Darmstädter Tagblatt 1910


08. Januar 1910

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173. Jahrgang

monatl. 50 Pfg., vierteljährl. 1.50 Mk.,
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden,
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 34 Seiten.

Ein amerikaniſches Urteil über Deutſchland.

* Im Dezemberheft der angeſehenen, in New=York
und London erſcheinenden politiſchen Monatsſchrift
McClures Magazine findet ſich ein viel beachteter Auf=
ſatz
von Rudolf Cronau unter der Ueberſchrift Das neue
Deutſchland ein lehrreicher Hinweis. Der Verfaſſer
geht davon aus, daß der bemerkenswerte Aufſchwung
Deutſchlands ſeit 1870/71 als Land=, See= und Handels=
macht
von allen anderen Völkern mit Staunen, Mißtrauen
und Furcht betrachtet würde, und daß beſonders Groß=
britannien
zu fürchten ſcheine, Deutſchland erſtrebe die
Oberherrſchaft zu Lande und zu Waſſer. Man ſieht in
Kaiſer Wilhelm nur den War=Lord, eine ſtete Bedroh=
ung
des Weltfriedens und verantwortlich für den er=
brückenden
Militarismus. Cronau zeigt nun an der Hand
der Weltgeſchichte, wie Deutſchland gezwungen worden
ſei, infolge ſeiner zentralen Lage ſich ein Heer zu ſchaffen,
das den Schutz ſeiner Grenzen ermöglichte. Ebenſo leitet
er aus den Erfahrungen der Blockade im Jahre 1870 und
aus der Errichtung großer deutſcher Kolonien die Notwen=
digkeit
einer deutſchen Flotte her. Für ihn ergibt ſich
die allmähliche Entſtehung unſeres Welthandels aus dem
ſtändigen Wachſen der Bevölkerung und den verhältnis=
mäßig
geringen natürlichen Hilfsquellen unſeres Landes.
An der Hand genauer ſtatiſtiſcher Angaben zeigt der Ver=
faſſer
, wie Deutſchland dieſe natürlichen Hilfsquellen, ſeine
Wälder, den Boden, die Bergwerke, die Waſſerkraft durch
höchſte techniſche Vollkommenheit zu einer Ertragsfähigkeit
führt, wie ſie in anderen Ländern unbekannt iſt. Han=
del
und Gewerbe beruhen in Deutſchland nach ſeiner
Anſicht in ihren außerordentlichen Erfolgen auf der wiſ=
ſenſchaftlichen
Gründlichkeit, die jede wirtſchaftliche Tätig=
keit
dort kennzeichnet. Als ſicherſtes Zeichen des unauf=
haltſam
wachſenden Wohlſtandes ſieht Cronau die er=
ſtaunliche
Abnahme der deutſchen Auswan=
derung
an. Hand in Hand mit der gewaltigen Ent=
wickelung
der Induſtrie und der Handelsflotte geht die
Fürſorge für die arbeitende Klaſſe. Eingehend ſchildert
der Verfaſſer die Entſtehung der deutſchen Sozial=
politik
, die auch in einer allgemeinen Witwen= und
Waiſenverſorgung noch nicht ihren Abſchluß gefunden ha=
ben
dürfte.
Dieſe geſunde und ſtetige Entwickelung iſt bei einigen
Völkern die Urſache der Furcht vor Beeinträchtigung ihrer
Sicherheit und ihres Handels, wobei man nicht bedenkt,
daß Deutſchland 38 Jahre lang Frieden gehalten und
in allen Fragen der Weltpolitik der Verſtändigung die
Wege geebnet hat. Auch der Kaiſer bemüht ſich ſo
ſagt der Verfaſſer dieſe Friedensliebe unausgeſetzt zu
betätigen, indem er gute nachbarliche Verhältniſſe mit
Frankreich herzuſtellen ſucht. Das deutſche Volk hat bei
ſeiner raſtloſen Friedensarbeit weder Zeit noch Luſt, an
Krieg zu denken, die geſamte Nation würde ihn als ein
großes Unglück betrachten. Und ſicher fände jede Maß=
regel
, die den Frieden verbürgen könnte, nirgends lebhaf=
tere
Fürſprecher als unter dem deutſchen Volke.

Betriebskrankenkaſſen und Ortskrankenkaſſen.

* In den bei der Vorbereitung der Reichsver=
ſicherungsordnung
vom Reichsamt des Innern
veranſtalteten Verſammlungen von Vertretern der verſchie=
denen
Kaſſenarten wurde von ſeiten der Ortskrankenkaſſen
die gänzliche Aufhebung der Betriebskrankenkaſſen ge=
wünſcht
. Dagegen ſind die Vertreter dieſer Kaſſen in vol=
ler
Einmütigkeit und mit großem Nachdruck für ihre Er=
haltung
eingetreten. Die Reichsregierung hat ſich
ebenfalls auf den Standpunkt geſtellt, daß die Erhaltung
der Betriebskrankenkaſſen, beſonders im Intereſſe der Ar=
beiter
ſelbſt, notwendig iſt, die vielfach in ihnen eine aus=
giebigere
Unterſtützung finden, als die Ortskrankenkaſſen
ſie leiſten. Die Betriebskrankenkaſſen ſollen daher durch die
neue Reichsverſicherungsordnung erhalten bleiben. Aller=
dings
macht der Entwurf die Errichtung und den Fortbe=
ſtand
vorhandener Kaſſen von gewiſſen Vorausſetzungen
abhängig, von denen die wichtigſte iſt, daß die Leiſtungen
der Kaſſe denen der Allgemeinen Ortskrankenkaſſe gleich=
wertig
ſind und eine nachhaltige Leiſtungsfähigkeit ge=
ſichert
iſt. Wenn der Entwurf zu dieſem Zweck die jetzt be=
ſtehende
Mindeſtzahl von Mitgliedern erheblich erhöht und
hierbei eine Ausnahme für Betriebskrankenkaſſen des
Reiches oder der Bundesſtaaten macht, ſo wird zur Be=
gründung
geltend gemacht, daß eine Benachteiligung der
Kaſſen von Privatbetrieben daraus nicht hergeleitet werden

kann, weil eine dauernde Leiſtungsfähigkeit bei Betriebs=
krankenkaſſen
von Reichs= und Staatsbehörden auch bei
einer geringen Mitgliederzahl unter allen Umſtänden ge=
ſichert
iſt. Dieſe Vorausſetzung trifft auf private Be=
triebskrankenkaſſen
mit beſchränkter Mitgliederzahl jedoch
keineswegs zu. Wenn in der Reichsverſicherungsordnung
das Prinzip der Zentraliſation auch nach Möglichkeit zur
Durchführung kommen ſoll, ſo muß doch für die Erhaltung
beſtehender Kaſſen in erſter Linie die Sicherheit ihrer Lei=
ſtungsfähigkeit
im Intereſſe der Arbeiter berückſichtigt
werden.

Engliſche Wahlreden und der Deutſchſchrecken.

* In einer Rede in Bath ſagte Premierminiſter
Asquith, alle Anſtrengungen, die gemacht worden ſeien,
um Schrecken wegen Deutſchland und deſſen
Marine heraufzubeſchwören, ſeien recht matt ausgefal=
len
. Balfour ſchilderte in Hanley mit gewohnter Nai=
vität
die Zunahme dieſer Furcht, ohne jedoch ſelbſt die
Verantwortung zu übernehmen. Was die Behauptungen
Balfours betreffend die Meinung der Diplomaten der klei=
neren
Mächte über die Unvermeidlichkeit eines Krieges be=
treffe
, ſei es ſehr vorſichtig von Balfour geweſen, hinzuzu=
fügen
, daß er dieſen Anſichten nicht zuſtimme. Warum
betonte er dies? Er, Asquith, verſichere ohne Bedenken,
daß, ſo weit er unterrichtet ſei, keine ſolche übereinſtim=
mende
Meinung unter den europäiſchen Staatsmännern
und Diplomaten herrſche. Nicht eine einzige Macht, weder
eine große noch eine kleine, rechne in ihrer Politik mit der
Annahme, daß ein Krieg zwiſchen Großbritan=
nien
und Deutſchland unvermeidlich oder auch nur
wahrſcheinlich ſei. Auch könne er nirgends am politiſchen
Horizont irgend etwas finden, das direkt oder indirekt zu
einem Streite zwiſchen England und einer großen befreun=
deten
Nation Anlaß geben könnte. Asquith kam dann auf
Balfours Behauptung zu ſprechen, Deutſche nicht Män=
ner
der Regierung, aber Leute an der Spitze bedeutender
Unternehmungen hätten geſagt: glaubt ihr, daß wir je
zulaſſen werden, daß England die Tarifreform an=
nimmt
? Wenn wirklich, fuhr Asquith fort, ſolche Unter=
haltungen
mit Balfour ſelbſt ſtattgefunden haben, ſo iſt es
ſeltſam, daß ſein Sinn für Humor ſo völlig eingeſchlafen
ſein ſollte, daß er nicht bemerkt hätte, daß ſeine deutſchen
Freunde ihm einen Bären aufbanden. Warum ſollte die
öffentliche Meinung der beiden Länder, die eifrig
und aufrichtig beſtrebt ſeien, ein beſſeres gegenſeitiges
Verſtehen zuſtande zu bringen, dadurch erregt werden, daß
ein hervorragender Staatsmann öffentlich aller Welt
Kenntnis von albernen Drohungen gab, die, ob ſie im
Scherz oder im Ernſt getan, nicht wert waren, auch nur
einen Augenblick beachtet zu werden? Offenbar wird die
Furcht vor Deutſchland erregt zu Wahlzwecken. Die Re=
gierung
tat aber wirkſame Schritte, der neuen Lage zu be=
gegnen
, nicht in irgend einem Sinne der Feindſeligkeit,
ſondern zur Aufrechterhaltung unſerer eigenen, tatſächlichen
Superiorität.
Der Staatsſekretär für Kolonien Earl of Crewe
führte in einer Rede aus: Die Eigenſchaften, auf die wir
ſtolz ſind, ſind: Patriotismus, Kraft bei unſeren Taten,
die Größe unſerer Miſſion in der Welt, alles das kann nicht
das Monopol irgend einer einzigen Nation ſein. Es wäre
nicht vernünftig, das, was wir bei uns ſelbſt als ehren=
haften
Ehrgeiz betrachten, brutale Gier zu nennen, wenn
andere tun, was wir tun. Es gibt viele Leute in Europa,
die uns für die habſüchtigſte Nation der Welt anſehen.
Folglich gibt es auch in Deutſchland, wie bei uns,
furchtſame Menſchen, die glauben, die britiſche Flotte ſei
bereit, einen Angriff auf die deutſche Küſte zu machen. Die
beiden Völker wünſchen in Freundſchaft zu leben. Wir
merken uns aber die Tatſache, daß die Ideale zweier gro=
ßen
Nationen einander widerſprechen und in Konflikt
geraten können. Deshalb iſt es für uns nötig, völlig
vorbereitet zu ſein, laßt uns aber nicht uns ſelbſt zum Ge=
genſtande
des Spottes der Welt machen. Was das Bud=
get
für das kommende Jahr betrifft, ſo kann ich nur ſagen,
daß es nicht leicht ſein wird. Was der Schiffbau betrifft,
ſo führte ſeine Eile zu Schäden, denn jedes Schiff der
Dreadnoughtklaſſe war beſſer als ſein Vorgänger. Es
würde ein Verbrechen gegen die Steuerzahler ſein, über
das nötige Maß der Sicherheit hinaus zu bauen, denn es
müſſen nicht nur die Koſten für den Bau, ſondern auch für
die Unterhaltung der Mannſchaften in Betracht gezogen
werden.
In ſeiner in Pontnewydd gehaltenen Wahlrede er=
klärte
der erſte Lord der Admiralität Mac Kenna, die
in dieſem Jahre vom Parlament bewilligten Kriegs=
vorräte
ſeien größer als ſie je unter Balfours Regie=

rung geweſen. Auch ſei eine größere Anzahl, und zwar
viel ſtärkere Schiffe, als jemals von einer konſervativen Re=
gierung
geſchehen, beſtellt worden. Im Jahre 1912würde
Deutſchland 13 Dreadnoughts haben, England da=
gegen
20. Die Behauptungen Blatchfords in der Daily
Mail über die engliſche und die deutſche Marine ſeien
unrichtig. In ſeiner in Peckham gehaltenen Rede wies
der Schatzkanzler Lloyd George auch darauf hin, daß der
engliſche Export im Dezember 1909 einen enormen Auf=
ſchwung
gegen den im Jahre 1908 zeige. Er glaubesaus
dieſen Zahlen folgern zu dürfen, daß das nächſte Jahr für
den engliſchen Handel das glänzendſte ſein würde, das es
bis dahin gegeben.
Schatzkanzler Lloyd George bezeichnete in
einer Rede, die er in Peckham hielt, die kürzlich von Lord
Balfour gehaltene Rede als die letzte Zuflucht eines
Verzweifelten, der ſeine Sache verloren gibt. Balfour
habe geſehen, daß die Tarifreform keinen Anklang finde,
und alle Hoffnung aufgegeben, das Budget angreifen zu
können. Deshalb verſuche er nun, Furchtvor Deutſch=
land
zu erwecken. Es ſei dies für den Frieden Europas
ein gefährliches Spiel, und es diskreditiere den Führer
einer großen Partei, in dieſer Weiſe vorzugehen. So wie
Balfour über eine große europäiſche Macht zu ſprechen,
ſei gefährlich für den Frieden der Welt und ſchmachvoll für
die britiſchen Politiker.

Deutſches Reich.

Nach Herrn Benzler hat nun auch Biſchof
Fritzen, der Oberhirt der Straßburger Diö=
zeſe
, dem Staatsſekretär Zorn von Bulachöffent=
lich
geantwortet. Das Schreiben, das in der geſam=
ten
deutſchen Preſſe erörtert wird und an die Zeiten des
Kulturkampfes erinnert, lautet:
Es war zu meiner Kenntnis gelangt, daß eine eifrige
Agitation eingeſetzt hatte, um die Lehrer des Landes zu
bewvegen, ſich dem Allgemeinen deutſchen Lehrerverein an=
zuſchließen
. Ich hielt es für meine Pflicht, die katholiſchen
Lehrer vor dieſem Schritt zu warnen, da zahlreiche Kund=
gebungen
des Allgemeinen deutſchen Lehrervereins auf
dem religiöſen Gebiete Tendenzen zutage treten ließen,
die den Grundſätzen der katholiſchen Kirche widerſprechen.
Dieſe Warnung erfolgte dadurch, daß ich den katholiſchen
Lehrern einen Artikel des vom Prälaten Nigetiet redigier=
ten
Schulfreundes einfach zur Kenntnisnahme zugehen
ließ. Ich habe mich nur an die katholiſchen Lehrer ge=
wandt
, woraus zur Genüge erhellt, daß ich nur ihre Eigen=
ſchaft
als Katholiken, nicht aber ihre Eigenſchaft als Lehrer
ins Auge gefaßt habe. Die Amtstätigkeit der Lehrer
wurde weder im Artikel des Schulfreundes noch in mei=
nem
Begleitſchreiben berührt. Den einzigen Gegenſtand
des Artikels bildete der Anſchluß an einen rein privaten
Verein, deſſen Tendenzen ich vom religiöſen Standpunkte
aus verurkeilen muß. Wie ich hierin meine Beſugniſſe
überſchriten haben ſollte, vermag ich nicht einzuſehen. Die
Frage um dies es ſich hier handelt, iſt in erſter Linie eine
Gewiſſensfrage für einen Teil meiner Diözeſanen. Dem
Biſchof als dem ordentlichen Träger der kirchlichen Hirten=
und Lehrgewalt liegt die Pflicht ob, und ſteht das Recht
zu, ſeine Diözeſanen auf die Verpflichtungen des chriſt=
lichen
Sittengeſetzes hinzuweiſen, die ſich aus den Ver=
hältniſſen
des Lebens für ſie ergeben können. Durch den
Umſtand, daß dieſe Diözeſenangehörigen als Beamte oder
Lehrer einer ſtaatlichen Behörde unterſtellt ſind, kann das
Verhältnis nicht abgeſchwächt werden, in der ſie in bezug
auf Glaubens= und Gewiſſensfragen zur kirchlichen Hirten=
und Lehrgewalt ſtehen . . . Außer den ſtaatlichen Geſetzen
haben die katholiſchen Beamten und Lehrer Glaubens= und
Gewiſſenspflichten zu erfüllen, in Bezug auf welche ſie nächſt
Gott ihren kirchlichen Vorgeſetzten unterſtehen. Wie ich
eine dieſe Gewiſſenspflichten betreffende Mitteilung auf
dem Dienſtwege und durch ſtaatliche Vorgeſetzte an die
Lehrer gelangen laſſen könnte, iſt mir nicht verſtändlich,
um ſo weniger, als der kaiſerliche Oberſchulrat ſelbſt er=
klärt
, daß der Anſchluß an den Allgemeinen deutſchen
Lehrerverein, um den es ſich hier handelt, durch die ſtaat=
liche
Geſetzgebung dem freien Ermeſſen der Lehrer an=
heimgeſtellt
bleibe. Der Biſchof ſchließt: Dieſen Aus=
führungen
entſprechend, ſehe ich mich veranlaßt, den gegen
mich erhobenen Vorwurf eines Eingriffes in den Bereſch
der ſtaatlichen Befugniſſe zurückzuweiſen.
Das Organ des Biſchofs Benzler ſchreibt zu der An=
gelegenheit
:
Es war die unabweisliche Pflicht der Biſchöfe, in
ihrer Eigenſchaft als die von Gott geſetzten Oberhirten
die katholiſchen Lehrer vor dieſem verhängnisvollen Schritt,
der das Anſehen der Lehrer in den Augen des katholiſchen
Volkes tief ſchädigen wird, eindringlich zu warnen. Dn
gilt das Wort der Schrift: Wir müſſen Gott mehr ge=
horchen
, als den Menſchen!
Damit iſt der Konflikt zwiſchen weltlicher und geiſt=
licher
Macht ausgeſprochen.
Die unter dem Prinzen Tſaihſün ſtehende chine=
ſiſche
Marine=Studienkommiſſion traf Frei=
tag
abend in Kiel ein und nahm hier einen zweitägigen
Aufenthalt. Vizeadmiral Coerper reiſte der Kommiſſion
bis Oderberg entgegen. Die Herren werden die Reichs=
und Germaniawerft heſichtigen und ſich dann an Borddes

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

19500 Tannen Zintenſchiſes Weſalen= zu einer Fahrt in
See einſchiffen. Die Weſtfalen feuert dabei einen Salut
von 21. Schuß für den chineſiſchen Prinzen und ſetzt die
chineſiſche Flagge im Großtopp. Auf der Fahrt werden
Torpedo= und Unterſeeboote Uebungen ausführen: Nach
der Rückkehr nimmt der Prinz an einem Eſſen, das
Prinz und Prinzeſſin Heinrich im königlichen
Schloſſe geben, teil. Die Kommiſſion fährt am Sonntag
nach Eſſen.
Wie die Berliner Neueſten Nachrichten hören,
wird die geplante zweite Expedition des Herzogs
Adolf Friedrich zu Mecklenburg beſtimmt in
dieſem Frühjahr beginnen. In ſeiner Begleitung werden
ſich ſieben Europäer befinden, ein Arzt, ein Zoologe, ein
Geologe, ein Kartograph, ein Maler, ein Präparator, ein
Expeditionsleiter; letzterer und der Kartograph werden
vermutlich Offiziere ſein. Vorausſichtlich wird man von
Kamerun über den Tſchadſee nach dem Oſten durchzudrin=
gen
ſuchen. Das Kameruner Hinterland mit ſeinen noch
wenig erſchloſſenen reichen Schätzen iſt bekanntlich noch we=
nig
erforſcht, ebenſo die deutſchen Zugänge zum Tſchad, die
ja leider durch eine lange vorgelagerte Sumpfſtrecke bedeu=
tend
erſchwert ſind.
Der württembergiſche Landestag der
Deutfchen Volkspartei ſprach ſich in ſeiner Ver=
ſammlung
einſtimmig für die Vereinigung der drei
linksliberalen Parteien aus.

Ausland.

Die Bildung des ungariſchen Kabinetts iſt nahezu
vollſtändig beendet. Lukacs ſelbſt übernimmt das Präſi=
dium
, das Finanzminiſterium und das Miniſterium des
Allerhöchſten Hoflagers, Miniſter des Innern wird der
ehemalige Vizepräſident des Abgeordnetenhauſes Jokabffy,
Staatsſekretär Graf Szerenyi wird Handelsminiſter und
verwaltet interimiſtiſch das Reſſort des Ackerbauminiſte=
riums
, Honvedminiſter wird Generalmajor Hazai, Juſtiz=
miniſter
der Senatspräſident des oberſten Gerichtshofes
Bela Vavrik. Falls ſich das Verhältnis des Miniſterpräſi=
denten
zu dem Parlamente und den Parteien ſpäterhin
klären wird, werden die jetzt bloß proviſoriſch verwalteten
Miniſterreſſorts endgültig beſetzt. Der Miniſterpräſident
dürfte die Miniſterliſte am Sonntag dem König vorlegen.
Wie man aus Madrid ſchreibt, befindet ſich die von
der Regierung geplante Aktion zur Herbeiführung von Ver=
änderungen
in dem zwiſchen Spanien und dem Vatikan
beſtehenden Konkordat noch immer in der Vorbereitung.
Die Note, mit der das Miniſterium des Aeußern den Mei=
nungsaustauſch
über dieſen Gegenſtand einzuleiten beab=
ſichtigt
, ſoll aber in ihren Hauptpunkten feſtgeſtellt ſein
und man erwartet, daß der erſte Schritt der ſpaniſchen Re=
gierung
beim heiligen Stuhl in nächſter Zeit erfolgen wird.
In der griechiſchen Kammer brachte der Finanz=
miniſter
eine Geſetzesvorlage ein, nach der die Regierung
zur Aufnahme von zwei Anleihen ermächtigt wird.
Die eine Anleihe im Betrage von 150 Millionen Drachmen
iſt für Eiſenhahnbauten beſtimmt, die andere ſoll zur Be=
ſeitigung
des Zwangskurſes dienen.
Im näheren Orient ſind neueſtens Erſcheinun=
gen
zutage getreten, die wegen ihres ſymptomati=
ſchen
Charakters die politiſchen Kreiſe veranlaſſen,
ſie wachſam zu verfolgen. Dies gilt einerſeits von den
Anzeichen, die auf eine neuerliche Zuſpitzung der kreti=
ſchen
Angelegenheit hindeuten, und andererſeits
von den Andeutungen, die beſtimmt waren, mit unverkenn=
barer
Abſichtlichkeit das freundſchaftliche Verhältnis zwi=
ſchen
Montenegro und Rußland bezw. Frank=
reich
zu kennzeichnen. Es hält ſchwer, an ein zufälliges
Zuſammentreffen des Austauſches freundſchaftlicher Kund=
gebungen
zwiſchen dem montenegriniſchen Miniſterpräſi=
denten
und dem ruſſiſchen Miniſter des Aeußern aus An=
laß
der Unterzeichnung des ruſſiſch=montenegriniſchen Han=
dels
= und Seeſchiffahrtsvertrages und den Ehrungen zu
glauben, die dem Fürſten von Montenegro ſeitens Frank=
reichs
in Antivari zuteil wurden, der von der Aus=

wechslung herzlicher Freundſchaftsbezeugungen begleitet
war. Was die Zuſpitzung der kretiſchen Angele=
genheit
betrifft, ſo vermag man ſich nicht darüher zu
täuſchen, daß allerdings die von den neuen Regierungs=
mitgliedern
wiederholte Demonſtration mit dem dem
Könige der Hellenen geleiſteten Eide die Stimmung der
Pforte nicht nur verſchärft, ſondern neuerlich gereizt hat.
Man meint aber, daß die Pforte in dem Vorgange keinen
casus belli erblicken werde, als den ſie allerdings die Wahl
von Kretern in die griechiſche Kammer betrachten würde,
daß aber die Schutzmächte, deren bisherige loyale Haltung
auf die Kreter eher ermutigend als abmahnend gewirkt
hat, ſchließlich das Geeignete unternehmen werden, um,
ei es auch durch Zurückſendung der abberufenen Truppen
nach Kreta, ein Vorgehen der Kreter, das zur Störung
des Friedens führen könnte, zu verhindern.

* Engliſche Kinder=Gerichtshöfe. Am letz=
ten
Dienstag wurde zum erſten Male in London für die
Unterſuchung und Beſtrafung der Vergehen von Kindern
ein eigener Gerichtshof in Anſpruch genommen. In frü=
herer
Zeit mußten alle Kinder, die irgendwie angeklagt
worden waren, und ſei es eines noch ſo geringen Ver=
gehens
, unweigerlich in die Anklagebank hineinſpazieren.
Vor etwa 15 Jahren änderte der damalige Hauptmagiſtrat
von London, Sir John Bridge, den Gebrauch dahin ab
daß die jugendlichen Verbrecher vor der Anklagebank
tehen und nicht in derſelben. Das neue Geſetz beſtimmt.
daß die Unterſuchung gegen jugendliche Verbrecher mit
ſtrengſtem Ausſchluß der Oeffentlichkeit erfolgen muß. Sie
müſſen vor einem beſonderen Gerichtshof zur Verantwor=
tung
gezogen werden und die einzigen Perſonen, deren
Anweſenheit, außer der des Magiſtrats geſtattet iſt, ſind
die Behörden, der Anwalt des Angeklagten, Zeugen, Per=
ſonen
, die direkt an dem Fall intereſſiert ſind und Vertre=
ter
der Preſſe. Während ein Kindergericht gehalten wird,
darf kein anderer Fall in irgend einem Teil des Gebäudes
zur Verhandlung gelangen und auch wenn ein Kind in
einem gewöhnlichen Fall gegen einen Erwachſenen als
Hruge auftrttt, runn die Ausſchließung des Publikums
beantragt werden. Die erſten Kindergerichtshöfe wurden
Weſtminſter, Clerkenwell und Tower=
Bridge abgehalten.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 8. Januar.

* Vom Hofe. Donnerstag abend 8 Uhr fand in den
Räumen des Alten Palais der erſte Hofball ſtatt, zu
dem unter anderen erſchienen waren: der Kronprinz und
die Kronprinzeſſin von Griechenland, Prinzeſſin Friedrich
Karl von Heſſen, Prinz und Prinzeſſin Friedrich zu Solms=
Braunfels, Prinzeſſin Hermann zu Solms=Braunfels und
Prinzeſſinnen=Töchter, Prinz und Prinzeſſin Leopold zu
Iſenburg=Birſtein, Fürſt und Fürſtin zu Leiningen, Fürſt
und Fürſtin zu Solms=Hohenſolms=Lich, Prinzeſſin Doro=
thea
zu Solms=Hohenſolms=Lich, Fürſt und Fürſtin zu
Erbach=Schönberg, Prinzeſſin Edda zu Erbach=Schönberg,
Graf und Gräfin zu Erbach=Fürſtenau, Graf von Schlitz
gen. von Görtz und Gräfinnen=Töchter, Graf und Gräfin
Wilhelm von Schlitz gen. von Görtz, Prinz Hermann zu
Stolberg=Wernigerode, Prinz und Prinzeſſin Reinhard zu
Solms=Hohenſolms=Lich. Um 10 Uhr 15 Min. fand das
Abendeſſen ſtatt, um 1 Uhr 15 Min. war die Feſtlichkeit be=
endet
. Geſtern mittag 1 Uhr waren die hier anweſenden
Mitglieder der ſtandesherrlichen Familien zur Frühſtücks=
tafel
im Neuen Palais geladen. Vormittags 9 Uhr
35 Min. begaben ſich der Kronprinz und die Kronprinzeſſin
von Griechenland im Auto nach Wiesbaden, während
Prinzeſſin Friedrich Karl um 10 Uhr 15 Min. mit dem
Zug nach Frankfurt zurückreiſte. (Darmſt. Ztg.)
Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
hat dem Faßeichmeiſter Joſeph Kilian in Bo=
denheim
aus Anlaß ſeines Ausſcheidens aus dem Dienſte
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für lang=
jährige
treue Dienſte verliehen.
L. Die Strafkammer beſchäftigte ſich geſtern zuerſt
mit einer Kelſterbacher Meſſerſtecherei. In der Nacht
des 17. Oktober ſaßen einige Kelſterbacher und Okrif=
eler
Gäſte in der Wirtſchaft Zum Klargberg zwi=
chen
Kelſterbach und Raunheim und trieben Kurzweil.
Der ſinnlos betrunkene Ludwig Auguſt Jung band
mit dem Okrifteler Bildhauer Karl Keim an, während
dieſer klugerweiſe ſich ruhig verhielt. Auf der Straße
kam es jedoch ſpäter im Dunkeln zu einem Zuſammen=
ſtoß
. Dabei trug Keim, obwohl er rief, man ſolle ihn
gehen laſſen, er wolle ja von niemandem etwas, einen
Stich in die Bruſt davon, der ihn leicht das Leben

hätte koſten können. Als Täter erſcheint der mehrfach
beſtrafte Fabrikarbeiter Adam Heil von Kelſterbach,
der zwar beharrlich leugnet, ſich nach der Tät jedoch
verräten hatte und auch durch Zeugen üherführt iſt.
Er wurde zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis
verurteilt und ſofort verhaftet.
L. Die Kammer für Handelsſachen erledigte auch
geſtern die Anfechtungsklage nicht, welche einige Inten=
eſſenten
gegen den jüngſt gefaßten Beſchluß der Ge=
neralverſammlung
der Süddeutſchen Eiſenbahn= Geſeil=
ſchaft
, durch welchen eine vorgeſchlagene Statutenänder=
ung
genehmigt wurde, angeſtrengt haben. Die Ver=
handlung
wurde vielmehr auf den 21. d. M. vextagt.
A Oeffentliche Wahlen 1910. Die Mitteilung im
geſtrigen Tagblatt Oeffentliche Wahlen
im Jahre 1910 bedarf, ſoweit es ſich um die
Landtagswahl handelt, inſofern einer Richtig=
ſtellung
, als auch im Falle des Zuſtandekommens der
Wahlreform die erſte Wahl auf Grund des neuen
Wahlgeſetzes nicht ſchon im laufenden Jahre, ſondern
erſt nach Schluß des dermaligen Landtages im Jahre
1911 in Frage kommen würde. Das Jahr 1910 wird
uns hiernach nur die Erſatzwahl zur Stadtverordneten=
verſammlung
bringen. Dagegen wird in dieſem
Jahre, und zwar am 1. Dezember, die alle fünf
Jahre im ganzen Deutſchen Reich ſtattfindende Volks=
zählung
vorgenommen werden.
Ball im Ausſtellungshauſe. Wie wir erfahren,
wird am 15. d. M. der preußiſche Geſandte am hieſigen
Hofe, Freiherr v. Jeuiſch, in den Räumen des= Aus=
ſtellungshauſes
auf der Mathildenhöhe ein Balllfeſt
mit Thegtervorſtellung, Souper uſw. veranſtalten, wozu
etwa 250 Perſonen geladen ſind. Auch das Großher=
zogspaar
wird dem Feſte beiwohnen.
Vom ſtädtiſchen Muſeum. Von der Ende des My=
nats
November erfolgten Eröffnung an bis zum Jahres=
ſchluſſe
hatte das ſtädt. Muſeum ſehr lebhaften Beſuch zu.
verzeichnen. Außer den etwa 200 zur Beſichtigung ein=
geladenen
Gäſten und Stiftern beſuchten es am Ver=
kehrstage
128. November) etwa. 390, an jedem der fol=
genden
Sonntage je 250 bis 300 Perſonen, und an den
Wochentagen insgeſamt 350 Perſonen. Weitere Zu=
wendungen
haben gemacht: Herr Oberkonſiſtorialpräſi=
dent
D. Buchner Exzellenz, Frau Baurat Becker,
Herr Biblivthekar Dr. Eſſelborn. Frau Poſtſekretär
Frey, Witwe, ſämtlich von hier; Frau Lehrer
Gerold, Heilbronn: Herr Bürgermeiſtereiſekretär
K. Göbel, Herr Kaufmann Gg. Heyl, Herr Ober=
poſtkaſſebuchhalter
W. Jungmann, Herr Regierungs=
rat
Dr. Kranzbühler, Herr Rentner Kleber,
Herr Profeſſor Lauteſchläger, Herr Kaufmanz
G. Leißler, Herr Prokuriſt Möſer, Herr Bürger=
meiſterei
=Oberſekretär Paul, Herr Beigeordneter
Riedlinger, Herr Regierungs=Bauführer Rohde,
Herr Hofdachdecker Pulkmann, Herr Geh. Hofrat
Profeſſor Schenck, Magnifizenz, Herr Bürgermeiſterei=
Oberſekretär Schmehl, Herr Privatier Spamer,
Frau G. Thies, Witwe, Herr Kaufmann Trier, Herr
Renkner Weber, ſämtlich von hier.
nn. Jubiläum. Aus Anlaß des 50jährigen Doktor=
Jubiläums des Herrn Geh. Medizinalrats Dr. Karl
Neidhart hat auch der ärztliche Kreisverein
Darmſtadt durch eine Deputation ſeine Glück=
wünſche
zu diefer ſeltenen Feier dem Jubikar aus=
ſprechen
kaſſen. Dabei wurde dem Jubilar eine kunſt=
voll
ausgeführte Ehren=Urkunde überreicht, die ſeine
Ernennung zum Ehrenmitglied des ärztlichen Kreis=
vereins
Darmſtadt kund gibt. Sichtlich bewegt dankte
der Jubilar für dieſe beſondere Ehrung der Darm=
ſtädter
Herren Kollegen. Die Ausführung der Ux=
kunde
erfolgte durch Hofkalligraph Göttmann. Die
Mappe wurde von Herrn Hofbuchbinder Thomgs her=
geſtellt
.
Jubiläum. Am 9. Januar werden es 25 Jahre,
daß Schreiner Philipp Blitz aus Roßdorf hier bei der
Firma Friedrich Witzler, Schreinerei, Nieder=Ramſtädter
Straße, in Arbeit ſteht. Die ununterbrochene 25jährige =
tigkeit
bei ein und derſelben Firma unter den heutigen
Verhältniſſen bei beiderſeitigem ſtets gutem Einvernehmen
ehrt ſowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer.
Fürſorgekaſſe für Beamte und Bedienſtete der
Landgemeinden und Kommunalverbände (Bureau: Darm=
ſtadt
, Bleichſtraße 1). Dem Großh. Oberrechnungsreviſor
Heinrich Erb wurde, nachdem er mit Wirkung vom
1. Januar 1910 ſeine Entlaſſung aus dem Staatsdienſte
erhalten, vom gleichen Tage ab die Stelle des Rechners
dieſer Kaſſe im Hauptamte übertragen.
Offizier=Stammliſte des Leibdragoner=Regiments
Nr. 24. Aus Anlaß des Regimentsjubiläums hat Herrt
C. Freiherr von Starck, Großh. Heſſ. Kammerherr,
Major a. D., eine Offizier=Stammliſte des Reaiments ſeit
ſeiner Errichtung nebſt einem Rückblick auf die ſeit dem
1. Januar 1860 verfloſſenen 50 Jahre herausgegeben. Die

Die Mode im Reich der Mitte.

** Grotesk=amüſante Bilder von der Kleidung
der Chineſen entwirft der feine Kenner Chinas
Louisde Cantilly im Gil Blas Eine eigentliche Mode
kennen die bezopften Himmelsſöhne nicht. Denn wäh=
rend
das Charakteriſtikum der Mode gerade in dem
ſteten Wechſel liegt, in den ewigen Wandlungen und
Neuheiten, herrſcht in der chineſiſchen Tracht eine ewige
Gleichförmigkeit; eine nie geänderte ſtrenge Sitte.
Selbſt jetzt, wo die Reformideen an allen Ecken und
Enden des rieſigen Landes in den Köpfen ſich regen,
würden der extravaganteſte junge Mandarin und die
koketteſte Tai=Tai oder Lebedame nicht wagen, die Ge=
wänder
abzulegen, die ſchon die Zeitgenoſſen des Kon=
futſe
trugen. Auch die Tracht der Reichſten unterſchei=
det
ſich vön der der Armen nur durch die Koſtbarkeit der
Stoffe. Ebenſo wenig hat die Witterung einen Einfluß
auf den Schnitt und die Form der Koſtüme, denn die
Söhne der Mitte begnügen ſich damit, ein paar Kleider
mehr übereinander zu ziehen, wenn es kälter wird, und
ſp hat der Beginn der warmen Jahreszeit nur den Ein=
fluß
auf ihre Erſcheinung, daß ſie unter den Sonnen=
ſtrahken
ſichtlich zuſammenſchrumpfen und plötzlich
ſchlank und ſchmal erſcheinen, während ihnen vorher die
Fülle der Gewänder einen gehörigen Embonpoint ver=
lieh
. Wollſtoffe oder Pelze ſind ſtreng verpönt; wohl
aber haben ſie bei ſehr ſtrengem Winter ein merkwür=
diges
Syſtem einer unter den Kleidern tragbaren Heiz=
ung
. Es iſt das die Ho Long Tzeu, eine Art Kohlen=
pfanne
, beſtehend aus einem Bambuskörbchen, in dem
ſich ein mit Kohle gefülltes Becken befindet.
Die Nationaltracht des Chineſen iſt ein langes Ge=
wand
mit noch längeren Aermeln, deſſen Stöff aus
Seide oder Baumwolle beſteht, im Sommer wie im Win=
ter
. Dieſes Gewand hat keine Taſchen, und auch ſonſt
der Unbequemlichkeiten ſo entſetzlich viele, daß: der
Euxopäer ſich fragt, wie es die Zopfträger in dieſer
Zwangsjacke überhaupt aushalten. Aber die Söhne des
Himmels fühlen ſich glücklich in dieſer aus uralten Zei=
ten
überkommenen Tracht, und finden ſie auch durchaus
nicht unbequem. Vielmehr erregt unſere Kleidung ihr

höchſtes Mißfallen und ruft eine Verachtung jenes häß=
lichen
Geizes hervor, mit dem wir bei unſerer Toilette
möglichſt an Stoff ſparen und ganz knappe, enge Sachen
tragen. Wie können Sie nur einen Smocking tragen?
fragt dann etwa kopfſchüttelnd ein weſtlichen Einflüſ=
en
ſonſt ſehr zugänglicher Mandarin einen jungen ele=
ganten
Konſul, der ſich in dem Kleidungsſtück der euro=
päiſchen
Eleganz präſentiert, und er bleibt, auch wenn
der andere in den begeiſtertſten Ausdrücken den Schick
ſeiner Toilette rühmt, bei der verächtlichen Anſchauung:
Die Europäer ſind wie unſere Kulis: ſie arbeiten Tag
und Nacht, um ihre Nahrung zu gewinnen, und ſie tra=
gen
enge Jacken wie die Kulis!
Der Höhepunkt der Eleganz iſt und bleibt für den
Chineſen die Länge der Aermel, die weit über die
Hände herabfallen. Dieſe Tracht zwingt ſie zwar, un=
zählige
Male am Tage die Arme emporzuheben und ſie
konvulſiviſch zu bewegen, um die Hände frei zu bekom=
men
; eine Bewegung, die man beſtändig bei ihnen be=
obachten
kann, aber trotzdem mag ſich auch der ärmſte
Arbeiter, der etwas auf ſich hält, dieſer Zierde nicht be=
rauben
laſſen. Das Gewand des Chineſen hat auch
keine Taſchen! Für den Europäer wäre das unerträg=
lich
, aber der Sohn des Himmels macht aus der Nöt
eine Tugend, und benutzt alles als Taſche; ſeine Schuhe,
den Gürtel, in dem ſich die verſchiedenſten Gegenſtände
nachbarlich miteinander vertragen müſſen, die Auf=
ſchläge
der Rieſenärmel, wo ſich die Opiumpfeife mit
der zur Nahrung dienenden Reiskugel und dem Klein=
geld
geſellen muß. Wertvolle Briefe ſoll man aller=
dings
dem Chineſen nicht anvertrauen; denn da er kei=
nen
beſtimmten Aufbewahrungsort dafür hat, ſteckt er
ie irgend wohin, wo ſie häufig niemaks mehr zum Vor=
ſchein
kommen. Unter dem langen Gewand tragen die
Kinder der Mitte eine Art Pluderhoſe, die je nach der
Wohlhabenheit des Beſitzers aus Seide oder Baum=
wolle
iſt und an den Knöcheln durch Schnürbänder zu=
ſammengehalten
wird. Die Chineſen rühmen dieſer
Hoſe eine beſonders günſtige Wirkung auf die Geſund=
heit
nach, während durch unſere über den Schuhen offe=
nen
Beinkleider Wind, Kälte und Staub eindringen
können,

Das Gewand der Frauen unterſcheidet ſich nur
wenig von dem der Männer; aber es muß nach der An=
weiſung
des Geſetzgebers, der dadurch die überlegene
Stellung des ſtarken Geſchlechts andeuten wollte, kürzer=
ſein
und reicht nur bis zu den Knien. Dieſe ſackartige
Bekleidung iſt ſo plump und ungeſchickt, daß ſie höchſtens.
eine Verſchönerung durch die Buntheit und Pracht des
verwendeten Stoffes erlaubt. Doch entſchädigt ſich die
Chineſin für die mangelnde Eleganz ihres Koſtüms
durch die ausgiebige und ſorgfältige Tpilette, die ſie
ihrem Geſicht, ihren Haaren und ihrem Teint zuteil
werden läßt. Schminke! Das iſt das Hauptzufluchts=
mittel
, durch das die chineſiſche Tochter Evas ihren Rei=
zen
nachhilft und ihre Eleganz beweiſt. Von ranzigem
Oel bis zu den koſtbarſten Effenzen, dem grellgefärbte=
ſten
Puder werden alle Schönheitsmittel verwandt.
und Haare und Teint bilden dann nur eine einzige
Farbenmaſſe, über der ſich der groteske Aufhau des
Kopfputzes erhebt.
Wendet man ſich zuketzt noch der Unterkleidung der
Chineſen zu, ſo rührt man da an ein ſehr dunkles Ka=
pitel
. Unterwäſche iſt ein faſt völlig unbekannter Lu=
aus
; nur die höchſten Mandarine und Fürſtlichkeiten
beſitzen zwei oder drei Hemden, die ſie aber auch nur
alle drei Monate etwa wechſeln. Im Winter wäſcht
man ſich in China nicht; kaum iſt der erſte Froſt ein=
getreten
, ſo zieht ſich der Chineſe nicht mehr aus, ſon=
dern
wickelt ſich alle Gewänder, die er beſitzt, um den
Leib, und da in den kalten Provinzen des Oſtens der
Winter oft mehr als ſechs Monate dauert, ſo kann man
ſich von der Unterwäſche eine Vorſtellung machen, die
auch der reichſte Mandarin vom korallenen Knopf an
ſich trägt. Auch Bettwäſche kennen die Chineſen nicht.
Als bei der Einnahme von Peking das Inventar des
kaiſerlichen Winterpalaſtes aufgeſtellt wurde, fand man
auch nicht ein paar Bettlaken in den Schlafgemächern.
Wie der letzte ſeiner Untertanen legt ſich auch der Be=
herrſcher
des himmliſchen Reiches ganz angekleidet
nieder und entkedigt ſich nur des obexen Gewandes,
des einzigen, das bei dem Chineſen gut erhalten, ohne
Flecken und anſehnlich zu ſein braucht:

[ ][  ][ ]

Nummer G

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Seite 5.

Stammliſte iſt am 4. November 1909 abgeſchloſſen. Sie
enthält die kurzen Perſonalnotizen der jetzigen Offiziere,
Fähnriche und Fahnenjunker, die ehemaligen Offiziere.
Verzeichniſſe der jetzigen und ehemaligen Reſerveoffiziere,
der Sanitätsoffiziere und Beamten, eine Zuſammenſtellung
der Regimentskommandeure, Majors beim Stabe, Eska=
dronschefs
und Regimentsadjutanten, die Standarte und
Auszeichnungen, Rangliſten uſw. Der Stoff iſt mit großer
Sachkenntnis überſichtlich geordnet und erſchöpfend bear=
beitet
. Das gut ausgeſtattete Buch iſt im Ver=
lage
von A. Bergſträßers Hofbuchhandlung (W.
Kleinſchmidt) erſchienen.
* Regimentsappell. Aus Anlaß des Jubiläums des
Leibdragoner=Regiments Nr. 24 findet am Sonntag mittag
12 Uhr Regimentsappell auf dem Infanterie=
Exerzierplatz ſtatt, an dem etwa 4000 derzeitige und ehe=
malige
Angehörige des Regiments teilnehmen werden.
Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Zu dem Vorbe=
reitungskurſus
für die außerterminliche
Meiſterprüfung im Handwerk in der Zeit vom
19. Januar bis 26. gebruar d. J. werden, wie ſchon be=
kanntgegeben
, wenere Anmeldungen noch angenommen.
In dieſem Kurſe werden, wie wiederholt mitgeteilt ſei,
durchgeſprochen u. a. die rechtlichen Beſtimmungen der
Reichsgewerbeordnung, der Arbeiterverſicherungsgeſetz=
gebung
und der Gewerbegerichte. Außerdem wird ein
gründlicher Unterricht in Buchführung, Wechſelrecht, Scheck=
verkehr
und Kalkulation erteilt. Die Unterrichtsgebühr
welche im voraus zu entrichten iſt, beträgt 10 Mark. Die
Anmeldungen haben baldigſt und bis längſtens 15. Januar
bei der Handwerkskammer Darmſtadt, Georgenſtr. 9, zu
erfolgen.
Kulturgeſchichtliche Vorträge. Kenne den Werde=
gang
Deines Volkes! Mit dieſer Mahnung empfiehlt
der Darmſtädter Volksbildungsverein eine weitere
Vortragsreihe über Die Kulturgeſchichte des
Mittelalters, wie er im vorigen Winter zur
Geographie des Deutſchen Reiches einlud, unter dem
Motto: Kenne Dein Vaterland! Nur was Du kennſt,
vermagſt Du gebührend zu ſchätzen, zu lieben! So er=
blüht
Dir aus gründlicher Heimats= und Vaterlands=
kunde
reichere, treuere Vaterlandsliebe, aus vermehr=
ter
Kenntnis und tieferem Verſtändnis der Entwickel=
ungsſtufen
Deines Volkstums eine geſteigerte Wert=
ung
errungener Kulturgüter, und mit ihrer erhöhten
Würdigung wächſt Deine Daſeinsfreude! Der Jugend
werden dieſe Geiſtesſchätze vermittelt durch die Schule,
Erwachſene ſuchen ſie zu gewinnen durch Bücher, er=
folgreicher
durch Bücher und Vorträge, zumal, wenn
dieſe in ſo anſprechender und feſſelnder Weiſe darge=
boten
werden, wie wir es aus früheren Vorleſungen
des Herrn Profeſſor Dr. A. Berger in Erinnerung
haben. Der weitbekannte Forſcher und feinſinnige
Redner wird in den 6 Vorträgen über die Kultur=
geſchichte
des Mittelalters ein lebensvolles Bild ent=
werfen
von der Zeit vom Tode Karls des Großen bis
zur Mitte des 12. Jahrhunderts, ſomit anſchließend an
die frühere Vortragsreihe über Die Anfänge der
mittelalterlichen Kultur‟ Es iſt dies eine Periode
unſerer Geſchichte, aus deren Not= und Glanzzeiten
Kräfte und Erſcheinungen geboren wurden, die welt=
geſchichtlich
hervorragende Bedeutung erlangten und
für unſere ganze Kulturentwickelung beſtimmend ge=
worden
ſind. Nicht wenige Tatſachen und Ueberliefer=
ungen
werden in den Vorträgen in neuem Licht er=
ſcheinen
; denn die reichen Ergebniſſe wiſſenſchaftlicher
Forſchung auf den Gebieten der Altertums=, Spra=
chen
= und Geſchichtskunde mußten manche früheren Ur=
teile
und Anſchauungen berichtigend, ja umgeſtaltend
beeinfluſſen. Die Vorträge werden gehalten in der
Techniſchen Hochſchule, Saal 330; der erſte am Mon=
tag
, den 10. Januar, abends 8¼ Uhr. Karten ſind er=
hältlich
im Verkehrsbureau und Heerdweg 2. Den
Teilnehmern wird eine Ueberſicht des Vortragsſtoffes
eingehändigt.
Björnſon=Abend. Der wegen der ſchweren Er=
krankung
ſeines Vaters ſeinerzeit verſchobene Darm=
ſtädter
Rezitationsabend Björn Björnſons wird
nunmehr am Freitag, 14. Januar, ſtattfinden.
Gartenbauverein. Die Hauptverſammlung am
Donnerstag abend wurde von Herrn Profeſſor Völ=
ſing
eröffnet. Dieſer kam kurz auf den Verlauf des
letzten Jahres zu ſprechen, erwähnte, daß die Zahl der

Mitglieder jetzt 375 betrage und bat die Anweſenden
um ihre Werbetätigkeit. Redner erwahute, daß in
dieſem Jahre der Verein auf ſein 75jühriges Beſtehen
zurückblicke, und wenn auch von einer größeren Feſtlich=
keit
abgeſehen werden ſoll, ſo würde man das Jubiläum
doch würdig feiern. Ferner gedachte der Redner der
Verſtorbenen letzten Jahres und bat die Anweſenden,
ihrer zu Ehren ſich von den Sitzen zu erheben. Neu
angemeldet ſind 4 Mitglieder. Der Rechner des Ver=
eins
, Herr Fehrer, verlas nun die Abrechnungen. Die
Einnahmen beliefen ſich im letzten Jahre auf 4523,09
Mark, die Ausgaben auf 2894,67 Mark, ſo daß ein
Kaſſenüberſchuß von 1628,42 Mark vorhanden iſt. Das
Vermögen beträgt 12566,17 Mark, gegen 11926,15 Mark
im vorigen Jahre, alſo ein Ueberſchuß von 640.54 Mark.
Der Voranſchlag für das nächſte Jahr iſt auf 2738 Mark
feſtgeſetzt. Es wurde nun zur Erſatzwahl für die
ſatzungsgemäß ausſcheidenden Herren Goethe, Weigold,
Dorſch, Naumann, Voltz und Dr. Walter geſchritten
und auf Vorſchlag des Vorſtandes wurden die Herren
Ed. Becker, H. Göbel, W. Grimm, Fuldner, G. Schmidt
und L. Bernhardt durch Zuruf gewählt. Herr Garren=
direktor
Heicke von Frankfurt a. M. ergriff hierauf
das Wort zu ſeinem Vortrage: Eine Studienreiſe in
England‟ Dieſe Reiſe war von der Deutſchen Geſell=
ſchaft
für Gartenkunſt veranſtaltet und von über 100
Mitgliedern unternommen worden; beſonders die
großen Parks in London und der Umgegend wurden
dabei beſichtigt. In einer großen Zahl reizvoller Licht=
bilder
führte der Redner herrliche Partien und An=
lagen
aus den großen engliſchen Parks Hydepark, Ken=
ſington
Garden, Hampton Court, Windfor Caſtle und
der Inſel Wight, auch einzelne Landhäuschen vor, ſo=
wie
einige engliſche Friedhofsanlagen. Nachdem Herr
Prof. Völſing ihm den Dank des Vereins ausgeſprochen,
fand zum Schluß die übliche Verloſung ſtatt. Herr
Hermann Schulze erhielt für eine Ausſtellung Primel
und Phönix eine lobende Erwähnung.
M.V Der Familienabend des Muſikvereins be=
ginnt
, wie nochmals bemerkt ſei, heute abend um 8
Uhr. Kartenverkauf bei G. Thies Nachfolger wie be=
kannt
.
S. Verein für das Deutſchtum im Auslande. Am
Montag, den 10. Januar, findet eine Mitgliederver=
ſammlung
des Vereins für das Deutſchtum im Aus=
lande
im Gartenſaal der Vereinigten Geſellſchaft ſtatt.
Das Nähere iſt aus der Anzeige erſichtlich.
Orgelkonzert. Herr Profeſſor Karl Straube
aus Leipzig wird morgen nachmittag halb 6 Uhr auf
vielfachen Wunſch in der Stadtkirche noch ein zwei=
tes
Orgelkonzert veranſtalten, zu dem der Ein=
trittspreis
zu allen Plätzen der Kirche nur 50 Pfg. be=
trägt
. Das Programm wird ausſchließlich aus den
Namen Max Reger und Johann Sebaſtian Bach gebil=
det
. Von erſterem gelangt Phantaſie und Fuge über
B=A=C=H, op. 46, und die Phantaſie über den Choral
Wacht auf!, ruft uns die Stimme, op. 52, Nr. 2; von
letzterem Präludium und Fuge in E=moll, Toccata,
Adagio und Fuge in C=dur und die C=moll=Paſſacaglia
zum Vortrag.
Schönſchreib=Unterricht. Herr Kalligraphielehrer
Hofer, deſſen dahier erzielten Erfolge durch ſeine treff=
liche
Unterrichtsmethode noch in beſter Erinnerung ſind, er=
öffnet
, wie aus unſerem heutigen Inſeratenteil erſichtlich
iſt, am 11. Januar einen Unterrichtskurs im Schnellſchön=
ſchreiben
für Erwachſene. Da eine ſchöne Form der Schrift
ſtets einen angenehmen Eindruck macht, ja ſogar in vielen
Lebensſtellungen, namentlich in der Geſchäftswelt, eine
korrekte und leſerliche Handſchrift Bedingung iſt, ſeien
Intereſſenten auf dieſe für ſie willkommene Gelegenheit
aufmerkſam gemacht.
Orpheum. Wie ſchon mitgeteilt, hat ſich das
Neujahrsprogramm beſtens eingeführt und finden alle
Mitglieder, da ohne Ausnahme erſtklaſſig, außerordent=
lichen
Beifall. Der allgemeinen Geſchmacksrichtung
angepaßt, finden ſich im gegenwärtigen Spielplan vor=
wiegend
ganz brillante Schaunummern, und man muß
in der Tat ſtaunen, wie es dem ſtets vorwärtsblicken=
den
, nie raſtenden Geiſt der Artiſten immer wieder
gelingt, ihr Können durch neue, intereſſante, oft faſt
unglaubliche Leiſtungen zu bereichern. Heute, Sams=
tag
, findet der übliche Familienabend, morgen, Sonu=
tag
, zwei Vorſtellungen ſtatt. Es kommt auch in der

Nachmittagsvorſtellung das ungekürzte Abendprogramm
zur Darſtellung, trotz der billigen Eintrittspreiſe; für
Kinder iſt in der Abendvorſtellung der volle Platzpreis
zu zahlen, weshalb es ſich empfiehlt, ſolche zur Nach=
mittagsvorſtellung
mitzubringen. (Siehe Anzeige.)
Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Ein letztes Mal
rufen des Prinzen Karneval, des Lichtbringers, ge=
treue
Elferräte ihr närriſch Volk zum Feſte! Die Hoch=
burg
ſorgenbrechender Fröhlichkeit, die Narrhalla am
Woogsplatz, hat ihr ſchönſtes Feſtgewand angelegt, das
Heer der Närrinnen und Narren würdig zu empfan=
gen
. Nicht Cooks, des ſchlauen Gauners, ſondern
Pearys Pfade führt der närriſche Zeremonienmeiſter
ſeine Helfer. Und die führen ſicher zum Nordpol.
Hier an der Erdachſe iſt die Stätte errichtet, von der
die Ritter des Pegaſus ausziehen zum Turnier, die
Stätte, die der Heiner ſo lieblich Bütt benennt.
Wer von dieſer kalten Stelle aus die Herzen zu er=
wärmen
vermag, der iſt ſicher ein guter Streiter, ſein
Knopfloch bleibt ſicher nicht leer. Pünktlich 7,11 Uhr
werden die Klänge des Narrhallamarſches den Einzug
des großen Rates verkünden, und ebenſo pünktlich, um
11 Uhr 11 Minuten, ſoll das reichhaltige Programm
abgewickelt ſein, damit der närriſche Hofball be=
ginnen
kann, dieſes Ziel des Sehnens aller lieblichen
Närrinnen. Der Kartenverkauf iſt koloſſal: Nament=
lich
die teureren, reſervierten Plätze ſind ſchon jetzt
faſt vergriffen. Ein Beweis dafür, daß der Karneval
immer mehr in allen Kreiſen der Bürgerſchaft an
Intereſſe gewinnt. So viel iſt ſicher, wer dem ſchönen
Feſte morgen Sonntag abend fernbleibt, wird das beim
Leſen der Beſprechungen in den Tagesblättern ſehr be=
dauern
. Der Tanz iſt ſelbſtverſtändlich frei.
Turngemeinde. Am Sonntag, den 16. Januar, fin=
det
in der Turnhalle am Woogsplatz eine Damen= und
Herrenſitzung (Faſchingskneipe) ſtatt. Die Vorbereitungen
ſind ſo weit gediehen, daß eine abwechslungsreiche, bril=
lante
Sitzung garantiert werden kann. Bemerkt ſei noch,
daß eine erſte künſtleriſche Kraft hierfür gewonnen wurde.
Die Veranſtaltung iſt für jedermann zugangig.
Königlich Preußiſche Klaſſen=Lotterie. Die
Ziehung 1. Klaſſe 222. Königlich Preuß. Klaſſen=
Lotterie findet beſtimmt am 11. und 12. Januar ſtatt
und ſind Loſe bei den hieſigen Königl. Lotterie= Ein=
nehmern
ſo lange Vorrat noch erhältlich. (Siehe
Anzeige.
Ludwigshöhe. Nächſten Sonntag, den 9. Januar,
konzertiert die Kapelle des Leibgarde=Regiments unter
Herrn Hauskes Leitung. Auf das vorzügliche Pro=
gramm
ſei beſonders hingewieſen. (Vergl. Anzeige.)
Schützenhof. Auf das morgen abend im Schützen=
hof
ſtattfindende karnevaliſtiſch=humoriſtiſche Konzert ſei an
dieſer Stelle beſonders hingewieſen. Die Konzerte erfreuen
ſich von jeher großer Beliebtheit und wird auch morgen
genügend Stoff vorhanden ſein, zumal die Leitung in den
Händen des preisgekrönten Leib= und Hofkapellmeiſters
Carl Maria von Weber liegt. (Siehe Anzeige.
Das Kaiſerpanorama führt die Kunſtſchätze des
Pariſer Louvre und des Luxembourg=Muſeums noch
einſchließlich morgen, Sonntag, vor.
Nummer 1 der Darmſtädter Faſtnachts=Zeitung
(28. Jahrgang) iſt ſoeben erſchienen. Sie bringt eine
Fülle humorvoller Gedichte, Vorträge und Gloſſen über
lokale Ereigniſſe und Zuſtände. Das Abonnement
(5 Nummern) koſtet 1 Mark bei freier Zuſendung ins
Haus. Einzelne Nummern zu 20 Pfg. ſind in allen
durch Plakate kenntlich gemachten Verkaufsſtellen und
im Verlage H. Hohmann, Waldſtraße 4, zu haben.
Offenbach, 6. Jan. An den Diebereien im
Schlachthaus ſind auch manche Metzger ſelbſt
ſchuld, indem ſie eine ungewöhnliche Nachläſſigkeit an
den Tag legen. Vor den Weihnachtsfeiertagen be=
merkten
die Beamten im Schlachthofe, daß ein Viertel
eines Ochſens einſam und verlaſſen dahing. Man
brachte es vorläufig in die Polizeizelle. Dort hing das
Fleiſch bis Neujahr. Dann erſt konnte der Eigen=
tümer
, ein hieſiger Ochſenmetzger, ermittelt werden.
Unter ſolchen Umſtänden braucht man ſich über Dieb=
ſtähle
nicht zu wundern.
Schönberg, 7. Jan. Die Germania ſchreibt ge=
mäß
einer Berichtigung des Starkenburger Bote
vom 21. Dezember 1909, daß in den maßgebenden kirch=
lichen
Kreiſen Oeſterreich=Ungarns von einer Doppel=

Großherzogliches Hoftheater.

Donnerstag, den 6. Januar.
Martha.
W-l. Auch die Opern habe ihre Schickſale. Flotows
Martha, die zum erſten Male im Jahre 1847 zur
Aufführung gelangt iſt, hat die Gemüter unſerer
Eltern und Voreltern einſt ſo bewegt, daß eine Gene=
ration
Mädchen ihren Namen danach erhielt, wie ſpä=
ter
nach Lohengrin eine Generation von Elſas auf=
getaucht
iſt, während dieſer Name früher kaum vorge=
kommen
iſt. Heute iſt Flotows Martha noch als
Oper für die Jugend geſchätzt und beliebt.
Die erſte Bedingung für dieſe durchweg dem melo=
diöſen
Prinzip huldigende Oper iſt Stimmfähigkeit
und Geſangestüchtigkeit der Sänger und Sängerinnen
Sie hat recht eigentlich dankbare‟ Partien. Die heu=
tige
Aufführung litt unter einer gewiſſen Mattigkeit
in ſtimmlicher Hinſicht. Herr Hacker, der den Lyonel
zum erſten Male ſang, vibrierte zu ſehr mit der
Stimme, wodurch die tonliche Friſche und Ausdrucks=
fähigkeit
Einbuße erlitt, während die rein geſangliche
Ausführung der Partie lobenswert war. Auch Fräu=
lein
Suchanek, die die Titelpartie mit gewohnter
Sicherheit und Intelligenz ſang, war in ihrer Ton=
gebung
vielfach zu unruhig. Fräulein Howard, die
als Nancy ſonſt pikant und intereſſant war, hielt mit
ihrer Stimme viel zu ſehr zurück. Herr Stephani
als Plumkett war ſich gleich geblieben, ebenſo Herr
Schwarze, der in der Rolle des Triſtan echte Komik
an den Tag legte.
Die Chöre ſangen nicht ſo gut wie ſonſt und hielten
mit dem Orcheſter nicht immer Schritt.

Kleines Feuilleton.

* Der Wahlwagen. Der engliſche Wahlfeld=
zug
nimmt Formen an, wie ſie auf dem europäiſchen
Feſtland nicht bekannt ſind. Nicht nur, daß ſelbſt
Staatsminiſter in öffentlichen Verſammlungen reden
und auf jeden Zwiſchenruf antworten müſſen, nicht
nur, daß die Kandidaten auch außerhalb der Verſamm=
lungen
im Freien reden, es wird eine ganze Anzahl
von redegewaltigen Agenten in Stadt und Land ge=
ſchickt
, um an Straßenecken und an Kreuzwegen die
Grundſätze des von ihnen empfohlenen Kandidaten und
der von ihnen vertretenen Partei der ſchnell ſich an=
ſammelnden
Volksmaſſe zu verkünden. Zu dieſem
Zweck werden eigens konſtruierte Wagen benutzt, und
einen beſonders gut ausgeſtatteten hat der City
Carlton Club am letzten Montag der unioniſtiſchen
Partei als Geſchenk geſtiftet. Lord Farquhar, der Prä=

ſident der hauptſtädiſchen Diviſion der National
Union of Conſervative and Conſtitutional Aſſociation
nahm die Gabe, die verſchiedene Neuheiten aufzuweiſen
hat, mit Dank entgegen. Der Wagen erinnert an
einen Möbeltransportwagen, iſt mit einer heraus=
ſchiebbaren
Plattform verſehen und einem zuſammen=
legbaren
Geländer. Wenn nicht gebraucht, wird ſie
unter den Wagen geſchoben. Außerdem hat der Wa=
gen
noch einen beſonderen Stand zum Vorführen von
Lichtbildern, die, wie üblich, Karikaturen, ſowie Zif=
fern
und Statiſtiken darſtellen, ſodaß die Zuhörer nicht
nur Belehrung, ſondern auch Amüſement finden.
C.K. Koſtſpielige Flitterwochen. 300000
Mark für eine Hochzeitsreiſe! Das iſt eine anſtändige
Summe, von der andere junge Eheleute ihr ganzes
Leben lang vergnügt und ohne Sorgen leben können.
Wenn man aber erfährt, daß die ſo koſtſpielige Hoch=
zeitsreiſe
in die Polargegenden unternommen wurde,
in einem eigenen Schiff und mit einer Begleitung von
19 Perſonen, ſo wird man begreifen, wie das viele Geld
verwandt worden iſt. Die Polarexpedition, die der
amerikaniſche Millionär Max Fleiſchmann in ſeinen
Flitterwochen unternahm, ſteht an Koſtſpieligkeit durch=
aus
nicht einzig da. Er konnte voll Stolz 30 Renntier=
körfe
, die Felle von 100 Robben und 32 Polarbären vor=
weiſen
, die er erbeutet hatte. Andere bringen von ihren
Hochzeitsreiſen nicht ſo ſichtbare Erinnerungszeichen
mit. Aber eine Weltreiſe auf einer eigenen Jacht als
hochzeitlichen Ausflug zu unternehmen, das iſt die
Sehrſucht und der Stolz jedes Millionärs. Läßt man
das Schiff extra zu dieſem Zwecke bauen, ſo weiß eine
engliſche Wochenſchrift zu berichten, dann werden die
Koſten 400000 Mark erreichen, denn man will es doch
luxuriös und komfortabel haben, und mit notwendigen
Ausbeſſerungen kann die Summe auch auf 600 000 Mark
ſteigen. Im ganzen wird ſolch ein auf ein Jahr aus=
gedehnter
Honigmonat, bei dem man ich alle Wunden
des Erdkreiſes anſieht, die ſtattliche Summe von einer
Million Mark verſchlingen. Annähernd 200000 Mark
haben Mr. und Mrs. Penfield auf einer einfachen Nil=
Hochzeitsreiſe ausgegeben; ſie konnlen es ſich freilich
leiſten, denn Mrs. Penfield hieß früher Annie Weight=
man
Woſker und hat von ihrem Vater ein Rieſenver=
mögen
geerbt. Exotiſcher, wenn auch nicht ganz ſo koſt=
ſpiclig
, verlebte der Graf von Lesdain mit ſeiner
jungen Frau die Flitterwochen, indem er eine gefähr=
liche
und romantiſche Forſchungsreiſe ins unbekannte
Tivei unternahm, 5000 engliſche Meilen zurücklegte und
ſeine an Aufregungen und Gefahren reichen Abenteuer
in einem ſpannenden und wertvollen Buch niederlegen
konnte. Derjenige, den ſein Honigmond wohl am
meiſten gekoſtet hat, ohne daß er freilich ſelbſt davon

Vergnügen hatte, war ein Sohn des Millionärs Charles
L. Tiffany, der ein armes Mädchen heiratete und von
ſeinem Vater enterbt wurde. Da er dabei über acht
Millionen verlor und nur zehn Tage verheiratet
war, verlor er jeden Tag faſt eine Million und ſtellte
ſo den Rekord auf in koſtſpieligen Flitterwochen.
* Das Bier in Deutſchland. Die Revue
Scientifique ſcheint ein beſonderes Intereſſe an den
deutſchen Bierverhältniſſen zu haben, denn ſie gibt.
eine Statiſtik darüber und knüpft Bemerkungen daran,
aus denen das Erſtaunen über unſere Leiſtungen in
dieſer Beziehung klar hervorgeht. Die Bierproduktion
betrug demnach innerhalb eines Jahres (vom 1. April
1907 bis 31. März 1908) in ganz Deutſchland nicht
weniger als 73707000 Hektoliter. Daran hat natürlich
Bayern den Löwenanteil mit 18 641000 Hektolitern; es
folgen Württemberg mit 3975000, Baden mit 3 286000,
Elſaß=Lothringen mit 146000 Hektolitern. 46355000
Hektoliter verteilen ſich auf die übrigen Länder. Mit
dieſer Bierproduktion eines Jahres könnte man ein
Baſſin von 75 Hektar füllen, in dem das größte
Kriegsſchiff der Welt, und wenn es ſelbſt ein
Dreadnought wäre, ganz gut Pletz hätte, ohne
auf den Grund zu geraten. Die 73 707000 Hektoliter
brachten übrigens dem Staat 121 653000 Mark Abgaben
ein. Das ſind 1,95 Mark auf den Hektoliter.
* Die nieſende Stimmdame. Am Diens=
tag
nachmittag wurden zwei Stimmdamen in dem Dom
von Brighton, wo Premierminiſter Asquith am Abend
ſprechen ſollte, aufgefunden. Der Hauswart hörte, wie
jemand in dem leeren Saal nieſte, und zwar kam das
Geräuſch aus der Orgel. Die Frauen hatten ſich aber
ſo wohl verſteckt, daß erſt der Orgelbauer herbeigeholt
werden mußte, bevor ſie entdeckt werden konnten. Als
ſie zum Verlaſſen des Verſtecks genötigt wurden,
wünſchten ſie ihren Häſchern ganz vergnüglich Proſit
Neujahr‟ Die beiden Frauen müſſen ſich bereits ſeit
Montag abend in dem Verſteck in der Orgel befunden
haben.
* Ein Empfänger, der nichts em=
pfängt
. Nach der amtlichen Statiſtik ſind im Jahre
1908 2080050 Stück im deutſchen Reichspoſtgebiet auf=
gelieferte
Poſtſendungen endgültig unbeſtellbar geblie=
ben
. In der Statiſtik heißt es darüber: Von den ſei=
tens
der Poſtanſtalten an den Ausſchuß zur Ermittel=
ung
des Abſenders eingeſandten Poſtſendungen hatten
3964 420 Stück den Empfängern nicht aus=
gehändigt
werden können. Man ſieht, daß die Ver=
deutſchung
auch zu einem logiſchen Nonſens führen
kann. Adreſſat und Empfänger ſind zwei verſchiedene
und in dieſem Falle ſtreng zu ſcheidende Begriffe.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

trauung des Prinzen Viktor zu Erbach=Schönberg und
der Gräfin Eliſabeth Széchényi, die mit den klar aus=
geſprochenen
kirchlichen Beſtimmungen unvereinbar
wäre, nichts bekannt ſei. Demgegenüber iſt die
Darmſt. Ztg. wiederholt zu der Feſtſtellung ermäch=
tigt
, daß ihre ſeinerzeitige Notiz, wonach die Doppel=
trauung
des Prinzlichen Paares, und zwar die evan=
geliſche
Trauung zeitlich vor der katholiſchen, ſtatt=
gefunden
hat, durchaus den Tatſachen entſpricht.
Worms, 6. Jan. Die Bautatigkeit in Worms
war im Rechnungsjahre 1908/09 die geringſte in den letzten
20 Jahren. Ueberhaupt zeichnete ſich das letzte Jahrzehnt
durch einen relativen Rückſchritt in dieſer Beziehung aus.
Während 1898 noch 246 neue Wohnhäuſer errichtet wurden,
ſank die Ziffer bis 1908 allmählich auf nur 39 herab.
B. Bingen, 6. Jan. Ein gefährlicher Unfall iſt im
Fahrwaſſer des Binger Loch vorgekommen. Ein Schiffer
von Aßmannshauſen wollte ſeinen Kahn an einen berg=
wärts
fahrenden Schleppdampfer anhängen, um auf dieſe
Weiſe in der üblichen altgewohnten Weiſe ſich nach Bingen
befördern zu laſſen. Der Mann erreichte aber das ihm zu=
geworfene
Seil nicht und ſein Nachen geriet unter das
eine Rad des Dampfers. Mit Mühe wurde der Mann von
einigen Schiffern herausgezogen, ſein Nachen aber wurde
von den Rädern gänzlich zertrümmert.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 6. Jan. In der Geſell
ſchaft für Erdkunde ſprach der Südpolarforſcher
Shackleton zum erſten Male in Deutſchland über
ſeine antarktiſche Expedition. Dem Vortrage wohnten
der Kronprinz und die Kronprinzeſſin bei,
welche nebſt zahlreichen Vertretern der Reichs= und
Staatsbehörden und hervorragenden Repräſentanten
der Wiſſenſchaften von dem Vorſitzenden der Geſell=
ſchaft
, Geheimrat Profeſſor Penck, begrüßt wurden
Dann hielt Leutnant Shackleton in engliſcher
Sprache ſeinen von zahlreichen Lichtbildern und kine=
matographiſchen
Aufnahmen begleiteten Vortrag, der
überall beifällig aufgenommen wurde. Nachdem er ge=
endet
, wies Geheimrat Profeſſor Penck auf die hervor=
ragenden
Verdienſte hin, die ſich Leuknant Shackleton
erworben habe, und verlieh ihm die Nachtigall=Medaille,
die größte Auszeichnung, welche die Geſellſchaft für
Erdkunde zu vergeben habe. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin unterhielten ſich längere Zeit mit dem
Forſcher. Der Sieger im Sechstagerennen, Walter
Rütt, der ſich ſeiner Militärpflicht entzogen hatte,
wurde geſtern auf ſeine Dienſttauglichkeit geprüft. Die
Unterſuchung ergab bei ihm organiſche Fehler, die ihr
für den Militärdienſt untauglich machen. Es wurde bei
ihm Schwerhörigkeit auf einem Ohr und Herzerweite=
rung
feſtgeſtellt. In der Nacht ſtieß in der Müller=
ſtraße
ein Kraftomnibus mit einem Straßen=
bahnwagen
zuſammen. Von den Fahrgäſten des
Omnibus wurde einer Frau das linke Bein faſt voll=
ſtändig
vom Körper getrennt; ein Tapezierer erlitt
einen Beckenbruch. Zwei weitere Perſonen wurden
leichter verletzt.
Dresden, 7. Jan. Die hieſige Kriminalpolizei
verhaftete geſtern die beiden verwegenen Ein=
brecher
Böthig und Diehl, die in Berlin, Hamburg und
Hannover große Geldſummen bei Einbrüchen erbeu=
teten
. Sie traten hier als adelige Offiziere auf.
Leipzig, 6. Jan. Ein 12 Jahre alter Schulknabe
erhielt vorgeſtern von ſeinem Vater 240 Mark, um
einen Wechſel bei der Reichsbank einzulöſen. In
der Bank wurde dem Knaben geſagt, daß der Wechſel
bereits weiter gegeben worden ſei. Das hörte ein 23
Jahre alter Bureaudiener, der dabei ſtand. Er folgte
dem Knaben und verſtand es, ihm das Geld auf der
Straße abzunehmen, worauf er verſchwand. Der Poli=
zei
gelang es, ihn zu verhaften. Die 240 Mark hatte
er aber bis auf 4 Mark ſchon vergeudet.
Leipzig, 6. Jan. Wegen Beleidigung durch die
Preſſe hatte ſich der Herausgeber des Deutſchen
Kampfes‟ Dr. Artur Pleißner, vor dem Schöffen=
gericht
des Amtsgerichts zu Leipzig zu verantworten.
Dr. Pleißner hatte in ſeiner Zeitſchrift behauptet, daß
das Redaktionsmitglied der Leipziger Neueſten Nach=
richten
Max Halfter, naſſauere und in ſeiner Eigen=
ſchaft
als Kritiker Kabarettkünſtlerinnen ausbeute, um
ihnen unſittliche Anträge zu ſtellen. Dr. Pleißner wurde
zu ſechs Wochen Gefängnis verurteilt; ſeine
Widerklage wurde abgewieſen.
Weimar, 6. Jan. Das neuvermählte Großher=
herzogspaar
wird nach ſeiner Rückkehr aus Italien
am 23. Januar ſeinen feierlichen Einzug in die hieſige Re=
ſidenzſtadt
halten.
Eſſen, 6. Jan. Ein Streich à la Hauptmann
von Köpenick iſt hier verübt worden und wird all=
gemein
belacht, nur nicht von den Leidtragenden. Kam
da vor einiger Zeit ein ſchneidiger Herr zum Ober=
bürgermeiſter
, ſtellte ſich als Dr. jur. Reinhard vor und
bat um die Erlaubnis, ſich in die Kommunalverwaltung
einarbeiten zu dürfen. Nachdem er den höheren Be=
amten
auf dem Rathauſe vorgeſtellt worden war, erhielt
er ſein eigenes Zimmer angewieſen und bearbeitete nun
tatſächlich vier Wochen lang ſtädtiſche Angelegenheiten.
dann verſchwand er ſpurlos. Inzwiſchen aber hatte er
bei Hoteliers, Reſtaurateuren und Privatperſonen
große Schulden gemacht. Reinhard wurde beute in
Aachen verhaftet, wo er dieſelben Schwindeleien ver=
ſuchte
. Er heißt auch wirklich Reinhard, iſt aber nicht
De. jur. und im übrigen ein bekannter Schwindler und
Hochſtapler. Die ganze Angelegenheit wird geheim ge=
halten
, doch erfährt man nach anderen Berichten, daß
ſich der Schwindler auch als Regierungsvertreter vor=
geſtellt
habe, der beauftragt ſei, die Geſchichte der Stadt
Gelſenkirchen zu ſtudieren. Ein weiterer Bericht be=
ſagt
, daß Reinhard als juriſtiſcher Beirat angeſtellt wor=
den
ſei. Dieſer Titel habe auch an ſeinem Wohnungs=
ſchild
geſtanden. Als Beirat hatte er Steuerreklamati=
onen
uſw. zu bearbeiten und verſtand es dabei, alle
mit ihm in Berührung kommenden Perſonen gehörig
zu ſchröpfen, ohne daß im Publikum oder bei den Be=
hörden
Verdacht entſtand.
Foggia, 6. Jan. Bei dem hieſigen Bahnhofe ſtieß
heute abend ein Schnellzug mit einem Güter=
zug
zuſammen. 3 Perſonen wurden getötet und 15
verletzt.
Paris, 7. Jan. Als ſich herausgeſtellt hatte, daß der
Urlaub der beiden Mörder der Frau Gouin ein
regelmäßiger war, wurde von der Gerichtsbehärde be=
ſchloſſen
, die weitere Verhandlung der Angelezenheit dem
Kriegsgericht zu überweiſen. Die Staatsanwalt=
ſchaft
forderte den Unterſuchungsrichter Gridel von Corbeil
auf, die Unterſuchung aus der Hand zu geben. Dieſer
weigerte ſich jedoch, dem Auftrage nachzukommen, und
verlangte, daß die beiden Beſchuldigten ſofort nach Corbeil
gebracht werden. Der Oberſtaatsanwalt hat über den
Zwiſt an den Juſtizminiſter berichtet, der von dem Unter=
ſuchungsrichter
Gridel unverzüglich Aufklärung über ſein
Verhalten verlangt hat, um über den Fall endgültig zu
entſcheiden.

Paris, 5. Jan. Die Söhne der ermordeten Frau
Gouin haben die verſprochenen 25000 Franken dem
Hilfskoch Portehault des Cercles Epatant auszahlen laſ=
ſen
, weil er durch ſeinen Brief an Edouard Gouin die Ver=
haftung
und das Geſtändnis der Mörder Graby und
Michel herbeigeführt hat. Die freigeſprochene Frau
Steinheil macht immer noch von ſich reden, obwohl ſie
ſich auch aus London aufs Land zurückgezogen hat. Nach
dem Prozeß wurde ſie zuerſt in einem Privatkrankenhauſe
in Véſinet bei Paris untergebracht, aber da ſie nicht krank
war, verließ ſie es bald, um in der Klinik eines jungen
Arztes ein Zimmer zu mieten. Als ſie nach London reiſte,
begleitete der Arzt ſie, wollte aber ſchon am nächſten Tage
zu ſeiner Mutter und ſeiner Frau zurückkehren. Seit
länger als einem Monat warten jedoch die beiden Frauen
umſonſt auf ſeine Rückkehr und daher muß man wohl an=
nehmen
, daß Frau Steinheil noch einmal eine unheilvolle
Leidenſchaft entzündet hat.
Paris, 6. Jan. Der Pfandſchein über die vom
früheren Sultan Abdul Aziz verpfändeten Juwelen
iſt wieder gefunden. Dem Maghzen wurde daher anheim=
gegeben
, die Juwelen für die Summe von 1½ Millionen
Francs einzulöſen, die er vor einem Monat deponiert
hatte, um einen Aufſchub der Verſteigerung zu erreichen.
Amſterdam, 6. Jan. In der hieſigen Leihbank er=
ſchien
eine Dame, die Juwelen von hohem Wert
verſetzen wollte. Auf die Frage nach der Herkunft er=
klärte
ſie, daß die Juwelen von einer franzöſiſchen
Dame zur Beleihung ihr übergeben worden ſeien. In
die Enge getrieben, geſtand ſie ſchließlich ein, daß ein
Dertſcher, der bei ihr wohne, der Eigentümer ſei. Die
Polizei hielt ſofort eine Hausſuchung ab, traf jedoch
niemand an. In der Nacht kam ein Automobil vor dem
Hauſe vorgefahren. Ihm entſtieg ein Herr, der von den
auf der Lauer liegenden Poliziſten nach der Wache ge=
führt
wurde. Man fand bei ihm 12 Mark Bargeld und
in ſeiner Wohnung Gold= und Brillantenſchmuck im
Werte von etwa 20000 Mark. Der Mann gibt an, aus
Düſſeldorf zu ſein, weigert ſich aber, ſeinen Namen zu
nennen. Die Amſterdamer Polizei glaubt, es mit einem
der internationalen Eiſenbahndiebe
zu
tun zu haben, die beſonders die Strecke an der Weſt=
grenze
Deutſchlands unſicher machen. Die deutſche
Polizei iſt benachrichtiat worden.
London, 5. Jan. Die Paſſagiere des Bum=
melzuges
von Dover nach Deal hatten am letzten
Dienstag einen Anblick gratis, für den mancher gerne vier
Pfunde bezahlt und ſogar Leib und Leben riskiert. Die
Reiſenden hatten als Entſchädigung nur eine kleine Ver=
zögerung
zu bezahlen. Als der Zug die Nähe von Dover
erreicht hatte, erſchienen auf den umliegenden Hügeln die
Jäger der Oſt=Kent=Fuchshunde, die ſich etwa
ſechs Meilen von der Stadt entfernt verſammelt hatten,
und als der Zug um eine Biegung herum in einen tiefen
Hohlweg hineinfuhr, war vor ihm plötzlich das ganze Pack
der Hunde mit Maſter und rotröckigen Jägern zu Fuß und
Reinecke inmitten der Hunde, der ſoeben ſein Ende gefun=
den
hatte. Der Zug wurde von einem der Jäger zum
Stillſtand gebracht, indem dieſer ſeinen roten Rock auszog
und wie eine Signalflagge hin= und herſchwenkte. Die
Reiſenden ſahen, wie der Maſter die Rute den Hunden
abnahm, das Hallali wurde geblaſen und die Hunde am
Zug entlang geführt, bis der Maſter eine Stelle fand, die
ihm ein Hinausklettern aus dem Hohlweg geſtattete. Dann
ſetzte der Zug ſeine Fahrt fort und die Reiſenden hatten
auf das bequemſte das pittoreske Ende der Fuchsjagd mit
angeſehen, während die eigentlichen Jäger um dieſes Ver=
gnügen
kamen.
London, 7. Jan. Als geſtern Miniſter Burns das
Stadthaus von Wednesbury verließ, um ſeinen Kraft=
wagen
zu beſteigen, wurde er von einem Manne angegrif=
fen
. Burns verſuchte vergebens, den viel kräftigeren An=
greifer
abzuſchütteln. Die Beiden wurden im Kraftwagen
handgemein, bis Schutzleute den Angreifer fortriſſen;
dieſer entkam.
New=York, 7. Jan. Die Leiter des Arktik=Klubs be=
ſchloſſen
, Cook aus dem Klub auszuſtoßen, da ſeine Be=
richte
grober Betrug geweſen ſeien. Die öffentliche
Bibiliothek in Boſton lehnte eine Anregung, die Schriften
Cooks aus der Bücherſammlung zu entfernen, ab. beſchloß
aber, die Bücher in der Abteilung Literariſche Fäl=
ſchungen
unterzubringen.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nacht
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Ueber den Dichter Frédérik van Eeden
der am nächſten Dienstag hier ſprechen wird, leſen wir
in der Täglichen Rundſchau: Der Berliner Verein
für Kunſt hat ſich das Verdienſt erworben, den hollän=
diſchen
Dichter Frédérik van Eeden, der ſich in Deutſch=
land
in überraſchend kurzer Zeit einen Namen gemacht,
als Redner bei uns einzuführen. Das Thema, über
das van Eeden ſprach, lautete: Die Miſſion des
Dichters, und gab dem Vortragenden Gelegenheit
ſith über die verſchiedenſten Gebiete zu verbreiten und
dabei ſeine allerverſönlichſten Anſichten zu äußern. Ein
ſolch unverfälſchter Ideglismus, ein ſolch in=
brünſtiges
Streben nach dem Schönen und Erhabenen
wie wir es in dieſem Dichter erkennen, muß läuternd
und befreiend wirken in unſerer Zeit der Nüchternheit
und des Skeptizismus. Ganz ungewöhnlich ſtark ſchien
die ſuggeſtive Macht des Dichters auf die andächtig
lauſchende Zuhörerſchaft zu wirken, und es war auch
dieſe Macht der Suggeſtion, dieſe unwiderſtehliche Kraft
der Ueberzeugung, die in uns und vielen anderen den
Wunſch rege werden ließ, er möchte ſich recht bald
wieder einmal vor einem deutſchen Publikum hörer
laſſen.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 7. Jan. Der Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer nahm in ſeiner heu=
tigen
Sitzung eine nähere Formulierung derjenigen Vor=
ſchläge
vor, die nach der geſtrigen Beſprechung mit der
Regierung in einer gemeinſamen Beratung der Finanz=
ausſchüſſe
beiden Kammern und der Regierung unterbreitet
werden ſollen. Eine derzeitige genauere Wiedergabe die=
ſer
Beſchlüſſe hält der Ausſchuß vor der gemeinſamen Aus=
ſprache
nicht für empfehlenswert. Dieſelben verfolgen je=
doch
beſtem Vernehmen nach die Tendenz, daß eine ſo
hohe Steuervermehrung, wie ſie die Regierung
vorgeſchlagen (30 Prozent), der Bevölkerung nicht auf=
erlegtwerden
könne und Mittel und Wege gefunden
werden müßten, den Prozentſatz möglichſt herab=
zumindern
. Das ſoll zunächſt dadurch erfolgen, daß
die Schuldentilgung für 1910 erheblich niedriger bemeſſer
und, wie ſchon geſtern bemerkt, der Reſt des Ausgleichs=
fonds
im Betrage von 1059000 Mark, den die Regierung
mit zur Schuldentilgung verwendet wiſſen wollte, etwa

zur Hälfte zur Aufbeſſerung der Beamtenbeſoldungen in
Form einer einmaligen Tenerungszulage ver=
wendet
und zur Hälfte anderen ſtaatlichen Zwecken zuge=
führt
wird. Wenn das geſchieht, ſo könnte die 30prozentige
Steuermehrforderung ſchon um 5 Prozent herabge
ſetzt werden; der Finanzausſchuß verlangt aber von der
Regierung weiter, daß ſie bis zu einem näher beſtimmten
Zeitpunkt ihre Reorganiſationsvorſchläge betreffs Verein=
fachung
der Staatsverwaltung vorlegt, auf deren Grund
lage dann eine weitere Verminderung der Ausgaben er=
zielt
werden kann. Des weiteren ſoll eine Abänderung
des Einkommenſteuergeſetzes in der Weiſe erfolgen, daß die
höheren Einkommen, die Aktiengeſellſchaften uſw., ähnlich
wie in Preußen, ſchärfer zur Steuer herangezogen werden.
Durch dieſe Maßnahmen hofft man, die von der Regierung
geforderte Steuererhöhung möglicherweiſe um weitere
5 Prozentherabdrücken zu können. Der Finanz=
ausſchuß
wird ſeine Beratungen am nächſten Dienstag
fortſetzen.

Sport.

Darmſtädter Sport=Klub 1305. Nächſten
Sonntag ſtehen ſich auf dem Sportplatze an der Wnd=
mühle
die erſten Mannſchaften des F.=K. Mombach
und des D. S.=K. 05" im Meiſterſchaftsſpiel gegenüber.
Radſportliche Erfolge im Gau Ix
D. R.=B. Laut amtlicher Bekanntmachuna des Deutſchen
Radfahrerbundes hat der Gau IX (Frankfurt a. M.) bei
den 6 Stunden=Wettbewerben der Land=
ſtraße
im Zeitfahren vorzüglich abgeſchnitten. Dem=
nach
erhalten die kleine goldene Bundesmedaille: Aug.
Shaw, H. Beck, Friedr. Kratz, ſämtlich R.=V. Ger=
mania‟
=Frankfurt a. M., Karl Friedrich, Wanderliebe‟=
Frankfurt und alfr. Köllner, Bicycle=Klub=Frankfurt a. M
mit je 182 km. Ferner erhielten Paul Röver, Bicycle
Klub=Frankfurt und A. Aubert, Vel.=Klub=Frankfurt a. M.
g oldene Kravattennadeln für 172 km.
Radfahrer=Fußtour des Gau IX D. R.=B.
Der Gau IX des Deutſchen Radfahrerbundes veran=
ſtaltet
Sonntag, 16. Januar, ſeine erſte Fußwanderung
ins blaue Ländchen. Tieffpunkt iſt vormittags 9 Uhr
auf Bahnhof Eppſtein i. T., dann Fußtour über Brem=
thal
, Medenbach, Nordenſtadt (Mittageſſen im Frank=
furter
Hof), 3½ Uhr weiter nach Hochheim, daſelbſt
Schlußfeier im Bundesgaſthaus zum Ehrenfels.
Sr. Die Schoonerjachtdes Kaiſers, MeteorIII‟
die 1904 in Amerika gebaut wurde, und in England ihre
Innenausſtattung erhielt, hat, nachdem ſie im Voriahre
nach Fertigſtellung des neuen Meteors außer Dienſt ge=
ſtellt
worden war, einen neuen Beſitzer gefunden. Es
iſt dies der Kieler Univerſitätsprofeſſor Harries, der die
Jacht für den verhältnismäßig billigen Preis von
200000 Mk. erſtand, während der ſeinerzeitige An= ſich auf nicht weniger als 900000 Mk.
belief. Der neue Eigentümer beabſichtigt, ſich nicht an
Regatten zu beteiligen, ſondern den Schooner für Kreuz=
fahrten
zu benutzen.

Handel und Verkehr.

* London, 6. Jan. 12 Uhr 10 Min. Die Aus=
gabe
von 7500000 Pfd. Sterling, 3½proz.
Anleihen ſeitens der indiſchen Regierung (Ausgabekurs
96½ Proz.), wirkte heute vormittag nachteilig auf die
Kursgeſtaltung der engliſchen Konſols und anderer
hochklaſſiger Sicherheiten der Fondsbörſe ein. Eng=
liſche
Konſols und andere Regierungsanleihen fielen
weſentlich.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktios
ketnerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Eine weitere Ueberraſchung für die Beamten
Heſſens bietet das Budget inſofern, als ihre beſtehen=
den
Gehaltsſätze in Zukunft noch eine Verkürzung erleiden
werden. Denn einerſeits ſollen die Steuern um 30 Pro=
zent
erhöht werden und andererſeits ſoll auch das Schul=
geld
nach dem Vorſchlag eines deutſch=ſozialen Abgeord=
neten
um die Hälfte des jetzigen Betrags geſteigert wer=
den
. Es zahlt z. B. ein Beamter mit 4000 Mark Ge=
halt
heute bereits 180 Mark an Staats= und Gemeinde=
ſteuern
, und ſofern er einen ſchulpflichtigen Sohn hat, der
die höhere Schule beſucht, 120 Mark Schulgeld. Im näch=
ſten
Jahre aber muß er ungefähr 120 Mark an
Schulgeld und Steuern mehr entrichten und
außerdem hat er noch bei der durch die Finanzreform
hervorgerufenen Teuerung bedeutend größere Ausgaben
für die notwendigſten Lebensbedürfniſſe. In Preußen
wurde vor zwei Jahren den Beamten eine einmalige
Teuerungszulage bewilligt und im vorigen Jahre trat eine
allgemeine Neuordnung der Beamtengehalter ein, und
ebenſo geſchah es in den anderen deutſchen Bundesſtaaten.
Die maßgebenden Stellen in Heſſen haben die Notwendig=
keit
einer Aufbeſſerung der Beamtenbeſoldung anerkannt.
Darum ſollten ſie auch Mittel und Wege finden, die Lage
der Beamten wenigſtens einigermaßen zu beſſern. Min=
deſtens
eine Teuerungszulage von fünf Prozent des
Gehalts für die unverheirateten und zehn Prozent für die
verheirateten Beamten und Lehrer ſollte bewilligt werden:
die Steuern brauchte man zu dieſem Zwecke kaum um fünf
Prozent zu erhöhen.

Vermiſchtes.

S.K. Hausſchwamm macht den Kaufeines
Grundſtücks rückgängig. Der Rentier B. in
Naumburg hatte von dem Beſitzer K. ein Haus käuflich
erworben. Bald nach dem Kaufabſchluß bemerkte B.,
daß ein Zimmer ſeines neuerworbenen Hauſes von
Schwamm ergriffen war. Er verlangte deshalb von
ſeinem Vorbeſitzer K. auf Grund der Paragraphen 459
und 462 des Bürgerlichen Geſetzbuches Rückgängigmach=
ung
des Kaufs und ſtrengte, als dieſer ſich weigerte, vor
dem Landgericht in Naumburg die Wandel=
ungsklage
gegen ihn an. Der Prozeß wurde jedoch zu
Ungunſten des klägeriſchen B. entſchieden. Auch die
Berufungsinſtanz (Oberlandesgericht Naumburg) er=
kannte
zu B.s Nachteil, weil der Hausſchwamm, der im
allgemeinen zwar als ein erheblicher Mangel im Sinne
der angezogenen Geſetzesparagraphen anzuſehen ſei, im
vorliegenden Falle aber den Wert des Hauſes nur ganz
unerheblich ungünſtig beeinfluſſe; denn es komme nur
ein einziges Zimmer in Frage, und die Beſeitigung des
Schadens erfordere einen zu dem Kaufpreis nur in
ganz verſchwindendem Verhältnis ſtehenden Betrag von
einigen 100 Mark. Mit dieſem Urteil gab ſich B. jedoch
nicht zufrieden. Er legte Reviſion ein, worauf das
Reichsgericht auf Aufhebung des oberlandes=
gerichtlichen
Spruches erkannte. Der Hausverkäufer

[ ][  ][ ]

Nummer 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Seite 5.

müſſe ſo hieß es in der Begründung des Reichsgerichts=
urteils
, für das Nichtvorhandenſein von Hausſchwamm
Gewähr leiſten, und ſchon die Schwammverdächtigkeit
reiche aus, die Nichtigkeit eines Grundſtückskaufvertra=
ges
herbeizuführen. Der Hausſchwamm gelte, wie
das höchſte Gericht ſchon wiederholt entſchieden habe,
als ein erheblicher Fehler.
Geruch und Verdauung. Jedermann hat
wohl ſchon die Beobachtung gemacht, daß die angeneh=
men
Gerüche, die ihm aus der Küche zuſtrömten, ſehr
anregend auf ſeinen Appetit wirkten, während anderer=
ſeits
üble Düfte, die vom Eſſen ausgehen, recht unlieb=
ſame
Wirkungen auf den Magen hervorbringen. Aus=
gehend
von dieſer Tatſache, hat ein amerikaniſcher Arzt,
Dr. George M. Niles aus Atlanta, wie die Revue‟
berichtet, wiſſenſchaftliche Unterſuchungen über die Be=
ziehung
von Geruch und Verdauung angeſtellt. Zahl=
reiche
Experimente zeigten ihm, daß gewiſſe Gerüche
und Parfüms eine ganz ausgeſprochene Wirkung auf
den Organismus vieler Menſchen ausüben. Manche
konnten es nicht in einem Zimmer aushalten, in dem
ſich ein Strauß von Flieder oder Jasmin befand;
andere bekamen Kopfſchmerzen oder ſogar Brechreiz,
wenn ſie eine Tubaroſe, ja ſelbſt wenn ſie eine Roſe
rochen. Magenbeſchwerden mit mehr oder weniger
ſchlimmen Folgen können durch den Aufenthalt in
einem Treibhaus hervorgerufen werden, in dem ſich
Heliotropen befinden. Niles beobachtete den Fall einer
Frau von mittleren Jahren, die jedesmal Herzbeklem=
mungen
bekam, wenn ſie Geruch von Kalbfleiſch oder
Fiſch verſpürte, obwohl ſie dieſe Speiſen mit Ver=
gnügen
, wenn ſie ſich die Naſe zuhielt und dadurch
den Geruch vermied. Häufig wird eine ſolche Averſion
gegen eine beſtimmte Speiſe hervorgerufen, wenn
man ſich einmal den Magen daran verdorben hat, und
es genügt dann ſchon der Geruch diefes Gerichtes, um
Uebelkeit hervorzurufen. So empfand ein amerikani=
ſcher
Offizier, der während des Sezeſſionskrieges ſchlecht
zubereitete Zwiebeln oft hatte mit Ekel herunter=
zwingen
müſſen, noch nach 45 Jahren Magenbeſchwer=
den
, wenn er eine Zwiebel roch. Es handelt ſich in ſol=
chen
Fällen nicht um Vorurteile und Voreingenommen=
heit
, ſondern um wirkliche Idioſynkraſien, indem durch
einen krankhaften Zuſtand das Verdauungsſyſtem an=
gegriffen
wird. Wie ſo durch ſchlechte Gerüche ſchwere
Magenverſtimmungen hervorgerufen werden können,
ſo kann andererſeits durch angenehme Düfte eine ſehr
günſtige Wirkung auf die Verdauung hervorgerufen
werden. Das beweiſt die Praxis der Orientalen, die
ſeit langem Parfüms zur Erzielung einer guten Ver=
dauung
verwenden. Nach jeder Mahlzeit ruhen ſie in
einem Zimmer aus, deſſen Luft mit ſanften oder auch
mit angenehmen ſtarken Wohlgerüchen erfüllt iſt, oder
wenn ſie ſich dieſen Genuß nicht verſchaffen können,
haben ſie wenigſtens ein Riechfläſchchen immer in der
Hand. Auch die Armen wollen dieſe Annehmlichkeit
nicht entbehren, deren großen Nutzen für ihre Nerven
und ihren Magen ſie erkannt haben. Dr. Niles iſt der
Meinung, daß auch bei uns der Geruchsſinn für dieſen
Zweck kultiviert werden müßte, und er glaubt, daß
neben anderen Heilmitteln auch eine Kur durch Wohl=
gerüche
für Magen und Verdauung von großem Nutzen
ſein würde.

Literariſches.

Vom Präſidium der Gießener Freien Studenten=
ſchaft
herausgegeben, erſchien vor kurzem Studen=
tiſches
Taſchenbuch für die Univerſität
Gießen 2. Ausgabe. Aus dem Inhalt des Vüch=
leins
ſei folgendes hervorgehoben: Verbeſſerung des
Ehrenſchutzes (Profeſſor Dr. Mittermaier). Die Uni=
verſität
Gießen im Winter=Semeſter 1909/10. Die Gie=
ßener
Freie Studentenſchaft. Der Gießener Student
und die Kunſt (Privatdozent Dr. Rauch). Empfehlens=
werte
Vereine für Kunſt, Wiſſenſchaft, Sport. Die
ſtudentiſchen Unterrichtskurſe für Arbeiter und Unter=
beamte
. Der akademiſche Geſangverein und der Kon=
zertverein
in ihrer Beziehung zur Landes=Univerſität
(Profeſſor Trautmann). Allerlei Wiſſenswertes.
Oſtwald, Wilhelm: Einführung in
die Chemie. Ein Lehrbuch für höhere Schulen und
zum Selbſtunterricht. Gr.=8 238 S. Text und 74 Ab=
bildungen
. Stuttgart, Franckhſche Verlagshandlung
In geſchmackvollem Ganzleinenband 3 Mark. Das vor=
liegende
Buch iſt beſonders eine allgemeinverſtändliche
Einführung für weite Kreiſe. Die zahlreichen Abbild=
ungen
erleichtern die Ausführung der Experimente, in=
dem
ſie in ergänzender Weiſe über viele Einzelheiten
Aufſchluß geben, die im Text nicht ausdrücklich erwähnt
werden konnten. Die Einführung in die Chemie be=
weiſt
in Stoffauswahl, Einteilung und Darſtellung, daß
Oſtwald nicht nur ein ausgezeichneter Wiſſenſchaftler
iſt, ſondern auch als vortrefflicher Lehrer aus dem
reichen Schatze praktiſcher pädagogiſcher Erfahrungen
zu ſchöpfen weiß.
In der Cottaſchen Handbibliother
ſind drei neue Bändchen erſchienen, die ſich der treff=
lichen
Sammlung würdig anreihen und die gute
Volksliteratur um ein paar vorzügliche Bücher ver=
mehren
. Es ſind dies Die Geſchichte des Diethelm
von Buchenberg von Berthold Auerbach (75 Pfg.),
Meiſter Martin Hildebrand Novelle von W. H. Riehl
(30 Pfg.) und Ivo, der Gajrle, eine Schwarzwälder
Dorfgeſchichte von Berthold Auerbach. (J. G. Cottaſche
Buchhandlung Nachf., Stuttgart). Die Vorzüge der
Cottaſchen Handbibliothek ſind zu bekannt, als daß ſie
beſonderer Empfehlung bedürfen.

Brand im königlichen Schloſſe zu Athen.

* Athen, 7. Jan. Im königlichen Schloß brach
geſtern nacht Feuer aus. Das Schloß iſt in der Regel
unbewohnt, da König Georg gewöhnlich auf ſeinem
ländlichen Schloß Tatoi, einige Meilen von Athen, reſi=
diert
. Auch augenblicklich befindet ſich die königliche
Familie dort. Das Schloß wurde 1834 nach den Plänen
des Münchener Architekten Gärtner erbaut.
* Athen, 7. Jan. Soweit bei der allgemeinen
VVerwirrung die Tatſachen feſtzuſtellen ſind, kam das
Feuer in der 10. Stunde in der königlichen Schloß=
kapelle
, auf der Südleite des Schloſſes, wo die deut=
iſchen
Gottesdienſte abgehalten werden, zum Ausbruch.
Wahrſcheinlich iſt eine Kerze nicht ausgelöſcht worden.
Nach einer anderen Verſion verurſachte die Dampfheiz=
ung
den Brand. Mit unerklärlicher Schnelligkeit griff
das Feuer eine halbe Stunde ſpäter auf die Nordſeite
des Palaſtes, zum großen Schloßhof, hinüber, ebenſo
auf den Oſtflügel. Die zweiten Stockwerke in dieſen
drei Flügeln ſind vollſtandig zerſtört. Aus dem
Trophäenſaal konnten die wertvollſten Stücke gerettet
werden, ebenſo das Archiv mit der königlichen Korre=
ſpondenz
und den Staatspapieren, die unter ſtarker Be=
deckung
in die Kammer und das Miniſterium des Auswär=
tigen
geſchafft wurden. Der König begab ſich ſofort
nach Athen, ſtand äber nur einem hoffnungsloſen

Feuermeer gegenüber. Die elenden hieſigen Feuer=
wehr
= und Waſſerverhältniſſe zeigten ſich dabei in er=
ſchreckender
Deutlichkeit. Man ſtand dem gewaltigen
Brande faſt hilflos gegenüber. Militär und Matroſen
engliſcher und ruſſiſcher Schiffe, die in Phaleron liegen,
leiſteten Hilfe. Das auf der Höhe des herrlichen Ver=
faſſungsplatzes
gelegene brennende Schloß erleuchtete
die Umgebung in weitem Umkreiſe taghell. Eine gewaltige
Menſchenmenge umlagerte die Stätte. Um 1 Uhr mor=
gens
war das Feuer gelöſcht.
* Athen, 7. Jan. Zu dem Brände im königlichen
Schloß wird noch gemeldet: Nach anderthalbſtündiger
harter Arbeit war der Brand um 12 Uhr 20 Minuten
in der Hauptſache gelöſcht. Am meiſten hat das Ele=
ment
in den oberen Teilen des Schloſſes gewütet. Hier
lagen die Zimmer der Bedienſteten, die völlig zerſtört
ſind. Ebenſo iſt die Schloßkapelle mit dem herrlichen
Altar und den außerordentlich wertvollen Wand= und
Altar=Gemälden ein Raub der Flammen geworden.
Dagegen ſind die eigentlichen königlichen Zimmer, ſo=
wie
die engliſchen Zimmer, in denen nicht minder koſt=
bare
Gemälde ſich befinden, völlig unverſehrt geblieben.
* Athen, 7. Jan. Um Mitternacht traf der König,
von Taoti kommend, um 1,15 Uhr hier ein. Das Feuer iſt
faſt gelöſcht. Ein Seitenflügel des Schloſſes konnte ge=
rettet
werden, aber der Mittelbau, der den Trophäen=,
Thron= und Empfangsſaal enthielt, iſt eingeäſchert. Die
koſtbaren Erinnerungen an den Unabhängigkeitskrieg, mit
welchen die Säle geſchmückt waren, wurden jedoch gebor=
gen
. Das Schloß war gegen Feuerſchaden nicht verſichert,
wohl aber das Mobiliar in Höhe von 1200000 Franken.
Neben dem König überwachten auch der Miniſterpräſident
und die übrigen Miniſter die Löſcharbeiten. Dieſe wurden
erheblich erſchwert durch den heftigen Wind, der ſich ſpäter
erhob und die Flammen von neuem anfachte. Die geſamte
Bevölkerung war auf den Beinen, wurde jedoch von Mili=
tär
von der Brandſtelle ferngehalten. Der ſüdliche Flügel
iſt eine völlige Ruine, vom nördlichen Flügel iſt das zweite
Stockwerk ganz ausgebrannt. Unbegreiflich iſt, daß die
Schloßwache und die Dienerſchaft von dem Brande nichts
hemarkt hat uſt von draußen darauf aufmerkſam ge=
macht
werden mußte.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 7. Jan. Staatsſekretär v. Schoen be=
gab
ſich mit kurzem Urlaub nach Darmſtadt. ( Staats=
ſekretär
v. Schoen war bekanntlich früher Offizier des
Leib=Dragonerregiments Nr. 24. Er wird an den
Jubiläumsfeierlichkeiten des Regiments teilnehmen.)
* Leipzig, 7. Jan. Das Reichsgericht verwarf
die Reviſion des Bankiers Friedberg gegen das
Urteil des Landgerichts I=Berlin vom 1. Mai vor. Js.,
hob aber auf die Reviſion des Staatsanwalts das Urteil
auf, ſoweit Friedberg von der Anklage wegen Ver=
gehens
gegen den Paragraphen 313 Abſatz 3 des Han=
delsgeſetzbuches
freigeſprochen worden iſt. Im übrigen
wurde die Reviſion des Staatsanwalts gegen die teil=
weiſe
Freiſprechung Friedbergs und Bohns verworfen.
* Hamburg, 7. Jan. Die chineſiſche Marine=
Studienkommiſſion, begleitet von den Herren
der Direktion des Stettiner Vulkan, iſt heute vor=
mittag
hier eingetroffen; ſie wurde im Auftrage des
Kaiſers vom kommandierenden General des 9. Armee=
korps
, von Vietinghoff, ſowie den Senatoren Dr=
Stahmer und Weſtphal empfangen. Die Herren be=
ſichtigten
nach einer Hafenrundfahrt die Werft von
Blohm und Voß.
* Hamburg, 7. Jan. Die chineſiſche Marine=
Studienkommiſſion begab ſich nach der Beſich=
tigung
der Werft von Blohm u. Voß nach der neuen
Vulkanwerft, die ebenfalls eingehend beſichtigt wurde.
Um 1½ Uhr wurde ein vom Senat im Rathaus ge=
gebenes
Frühſtück eingenommen.
* Breslau, 7. Jan. Wie der Schleſiſche Zeitung
aus Beuthen meldet, ſind geſtern nachmittag auf dem Zie=
gelteiche
hinter Fiedlers Glückgrube beim Schlittſchuhlau=
fen
vier Perſonen eingebrochen, von denen drei, zwei
Knaben von 16 und 12 Jahren und ein 15jähriges Mäd=
chen
ertranken. Die Leichen wurden von der Feuer
wehr geborgen.
* Kouſtantinopel, 7. Jan. Die von den türkiſchen
Behörden in Yemen eingeleitete genaue Unterſuchung
ergab, daß die Mörder der Reiſenden Burckardt und
Benzoni übelberüchtigte Individuen aus der Ort=
ſchaft
Oudenie ſeien. Die Uebeltäter lockten die Reiſen=
den
in einen Hinterhalt und ermordeten ſie, in der
Hoffnung, einen großen Geldbetrag zu erbeuten. Von
den Behörden wurden alle Maßnahmen getroffen, um
die Reiſe des italieniſchen Konſuls nach dem Ort der
Tat nach Möglichkeit zu erleichtern. Der Konſul er=
hielt
zu dieſem Zwecke eine ſtarke Militäreskorte. In
Anbetracht der großen Entfernung iſt jedoch damit zu
rechnen, daß die Reiſe ungefähr 15 Tage in Anſpruch
nehmen wird.

H. B. Rom, 7. Jan. Zu dem Eiſenbahn=
unglück
in der Nähe von Foggia wird noch
gemeldet: Der Schnellzug, der ſich in voller Fahrt be=
ſand
, ſtieß auf offener Strecke mit dem Güterzug zu=
ſammen
. Unter den Paſſagieren des Schnellzuges, der
ſtark beſetzt war, entſtand eine Panik, die durch das
nächtliche Dunkel noch vergrößert wurde. Die Folgen
des Zuſammenſtoßes ſind außerordentlich ſchwer. Bis=
her
wurden 5 Tote aus den Trümmern geborgen. 40
Perſonen ſind ſchwer verwundet worden. Der Schaden
iſt ſehr bedeutend. Die beiden Lokomotiven wurden
zertrümmert. Außerdem ſind die Tender, 3 Perſonen=
wagen
und 2 Güterwagen gänzlich demoliert.
H. B. Haure, 7. Jan. Um 9 Uhr vormittags gab die
Hafenbehörde bekannt, daß die Lage des geſtrande=
ten
Dampfers Fürſt Bismarck unverändert
ſei. Die Abſchleppungsarbeiten wurden um dieſe Zeit
wegen des einſetzenden ſtarken Windes eingeſtellt und
ſollen mittags wieder aufgenommen werden.
H.B. New=York, 7. Jan. Die ganze Stadt
war geſtern mit einer Eisdecke überzogen.
Um 6 Uhr abends fiel ſtarker Regen, der bei ſtrenger
Kälte ſich nachts in Eis verwandelte. Das Gehen in
den Straßen war unmöglich, der Verkehr ſtockte gänz=
lich
. Viele Fußgänger gebrauchten Schlittſchuhe, um
ſo vorwärts zu kommen. Hunderte von Unfällen er=
eigneten
ſich. Ueber 180 Schwerverletzte wurden ins
Hoſpital gebracht, um dort behandelt zu werden. Das
Glatteis währte eine Stunde; dann trat Tauwetter
ein.
* Waſhington, 7. Jan. Staatsſekretär Knox er=
klärte
bezüglich der Neutraliſation der
mandſchuriſchen Eiſenbahnen, die Regier=
ung
glaube, dies ſei der wirkſamſte Weg für China,
ſich den ungeſtörten Genus der politiſchen Rechte in
der Mandſchurei zu ſichern und die normale Entwickel=
ung
der öſtlichen Provinzen unter der Politik der
offenen Tür zu fördern.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit Donnerstag früh: Ueber
ganz Oſt= und Mitteleuropa hat ſich hoher Druck, am
Nordrande der Alpen von nahe 780 mm eingeſtellt,
während weit entfernt von unſerem Bezirk Tiefdruck=
gebiete
im Nordweſten vorüberwandern. Dementſprechend
iſt das Wetter trocken, doch herrſcht dichtes Nebelgewölk,
ſodaß bis jetzt die Temperatur noch unverändert bei 3
und 3 Wärme, liegt. Der hohe Druck wandert mit
ſeinem Zentrum oſtwärts, ſodaß ſüdöſtliche Winde Froſt,
vorerſt noch ſchwachen, bringen.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, den 8. Januarn
Bewölkung abnehmend und bereits leichter Froſt.

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täglich ein Likörgläschen Dr. Hommel’s
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[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
hiermit die traurige Nachricht, daß heute nacht
1 Uhr nach kurzem, ſchwerem Leiden unſer
innigſtgeliebter Gatte, Vater, Großvater, Ur=
großvater
, Schwiegervater, Bruder, Schwager
und Onkel
Herr Christian Hill
Waagmeister 1. P.
im Alter von 75 Jahren ſanft verſchieden iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Dresden, Radeberg, 7. Jan. 1910.
Die Beerdigung findet Sonntag, 9. Januar,
nachmittags 3 Uhr, vom Portale des Friedhofes
aus ſtatt.
(1000

Tageskalender.
Samstag, 8. Januar.

Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Der G’wiſſenswurm.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Theater= und Tanzabend des Muſikvereins um
8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 5 Uhr im Heſſenbräu Kirchſtraße.

Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant Metropol.
Konzert um 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant Kratſch.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4½11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (Meiſterwerke der Bild=
hauerkunſt
aus dem Louvre= und Luxembourg=Muſeum
zu Paris).

Sonntag, 9. Januar.

Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Die Dollarprinzeſſin.
Vorſtellung um 4 und 8 Uhr im Orpheum.
Orgelkonzert von Profeſſor Straube um ½ 6 Uhr in
der Stadtkirche.
Vortrag (Beſagt die Bibel den Weltfrieden?) um
4½ Uhr Neckarſtraße 22.
Weihnachtsfeier des Kaufm. Vereins weiblicher An=
geſtellter
um ½7 Uhr im Fürſtenſaal.
Damen= und Herrenſitzung der Karnevalgeſell=
ſchaft
Narrhalla um 7.11 Uhr in der Turnhalle am
Woogsplatz.
Stiftungsfeſt des Friſeur=Gehilfenvereins um 9 Uhr
im Kaiſerſaal
Nachfeier des Darmſtädter Männergeſangvereins um
4 Uhr im Parkhotel.
Ausflug des Odenwald=Klubs inach Reinheim; Ab=
marſch
um 8½ Uhr am Großen Woogsdamm.
Spaziergang des Heſſ. Fechtvereins Waiſenſchutz
nach Griesheim; Zuſammenkunft um 2 Uhr am Bahn=
übergang
.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Reſtaurant Metropol.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Reſtaurant Kratſch.
Konzert um 4 Uhr im Reſtaurant Zur Sonne‟.

Konzert um 8 Uhr im Schützenhof
Tanzkränzchen um 4 Uhr in der Stadt Pfungſtadt.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (Meiſterwerke der Bild=
hauerkunſt
aus dem Louvre= und Luxenbourg=Muſeum
zu Paris).

Verſteigerungskalender.
Montag, 10. Januar.

Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Rathaus
zu Pfungſtadt.
Stamm= und Brennholz=Verſteigerung um
9½ Uhr im Rathaus zu Arheilgen.

Kirchliche Nachrichten.

St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den 8. Jan.,
nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte.
1. Sonntag nach Epiphanie, den 9. Januar 1910
Feſt der Erſcheinung des Herrn
Kollekte für die afrikaniſchen Miſſionen.
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Um 9 Uhr: Amt mit
Predigt. Nachmittags um ½3 Uhr: Feierliche Vesper.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Kurſe vom 7. Januar 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Bf. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,50
3½
Deutſche Reichsanl. . 94,25
85,30
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 101,40
3½ do. Conſols . . . . 94,30
85,30
do.
§ do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 102,20
94,30
3½
do.
do.
3
C
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 102,70
93,90
do.
3½
84,30
do.
4 Hamburger Staatsanl. 102,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 102,00
do.
½½
82,20
do.
3 Sächſiſche Rente . . . 85,00
4 Württembergerv. 1907 101,75
94,20
do.
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
4¾ Griechen v. 1887 . .
3¾ Italiener Rente . . . 104,60
4½ Oeſterr. Silberrente . 99,10
do. Goldrente . . 100,00
do. einheitl. Rente 94,90
3 Portug. unif. Serie I 63,10
do. unif. Ser. III 65,10
3
Spezial . 12,60
3 do.
5 Rumänier v. 1903 . . 102,00
v. 1890 . .
14 do.
do. v. 1905
4 Railen Be. 1880 a g 91.60

E1 Proz.
Bf.
4 Ruſſen v. 1902 . . . 91,60
4½ do. v. 1905 . . . . 99,50
3½ Schweden . . . . . . . 94,30
4 Serbier amort. v. 1895 84, 10
4 Türk. Admin. v. 1903 88,60
4 do. unifiz. v. 1903 94,90
4 Ungar. Goldrente . . 95,75
do. Staatsrente . 92,90
5 Argentinier . . . . . .
91,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,00
5 Chineſ. Staatsanleihe 103,00
99,90
do.
4½
. . . . 97,90
4½ Japaner
Innere Mexikaner . . 100,90
5
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 95,10
5 Gold=Mexikaner . . . 102,70
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . . 135,30
4 Nordd. Lloyd . . . . 103,60
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 119,30
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 118,30
4 Gotthardbahn . . . .

In Proz.
6t.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 160,80
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 23,70
4 Pennſylvania R. R. 135,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 195,00
Werger=Brauerei . . .
78,00
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 444,00
Fabrik Griesheim . . . . 255,80
Farbwerk Höchſt . . . . . 455,25
Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . . . . 334,00
Lahmeyer . . . . . . . . . 107,00
Schuckert . . . . . . . . . 140,50
Siemens & Halske . . . 254,50
Adlerfahrradwerke Kleyer 385,00
Bochumer Bb. u. Guß . . 253,25
Gelſenkirchen . . . . . . . 222,40
Harpener . . . . . . . . . 214,90
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
. . . . . . . . . 222,90
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 90,90
4 Pfälzer Prt. . . . . . 101,00
do.
3½
93,70
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,50
ſteuerfrei . 98,75
do.
5 Oeſterr. Staatsbahn. 106,00
do.
99,60
alte .
do.
5 Oeſterr. Südbahn . . 102,75
do.
85,50
2e
do.
59,00
3 Raab=Oedenburger . . 75,40
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 89,90
4 Kronpr. Rudolfbahn

In Proz.
57
2¾/10 Livorneſer . . . . . . 75,50
4 Miſſouri=Paciſic . . 83,30
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,30
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 102,80
Bank=Aktien.
& Berliner Handelsgeſ. 183,00
4 Darmſtädter Bank . . 138,75
4 Deutſche Bank . . . . 249,90
4 Deutſche Vereinsbank 127,60
Diskonto=Geſellſchaft . 196,60
4
Dresdner Bank . . . . 163,50
4 Mitteldeut. Kreditbk. 120,50
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 130,60
4 Pfälzer Bank . . . . . 100,80
150,70
Reichsbank . . .
4 Rhei. Kredit=Bank 136,75
4 Wiener Bank=Verein 138,75
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,30
3½
do. S. 19. . . . . 92,80
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 101,00
do.
91,50
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,40
3½
do.
92,60
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
3½
91,60
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
do. (unk. 1914) 92,00
3½
1 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,50
3½
d9.
93,50

InProz.
3f.
Städte=
Obligationen
Darmſtadt . . . . . . 100,10
92,10
3½ do.
Frankfurt . . . . . . . 101,00
3½ do.
96,00
4 Gießen . . . . . . . . 100,80
3½ do.
Heidelbers . . . . . . 100,50
do.
92.00
3½
4 Karlsruhe . . . . . . 101,00
do
31
92,20
Magdeburg. . . . . . 101,70
3½
do.
-
Mainz . . ....
3½ do.
92,00
Mannheim . . . . . . 101,20
do.
92,10
3½
München . . . . . . . 101,60
Nauheim
91,50
4 Nürnberg . . . . c. 101, 20
3½ do.
4
Offenbach . . . . . . . 100,80
do.
31
4 Wiesbaden . . . . . . 102,60
3½ do.
Worms . . . . . . . . 100,50
do.
3½
4 Liſſaboner v. 1886. .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche
Tlr. 100 159,20
Cöln=Mindner 100 138,10
5 Donau=Reg. fl. 100 143,00
3 Holl. Komm. 100 107,50

InProz.
St.
3 Madrider Fs. 100 78,00
4 Meining. Pr.= Pfand=
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. . . . . . . . 137,60
Oeſterr. 1860er Loſe 174,50
Oldenburger . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 114,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
ſl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 224,90
Freiburger
Fs. 15 53,00
Mailänder
Fs. 45 138,00
Fs. 10
do.
Meininger
7 39,80
fl.
Oeſterreicher 8. 1864 100 571,00
do. v. 1858 100 462,00
Ungar. Staats
100 373,00
Venediger
Frs. 30 40,00
Türkiſche
400 181,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,39
20 Franks=Stücke . . . . 16,19
Oeſterr. 20=Kronen . . . . 16,90
Amerikaniſche Noten . . . 4,18
Engliſche Noten . . . . . 29,41
Franzöſiſche Noten . . . . 81,20
Holländiſche Noten . . . . 168,65
Italieniſche Noten . . . . 80,70
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,85
Ruſſiſche Noten.. . . . . . 215¾/
Schweizer Noten . . . . . 81,25
Reichsbank=Diskonto . .
27
Reichsbank=Lombard Zsk. 6%.

[ ][  ][ ]

Statt Karten.


Bei uns iſt heute ein kräftiger Junge

angekommen
Dr. Georg Heußel und Frau
Lisbeth, geb. Goebel.
Mainz, Frauenlobſtraße 93, den 6. Januar 1910.
943)

Todes-Anzeige.
Heute Abend 8 Uhr entſchlief nach langem
ſchwerem Leiden meine innigſtgeliebte Frau,

Heute Vormittag ist im 61. Lebensjahre unsre teure Mutter

geb. Meyer
nach langen, schweren Leiden im Frieden heimgegangen.
Im Namen der Fämilie:
Luise Cellatz, geb. Zimmer,
Dr. Oskar Collatz.
Darmstadt, 7. Januar 1910.

Die Einsegnung findet Samstag, 5½ Uhr, Heinrichstrasse 23, die Beerdigung Sonntag, um 3 Uhr,
in Heidelberg statt.

Nummer 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Seite 7.

Familiennachrichten.

unſere gute Mutier, Schwiegermutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau
Philippine Kramm
geb. Bettig
im 66. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Karl Kramm
Wilh, Reitig
Karl Kramm
Elise Voss geb. Kramm
Jos. Voss.
Chemnitz, Münſter, Darmſtadt, den 6. Jan. 1910.
Die Einſegnung findet Sonntag, den 9. ds. M.,
nachmittags 3 Uhr, in der Kapelle des Darm=
ſtädter
Friedhofes ſtatt. Die Beerdigung im
Anſchluß daran,
(1010

Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres unvergeßlichen Gatten,
Sohnes, Bruders und Schwagers, des Herrn
Friedrich Herzberger
ſagen wir herzlichen Dank. Insbeſondere ſprechen
wir dem Herrn Pfarrer Walz für die troſtreichen
Worte bei der Einſegnung ſowie den Kranken=
ſchweſtern
für die liebevolle Pflege und Hilfeleiſtung
während der Krankheit aufrichtigen Dank aus=
Darmſtadt, Auerbach, Zwingenberg,
am 6. Januar 1910.
(939

Die trauernden Hinterbliebenen.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres lieben Gatten und
Vaters
(1012
Herrn Friedrich Heedt
insbeſondere für die tröſtenden, wohltuenden Worte
des Herrn Pfarraſſiſtenten Haffmann ſagen innigen
Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 7. Januar 1910.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer innigſtgeließten, un=
pergeßlichen
Gattin, Mutter, Großmutter und
Schwiegermutter
FrauMaria Katharina Filsinger
ſprechen wir allen unſeren tiefgefühlteſten Dank aus.
Darmſtadt-Mainz, den 6. Januar 1910. (945
W. Filsinger, Gr. Pfandmeiſter,
Ph. Filsinger, Polizei=Bez.=Kommiſſar
und Familie,
W. Filsinger, Finanzaſpirant, und Frau.


1

Statt jeder besonderen Anzeige.
Von tiefstem Schmerze erfüllt, Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Mitteilung, dass heute Abend mein innigstgeliebter, unvergesslicher
Gatte, unser treubesorgter, heissgeliebter, guter Vater, Schwiegervater, Gross=
vater
, Bruder, Schwager, Onkel und Vetter
(922
Herr
Samuel Strauss
im nahezu vollendeten 75. Lebensjahre sanft entschlafen ist.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Rebekka Strauss,
geb. Wiesenheim.
Darmstadt, den 6. Januar 1910.
Mathildenplatz 9.
Die Beerdigung findet statt; Sonntag, den 9. Januar, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhaus,
Mathildenplatz 9 aus.
Blumenspenden dankend verbeten.

Nachruf.

Hierdurch bringen wir zu dem heute erfolgten Ableben unseres hoch=

verehrten Chefs
Herrn Samuel Strauss

(1039

unseren tiefgefühlten Schmerz zum Ausdruck.
Der Verblichene war uns stets ein liebenswürdiger, gerechter und wohl-
wollender
Berater, dessen Andenken wir stets in hehen Ehren halten werden.

Das Personal der Firma Samuel Strauss.


2

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feinste Tafel-Biere

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

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(Nachdruck verboten.)
24)

Lieber Freund! ſagte Frau Anni und ſchlug das
wärmende Fell zurück, ich muß ausſteigen. So ſpät es
iſt, habe ich doch noch eine kleine Beſorgung zu machen.
Käthchen geduldet ſich ein paar Augenblicke; Sie dürfen
mich begleiten!
Er zeigte auf ihre ſeidene Robe.
Aber das Wetter iſt abſcheulich, gnädige Frau.
Sie lächelte, diesmal über ſich ſelbſt. Sie war in
der Hitze fortgelaufen, wie ſie ging und ſtand. Was
bedeutete ihr der Plunder und ob er durch den Schnee=
ſchlamm
geſchleift wurde! Aber der Liebhaber, der dar=
um
Sorge hatte, bereitete ihr ein Gefühl jenes feinen
Humors, den wir ſo ſelten trotz aller Verkehrtheiten
und Widerſprüche herauszufinden wiſſen.
Sie beugte ſich zu Käthchen, die ſie trübſelig und
flehend anſah und flüſterte: Sei ruhig; ich tue ihm
nichts. Und wenn er kommt und Dich nach Hauſe be=
gleiten
will bei luſtigem Schellengeklingel glaube
icht etma, daß ich dann weine!
Sie wandte ſich Gregor zu. Ihren Arm, bitte!
So gingen ſie in das luſtige Gedränge hinein, ſahen
Menſchen, Licht und glänzende Schaufenſter und ſuchten
doch dabei ein Rätſel zu löſen, das ſie ſich ſelbſt un=
bedacht
aufgegeben hatten.

Sie wollten mich ſprechen, gnädige Frau! ſagte er
erregt. Ich geſtehe, daß ich Angſt um Sie hatte und
in der Uebereilung ſo haſtig Abſchied nahm, daß es auf=
fallen
mußte.
Das beunruhigt Sie, lieber Freund?
Nicht meinetwegen. Aber der Seitenblick des Kut=
ſchers
eben
Den hat er immer, wenn wir zu den Fußgängern
herabſteigen. Ich ſehe, Sie haben bereits den beſſeren
Teil erwählt und geben die Leidenſchaft auf. Wie alt
muß man dazu ſein? Es kommt auf die Verhältniſſe
an. Wenn ich mir denke, Sie würden im ſtillen Frie=
den
ſchaffen können, Ihre Werke einer geliebten Frau
widmen
Sein Arm zuckte, und er ſah ſie begehrend an. Aber
ſie lächelte nur ſchwach, erwiderte den Druck ſeines
Armes nicht und ſagte freundlich: Sie haben mir eine
große Gefälligkeit erwieſen, mich ſo ſpät noch anzu=
hören
. Ich weiß, was einem Manne, der einſam lebte
trotz aller böſen Künſte der Weltſtadt, was einem ſol=
chen
das Glück am häuslichen Herde bedeuten muß.
Wenn man ſelbſt ſo gemütlich zu Hauſe lebt
Er ſtaunte und biß die Lippen. Sie fuhr fort,
manchmal ſtehen bleibend und ein Schaufenſter betrach=
tend
: Man weiß erſt, wofür man lebt. Und durch die
Frau, die natürlich Laſten auferlegt und demgemäß
auch begütert ſein ſollte, wird Sicherheit in die Ver=
hältniſſe
gebracht, Anſchluß an Kreiſe, die ſtabil ſind
und uns nützen können. Einmal muß man ja den Son=
derling
beiſeite werfen und Weltmenſch werden. Nur

den Größten, den Grobianen und Weltverächtern darf
man allenfalls erlauben, Junggeſelle zu bleiben. Sind
Sie nicht auch meiner Meinung?
Gnädige Frau! ſagte er gepreßt, ich habe das Ge=
fühl
, als wenn Sie mit mir ſpielten.
Nein, nein! Ich ſpiele nie wieder mit einem Manne.
Unheil habe ich ſchon diesmal angerichtet und wiſſen
Sie bei wem? Bei meinem Goldkind!
Bei Käthchen! rief er beſtürzt. Er kam ſich wie von
Sinnen vor, hatte etwas ganz anderes erwartet. Seine
Phantaſie erlahmte plötzlich, und er hatte nur den einen=
Wunſch, ſeine törichten Gedanken nicht zu verraten.
Ja bei Käthchen! ſagte Frau Anni mit Nach=
druck
. Es erſcheint Ihnen komiſch, daß ich Fürſprecherin
bin für meine Nichte und Sie dazu in die Nacht jage
und das Schneewetter, das ſo abſcheulich iſt. Aber ich
konnte es nicht mitanſehen, man quält mir das arme
Kind, und ich hätte dieſe Nacht kein Ange zutun können.
Und der Schlaf, lieber Freund, iſt gerade in meinem
kritiſchen Alter das Sicherheitsventil, bei dem man
Entlaſtung ſucht. Ich muß den Schlaf konſervieren
damit konſerviere ich mich ſelbſt. Warum ſehen Sie ſo
finſter aus?
Ich? O, ich bin guter Laune wahrhaftig! Er
lachte; es klang gepreßt.
Frau Anni ſah ihn mit einem ſeltſamen Blick an.
Noch einmal erfaßte ſie der helle Brand des Lebens,
und ſie wünſchte, der lachende Mann ſolle weinen, wei=
nend
zu ihren Füßen knien ſei es auch unter ſo vilen.
Menſchen und in dem abſcheulichen Schueeſchmutz.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

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eintreten zu lassen, und zwar gebe ich diese Zimmer
weit unter Preis, zum Teil bis zur Hälfte
des normalen Wertes ab. Ich mache verehrliche Reflektanten ausdrücklich
darauf aufmerksam, dass es sich nur um gediegene Möbel und hübsche Modelle
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Jahr neu aufgenommen sind und bald aufgestellt werden müssen.
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man ſie braucht. Eine von dieſen ſaß jetzt in dem
Schlitten, zerknüllte ihr Taſchentuch und weinte hinein.
Und das um ſie beide, die ſich ſo gut verſtellen konnten,
die vor dem ungeſtümen Wort, das dumme und morſche
Ketten zerreißen würde, einen Reſpekt der Anſtändigen
haben.
Nein, er war nicht naiv; er war ein Mann, der
zur Ergänzung eine naive Frau brauchte. Beſſer der
gewöhnliche Weg zum Standesamt, als der der Him=
mels
= und Höllenſtürmer!
Nun? fragte ſie, ſtehen bleibend. Sie ſagen nichts
gar nichts? Ein Abenteuer denken Sie und wün=
ſchen
ſich in Ihre warme Klauſe zurück. Nun, wenn
Sie wiſſen wollen, wie die Kleine Sie liebt; ſie hat
ihr halbes Verlöbnis aufgehoben, um Sie und weil
ſie hoffter- ſeit dem Chriſtabend hoffte, Sie würden ſich
ihr erklären.
Er war ſtumm, fühlte ſich von ihrer unbegreif=
lichen
Willenskraft gelähmt.
Sagten Sie ihr nicht, Sie hätten für ſie ſo ſchön ge=
ſpielt
?
Wann? rief er erſchreckt.
Am heiligen Abend.
Ich war in Verlegenheit über das Geſchenk, das
die junge Dame mir machte.
Und ſchmeichelten nur ſo obenhin, wußten aber
nicht, daß gläubige Gemüter alles für ein Mirakel
nehmen.
Ich hatte für Sie geſpielt! ſagte er trotzig. Quälen
Sie mich doch nicht ſo!
Wirklich? fragte ſie mit einem feinen Lächeln.
Weil Sie auch in Verlegenheit waren? Aber einem
Schmeichler glanbt man nicht, wenn er auch die Wahr=
heit
ſpricht. Sie haben auf der einen Seite Unheil an=
gerichtet
; ſeien Sie ein Mann, und betrachten Sie es
als das, was es iſt: Ihr Glück!
Was ſoll ich tun, Frau Anni! rief er bewegt. Ich
fühl’s ja, daß ich kein Adler bin, der ſich ſeine Bente
ins Felſenneſt ſchleppt.
Nun alſo bleiben Sie bei dem Menſchlichen!
Wenn man einmal glaubte, Schwingen zu haben,
einer Sonne zuzufliegen?
Im gewöhnlichen Wortlaut: ſich die Flügel ver=
brannt
hat! Mein lieber Gregor, wenn wir äls Ver=
wandte
und Freunde die Sonne ſuchen, wird ſie uns
ſpäter und reiner untergehen. Iſt das, was ich von
Ihnen verlange, ſo ſchwer? Sie müſſen ſich jung trin=

ien en der bichenden Aurend. 30 bere ſhon . i., die darüber klingen.
Er preßte ihre Hand. Seine Augen ſtanden voll
Tränen. Sie führte ihn zurück, manchmal die Hand
des Willenloſen leiſe drückend. Nun ſtanden ſie an dem
Schlitten.
Sie fuhren über die Schloßbrücke. Der Marmor
der Bildwerke ſah etwas aſchfarben unter den Schnee=
hauben
aus, die die Götter und Halbgötter aufgeſetzt
hatten. Das hohe, düſtere Schloß leuchtete noch mit den
unzähligen Fenſtern in die Dunkelheit hinaus. Dann
ging’s am Begasbrunnen vorbei und dem Rathauſe zu.
Die Schlitten glitten ſchnell dahin.
Wie er ſich beeilen muß und ob er wohl fertig
wird? dachte Frau Anni mit einer kleinen Spötterei.
Sie hatte die Handſchuh ausgezogen und ballte den
Schnee, der auf ihrer Decke lag, zuſammen. Es war
ein ſo wohliges Gefühl, dieſe Kälte faſt dem der
Wärme gleich. Grenzten ſo Lebenswut und Entſagung
zuſammen? Gab’s überhaupt etwas, was ſich nicht in
ſein Gegenteil verkehren ließ und noch gerade ſo gut
war?
Die Schlitten hielten. Fahren Sie, Kutſcher; wir
ſind zu Hauſe! Frau Anni trat zu Gregor, der Käth=
chen
behilflich war, auszuſteigen. Ein Blick belehrte
die kluge Madame Tizian, daß ihr Werk erblüht war.
Sie fühlte ſich wirklich in dieſem Augenblick wie eine
Mutter, die für das gute Kind einen guten Mann aus=
geſucht
hat.
Tante Anni liebe Tante Anni! ſchluchzte Käth=
chen
und preßte die Arme um den Hals der Pſeudo=
Mutter. Es war ja alles anders jetzt ſehe ich’s ein.
Er liebt mich und ich ſoll ſeine Frau werden!
Frau Anni küßte ſie herzlich.
Nun, habe ich es Dir nicht immer geſagt? Lieber
Freund, Sie brauchen in mir noch die Bundesgenoſſin,
um das feſt zu machen, was wir heute knüpften. Sehen
wir Sie morgen?
Ich komme! ſagte er ernſt. Die Frage: Warum haſt
Du mir das getan? lag in ſeinem Blick. Ein Schmerz=
gefühl
, das vernichtet oder adelt, erfaßte ihn, als er ſie
vor ſich ſah, das ſchöne, dunkle Auge ſo heiter und ruhig
auf ihn gerichtet. Seine Braut ſtand daneben. Er ver=
glich
nicht er fühlte nur, daß der Reiz, den Lieblich=
keit
und Jugend hat, ein ſtarker und zukunftsfroher iſt.
Aber er hatte nach Leidenſchaft verlangt.
Noch einen Handkuß an Kächchen, einen Vlick von

Frau Anni; die Tür ſchlug zu; Gregor ging als Bräu=
tigam
nach Hauſe.
Der Wind war ſtärker geworden, und der Schnee=
fall
nahm zu. Sein Weg war weit; aber er ging. lang=
ſam
, die Augen geſenkt.
Er hätte gern gewußt, wie er nach Hauſe gegangen
wäre, wenn er das Abbild von Tizians Tochter in dem
Arm gehalten, ihre Lippen geküßt hätte. Wie dumm,
daß er darüber nachdenken konnte! Die ſtolze Frau
Anni hatte ſich einen kleinen Scherz gemacht und ihn
dann gnädig verlobt. War er ihr Sklave? Mußte er
nehmen, was ſie ihm bot, bloß um ferner ihr Zeitver=
treib
und Genoſſe zu ſein auf verwandtſchaftlichem
Fuße, ſicher vor der Leidenſchaft, die beſeligt, aber auch
zerſtört ?
Vielleicht hatte ſie Recht, und er ſchuf aus der Ent=
ſagung
heraus Größeres, als im Rauſche. Ja
ſchaffen ſchaffen dem bitteren Gefühl entgehen, zu
ſpät gekommen zu ſein auf ewig zu ſpät.
Er preßte die Hand vor die Augen und ſchluchzte.
Es war ein ſeltſames Bild, der weinende Mann in der
ſtillen, verſchneiten Straße. Wer ihn ſo geſehen häſtte,
würde geglaubt haben, einen Schiffbrüchigen vom gro=
ßen
Strome der Weltſtadt vor ſich zu haben.
Und er war doch von einem ſo guten Schiffe ge=
rettet
worden. Aber freilich, das, mit dem er die ganze
Welt umſegeln wollte, war ihm genommen.
*
*
*7
Frau Anni hatte das Fenſter ihres Schlafzimmers
geöffnet und ſah in die Nacht hinaus. Noch brannten
die Küſſe der ſeligen Braut auf ihren Wangen. Sie
war ruhig, faſt ein wenig amüſiert. Da hörte ſie über
ſich das tiefe Summen, das dem Glockenſpiele voran=
ging
. Na ja! dachte ſie, auch das noch
Aber das Lied von Treu und Redlichkeit blieb aus.
Sie horchte verwundert; nur der Stundenſchlag Eins
tönte durch die Winternacht. Verwundert befragte ſie
ihre Uhr. Dann wendete ſie ſich zu der Jüngfer herum.
Wie kommt’s, daß die Glocken nicht ſpielen?
Ach, wiſſen gnädige Frau noch nicht, das Spiel ſoll
kaput ſein; der Uhrmacher iſt oben geweſen

Fran Anni winkte ihr. Sie war allein und ſchloß
das Fenſter. Ihr Lächeln wurde immer ſtärker; vor
dem Spiegel betrachtete ſie ſich und ſagte laut, als rede
ſie mit ihren Geiſtern: Welche Ironie nach ſo viel Treue
und Redlichkeit! Und da ſoll man nicht lächeln
Ende.

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

66 3.
Samstag, 8. Januar.
1910.

Die Stadt Mainz beabſichtigt mit den am 21. April und 27. Oktober 1910 inf

Mainz ſtattfindenden Pferde= und Fohlenmärkten je eine Verloſung von Wagen,
Pferden, Pferdegeſchirren und ſonſtigen Gegenſtänden zu verbinden.
Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veranſtaltung
dieſer Verloſungen unter der Bedingung erteilt, daß für jede Verloſung bis zu 25 000 Loſe
zu 1 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 50% des Bruttoerlöſes
aus dem Verkaufe der Loſe zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind.
Der Vertrieb der Loſe iſt im Großherzogtum geſtattet.
Das Komitee für Abhaltung der Viehmärkte zu Alzey beabſichtigt mit dem am
13. Mai 1910 ſtattfindenden Vieh= und Pferdemarkt eine Verloſung von Pferden, Fohlen,
Kühen, Rindern und landwirtſchaftlichen Geräten und Gebrauchsgegenſtänden zu ver=
binden
.
Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veranſtaltung
dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 20 000 Loſe zu 1 Mk. das
Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 55% des Bruttoerlöſes aus dem
Verkaufe der Loſe zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind. Der
(800
Vertrieb der Loſe iſt im Großherzogtum geſtattet.

Polizei=Verordnung.

Betreffend: Säuberung der Bäume, Sträucher, Hecken von Raupenneſtern ꝛc.
Auf Grund des Art. 43 Abſ. 2 und 37 des Feldſtrafgeſetzbuchs vom 13. Juli 1904,
der Artikel 78 und 48, V, Nr. 2 der Kreis= und Provinzialordnung vom 12. Juni 1874 und
des § 368 Nr. 2 des Reichsſtrafgeſetzbuchs wird mit Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes
und mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums des Innern vom 10. Februar 1905
zu Nr. M. d. J. III 1335 für den Kreis Darmſtadt nachſtehendes verordnet:
§ 1. Jeder Beſitzer eines Grundſtücks iſt gehalten, alljährlich bis ſpäteſtens
15. März ſämtliche auf ſeinem Grundſtück befindliche Bäume, Sträuche und Hecken von
Raupenneſtern zu ſäubern und alle mit Raupenneſtern behafteten Zweige und Aeſte in
geeigneter Weiſe zu entfernen und zu vernichten.
§ 2. Desgleichen iſt jeder Beſitzer eines Grundſtücks gehalten, alljährlich bis
ſpäteſtens 15. März die auf den Bäumen wachſenden, denſelben ſchädlichen Miſteln
auszuſchneiden,
§ 3. Zuwiderhandlungen gegen die in § 1 oder § 2 getroffenen Anordnungen
werden auf Grund des § 368 Nr. 2 des Reichsſtrafgeſetzbuchs, bezw. des Artikels 37
des Feldſtrafgeſetzbuchs mit Geldſtrafe bis zu ſechzig Mark oder mit Haft bis zu
vierzehn Tagen beſtraft.
Auch wird die nötig werdende Säuberung der Bäume und Entfernung der Aeſte
und Zweige, ſowie das Ausſchneiden der Miſeln auf Koſten der Säumigen verfügt.
§ 4. Vorſtehende Polizei=Verordnung tritt alsbald nach ihrer Publikation im
Darmſtädter Tagblatt in Kraft.
Darmſtadt, den 14. Februar 1905.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
von Grancy.

Betreffend: Wie oben.
Darmſtadt, den 3. Januar 1910.

Das Großherzogliche Kreisamt Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Die vorſtehende Polizei=Verordnung wollen Sie wiederholt in ortsüblicher Weiſe
zur Kenntnis der Gemeindeangehörigen bringen und die Ihnen unterſtellten Polizei=
organe
und das Feldſchutzperſonal auf die Durchführung derſelben hinweiſen. Wie
geſchehen wollen Sie bis 1. April 1910 an uns berichten.
(833
von Grancy.

Polizei=Verordnung

Betreffend: Das Beſchneiden der Hecken.
Auf Grund des Art. 43 Abſ. 2 des Feldſtrafgeſetzbuchs vom 13. Juli 1904, der
Artikel 78 und 48, V, 2 der Kreis= und Provinzial=Ordnung vom 12. Juni 1874 wird
mit Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes und mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums
des Innern vom 10. Februar 1905 zu Nr. M. d. J. III. 1336 für den Kreis Darmſtadt
nachſtehendes verordnet:
§ 1. Jeder Beſitzer eines Grundſtücks iſt gehalten, die auf dem Grundſtücke be=
findlichen
Hecken und Sträuche, ſoweit ſie an öffentliche Fahr= und Fußwege oder
Plätze angrenzen, alljährlich und zwar in der Zeit zwiſchen dem 1. Auguſt des einen
und dem 1. März des folgenden Jahres ſoweit zurückzuſchneiden und jederzeit ſoweit
zurückzubinden, daß ſie nicht über die Nachbar= und Weggrenze hinausragen.
§ 2. Desgleichen iſt jeder Beſitzer eines Grundſtücks gehalten, die zu demſelben
gehörigen Garten=Einfriedigungen, ſoweit ſie an öffentliche Wege oder Plätze angrenzen,
ſtets in ordnungsmäßigem Zuſtande zu erhalten und etwaige Lücken in ihnen aus=
zubeſſern
.
§ 3. Zuwiderhandlungen unterliegen einer Geldſtrafe von einer bis dreißig Mark,
außerdem wird das Zurückſchneiden der Hecken und Sträuche, Zurückbinden der Schöß=
linge
und die Ergänzung der mangelhaften Garteneinfriedigung erforderlichenfalls auf
Koſten der Säumigen von Amts wegen ausgeführt.
§ 4. Vorſtehende Polizeiverordnung tritt alsbald nach ihrer Publikation im
Darmſtädter Tagblatt in Kraft.
Darmſtadt, den 14. Februar 1905.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
von Grancy.

Betreffend: Wie oben.
Darmſtadt, den 3. Januar 1910.

Das Großherzogliche Kreisamt Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Die vorſtehende Polizei=Verordnung wollen Sie alsbald wiederholt in ortsüblicher
Weiſe zur Kenntnis der Gemeindeangehörigen bringen und die Ihnen unterſtellten
Polizeiorgane und das Feldſchutzperſonal auf die Durchführung derſelben hinweiſen.
von Grancy.
(834

Bekanntmachung.

Betrffend: Die Nachſuchung der Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt auf
Grund von Schulzeugniſſen.
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugniſſe die Berech=
tigung
zum einjährig=freiwilligen Dienſt nachſuchen wollen, werden hierdurch auf die


fügen aufmerkſam gemacht, daß hiernach unvollſtändige Geſuche ohne weiteres zurück=
gegeben
werden.
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen, wenn der ſich Meldende im Großherzogtum geſtellungspflichtig iſt, d. h.
ſeinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt kann nicht vor vollendetem
17. Lebensjahr und muß ſpäteſtens bis zum 1. Februar des Jahres nachgeſucht
werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.
Sollten einzelne der nachſtehend unter ad aufgeführten Papiere und insbeſondere
das Schulzeugnis wegen noch nicht vollendetem Schulbeſuch bis zu vorangeführtem
Termin nicht vorgelegk werden können, ſo iſt gleichwohl das Geſuch bis zu dieſem Zeit=
punkt
einzureichen und in demſelben anzugeben, daß die etwa noch fehlenden Papiere
nachfolgen würden. Die Einreichung dieſer Papiere muß bei Verluſt des Anrechts
der Berechtigung ſpäteſtens bis 1. April desſelben Jahres erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein und iſt hierzu
ein Bogen im Aktenformat (nicht Brieſpapier) zu verwenden. Auch iſt die nähere
Adreſſe anzugeben. Das Geſuch iſt an die unterzeichnete Behörde, ohne perſönliche
Adreſſe zu richten.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtandsregiſter, nicht Taufſchein).
b) Die Einwilligung des geſetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für
die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unterhalts, mit Einſchluß
der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und Wohnung, von dem Bewerber ge=
tragen
werden ſollen; ſtatt dieſer Erlärung genügt die Erklärung des geſetz=
lichen
Vertreters oder eines Dritten, daß er ſich dem Bewerber gegenüber zur
Tragung der bezeichneten Koſten verpflichte und daß, ſoweit die Koſten von
der Militärverwaltung beſtritten werden, er ſich dieſer gegenüber für die Er=
ſatzpflicht
des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
Die Unterſchrift des geſetzlichen Vertreters und des Dritten, ſowie die
Fähigkeit des Bewerbers, des geſetzlichen Vertreters oder des Dritten, zur Be=
ſtreitung
der Koſten iſt obrigkeitlich zu beſcheinigen. Uebernimmt der geſetzliche
Vertreter oder der Dritte die in vorſtehendem Abſatze bezeichneten Verbindlich=
keiten
, ſo bedarf ſeine Erklärung, ſofern er nicht ſchon kraft des Geſetzes zur
Gewährung des Unterhalts verpflichtet iſt, der gerichtlichen oder notariellen
Beurkundung.
c) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches für Zöglinge von höheren Schulen
(Gymnaſien, Realgymnaſien, Ober=Realſchulen, Progymnaſien, Realſchulen,
Realprogymnaſien, höheren Bürgerſchulen und ſonſtigen miltärberechtigten
Anſtalten) durch den Direktor der Anſtalt, für alle übrigen jungen Leute durch
die Polizei=Obrigkeit oder ihre vorgeſetzte Dienſtbehörde auszuſtellen iſt.
d) Das Schulzeugnis.
Sodann wird noch beſonders bemerkt:
zu pos. d) daß die Schulzeugniſſe, mit Ausnahme der Reifezeugniſſe, für die Uni=
verſität
und die derfelben gleichgeſtellten Hochſchulen und Reifezeugniſſe
für die Prima der Gymnaſien, Realgymnaſien und Ober=Realſchulen,
ſowie Reifezeugniſſe (Zeugniſſe über die beſtandene Schlußprüfung) der
Progymnaſien, Realprogymnaſien und Realſchulen, ſämtlich nach Muſter 18
zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 Neuabdruck Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901 ausgeſtellt ſein müſſen.
Im übrigen wird auf die Beſtimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der an=
geführten
Wehrordnung verwieſen.
Großherzogliche Prüfungs=Kommiſſion für Einjährig=Freiwillige zu Darmſtadt.
Der Vorſitzende:
von Starck, Regierungsrat.
(21446a

Bekanntmachung.

Betreffend: Das Erſatz=Geſchäft pro 1910, hier die Zurückſtellung der mit dem Berechtigungs=
ſchein
zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt verſehenen Militärpflichtigen.
Diejenigen im Jahre 1890 geborenen Militärpflichtigen, welche ſich im Beſitz des
Berechtigungsſcheines zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt befinden und im
Kreis Darmſtadt dauernden Aufenthalt haben, werden darauf hingewieſen, daß ſie
gemäß § 93, 2 der Wehr=Ordn. ihre Zurückſtellung beantragen müſſen und daher auf=
gefordert
, ihre Berechtigungsſcheine alsbald hier, Neckarſtraße 3, 3. Stock Zimmer
Nr. 38 vorzulegen, damit in denſelben der erforderliche Zurückſtellungsvermerk ein=
tragen
werden kann.
Es wird noch ausdrücklich darauf hingewieſen, daß die Abſicht, ſich am 1. April
oder 1. Oktober 1. J. zum Dienſtantritt melden zu wollen, von der Verpflichtung, die
Zurückſtellung zu beantragen, nicht entbindet.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1909.
Der Zivil=Norſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
v. Werner, Reg.=Rat.
(197a

Bekanntmachung.

Betreffend: Geſuche Militärpflichtiger um Verlängerung ihrer Zurückſtellung.
Ich bringe hierdurch zur Kenntnis derjenigen Militärpflichtigen, welche Berechti=
gungsſcheine
zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt beſitzen und deren Zurückſtellang
am 1. Oktober I. Js. abläuft, daß Geſuche um Verlängerung der Zurückſtellung
1. bei derjenigen Erſatz=Kommiſſion einzureichen ſind, welche nach Ausweis
des Berechtigungsſcheins die erſte Zurückſtellung verfügt hat,
2. daß dieſe Geſuche ſchriftlich unter näherer Begründung zu ſtellen und den=
ſelben
der Berechtigungsſchein, ſowie eine Beſcheinigung, aus der ſich die Not=
wendigkeit
weiterer Zurückſtellung ergibt, beizufügen und
3. daß dieſe Geſuche, ſoweit die Erſatzkommiſſion Darmſtadt zuſtändig iſt, im
Juli oder Auguſt l. Js. anzubringen ſind. Geſuche, die jetzt ſchon eingereicht
werden, würden als verfrüht zurückgegeben werden müſſen.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1909.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
(199a
v. Werner.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.

Gefundene und verlorene Sachen.
Gefunden: 1 Hebeiſen mit Ring. 2 neue farbige Hemden. 1 Binde=Kette.
1 Handwagen, 1
1 Monatskarte, auf den Namen Stahl lautend. 3 Milchkannen. 1 ſilb.
Damen=Uhr. 1 ſilberner Zwicker. 1 Zehnmarkſtück. 1 Reiſedecke. 2 Sturmlaternen.
1 Regen=Pelerine. 1 gelbes Handtäſchchen mit Inhalt. 1 brauner Kinder=Handſchuh.
1 weißer Kinder=Handſchuh. 1 Schirm=Futteral. 1 älteres gelbledernes Portemonnaie
mit einigen Pfennigen Inhalt. 4 mittelgroße Schlüſſel und 1 Türdrücker an einem
Ring. 2 mittelgroße Schlüſſel an einer Kette. 1 brauner und 1 grauer Herren= Hand=
ſchuh
. 1 weißer Kinder=Handſchuh. 1 ſchwarzer Damen=Samtgürtel. 1 großer Schlüſſel.
1 Fahrrad=Schraubenſchlüſſel mit Schraubenmutter. 6 verſchiedene Schlüſſel (zumeiſt
Kaſſenſchlüſſeh) an einem Ring. 1 Brille. In einem Laden liegen geblieben: 3 einzelne
ſchwarze Handſchuhe. 1 neuer blauer Schlips. 1 Stück roſafarbener Stoff.
Im Orpheum liegen geblieben und von der Direktion abgeliefert: 2 Paar
ſchwarze Handſchuhe. 1 Paar gelbe Handſchuhe. 1 ſchwarzes Portemonnaie. 1 kurze
braune Tabakspfeife.
Verloren: 1 graue Rodelkappe. 1 ſchwarzer Herren=Handſchuh. 1 kl. brauner
Kinder=Pelz. 1 goldener Zwicker mit Futteral. 1 große Vorſtecknadel mit Pferdekopf.
1 Zwicker. 1 kleine goldene längliche Broſche mit 1 roten und 1 weißen Steinchen.
1 Zwanzigmarkſtück. 1 Preuß. Klaſſen=Lotterielos Nr. 254488. 1 weißes Taſchentuch
mit Spitzenrand und dem Namen Doris. 1 Militär=Invalidenbuch, auf den Namen
Emil Weiß lautend. 1 Korallen=Kette. 1 Zehnmarkſtück, 1 ſchwarzes Handtäſchchen
mit Kettenhalter und 2 Schlüſſeln. 1 goldene Broſche in Zopfform. 1 ſchwarzer Leder=
gürtel
mit weißen Kanten. 1 Damenſchirm mit gebogenem Griff. 1 breites Nickel=
Armband. 1 Portemonnaie mit 8 Mk. Inhalt. 1 ſchwarzſeidener Arbeitsbeutel mit
goldenem Zwicker. 1 noch neuer grauer Herren=Handſchuh. 1 Damen=Ring mit 3 kl.
Steinchen. 7 Mk. in bar. 1 goldener Ring mit dunkelgrünem Stein. 1 Korallen=Kette.
1 Regenſchirm mit Silbergriff. 1 Paar weiße Tanzſchuhe in einem grauen Beutel.
1 Haarpfeil. 1 goldenes Bröſchchen in Form eines Maiglöckchens. 1 ſchwarzgerändeter
Damen=Zwicker. 1 Damen=Schirm mit geradem braunen Griff. 1 dunkelgrauer Kinder=
Umhang. 1 Portemonnaie mit 32 Mk. Inhalt. 1 weißes Kinder=Pelzchen. 1 Zwicker
mit Futteral. 1 Paar Schnee=Ueberſchuhe. 1 Dienſtbuch, auf den Namen El. Huf=
lbauer
. 1 Hundemaulkorb. 1 roter Plüſch=Arbeitsbeutel mit Portemonnaie und 4 Mk.

Inhalt. 1 ſchwarzes Damen=Portemonnaie mit 6 Mk. Inhalt. 1 goldenes Ketten=
Armband. 1 Damen=Schirm mit ſchwarzem Griff. 1 ſchwarzes geſtricktes Umhänge=
tuch
. 1 kleines braunes Portemonnaie mit 39 Pfennigen Inhalt. 1 Damengoldgürtel.
1 Zwanzigmarkſtück. 1 mit Blumen durchwirkter Goldgürtel mit Rokokoſchloß. 1 gelber
Kinder=Stiefel. 1 Päckchen, enthaltend 2 weiße Kragenſchoner.
Zugelaufen bei Privaten: 1 kleiner gelber Schäferhund (Baſtard). 1 ſchwarze
Katze. 1 weißes Huhn. 1 kleine gelb, grau und weiße Katze. 1 dunkelbraune Katze.
Entlaufen: 1 Dobermannpinſcher. 1 Wolfshund. 1 geſcheckter Jagdhund. 1 tiger=
farbiger
Boxer. 1 rotgeſcheckter alter Jagdhund.
Entflogen: 1 Kanarienvogel.
(935
Das Fundbureau Großherzoglichen Polizeiamts
iſt geöffnet an allen Werktagen von 812 Uhr vormittags und 26 Uhr nachmittags.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.

In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 he=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 2 Pinſcher, 1 Boxer. 2 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Sonntagsruhe in den Apotheken.

Am Sonntag, den 9. Januar, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr
abends die beiden nachfolgenden Apotheken geöffnet:
Merckſche Engel=Apotheke Rheinſtraße, und
Beſſunger Apotheke, Karlſtraße.
Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.

Spülung des Waſſerrohrnetzes.

In der Nacht von Samstag, den 8.,
auf Sonntag, den 9. Januar lfd. Js.,
findet eine Druckrohr=Spülung ſtatt, welche
in der Zeit von 10 Uhr abends bis
5 Uhr morgens eine zeitweiſe Unter=

brechung der Waſſrabgabe, ſowie eine
Trübung des Waſſers mit ſich bringt. Die
Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten,
ſich vorher mit Waſſer zu verſorgen.
Darmſtadt, den 6. Januar 1910.
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
(928
Rudolph.

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſtwaren in der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.

Ochſenfleiſch . . . . per ½ kg 86 Pfg.
Rindfleiſch . . . . .
, ½ 80
Kalbfleiſch
,,,
½ 80
Hammelfleiſch
.
8060
Bruſt .
60
2
Schweinefleiſch (Bratenſt.) ½ 96
Bauchläppchen . .
72 90
Kottelets u. geſalz. Fleiſch
100
Speck, geräuchert
½ 110

per ½ kg 110 Pfg.
Dörrfleiſch
110
Schinken m. Bein . .
Rollſchinken .
½ 130
Schweineſchmalz roh und
ausgelaſſen.
½ , 90
Schwartenmagen, Fleiſch=
90
und Bratwurſt
Leber= und Blutwurſt. 7 72

Aufru

Unſere ſtädtiſche Sammlung für Lokalgeſchichte (ſtädtiſches Muſeum) iſt nun=
mehr
eröffnet und allgemein zugänglich gemacht worden.
Von den zahlreichen Beſuchern, die bisher die Sammlung beſichtigt haben, wird
mancher durch das bereits vorhandene an frühere Verhältniſſe und Ereigniſſe in
unſerer Stadt erinnert worden ſein, auch manche Anregung empfangen haben. Anderer=
ſeits
werden die meiſten unter dem Eindruck ſtehen, daß doch in vielen Punkten erſt
ein Anfang gemacht iſt und noch viele und große Lücken in der Sammlung vor=
handen
ſind.
Um dieſe Lücken ausfüllen zu können, richten wir an die Bürgerſchaft unſerer
Stadt erneut die Bitte, uns bei dieſem Vorhaben unterſtützen und ihre Mithilfe be=
tätigen
zu wollen durch Zuwendung hiſtoriſch intereſſanter Gegenſtände, die vielleicht
zu Hauſe nicht beachtet und nicht gewürdigt in der Ecke ſtehen oder ſonſt ein ver=
borgenes
Daſein friſten. Alles was auf die Geſchichte unſerer Stadt in engerem und
weiterem Sinne Bezug hat, wird geſammelt, insbeſondere aber neben Bildern,
Urkunden, Flugblättern, alten Adreßbüchern, Zeitungsausſchnitten, Plakaten, Pro=
grammen
von Feſtlichkeiten und dergleichen Werke der Kleininduſtrie und Kleinkunſt,
Doſen, Taſſen, Becher, Zinngeräte, Porzellan, ferner kunſtvoll gearbeitete Möbelſtücke
und ſonſtiger Hausrat, Münzen, Siegel uſw., mit Beziehungen auf Darmſtädter
Verhältniſſe oder Ereigniſſe. Wer ſich nicht von dem Original wertvoller Bilder
trennen will, der möge wenigſtens eine Kopie zur Verfügung ſtellen oder geſtatten,
daß eine ſolche gemacht wird. Charakteriſtiſche Bauteile von älteren Häuſern, die zur
Niederlegung beſtimmt ſind, bittet man, dem ſtädtiſchen Muſeum zur Verfügung zu
ſtellen, entweder im Original oder in Gipsabgüſſen. Dasſelbe gilt von Liebhaber=
Photographien, die von Gebäuden, hervorragenden Perſönlichkeiten oder bei beſonderen
Ereigniſſen uſw. gefertigt wurden und in der Folge noch entſtehen.
Bei der Schnelligkeit, mit der ſich in unſeren Tagen das Stadtbild Darmſtadts
verändert, muß die Mitwirkung jedes Einzelnen bei allen dieſen Dingen willkommen
geheißen werden, zumal es ſich darum handelt, die Früchte dieſer Mitarbeit der Allge=
meinheit
zugänglich und nutzbar zu machen.
Mitteilungen über den Verbleib von Altertümern, Verzeichniſſe der Gegenſtände,
die man dem ſtädtiſchen Muſeum anbieten möchte, bittet man Großherzogl. Bürger=
meiſterei
übermitteln zu wollen, die auch gerne bereit iſt, weitere Auskunft auf Wunſch
zu erteilen.
Wir zweifeln nicht, daß die Opferwilligkeit und das Intereſſe unſerer Bürger=
ſchaft
, die bei der Entſtehung der Sammlung ja ſo erfreulich zu Tage traten, ihr auch
für die Folge erhalten bleiben werden, und bitten um recht zahlreiche weitere Zu=
wendungen
.
(285msm
Darmſtadt, den 31. Dezember 1909.
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
J. V.: Jaeger.

Spülung des Waſſerrohrnetzes.

Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſerrohrnetzes in
den unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche in der Zeit von 10 Uhr abends
bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung
des Waſſers mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich vorher
mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 10. zu Dienstag, den 11. Januar I. Js.,
werden geſpült:
die Spülbezirke 1 und II.
In dieſe Bezirke fallen alle Straßenzüge ſüdlich der Bismarckſtraße, weſtlich vom
Paradeplatz, nördlich des Teiles der Rheinſtraße, zwiſchen Ernſt=Ludwigs=Platz und
Wilhelminenſtraße, weſtlich des Teiles der Wilhelminenſtraße, zwiſchen Rheinſtraße
und Heinrichſtraße, weſtlich vom Wilhelminenplatz, nördlich des Teiles der Heinrich=
ſtraße
von der Wilhelminenſtraße bis zur Heidelbergerſtraße, öſtlich des Teiles der
Heidelbergerſtraße, zwiſchen Heinrichſtraße und Eſchollbrückerſtraße, nördlich der Eſcholl=
brückerſtraße
, zwiſchen Heidelbergerſtraße und Stadtallee, nördlich der Stadtallee von
der Eſchollbrückerſtraße bis zur Main=Neckar=Bahn und öſtlich der Main=Neckar=Bahn
zwiſchen Stadt=Allee und Bismarckſtraße.
Von den dieſe Spülbezirke umgrenzenden Straßen und Plätzen werden mitgeſpült
die Bismarckſtraße, die oben angegebenen Teilſtrecken der Wilhelminenſtraße und der
Heinrichſtraße und die Nordſeite der Rheinſtraße, zwiſchen Ernſt=Ludwigsplatz und
Wilhelminenſtraße. Ferner wird noch mitgeſpült die Frankfurterſtraße, zwiſchen Bis=
marck
= und Kahlertſtraße.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 12. zu Donnerstag, den 13. Januar
I. Js. werden geſpült:
die Spülbezirke III und IV.
In den Spülbezirk III fallen ſämtliche Straßenzüge nördlich der Bismarck=
ſtraße
und weſtlich der Frankfurter=Straße, ſowie die Straßenzüge nördlich der Holzhof=
allee
und weſtlich der Main=Neckar=Bahn.
Von den dieſen Bezirk umſchließenden Straßen werden mitgeſpült die Frank=
furter
=Straße von der Kahlertſtraße aus in der Richtung nach Arheilgen und die
Holzhofallee.
In den Spülbezirk IV fallen die Straßenzüge öſtlich des Teiles der Wil=
helminenſtraße
, zwiſchen Heinrich= und Rheinſtraße, ſüdlich des Teiles der Rhein=
ſtraße
, zwiſchen Wilhelminenſtraße und Ernſt=Ludwigs=Platz, ſüdweſtlich vom Ernſt=
Ludwigs=Platz und Marktplatz, ſüdweſtlich und weſtlich der Kirchſtraße, weſtlich des
Teiles der Karlsſtraße, zwiſchen Kirchſtraße und Heinrichsſtraße und nördlich des Teiles
der Heinrichsſtraße, zwiſchen Karls= und Wilhelminenſtraße.
Von den dieſen Spülbezirk eingrenzenden Straßen und Plätzen werden mitgeſpült
die Kirchſtraße, die oben angegebenen Strecken der Karls= und Heinrichsſtraße, ſowie die
Südweſtſeite des Ernſt=Ludwigs= und des Marktplatzes und die Oſtſeite des Wilhelminen=
platzes
, ferner wird mit dieſem Bezirk geſpült die Kapellſtraße.
3. In der Nacht von Samstag, den 15. zu Sonntag, den 16. Januar I. Js.,
die Spülbezirke VI und VII.
werden geſpült:
Dieſe Bezirke liegen einmal zwiſchen Dieburger= bezw. Alexanderſtraße und
Heinrichsſtraße und erſtrecken ſich ferner vom Parade=, Ernſt=Ludwigs= und Marktplatz,
ſowie der Kirch= und Karlsſtraße bis zum Woog und der Odenwaldbahn; ausgeſchloſſen
iſt die Mathildenhöhe, ſowie die Alexander= und Dieburger=Straße ſelbſt.
Darmſtadt, den 6. Januar 1910.
(929,30so
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.

Ga
Großy. Lehrerinnen=Heminar der Bintorta=Schule
zu Darmſtadt.

Die Aufnahmeprüfung für das Lehrerinnen=Seminar findet Mittwoch, den
6. April 1910, vormittags ½ 8 Uhr, im Schulhauſe der Viktoriaſchule ( Hoch=
ſtraße
44) ſtatt.
Selbſtgeſchriebene Geſuche um Zulaſſung zu dieſer Prüfung oder um Auf=
nahme
in das Seminar ſind bis ſpäteſtens zum 1. Februar 1910 bei der unter=
zeichneten
Behörde einzureichen.
Dem Geſuch iſt beizulegen:
1. ein ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf,
2. ein Tauf= oder Geburtsſchein,
3. die Zeugniſſe über die bisher empfangene Schulbildung,
4. Impfſchein.
Die Bewerberin muß am 30. September 1910 das 16. Lebensjahr vollendet haben.
Eine beſondere Anzeige der geſchehenen Zulaſſung zu der Prüfung oder der
Aufnahme wird nicht erfolgen.
Der Unterricht in Schule und Seminar beginnt Montag, den 4. April 1910,
8½ Uhr.
Darmſtadt, 18. Dezember 1909.
(24340a
Die Großherzogliche Direktion
der Viktoriaſchule und des Lehrerinnen=Seminars.
Dr. Otto.

Bekanntmachung.

Wir machen hiermit darauf aufmerkſam, daß in hieſiger Stadt eine ſtädtiſche
Zentral=Uhrenregulierungsanlage beſteht, welche den Zweck hat, diejenigen Uhren
(Außenuhren ſowie Zimmeruhren), die an dieſe Anlage angeſchloſſen ſind, in Zeit=
abſchnitten
von je 6 Stunden auf die Normalzeit der Berliner Sternwarte zu regulieren.
Die Bedingungen für den Anſchluß von Uhren an dieſe Zentral= Uhrenregulierungs=
anlage
ſind auf dem Büro des ſtädtiſchen Elektrizitätswerks, Luiſenſtraße 22, erhältlich.
Anträge auf Herſtellung von Anſchlüſſen werden daſelbſt entgegengenommen, wie
auch jede weiter gewünſchte Auskunft daſelbſt erteilt wird.
Zur Zeit ſind die Uhren folgender öffentlicher Gebäude angeſchloſſen:
1. Stadthaus,
9. Mädchenmittelſchule, Viktoriaſtraße,
2. Rathaus,
10. Schule am Ballonplatz,
3. Städt. Gebäude, Ecke Eliſabethen= und111. Johanneskirche,
Grafenſtraße,
12. Martinskirche,
4. Neues Gaswerk, Frankfurterſtraße,
13. Kirche des Eliſabethenſtifts,
5. Pfründnerhaus,
14. Katholiſche Kirche,
6. Schlachthof,
15. Beſſungerkirche,
7. Wagenhalle der elektriſchen Straßenbahn 16. Pauluskirche,
am Böllenfalltor,
17. Schule in der Emilſtraße,
8. Knabenmittelſchule, Friedrichſtraße,
18. Hallenſchwimmbad.
Darmſtadt, den 9. Dezember 1909.
(3195a
Städtiſche Elektrizitätswerksverwaltung Darmſtadt.
Meyer.

Großherzogliches Hoftheater.

Abonnement für 190910.
Die Erhebung der 3. Rate des Abonnementsgeldes für die Spielzeit 1909/10 findet
Montag, den 10. bis Mittwoch, den 12. Januar 1910,
nachmittags von 3 bis 5 Uhr,
ſtatt. Zahlſtelle: Veſtibüle im Hoftheater.
Die Abonnenten werden freundlichſt gebeten, die erhaltenen Zettel bei der Zah=
lung
zur Quittierung vorlegen zu wollen.
(835
Darmſtadt, den 8. Januar 1910.
Großherzogliche Hoftheater=Hauptkaſſe.

Die Rechnung der evangeliſchen Paulusgemeinde

für 1908 liegt 8 Tage lang bei dem Unterzeichneten zur Einſicht offen.
(895
Darmſtadt, 6. Januar 1910.
Der evangeliſche Kirchenvorſtand:
Rückert, Pfarrer.

Holzverſteigerung.

Donnerstag, den 13. Januar 1910
ſollen in der Schneider’ſchen Gaſtwirtſchaft in Nieder=Ramſtadt aus dem Diſtrikt
Bordenberg verſteigert werden:
1. Vormittags von 9 Uhr ab: Stämme: 2 Kiefern 1,12 cbm, 12 Lärchen
3,80 cbm, 4 Fichten 1,15 cbm: Derbſtangen: 168 Lärchen
6,73 cbm, 576 Fichten 28,89 cbm; Reisſtangen: 91 Fichten
0,76 cbm.
2. Mittags von 12 Uhr ab: Scheiter rm: 31 Buchen, 2 Lärchen, 9 Kiefern;
Knüppel rm: 158 Buchen, 7 Eichen, 2 Birken, 8 Lärchen, 21 Kiefern, 9 Fichten;
Reiſig Hdt. Wellen: 64 Buchen, 1 Eichen, 3 Kiefern, 15 Fichten; Stöcke rm:
26 Buchen, 3 Lärchen, 5 Kiefern.
Das mit F gezeichnete Holz wird nicht verſteigert.
Ober=Ramſtadt, den 3. Januar 1910.
(797
Großherzogliche Oberförſterei Ober=Ramſtadt.
Daab.

Stamm=, Stangen= und Preunholz=Verſteigerung.

In dem Gemeindewald Ober=Ramſtadt Diſtrikt Eichelberg werden an Ort=und
Stelle verſteigert:
(937
Dienſtag, den 11. Januar I. Js.
2 Lärchen=Stämme von 1214 cm mittl. Durchm. 1117 m Länge
311 Fichten=
823
1226
1420
1020
22 Weißtanne=,
,
Mittwoch, den 12. Januar 1. J.
238 Stück Fichten Derbſtanzen von 712 em mittl. Durchmeſſer 817 m Länge
6 Rm. Kiefern und 2 Rm. Fichtenſcheiter 12,6 Hdt. Fichten=Wellen, 15=Rm.
Kiefern und 35 Rm. Fichten=Stöcke.
Zuſammenkunft an beiden Tagen vormittags 10 Uhr auf dem Vicinalweg
Nieder=Ramſtadt=Nieder=Modau oberhalb der Kreuzſtraße.
Ober=Ramſtadt, den 5. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
J. V.: Heim, Beigeordneter.

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[ ][  ][ ]

Nummer 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Seite 145

Freiſtellen an den Mittelſchulen.

Geſuche um Freiſtellen an den Mittel=
ſchulen
für das Schuljahr 1910 11 ſind bis
zum 25. Januar ds. Js. bei uns einzu=
reichen
. Freiſtellen können nur bis zu 5%
der Zahl der Schüler und Schülerinnen und
nur in den fünf oberen Klaſſen vergeben
werden. Vorausſetzung der Bewilligung
iſt Bedürftigkeit der Eltern ſowie regel=
mäßiger
Schulbeſuch, Fleiß, Ordnungsliebe,
Reinlichkeit und gutes Betragen des be=
treffenden
Kindes.
Die Vergebung der Freiſtellen erfolgt
auf ein Jahr und in ſtets widerruflicher
Weiſe; es muß daher für diejenigen, die
im ablaufenden Schuljahr bereits Frei=
ſtellen
hatten, um weitere Verleihung nach=
geſucht
werden.
In den Geſuchen iſt neben deutlicher
Angabe des Berufs und der Wohnung der
Eltern oder Pflegeeltern, noch die Schul=
gruppe
, die das betreffende Kind beſucht,
(897sss
näher zu bezeichnen.
Darmſtadt, den 4. Januar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſiug.

Städtiſche Sparkaſſe.

Bei unſeren im unterſten Stockwerk ge=
legenen
Kaſſen können im Monat Januar
1910 die Zinfen für das abgelaufene
Jahr erhoben werden. Nicht erhobene
Zinſen werden dem Kapital zugeſchrieben.
Dieſes Zinſen=Beiſchreiben beginnt am
1. Februar 1910. Dabei iſt darauf zu
achten, daß durch das Beiſchreiben der
Zinſen bei Ueberſchreitung des Betrags von
Mk. 10 000. eine Verzinſung von nur
3 % eintritt, und zwar für die ganze Ein=
lage
(nicht nur für den Ueberſchuß über
Mk. 10 000. vergl. § 15 pos. 4).
In der Zeit vom 2. bis 15. Januar ſind
die Kaſſen, außer den ſonſt üblichen Zahl=
ſtunden
, vormittags von 8½ bis 12½
Uhr, ausnahmsweiſe auch nachmittags von
3 bis 5 Uhr geöffnet.
Samstags nachmittag ſind die Kaſſen
geſchloſſen.
Gleichzeitig wird bemerkt, daß wegen
des außergewöhnlich ſtarken Andrangs in
der Zeit vom 2. bis 15. Januar die Aus=
zahlung
der Jahreszinſen nur nachmittags
von 3 bis 5 Uhr ſtattfindet.
(130a
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen
Sparkaſſe.
Purgold, Direktor.

Bekanntmachung.

In unſer Handelsregiſter, Abteilung B,
Band 10, unter Ord.=Nr. 3 wurde bei der
Firma Johann Weber & Co., G. m. b. H.
in Griesheim, am 29. Dezember 1909 fol=
gendes
eingetragen:
Die Satzungen ſind am 20. November
1909 wie folgt abgeändert worden:
Die Dauer der Geſellſchaft iſt auf zehn
Jahre feſtgeſetzt worden und gilt auf je=
weils
drei Jahre verlängert, falls nicht
vor Beginn des letzten Jahres Kündigung
erfolgt.
§ 8.
Sind Prokuriſten beſtellt, ſo haben die
Geſchäftsführer zu beſtimmen, ob die Pro=
kuriſten
einzeln oder nur in Gemeinſchaft
mit einem anderen Prokuriſten die Geſell=
ſchaft
vertreten können.
(930
§ 9.
Das erſte Geſchäftsjahr endigt am
1. Februar 1910.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1909.
Großherzogliches Amtsgericht II.

En unſer Handelsregiſter B wurde heute
hinſichtlich der Firma:

Bank für Handel und Induſtrie,
Darmſtadt,
folgender Eintrag vollzogen:
Die ſtellvertretenden Direktoren
Adolf Hügel in Darmſtadt,
Paul Hartog in Berlin,
ſind aus dem Vorſtande ausgeſchieden.
Die ſeitherigen ſtellvertretenden Direk=
toren
:
Jean Andrae jr.,
Siegmund Bodenheimer,
beide in Berlin, ſind zu Direktoren be=
ſtellt
.
(934
Darmſtadt, den 31. Dezember 1909.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.

Montag, den 7. Febuar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Kaufmann Georg Schwab
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
=
Flur Nu
qm
III
3¾1/100 321 Hofreite Stiftſtraße,
3=
III 332/00 141 Grabgarten daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K174/09
Darmſtadt. den 30. Dezember 1909.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L.839,61

Bekanntmachung.

Montag, den 7. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Hugo Stieſi Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur
qm
Nr.
er,
IV 6329/1e
259 Hofreite Mollerſtraße,
in unſerem Büreau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K178/09
Darmſtadt, den 31. Dezember 1909.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L838,61

Bekanntmachung.

Samstag, den 29. Januar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Karl Groll und dem Ferdi=
nand
Groll zu Darmſtadt zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Nr.
qm
Flur
822 264 Hofreite Hölges=
ſtraße
Nr. 3,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K243/08
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 4. Januar 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L837,61

Bekanntmachung.

Montag, den 7. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Landwirt Ludwig Simon
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
:
Flur Nr.
qm
IV 3304/16e 7479/10 Hofreite Müller=
ſtraße
Nr. 15,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
K182/09
Darmſtadt, den 4. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
(L836,60
Müller.

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[ ][  ][ ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

zu auffallend biligen Preisen.
Der alle Jahr nur einmal stattfindende Soeder’s Inventur-Ausverkauf hat begonnen
und endigt in 4 Tagen. Die Läger sind einer genauen Durchsicht unterzogen worden
und sind alle Artikel die geschmacklich der jetzigen Mode nicht entsprechen, sowie
die neu eingetroffenen Winterwaren, wegen der vorgerückten Jahreszeit zu ganz
bedeutend reduzierten Preisen zum Verkauf aufgelegt. Ein grosser Posten zurück-
gesetzter
Schuhe und Stiefel wird um rasch zu räumen zur Hälfte bis ½ unter dem
8
Selbstkostenpreis verkauft
6 6 6 2 6
Selten günstige Gelegenheit, um in den Besitz guter wirklich gediegener Schuhwaren zu gelangen.
Schluss des Ausverkaufes Mittwoch, den 12. Januar 1910.

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jetzt6 Mäthen
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fester Stiefel
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Boxcalf-Schnürstiefel
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alle Grössen
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8 Posten
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mit Filz- und Ledersohle
3 Herren-
Boxcalf- und Chevreaux- 750
Schnürstiefel
Nur Nr. 39 u. 40.
jetzt7 Eienen
Boxcalf-Schnürstiefel
America-Form
jetzt 4
alle Grössen 750 Posten
*990
Tuch-Schnallenstiefel
mit Sohlen und Flecken
jetz6 Herren-
Boxcalf- Zugstiefel
Nur Nr. 39 u. 40
iet 50 Mienten
M
Boxcalf-Zugstiefel
aus einem Stück
alle Grössen
jetzt (180 Posten
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mit Einfass. u. Filz- u. Ledersohle
Beste Qualität
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Boxcalf- und Chevreaux-
Schnürstiefel ovale Form
Nur Nr. 36 und 37
MsC 380
9 Damen-

Chevr.-Schnürstiefel
hocheleganterStiefel, ovale Form
alle Grössen
jetzt 160
Damen-
schwarze
, braune und bordeauz 995
Leder-Pantoffel
m. warm. Futter, ohne Absatz jetztz Damen-
Boxcalf- und Chevreaux-
Knopfstiefel ovale Form
8
Nur Nr. 36 und 37 980 Posnten
A
Chevr.-Schnürstiefel
mit Lackkappen, ovale Form
alle Grössen
jetzt 180
15 Mieten
schwarze und braune
935
Leder-Pantoffel
warm gefüttert, ohne Absatz jetzt6 Damen-
Boxcalf-Knopfstiefel
Fabrikat Hassia‟
Nur Nr. 36 und 37
jetzt 150 Damen- Elegante
A
Boxcalf-Schnürstiefel
mit und ohne Derbyschnitt
alle Grössen
jetzt 80 Posten
7980
Leder-Niedertreter
warm Futter
2 Damen-
Filz-Pantoffel
mit Sohlen und Absätzen
Nur Nr. 36 und 37
jetzt 185 Zurückgesetzte S
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*80
mit Lackbesatz
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Nr. 3941
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Serie I
7
Nur Nr. 3637 8
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N25 Ein Posten Damen-
/80
Herz‟-Knopfstiefel
warm gefüttert
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jetzt
990
3
220
Arle Mesen
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Ludw. Zink, Drog., Weinbergſtr. 2,
Gg. Petry, Roßdörferſtr. 52, Fr. Seibert.

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

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Nummer 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Seite 19.

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Nummer 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

Pariſer Brief.
(Eigener Bericht.)
(Nachdruck verboten.)

hys. Paris, Anfang Januar 1910.
Merkzeichen des Winters. Mein Heim
mein
Stolz! Heiliger Abend; Mitternachtsmeſſe.
Ehre ſei den Königen Philipp VII. und Patand I., die
den Frieden auf Erden nicht ſtörten! Vom un=
patriotiſchen
Weihnachtsmann und ſeinen Anklägern.
Allerlei Konkurrenz.
Wenn man nur die Sache ſelbſt beſſer machen
könnte, hätte man ſchon längſt Anlaß gehabt, den Herren
Aſtronomen und Kalendermännern zu kündigen, aber
ſo muß man ihnen eben immer noch Glauben ſchenken:
nach ihren beſtimmten Verſicherungen ſoll der Winter
vor wenigen Tagen ſeinen Anfang genommen haben.
Zum Glück hat der Pariſer eine Menge anderer Merk=
zeichen
, die ihm die einzelnen Jahreszeiten und
auch den Winter verkünden; denn nach den natürlichen,
wie Sonnenſchein, Kälte oder Schnee, ſich ein Orientie=
rungsurteil
zu bilden, iſt bei den verſchobenen Jahres=
zeiten
, in denen wir leben, nicht mehr gut möglich.
An genug Dingen und Vorgängen läßt ſich der Win=
ter
konſtatieren: das fröhliche Singen und Lachen der
kleinen Midinetten iſt mit dem Tage der heiligen Ka=
tharina
verſtummt, und die Straßenkünſtler gehen zum
Winterprogramm über ſie etablieren ſich als Feuer=
freſſer
, die Verkäufer von Heizmaterialien und die
Schneider bringen ſich in empfehlende Erinnerung.
Weil ſich der Pariſer einbildet, Südländer zu ſein, ſo
heizt er erſt, wenn die Temperatur ſeines Waſchwaſſers
in der Nähe vom Nullpunkt iſt. Zu Hauſe wird es noch
ungemütlicher, wie es ſchon ſonſt iſt, und darum flüchtet
der Pariſer ins Café, wo ſich eine warme Ecke für Leute
finden läßt, die den Mut nicht haben, vor der Türe
was man Terraſſe nennt den Unbilden der Witter=
ung
zu trotzen, wie man das von einem richtigen Bon=
lebardmann
vorausſetzt. Der Pariſer kennt nicht den
ſchönen Spruch: Mein Heim mein Stolz!
Sein Heim iſt die Straße und ſein Stammkaffeehaus,
denn anſtatt ſich’s zu Hauſe in ſeinen vier Wänden ge=
mütlich
zu machen, richtet er ſich lieber draußen häuslich
ein. Deshalb iſt man auch auf den einzigartigen Ein=
fall
gekommen die Straße zu heizen! Zwiſchen
den ſtaunenden und ſich beſtaunen laſſenden Terraſſen=
beſuchern
befinden ſich mächtige Koksofen, an denen ſich
Zeitungsverkäufer, fliegende Händler und allerlei Her=
ren
mit eingedrückten Hüten und zerriſſenen Stiefeln
ein Rendezvous geben, um etwas Wärme zu ſchinden
An den Straßenecken iſt eine Verwandlung vor ſich
gegangen: die Fruchteismaſchine iſt der Maronenpfanne
gewichen, und der Duft von pommes de terre frites und
crèpes (dünne Pfannkuchen) umſpült unſere Naſe.
Die Pariſerinnen ſtellen ſich zahlreicher zum Fife v’elock=
Tea ein, tragen große Pelze und Müffe, die dieſes
Jahr einen guten Teil der Vorderanſicht unſichtbar
machen. Die Droſchken hahen ihr kleines Schild ge=
heizt
angebracht, dabei keine geringen Anſprüche an.
die Phantaſie der Fahrgäſte ſtellend. In den Auto=
und Omnibuſſen ſind die teueren Parterreplätze immer
komplett, und auf dem Verdeck, in der Vogelperſpektive,
ſitzen zuſammengekauerte Geſtalten. Die vornehme
Halb= und die große Welt haben den Bois de Bonlogne
verlaſſen und gehen zum Eispalaſt. Schließlich denkt
man auch zu Hauſe ans Heizen. Mit der Heizung, das
iſt ein ziemlich dunkler Punkt im hellen Paris. So
wenig, wie von dem unhygieniſchen Rokokomöbel, kann
ſich der traditionelle Pariſer von ſeinem mittelalter=
lichen
Kamine trennen. Weil genug darüber geſchimpft
wird, daß dieſe Heizung nicht zum Wärmen taugt, daß
ſie unpraktiſch, teuer, rauchend, rußend und ſchmutzend
iſt, es aber doch beim alten bleibt, ſoll hier für ſie ge=
rettet
werden, was zu retten iſt. Wo bliebe die Poeſie,
wenn es keine Kamine mehr gäbe? Wo kann man ſchö=
ner
allein oder allein zu zweien die Dämmerſtun=

den verträumen und ſüßen Gedanken nachhängen, als
am Kamine mit ſeiner traulichen Wärme? Und wo
ſchläft man ſanfter und friedlicher ein, als am Kamine,
wenn die Augen vom Hinſtarren in die rote Glut müde
werden und ſchließlich von ſelbſt zufallen?

Wenn auf den großen Boulevards unzählige kleine
Buden aufgeſtellt werden, in denen viel Nützliches uud
Unnützliches feilgeboten wird, wo man dem Spielteufel
im kleinen huldigt, oder ſeine Viſitenkarten gleich fertig=
mitnimmt
, wenn der Hausmeiſter, der Briefträger,
Zimmer=, Dienſt= und Milchmädchen, der Kellner und
der Barbier überaus freundlich und geſchäftseifrig wer=
den
; das ſind Zeichen, daß Weihnachten vor der
Türe ſteht. Wenn am Abend des 24. Dezember vom
Darmſtädter Stadtkirchturm die Muſik ertönt, und ſich
die Familien um die Chriſtbäume verſammeln, eilt auch
der Pariſer, um Weihnachten nach ſeiner Weiſe zu be=
gehen
. Die Bildung des Programms für den heili=
gen
Abend bietet wenig Schwierigkeit: von halb 9
bis halb 12 Uhr Theater, von halb 12 bis halb 2 Uhr
Mitternachtsmeſſe, dann bis zum Morgen in ausgelaſ=
ſener
Stimmung im Reſtaurant. Die Kleinen ſind
ſchlafen gegangen und haben die Schuhe in den Kamin
geſtellt, dem Weihnachtsmann Gelegenheit gebend, ſeine
Sachen abzuladen. Die Poeſie iſt bei den Großen im
Abnehmen begriffen: haben die Menſchen die werktäg=
lichen
Gedanken für ein paar Stunden abgeſtreift, dänn=
wollen
ſie ſich eben amüſieren, das gilt für die Theater=
beſucher
, nur luſtige Stücke, bei denen man nichts
zu denken braucht, ziehen wie für die Beſucher der
Mitternachtsmeſſe. Die große, regelmäßige Sonntags=
meſſe
findet keine Zuhörer; dagegen kann man nicht
rechtzeitig genug ſich ein Billett, vielleicht für 20 Frks.,
für die Mitternachtsmeſſe beſorgen. Sie iſt
aber auch ſo zerſtreuend: aufgeputzte, ſchöne Frauen,
deren Parfüm den Weihrauch überduftet, große Sänger
von der Oper, alles im Rahmen größter Pracht, dazu
um die Mitternachtsſtunde, das hat ſchon einen beſon=
deren
Reiz, das gleicht ja faſt einer luſtigen Soiree auf
Montmartre. Die Kirchen ſind bis auf den letzten Platz
gefüllt, und daß ſich das anſpruchsvolle Publikum nicht
bei der heiligen Muſik von Bach und Händel langweile,
wurden einige Allegro=Stücke moderner Meiſter züge=
geben
. Dann ſtrömten die Beſucher der luſtigen Varie=
tétheater
und die der Mitternachtsmeſſen in die Reſtau=
rants
, die, dem dringenden Bedürfniſſe entſprechend, die
ganze Nacht geöffnet blieben, und ließen in brüderlicher
Gemeinſchaft Hunderttauſende von Kilogramm unſchul=
diger
Vögel, anderthalb Millionen Auſtern, 25000
Languſten, 150 000 Krebſe und Hummern, dazu eine an=
ſehnliche
Herde von Vierfüßlern, verſchwinden; natür=
lich
war dies löbliche Tun mit der entſprechenden An=
zahl
von Hektolitern mehr oder weniger alkoholiſcher
Feuchtigkeit begleitet. Dies alles zur Feier des
Tages, an dem ein Kind in Windeln auf Heu und Stroh
in einem Stalle gebettet. Schluß: Die Pariſer be=
kümmern
ſich mehr um ein gutes Daſein, als um ihre
einſtige Seligkeit, und viele meinen noch dabei: Bei den
ſchlechten Zeiten wäre es leichter zu ſterben, als zu
leben!
*
*
*
Ehre den Königen Philipp VII. und Pataud I., die
den Frieden auf Erden nicht ſtörten! Was wäre aus
dem Weihnachtsfrieden geworden, wenn dieſe zwei Könige
nicht ſo viel Einſicht gehabt hätten? Von Philipp VII.
(der die Hoffnung auf die franzöſiſche Krone noch nicht auf=
gegeben
) lief das Gerücht, er wolle Réveillon in ſeinem
geliebten Paris, von dem man ihn fernhält, feiern, was
man ihm nicht verübeln kann. Aber er kam nicht; immer=
hin
hatte man zur Vorſicht, des hohen Beſuches wegen,
alle Tore beſetzt und unterſuchte gewiſſenhaft alle Auto=
möbile
nach
oktroipflichtigem Benzin! Nicht
minder Ehre gebührt Pataud I., König des Lichts, Se=
kretär
der Elektrizitätsarbeiter. König Pataud und einige
ſeiner glorreichen Feldzüge ſind den Leſern des Tag=
blatt
ſchon bekannt; am Heiligen Abend war er wieder
einmal beſonders rührig. Er wollte für ſeine Untertanen
wahrſcheinlich, um ihnen eine Weihnachtsfreude zu be=

reiten unbebingt eine Sohnerhöhung durchbrügen und
klopfte deshalb, noch ſpät nachts, an die Türe des Herrn
Ariſtide Briand, jetziger Miniſterpräſident und früherer
Genoſſe Patauds. Herr Briand war nicht zu Hauſe
vielleicht iſt er als jetziger Mann der Ordnung gerade in
der Madeleinenkirche zur Mitternachtsmeſſe geweſen und
König Pataud mußte ſich begnügen, von zwei Regierungs=
vertretern
empfangen zu werden, denen er ſofort ſeine
Wünſche und dunklen Abſichten (als Herr über Licht und
Finſternis) unterbreitete. König Pataud ging unzufrie=
den
, da man ihm nur auf Ehrenwort verſprochen, und
es ihm nicht ſchriftlich gegeben hatte, ſeinen Wünſchen
gerecht zu werden. Seiner königlichen Gnade verdanken
war, daß Paris nicht verfinſterte und dir Pariſer ihre
materiellen Weihnachtsfreuden in Ruhe genießen konn=
ten
!


*:
Verlief ſoweit Weihnachten friedlich, ſo gab der un=
patriotiſche
Weihnachtsmann öfters Anlaß zu
Klagen, da er ſeinen großen Sack immer in . . . Nürn=
berg
anſtatt in der eigenen Patrie füllte. Die dar=
über
empörten Patrioten hatten es durchgeſetzt, daß keine
Bude auf den großen Boulevards für ausländiſche Spiel=
ſachen
(gemeint ſind die der Nachbarn überm Rhein) ab=
gegeben
wurde. In den großen Warenhäuſern zeigte der
Weihnachtsmann nach wie vor wenig Patriotismus.
Ueber dieſe böſe Konkurrenz hat ſich manch braver Vater=
landsverteidger
ins Feuer geredet und geſchrieben, ſodaß
er ſchließlich ins nächſte Reſtaurant eilte, um ſich zu ſtär=
ken
. Mit einem tiefen Seufzer bemerkte er dann beim
Bezahlen 1 Dutzend portugieſiſche Auſtern, ruſ=
ſiſche
Kaviar= und italieniſche Salamibrötchen,
eine Portion Straßburger Sauerkraut mit Frank=
furter
Würſtchen, ein ſchweizer Abſinth und ein
Münchener Spatenbräu daß es nicht nur dem
Weihnachtsmann, ſondern ihm auch ſelbſt recht ſchwer
fällt, der Patrie immer treu zu ſein!
Da gerade von Konkurrenz die Rede, ſei noch eine, die
ſich nur in anderer Weiſe fühlbar macht, erwähnt. Bel=
giens
Hauptſtadt möchte unbedingt ein zweites
Paris ſein oder werden. Hat Paris einen Salon, ein
Wettfliegen, kurzum irgend eine Veranſtaltung oder Neu=
heit
, da brauchts nicht lange, da haben es ſicher auch die
Brüſſeler. Alles wird von der vorbildlichen Schweſter
prétiert, kopiert und importiert, das ginge ja noch, daß
ſie aber obendrein übertroffen werden ſoll, das iſt doch zu
viel. In dieſen Tagen ſchrumpft der letzte, große Pariſer
Senſationsroman, im Verhältnis zu dem der Mademoi=
ſelle
Delacroir, zu einem unſcheinbaren Senſatiönchen zu=
ſammen
. Gefahr war in Sicht, das haben unſere Jour=
naliſten
jedoch rechtzeitig bemerkt, und nicht verſäumt, von
der königlichen Affäre, ſo viel wie nur irgend
möglich, für Paris zu reklamieren; es war ein heißes
Ringen und ein furchtbares Wettinterviewturnier letz=
teres
wurde weſentlich erleichtert durch die weniger könig=
lichen
, aber ſehr geſprächigen Geſchwiſter der halben =
nigin
, die in Paris wohnen, beſonders der Madame Ver=
ger
, beſcheidene Gattin eines Arbeiters und des befrackten
Bruders im Café in der Rue du Temple. Betrübend iſt
nur, wenn man ſieht, wie bei einem
ſo wichtigen
Kampfe, eine Konkurrenz unter den eigenen Brüdern
entſteht, die die Kräfte zerſplittert und den Sieg zweifel=
hafter
werden läßt. Als Beleg diene: Zwei große Mor=
genzeitungen
ſagen ſchon lange aus Prinzip ſtets das
Gegenteil, ſagt die eine Peary, dann ſagt die andere Cook
und ſo auch diesmal. Die eine wußte die angehende
Königin, ihrer zahlloſen Tugenden und ebenſovieler Schön
heiten halber nicht genug zu verherrlichen, da beeilte ſich
die andere feſtzuſtellen, daß es ſich nur um eine Reine
d’Aventure handle, u. fügt den detaillierten Untugenden
noch bei und das iſt das ſchlimmſte daß ſie plumpe
Hände habe, und nicht wie eine Zeitung behauptete,
kleinere Füße wie die Prinzeſſinnen von Sachſen=Koburg.
ſondern beim ſchönen Wetter Stiefel in der Güte 39. bei
Regenwetter gar ſolche Nummer 41 trage! Man ſieht,
im leidenſchaftlichen Konkurrenzkampfe vergißt der Fran=
zoſe
ſeine nationalen Intereſſen und vernachläſſigt ſeinen
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Nummer 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1916.

Seite 23.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

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Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

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Wettkampf! Geſunder und ungeſunder Sport.
Die Luſt am Vergnügen. Ein moderner Kunſtpalaſt.
Keller u. Reiner. Berlins neueſte Sehenswürdig=
keit
. Vom verkrachten Hebbel=Theater. Theater
und Publikum.
Kürzlich ging durch die Zeitungen eine Notiz, daß
ſich in Stockholm eine Geſchmacksrätin befände,
die Rat in Fragen des guten Geſchmacks zu ſeſtgeſetz=
ten
Zeiten gegen feſte Preiſe erteile; hinzugeſetzt ward.
daß die Geſchmacksrätin ihren Aufgaben völlig ge=
wachſen
ſei, denn ſie beſitze die zu ihrem Beruf erforder=
lichen
Gaben, ſei viel gereiſt, ſprachenkundig und ver=
füge
über künſtleriſche Begabung. Ach, wir wünſchten
bei Beginn des neuen Jahres, daß ſich auch für Berlin
und viele Berliner ein Geſchmacksrat einſtellte,
der unentgeltlich zu jeglicher Stunde Rat in Fragen
des guten Geſchmackes erteilte und zwar in weithin
hörbarſter Weiſe, man könnte hier ſolchen Mann oft
ſehr gut gebrauchen!
Wir wollen hier gar nicht zurückkommen auf die
ſturmbewegten Szenen während der Silveſternacht
auf der Straße und in einzelnen guten Lokalen, an
denen ſich mit Vorliebe auch Angehörige der beſſeren
Geſellſchaftskreiſe beteiligten, das ſind ſchließlich vor=
übergehende
Epiſoden einer ſehr hochgetriebenen tem=
peramentvollen
Stimmung, die mit dem ſchweuen
Katzenjammer meiſt auch offene Reue zur Folge haben.
Geſchmacklos ſind hauptſächlich jene Erſcheinungen in
unſerem öffentlichen Leben, die ernſte Schlüſſe zulaſſen
auf erhebliche Lücken in unſerer Erziehung, Bildung
und dem damit zuſammenhängenden Benehmen inner=
und außerhalb des Hauſes, privatim und allgemein, der
Heimat und Fremde gegenüber. An dieſer Stelle iſt ja
Politik verpönt, aber erwähnt mag doch werden, als
wie unſinnig um noch ein ruhiges Wort zu wählen
jene von beſtimmter Seite ausgehenden Angriffe und
Quertreibereien gegen unſeren Staatsſekretär des
Aeußeren Freiherrn von Schoen betrachtet wer=
den
, die jede ſeiner durch die einfachſte Höflichkeit ge=
botenen
perſönlichen Handlungen politiſch entſtellen und
die ſich ſogar auf die Lesart ſeiner Viſitenkarten er=
ſtrecken
! Von welch’ engem Horizont ſpricht das und
von welch’ geringem Umſchauen draußen! Und mit
welch' Behagen oder mit welchem Spott mögen Fremde,
nicht am wenigſten fremde Diplomaten, derartige Kräh=
winkeleien
betrachten und verfolgen!
Zeigt ſich hier und leider oft genug in ähnlichen
Fällen eine nationale Rückſichtsloſigkeit, ſo in anderen
wieder eine Betonung der Nationalität, die wahrlich
einer beſſeren Sache würdig wäre. Haben Sie ſchon
gehört, ein Deutſcher hat das Sechs=Tage=Rennen ge=
wonnen
? wurde man häufig während der erſten
Januartage erregt gefragt. Ach du lieber Gott, wenn
wir auf nichts weiter ſtolz ſein dürfen, als auf die
Ausdauer eines Paares gut trainierter deutſcher Beine
und dies, wie geſchehen, zum Ausbruch von Jubelhym=
nen
machen, dann müßte es ſchlecht um uns beſtellt ſein.
Die verrückte, 144 Stunden währende Strampelei
im Velodrom am Zoologiſchen Garten iſt
ja glücklicherweiſe nun auch vorüber, und es werden
wohl allmählich jene nach hunderten zählende Enthuſia=
ſten
und Enthuſiaſtinnen, die ſtumpfſinnig das Abge=
martere
der Teilnehmer am erwähnten internationalen
Wettkampf viele, viele Stunden hintereinander ver=
folgten
wohl nur in der Hoffnung, einem grauſigen
Unglücksfall beiwohnen zu können , aus ihrem Stumpf=
ſinn
erwacht ſein, falls ſie dazu überhaupt noch im
Stande.
Auch ein Geſchmack, die Verherrlichung dieſes
Sports, gegen den ein ſpaniſcher Stierkampf ein
edles Vergnügen iſt und ein mexikaniſcher Hahnen=
kampf
einen kleinen Nervenreiz bedeutet. Vorausſicht=
lich
gehen ja dieſe Uebertreibungen an der eigenen

Langeweile zu Grunde und beeinträchtigen nicht die
ſeit mehreren Jahren bei uns ſo ſehr angefachte und
mit heller Frende aufgenommene Luſt an einem ver=
nünftigen
und geſunden Sport. Neuerdings hat ſich
hier der Rollſchuh viele Anhänger erworben, eine große
Rollſchuhbahn wurde vor kurzem am Kurfürſtendamm
eröffnet und findet zahlreichen Zuſpruch, aber wen die
Grazien nicht ein wenig bevorzugt, der ſoll lieber die
Füße von den gar flinken Rädchen unter der Holzſohle
laſſen, ſie ſind noch heimtückiſcher wie die glatte Schneide
des Schlittſchuhs, der uns ein altgewohnter Vertrau=
ter
iſt.
Oft iſt ja allerdings die ſehr zur Schau getragene
Luſt am Sport nur Luſt am Vergnügen, d. h. an
Zerſtreuung, beſonders wenn dieſe eine Bereicherung
der weltſtädtiſchen Beluſtigungen bildet. Als kürzlich
ein vielgereiſter fremder Beſucher Berlins gefragt
wurde, was ihm am meiſten an unſerer Stadt auffalle,
meinte er, daß man hier ſcheinbar keine Nacht kenne.
Stimmt! Und dabei oder vielmehr deshalb hört man
von immer neuen Vergnügungsſtätten, die hier ent=
ſtehen
ſollen, ſo u. a. ein rieſiges Nachtlokal in nächſter
Nachbarſchaft des Metropol=Theaters Unter, den Lin=
den
, mit Konzertſälen, Caſés, Weinreſtaurants, Bars
und ſonſtigen Eigentümlichkeiten nach Pariſer Muſter.
Bloß daß an der Seine das Amüſement nicht bis in
den dämmernden Morgen hinausgeſchoben wird, wie
bei uns. Wir müſſen doch noch über verflixt viel Zeit,
Geld und Kraft verfügen!
Dieſe drei guten Dinge wurden in anderer Weiſe
aufgewendet, um etwas wirklich Glänzendes und Eigen=
artiges
zu ſchaffen und zwar einen modernen Ber=
liner
Kunſtpalaſt, den der raſtlos tätige Mar=
tin
Keller, Inhaber der Firma Keller u. Rei=
ner
, in der Potsdamerſtraße, unweit ſeines bisherigen,
allmählich viel zu klein gewordenen Kunſt=Salons er=
richtet
. Eine Sehenswürdigkeit echt weltſtädtiſchen Cha=
rakters
, bei der ein erleſener Geſchmacksrat Pate ge=
ſtanden
und alles bis ins Kleinſte vortrefflich angeord=
net
, unterſtützt von einem Stab der tüchtigſten Architek=
ten
und Künſtler, von denen jeder etwas Beſonderes
geleiſtet, im umfaſſenden Rahmen des Ganzen. Nicht
weniger wie ſechzig Räume enthält das vierſtöckige
Gebäude, das nicht nur der Kunſt und dem Kunſtge=
werbe
an ſich als willkommene und würdige Heimſtätte
dient, ſondern auch zu Vorleſungen, Verſteigerungen
und feſtlichen Veranſtaltungen zweckdienlich eingerichtet
wurde. Hoheitsvoll und doch behaglich zugleich wirkt
die von Bruno Schmitz entworfene, durch zwei Ge=
ſchoſſe
gehende Empfangshalle mit ihren ſchimmernden
Marmorwänden, der ſinnreich bemalten, mit auf künſt=
leriſche
Beſtrebungen hinweiſenden Emblemen geſchmück=
ten
Decke, den Bronzezierraten und dem Moſaikfuß=
boden
. Das Hochparterre mit ſeiner 85 Meter langen
Flucht von Ausſtellungsſälen iſt dem Kunſtgewerbe be=
ſtimmt
und vereint eine Fülle von Herrlichkeiten, die
bei näherem Intereſſe ein ſtundenlanges Betrachten er=
fordern
; ein großer Ausſtellungsſaal, an den ſich zwei
kleinere ſchließen, iſt durch Oberlicht erhellt und eignet
ſich ausgezeichnet zur Geſelligkeit, zu muſikaliſchen und
theatraliſchen Darbietungen. Das erſte Stockwerk birgt
die Abteilungen für Wohnungskunſt in verſchiedenſten
Stilarten; da finden wir die Epoche Ludwigs XIV.,
den holländiſchen Barockſtil, Gothik und Biedermeier=
zeit
, deutſche wie italieniſche Renaiſſance, frieſiſchen
Ernſt in einem Speiſezimmer, einen koketten Empire=
Salon, ein reizendes Schlafgemach à la Ludwig XVI.
uſw., während die zweite Etage die Muſterzimmer in
modernem Geſchmack enthält, die dritte eine vollſtän=
dige
Landhaus=Einrichtung, neben mehreren Gemälde=
Sälen. Vom Hochparterre aus gelangt man über eine
breite Freitreppe in einen etwa 1500 Quadratmetr
großen Garten mit ſchönem alten Baumbeſtand, der im
Sommer ebenfalls der Ausſtellung dienſtbar gemacht
werden ſoll, für plaſtiſche Werke, für Vorführungen auf
dem Gebiete der Gartenkunſt, für Gartenmöbel uſw.
Es iſt geplant, dort einen großen Pavillon zu errichten
und im Garten Empfänge, Künſtlerfeſte uſw. zu ver=
anſtalten
, wie uns dies der kurzgefaßte Führer ver=
heißt
. Denn ohne letzteren kann man ſich kaum zu=
rechtfinden
in den Sälen, Gemächern, Hallen, Gängen,
Treppenfluren, die ſoviel des Köſtlichen bergen, zu
deſſen näherer Betrachtung man gar nicht im Trubel

des Eröffnungstages kam, der ganz Berlin in drang=
voller
Enge hier vereinte. Die Kunſt iſt recht verſchie=
dentlich
vertreten, alt und neu und ganz neu dicht neben=
einander
; Berlin macht ſich breit gegenüber Düſſeldorf,
München, Karlsruhe, Dresden, und es macht ſich nicht
angenehm breit. Ein von Felix Borchard nach dem
Leben gemaltes größes Freilichtporträt des Kaiſers in
Hofjagduniform, den Monarchen auf einem mit Haide=
kraut
bewachſenen Hügel darſtellend, hat einen bevor=
zugten
Platz erhalten, verdient ihn aber nicht. Das
knallig ſich vordrängende Bild wurde im Auftrage des
Figaro gemalt, das erklärt vieles, entſchuldigt aber
nichts!
Wie auch der Zuſammenbruch des Hebbel=,
Theaters, in dem es ſchon lange kriſelte, zu erklären,
aber nicht zu entſchuldigen iſt. Denn von vornherein
hatte dies Theater keinerlei Lücke in unſerem Bühnen=
leben
ansgefüllt, wenn es auch ein klangvolles Aus=
hängeſchild
gewählt, als ob ſich dahinter ein geſunder
Kern verberge; aber es wußte nicht die hochtrabenden
Verſprechungen zu erfüllen, wie auch ſein Leiter bei der
Direktionsübernahme keinerlei Erfahrungen im Ber=
liner
Bühnenleben beſeſſen. Dazu kamen gar bald
finanzielle Schwierigkeiten, die jeden flotten Anlauf
und infolgedeſſen auch eine allmählich ſich kräftigende,
gedeihliche Entwicklung hinderten, was im Intereſſe der
tüchtigen Künſtlerſchar, die oft darſtelleriſch Ausgezeich=
netes
leiſtete, aufrichtig zu beklagen iſt. Vorläufig ſoll
auf Teilung weitergeſpielt werden, bis ſich ein neuer
Direktor findet, der Kenntniſſe, Mut und Geld
vereinigt! Solche Männer ſind jetzt dünn geſät in
unſerem bühnenreichen Berlin, in welchem, durch bittere
Erfahrungen gewitzigt, auch die ſonſt ſo theaterfrohen
Kapitaliſten vorſichtig geworden ſind, faſt ſo vorſichtig,
wie das liebe Püblikum, das ſich gleichfalls ſehr zähe
den theatraliſchen Lockungen gegenüber verhält. Allzu=
viel
iſt ungeſund, es iſt uns eben gar zu viel in dem
Artikel zugemutet worden!

Das Beſte iſt ſtets das Billigſte.
Wie für jedes bekannte und einge=
führte
Präparat, ſo wird auch für
Scotts Emulſion eine Reihe von mehr
oder weniger minderwertigen Nach=
ahmungen
angeboten. Hierüber laufen
täglich Klagen bei uns ein, zumal nach
Gebrauch dieſer Nachahmungen der ge=
wünſchte
Erfolg ausgeblieben iſt. Des=
halb
ſollten alle Eltern, die es gut mit
ihren Kleinen meinen, wohl überlegen,
ob es nicht vorteilhafter iſt, das in allen
Fällen bewährte Original=Präparat
Scotts Emulſion
zu nehmen, und ob ſich
nicht auch hier der Spruch
beſtätigt: das beſte iſt
ſtets das Billigſte.
Man verlange daher
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Emulſion mit unſerer
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[ ][  ][ ]

Nummer 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Seite 31.

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von L. Anzengruber.
Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Valdek.
Muſikal. Leitung: Chordirektor Heinz.
Perſonen:
Grillhofer, ein reich. Bauer Hr. Heinz
Duſterer, ſein Schwager Hr. Wagner
Hr. Speiſer
Waſtl,
Dienſtleute bei Hr. Klotz
Michl,
Grillhofer Fr. Scherbarth=
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Anfang 7 Uhr. Ende gegen 9½ Uhr,
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
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von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Sonntag, 9. Jan. 92. Ab.=Vorſt. A 23.
Die Dollarprinzeſſin
Große
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Dienstag, 11. Jan. 93. Ab.=Vorſt. C 24.
Carmen‟. Joſé . . . Hr. Tecker vom
Hof= und Nationaltheater in Mannheim,
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Mittwoch, 12. Jan. 94. Ab.=Vorſt. D24.
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Sonntag, den 9. Januar 1910.
92. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement A 23.
Die Dollar=Prinzeſſin.
Operette in 3 Akten von Leo Fall.
Muſikaliſche Leitung: Kapellmeiſter Kittel.
Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Valdek.
Perſonen:
John Couder, Präſident
eines Kohlentruſts. . . Hr. Jordan
Frl. Geyersbach
Alice, ſeine Tochter .
Hr. Holler
Dick, ſein Sohn
Daiſy Gray, ſeine Nichte . Frl. Grünberg
Hr. H. Hacker
Fredy Wehrburg ..
Hans Freiherr von Schlick Hr. Speiſer
Olga Labinska, Chanſonette Frl. Howard
Tom, Couders Bruder . . Hr. Schwarze
Miß Thompſon, Wirt=
ſchafterin

Fr. Rudolph
James, Kammerdiener bei
Hr. Indorf
Couder
Hr. Jungmann
Bill, Chauffeur . . .
Nach dem 1. und 2. Akte findet je eine
längere Pauſe ſtatt.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 6 Mk., Fremdenloge 6 Mk.,
Balkonloge 5 Mk., 1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang
(1. bis 6. Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe,
2. Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 4. Mk.)
(14. bis 20. Reihe) 3.20 Mk., Parterre (1. bis
(5. Reihe) 2.70 Mk., (6. bis 8. Reihe) 2.20 Mk.
Galerie 1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Anfang 7 Uhr. Ende nach 10 Uhr.
Kartenverkauf von 111 Uhr und von
6 Uhr an.
Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Dienstag, 11. Jan. 93. Ab.=Vorſt. C 24.
Carmen.
Joſé . . . . Hr. Decker vom
Hof= und Nationaltheater in Mannheim,
als Gaſt. Große Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 12. Jan. 94. Ab.=Vorſt. D 24.
Kyritz=Pyritz. Kl. Pr. Anf. 7 Uhr.
Donnerstag, 13. Jan. 95. Ab.=Vorſtell.
B 24. Zum erſten Male: Das Kon=
zert
. Luſtſpiel in 3 Akten von Hermann
Bahr. Große Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Die Erhebung der 3. Rate des
Abonnementsgeldes für die Spielzeit 1909/10
findet Montag, den 10. bis Mittwoch, den
12. Januar 1910, nachmittags von 3 bis
5 Uhr, ſtatt. Zahlſtelle: Veſtibüle im
Hoftheater. Die Abonnenten werden
freundlichſt gebeten, die erhaltenen Zettel
bei der Zahlung zur Quittierung vorlegen
zu wollen.
Montag, den 10. Januar 1910:
Viertes Konzert der Hofmuſik.
Anfang 7 Uhr.

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zu dem am Samstag, den 8. Januar
von 121 Uhr vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle des Großh.
Heſſ. Garde=Dragoner=Regts. Nr. 23.
1. Durch Nacht zum Licht, Marſch von
Laukien. 2. Ouvertüre zur Operette Flotte
Burſche von Suppé. 3. Fantaſie aus der
Oper Der fliegende Holländer von R.
Wagner. 4. Dollar=Walzer aus der Ope=
rette
Die Dollarprinzeſſin von Fall.
5. Dort unten im Süden, amerik. Fan=
taſie
von Myddleton.
Sonntag, den 9. Januar.
Von 11½ bis 12¼ Uhr Konzert auf dem
Paradeplatz, ausgeführt von der Kapelle
des Großh. Inf.=(Leibgarde)=Regts. Nr. 115.
1. Blau=weiß‟ Marſch von Schmidt.
2. Ouvertüre zu Phädra von J. Maſſenet.
3.Einzug der Götter in Walhall aus Das
Rheingold von R. Wagner. 4. Fantaſie
aus Hänſel und Gretel von E. Humper=
dinck
. 5. Neu=Wien, Walzer von Joh.
Strauß. 6. a) Marſch von Sardinien,
b) Marſch Oranien=Gelderland.

uter Privat=Mittags= und =Abendtiſch
Wittmannſtr. Anfr. u. k. V. D. Postamtz. (B903

Pilo ist überall zu haben.

Chriſtlicher Verein junger Männer
Darmſtadt=Oſt.

Riegerplatz 3.
Sonntag, Jugendabteilung: Nachmittags
Uhr: Mitgliedervereinigung. Abends
8½ Uhr: Monatliche Mitgliederverſamm=
lung
(Teeabend) mit Aufnahme.
Soldatenheim: von nachmittags 2 Uhr
ab geöffnet.
Montag, abends 8½ Uhr: Uebung des
Poſaunenchors.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Uebung des
Streichchors. Unterricht in Engliſch.
Unterhaltungsabend der Jugendabteilung.
Bibelbeſprechſtunde für Soldaten.
Mittwoch, abends 8¼ Uhr: Bibelſtunde für
Frauen. Abends 8½ Uhr: Bibliſche
Beſprechung der älteren Abteilung.
(Apoſtelgeſchichte.) Nach Schluß: Ver=
ſammlung
der tätigen Mitglieder.
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Sitzung der
Beſuchskommiſſion. Bibelſtunde der
Jugendabteilung,
Freitag, abds. 8½ Uhr: Männerchor.
Samstag, abends 9 Uhr: Gebetsver=
einigung
.

Chriſtliche Gemeinſchaft
Immanuel. E. V.

Rheinſtraße 2.
Sonntag, vormittags 9 Uhr: Bibelbe=
beſprechung
. Vormittags 11 Uhr:
Sonntagsſchule. Nachmittags 4 Uhr:
Jugendbund. Abends 8¼ Uhr: Evan=
geliſation
.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Blaukreuz.
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Freitag, abends 8½ Uhr: Gebetſtunde.

Chriſtlicher Verein junger Männer
Wartburg.

Lokal: Karlſtraße 21.
Protektor Se. Kgl. Hoheit der Großherzog.
Sonntag, abends 7½ Uhr: Weihnachtsfeier
im Feierabendſaal, Stiftſtraße 47, mit
vorwiegend muſikaliſchen Darbietungen.
Eintritt 30 Pfennige.
Montag, 8½ Uhr: Franzöſiſch. 9 Uhr:
Männerchorprobe.
Dienstag, 9 Uhr: Poſaunenchor.
Mittwoch, 9 Uhr: Bibelſtunde. Herr Prof.
Matthes.
Donnerstag, 8¾ Uhr: Turnen. Lagerhaus=
ſtraße
25.
Freitag, 9 Uhr: Orcheſterprobe.
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[ ][  ][ ]

Seite 32.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 8. Januar 1910.

Nummer 6.

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(*508

[ ][  ][ ]

Samstag, 8. Zannar.

Bekanntmachung.

Odenwaldklub
Ortsgruppe Darmstadt, E. V.
in Gemeinſchaft mit der
Ortsgruppe Darmstadt des
292
Deutschen Flottenvereins.
Dienstag, den 11. Januar 1910, abends 8½ Uhr (pünktlich)
im großen Saale des Städtiſchen Saalbaus:
Vortrag mit Lichtbildervorführungen
Sr. Excellenz des Herrn Generalleutnant a. D. v. Nieber=Mannheim
(I. Vorſitzender des Deutſchen Luftflottenvereins) über
(656ds
Heronautik‟,
Die Mitglieder und Freunde des Odenwaldklubs und des Luft=Flottenvereins
nebſt Damen ſind hierzu herzlichſt eingeladen.
Der Vorstand.

Richard Wagner-Verein Darmstadt.

Die

DmG
Ordentliche Hauptver sammlung

des Vereins für das Jahr 1910 findet Montag, den 17. Januar 1910, im
Grünen Zimmer des Kaisersaals mit folgender Tagesordnung statt:
1. Jahresbericht des Vorsitzenden. 2. Rechnungsablage und Entlastung des Rech-
ners
. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Beratung und Beschlusskassung über die
(1002
vorliegenden Anträge.
Der Vorstand.

Vortrag!
Sonntag nachmittag präzis 430 Uhr
im Vortragsſaal Neckarſtraße 22 (Hinterhaus)
Thena: Besagt die Bibel den Welt-Frieden?
Redner H, Dirkens vom Ausland.
(*549
Eintritt frei.
Jedermann willkommen.

Verein für das Deutſchtum im Ausland
(Allgemeiner deutſcher Schulverein) E. 9.
Nächſten Montag, den 10. Jan., 6 Uhr, findet im Gartenſaal der Vereinigten
Geſellſchaft, Rheinſtr. 36, eine Mitgliederverſammlung ſtatt. Tagesordnung: Jahres=
bericht
, Rechnungsablage, Verfügung über die vorhandenen Mittel und Vorſtandswahl.
Die verehrten Mitglieder werden gebeten, in großer Zahl zu erſcheinen.
(926
Der Vorſtand.

Montag, den 10. Januar 1910, abends 7 Uhr:
Viertes Konzert
im Grossherzoglichen Hoftheater
zum Besten des Witwen- und Waisenfonds der Grossh. Hofmusik
und unter Mitwirkung des Herrn Karl Friedberg, Pianiſt
aus Köln.

en-Verein
armstadt.

Samstag, den 22. Januar 1910, abends 8 Uhr,
findet im
Schützenhof, Hügelstrasse,
unſer diesjähriger

12

ſtatt, wozu wir unſere Mitglieder und Freunde des Vereins höflichſt einladen.
Fremdenkarten ſind bei Herrn Ludwig Möser, Dieburgerſtraße 11, zu haben.
(931ss.
Am Ballabend werden keine Karten ausgegeben.
Der Vorstand.
Schutzennof.
Sonntag, den 9. Januar, abends 8 Uhr:
Erstes grosses
Larnevalistisches Konzert.
Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. 61.
Leitung: M. Weber.
Eintritt 25 Pfg.
(1015
Programm mit Liedertext und Kappen an der Kaſſe.

1. Ouvertüre Meeresſtille u. glückliche 3. Drei Klavierſtücke:
Fahrt
Mendelssohn.
2. Es-dur=Konzert für Klavier mit
Orcheſterbegleitung
Beethoven.

Ballade (G-moll)
F. Chopin.
Rondo (D-dur)
F. Schubert.
Rhapfodie Nr. 9 (Peſter
F. Lisst.
Karneval) .
4. Sinfonie (E-moll Nr. 4) J. Brahms.
Hauptprobe: vormittags 10 Uhr. Karten zur Hauptprobe à
Mk. 1.50 an der Hoftheater=Tageskaſſe 9½10½ Uhr und im Vorverkauf in der
Muſikalien=Handlung von L. Schutter, Eliſabethenſtraße 12.
VB. In dieſer Hauptprobe werden alle Nummern des Programms zu Gehör
gebracht.
(498ms

Zum Besten des Orgelbaufonds der Stadtgemeinde.
Sonntag, den 9. Januar, abends ½6 Uhr,
in der Stadtkirche:

Zweites Orgel-Konzert
S
von Herrn Professor Karl Straube aus Leipzig.
Programm: Orgelwerke von Max Reger und Johann Se-
bastian
Bach.
Eintrittskarten zu 50 Pfg. (für alle Plätze der Kirche) bei Georg Thies
Nachf. und Uhrmacher Kolb, neben der Stadtkirche.
(1001

Darmſtädter Männergeſangverein.
Wir laden unſere Mitglieder und Freunde des Vereins zu der morgen
Sonntag mittag 4 Uhr im Park=Hotel
ſtattfindenden
Nach-Feier mit Tanz

freundlichſt ein.

(981

Sosssssssstssssgsgessesee


66
Münchner Kindl.
Sonntag, den 9. Januar, kommt zum Ausſchank:
Prima Bockbien
Gute Küche, spez. in Geflügel
wozu höflichſt einladet
J. Mohr.
*406)
Sosststagssststatsette

Ludwigshöhe.
Sonntag, den 9. Januar 1910
(B1022

Konzert
der Kapelle des Leibgarde-Regiments
Dirigent: Ober=Musikmeister Hauske.
Aus dem Programm: Ouvertüre z. Figaros Hochzeit von Mozart; Fantaſien
aus Undine von Lortzing und Prinz Methuſalem von Joh. Strauß; Konzertſtück
für Klarinette über Motive aus Rigoletto von Baſſi, (Soliſt Herr Fritz Heynan),
Das wunderbare Echo, von A. Schreiner; Mein Lied von Sabathil u. a. m.
Anfang 4 Uhr.
Eintritt 25 Pfg.


Cafe Heirobol.
Täglich Konzert
des Wiener Damen-Orchesters, Dir. Jenny Lerch.
(*534
Sonntags 2 Konzerte, 4 und 8 Uhr.
Programm 10 Pfg.
Eintritt frei.

Seih
Khagelt
gadennasgas-aug Wan
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Restuakeilen Zuf Stdcl Pfungstaun Ellsubethenstr. 2.
Mittagstiſch à 70 Pfg. und 1 Mk. Im Abonnement billiger.
Von 5 Uhr ab Souper à 1 Mk.
Morgen Sonntag verschiedenes Geflügel, Fische, Braten,
:: Ragouts und sonst reichhaitige, abwechselnde Speisekarte.
Die meiſten Speiſen werden ſofort ſerviert.
Jjadan
Von 4 Uhr ab Tanzkränzchen im weissen Saale.

*482)

Dienstbach.

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Achtung?
St=
6

Louisen-
Restauration Sonne strasse 6

Sonntag, den 9. Januar:
(äRnenge
Mbedſegf
Glosses Karnevalsstusches Konzert.
Anfang 4 Uhr.
Joseph Stocker.

(*492

1 e
Landwehrſtr. 26
Konzerthaus Kratsch konz. Barieté.::
Heute Samſtag 8 Uhr (Eintritt frei), Sonntag Anfang 4 Uhr
(*506
Grosse karneval.-humorist. Gesangs=Konzerte.
1
Restaun ation Hawerkaste‟, Elisabethenstr. 39.
Heute
Samstag: Metzelsuppe.
Von morgens 8 Uhr ab Wellfleiſch mit Kraut.
Es ladet freundlichſt ein
Em. Friebis.
Gleichzeitig empfehle meinen bürgerlichen Mittags= und Abendtiſch. (*553.

[ ][  ]

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
5 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborenc. Am 29. Dez.: dem Schuhmacher Chriſtian
Traſch, Wendelſtadtſtr. 24, e. T. Anna Maria Chriſtine.
Am 30.: dem Bahnarbeiter Johannes Freidel, Neue
Ireneſtraße 19, e. T. Anna. Am 31.: dem Taglöhner
Johannes Schnellbächer, Geißberg 6, e. T. Eva. Am
29.: dem Buchhalter Karl Bernhard, Viktoriaſtr. 98,
e. T. Elſa Chriſtine. Dem Wirt Adam Treuſch, Hein=
richſtr
. 104, e. T. Maria Emma. Am 2. Jan.: dem Kauf=
mann
Bernhard Fuchs, Arheilger Straße 27, e. S
Max. Am 29. Dez.: dem Kellner Friedrich Maier,
Schwanenſtr. 8, e. S. Ludwig Friedrich. Am 31.: dem
Hoboiſten im Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115
Reinhold Burkhardt, Pankratiusſtr. 48, e. S.
Johannes Karl. Dem Poſtboten Heinrich Stephan,
Liebfrauenſtr. 53, e. T. Margarete. Am 3. Jan.: dem
Uhrmacher Rud. Schäffer, Feldbergſtr. 43, e. S. Wil=
helm
. Am 4.: dem Poſtboten Ludwig Dietz, Hein=
heimerſtr
. 23, e. S. Adam Ludwig. Am 5.: dem Tag=
löhner
Gg. Wagner, Langegaſſe 31, e. T. Johannette.
Am 3.: dem Forſtwart Wendel Ahlheim, Kahlertſtr. 12,
e. T. Anna Maria. Am 4.: dem Lokomotivhilfsheizer
bei der Staatsbahn Phil. Laun, Mollerſtr. 43, e. S.
Georg Am 31. Dez.: dem Kaufmann Ferdinand
Braun, Kiesſtr. 36, e. S. Johann Ludwig Ferdinand.
Am 2. Jan.: dem Schutzmann Friedrich Günther,
Wendelſtadtſtr. 52, e. T. Maria.
Aufgebotene. Am 4. Jan.: Proviſionsreiſender
Johann Georg Heinrich Hettinger in Kaſſel= Betten=
hauſen
mit Maria Eliſabetha Peter, ebendaſelbſt.
Schloſſer Ludwig Keller, Ballonplatz 9, mit Poſamen=
tenarbeiterin
Marie Pfiſter, ebendaſelbſt. Am 5.:
Bahnarbeiter Heinrich Platz I. in Bürſtadt mit Eliſa=
betha
Barbara Ofenloch, ebendaſelbſt. Architekt Wil=
helm
Kobau, am Breitenwieſenberg 11, mit Martha
Wilhelmine Pfühler, Roßdörfer Straße 72. Am 6.:
Landwirt Heinrich Sehring XV. mit Emilie Anna
Saßmannshauſen, beide in Langen. Töpfer Karl
Richard Schmidt mit Anna Lina Ketzer, beide in
Meißen. Hausburſche Philipp Raſcher mit Dienſtbote
Margar. Uhrig, beide Holzſtraße 23.
Geſtorbene. Am 2. Jan.: Tapezier Adolf Jäckel,
58 J., ev. Am 3.: Maria Kathar. Filſinger geb.
Kramer, Ehefrau des Pfandmeiſters, 62 J., kath.,
Mollerſtr. 4. Am 4.: Bureaubeamter i. P. Fdch. Heedt,
68 J., kath., Lichtenbergſtr. 56. Privatin Amalie Knorr,
62 J., ev., ledig, Frankfurter Straße 4. Am 5.: Roſa
* Dammel geb. Dilfer, 46 J., ev., Ehefr. d. Büfettiers,
Liebfrauenſtr. 67. Babette Schuchmann geb. Schnell,
Witwe des Fabrikanten, 73 J., ev., Steinſtr. 5.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
85 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 23. Dez.: dem Großh. Oberlehrer
Dr. Wilhelm Martin Hermann Becker, Hochſtr. 55, e.
T. Guſtel Magda Mechthild. Dem Bankprokuriſten
Oskar Schütze, Moosbergſtr. 58, e. T. Erna Ruth. Dem
Taglöhner Ludwig Hirſch, Weinbergſtr. 26, e. T. Dina
Johanna. Am 25.: ein unehel. Sohn Kurt Jakob. Am
26.: dem Oberfeuerwerker Otto Karl Michael Fibranz,
Moosbergſtr. 18, e. T. Emilie Alma Erna. Am 27.:
eine unehel. Tochter Auguſte. Am 29.: dem Kaufmann
Ludwig Konrad Darmſtädter, Heidelberger Straße 28,
e. T. Erna Suſanna Käthe. Am 28.: dem Glaſer Richard
Alfred Refert, Sandbergſtr. 29, e. S. Franz Alfred.
Am 21.: dem Poſtboten Philipp Nungeſſer. Ahaſtr. 20.
e. S. Ernſt Philipp. Am 2. Jan.: dem Trompeter=
Sergeanten im Artilleriekorps Hermann Auguſt
Friedrich Müller, Heidelberger Straße 79, e. S. Her=
mann
Auguſt Rudolf. Am 30. Dez.: dem Buchbinder
Johann Heinrich Ernſt Götz, Sandbergſtr. 37, e. S.
Friedrich Karl. Dem Hofgartenarbeiter Wilhelm
Wittmann, Tannenſtr. 3, e. T. Helene Lina. Am
1. Jan.: dem Weißbinder Ludwig Bergſträßer, Moos=
bergſtr
. 68, e. S. Karl. Am 27. Dez.: dem Oberleutnant
im Leib=Dragoner=Regiment Nr. 24 Franz Theodor
Graf von Limburg=Stirum, Annaſtr. 23, ein Sohn.
Am 30.: dem Kupferſchmied Johann Ludwig Heck,
Beſſunger Straße 53, ein Sohn Ernſt Karl.
Aufgebotene. Am 24. Dez.: Kaufmann Heinrich
Joſeph Pings in Koblenz=Lützel mit Katharina
Günther, Wilhelmſtr. 51. Am 3. Jan.: Sergeant im
Großh. Artilleriekorps Philipp Bleſſing, Heidelberger
Straße 47, mit Anna Barbara Bitſch in Schlierbach,
Kreis Bensheim.
Eheſchließungen: Am 24. Dez.: Schreiner Ludwig
Uhrhan, Schießhausſtr. 51, mit Maria Dorothea
Geyer, Niederſtr. 18. Schreiner Georg Seibert,
Saalbauſtr. 27, mit Sophie Luiſe Ehrhardt, Tannen=
ſſtraße
17. Am 30. Dez.: Kaſernenwärter Adam Zehr=
bach
, Heidelberger Straße 49, mit Anna Martha
Berge, Heinrichſtraße 125.
Geſtorbene. Am 26. Dez.: Karl Wilhelm. Röttger,
4 Mon., ev., Ludwigshöhſtr. 13½.
Am 28.: Rentner
Georg Heinrich Hermann Müller, 76 J., ev., Heidel=
berger
Straße 69. Eliſabeth Barthel, 7 J., ev., Heidel=
berger
Straße 103. Auguſt Bernhard Dorſch, 4 Mon.,
kathol., Moosbergſtr. 97. Am 2. Jan.: Weichenſteller
Friedrich Herzberger, 31 J., ev., Wingertsgäßchen 12.
Barbara Goldapp geb. Ziegler, Witwe des Grenzauf=
ſehers
, 56 J. , ev., Neue Niederſtr. 20. Am 5.: Luiſe
Schaefer geb. Buff. Ehefrau des Diviſionsarztes a. D.,
78 J., ev., Martinſtraße 2½.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
1. Sonntag nach Epiphanias, den 9. Januar 1910
Landes=Miſſionsfeſt
Kollekte für die Heiden=Miſſion
Hofkirche: Samstag, den 8. Januar, abends 6 Uhr:
Beichte. Sonntag, den 9. Januar, vorm. ½10 Uhr:

Beichte und Anmeldung zur heil. Kommunion in der
Sakriſtei. Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit
Feier des hl. Abendmahls. Nachm. 3 Uhr: Vesper.
Mittwoch, den 12. Januar, abends 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Prälat D. Flöring.
Vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Velte. Nachm. ½6 Uhr: Zweites Kirchenkon=
zert
des Profeſſors Karl Staube aus
Leipzig.
Stadtkapelle: Vorm. um ½ 10 Uhr: Pfarrer D. Diehl
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Kleberger.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Freitag, den
14. Januarr, abends 8¼ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
D. Dr. Diehl.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vormittags 8½ Uhr:
Diviſionspfarrer Lic. Schettler.
Johanneskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Miſſionar
Ruhland. Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt
für den Oſt=Bezirk. Pfarrer Widmann. Abends
um 6 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Pfründnerhaus: Vormittags 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Hofmann.
Eliſabethenſtiſt: Samstag, den 8. Januar, nachmit=
tags
3 Uhr: Beichte. Pfarrer Deggau. Sonntag,
den 9. Januar, vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt
mit Abendmahl. Pfarrer Deggau.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. 10 Uhr:
Pfarrer Walz. Vormittags 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarrer Walz. Abends 6 Uhr: Oberhof=
prediger
Ehrhardt.
Gemeindehaus, Hofgartenſtr. 8: Mitt=
woch
, den 12. Januar, abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Ge=
heimerat
D. Walz.
Pauluskirche: Vormittags 10 Uhr:
Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Rückert. Vorm. 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrer Rückert.
Lutheriſcher Hottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am 1. Sonntag nach Epiphanias, den 9. Jan.,
nachmittags 5 Uhr, im Feierabend‟, Stiftſtraße 47.
Pfarrer Müller.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 9. Januar,
vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmit=
tags
um 4 Uhr: Evangeliſationsverſammlung. Pfarrer
Veller. Abends 8 Uhr: Blaukreuzverſamm=
lung
. Dienstag, den 11. Januar, abends 8½ Uhr:
Frauen= und Jungfrauen=Verſammlung. Donnerstag,
den 13. Januar, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
Veller.

Altkatholiſche Gemeinde: Sonntag, den 9. Januar,
vormittags 10 Uhr, in dem Gemeindehaus der evangel.
Johannesgemeinde, Kahlertſtr. 26, Gottesdienſt und Ge
legenheit zum Empfang des hl. Abendmahls. Herr Pfarrer
Ullmann aus Heßloch.

Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Hemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
13): Sonntag, nachmittags 4 Uhr.
Mittwoch,
abends 8½ Uhr.

Baptiſtengemeinde (Nieder=Ramſtädterſtraße 13):
Sonntag, den 9. Januar, vormittags 10 Uhr: Predigt.
Vormittags 11¼ Uhr: Sonntagsſchule. Nachmit=
tags
4 Uhr: Predigt und Abendmahl. Prediger Wein=
hold
=Worms a. Rh. Zutritt frei für jedermann.

Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigskirche: Samstag, den 8. Januar, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte.
1. Sonntag nach Epiphanie, den 9. Januar 1910
Feſt der Erſcheinung des Herrn
Kollekte für die afrikaniſchen Miſſionen
Vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. Um 7 Uhr: Austeilung
der hl. Kommunion. Um 8 Uhr: Militärgottesdienſt
mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottesdienſt, beſtehend in
hl. Meſſe und Predigt. Nachmittags um 3 Uhr: Vesper.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Nachmittags um 4 Uhr: Ver=
ſammlung
im Mädchenheim. Um 5 Uhr: Verſamm=
lung
des Vereins chriſtlicher Mütter. Um 6 Uhr:
Roſenkranzandacht.
Kapelle der Engliſchen Fränkein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: hl. Meſſe. Montag, nachm. um 4 Uhr:
Sakramentaliſche Betſtunde.
Ht. Eliſabetßenkirche: Samstag, den 8. Januar, nach=
mittags
um 4½ Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur hl. Beichte.
Sonntag, den 9. Januar 1910
Feſt der Erſcheinung des Herrn
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½ 7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: hl. Meſſe mit
Predigt. Um ½10 Uhr: Feierliches Hochamt mit
Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Feierliche Vesper.
Kapelle zu Eberſtadt: Samstag, den 8. Januar, nach=
mittags
um 5 Uhr: Beichtgelegenheit.
1. Sonntag nach Epiphanie, den 9. Januar 1910
Vorm. um 6 Uhr: Beichte. Um ½ 7 Uhr: Aus=
teilung
der hl. Kommunion. Um ¼10 Uhr: Hoch=
amt
und Predigt. Nachmittags um ½2 Uhr: Andacht.
Während der Woche um ¾8 Uhr: hl. Meſſe.
Kapelle zu Pſungſtadt: 1. Sonntag nach Epiphanie,
Vorm. um ½8 Uhr: Amt und Predigt. Vorher Beicht=
gelegenheit
.
The English Church (Hofkirche)
Divine Service
on Sunday, the 9th of January 1910
at 4,00 p. m.
Reverend Dr. MacDonald Chaplain at Heidelberg.

Getaufte, Getraute und Heerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 19. Dezember: Dem Magazin=
arbeiter
Peter Bitſch S. Georg Adam, geb. 14. November.
Dem Dekorationsmaler Heinrich Wilhelm Klein T. Wil=
helmine
Margarethe, geb. 17. Aug. 26. Dezember: Dem
Schriftſetzer Friedrich Karl Schnell S. Karl Hans, geb.
24. Nov. Dem Magazinier Meent Brunken S. Walter
Hans, geb. 14. Dezember. Dem Schuhwarenhändler
Karl Ludwig Fiſcher T. Lina Berta, geb. 10. November.
27. Dezember: Dem Portier Friedrich Wilhelm Schrör
T. Selma Hildegard, geb. 30. Oktober. 28. Dezember:
Dem Tapezier Philipp Friedrich Karl Glückert L. Eiſa,
geb. 3. April. Dem Maler= und Weißbindermeiſter Georg
Hillgärtner T. Anna Sophie Hertha, geb. 18. November.
25. Dezember: Dem Rohrmacher Karl Ludwig Sommer=
korn
T. Karoline Wilhelmine, geb. 25. November. Dem
Dentiſt Georg Hermann Viel S. Egon Georg Hermann
Hans, geb. 1. Dezember. Dem Weißbinder Johann
Adam Berlieb S. Adam Johann Peter. 2. Januar:
Dem Mechaniker Johann Jakob Haller T. Suſanna,
geb. 8. Dezember. Dem Kaufmann Georg Philipp
Trietſch S. Jean Karl Andreas Johannes Friedrich, geb.
20. Oktober. 21. Dezember: Dem Briefträger Ludwig
Merz S. Heinrich Ludwig, geb. 20. Nov. 25. Dezember:
Dem Inſtallateur Georg Karl Eduard Mitſchdörfer S.
Georg, geb. 19. November. Dem Lehrer Peter Claß S.
Richard Peter Hans, geb. 22. Oktober. 26. Dezember:
Dem Kutſcher Friedrich Harſtein, T. Dorothea Veronika,
geb. 13. Dez. Unehelicher Sohn Johann, geb. 5. Dez.
31. Dezember: Dem Schneider Georg Jakob Ihrig T.
Hennriette Wilhelmine, geb. 6. Mai 09. 1. Januar:
Dem Wirt Jakob Uhrig L. Elſa, geb. 26. November 09.
2. Januar: Dem Finanzaſpirant Friedrich Adam Zulauf
S. Helmut Heinrich, geb. 29. November 09.
Johannesgemeinde: 1. Januar: Dem Bäcker
Gottlieb Danzer L. Anna Margarete, geb. 5. Dezember.
Dem Mineralwaſſerfabrikant Karl Enders S. Heinrich,
geb. 24. Dezember. 2. Januar: Dem Schneider Albert
Oehlert S. Hermann Gottfried, geb. 7. Dezember. Dem
Schreiner Friedrich Unmacht S. Karl Chriſtian, geb. 13. Dez.
Dem Former Wilhelm Feldmann S. Friedrich geb.
7. Oktober.
Martinsgemeinde: 1. Januar: Dem Architekt
Wilhelm Mickel S. Wilhelm Paul, geb. 8. November.
Dem Flaſchenbierhändler Johann Gottlieb Kugler S.
Johann Heinrich Gottlieb Herbert, geb. 15. Nov. Dem
Schmied Georg Michael Hannewald T. Eva Eliſabeth,
geb. 1. Dez. 2. Januar: Dem Schloſſer Adam Weiß
S. Guſtav Albert, geb. 15. Dezember. Dem Kaufmann
Karl Friedrich Reukeßer S. Karl Felix. Dem Fuhrmann
Heinrich Ludwig Heß T. Mathilde, geb. 19. Dezember.
5. Januar: Dem Briefträger Balthaſar Fußmann S.
Jean, geb. 28. Dezember. 1. Januar: Dem Bäcker
Richard Schüle S. Albert Gisbert, geb. 2. Dez. Dem
Gerichtsſchreiberaſpirant Theodor Friedrich Auguſt Strauch
T. Paula, geb. 11. Dezember.
Petrusgemeinde: 1. Januar: Dem Schneider
Georg Falter S. Leonhard, geb. 2. Dezember. Unehel.
S. Karl Ludwig, geb. 9. Dezember.
Paulusgemeinde 29. Dezember: Dem Ober=
lehrer
Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Fiſcher T. Suſe Lotte
Ingeborg, geb. 27. Auguſt. Dem Taglöhner Philipp
Weicker S. Philipp, geb. 21. November. Dem Lehrer
Chriſtian Schäfer S. Georg Wilhelm, geb. 28. Septemb.
30. Dezember: Dem Referendar Freiherrn Louis Ferd.
Leo Robert Löw von und zu Steinfurth T. Mathilde
Carita Hedwig Dorothea. 31. Dezember: Dem Diplom=
Ingenieur und Architekten Erwin Albert Blankenhorn
T. Gerda, geb. 9. Oktober. 4. Januar: Unehel. S. Alfred
Anton, geb. 17. Dezember.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 14. Dezember: Referendar
Dr. Karl Wilhelm Walz und Louiſe Auguſte Antonie
Hallwachs. 27. Dezember; Lehrer Heinrich Ackermann
in Groß=Rohrheim und Marie Eliſabethe Ehrhardt.
4. Januar: Lehramtsaſſeſor Ferdinand Franz Wilhelm
Dern und Wilhelmine Petry.
Petrusgemeinde 2. Januar: Kaſernenwärter
Adam Zehrbach und Anna Martha Berge.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 11. Dezember: Kellner Johan=
nes
Jungk, 38 J., ſtarb 5. Dezember. 23. Dezember:
Johannette Ziegler, geb. Biermann, Witwe des Schrei=
ners
Karl Ziegler, 63 J., ſtarb 21. Dez. 29. Dezember:
Anna Margarete Becker, T. des Spenglermeiſters Johann
Heinrich Becker, 18½ J., ſtarb 27. Dez. 2. Januar:
Privatin Eliſe Ruths, 82 J., ſtarb 31. Dezember.
Johannesgemeinde: 6. Januar: Amalie Knorr,
ledig, 62 J., ſtarb 4. Januar.
Martinsgemeinde: 29. Dezember: Katharine.
Noll, geb. Amend, Witwe des Taglöhners Karl Noll, 59 J.,
ſtarb 27. Dezember. 30. Dezember: Privatier Georg
Philipp Dröll, 71 J., ſtarb 27. Dezember, Katharine
Marie Battige, geb. Walz, Ehefrau des Schuhmachers
Albert Battige, 29 J., ſtarb 27. Dezemb. 31. Dezember:
Anna Schmidt, T. des Schriftſetzers Thomas Schmidt,
1 J., ſtarb 29. Dezember. 2. Januar: Mathilde Winter,
Witwe des Oberſtleutnants Ludwig Winter, 60 J.,
ſtarb 31. Dezember.
Petrusgemeinde: 30. Dezember: Rentner
Georg Heinrich Hermann Müller, 76 J., ſtarb 28. Dez.
31. Dezember: Elſe Barthel, T. des Schneidermeiſters
Vinzenz Barthel, 7 J.. ſtarb 28. Dezember. 4. Januar:
Barbara Goldapp, geb. Ziegler, Witwe des Grenzauf=
ſehers
Goldapp, 56 J., ſtarb 2. Januar.
Paulusgemeinde: 5. Januar: Oberpoſt=
praktikant
Heinrich Lang, 38 J., ſtarb 1. Januar.

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