntag verschiedenes Geflügel, Fische, Braten,
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Die meisten Speisen werden sofort serviert. Nach Theater und Konzerten stets warme Küche.
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Eise Von 4Uhr ab Tanzkranzchen imweisseh Sddt.
Eintritt frei.
*1665)
Dienstbach.

Gasthaus Stadt Nürnberg‟.
Samstag, den 22. und Sonntag, den 23. ds. Mts.
Kappen-Abend mit humorist. Konzert.
Es ladet ergebenſt ein
(*1761
Franz Schmitt, Gastwirt.
Ha
Konzerthaus Kratsch Landwehrstrasse 26
: Konzessioniertes Variété.:
Heute Samstag, 8 Uhr (Eintritt frei), Sonntag, 4 und 8 Uhr
Nur 3 Gastspiele!
Zum ersten Mal hier!
Das erstklassische humoristische Varlété-Trio!
Dir. Hansi und Abert Burck.
(*1772

Kriegerkameradschaft Germania
Darmstadt.
Samstag, den 22. Januar 1910, abends 8 Uhr:
Fetegekolor En
OP Keni
Geburistassteter St. Maj.des beutschen Kuisers
im Saale der Ludwigshalle (Obergaſſe 12), beſtehend in Konzert,
humoriſtiſchen Vorträgen, Tanz uſw., wozu wir unſere Kame=
raden
ſowie deren Angehörige freundlichſt einladen.
(1992
Orden u. Ehrenzeichen ſind anzulegen.
Der Vorstand.

7
Ludwigshone.
Sonntag, den 23. Januar 1910:

KONZER
der Kapelle des Leibgarde=Regiments
(Größerer Teil derſelben)
(B2000
unter Leitung des Obermuſikmeiſters Hauske.
Aus dem Programm: Ouvertüre zu Zampa von Herold; Fantaſie aus
Das Heimchen am Herd von C. Goldmarck: 9. Violinkonzert von Beriot, vor=
getragen
von Herrn Ludwig; Chor der Friedensboden aus Rienzi von R.
Wagner; Melodienſtrauß aus Mamſell Angott von Eh. Leeveg u. a. m.
Anfang 4 Uhr.
Eintritt 25 Pfg.



Aar altenf 6.0
Sonntag, den 23. Januar 1910
Grosses karnevalistisches Konzert
in sämtlich närrisch dekorierten Räumlichkeiten.
Ausſchank eines vorzüglichen Union=Bockbieres (dunkelh.
Reichhaltige Speiſekarte.
(*1741
Es ladet ergebenſt ein
J. Hofmann.

Restauration Frische Quelle‟ (Insel)
Sonntag, den 23. Januar,

Kappen-Abend
S
&

mit karnevalistischem Konzert
(*1745
nachmittags von 1 Uhr an. Es ladet ergebenſt ein
W. Hommer.
4a

B
Sanz=unstitut b. Volkert.
Einladung
zu dem am 5. Februar 1910 im Konkordiaſaale, Waldſtraße 33, ſtattfindenden

Askei-Ban

ſind meine Schülerinnen und Schüler, ſowie vorjährige Schüler und deren Angehörige
und Bekannte freundlichſt eingeladen.
H. Volkert, Tanzlehrer,

Elisabethenstrasse 52.

Elisabethenstrasse 52.

Karten à Perſon 1.50 Mk., Familienkarten (3 Perſonen) 3.50 Mk., können jeder=
zeit
in meiner Wohnung in Empfang genommen werden.
(*1765

Gehrock-
Anzüge

Frack-
Anzüge

Smoking-
Anzüge.

Weisse
Westen

Farbige
Westen

Einzelne
Beinkleider

(Spezialabteilung und eigene Werkstätte für Anfertigung nach Mass.)

u2

5
Ludwigsplatz
Ecke Schulstrasse

[ ][  ][ ]

Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Nummer 18,

Die Karneval-Gesellschaft

WnAELA

veranstaltet am Sonntag, den 23. Januar, abends 8 Uhr 11 Minuten, in der Narrhalla am Woogsplatz
das erste große Musik- und Gesangsfest der Residenz mit Ball.
Es werden die besten hiesigen Büttredner, erste Karnevalkünstler von
Mainz u. 6. w. auftreten, gemeinsame Lieder gesungen und reizende
Schaunummern geboten werden. Die Veranstaltung soll ein
Neuartiges populares Karnevalfest vornehmen Stils
werden. Musikalischer Teil: Kapelle WEBER (Feldart.-Regt. 6t).
Karten im Vorverkauf à 50 Pfg. im Verkehrsbureau, bei E. Wetzstein (Gg. Hof),
Untere Elisabethen- und Grafenstrasse und beim Hausmeister der Turngemeinde.
Der grosse Rat.
Num, Plätze à 1. Mk, nur bei Otto Titze (Glock’s Hutmagazin), Elisabethenstrasse 4.

Darmstädter Streich-Quartett.
Fr. Mehmel, A. Diedrich, Fr. Brückmann. A. Weyns.
Il. Nammermusin-Abend
Montag, 24. Januar, 8 Uhr abends, im Hotel zur Traube.
Programm: Streichquartette v. Haydn: op. 33, Nr. 3 C-dur (Vogel-Quartett),
Mozart: K. V. Nr. 387, G-dur, und Beethoven: op. 95. F-moll.
Karten zu Mk. 3. und Mk. 2. (Stud. und Schüler Mk. 2. und Mk. 1.50)
in der Hofmusikalienhandlung von Georg Thies Nachf, (Leopold Schutter) und an
der Abendkasse.
(1922

J,
Turngemeinde Bessungen
eingetragener Verein, gegründet 1865
Vereinshaus Heidelbergerſtraße 131.
Unser diesjähriger BAL
findet Samstag, den 5. Februar 1910, ſtatt. (*1621
Masken haben Zutritt.
Anfang 8 Uhr 11 Minuten.
Der Vergnügungs-Ausschuss.

6
AF
Gesangverein Sängerlust
Inhaber der Medaille für Kunſt und Wiſſenſchaft.
Dirigent: Muſikdirektor Bartke Gegr. 1849.
Samstag, 29. Januar, Anfang 8 Uhr

Grosser Masken-Ball
.
im Mathildenhöhsaale.
Für Nichtmitglieder ſind Karten erhältlich im Vorverkauf bei: Friſeur Hch.
Schnebele, Schuſtergaſſe 19, Kaufmann Bernh. Drechsler, Liebfrauenſtraße 63 und
Verkehrsbüro, Ernſt=Ludwigplatz, pro Perſon 1 Mk.
(1954ss
Maskenkarten für Mitglieder unentgeltlich bei Ludw. Schramm, Schuchardtſtraße 4.
NB. Sonntag, 30. Januar, nachmittags 4 Uhr, Nachfeier auf dem Heiligen Kreuzberg.
Der Vorſtand.

26
Club Fröhlichkeit, Darmstadt.
Samstag, den 22. Januar 1910, abends 8 Uhr
in den
(1975
Räumen des Hugenschütz-Felsenkeller
Grosser pompöser
enbat
Ius
mit Preisverteilung
an die ſchönſte Damen= und originellſte Herrenmaske.
Eintritt: Herrenmaske 1. Mark, Damenmaske 50 Pfennig,
Nichtmaske 25 Pfennig.
Das Komitee.
Achtung!
Achtung!

64
Restauration Sonne , Luisenstrasse 6
den
Sonntag, 23. Januar grosses Konzert!
Anfang 4 Uhr.
Josef Stocker.
(*1677)

Kriegerveren Barmstadt.
Schutzherr: Seine Königl. Hoheit der Großherzog Ernſt Ludwig.
Feier des Allerhöchſten Geburtstages
Seiner Majeſtätdes Kaiſers
Samstag, den 29. Januar 1910, abends 8 Uhr,
im Städtiſchen Saalbau
beſtehend aus: Prolog, Feſtanſprache (gehalten von dem Kame=
raden
Herrn Pfarrer Vogel), Konzert und Tanz unter gütiger
Mitwirkung des Fräulein Becker und der Herren G. Jöckel,
W. Jöckel und Roth.
Zutritt haben nur die geladenen Ehrengäſte, unſere Ehrenmitglieder und unſere
Mitglieder nebſt ihren Familienangehörigen.
Fremde Perſonen, welche durch Mitglieder eingeführt werden wollen, müſſen am
Saaleingange den hierſelbſt anweſenden Vorſtandsmitgliedern Herrn Zöller und
Herrn Kammer vorgeſtellt werden.
Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt.
Das Vorausbelegen der Plätze iſt nicht geſtattet.
(1996sf
Orden=, Ehren= und Verbandsabzeichen ſind anzulegen.

Der Vorstand des Kriegervereins Darmstadt.

Fussballwettkampf
Union‟Mannheim I Olympia‟ Darmstadt!
(Ligaspiel in Klasse A)
(1938
am Sonntag, den 23. Januar, nachm. ½3 Uhr
auf dem Olympia-Sportplatz an der Heidelbergerstr.

Städtischer Sadiau
Sonntag, den 23. Januar, abends 8 Uhr

grosses

Karnevalistisches Konzert
der Kapelle des Leibgarde-Regiments
Persönliche Leitung: Obermusikmeister Hauske.
Tanz im Gartensaal.
Neue Lieder :: Abwechslungsreiches Programm.
Eintritt 40 Pfennig.
Eintritt 40 Pfennig.

(1921

[ ][  ][ ]

Nummer 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

Seite 27.

Meidhanen=Auskenbait

am

im

Samstag

29. Jan. Schatzenhe

Kriegerverein Darmstadt.
Haupt-Versammlung
Mittwoch den 2. Februar 1910, abends ½9 Uhr
in dem Vereinslokal in der Turnhalle am Woogsplatz.
Tagesordnung: 1. Geſchäftliche Mitteilungen. 2. Jahresbericht. 3. Jahresrechnung.
4. Vorſtandswahl. 5. Wahl der Rechnungsprüfer. 6. Wahl des
Schiedsgerichts. 7. Wahl des Fahnenträgers u. der Fahnenbegleiter.
(2006a
8. Bücherausgabe.
Der Vorstand des Kriegervereins Darmstadt.

Darmſtädter Hansornherotien &..
Büro Wilhelminenſtraße 19, I.
Montag, den 24. Januar, 8½ Uhr abends,
Wirtschaft Sitte, Karlstrasse 15, gelber Saal, 1 Tr.
Versammlung der Mitglieder
zur freien Beſprechung verſchiedener für Hausbeſitzer wichtige Fragen, beſonders
Steuererhöhung, Gemeindesteuervorlage.
Alle Hausbeſitzer und Hausbeſitzerinnen Darmſtadts auch Nichtmitglieder
ſind hierzu freundlichſt eingeladen.
(1995so
Der Vorstand.

Hotel zur Traube
im Grossen Saal, Darmstadt, Eingang Louisenstr.
Mittwoch, den 26. Januar, abends 8 Uhr
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Nur für Damen!
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Berlin, hält einen wissensohaftlichen Vortrag mit
Demonstrationen am lebenden Modell
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Kichard wagner-verein Darmstadt.

Die Ordentliche Hauptversammlung
des Vereins für das Jahr 1910 wird Montag, den 31. Januar 1910
abends 6 Uhr pünktlich, im Alpenvereinszimmer des
(1994
Kaisersaals‟ mit folgender Tagesordnung stattfinden:

1. Jahresbericht des Vorsitzenden.
Rechners. 3. Neuwahl des Vorstandes.
die vorliegenden Anträge.

2. Rechnungsablage und Entlastung des
4. Beratung und Beschlussfassung über
Der Vorstand.

(666
inbegena
Bezirnsveren- Vantstauf
Montag, den 24. Januar 1910, abends 9 Uhr,
General-Versammlung
im hinteren Sälchen der Brauerei Zur Krone.
Wir nehmen Bezug auf die unſeren Mitgliedern überſandten Einladungen und
(1993
bitten hiermit nochmals um recht zahlreiche Beteiligung.
Der Vorstand.

BAuER. GRÜHWKLD
(CRAND HCIEI OITAUE

55

VEnEDlG

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Falsche Schönheit
D. Wunst d. pflegewahrer Frauenschönheit
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genommenen
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fahrungen
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Schönheit und Frauengesundheit bisher unbeachtete, ver-
blüffend
wirkende Tatsachen bieten!
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(1923

Vortrag.
Dienstag, den 25. Januar, abends 8¼ Uhr
2
im Fürstensaale‟, Grafenſtraße 20.
Thema: Warum finden so viele
(0
Kerbenteldend
keine Heilung.
Inhalt: Ursache und Erscheinungskormen der Vervosität. Das Wesen
der körperlichen und seelischen Störungen. Wie kann der Ver=
vöse
seinen eigenen Zustand beurteilen? Welchen Einfluss
und welche Rücksicht muss die Umgebung ausüben? lst
jeder Dervöse heilbar? Welche Wege führen zur Heilung
und welche Fehler werden gemacht? Wie kann man er=
kennen
, in welcher Richtung eine Behandlung für den be=
treffenden
Fall zu kühren ist? (Ueber dieſen Punkt werden
nach dem Vortrag die Demonſtrationen Aufklärung geben)
Nach dem Vortrag Demonſtrationen u. Fragebeantwortung.
Referent: E. Kampmann, Frankfurt a. M.
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Seite 28.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Januar 1910.

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nochmals nach der Adreſſe zu
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Antwort erwünſcht wird. (*1640

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VORlRAG.
Der Reisebrief des Christentums.

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verheiraten, mittlerer Beamter bevorzugt,
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unter M 80 hauptpoſtlagernd.
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B2001) Empfehle mich im Flicken u. Aus=
beſſern
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ſchaftl
. erzogen, tadelloſ. Ruf, 170000 Mk.
Vermögen, davon 85000 Mk. Mitgift, ſucht
Lebensgefährten. Bewerber, die nicht nur
des Geldes wegen zu heiraten denken, wollen
nichtanonyme Offerten ſenden unter Ideal
poſtlagernd Berlin NW 7.
(2016

Ein beſſeres ev. Dienſtmädchen mit etwas
Verm. wünſcht, da ihr ſonſt wenig Ge=
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geboten, auf dieſem Wege mit
ſolidem Herrn in ſicherer Stellung zwecks
ſpäterer Heirat
bekannt zu werden. Offerten unter E 96
an die Exped. Anonym zwecklos. (*1624

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Ver. Geitat

Für eine Anverwandte, 30 Jahre,
aus guter bürgerlicher Familie, wird Herr
in ſicherer Poſttion, behufs Heirat ges.
Mitgift 15 Mille und kompl. Wohnungs=
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Menges & C0. strasse 26. Tel. 231. (9049f

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Junger Witwer, kinderlos, wünſcht
mit brav, anſt. Mädchen, nicht über 25 J.,
mit etwas erſp. Gelde, bekannt zu werden
zwecks Heirat. Offert. unter E 98 an
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die Expedition d. Blattes.
Seeä
Ge
Heirats=Geſuch!
Fräulein, ſtattliche Erſcheinung, 27 Jahre,
häuslich erzogen, ev. mit über 3000 Mk.
Vermögen, wünſcht, da es ihr an Herren=
bekanntſchaft
fehlt, mit einem gut ſituiertem
Herrn auf dieſem Wege bekannt zu werden
behufs ſpäterer Heirat. An. zweckl. Diskr.
Ehrenſ. Offerten unter E 54 an die
(*1470dsm
Expedition dieſes Blattes.

Heiratsgeſuch!
Witwer mit 1 Kind, 39 Jahre, ſelbſtän=
diger
Handwerker, mit eigenem Haus und
Feld, ſucht auf dieſem Wege paſſende Lebens=
gefährtin
, am liebſten vom Land. Anonym
zwecklos. Offerten unter F 17 an die
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Expedition dieſes Blattes.

finden diskr. Aufnahme (m. Penſ.)
Damen billig. Frau Heb. Jungmann,
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Biſchofsheim bei Mainz.
räftige, geſunde, junge Frau wünſcht
I ein Kind zum Mitſtillen.
Zu erfragen in der Exped. ds. Bl. (B1999

Ein Kind
wird in liebevolle Pflege genommen.
Wo? ſagt die Exped. ds. Bl. (*1732so

Chriſtliche Gemeinſchaft
Immanuel‟. E. V.
Rheinſtraße 2
Sonntag, vormittags 9 Uhr: Bibelbe=
beſprechung
.
Vormittags 11 Uhr:
Sonntagsſchule. Nachmittags 4 Uhr:
Jugendbund. Abends 8¼ Uhr: Evan=
geliſation
.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Blaukreuz
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Freitag, abends 8½ Uhr: Gebetſtunde.

Chriſtlicher Verein junger Männer
Darmſtadt=Oſt.
Riegerplatz 3.
Sonntag, Jugendabteilung: Tagesausflug.
Abends 8½ Uhr: Die franzöſiſche Re=
volution
gegen das Ende des 18. Jahr=
hunderts
von Herrn stud. Wilh. Wich.
Soldatenheim: von nachmittags 2 Uhr
ab geöffnet.
Montag, abends 8½ Uhr: Uebung des
Poſaunenchors.
Abends 8½ Uhr:
Männerchor.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Uebung des
Streichchors.
Unterricht in Engliſch.
Unterhaltungsabend der Jugendabteilung.
Bibelbeſprechſtunde für Soldaten.
Mittwoch, abends 8¼ Uhr: Bibelſtunde für
Frauen.
Abends 8½ Uhr: Bibliſche
Beſprechung der älteren Abteilung.
(Apoſtelgeſchichte.)
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Freie Ver=
einigung
.
83 Uhr: Bibelſtunde der
Jugendabteilung,
Freitag, abds. 8½ Uhr: Männerchor.
Samstag, abends 9 Uhr: Gebetsver=
einigung
.

Chriſtl. Verein junger Männer
Nathanael,
Mühlſtraße 24.
Sonntag, abends 8½ Uhr: Vortrag von
Herrn Krauter.
Montag, abends 8½ Uhr: Freie Ver=
einigung
.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Bibelbeſprech=
ſtunde
.
Mittwoch, abends 8½ Uhr: Freie Ver=
einigung
.
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde
im Vereinshaus.
Freitag, abds. 8½ Uhr: Freie Vereinigung.
Samstag, abds. 9 Uhr: Gebetsvereinigung.

Chriſtlicher Verein junger Männer
Wartburg.
Lokal: Karlſtraße 21.
Protektor Se. Kgl. Hoheit der Großherzog.
Sonntag, vormittags 8¾ Uhr: Weiß=Kreuz=
Stunde.
Abends 8½ Uhr: General=
verſammlung
.
Montag, 8½ Uhr: Franzöſiſch. 9 Uhr:
Männerchorprobe.
Dienstag, 9 Uhr: Poſaunenchor.
Mittwoch, 9 Uhr: Bibelſtunde. Herr Prof.
Matthes.
Donnerstag, 8¾ Uhr: Turnen. Lagerhaus=
ſtraße
25.
Freitag, 9 Uhr: Orcheſterprobe.
Samstag, 9 Uhr: Wochenſchluß.

Jugendvereinigung der
Stadtgemeinde.
Lokal: Karlſtraße 21.
Sonntag, 8½ Uhr: Deutſcher Abend:
Dichter Schiller Geleitet von Herrn
Pfarrer D. Dr. Diehl.
Montag, 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Dienstag, 8½ Uhr: Spielabend.
Mittwoch, 8½ Uhr: Stenographie.
Donnerstag, 8¾ Uhr: Turnen, Lagerhaus=
ſtraße
25.
Freitag, 8½ Uhr: Singen.

Mauwt

Jeden Mittwoch und
Samstag Nachmittag
Kur-Konzert
Mittwochs Kapelle des Großh. Heſſ. Artill.=
Regts. Nr. 61, Leitung M. Weber
Samstag Kapelle des Leibgarde=Inf.=Regts
Nr. 115, Leitung H. Hauske (B1023
Eintritt 25 Pfg.
10 Abonnementskarten zu Mk. 1.50
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an
der Kaſſe.
Für Nichtkonzertbesucher sind
die oberen Räume reserviert.

Kaiſer=
1 Luiſenplatz

Panorama.
Luiſenplatz 1.

Von Triest nach (1961
Athen und Klein-Asien.

ah
Elenkomotote (Sobräuche
57 HP, Gleichſtrom, 220 Volt, mit An=
laſſer
zu kaufen geſucht.
(1981so
Off. unter P 23 an die Exped. ds. Bl.

Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, den 23. Januar 1910.
Außer Abonnement.
Die Wal kür e.
Perſonen:
Siegmund
,

Hunding . K-t
Wotan . .F..
Sieglinde . . . . .
Brünnhilde
Fricka

Gerhilde,
Ortlinde,
Waltraute,
Schwertleite,
Helmwige,
Siegrune,
Grimgerde,
Roßweiße,

Walküren

Hr. Riechmann
Hr. Dramſch
Frl. Geyersbach
Frl. Howard
Frl. Zeiller
Fr. Rudolph
Frl. Meyer
Fr. Müller
Frl. Suchanek
Frl. Birkholz
Frl. Howard
Frl. Faeller.

* Siegmund . Hr. Oskar Bolz,
als
** Brünnhilde . Frl. Edith Walker,Gäſte
Nach dem 1. und 2. Aufzuge findet je eine
längere Pauſe ſtatt.
Beurlaubt: Hr. Stephani.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 6 Mk., Fremdenloge 6 Mk.=
Balkonloge 5 Mk., 1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang:
(1. bis 6. Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe)
2. Mk., Sperrſitz: (1. bis 13. Reihe) 4. Mk.,
(14. bis 20. Reihe) 3.20 Mk., Parterre: (1. bis
5. Reihe) 2.70 Mk., (6. bis 8. Reihe) 2.20 Mk.,
1. Galerie 1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Anfang 6 Uhr. Ende 10½ Uhr.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
5 Uhr an.
Anfang des zweiten Aufzuges 7½ Uhr.
Anfang des dritten Aufzuges 9¼ Uhr.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt für den
Verkehr mit dem Abonnenten=Publikum an
allen Wochentagen, vormittags von 10 bis
12½ Uhr, geöffnet.
Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Montag, 24. Jan. 103. Ab.=Vorſt. B 26.
Die Maibraut. Große Preiſe. An=
fang
7 Uhr.
Dienstag, 25. Jan. Außer Abonnement.
Zweites Gaſtſpiel der K. und K. Oeſterr.
Kammerſängerin Edith Walker und des
Königl. Kammerſängers Oskar Bolz vom
Hoftheater in Stuttgart. Tannhäuſer
Tannhäuſer . Hr. Bolz. Eliſabeth . . Frl.
Walker. Große Preiſe. Anfang 6½ Uhr.
Vergl. beſondere Anzeige.)
Mittwoch, 26. Jan. 104. Ab.=Vorſt. C 27.
Das Konzert. Gr. Preiſe. Anf. 7 Uhr.

Aus dem Spielplan.
Donnerstag, 27. Jan. 105. Ab.=Vorſtell.
A 26. Feſtvorſtellung zur Feier
des Allerhöchſten Geburtsfeſtes
Sr. Maj. des Deutſchen Kaiſers.
Zum erſten Male: Der deutſche =
nig
Schauſpiel in 3 Akten von Ernſt
von Wildenbruch. Vorher: Jubel=
Ouvertüre. Große Preiſe. Anf. 7 Uhr.

Programm
zu dem am Samstag, den 22. Januar
von 121 Uhr vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle des Großh.
Artillerie=Korps (Feld=Art.=Regts. Nr. 25)
1. Armeemarſch Nr. 7 1. Batl. Garde 1805.
2. Siegmunds Liebeslied und Feuerzauber
aus der Walküre von R. Wagner.
3. Schön Japan, Mazurka von Ganne.
4. Roſen, Tulpen, Nelken Lied von Lincke.
5. Thüringer Blumen, Walzer von Erneſti.
6. Waffengefährten, Marſch von Teike.

Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Adolf Rady,
Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Dampfer Hamburg, von New=York nach
Genua, 19. Januar 12 Uhr mittags in
Neapel.
Dampfer Pallanza, 19. Januar 7 Uhr
morgens von Philadelphia nach Hamburg.
Dampfer Pennſylvania, von New=York
kommend, 20. Januar 1 Uhr 30 Min.
morgens Dover paſſiert.
Dampfer Preſident Grant nach New=
York, 20. Januar 12 Uhr 30 Min morg.