Lebenserinnerungen Heinrich v. Hahn


Alter

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Alter

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Das Alter ist ein höflich‘ Mann,
Einmal übers andre klopft es an.
Aber nun sagt niemand: herein.
Und vor der Türe will er nicht sein.
Da klinkt er auf, tritt ein so schnell,
Und nun heißt’s, er sei ein grober Gesell!

Goethe []


Wer sich dem 70ten Lebensjahre nähert,
bekommt das Alter zu spüren. Es will nichts
mehr so gehen, wie gewohnt. Die Entschluß-
kraft läßt nach, Besuche u. Gesellschaften werden
lästig, Treppen verhetzen den Atem, Garten-
arbeit strengt an, Bücken wird mühsam, He-
ben schwer, Bergaufgehen langsam, Reisen
tut man ungern, sitzt gern allein, schreibt
viel und liest alte Schmöker. Der Schlaf ist nicht
mehr so tief, der Appetit läßt nach; nur der
Wein, der schmeckt noch. Die Frau redet es ei-
nem aus; man will es anfangs selbst nicht
glauben. Aber die Kräfte nehmen ab, und das
Alter ist da.


Ich bin darob nicht mismutig, oder gar ver-
ärgert, nehme wie immer Tatsachen als gege-
ben, zumal sie nicht verwunderlich, auch nicht
ungewöhnlich sind, sondern natürlich. Aber die
Gedanken an die Vergänglichkeit alles Irdi-
schen wenden den Blick nach rückwärts.


Da mußte ich denn erkennen, daß ich Fehler
gemacht, große u. kleine, manches ungeschickt,
falsch, zu früh oder zu spät getan, zu wenig []
oder zu viel gesagt, übereilt oder zaghaft
gehandelt, zu lahm oder zu scharf geschrieben,
- es war nicht mehr zu widerrufen, unabän-
derlich geschehen. Die Folgen hatte ich längst
getragen und verwunden. Sollte ich bereuen,
Buße tun, vergelten? Nichts von Allem –
wenn die Ehre nicht verletzt war! Dafür aber,
hatte ich meiner Ueberzeugung nach immer
nach besten Kräften gesorgt. Alles ist mensch-
lich, der Natur des Mannes, dem Charakter des
Offiziers entsprechend gewesen. Ueberall und
immer habe ich versucht, das Gemeine zu vere-
deln, das Leibliche zu vergeistigen, dem Un-
sinnigen Sinn zu geben. Erfolge beglückten
mich, Enttäuschungen blieben nicht aus.
Jeder Stufe meines Lebens hatte ich ein Ziel
zu setzen versucht, das sie zweckvoll ausfül-
len sollte mit Leistungen, die, ohne besonders
groß sein zu wollen, persönlich sein mußten,
d. h. solchermaßen nur allein von mir zu ge-
stalten. Damit war der Jugend u. der Mannes-
zeit Arbeit gegeben; fürs Alter blieb nur
noch ein Rest zu tun übrig. []
Denn die Schrumpfungen waren deutlich.
Zunächst im Haus.


Die Aufteilung war geglückt, aber der Ver-
zicht auf Sonne, Terrasse, Diele, Garderobe und
die schöne Treppe fiel mir doch recht schwer.


Der letzte Rest dieser Treppe, das Geländer, wur-
de nun auch beseitigt. Der umgitterte Raum,
der 1/3 der Oberdiele unbenutzbar ließ, war uns
lästig geworden. Wir bauten ihn unter Entfer-
nung des Oberlichtes ganz zu; Balken wurden
eingezogen u. Parket darüber gelegt. Für
unten war durch Einsatz von Glasscheiben in
die Schiebetüren des Musikzimmers genügend
Licht gewonnen. Nun hatten wir ein großes
Wohnzimmer als Mittelpunkt der oberen Woh-
nung mit vermehrtem Stellraum für Flügel
und Bücherschränken. Die Treppe blieb natürlich
Nebentreppe, die Garderobe schmal u. unzurei-
chend. Der Südbalkon erhielt Markise u. Blumen-
kästen, u. war so im Sommer ein weiteres Zimmer.
In den Parterrestock war Direktor Kräckmann
als musterhaft ruhiger Mieter eingezogen.
Die Mansarde bewohnte Frau Steinberger mit []
ihren Zwillingskindern. Der Student René
Kröner hauste noch eine Zeit lang in der
Mansarde, auch kurze Zeit der Schauspieler
Handschumacher und ein Vierteljahr auch
Fritzgebhardt in Gisberts Zimmer. Marias Kunst,
jede Wohnung zu schmücken u. gemütlich zu
machen, bewährte sich aufs Neue.


In der Familie.


Im Herbst 1935 erlitten wir zwei schwere Ver-
luste. Es starben mein jüngerer Bruder Bern-
hard in Amsterdam, und 14 Tage darauf mei-
ne ältere Schwester Lili v. Lindequist in
Braunschweig.


Mein Bruder hatte ein Nierenleiden, war meh-
re Male operiert worden, seitdem aber ohne merk-
liche Beschwerden. Er suchte alljährlich Bäder auf
– Wildungen, Marienbad – und befand sich bis
10 Tage vor seinem Tod wohlauf u. voll dienst-
fähig als besonders verantwortungsvoller deut-
scher Generalkonsul in Amsterdam. Als er Ende
Juli auf seiner Rückreise von Wildungen durch
Darmstadt zwei Tage in unserem Hause zu Gast
war, fand ich ihn so frisch u. angeregt, wie []
selten vorher. Plötzlich versagte die eine ihm
noch verbliebene Niere, und es war aus.


Bernhard war 15 Jahre jünger als ich, und
11 Jahre alt, als der Vater starb. Es fiel der Mut-
ter nicht leicht, den geweckten, eigenwilligen
Knaben zu erziehen. Er war der intelligen-
teste von uns Brüdern u. kam ohne jede Schwie-
rigkeit durchs Gymnasium. In reiferen Jahren
hatte ich Einfluß auf ihn, auf die geistige Füh-
rung seines Lebens; beruflich beriet u. führte
ihn Bruder Fritz; seinen Charakter bildete er sich
selbst. Er studierte Jura in München, Berlin,
Gießen, bestand dort u. in Darmstadt seine Prü-
fungen, machte nach einem Aufenthalt in Paris
seine Dolmetscher Prüfung, kam ins Auswärtige
Amt in Berlin, als Vizekonsul nach Shanghai,
zurück ins A[uswärtige] A[mt], zog als Reserve-Offizier des
Großh[erzoglichen] Artilleriekorps mit diesem Regiment ins
Feld bei der L[and]W[ehr]K[reis] II, wurde jedoch bereits [19]17/[19]18
reklamiert, wurde 1922 [überschrieben: 1921] deutscher Konsul in Rotter-
dam, u. 1928 Generalkonsul in Amsterdam.
Bernhard war hervorragend begabt, schreib- und
redegewandt, ein Sprachtalent. Er konnte []
griechisch, latein, französisch, englisch, holländisch.
Er spielte gut Klavier, etwas schwerfällig, aber
grundmusikalisch. Er hatte, ohne selbst zu zeich-
nen, gründliche Kenntnis u. tiefes Verständnis
für alle Künste u. Literatur. Er kannte fast alle
Galerien u. Kunstsammlungen des Konti-
nents nicht nur, er hatte sie studiert. [gestrichen: Indien],
China, Japan hatte er bereist u. in eingehenden
Briefen beschrieben. Er war [gestrichen: oft] in Paris, Rom,
Florenz [über der Zeile eingefügt: London]. Er war in Kunstkritik u. Literatur
belesen. Er besaß ein tiefgründiges Urteil
über alles. Seine Kritik war hart, immer origi-
nell. Mich hat er fast immer überzeugt. Seine
Aussprache, die selten war, brachte oft überraschen-
de Ergebnisse. Seine Gesinnung war durchaus
aristokratisch, sein Auftreten vornehm, sein
Benehmen vorsichtig, diplomatisch. Er war ein
Mensch mit überdurchschnittlichen Gaben u. großen
Erfolgen, die ihm seine hohe Stellung in die Breite wirk-
sam zu werden Raum gab. In Holland hat man
vor ihm um den Verlust eines Generalkonsuls [über der Zeile eingefügt: nie] so
aufrichtig getrauert, wie um ihn. Er hat der Fami-
lie Ehre gemacht.

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Meine Schwester Lili war herzleidend. Es kam
Wassersucht hinzu u. Darmparasiten. Ein Natur-
arzt griff noch zuletzt wohl erfolgreich ein, konn-
te aber den Tod nur verzögern. Sie war mir stets
eine liebe Schwester gewesen mit vollem Interesse
für meinen Lebensweg, Frau u. Söhne, die ihre Tan-
te Lili verehrten. Sie hatte starken Familiensinn
und Familienstolz, vornehme Gesinnung u. hielt
auf Tradition. Sie war mit Mann u. Tochter noch
vergnügt u. teilnehmend auf der Hochzeit von
Diether 1934 in Kiel. Von da begann der gesund-
heitliche Abstieg. Ich fuhr mit Mariechen zur Be-
erdigung nach Braunschweig, wo wir alle Geschwister
Arthurs nebst deren Kindern versammelt trafen.
Arthur leidet unsagbar an dem Verlust seiner un-
ersetzlichen Lebensgefährtin, den er 80jährig erlei-
den mußte.


Solche Gelegenheiten ließ sich Schwester Mariechen
Wittich nie entgehen, die Familie mit vertreten
zu helfen. Sie hatte sich zu einer hervorragenden
Persönlichkeit entwickelt. Schon im zweiten Jahr-
zehnt ihrer Ehe war ihr bequemes, immer wieder ver-
bessertes Haus in der Eichbergstraße, wo ihre drei []
prächtigen Kinder, buntes Leben ausströmend,
aufwuchsen, durch seine großzügige Gastlich-
keit umworben u. beliebt, sie selbst in der Stadt
durch tätige Mitwirkung praktischer Wohltätigkeit
bekannt u. anerkannt. Nach dem Tod unserer
Mutter wurde es Sammel u. Mittelpunkt der Fa-
milie. Mariechen war nicht nur klug u. ge-
wandt, sie hatte das Herz auf dem rechten Fleck,
nicht sentimental, aber gütig; geschäftstüchtig,
aber gerecht: viel Hahnisches Erbgut. Sie ist eine
vorbildliche Gattin u. Mutter. Ihre Kinder sind alle
tüchtige, lebensnahe Menschen geworden, haben
alle Kinder, u. leben in glücklichen Ehen.


Bruder Fritz hat sich ein bleibendes Verdienst er-
worben durch Aufstellung unseres nun bis ?
reichenden Stammbaums u. Ausarbeitung der
Ahnentafeln für uns. In jahrelanger, mühevol-
ler Kleinarbeit kam dabei vieles Interessante u.
Ueberraschende erfreulicherweise zum Vorschein.
Er ist eben mit der Ausarbeitung von Lebensbe-
schreibungen unserer nächsten Vorfahren beschäftigt.
Die Geduld u. Beharrlichkeit, die hierzu von ihm er-
fordert wird, ist bewundernswert u. des Dankes []
von uns Allen sicher.


Nun muß ich noch zwei traurige Geschichten
erzählen. Hans v. Egloffstein, der letzte seiner
Linie u. Schloßerbe, hatte sich endlich entschlossen,
zu heiraten. Die z. Zt. in Homburg wohnende
Rheinländerin aus Industriekreisen, hübsch, jung
u. flott gefiel allgemein, wurde aber von dem
allzu gegensätzlich gearteten Hans nicht genü-
gend gefesselt, sodaß, wohl auch wegen finan-
zieller Unstimmigkeiten, das Verlöbnis zurückging.


Amelie, die reizende Tochter Röschen Bossarts,
die ich besonders schätzte u. liebte, hatte sich über-
hastet früh mit einem jungen Ingenieur ohne
Dipl[om] verheiratet. Es kamen zwei Kinder, aber die
Ehe war finanziell ganz unzureichend gestützt,
und ging auch schlecht. Sie war ihm mit ihrer
Intelligenz u. vielseitiger Begabung überlegen.
Der leichtsinnige u. untreue Gatte brachte auch
ihr sprühendes Temperament auf einen Irrweg.
Es kam zur Scheidung und zu einer leider wiede-
rum übereilten zweiten Ehe mit einem zwar gleich-
wertigen, aber nervös überreizten Mann. In einer
schwierigen, doch keinesfalls verzweifelten Lage []
faßten sie den Entschluß zum Doppelfreitod,
dem er erlag, während sie wie durch ein Wunder
errettet wurde. Sie ist ein Stehaufchen, die rasch
genas, u. sich nun in Hamburg selbständig nie-
dergelassen hat. Von ihren Brüdern hat Dolfried
eine aussichtsvolle Fabrik im Mecklenburgischen,
u. sich kürzlich verheiratet; Heinz hat eine gut
gehende Anwaltspraxis in Neustrelitz.


Lieschen Deninger ist trotz ihrer 81 Jahre frisch
u. stahlhart wie vor 30 Jahren, mehrfache Groß-
mutter u. demnächst Urgroßmutter, denn Maria
Hoffbaurs beide sehr begabte Töchter Marlis und
Gerda sind bereits verheiratet. Mila Kolbe,
von schwerer Krankheit genesen, lebt oft auf
Egloffstein, wo sie in Melie u. Fr[äu]l[ein] Keppler ver-
wandte Seelen fand. Ihre drei Töchter sind un-
verheiratet. Melie hat in der Sorge um Haus und
Hof und in der Ausbildung von Maiden wohl Be-
friedigung, aber für ihr Alter u. die Schwere der Zeit
eine Arbeit, die ihre Kräfte allzu stark in Anspruch
nimmt. Ueber die Söhne Miezes u. das Unglück,
das über die Familie meines Bruders 1935 herein-
brach, kann ich erst später mal schreiben. []
Meine Gesundheit, ich meine die Asthmabe-
schwerden, waren im neuen Hause ja erheblich
geringer geworden, als sie in der ersten Nach-
kriegszeit gewesen. Aber sie wichen nie ganz,
u. legten mir doch schließlich auf, etwas dage-
gen zu tun. Eine gründliche fachärztliche Unter-
suchung [gestrichen: ergab; über der Zeile eingefügt: hatte] zwar ein erfreulich günstiges
Ergebnis; dennoch entschloß ich mich 1935 einen
4 wöchigen Aufenthalt in Freudenstadt i[m] Schwarz-
wald zu nehmen, dessen reine dünne Luft u.
ebene, tannenduftende Spaziergänge mir sehr
gut taten. Dort sind auch die ersten Niederschrif-
ten dieser Lebensgeschichte begonnen worden.
Maria war vorher 4 Wochen bei den Kindern in
Kiel gewesen.


Waren so überall mehr oder minder große
Schrumpfungen eingetreten, so erst recht in
meinen äußeren Tätigkeiten. Ich hatte die
Opernkritik niedergelegt u. mied seit jener
Zeit das Theater, um so mehr, als sein Niveau
bedenklich gesunken war. Ehe ich schied, durfte
ich noch zwei mich stolz machende Anerkennun-
gen buchen. Die berühmte Wagnersängerin []
Lili Hafgren schrieb u. wiederholte mir münd-
lich: „Sie sind der erste Kritiker, der im Stande
ist, das Wesen meiner Kunst zu verstehen.
Sie haben mich nicht kritisiert, sondern er-
fühlt.“ Der Ausstattungschef Hans Strohbach,
jetzt in Dresden, schrieb mir: „Sie sind in Darm-
stadt der einzige, der etwas von Opern-Insze-
nierung versteht, der mir raten u. helfen
konnte“.


Der Ständige Rat für Kunst war eingeschla-
fen u. brauchte keinen Schriftführer mehr.
Den Ausstellungen auf der Mathildenhöhe,
so wie [eingefügt: sie] seit 1922 [überschrieben: 1933] aufgezogen wurden, konnte
ich u. wollte – nach noch einem Versuch 1934 –
nicht mehr Geschäftsführer sein. Ich konnte in
Programm u. Aufbau nichts Zeitnahes, nur Rück-
schrittliches erkennen. Was ich noch zustande
brachte, war die Verlegung des Büros des Ständ[igen]
Rates mit Möbeln u. Akten in das Städtische
Archiv, wo es eine Ruhestätte fand. Dort unter-
zog ich mich der Mühe, alle Akten, Bücher, Ab-
rechnungen, überhaupt den ganzen Besitz zu
ordnen u. zu inventarisieren.

[]


Mein Verkehr mit alten Regimentskame-
raden zog etwas an, mit der Adelsgenossen-
schaft nicht.


Wir beschafften uns einen guten Radio-Appa-
rat, der Ersatz für Oper u. Konzert in Fülle
brachte, zudem Verbindung mit der ganzen Welt.
Eine Rückkehr zum Klavier, zum selbsttätigen
Musizieren, die als Gegenwirkung vom Radio
erhofft wurde, u. von mir, wäre der Antrieb stark
gewesen, sicher keine Ablehnung gefunden hät-
te, trat nicht ein. Das Radio bringt eben doch kei-
ne mechanisierte Musik, sondern Uebertragung
manueller Musik. Sie ist so gut, u. wird von so
überragenden Virtuosen der ganzen Welt getä-
tigt, daß einem die Lust, für sich allein zu stüm-
pern, vergeht. Es ist nicht Faulheit, es ist die Ein-
sicht der Unterlegenheit, das Gefühl berechtigter
Resignation.


Ich ging ab und zu auf die Landesbibliothek,
die in den neu gewonnenen, praktisch u. schön
hergerichteten Räumen des Residenzschlosses ihre
Auferstehung feierte, um Zeitschriften u. Neu-
erscheinungen einzusehen. Ich kaufte viele neue []
Bücher, hauptsächlich aus der Sphäre der seit
1933 neuen Kulturbewegung.


Der politische Umschwung 1933 griff selbstver-
ständlich mit wuchtiger Hand auch in unser
Leben ein. Im Ganzen hat er auf mich wie
das längst ersehnte reinigende Gewitter ge-
wirkt. Er setzte den Schrumpfungen ein Ziel,
u. bildete das wieder aufbauende Element
in meinem Alter. Ich war nicht unvorberei-
tet, auch durch meine Jungens einigermaßen
im Bilde. Im Artillerieverein, unter den alten
Mannschaften u. Unteroffizieren der Kriegs und
Vorkriegszeit gährte es schon früh, bereitete sich
ein aufnahmebereiter Boden, auch für die Juden-
frage, die m[eines] E[rachtens] die schwierigste, aber entscheidende
ist, oder war. Unser Darmstadt ist ja zu unserer
Elternzeiten sehr judenfreundlich gewesen, und
wir Kinder haben solche Gesinnung als selbstver-
ständlich richtig hingenommen. Der ungetaufte
– bravo! – Bankier Otto Wolfskehl war viele Jahre
lang Präsident der II Kammer der Stände, u. Vor-
sitzender des Musikvereins. Der jüdische Rechtsan-
walt Bender hatte die größte und angesehenste []
Praxis; bei jüdischen Ärzten ließen sich jun-
ge Mütter – auch aus der Familie – entbinden.
Die großen Verkaufsgeschäfte – Konfektion u.
Schuhe, Möbel – waren in jüdischen Händen,
die Konzertsäle, das Hoftheater, Techn[ische] Hochschu-
le, Kunstausstellungen wurden immer mehr von
Juden überschwemmt; die Kunst u. Theaterkritik
blieb [über der Zeile eingefügt: hier] wie durch ein Wunder befreit. Die Gegen-
wirkung war daher sehr stark. Obwohl vorbe-
reitet, hatte ich doch, daß eine solche Revolution
an Haupt u. Gliedern, an allen Lebensaufga-
ben u. Seinsrichtungen derart schüttelnd so
rasch eintreten sollte, weder erwartet, noch für
möglich gehalten. Sie schien zu Anfang auch
zahm. Von Woche zu Woche, ja fast Tag zu Tag
schritt die Umkrempelung vorwärts, hat dann
in manchen Gipfelungen überrascht u. erschreckt,
im Ganzen sich aber maß- u. taktvoll bewegt,
bis sie heute 1936 wohl jeden Deutschen völlig
umgewandelt hat. Ich war zu alt, um mit-
zustürmen, aber jung genug, dem Führer voll
Verehrung u. Vertrauen zu folgen – mehr als mei-
ne Gleichaltrigen, als meine alten Kameraden, als []
die Meisten meiner Familie, mit Ausnahme
der Jugend, die natürlich kräftig anzog.


Die einen sahen sich von ihren Führerstellen abge-
setzt, die anderen ihre Standesbevorzugungen
schwinden, die letzten sich in ihren anerzogenen
liberalen Anschauungen gestört. Die Judenge-
setze, die das Mitleid u. die Menschlichkeit in den
weiblichen Seelen auf den Plan rief, mußten
sich in den Familien Wittich, Egloffstein, Bossart
auswirken. Wir bekamen Gegensätze u. Wider-
stände zu fühlen. Das Pastorengezänk verstärkte
das Gemecker.


Der Umsturz riß, ähnlich wie 1918, offene Türen
ein. Aber während diese damals offen blieben,
um internationalen Elementen Einlaß zu ge-
ben, um zu räubern u. zu vergiften, so schloß
der Umsturz [19]33 die Türen fest zu, um in dem von
den seitherigen Insassen gründlich gesäuberten
Hause innen Ordnung zu schaffen; dann fing
er an, auch das Land nach außen neu anzu-
pflanzen: 1935 Wiedergewinn der Wehrhoheit,
Aufbau des Heeres, der Flotte, der Luftmacht.
1936 Aufhebung der Rheinzone. Solche großen []
Taten vollbringt nur ein genialer Führer.
Wer möchte da nicht hinwegsehen über Mängel,
Fehlgriffe, Unbequemlichkeiten, Unzuläng-
lichkeiten? Wie mußte aber erst die Wirkung
auf den alten Offizier in mir sein! Als ob ein
giftiger Druck endlich von mir genommen sei,
so atmete ich befreit auf, um neue freudige
Lebensbejahung zu gewinnen.


Schien so der Ausblick auf die Gebiete der Poli-
tik und Wirtschaft vorwiegend erfreulich sein
zu dürfen, so wollte mich die kulturelle Leistung
der Zeit garnicht, die kulturellen Ziele u. Auf-
gaben nur teilweise befriedigen; ihre Wege u.
Mittel – wenigstens zunächst – [über der Zeile eingefügt: mußten mir] sogar verfehlt
erscheinen. Der Rückgriff auf die aus Blut u.
Boden strömenden Quellen unserer Künste –
bild[ende] Kunst, Musik, Schriftstellerei, Baukunst, Theater –
ist richtig, jedoch nicht so einfach in Ausführung
u. Anwendung. Er ist nicht klar genug umrissen,
mannigfacher Auslegung ausgesetzt; daher Irr-
wege, Versuche, falsche Propheten, öde Konjunktur-
Ritter. Darmstadt steht mitten in einer Reaktion
schlimmster Art, die nicht nur jämmerlich, auch gefähr-[]
lich ist. Es wird hinausgeschrieen: jetzt zeigen
wir euch endlich wieder mal echte deutsche, ge-
sunde Kunst. Was sehen sie: Scheinkunst, Nach-
ahmung, Stümperei. Diese Maler tragen sicher
goldene, national schlagende Herzen im Busen;
aber das macht sie doch noch nicht zu Künstlern!
Kunst hat mit Politik sehr viel zu tun, wird
aber nie durch sie entschuldigt.


Die Reaktion griff über auf die Gemäldegale-
rie im Landesmuseum, woraus alle Werke
nach der Romantik, also etwa von 1850 an
entfernt sind. Sie ist ferner in der Leitung u.
im Spielplan des Landestheaters zu spüren,
wo ausländische Musik u. Dramen verbannt
sind, dagegen winzige teutsche Talentchen hoch-
kommen. Andererseits unterstützt man Freilicht-
bühnen in Heidelberg, in Frankfurt, auf denen
unsere Klassiker zu Revuen verzerrt ihr Kino-
licht ausstrahlen.


Die Freilichtbühne ist ein Irrweg, eine Mode,
ein Rummel, wie man sie benennen mag, nur
keine Kunst, insbesondere die Freilicht-Oper.
Sie vermengt zwei scharf zu trennende Welten: []
Natur und Kunst, zwei Gegensätze zu einem
unerträglichen Zwitterwerk, das selbst bei flüch-
tigster Betrachtung auseinanderklafft. Die
Natur hält den an bestimmte Stimmungen, ja
Naturgeschehen gebundenen Szenen nicht still,
sondern verändert sich ständig, nicht wie die
Handlung oder Oper will, sondern wie es ihr
[gestrichen: paßt; über der Zeile eingefügt: Ablauf ergibt], nicht wie der Dichter oder Komponist vor-
schreibt – hell, dunkel, Tag, Nacht, Morgen, Ab[en]d –
sondern wie sie grade mit Sonne, Wind, Regen
will, jeder Zufälligkeit ausgesetzt, nicht dem
Willen des Inszenators gehorsam. Dichterich u.
musikalisch gebundene Schauspieler u. Sänger,
die sich [über der Zeile eingefügt: wie es ihr Beruf verlangt] weder natürlich bewegen, noch natürlich
sprechen, wirken in freier Natur nie überzeugend.
Am selben Ort, an derselben Stelle, an der heute
ein Gott, ein Held, ein Dämon stand, ist es mor-
gen jedem beliebigen anderen Sterblichen erlaubt,
diese oder jene Alltäglichkeiten zu verrichten.
Jene Menschen sprechen die gehobenste Kunst-
sprache der Welt, sie singen in Formen u. Tönen
höchster Kunst mit virtuoser Kunstfertigkeit, die
von aller Natur ausdestilliert ist. Solche Menschen, []
die selbst Kunstobjekte sind, in die nackte
Natur zu stellen, ist Widersinn.


Naturalistisch kann Kunst nur in ihren Zielen,
nicht in ihren Mitteln sein. Der sogenannte Rea-
lismus ist tiefe Ebbe künstlerischer Potenz.
„Kunst heißt eben darum Kunst, weil sie nicht
Natur ist; Kunst ist Gestaltung“ (Goethe)
Der Künstler kann kein einziges Element
aus der Wirklichkeit brauchen, wie er es findet;
sein Werk muß in allen Teilen ideell sein,
wenn es als Ganzes Realität haben und mit
der Natur übereinstimmen soll. Kunst will ver-
zaubern, entführen, aus Natur u. Welt weg
zum Idol u. Symbol. Man verhindert dies,
wenn man sie auf die wirkliche Natur auf-
klebt. Die Thingbühne ist etwas anderes, steht
mit Kunst auch nur lose in Beziehung. Es
müssen für sie besonders geschriebene Stücke
sein, mit Massenmitteln für Massenwirkung.


Der politische Umschwung stellt neue
Forderungen an die Frau und an den Adel.
Die Frau als selbstlose Mutter zahlreicher Kinder,
zur Erhaltung von Volk u. Staat, als Hüterin []
des Rassebewußtseins, als Erzieherin für die
Bereitschaft zu früher Ehe auch mit bescheide-
nen Anfängen. Der Mann nimmt dies nicht
ungern auf; er wird von einer kostspieligen,
zersplitternden Junggesellenzeit früher befreit,
als seine Väter, die im Gestrüpp von Verhältnis-
sen ihre junge Kraft verausgabten, oft gar in
ihnen versanken. Den Ehrbegriff, den die weib-
liche Seele [über der Zeile eingefügt: meist] nicht versteht, den müssen die Männer
freilich von andersher gewinnen. Es geschieht
in der wieder aufgebauten Wehrmacht und im
Adel, der m[eines] E[rachtens] hierdurch und durch die Gewohnheit
seiner aristokratischen Erziehung zu neuer Be-
deutung erlangt.


Adlige Erziehung, in Fühlung u. Einklang
mit dem bestehenden Adel der betreffenden Land-
schaft, ist unabhängig von Armut oder Reich-
tum, oder von Amt, Beruf u. Stellung. Wie sich
Jeder seinen Verhältnissen gemäß sein tägliches
Leben einrichtet, ist gleichgültig; aber es muß,
will er überhaupt den Adelstitel tragen, adli-
ger Art sein; aristokratisch in Gesinnung und
Bildung, nicht liberalistisch. Er darf den Mit-[]
gliedern des Adels derselben Stadt oder Land-
schaft nicht aus dem Wege gehen. Scheinen
ihm Ansichten oder Gewohnheiten dieses Adels
nicht gemäß, soll er sie zu ändern streben,
aber sich nicht absondern. Ein Abgleiten in
bürgerliche Sphäre, die immer liberalistisch ist,
nicht aristokratisch, ist sonst unabwendbar.
Es rächt sich bitter an den Kindern.


Das Alter macht schrullig. Ich hatte von jeher
gewisse Abneigungen, die so zu bezeichnen sind.


Gegen das Grammophon sträubte ich mich von
dem Augenblick an nicht länger, als die Platten
sich wesentlich verbesserten, die Apparate voll-
kommener wurden, und für unseren Landaufent-
halt in Hoxhohl, später für Tanzmusik im neu-
en Hause geeignet schien. Ich lernte dadurch
Jazzmusik genauer kennen, ja schätzen, ohne
die unsere heranwachsende Jugend ja nicht zu
leben vermochte. Der Jazz ist jetzt verpönt. Was
versteht das Verbot unter Jazzmusik? Doch nicht
die Ausprägung synkopierter Rytmik – wenn
sie nicht Selbstzweck wird. Auch nicht die Verwendung
von Saxophons, die ja im modernen Orchester, ja []
sogar in den Militärkapellen ihren anerkann-
ten Platz besitzen, auch nicht die vielseitige Ver-
wendung des Schlagzeugs, des Harmoniums, des
Klaviers. Also doch nur die Niggersongs, die uns
völlig wesensfremd sind, die Schmachtfetzenme-
lodik, die hirnverbrannten Texte u. die Atona-
lität als Prinzip. Als Ausdrucksmittel für
ganz bestimmte Zwecke – Ulk, Ironie, Spott – ist
die Atonalität in die Rüstkammer des musika-
lischen Handwerkszeugs aufgenommen worden.
So ist noch immer in den Künsten von allen Ex-
tremen, die sich anfänglich als alleinherrschend
aufspielten, das Ungesunde als unbrauchbar
ausgeschieden, das Brauchbare als gesund bei-
behalten u. weiterverwendet worden.


Dem Radio gegenüber verhielt ich mich viel
länger ablehnend. Ich hatte keinen Grund,
Wiedergaben von Konzert u. Opernmusik, auch
wenn sie noch so gut waren, anzuhören, so-
lange es mir vergönnt war, solche unvermit-
telt in Saal u. Theater sooft ich wollte als Bericht-
erstatter persönlich zu genießen. Als dies auf-
hörte, war ich bereit, u. fand im Radio erwünsch-[]
ten Ersatz, auch Freude. Ersatz, denn selbst die
bestbesetzte Opernaufführung am Radio spricht
doch nur zum Ohr; das Auge geht leer aus:
Szene, Spiel, Mimik, Stimmung fehlen; die eige-
ne Phantasie wird zu stark beansprucht, u. der
Eindruck ist daher oft ein falscher, irreführender.


Das Kino hab‘ ich nie gemocht u. mag es
auch heute noch nicht. Es ist vielleicht meine wirk-
liche Schrulle. Ich kann an einem Drama keinen
Gefallen finden, ist es auch von den besten Spielern
der Welt dargeboten, u. hat es die denkbar beste,
phantastischste Inszenierung erhalten, wenn diese
auf die Farbe, jene auf das lebendige Dichterwort
verzichten müssen. Man hat nicht gewagt, unse-
re klassischen Dramen zu filmen, sondern nur
kitschige Romane; auch nicht unsere Meisteropern,
sondern kitschige Operetten od. Revuen. Dagegen
scheinen mir Reisen, Naturschilderungen, Tiersze-
nen, Festzüge, Sportkämpfe u. a. im Film sehens-
wert und lehrreich.


Auch von Reisen im Auto halte ich nicht viel.
Ich bin der altmodischen Ansicht, daß 1., der Reisen-
de, fährt er offen, von Wind u. Wetter in der Regel []
derart gepackt wird, daß von einer Schau
keine Rede sein kann, fährt er geschlossen,
durch den engen Schlitz wenig zu sehen be-
kommt. Für den, der selbst steuert, gilt dies
verzehnfacht. In beiden Fällen sieht er besten-
falls schnell vorbeijagende Teilstücke ohne
Zusammenschau. 2., daher wird der Reisende,
sieht er intensiv, schon nach einer Stunde,
sieht er, wie er es sich bald angewöhnt, ober-
flächlich, nach 2 - 3 Stunden zur Aufnahme
unfähig sein, und von da ab nur noch die
ganz starken Naturkulissen in sich aufneh-
men können. Das Tempo jagt ihn von einer
berühmten Ecke zur anderen, bis er sich rüh-
men kann, daß er sie alle gesehen d. h. daß
er an allen vorbeigesaust ist. Ein der Ein-
drucksfähigkeit der Sinne angepaßtes Tempo-
fahren ist stümperhaft, u. wäre sogar ein Ver-
kehrshindernis. Eine Auffassung des Wagens
lediglich als ein schnelles Fortbewegungsmittel
von einem sehenswerten Ort zum anderen, der
alsdann zu Fuß gemächlich erwandert wird,
ist selten anzutreffen. So bleibt für mich die []
heutige Autofahrerei eine problematische Sache.


Im Gegensatz hierzu war u. ist Maria,
meine Frau, immer frei von Schrullen geblieben,
obgleich sie auch nicht mehr die jüngste ist.
Sie hörte gern Grammophon, sie hängt am Ra-
dio, sie ist von Autofahrten begeistert. Sie
hat sich nie viel geändert, ist sich in ihrer kör-
perlichen Spannkraft u. geistigen Verfassung
wesentlich immer gleichgeblieben.


Nachdem in den ersten Ehejahren, wie dies un-
ausbleiblich, unsere Charaktere zuweilen hart
aufeinandergestoßen waren, ist bald eine Har-
monie der Lebensauffassung eingetreten, die,
getragen von gegenseitiger Achtung u. Rück-
sichtnahme, ohne Aufhebung berechtigter Eigen-
tümlichkeiten, einen persönlichen Stil auszu-
bilden fähig war, der Keinem unbemerkt blieb.
Freilich kam uns zu statten, daß wir Beide kör-
perlich kerngesund u. geistig unverbildet waren.
Auch redete uns Niemand aus beiden Familien
herein. Wir waren realdenkende Naturen mit
gesundem Menschenverstand, ohne Ueberschwänglich-
keiten, jeder Sentimentalität abhold, tapfer, []
eher Draufgänger, als Angstmeier; trotz-
dem erfüllt für alles Hohe, Schöne, geneigt
zu allem Guten, Neuen: eine äußerst
glückliche Mischung. Wir hatten kein starkes
Geltungsbedürfnis, freuten uns dennoch ü-
ber jede Anerkennung.


Die Kinder u. ihre Erziehung, die bei deren
kräftigen unkomplizierten Naturen umso-
weniger Schwierigkeiten bot, als sie von un-
seren einheitlichen, nie schwankenden Grund-
sätzen gestützt war, knüpften uns fest u.
fester aneinander. Maria ließ mich ohne
Furcht in den Krieg ziehen, war keine Stun-
de der langen Kriegszeit, in der ich immer
an der Front stand, u. sie allein verantwort-
lich in Perleberg saß, ängstlich oder mutlos,
verlor beim Tod ihres Vaters, ihrer Mutter, beim
Verlust lieber Verwandter u. Bekannter nie
die Fassung. Ihr seelisches Gleichgewicht, das
Vertrauen auf ihre Kraft war unerschütterlich.
Die schmachvollen u. knappen Nachkriegsjahre
veranlaßten die Nimmermüde nur umso mehr
zuzupacken. Allerdings ist es uns finanziell []
zwar nie glänzend, aber auch nie ganz schlecht
gegangen. Für Auskommen sorgte ich, und die
Zufriedenheit stellte sich ein, je mehr Arbeit es
in Haus u. Garten gab. Das schöne Wohnen, das
Gedeihen u. die Wohlfahrt unserer Kinder erhöh-
te unser Glück. Maria ist der Hebel gewesen,
daß ich nicht einrostete. Mein unablässiger
Blick nach vorwärts, mein Mitgehen mit aller
Jugend u. die Gabe, Vergangenes vergangen
sein zu lassen, riß sie mit, sodaß wir nie
verzagten, und von allen Uebeln das Gute he-
rausfanden. Wir standen beide fest in und
aufeinander. Zwei Quellen flossen in einen
glücklichen Strom des Lebens.


Ich schließe meine Lebensbeschreibung vor-
läufig ab in derselben Zeit, in der Bruder
Fritz nach längst vollendeter Familiengeschichte
die Mitteilungen aus der Vergangenheit ein-
zelner Vorfahren niederschreibt, und uns von
Bruder Bernhard seine Denkschrift „Edit“ hinter-
lassen wurde, die wohl Niemand, zumal er
nun selbst ihr gefolgt ist, ohne stärkste Erschütte-[]
rung lesen kann. Und nun habe ich als
Dritter versucht, einen persönlichen Beitrag
zur Familiengeschichte zu liefern.


Wie verschieden sind doch diese Äußerungen
von uns drei Brüdern!


Deutlich werden drei andere Charaktere sicht-
bar, in einigen Grundanschauungen lose
verbunden, in Hauptzügen voneinander
geschieden, in Einzelheiten entgegengesetzt,
in Abfassung u. Stil durchaus persönlich.
Die Gemeinsamkeit stammt aus dem Eltern-
haus, die andersartige Entwicklung beein-
flussen die Frauen, die Einzelheiten sind Fol-
gen eigenen Blutes u. persönlicher Erfah-
rung. Wenn bei Fritzens Niederschriften
der Ernst sachlicher Richtigkeit und liebens-
würdiger Treue vorbildlich ist, so ist die Denk-
schrift Bernhards mit psychologischer Schärfe
geistreich durchdacht u. gegliedert, alsdann
in der äußeren Form u. Sprache künstlerisch
gestaltet. Bei mir schließlich – wenn ich mich
zu beurteilen wagen darf – stehen einerseits,
in straffe Dispositionen gespannt, Tatsachen, []
Erzählungen, Schilderungen knapp ge-
faßt neben u. hintereinander, andererseits
bricht überall mein Temperament mit oft
kämpferischen Gedanken und vielleicht
problematischen Schlüssen durch.


Persönlich scheinen mir alle drei Äußerun-
gen eine starke Wirkung ausüben zu kön-
nen; sie sind deshalb für uns und unsere
Nachfahren unschätzbare Dokumente dreier
Menschen und ihrer Zeit.


Diese Aufzeichnungen werden ergänzt durch
das grüne Gästebuch von Hoxhohl, den Band
„Meine Freiballon-Fahrten“, fünf Bände Opern-
besprechungen 1922-1934 und durch die Anhän-
ge, wofür Inhaltsverzeichnis in Band IV [über der Zeile eingefügt: u. V] liegt. []
Zu meinem 70. Geb[urts]tag erhielt ich die Glück-
wünsche aller mit Nahestehenden in herzlichsten
Formen; etwa 60 Briefe u. Telegramme liefen ein,
viele Gaben aus lieber Hand schmückten den Tisch.
Leider war es nicht möglich, den Tag in der Fami-
lie so zu feiern, wie es mein Wunsch war. Schwes-
ter Lili u. Bruder Bernhard, beide mir besonders
nahestehend, waren nicht mehr. Auf das Fami-
lienleben meines Bruders Fritz war Unglück
auf Unglück hereingebrochen; ein lange drohen-
des Verhängnis schien sich zu erfüllen.
Die 3 Söhne, die von 5 Kindern heranwuchsen, such-
ten sich ihre Frauen in einer Sphäre, die unserer
Tradition Hahn-Rothe nicht ebenbürtig ist.
Die Frau des Ältesten, der sich das Leben nahm,
Lotte Schmidt, ist die Tochter eines Zeugoffiziers.
Es geschah damit der erste Schritt zurück. Lotte
konnte indes durch den Wert ihrer Persönlichkeit
versöhnen. Dies vermochte die Frau Arthurs, der
in den Reichspostdienst gegangen war, nicht, ob-
wohl gegen ihre Familie, die eines Studienrates
freilich im kleinen Bückeburg, an sich nichts ein-
zuwenden war. Ihr Wesen u. ihr Betragen hat bei
Alt u. Jung der ganzen Familie Misfallen erregt.
Also ein zweites Absinken. Der Lehramtskand[idat] []
Walter schließlich hat sich mit der Tochter eines
Gemeindebeamten, auch in Bückeburg u. an sich
durchaus ehrenwert, verlobt: ein Schritt noch wei-
ter nach unten. Alle 3 Schaden des Fami-
lien-Ansehens.


Konnten die Eltern das nicht verhindern? Leicht
gesagt, schwer getan! Aber sie konnten für sich
u. die Familie die Folgen ziehen, die, frühzeitig in
Gang gesetzt, vielleicht bei geschlossener Familien-
front Rückgänge veranlaßt hätten.


Ich, für meine Person, habe gegen die erste Ehe nichts
einwenden wollen, zur zweiten meine Bedenken
geäußert, mich jedoch des sogen. lieben Friedens
wegen – der ein verneigter Unfrieden ist – nicht
durchsetzen können, im dritten Fall offen Partei
ergriffen u. die Braut in meinem Hause nicht
aufgenommen.


Walter hatte seinen Eltern, die durchaus gegen die-
se Verlobung waren, den Stuhl vor die Türe gesetzt.
In dieser Zwangslage entschied sich die Mutter zum
Einverständnis, der Vater gab nach. Walter berief
sich auf das Recht der Jugend, der Eltern nichts zu
befehlen haben. Wo bleibt Ehrfurcht, Tradition, Füh-
rerprinzip? Er will Standesunterschiede als über-
wunden ansehen. Er verwechselt dies mit Standes-[]
achtung u. Gesinnungsgemeinschaft. Wir
wollen doch grade von der demokratischen, hori-
zontalen Gleichmacherei weg zur vertikalen
Hochzucht. Adel, besonders junger, verdient er-
worbener Adel verpflichtet seine Träger. Jeder
Schritt abwärts vernichtet das Errungene. Inso-
fern ist die Eheschließung eines Sohnes nicht sei-
ne alleinige Angelegenheit, sondern geht die
ganze Familie an. Das ist altes Adelsgesetz,
u. auch heutige Forderung. Der junge Mann muß
so erzogen sein, u. seine Begierden so in Zucht
haben, daß er sich nicht zu einer beliebigen Wahl
berechtigt halten darf, sondern beherzigen muß:
vergiß nicht, daß du ein Ahnherr bist. Du bist ver-
antwortlich, das Erbe, das du von deinen Vorfah-
ren empfingst, nicht absinken zu lassen, sondern
höher zu züchten, mindestens auch d[er] Höhe z[u] halten.
Lies Ahnentafeln u. Stammbäume um zu erkennen,
wieviel durch gute Heiraten gefördert, durch uneben-
bürtige geschadet wird. Zu welchem Ende schuf
Walters Vater unseren Stammbaum u. die Fami-
lienchronik, wenn schon seine Söhne nichts draus
lernten?


Ich hatte die Genugtuung, daß fast alle männl[ichen]
Mitglieder der Familie sich meiner Ansicht an-[]
schlossen. Nachdem ich mich überdies überzeugt
hatte, daß es sich bei dieser Braut keinesfalls
um eine außergewöhnliche Persönlichkeit han-
delte, die eine Ausnahme zuließe, blieb ich fest.
Was sollten sonst meine Söhne u. Neffen von so
schwachem Vorbild halten? Und erst die Nachfah-
ren, die von gewissen entschuldbaren Gründen,
die für die Eltern sprachen, nichts mehr wissen,
u. nur erfahren, daß ihr Ahnherr, der Offizier
u. Adelsmann war, zu einer unebenbürtigen
Verbindung ja gesagt hat.


Hier ist der springende Punkt. Alle 3 Söhne haben
bewiesen, daß sie nicht adelig denken, nicht ari-
stokratisch erzogen sind. Man werfe mir nicht vor,
dazu gehört Geld, und sie sind auf dem Lande
groß geworden. Der norddeutsche Adel lebt auf
dem Lande u. ist oft verarmt; er blieb dennoch
in Gesinnung u. Lebensart adelig.

[Aus Personenschutzgründen werden Teile der S. 270 sowie die Seiten 271-275 nicht veröffentlicht]

[]


Konnte hier überall, wo es um Entschlußkraft,
Härte, Ehre ging, ein unheilvoller, entmannen-
der Einfluß der Frau erkannt werden, so bietet
unsere heutige Zeit überhaupt das Bild einer Ver-
weiblichung des Mannes, einer Vermännlichung
des Weibes, beides auf Kosten ihrer eigentümlichen
Natur. Wer die versklavende Macht der Frau in
Frankreich, in der Angelsächsischen Welt, in allen De-
mokratien beobachtet, wird gewahr, daß die Wieder-
kehr einer Art von Mutterkultur stattgefunden hat,
die nordischem Empfinden widerspricht. Es kann nicht
Wunder nehmen, da auch unsesre Religion lineare Zü-
ge trägt. Im Mittelalter nur durch Uebernahme arischer
Kulte für uns tragbar, kam durch Luthers Bibelglau-
ben das semitische Element, durch die jesuitische Gegen-
reformation die völlige Unterjochung der solaren Her-
renseele. Das Verhältnis zur Göttlichkeit, verstanden als
ein Anderes, nicht uns Gleiches, gelebt als Andacht, Hin-
gabe, Gehorsam verrät weibl[iche] Züge. Die Madonna auf
der Mondsichel als Herrscherin, auf dem Schoß das sola-
re Prinzip als Kind, also untergeordnet. Der Mann
aber hat solare Elemente, die ihn mit dem Ueberna-
türlichen verknüpfen, dessen Folgen sind Sieg, Glück,
Gedeihen des Geschlechts. Folgt er den ihm nicht angemesse-
nen Elementen der Frau, so verliert u. verleugnet er sich []
selbst. Eine Religion, die das Mitleid zum Urgrund
hat, die Sünde, Reue, Demut predigt u. damit Knecht-
sein, Gewissenszwang bis zur Selbstaufgabe ver-
langt, ist nicht nach Mannes Art, dessen heilige Auf-
gabe darin besteht, sein Eigenwesen zum Höchstmaß
zu entwickeln, sich nicht zu beugen, seine Ehre unan-
getastet zu wahren. Was hat das Christentum der
Welt gebracht? Kriege, Ketzerverfolgungen, Hexenver-
brennungen, Haß, Neid, Lüge – alles im Namen des
Christengottes. Es hat uns nicht besser gemacht, nicht
glücklicher, nicht schöner. Das Gegenteil ist der Fall.


Beschäftigt man sich mit Religionsfragen, so
muß man sich vor Allem freimachen von jenem un-
geheuerlichen Vorurteil: dem Anspruch auf Ausschließ-
lichkeit, den das Christentum geschichtlich zum ersten-
mal gebracht hat, in seiner römischen wie lutherischen
Fassung (semitisches Erbe) Man kann finden, daß die
anderen Weltreligionen, deren jede einen göttlichen
Stifter für sich in Anspruch nimmt, bes[onders] in der heidni-
schen Traditionswelt (Evola) eine nähere, würdigere
Verbindung mit dem Ueberweltlichen fanden, als
der christliche unselige Dualismus zwischen Gott u.
Erde, der eine Scheidewand zwischen beiden aufrichtet,
die nur durch Gnade zu brechen ist, eine Gottwerdung
durch Eigenkraft nicht kennt. Diese Gnade, durch Glauben []
verdient, wird vom Klerus verwaltet, der den Him-
mel oder die Hölle aus eigner Macht zuteilt, ohne von
beiden etwas zu wissen. Unter einem Himmel, einer
Hölle nach dem Tode kann ich mir nichts vorstellen.
Dem Geist – alles Körperliche ist Asche – kann das raffi-
nierte Paradies (die Juden schildern es) nicht beglük-
ken; der Hölle Qual (Dante schildert es) nichts anhaben.
Unsterblich ist körperlich der Same, der sich von Geschlecht
zu Geschlecht fortpflanzt; geistig die Göttlichkeit, die ich
mir selbst erwerben kann durch meine Taten. Insofern
heißt es: ein Mensch ist ein sterblicher Gott, ein Gott
ein unsterblicher Mensch.


Unser heutiger Religionsbegriff ist verfälscht. Das
Christentum, soviel es leistete, hat unserer Jugend we-
nig mehr zu sagen. Aber an eine Um u. Rückkehr zur
Religion der Traditionswelt zu denken, ist eine Unmög-
lichkeit. Restaurationen sind stets zum Miserfolg ver-
urteilt. Geschichte läßt sich nicht wiederholen. Nur ganz
Neues verspricht Bestand.


Ich war nie mit dem Christentum im Frieden. Als Kna-
be zog mich die nordische Götterwelt mehr an, als das
Christkind u. der Gott am Kreuz. Als Konfirmand quälte
ich mich ehrlich mit dem mir unfaßlichen Dogma und
schwankte zwischen sinnlichen Gelüsten u. mönchischen An-
wandl[un]gen. Als Jüngling, nachdem ich bei Schopenhauer []
und Nietzsche genippt, wurde mir aller Glaube
problematisch. Als Mann entsagte ich der Kirche u.
blieb religiös etwa wie Goethe, Hölderlin, Beethoven.
Im Krieg schwanden alle Konfessionen. Es blieb die
Zuversicht auf übernatürliche Kräfte, die den Mensch
zum Herren erhöhen, und an unterirdische Mächte,
die ihn zur Bestie erniedrigen. In der Nachkriegs-
zeit haben mich Gobineau, Chamberlain, Spengler,
Rosenberg, Evola bestärkt. Die Anthroposoph[ische] u. Theo-
soph[ische] Bewegung, sowie die große Zahl von Sekten
sind ein Zeichen dafür, daß Niemand mit der ihm
gelehrten Religion zufrieden ist u., der Stützung be-
dürftig, jede Prophetie gierig ergreift, die ihm Erlö-
sung von seinen Seelenängsten verspricht.


Meine Kinder ließ ich christlich erziehen. Irgend eine
Religion braucht der junge, ja jeder Mensch, und ein
vollgültiger Ersatz des Christentums ist noch nicht da.
Alle Versuche hierzu, die heute allenthalben aufflak-
kern, sind [gestrichen: abwegig; über der Zeile eingefügt: unzulänglich]. Aber ein Feuer ist entzün-
det, aus dem einmal die Flamme schlagen wird.


Man sollte aus einer Kirche austreten, der man schon
längst nicht mehr angehört, die ja als Nationalkirche
säkularisiert bestenfalls eine sozialmoralische An-
stalt darstellt zu Gunsten des Staates. Man scheut
sich davor, mehr aus feudalen, gesellschaftlichen Gründen, []
als aus seelischen. Es fehlt Zivilcourage!


Es wurde mir am 70. Geburtstag von Menschen
gesagt, mit ihm begänne die Zeit der Rückblicke,
des Verzichts. Nach meiner Erfahrung ist nicht
das 70te, sondern das 60te Jahr der entscheidende
Wendepunkt, ob man alt wird, oder jung bleibt.
Verpaßt einer die Wende, so erlebt er die 70 nur
als Greis. Nutzt er sie aus, bleibt er jung auch
über die 70 hinaus. Unser im 60ten Jahr begon-
nener Hausbau, die Gärtnerei, unser nahes Ver-
hältnis zur Natur, zu Blumen und Tieren,
[über der Zeile eingefügt: die Betätigung in allen Künsten,]
das Mitgehen mit der heranwachsenden Jugend,
die Liebe zur bewährten Frau und zu aller
weiblichen Schönheit – das alles machte mich
zum jugendlichen Siebziger.


Das dritte Reich hat das Führerprinzip gebracht,
d. h. wiedergebracht, das ja im Soldatenberuf nie
verloren war. Es gebieten noch lange nicht überall
die an Kraft u. Autorität Überragenden. Die Suche
nach Solchen geht mit einer systematischen Erziehung
zur Führerschaft Hand in Hand. Das hat zur Folge:
Absonderung, Abstand zwischen Höheren u. Niederen;
kein Durcheinandermengen, sondern Neuschaffung
von Klassen: Individualität anstelle Kollektivität.
Es ist unausbleiblich, daß diese Entwicklung zu einer []
Aristokratie führt, einem neuen Adel. Der ober-
ste Führer hat ja jetzt schon die Macht, die Funk-
tion, die Glorie eines Königs. In der nächsten
Generation wird er den Titel tragen, die Höhen-
schichtung wird sich ausbauen und vollenden.
Bis dahin sind auch vielleicht alle Demokratien
aus der Welt verschwunden.


Im Sommer 1936 fanden die Olympischen Spiele
in Berlin statt. Sie enthalten einen gesunden
Kern; in ihrer jetzigen Fassung halte ich sie für
einen Rummel, der mit Kultur wenig zu tun
hat. Sie wurden politisch aufgezogen. Der poli-
tische Zweck, der Völkerfriede, wurde nicht erreicht,
trotz phantastischer Organisation, trotz der Ro-
mantik bei Beginn u. Schluß, dem Fackellauf,
der Flamme, der Glocke. Die Millionen [über der Zeile eingefügt: der] Völker sind
Andere, als die politischen Führer der Staaten.
In der Politik sind Reden, Versprechungen, Dro-
hungen untaugliche Mittel; es gilt nur Gewalt
u. Lüge. Die Internationalität der Spiele ist
ein Hindernis, nicht Förderung der olympischen
Idee, die immer national begründet war. Zur
Wertung sportlicher Leistungen ist ein inter-
nationaler Maßstab problematisch, für musi-
schen Wettkampf ganz unmöglich. Kultur []
ist an eine völkische Einheit gebunden, mindestens
von Völkergruppen. Wie will man einheitlichen Maß-
stab finden für z. B. japanische u. deutsche Malerei,
indische u. italienische Dichtkunst, französische u. finn-
ländische Musik? Hier scheiden sich die Geister. Man wird
zwangsläufig entweder sich auf Sport allein beschrän-
ken, wobei Frauen, diese amazonischen Zwitter, aus-
zuschalten sind, oder zur Erkenntnis kommen, daß es
Olympia nur geben kann getrennt für Europa, für
Asien, für Amerika. Eine Weltkultur gibt es nicht.
Olympia XII in Tokio ist eine Verirrung – die vielleicht
die Augen öffnen wird.

[]

[nachträglich überklebter Passus:
Ich war mit allen meinen Bekannten des
Glaubens, daß Hitler seine offenbar großen Erfol-
ge auf allen Gebieten der Innenpolitik durchgeführt
habe auf Grund eines Idealismus, ohne Selbstsucht u.
Ueberheblichkeit. Wieviel Grausamkeit, Unterdrückung,
Schauspielerei, ja wahnsinniger Herrschsucht bei sei-
nen diktatorischen Befehlen schon damals mitgespielt
haben u. von unfähigen Beamten befolgt wurden,
war uns unbekannt.] []
[gestrichener Text unter der Überklebung: Im September war der 4. Reichsparteitag. Er zeigte
den Führer als ein Genie an Schöpferkraft, Vielseitig-
keit, Wille u. Mut. Der große Staatsmann kündigt
sich an. Erstaunlich u. bei einem Diktator geschicht-
lich noch kaum dagewesen ist, daß er geliebt wird,
u. daß er gegen Größenwahn gefeit zu sein scheint
obwohl seine Machtmittel größer sind, als sie je ein
Kaiser u. König besaß.]


Die neue Zeit schafft neue Typen. Der Typ Mann ist
wesentlich soldatisch bestimmt, Ehre u. Staatsbewußtsein
seine Merkmale. Es verschwinden: der Junker, der Bör-
sianer, der Spekulant, der Kosmopolit, der Subalterne.
Es fehlen: der Kavalier und der Mäzen.

[]


Auch der Frauentyp wandelt sich. Er führt zum
Urbild, zur Ehefrau u. Mutter vieler Kinder.
Kameradschaftsehe ist Atopie; Kameradschaft gibt
es nur zwischen Männern. Es verschwinden: die
Ballkönigin, die Kommandeuse, die Sportdame,
die intrigante Kokette, die Vereinspräsidentin,
die ästhetischen Salons, alle verlogenen Vorbilder
der angelsächsischen Welt. Es fehlt die Dame.


Nachdem ich im Sommer [19]35 in Freuden[gestrichen: berg; über der Zeile eingefügt: stadt]
in der reinen dünnen Luft der Schwarzwaldhöhen
Erholung gefunden, begeisterten mich 1936 in
Oberstdorf i[m] Allgäu die unbeschreiblichen Schönhei-
ten der bairischen Alpenwelt. Dort war ich im
Posterholungsheim vorzüglich untergebracht; hier
fand ich im Landhaus Hoyer, dem Malerbruder
der Frau v. Stosch, angenehme Aufnahme. ei-
de Male war ich allein. Getrennter Urlaub, je-
der der Gatten für sich – Maria war jedesmal
in Kiel bei Sohn u. Enkel – hat, handelt es sich
um Gesundheit, nicht Vergnügen, sicher Vorzüge.
Beide kehren zurück: männlicher, weiblicher
als zuvor, erkennen das Entbehrte und lieben
sich aufs Neue.

[]
Professor Hoche meint in seinem Buche Lebens-
ringe, die meisten Lebensbeschreibungen endeten
mit pessimistischen Gedanken, in Menschenverach-
tung oder gar Haß. Es ist richtig, die meisten
Menschen machen mehr häßliche Erfahrungen, als
schöne, lernen mehr schlechte Menschen kennen, als
gute, machen mehr Dummes, als Kluges, haben mehr
Unglück, als Glück gehabt.


In der Erinnerung blieb bei mir von Allem das
Positive haften, das Negative ging meist schnell
vergessen. Diesen Optimismus erbte ich von Mutter
und vom Vater, wie ich überhaupt im Äußeren u.
Inneren, in Charakter und Begabung alles von
beiden Eltern in mir trage, in einer Vereinigung,
die fast zuviel für einen allein ist, daher das Ein-
zelne, durch Vielseitigkeit jeweils erdrückt, weni-
ger zur Geltung kam, als bei einseitig Begab-
ten. Der mütterliche Idealismus erfuhr in mir
stets die harte Korrektur durch die reale Vernunft
des Vaters. Frühe Enttäuschungen u. Entbehrungen
waren mir erspart; es ging mir gut, ich war
gesund u. leistungsfähig und wurde verwöhnt.
Miserfolge in der Schule überwand ich schnell.
Trotzdem war ich, und bin es bis heute, nicht frei
von Minderheitsanwandlungen. Reifer geworden, []
lernt man sie zu verdecken, auch zu über-
winden.


Eindrücke der Umgebung wirkten stark auf
mich ein. Bis zum 20. Jahr an einem u. dem-
selben Ort, in alter kleiner Residenzstadt, in
entzückender Landschaft, umsorgt u. behütet
im Elternhaus. Später oft auf ländlichen Guts-
besitz, dann in der Großstadt immer wieder –
haben den Charakter bilden helfen. Aber auch
die Arbeit und die Poesie unseres elterlichen Gar-
tens, in dem im Sommer sich das halbe Leben ab-
spielte. Die frühe Beschäftigung mit den bilden-
den Künsten und sonderlich der Musik trug vieles
hinzu. Der Beruf schliff u. straffte ihn vollends
aus.


War der Offizier für mich die richtige Wahl?
Nicht die einzige – ich wäre derselbe geworden in
anderem Beruf auch bei noch so anderer äuße-
rer Lebensbahn – aber eine gute. Jedenfalls hat
er mir Befriedigung gebracht und Anerkennung.
Vielleicht hätte ich deren mehr wo anders gefunden,
vielleicht auch nicht. Ich habe mir nie darüber
ernste Gedanken gemacht; im Gegenteil daraus
die beglückende Zuversicht geschöpft, ich würde in
anderem Berufe auch meinen Mann stehen. []
Daß jeder Mensch, ohne aus Ermahnungen der
Eltern u. Belehrungen der Lehrer zu lernen, ohne
aus Geschichte u. Philosophie Nutzen zu ziehen, sei-
ne Dummheiten von Neuem machen muß, und
nicht einmal immer durch diese klug wird, das
mußte auch ich erfahren.


An Bildungsstoff fehlte es meiner Erziehung nicht;
ja es war sogar zuviel vorhanden. Ich konnte ihn
auch lange nicht ganz verdauen. Manches blieb
ganz bei Seite liegen, manches nahm ich erst spä-
ter wieder auf. Die Schule lehrte mich aber, wie
man lernt. Mich durch selbständiges Denken und
kritisches Urteilen zum Herrn des dem eignen We-
sen und meiner Begabung gemäßen Bildungs-
stoffes zu machen – zumeist nur durch Diskussion
erreichbar – ist mir erst recht spät geglückt, ob-
gleich es schon früh mein Vorsatz war, und als
solcher zuweilen wohl schon durchschimmerte.


Ebenso früh begann ich mich selbst zu beobachten.
Trotzdem habe ich, außer hingeworfenen Notizen,
Tagebuch nur im Krieg geführt. Aber in Briefen
u. gelegentlichen Aufsätzen versuchte ich mir über
Ereignisse des Tages, Selbsterlebnisse, Kunst u. Kul-
turfragen Rechenschaft schriftlich zu geben. Ohne sie
wäre es mir nicht möglich gewesen, meine Lebens-[]
geschichte zu schreiben.


Ueber den Wert des Lebens denkt Jeder ver-
schieden. Auch die Höhepunkte der Lebenskurven
schätzt Jeder anders ein, man selbst nicht
immer richtig. Meine Kurve stieg, so wie es
mir scheint, nur langsam, aber stetig unter
unbedeutenden Schwankungen. Sie stand bei
50 Jahren im Zenit – Regimentskommandeur
im großen Krieg – fiel alsdann – Nachkriegs-
zeit – und erreichte bei 60 Jahren einen zwei-
ten obwohl absolut niedrigeren Höhepunkt,
der auch bei der 70. sich noch nicht gesenkt
hat.


Die Lebensstufen – etwa alle 10 Jahre – zu
verwischen, ist falsch; jede hat ihr eigenes Ge-
sicht und soll es offen tragen. Alter und
Jugend bleiben ewig Gegensätze. Die Ju-
gend ist der ständige Motor, das Alter bedient
Bremse, bestenfalls Steuer. Die heutige Jug-
end ist so stark [über der Zeile eingefügt: offensiv], daß das Alter in die Defen-
sive gedrängt zu sein scheint. Hoche sagt:
Fühlung behalten mit der Jugend ist die
freundliche Verschleierung einer Stilwidrig-
keit. Er prägt das aktuelle Wort vom Verkehrs-
wert eines Menschen, der sich aus dem Mittel-[]
stück seiner Lebensstufen ergibt. Es könne
von den Wechseljahren des Mannes gesprochen
werden. Das Tragische im Alter ist nicht das
Altwerden, sondern das Jungbleiben.


Glück im Alter? Aber man kann wenig mehr
mit anfangen. Ewig junge, ebenso wie früh
alte Menschen sind unnormale Menschen.
Alles zu seiner Zeit, dann spielt es die richtige
Rolle.


Sinn und Zweck des Lebens? Nicht an Aufer-
stehung denken, an Himmel und Hölle, an Be-
lohnung und Bestrafung. Das sind alles Trost-
bilder, Hypothesen, Konstruktionen, von Men-
schen zu bestimmten Zwecken erfunden.


Es lebt und wirkt ein Gott; das sieht jeder Ver-
nünftige aus der Ordnung aller irdischen und
kosmischen Dinge. Dem Menschen ist aufgege-
ben, sich, seine körperlichen Eigenschaften und
geistigen Gaben so hoch wie möglich zu fördern
im Dienst eines Ideals und für das Fortbestehen
seiner Art. Er muß dabei sich bewußt sein, daß
er selbst urtümlich keine Einheit bildet, sondern
zusammengesetzt ist aus Gegensätzen, einer Viel-
falt von geistigen u. seelischen Elementen, die sich
widerstreiten. Aber es sind polare Kräfte, die, []
eingesetzt, sich gegenseitig nicht schaden,
sondern nutzen können. Es kommt darauf an,
das Gegensätzliche nicht herauszuwerfen,
vielmehr drinzulassen, beides miteinander
in Einklang zu bringen, das Nichtich und das
Ich. Der Mensch soll, wie G[ra]f Keyserling sagt,
sich akzeptieren so wie er ist, schlecht und
recht, und in sich den Kampf aufnehmen;
nicht einmal, sondern täglich und immer,
auch mit wechselnden Erfolgen. Kein Selbst-
betrug, keine Flucht vor sich. Generös sein,
anderen und sich gegenüber.


Werde, der du bist!


Darmstadt, September 1936 [] [leer]
1934

Goethe, Johann Wolfgang v. (1749-1832): „Gedichte. Ausgabe aus letzter Hand. Das Alter“, 1815

1935

Kräckmann, Karl Friedrich Wilhelm (* 1879), Sparkassendirektor (HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 30606)

1936

Steinberger, Gertrud geb. Griebel (* 1890), Witwe von Kurt Steinberger (1889-1933), Staatsanwalt, wohnhaft Moserstraße 14 (Adressbuch Darmstadt 1935, S. 341, StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 826/2))

1937

Steinberger, Else Jutta und Dietrich Kraft (* 1926) (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 826/2)

1938

Kröner, René (* 1911), Student (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 541/3)

1939

Handschuhmacher, auch Handschumacher, Heini (1907-1944), Schauspieler und Komiker (https://de.wikipedia.org/wiki/Heini_Handschumacher)

1940

Hahn, Bernhard v. starb am 19. September 1935 in Amsterdam

1941

Lindequist, Lili v. geb. v. Hahn starb am 3. Oktober 1935 in Braunschweig

1942

Darmstadt, Eichbergstraße 1 (Adressbuch Darmstadt 1935, S. 236)

1943

Strack, Christa geb. Wittich (1900-1993), Schwester Lisbet Lampe geb. Wittich (* 1902) und Bruder Dr. jur. Werner Wittich (1903-1997), Leiter der Buchdruckerei L. C. Wittich in Darmstadt

1944

„Mitteilungen aus der Vergangenheit der Familie v. Hahn zu Darmstadt“, niedergeschrieben von Friedrich v. Hahn, (1752-1951) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 1-3)

1945

Egloffstein, Hans Freiherr v. und zu (1894-1987), Oberst im großherzoglichen Artilleriekorps Darmstadt, Besitzer des Guts Egloffstein, Porträt: (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v6568218)

1946

Hanbury-Sparrow, Amélie geb. Bossart, verw. Cornelius (* 1902)

1947

Cornelius, Heinrich (* 1894), Dipl. Ing. (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 157/2)

1948

Cornelius, Beate (* 1928) und Peter Cornelius (* 1930) (StadtA Darmstadt, ST 12/18 Nr. 157/2)

1949

Hanbury-Sparrow, Allan, englischer Colonel

1950

Bossart, Adolffriedrich (Dolfried) (1904-1948), Kaufmann in Mecklenburg und Bayreuth

1951

Bossart, Auguste geb. Rudolphi heiratet 1933 Dolfried Bossart

1952

Bossart, Heinz (1905-1945), Rechtsanwalt in Neustrelitz, Volkssturm-Mann

1953

Deninger, Elisabeth (Lieschen) geb. Pistor (1854-1941)

1954

Hoffbaur, Maria geb. Deninger (1881-1960)

1955

Kleinig, Marlies geb. Hoffbaur (* 1913)

1956

Gerlach, Gerda v. geb. Hoffbaur (1912-2007)

1957

Kolbe, Emilie (Mila) geb. Pistor (1862-1945)

1958

Kolbe, Elisabeth (* 1885) und Schwestern Maria (1886-1913), Johanna (Hanni) Kolbe (* 1893) und Hildegard Kolbe (* 1895)

1959

Hahn, Friedrich v. (1896-1924), Oberleutnant a. D; Bruder Arthur v. Hahn (1905-1945), Oberpostrat, 1942 in Wien; Bruder Dr. phil. Walter v. Hahn (1909-1942), Privatsekretär in Marburg

1960

Hafgren-Waag, Lily (1884-1965), schwedische Opernsängerin (Sopran) (https://de.wikipedia.org/wiki/Lilly_Hafgren-Waag)

1961

Strohbach, Hans (1891-1949), Maler (https://de.artprice.com/artist/466576/hans-strohbach)

1962

Darmstadt, Stadtarchiv im Schloss, dann im Haus der Geschichte, Bestand ST 12/13 „Ständiger Rat zur Pflege der Kunst in Hessen“ (https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/s/staendiger-rat-zur-pflege-der-kunst-in-hessen.html)

1963

Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek im Schloss

1964

Wolfskehl, Otto (1841-1907), Bankier und Politiker (https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Wolfskehl)

1965

Bender, Hugo Dr. jur. (1863-1941), Rechtsanwalt und Notar, Justizrat (https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/Justiz_SchicksaleJuedischerAnwaelteInDarmstadt.htm)

1966

Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg beschränkten die Alliierten im Versailler Vertrag die Wehrhoheit des Deutschen Reichs. Mit der Bekanntgabe des Wehrgesetzes vom 16. März 1935 wurden die letzten Beschränkungen des Versailler Vertrags abgestreift und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zum 1. Oktober 1935 verkündigt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrhoheit)

1967

Als Rheinlandbesetzung wird die Stationierung von Truppenteilen der Wehrmacht in dem aufgrund des Friedensvertrags von Versailles entmilitarisierten Rheinland am 7. März 1936 bezeichnet. (https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinlandbesetzung_(1936))

1968

Die Thingbühne orientiert sich an antiken griechischen Amphitheatern. Die Sitzränge steigen mit der Entfernung von der Bühne zunehmend an, was der Akustik zugutekommt und die Bühne für Open-Air-Musikveranstaltungen prädestiniert, z. B. die Waldbühne, die im Zuge der Baumaßnahmen für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin nordwestlich des sogenannten Reichssportfelds errichtet wurde. (https://de.wikipedia.org/wiki/Thingplatz_(Thingbewegung))

1969

Denkschrift im Familienarchiv (Bestand O 59 v. Hahn) nicht überliefert

1970

Gästebuch von Hoxhohl (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 52)

1971

Die Aufzeichnungen über die Ballon-Fahrten sind im Familienarchiv v. Hahn (HStAD, O 59 v. Hahn) nicht überliefert.

1972

Die Bände mit den Opernbesprechungen sind im Familienarchiv v. Hahn (HStAD, O 59 v. Hahn) nicht überliefert. Überliefert sind Opern- und Konzertkritiken von Heinrich v. Hahn im Darmstädter Tagblatt, 1922-1934 (DV-Ausdrucke) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 146-158)

1973

Band V ist im Familienarchiv v. Hahn (HStAD, O 59 v. Hahn) nicht überliefert.

1974

Hahn, Lotte v. geb. Schmitt (1899-1964)

1975

Hahn, Margret v. geb. Michel (* 1912), Lehrerin in Bückeburg

1976

Hahn, Lore v. geb. Vollert (* 1913), heiratet 1944 in zweiter Ehe Kurt Keller in Gießen

1984

Evola, Julius (1898-1974), italienischer Kulturphilosoph und Kulturpessimist, Esoteriker und metaphysischer Rassentheoretiker. Evola entwickelte eine Adaption des Traditionalismus und wollte als pro-faschistischer spiritueller Rassist und Antisemit das italienische Mussolini-Regime und deutsche NS-Regime beeinflussen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Evola)

1985

Während der Zeit bis 70 n. Chr. gewann der jüdische Glaube an eine leibliche Auferstehung Bedeutung. Wichtige Textzeugnisse des Alten Testaments dafür sind bei (Dan, 12,3 EU) zu finden. Im Zentrum dieses Glaubens steht, dass Gott den Menschen beim Gericht entweder in das Paradies oder in die Hölle schickt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Judentum)

1986

Aligheri, Dante (1245-1351), italienischer Dichter, schuf als Hauptwerk die „Commedia“ (italienisch für „Komödie“), in späterer Zeit auch Göttliche Komödie genannt. Die Divina Commedia gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur und begründete gleichzeitig die italienische Sprache als Schriftsprache. Die Commedia schildert in der Ich-Form eine Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt, die zunächst durch die Hölle (Inferno) führt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Dante_Alighieri)

1987

Schopenhauer, Arthur (1788-1860), Philosoph, Autor und Hochschullehrer, der eine Lehre entwarf, die gleichzeitig Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik und Ethik umfasst. (https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Schopenhauer)

1988

Nietzsche, Friedrich Prof. (1844-1900), klassischer Philologe und Philosoph, Anhänger Schopenhauers. Wiederkehrendes Ziel von Nietzsches Angriffen war v. a. die christliche Moral und er gilt als Wegbereiter postmoderner philosophischer Ansätze. (https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche)

1989

Goethes persönliche Einstellung zu Religion und Christentum wird widersprüchlich interpretiert, er fand die Religion in der Natur (https://www.deutschlandfunk.de/goethe-und-sein-verhaeltnis-zum-christentum-100.html)

1990

Hölderlin, Friedrich (1770-1843), Lyriker. Hölderlin reflektierte in seiner Dichtung und in seinen Schriften Fragen nach der Bedeutung der Religion in der modernen Welt. (https://religionsphilosophischer-salon.de/12390_hoelderlin-ueber-kirchen-und-christentum-hinaus-in-die-mythen-griechenlands_denkbar)

1991

Beethoven war zeitlebens kein Kirchgänger und pflegte eine kirchenkritische Haltung. (https://www.deutschlandfunk.de/beethovens-verhaeltnis-zur-religion-der-glaube-an-ein-100.html)

1992

Gobineau, Arthur de (1816-1882), französischer Diplomat und Schriftsteller, der als einer der Begründer des rassistischen Denkens gilt, bekannt durch den „Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen“, 1853-1855 (https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_de_Gobineau)

1993

Chamberlain, Houston Stewart (1855-1927), in England geborener, deutschsprachiger Schriftsteller mit pangermanischer und antisemitischer Einstellung. Seine „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“ aus dem Jahr 1899 wurden zu einem Standardwerk des rassischen und ideologischen Antisemitismus in Deutschland. (https://de.wikipedia.org/wiki/Houston_Stewart_Chamberlain)

1994

Spengler, Oswald (1880-1936), Geschichtsphilosoph, Kulturhistoriker und antidemokratischer politischer Schriftsteller mit dem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“, 1918 und 1923 (https://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_Spengler)

1995

Rosenberg, Alfred (1892-1946), Politiker und führender Ideologe der NSDAP, der in zahlreichen rassenideologischen Schriften zur Verschärfung des Antisemitismus beitrug und im Nürnberger Hauptprozess als Hauptschuldiger der NS-Kriegsverbrechen angeklagt wurde. (https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Rosenberg)

1996

Als Anthroposophie bzeichnet man eine von Rudolf Steiner (1861-1925) begründete sprituelle und esoterische Weltanschauung.( https://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophie)

1997

Theosophie ist eine Sammelbezeichnung für mystisch-religiöse und naturphilosophische Denkansätze, die die Welt pantheistisch als Entwicklung Gottes auffasst. (https://de.wikipedia.org/wiki/Theosophie)

1998

Die Olympischen Sommerspiele 1940, offiziell Spiele der XII. Olympiade genannt, sollten ursprünglich vom 21. September bis 6. Oktober in Tokio stattfinden. Aus innenpolitischen Gründen gab Tokio im Juli 1938 das Recht der Austragung offiziell an das Internationale Olympische Komitee zurück. Als neuer Austragungsort wurde Helsinki bestimmt, aber wegen des Zweiten Weltkrieges konnten die Spiele letztendlich nicht ausgetragen werden. Die nächsten Olympischen Sommerspiele fanden erst nach dem Krieg im Jahr 1948 in London statt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1940)

1999

4. Reichsparteitag „Reichsparteitag der Ehre“ vom 8. Bis 14. September 1936. Die Rheinlandbesetzung stellte in den Augen der NSDAP die deutsche Ehre wieder her. (https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsparteitag)

2000

Hoyer, Hermann Otto Prof. (1893-1968), Maler, NSDAP-Mitglied und Mitglied der Waffen-SS (https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Otto_Hoyer)

2001

Hoche, Alfred Prof. (1865-1943), Psychiater, Neuroanatom und Neuropathologe, Kritiker Sigmund Freuds, v. a. bekannt als Mitverfasser der Schrift „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ (1920), galt als Wegbereiter der organisierten Massenvernichtung in der NS-Zeit, Verfasser des Buches „Jahresringe. Innenansicht eines Menschenlebens“, München 1934. (https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Hoche)

2002

Manuskripte "Mein Leben / 1866-1936" von Heinrich v. Hahn: Band II / Der Krieg / 1914-1918 / Erlebnisse und Erfahrungen (287 Seiten) (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 49)

2003

Briefe von Heinrich v. Hahn haben sich im Familienarchiv O 59 v. Hahn nur fünf erhallten (HStAD, O 59 v. Hahn Nr. 44, 46 und 109)

2004

Alfred Hoche, Die Wechseljahre des Mannes, Springer, Berlin 1928