Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, uarmstadt. Rheinstraße 23. Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 152 öeffiföe Jieuefie Donnerstag, 28. Dezember 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1.39 25. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr 3 v. 1 7. 1950. P R OF. £ N U M M E M Preis 15 Pfennig *

Nicht auf deutsche Kosten

Oberkommissar McCloy zur Frage einer Ost-West-Einigung

Frankfurt a. M., 27. Dezember, (dpa) Oberkommissar McCloy versicherte am Mittwoch in Frankfurt vor der Presse, daß eine Ost-West-Einigung auf einer etwaigen Viererkonferenz keinesfalls auf Kosten Deutschlands zustande kommen werde.

Der Westen habe politisch und wirtschaftlich im Bundesgebiet so viel investiert, daß allein aus diesem Grunde Deutschland nicht aufgegeben werde. Die westlichen Alliierten würden Deutschland nicht verkaufen und außerdem niemals zulassen, daß Deutschland zu einem kommunistischen Satelliten wird.

Der Oberkommissar betonte erneut, daß niemand die Deutschen zwingen wolle, sich an der Verteidigung Westeuropas zu beteiligen. Die Bundesregierung sei auch nicht vor die Alternative gestellt worden, die Brüsseler Beschlüsse im ganzen anzunehmen oder abzulehnen. Es gebe viele Gebiete, auf denen künftig fruchtbare deutsch-alliierte Verträge geschaffen werden könnten.

Die Beiträge Deutschlands auf dem Gebiet der Rüstung seien grundsätzlich sowohl technisch als auch durch Sicherheitserwägungen begrenzt. Die Alliierten möchten, daß die Bundesrepublik die eine Verpflichtung eingeht, nämlich knappe Materialien .nach Gesichtspunkten des allgemeinen Bedarfs bereitzustellen. Dabei werde aber keinem mehr zugemutet, als er leisten könne. Eine Beteiligung Deutschlands als gleichberechtigter Partner bei der Verteidigung ergebe sich automatisch aus der Verpflichtung der Alliierten, jedem Angriff auf die Bundesrepublik oder Berlin als einen Angriff auf sich selbst anzusehen.

Umzug nach Bonn

Bonn, 27. Dezember. ' (NWDR) Die amerikanische Oberkommission wird in nächster Zeit von Frankfurt in den Raum der Bundeshauptstadt übersiedeln.

Dr. Adenauer erklärte, daß die für die amerikanische Oberkommission erforderlichen Bauten in Bad Godesberg beschleunigt fertiggestellt würden. Der Bundeskanzler fügte hinzu, daß die Umsiedlung der amerikanischen Oberkommission an den. Sitz der Bundesregierung einen Schritt weiter auf dem Wege zur Souveränität des Bundes darstelle.

Vorzeitiges Marshallplan-Ende?

Washington, 27. Dez.ember. (dpa) Amerikanische Regierungsbehörden arbeiten gegenwärtig an einem Plan zur Beschleunigung der europäischen Aufrüstung, der den Marshallplan mit dem Militärhilfsprogramm der USA verbinden soll.

In Washington wird angenommen, daß der Marshallplan im Falle der Billigung des vorgesehenen Programms durch den Kongreß bereits 1951, also ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen, zu Ende gehen wird.

Kriegsgefangene schreiben wieder

Zahlreiche Briefe aus Sowjetrußland eingetroffen

Erlangen, 27. Dezember, (dpa) In den Weihnachtstagen traf aus den verschiedensten Lagern in der Sowjetunion wieder Kriegsgefangenenpost ein. Das evangelische Hilfswerk für Internierte und Kriegsgefangene in Erlangen teilte mit, daß in einzelnen- Fällen Gefangene geschrieben hätten, von denen zwei bis drei Jahre keine Nachricht gekommen war. Alle Kriegsgefangenen hätten den Empfang von Heimatpost und Päckchen bestätigt, die im Laufe des Jahres ab geschickt worden waren. Die Nachrichten aus den Lagern besagten, daß die Gefangenen jetzt wieder Schreiberlaubnis hätten und Post und Pakete empfangen dürften.

Das Hilfswerk schließt aus der Zahl der eingegangenen Mitteilungen, daß die Postsperre für die Kriegsgefangenen in der Sowjetunion generell aufgehoben worden ist.

Funktionär gehenkt

Berlin, 27. Dezember. (AP.) An der Zonengrenze zwischen Berlin-Wannsee und Babelsberg wurde im Wald ein Parteifunktionär der Sozialistischen Einheitspartei aus Potsdam erhängt aufgefunden. An dem Toten war ein Schild mit der Aufschrift befestigt: „Das ist der erste.“

Außergewöhnlich starke Schneefälle

Seit 100 Jahren keine so reichen Niederschläge im Dezember / In Hessen bis zu 50 cm Schnee

Frankfurt a. M., 27. Dez. (AP.) In Süddeutschland wurden über die Weihnachtsfeiertage nach Meldung des Frankfurter Wetteramtes für die Jahreszeit außergewöhnlich starke Schneefälle verzeichnet.

Vor allem in Nordbayern, Württemberg-Baden und Hessen fiel bis in die Niederungen 25 bis 30 Zentimeter Schnee, eine Erscheinung, die seit Beginn verläßlicher Wetterbeobachtung im Jahre 1852 im Dezember noch nicht beobachtet wurde. Im Rhein-Main-Gebiet, das für sein mildes Klima bekannt ist, liegt bis zu 36 Zentimeter Schnee.

Die Schneefälle, die am Mittwoch stark nachgelassen haben, werden von einer Kaltluftströmung aus nordöstlicher Richtung abgelöst, so daß nach Ansicht des Wetteramtes bis zum Ende der Woche mit keinem Tauwetter gerechnet werden kann. Sollte die östliche Luftströmung andauern, könne mit einem äußerst kalten und langen Winter gerechnet werden.

Die Wintersportmöglichkeiten sind im gesamten Schwarzwaldgebiet und dem hessischen Mittel-Taunus gut. lip Schwarzwald liegt in den Höhenlagen bis zu 1,5 Meter, in Hessen in 800 Meter Höhe 50 Zentimeter Schnee. In Oberbayern, der Schweiz und im gesamten norddeutschen Flachland waren dagegen die Schneefälle in den letzten Tagen nur gering.

Schneeverwehungen

Teilweise starke Verkehrsbehinderung

Koblenz, 27. Dezember, (dpa) In Rheinland-Pfalz liegt der Schnee fast allgemein über 15 cm hoch. Die Straßenverwaltung Rheinland-Pfalz in Koblenz meldet am Mittwoch starke Schneeverwehungen auf der Bundesstraße 40 Mainz — Kaiserslautern, der Bundesstraße 41 Birkenfeld — Idar-Oberstein, im Raum Baumholder — Lauterecken, im Glan-Nahegebiet, im Raum Simmern, auf der Bundesstraße 51 bei Prüm und der Bundesstraße 54 bei Rennerod. Der Verkehr ist zum Teil stark behindert. Auch auf der Autobahn Köln — Frankfurt und Frankenthal — Kaiserslautern liegt mehr als 15 cm Schnee, der den Verkehr stellenweise behindert.

Noch immer abgeschnitten

Köln, 27. Dezember, (dpa) Viele Dörfer im Höhengebiet der Eifel, besonders in der Schnee-Eifel, sind noch immer durch starke Schneeverwehungen vom Verkehr abgeschnitten. Lebensmittel und Verbrauchsgüter müssen mit Handschlitten an die Dörfer herangebracht werden. Die Höhenstraßen sind an vielen Stellen unpassierbar.

Wieder normale Beziehungen

Hamburg, 27. Dezember, (dpa) Die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen verschiedenen Westmächten und Spanien steht unmittelbar bevor. In Washington, London und Stockholm wurde mitgeteilt, daß wieder diplomatische Vertreter nach Madrid geschickt werden sollen. Aus der spanischen Hauptstadt wird eine Bekanntgabe über die Entsendung eines spanischen Botschafters nach Washington’ erwaftet.

Das Weiße Haus gab bekannt, daß Stanton Griffis zum neuen amerikanischen Botschafter ernannt werde. Die amerikanische Regierung hat der spanischen Regierung bereits ihr Agreement zu der Ernennung von Jose Felix Lequerica zum neuen Botschafter Spaniens in Washington erteilt.

Sanktionen gegen China?

Washington, 27. Dez. (AP.) Die Vereinigten Staaten ziehen gegenwärtig einen Plan zum wirtschaftlichen Boykott des kommunistischen China durch die Staaten der westlichen Welt in Erwägung.

Die Vereinigten Staaten sollen beabsichtigen, andere Nationen aufzufordern, sich ihrem Ausfuhrverbot gegen Rotchina anzuschließen.

Gleiche Pflichten, gleiche Rechte’.

Zinn über den deutschen Beitrag für Frieden und Sicherheit

Wiesbaden, 27. Dezember, (dpa) Im Rahmen einer Umfrage bei führenden westdeutschen Politikern, welchen Beitrag die Bundesrepublik zur Erringung von Frieden und Sicherheit leisten könne, nahm der hessische Ministerpräsident August Zinn wie folgt Stellung:

Wohl nur wenige Völker dieser Erde haben so sehr unter den Folgen des letzten Krieges gelitten wie das deutsche. Das deutsche Volk weiß, was Krieg bedeutet. Her Wille zum Frieden kann deshalb nireends stärker sein als in unserem Volke, nieser Wille ist der beste Beitrag, um Frieden und Sicherheit in der Welt zu fördern.

Wir Deutsche wissen zugleich mehr als manch anderes Volk, was ein System der Unfreiheit, des Terrors für die Menschheit mit sich bringt. Das deutsche Volk hat den Bolschewismus in der Nachkriegszeit schon zu einem Zeitpunkt abgelehnt, als ihn andere Völker noch als ihren Verbündeten feierten. Das deutsche Volk weiß mehr als jedes andere, daß man den Bolschewismus nicht allein mit der Waffe abwehren kann, sondern daß man ihm ein ideelles Bollwerk entgegensetzen muß.

Dazu aber gehört, daß man im eigenen Lande die wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen für ein Leben schafft, für das es sich zu leben lohnt und das wert ist, verteidigt zu werden. Dann wird das deutsche Volk zu jedem, den Frieden erhaltenden Beitrag bereit sein, der sinnvoll für die gesamte westliche Welt, aber auch für die eigene Zukunft ist. Sinnvoll ist aber nur ein Beitrag, der mit gleichen Pflichten gleiche Rechte verknüpft und dem deutschen Volke die Gewähr gibt, daß andere Nationen das deutsche Volk für ebenso verteidigungswürdig halten wie sich selbst.“

450 000 Chinesen angriffsbereit

Die kommunistischen Bereitstellungen am 38. Breitengrad

Tokio, 27. Dezember. (AP./dpa) 450 000 kommunistische Soldaten sind in Mittelkorea entlang und hinter dem 38. Breitengrad für einen neuen Angriff auf die Verteidigungsstellungen der UN-Streitkräfte aufmarschiert.

Wie das Hauptquartier General Mac-Arthurs bekanntgab, stünden mit den an der mandschurischen Grenze zusammengezogenen rotchinesischen Divisionen den UN-Truppen mehr als 1,3 Millionen Mann gegenüber.

General Mac Arthur hat außerdem den Vereinten Nationen mitgeteilt, daß die chinesischen Kommunisten anscheinend die gesamte nordkoreanische Front übernommen hätten. Die Nordkoreaner seien zur Ausbildung nach der Mandschurei geschickt worden.

Die Kampftätigkeit in Korea war am Mittwoch auf den Einsatz stärkerer UN-Luftstreitkräfte beschränkt, die Truppenzusammenziehungen der Kommunisten unmittelbar nördlich des 38. Breitengrades pausenlos angriffen. Bereits in der Nacht zum Mittwoch wurden die Abschnitte, in denen kommunistische Truppenkonzentrationen festgestellt worden sind, bei klarem Mondschein schwer bombardiert.

Der neue Oberbefehlshaber der amerikanischen achten Armee, Generalleutnant Ridgway, verfügt nach Eintreffen des zehnten Korps aus dem Hungnam-Brükkenkopf in Südkorea nunmehr über insgesamt 220 000 Mann. Höhere amerikanische Offiziere in Tokio vertreten die Ansicht, daß die UN-Streitkräfte dank der unbestrittenen Luft- und Seeherrschaft und ihrer starken Ueberlegenheit an Panzern und Artillerie im äußersten Fall dem Ansturm von zehn Millionen Chinesen in dem alten Brückenkopf Taegu-Pusan auf unbegrenzte Zeit standhalten könnten.

Türkische Freiwillige

Istanbul, 27. Dezember, (dpa) Bei den türkischen Behörden haben sich bisher rund zehntausend Freiwillige für Korea gemeldet. Unter ihnen gibt es Jugendliche, die noch nicht militärdienstpflichtig sind, und Veteranen des ersten Weltkrieges. Auch zehn Abgeordnete sollen sich als Korea-Freiwillige gemeldet haben.

Wieder ein Grenzzwischenfall

Belgrad, 27. Dezember. (AP.) Bei einem neuerlichen Zwischenfall an der rumänisch-jugoslawischen Grenze ist nach einer Meldung des Belgrader Rundfunks ein rumänischer Soldat, der sich auf jugoslawischem Gebiet befand und auf einen Anruf nicht geantwortet hatte, erschossen worden.

Ehre verloren?

O Der amerikanische Oberkommissar McCloy suchte gestern das in Deutschland immer wieder vorgebrachte Argument zu entkräften, daß zunächst die Ehre der deutschen Soldaten wiederhergestellt werden müßte. Er glaubte, es mit dem Hinweis tun zu können, ihm sei nicht bekannt, daß gute deutsche Soldaten ihre Ehre verloren hätten. Hier werden die Probleme etwas verschoben, wenn dabei auch der Wille zur Aussöhnung nicht verkannt wird. Es ist richtig, daß der Soldat, der nichts anderes als seine schwere Pflicht getan und sie in so großer Anzahl mit dem Tode oder dem Verlust seiner Gesundheit besiegelt hat, vor sich selbst nie seine Ehre verlor. Aber — und das ist die andere, viel wichtigere Seite — die Ehre ist ihm in den verschiedensten Formen genommen worden.

Der deutsche Soldat wurde, als die Waffen schwiegen, nicht nur entrechtet, so daß viele aus bitterer Not keinen anderen Ausweg mehr wußten, als ihrem Leben ein Ende zu machen. Was jedoch die Soldaten, ihre Frauen und Kinder, an Diffamierungen aller Art über sich ergehen lassen mußten, haben wir in frischer Erinnerung und sind täglich Zeugen davon. Ungezählte wurden seinerzeit als „Kriegs- Verbrecher“ bezeichnet und zu härtesten Strafen verurteilt. Nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland sind Männer und Frauen aufrechten Charakters in einer anständigen Haltung bis zur Stunde nicht müde geworden, auf die unhaltbaren Zustände hinzuweisen und Bittgesuche einzureichen, in denen um Nachprüfung der Kriegsverbrecher-Verfahren und um Amnestie zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit gebeten wurde. Warum warten noch heute deutsche Soldaten in Gefängnissen des westlichen Auslandes auf ihre Aburteilung? Der verhängnisvolle Begriff der Kollektivschuld treibt immer hoch da und dort sein gefährliches Unwesen. Wieso werden auch in unseren Tagen Auslieferungen vorgenommen und die Beschuldigten deutschen Gerichten entzogen?

Kein Zweifel kann darüber bestehen, daß wirkliche Verbrecher vor ein ordentliches Gericht gestellt werden sollen und müssen. Aber diese sind Ausnahmen, die überall vorkommen. Die Zeit des Hasses, die das Urteil trübt und fälscht, müßte längst abgelaufen sein. Das begangene Unrecht ist durch Taten aufzuwiegen, damit die zwar nicht verlorene, aber geraubte Ehre des deutschen Soldaten wiederhergestellt wird. Die Gerechtigkeit verlangt es — und die politische Lage.

„Wenn Deutschland niest..

Von Reinhold Zenz

Ein amerikanischer Korrespondent erinnerte während der Brüsseler Konferenz an ein Wort Bismarcks, wenn Deutschland niese, bekomme die ganze Welt Schnupfen. Dieser Vergleich war in der Zeitspanne berechtigt, in der Deutschland zu den Großmächten zählte. Von der Reichsgründung durch Bismarck an bis zur Vernichtung des Reiches durch Hitler hat Deutschland recht häufig geniest und die ganze Welt bekam davon einen Schnupfen. Deshalb wurde es auch nach dem Zusammenbruch isoliert und unter Quarantäne gestellt. Man glaubte, damit sei der Schnupfen endgültig ausgerottet und die Beziehungen zwischen den Völkern würden in keiner Weise mehr gestört werden. Es kam anders. Heute kann man sagen, daß die ganze Welt Schnupfen hat und deshalb erwartet, daß auch Deutschland niese. Es verspürt selbst keinen Anreiz dazu. Daher kitzeln ihm die Westmächte aufmunternd die Nase, Moskau dagegen hebt drohend den Finger: „wehe dir, wenn . . .“

Kampf gegen die Uhr

Die Vereinigten Staaten haben den nationalen Notstand erklärt. Sie wollen in ihren Rüstungsindustrien zwei und drei Schichten einführen, damit möglichst schnell Waffen für alle freien Nationen geliefert werden können, die von einem Vormarsch der Bolschewisten bedroht sind. Wer soll sie bedienen? General Eisenhower ist zum Oberbefehlshaber der Atlantik-Armeen ernannt worden, aber die Divisionen, die man ihm unterstellt hat, stehen vorläufig noch auf dem Papier, sowohl diesseits wie jenseits des großen Teiches. Außenminister Acheson hat dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats vorgerechnet, bis zum Jahre 1953 würden die Atlantikpakt-Mächte eine Armee in Stärke von drei Millionen Mann auf gestellt haben. Noch schreiben wir Ende 1950. Und es scheint nicht einmal sicher, wie hoch man Achesons Wechsel auf die Zukunft diskontieren kann. Es wäre beruhigend, wenn man wüßte, wie weit die Russen sind und ob sie ruhig abwarten werden, bis ein Gleichgewicht der Kräfte ihnen jede Chance der Ueberraschung genommen hat. Die Ungewißheit über die russischen Absichten ist das große X in allen Berechnungen. Und darum führen die Westmächte, wie ein Politiker ausgeführt hat, einen Kampf gegen die Uhr. Die Atlantikmächte befinden sich in Zeitnot. Selbst Truman hat an den Weihnachtstagen erklärt, Zeit sei das, was Amerika brauche und um sie kämpfe es im Augenblick.

Der deutsche Minimax

Obwohl sich in Korea gezeigt hat, welche Wucht der rücksichtslose Einsatz von Menschenmassen aus den unerschöpflichen Reserven Asiens besitzt, darf man weiterhin auf einen Ausgleich durch überlegene technische Mittel vertrauen. Dafür spricht die Evakuierung von 105 000 Soldaten und 100 000 Flüchtlingen aus dem bedrängten nordkoreanischen Brückenkopf Hungnam. Um Waffen zu bedienen, müssen aber genügend technisch ausgebildete Truppen vorhanden sein. Diese sind bei den Westmächten vorläufig noch rar. Es war zuerst Amerika, das auf den Gedanken kam, deutsche Truppen mitheranzuziehen. Deutschland ist einer der größten Gefahrenpunkte. Feuer breitet sich nicht aus, hast du Minimax im Haus. Die Deutschen selbst als Minimax — ein alle bisherigen Grundsätze umwerfender, aber ein verständlicher Gedanke. Er läßt sich nur nicht im Handumdrehen verwirklichen. Die Deutschen zeigen sich gegen alle Erwartung gar nicht beglückt darüber, daß sie sich in erster Linie als Feuerlöscher einsetzen sollen. Die Franzosen sind ebensowenig einverstanden. In den Deutschen sehen sie immer noch eine unmittelbarere Bedrohung, als in den Russen. Sie befürchten, in einem deutschen Minimax könne sich plötzlich etwas anderes befinden, als eine Schaumlöschmasse und diese könne unversehens nach der verkehrten Seite losgehen. Daher verlangen sie einen doppelten und dreifachen Sicherheitsverschluß. Völlig ungehalten sind die Russen. Für sie darf es deutsche Soldaten überhaupt nicht mehr geben, es sei denn, wie in der Sowjetzone, als russische Hilfstruppe. Als Minimax in der Bundesrepublik? Nicht auszudenken. Also haben die Russen ganz entschieden Protest gegen einen deutschen Minimax eingelegt mit dem nicht mißzuverstehenden Bemerken, sie würden es nicht dulden, daß die Westmächte sich seiner bedienten. Was sollen nun die Deutschen tun?

Kein Verhandlungsobjekt

Die Entscheidung fiel den Deutschen besonders schwer, so lange sie nicht einmal von den Westmächten genau wußten, wo sie daran sind. Während diese nämlich schon mit deutschen Stellen die technischen Vorbereitungen über einen Wehrbeitrag führten, ließen ausländische Zeitungen durchblicken, es sei ihnen immerhin lieber, wenn man mit den Russen zu einer Vereinbarung gelangen könne, die eine Aufstellung deutscher Verteidigungskräfte unnötig mache. Man hoffe, die Vierer-Konferenz mit den Russen werde die Möglichkeit dazu bieten. Betonen die Ostblock-Staaten nicht bei jeder Gelegenheit ihre Bereitschaft zum Frieden? Hat nicht Wyschinski in Lake Success nochmals erklärt, es gäbe keine Veranlassung zu der Annahme, die bolschewistischen Staaten und die freien Nationen könnten nicht friedlich nebeneinander leben? Gewiß sollte das möglich sein, sobald man sich über einige Streitpunkte gütlich verständigt hat. Damit eine Verständigung erzielt werden kann, ist aber ein guter Wille notwendig, den berechtigten Forderungen des Verhandlungspartners entgegenzukommen, soweit es die eigenen Interessen gestatten. Dazu scheint Rußland wenigstens vorerst noch nicht gewillt zu sein. Im Auftrag des Kremls hat der chinesische Außenminister Waffenstillstandsverhandlungen in Korea abgelehnt, da zuvor die weitgehenden chinesischen Forderungen erfüllt sein müßten. Im gleichen Auftrage des Kremls hat Wyschinski auf seiner Rückfahrt nach Moskau in Paris erklärt, eine Aenderung der sowjetischen Haltung zur Frage der Wiederbewaffnung Deutschlands komme nicht in Frage. Das heißt mit anderen Worten, wenn sich Rußland mit den Westmächten zu einer Vierer-Konferenz zusammensetzt, dann will es einen deutschen Wehrbeitrag ein für allemal verhindern, indem es eine Wiedervereinigung Deutschlands auf Grund jener Prager Beschlüsse fordert, durch die letztlich die Bundesrepublik dem sowjetischen Einfluß geöffnet werden soll. Grotewohl versucht wiederholt einen Druck auf die Bundesregierung auszuüben, um eine solche Ent- Wicklung noch den Viermächtebesprechungen vorausgehen zu lassen. Könnten aber die Westmächte bei Verhandlungen eines lieben Scheinfriedens willen die Hoffnung auf deutsche Soldaten und damit die ganze Bundesrepublik preisgeben?

Außenminister Acheson hat ebenso wie McCloy eine Preisgabe Deutschlands jedoch weit von sich gewiesen. Nach britischen Versicherungen ist auf der Brüsseler Konferenz der feste Entschluß gefaßt worden, sich keinem Drude zu beugen, die Interessen des deutschen Volkes ebenso zu vertreten, wie die irgendeiner freien Nation und diese Interessen. niemals zu opfern. Das klingt beruhigend. Aber es macht durchaus nicht eine Sicherungsgarantie überflüssig, die von der Bundesregierung gefordert wird. Und auch eine solche dürfte den Deutschen kaum dazu genügen, die Rolle des Minimax in der Bundesrepublik zu übernehmen, solange keine Gewähr dafür besteht, daß die Russen sich mit dieser Tatsache abflnden. Unseres Niesens willen sollen die Mächte nicht noch weiter verschnupft werden als sie es schon sind. Der römische Geschichtsschreiber Sueton verzeichnet einen klugen Ausspruch des Kaisers Augustus: „Die, welche einem kleinen Gewinn mit Gefahr eines großen Verlustes nachjagen, gleichen Leuten, welche mit einem goldenen Angelhaken angeln. Reißt dieser ab, so ist ja sein Verlust durch keinen Fang zu ersetzen.“ Damit wollen wir der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Russen sich bei einer Viererkonferenz doch nicht unnachgiebig zeigen und sich lieber mit einem deutschen Minimax einverstanden erklären, als die Gefahr eines offenen Konflikts mit den Westmächten heraufzubeschwören.

Knapp ein Zentner Kohle im Januar

Essen, 27. Dezember, (dpa) Die angespannte Lage in der Kohlenversorgung für den Hausbrand und die übrigen Kleinverbraucher wird nach einer Mitteilung des Zentralverbandes des Kohlen-Einzelhandels auch im Januar anhalten. Es werde noch nicht einmal ein Zentner Kohle pro Haushalt zur Verfügung stehen.

Kein Verbot der Lichtreklame

Wiesbaden, 27. Dezember, (dpa) Im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen wird in Hessen gegenwärtig nicht erwogen, die Lichtreklame in den Städten wegen der Kohlenknappheit zu verbieten. Wie ein Regierungssprecher in Wiesbaden mitteilte, ist der Stromverbrauch für die Schaufensterbeleuchtung so minimal, daß er praktisch nicht ins Gewicht fällt.

Der Gießener Pfarrer-Konflikt

Flugblatt gegen die Lukas-Gemeinde

Gießen, 27. Dezember, (dpa) Dekan Karl Schmidt in Gießen hat in einem Flugblatt an die dortige Lukasgemeinde die Frage gerichtet, ob sie sich „zu willfährigen Handlangern jener politischen Machenschaften hergeben wolle, die sich immer unverhüllter gegen den Kirchenpräsidenten wenden“. Die Gemeinde liegt seit vier Wochen wegen der Versetzung ihres Pfarrers Kurt Goetze nach Nidda mit dem Kirchenpräsidenten in Fehde.

Heinkelwerke in Südafrika

Johannesburg, 27. Dezember, (vwd) Die „Mercantile Acceptance Corporation of south Africa1 hat von Professor Ernst Heinkel, Stuttgart, die Alleinrechte für die Gründung und Errichtung von Heinkel-Werken in Südafrika, Ostafrika, Indien und Pakistan erworben.

Zwei deutsche Spezialisten werden zu Beginn des neuen Jahres Südafrika besuchen, um die Errichtung des südafrikanischen Werkes vorzuberöiten. Später werden Gesellschaften gleicher Art in Ostafrika, Indien und Pakistan gegründet werden.

Was ist erreicht? - Was noch zu tun?

Bundespräsident und Kabinett äußern sich zum Jahreswechsel

Bonn, 27. Dezember, (dpa/AP.) Bundespräsident Prof. Heuss, Bundeskanzler Dr. Adenauer und die Mitglieder des Bundeskabinetts äußerten sich' zum Jahreswechsel befriedigt über die im ablaufenden Jahr geleistete Arbeit, betonten aber übereinstimmend, daß die schweren Aufgaben des kommenden Jahres noch größere Anstrengungen erfordern werden.

Bundespräsident Prof. Heuss:

„Der deutsche Beitrag zu dem Weltgespräch über eine gesicherte Ordnung der zwischenstaatlichen Beziehungen kann nur in dem festbegründeten Argument einer überzeugungskräftigen Sachlichkeit beruhen.

Kein Volk ist so wie das deutsche an der Erhaltung des Friedens interessiert. Es weiß aber zugleich, daß dieser Frieden seine Gewähr in der Sicherung jener Freiheit findet, die jeder jedem zuerkennt.“

Der Bundeskanzler Dr. Adenauer:

„Das Jahr 1950 war für die Bundesrepublik ein Jahr des Aufschwungs und der Festigung der staatlichen und sozialen Ordnung. Hauptziel der Bundesrepublik wird es (im kommenden Jahr) sein, alle Bemühungen in den Dienst der Sicherung und Erhaltung des Weltfriedens zu stellen. Die Bundesregierung hofft, das allen Deutschen als Hauptsorge am Herzen liegende Problem der Wiedervereinigung Deutschlands einer Lösung zuzuführen.“

Vizekanzler Blücher:

„Es sind drei wesentliche Dinge erreicht worden: Die Gründung der europäischen Zahlungsunion unter Einschluß der Bundesrepublik, die Erweiterung der deutschen Kreditlinie um 180 Millionen Dollar und Fortschritte auf dem Gebiet einer gesamteuropäischen Lösung der Rohstofffrage. Die neuen großen Aufgaben liegen ... in der Mitwirkung bei allen Bemühungen, um das in Unordnung und autokratischen Ideengängen verwirrte Zollgefüge wieder gesund zu machen.“

Finanzminister Dr. Schäffer:

„Es ist dem Bundesfinanzministerium gelungen, jede inflatorische Politik zu vermeiden, den Haushalt ohne Fehlbetrag aufzustellen und bis heute ohne Fehlbetrag auch durchzuhalten. Es wird die wichtigste Aufgabe des Bundesfinanzministeriums sein, das Gleichgewicht im Haushalt aufrechtzuerhalten .... und zwar ohne eine unerträgliche, den sozialen Frieden gefährdende, steuerliche Ueberbelastung.“

Wirtschaftsminister Prof. Erhard:

„Die Erfolge der Marktwirtschaft für 1950 schlugen sich nieder in einer 33 prozentigen Produktionssteigerung, in einer Verdreifachung der Ausfuhr, in der Bewältigung eines großen Wohnungsbauprogramms und anderer wirtschaftlicher und sozialer Leistungen. Als Ziel für 1951 steht uns vorgezeichnet die Verteidigung der Marktwirtschaft gegenüber der planwirtschaftlichen Forderung nach Einführung einer staatlich dirigierten Befehlswirtschaft.“

Wiederaufbauminister Wiedermuth:

„Im Jahre 1950 gelang es den vereinten Anstrengungen . . . mit 340 000 fertiggestellten Wohnungen einundeinviertel Millionen Menschen statt in Bunkern, Kellern und Baracken wieder ein menschenwürdiges Heim zu schaffen. Im Jahre 1951 . . . wollen wir wieder ein Ziel erreichen, das sich sehen lassen kann.“

Hilferuf Hübenthals aus Paris

„Wie Schwerverbrecher werden wir behandelt“

Kassel, 27. Dezember, (dpa) Der Schuhmachermeister Georg Hübenthal aus Eschwege, der unter der Anschuldigung, Kriegsverbrechen begangen zu haben, vor einigen Wochen von der amerikanischen Besatzungsmacht an Frankreich ausgeliefert wurde, hat einen neuen Notruf an die Heimat gerichtet. Hübenthal wird zur Zeit im Pariser Zentralgefängnis festgehalten.

Die „Kasseler Post“ veröffentlicht einen Brief, in dem Hübenthal seiner Frau seine Lage schildert. Unter anderem schreibt er: „Ich habe ein paar Tage Dunkelarrest bekommen, bei Wasser und Brot. Getan habe ich nichts.

Ein Wärter hat mich dabei erwischt, wie ich deutsche Nachrichten weitergegeben habe. Wir werden noch die reinsten Hungerkünstler. Unsere Päckchen werden zurückgeschickt und wir können gor nichts dagegen tun. Ich habe schon zehn Pfund abgenommen. Das Essen ist schlecht, auch sehr wenig . . . wenn wir keine Hilfe aus der Heimat erhalten, verhungern wir hier ... ich sitze hier im Mantel auf dem Strohsack, alle drei Decken um mich geschlagen, aber mit eiskalten Fingern. Wer hier lange bleibt, geht vor die Hunde. Wir kommen auch nicht mehr mit anderen Gefangenen zusammen. Wie Schwerstverbrecher werden wir behandelt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie es hier zugeht. Du darfst nicht einmal ein Stück Pappe in der Zelle haben, geschweige denn einen Karton. Nur leere Taschen findest du bei uns. Rauchwaren dürfen nicht geschickt werden.“

Kürzlich wurde bekannt, daß Hübenthal wegen der Verhältnisse im französischen Gefängnis in den Hungerstreik getreten ist. Auf eine Intervention deutscher Stellen hat der französische Oberkommissar Francois-Poncet zugesagt, daß er sich um diesen Fall kümmern wolle.

Bahn zeigt weiße Flagge

Frankfurt, 27. Dezember, (dpa) Die Bundesibahndirektion Frankfurt wird am Freitag zum ersten Male den Wintersportfreunden mit einer großen schneeweißen Flagge vor dem Hauptbahnhof signalisieren, daß am Wochenende der Wintersportzug nach dem Vogelsberg und der Rhön fahren wird. Die weiße Flagge soll bei guten Schneeverhältnissen immer am. Freitag gehißt werden.

Von Wegscheide nach Kelsterbach

Die Umquartierung der Tschechen

Wiesbaden, 27. Dezember. (Eigener Bericht.) Die erste Flüchtlingsumsiedlungsaktion im Rahmen des „Hessen-Plans“ wird gegenwärtig abgeschlossen. Rund 170 Flüchtlinge wurden in der Vorweihnachtswoche aus dem Lager Wegscheide in das Wohniager Kelsterbach umgesiedelt. In den nächsten. Tagen werden die umgesiedelten Familien durch den Regierungspräsidenten in Darmstadt auch mit eigenen Möbeln ausgestattet, die von den Fürsorgeverbänden zur Verfügung gestellt wurden-

Bis auf eine kleine Gruppe von Flüchtlingen, die noch im Ringtausch mit anderen nach Kelsterbach umgesiedelten Familien in verschiedene hessische Gemeinden eingewiesen werden, ist das Lager Wegscheide aufnahmebereit für die nationaltschechischen Flüchtlinge. Deren Umzug wird aber erst Anfang Januar erfolgen.

Wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums in Wiesbaden, mitteilt, sollen die Lager Weilmünster und Schupbach im. oberen Lahnkreis im Laufe des Januar ebenfalls freigemacht werden. Hier sind 377 deutsche Flüchtlinge und Umsiedler aus Polen und der Tscheche! untergebracht, die im Rahmen der Operation „Link“ in- die Bundesrepublik umgesiedelt wurden.

In einer Gaststätte in Iba (Kreis Rotenburg/Fulda) kam es in der Nacht zum Mittwoch zu einer Schlägerei zwischen Einheimischen und Tschechen aus dem Flüchtlingslager Iba, nachdem ein Tscheche den Vorsitzenden eines Sportvereins „deutsches Schwein“ genannt hatte. Drei Deutsche und ein Tscheche wurden schwer verletzt.

Helgoland weiter „besetzt“?

Cuxhaven, 27. Dezember, (dpa) Die beiden Heidelberger Studenten, die in der Nacht zum Samstag von ihrem Protestaufenthalt auf Helgoland zurückgekehrt waren, sind am Mittwoch wieder nach der Insel gefahren. Damit ist ein Haftbefehl, der am Mittwoch in Cuxhaven gegen die beiden Studenten erlassen worden war, zu spät gekommen.

Der zweite Vorsitzende des Helgoländer-Vereins „Hallunner Moats“, Lühr, soll ebenfalls seit Mittwoch auf Helgoland sein. Mehrere andere Helgoländer sollen die Absicht haben, Lühr auf die Insel zu folgen.

Adenauer an Dovifat

Bonn, 27. Dezember, (dpa) Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer hat dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Nordwestdeutschen Rundfunks, Professor Dr. Emil Dovifat (Berlin), am Mittwoch herzliche Glückwünsche zum 60. Geburtstag übersandt.

Mit Aexten erlegt

Trier, 27. Dezember, (dpa) Bei einer Treibjagd in Malberg (Kreis Bitburg) wurde am Heiligabend eine Rotte von 14 Wildschweinen in den Teich des Eifelwerks getrieben. Den Arbeitern des Betriebes gelang es, 12 Schwarzkittel durch Axthiebe zu töten.

Stimmen der Anderen

Stahlproduktion überlegen

Der „Daily Express“ ( Empire-Orientierung) erklärt, daß der Westen auf Grund seiner weit überlegenen Stahlproduktion jeden Krieg mit dem Osten gewinnen werde. Andererseits sei diese Überlegenheit aber auch die wichtigste Trumpfkarte der freien Welt, einen bewaffneten Konflikt zu verhindern. Das Blatt verweist darauf, daß die Vereinigten Staaten im ablaufenden Jahr allein 97 Millionen Tonnen Stahl produzierten und für 1951 sogar eine Überschreitung dieser Ziffer ankündigten. Die Gesamtproduktion der westlichen Welt betrage fast 140 Millionen Tonnen jährlich gegenüber 30 Millionen Tonnen der Sowjetunion und der von ihr beeinflußten Staaten.

„Die Fähigkeit einer Nation zum Kriegführen und zur Verhinderung eines Krieges hängt davon ab, wieviel Stahl sie produzieren kann. Die militärische Stärke läßt sich lediglich auf Stahl aufbauen. Panzer und Flugzeuge, Bomben und Schiffe — das alles wird aus Stahl gemacht. Der Westen kann nur dann stark und verteidigungsbereit sein, wenn er es versteht, die Überlegenheit seiner Stahlerzeugung in die entsprechende militärische Stärke umzuwandeln.“

Pleven stellt Vertrauensfrage

Paris, 27. Dez. (AP.) Die französische Nationalversammlung eröffnete am Mittwochmorgen eine voraussichtlich zwei Tage dauernde Debatte um den Rüstungshaushalt, der Ausgaben von 355 Milliarden Francs (etwa vier Milliarden DM) für die Aufrüstung vorsieht.

An die Annahme des Haushalts, über den voraussichtlich am Samstag abgestimmt werden wird, hat die Regierung die Vertrauensfrage geknüpft.

SED will Adenauer zwingen

Berlin, 27. Dezember, (dpa) Der SED-Pressedienst kündigte an, daß die Sozialistische Einheitspartei die westdeutsche Bevölkerung zum aktiven Kampf aufrufen werde, um die kommunistischen Vorschläge zur Einheit Deutschlands zu verwirklichen. Bundeskanzler Dr. Adenauer müsse zu einer Antwort an Otto Grotewohl auf dessen Einheitsvorschläge gezwungen werden.

In wenigen Zeilen ...

Kardinal Frings ist auf dem Luftwege in Berlin eingetroffen, um das Pontifikalrequiem für den verstorbenen Bischof von Berlin, Kardinal Graf Preysing, zu hallten.

Fünf Wanderausstellungen hat die Berliner Europa-Union in verschiedenen West-Berliner Bezirken eröffnet.

Als tausendstes Liebesgabenschiff der amerikanischen Cralog-Organisation traf am Mittwoch der 8200 BRT große Frachter „American Harvester“ in Bremen ein.

5100 Kinder konnten in diesem Jahr vom Kindersuchdienst mit ihren Eltern oder anderen Angehörigen wieder zusammengeführt werden.

Lauterbacher, der frühere Reichsjugendführer, soll aus dem Lager Le Fraschette bei Rom entflohen sein.

Rund 60 000 Weihnachtsbäume blieben in West-Berlin unverkauft.

25 alleinstehende ältere Menschen versuchten während der Weihnachtsfeiertage in Berlin ihrem Leben ein Ende zu machen.

Zwei kleine Mädchen im Alter von sieben und acht Jahren wurden in Berlin von einer tollwutverdächtigen Katze gebissen.

Das Geheimarchiv des 1943 vernichteten Warschauer Ghettos ist bei Bauarbeiten in Warschau in zwei luftdicht abgeschlossenen Milchkannen versteckt aufgefunden worden.

Die Universität in Kairo hat dem Tübinger Semitisten Professor Enno Littmann die Ehrendoktorwürde verliehen.

Britische Truppeneinheiten sollen sofort in die atlantische Armee eingegliedert werden, sobald General Eisenhower seine Befehlsstelle aufgebaut hat.

Zur Verstärkung des amerikanischen sechsten Infanterie-Regiments in Berlin trafen über 300 ehemalige Angehörige amerikanischer Konstabler-Einheiten in Berlin ein.

Die Weihnachtstage haben in den Vereinigten Staaten die Rekordziffer von mindestens 724 Unfalltoten gefordert.

Die holländisch-indonesischen Ver¬ handlungen über die politische Zukunft Holländisch-Neuguineas sind endgültig gescheitert.

Margueriten IM BLAVEN FELD

Kriminalroman von Ullrich v. Bissing

14. Fortsetzung „Das ist doch Unfug“, erklärte der Kriminalrat.

„Das ist gar kein Unfug! Ich habe nämlich festgestellt, daß um die gleiche Zeit, genauer gesagt, einige Minuten vorher, ein Telefongespräch für mich beim Verlag vorlag, und erst als ich dort nicht anzutreffen war, ließ man sich die Nummer der Pension Ballaschke geben- Wenn Sie wollen, kann es Ihnen die Telefonistin, die zu der Zeit den Dienst in der Zentrale des Verlagshauses versah, bestätigen.“

„Das beweist nicht, daß diese Dame Ihnen nicht bekannt ist.“ „Es beweist höchstens, daß diese Dame meinen Namen kennt. Dies ist kein Wunder, er steht täglich in der Zeitung. Sie braucht mich also nicht einmal persönlich zu kennen, sondern aus meinen Artikeln, die ich über manchen Kriminalfall geschrieben habe. Und damit wieder kann sie mir völlig unbekannt sein.“

„Sie behaupten also, diese Stimme am Telefon nicht erkannt zu haben."

„Ich habe keine Ahnung, wer es war-“ „Na ja“, meinte Klausen, „ich kann Ihnen das Gegenteil nicht beweisen. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber dieses Telefongespräch ist doch eine recht merkwürdige Angelegenheit."

„Kennen Sie eigentlich einen gewissen Herrn Hachenberg?“ wechselte Ungersbach plötzlich das Thema. „Hachenberg?"

„Ja! Den Antiquitätenhändler meine ich! Er hat seinen Laden gegenüber dem Revuetheater, in dem die Tänzerin Christa Marita jetzt auftritt. Er kauft und verkauft die ausgefallensten Dinge.“ „Nein. Ich kenne ihn nicht. Ich kaufe keine gebrauchten Gegenstände.“ Ungersbach schwieg eine Weile.

„Haben Sie sonst etwas Interessantes erfahren?“ erkundigte er sich dann.

„Eine unwahrscheinlich große Menge verschiedener Fingerabdrücke haben wir gefunden. Und ich weiß nun auch, wo der Schuß d’Argent erwischte. Auf dem Läufer zwischen dem Speisezimmer und der Bibliothek. Er weist geringe Blutspuren auf. Natürlich ist es noch keineswegs sicher, daß er dort stand.“

„Wie können Sie nur eine echte Perserbrücke so achtlos einen Läufer nennen?“ klagte Ungersbach mit vorwurfsvoller Stimme, und er schien darüber nachzv— denken, ob sich durch die Erklärung des Kriminalrates eine neue Situation ergeben hatte, aber schließlich war d’Argent ja nicht im Bett erschossen worden. Plötzlich nahm er eine in ihrem Format umfangreiche Zeitung aus der Tasche und begann zu lesen.

Der Kriminalrat sah ihn erbost an. „Wenn Sie Zeitungslektüre betreiben wollen, so legen Sie sich gefälligst zu Hause ins Bett“, sagte er unwirsch.

„Ihre guten Ratschläge in Ehren“, erwiderte der Journalist, ohne seine Lektüre zu unterbrechen, „aber ich habe wenig Aussicht, sie zu befolgen. Kennen Sie diese Tageszeitung?“

Er faltete das Blatt auseinander und zeigte dem Kriminalrat die Titelseite.

„Es ist die Ausgabe eines führenden Blattes der Provinz. Sie ist heute morgen erschienen. Sie enthält einen äußerst interessanten Artikel. Und wissen Sie über wen? Ueber unseren lieben, guten d’Argent! Und der Inhalt dieses Artikels ist ohne Zweifel eine Entgegnung jenes Artikels, der in einer hiesigen Zeitung erschien. Jene war vom Sonnabend datiert. Sie werden erstaunt sein, wenn Sie lesen, mit welchem Elan die Forschungsergebnisse d’Argents hier verteidigt werden. Der Verfasser besitzt erstaunliche Kenntnisse veröffentlichter und unveröffentlichter Arbeiten d’Argents. Aber er ist genau so wenig genannt, wie der geistige Urheber jener Abhandlung, in der d’Argents Expeditionen angegriffen werden. Falls es Sie interessieren sollte, kann ich Ihnen diese Zeitung leihweise überlassen. Ihre Erziehungsmethoden treffen ein völlig untaugliches Objekt.“

„Sagen Sie, Ungersbach“, der Kriminalrat nahm die Zeitung entgegen, die der Journalist ihm über den Schreibtisch reichte, „es sieht so aus, als wäre dieser Streit nicht ohne eine gewisse Provokation entstanden. Es ist doch immerhin der Beachtung wert, daß Jahre hindurch an dem Wert der Persönlichkeit d’Argents und seiner Arbeit keinerlei Zweifel bestanden und nun nach seinem Tode eine Debatte darüber entsteht, inwieweit seine Forschungsergebnisse wissenschaftlicher Nachprüfung standhalten.“

„Sie sind ein kluges Kind“, lächelte der Journalist, „aber wäre es nicht wichtiger zu erfahren, wer diesen Artikel inspiriert hat, der eine so scharfe Klinge für d’Argent führt? Er muß außerordentliche Kenntnisse besitzen! Sie sind so umfassend. daß er sich sogar auf Arbeiten beruft, die der Oeffentlichkeit noch gar nicht zugänglich gemacht worden sind. Es muß also ein intimer Freund, vielleicht sogar ein Teilnehmer einer Expedition d’Argents gewesen sein. Andernfalls wäre es unmöglich, daß er die Zusammenhänge so genau kennt. Und erstaunlich ist die prompte Reaktion, mit der diese Art der Widerlegung erfolgte. Ich möchte fast sagen, es war eine im Affekt erfolgte Handlung.“

„Und was versprechen Sie sich davon?“

„Zumindest eine recht interessante Unterhaltung mit diesem unbekannten Mann. Ich werde mich jedenfalls mit uer Redaktion dieser Zeitung in Verbindung setzen, um seine Adresse zu erfahren. Und bei meinem guten Ruf werden sie mir dort Namen und Wohnort des Verfassers nennen.“

„Ich denke, wenn Sie weiter die Nächte so durchbummeln, dann ist Ihr guter Ruf bald dahin. Glauben Sie, daß zwischen dieser Tänzerin, wie hieß sie doch ... ?“

„Christa Marita“, ergänzte Ungersbach.

„... ja also, dieser Christa Marita und d’Argent intimere Beziehungen bestanden? Sie war wohl seine Geliebte? Wie?“

„Sie haben eine schmutzige Phantasie, mein lieber Kriminalrat“, sagte der Journalist vorwurfsvoll, „Christa Marita ist eine anständige Frau.“

„So? Sie haben wohl in der vergangenen Nacht einen Korb bekommen?“

„Ich habe mich nicht darum bemüht", entgegnete Ungersbach seelenruhig. „Anschließend bin ich in der Dahlienstraße zu erreichen. Falls Ihre Sehnsucht, mich zu sehen, unwiderstehliche Formen annehmen sollte“, fügte er hinzu.

„Was wollen Sie denn in der Dahlienstraße?“

„Haben Sie eigentlich festgestellt, ob d’Argent Verwandte besaß?“ erkundigte sich Ungersbach, ohne auf die Frage des Kriminalrats einzugehen.

„Ja", bestätigte Klausen, „aber er war, wie Sie wissen, in Luxemburg geboren, und das Resultat meiner Recherchen liegt noch nicht vor. Was wollen Sie in dem Haus von d’Argent?“

„Ich möchte meine Kenntnisse in Heraldik erweitern“, erklärte Ungersbach, „Sie glauben gar nicht, wie sehr ich mich im Augenblick für das Gebiet der "Wappenkunde interessiere. Ich hoffe, in der Bibliothek die Entstehungsgeschichte der Margueriten im blauen Felde zu finden. Auf Wiedersehen, verehrter Freund!“

Der Journalist zog seine Handschuhe an, erhob sich und ging zur Tür, aber kaum hatte er die Türklinke in der Hand, wandte er sich dem Kriminalrat noch einmal zu: „Vergessen Sie heute abend nicht, in die Revue zu gehen! Sie werden Ihre helle Freude an der Ausstattung der Bühnenbilder haben.“

Und damit zog er die Tür endgültig hinter sich ins Schloß und ließ den Kriminalrat hinter einem Berg unfreundlicher Akten an seinem Schreibtisch ein wenig verwundert zurück.

6.

So interessiert der Kriminalrat Klausen der Unterhaltung mit Ungersbach gefolgt war, so sehr ihn die Gedanken des Journalisten angeregt hatten, so sehr war er aber auch davon überzeugt, daß all diese Argumente, mit denen Ungersbach fast spielerisch das Ungewisse des gewaltsamen Todes des Forschers d’Argent zu klären versuchte, an dem Kern der Dinge vorbeigingen. Klausen besaß ein gesundes Maß Realismus. Er verdankte ihm seine Erfolge. Er war für ein klares Geständnis des Täters oder für eine lückenlose Kette von Indizien, die zur Ueberführung des Schuldigen führte. Er war ein ausgesprochener Praktiker, und seine Erfolge schienen die Richtigkeit seiner Taktik zu bestätigen (Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebung

Eines Vaters Klage

Li. Ich schenkte meinem Sohn eine Dampfmaschine zu Weihnachten. Eine herrliche Dampfmaschine mit angeschlossenem Elektromotor und einem 3- atü-Dampfkessel. „Herbert“, sagte ich zu ihm, „diese Dampfmaschine ist kein Spielzeug, das ist ein Wunder der Technik. Daß du mir nicht daran gehst.“ Er ging doch daran, und schon gab’s den ersten Krach. Erst mit meinem Sohn und dann mit meiner Frau.

„Ich möchte wirklich wissen, warum du dem Jungen eine Dampfmaschine kaufen mußtest. Aber wenn es schon einmal geschehen ist, so laß’ ihn wenigstens damit spielen.“ — „Das ist kein Spielzeug“, erklärte ich, „das ist ein technisches Lehrzeug. Es war sehr teuer.“ Meine Frau sagte daraufhin, ich sei ein Narr Herbert füllte daraufhin den Brenner der Dampfmaschine mit Spiritus und zündete ihn mit einem brennenden Ast des Tannenbaums an. Es puffte und dann zuckten blaue Flammen auf dem Teppich. Meine Frau löschte den Brand und warf mir einen unwahrscheinlich zärtlichen Blick zu.

„Laß’ mich mal“, sagte ich meinem Sohn. „Wir werden das gleich haben. Natürlich darf der Spiritus nicht überlaufen.“ Herbert lief zur Mama und schon war wieder der Krach da. „Du verstehst nichts von Kindererziehung“, meinte meine Frau. „Kinder muß man spielen lassen, das fördert ihre geistige Entwicklung.“ Ich wies auf das Loch im Teppich hin, aber das war kein Argument. „Ein für alle mal“, erklärte meine Frau, „du hast bereits dein Auto auseinandergenommen und bekamst es nicht mehr Zusammen, und jetzt willst du auch noch Herberts Spielzeug ruinieren. Du läßt die Finger davon, verstanden?“ Das war natürlich eine Gemeinheit, das mit dem Auto, wo ich nur die Lichtmaschine ausbauen wollte. Entrüstet verließ ich das Haus. Im Fortgehen sah ich noch, wie mein Sohn den Spiritus in den Dampfkeessel füllte und den Brenner darunter schob.

Es war eine sehr teuere Dampfmaschine gewesen Als ich zurückkam, war die Dampfmaschine fort und der Christbaum auch. Meine Frau saß im Sessel, tröstete meinen heulenden Sohn und erzählte ihm, was für ein Esel sein Vater sei Ich frage mich jetzt nur, wozu man seinem Sohn technisches Verständnis beibringen will, wenn unsere Frauen immer ,die männlichen Erziehungsversuche torpedieren?

Großparkplatz

Die zuständigen Dienststellen befassen sich in letzter Zeit mit den Vorbereitungen zum Bau eines großen Rastplatzes an der Autobahn bei Darmstadt. Die Erfahrungen haben gezeigt, daß die Tank- und Raststelle an der Einfahrt zur Autobahn den notwendigen Anforderungen nicht genügt und durch ihre zeitweilige Ueberfüllung parkender Lastzüge verkehrbehindernd und -gefährdend wirkt. Aus diesem Grunde soll, in Anlehnung an die ursprüngliche Planung, einige hundert Meter südlich der jetzigen Tankstelle der dort seinerzeit schon ausgebaggerte Parkplatz ausgebaut werden. In der Nachbarschaft der jetzigen amerikanischen Snack Bar wird dort ein etwa 3500 Quadratmeter großer Parkplatz für Fahrzeuge aller Art, eine Groß-Tankstelle und eine Erfrischungsgaststätte in absehbarer Zeit entstehen. Für spätere Zeit ist der Bau eines Autobahn-Rasthauses mit Uebernachtungsmöglichkeiten für Autobahnbenutzer geplant.

Nach Inbetriebnahme dieser großen Anlage soll die Tankstelle an der Darmstädter Einfahrt zur Autobahn voraussichtlich als Verkehrshindernis beseitigt werden. DT.

Ein Personenwagen und ein Radfahrer stießen in der Nacht zum Mittwoch auf der Straße zwischen Darmstadt und Arheilgen — anscheinend infolge der Bodenglätte — zusammen. Als der Personenwagen den Radfahrer überholen wollte, geriet dieser nach links auf die Fahrbahn, wurde von dem Personenwagen erfaßt und auf den Kühler geschleudert. Beide Fahrer wurden verletzt.

Wer wird Oberbürgermeister von Darmstadt?

Vorbesprechungen mit den Fraktionen / Eine Wahl, die für sechs Jahre gelten soll

Unerwartet steht Darmstadt vor der Notwendigkeit, ein neues Stadtoberhaupt zu bestellen. Oberbürgermeister Metzger wird als Kultusminister nach Wiesbaden gehen, sobald die SPD-Fraktion des hessischen Landtages seine Berufung bestätigt hat. Er hatte die Annahme dieses Postens davon abhängig gemacht, daß als sein Nachfolger in Darmstadt ein Mann gewählt würde, der eine ruhige Fortsetzung der von ihm seit 1945 geleiteten Kommunalpolitik gewährleistet. Wie bekannt wurde, soll diese Voraussetzung erfüllt sein.

„Kein Blanko-Scheck“

Das Ergebnis der letzten Landtagswahl läßt es verständlich erscheinen, wenn Ludwig Metzger seinen Wählern gegenüber sich verpflichtet fühlt, die Folgerungen aus der Wahl auch für die Kommunalpolitik zu ziehen. Der Entschluß zum Amtswechsel dürfte ihm nicht leicht gefallen sein, aber er mag in ihm bestärkt worden sein, weil er hoffen darf, auch in Wiesbaden, unbeschadet seiner Verpflichtung für das gesamt Land Hessen, für das Wohl seiner Stadt wirken zu können.

Bei allem Verständnis für eine solche Einstellung, auch über die eigene Amtstätigkeit hinaus wenigstens die Grundlinien der künftigen Darmstädter Stadtpolitik gesichert zu wissen, muß doch festgestellt werden, daß der Magistrat durch die Stadtverordneten zu wählen und auch zu ergänzen ist. Wie wir hören, hatte der Oberbürgermeister in den letzten Tagen vor dem Fest Besprechungen mit den beiden anderen in der Stadtverwaltung vertretenen Parteien. Er habe in Aussprachen mit den Fraktionsführern der FDP und der CDU erfahren, daß diese Parteien gegen die Nominierung eines bestimmten sozialdemokratischen Kandidaten keine Einwendungen erheben würden. Dabei hat es sich, wie wir zuverlässig zu wissen glauben, jedoch nicht um eine Blanko-Zustimmung für die Sozialdemokratie, sondern nur um das Einverständnis mit der vorgeschlagenen Kandidatur des Stadtkämmerers gehandelt.

Unmittelbar nachdem bekannt wurde, daß der Oberbürgermeisterposten in Darmstadt vakant werden könnte, wurde über die Nachfolgeschaft kombiniert. Nach der hessischen Gemeindeordnung sind die Stellen hauptamtlicher Bürgermeister und Beigeordneter öffentlich auszuschreiben. Zwei Namen wurden bisher genannt: Der des Stadtkämmerers Dr. Feick und — so im Rundfunk und in Frankfurter Blättern — der von Bürgermeister Schröder.

Stadtkämmerer und Oberbürgermeister?

Dr. F e i c k ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Von ihm gilt, daß er sein Amt gründlich beherrscht, mit großer Sachkunde verwaltet und daß er nie einen engen Parteistandpunkt hat erkennen lassen. Besondere Aufgeschlossenheit für die Zukunftsaufgaben der Stadt bewies er durch sein anregendes und förderndes Wirken für die Wiederaufbau-GmbH. Wieweit er entschlossen ist, das Kämmerer-Amt aufzugeben, wurde bisher nicht bekannt. Die Ablösung eines eingearbeiteten Beamten ist in allen Fällen unerwünscht. Eine Personalunion mit dem Oberbürgermeisterposten würde aber die Kräfte eines Einzelnen überbeanspruchen, sofern sie überhaupt nach der Hauptsatzung der Stadt Darmstadt möglich sein sollte.

Führungsanspruch der SPD

Ferner ist Bürgermeister Schröder für das Amt des ersten Beamten der Stadt genannt worden. In den kurzen Jahren seiner Darmstädter Tätigkeit hat er sich nicht nur das Vertrauen der städtischen Amtsstelien, sondern auch das weitester Kreise der Bevölkerung erworben. Ihm wird der Fleiß und die Gründlichkeit nachgerühmt, mit denen er sich in die Aufgaben der Verwaltung eingearbeitet hat, dazu eine lange Praxis als Oberbürgermeister großer Gemeinden. Seiner Kandidatur, zu der er erst seine Zustimmung geben müßte, dürfte jedoch der Führungsanspruch der Sozialdemokraten entgegengehalten werden.

Diesen Führungsanspruch leitet die SPD aus ihrer Fraktionsstärke ab. Sie zählt 20 Sitze im Stadtparlament, die FDP 13 und die CDU 10. Mit den 5 Stimmen der KPD ergäbe sich ohne weiteres eine Mehrheit für einen sozialdemokratischen Bewerber, auch wenn FDP und CDU sich zu einem gemeinsamen Vorgehen entschlössen. Keine der Parteigruppen jedoch verfügt dabei über eine solche Mehrheit, daß auf ihr sicher aufgebaut werden könnte.

Eine Erinnerung

Eine Kampfabstimmung ginge also nur dann zugunsten der SPD aus, wenn sie bereit wäre, die Unterstützung der Kommunisten anzunehmen. Es kann bezweifelt werden, daß sie das tut, vielmehr liegt ein Vergleich nahe, mit der Wahl des früheren Oberbürgermeisters Mueller. Auf ihn hatten sich Sozialdemokraten, Volkspartei, Demokraten und Zentrum geeinigt, obwohl er nicht der stärksten Partei angehörte, sondern „nur“ durch seine Erfahrung qualifiziert erschien. Man sah damals richtig, daß auf dei' Ebene der Gemeinde die politischen Machtkämpfe auch einmal zur Ruhe kommen können, ohne daß diese oder jene Partei damit gegen ihren politischen Auftrag verstoßen müßte.

Bei der Oberbürgermeisterwahl handelt es sich um eine für sechs Jahre geltende Neuwahl. Er wird sein Amt länger ausüben als die gegenwärtigen ehrenamtlichen, aber auch die hauptamtlichen Magistratsmitglieder. Das allein schon legt den Parteien ein bedächtiges Vorgehen nahe und es ist anzunehmen, daß im Zusammenhang mit der Wahl des Oberbürgermeisters auch andere Fragen, etwa die Aenderung der Hauptsatzung, mit erörtert werden. PD

Sonnwend- und Weihnachtsfeier

Im überfüllten Büchnersaal veranstaltete die Freireligiöse Kreisgemeinde ihre Sonnwend- und Weihnachtsfeier. Zu Beginn fand e:ne ergreifende Lebensweihe statt, indem an Stelle der kirchlichen Taufe neugeborene Kinder freireligiöser Eltern feierlich in die menschliche Gemeinschaft aufgenommen und dem Geist der Humanität und dem Glauben an das Wahre 'Gute und Schöne geweiht werden. Diese Lebensweihe nahm der Freireligiöse Sprecher Emst Rotter vor, der auch die Festrede hielt. Der Redner schilderte, wie Weihnacht und Lichterbaum urgermanischem Brauchtum entsprungen sind und erst nach Verlauf von einigen Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung vom Christentum übernommen wurden. Vom Christentum sei das germanische Weihnachts- oder Julfest, das ursprünglich den Sieg des Lichts über das Dunkel symbolisierte, zum Fest der Liebe und des Friedens gestempelt worden. Abr der Freireligiöse glaube nicht mehr an die christliche Liebe. Die Wirklichkeit sähe ganz anders aus. Mit frommen Gebeten sei der Friede nicht zu gewinnen. .

Die Veranstaltung, die von Gemeindevorsteher Heinrich Nolte geleitet wurde. war von musikalischen, gesanglichen und deklamatorischen Darbietungen umrahmt. Eine Kinderbescherung schloß sich der Feier an. J- B<

Finanzamt hilft dem Glockenspiel

Spenden von der Steuer absetzbar

Für den Wiederaufbau des Glockenspiels im Darmstädter Schloß wollen verschiedene Firmen größere Beträge spenden, wenn diese „absetzbar“ sind.

Nun hat das Finanzamt Darmstadt erfreulicherweise hier eine günstige Entscheidung getroffen. In der sogenannten, auf Bundesebene aufgestellten „Liste der als besonders förderungswürdig anerkannten Zwecke“ ist unter Ziffer 6 die Erhaltung und Wiederherstellung historisch und kulturell besonders wichtiger Baudenkmäler enthalten. Hierunter fällt der Wiederaufbau unseres Glockenspiels. Träger dieser Wiederherstellung ist insbesondere der Historische Verein, der nun von dem Finanzamt Darmstadt weiterhin als gemeinnützige Körperschaft anerkannt worden ist.

Spenden, die an eine solche gemeinnützige Körperschaft abgeführt werden, können unter gewissen Voraussetzungen (d. h. der zugelassene Höchstbetrag darf nicht überschritten werden) im Sinne der einschlägigen Bestimmungen des Einkommen- und Körperschaftssteuerrechts als solche abgesetzt werden. Im Verfolg dieser Entscheidung des Finanzamts Darmstadt, die ebenso den Buchstaben des Gesetzes wie einer sinngemäßen Auslegung und der Wiederherstellung einer einmaligen historischen Stätte in Darmstadt gleichermaßen dient, werden nun hoffentlich alsbald die zugesagten (absetzbaren) und noch viele weitere (auch absetzbare) Spenden für diesen guten Zweck folgen.

Eile tut not, denn der 31. Dezember 1950 steht vor der Türe. Spätere Spenden können auch, aber erst im nächsten Wirtschafts- bzw. Kalenderjahr, abgesetzt werden. Eile tut auch insofern not, als die Materialpreise für die Glocken steigen . . . H.W.W.

Feier der DAG

Die Gruppe der weiblichen Angestellten in der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft, Ortsgruppe Darmstadt, hatte ihre Mitglieder zu weihnachtlichen Feierstunden in die Gaststätte „Stolzenfels“ eingeladen. Das frohe und harmonische Zusammensein war umrahmt von weihnachtlichen musikalischen und deklamatorischen Darbietungen. Gemeinsam, gesungene Weihnachtslieder brachten frohe Stimmung und ein starkes Gefühl menschlicher Zusammengehörigkeit. Auch Knecht Ruprecht fehlte nicht bei dieser gut besuchten Veranstaltung und überreichte jedem Anwesenden eine Gabe.

Gesang für die Kranken

Am 3. Adventssonntag bereitete der „Liederzweig“ 1855 — Darmstadt — unter Leitung des Ehrenchormeisters Wilhelm Etzold den Patienten und Schwestern des Alice-Hospitals mit einigen Chor- und Solivorträgen eine besondere Freude. Die Solisten des Vereins waren Frau E. Wiegmann (Sopran) und R. Bögel (Bariton). Am Schluß der beifällig aufgenommenen Darbietungen dankte die Oberin im Namen der Kranken und der Schwestern in herzlichen Worten für den Besuch.

Nikolaus in Arheilgen

Der Verband der Kriegsbeschädigten, Arheilgen, veranstaltete am 24. Dezember im Arheilger Gemeindehaus seine Weihnachtsbescherung für die Kinder seiner Mitglieder. Die Feierstunde wurde von der Evangelischen Jugend durch die Aufführung eines Krippenspieles verschönt und von der Orchestervereinigung musikalisch umrahmt. 194 Kinder und Säuglinge erhielten vom Nikolaus Gabenpäckchen, die aus Spenden zusammengestellt worden waren. *

Fliegerweihnacht nannte die Segelfliegergruppe Darmstadt ihren am Freitagabend abgehaltenen Bunten Abend im Concordiasaal. Herr Ister 1 i n g hatte sich redliche Mühe gegeben, ein vielseitiges Programm auf die Beine zu bringen. *

Die Fußballabteilung der Sport- und Kulturgemeinde Eberstadt feierte am 23. Dezember im Gasthaus „Zur Rose“.

Der Erbauer der Bessunger Turnhalle

Vor hundert Jahren wurde Architekt Reinhardt Has geboren

pd. Bauwerke pflegen ihren Schöpfer zu überdauern. Unserer Generation und unserer Stadt wurde auferlegt, daß in unzähligen Fällen beide nur noch in der Erinnerung leben. Ein Erinnern soll mit unserem Bild und diesem Gedenken auch vachgerufen werden an einen Mann,

der als Architekt viele Häuser in der Stadt erbaut hat, darunter das abgebildete, Ecke Herdweg und Wittmannstraße, das Metzgermeister Jacobi 1902 für 100 000 gute alte Mark erstellen ließ. Der es entwarf ist Reinhardt Has, geboren vor hundert Jahren, am 23. Dezember 1850 in Kassel, gestorben als 90jähriger am 6. Dezember 1940 in Darmstadt-Arheilgen, nachdem er fünfzig Jahre in Darmstadt gewirkt hat.

Ursprünglich zum Maschinenbauer ausersehen — sein Lehrer war Prof. Reuleaux in Berlin, wohl der Großvater unseres Hochschulprofessors — regten ihn, den Freiwilligen im Kriege 1870/71, die herrlichen gotischen Bauten Frankreichs zum Studium der Architektur an, dem er in Zürich und Wien nachging. In Meiningen, wo gerade ein großer Brand gewütet hatte, machte sich Has selbständig, war von 1879 bis 1889 Stadtbaumeister in Weimar und kam dann über Gießen für dauernd nach Darmstadt.

Die Häuser, die Has in Darmstadt erbaut hat, sind fast alle zerstört. Vorab die Bessunger Turnhalle, auch das Wohnhaus der Architektenfamilie in der Orangerie-Allee 8 mit seinen blauen Glasursteinen und der Decke des Treppenhauses, die Maler Fornoff, der heute noch in Ar’ hlgen lebt, ausgemalt hatte. Sie zeigte einen blauen, von flliegenden Tauben belebten Himmel. Wir zählen weiter einige auf: die Wohnetagenhäuser in der unteren Martinsstraße, an deren Erkern im Jugendstil gehaltene Flachreliefs der vier Jahreszeiten ausgehauen waren, die noch erhaltenen für Herrn Wolff in der Hobrechstraße und solche in Arheilgen, das Haus Dr. Gerlach, Heidelberger Str. Nr. 81, vom englischen Landhausstil beeinflußte Villen, wie die von Herrn Gustav Hensell in Lenzburg oder seiner Fabrik Helvetia, die er sich von seinem Vetter Haas erbauen hatte lassen und schließlich die kleine Kirche in Viernheim.

Eine bezeichnende Anekdote mag den Architekten Has, der aus seiner Wiener Zeit eine Vorliebe für das Kaffeehaus besaß, und der bis zuletzt seinen Lieblingsplatz in der „Oper“ und im „Union“ hatte, von der menschlichen Seite her charakterisieren. Seine Tochter, Frau Anthes, erzählt: „Wenn während des Baues des Jacobischen Hauses freitags der Vater die Löhne auszahlte und das Silbergeld aus der Metzgerei geholt wurde, machte er erst eine Schüssel voll Seifenbrühe und wusch das Geld, das wir blank reiben durften. Dabei wurden wir

belehrt, daß, wenn ein Mann saubere Arbeit liefere, er auch ein Recht auf einen sauberen Lohn hätte. Das Geld mache auch mehr Freude, wenn es blinkt, und zuletzt verhindere man auch die Uebertragung von Krankheiten.“


Reinhardt Has •23.12.1850 - 16.12.1940
Reinhardt Has •23.12.1850 - 16.12.1940

Das Haus Jacobi, Ecke Wittmannstraße
Das Haus Jacobi, Ecke Wittmannstraße

Unter dem Eis lauert der Tod

vor Jahresfrist mußte ein Junge beim Schlittschuhlaufen in Darmstadt auf dem Steinbrücker Teich auf tragische Weise sein Leben lassen. Erwachsene versprachen, Hilfe zu holen, verschwanden und ließen sich nicht wieder sehen. Die ganze Last der Rettungsversuche bis zum Eintreffen der Polizei und der Feuerwehr, lag somit auf den Schultern von halbwüchsigen Knaben.

Die Deutsche Lebens- Rettungs-Gemeinschaft, deren Aufgabe es ist, den nassen Tod zu bekämpfen, gibt Hinweise zur Verhinderung von Eisunfällen und erteilt Richtlinien zur Rettung auf dem Eise Eingebrochener. Die Wurzel allen Uebels ist der Leichtsinn. Solange eine Eisfläche nicht freigegeben ist, darf sie aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Starker Schneefall ist ungünstig, da dünne Stellen nicht . erkannt werden können. Nicht um eine Einbruchstelle herum versammeln, da die Belastung zu groß ist! Polizei, Feuerwehr und Arzt müssen verständigt werden, inzwischen sind die entsprechenden Rettungsaktionen je nach Vorhandensein von Rettungsmaterial einzuleiten. Niemals darf das Eis aufgehackt werden, um mit einem noch zu holenden Boot die Rettung vorzunehmen.

Rettungsmöglichkeiten: Selbsthilfe des Eingebrochenen: Während des Einbrechens sofort die Arme ausbreiten. Dies bewahrt vor dem Sinken, man kann so wieder auf das Eis gelangen, und das Gewicht verteilt sich auf eine möglichst große Oberfläche. Mit ausgebreiteten Armen schiebt man sich vorwärts oder rückwärts, also auf dem Bauch oder auf dem Rücken liegend, aufs Eis, möglichst unter Anstemmen am gegenüberliegenden Eisrand.

Immer liegend, mit ausgebreiteten Armen und mit gegrätschten Beinen sich von der dünnen Stelle wegschieben. Weitere Hinweise bringen wir in den nächsten Tagen. *

Bessunger Turner feierten

Zur Weihnachtsfeier in der Turnhalle der Bessunger Knabenschule sprach in seiner Begrüßungsansprache der 1. Vorsitzende Salomon die Hoffnung aus, daß sich die Bessunger Turner im nächsten Jahr in der wiedererrichteten Bessunger Turnhalle zusammenfinden könnten. Mit. Ehrennadeln zeichnete er folgende Mitglieder aus: Herm Ho 11 et - Scheck, Alfred Eisenhauer, Christian Liebig, Nikolaus Scherer, Walter W e n n e und Ludwig P e tz i n - ge r. Das abwechslungsreiche Programm bewies, daß die Bessunger Turner außer ihren turnerischen Leistungen Humor und Gesang nicht vernachlässigen. Sehr ansprechend waren die Vorführungen im Ballspiel und Keulenschwingen der jungen Mädchen und das Barrenturnen der Männer. t—s

Kurze. aus der Stadt

Eine fröhliche Weihnachtsfeier veran¬ staltete die Starkenburger Molkereigenossenschaft im „Gasthaus zur Eisenbahn“ am 23. Dezember.

Ein kleines Schauturnen, verbunden mit einer Weihnachtsfeier für die Jugend führte die Turngesellschaft 07 Eberstadt am zweiten Feiertag im Gasthaus „Bismarck“ durch. Am Abend trafen sich die Mitglieder zu einem gemütlichen Zusammensein.

Eine Kinderbescherung veranstalteten die Naturfreunde Eberstadt am ersten Feiertag im Riedbergheim. Am Dienstag trafen sich die Erwachsenen zu einer Weihnachtsfeier.

Eine Mitgliederversammlung führt die Turngesellschaft 07 Eberstadt am 30. Dezember 20 Uhr im Gasthaus Eidenmüller durch.

Ein Jugendleiterlehrgang der Naturfreunde aus ganz Hessen begann am zweiten Feiertag im Riedbergheim in Eberstadt. Nachdem die Teilnehmer mit Einzelheiten des Lehrgangs vertraut gemacht worden waren, lernten sie sich im gemütlichen Zusammensein im Tagesraum näher kennen. Der Lehrgang schließt an Silvester mit einer Fahrt nach Offenbach ab.

Auf einem anhaltenden Lastwagen fuhr gestern nachmittag auf der Straße zwischen Darmstadt und Eberstadt ein in gleicher Richtung fahrender Personenwagen auf. Der Fahrer des Personenwagens wurde leicht verletzt. Es entstand ein Sachschaden von etwa fünfhundert Mark.

Auf der Autobahn ging der Kraftfahrzeugverkehr an den Weihnachtsfeiertagen infolge der Schneeverhältnisse stark zurück. Zeitweise lag die Autobahn vollkommen verlassen dar. Am gestrigen Tage stieg der Verkehr wieder auf ungefähr zehn bis zwanzig Prozent des Normälbetriebes an. Die Fahrbahn wurde, wie wir in Erfahrung brachten, geräumt, und soweit erforderlich, gestreut. Ein Zigarettenautomat erbrochen In der Kasinostraße wurde in der Nacht zum Bescherabend ein Zigarettenautomat gewaltsam erbrochen. Von den Tätern wurden die darin enthaltenen Süßwaren, Bargeld im Betrage von etwa einhundert Mark und die Zigaretten entwendet. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf.

Wohin wir heǔte?

Landestheater, Orangerie: 19.30—22.00 „Der Troubadour“. Stadthalle: 15.30 „Tischlein deck’ dich“. Lichtspieltheater: Siehe Anzeigenteil. Amerikahaus: 19.30 Farblichtbilder-Vortrag „Die Vatikanstadt und die neuen Ausgrabungen unter der Petersktrche in Rom“, Dr. Johannes Falk, Frankfurt/Main. — 14.30 und 17.00 Filmprogramm — Bibliothek und Ausstellung 10.00—17.00 Uhr. Hygiene-Lichthof. Neckarstraße 3a: 10.00—18.00 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.

Wie wird das Wetter ?

Frostwetter

Vorhersage: Auch am Donnerstag noch einzelne Schneefälle, langsame Frostzunahme. Tiefstwerte bis minus 5 Grad, nordöstliche Winde. Weitere Aussichten: Fortdauer des winterlichen Wetters.



STARKENBURG

Krawatten

HFL Nun ist es geschafft! Die Weihnachtsfeiertag sind vorüber, und nur die Gans ruht in fragmentarischen Einzelteilen als Gänseklein im Kochtopf, um die kommenden Tage bis zum nächsten Ersten mehrmals aufgewärmt zu werden. Vom Geld ist nichts übriggeblieben, die Alkoholica sind vertilgt und die Kuchenreste verkümmern als traurige Zeichen einstmaligen Wohlstandes in den Winkeln des Küchenschrankes.

Uebriggeblieben sind aber auch die Krawatten, von denen zu sprechen nach den Feiertagen fast ein Sakrileg ist. Dennoch — einmal muß es gesagt werden. Ich laufe sonst Gefahr, daß ich mich an einer dieser Krawatten aufhänge. Trotzdem es diese Weihnachten verhältnismäßig glimpflich abging — ich bekam nur siebzehn Stück geschenkt — habe ich mir vorgenommen, über Krawatten einen Nachruf zu verfassen, schon im Hinblick auf die vielen Männer, die mit zwanzig und mehr bedacht wurden.

Siebzehn Krawatten von siebzehn liebevollen Tanten, Freundinnen und Ehefrauen, siebzehn Erinnerungen an voreheliche Winterfreuden, an wuterfüllte Gratulationsgänge zu Erbtanten und ähnlicher Verwandtschaft, siebzehn Schicksalsschläge zu bunter Wolle oder Seide komprimiert. Am ersten Feiertag ging es los. Meine Frau behauptete, daß wir nun reihum uns bedanken gehen müßten, bei allen Tanten und Jugendfreundinnen. Selbstverständlich müßte ich jeweils die geschenkte Krawatte anziehen. Ich habe abgelehnt. Das hätte siebzehn Tage gedauert, abgerechnet die Sonn- und Feiertage, an denen man sich ja schließlich erholen muß. Ich machte es auf einen Schlag, zog ein frisches Hemd an, ein weißes, das war neutral, packte meinen Krawattensegen in eine Aktentasche und setzte mich in die Straßenbahn.

Schon beim Zahlen ging die Aktentasche auf und es ringelte sich schlangengleich auf den Boden, Krawatten in Rot und Gelb, in Wolle und Seide. „Reisen Sie in Krawatten?“, fragte der Schaffner. „Was kosten sie denn?“ Ich zahlte und stieg schweigend aus. An der ersten Straßenecke band ich mir eine Krawatte um. Die von Tante Euprhosyne. „Die andere ist von ihr“, sagte meine Frau. „Die mit der Tulpe.“ Tante Euphrosyne war gerührt. Sie fand, daß mir diese Krawatte außerordentlich gut stünde. Ich land es auch, bis ich sie auf der Straße gegen die Krawatte von Tante Emilie austauschte. Vierzehnmal ging es gut, dann fiel ich mit meiner Erfindung herein.

Hinter Litfaßsäulen, in den Toiletten der Cafes, in dunklen Hausgängen band ich Krawatten, rote und grüne Krawatten, ich schlang Knoten mit der nachtwandlerischen Sicherheit eines Betrunkenen, fand bewegte Worte für diese herrlichen Gaben und weinte bitterlich. Bei Tante Mia, deren Erbneffe ich bin, geschah die Katastrophe. Es ist eine sehr alte Tante, mit deren Erbe wir jedes Jahr rechnen. Eine spröde Tante, die nie einen Mann näher als auf zwei Meter gesehen hat. Ich schüttelte ihr gerührt die Hand und versicherte, daß diese ihre Krawatte der Clou aller Weihnachtsgeschenke gewesen sei. Es war auch der Clou, denn sie warf mich hinaus und rief meiner Frau nach, daß es mit der Erbschaft aus sei. So eine Unverschämtheit von einem Neffen!

Als ich im Treppenhaus in den Spiegel sah. merkte ich, daß ich die Krawatte meiner alten Freundin Lu umgebunden hatte, eine silberblaue Krawatte mit dem eingewebten Bild einer unbekleideten Frau.

Seit gestern trage ich Hemden ohne Kragen mit dem Gummiverschluß einer Bierflasche im Kragenknopf...

Kreisumlage bringt Haushalt in Gefahr

Waldmichelbach soll noch 16 000 DM Umlageerhöhung zahlen / Notstandsarbeiten erstmals auch im Hochbau

Waldmichelbach, (vir) - Bürgermeister Bachmann hatte die Gemeinderäte in der vergangenen Woche zur letzten Sitzung des Jahres zusammengerufen.

Zunächst hörten die Räte den Bericht von Gemeinderechner Schmitt über die Bilanzierung des Gemeindewasserwerks in den Jahren 1948 und 1949, sowie den Haushaltsvoranschlag für 1950, der mit 62 086,82 DM abschließt. Auf Grund des ausgeglichenen Etats darf gehofft werden, daß das Wassergeld ab 1. April 1951, falls keine unvorhergesehenen Ausgaben auftauchen, gesenkt werden kann.

Nach der Akzeptierung eines Vorschlages der Bundespostdirektion auf Ermäßigung des Wassergeldanteils der Omnibusgaragen auf 50 °/o, mit der gleichzeitigen Übernahme der Elektrokosten, dem Beitritt zum „Verein für die Betreuung Straffälliger“ und der Gewährung einer einmaligen Beihilfe für den „Verein Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ in Höhe von 20 DM hießen die Räte die Auszahlung von jeweils 10 DM für insgesamt 18 Waldarbeiterinnen als Weihnachtsbeihilfe gut, zumal durch ihre intensive Arbeit von insgesamt 80 000 Jungeichen bereits 50 000 in den Boden gebracht werden konnten.

Eine sehr lebhafte Debatte löste die Mitteilung des Landratsamtes aus, daß die Kreisumlage sich für die Gemeinde von 1400 0 DM auf etwas über 30000 DM erhöhen wird. Angesichts der Tatsache, daß der Haushaltsplan durch den Neubau des Sechsfamilienhauses und die bevorstehende Errichtung des Sport-, Kultur- und Jugendheimes, das mit einem Kostenaufwand von etwa 180 000 DM entstehen soll, sehr belastet ist, im Sommer aber wiederholt vom Landrat betont wurde, daß die Kreisumlage keine Erhöhung erfahre (sie entstand nicht prozentual, sondern durch Heranziehung bisher unbeachtet gebliebener Einnahmeposten), soll dem Kreisausschuß das Ersuchen unterbreitet werden, den Mehrbetrag von 16 000 DM zum Bau des Jugendhauses zu belassen. Im Zusammenhang mit ihm wird ein Antrag auf Durchführung von Notstandsarbeiten eingereicht werden, das Programm sieht 2000 Tagewerke vor, soll noch vor Einsetzen der Bausaison abgeschlossen sein und sich im Einverständnis mit dem Arbeitsamt Darmstadt versuchsweise und erstmals auch mit Hochbauarbeiten beschäftigen.

Zum Schluß wurde noch bekanntgegeben, daß die Gemeinde insgesamt 4305 DM an Weihnachtsbeihilfen ausgezahlt hat, davon etwa 700 DM aus Gemeindemitteln; hinzu kommen weitere 600 DM, die an karitative Organisationen, Vereine usw. ausgeworfen wurden.

Einbruch in „Villa Eck“

Zotzenbach, (vir) — Die öfter längere Zeit unbeaufsichtigte Villa Eck am Stallenkandel, die bereits zweimal ungebetenen Besuch zu verzeichnen hatte, wurde unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen erneut von einer offenbar mehrköpfigen Einbrecherbande heimgesucht. Da die Eigentümer erst jetzt aus Darmstadt zurückkehrten, wurde der Diebstahl relativ spät entdeckt. Die Diebe haben sich offenbar reichlich Zeit gelassen, da alle transportablen Gegenstände, die irgendwelchen Wert besaßen, mitgenommen, alles übrige aber inmitten der Zimmer angehäuft war.

Odenwälder Faschingsschlager 1951?

Siedelsbrunn, (vir) - An Weihnachten wurde die Dorfkomödie „Die Hinterwaldenbrunner“ von Lehrer Jungmann urauf geführt. Der Stoff fand eine gute Interpretation, für die der Autor als Regisseur selbst verantwortlich zeichnete. Sebastian Jost, Gras-Ellenbach, schrieb zu mehreren Liedertexten eine eingängige Musik, deren Hauptschlager „Ja. das ist Hinterwaidenbrunn“ im kommenden Fasching vielleicht zum Odenwälder „Nationallied“ werden dürfte, wenn das

Hergershausen. (RG) — In die hiesige Kinderschule wurde ein Einbruchsdiebstahl verübt, bei dem den Tätern Wolldecken, ein Pullover und eine Tischdecke in die Hände fielen. Die weitere Suche in Keller und Küche brachte ihnen keine Beute.

Sandbach vor großen Plänen

Bau einer neuen Volksschule / Aufbauschule für die Unterzent

Sandbach. (hm) Daß die Gemeinde Sandbach es nicht nur verstanden hat, einen der modernsten Rathausbauten Südhessens zu erstellen, sondern auch der Verbesserung der Schulverhältnisse weitgehendst Rechnung trägt, zeigten die in der Weihnachtswoche geführte« Verhandlungen, denenzufolge im kommenden Frühjahr ein neuer Schulhausbau errichtet werden soll.

Eine aus Ministerialdirektor Friedrich, Dipl.-Ing. Fuhrländer vom Regierungspräsidium Darmstadt, Regierungsbaurat S p e e 1, Kreisschulrat Schw am b , Regierungsbaurat Zö r - gieb el, Bürgermeister Müller und der Gemeindevertretung bestehende Kommission nahm aus diesem Grunde eine Ortsbesichtigung vor.

Obwohl das Sandbacher Schulhaus erst 1927 erbaut wurde, genügt es heute schon nicht mehr den gestellten Anforderungen. Der Neubau soll hinter der jetzigen Schule seinen Platz erhalten. Er wird der Volksschule und der hauswirtschaftlichen Abteilung der Berufsschule Raum bieten. Eine Turnhalle ist gleichfalls vorgesehen.

Als weiteres Projekt ist der Bau einer Aufbauschule in der Gemeinde geplant. Auch deren beabsichtigtes Gelände wurde von der Kommission besichtigt. Mit dem Neubau wäre nicht nur den Gemeinden Sandbach und Neustadt, sondern darüber hinaus auch den gesamten Schülern der Unterzent geholfen, deren umständlicher Weg nach Michelstadt in Wegfall gerate

Hochsaison der Hühnerdiebe Babenhausen. (NB) - Die Kette der Hühner- und Kleintierdiebstähle in und um Babenhausc<n riß auch am Weihnachtsfest nicht ab.

Am 23. Dezember konnte gegen 19 Uhr durch die Aufmerksamkeit der Einwohner ein erneuter Diebstahl am Harreshäuser Weg vereitelt werden. Zwei Täter im Alter von 20—25 Jahren wurden in ihrem Vorhaben gestört und flüchteten in Richtung Tschechenlager.

Am 24. Dezember wurde ein tschechischer Lagerinsassp gestellt, der in einem Koffer zwei in der voraufgegangenen Nacht gestohlene Hühner wegbringen wollte. Diese waren zusammen mit noch zwei weiteren Hühnern im Stall des in der Nähe des DP-Lagers liegenden Hauses der Geschwister Klingler gestohlen worden. Der Verdächtige wurde am Heiligen Abend in die Strafanstalt Dieburg eingeliefert, jedoch am 1. Feiertag mangels Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt.

In der Nachbargemeinde Harreshausen wurde im „Weißen Roß“ und in der Geflügelfarm Sahl ein Einbruchsversuch unternommen. An beiden Stellen wurden die Diebe ebenfalls gestört und verjagt. Auch sie schlugen bei ihrer Flucht die Richtung nach dem Regierungslager Babenhausen ein.

Groß-Umstadt. (RG) — Heute abend, 20 Uhr, findet im Sitzungssaal des Rathauses ein öffentliches Forum statt, auf dem u. a. die Frage „Curtischloß“ behandelt wird.

Unsere Geburtstagskinder

Silberne Hochzeit: Herr Peter Roß und Frau Elisabeth geb. Hennemann, Bickenbach a. d. 8., Pfungstädter Straße. 77. Geburtstag: Frau Elisabeth Heinlein geb. Mößinger, Groß-Bieberau, Ringstraße 15.

Weihnachtsglocken sind verklungen

Buntes Kaleidoskop weihnachtlicher Feiern aus unserem Verbreitungsgebiet

Noch einmal waren unsere Berichterstatter unterwegs und noch einmal brachte uns die Post eine Unzahl Berichte über Feiern, die während der Weihnachtsfeiertage stattgefunden haben. Ueberall waren zahllose Menschen am Werk, ihren Mitbürgern in diesen Tagen Gutes zu erweisen, ein paar besinnliche oder fröhliche Stunden, losgelöst vom Alltag, zu schenken. Wir sind zutiefst traurig, nicht in der Ausführlichkeit berichten zu können, die dem Wert dieser Arbeit angemessen wäre. Man möge darum bitten wir — dafür Verständnis haben und in den wenigen Zeilen, die wir für jede Veranstaltung aufwenden konnten, unseren guten Willen erkennen. Denen aber, die an den Feiern nicht teil nehmen konnten, .möge unser zusammengefaßter Bericht zeigen, daß die Menschen, die guten Willens sind, in unserem Lande immer noch im Dienste des Gedankens der Weihnacht arbeiten: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“.

Bensheim-Auerbach. (HB) Der Kleingärtnerverein veranstaltete am Abend des ersten Feiertages dm „Kühlen Grund“ seine * Weihnachtsfeier, bei der durch eine Künstlertruppe ein reichhaltiges Varieteprogramm geboten wurde. Bis zum Morgen spielte die bekannte „Wela-Band“. — Die Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Sozialrentner und Kriegshinterbliebenen bescherte am zweiten Weihnachtsfeiertag etwa 60 Kindern. —Am Nachmittag des gleichen Tages feierten die Oberklassen der Volksschule ihre Weihnacht. Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Aufführung des Märchens „Jorinthe und Joringel“. — Gesangverein „Liedertafel“ hatte zur gleichen Zeit seine Mitglieder in den „Kühlen Grund“ zu einer Weihnachtsveranstaltung ein geladen.

* Zwingenberg. (HB) Einen großen Weihnachtsball veranstaltete der Männergesangverein „Sängerkranz 1832“ im „Adlersaal“, bei dem neben Vorträgen des Männerchores und Sololiedern des Tenors August Rasch Mitglieder des Vereins das Volksstück: „Und wieder blüht der Lindenbaum“ aufführten.

* Fränkisch-Crumbach. (öf) Im Saale der Traube veranstaltete die Schule eine Weihnachtsfeier, bei der das Märchenspiel „Goldchen“ zur Aufführung kam. Heute abend soll das Theaterstück wiederholt werden. Der Erlös wird Bedürftigen, Alten und Kranken zugute kommen. *

Groß-Gerau, (eng) Eine große Anzahl Kinder hatten sich am Samstagnachmittag im GYA-Heim zusammengefunden, um gemeinsam eine kleine Weihnachtsfeier zu erleben. Heimleiter Buß eröffnete die Feier, in deren Verlauf die Kinder ihre Gäste mit Spiel, Gesang, Tanz und Gedichtvorträgen unterhielten. Später erschien der Weihnachtsmann und verteilte Geschenke. ■— Die Stadtverwaltung hatte am Heiligen Abend etwa 40 alleinstehende Heimatvertriebene im Stadtcafe Menne bewirtet und beschenkt. Frau v. Vogel umrahmte die Feierstunde mit Vorträgen am Klavier, Horst Koehler sang heimatliche Lieder und spielte auf der Handharmonika. Der Ortsvorsitzende der I. d. H. Groß-Gerau, Pietsch, dankte dem Bürgermeister und seinen Helfern für den schönen Abend. — Im Saale des Gasthofes „Zum weißen Roß,, wurde am Samstag im Rahmen einer schönen Weihnachtsfeier etwa 80 Kindern Groß-Gerauer Heimatvertriebener beschert. Fräulein W a t z 1 i k , die Schwester des bekannten Böhmerwald-Dichters, erzählte Weihnachtsmärchen aus der Heimat. — Auch der Handharmonikaspielring veranstaltete wie in jedem Jahre sein Weihnachtskonzert. Unter Leitung seines Dirigenten Heinrich Heß bot das Orchester am ersten Weihnachtsfeiertag ein Programm, das sich von ernster bis zur modernen Tanzmusik erstreckte. Am Abend wurde vom gleichen Verein ein „bunter Abend“ durchgeführt, bei dem das kleine Theaterstück „Die Geisterstunde“ stürmisch applaudiert wurde. 'Christian Schmidt führte mit einer heiteren Ansage durch das weitere Programm. — Auch der Turnverein 1846 hatte seine Mitglieder in der Turnhalle versammelt. Turnbruder Bingel hatte ein neues Theaterstückchen „Kaffeeklatsch bei Hampelmanns“ geschrieben, das zur Aufführund gelangte. Auch die schon mit Erfolg über die Bretter gegangene ~Ochsen jagd im Gerer Wald“ des gleichen Autors fand ihren verdienten Beifall. Der Weihnachtsmann überbrachte zum Schluß Geschenke. — Eine Anzahl Kranker, die Schwestern, die Aerzteschaft, die Pfleger, Vertreter der Behörden und der Kirche, Bürgermeister Lüdecke und die Gemeindevertreter fanden sich am Nachmittag des Heiligen Abends im Stadtkrankenhaus zu einer schlichten Weihnachtsfeier zusammen.

th. — Der Landrat des Landkreises Groß-Gerau hatte die Bediensteten seines Amtes, den Kreisausschuß sowie die Stadtverwaltung Rüsselsheim am Freitag vor Weihnachten in die Rüsselsheimer Stadthalle zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Nach der Begrüßung durch Amtmann Seipp wurde ein auserlesenes Programm dargeboten, dessen erster Teil der vorweihnachtlichen Stimmung Rechnung, während der zweite Teil auf Unterhaltung abgestimmt war.

Erfelden. (Wim) Am zweiten Weihnachtsfeiertag hielt der KCD in seinem Bootshaus bei Kuchen und steifem Grog eine „zünftige“ Paddler-Weihnachtsfeier ab. Bei manch fröhlichem Paddlerlied und einer Schneeballschlacht vergingen die Stunden leider nur zu rasch.

Groß-Bieberau. (GD) Vor vollbesetztem Saale veranstaltete die Volksschule ihre Weihnachtsfeier. Gedichte und Chöre der Schüler wechselten in bunter Folge. Besonderen Anklang fanden die Theaterstücke „Ein Sternlein, das vom Himmel fiel“ und „Weihnachten in der Pecherhütte“.

Ernsthofen. (Hm) Schüler der Volksschulen Asbach und Ernsthofen führten am 1. Feiertag in der Pfarrkirche ein Krippenspiel auf, das am 2. Feiertag infolge, starken Andranges wiederholt werden mußte. *

Babenhausen. (NB) Der Gesangverein „Eintracht 1878“ hatte am 1. Feiertag im Saale des „Löwen“ zu seiner Weihnachtsfeier eingeladen. Chöre und Musikstücke, sowie das Theaterstück „Das Weihnachtsios“, umrahmten die wohlgelungene Feier. — Der „Volkschor-Sängerbund 1840“ führte am gleichen Abend im Adlersaal seine Weihnachtsfeier durch. Hier war es das Weihnachtsstück „Wenn die Weihnachtsglocken läuten“, das ebenfalls zusammen mit Musikstücken und Chorvorträgen die rechte Feststimmung brachte.

Harreshausen. (NB) Die von Bürgermeister Hartmann sei dem Vorsitzenden des Turn, und Sportvereins, zusammen mit der „Sängerlust“ im „Weißen Roß“ angeregte Weihnachtsfeier, erfreute sich eines regen Zuspruchs. Pfarrer Ufer und Bürgermeister Hartmann hielten die Ansprachen. Chöre und turnerische Darbietungen gestalteten u. a. das Programm. Der Reinerlös des Abends wird dem Glockenfonds zugeführt.

Wixhausen. (1k) Im Gasthaus „Zur Traube“ hielt der Verband der Körperbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner seine Weihnachtsfeier ab, bei der Vorsitzender H e d e r und Bürgermeister B ü c h s e 1 sprachen. Der Nikolaus beschenkte 60 Kinder mit Kleidungsstücken und Gebäcktüten.

— Am Heiligen Abend wurde von der Gemeinde unter dem Christbaum an der Falltorstraße eine Weihnachtsfeier veranstaltet, die von der Blaskapelle des Musikvereins und der Gesangsabteilung der „Sportgemeinde“ durch Weihnachtschoräle und -chöre umrahmt wurde. — Den kleinen Besuchern des Kindergottesdienstes wurden durch Pfarrer Schuchmann Geschenke überreicht. — Im weihnachtlichen Gottesdienst in der evangelischen Kirche sangen Heinz Lang und zwei Schulklassen. An der Orgel wirkte E. Knorr. Die Predigt hielt Pfarrer Schuchmann.

Dieburg. (RG). — Weihnachtsfeiern sind im Jahreskalender der Vereine ebenso feststehende Termine, wie das alljährliche Stiftungsfest. So waren denn auch die großen Säle der Kreisstadt über die beiden Feiertage angefüllt von vielen hundert Menschen, die zur gemeinsamen Feier gekommen waren. Die Vortragsfolgen waren zum Teil weihnachtlich, zum Teil auf frohe Stunden abgestellt.

In der „Lüdwigshalle“ ließen sich mehr als 600 Besucher beim Kellerschen Männergesangverein von Lied und Spiel unterhalten. Adam Simmermacher jr. brachte den Dank der aktiven Sängerschar an dje vielen Freunde in fein zusammengestellten Chorvorträgen zum Ausdruck. In einem Spiel für die Weihnachtszeit „Des Liedes Macht“ und einem lustigen Einakter „O diese Männer“ zeigten sich mehrere Sänger auch als geschickte Theaterspieler. Das kürzlich ins Leben gerufene Sextett wurde mehrfach zu Zugäben gezwungen. Präsident Kern verband am Schluß der Veranstaltung mit seinen Wünschen fürs kommende Jahr den Dank seiner Sänger für die Vereinstreue der Mitglieder in dem nun zu Ende gegangenen 75. Jubiläumsjahr des Kellerschen MGV.

Am 2. Feiertag füllten die Anhänger der Freien Sängervereinigung den gleichen Saal. Nach einem Begrüßungschor ging das Odenwälder Volksstück „Sou mußt’s kumme“ über die Bretter.

Im „Mainzer Hof“ waren zur gleichen Zeit die Mitglieder, Freunde und Gönner der „Sängerlust“ zusammengekommen, um in Anwesenheit ihres Ehrenpräsidenten, Staatssekretär Dr. Steinmetz, gemeinsame Feststunden zu verleben. Auch hier war es der aktive Chor unter Walter Holzapfel, der mit einigen Liedvorträgen zwei Theateraufführungen umrahmte. Präsident Steinmetz, der die Gäste herzlich begrüßte, nahm im Laufe des Abends zusammen mit dem Kreisvorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Sängerbundes, Direktor Fleckenstein, zwei Ehrungen vor: Rektor i. R. Richard Horn wurde für 50jährige Sängertätigkeit die goldene Ehrennadel des ADS überreicht, Johann Georg Steinmetz erhielt für 40jährige Sängerschaft eine Ehrenurkunde, August Spieß und Georg Franz für 25jährige Tätigkeit die silberne Ehrennadel des Vereins.

Im „Grünen Baum“ hatten sich Mitglieder des Ortsvereins des DRK und als Gäste zahlreiche Heimkehrer eingefunden. Vorsitzender Reiß begrüßte mit ihnen die „Vier Rolandos“ vom CC und den Vortragskünstler Wettengel, die zur frohen Ausgestaltung des Abends beitrugen. Für die Gäste dankte der durch die Vermittlung des DRK aus Kriegsgefangenschaft in Aegypten zurückgekommene Heimkehrer Köhler. Auch dieser Abend gab Gelegenheit zu besonderer Ehrung. So erhielten Peter Thomas, der seit dem 1. Weltkrieg im Roten Kreuz arbeitet, eine Urkunde der Kreisstelle für 36jährige Dienstzeit; den Ehrenmitgliedern Karl Enz. Jakob Hahn, Heinrich Henrich, Josef Kaiser, Heinrich Kern, Fritz Kühn und Josef Staudt wurde die neue deutsche RK-Nadel verliehen.

Lorsch, (bl). — Die Jugendgruppen der katholischen Jugend sangen am Heiligen Abend auf dem Marktplatz mit alten und neuen Weihnachtsliedern das Christfest ein. ■— Weihnachtlichen Charakter trugen auch die Familienabende der Freiwilligen Feuerwehr im „Weißen Kreuz“ und des Gesangvereins „Liederkranz“ in der „Frischen Quelle“ sowie die Veranstaltung der Turn¬ " Vereinigung in der Turnhalle.

e Roßdorf, (n) — Im Saale Plöser veranstaltete der Ortsverband der Heimatvertriebenen eine schlichte Weihnachtsfeier, in der nach einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Kurz, zwei Theaterstücke von den Kindern aufgeführt wurden. Dank zahlreicher Spenden konnten nahezu hundert Kinder beschert werden.

Weihnachten im „Olystift"

Auch bei den Fürsorgezöglingen der Stadt Darmstadt war Weihnachten ein Fest der Freude

Gräfenhausen. (gv) — Auch für die Insassen des „Olystifts“, jenem Heim der Stadt Darmstadt, in dem Kinder und Jugendliche, die aus irgend einem Grunde in Fürsorgeerziehung genommen werden mußten, war Weihnachten ein Fest der Freude. Zur Zeit befinden sich dort 120 Jungen und Mädchen.

Schon die Wochen vorher standen im Zeichen der Vorbereitung des Festes. Der erste Advent hatte alle Kinder des Heimes in einer abendlichen Feierstunde vereint, in der Lieder und Gedichte vorgetragen wurden. Am Nikolaustag erreichte die Vorweihnachtszeit dann ihren Höhepunkt. Manch Kindergesicht drückte bange Erwartung aus, als sich durch lautes Pochen an der Tür des Festsaaies der Weihnachtsmann ankündigte, der seinen schwarzen Knecht mit der Rute nicht vergessen hatte. Aber der freundliche Alte zeigte noch einmal ein Einsehen auch mit denen, die sich nicht ganz so geführt hatten, wie es wünschenswert wäre, wenn sie nur bereuten und Besserung versprachen.

Den zweiten und dritten Advent begingen die einzelnen Abteilungen mit kleinen Feierstunden, die von den Erziehern und Kindern gemeinsam gestaltet wurden.

Dann war es endlich soweit: Der Tag der Weihnacht war da. Viel Mühe war von allen aufgewendet worden, um das Fest würdig zu begehen. Schon wochenlang vorher war man mit Bastelarbeiten beschäftigt, um sich gegenseitig beschenken zu können. So hatten die Mädchen Handarbeiten für die Buben angefertigt und die wiederum Puppenmöbel und andere Dinge für die Mädchen. Ein jeder half dem andern und die Erzieher drückten ein Auge zu. wenn hie und da bi's spät in die Nacht noch ein Lichtlein brannte, bei dessen Schein emsig gearbeitet wurde.

Am Heiligen Abend versammelten sich dann alle zur gemeinsamen Weihnachtsfeier. Als Gast waren Stadtrat Schrauth nebst Gattin erschienen. Einen unveräöschlichen Eindruck hinterließ bei Kindern und Erwachsenen ein neben Lied- und Gedichtvorträgen aufgeführtes Engelsspiel, das von dem Fest der Liebe und des Friedens unter den Menschen kündete. Danach verlas der Heimleiter die Botschaft von der Geburt Jesu. Stadtrat Schrauth begrüßte in herzlicher Weiise die Kinder des Heims und überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters und Magistrats. Sein Dank galt vor allem den Erziehern des Heimes, die zwar einen schweren Dienst zu versehen hätten, aber dafür einen um so schöneren, junge Menschen zu bilden.

Nach Beendigung des Programms und der geleinsam eingenommenen Abendmahlzeit begaben sich die Kinder der einzelnen Abteilungen in ihre Häuser, wo die Bescherung der Kinder stattfand. Für die Jungen gab es noch eine besondere Ueberraschung. Im Schulsaal war eine große Modelleisenbahnanilage aufgebaut. Schon am ersten Abend herrschte hier großer Andrang.

So war auch das Weihnachtsfest im „Olystift“ für Kinder, die nicht nach Hause konnten oder kein Zuhause mehr haben, ein wirkliches Fest der Freude.

„Der armen Deutschen Krippenspiel"

Letzte Aufführung am Silvesterabend in Michelstadt

Michelstadt, (ch) Zu einem nicht alltäglichen Erlebnis wurden die beiden Aufführungen des von Prof. -Geb¬ har d t einstudierten und geleiteten Krip¬ penspiels von Kurt Schulz „Der armen Deutschen Krippenspiel“ am Samstag und am 2. Weihnachtsfeiertagabend in Michelstadt unter der Säulenhalle des historischen alten Rathauses.

Zauberhaft schön fügte sich das Spiel in die malerische Szenerie des Rathausplatzes mit den alten Fachwerkhäusern, dem Marktbrunnen und der Stadtkirche ein. Hunderte von Zuschauern aus allen Orten der Umgebung harrten im Schnee geduldig aus.

Die Inszenierung ließ den alten Routinier erkennen. Prof. Niedecken-Gebhardt, der an der Universität Göttingen Theaterwissenschäft lehrt und u. a. bereits an der Metropolitan-Opera in Neuyork tätig war, ließ das Spiel zu einem Spiegel werden für unsere Zeit. Die Darsteller, gepflegt in Sprache und Mimik, allen voran Hans Bu r z als Sprecher Namenlos, ferner die Spielschar des Realgymnasiums Michelstadt unter Leitung von Fräulein Dr. Seibold und der Michelstädter Singkreis unter Leitung von Dieter Niedecken, verstärkt durch einige Instrumentalisten, sowie Fräulein Krenkel an der Orgel der Stadtkirche fügten sich zu einem fein abgestimmten Ensemble zusammen. Mit sparsamen Mitteln hatte Helmut Hofmann ein ansprechendes Bühnenbild geschaffen, dessen Reiz durch die geschickten Beleuchtungseffekte von Croissand erhöht wurden. Das Krippenspiel wird am Abend des Silvestertages um 18 Uhr zum letzten Male aufgeführt.

Wersau. (GD). - Am 30. Dezember findet im Gasthaus „Zum kühlen Grund“ das diesjährige Polizeiwinterfest des Gendarmerie-Kreiskommissariats Dieburg statt.

Mr. Edwin C. Pancoast


der neue Resident Officer des Kreises Dieburg
der neue Resident Officer des Kreises Dieburg

Feuilleton

Weihnachten bei Puccini

„LA BOHEME“ IN NEUER INSZENIERUNG

Em weihnachtlicher Ausflug ins Pariser Quartier Latin. Wie einst schmachten, singen, pfeifen, hungern und lachen, lieben und kokettieren Murgers unvergeßliche Boheme-Figuren in Puccinis üppiger Opernmelodik. Wie einst mischen sich die unsterblichen Geschöpfe Puccinis mit dem Leben der Sterblichen, ähnlich den mit Glasperlen bestickten und Farbstaub bedeckten Pariser Postkarten, die selbst bei realer Zeichnung noch das romantisierende Kunstgewerbe einer vergangenen Zeit in die Gegenwart hinüberretten möchten. Beide wollen Wirklichkeit vortäuschen und erscheinen doch jetzt nur als traumhafte Legende, als Märchen — allerdings mit Menschen von Fleisch und Blut, Leib und Seele, die uns irgendwie nahe blieben und, wenn sie nicht gestorben sind, noch heute leben. Bei dieser märchengleichen Empfindung packt uns Puccini. Das Paris Murgers wird erneut zur Gegenwart erhoben.

Der Regisseur Curt Haug steigert diesen Gedanken des musikalischen Verismus, der Wirklichkeitsschilderung. Er läßt wieder die kurzen Textauszüge des Romans vor jedem Aufzug sprechen, die Puccini den vier Bildern seiner Boheme voranstellte. Sie leiten in das Spiel: So war es — so ist es, über. Man glaubt gern daran, denn Elli Büttner trifft mit den entworfenen Kostümen das Milieu und der gastierende Fühnenbildner Paul Pilowski verstärkt mit seinen Bauten die Illusion. Schon die gleißend, dunkle Prospekt-Projektion, vor der Ellen Krug unter Sonderapplaus mit Murgers Worten von der Unsterblichkeit im Leben der Ville lumiere spricht, schafft irgendwie Atmosphäre, weitet auch das übermütige Weihnachtsmarktbild. Mit knappen naturalistischen Zügen sind Dachkammer und Schauplatz an den Zollschranken skizziert. Es ist wirklich nichts Außergewöhnliches, was das Auge zu sehen bekommt, aber das wenige verrät Stil und Einheitlichkeit, es drückt dem Geschehen auf der Bühne einen gestaltenden Willen auf.

Leider verfängt sich durch die architektonisch gelungene „Einfachheit“ der Regisseur zu sehr im Altgewohnten. Er hat dabei teils auch noch Raumangst und reagiert darauf mit unnötiger Lauferei zu Beginn des ersten und im dritten Akt, mit Gesang an der Rampe im zweiten Akt (immer Marcel) oder hinter den Kulissen (Mimi und Rudolf). Einzeldarsteller und Gruppe spielen noch zuviel Theater, lassen noch die Ensemblekunst, die natürliche und einheitliche Führung vermissen, um so mehr, als betonte Ansätze einer gedanklich umrissenen Regie sich abzeichnen.

Die musikalische Leitung von Hans Mikorey hält es mit den dynamischen Kontrasten und den Details. Um das leichte orchestrale Parlando, die solistischen Farbimpressionen ranken sich rauschende Klangvisionen, gegen die die Sänger nicht immer ganz aufzukommen vermögen. Aber es wird im allgemeinen präzise musiziert, besonders in den zahlreichen vokalen Ensemblesätzen. Die Chöre, von Paul Cadow einstudiert, stehen dem nicht nach. Franz Köth und Charlotte Raab (Rudolf und Mimi) singen sich von Bild zu Bild tiefer in ihre Rollen ein, charakterisieren ergreifender ihre Gestalten, bleiben aber nicht ganz ohne Hemmung vor dem gefährlichen Sentiment. Die Musette von Ruth Wilke neigt in ihrer Lebendigkeit allzusehr zur Chansonette — im Gesang, nicht im Spiel. Aber sie gefällt wie immer. Theodor Maaß (Marcel) singt gut, ist im Spiel zu theatralisch und wird dadurch farblos. Das Bohemiens-Quartett ergänzen sehr sympathisch Heiner Horn (Schaunard) und Heinz Prybit (Colline). Rolf Meybom, Georg Koop, Ferdi Küppers, Karl Wiest, Emil Deckart vervollständigen in erfreulicher Art die Solistenpartien.

Der musikdramatische Elan dieses Werkes fand wie eh und je den großen Beifall des ausverkauften Hauses, das sich gern in den Bann der schönen Bühnenbilder, der klangvollen Stimmen und der musikalisch bewegten Handlung ziehen ließ. G. I.


Kohlezeichnung: Winter am Top-See (Finnland)
Kohlezeichnung: Winter am Top-See (Finnland)

Moritz wird frisiert

VON FRIEDRICH FRANZ GOLDAU

Moritz saß verschämt und betrübt vor der Haustür des Rentners Huber. Sein langhaariger, schwarzer Anzug war verfilzt und sein Schnurrbart glich dem eines Stromers. Schuldlos verkommen hockte er da. Da kam der Hundescherer daher, besah sich den Pudel und sah zu Herm Huber hinauf, der aus dem Fenster schaute.

„Schöner Pudelhund, Herr", sagte der Scherer, und Huber antwortete: „Ja, schöner Hund das.“

„Aber der Hund muß geschoren werden“, sagte der Scherer. „Ja“, nickte Herr Huber. „Das muß der Hund wohl.“

„Ich will ihn mitnehmen und scheren. In einer Stunde bringe ich ihn wieder."

~Ganz wie Sie wollen. Mir eilt's damit nicht.“

Der Hundescherer packte Moritz bei den Ohren, und Moritz, der anscheinend ahnte, daß es seiner Verschönerung galt, lief willig mit. Eine Stunde später erschien der Scherer wieder bei Herrn Huber. „Der.Hund ist geschoren.“

„Ja“, nickte Herr Huber. „Der Hund ist geschoren.“

„Zwei Mark werden gewiß nicht zuviel dafür sein?“

„Sicher nicht“, antwortete Herr Huber. „Zwei Mark werden gewiß nicht zuviel dafür sein.“

„Also. Zwei Mark kriege ich denn."

„Ja, ja“, nickte Herr Huber. „Sie kriegen zwei Mark. Lassen Sie sich zwei Mark von dem geben, dem der Hund gehört. Mir gehört der Hund nicht. Und jetzt seien Sie auch so gut und machen Sie, daß Sie mit dem Hund weiterkommen.“

Bauz! hatte Herr Huber die Tür zugeworfen und der Scherer stand mit dem Pudel vor dem Hause. „Du Lumpenvieh“, brüllte er Moritz jetzt an. „Wie konntest du dich so frech vor anderer Leute Tür hinsetzen? Wer gibt mir jetzt meine zwei Mark? Gleich schmeiß ich dich an die Wand und laß dir das Fell abziehen.“

Moritz hatte für diese Sprache ein feines Gehör. Gerade war sein Anzug so stattlich geworden, da sollte er ihn sich endgültig ausziehen lassen? Moritz heulte und winselte die Leute zusammen. Sie fragten den Scherer: „Gehört der Hund Ihnen?“

„Das Lumpenvieh? Nee!“ verneinte der Scherer.

„Dann lassen Sie den Hund gefälligst sofort laufen.“ „Wenn Sie mir zwei Mark geben.“

„Was, elender Kerl, für den gestohlenen Hund willst du zwei Mark haben“, schrien die Leute und verprügelten den Scherer. Moritz, der auf die Beine kam, riß aus. E» war seine Wolle los. Warum der Scherer sich mit den Leuten stritt, war nicht seine Sache.

Eine Fahrt auf Leben und Tod

VON PETER FREH

Wenn Sie mich nach meinem stärksten Jugenderlebnis fragen, dann brauche ich nicht lang zu überlegen, meinte Rechtsanwalt Köhler lächelnd. Die Herren standen plaudernd im Anwaltszimmer des Landgerichts in D., und Doktor Köhler, der bekannte Verteidiger, dessen Plädoyers berühmt waren, begann sogleich.

Wir waren fast ausschließlich Jungen aus der Großstadt, als wir im Sommer 1918 zu Bauern aufs Land kamen, um bei der Ernte zu helfen. Mir gefiel’s dort großartig — bis auf die Tatsache, daß wir nun plötzlich den „Umgang mit Pferden“ lernen müßten; das Pferd aber, so schien es mir anfangs, war in der Tat ein wildes Tier, das dem Menschen nach dem Leben trachtet. Die meisten von ihnen hatten Mucken, größere und kleinere, und es gehörte schon eine Portion Routine dazu, um ohne Huftritte oder sonstige Schikanen davonzukommen.

Und dann wurde uns eines Tages ein sogenanntes Beutepferd zugeteilt, ein schönes, wenn auch etwas aus der Form geratenes Tier, aber widerspenstig und zu nichts zu gebrauchen. Der Bauer, der selbst drei Jahre an der Front gestanden hatte und um Leistung

und — Leid der Kreatur im Krieg wußte, versuchte es mit allen Mitteln, wie sie ein gutes und tierliebendes Herz eingibt, vergebens.

Wer freilich mochte wissen, woher die Renitenz kam, wer konnte ergründen, welche Erlebnisse und Schrecken auf das arme und nun sichtlich verwirrte Pferdehirn eingestürmt waren?

Schon dachten wir daran, den Schwarzen wieder abzugeben, nur ein letzter Versuch sollte noch unternommen werden. Zusammen mit der besonnenen Fanny wurde er vor einen der schweren Erntewagen gespannt, um von einem großen Feldstück, etwa eine Viertelstunde entfernt, die letzten Weizengarben heimzuholen.

Das Pflaster des Hofs dröhnte vom wilden Hufschlag, höchst indigniert und wohl auch nicht ohne Sorge blickte die braune Fanny auf den ungebärdigen Kameraden an der Deichsel und auch auf uns zwei, die wir auf dem Wagen standen.

Aber der Bauer ließ nicht locker. Im Trab ging es zum Tor hinaus, auf die Dorfstraße. Doch dieser Trab, der mir schon recht bedenklich nach Galopp ausschaute, dauerte keine Minute, dann riß der wie rasend um sich schlagende Schwarze den friedlichen Gefährten an seiner Seite mit — der Weg zum Feld war in wenigen Minuten zurückgelegt.

Erschreckt und mit bleichen Gesichtern blieben unterwegs die Leute stehen und sahen uns entgeistert nach: es war eine Fahrt auf Leben und Tod!

Das kleinste Hindernis, ein Moment, in dem der Fahrer die Herrschaft über die rasenden Tiere verlor, und wir hätten mit gebrochenem Genick im Straßengraben gelegen. Aber unentwegt, mit eisernem Griff, hielt die Hand die Zügel: wir erreichten das abgemähte Feld, dessen harte Stoppeln den Widerstand für die Räder erhöhten.

Doch erst als wir zwei-, dreimal kreuz und quer über den Acker gejagt waren, ließ das mörderische Tempo der Pferde etwas nach, nicht freilich der Bauer, der nun auch die Kraftprobe ganz bestehen wollte. Jetzt nahm er die Hand nicht weg, jetzt trieb er, fünf-, sechsmal noch, den Schwarzen rund um das weite Feld, bis er mit zitternden Flanken von selber stehen blieb und aus großen und verwirrten Augen den Mann anschaute, der absprang, um ihm den schweißtriefenden Halz zu klopfen.

Nie werde ich das Bild vergessen: den Schlußakt einer „Pferdekur“ —nicht im bösen Sinn, denn wir fuhren in diesem erbitterten Zweikampf ohne Peitsche und ohne Gebrüll oder Geschrei, es war wirklich ein männlicher Kampf gewesen: Kraft gegen Wildheit, zähmender Wille gegen entfesselte Leidenschaft. Ebensogut hätte der Mensch unterliegen können, kurzum, es war ein durchaus ehrliches Spiel, das wir gewonnen hatten. —

Seltsam genug übrigens, daß von Stunde an der Schwarze nicht mehr tobte; er wurde ein famoser Stallgenosse, und als ich ihn nach Jahren wiedersah, hätte ich in dem inzwischen schwer und füllig gewordenen kaum das wilde Kriegspferd aus dem Sommer 1918 erkannt.

Jagd auf den Elch

AUS DEM REISETAGEBUCH VON PETER PITT

Das Gleiten der Schneeschuhe im Harsch ist das einzige Geräusch. Ab und zu gellt der Schrei des Eisvogels über der unendlichen Weite des Topsees im Herzen Kareliens.

Wir nutzen die wenigen Stunden der Dämmerung eines Mittwintertages, um unsere Vorräte zu ergänzen, die in der Zeit des ständigen Schneefalls bedenklich zusammengeschmolzen waren. Aavo Kilpinnen spurt vorweg, und während er auf den Weg achtet, suchen meine Augen nach jeder, auch der kleinsten Spur im Schnee. An Büschen mit weißem weichen Schneepluster führt unser Zug vorbei, an Bäumen, von deren Aesten noch nicht die Last des Schnees gefallen ist. Wir klettern über von den. letzten Herbststürmen gestürzte Baumriesen, streifen weit herabhängende Zweige der Birken und schütteln uns den dabei herabfallenden Schnee aus den Kapuzen. Und immer geht es am See entlang. Mal ist seine Fläche weiß vom Schnee, mal ist sie schwarz, weil der Wind sie blankgefegt hat und das Eis zutage tritt.

So mögen wir wohl eine Stunde hinter uns gebracht haben.

„Hier muß der Elch stehen“, meint Aavo.

Unsere kleine Gruppe hat einen Buchenschilag erreicht, an. dessen Rand mein finnischer Freund seinen Hochsitz errichtet hatte. Vor uns liegt in Richtung zum See eine tief verschneite Lichtung,' die wir im Sommer Märchenwiese tauften, weil sie wie kaum ein anderer Platz in diesem herrlich-wilden Lande schön ist. Auf der anderen Seite der Lachsbucht raucht der Schornstein einer einsamen Fischerhütte, gerade noch mit bloßem Auge erkennbar.

Die Zeit des Wartens wird nicht lang. Bald ist es ein Schneehuhn, das ruksend durch das Unterholz streicht, bald schnürt Meister Reinecke vorüber, oder es hoppelt ein kleiner Schneehase, sich in seinem weißen Winterpelz kaum vom Schnee abhebend, über die Märchenwiese.

Und dann kommt er — der König der nordischen Wälder. Allein, stark und stolz seine gewaltigen Schaufeln tragend. Groß und mächitig aus dem Gebüsch heraustretend, steht er da und nimmt Witterung. Der Wind ist gut und Aavo hätte schießen können. Doch er verhält und — setzt sein Gewehr, das schon im Anschlag war. wieder ab.

„Er ist zu groß und zu schön, ich kann nicht“, spricht er leise, als der Elch gleich einem König schreitend über die Lichtung wechselt und im Gebüsch verschwindet.

Ein paar Mal hallt die Einsamkeit der finnischen Wälder von. unseren Schüssen wider. Kleinzeug — Hasen und Hühner — verstauen wir in unseren Rucksäcken.

Dann ist wieder das Gleiten der Schneeschuhe im Harsch das einzige Geräusch. Ab und zu gellt der Schrei eines Eisvogels über der unendlichen Weite des Topsees im Herzen Kareliens.

Notizen

Die Kranichsteiner Musikgesellschaft ver¬ anstaltet am Freitag, dem 29. Dezember, um 20 Uhr, auf der Mathildenhöhe (Ausstellungsgebäude) einen Liederabend. Die Sopranistin Carla H e n i u s , Kaiserslautern, wird weihnachtliche Gesänge aus Emst Peppings „Liederbuch nach Gedichten von Paul Gerhardt“ vortragen. Hans Helbach, Darmstadt, hat die Klavierbegleitung übernommen.

Eine HOprozentige Zunahme der Besu¬ cherziffern im ersten Quartal der neuen Spielzeit können die Städtischen Bühnen Gelsenkirchen verzeichnen, wo Hans Meißner (früher Frankfurt) neuer Generalintendant ist. se

Dr. Karl Schlechta, planmäßiger Extraordinarius für Philosophie an der Universität Mainz, wurde zum Ordinarius für Philosophie an die Technische Hochschule Darmstadt berufen. se

Eine Gesellschaft für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie ist in Frei- bürg gegründet worden, der als Forschungsstätte neben den von Vorstandsmitgliedern geleiteten Universitäts-Instituten das von Professor Hans Bender gegründete freie „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg“ zur Verfügung steht. Die neue Gesellschaft hat sich die Erforschung des Gesamtbereiches des sogenannten Okkultismus zur Aufgabe gemacht. Dem Vorstand der Geseflschaft gehören die Professoren Hans Bender. Freiburg, Philipp Lersch, München. Heinrich Meng, Basel, Karl Salier. München, Hans Schäfer, Heidelberg, und Friedrich Seifert, München, an.

Deutsche Patente für USA. freigegeben. Drei Patentverfahren zur Herstellung von Polyvinyl-Pyrrholidon, eines wesentlichen Ausgangsstoffes für die Herstellung künstlichen Blutplasmas, sind vom amerikanischen Justizministerium für die lizenzfreie Verwendung in den USA. freigegeben worden. Die Patente warqn Eigentum der IG.- Farbenindustrie und während des Krieges durch das Amt für die Erfassung feindlichen Eigentums eingezogen worden.

Süden beginnt die Rückrunde

Tabellenwechsel schon am ersten Spieltag möglich / Ist Fürth bereits ausgeschaltet?

Mit großer Spannung erwartet die Fußballgemeinde diesmal den Silvester-Sonntag. Im Süden stehen alle Vereine in schweren Punktspielen, die die Tabelle völlig umgestalten können. Wahrschein lieh war die Führung der Mühlburger nur von kurzer Dauer, denn der FSV könnte sie wieder übernehmen. Am Tabellenende hat höchstens Reutlingen die Chance, sich etwas zu verbessern. Im Südwesten droht höchstens der Wormatia in Andernach Gefahr.

Bayern München — BC Augsburg (4:1), Vfß Stuttgart — SV Waldhof (1:1), VfR Mannheim »egen SV 98 Darmstadt (4:5), FSV Frankfurt legen Vfß Mühlburg (1:5), FC 05 Schweinfurt gegen Spvgg Fürth (0:2), Schwaben Augsburg gegen 1860 München (0:2), Kickers Offenbach gegen FC 04 Singen (2:8), 1. FC Nürnberg gegen VfL Neckarau (2:0), SSV Reutlingen — Eintracht Frankfurt (1:4).

Die wichtigsten Begegnungen kommen am Bornheimer Hang und im Schweinfurter Stadion zum Austrag. Kann der FSV seine hohe Vorspiel™ ederlage gegen Mühlburg wettmachen und diesmal den Spieß umdrehen dann war die Führung der Karlsruher nur’ von kurzer Dauer und die Bornheimer stehen wieder an der Spitze. Bei einem Unentschieden würden die Gäste die Spitze behalten. Wir rechnen mit einem Sieg der Gastgeber die bisher nur durch drei Unentschieden daheim Punkte verloren. Die Kleeblätter haben bei den Kugelstädtern noch lanae nicht gewonnen. Verlieren sie, dann dürfte vorerst der Anspruch der Fürther auf Wiederholung der Meisterschaft hinfällig aein Auch hier erscheinen uns die Platzherren stärker, selbst wenn wir in Erwägung X,hen daß die Augsburger Schwaben beide Smkte aus Schweinfurt mitnahmen. Der Vfß Stuttgart wird im Neckarstadion auch durch einen Sieg über Waldhof beweisen, daß man mit ihm nun stärker rechnen muß. . h die Nürnberger Rothemden sollten den vrr Neckarau im Zabo sicher niederhatten können, zumal sie noch allerlei gegenüber nirem Publikum (1860!) gutzumachen haben. Schwer wird der Gang für die Frankfurter Hinfracht die sich in letzter Zeit ebenfalls . den Vordergrund spielte. Reutlingen ist “ Hause als gefährlich anzusprechen, ein Snmktverlust, der wahrscheinlich ist, wirft (jie Adlerträger wieder zurück. Bayern München sollte auch den verstärkten Augsburger BC schlagen können und damit zum Mittelfeld aufschließen. Den Offenbacher Kickers wird Singen auch auf dem Bieberer Berg das Leben schwer machen — der Sieger sollte aber Offenbach bleiben. Auch dem VfR Mannheim müßte es glücken, die Darmstädter Lilien weiter zu knicken. Offen ist lediglich die Begegnung zwischen den Schwaben und den Münchener Löwen, bei der der Platzvorteil für die Schwaben von Bedeutung sein könnte, obwohl die 60er bestimmt die stärkere Einheit darstellen.

Wormatia an der Spitze

Eintracht Trier VfR Kaiserslautern, TuS Neuendorf FV Engers, FK Pirmasens gegen VfL Neustadt, Spvgg Andernach — Wormatla Worms, ASV Landau — Phönix Ludwigshafen, Mainz 05 — Eintracht Kreuznach.

Mit Ausnahme des 1. FC Kaiserslautern, der pausiert, stehen alle Mannschaften der Oberliga Südwest Im Punktekampf. Durch einen Sieg in Andernach, bei dem sich die Wormatla nicht ganz leicht tun wird, können die Nibelungenstädter die Tabellenspitze erringen. Der FK Pirmasens wird auch Neustadt keine Chance lassen, und die TuS Neuendorf müßte Engers bezwingen. Der Sieg wird den Koblenzern wenig nützen, denn in Landau wird sich Phönix Ludwigshafen ebenso behaupten wie Eintracht Trier gegen den VfR Kaiserslautern. Mainz 05 hat nur eine kleine Chance sein Punktkonte zu verbessern, denn Neuling Eintracht aus Kreuznach wird am Bruchweg einen sehr achtbaren Gegner abgeben, der die Punkte wahrscheinlich in die Badestadt entführen wird.

Sportler feiern Weihnachten

Weihnachtsfeier des SV 98

Am Freitagabend hatte der SV Darmstadt 98 seine Mitglieder zu einer gemütlichen Weihnachtsfeier ins Heilig-Kreuz eingeläden. Jung und alt waren zahlreich erschienen. Nach einem Prolog (gesprochen von Christ) und gemeinsam gesungenem Weihnachtslied begrüßte der 1. Vorsitzende, Dr. Grünewald, die Anwesenden. Alte Weihnachtslieder, gesungen vom Männerchor Frohsinn-Harmonie unter Leitung von Ad. Simmermacher jr„ bereiteten die große Sportverein-Familie auf die Ankunft des Nikolaus (Hans Schnellbächer) vor, der im Kerzenlicht des Weihnachtsbaums in netten Versen manches interne Sportvereinlerschicksal zum besten gab und durch sinnige Geschenke die „Betroffenen“ beglückte. Hoffen wir, daß die an den Lilien-Sturm überreichten Schuß-Stiefel .„nach Maß“ in den kommenden Oberligaspielen so manchen Sportverein-Anhänger aufatmen lassen. Im heiteren Festprogramm erfreute Otto Böttcher vom Landestheater seine beifallsfreudigen Zuhörer nicht nur als Ansager mit originellen Einfällen, sondern auch, am Flügel begleitet von Christoph Jäger, mit dem Weinlied aus der Operette „Der lachende Ehemann“. Höhepunkte der Darbietungen waren die Gedichtcher in Darmstädter Mundart, die der unter dem Namen „Mickedormel“ bekannte Dichter Hans Herter selbst darbot. Nicht nur die köstlichen Verse von

„Des Knallaag“, „De schwere Staa“ und „Die Platt“ ergötzten die Zuhörer, sondern noch mehr seine originell vorgetragene Reportage von einem Fußballmatch, gesehen mit den Augen eines nichtfachmännischen Tototippers von der Tribüne bis zum Krankenhaus. Zum Abschluß dieser wohlgelungenen Feier spielte die Weda-Band zum Tanz auf. -ei-

Weihnachten beim ABC

Der ABC Darmstadt/Eberstadt hielt am Samstag eine Weihnachtsfeier ab, bei der etwa 120 Personen anwesend waren. Der 1. Vorsitzende Ziegler hob in seiner Ansprache hervor, wie wichtig es war, die besten Darmstädter und Eberstädter Boxer in einem großen Verein zusammenzuschließen, und kündete für das kommende Jahr große Kämpfe, auch mit ausländischen Gegnern, an. Formella wurde für seinen 75. Kampf durch Uebcrreichung einer Plakette geehrt, und Willy Weckbach erhielt für seine Verdienste um den Boxsport die Ehrennadel des ABC. Die Kinder, Jugendlichen und Senioren des Vereins wurden mit Weihnachtspäckchen beschenkt.

Am kommenden Samstag boxt die Staffel des ABC im „Schwanen“ zu Eberstadt gegen die Auswahl des Bezirks Bergstraße. Die Einheimischen werden sich hierbei für die vor 14 Tagen in Lorsch erlittene ll:9-Niederlage revanchieren wollen.

Sonderzug nach Mannheim

Zum Spiel VfR Manheim—SV Darmstadt 98 verkehrt am 31. Dezember ab Darmstadt Hauptbahnhof 11.53 Uhr ein Sonderzug. Rückkehr 18.24 Uhr. Karten zu 2,20 DM erst ab Freitag, 9 Uhr, in der Geschäftsstelle des SV 98, im Hauptbahnhof und im Reisebüro. Der Zug fährt bis Mannheim-Käfertal, von wo aus der Platz des VfR. in 3 Minuten zu erreichen ist.

Zum ersten Rückrundenspiel des SV 98 gegen den VfR Mannheim fahren am 31. Dezember nach

Mannheim

folgende Gewinner unseres Wettbewerbs

DT-Schlachtenbummler

1. Rainer Ohlenforst, Reinheim i. 0., Ludwigstraße 19; 2. Heinrich Funk, Darmstadt, Freiligrathstraße 5; 3. Karl Wilh. Lautenschläger, Neutsch i. 0., Hauptstraße 22. Wir bitten die Gewinner, sich ihren Preis am Freitag in unserer Redaktion abzuholen.

Die Toto-Quoten

(Ohne Gewähr) Rheinland-Pfalz-’ Erster Rang: 9 Gewinner je 10 677,85 DM; zweiter Rang. 332 Gewinner je 289,45 DM; dritter Rang: 3844 Gewinner je 25,— DM. Kleintip 25 Gewinner je 1123,80 DM.

Bayerntoto: Zwölfertip: 1. Rang 270 Gewinner je 408 D-Mark. 2. Rang 4760 Gewinner je 23,10 D-Mark. 3. Rang 23 068 Gewinner je 4,70 D-Mark. Zusatzwette: 1. Rang 1038 Gewinner je 26 D-Mark. 2. Rang 5436 Gewinner je fünf D-Mark. Internationale Zehn: 1. Rang sechs Gewinner je 1621 D-Mark. 2. Rang 131 Gewinner je 74,20 D-Mark. 3. Rang 1191 Gewinner je 8,10 D-Mark.

Württemberg-Baden: Zwölferwette: Erster Rang: 129 Gewinner je 409 DM; zweiter Rang: 2283 Gewinner je 22,90 DM; dritter Rang; 11 595 Gewinner je 4,30 DM. Zehnerwette: Erster Rang: 1186 Gewinner je 31 DM; zweiter Rang: 7727 Gewinner je 4,60 DM. Achterwette: Erster Rang: 5111 Gewinner je 6,40 DM.

Der dritte Rang der Zehnerwette und der zweite der Achterwette wurden wegen zu kleiner Quoten nicht ausgezahlt. Die Summen wurden bestimmungsgemäß den entsprechenden Rängen des nächsten Wettbewerbs zugeschlagen.

In Münster:

Sechstagerennen gestartet

Mit 12 Mannschaften begann das Sechstagerennen in der Münsterland-Halle Bereits die ersten Stunden brachten einen reichen Prämiensegen und eine Reihe von Jagden, bei denen die an letzter Stelle liegenden Laikemann/Zlms bereits fünf Runden verloren. Am Mittwochfrüh waren 282,309 km gefahren. An der Spitze lagen: 1. Rigoni/Terruzzi mit 22 Punkten; 2. Mirke/ Preiskeit 11 Punkte; 3. Gebrüder Hörmann 5 Punkte. Eine Runde zurück: 4. Vooren/ Hoithoefer 18 Punkte; 5. Bakker/van Beeck 7 Punkte.

Wirtschaftsblatt

Weiterer Preisanstieg?

Dem wirtschaftlichen Aufschwung in der Bundesrepublik sind Grenzen gesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt der Arbeitskreis „Konjunkturbeobachtung“ in einer Untersuchung über die Lage der westdeutschen Wirtschaft Ende 1950. Der Umfang der Produktion werde in den nächsten Monaten maßgeblich- durch den Mangel an Kohle und Schwierigkeiten in der Versorgung mit Eisen und Stahl sowie einigen Grundchemikalien bestimmt werden. Darüber hinaus werden sich aber auch die Kreditrestriktionen immer stärker bemerkbar machen. Unter Berücksichtigung der weltwirtschaftlichen Entwicklung seit dem Beginn des Koreakonfliktes erwartet der Arbeitskreis daher in den nächsten Monaten einen weiteren Preisanstieg, der, auch bei steigender Nachfrage des Auslandes auf dem deutschen Markt, zu Vorratskäufen anreizen wird. Völlig neue Aspekte für die Wirtschaftspolitik und die Wirtschaftsentwicklung würden sich aber ergeben, wenn die weltpolitischen Ereignisse auch die Bundesrepublik in absehbarer Zeit zu einer Ausdehnung ihrer öffentlichen Ausgaben zwingen.

Die durch die verstärkte Einfuhr entstandenen Zahlungsschwierigkeiten werden sich nach Ansicht des Arbeitskreises verhängnisvoll auswirken, sofern sie zu einer Drosselung der Einfuhren an wichtigen Rohstoffen und Nahrungsmitteln zwingen. Besonders schwerwiegend wäre es ferner, wenn durch die Restriktionspolitik, die zur Minderung dieser Schwierigkeiten beitragen solle, auch die Investitionen in den Bereichen der angeführten Engpaßproduktionen beeinträchtigen würden. Der Arbeitskreis empfiehlt daher eine Erhöhung der Kreditlinie bei der EZU und weitere exportfördernde Maßnahmen. Die anfallenden Investitionsmittel sollten vor allem zugunsten der Engpaßproduktion benutzt werden. Eine Revision der bisherigen Restriktionspolitik aus sozialen Gründen wird dann für angebracht gehalten, wenn sich dadurch Möglichkeiten für eine Ausweitung der Produktion ergeben.

In der Untersuchung wird betont, daß sich bisher weder bei den Preissteigerungen noch im Bereich des Einkommens oder des Verbrauchs, inflationistische Symptome gezeigt hätten. Die Preissteigerungen seien — von einzelnen Ausnahmen abgesehen — bisher noch nicht weit über das Maß hinausgegangen, welches durch die Verteuerung der ausländischen Rohstoffe bedingt ist.

Die weltwirtschaftliche Situation wird von dem Arbeitskreis als Uebergangsstadium gekennzeichnet. Die Verschlechterung der weltpolitischen Lage habe zur Einleitung zusätzlicher umfangreicher Rüstungsmaßnahmen geführt. Da aber die Mobilisierung des vorhandenen Industriepotentials für Rüstungsaufgaben ein sehr langwieriger Prozeß sei, habe man einen direkten Einfluß auf die industrielle Produktion und Beschäftigung — insbesondere in Europa bisher kaum verspürt. Es scheine, als wenn vorerst neben einer begrenzten Aufrüstung der zivile Bedarf noch überwiegend die z weitere Wirtschaftsentwicklung tragen werde. In absehbarer Zeit sind aber Verbrauchs- und Investitionsbeschränkungen zugunsten der Rüstung wahrscheinlich. •

Bundes-Exportbürgschaft erhöht

v. Die Bundesregierung hat dem Bundesrat einen Gesetzentwurf zugeleitet, der eine Erhöhung der vom Bund zu gewährenden Bürgschaften für Exoortkredite von 600 Millionen auf 1.2 Milliarden DM vorsieht.

Etwa zwölf Prozent des Exportes werden unter Bundesbürgschaft beantragt. Da die deutsche Ausfuhr 1950 voraussichtlich 8,4 Milliarden DM beträgt und eine Reihe großer Abschlüsse zu erwarten ist. nimmt die Bundesregierung an, daß die Summe von 1,2 Milliarden DM ausreichen wird.

Bz. Die Einzelhandelsumsätze im November 1950 sind gegenüber dem Vormonat um weitere 5 Proz auf 119 gestiegen.

Bz. Lebensmitteleinfuhren im Gesamtbetrag von rund 50 Mill Dollar oder 210 Mill. DM wurden ausgeschrieben. Darunter befinden sich u. a. Weizen und Weizenmehl, lebendes Vieh und Schlachtschweine, Rohrzucker, Weißzucker. Gemüse, Obst, Sämereien und Citrusfrüchte.

Auslandsvertretungen gefordert Hi. Der Deutsche Industrie- und Handelstag bittet den Bundeskanzler, im Interesse der Wirtschaft von den Möglichkeiten der Errichtung amtlicher Vertretungen im Ausland unverzüglich Gebrauch zu machen.

SWF Gegen die Zulassung von Spar¬ aanahmestellen bei Einzelhandelsgeschäften und Konsumgenossenschaften wendet sich die Industrie- und Handelskammer Rheinland-Pfalz in Übereinstimmung mit dem Einzelhandelsverband.

Hi - Den Freimachungszwang für Expreßgut aufzuheben, regt der Deutsche Industrie- und Handelstag bei der Bundesbahn an.

Welche Ansprüche verjähren am 31. Dezember?

Ein Verjährungsschlußgesetz wird noch erwartet

St- Die dreißigjährige Verjährung für bürgerlich-rechtliche Ansprüche hat nur geringe Bedeutung. Sie bezieht sich im wesentlichen nur auf Ansprüche aus rechtskräftigen Urteilen usw. Dagegen verjähren die häufigsten Ansprüche des täglichen Lebens, aus Warenlieferungen. Arbeiten und anderen berufsmäßigen Leistungen mit zweijähriger Frist (§ 196 Abs. 1 BGB). Das sind einheitlich in allen drei Westzonen die Ansprüche, die im Laufe des Jahres 1948 entstanden und fällig geworden sind. Ansprüche aus Warenlieferungen für den Gewerbebetrieb des Schuldners sowie Ansprüche auf Rückstände von Zinsen und Tilgungsbeträgen, Miet- und Pachtzinsen, Renten, Unterhaltsbeiträgen und anderen wiederkehrenden Leistungen verjähren in vier Jahren (§§ 196, 197 BGB).

Die Verjährung kann sowohl unterbrochen als auch gehemmt sein. Die Unterbrechung tritt ein durch Anerkenntnis etwa einer Abschlagszahlung, Zinszahlung oder Sicherheitsleistung, Klageerhebung oder Zustellung eines Zahlungsbefehls. Erst nach Beendigung der Unterbrechung kann eine neue Verjährung beginnen. Die verstrichene Verjährungszeit vor der Unterbrechung wird nicht mehr gerechnet. Eine Hemmung der Verjährung tritt ein. wenn der Pflichtige vorübergehend zur Leistungsverweigerung berechtigt ist oder solange eine Stundungsfrist läuft. Zwischen Ehegatten besteht Verjährungshemmung, solange die Ehe nicht rechtskräftig geschieden ist. Die Hemmungszeit wird in die Verjährung nicht eingerechnet. Die Verjährung knüpft bei beendeter Hemmung an die bereits abgelaufene Verjährungszeit an. Diese Zeit zählt mit.

Das vom Bundestag am 14. 11. 1950 beschlossene Kriegsverjährungs-Schluß-Gesetz soll. falls die Oberkommission keinen Einspruch erhebt, möglichst noch im Dezember verkündet werden und tags darauf in Kraft treten. Das Gesetz sieht für alle bürgerlich-rechtlichen Ansprüche, deren Verjährung durch Kriegs- oder Nachkriegsbestimmungen gehemmt war und bei seinem Inkrafttreten noch nicht vollendet ist, als frühesten Verjährungszeitpunkt den 31. März 1951 (24 Uhr) vor. Daher verjähren am 31. 12. 1950 (24 Uhr) nur solche Ansprüche, deren Verjährung nach dem 31. 12. 1948 (in der USA- und britischen Zone) beziehungsweise nach dem 31. 12. 1947 (in der französischen Zone) begonnen hat. Das sind alle Ansprüche mit zweijähriger Verjährungsfrist, die im Laufe des Jahres 1948 entstanden und auch fällig geworden sind. Falls das Verjährungsschlußgesetz nicht vor Ende 1950 in Kraft tritt, dann verjähren am 31. 12. 1950 (24 Uhr) in der USA-Zone (mit Ausnahme Hessens) die Ansprüche mit zweijähriger Verjährungsfrist aus den Jahren 1944 bis 1947. In Hessen., in der britischen und französischen Zone sind diese Ansprüche bereits früher verjährt. Ansprüche mit vierjähriger Verjährungsfrist fallen durchweg unter die Nachkriegshemmung und verjähren daher nach dem Verjährungsschlußgesetz erst am 31. 3. 1951.

In Hessen und Rheinland-Pfalz bestehen allerdings in dieser Richtung Zweifel, da diese Länder nach dem Krieg eine Ablaufshemmung statt der echten Verjährungshemmung eingeführt haben. Um hier ungünstige Rechtsfolgen zu vermeiden, ist es ratsam, Ansprüche mdt vierjähriger Verjährungsfrist, die im Jahre 1946 entstanden und auch fällig geworden sind, vorsorglich gerichtlich vor dem 31. 12. 1950 geltend zu machen.

40Millionen für Ernährungsindustrie

v - Da die Betriebe der Ernährungs-Industrie in den Nachkriegs jähren meist Neuerungen Schritt zu halten und ihre Fabrinicht imstande waren, mit den technischen kaitionsanlagen zu vervollkommnen, wurden ihnen — einschließlich Molkereien — Investfitionskredite zur Verfügung gestellt, die vom Bvndesernährungsministerium auf rund 40 Millionen DM beziffert werden. Der Investiitionskreditbedarf der Ernährunigsindustrie wird auf 150 Millionen DM geschätzt, wobei die infolge der Erweiterung der Rübenanbiaufläche notwendig gewordene Errichtung von drei neuen Zuckerfabriken noch nicht berücksichtigt wurde.

In der ERP-Kreditplanung für 1950/51 war für die Ernährungsindustrie ohne Berücksichtigung der Zuckerfabriken ursprünglich ein Betrag von zehn Millionen DM vorgesehen. Die seit Aufstellung dieser Planung eingetretene Aenderung der Weltlage hat zu einer erheblichen Verminderung der voraussichtlich verfügbaren Mittel geführt. Die Frage, wann und in welcher Höhe ERP-Mittel für die Ernährungswirtschaft im Jahre 1950/51 verfügbar sein werden, ist noch ungeklärt.

Nur knapp 1 Zentner Kohle?

p - Die angespannte Lage in der Kohlenversorgung für den Hausbrand und die übrigen Kleinverbraucher wird nach einer Mitteilung des Zentralverbandes des Kohlen-Einzelhandels auch im Januar anhalten. Es werde noch nicht einmal ein Zentner Kohle pro Haushalt zur Verfügung stehen.

Die Steinkohlenförderung ging in der Woche vom 18. bis 24. Dezember infolge von Urlauben und Familienheimfahrten von Bergleuten auf 2 282 753 Tonnen und einen arbeitstäglichen Durchschnitt von 380 459 Tonnen zurück.

Bz. Die Andreae-Noris-Zahn-AG, Frankfurt a. M., konnte im Geschäftsjahr (1.1- bis 31. 12. 1949) eine befriedigende Umsatzentwicklung melden Neben 7.605 (11/1948_. 3,460) Mill. DM Rohüberschuß wurden 0,26 a Mill. DM sonstige Erträge vereinnahmt. Nach Verrechnung von 4.850 (alles in Mill. DM 2,20) Personalkosten, 0.720 (0.400) Abschreibungen sowie 1,790 (0,535) Steuern, steht der HV (28. Dezember) einschließlich Vortrag ein Reingewinn von 0,325 (0,180) zur Verfügung. Es werden 6 (3) Prozent Dividende auf das von 4,50 Mill. RM auf 5,40 Mill. DM erhöhte AK vorgeschlagen.

Börsenberichte

Bz. Nach der großen Weihnachtspause eröffnete die Wertpapierbörse in allgemein freundlicher Haltung. Anlagekäufe führten zu einer Befestigung von durchschnittlich 2 bis 3 Prozent. Besonders beachtet waren Kaufhaus-Werte. (Kaufhaus Hansa-Frankfurt plus 10.) Am Chemiemarkt Degussa 75 (plus 2,5), andererseits Chemische Albert 60 (— 2). Maschinenwerte zogen meist an. Elektropapiere zeigten kaum Abweichungen.

Freie Devisenkurse

Bz. An der Frankfurter Börse vom 27. 12. 1950 wurden folgende freie Devisenkurse genannt: Für den USA-Dollar 5,20 bis 5,40 DM, für das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM, für den holländischen Gulden 1,18 bis 1,28 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für den Schweizer Franken 1,18 bis 1,28 DM, und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben wurden für 1 DM-West 5,50 bis 5,70 Ostmark gezahlt bzw. für 5,75 Ostmark 1 DM-West geboten.

Bestattungen am Donnerstag, 28. Dezember 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 11.00 Uhr: Filling, Ludwig, 79 J., Bensheim-Auerbach 14.00 Uhr: Greilich, Gg , 65 J., Taunusstr. 38 Arheilger Friedhof: 14.00 Uhr: Andreß, Margarete, 82 J., Heinrich-Rexner-Straße 13 Waldfriedhof: 13.45 Uhr: Dorn, Martha, 30 J., Am Groberg IS’Zz 14.15 Uhr: Huber, Eduard, 80 J., Kirschallee 112 14.45 Uhr: Metzler, Susanne, 80 J., Nieder-Ramstadt 15.00 Uhr: Osländer, Peter, 59 J., Kranichsteiner Straße Feuerbestattungen: 11.15 Uhr: Hersche, Johann, 74 J., Schlierbach, Bergstraße 8 15.00 Uhr: Gebhardt, Wilhelm, 79 J., Goddelau

Amtliche Bekanntmachungen Schlachthof (Freibank) Diese Woche kein Verkauf. Abladen von Schutt Die städtische Müllabladestelle am Griesheimer Haus, Einfahrt über Forstschneise, ist sofort für Anfuhr von Trümmerschutt jeder Art gesperrt. Der städtische Schuttabladeplatz im alten Steinbruch am Kohlberg (Oppermanns Wiesenschneise) bleibt weiterhin geschlossen. Unverwertbarer Trümmerschutt, Baugrubenaushub, Mörtelreste, Gips und ähnliches sind zwecks Anschüttung von Tribünen zum Sportplatz des SV 98 E. V. Darmstadt an der Nieder-Ramstädter Straße gegenüber dem Wäldchen am Steinberg zu verbringen. Das Abladen von Müll, Gartenrückständen und ähnlichem ist hier verboten. Verwertbare Trümmer, d. h. vorwiegend Ziegel, Beton, Natursteine usw. über 30 mm Größe müssen zur Trümmeraufbereitungsanlage auf den Exerzierplatz gefahren werden. Die neue Zufahrt vom Haardtring aus ist zu benützen. Für ausgegabelten Trümmerschutt über 30 mm Korngröße, ohne Holz, Eisen, Lumpen und ähnliche betonschädigende Bestandteile werden mit 0,50 DM je cbm vergütet. Die Abladezeiten sind für die Kipper Exerzierplatz (in den Wintermonaten) von 7.30 Uhr bis 16 Uhr, für die Abladestelle auf dem Sportplatz des SV 98 von 7 bis 17 Uhr. Darmstadt, den 21. Dezember 1950 Stadtbauverwaltung — Abteilung Kiesbau Bekanntmachung Den Feuerwehrmännern der Freiwilligen Feuerwehr Lorsch: Gruppenführer Heinrich Ludwig und den Feuerwehrmännern Heinrich S c h u s t e r, Joseph Grimm, Valentin Schmitt, Anton Grün, habe ich anläßlich 25jähriger Dienstzeit in der Freiwilligen Feuerwehr für ihre treuen und aufopferndden Dienste meine Anerkennung und Glückwünsche ausgesprochen. Heppenheim, den 22. Dezember 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße: Dengler Bekanntmachung An der westlichen Seite der Bundesstraße Nr. 3 zwischen Bensheim und Heppenheim hat die Straßenbauverwaltung einen Radweg anlegen lassen, um damit die Verkehrssicherheit sowohl für die Radlanrer selbst, als auch für die Kraftfahrer zu eihöhen. Die entsprechenden Verkehrsschilder sind inzwischen angebracht worden. Ich mochte an dieser Stelle alle Radfahrer, die die Bundesstraße 3 zwischen Heppenheim und Bensheim benutzen, darüber aufklären daß diese Schilder (Radweg) ein Gebot für den Radfahrer be¬ ,KU’en, diesen besonderen Weg in beiden Richtungen zu benutzen (§27 Straßenverkehrsordnung). Radfahrer, die trotz dieses Geboies die Hauptfahrbahn benutzen, müssen damit rechnen, daß sie aul G,und des § 49 der Straßenverkehrsordnung zur Anzeige gebracht werden. Gleichzeitig bedeutet dieses Gebot für die' Radfahrer aber auch ein Verbot für alle anderen Verkehrsteilnehmer einschließlich Fußgänger, diesen Radfahrweg zu benutzen Für Fußgänger ist der Gehweg neben dem Radweg angelegt worden Im Interesse der Aufrechterhaltung der Verkehrsdisziplin möchte ich alle, die es angeht, bitten, diese Bekanntmachung zu beachten. Heppenheim, den 21. Dezember 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße: I. A. gez.: Grein

JMoentucac&eit&n- bleiben unsere Geschäftsräume | heute Donnerstag, 28. Dezember 1950, geschlossen j KHUfhOF DARMSTADT ◄ Auch Sie wollen Ihren Kunden-, 3 Freundes- und Bekanntenkreis Ihre 4 übermitteln. 4 Wie könnte dieses besser u. billiger < geschehen, als durch eine Anzeige im 4 „Darmstädter Tagblatt"! * Sie haben so den Vorteil, zwei Flie- 4 gen mit einer Klappe zu schlagen. 1 Es kann Ihnen keine peinliche Ver- 4 geßlichkeit unterlaufen u. außerdem 5 bringen Sie Ihr Unternehmen gleich- 4 zeitig in empfehlende Erinnerung. 4 Bitte geben Sie uns umgehend Ihren 4 Text und warten Sie nicht bis zur 4 letzten Minute. 4 3ANZEIGEN- A B T E I L U N G 4 Rheinstraße 23 Telefon 3925 < Auch unsere bekannten Annahmestellen nehmen Ihre Anzeige entgegen 4 4 11111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111l Die Fundgrube Tiiniin iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiinitiiu

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