Fest der Friedenssehnsucht Weihnachten 1950
TV« Worte „Friede auf Erden“ sind, inmitten, von einem großen, schwarzen, drohenden Fragezeichen umdüstert, von dem nach allen Himmelsrichtungen dunkle Wolken aufsteigen und die Horizonte verdecken, von denen Licht kommen sollte. Der Ausklang jener Worte gar: „Und den Menschen ein Wohlgefallen“, das Echo, das sie erwecken, scheint ein Hohngelächter der Hölle. Warum? Die Menschen in ihrer Ungeduld, die einer fressenden Krankheit gleicht, Körper und Seele angreift, sind grantig, böse, verzweifelt, enttäuscht darüber, daß die neue Getechtigkeit, von der so viel geredet worden ist, wieder einmal in aller Welt eine Redensart geblieben ist. Gibt es aber überhaupt eine neue Gerechtigkeit? Ist es nicht die uralte, nieveränderte, glasklare Gerechtigkeit, die im menschlichen Gewissen wie ein Edelstein ruht, aber immer wieder befleckt wird von der Dummheit des Herzens und der Machtgier, die mit ihr verwandt ist.
Dieser Edelstein der Gerechtigkeit leuchtete auf, als die beiden furchtbaren Kriege vorüber waren, die ersten heißen Wellen des Hasses verrollt waren, als die Hoffnung auf Ordnung und damit auf eine innere Beruhigung der Menschen in der ganzen Welt wieder einen zaghaften Flügelschlag tat. Eine Gerechtigkeit ist es, die weder Sieger noch Besiegte kennt, auf Vernunft gegründet und vom Glauben an eine bessere Bestimmung des Menschen getragen ist, von der Gewißheit der Menschenwürde. Das alles jedoch bedarf des Kampfes, des unablässigen Kampfes. Glaubt denn noch heute jemand, daß es überhaupt jemals eine gute, alte, gerechte Zeit gegeben habe? Eine bequemere und sorgenlosere gewiß, aber eine gerechtere? Und es ist nicht gewiß, daß kaum jemals Menschen guten Willens s o wie heute in einem Schiff zusammengedrängt wurden, das bei tobenden Wogenbergen einem Ufer zusteuern will, an dem eine reinere Luft weht?
Schwere Zeiten haben die gleichen Nöte! So war es ganz gewiß keine gute alte Zeit, als die Maler des späten Mittelalters lebten. Sie, die nicht, wie es sich so mancher vorstellt, eine Leinewand auf ihre Staffelei stellten und darauf losmalten. Ihre Werke entstanden aus einer Gläubigkeit, die bereits von Wissen, von Forschungen, von Zweifeln recht stürmisch bedrängt war, bei immer drohenden Kriegsgefahren. Sie wurden ebenso wie wir von der ungeheuren Forderung des christlichen Gedankens erschüttert, wenn sie das Treiben der Welt sahen., Aber sie schufen trotzdem! Und wahrhaftig nicht für die Kunsthistorie, sondern für das Volk, dessen beste Teile allen Schichten zugehören. So ist es nicht nur eine Bequemlichkeit, wenn um die Weihnachtszeit solche Bilder den Zeitungsspalten eingefügt werden. Wir haben in unserer neuen Kunst nicht viel dagegenzusetzen, was so bedeutend und so volkstümlich wäre. Beides trifft auf das Blatt Baldung-Griens zu. Dem schwingenden Mantel der Maria entrollt das Christuskind als Gleichnis des sanftesten Gedankens, der dieser Erde entsprossen ist, angerührt und gelockt von göttlichem Licht. In solchem Sinne steht das Weihnachtsfest von 1950, inmitten der das Sanfte bedrängenden Nachrichten und Artikel, an ungewohnter Stelle, am ersten Platz, den eine Zeitung zu vergeben hat. • mg.
Der Vorschlag der Westmächte
Die Antwortnote der „Großen Drei“ an Moskau
London, 22. Dezember, (dpa) Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich teilten der Sowjetunion am Freitag ihre Bereitwilligkeit mit, über Möglichkeiten für eine Konferenz der Außenminister der vier Großmächte zu verhandeln. Diese Mitteilung erfolgte in Beantwortung des sowjetischen Vorschlags zur Abhaltung einer Viererkonferenz über Deutschland.
In gleichlautenden Noten der drei Westmächte, die am Freitag in Moskau übergeben wurden, wird jedoch darauf hingewiesen, daß die „schmale Basis“ für eine Konferenz über die Entmilitarisierung Deutschlands, wie sie die Sowjetunion in ihrer Note vom dritten November vorgeschlagen habe, keine Aussichten für eine wirkliche Regelung biete.
Die Westmächte erklären sich in ihren Antwortnoten bereit, Beauftragte zu ernennen, die eine für alle Beteiligten annehmbare Grundlage für eine Konferenz jer yier Außenminister erarbeiten sollen. Als geeigneter Ort für diese vorbereitenden Verhandlungen wird das UN-Hauptauartier in New York vorgeschlagen.
Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich betonen in ihrer Antwort auf den sowjetischen Konferenzvorschlag, daß sie den aufrichtigen Wunsch haben, die gegenwärtige internationale Spannung zu beenden, und daß sie keine Mühe scheuen wollen, um dieses Ziel zu erreichen. Die sowjetische Note sei nicht so abgefaßt, daß man sich von Viererbesprechungen eine tatsächliche Regelung der schwebenden Fragen erhoffen könne. Verhandlungen über die Entmilitarisierung Deutschlands, wie sie die Sowjetunion vorschlage, genügten nicht, um die bestehende Spannung zu beseitigen. Die einzige gegenwärtig vorhandene militärische Streitmacht Deutschlands, erklärten die Westmächte, sei die. die vor vielen Monaten in der Sowjetzonenrepublik gebildet worden sei (Volkspolizei). Sie werde auf militärischer Grundlage mit Artillerie und Panzern ausgebildet und ausgerüstet.
Die Westmächte weisen darauf hin, daß die jüngsten Verhandlungen über eine Beteiligung deutscher Einheiten an der Verteidigung Westeuropas einzig und allein auf die sowjetische Politik zurückzuführen seien, die „die anderen Nationen gezwungen hat, alle Möglichkeiten der Erhöhung ihrer Sicherheit in Erwägung zu ziehen“.
In den Antwortnoten wird versichert, es stehe außer Frage, daß die Deutsche Bundesrepublik niemals als „Ausgangspunkt für eine Aggression“ benutzt werden solle.
Die Prager Vorschläge der Ostblock-Außenminister werden als Grundlage für eine Regelung des Deutschland-Problems kategorisch zurückgewiesen.
Die wirkliche Schwierigkeit, heißt es weiter, sei nicht das deutsche Problem, sondern „die allgemeine Einstellung der Regierung der Sowjetunion seit Kriegsende“. Daraus ergebe sich, daß die vier Regierungen ihre Verhandlungen nicht auf eine so enge Basis beschränken könnten.
Ein Telefongespräch
Vockel ruft Dertinger an
Da. Bonn, 22.Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Der Berliner Bevollmächtigte der Bundesregierung, Dr. Vockel, telefonierte am Freitag, wie in Bonn amtlich bekanntgegeben wurde, mit dem Außenminister der Sowjetzonenregierung, Dertinger. .Veranlassung zu dem Telefongespräch war ein Interview, das Dertinger einem holländischen Journalisten gegeben hatte.
In dem Interview hatte Dertinger erklärt, daß der Grotewohl-Brief an den Bundeskanzler nicht so aufgefaßt werden dürfe, als wenn die Sowjetzonenregierung bereit sei, sich aufzulösen. Die Bundesrepublik und der Sowjetzonenstaat seien Realitäten, die man wechselseitig hinnehmen müsse. Für den Fall, daß Bundeskanzler ’Dr. Adenauer ablehne, hatte Dertinger eine Unterschriftensammlung im Bundesgebiet angekündigt.
Auf die Anfrage Dr. Vockels erklärte Dertinger am Freitag, daß das Interview keine authentische Interpretation des Grotewohl-Briefes bedeute. Andererseits hat das von Dr. Vockel geführte Telefongespräch bewiesen, daß der Grotewohl-Brief im Bundeskanzleramt keineswegs in einen Papierkorb gewandert ist.
Gnadengesuche
Bonn, 22. Dezember. (AP.) Ein Gnadengesuch für die früheren Großadmirale Raeder und Dönitz richteten die früheren Angehörigen der ehemaligen deutschen Marine an die Staatsoberhäupter Amerikas, Englands und Frankreichs.
Atêmpause
*** Es waren nicht nur überängstliche Leute, die vor vierzehn Tagen sehr beunruhigt in die Zukunft sahen und stark bezweifelten, ob uns in diesem Jahre ein friedliches Weihnachtsfest beschieden sei. Heute darf man wohl sagen, die unmittelbare Gefahr sei gebannt. Wir haben Zeit ^gewonnen. 'lach menschlichem Ermessen sind in den nächsten Wochen für Europa keine beängstigenden Ereignisse zu befürchten. Ob solche eintreten können, darüber wird man klarer sehen, sobald Rußland zur Antwortnote der Westmächte Stellung genommen hat.
Die Welt sehnt sich nach Frieden. Jeder Staatsmann wird davor zurückscheuen, ihn frevlerisch zu stören. Selbst der sowjetische Außenminister Wyschinski hat bei seiner Rückreise nach Moskau in Plymouth geäußert, die Völker der Welt, zumindest alle anständigen und vernünftigen Leute, wollten keinen Krieg. Er setzte allerdings hinzu, einen Krieg wollten diejenigen, die davon profitieren möchten, und diejenigen, denen an der Weltherrschaft gelegen sei. Wer sind nun die bösen Nachbarn, die den Frömmsten nicht in Frieden leben lassen? Sind es wirklich, wie Wyschinski andeuten will, die Westmächte? Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte nach Peking einen Feuereinstellungs- Vorschlag für Korea übermittelt. Gegen diesen Vorschlag hat, wie der Sender Peking meldet, das chinesische Volk protestiert. Das heißt, Mao Tse-tung lehnt ihn ab. Ist das ein Beweis echten Friedenswillens? Tausende von Menschen werden diese Ablehnung mit ihrem Tode bezahlen müssen, denn am 38. Breitengrad erwartet Mac Arthur für die nächsten Tage eine neue chinesische Großoffensive. Wenn die Menschen an diesen Weihnachtsfeiertagen die Hände falten, so können sie um nichts Besseres beten, als daß auch diejenigen guten Willens zum Frieden werden, die mit ihren Friedensbeteuerungen die Welt bisher enttäuscht haben.
Friede auf Erden?
Von Erich DombrowskiFragt der Lehrer in der Schule: „Nun sagt mal, Kinder, wie schützt ihr euch vor dem Verkehr auf der Straße? Na, erzähl’ du es uns einmal, Lieschen.“ Kleine Pause der Verlegenheit. Dann, heraussprudelnd: „Ich schließe einfach die Augen und laufe dann rasch von der einen Seite der Straße auf die andere.“ Das hat das deutsche Volk, hinter seinen Führern und Verführern her, auch zweimal getan. 1914 und 1939. Das ist ihm schlecht bekommen. Es ist darüber zum Krüppel geworden. Jetzt soll es wieder über die Straße laufen. Aber es wird diesmal hoffentlich die Augen schön offenhalten, sich erst rechts und links umschauen und dann erst den gefährlichen Straßendamm überschreiten. Das heißt, es wird eine Reihe von Ueberlegungen im wahren Sinne des Wortes anstellen müssen, eine nach der anderen, ehe es sich bindet. Die Westmächte haben sich zwar auf der Brüsseler Konferenz impulsiv geeinigt und bereits die ersten Schritte, militärisch und wirtschaftlich, zur Aufstellung einer gemeinsamen Verteidigungsarmee getan. Auch bestand kein Zweifel darüber, daß die Deutschen mit dabeisein müssen. Aber über ihre Köpfe hinweg wollte und konnte man sich in dieser Hinsicht nicht festlegen. Deutschland soll lediglich aufgefordert werden, sich freiwillig in diese Abwehrfront einzugliedern. Das Wie und Was soll darauf in Verhandlungen geklärt werden. Die Kriegsgegner von gestern, mit denen überhaupt noch kein Frieden geschlossen ist. sind so, wie im Märchenspiel mit dem Zauberstab, zu Alliierten von heute geworden. Kurz: die Geburt einer Bundesgenossenschaft ist im Gange. Die Wehen beginnen bereits einzusetzen. Der Bundeskanzler ist zu den ersten Besprechungen mit den drei Oberkommissaren auf dem Petersberg am Donnerstag zusammengekommen.
Die Franzosen hatten auf der Brüsseler Konferenz dem vorwärtsstürmenden Temperament Mister Achesons, was die Beteiligung Deutschlands anging, Bremsen angelegt, und sie haben, mit der bedächtigen Unterstützung Großbritanniens, angezogen. Man hat auf diese Weise, was uns als dem unmittelbar gefährdeten Nachbar des Ostens durchaus recht sein kann, zunächst einmal Zeit gewonnen, bis man das Ergebnis der in Aussicht genommenen Vierer-Besprechung mit den Herren Moskaus übersehen kann. Denn militärisch wird nun zuerst einmal der französische Pleven-Plan und dann der amerikanische Spofford-Vorschlag durchgesprochen werden, ehe man daraus die Schlußfolgerungen für den deutschen Wehrbeitrag zieht. Politisch wird neben der militärischen auch die politische Gleichberechtigung Deutschlands ausgependelt werden. Dabei werden die Westmächte tief in die Taschen zu greifen haben. Mit Vertröstungen, mit Ratenzahlungen, mit bloßen Revisiönchen ist es nicht mehr getan. Die Zeit der Okkupationsverwaltung, die Zeit des Besatzungsstatuts, die Zeit der Beschränkungen und Kontrollen ist abgelaufen. Das beiderseitige Verhältnis muß auf eine andere Grundlage gestellt werden. Eine Bundesgenossenschaft. wie sie eine gemeinsame Abwehrfront in sich schließt, kann nur unter Gleichen geschlossen werden. Unter die Vergangenheit muß also ein dikker Strich gezogen und ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen werden. Eine solche psychologische Initialzündung ist notwendig, wenn das deutsche Volk wirklich mit dem Herzen mitmachen soll. Wie wenig es im Augenblicke noch, unter den gegebenen Besatzungsverhältnissen, dazu geneigt ist, zeigt der bisher geradezu enttäuschend geringe Wille, sich freiwillig auch nur der Bereitschaftspolizei zur Verfügung zu stellen.
Rußland läßt gegenwärtig alle seine politischen Minen springen, um Deutschland von dieser Eheschließung mit den Westmächten abzuhalten. Die sowjetische Propaganda läuft, nicht zuletzt von der deutschen Ostzone her, auf vollen Touren. Verständigungsvorschläge, wie die Prager Beschlüsse, wechseln in rascher Folge mit Einschüchterungen, Warnungen und massiven Drohungen ab. Wenn man die letzten dreißig Jahre zurückblickt, dann zieht sich durch die russische Außenpolitik dieses Ringen um die deutsche Seele wie ein roter Faden. In die bissigen Auseinandersetzungen über die Reparationen nach dem ersten Weltkriege schaltete sich Rußland, als scheinbar Außenstehender, plötzlich ein, zeigte eine versöhnende Geste, verzichtete seinerseits auf jede Wiedergutmachung und schloß in Rapallo jenen Vertrag mit den Deutschen, der mit großen Lieferungs-Abmachungen hüben und drüben nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder ordnete, sondern auch gewisse getarnte militärische Absprachen zur Folge hatte. Diese Vereinbarung währte zehn Jahre, bis Hitler heraufkam. 1939, als durch seine Schuld die Spannung Deutschlands mit den Westmächten wiederum ihren Höhepunkt erreicht hatte, meldete sich Rußland, auf die unmittelbare Initiative Stalins hin, abermals, und jener Nichtangriffspakt und jenes geheime Abkommen über die Teilung Polens kamen, sozusagen über Nacht, zustande. Ein zweites Rapallo. Damit war, für Hitler, das Stichwort zum zweiten Weltkrieg gefallen. Als das Kriegsglück der Deutschen sich allmählich zu wenden anfing, als sie, in Stalingrad geschlagen, den Kaukasus räumen und sich auf der ganzen Linie zurückziehen mußten, aber immer noch im Herzen Rußlands standen, kam Stalin durch Mittelsmänner mit einer neuen diskreten Verständigungsofferte heraus. Er fürchtete, offenbar, von seinen westlichen Alliierten überrundet zu werden, die noch immer zögerten, eine zweite Front aufzurichten, und suchte Anschluß an Berlin. Peter Kleist, der als Sachkenner des Ostens eine politische Rolle im Ostministerium Rosenbergs und im Auswärtigen Amte Ribbentrops spielte, war jener deutsche Mittelsmann, der die russischen Unterhändler in Stockholm ausholen sollte. In seinem soeben erschienenen Buche „Zwischen Hitler und Stalin“, das im Bonner Athenäum-Verlag erschienen ist, gibt er eine ausführliche Darstellung dieser geheimnisvollen Besprechungen, die zwei-, dreimal von Deutschland fallengelassen, aber infolge der russischen Hartnäckigkeit dann doch immer wieder aufgenommen wurden, bis sie zu guter Letzt an der Sturheit Hitlers endgültig scheiterten. Der dritte Rapallo-Versuch Rußlands mißlang. Möglich, daß Hitler recht hatte, wenn er darin nur einen russischen Trick sah, Deutschland gegen die anderen auszuspielen und sie unter Druck zu setzen. Möglich aber auch, daß Stalin tatsächlich damals, da das Kriegsglück namentlich für Rußland noch ungewiß war, wieder rechtzeitig mit Deutschland eine friedliche Zusammenarbeit wollte. Wie dem auch sei, interessant waren die Worte, mit denen der russische Unterhändler, nach genauen Aufzeichnungen, die letzten Gründe für den Friedenswillen Rußlands mit dem Westen aufdeckte: „In China liegt die Entscheidung des nächsten Jahrhunderts. Dort, in China, wird um die Weltherrschaft gekämpft. Für China will der Herr im Kreml sein Pulver trocken halten und seine Kräfte sparen.“ *
Liegt darin nicht auch der Schlüssel zu der heutigen russischen Außenpolitik, wenn es mit Deutschland, diesem Spannungsfeld zwischen Ost und West in Europa, durchaus zu einem Einvernehmen kommen will? Gewiß hat es inzwischen China In seine Machtsphäre einbezogen. Aber China ist ein Land ungeheurer Weiten und ungeheurer Menschenmassen. Es muß erst .verdaut und, nach kommunistischer Auffassung, gesichert werden. Mit anderen Worten: Es muß sich in breitem Umkreise erst abrunden. Eine Auseinandersetzung mit den Westmächten in Europa würde diesen Entwicklungsprozeß aufhalten, wenn nicht vollends zunichte machen. Denn nach zwei Seiten zu kämpfen, würde Rußlands Kräfte übersteigen, da das wirtschaftliche und technische Kriegspotential Amerikas dem russischen noch immer erheblich überlegen ist. So wird der Kreml darauf bedacht sein, zu lavieren, zwar auch weiterhin den Westen nicht zur Ruhe kommen zu lassen, in der Hoffnung, durch eine internationale Wirtschaftskrise seinen Gegner zu schwächen, wenn nicht kampfunfähig zu machen, aber im übrigen die letzten Entscheidungen, wieder und wieder hinauszuschieben. Die, vorgesehene Vierer-Konferenz,, heute, noch umstritten und ungewiß, schimmert wie ein Lichtlein durch die Finsternis. Und während die himmlischen Chöre das ewig alte und ewig neue Sehnsuchtslied der Menschheit singen: „Und Friede auf Erden“, müssen wir an dieser Weihnacht dazu nur ein großes Fragezeichen machen. Wird es, bestenfalls, weiter Unfrieden im Frieden geben?
Peking lehnt ab
Tokio, 22. Dezember. (AP.) Das kommunistische China hat die Bemühungen der Vereinten Nationen um einen Waffenstillstand in Korea am Freitag zurückgewiesen.
Der Ministerpräsident und Außenminister des kommunistischen Chinas, Tschu En-lai, erklärte über den rotchinesischen Rundfunk, die« Vorschläge des dreiköpfigen UN-Waffenstillstandsausschusses seien „ungesetzlich“, weil das kommunistische China nicht an der Bildung des Ausschusses teilgenommen habe. Der Ausschuß hatte sich dreimal mit dem Ersuchen an die Pekinger Regierung gewandt, Verhandlungen über einen Waffenstillstand aufzunehmen.
England warnt Rotchina
Singapur, 22. Dezember. (AP.) Der britische Generalkommissar für Südostasien, Macdonald, erklärte, Großbritannien verliere langsam seine Geduld mit den chinesischen Kommunisten.
In einer Rundfunkansprache sagte Macdonald, wenn Rotchina weiterhin dem Westen feindlich gegenüberstehe und sich gegen die asiatischen Nationen stelle, die eine friedliche Zusammenarbeit zwischen dem Osten und Westen wünschen, dann müsse der Westen „sich dementsprechend“ verhalten.
Kein Ultimatum
Washington, 22. Dezember. (AP.) Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Short, dementierte alle Gerüchte, nach denen Truman dem französischen Außenminister
Den Roman finden unsere Leser heute in der Unterhaltungsbeilage
Schuman in einem Brief zur Frage der europäischen Wiederaufrüstung eine Art Ultimatum gestellt habe. „An allen derartigen Gerüchten ist kein Wort wahr“ sagte Short.
Folgen der Isolierung
Washington, 22. Dezember. (AP.) Eine Politik, die ein^ Isolierung der Vereinigten Staaten von Europa zum Ziel habe, würde eine schnelle Eroberung Europas und Asiens durch die Sowjetunion bedeuten, erklärte am Freitagabend der amerikanische Außenminister Acheson.
Sperrfeuer mit V-Geschossen
Neue amerikanische „Werferschiffe» unterstützen Räumung von Hungnam
Tokio, 22. Dezember. (AP.) Neue amerikanische „Werferschiffe“ mit Abschußanlagen für Raketen und ferngelenkte Geschosse sind auf der Rede vor Hungnam eingetroffen und beschießen seit Donnerstag abend unaufhörlich die kommunistischen Truppenkonzentrationen um den immer kleiner werdenden alliierten Brückenkopf von Hungnam.
Gleichzeitig gab das Hauptquartier General Mac Arthurs bekannt, daß an der Westfront nordöstlich von Söul mit einem neuen Großangriff der Kommunisten zu rechnen sei. Im Hinterland des Feindes seien während der letzten Nächte große Truppenbewegungen beobachtet worden.
Die Stärke der nordkoreanischen und fotchinesischen Streitkräfte nördlich von Chunc h o n , Yonchon und nordöstlich von Söul wird im Hauptquartier auf 80 000 bis 100 000 Mann geschätzt.
Amerikanische Verluste
Washington, 22. Dezember, (dpa) Das amerikanische Verteidigungsministerium gab die amerikanischen Verluste in Korea bis zum 15. Dezember am Freitag mit 36 421 Mann an. Damit hat sich die Verlustziffer seit dem letzten Bericht vor einer Woche um 2543 Mann erhöht.
Flüchtlinge aus Hungnam
Hungnam-Brückenkopf, 22. Dezember. (AP.) Südkoreanische Marinefahrzeuge naben aus dem Brückenkopf Hungnam bisher 25 000 nordkoreanische Flüchtlinge abtransportiert und nach südkoreanischen Häfen gebracht.
Geburtstagsfeier mit Bomben
Rio de Janeiro, 22. Dezember. (AP.) Kommunistische Demonstranten warfen anläßlich des Geburtstages Stalins mehrere Bomben in verschiedenen Stadtteilen Rio de Janeiros.
Die Polizei verhaftete 80 Kommunisten, die die Arbeiterschaft zur Feier des Tages zum Ausstand aufwiegeln wollten.
41 Tote durch Verkehrsunfall
Prag, 22. Dezember. (AP.) Bei einem schweren Verkehrsunfall in der TsZ choslowakei sind 41 Insassen eines Autobusses getötet und 46 verletzt worden. Wie am Freitagabend in Prag offiziell Amit*611* wYrd®’ wurde ein vollbesetzter Autobus auf einem Bahnübergang bei Brünnin’ etWa 45 Kilometer südlich von Stund ;Z-g Preßburg-Prag eriaßt und total zertrümmert.
Begnadigungen
. 22’ Dezember. (Eigener Bericht.) Anläßlich des Weihnachtsfestes hat der Oberkommissar Frangois-Poncet zugunsten von 225 von Gerichten der Besatzungsmacht verurteilten Personen Begnadigungsmaßnahmen getroffen. Gemäß einer Gesamtentscheidung wurden 123 Personen bereits am 15. Dezember 1950 in Freiheit gesetzt. Außerdem hat der Oberkommissar den Entschluß gefaßt, 71 andere Häftlinge zu begnadigen. Dieselben werden im Laufe des 24. Dezember entlassen werden. Schließlich hatFrangois-Poncet noch für 31 weitere Personen Verminderungen der Strafen beschlossen.
Bedingungen des deutschen Wehrbeitrages
Aufbau der Westverteidigung bringt einschneidende wirtschaftliche Maßnahmen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 22. Dezember. Die Verhandlungen deutscher und alliierter Sachverständiger über den deutschen Verteidigungsbeitrag werden am 8. Januar beginnen. Vor deutschen Pressevertretern betonte Bundeskanzler Dr. Adenauer am Freitag, die Bundesregierung wolle nichts anderes, als dadurch den Frieden herbeiführen.
Unbegründete Befürchtungen
Mit besonderem Nachdruck wurde von maßgebender Regierungsstelle betont, daß die sowjetrussischen Befürchtungen, man würde bei einem deutschen Verteidigungsbeitrag über die Aufstellung von zehn bis fünfzehn deutschen Divisionen hinausgehen, völlig unbegründet seien. Eine derartige deutsche Aufrüstung werde nicht nur von den Westmächten, sondern vor allem auch von der Bundesrepublik selbst entschieden abgelehnt.
Weiter weisen Bonner Regiepungskreise darauf hin. daß die Bundesrepublik bei den Verhandlungen über den deutschen Verteidigungsbeitrag völlig freie Hand habe. Eine Entscheidung könne erst bei Zustimmung des Parlaments fallen. Der Kanzler selbst unterstrich am Freitag, daß er in dieser Frage enge Zusammenarbeit mit der Opposition wünsche.
Der Sicherheitsbeauftragte
An der Spitze der deutschen Sachverständigen - Kommission steht der Sicherheitsbeauftragte des Bundeskanzlers, Abgeordneter der Christlich-Demokratischen Union Theo Blank. Auch die alliierte Kommission wird von einem Zivilisten geleitet werden. Als militärische Sachverständige werden der deutschen Kommission die Generale Speidel und Heusinger angehören. Ge-
gebenenfalls werden für’ Spezialfragen weitere Fachleute hinzugezogen, voraussichtlich vor allem ehemalige Luftwaffenoffiziere.
Zu lösende Fragen
Als politische Fragen, die für einen deutschen Verteidigungsbeitrag gelöst werden müssen; werden in Bonner Regierungskreisen zwei besonders hervorgehoben:
1. Im deutschen Volke müsse die Bereitschaft zu militärischen Verteidigung belebt werden, was nach einer Zeit, in der deutsche Soldat diffamiert wurde, nicht leicht sein dürfte.
2. Eine gewisse Gewähr muß dafür geboten sein, daß die deutschen Truppenkontingente nicht etwa zum hinhaltenden
Widerstand eingesetzt werden sollten. Man habe in dieser Beziehung zu den alliierten Plänen seit der Ernennung General Eisenhowers erhöhtes Zu- trauen, da seine überragende mili-
tärische Persönlichkeit nicht für „strategische Rückzüge“ eingesetzt worden sei.
Wenn die Tatsache eines deutschen militärischen Beitrages feststeht, soll die Bundesrepublik in den wirtschaftlichen Verteidigungsrat des Westens einbezogen werden. Nicht nur für Deutschland, sondern auch für die übrigen westeuropäischen Staaten wird sich der Aufbau der Westverteidigung in einschneidenden wirtschaftlichen Maßnahmen auswirken.
Auf Grund des Peterberg-Kommuniques vom Donnerstag wird hervorgehoben, daß das Besatzungsstatut möglichst bald durch einen Sicherheitsvertrag abgelöst werden soll.
Jedoch äußerte ein Sprecher der Oberkommission, daß endgültige Ergebnisse in dieser Frage erst in einigen Monaten zu erwarten seien.
Graf Preysings Vermächtnis
Des toten Kardinals letzte Weihnachtsbotschaft
Berlin, 22. Dezember (dpa). Als letztes Wort des am Donnerstag verstorbenen katholischen Bischofs von Berlin, Kardinal Konrad Graf Preysing, veröffentlicht das kirchenamtliche „Petrusblatt“ soeben die Weihnachtsbotschaft des Oberhirten.
„In unserer von politischen Leidenschaften, von Haß, Zwietracht und Verkennung zerrütteten Welt“, so heißt es in der Botschaft, „bekommt der Gesang der Engel vom .Frieden den Menschen auf Erden' und vom guten Willen einen besonders aktuellen Klang.“
„Wir täuschen uns nicht darüber hin¬ weg“, sagt der Kardinal, „daß der wahre Friede in der Welt nicht über Nacht uns geschenkt wird. Wir sind aber davon überzeugt, daß der Beginn des Friedens aus einem friedvollen Herzen kommen muß.“
In tiefer Anteilnahme gedenkt Graf Preysing vor allem der noch abwesenden Kriegsgefangenen, der Inhaftierten und Verfolgten und der Kranken. „Wir wollen nicht aufhören, mit unseren Bemühungen und mit unseren Gebeten beizutragen, daß unsere Familien vereint werden und die Bedrängnis ein Ende nimmt.“
Zu Ehren des Kardinals werden die Glocken sämtlicher Kirchen des katholischen Bistums Berlin am 26., 27. und 28. Dezember läuten. Am 29. Dezember, dem Tage nach der Beisetzung, finden in allen Gemeinden besondere Trauergottesdienste statt.
Der evangelische Bischof von Berlin, D.Dr.Dibelius, hat an das Bischöfliehe Ordinariat in Berlin-Dahlem ein Beileidstelegramm gerichtet.
Newman: Nüchtern bleiben!
Wiesbaden, 22. Dezember, (dpa) Der amerikanische Landeskommissar für Hessen, Dr. Newman, weist in seiner Weihnachtsbotschaft auf den seit 1945 erzielten Fortschritt hin, der durch die heroischen Anstrengungen der Bevölkerung und die amerikanische Hilfe erreicht worden sei. Bei aller Freude darüber müsse jedoch die Zukunft mit nüchternen Augen betrachtet werden. „Heute stehen uns die Kommunisten als eine große Gefahr für den Weltfrieden gegenüber. Im Anblick einer solchen Gefahr müssen wir alle unseren Glauben an die demokratische Lebensform stets von neuem bekräftigen und unsere unabänderliche Entschlossenheit in unserem Streben nach einer freien Welt zum Ausdruck bringen.“
Botschaft an die Herzen
Weihnachtswünsche führender Persönlichkeiten
Frankfurt, 22. Dezember, (dpa) Der amerikanische Oberkommissar McCloy richtete einen Weihnachtsgruß an die deutsche Bevölkerung und das alliierte Personal im Bundesgebiet, in dem er die harmonische Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Alliierten in den Bemühungen um den Frieden unterstreicht.
„In diesen sorgenerfüllten Tagen weltweiter Unruhe pocht die uralte Weihnachtsbotschaft noch stärker an die Herzen aller Menschen guten Willens in jedem Land. In Bewahrung dieses Weihnachtsideals schließen sich die freiheitliebenden Völker der Welt zusammen, damit die Kräfte des Friedens sich gegen den drohenden Schatten der Macht und Aggression durchsetzen können. Zugleich mit meinen besten Wünschen für ein frohes Weihnachtsfest jmd ein glückliches neues Jahr möchte ich unsere gemeinsame Hoffnung ausdrücken, daß das neue Jahr wirklich der ganzen Welt Frieden bringen möge.“
In einer Weihnachtsbotschaft des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hans Ehard heißt es: „Möge die weihnachtliche Friedensbotschaft die im Frieden schwache Welt stark machen, den Frieden zu finden. Möge die Botschaft 4er Liebe unser Volk in der gemeinsamen Not zu einem Volk von Brüdern und Schwestern einigen.“
Der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, D. Held, schreibt in einem Weihnachtswort an die Gemeinden: „Der tröstliche Befehl des Engels an die Hirten „fürchtet euch nicht“ müßte alle Christen gerade an diesem Weihnachtsfest innerlich einigen.“
In einer Weihnachtsbotschaft an das deutsche Volk setzt sich der französische Oberkommissar, Andre Frangois'-Poncet für ein „volles, unverbrüchliches Einvernehmen“ aller Völker des Westens ein. Das Heil könne nur in einem fest verbundenen Europa liegen, dessen Grundlage die deutsch-französische Zusammenarbeit auf allen Gebieten sein müsse.
Präsident Truman wird am Heiligabend über den Rundfunk seine alljährliche Weihnachtsansprache halten.
Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am ersten Weihnachtstag um 12 Uhr über alle Sender der Bundesrepublik, zum deutschen Volk sprechen.
Bõckler gegen, bestimmte Arbeitgeber
Scharfe Angriffe des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes
Düsseldorf, 22. Dezember, (dpa) Einen außergewöhnlich scharfen Angriff richtete der DGB - Vorsitzende Dr. Böckler gegen „bestimmte Arbeitgeberkreise“, denen er vorwarf, ein herabsetzendes Plakat gegen die Urabstimmung über die Mitbestimmung in der eisenschaffenden Industrie verbreitet zu haben.
Böckler erklärt, daß dadurch offenbar das Ergebnis der Urabstimmung in den Augen der Öffentlichkeit entwertet werden solle. „Vor 1933 finanzierten Fritz Thyssen und seine kapitalistischen Freunde Adolf Hitler und brachten damit die Demokratie in Deutschland zu Fall. Während dann Gewerkschaftler und Demokraten in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten saßen, betätigten sich dieselben Unternehmerkreise als Wehrwirtschaftsführer und Handlanger Hitlers. Dadurch wurden sie mitschuldig auch am zweiten Weltkrieg und an all den Zerstörungen und den Opfern, die das deutsche Volk hinnehmen mußte. Heute führen die gleichen Kreise, die sich gegen die geringsten Lohnerhöhungen mit allen Kräften wehren, erneut den Kampf gegen die Demokratie, indem sie die Einführung demokratischer Grundsätze auch in der Wirtschaft durch Aufbringen von Geldmitteln, die sie angeblich für Lohnerhöhungen nicht haben, zu torpedieren versuchen. Dieselben Unternehmerkreise fallen der Demokratie in den Rücken, indem sie sich bei den bolschewistischen Machthabern Rückversicherungen verschaffen und indem sie Devisen ins Ausland schmuggeln, um für alle Fälle vorzubeugen.“
Böckler schließt diese bisher schärfste Stellungnahme mit den Worten: „Die deutsche Arbeitnehmerschaft wird sich ihr Recht nicht .streitig machen lassen und den Kreisen, die sich wiederholt gegen das deutsche Volk versündigten, schon die entsprechende Antwort geben.“
Neue Lohnforderungen
Stuttgart, 22. Dezember, (dpa) Die Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr kündigt für Ende Januar neue Lohn- und Gehaltsforderungen für die im öffentlichen Dienst Beschäftigten an.
Arbeitgeber gegen Sozialisierung
Wiesbaden. (LH) Der Pressedienst der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände erklärte am Freitag, die von der SPD-Fraktion des Niedersächsischen Landtags nach den Vorschlägen des Deutschen Gewerkschaftsbundes beabsichtigte Umbildung der Industrie- und Handelskammern stelle den Versuch dar, einen wesentlichen Teil des sozialdemokratischen Parteiprogramms mit Hilfe der sozialdemokratischen Landtagsmehrheit zu verwirklichen. Damit solle eine wirtschaftspolitische Konzeption verwirklicht werden, die sowohl der SPD als auch dem DGB als erste Etappe auf dem Wege der Vollsozialisierung der deutschen Wirtschaft vorschwebe.
Stimmen der Anderen
Vor der Viererkonferenz
Die fünfstündige Petersberg-Konferenz mit den Ober-Kommissaren wird in dei Schweizer Presse als „Anfangserfolg“ Dr Adenauers ausgelegt. Im Vordergrund steht die geplante Viermächtekonferenz.
Die „Neue Züricher Zeitung* glaubt, die Westmächte würden in ihren Antwortnoten auf den sowjetischen Konferenzvorschlag den Themenkreis nicht zu eng umgrenzen, da es sich nicht nur um die Lösung der Deutschlandfrage, sondern um die Beilegung aller entzweienden Konflikte handle.
„Die Prager Beschlüsse werden rundheraus abgelehnt werden. Sie gelten als unannehmbar. Heute hat die Meinung die Oberhand, daß der Westen zunächst einmal hieb- und stichfest sein muß, ehe er auf eine verständnisvolle,Verhandlungsbereitschaft seines großen Gegners im Osten wird rechnen können Wenn aber das Unerwartete und Unwahrscheinliche eintreten sollte, wenn also der Kreml bereit sein sollte, den kalten Krieg abzublasen, dann wären in der Tat die in Washington gefaßten und in Brüssel in Form gegossenen Beschlüsse zur Verteidigung des Westens zumindest im gegenwärtigen Umfang nicht nötig."
Das „Journal de Geneve“: „Die Sowjets sind tatsächlich über die projektierte Wiederaufrüstung der Deutschen stark beunruhigt, denn der Respekt vor dem deutschen Infanteristen ist bei den Russen sehr groß. In dieser Hinsicht haben die Westmächte in Brüssel eine kluge Taktik eingeschlagen. Das Brüsseler Uebereinkommen erlaubt es dem Westen, mit Bonn über den Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik Verhandlungen zu führen, die allerdings voraussichtlich viel Zeit in Anspruch nehmen werden. Moskau hat also eine Art Bewährungsfrist erhalten. Wenn es den Russen nur um ihre Sicherheit zu tun ist, können sie das durch eine konziliantere Haltung beweisen.“
Kohlenexport gekürzt
Bonn, 22. Dezember, (dpa) Vizekanzler Blücher teilte mit, daß die Ruhrbehörde beschlossen hat, die von der Bundesregierung im Dezember und Januar zu exportierende Kohlenmenge um insgesamt 350 000 Tonnen zu senken.
Bardepot herabgesetzt
Frankfurt/Main, 22. Dezember, (vwd) Der interministerielle Einfuhrausschuß hat bekanntgegeben, daß die Bardepotpflicht bei kontingentierten und liberalisierten Einfuhren von 50 auf 25 Prozent herabgesetzt worden ist. Der Zentralbankrat hat diesem Beschluß zugestimmt.
In Frankfurter Verwaltungskreisen verlautet, daß im Januar mit einer weiteren Modifikation der Bardepotstellung zu rechnen ist.
Schon über 9 Milliarden
Bonn, 22. Dezember, (dpa) Der Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik erreicht, wie Vizekanzler Blücher feststellte, schon jetzt mehr als neun Milliarden Mark im Jahr. Die Ausgaben für die Förderung der Heimatvertriebenen und der Bundeszuschuß für Berlin in Höhe von zusammen rund 4,6 Milliarden Mark stellten effektive Leistungen der Bundesrepublik für die Verteidigung der westlichen Welt dar. Hinzu kämen noch die im Haushalt vorgesehenen rund 4,5 Milliarden Mark Besatzungskosten. Damit werde schon jetzt der verschiedentlich von den Alliierten geforderte Verteidigungsbeitrag von zehn Prozent des Volkseinkommens — zur Zeit rund acht Milliarden Mark — überschritten.
Schmiedepresse wird verladen
Düsseldorf, 22. Dezember, (dpa) Auf britischen Befehl fuhr am Freitagmorgen ein Schwergutwagen der Bundesbahn auf das Gelände des Dortmund-Hörder Hüttenvereins, um Teile der demontierten Zehntausend - Tonnen - Schmiedepresse aufzuladen. Unterrichtete deutsche Industriekreise befürchten, daß mit dem Abtransport der schweren Grundplatten, die zunächst nach Hamburg gehen sollen, vollendete Tatsachen geschaffen werden.
In wenigen Zeilen...
Aus Anlaß des Jahreswechsels wird Bundespräsident Prof. Heuss am 27. Dezember den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Böckler, und die Mitglieder des DGB-Bundesvorstandes empfangen.
15 000 Mark Unterstützungsgelder, die an Arbeitslose ausgezahlt werden sollten, wurden in einer Banknebenstelle in Garrel (Landkreis Oldenburg) geraubt.
Der Haftbefehl gegen den Leiter der Frankfurter Zollfahndungsstelle, Brockel, ist aufgehoben worden.
Die im Ostlandlager bei Eschwege untergebrachten Ausländer werden noch im Dezember auf süddeutsche Lager aufgeteilt.
In den letzten Tagen sind auf einer wenige Kilometer langen Strecke der Bundesstraße 3 bei Hillern im Kreis Soltau durch Autounfälle auf glatter Straße 5 Personen getötet und 6 schwer verletzt worden.
Zahlreiche bisher selbständige Hand¬ werker in den Dörfern Sachsens, Thüringens und Brandenburgs wurden jetzt Angestellte der Gemeinden.
Der 21jährige FDJ-Funktionär Jürgen Wittmann ist zum Bürgermeister der mecklenburgischen Kreisstadt Bergen auf Rügen gewählt worden.
Alle Flugzeuge, die sich der amerikanischen Küste oder Flugsperrzonen über Atomenergieanlagen nähern, müssen sich zu erkennen geben.
Das amerikanische Innenministerium verfügte die Fernhaltung unbefugter Personen von den Teilen der amerikanisehen Großkraftwerke, die unter Umständen Sabotageversuchen ausgesetzt sein könnten.
Ungefähr 43 Prozent der japänischen Bevölkerung sind nach einer Abstimmung für die Aufstellung einer japanischen Armee.
Neun weitere japanische „Kriegsverbrecher“ werden dieser Tage aus dem Sugamo-Gefängnis entlassen.
Bei der Notlandung eines britischen Bombers in der Cyrenaika wurden vier britische Luftwaffenangehörige getötet.
Die französische Regierung hat die Ausfuhr aller kriegswichtigen Waren nach der Sowjetunion, dem kommunistischen China und den Ländern des Ostblocks untersagt. Das amerikanische Handelsministerium hat die vor einigen Tagen verhängten Ausfuhrsperren nach Hongkong und Macao wieder gemildert.
"5 Millionen Peseten wurden in der Madrider Weihnachtslotterie als Hauptgewinn gezogen.
Für die Verdrängten und Vertriebenen
Eine Stellungnahme des „Hessischen Städteverbandes“
Die Fürsorge für die Verdrängten und Vertriebenen ist dine der vornehmsten, allerdings auch politisch und menschlich am schwersten zu bewältigenden Aufgaben der Bundesregierung. Die Verpflichtung zu dieser Fürsorge ist im Bonner Grundgesetz, Artikel 131, ausdrücklich vorgesehen.
Es ist eines der schönen Zeichen unserer Zeit, daß die Städte und Gemeinden der Bundesregierung stets jeglichen Beistand geleistet und mit echt deutscher Selbstverständlichkeit alles getan haben, um der Bonner Regierung die Bewältigung ihrer Aufgabe zu erleichtern.
Kurz vor den Feiertagen haben die Städte des Landes Hessen, zusammengeschlossen im „Hessischen Städteverband“, sich zu einer Protestkundgebung gezwungen gesehen, die im großen Sitzungssaal des Magistrats in Offenbach vor sich ging. Der Protest richtete sich gegen die Art und Weise, wie man in Bonn den Artikel 131 des Grundgesetzes zu verwirklichen sucht. Die Regierung schreibt den Städten und Gemeinden vor, sie hätten („binnen drei Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes“) entweder ein volles Fünftel aller Stellen mit vertriebenen Beamten zu besetzen, oder eine „Ausgleichs-Abgabe“ an den Bund zu entrichten. Diese Abgabe ist außerordentlich hoch; sie ist so hoch, daß man sagen kann, sie sei abschreckend. In der Praxis hätten die Städte und Gemeinden für den Posten „Ausgleichs-Abgabe“ etwa ebensoviel zu bezahlen, wie die Besoldung einer entsprechenden Anzahl von kommunalen Beamten und Angestellten ausmacht. Das große Erschrecken
Als der Inhalt des geplanten Gesetzentwurfs bekannt wurde, gab es nicht nur ein großes Erschrecken bei Stadtkämmerern, Rendanten und Gemeinderechnern, sondern ganz besonders in den Kreisen der Mandatsträger der Bürgerschaften, also der Stadtverordneten und Gemeindevertreter. Warum das Erschrecken? Es ging zunächst um die finanzielle Belastung, die man aufgebürdet bekommen sollte. Weder ein Kämmerer noch ein Hauptgemeindebeamter, also ein Oberbürgermeister oder Oberstadtdirektor, wußte sich Rat, wie dieser Betrag der „Ausgleichs-Abgabe“ aufzubringen sein sollte. Die weitere Schwierigkeit ergab sich aus der geforderten weiteren Besetzung von Stellen in den Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Man kann nicht beliebig „zwanzig Prozent“ der Stellen (ob es sich um eigentliche Beamte oder um Angestellte handelt) heute so und morgen anders besetzen, ohne daß der ganze Organismus der Verwaltung durcheinander gerät.
So sind auf der einen Seite die Unglücksheere der Verdrängten und Vertriebenen, die schon seit unsäglicher Zelt ein Elendsdasein fristen, — auf der anderen Seite stehen die ratlosen und verzweifelten Ressortbeamten der Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Wie alle anderen kommunalen Spitzenverbände, der „Deutsche Städtetag“, der „Deutsche Landkreistag“, der „Gemeindetag“, haben nun in Offenbach auch die im „Hessischen Städteverband“ zusammengeschlossenen körperschaftlichen Organe der kommunalen Selbstverwaltung gegen die Bonner Gesetzentwürfe protestiert. Mit vielen Beweisgründen, die überzeugend erscheinen könnten, haben sie dargetan: So geht es nicht! Gleichzeitig aber stellten sie fest: Was wir in unseren Verwaltungen zum Besten der Vertriebenen tun können, alles werden und wollen wir stets tun, in getreuer Verbundenheit mit ihnen. Ihr Lebensgeschick liegt uns, den Städte- und Gemeindevertretem von Hessen, nicht wenige r am Herzen, als man es in der Bonner Bundesregierung von sich sagen kann. Fritz Weiter
Diplomaten-Empfang
Bonn, 22. Dezember, (dpa) Bundespräsident Prof. Heuss wird am 4. Jan. einen Neujahrsempfang veranstalten, zu dem das Diplomatische Korps, die Bundesregierung, die Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates eingeladen sind.
Rechtzeitig besorgen
Stuttgart, 22. Dezember, (dpa) Die Erhöhung des Tarifs für Arbeiterwochenkarten, Kurzarbeiterwochenkarten und Angestelltenmonatskarten tritt bei der Deutschen Bundesbahn am 1. Januar 1951 in Kraft.
Die Karten für die Woche vom 31.12.50 bis 6. 1. 1951 werden bis Jahresende noch zum alten Preis verkauft. Vom 1. Januar an wird der neue Fahrpreis erhoben. Die Angestelltenmonatskarten für den Monat Januar werden erst vom 31. 12. an, und zwar nur zum neuen Preis verkauft.
Konterbande
Bonn, 22. Dezember. (AP.) Tabak- Tabakerzeugnisse, Zigarettenpapier und Tee dürfen künftig in Liebesgabensendungen nicht mehr in die Bundesrepublik verschickt werden.
Das Bundeskabinett verfügte außerdem, daß auch die in Liebesgabensendungen zugelassene Menge von Kaffee herabgesetzt wird und besonderen Vorschriften unterliegt. Bei Geschenksendungen an Einzelempfänger können monatlich nur noch 500 Gramm Kaffee und je ein Kilogramm Kakaopulver und Schokolade zollfrei eingeführt werden. Die Gesamtmenge von zollfreien Liebesgaben dürfe monatlich 15 Kilogramm pro Empfänger nicht übersteigen.
Dr. Tröger hessischer Finanzminister
Die voraussichtliche Besetzung der Ministerposten im Kabinett Zinn
Wiesbaden, 22. Dezember. (Eig. Bericht.) Am 28. und 29. Dezember wird der neue hessische Ministerpräsident Georg August Zinn der sozialdemokratischen Landtagsfraktion seine Kabinettsliste bekanntgeben und sein Regierungsprogramm unterbreiten.
Ministerpräsident Zinn nahm sich für die Zusammensetzung seines Kabinetts Zeit. Erst am Freitag fanden die Besprechungen in Kassel ihren Abschluß. Wie von gutunterrichteter Seite zu erfahren war, wird Zinn — wie von uns bereits gemeldet — als Ministerpräsident auch dem Justizministerium, das er 1945 aufbaute und bis zum Herbst 1949 leitete, vorstehen. Aus der alten Regierung Stock wurde Innenminister Zinnkann als einziger übernommen. Den Posten des Kultusministers hat Zinn dem derzeitigen Darmstädter Oberbürgermeister Ludwig Metzger angeboten, der auch bedingt zusagte. Da sich Metzger jedoch dem Amt des Oberbürgermeisters verpflichtet fühlt, will er sich erst dann endgültig entscheiden, wenn die Frage seiner Nachfolge geklärt ist.
Für den Posten des Ministers für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft ist Heinrich Fischer, Hanau, vorgesehen. Fischer ist zur Zeit als Ministerialrat Leiter der Arbeitsabteilung im gleichen Ministerium. Außerdem übt er die Funktion eines amtlichen Landesschlichters aus. Für die Wahl Fischers dürfte wohl der besondere Wunsch der Gewerkschaften ausschlaggebend gewesen sein.
Die größte Schwierigkeit bei der Neubildung des Kabinetts bereitete naturgemäß dem neuen Ministerpräsidenten die Besetzung des Postens des Finanzministers. Es war von Anfang an klar, daß bei einem solchen Finanzexperten wie Dr. Hilpert, der gleichzeitig auch eine so starke politische Persönlichkeit ist, für dessen Nachfolger nicht nur ein erster Fachmann, sondern gleichzeitig auch ein guter Politiker in Frage kam. Zinn glaubt ihn in Dr. Heinz Tröger gefunden zu haben. Tröger war bis zu seiner Tätigkeit als Generalsekretär im Wirtschaftsrat Ministerialdirektor im hessischen Finanzministerium. Zur Zeit ist er in der gleichen Position in Nordrhein-Westfalen tätig. Die abschließenden Besprechungen mit Tröger wurden am Freitag in Kassel geführt.
Für den Posten eines Staatssekretärs in der Staatskanzlei wird der Kasseler Regierungspräsident Dr. Hoch genannt, mit dem ebenfalls am Freitag Verhandlungen geführt wurden.
Ein erstes Ergebnis
Das Interzonenhandelsabkommen
Wiesbaden, 22. Dezember. (Eigener Bericht.) Am Freitagnachmittag wurde in Wiesbaden als erstes Ergebnis der Besprechungen über die Verlängerung des Interzonenhandels-Abkommens ein Beschluß der Bundesregierung bekannt, nach dem alle Warenbegleitscheine für Lieferungen in Währungsgebiete der DM Ost am 31. Dezember 1950 ungültig werden. Soweit Warenbegleitscheine am 31. 12. 1950 noch nicht ausgenutzt sind, können Anträge auf Erteilung von Abwicklungs-Warenbegleitscheinen bei den zuständigen Landeswirtschafts- beziehungsweise Ernährungsministerien beantragt werden.
Drei Meter hohe Schneeverwehungen
Harter Winter in der Hocheifel / Mehrere Dörfer abgeschnitten
Trier, 22. Dezember, (dpa) Der Winter ist in der Hocheifel mit einer Schärfe eingekehrt, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr festzustellen war. Bei einer allgemeinen Schneedecke von einem Meter Höhe sind mehrere Dörfer, die abseits der Bundesstraße Trier — Aachen liegen, durch bis zu drei Meter hohe Schneeverwehungen von jedem Verkehr abgeschnitten. Um die Versorgung dieser Gemeinden aufrechterhalten zu können und die lebenswichtigen Verbindungen mit der Außenwelt wiederherzustelien, wurden die Einwohner zum Schneeschaufeln verpflichtet. Da sämtliche Waldarbeiten eingestellt werden mußten, melden mehrere Grenzgemeinden große Arbeitslosigkeit.
Lediglich die vom Wintersport profitierenden Gemeinden und Unternehmen freuen sich über den Schneereichtum. Zahlreiche Wintersportler, vor allem aus der Kölner Gegend und dem Ruhrgebiet tummeln sich schon seit Tagen in der Winterherrlichkeit.
Weiße Weihnachten
Hamburg, 22. Dezember. (AP.) Die We'.termacher sagen in diesem Jahr ein kaltes und' weißes Weihnachtsfest voraus. Vor allem im Süden und im Bergland. so sagen die Hamburger Meteorologen nach ihrer letzten Wetterbesprechung am Freitag, wird es zu stärkeren Schneefällen kommen. Aber auch der Norden kann mit Schnee rechnen. Extreme Kälte ist dagegen nicht zu erwarten. Die West-Berliner Polizei zählte am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag 52 Verkehrsunfälle, die durch Glatteis entstanden. Es gab dabei einen Toten und achtzehn Verletzte.
Brieftaube aus Helgoland
Hamburg, 22. Dezember. (AP.) Bei eisigem Frostwetter hielten am Freitag die beiden Heidelberger Studenten von Hatzfeld und Leudesdorff ihren Posten auf der Nordseeinsel Helgoland, die sie am Mittwoch in einer „waffenlosen Invasion“ besetzt hatten.
Eine Brieftaube brachte die erste Nachricht, in der die Studenten alle ehemaligen Helgoländer und die gesamte deutsche Bevölkerung um moralische und materielle Unterstützung bitten.
Deutsche Wasserpolizei, die von einem britischen Beamten am Donnerstag aufgefordert worden war, die Studenten von der Insel herunterzuholen, lehnte das mit dem Hinweis ab, daß kein deutsches Gesetz den Aufenthalt auf Helgoland verbiete. Auf britischer Seite wird angenommen, daß ein unter britischem Befehl stehendes Schiff die Studenten zurückholen wird.
Nach neuesten Meldungen haben die beiden Studenten dringend gebeten, sie spätestens am Montag wieder abzuholen. Sie würden sonst sterben, denn die Kälte sei furchtbar und auch der Proviant reiche nur noch bis Montag.
Das belgische Recht gebrochen
Plädoyer des Staatsanwalts im Falkenhausen-Prozeß
Brüssel, 22. Dezember. (AP.) General von Falkenhausen und seine Mitangeklagten ständen nicht vor Gericht, weil sie Offiziere eines besiegten Landes seien, sondern weil sie das belgische Recht gebrochen hätten, erklärte der Staatsanwalt Closon am Freitag in seinem Plädoyer.
Es werde heute verschiedentlich behauptet, der Prozeß sei unzeitgemäß, da bereits wieder davon gesprochen werde, Deutschland gewisse Verteidigungsrechle einzuräumen. Die Gerechtigkeit sei jedoch unabhängig von allen politischen und diplomatischen Ueberlegungen.
Falkenhausens Besetzungspolitik sei die Spaltung der öffentlichen Meinung und die Förderung von Verbrechen und Hochverrat gewesen.
Closon bezweifelte die antinazistische Einstellung der Mitangeklagten von Claer, Bertram und Reeder, die durch nichts bewiesen worden sei. Reeder sei sogar seit 1933 Mitglied der NSDAP gewesen und habe einen Ehrenrang in der SS gehabt.
Zur Aussage des früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht sagte Closon, sie habe mehrere Widersprüche und Unwahrheiten enthalten.
Nach einem Ueberblick über die Entwicklung der illegalen Tätigkeit in Belgien und die deutschen Gegenmaßnahmen führte Closon aus, daß die Besetzung in Belgien strenger als in Frankreich oder Holland gewesen sei. Gegen Ende der’ Besetzung hätten über 1 500 000 Belgier entweder im eigenen Land oder an anderen Orten für die deutsche Rüstungsindustrie gearbeitet.
Die Angeklagten seien für alle in Belgien ergriffenen Repressalien voll verantwortlich, da niemals erwiesen worden sei, daß diese von Berlin befohlen wurden, erklärte Closon abschließend.
Das Urteil im Wiesbadener Kristallnacht-Prozeß
Wiesbaden, 22. Dezember, (dpa) Im Wiesbadener „Kristallnacht - Prozeß“ wurde der ehemalige Mainzer SS-Brigadeführer Kraft zu drei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Der ehemalige Ortsgruppenleiter in Wiesbaden, Richard Schauß, erhielt achtzehn Monate Gefängnis. Bei vier Angeklagten wurde das Verehren eingestellt. Acht Angeklagte wurden freigesprochen.
Sonnenwendfeier
Bad Harzburg, 22. Dezember, (dpa) In verschneiter Winterlandschaft feierten zahlreiche Jugendgruppen vor allem der „Ostdeutschen Jugend“ am Mahnmal „Kreuz des Ostens“ auf den Harzburger Uhlenklippen die Wintersonnenwende. In den Feuerreden vor den brennenden Holzstößen wurde das Bekenntnis zur unverlierbaren Heimat bekräftigt.
Teilweise Aufhebung der Rationierung in der Ostzone
Berlin, 22. Dezember. (AP.) Der Ministerrat der Sowjetzone hat beschlossen, die Rationierung von Getreideerzeugnissen und Hülsenfrüchten vom 1. Januar 1951 an aufzuheben.
Fleisch, Fisch, Fett, Eier, Milch und Zucker sowie alle daraus hergestellten Erzeugnisse bleiben dagegen weiterhin rationiert.
Menschenraub vereitelt
Berlin, 22. Dezember, (dpa) Ein vom Staatssidrerheitsdienst der Sowjetzonenrepublik unternommener Versuch, den in West-Berlin wohnenden Redakteur Dewald von der amerikanischen „Neuen Zeitung“ zu entführen, wurde in letzter Minute vereitelt.
Einem West-Berliner SSD-Agenten mit dem Decknamen Dr. Mauritius, der Dewald schon seit Wochen zu beobachten hatte, war die Verschleppung für das vergangene Wochenende angekündigt worden. Er hatte mehrere Medikamente und eine Ampulle Chloräthyl erhalten, mit denen das Opfer betäubt und dann mit einem Personenauto in den Sowjetsektor gebracht werden sollte. Der Spitzel hat es kurz vorher mit der Angst zu tun bekommen und Dewald von dem Plan unterrichtet.
Feuilleton
Neue Filme in Darmstadt
UNION. - „König für eine Nacht." Was zuvor angekündigt wurde, trifft zu: Boccaccio könnte nicht besser geschrieben haben, und sein „Decameron“ wäre um eine köstliche Episode reicher, spielte sie nicht ein paar hundert Jahre später und in einem Land, das Bayern genannt wird. Von der vielzitierten bayerischen Derbheit und Urwüchsigkeit ist hier jedoch nichts zu spüren. Vielmehr umgibt die Handlung der scharmante Hauch geistvollen (man sagt oft französischen) Esprits, der nicht plump mit dem Vorschlaghammer zuhaut, sondern sich schwerelos und schillernd zu den Höhen eines geistreichen Lustspiels mit dem zwar nicht neuen, aber prächtig variierten Motiv der Irrungen um eine Liebe schwingt. Es ist ein Genuß, diese spritzigen Dialoge zu hören, und eine Augenweide, die vielfältig verschlungenen, sich zuletzt aber in einer Bindung fürs Leben findenden Fäden der Handlung verfolgen zu können. Bild und Wort, so oft in Diskrepanz, sind hier zu harmonischem Zusammenklang gebracht. Aus der Situation heraus ergibt sich die Komik, entspringt die pikante Episode, ver- und entwirrt sich das Geschehen. Alle regiemäßigen Mittel sind von Paul May ausgenutzt und diszipliniert angewendet. Mit der linken Hand zaubert er delikate Szenen auf die Leinwand, während er mit der rechten die Obszönitätchen fernhält. Das ist das Schöne an diesem Film, und deshalb läßt er auch so von Herzen froh sein und zaubert ein schmunzelndes Verstehen und ein verstehendes Schmunzeln auf die Gesichter der Besucher.
Annelies Reinhold wandelt in verführerisch tief dekolletierten Gewändern über die Leinwand, die spröde, zu erobernde Frau. Sie ist der „Stein des Anstoßes“ für Willy Fritsch, der als König von Bayern jeder schönen Frau verfällt, bis er sich schließlich zu der Erkenntnis durchringt, daß seinem Alter entsprechend der Tokayer als Geliebte doch passender ist. Adolf Wohlbrücks Rollengestaltung ist ein Kabinettstückchen für sich, und wer ihn in diesem Film gesehen hat, muß seine Rückkehr nach Deutschland nur begrüßen.
Fazit: Ein schönes Weihnachtsgeschenk für Feinschmecker. hn THALIA. — „Es kommt ein Tag.“ Wer Ernst Penzoldt vor 14 Tagen seine im letzten Krieg entstandene Novelle „Korporal Mombour“ in Darmstadt'hatte lesen hören, war darauf gespannt, die Verfilmung dieses Stoffes zu sehen. Es wurde keine Enttäuschung. Zweifellos hat die Filmaufbau-GmbH Göttingen mit ihrem Regisseur einen beachtenswerten Nachkriegsfilm geschaffen, was nicht zuletzt in dem dichterischen Drehbuch Penzoldts liegt. Eine merkwürdige und doch einfache Geschichte liegt zu Grunde: Im Krieg 70/71 nimmt der Korporal Mombour (Dieter Borsche) in einem französischen Städtchen Quartier, in einem Haus, deren Bewohner seinen Namen tragen und ihn wie einen Sohn aufnehmen. Mombour liebt die Tochter Madelaine (Maria Schell). Es scheint, als ob der Krieg sich verkrochen hätte. Da erfährt der Korporal, daß ein französischer Offizier, den er in einem Gefecht erschossen hatte, Madelaines Bruder war. Ihrer sterbenden Mutter (Lil Dagover) zeigt er sich in Gastons Uniform, um ihr den Tod zu erleichtern. Ein Feuerüberfall ruft ihn auf die Straße, wo er von einer Kugel der eigenen Leute tödlich getroffen wird. Ueberzeugende Leistungen der Darsteller, eine geschickte Kamera und die ausgezeichnete Regie brachten es zuwege, daß die am Ende des Films ausgesprochene Frage: lieben wir nicht alle zu wenig? der Erschütterung des Zuschauers keinen banalen Nachgeschmack hinzufügte. rw
BELIDA. „Der Berghofbauer“. Ein Berghof im alpinen oder voralpinen Gebiet bot außer Louis Trenker und Ludwig Anzengruber etlichen mehr oder weniger berühmten Dichtern, Bengsteigern und Photo-Amateuren viel Stoff und die jeweils fachlichen Möglichkeiten. Wo die Berge spritze Grate haben sind auch die Menschen recht knorrig und von urigem Wuchs und Charakter. Die Leidenschaften fangen meistens im Sommer an — auf der sündigen Alm sowie beim Heumachen — und pflegen im Winter unter schneebedeckten Wipfeln oder bei Petroleumlicht und gekachelten Oefen zur Peripetie zu schreiten.
Dem Wien-Film gelang es, den lapidaren Stoff durch ausgezeichnete schauspielerische Leistungen zu überwinden. Das schien nicht so ganz leicht zu sein, und die Darsteller waren gezwungen, viel aus sich herauszuholen. Das konnten Attila Hörbiger als Knecht Uli, Eduard Köck in seinem Markthofbauern, und Ilse Exl als Marei tatsächlich. Es gab Fprtissimos, die nur den drei Hauptdairstelilern zu danken sind, nicht dem Drehbuch. Hörbiger kann es mit seiner kraftvollen Verhaltenheit, Köck ist Bergbauer a priori, und Ilse Exl schaffte den eigenen Genre, unabhängig vom blonden Flechtenkranz und erschrockenen Blauaugen der permanenten Hochgebirglerinnen im Film. Die Kamera machte gute Aufnahmen und brachte besonders die Hochzeitsszene des alternden Mannes mit dem blühenden Mädchen zu gespensterhafter Wirklichkeit. Der glückliche Schluß lag hier in der Luft, für das Drama und für die Zuschauer. Ein Weihnachtsfilm für jeden, der einen harmonischen Abschluß für Weihnachten und sich selbst liebt. Sg.
PALAST. — „Im Banne der roten Hexe.“ Die „rote Hexe“ ist ein Segelschiff, das in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts einigen seltsamen Menschen Heimat und Schauplatz einer wilden Abenteuerhandlung ist. Der Kaipitän, von John Wayne mit beherrschter Brutalität auf die Beine gestellt, ist auf der Flucht vor sich selbst, vor einem Schicksal, das ihn in unglaubliche Situationen hetzt, und auf der Flucht vor seinem Auftraggeber, der 'ihm die Frau nahm, die er nicht vergessen kann.
An, sich wäre an diesem Vorwurf nichts Besonderes zu bemerken, wenn man nicht versuchen will, die psychologische Konsequenz der Handlung zu untersuchen. Der Charakter des Hauptdarstellers ist nur verständflich aus der Vorgeschichte, die in den Film eingeblendet wurde, die die Situation von zwei Seiten beleuchtet, von der Seite des Verfolgers, der in seinem Kapitän einen brutalen Mann sieht, der, wie er selbst, ausschließlich auf Profit aus ist. und von einem jungen Mädchen, das die Geschichte unter dem Aspekt der liebenden Frau sieht. Die Handlung ist romantisch und wild, sie idt eine Mischung zwischen gesellschaftlichem Spielfilm und grausamer Seerealität, wo Männer ausgepeitscht werden, wo man Kinnhaken verteilt, wie heutzutage Blumen. Bewundernswert an diesem Film sind die ausgezeichneten Trickaufnahmen, die einen blutigen Kampf mit einem Riesenpolypen bringen, Unterwasseraufnahmen, die Fülle versunkener Wracks mit Goldschätzen, und dazu die ausgleichende Gerechtigkeit, die in letzter Sekunde das Wrack von einer Felsspalte abgleiten läßt. Die Naturaufnahmen sind gut, wenn man sehen könnte, wo die Kunst aufhört und die eigentliche Natur beginnt, wenn sich in diesem Film Grenzen zwischen Tricks, Atelier- und Freiaufnahmen ziehen ließen. Der Dialog ist stellenweise platt, die Regie immer zügig, und am Schluß muß man sich ehrlich wundem’, mit welchem Komfort die Menschen in der Mitte des 18. Jahrhunderts auf einsamen Südseeinseln gelebt haben. hfl
HANSA. — „Cordula.“ Dieser von Max Mell und Gustav Ucicky gedrehte Film hat ein Stück Leben ausgeschnitten, ohne die Schicksale der einzelnen in sich zu runden oder sie in harmonische Verknüpfung zu bringen. Angebahnte Pointen, die filmgewohnter Sinn schon zu Ende denkt, werden abgefangen oder entrinnen wieder im Fortgang der Geschehnisse, die sich in einem Dorf irgendwo in den Bergen unter den Auswirkungen des Krieges 1917 abspielen. Paula Wessely als Kellnerin in der Titelrolle tritt nicht beherrschend hervor, doch liegt bei ihr alles menschliche Gewicht im Gegensatz zu einer Anhäufung von widerlicher Primitivität und menschlicher Erbärmlichkeit. Des Pfarrers Liebe zur Menschheit zerbricht an seinen Erfahrungen. Cordula aber in aller Lebenserschwernis des zur Mutter gewordenen, verlassenen Mädchens vertraut der inwendigen Kraft, „der Freude ganz von innen“, die einmal den Krieg auslöschen und die Menschen versöhnen und bessern muß. Die Typen wähl ist gut, der Streifen wirkt sehr lebendig, obwohl das Milieu immer dasselbe bleibt. Ds
Kirchenmusikalische Feierstunde
VERANSTALTET VOM LUDWIG-REALGYMNASIUM IN DER PAULUSKIRCHE
Es war ein glücklicher Gedanke, daß das Ludwigs - Realgymnasium in der Pauluskirche eine Weihnachtsmusik für seine Schüler und Eltern veranstaltete, in der fast ausschließlich Bach in seinen Werken zu Wort kam.
Die unter der Gesamtleitung der Musiklehrerin der Schule, Stud.-Ass. Frl. Most, stehende Feier war wohl allen Schülern und den zahlreich erschienenen Eltern ein frohes weihnachtliches Erlebnis in der im Kerzenlicht erstrahlenden Pauluskirche.
Den Rahmen der ganzen Feierstunde gaben die mit schöner Klarheit und Sicherheit und — vor allem in der Fuge — mit ausgewogener Registrierung von Frl. Most selbst vorgetragene Fantasie in g-moll und die Toccata und Fuge in d-moll.
Erfreulich war der Chor (teils a cappella, teils mit Orchesterbegleitung), dem der Hauptteil des Programms zufiel, wobei besonders der Chor „Aus tiefer Not" hervorzuheben ist.
War der erste Teil mehr dem kirchenmusikalischen Schaffen Bachs gewidmet, so führte der zweite schon durch das Pastorale für Orgel in die Bachsche Weihnachtsmusik über.
Es ist zu begrüßen, daß man bewußt auf etwa von außen herangezogene Solisten verzichtete und lieber einige Jungen der eigenen Schule herausstellte. So brachte der erste Teil das Duett für Sopran und Alt „Gott, ach Gott, verlaß 'die Deinen nimmermehr“ und die Tenorarie „Du bist bei mir“. Die anschließend an das von einem älteren Schüler vorgelesene Weihnachtsevangelium von zwei Jungen gesungene Sopranarie „O Jesulein süß“ dürfte gerade in ihrer Schlichtheit
jeden erfreut haben. Dem schönen Gedanken des gemeinsam Erlebten, dem Oberstudiendirektor Finkenwirth in seinem Schlußwort noch einmal Ausdruck gab, wurde dadurch Recht, daß nach dem herrlichen Choralvorspiel die ganze zuhörende Gemeinde in den Choral „Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich“ mit einstimmte. Dr. St.
„Die Christnacht“
Weihnachtskonzert der Landesmusikschule
Im Pauluskirchensaal wurde vor nur wenigen Besuchern die „Christnacht“ (op. 85!) von Josef Haas auf geführt. Es ist ein deutsches Weihnachtsliederspiel nach bayrischen und Tiroler Weisen mit verbindenden Worten von Wilhelm Dauffenbach, in der Besetzung für Solostimmen, Sprecher, gemischten Chor und Orchester. Leider ist diese Musik so unzulänglich und meist banal (abgesehen natürlich von den Volksliedern selbst) und der verbindende Text ein so naiver Versuch, die Weihnachtshistorie „volkstümlich“ darzustellen, daß man sich besorgt fragen muß, wie die Wahl auf dieses Werk fallen konnte. Chor und Orchester der Landesmusikschule standen unter der Leitung von Bruno Stürmer. Die Solisten waren Änne Ullrich, Anita Trautvetter, Oscar v. Hom, Kurt Drausch und der Sprecher Gerhard Mersinger. Man musizierte mit Feiß und die Solisten hatten mit Sorgfalt ihre Partien studiert. G. I.
Ein Weihnachtskonzert veranstaltet am Mittwoch, dem 27. Dezember um 19 3(i Uhr im Herdweg 31, die Madrigal-Vereinigung anläßlich ihres dreißigjährigen Bestehens. Zum Vortrag kommen alte und neue WeihnachtshedJer von Michael Prätorius, Martin Agricola, Jean Pieters Sweelinck, Arnold Mendelssohn. Heinrich Weinreiis, Friedrich Noack. August von Othegraven, Peter Cornelius. Carl Loewe Aug. Ed. Grell. Solisten: Liselotte Heisch (Alt), Thea Noack (Klavier); Leitung-Dr. Friedrich Noack.
Die Verlobung ihrer Kinder Elfriede und Adi beehren sich anzuzeigen Georg Schanz und Frau Marie geb. Hoffmann Karl Schnellbacher und Frau Marie geb. Mark Ober-Kinzig i./Odw. Darmstadt Schuhfabrik Ernst-Ludwig-Str. 3 ELFRIEDE SCHANZ ADI SCHNELLBACHER VERLOBTE Ober-Kinzig i./Odw. Darmstadt WEIHNACHTEN 1950 —
Als VERLOBTE grüßen: WILFRIEDE LÖSER BILLY G. SUMPTER Darmstadt Higbee/Miss., USA. Pallaswiesenstraße 40 WEIHNACHTEN 1950
VERLOBTE Ursula J. KRIWYACK Adalbert Kempa Roßdorf b. Dst. Darmstadt (am Hunsrück) Elisabethenstr. 51 24. Dezember 1950
Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Elisabeth Fay Rudi Ihrig Haistersbach/Odw. Guttersbach/Odw. Kreis Erbach Weihnachten 1950
Als Verlobte grüßen Margarete Herdei Georg Kraft Wolfskehlen Griesheim 1. Weihnachtsfeiertag
IHRE VERMÄHLUNG GEBEN BEKANNT WERNER SUCHANTKE LISELOTTE SUCHANTKE geb. Kögel DARMSTADT, Nieder-Ramstadter Straße 170 Kirchliche Trauung am 27. Dezember 1950 um 15 Uhr in der Petruskirche
Als Vermählte grüßen Manfred Günter Kleinwächter Maria Kleinwächter gsb. Wagner Crumstadt, den 23. Dezember 1950
Uhren-Techel liefert die Trauringe Rheinstraße 14 Ludwigstraße 3
Ludwig Horst Henriette geb. Keil VERMÄHLTE Weihnachten 1950 Landgraf-Georg-Straße 141
Monika, Margarete-Elisabeth *19.12.1950 In dankbarer Freude: Ria Niessen, geb. Ehmans Dr. Karl Niessen Darmstadf-Eberstadt, Wilh.-Leuschner-Str. 114 z. Z. Marienhospital
Statt Karten! Mein geliebter Mann und treuer Lebenskamerad Friedrich Zirndorf Lokf. I. R. wurde am 30. 11, 1950 von seinem langen, schweren Leiden erlöst. Die Beerdigung fand in aller Stille auf dem alten Friedhof statt. Für die herzliche Anteilnahme sage ich hiermit meinen innigsten Dank. In stiller Trauer: Witwe Elisabeth Zündorf geb. Deitrich “ Hahn bei Pfungstadt, Hauptstr. 23, früher Darmstadt, Roßdörferstr. 30
Danksagung Wir sprechen hiermit allen, die unserem lieben Entschlafenen, Herrn Konrad Sommer mündlich, schriftlich, durch Kranzspenden oder durch ihre Beteiligung an der Beerdigung gedacht haben, unseren herzlich^en Dank aus. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Köhler für seine liebevollen Worte am Grabe. Frau Margarete Sommer Wwe. nebst allen Angehörigen Darmstadt, 23. Dezember 1950 Lichterbergstraße 73
Geschichten um weihnachten
Der Kinderwagen
VON JULIUS MARIA BECKER WSP.^Als sPätnachmittag der Schäfer vnnstoph Schweizer seine Herde durch aas Joch des niedrigen Stadttores getrieoen hatte, war es zwar heraußen noch netter als drinnen im beinahe gefährlichen Engpaß der Häuser, aber dennoch schon abendlich. Die Schar der trippelnden Tiere war müde, gleichgültig und lautlos geworden. Die zierlichen Kniegelenke der Schwächeren versagten zuweilen den Dienst, ja manche der Schafe strauchelten, stolperten und brachen in den Vorderbeinen zusammen. Die Elend¬ ?ten ganz ah die Ränder und weit an den Sdnuß der Herde gedrängt, die hinkten schon ohnehin und fürchteten nichts mehr ' als den Schäferhund, der ohne Verständnis für all ihre Nöte und armen Gebresten blieb.
Ein schöner, fast undurchsichtiger Schneefall ging nieder. Es schneite fast schräg in die warme daherwogende Wolke der Schafrücken hinein, auf denen die Flocken sogleich wie auf Herdplatten schmolzen. So war es seit mehr als einer Woche gegangen: Städte, Marktflecken, kleine Dörfer und immer wieder die gleiche Chaussee mit Bäumegespenstern zu beiden Seiten, mit lahmen, im Schneetreiben frierenden Wegweisern, mit Bildstöcken und Kreuzen.
Also war man von Ulm an der Donau gekommen, also hatte man nach Tagen das winterliche Neckartal durchquert und trieb nun mit Mühsal den unteren Main entlang. Christoph Schweizer, dem ringsum ‘am Bart die klirrenden Eiszapfen sproßten, erkannte mit Sorge die große Gefahr seiner Herde, allein er wußte, man käme bei einiger Tapferkeit noch heute ans Ziel, man käme noch heute in warme, geschützte und futterbeladene Ställe, mit einem Wort: man käme nach-Hause.
Freilich, das trächtige Mutterschaf, das schwer und im Abstand den anderen folgte, verzögerte das Vorwärtskommen und hing wie ein Bleigewicht am Heimweh der Herde. Zweimal schon war es stehen geblieben; so, als wollte es sagen: „Verzeiht mir! Ich kann jetzt nicht mehr. Zieht ruhig des Wegs und laßt mich allein.“ Und zweimal schon hatte der Schäfer das trächtige Mutterschaf vom Boden gehoben, vorsichtig auf kräftige Arme geladen und dann das Gewicht von fast einem Zentner von einem der Dörfer zum anderen getragen. Doch ja, auch der Schäfer war müde geworden. Ein Sechziger fast, mit Schneeklumpen an hartr
genagelten Sohlen der Stiefel, befrachtet mit zwei übereinandergezogenen Mänteln, so schleppte er mühsam sein Alter die Straße entlang, ganz voller Bangigkeit, es könnte noch heute ein Unheil geschehen.
Da war dann im Dunkeln ein Weiler erreicht. Christoph Schweizer, zum Rasten entschlossen, lenkte die Herde behutsam in den durch Häuser und Ställe gebotenen Schutz eines Angers und ließ sie hier ruhen. Neugierige Jungens, die frierenden Fäuste in Taschen vergraben, kamen her; der eine von ihnen, der größte, schwenkte im Laufen eine Stallaterne in der Hand, ein armes Petroleumlicht, um welches der Schnee wie der Dampf eines Rauchfasses stob.
„Wo wollt Ihr noch hin mit der Herde, Schäfer?“
„Nach Alzenau.“ „Nach Alzenau? Alzenau ist nicht mehr weit! In knapp einer Stunde könnt Ihr es schaffen!“
Da blökte das Mutterschaf; Christoph Schweizer, der Hirte, flog schnell mit dem Kopfe herum. Er wußte, was das war. Er kannte den ganz besonderen Ton, diesen einsilbigen, abgerissenen Schmerzlaut der Kreatur. Wo war es denn hingekommen? Wo hatte es, ohne viel Aufhebens zu machen mit sich, die müden, steif gefrorenen Glieder hingestreckt?
„Gib die Laterne“, sagte er schnell und traf in die Herde Die ungezählten, schmalen und eirunden Köpfe erhoben sich, die duldenden Augen sahen zu ihm auf. Aber da war es nicht. Der Schäfer leuchtete sorgfältig den Umkreis ab, er lief mit dem Kegel des Lichtes die Reihe der Bäume am Straßenrand entlang und nahm dann das grobe Gemäuer der Häuser ins Licht. Und richtig, da lag ja sein Mutterschaf, geduckt und gekrümmt in dem Schnee, sah selbst wie ein Berglein zusammengetriebenen, angewehten, getürmten Schnees aus.
Christoph Schweizer trat herzu. Ihm folgten die Buben. Der kleine, rötliche Lichtkreis, in den jetzt der Bart des Schäfers tauchte, umschloß das kauernde Mutterschaf und, neben ihm liegend, ein Häuflein pulsenden Lebens: Fünflinge nämlich, fünf winzige, schimmernd behaarte, fast nackende Lämmlein. Den Buben machte dies Spaß; der Schäfer, Christoph Schweizer, freute sich ebenfalls, doch freilich, was sollte er jetzt tun, was sollte er anfangen mit all diesem Segen, jetzt, am heiligen Weihnachtsabend, noch knapp eine Stunde von Alzenau entfernt? Allein dann dachte er sich: es sind ja wohl Christenmenschen, rechtschaffene Bauern, die Leute, die hier wohnen; sie werden Verständnis haben und aushelfen, wo es sein muß, mit Flicken und Lappen. „Kommt, Buben! Und zeigt mir den Weg!“
Die Menschen, die hier wohnten und Christbescherung hielten, spendeten gerne, was notwendig war. Schweizer hat schon beide Hände voll. Da sah er auf stolperndem Wege zur Herde zurück und, rasch von dem Schein der Laterne gestreift, im wirren Gerümpel der Nischen und Remisen, schief und lange schon ausrangiert, einen Kinderwagen stehen. Da schoß ein Gedanke in ihm auf: es hat dieser Korb, dies Binsenkörblein auf Rädern schon manch einem Menschenzwerge zur Lustfahrt gedient. Nun soll’s in der Weihnachtsnacht den Schafzwerglein dienen und soll sie umhegen, umwärmen und heimführen auf gleitenden Rädern im Schnee!
„Ihr schenkt mir den Wagen! Ihr müßt ihn der Lammbrut bescheren, damit sie nicht elend zugrunde geht!“ Die Herde brach auf. Ungleichmäßig, in beinah lautlosem Takte schlugen die Hufe auf eisige Rinde des Schnees und machten Musik: raunende, pochende Wandermusik, die trippelnde Sprache der Herde. Christoph Schweizer, der Schäfer, schritt mächtiger aus. Er schob den rollenden wackeligen Kinderwagen mit gutmütiger Tapferkeit vor sich her, er, der alte Junggeselle, der niemals in seinem Leben eine Wiege geschaukelt Jetzt schob er die Last, die lieblich, holdselig und weihnachtlich war: silberne Lämmer, makellos und fünf an der Zahl.
In Alzenau wurde zur Messe geläutet als er ankam . . .
Winternacht
Holzschnitt von Diether Ritzert (Rüsselsheim). R. ist Schüler von Franz Masereel (Kunstschule Saarbrücken)
Singt sie nicht, die alten Weisen; denn es brennen Stall und Krippe. Auf Mariens bleicher Lippe ist das holde Lied verstummt.
Und der Hirte auf dem Felde, angstumdrängt von seinen Lämmern, a,hnet einer Welt Verdämmern, der die Engel einst erschienen.
Und er sinkt in seine Kniee: Herr! Die Wunden Christi bluten Heil’ge stehen auf, die ruhten. Rette, was dir nahe war!
„Nein!“ umbraust ihn eine Stimme, „Lass’ sie brennen..! Stall und Krippe. Unterm Hohn der Menschenlippe ist das sanfte Lied verstummt.
Singen sie die alten Weisen, soll’s wie Schwerter sie durchbohren! Denn ich habe sie verloren und ich suche sie nicht mehr.
Vor dir alter Hirte, hebe sich der Stall verjüngt nach oben, unzerstörbar mich zu loben, morgenwolkenzart umrandet.
Sie jedoch sind keine Hirten. Kampf um nichts ihr ganzes Leben, und keine Friede wird gegeben, bis mein Bild sich neu erfüllt!“
Aus dem Stolle aber klagt eine Stimme auserkoren: „Ach, ich habe sie verloren und ich suche ewiglich.“ , MAX GEIS!ENHEYNER
Weihnacht der Welt
VON ADALBERT STIFTERWenn die Zeit immer weiter vorrückt, wenn die eine Nacht der anderen die Hand reicht und der dazwischenliegende Tag nur als eine hellere Nacht erscheint, so kommt der Tag, an dem es in der Stadt die vielen Christbäume gibt, als wäre ein junger Wald in ihre Gassen gewandert. Endlich kommt der Heilige Abend heran. In allen Häusern brennen Lichter. In den Vorzimmern sitzen die Kinder und warten, und die Mutter tritt zu ihnen und sagt: „Das Christkind ist gekommen!“ Da öffnen sich die Türen und die Kinder gehen in das Zimmer, das voll Lichterglanz ist. Dort steht der Baum, an dem die Lichter brennen und Glaskugeln und Silberfäden hängen. Unter dem Baum liegen die Gaben. Die Bangigkeit der Erwartung geht in Jubel auf, bis der Schlummer die kleinen Augenlider schließt.
In Stadt und Dorf rufen die Glocken um Mitternacht zum Gottesdienst, und sie rufen am anderen Morgen zum Feste. Es sind Millionen Tempel, in denen man die Geburt des Kindes begeht. Und wie die Mitternacht von Osten gegen den Westen heranrückt, so rückt das Geläute von Osten gegen Westen, bis es in andere Länder und an das Meer kommt. Dort macht es nicht halt und beginnt nach einigen Stunden jenseits des Ozeans von neuem: Das Christfest umspannt den ganzen Erdball und verbindet die Völker zu einer großen Gemeinschaft.
Ein Lied geht um die Welt
WIE JOSEF MOHR „STILLE NACHT — HEILIGE NACHT“ KOMPONIERTE
Es schneit. Wie kann es auch anders sein inmitten der Salzburgischen Berge. Die Dämmerung senkt sich über das Tal. Die Lichter in den Häusern flammen auf. Alle. Kinder bleiben heute auf, denn sie gehen ja zur Mitternachtsmesse — am Heiligen Abend 1818. In der kleinen Pfarrei sitzt ein junger Hilfspfarrer am Fenster und blickt in das Schneegeflock des anbrechenden Weihnachtsabends. Joseph Mohr bereitet sich auf seine Mitternachtspredigt vor. Kaum, daß man die Glocken aus den Kirchspielen im Tal hören kann, denn jeder Schall wird durch den dichten Schneefall erstickt. Nur hin und wieder schwellen die Glocken an, dann verebbt der erzene Gesang wieder.
Die Tür geht auf. Eine Bäuerin tritt herein und sprudelnd verkündet sie dem Hilfspfarrer, daß in Oberndorf gerade vor einer Stunde eine Geburt geschah. Joseph Mohr ist eigentümlich berührt davon und verspricht, sofort zu kommen, um dem Weihnachtskind den Segen zu erteilen. Auf dem Weg zurück in sein Haus summt es in ihm. Stille Nacht — Heilige Nacht — ohne Melodie — nur diese beiden Worte. Und obwohl seine Predigt noch nicht fertig ist, setzt er sich nieder und schreibt zunächst ein paar Verse. Der Text des weltumspannenden Weihnachtsliedes ist in einer fruchtbaren Minute geboren.
Nun ist die Messe vorbei. Alles ist wieder still, die Glocken sind verstummt. Aber den Hilfspfarrer Joseph Mohr drängt es, seinem besten Freund, dem Dorflehrer Franz Gruber, die Verse vorzulesen. Er hatte keine Orgel heute gespielt, da sie gerade zum Christfest entzwei war. Morgen soll erst Karl Mauracher. der Zillerthaler Orgelbauer, herüberkommen und die Pfeifen nachsehen. Gruber liest die Verse seines Freundes und ihm wird ganz feierlich zumute. Das alte Spinett in seinem Zimmer zieht ihn geradezu magisch an, und wie aus einem Guß setzt er die Verse in Melodie um. Noch ohne Noten, nur ganz dem Gefühl der feierlichen Nacht hingegeben. Und die Melodie ist so einprägsam. Sie verläßt beide nicht mehr. Das Lied verlangt sein Recht. Am Weihnachtsmorgen repariert der Orgelbauer den Blasebalg. Lehrer Gruber probiert anschließend aus, ob das Instrument wieder spielfertig ist Was lag näher, als „Stille Nacht — Heilige Nacht“ zu intonieren. Der ganze Kirchenraum ist in die feierlichen Töne eingehüllt, und da die Menschen aus dem Zillertal alle Melodien, die man hierzulande singt, schnell in sich aufnehrpen, bringt der Orgelbauer Mauracher das Lied mit herüber in die Dörfer des Zillertales. Ein Jähr später: Vier Kinder leben hier. Vier gottbegnadete Stimmen haben sie. Es sind die „Strasser-Kinder“. Sie haben Stimmen wie die Nachtigallen und sehr arme Eltern. Handschuhmacher sind sie. Und die vier Halbwüchsigen, Karoline, Joseph, Andreas und Amalie sind im nächsten Jahr unterwegs, um die Ware, die in mühseliger Heimarbeit entstanden ist, abzusetzen. Aber sie verkaufen nicht nur. Sie singen auch zwischen den bunten Marktreihen und verdienen sich so manches Stück Geld.
„Daran kann man nicht vorbeigehen“, sagt auf dem Großen Leipziger Weihnachtsmarkt im Jahre 1832 ein elegant gekleideter Herr, der das vorweihnachtliche Treiben auf einem Bummel ^rieben will. Der Generalmusikdirektor Pohlenz glaubt, die schönsten Kinderstimmen entdeckt zu haben, die er jemals in seinem Leben gehört hatte. Die vier aus dem Zillertal müssen ihm folgen. Er bewirtet sie und am Abend sind sie seine kleinen Ehrengäste im Gewandhaus, im alten Leipziger Tuchmacher-Gildehaus. Hier hat sich die gesellschaftliche Elite Sachsens zusammengefunden. Auch der König ist dabei.
Ganz voran am Podium sitzen die vier Zillertaler Nachtigallen, unsicher in dieser großartigen Umgebung. Aber der Musikdirektor läßt sie nicht lange im Ungewissen. Er kündigt an, daß es ihm gelungen sei, die schönsten Stimmen mit ebenso schönen Alpen-Volksliedern in das Leipziger Gewandhaus zu bringen. Ein paar Mal schlucken sie noch und dann heben die „Strasser-Kinder“ ihr Lied an. „Stille Nacht — Heilige Nacht“. Atemlose Stille folgt, nachdem sie geendet haben, und dann ein orkanartiger Beifall. Dreimal müssen sie es singen. Am Abend noch einmal in der sächsischen Hofkapelle. Und im nächsten Jahr um die Weihnachtszeit klang „Stille Nacht — Heilige Nacht“ in allen deutschen Städten, drang über die Grenzen und wurde das Lied aller christlichen Völker, bis in die fernsten Ecken der Welt drang es.
Es kehrte noch einmal heim in die salzburgische Heimat und erklang, als ein alter Priester sich zum Sterben niederlegte. Seine alte Hausgehilfin mußte eine Laute nehmen und dem scheidenden Pater Joseph Mohr ..Stille Nacht — Heilige Nacht,, singen. Denn es begann gerade wieder zu Weihnachten — am 4. Dezember 1848 ... Wolfgang G. Kölbach.
Die Herberger
ERZÄHLUNG VON JOSEF MARTIN BAUER WSP
Arme Teufel nannte man sie. Seit vielen Jahren wußte man so, daß säe in ihrer Armut, um auch etwas zu gewinnen von der Feiertagsfreude der anderen, getreulich miteinander von Haus zu Haus gingen, richtig gesagt, um etwas zu erbitten für die Feiertage. Weil sie sieh nun des Bettelns schämten, sangen sie in jedem Haus einen gereimten Spruch, daß sie auf der Herbengssuche seien für den kleinen Herrgott, der in dieser Nacht doch geboren werden sollte. Dieser gereimte Spruch, der die Not des Bettelns mit dem Stolz der dreie in einen Reim zu bringen versuchte, - trug den drei alten Menschen einen Namen ein, so daß man sie überall und zu jeder Zeit des Jahres die Herberger nannte.
Zu den Herbergern gehörte der hagere Mathäußer, den eine unbrüderliche Hinterhältigkeit um den Besitz eines bescheidenen Hofes gebracht hatte, sodann der gesprächige Trentimiglia, der sich gescheit dünkte, wenn er sein' allzureichliches Reden mit fremden Brocken spickte und daher seinen fremdklingenden Namen bezogen hatte, und als dritter der stille prächtige Bechtel. Was sie als einziges besaßen, war eine beinahe ungetrübte Heiterkeit, um deren Willen man ihnen bereitwilliger als etwa den Landfahrenden die Tür aufmachte und die Gabe für die Festtage in die Tasche schob Als die drei Herberger von den Einödhöfen her ins Dorf kamen, waren ihre Zwerchsäcke schon recht gewichtig, und die Leute in den Häusern an der Zeile rechts und links der Straße gaben auch mit bereitwilligen Händen,
Also schleppten die Herberger ihre schweren Säcke den Hang hinauf, unter dem Schutz des Portals trampelten sie den Schnee von den Schuhen, denn sie wollten keine Ungelegenheiten in das Schloß bringen, und der vorwitzige Trentimiglia zog dreimal heftig am Glockenstrang.
Absonderlich erschien es den dreien wohl, daß niemand sich regte im Schloß, aber sie waren anständige Männer und warteten erst eine ganze Weile, ehe sie ein zweitesmal zu läuten wagten.
Als auch diesesmal keine Antwort kam, drückte der Mathäuser wie unversehens auf die Klinke und stellte, beinahe mit Widerwillen fest, daß die schwere Tür dem Druck nachgab und sich öffnete. Der Trentimiglia hustete, der Mathäuser rief halblaut etwas in den weiten Gang, und der überlegene Bechtel drehte einen Lichtschalter an den er im Dämmer entdeckt hatte. Aber wenn sie erwartet hätten, der grelle Lichtschein werde nun doch irgendwen im Schloß aufmerksam machen auf die Eindringlinge, so mußten sie nach einer weiteren Weile des Wartens diesen Irrtum einsehen und der Bechtel riet unter solchen Umständen zu einer sofortigen Umkehr.
Da murmelte der Trentimiglia etwas Ver. ächtliches durch den Bart und ging, wie wenn er hierher geladen wäre, den breiten Gang vor bis zur Treppe. Die andern trieb eine ängstliche Neugier hinter ihm her,
Plötzlich, ohne es so eigentlich gewollt zu haben, standen sie in einem mächtigen Saai, sie fanden den Griff für das Licht und schufen Helligkeit in den Raum, über den eigenen Mut verwundert und des mutwilligen Tuns nicht so ganz sicher. Sie hatten zuweilen schon gehört, daß der Graf mit seiner Familie zur Winterszeit lieber in der Stadt wohne als hier auf dem einsamen Schloß, aber selbst in diesem Fall mußte der Diener oder der Kutscher, oder wer sonst für das Abschließen des Gebäudes haftbar sein mochte, eine große Nachlässig, keit begangen haben mit dem Offenlassen der Tür.
Keiner hätte am anderen Morgen sagen können, wie alles gekommen war. Der Trentimiglia jedenfalls hatte als erster seinen Zwerchsack abgestellt, dann hatten die beiden andern ebenso getan, einer von ihnen hatte die zarten Gläser aus der Vitrine genommen, und der bedächtige Bechtel, vom Mutwillen der eigenen Torheit berauscht, hatte in der Tiefe des Hauses den Platz gefunden, wo der Wein lag. Von den vierzehn Stühlen am Tisch brauchten sie nur drei, denn sie waren scheu zuerst und sittsam, aber als es elf Uhr schlug aus einer irgendwo eingebauten Uhr, lagen alle überflüsigen Stühle in einem fröhlichen Haufen abseits, während die drei Herberger fröhlichkeitstrunken den Tisch umstanden und sich den Vers zusangen, den sie hrut von Haus zu Haus bis zum Heiserwerden geschrien hatten. Und alle Lichter in allen Zimmern des Schlosses brannten, weil die Heiterkeit der drei Männer Licht und Helligkeit um sich wollte. Darüber wunderte man sich 1m Dorf, weil es noch nie geschehen war, daß der Graf alle Lichter in allen Zimmern gebrannt hatte. .
Die Herberger in ihrer arglosen Heiterkeit tranken den Wein wie das Wasser vom Brunnen. Im Reden und Trinken und der erschöpfenden Heiterkeit der alten Herzen wurden sie müde und schliefen ein, wobei sich ein jeder zum Bedecken vor der Kälte ein Stück hernahm, das ihm wert und passend erschien.
Als gegen den Morgen hin dem Mädchen des Kutschers im Haus nebenan der Lichtschein aus allen Fenstern störend in den seicht gewordenen Schlaf drang, schlug da? Kind die Decke zurück und trat ans Fenster, um das Schloß zu beschauen, das doch leer war und nun aus allen Fenstern in die Nacht hinaus leuchtete. Das Kind stand
„Wie man den König an dem Uebermaß der Gaben kennt, denn ihm muß wenig scheinen, was Tausenden schon Reichtum ist, so kennt man euch, ihr Götter, an gesparten, lang und weise zubereiteten Geschenken — “ Aus Goethes „Iphigenie"
ebeh in dem Alter, wo man das erste Fürchten schon verlernt und das zweite noch nicht gelernt hat, und ging darum ohne Scheu über den Schneeweg in das Schloß hinein. Der Mathäußer setzte sich auf, als die leise tappenden Schritte in den Saal kamen und ein Kind in weiß fallendem Hemd verwundert vor ihm stehen blieb. Ob sie denn die Heiligen Könige wären, fragte das Mädchen und legte, halb .n Scheu, halb in stau, nendem Bewundern, die Hände über die junge Brust. Der Mathäußer lachte heiser: sie müsse das wohl selbst sehen. Jaja, das Kind sah die Würde von Königen in dem schlohweißen Haar und den wolligen Bärten. es sah eine Brokafdecke um des Mathäußers Schultern geschlungen und bestaunte die zwilchenen Quersäcke, in denen die reichen Gaben wohl verborgen sein mochten.
Da tat der Mathäußer, wie nur ein König mit gleicher Würde tun konnte: er gab dem Mädchen aus seinem Sack eine Schnitte Früchtebrot und aus Bechtels Sack einen glutroten Apfel und aus Trentimiglias Seck ein Stück billiges Backwerk Mit ehrfürchtigem Dank nahm das Kind die Gaben hin, und weil die drei Herberger vbr dem Tagwerden noch das Schloß verließen, erfuhr man im Dorf am andern Morgen nur. daß die drei Könige im Schloß zur Nacht geblieben wären
Foto: Elisabeth Hase Sieh’, Frau Holle tupft den Fichten weißen Mull ins grüne Kleid, und es steht der Wald im lichten Zauber holder Heimlichkeit W. L. Oh, dies ist ein köstlich Schreiten durch des Winters frischen Tag, wenn die Flocken lautlos gleiten in den kahlen Buchenschlag,
Die dreizehnjährige Lehrerin
VON MAX GEISENHEYNEREs war in einer Stadt nahe der thüringischen Grenze. Im Dezember. Ein kalter Wind kam von den nahen Bergen, strich über die Schloßruine und die tief zu ihren Füßen im Tal liegenden ziegelgedeckten, hundertjährigen Ställe, die mit ihren gewölbten Dachaugen wie uralte Tiere aussahen. Am schmalen Fluß, mit dem Blick auf das Schloß, stand ein Kirchlein so verloren am Straßenwinkel, mit seinen blinden, grauen Fenstern und der abbröckelnden Mauer, als hätte man es nicht gewagt, dieses zierliche gotische Schmuckstück zu beseitigen.
Eine wohlige Wärme schlug dem Eindringling entgegen. Ein eiserner Ofen strahlte sie aus. Das Kirchlein war vollgestopft mit kleinen Mädchen. Der Tür zunächst in den letzten Reihen war noch ein Platz frei. Der Besucher setzte sich behutsam und hörte zu. Vor seiner Bank stand als jüngste aller Lehrerinnen eine Dreizehnjährige in bescheidenem Röckchen, den kleinen Hut, den sie wohl von einer älteren Schwester mochte bekommen haben, schief auf das Blondhaar gestülpt. Sie war mit heiligem Eifer bei der Sache. Sie bemerkte den Fremdling nicht. Die Wintersonne kam schräg durch die Scheiben und fiel über ihr Gesicht. Es war von einer so anmutigen Schönheit und Reinheit, als sei ein Engel Botticellis ins Leben gesprungen und fühle sich da wohler als im Bilderrahmen.
Das Mädchen erzählte die Geschichte von der Geburt Jesu. Sie sprach die Worte langsam in thüringischem Tonfall. Das sang und klang weich und heimlich. Die Landschaft war darin mit ihren Wiesen und sanften Bergen, den Wäldern, den stillen Dörfern mit der alten Geheimsprache des Gebälks in den Fachwerkhäusern.
Wie andächtig die Vier- und Fünfjährigen zuhörten! Wie groß sie die Augen aufschlugen, wie unbeweglich sie dasaßen. Nur manchmal schlenkerte eine mit den Beinen oder ihrer Brust entfuhr ein tiefer Seufzer.
Als die Geschichte zu Ende war, fragte die Erzählerin, wer sie wiederholen könne. Niemand meldete sich. Schließlich erhob sich eine mit einem kecken Näschen, blitzenden, lebhaften Augen. Zwei braune Zöpfe standen ihr steif vom Kopfe. Die Hände hatte sie über der roten
Wolljacke gefaltet. Sie begann ohne Scheu. Aus der zarten Stimme der Lehrerin war in dieser Verwandlung eine Kindertrompete geworden, welche die Worte hastig, kräftig in der ländlichen Mundart hervorstieß. Aber, o Wunder, die Grundmelodie dieser großen Fuge ewiger Menschlichkeit war durch nichts zu erschüttern. Sie drang unbeirrt durch das kindlich-eifrige Geschwätz. Rot vor Eifer beendete die fünfjährige Dichterin ihre Erzählung: „Und Maria hadde keene Windeln, damit se hädde das Gind einwickeln gönn'n ... da nahm se ihr bestes Kleed aus dem Schranke und sagte: Für dich ist mir nischte nich gut genug!“ Niemand lachte über dieser eigenwilligen Erfindung. Die Dreizehnjährige strich ihr über das Haar und sagte bewundernd nichts weiter als „Scheene... scheene!“
An den Bankeinschnitten ging jetzt eines der Mädchen herum und sammelte. „Für die Armen!“ sagte sie jedesmal. Da zogen sie, die selber arm waren, Pfennige aus winzigen Portemonnaies und aus kleinen, koketten Handtäschchen. Manche lüpften den Rock und holten hinter dem Gummiband am Strumpf die sorgsam eingeklemmte Münze hervor und warfen sie in die Büchse.
Eingeschneit — Holzschnitt von Franz Masereel
Weihnachtswünsche
1. Ich wünsche mir ein kleines, mit Schokolade überzogenes Finanzamt aus Marzipan. Meine Frau hat nämlich eine große Schwäche für Süßigkeiten.
2. Ich habe gehört, daß die Bundesbahn ihre Tarife erhöhen will. Ich wünsche mir, daß sie, statt die Tarife zu erhöhen, vielleicht nur die Geschwindigkeit erhöht.
3. Ich wünsche mir eine Freikarte zur Premiere des Films „Der Lechnersepp von der Kramperlalm“ — in deutscher Sprache.
4. Ich wünsche mir, ich könnte unsere Zwei-Zimmer-Wohnung für einen Baukostenzuschuß von 3000 DM loswerden und gegen einen Zuschuß von 1000 DM eine Vier-Zimmer-Wohnung bekommen.
5. Ich wünsche mir eine Weihnachtsgans, deren Preis in einem gesunden Verhältnis zu meiner Arbeitslosen-Unterstützung steht.
Besuch im Humperdinck-Museum
VON OTTO C. A. ZUR NEDDEN„Mein lieber Freund, Du bist ein groer Meister, der den lieben Deutschen ein Verk beschert, das sie kaum verdienen, rotzdem aber hoffentlich bald in seiner ganzen Bedeutung zu würdigen wissen werden. Na — und wenn nicht, so hab einstweilen von einem treuen Freunde und Gesinnungsgenossen innigsten Dank ’ür die Freude, die Du ihm bereitet hast.“ Mit diesen Worten quittierte Richard Strauss am 30. Oktober 1893 von Weimar aus dem Freunde Engelbert Humperdinck den Empfang der Partitur von „Hänsel und Gretel“, und Humperdinck antwortete von Frankfurt aus, wo er damals als Kritiker an der „Frankfurter Zeitung“ war: „Ein solches Lob aus einem solchen Munde das war mehr als ich erwarten durfte. Dein Brief ist für mich der schönste Lohn meiner Arbeit, er ’st aber auch zugleich ein neuer Beweis, laß Du nicht nur ein großer Künstler, sondern auch ein großer Mensch bist.“
Die Uraufführung von „Hänsel und Gretel“, die am 23. Dezember 1893 im „Großherzoglichen Hof-Theater“ in Weimar unter der Stabführung von Richard Strauss stattfand, sollte die Erwartungen, die Komponist und Dirigent an sie geknüpft hatten, noch weit übertreffen. Sie wurde zu einem der größten Opernerfolge der Nach-Wagnerischen Zeit, ja — zu einem der größten Erfolge in der Geschichte der Oper überhaupt. „Hänsel und Gretel“ wurde in nicht weniger als siebzehn Sprachen übersetzt und an den Operhbühnen aller Länder aufgeführt. Auch heute noch, ein halbes Jahrhundert nach der denkwürdigen Weimarer Premiere, strahlt die Partitur den gleichen Zauber der echten „Märchenoper“ aus und zählt zu den unbedingt „sicheren“ Erfolgswerken, wann und wo immer sie gespielt wird. Nicht ohne starke innere Teilnahme liest man daher bei einem Besuch im Humperdinck-Museum in Siegburg die eingangs mitgeteilten Briefe im Original, beschaut die lange Reihe der Textbücher und Klavierauszüge von „Hänsel und Gretel“ in englischer, französischer, russischer, spanischer und italienischer Sprache, oder blättert gar, wenn der Verwalter dieses Erbes, der Sohn des Komponisten, Wolfram Humperdinck, es freundlicherweise gestattet, in der handschriftlichen Partitur des Meisterwerkes, deren materiellen Wert Richard Strauss einmal mit 25 000 Dollar taxiert hat, deren immaterieller Wert aber so wenig zu bestimmen ist wie der irgendeiner Handschrift unserer „großen Meister“ der Musik. Denn er war weit mehr als nur ein lieber musikalischer Märchenonkel, dieser Engelbert Humperdinck, dem so manche Zeitgenossen den Erfolg von „Hänsel und Gretel“ neideten und lediglich auf „geschickte Verwendung bekannter Volkslieder“ zurückführen wollten. Bedenkt man, daß in der gesamten Partitur nur zwei Melodien nicht von Humperdinck sind (nämlich „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“ und „Ein Männlein steht im Walde“), alles andere aber Humperdincksches Melodiengut ist, so vor allen Dingen der berühmte Abendsegen der Kinder „Abends, wenn ich schlafen geh“, das Tanzduett „Brüderchen, komm tanz mit mir“, die Lieder des Sandmanns und des Taumännchens, überhaupt der ganze Melodienreichtum dieser einzigartigen Partitur, dann wird einem so recht bewußt, wieviel wir Deutsche dem Siegburger Meister zu verdanken haben. Er ist wohl der letzte in der Kette deutscher Liedmeister gewesen, deren Melodien zum Volkslied wurden und als typisch deutsches Geistesprodukt den Weg um den Erdball nahmen.
„Das Lied war in allen Werken meines Vaters der Ausgangspunkt seines Schaffens“ erläutert Wolfram Humperdinck, der gegenwärtig an einem großen biographischen Werk über seinen Vater er-
beitet. Das Siegburger Museum enthält unter anderem etwa 60—70 Lieder. Neuere Forschungen im Archiv haben ergeben, daß fast die doppelte Zahl vorhanden war, aber verschollen ist, da Engelbert Humperdinck sehr freigebig im Verschenken seiner Lied-Manuskripte gewesen ist.
Und der übrige Ihhalt des Siegburger Museums? — Nun, es ist eine kleine „Schatzkammer“ von Manuskripten, Dokumenten, Bildern, Theaterzetteln und Erinnerungsstücken aller Art aus den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende. Ein glückliches Schicksal hat sie vor Kriegseinwirkungen bewahrt, so daß sie vollständig zu nennen ist. Neuerdings ist sogar ein kleiner Streit um diesen Nachlaß entbrannt, der sich in Pressekommentaren Luft macht. Soll er in Siegburg, der Geburtsstadt Humperdincks, verbleibenoder soll er nach Frankfurt in den Besitz des „Manskopfschen musikhistorischen Museums“ übergehen, das mit seinen reichen Beständen gerade aus der Wagner-Zeit eine sachkundige Aufbewahrung und Verwaltung garantieren würde? Verlokkenden Auslandsangeboten hat der bisherige Eigentümer, Wolfram Humperdind^, tapfer widerstanden! Ein Rundgang durch das Museum möge über den Inhalt kurz unterrichten.
Da sind zunächst kostbare Richard-Wagner-Erinnerungen aus der Zeit, da der junge Humperdinck in Bayreuth die „Parsifal“-Partitur kopierte und zu den Auserwählten gehörte, die bei den Vorbereitungen und der ersten Aufführung des Bühnenweihfestspieles mitwirken durften; unter anderem eine von Humperdinck naöhkomponierte Parsifal-Partitur-Seite zur notwendig gewordenen Verlängerung der Musik zur Wandeldekoration. Da sind zahlreiche Dokumente, die vom Umkreis und Erfolg des Humperdinckschen Schaffens Zeugnis ablegen: die Partituren der Bühnenmusiken zu Shakespeareschen Werken, die der Komponist im Auftrag von Max Reinhardt schrieb, der komischen Oper „Heirat wider Willen“, der verschiedenen Fassungen der „Königskinder“, deren Opernfassung schließlich 1910 in Neuyork ihre Uraufführung erlebte. Von den regen Beziehungen, in denen Humperdinck zu den namhaftesten Musiker-Persönlichkeiten seiner Zeit stand, zeugen Briefe von Liszt, Busoni, Puccini, d’A 1,- bert, Brahms, Kienzl, aber auch von Dichtern wie Rosegger, Raabe, Hauptmann und dem Maler Hans Thoma. Ein großes Verdienst Humperdincks bleibt es, daß er als gelegentlicher Verlagslektor des Hauses Schott in Mainz Hugo Wolf entdeckte und diesem Verlag zuführte, ebenso wie er auch Pfitzners erstes Musikdrama „Der arme Heinrich“ anläßlich der Mainzer Uraufführung sehr positiv in der „Frankfurter Zeitung“ rezensierte. Ein Unikum des Archivs sind die mit minuziöser Genauigkeit geführten Tagebücher Humperdincks durch fast 42 Jahre hindurch. Sie geben erschöpfend Auskunft über die Jahre 1880—1921. Tag und Stunde, da er in Paris die Nachricht vom Tode des geliebten Bayreuther Meisters empfing, sind mit Tinte schwarz umrändert. Lumen de lumine (Licht vom Lichte) war Humperdincks Wahlspruch.
Zum Abschied überreicht .Wolfram Humperdinck dem Besucher einen Sonderdruck der Siegburger Humperdinck-Gesellschaft: „Die Zeitlose“, ein „modernes Traummärchen“ des Komponisten. Es ist kurz vor seinem Tode geschrieben. In ihm versenkt sich der 67jährige in inniger Liebe und mit humordurchzogener Erzählerkunst in seine Siegburger Jugendzeit. Er hält nicht nur Zwiesprache mit den Eltern, sondern auch mit dem kleinen Engelbert, ein Kabinettstück einer autobiographischen Skizze im Antlitz des nahen Todes. Der zur Weltberühmtheit gelangte Meister nimmt Abschied vom Leben und gedenkt des Lichtes und der Liebe, die er vom Elternhaus empfing. Lumen de lumine . . .
Ueber der Laterne
VON ARNO DOHMEs schleichen sich an den älteren Menschen um die Zeit der Christbäume und Lichter heran gerade die Gedanken, die er in diesen dunklen Jahren, nach dem Aufbersten des großen Abgrunds, oft und oft, sich in die Alltagsarbeit versenkend, gewaltsam abgewehrt hatte: ein bohrendes Grübeln über das, was ihm das grausame letzte Jahrzehnt mit der Zerstörung von Heim und Habe in Wahrheit raubte. Und er fühlt, vielleicht ohne es in Worte fassen zu können, aber mit einem als notwendig. empfundenen unnennbaren Schmerz: „Worum wir trauern, das sind nicht, und längst nicht mehr, allein die1 greifbaren Güter, nicht nur die Wohnung als Aufenthalt. Mehr als Materie ging uns verloren. Jenes unerklärbare Fluidum, das um den Begriff Vaterstadt und Vaterhaus webt.“
Ergäbe sich der Ältere diesem Nachsinnen, er müßte verzagen. In seine Erinnerung steigen Bilder, die für ihn nie, nie wieder ihre vertraute Gestalt haben können. Er sieht sich als Kind mit den Geschwistern, erregt pochenden Herzens, am Fenster hocken, das ein wenig befroren ist und an dem ihre kleinen Finger fortwährend reiben, mit dem warmen Kindesatem freudig vorbereitete Gucklöcher reiben. Draußen liegt Schnee, eine weiche gütige Decke, unter der die Straße mit Fußgängern und Fuhrwerk so gedämpft, so feierlich wird, daß alle Geräusche — und es werden ihrer mählich weniger da draußen, am Heiligen Abend — „wie Weihnachten“ klingen. Denn Weihnacht ist es, und darum pochen die Kinderherzen. Weil im Nebenzimmer ihnen Elternhände ein Fest bereiten, das, wie wenige oder viele Gaben da vor-
handen sein mögen, das schönste des Kinderjahres ist, unter dem lieben Baum mit den Kerzen. Bis zur Bescherung noch blicken sie, mit tiefem Glücksgefühl, hinaus in den Winterzauber des Weißen. Und es dunkelt. Sie empfinden, unbewußt ganz künstlerisch, wie herrlich schön es aussieht und welchen Frieden es in die Brust bringt, wenn die Schneeflocken durch den Lichtkranz der Laterne tanzen, ihrer lieben Laterne, die vor dem Gartengitter steht, und schon immer dort stand, so lange die Kinder zurückdenken können. Und die immer so stehen wird, ein Freund, auch wenn er nicht spricht. Als ob der nicht spräche —! „Immer“, so dachten die Kinder, weil sie die Welt noch nicht kannten.
Aus der „Sachsenchronik“ von Peter Schöffer, 1492
Margueriten IM BLAUEN FELD
Kriminalroman von Ullrich v. Bissing11. Fortsetzung Der Antiquitätenhändler war nach Beginn der großen Pause quer durch das Theater zu einem Ausgang gegangen, von dem er wußte, daß er auf dem kürzesten Weg zu dem Privatbüro des Direktors führte. Hier klopfte er ziemlich flüchtig an die Tür, öffnete sie und stand in ganzer Größe vor einem Schreibtisch, der inmitten des komfortabel eingerichteten Raumes stand, und hinter dem ein breitschultriger, temperamentvoll gestikulierender Mann saß, der gerade ein Telefongespräch beendete. Der Hörer flog mit einem Knall auf die Gabel, aber der Mann, plötzlich verwandelt, lachte Hachenberg verbindlich zu.
„Wenn Sie jemals die Absicht haben, Ihren Beruf zu wechseln, rate ich Ihnen, Direktor eines Revuetheaters zu werden. Ueber Langeweile brauchen Sie sich dann wenigstens nicht zu beklagen. Man muß den Gleichmut eines Buddha besiitzen, um die tausend Fragen am Tage über sich ergehen zu lassen! Haben Sie einen Wunsch?“
„Ja, den habe ich wohl“, bestätigte Hachenberg und setzte sich in einen breiten Sessel, „wenn Sie jemals gefragt werden sollten, wer Sie auf diese Idee der Ausstattung des Wappensaals in dem letzten Bild der Revue gebracht hätte, dann sagen Sie nur. dieses Bild sei Ihnen im Traum erschienen!“
„Die Idee der Margueriten im blauen Felde? Sie ist doch reizend! Unsere großen künstlichen Margueritenblüten schlagen in ihrer Volkommenheit jedes Produkt der Natur. Das wirkungsvolle Wappen im Hintergrund der Bühne wirkt erstaunlich stilecht.“
„Es ist ja stilecht“, entgegnete Hardenberg. „das ist es ja gerade. Aber sei es wie es sei, es ist ja nicht nötig, daß Sie es jedem erzählen, daß wir es zusammen ausgesucht haben.“
„Nun, wenn ich Ihnen einen Gefallen damit tun kann, werde ich schweigen wie ein Grab! Haben Sie einen besonderen Grund hierfür? Aber nun kommen Sie und gehen Sie in meine Loge! Sie versäumen die schönsten Szenen.“
Hachenberg erhob sich und verließ an der Seite des Direktors das Privatbüro. Bevor sie die Direktionsloge betraten, sagte er: „Sie fragten, ob ich einen besonderen Grund hätte. Ich habe einen besonderen Grund, und ich werde Ihnen diesen Grund nennen. Der Besitzer dieses geschmackvollen Wappenzeichens ist in einer der letzten Nächte gestorben. Man sagt, er sei ermordet worden.“
Der Direktor pfiff durch die Zähne. „Kannten Sie ihn?“
„Nein...“, entgegnete Hachenberg, „er verkaufte mit vor einigen Wochen verschiedene Antiquitäten. Das heißt, er selbst brachte sie nicht in mein Geschäft. Eine junge Dame kam zu mir und bot mir diese Kuriositäten an. Sie sah etwas merkwürdig aus. diese junge Dame.“
Er sagte dies in einem so seltsamen Ton, daß der Theaterdirektor ihn fragend ansah. bevor er endgültig die Tür zu der Direktionsloge öffnete.
„Ich glaube, selten hat sich eine Frau so in der Farbe ihrer Garderobe vergriffen, wie in diesem Fall“, ergänzte Hachenberg seine Worte, „aber wenn man einige Jahre nur Anstaltskleidung getragen hat, ist es wohl etwas schwer, sieh wieder im Zivilleben zurechtzufinden.
„Sie meinen, diese Dame war gar keine Dame?“
Hachenberg betrat die Loge, und auf Grund der lärmenden Musik beugte er sich zu seinem Begleiter, der inzwischen seinen Platz eingenommen hatte, und sagte: „Sie haben eine bewunderungswürdige Gabe, unausgesprochene Gedanken zu verstehen.“ Und dann vertiefte er sich in den Anblick des Balletts, das über die Bühne steppte.
Inzwischen überlegte der Journalist, wo der Antiquitätenhändler geblieben sein könnte. Aber bis zu der zweiten Pause blieb dieser unsichtbar. In dieser Pause sah er Irene Kirsten an der Seite eines Mannes durch die Wandelgänge promenieren. Obgleich sie ihn gesehen haben mußte, verriet sie es mit keiner Bewegung. Ungersbach stellte betrübt fest, daß seine Chancen bei ihr wohl hoffnungslos waren. Ihm fiel ein, daß er der Hauptdarstellerin der Revue, die er flüchtig kannte einen Besuch in ihrer Garderobe abstatten könnte, und so wandte er sich dem Bühnenhaus zu, das er mit seinem Presseausweis auch ungehindert betreten konnte. Er erkundigte sich bei einem Ballettmädchen nach der Garderobe der Tänzerin. Als er die Garderobe betrat, hörte er die helle Stimme Christa Maritas, und gleich darauf stand sie ihm in all ihrer Lebhaftigkeit gegenüber.
„Sagen Sie nur, Sie wünschten ein Interview“, meinte sie lachend, aber dann erkannte sie den Journalisten und fuhr fort: . . ach, Sie sind es! Sie sind der einzige Lichtblick an diesem trostlosen Tag! Haben Sie gehört, daß das Orchester jeden Einsatz verpatzt?“
„Das Publikum hat es nicht bemerkt“, tröstete Ungersbach sie, „es ist doch ein toller Erfolg! Die Männer werden sich um Sie reißen!“
„Die Männer...“, erwiderte die junge Tänzerin und warf einen Blick auf die aufflammende Lampe über der Tür, die das Lichtzeichen zum Beginn des neuen Aktes gab die Männer! Sind Sie schon mal einem richtigen Mann begegnet, mein Lieber? O Gott, sind Männer selten! Wollen Sie nicht nach der Premiere eine Tasse Tee bei mir trinken? Der Alte fährt heute Abend nach Paris. Ein Agent hat in irgendeiner Spelunke einen Star entdeckt, und der traditionsgemäße Premierenabend wird verschoben. Sagen Sie nicht nein, und holen Sie mich am Schluß der Vorstellung an dem Bühnenausgang ab! Ich verspreche Ihnen hoch und heilig, Sie nicht zu verführen. Und nun machen Sie, daß Sie hinauskommen! Ich muß mich umziehen.“
Ungersbach meinte, er würde es sich überlegen.
Kurz darauf erreichte er wieder seine Loge, und nun sah er auch Hachenberg, der gerade seinen Platz eingenommen hatte. Bevor er ihn aber fragen konnte, wo er während des zweiten Aktes gewesen sei, setzte die Musik ein, und im Zuschauerraum erlosch das Licht. Im Rhythmus von Tanz und Musik verlief die letzte Stunde der Ausstattungsrevue schnell, aber als der Vorhang das Bild der letzten Szene freigab, glaubte Ungersbach, seinen Augen kaum zu trauen. Den Hintergrund der Bühne bildete ein überdimensionales Wappen, und sein Zeichen waren erstaunlich wirkungsvolle Margueritenblüten auf blauem Felde. Ungersbach überraschte der Anblick des Bühnenbildes derart, daß er noch still und nachdenklich auf seinem Stuhl saß, als unter dem rauschenden Beifall des Publikums die Revue in einem feenhaften Finale ihr Ende fand und Hachenberg ihn fragte, was er denn für ein dummes Gesicht mache. Ungersbach riß sich zusammen, und pflichtschuldigst fiel er in den Applaus ein. Etwas später ging er nachdenklich an der Seite des Antiquitätenhändlers dem Ausgang des Theaters zu. Er war selten in seinem Leben von einer Sache so benommen gewesen wie von der Tatsache, jenes Wappenzeichen. das er auf dem kleinen Elfenbeinetui entdeckt hatte, hier in der Revue als Bühnendekoration wiederzufinden. Er fand, es war ein wenig unheimlich. Er hatte mit Hachenberg das Portal des Theaters erreicht, vor dem die langen Reihen wartender Automobile standen, als er unvermittelt stehen blieb. Er verabschiedete sich etwas überstürzt von Hachenberg und ging von dem Portal durch das Foyer zu den Büroräumen des Theaters. Hier fragte er nach dem Direktor und fand ihn in seinem Privatbüro bereits in Hut und Mantel, mit einer Aktentasche bewaffnet und im Begriff, das Haus zu verlassen.
„Fragen Sie mich um Gottes willen nicht nach meinen Plänen für die nächste Revue, Ungersbach“, stöhnte er, als er den Journalisten sah, „in zwanzig Minuten geht der Schnellzug nach Paris drüben vom Bahnhof ab, und schließlich hat meine Frau auch noch ein Anrecht auf mich! Was zum Teufel wollen Sie von mir?“
„Ihnen eine gute Reise wünschen“, sagte Ungersbach freundlich. „Danke! Sonst nichts?“
„Nur eine Kleinigkeit“, erwiderte der Journalist und nahm respektlos eine Zigarette aus der Schachtel, die vor dem Direktor auf dem Schreibtisch lag.
(Fortsetzung siehe nächste Seite.)
Weihnachten im hohlen Baum
VON FRANCIS CIDEREs war einmal ein hohler Baum in einem großen, dichten Wald, und in diesem hohlen Baum lebten Herr Opossum, Herr Eichhörnchen und der alte, schwarze Rabe. Früher hatten noch Herr Rotkehlchen, Herr Schildkröte und Herr Kaninchen mit in dem hohlen Baum gewohnt, aber die Wohnungsnot im Wald war nicht mehr so schlimm, und deshalb waren sie ausgezogen und hatten bessere Behausungen gefunden. Aber sie besuchten ihre Freunde im hohlen Baum noch oft, und manchmal kam auch Herr Hund aus dem nahen Dorf, wo er eine gute Stellung bei einem Bauern hatte.
Herr Hund erzählte den anderen immer viel aus der Welt der Menschen, und als der Winter kam, berichtete er vom Nikolaus und wie er selbst vorige Weihnachten einen Strumpf aufgehängt und am Weihnachtsmorgen einen dicken, herrlichen Knochen darin vorgefunden habe.
Die Bewohner des hohlen Baumes waren sehr beeindruckt von der Geschichte. Sie hatten zwar alles von Weihnachten gewußt, von Ochs und Esel im Stall und den Schafen auf dem Felde, aber Nikolaus war ihnen etwas Neues. Opossum, Eichhörnchen und der Rabe beschlossen deshalb, in diesem Jahr auch einen Strumpf hinauszuhängen. Wer weiß, vielleicht würde Nikolaus auch zu ihnen kommen. Eichhörnchen suchte seinen größten, längsten Strumpf heraus, und Herr Rabe strickte sich sogar ein Paar neue. Je mehr er an all die schönen Geschenke dachte, desto länger wurde der Strumpf, bis Herr Opossum meinte, sie seien doch viel zu lang. Herr Rabe sagte aber, er werde alt und brauche größere Sachen, und als er Herr Opossum einen der neuen Strümpfe zum Aufhängen gab, war der auch ganz damit einverstanden.
Herr Hund sah all diesen Vorbereitungen etwas traurig zu, denn er wußte, daß Nikolaus nur zu den Menschen kommt, und fürchtete, daß seine Freunde sehr enttäuscht sein würden, wenn sie ihre Strümpfe am Weihnachtsmorgen leer vorfänden. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr kam er zu der Ueberzeugung, daß er etwas unternehmen müßte, und so kam ihm mit einem Male der Gedanke, selbst als Nikolaus zu kommen und seine Freunde zu beschenken. Aber er war viel zu groß, um durch den kleinen Kamin in den hohlen Baum hineinschlüpfen zu können, und so überredete er seine Freunde, doch die Strickleiter draußen zu lassen, damit Nikolaus auch wirklich in die Wohnung gelangen könnte. Die anderen hielten dies für eine gute Idee und luden Herrn Hund ein, den Weihnachtstag bei ihnen zu verbringen. Herr Hund grinste heimlich, sagte, er würde gerne kommen, und den ganzen Heimweg hüpfte und sprang er vor Begeisterung, wenn er an seinen Plan dachte.
Herr Hund hatte sich ein gutes Stück Geld erspart, denn er war sehr tüchtig, außerdem erhielt er auf seinem Hofe volle Verpflegung, und so war das Besorgen der Geschenke nicht weiter schwer. Schwieriger wurde es schon mit dem Nikolauskostüm. Aber er fand in der Scheuer etwas Wolle, die er sich als Bart ins Gesicht kleben konnte, und in einem Winkel einen alten Mantel, den die Menschen nicht mehr benötigten. Als Herr Hund nun noch den dicken Sack schulterte und sich so in seiner Verkleidung im Spiegel bewunderte, war er sehr mit sich zufrieden. In den Sack steckte er gute Dinge zum Essen, elegante Krawatten, darunter eine silberne für den Raben, und» außerdem für jeden eine Pfeife und einen Beutel Tabak.
Spät am Abend machte er sich auf den Weg. Er stapfte durch den Schnee, der Sack wurde immer schwerer und schwerer, die Wolle kratzte ihn im Gesicht, und er war sehr froh, als er am hohlen Baum
angekommen war und die Strickleiter draußen hängen sah. Mit letzten Kräften kletterte er leise, leise hinauf, öffnete die Tür und trat ein. Ruhiges Atmen zeigte ihm an, daß Herr Opossum, Herr Eichhörnchen und Herr Rabe fest schliefen. Beim Licht des Mondes konnte Herr Hund die Strümpfe genau erkennen, die fein säuberlich in einer Reihe aufgehängt waren. Er füllte seine Gaben ein und achtete darauf, daß oben aus jedem Strumpf noch ein Pfefferminzstengel herausschaute. Eigentlich hatte er gleich wieder nach Hause gehen wollen, aber die Füße taten ihm weh und der Rücken schmerzte noch von dem schweren Sack und so setzte er sich auf einen Sessel, um noch ein bißchen auszuruhen.
Aber wie das mit einem bißchen Ausruhen so ist! Der Sessel war weich, die Augen fielen ihm zu, und ehe er es sich recht versehen hatte, war er schon eingeschlafen, denn er war wirklich so müde wie ein Hund. Am nächsten Morgen wachte Herr Opossum als erstei' auf, steckte den Kopf aus der Türe des Schlafzimmers und sah die vollen Strümpfe. Sein Freudenschrei weckte Herm Eichhörnchen und Herrn Rabe, und alle stürmten wie die Kinder am Weihnachtsmorgen aus dem Schlafzimmer heraus und hin zu den Strümpfen. Sie schrien, lärmten und lachten, und es war ein richtiges Weihnachtsdurcheinander. Plötzlich sah Opossum in der Ecke Herrn Hund in seinem Nikolauskostüm, und er rief die anderen schnell herbei. Die fürchteten sich so sehr, daß sie fast wieder in das Schlafzimmer gerannt wären, aber da wachte Herr Hund mit einem Male auf. Er lachte laut, als er sah, daß er völlig verschlafen hatte, und an dem Lachen erkannten ihn seine Freunde.
Nun wurde das Fest noch viel, viel schöner. Herr Hund mußte dableiben, Herr Rabe kochte einen herrlichen Kaffee, und am Nachmittag kamen noch Herr Rotkehlchen, Herr Schildkröte und Herr Kaninchen mit Geschenken und Süßigkeiten. Draußen fiel der Schnee, die Welt glitzerte, und drinnen saßen die Bewohner des hohlen Baumes mit ihren Freunden, erzählten von Herrn Hund und wie er als Nikolaus gekommen war, vom Ochs und Esel und vielen schönen Dingen und Erlebnissen. Und als der Abend kam, waren sie sich alle einig, daß sie noch niemals ein so herrliches Weihnachten erlebt hätten.
Detektiv, der ein Herz verfolgt
VON HANS FROMMDie Frau erschrak gleich, als sie den Mann in der Tür stehen sah. Sie kannte ihn nicht, aber er drückte sanft die Tür auf und sagte: „Sie werden mich hereinlassen.“
Er blickte sie wortlos und eindringlich an. Seine Stimme war gleichmütig und enthielt keinerlei Aufregung. Er sah sich im Zimmer um und sagte halblaut: „Ich bin Ihnen vom Kaufhaus aus gefolgt. Ich wollte wissen, wo Sie wohnen und dort mit Ihnen reden.“
Die Frau; erblaßte. Sie schien allen Hält zu verlieren und fuhr sich mit der Hand über die Haare. „Bitte“, sagte sie hilflos.
Aber er wehrte ab. Er sah gleich den kleinen Jungen, der auf dem Sofa lag. „Ist er krank?“ „Ja“, flüsterte sie. „Sehr?“
„Nicht sehr“, antwortete die Frau. Der Mann lächelte den kleinen Jungen an, der aufrecht saß und das Federbett etwas zurückgeschoben hatte. Er spielte mit einer kleinen Lokomotive. „Eine hübsche, kleine Lokomotive“, sagte der Mann und setzte sich.
Die Frau stand immer noch totenbleich. Sie sah mit ausdruckslosem Gesicht dem Manne zu, der die kleine Lokomotive in die Hand nahm. „Weißt du, wie alles funktioniert“, fragte er. Der Junge lächelte. Seine Wangen waren gerötet — vielleicht vom Fieber, vielleicht auch von dem Spielzeug.
„Die Mutti hat es dir gerade mitgebracht, ja?“ sagte der Fremde. Der Junge nickte. Behutsam legte der Mann das Spielzeug in die Knabenhand zurück. Er sah die Frau an. „Sie leben allein?“ fragte er.
Sie nickte. Sie wollte etwas sagen und öffnete schon den Mund, aber der Mann hob die Hand. „Ihr Mann — gefallen 9“ Wieder nickte die Frau. Der Blick des Mannes ging gelassen durch das Zimmer., Er musterte die wenigen alten Möbel, betrachtete abschätzend Gardinen, den Herd, den abgetragenen Mantel, den die Frau auf einen Haken an der Tür gehängt hatte.
„Ich weiß“, sagte er, „das Leben ist schwer und ziemlich ohne Freude. Ich weiß auch —“ hob er ein wenig die Stimme, „daß es schwerer zu ertragen ist, andere ohne Freude zu sehen. Der Kummer, den man selbst hat, ist leicht zu ertragen.“
Die Frau nickte wieder, während der Blick des Mannes von ihrem Gesicht weg auf die kleine Lokomotive fiel. Er lächelte ein wenig. „Mein Beruf macht wir wenig Freude“, sagte er leise. „Ich stehe den ganzen Tag im Kaufhaus herum und habe nur aufzupassen. Bei dem Trubel vor Weihnachten ist das nötig. Es ist unglaublich, was alles geschieht.“
„Sie sind —?“ atmete die Frau schwer. „Hausdetektiv, ja. Es soll nichts gestohlen werden. Darauf habe ich zu achten.“ Der Mann sah die Frau nicht an. „Es ist kein schöner Beruf“, sagte er, „aber er ist nicht schwer. Ich mache das schon sehr lange und habe große Erfahrung. Man gewinnt mit der Zeit eine Menschenkenntnis wie etwa der Portier eines großen Hotels. Ich sehe den Leuten an, mit welchen Absichten sie hereinkommen.“
Die Frau nickte. „Ja“, sagte sie beklommen und fragte: „Wollen wir nicht auf dem Flur weitersprechen?“ Sie sah den Mann flehend an, denn der kleine Junge hatte die Lokomotive an die Brust gepreßt und blickte von einem zum anderen. „Nicht nötig“, antwortete der Mann und stand auf. „Bitte. —“ flüsterte die Frau, „bitte, nicht hier.“
„Warum“, sagte der Mann, „ich bin nur gekommen, Ihnen etwas zu geben, was Sie vergessen haben.“ Er reichte der Frau einen Zettel und setzte den Hut auf. „Kein schöner Beruf“, sagte er, „er macht mir nur manchmal Spaß. Jetzt beispielsweise.“ ■ .
Er lächelte leise, sah sich noch einmal um und ging auf die Tür zu. Die Frau stand fassungslos. In ihrer Hand hielt sie — den Kassenzettel über eine kleine Kinderlokomotive.
Er hat die kleine Bank erklommen und äugelt durch das Schlüsselloch. „Ob wohl das Christkind schon gekommen? Wo bleibt es nur? Ich warte doch!“
Bescherung im Moor
VON PETER SCHERDie alte Veronika lebt abseits vom Dorf, in einer Hütte am, Moor, das rings von Wald umschlossen liegt. Ihr Gesicht gleicht einem zähen Lederapfel; aber über alle Runen, die ein langes und hartes Leben hineingezeichnet hat, ist das Leuchten einer unendlichen Güte ausgegossen.
Mag im Winter der Sturm die stärksten Bäume am Rand der Lichtung knikken und das Dach der Hütte gefährden — die alte Veronika blickt mit ihren kindlichen Augen voller Vertrauen durch das winzige Fenster auf den tobenden Aufruhr draußen und ihr welker Mund bewegt sich leise, als spräche er freundlich zuredend mit den gepeitschten Bäumen: Es weihnachtet sehr! Seid so gut und tut mir nichts! Ein anderes Christgeschenk hab ich nicht zu erwarten! Und die Bäume verneigen sich wie auf höheres Geheiß in Sturm und Flockenwirbel, als dankten sie für so viel Auszeichnung.
Anders war der Holzknecht Michael geartet, der zuweilen an der Hütte vorüberstolperte. Schon von ferne hörte die alte Veronika ihn dann mit einem. Knüttel an die Bäume schlagen und gröhlen. Sie fürchtete den Unhold wegen seiner offenen Feindseligkeit gegen ihren Kater Murr, dem er nachredete, ihn schon viel in der Nähe des Taubenschlags gesehen zu haben. Einmal werde er ihn schon ertappen, dann sei es aus mit ihm. Die alte Veronika fand nur selten einmal Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen. Darum hatte sie es mit der Zeit zu einer wunderlichen Uebung herausgebildet, mit dem Tier Gespräche zu führen, in deren Verlauf sie ihre Fragen im, Namen des Katers selbst beantwortete.
„Wo haben Herr Murr denn gestern übernachtet — im Gasthaus Hühnerstall oder gar im Hotel Holzschuppen?“
' Antwort: „In keinem von beiden, Mutter, ich war, unter uns gesagt, zum Vorfesttagsschmaus bei feinen Katzenleuten hinterm Moor geladen.“
In dieser Art unterhielt sie sich mit ihm, und dieses unvergleichlichen Katers Leben war durch jenen finsteren Michael bedroht. Die alte Frau erstarrte fast bei dem Gedanken.
Aber so walten die dunklen Mächte des Geschicks: Eines Abends ließ sie ihren Murr mit der inständig geflehten Bitte hinaus: „Gib mir dein Wort darauf, daß du nicht zu den Tauben schleichst!“ und am andern Tage brachte ihr ein Junge, der ihn im Wald gefunden hatte, einen toten Mturr ins Haus.
Da weinte die alt# Veronika und wollte die Hände ballen — zum erstenmal, solang sie denken konnte. Aber ihr gütiges Herz ließ es nicht zu. sondern gab den Händen eine andere Arbeit auf. Sie gruben ein kleines Grab und brachten sogar ein Pappschild zustande, auf dem in ungeschickten Buchstaben zu lesen war: Hier ruht mein treuer Murr.
Nun muß der Erzähler noch eine Gestalt in die Handlung einführen — einen Mann, der ihm gut genug bekannt ist, um ihn für glaubwürdig zu halten. Dieser freundliche Mann streifte eines Tages durch das Moor. Er wollte ein paar Worte mit der Alten sprechen, fand aber die Tür verschlossen und stellte sich, da es gerade nicht zu heftig winterte, unter ein Schuppendach, um abzuwarten. Da sah er den Holzknecht Michael, gebückt und scheu um sich blickend, durch die hohen Farren schleichen. In der Nähe der Hütte machte er sich am Boden zu schaffen, worauf er wie ein Dieb wieder davonhuschte. Als der Beobachter an die Stelle ging, wo er das Grab des Katers wußte, sah er etwas Farbiges schimmern, das vorher nicht dort gewesen war. Er bückte sich und stellte fest, daß auf dem Gräblein nun statt des Pappschildes ein dauerhafteres aus Blech in Form eines roten Herzens steckte, mit der schön gemalten und von Vergißmeinnicht eingerahmten Inschrift: Unserem, treuen Murr zum Heiligen Christ gewidmet.
1 Als der Mann die kindliche Veranstaltung lächelnd betrachtete, kam gerade die alte Veronika zurück, und er rief ihr zu, da sei etwas zu sehen. Sie kam hin, hob beide Hände empor und sah jenen mit einem Blick an, von dem er sagte, daß er noch nie ein Lächeln so nahe bei einem Weinen gesehen habe. Aber vor allem schien ihm unvergeßlich, daß die alte Frau, nachdem sie mit zitternden Händen über das blecherne Herz gestrichen hatte, keine andern Worte fand als diese: „Das kann nur der Michael gebracht haben — den hat der Weihnachtsengel im, Herzen angerührt!“
Draußen vor der Tür
Nun ist eigentlich keine Zeit mehr, viele Worte zu machen. Jeder denkt nur noch an den warmen Schein der Christkerzen und wie er seine Kinder, wenn er welche hat, bis zum Abend einigermaßen in Schach halfen kann. Sie sind außer Rand und Band. Es ist durchaus nicht unmöglich, daß sogar noch eine Stunde vor der Bescherung eine kleine Hauerei entsteht, trotz aller Drohungen, daß es dann nichts geben werde. Bei uns zu Hause waren wir sechs Kinder, drei Jungens und drei Mädchen, also zwei ziemlich gleichstarke Parteien, immer kampfeslustig und gerade am Weihnachtstag vor lauter Uebermut zu allen Schandtaten bereit. Aber wenn es dann auf die sechste Abendstunde zuging, die Mutter die Festtagskleider hinlegte, die Mädels den Jungens den Scheitel mit einem nassen Kamm geradegezogen hatten, dann standen schließlich alle in einer Reihe hintereinander vor der Weihnachtstür und sangen wie die Unschuldsengel: „Ihr Kinderlein kommet“. Dabei gab es dann von den Mädels noch kräftige Rippenstöße, weil man selber so entsetzlich falsch sang. Aber man hatte die Empfindung, daß das in der Heiligen Nacht keine Bedeutung habe, meinte trotzig, daß die Hirten auf dem Felde in ihrer großen Aufregung auch falsch gesungen hätten und ist bei dieser Meinung bis auf den heutigen Tag geblieben. Christian.
Aus: Jac. Koragine „Leben der Heiligen", Augsburg
Margueriten IM BLAUEN FELD
Kriminalroman von Ullrich v. Bissing12. Fortsetzung zündete sie an und sagte: „Ich möchte mich nur bei Ihnen erkundigen, wer Sie auf diese geniale Idee der Bühnenausstattung des letzten Aktes dieser Revue gebracht hat? Ich meine, woher kennen Sie das Wappenzeichen der weißen Margueriten im blauen Felde?“ Der Direktor schwieg einen Augenblick.
„Ich habe im Gotha nachgesehen , erwiderte er dann ruhig, „und falls es Sie interessieren sollte, würde ich Ihnen raten, das gleiche zu tun. Im übrigen können Sie meine Zigarette auch draußen rauchen! Ich habe nun wirklich keine Zeit mehr!“ *• _ . , -4-1,4. ZU-
Ich hatte auch nicht die Absicht, Sie aufzuhalten“, erklärte Ungersbach höflich und zwei Dinge wurden ihm unmittelbar bewußt. Erstens empfand er, daß der Direktor offensichtlich auf seine Frage vorbereitet gewesen war. Und zweitens verspürte er ein seltsames Verlangen nach einer aromatisch duftenden Tasse Tee. So verließ er das Theater durch das Hauptportal, um auf der anderen Seite des Häuserblocks an dem Bühnenausgang auf die Tänzerin Christa Marita zu warten. Der Regen hatte nachgelassen, und die Luft war wärmer und angenehmer geworden. Ungersbach sah die Mädchen vom Ballett in kleinen Gruppen das Theater verlassen. Nach einer Weile, die er auf- und abgehend auf dem Bürgersteig verbrachte, entdeckte er endlich die Tänzerin. Ihr helles Haar wehte ein wenig im Wind.
„Schnell eine Taxe!“ rief sie ihm zu, „wir trinken wie abgemacht erst eine Tasse Tee bei mir, und bis dahin werden wir eine Idee haben, wie wir die angebrochene Nacht zu Ende bringen.“
Ungersbach winkte einen Wagen herbei.
Als die Taxe an dem Portal des Theaters vorüberfuhr, sah der Journalist den Antiquitätenhändler in Begleitung einer jüngeren Dame aus seinem Geschäft kommen. Einen Augenblick glaubte Ungersbach, das Gesicht der Frau zu erkennen, aber der Wagen zog unvermittelt an, und so verlor er das Paar aus den Augen. 5.
Kriminalrat Klausen sah den Fall d’Argent vorerst als einen der vielen Fälle an, die ihm im Laufe der Jahre in seiner beruflichen Tätigkeit begegneten. Die Sache ließ sich an sich auch ganz gut an. Die Beamten der Mordkommission hatten gute Arbeit geleistet. Es hatten sich die üblichen Merkmale einer Mordtat ergeben, und die Unterlagen dieser Untersuchungen lagen hübsch geordnet in einer Akte, die neben anderen Akten auf dem Schreibtisch seines Arbeitszimmers im Polizeipräsidium ruhte. Trotzdem war dem Kriminalrat nicht ganz v/ohl bei dieser Geschichte. Schließlich besaß der Tote einen international bekannten Namen, und die Presse erhob nach dem ersten kurzen Polizeibericht ein nicht unerhebliches Geschrei und schlachtete den Vorfall in Verbindung anderer Fälle weidlich aus.
Klausen war diese Methode journalistischer Berichterstattung nicht neu, aber er liebte sie nicht sehr. Etwas zurückhaltender als die in sensationeller Aufmachung erscheinenden Abendzeitungen verhielten sich die großen Tagesblätter, und auch hier machte die Zeitung, an der, wie der Kriminalrat wohl wußte, ein gewisser Ungersbach beschäftigt wer, eine rühmliche Ausnahme. Jedoch in einer eigenwilligen Art. Diese bestand darin, daß eine Zeitung einen ausführlichen Bericht über die Arbeit des Forschers brachte. Sie erinnerte an die mannigfaltigen Expeditionen^ die d'Argent bisher unternommen hatte, und stellte sachlich, aber etwas verwundert fest, daß all diese Expeditionen von einem eigenartigen Unstern begleitet gewesen wären. Sie hatten zwar recht bemerkenswerte Resultate erbracht, aber das gesteckte Ziel nicht ganz erreicht. Und das Blatt richtete in diesem Zusammenhang die Frage an die Oeffentlichkeit, ob die Persönlichkeit des Forschers dem Ruhm entsprach, den man so plötzlich nach seinem Tode gewillt war, ihm zu spenden. Offensichtlich verfolgte dieser Artikel, der in seinen weiteren Ausführungen sogar ziemlich scharf formulierte Angriffe gegen die Person des Forschers richtete, einen unbekannten Zweck. Merkwürdigerweise war der Artikel nicht gezeichnet, und der Verfasser blieb dem Leser unbekannt. Die Art des Stils verriet aber dem Kriminalrat den Einfluß Ungersbachs, wenngleich die wissenschaftlichen Unterlagen durch einen Fachmann zusammengestellt waren. Und hier witterte der Kriminalrat, der kein schlechter Psychologe war. nicht mit Unrecht den Anlaß der Veröffentlichung. Er hätte gerne gewußt, was Ungersbach auf die Idee gebracht hatte, diesen heftigen Angriff auf den Wert der Ergebnisse der Expedition des Forschers zu richten, und was er sich davon versprach. Es war ja wohl lächerlich. anzunehmen, daß d’Argent dem Neid oder der Mißgunst eines Konkurrenten zum Opfer gefallen war. Obgleich Klausen nicht daran zweifelte, daß auch in diesen Kreisen mitunter eine erbitterte Gegnerschaft bestand, und der Ehrgeiz hier wesentlich konkretere Formen anzunehmen vermochte, als sie das tägliche Leben anderer Berufe allgemein auf wiesen.
Die Untersuchung hatte ein überraschendes Resultat ergeben. Selten waren derartig viele Fingerabdrücke in unmittelbarer Nähe des Tatortes vorgefunden worden wie in dem Haus in der Dahlienstraße. Es lagen die Fingerabdrücke von zumindest sieben Personen vor, und der Kriminalrat war im Grunde genommen davon überzeugt, daß sich der Fingerabdruck des Täters nicht unter ihnen befand. Die am folgenden Tage erfolgte ausführliche Vernehmung der Hausangestellten Eva Arndt hatte wesentliche Ergebnisse nicht zutage gefördert, außer der beachtlichen Tatsache, daß d’Argent doch häufiger Besuch empfangen haben mußte, als es Eva Arndt wahrhaben wollte. Sie blieb bei der Behauptung, d’Argent hätte ein verhältnismäßig zurückgezogenes Leben geführt. Erst als der Kriminalrat ihr eine Anzahl Briefe und Fotos vorgelegt hatte, die in dem Schreibtisch des Toten gefunden worden waren, und er sie fragte, wie diese mehr oder weniger geschmackvollen Beweise eines unbekümmerten amourösen Lebens wohl mit ihrer Ansicht übereinstimmten, mußte sie zugeben, daß hier ein Widerspruch vorlag. Aber nach wie vor blieb das Mädchen bei der Behauptung, ihr sei davon nichts bekannt, und während ihrer Tätigkeit hätte sie auch keine Frauen in dem Haus gesehen. Ueber die Tat selbst oder die Gründe vermochte sie keine Aussage zu machen. Die Köchin aber, die die täglichen Mittagsmahlzeiten zubereitete, wußte gar nichts. Sie bestätigte nur die Großzügigkeit d’Argents in materieller Hinsicht, und die beiden Frauen, die jede Woche den Hausputz vor genommen hatten, stimmten in diese Lobeshymnen ein. Die Gewohnheit, Menschen nach der Großzügigkeit in geldlichen Dingen zu beurteilen, war dem Kriminalrat bei den Vernehmungen des Personals derartiger Häuser öfters begegnet. Er gab nicht viel darauf. Wer war objektiv bei derartigen Beurteilungen, wenn er von der Person, über die er ein Urteil abgeben sollte .materiell abhängig gewesen war und wesentliche Vorteile besessen hatte. Selten der unbelastete Sinn einfacher Menschen. Und wer schließlich hatte das Recht, d’Argent einen Vorwurf daraus zu machen. Aber es blieb die Tatsache, daß der Tote einen größeren Kreis von Personen bekannt war, vielleicht, soweit es sich um Frauen handelte, mit ihnen in intimeren Beziehungen gestanden hatte, als er es seinem Leben in der Dahlienstraße nach wahrhaben wollte. Und dies wer für die Aufklärung der Tat immerhin von nicht geringer Bedeutung.
Der Kriminalrat war an diesem Morgen nicht gerade in bester Stimmung. Im Polizeipräsidium harrte ein Berg Arbeit auf ihn, zumeist Bürokram, der ihm sowieso zuwider war. So war es nicht verwunderlich, daß er aufatmete, als um neun Uhr der Journalist Ungersbach gemeldet wurde.
Aber kaum sah Kriminalrat Klausen den Journalisten das Zimmer betreten, als er die Stirn in Falten legte, das untrügliche Zeichen einer Mißfallensäußerung. Und in der Tat machte Ungersbach einen höchst merkwürdigen Eindruck. Er schien übernächtigt zu sein. Als er nach einer kurzen, unfreundlichen Begrüßung auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch Platz nahm, gähnte er mehrere Male recht unbekümmert. (Fortsetzung folgt.)
Darmstadt und Umgebung
Und sollte morgen die Welt untergeh'n...
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Was für ein Jahr war dieses Jahr 1950! Nach den Sorgen, den Nöten und der Skepsis der vorhergehenden Jahre das Jahr, in dem sich alles zu normalisieren schien. Wir traten frisch in den Morgen, gingen tagsüber unserer Arbeit nach und kehrten abends mit dem beglückenden Gefühl zurück, wieder ein Stück weiter gekommen zu sein und wieder einen Schritt in die Zukunft getan zu haben.
Bis wir eines Tages bestürzt von dem Brand im Osten lasen. Von da an trugen wir beklemmend die Ahnung mit herum, daß aus diesem Brand ein dritter Weltbrand entstehen könne. Wir verfolgten aufmerksam und gespannt die weiteren Berichte über Korea in den Tageszeitungen, bemerkten oft, daß unsere Fröhlichkeit einer unheildrohenden Depression wich und ließen uns, wie wundervoll, dennoch nicht unterkriegen. Wir bauten Häuser, richteten den Zaun um unser Gärtchen und gaben den verblichenen Blumenkästen einen frischen grünen Farbanstrich. Win legten einen Spargroschen zur Seite und dachten dabei, welche Freude wir damit zu Weihnachten unseren Liebsten machen könnten. Unser Blick war stets in die Zukunft gerichtet, unsere täglichen Handlungen bestimmte die Zukunft, auch die Zukunft, die häufig grollend am Horizont wetterleuchtete, wie die Zeitungen berichteten ...
Ja, gerade die Zeitungen mußten Sie, verehrte Leserinnen und Leser, sehr, sehr oft aus ihrer Fröhlichkeit, aus ihren Glücksträumereien in die rauhe, unerbittlich harte Gegenwart zurückreißen. Das gefiel Ihnen nicht. Wir wissen das. Und doch griffen Sie immer wieder zu Ihrer Zeitung, bewiesen, daß Sie aus der Vergangenheit gelernt hatten, daß es ungesund, ja gefährlich sei, sish einer Vogel-Strauß-Politik hinzugeben, zum anderen, daß Sie auch ein ganz klein wenig Vertrauen für Ihre Zeitung übrig hatten. Und das freut uns, die wir Ihnen Tag für Tag eine neue Zeitung bescheren mußten — das ist für uns das rechte Weihnachtsgeschenk...
Denn auch uns ging es wie den meisten von Ihnen. Auch wir sind jeden Tag vor einen neuen Anfang gestellt worden. Und auch wir schöpften stets aus der Zukunft die Kraft, in der Gegenwart zu bestehen und Ihr Vertrauen zu rechtfertigen. Vielleicht taten wir’s nicht so bestimmt und bewußt wie Martin Luther, der einmal sagte: „Und sollte morgen die Welt untergehen, so werde ich mir noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen ...“
In diesem Sinne wollen wir mit Ihnen das nächste Jahr begrüßen und am Weihnachtstag, wenn die Glocken über die verschneiten Dächer und Straßen unserer vertrauten Stadt erklingen, unsere Herzen weiten und dem Jahr 1950 für all die Freuden danken, die es uns beschert hat. HEINZ G. ROTH
Weihnachtsfeier und Ehrung
bei der Goebel AG Darmstadt
Nach der Begrüßung durch Betriebsrats-Vorsitzenden Friedrich sprach Dr. Köhler als Leiter des Unternehmens seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen den Dank für die geleistete Arbeit in dem nunmehr zu Ende gehenden Jahre aus. Den Jubilaren des Jahres, den Herren Rheinfrank (50), Fend (40), Mink (40), Gelder (40), Jäckel (40), Schober (40) und Darmstädter (25) drückte er seine besondere Anerkennung für ihre unermüdliche und gute Arbeit während der letzten Jahrzehnte aus. Dr. Köhler gab der Hoffnung Ausdruck, daß das kommende Jahr weitere Fortschritte und schöne Erfolge für die Gemeinschaft der „Goebelianer“ bringe. Als besonders wichtig bezeichnete er, die leider nun einmal angekurbelte - Preis-Spirale nicht weiterzudrehen.
Der Betriebsrats - Vorsitzende schloß sich den Glückwünschen an. Er betonte, wie wichtig gute Zusammenarbeit sei. Unter dem Beifall aller Anwesenden brachte er zum Ausdruck, daß man darin in diesem Jahre ein schönes Stück weitergekommen sei.
Unter den Klängen der alten und schönen deutschen Weihnachtslieder fand die diesjährige Weihnachtsfeier der Goebel AG ihren Abschluß. ♦
In der Stadt noticat
Der Hausfrauenbund Darmstadt bereitet wie im vorigen Jahre Bedürftigen eine kleine Weihnachtsfreude. Es wurden 34 Personen beschenkt.
Die Turngemeinde Bessungen 1865 veranstaltet am 2. Weihnachtsfeiertag um 20 Uhr in der Turnhalle der Bessunger Knabenschule ihre Weihnachtsfeier.
Die Turngesellschaft 1875 feiert mit einem bunten Programm, einer Tombola und anschließendem Tanz am 1. Weihnachtsfeiertag im Concordiasaal gemeinsam Weihnachten.
Zu einer öffentlichen Hauptversamm¬ lung hat der Verkehrsverein Darmstadt (siehe Bekanntmachung im Anzeigenteil) eingeladen. Dr. Feldbusch wird dabei einen Vortrag über „Schätze aus Darmstädter Museumsbesitz“ halten und der Vorsitzende des Verkehrsvereins umfassend über die Fremdenverkehrsbetreuung im Jahre 1950 berichten.
Ein leichter Kellerbrand entstand in der Nacht zum Freitag in der Gaststätte „Konkordiasaal“ in der Adelungstraße durch Entzündung von Brennholz, das zum Trocknen auf die Heizung gelegt worden war. Der Brand konnte durch die herbeigerufene Feuerwehr in kürzester Zeit gelöscht werden. »
Die Autobahnstrecke in unserem Verbreitungsgebiet ist, wie wir von der Autobahnpolizei erfuhren, schneefrei und gestreut. *
Der spanische Polizeistier
Weihnachtsfeier der Polizei-Gesangsabteilung
Am Donnerstagabend feierte die Gesangsabteilung der Polizeibeamten des Polizeipräsidiums Darmstadt im Konkordiasaal das Weihnachtsfest mit einer sehr gelungenen Feier. Nachdem am gleichen Nachmittag bereits den Kindern der Beamten Geschenke überreicht werden konnten, hatten sich diesmal die sangesfreudigen Beamten mit ihren Frauen eingefunden, um einige Stunden von ihrem anstrengenden Dienst auszuspannen.
Kriminalrat Heinrich Hummel begrüßte die zahlreich erschienenen Freunde und Gäste und sprach über den Sinn des Weihnachtsfestes. Polizeipräsident Reib o 1 d gedachte der Gründungsjahre der Gesangsabteilung und wünschte ihr ein weiteres Blühen und Gedeihen. Es sei aller größter Wunsch, daß der Frieden wenigstens im kommenden Jahre Wirklichkeit würde.
Ein ausgezeichnetes Programm erfreute über zwei Stunden lang die Festteilnehmer, in dessen Verlauf sich der Polizeichor als ein überraschend sauberes Musikorgan erwies, das von ihrem Chormeister, Herrn Wilhelm Etzold, zu einem großen Erfolg geführt werden konnte. Edith Spengler sprach den Prolog und die junge Elsbeth Stumpf, die schon mehrfach auf Feiern und Konzerten zu hören gewesen war, erfreute durch Opernarien und Lieder.
Der zweite Programmteil war der Stimmung Vorbehalten, und hier tobten sich die humorbegabten Polizist..^ gründlich aus. wie Wachtmeister H ö 1 z < 1 als Ansager und Gesangssolist, Wachtmeister Spieß als jodelnder Torrero, der in grausamen Kampf einen echten spanischen Polizeistier aus Darmstadt besiegte, Heinz Gutk äs e mit humoristischen Vorträgen, und allerlei, das mit Begeisterung aufgenommen wurde. Der inoffizielle Teil sah die Gäste bei Tanz „nd Tombola bis spät in die Nacht hinein zusammen. Auch Oberbürgermeister Metzger war bei der Feier zugegen. -at
Weihnachtsbäume, Mastgänse und Schneewittchen
Am Vorabend des großen Ereignisses im Zentrum der Stadt
Der Schnee in der Rheinstraße und am Luisenplatz ist schon etwas grau geworden durch den vielen Verkehr. Kinder werden durch nichts mehr von dem Betrachten elektrischer Eisenbahnen, großer Teddy-Bären oder den Puppen mit Schlafaugen in den Schaufenstern abgehalten. Sie bleiben immer lange vor den kaum glaubhaften Wundern der jeweiligen Auslagen stehen und finden die Hetze der Erwachsenen völlig überflüssig, die, kaum der Straßenbahn entstiegen, in schnellem Schritt einem Geschäft zustreben, ruckartig davor stehenbleiben, etwas murmeln und dann an die Herzgegend greifen.
Das ist jedoch ein instinktives Fassen an die Brieftasche, in der sich noch außerdem das hausfrauliche Geld für die Weihnachtsgans befindet. Am Markt gibt es viele Gänse zu kaufen, deren kalte und gerupfte Pracht die Vorbeigehenden an den warmen Kamin im morgendlich frostigen Winterabend erinnern sowie die Vorahnung auf die Knusprigkeit des Federviehs einschließlich Rotkraut und nachfolgender Zigarre am ersten Feiertag. Die Verkäufer operieren mit: „...wer weiß, ob es nächstes Jahr noch welche gibt!“
Schokolade wird es im nächsten Jahr jedenfalls noch geben, und zwar in gleicher Qualität, da der Ausrufer des Schokoladenstandes betont, daß kein Grieß, kein Sand und keine Hobelspäne in diesen
Von Barthold Schimmelpfengmit Bedacht aus und üben Nachsicht mit der Wandseite dieser festliche Vorfreude erweckenden Fichten.
Und immer wieder sind die Kinder in dem Trubel. Sie gehen an Apfelsinen, Aepfeln, Bratwürsten und Erdnüssen vorbei und sind vor dem Fenster, wo die Hexe Hänsel und Gretel rund um das Knusperhäuschen verfolgt, nicht mehr fortzubringen. „Manfred!“ ruft eine junge Frau ihrem kleinen Buben zu, „wir müssen weiter!“ Aber der Kleine geht und geht nicht, er drückt seine Nase an den Scheiben platt und staunt und jauchzt abwechselnd.
Die zu erwartenden Frosttage und die Pelzmäntel ziehen auch die Frauen magisch an die Auslagen heran, die am ersten Feiertag noch nicht von Nerz oder Kanin umhüllt sein können. Aber ein lustiges Zwiegespräch hörten wir: „Frierst du auch, Trixel?“ — „Na!“ — „Möchtest du auch einen solchen Pelz haben?“ Die klassische Antwort: „Ja. Kald is mers net, awwer es wär doch schee, wann ich so an geschlachde Kader um de Hals hett.“ Die Tage und Stunden vor dem Heiligen Abend sind die schönsten im ganzen Jahre. Niemals möchten wir das alles missen. Und wenn die Sorge um 1951 zu groß werden sollte, werden uns die Kerzen am 24. Dezember so schön wie noch nie leuchten! Alle Fotos: Hilde Roth
Tafeln seien. — Dieses Jahr sind auch noch am Abend vor dem Fest Weihnachtsbäume zu erstehen. Die Menschen suchen
Drinnerum un drumerum
Mags seu wie’s will, Weihnächte is doch e schee Fest, besunners wann mer kaan Haus-
besitzer is un kaan Schnee eweck zu mache brauch. Un Schnee geheert dezu un wann aam seu Kinnergemiet net dorch die Bolledigg verdorwe worn is, do iebt so e Christbeemche doch immer Widder seun Zauwer uff aam aus un die Haamlichkeite, die wo mer vor enanner hot, die losse aam beinah kinnisch neischierig wem. Meu Lißbedd, die hot sich letzt Woch 5 Mack extra vun mer gäwwe losse. So, wie ich bin, hab ich mich do net lumbe losse un hab er dauernd verzehlt, in welche Lade ewe die beste un billigste Ziggahn zu krieje sin. Ich waaß, wo Hase laafe. Hoffendlich hot se’s begriffe.
Ihr hab ich e Paar kamelshaarige Schlabbe gekaaft, weil se ewe immer so kalte Fieß hot. Ich schregg jedesmol zamme, wann se im Bedd wedder mich kimmt. Mir hawwe jo e Beddflasch, awwer iwwer die reg ich mich uff, die singt in aam fort, daß ich net euschlofe kann und wann mer se e bißje schebb stellt, do leeft se aach noch aus.
Was en richdische Mann is, der hot vor Weihnächte immer ebbes zu bossele. Im ganze Haus do hawwe se nemlich allminanner weißlaggierde Kicheschrenk un meu Lißbedd werd immer wehlaadig, wann aans zu uns in die Kich kimmt, weil unsern Schrank geel 'mit so braune Holzmuster a’gestriche is. Es wem Stikker zwanzig Johr her seu, do hab ich en emol nei streiche lasse. Er is fast noch wie nei un sieht so solied aus. Awwer sie wisse jo, wie die Weibsleit sin. Was hab ich in meuner Gutheit gedha? Ich hab e Bix weiße Lack gekaaft un hab mich dro gemacht. Owends nooch em Nachtesse hab ich a’gefange un so gäje 12 war ich fertig. Bis um aa Uhr hatt ich meu Hemd beinah sauwer un de Binzel hatt aach kaa Haarn mehr. Ich kann ihne saache, de Schrank hot geglanzt wie en Spiejel. ’
Gestern morjend bin ich ausnahmsweiß emol mit meune Lißbedd,zamme aus em Bedd gange, um zu sehe, was meu Werk for en Eeudruck bei Daacheslicht uff se macht. Also mir hawwe defor gestanne un warn sprachlos. Wie ich gemerkt hab, daß se sich aißern wollt, hab ich glei gesucht, do is bloß die alt schläächt 25er Bern dro schuld. Hett ich, wie ich schun die ganz Zeit gewollt hab, e verziger gekaaft, do hett ich deß schun gestern Owend gesehe. Ich muß de Lagg e bißje
dick druff gebinzelt hawwe, dann vun owwerunner warn
ganz dicke Drobbe gelaafe un sin dann hengge gebliwwe, wie ewe bei dem Wedder an de Kinner ihre Nase. Un unnerum do sin se sogar wie Eiszabbe bis uff de Erdsboddem gelaafe. Die Bennel kann ich jo abschneide, awwer de Fußboddem werr ich streiche misse. Muß sich meu Lißbedd eichentlich net aach saache, daß ichs gut gemaant hab? No, wann heit owend im Radio die Glocke leide un all die scheene Weihnachtlieder gesunge un geblose wem, do werd se schunn Widder iwwer ihr warme Schuh unsern grindische Kicheschrank vergesse hawwe, wo sowieso bloß die Bern dro schuld war.
Ich laß mer an Weihnächte die Stimmung net verderwe, weil ich immer dankbar an meu Kinnerzeit zurickdengg. Wie aspruchslos un glicklich warn mer doch damols. Mit ere Schachtel Bleisoldate hatt mer e ganz Johr genuch un hot sich schunn druff gefraat, daß aam fors Nextjohr e nei Reschiment verspräche worn is. Soll deß vielleicht Widder kumme un soll de Bedarf soo groß seu, weil ewe so viel Bleirohrn geklaut wem?
Grad so zufridde warn als die Mädcher mit ihre Bebbcher und deß werd immer so bleiwe. Awwer aans hot mich gewunnert. An eme Stand in de Christkin Ichesmeß hawwe newer dene gewehnliche Bobbe aach ziemlich viel schwazze Nackfr esch geläje, un was manne se? E par Daach speter warn se all ausverkaaft. Wie haaßt deß Sprichwort? Jung gewehnt, alt gedha.
Awwer eich allminanner winsch ich e recht fröhlich Weihnachtsfest, besunners, wann der Kinder habt, macht en viel’, viel Fraad, mir wisse jo net, wie’s noch emol werd.
Drum, nochmals alles Gude eier Anton £>erzel
Wer baut das Uhrwerk - Wer gießt die Glocken?
Tagung des Glockenspiel-Ausschusses
In vielstündiger Sitzung wurden im Darmstädter Glockenspiel-Ausschuß die brennendsten Fragen beraten und die Fachleute für Musik und Technik angehört, deren Vorschläge erkennen ließen, daß die ganzen Probleme doch nicht so einfach sind. Wer baut das Uhrwerk und die ganze Betriebsanlage? Wer gießt die Glocken?
Es wurde mit Recht gewünscht, daß, da es in Hessen keine Turmuhrenhersteller gibt, wenigstens der Guß der Glocken an eine heimische Firma vergeben werden soll. Für die Aufstellung des Gerüstes sollen Darmstädter Handwerker gewonnen werden. Wichtig ist auch die Frage des Antriebs, ob elektrisch oder mechanisch oder pneumatisch. Alle Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Dazu kommt, daß auch die Zahl der Glocken noch nicht feststeht, weil erst die finanzielle Grundlage geschaffen werden muß und vorläufig auf die kleinsten Glocken, die man doch nicht weit hört, verzichtet werden soll. Im übrigen war der Ausschuß einstimmig der Ansicht, daß das neue Glockenspiel, soweit wie irgend möglich, dem alten, unvergessenen gleichen soll, damit in Klang und Melodie, in der Aufstellung und in der Wirkung wir nicht nur an unser altes Glockenspiel erinnert werden, sondern an seiner Wiederherstellung unsere herzliche, ungetrübte Freude haben. Besonders unsere Griesheimer Marktfrauen sollen die alten, vertrauten Klänge wie früher hören können. Von vorneherein soll die Apparatur so eingerichtet werden, daß auch die Anbringung weiterer Glocken später möglich ist, damit unser Glockenspiel wieder durch die vollen Oktaven hindurch erklingen kann. Es wurde auch an eine Klaviatur gedacht, mit deren Hilfe es möglich sein wird, die Intervalle zu ändern, piano und forte zu spielen, kurzum dynamisch das Spiel zu betätigen.
Dadurch, daß die Vertreter einer ganzen Reihe von Fachfirmen auf dem Gebiet des Turmuhrenbaues und der Glockengießerei erschienen wären und ihre Angebote im einzelnen erläuterten, wurde die Sitzung besonders interessant. Eine endgültige Vergebung fand jedoch noch nicht statt, da, wie schon angedeutet, das Glokkenspiel am besten als Gemeinschaftsarbeit von zwei Firmen (Uhrenaufbau und Glockenguß) ausgeführt werden soll. Kleine Sonderkommissionen werden die Einzelfragen regeln.
Das Wichtigste ist vorerst, daß mög¬ lichst bald die gezeichneten Beträge und möglichst viel neue Spenden von der kleinsten bis zur größten eingehen. Dann kann das Material für die Glocken sofort gekauft werden, weil die Preise hierfür ansteigen und auch aus den bekannten Gründen mit einer Verknappung des Materials zu rechnen ist.
Schließlich wurde noch die Plakette beraten, die zum Besten des Glockenspiele verkauft werden soll und aus Metall in Form einer kleinen Nachbildung des alten Glockenturms — nach dem vorläufigen Entwurf — bestehen wird. Welcher echte Darmstädter' wird nicht sein Scherflein für den guten Zweck beitragen? Welcher „alte“ Darmstädter und welcher „neue“ dazu wind nicht mit Stolz gerade diese Plakette tragen? H. W. W.
Nur einen einzigen Rodelschlitten be¬ sitzt das Kindererholungsheim des Roten Kreuzes in Brandau für seine erholungsbedürftigen Flüchtlingskinder. Können Sie sich noch erinnern, welche Freude Ihnen das Rodeln früher machte? Vielleicht steht bei Ihnen noch irgendwo ein unbenutzter Rodelschlitten. Es darf auch ein neuer sein. Die Anschrift des Roten Kreuzes lautet: Bezirksverband Darmstadt, Wilhelmstraße 36. *
Bereitschaftsdienste
Apotheken- Sonntags- und Nachtdienst (vom 23. 12., 13 Uhr bis 30. 12.% 8 Uhr.):
Darmstadt: Apotheke am Justizpalast, Bismarckstr. 17, Tel. 636; Hirsch-Apotheke. Nieder-Ramstädter Str. 21, Tel. 3926.
D.-Eberstadt: Alte Eberstädter Apotheke, Oberstr. 10, Tel. 219.
D.-Arheilgen: Goethe-Apotheke, Darmstädter Straße 65. Tel. 2022.
Zahnärztlicher Sonntagsdienst (von 10 bis 12 Uhr) 24. 12.: Zahnarzt Dr. Schöhl, Darmstadt, Viktoriastraße 51. — 25. 12.: Zahnarzt Dr. Thümmel, Darmstadt, Klappacher Straße 108. — 26. 12.: Zahnarzt Wagner, D.-Arheilgen, Weinbergstraße 5.
Sonntagsdienst der Dentisten (von 10 bis 12 Uhr) 24. 12.: Dentist Ludwig Heldmann, Darmstadt. Mühlstr. 62. — 25. 12.: Dentistin Anna Hupfer, Darmstadt, Heidelberger Straße 98. — 26. 12.: Dentist August Hupfer, Darmstadt, Heidelberger Straße 98.
Wohin gehen wir heŭte?
Stadthalle: 15.00 „Tischlein deck’ dich“. Lichtspieltheater; siehe Anzeigenteil. Landesmuseum: 10—13 und 14—17 Uhr Künstler-Weihnachtsmesse, veranstaltet vom Neuen Hessischen Kunstverein. Am 1. Feiertag (25. 12.) Landestheater, Orangerie: 19.00 bis 21.30 „Boheme“. Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Am 2. Feiertag (26. 12.) Landestheater, Orangerie: 14.30 bis 17.00 „Die Csardasfürstin“, 20.00—20.30 „Der Troubadour“. Stadthalle: 15.30—17.45 „Tischlein deck’ dich“. Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.
Wir gratülieren
Silberne Hochzeit: Herr Peter Roß und Frau Katharina geb. Hartmann, Darmstadt, Ludwigshöhstraße 50. 80. Geburtstag: Herr Dr. Georg Haupt, Bearbeiter der Baudenkmäler Darmstadts für das Hessische Denkmälerwerk (24. 12.). 70. Geburtstag: Herr Heinrich Kolb, Oberkontrolleur i. R., Da.-Eberstadt, Darmstädter Straße 81 (24. 12.).
Wie wird das Wetter?
Noch kalt
Vorhersage: Ueber das Wochenende zeitweise bewölkt und verschiedentlich auch Schneefälle. Weiterhin Frost, Winde um Ost. Fiir unsere Wintersportfreunde: Kuralpe Kreuzhof am Felsberg im Odenwald gute Skisportmögüchkedt. 15 cm Neuschnee, Pulver.
STARKENBURG
Die fröhliche Gans
aI?FL Wenn Weihnachten naht, hat man a‘s. f“mihenoberhaupt die feierliche Verpflichtung, aus dem Haushaltsetat einen gewissen Betrag zur Anschaffung eines Festvogels abzuzweigen.
Dieser Betrag sowie ein weiterer zum .einer Motorradhose waren übrig geblieben. Also setzte ich mich auf die Bahn und reiste zu einer entfernten Bekannten, einer Kusine meiner Schwägerin, um dort an der Quelle eine Gans zu erstehen. „Nehmen Sie diese“, sagte die Bekannte meiner... usw., es ist eine Prachtgans von wenigstens achtzehn Pfund.“
Nun, ich nahm sie, so wie sie war, lebend natürlich, damit sie unterwegs nicht schlecht werden konnte. Ich steckte sie in einen Rucksack, daß nur ihr Kopf zwischen der Verschnürung heraussah, und setzte sie ins Gepäcknetz des Bahnabteils. Aber ich glaube nicht, daß sie gut gefüttert worden war, denn sie fraß während der Fahrt den Hut einer alleinreisenden Dame, die Verschnürung eines dicken Paketes und den Griff eines hellen Schweinslederkoffers auf.
Ich entstieg in Darmstadt dem Abteil mit leichtem Krach, einer aufgefüllten Mastgans und mit der Einsicht, daß man solche Gänse in den Läden billiger und bequemer bekam. Meine Frau war restlos begeistert, von mir und der Gans. „Sie lebt ja noch“, meinte sie. „Großer Gott, mit dir ist auch nichts anzufangen. Wie bringen wir sie bloß um?“ Das würden wir schon machen, versicherte ich ihr. Die Gans kam auf den Balkon, meine Frau kochte ihr eine Hafersuppe, die sie seltsamerweise verschmähte, und die nächsten drei Nächte erfreute sie uns mit lautem Geschrei, bis wir sie hinter d'en Ofen setzten, da wir das Gefühl hatten, sie müsse im Freien frieren.
Heute morgen kam meine Mutter nun zu mir und behauptete, sie müsse unbedingt die Gans haben wenn der Braten recht¬ ,zeitig auf dem Tisch stehen sollte. Die tote Gans selbstverständlich. „Ich? Die Gans umbringen?!“ rief ich entrüstet. „Niemals!“ „Aber was sollen wir denn sonst mit ihr machen?“ Ich schlug vor,’ daß wir sie vergiften wollten. Mit Zyankaly oder Strychnin, eventuell auch mit Blausäure. Das war mir noch aus der Schule her in Erinnerung. Der Vorschlag wurde abgelehnt, schon im Hinblick auf die Schwierigkeit. die erforderlichen Gifte zu beschaffen. Ich suchte daraufhin eine Schlinge, um sie aufzuhängen. Die Gans fraß die Kordel und schnatterte erregt. Dann setzte sie sich in den Polstersessel und] legte ein Ei. Das war ihre Rettung.
Jetzt lag es klar auf der Hand, daß sie am Leben bleiben würde. Eine werdende Mutter kann man unmöglich umbringen. Dazu machte sie noch ein so fröhliches Gesicht, daß meiner Frau die Tränen in den Augen standen. Diese Gans war keine Gans, sagte ich mir, das ist ein Vogel mit Gemüt. Worauf meine Frau mit dem Geld für meine Motorradhose in die Stadt ging und einen handgeflochtenen Korb mit Daunenmatratze kaufte, damit auch die Gans sehen sollte, daß Weihnachten ist. Aber was machen wir nun mit dem Gänseei? Ei, ei... !
Weihnachtsfreuden überall
Veranstaltungen an der Bergstraße und im Odenwald
Heppenheim, (vir) — Die zum Kreisverband Bergstraße gehörenden Ortsverbände der Heimatvertniefoenen konnten dank der großzügigen Hilfe örtlicher und überörtlicher Dienststellen und der Privatwirtschaft in insgesamt 32 Weihnachtsfeiern den etwa 2300 Kindern der Mitglieder Geschenkpäckchen überreichen.
Bensheim. (HB) — Am Dienstagniachmittag hatte das Internat der Aufbauschuile die gesamte Lehrer- und Schülerschaft zu einer stimmunigsvollen Weihnachtsfeier eingeladen. Vor den Gästen rollte ein reichhaltiges und vielseitiges Programm, bestritten von den Schülern der Schule, mit Instrumental- und Gesangsvorträgen-, Rezitationen und Chören ab.
Der Bund der Heimatvertriebenen veranstaltete am Mittwochnachmittag im „Bensheimer Hof“ eine Weihnachtsfeier für die Flüchtlingskinder. Es wurden Weihnachts-Meder und Lieder aus der alten Heimat -gesungen und ein Weihnachtsspiel aufgeführt.
-Der Gesangverein „Liederkranz“ veranstaltete am Mittwochabend eine Weihnachtsfeier mit Bescherung für die Mitglieder des Knabenchors, der erst seit einigen Wochen besteht, aber schon etwa 90 Mitglieder zählt. An der Gestaltung des Programms waren der Männer-, Knaben- und gemischte Chor beteiligt.
Auerbach', (vir) — Auf Initiative von Landrat Dengler und Kreis-Resident-Oflficer Mr. Goodnight wurde den 38 Insassen des Kreis-Kinderheims' Bergstraße eine kleine Vorweihnachtsfeier bereitet. Mit vielerlei Gedichten und alten Gesängen aufgelockert, spielten die Kinder ein Weihnachtsmärchen und wurden am Schlüsse von dem etwas verspätet kommenden Nikollaus mit Aepfeln, Nüssen und Süßigkeiten beschenkt.
Seeheim, (erh) — Kinder der Volksschule’ überraschten Eltern und Gäste mit einem auserlesenen Weihnachteprogramim. Unter den Anwesenden, die Rektor Kumpf begrüßte, befanden sich Kreiisschulrat Dr. Plötz, Rektor Wick, die Pfarrer Reith und Külzer, Bürgermeister Speckhardt und der Elternbeirat.
Mörlenbach, (vir) — Der Ortsverein der AnbeiterwohMahrt konnte insgesamt 200 bedürftdigen Erwachsenen und Kindern eine überraschende Weihnachtsfreude bereiten: Die Kinder erhielten je eine große Tüte mit Süßigkeiten und ein Paar warme Strümpfe; für die Großen gab es je ein Wintenbekleidungsstück.
Gadernheim (uka) — Ein voller Erfolg war die Weihnachtsfeier der Volksschule. Beide Bühnenstücke und besonders der Schneeflockenreigen der Kleinsten fanden lebhaften Beifall. Große Bewunderung und Befriedigung lösten die Austselhmg der Berufsschule sowie die Werkarbeiten der
Unter-Sensbach. (eh) — Fast die ganze Ortsbürgerschaft war dieser Tage bei den Schulkindern zu Gast, die mit zwei Theaterstücken, Diedern und einer Kaffeetafel den Eltern und Verwandten einige frohe vorweihnachtliche Stunden bereiteten.
Gammelsbach, (ch) — Die Volksschule hatte für Eltern und Verwandte eine Weihnachtsfeier mit mehreren Theateraufführungen im Gasthaus Foshag veranstaltet, wobei Bürgermeister Siefert den Lehrern und Schülern im Namen der Gemeinde den Dank für die Stunden froher Unterhaltung aussprach.
Muß Rudolf wirklich nach Indochina?
Wider eigenen Willen bei der Fremdenlegion
Aus einer Tagung der Jugendamtsleiter
Es ist nun bald ein Jahr her, daß der junge Rudolf B. von daheim fortging, um eine Sportveranstaltung in Offenbach zu besuchen. Er kehrte nicht mehr zurück. Drei Wochen warteten die Eltern in Unruhe. Dann kam ein erschütternder Brief der die Ungewißheit löste. Rudolf schrieb, er sei in die Fremdenlegion geraten.
Ueber die Fremdenlegion ist schon viel geschrieben worden, Wahres und Falsches, Warnendes und Werbendes. Alle Beobachtungen deuten darauf hin, daß sie mehr Zulauf hat, wie sie benötigt. Von jungen Deutschen, die zu einem kleinen Teil sich deswegen melden, weil sie in Verzweiflung sind über die Zukunftsmöglichkeiten, die sie in ihrem Vaterland sehen. Zu einem weit größeren aus einer Sehnsucht nach dem fernen Abenteuer.
„Ein freundlicher Herr“
Der Fall des jungen Rudolf liegt aber ganz klar. Beide Begründungen treffen auf ihn nicht zu. Er hatte seinen ausreichenden Verdienst, der es ihm ermöglichte, seinen Vater, der hundertprozentig kriegsbeschädigt ist, zu unterstützen. Niemals wäre es ihm eingefallen, deswegen von daheim fortzugehen. Doch dann kam die Versuchung. Sie trat in der Gestalt eines freundlichen Herrn an ihn heran, der den Jungen zu einem Glas Wein einlud. Es er¬ scheint überflüssig, darüber zu sprechen, ob Rudolf recht daran tat, der Einladung eines Unbekannten zu folgen. Er hat es nun einmal getan. Er hat, des Weines ungewohnt, anschließend einen Schein unterschrieben, der eine Verpflichtung zur Fremdenlegion enthielt. Die Fremdenlegion aber besteht auf ihrem Schein. Hinzu kommt, daß das französische Recht dem jungen Menschen die Volljährigkeit schon mit dem vollendeten 16. Lebensjahr zuerkennt. Rudolf aber war nur nach deutschem Gesetz noch nicht berechtigt, ohne die Einwilligung seiner Eltern zu handeln. Noch zwei Monate trennten ihn von seinem 21. Geburtstag. So half es ihm nichts, daß er — sein Schicksal vor sich sehend — voller Verzweiflung heim schrieb, er sei „einem Schuft in die Hände gefallen". Sein letzter Brief kam aus Nordafrika. Anfang Januar sei er für einen Transport nach Indochina bestimmt.
Was kann getan werden?
Rudolfs Vater hat sich hilfesuchend an das Rote Kreuz gewandt. In einer Tagung der Jugendamtsleiter unseres Regierungsbezirks wurde dieser Tage über das ernste Problem der Fremdenlegion gesprochen. Es wurde die Vermutung ausgesprochen, im Lager Offenburg befinde sich die Werbezentrale. Die deutschen Stellen sollten den Jugendlichen den Zutritt zu diesem Lager durch Aufklärung und Warnung erschweren. Was wäre besser geeignet dafür, als das Schicksal des Rudolf?
Erziehungsberatung — Jugendwohnheim
Aus den weiteren Besprechungen der Jugendamtsleiter sei die Bereitwilligkeit hervorgehoben, mit der von allen Landkreisen die Schaffung einer Erziehung sberatungsstelle befürwortet wurde. Neben der speziellen Beratung an ihrem Sitz in Darmstadt ist eine ambulante in den Kreisorten erwünscht, wobei Erzieher, Aerzte und Sozialarbeiter in allen Erziehungsfragen den Eltern helfend, ratend und auf klärend zur Seite stehen sollen. Auch diesmal ist die Schaffung von Jugendwohnheimen für dringlich erklärt worden. Neben dem Darmstädter ist ein solches für die Mainspitze vorgeschlagen worden, und zwar in Verbindung mit der dortigen gut beschäftigten Industrie. In ihr könnten noch Lehrlinge untergebracht werden, wenn die Wohnfrage gelöst würde. p. D.
Unsere Geburtstagskinder
~80. Geburtstag: Frau Cleopha Laumann geb. Katzenmeier, Heppenheim a d. 8., Hermannstraße 13 4/io. 73. Geburtstag: Frau Margarete Keil geb Volk, Groß-Bieberau, Schusterstr. 10.
Am 24. Dezember 1950:
80. Geburtstag: Frau Rosina Brentano, Bensheim-Auerbach, Burgstr. 5. °79. Geburtstag: Frau Marie Prewedel, Obertor 5. . 78 Geburtstag: Frau Marie V o n d er - sch’mit, Wwe., Altheim, Hauptstr. 85. 74. Geburtstag: Herr Johannes Schellhaas' Wiesenpromenade 13. — Frau Henriette Schlapp, Wixhausen, Mittel-
$ ° Am 25. Dezember 1950: Silberne Hochzeit: Herr Johannes Wesp und Frau Elisabethe, Wixhausen, Messier Straße. — Herr Philipp Peter und Frau geb. Hilß, Bickenbach a. d. 8., Sandstraße. 76. Geburtstag: Frau Lilly Seemann, Altheim, .Kirchstraße 132. 90 Geburtstag: Frau Elisabeth Hofrath, Schloß-Schönberg. «0 Geburtstag: Herr Jakob Eckstein, Heppenheim a. d. 8., Karl-Marx-Str. 17.
Messerstecherei unter Alkoholeinsfluß
Neue Revolte im Tschechenlager Babenhausen
Babenhausen (RG) — Das Regierungslager war am Donnerstagabend wieder der Schauplatz eines schweren Zwischenfalles.
Im Laufe des Tages war an die Insassen eine Weihnachtszuwendung von je 15 DM ausgezahlt worden, die ein Teil von ihnen in Alkohol umsetzte.
Am gleichen Tag aber war auch die Wahl des neuen, Lagerkomitees voTgenommen worden. Die dazu angesetzrte Versammlung hatte um 18 Uhr begonnen. Kaum eine Stunde später war nach einem Wortwechsel und unter dem Einfluß des Alkohols eine Schlägerei im Gange, die in eine Messerstecherei ausartete. Einer der Lagerinsassen hafte zwei Landsleuten so schwere Stiche versetzt, daß sie in ärztliche Behandlung gebracht werden mußten.
Auf der deutschen Lagerwache, die vor einiger Zeit wegen einer unter den Tschechen ausgebrochenen Revolte auf Anordnung des Regierungspräsidenten vom Gendarmeriekreiskommissariat Dieburg einge. richtet werden mußte, meldete ein Lagerinsasse den Zwischenfall. Daraufhin wollte sich einer der Wachbeamten in den Versammlungsraum begeben; unterwegs kamen ihm etwa 40 bis 50 Tschechen entgegen, die einen der ihren festhieltetn und erklärten, er sei der Messerheld. Als der Gendarm ihn festnehmen wollte, nahmen mehrere Tschechen eine drohende Haltung gegen ihn •ein und beschimpften ihn „Nlmenski swinda“ (deutsches Schwein).
Der Gendarm kam in so starke Bedrängnis, daß er von seinem Gummiknüppel Gebrauch machen mußte und einen der Angreifer niederschlug. Durch den Lärm waren die anderen auf der Wache befindlichen Beamten auf die Vorfälle aufmerksam geworden; durch ihr Eingreifen wurde die Ordnung im Lager nach einiger Zeit wiederhengeste-Ht.
Wenn die Glodcken wieder läuten...
Während ich vor meiner Schreibmaschine sitze, um in dem sich langsam seinem Ende zu neigenden Jahre noch einmal unsere Leser anzusprechen, schleicht klirrender Frost durch Straßen und Gassen. Der Schnee hat ein weißes Tuch über Stadt und Land ausgebreitet. Hinter den erleuchteten Fenstern der Häuser aber werden letzte Vorbereitungen zum Weihnachtsabend getroffen.
Diesem Heiligen Abend eilen meine Gedanken voraus. In die vielen Gemeinden unserer Heimat, die in vergangenen Monaten und Wochen so glücklich sein durften, ihre neuen Kirchenglocken einzuholen. Denen der Krieg einst unbarmherzig in so manch schönes Geläute gegriffen und meist nur eine einzige der Glocken — als letzte Ruferin — verschont hatte.
In der bevorstehenden Heiligen Nacht werden nun diese neuen Glocken, vereint mit ihren Schwestern in den übrigen Gemeinden, die Gläubigen zusammenrufen. Sie werden aber auch zu' den Ohren all jener dringen, die den Weg zu ihren Gotteshäusern nicht finden wollen. Ihr eherner Klang wird alle erfassen, ganz gleich, ob sie die Allmacht Gottes anerkennen oder nicht.
Gerade die Glocken der Christnacht sind es, die, eindringlicher als zu anderen Zeiten, eine Sprache sprechen, der nichts zu entgegnen ist. Die von jedem verstanden wird. Die ein Klingen in das Land hineinträgt, das auch den Unbeugsamen und Harten aufhorchen läßt. Ihn daran erinnert, daß auch er nur ein Mensch ist. Einer von vielen. Der sich beugen muß. Dem Gesetz, das über uns allen steht.
So werden in nicht allzu vielen Stunden, während Großmutter den Enkel bei der Hand nimmt und mit Söhnen und Töchtern durch die dunkle, klare Nacht — über den weißen Teppich des Winters hinweg — in die Kirche zur Christmette geht, die Glocken läuten. Alte und neue. Und vereint rufen sie in den vertrauten Akkorden.
Glocken des Friedens nannte man sie jahrelang. Wie aber soll man sie heute nennen? Während die Ungewißheit uns umschleicht wie der klirrende Frost unsere Häuser? Während Tausende und aber Tausende dem Frieden entgegenfiebern. Der heute mehr denn je uns wieder entrückt scheint! Von dem keiner weiß, wann er kommen wird. Und ob er kommen wird. Und während vor allem aber die Jungen unter uns sich schon wieder in etwas hineingepreßt sehen, das sie nicht nur hassen gelehrt wurden, sondern von Grund auf hassen?
Nennen wir darum die Glocken der Heiligen Nacht 1950 Glocken der Besinnung und Mahnung. Der Besinnung auf den Menschen in uns. Der Mahnung für all jene, in deren Händen unser Geschick liegt.
Sollten sie diese Aufgabe erfüllen können, so mögen sie läuten, so stark sie können. Mögen sie dann aber auch ihren Ruf erschallen lassen über die Grenzen. Und an die Herzen all derer dringen und von Besinnung und Mahnung sprechen, die mit uns zusammen auf dieser Erde leben. Die auch nur Menschen sind! Werner E. Schröder
IM WEIHNACHTLICHEN REICHENBACH
Weihnachten 1950
Wieder stehen wir vor dem Fest des Friedens. Noch haben wir in Erinnerung die furchtbaren Geschehnisse der Jahre 1939—1945. Tod und Verderben brachen über die Menschheit herein. Fast alle von uns haben liebe Verwandte oder Freunde durch Kriegseinwirkungen verloren. Mütter, Väter, Frauen und Männer, Kinder und Freunde trauern um ihre Dahingegangenen. Die Sehnsucht nach Frieden ist in allen Menschen so lebendig wie kaum je zuvor. Trotzdem sehen wir nicht ohne Sorgen dem diesjährigen Fest des Friedens entgegen. Graue Wolken stehen weit am Horizont. Um so mehr wollen wir geloben, mitzuhelfen an der Erhaltung des Friedens. Das geschieht zunächst im engen Kreis der Gemeinschaft durch gegenseitiges Verstehen, durch Duldsamkeit aller gegen alle. Weihnachten war immer dazu angetan, besinnlich zu sein und sich der großen Gedanken christlicher Toleranz und Nächstenliebe zu erinnern und bemüht zu bleiben, im eigenen Leben als Vorbild zu wirken.
Die Jugendorganisationen haben die Aufgabe, diese großen Gedanken zu pflegen und in der Jugend lebendig zu halten. Wenn wir alle von dem heißen Wunsch nach Erhaltung des Friedens durchdrungen sind und in unserem täglichen Leben auch danach handeln, so glaube ich, wird am Ende auch ein Erfolg nicht ausbleiben. Laßt uns daher Weihnachten 1950 in froher Hoffnung auch auf einen endgültigen Friedensschluß der seither feindlichen Welt mit Deutschland feiern. Allen Jugendorganisationen sage ich Dank für ihre tätige Mitarbeit und wünsche ein
Frohes Weihnachtsfest und glückliches neues Jahr! WINK Latndrat und Vorsitzender des Kreisjugendausschusses.
Innige Gedanken an den Frieden
Weihnachtsaufruf von Mr. Goodnight Heppenheim. Resident Officer Mr. James A. Goodnight, richtet zum Weihnachtsfest nachstehenden Aufruf an die Bevölkerung des Kreises Bergstraße: „Das letzte Weihnachtsfest in der Jahrhunderthälfte begehen wir mit vielen und innigen Gedanken an den Frieden, dessen Geist mehr als in allen anderen Tagen des Jahres in diesem Fest lebt. Ich wünsche allen Einwohnern und Mitbürgern des Kreises Bergstraße für ihre schöne deutsche Weihnacht, daß die Gewißheit unseres Glaubens zu einer freien Welt, die wir besonders in diesen Feiertagen teilen, uns auch weiterhin verbinden möge."
Sonnwendseier der Jugend auf der Erbacher Sophienhöhe
Erbach, (ch) - Am Donnerstag versammelten sich auf der Sophienhöhe Jungen und Mädel des Jugendrings Erbach-Michelstadt zur Feier der Wintersonnenwende. Unterhalb des Sophientempelchens war der hohe Scheiterhaufen für das Sonnwendfeuer auf geschichtet, das von den beiden Fackelzügen entzündet wurde. Unter den teilnehmenden Gästen befanden sich Regierungsrat Zörgiebel. Regierungsamtmann Sattler, Bürgermeister Volk, Vertreter der Industrie, des Sports und anderer Organisationen.
Helmut Kaffenberger. Michelstadt, begrüßte es besonders, daß diese Feier nach generationenalter Zwiespältigkeit endlich gemeinsam von der Jugend Erbachs und Michelstadts begangen werde. Gemeinsame Lieder und Feuersprüche folgten in buntem Wechsel. Landtagsabgeordneter Ackermann, Beerfelden, versuchte der Jugend den Unterschied begreiflich zu machen, zwischen dieser Feier, die unmittelbar an die alten Traditionen anknüpfe, und jenen Veranstaltungen ähnlicher Art einer jüngeren Vergangenheit, die als kultischer Ausdruck einer Pseudoreligion aufgezogen waren.
Manch fröhliches Lied erklang noch am lodernden Feuerstoß, dann sausten unter dem Jubel der Jugend die Feuerräder zu Tal.
Ferkel fielen vom „Rollfix“
Lorsch, (el) - Einen ungewöhnlichen Fund machten dieser Tage zwei Flüchtlinge aus Einhausen. Auf der Autobahn im Jägersburger Wald fanden sie in einem Flechtkasten zwei kleine Ferkel. Auf dem Nachhausewege meldete sich der Besitzer, ein Rollfixfahrer aus Frankfurt, dem der Kasten vom Fahrzeug gefallen war.
Es blieb beim Versuch
Rotblonde Dame mit falschem Hunderter
Bensheim. (IIB) Am 21. Dezember erschien gegen Abend eine Dame im Modesalon Helfrich und kaufte einen Plisseerock. Da sie jedoch nur großes Geld hatte und die Verkäuferin nicht wechseln konnte, schickte man diese zum Kaufhaus Ganz. Dort schöpfte man jedoch Verdacht und holte die Kriminalpolizei. Die Kundin war allerdings schon unter Zurücklassung des Plisseerockes und des falschen 100 -DM - Scheines verschwunden.
Es handelt sich um eine zirka 30 Jahre alte, etwa 1,70 Meter große, schlanke Dame. Sie trug rötlich-blondes Haar, einen dreiviertellangen, silbergrauen Käninpelzmantel, ein grünes Kopftuch und sprach hochdeutsch. Die Polizei bittet die Bevölkerung um zweckdienliche Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden.
Gaswerk ohne Koks
Bensheim. (HB) Wie in der letzten Stadtratssitzung bekannt wurde, ist das Städt. Gaswerk nicht mehr in der Lage, den Koksbedarf der Schulen und Behörden zu decken, so daß mit einer vorübergehenden Schließung der Schulen gerechnet werden muß. Die Brennholzversorgung wurde durch die Ausgabe von Brennstoffkarten geregelt, auf die je nach Aufruf Holz bezogen werden kann. Es sind etwa 3 Zentner pro Haushalt vorgesehen.
Die Böschung hinab
Lorsch, (el) - In der Nacht von Donnerstag auf Freitag fuhr gegen 2 Uhr ein schwerbeladener Lastzug aus Hannover die hohe Autobahnböschung hinab und überschlug sich. Fahrer und Beifahrer mußte schwerverletzt abtransportiert werden.
Schwindler reist für ETA
Bensheim. (HB) In letzter Zeit trat in mehreren hessischen Städten ein Reisender auf, der Bestellungen auf Küchenherde und Radiogeräte entgegennahm und sich Anzahlungen zwischen 25 und 50 D-Mark aushändigen ließ. Er gab an, für die Firma ETA, Elektro- Großhandel, Darmstadt, zu reisen. Der Händler ist etwa 35 bis 40 Jahre alt, 1,70 Meter groß, von kräftiger Gestalt, hat schwarze Haare und eine Stirnglatze.
58 Gewerkschaftsjubilare
Siedelsbrunn, (vir) Im Rahmen einer Feierstunde der Industriegewerkschaft „Leder“, deren Schirmherrschaft Bürgermeister Georg Schwebel übernommen hatte, konnten sechs Mitglieder für insgesamt 40jährige Zugehörigkeit und weitere 52 für 25jährige Zugehörigkeit zur Gewerkschaft durch Überreichung einer Urkunde geehrt werden.
Der SPORT
Lokalderby - diesmal nicht um Punkte
SV 98 und SGA in stärkster Aufstellung — Ruhl wieder im Tor
Darmstadts Fußballanhänger dürfen nach den aufregenden Punktspielen eine ruhige Weihnacht verleben. Nur ein einziges Spiel von Bedeutung steht auf dem Festprogramm. Für den 1. Weihnachtsfeiertag haben die beiden Vertragsspielermannschaften des SV Darmstadt 98 und der SG Arheilgen ein
Freundschaftsspiel im Hochschulstadion vereinbart, das seine Anziehungskraft ausüben wird, selbst wenn es diesmal nicht um die heißumstrittenen Punkte geht wie in den — wie uns scheint — schon recht weit zurückliegenden Zeiten, als sich beide Vereine noch in der Landesliga gegenseitig das Leben sauer machten. Die letzte Begegnung der beiden Kontrahenten fand am 29. Januar 1950 am Mühlchen statt und endete 0:0 unentschieden.
Seitdem hat sich manches geändert. Die Lilienträger haben unter größter Anteil*, nähme der Darmstädter Bevölkerung den Aufstieg in die oberste Fußballklasse erkämpft und sich dort bisher ganz achtbar auf dem 14. Tabellenplatz gehalten. Die Vorstädter haben in der 2. Liga in der Vorrunde zwar nur den vorletzten Platz erreichen können, doch sie sind in den letzten Spielen erheblich besser geworden und haben sich für die Rückrunde noch allerhand vorgenommen. Im Spiel gegen die 98er werden sie zu beweisen versuchen, daß zwischen 1. und 2. Liga kein so großer Klassenunterschied besteht, wie allgemein angenommen wird. Trotz der immer noch vorhandenen Rivalität darf mit einem fairen und schönen Spiel gerechnet werden. Die Mannschaften treten in folgender Aufstellung an:
SV Darmstadt 98: Ruhl; Barth, Abt; Herder, Schmidtmer, Leichtlein; Reeg, Mühlbach, Bohmann, Herwig, Thalheimer. Bekker II und Eugen Müller sind als Auswechselspieler vorgesehen.
SG Arheilgen: Seibel; Marko, Zöller; Müller, Mahr, Wendler; Dilfer, Becker, Traser, Potraffke, Lieber.
Das Spiel steht unter der Leitung von Schiedsrichter Schmetzer, Mannheim. Beginn 14.15 Uhr.
Sehr interessant verspricht auch das Treffen der beiden A. H.-Mannschaften zu werden, das um 12.45 Uhr beginnt. Bei den 98er wird man u. a. Trainer Snopek, den früheren Halblinken Wenner 11, Wenzel und Mittelstürmer Fürst sehen; bei Arheilgen Bauer, Rückerich, Treusch und Wesp. Bereits um 12 Uhr tragen die Junioren des SV 98 ein Freundschaftsspiel gegen die Junioren der Eintracht Frankfurt aus.
Lokalderbys als lang entbehrte Leckerbissen, Wer möchte sie an Weihnachten wohl gern vermissen?
40 Veranstaltungen auf deutschen Bahnen
Aus dem Terminkalender des deutschen Motorsports
Die Oberste Motorradsport-Kommission (OMK) hat das Rennprogramm der deutschen Motorrad-Saison 1951 mit über 40 Veranstaltungen festgelegt. Wir bringen hier die Termine der wichtigsten Rennen:
22. April: Preis von Berlin; Quer durch Neuwied; 29. April: Eilenriede-Rennen.
1. Mai (oder 3. Mai): Dieburger Dreieck-Rennen; 6. Mai: DMV-Junioren-Rennen (Grenzlandring); 20. Mai: Feldberg-Rennen; 27. Mai: Aachener Ausweisfahrer-Rennen, Ried-Ring-Rennen.
3. Juni: Eifel-Rennen (Nürburgring); 10. Juni: Karlsruher Dreieck-Rennen; 17. Juni: Frankfurter Dreieck-Rennen; 24. Juni: Tübinger Stadtring-Rennen. »
1. Juli: Odenwaldring-Rennen; 8. Juli: Rhein-Pokal-Rennen (Hockenheim); 22. Juli (oder 15. Juli): Rund um Schotten.
5. August: ADAC-Bergrekord Freiburg — Schauinsland; 12. August: Donauring-Rennen; 26. August: Großer Preis von Deutschland (Solitude).
2. September: Hamburger Stadtpark-Rennen; 9. September: Grenzlandring-Rennen; 23. September: Avus-Rennen Berlin.
Die Termine der sieben Meisterschaftsläufe stehen noch nicht endgültig fest. Sicherem Vernehmen nach werden es Eilenriede-Rennen, Eifelrennen, Freiburg-Schauinsland, Feldbergrennen, Hamburger Stadtpark-Rennen, Stadtrennen Nürnberg und evtl. Grenzlandringrennen sein.
Deutscher Turnerbund wöächst
Nicht weniger als fünf Landesturnverbände des Deutschen Turnerbundes (DTB) zählen nach den neuesten Bestandserhebun. gen mehr als 700 000 Mitglieder. Hessen dürfte mit nahezu 100 000 an der Spitze stehen. Es folgen Bayern mit 86 214, der Westfälische Turnerbund mit 82 207 und der Rheinische Turnerbund mit 78 668 Mitgliedern. Niedersachsen liegt noch über, Württemberg knapp unter 70 000. Bemerkenswert an diesen Zahlen ist, daß die Jugend etwa 60 Prozent ausmacht gegenüber den eigentlichen Aktiven, die augenblicklich etwa 350 000 im gesamten Bundesgebiet zählen dürften.
Kurz aber interessant
Der Schweizer Handball-Ausschuß hat für das erste Nachkriegsländerspiel gegen Deutschland in seinem provisorischen Länderspielprogramm den 14. oder 21. Oktober 1951 in Aussicht genommen. Das Spiel soll in der Schweiz stattfinden. mit einer gemeinsam aufgestellten Staffel bestreiten. Die französische Tennisrangliste für die Saison 1950 sieht bei den Herren Marcel Bernard und Bernard Destremeau gemeinsam auf dem ersten Platz vor Robert Abdessalam. Bei den Damen teilen sich Nelly Adamson und Anne Marie Seghers die Spitzenstellung. Ein Amateurbox - Länderkampf zwischen Norwegen und Finnland endete in Oslo mit 8:8 unentschieden. Die Finnen, die u. a. zwei Kämpfe durch Disqualifikation verloren, waren mit den Entscheidungen des Kampfgerichts nicht einverstanden.
Der Holländische Fußball-Verband verlängerte die Freigabefrist für Spieler, die ins Ausland übersiedeln, von einem Monat auf drei Monate. Die Freigabefrist beginnt erst am Tage des Abschlusses des Profivertrages.
Drei Ausländer führen Italiens Torjägerliste an. Torschütze Nr. 1 ist weiter der Holländer Wilkes (Internazionale Mailand) mit 15 Toren vor dem Schweden Gunnar Nordahl (FC Mailand) mit 13 Erfolgen und dem Ungarn Nyers (Internazionale Mailand) mit 12 Treffern.
Torfstreuen am falschen Fleck
Zwei interessante Protestfälle im Fußball
Diejenigen, welche glauben, die Protestmöglichkeiten im Fußball seien nur auf einige wenige, durch die Regeln sozusagen bekannten Fälle beschränkt, werden fast jeden Sonntag eines anderen belehrt. Die beiden nachstehenden Fälle zeigen, wie überraschend doch mancher Protest gelagert (und auch berechtigt!) ist: Wenn zwei das gleiche tun Preußen Münster hat gegen die Wertung des am 10. Dezember in Aachen mit 3:6 (1:4) verlorenen Spieles Einspruch erhoben. Die Begründung ist sehr interessant: Der Boden war — vor allem vor den Toren — eisglatt. In der Pause bzw. kurz nachher soll der Aachener Platzmeister Torfmull vor dem Tor des eigenen Torhüters gestreut haben. Ein Versuch verschiedener Reservespieler von Münster, ihrem Torwart den gleichen Vorteil zu sichern, sei abgelehnt worden, da man ihnen den Korb mit Torfmull nicht gegeben hatte. Münster sieht in diesem Vorgehen eine ungerechtfertigte Bevorzugung und stützt sich darauf, daß ein Spielfeld nicht mehr einseitig verändert werden dürfte, wenn ein Spiel angefangen habe. „Höhere Gewalt“ geht vor Im schwäbischen Fußballbereich ereignete es sich, daß in Wasseralfingen zu einem Meisterschaftsspiel gegen Hussenhofen acht rußgeschwärzte Männer in Feuerwehruniform, gefolgt von anderen Feuerwehrmännern, auf dem Wass-eralfinger Sportplatz erschienen. Es stellte sich heraus, daß die rußverschmierten Gesellen die Fußballer aus Hussenhofen waren. Am Samstagabend war in einem bäuerlichen Anwesen in Hussenhofen ein Brand ausgebrochen. Als Mitglieder der Feuerwehr mußten sich 16 Spieler der ersten und zweiten Mannschaft des SV Hussenhofen an den Löscharbeiten beteiligen, die infolge der großen Heuvorräte bis Sonntag vormittag 11 Uhr dauerten. Der Vereinsvorsitzende dachte zwischendurch an das Fußballspiel und bat den zuständigen Klassenleiter, es abzusetzen Das Ansuchen wurde abgelehnt. So mußten sich die feuerlöschenden Fußballspieler, nachdem die letzte Flamme erstickt war, Hals über Kopf auf die Beine machen, um noch rechtzeitig zum Spielbeginn nach Wasseralfingen zu kommen. Abgearbeitet und unausgeruht wie sie waren, verloren sie 2:3. Hussenhofen legte Protest ein. Die erste Instanz lehnte ab, bis sich der Verband dazwischen schaltete und ein salomonisches Urteil fällte. Der Brand sei höhere Gewalt. Von den Spielern könne man nicht verlangen, daß sie sich wegen eines Fußballspieles ihrer staatsbürgerlichen Pflichten entzögen.
1. Eishockeyspiel in Darmstadt
TSG 46 hat HC Groß-Auheim zu Gast
Am zweiten Weihnachtsfeiertag um 15 Uhr steigt auf der TSG-Eisbahn hinterm Woog das erste Eishockeyspiel dieser Saison in Darmstadt. Die TSG hat den HC Groß-Auheim, eine Mannschaft der bayrischen Landesliga, eingeladen. Die Gäste haben ihr Trainingslager auf die Kunsteisbahn Bad Nauheim verlegt und sind kein geringer Gegner, zumal die Mannschaft von der amerikanischen Besatzungsmacht in Groß-Auheim bestens unterstützt wird. Das Team der TSG tritt nicht in kompletter Aufstellung an. Im Sturm fehlen Przementski und Meyer. Die Mannschaft wird mit Bönning im Tor, Dr. Sigwart und Mangold in der Verteidigung, Häuser, Fuß und Zörgiebel in der ersten Sturmreihe und Brochmann, Herrmann und Berger im zweiten Sturm antreten. In den Pausen zeigen Kunstläufer der TSG Darmstadt ihr Können auf dem Eis. Z.
Sport an Weihnachten
Die Hauptereignisse vom 24.—26. Dezember Boxen. Deutsche Mittelgewichtsmeisterschaft zwischen Peter Müller und Kuddl Schmidt in Hamburg; Sugar Robinson — Hans Stretz, Erlangen, in Frankfurt (25.). Schwerathletik. Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen, u. a. ASV Friesenheim — SG Eckenheim und Heros Dortmund — Mülheim 92. Radsport. Dreistunden-Mannschaftsrennen in Hannover; Beginn des Münsterer Sechstagerennens. Skisport. Skispringen in Garmisch-Partenkirchen; Sprunglauf in Immenstadt; Zwölf-Kilometer-Langlauf in Altenau. Eishockey. Meisterschaftsspiele in Bad Tölz; schwedische Gäste in Hamburg, Rießersee und Garmisch; EV Füssen beim Spengler-Pokal in Davos.
Marktbeobachtung für den Landwirt
«Setreide und Futtermittel Trotz der jetzt überall verstärkt angelaufenen Druschtätigkeit wird) übereinstimmend berichtet, daß die Inlandsanlieferungen an Brotgetreide nur langsam fließen. Durch das in der Vorweihnachtszeit etwas regere Mehlgeschäft und die Weizenmehllieferungen nach Jugoslawien ist die Nachfrage für den Mühlenbedarf noch dringender geworden. — Die stark gestiegenen Kleiepreise, in manchen Gebieten 7 DM/dz, sind die bemerkenswerteste Entwicklung am Futtermittelmarkt. Auch die Futtergerstenpreise haben erneut angezogen und nun annähernd den Braugerstenpreis erreicht. Bisher stützte sich die sehr feste Preistendenz für Futtergetreide auf niedrige Einfuhrerwartungen. Nunmehr wird bekannt, daß die Einfuhr von gut 1,5 Millionen Tonnen Milo und Gerste gesichert ist. Für die noch folgenden Monate des Wirtschaftsjahres kann daher mit einer monatlichen Freigabe allein von 100 000 t Milo gerechnet werden. Am Oelkuchenmarkt haben die jüngsten Preissteigerungen die kaufende Landwirtschaft wieder recht zurückhaltend gemacht. Preise in DM je Doppelzentner im Großhandel in Ffm.: Weizen 35—36. Roggen 30—31 frei Mühle, Hafer 27,50—28,50, Sommergerste 36 ab Station. — Weizenmehl T. 550 = 52,40, T. 1050 = 47,40, Roggenmehl T. 1150 = 40,75— 41,25, Weizenkleie 17,00—17,25, Roggenkleie 14,00—14,50 ab Mühle mit Sack, Fischmehl 59—60 ab Küstenstation, Trockenschnitzel 14,50 ab südd. Zuckerfabrik. — Auslandsgerste 34 ab Küstenstation, Auslandshafer 29,50 ab Mannheim, Mais loco 40,00—40,50, Milocorn ohne Umsätze. — Oelkuchenmischfutter 29—32, Erdnußschrot 39 ab Niederrhein, Sojaschrot 35,25 ab Hamburg, Kokosschrot 29 ab Frankfurt, Leinschrot 37.50— 38,00 ab Niederrhein; alles brutto für netto. Kartoffeln Der Frostwetterlage entsprechend ist die Umsatztätigkeit am Kartoffelmarkt noch geringer geworden. Für den geringen laufenden Bedarf wurden teilweise bereits die Bestände des Großhandels angegriffen. Die Erzeuger sind nicht geneigt, ihre winterfest eingelagerten Vorräte zu den derzeit niedrigen Preisen anzubrechen bzw. abzusetzen. Bei etwas belebter Nachfrage und allgemein geringen sowie zögernden Angeboten konnten sich die Preise weiter etwas festigen. Reges Interesse, auch übergebietlich, besteht für Futterkartoffeln. Preise für Speisekartoffeln: Erzeugerpreis ab Hof 3,20—3,30, ab südd. Verladestation 2,30—2,50. Großhandelseinstandspreis frachtfrei Gegend Ffm., lose verladen 3,55—3,60, gesackte Ware 20 Pfg. mehr. Großhandelsabgabepreis an den Kleinhandel 4,30—4,60, Verbraucherpreis je 50 kg 5,00—5,50, je 5 kg 0,50—0,60. Futterkartoffelpreise in DM je 50 kg: franko rhein. Station 3,10—3,20. Milch, Butter, Eier und Geflügel Milch: Die Milcherzeugung ist saisonmäßig weiter leicht rückläufig. Die Milchanlieferungen zu den Molkereien sind fast gleich geblieben. Sie lagen in der Berichtewoche mit rd. 11100 t in Hessen noch um 16 Prozent über den entsprechenden Vorjahresanliefierungen. Der Trinkmilchabsate ist zwar etwas angestiegen (1,17 Prozent), muß aber im Hinblick auf den erhöhten Bedarf vor Weihnachten als unbefriedigend bezeichnet werden.
Butter- Die Erzeugung hat mit annähernd 5000 t je Woche nur geringfügig nachgelassen. -Sie liegt im Bundesgebiet noch rd. 15 Prozent über der Vergleichs-Ziffer des Vorjahres, aber doch bereits rd. 31 Prozent unter der Erzeugungsspitee vom Juni d. J. Der Frischbutterbedarf kann aus der derzeitigen Erzeugung nicht befriedigt werden. Lagerhausbutter wird aus Qualitätsgründen nur ungern übernommen.
Eier: An den Eiermärkten hat sich eine etwas festere Grundtendenz durchgesetzt. Holland und Dänemark haben ihre Preise wiieder heraufgesetzt. Die Vorrates teile hat ihre eingekühlten Restbestände inzwischen vollständig abgestoßen. Bei allgemein schleppender Nachfrage von seifen der Verbraucher- haben sich die Preise im ganzen wenig verändert. — Eier sollen in Zukunft keiner mengenmäßigen Einfuhrbegrenzung mehr unterliegen. Zur Zeit wird für Eier kein Einfuhrzoll erhoben. Der Zollsatz von 30 DM/dz (je Ei etwa 2 Pf) kann im Bedarfsfall wiieder in Kraft gesetzt werden. — Preise in Pf je Stück: Inlandseier im Erzeuger-Verbraucherverkehr je nach Größe 25—32; Auslandseier Kl. S 27, Kl. A 26, Kl. B 24,5, Kl. C 23, Kl. D 21; Kühlhauseier durchschnittlich 2—3 Pf unter diesen Preisen.
Zum Zeitvertreib am Sonntag
Rösselsprung
Doppeltes Silbenrätsel
Aus den Silben all — ba — bak —bart — beln — ber — blu — dem — den — der — det — ein — em — en — ga — gäu — glok — hü — ju — ka — ke — kel — kel — ken — ken — kün — la — la —land — le — ler — ma — me — men — min — mit — mit — nal —nacht — ne — nek — nis — nung — o — ord — plat — rauch— ren —schall — sehen — söh — ständ — Strumpf — ta — ta — te — tel — ter — ter — un — ver — wa — weih — sind 19 Wörter zu bilden. Jedem ist eine Silbe zu entnehmen, die aneinandergereiht eine Strophe aus dem Weihnachtsgruß von An ton Müller ergeben. 1. Zierpflanze, 2. Haartracht, 3. Held einer Jugenderzählung, 4. Harz arabischer Pflanzen, 5. Zeiteinteilung, 6. deutsche Wasserstraße, 7. Name der alten Bayern, 8. Eßgerät (Mehrzahl), 9. Stadt in Pommern, 10. Form der Tonkonservierung, 11. moderner Operettenkomponist, 12. höchste Erhebung der Pyrenäen, 13. Zustimmung, 14. Verwandtschaftsgrad (Mehrzahl), 15. Durcheinander, 16. schwer verkäufliche Ware, 17. Käsesorte, 18. Teil des menschlichen Körpers, 19. Alpenlandschaft.
Rätelgieichung
[A — (B — r)] + k + [C — (D — E)J + [F —(G — o)] +(H—l)+o +[K— r — (L — sp)J = X. In dieser Gleichung behalten die kleinen Buchstaben ihre Bedeutung; die großen Buchstaben bedeuten: A = Klagelied; B = Habsucht; C “ Ruinenstadt in Kleinasien; D = asiatischer Staat; E = Hirtengott; F = mathematischer Begriff; G = römischer Kaiser; H = Kleinstlebewesen (Mehrzahl); I = Lagebezeichnung; K = Tierkreiszeichen; L = Landesverräter; X = Erzeugnis der modernen Technik.
Für Schachfreunde
Schachaufgabe Nr. 1 A. Volkmann (L’ltalia Scacch., 1950)
Matt in zwei Zügen
Weiß: Kgß, Df2, Te2, g 6, Lbß, cB, Ses, f 4, Be6, h 2. — Schwarz: Kfs, Dhl, Tbl, Laß, Sa7, Bg4, g 5, g 7.
Die Sendeprogramme vom 24. Dezember bis 30. Dezember 1950
Hessĩscher Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)
Sonntag, 24. Dez.
11.15 Volkstümliches Konzert 13.00 Ein Melodienreigen 14.30 Der kleine Engel Namenlos 15.15 Weihnachten beim Schimmelbauern 16.00 Stunde des Chorgesangs 16.30 Das Ohlstadter Kinderweihnachtsspiel 17.00 Unterm Tannenbaum 19.00 Kirchen und Dome läuten die Weihnacht ein 20.00 „Es ist ein Ros’ entsprungen“ 20.30 Weihnachten in fünf Erdteilen 21.00 Musik zum „Heiligen Abend“ 22.00 Die Heilige Nacht 22.25 „In dulci jubilo“ 23.10 Unter fremdem Weihnachtsbaum 23.30 Johann Sebastian Bach 23.55 Übertragung der Christmette
Montag, 25. Dez.
8.15 Unterhaltungskonzert 10.00 Übertragung d. evangelischen Gottesdienstes 11.30 Festliche Kammermusik 12.15 Weihnachtsansprache von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer 13.00 Musikalischer Cab.entisch 14.00 Alle Jahre wieder 14.15 Von der Puppe Silberblau, 15.00 Walter Gieseking spielt 15.45 Weihnachten in der Fremde 16.15 Frohe Weihnacht! 18.00 Sinfoniekonzert 20.00 Weihnacht eines alten Musikfreundes 21.30 Weihnachtliches Alt-Frankfurt 22.05 Rückblick ins Kinderland 22.30 Nick und die Mädchen 23.00 Ganz leis erklingt Musik
Dienstag, 26. Dez.
8.15 Orgel- und Chormusik 9.15 Sentimentale und festliche Weihnacht 9.30 Übertragung des Hochamtes 10.30 Der heitere Mozart 11.30 Festliches Konzert 13.00 Weihnachts-Plattenteller 14.00 Hibbderbach — Dribbderbach 14.30 Virtuose Klaviermusik 15.00 Schlesische Weihnacht 15.45 Der Wunschzettel 17.00 Sport und Musik 18.00 Zwerg Nase 20.00 „Wenn die kleinen Veilchen blüh’n“ 21.30 Raten Sie mit! Ein Quiz zwischen London und Frankfurt 22.05 Sportberichte 22.20 Tanzmusik von Schallplatten
Mittwoch, 27. Dez.
9.10 Chor- und Sololieder aus der Goethezeit 11.15 Schulfunk (Die Schatzinsel) 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Neue Unterhaltungsmusik 14.00 Schwedische Lieder 14.45 Die Stätte der Seligen 15.05 Musik an zwei Klavieren 15.25 Hoppla, die Purzel sind da 16.00 Der Dichter und sein Werk Paul Fleming 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Für unsere Studierenden 18.20 Muntere Noten zur Unterhaltung 20.00 Öffentliches Sinfoniekonzert 22.15 Tanz auf Welle Frankfurt
Donnerstag, 28. Dez.
12.00 Musik am Mittag 13.00 Das Stündchen nach Tisch 14.15 Schulfunk (Fernfahrer) 15.15 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Unterhaltungskonzert 16.50 Was Frauen interessiert 17.00 Leichte Unterhaltung 18.00 Hörerlieblinge Es spielt Mario Traversa 18.30 Tanzmusik 20.00 Operettenrevue 21.10 Musik auf alten Instrumenten 21.45 Passiert — glossiert 22.15 Den Freunden der Dichtung 22.45 Intime Musik 23.00 „Rhtyhmus der Welt“
Freitag, 29. Dez.
12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kulturelle Wochenschau 14.15 Schulfunk (Die Konvention von Tauroggen) 16.00 Kompositionsstunde 16.45 Für junge Menschen 17.00 Unterhaltungskonzert 17.40 „Am Rande bemerkt" 18.00 Funk-Feuilleton 18.15 Konzert für die Jugend 20.00 Konzertante Tanzmusik 21.10 Johannes Brahms: Serenade für großes Orchester 22.15 Funkbrettl 23.00 Kleine Liebe zu Paris 23.30 Der Jazzclub
Samstag, 30. Dez.
9.05 Erich Börschei spielt 11.15 Schulfunk (Die Schatzinsel) 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 13.40 Sportvorschau 14.15 Vergnügen mit Musik 15.00 Durch die weite Welt Griechenland II 15.15 Volkstümliches Wissen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 Mensch, ärgere dich nich' Eine heitere Hörfolge 18.00 Recht für jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 20.00 Favoriten 1950 • Schlagerrückblick 21.00 Familie Hesselbach 22.20 Volksmusik rund um die Welt 23.00 Zwischen heute und morgen
Südwestdeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) 195 m (1538 kHz)
(Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)
Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr
13.30 Frohe Melodien 15.00 „Der Struwwelpeter“ 16.00 Weihnacht der Landschaften 19.15 Weihnachtslieder 20.00 „Die denkwürdige Weihnacht“. Dichter erzählen 20.15 Weihnachtliche Chormusik 21.15 Musik untenn Christbaum 23.00 Ein Weihnachtsmärchen 23.15 Abschluß des Heiligen Jahres 23.45 Orgelmusik
13.15: Musik nach Tisch 15.30 Das Weihnachtskonzert 17.00 Peter Bamm plaudert über Weihnachtsgeschenke 17.15 Violinsonaten von J. S. Bach 19.20 Weihnachtslieder 20.00 „Fröhliche Weihnachten“ 22.15 Sport am 1. Weihnachtstag 22.30 Wir erfüllen Hörerwünsche zu Weihnachten
13.15 Musik nach Tisch 14.30 Weihnachtliche Klaviermusik 15.15 Nachmittagskonzert 17.30 Sinfoniekonzert 18.30 Sport-Reportage 19.30 Alte Weihnachtsmusik in neuen Sätzen 20.00 Giuseppe Verdi. „La Traviata“. Oper in 3 Akten 22.15 Sport 22.30 Tanz unterm Weihnachtsbaum
13.15 Musik nach Tisch 15.00 Nachmittagskonzert 17.00 Sang und Klang im Volkston 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Das große Unterhaltungskonzert 21.40 „Der Angelhaken“. Ein heiterer Sketsch 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio 23.00 Tanzmusik aus Berlin
13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingen 16.45 Leben und Wirken von Karl Legien 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Zwischen den Jahren“ 20.30 Klingende Kleinigkeiten 21.00 Aus Werk und Leben Albert Schweitzers 22.30 Mozarts geistige Welt
13.15 Musik nach Tisch 15.00 Musik am Nachmittag 16.00 Die Söhne Johann Sebastian Bachs 16-15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerler auf! 21.00 Die großen Meister 22.30 ^Nachtstudio 23.30 Musik zur Nacht
13.15 Musik nach Tisch 14.30 Allerhand Schlager 15.00 Aus der Welt der Oper 16.30 Unser Samstag-Nachmittag 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Was Euch gefällt“ 22.15 Sportrundschau 22.30 Der SWF bittet zum Tanz! 0.10 Na. dann wolln wir noch einmal
Süddeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 523 m (574 kHz)
(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)
Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00, 12.45 Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr
15.00 Die „Nußknacker-Suite“ von Peter Tschaikowsky 15.30 „Der kleine Engel Namenlos“ 16.00 „Es war einmal“ 18.00 Die Lichter brennen 19.30 Heilige Nacht 22.00 Die Wiener Sängerknaben 22.45 Der bunte Teller
15.15 Liederstunde 15.45 „Die Heilige Nacht". 16.00 Symphoniekonzert 17.00 Weihnachten 1950 18.00 Beim Christkind bestellt! 20.05 „Julius Cäsar“. Oper von Händel 22.00 Wie im Traum vergehn die Stunden
15.00 „Gute Laune auf dem Gabentisch“ 17.00 Weihnachtsoratorium 20.05 „Laßt Euch bezaubern von Musik“ 22.05 Und morgen wird umgetauscht 22.30 Im Rhythmus der Freude 24.00 Beschwingter Ausklang!
16.00 Von Dichtern und Dichtung 16.15 Konzertstunde 17.15 Volksweisen aus aller Welt 18.00 Musik zum Feierabend 20.05 „Der große Strom“. Eine t Ballade von Walter Bauer. Regie: Walter Knaus 21.00 Franz Schubert: „Die Winterreise“ 22.40 Tanz und Unterhaltung
16.00 Kaffeestunde f. d. Hausfrauen 17.10 Studierende der Musikhochschule Stuttgart musizieren 18.00 Schöne Opernmelodien 20.05 Ein bunter Abend mit jungen Künstlern 22.05 Claude Debussy 23.00 Gustav Mahler IV. Symphonie 0.05 Jazz im Funk
16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Froh und heiter 18.00 Musik zum Feierabend 20.05 Ein Rückblick auf das musikalische Programm 1950 22.05 Studenten singen 22.45 Zur Unterhaltung 23.15 Nachweihnachtliche Schmunzelecke
16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Vom Guten das Beste 17.15 Kleines Konzert 18.00 Die Kapelle Kurt Drabek, das Horst-Ramthor-Trio und die Kapelle Franz Deuber 19.00 „Was uns der Hudson-Fluß erzählt“. Ein Hörspiel 20.05 Frohes Raten — Gute Taten 22.05 Schöne Stimmen
Infolge des Weihnachtsfestes erscheint unsere nächste Ausgabe am Mittwoch, 27. Dezember, zur gewohnten Stunde.
Das Darmftäöter wünscht seinen Lesem, seinen Inserenten und seinen Mitarbeitern ein gefegnetes JBei^nac^töfeft
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Amtliche Bekanntmachungen Offenlage der Vorschlagsliste für Schöffen und Geschworene In der Zeit vom 27. 12. 1950 bis einschließlich 29. 12. und vom 3, 1. 1951 bis 5. 1. 1951 liegt im Stadthaus Darmstadt. Lagerhausstraße 1, Zimmer 207, die Vorschlagsliste offen, aus der beim Amtsgericht Darmstadt die Schöffen und Geschworenen für die ab 1. 4. 1951 beginnende Amtsperiode gewählt werden sollen. Gegen die Vorschlagsliste kann binnen einer Woche, gerechnet vom Ende der Auflegungsfrist, schriftlich oder zu Protokoll beim Magistrat Einspruch erhoben werden mit der Begründung, daß in die Vorschlagsliste Personen aufgenommen sind, die nach §§ 32, 33, 34 des Gerichts-Verfassungsgesetzes ( Bundesgesetz-Blatt Nr. 40/1950 S. 518) nicht aufgenommen werden durften bzw. sollen. Darmstadt, den 22. Dezember 1950. Der Magistrat der Stadt Darmstadt. Bekanntmachung In dem Konkurs über das Vermögen des Dipl.-Kaufmanns Erich Deku, früher in Darmstadt, steht die Schlußverteilung bevor. Die bei der Schlußverteilung zu berücksichtigenden Forderungen' betragen 525 728,35 DM. Zur Verteilung besteht ein Massebestand von 10 400 DM zur Verfügung. Das Verzeichnis der zu berücksichtigenden Gläubiger ist auf der Geschäftsstelle des Amtsgerichts Darmstadt zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Darmstadt, Annastr. 20, den 22. Dezember 1950. Der Konkursverwalter: Dr. E. E. Hoffmann 11., Rechtsanwalt Bekanntmachung Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Darmstadt und Umgebung e. V. lädt Mitglieder und Gäste zu seiner Hauptversammlung am Freitag, 5. 1. 1951, 20 Uhr, im Heag-Saal am Luisenplatz ein. Oeffentlicher Farblichtbildervortrag von Herrn Dr. Feldbusch über das Thema: „Schätze aus Darmstädter Museumsbesitz“ und umfassender Jahresbericht Ober die Fremdenverkehrsbetreuung Darmstadts des Vorsitzenden. Amtsgericht Darmstadt Für Angaben in ( ) keine Gewähr. Veränderungen: HRA 422. 12. Dezember 1950 Valentin Lang, Darmstadt-Arheilgen. Die Prokura des Karl Heinrich Stier ist erloschen. HRA 533. 13. Dezember 1950. Euier u. Diedrichs K.G., Darmstadt-Arheilgen (Frankfurter Straße 5). Ein Kommanditist ist in die Gesellschaft neu eingetreten. Die Einlagen der übrigen Kommanditisten wurden auf Deutsche Mark umgestellt und neu festgesetzt. Erloschen: HRA 260. 12. Dezember 1950. Bücherbude Rosi Kämmer, Darmstadt-Arheilgen. Die Firma ist erloschen. AMTSGERICHT DARMSTADT Veränderungen: HR. B 69. 13. Dezember 1950. Firma: Autohaus und Fahrzeugbau Porcher & Meffert, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Darmstadt, Sitz Darmstadt. Durch die Beschlüsse der GesellschWterversammlung vom 28. Juni/8. Dezember 1950 ist das Stammkapital der Gesellschaft auf Grund des DM-Bilanzgesetzes von 20 000 — RM auf 120 000,— DM endgültig neu festgesetzt worden; ferner sind die Bestimmungen des Gesellschaftsvertrags zu Ziffer 5 — Stammkapital und stammeinlagen — und Ziffer 10 Abs. 1 — Stimmrecht — entsprechend der Neufestsetzung geändert beziehungsweise neu gefaßt worden. HR B 78. 15, Dezember 1950. Firma: Brotary, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Sitz: Pfungstadt. Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 31. Oktober 1950 ist der § 2 des Gesellschaftsvertrages — Gegenstand des Unternehmens — ergänzt worden. Zum Gegenstand des Unternehmens gehören nunmehr auch die Einfuhr von und der Großhandel mit Waren aller Art sowie die Finanzierung derartiger Geschäfte. Ferner ist der s 4 des Gesellschaftsvertrags — Geschäftsführer und Vertretungsart _ geändert und nach Maßgabe der notariellen Niederschrift neu gefaßt worden. Die Gesellschaft hat einen oder mehrere Geschäftsführer. Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, so wird die Gesellschaft durch jeden von ihnen allein vertreten. Zum weiteren Geschäftsführer ist der Assessor Ulrich Skutsch in Pfungstadt bei Darmstadt bestellt. HR B 79. 12. Dezember 1950. Firma: „Darmstädter Echo", Verlag und Druckerei, Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Darmstadt. Durch die Beschlüsse der Gesellschafterversammlungen vom 13. September 1950 und 20. November 1950 ist gemäß dem DM-Biianzgesetz das Stammkapital von 60 000,- RM auf 120 000,- DM endgültig neu festgesetzt worden; zugleich sind die §§ 5 — Stammkapital, Stammeinlagen—, 8 Abs. 3 — Erwerb von Geschäftsanteilen beim Ausscheiden eines Gesellschafters — und 21 Abs. 1 — Stimmrecht — des Gesellschaftsvertrags entsprechend geändert bzw. neu gefaßt worden. HR. B 156. 15. Dezember 1950. Firma: Ziegel- und Formsteingesellschaft mit beschr. Haftung mit Sitz in Darmstadt. Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 28. Juni 1950 ist gemäß dem DM-Bilanzgesetz das Stammkapital von 40 000,- RM auf 40 000,- DM endgültig neu festgesetzt worden; ferner ist durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 8. Dezember 1950 der § 5 des Gesellschaftsvertrags — Stammkapital und Stammeinlagen — entsprechend der Neufestsetzung des Stammkapitals geändert und neu gefaßt worden. 3 VN 12/50. Beschluß: In dem Vergleichsverfahren über das Vermögen der Firma H. und J. Weber Nachf., Inh. Hans Wiesenäcker, Darmstadt. Bleichstraße Nr. 40: 1 Der in dem Vergleichstermin vom 28. November 1950 angenommene Vergleich wird bestätigt. 2. Das Vergleichsverfahren wird aufgehoben. Darmstadt, den 19. Dezember 1950 Amtsgericht Abt. 5 Betr.: Streudienst und Schneeräumung auf den Landstraßen. Der Regierungspräsident in Darmstadt gibt mit Verfügung vom 4 12 1950 — Aktenz. IH/9 — 3320/50 — 63a 46 2 — folgendes bekannt: „Die Hessischen Straßenbauämter im Regierungsbezirk Darmstadt werden, wie in den Vorjahren, bemüht bleiben, <ie verkehrswichtigen Straßen so weit wie möglich durch Schneeräumung und Glatteisbekämpfung während des Winters befahrbar zu halten. Die vorgesehenen Maßnahmen beruhen nicht a u f einer Verkehrssicherungspflicht des Straßenunterhaltungsnfüchtigen, sondern sind eine freiwillige Leistung der Straßenbauverwaltungen zur bestmöglichen Erleichterung des Straßenverkehrs im Winter. Da iür die Durchführung des Winterdienstes nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen, muß diese Wartung auf ganz besonders
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gefährdete Stellen im Straßennetz beschränkt werden. Es wird dem Verkehrsteilnehmer daher empfohlen, bei Glatteisgefahr oder bei Schneeverwehungen die Straßen nur mit äußerster Vorsicht zu befahren. Die Benutzung erfolgt in jedem Falle aut eigene Verantwortung. Aus angeführten Gründen können daher Haftpflichtforderungen bei Unfällen wegen angeblich unzureichender Wartung nicht anerkannt werden. I. V.: gez. Ahl.“ Veröffentlicht! Heppenheim, den 16. Dezember 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Betr.: Aufbaugesetz vom 25. 1ß. 1948, hier: Offenlegung des Fluchtllnienplanes der Gemeinde Birkenau, Am Lettenweg /Tongrube Mölder. Der von dem Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreistag des Landkreises Bergstraße am 26. Oktober 1950 beschlossene Fluchtlinienplan der Gemeinde Birkenau/Odw., Am Lettenweg, in der Gemarkung Birkenau, liegt 14 Tage lang vom Tage der Veröffentlichung der Bekanntmachung In der „Südhessischen Post — Verordnungs- und Anzeigeblatt" — für den Landkreis Bergstraße an gerechnet, auf der Bürgermeisterei in Birkenau zu jedermanns Einsicht offen. Mit der Offenlegung dieses Fluchtlinienplanes wird gleichzeitig die Aufhebung der alten Straßen- und Baufluchtlinien bekanntgegeben. Einwendungen gegen den Fluchtlinienplan können gehörig begründet innerhalb einer Frist von drei Wochen vom Tage der Veröffentlichung an gerechnet, bei dem Kreisausschuß des Landkreises Bergstraße in Heppenheim — Landratsamt — schriftlich über den Bürgermeister der Gemeinde Birkenau erhoben werden. Die Offenlegung hat die Wirkung, daß Neubauten, Aus- und Umbauten über die Baufluchtlinie hinaus untersagt sind. (§ 8 Abs. 5 Aufbaugesetz vom 25. 10. 1948, GVBI. S. 139). Heppenheim, den 11. Dezember 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Bekanntmachung Betr.- Ausgabe von Bezugsmarken für Vergaser- und Dieselkraftstoff Ich erinnere die Herren Bürgermeister an die rechtzeitige Rückgabe der Pendellisten, die bis zum 25. eines jeden Monats zurückgereicht sein müssen. Gleichzeitig ist eine neue Ausgabeliste mit entsprechendem Kopf und den Namen der Bedarfsträger, allerdings ohne Zuteilungshöhe und Kontrollnummer, für den letzten Monat beizufügen. Ich ersuche um pünktliche Einhaltung, damit für die Bedarfsträger in den einzelnen Gemeinden keine Verzögerungen in der Verteilung entstehen. Der Landrat des Kreises Erbach.
Betr.: Ausführung des Gesetzes Über die Anlage von elektrischen Hochspannungsleitungen, von Gas- und Wasserfernleitungen vom 30. 3. 1928, hier: Antrag der Badenwerke AG., Karlsruhe, auf Genehmigung einer elektrischen Hochspannungsfreileitung mit 20 kV von der Umspannungsstation Viernheim zur Umspannungsstation Industrle/Vlernhelm. Die Firma Badenwerk AG., Karlsruhe in Baden, Hebelstraße Nr. 2 bis 4, beabsichtigt von der Umspannstation Viernheim über die Umspannstation ViernheimTndustrie bis zur Firma Weisbrod & Seifert in Viernheim eine etwa 2.4 km lange 20 kV Hochspannungsfreileitung zu erstellen. Die Pläne dieser Leitung liegen 8 Tage lang vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung an gerechnet, bei dem Bürgermeister der Stadt Viernheim zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen gegen die Erstellung dieser Leitung sind gehörig begründet innerhalb der vorgenannten Frist bei Meldung des Ausschlusses bei dem Bürgermeister der Stadt Viernheim schriftlich oder mündlich vorzubringen. Heppenheim, den 11. Dezember 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Dienstnachrichten Am 13. Dezember 1950 wurden verpflichtet: Fritz Schmucker In Erlenbach, als stellvertr. Rohrmeister der Gemeinde Erlenbach, und Georg Webor 2. In Klmbach, als stellvertr. Rohrmeister der Gemeinde Kimbach. Erbach, den 20. Dezember 1950. Der Landrat Betr.: Regelung der Polizeistunde während der Weihnachtsfeiertage und in der Silvesternacht. Die Polizeistunde für die Silvesternacht dieses Jahres wird allgemein gebührenfrei auf 2.00 Uhr festgesetzt. Erbach, den 18. Dezember 1950. Der Landrat des Landkreises Erbach I. Odw. Betr.: Genehmigung einer Sammlung. Das Hessische Staatsministerium — Minister des Innern — hat der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen, Martinistr. 34, auf Grund des § 1 des Sammlungsgesetzes vom 5. 11. 1934 (RGBI. I S. 1086) und der hierzu ergangenen Durchführungsverordnung vom 14. 12. 1934 (RGBI. I S. 1250) die Genehmigung erteilt, vom 1. Januar 1951 bis 31. Dezember 1951 im Lande Hessen durch Verbreitung von Werbeschreiben an einzelne Firmen und an Privatpersonen eine Sammlung von Geldspenden durchführen zu lassen, ferner gelegentlich von geschlossenen Veranstaltungen mit Vorführung von Werbefilmen oder durch Aufstellen von Sammelschiffchen Geldspenden entgegenzunehmen. Der Ertrag der Sammlung ist für den Rettungsdienst Schiffbrüchiger bestimmt. Erbach, den 18. Dezember 1951, Dar Landrat
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Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 23. Dezember 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Bessunger Kirche, 20.00 Johannesgemeinde und Elisabethenstift. Sonntag, den 24. Dezember 195 D, 4. Advent, Heiligabend Bessunger Kirche: 9.30 Weihnachtsfeier des Kindergottesdienstes, Dekan Weiß; 16.30 Heilig-Abend-Feier, Dekan Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd., Prof. Lic. Hahn; 16.30 1. Christvesper, Pfr. Knodt; 17.30 2. Christvesper, Pfr. Knodt; 23.00 Mitternachtsgd. m. Hlg. Abdm., Pfr. Knodt. Vereinigte Martinsgemeinde: 10.00 Hgd., Pfr. Widmann; 14.30 Weihnachtsfeier iin Martinsstift, Pfr. Widmann; 14.30 Weihnachtsfeier im Gemeindehaus, Pfr. Stühlinger; 17.00 Christvesper, Pfr. Köhler. * Matthäuskircbe: 9.30 Kgd.-Weihnachtsfeier, Pfr. Stenger; 16.30 Heilig-Abend-Feier, Prf. Mappes. Johannesgemeinde: 15.00 Kgd.-Weihnachtsfeier, verbunden mit Spiel d. Jugend „Die fröhliche Christtagslitanei“, Pfr. Jäschke; 17.00 Christvesper, Pfr. Orth; 18.30 Christvesper, Pfr. Orth; 23.00 „Worpsweder Hirtenspiel“ der Gemeindejugend. Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd., 14.00 ‘Weihnachtsfeier d. Kgd., 17.00 Christvesper mit Krippenspiel f. Erwachsene, Pfr. Ring. Pauluskirche: 9.30 Hgd., Pfr. Wintermann; 11.00 Kgd., 15.30 1. Christvesper, Pfr. Britz; 17.30 2. Christvesper, Pfr. Wintermann. Paulusgemeinde. Um Eltern, die kleine Kinder haben, die Teilnahme am Gottesdienst zu ermöglichen, ist dafür gesorgt, daß fortan die Kinder während der Hauptgottesdienste um 9,30 Uhr und ebenso während der Vesper am Heiligen Abend im Kindergarten der Pauhisgemeinde, Ohlystraße 53 (Seiteneingang, Jugendsaal), in Obhut gegeben werden können. Elisabethenstift: 9.30 Weihnachtsfeier d. Kgd., 16.00 Christvesper. Stadtmission, Mühlstr. 24: 8.30 Gebetsstd.. 11.00 Kgd. Da./Eberstadt: 9.45 Hgd., 17.00 Christvesper, 24.00 Christmette mit Krippenspiel. Montag, den 25. Dezember 1950, 1. Weihnachtsfeiertag Bessunger Kirche: 9.00 Festgd m. Hlg. Abdm., Dekan Weiß. Stadtkirche: 8.30 Frühgd. m. Hlg. Abdm., Pfr. Knodt; 10.00 Festgd. m. Hlg. Abdm., Pfr. Kno-dt; 16.00 Weihnachtsfeier d. Kgd. m. Krippenspiel. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Christmette, Pfr, Widmann; 10.00 Hgd. m. Hlg. Abdm., Pfr. Stühlinger. Altersheim, Emllstraße: 10.00 Gd., Pfr. Köhler. Matthäuskircbe: 9.30 Hgd. m. Hlg. Abdm., Pfr. Stenger. Johannesgemeinde: 7.00 Christmette unt. Mitwirk. d. Kirchenchores, Pfr. Orth;. 9.30 Festgd. m. Hlg. Abdm., Pfr. Jäschke; 11.15 Kgd., Pfr. Orth. Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd. m. Hlg. Abdm., Pfr. Ring. Pauluskirche: 7.00 Christmette m. Hlg. Abdm., Pfr. Britz; 9.30 Hgd. m. Hlg. Abdm., Pfr. Wintermann. Elisabethenstlft: 9.30 Hgd. m. Hlg. Abdm. Stadtmission, Mühlstr. 24: 7.00 liturgische Christmette. Da./Eberstadt: 7.30 Ev. Messe, 9.45 Hgd., 17.00 ’Weihnaehts-Kindgd., 20.00 Weihnachtliche Vesper. Dienstag, den 26. Dezember 1950, 2. Weihnachtsfeiertag Bessunger Kirche: 9.30 Hgd., Pfr. Stenger. Stadtkirche: 10.00 Hgd. m. Hlg. Abdm., Prof. Lic. Hahn. Vereinigte Martinsgemeinde: 10.00 Hgd., Pfr. Köhler. Matthäuskircbe: 9.30 Hgd., Pfr. Mappes. Johannesgemeinde: 9.30 Jgd., Pfr. Ring; 16.30 „Der Weg zum Stall“, „Die fröhliche Christtagslitanei“, Spiele der Jugend; 20.00 „Worpsweder Hirtenspiel“. Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd., Pfr. Orth. Pauluskirche: 9.30 Gd., Pfr. Britz. Elisabethenstlft: 9.30 Hgd. m. Abdm. Stadtmission, Mühfstr. 24: 15.30 Weihnachtsfeier der Stadtmission, 19.30 Jgdbd. f. EC. Do. 28. 12. 20.00 Bibelstd. Da./Eberstadt: 9.45 Hgd. anschl. Abdm., 20.00 Weihnächtliche Vesper. Da./Arhellgen: 24. Dezember: 10.00 Hgd., 16.00 Christmette in der Schloßkirche Kranichstein, 18.00 Christmette. 25. Dezember: 10.00 Hgd. (Kirchendior). 26. Dezember: 10.00 Hgd. (Posaunenchor), 14.00 Weihnachtsfeier des Kindergottesdienstes, 20.00 Gemeindeabend, veranstaltet von der Jugend mit dem Weihnachtsspiel von Walter Bauer: „Die Erzählung des letzten Hirten“. Katholische Gottesdienste St. Ludwig: Samstag, 23. Dezember: Beichte um 15.00 für die Kinder, von 16.00 bis 20.00 für die Erwachsenen. Sonntag, 24. Dezember: 6.30 Frühm., 8.00 Singm. m. Pr., 9.30 Hochamt m. Pr., 11.00 Singm. m. Pr., von 16.00 bis 18.00 Beichtgelegenheit. 1. Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember: 5.00 Christmette, anschl. Hirtenmesse. 7.00 stille hl. Messe, 8.00 Singm. m. Pr., 9.30 levitiertes Hochamt m. Pr., 11.00 Singm. m. Pr., 18.00 levitierte Vesper. 2. Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember: 6.30 Frühm., 8.00 Singm., 9.30 Hochamt, 11.00 Singm., 18.00 Weihnachtsandacht. Liebfrauen: 24. Dezember: 7.00 Singm., 8.15 Hochamt, 10.00 Kgd. Beichte: Samstag von 16.00 bis 19.30, Sonntag: 15.00 bis 18.00. Abends keine Beichte. 25. Dezember: 1. Weihnachtsfeiertag: 5.30 Christmette mit Ansprache, 7.00 Hirtenmesse, 8.15 Singm. m. Pr„ 9.30 feierliches Hochamt m. Pr., 17.00 stimmig gesungene Vesper. 26. Dezember (Hl. Stephanus): Gottesdienst wie sonntags. 7.00, 8.15, 10.00, 17.00 Weihnachtsandacht. Mittwoch (Fest des hl. Johannes): 8.00 Amt und Weihe des Joh.-Weines. Donnerstag (Fest der Unschuldigen Kinder): 8.05 Amt und Segnung der Schulkinder, 14.30 Segnung der Kleinkinder. St. Elisabeth: 24. Dezember: 6.30 Frühm., 7.45 Singm. m. Pr., 9.00 Kgd., 10.15 Hochamt m. Pr., 14.30 Adventsandacht, 16.00 bis 18.30 Beichtgelegenheit. 25. Dezember (Hochheiliges Weihnachtsfest): 5.00 Christmette, anschl. Hirtenmesse, 7. hl. Messe, 7.45 Singm. m. Pr., 9.00 Kgd, 10.45 levit. Hochamt m. Pr., 14.30 feierliche Vesper, danach Beichtgelegenheit bis 16.00. 26. Dezember (St. Stephanstag): 6.30 Frühm., 7.45 Singm., 9.00 Kfed., 10.15 Hochamt, 14.30 Weihanditsandacht m. Segen. St. Fidelis: Sonntag: 6.00 Frühmesse mit Kommunion bei den Schwestern (Feldbergstr. 32), 6.45 Beichte, 7.30 Singm. m. Pr. u. Komm., 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm., 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm., 15.00 Andacht, danach Beichte, 24.00 Feierliche Christmette. Montag (1. Weihnachtsfeiertag): 6.00 Frühm. b. d. Schwestern, 6.45 Beichte, 7.30 Singm. m. Pr. u. Komm., 8.00 Hochamt in Weiterstadt, 8.45 Kindermesse m. Pr. u. Komm., 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm., 15.00 Feierliche Vesper, danach Beichte. Dienstag (2. Weihnachtsfeiertag) (St. Stephanusfest): 6.00 Frühmesse m. Komm. b. d. Schwestern, 6.45 Beichte, 7.30 Singm. m. Komm., 10.00 Hochamt m. Komm., 15.00 Weihnachtsand. Samstag: 17.00 bis 19.00 und ab 20.00 Beichte. Werktags: 6.30 u. 7.30 hl. Messen. Beichte vor Jeder hl. Messe. Da./Eberstadt: 4. Adventsonntag, den 24. Dezember (Heiliger Abend): 7.30 Gemeinschaftsmesse der Frauen mit gern. Adventskommunion, 9.45 Adventamt m. Pr.. Nachm. von 3.00 bis 6.00 Beichtgelegenheit. Mitternacht: Chrlstmette. Weihnachten, den 25. Dezember: 7.00 Hirtenamt mit Ansprache, 9.45 Festamt m. Pr. u. Segen, 14.30 Feierliche Weihnachtsvesper. in den Gottesdiensten wird der Kirchenchor durch Gesangseinlagea mitwirken. 2. Weihnachtsfeiertag, den 26. Dezember: 7.30 hl. Messe, 9.45 Hochamt, 14.30 Weihnachtsandacht mit Segen. Werktags: täglich um 8.00 Weihnachtsamt. Da./Arheilgen: 4. Adventssonntag: 7.00 hl. Messe, 8.30 Kgd., 9.45 Hochamt, 17.00 Feierstunde. 1. Feiertag: 5.00 Christmette (Arheilgen), 7.00 Christmetfe (Wixhausen), 8.30 Kgd., 9.45 feiert. Hochamt, 14.30 Vesper. 2. Feiertag: 7.00 hl. Messe, 8.30 Kgd., 9.45 Hochamt, 14.3*0 Andacht zum göttl. Kinde, 20.00 Weihnachtsfeier. Erste Kirche Christl. Wissenschafter (First Curch of Christ, Scientist), Taunusstr. 40: Sonntagsgottes« dienst 14.30 (Mi.: 18.30 Zeugnisversammlung). Christengemeinschaft, Herdweg 31 So. 10.00; Mo. 0.00, 8.00, 10.00; Di. 10.00,; Mi, 8.00; Do. 8.00; Fr. 7.00; Sa. 8.00; So. 10.00. Menschenweihehandlung; So. 31. Dezember Abendpredigt. Evangelische Freikirchen und Gemeinden Evgl. Freikirchl. (Baptisten-)Gem., Mollerstr. 40: 24. Dez., 9.30 Pred.-Gottesdienst, P. Schlier. 25. Dez., 9.30 Weihnachtsfeier. Freikirche Evgl. Gemeinschaft, Bessungerstr. 125: 24. Dez., 10.00 Weihnachtsfeier d. Sonntagsschule und Gemeinde. 25.’ Dez., 10.00 Predigt P. Pleßmann. Methodistenkirche, Wilh.-Leuschner-Straße 38: 25. Dez., 10.00 Gemeindeweihnachtsfeier. Christl. Gemeinschaft, Mollerstr. 40: 25. Dez., 15.30 Weihnachtsfeier. Freie Religionsgemeinschaft So., 24. 12., 10.00: Freireligiöse Weihnachtsfeier im Prinz-Emil« Schlößchen; Pfr. Max Gehrmann, Offenbach a. M.
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Odenwäãlder Christnacht
AUS DEM REISETAGEBUCH VON PETER PITT
Es war vor einem Jahr. Ich saß in Sheppards Flotel in Kairo. Der Sonnenglast blendete die Augen, um mich war das babylonische Stimmengewirr dieses internationalen Hauses, und der Kalender zeigte den 20. Dezember. Die große Müdigkeit war nach einer langen Reise über mich gekommen und die Sehnsucht, Tannen und Schnee zu sehen. — Vier Tage später landete eine Maschine der American Overseas Airline auf dem Rhein=Main=Flughafen. Die Zeit reichte gerade noch, in Darmstadt ein Paar handfeste Schuhe zu erstehen, und dann saß ich im Zug. Ich wollte nach Hause
Nach Hause — das ist für mich, den Globetrotter von Beruf und aus Berufung, jener Hof in einem kleinen Tal des Odenwaldes, auf dem seit Jahrhunderten meine Familie sitzt. —
Aus dem Schornstein der Lokomotive kommen schwarze Wolken, in den einzelnen Abteilen erwartungsfrohe Menschen, auf ihren Gesichtern ein Schimmer von Vorfreude. In Reinheim suche ich nach dem Zug mit der kleinen altmodischen Lokomotive, der noch immer „Lieschen" heißt, und fast bedauere ich, nicht in einen Wagen steigen zu können, in dem — wie früher — ein Ofen behagliche Wärme verbreitet.
Dann bin ich am Ziel.
Der Bahnhof steht immer noch einsam und verlassen — genau so, wie ich ihn aus einer lange vergangenen Zeit in Erinnerung habe. Der dunkle Abend nimmt mich auf, ich bin auf dem Weg zum Hof. Zuerst sind es die Häuser von Nieder=Kainsbach. Aus den Ställen kommen noch vereinzelt die Gerausche des Abendfütterns, hinter den kleinen Fenstern anderer Höfe leuchten schon die Kerzen des Weihnachtsbaumes.
Und wieder ein Stück Straße. Der Schnee knirscht unter meinen Füßen, neben mir rauscht der Bach in die Nacht hinein.
Dann die erste Station: Verwundertes Staunen auf beiden Seiten. Kinder sind ausgewachsene Männer, die Haare der Tante grau geworden. Meine Zeit ist knapp. Ich muß weiter.
Und wieder die Straße, der Schnee und der Bach. Bald liegt rechts einer der großen Höfe, bald ist'es links eine einsame Villa, die sich ein Stadtmensch baute.
Dann die zweite Station. Ein Wirtshaus am Berg. Hier fragende Gesichter. Wir kennen uns nicht mehr. Die Alten sind tot, die Jungen hat der Krieg zerstreut, und irgend jemand gießt mir in der kalten Wirtsstube einen Schnaps ein.
Und wieder die Straße, der Schnee und der Bach, die kleinen und großen Häuser links und rechts der Straße.
Dann bin ich bei dem großen Hof, der, wie mir immer schien, himmelhohen Scheune, der neuen Schmiede, in der heute Abcad kein Feuer mehr brennt, und dem uralten Schmiedehaus, in dem sich schon der Rodensteiner seinen Gaul beschlagen haben lassen soll, wenn er auf seinem wilden Ritt vom Rodenstein nach dem Schnellerts war. Ich gehe ins Haus, stehe in der großen Stube und — bin zu Hause.
Das große Fragen beginnt und das große Erzählen. Die ganze Nacht hindurch, bis es Zeit ist sich auf den Weg zu machen in die Christmette. 3 Es ist ein langer Weg zu der kleinen Kirche auf dem Friedhof weitab vom Dorf. Aber es ist ein schöner Weg. Er führt durch das Mitteldorf links hinauf in die Berge. Aus den Häusern kommen die Menschen, die an diesem frühen Morgen das Wunder der Heiligen Nacht suchen. Der Schein der Laternen läßt den Schnee rötlich glitzernd, werden. Auf dem Friedhof stehen wir am Grab des alten Bürgermeisters, der mein Großvater war, und unser Blick geht über die engen Mauern des Totenackefs hinaus ins weite Land. Rundum heben sich gegen die seltsam durchsichtige Nacht die Berge ab — Böllsteiner Höhe, Vierstöck, die Wegscheide mit der „Spreng". Das kleine Glöckchen beginnt zu läuten, die Kerzen auf den Gräbern flackern im Nachtwind und über allem der strahlende Sternenhimmel einer Christnacht im Odenwald.
Erdbheerblüte im Januar und Frost im Juni..
WAS ALTE CHRONIKEN VON KURIOSEN WINTERN MELDEN
Von merkwürdigen Sommern und Wintern, welche die Menschen schon oft in die größte Verlegenheit brachten und viel Schaden und Unheil anrichteten, wissen die Chroniken eine ganze Reihe interessanter Fälle zu berichten. Man braucht sich daher nicht zu wundern, wenn einmal ein Sommer oder ein Winter aus der Art schlägt, denn — es ist alles schon dagewesen.
Zu allen Zeiten hat es sehr milde Winter gegeben, so daß man glauben konnte, die Natur habe sich geirrt. Der Winter des Jahres 1186 war fast ohne Frost; schon im Dezember hatten Raben und andere Vögel Junge. Im Januar blühten die Obstbäume und im Februar zeigten die Apfelbäume schon kleine Früchte. Im Mai wurde geerntet, und die Trauben wurden im August reif. Vom Winter 1289 wird überliefert, daß um Weihnachten die Bäume blühten und die Mädchen mit frischen Blumen geschmückt zum Gottesdienst kamen; die Knaben badeten, die Vögel brüteten, und am 14. Januar begannen die Erdbeeren und die Reben zu blühen. Auch aus der Reformationszeit liegen Berichte von einer ganzen Reihe sehr milder Winter vor.
Viel häufiger als über milde Winter, sind Mitteilungen über besonders kalte, weil deren Unbilden natürlich länger in der Erinnerung haften. Ein sehr kalter Winter soll der von 763/64 gewesen sein. Damals waren, wie die erstaunten Zeitgenossen melden, die Flüsse bereits am 1. Oktober zugefroren, und selbst das Schwarze Meer und die Dardanellen froren zu. Der Schnee lag 20 Ellen hoch, und erst im Februar trat eine Milderung ein. Von ähnlieh furchtbarer Kälte sollen die Menschen auch in den Jahren 961/62 und 974/75 heimgesucht worden sein, und von 1099 erzählen die Chroniken, daß der Winter „das ganze Jahr geherrscht" habe. Der Winter 1363/64 dauerte von September bis zum April: noch am 9. März konnte man mit dem Wagen über den Rhein fahren. Im folgenden Winter war dieser Fluß zweieinhalb Monate lang zugefroren, und in der Schweiz war noch im Juni Frost. x
Nach den milden Wintern der Reformationszeit trat am Schluß des 16. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder eine Anzahl sehr kalter Winter ein. Als der „große Winter" blieb besonders der von 1607/08 in furchtbarem Gedenken; man lief noch im Mai Schlittschuhe. Mehrere schlimme Winter folgten während des Dreißigjährigen Krieges; die maßlosen Leiden dieser Notzeit wurden dadurch noch bedeutend vergrößert. —lm Jahr 1658 konnte Karl X. von Schweden mit seinem Heer noch am 26. Februar über den Oeresund mit schweren Geschützen und Wagen über das Eis nach Dänemark ziehen, und der Winter dauerte mit viel Schneefall bis zum Juni. Der schlimmste Winter, den Europa erlebt hat, war der von 1708/09. Am 5. Januar setzte die Kälte ein, und bis zum 18. Januar waren alle Flüsse und Binnenseen bis zum Grunde erstarrt. Auch das offene Meer war so weit sogefroren, daß jede Schiffahrt lahmgelegt wurde. Frankreich war damals in den spanischen Erbfolgekrieg verwickelt, und Ludwig XIV. sah sich genötigt, schwere Demütigung gen auf sich zu nehmen, um nur Flieden zu gewinnen. Das 18. Jahrhundert schloß mit einem sehr harten Winter, und auch d’as erste Viertel des 19. Jahrhunderts wies furchtbare Winter, wie den von 1812, auf.
Auch in späteren Jahren ließ die Natur ihren Launen noch oftmals freies Spiel und suchte die Weltordnung auf den Kopf zu stellen — aber deshalb dreht sich die Erde immer noch im alten Gleise! Georg Wendel
Der Lorscher Nibelungensaal
Jeder, der in den letzten Jahren einmal Gelegenheit hatte, die altbekannte Klosterruine in Lorsch zu besichtigen, wird es sicherlich auch nicht unterlassen haben, dem Nibelungensaal im Rathaus — jetzigen Platz des Heimatmuseums — sein Augenmerk zu widmen.
In Lorsch und seiner Umgebung haben sich bekanntlich in den zurückliegenden Jahrhunderten große geschichtliche und bedeutsame Ereignisse abgespielt und das ruhmreiche Kloster — die Benediktinerabtei — gab Veranlassung, daß wichtige Vorgange ihren Schauplatz hier hatten. Einige Momente dieser früheren Ereignisse wurden im Nibelungen^ saal zu einer bildlichen Gestaltung ausgewählt. Der Lehrer und Maler Georg Behringer hat hier einige Szenen der Geschichte Lörschs wiedergegeben. Acht große Wandgemälde hängen hier. Sieben hat der Künstler vollenden können, dann überraschte ihn der Tod. Das letzte Bild wurde nach Kriegsende durch einen anderen Maler fertiggestelit.
Eines der Bilder zeigt Kaiser Karl den Großen bei der Überreichung der Schenkungsurkunde an den ersten Abt des Klosters. Im Hintergrund steht der Bau selbst. Das große Mittelbild auf der Westseite zeigt die Abtei Lorsch, darüber die drei Dome Worms, Speyer und Mainz. In der Gloriole Kaiser Karl mit dem Reichsadel, darunter die große Auseinandersetzung mit den Hunnen.
Siegfrieds Abschied von Kriemhilde in Worms, der Jagdzug durch den Lorscher Wald mit seinem Reichtum an Pflanzen und Tieren; und die Ermordüng Siegfrieds durch Hagen sind auf anderen Bildern ebenfalls versinnbildlicht.
Während des Ringens zwischen Kaiser und PapsH tum im 11. Jahrhundert versucht der jugendliche Kaiser Heinrida IV. das Kloster Adalbert von Bremen zuzuspielen. Doch die Mönche wehren sich dagegen (Bau der Veste Starkenburg zum Schutz des Klosters), und das rechte Bild der Westseite .zeigt, wie Abt Udalrich mit seinem Aufgebot von 3100 Rittern vor dem Kaiser auf dem Reichstag zu Trebur erscheint und erreicht, daß das Kloster in seiner Reichsunmittelbarkeit bestätigt wird.
Nachdem das Kloster an den Erzbischof von Mainz übergegangen war, ist auf dem rechten Bild der Ostseite die Vertreibung der Mönche zu finden, darunter eine Riedlandschaft sowie im Vordergrund die Klosterruine mit ländlichen Szenen. k
Pilgerzüge auf dem Wege nach Lorsch und Ab=Bildungen der in dem Kloster beigesetzten Herrscher, Herzog Tassilo, Ludwig der Deutsche, Ludwig de." Jüngere, Kunigunde und Ute sind auf der -Südseite zu sehen.
In diesem Rahmen wurde Ende 1949 das neugcschaffene Heimatmuseum eingefügt.
Ein Modell zeigt das Kloster in seiner Ursprung* liehen Beschaffenheit. Kaufbriefe, Rechenschaftsberichte sowie Gerichtsprotokolle über das Lorschtr Blutgericht (das durch die hohe Gerichtsbarkeit die lodesstrafe verhängen konnte) und weiteres altes Schrifttum sind hier ebenfalls vorhanden* Ejn Schriftstück gibt einen Überblick über die Besitzungen des Klosters, das Ländereien in der Schweiz, Holland, im Elsaß sowie in ganz Deutschland sein
eigen nannte. Von der Klosterbibliothek, die zu den ältesten in ganz Deutschland zählte, ist die „Lorscher Beichte" (althochdeutscher Text) aus dem Jahr 850 n. Chr. zu erwähnen. Wolfgang Selzer, der sich um den Wiederaufbau des Museums besondere Verdienste erwarb, ist bemüht, viele der ganz verstreuten Kostbarkeiten aus der Lorscher Vergangenheit wieder zu vereinen und dadurch das Heimatmuseum weiter zu bereichern. (bl)
Denr alte Baum
Einst war das Haus Des Baumes Schutz, Nun schirmt er’s längst — In starkem Trutz Weiß er's zu behüten, Winters und in Blüten.
Es wuchs ein Kind Zum Herrn vom Haus, Der Baum stand hoch Beim Totenschmaus — Sah Menschen, Tiere, Zeit vergehn, Er aber blieb vorm Hause stehn.
Er blüht und grünt, Trägt Frucht und friert, Und immer ist Das Haus geziert — Er hält mit seiner hohen Faust Ihm alles ab, wovor ihm graust. Ria'Weil
Frauen IM STURM DER ZEITEN
VON PETER GRIESENBRUCH11. Fortsetzung
Ich habe gesprochen wie nie in meinem Leben. Die Königin hat mir aufmerksam zugehört, und ich glaube, ich habe sie gewonnen. Aber freilich, vorher hatte sie mich gewonnen mit ihrer Schönheit, ihrer Hoheit, ihrer Entschlossenheit zu kämpfen. Ach, mein lieber Freund, zum ersten Male in meinem Leben yveiß ich, was eine Königin ist... "
Der Irrtum
Armer Mirabeau, arme Marie Antoinette! Selten haben sich zwei Menschen so ineinander getäuscht wie der Führer der Linken und die königliche Majestät an jenem Morgen im Schloßpark von Saint Cloud. Der Graf von Mirabeau glaubt, er habe Marie Antoinette gewonnen — und er weiß nicht, wie sehr sie ihn verachtet. Hätte er nicht die verhängnisvolle Bitte um Geld gestellt — wer weiß, vielleicht hätte sie ihm nicht nur zugehört, um ihn sicher zu machen, sondern sie wäre wohl seinen Ratschlägen, auch den verwegensten, gefolgt. So aber erscheint er ihr nur als ein feiles Subjekt, der seine Parteifreunde um Geld .verrät, weil er den Luxus will, und der eines Tages auch das Königtum verraten wird, wenn er mehr Geld bekommt. Was weiß Marie Antoinette, die nie ein ernstes Buch gelesen hat, die immer in der Gesellschaft von Höf* lingen war, was weiß sie von der vielschichtigen Seele eines Genies, von seinen Verirrungen, seinen Bedrängnissen, seinen Ungeheuerlichkeiten und sei* nen Möglichkeiten? Sie glaubt, einen gefährlichen Gegner mit Geld unschädlich gemacht zu haben; das ist alles.
So zerbricht die einzige fruchtbare Möglichkeit, die beiden stärksten Gestalten dieser Jahre ein* ander zu nähern und daraus Wege zur Rettung zu finden. Diese Möglichkeit zerbricht an dem befleck* ten Charakter des größten Mannes der Revolution und an der hochmütigen Unkenntnis der Königin. Schuld? Schicksal? Die Geschichte wird sich mit der Feststellung begnügen, daß jene Begegnung in Saint Cloud ein Irrtum war.
Die beiden kommen nicht wieder zusammen. Langsam muß Mirabeau erkennen, daß auch sein wacher Geist einer Täuschung verfallen war. Aber bis zum Schluß kämpft er unermüdlich, spielt er sein verwegenes Doppelspiel mit dämonischer Freude. Es ist alles vergebens. Als er am z. April 179 t stirbt, von Ausschweifungen und von Übermensch* licher Arbeit erschöpft, vernimmt es der Hof ohne Bewegung. Für Marie Antoinette bedeutet dieses Ereignis keinen Einschnitt. Auch wenn Mirabeau länger gelebt hätte, sie wäre ihm nicht gefolgt. Auch dann wäre sie ihren eigenen Weg weitergegangen — ins Verderben.
Die Flucht
20. Juli 1791 Die Uhren im Tuilerienschlosse von Paris haben eben die Mitternachtsstunde geschlagen, da eilen verstohlen, vorsichtig um sich spähend, vermummte Gestalten aus den Türen in den Hof und in das Freie. Die Stunde, von Marie Antoinette lang er* sehnt: die Flucht in die Freiheit beginnt.
Seit Wochen und Monaten hat Marie Antoinette sie vorbereitet, geplant, besprochen. Den größten Teil der Arbeit und wohl den gefährlichsten hat ein schwedischer Edelmann getan: der Graf Axel von Fersen. Er hat die Edelleute gewonnen, die in dieser Nacht und am folgenden Tage in der Verkleidung von Kutschern und Lakaien die königliche Familie begleiten sollen. Er hat die neuen Wagen besorgt, die für die lange Reise besonders bequem sind. Er hat, unter den Augen der spähenden Revolutionäre, sich um falsche Pässe für alle Teilnehmer bemüht und sie erhalten. Marie Antoinette und der Mann, der sie liebt, sind die Seelen des Unternehmens. Der König hat wie gewöhnlich ja gesagt.
Aber von Beginn an steht ein Unstern über der Flucht. Marie Antoinette und Ludwig haben den verwegenen Plan des Grafen Mirabeau verschmäht, daß der König am hellichten Tage in das Innere Frankreichs reiten und an der Spitze treuer Truppen zurückkehren soll. Vielleicht ahnt die Königin, daß ihr Gatte nicht der Mann für eine so kühne Rolle ist. So haben sie beschlossen, bei dunkler Nacht zu fliehen und an der deutschen Grenze von den Truppen des Generals Bouille aufgenommen zu werden. Aber für eine solche Fahrt in Verkleidung
Beschimpfungen
und Fleimlichkeit ist alles viel zu auffällig. Sooft hat die Kronprinzessin Marie Antoinette unter der Etikette gelitten. Sie hat ihr zu entkommen ver* sucht; ganz ist es ihr nie gelungen. Nun ist Marie Antoinette Königin; und jetzt zerstört die Etikette, die noch mitten in der Revolution ihre starre Macht behält, den ganzen Plan.
Denn es ist auch Fersen nicht gegeben zu begreifen, daß man sich ganz verstecken muß, wenn man schon untertauchen will, und daß auch ein Königspaar ganz aufhören muß, die Majestät zu spielen, wenn es das Ungeheure tun will, vor dem Mirabeau so gewarnt hat: vor seinem eigenen Volke zu fliehen. Fersen hat geglaubt, einige falsche Pässe würden genügen, aber sonst müsse alles so sein, wie es dem Könige von Frankreich und seiner gekrönten Gemahlin gezieme. Die Familie in einem
oder zwei leichten Wagen unterbringen, wie ein wohlhabendes Bürgerpaar zu reisen pflegt? Das wäre für Fersen, das wäre auch für den Hof undenkbar. So hat Fersen eine neue ungeheure Karosse bauen lassen, in der die ganze Familie mit Begleitung Platz hat, eine Art Haus auf Rädern, strahlend vor Neuheit und Reichtum und Lack und Farbe, schon von seinem Aussehen her von weitem das Ziel der Neugierde aller Personen, an denen sie vorbeireist. Sich mit kleiner Dienerschaft begnügen, um unauffällig zu bleiben? Aber die geheiligte Pen son der Majestäten muß umsorgt sein wie stets, und die Kinder des Königspaars müssen ihre Erzieher und Erzieherinnen bei sich haben. So begleitet ein wahrer Troß von Menschen die Karosse, teils auf dem Kutscherbock, teils im Wagen, teils zu Pferde nebenher reitend, teils in einem zweiten Wagen folgend: zweiter Anlaß zum allgemeinen Aufsehen. Die Edelleute aber, die ihren König auch in der Dienertracht schützen wollen, haben zwar eingewilligt, die Tracht der Lakaien anzuziehen, aber diese Tracht ist reich und funkelnagelneu. Und wenn das noch nicht genügte, die Augen aller Mensehen auf den kleinen Zug zu lenken, so täten es die hochmütigen Mienen der Herren, die so schlecht zu ihrer Dienerrolle passen. So kommt alles, wie es kommen muß. Bevor die Dragoner und Husaren Bouilles heran sind, ist das Volk bereits auf die Flüchtenden aufmerksam geworden. In Varennes, kurz vor dem Standort der getreuen Regimenter, hält der Postmeister Drouet den Zug an. Er zwingt das Königspaar, sich erkennen zu geben. Alles ist verloren.
Es beginnt die traurige Rückfahrt nach Paris. Bei jeder Station wächst die Zahl ingrimmiger Begleiter. Die Revolution hat hier auf dem Lande tiefe Wurzeln geschlagen: sie hat Millionen von Bauern Eigentum und Freiheit gegeben. Und alle diese Menschen glauben jetzt, verführt von der Unglück* seligen Fluchtrichtung, der König habe nach Deutschland gehen wollen, zu den adeligen Emi* granten, um an ihrer Spitze zurückzukehren und die alten, die verhaßten Zustände wiederherzustel* len. Ist der König nicht ein Landesverräter? Ist seine Frau nicht eine Deutsche?
König und Königin müssen in diesen sich endlos dehnenden Stunden der Rückfahrt in viele haß* erfüllte Gesichter sehen und viele Beschimpfungen hören. Als Marie Antoinette einmal bei einem Aufenthalt die Stufen der Karosse heruntergeht, hört sie die bösartige Stimme einer Frau zischeln: „Warte nur, mein Täubchen, bald wirst.du andere Stufen schreiten..." Für einen Augenblick sieht Marie Antoinette die Vision des Blutgerüstes. Aber nicht um den Bruchteil einer Sekunde strauchelt ihr Fuß, und ihr Gesicht bleibt unbewegt. Sie weiß seit Varennes, was sie tief im Herzen seit Jahren wußte: daß weder sie noch ihr Gatte noch zu retten sind. Aber eins will sie, was sie jetzt zu ihrer Umgebung ausspricht: Haltung bewahren bis zum bitteren Ende. Und wenn auch alle ihre politischen Über* legungen scheitern, da sie recht eigentlich nichts vom Staate und von der Natur der Menschen versteht — dies eine wird ihr doch gelingen: sich die Achtung der anderen und ihre Würde zu behaupten.
Ein Freund wird gewonnen
Unterwegs stoßen die Abgesandten der National« Versammlung hinzu. Sie sollen das Königspaar
zurückgeleiten, es beschützen und bewachen. Es sind der königstreue Abgeordnete Barnave, der mit zer* rissenem Herzen seiner Aufgabe nachkommt, und der feurige Republikaner Petion, einer der leiden* schaftlichen Vorkämpfer der Linken, ein Hasser Marie Antoinettes. Er kommt mit düsterer Ent* schlossenheit: dieser Kanaille wird er zeigen, wer in Frankreich wirklich regiert.
Er hat den König begrüßt, mit dem Ausdruck verächtlichen Mitleids; der ist ungefährlich, das weiß er, das wissen alle. Nun wendet er sich mit finsterem Gesicht der Königin, der Österreicherin zu. Er verbeugt sich nicht, steif und trotzig steht er da, er will den Mund öffnen zu drohenden Wor* ten, da beginnt sie zu sprechen: „Es ist gut, daß sie kommen, Herr Abgeordneter. Bitte sorgen Sie sich um meine Diener und um meine Kammerfrauen, die von der Menge bedroht werden, obwohl sie wehrlos sind. Sie werden ihnen doch helfen, Herr Abgeordneter?"
Kein Wort für sich selbst, die doch die am meisten Bedrohte Von allen ist. Nur für ihre Umgebung bittet sie. Marie Antoinette hat viele Fehler be* gangen und den schwersten mit dieser Flucht; aber wahrlich, sie bleibt noch in ihren Irrtümern eine Königin . . .
Das spürt auch der Republikaner Petion, er ver» gißt seine drohenden Worte, er sieht nur in dieses stolze Gesicht, er sieht die ersten Silberfäden in dem strahlenden Blondhaar, die Marie Antoinette zu* gleich würdiger und anziehender machen, als man sie aus der Zeit der Bälle und Theaterbesuche kannte; er fühlt sich seltsam ergriffen — und plötz* lieh verneigt sich der Republikaner tief vor der noch eben Gehaßten: „Ich werde alles tun, um Sie und Ihre Umgebung zu schützen, Majestät.“ (Fortsetzung folgt)
Gefangennahme des Königs am 22. Juni 1791
WIKRINGER von heute
Seit etwa einem Jahrzehnt, stärker noch in jung* ster Zeit, bemühen sich die Polargroßmächte — die UdSSR mit einem „Sektor", der fast die Hälfte der Arktis umfaßt, Kanada mit einem etwa ein Viertel umspannenden Segment und die USA mit ihrer arktischen Interessenzone nördlich Alaskas — um geeignete Stützpunkte für den sicher in naher Zukunft zu erwartenden transarktischen Luftverkehr. Über die Nordkuppel der Erde gehen ja die kürzesten Verbindungslinien zwischen den Großerdteilen Eurasien und Nordamerika; zwischen den die Weltgeschicke bestimmenden Zentren der Weltpolitik. In zunehmendem Maße spielen heute auch strategische Überlegungen bei den Anrainer* möchten des Pols eine wichtige Rolle.
Die drei Großmächte der Arktis haben erst nach dem ersten Weltkrieg in aller Stille fast den gesam* ten nordpolaren Raum für sich beansprucht. Nur Dänemark und Norwegen verfügen außer jenen über arktisches Kolonialland. Jedoch haben diese kleinen Staaten keinerlei Ansprüche auf „Sektoren" erhoben wie jene. Sie wissen, daß sie nur allzu leicht in das höchst gefährliche Getriebe der Weltpolitik der ganz Großen geraten.
Hat die Arktis denn überhaupt wirtschaftlichen Wert? Ist sie nicht vielmehr eine einzige, Todeskälte ausstrahlende Wüste ewigen Eises und Schnees? Lohnen die Erfolge der Forschungsexpedi* tionen die aufgewandte Mühe und die vielen Gefahren, die dort aus der übermächtigen Natur die* ser großartig wilden Landschaft drohen?
Die Geschichte der Eroberung der Arktis ist voll von erregenden Abenteuern und wagemutigem Ein* satz kühner Männer, nicht weniger aufschlußreich und spannend als die Eroberung anderer Erdteile. Überdies offenbart der Globus die erstaunliche Tatsache, daß alle wichtigen Industriezentren, ebenso wie die Zentren, in denen die Weltpolitik gemacht wird, auf der nördlichen Erdhalbkugel, und zwar nördlich des 35. Grades nördlicher Breite lie* gen, und meist näher dem Pol als dem Äquator.
Allen anderen voran haben sich die Sowjetrussen die „Eroberung der Roten Arktis", ihres ungeheuren Sektors vor Eurasiens Eismeerküsten und in Nord=Sibirien zur Aufgabe gemacht. Auf bauend auf der früher bereits geleisteten Arbeit packen sie unter großzügigem Einsatz von Menschen und Material Aufgaben an von noch kaum übersehbarer Trag* weite: Sibirien soll von der Arktis her erschlossen werden!
Auf Grund ihrer Erfahrungen und Erkenntnisse im letzten Weltkrieg sind auch die nordamerikani* sehen Mächte zu der Überzeugung gekommen, daß die vor ihren Eismeerküsten gelegenen nordpolaren Gebiete nur dann in ihr Staatsgefüge fest einbezo* gen werden können, wenn die Forschung auf streng wissenschaftlicher Basis hierzu die notwendigen Voraussetzungen geschaffen hat. Daher haben die USA in enger Zusammenarbeit mit Kanada nicht lange nach Kriegsende ein Arktisches Institut in Monreal gegründet, von dem aus diese Forschung durch einen großen Stab bedeutender Experten mit sämtlichen Gebieten angewandter Wissenschaft betrieben wird.
Die exakte wissenschaftliche Forschung wird ebenso wie der Unternehmergeist arktischer Pio* niere in hoffentlich friedlicheren Zeiten der Zu* kunft auf vielen Gebieten ein ungemein reiches Betätigungsfeld finden. In der weißen Übermächtigkeit dieser arktischen Landschaft, eine der interessante* sten und naturschönsten der Erde, kann ein Mann seine besten Eigenschaften noch voll zur Auswir* kung kommen lassen. Auf polaren Reisen sind trotz aller neuzeitlichen Hilfsmittel eiserner Wille, küh* ner Wagemut, unbeirrbares Vertrauen in die eigene Kraft und harte Selbstbezwingung unerläßliche Voraussetzungen zum Gelingen. Nirgendwo sonst kann der Geist wagnisfrohen Wikingertums sich immer wieder so hervorragend beweisen, wie in dieser ausgezeichneten Schule hoher männlicher Tatkraft und Selbstzucht. Vitalis Pantenburg
Oben links: Der kühnste und erfolgreichste Polarforscher, der Norweger Roald Amundsen. Unten links: Mitternachtssonne über arktischer Landschäft. Unten rechts: Arktisches Familienidyll: Eis* bärin, die drei Junge führt, und: arktisches Urwild: Polarrinder (Moschusochsen) leben noch zu Tausend den in Nordgrönland. Aufnahmen: Vitalis Pantenburg.
Verlorene Heimat:
SCHIMMELREITER und Sternsinger
Im gemeindeutschen Brauchtum der jahreszeit* liehen Feste nehmen die Umzüge oder Umgänge einen breiten Raum ein. Sie sind vom Westen, Süden und Norden der deutschen Gaue vor Jahr* hunderten mit den Kolonisten von Rhein und Main, von Donau und Elbe auch in die Lande des deut* sehen Ostens getragen worden und haben sich hier in ursprünglicher Art oft nebeneinander bis in unsere Zeit erhalten, oder sich mit alter vorchrist* lieber Überlieferung zu eigenen Formen entwickelt.
Das gilt auch von den Gestalten der Umgänge, die lange vor dem Weihnachtsmann unserer Zeit, der erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Allgemeingut wurde, im täppisch = gutmütigen Knecht Ruprecht und in seiner christianisierten Form des Nikolaus den Rheinländern ebenso ver* traut war wie den Thüringern, den Schlesiern, den Pommern wie den Ostpreußen.
Aber da taucht in den weihnachtlichen Umzügen von’Pommern bis zum Memelland eine neue Figur auf, der Schimmelreiter. Er ist die Anknüpfung an die uralten mythischen Vorstellungen vom Germa* nengott Wodan, wenngleich man diesem Sagen* wesen, das aus einfachen Hilfsmitteln von Harken* stielen, Kornsieben und anderem Gerät gebildet war, bedeckt von weißem Leinentuch und überragt vom holzgeschnitzten Pferdekopf oder gar nur einem ähnlich gewundenen Stohwisch, kaum den einstigen Ursprung ansah. Oft ähnelte der wilde Schimmelreiter eher einem gemächlich trottenden Kamel. Der es am Geschirr führende, orientalisch aufgemachte Mohr ließ eher die zur Anbetung des Heiligen Kindes wallfahrenden Weisen aus dem Morgenlande vermuten als ursprüngliche Gestal* ten germanischer Mythologie. Aber es blieb der Schimmelreiter, wie der Bär daneben das brum* mende, allen möglichen Unfug anstellende Unheil* wesen war.
Daß dieser „Bär", eine in Roggen* oder Erbsen* stroh gehüllte Gestalt, an Figuren des süddeutschen Haberfeldtreibens oder des mitteldeutschen Win* teraustreibens erinnert, ist naheliegend. Nichts an* deres sollte er darstellen als den bösen Winter, das alte Jahr. In der Neumark und in Ostpreußen trafen die jungen Burschen, die sich mit Schaffell* mänteln als Bären verkleideten, durchaus den rech* ten Sinn dieser Figur, die ihr Vorbild gleichfalls in dunkler Vorzeit findet.
Als Dritter im Bunde fehlte unter der vermumm* ten Gruppe der Storch nicht. Er stelzt, phantastisch aufgeputzt, neben Schimmelreiter und Bär einher und ist nichts mehr als das Symbol der Fruchtbar* keit, die das neue Jahr auszeichnen soll. Ob in den pommerschen Dörfern oder in den westpreußischen Kleinstädten, es ist der gleiche Glücksvogel, wie wir ihn in den Schnitzereien schlesischer Volks* kunst finden. Daß er sich in der Dreiheit dieses ost* deutschen Weihnachtsumzuges als der neckende Frechling gebärdet, der es besonders auf die jun* gen Mädchen abgesehen hat, ist sein altes, ewig junges Vorrecht.
Durch alle ostdeutschen Lande aber zogen zur Weihnachtszeit die drei Könige der Weihnachts* legende „mit Kron’ und Stern". Hier nannte man sie „Die Heiligen Drei", dort Sternjungens oder Stern* singer. Die einen führen den Brummbaß oder den Rummeltopf mit, in Küstennähe die Teufelsgeige oder — als ostpreußische Eigentümlichkeit — den Brummtopf. Wenn sie ihre eintönigen, vielstro* phigen Lieder zur Begleitung der Lärminstrumente sangen, segenwünschend und gabenheischend, wenn ihr Papierstern um das Licht auf der Achse sich drehte, wußten die Sternsinger wohl kaum, daß ihr Umzug auf alte szenische Spiele zurückging.
Uralter Naturglauben und christliche Überlie* ferungen mischten sich in diesen ostdeutschen Weihnachtsbräuchen ebenso wie west* und süd* deutsche Brauchtumsreste. Über allen landsmann* schaftlichen Eigenarten und Abarten weihnachtlicher Volksbräuche aber liegt der Glanz des gemeinsamen Weihnachtserlebens. Oft nur noch Erinnerungen und schmerzliches Gedenken, ist es doch eine liebe Brücke zu ostdeutscher Art, die am Fest der Mensch* heitserlösung alle Herzen in dem Wunsche nach Frieden auf Erden, nach stiller Geborgenheit in Zu* friedenheit, Glück und Liebe vereint. Dr. Krause
Oben: Bäuerin aus Masuren in Festtracht. Mitte: Fröhliche Schlittenfahrt auf ostpreußischen Straßen. Unten: Rübezahls Schneegespenster vor der neuen Schwarzschlagbaude im Riesengebirge. Unten rechts: Wintertag in Schweidnitz. Aufnahmen: Böttger, Heimatbild.
§ Der Rechtsberater hat das Wort
Wenn man Trümmergrundstücke kauft
BESTIMMUNGEN UND VORSCHRIFTEN, DIE ZU BEACHTEN SIND
| rümmergrundstücke sind heute oft die allein feilen Objekte, sei es, daß sie als ehemalige Geschäftsgrundstücke eine gute Geschäftslage bilden, oder daß sie als frühere Wohn» oder Betriebsgrund» stücke für den Erwerber ein besonderes Aufbau» interesse haben. Beim Erwerb solcher Grundstücke sind besondere Fragen zu berücksichtigen, die sich aus der Rechtslage nach der Währungsreform, den Vorschriften des Soforthilfegesetzes usw. ergeben.
Wer ein Trümmergrundstück kauft, sucht wohl kaum, eine Kapitalanlage, er will vielmehr wieder aufbauen. Bei der zuständigen Baupolizeibehörde muß der Kauflustige zunächst einmal feststellen, welche Baubeschränkungen oder =verbote bestehen. Er wird weiter prüfen, ob die Gas», Wasser» und Kanalanschlüsse vorhanden bzw. noch verwertbar sind und welche Kosten für die Trümmerbeseiti» gung noch anzusetzen sind. In allem, auch wegen der Haftung für Schäden aus einsturzgefährdeten Trümmern, gibt die örtliche Baupolizeibehörde den zutreffenden und klärenden Bescheid. Der Käufer handelt richtig, wenn er sich ein Rücktrittsrecht vor» behält für den Fall, daß sein späteres Baugesuch nur unter besonderen Auflagen oder überhaupt nicht genehmigt wird.
Der Erwerber darf nicht vergessen, sich nach vor» handenen Miet» und Pachtverträgen zu erkundigen, in die er kraft Gesetzes eintreten muß. Trümmer» grundstücke sind oft an Inhaber von Behelfsbauten (Verkaufsbuden), als Parkplätze oder zu ähnlichen Zwecken verpachtet. Auch ist zu prüfen, ob frühere Mieter, ohne den Eigentümer zu informieren, eine Behelfswohnung errichtet haben. Hier ist zu berücksichtigen, daß Mietverträge über Räume in total zerstörten Mietwohngrundstücken, die bis jetzt noch nicht wieder aufgebaut wurden, erloschen sind.
Der endgültige Lastenausgleich steht vor der Tür. Hier ist prinzipiell dem Verkäufer zu empfehlen, seinen Kriegsschadensanspruch zu behalten. Wird eine Abtretung dieses Anspruchs an den Käufer er» wogen, so ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten, weil die Verwirklichung dieses Anspruchs nach Zeit» punkt und Höhe völlig ungewiß ist. Dieser An» spruch kann vom Käufer und Verkäufer überhaupt nicht näher bewertet werden. Sollte aber gleichwohl die Abtretung des Kriegsschadensanspruchs geplant werden, etwa bei Verkauf eines Trümmergrund» Stücks an nahe Angehörige, dann ist zu dieser Ab» tretung die Genehmigung des zuständigen Kriegs» -chädenamtes erforderlich.
Wenn das Ruinengrundstück mit Umstellungs» grundschulden belastet ist, dann bedarf es besonders vorsichtiger Prüfung, weil dem Grundbuch diese Rechte nicht zu entnehmen sind. Zwar sind im Grundbuch die Hypotheken», Grund» und Renten» schulden eingetragen, aus denen man die Umsteh lungsgrundschulden ersehen kann. Aber auch aus Rechten, die nach dem Währungsstichtag gelöscht wurden, können solche Umstellungsgrundschulden entstanden sein. Schließlich bleibt noch zu bedenken, daß ein Hauszinssteuerabgeltungsdarlehen bestehen kann, dessen Belastung nicht eingetragen ist; denn aus dem Darlehen zur Abgeltung der Gebäude» entschuldungssteuer und der nicht eingetragenen Abgeltungslast können gleichfalls staatliche Umsteh lungsgrundschulden entstanden sein. Auf die Um» stellungsgrundschulden kann bei Ruinengrund» stücken teilweise verzichtet werden; das ist für die Vertragspartner besonders wichtig.
Zunächst kann der Staat auf die Umstellungsgrundschulden bei kriegszerstörten Grundstücken nach der Schadensrate verzichten. Der Käufer muß beantragen, daß die Umstellungsgrundschuld in Höhe des Betrages herabgesetzt wird, der sich aus dem Verhältnis des Einheitswertes vor dem Kriegs» Schadensfall zu dem auf den Währungsstichtag fest» gestellten Einheitswert ergibt. Betrug der Einheits» wert vor Eintritt des Kriegsschadens z. B. 100 000 Reichsmark und stellte sich der auf den 21. 6. 2948 fortgeschriebene Einheitswert auf 25 000 DM, ist ferner eine Hypothek von 40 000 RM in einem Zehntel mit 4 000 DM und neun Zehntel Umstel» lungsgrundschuld mit 36 000 DM umgewandelt worden, so wäre die Grundschuld im Verhältnis 4:1, also um 27 000 DM zu kürzen. Sie bleibt daher nur mit 9000 DM bestehen. Der Einheitswert ist auf ein Viertel herabgesunken, also bleibt von der Umstellungsgrundschuld auch nur ein Viertel übrig.
Der Käufer wird sich von seinem Finanzamt, in dessen Bezirk das Grundstück liegt, vor Abschluß des Kaufvertrages die vorgenannte Verzichts» erklärung beschaffen. Dadurch wird seine Kauf» Preisforderung nur in Höhe des gekürzten Umstel»
lungsgrundschuld = Restes gemindert. Außerdem kann sich der Verkäufer die im Gesetz zugelassene und rechtswirksame Zusicherung beschaffen, nach welcher der Staat auf den Teil der Grundschulden verzichtet, für den die Leistungen aus den Erträgen des wiedererrichteten Gebäudes nicht erbracht wer» den können. Die sich aus dieser Zusicherung er» gebenden Rechte gehen auf den Käufer über. Daher hat auch der Käufer größtes Interesse, sie zu erlan» gen. Auch für diese verbindliche Zusage ist das Finanzamt des Trümmergrundstücksbezirks zustän» dig.
Mit Rücksicht auf diese Verzichtsmöglichkeiten wird der Käufer von der jeder Zeit möglichen Ab» lösung der Umstellungsgrundschuld ohne zwingen» den Grund keinen Gebrauch machen.
Fällige Zinsen und Tilgungsleistungen dürfen nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften dem Grundstückskäufer nur dann erlassen werden, wenn sie aus dem Grundstücksüberschuß des Grundstücks nicht geleistet werden können. Gegenüber dem Gläubiger des umgestellten Rechts (Ein» Zehntel=Hypothek) kann der Käufer keine Stundung oder Herabsetzung der Zinsen erreichen. Hier hilft auch keine richterliche Vertragshilfe.
Der Treuhandfonds für Grundpfandrechte in Koblenz — in der Bi=Zone das die Umstellungs» grundschuld verwaltende Kreditinstitut — kann auf Antrag Krediten zum Wiederaufbau des Grund» Stücks durch den Käufer den Vorrang vor einer Um» stellungsgrundschuld einräumen. Auch kann das Finanzamt die Zusicherung geben, daß einem Kredit zum Wiederaufbau des Hauses der Vorrang vor einer etwaigen dinglichen Belastung des Grund» Stücks zugunsten des Lastenausgleichs eingeräumt wird. Diese Zusicherung gibt das Finanzamt aber nur dem, der am Währungsstichtag Eigentümer des Grundstücks war; der spätere Erwerber kann diese Vorrangseinräumung nicht erlangen.
Wenn der Verkäufer den Kriegsschadenanspruch behält, so erscheint es unbillig und auch unzweckmäßig, die auf das Trümmergrundstück entfallende Soforthilfeabgabe und den etwaigen Lastern ausgleich abzuwälzen, ganz abgesehen davon, daß die Preisbehörde eine Übernahme des Lastenausgleichs durch den Erwerber des Grundstücks beanstanden kann. St.
Steuer und verletzte Autofahrer
Der Reisende S. hat inr Krieg sein Bein ver» loren. Er kann seinen Beruf nur ausüben, weil er sich einen Kraftwagen gekauft hat. Gelegentlich erfährt er, daß für Kriegsbeschädigte eine Ermäßi» gung der Kraftfahrzeugsteuer eintreten kann. Bei seiner Vorsprache auf dem Finanzamt sagte man ihm folgendes:
Körperbehinderte, die infolge Geburtsfehlers, Unfall, Kriegsverletzung oder eines sonstigen Körperschadens zur Fortbewegung auf die Benutzung eines Personenkraftfahrzeuges nicht nur vorüber^ gehend angewiesen sind, kann auf Antrag die Kraftfahrzeugsteuer ganz oder zum Teil erlassen werden. Diese Vergünstigung darf nur bei Personenkraftfahrzeugen bis zu 2400 Kubikzentimeter Hubraum gewährt werden, wenn besondere wirtschaftliche Verhältnisse, insbesondere die durch die Beschädigung verursachte Erwerbsbeschränkung des Antragstellers die Erhebung der Steuer als unbillige Härte erscheinen läßt. Werden gelegentlich andere Personen unentgeltlich mitbefördert oder ist zur Hilfeleistung für den Beschädigten die Mitnahme einer Begleitperson erforderlich, so steht dies der Vergünstigung nicht im Wege.
Der Reisende stellt sofort einen entsprechenden Antrag bei seinem Finanzamt und erhält nach einiger Zeit den Bescheid, daß er zukünftig von der Entrichtung der Kraftfahrzeugsteuer befreit ist.
Sprechstunde des Hausarztes
Die Obstsäfte in der modernen Krankenbehandlung
VON DR. WILH. MÜNCH, BAD NAUHEIMI Jie diesjährige reiche Obsternte ermöglicht nicht nur eine gute und abwechslungsreiche Ernährung des Gesunden, sondern auch eine zweck» mäßige des Kranken. Seitdem es der Technik ge=Jungen ist, Obstsäfte herzustellen, die alle für den Körper wichtigen Stoffe (Salze, Vitamine usw.) enthalten, macht der Arzt unabhängig von der Jahreszeit reichlich Gebrauch von der Verordnung von Obst» und Obstsaftkuren.
Bereits Hahnemann, der Begründer der Homöo» pathie, stellte an die Spitze jeder Behandlung die Diät. Es dauerte ziemlich lange, bis sich weitere Ärzte dieser Auffassung anschlossen. Es ist noch gar nicht lange her, daß man die Obstsäfte in die moderne Krankenernährung einführte. Deutsche und schweizerische Ärzte waren hauptsächlich Pioniere auf diesem Gebiet. Zu Anfang meiner ärztlichen Tätigkeit war ich in Elberfeld von einem vegetarisch eingestellten Arzt zu einer großen Abendgesellschaft eingeladen. Wie erstaunt waren die Gesichter der Eingeladenen, als statt Wein Obst» säfte dargeboten wurden! Um den Wert des Obstes, insbesondere der Obstsäfte, für die Kranken» ernährung beurteilen zu können, ist es wichtig, zu wissen, wie sich das Obst und die Obstsäfte zu» sammensetzen. Auffallend gering ist ihr Eiweiß» gehalt. Dagegen enthalten sie reichlich Kohle» hydrate sowie Mineralsalze, in erster Linie kalium» und phosphorsaure Salze, weiterhin die Vitamine A, B und C. Vitamin D fehlt ganz oder ist nur in Spuren vorhanden. Die in den Früchten vor» kommenden Geruch» und Geschmackstoffe wirken appetitanregend. Besonders reich an Fruchtsäuren sind die ausländischen Früchte wie Apfelsinen, Bananen und Zitronen. Weiterhin befinden sich noch verschiedene Zuckerarten in den Früchten.
Obst und Obstsäfte lassen sich sowohl bei akuten wie chronischen Krankheiten mit bestem Erfolg verwenden. Wer erinnerte sich nicht mit Freuden der herrlichen, erfrischenden Himbeer» säfte, wenn bei einer fieberhaften Halsentzündung, Scharlach usw. ein quälender Durst sich einstellte. Bei der akuten wie chronischen Nierenentzündung wird von den Obst» bzw. Obstsaftkuren reichlich Gebrauch gemacht. Da diese Nahrung wenig Schlacken enthält, wird die Niere entlastet und geschont. Die Entzündung klingt ab. Ganz besonders haben sich solche Kuren aber bei den Herz» und
Gefäßkrankheiten eingebürgert. Sehr beliebt ist diese Diätform bei dem vielverbreiteten Hochdruck. Prof. H. Strauß, Berlin, war der erste, der feststellte, daß die Obstsäfte nahezu kochsalzfrei sind. Aus diesem Grunde eignen sie sich vorzüglich für die Beseitigung der Wassersucht, die durch Nachlassen der Herzkraft entsteht. Bei diesem Leiden wird das mit der Nahrung zugeführte Kochsalz zum Teil zurückgehalten. Der Kochsalzgehalt darf aber eine bestimmte Grenze nicht überschreiten, sonst wird das Gewebe geschädigt. Die einzelnen Organe müssen deshalb gleichzeitig Wasser zurückhalten, um eine Erhöhung des Kochsalzgehaltes zu vermeiden. Die Folge der Wassersucht ist ein verlangsamter Blutumlauf und eine Sauerstoffarmut des Gewebes. Es kommt zu einer unvollständigen Verbrennung der im Stoffwechsel gebildeten organisehen Säuren und damit zu einer Störung der lebensnotwendigen chemischen Umsetzungen. Im Gewebe bleiben die stickstoffhaltigen Schlacken zurück. Im Anschluß an den Genuß von Obst und Obstsäften wird auffällig mehr Wasser ausgeschieden und Kochsalz ausgeschwemmt. Der Wassersüchtige atmet und schläft danach besser. Gegen den Hochdruck wirkt besonders der Preßsaft von Bärenlauch, wie ich in langjähriger Praxis erfahren durfte. Auch die Gelbsucht wird durch den Gebrauch von Obst und Obstsäften günstig beeinflußt. Ihr Hauptvorzug besteht in der Fettarmut, dem hohen Gehalt an Vitaminen sowie Traubenzucker, der nach unserer heutigen Ansicht die Leberzellen kräftigt. Auch die Mastfettsucht, die sich bei vielen Menschen durch den schnellen Übergang von der schlechten zu der guten Ernährung zeigt, spricht gut auf solche Kuren an. Nur muß man sehr stark zuckerhaltiges Obst vermeiden (z. B. Apfelsinen). Zu Beginn der Kur kommt es zu einer ziemlich starken Wasserausscheidung. Prof, von Noorden empfahl zuerst die Einschaltung von Obsttagen — etwa alle B—l 4 Tage — bei der Zuckerkrankheit je nach Schwere des Falles. Bei Ausschaltung von süßen Obstsorten ließ sich in leichten Fällen ein Verschwinden von Urinzucker, in schweren ein Sim ken feststellen.
Mit Recht weist Prof. Heupke darauf hin, daß das Obst kein Allheilmittel ist. Es kommt auf die Auswähl der richtigen Fälle an. Selbstredend dürfen Obstkuren bei Kranken nur unter Aufsicht eines erfahrenen Arztes durchgeführt werden.
Im Kinderland
Vier weiße Holzschuhe
Ein Weihnachtsmärchen von Ria WeilI n keiner Nacht des Jahres leuchteten die Sterne so J’hell und hoch wie in der Heiligen Nacht. Auf alles fiel ihr Licht, auch auf vier weiße Holzschuhe, die vor der Tür des Hauses bei den riesengroßen Bäumen im Kindelwald standen. Die Kinder Anna und Martin hatten sie dort hingestellt, weil sie hofften, das Christkind würde etwas hineinlegen. Nun standen die weißen Holzschuhe im Sternenlicht und warteten, und weil es bald Mitternacht war, das Christkind aber immer noch nicht kam, wurden sie ängstlich und sagten zueinander:
„Es findet uns wohl nicht, kommt, wir wollen ihm entgegengehen." Dann trappelten and klapperten sie die Stiege hinunter auf den Gartenweg, trappelten und klapperten bis zum Gartentor und krochen darunter durch. Nebeneinander trappelten und klapperten sie dahin; die Bäume sahen erstaunt auf sie hinab, die Tiere, welche in der Heiligen Nacht nur wenig schlafen, horchten auf das seltsame Geräusch, aber die Schuhe trappelten und klapperten so laut sie nur konnten, weil das Christkind sie hören sollte. Auf einmal war der Wald zu Ende, weite Wiesen kamen, und die Holzschuhe suchten, bis sie den Wiesenweg fanden, freuten sich und sagten: „Hier ist es sicher richtig, hier wollen wir weitergehen, hier werden wir das Christkind finden".
Als sie aber über die Fließbrücke trappelten, hörte das in ihrem Wasserhaus die Fließfrau. Sie stieg hinauf, um zu sehen, was dies sei, und sah vier weiße Holzschuhe über die Brücke laufen. „Wo wollt ihr denn hin?" rief sie ihnen nach. Doch die Schuhe gaben keine Antwort und trappelten und klapperten im Wiesenweg, daß man es stundenweit hören konnte; aber das Christkind hörte es wohl doch nicht, denn es kam immer noch nicht. Nun waren sie schon im Dorf hinter den Wiesen, trappelten um die Kirche herum, durch die Gassen, wurden traurig und müde, und endlich meinte einer der Schuhe:
„Vielleicht war das Christkind längst zu Hause." Da liefen sie wieder zum Wiesenweg und wollten schnell über die Fließbrücke, dort saß aber noch die Fließfrau und sagte:
„Was treibt ihr euch hier herum?" Weil die Holzschuhe fürchteten, die Fließfrau ließe sie nicht hinüber, klagten sie ihr, wie sehr sie das Christkind suchten.
„Zappeliges Zeug", polterte die Wasserfrau, „jetzt ist das Christkind längst im Kindelwald gewesen, und eure Ungeduld ist daran schuld, daß Anna und Martin morgen keine Spielsachen bekommen.'
Die Holzschuhe klapperten vor Schrecken sechsmal auf und nieder und wollten im Galopp über die Brücke rennen.
„Hiergeblieben", rief die Fließfrau, „vielleicht kann ich euch helfen." Schnell kamen sie zurück, und die Fließfrau verschwand unter der Brücke in ihrem Wasserhaus, nahm vier große Muscheln, stieg wieder zu den Schuhen hinauf, legte in jeden eine hinein und sagte:
„Zwei sollen bunte Kreisel sein Und tanzen schöne Ringelreih'n, Die andern werden Bälle Und springen hoch und schnelle."
Da liefen die Schuhe freudig heim. Weil aber die Bäume im Wald gehört hatten, was die Fließfrau und die vier Holzschuhe gesprochen, ließen sie einen Tannenzapfen in einen Schuh fallen und rauschten:
’ „Du sollst eine Mundharmonika sein und dem kleinen Martin alle Waldlieder vorspielen. Spiele
ihm, wie wir rauschen, wie die Vögel singen, wie die Hasen huschen, die Schnecken und Regenwürmer kriechen, wie die Raupen Löcher in die Birkenblätter fressen, laß ihn sogar hören, wie die Spinnen ihre Netze zwischen den Ästen aufhängen. Nichts, was im Walde vorgeht, darfst du vergessen zu spielen."
Da dehnten sich auch schon die Schuppen des Tannenzapfens, und wundersame Melodien klangen durch die Nacht.
Bald kamen die Schuhe an der großen Wacholder^ halde vorüber, da bog sich der älteste Wacholderbaum zu ihnen hin und schüttelte seine letzten blausilbernen Beeren in einen Schuh hinein und wisperte:
„Werdet Perlen bunt und fein, Rundet euch zum Kettelein, Die Kette soll die Anna haben, Nun lauft heim mit unsern Gabe" "
Schnell trappelten und klapperten die weißen Holzschuhe weiter durch den Wald, trappelten und klapperten durch den Garten, die Stiege hinauf, stellten sich vor die Türe, und als sie sich ein wenig ausgeruht hatten, fing es an zu schneien. Da krochen sie, so gut es gehen wollte, in die Türnische hinein, damit die Spielsachen nicht feucht würden. Die Schuhe waren doch ein bißchen traurig, weil sie durch ihre Ungeduld nun das Christkind nicht gesehen hatten. Sie seufzten auf, dann aber dachten sie, Holzschuhe leben ja lange, und so freuten sie sich denn auf die nächste Weihnachtsnacht, wo sie wieder vor der Tür vom Haus bei den hohen Bäumen auf das Christkind warten durften. Die Bäume und alle Tiere im großen Kindelwald horchten hinein in die tiefe, heilige Nacht. Auf dem Rand ihrer Brücke saß die Fließfrau und bedachte, was in dem ganzen langen, vergangenen Jahr ge¬ schehen war im Wald und in den Wiesen. Und weil ihr das Herz schwer war vor Freude und Denken, sang sie:
„Ein Jahr vergeht, ein Jahr vergeht, Gleich wie ein Wind den Baum durchweht, Gleich wie die Spinne Netzlein baut, Ein Fischlein aus dem Wasser schaut. Ein Jahr vergeht, ein Jahr vergeht, So wie ein Blatt vom Baume weht."
Das hatten der Wald und die Tiere im Wald wohl gehört. Und die Bäume rauschten, und die Tiere raunten:
„Schön war das Jahr, schön war das Jahr, Wie je eins, das auf Erden war. War alles, wie es mußte sein, Kein Baum, kein Tierlein war allein."
Bald aber schliefen der Wald und alle seine Tiere ein. Lächelnd saß die Fließfrau auf ihrem Brückeiw rand, und sie hörte die Menschen schlafen, hörte die Tiere schlafen, hörte die Bäume in ihren Träumen leise rauschen, und ganz leise sang sie:
„Gute Nacht, gute Nacht, Einer für uns alle wacht. Seine wunderbaren Augen Sehn, ob du, ob ich recht taugen, Gute Nacht, gute Nacht — Bald ist das Jahr vollbracht." Dann stieg sie in ihr Wasserbaus. Immer dichter fielen die Schneeflocken, und immer tiefer schlief der Kindelwald ein.
Stammbuchvers der Woche
Auf unsrer Weit ist vieles schön — Man muß das Eine nur verstehn: Vom Bild ein Stücklein wegzugehn, Lim aus Distanz es anzusehn . . .
Wer lacht mit?
Die scharfe Kurve
„Ist hier in der Nähe ein Auto»Ersatzteil=Lager?" „Gewiß, gleich hinter der scharfen Kurve links im Graben ..."
„Was für ein schlechtes Bild; da fehlt ja ein Knopf!"
• „Deshalb habe ich mich ja malen lassen, damit du es endlich merkst!"
Kurzsichtig
Fred war außerordentlich kurzsichtig. Als ihm der Wind seinen Hut entführte, eilte er ihm nach. Aber immer, wenn er zugreifen wollte, hüpfte ihm das Ding wieder davon. „Sie, was machen Sie denn da?" fragte eine Dame, die ihn beobachtete, mit strenger Stimme. „Ja, sehen Sie denn nicht, daß ich meinen Hut wiederhaben möchte?" „Ihren Hut. Der liegt doch dort hinten an der Mauer. Holen Sie ihn, aber lassen Sie gefälligst mein schwarzes Huhn in Frieden. Sie haben es schon halbtot gejagt!" mpfo
Die Schmunzelecke
Man sprach beim Tee vom Tode der Frau Maier. „Woran ist sie denn gestorben?" fragt einer. „Man weiß es nicht. . . die Ärzte sind sich nicht klar — ich glaube, sie hat zu rasch gelebt!" „Was soll das bedeuten?" „Als sie heiratete, war sie fünf Jahre jünger als ihr Mann. Als sie starb, erfuhr man, daß sie zehn Jahre älter als er war..." * „Lebt eigentlich Ihre alte Erbtante noch?" Ja!" „Na, wenn Sie die einmal beweinen, können Sie lachen!"
Bei Nacht ist immer was los
„Stellen Sie sich vor, gestern abend spät nach Mitternacht haben die Leute über uns herum» getrampelt, ja sogar mit einem Stock haben sie auf den Boden geklopft!" „ „Eine Unverschämtheit? Und Sie sind davon auf» gewacht?" „Nein, ich arbeitete noch." „Was denn?" „Ich übte auf meiner Posaune.' * Zwe? Uhr nachts. Der Direktor des Fernsprech» amtes liegt im besten Schlaf. Plötzlich surrt das Telephon. Der Direktor springt aus dem Bett, rennt einige Stühle um, bis er glücklich den Apparat er» reicht. „Hallo, wer ist dort?" schreit er wütend. „Sind Sie der Direktor des Fernsprechamts?" fragt eine Stimme. „Jawohl, und Sie wünschen?" „Ach, gar nichts weiter! Ich wollte nur mal sehen, wie Ihnen das vorkommt, wenn Sie nachts um zwei Uhr durch eine falsche Verbindung aus dem Schlaf geklingelt werden." * Ein Flieger landet in der Wüste. Er sieht einen Mann, der etwas im Sande sucht. „Was suchen Sie denn da?" fragt er den Mann. „Ich suche das Meer!" „Aber das ist doch über tausend Kilometer von hier entfernt!" „Tausend Kilometer?" staunt der Mann, „denken Sie mal an: was für ein Strand!"
Ein freudiges Wiedersehen
Blick in die Welt
Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung
Argentinien eröffnete jetzt auch den Luftverkehr mit der Bundesrepublik. Die erste argentinische Maschine traf vor einigen Tagen auf dem Rhein=Main=Flughafen bei Frankfurt ein
Von Kommunisten während des Bürgerkrieges verschleppte griechische Kinder kehrten jetzt aus jugoslawischer Gefangenschaft zurück. Sie küssen bei ihrer Ankunft tiefbewegt den Heimatboden.
Der berüchtigte 38. Breitengrad, Zünglein an der Sdhicksalswaage des koreanischen Feldzuges
Der amerikanische Weltergewichtsweltmeister „Sugar" Ray Robinson knockte seinen holländischen Gegner Luc van Dam in Brüssel in der 4. Runde aus.
Der russische Außenminister Wyschinski forderte den Abzug aller ausländischen Truppen aus Korea. Links von ihm Malik, rechts Siroky ( Tschecho=Slowakei) und vorn Julius Katz Suchy (Polen).
Der französische Verteidigungsminister Jules Moch weilte soeben während einer dreitägigen Inspektionsreise in der . französischen Besatzungszone. Aufnahmen:- AP./dpa
AUS DEM INHALT: Odenwälder Christnacht Seite 2 Frauen im Sturm der Zeiten Seite 3 Wikinger von heute Seite 4 Schimmelreiter und Sternsinger Seite 5 Wie kauft man Trümmergrundstücke? Seite 6 Blick in die Welt Seite 8