[]
Nach meinem 75ten Geburtstage
glaubte ich die Beschreibung meines Lebens
als abgeschlossen ansehen zu sollen. Aber
es war mir vergönnt in körperlicher u.
geisti-
ger Rüstigkeit noch weiter zu leben, wenn
auch diese Jahre mir viel Trübsal u. harte
Schicksalsschläge bringen sollten.
So will ich denn versuchen, auch von diesen
Rechenschaft zu geben, meine Erlebnisse,
Er-
fahrungen u. Urteile niederzuschreiben.
Zunächst berichte ich über den Tod meines
Schwagers Arthur von Lindequist. Er raffte
am 1. Nov[ember] [19]37 den noch überaus rüstigen 82er
überraschend schnell infolge einer
Lungenent-
zündung hin, die er sich in Berlin zuzog,
wohin er von Braunschweig, wo er 23 Jahre
gelebt, übergesiedelt war, um in Nähe seiner
Geschwister u. alter Berufsfreunde zu sein. Als
treibende Kraft ergab sich aber leider eine
Ent-
gleisung. Das Wiedersehen mit einer
Jugend-
freundin, die verwitwet in Berlin wohnte, gab
Beiden den Gedanken ein, das Ende ihrer Tage []
zusammen zu verleben, um in einer jetzt
billigen 8 Zimmerwohnung am Tiergarten
ge-
meinsam Haushalt zu führen. Zwar kamen
darin seine schönen Möbel u. Bilder gut zur
Geltung, doch bereitete mir u. Schwester Wittich,
die wir zur Beerdigung gekommen, der
Ein-
druck, den das alte, reizlose u. durchaus nicht
anspruchslose Dämchen machte, eine arge
Ent-
täuschung. Seine Familie waren nicht
einver-
standen, u. Anka, die getreue Pflegerin seiner
Lili u. sein vielgeliebtes einziges Kind, mußte
sich, zumal er sie unvorbereitet mit der
Tat-
sache überraschte, unzart zurückgestoßen fühlen.
Dies führte zu harten Auseinandersetzungen,
die die resolute Anka nicht scheute, aber ohne
Er-
folg blieben. Der Tod hat eine schnelle u. vielleicht
beste Lösung gebracht.
Ich verlor viel an Arthur. Sein soldatisches
We-
sen, sein tapferes Einstehen, seine ehrenhafte, doch
nie starre Gesinnung, seine gewinnende
Lie-
benswürdigkeit, seine offene heitere Natur,
ein echter Offizier u. Kavalier – alles war mir
zeitlebens Vorbild gewesen, das mich mahnte u. []
führte. Er war ein vorbildlicher
Kompanie-
chef im Leibgarde-Reg[imen]t, ein von seinem
Han-
noverschen Reg[imen]t vergötterter K[omman]deur, im Krieg
ein äußerst erfolgreicher Divisions u.
Korps-
führer, ausgezeichnet mit dem Pour le merite
u. dem Eichenlaub hierzu.
Gegenüber meinem Bruder Fritz u. Mieze
hat sich die bedauerliche Spannung
wesent-
lich vermindert. Es ergab sich die Möglichkeit,
den Verkehr wieder aufzunehmen, nachdem
sich Walter eine Lebensstellung als
Privat-
sekretär eines Marburger Universitätsprofessors
erworben u. im Dienst für Auslandsdeutsche
Verwendung gefunden. Es ist ihm sogar
ge-
glückt, nach der bei seiner Gefängnisstrafe
gleich gelösten Verlobung, eine
außergewöhn-
lich begabte Frau zu finden; er hat sich 1939
mit Lore …[Vollert] Tochter eines
Oberstudiendi-
rektors in Mühlheim/Ruhr verheiratet: ein
moralischer Erfolg für ihn, obwohl es mir schwer
fällt, den Entschluß des Mädchens zu verstehen.
Die Ehe ging gut u. hatte in rascher Folge
die Geburt zweier Söhne zur Folge. Walter []
entschloß sich endlich als Kriegsfreiwilliger
ins Feld zu ziehen. Er hat sich als Soldat
bewährt u. ist in Rußland gefallen. Damit
hat er seine Ehre wiederhergestellt und
ich habe ihm alles verzeihen können.
Seine Witwe hat sich mit Kurt Keller
wiederverheiratet.
Walters älterer Bruder Arthur, in dem
vorwiegend Hahnisches Blut fließt, ein
streb-
samer, vornehmer Mensch, ist auch von
Un-
heil verfolgt. Er war in seiner Postlaufbahn
in Berlin u. Recklinghausen verwendet, kam
im III Reich als [über der Zeile eingefügt: Ober] Postrat nach Wien, kämpfte
im Volkssturm und geriet in russ[ische] Gefangenschaft.
Seit 1945 ist er vermißt u. keine Nachricht
er-
reichte seine tüchtige Frau Margret, die nach
Bückeburg zu ihren Eltern geflüchtet im
Lehreri-
nenfach Geld verdienen muß. Aus der sehr
glücklichen Ehe sind 3 Kinder hervorgegangen:
2 Söhne – der erste taubstumm – 1 Tochter, die gut
gedeihen. Trotzdem ein schweres Schicksal.
Es ist bedauerlich, daß Fritz-Gebhardt durch
sei-
ne uns überraschende Verlobung u. baldige[gestrichen: n]
[]
Heirat mit einem im Ausw[ärtigen] Amt
berufs-
tätigen Fräulein aus uns nicht ebenbürtigen
Familie enttäuscht hat. Alle von mir früher
erörterten Gründe gegen die Billigung einer
solchen Verbindung haben auch hier Geltung.
Sie wurden jedoch abgeschwächt, nachdem wir
in Ursula Schrader eine nicht [gestrichen: un]gewöhnliche
Persönlichkeit kennen lernten, und Fritz, ohne
von ihr abgezogen zu werden, treue
Anhäng-
lichkeit an die Hahnische Familie u. ihre
Tra-
dition aufrecht erhält. Fritz ist ein
außer-
gewöhnlich gescheidter, hochgebildeter,
schreib-
u. redegewandter Mensch, der sein Licht nicht
unter den Scheffel stellt, aus jeder
schwieri-
gen Lage einen Ausweg findet und politisch
wendig ist, ohne charakterlos zu werden.
Seine erste Auslandsstelle als Attaché beim
deutschen Konsulat in Genf hat er 1938
an-
getreten. Er fuhr im Wagen hin u. hat bei
uns Station gemacht, auch später auf Urlaub
mal bei uns gewohnt. Im Frühjahr 1940
kehr-
te er zurück zu freiwilliger Dienstleistung
im Krieg. Er hatte früher 3 Uebungen gemacht, []
aber es nicht weit gebracht. Bei seiner
durch-
aus unmilitärischen Anlage u. Erziehung
war er Unteroffizier bei einer Küstenflak.
Er hatte sich in den letzten Jahren an unseren
Diether enger angeschlossen. Elle, die Buben,
die Führung dieser harmonischen Ehe hatten es
ihm angetan. Er fand in ihm den
Gleichge-
sinnten in kulturellen u. kirchlichen Fragen
u. in der Außenpolitik, daher beide Vettern
bald eine feste Freundschaft verband.
In Holland, als Dolmetscher eines höheren
Stabes verwendet, wurde er bei einer
nächt-
lichen Kurierfahrt im Wagen von deutschem
Posten infolge eigener Unachtsamkeit
ange-
schossen u. am Oberarm schwer verwundet,
sodaß er sich während u. nach dem Krieg
in langwierige Lazarettbehandl[un]g begeben
mußte. Trotz 6 – 7 facher Operation ist leider
der Arm steif geblieben. Seine Frau schenkte
ihm zwei gesunde Mädchen Elke u. [mit Bleistift eingefügt: Ingrid],
die von ihm auf Gut Apelern, bei Bückeburg,
wo er bei seiner Stiefmutter Elisabeth, gebor. von
Mandelsloh, Zuflucht fand, betreut werden, []
während Ursula in engl[ischem] bzw. amerikan[ischem]
Bürodienst zuerst in Minden, dann
Frank-
furt/M. sich u. ihrem Einkommenlosen Mann
den Lebensunterhalt zu ermöglichen. Das
ist der Zwang der Zeit.
Die Familie Wittich, meine Schwester
Marie-
chen u. Schwager Rudolf, konnten sich viele
Jahre lang eines ungetrübten Glücks
erfreu-
en. Ihre harmonische Ehe, deren finanzielle
Grundlage von vorneherein sehr sicher war,
ist schon im ersten Weltkrieg u. erst recht nach
dem Tode unserer Mutter zum Mittelpunkt
der Familie geworden, wobei Mariechen die
Hahnische Tradition treu erhält u. mit allen
Verwandten in Verbindung bleibt. Die großen
Mittel u. die vorzüglichen Eigenschaften der
Eltern kamen den Kindern zu Gute, deren
Er-
ziehung, z. T. nicht einfach, ihr Ziel erreichte:
alle drei sind mit ihren sehr glücklichen Ehen
auf der Höhe geblieben. Alle drei haben gut
geratene Kinder (12 Enkel) waren in guten
Stellungen u. erkämpften sich nach dem II Kriege
neue, freilich nicht ohne Mühe. Walter Strack, []
bereits Landratsvertreter in Großgerau
ge-
worden, schmachtete 3 schwere Jahre in
französi-
scher Gefangenschaft, bis er nach seiner
Befrei-
ung bevorzugt zum Regierungs-Direktor in
Kassel ernannt wurde. Helgo Lampe wurde
nach Grenzach i[n] / Bad[en] verlegt, wohin Lisbet mit
ihren 5 Kindern aus russ[ischer] Zone flüchtend, sich
bald einfand. Werner Wittich, Vater von 2
Buben u. 2 Mädel, stand seit 1939 im Feld,
zuerst am Westwall, beim Durchbruch durch
die Maginot-Linie, dann in der
Besatzungs-
truppe in Frankreich, zuletzt im Osten als
Leutnant u. Nachrichtenoff[i]z[ier] bei einem Inf[anterie]
Reg[imen]tsstab. Er wurde gefangen, lange Zeit
vermißt, bis monatl[lich] Lebenszeichen an
sei-
ne schwergeprüfte Frau Jula eintrafen, die
eine Rückkehr im Jahre [19]48 erhoffen lassen.
Nicht alles ist Wittichs in den Schoß
gefal-
len. Maries Leben war nicht sorgenfrei u.
von vielen Pflichten, u. a. im Alice-Frauenverein
angefüllt. Rudolf, dessen Tagblatt mir als
Opern-
referent große Freiheit der Berichterstattung
ge-
währt u. verteidigt hat, u. mich in mancher
fi-
nanzieller Spannung mit Rat u. Tat
unter-
stützte, hat im Beruf u. Geschäft, in Kämpfen []
und Krisen viele Widerstände brechen
müssen. In den letzten Kriegsjahren mußte er
erleben, daß das Darmstädter Tagblatt,
Jahr-
hunderte im Besitz der Familie, auf Befehl der
Gauleitung zum Einstellen gezwungen wurde:
ging dies auch ihn persönlich nicht unmittelbar
an, da er ja nur noch die Druckerei besaß, so
traf ihn damit doch ein harter, sachlich kaum zu
begründender Schlag, der seelisch schwer zu tragen
war. Ein Jahr vorher hatte er sein
Eichbergsträ-
ßer Haus nach etwa 40 jährigem Besitz
ver-
kauft, weil es steuerlich hochbelastet ihm
unren-
tabel, auch sonst unbequem geworden war,
nachdem alle 3 Kinder verheiratet nicht mehr
drin wohnten, u. diese am späteren Besitz kein
Interesse besaßen. In dem Wilhelmsträßer Haus
seines verstorbenen Bruders Werner fand er
eine bequeme große Wohnung, in der am
14. Juni 1940 auch sein 70 Geburtstag gefeiert
werden konnte.
Karl v. Hahns drei prächtige Söhne entwuchsen
dem Elternhause in Bad Cannstatt, wo Karl
nach tapfer überwundenen Krisenzeiten in Worms
als zuletzt Oberstl[eutnan]t E Beruf u. Wohnung gefunden
hat. Er starb unerwartet am 6. März 1945 an []
Blinddarm-Entzündung u. hinterließ seine,
selbst gesundheitlich nicht feste, standhafte Frau
Elisabeth, geb. Reinhart, die es mit den oft
schwer kranken Buben in knappen unsicheren
Verhältnissen nicht leicht hatte. Ihr ältester Sohn
Georg, etwas verwöhnt, vermochte die ersten
Fahnenjunkerwochen, vielleicht über Gebühr, scharf
angefaßt, nicht zu ertragen, sattelte aber
un-
ter Verlust ½ Jahres zurück u. wurde 1938
Leut-
nant im Artill[erie] Reg[imen]t 33. Gescheidt u. ehrgeizig,
machte er sicher seinen Weg, verheiratete sich mit
Magda Bausch, Erbhoftochter in
Nieder-
Woellstadt in Oberhessen, geriet beim
Kriegs-
schluß verwundet in Gefangenschaft, aus der
bislang (1948) noch keinerlei Nachricht nachhause
kam. Der zweite Sohn Wolfgang ist als
Leut-
nant in einer Flieger-Nachrichten-Abt[ei]l[un]g 23 jähr[ig]
gefallen; ein bildhübscher blonder Hahn, der in
Kiel auf Ferienbesuch als Junge sich mit
unse-
rem Diether, [gestrichen: der] auf See als Gast mitgenommen,
befreundet hatte. Der jüngste Karlmann, der
zur Marine eingetreten war, lebt als einzig
Uebergebliebener mit s[einer] Mutter in Cannstatt,
be-
schäftigt in der Stuttg[arter] Filiale der Stand[ard]-Oel-Stand[ard] []
Meine Cousine Melie v. Egloffstein, geb.
v. Hahn, von ihrer Familie vergöttert, die
Mit-
leiderin aller Armen, lebte wie eine Heilige im
Mittelalter ihr frommes Leben weiter, stark
geal-
tert u. gebrechlich geworden, in klugem
Gleichge-
wicht ihrer Kräfte. Sie ist im 71. Jahre gestorben,
ruhig, wie sie gelebt hatte, bibelgläubig und
selbstzufrieden. Ihr Sohn Hans – der ältere Kurt
ist im I Weltkrieg gefallen – hat die kleine
Guts-
wirtschaft behalten u. eine von Melies früheren
Maiden geheiratet; er hat 4 Kinder, 2 Söhne, 2
Töchter; seine Frau bewährt sich hervorragend;
er selbst blieb schwer zugänglich u. schweigsam.
Er hieß im Kriege im Reg[imen]tstab 25 loquax der
Schwätzer, im Ulk. – Mila Kolbe, geb. Pistor, war
oft zu Besuch auf dem Schloß, auch beim Tode ihrer
Seelenverwandten, nur geltungsbedürftiger,
über-
spannter, als Melie. Auch ich war früher, auf der
Hin- oder Rückreise von Bayreuth, auch einmal
mit Maria, Gast auf diesem romantischen
Berg-
schloß, als Melies Mann noch am Leben war, der
später unter sonderbaren Umständen in Nürnberg
gestorben ist.
Melies Schwester Therese Bossart, in ganz anderer
Weise ebenso sicher im Leben stehend, leichtgläubig, []
genußfroh, ein Stehaufchen, war nach
drei-
facher Irrfahrt – Aumühle-Hamburg, Ballenstedt –
wieder in Neustrelitz gelandet, wo ihr Sohn
Heinz eine gute Rechtsanwalt-Praxis hatte.
Dolfried, der ältere Sohn – der älteste ist im
I Weltkrieg als Leutnant gefallen – hat, aus
Ame-
rika zurückgekehrt, hat geheiratet u. war im
Begriff, eine Aluminium-Fabrik in Lübtheen
in Mecklenburg hochzubringen, als er in den
II Krieg einberufen wurde, wo er in interessanter
Stellung in Italien Verwendung fand; auf der
Hinreise dorthin besuchter er uns in der Moserstraße.
Jetzt lebt er mit seiner Mutter in Bayreuth, wo
er in der Fahrbereitschaft tätig ist; er ist kinderlos.
Heinz, mit dem Volkssturm ausgerückt, wird
ver-
mißt; ob er je zurückkehrt?
Amelie hat jetzt ihren dritten Mann, früheren
engl[ischer] Offizier im I Weltkrieg, Farmbesitzer,
Schrift-
steller u. Geschäftsmann, nachdem die erste Ehe
Corleis unter beiderseitigem Skandal geschieden
wurde, die zweite durch Selbstmord des Gatten
endete. Sparrow, so heißt der dritte, hatte sich
in Hamburg niedergelassen, um eine Erfindung
(Feldbagger) auszubilden u. auszubeuten. Er
ist deutschfreundlich, ja bewundernd gesinnt, ein
sympatischer Mensch, Amelie Engländerin geworden. []
Wir haben im Frühjahr [19]39 als Gäste 14 Tage
bei ihnen an der Außenalster schöne Tage
ver-
lebt. Bei Kriegsausbruch flüchteten sie nach
Amerika, kehrten nach England zurück, wo
Amelie ein Töchterchen gebar, das später einem
W-Geschoß zum Opfer fiel, u. leben seit [19]46 in
Godesberg a[m] / Rhein in schöner Villa, wo der Mann
in der Besatzungstruppe tätig ist. Amelie
ist rührend anhänglich an uns u. schickt oft
kostbare Päckchen; sie bleibt trotz ihrer etwas
ausgefallenen Lebensführung persönlich
unwi-
derstehlich, gescheit u. das Herz auf dem rechten
Fleck, und daher allseitig sich durchsetzend.
Mit zwei Familien der weiteren
Verwandt-
schaft gewannen wir wieder Fühlung: v. Hof
manns u. Breyers; erstere aus Koblenz
kom-
mend bezogen in Darmstadt Wohnung;
Breyers von Stuttgart her in ihrem Auerbacher
Häuschen. Mit Ernst u. Elisabeth v. Hofmann
traten wir, obwohl ihre Interessen u.
Lebens-
gewohnheiten weit von den unsrigen getrennt
waren, in angenehmen verwandtschaftl[ichem] und
freundschaftl[ichem] Verkehr, zumal sie an unseren
Söh-
nen u. Enkeln Freude hatten. Mit Robert u. Sofie
Breyer war es schwerer, warm zu werden, da []
er die verschlossene Schwaben-Natur besitzt,
u. Sofie die geltungsbedürftige Eigenschaft
einer verwöhnten schönen Frau hat. Sein
vornehmer Charakter u. feines Künstlertum
machten ihn uns wertvoll. Er ist am 26. Febr[uar]
1941 an Lungen-Entzündung im 75.
Lebens-
jahr gestorben. Sofie zog nach Verkauf des
Auerbacher Hauses nach Darmstadt u. wohnt
nach ihrer Ausbombung in Gundernhausen i[m] / O[denwald]
auf dem früher v. Grolmannischen, jetzt Fr[ei]h[err] v.
Heylschen Gut. Sie hatte aus dem Verkauf des
Bilder-Nachlasses ihres Mannes, der auf einer
Gedächtnisausstellung für den einstigen
Akade-
miedirektors in Stuttgart Aufsehen erregte, ein
Vermögen erworben.
Mit Schwager Edmund u. seiner Frau Gabriele
in Karlsruhe standen wir seit Großmutters
Dambacher Tode wieder auf gutem Fuße; sie
besuchten uns öfter mit ihrem modernen
Wa-
gen, den sie hervorragend lenkt. Nach Edmunds
Tod am [nachträglich eingefügt: 22.8.1938] hat Gabriele das Haus in der
Jahnstraße verkauft u. ist nach Baden-Baden
gezogen. Näheres über Beide enthält meine
Geschichte der Familie Dambacher.
Am 3. April [19]42 starb Lieschen Deninger, geb. []
Pistor, die fast alljährlich als Hausgast bei
uns gewesen war, eine scharmante Frau
Alt-Mainzer Stils – ihre Mutter geb. Kupferberg
Sie hing mit warmem Herzen an der
Fa-
milienverbindung Pistor - Hahn von den
Ur-
großeltern her, deren Grab auf dem alten
Friedhof mit dem unsrigen gemeinsame
Mauer hat. Von den Pistorischen Nachfahren
stehen wir ihrer Tochter Maria Hoffbaur am
nächsten, die in Ballenstedt/Harz wohnt u.
auch schon Großmutter ist.
Am 9. April [19]42 erreichte uns die Nachricht
vom Tode eines Vetters von Lieschen, des
Karl Pistor, besten Freundes meines
verstor-
benen Bruders Bernhard. Er war wie dieser
im Auswärtigen Amt, viele Jahre in
süda-
merikanischen Staaten zu gefährlichen Zeiten
von Kriegen u. Revolutionen Botschaftsrat u.
Gesandter, wo er offenbar sich ein klimatisches
Leiden zuzog, dem er, der im I Weltkrieg im
Großh[erzoglichen] Artilleriekorps ein anerkannt tüchtiger
Batterieführer gewesen, auf seinem Landsitz
in Marquardtstein erlag. Er hinterließ eine
sympatische Frau mit 1 Sohn erster Ehe u. zwei []
eigene Töchter ausgeprägt Pistorischer Art.
Mein Bruder Fritz ist 1941 achtzig Jahre
alt geworden, rüstig, gesund u. geistig auf
voller Höhe, während das Nervenleiden seiner
Frau in wechselnden Formen geblieben ist:
bedauernswert Beide u. bewundernswert im
Leiden u. im Dulden. Fritz betätigt sich im
Roten Kreuz, im Altertums u. Historischen Verein
u. schreibt mit unermüdlichem Fleiß u.
archivali-
scher Genauigkeit die Hahnische u. Rothesche
Fa-
miliengeschichte nebst Stammbäumen,
Ahnen-
tafeln u. Photo-Sammlungen.
Nach dieser langen Verwandtenreise kehre ich
zu mir zurück, zu Maria, unseren Söhnen und Enkeln.
Maria und ich durften Dank unserer
Ueber-
einstimmung u zielklarer Erziehung an
un-
seren Kindern Glück u. Freude erleben.
Diether stand seit 1938 in Cuxhaven als
Ka-
pitänleutnant (Hauptmann) Er hatte das
Kommando seines Minensuchboots abgegeben
u. einen Flottenbegleiter erhalten, der, [über der Zeile eingefügt: ein] ganz
neues, blitzsauberes Schiff, ihm große Freude
machte. Er war bei der Mobilmachung natürlich
gleich in See, auf Vorposten gegen England.
[]
Gisbert hatte das Glück, als Leutnant der
schnellsten Waffe der neuen Wehrmacht die
Aufnahme Oesterreichs ins Reich in Wien,
u. die beiden kalt verlaufenen Operationen
in Böhmen u. im Sudetenland in vorderster
Front mitmachen zu dürfen. Er stand seit
November [gestrichen: 42; über der Zeile eingefügt: [19]38] mit der Aufklärungs-Abt[ei]l[un]g 20
in Hamburg. Beide gehörten also den
vorder-
sten Verbänden ihrer Waffen an. Der Vater
war befriedigt.
Ihre wesentlich verschiedene Entwicklung
schritt nach dem Gesetz, nach dem sie
angetre-
ten fort. Diether, brief- u. wortkarg, immer
schroffer werdend, entwächst, einzig seinem
Beruf u. seiner Familie leidenschaftlich sich
widmend, mehr u. mehr dem süddeutschen
Elternhause, an das Gisbert voll
Anhänglich-
keit Anschluß zu halten, bestrebt ist. Gisbert
braucht Umgang mit Freunden, die er
über-
all sich gewinnt, u. Verkehr in Familien, die
sich ihm gern öffnen. Diether, ebenso wie Elle,
ist sich selbst genug, obwohl er Gastlichkeit liebt
u. pflegt. Beide stellen nicht geringe Ansprüche
ans Leben, halten auf Formen u. Stil, und []
versäumen nichts, was die interessante
Zeit, in der sie leben, bietet. Ernste Naturen,
politisch zum Führer stehend, moderne
Men-
schen, ohne aufzuhören, Aristokraten zu sein.
Natürlich haben sie auch ihre Schwächen, ja
Fehler. Sie sind hart, daher im Grenzfall
Starrköpfe, selbstsicher bis zur
Rücksichtslosig-
keit, lebens u. genußfroh bis zur
Feinschmecke-
rei, gutgläubig bis zum enttäuschenden
Reinfall. Ihr männliches Wesen ohne Falsch,
ihr sicheres Auftreten ohne Schmußerei ist
Hahnisches Erbteil, das Herz auf dem rechten
Fleck haben sie von ihrer Mutter. Finanziell
sind sie beide schon vom 20. Lebensjahre vom
Vater unabhängig.
Beide Söhne haben sich im Krieg gut bewährt.
Gisbert machte den ganzen Polenfeldzug mit.
Er war als Panzerspähtruppführer stets an der
Spitze seiner motorisierten 20. Division unter
dem Generalk[omman]do Guderian, zuerst vor Graudenz,
dann aus Ostpreußen heraus am Narew -
mei-
nem Kampfgebiet 1915 – dann vor Warschau,
schließlich in Brestlitowsk, u. befand sich oft in
recht gefährlichen Lagen. Er erhielt bereits am []
2. Sept[ember] [19]39 das eiserne Kreuz. Er kehrte heil
zurück u. blieb 3 Monate in Garnison
Ham-
burg, um alsdann in Westfalen bereitgestellt
zu werden u. wurde Abt[ei]l[un]gs-Adjutant. Als
solcher machte er den Feldzug im Westen mit
in Holland, Belgien, Frankreich, kämpfte
bei Arras, Lorettohöhe, Calais, Dünkirchen,
dann in der Verfolgung von Sedan bis
Be-
sancon u. nach dem Waffenstillstand auf
Dörfern südlich Paris als mittlerweile
Ober-
leutnant u. Ortsk[omman]dant. Im russischen Krieg
aufs Neue eingesetzt, zuletzt im
Nordab-
schnitt Ladogasee – Ilmensee, stand er in
jenem kalten Winter in schwersten Kämpfen,
die unsere Truppen fast zum Ausbluten
brach-
ten, wechselnd als Ordonnanzoff[i]z[ier] des
Divi-
sionsstabs u. als Chef seiner treuen Kompanie,
mit der [über der Zeile eingefügt: er] eng verwachsen war, u. die er schon
im Westen mit Auszeichnung zum Sieg
ge-
führt hatte, geschmückt mit den eisernen
Kreu-
zen II u I. u. dem Panzersturm-Abzeichen.
Im Februar [19]42 wurde er am Wolchow schwer
verwundet durch Granatwerferbeschuß; wurde
erst im R[eserve] L[azarett] Lötzen, dann in Celle ärztlich
be-
handelt, am 10. März dort operiert: Verlust []
des linken Auges! Da er sonst wie durch
ein Wunder völlig unversehrt geblieben, konnte
er Offizier bleiben u. wurde, nach 3 Wochen schon
aus der Behandlung entlassen, sofort verwendet
als Lehrer auf der Schule für schnelle Truppen
(frühere Kavallerieschule) in Krampnitz-Potsdam.
Die Eltern hatten ihn in Celle sofort besucht, der
Operation beigewohnt. Dann erfreute er uns für
kurze Zeit auf Urlaub in Darmstadt, wo schwere
Entscheidungen zu treffen waren. Seine Braut,
die schon im Winter [19]41/42 sich lieblos benommen
hatte, versagte, als er schwerverwundet
heimge-
kehrt war, derart herzlos, daß er in vollem
Ein-
verständnis mit den Eltern die Verlobung mit
ihr auflöste.
Gisbert hatte sich nämlich Weihnachten [19]39
verlobt. Er lernte Annelis Lossen in Stuttgart
kennen, im Hause von Karl u. Elisabeth von
Hahn, wo er wie ein Sohn gehalten war.
Wir sahen sie dort als seine Freundin; sie
gefiel uns. Wir Eltern hatten jedoch gegen eine
eheliche Verbindung starke Einwände. Ihr Vater,
von seiner Frau nach unschönem Zerwürfnis
getrennt lebend, ist anormal, obwohl geistig
u. musikalisch bedeutend, u. anerkannter
Röntgen-
spezialist, war lungenkrank u. gehört einer []
streng katholischen Familie an, auch war
die arische Abstammung nicht ganz klar.
Es gelang Gisbert, der nicht von ihr ließ,
alle unsere Vorbehalte zu beseitigen und
wir brauchten unsere Einwilligung nicht zu
bereuen, indem wir in der hochblonden, sehr
intelligenten, praktisch-gewandten, grade
20-
jährigen eine ausgesprochene Persönlichkeit
von starkem Charakter erkannten, die sich
über-
all durchzusetzen verstand. Sie hat auf
Uni-
versität Bonn die Prüfung als technische
Assi-
stentin mit sehr gut bestanden u. war seit [19]40
als solche in Stellung auf der
Universitäts-
klinik Bonn. Von ihrer Praxis leidenschaftlich
gefesselt, u. durch protzige Freundinen
verdor-
ben, kühlte sich ihr Interesse für Gisbert ab;
auch schien sie sich als künftige
Offiziersgat-
tin nicht zu gefallen. Sie hat sich getröstet
und einen Arzt geheiratet, der eine Klinik
am Drachenfels leitet, und ist, wie wir selbst v
on ihr erfuhren, glücklich u. zufrieden.
Diether hat die Besitzergreifung des
Memellandes mitgemacht; sein Boot war die
erste Flotteneinheit, die in den Hafen einfuhr. []
Er wirkte vor Hela u. Gdingen mit,
wur-
de aber bald zum Minen u.
Aufklärungs-
dienst in die Nordsee abberufen. Eine
län-
gere Werftliegezeit in Hamburg brachte die
Brüder zusammen. Dort waren sie die
verwöh-
nten Hausfreunde von Kammersänger
Herr-
mann u. Frau Olga, die durch ihre Besuche
der letzten Jahre in unserm Hause uns
sehr nahe gekommen waren, u. nun ihre
Dank-
barkeit an den Söhnen bewiesen. Vor dem
Krieg hatten die Eltern das Glück, zu Ostern
die ganze Familie versammelt zu sehen in
Cuxhaven zur Namengebung des dritten
Hahnensprosses Dirk: sonnige Tage bei Elle
u. Diether in ihrem geschmackvollen Heim, am
Strand u. auf seinem Boot, das er stolz uns,
dort zum Essen eingeladen, zeigte.
Es sollte unser letztes Zusammensein werden!
Noch sahen wir ihn, von der Kommandobrücke
aus uns zuwinkend, sein Boot in elegantem
Bogen vom Kai ausfahren: es war sein
letz-
ter Gruß! Im Dezember war er es, der die
„Bremen“ schutzgeleitend sicher zum
Heimatsha-
fen brachte, und tags darauf geleitete seine []
Flotille ein deutsches havariertes
Kriegs-
schiff nach Kiel. Bei diesem Auftrag hat
er den frühen Heldentod gefunden, indem
sein Boot durch Torpedoschuß eines
engli-
schen Ubootes nahezu mit Mann u. Maus
vernichtet wurde.
Das war der schwerste, härteste Schicksalsschlag,
der uns treffen konnte, den ich nie
über-
wand, nie überwinden werde: unseren
strah-
lenden, begabten, erfolgreichen,
hoffnungs-
vollen Sohn, den inniggeliebten in idealer
Ehe verbundenen [gestrichen: Sohn] Gatten, den
glückli-
chen Vater von drei strammen, intelligenten
Buben ins frühe Grab sinken zu sehen –
war ein bitterer unersetzlicher Verlust.
Ich habe dem Tapferen in einer besonderen
Lebensgeschichte ein Denkmal gesetzt, auf
die ich verweise. Uns ist er unvergeßlich,
ja unsterblich. Robert Berger hat im
Jahre 1942 – Diether fiel am 14. Dez[ember] 1939 –
ein lebensgroßes Oelbildnis von ihm
ge-
malt, das ihm mit meiner Hilfe gut
ge-
lungen ist. Ich stand ihm in meines Sohnes
Uniformstücken wohl 5 – 6 mal Modell. []
Robert hatte es grade vollendet, als
er starb (Febr[uar] [19]42) Das Bild war
vor-
läufig in unserem Darmstädter Haus
geborgen, auch wurde es aus dem Brand
gerettet u. endlich 1948 nach Cuxhaven
zur hochbefriedigten Elle gesandt, die in
dieser letzten Garnison wohnen geblieben
ist mit den Buben und ihrer nach dem Tode
ihres Mannes (Fliegerbombe ins Büro) zu
ihr gezogenen Mutter in ausreichender, wenn
auch sehr kalter moderner Wohnung.
Jetzt endlich kommt meine Frau an die
Reihe. Maria ist sich im Ganzen gleich
ge-
blieben, vom ersten Tag unserer glücklichen
Ehe bis heute. Wie muß ich zu beneiden
sein, einen solchen Schatz von Liebe, Treue,
Opferbereitschaft u. Arbeitsfreude zu besitzen.
Sie blieb dank ihrer Geschäftigkeit u.
tägli-
chen Gymnastik beweglich u. gesund, fand
dankbares Glück in ihren Söhnen u. Enkeln,
von denen sie nur allzuweit getrennt ist,
u. betreut ihren älter werdenden Gatten,
der mehr u. mehr unter den Pantoffel zu []
kommen, sich gefallen läßt. Meine
Lei-
stungsfähigkeit läßt bei langsam
zu-
nehmendem Kräfteschwund nur wenig
nach, ich muß[gestrichen: te] zwar Spaziergänge und
Gartenarbeit einschränken oder
verlang-
samen und ziehe mich immer mehr vom
Verkehr zurück, der auch wertvoller sein
dürfte. Ich war von jeher kein Freund von
Früh u. Abendschoppen. An derlei runden
Tischen sitzen wohl oft originelle Köpfe; auch
die Kameraden-Abende sind nie
langwei-
lig, aber ohne würkliche Ausbeute, wenn nicht
die neusten Witze dazu rechnen. Nach Klatsch
trage ich kein Gelüsten: Lehrer, Pfarrer,
Philosophen sind nicht mein Geschmack;
höh-
ere Beamte, Geschäftsleute,
Industriedirekto-
ren, Schriftsteller schon eher. Da bleiben eben
immer wieder nur die Künstler. Aber sie sind,
seitdem die Kunst politisch geworden ist, nicht
mehr die alten; sind mir außerdem auch
ferner gerückt, nachdem ich nicht mehr
Vor-
sitzender des aufgelösten Rich[ard] Wagner-Vereins
bin, nicht mehr Opernkritiker, nicht mehr
Aus-[]
stellungsleiter der Mathildenhöhe.
Da-
mals haben aus der Mitte der Virtuosen,
Sänger, Komponisten, der Regisseure,
Diri-
genten, Maler, Bildhauer, Architekten,
Schrift-
steller viele in unserem Hause verkehrt,
in dem wir – wozu es vorzüglich geeignete
Räume besaß – einen großen Kreis zu
unseren Tee-Abenden (50 – 70 Personen)
einen intimeren zu Erdbeer, Pfirsisch-Ana-
nas-Bowlen vereinigten – die berühmt
waren – oder elegante Jugend zu
Tanz-
Abenden für unsere Söhne einluden.
Die Adelsgesellschaft, der wir aus
Grund-
satz u. Tradition angehörten veranstaltete
zwar im Winter oder an Festtagen
ge-
meinsame Essen u. Tanzfeste. Die
Unterhal-
tung jedoch erschöpfte sich in Resignation,
Ressentiments u. überlebter Exklusivität.
Die später durch Oberstl[eutnan]t v. Harnier (August
v. Westerweller war Vorsitzender)
eingeführ-
ten sommerlichen Autobus-Ausflüge nach
Worms, Kloster Eberbach u. a. dagegen waren
erfreulich u. belebend. – Alljährlich fuhren wir
nach Heidelberg zu Besuch bei meinem alten []
Reg[imen]tskamerad Michelly, zu Ausflügen
an den Neckar, oder auch Wimpfen, das
wir noch nicht mit seinen mittelalterlichen
Sehenswürdigkeiten kannten. Auch
gewan-
nen wir in dem früheren Finanzminister
Kirnberger einen anregenden Verkehr.
Großes Interesse hatte ich am Artilleriekasi-
no, dessen Umzug u. Wiederaufbau in altem
Sinne in den früheren erinnerungsreichen
Räumen der alten Artilleriekaserne ich
leitete u. durchsetzen mußte, da hierbei
Exz[ellenz] v. Kleinschmit, unser Vorsitzende[r] versagte.
Auch die spätere Uebergabe an das
Tradi-
tionsregiment [19]33 vollzog ich aus
demsel-
ben Grunde allein mit Unterstützung des
treuen Stabszahlmeister Behrend. Auch
schließ-
lich die freiwillig im Oktober [19]38 erfolgte
Auflösung unseres Offizier-Vereins schlug
ich als amtlicher Nachfolger Kleinschmits
bevollmächtigt, vor, setzte sie durch u. führte
sie aus, unter Ueberweisung sämtlicher
Möbel, wertvollen Bilder, Andenken u. des
beträchtlichen Silberschatzes, der durch Rückgabe
vieler in Händen von Kameraden befindlichen []
Stücke ergänzt wurde. Diese Aufgaben
zu Ende zu führen, haben mir viel
Zeit, manche Mühen u. Aerger gekostet,
aber die Zufriedenheit aller Kameraden
gefunden. Ich traf die Einrichtung, daß
wir Darmstädter Herrn u. alle
Durchreisen-
de oder in Nähe Ansessigen uns monatl[ich]
einmal in der Gaststätte von Christ Ab[en]ds
von 6 – 8 Uhr versammelten, u. ich hatte die
Freude, daß die Beteiligung fast immer
vollzählig war, u. dieser zwanglose
Ver-
kehr, anfangs auch verbunden mit
ge-
meinschaftlichen Essen, in herzlicher
Kame-
radschaft, ja Freundschaft von Vielen,
herz-
erfrischend verlief.
Wenn irgend möglich suchte ich
alljähr-
lich im Frühjahr oder Sommer Erholung in
höher gelegenen Orten in schöner
Land-
schaft; so in Freudenstadt, in Oberstdorf,
in Schauinsland i/ Schwarzwald, während
Maria unsere Enkel in Cuxhaven
besuch-
te. Zuhause schrieb ich allerlei kleine
Ab-
handl[un]gen u. Memoiren-Büchelchen.
Wie stellte ich mich nun in all‘ dieser Zeit
zu Hitler u. seinem sogenannten III Reich ?
Mit fast all‘ meinen Freunden u. Bekannten
u. der Mehrzahl der Verwandten zu Hitler
posi-
tiv, zur Partei u. h[au]pts[ächlich] zu den völlig
ungeeig-
neten Gau u. Kreisleitern ablehnend – obgleich
dies ja im Grunde nicht zu trennen war.
Wir alten Offiziere mußten die Aufrüstung
der Wehrmacht mit den neuesten, stärksten
Waf-
fen zu Lande, in der Luft u. in der mit
Eng-
land vertragsmäßig verstärkten Marine
auf-
richtig begrüßen. Die Arbeiterschaft schien
befrie-
digt, hatte Arbeit, Lohn u. Brot, Freizeit u.
Aus-
spann; die Arbeitslosigkeit war beseitigt.
Große u. schnelle Erfolge in der Innen u.
Außen-
politik waren unbestreitbar. Hitler schien jedes
Wagnis zu glücken; das Ausland schwieg wie
gelähmt. Die Olympia-Feier verlief glänzend.
Die Judenfrage freilich war völlig falsch
ange-
packt u. wurde so rigoros durchgeführt, daß die
ganze Welt empört war. Das Kulturprogramm
vollends konnte ich keinesfalls billigen, wie auch
alle jungen Künstler empört diese rückschrittliche []
Knebelung verdammten.
Mit dem Einbezug Oesterreichs, Böhmens, des
Sudetenlandes, der Rückgewinnung des linken
Rheinufers, Elsaßlothringens u. des Saarlandes
glaubten wir sei der Machthunger gestillt.
Als sich aber Hitler zum Krieg gegen Polen
entschloß, wurden wir bedenklich, schöpften jedoch
neue Hoffnung, da dieser wie die folgenden
gegen Holland, Belgien, Frankreich mit
genia-
ler Führung u. glänzend sich bewährender
Trup-
pe geführten Kriege in kürzesten Fristen
sieg-
reich endeten.
Es waren Täuschungen; wir waren schlecht u.
falsch unterrichtet. Wir hätten merken müssen,
wie schon damals die verhängnisvollen
Diktator-
Eigenschaften Hitlers von Grausamkeit,
Schau-
spielerei, maßloser Machtgier u. krankhafter
Tyrannei im Spiele waren, die anfangs
ver-
deckt, später kraß u. unmenschlich zu
verheeren-
der Auswirkung gekommen sind. Die
Rückerin-
nerung an diese sonderbare Zeit hat einen
sü-
ßen u. einen bitteren Nachgeschmack. Der süße
besteht in dem stolzen Gefühl, daß unsere deutsche
Wehrmacht dank der Genialität der Führung, []
der Vortrefflichkeit der Truppe, der Tapferkeit der
Heimat, Siegeszüge von geschichtlich einmaliger
Größe vollbracht hat. Den bitteren Geschmack bringt
die Versäumnis der Generalität, dem Größenwahn
Hitlers rechtzeitig Widerstand geleistet zu haben,
die Ohnmacht des Volkes, seine Tyrannei
abzuschüt-
teln, das Versagen der Diplomatie, den Krieg zu
vermeiden u. mit den Errungenschaften von 1938
Deutschland im Frieden sich genügen zu lassen.
Die Jahre von 1944 an sollten für unsere
ganze Familie, wie überhaupt für Deutschland
Schicksalsjahre werden, die eine schreckliche
Zu-
kunft bestimmten. In den letzten Jahren der
Einschränkung aller Lebensbedingungen war
es mir gelungen, unsere finanzielle Lage
günstig zu ordnen. Die s[einer] Z[ei]t zum Hausbau
ge-
gebenen Darlehen von Staat u. Stadt wurden
zusammengelegt zu einer einzigen ersten
Hypo-
thek u. von der Frankfurter Hypothekenbank
über-
nommen in der Höhe von 60.000 M[ar]k, nachdem die
Schätzung des heutigen Wertes unseres Hauses
100.000 M[ar]k ergeben hatte (Gutachten des Architekt
F[riedrich] Soeder) Die Hypothekenzinsen betrugen 220 M[ar]k,
der Eingang der Mieten 270 M[ar]k monatlich, sodaß
wir einschl[ießlich] Steuern, Wasser, Kohlen nur für 100 M[ar]k []
wohnten, und bei meinem Ruhegehalt von
570 M[ar]k monatl[lich] ein bequemes Auskommen
bei unseren mäßigen Ansprüchen möglich war
unter Genuß vieler Annehmlichkeiten, des
Gar-
tens, der Nebenräume in Keller, Speicher u. a.
Haus u. Garten waren gut im Stand u. gepflegt.
Die Parterre-Mieterin Frau Becker war
ange-
nehm, ihre sympatische, kluge u. tüchtige Tochter
Ella, seit Jahren Assistentin bei Nervenarzt Dr.
Schuchardt, wurde uns zur Freundin. Die Mieterin
der Mansarde Frau Steinberger, nebst ihrem
bra-
ven Zwillingspaar, war ruhig u. verständig.
Unsere gegen früher beschränkten Wohnräume
im I Stock behagten uns sehr. Neben mäßig
abgehörtem Radioempfang fing ich wieder an
Klavier zu spielen u. arbeitete oft Vormittags
auf der schönen u. bequem eingerichteten
Landes-
bibliothek, um den Stoff für meine kleinen
Ab-
handlungen zu sammeln, las u. schrieb viel.
Der Garten hatte neuen Rheinkies erhalten u.
war ein Paradies von Stauden u. Rosen. Obst
aller Art brachte reichen köstlichen Segen,
jun-
ges edles Buschobst wurde gepflanzt; Tomaten
u. Bohnen kommen hinzu. Die nette Oestereicherin
Mitzi Burger war uns eine vielseitig gewandte []
liebe Hausgehilfin.
Gisbert hatte sich nach Auflösung seiner
Ver-
lobung mit Annelis Lossen anderwärtig
um-
gesehen u. sich im Frühjahr 1944 mit Dorothee
Werner auf Gut Wendelstorf in Mecklenburg
verlobt, der ältesten Tochter meines
Kriegsregi-
mentskameraden Heinrich Werner, mit dessen
Familie ich in Verbindung geblieben war,
auch nach seinem Tode infolge Lungenschusses
im II Weltkriege. Diese durch Achtung,
gesell-
schaftliche Stellung, Gesundheit u. gute
finan-
zielle Lage gesicherte Verbindung war den
Eltern vorbehaltlos genehm, u. wir durften
annehmen, daß zumal bei den vorzüglichen
Eigenschaften seiner Braut, Gisberts Glück
nun endlich gefunden sei.
Bald darauf fand die Hochzeit statt. Eine
Hoch-
zeit auf dem Lande hat immer ihren besonderen
Reiz. Hier kam hinzu, daß in Mecklenburg
vom Krieg noch kaum etwas zu spüren war,
abgesehen etwa von Abgaben, Schwierigkeiten
mit polnischen u. ukrainischen Arbeitern, der
Betrieb im Ganzen fast friedensmäßig laufen
konnte. Was die Verpflegung betraf, lagen die []
Verhältnisse wohl am Günstigsten von allen
deutschen Gauen. So konnte denn auch hierin
die Hochzeitsfeier aus dem Vollen schöpfen und
die im ganzen Schweriner Kreise berühmte
Mamsell Gellert Ehre einlegen, zumal die
Schwiegermutter Werner mit ihrer großzügigen
Gastlichkeit ihres Gleichen suchte.
Die Eltern waren trotz überfüllter Bahnen u.
durch Fliegergefahr veranlaßter Umleitungen
schon Tage vorher auf Wendelstorf eingetroffen
u. konnten die Vorbereitungen miterleben, die
eine Hausgästeschar von 20 Personen benötigte.
Alle kamen wohnlich unter u. uns war ein
beson-
ders nettes sonniges Quartier zugewiesen.
Am Vortag traf der beglückte Gisbert ein. Von
unserer Familie kam nur Anka v. Briesen;
Elle, die gern mit Eyck gekommen wäre,
verzich-
tete schweren Herzens, bedrückt vom Tode ihres
einzigen Bruders, der vor Kurzem nach
überstan-
dener Flecktyphuserkrankung, zum ersten Male
an der französischen Invasionsfront eingesetzt,
gefallen war. – Der Polterabend verlief, unter
der betriebsamen Leitung des ausgebombten
Hamburgers Herrn Kurtz spaßig u. abwechslungsreich []
mit Aufführungen, Gesangstücken, Kuplets,
wobei die Brautleute kräftig mitgenommen
wurden, im Freien einer warmen Sommernacht
wobei ein Musikant aus dem Schweriner
Kriegs-
lazarett die Quetschkommode spielte. In der Pause
labte sich die angeregte Gesellschaft an einem
inzwischen im Speisesaale aufgebauten kalten
Buffet, das alle nur erdenklichen kulinarischen
Genüsse in reicher, köstlicher Fülle darbot.
Sodann begann der Tanz von Jung u. Alt,
wobei Herr v. Schlick aus Müsselmow als maître
de plaisir eine Rolle spielte, der bis in den
frü-
hen Morgen dauerte.
Der Hochzeitstag, 6. August [19]44, ein heißer
Sommer-
tag, begann mit der Ziviltrauung in
Mühlen-
eichsen, wobei der Brautbruder Heinz u. der
ver-
traute Hausarzt Dr. Naegele die Trauzeugen
waren, um 4 Uhr die Trauung in der alten
go-
tischen Backsteinkirche von Großeichsen, die mit
Grün u. Blumen festlich geschmückt war. Die
älteren Gäste fuhren dorthin in Jagdwagen, die
Jugend in Girlanden behangenen Erntewagen,
vierspännig vom Sattel gefahren – ein ländlicher
Anblick – das junge Paar in kleiner Kutsche. []
Das im Herrenhause folgende Festessen,
ge-
würzt mit guten Reden u. ebenso guten
Weinen, Bohnenkaffee, Eierkognak,
Brasilzi-
garren verlief in freudiger Stimmung. Tanz
beschloß auch diesen Tag. Das junge Paar
verbrachte die Nacht im Niederländischen Hof
in Schwerin u. nur eine Flitterwoche in
Salz-
burg, da Gisbert als Divisionsadjutant zur
Westfront gerufen war. Er erkrankte dort an
Gelbsucht, lag wochenlang im Heimatlazarett
im Sauerland, besucht von seiner Frau und
kam zu Weihnachten auf Genesungsurlaub
nach Wendelstorf, wo er die Eltern antraf. –
Denn diese waren am 15. Sept[ember], nachdem ihr
Haus in der Schreckensnacht 11/12 Sept[ember] [19]44 völlig
zerstört u. ihr Hab u. Gut fast gänzlich
ver-
brannt war, hierher geflüchtet.
Wir waren in glücklicher Stimmung von Gisberts
Hochzeit zurückgekehrt, in überfüllten Zügen
zwar, aber von Berlin aus glatt u.
wohlbe-
halten. Fliegeralarm war in Darmstadt selten
geworden. Wir waren ziemlich unbesorgt, als
am Montag, 11. Sept[ember] Nachts die Sirenen heulten.
Wie gewöhnlich versammelten sich die Hausbewohner []
im Keller; ja wir hatten sogar leichtfertig
diesmal nicht so viel an Kleidern, Wäsche,
Schuhen unten, als sonst. Plötzlich wurde es
ernst; die Stadt war taghell überleuchtet.
Die erste Bombe fiel, noch entfernt, die zweite
schon näher. Das Haus erzitterte, wir beugten
uns zur Erde; eine dritte Bombe schlug mit
mächtigem Krach ein. Die Wände wackelten,
die Sicherheitstüren zersplitterten, Wasser lief [an]
den Wänden herunter, Licht ging aus, ein
Geklirr von Glas, Ziegeln, Steinen erschütterte
die Luft, Entsetzen ergriff uns; doch kein
Klagelaut entrang sich unserer bangen Brust.
Nach einigen Minuten starren Wartens
ver-
suchten die Beherzesten die Treppe hinauf die
Seitentüre ins Freie zu öffnen; es glückte,
entgegenschlug aber ein Feuerstrom vom
Nachbarhaus Conzelmann, das in hellen
Flam-
men stand. Trotzdem beschlossen wir Alle, den
Keller zu verlassen, nachdem die
Bombenwür-
fe entfernter klangen. Das Wichtigste an
trag-
baren Mappen, Taschen, Decken, Körben in
Hän-
den traten wir Gottlob lebend ins Freie. Den
über Steingeröll des eingestürzten Vordergiebels []
Kletternden bot sich ein entsetzlicher Anblick.
Unser Haus war von Oben bis Unten
aufge-
rissen, hineingefallene Brandbomben
entzün-
deten das Innere, sodaß alle Stockwerke
gleich-
zeitig in Flammen standen; nur der Kellerstock
schien unversehrt. Wohl hatte die waghalsige
Mitzi, unsere Hausangestellte, u. Frau
Steinber-
ger, wie sie behaupteten, noch die Seitentreppe
ersteigen u. Bettzeug aus der Mansarde bergen
können; kurz darauf stand schon auch dieser
Zugang in beizendem Rauch u. Feuer, vor dem
auch keine Schutzbrille half. Man schleppte das
wenige Gerettete, auch einige Stühle u. Decken
auf das Grundstück neben dem Hause. Wie sah
dieser sonst so gepflegte Garten Dr. Hansens aus?
Zu einer blanken Tenne war er geworden,
alle Gemüsebeete, jeder Baum u. Strauch glatt
weggefegt, die Hütte umgeworfen, die Zäune
verschwunden – so unwiderstehlich hatte der
Luft-
druck gewirkt.
Nun saßen wir trauernd auf einem Häufchen
die Nacht biwakierend, im Anblick des vor unseren
Augen langsam herunterbrennenden stolzen
Hau-
ses. Die Südwand war völlig aufgebrochen u. so []
sahen wir unsere kostbaren Möbel, Vitrine,
Schreibtisch, den wertvollen Frankfurter Schrank,
die Rokoko-Kommode, den Chipendale-Nähtisch
die Truhe, die antiken Lehnstühle, meinen
gelieb-
ten Mandtflügel rotglühend in die Tiefe stürzen.
Neben uns brannte das Kreisleiterhaus, die
große Hypothekenbank ein Flammenmeer, die
Mercksche Villa dem Erdboden gleich, alle Häuser
ringsum zerstört, nur die Pauluskirche kaum
beschädigt, Fenster u. alle Dachziegel weggeflogen.
Die starken Ulmen des Paulusplatzes
zerspal-
ten, die Anlagen verwüstet. Auch unser
Kastanien-
baum vor Ellas Stube an der Wurzel umgelegt.
Eine Wand nach der anderen im Hause stürzte
ein, auch der Ostgiebel mit lautem Getöse, den
Garten überschüttend; das Dach des
Gartenhäus-
chens abgedeckt; die Trennungsmauern zum
völlig kahlrasierten Merckschen Garten
verschwun-
den: ein wahrhaft schaudervoller Anblick und
für uns, die wir mit eigenen Augen, ohne
ret-
ten zu können den Untergang unseres geliebten
Eigentums, den Verlust unseres Habes u. Gutes
zusehen mußten, war es das Ende unseres
selbst-
geschaffenen Besitzes, in dem all‘ unser Glück []
beschlossen war.
Aber, indem ich Maria heiß umarmte, rief
eine innere Stimme: Noch ist alles gewonnen,
denn wir sind in wunderbarer Weise gerettet,
sind heil geblieben u. gesund; ein schönes Leben
ist abgeschlossen, unwiederbringlich dahin, was wir
besaßen, gepflegt, genossen; wir wollen dankbar
sein u. nicht klagen, denn wir haben es gut
ge-
habt; wir wollen aufrecht bleiben im Ertragen
u. Verzichten u. ausharren, bis vielleicht wieder
bessere Zeiten ein neues Aufbauen ermöglichen.
Nachdem wir mit solchen Gedanken eine
traurige Nacht, gewärmt durch Feuersgluten
ringsum im Freien verbracht, war unsere erste
Sorge, wo kommen wir unter, persönlich, u. wo
unsere im Laufe des Tages aus dem noch glühend
heißen Keller herauszuholenden Sachen, deren es
mehr gaben, als wir annahmen, abstellen.
Unsere Zuflucht fand sich zunächst dank Ella
Beckers Vermittlung im wenig zerstörten Haus
Herrn Büchners im Niebergallweg unweit von
uns. Unverschämter Weise belegte Frau
Steinber-
ger unsere Mitzi mit Beschlag zum Wegbringen
ihrer Keller-Reichtümer mit unserem Handwagen
wobei freilich auch manche uns gehöriger Stücke []
mitkamen zu Frau Metz in der Jahnstraße;
u. ich war zu benommen, um dies zu verhindern.
Mitzi stak ja immer mit der intriguierenden
St[einberger] unter einer Decke. Es gab später viele sie
belastende Auseinandersetzungen hierüber.
Unsere Sachen – etwa 15 Gepäckstücke Wäsche,
Kleidung, Schuhe, Bücher, Porzellan, Kristall,
Bil-
der u. a. in Kisten, Truhen, Körben u. lose
wur-
den in der Büchnerschen Waschküche abgestellt,
von Hausmeister Schmidt beaufsichtigt, der sich jedoch
leider später als unzuverlässig erwies. Wir
selbst übernachteten am 13. u. 14. September in Garage
u. Luftschutzkeller, da sich Luftangriffe
wieder-
holten, zusammen mit Frau u. Ella Becker.
So konnte es natürlich nicht weitergehen.
Ein Rundgang durch die nächsten Straßen u.
zu Schwester Wittich ergab, daß diese u. Bruder
Fritz ebenfalls völlig ausgebombt das nackte
Leben gerettet, auch alle verzweifelnden
Be-
kannten in gleiche Lage versetzt waren.
Wohin also? – Die Bombenangriffe
wiederhol-
ten sich auf Bahnhöfe u. Industrieviertel, sodaß
wir, entschlossen, die Stadt zu verlassen, fürchten
mußten, länger zögernd, überh[au]pt nicht mehr
herauszukommen. Baden-Baden zur Schwägerin []
zu flüchten, fiel uns nicht bei, hätte auch nicht
lange gut getan. Auch war es wahrscheinlich,
daß es das gleiche Schicksal treffen, oder bald
Kriegsgebiet würde Vor Beidem glaubten
wir sicher zu sein, wenn wir auf das
Mecklen-
burger Gut flüchteten, dessen Gastlichkeit von
Gisberts Hochzeitsfest uns in angenehmster
Er-
innerung war. Wir entschlossen uns rasch
hier-
zu u. reisten nach einer scheußlichen Nacht im
Bunker des Ostbahnhofs am 15. Sept[ember] ab.
Den Nachteil mußten wir allerdings in Kauf
nehmen, daß wir infolge dieser raschen Abreise
alles, was noch in Keller u. Bügelstube an
klei-
nen Möbeln, Tischen, Stühlen, Betten, Büchern wir
zurückließen, der unsicheren Aufsicht von Jula
Wittich, Ella Becker, Hausmeister Schmidt
überlas-
sen blieb. Und wohin sollten wir mit diesen
Sachen, da es überall nur noch Kellerwohnungen
gab? Die Genannten konnten aber nicht alles,
aber manches Wertvolle bergen, oder selbst in
leih-
weisen Gebrauch nehmen. Der Rest, obwohl im
Heizkeller unter Verschluß u. Riegel u. täglich
nachgesehen, wurde in den Nächten von Einbrechern
gestohlen. Die im unversehrten Heizkeller
verblie-
benen ca. 120 C[en]t[ne]r Koks vergab ich zu Teilen an []
Wittichs, Beckers, Nachbar Conzelmann, der
auch zwei Bettröste empfing.
Die vielfach unterbrochene u. umgeleitete Reise
dauerte 2 Tage. In Schwerin meldeten wir uns
bei Dr. Naegele, der Wendelstorf anrief, es war
Mittag, worauf uns Frau Werner sofort i[m] Wagen
mit Dorothee abholte u. voll Mitleid
verwandt-
schaftlich aufnahm. Wir bekamen das uns
be-
kannte Gastzimmer zugeteilt u. erfuhren jede Art
von Hilfe für unseren Mangel am Nötigsten,
vor Allem auch gleich in den nächsten Tagen
Be-
zugsscheine für Wäsche, Kleidung, Schuhe etc.
so-
wie durchs Landratsamt Schwerin geldliche
Ent-
schädigung von 5000 Mark.
Das geräumige, aber altmodische im Äußeren
u. Inneren offenbar infolge beider Kriege
ver-
nachlässigte Gutshaus war kein eigentliches
Herrn-
haus, so wie sie auf anderen Rittergütern als
Schlösser oder Burgen prunkten, entweder
mittel-
alterlich oder überladen kitschich; es war bäuerlich,
gemütlich u. warm, wenn auch ohne Wohnkultur,
dicht am See gelegen, zu dem jedoch weder
Bal-
kon noch Fenster die Aussicht freigab; der Garten
reiner Nutzgarten, der Park schmal längs des Sees, []
bestanden mit uralten Naturschutz-Buchen,
Eichen, Ulmen, Linden.
Wir fühlten uns wohl u. feierten das
Weihnachts-
fest wie im tiefsten Frieden mit reich gefüllten
Gabentischen für Jedermann u. das Gesinde,
großem Lichterbaum, köstlichen Gänse u.
Puten-
braten, Karpfen, Mokka, Schnäpsen, Sekt,
Bra-
silzigarren, zusammen mit Gisbert u. anderen
Gästen aus Wernerscher Familie, und an jedem
Abend wurde Doppelkopf gespielt. Jetzt erst
er-
fuhr Gisbert ausführlich vom Schicksal unseres
Hauses u. unserer Lage, von der wir im
Uebri-
gen wenig Wesens machten. Denn was hilft
Jammern bei unvorhersehbarem Unglück und
unwiederbringlichen Verlusten?
Gisbert reiste bald wieder ab, in Berlin beim
Stab Rosenberg verwendet u. konnte sich täglich
mit Dorothee in Potsdam treffen, wo diese sich
bei Frau v. Eschwege, Mutter von Frau Naegele,
einquartiert hatte. Er kam dann nochmals
war-
tend zurück u. fuhr erst am 15. März [19]45 auf die
Suche nach seinem Divisionsstab auf Irrfahrten in
ganz Westdeutschland herum, während wir so gut wie []
nichts mehr von ihm zu hören bekamen.
Der Krieg machte sich allmählig auch in
Mecklen-
burg bemerkbar durch meist nach Berlin ziehende
Bombengeschwader bei Nacht, die unbeängstigend
uns Aus[g]epichte, hier Furcht u. Schrecken verursachten.
Tiefe Trauer rief die Todesnachricht vom ältesten
Wernersohn Christian hervor. Heinz, der zweite
seither noch in Ausbild[un]g im Schweriner
Artillerie-
Reg[imen]t, rückte endlich zur Front ab, im Osten bei
Schneidemühl eingesetzt. Nach den letzten
Abwehr-
kämpfen dort, die schwer waren, ist keine
Nach-
richt über ihn eingetroffen; ist er auch gefallen,
oder in russischer Gefangenschaft?
Um über Gisbert fertig zu berichten, so erschien
er plötzlich am 28. Juni in Wendelstorf gesund
u. glücklich wieder bei Frau u. Eltern zu sein.
Hier wurde er gleich in beiderseits erwünschter
Weise als Landwirt eingesetzt u. glaubte sich
geborgen. Aber das Schicksal war ihm nicht hold.
Schon am 21. Juli wurde er von der russ[ischen]
Militär-
Behörde verhaftet u. verschleppt, zuerst im
Nach-
barort Dalberg, dann [mit Bleistift über der Zeile eingefügt: in] Schwerin gespürt, wo ihn
Dorothee, die ihm Kleidung u. Verpflegung bringen
wollte, schon nicht mehr antraf. Danach kam kein []
noch so kurzes Lebenszeichen mehr an uns.
Näheres lese man in Gisberts Lebensgeschichte
von mir u. Gefangenschaftsbericht von ihm.
In Wendelstorf hatten sich inzwischen
die Verhältnisse von Grund auf verändert.
Der Krieg, vor dem sich Mecklenburg sicher
glaub-
te, kam auch dorthin mit Straßenfliegern u.
Bomben. Am 1. Mai u. folg[ende] Tage überfielen
kurzhintereinander amerikanische, englische,
russische Truppen das Gut, die mit
Plünderun-
gen, Beschlagnahmen, Belästigungen schlimmster
Art (auch durch Neger) sich bemerkbar machten,
wozu alsdann in zunehmenden Maße die
kommu-
nistische Zwangsherrschaft kam. Grade im
junker-
lichen Mecklenburg, wo die Konservativen,
einsei-
tig agrarischen Rittergutsbesitzer die Jahrhunderte
alte Vorherrschaft in Händen hielten gegenüber
einer unterdrückten, verarmten, rückständigen
Arbeiter u. Bauernschaft, waren die Gegensätze
immer scharf u. explodierten nun, die russische
Waffe hinter sich, in Haß, Verfolgung, Neid u.
Rache. Etwa 160 Gutsherrn wurden mit ihren
Fa-
milien mit Frist von Tagen, ja Stunden, von []
Haus u. Hof in unbarmherziger Weise verjagt,
Viehbestand, Inventar, Mobiliar in barbarischer
Wut geplündert, gestohlen, zerstört u. die Menschen,
wie sie standen u. gingen, auf die Straße gesetzt,
all‘ ihrer Habe ohne Entschädigung beraubt.
Frau Werner wurde zunächst glimpflich
behandelt, durfte auf dem Besitz bleiben, da sie
ihrer Arbeiterschaft gegenüber – Polen, Ukrainer –
klug u. mildtätig gewesen u. den besten Ruf
genoß. Aber als das Gut auf 40 Neusiedler
auf-
geteilt u. sie selbst enteignet war, dauerte es
nur noch wenige Monate, bis auch sie
wegge-
jagt wurde, aber wenigstens in Schwerin zu
bleiben Erlaubnis erhielt, wo sie bei Freunden
in 2 Zimmern für sich u ihre 4 Töchter Zuflucht
fand, während die meisten anderen
Besitzerfa-
milien nach Thüringen ausgewiesen waren.
Nachdem schon im Sommer [19]45 große Trecks,
- 950 Personen, 200 Wagen, 3 – 400 Pferde von
Ostflüchtlingen – das Gut halb aufgefressen
hat-
ten, etwa 100 andere Evakuierte Unterkunft
beanspruchten, die Küche knapp, das Gesinde untreu
geworden, war auch für uns ein Bleiben nicht
mehr angängig. Längst hatten wir ja unser []
erstes Quartier aufgeben müssen u. waren
in immer engerem Zusammenrücken, erst in die
Schneiderin-Wohnung im Nebenbau, dann in das
große Zimmer von Kurtzens gezogen, die übrigens
beim ersten Nahen des Feindes mit Sack u. Pack
Reißaus nahmen, schließlich in Frau Werners
Schlafzimmer untergekommen, in dem wir zuletzt
die Mahlzeiten mit Frau v. Massenbach
einnah-
men. Deren unlängst verstorbener Mann, Besitzer
eines großen Rittergutes im Warthegau, war im
I Weltkrieg der beste Abt[ei]l[un]gsk[omman]deur meines
Kriegs-
Reg[iment]ts gewesen. Wir waren uns also nicht fremd
u. seine Frau, ebenfalls eine tüchtige Landfrau,
uns sehr sympatisch. Im Frühjahr [19]45 kam sie
angetreckt, nachdem sie Hab u. Gut verloren,
nach Wendelstorf, wo sie früher oft auf Besuch
ge-
wesen, mit Wagen, Pferden, Dienerschaft an u.
konnte nun nicht mehr weg, wußte auch nicht
wohin, da ihr die Heimat verloren war, u. ihr
einziger Sohn früh gestorben.
Meine persönlichen Verhältnisse hatten sich
in-
zwischen grundlegend verändert. Seit 1. April [19]45
wurden sowohl der Ruhegehalt (570 M[ark]) wie die
Bezüge des Kriegsschädenamts (320 M[ark]) gesperrt,
[]
sodaß ich, vorher finanziell recht gut gestellt,
nun ohne jede geringste Einnahme dastand.
Alle Steuer u. Hypotheken-Forderungen konnte
ich stunden lassen. Die Monatspension an Frau
Werner mußte ich schuldig bleiben, habe aber
später diese Schuld mit Hilfe von Alfred Wolff
in München abtragen können.
Maria war es auch nicht gut gegangen.
Bereits vor Weihnachten u. im Januar hatte sie
peinliche Auseinandersetzungen mit Frau W[erner]
kleine Verkehrsfehler, Lappalien, die jedoch die
verwöhnte u. angebetete Gutsfrau übelnahm u.
maßlos übertrieb gegenüber Maria, deren
gü-
tiges, bescheidenes Wesen sie nicht zu verstehen
ver-
mochte. Im Februar bezichtete sie auf Grund von
mißverstandenen Klatschereien Maria der
Un-
dankbarkeit, behandelte sie schroff u. unhöflich, bis
sie mir den Wunsch aussprach, eine andere
Unter-
kunft zu suchen, die aber nach Lage der
zuneh-
mend schwieriger werdenden Kriegs u.
Reisezustän-
den für uns nicht zu finden war.
Frau Werner hatte in 2 Kriegen, während ihr Mann
im Felde stand, das Gut verwaltet u. diese nicht
leich-
te Aufgabe erfolgreich gelöst, h[au]pts[ächlich] in kaufmännischen []
Sinne, anerzogen vom Bremer großen
Zigarren-
geschäft Vater Biermanns. Die Anerkennung u.
Bewunderung allerseits hob ihren Stolz. An Befehlen
gewöhnt, duldete sie keine selbständige Regung
An-
derer u. fand in dem Vogt des Hofes Dettmann einen
willigen Diener. Sie ließ sich leicht zu Ausfällen
verleiten, die jeder beherrschten Form entbehrten.
Der Verkehr mit ihr wurde daher, trotz ihrer guten
Menschenkenntnis zunehmend erschwert u.
steiger-
te sich gegen uns zur Kälte, die uns bedrückte.
Auch alle Gäste hatten darüber zu klagen u.
fühl-
ten sich bald abgestoßen. Andererseits hatten wir
ihr so viel zu verdanken, ja unsere ganze Existenz
hing von ihr ab. So schluckten wir die bitteren
Härten geduldig u. fügten uns. Es tut nie gut,
wenn 2 Schwiegermütter eng beieinander hausen.
Mir gelang es besser mit ihr auszukommen,
ob-
wohl sie mich auch 2mal angegrobst hat. Das
ge-
spannte Verhältnis blieb, bis endlich später unsere
räumliche Trennung u. die Gleichartigkeit unserer
Schicksale das Einvernehmen herstellen sollte.
Dorothee, die in unserem Falle die natürliche
Ver-
mittlerin beider Mütter hätte sein müssen,
ver-
sagte völlig. Auch über sie hatten wir zu klagen. []
Ihr Benehmen uns gegenüber, ihrer Mutter
folgend, wurde von Monat zu Monat kälter,
unhöflich, ja abstoßend, ganz ohne die anfangs
gezeigte Liebe u. Verehrung. Sie wurde
eifersüch-
tig auf Muttis Liebe zu Gisbert u. übelnehmend
gegen meine wohlgemeinten Ermahnungen.
Schließlich vernachlässigte sie jeden Verkehr mit
uns u. gab sich eitlem Vergnügen mit Soldaten
der Einquartierung u. später sogar mit russischen
Offizieren hin. Dies nun entfremdete sie uns
vol-
lends, sodaß die folgenden Ereignisse uns nicht mehr
zu wundern brauchten.
Wir waren seit Februar von den gemeinsamen
Mahlzeiten mit den Selbsterzeugern getrennt
worden. Damals war die ostpreuß[ische] Familie Klein,
Mann, Frau u. Tochter Erna, tüchtige
pferdezüchten-
de Landwirte, Eltern zweier Offizierssöhne, unsere
Tischgenossen. Später kam Frau Sahl hinzu. Mutter
zweier Söhne, der eine gleichalterig mit Heinz W[erner]
der oft das Wochenende hier zubrachte u. nicht ins
Feld zog. Die Tischgesellschaft erweiterte sich dann,
als wir im Nebenhause wohnten u. in Mamsells
Zimmer aßen durch ein junges Ehepaar, das beim
Eintreffen der Russen schleunigst abhaute (er war
S.S. gewesen) ferner durch das uns so sehr
sympa-[]
tische Ehepaar Dr. Baukloh aus Dortmund bzw.
Schneidemühl, die uns zu wirklichen Freunden
wurden; er hatte seine Praxis in unserem ersten
Gastzimmer zugewiesen bekommen u. mußte oft
über Land fahren; schließlich ergänzt [über der Zeile eingefügt: die Schneiderin und] durch den
unsauberen, sonderbaren Herrn … Halbjude,
Schieber, Kabaretkünstler, u. zeitweise durch die
nette, tapfere Fr[äu]l[ein] Gellert, Nichte der Mamsell.
Maria lag im Februar an einer nicht
leichten Gehirnerschütterung, die sie sich durch
Fall auf einer Steintreppe zur Küche
zugezo-
gen hatte, 6 Wochen fest, erholte sich jedoch
er-
freulicher Weise überraschend schnell. Aber
An-
fang Mai, grade als wir Umzug ins
Neben-
haus gemacht, u. die Amerikaner uns
überfie-
len u. alles hastig floh, überfiel sie ein schwerer
Nervenzusammenbruch, mit Angina beginnend,
zu Schwächezuständen bis zu völligem Kräfteschw[und]
sich steigernd. Es war ein Zurückfallen in einen
energielosen Kindheitszustand, der mir, der ich
alleiniger Pfleger sein mußte, schwere,
unge-
wohnte Pflichten auferlegte. Muttis erbärmliches
Aussehen im Bett rettete aber unser Zimmer
vor Beschlagnahme „Daing lady“ sagten die []
Eindringenden u. verschwanden. Nach zwei
Monaten erst vermochte Mutti, vonseiten
Doro-
thees u. Frau Werner gänzlich unbeachtet, stets
vergeblich nach Cognac lechzend, stundenweise
aufzustehen, sich in die Sonne zu setzen, bis
sie allmählig doch wieder voll zu Kräften kam.
In dieser Zeit war das Haus, nachdem
eng-
lische Truppen eingerückt waren, voll von
Flücht-
lingsgästen aus den Nachbarsgütern: Herr von
Schlick aus dem geplünderten Müsselmow, dessen
Bruder der Kapitän, sein Schwager … mit
dessen reizender Frau, Tochter (eine flotte Reiterin)
u. frischen Sohn, Frau … mit Mutter u. 2 Kindern
Herr u. Frau v. Mirbach, Fr[äu]l[ein] von Rütz, Sekretairin
von Müsselmow, Brigitte … Freundin Gisberts,
während die im Auto mit v. Eggelings geflüchtete
Frau v. Schlick spurlos verschwunden blieb. Anka
v. Briesen, aus Frankfurt a/O nur mit 2 Handkoff[ern]
und Ebs flüchtig, war von Müsselmow, wo sie
zu-
nächst Aufnahme gefunden, rechtzeitig nach Harbke
zu ihrer Cousine Veltheim geflohen, verließ diese
jedoch vorzeitig, um auf dem Gut einer Freundin
in Altwallmoden im Braunschweigischen endlich zur
Ruhe zu kommen. – Wir kamen mit diesen Allen []
wenig zusammen, da wir unseren Tisch bei
Mam-
sell hatten u. keine Lust empfanden, täglich das
gleiche Jammern, Unken, Schimpfen anzuhören.
Dorothee, Else, Rena Werner waren mit abziehender
deutscher Einquartierung bereits sofort in Richt[un]g
Hamburg abtransportiert worden; nur Bärbchen
war bei der Mutter geblieben.
Unter all‘ diesen Umständen wurde unser Wunsch
in die Heimat zu kommen immer lebhafter. Schon
Gisbert hatte uns zugeraten, Frau Werner drängte.
Wir bereiteten uns, nachdem wir wieder ins
Herren-
haus in das Kurtzische Zimmer umgezogen waren,
auf eine plötzlich eintretende Gelegenheit vor,
pack-
ten, hinterließen einige Pakete, die mitzunehmen
wir außer Stande waren – es hatte sich viel bei uns
angesammelt – bei Dettmanns, Schmied Lange,
Gärt-
ner Erdner u. der Mamsell zur Aufbewahrung u.
s[einer] Z[ei]t Nachsendung.
Im Oktober [19]45 begannen Einzelne vom Hof u. Dorf
die russ[ische] Zone zu verlassen, z. T. schwarz, z. T. in von
Schwerin aus organisierten Transportzügen. Ein solcher
Zug, für den sich Dr. Baukloh als Transportführer
ein-
setzen ließ, ging am 28.10. nach Lübeck; wir durften
aber nicht mit, weil nur für den Stadtkreis Schwerin
zulässig. Ein zweiter Zug ging kurz vor Weihnachten, []
auch nach Lübeck, wie es uns erwünscht war,
weil wir von da aus leicht nach Cuxhaven zu Elle
u. den Enkeln hätten kommen können. Aber die
Ver-
ladestation war 8 Stunden Landweg weit weg,
in offenem Wagen bei einsetzender grimmiger Kälte,
für uns alte Leute nicht zu bewältigen. Die dritte
Gelegenheit bot sich erst im Mai [19]46, war aber von
kniffeligen Vorschriften abhängig, auch durch
Zug-
sperren hinausgeschoben. Endlich klappte es, nachdem
8 Tage vorher schon Frau v. Massenbach von Berlin
aus abgeholt, selbständig auf ein Württemberg[isches]
Gut ihrer Verwandten abgereist war.
Zum Abtransport von etwa 1000 Flüchtlingen in
die englische Zone war vom Flüchtl[ings] Amt Schwerin
der 9. Mai festgesetzt. Ich hatte zwei Scheine; einer
in die englische, im Fall wir über Lübeck fuhren,
um von da nach Cuxhaven zu gelangen, wo alles
für unsere Ankunft vorbereitet war; der andere
in die Ami-Zone nach Darmstadt. Wir mußten
um 10 Uhr in Schwerin sein, wo auf dem
Bahnhof-
platz die Nummern der Eisenbahnwagen mit Kreide
auf das Pflaster geschrieben waren. Mühsam
ge-
lang es mir, Wagen u. Pferde, den Schimmel u. Fuchs,
aus früherem Massenbachischem Besitz, jetzt jeder in
einer anderen Hand eines Neusiedlers, von diesen
[]
gegen schweres Geld (30 M[ar]k) zur Fahrt nach
Schwerin zu mieten. Nach langem Warten mit
unseren 5 Gepäckstücken dort, wo wir
Marschver-
pflegung für 6 Tage empfingen, begann um 12 °
das Verladen. Die meisten Mitfahrer hatten Wagen,
Handkarren od[er] Kinderwagen mitgebracht. Uns
wurde es schwer, jeder mit 2 Koffern, ich noch mit
dem Rucksack beladen uns zum Zuge zu schleppen,
mit Hilfe einer mitleidigen Frau, die wir mit
Brot belohnten. Von Werners war Niemand zur
Hilfe erschienen. Es war ein Viehwagen, ohne
Bank u. Stuhl, mit nur 2 Luftklappen, der 42
Per-
sonen, 7 Kinderwagen, Koffer, Säcke, Matratzen,
Vorräte, Kleider aufnehmen mußte. Jede Familie
richtete sich hochaufgestapelt eine Ecke ein, die sie
festhielt. Gottlob waren es überwiegend
anstän-
dige, rücksichtsvolle Menschen, obwohl niedrigen
Stan-
des, mit denen es zu keinem Streit kam, so
zusam-
mengepfercht wir auch waren, 9 Tage, 8 Nächte,
auszuhalten.
So fuhren wir denn ab mit vielen Aufenthalten,
Revisionen, ohne warmes Essen, manchmal Kaffee
-Empfang u. sobald der Zug hielt, kletterten Viele
hinaus, ungeniert zwischen den Geleisen hockend,
ihre Notdurft verrichtend. Die Nächte freilich hatten []
ein übles Aroma u. duftige Musik. Wir
blie-
ben indeß guter Laune u. hatten vor Allem
warmes Frühjahrswetter, sodaß wir ohne Erkältung,
stehend oder auf Koffer sitzend, kaum zu einem
bischen Schlaf kommend alle Mühsal überstanden.
Aber nach Lübeck fuhr unser Zug nicht,
sondern entlang der ganzen russ[ischen] Zone bis Heiligen-
stadt, Nähe von Göttingen, wo wir in ein nahes
engl[isches] Auffanglager gebracht werden sollten.
Von da hätten wir können nach Cuxhaven
gelan-
gen. Jedoch Niemand wußte, wie lange der
ohne-
hin schreckliche Lageraufenthalt dauern würde.
Alsdann hätten wir zurück nach Hamburg gemußt,
um nach vielleicht 14 Tagen engen u. kalten
Aufent-
halts in Cuxhaven die doppelt so weite, noch nicht
einmal uns sicher erlaubte Rückfahrt nach
Darm-
stadt bewerkstelligen zu können. Wir ergriffen
daher eine uns in Heiligenstadt mitgeteilte
Gelegen-
heit, mit einem aus Eisenach, das unschwer mit
Personenzug erreichbar war, abgehendem
Trans-
portzug in die Ami-Zone zu wechseln, was Allen
erlaubt war, die in Großhessen beheimatet waren.
Wir gaben also unser Gepäck außer Rucksack und
Handtaschen als Passagiergut nach Eisenach auf
fuhren unbehelligt dorthin, wo es sogar Maria gelang, []
Lebensmittelkarten zu empfangen u. in einem
kl[einen] Hotel Nachtunterkunft zu finden, während ich
die verlangte, umständliche Neu-Registrierung
u. Entlausung in einem vor der Stadt gelegenen
Lager vornahm. So konnten wir uns endlich
wie-
der einmal in einem Bett ausschlafen, aßen da
auch in einem Stadtrestaurant leidlich, sogar
Schnaps erhielt man das Glas 2,5 M[ar]k; Am
näch-
sten Tage, 6 Uhr früh verluden wir mit Hilfe einer
fr[eun]dl[ichen] Frau mit Handwagen unser Gepäck – im
Eisenacher Bahnhof wimmelte es von Handwagen
u. Dienstmännern – u. fuhren zunächst in
Personen-
wagen bis Gerstungen, unterwegs von einem
nach Schwarzfahrern fahnenden jungen Russen
köstlich unterhalten, sodann wieder im Viehwagen
in den sich auch einige Schwarzfahrer
einschmuggel-
ten, bis Bebra, wo wieder Entlausung stattfand,
aber auch warme Suppe empfangen wurde, und
weiter bis Frankfurt a/M. Auf dem weitläufigen
Güterb[ahn]h[o]f eingetroffen, spannte die Loko[motive] ab u. ließ
uns stehen. Nach trostlosem Warten von 5 ° früh bis
5 ° Ab[en]ds, während Viele die Wagen verlassend sich
selbständig fortschafften – schon in Hanau waren
Etliche ausgestiegen – gelang es, unseren
zusammen-
geschrumpften Zug an einen nach Bischofsheim
[]
abgehenden für Darmstadt bestimmten Ami-Ver-
pflegungszug anzuhängen, wo wir Ab[en]ds 9 °
ein-
trafen. Aber auch dort spannte die Loko[motive] ab u.
ließ uns stehen. Glücklicherweise machten uns
Bahnbedienstete darauf aufmerksam, daß um 10 °
ein Personenzug nach Darmstadt führe. Kurz
entschlossen schafften wir in 2maligem Schleppen
über Geleise unser Gepäck zum nahen Bahnhof,
unterstützt von hilfsbereiten Menschen u. landeten
gegen Mitternacht in unserem lieben Darmstadt.
Ich versuchte im Bahnhofshotel u. Posthotel
Nacht-
quartier zu finden; vergeblich, beide
beschlag-
nahmt. So verbrachten wir eine schreckliche Nacht
im Wartesaal III, der vollgestopft war von sich
räkelndem u. liegendem Proletariat, aber
wenig-
stens auf Stühlen sitzend.
Am frühen Morgen mit 2 Koffern u. Rucksack
auf der Straßenbahn zu Jula Wittich, die uns
labte; alsdann eilends nach Jugenheim, um zu
versuchen, dort wie uns in Aussicht gestellt war,
für 8 Tage unterzukommen. Es glückte mit Hilfe
Zuredens der hocherfreut mich begrüßenden
Irm-
gard v. Gilsa im Gasthaus Tannenberg, dicht neben
der Bürgermeisterei, die uns Lebensmittelkarten gab.
Nach kurzem Wiedersehen mit Wittichs im Hause []
Willbrand, Dieburgerstr[aße] u. Ella Becker machten
wir uns dorthin auf u. verbrachten in diesem
ge-
mütlichen Gasthaus eine köstliche Erholungswoche.
Die 2 kleinen Mansardenstuben waren sauber u.
nett u. gaben einen entzückenden Ausblick auf
die alte Jugenh[eimer] Kirche am Hang des Heiligenbergs.
Erquickendes warmes Wetter, die schöne
heimat-
liche Landschaft voll Blütenpracht u. Erntesegen
das linde Klima u. freundliche offene Menschen
hoben unsere Stimmung; viele Bekannte aus
Darm-
stadt begrüßten uns, darunter Habichs, Hutter,
Rechts-
anwalt Hoffmann, Edwards, die z. T. am
Mittags-
tisch teilnahmen, u. ließen uns bald alle erlittenen
Mühsalen vergessen: es war eine herrliche Zeit
verdienter Ruhe. Wir fuhren manchmal mit der
bequemen Straßenbahn in die Stadt, zur Bank,
wo ich Konto u. Save in Ordnung fand, zu Wittichs,
Ella Becker, Paula Müller, Apotheke, Ämter,
Lä-
den, soweit sie wieder vorhanden u. zu Bruder Fritz
im Nieder-Ramstädter Krankenhaus.
Die phantastische Rückreise u. der grauenhafte
An-
blick der Ruinenstadt ließ uns so recht erkennen,
wie tief unser Zusammenbruch war. Alles war
infolge des unseligen Kriegs aus den Fugen:
Recht, Sicherheit, Ruhe, Achtung, desgleichen []
Wohnung, Ernährung, Kleidung, Gesundheit;
alles infolge eigener Schuld in Unordnung:
Schieber, Diebe, Einbrecher, Hamsterer, schwarzer
Markt; das Volk durch die gegenseitig sich
zer-
fleischende Parteien zersplittert u. von
versa-
genden, untauglichen Behörden im Stich gelassen.
Das war den Feinden grade recht, deren
Ziel nichts anderes war, soviel sie auch von
Be-
freiung reden, als unsere ihnen gefährlich
ge-
wordene Konkurrenz auf allen Gebieten zu
vernichten. Voltaire schreibt richtig: Dans les
guerres il ne s’agit que de voler! Ja, nicht nur
Länder rauben, auch das Volk bis aufs Hemd
plündern, ausbluten lassen, Städte zerstörend
in Schutt u. Asche legen, Feld u. Wald verwüsten
im Namen des Christentums oder der
Menschlich-
keit, wie es ihnen grade paßt.
Wer gibt Amerika das Recht, sich als moralischer
Richter der Welt zu gebärden? Ist ihre
überge-
tünchte Kultur höher, besser als unsere?
Die Demontage-Verordnungen, die unsere Kraft
zerbricht, die Nürnberger Prozesse, die uns der
Ver-
achtung der Welt aussetzen, die Boden u.
Währ[un]gs-
Reformen, die uns bettelarm machen, die
Spruchge-
richte, die Haß u. Zwietracht säend nur Geld stehlen – []
alles beweist den kalten Vernichtungswillen
des Feindes unter Mißachtung der Menschenrechte,
auf deren Geltung er sich so viel beruft. Daß
er uns ernährt, tut er nur, um die Sklaven zu
füttern, die für ihn schuften müssen – alles Lug
u. Trug, Schwindel, Decke, unter der krassester
Egoismus steckt. Demokratie als Heilmittel paßt
nicht für Deutschland; es ist ungeeignet, sich selbst
zu führen, es will u. ist gewohnt nach Charakter
u. Geschichte geführt zu werden, aristokratisch zu
leben, nicht demokratisch.
Gottlob, auch dem Feinde geht es nicht gut. Wie
konnten die gewiegten englischen Diplomaten
schon vor dem Kriege verkennen, daß Rußland
nicht zu Europa gehört? Jetzt stehen sie vor einem
unvermeidlichen neuen Krieg gegen den
russi-
schen Diktator. Churchill sprach es drastisch aus:
„wir haben das falsche Schwein geschlachtet.“
Zurück zu meiner Lebensbeschreibung!
Nun stand die große Frage vor uns: wohin?
In Darmstadt fänden wir wohl als Rückkehrer
Zuzugserlaubnis, aber keine Wohnung. Unser
Haus im stehengebliebenen Kellerstock für uns
her-
zurichten, schien für uns alte Leute nicht angängig.
Wir hatten schon lange ein Angebot Gabrieles, []
zu ihr nach Baden-Baden zu ziehen, was recht
verlockend schien, unzerstörte Stadt, herrliche
Land-
schaft, kultivierte Wohnung. Es zerschlug sich, weil
wir damals so schnell nicht aus der russ[ischen] Zone
herauskonnten, inzwischen ihre Wohnung
franzö-
sisch beschlagnahmt wurde u. jede Einreise
ge-
sperrt war. Unser Verhältnis zu ihr, von jeher
gespannt, verschlechterte sich außerdem dadurch,
daß sie, die ständig jammernd um meinen Rat
bat, aber alle meine Vorschläge in den Wind
schlug u. schließlich sogar in grober Weise mich
zurückwies.
Eine Aufforderung von Elisabeth v. Hahn,
zwei freiwerdende Stuben in ihrer Cannstätter
Wohnung ihr abzumieten, scheiterte an der
dor-
tigen Zuzugs-Verweigerung. So war es denn
für uns ein großes Glück, daß wir bei
Marie-
chen von Willich auf dem Illbacher Hof eine fr[eun]dl[ich]
angebotene Unterkunft finden konnten.
Ursprünglich gedacht nur als Etappe zwischen
Jugenheim u. Cannstatt, blieb dies uns als
letz-
te Rettung vorm Aufderstraßeliegen, die wir
dankbar annahmen. Nicht nur, daß wir dort ein
geräumiges Mansardenzimmer (Erikas Wohnstätte) []
und ländlich reichliche Verpflegung erhielten,
auch unsere peinliche finanzielle Notlage, in
der wir uns seit 1.4.[19]45 befanden, konnte unter
Verwandten erträglich geregelt werden.
Ich versuchte, nachdem unser Bank-Guthaben auf
die Neige ging, mir selbst Einnahmen zu
ver-
schaffen; zuerst durch Kolorieren von Graphiken
bei Maler Ring (neben Bruchs Haus Martinstr[aße]).
Aber das war eine allzu schematische, penibel
ver-
langte Arbeit, die mir nicht gelang. So machte
ich mich wieder nach 30 jähriger Unterbrechung
daran, Aquarelle der Odenwälder Landschaft zu
malen u. zum Verkauf zu stellen. Maler Joh.
Kaufmann u. s[eine] Frau, die hier mal zu Besuch
anwesend waren, stellten in gütiger Weise die
ersten Farben, Pinsel u. Papier zur Verfügung,
das ich später bei Gieselberg in Fülle bekam.
Ueber Tätigkeit u. Erfolg später mehr.
Der Illbacher Hof ist ein kleines Gut von 6 – 700
Morgen Land u. Wald auf bestem Lehmboden.
Alter Tannen, nicht Kiefernwald, gemischt mit
Buchen u. Eichen. Es wird gebaut: Weizen, Hafer,
Gerste, wenig Roggen, Mais, Mohn, Kartoffel, Rüben,
neuerdings Gurken, Mohrrüben, Erbsen, Gemüse. []
In Ställen: 25 Milchkühe, 6 Zugochsen, 6 Acker
2 Kutschpferde, Rinder, Schweine, Fohlen, Ziegen
Schafherde Gänse, Enten, Hühner. 12
Erntewa-
gen, Bulldok, Trecker u. modernes Geräte; 15
Hofarbeiter, z. T. mit Familien, Schmied, Wagner,
30 Hilfsarbeiterinen aus Reinheim, intensive
Bewirtschaftung, die geordnet läuft bei großer
Sauberkeit des Hofes. Großer Gemüsegarten,
schöner Park mit alten Pappeln, Linden,
Kasta-
nien, Ahorn, Stauden u. Rosen. Der Hof liegt in
der Mitte des zwei Jahrh[un]d[er]te alten Besitzes,
so-
daß alle Wege kurz sind. Die Landschaft ist
großzügig, weitgeöffnet dem Blick auf den
Otzberg, dessen Veste den Gau beherrscht u. ihm
den Charakter gibt. Feld, Wald, Wiesen, Koppel
abwechslungsreich, voll anmutiger Reize.
Im Hause herrscht Ordnung u. Ruhe, doch
nicht ohne das Geklatsch u. die Reibungen, wie
sie bei 15 – 16 Personen bei Tisch unvermeidlich
sind, jedenfalls ruhiger als in Wendelstorf
letzter Zeit, wo im Herrenhaus 50 – 60
Flüchtlin-
ge oder Neusiedler mit einer Horde v[on] Kindern
ihr Unwesen trieben.
[]
Im Laufe des Sommers u. früh einsetzenden
Herbstes waren wir oft in Darmstadt, übern
Berg gehend zur Bahnstation Zeilhard – 20
Minuten zu Fuß, während der lästige
Straßen-
marsch nach Reinheim 45 Min[uten] beansprucht.
Dort um unseren bei Büchners geborgenen
Sachen Nötiges zu entnehmen, z. T. neu zu
ordnen. Der vergrabene Silberkasten, von
Haus-
meister Schmidt an nach seinem plötzlichen Tod
unbekannter Stelle des Gartens vergraben,
fand sich, das Silber gut erhalten bis auf
die unrettbar verrosteten Messerklingen,
der Kasten vermodert. Erst im Jahre [19]48
ge-
lang es uns, das Silber, die Kleider, Schuhe,
Wäsche, schließlich alle Koffer u. Kisten von
Büchners nach Illbach transportieren zu lassen,
sogar einige Möbelstücke (Waschtisch, kl[eine] Kästchen,
Etagengestell, spanische Wand) u. Teppiche, und
zu letzt auch die Kisten aus Hoxhohl, nachdem
die dort geborgenen 4 Oelbilder (Großeltern,
Schneelandschaft, Pariser Damen) vom
Landes-
museum übernommen u. abgeholt worden waren.
Wir besuchten Sofie Breyer in Gundernhausen,
Baronin Rabenau u. v. Gemmingens im sehr
ge-
schmackvoll eingerichteten Herrenhaus in
Fränk[isch]-
Crumbach, Mathilde Beck in König, wo wir auch []
zum Tee bei v. Dürings eingeladen waren,
Bekannte von Bernhard u. Edit aus ihrer Zeit
in Shanghai. Wir begrüßten bei uns den
Archi-
tekt Soeder, Herrn Beuer, Ella Becker, Paula
Müller, Sofie Guyot, Präsident Spamer, Jochen v.
Kleinschmit, Schwester Mariechen.
Die Zukunft unseres zerstörten Hauses lag uns
natürlich sehr am Herzen. Sooft wir an der
Rui-
ne vorbeikamen, überkam uns heulendes Elend,
denn sie verfiel immer mehr u. der Garten war eine
Wüstenei. Alles, was zuletzt noch Gisbert u.
Haus-
meister Schmidt im Heizkeller zusammengestellt hatten
war trotz Schloß u. Riegel durch Einbruch gestohlen
– offenbar von unseren lieben Volksgenossen. Mein
Versuch, dafür vom Kriegsschädenamt Ersatz zu
erhalten, mißglückte. Ich beriet mich mit
Archi-
tekt Soeder, dem Hauserbauer u. Finanzberater
Heldmann u. wir kamen zum Entschluß, Ruine u.
Grundstück wenn möglich zu verkaufen. Gründe:
die Abräumung ist umständlich u. teuer (c[a.] 4000 M[ark])
der Aufbau kostspielig u. bedarf der Bauerlaubnis
Beschaffung von Material u. Arbeitskräften schwer.
Für Gisbert wie für Elle kommt das Haus nicht in
Betracht. Wenn aufgebaut – 1 Stock u. Mansarde)
würde es für 2 – 3 Familien aufgeteilt, das Wohnen []
hohe Steuern kosten, behindert sein durch
Einschrän-
kungen aller Art; nicht das alte Heim würde
wie-
der erstehen, sondern ein fremdes u. inmitten von
traurigen Ruinen. Für den Verkauf sprach, daß
noch geldkräftige Liebhaber vorhanden, die ihre
Gewinne in Grund u. Boden anzulegen bereit waren.
Die Firma Heldmann übernahm den Verkauf
u. es hatten sich in der Folge auch Reflektanten
ge-
funden, zu einer Einigung ist es jedoch nicht
ge-
kommen. Inzwischen veränderten sich die
Verhält-
nisse u. ich beschloß, zunächst von einem Verkauf
ab-
zusehen u. den Besitz in der Hand zu behalten.
Dagegen schien ein anderer Weg zu
selb-
ständigem Wohnen sich durch Beteiligung an einer
Siedlung in Jugenheim-Seeheim zu öffnen,
wo-
für Prof. Soeder, Vetter unseres Hauserbauers in
Frage kam: ein mit neuartigem Material zu
erstellendes Fertighaus, als vorbildliches Muster
für 4 Familien zu je 2 Bewohnern, enthaltend je
1 Wohnraum, 2 Schlafräume, Küche, Waschraum,
Klo, Garderode, Treppe, Balkon, Garten, Keller,
Dach-
raum, sehr klein zwar in Ausmaßen, aber
aus-
kömmlich u. damit sicher vor Beschlagnahme; ein
Kapital von nur 8000 M[ar]k pro Familie erfordernd.
Dieses Projektes Verwirklichung ist aber vorläufig
noch sehr in der Ferne u. nach der Währungsreform []
sehr fraglich geworden.
Das Zusammenleben auf dem Illbacher Hof war
i[m] A[llgemeinen] angenehm. An Evakuierten fanden wir vor:
Ehepaar Oberstl[eutnan]t Bruch, Ehepaar Obering[enieur] Kramer
mit Mutter u. 2 Kindern, Schreiner Glaab nebst
Frau, alle aus Darmstadt, als häufige Gäste Frau
Ritsert, geb. Scriba, Fr[äu]l[ein] Mayer, Gärtnerin a[us]
Auer-
bach, Schwester Luise v[om] rot[en] Kreuz, Zahnarzt Dietrich
a[us] Reinheim, als Sommergäste die beiden Fr[äu]l[ein]s v[on]
Fran-
kenberg, Fr[äu]l[ein] Linkenfeld, Fr[äu]l[ein] Merck u. Erika v. Hahn
aus König. – Wir fügten uns wie alle Anderen in
die Arbeit ein: Maria in Haus u. Küche, sie u. ich
in Garten u. Park. Was mir fehlte, war geistiges
Leben; das Haus hatte garkeine Kultur trotz alter
Tradition. Das Leben mit allen Interessen war
ein-
seitig agrarisch eingestellt, wie wir dies auch schon
in Wendelstorf, wenn auch nicht so ausschließlich,
vor-
gefunden hatten. Ich half mir, wie ich schon schrieb,
mit Malerei u. Musik.
Im Nov[ember] [19]47 kam überraschend Sophie Roth, die
äl-
teste Schwester aus Naumburg an. Sie hatte,
ob-
wohl fast gelähmt, die beschwerliche Reise erstaunlich
gut überstanden, schwarz mit falschem Paß (das
können nur Frauen) erholte sich hier rasch u.
wur-
de zu einer fleißigen, ihrer Schwester unterwürfigen
Hausgehilfin, bis sie im April [19]48 wieder zur
Schwieger-
tochter u. Enkelin fuhr.
[]
Nachdem wir im August ein fröhliches Erntefest
u. „die Kerb“ mit viel Kuchen u. Tanz gefeiert,
kam der Winter mit Stürmen u. Regen u.
mach-
te beim Heizen des qualmenden Ofens viel
zu schaffen.
Die beiden Willichssöhne sind praktische Menschen,
gesund, wohlerzogen u. höflich, voll Liebe für ihre
Eltern, das Familienverhältnis ist harmonisch.
Der ältere, Ludwig, ein zwar wenig
ausgebil-
deter Landwirt, doch auf dem Hofe überall, in
Wind u. Wetter zupackend, aber ohne Einfluß
auf die Wirtschaft, die jetzt, wo so viele Ansprüche
Beschlagnahmen, Abgaben, tägliche Betteleien an
den Hof herantreten, gewiß nicht leicht ist. Er hat
sich im Herbst [19]47 verlobt mit Liselotte Herbold
aus Heidelberg, die ihr auf der Koppel sich
erholen-
des sehr gutes Reitpferd öfter besuchte u. sich den
Gutserben einfing. Die Wahl schien uns nicht
glücklich: eine schon etwas verlebte geschiedene
Frau, Remonte-Reiterin, Pferdebesitzerin und
Händlerin, auch mit ungarischen Hunden, von
nicht makellosem Rufe, früh in die Welt gerannt,
hemmungslos lebend, aber [über der Zeile eingefügt: aus] vermögender
Fami-
lie u. geschäftstüchtig. Es ist ihr, trotz unverholener
begreiflicher Abneigung der Schwiegereltern,
ge-
lungen, in kurzer Zeit im Hofe Fuß zu fassen und
sich durchzusetzen, weil sie, die in Georgenhausen []
ihr Dienstjahr machte, von Landwirtschaft etwas
versteht, praktisch u. finanztechnisch Erfahrungen
hat u. Ratschläge zu geben in der Lage ist. Ihr
Auftreten freilich ist nicht eben fein, ihr Wesen
heftig u. launisch, ihr Charakter herrisch u.
schwie-
rig. Dies macht das Zusammenleben mit den
Schwiegereltern nicht leicht, u. es gibt manche
Käm-
pfe im Haus. Ludwig ist ihr gehorsamer
Anbe-
ter. Die Heirat fand im November [19]47 in
Heidel-
berg statt; in Illbach gab es Kuchen, Wein u. Tanz;
im Mai [19]48 kam der Stammhalter Hans Albert
zur Welt u. im Juni war die feierliche Taufe
im Klavierzimmer mit Kaffee, Abendbrot u.
Bowle, wobei ich die Choralgesänge auf dem
Flügel einleitete u. begleitete.
Der zweite Sohn, Werner studiert Technik auf
der Hochschule Darmstadt u. willl nicht auf dem Hofe
bleiben. Er ist seit Sommer [19]45 verheiratet mit der
reizenden, überaus tüchtigen Tochter Karola des
benachbarten Dilshofer Gutspächters Fritsch, wo das
sympatische Paar auch wohnt.
Der jüngste Willichsohn Hans Adolf ist als Offizier
mit 18 Jahren an der russ[ischen] Front 1944 gefallen u.
hat im Park ein schönes, treu gepflegtes
Grabdenk-
mal gefunden.
Mariechen Willich ist eine vortreffliche Hausfrau,
geizig, wie die meisten Gutsfrauen sind, kleinlich []
sparsam, wobei es nicht ausbleibt, daß es im
Hofe u. Hause Unzufriedene gibt, zumal diese sich
von ihrem kurzangebundenen Rotsmannischen
We-
sen abgestoßen fühlen, umsomehr als sie weder
für die Arbeiterfrage, noch für die Flüchtlingslage
Verständnis zeigt. Es war Willichs im Krieg noch
immer gut gegangen; von wirklicher Not u.
bitte-
rem Verzicht hatten sie nichts gemerkt.
Ihr müßt Euch Karl, wie auch Mariechen mit
schloh-
weißen Haaren vorstellen; das ist, obwohl erst 64
bzw. 56 Jahre alt, Rotsmannisches u. Willichisches
Erbe. Ludwig ist ein blonder, Werner brünetter
Typ, wie auch der beiden Frauen.
Der Illbacher Hof hat, ich sagte es schon, keine feste
Ordnung u. Disziplin. Die Maxime des Gutsherrn:
„Es geht auch so“ u. „Es geht überhaupt alles“ führt
zu Auflösung u. Niedergang. Es wurde, offenbar
auf Betreiben von Ludwigs Frau, ein erfahrener
Verwalter (Flüchtl[in]g aus der Danziger Gegend)
eingesetzt u. kürzlich kam noch ein Diplom-Land-
wirt hinzu.
Von Gisbert wäre viel Interessantes, Schweres,
Erschütterndes zu berichten. Ich verweise auf seine
von mir geschriebene Lebensgeschichte u. deute nur
die Stationen flüchtig an: Gefangenschaft i[n] Rußl[an]d
(hierüber schrieb er selbst einen ausführlichen Bericht)
[]
Rückkehr nach Schwerin im Herbst [19]46, Aufenthalt
in der engl[ischen] Zone auf dem Fuhlenhager Hof bei
Hamburg, Ehezerwürfnis mit Dorothee, seiner
ehe-
brüchigen Frau, Scheidungsklage, Flucht zu den
Eltern im Illbacher Hof, Zuflucht in Alsfeld zu den
Familien Moeller u. Hoffmann, versuchte
Fort-
setzung seines Studiums auf den Diplomlandw[irt]
in Gießen, Annäherung an Marlene, geb.
Heil-
mann, Uebernahme der Tätigkeit im Institut für
Schädlingsbekämpfung auf dem Lande, Sitz Alsfeld.
Die inneren Gründe von Gisberts Eheirrung
lagen tiefer, als die äußeren Begebenheiten sie
erscheinen lassen. Die beiden Familien paßten nach
Herkommen, Lebensauffassung, Charakterbildung
nicht zueinander. Frau Werners herrische,
unge-
zügelte Natur führte zu Zwist u. Unfrieden,
Doro-
thees freie Erziehung zu Eigensinn u. Willkür.
Gisberts gutmütiger vornehmer, beherrschter
Cha-
rakter bildete den schroffen Gegensatz, der zu
schwe-
ren Kämpfen geführt hätte, denen Gisbert kaum
gewachsen sein mochte; es wäre keine glückliche
Ehe geworden. Jedenfalls war, nachdem Dorothee
die Befriedigung ihrer Sinnlichkeit wo anders
ge-
sucht hatte, der Entschluß zu rascher Ehetrennung
richtig, die am 14.9.[19]47 vom Lübecker Gericht
aus-
gesprochen wurde u. in anständigen Formen
beider-[]
seits zu Stande kam.
Zu einer etwaigen Verbindung Gisberts mit
Marlene Hoffmann hatten die Eltern berechtigte
Einwände u. Gisbert selbst, nachdem er ihren
schlech-
ten Charakter durchschaut hatte, auch keine Neigung.
Unsere Schwiegertochter Elle bewährte sich als
Witwe u. Mutter in vorbildlicher Weise. Wir
bewun-
derten aufrichtig die zielbewußte Energie, Umsicht,
Zähigkeit ihres Strebens, ihre Kraft zu Verzicht auf
Genuß u. Ruhe – ein Held wie Diether einer war
u. in Gedanken mit ihm weiterlebend. Sie setzte
ihr Jura-Studium auf Universität Hamburg
un-
ter großen persönlichen u. finanziellen
Anforde-
rungen fort, fiel bei ihren Dozenten durch
vorzüg-
liche Hausarbeiten auf und hat in 2, anstatt 4
Jahren bereits das erste Ziel ihrer Zukunftssicherung
erreicht, indem sie an Weihnachten 1947 die
Refe-
rendar-Prüfung glänzend bestand. Nun folgt für sie
die praktische Vorbereitungszeit von 3 Jahren
bei Amtsgericht, Staatsanwalt, Rechtsanwalt,
Land-
gericht u. a. die mit dem Assessor-Examen abschließt.
Hoffentlich erreicht sie auch dies ebenso gut u. rasch.
Die Erziehung ihrer 3 prächtig gedeihenden,
intell-
igenten Buben, unseren lieben Enkeln, liegt im
Wesentlichen in der Hand Großmutters Rathje, die
Elle meist nur 1 – 2 mal im Monat in Cuxhaven []
überwachte; jetzt, dort beim Amtsgericht
ein-
gesetzt, wird ihr Einfluß stärker werden. Es
geht bisher gut, auch im Großenganzen wohl
im Sinn Diethers, obgleich unser Zusammenbruch
manche Umstellungen erforderlich macht,
frei-
lich [über der Zeile eingefügt: h[au]pts[ächlich]] Rathjeisch, nicht Hahnisch, dessen Eigenart sie
ja noch zu wenig erfahren konnte u. Diether sie
vorläufig nicht rein verkörperte. Wir enthalten
uns jeder Einmischung, denn auch solche
Erzie-
hung ist gut. Sobald die Buben in die Pubertät
kommen, wird freilich das Fehlen des Vaters, des
männlichen Erziehers, fühlbar werden.
Hauptsäch-
lich aus diesem Grunde wäre eine
Wiederverhei-
ratung Elles wünschenswert. Wir waren bestrebt,
die leibliche Verpflegung der Buben, die in der
eng-
lischen Zone knapp ist, nach besten Kräften durch
Lebensmittelsendungen zu bessern.
Am 14. Oktober [19]47 starb infolge eines
Schlagan-
falls unser Schwager Rudolf Wittich, Schwester
Ma-
riechens guter Mann. Er war in den letzten
Jah-
ren stark zusammengefallen u. altersschwach
ge-
worden, jedoch nicht lebensmüde, 77jährig. Sein
Tod ging uns sehr nahe. Er hatte einen ruhigen,
ausgeglichenen, wenn auch ängstlichen Charakter,
überlegt, ohne starke Initiative, jedem Experiment []
abhold, gerecht, anständig, wohlwollend – im
Geschäft, wie im Leben. Der treueste Gatte, ein
fürsorglicher Vater seiner vortrefflich geratenen
3 Kinder, zuverlässiger Freund, gewissenhafter
Sach- u. Vermögensverwalter. Mariechen trägt
den unersetzlichen Verlust mit stiller Würde.
Um nun wieder über mich selbst zu
be-
richten, wie kam es, daß ich bei den
Umwälzun-
gen in der ganzen Welt u. unserer ganzen
Lebens-
verhältnisse nicht verzweifelte? – Ich verdanke es der
stoischen Philosophie, die den Charakter stählt, der
christ-
lichen Geduld u. dem Mitleid mit Millionen
Gleich-
belasteter u. dem Schopenhauerschen Lehrsatz: „Alles,
was geschieht, muß notwendigerweise geschehen, und
zwar so, wie es geschieht“. Wenn auch nicht mehr
der nie verzagende Optimist, so doch auch nicht [gestrichen: der]
ein schwarzsehender Pessimist, gewann ich bald mein
Selbstvertrauen wieder, lernte mich bescheiden u. mit
dem Möglichen zufrieden zu sein, gestützt auf
lie-
be Verwandte u. treue Freunde Zuversicht zu
gewin-
nen, der grausamen Wirklichkeit ernst, aber
unge-
beugt ins Auge zu sehen u. mich durch Nichts
unter-
kriegen zu lassen. Es gelang, weil ich vor Allem
heil u. gesund geblieben, frisch u. leistungsfähig,
trotz meines hohen Alters, wie in besten Jahren
meines Lebens, neben mir meine liebe Frau, []
deren Leistungsfähigkeit trotz vermehrter,
seit-
her nicht gewohnter Arbeit (Waschen, Bügeln,
Nä-
hen, Flicken, Spülen, Kochen, Einmachen)
unver-
mindert geblieben war, bei zähem Willen,
durchzu-
halten. So ertrugen wir das bescheidene Wohnen
in Wendelstorf u. die dort gebotene Umstellung
fast aller unserer Lebensgewohnheiten, die
an-
strengenden Reisen, den wohl gastfreien, aber
ver-
ständnisarmen Aufenthalt im Illbacher Hof.
Beim Fehlen jeder geistiger Anregung vonseiten
der Gutsfamilie u. Flüchtlinge dort, die alle unter
unserem Niveau standen, half ich mir mit
Male-
rei u. Musizieren u. fand Freude daran. Und
siehe da, beides gelang mir nach langer
Unter-
brechung: 3 Jahre hatte ich nicht Klavier gespielt
u. gar 35 Jahre lang nicht gemalt.
Ich habe im Sommer [19]46 bis Weihnachten [19]47 nicht
weniger als 60 Aquarelle verkaufsfertig gemalt,
ungerechnet etwa 1 Dutzend Ansichtspostkarten,
die ich verschenkte, habe 25 davon zu je 150, 100, 50
M[ar]k verkauft, sodaß ich damit den größten Teil
unseres Lebensunterhaltes bestreiten konnte.
Die landschaftl[ichen] Motive waren: Illbach u. Umgebung,
Breuberg, Otzberg, Lichtenberg, Erbach, Fürstenau,
Michelstadt, Alsfeld, Heidelberg, Braunfels, Jugenheim, []
Freudenstadt, Winter u. Herbststimmungen. Verkäufe
erfolgten durch Dr. Baukloh in Dortmund, Amelie
Sparrow in Godesberg, die uns ja auch in
rühren-
der Liebe von Zeit zu Zeit durch Päckchen köstlichen
Inhalts erfreute, durch Marlene in Alsfeld, Lotte
v. Hahn in Wiesbaden, Olga Clostermann in
Bücke-
burg, Frau v. Düring in König, Sophie Guyot u.
Paula Müller, die uns oft besuchte u. zur
wert-
vollsten Stütze wurde in ihrer praktischen
Vielseitig-
keit beim Ordnen u. Verwenden unserer
gerette-
ten Schätze bei Büchners u. Jula Wittich, schließlich
durch die Papierh[an]dl[un]g Gieselberg in Darmstadt.
Im Klavierspiel kehrte ich zu meinen
ge-
liebten Meistern zurück, denn Neues zu lernen,
fällt im Alter schwer u. die moderne Musik liegt
mir nicht, die atonale halte ich für abwegig.
Also Beethovens Sonaten, h[au]pts[ächlich] die letzten, Schubert
alle Klavierwerke, h[au]pts[ächlich] die letzten Sonaten.
Chopin, Nocturnes u. études, Brahms Rhapsodien,
Schumann, Phantasiestücke, Mozart Sonaten.
Die Noten waren alle vorhanden, mit Ausnahme
von Schuberts Sonaten, die ja früher ganz
unbe-
kannt, erst durch Ansorge u. Schnabel in die
Kon-
zerte kamen. Ich fand Gelegenheit diesen Band
gegen einen Band schwer spielbarer Schumanns
einzutauschen.
[]
Zum Lesen fand ich in der wohl 1000 Bände
starken sehr wertvollen Bibliothek Werner – Jula
Wittichs, was ich nur wollte u. bevorzugte die
neuen Klassikerausgaben der Dichtung, Philosophie
u. Kunstwissenschaft: Goethe, Hölderlin, Hebbel,
Kleist, Plato, Schopenhauer, Kant.
Dazu kam brieflicher Verkehr mit den alten
Regi-
mentskameraden Michelly, Wöllwarth, Kleinschmit,
Geldern, Spamer, Schweitzer, mit Opernfreunden
Theo Herrmann, Käte Walter, den
Konabiturien-
ten Schmidt, Klipstein, Maurer, der, mir am
näch-
sten stehend, leider bald starb, sowie persönlicher
Verkehr mit Ella Becker, Paula Müller, Mathilde
Beck, [über der Zeile eingefügt: Irmgard v. Gilsa], Präsident Spamer, der auch bald starb.
Wo sind alle meine Jugendfreunde?
Nur ganz wenige sind noch am Leben. Mit
Fritz Beck, den ewigen 116er Gießener Offizier,
jetzt in König [über der Zeile eingefügt: und] August Becker, Reg[ierungs]Baumeister
in Darmst[adt] habe ich keinen Verkehr mehr, Alwin
Schenck in Lindenfels sehe ich zuweilen, mit den
Konabiturienten Klipstein u. Schmidt, in Schloß
Schönberg bzw. Reinheim halte ich Verbindung.
Tot sind: Ferdinand Noack, Prof. d[er] Archäologie in
Berlin, Adalbert v. Starck, Reg[ierungs]Rat Kreis Darmst[adt]
Hugo Fr[ei]h[err] v. Leonhardi, Hofmeister d[er] Großherzogin
in Darmst[adt]-Heldenbergen, Reinhard Lotheißen, Versich[erungs]
[]
Agent in Darmst[adt], Georg Merck in New York, Ernst
u. Georg Krug v. Nidda, Wilhelm, Reinhard, Otto
v. Zangen, alle 3 Reg[imen]tskameraden in D[armstadt], Willfried,
Karl u. Herrmann v. Schenck zu Schweinsberg, Max
v. Preuschen, Paul v. Hombergk, vom Leibgarde-Reg[imen]t,
den Kameraden aus Kriegsschul u. Artillerieschulzeit:
Hubert v. Schilling, Thilo v. Trott, Otto, Kaden, Mohn,
Schlee, die Kriegskameraden Werner, Massenbach,
Lindemann, v. Krause – alle sind tot! – -
Marias Interesse für gepflegte
Wohnkul-
tur u. ihr prakticher Sinn veranlaßte manche
Ver-
besserung u. Verschönerung unserer Stube. Die
An-
kunft der 6 Pakete aus Schwerin (durch Dorotheens
Sorgsamkeit) u. die Ueberführung unserer Sachen
aus Darmst[adt] u. Hoxhohl halfen dabei mit.
Marmorwaschtisch, Wandschränkchen, Etagengestell,
2 Steckdosen, Tischlampe, 2 Kocher, Tauchsieder,
Glüh-
birnen, Bettlampe, Bügeleisen, Kochtöpfe, irdene
Schalen, Pfanne u. a. dienten der Wirtschaft, das
Aufstellen u. der Gebrauch von Silbergegenständen:
Schüssel, Tabletts, Bestecke, Leuchter, Schalen u. die
Be-
nutzung eigener Teller u. Tassen, der gold[ene] Spiegel u.
Perserteppich dienten der Verschönerung. Maria
legte von jeher Wert auf schöne u. wertvolle
Din-
ge zu Nutz u. Zier im Hause u. wollte in unserem
einzigen Zimmer auch jetzt darauf nicht verzichten. []
Ich sehe es gern, kann es aber auch
entbeh-
ren, da die erstrebte Wohnkultur in so
beeng-
tem Raum, wo Notbehelf herrscht, doch nicht
er-
reicht wird. Ich möchte, wenn ein neues
Woh-
nen überhaupt wieder einmal für uns
mög-
lich wäre, von Vorne anfangen, ohne Rückkehr
zum alten wohlgenossenen, aber
unzeitgemä-
ßen Komfort, alles schlicht, klein, einfach,
zweck-
mäßig u. modern nach Art der in den neuen
Siedlungshäusern erprobten Weise. Kultur soll
dabei gewiß auch gepflegt werden: ein
schö-
nes Bild, gute Teppiche, ein altes Einzelmöbel,
Leuchter, Kleinplastik, Silbergegenstände
brin-
gen die Noten persönlichen Geschmacks, u. gut
gewählte Farben der Wände u. Türen schließen
das Ganze zusammen.
Ende Juni [19]48 wurde die schon lange drohende
Währungsreform durchgeführt im grausamen
Verhältnis 1: 10 alter Mark. Sie traf uns
kata-
strophal. Wir erhielten an Kopfgeld 60 [über der Zeile eingefügt: D/] Mark u.
mußten alles in Hand befindliche alte Geld bis
auf die 1 und ½ Markscheine u. Metallgeld
ablie-
fern, sowie den Betrag der Bankguthaben
an-[]
geben. Meine Ersparnisse von zus[ammen] 3000 M[ar]k
auf der Rhein-Main-Bank u. Kreissparkasse
Reinheim schrumpften auf 300 D.Mark
zusam-
men, von denen 120 M[ar]k vorausbezahltes
Kopf-
geld abgezogen wurde. Die Beamten u. alle
Pensions u. Gehaltsempfänger waren gut dran,
denn sie bezogen weiter in D.Mark. Ich aber,
ohne Ruhegehalt, ohne Einnahmen; denn der
Bilderverkauf, der uns 2 Jahre lang über
Wasser gehalten hatte, stand still, ohne
Mög-
lichkeit eines Eigenverdienstes, war
gezwun-
gen, den monatl[ichen] Pensionsbetrag an Willichs
in Illbach schuldig bleiben u.
Unterstüt-
zung bei der Kreisfürsorgestelle Dieburg
zu beantragen, die auch mit monatl[ich] 53.80 M[ark]
bewilligt wurde, wobei meine Invalidenrente
von 36 M[ar]k angerechnet wurde – wenig, aber
besser, als garnichts.
Bemühungen zur Wiederaufnahme der
Ruhe-
gehaltszahlungen für uns alte Offiziere
führ-
ten auf Anregung von mir, Oberstl[eutnan]t Rudolf
Wagner u. Generals Keim in Jugenheim zur
Gründung einer Wirtschafts-Vereinigung für
Angehörige der alten Wehrmacht in Wiesbaden, []
die gut organisiert war mit Vorsitzenden,
Schriftführer, Rechner, Rechtsanwalt u. starker
Mitgliederzahl, sogar eine Satzung hatte. Die
Ami-Lizenz wurde gegeben, jedoch nach kurzer
Zeit infolge kommun[istischer] Denunzierung als
aufge-
lebter Stahlhelm zurückgezogen u. der Verein
aufgelöst. Sie hatte also mehr geschadet als
ge-
nutzt. Im Dezember erhielt ich aber vonseiten
des Reg[ierungs]Präsidenten in Darmstadt einen
Frage-
bogen für die Bewilligung einer
Unterhaltszula-
ge, die mir wieder Hoffnung gab.
Warum nur dieser Haß auf uns, die wir doch
nicht andres, als alle Beamte, denen ihr
Ruhe-
gehalt niemals gesperrt war, nur unsere
Be-
rufspflicht getan, u. zw[ar] unter Einsatz unseres
Lebens u. mit karg bemessenem
Friedensge-
halt den Ruhegehalt mehr verdient hätten, wie
sie. Die Besatzungsmächte genehmigen u. der
Hess[ische] Landtag verweigert!
Werner Wittich ist nach 4 jähr[iger] Gefangenschaft
in Rußland Ende Juni zurückgekehrt,
wohlbe-
halten u. gesund. Seine Energie, sein jeder
Frohn-
arbeit trotzender trainierter Körper, sein
unbeug-
samer Wille sich oben zu halten u. seine politische
Wendigkeit erhielten ihn frisch u. leistungsfähig. []
Er begann sofort, die Wittichsche Druckerei von
Neuem wie vor 200 Jahren aufzubauen.
Im Herbst konnten alle unsere bei Jula Wittich
geborgenen Sachen, h[au]pts[ächlich] Möbel ihr abgenommen
u. im neuen Hause der Familie Kramer in der
Goethestr[aße] untergebracht werden: für Jula und
uns eine Erlösung. Gisbert, dem nach der
Wäh-
rungsreform gekündigt worden war, jetzt –
Januar [19]49 – aber wieder angestellt ist, gab
uns seine Silberschätze zur Aufbewahrung
hier-
her; einiges Prunksilber von uns gaben wir
als Leihgabe an Kramers.
Herr u. Frau Bruch bereiten seit Herbst ihren
Umzug aus Illbach nach Darmstadt vor, wo
sie im Stallgebäude ihrer Ruine Martinstraße
neu aufgebaut haben.
Ich bin seither in meinem Bericht zu
weitschwei-
fig geworden, fast tagebuchartig; ich muß
mich vom Jahre 1949 an kürzer fassen.
1949
Das erfreulichste Ereignis war im
Beginn des Jahres der Wegzug der
Familie Bruch, die beide, Frau wie Mann, []
uns unsympatisch, u. da sie Wand an
Wand zu uns wohnten, zuletzt stark auf
die Nerven gingen. Er, der eingebildete
frühere Kavallerist, ein ungebildeter
Mecke-
rer, wenn auch fleißiger, aber
stumpfsinni-
ger Arbeiter. Sie, eine sehr gewandte in
allen Sätteln tüchtige Frau, die überall die
Nase hineinsteckte, schnüffelte, zu schieben half,
u. klatschte. Sie hatten sich das Stallgebäude
ihres zerstörten Hauses in der Martinstraße
(eins der entsetzlichen Trüffelburgen)
hergerich-
tet: 2 kleine Stuben u. Küche, dunkel u. feucht.
Geschmacksache. Mögen sie dort glückl[ich] sein!
In ihre Stube neben uns wurde Sofie
Roth, die für dauernd hergezogen ist,
ein-
gewiesen, sowie Schwester Erika als
Nacht-
quartier, sooft diese hier ist: eine beiderseits
befriedigende Lösung u. für uns wahrhaft
beglückend, da wir mit Sofie sehr gut stehen,
die täglich ein Stündchen bei uns sitzt. []
Sofie u. Erika haben viel Hahnisches Blut
in sich u. halten uns wie echte Verwandte.
Ein weiterer Wegzug erfolgte durch
das Ehepaar Glab, neben uns auf der
an-
deren Seite. Er, der bescheidene stille
Stell-
macherm[ei]ster, unermüdlich fleißig in seiner
Werkstatt, der Niemand störte u. Willichs
un-
abschätzbare Dienste, unentgeldlich geleistet
hat, u. dazu auch noch volle Pension
abver-
langt bekam; sie eine vielgewandte, tüchtige
u. interessierte Arbeiterin im Haus-Wäscherei-
u. im Hühnerhaus u. Geflügelaufzucht, aber sehr
nervös u. leicht intriguierend.
Auf dem Illbacher Hof blieb auch in diesem
Jahre Unordnung, mangelnde Übersicht und
Einteilung, ständiger Wechsel in der
Arbeiter-
u. Dienerschaft, Intriguen, Zank u. Streit,
die wuchsen dadurch, daß die junge Frau von
Ludwig, aufgeregt, herrschsüchtig, unerzogen
u. ungezogen u. unbeherrscht, sich erdreistete,
sich in Hof u. Haus-Angelegenheiten
einzu-
mischen.
Sie gebar nach dem ersten in die Ehe
mitgebrachten Kinde, dem kränklichen geistig
u. körperlich zurückgebliebenen Hans Adolf,
als zweites Kind eine Tochter Marieluise,
auch zart u. anfällig, die im Sommer im
Hause getauft wurde.
Die Hof u. Feldwirtschaft scheint unter dem
neuen Verwalter Heinrichs Fortschritte zu
machen; für die schlechte Kartolffelernte kann
er nichts; die Rübenernte war reich u. brachte
viel Geld. Aber er wird offenbar gehindert
an durchgreifenden Aenderungen durch das
Hineinreden des sturen Ludwig u.
altmodi-
schen Barons Karl.
Von uns ist zu berichten, daß kleine
Verbesse-
rungen uns das Wohnen behaglicher
mach-
ten: mehr u. stärkere Beleuchtung; ein
Ge-
stell für Vorräte, ein Fliegenschrank, letzterer
auf dem Flur aufgestellt, beide von Büchners
hergeholt, erleichterten das Wirtschaften.
Die Kaufläden in Reinheim, mit neuen, guten []
Waren überfüllt, reizten zur Anschaffung
nützlicher Gegenstände u. zusätzlicher
Be-
köstigung. Vieles ist billiger geworden. Nur
Tabak u. Wein noch zu teuer.
Maria hat sich im November durch Sturz
auf unbeleuchteter Steintreppe den linken
Arm gebrochen, beide Röhren. Nach 5
wöchi-
gem Gipsverband, viel Massage, noch mehr
Geduld, Schmerzen ist eine Behinderung
vor-
erst immer noch geblieben. Aber sie erträgt
alle Unzuträglichkeiten tapfer u. geduldig.
Paula Müller hat auch das Handgelenk
noch übler gebrochen u. lange damit zu tun
gehabt, auch ohne völlige Heilung. Ihre Mutter
ist gestorben, u. sie selbst stellen- u. mittellos.
Auch Ella Becker lebt jetzt allein, nachdem
ihre Mutter zur Tochter in Bruchsal umgezogen
ist u. sucht, vom Dr. Schuchhardt recht rücksichtslos
entlassen, vergeblich zusagende Tätigkeit.
Gisbert hat, nachdem sein Chef in Buchen
in der Vertretung der Borgwald-Automo-
bilwerke Bremen als ein Hochstapler und []
leichtsinniger Schuldenmacher entpuppt
hat, der ihm seinen Monatsgehalt nicht
auszahlte, seine Tätigkeit dort aufgegeben,
ist aber in Buchen geblieben, da er
Be-
schäftigung als [gestrichen: einem Auto Reklame; über der Zeile eingefügt: Reisender für verschiedene]
Un-
ternehmen fand u. außerdem dort ihm
zu-
sagenden gesellschaftlichen Anschluß
ge-
wonnen hat, ausreichende Wohnung u.
sehr gute Verpflegung hat. Die
Verbin-
dung mit Inge Diersch in Erbach, die zu
keiner Harmonie führte, hat er abgebrochen.
Auch in adligen Familien außerhalb
Buchens fand er angenehmen Verkehr.
Den haben wir nach wie vor nur in recht
beschränktem Maße. Einmal im Sommer
jeden Jahres folgen [über der Zeile eingefügt: wir] einer Einladung in
die gepflegte Häuslichkeit v. Dürings in
Bad König, wo wir immer auch Mathilde
Beck u. die 89jährige Fr[äu]l[ein] de Werth
an-
treffen.
Sooft wir nach Darmstadt kamen,
ver-[]
säumten wir nicht, Schwester Mariechen
Wittich aufzusuchen, die uns stets
Mittag-
essen u. Kaffee spendete. In der Stadt
staunten wir über den allenthalben
vor-
schreitenden Wiederaufbau, besonders an
Kaufläden, Kafes, Restaurants, aber auch
von Wohnhäusern, besonders im
Tinten-
viertel. Die Ludwigs u. Ernstludwigsstraßen
sind bereits voll aufgebaut; ein neues
Hotel, Ecke Rhein u. Neckarstraße ist
ent-
standen, das Parkhotel der Aachen-Mün-
chner Versicherungsgesellschaft. Das alte
Hahnisch-Merksche Haus Ecke Rhein- u.
Kasino Straße ist verschwunden, u. ein
Schmuckplatz an die Stelle getreten.
Mariechen befindet sich wohl u. hat
Ver-
kehr mit Herrn Hutter, der von Jugenheim
weg ins Willbrandthaus umgesiedelt ist.
Bildhauer Habich ist gestorben.
Ich habe mich viel mit der weiteren
Familiengeschichte beschäftigt u. die []
Ergebnisse in einem 2ten Büchelchen
zusammengestellt, mit den betr[effenden]
Adels-
wappen geschmückt. Es umfaßt die
Familien: Lindequist, Egloffstein,
Rots-
mann, Willich, Grolmann; ferner:
Struckmann, Dambacher, Gebhardt,
Wittich, Bossart. Es ist übersichtlich und
hübsch geworden. Zu Weihnachten schenkte
ich an Willichs auch ein gebundenes
Buch der Familiengeshichte Hahn,
Hof-
mann, Rotsmann, Willich in kürzester
Fassung nebst Wappenbildern.
Meine Ruhegehalts-Angelegenheit
be-
stand in Mahnungen, Anträgen,
Nach-
fragen u. Kämpfen mit den Ämtern
u. Behörden, bis ich endlich ab November [19]49
das Almosen von monatl[ich] 80 M[ar]k erhielt,
bei gleichzeitiger Aufgabe der 50 M[ar]k
Fürsorge u. Abzug von 20 M[ar]k an der []
Invalidenrente, sodaß ich somit nur
10 M[ar]k mehr erhalte. Das bereits im Nov[ember]
verabschiedete sogen. Stufengesetz:
50 M[ar]k Unteroff[i]z[ier]e, 100 Leut[nan]ts, 250 H[au]ptl[eute] 300
Oberst u. Generale) ist noch immer nicht
ausgezahlt. Wir so miserabel
behandel-
ten alten Off[i]z[ier]e hoffen auf ein neues
Pensionsgesetz, das uns mit den
Beam-
ten gleichsetzt.
In die letzten Monate des Jahres fallen
die Wiederaufbaupläne unseres Darmst[ädter]
Hauses, die mit Besprechungen mit dem
Finanzberater Hans Heldmann begannen,
mit Bau-Entwürfen durch Architekt Friedr[ich]
Soeder weitergeführt wurden u. zu
Weih-
nachten [19]49 zu einem vorläufigen Entschluß
führten, der im nächsten Jahresbericht
be-
sprochen werden soll.
Der Orden Pour le Mérite wurde durch König Friedrich II. gestiftet und war die höchste Tapferkeitsauszeichnung, die im Königreich Preußen vergeben werden konnte. Der Orden geht auf den 1667 gestifteten Ordre de la Générosité zurück. (https://de.wikipedia.org/wiki/Pour_le_M%C3%A9rite)
Hahn, Diether v. (* 1940) und Walther v. Hahn (* 1942)
Hahn, Walther v. (1909-1942), Kriegsfreiwillger, gefallen in Russland als Unteroffizier im Lehrregiment „Brandenburg“
Keller, Kurt Dr. agr. (1913-1976), Universitätsassistent in der landwirtschaftlichen Fakultär der Universität Gießen, Großbetriebsprüfer in der Oberfinanzdirektion Wiesbaden: heiratet im Februar 1944 Lore v. Hahn geb. Vollert (* 1913)
Hahn, Arthur v. (* 1905), 1945 vermisst, Oberpostrat, 1942 in Wien
Hahn, Margret v. geb. Michel (1912-2011), Lehrerin
Hahn, Gerhard v. (1934-2016) und Friedrich v. Hahn (1936-2015), cand. hist. art. et theol.
Hahn, Gertrude v. (* 1939), Säuglings- und Kinderkrankenschwester
Schrader, Ursula, verh. v. Hahn (1910-1987)
Hahn, Elke v., verh. v. Schmeling-Diringshofen (* 1941)
Hahn, Ingrid v., verh. Schenck (* 1945)
Mandelsloh, Elisabeth v., verw. Freifrau v. Hammerstein-Gesmold (1893-1971)
Wittich, Christa (* 1900), verh. mit Walter Strack (1889-1968); Lisbeth Wittich (1902-1985) verh. mit Helgo Lampe (1899-1973) und Werner Wittich (1903-1997), verh. mit Jula v. Wachter (1906-1985)
Wittich, Katharina (* 1957); Markus Wittich (* 1959); Hannah Wittich (* 1961); Julia Wittich (* 1963); Anja Wittich (* 1968); Peter Wittich (* 1971); Susanne Hirzel (* 1971); Franziska Hirzel (* 1966); Jürgen Gentzcke (* 1956); Dieter Gentzcke (* 1959); Jochen Spielmann; Caroline Wittich (* 1962)
Strack, Walter (1889-1968), 1945 stellvertretender Landrat des Kreises Offenbach am Main, Regierungsdirektor in Kassel
Lampe, Ute verh. Pirke (* 1932), Krankenschwester; Bernd Lampe (* 1934); Armgard Lampe, verh. Schmitt (* 1938); Dierk Lampe (* 1939); Götz Lampe (* 1942)
Wittich, Klaus (* 1932), 1955 verh. mit Betsy Blount; Günther Wittich (* 1934), verh. mit Helga Friedrich (* 1937)
Marianne Wittich (* 1935), verh. mit Konrad Hirzel (* 1927); Barbara Wittich (* 1941), verh. mit Eberhard Fincke (* 1933)
Westwall, von den Westalliierten Siegfried-Linie genannt, war ein militärisches Verteidigungssystem entlang der Westgrenze des Deutschen Reichs im Zweiten Weltkrieg. (https://de.wikipedia.org/wiki/Westwall)
Maginot-Line: aus einer Linie von Bunkern bestehendes Verteiligungssystem entlang der französischen Grenze zu Belgien, Luxemburg, Deutschland und Italien, benannt nach dem französischen Kriegsminister André Maginot, erbaut von 1930 bis 1940 (https://de.wikipedia.org/wiki/Maginot-Linie)
Wittich, Jula geb. v. Wachter (1906-1985)
Darmstadt, Alice-Frauenverein: wurde 1867 als Alice-Frauenverein für Krankenpflege unter dem Vorsitz von Prinzessin Alice, spätere Großherzogin v. Hessen und bei Rhein geb. Prinzessin v. Großbritannien und Irland, gegründet. Ein zweiter, auf die Initiative Prinzessin Alices zurückgehender Frauenverein, war der Verein zur Förderung der weiblichen Industrie, der ab ca. 1872 den Namen „Alice-Verein für Frauenbildung und Erwerbung“ trug. (https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/a/alice-frauenvereine.html)
Darmstadt, Eichbergstraße 1 (Adressbuch Darmstadt 1940, S. 206)
Darmstadt, Wilhelmsstraße 16 (Adressbuch Darmstadt 1936, S. 420)
Wittich, Werner Prof. (1867-1937), Historiker und Kultursoziologe Reichsuniversität Straßburg (https://wiki.genealogy.net/Werner_Wittich)
Hahn, Karl v. (1891-1945), Oberstleutnant
Hahn, Georg v. (1917-1944), Hauptmann, 1944 vermisst; Bruder Wolfgang v. Hahn (1919-1941), Leutnant der Luftwaffe, und Bruder Karl v. Hahn (* 1924), Leutnant zur See a. D.
Hahn, Elisabeth v. geb. Reinhart (1894-1982)
Hahn, Magda v. geb. Bausch (1921-2015)
Die US-amerikanische Standard Oil Company war bis zu ihrer Zerschlagung das größte Erdölraffinerie-Unternehmen der Welt. Sie wurde von John D. Rockefeller gemeinsam mit einigen Geschäftspartnern gegründet und war die Quelle des legendären Reichtums der Rockefeller-Dynastie. Das Geschäftsgebaren des Unternehmens führte zur ersten Anti-Monopol-Gesetzgebung der USA und schließlich zur Entflechtung des Unternehmens in heute noch bedeutende Ölunternehmen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Standard_Oil_Company)
Egloffstein, Hans Freiherr v. und zu (1894-1987)
Egloffstein, Kurt Freiherr v. und zu (1891-1914)
Egloffstein, Gertraud Freifrau v. und zu geb. Dorn (* 1912)
Egloffstein, Albrecht Freiherr v. und zu (* 1939), verh. mit Sibille v. Schack (* 1944), und Götz Freiherr v. und zu Egloffstein (* 1942), Pfarrer, verh. mit Nicole Kromminga (* 1960)
Egloffstein, Dorothee Freiin v. und zu (1941-1988), Kinderkrankenschwester, und Susanne Freiin v. und zu Egloffstein (* 1944), verh. mit Gottlob Heß
Loquax: lateinisch für geschwätzig, redselig
Egloffstein, Schloss: hochmittelalterliche Adelsburg, seit dem 11. Jahrhundert Stammsitz der Freiherrn v. und zu Egloffstein westlich des gleichnamigen Ortes Egloffstein im oberfränkischen Landkreis Forchheim in Bayern (https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Egloffstein)
Egloffstein, Hans Freiherr v. und zu (1859-1925), Rittmeister a. D.
Bossart, Heinz (1905-1945), Rechtsanwalt in Neu-Strelitz
Bossart, Adolf Friedrich (Dolfried) (1904-1948), Kaufmann
Bossart, Karl August (1899-1917)
Hunbury-Sparrow, Amelie geb. Bossart, gesch. Corleis (* 1902)
Hunbury-Sparrow, Allan, englischer Colonel bei der britischen Besatzung in Godesberg und Düsseldorf
W-Geschoß: Ein Wuchtgeschoss ist eine Muntion, die allein die kinetische Energie ihres Projektils nutzt, um die Zieloberfläche z. B. eines Panzers zu durchdringen. Im Geschoss selbst wird deswegen auf Spengstoff und Zünder verzeichtet (https://de.wikipedia.org/wiki/Wuchtgeschoss)
Hofmann, Elisabeth v. (* 1872) und Ernst v. Hofmann
Breyer, Robert Prof. (1866-1941), Maler und Zeichner, und Sofie Breyer (https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Breyer)
Darmstadt: Wilhelm-Jäger-Straße 10 (Adressbuch Darmstadt 1942, S. 24)
Gundernhausen, Hofgut Grolmannshof: 1671 Lehngut der Schrautenbachs, dann des Jägermeisters v. Nimptsch, 1827 vom Großherzog als Lehngut an den Staatsminister und Ministerpräsidenten Carl v. Grolmann (1775-1829) übertragen. 1898 verkauften die Erben v. Grolmann das Gut an den Freiherrn Wilhelm v. Heyl zu Herrnsheim (1834-1923) in Worms, der aber nie in Gundernhausen wohnte. 1950 erwarb die Gemeinde das heruntergekommene Hofgut, ließ einige Gebäude abreißen und machte den Park zum „Bürgerpark“. (https://rossdorf.de/leben-in-rossdorf/geschichte-ot-gundernhausen.html)
Manuskript "Geschichte der Familie Dambacher" von Heinrich v. Hahn (gebunden, 105 Seiten, mit Bilderanhang), 1941 (HStA Darmstadt, O 59 v. Hahn Nr. 136)
Pistor, Wilhelmine geb. Kupferberg (1825-1884)
Pistor, Karl (1882-1941), 1932-1936 Konsul in Ecuador
Pistor, Frieda Sophie geb. Erich, verw. Widman (* 1889)
Pistor, Lieselotte (* 1922), Dolmetscherin, Sekretärin und Archivarin in einem wissenschaftlichen Institut in München, und Anneliese Pistor (* 1923)
Mitteilungen aus der Vergangenheit der Familie v. Hahn zu Darmstadt, niedergeschrieben von Friedrich v. Hahn (gebundene, hand- und maschinengeschriebene Ausführungen), 1951 (HStA Darmstadt, O 59 v. Hahn Nr. 1-3)
Album von Gisbert v. Hahn mit Fotos vom Einmarsch der Wehrmacht in Österreich im Frühjahr 1938 (74 s/w-Fotos, nur Kopien, Original entnommen zur Bildersammlung R 4 Nr. 39429/1-74 A) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 23)
Album von Gisbert v. Hahn mit Fotos zum Einmarsch der Wehrmacht ins Sudetenland, Oktober 1938, Polenfeldzug September 1939, Frankreichfeldzug Mai bis Juni 1940 und Paris, Kriegsgefangenenlanger Bramburg 1941, Kaserne "Schule für die schnelle Truppe" in Krampnitz bei Potsdam, Kaserne Groß Born, Falkenburg, Krampnitz 1944 (109 s/w-Fotos, nur Kopien, Originale entnommen zur Bildersammlung R 4 Nr. 39430/1-109 A) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 24)
Guderian, Heinz (1888-1954), Kommandeur der großen Panzerverbände und Ende des Zweiten Weltkriegs zeitweilig mit der Wahrnehmung der Geschäfte betrauter Chef des Generalstabs des Heeres (https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Guderian)
Narew: Fluss in Weißrussland und Polen (https://de.wikipedia.org/wiki/Narew)
Brest (Belarus) (https://de.wikipedia.org/wiki/Brest_(Belarus)) Album von Gisbert v. Hahn zu seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg, wohl in Russland (55 s/w-Fotos, unbezeichnet, in Album mit blauem Kunststoffbezug, 13 x 19 cm) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 54)
Ladogasee: größter See Europas in Nordwestrussland (https://de.wikipedia.org/wiki/Ladogasee)
Ilmensee: See in Nordwestrussland (https://de.wikipedia.org/wiki/Ilmensee)
Wolchow: Fluss in Nordwestrussland und Wolchow-Schlacht: Offensive der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg vom 7. Januar bis 30. April 1942 (https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_am_Wolchow)
Lötzen (Polen), Reservelazarett: 1941 und 1944 auf der Festung Boyen eingerichtetes Lazarett, gleichzeitig Stützpunkt einer Division des militärischen Nachrichtendiensts (https://www.polish-online.com/polen/staedte/festung-boyen-loetzen.php)
Kavallerie- und Panzertruppenschule Krampnitz (Heeres-Reitschule): Ausbildungseinrichtung des Heeres der Wehrmacht (https://de.wikipedia.org/wiki/Heeres-Reitschule)
Lossen, Heinrich (Heinz) Prof. (1893-1967), Röntgenologe an der Universität Mainz (https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Lossen)
Einmarsch indas Memelland 1939: das vom Deutschen Reich gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags abgetretene und 1923 an Litauen angeschlossene Memelland wurde am 23. März 1939 per deutsch-litauischem Staatsvertrag mit dem Reich „wiedervereinigt“. (https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/einmarsch-ins-memelgebiet-1939.html)
Halbinsel Hel (deutsch Halbinsel Hela oder Putziger Nehrung): Landzunge in der polnische Woiwodschaft Pommern (https://de.wikipedia.org/wiki/Hel_(Halbinsel))
Gdingen (polnisch Gdynia): Hafenstadt in Polen in der Danziger Bucht (https://de.wikipedia.org/wiki/Gdynia)
Hahn, Dirk v. (* 1938), Reederei-Kaufmann
Bremen: als Passagierschiff genutztes Turbinenschiff der Norddeutschen Lloyd (https://de.wikipedia.org/wiki/Bremen_(Schiff,_1939))
Manuskript "Diether. Ein Denkmal seines Lebens. Geboren am 24. August 1908. Gefallen am 14. Dezember 1939." von Heinrich v. Hahn, Darmstadt 1940 (in schwarzes Leder gebunden, ca. 100 Seiten) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 86)
Harnier, Johann Wolfram v. (* 1876), Richter am Erbhofgericht Darmstadt (https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_von_Harnier_(Politiker))
Westerweller von Anthony, August Freiherr v. (1865-1944), Oberstleutnant, Porträt: (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v5805796&icomefrom=search)
Michelly, Eberhard (* 1868) – Porträt, um 1890 (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6579400&icomefrom=search)
Kirnberger, Ferdinand Dr. rer. pol. (1875-1962), ehemaliger Finanzminister, zuletzt Direktor Verwaltungsgericht Darmstadt (https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/k/kirnberger-ferdinand.html)
Becker, E., Witwe von Oberstudiendirektor Dr. Karl Becker, wohnaft Moserstraße 14 (Adressbuch Darmstadt 1941, S. 401)
Becker, Ella (* 1896), Arztsekretärin in Darmstadt (HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 566)
Schuchardt, Ludwig Dr. med. (* 1892), Arzt in Darmstadt (HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 9860)
Steinberger, Gertrud geb. Grübel (* 1890), Witwe des Amtsgerichtsrats Kurt Steinberger (1889-1933) in Darmstadt (HStAD, S 1 Steinberger, Kurt; G 21 B Nr. 2498; StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 826/2)
Steinberger, Else Jutta und Dietrich Kraft (* 1926) (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 826/2)
Burger, Mitzi
Hahn, Dorothee v. geb. Werner (* 1923), geschieden 1947
Wendelstorf, Gut: direkt am Wendelstorfer See gelegen, der zur Cramoner Seenplatte gehört, 1747 im Besitz der Familie v. Bülow, 1924 im Besitz von Fritz v. Sturm, 1999 abgerissen (https://gutshaeuser.de/de/guts_herrenhaeuser/gutshaeuser_w/gutshaus_wendelstorf)
Werner, Bertha geb. Biermann (1900-1972)
Schlick, Albert v. (1872-1953), Rittmeister, bis 1945 Gutsherr auf Müsselmow, oder Bruder Hans-Carl v. Schlick (1874-1957), Marineoffizier, in: Roland Kopp, Hans-Carl von Schlick (1874-1957). Eine Biographie / Mit den Tagebüchern aus 1945, Frankfurt am Main u. A. 2015
Müsselmow, Gut: im Ortsteil Müsselmow der Gemeinde Kuhlen-Wendorf in Mecklenburg-Vorpommern, 1911-1945 im Besitz des Rittmeisters Albert v. Schlick, der 1945 verhaftet und enteignet wurde. Das Gutshaus wurde nach der Wende abgerissen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Kuhlen-Wendorfm)
Konzelmann, Albert (* 1909), Geschäftsführer der Firma Herdfabrik und Emaillierwerk GmbH, wohnhaft Moserstraße 14 (Adressbuch Darmstadt 1942, S. 405; HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 53738)
Hansen, Karl Dr. phil. (* 1902), Chemiker, wohnhaft Ohlystraße 38 (Adressbuch Darmstadt 1942, S. 419, HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 3837)
Schilling, Karl (1889-1973), Kreisleiter der NSDAP Darmstadt, wohnhaft ab 1937 in der Ohlystraße 48 im beschlagnahmten Haus des ausgewanderten jüdischen Landgerichtsrats Dr. Paul Langenbach (1883-1968), (Adressbuch Darmstadt 1942, S. 419 https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Schilling_(Politiker,_1889))
Merck, Louis (1887-1945), Fabrikant, wohnhaft Ohlystraße 50 in Darmstadt, Adressbuch Darmstadt 1942, S. 418 (HStAD, S 1 Merck, Louis)
Büchner, Ludwig (1896-1986), Dipl.-Ing., Direktor, wohnhaft Niebergallweg 24 in Darmstadt (Adressbuch Darmstadt 1942, S. 410; HStA, R 12 P Nr. 588)
Metz, Margarete geb. Carnier (* 1878), Ehefrau des Ministerialrats Dr. Theodor Metz (* 1876), Amtsgerichtsdirektor in Darmstadt, wohnhaft Jahnstraße 120 (HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 65457; Adressbuch Darmstadt 1942, S. 351; StadtA Darmstadt, ST 633/2))
Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) war eine Rauborganisation der NSDAP für Kulturgüter aus den besetzten Ländern während des Zweiten Weltkriegs, die unter der Leitung des NS-Parteiideologen Alfred Rosenberg (1892-1946) und des von ihm geführten Außenpolitischen Amts der NSDP (APA) stand. (https://de.wikipedia.org/wiki/Einsatzstab_Reichsleiter_Rosenberg)
Werner, Christian (+ 1945)
Manuskript „Gisbert. Die Geschichte seines Lebens. Geboren den 7. März 1913“ von Heinrich v. Hahn, Darmstadt 1942 (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 42)
Im Familiennachlass (HStAD, O 59 v. Hahn) nicht überliefert
Werner, Dorothee, Elsa, Rena und Barbara (Bärbchen)
Massenbach, Margarethe Freifrau v. und zu geb. Freiin Tucher v. Simmelsdorf (1882-1949) (https://www.einegrossefamilie.de/egf/abfrage.pl?aktion=person_zeigen&person_id=68937&sprache=de)
Massenbach, Johann Karl Wilhelm Freiherr v. und zu (1874-1943), Rittergutsbesitzer in Pinne bei Posen (https://ancestors.familysearch.org/en/2MS7-LNK/freiherr-johann-karl-wilhelm-von-massenbach-1874-1943)
Biermann, Friedrich Karl (1872-1923), Kaufmann, Zigarrenfabrikant und Senator der Freien Hansestadt Bremen (https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Karl_Biermann)
Pila (deutsch: Schneidemühl): Stadt in der polnischen Woiwodschaft Großpolen (https://de.wikipedia.org/wiki/Pi%C5%82a)
Dying lady (englisch): sterbende Dame
Schlick, Albert von (1872-1953), Gutsbesitzer auf Müsselmow, in: Roland Kopp, Hans-Carl von Schlick (1874-1957). Eine Biographie, Peter Lang, Frankfurt am Main 2015 (https://gutshaeuser.de/de/guts_herrenhaeuser/gutshaeuser_m/gutshaus_muesselmow)
Schlick, Hans-Carl v. (1874-1957), bis 1918 Seeoffizier der Kaiserlichen Marine, Kommandant des Schlachtschiffes Derfflinger in der November Revoution, 1941 Transportoffizier, seit 1943 bis Anfang Mai 1945 mit schwedischer Frau auf dem Gut seines Bruders in Mecklenburg (https://www.peterlang.com/document/1049057)
Mirbach, Magnus Freiherr v. (1875-1955), Oberst, oder Bruder Dr. jur. Werner Freiherr v. Mirbach (1877-1975), Amtsgerichtsrat (https://www.deutsche-biographie.de/sfz63605.html; https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_von_Mirbach_(Jurist))
Mirbach, Margarethe Freifrau v. geb. v. Moltke (1884-1976) oder Olga Freifrau v. Mirbach geb. v. Bary (1886-1976) (https://gw.geneanet.org/gounou?lang=en&n=von+mirbach&p=otto)
Rüts, Eva v., Gutsverwalterin in Müsselmow, in: Roland Kopp, Hans-Carl von Schlick (1874-1957). Eine Biographie, Peter Lang, Frankfurt am Main 2015
Eggeling, Bernhard Friedrich v. (1872-1949), Offizier und Militärattaché, und Ehefrau Annemarie Helene Katharina verw. Wernher (https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_von_Eggeling)
Schlick, Emilie v. geb. Böckmann, in: Roland Kopp, Hans-Carl von Schlick (1874-1957). Eine Biographie, Peter Lang, Frankfurt am Main 2015
Gilsa, Irmgard v. geb. Daum (+ 1965) (HStAD, H 22 Darmstadt Nr. 184)
Wilbrand, Wilhelm (Willi) Dr. jur. (1871-1957), Erbauer der Villa Wilbrand in der Dieburgerstraße 199 in Darmstadt (HStAD, O 13 Nr. 479)
Habich, Ludwig (1872-1949), Bildhauer aus Darmstadt, lebte nach 1945 in Jugenheim an der Bergstraßem (https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Habich)
Hutter, Willy (1875-1960), Pianist, Direktor der städtischen Akademie für Tonkunst in Darmstadt (https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/a/akademie-fuer-tonkunst.html)
Hoffmann, Ernst Emil Dr. (* 1877), Rechtsanwalt in Darmstadt (HStAD, G 21 B Nr: 3480)
Müller, Paula, Porträt (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6585202&icomefrom=search)
Französich: In den Kriegen handelt es sich nur ums Stehlen.
Die Demontage von Industrieanlagen in der US-amerikanischen Zone wurde nach einem im März 1946 aufgestellten Industrieplan begonnen, nach dem 1.600 Betriebe demontiert werden sollten, um das Produktionsniveau auf rund 63 % von 1938 zurückzuschrauben. Der neue Industrieplan von 1947 sah bereits vor, die Industriekapazitäten annähernd auf das Vorkriegsjahr anzuheben. Deswegen wurde in Westdeutschland auch das Beenden der Demontagen erwartet, jedoch noch im Oktober 1947 wieder eine Demontageliste erlassen, die immerhin noch 682 Betriebe umfasste. Dadurch kam es in den Folgejahren zum Nebeneinander von Demontage und Remontage, dem verstärkten Wiederaufbau von Betrieben. Ende 1950 wurde die Demontage in der Bundesrepublik eingestellt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Demontage_(Reparation))
Die Nürnberger-Prozesse umfassen den Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof sowie zwölf weitere Nachfolgeprozesse vor einem US-amerikanischen Militärgerichtshof, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Justizpalast Nürnberg zwischen dem 20. November 1945 und dem 14. April 1949 gegen führende Repräsentanten des Deutschen Reichs in der NS-Zeit durchgeführt wurden. (https://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Prozesse)
Vor Kriegsende gab es bei den Alliierten Pläne zur Zerstückelung Deutschlands und zur Umwandlung in einen reinen Agrarstaat (Morgenthau-Plan), die aber nicht umgesetzt wurden. Nach dem Krieg gab es in der französischen Besatzungszone Bestrebungen zu einer Bodenreform. Das Reichserbhofgesetz wurde 1947 vom Alliierten Kontrollrat aufgehoben. Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurden die Bodenreformpläne weitgehend aufgegeben, auch aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Bodenreformen in der sowjetischen Besatzungszone. (https://de.wikipedia.org/wiki/Bodenreform_in_Deutschland)
Die Währungsreform von 1948 trat am 20. Juni 1948 in der Trizone, den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands, in Kraft. Ab 21. Juni 1948 war dort die Deutsche Mark („DM“, auch „D-Mark“) alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Die beiden bisher gültigen Zahlungsmittel Reichsmark und die (zu ihr fest im Verhältnis 1:1 notierende) Rentenmark (beide abgekürzt als „RM“) wurden zwangsumgetauscht und dabei mehr oder weniger im Nennwert herabgesetzt. (https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4hrungsreform)
Spruchkammerverfahren waren Verhandlungen, die im Zuge der Entnazifizierung nach 1945 in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands bis zum Jahr 1949 durchgeführt worden. Das in den Ländern der amerikanischen Besatzungszone geltende „Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“ sah für die Verstrickung Deutscher mit dem Nationalsozialismus fünf Gruppen vor: Kriegsverbrecher, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer und Entlastete. (https://www.google.de/search?q=spruchkammerverfahren&sca_esv=7f9ec469fe45c2d7&ei=RRXoZovbL8C69u8PkteO6AY&oq=spruchkammer&gs_lp=Egxnd3Mtd2l6LXNlcnAiDHNwcnVjaGthbW1lcioCCAUyChAAGLADGNYEGEcyChAAGLADGNYEGEcyChAAGLADGNYEGEcyChAAGLADGNYEGEcyChAAGLADGNYEGEcyChAAGLADGNYEGEcyChAAGLADGNYEGEcyChAAGLADGNYEGEcyDRAAGIAEGLADGEMYigUyDRAAGIAEGLADGEMYigVI5BxQAFgAcAF4AZABAJgBAKABAKoBALgBAcgBAJgCAaACB5gDAIgGAZAGCpIHATGgBwA&sclient=gws-wiz-serp)
Churchill, Winston (1874-1965), 1940-1945 britischer Premierminister (https://de.wikipedia.org/wiki/Winston_Churchill)
Rinck, Chlodwig, Hessischer Heimatverlag, 1949 wohnhaft Martinstraße 41 (Adressbuch Darmstadt 1949, S. 131)
Hering im Odenwald, Veste Otzberg, Aquarell von Heinrich v. Hahn um 1900 (HStAD, R 4 Nr. 42141 UF)
Kaufmann, Julius (1895-1968), Maler und Grafiker in Darmstadt, nach Zerstörung seines Ateliers 1944 im Odenwald (https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Kaufmann)
Pfister-Kaufmann, Elsa (1893-1955), Malerin in Darmstadt (https://de.wikipedia.org/wiki/Elsa_Pfister-Kaufmann)
Darmstadt, Papierwarenhandlung Hermann Gieselberg: Liebfrauenstraße 103 (Adressbuch Darmstadt 1949, S. 60)
Nordeck zu Rabenau, Marietta (Mädi) Freiin v. (1886-1960), Hofdame i. R. der Großherzogin Eleonore v. Hessen u. bei Rhein (https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_von_Nordeck_zur_Rabenau) oder Ernestine Freiin v. Nordeck zur Rabenau (1891-1964), Rot-Kreuz-Schwester, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Großen-Buseck (https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_von_Nordeck_zur_Rabenau)
Gemmingen-Hornberg, Adolph Freiherr v. (1886-1963) und Ehefrau Maria Freifrau v. Gemmingen-Hornberg geb. Freiin v. Nordeck zur Rabenau (1890-1988) (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v5956357&icomefrom=search)
Beck, Mathilde (* 1868), Sprachlehrerin in Darmstadt, nach 1944 bei Bruder Fritz Beck in Bad König (https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Beck_(General))
Möglicherweise Franz Joseph Albert Beuer (* 1885), Kaufmann in Darmstadt (HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 69565)
Guyot, Sophie (* 1892), Schwester (HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 23568)
Spamer, Gustav (1871-1946), Präsident Oberrechnungskammer und Verwaltungsgerichtshof Darmstadt (HStAD, S 1 Spamer, Gustav)
Heldmann, Hans, Wohnungsbau- und Finanzberatung im Roquetteweg 41 (Adressbuch Darmstadt 1949, S. 71)
Soeder, Hans Prof. Dr. Ing. (1891-1962), Hochschullehrer und Architekt in Jugenheim (https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Soeder)
Bruch, Ludwig, Major z. V., wohnhaft Theodor-Fritsch-Straße 37 (Adressbuch Darmstadt 1942, S. 25)
Kramer, Waldemar, Ober-Ingenieur, 1949 wohnhaft: Goethestraße 32 (Adressbuch Darmstadt 1949, S. 94)
Glaab, Josef (* 1872), Schreiner (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 185/3)
Glaab, Amalie geb. Klingelhöfer (* 1881) (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 621/7)
Ritsert, Toni Sofie Marie Emilie geb. Scriba (* 1893) (HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 39143)
Hahn, Erika v. (1899-1975), Rotekreuzschwester am Alice-Hospital in Darmstadt, Vorsteherin der Kinderabteilung Bad König im Odenwald
Willich gen. v. Pöllnitz, Ludwig v. (1915-1993)
Herbold, Liselotte verh. Willich gen. v. Pöllnitz (* 1917), 1962 geschieden
Willich gen. v. Pöllnitz, Hans Albert (* 1948), Steuerhauptsektretär
Willich gen. v. Pöllnitz, Werner v. (1917-2015), Betriebsingenieur
Willich gen. v. Pöllnitz, Karola geb. Fritsch (1921-1985)
Fritsch, Karl, Gutspächter zu Dilshofen und Ökonomierat (HStAD, S 1 Fritsch, Karl)
Willich gen. v. Pöllnitz, Hans Adolf (1926-1944)
Manuskript "Gisbert. Die Geschichte seines Lebens. Geboren den 7 März 1913", von Heinrich v. Hahn, Darmstadt 1942 (gebunden, 103 Seiten) (HStA Darmstadt, O 59 v. Hahn Nr. 42)
Bericht im Familienarchiv (HStAD, O 59 v. Hahn) nicht überliefert
Hoffmann, Marlene geb. Heilmann
Neustadt im Odenwald, Burg Breuberg, Aquarell von Heinrich v. Hahn (HStAD, R 4 Nr. 42145 UF)
Hering im Odenwald, Veste Otzberg, Aquarell von Heinrich v. Hahn (HStAD, R 4 Nr. 42116 UF)
Alsfeld, Marktplatz mit Rathaus, Aquarell von Heinrich v. Hahn (HStAD, R 4 Nr. 42122 UF)
Platon (latinisiert: Plato) (428/427 v. Chr.-248/347 v. Chr.), antiker griechischer Philosoph (https://de.wikipedia.org/wiki/Platon)
Kant, Immanuel (1724-1804), Philosoph der Aufklärung (https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant)
Becker, August jun. (1866-1951), Oberbaurat und Architekt in Darmstadt (HStAD, O 59 Becker Familie, Gliederungspunkt 8)
Lotheißen, Reinhardt, Versicherungsagent in Darmstadt. Porträt (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6577314&icomefrom=search)
Merck, Georg (1867-1926), US-amerikanischer Unternehmer und Gründer von Merck & Co (https://de.wikipedia.org/wiki/George_Merck)
Krug v. Nidda, Ernst (1866-1943), Präsident des Oberversicherungsamts Darmstadt (HStAD, S 1 Krug von Nidda, Ernst)
Krug v. Nidda, Georg (* 1870), Porträt (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6580984&icomefrom=search)
Zangen, Wilhelm v. (* 1867), Porträt (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6578631&icomefrom=search)
Zangen, Reinhard v. (* 1870), Porträt (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6579382&icomefrom=search)
Zangen, Otto v. (1872-1894), Porträt (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6579293&icomefrom=search)
Schenck zu Schweinsberg-Wäldershausen, Wilfried Freiherr v. (1864-1939), Rittmeister a. D., großherzoglich hessischer Kammerherr (https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/rsrec/sn/bio/register/person/entry/schenck+zu+schweinsberg%252C+ludwig+friedrich%252A+karl+freiherr+von)
Schenck zu Schweinsberg, Karl Freiherr v. (1866-1931), Porträt (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6577345&icomefrom=search)
Schenck zu Schweinsberg, Hermann Freiherr v. (1866-1937), Ministerialrat im Ministerium für Wirtschaft, (HStAD, S 1 Schenck zu Schweinsberg, Hermann Freiherr von)
Preuschen, Maximilian v. (1867-1932), preußischer Generalmajor (HStAD, O 15 Gliederungspunkt 2.6)
Hombergk zu Vach, Paul v. (1875-1914), in: Fritz Beck, Geschichte des 1. Großherzoglich Hessischen Infanterie –(Leibgarde-) Regiment Nr. 115, Mittler und Sohn, Berlin 1899, S. 537 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grab_von_Fritz_von_Hombergk_zu_Vach_(Grabplatte).jpg)
Schilling v. Cannstatt, Hubert Freiherr v. (* 1864), Porträt (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6579203&icomefrom=search)
Trott zu Solz, Thilo v. (HStA Darmstadt, H 13 Gießen Nr. 951)
Wagner, Rudolf (* 1881), 1899 Oberleutnant Feldartillerie-Regiment Nr. 61, in: Fritz Beck, Geschichte des Großherzoglichen Artilleriekorps 1. Großherzoglich Hessischen Feldartillerie-Regiments Nr. 25 und seiner Stämme …, Mittler und Sohn, Berlin 1912, S. 424
Keim, Gustav (1876-1955), General (https://www.oocities.org/~orion47/WEHRMACHT/HEER/Generalleutnant2/KEIM_GUSTAV.html)
Kramer, Waldemar, Ober-Ingenieur, 1949 wohnhaft Goethestraße 32 (Adressbuch Darmstadt 1949, S. 94)
Bruch, Ludwig, Oberstleutnant, 1949 wohnhaft Martinstraße 37 (Adressbuch Darmstadt 1949, S. 33)
Willich gen. v. Pöllnitz, Marieluise (* 1949), OP-Schwester
Hutter, Jakob, Oberpostinspektor a. D., 1949 wohnhaft Roßdörfer Straße 105 (Adressbuch Darmstadt 1949, S. 79)
Manuskript „Familiengeschichte“ von Heinrich v. Hahn (gebundenes Buch, ca. 100 Seiten, mit farbigen Wappenzeichnungen), 1949, 1973, 1984 (HStD, O 59 v. Hahn Nr. 135 und Nr. 141)
Stufengesetz: Gesetz über die Versorgung der Opfer des Krieges (Bundesversorgungsgesetz – BVG) regelt die staatliche Versorgung von Kriegsopfern des Zweiten Weltkriegs, erlassen am 20. Dezember 1950 (https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesversorgungsgesetz)