Darmstädter Tagblatt 1903


03. Oktober 1903

[  ][ ]

monatlich 50 Pfg, vierteljährlich 150 Mr.
halbjährlich 3 Mk. einſchl. Bringerlohn.
Auswärts werden von allen Poſtämtern
Beſtellungen entgegengenommen zu 1.80 Mk.
vierteljährlich.

Verbunden mitWohnungs=Anzeigeru und der Sonntags=Beilage:
Auſtvorkes Unterhaltungshſatk.

für das wöchentlich 6mal erſcheinende Tag=
blatt
werden angenommen in Daͤrmſtadt
von der Expedition Rheinſtraße Nr. 23, in
Beſſungen von Blößer, Beſſungerſtraße
Nr. 48 und Schießhausſtr. Nr. 14, ſowie aus=
wärts
von allen Annoncen=Expeditionen.

Amtliches Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Kreisamts, des Großh. Polizeiamts und der andern Behörden.

W232.

Samstag, den 3. Oktober.

1903.

Gefunden: 1 ſchwarzledernes Portemonnaie mit Inhalt. 1 Schieber zu einer
Damen=Uhrkette. 1 grünledernes Portemonnaie mit Inhalt. 1 ſeidener Damen=
Sonnenſchirm. 1 Kontobuch mit braunem Einband. 1 Teil einer Wagenbremſe.
1 katholiſches Gebetbuch mit dem Namen Valentin Vetter. 1 Sparkaſſenbuch mit der
Nr. 142343. auf den Namen H. Portune lautend. 1 goldener Manſchettenknopf mit
ſchwarzer Emaille. 1 ſchwarzledernes Portemonnaie ohne Inhalt. 1 grauer Handſchuh.
1 großzer Schlüſſel. 3 kleine Schlüſſel. 1 Taſchentuch, gez. M. 1 golsene=oBerſchen.
1 braunledernes Portemonnaie mit einem kleinen Geldbetrag und 3 kleinen Schlüſſelchen.
1 Eiſenbohrer.
Verloren: 1 goldenes Kettchen mit Anhänger. 1 ſchwarze Damen=Stahluhr mit
blauen Ziffern. 1 Zehnmarkitück. 1 braunledernes Portemionnaie, enth. 120 Mark und
2 Ringe im Werte von ie 1 Mark. 1 altes Portemonnaie, enth. 22 Mark. 1 ſchwarzer
Damenſchirm mit Metallſtock und gebogenem Nickelgriff. 1 graue Schürze. 1 Schere.
1 Metermaß. 2 Bürſten. 1 Hundertmarkſchein. 1 goldener Siegelring mit blauem
Stein.
Zugelaufen: 1 ſchwarzer Pudel.
Darmſtadt, den 3. Oktober 19os.
Fundburean Großherzoglichen Polizejamts,
geöfnet, von S-12. Uhr. vormittags und 226 Uhr nachmittaas.
B e k a n n t m a ch u n g.
Betreffend: Die Fortbildungsſchule für die aus der Volksſchule ent=
laſſene
mämiliche Iugend.
Die Eröffnung des Unterrichts der hieſigen Fortbildungsſchule für den Winter
190304 findet Montag, den 19. ds. Mts. 5 Uhr nachmiktags, ſtatt, und zwar
für die Schüler des vormaligen Stadtbezirks Darmſtadt im Schulhäus auf dem
Ballonplatz ſowie im Schulhaus an der Müllerſtraße, für die Schüler der vor=
maligen
Gemeinde Beſſungen im Schulhaus in der Ludwigshöhſtraße.
Zum Beſuche der Fortbildungsſchule geſetzlich verpflichtet ſind alle diejenigen
jungen Leute, welche in den Jahren 1301, 1903 und 1903 aus den hieſigen Volksſchulen
entlaſſen worden ſind oder, nach ihrer Entlaſſung aus Schulen anderer Gemeinden, ſich
hier aufhalten, ohne anderen genügenden Schulunterricht zu genießen. Geſuche Um
gänzliche oder teiliveiſe Vefkeinng vom Beſuche der Fortbildungsſchule ſind bei
Meidung der Nichtberückſichtigung. alsbald und jedenfalls vor Eröffnung der Fort=
bildungsſchule
ſchriftlich an Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt
(Neckarſtraße Nr. 3) zu richten.
Bis zur erfolgten Entſcheidung dieſer Behörde muß die Fortbildungsſchule beſucht
werden. Die Geſuche müſſen von den Schülern ſelbir verfaht, geſchrieben und unter=
ſchrieben
ſein und Angaben enthalten über: Heimatsort, Nänten und Geſchäft der
Eltern, ſeitherigen Schulbeſuch, dermalige Beſchäftigung des Schülers; außerdem ſind
in den Eingaben die Gründe anzuführen, aus welchen Befreiung beanſpruchk wird und
Art ſowie Stundenzahl etwaigen anderen Unterrichts und die dieſen Unterricht er=
teilenden
Lehrer zu bezeichnen.
Die Schüler, welche mit Erfolg die Gelverbeſchule oder die kaufmänniſche
Schule dahier beſuchen, ſind von dem Beſuch der obligatoriſchen Fortbildungsſchule
befreit, ebenſo diejenigen Schüler der landwirtſchaftlichen Winterſchule, welche letztere
bereits 2 Jahre mit günſtigen Zeugniſſen beſucht haben. Ferner ſind befreit die im
3. Schuljahre ſtehenden Schneiderlehrlinge, welche den Fortbildungskurſus an der
hieſigen Gewerbeſchule beſuchen. Andere Vefreiungen werden nur unter ganz
befonderen Umſtänden zugeftanden.
Die Eltern der Schulpflichtigen oder deren Stellvertreter, ebenſo Dienſtherrſchaften
und Lehrherren; welche ſchulpflichkige junge Leute im Dienſt oder in der Lehre haben
ſind kraft des Geſetzes verpflichtet, die jungen Leute zum Beſuche der Fortbildungsſchule
anzuhalten (Artikel 24 des Schulgeſetzes und 3 120. Abſatz 2 der deutſchen Gewerbe=
ordnungl
. Die Behauptung, der Schülpflichtige ſei zur Zeit des Anterrichts im Geſchäfte
der Eltern, Lehrherrn oder Dienſtherrſchaft unentbehrlich, kann nicht zur Entſchuldigung
dienen; vielmehr iſt den Schülern die Zum Beſuche der Fortbildungsſchule nötige Zeit
und zwar ſelbſtverſtändlich inr der Ausdehnung zu laſſen, daß ſie ſich vor Beginn des
Unterrichts genügend waſchen und ankleiden, auch eſſen können. Zuwiderhandlungen
werden mit einer Polizeiſtkafe von 2 bis 26 Mark beſtraft Art. 25 des Schulgeſetzes).
Unentſchuldigte Verſäumniſſe unterliegen den geſetzlichen Schulſtrafen lie 20 Pfa, im
Wiederholungsfalle 40 Pfg). welche nötigenfalls dürch Haft nach Maßgabe der 38 28
und 29 des Reichsſtrafgeſezbuchs vollſtreckt werden. Auzerdem erfolak zwangsweiſe
Abholung in die Schule wofür 10 Pfg. für den Abholenden zu entrichten ſind. Die
Schüler,welche in den Winterhalbjahren 1901102 und 1903,03 die Fortbildungs=
ſchule
dahier 'ſchon befuchten, haben ſich am 19. Oktober, 5 Uhr nachmittags; in
den Turnſälen derjenigen Schulhäuſer dahier einzufinden, in welchen ſie in den früheren
Jahren Unterricht empfingen.-

Die Schüler, welche Oſtern 1903 aus der Stadtknabenſchule L, ſowie aus der
Knabenmittelſchule entlaſſen worden ſind, haben ſich zu derſelben Zeik in der Turn=
halle
des Schulhauſes auf dem Ballonplatz, diejenigen Schüler dagegen, welche im
Laufe dieſes Jahres von auswärts zugezogen ſind und in dem Stadtbezirk Darmſtadt
wohnen, ſowie diejenigen, welche Oſtern 1963 aus der Stadtknäbenſchule 11 entlaſſen
worden ſind, in der Turnhalle des Schulhauſes an der Müllerſtraße einzufinden.
Die im Bezirke der früheren Gemeinde Beſſungen wohnenden Schüler aus
den drei Jahrgängen 1901, 1902 und 1963 haben ſich Montag, den 19. d. Mts.,
5 Uhr nachmittags, in der Turnhalle des Schulhauſes Ludwigshöhſtraße Nr. 43
einzufinden.
Diejenigen Fortbildungsſchüler, welche in eine der einzurichtenden Tagesklaſſen
eintreten wollen je zwei Stünden an zwei Tagen der Woche) haben dies den Leitern
der betreffenden Schulgruppe alsbald anzuzeigen. Bei genügender Beteiligung ſoll auch
in dem Bezirk der früheren Gemeinde Beſſungen eine Tagesklaſſe eingerichtet werden.
Alle Fortbilbungsſchulpflichtigen aus den Jahren 1961, 1302 und 1803,
welche von dem Beſuche der Fortbildungsſchule befreit ſein wollen, haben - auch
wenn ſie ſchon um Befreiung bei Großh. Kreisſchulkommiſſion eingekommen ſind - in
den Turnhallen der genannten Schulhäuſer ebenfalls Montag, den 19. ds. Mts.
nachmittags präzis 5 Uhr, zu erſcheinen.
Zu den Eltern, Lehr= und Dienſtherren ſprechen wir auch diesmal das Vertrauen
laus, daß ſie den großen Nutzen des der männlichen Jugend unentgeltlich gebotenen
Fortbildungsunterrichts erkennen und nach Kräften bemühk ſein werden, die Zwecke der
Schule durch Ueberwachung des Schulbeſuchs und durch Anſpornung der Schüler zur
Folgſamkeit gegen Vorſteher und Lehrer der Schule, ſowie zu Fleiß, Ordnung und
guter Sitte in ünd auherhalb der Schule zu fördern.
Darmſtadt, den 1. Oktober 1903.
Der Vorſitzende des Schulvorſtandes:
(7063sss
Morneweg.

Karloſſellieſerung.
Die Lieferung des Kartoffelbedarfs für das ſtädtiſche Krankenhaus ſoll auf
dem Verdingungswege vergeben werden.
Es ſind alsbald zu liefern:
200 Molter Magnum bonum,
60 Malter blaue Ueberrheiner.
Das Malter verſteht ſich gewogen zu 100 Kilogramm.
Die Lieferung kann ſowohl einem einzigen als auch mehreren Uebernehmern
übertragen werden.
Wir laden Diejenigen, welche ſich an der Lieferung beteiligen wollen, ein,
ihre verſchloſſenen, mit diesbezüglicher Aufſchrift verſehenen Angebote, welche
mindeſtens eine Lieferung von 25 Malter umfaſſen müſſen, mit Preisangabe am
Montag, den 12. Oktober d. J., vormittags zwiſchen 10-42 Uhr,
in den im ſtädtiſchen Krankenhauſe, Grafenſtraße Nr. 9, am Haupteingange
angebrachten Angebotkaſten einzulegen. Gleichzeitig ſind Proben von jeder Sorte
bei dem Krankenhausverwalter abzugeben. Dieſe Proben dürfen nicht den Namen
des Einlegers enthalten, müſſen aber mit einem Zeichen verſehen ſein, welches
auch in das Angebot einzutragen iſt.
Wir bemerken ausdrücklich, daß die Kartoffeln möglichſt groß ſein müſſen
und höchſtens 10 bis 12 Stück auf 1 Kilo gehen dürfen. Die Kartoffeln müſſen
vollſtändig geſund und nicht tiefangig ſein.
Die Eröffnung der Angebote findet am
13. Oktober l. J., mittags 12 Uhr,
ſauf dem Verwaltungsbureau im Krankenhauſe ſtatt.
Die Genehmigung der Vergebung, ſowie die Auswahl unter allen An=
bietenden
bleibt Großherzoglicher Bürgermeiſterei vorbehalten.
Darmſtadt, den 20. September 1903.
Die Krankenhausdirektion.
(16630sg
Dr. Fiſcher.

Froſt im Frühling.
Roman von Georg Reugs.
25)
Nachdruck verboten.
Achtes Kapitel.
Als Winegg einige Zeit darauf ſein Zimmer
betrat, fand er einen Brief Suſis. Wie ein Hungriger
ſtürgte er ſich im erſten Moment darauf, dann lachte
er bitter und ſchlug ſich mit der flachen Hand vor die
Stirn. Alter Narr, ruhig! Du wollteſt doch ganz
ruhig ſein! Er nahm erſt die andern Briefe, war
aber in der Erwartung auf dieſen einzigen ſo erregt,
daß er nicht wußte, was er las, und ſie wieder bei=
ſeite
warf. Nachdem er dann einigemal im Zimmer
auf und ab gegangen war, als ſchäme er ſich vor
ſich ſelbſt und ſuchte ſich durch dies Zögern zu be=
weiſen
, daß ſeine Erregung ſo groß nicht ſei, griff
er nach Suſis Brief. Am Tiſch ſtehend, atemlos
faſt überflog er ihn. Es war die Antwort auf ſein
vorgeſtriges Schreiben. Geſtern hatte er zum erſtenmal
Suſi keine Nachricht geſandt.
Noch nie hatte ſie in ſolch lebhafter Weiſe ihrer
Sehnſucht nach ihm Ausdruck gegeben. Er las von
neuem und jeden Satz fünf=, ſechsmal. Ohne zu
grübeln, ohne nachzudenken, genoß er, was ſie ihm
da ſagte, wie ſo viel Küſſe, die ſie auf ſeine Lippen
drückte; lebenglühend ſtand Suſi ſelbſt vor ihm, bis
er zur Beſinnung kam, den Brief fortſchleuderte und
den Kopf in die Hände vergrub.

Nur nicht ſie ſehen, nicht an ſie denken, erſticken
dieſe glühende Sehnſucht!
Was bedeutete dieſer Brief? Was war er wert?
Nichts! So viel als ihr Jawort, das ſie ihm damals
ohne Liebe gegeben, und das er allein ſchon als
einen Beweis ihrer Liebe genommen hatte. Ein
ewiges Mißtrauen würde ihn peinigen im Zuſammen=
leben
mit ihr. Sein Schaffen ſelbſt würde leiden
unter dieſem ſtändigen Zwieſpalt. Glutheiß ward
ihm vor Angſt bei dem Gedanken. Dann war es
beſſer, ſie gingen auseinander. Er lebte fanatiſcher
denn je ſeiner Kunſt, und Suſi - je nun - die
wurde jetzt erſt eigentlich frei. Vielleicht ein
bitterer Zug trat um ſeinen Mund - wurde ihr
doch über kurz oder lang klar, daß ſie an ſeiner Seite
die richtige Freiheit noch nicht gefunden, und ſie ging
eines Tages auf und davon wie - wie ihre Mutter.
Da ſtieg ihm alles Blut in den Kopf. Pfuil
Es iſt erbärmlich, ihr das vorzuwerfen. Ich ſelbſt
habe das Tun dieſer Mutter vor ihr entſchuldigt.
Er verſuchte, an Suſi zu ſchreiben; er warf die
Feder hin, es ging nicht. Es war kein Genuß mehr.
Er konnte weder den offenen, harmloſen Ton kamerad=
ſchaftlicher
Plauderei, noch den des leidenſchaftlich
Liebenden anſtimmen. Immer, wenn er die Feder
anſetzte, fielen ihm die ſchlimmſten Stellen aus jenem
Briefe ein und reigten ihn auf, daß er nicht mehr
wußte, was er ſchreiben ſollte. Den Brief ſelbſt
mochte er nicht erwähnen. Es war ſo leicht, ihn

daraufhin ſchriftlich mit ein paar ſchönen Redens=
arten
abzuſpeiſen.
Er ſchob den Bogen von ſich und ſtand auf.
Morgen würde er ſchreiben - übermorgen, ein paar
Zeilen nur, ſich mit ſeiner Arbeit entſchuldigen, die
ihn ganz in Anſpruch nahm. Sie würde das voll=
kommen
begreifen, ſie, die =Frau eines Künſtlerss.
Dann ging er zu Bett. Stunden verſtrichen
über dem qualvollen Bemühen, einzuſchlafen; endlich
zwang er ſich dazu, um am nächſten Morgen friſch
zur Arbeit zu ſein, fand aber, erregt, wie er war,
auch im Schlaf keine Ruhe. Er hatte einen ſelt=
ſamen
Traum, eine Art Viſion.
Auf himmelhohem, grauſchwarzem Fels thronte
eine Geſtalt, die eines Weibes; nach dem hatte er
ein namenloſes Sehnen. Ja, er fühlte, wie alles
andre in ſeinem Innern tot war, erſtickt durch dieſe
glühende Sehnſucht, in die ſich ein geheimes Grauen
miſchte. Und wie ein Trunkener faſt ging er um
den Fels herum, in der fieberhaften Angſt des Traumes
den Weg ſuchend, der zu dem Weibe hinaufführte,
und den er finden mußte um jeden Preis.
Da entdeckte er mit einemmal in den Fels ein=
gehauene
rohe Stufen. Teilweiſe verwittert, kaum
ſichtbar, ſchienen ſie hier unten kaum dem kleinſten
Fuße Rauin zu bieten und nach der ſchwindelnden
Höhe zu immer enger und ſchwieriger zu werden.
Jetzt machte er den Verſuch, auf Händen und Füßen
emporzuklimmen. Da kam eine Geſtalt um den Fels

[ ][  ][ ]

Geitre 2

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1903.

Rummer 232.

(n unſer Handelsregiſter B. wurde
2 heute eingetragen hinſichtlich der
Firma:
Landwirtſchaftliche Genoſſenſchafts=
bauk
Darmſtadt.
Heinrich Heuerling iſt aus dem Vor=
(17083
ſtand ausgeſchieden.
Darmſtadt, den 28. September 1903.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt L.
Verſteigerungs=Anzeige.
Die aus dem Nachlaſſe des verſtorbe=
nen
Kaufmanns Karl Philipp Heinrich
Thomas herrührenden Gegenſtände, als:
eine goldene Herrenuhr mit Kette, eine
goldene Damenuhr, verſchiedene Schmuck=
ſachen
, Ringe ꝛc., Tiſche, Stühle, Betten,
Schränke, Weißzeug, Küchengeſchirr ꝛc.
ſollen am
Montag, den 5. d. Mts.
nachmittags 3 Uhr,
im Pfründnerhaus, Frankfurterſtr. 35,
öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung
verſteigert werden.
Darmſtadt, 2. Oktober 1903.
Großherzogl. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.:
17142)
Dr. Gläſſing.
Bekanntmachung.
Montag. den 19. Oktober 1903,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Kaufmann Eduard
Schüßler Eheleuten hier zuſtehenden!
Immobilien:
Flur Nr. ⬜Mtr.
5 40¹⁄₁oo 6⁄₁₀ Grabgarten Lie=
bigſtraße
,
65 40¼oo 12⁄₁₀ Grabgarten
daſelbſt,
6 406⁄₁oo 50 Grabgarten
daſelbſt,
5 403₁o 286³⁄₁₀ Hofreite daſelbſt,
6 401o= 69 Grasgarten
daſelbſt,
6 4010o 113 Grabgarten
daſelbſt
in unſerem Bureau zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
Wird der Schätzungspreis auch nicht
erreicht, ſo kann, falls andere rechtliche
Hinderniſſe nicht entgegenſtehen, dennoch
Genehmigung der Verſteigerung er=
folgen
.
Darmſtadt, 14. September 1903.
Großherzogliches Ortsgericht I.
Müller. (16271a

rheilgerſtr. 12 iſt kleingemachtes
A w Buchenholz 7
per 3tr. Mk. 1.30 abzugeben. (4682a

Für das Großherzogliche LandesHoſpital
ſoll auf dem Wege des öffentlichen Angebotes für das Rechnungsjahr 1903,04
zur Lieferung vergeben werden:
1) 80000 Kilo auserleſene Eßkartoffeln,
2) 600 Meerrettig,
3) 200 Stück Bettteppiche.
Die in Anlage A. des Erlaſſes der Großh. Miniſterien vom 16. Juni 1893.
das Verdingungsweſen betreffend, enthaltenen Bedingungen für die Bewerbung
um Arbeiten und Lieferungen ſowie die hieſigen Bedingungen liegen auf dem
Geſchäftszimmer des Unterzeichneten am 14., 15. und 16. d. Mts., vor=
mittags
von 9 bis 13 Uhr und nachmittags von 2 bis 5 Uhr offen.
Angebote ſind verſchloſſen und verſehen mit der Aufſchrift: Angebot zu der
am 1. Oktober 1903 ausgeſchriebenen Lieferung= bis zum Eröſfuungstermin,
den 23. Oktoher d. J., vormittags 10 Uhr, entweder durch die Poſt ein=
zureichen
oder in den Submiſſionskaſten einzulegen.
In den Angeboten ſind die Bedingungen anzuerkennen.
Zuſchlagsfriſt 8 Tage.
Die einzureichenden Warenmuſter müſſen getrennt von den Angeboten ver=
packt
werden und beſonders adreſſiert ſein.
Hofheim, am 1. Oktober 1903.
Großherzogl. Direktion des Landes=Hoſpitals.
J. A.:
Stroh, Rechnungsrat.
(17058]
Larloſſelverſteigerung.
Montag, den 5. Oktober d. J., nachmittags 3 Uhr,

werden auf meiner Ziegelei Kranichsteinerstrasse C8½
4 Loſe Lartoffeln
verſteigert.
(6972de

Alldeutſcher Verband.

In dem Beſtreben unſere in den Oſtmarken des Reichs ſchwer um die
Erhaltung ihres Deutſchtums kämpfenden Volksgenoſſen auf eine höhere geiſtig=
Stufe zu erheben und ſie ſo zum Kampfe gegen das übermütige Polentum zu
ſtärken, ſollen in den deutſchen Oſtmarken Volkbüchereien gegründet werden.-
Zur Unterſtützung dieſes Unternehmens bitten wir, uns geeignete Bücher, insbe=
ſondere
Klaſſiker, Nomane, illuſtrierte und nicht illuſtrierte Familien=
zeitſchriften
, Volkskalender u. ſ. w. zur Verfügung zu ſtellen.
Herr Kaufmann Karl Mahr i. Fa. J. Ph. Leuthner, Ernſt= Ludwigs=
platz
, hat ſich zur Empfangnahme der Bücher bereit erklärt.
Der Vorſtand der G.togruppe Darmſtadt.
17085am)

GnDnun duhAtmh

in allen Ausgaben,
sowie deutsche und ial. Salten
empfiehlt

(16727a

C. HH. in Sum (Arthur Fadum), Beke Soder u. Mühlstr.
Musikalien. und Buchhandlung. - Telephon Nr. 1285.

Kapellplatz 14,

Zieferung von Leder für die
ſädt. Armenverwaltung.
Wir bedürfen für das laufende Ver=
waltungsjahr
:
100 Kilogramm Sohlleder,
10
ſchwarzes Kalbs.
leder und
1 Dutzend, braune Schaffelle
und laden Lieferungsluſtige ein, ihre
mit bezüglicher Aufſchrift verſehenen An=
gebote

Samstag, den 17. Oktober d. Js.,
vorm. zwiſchen 10-11 Uhr,
in den im unteren Hausflur des Stadt=
hauſes
, Rheinſtraße 18. aufgehängten
Kaſten für Verdingungsangebote einzu=
legen
. Proben ſind bei Herrn Ober=
verwalter
Weidner im Pfründnerhaus,
Frankfurterſtr. 35, einzureichen. Der=
ſelbe
wird auf Verlangen auf die Lie=
ferung
Bezug habende Auskünfte erteilen.
Darmſtadt, 30. September 1903.
Großherzogl. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.:
Dr. Glüäſſing. - (7086ss

Dünger=Verſteigerung.
Der wöchentliche Verkauf des Stall=
düngers
in der Kaſerne am Beſſunger=
weg
findet nunmehr wieder vom 7. d. M.
ab jeden Mittwoch um 11½ Uhr
vormittags ſtatt.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1903.
H. Abteilung Feld=Artillerie=
Regiments Nr. 61. (7062

Winterkartoſkoln:

Bruce, eugl. Jaſelhark. p. 3tr. Ml. 3.50
Magnum bonum 3.00
Gelbe Mäuschen 6.00
Bote Näuschen 4.5.
Löſtkarkoffeln
2.00

Es kommt nur gut durchleſene Ware
(16906a
zum Verſand.
Beſtellungen auf Poſtkarten bitten mit
5 Pfg. zu frankieren.

Günſtige Gelegenheit!
Aimmer-Einrichlung, ca. 120 J. alt,
mit ſchöner Bildhauerarbeit, iſt ſehr
preiswert zu verkaufen.
Näheres in der Exped. (6994ksoi

herum, die feſt an den grauſchwarzen Stein gedrückt,
dort gehockt hatte, ohne daß er ſie geſehen. Sie zeigte
ein Erſtaunen über ſein Bemühen. Starr und gleich=
fültig
. war ſie ſelbſt wie der Fels geworden, als
weile ſie ſchon Jahrhunderte in ſeiner Nühe.
Weißt du, wer da oben thront? fragte ſie.
Da ſiel es ihm wie Schuppen von den Augen,
ſeine glühende Sehnſucht ward ihm klar.
Ja - ich weiß - die Kunſt!
Sie nickte. Und du willſt da hinauf3
Ja.
Die erſten fünf, ſechs Stufen mag es noch gehen.
Dann aber kannſt du nur weiter, wenn du dich mit
dem eigenen Blut anklebſt an der Felswand, und
mit Tränen, ſagte ſie gleichgültig. Blut und Tränen,
das gibt einen vorzüglichen Kitt.
Blut und Tränen! hörte er ſich laut wieder=
holen
.
Ja, ſo will es auch die da droben. Und biſt
du hoch genug, ſo reicht ſie dir den kleinen Finger.
Das iſt kaum bemerkbar und dauert eine Sekunde;
weißt du ſie zu benützen und berührſt ihre Hand, ſo
zieht ſie dich ganz empor, wenn nicht, ſo ſtürzeſt du
n den Abgrund unter dir.
Und Blut und Tränen waren umſonſt?
Nein, wer ſo hoch gekommen, daß er ihr voll
ins Antlitz geſehen, gehört ſchon zu den Unſterblichen.
Er wollte den Weg beginnen, voll Feuer und
Hoffen, wie in ſeinen jüngſten Jahren. Da winkte
ihm die Sprechende.
Komm! Sieh einmal dahin! Nicht alle quälen
ſich ſo. Es iſt nicht ſo ſchwer, berühmt= zu werden
vor der Welt.
Und er folgte ihrem ausgeſtreckten Arm und ſah
ein großes Feld. Im erſten Moment ſchien es reich
und blühend, aber in Wahrheit ſproßte kein grüner
Halm aus der Erde empor, und wo ſie ſichtbar
wurde, war ſie ſteril und brandtrocken. Um das zu
verbergen, war ſie weithin mit den koſtbarſten
Teppichen belegt und mit fremdländiſchen, in Kübeln
eingepflanzten Gewächſen beſetzt. Auf dem Teppich
aber ſtand ein üppiges Zelt voll reichgekleideter
Männer und Frauen, die hielten ein tolles Gelage,
ranken, johlten und lachten.
Wer ſind die Luſtigen? hörte er ſich fragen.

Da verſchwand zum erſtenmal die ſtarre Gleich=
gültigkeit
aus den Zügen der Geſtalt, und ſie ſagte
bitter und höhniſch: Künſtler!
Nein, neinl ſchrie er laut auf.
Doch. Die ſind's, die aus der Kunſt ein
Geſchäft machen und mir der Geldgier und der
perſönlichen Eitelkeit zuliebe ſchaffen. Die Maſſe
weiß ſie nicht von den echten zu unterſcheiden.
Wer iſt das fette, geſchminkte Weib, das ſie jetzt
auf den Schild erheben und um das ſie johlend
herumſpringen? Sie küſſen ihre Schleppe, lecken den
Staub von ihren Füßen.
Die iſt's, die ſie alle groß gemacht.
Die Kunſt?
Nein, die Reklame. Von der Geſtalt, der du
zuſtrebſt, haben ſie keine Ahnung, und ſie ſelbſt hat
ſie nie erblickt.
Von dem Gejohl und Geſchrei ward ihm wüſt
ums Hirn. Und bei dem Gedanken, dieſen Fels
hinaufklimmen zu müſſen, überkam ihn plötzlich ein
Grauen, eine Verzweiflung ſondergleichen. Der
wohlfeil erreichte Ruhm derer da drunten ließ ihn
einen Augenblick ſchwach werden - er brauchte ſich
ihnen nur anzuſchließen, und ſein Glück= war
gemacht.
Bin ich allein hier oben 3 fragte er zitternd.
Sieh nach der andern Seite!
Da ſah er ſich einige Geſtalten nahen. Sie
gingen langſam, tiefernſt. Aus ihren Augen leuchtete
ein Feuer ſondergleichen. Sie alle hatten den Blick
auf den Fels gerichtet, ſahen nichts, als die Geſtalt
da droben. Jetzt hoben ſie an, den Weg zu ſuchen
wie er.
Warum ſind die Stufen ſo furchtbar ſchmal ?
fragte er angſtgequält, denn rückſichtslos mochten ihn
die andern hinabſtoßen.
Sie waren noch immer breit genug.
In dem Augenblick drang wieder das gellende
Freudengeſchrei der andern Künſtler= zu ihnen, die
einen neuen Ankömmling begrüßten.
Geh zu denen, wenn dir ſchwindelt. Bete die
Reklame an ſtatt der Kunſt.
Und alle, die den Weg ſuchen, kommen hinauf3
Die Geſtalt zuckte die Achſeln und ſagte kalt=
blütig
: Manche zerſchellen ſchon beim Suchen die
Stirn am Fels.

Und das Elend ſieht die da droben ?
Ja, aber es ſicht ſie nicht an. Eure Werke
gelten, nicht ihr ſelbſtl Leiſtet was Rechtes, das iſt
alles! Ob ihr ſelbſt darüber elend zu Grunde geht,
iſt ihr ganz gleichgültig.
Und wer biſt du?
Ein Geiſt, einſtmals das Weib eines Dichters.
Ich liebte ihn von ganzer Seele; aber ich ſah, daß
ich ihm eine Feſſel war, und gab ihn frei, daß er
denſelben Weg gehen mochte, wie du auch.
Gelangte er hinauf ?
Bis in die Mitte, dann kamen die Rebel.
Was heißt das 2
Die übergroße Anſtrengung des Emporklimmens
verdiſterte ihm die Sinne. Wie ſchwere Wolken, die
um Bergeshöhen ſchweben, ſenkte es ſich auf ihn,
und er ſtürzte hinab in die Tiefe.
Jetzt ſing er an, emporzuklimmen; von dem
Augenblick an hatte er alles vergeſſen. Er ſah nur
die Einzige, die er erreichen mußte. Und der Weg
war nicht ſo ſchwer, er hatte ſich ſchlimmer an=
geſehen
. Nun hatte er gewiß ſchon ein ſchönes Stück
zurückgelegt, und er ſchaute ſich um. Da ſah er mit
Entſetzen, daß er kaum über die paar erſten Stufen
hinaus war, ſo gut wie nichts erreicht hatte. Ein
Gefühl der Ohnmacht, der entſetzlichſten Verlaſſenheit
überkam ihn.
Himmelhoch über ihm die Kunſt, tief unter ihm
die Menſchen! Er gehörte nicht mehr zu den einen,
und noch nicht zur andern, wollte aber lieber hinauf,
als hinab, und kletterte weiter.
Blut troff von ſeinen Händen, Tränen rannen
aus ſeinen Augen. Und ſieh, allmählich ging von
der Geſtalt des Weibes ein Feuer aus das ihn
emporzog mit übernatürlicher Gewalt. Grenzenloſe,
nie empfundene Seligkeit überſtrömte ihn. Es iſt,
als wüchſen ihm Flügel, er iſt nicht mehr wie ein
Menſch, fühlt die Laſt ſeines Körpers nicht mehr, er
iſt ein Geiſt, ein Gott!
Und da, wahrhaftig, jetzt lächelt die Geſtalt-
es
ſind Suſis Augen, und doch die ſeiner heiß=
geliebten
Kunſt - jetzt ſtreckt ſie den Finger ausl
Er ſieht es deutlich, will ihn ergreifen, läßt los und
ſtürzt hinab in die Tiefe.
Mit einem Aufſchrei, zitternd vor Erregung und
voll Grauen wachte Winegg auf. Jortſ. folgt.)

[ ][  ][ ]

Rummer 232.

Darmſtädter Tagblatt, Sauistag, den 3. Oktober 1903.

Selte F.

Montag, Dienstag und Mitooh.
umd J. Oltobor,
G.
H.=

vorbunden mit

USLLOO
Hroßem
2Urdeksesetzter
Dauen-Nonfeleton
TISOT-
WLAIOT
UXO
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Darmſtädter Tayblatt, Suunstag, den 3. Oktober 1903.

Rummer 232.

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Rummer 232

Seite 7.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1903.

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I. Vorſchläge für die Erbauung eines
Volksbades in Darmſtadt.
Nachdem wir im vorausgegangenen eine Umſchau in
den für den Vergleich geeigneten Anſtalten anderer
deutſchen Städte gehalten haben, wollen wir jetzt ver=
ſuchen
, die ſo gewonnene Kenntnis zu Nutz und Frommen
Darmſtadts zu verwerten.
Wie bekannt, beſtand ſchon vor etwa 20 Jahren eine
lebhafte Bewegung für die Erbauung eines Volksbades
in unſerer Stadt, und zwar hafte män damals die Hof=
reite
des heſſiſchen Haiſes am Mathildenplatze daſür in
Ausſicht genommen, ein Platz, der freilich gut gelegen iſt,
aber, höchſtens für das augenblickliche Bedürfnis aus=
eeichend
, inſoferne ungeeignet erſcheint, weil eine ſpäter
mit Sicherheit vorauszuſehende notweſldige Erweiterung
der Baulichkeiten nahezu ausgeſchloſſen iſt, wegen der
ganz unerſchwinglichen Preiſe der anſtoßenden Grund=
ſtücke
, abgeſehen von der Höhe des ſchon für die erſte
Anlage ſelbſt erforderlichen Geländepreiſes. Nachdem in=
zwiſchen
das Anweſen in den Beſitz des Staates über=
gegangen
iſt, kann es für unſere Zwecke überhaupt nicht
mehr in Betracht kommen.
Ganz anders verhält es ſich mit dem durch die Ver=
legung
der Merckſchen Fabrik nunmehr freigewordenen
Platze. Das durch die Mühlſtraße, Lindenhofſtraße und
verlängerte Blumenſtraße begreizte Grundſtück, welches
am 1. Oktober d. J. in den Beſitz der Stadt überging,
iſt für die Erbauung eines Volksbades derart geeignet,
wie kein anderes, ja geradezu ein idealer Platz zu
nennen. Vollkommen gentral gelegen, nahe den Halte=
ſtellen
mehrerer Straßenbahnlinien, ſogar an den großen
direkten Straßenzug anſchließend, welcher demnächſt (7)
die Altſtadt, von der Schloßfreiheit ausgehend. bis zum
Oſtbahnhofe durchziehen ſoll, enthält dieſer Platz noch
dazu einen herrlichen Park mit prächtigen alten Bäumen,
deſſen Daſein der Vorübergehende gar nicht ahnt, und
der für die geplante Anlage von ganz unſchätzbarem
Werte iſt. Dabei hat das Gelände einen ſo großen Um=
fang
, daß es nicht allein alle jetzt zu errichtenden Vauten,
ſondern auch jede künftige Erweiterung aufzunehmen
vermag, wobei immer noch recht anſehnliche Gelände=
ſtreifen
übrig bleiben, welche in dem nach Verſchwinden
der Fabrikgebäude gewiß ſehr raſch aufblühenden Stadt=
teile
als geſuchte und auch wirklich vorzügliche Bauplätze

ſich leicht zu hohen Preiſen verwerten laſſen. Hierfür kämen
die an der Mühlſtraße und an der Lindenhofſtraße ge=
legenen
Teile des Platzes in einer Tiefe von etwa 20
Meter in Betracht. Da durch den geplanten neuen Haupt=
ſtraßenzug
eine Linie der elektriſchen Bahn führen wird,
ſo ſtellt ſich hierdurch die günſtigſte Ausſicht für vermehrte
Benühung des Bades durch die Bewohner der im Oſten
von Darnſtadt gelegenen Landorte dar. Die Bedenken
über Nentabilität der Anſtalt kann man übrigens ſehr
gut durch den Hinweis auf die ſo erfreuliche Entwickelung
der Verhältniſſe bei der elektriſchen Straßenbahn be=
ſchwichtigen
: Im Jahre 1894, als der Verfaſſer dieſer
Aufſäßze ſeine Beſtrebungen für die Erbauung der elektri=
ſchen
Bahn begann, die heute wohl kein Menſch mehr
für entbehrlich erachten wird, konnte man vielfach und
zwar von ſonſt gans urteilsfähigen Leuten hören: Eine
elektriſche Bahn kann in Darmſtadt niemals rentieren
Nun ſehe man heute die Ergebniſſe und gar den mittel=
baren
Nuhen der Bahn an. Wie hat ſich 3. B. die Karl=
ſtraße
entwickelt, ſeit oder vielmehr weil die Bahn be=
ſteht
! Genau ſo wird es mit dem Volksbade gehen. In
den erſten Jahren wird die Stadt bezw. werden die
Unternehmer falls man ſolchen unklugerweiſe die Sache
überlaſſen wollte) etwas zuſetzen, aber ſehr raſch wird
der Betrieb ein höchſt ergiebiger werden, denn es beſteht
doch wahrlich keine Verechtigung, der hieſigen Bevölkerung
weniger Neinlichkeitsſinn anzudichten, als derjenigen
anderer Städte. Außerdem iſt wohl zu beachten, daß
das aufguwendende Kapital doch keineswegs weggeworfen
iſt, ſondern einfach verzinslich und zwar mit der Zeit
ſogarſehr gut verzinslich angelegt wird, ganz abgeſehen
von dem dürch uns hinreichend beleuchteten Nutzen in
Bezug auf die Geſundheit der Bevölkerung.
It es nicht im höchſten Grade beſchämend, zu ſehen,
wie 3. B. das kleine Gießen, dank der Tatkraft und
dem praktiſchen Sinne ſeiner Vewohner, ſeit 5 Jahren
bereits ſich im Beſitze eines Schwimmbades befindet,
welches man noch heute in dem weit über dreimal ſo
großen Darmſtadt vergeblich ſucht, ja für deſſen Errichtung
noch nicht einmal die allererſten vorbereitenden Schritte
getan ſind ?
Zur Zeit befinden ſich im Baue außer einem Volks=
bade
in Lübeck 182000 Einwohner) die Anſtalten in
Zwickau (56000 Einwohner). Kolmar (37000 Einwohner).
Reydt ſ34 ooo Einwohner), Pforsheim 43 000 Einwohner).
Aſchersleben 127000 Einwohner). Quedlinburg (23000 Ein=
wohner
). Dülken (12000 Einwohner), Nordhauſen (20 000
Einwohner) und Markirch 12000 Einwohner) - alles
viel kleinere Städte als Darmſtadt - und es haben in
der letzten Zeit weiter noch Schwimmbäder erhalten:
Eiſenach (32000 Einwohner) und Glauchau (26000 Ein=
wohner
, ſowie Krefeld und Köln (Fleiſchmengergaſſe) je
das zweite Bad. Wo bleibt hier unſer Verkehrsverein,
und wo bleiben die Bezirksvereine, vor allem diejenigen
der unmittelbar in Frage kommenden Stadtteile ?7 In
entſchiedenem Eintreten für die Scha ffung einer ſolchen
durchaus gemeinnützigen Anſtalt, die u. a. auch den
Fremdenverkehr in uſſerer Stadt wahrhaftig nicht ver=
mindern
wird, bietet ſich dieſen Vereinen eine höchſt
lohnende Aufgabe. Werden ſie ſich derſelben entziehen
wollen?
Nachdem wir nunmehr die Frage der Notwendigkeit
und Nützlichkeit ſowie der Ergiebigkeit eines Volksbades

für Darmſtadt nach allen Seiten erörtert haben. kommen
wir zu unſeren Vorſchlägen über die Art und Weiſe der
Geldbeſchafſung und der Ausführung ſelbſt.
In erſter Beziehung eſcheink uns für den doch kaum
annehmbaren Fall, daß die Stadtverwaltung ſich ihrer
Aufgabe der Erbauung wirklich entziehen ſollike, das Vei=
ſpiel
von Gießen, worüber die Nr. 220 d. Blattes vom
19. Sept. Näheres enthielt, durchaus nachahmenswert.
Im Verhältnis der Größe der beiden Orte wären natür=
lich
alle dort angegebenen Zahlen mindeſtens zu ver=
dreifachen
, alſo rund 500000 Mark als Baukoſten anzu=
ſehen
. wovon 400 000 Mark in Aktien zu 200 und 1000 Mark
allssugeben, deren Hälfte von der Stadt zu übernehmen,
die reſtlichen 100 000 Mark aber als Hypothek aufzunehmen
wären. Die Stadt könnte alsdann jedes Jahr für 5000
oder 6000 Mark Aktien aufkaufen und hierdurch nach
einer Reihe von Jahren Alleineigentümerin der Anſtalk
werden, deren Vetrieb ſie überhaupt von Anfang an am
beſten ſelbſt führen würde. Das Waſſer könnte ſie im
Sommer aus der ſtädtiſchen Leitung liefern, da dieſe
durch Wegfall der für die Firma Merck ſeither in ſtarkem
Maße ſtattgehabten Liefelung eine bedeutende Menge
Waſſer mehr zur Verfügung hat als bisher und zwar
dürfte die Abgabe zu den Selbſtkoſten ( Verwaltungs=
loſten
abgerechnet, alſo mit 5 Pfg. für den Kubikmeter
erfolgen.
Umr das Woogswaſſer für unſere Zwecke nuitzbar zu
machen, iſt die Erbaung eines Kanals von etwa
600 m Länge von dem Wooge nach dem Badegelände
erforderlich, deſſen Herſtellung auf etwa 15000 Mark zu
veranſchlagen iſt. Die vorliegenden günſticen Gefälls=
verhältſiſſe
erlauben es, dem Kanale eine Reigung von
1.120 zu geben. Bei F=prozentiger Verzinſung ſind dem=
nach
für den hianal 750 Mark'jährlicher Koſten in An=
ſchlag
zu beingen, was nicht ins Gewicht fällt gegenüber
der beträchtlichen Erſparnis an Ausgaben für das aus
der ſädtiſchen Leilung zu beziehende Waſſer. Uebrigens
ſteht auch noch ein Brunnen zur Verfügung, der ſeither
der Merck'ſchen Fabrik gedient hat.
Wenn wir für 2 Schwimmbecken 500-200 ebm Waſſer=
füllung
rechnen, wobei dreimal wöchentliche vollſtändige
Erneuerung angenommen iſt, ſo erhalten wir:
3. 700. 1000
= rund 35 Liter Waſſer in der Sekunde
7.24 60. 60 als erforderlich.
Da vom Wooge mindeſtens 5 Liter in der Sekunde
abfliehen, ſo bietet dieſe Art von Waſſergewinnung
keinerlei Schwierigkeit.
Für die Zeit vom 1. Oktober bis Ende Mai, alſo
für 8 Monate ſind nötig:
8. 30
L.2100 - 72000 ehm Waſſer. Werden vorſorglich
nur 68 000 angenommen, ſo berechnen ſich dieſe zu 5 Pfg.
für den ebm auf 3400 Mark.
Die durch Verwendung des Woogswaſſers in vor=
beſchriebener
Weiſe zu erzielende Erſparnis an
Betriebskoſten beträgt alſo 3400 weniger 750 Mark
ljährliche Verzinſung der Kanalkoſten) gleich 2650 Mark
oder mit 3½ Progent kapitaliſiert. 75700 Mark an
Alagekoſten.
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0 Dieser Krämterwein ist aus vorzügliehen, helräftig beſundenen 8
O Kräutern mit gutem Wein bereitet und stärkt und belebi den Vor-"
O dauungsorganismus doo Mensehon. Kräuterwain beseitigt Verdauungo.O
O Gtörungen und wirke fördornd auf die Meubildung gesunden Sluteo. O
Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuterweins werden Magenübel meiſt ſchon im Keime erſtickt. Man ſollte alſo nicht ſäumen,
ihn rechtzeitig zu gebrauchen. Symptome, wie: Kopfſchmerzen, Aufſtoßen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen,
die bei chroniſchen (veralteten) Magenleiden um ſo heftiger auftreten, verſchwinden oft nach einigenmal Trinken.
Stuhlverſtohfunh.
und deren unangenehme Folgen, wie Veklemmung, Kolikſchmerzen, Herzkluyfen, Schlafloſigkeit, ſowie Blutanſtauungen in Leber,
Milz und Pfortaderſyſtem (Hämorrhoidalleiden) werden durch Kräuterwein oft raſch beſeitigt. Kräuter=Wein beheht Unverdaulichkeit

und entfernt durch einen leichten Stuhl untaugliche Stoffe aus dem Magen und Gedärmen.
Hageres, bleiches Ausſehen, Blutmange.
Entkräftung.
ſind meiſt die Folge ſchlechter Verdauung, mangelhafter Bluthildung und eines krankhaften Fuſtandes der Leber. Bei Appetitloſigkeit,
unter nervöſer Abſpannung und Gemütsverſtimmung, ſowie häufigen Kopfſchmerzen, ſchlafloſen Nüchten, ſiechen oſt ſolche
Perſonen langſam dahin. F'3- Kräuterwein giebt der geſchwächten Lebenskraft einen friſchen Impuls. - Kräuterwein ſteigert
den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechſel an, beſchleunigt die Blutbildung, beruhigt die erregten Rerven
und ſchafft neue Lebensluſt. Zahlreiche Anerkennungen und Dankſchreiben beweiſen dies.
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Darmſtädter Tagblatt, Snmstag, den 3. Oktober 1903.

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B. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

232.

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232.

Samstag, den 3. Oktober.

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wie auch von Akzidenz-Arbeiten. Es werden u. a. angefertigt in einfacher Vebertragung und Vervielfältigung:
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echreiben - Bekanntmachungen - Berichte - Bewerbungsschreiben - Diplom-
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-Arbeiton - Eingaben an Behörden und Korporationen - Einladungs-
sohroiben
-Erinnerungo- und Mahnbriofe -Erzählungen - Flugblätter - Gedichte:
Geschäftsmitteilungon - Inauguraldissertationen - Instruktionen - Kostenvoran-
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- Manuskripte für die Drucklegung - Mitgliederlisten für Vereine und
Gogellschaften - Mitteilungen - Patontschritten - Proisnotierungen und Aende-
rungon
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aller Art - Statuten Theaterstücko - Urkunden - Vereinsberichte und Mit-
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) der Tagesſchule beſucht haben, ein
Abgangszeugnis (Geſellenbrief)
auszuſtellen, das ſeinem Inhaber
die im 8 129 Abſ. 1 der Gewerbe=
ordnung
bezeichneten Befugniſſe
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verleiht.
Programme und jede weitere
Auskunft durch die Direktion.
Darmſtadt, 2. September 1903.
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Janon. Johnoidlorbi
in empfehlende Erinnerung zu
bringen. Anfertigung simtlicher
Damengarderoben nach Mlass bei
bester Ausführung. Nur erste
Mode-Journale liegen zur gefl.
Ansicht offen.
Gehnelle Bedienung.
Annehmbare Kreise.
Goorg Bonzorl
Damenschneider
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am Kapellplatz. (5028.

[ ][  ][ ]

Sette 18

Darmſtädter Togs-adt, Samstag, den 3. Oktoher 1903.

Nummer 232.

Die Nichard Waguer=Feier in Berlin.
Von Paul Lindenberg.
Nachdruck verboten.)
Berlin, 1. Oktober.
=Guten Abend, Exgellenz, alſo auch hier ?- -
Ja, eigentlich wider Willen. Mich geht ja die
ganze Sache kaum etwas an, aber durch die ver=
ſchiedenen
harten Angriffe fühlte ich mich bewogen,
herzukommen.: Dieſe beidem geſtrigen Begrüßungs=
abend
der Richard Wagner=Feier ſtattgefundene
Unterhaltung zweier unſerer höchſten Reichsbeamten
war recht bezeichnend für die eine Woche in An=
ſpruch
nehmenden feſtlichen Veranſtaltungen, welche
im Zeichen Richard Wagners ſtattfinden. Eine große
Zahl hervorragender Leute mit tönenden Titeln und
klangvollen Namen, ein fortgeſetztes Brimborium in
der Preſſe, ein Zuſammenſchachteln hunderterlei
muſikaliſcher Dinge - aber das ganze geht eigent=
lich
Richard Wagner kaum etwas anl Es ſoll hier
nicht nochmals auf die zahlloſen Ungeſchicklichkeiten
und Taktloſigkeiten, auf das Hervordrängen perſön=
licher
Intereſſen und die mehr wie unangenehme
Reklame der leitenden Männer des Feſt=Komitees
eingegangen werden, wodurch die berechtigte ſtarke
Gegenſtrömung entſtand, es iſt das wenig erquick=
licher
Art, nicht minder jener öffentlich wie privatim
aus vollen Schalen ausgegoſſene Hohn über den armen
Kommerzien=, pardon Geheimen, Kommerzienrat
Leichner, deſſen Opferfreudigkeit ebenſo bewunderns=
wert
iſt wie ſeine Standhaftigkeit und Geſundheit,
denn daß der Mann, der häufig wirklich ſchmählich
behandelt wurde und fortgeſetzt monatelang ſeinen
Namen und ſeine Beſtrebungen in oft brutaler, ehr=
verletzender
Weiſe verſpottet ſah, nicht ſchon längſt
an der Gelbſucht und dem Gallfieber niedergebrochen iſt,
das iſt wahrhaft erſtaunlich und gehört auch zu den
Eigentümlichkeiten dieſer merkwürdigen Feier.
Merkwürdig war, damit wahrſcheinlich die Stil=
einheit
gewahrt bleibt, auch der geſtrige Anfang der
Feſttage, der in einem Begrüßungsabend im Reichs=
tage
beſtand. Die wundervolle, weißleuchtende Wan=
delhalle
mit dem prächtigen Rondell bot den Rahmen
dar für eine Reihe feſſelnder, mannigfaltiger Szenen,
wie ſie ſich in dieſem prunkenden Raum ſchon häufig
gelegentlich feſtlicher und wohltätiger Veranſtaltungen
abgeſpielt. Wohl an ſechshundert Damen und Herren
hatten ſich hier um die achte Stunde verſammelt,
viele intereſſante Erſcheinungen und markante Ge=
ſtalten
darunter, auch ein paar ſehr elegante Toiletten
neben recht eigentümlichen, minderwertigen, geſchmack=
loſen
Fähnchen, deren Trägerinnen von einem Feſt=
abend
in einer Weltſtadt doch ſeltſame Anſchauungen
haben müſſen - und deshalb waren dieſe Evas=
töchter
nicht zum anſchauen. Wenig Offiziersuniformen,
dafür viele beſternte Frackſeiten, wenig Literatur und
Wiſſenſchaft, dafür viel Kunſt: Malerei, Bildhauerei,
Schauſpiel, Geſang. Viel englich und franzöſiſch
Geplauder, das brachte den internationalen Klang
hinein, für das Auffällige ſorgte neben einer Pariſer
Sängerin in gleißender, grünſchillernder Gewandung
der High=Sheriff von London, Sir Joh. Savory,
deſſen ſchwarzſamtene, engliſche Hoftracht freilich
mehr an die Kleidung der Bedienſteten vornehmer
Häuſer gemahnt. Offiziell waren Prinz Fried=
rich
Heinrich, der Sohn des Prinz=Regenten
Albrecht, in Dragoner=Uniform, und der Kultus=
miniſter
Dr. Studt erſchienen, auch Graf
Hochberg war zu ſehen, ſowie Oberbürgermeiſter
Kirſchner, dieſer ohne jegliches amtliche Abzeichen,
vergebens aber ſpähte man nach unſeren bekannten Kom=
poniſten
, Muſik=Dirigenten und =Gelehrten aus, da,
um das geflügelte Wort anzuwenden, erblickte man
viele, die nicht hier waren.
Das muſikaliſche Programm ward eröffnet durch
Nichard Wagners gewaltigen Kaiſermarſch, vortreff=
lich
vom Leipziger Philharmoniſchen
Orcheſter geſpielt, das auch die Begleitung der
Solovorträge übernommen und auf das feinſinnigſte
ausführte. Wenn man ſich doch nur auf Orcheſter=

muſik beſchränkt hätte, aber nein, es mußte ein
Künſtler=Konzert= ſein. Lieber Himmel, welch ein
Künſtler=Konzert-1 Mit wenigen Ausnahmen durch=
weg
dilettantenhafter Art. Und welch eine Zuſammen=
ſtellung
von Komponiſten und deren Werken! Alles
kunterbunt durcheinander, ohne Plan, ohne Bezug=
nahme
auf die Beranſtaltung dieſes Abends. Kam
doch in den 16 Rummern nür einmal Richard
Wagner ſelbſt zu Gehörl Einzig die bewährte
Kammerſängerin Frau Schumann=Heink
und der Baritoniſt F. Delmas von der Pariſer
Großen Oper ragten weit hervor aus dieſem un=
erfreulichen
Simmelſammelſurium und fanden den
verdienten Beifall. Kein Wunder, daß nicht die
richtige feſtliche Stimmung einkehren wollte, auch
nicht, als ſich nach dem erſten Teile die Türen der
Reſtaurationsſäle öffneten und lange Bufetts mit
mancherlei Schätzen der Küche lockten, während
Diener Bowle und Bier ſervierten. Wohl fanden
dieſe leiblichen Genüſſe mehr Anerkennung wie die
künſtleriſchen, aber hat Wildſchweinpaſtete, Roſtbeef,
Lachs und Italieniſcher Salat gerad viel mit
Nichard Wagner und ſeinem Wirken zu tun 8 Rein,
dieſer erſte Streich der Wagnertage war nicht ge=
lungen
.
Dagegen viel beſſer der heutige zweite, der uns
die Denkmalsenthüllung brachte. Vor
allem unterſtützte der Himmel dieſe Feier durch ſein
freundlichſtes Geſicht, die goldigſte Herbſtſonne lachte
hernieder und breitete ihren glänzendſten Schein über
den am Rande des Tiergartens lauſchig gelegenen
Feſtplatz aus, welcher durch Baurat Jaffé eine ſo
dekorativ=wirkſame, maleriſche Geſtaltung erfahren
hatte, wie wir auch nur Aehnliches kaum zuvor in
Verlin gehabt. In weitem Bogen erhob ſich halb=
kreisförmig
eine goldgetönte, mit friſchem Tannen=
grün
bedeckte und mit Aſternkränzen geſchmückte
Wand, aus deren Niſchen die neun Muſen grüßten,
während, in der Mitte die Geſtalt der Harmonie
thronte mit goldener Lyra. Amphitheatraliſch ſtiegen
die für 2000 Perſonen berechneten Tribünen hinan,
hier und da unterbrochen durch Pylonen mit blumen=
gefüllten
Vaſen; der Stirnſeite des Denkmals gegen=
über
war das Zelt für den Prinzen Eitel Friedrich
errichtet und zwar aus goldverbrämtem, bordeaux=
rotem
Samt, von der Kaiſerkrone überragt, unten
umgeben von Palmenarrangements. Nahe dieſem
Zelte verſammelten ſich vor der zwölften Mittags=
ſtunde
die Ehrengäſte, unter ihnen die Miniſter
Studt und v. Hammerſtein, der Polizei=
präſident
v. Borris, General v. Hahnke, der
Direktor des Kolonialamts Dr. Stübel, unſer
neuer General=Intendant Georg v. Hülſen, der
auf das angelegentlichſte und wärmſte mit ſeinem
Vorgänger, dem Grafen Hochberg, plauderte,
der Schöpfer des Denkmals, Profeſſor Eberlein,
mit ſeiner gräflichen Gattin, verſchiedene höhere
Offigiere und Beamte, einige Mitglieder des Bundes=
rats
und einzelne Senatoren unſerer Akademie der
Künſte, jedoch nicht im farbenprangenden Talar, wie
überhaupt der Frack vorherrſchte. Aber dennoch war
das ganze Bild im lichten Sonnenſcheine und in=
mitten
der prächtigen Baumgruppen ein außerordent=
lich
frohſinniges und lebhaftes, zumal auf den Tribünen
ſich eine elegante Damenwelt verſammelt hatte mit
anmutreicher Jugend.
Wenige Minuten nach zwölf Uhr erſchien, als
Vertreter des Kaiſers, Prinz Eitel Friedrich
in der Uniform des erſten Garde=Regiments, be=
gleitet
vom Prinzen Friedrich Heinrich,
dem Ehrenpräſidenten des Wagner=Komitees, und
begrüßt vom Generalleutnant v. Dincklage,
unſerem erzellenten literariſchen Kollegen, der an
dieſem Tage die beſternte Uniform angelegt, ſowie
Herrn Leichner, auf deſſen Frack vorläufig nur
drei Ordenskreuzchen baumelten. Gleich danach er=
tönten
, von zwei Militärorcheſtern geſpielt, die hehren
Weiſen des Nichard Wagnerſchen Kaiſermarſches,
den der Armeemuſik=Inſpizient Profeſſor Roßberg
vortrefflich dirigierte. Von Militärmuſik begleitet,

ſtimmte dann der Berliner Sängerbund den
Schlußchor aus den Meiſterſingern von Nürn=
berg
; an:
=Ehrt Eure deutſchen Meiſter,
Dann bannt Ihre gute Geiſter,
Und gebt Ihr ihrem Wirken Gunſt.
Zerging in Dunft
Das heilge Rön'ſche Reich,
Ans bliebe gleich
Die heilge deutſche Kunſt!
Heil, Heil!
Heil dir, deutſche Kunſt !.
Die erhebenden Klänge kamen brillant zur Gel=
tung
in der feierlichen Stille, die nur vom Rauſchen
der Bäume unterbrochen ward.
Große Erwartung, denn es folgte die Feſtrede
des Herrn Geheimen Kommerzienrats Leichner.
Wer Entgleiſungen gehofft, wer Anſpielungen auf
das Fernbleiben der Bewohner von Wahnfried, auf
die verſchiedenen Mißklänge ſowie Angriffe der Preſſe
erwartet, kam nicht auf ſeine Rechnung. Dieſe
Diſſonanz blieb uns Gottſeidank erſpart. Ausdrucks=
voll
und warmherzig ſprach der Redner, es waren
viele Phraſen mit einem reichlichen Maß von
Huldigungsfeuer, aber man hatte doch das Gefühl,
daß der vielverläſterte Mann es mit ſeiner Wagner=
begeiſterung
ehrlich meinte - und wenn er nach all
den Vorkommniſſen dieſe noch nicht verloren, ſo muß
man ihm das hoch anrechnen. Von fern und nah
iſt man herbeigeeilt, ſo ungefähr lautete die Rede,
um dem Genins Wagners zu huldigen. Wie einſt
König Heinrich dem Gottgeſandten des Gral an der
Schelde huldigte, ſo huldigen wir heuten dem Ritter
des Geiſtes, dem Dichter des Gralsritters. Er brachte
uns unſere deutſchen Götter wieder nahe, zu ſeines
Wortes Kraft geſellte ſich ſeiner Dichtung Schwung,
geſellte ſich der Ton und die Harmonie, die unerreicht
ſind und bleiben werden. Wenn uns in unſerer
Sprache das Wort fehlt, ſo fand Wagner den Ton
dafür, er erſann eine neue Kunſt, ihr beugen wir
uns willig. Nicht nur die verhältnismäßig kleine
Wagnergemeinde ehrt den Meiſter, ſondern die ganze
deutſche Nation, die geſamte Welt. Daß ihn das
deutſche Volk liebt und im Herzen trägt, daß es ihn
ahnt, wo es ihn nicht verſteht, davon gibt dies Denk=
mal
Zeugnis, welches entſtanden iſt durch den leben=
digen
Willen der deutſchen Nation in der Stadt, die den
Meiſter einſt geſchmäht, entſtanden unter dem Schuze des
deutſchen Kaiſers. Möchte dies Denkmal ſtets Zeug=
nis
ablegen, wie das deutſche Volk ſeine Meiſter ehrt.
Die Rede ſchloß mit einem dreifachen Hoch auf den
Kaiſer, die Militärkapellen ſpielten das Heil Dir
im Siegerkranz,; die beiden Prinzen ſalutierten fiel die Hülle, in blendender Weiße ſchimmern=
den
Marmors zeigte ſich das Denkmal, während der
Verliner Sängerbund den herrlichen Chor aus den
Meiſterſingern= Wachet auf, es nahet gen den
Tag= anſtimmte. Der von der Militärmuſik geſpielte.
Tannhäuſer=Marſch bildete den Schluß, verſchiedene
Kränze und Palmenzweige wurden durch fremde
Deputierte niedergelegt. Die Prinzen ſprachen mit
dieſem und jenem. Die Feier, die eine Stunde ge=
währt
, war zu Ende, ihr Geſamteindruck war ein
freundlicher und gefälliger.
Und das kann man auch von dem Denkmal
ſagen, das uns auf hohem Sockel die ſitzende Geſtalt
Richard Wagners zeigt, das energiſche Haupt gut
ausgeprägt, ebenſo in der ganzen Figur die unbeug=
ſame
Enſchloſſenheit des Meiſters. Ihm huldigt
vorn Wolfram von Eſchenbach, links erblickt man
Tannhäuſer im Pilgergewande, wie er ſchmerzlich
niedergeſunken, rechts die um Siegfried klagende
Brünhilde, auf der Rückſeite eine der Rheintöchter,
den Bart des Alberich zauſend. Etwas zu ſüßlich
iſt dies Beimerk, für den Genius Wagners zu wenig
charakteriſtiſch. Eine halbe Million Mark ſoll
Herr Leichner der ganzen Sache gewidmet haben,
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[483a
Wolle geſchlumpt.
Bub. Amendt, Schützenſtr. 9.

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werden elegant und gutſitzend bei billig.
Berechnung angefertigt. Sandſtraße 4
(16848a
Seitenbau parterre.

[ ][  ][ ]

H. Beilage zum Darmſtädter

=

N232.

Samstag, den 3. Oktober.

1053.

Perſteigerungs-Anzeige.
Montag, den 5. Oktober, vormittags 9 Uhr,
werden im Saale zum Schöfferhof=, Alexanderſtraße 14:
1 Diwan, 2 Kanapees, 1 kleine Kommode mit Glasſchränkchen, 1 zwei=
türiger
Kleiderſchrank, 3 vollſtändige Betten mit Roßhaarmatratzen,
1 Nachttiſch, 1 Küchenſchrank mit Glasaufſatz, Spiegel, Bilder, Tiſche,
Stühle, 1 große Sitzbadewanne mit Ofen, Herrn= und Frauenkleider,
Weißzeug, Leibwäſche, ſowie ſonſtige Haus= und Küchengeräte,
gegen Barzahlung verſteigert.
H. Stramss,
Hof=Taxator.
17156)

Verſteigerungs-Anzeige.
Montag, den 5. Oktober 1903, vormittags 8 Uhr,
verſteigere ich am Bahrhoſe in Pſungstadt auf Grund des 8 373 des
H.=G.=B. und des 8 383 des B.=G.=B.
1 Waggon (10000 Kilo) Nußkohlen 1
öffentlich meiſtbietend gegen gleich bare Zahlung.
Zuſammenkunft präzis 8 Uhr am Bahnhof der Station Pfungſtadt.
Darmſtadt, 2. Oktober 1903.
Hugol,
Großherzogl. Gerichtsvollzieher.
17181)

44
PELhEtgLinRt-xonzeige.

Dienstag, den 6. Oktober 1903, vormittags 10 Uhr,
verſteigere ich im Saale der Reſtauration Zur Roſenhöher, Rundeturm=
ſtraße
16, nachfolgende Gegenſtände, als:
1 Pferd, 1 Kaſtenwagen, 1 Federrolle, 1 Flaſchenzug, 1 Eiſenbohr=
maſchine
, 1 Billard mit Zubehör, 1 Ladentheke, 1 Real, 1 Partie Kon=
ſerven
, 1 Partie Poſtkarten, 1 Regulator, 1 Nähmaſchine, 1 Diwan,
1 Vertiko, 1 vollſtänd. Bett, 1 Klavier, 2 Schreibtiſche, Sofas, Kom=
moden
, diverſe Schränke, diverſe Bilder und Spiegel, Tiſche und Stühle,
ſowie Hausmobilien durch alle Rubriken;
und vorausſichtlich unwiderruflich:
48 Paar weißlederne Handſchuhe, 1 grauen Mantel und 1 feinen
Uniformrock
öffentlich meiſtbietend gegen gleich bare Zahlung.
Darmſtadt, 2. Oktober 1903.
Hugoh,
Großherzogl. Gerichtsvollzieher.
17182)
Höheres Töohlervonsionat
und Haushallungssohute Darmstadt.
E Heldelbergerstrasse 3l. Zu
Beginn des Winlersemesters am 19. Oklober, vormittags 8½ Uhr,
Fortbildungskursus, entsprechend der Selekta einer höheren Töchterschule:
Deutsch, Französisch, Englisch ſvon Ausländerinnen) Geschichte, Goographie,
Kunstgeschichte und Handarbeit ſndustrielchrerin). Pro Vierteljahr 40 Mark,
pro Jahr 120 Mark. Praktischer Kursus: Kochen Haushaltungslehrerin) Haus-
haltungs
-Chemie, Handarbeik und Buchführung. Pro Vierteljahr 60 Mark, pro
Jahr 180 Mark. - Einzel-Kurse in allen Fächern, besonders in sämtlichen Hand.
arbeiten. -- Kochkurs 45 Mark. - Unterricht in den kunstgewerblichen Fächern:
Kerb- und Blumenschnitt, nord. Pachschnitt, Lederpunzen, Linnbossieren.-
Prospekt und nähere Auskunkt durch die Vorsteherin
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Fräul. Dupré, Staatl. gepr. Oberlehrerin.

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63
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Techandlung.

Die Eröſfuung der Keller=Reſtanrations
röume ſindet Saustag, J. Oktober ſtett.
Die Lokalitäten ſind vollſtändig neu hergeſtellt und bieten nun=
mehr
durch Einrichtung von elektriſchen Ventilatoren einen ange=
(17127
nehmen rauchfreien Aufenthalt.
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Dunkles ErnslJudwigshriu.
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Vorzügliehe Küche.
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in und außer dem Hauſe.
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Beſſungerſtraße 39, 2. Stock. G17188
LeGasvEAOIhu LLuAAUUIO-
Das Winterſemeſter beginnt
Montag, den 12. Oltaber.
*o
Meezze Rezlzset,
Zimmerſtraße 5.
17143)

Pariſer Herbſtmoden.
T.W. Eigenbericht; Nachdruck verboten.)
Eigentlich kann man kaum von einer ausgeſprochenen
Herbſtmode reden; hat auch die nie ruhende Induͤſtrie
ſchier unzählige Neuigkeiten gebracht, ſo fehlt es doch an
einer typiſchen Richtung. An ſchönen. milden Tagen be=
hauptet
die ſommerlich helle und duftige Kleidung noch
ihr Recht, meiſt durch eine Spitzenboa, eine kleidſame
Pelerine oder den in unzähligen Formen auftretenden
Bolero vervollſtändigt; bei rauher Witterung aber zeigen
ſich ſchon die Vorboten des Winters. wundervolle warme,
weiche Stoffe in reizvollen Muſtern, neue, im Rücken an=
liegende
Paletotformen, zierliche Pelzumhänge, kleidſame
moderne Filghüte, welche die nächſte Zukunſt beherrſchen
werden. Dieſe unendliche Vielgeſtaltigkeit, dieſer eigen=
artige
Gegenſatz in den Toiletten drückt der Herbſtmode
immer ihren Stempel auf, doch iſt der Kontraſt in dieſem
Jahr beſonders auffällig, da ſich die ſommerliche Kleidung
Ungemein licht. zart und duftig geſtaltete, während die
neuen Stoffe in recht markanter Weiſe dem rauhen
Winter angepaßt erſcheinen; ſie ſind oft wie mit Reif und
Schneeflocken überzogen, dabei haarig und an Pelzwerk
erinnernd. Die mannigfache Verteilung der längeren oder
kürzeren Härchen, die bald zu Gruppen oder Streifen
vereinigt ſind, bald aus Knötchen herauswachſen und
große Tuffs bilden, ergeben unzählige Variationen in
feinen und ruhigen Tönen, in gedämpften oder lebhaften
und kräftigen Muſtern. Zu den hervorragendſten Neu=
heiten
der Saiſon zählt Indou, ein ſchöner, langhaariger
Stoff in dunklen Tönen, Drap argentin in maron und
namentlich in aubergine, dem blau der franzöſiſchen Hul=
ſaren
, das aber durch kaum bemerkbare Härchen einen
ſilberglänzenden Ton erhält, Zibeline, Golfe de Jouan
mit langen, flachanliegenden, buntfarbigen Haaren, Natts
écossais, das auf einer grünen, blauen und weißen Haar=
decke
noch große Karo zeigt, welche durch gelbe oder rote
Fäden gebildet ſind. Man möchte ſie alle aufzählen, die
neuen Stoffe und ihre Schönheit und ihre charakteriſti=
ſchen
Merkmale eingehend beſprechen! Welche reizvollen

Toiletten ſieht man ſchon jetzt aus dieſen neuen Geweben,
welche Wunderwerke werden die Schneiderkünſtler noch
weiter daraus fertigen! DieMode liebt zur Zeit ſehr aparte
Kombinationen in Farben. Stoffen und Beſätzen. ſchmückt
duftige Kleider mit groben Spitzen, einfache Stoffe mit
koſtbären Garnierungen, leicht ſommerliche Toiletten mit
Beiwerk von Pelzwerk und das Pelzwerk wieder mit
Blumen und Spitzen. And in Farben kommen gleich=
ſalls
die gewagteſten Verbindungen vor; ſo iſt neuer=
dings
fuchsrot zu blaßblau belieht. Die Kunſt des
Schneiders weiß dann die eigenartigſten und wunder=
barſten
Zuſammenſtellungen und Kontraſte zu einem
harmoniſchen Ganzen von pikantem Reig zu vereinen.
Greifen wir aus der Fülle von neuen Modellen einige
einfache herbſtliche Toiletten heraus. Von ſchlichter und
doch vornehmer Wirkung iſt ein Promenadenanzug aus
ſchwarz=grau meliertem Homeſpun, bei dem Samt, ſchmale
Formblenden mit doppelten Stepplinien und geſtickten
Borten die Ausſtattung übernehmen. Dem Faltenrock
ſind die Schoßblenden des Volero feſt aufgeſteppt.
Recht apart und jugendlich erſcheint ein Koſtüm aus
dunkelblauem Tuch mit roten Tuchapplikationen auf
weißem Tuch. Der weitere Beſatz wird durch ſchwarze
und weiße Soutache, die in zwei Reihen, dicht neben=
einander
geſetzt iſt, und Goldknöpfe gebildet. Eine eigen=
artige
Form zeigt der Schoß=Bolero mit epaulettenartigem
Schülterkragen und weiten Aermeln mit hoher Ueber=
manſchette
. Bei einer dritten Toilette aus ſteingrüner
Zibeline iſt der ſchier unvermeidliche Bolero mit Chenille=
Stickerei und Chenille=Franſen beſetzt, die zu den Neu=
heiten
der Saiſon gehören: Durch vornehme Schönheit
und aparten Reig zeichnen ſich die Wunderwerke an
Toiletten aus, die ein Pariſer Schneiderkünſtler für die
Gaſtſpiel=Tournee der Schauſpielerin Jeanne Granier ge=
ſchaffen
hat, und wenn ſie in den modernen Schauſpielen
Triumphe ſeiert, ſo hat daran der berühmte Schneider=
könig
ſeinen Anteil. Da iſt 3. B. eine roſa Chiffontoilette=
überſtreut
mit einer Fülle abgetönter Veilchen vom zarten
mauve bis zum tiefen Violett. Die Blumen ſind relief=
artig
geſtickt, ſo daß ſie wie friſch wirlen. Eine andere

Toilette, aus weißem Crépe de Chine hergeſtellt, zeigt
den weich niederfallenden Nock mit weißen Tuchblenden
garniert, während das Leibchen mit Tüll d'espoit bekleidet
und die weiten Aermel mit epißzen inkruſtiert ſind.
Und doch tut das nicht die Kunſt des Schneiders
allein, wenn die Franzöſin und ſpeziell die Pariſerin ſich
dunch Eleganz. Schick und Anmüt auszeichnet, wenn ſie
noch immer tonangebend in der Mode iſt. Sie beſitzt ein
feines Empfinden für ihre äußere Erſcheinung und ver=
ſteht
die Kunſt, ihrem Anzug durch mancherlei Kleinig=
keiten
und ſcheinbar unweſentliche Zutaten ein perſönliches
Gepräge zu verleihen; bald iſt es das Arrangement eines
Gürtels aus breitem, weichem Seidenband, bald eine
Schleife, Krawatte, Fichu, ein Kragen, welche der Trägerin
einen beſonderen Reis verleihen, vor allem aber iſt das
Enſemble immer von geſchmackvoller, tadelloſer Wirkung.
Als hübſches Beiwerk der Toilette ſpielen jetzt die Kragen
eine wichtige Rolle, oft ungetönt in reinem Weiß. Sie
erſcheinen in den verſchiedenſten Formen, rund, gerade,
ſpitz, gebogt oder gezackt, mit Jabot, mit angeſchnittenen
Patten oder einer Krawatte, oft mit dazu gehörigen
Manſchetten. Mannigfaltig wie die Form, iſt auch das
Material, Leinen, Milll, Linon, Gaze, leichte Seide, Spitze
und Spitzenſtoffe kommen zur Verwendiuig und erhalten
durch Stepplinien, Säunichen, Applikationen, Vorten,
Entredeux, Stickereien eine immer andersartige Verzierung.
Die elegante Dame trägt an Kragen und Manſchetten oft
koſtbare Knöpfe aus ochtem Gold und Edelſteinen und
wählt denn auch die Gürtelſchnalle in Uebereinſtimmung;
für weniger Vemittelte ſtehen reigende Neuheiten in künſt=
leriſch
ſchönen Formen auch aus minderwertigem Material
zur Auswahl.Schließlich ſei noch als hochmoderne
Nouveauts die knitted waists' erwähnt, die, wie der
Namie ſagt, aus England ſtammen. Die hübſchen Jäckchen
aus weicher Wolle in verſchiedenen Farben, beſonders in
rot, grünz dunkelblau hergeſtellt, mit goldenen Knöpfen
geſchmückt und durch einen zierlichen Kragen, eine Vatiſt=
krawatte
, ein gefältetes Jahot vorvollſtändigt, ſind ebenſo
kleidſam wie praktiſch und oilden bei kühler Witterung
Héloise,
eine weiche, ſchmiegſame Hülle.

[ ][  ][ ]

AEbie 22.

Darmſtäd or

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Beitragen und Abſchließen der Bücher
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Vertrauenspoſten (Kaſſier, Vereins=!
diener, Portier ꝛc.) Kaution kann geſtellt
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ſchäftigt
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die feineren Plattſtich= u. Applikations=
Arbeiten ſelbſtändig und gut ausführen
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Bleichſtraße 51, 2. St. rechts.

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115466) Tüchtiges Dienſtmädchen
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Luiſenſtraße 30.
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für Bandſäge und Fraiſe geübt, ſofort
geſucht.
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41718730) Zuverläſſige, kräftige
Arboiter
für dauernd ſofort geſucht.
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Tüchtiger Fuhrmann
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erhalten ſofort Stellung durch
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Schulſtraße 3.

rchtzonz

G0O000nG-0adneeasaiddoeo09
Braves Dienſtmädchen
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17008fs) Fleißiges, ordentliches
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[ ][  ][ ]

Remmer 232.

Darmſtädter Tagblatt, Sansiag, den 3. Oktober 1903.

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Darmslädter Streichquartett.
Viol. 1. Frilz Mehmel, Viol. I. Gustau Spohr, Viola: Rich. Senkt, Violoncell.:Aug Meyns.
Während des Winterhalbi. 1903,04 finden im Mossoranalé, Grafenſtr. 18.
vior Hamzerumsihi-Abende
ſtatt.
I. Ahend: Montag. den 2. November.
Mitwirkende: 8. Durchlaucht Heinrich TäIV., Fürst zu Reuss-ſöstritz (Klavier)
u. Herr Kammermuſiker Kugust köhler von hier (Flöte).
Programm:Streichquartett op. 41. Nr. 1. A.moll von R. Schumann, Serenate
fur Flöte, Violine u. Biola op. 25. Dhur von Beethoven u. Klavierguintett op. 15.
Cdur von Heinrich XXIV., Fürſt Reuß.
BI. Abend: Montag, den 30. November.
Mitwirkender: Herr Carl Friedberg (Klavier) aus Frankfurt a. M.
Programm: Streichquartett op. 30, Esmoll von Tſchaikowsky, Sonate füt
Klavier u. Violine op. 45, C.moll von Edw. Grieg u. Klavierquartett von Jwan Knorr.
HEL. Abend: Montag. den 25. Januar.
Mitwirkende: Fräulein Clara Forhach (Klavier) u. Herr Kapellmeiſter
fritz Rehbock (Klavier), beide von hier.
Programm: Streichquartett op posth., Dmoll (=Der Tod u. das Müdchen=)
von Schubert, Variationen für 2 Klaviere über ein Beethovenſches Thema von
Saint=Sasns u. Klavierquartett Es-dur, K.=Verz. Nr. 493 von Mozart. (Klavier:
Frl. Forbach).
IV. Abend: Montag. den 20. Februar.
Mitwirkende: Frau lduna Malter-Choinanus aus Landau (Geſang) u. Herr
Ludwig Meber.
Programm: Streichquartette op. 50, Nr. 3. Ddur von Haydn u. op. 18.
Nr. 6, Bdur von Beethoven u. 2 Geſänge mit Begl. von Viola u. Klavier von
Brahms, ſowie Lieder=Zyklus =Frauenliebe und =Leben von Rob. Schumann.
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ſoMt.; für Penſionats=Zöglinge Studierende, Schüleru. Schülerinnen: Sperr=
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Schülerkarten Sperrſitz 2 Mk., Saal 1.50 Mk., Galerie 1 Mk. Vorverkauf der
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Beginn der Konzerte: 8 Uhr.
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Sonntag, 4. Oktober, abends um 8 Uhr,
in dem großen Saale des katholiſchen Geſellenvereins:

zur Heier der Grundſleinlegung der Jt. Eliſabekhenbirche,
wozu alle Katholiken der hieſigen Stadt hiermit freundlichſt einge=
laden
werden.
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Der katholiſche Kirchenvorſtand Darmſtadt.

Samatax, den 3. Oktober 1903:
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verbunden mit humoristischen Vorträgen, Theater und Ball
in fümtlichen Ränmen des Badiſchen Hofes Cacob Clovor)
Ecke Wendel= und Blumenthalſtraße.
- Anfang S Uhr abends.-
Eintritt 30 Pfennig, eine Dame frei, jede weitere Dame 20 Pfennig.
Freunde und Gönner des Klubs ſind höflichſt eingeladen.
17059)
Hder Vorstand.
H66s. FoohtI Woil, Walsshsohltn IndigVorGin Darmstall.
Zu dem am Sonntag, den 4. Oktober, abends 3 Uhr, im Kon-
Kordiagaale, Waldſtraße 33. ſtattfindenden
Wamiliemahend Honzert, Theater, Tanz)
laden wir unſere verehrl. Mitglieder ſowie Freunde des Vereins höfl. ein.
Eintritt: Mitglieder nebſt zwei Familienangehörigen 25 Pfg., jedes weitere
Familienangehörige 25 Pfg, Fremde: Herren 1 Mk., Damen 50 Pfg.
Der Vorstand.
17088)
Café-Vestaurant Gotropole.
Alexanderstrasso.
Besitaer: P. Mix.
Tüglich abends ½8-U Uhr:
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HONAUUI
des östorroichischen Damen-Orchestors yFidaé.
Mittwochs und Zonnkags 2 Konzerke, von 4-7 und 8-1 Uhr.
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Rostauration Franz Hratsoh, Landwchrstrasve 22.
Sonntag, den 4. Oktober 1903, von 4 bis 11 Uhr, (15491
Grosses huinoristisches ſonzert. Eintritt frei.
Als Gaſl Herr Siekartz, Frankfurts beliebter Salon=Humoriſl.
erdurch gebe ich mir die Ehre, alle Freunde und Gönner meines Tanz=
OP inſtituts zu meinem Sonntag, den 4. Oktober, nach Arheilgen, Reſtan=
ration
Ersgräber, ſtattfindenden
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Ausßug mit Tunz
ganz ergebenſt einzuladen.
Abmarſch halb 3 Uhr vom Schlachthauſe.
Hochachtungsvoll
FRälzmp SGIOII, Janzlehrer.
Lan
Voltscher und Oeovrroichischer AponVoroin,
Goſztiom Warumstadt.
Montag, den 5. Oktober 1903, abends 8½ Uhr,
im Vereinslokale der Reſtauration Aur Operé
Aongtaurrtaninlang.
Lagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Profeſſor Dr. Finger: Alpine
Spaziergänge, die 3 Türme im Gauertal.
2. Beſprechung des Winterſeſtes.
Gäſte ſind willkommen.
Dor Vorstand.
17183)

[ ][  ][ ]

Eſte 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1903.

Hirchwoihe Rossdorf
Sonntag, den 4. und Montag=
den
5. Oktoher,
wozu freundlichſt einladet (6863ms
J. W. Hrämer,
Gaſtwirt und Metzger,
Zum Darmſtüdter Hof

Nummer 232.

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3täten des Faisers und der Paiserin von Jussland. öhrer hönig-
lichen
Poheiten des ſrossherzogs, des Prinzen Andreas von ſirieehen-
land
, der Prinzessin Alice von Zaſlenberg und der Prinzes sin Elisabeth.

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[ ][  ][ ]

Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.
.
5

N 232.

Samstag, den 3. Oktober.

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[ ][  ][ ]

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Abonnements=Vorſtellung.
Der fliegende Holländer.
Nomantiſche Oper in 3 Aten von Nichard
Wayiier.
Daland, ein norwegiſcher
Seefahrer.,
Herr Niochmann.
Senta, ſeine Tochter Frau Naſchowska.
Erik, ein Jäger Herr Spemann.
Mary, Sentas Amme Frau Tolli.
Der Steuermann Dalands Herr Wolf.
Der Holländer
Herr Weber.
Nach dem 1. uind 2. Akte findet je eine
längere Pauſe ſtatt.
Preiſe der Plätze:
Erſter Nang M. 400, erſter Nang Fremden=
loge
5 M. zweiter Nang Balkon M. 3.50,
zweiter Rang M. 300. zweiter Nang Mittel
loge M. 300, dritter Rang Balkon M. 2.20,
dritter Nang M. 170. dritter Rang Mittel=
loge
M. 200, Parkettloge M. 3.70, Sperrſitz.
M. 3.50. Parterre M. 220. vierter Nang
Balkon M. 1.50, erſte Galerie 1 Mk. zweite
Galerie 50 Pfg.
Anfang ½7 Uhr. - Ende ¼10 Uhr.
Aus dem Spielplan.
Montag. 5. Okt. Außer Abonnement. Auf
Allerhöchſten Beſehl. Bei feſtlich heleuchte=
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Hauſe. Neu einſtudiert: Lakms:
Große Preiſe. Anfang "8 Uhr. Dienstag,
6. Okt. 23. Ab.= Vorſt. B 6. Die Journa=
liſten
; Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 7. Okt. 24. Ab.=Vorſt. C6. Das
Nachtlager in Granada= Hierauf Ballet
(Feſtſpiel) aus der OperMeluſine: Groß.
Preiſe. Anfang 7 Uhr. Donnerstag, 8. Okt.
Außer Abonnement. Auf Allerhöchſten Ve=
fehl
. Bei ſeſtlich beleuchtetem Hauſe; Arda.
Große Preiſe. Anſang 7 Uhr. Freitag,
9. Okt. 25. Ab=Vorſt. 4 7. Die rote
Rober. Große Preiſe. Anfang 7 Uhr.

Progrgum,
zu dem am Samstag, den 3. Okt, von
12-1 Uhr vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle des Feld=
Artillerie=Regiments Nr. 25.
1. Perſiſcher Marſch von Strauß
Ouvertüre zu Dichter und Bauerl von
Suppé. 3. Fantaſie aus der Oper Das
Glöckchen des Exemitens von Maillart.
Tordajata: Walzer von Morena. 5. Me=
lodien
aus der Operette Der Vogel=
händler
von Zeller. 6. Koſaken=Marſch;
von Meſtrozi.
Chriſtlicher Verein junger Männer,
Darmſtadt=Oſt. Mühlſtraße 24.
Sonntag, nachm. 2½ Uhr: Jugendabteilung
Verſammlung im Lokal, danach Spazier
gang. Abends 8½ Uhr: Monatliche Mit=
gliederverſammlung
(Teeabend) mit Auf
nahme neuer Mitglieder.
Montag, 8½ Uhr: Poſaunenchor.
Dienstag, 8½ Uhr: Turnen.
Mittwoch, 8½ Uhr: Bibliſche Beſprechung
(Männerabteilung).
Donnerstag, 8½ Uhr: Bibelſtunde Jugend=
abteilung
).
Freitag, 8½ Uhr: Männerchor.
Samstag, 9 1Ihr; Gebetsſtunde.
Chriſtlicher Verein junger Männer,
Neckarſtraße 22.
Sonntag, 4. Okt., nachm. 3 Uhr: Spazier=
gang
nach Kranichſtein (Trefſpunkt am
Ballonplatzh. 8 Uhr. Monatliche Mit=
gliederverſammlung
(Tecabend).
Montag. 5. Okt., 8 Uhr: Poſaunenchor.
Dienstag. 6. Okt., 8½ Uhr: Männerchor.
Mittwoch. 7. Okt., 9 Uhr: Bibliſche Be=
ſprechung
ſältere Abteilung),
Donnerstag, 8. Okt., 8½ Uhr: Steno=
graphie
.
Freitag. 9. Okt, 8½ Uhr: Bibelſtunde
Jugendabteilung).
Samstag, 10. Okt., 9 Uhr: Andacht.

Man kann es nicht ernſt geung
mit ſeinem täglichen Getränk - mit
nehmen dem, was man gewohnheitsmäßig zu be=
ſtimmten
Mahlzeiten immer und immer wieder genießt.
Hier ſummiert ſich ſtetig die heilſame oder
ſchädliche Wirkung und unſer ganzes leibliches und
geiſtiges Wohlbefinden hängt nicht zum geringſten davon
ab. Am beſten iſt nach ärztlichem Urteil jedenfalls der=
jenige
aufgehoben, der ſich vor dem geführlichen Ueber=
maße
anerkannter Gifte, wie Alkohol, Koffein u. ſ. w.,
hütet und ein wirklich erprobtes, wohlbekömmliches Ge=
trünk
wie Kathreiners Malgkaffee ſtändig und täglich
zu ſich nimmt. Immer gleiche, ungeſchmälerte
Lebens= und Arbeitsfreude wird ihn am
(C171009
ſchönſten dafür belohnen.
Warnunz.
Die meigten Hachahmungen von Pr. Hommel's Haematogen
werden, um das D. E. F. No. 8l,391 zu umgehen, mit Juhülfe-
nahme
von Aetker bereitet, ein Ausat=, der insbesondere für
Kinder und Nervöse direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, das
aethertreie Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets
ausdrücklich Dr. Hommel's Haematogen und achte auf die
Schmtzmarke:
Sängende Lönint.
- 14698a
EOAIN
Die auch als Lehrerin hochgeſchätzte Großh. Heſſ. Kammer=
virtuoſin
Frau Frieda Awnat-Modapp wird, troß=
dem
ſie ihren Wohnſitz in Verlin hat, jeden Monat
einige Tage nach Darmſtadt kommen, um nach wie vor
Unterricht zu erteilen.
Auskünfte über Anmeldungen vermittelt die Expe=
dition
dioſes Blattes.
7oo⁄e.

Brauerei=Ausſchauk
Frühſtück
Louis Ho6s,
Kirchſtr. 3. (502a
Die Auskunftei W. Schimmelpfeng bildet mit der
ihr verbündeten vornehmſten amerikaniſchen Auskunftei
The Bradstreet Company eine große bewährte Organiſation
für kaufmänniſche Erkundigungen. Bureaus in Frank=
furt
a. M., Goetheſtraße 34, Mannheim, Köln u. ſ. w.
Jahresbericht oder Tarif poſtfrei.
(59702
Unſerer, heutigen Nummer liegt ein Proſpekt der
Verlagsbuchhandlung Rich. Eckſtein Nachf. (H. Krüger),
Berlin W. 57. Bülowſtraße 51, über Sir John Neteliſſes
geſammelte Romane, die in Lieferungen 3 30 Pfg.
erſcheinen, bei. - Dieſe Romane, die Anfang der
70er Jahre zuerſt erſchienen, haben damals ganz enormes
Aufſehen erregt und ſind, in vielen tauſenden von
Exemplaren verbreitet. Die ältere Generation, die die
Romane zum Teil kennt, wird das günſtige Angebot der
Verlagsbuchhandlung gern benuhen, der jüngeren möchten
wir es auf das Angelegentlichſte empfehlen. - Die
Reteliffeſchen Romane ſind wirklich eine ganz vorzügliche
Lektüre, allerdings nur für Erwachſene, da der Autor bei
Schilderung der Sitten und Gebräuche der indiſchen
Fürſten, der verführeriſchen Bajaderen, der Bacchanalien
und Greueltaten der Thugs, der furchtbaren Grauſam=;
keiten des indiſchen Aufſtandes unter Nena Sahib, des
weichlichen, üppigen Haremslebens der Mohammedaner ꝛc.
der Nealiſtik nicht entbehren konnte.
[17133
Fiſchwaren ſind beſonders bei Beginn der kalten
Jahreszeit von jedermann begehrt und werden durch
Spezialfabriken in ſo vorzüglicher Qualität hergeſtellt,
daß die leicht verderblichen friſchen Fiſche faſt entbehrlich
erſcheinen. Außer den mehr oder weniger bekannten ge=
räucherten
, marinierten Fiſchwaren und Konſerven, die
vorzugsweiſe für die Frühſtücks= und Abendtafel zu
empfehlen ſind, bringt die bewährte Fiſchkonſervenfabrik
E. Gräfe, Altona=Ottenſen, neuerdings eine Reihe Spezial=
artikel
zum Verſand, die beſonders für die Mittagstafel
beſtimmt und vorzüglich zur Herſtellung warmer Fiſch=
ſpeiſen
; aller Art geeignet ſind. Einzelne Sachen ſind
bereits fertig zum Genuß und brauchen nur aufgewärmt
zu werden. Genannte Fabrik, welche vielfach mit höchſten
Preiſen ausgezeichnet wurde und ihre vorzüglichen Fiſch=
waren
ſeit vielen Jahren direkt an die Konſumenten ver=
ſendet
, fügt der heutigen Nummer des Blattes ihren aus=
führlichen
Proſpekt bei, der hiermit allſeitiger Beachtung
empfohlen wird.
(17069

Veberall zu haben-
90rs
unsnibehrlishe Bahn-Crsme
(58917
die l’Ahe vein. weiss and
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.
Geborene. Am 22. September; dem Mechaniker
Georg=Wittmann eine T. Emma. Am 18.. dem Unter=
offigier
Karle Mohr eine T. Am 20.: dem Gefangen=
aufſeher
Karle Emrich eine T. Johanna Henriette. Dem
Maſchinenarbeiter Ludwig e Staudt ein S. Johann
Peter. Am 18.. ein unehel. S. Higo. Dem Bücker=
meiſter
Adame Seip ein S. Adam. Am 20.: dem Wärter
an der Tochniſchen Hochſchule Jakobe Ganßmann eine
L. Marie Eliſobeth. Am 24.: dem Oberpoſſſchaſſner
Peter=Vetter ein S. Ludwig Peler. Am 21.: dem
Lackierer Konrode Guerdan eine T. Eliſabeth Suſanna.
Dem Schleifer Ludwige Weckbach eine T. Franziska.
Dem Hoſgartengehilfe Valentine Ganßmann ein S.
Wilhelm. Am 23.: dem Heizer Hanse Engelbrecht eine
T. Maria Suſanna. Am 26.: dem Kürſchner Michael
o Kaiſer ein S. Wilhelm. Am 23.: dem Kaufmann
Chriſtian=Göbel ein S. Walter Heinrich Georg Chriſtian.
Am 25.: eine unehel. T. Martha. Eine unchel. T. Jda.
Am 26.: dem Bureaugehilfen Petere Verg ein S. Karl
Poter. Am 27.: eine unehel. T. Margarete. Am 23.:
dem Inſtallateur Friedriche Frommann ein S. Emil.
Dem Schriftſetzer Johannese Caſtritius ein S. Leonhard
Georg. Am 20.: dem Lackierer Karle Vinſon eine T.
Katharina. Am 26.: dem ſammerdiener Lambert
Pappert eine L. Margareta Anna. Im 24. dem Vige=
feldwebel
Ludwige Blum ein S. Ernſt Ludwig.
Anfgehotene. Am 23. September: Schloſſer Auguſt
e Wyeisk hier mit Maria Auguſtee Köbiſch, geſchieden,
hier. Friſeur Georg Friedriche Bangert hier mit Maria
2 Ahl, L. des verſt. Schuhmachers Georg Ahl zu Gries=
heim
. Schuhmacher Peter Joſefe Hafner, Witwer, hier
mit Anna Maria Luiſe e Trautmann, Witwe, hier.
Schaffner und Wagenführer bei der elektriſchen Straßen=
bahn
KonradeHedtrich hier mit Anna Katharinoe Peter,
T. des verſt. Schneiders Johannes Peter II. zu Friſch=
born
. Weißbinder Philipp e Cezanne Xl. in Walldorf
mit Helene=Schuchmann. L. des verſt. Bahnwärters
Michael Schuchmann zu Walldorf. Hilfsbahnwärter
Georg Friedriche Gehrig in Eberbach mit Anna Katharina
0 Schneller, L. des Bahnwärrers Johann Georg Schneller
zu Schöllenbach. Eiſenbahnbetriebsaſſiſtent ſtarle Hort=
mann
in Friedrichsfeld mit Henriette Katharinee Weber,
T. des verſt. Landgeſtütsdieners Jakob Weber hier.
Metzger Auguſte Zeh hier mit Emilie Katharine Anna
2 Geiſel, L. des Sattlermeiſters Adam Geiſel zu Pfung=
ſtadt
. Magazinauſſeher Johann=Erdmann hier mit
Jdae Malehki, T. des Muſilers Auguſt Maletzki zu
Biſchofsſtein. Am 24. Schuhmacher Jakobe Dörr I. in
Griesheim mit Eliſabethe e Hartmann, T. des verſt.
Wagnermeiſters Ludwig Hartmann zu Harreshauſen.
Taglöhner Wilhelme Bergmann, Witwer, hier mit Eva
Rathorine e Noth. L. des Taglöhners Johann Georg
Roth I. zu Werſau. Am 25.: Straßenbahn=Wagenführer
Petere Stappel hier mit Anna KatharinaeSchmieg. T.
des Landwirts Johann Schmieg zu Ochſenthal. Vier=
brauer
Joſefe Stelgle hier mit Mariae Kumpf, T. des
verſt. Vierbrauers Wilhelm Kumpf zu Pfungſtadt.
Am 26.: Küſer Martine Nimbler in Hörſtein mit Köchin
KunigundeeWeinand. L. des verſt. Landwirts Johann
Weinand in Hirſcheid. Schaffner und Wagenführer
JakobeKönig hier mit Hausmädchen Anna Chriſtina
0 Weber. L. des verſt. Gaſtwirts Peter Weber II. in
Wald=Michelbach. Sergeant Johanne Krämer hier mit
Emma Katharino ReginaeNöder, T. des Färbermeiſters
Georg Heinrich Nöder in Reichelsheim. Schuhmocher
Johannes Karle Kißner hier mit Chriſtine e Ninghof. T.
des verſt. Landwirts Philipp Ninghof IV in Nieder=
Flörsheim. Ladierer Philipp Auguſt Georg Peter Franz
e Vernins hier mit Margaretae Leideker, T. des verſt.
Schneidermeiſters Valentin Leideker in Ockſtadt. Großh.
Landgeſtütsdiener Heinriche Neeb hier mit Margareta
8 Meyer, T. des Steinhauers Wendel Meyer in Reichen=
bach
. Maurer Peter e Gernand hier mit Theodoſia
2 Gernand, Witwe, geb. Srodecki, hier. Am 28.: Kreisamts=
gehilfe
Johann Friedriche Herling in Erbach mit Amalie
Chriſtiane Luiſe e März, L. des verſt. Landwirts Georg

Paul März in Seeheim. Metzger Kaſpar Gregor= Glückert
in Frankfurt a. M. mit Köchin Luiſe Katharina=Häker,
T. des verſt. Metzgers Gottlob Jakob Häker in Enz=
weihingen
. Schreiner Auguſt FerdinandoHeeger, Witwer,
hier mit Büglerin Anna Eliſabethae Oechler hier. Konditor
Nudolf Heinrich Robert=Bender hier mit Ladnerin Lina
e Ellinghaus, T. des Walzmeiſters Fritz Ellinghaus in
Haspe. Kaufmann Johann Ferdinand=Schäfer hier
mit Katharina Eliſabethe Margarete=Büdinger, L. des
Schloſſermeiſters Gottfried Ferdinand Büdinger hier.
Steinhauer Franz xaver=Blum in Ober=Ramſtadt mit
Margareta=Schanz. L. des verſt. Mehlhändlers Georg
Schanz in Ober=Ramſtadt. Glaſer Johann Rudolf
eBreiſenmoſer hier mit Dienſtmädchen Margareta=Roth
hier. Metzger Wilhelm e Freund, hier, mit Anna
Wilhelminee Schimmer,. T. des Hoftheaterzimmermanns
Chriſtian Schimmer hier. Am 29.. Maurergeſelle Konrad
e Neuter in Holsheim mit Näherin Auguſtee Umſonſt,
L. des Weichenſtellers Peter Umſonſt III. hier. Maurer
Heinriche Hoch in Lampertheim mit Zigarrenarbeiterin
Eva Margaretae Schmidt, J. des Taglöhners Valentin
e Schmidt IV. in Lampertheim. Handarbeiter Ottoe Berg
in Wohnbach mit Johannette e Uffelmann, L. des
Wagners Johann Adam Uffelmann in Elm. Kellner
JohanneseUffelmann hier mit Eliſabethae Kellner, L.
des verſt. Vierbrauers Wolfgang Kellner in Amberg.
Schloſſer Johann Heinriche Stier hier mit Suſanne
Wilhelminee Stumpf, T. des Agenten Johann Philipp
Stumpf hier. Am 30.. Schneider Philippe Schneider
hier mit Maria-Liebig. T. des Nagelſchmieds Johann
Georg Liebig J. zu Obernhauſen. Fahrknecht Georg
Daniele Herbert hier mit Eliſabethee Petri, T. des verſt.
Handarbeiters Leonhard Petri III. zu Weiterſtadt.
Prakt. Arzt Dr. Anno Joſef Leoo Kocks hier mit Anna
Maria Luiſe e van Elsberg, L. des Auktionators
Alexander van Elsberg zu Nees. Am 28.: Handarbeiter
Korle Maul hier mit Eliſabetha Margaretha-Hedrich,
Witwe, geb. Keller, hier. Am 1. Oktober: Buchhalter

wirt Wilhelm e Herrnbrodt in Ober=Mockſtadt, mit
ſatharinae Meub, L. des Landwirts Friedrich Wilhelm
Meub zu Ober=Mockſtadt.
Eheſchließnugen. Am 23. September: Gärtner
Wilhelme Lauer hier mit Karolinee Lauer, Witwe, geb.
Vecker, hier. Am 24. Apotheker Friedriche Joſt hier mit
Eliſabethe ePeters, L. des in Nieder=Erlenbach verſt.
Pfarrers Auguſt Peters. Holzmaler KarleHoffmann
hier mit Mathilde o Fiſcher, L. des Privatiers Philipp
Fiſcher hier. Am 26.. Meßgermeiſter Heinriche Mörſchel
hier mit EmmaeNömer, L. des Gerichtsſchreibers i. P.
Nudolfe Römer hier. Lehrer GeorgeFey in Ober= Ram=
ſtadt
mit Emiliee Saeng. L. des Buchhändlers und
Stadtverordneten Ludwig Saeng hier. Chemiker Dr.
Friedriche Bran in Mundenheim mit Annao Trapp, T.
des Rentners Ludwig Trapp hier. Kantinenwirt Leo
o Nieger hier mit Köchin KatharineeHaußner, T. des
in Stockheim verſt. Fuhrmanns Wilhelm Haußner.
Regierungsaſſeſſor Wilhelme Krug hier mit Pauline
Schödler, T. des hier verſt. Rechtsanwalts und Notars,
Juſtigrat Eberhard Schödler. Werkmeiſter Martin
o Bommarius, Witwer, in Mannheim=Waldhof mit
Vabette=Vetter, L. des Federviehhändlers Peter Vetter
in Werſau. Diplom=Jngenieur Johannese Nadke in

Düſſeldorf mit Klara EmmaoHohmann, T. des Hof=
Buch= und Stein=Druckereibeſizers Heinrich Hohmann
hier. Eiſendreher Jakob e Götz hier mit Anna e Stößel,
L. des verſt. Landwirts Heinrich Stößel. Großh. Ober=
lehrer
Ludwige Dörr in Pfungſtadt, mit Eliſabeth e Nöder,
T. des in Soarlouis verſt. Poſtſekretärs Georg Nöder.
Goldarbeiter Jakobe Haſſenzahl in Pfungſtadt mit Marie
e Weyrich, T. des Gendarmen i. P. Martin Weyrich in
Gimbsheim. Wagenführer und Schaffner bei der elektr.
Straßenbahn Friedriche Krailing hier mit Annae Kuhn,
L. des hier verſt. Gerichtsvollziehers Adolf Kuhn.

Kellner Franz e Ulrich hier mit Marie eBauer, L. des
Drehermeiſters Georg Bauer hier.
Geſtorbene. Am 23. September: EmmaeWittmann,
T. des Mechanikers Georg Wittmann, 1 T. Margareta
e Treuſch, geb. Renkel. Witwe des Förſters Georg Ludwig
Treuſch. 57 J., ev. Am 24.: Eliſe Berta Wilhelmine
Johannette Katharina Franziska Emilie Agnes e Weber,
geb. Heumann, Ehefrau des Rentners Ludwig Weber,
50 J., ev. Dienſtknecht Lorenz e Zeika, 43 J., kath.
Am 25.: Philipp e Stein. S. des Kaufmanns Johanne
Ludwig Stein, 13 J., ev. Verkäuferin Johanna Magdalon=

[ ][  ][ ]

Seite 28.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1903.

Aummer 332.

0 Götz, 19 J., ev. Dienſtknecht Karle Seibert, 17 J., ev.
Fabrikarbeiter Martin e Seifried, 19 J., ev. Am 26.:
Rentner Heinrich Joſef Wilhelm eRau, 58 J., kath.
Kaufmann Wolf e Strauß, 69 J., iſr. Weichenſteller
Heinriche Sulzmann, 47 J., ev. Am 27.: Willy Otto
Karl-Morlock, S. des Wirts Jakob Friedrich Morlock,
1 J., ev. Am 25.: Franz Anton Auguſt=Schäfer, S. des
Dienſtmanns und Scherenſchleifers Anton Schäfer,
3 M., kath. Am 27.: Dienſtbote Marie-Mottauſch, 22 J.,
kath. Hausdiener Reinhold Hermann=Radke, 31 J., ev.
Am 28.: Zimmermann AdameKörner, 25 J., ev. Am 29.
Johann Konrad e Geiß, S. des Dachdeckers Johann
Konrad Geiß, 5 M., ev. Am 28. Privatin Katharine
Philippine e Drach, 62 J., ev. Am 30.: Eliſabethe
2 Schneider, geb. Becker, Witwe des Fouragemeiſters
Johannes Schneider, 76 J., ev.
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.
Geborene. Am 13. September: Dem Büreau=Aſſiſtent
Franz Joſepb Rudolph=Eck ein S., Johannes. Dem
Ingenieur Dr. Philippe Völker ein S. Hans Helmut
Philipp. Am 14.. Dem Proviantamts=Aſſiſtent Robert
Max Friedrich ChriſtianeRohde ein S. Johannes Fried=
rich
. Am 15.- Dem Großh. Geometer 11. Klaſſe Heinrich
Rolshaußen eine T. Clara. Am 16.: Dem Fahrburſchen
Philippe Spieß ein S. Philipp Jakob. Dem Großh.
Miniſterialſekretär Forſtmeiſter Cornelius Friedrich Gun=
trum
eine T. Johanna Cornelia. Am 18. Dem Großh.
Regierungsaſſeſſor Dr. Franz Julius-Michel ein S.
Am 20.: Dem Buchdrucker Auguſt Martin= Böhm eine
T., Anna Emma. Am 21.: Dem Großh. Hochbauauf=
ſeher
Georg Ernſt Ludwig=Geyer eine T. Eliſabeth.
Am 22.. Dem Schreinermeiſter Hugo OttooWalther ein
S., Hugo. Am 23. Dem Krankenwärter Ludwig Rein=
hardeBoßler
ein S., Heinrich. Dem Oktroiaufſeher Wil=
helme
Zart ein S., Wilhelm. Dem Sergeant im Feld=
Art.=Regt. Nr. 25 Heinriche Heger eine T. Auguſte. Am
25.: Dem Fabrikarbeiter Arnolde Devers eine T., Auguſte.
Dem Dekorationsmaler Johann Otto-Seelbach ein S.,
Georg Otto. Dem Schreiner David=Wild ein S.,
Chriſtian Friedrich. Dem Geheimen Finanzrat Dr. jur.
Paul Friedrich=Götz ein S. Alfred Mar Paul Franzen.
Aufgebotene. Der Rentner Dr. Paul Friedrich
Wolfskehl und Suſanna Margarete Mariee Frölich da=
hier
, L. des verſtorb. Großh. Heſſ. Oberzollinſpektors,
Steuerrat Auguſt Philipp Wilhelm Chriſtian Heinrich
Frölich. Der Schuhmacher Jakob=Schäfer und Maria
e Kleinſchmidt dahier, T. des verſtorb. Taglöhners Georg
Kleinſchmidt. Der Zimmermann Antone Kropp und
Helene-Weinmann dahier. L. des Privatiers Michael
Weinmann III. dahier. Der Schuhmacher Gregorius
Balthaſere Fuhry dahier und Luiſe Chriſtine= Antritter
zu Durlach, L. des verſtorb. Schuhmachers Karl Antritter.
Der Heizer JakobeMangold zu Frankfurt a. M. und
Marie CarolineeEberhard dahier, L. des Maſchinen=
arbeiters
Georg Nikolaus Eberhardt. Der Maſchiniſt am
ſtädt. Elektrizitätswerk Peter GeorgoRapp dahier und
Suſanne Magdalenee Zöller zu Sindringen, L. des
Landwirts Georg Michael Zöller daſelbſt. Der In=
genieur
Heinrich PetereBecker zu Frankfurt a. M. und
Katharina Frey dahier, T. des verſtorb. Gaſtwirts Lud=
wig
Frey.
Eheſchließungen. Am 19. September: Der Kamm=
macher
Johannes= Landfried und Anna Luiſe=Stiefel
dahier. L. des verſtorb. Schriftſetzers Friedrich Stiefel.
Am 20.: Der Schriftſetzer Karl Ernſt=Bauer mit Bertha
= Leißler dahier, T. des Taglöhners Johannes Leißler.
Der Taglöhner Johann Adame Geyer mit Sophie
o Rudhard dahier, T. des verſtorbenen Schreiners Martin
Rudhard. Am 24.: Der Metallarbeiter Nikolauso Thal=
heimer
mit SuſannaeDietz dahier, L. des Schreiners
Philipp Dietz. Am 26.. Der Kaufmann Karl Friedrich
Auguſte Roſt mit Katharina Friederike=Prier dahier,
L. des verſtorbenen Kaufmanns Georg Friedrich Prier.
Der Finanzaſpirant Georg Chriſtian Franz=Sattler mit
Anna Katharina-Schneider dahier, L. des Kiesgruben=
beſitzers
und Stadtverordneten Heinrich Schneider II.
Am 27. Der Weißbinder Heinrich eEigenbrodt mit
Anna KatharinaeReuter dahier, L. des verſtorbenen
Steinhauers Leonhard Reuter.
Geſtorbene. Am 22. September=Wilhelmine=Dörr,
ledig, 22 J. alt, ev. Am 23.. Ernſt WilhelmeRößler,
S. des Schloſſers Ernſt Wilhelm Rößler, 3 M. alt, kath.
Am 24.: Heinrich Boßler, S. des Krankenwärters Ludwig
Reinhard Boßler, 1 T. alt, ev. Marianne-Mulot, geb.
Frank, Witwe des Pfarrers i. P. Oskar Mulot, 72 J.
alt, ev. Am 25.: Ein unehel. S., Georg Auguſt, 1 M.
alt, ev. Dem Schaffner Johannes-Mößer eine totgeb.
T. Ferdinand MartineStrickert, 14 J. alt, ev. Am 26.
Der Fabrikarbeiter Michael=Fiſcher, 64 J. alt, ev. Am
29: Georg Philipp= Matthes. S. des Packers Konrad
Matthes, 1 J. alt, ev.

ſEinberuſung des Reichstags.
Ein Beſchluß über die Einberufung des Reichs=
tags
liegt bisher nicht vor. Für ganz unwahr=
ſcheinlich
gilt die Einberufung auf einen Termin
vor dem 6. Dezember. So merkwürdig es klingen
mag, ſpielt dabei die ſtaatsrechtliche Frage, ob der
alte, 1898er Reichstag ſchon vor dem 6. Dezember
tot iſt oder nicht, keine ganz unbedeutende Rolle.
Die ſtaatsrechtlichen Vertrauensleute des Reiches
ſtehen auf dem Standpunkt, daß es ſeit dem 20.
Juni d. J., d. h. ſeit der amtlichen Feſtſtellung des
Reſultats der Neuwahlen, einen Deutſchen Reichstag
- bis zur Eröffnung des neuen - nicht mehr gibt;
in einzelnen Bundesſtaaten dagegen iſt man der
Ueberzeugung, daß der alte Reichstag bis zum
5. Dezember d. J. - am 6. Dezember 1898 trat
er zum erſten Male zuſammen - im Vollbeſitze
ſeiner Rechte ſei, und daß man ihn erſt auflöſen
müſſe, wenn man den neuen vor dem 6. Dezember
einberufen wolle. Da es bisher nicht gelungen iſt,
vielleicht auch an der Neigung gefehlt hat, in nicht
anfechtbarer Weiſe eine Entſcheidung des Streit=
falles
herbeizuführen, iſt der Beginn der neuen
Legislaturperiode kaum vor dem 6. Dezember
zu erwarten.
Zur Lage in Ungarn.
Das ungariſche Regierungsblatt,Magyar Rem=
zet
veröffentlicht einen Leitartikel, welcher außer
über die Demiſſion des Miniſterpräſi=
denten
Khuen auch noch über die Motive dieſes
Rücktrittes ſich äußert. Der Artikel hebt hervor, daß

Graf Khuen die an ihn gerichtete Aufforderung, ſich
über die Erklärungen des öſterreichiſchen Miniſter=
präſidenten
Dr. v. Körber zu äußern, loyal und in
konſtitutionellem Geiſte honoriert, habe. Streng
formgerecht habe eine Niederſtimmung der Regierung
gar nicht ſtattgefunden. Wenn troßdem Graf Khuen
aus der Abſtimmung die äußerſten Konſequenzen ge=
zogen
habe, ſo ſpreche das für einen außerordentlich
konſtitutionellen und parlamentariſchen Sinn und
liefere nur ein Zeugnis mehr dafür, daß Graf Khuen
ſeine konſtitutionelle Verantwortlichkeit aufs ſtrengſte
interpretiere und vollſtändig von dem Geiſte der Ver=
faſſungsmäßigkeit
durchdrungen ſei. Der Artikel
ſchließt mit folgenden Worten: Mit den heutigen
Vorfällen iſt die ohnehin beinahe endlos ver=
wickelte
Lage, um eine neue Komplikation
ſchwieriger geworden. Wie ſich die Verhältniſſe
weiter entwickeln, das kann nur der liebe Gott
wiſſen. Jedenfalls bedarf es der äußerſten An=
ſtrengung
der nüchternen und gemäßigten Faktoren,
um trotßz der bedenkenerregenden Symptome der Kriſe
die Entwirrung zu ſuchen und zu finden.
Der König nahm das Entlaſſungs=
geſuch
des Grafen Khuen noch nicht an
ſondern behielt ſich die Entſcheidung bis zur Abreiſe
des Zaren aus Wien vor. Graf Khuen iſt erſt für
den 5. Oktober zum Könige berufen. Die allgemeine
Ueberzeugung geht dahin, daß man endlich zu poli=
tiſchen
Machtmitteln greifen müſſe, weil
auf friedlichem Wege der Oppoſition nicht beizu=
kommen
iſt und jetzt die Anarchie auch ſchon inner=
halb
der liberalen Partei tagtäglich immer mehr die
Oberhand gewinnt. In politiſchen Kreiſen hält man
Szell für den einzigen Mann, dem es gelingen
könnte, den Frieden herzuſtellen. Szell erklärte je=
doch
, daß er die Kabinettsbildung keinesfalls über=
nehmen
würde, da mit der liberalen Partei nicht
regiert werden könne und er grundſätzlich gegen eine
Auflöſung im Ex ler Zuſtand ſei.
Deutſches Reich.
- Unter der Aufſchrift Handelspoli=
tiſches
ſchreibt die Südd. Reichskorr. in einer
Polemik gegen die =Frankf. 3tg.- Wenn auch der
künftige deutſch=ſchweizeriſche Handels=
vertrag
im Vergleich mit dem geltenden voraus=
ſichtlich
dem Inhalt nach nicht allzuviel Neues ent=
halten
dürfte, ſo wird doch formell das Ergebnis
der Unterhandlungen ein neuer Vertrag ſein, der
als ſolcher behandelt werden muß. Einſtweilen
ſollen für das Vertragswerk mit der Schweiz erſt
die Vorbeſprechungen eröffnet werden. Dieſe werden
am 9. Oktober beginnen und zwar, wie neuerdings
verlautet, in Berlin. Bei Anwendung der in den
beſtehenden Handelsverträgen enthaltenen Kündigungs=
klauſel
glauben die beteiligten Staaten im allge=
meinen
ihren Intereſſen durch Wahrung der freien
Hand, am beſten zu dienen. Eine Zuſage, nicht
kündigen zu wollen, iſt unſeres Wiſſens von
keiner Macht einer anderen erteilt worden. Nach
dem jüngſten Beſuch des Reichskanzlers in Wien
tauchten Andeutungen auf, als habe ſich hierin et=
was
geändert. Dieſe Vermutungen ſind aber nicht
begründet.
Profeſſor Theodor Mommſen veröffentlicht,
wie aus London berichtet wird, in der neuen ſogial=
politiſchen
Independent Review= einen Aufruf in
deutſcher und engliſcher Sprache, der die gegenſeitige
Verhetzung ſcharf verdammt und ein beſſeres Ein=
vernehmen
zwiſchen Deutſchland und England
warm befürwortet. Dieſer Grundzweck wird in
weiteſten deutſchen Kreiſen gern Zuſtimmung finden,
auch in ſolchen, welche der Anſicht ſind, daß dem
Politiker Mommſen nicht die gleiche, überaus hohe
Bedeutung zukommt, wie dem Gelehrten Mommſen,
der vorzugsweiſe in der Vergangenheit lebt und den
klaren Blick für die Gegenwart darüber oft verloren
hat. Noch vor kurzem hat er das Bündnis aller
Liberalen mit der Sozialdemokratie gepredigt. Im
Lichte des Dresdener Parteitages nimmt ſich dieſe
Anſicht beſonders ſeltſam aus. Auch in ſenem jetzigen
Briefe verteilt Mommſen Licht und Schatten nicht
ganz gerecht. Eine ſo allgemeine, andauernde und
ſyſtematiſch gehäſſige Verhetzung, wie ſie ſeitens der
engliſchen Preſſe gegen Deutſchland ſtattgefunden, iſt
der deutſchen Seite nicht vorzuwerfen. Und doch
geht Mommſen mit dem deutſchen Chauvinismus
viel ſchärfer ins Gericht als mit dem engliſchen.
Im ganzen iſt zu befürchten, daß Momimſens Kund=
gebung
in England ihren Zweck verfehlt. Denn ſie
iſt geeignet, mit ihren einſeitigen Entſchuldigungen
uns bei den Engländern über Gebühr ins Unrecht
zu ſetzen und den Eindruck der Schwäche zu machen.
Der Vorwärts veröffentlicht eine Zuſchrift
des Reichstagsabgeordneten Göhre vom 1. Oktober,
wonach derſelbe durch ein Schreiben an das Bureau
des Reichstags und an den ſogialdemokratiſchen
Parteivorſtand ſein Mandat zum Reichstage
niederlegt, und dies mit dem Mißtrauen, dem
er ſeit Jahren in den Parteikreiſen begegne, nament=
lich
mit den auf den Berliner Parteiverſammlungen
vom 29. September gegen ihn gerichteten Angriffen
begründet. Göhre iſt bei der letzten Wahl im Wahl=
kreis
Mittweida (Königreich Sachſen) zum erſtenmale
gewählt worden. Er war bekanntlich früher Pfarrer,
iſt dann von den Evangeliſch=Sozialen und National=
Sozialen zu den Sozialdemokraten gekommen. Das

Mißtrauen; der ſozialdemokratiſchen Genoſſen ſcheint
alſo nicht ſo ganz unbegründet zu ſein. Bebel hat
ihn auf dem Parteitag in Dresden als ſolchen be=
zeichnet
, der kein Ehrgefühl beſäße; auf ihn bezog
ſich auch das Wort vom hergelaufenen Akademikers.
Auch ſeine Schrift Wie ich Sozialdemokrat wurde=
iſt
auf dem Parteitag verhöhnt worden. Man ſieht
hieraus, wie die Sozialdemokratie Ueberläufer
behandelt.
Ausland.
- In der Rede, die der engliſche Premier=
miniſter
Balfour in der Zuſammenkunft des
Landesverbandes der konſervativen Vereinigungen
in Sheffield hielt, führte er aus:
Die Frage der Tarifreform ſei in hervor=
ſtechender
Weiſe in den Vordergrund getreten, infolge
des wechſelnden Umſchlages unter Leuten von ver=
ſchiedener
Anſchauung. Die von Chamberlain gehaltene
Rede würde die von ihr ausgeübte Wirkung nicht ge=
habt
haben, wenn ſie nicht auf einen durch die Verhält=
niſſe
dafür vorbereiteten Boden gefallen wäre. Die Be=
drohung
Kanadas darum, weil es England Vorzugs=
behandlung
zugeſtanden habe, habe England, ſeine
Hilfloſigkeit zum Vewußtſein gebracht. Tarifangriffen
könnte allein durch Tarifantworten begegnet werden.
Balfour fuhr fort, der Freihandel ſei ein leerer
Name, eine eitle Farce. Cobden habe ſich niemals etwas
von einem modernen Truſtſyſtem träumen laſſen, das
unter dem Schußzollweſen aufgerichtet ſei, das dem eng=
liſchen
Kapital wie den engliſchen Arbeitern Schaden zu=
gefügt
habe. Für den gegenwärtigen Stand der Dinge
wiſſe er kein Heilmittel, wohl aber wiſſe er ein Palliativ=
mittel
. Eine Nation, die ſich ihrer Macht, zu verhandeln,
beraube, könne nicht gute Geſchäfte machen! Er verlange
von dem Lande, daß es der Regierung Freiheit, zu unter=
handeln
, gebe. Er glaube nicht, daß das Land zur Ein=
führung
der Nahrungsmittelbeſteuerung bereit ſei. Im
weiteren Verlaufe ſeiner Rede führt Balfour aus: Bei
dem gegenwärtigen Stande der öffentlichen Meinung
ſei eine Lebensmittelbeſteuerung nicht inner=
halb
der Grenzen der praktiſchen Politik gelegen. Damit
ſpäter niemand ſagen könne, daß er unklar geredet habe,
ſage er, daß er den handelspolitiſchen Zuſtand der beiden
letzten Jahrzehnte zu ändern wünſche. Er wünſche, den
Schaden zu mildern, der England durch feindliche Tarife
angetan ſei. Sein Heilmittel werde kein vollſtändiges
ſein, ſelbſt wenn es in ſeinem ganzen Umfange verſucht
würde - und es könne nicht in ſeinem ganzen Umfange
verſucht werden, weil das Land eine Nahrungsmittel=
beſteuerung
nicht dulden werde. Er ſei aufgefordert, die
Führung zu übernehmen, und als Leiter der Partei be=
abſichtige
er, ſie zu führen.
DerStampa' zufolge wird ſich die ſerbiſche
Skupſchtina in der laufenden Tagung mit der Er=
ledigung
des Budgets, mit den Ereigniſſen am
11. Juni und deren Folgen, mit den Vorgän=
gen
in Niſch, der Wahl eines neuen Staats=
rats
und der Bewilligung von Nachtragskrediten zu
beſchäftigen haben. In der erſten Sitzung ſoll, dem
genannten Blatt zufolge, die Wahl des Präſidiums
erfolgen, das ſodann dem Könige Bericht über die
parlamentariſche Lage erſtatten werde. Nach der
Konſtituierung des neuen Kabinetts erfolgt die feier=
liche
Eröffnung der Skupſchtina durch eine Thron=
rede
des Königs.
Dem Staatsdepartement in Waſhington ging
die Nachricht zu, Prinz Tſching ſei feſt entſchloſſen,
ſeine Zuſtimmung zu verweigern zu jeder Bedingung,
die Rußland für den Aufſchub in der Räumung
der Mandſchurei vorſchlagen ſollte und die ſich
ſchädlich erwieſe für die chineſiſchen Souveränitäts=
rechte
oder die Rechte anderer Nationen. China be=
ſtehe
darauf, daß Rußland, das die feſte Verſicherung
gab, die Mandſchurei bis zum 8. Oktober zu räumen,
ſeinem Verſprechen nachkomme, ohne weitere Forde=
rungen
zu ſtellen.

Köln, 1. Okt. Bei herrlichem Wetter trafen heute
mittag das Großherzogspaar und der Erb=
großherzog
von Baden zur Teilnahme an der
Feier der Enthüllung der Denkmäler Kaiſer
Friedrichs und der Kaiſerin Auguſta ein. Als
Vertreter des Kaiſers kam aus Bonn der Kronprinz.
Nach Begrüßung durch die Spitzen der Behörden fuhren
der Kronprins und die badiſchen Herrſchaften mit Ge=
folge
um drei Uhr durch die mit Flaggen und Guir=
landen
geſchmückten Straßen nach dem Kaiſer=Wilhelm=
Ring zur Enthüllung des Kaiſerin Auguſta=Denkmals,
wo bereits die Mitglieder des Denkmalsausſchuſſes, die
Stadtverordneten, der Oberpräſident, der Regierungs=
präſident
, Kardinal Fiſcher, Weihbiſchof Müller und
Oberbürgermeiſter Becker ſich eingefunden hatten. Mit
einer poetiſchen Anſprache überreichte eine Ehrenjungfrau
der Großherzogin einen Blumenſtrauß. Oberburger=
meiſter
Becker hielt die Weiherede, in der er der
Verdienſte der verewigten Kaiſerin um den Abſchluß der
Genfer Konvention und um die Gründung des preu=
biſchen
Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und
erkrankter Krieger gedachte. Auf das Zeichen des Kron=
prinzen
fiel die Hülle des aus weißem Marmor von den
Bildhauern Stockmann und Dorrenbach geſchaffenen,
von Blumenbuketts umgebenen Denkmals. Als erſter
legte der Kronprinz einen Kranz nieder, es folgten die
badiſchen Herrſchaften und die Vereine. Während die
Kapelle der Deutzer Küraſſiere ſpielte, wurde das Denk=
mal
beſichtigt. Nach der Enthüllung des Kaiſerin
Auguſta=Denlmals begaben ſich die allerhöchſten Herr=
ſchaften
, von Deutzer Küraſſieren eskortiert, nach dem
Kaiſer Friedrichufer zur Enthüllung des Denkmals
Kaiſer Friedrichs. An der Feier nahmen teil der Ober=
präſident
Naſſe, Landeshauptmann Renvers, die Ober=
bürgermeiſter
von Düſſeldorf und Aachen, der Bonner
Univerſitätsrektor Zitelmann, Kardinal Fiſcher, den der
Kronprinz einlud, im Fürſtenzelt Platz zu nehmen, Weih=
biſchof
Müller uſw. Nach dem Vortrag des Kölner
Männergeſangvereins Die Himmel rühmen des Ewigen
Ehrei hielt Oberbürgermeiſter Becker die Feſtrede.
Der Kronprinz legte im Auftrage des Kaiſers einen
prachtvollen, Kranz von Marſchall Niel=Roſen
nieder, ebenſo das Großherzogspaar und der
Erbgroßherzog von Baden, ſowie verſchiedene Korpo=
rationen
. Die Herrſchaften beſichtigten darauf ein=
gehend
das Denkmal, das Kaiſer Friedrich im Sattel

[ ][  ][ ]

W232.
Samstag, den 3. Oktober.
1903.

ſitzend darſtellt, den Blick nach dem Rheinſtrom gerichtet.
Der Kronprins und das Großherzogpaar zogen ins Ge=
ſpräch
den Bildhauer Breuer, den Schöpfer des Denk=
mals
, und den Regierungsbaumeiſter Moritz. der den
Rundbau gefertigt hat. Mit dem Vortrag des Nieder=
ländiſchen
Dankgebets durch den Männergeſangverein
ſchloß die erhebende Feier. Nach dem Vorbeimarſch der
Ehrenkompagnie begaben ſich die hohen Herrſchaften mit
Gefolge unter begeiſterten Hochrufen der Menge nach
dem Gürzenich, wo ein Prunkmahl ſtattfand. Ober=
bürgermeiſter
Becker dankte den erſchienenen hohen
Herrſchaften und ſprach ſeine Freude darüber aus, den
Erben der Krone bei der hohen Feſtfeier anweſend zu
ſehen. Redner begrüßte den Großherzog, den treuen und
großen Mitkämpfer Kaiſer Wilhelms L. um die Einheit
und Größe Deutſchlands, die Großherzogin und den
Erbgroßherzog. Der Kronprinz erwiderte, es ſei ihm
ein großes Herzensbedürfnis, für die ihm geſagten war=
men
Worte zu danken; erſei ſich der großen Auszeichnung
wohl bewußt, die ihm durch den Auftrag ſeines Vaters,
der ihn zur Vertretung hierhergeſandt, zu teil geworden.
Anderſeits erfülle ihn mit aufrichtiger Genugtuung und
herzlicher Freude der Gedanke, an der Stätte wieder
weilen zu dürfen, wo er als fröhlicher Student in der
Mitte der Bürger geweſen. Die ganzen Gefühle, die er
in dieſem Augenblick für die Stadt Köln und den Ober=
bürgermeiſter
perſönlich hege, faſſe er zuſammen in den
Ruf: Alaaf Köln! Der Großherzog von Baden
hielt eine Anſprache, worin er in ſeinem und der Groß=
herzogin
Namen den herzlichſten Dank für die Einladung
zu der ſchönen Feier und die liebevolle Begrüßung aus=
ſprach
. die ihnen beiden bei ihren innigen Beziehungen
zu den heute Geehrten ſehr wohlgetan habe. Der Groß=
herzog
erinnerte daran, was Kaiſer Wilhelm in der Zert,
da er in der Rheinprovinz tätig war, Bedeutungsvolles
geſchaffen habe. Die Erinnerung daran werde in der
Provinz ſtets fortleben. In ſeiner Tätigkeit habe ihn
die Kaiſerin Auguſta unterſtützt, und was die Kaiſerin
Auguſta für die Rheinprovinz getan, welchen Dank ihr
die Provinz für ihr wohltätiges Wirken und alles. was
ſie zum Wohle des Vaterlandes unternommen, ſchulde,
ſei heute am Denkmal in ſchönſter Weiſe hervorgehoben
worden. Im gleichen nationalen Geiſte ſei Kaiſer Fried=
rich
erzogen und von Kaiſer Wilhelm geleitet worden.
Es ſei unvergleichlich, aber auch vorbildlich geweſen, vor=
bildlich
in jeder Beziehung. Auch ihm dieſen Dank zu
bringen, ſei eine ſchöne herrliche Gabe der Stadt Köln.
Der Großherzog ſchloß mit einem Hoch auf das Deutſche
Reich.
Einen glänzenden Abſchluß der Feſtlichkeiten bildete
eine künſtleriſch vollendete Aufführung in dem prüchtig
illuminierten neuen Stadttheater vor einem ge=
ladenen
Publikum. Die Feſtvorſtellung wurde durch den
von Ernſt v. Wildenbruch gedichteten Prolog: Zwei
Denkmälers eingeleitet. Nach Schluß der Vorſtellung er=
hob
ſich das Publikum zu einer Ovation für die hohen
Gäſte. Der Kronprinz fuhr vom Theater nach dem
Bahnhofe, um Köln wieder zu verlaſſen, während der
Großherzog und die Großherzogin von Baden ſich ins
Hotel zurück begaben.
Köln. 1. Okt. Köln hat nunmehr auch ſeinen
Aersteſtreik. Sämtliche Kaſſenärzte verlangen ein
Mindeſthonorar von 3 Mark pro Mitglied und Jahr,
mit der Beſtimmung, daß Beſchwerden nur durch eine
Kommiſſion, die aus Aerzten und Kaſſenvorſtänden
unter der Leitung eines unparteiiſchen Vorſitzenden be=
ſteht
, erlaubt werden können. Außerdem verlangen ſie
freie Aerztewahl. Nachdem die Kaſſenvorſtände das
Verlangen der Aerzte abgewieſen haben, haben ſämtliche
Aerzte ihre Kündigung eingereicht.
Ueber den Aufenthalt des Zaren in
Mürzſteg kommen wenig Mitteilungen an die Oeffent=
lichkeit
. Die diplomatiſchen Konſerenzen zwiſchen den
Grafen Goluchowsky und Lambsdorff haben am
Donnerstag nachmittag begonnen. Beide Miniſter
konferierten mehrere Stunden miteinander. Viel be=
ſprochen
wurde der Umſtand, daß Kaiſer Frang Joſof
und der Zar ſich frühzeitig zurückzogen und den ganzen
Abend allein beiſammen waren. Die Frankf. 3tg.
meldet unter dem 1. Oktober: Die heutige Hofjagd lie=
ferte
ein den Vorbereitungen wenig entſprechendes Ergeb=
nis
. Von ſämtlichen 21 Jägern wurden bei 300 Schüſſen
63 Gemſen und 1 Hirſch erlegt und mehrere Stücke an=
geſchoſſen
. Der Zar bewährte ſich als guter Schütze, da
er 9 Gemſen erlegte. Kaiſer Franz Joſef erlegte zwei
Böcke und eine Geiß. Erzherzog Franz Ferdinand 15
Gemſen. Das geringe Reſultat iſt vorwiegend auf den
herrſchenden Wind zurückzuführen, der dem Wild die
Witterung zutrug. Abends war Diner im Jagdſchloß.
Dann folgte eine Beſichtigung der Strecke bei Fackel=
beleuchtung
.

1 New=York. 1. Okt. Zur Jahrhundertfeier von
Chicago ſprach Prinz Heinrich telegraphiſch dem
Bürgermeiſter Harriſon ſeinen herzlichſten Dank für die
ihm zugegangene Einladung und die beſten Glückwünſche
zu den Feſtlichkeiten aus. Er wünſchte der ſchönen
Stadt Chicago Erfolg und Wohlſtand für die Zukunft.
Bürgermeiſter Harriſon ſtattete ſofort ſeinen Dank für
die Glückwünſche ab.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 3. Oktober.
- Se. Königl. Hoheit der Großeherzog haben den
Oberlehrer an dem Ludwig Georgs=Gymnaſium zu
Darmſtadt, Profeſſor Dr. Heinrich Schopp auf ſein
Nachſuchen, unter Anerkennung ſeiner langjährigen treuen
Dienſte in den Ruheſtand verſetzt und demſelben aus
dieſem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
- Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den außerordentlichen Profeſſor bei der
juriſtiſchen Fakultät der Univerſität Leipzig Dr. jur. Paul
Kretſchmar mit Wirkung vom 16. Oktober an zum
außerordentlichen Profeſſor bei der juriſtiſchen Fakultät
der Landesuniverſität Gießen, den Oberlehrer an dem
Realoymnaſium und, der Oberrealſchule zu Mainz,.
Profeſſor Karl Stoltz, zum Oberlehrer an dem Ludwig!
Georgs=Gymnaſium zu Darmſtadt, den Pfarrer Otto
Gros aus Zohenheim zum Oberlehrer an dem Gym=
naſium
und an der Oberrealſchule zu Worms.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der Bahn=
wärter
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Auguſt Schulz zu Büches auf ſein Nachſuchen.
Die Allerhöchſten Herrſchaften fuhren, am
Donnerstag mit Automobil von Jagdſchloß Wolfsgarten
hierher zurück.
Ihre Majeſtät die Kaiſerin und Se. Königl. Hoheit
der Großherzog beſuchten geſtern die Geſchäfte von G.
Zann, Ludwigsplatz, das Magazin kunſtgewerblicher
Erzeugniſſe von Karl Rittershaus, die Möbelfabrik von
Glückert und die Darmſtädter Möbelfabrik und Kunſt=
ſalon
und machten dort Einkäufe.
5 Ihre Königl. Hoheiten Prinz und Prinzeſſin
Heinrich von Preuſen trafen geſtern vormittag mit
dem fahrplanmäßigen Zug um 10 Uhr 4 Min. von Kiel
hier ein und wurden am Bahnhof von Sr. Durchl. dem
Prinzen Ludwig von Battenberg und Prinzeſſin=Tochter
Alice empfangen. Außerdem waren anweſend der
preußiſche Geſandte Prinz Hohenlohe und Gemahlin,
ſowie die oberſten Hofchargen. Prinz Heinrich trug
Marineuniform. In Begleitung befinden ſich die Hof=
dame
Frl. v. Schwichow und Kapitän 3. S. Schmidt
von Schwindt. Die hohen Gäſte ſtiegen im Alten
Palais bei den Prinzlich Battenbergiſchen Herrſchaften
ab. Dort wurden ſie von Ihrer Majeſtät der Kaiſerin
von Rußland und Sr. Königl. Hoheit dem Großherzoo
bewillkommnet.
- Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 25.
enthält: 1. Ueberſicht der von Großh. Miniſterium des
Innern für das Rechnungsjahr 1903104 genehmigten Um=
lagen
zur Beſtreitung von Kommunalbedürfniſſen der
israelitiſchen Religionsgemeinden des Kreiſes Dieburg.-
2. Namensveränderung. - 3. Dienſtnachrichten. - 4. Ruhe=
ſtandsverſehungen
. - 5. Konkurrenzeröffnungen.
6. Sterbefälle.
) Großherzogliches Muſeum. Zur Feier des
100. Geburtstages von Ludwig Nichter hat das Kupfer=
ſtich
=Kabinett des Großh. Muſeums eine Ausſtellung von
Holzſchnitten und Radierungen des Meiſters veranſtaltet.
L. Das Schſourgericht beſchloß geſtern ſeine Ver=
handlungen
mit der Strafſache gegen die Taglöhner
Eduard Rückert und Adam Heiligenthal von Seligen=
ſtadt
wegen Sittlichkeitsverbrechens. Erſterer
ſoll ſich der Tat am 9. Auguſt der Ehefrau des letzteren
gegenüber ſchuldig gemacht und Heiligenthal ihm dabei
Beiſtand geleiſtet haben. Selbſtverſtändlich wurde die
Sache unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit verhandelt.
Dieſelbe endigte mit der Verurteilung beider Angeklagten.
Gegen Rückert wurden 2 Jahre 3 Monate Zucht=
haus
, von welchen 1 Monat durch die Unterſuchungs=
haft
verbüßt iſt, und gegen Heiligenthai 4 Jahre
Zuchthaus erkannt. Beiden Verurteilten wurden die
bürgerlichen Ehrenrechte auf 8 Jahre aberkannt. Die
Verurteilten traten die Strafe an.

L, Vor der Strafkammer ſtand der Metzger Herz
Reichelsheimer von Reichelsheim wegen Vergehens
wider das Nahrungsmittelgeſetz. Derſelbe
ſoll am 16. April in Reichelsheim und Fürth verdorbene
Nahrungsmittel, nämlich tuberkulöſes Fleiſch, in den Ver=
kehr
gebracht haben. Der Angeklagte, der ſeit 1877 viele
Perſonen in Fürth, Rimbach, Lindenfels ꝛc. mit Fleiſch

verſieht. verkaufte am angegebenen Tag dem Metzger
Peter Schmitt 11. in Fürth 12 Pfund Fleiſch und Lunge
und Geſchlinge. Der Käufer nahm die Ware und legte
ſie in die Wuͤrſtküche. Als er andern Tages die Ware
verarbeiten wollte, bemerkte er, daß die Lunge voll Tuberkeln
war. Da Reichelsheimer auf erhobene Beanſtandung
nicht reagierte, wurde dem Kreisveterinärarzt Dr. Nuß
Anzeige gemacht, der die Tuberkuloſe ebenfalls feſtſtellte
Der Sachverſtändige, Dr. Lehr dahier, bemerkte außer=
dem
, daß es ſich im Fragefall um ein geſundheitsſchäd=
liches
Nahrungsmittel handele. Reichelsheimer wurde
daher angeklagt, behauptete jedoch unausgeſetzt, daß er
nur ſchönes Fleiſch geliefert habe. Er habe am 14. und
15. April zwei Kühe geſchlachtet, die rein und klar waren.
Letzteres wurde auch von dem Schlächter und Fleiſch=
beſchauer
von Reichelsheim beſtätigt mit dem Hinzufügen,
daß ein weiteres Stück Vieh von dem Angeklagten da=
mals
nicht geſchlachtet wurde. Der Staatsanwalt er=
achtete
den Angeklagten für überführt und beantragte
2 Monate Gefängnis das Gericht hielt den Fall
aber nicht für hinreichend aufgeklärt, um eine Verurteilung
vorzunehmen und ſprach den Reichelsheimer frei.
9 Nachdem ſich die Vornahme der letzten Reichs=
tagswahl
im ſtädtiſchen Saalbau durchaus bewährt und
den Beifall des Publikums gefunden hat, dürfte wohl
auch die für Donnerstag. 15. d. Mts. bevorſtehende
Landtagswahl in dieſem Gebäude abgehalten werden.
- Wie aus dem Anzeigeteil dieſes Blattes zu er=
ſehen
iſt, wird zur Feier der Grundſteinlegung der
St. Eliſabethenkirche, die Sonntag. 4. d. Mts. erfolgt,
des Abends um 8 Uhr im großen Saale des Geſellen=
vereins
(Friedrichſtr. 30) eine Feſtverſammlung abgehalten.
An dieſer Feſtverſammlung werden auch die Herren
Domdekan Dr. Raich von Mainz und P. Bonaventura
Krotz aus Berlin teilnehmen. Letzterer wird nicht bloß
bei der Feier der Grundſteinlegung, ſondern auch bei dem
des Vormittags um ¼10 Uhr in der Pfarrkirche von
St. Ludwig ſtattfindenden Hochamt die Predigt halten.
- Das Darmſtädter Streichquartett veröffent=
licht
in heutiger Nummer dieſes Blattes ſein 4 Abende
Umfaſſendes Winterprogramm. Viel des in=
tereſſanten
und wertvollen wird ſowohl durch die Aus=
wahl
der zur Wiedergabe gelangenden Werke als auch
durch die mitwirkenden Künſtler geboten. Schon der erſte
am 2. November ſtattfindende Abend dürfte durch die
aktive Beteiligung des Prinzen Reuß Heinrich XXIV.,
einer in den muſikaliſchen Kreiſen von Leipzig und
Dresden wohlbekannten und hochgeſchätzten Künſtler=
Verſönlichkeit, beſondere Anziehungskraft ausüben. Der
hohe Herr wird, gemeinſchaftlich mit, den Herren
Quartettiſten Mehmel, Spohr, Senff und Weyns ſein
OP. 15, ein im vergangenen Winter in Dresden vom
Komponiſten im Verein mit dem Lewinger=Quartett zu
erfolgreicher Aufführung gebrachtes Klavier=Quintett
interpretieren. Aus dem reichen Inhalte der beabſichtigten
Darbietungen ſei noch hervorgehoben. daß am 3. Abend
eine hochbegabte hieſige junge Dame von ihrem Lehrer
in das öffentliche Kunſtleben eingeführt werden wird.
Die Namen Jduna Walter=Choinanus, Karl Friedberg
und Aug. Köhler haben hier längſt einen ſo guten Klang.
daß es keiner weiteren Lobesworte über ihre bedeutende
Künſtlerſchaft bedarf. Abonnements=Bedingungen, ſowie
die genaue Angabe der aufzuführenden Werke ſind aus
der in heutiger Nummer befindlichen Anzeige erſichtlich.
k Der Zweigverein Darmſtadt des Heſſiſchen
Lechtvereins Waiſenſchutz; veranſtaltet, morgen,
Sonntag. 4. Oktober, abends 7 Uhr beginnend, im
Konkordiaſaalel einen Familienabend. Das dieſem
Abend zu Grunde gelegte Programm beſteht im weſent=
lichen
aus lebenden Vildern, Geſangsſolis, humoriſtiſchen
Vorträgen und einem Theaterſtück. Letzteres, ein Luſt=
ſpiel
in drei Aufzügen, verſpricht zufolge guter Beſetzung
der einzelnen Rollen verherrliht durch prachtvolle
Koſtüme, einen recht intereſſanten Teil des Abends zu
bilden. An vorerwähntes reichhaltiges Programm reiht
ſich wie üblich noch ein Tans an. Näheres ſiehe Anzeige.
Von der Kunſtanſtalt von Lautz & Valzar= Darm=
ſtadt
iſt anläßlich der bevorſtehenden Feſtlichkeiten eine
Reihe neuer Auſichtspoſtkarten herausgegeben worden,
welche wohlgelungene Porträts des hohen Brautpaares,
ferner Porträts der Zarenfamilie und Sr. Königl. Hoheit
des Großherzogs und der Prinzeſſin Eliſabeth bringen,
auch iſt die Ausgabe einer Poſtkarte mit ſämtlichen Por=
träts
Ihrer Majeſtät der Kaiſerin von ihrem 14. Lebens=
jahre
an in Vorbereitung.
2 Auf den in heutiger Nummer erſchienenen Auf=
ruf
der Ortsgruppe Daruſtadt des Alldeutſchen
Verbandes ſei hiermit hingewieſen. Wohl die meiſten
unſerer Leſer werden in ihrem Bücherſchrank entbehrliche
Bücher haben, durch deren Stiftung ſie der nationalen
Sache einen guten Dienſt erweiſen können.

Großherzogliches Hoftheater.
Donnerstag, 1. Oktober.
Der Pfarrer von Kirchfeldo
W.l. Anzengrubers Schauſpiel Der Pfarrer von
Kirchfeld gehört zu den beſten Volksſtücken, die in
deutſcher Sprache geſchrieben worden ſind; denn es nennt
ſich beſcheiden ein Volksſtück, welche Bezeichnung in
dieſem Fall aber als ein Ehrentitel anzuſehen iſt. Mit
der pathetiſchen Behandlung des hochtragiſchen Konfliktes
zwiſchen Pflicht und Gefühl, eines Konfliktes, der zu den
ewigen der Menſchheitgehört, vereinigt es in bewunderns=
werter
Weiſe eine Volkstümlichkeit des Empfindens, der
Sprache und der Schilderung. die als geradezu meiſter=
haft
zu bezeichnen iſt. Der ſtarke Eindruck, den es auf
das Zuſchauerpublikum macht, iſt nicht etwa auf das
Konto der Rührſeligkeit zu ſchreiben, ſondern beruht
in dem natürlichen und geſunden Empfindungs= und
Ausdrucksvermögen des Dichters, der in der Volksſeele
geleſen hat und auf dem Boden des realen Lebensſteht.
In der Darſtellung, der Titelrolle, legte Herr
Hacker, der ſie übrigens nicht zum erſtenmale ſpielte,
ein hohes Maß künſtleriſchen Taktes und ſchauſpieleriſcher
Kunſt an den Tag, ſo daß er jedes hohle Pathos und
alles äußerlich Theatraliſche, zu denen die Rolle leicht
verführt, mit Geſchick und Glück vermied und ſie ganz im
Sinne des Dichters mit hohem Ernſt und vertiefter,
lebenswahrer Charakteriſtik durchführte. Eine geradezu
als vorbildlich zu bezeichnende Leiſtung, iſt Herrn
WagnersWurzelſeppi eine echte, rechte, dem Dichter
abgelauſchte Figur aus dem Volke, echt in der Sprache
und echt in der Darſtellung, eine Leiſtung, die ihn: ſo
leicht niemand nachmachen wird. Frl. Ziegler ſpielte
heute zum erſtenmale die Nolle der =Anna Birkmeier=
War das Dirndl aus St. Jacob; anfangs auch wohl
mit etwas zu harten Konturen gezeichnet, ſo hatte ihre

darſtellung doch ſo viele Lichtſeiten und war von einer
ſolchen Gewandtheit und Sicherheit des Spiels getragen,
daß der Eindruck im ganzen ein erfreulicher war und
dementſprechend der erwünſchte Erfolg nicht ausblieb.
Die übrigen Rollen, mit Ausnahme der beiden
kleineren, von den Herren Gräffner und Kroczak
geſpielten Rollen des Thalmüller= und des Hannsl
waren in früherer Weiſe und gut beſetzt. Beſonders
lobend zu erwähnen ſind der, Graf von Finſterbers=
des
Herrn Friedrich, der Schulmeiſters des Herrn
Knispel, die Brigittel des Frl. Denkbauſen und
der Michl Verndorfers des Herrn Kreidemann.
Die Schluhrede des Pfarrers war gekürzt, und im
Gegenſatz zu früheren Aufführungen waren u. a. die Worte
Ichgehe! Ich gehe hin. wie Luther einſt nach Worms=
geſtrichen
. Den ganzen Charakter und die Grundtenden
des Stückes kann man damit aber nicht ändern oder
verwiſchen, und es ſind deshalb dieſe Streichungen nicht
recht verſtändlich.

Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Vom Wagnermuſeumin Eiſenach. Wenn
ſich in dieſen Tagen die Gedanken der Verehrer
R. Wagners nach Verlin wenden, wo das Denkmal des
Meiſters enthüllt iſt, ſo erinnert man ſich wohl gerne
auch der Stätte, wo dankbare Ehrfurcht dem Genins des
großen Tondichters einen Reliquienſchrein ohne gleichen
geſchaffen, hat. Der Oeſterreicher Nikolaus Oeſterlein
hatte kein Opfer geſcheut, um alle nur denkbaren Wagner=
Materialien zu einer großen Schaßkammer zu vereinigen.
Seinen Vemühungen dankt der Grundſtock des jetzigen
Wagnermuſeums ſeine Entſtehung. und ſeiner Selbſt=
loſigkeit
, ſowie dem Opfermute begeiſterter Wagnerianer,
an ihrer Spitze dem Verliner Kommerzienrat Leichner,
iſt das deutſche Volk dafür verpflichtet, daß der unſchätz=

are Hort unſerm Vaterlande erhalten ward trotz aller
ockungen des amerikaniſchen Dollars. Die viele tauſend
tummern zählende Sammlung iſt ein lebendiger Katalog,
in Rieſenlexikon, das dem flüchtigen Wanderer, wie dem
iebevollen Forſcher Belehrung gewährt. Eine ſchier
ndloſe Anzahl, Medaillons und Püſten des
Reiſters, unter denen die von Fr. Schaper in
ebensgröße ausgeführte durch lebensvolle Aohnlich=
eit
hervorragt, feſſeln zunächſt im Hanptraum den
Zlick. Zahlreiche Bilder Wagners, die ihn in den verſchie=
enſten
Lebensaltern, im Freundes= und Familienkreiſe
arſtellen, ſchauen von den Wänden, herab. Auch das
lte Tafelklavier ſeines Lehrers Weinlich iſt noch vor=
anden
, auf dem Lagner ſeine erſten Studien machte,
aneben der Stammbaum de= Wagnerſchen Hauſes,
erner Bilder von Vorfahren und Verwardten. Inmitten
er Räume und an den Wänden ſind, in Schaukäſten
ie wertvollſten Erinnerungsſtücke ausgeſtellt, ſo einige
riginalwerke, erſte Drucke, Manuſkripte u. ſ. w, dar=
nter
die Nienzipartitur mit eigenhändigen Korrekluren
15 Meiſters. Ferner befinden ſich hier Briefe geiſtiger
Norpphäen, Autographen mit ſinnigen Sprüchen jeder
Irt, ein Taktierſtock, den R. Wanner bei den erſten Auf=
ührungen
in Bayreuth benutzt hat. Auch die von Liſst
ſtrumentierte eigenhändig geſchriebene Tannhäuſer=
Juvertüre hat hier ihren Plaß gefunden. Das daran=
oßende
Zimmer iſt dem Andenken der Wagner nahe=
ehenden
Freunde gewidmet, ſo vor allem Franz Liſst,
ans v. Vülow und dem Könige Ludwig II. von
zayern. Wieder ein anderer Naum enthält Erinnerungen
n Bayreuth und den Glanz der dortigen Feſtſpiele. Zu=
neiſt
vorzügliche, den Nibelungenring illuſtrierende
ilder, ſowie Bildniſſe der berühmteſten Darſteller
von Niemann, v. Betz, H. Vogl, von Frau Materna,
Loſa Sucher u. a. rufen zum Toil wehmütige Er=
mnerungen
wach. Sgenen aus dem Parſifal ſind

[ ][  ][ ]

Seite 30.

Darnſtadter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktoher 1903.

Nummer 232.

Immobilienverkauf. Die Altdeutſche Wein=
ſtube
zum Rodenſteiner: Herrn Martin Röhrich ge=
hörend
, ging für M. 135000 in den Beſitz des Herrn Geſchichte in allen Dingen unſere Lehrmeiſterin und daß
Reſtgurateur Ph. Rath hier über.
4 Städtiſche Leſe= und Biicherhalle. Während des
Monats Ceptembei wurde die Leſehalle im ganzen von
2805 lim September 1902 von 2144) Perſonen beſucht,
durchſchnittlich an jedem Tage von 935. Aus der Bücher=
halle
nach Hauſe entliehen wurden im ganzen 4159 Bände
[1902: 2013 darunter 2154 wiſſenſchaftliche und belehrende
Werke. Die Zahl der ſeit dem 1. April d. J. einge=
ſchriebenen
Leſer'ſtieg auf 1810. - An Büchergeſchenken
gingen in dieſem Monat weiter ein: Von Herrn Ellen=
ſtein
4 Bände, von Frl. S. von Follenius 44 Bände und
mehrere Jahrgänge Zeitſchriften, aus dem Nachlaß des
verſtorbenen Frl. L. Frey 115 Bände, von Herrn Dr. mod.
Hüffel 56 Bände, von Herrn Kaufmann A. Kleber ein
Prachtbilderwerk, von Herrn Rechnungsrat Merck 4 Bände,
von Herrn Dr. A. Pfungſt in Frankfurt a. M. 2 von
ihm verfaßte Werke, von Frl. Neukirch 8 Bände und eine
Anzahl Zeitſchriften, aus dem Nachlaß des verſtorbenen
Freiherrn Friedrich von Schaumberg 196 Vände, von
Herrn Hotelbeſitzer Wiener 4 Jahrgänge Zeitſchriften.
Allen Gebern herzlichen Dank! Weitere Schenkungen von
Büchern, ſoweit ſie nicht veraltet, ſind willkommen.
9 Die nun zu Ende gegangene Herbſtmeſſe hat der
Stadtkaſſe an Plaßzgeld rund 8400 Mk. eingebracht, ein
Betrag, der vorher von einer Meſſe noch nicht erzielt
worden iſt. Was das Ergebnis der Meſſe anbelaugt, ſo
war dasſelbe bei den Warenverkaufsſtänden troß der
geradezu beiſpiellos ſchönen Witterung nicht durch=
weg
befriedigend. während der Juxplatz und die
Waffelbuden im allgemeinen ein befriedigendes Geſchäft
gemacht haben.
8i Polizeibericht. Donnerstag Abend gegen 6½ Uhr
war ein Taglöhner am weſtlichen fer des Woogs auf
einer Treppe in ſelbſtmörderiſcher Abſicht in das
Waſſer gegangen. Er wurde durch den Sohn des
Woogspächters an ſeinem Vorhaben gehindert und
dem Poligei=Revier zugeführt, von wo aus er in das
ſtädtiſche Krankenhaus verbracht worden iſt.
5 Unglücksfall. Geſtern vormittag nach 10 Uhr, als
die Hofwagen den Bahnhof verlaſſen hatten, wollte ein
von auswärts kommender Metzger vor dem Bahnhof
der Main=Neckar=Bahn zwiſchen dem dort haltenden
Wagen der elektriſchen Bahn und einem leeren Wagen
der Firma Conrad Appel hindurchfahren. Dabei blieb
das Pferd an einem Haken des letztgenannten Wagens
hängen und riß ſich ganze Fleiſchſtücke und die Haut
vom Leibe herunter, ſo daß letztere in großen Fehzen herunter=
hing
und das Blut herabrann. Der Anblick des armen
Tieres erregte allgemeines Mitleid. Es iſt anzunehmen.
daß es alsbald getötet worden iſt.
Worms, 10. Okt. Geſtern wurde die Nebenbahn
Worms-Herrnsheim -Abenheim- Gund=
heim
feierlich eröffnet. Gegen 10 Uhr verſammelten ſich
am Bahnhofe in Worms die Herren Miniſterialräte
Ewald und Braun, Eiſenbahndirektoren Schoberth und
Weiß, Kreisrat Dr. Kayſer, Oberbürgermeiſter Köhler
von Worms, Wormſer Stadtverordnete und eine große
Zahl anderer geladener Gäſte, um die Feſtfahrt auf der
neuen Strecke zu veranſtalten. Auf der herrlich gezierten
erſten Station Herrnsheim wurde der mit Girlanden
u. ſ. w. geſchmuckte Zug von Feſtjungfrauen und der
Bevölkerung mit Jubel begrüßt. Nach Darreichung eines
Ehrentrunkes hielt Herr Bürgermeiſter Mahler eine An=
ſprache
, die in einem Hoch auf den Großherzog endete.
Herr Miniſterialrat Ewald erwiderte namens der Großh.
Staatsregierung; ſein Hoch galt der Gemeinde Herrns=
heim
. In Abenheim wurde der Zug ebenfalls von
der Gemeindevertretung und der geſamten Bevölke=
rung
empfangen. Herr Bürgermeiſter Schreiber hielt eine
Rede, in welcher er der Fürſorge der Großh. Staats=
regierung
für die Landbevölkerung gedachte. Herr
Miniſterialrat Braun dankte namens der Regierung für
die Anerkennung. In Gundheim vollzog ſich der
gleiche feſtliche Empfang. Nach Einnahme eines Ehren=
trunkes
beſtiegen ſämtliche Ehrengäſte den Zug, um einer
freundlichen Einladung des Freiherrn Heyl z
Herrnsheim nach dem Schloſſe in Herrnsheim
zu folgen. Herr Miniſterialrat Braun ergriff hier
das Wort zu einer Anſprache, in welcher er, der
Worm. 3tg. zufolge, etwa folgendes ausführte:
Auf der Rückreiſe von der Endſtation Gundheim
ſei geſagt worden, daß hier in Herrnsheim keine
Reden gehalten, würden; ich beabſichtige, auch
keine Rede, wohl aber, mich zum Sprecher Aller zu machen,
wenn ich ein kurzes Wort des Dankes ſage fuͤr die hier
gebotene Gaſtfreundſchaft, wozu ich auch das Einverſtänd=
nis
der Anweſenden erhoffe: Mit Flammenſchrift lehrte
uns die Geſchichte der Stadt Worms, was es heißt, dem
Auslande gegenüber ohnmächtig zu ſein; auf der anderen
Seite zeigten uns die rauchenden Schlote der Induſtrie,
was Bürgerfleiß zu Stande zu bringen vermöchte. Auch
die Fahrt durch das Bahngelände zeigte uns heute, was

fleißige Arbeit dem heimiſchen Boden abzuringen vermag.
Wenſ wir dies bedenken und wenn es richkig, daß die
ſcheint es als bodenwüchſig und bodenſtändig. daß der
verehrte Gaſtgeber in ſeinem Auftreten in der Oeffentlich=
keit
ſich ſo gebe, wie er iſt. Schutz der nationalen Arbeit
nach Außen, Ausgleich der Intereſſenverſchiedenheit zwiſchen
Stadt und Land, Verſöhnung der unvermeidlichen Gegen=
ſäße
zwiſchen Beſiß und Arbeit: dieſe drei Geſichtspunkte
beſtimmten die Tätigkeit des Freiherrn von Hehl im
öffentlichen Leben und erſchienen zugleich als die Nicht=
ſteine
ſeines Wirkens. Er ſei ein Mann, der in konſe=
ein
hervorragendes Beiſpiel geweſen, ein Mann, der aber auf 1600000 Mk.: dabei iſt der Wert zugrunde gelegt,
auch darin lehrhaft geweſen iſt für Viele, die es wohl=
meinen
mit dem Voike, und auch für die, welche an der
Regierung teilhaben und wenn ich es ſagen darf, bin ich Wilhelm III. vom Jahre 1819 eine wichtige Rolle. In
auch einer von dieſen. Wenn heute von der Tätigkeit
der Großh. Regierung geſprochen worden ſei, ſo erwahne
nicht Männer vorhanden, die die gleichen Ziele verfolgten:
1 Schutz der nationalen Arbeit nach Außen, freie Bahn für
jede Entwickelung im Innern und verſöhnender Ausgleich
ſogialen Verſchiedenheiten. Redner ſchloß mit einem
Auf die Rede des Herrn Miniſterialrats Braun er=
widerte
Freiherr v. Heyl in längeren, oft von Veifall äußerung des Königs habe. Dieſer Auffaſſung iſt das
unterbrochenen Ausführungen. Er betonte, daß ſchon Gericht in erſter Inſtanz beigetreten.- In der Kaiſer=
der
feſtliche Empfang des erſten Zuges die Notwendig=
keit
und Bedeutung der neuen Strecke jedem klar vor
Augen geführt hätte. Die Fahrt durch das reiche,
prächtige Gartenland hätte einen Ueberblick über die ge= worden.
ſegneten Fluren gewährt, welche ſeit Jahrhunderten von
einer fleißigen, intelligenten Bevölkerung als Grundlage l eingetroffen. Prins Eitel Friedrichtrat bald darauf
ihres Erwerbes bearbeitet würden. Mit raſtloſem Fleiß die Reiſe nach Kreuth an.
habe die Kraft der Bevölkerung aus dieſer geſegneten
Arbeit, auch nach ſchweren Schickſalsſchlägen, immer neue lung gegen den Direktor der Trebergeſellſchaft Schmidt
Nahrung genommen. Aber auch die ſchönen Reden
unſerer; Bürgermeiſter, die reigenden Kinder und
die fröhliche Menge, welche den Zug begrüßten, hätten
den Eindruck vertieft, daß das reiche Leben in unſeren Denkmal eine Sitzung ab. Als Aufſtellungsplätz für
Landorten die gewährte Verbeſſerung der Verkehrswege
beanſpruchen konnte. Er ſei ſtolz darauf, in den Worten gegenüberliegende Platz an der Rudolf v. Vennigſen=
des
Herrn Miniſterialrats Braun eine, wenn auch weit ſtraße gedacht. Für das Denkmal iſt in erſter Linie eine
über Verdienſt gehende Anerkennung ſeines öffentlichen
Wirkens gefunden zu haben. Er müſſe eine um ſo
größere Genugtuung hierüber empfinden, als in keinem
Bundesſtaat des Reichs die Bevölkerung ſo ſehr mit führen. Die ſämtlichen Koſten für das Denkmal ein=
auch
bemüht, die Parteigegenſäße zu mildern, um ge=
meinſam
mit dem Lande die wirtſchaͤftlichen und ſozial=
politiſchen
Aufgaben verwirklichen zu können, deren
Löſung uns allen am Herzen liege. Als Reichstags=
abgeordneter
des Kreiſes könne er die Regierung in allen
dieſen Beſtrebungen nur aus vollſter Ueberzeugung füguſig ſteht.
unterſtützen, wie dies ſicher auch bei allen Anweſenden
und den denſelben naheſtehenden Kreiſen der Fall ſei.
Sein Hoch gelte der Großherzoglichen Regierung und
Mann, welcher durch ſeine ſegensreiche Tätigkeit und
produktive Arbeitskraft weſentlich dazu beitrage, die
lebendigen Beziehungen zwiſchen Regierung und Land
heim warteten zwei bekränzte Vahnzüge, um die Feſt=
gäſte
nach Worms und Abenheim=Gündheim zurück=
Zubefördern. Die ganze Einweihungsfeier hatte den
ſchönſten Verlauf genommen und wird allen Teilnehmern
in beſter Erinnerung bleiben.
1
1
Reich und Ausland.
1
Enthüllung des Wagner=Denkmals gab es Konferenz in Wien. 8. Auflöſung des Parlaments der
heute abend im Wintergarten ein Feſtmahl mit 600 Kapkolonie. 11. Der Kölner Aerztetag. 13. Enthüllung
Teilnehmern. Der Kaiſer war vertreten durch den
Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen. Prinz Friedrich
Heinrich eröffnete die Feier mit dem Laiſertoaſte und
feierte Wagier, der Hers und Gemüt zugleich erbaue. eingetroffen. 17. Chamberlain, Ritchie und Hamilton
Kommerzienrat Leichner hielt die Feſtrede. Kultus=
miniſter
Dr. Studt führte aus, in der Errichtung des
Denkmals und der heutigen Feier liege nicht nur eine
Chrung Wagners, ſondern etwas alle Völker ohne
Unterſchied mit einander Verbindendes. Er ſchloß mit Danzig. 22. Stapellauf des kleinen Kreugers Verlin.
einem Hoch auf die Auslandgäſte. Bei dem Feſtmahl
ſprachen ferner Cheramy=Frankreich über Das Volks=
verbindende
in Wagners Weſen:, San Maktino=Italien betraut. 23. Das Oberkriegsgericht erkennt gegen den
über die Anerkennung, die Wagner in Italien gefunden.
Savory=England über die deutſche Nationz Payne=
Amerika, der dem Namen Wagners Anerkennung zollte.
Hoch auf Leichner aus, Jordan bedauerte die Abweſen=
heit
der Familie Wagner. Es folgten dann Geſangs= präſident Graf Khuen=Hedervary gibt ſeine Demiſſion.
vorträge. - Auf die geſtrige Vekanntmachung der

Direktion der Allgem. Berliner Omnibus= Geſell=
ſchaft
haben ſich bis heute früh noch 60 bis 70 frühere
Angeſtellte mit mindeſtens 10jähriger Dienſtzeit gemeldet,
der Menſch ein Produkt ſeiner Umgebung iſt, dann er= die wieder eingeſtellt wurden. Von den Ausſtändigen
mit früherer fünfjähriger Dienſtzeit hat ſich ebenfaͤlls
eine größere Anzahl gemeldet, die vorgemerkt wurden
und bei Bedarf wieder eingeſtellt werden ſollen. - In
dem Prozeß der Univerſität gegen die
Stadt Verlin ſteht zum November Termiſt vor dem
Kammergericht an. Bekanntlich iſt der Streit dadurch
entſtanden, daß die Univerſität eine Entſchädigung für
das Gelände gefordert hat, das auf der Weſtſeite des
Kaſtanienwäldchens von der Straßenbahn durchquert
quenter Verfolgung der genannten Ziele als Vorkämpfer wird. Die Höhe des eingeklagten Betrages beläuft ſich
den das Bauland in dortiger Gegend beſitzt. In dieſem
Progeß ſpielt eine Kabinettsordre des Königs Friedrich
ihr wird ausgeſprochen, daß das Kaſtanienwäldchen als
öffentlicher Park betrachtet und dem Publikum zur Be=
er
, daß keine Regierung etwas zu leiſten vermöge, wenn nutzung überlaſſen werden ſoll. Danach würden auch
die dort durchgehenden Wege der Allgemeinheit gehören,
und die Stadt wäre ohne weiteres berechtigt geweſen,
der Straßenbahn=Geſellſchaft das Belegen der Wege mit
der Gegenſätze zwiſchen Stadt und Land, ſowie der ) Schienen zu geſtatten. Die Univerſität beſtreilet aber
die geſetzliche Kraft dieſer Ordre mit der Begründung.
Hoch auf Freiherrn von Heyl und deſſen Haus. es hätte ſie kein Miniſter gegengezeichnet, ſo daß das
Dokument lediglich den Werkleiner privaten Willens=
inſelr
=Angelegenheit iſt ein neuer Termin zur
Hauptverhandlung gegen die Redakteure des,Vorwärts:
Leid und Kaliskil, auf den. 16. Oktober anberaumt
Wildpark, 1. Okt. Die Kaiſerin iſt abends hier
Kaſſel, 1. Okt. Die Reviſionsverhand=
findet
am 16. Oktober in Leipzig ſtatk.
Hannover, 1. Okt. Am heutigen Sonntag hält der
geſchäftsführende Ausſchuß für das Bennigſen=
das
Denkmal iſt der dem Provinzialmuſeum in Hannover
Brinnenanlage in Ausſicht genommen, wobei das Por=
trät
des Verewigten in hervorragender Form anzubringen
iſt. Die gange Anlage iſt in Granit und Bronse anszu=
ihrer
Regierung verwachſen ſei als m Heſſen. Sie ſei ſchließlich aller ſich ergebenden Aufſtellungsloſten laus=
ſchließlich
Fundierungskoſten) dürfen die Summe von
80000 Mk. nicht überſchreiten. Die bisher angemeldeten
Beiträge für den Denkmalsfonds belaufen ſich auf
97390 Mk., die Geſamtausgaben bisher auf 5530 Mk.,
ſodaß zur Zeit eine Sumne von 91860 Mk. zur Ver=
Aachen, 2. Okt. Die Spielbank in Alten=
berg
kann definitiv als geſchloſſen betrachtet werden.
Das Klublokal wurde heute fortgeſetzt von preußiſchen
Herrn Miniſterialrat Braun als deren Vektreter, dem und belgiſchen Gendarmen bewacht. Von den Spielern
iſt faſt niemand mehr hier. Heute und geſtern wurde
nicht geſpielt.
Hamburg, 2. Okt. Nach der heute veröffentlichten
zu fördern und zu befeſtigen. Am Bahnhofe Herrns= Statiſtik ſind in den Stürmen im Auguſt 64 Segel=
ſchiffe
und 26 Dampfſchiffe vollſtändig verloren gegangen,
daruͤnter 2 deutſche. 389 Schiffe ſind durch Unfälle be=
ſchädigt
worden, darunter 29 deutſche.
k Chrouik des Monats September. 1. Der Kaiſer
in Dresden. 2. Eröffnung des Dresdener Städtetags.-
Enthüllung des Lübecker Bismarckdenkmals. Reden
König Georgs und des Kaiſers in Dresden. 4. Ge=
neralmuſikdirektor
Hermann Zumpe in München 7. 5. Auf=
Aus der Reichshaubtſtadt, 1. Okt. Anläßlich der löſung der bulgariſchen Sobranje. 7. Interparlamentariſche
eines Denkmals für den Hiſtoriker Ernſt Renan; Rede
des Miniſterpräſidenten Combes. 15. Eröſſnung der
Generalſtaaten im Haag. 16. Fürſt Ferdinand in Sofia
treten aus dem engliſchen Kabinett aus. 18. Kaiſer
Wilhelm in Wien. - Stapellauf des neuen Linienſchifſes
Heſſenv. 19. Der ſogialdemokratiſche Parteitag in Dresden.
21. Enthüllung eines Denkmals Kaiſer Wilhelms I. in
Der bisherige ungariſche Miniſterpräſident Graf Khuen=
Hedervary wird aufs neue mit der Bildung eines Kabinetts
Fähnrich zur See Hüſſener auf zwei Jahre Feſtung.
25. Das ruſſiſche Kaiſerpaar trifft in Darmſtadt ein.
27. Einweihung des Jahn=Muſeums in Freyburg a. d.
Poſſart brachte ein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Unſtruth. 29. Rudolf Falb f. Die Sängerin Marie
Geiſtinger in Klagenfurt f. Der ungariſche Miniſter=
30. Die deutſche Städteausſtellung in Dresden wird ge=

von hervorragender Schönheit. In einem, kleinern
Zimmer begegnen wir allerlei Erinnerungen an Wagners
Tod; ſo ſehen wir ſeine Totenmaske, Bilder vom
Sterbehaus in Venedig, vom Leichenbegängniſſe, von
der letzten Ruheſtätte. Noch wertvoller als alle ge=
nannten
Reliquien, iſt die großartige Bibliothek, die
außer Originalwerken und Ueberſetzungen, in die ſich
R. Wagner mit regem Eifer vertiefte, überhaupt die um=
fangreichſte
Sammlung von Schriften über Wagners
Werdegang und ſeine Werke enthält. Neben feindſeligen,
ſelbſt gehäſſigen Kritiken, wie ſie den Gewaltigen von
Anfang an auf Schritt und Tritt verfolgten, findet ſich
da eine eberfülle begeiſterter, im Jubelton der Ver=
gückung
aufiauchzender, Huldigungen in Druck und
Schrifk. Und damit auch das Alltägliche nicht fehlt,
denn auch R. Wagner hatte, unt mit Shylock zu reden,
Hände, Gliedmaßen, Sinne und Leidenſchaften - wir
lernen hier auch die Bedürfniſſe des Lebenskünſtlers
Wagner aus allerlei kleinen Zetteln, Rechnungen von
Gevätter Schneider und Handſchuhmacher kennen. Die
Verwaltung dieſer Schäße iſt ſachkundiger Hand an=
vertraut
. Seit des unvergeßlichen erſten Hüters, Joſeph
Nürſchners, Tode hat bis zum November des ver=
gangenen
Jahres der Wartburgkommandant Major
v. Cranach, als Ehrennitglied des Vorſtandes, die lau=
ſonden
Geſchäfte verwaltet. Später wählte der Ge=
meinderat
der Stadt Eiſenach den Chefredakteur Philipp
Kühner zum Direktor des Muſeums, von deſſen Vor=
ſtand
dann vor einigen Wochen der Schriftſteller K. E.
Buhmann in Eiſenach, der Herausgeber der Wartburg=
ſſimmens
, zum Hüter der Bibliothek ernannt worden iſt.
leber den geſamten Inhalt geben zwei mächtige Kataloge
alle wünſchenswerte Auskunft; die wiſſenſchaftliche Be=
nutzung
des Muſeums ſoll künftig jedem fachmänniſchen
Forſcher ermöglicht werden. (Köln. 3t9.)
(MarieGeiſtingerſ. Wieſchon kurs gemeldet,
iſt die berühmte Operettenſängerin, nachdem ſie vor
kurzem ſchon fälſchlich totgeſagt worden war, Dienstag

nacht im 71. ſnicht 68.) Lebensjahre geſtorben. Ein
Schauſpielerkind, wurde Marie Geiſtinger 1833 zu Graz
geboren, debutierte als ſiebenzehnjähriger Backfiſch in
München auf der Bühne des Schwaiger=Theaters, kam
1854 nach Berlin, 1856 nach Hamburg,. 1859 nach Riga,
1863 wieder nach Verlin und trat vor 38 Jahren, am
18. März 1865, zum erſtenmal in Wien auf. Sie wurde
augenblicklich der Liebling des Wiener Publikums, das
zuerſt die ſchöne Helena von ihr ſah und nicht müde
wurde, dieſe zarte, frivole, falſche und anmutig ver= in Blättern, die ſich auf ihre vorahnende Kenntnis in
führeriſche Offenb ch=Griechin immer wieder und wieder
zu ſehen. Sie war die erſte Großherzogin, die erſte
Roſalinde und war auch in AnzengrubersPfarrer von
Kirchfeldu die erſte Birkmaier=Annerl, wie ſie des Dichters
Erfolge auf dem Gebiet des Volksſtücks und der Operette
ging ſie ſchließlich, von vielen Seiten angeregt, zum
ernſten Schauſpiel über, ſtudierte mit Dr. Auguſt Förſter
und ward 1876 von Laube im Stadttheater als Eliſabeth
im Grafen Eſſexl auf die Bühne geſtellt. Der Erfolg
blieb ihr treu. Sie ſpielte die Kameliendamen die mal wurde die Krinoline aus der geſitteten Welt'ſchon
Sapphol, die Beatrice in Viel Lärm um nichts: denn
ihre Begabung reichte von Offenbach bis Shakeſpeare.
Im Jahre 1880 begab ſich Marie Geiſtinger auf eine
Tournse nach Amerika. Ihr Gaſtſpiel war von großem
künſtleriſchen und materiellen Erfolg begleitet. Sie
ſpielte zuſammen sasmal in 26 Städten der Union in
44 verſchiedenen Nollen. 3½ Jahre blieb ſie in Amerika.
Nach ihrer Rückkehr gaſtierte ſie wieder ausſchließlich als
Soubrette in zahlreichen deutſchen Städten, bis ſie ſich
gezwungen ſah. von der Bühne abzutreten. Seither
lebte ſie zurückgezogen und leidend auf ihrer Beſitzung
bei Klagenfurt und im Gedächtnis all derer, die den
Glanz der Operette, die fröhlichſte Theaterzeit miterlebten. Krinoline iſt auf dem Marſchel Vertugadel hieß das
1 München, 1. Okt. In teilweiſer Abänderung
der Miniſterialverordnung vom 18. September 190f
wurde genehmigt, daß vom Winterſemeſter 1903-04 an

weibliche Studierende, welche das Reifezeugnis
eines deutſchen humaniſtiſchen Gymnaſiums oder Real=
gyninaſiums
beſitzen, zur Immatrikulation an bayeriſchen
Aniverſitäten nach 8 4 der Sahungen für Studierende
an bayeriſchen Univerſitäten zugelaſſen werden.

Kleines Feuilleton.
Die Krinoline: Schon vor Wochen laſen wir
Modeſachen etwas zugute tun, ſchüchterne mißbilligende
Aeußerungen über eine beſondere Umgeſtaltung der
Frauentracht, deren Ziele uns damals noch unklar blieben.
Jetzt verſtehen wir alles - es handelte ſich um die
erſte Horlacherlies geweſen. Trotz ihrer beiſpielloſen Krinoline. Nün ertönen plötzlich von allen Seiten Ver=
zweiflungsſchreie
. Hilfe! Hilfe! Sie kommt, die Krino=
line
, der Reifrock, der Gehkorb, das Drahtgeſtell, der
weibliche Luftballon, die Käſeglocke, ſie komimt! Die
Pariſer Modewillesl Der Wiener ,N. Fr. Pr.
wird über das bevorſtehende Unglück geſchrieben: Drei=
hinausgeworfen
, dreimal ging ſie unter allgemeinem
Hohne, geſchimpft, geſchmäht, verachtet, mit Recht elend
3ugrunde. Dreimal wurde laut verkündet, nun ſei ſie
endgültig tot und ſtünde nie wieder auf - und ſie kam
immer wieder. Zum viertenmal ſteht ſie heute am
Horigont. Wie immer, klingen auch diesmal die erſten
Nachrichten ganz harmlos. Man ſpricht nur ſchüchtern
und beſcheiden von Draht und Fiſchbein, die den Röcken
Haltung geben ſollen, und von dem beſonderen Vorteil,
Um die Mitte der 80er Jahre inſolge eines Augenleidens den die Taille bei der neuen Mode haben wird. Fragt
man die Schneider und Schneiderinnen, ſo zucken ſie ge=
heimnisvoll
die Achſeln, tröſten wohl die Erſchreckten,
wagen aber nicht, offen zu beſtreiten. Kein Zweifel, die
Ungeheuer bei ſeinem erſten Auftreten,Panier' bei ſeinem
zweiten, Krinoliner bei ſeinem dritten Erdengang, wie
wird es jetzt heißen? Ein Kulturgeſchichtler hat einmal

[ ][  ][ ]

Rummer 232.

Darmpädter Tagölait, Tamslag, den 3. Okiober

ſchloſſen. - Eröffnung der Dampffährenverbindung
Warnemünde-Giedſer. - Der Zar trifft in Wien ein.

Der Darmſtädter Hof.
4 Der Darmſtädter Hofu iſt mit Beginn dieſes
Momts eingegangen, und mit ſeinem Abbruch, der Mitte
dieſes Monats erfolgen ſoll, wird wieder ein Stück Alt=
Darmſtadt von der Bildfläche verſchwinden. Der Darm=
ſtädter
Hofu in ſeiner jetzigen Geſtalt ſtammt etwa aus
dem Anfang des vorigen Jahrhunderts, zu welcher Zeit
mehrere eingelne Häuſer zu einem Ganzen vereinigt wurden.
Im Jahre 1808 wurde das Grundſtück von dem früheren
Oberbürgermeiſter Wiener für ſeinen Sohn Louis, den
Vater des letzten Beſitzers, für 35 000 Gulden von Wießner
gekauft. Im Jahre 1838 wurde der Darmſtädter Hofl=
wegen
Krankheit des Beſitzers verpachtet und im Jahre
1858 in heruntergekommenem Zuſtand von dem letzten
Beſitzer, Herrn Ludwig Wiener, übernommen, der ihn
auf die Höhe eines Hotels 1. Ranges erhob.
In den zwanziger Jahren diente das Saalgebäude
dem Gottesdienſt der katholiſchen Gemeinde; der auf dem
Gebäude damals befindliche Glockenturm wurde ſpäter
abgetragen. Abbildungen aus dieſer Zeit mit dem Turm
exiſtieren noch. Nach Erbauung eines eigenen Gottes=
hauſes
für die katholiſche Gemeinde wurde der Saal
wieder der Benützung für Feſtlichkeiten übergeben. 1848
befand ſich dort das Hauptquartier der Bürgerwehr.
In Ermangelung eines anderen Raumes fand dort uuch
das Schwurgericht längere Zeit Aufnahme. In den 60er
Jahren wurde dort das erſte St. Barbarafeſt gefeiert
und der erſte Ball der Judengemeinde unter dem Vorſitz
von Herz Hachenburger, abgehalten. Nachdem, im
Jahre 1870 der Juſtizpalaſt erbaut worden, wurde der
Saal wieder ſeiner früheren Veſtimmung übergeben.
1872 fand dort das erſte Feſtmahl zu Kaiſers Geburtstag
ſtatt; ſeitdem blieb der Saal in ununterbrochener Weiſe
für Hochzeiten, Feſte und Zweckeſſen, Verſammlungen
Vorträge ꝛc. ein beliebtes Lokal, insbeſondere wurden
dort auch die landwirtſchaftlichen Verſammlungen ab=
gehalten
.
Wie man ſieht, hat der Darmſtädter Hof ſeine
Geſchichte. Daß ſein jetziges Bild der Zukunft verloren
gehen werde, iſt ja in unſerer photographiewütigen Zeit
nicht zu befürchten.
95 Jahre im Beſitz der Familie Wiener und 45
Jahre von dem letzten Beſitzer, Herrn Ludwig Wiener,
in umſichtiger und erfolgreichſter Weiſe geleitet, erfreute
ſich das Hotel ſtets eines hervorragenden Renommees
und hat viele, viele Darmſtädter und zwei bis drei
Generationen während der jaſt 100 Jahre ſeines Be=
ſtehens
in ſeinen Räumen aus= und eingehen ſehen. Ein
moderner Prachtbau wird an die Stelle des jetzigen, allen
Darmſtädtern ans Herz gewachſenen, noch das Gepräge
Alt=Darmſtadts tragenden gemütlichen Baues treten.
Vielleicht wird dort auch ein neuer Darmſtädter Hof=
entſtehen
; denn die Firma iſt an die jetzigen Beſitzer des
Grundſtücks mitverkauft, aber es wird dann ein modernes
mit allem Komfort der Neugeit ausgeſtattetes; Hotel
ſein, das die Signatur einer neuen, anſpruchsvolleren
und verwöhnteren, aber deshalb nicht glücklicheren Zeit
tragen wird.
16. Generalverſammlung des evangeliſchen Bundes.
1lm, 1. Oktober.
Am zweiten Verſammlungstage fand zunächſt im
Saalbau eine geſchloſſene Mitglieder=Verſammlung ſtatt,
an die ſich die Verſammlung der Delegierten ſchloß.
Abends 8 Uhr fanden zwei öffentliche Abend=
verſammlungen
ſtatt, im Saalbau und auf der
Wilhelmshöhe. Nach einem gemeinſamen Geſang ſprach
Pfarrer Fikenſcher=Fürth über Zeichen der Zeit
im Lichte des Proteſtantismus: Er führte aus,
daß der Proteſtantismus die gegenwärtig im Vorder=
grund
ſtehende ſogiale Frage auch mit in den Mittelpunkt
ſeiner Aufgaben rücken müſſe. In dieſer Frage ſei der
Proteſtantismus nicht, wie man vielfach hören könne,
lediglich auf die Negation angewieſen, er beſißze vielmehr
in dieſer Frage eine ſehr ſtarke Poſition, die ſtärkſte und
gewaltigſte, die es geben könne, dem er ſtehe auf dem
Evangelium. Freilich werde die Kirche als ſolche die
ſogiale Frage nicht löſen können, aber ſie gebe zu ihrer
Löſung die gewaltigſten religiöſen Motive und ſie ſtelle
zur Arbeit auf ſogialem Gebiet chriſtlich geläuterte Perſön=
lichkeiten
. Angeſichts der Vorkommniſſe der jüngſten Zeit
dürfe man wohl ſagen, wenn der Evangeliſche Bund nicht
beſtünde, ſo müßte ein ſolcher gegründet werden.- Nach
weiterem gemeinſchaftlichen Geſang redete Profeſſor
D. Arnold=Breslau über Proteſtantiſches Leben
inden Vereinigten Staaten.Die katholiſche Kirche
in den Vereinigten Staaten wächſt unaufhaltſam. Sie hat
in den letzten 10 Jahren um 2675000 Seelen zugenommen
und noch ſtrömen neue Maſſen von Katholiken ins Land.

Für die proteſtantiſchen Chriſten Nordamerikas iſt die
katholiſche Kirche weniger die Gegnerin, vielmehr eine
Bundesgenoſſin gegen den praktiſchen Materialismus
In einer bedeutenden Anzahl der römiſchen Katholiken
Nordamerikas pulſiert proteſtantiſches Leben. Eine Ne=
präſentation
aller Lutheraner exiſtiert in den Vereinigten
Staaten nicht. Wenngleich der lutheriſchen Kirche manche
Eingewanderte verloren gehen, nimmt ſie doch nach der
katholiſchen von allen am meiſten zu. Eine einheitliche
Organiſotion aller Proteſtanten iſt nicht bloß undurch
führbar, ſondern kaum wünſchenswert. Die Haupt=
ſchwierigkeiten
des amerikaniſchen Luthertums liegen im
Paſtorenmangel und in der Sprachenfrage. Als religiöſe
Körperſchaft geht die Kirche den Staat nichts an; mit ihrem
Glauben und Gottesdienſt hat er nichts zu tun. Religion
iſt Privatſache und Familienangelegenheit. Die Ameri=
kaner
legen Wert darauf, daß bei ihnen nicht Duldung,
ſondern Religionsſreiheit herrſcht. Dieſe Grundſätze
haben aber auch ſtarke Schattenſeiten. Die amerikaniſche
Geſellſchaft, im allgemeinen iſt von Verehrung der
Religion durchdrungen. Die gebildeten Klaſſen beſuchen
in der Negel die Kirche und halten Tiſchgehet und Haus=
andacht
. Die leitenden Männer gehören meiſtens engeren
Körperſchaften an. Da die ſtaatlichen und komnunalen
Schulen religionslos ſind, ſi=d freiwillige Sonntags=
ſchulen
abſolute Nolwendigkeit. Es gibt einen amerika=
niſchen
Nationalgeiſt, der auf urgermaniſchen Inſtitutionen
und vorwiegend proteſtantiſcher Religioſität, beruht.
Dieſer Geiſt iſt noch nicht erſtorben. Er wird die Kraft
beſitzen, auch der vorhandenen Schäden und Schwierig=
keiten
Herr zu werden. Sodann nahmt Superintenden.
D. Meyer=Zwickau das Wort zu dem Vortrag: Der
Jeſuitenorden und die deutſche Volks=
ſeelen
Jeſuitismus und Chriſtentum ſind von ein=
ander
ſo fern wie Mitternacht und Mittag. Der Orden
meint in ſeiner Weiſe den Katholigismus zu retten, er
hat dieſem aber die ſchwerſten Wunden beigebracht.
Hartnäckig und ingrimmig geht der Orden vor gegei
deutſchen und proteſtantiſchen Geiſt, aber dadurch liefert
er den Beweis: Jeſuitismus und deutſche Volksſeele ſind
unvereinbare Gegenſätze. Der ſpaniſche Orden iſt des
Deutſchen Reiches grimmigſter Feind. Die deutſche
Volksſeele kann nie einen Orden ertragen, der das ganze
deutſche Volkstum zum Siechbett verdammen und es zu
Tode pflegen würde. Anvergeſſen ſind die Wunden, die
er dem deutſchen Volke geſchlagen hat; darum verſchone
man uns mit Wiederkehr dieſes Ordens, den die deutſche
Volksſeele niemals will.
Die zweite Verſammlung auf der Wilhelmshöhe er=
öffnete
der Vorſitzende Dekan Dr. Köſtlin=Backnang.
Zunächſt ſprach Dr. Wurſter=Blaubeuren über: Die
Zukunft unſere Sorge und unſere Hoff
nung: Sorge bereiten uns nicht die Feinde, ſondern
die Glaubensbrüder. Denn in den oberen Schichten lieb=
äugelt
man aus Furcht vor Not und Schwarg und die
Sorge beſteht, daß eine konfeſſionelle Charakterloſigkeit
in den Kreiſen der Regierenden um ſich greift. In den
unteren Schichten aber glaubt man, von der Religion los
zu ſein. Der Mittelſtand mit dem Bürgertum und der
Landbevölkerung, der Grund des Gemeindelebens, iſt in
der Abbröckelung begriffen, wie das Zurückgehen der
kirchlichen Sitte beweiſt. Unſere Hoffnung beruht ledig=
lich
darauf, daß die Gemeinden freier geworden, was
das Erwachen eines wirklichen Gemeindelebens zur Folge
haben wird. Kommt dann noch dazu, daß man auf
das Aufleben des evangeliſchen Glaubens in Oeſterreich
und Frankreich verweiſen kann, ſo iſt damit eine Grund=
lage
gegeben, auf welcher proteſtantiſches Ehrgefühl und
Solidarität ſich erheben können. Iſt ein rechtes Ge=
meindeleben
organiſiert, dann iſt der Anfang einer neuen
Entwickelung da, dann werden Männer erſtehen, die die
Mauern bilden, auf welchen die Kirche ruht. Leber
Vier, Jahre, evangeliſcher Arbeit, in
Steiermark' ſprach Vikar Mahnert=Mahrenberg:
Es iſt eine eigenartige geſchichtliche Tatſache, daß die
Träger der evangeliſchen Bewegung in Steiermark nicht
die Altevangeliſchen, ſondern die deutſch geſinnten Katho=
liken
waren. Die Altevangeliſchen, 10000 an der Zahl,
verſchwindend unter 800 000 Katholiken, waren in großen,
Gemeinden über das Land gerſtreut, hatten mit ihren
Geiſtlichen faſt gar keine Verührung, Nimmt man die
Verluſte durch die Miſchehen dazu, ſo vollzog ſich ein
langſamer, aber ſtetiger Abbröckelungsprozeß, zu welchem
die katholiſche Geiſtlichkeit durch Verhöhnung der evan=
geliſchen
Kirche und ihrer Männer das ihre tat. Das
einzig bedeutende evangeliſche Inſtitut war die Schule
n Graz. Er teilte mit, daß heute 18 Seelſorgerbezirke
mit 62 Predigerſtationen und 24 geiſtlichen Kräften,
deren Zahl noch vermehrt werden muß, in Steiermark
vorhanden ſind, 3100 ſind zur evangeliſchen, 1200 zur
altkatholiſchen Kirche übergetreten. Die Zahl der Evan=
geliſchen
in Steiermark dürfte heute 16000 betragen: die
Opferfreudigkeit ſelbſt bei den Aermſten iſt groß. Rom
hat zur Vekämpfung der Bewegung eine Inzahl klerikaler
Vereine gegründet. Daß die Vewegung von über=

feſtgeſtellt, daß der Reifrock immer der Vorbote böſer
Zeiten iſt. Nach der Vertugadel kam der dreißigjährige
Krieg, nach dem Panier die franzöſiſche Revolution,
nach Eugeniens Krinoline: der Sturz des napoleoniſchen
Kaiſerreiches. Welches Unheil wird ſie jetzt einleiten ?
Zu dieſen Ausführungen iſt zu bemerken, daß die Krino=
line
bei unſrigen heutigen Verkehrsverhältniſſen einfach
unmöglich iſt; ſie würde der allgemeinen Entrüſtung und
Auflehnung weichen. Damen mit Krinolinen müßten von
dem Verkehr auf Straßenbahnen, Omnibuſſen. auch vom
Beſuche der Konzerte ꝛc. ausgeſchloſſen werden.
Der Skatbrunnen in Altenburg iſt
Dienstag feierlich enthüllt worden. Die Haupt= und
Reſidensſtadt Sachſen=Altenburg hat dadurch ein Denkmal
bekommer, ſo eigenartig, wie es kaum eine zweite Stadt
der Welt beſitzt. Der Skatbrunnen iſt errichtet aus einer
17000 Mk. betragenden Stiftung des Altenburger Rentiers
Steudemann, entworfen von Prof. Pfeifer=München.
Das Denkmal ſoll das edle Skatſpiel, das vornehmſte,
geiſtreichſte, anregendſte und weiteſtverbreitete Karten=
ſpiels
verherrlichen und zwar in der Stadt, in der es
nach allgemeiner Annahme (die aber geſchichtlich noch
nicht voll beglaubigt iſt) von dem Advokaten Hempel im
Jahre 1817 erfunden wurde. Profeſſor Pfeiſer hat ſeine
ſchwierige Aufgabe lan dem Wettbewerb beteiligten ſich
37, zum Teil namhafte Künſtler) glänzend gelöſt. Der
Unterbau, in ſeinem oberen Teile in den vier Karten=
farben
gehalten, trägt zunächſt zwei Muſchelbecken, in die
zwei kleine Schweine als Sinnbilder des Glücks, das
zum Spielen ja gehört, Waſſer ſpeien, und dann einen
ſtattlichen Sockel mit den vier Wenzeln, die als vier
dralle Jungen mit einander um den Sieg ringen und
3. T. ſich in der Hitze des Gefechts drollig überpurzeln.
Die Geſtalten, in grünlichem Tone gehalten, geichnen ſich
durch ſehr lebendige Wiedergabe aus. So verſinnbild=
licht
das Denkmal glücklich den edlen Eifer des Spiels,
aber auch deſſen blinde Leidenſchaft. Die Weiherede
hielt Oberbürgermeiſter Geh. Regiecungsrat Oßwald:

außerdem ſprach der Vorſitzende des gegenwärtig in
Altenburg tagenden Deutſchen Skatverbandes.
110000 Hundertmarkſcheine. Elf Millionen
Mark in neuen Hundertmarkſcheinen trafen vor einigen
Tagen in ſechs Koffern verpackt und unter ſicherer Ve=
deckung
von München in Frankfurt a. M. ein. Die wert=
volle
Sendung wurde am Hauptbahhnof von Reichsbank=
beamten
in Empfang genommen und zur Neichsbank
gebracht.
Automobiliſtenſang.
Zur, Zuverläſſigkeitsfahrt: des Verliner Automobilvereins
Wir fahren los ums Morgenrot
Nach kurzen ſchweren Träumen,
Sind Sieger abends oder 10t,
Da hilft kein langes Säumen,
Uns gilt kein Totſchlag und kein Mord,
Uns gilt als höchſtes der Rekord.
Wir müſſen 1000 Meilen,
Noch heut zum Ziele eilen.
Wie fliegen - ha - in Stücken rings
Die Kinder und die Schweine!
Wie fliegen rechts, wie fliegen links
Die menſchlichen Gebeine!
Die Huppe tutet: Hopp, hopp, hopp.
Fort geht's in ſauſendem Galopp,
Daß die Ventile fauchen
Und die Pneumatics rauchen.
Und überall, allüberall
Auf Wegen und auf Stegen,
Eilt Alt und Jung beim wüſten Schall
Der Huppe uns entgegen.
Und wenn wir dann vorüber ſind,
Liegt Vater, Mutter, Vieh und Kind
Mit bebender Geberde
In Teilen auf der Erde.
Sugend.)

Geite é

gelretenen Katholiken getragen wird, iſt eine Gewähr
für ihren Fortbeſtand.

Stimmen aus dem Putblikum.
Gür die Veröientlichungen unter dieſer Ueberſchriſt übernimmt die
Nedaktion keinerlei Verantwortung.)
Die fortwährenden Beſchädigungen
und Verunſtaltungen des Goethedenkmals im
Herrngarten und des Marmorbrunnens am Olbrichhaus
ſtellen dem Kunſtſinn der hieſigen Einwohner, welche
ſolche Verunglimpfungen verüben, ein ſchlechtes Zeugnis
aus. Man ſollte die Schaffung ſolcher Kurſtwerke zur
Verſchönerung unſerer denkmalsarmen Stadt freudig be=
grüßen
, dieſelben ſchützen und nicht durch ſo lächerliche:
Benehmen weitere Schöpfungen im öffentlichen Intereſſ=
unmöglich
machen oder erſchweren. Ganz beſondere
müßten die Eltern auf ihre Kinder einwirken, daß dieſe
nicht, wie es leider geſchehen iſt, die Denkmäler verun
zieren. Wir hoffen von dem Gemeinſinn unſerer Ein=
wohner
Unterſtützung unſerer Anregung.

WB. Berlin, 2. Okt. Heute vormittag 11 Uhr fand
anläßlich der Wagnerfeier das erſte der drei hiſto=
riſchen
Konzerte im großen Saale der Philharmonie
ſtatt. Das Programm bildeten Quvertüren zu Glucks
Jphigenie= zur Zauberflöte zum =Freiſchütz= und
Beethovens neunte Symphonie. Dirigent war Hof
kapellmeiſter Pohlig=Stuttgart. Die Muſik führte das
verſtärkte philharmoniſche Orcheſter=Leipgig. die Chöre
der Sternſche Geſangverein und der Cäcilienverein
Berlin aus. Als Soliſten wirkten die Danen Laporte
und Schumann=Heink, die Herren Sommer und Heine=
mann
mit.
WB. Verlit, 2. Okt. Geſtern abend nach Schluß
der Fabriken kam es zu Ausſchreitungen in der
Gegend des Nettelbeckplahes, wo eine Omnibushalte=
ſtelle
iſt. Kutſcher und Fahrgäſte wurden beläſtigt.
Die eingreifenden Schußzleute wurden verhöhnt und vor
allen Seiten bedrängt. Die Menge, welche die Anſchlag.
ſäulen in Brand ſetzte und den Feuermelder beſchädigte,
mußte mit flacher Klinge auseinander getrieben werden.
W.BL Verlin, 2. Okt. Zu den geſtrigen Aus
ſchreitungen, auf, dem Nettelbeckplatz.
anläßlich des Ausſtandes der Omnibus=Angeſtellten
wird noch gemeldet, daß von den Unruheſtiftern, die die
Schutzmannſchaft mit Steinen, Flaſchen und ähnlichem
bewarfen und mehrere Poligiſten verletzten, ſo daß der
Platz wiederholt mit blanker Waffe geſäubert werden
mußte, 8 Perſonen verhaftet wurden. In der Nähe
des Nettelbeckplatzes, wo der Volkshaufen den Unfug
fortſetzte und die Pferde der Schutzleute durch Feuerwerk
ſcheu zu machen verſuchte, wurde ein Kutſcher bei der
mutwilligen Alarmierung der Feuerwehr abgefaßt.
WBk Stuttgart, 2. Okt. Dem Schwäbiſchen
Merkurs zuſolge iſt auf das Begrüßungstelegramm des
Evangeliſchen Bundes aus Ulm an den Kaiſer
aus dem Geh. Kabinett eine Antwort eingelaufen, in
welcher der Kaiſer für die Begrüßung danken läßt.
W.B. München, 2. Okt. Der Kronprins traf
heute vormittag 101 Uhr, von Köln kommend, hier ein,
kurg darauf Prins Eitel Friedrich, von Berlin kommend.
Beide Prinzen, die von dem zahlreich erſchienener
Publikum begrützt wurden, nahmen im Zentralbahnhof
das Frühſtück ein und reiſten mittags nach Tegernſee
weiter, um, einer
9 des Herzogs Karl Theodor
den Jagden in Bad Kreuth teil=
in
Bayern folgend,
zunehmen.
WB: Köln, 2. Ort. Nach der geſtrigen Feier der
Enthüllung der Denkmäler Kaiſer Fried=
richs
und der Kaiſerin Auguſta ſandte Ober=
bürgermeiſter
Becker an den Kaiſer folgendes Telegramm
Die Denkmäler, welche Kölns Bürgerſchaft in Dankbar=
keit
, Liebe und Andenken an die Majeſtäten des Kaiſers
und Königs Friedrich und der Kaiſerin und Königin
Auguſta errichtet hat, ſind ſoeben unter dem Jubel der
Bevölkerung und begeiſterten Hochrufen auf Ew. Majeſtä.
in Gegenwart des Kronprinzen, des Großherzogs und
der Großherzogin und des Erbgroßherzogs von Baden
feierlich enthüllt worden. Indem ich Ew. Majeſtär
hiervon ehrerbietigſt Meldung erſtalte, bitte ich Ew.
Majeſtät den alleruntertänigſten Dank der Stadt Köln
dafür entgegen nehmen zu wollen, daß Ew. Majeſtät
geruht haben, den Kronprinzen zu beauftragen, in Ew.
Mai. Namen die Enthüllung vorzunehmen.: Der Kaiſer
ſandte noch an demſelben Abend aus Rominten folgende
Drahtantwort: An den Oberbürgermeiſter Becker, Köln.
Ich danke den Herren für die Meldung von der Enthüllung
der in der Stadt Köln errichteten Denkmäler weiland Ihrer
Majeſtäten des Kaiſers Friedrich und der Kaiſerin Augiiſte.
derich zumeinem Bedauern nicht ſelbſt beiwohnen konnte. Cs
war mir eine beſondere Genugtuung, durch die Ext.
ſendung meines Sohnes, des Kronpringen, der Stadt
Köln zeigen zu können, wie hoch ich ihre dem Andenken
der beiden Verewigten bewieſene Treue ſchätze.
Heute vormittag unternahmen der Großherzog
und, der Erbgroßherzog von Baden eine
Nundfahrt durch die Stadt, begleitet vom Oberpräſidenten
Naſſe, dem Regierungspräſidenten Wallau, Polizeipräſi
denten Wiegmann und dem Oberbürgermeiſter und be
ſuchten den Dom, den Kardinal=Erzbiſchof im ersbiſchöf
lichen Palais und ſpäter das Kunſtgewerbemuſum. Die
Großherzogin beſuchte das Marienhoſpital.
1 Breslan, 2. Okt. Die Breslauer 3tg. meldel
aus Veuthen, Oberſchleſien: In den Forſten des Grafen
Tiele=Winkler in Nockittnitz wütet ein großer Brand
Die Waldungen umfaſſen einen Flächenraum von 163
Hektar. Die Feuerwehren der Nachbarſchaft ſind ſämt=
lich
zur Stelle.
Vreslau, 2. Okt. DieSchleſiſche Zeitung: meldet
aus Laurahütte: Die Opfer des Brandunglücks
im Ficinusſchacht werden heute beerdigt. An der
Beerdigung wird Oberbergrat Polenski teilnehmen. Der
Verwaltung der Laurahütte wird es gelingen, die durch
das Grubenunglück zum Feiern verurteilten Arbeiter in
andern Betriebsſtellen zu beſchäftigen, wodurch auch ein
Ausfall in der Förderung verhindert wird.
Gleiwitz, 2. Okt. Der Oberſchleſiſche Wanderer=
meldet
: Die Firma S. Steins Awe. in Gleiwitz, Söge=
werk
und Holshandlung, ſtellte die Zahlungen
ein. Der Geſchäftsführer Alexander Stein iſt geflüchtet,
Die nicht gedeckten Forderungen belaufen ſich nach vor=
läufiger
Schäßung auf mindeſtens 500000 Mk.
V.BE Mürzſteg, 2. Okt. Kaiſer Nikolaus und
Kaiſer Franz Joſef begaben ſich heute ſrüh3', Uhr
zur Jagd. Die Nückreiſe erfolgt am Nachmittag
W.Br Mürzſtes, 2. Okt. Der bisherige Verlauf de
Jagdausflugs befriedigte die Majeſtäten lebhaft. Gre
Goluchowski fand bereits Gelegenheit, mit
Graſen Lamsdorff freundſchaftlichen Godankenau:
tauſch zu pflegen, der im Lauſe des Jagdausflugs noch
ſeine Fortſetzung findet.

[ ][  ]

Sene 32.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1963.

Nummer 232.

Modn.7 Ml. 1u Muachlr du use
Balſours drücken Daily Graphier, Standards und
Daily Chroniclei ihre Enttäuſchung darüber aus. daß
Balfour noch keine beſtimmte Erklärung über ſeine Politik
gab. Daily Telegraph' ſchreibt, Balfour ſelbſt zeigte
klar, daß er mit Chamberlain vollkommen einverſtaͤnden
ſei. Seine Vorſchläge ſeien die unvermeidlichen und
unerläßlichen Präliminarien für die Annahme der
Chamberlainſchen Politik. Daily News- meint, Balfour
warf die Maske ab und erklärte ſich klar und deutlich
für den Schutzzoll. Mornina Poſt'führt aus, Balfours
Rede zeige ebenſo wie ſeine Broſchüre den Mangel, daß
die Bedingungen, welche einer erfolgreichen Pölitir für
Großbritannien und das Reich zu grunde liegen müßten.
nicht erfaßt ſeien. Seine Stellung ſei eine gänzlich
Unhaltbare.
Sheffield, 2. Okt. In ſeiner geſtrigen Rede
führie Valfournoch aus: Wenn ich Labfällige Urteile
über die Politik höre, die in Deutſchland und anderen
großen Induſtrieſtäaten eine wunderbare Ausdehnung
des Handels bei Schußzöllen zur Folge hatte, ſo habe
ich die Empfindung, daß dieſe Nationen uns gegenüber
eine Entgegnung häben auf welche wir nicht ankworten
können. Sie können ſagen. obgleich in dieſer Hinſicht
Schußzöllner, hätten ſie doch in Wirklichkeit einen
dauernden Freihandel geſchaffen, ſodaß in dieſem
Augenblick im Bereiche Deutſchländs Und des amerikaniſchen
Gemeinweſens jede Hollbeſchränkung des freien Handels
und alles, was die Produktion hemmen oder die Erhöhung
des Wohlſtandes beſchränken könnte, durch Vaterlands=
liebe
und Fürſorge beſeitigt ſei. Sie können uns dann
wohl fragen, o6 wir ein ähnliches Bild aufzüweiſen
haben. Balfour ſagte ferner fremde Länder gehen oft
von überaus hohen Einfuhrzöllen auf alle Waren aus,
die ſie dann gegebenen Falles herabſetzen. Solches Vor=
gehen
iſt nicht nach meinem Sinner weil es eine zu graße
Störung unſeres Handels in ſich ſchließen würde. Ich
meine äber, wir könnten, wenn es ohne Nachteil für uns
geſchehen kann, jedes fremde Land. von dem wir glauben.
daß es uns übermäßig ungerecht behandelt, davon in
Kenntnis ſetzen. daß wir uns gezwungen ſehen würden,
Schritte gegen ſeine Ausfuhr zu unternehmen, wenn es
ſeine Poſitik nicht ändern ſollte.
W.B. Vetersburg, 2. Okt. Das Journal de Saint
Petersbourg= ſchreibt: Der Beſuch, den der Kaifer
gegenwärtig dem Kaiſer Franz Joſef abſtattet,
müß unter den gegenwärtigen Amſtänden eine ganz be=
ſondere
Tragweſte haben.Seit Beginn der Unruhen in
Mazedonien' haben die beiden benachbarten und be=
freundeten
Reiche, in treuem Einvernehmen, das von
1897 an als Gründlage ihrer Politik auf dem Balkan
diente nicht aufgehört. tätig an dem Werk der Vasifikation
zu arbeiten. Dieſes Vorgehen iſt durch die Mitwirkung,
welches die anderen Größmächte ihm gewährten, unter=
ſtützk
worden. Dieſe Mächte häben die Uneigennützigkeit,
welche Oeſterreich=Ungarn und Rußland beſeelten, uns
den hohen Charakter ihrer Politik gewürdigt. Die feſte
Sprache, welche dieſe beiden Regierungen in Konſtanti=
nopel
und Söfig führter hatten das Ergebnis, daß
kein Konflikt zwiſchen der Pforte und Bulgarien enkſtand.
Dieſe Eventualität die zu drohen ſchien, konnte für den
Augenblick -beſeitigt; werden. Die Kabinettte in
St. Petersburg und Wien ſind zu ſehr ſich der Wichtig=
keit
ihrer Aufgabe bewußt, die ſie übernahmen, als ſie
die Initiative des Reformprogramms ergriff, als daß
ſie ſich nicht Rechenſchaft Jdavon ablegen ſollten,

daß eine weitere Entwickelung ihrer auf den Frieden
gerichteten Beftrebungen nötig werden rönnte. Währens
der Zuſammenkunft der beiden Souveräne, die von
ihren Miniſtern des Auswärtigen begleiter ſind, bilden
die zu ergreifenden Maßnahmen unzweifelhaft den Gegen
ſtaͤnd ihrer Beratungen. Man hat in Curova Vertrauen
zu der warmen Friedensliebe, von der die Akte ihrer
Regierungen geleiket werden. Darum erwartet ganz
Europa, daß ddie gegenwärtigen Beſprechungen einen
wohltätigen Einfluß Lauf die Löſung der Balkan=
kriſis
üben.
W. Konſtantinopel, 2. Okt. (Korreſp.=Bureau.)
Die Triykſprüche des Kaiſers Franz Joſef
und des Zaren machten im Pildis und in den Kreiſen
der Pforte großen Eindruck. Die Zuſicherung der Er=
haltuͤng
des Friedens befriedigte ſehrn
vöB.l Kouſtantinopel, 2. Okt. Nach Konſularmel=
dungen
aus Ueskueb kam es bei Lukowo, 8 Kilometer
ſüdöftlich von Kratowo, zu einem Bandenkampf in
dem 30 Komitadſchis und 2 Soldaten getötet und 11 Sol=
daten
verwundet wurden.
ſ. B.r Konſtantinopel, 2. Okt. Im ganzen hat die
Türkei derzeit 3i5 Redifbataillone 1. Klaſſe und
2. Klaſſe mobil.
Telegraphiſcher Wetterbericht.
Hamburg, 2. Okt. Trübes Wetter mit Regen=
fällen
wahrſcheinlich.

Großh. Muſeumund Gemäldegalerie. Geöffnet
an Sonn= und Feiertagen von 10-1 Uhr, Dienstags,
Mittwochs und Freitags von 11-1 Uhr, Donnerstags
von 3-5 Uhr.
Kunſtverein, geöffnet Montags, Dienstags, Donners=
tags
, Freitags und Samstags von 11-* Uhr, Mitt=
wöchs
von 2-4 Uhr, Sonntags von 10-1 Uhr.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute früh entſchlief ſanft nach kurzem
Krankenlager unſere inniggeliebte Mutter und
Großmutter
[17130

Die krauernden Hinkerbliebenen.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1903.

Die Beerdigung findet Sonntag, 4. Oktober,
nachmittags 4 Uhr, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme,
welche uns bei dem Hinſcheiden meines innigſt=
geliebten
Gatten, unſeres Vaters, Großvaters,
Schwagers, Bruders und Onkels (17079
Herrn Wolf Strauss
guteil wurden, ſagen wir unſeren innigſten
Dank.
Im Aamen der lieftrauernden Hinkerbliebenen:
Heinvieh Strauss.
Darmſtadt, den 2. Otober 1903.

Tageskalender.
Samskag, 3. Oktober.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheumr.
Konzert um 317 Uhr im Parkhokeki.
Familienäbend des Bürgervereins und Geſellſchaft
Eintracht Um 815 Uhr im Kaiſerſaals.
Stiftungsfeſt des L. Darmſtädter Brenner=Klubs um
8 Uhr im Badiſchen Hoft.
Monatsverſammlung des Vereins der Oberheſſen
um 9 Uhr Kiesſtraße 27.
Kaiſerpänorama Wilhelminenſtraße 29.
Sonntad. 4. Ortoberb
Großh. Hoftheater, Anfang ¼7 Uhr: Der fliegende
Holländer
Vörſtellung um 8 Uhr im Orpheum=
Familienabend des Ev. Arbeiter= und Handwerker=
Vereins um 8 Uhr im Feierabend=
Familienabend des Heſſ. Fechtvereins Waiſenſchutz=
um
7 Uhr im Konkordiaſaals.
Feſtverſammlüng zur Feier der Grundſteinlegung
der St. Eliſabethenkirche um 8 Uhr im katholiſchen
Geſellenhaus.
Koͤnzert um 4 Uhr im Reſtaurant Kratſch.
Ausflug des Odenwald=Klubs nach Jugenheim;: Ab=
marſch
Um 8 Uhr vom Kapellplatz.
Rädwettkahren auf der Rennbahn an der Heidel=
bergerſtraße
.
Picket=Becher=Schießen der Priv. Schützengeſell=
ſchaft
um 2 Uhr.
Kaiſerpanoräma Wilhelminenſtraße 29.
Verſteigeruugskalender.
Montag, 5. Oktober..
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 9 Uhr im
Schöfferhof
Kärtöffel=Verſteigerung um 3 Uhr Kranich=
ſteinerſtraße
88½
Runkelrüben=Verſteigerung um 3½ Uhr an der
ſtädtiſchen Pallaswieſe.
Rützköhren=Verſteigerung um 8 Uhr am Bahnhof
zu Pfungſtadt.

Kirchliche Anzeigen.
Evaugeliſche Gemeinden.
Sonntag, 4. Oktoͤber.
17. Sonntag nach Trinitatis.
Hoflirche: Samstag, 3. Oktober. Abends um 6 Uhr:
Beichte. Sonntag, vorm. um 1 10 Uhr. Beichte und An=
meldung
zur hl. Kommunion in der Säkriſtei. Um 10 Uhr:
Hauptgsttesdienſt mit Feier des hl. Abendmahls. Am
Montag, 5. Okt. vorm. von 11-1 Uhr melden ſich die
ſonfirmanden der Hofgemeinde bei Hofprediger Ehr=
hardt
, Wittmannſtr. 2.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr. Pfarrer Velte. Um
111 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte. Abends
un 6 Uhr: Pfarter Kleberger.
Stadtkapelle: Vorm. um 9 Uhr: Pfarrer Vogel.
Um 11 Uhr: Kindergottesdienſt der Südoſt und Oſtpfarrei.
Pfarrer Kleberger.
Johanneskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarraſſiſtent Mar=
guth
. Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt.
Martinskirche: Vorm. um 10 Uhr: Miſſionsrediger
Ruhländ. Um 11½ Uhr: Kindergöttesdienſt. Pfarrer
Lic. Waitz.
Militärkirche (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr: Militär=
Hilfsgeiſtlicher Diebert.
Eiſabethenſift: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt
mit Abendmahl. Pfarraſſiſtent Stählin.- Weichte:
Samstag. nachm. um 3 Uhr) Um 111 Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Donnerstag, 8. Okt. Nachm. um 3 Uhr:
Bibelſtunde.
Beſſunger Kirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Walz.
Pelrusgemeinde: Vorm. um 111 Uhr.- Kindergottes=
dienſt
in der Beſſunger Kirche. Pfarrer Walz.-
Pallusgemeinde: Vorm. Um 8 Uhr. Chriſtenlehre mit
der konfirmierten Jugend. -Schluß.) Pfarrer Rückert.
Um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt, Herdweg 58. Pfarrer
Rückert.

Stadtmiſſion: Mühlſtraße 24.) Vorm. um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt. Nachm. um 4 Uhr: Bibelſtunde.
Um 5½ Uhr: Jungfrauenverein. Donnerstag, abends
Um 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Katholiſche Gemeinden.
Pfarrkirche: Samstag. 3. Oktober. Nachm. um 4 Uhr
und abends Um 8 Uhr. Gelegenheit zur hl. Beichte. Um
77 Uhr: Roſenkranzändacht.
18. Sonntag nach Pfingſten, 4. Oktober.
Roſenkranzfeſt.
Vorm. von ¹6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: Segensmeſſe und Röſenkranzandacht. Um
7 Uhr: Austeilung der hr. Kommunion. Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. Um 110 Uhr: Hochami
mit Predigt. Um 11 Uhr: letzke hl. Meſſe und Roſenkranz=
andacht
. Nachm. um 3 Uhr: Roſenkranz= Bruderſchafts=
andacht
. Um 15 Uhr. auf der Bauſtelle, Gardiſtenſtl. ä.
Predigt und (eierliche Grundſteinlegung der neuen
St. Eliſabethenkirche. An allen Werktägen, abends Um
7 Uhr: Röſenkranzandacht.
Ffründuerhaus: Sonntag, vorm. um ¼10 Uhr: hl. Meſſe
mit Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, nachm. um
4 Uhr und abends um 8 Uhrl Gelegenheit zur hl. Beichte
Sonntag. vorm. um 6 Uhr: Gelegenheik zur hl. Beichte.
Um 7 Uhr: Austeilüng der hl. Kommunion. Um 8 Uhr:
hl. Meſſe mit Predigt.-Nachm. um ½3 Uhr: Chriſtenlehre

und Roſenkranzandacht. An allen Werktagen, vorm. um
Um 7 Uhr: Roſenkranzandacht.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag. vorm.
um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Nachm. um 4 Uhr: Verſäinmlung
im Mädchenheim. Um 6 Uhr: Roſenkränzandacht.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vorm. um
7 Uhr: hl. Meſſe;
Kapelle zu Eberſtadt: Sonntag, vorm. um ¼10 Uhr:
hl. Meſſe mit Predigt.:
Gottesdienſt in der Zynagoge der israelitiſchen Religions-
geſellſchaft
.
Sukkaus-Pest.
Dienstag, den 6. Oktober.
Vorabend 5 Uhr 30 Min.-Morgens 7 Uhr 45 Min.
Nachmittags 4 Uhr Min. Abends 6 Uhr 35 Min.
Mittwoch, den 7. Oktober.
Morgen=7Uhr 45 Min. Nachmittags 4 Uhr Min.
Feſtesausgang 6 Uhr 35 Mineld
Samstag, den 10. Oktober.
Vorabend 5 Uhr 15 Min.- Morgens 7 Uhr 45 Min.
Nachmittags 4 Uhr. Sabbatausgan 6 Uhr 30 Min.
Wochengottesdienſt: Morgens 6 Uhr. Nachmittags 5 Uhr
15 Min.

Getaufte, Getraute und Leerdigte.
Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtge meind e: 26. Sept. dem Schloſſer Heinrich
Wieſenecker T. Lina, geb. 17 Sept. 27. dem Schutzmann
Chriſtian Franz, S. Otto Wilhelm, geb. 8. Sept. Dem
Kellner Heinrich Jäger, T. Auguſte Charlotte, geb. 16. Sept
26.: dem Schaffner a. d. elektr Straßenbahn Friedrich
Pabſt. T. Katharine Eliſabeth Marier geb. 29. Aug. 27..
dem Briefträger Georg Ackermann, S.Peter Hermann,
geb. 27. Julir Dem Obergärtner Ludwig Edmuns Voſterk,
S. Ludwig Gedorg Heinrich, geb. 29. Aug. Dem Dachdecker
Friedrich Balthaſer Michäel Franz Stumpf, S. Otto
Keinhold, geb. 17. Sept. Dem Bierbrauer Ludwig Kunz,
L. Margareta, geb. 24. Aug. Dem Kaufmann Friedrich
Auguſt Andreß. S. Kark Adolf geb. 31. Auguſt. Dem
Metzgermeiſter Peter Frick, T. Jatharina Eliſabeth, geb.
14. Aug. Dem Meßgermeiſter Peter Weisgerber, S. Peter
Leonhard, geb. 9. Aug.
Johannesgemeinde: 27. Sept. dem Fuhrmann
Heinrich Günther, T. Anna Dorothea) geb. 11. Aug.
Martinsgemeinde: 27. Sept. dem Gärtner Karl
Borger, T. Anna Marie, geb. 12. Juni. 28. dem Haus=
diener
Philipp Theis. S. Philipp Ludwig, geb 24. Juli.
24. dem Schreiner Guſtav Auguſt Meiſter. T. Agathe,
geb. 26. Aug. Dem Schloſſer Karl Müller, T. Friederike,
geb. 26. Aug. Dem Tapezierer Paul Kaiſer, T. Eugenie
Ottilie Pauline, geb. 6. Gept. Dem Schlöſſer Karl Aüguſt
Lenz. T. Sophle Luiſe Marie, geb. 8. cept. Dem
Architekt und Bauunternehmer Ludwig Waͤgner, L.
Eliſaͤbeth Margarete, geb. 18. Juli.
Petrusgemeinde: 2. Sept. dem Schreiner
Johann Adam Riſch. T. Katharina, geb. 6. Sept.
Püulüsgemeinde: 23. Sept.: dem Großh.
Gerichtsaſſeſſor Röbert Louis Eduard Karl Weiterk, B.
Guſtav Heinrich, geb. 4. Aug. Dem Krankenwärter Ludwig
Reinhard Bößler, S. Heinrich, geb. 23. Sept. 27. dem
Schneider Eckhard Wilhelm Karl Heinrich Bruſt, T. Eva
Anna, geb. 7. Sept. Dem Schreiner Franz Blumöhr,
T. Anna Margarete, geb. 25. Aug. 29.: dem Oktroi=
aufſeher
Wilhelm Zahrt, S. Wilhelmi, geb. 23. Sept.

Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 26. Sept.: Lehrer Georg Hein=
rich
Fey von Ober=Ramſtadt und Emilie Eliſe Lina
Sybilla Saeng. Regierungsaſſeſſor Ernſt Wilhelm Krug.
und Natalie Pauline Schödler. Goldarbeiter Jakob
Haſſenzahl und Marie Eliſabethe Dorothea Weyrich.
Eiſendreber Johann Jakob Götz und Anna Marie Brößel.
Großh. Oberlehrer Heinrich Lüdwig Dörr zu Pfungſtadt
und Eliſabeth Dorothea Röder.
Johannesgemeinde: 26. Sept, Werkmeiſter
Markin Bommariüs, Witwer aus Mannheim=Waldhof
und Babette Vetter von hier. Metzgermeiſter Heinrich
Mörſchel und Emma Römer von hier.
Martinsgemeinde. 24. Sept.: Apotheker Georg
Heinrich Friedrich Joſt und Marie Eliſabeth Amalie Peters.
26.: Schaffner und Wagenführer Friedrich Krailing und
Anna Wilhelmine Henriette Kuhn. Chemiker Dr. Felix
Adolf Oswald Friedrich Bran und Anna Marie Luiſe
Sophie Trapp. Kantinenenwirt Leo Nieger und Katharine
Anna Haußner.
Petrüsgemeinde: 26. Sept.: Kaufmann Karl
Friedrich Auguſt Roſt und Katharina Friederike Prier.
H. Weißbinder Heinrich Eigenbrodt und Anna Mar=
gareta
Reuter.
Paulusgemeinde: 26. Sept. Finanaſpirant
Georg Chriſtian Franz Sattler und Anna Katharine
Schneider.
Veerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadisemeinde: 29. Sept.: Willy Morlock,
1J. 3 M. ſtarb 27. 28. Philipp Stein. S. des Kaufmanntz
Joh. Ludwig Stein, 13½ J. ſtarb 25. Aug. 26.: Agnes
Weber, geb. Heumann, Ehefrau des Privätiers Ludwig
Weber, 55 J. 5 M. ſtarb 24. 29. Weichenſteller Heinrich
Geora Sulzmann, 47 J. 9 M., ſtarb 26.
Martin'sgemeinde: 26. Sept. Witwe des
Landwirts Georg Ludwig Treuſch Anna Margarete. geb.
Renkel, 57 J., ſtarb 23. 28. T. des Bureaugehilfen
Johann Georg Götz, Magdalene Johanna. 19 J. ſtarb 24.
Petrusgemeinder 28. Sept:Martin Gtrickert.
S. des Schloſſers Joh. Strickert, 14 J., ſtarb 25.
Paulusgemeinde: 25. Sept.: Wilhelmine Dörr,
T. des Monteurs Johann Philipp Dörr, 22 J., ſtarb 22.
Heinrich Bößler S. des Krankenwärters Ludwig Reinhard
Bößler. 1 T, ſtarb 24. Ein uneh. S. Georg Auguſt,
1 M. ſtarb 25. 26.: Marianne Millot, Witwe des Verſt.
Pfarrers Oskar Mulot. 73 J., ſtarb 24. 29.: Zimmermann
Michael Fiſcher. 64 J., ſtarb 26. 1. Okt.: Privatin
Philippine Drach, 62 J., ſtarb 29.
Getaufte bei der katholiſchen Gemeinde.
20. Sept.: dem Poſtaſſiſtenten Kark Alois Scheid,
T. Maria Sophia, geb. 20. Sept. 25.: dem Schloſſer
Daniel Seib, S. Joſeph, geb. 19. Sept. 27. dem Schmles
Johann Simon Bürner, S. Johann Adam, geb. 22. Sept.
Dem Sergeant Heinrich Heger, T. Auguſte, geb. 23. Sept.
28.: dem Schloſſer Ludwig Lorenz, T. Eva Wilhelmine,
geb. 16. Sepl. 30. dem Kammerdiener Lambert Pappert,
T. Margarete Marie, geb. 26. Sept. . Okt.: dem Fuhr=
knecht
Käſpar Velten, S. Karl, geb. 21. Sept.
Getraute bei der katholiſchen Gemeinde.
26. Sept: Metaldreher Peter Karl Welg und Mathilde
Doſtal. Diplom=Ingenieur Johannes Georg Radke zu
Düſſeldorf und Klars Hohmann dahier.
Veerdigte bei der kathöliſchen Gemeinde.
26.: Dienikknecht Lorens Zeika, 43 J. 2 M. ſtarb 24.
30.: Maria Mottarſch. 22 J. 1 M. ſtarb 27.

Druck und Verlag: L. C. Wittich'ſche Hofbuchdruckerei, verantwortlich für die Redaktion: Dr. O. Waldaeſtel, für den Inſeratenteil: F. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.