Alter
[]
Goethe []
Das Alter ist ein höflich‘ Mann,
Einmal übers andre klopft es an.
Aber nun sagt niemand: herein.
Und vor der Türe will er nicht sein.
Da klinkt er auf, tritt ein so schnell,
Und nun heißt’s, er sei ein grober Gesell!
Wer sich dem 70ten Lebensjahre nähert,
bekommt das Alter zu spüren. Es will nichts
mehr so gehen, wie gewohnt. Die
Entschluß-
kraft läßt nach, Besuche u. Gesellschaften werden
lästig, Treppen verhetzen den Atem,
Garten-
arbeit strengt an, Bücken wird mühsam,
He-
ben schwer, Bergaufgehen langsam, Reisen
tut man ungern, sitzt gern allein, schreibt
viel und liest alte Schmöker. Der Schlaf ist nicht
mehr so tief, der Appetit läßt nach; nur der
Wein, der schmeckt noch. Die Frau redet es
ei-
nem aus; man will es anfangs selbst nicht
glauben. Aber die Kräfte nehmen ab, und das
Alter ist da.
Ich bin darob nicht mismutig, oder gar
ver-
ärgert, nehme wie immer Tatsachen als
gege-
ben, zumal sie nicht verwunderlich, auch nicht
ungewöhnlich sind, sondern natürlich. Aber die
Gedanken an die Vergänglichkeit alles
Irdi-
schen wenden den Blick nach rückwärts.
Da mußte ich denn erkennen, daß ich Fehler
gemacht, große u. kleine, manches ungeschickt,
falsch, zu früh oder zu spät getan, zu wenig []
oder zu viel gesagt, übereilt oder zaghaft
gehandelt, zu lahm oder zu scharf geschrieben,
- es war nicht mehr zu widerrufen,
unabän-
derlich geschehen. Die Folgen hatte ich längst
getragen und verwunden. Sollte ich bereuen,
Buße tun, vergelten? Nichts von Allem –
wenn die Ehre nicht verletzt war! Dafür aber,
hatte ich meiner Ueberzeugung nach immer
nach besten Kräften gesorgt. Alles ist
mensch-
lich, der Natur des Mannes, dem Charakter des
Offiziers entsprechend gewesen. Ueberall und
immer habe ich versucht, das Gemeine zu
vere-
deln, das Leibliche zu vergeistigen, dem
Un-
sinnigen Sinn zu geben. Erfolge beglückten
mich, Enttäuschungen blieben nicht aus.
Jeder Stufe meines Lebens hatte ich ein Ziel
zu setzen versucht, das sie zweckvoll
ausfül-
len sollte mit Leistungen, die, ohne besonders
groß sein zu wollen, persönlich sein mußten,
d. h. solchermaßen nur allein von mir zu
ge-
stalten. Damit war der Jugend u. der
Mannes-
zeit Arbeit gegeben; fürs Alter blieb nur
noch ein Rest zu tun übrig. []
Denn die Schrumpfungen waren deutlich.
Zunächst im Haus.
Die Aufteilung war geglückt, aber der
Ver-
zicht auf Sonne, Terrasse, Diele, Garderobe und
die schöne Treppe fiel mir doch recht schwer.
Der letzte Rest dieser Treppe, das Geländer,
wur-
de nun auch beseitigt. Der umgitterte Raum,
der 1/3 der Oberdiele unbenutzbar ließ, war uns
lästig geworden. Wir bauten ihn unter
Entfer-
nung des Oberlichtes ganz zu; Balken wurden
eingezogen u. Parket darüber gelegt. Für
unten war durch Einsatz von Glasscheiben in
die Schiebetüren des Musikzimmers genügend
Licht gewonnen. Nun hatten wir ein großes
Wohnzimmer als Mittelpunkt der oberen
Woh-
nung mit vermehrtem Stellraum für Flügel
und Bücherschränken. Die Treppe blieb natürlich
Nebentreppe, die Garderobe schmal u.
unzurei-
chend. Der Südbalkon erhielt Markise u.
Blumen-
kästen, u. war so im Sommer ein weiteres Zimmer.
In den Parterrestock war Direktor Kräckmann
als musterhaft ruhiger Mieter eingezogen.
Die Mansarde bewohnte Frau Steinberger mit []
ihren Zwillingskindern. Der Student René
Kröner hauste noch eine Zeit lang in der
Mansarde, auch kurze Zeit der Schauspieler
Handschumacher und ein Vierteljahr auch
Fritzgebhardt in Gisberts Zimmer. Marias Kunst,
jede Wohnung zu schmücken u. gemütlich zu
machen, bewährte sich aufs Neue.
In der Familie.
Im Herbst 1935 erlitten wir zwei schwere
Ver-
luste. Es starben mein jüngerer Bruder
Bern-
hard in Amsterdam, und 14 Tage darauf
mei-
ne ältere Schwester Lili v. Lindequist in
Braunschweig.
Mein Bruder hatte ein Nierenleiden, war
meh-
re Male operiert worden, seitdem aber ohne
merk-
liche Beschwerden. Er suchte alljährlich Bäder auf
– Wildungen, Marienbad – und befand sich bis
10 Tage vor seinem Tod wohlauf u. voll
dienst-
fähig als besonders verantwortungsvoller
deut-
scher Generalkonsul in Amsterdam. Als er Ende
Juli auf seiner Rückreise von Wildungen durch
Darmstadt zwei Tage in unserem Hause zu Gast
war, fand ich ihn so frisch u. angeregt, wie []
selten vorher. Plötzlich versagte die eine ihm
noch verbliebene Niere, und es war aus.
Bernhard war 15 Jahre jünger als ich, und
11 Jahre alt, als der Vater starb. Es fiel der
Mut-
ter nicht leicht, den geweckten, eigenwilligen
Knaben zu erziehen. Er war der
intelligen-
teste von uns Brüdern u. kam ohne jede
Schwie-
rigkeit durchs Gymnasium. In reiferen Jahren
hatte ich Einfluß auf ihn, auf die geistige
Füh-
rung seines Lebens; beruflich beriet u. führte
ihn Bruder Fritz; seinen Charakter bildete er sich
selbst. Er studierte Jura in München, Berlin,
Gießen, bestand dort u. in Darmstadt seine
Prü-
fungen, machte nach einem Aufenthalt in Paris
seine Dolmetscher Prüfung, kam ins Auswärtige
Amt in Berlin, als Vizekonsul nach Shanghai,
zurück ins A[uswärtige] A[mt], zog als Reserve-Offizier des
Großh[erzoglichen] Artilleriekorps mit diesem Regiment ins
Feld bei der L[and]W[ehr]K[reis] II, wurde jedoch bereits [19]17/[19]18
reklamiert, wurde 1922 [überschrieben: 1921] deutscher Konsul in
Rotter-
dam, u. 1928 Generalkonsul in Amsterdam.
Bernhard war hervorragend begabt, schreib- und
redegewandt, ein Sprachtalent. Er konnte []
griechisch, latein, französisch, englisch, holländisch.
Er spielte gut Klavier, etwas schwerfällig, aber
grundmusikalisch. Er hatte, ohne selbst zu
zeich-
nen, gründliche Kenntnis u. tiefes Verständnis
für alle Künste u. Literatur. Er kannte fast alle
Galerien u. Kunstsammlungen des
Konti-
nents nicht nur, er hatte sie studiert. [gestrichen: Indien],
China, Japan hatte er bereist u. in eingehenden
Briefen beschrieben. Er war [gestrichen: oft] in Paris, Rom,
Florenz [über der Zeile eingefügt: London]. Er war in Kunstkritik u. Literatur
belesen. Er besaß ein tiefgründiges Urteil
über alles. Seine Kritik war hart, immer
origi-
nell. Mich hat er fast immer überzeugt. Seine
Aussprache, die selten war, brachte oft
überraschen-
de Ergebnisse. Seine Gesinnung war durchaus
aristokratisch, sein Auftreten vornehm, sein
Benehmen vorsichtig, diplomatisch. Er war ein
Mensch mit überdurchschnittlichen Gaben u. großen
Erfolgen, die ihm seine hohe Stellung in die Breite
wirk-
sam zu werden Raum gab. In Holland hat man
vor ihm um den Verlust eines Generalkonsuls [über der Zeile eingefügt: nie] so
aufrichtig getrauert, wie um ihn. Er hat der
Fami-
lie Ehre gemacht.
[]
Meine Schwester Lili war herzleidend. Es kam
Wassersucht hinzu u. Darmparasiten. Ein
Natur-
arzt griff noch zuletzt wohl erfolgreich ein,
konn-
te aber den Tod nur verzögern. Sie war mir stets
eine liebe Schwester gewesen mit vollem Interesse
für meinen Lebensweg, Frau u. Söhne, die ihre
Tan-
te Lili verehrten. Sie hatte starken Familiensinn
und Familienstolz, vornehme Gesinnung u. hielt
auf Tradition. Sie war mit Mann u. Tochter noch
vergnügt u. teilnehmend auf der Hochzeit von
Diether 1934 in Kiel. Von da begann der
gesund-
heitliche Abstieg. Ich fuhr mit Mariechen zur
Be-
erdigung nach Braunschweig, wo wir alle Geschwister
Arthurs nebst deren Kindern versammelt trafen.
Arthur leidet unsagbar an dem Verlust seiner
un-
ersetzlichen Lebensgefährtin, den er 80jährig
erlei-
den mußte.
Solche Gelegenheiten ließ sich Schwester Mariechen
Wittich nie entgehen, die Familie mit vertreten
zu helfen. Sie hatte sich zu einer hervorragenden
Persönlichkeit entwickelt. Schon im zweiten
Jahr-
zehnt ihrer Ehe war ihr bequemes, immer wieder
ver-
bessertes Haus in der Eichbergstraße, wo ihre drei []
prächtigen Kinder, buntes Leben ausströmend,
aufwuchsen, durch seine großzügige
Gastlich-
keit umworben u. beliebt, sie selbst in der Stadt
durch tätige Mitwirkung praktischer Wohltätigkeit
bekannt u. anerkannt. Nach dem Tod unserer
Mutter wurde es Sammel u. Mittelpunkt der
Fa-
milie. Mariechen war nicht nur klug u.
ge-
wandt, sie hatte das Herz auf dem rechten Fleck,
nicht sentimental, aber gütig; geschäftstüchtig,
aber gerecht: viel Hahnisches Erbgut. Sie ist eine
vorbildliche Gattin u. Mutter. Ihre Kinder sind alle
tüchtige, lebensnahe Menschen geworden, haben
alle Kinder, u. leben in glücklichen Ehen.
Bruder Fritz hat sich ein bleibendes Verdienst
er-
worben durch Aufstellung unseres nun bis ?
reichenden Stammbaums u. Ausarbeitung der
Ahnentafeln für uns. In jahrelanger,
mühevol-
ler Kleinarbeit kam dabei vieles Interessante u.
Ueberraschende erfreulicherweise zum Vorschein.
Er ist eben mit der Ausarbeitung von
Lebensbe-
schreibungen unserer nächsten Vorfahren beschäftigt.
Die Geduld u. Beharrlichkeit, die hierzu von ihm
er-
fordert wird, ist bewundernswert u. des Dankes []
von uns Allen sicher.
Nun muß ich noch zwei traurige Geschichten
erzählen. Hans v. Egloffstein, der letzte seiner
Linie u. Schloßerbe, hatte sich endlich entschlossen,
zu heiraten. Die z. Zt. in Homburg wohnende
Rheinländerin aus Industriekreisen, hübsch, jung
u. flott gefiel allgemein, wurde aber von dem
allzu gegensätzlich gearteten Hans nicht
genü-
gend gefesselt, sodaß, wohl auch wegen
finan-
zieller Unstimmigkeiten, das Verlöbnis zurückging.
Amelie, die reizende Tochter Röschen Bossarts,
die ich besonders schätzte u. liebte, hatte sich
über-
hastet früh mit einem jungen Ingenieur ohne
Dipl[om] verheiratet. Es kamen zwei Kinder, aber die
Ehe war finanziell ganz unzureichend gestützt,
und ging auch schlecht. Sie war ihm mit ihrer
Intelligenz u. vielseitiger Begabung überlegen.
Der leichtsinnige u. untreue Gatte brachte auch
ihr sprühendes Temperament auf einen Irrweg.
Es kam zur Scheidung und zu einer leider
wiede-
rum übereilten zweiten Ehe mit einem zwar
gleich-
wertigen, aber nervös überreizten Mann. In einer
schwierigen, doch keinesfalls verzweifelten Lage []
faßten sie den Entschluß zum Doppelfreitod,
dem er erlag, während sie wie durch ein Wunder
errettet wurde. Sie ist ein Stehaufchen, die rasch
genas, u. sich nun in Hamburg selbständig
nie-
dergelassen hat. Von ihren Brüdern hat Dolfried
eine aussichtsvolle Fabrik im Mecklenburgischen,
u. sich kürzlich verheiratet; Heinz hat eine gut
gehende Anwaltspraxis in Neustrelitz.
Lieschen Deninger ist trotz ihrer 81 Jahre frisch
u. stahlhart wie vor 30 Jahren, mehrfache
Groß-
mutter u. demnächst Urgroßmutter, denn Maria
Hoffbaurs beide sehr begabte Töchter Marlis und
Gerda sind bereits verheiratet. Mila Kolbe,
von schwerer Krankheit genesen, lebt oft auf
Egloffstein, wo sie in Melie u. Fr[äu]l[ein] Keppler
ver-
wandte Seelen fand. Ihre drei Töchter sind
un-
verheiratet. Melie hat in der Sorge um Haus und
Hof und in der Ausbildung von Maiden wohl
Be-
friedigung, aber für ihr Alter u. die Schwere der Zeit
eine Arbeit, die ihre Kräfte allzu stark in Anspruch
nimmt. Ueber die Söhne Miezes u. das Unglück,
das über die Familie meines Bruders 1935
herein-
brach, kann ich erst später mal schreiben. []
Meine Gesundheit, ich meine die
Asthmabe-
schwerden, waren im neuen Hause ja erheblich
geringer geworden, als sie in der ersten
Nach-
kriegszeit gewesen. Aber sie wichen nie ganz,
u. legten mir doch schließlich auf, etwas
dage-
gen zu tun. Eine gründliche fachärztliche
Unter-
suchung [gestrichen: ergab; über der Zeile eingefügt: hatte] zwar ein erfreulich günstiges
Ergebnis; dennoch entschloß ich mich 1935 einen
4 wöchigen Aufenthalt in Freudenstadt i[m]
Schwarz-
wald zu nehmen, dessen reine dünne Luft u.
ebene, tannenduftende Spaziergänge mir sehr
gut taten. Dort sind auch die ersten
Niederschrif-
ten dieser Lebensgeschichte begonnen worden.
Maria war vorher 4 Wochen bei den Kindern in
Kiel gewesen.
Waren so überall mehr oder minder große
Schrumpfungen eingetreten, so erst recht in
meinen äußeren Tätigkeiten. Ich hatte die
Opernkritik niedergelegt u. mied seit jener
Zeit das Theater, um so mehr, als sein Niveau
bedenklich gesunken war. Ehe ich schied, durfte
ich noch zwei mich stolz machende
Anerkennun-
gen buchen. Die berühmte Wagnersängerin []
Lili Hafgren schrieb u. wiederholte mir
münd-
lich: „Sie sind der erste Kritiker, der im Stande
ist, das Wesen meiner Kunst zu verstehen.
Sie haben mich nicht kritisiert, sondern
er-
fühlt.“ Der Ausstattungschef Hans Strohbach,
jetzt in Dresden, schrieb mir: „Sie sind in
Darm-
stadt der einzige, der etwas von
Opern-Insze-
nierung versteht, der mir raten u. helfen
konnte“.
Der Ständige Rat für Kunst war
eingeschla-
fen u. brauchte keinen Schriftführer mehr.
Den Ausstellungen auf der Mathildenhöhe,
so wie [eingefügt: sie] seit 1922 [überschrieben: 1933] aufgezogen wurden, konnte
ich u. wollte – nach noch einem Versuch 1934 –
nicht mehr Geschäftsführer sein. Ich konnte in
Programm u. Aufbau nichts Zeitnahes, nur
Rück-
schrittliches erkennen. Was ich noch zustande
brachte, war die Verlegung des Büros des Ständ[igen]
Rates mit Möbeln u. Akten in das Städtische
Archiv, wo es eine Ruhestätte fand. Dort
unter-
zog ich mich der Mühe, alle Akten, Bücher,
Ab-
rechnungen, überhaupt den ganzen Besitz zu
ordnen u. zu inventarisieren.
Mein Verkehr mit alten
Regimentskame-
raden zog etwas an, mit der
Adelsgenossen-
schaft nicht.
Wir beschafften uns einen guten Radio-Appa-
rat, der Ersatz für Oper u. Konzert in Fülle
brachte, zudem Verbindung mit der ganzen Welt.
Eine Rückkehr zum Klavier, zum selbsttätigen
Musizieren, die als Gegenwirkung vom Radio
erhofft wurde, u. von mir, wäre der Antrieb stark
gewesen, sicher keine Ablehnung gefunden
hät-
te, trat nicht ein. Das Radio bringt eben doch
kei-
ne mechanisierte Musik, sondern Uebertragung
manueller Musik. Sie ist so gut, u. wird von so
überragenden Virtuosen der ganzen Welt
getä-
tigt, daß einem die Lust, für sich allein zu
stüm-
pern, vergeht. Es ist nicht Faulheit, es ist die
Ein-
sicht der Unterlegenheit, das Gefühl berechtigter
Resignation.
Ich ging ab und zu auf die Landesbibliothek,
die in den neu gewonnenen, praktisch u. schön
hergerichteten Räumen des Residenzschlosses ihre
Auferstehung feierte, um Zeitschriften u.
Neu-
erscheinungen einzusehen. Ich kaufte viele neue []
Bücher, hauptsächlich aus der Sphäre der seit
1933 neuen Kulturbewegung.
Der politische Umschwung 1933 griff
selbstver-
ständlich mit wuchtiger Hand auch in unser
Leben ein. Im Ganzen hat er auf mich wie
das längst ersehnte reinigende Gewitter
ge-
wirkt. Er setzte den Schrumpfungen ein Ziel,
u. bildete das wieder aufbauende Element
in meinem Alter. Ich war nicht
unvorberei-
tet, auch durch meine Jungens einigermaßen
im Bilde. Im Artillerieverein, unter den alten
Mannschaften u. Unteroffizieren der Kriegs und
Vorkriegszeit gährte es schon früh, bereitete sich
ein aufnahmebereiter Boden, auch für die
Juden-
frage, die m[eines] E[rachtens] die schwierigste, aber entscheidende
ist, oder war. Unser Darmstadt ist ja zu unserer
Elternzeiten sehr judenfreundlich gewesen, und
wir Kinder haben solche Gesinnung als
selbstver-
ständlich richtig hingenommen. Der ungetaufte
– bravo! – Bankier Otto Wolfskehl war viele Jahre
lang Präsident der II Kammer der Stände, u.
Vor-
sitzender des Musikvereins. Der jüdische
Rechtsan-
walt Bender hatte die größte und angesehenste []
Praxis; bei jüdischen Ärzten ließen sich
jun-
ge Mütter – auch aus der Familie – entbinden.
Die großen Verkaufsgeschäfte – Konfektion u.
Schuhe, Möbel – waren in jüdischen Händen,
die Konzertsäle, das Hoftheater, Techn[ische]
Hochschu-
le, Kunstausstellungen wurden immer mehr von
Juden überschwemmt; die Kunst u. Theaterkritik
blieb [über der Zeile eingefügt: hier] wie durch ein Wunder befreit. Die
Gegen-
wirkung war daher sehr stark. Obwohl
vorbe-
reitet, hatte ich doch, daß eine solche Revolution
an Haupt u. Gliedern, an allen
Lebensaufga-
ben u. Seinsrichtungen derart schüttelnd so
rasch eintreten sollte, weder erwartet, noch für
möglich gehalten. Sie schien zu Anfang auch
zahm. Von Woche zu Woche, ja fast Tag zu Tag
schritt die Umkrempelung vorwärts, hat dann
in manchen Gipfelungen überrascht u. erschreckt,
im Ganzen sich aber maß- u. taktvoll bewegt,
bis sie heute 1936 wohl jeden Deutschen völlig
umgewandelt hat. Ich war zu alt, um
mit-
zustürmen, aber jung genug, dem Führer voll
Verehrung u. Vertrauen zu folgen – mehr als
mei-
ne Gleichaltrigen, als meine alten Kameraden, als []
die Meisten meiner Familie, mit Ausnahme
der Jugend, die natürlich kräftig anzog.
Die einen sahen sich von ihren Führerstellen
abge-
setzt, die anderen ihre Standesbevorzugungen
schwinden, die letzten sich in ihren anerzogenen
liberalen Anschauungen gestört. Die
Judenge-
setze, die das Mitleid u. die Menschlichkeit in den
weiblichen Seelen auf den Plan rief, mußten
sich in den Familien Wittich, Egloffstein, Bossart
auswirken. Wir bekamen Gegensätze u.
Wider-
stände zu fühlen. Das Pastorengezänk verstärkte
das Gemecker.
Der Umsturz riß, ähnlich wie 1918, offene Türen
ein. Aber während diese damals offen blieben,
um internationalen Elementen Einlaß zu
ge-
ben, um zu räubern u. zu vergiften, so schloß
der Umsturz [19]33 die Türen fest zu, um in dem von
den seitherigen Insassen gründlich gesäuberten
Hause innen Ordnung zu schaffen; dann fing
er an, auch das Land nach außen neu
anzu-
pflanzen: 1935 Wiedergewinn der Wehrhoheit,
Aufbau des Heeres, der Flotte, der Luftmacht.
1936 Aufhebung der Rheinzone. Solche großen []
Taten vollbringt nur ein genialer Führer.
Wer möchte da nicht hinwegsehen über Mängel,
Fehlgriffe, Unbequemlichkeiten,
Unzuläng-
lichkeiten? Wie mußte aber erst die Wirkung
auf den alten Offizier in mir sein! Als ob ein
giftiger Druck endlich von mir genommen sei,
so atmete ich befreit auf, um neue freudige
Lebensbejahung zu gewinnen.
Schien so der Ausblick auf die Gebiete der
Poli-
tik und Wirtschaft vorwiegend erfreulich sein
zu dürfen, so wollte mich die kulturelle Leistung
der Zeit garnicht, die kulturellen Ziele u.
Auf-
gaben nur teilweise befriedigen; ihre Wege u.
Mittel – wenigstens zunächst – [über der Zeile eingefügt: mußten mir] sogar verfehlt
erscheinen. Der Rückgriff auf die aus Blut u.
Boden strömenden Quellen unserer Künste –
bild[ende] Kunst, Musik, Schriftstellerei, Baukunst, Theater –
ist richtig, jedoch nicht so einfach in Ausführung
u. Anwendung. Er ist nicht klar genug umrissen,
mannigfacher Auslegung ausgesetzt; daher
Irr-
wege, Versuche, falsche Propheten, öde
Konjunktur-
Ritter. Darmstadt steht mitten in einer Reaktion
schlimmster Art, die nicht nur jämmerlich, auch
gefähr-[]
lich ist. Es wird hinausgeschrieen: jetzt zeigen
wir euch endlich wieder mal echte deutsche,
ge-
sunde Kunst. Was sehen sie: Scheinkunst,
Nach-
ahmung, Stümperei. Diese Maler tragen sicher
goldene, national schlagende Herzen im Busen;
aber das macht sie doch noch nicht zu Künstlern!
Kunst hat mit Politik sehr viel zu tun, wird
aber nie durch sie entschuldigt.
Die Reaktion griff über auf die
Gemäldegale-
rie im Landesmuseum, woraus alle Werke
nach der Romantik, also etwa von 1850 an
entfernt sind. Sie ist ferner in der Leitung u.
im Spielplan des Landestheaters zu spüren,
wo ausländische Musik u. Dramen verbannt
sind, dagegen winzige teutsche Talentchen
hoch-
kommen. Andererseits unterstützt man
Freilicht-
bühnen in Heidelberg, in Frankfurt, auf denen
unsere Klassiker zu Revuen verzerrt ihr
Kino-
licht ausstrahlen.
Die Freilichtbühne ist ein Irrweg, eine Mode,
ein Rummel, wie man sie benennen mag, nur
keine Kunst, insbesondere die Freilicht-Oper.
Sie vermengt zwei scharf zu trennende Welten: []
Natur und Kunst, zwei Gegensätze zu einem
unerträglichen Zwitterwerk, das selbst bei
flüch-
tigster Betrachtung auseinanderklafft. Die
Natur hält den an bestimmte Stimmungen, ja
Naturgeschehen gebundenen Szenen nicht still,
sondern verändert sich ständig, nicht wie die
Handlung oder Oper will, sondern wie es ihr
[gestrichen: paßt; über der Zeile eingefügt: Ablauf ergibt], nicht wie der Dichter oder Komponist
vor-
schreibt – hell, dunkel, Tag, Nacht, Morgen, Ab[en]d –
sondern wie sie grade mit Sonne, Wind, Regen
will, jeder Zufälligkeit ausgesetzt, nicht dem
Willen des Inszenators gehorsam. Dichterich u.
musikalisch gebundene Schauspieler u. Sänger,
die sich [über der Zeile eingefügt: wie es ihr Beruf verlangt] weder natürlich bewegen, noch natürlich
sprechen, wirken in freier Natur nie überzeugend.
Am selben Ort, an derselben Stelle, an der heute
ein Gott, ein Held, ein Dämon stand, ist es
mor-
gen jedem beliebigen anderen Sterblichen erlaubt,
diese oder jene Alltäglichkeiten zu verrichten.
Jene Menschen sprechen die gehobenste
Kunst-
sprache der Welt, sie singen in Formen u. Tönen
höchster Kunst mit virtuoser Kunstfertigkeit, die
von aller Natur ausdestilliert ist. Solche Menschen, []
die selbst Kunstobjekte sind, in die nackte
Natur zu stellen, ist Widersinn.
Naturalistisch kann Kunst nur in ihren Zielen,
nicht in ihren Mitteln sein. Der sogenannte
Rea-
lismus ist tiefe Ebbe künstlerischer Potenz.
„Kunst heißt eben darum Kunst, weil sie nicht
Natur ist; Kunst ist Gestaltung“ (Goethe)
Der Künstler kann kein einziges Element
aus der Wirklichkeit brauchen, wie er es findet;
sein Werk muß in allen Teilen ideell sein,
wenn es als Ganzes Realität haben und mit
der Natur übereinstimmen soll. Kunst will
ver-
zaubern, entführen, aus Natur u. Welt weg
zum Idol u. Symbol. Man verhindert dies,
wenn man sie auf die wirkliche Natur
auf-
klebt. Die Thingbühne ist etwas anderes, steht
mit Kunst auch nur lose in Beziehung. Es
müssen für sie besonders geschriebene Stücke
sein, mit Massenmitteln für Massenwirkung.
Der politische Umschwung stellt neue
Forderungen an die Frau und an den Adel.
Die Frau als selbstlose Mutter zahlreicher Kinder,
zur Erhaltung von Volk u. Staat, als Hüterin []
des Rassebewußtseins, als Erzieherin für die
Bereitschaft zu früher Ehe auch mit
bescheide-
nen Anfängen. Der Mann nimmt dies nicht
ungern auf; er wird von einer kostspieligen,
zersplitternden Junggesellenzeit früher befreit,
als seine Väter, die im Gestrüpp von
Verhältnis-
sen ihre junge Kraft verausgabten, oft gar in
ihnen versanken. Den Ehrbegriff, den die
weib-
liche Seele [über der Zeile eingefügt: meist] nicht versteht, den müssen die Männer
freilich von andersher gewinnen. Es geschieht
in der wieder aufgebauten Wehrmacht und im
Adel, der m[eines] E[rachtens] hierdurch und durch die Gewohnheit
seiner aristokratischen Erziehung zu neuer
Be-
deutung erlangt.
Adlige Erziehung, in Fühlung u. Einklang
mit dem bestehenden Adel der betreffenden
Land-
schaft, ist unabhängig von Armut oder
Reich-
tum, oder von Amt, Beruf u. Stellung. Wie sich
Jeder seinen Verhältnissen gemäß sein tägliches
Leben einrichtet, ist gleichgültig; aber es muß,
will er überhaupt den Adelstitel tragen,
adli-
ger Art sein; aristokratisch in Gesinnung und
Bildung, nicht liberalistisch. Er darf den
Mit-[]
gliedern des Adels derselben Stadt oder
Land-
schaft nicht aus dem Wege gehen. Scheinen
ihm Ansichten oder Gewohnheiten dieses Adels
nicht gemäß, soll er sie zu ändern streben,
aber sich nicht absondern. Ein Abgleiten in
bürgerliche Sphäre, die immer liberalistisch ist,
nicht aristokratisch, ist sonst unabwendbar.
Es rächt sich bitter an den Kindern.
Das Alter macht schrullig. Ich hatte von jeher
gewisse Abneigungen, die so zu bezeichnen sind.
Gegen das Grammophon sträubte ich mich von
dem Augenblick an nicht länger, als die Platten
sich wesentlich verbesserten, die Apparate
voll-
kommener wurden, und für unseren
Landaufent-
halt in Hoxhohl, später für Tanzmusik im
neu-
en Hause geeignet schien. Ich lernte dadurch
Jazzmusik genauer kennen, ja schätzen, ohne
die unsere heranwachsende Jugend ja nicht zu
leben vermochte. Der Jazz ist jetzt verpönt. Was
versteht das Verbot unter Jazzmusik? Doch nicht
die Ausprägung synkopierter Rytmik – wenn
sie nicht Selbstzweck wird. Auch nicht die Verwendung
von Saxophons, die ja im modernen Orchester, ja []
sogar in den Militärkapellen ihren
anerkann-
ten Platz besitzen, auch nicht die vielseitige
Ver-
wendung des Schlagzeugs, des Harmoniums, des
Klaviers. Also doch nur die Niggersongs, die uns
völlig wesensfremd sind, die
Schmachtfetzenme-
lodik, die hirnverbrannten Texte u. die
Atona-
lität als Prinzip. Als Ausdrucksmittel für
ganz bestimmte Zwecke – Ulk, Ironie, Spott – ist
die Atonalität in die Rüstkammer des
musika-
lischen Handwerkszeugs aufgenommen worden.
So ist noch immer in den Künsten von allen
Ex-
tremen, die sich anfänglich als alleinherrschend
aufspielten, das Ungesunde als unbrauchbar
ausgeschieden, das Brauchbare als gesund
bei-
behalten u. weiterverwendet worden.
Dem Radio gegenüber verhielt ich mich viel
länger ablehnend. Ich hatte keinen Grund,
Wiedergaben von Konzert u. Opernmusik, auch
wenn sie noch so gut waren, anzuhören,
so-
lange es mir vergönnt war, solche
unvermit-
telt in Saal u. Theater sooft ich wollte als
Bericht-
erstatter persönlich zu genießen. Als dies
auf-
hörte, war ich bereit, u. fand im Radio
erwünsch-[]
ten Ersatz, auch Freude. Ersatz, denn selbst die
bestbesetzte Opernaufführung am Radio spricht
doch nur zum Ohr; das Auge geht leer aus:
Szene, Spiel, Mimik, Stimmung fehlen; die
eige-
ne Phantasie wird zu stark beansprucht, u. der
Eindruck ist daher oft ein falscher, irreführender.
Das Kino hab‘ ich nie gemocht u. mag es
auch heute noch nicht. Es ist vielleicht meine
wirk-
liche Schrulle. Ich kann an einem Drama keinen
Gefallen finden, ist es auch von den besten Spielern
der Welt dargeboten, u. hat es die denkbar beste,
phantastischste Inszenierung erhalten, wenn diese
auf die Farbe, jene auf das lebendige Dichterwort
verzichten müssen. Man hat nicht gewagt,
unse-
re klassischen Dramen zu filmen, sondern nur
kitschige Romane; auch nicht unsere Meisteropern,
sondern kitschige Operetten od. Revuen. Dagegen
scheinen mir Reisen, Naturschilderungen,
Tiersze-
nen, Festzüge, Sportkämpfe u. a. im Film
sehens-
wert und lehrreich.
Auch von Reisen im Auto halte ich nicht viel.
Ich bin der altmodischen Ansicht, daß 1., der
Reisen-
de, fährt er offen, von Wind u. Wetter in der Regel []
derart gepackt wird, daß von einer Schau
keine Rede sein kann, fährt er geschlossen,
durch den engen Schlitz wenig zu sehen
be-
kommt. Für den, der selbst steuert, gilt dies
verzehnfacht. In beiden Fällen sieht er
besten-
falls schnell vorbeijagende Teilstücke ohne
Zusammenschau. 2., daher wird der Reisende,
sieht er intensiv, schon nach einer Stunde,
sieht er, wie er es sich bald angewöhnt,
ober-
flächlich, nach 2 - 3 Stunden zur Aufnahme
unfähig sein, und von da ab nur noch die
ganz starken Naturkulissen in sich
aufneh-
men können. Das Tempo jagt ihn von einer
berühmten Ecke zur anderen, bis er sich
rüh-
men kann, daß er sie alle gesehen d. h. daß
er an allen vorbeigesaust ist. Ein der
Ein-
drucksfähigkeit der Sinne angepaßtes
Tempo-
fahren ist stümperhaft, u. wäre sogar ein
Ver-
kehrshindernis. Eine Auffassung des Wagens
lediglich als ein schnelles Fortbewegungsmittel
von einem sehenswerten Ort zum anderen, der
alsdann zu Fuß gemächlich erwandert wird,
ist selten anzutreffen. So bleibt für mich die []
heutige Autofahrerei eine problematische Sache.
Im Gegensatz hierzu war u. ist Maria,
meine Frau, immer frei von Schrullen geblieben,
obgleich sie auch nicht mehr die jüngste ist.
Sie hörte gern Grammophon, sie hängt am
Ra-
dio, sie ist von Autofahrten begeistert. Sie
hat sich nie viel geändert, ist sich in ihrer
kör-
perlichen Spannkraft u. geistigen Verfassung
wesentlich immer gleichgeblieben.
Nachdem in den ersten Ehejahren, wie dies
un-
ausbleiblich, unsere Charaktere zuweilen hart
aufeinandergestoßen waren, ist bald eine
Har-
monie der Lebensauffassung eingetreten, die,
getragen von gegenseitiger Achtung u.
Rück-
sichtnahme, ohne Aufhebung berechtigter
Eigen-
tümlichkeiten, einen persönlichen Stil
auszu-
bilden fähig war, der Keinem unbemerkt blieb.
Freilich kam uns zu statten, daß wir Beide
kör-
perlich kerngesund u. geistig unverbildet waren.
Auch redete uns Niemand aus beiden Familien
herein. Wir waren realdenkende Naturen mit
gesundem Menschenverstand, ohne
Ueberschwänglich-
keiten, jeder Sentimentalität abhold, tapfer, []
eher Draufgänger, als Angstmeier;
trotz-
dem erfüllt für alles Hohe, Schöne, geneigt
zu allem Guten, Neuen: eine äußerst
glückliche Mischung. Wir hatten kein starkes
Geltungsbedürfnis, freuten uns dennoch
ü-
ber jede Anerkennung.
Die Kinder u. ihre Erziehung, die bei deren
kräftigen unkomplizierten Naturen
umso-
weniger Schwierigkeiten bot, als sie von
un-
seren einheitlichen, nie schwankenden
Grund-
sätzen gestützt war, knüpften uns fest u.
fester aneinander. Maria ließ mich ohne
Furcht in den Krieg ziehen, war keine
Stun-
de der langen Kriegszeit, in der ich immer
an der Front stand, u. sie allein
verantwort-
lich in Perleberg saß, ängstlich oder mutlos,
verlor beim Tod ihres Vaters, ihrer Mutter, beim
Verlust lieber Verwandter u. Bekannter nie
die Fassung. Ihr seelisches Gleichgewicht, das
Vertrauen auf ihre Kraft war unerschütterlich.
Die schmachvollen u. knappen Nachkriegsjahre
veranlaßten die Nimmermüde nur umso mehr
zuzupacken. Allerdings ist es uns finanziell []
zwar nie glänzend, aber auch nie ganz schlecht
gegangen. Für Auskommen sorgte ich, und die
Zufriedenheit stellte sich ein, je mehr Arbeit es
in Haus u. Garten gab. Das schöne Wohnen, das
Gedeihen u. die Wohlfahrt unserer Kinder
erhöh-
te unser Glück. Maria ist der Hebel gewesen,
daß ich nicht einrostete. Mein unablässiger
Blick nach vorwärts, mein Mitgehen mit aller
Jugend u. die Gabe, Vergangenes vergangen
sein zu lassen, riß sie mit, sodaß wir nie
verzagten, und von allen Uebeln das Gute
he-
rausfanden. Wir standen beide fest in und
aufeinander. Zwei Quellen flossen in einen
glücklichen Strom des Lebens.
Ich schließe meine Lebensbeschreibung
vor-
läufig ab in derselben Zeit, in der Bruder
Fritz nach längst vollendeter Familiengeschichte
die Mitteilungen aus der Vergangenheit
ein-
zelner Vorfahren niederschreibt, und uns von
Bruder Bernhard seine Denkschrift „Edit“
hinter-
lassen wurde, die wohl Niemand, zumal er
nun selbst ihr gefolgt ist, ohne stärkste
Erschütte-[]
rung lesen kann. Und nun habe ich als
Dritter versucht, einen persönlichen Beitrag
zur Familiengeschichte zu liefern.
Wie verschieden sind doch diese Äußerungen
von uns drei Brüdern!
Deutlich werden drei andere Charaktere
sicht-
bar, in einigen Grundanschauungen lose
verbunden, in Hauptzügen voneinander
geschieden, in Einzelheiten entgegengesetzt,
in Abfassung u. Stil durchaus persönlich.
Die Gemeinsamkeit stammt aus dem
Eltern-
haus, die andersartige Entwicklung
beein-
flussen die Frauen, die Einzelheiten sind
Fol-
gen eigenen Blutes u. persönlicher
Erfah-
rung. Wenn bei Fritzens Niederschriften
der Ernst sachlicher Richtigkeit und
liebens-
würdiger Treue vorbildlich ist, so ist die
Denk-
schrift Bernhards mit psychologischer Schärfe
geistreich durchdacht u. gegliedert, alsdann
in der äußeren Form u. Sprache künstlerisch
gestaltet. Bei mir schließlich – wenn ich mich
zu beurteilen wagen darf – stehen einerseits,
in straffe Dispositionen gespannt, Tatsachen, []
Erzählungen, Schilderungen knapp
ge-
faßt neben u. hintereinander, andererseits
bricht überall mein Temperament mit oft
kämpferischen Gedanken und vielleicht
problematischen Schlüssen durch.
Persönlich scheinen mir alle drei
Äußerun-
gen eine starke Wirkung ausüben zu
kön-
nen; sie sind deshalb für uns und unsere
Nachfahren unschätzbare Dokumente dreier
Menschen und ihrer Zeit.
Diese Aufzeichnungen werden ergänzt durch
das grüne Gästebuch von Hoxhohl, den Band
„Meine Freiballon-Fahrten“, fünf Bände
Opern-
besprechungen 1922-1934 und durch die
Anhän-
ge, wofür Inhaltsverzeichnis in Band IV [über der Zeile eingefügt: u. V] liegt.
[]
Zu meinem 70. Geb[urts]tag erhielt ich die
Glück-
wünsche aller mit Nahestehenden in herzlichsten
Formen; etwa 60 Briefe u. Telegramme liefen ein,
viele Gaben aus lieber Hand schmückten den Tisch.
Leider war es nicht möglich, den Tag in der
Fami-
lie so zu feiern, wie es mein Wunsch war.
Schwes-
ter Lili u. Bruder Bernhard, beide mir besonders
nahestehend, waren nicht mehr. Auf das
Fami-
lienleben meines Bruders Fritz war Unglück
auf Unglück hereingebrochen; ein lange
drohen-
des Verhängnis schien sich zu erfüllen.
Die 3 Söhne, die von 5 Kindern heranwuchsen,
such-
ten sich ihre Frauen in einer Sphäre, die unserer
Tradition Hahn-Rothe nicht ebenbürtig ist.
Die Frau des Ältesten, der sich das Leben nahm,
Lotte Schmidt, ist die Tochter eines Zeugoffiziers.
Es geschah damit der erste Schritt zurück. Lotte
konnte indes durch den Wert ihrer Persönlichkeit
versöhnen. Dies vermochte die Frau Arthurs, der
in den Reichspostdienst gegangen war, nicht,
ob-
wohl gegen ihre Familie, die eines Studienrates
freilich im kleinen Bückeburg, an sich nichts
ein-
zuwenden war. Ihr Wesen u. ihr Betragen hat bei
Alt u. Jung der ganzen Familie Misfallen erregt.
Also ein zweites Absinken. Der Lehramtskand[idat] []
Walter schließlich hat sich mit der Tochter eines
Gemeindebeamten, auch in Bückeburg u. an sich
durchaus ehrenwert, verlobt: ein Schritt noch
wei-
ter nach unten. Alle 3 Schaden des
Fami-
lien-Ansehens.
Konnten die Eltern das nicht verhindern? Leicht
gesagt, schwer getan! Aber sie konnten für sich
u. die Familie die Folgen ziehen, die, frühzeitig in
Gang gesetzt, vielleicht bei geschlossener
Familien-
front Rückgänge veranlaßt hätten.
Ich, für meine Person, habe gegen die erste Ehe nichts
einwenden wollen, zur zweiten meine Bedenken
geäußert, mich jedoch des sogen. lieben Friedens
wegen – der ein verneigter Unfrieden ist – nicht
durchsetzen können, im dritten Fall offen Partei
ergriffen u. die Braut in meinem Hause nicht
aufgenommen.
Walter hatte seinen Eltern, die durchaus gegen
die-
se Verlobung waren, den Stuhl vor die Türe gesetzt.
In dieser Zwangslage entschied sich die Mutter zum
Einverständnis, der Vater gab nach. Walter berief
sich auf das Recht der Jugend, der Eltern nichts zu
befehlen haben. Wo bleibt Ehrfurcht, Tradition,
Füh-
rerprinzip? Er will Standesunterschiede als
über-
wunden ansehen. Er verwechselt dies mit
Standes-[]
achtung u. Gesinnungsgemeinschaft. Wir
wollen doch grade von der demokratischen,
hori-
zontalen Gleichmacherei weg zur vertikalen
Hochzucht. Adel, besonders junger, verdient
er-
worbener Adel verpflichtet seine Träger. Jeder
Schritt abwärts vernichtet das Errungene.
Inso-
fern ist die Eheschließung eines Sohnes nicht
sei-
ne alleinige Angelegenheit, sondern geht die
ganze Familie an. Das ist altes Adelsgesetz,
u. auch heutige Forderung. Der junge Mann muß
so erzogen sein, u. seine Begierden so in Zucht
haben, daß er sich nicht zu einer beliebigen Wahl
berechtigt halten darf, sondern beherzigen muß:
vergiß nicht, daß du ein Ahnherr bist. Du bist
ver-
antwortlich, das Erbe, das du von deinen
Vorfah-
ren empfingst, nicht absinken zu lassen, sondern
höher zu züchten, mindestens auch d[er] Höhe z[u] halten.
Lies Ahnentafeln u. Stammbäume um zu erkennen,
wieviel durch gute Heiraten gefördert, durch
uneben-
bürtige geschadet wird. Zu welchem Ende schuf
Walters Vater unseren Stammbaum u. die
Fami-
lienchronik, wenn schon seine Söhne nichts draus
lernten?
Ich hatte die Genugtuung, daß fast alle männl[ichen]
Mitglieder der Familie sich meiner Ansicht
an-[]
schlossen. Nachdem ich mich überdies überzeugt
hatte, daß es sich bei dieser Braut keinesfalls
um eine außergewöhnliche Persönlichkeit
han-
delte, die eine Ausnahme zuließe, blieb ich fest.
Was sollten sonst meine Söhne u. Neffen von so
schwachem Vorbild halten? Und erst die
Nachfah-
ren, die von gewissen entschuldbaren Gründen,
die für die Eltern sprachen, nichts mehr wissen,
u. nur erfahren, daß ihr Ahnherr, der Offizier
u. Adelsmann war, zu einer unebenbürtigen
Verbindung ja gesagt hat.
Hier ist der springende Punkt. Alle 3 Söhne haben
bewiesen, daß sie nicht adelig denken, nicht
ari-
stokratisch erzogen sind. Man werfe mir nicht vor,
dazu gehört Geld, und sie sind auf dem Lande
groß geworden. Der norddeutsche Adel lebt auf
dem Lande u. ist oft verarmt; er blieb dennoch
in Gesinnung u. Lebensart adelig.
[Aus Personenschutzgründen werden Teile der S. 270 sowie die Seiten 271-275 nicht veröffentlicht]
[]
Konnte hier überall, wo es um Entschlußkraft,
Härte, Ehre ging, ein unheilvoller,
entmannen-
der Einfluß der Frau erkannt werden, so bietet
unsere heutige Zeit überhaupt das Bild einer
Ver-
weiblichung des Mannes, einer Vermännlichung
des Weibes, beides auf Kosten ihrer eigentümlichen
Natur. Wer die versklavende Macht der Frau in
Frankreich, in der Angelsächsischen Welt, in allen
De-
mokratien beobachtet, wird gewahr, daß die
Wieder-
kehr einer Art von Mutterkultur stattgefunden hat,
die nordischem Empfinden widerspricht. Es kann nicht
Wunder nehmen, da auch unsesre Religion lineare
Zü-
ge trägt. Im Mittelalter nur durch Uebernahme arischer
Kulte für uns tragbar, kam durch Luthers
Bibelglau-
ben das semitische Element, durch die jesuitische
Gegen-
reformation die völlige Unterjochung der solaren
Her-
renseele. Das Verhältnis zur Göttlichkeit, verstanden als
ein Anderes, nicht uns Gleiches, gelebt als Andacht,
Hin-
gabe, Gehorsam verrät weibl[iche] Züge. Die Madonna auf
der Mondsichel als Herrscherin, auf dem Schoß das
sola-
re Prinzip als Kind, also untergeordnet. Der Mann
aber hat solare Elemente, die ihn mit dem
Ueberna-
türlichen verknüpfen, dessen Folgen sind Sieg, Glück,
Gedeihen des Geschlechts. Folgt er den ihm nicht
angemesse-
nen Elementen der Frau, so verliert u. verleugnet er sich []
selbst. Eine Religion, die das Mitleid zum Urgrund
hat, die Sünde, Reue, Demut predigt u. damit
Knecht-
sein, Gewissenszwang bis zur Selbstaufgabe
ver-
langt, ist nicht nach Mannes Art, dessen heilige
Auf-
gabe darin besteht, sein Eigenwesen zum Höchstmaß
zu entwickeln, sich nicht zu beugen, seine Ehre
unan-
getastet zu wahren. Was hat das Christentum der
Welt gebracht? Kriege, Ketzerverfolgungen,
Hexenver-
brennungen, Haß, Neid, Lüge – alles im Namen des
Christengottes. Es hat uns nicht besser gemacht, nicht
glücklicher, nicht schöner. Das Gegenteil ist der Fall.
Beschäftigt man sich mit Religionsfragen, so
muß man sich vor Allem freimachen von jenem
un-
geheuerlichen Vorurteil: dem Anspruch auf
Ausschließ-
lichkeit, den das Christentum geschichtlich zum
ersten-
mal gebracht hat, in seiner römischen wie lutherischen
Fassung (semitisches Erbe) Man kann finden, daß die
anderen Weltreligionen, deren jede einen göttlichen
Stifter für sich in Anspruch nimmt, bes[onders] in der
heidni-
schen Traditionswelt (Evola) eine nähere, würdigere
Verbindung mit dem Ueberweltlichen fanden, als
der christliche unselige Dualismus zwischen Gott u.
Erde, der eine Scheidewand zwischen beiden aufrichtet,
die nur durch Gnade zu brechen ist, eine Gottwerdung
durch Eigenkraft nicht kennt. Diese Gnade, durch Glauben []
verdient, wird vom Klerus verwaltet, der den
Him-
mel oder die Hölle aus eigner Macht zuteilt, ohne von
beiden etwas zu wissen. Unter einem Himmel, einer
Hölle nach dem Tode kann ich mir nichts vorstellen.
Dem Geist – alles Körperliche ist Asche – kann das
raffi-
nierte Paradies (die Juden schildern es) nicht
beglük-
ken; der Hölle Qual (Dante schildert es) nichts anhaben.
Unsterblich ist körperlich der Same, der sich von Geschlecht
zu Geschlecht fortpflanzt; geistig die Göttlichkeit, die ich
mir selbst erwerben kann durch meine Taten. Insofern
heißt es: ein Mensch ist ein sterblicher Gott, ein Gott
ein unsterblicher Mensch.
Unser heutiger Religionsbegriff ist verfälscht. Das
Christentum, soviel es leistete, hat unserer Jugend
we-
nig mehr zu sagen. Aber an eine Um u. Rückkehr zur
Religion der Traditionswelt zu denken, ist eine
Unmög-
lichkeit. Restaurationen sind stets zum Miserfolg
ver-
urteilt. Geschichte läßt sich nicht wiederholen. Nur ganz
Neues verspricht Bestand.
Ich war nie mit dem Christentum im Frieden. Als
Kna-
be zog mich die nordische Götterwelt mehr an, als das
Christkind u. der Gott am Kreuz. Als Konfirmand quälte
ich mich ehrlich mit dem mir unfaßlichen Dogma und
schwankte zwischen sinnlichen Gelüsten u. mönchischen
An-
wandl[un]gen. Als Jüngling, nachdem ich bei Schopenhauer []
und Nietzsche genippt, wurde mir aller Glaube
problematisch. Als Mann entsagte ich der Kirche u.
blieb religiös etwa wie Goethe, Hölderlin, Beethoven.
Im Krieg schwanden alle Konfessionen. Es blieb die
Zuversicht auf übernatürliche Kräfte, die den Mensch
zum Herren erhöhen, und an unterirdische Mächte,
die ihn zur Bestie erniedrigen. In der
Nachkriegs-
zeit haben mich Gobineau, Chamberlain, Spengler,
Rosenberg, Evola bestärkt. Die Anthroposoph[ische] u.
Theo-
soph[ische] Bewegung, sowie die große Zahl von Sekten
sind ein Zeichen dafür, daß Niemand mit der ihm
gelehrten Religion zufrieden ist u., der Stützung
be-
dürftig, jede Prophetie gierig ergreift, die ihm
Erlö-
sung von seinen Seelenängsten verspricht.
Meine Kinder ließ ich christlich erziehen. Irgend eine
Religion braucht der junge, ja jeder Mensch, und ein
vollgültiger Ersatz des Christentums ist noch nicht da.
Alle Versuche hierzu, die heute allenthalben
aufflak-
kern, sind [gestrichen: abwegig; über der Zeile eingefügt: unzulänglich]. Aber ein Feuer ist
entzün-
det, aus dem einmal die Flamme schlagen wird.
Man sollte aus einer Kirche austreten, der man schon
längst nicht mehr angehört, die ja als Nationalkirche
säkularisiert bestenfalls eine sozialmoralische
An-
stalt darstellt zu Gunsten des Staates. Man scheut
sich davor, mehr aus feudalen, gesellschaftlichen Gründen, []
als aus seelischen. Es fehlt Zivilcourage!
Es wurde mir am 70. Geburtstag von Menschen
gesagt, mit ihm begänne die Zeit der Rückblicke,
des Verzichts. Nach meiner Erfahrung ist nicht
das 70te, sondern das 60te Jahr der entscheidende
Wendepunkt, ob man alt wird, oder jung bleibt.
Verpaßt einer die Wende, so erlebt er die 70 nur
als Greis. Nutzt er sie aus, bleibt er jung auch
über die 70 hinaus. Unser im 60ten Jahr
begon-
nener Hausbau, die Gärtnerei, unser nahes
Ver-
hältnis zur Natur, zu Blumen und Tieren,
[über der Zeile eingefügt: die Betätigung in allen Künsten,]
das Mitgehen mit der heranwachsenden Jugend,
die Liebe zur bewährten Frau und zu aller
weiblichen Schönheit – das alles machte mich
zum jugendlichen Siebziger.
Das dritte Reich hat das Führerprinzip gebracht,
d. h. wiedergebracht, das ja im Soldatenberuf nie
verloren war. Es gebieten noch lange nicht überall
die an Kraft u. Autorität Überragenden. Die Suche
nach Solchen geht mit einer systematischen Erziehung
zur Führerschaft Hand in Hand. Das hat zur Folge:
Absonderung, Abstand zwischen Höheren u. Niederen;
kein Durcheinandermengen, sondern Neuschaffung
von Klassen: Individualität anstelle Kollektivität.
Es ist unausbleiblich, daß diese Entwicklung zu einer []
Aristokratie führt, einem neuen Adel. Der
ober-
ste Führer hat ja jetzt schon die Macht, die
Funk-
tion, die Glorie eines Königs. In der nächsten
Generation wird er den Titel tragen, die
Höhen-
schichtung wird sich ausbauen und vollenden.
Bis dahin sind auch vielleicht alle Demokratien
aus der Welt verschwunden.
Im Sommer 1936 fanden die Olympischen Spiele
in Berlin statt. Sie enthalten einen gesunden
Kern; in ihrer jetzigen Fassung halte ich sie für
einen Rummel, der mit Kultur wenig zu tun
hat. Sie wurden politisch aufgezogen. Der
poli-
tische Zweck, der Völkerfriede, wurde nicht erreicht,
trotz phantastischer Organisation, trotz der
Ro-
mantik bei Beginn u. Schluß, dem Fackellauf,
der Flamme, der Glocke. Die Millionen [über der Zeile eingefügt: der] Völker sind
Andere, als die politischen Führer der Staaten.
In der Politik sind Reden, Versprechungen,
Dro-
hungen untaugliche Mittel; es gilt nur Gewalt
u. Lüge. Die Internationalität der Spiele ist
ein Hindernis, nicht Förderung der olympischen
Idee, die immer national begründet war. Zur
Wertung sportlicher Leistungen ist ein
inter-
nationaler Maßstab problematisch, für
musi-
schen Wettkampf ganz unmöglich. Kultur []
ist an eine völkische Einheit gebunden, mindestens
von Völkergruppen. Wie will man einheitlichen
Maß-
stab finden für z. B. japanische u. deutsche Malerei,
indische u. italienische Dichtkunst, französische u.
finn-
ländische Musik? Hier scheiden sich die Geister. Man wird
zwangsläufig entweder sich auf Sport allein
beschrän-
ken, wobei Frauen, diese amazonischen Zwitter,
aus-
zuschalten sind, oder zur Erkenntnis kommen, daß es
Olympia nur geben kann getrennt für Europa, für
Asien, für Amerika. Eine Weltkultur gibt es nicht.
Olympia XII in Tokio ist eine Verirrung – die vielleicht
die Augen öffnen wird.
[nachträglich überklebter Passus:
Ich war mit allen meinen Bekannten des
Glaubens, daß Hitler seine offenbar großen
Erfol-
ge auf allen Gebieten der Innenpolitik durchgeführt
habe auf Grund eines Idealismus, ohne Selbstsucht u.
Ueberheblichkeit. Wieviel Grausamkeit, Unterdrückung,
Schauspielerei, ja wahnsinniger Herrschsucht bei
sei-
nen diktatorischen Befehlen schon damals mitgespielt
haben u. von unfähigen Beamten befolgt wurden,
war uns unbekannt.]
[]
[gestrichener Text unter der Überklebung: Im September war der 4. Reichsparteitag. Er zeigte
den Führer als ein Genie an Schöpferkraft,
Vielseitig-
keit, Wille u. Mut. Der große Staatsmann kündigt
sich an. Erstaunlich u. bei einem Diktator
geschicht-
lich noch kaum dagewesen ist, daß er geliebt wird,
u. daß er gegen Größenwahn gefeit zu sein scheint
obwohl seine Machtmittel größer sind, als sie je ein
Kaiser u. König besaß.]
Die neue Zeit schafft neue Typen. Der Typ Mann ist
wesentlich soldatisch bestimmt, Ehre u. Staatsbewußtsein
seine Merkmale. Es verschwinden: der Junker, der
Bör-
sianer, der Spekulant, der Kosmopolit, der Subalterne.
Es fehlen: der Kavalier und der Mäzen.
Auch der Frauentyp wandelt sich. Er führt zum
Urbild, zur Ehefrau u. Mutter vieler Kinder.
Kameradschaftsehe ist Atopie; Kameradschaft gibt
es nur zwischen Männern. Es verschwinden: die
Ballkönigin, die Kommandeuse, die Sportdame,
die intrigante Kokette, die Vereinspräsidentin,
die ästhetischen Salons, alle verlogenen Vorbilder
der angelsächsischen Welt. Es fehlt die Dame.
Nachdem ich im Sommer [19]35 in Freuden[gestrichen: berg; über der Zeile eingefügt: stadt]
in der reinen dünnen Luft der Schwarzwaldhöhen
Erholung gefunden, begeisterten mich 1936 in
Oberstdorf i[m] Allgäu die unbeschreiblichen
Schönhei-
ten der bairischen Alpenwelt. Dort war ich im
Posterholungsheim vorzüglich untergebracht; hier
fand ich im Landhaus Hoyer, dem Malerbruder
der Frau v. Stosch, angenehme Aufnahme. ei-
de Male war ich allein. Getrennter Urlaub,
je-
der der Gatten für sich – Maria war jedesmal
in Kiel bei Sohn u. Enkel – hat, handelt es sich
um Gesundheit, nicht Vergnügen, sicher Vorzüge.
Beide kehren zurück: männlicher, weiblicher
als zuvor, erkennen das Entbehrte und lieben
sich aufs Neue.
[]
Professor Hoche meint in seinem Buche
Lebens-
ringe, die meisten Lebensbeschreibungen endeten
mit pessimistischen Gedanken, in
Menschenverach-
tung oder gar Haß. Es ist richtig, die meisten
Menschen machen mehr häßliche Erfahrungen, als
schöne, lernen mehr schlechte Menschen kennen, als
gute, machen mehr Dummes, als Kluges, haben mehr
Unglück, als Glück gehabt.
In der Erinnerung blieb bei mir von Allem das
Positive haften, das Negative ging meist schnell
vergessen. Diesen Optimismus erbte ich von Mutter
und vom Vater, wie ich überhaupt im Äußeren u.
Inneren, in Charakter und Begabung alles von
beiden Eltern in mir trage, in einer Vereinigung,
die fast zuviel für einen allein ist, daher das
Ein-
zelne, durch Vielseitigkeit jeweils erdrückt,
weni-
ger zur Geltung kam, als bei einseitig
Begab-
ten. Der mütterliche Idealismus erfuhr in mir
stets die harte Korrektur durch die reale Vernunft
des Vaters. Frühe Enttäuschungen u. Entbehrungen
waren mir erspart; es ging mir gut, ich war
gesund u. leistungsfähig und wurde verwöhnt.
Miserfolge in der Schule überwand ich schnell.
Trotzdem war ich, und bin es bis heute, nicht frei
von Minderheitsanwandlungen. Reifer geworden, []
lernt man sie zu verdecken, auch zu
über-
winden.
Eindrücke der Umgebung wirkten stark auf
mich ein. Bis zum 20. Jahr an einem u.
dem-
selben Ort, in alter kleiner Residenzstadt, in
entzückender Landschaft, umsorgt u. behütet
im Elternhaus. Später oft auf ländlichen
Guts-
besitz, dann in der Großstadt immer wieder –
haben den Charakter bilden helfen. Aber auch
die Arbeit und die Poesie unseres elterlichen
Gar-
tens, in dem im Sommer sich das halbe Leben
ab-
spielte. Die frühe Beschäftigung mit den
bilden-
den Künsten und sonderlich der Musik trug vieles
hinzu. Der Beruf schliff u. straffte ihn vollends
aus.
War der Offizier für mich die richtige Wahl?
Nicht die einzige – ich wäre derselbe geworden in
anderem Beruf auch bei noch so anderer
äuße-
rer Lebensbahn – aber eine gute. Jedenfalls hat
er mir Befriedigung gebracht und Anerkennung.
Vielleicht hätte ich deren mehr wo anders gefunden,
vielleicht auch nicht. Ich habe mir nie darüber
ernste Gedanken gemacht; im Gegenteil daraus
die beglückende Zuversicht geschöpft, ich würde in
anderem Berufe auch meinen Mann stehen. []
Daß jeder Mensch, ohne aus Ermahnungen der
Eltern u. Belehrungen der Lehrer zu lernen, ohne
aus Geschichte u. Philosophie Nutzen zu ziehen,
sei-
ne Dummheiten von Neuem machen muß, und
nicht einmal immer durch diese klug wird, das
mußte auch ich erfahren.
An Bildungsstoff fehlte es meiner Erziehung nicht;
ja es war sogar zuviel vorhanden. Ich konnte ihn
auch lange nicht ganz verdauen. Manches blieb
ganz bei Seite liegen, manches nahm ich erst
spä-
ter wieder auf. Die Schule lehrte mich aber, wie
man lernt. Mich durch selbständiges Denken und
kritisches Urteilen zum Herrn des dem eignen
We-
sen und meiner Begabung gemäßen
Bildungs-
stoffes zu machen – zumeist nur durch Diskussion
erreichbar – ist mir erst recht spät geglückt,
ob-
gleich es schon früh mein Vorsatz war, und als
solcher zuweilen wohl schon durchschimmerte.
Ebenso früh begann ich mich selbst zu beobachten.
Trotzdem habe ich, außer hingeworfenen Notizen,
Tagebuch nur im Krieg geführt. Aber in Briefen
u. gelegentlichen Aufsätzen versuchte ich mir über
Ereignisse des Tages, Selbsterlebnisse, Kunst u.
Kul-
turfragen Rechenschaft schriftlich zu geben. Ohne sie
wäre es mir nicht möglich gewesen, meine
Lebens-[]
geschichte zu schreiben.
Ueber den Wert des Lebens denkt Jeder
ver-
schieden. Auch die Höhepunkte der Lebenskurven
schätzt Jeder anders ein, man selbst nicht
immer richtig. Meine Kurve stieg, so wie es
mir scheint, nur langsam, aber stetig unter
unbedeutenden Schwankungen. Sie stand bei
50 Jahren im Zenit – Regimentskommandeur
im großen Krieg – fiel alsdann –
Nachkriegs-
zeit – und erreichte bei 60 Jahren einen
zwei-
ten obwohl absolut niedrigeren Höhepunkt,
der auch bei der 70. sich noch nicht gesenkt
hat.
Die Lebensstufen – etwa alle 10 Jahre – zu
verwischen, ist falsch; jede hat ihr eigenes
Ge-
sicht und soll es offen tragen. Alter und
Jugend bleiben ewig Gegensätze. Die
Ju-
gend ist der ständige Motor, das Alter bedient
Bremse, bestenfalls Steuer. Die heutige
Jug-
end ist so stark [über der Zeile eingefügt: offensiv], daß das Alter in die
Defen-
sive gedrängt zu sein scheint. Hoche sagt:
Fühlung behalten mit der Jugend ist die
freundliche Verschleierung einer
Stilwidrig-
keit. Er prägt das aktuelle Wort vom
Verkehrs-
wert eines Menschen, der sich aus dem
Mittel-[]
stück seiner Lebensstufen ergibt. Es könne
von den Wechseljahren des Mannes gesprochen
werden. Das Tragische im Alter ist nicht das
Altwerden, sondern das Jungbleiben.
Glück im Alter? Aber man kann wenig mehr
mit anfangen. Ewig junge, ebenso wie früh
alte Menschen sind unnormale Menschen.
Alles zu seiner Zeit, dann spielt es die richtige
Rolle.
Sinn und Zweck des Lebens? Nicht an
Aufer-
stehung denken, an Himmel und Hölle, an
Be-
lohnung und Bestrafung. Das sind alles
Trost-
bilder, Hypothesen, Konstruktionen, von
Men-
schen zu bestimmten Zwecken erfunden.
Es lebt und wirkt ein Gott; das sieht jeder
Ver-
nünftige aus der Ordnung aller irdischen und
kosmischen Dinge. Dem Menschen ist
aufgege-
ben, sich, seine körperlichen Eigenschaften und
geistigen Gaben so hoch wie möglich zu fördern
im Dienst eines Ideals und für das Fortbestehen
seiner Art. Er muß dabei sich bewußt sein, daß
er selbst urtümlich keine Einheit bildet, sondern
zusammengesetzt ist aus Gegensätzen, einer
Viel-
falt von geistigen u. seelischen Elementen, die sich
widerstreiten. Aber es sind polare Kräfte, die, []
eingesetzt, sich gegenseitig nicht schaden,
sondern nutzen können. Es kommt darauf an,
das Gegensätzliche nicht herauszuwerfen,
vielmehr drinzulassen, beides miteinander
in Einklang zu bringen, das Nichtich und das
Ich. Der Mensch soll, wie G[ra]f Keyserling sagt,
sich akzeptieren so wie er ist, schlecht und
recht, und in sich den Kampf aufnehmen;
nicht einmal, sondern täglich und immer,
auch mit wechselnden Erfolgen. Kein
Selbst-
betrug, keine Flucht vor sich. Generös sein,
anderen und sich gegenüber.
Werde, der du bist!
Darmstadt, September 1936 [] [leer]
Goethe, Johann Wolfgang v. (1749-1832): „Gedichte. Ausgabe aus letzter Hand. Das Alter“, 1815
Kräckmann, Karl Friedrich Wilhelm (* 1879), Sparkassendirektor (HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 30606)
Steinberger, Gertrud geb. Griebel (* 1890), Witwe von Kurt Steinberger (1889-1933), Staatsanwalt, wohnhaft Moserstraße 14 (Adressbuch Darmstadt 1935, S. 341, StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 826/2))
Steinberger, Else Jutta und Dietrich Kraft (* 1926) (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 826/2)
Kröner, René (* 1911), Student (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 541/3)
Handschuhmacher, auch Handschumacher, Heini (1907-1944), Schauspieler und Komiker (https://de.wikipedia.org/wiki/Heini_Handschumacher)
Hahn, Bernhard v. starb am 19. September 1935 in Amsterdam
Lindequist, Lili v. geb. v. Hahn starb am 3. Oktober 1935 in Braunschweig
Darmstadt, Eichbergstraße 1 (Adressbuch Darmstadt 1935, S. 236)
Strack, Christa geb. Wittich (1900-1993), Schwester Lisbet Lampe geb. Wittich (* 1902) und Bruder Dr. jur. Werner Wittich (1903-1997), Leiter der Buchdruckerei L. C. Wittich in Darmstadt
„Mitteilungen aus der Vergangenheit der Familie v. Hahn zu Darmstadt“, niedergeschrieben von Friedrich v. Hahn, (1752-1951) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 1-3)
Egloffstein, Hans Freiherr v. und zu (1894-1987), Oberst im großherzoglichen Artilleriekorps Darmstadt, Besitzer des Guts Egloffstein, Porträt: (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6568218)
Hanbury-Sparrow, Amélie geb. Bossart, verw. Cornelius (* 1902)
Cornelius, Heinrich (* 1894), Dipl. Ing. (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 157/2)
Cornelius, Beate (* 1928) und Peter Cornelius (* 1930) (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 157/2)
Hanbury-Sparrow, Allan, englischer Colonel
Bossart, Adolffriedrich (Dolfried) (1904-1948), Kaufmann in Mecklenburg und Bayreuth
Bossart, Auguste geb. Rudolphi heiratet 1933 Dolfried Bossart
Bossart, Heinz (1905-1945), Rechtsanwalt in Neustrelitz, Volkssturm-Mann
Deninger, Elisabeth (Lieschen) geb. Pistor (1854-1941)
Hoffbaur, Maria geb. Deninger (1881-1960)
Kleinig, Marlies geb. Hoffbaur (* 1913)
Gerlach, Gerda v. geb. Hoffbaur (1912-2007)
Kolbe, Emilie (Mila) geb. Pistor (1862-1945)
Kolbe, Elisabeth (* 1885) und Schwestern Maria (1886-1913), Johanna (Hanni) Kolbe (* 1893) und Hildegard Kolbe (* 1895)
Hahn, Friedrich v. (1896-1924), Oberleutnant a. D; Bruder Arthur v. Hahn (1905-1945), Oberpostrat, 1942 in Wien; Bruder Dr. phil. Walter v. Hahn (1909-1942), Privatsekretär in Marburg
Hafgren-Waag, Lily (1884-1965), schwedische Opernsängerin (Sopran) (https://de.wikipedia.org/wiki/Lilly_Hafgren-Waag)
Strohbach, Hans (1891-1949), Maler (https://de.artprice.com/artist/466576/hans-strohbach)
Darmstadt, Stadtarchiv im Schloss, dann im Haus der Geschichte, Bestand ST 12/13 „Ständiger Rat zur Pflege der Kunst in Hessen“ (https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/s/staendiger-rat-zur-pflege-der-kunst-in-hessen.html)
Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek im Schloss
Wolfskehl, Otto (1841-1907), Bankier und Politiker (https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Wolfskehl)
Bender, Hugo Dr. jur. (1863-1941), Rechtsanwalt und Notar, Justizrat (https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/Justiz_SchicksaleJuedischerAnwaelteInDarmstadt.htm)
Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg beschränkten die Alliierten im Versailler Vertrag die Wehrhoheit des Deutschen Reichs. Mit der Bekanntgabe des Wehrgesetzes vom 16. März 1935 wurden die letzten Beschränkungen des Versailler Vertrags abgestreift und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zum 1. Oktober 1935 verkündigt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrhoheit)
Als Rheinlandbesetzung wird die Stationierung von Truppenteilen der Wehrmacht in dem aufgrund des Friedensvertrags von Versailles entmilitarisierten Rheinland am 7. März 1936 bezeichnet. (https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinlandbesetzung_(1936))
Die Thingbühne orientiert sich an antiken griechischen Amphitheatern. Die Sitzränge steigen mit der Entfernung von der Bühne zunehmend an, was der Akustik zugutekommt und die Bühne für Open-Air-Musikveranstaltungen prädestiniert, z. B. die Waldbühne, die im Zuge der Baumaßnahmen für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin nordwestlich des sogenannten Reichssportfelds errichtet wurde. (https://de.wikipedia.org/wiki/Thingplatz_(Thingbewegung))
Denkschrift im Familienarchiv (Bestand O 59 v. Hahn) nicht überliefert
Gästebuch von Hoxhohl (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 52)
Die Aufzeichnungen über die Ballon-Fahrten sind im Familienarchiv v. Hahn (HStAD, O 59 v. Hahn) nicht überliefert.
Die Bände mit den Opernbesprechungen sind im Familienarchiv v. Hahn (HStAD, O 59 v. Hahn) nicht überliefert. Überliefert sind Opern- und Konzertkritiken von Heinrich v. Hahn im Darmstädter Tagblatt, 1922-1934 (DV-Ausdrucke) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 146-158)
Band V ist im Familienarchiv v. Hahn (HStAD, O 59 v. Hahn) nicht überliefert.
Hahn, Lotte v. geb. Schmitt (1899-1964)
Hahn, Margret v. geb. Michel (* 1912), Lehrerin in Bückeburg
Hahn, Lore v. geb. Vollert (* 1913), heiratet 1944 in zweiter Ehe Kurt Keller in Gießen
Evola, Julius (1898-1974), italienischer Kulturphilosoph und Kulturpessimist, Esoteriker und metaphysischer Rassentheoretiker. Evola entwickelte eine Adaption des Traditionalismus und wollte als pro-faschistischer spiritueller Rassist und Antisemit das italienische Mussolini-Regime und deutsche NS-Regime beeinflussen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Evola)
Während der Zeit bis 70 n. Chr. gewann der jüdische Glaube an eine leibliche Auferstehung Bedeutung. Wichtige Textzeugnisse des Alten Testaments dafür sind bei (Dan, 12,3 EU) zu finden. Im Zentrum dieses Glaubens steht, dass Gott den Menschen beim Gericht entweder in das Paradies oder in die Hölle schickt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Judentum)
Aligheri, Dante (1245-1351), italienischer Dichter, schuf als Hauptwerk die „Commedia“ (italienisch für „Komödie“), in späterer Zeit auch Göttliche Komödie genannt. Die Divina Commedia gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur und begründete gleichzeitig die italienische Sprache als Schriftsprache. Die Commedia schildert in der Ich-Form eine Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt, die zunächst durch die Hölle (Inferno) führt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Dante_Alighieri)
Schopenhauer, Arthur (1788-1860), Philosoph, Autor und Hochschullehrer, der eine Lehre entwarf, die gleichzeitig Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik und Ethik umfasst. (https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Schopenhauer)
Nietzsche, Friedrich Prof. (1844-1900), klassischer Philologe und Philosoph, Anhänger Schopenhauers. Wiederkehrendes Ziel von Nietzsches Angriffen war v. a. die christliche Moral und er gilt als Wegbereiter postmoderner philosophischer Ansätze. (https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche)
Goethes persönliche Einstellung zu Religion und Christentum wird widersprüchlich interpretiert, er fand die Religion in der Natur (https://www.deutschlandfunk.de/goethe-und-sein-verhaeltnis-zum-christentum-100.html)
Hölderlin, Friedrich (1770-1843), Lyriker. Hölderlin reflektierte in seiner Dichtung und in seinen Schriften Fragen nach der Bedeutung der Religion in der modernen Welt. (https://religionsphilosophischer-salon.de/12390_hoelderlin-ueber-kirchen-und-christentum-hinaus-in-die-mythen-griechenlands_denkbar)
Beethoven war zeitlebens kein Kirchgänger und pflegte eine kirchenkritische Haltung. (https://www.deutschlandfunk.de/beethovens-verhaeltnis-zur-religion-der-glaube-an-ein-100.html)
Gobineau, Arthur de (1816-1882), französischer Diplomat und Schriftsteller, der als einer der Begründer des rassistischen Denkens gilt, bekannt durch den „Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen“, 1853-1855 (https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_de_Gobineau)
Chamberlain, Houston Stewart (1855-1927), in England geborener, deutschsprachiger Schriftsteller mit pangermanischer und antisemitischer Einstellung. Seine „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“ aus dem Jahr 1899 wurden zu einem Standardwerk des rassischen und ideologischen Antisemitismus in Deutschland. (https://de.wikipedia.org/wiki/Houston_Stewart_Chamberlain)
Spengler, Oswald (1880-1936), Geschichtsphilosoph, Kulturhistoriker und antidemokratischer politischer Schriftsteller mit dem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“, 1918 und 1923 (https://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_Spengler)
Rosenberg, Alfred (1892-1946), Politiker und führender Ideologe der NSDAP, der in zahlreichen rassenideologischen Schriften zur Verschärfung des Antisemitismus beitrug und im Nürnberger Hauptprozess als Hauptschuldiger der NS-Kriegsverbrechen angeklagt wurde. (https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Rosenberg)
Als Anthroposophie bzeichnet man eine von Rudolf Steiner (1861-1925) begründete sprituelle und esoterische Weltanschauung.( https://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophie)
Theosophie ist eine Sammelbezeichnung für mystisch-religiöse und naturphilosophische Denkansätze, die die Welt pantheistisch als Entwicklung Gottes auffasst. (https://de.wikipedia.org/wiki/Theosophie)
Die Olympischen Sommerspiele 1940, offiziell Spiele der XII. Olympiade genannt, sollten ursprünglich vom 21. September bis 6. Oktober in Tokio stattfinden. Aus innenpolitischen Gründen gab Tokio im Juli 1938 das Recht der Austragung offiziell an das Internationale Olympische Komitee zurück. Als neuer Austragungsort wurde Helsinki bestimmt, aber wegen des Zweiten Weltkrieges konnten die Spiele letztendlich nicht ausgetragen werden. Die nächsten Olympischen Sommerspiele fanden erst nach dem Krieg im Jahr 1948 in London statt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1940)
4. Reichsparteitag „Reichsparteitag der Ehre“ vom 8. Bis 14. September 1936. Die Rheinlandbesetzung stellte in den Augen der NSDAP die deutsche Ehre wieder her. (https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsparteitag)
Hoyer, Hermann Otto Prof. (1893-1968), Maler, NSDAP-Mitglied und Mitglied der Waffen-SS (https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Otto_Hoyer)
Hoche, Alfred Prof. (1865-1943), Psychiater, Neuroanatom und Neuropathologe, Kritiker Sigmund Freuds, v. a. bekannt als Mitverfasser der Schrift „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ (1920), galt als Wegbereiter der organisierten Massenvernichtung in der NS-Zeit, Verfasser des Buches „Jahresringe. Innenansicht eines Menschenlebens“, München 1934. (https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Hoche)
Manuskripte "Mein Leben / 1866-1936" von Heinrich v. Hahn: Band II / Der Krieg / 1914-1918 / Erlebnisse und Erfahrungen (287 Seiten) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 49)
Briefe von Heinrich v. Hahn haben sich im Familienarchiv O 59 v. Hahn nur fünf erhallten (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 44, 46 und 109)
Alfred Hoche, Die Wechseljahre des Mannes, Springer, Berlin 1928