Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstadter Tagblatt L. C. Wittich, uar ms tad t, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 147 Jieuefie Jiac&ri^fen Mittwoch, 20. Dezember 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trögerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Zur Abwehr entschlossen

Atlantikmächte einigten sich über Europa-Armee unter Eisenhower

Brüssel, 19. Dezember. In dem Kommunique, das der Rat der Atlantikpaktstaaten zum Abschluß der zweitägigen Konferenz der Außen- und Verteidigungsminister veröffentlichte, wird hervorgehoben, daß über die vorliegenden Pläne zur Einbeziehung deutscher Einheiten in eine gemeinsame Armee unter einem zentralen Kommando Uebereinstimmung erzielt worden sei.

„Eine deutsche Beteiligung würde die Verteidigung Europas stärken.“ Der Rat der Paktstaaten habe daher die drei westlichen Besatzungsmächte ersucht, mit der Bundesregierung Besprechungen aufzunehmen, die zu einer Einbeziehung deutscher Einheiten in die Europa-Armee führen sollen.

In dein Kommunique wird erneut betont, daß die Entscheidungen der zwölf Mächte ausschließlich aus Gründen der Verteidigung gefällt worden seien. Eisenhower Oberbefehlshaber

Der Rat hat ferner beschlossen, den amerikanischen General Dwight D. Eisenhower mit der Aufstellung einer internationalen Armee unter Einbeziehung deutscher Einheiten zu beauftragen und neben dem gemeinsamen militärischen Oberkommando ein Amt für die Verteidigungsproduktion zu errichten. Mit der Aufstellung der Armee soll im Frühjahr begonnen werden.

Auf Antrag des französischen Verteidigungsministers Moch erhalten die Beschlüsse über die Bildung einer gemeinsamen Armee den Charakter eines Vertrages, der von allen Regierungen so schnell wie möglich angenommen werden muß.

Nationaler Notstand für Europa?

Außenminister Acheson erklärte auf der Schlußsitzung, daß die in Deutschland stationierten beiden Divisionen in Kürze als Kern der geplanten Streitmacht dem Oberkommando General Eisenhowers unterstellt würden.

Er forderte die Nationen auf, dem Beispiel der Vereinigten Staaten zu folgen und ebenfalls den nationalen Notstand zu verkünden. Die Mitgliedstaaten müßten alle zur Zeit bestehenden Streitkräfte dem

Oberkommando General Eisenhowers unterstellen. Die vorhandenen Verbände seien jedoch entschieden zu klein und müßten mit äußerster Geschwindigkeit verstärkt werden.

50 bis 60 Divisionen bis 1953

Außenminister Schuman verkündete anschließend, daß die drei in Deutschland stehenden französischen Divisionen dem Oberkommando General Eisenhowers unterstellt würden, sobald dieser sein Hauptquartier errichtet habe.

Die Paktstaaten rechnen damit, bis 1953 fünfzig bis sechzig Divisionen aufgestellt zu haben. Innerhalb eines Jahres wollen die Vereinigten Staaten fünf Divisionen in Europa, und Großbritannien drei Divisionen in Deutschland zusammengezogen haben, die ebenfalls dieser Armee angehören werden.

Auf wirtschaftlichem Gebiet wird das Amt für Verteidigungsproduktion ähnliche Vollmachten erhalten wie das Oberkommando der geplanten Armee. Der Leiter dieses Amtes, wahrscheinlich ebenfalls ein Amerikaner, wird für die Erweiterung und Beschleunigung der V erteidigungspr oduktion verantwortlich sein.


General Dwight D. Eisenhower ist auf Ersuchen des in Brüssel tagenden Atlantikrats von Präsident Truman zum Oberkommandierenden der geplanten Europa-Armee ernannt worden. Unser Bild zeigt General Eisenhower (links) im Gespräch mit dem amerikanischen Generalstabschef, General Bradley (rechts). (Bild: AP.)
General Dwight D. Eisenhower ist auf Ersuchen des in Brüssel tagenden Atlantikrats von Präsident Truman zum Oberkommandierenden der geplanten Europa-Armee ernannt worden. Unser Bild zeigt General Eisenhower (links) im Gespräch mit dem amerikanischen Generalstabschef, General Bradley (rechts). (Bild: AP.)

Welche Bedingungen für Westdeutschland?

Oberkommissare sollen in Bonn über den deutschen Beitrag verhandeln

Brüssel, 19. Dezember. (AP) Die Außenminister der drei Westmächte, Acheson, Bevin und Schuman, sollen am Dienstagabend auf einer Geheimsitzung übereingekommen sein, mit der Sowjetunion zu einer Viererkonferenz zusammenzutreffen. _ _ . .

Die Minister sollen den Text der vorbereiteten Noten grundsätzlich gebilligt haben, in denen der sowjetische Vorschlag zu einer Viererkonferenz angenommen wird, wenn sich die Sowjetunion zu einer Erörterung aller und nicht nur der deutschen Frage bereitfindet.

Beim Verlassen des Konferenzgebäudes verweigerten die drei Außenminister eine direkte Stellungnahme. Bevin erklärte auf die Frage, ob die Viererkonferenz bestimmt stattfinden werde: „Ich könnte viel sagen, aber ich tue es nicht.“

Acheson will noch in der Nacht nach Washington zurückfliegen, sofern die Wetterverhältnisse in Brüssel einen Start zulassen.

Nach Abschluß der Sitzung wurde ein Kommunique ausgegeben, nach dem die drei Minister ihre Oberkommissare ermächtigt haben, mit der Regierung der Bundesrepublik Besprechungen über diese Frage auf der Grundlage der Vorschläge des Rates sowie etwaige Veränderungen der bestehenden Besatzungsordnung, die sich aus einem deutschen Beitrag zur Verteidigung logisch ergeben, aufzunehmen.

Gut unterrichtete Kreise erklärten dazu, daß die Westmächte unter keinen Umständen bereit seien, der Bundesrepublik die volle Unabhängigkeit zu gewähren. Das Besatzungsstatut würde zwar gelockert, aber unter keinen Umständen durch einen Sicherheitspakt, wie er von Bundeskanzler Dr. Adenauer gefordert worden war, ersetzt werden.

Sondersitzung in Bonn

Von den Oberkommissaren einberufen

Bonn, 19. Dezember. (AP.) Die alliierten Oberkommissare haben vorläufig für Donnerstag eine Sondersitzung mit Bundeskanzler Adenauer über das Ergebnis der Brüsseler Konferenz einberufen. Falls sie vor Donnerstag aus Brüssel zurückkehrten, sagte der Sprecher, werde die Sitzung mit dem Bundeskanzler möglicherweise vorverlegt.

Für die Deutschen „sehr schwierig“

Eisenhower zur Frage des deutschen Beitrages

St Louis, 19- Dezember. (AP.) General Dwight D. Eisenhower gab auf einer Pressekonferenz bekannt, er werde sich etwa am 1- Januar nach Europa begeben. Mit ihm werde Generalleutnant Alfred Gruenther, der stellvertretende Leiter des Operationsamtes der amerikanischen Armee nach Europa kommen. Gruenther werde den Posten des Stabschefs der Atlantikpaktarmee übernehmen.

Eisenhower betonte, daß die Aufgabe der neuen Verteidigungsarmee die Erhaltung des Friedens sei. Die Erfüllung dieser Aufgabe werde nicht leicht sein und auch nicht schnell vor sich gehen.

ner General war in ernster Stimmung. Als ein Photograph ihn bat zu lächeln, weigerte er sich und sagte: „In diesen Zeiten, finde ich, gibt es nicht viel zu belächeln.“ _ „ ~

Auf die Frage, ob er Hoffnung habe, daß der Friede bewahrt werden könne, erwiderte Eisenhower: „Na ja, natürlich habe ich Hoffnung. Aber es wird nicht ißipht sein und auch nicht schnell gehen."

Bevor er nach Europa reise, werde er Washington zu Beratungen auf suchen. In Furooa wo er zunächst etwa zehn Tage blAiben’ werde, wolle er mit möglichst vielen zuständigen Stellen Fühlung nehum festzustellen, ob ein gemein¬ «mes Verständnis für die künftigen Pro-Meme besteht. Nach seinem Aufenthalt bt Europa werde er dann noch einmal für in.„Tace nach den USA zurückkehren, „für unbestimmte Zelt“ in Europa zu bleiben..

Auf die Frage, wie lange er zur Aufstel¬ , " der Atlantikarmee brauchen werde, Erwiderte Eisenhower: „Das kann nicht cn schnell getan werden. Bis jetzt existiert S och kein Plan.“ Bei 55 Divisionen, meinte Eisenhower, könne man, wie es geplant sei zunächst einmal eineinhalb Millionen Mann aufstellen.

Über die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland meinte Eisenhower, die Deutschen hätten ein „sehr eigenartiges und schwieriges Problem“ zu entscheiden. Eisenhower warnte davor, die Antwort der-Bundesrepublik (auf die Brüsseler Beschlüsse) schon als gegeben hinzunehmen, ehe die Deutschen diese Antwort selbst ausgearbeitet hätten.

Der amerikanische Verteidigungsminister Marshall gab die Ernennung von William L. B att zum amerikanischen Mitglied des neu geschaffenen nordatlantischen Rüstungsproduktionsamtes bekannt. (Der Lebenslauf Eisenhowers siehe Seite 2)

Acheson bleibt Außenminister

Truman denkt nicht an Veränderungen im Kabinett

Washington, 19. Dezember. (AP.) Präsident Truman hat es am Dienstag kategorisch abgelehnt, Außenminister Acheson zu entlassen.

Auf seiner Pressekonferenz erklärte der Präsident: „Ich weigere mich, Außenminister Acheson zu entlassen.“

Truman künüigte an, daß die Vereinigten Staaten so schnell wie möglich weitere Truppen nach Europa senden würden, die in die gemeinsame Verteidigungsarmee unter Kommando des Generals Eisenhower eingegliedert werden sollten. Die Stärke der amerikanischen Truppen sowie den Termin der Verschickung gab Truman nicht bekannt.

Er habe mit General Eisenhower in der vergangenen Nacht ein Ferngespräch geführt una eine Unterredung in Washington vereinbart. Eisenhower werde sich seinen Stab selbst auswähien. Er werde auf seinem neuen Posten die gleiche Stellung wie General Mac Arthur im Fernen Osten haben.

Zum Fall Acheson erklärte Truman, die gegenwärtige gefährliche Zeit verlange Einigkeit. Mit der Entlassung Achesons wäre nicht den Vereinigten Staaten, sondern dem Kommunismus gedient. Die Beschuldigungen, die von den Republikanern gegen Acheson vorgebracht worden seien, entbehrten jeder Grundlage.

Truman gab ferner bekannt, daß auch der Verteidigungsminister General Marshall und sein Stellvertreter Lovett auf ihrem Posten verbleiben würden.

Luftverstärkung für Europa

Frankfurt, 19. Dezember, (dpa) Der amerikanische Heeresminister Frank Pace kündigte am Dienstag in Frankfurt neue amerikanische Luftwaffenver Stärkungen für Europa an. Sie würden aber nicht in Deutschland stationiert werden.. Die Stärke der amerikanischen Landstreitkräfte in Europa beträgt gegenwärtig 100 000 Mann.

Nach siehen Jahren

O Dwight D. Eisenhower, immer noch der populärste General in den Vereinigten Staaten, hat seine im Jahre 1946 geäußerte Hoffnung, bald als Soldat arbeitslos zu werden, nicht erfüllt gesehen. Der Sechzig jährige übernimmt den Oberbefehl über die Streitkräfte der Atlantikpakt-Mächte und wird in Kürze sein Hauptquartier in Europa, voraussichtlich in Fontainebleau, aufschlagen. Den Stab kann er sich selbst zusammenstellen. Die in Westdeutschland stehenden amerikanischen, britischen und französischen Divisionen sind zunächst das Kernstück seiner neuen Armee, die in aller Eile aus verstärkten Kontingenten der einzelnen Paktländer als wirksame Streitmacht erstehen soll. Ob und in welcher Weise Westdeutschland beteiligt wird, steht noch nicht fest. Hier haben wir selbst ein entscheidendes Wort mitzusprechen.

„Ike“, wie der gutgemeinte Spitzname Eisenhowers schon lange lautet und von ihm auch gern gehört wird, gilt als erfahrener und erfolgreicher Heerführer, was er bewiesen hat. Ein Vertreter des französischen Verteidigungsministeriums faßte gestern die allgemeine Zustimmung mit den Worten zusammen: „Der rechte Mann am rechten Platz“. Fast genau sieben Jahre sind seit dem Augenblick verflossen, in dem Eisenhower nach dem Abschluß des afrikanischen Feldzuges nach London zurückgerufen wurde, um den Oberbefehl über die alliierten Streitkräfte in Europa zu übernehmen.

Gegenüber der besiegten deutschen Armee und ihren Generalen zeigte Eisenhower sowohl in Tunis als auch später bei der „bedingungslosen“ Kapitulation, über deren Folgen man heute im Ausland bereits etwas anders denkt, eine sehr bewußte Zurückhaltung. Auch enthielt er sich jeder sonst in ähnlichen Fällen üblichen „chevaleresken Geste“. Aber vielleicht hat der General inzwischen in diesem oder jenem Punkte seine Auffassung geändert.

Als Eisenhower 1943 zum Oberbefehlshaber der alliierten Heere in Europa berufen wurde, stand er vor der Aufgabe, den Krieg siegreich zu beenden. Nunmehr soll er gewissermaßen einen abwehrbereiten Schild gegen jeden Angriff schmieden, den Krieg verhindern und den Frieden gewinnen, ohne daß vorher geschossen worden ist. Wenn er dieses hohe Ziel erreicht, wird die ganze Welt, Männer, Frauen und Kinder, ihm dankbarer sein als damals, als er nach blutigen Kämpfen und grausamen Verwüstungen den Siegeslorbeer beanspruchen konnte.

Konferenz im Eiltempo

Von Erich Dombrowski

Der Bewilligung von fast ungezählten Milliarden für Rüstungszwecke und der Einberufung großer Truppenkontingente folgte die Ausrufung des Notstandes in Amerika, der die ganze Nation in einen vorbereitenden Kriegszustand versetzte. Die Vorgänge in Korea, die mit dem Vormarsch der Chinesen eine neue Wendung annahmen, waren der letzte Anstoß zu dieser in Friedenszeiten geradezu unerhörten Aktivität. Aber damit noch nicht genug. Der Atlantik-Pakt, der die Westmächte zu einer militärischen Abwehr-Organisation zusammenschweißt, wurde, da er immer wieder vor lauter internen Debatten ermüdet sich zu einem Nickerchen gehen ließ, plötzlich wachgerüttelt. Die militärischen Sachverständigen und die Verteidigungsminister dieses überstaatlichen Gebildes wurden nach Brüssel zu einer Besprechung gerufen. Die Außenminister der drei Wes"tmächte versammelten sich zur gleichen Stunde ebenfalls dort, und sie alle wurden sozusagen unter den Druck Amerikas gestellt, auf das heute die mittel- und westeuropäischen Staaten wirtschaftlich und finanziell angewiesen sind. Nicht zuletzt auch militärisch. Es sollte nicht mehr länger geredet, es sollte endlich gehandelt werden. Und man hat gehandelt. So rasch und so gründlich, daß man nur kaum zwei Tage brauchte, um zu einem festen Programm zu kommen. das sofort in die Tat umgesetzt werden soll. Am Montagvormittag traten die Herren der westlichen Welt zusammen. Am Dienstagabend bereits flogen sie. nach getaner Arbeit, wieder heim. Alle unter dem Eindruck, daß nunmehr keine Zeit mehr zu verlieren ist.

Eine in Europa stationierte Verteidigungsarmee soll so rasch wie möglich auf die Beine gestellt werden. Gesamtziffer: eine Million Mann. Gegliedert in sechzig Divisionen. Darunter fünfundzwanzig deutsche Kampfgruppen in Stärke von je 6000 Mann. Wenn man bedenkt, daß allein Deutschland während des ersten und zweiten Weltkrieges jeweils über zehn Millionen Menschen unter Waffen hatte, ist die jetzt genannte Zahl nicht verblüffend. Offenbar soll es sich dabei zunächst nur um einen aktiven Heereskörper handeln, der sofort einsatzbereit ist, wenn Gefahr droht, während die Frage der Reserven noch offengelassen ist. Die Antwort darauf wird nicht zuletzt davon abhängen, wie rasch und in welchem Umfange die Rüstungsindustrie Amerikas, Großbritanniens und Frankreichs, vielleicht bis zu einem gewissen Grade auch Deutschlands, die erforderlichen Waffen zu liefern imstande ist. Man hat auch bereits den Oberbefehlshaber dieser gemeinsamen Armee ernannt. Es ist General Eisenhower, der mit den Verhältnissen Europas vom letzten Weltkriege her vertraut ist. Auch sein Vertreter, ebenfalls ein Amerikaner, ist bereits berufen worden. Diesem Oberkommando wird ein Verteidigungsrat zur Seite stehen, in dem alle Nationen, die Truppen beisteuern, mit führenden Persönlichkeiten vertreten sein werden. Zu gleicher Zeit wird ein internationales Produktionsamt gebildet, um alle Voraussetzungen für die Herstellung der Waffen und für die Versorgung der Truppen zu schaffen. Die Amerikaner

legen den anderen westlichen Staaten dabei nahe, auch ihrerseits den nationalen Notstand auszurufen, um die Wirtschaft, wenn sie auf die Kriegsproduktion

eingestellt ist, durch eine gewisse staatliche Lenkung finanziell und sozial auszubalancieren. Das stellt vor allen Dingen die Nationen vor schwierige Aufgaben, die, wie Deutschland, zur Zeit noch die größten Anstrengungen machen müssen, um sich überhaupt erst aus den Trümmern des vergangenen Krieges herauszuarbeiten. Letztlich wird es, um es ganz prosaisch auszudrücken, auf Einschränkungen und wieder Einschränkungen jeder Lebenshaltung hinauslaufen. *

Alle diese Beschlüsse sind über den Kopf Deutschlands gefaßt worden. Es ist zu den Verhandlungen, die für das Schicksal der ganzen Welt vielleicht von entscheidender Bedeutung sind, nicht hinzugezogen werden. Wenn man will, kann man diese Erklärung dafür finden: es sollte erst einmal der Grundstein gelegt werden, damit die Atlantik-Mächte unverzüglich handeln können. Eine Auseinandersetzung mit Deutschland in dieser Konferenz hätte vielleicht uferlose Debatten hervorgerufen. So hat man das deutsche Problem ausgesondert und will es nun für sich behandeln. Völkerrechtlich stehen wir ja auch, da wir noch immer keinen Friedensvertrag in der Tasche haben, außerhalb der Gemeinschaft der Nationen. Jetzt muß zu einem kühnen Sprung angesetzt werden. Aus dem ehemaligen Feinde, dessen Land man aus Sicherheitsgründen noch besetzt hält, soll über Nacht ein Bundesgenosse werden. Das setzt die volle Gleichberechtigung voraus, die Wiederherstellung der Souveränität, also den Fortfall des Besatzungsstatuts und alles dessen, was noch so drum und dran baumelt. Deutschland soll dann auch keineswegs zur Beteiligung an der beabsichtigten europäischen Verteidigung gezwungen werden. Es soll aus freien Stücken ja sagen. Es wird das aber nur dann tun können und tun, wenn ihm nicht nur die militärische, sondern auch die politische Gleichberechtigung zuerkannt wird. Das ist, abgesehen von allem andern, schon psychologisch notwendig. Der Deutsche, der heute nach so vielen Demütigungen begreiflicherweise waffenmüde ist, muß wissen, worum es für ihn geht, wenn er sich in die internationale Armee einreihen soll: um die Freiheit, um die Selbständigkeit seiner Nation und seines Ichs. Die Zeit der kleinen Zugeständnisse, die Zeit der Vertröstungen ist vorbei. Das Tor zu dieser Freiheit darf nicht nur ein Spältchen und dann noch ein Spältchen, sondern muß nun gleich weit geöffnet werden. Mit einer Großzügigkeit ohnegleichen richtet Amerika die Abwehrfront zur Sicherung des Friedens gegenüber dem Osten auf. Mit derselben Großzügigkeit muß es jetzt auch Deutschland gegenübertreten, das als Bundesgenosse an der gefährdetsten Nahtstelle steht.

Man soll sich über den Ernst der gesamten politischen Lage nicht im unklaren sein. Denn jetzt erst wird es sich zeigen müssen, wie Rußland auf die Beschlüsse der Konferenz reagieren wird. Mehr als einmal hat es die Westmächte und Deutschland selbst gewarnt, von einer Bewaffnung der Bundesrepublik abzusehen. Man kann nur hoffen, daß die Fäden, die Moskau in den letzten Wochen gesponnen hat, um mit den Westmächten wieder in ein Gespräch zu kommen, nunmehr nicht abreißen werden . Rußland erklärte sich dieser Tage bereit, erneut über den Friedensvertrag mit Oesterreich zu verhandeln. Der erste Anlauf war infolge der sturen Haltung der Sowjets allerdings vergebens. Jetzt handelt es sich um die Viermächte-Besprechung, welche die großen spannungsreichen Probleme, vor allem das deutsche, zu klären hat. Die westlichen Nationen zeigen sich einverstanden damit, wenn man sich vorher über die Tagesordnung einigen könne. Darüber ist das Gespräch, wenn auch vorläufig noch ganz inoffiziell, noch im Gange. Wird es jetzt vom Kreml abgebrochen werden? Ist das nicht der Fall, dann gehen die Westmächte, deren Prestige infolge der Rückschläge in Korea gelitten hatte, gestärkt an den Beratungstisch. Gestärkt durch den einmütigen Beschluß, jetzt so rasch wie möglich eine große europäische Verteidigungsarmee aufzurichten. Gestärkt auch dadurch, daß sich ihre militärische Position in Korea im Augenblick wieder, wenn auch nur in der Defensive, etwas gefestigt zu haben scheint. Ueberdies wird eine gewisse Zeit noch verrinnen, bis über Deutschlands Beteiligung an dem Atlantik-Plan das letzte Wort gesprochen ist. Ohne die Zustimmung des Parlamentes geht es nicht. Je größer das politische Entgegenkommen der Westmächte gegenüber Deutschland, je größer ihr Verständnis für seine überaus schwierige Situation, innen- und außenpolitisch, ist, um so rascher wird auch die Einfügung dieses letzten Gliedes in die Verteidigungsfront sein. Die Brüsseler Konferenz hat ihre Arbeit im Eiltempo erledigt. Offenes Herz und offener Verstand werden den Westmächten sagen müssen, daß sie im Eiltempo auch Deutschland nur für sich zu gewinnen vermögen, wenn sie ihm mit offener Hand, die nichts mehr zurückhält, als Bundes- und Schicksalsgenossen gegenübertreten.

100 Kilometer Niemandsland

Söul, 19. Dezember. (BBC.) Korrespondenten berichten, daß die Chinesen ihre Truppen längs des 39. Breitengrades konzentrieren und damit ein Niemandsland von über einhundert Kilometer Tiefe zwischen sich und den Streitkräften der Vereinten Nationen geschaffen haben,

Der Lebenslauf Eisenhowers

General Eisenhower wurde am 14. Oktober 1890 als dritter von sechs Söhnen einer früh eingewanderten Schweizer Familie in Texas geboren. Er ist in Kansas im Mittelwesten unter harten Verhältnissen aufgewachsen. Schon in der Schulzeit mußte er verdienen helfen. Ein Universitätsstudium war aus diesen Gründen nicht möglich, doch bestand er das Aufnahme-Examen der Militärkadettenanstalt und wurde Berufsoffizier des Heeres. Im Juni 1941 zum Oberst befördert, begann dann während des Krieges sein kometenhafter Aufstieg, der seinen Höhepunkt in der Ernennung zum Alliierten Oberbefehlshaber der Invasionsarmeen in Europa hatte. In dieser Position leitete er die Feldzüge in Nordafrika, die Landungen auf Sizilien, Pantelleria, auf dem italienischen Festland und schließlich in Nordfrankreich.

General Eisenhower, der sowohl als Taktiker wie auch als Stratege zu den bedeutendsten militärischen Führerpersönlichkeiten des zweiten Weltkrieges gehört, nahm 1948 im Range eines „General of the army“ (Generalfeldmarschall) seinen Abschied und folgte einem Ruf der Columbia-Universität, deren Präsident er wurde. Im gleichen Jahre wurde Eisenhower von der republikanischen Partei als Kandidat für die Präsidentenwahl vorgeschlagen. Der General weigerte sich jedoch zu kandidieren.

Rotchinesen abgereist

Neuyork, 19. Dezember. (AP.) Die Delegation des kommunistischen China, die zur Beratung der Fernost-Probleme in Lake Success weilte, ist am Dienstagabend von Neuyork auf dem Luftwege über London nach China abgereist.

Auf einer Pressekonferenz verlas Wu eine vorbereitete Erklärung, in der er die Journalisten aufforderte, dem amerikanischen Volk die besten Grüße der rotchinesischen Delegation zu übermitteln und ihm ein glückliches neues Jahr zu wünschen. Das chinesische Volk sei entschlossen, ebenso wie das amerikanische Volk für den Frieden zu kämpfen.

Einberufungen

Washington, 19. Dezember. (AP.) Die amerikanischen Luftstreitkräfte haben die Einberufung von- fünf Gruppen der Luftstreitkräfte der Nationalgarde und „einer Anzahl“ von Versorgungseinheiten zum 1. Februar kommenden Jahres am Dienstag bekanntgegeben.

Konsultativrat am Mittwoch

Brüssel, 19. Dezember, (dpa) Der Konsultativrat der Westunion, der aus den Außenministern der fünf Paktstaaten, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Holland und Luxemburg, besteht, wird am Mittwochfrüh in Brüssel zusammentreten.

Polnisch-ostdeutscher Protest?

Warschau, 19. Dezember. (AP.) Ein gemeinsamer Protest der polnischen Regierung und der Regierung der Ostzone gegen die Brüsseler Beschlüsse zur Wiederbewaffnung Westdeutschlands wird in ausländischen diplomatischen Kreisen Warschaus erwartet.

Die nepalesischen Insurgenten haben

vier wichtige Ortschaften im Gebiet der Industriestadt Biratnagar in Ostnepal eingenommen.

Neue Mitbestimmungs-Gespräche?

Storch fordert auch wirtschaftliche Souveränität, besonders bei der Schwerindustrie

Da. Bonn, 19. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Die deutsche Gleichberechtigung könne nicht nur eine militärische sein, erklärte Bundesarbeitsminister Storch am Dienstag.

Der Minister betonte, daß die Gleichberechtigung vor allem auch durch die Uebertragung der vollen Verantwortung auf dem Gebiete der Wirtschaft verwirklicht werden müsse. Dementsprechend müßten Einrichtungen wie Villa Hügel (Coal-Control-Group) und Ruhrbehörde verschwinden.

Nach den Erklärungen des Bundesarbeitsministers hat für die Bundesregierung die Hauptfrage beim Komplex der Grundstoffindustrien zunächst darin bestanden, bei den Besatzungsmächten zu erreichen, daß den Deutschen die ganze Verwaltung dieser Industrien übertragen wird. Gleichzeitig sollte verhindert werden, daß von Interessengruppen Einfluß auf die Lösung dieser Hauptfrage genommen wurde.

Inzwischen hat sich in den Grundstoffindustrien die Gefahr eines Streiks durch die Ueberführung in Gemeineigentum und das Mitbestimmungsrecht entwickelt. Von gewerkschaftlicher Seite wurde der Druck, der auf diese Weise ausgeübt wird, damit begründet, daß Informationen über Pläne der Bundesregierung vorlägen, welche für die Arbeitnehmerschaft einen Rückschritt bedeuten würden. Bundesarbeitsminister Storch betonte am Dienstag, es sei nicht wahr, daß irgendwelche Beschlüsse gefaßt seien. Das Kabinett habe sich offiziell mit den Eigentumsverhältnissen in den Grundstoffindustrien noch nicht befaßt.

Nach. Ansicht des Ministers sollen in nächster Zeit zwischen den Beteiligten Besprechungen stattfinden, um vor allem eine Klärung der entscheidenden Begriffe „Gemeineigentum“ und „Gemeinwirtschaft“ zu erreichen.

Storch kündigte an, daß er den Bundeskanzler bitten werde, die Sozialpartner im Januar zu neuen Gesprächen über das Mitbestimmungsrecht einzuladen. Er hoffe, daß sich die „Versteifung der Fronten“ etwas gelockert habe. Wenn das Mitbestimmungsrecht richtig geregelt werde, könne es die Wirtschaft fördern. Bei einer falschen Regelung würden sich zweifellos Schäden für die Wirtschaft ergeben.

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, August Schmid, habe ihm dieser Tage gesagt, daß auch die Gewerkschaften gegen eine entschädigungslose Enteignung seien. Storch ist überzeugt, daß der Streik vermieden werden kann, zumal, wie er sagte, kein Mensch die Verantwortung dafür übernehmen will, daß der innere Friede durch Wirtschaftskampf gefährdet wird.

Weiter kündigte Storch neue Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern über das Mitbestimmungsrecht an.

Sorgen der Bundesbahn

Frankfurt/Main, 19. Dezember, (vwd) In einem Rückblick auf 1950 stellt die Bundesbahn fest, daß die Betriebsrechnung voraussichtlich nur mit einem Defizit von rund 10 Millionen DM abschließen wird.

Der Finanzierungsbedarf für die Wiederherstellung von Bahnanlagen wird mit 920 Millionen, der für Fahrzeuge mit 370 Millionen DM beziffert, zu denen noch zwei Milliarden Mark kommen, um Rückstände in der Erhaltung von Anlagen und Fahrzeugen nachzuholen. Im laufenden Jahr konnten nur je 180 bis 190 Millionen DM für Wiederaufbau und Nachholbedarf aufgewendet werden, d. h. weniger als die Hälfte der Vorjahresaufwendungen.

Kein Rinspruch erhoben

Bonn, 19. Dezember, (dpa) Bundesarbeitsminister Storch teilte mit, daß die Oberkommission keinen Einspruch gegen das Bundesversorgungsgesetz erhoben hat.

Dibelius bei Heuss

■ Bonn, 19. Dezember, (dpa) Der Bischof der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, D. Dr. Dibelius, wurde am Dienstag von Bundespräsident Prof. Heuss und Bundeskanzler Adenauer in Bonn empfangen. Er informierte die Bpnner Politiker über die Lage der evangelischen Kirche in der Sowjetzone.

Deutsche Arbeiter telegrafieren Attlee

Betriebsrat kämpft um Erhaltung einer Groß-Schmiedepresse

Düsseldorf, 19. Dezember (dpa) Der Vorsitzende des Betriebsrates der Dortmund-Hörder-Hüttenverein-AG, Keunig, richtete im Namen von 8000 Arbeitern des Werkes an den britischen Premierminister Attlee telegrafisch sen dringenden Appell, die 10 000-To‘ nnen-Schmiedepresse des Werkes in Deutschland zu belassen.

Trotz der ursprünglichen Bereitwilligkeit des britischen Landeskommissars für Rheinland-Westfalen, die Presse, die für die deutsche industrielle Produktion lebenswichtig sei, an die Bundesrepublik zurückzugeben, hätten bürokratische Befehle, veranlaßt, daß sie aus Deutschland entfernt werde. Der Betriebsrat könne sich nicht vorstellen, wie jemand in diesem entscheidenden geschichtlichen Augenblick die deutsche Vertrauensberpitschaft demontieren könne.

bie Firma Heinrich Butzer, Dortmund, arbeitet zur Zeit in Tag-, Nacht- und Sonntagsschichten daran, eine Brücke zu verstärken, die für den Transport schwerer Teile der Schmiedepresse des Dortmund - Hörder - Hüttenvereins zur Zeit nicht genügend gesichert ist.

Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß die Schmiedepresse nie zur Produktion von Kriegsmaterialien verwendet wurde.

Schumacher weiter ablehnend

Hannover, 19. Dezember (AP.) Der erste SPD-Vorsitzende, Dr. Kurt Schumacher, hat sich am Dienstagabend zum Ergebnis der Brüsseler Konferenz ablehnend geäußert. Unter den heute bekannten Voraussetzungen müßte man zu einem deutschen Beitrag an der europäischen Verteidigung „nein“ sagen.

Andre Francois-Poncet kündigte eine deutsch-alliierte Konferenz über eine einheitliche Europa-Armee an.

In wenigen Jeilen...

Im Bundeswirtschaftsministerium wird eine Beschränkung der deutschen Eisen- und Stahlexporte auf monatlich 50 000 t erwogen.

Der Bund der deutschen katholischen Jugend ist aus dem Stadtjugendring Bad Kreuznach ausgetreten, nachdem auf der letzten Sitzung ein Antrag auf Ausschluß der kommunistischen Freien Deutschen Jugend aus dem Jugendring mit 11 gegen 7 Stimmen bei 5 Enthaltungen abgelehnt worden war.

Schmuggel mit ehemaligem Wehr¬ machtsgut in zwei Waggonladungen nach Jugoslawien wurde durch österreichische Sicherheitsorgane beschlagnahmt.

Die drei alliierten Kommandanten in Berlin haben 200 000 DM als Weihnachtsgabe für bedürftige West-Berliner Kinder gestiftet.

Beim Landgericht Schwerin hat ein Prozeß gegen vier ehemalige leitende Angestellte der Schiffswerft Wismar begonnen, die beschuldigt werden, über 1,1 Millionen Ost-Mark veruntreut zu haben.

Die amerikanische Regierung hat eine Einschränkung des Zinn Verbrauchs für den Zivilbedarf um zwanzig Prozent mit Wirkung vom 1. Februar angeordnet.

Die Regierung der britischen Kronkolonie Hongkong hat den britischen Kolonialminister ersucht, in Washington mit Nachdruck vorstellig zu werden, damit die amerikanische „Blockade“ der Kronkolonie erleichtert werde.

Die italienische Regierung hat neue Sicherheitsvorkehrungen gebilligt, um einem etwaigen kommunistischen Widerstand gegen das Aufrüstungsprogramm entgegenzutreten.

Um Kohlen zu sparen, will die Landesregierung von Rheinland-Pfalz zwischen Weihnachten und Neujahr in ihren Dienststellen lediglich einen Bereitschaftsdienst durchführen.

Stimmen der Anderen

„Noch geraume Zeit“

Am Dienstagabend reagierte die Schweizer Presse auf die Brüsseler Atlantik-Besprechungen mit deutlicher Zurückhaltung. Die „Neue Zürcher Zeitung“ hat den Eindruck, die Frage des deutschen Verteidigungsbeitrages sei in Brüssel „sichtlich in den zweiten Rang geraten“. Das Blatt schreibt:

„Das Projekt der Aufstellung deutscher Kontingente in der Stärke von Brigadetruppen hat zwar die Zustimmung aller Mitgliedstaaten des Atlantikpaktes gefunden, aber es ist heute offenkundig, daß von diesem prinzipiellen Entscheid bis zu seiner praktischen Verwirklichung noch geraume Zeit verstreichen wird. Damit scheinen sich auch die Vereinigten Staaten abgefunden zu haben angesichts der Tatsache, daß die deutschen Einwände nicht leicht zu überwinden sein werden und daß es offenbar längerer Verhandlungen bedarf, bis eine Einigung mit der Regierung in Bonn zustande kommt. Diese Aussicht hat der französischen Regierung zweifellos die Zustimmung zu dem prinzipiellen Beschluß über die Aufstellung deutscher Kof"mgente erleichtert.“

Die Züricher „Tat“ warnt die in Brüssel versammelten Staatsmänner vor einem Tempoverlust. Die intransigente Haltung der Chinesen und die sowjetischen Drohungen seien nur denkbar vor dem Hintergrund der westlichen Schwäche.

„Es wäre müßig, der Sowjetunion daraus einen Vorwurf zu machen, daß sie die Schwäche des Westens bis zum letzten ausnützt. Der Vorwurf müsse an die Adresse des Westens gerichtet werden, der diesen Zustand überhaupt möglich gemacht hat. Man pflegt der Sowjetunion vorzuhalten, daß ihre friedetriefenden Worte zu ihrer eisern durchgeführten Rüstungspolitik in einem schreienden Widerspruch stehen. Ist nicht die Widersprüchlichkeit der Westmächte noch viel eklatanter? Der Brüsseler Salat, der sich heute ausbreitet, ist westliches Eigengewächs. Solange sich Paris, London und Washington nicht dazu entschließen können — und zu einem derartigen Entschluß ist es beinahe zu spät —, ihre Deutschlandpolitik auf eine ehrlichere Grundlage zu stellen, solange besteht schlechterdings keine Möglichkeit, den sowjetischen und chinesischen Erpressungsmanövern die gebührende Antwort zu erteilen.“

Schmuck und Pelze

Unzählige Wertgegenstände gingen in die Villa Koch

Augsburg, 19. Dezember. (AP.) Goldschmiedearbeiten und wertvolle Pelzsachen, die ehemaligen KZ-Insassen gehört haben, seien in großem Umfang in die Villa Koch geliefert worden, bekundete der Zeuge Willi Bleicher aus Stuttgart in der Dienstagvormittag-Verhandlung im Ilse-Koch-Prozeß.

Im weiteren Verlauf der Zeugenvernehmungen kamen erneut die Auspeitschungen zur Sprache. Heinrich Welter aus Saarbrücken schilderte dem Gericht, wie er von der Angeklagten einmal herangerufen wurde und sie ihm dann mit ihrer Reitpeitsche vier- oder fünfmal ins Gesicht geschlagen habe. Am selben Abend sei er dann nochmals ohne Angabe von Gründen ausgepeitscht worden. Der ehemalige Häftling Posener aus Hamburg berichtete, daß sich die Angeklagte einmal im zweiteiligen Badeanzug im Garten der Villa Koch gesonnt habe, als ein Häftlingskommando in der Nähe arbeitete. Am Abend seien zwei Häftlinge aus dieser Gruppe ohne Angabe von Gründen ausgepeitscht worden.

Margueriten IM BLAUEN FELD

Kriminalroman von Ullrich v. Bissing

8. Fortsetzung

Als sie dann die ganze Tragweite der Worte begriff, stieg eine heiße Angst in ihr auf. Sie war glücklich, als ihr Mann an diesem Sonnabend unerwartet in die Klinik gerufen wurde und ihr eine Begegnung beim Abendessen erspart blieb. In einem überstürzten Entschluß hatte sie an dem Sonnabend ihre Koffer packen wollen, um allen Eventualitäten zu entgehen- Aber diese Flucht war genau so gefährlich wie ihre Anwesenheit in der Stadt, und während sie hier die Gelegenheit hatte, den Ablauf der weiteren Vorgänge zu verfolgen, hätte sie es, gleich wo sie sich befand, vor Ungewißheit nicht einmal lange Zeit ausgehalten. Nachdem sie in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag über ihre prekäre Lage nachgedacht hatte, um endlich bei Morgengrauen vor Müdigkeit in Schlaf zu fallen, faßte säe den Entschluß, den Gedanken einer Reise aufzugeben. War es nicht ebenso möglich, daß sie unbehelligt blieb? Bestand nicht die Gefahr, daß die Beamten, die das Haus in der Dahlienstraße sicherlich auf den Kopf stellen würden, irgend etwas fanden, das ihre Spur in ihr Heim führte? Aber darauf mußte sie es ankommen lassen. Es blieb ihr kein anderer Weg, als die Ereignisse abzuwarten und sie auf sich zukommen zu lassen. Und so hatte sie am Sonntagmorgen sorgfältig die Spuren der schlaflosen Nacht mit Puder und Rouge überdeckt und war mit einem erzwungenen Lächeln zum Essen in dem Speisezimmer erschienen. Die Täuschung, berührt, aber nicht erschrocken oder verwirrt über den schrecklichen Tod Roger d’Argents zu sein, gelang ihr. Aber eine gewisse Beunruhigung packte sie dennoch, als ihr Mann, ganz gegen seine Gewohnheit, längere Zeit bei einem Thema zu bleiben, das tragische Ende des bekannten Forschers ausführlich besprach. Suzanne stocherte mit ihrer Gabel in dem Salat herum, und sie dachte, wann endlich hört er damit auf. Aber Csatow sprach von dem Toten, als wäre jener sein bester Freund gewesen, und zuletzt begann er noch von der Operation zu sprechen, als wäre diese lächerliche Blinddarmoperation ein besonderes Ereignis seiner chirurgischen Tätigkeit. Er sagte, es sei doch wohl merkwürdig, daß ein Mann wie d'Argent, den man als einen begabten Forscher gekannt habe, hinterrücks erschossen worden sei.

Irene vermochte nicht zu verhindern, daß die Gabel ihrer Hand entglitt und klirrend auf dem Porzellanteller aufschlug. War es die Folge einer unglücklichen Bewegung, oder war der Anlaß hierzu ein unmittelbarer Schreck, jedenfalls sahen die Augen ihres Stiefvaters und die ihrer Mutter sie plötzlich starr an, und sie hatte alle Mühe, ein Erröten zu verbergen.

Irene war in dem Verlauf der letzten Monate ein sehr nachdenkliches Mädchen geworden. Hiervon bemerkte die Mutter nichts, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen war. Ihr Stiefwater kümmerte sich zu wenig um sie. um hiervon Notiz zu nehmen. Und um keinen Preis hätte Irene mit einem der beiden über ihre Sorgen gesprochen. Roger d’Argent war eines Tages in dem Kreis der Gesellschaften ihrer Mutter aufgetaucht wie ein Komet. Er überstrahlte alles, und selbst Irene war ehrlich von ihm eingenommen. Er war ein gewandter und liebenswürdiger Mann, dem keineswegs irgendwelche Forscherallüren anhafteten. Er spielte ausgezeichnet Tennis und sprach fließend mehrere Sprachen. Er erzählte die abenteuerlichsten Erlebnisse von seinen Reisen in Indien und in den Bergen von Tibet. Er war ein geistvoller und temperamentvoller Erzähler, und er verstand es geschickt, seine Zuhörer zu fesseln. Erst später entdeckte Irene, daß sein etwas breites Gesicht, wenn er, in einem Sessel sitzend, schweigend mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt schien, einem Buddhaantlitz glich. Sie empfand dann die Unergründlichkeit dieses Antlitzes, und mitunter überfiel sie ein Gefühl der Angst. Einmal mit ihr allein, hatte er den Arm um ihre Schulter gelegt, und plötzlich hatte Irene das Empfinden, als hätte die Tatze eines Tigers sie berührt. Von da an vermied sie es, mit ihm allein zu sein. Sie glaubte nicht, daß er sich ernsthaft um sie bemühen würde. Statt dessen bemerkte sie zu ihrer Verwunderung, daß er ihrer Mutter den Hof machte, und diese es gern sah. Dies war etwas, was sie nachdenklich stimmte. Sie wußte, wie vernachlässigt sich ihre Mutter von ihrem Mann fühlte. Es war nicht verwunderlich, daß Irene sich hier auf die Seite ihrer Mutter stellte, zumal Csatow nicht ihr leiblicher Vater war. Sie war aber zu gerecht, um nicht das Verhalten ihrer Mutter zu mißbilligen, zumal, wie in diesem Fall, ihr Verhalten zu Roger d’Argent.

Gegen Ende der Mahlzeit nahm das Gespräch eine unerwartete Wendung. Dies, was Csatow nun vorschlug, genauer gesagt eigentlich festlegte, war die überraschende Aufforderung, am Abend dieses Tages gemeinsam der Premiere einer Revue beizuwohnen. Er fügte gleich hinzu, die Karten wären bestellt.

Irene sah den verwunderten Ausdruck In den Augen ihrer Mutter. Csatow aber fügte, ohne sie anzusehen, hinzu: „Ich habe auch Bürckler gebeten mitzugehen. Ich glaube, wir sind ihm etwas mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit schuldig. Ihr könnt gegen ihn 'sagen, was ihr wollt, aber seine Zuverlässigkeit steht außerhalb jeder Debatte.“

Der Ton, in dem diese Worte ausgesprochen wurden, machte den Eindruck, als wenn er damit ein für allemal Magnus Bürckler innerhalb seiner Familie anerkannt wissen wollte.

Suzanne, die zu jeder anderen Zeit sich gegen diese kategorische Erklärung aufgelehnt hätte, hielt es für ratsam, zu schweigen. Sie sagte nur, diese plötzliche Aufforderung, der Premiere beizuwohnen. käme zwar überraschend, aber da sie für den Abend keine anderweitige Verpflichtung eingegangen sei, wäre es ihr recht, Und zumal Irene würde sich sicher freuen. Irene sagte, pflichtschuldig ihrer guten Erziehung, ja, obwohl sie von der Eröffnung, diesen Abend dem Assistenzarzt widmen zu müssen, keineswegs erbaut war.

Csatow meinte, sie könnten in der Stadt gemeinsam essen- Er würde sie mit Bürckler gegen sechs Uhr abholen. Er führe jetzt nach der Klinik und nehme auch dort den Tee.

Als Irene mit der Mutter allein war, sagte sie: „Warum lädt er Bürckler ein? Ist es nicht gerade genug, wenn er ihn den ganzen Tag in der Klinik um sich hat? Zu jeder Operation!“

„Mein liebes Kind“, entgegnete Frau Suzanne, „ich kenne den Grund nicht! Wahrscheinlich besitzt er aber Gründe, Bürckler einzuladen.“

Irene sah ihre Mutter aufmerksam an. Sie fand, daß ihre Mutter noch immer eine aparte, reizvolle Frau war. Sie dachte an Roger d’Argent und war froh, daß diese Geschichte ein Ende gefunden hatte.

„Ich hoffe, er hat keinen Grund!“ erklärte sie plötzlich, und die Betonung lag ohne Zweifel auf dem kleinen Wort „keinen“. Die Mutter betrachtete Irene erstaunt.

Sie wußte im Augenblick nicht, was Irene in Wahrheit mit dieser etwas sonderbaren Feststellung zum Ausdruck bringen wollte.

Sie dachten aber beide den ganzen Tag darüber nach, warum Csatow den Assistenzarzt zu dieser Premiere eingeladen hatte.

Am Abend des gleichen Sonntags, ungefähr gegen zwanzig Uhr, verließ ein peinlich sorgfältig gekleideter älterer Herr eine Untergrundbahnstation inmitten der Stadt, überquerte einen großen Platz und ging, vor dem fallenden Regen durch einen Schirm geschützt, eine kurze, aber durch den Verkehr sehr belebte Straße hinunter. Der Herr trug einen dunklen Paletot, einen schwarzweiß getupften Schal und einen steifen Hut. Er sah sehr distinguiert aus, stand am Anfang der fünfziger Jahre und war eine elegante Erscheinung.

Großstadt im Herbst. Großstadt im Regen. Der Wind strich recht unmanierlich um die Hausecken an den Straßenkreuzungen und trieb die braunen, verlebten Blätter der Linden über den spiegelnden Asphalt, wo sie unter den wirbelnden Autoreifen ihr schnelles Ende fanden. Endlos rieselte der Regen an den brennenden Straßenampeln vorüber. Die nahen Kirchturmuhren schlugen dumpf, aber die Zifferblätter hingen im Nebel. Der Herr folgte der Straße bis zu einem Antiquitätengeschäft, vor dessen Schaufenster er stehen blieb und interessiert die ausgestellten antiken Einrichtungsgegenstände betrachtete.

(Fortsetzung folgt)

Feuilleton

Besinnung

Wenn Weihnachten das Fest der Einkehr und Heimkehr ist, der Zielfindung nach langer, irrer Sternfahrt, so ist es unser Fest. Nicht weil wir schon in die Erfüllung seines Sinnes eingemündet wären, sondern weil wir uns in adventlicher Sehnsucht danach verbrennen. Noch verharren wir im Advent, noch sind wir auf der Wegsuehe. Und nur zu oft hält uns die Stadt des Herodes auf, bezaubert uns die Macht dieses kleinen, jähen Scheinkönigs. In seinem Reich freilich ist der Leitstern verschwunden. Und gerade ihm sollten wir folgen.

Uns ist nicht die Hirteneinfalt beschieden. Jenen Männern ward überwältigende Kunde, und sie gingen die kleine Strecke Wegs und beteten an. Wir bezahlen unser Königtum mit weiter, beschwerlicher Wüstenfahrt. Und die Oasen locken „bleib da“. Wir zahlen für den Geist mit Zweifel und Verzweiflung, und nur ein kleiner Stern leuchtet — irgendwo. Wir haben für den Glauben eine dämmernde Ahnung eingetauscht, einen schwachen Lichtpunkt, weit, weit. Das erschauernde Licht mitreißender Engelsverkündigung gehört den Hirten. Wir müssen einfacher werden. W. Sch.

Symphoniekonzert des Pfalz-Orchesters

DIRIGENT: GIBSON MORISSEY — KLAVIER: MARGOT PINTER

Als letzte musikalische Weihnachtsgabe hatte das Darmstädter Amerikahaus für seine Besucher ein Symphonie-Konzert des Pfalz-Orchesters, Ludwigshafen, arrangiert. Der derzeitige Chef des Amerikahauses, Gibson Morrissey, stellte sich dabei als wohlsituierter Dirigent vor. Seine innere Anteilnahme am Werk ist überlegt, greift ins Einzelne. Sein musikalisches und rhythmisches Temperament zielt auf das Herausheben der Episode, auf stete eruptive Steigerungen. So gleitet die Einleitung von Brahms’ Erster mit ungewohntem Schwung in das Anfangsallegro. Aber gerade diese leicht romantisierende Impulsivität des Musizierens behindert dann das Ausschwingen in den weiten klassischen Bogen der Ecksätze. Dagegen wird die kammermusikalische Präzision des Andante zu einem melodischen Labsal. Mit einer erstaunlichen Verve wurde die Musik der Gegenwart durch Morrissey interpretiert. Die Festspiel-Ouvertüre des Amerikaners William Schumann ist ein Detail-Werk, das Effekt und Affekt vermischt und für ein Orchester hervorragender Solisten gedacht ist. Das Pfalz-Orchester, dessen Qualität in der homogenen Ausgewogenheit des Klangkörpers liegt — mögen die Bläser auch den Vorrang besitzen — konnte hier der letzten Möglichkeiten nicht Herr werden.

Ganz ausgezeichnet wurde aber Chatschaturians dreisätziges Klavierkonzert vom Orchester begleitet und vöm Dirigenten geleitet. Dieses Werk entgeht der Verurteilung eines „westlichen Formalismus“, denn der russische Armenier stützt sich auf die Folklore, die Volksmusik seiner Heimat. Was er dann noch an Klang- und Orchestermaterial hinzugibt, bleibt eingängig und „volkstümlich“, in der Form übersichtlich, in der Harmonik von der Volksmelodie abhängig, wie es befohlen ist. Eine geistige Durchdringung fehlt, die das Können zum Kunstwerk erhebt. Neu ist nur das armenische Melodiengut, das auf den Hörer eindringt. Dabei mangelt es dem Komponisten nicht an Talent, denn die Anlagen sind augenfällig.

Margot Pinter spielte das Konzert hinreißend schön, virtuos und mit geistiger Einfühlung. Ihr Anschlag kennt alle Ausdrucksmöglichkeiten. Auf das stürmische Verlangen des überbesetzten Hauses wurde ein Teil des letzten Satzes wiederholt. Auch Gibson Morrissey und das Pfalz-Orchester wurden mit herzlichem Beifall gefeiert. G. I.

Höchster Orgeltage

Musikalische Abendfeier bei Kerzenschein

In der von einigen hundert Kerzen erleuchteten evangelischen Kirche in Höchst veranstaltete Orgelbaumedster Gerhard Stumpf im Rahmen der „Höchster Orgeltage 1950“ eine kirchenmusikalische Abendfeier, in deren Mittelpunkt ein Vortrag über „Kirchenmusik in ihrer Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte“ stand. Zu den von Gerhard Stumpf dargestellten einzelnen Abschnitten der verschiedenen Epochen gaben abwechselnd Frau Aga Zeh-Landzettel, Darmstadt (Sopran), und Wilhelm Kraft/ Gundernhausen (Orgel), charakteristische Beispiele des Musikschaffens dieser Zeit, angefangen mit einer Fuge und einem Präludirum aus dem 14. Jahrhundert. Als Beispiele modernen kirchenmusikalischen Schaffens kamen drei Uraufführungen neuer Melodien zu alten Kirchenliedern von Pfarrer Lic. Stumpf zuip Vortrag.

Der Besuch: Musikfreunde aus Frankfurt, Darmstadt und anderen Orten waren vertreten, dagegen nur sehr wenige Einheimische. -eh

Da sdhreih ich mal ans Taghlatt... Sie fragen — unser Rechtsberater antwortet

Die Rhescheidung des Spätheimkehrers

Die Ehefrau eines Spätheimkehrers, die in der Fabrik einen Monats verdienst von 120 bis 130 Mark hat Und durch Servieren an Sonntagen weitere 30 Mk. verdient, will sich scheiden lassen. Der Mann will die Alleinschuld übernehmen, was muß er der geschiedenen Frau an Unterhalt zahlen? Kinder sind nicht vorhanden. Darf der Mann getrennt leben? Auskunft:

' Nadi § 58 Ehegesetz hat der allein oder überwiegend für schuldig erklärte Mann der geschiedenen Frau den nach den Lebensverhältnissen der Ehegatten angemessenen Unterhalt zu gewähren, „soweit die Einkünfte aus dem Vermögen der Frau und die Erträgnisse einer Erwerbstätigkeit nicht ausreichen“. Da im vorliegenden Fall der Verdienst der Frau für ihren eigenen Unterhalt ausreicht, kommt eine Unterhaltspflicht des Mannes nicht in Betracht.

Wollen die Streitteile getrennt leben, dann muß eine einstweilige Anordnung beantragt werden, die den Parteien für die Dauer der Scheidung das Getrenntleben gestattet.

Das Kirchgeld

Kann ein totalfliegergeschädigter Gehalts- oder Lohnempfänger, der durch einen steuerfreien Betrag lohnsteuerfrei «geworden ist und damit auch keine Kirchensteuer zu zahlen hat, zu dem ört- Uchen Kirchgeld veranlagt werden? Wenn ja, kann das Kirchgeld zwangsweise beigetrieben werden?

Auskunft: Das Kirchgeld kann neben der Landeskirchensteuer erhoben werden und unabhängig von der Steuerfreiheit durch Bewilligung von Lohnsteuerermäßigungen. Das Kirchgeld kann zwangsweise beigetrieben werden, und zwar in Gemeinden durch das Landratsamt, in Städten durch das zuständige Finanzamt.

Anträge auf Erlaß oder Ermäßigung aus Billigkeitsgründen sind an die betreffende Kirchenbehörde (Kirchenvorstand) zu richten. Dabei sind die Einkommens- und Vermögensverhältnisse darzulegen und Rechnungen über notvzendige Anschaffungen usw. vorzulegen.

Der Urlaub des Arbeitslosen

Der Arbeitslose A. muß aus dringenden familiären Gründen (Vater liegt im Sterben) in die Ostzone reisen. Erhält er für diese Zeit Arbeitslosen-Unterstützung?

Auskunft: Die Arbeitslosenunterstützung darf zwar für die Tage nicht gewährt werden, für die der Arbeitslose die vorgeschriebenen Meldungen ohne genügende Entschuldigung unterläßt. Es kann ihm aber durch den zuständigen Abteilungsleiter beim Arbeitsamt Urlaub bewilligt werden, so daß er den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung nicht verliert.

Neue Musik auf dem Bundes-Sängerfest

Der künstlerische Beirat des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes, in dem sämtliche Bundesländer einschließlich, Berlin vertreten sind, beschloß auf seiner letzten Frankfurter Tagung das endgültige Programm für das vom 15. bis 19. Juni 1951 in Frankfurt am Main stattfindende Bundes-Sängerfest. Das Programm, das nicht einmal alle vorliegenden Meldungen berücksichtigen konnte, wird eine umfassende Ueberschau über das Chorschaffen in Vergangenheit und Gegenwart geben, wobei der Hauptanteil der zeitgenössischen Chormusik zufällt.

An größeren Chorwerken sind vorgesehen: Strawinskys Psalmensymphonie, Hindemiths Oratorium „Das Unaufhörliche“, „Der. Tagkreis“ von Karl Thieme (westdeutsche Erstaufführung), Max Seeboths Requiem (Uraufführung), Hans Langs „Entdeckung Amerikas“ (Uraufführung), Karl Orffs „Carmina burana“ und Alfred Koerppens Kinderoper „Virgilius, der Magier von Rom“ (Uraufführung). Auch unter den kleineren Werken befinden sich zahlreiche Uraufführungen von Dingemann, Knab, Lang, Rauch, Schuchardt, Seeboth, Senlbach, Stürmer und andere.

Da die Ausführung in den Händen besonders qualifizierter Chorgemeinschaften liegt, ist das Interesse der Fachwelt wie der gesamten Sängerschaft für diese „Heerschau des deutschen Chorwesens“ gesichert.

Söõssy Cuylen und Brigitte Hallerstede

ZU EINER AUSSTELLUNG IM AMERIKAHAUS

Seit einigen Tagen werden im Amerikahaus Arbeiten von Sössy Cuylen und Brigitte Hallerstede gezeigt. Den größten Teil der Ausstellung bestreiten die dreißig Oelbilder, Aquarelle und Zeichnungen der seit 1945 in Darmstadt wohnenden Berlinei’ Malerin Sössy Cuylen, die demnächst auch in Südamerika ausstellen wird. Die Arbeiten dieser Künstlerin entstehen aus spontanen inneren Erlebnissen, die sich dann mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen bemüht sind, bzw. das reale Leben zu verwesentlichen versüchen. Farbe und Linie beziehen hieraus ihren Ausdruck und ihre Führung („Die blaue Stunde“, „Mädchen am Meer“ und „Das Lied Pans“). Das besondere Interesse Sössy Cuylens gilt der Darstellung des Tieres, des Kreatürlichen, des Elementaren, das nach Bewahrung und Behütung durch den Menschen verlangt. Täglich besuchte die-Malerin in ihrer Berliner Zeit den Zoo, um hier das Tier, das sie seit ihrer Kindheit als einen Gefährten der Seele begreift, in seinem Ausdrucksreichtum und seiner Lebensfülle zu erkennen. Besonders ihre Tierbilder machen es deutlich, wie sehr gerade die Farbe als der „Gedanke“ des Künstlers über den darzustellenden, Gegengtand aufgefaßt werden muß. Darüber hinaus ,gibt die Farbe die Art der Ergreifung des 'Gegenstandes durch den Maler bekannt. Sie sucht bei Sössy Cuylen zu einem klaren und herzhaften Charakter durchzustoßen. („Tiger“, „Schöpfungsahnen“, „Siamkatze am Fenster“, „Schafe am Dorfrand“, „Paviane“, „Dscheleda-Affe“).

Brigitte Hallerstede, Tochter des Sezessionsmalers Ulrich Hallerstede, zeigt Proben aus ihrem jetzigen hauptsächlichen Arbeitsgebiet: der Buchillustration sowie der angewandten künstlerischen Idee. Es ist ihr Bestreben, ihre Phantasie dem Blickvermögen des Beschauers nahezubringen. Die wenigen Arbeiten geben einen kleinen Ausschnitt aus dem vielfältigen Aufgabenbereich der jungen Darmstädter Künstlerin. O.

Bach-Feier in Dieburg

Die Volksschule Dieburg veranstaltete am Dienstagmorgen eine Bachfeier anläßlich des 200. Todestages des großen Komponisten. Rektor Blüm konnte unter den Gästen Kreisschulrat Schmidt, die Geistlichen beider Konfessionen und Schwester N e h r i herzlich begrüßen. Nach dem Vortrag eines Gedichts durch eine Schülerin und des Liedes „Dir, Jehova“ durch den Lehrer- und Schülerchor würdigte Lehrer Funk in seiner Festrede Menschentum und Lebenswerk Johann Sebastian Bachs.

In den Vortrag waren von Bach komponierte Chöre der Schüler eingelegt. Ein mit Harmoniumspiel begleitetes Streichquartett von Lehrkräften aus Dieburg, Groß-Zimmern und Münster rundete den musikalischen Teil der eindrucksvollen Feier ab. RG

Neue Filme in Darmstadt

UNION. — „Unter der roten Robe.“ Es ist die Zeit Richelieus. Ueberall werden die protestantischen' Hugenotten verfolgt. Nur in Südfrankreich, an der spanischen Grenze, bestehen noch kleine Gruppen, die in Verschwörungen , Widerstand leisten. Gil de Berault, einer der großen Abenteurer seiner Zeit, steht im Dienst des Kardinals, soll aber gehenkt werden, d'a er das Duellverbot seines Herrn übertrat. Er erhält eine Chance: Das Urteil soll aufgehoben werden, wenn es ihm gelingt, den Anführer der Protestanten im Unruhegebiet, den Herzog von Foix, gefangen nach Paris zu bringen.

Conrad Veidt spielt diesen Hasardeur mit dem seltsam großem Ehrgefühl, der aus Liebe zur Schwester des Herzogs und im Erkennen der Sinnlosigkeit seines Auftrages lieber selbst in den Tod geht, in einer Gestaltung, wie sie für diesen Schauspieler typisch ist. Annabella ist als Schwester des Herzogs bezaubernd, echt weiblich in ihrem anfänglichen / (berechtigten und fraulich-instinktiv erfühlten) Mißtrauen, groß in ihrer Liebe, die bis zur Bereitschaft zur Selbstaufopferung geht. Regisseur Victor Seastrom bezog das ganze Geschehen auf diese beiden Hauptrollen, ohne aber die anderen Darsteller, Raymond Massey, Romney Brent, Sophie Stewart, Lawrence Grant u. a. zur Komparserie zu verurteilen. hn

THALIA - „Ruf aus dem Aether“. In einer einsamen Hütte im österreichisch-Schweizer Alpengebiet bedient ein ehemaliger Kunstgeschichtsstundent den Kurzwellensender einer berüchtigten Schmugglerbande. Während der Inhaber der Hütte mit der Bande bei Nacht über die Schweizer Grenze wechselt, erkrankt seine kleine Tochter an einer schweren Gehirnhautentzündung. Die Hilfe eines Arztes kann nicht in Anspruch genommen werden, das nächste Krankenhaus ist viele Stunden entfernt, der Student ist machtlos. In der Nacht trifft ein Mädchen auf der Hütte ein, das mit den Schmugglern illegal nach der Schweiz gehen sollte. Sie ist Medizinerin, erkennt die Schwere der Krankheit und daß hier nur ein Mittel helfen kann: Streptomycin.

Hier taucht die deutsche Filmproduktion unter der künstlerischen Oberleitung von G. W. Pabst mit einem Film aus der Versenkung auf, der dem jungen deutschen Filmschaffen das Zeugnis seiner künstlerischen Formgestaltung ausstellt. Die Personen des Studenten (Oskar Werner), des Mädchens (Lucie Scharf), und die anderen, die an der Gestaltung dieses meisterlichen Filmes mitgewirkt haben, bringen eine ausdrucksvolle Leistung auf die Leinwand. Man spürt, daß das Drehbuch von einem Dramaturgen geschrieben wurde, wenn auch einige Plattheiten nicht zu vermeiden waren, Die Photographie ist ausgezeichnet, sie umfängt die ganze Atmosphäre der grandiosen Bergwelt. Ein spannender und wohlabgewogener Film, den anzusehen sich lohnt. hfl

BELIDA. „Lange Leitung!“ Man braucht nicht gerade doof zu sein, um eine lange Leitung zu haben. Wenn aber beides zusammenkommt und es außerdem in einem Film reizvoll, mit zwerchfellerschütternden Gags dargeboten wird, dann gehört schon eine gute Portion Selbstbeherrschung dazu, um nicht, angesteckt, laut mitzulachen. Die ganze Geschichte entwickelt sich aus dem Schützengraben, vor einem Angriff im Jahre 1917. Daß ein Soldat, der zur Wache Zurückbleiben mußte, dort 20 Jahre aushielt, ohne zu merken, wie die Zeit verstreicht, kann nur einem passieren, der ein ausgesprochener, auf die Fahne verschworener Kommißtröttel ist, oder eben ein „doofer“, der nachher — im zivilen Leben — wenn er etwas angestellt hat, sich lediglich zu der läppischen Frage aufzurappeln vermag: „Ist was passiert?“ — Das, was sonst noch hinter diesem geistvollen Streifen steckt, sollte man nicht sagen, sondern selbst miterleben. Sogar mit einer etwas „verlängerten Leitung“ kann man die Quintessenz dieser „Langen Leitung“ erfassen. -zr-

Darmstadt und Umgebung

Vorbereitungen zum Faschingszug

Am Montagabend versammelten sich die Mitglieder der Karnevalgesellschaft „Narhalla“ im Weinhaus Barth, um einen Ueberblick zu bekommen, welche Innungen, Vereine und Organisationen oder andere Interessenten sich an dem Fastnachtszug 1951 beteiligen wollen.

Nachdem der Präsident der Vereinigung, Herr Hanauer, die anwesenden Herren begrüßt hatte, berichtete Kriminalrat Hummel von den Bemühungen und Schwierigkeiten, dem „närrischen Umzug“ diejenige Form zu geben, die Darmstadt auf Grund früherer Traditionen und den heutigen Interessen zur Fremdenverkehrswerbung beanspruchen kann.

Wie sich aus der nachfolgenden Diskussion ergab, liegen die besonderen Schwierigkeiten der diesjährigen Planung auf finanziellem Gebiet, da geldliche Mittel bereitgestellt werden müssen, die bis jetzt noch nicht zur Verfügung stehen. Die Innungen und Vereine sind nicht ohne weiteres in der Lage, den erforderlichen Gesamtbetrag aufzubringen — es dreht sich hier hauptsächlich um Finanzierung der Musikkapellen, die dem Zug erst den nötigen Anklang bei der Bevölkerung geben sollen und können —, und weisen besonders auf die verhältnismäßig großen Zuschüsse hin, mit denen die anderen Städte in Hessen die jeweiligen Vereine weitgehendst unterstützen. ,

Um die gesamte Frage zu einer positiven Lösung zu führen, und allen Möglichkeiten und Erwägungen Rechnung zu tragen, beschloß der Karnevalverein, sich zu weiteren Sitzungen zu vertagen. Sg.

Mut zur modernen Gestaltung

Architekt und Maler gehen neue Wege

Die Uniformierung des modernen Lebens hat es mit sich gebracht, daß neben anderen — und auch einschneidenderen — vitalen Einbußen eine starke Verringerung des«; farblichen GesCaltungsgefühls und der Farbfreudigkeit allgemein zu beklagen ist.

Wer farbig angelegte Pläne von Hausfassaden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kennt, wird über das sich in ausgesprochener Buntheit darbietende Lebensgefühl erstaunt sein. In Gebieten, die sich nicht so ohne weiters vom „Fortschrittsgeist“ erfassen ließen, wie in Oberbayern und der Schweiz, lebte die Tradition der farbigen Hausfassaden in einer zwar nicht mehr streng an die Architektur gebundenen, sondern in freier thematischer Gestaltung sich auf der Wand erstreckenden Weise fort.

In Darmstadt wurde in diesen Tagen der Versuch unternommen, mit modernen Mitteln an die Tradition anzuknüpfen. Ein ostdeutscher Geschäftsmann, der in Darmstadt eine neue Heimat fand, ließ sich in der Unteren Rhemstraße unweit der Autobahn von Architekt H. van Hauten ein reizvolles Haus erbauen, dessen Erdgeschoß ein Cafe aufnehmen soll. Sein Innenausbau — um diesen zuerst zu erwähnen — wurde nach den letzten Erkenntnissen moderner Architektur mit größter Gediegenheit der Einzelformen durchgeführt. Das Haus mit seinen ruhigen, nur durch harmonisch proportionierte Fenster gegliederten Flächen paßt sich den Gegebenheiten vortrefflich an. Es liegt an der Ecke eines Seitenweges und erhielt zur Betonung der besonderen Situation einen vertikal gegliederten, elegant zu nennenden Vorbau, dessen Stützen als Lisenen bis zum Traufgesims durchgeführt sind. Die sich ergebenden Felder unter und über den Fenstern boten die ideale Möglichkeit zu einer farblichen Behandlung, die der kunstverständliche Bauherr aufgriff.

Dem Darmstädter Maler Eberhard Schlotter blieb es vorbehalten, das Wagnis zu unternehmen. Seine-Lösung zeigt auf einem zunächst sandsteinfarbigen Grund — das Haus ist schlicht weiß verputzt — ruhig sich entwickelnde Farbflächen. Die Darstellungen umfassen Figurengruppen — Reminiszenzen an das ostpreußische Land — und sitillebenartige Arrangements in der zeitgenössischen Formsprache sich durchdringender Ebenen. Es sind kräftig gewählte Erdfarben, die jedoch nicht formsprengend wirken, sondern der zarten architektonischen Gliederung dienen und dabei in gleichem Rang — das macht den künstlerischen Wert dieser Malerei aus — ihre thematische Aussage repräsentieren. Die Hand eines Malers wird spürbar, der eine großzügige dekorative Gestaltung mit geistigem Inhalt zu erfüllen versteht.

Es möge der Erfolg dieses herzhaft unternommenen Versuches sein, andere Bauherren unserer Stadt gleichfalls zur farbigen Gestaltung ihrer Hausflächen anzureizen. m-r



Dienst der Stadtbhehörden um Weilhnachten und Neujahr

Die städtischen Aem te r und Dienststellen bleiben zwecks Einsparung von Kohlen am Samstag, dem 23. Dezember, am Samstag, dem 30. Dezember, und am Dienstage dem 2. Januar, geschlossen. Die Stadtbücherei bleibt am 2. Januar gleichfalls geschlossen. Unberührt von dieser Regelung bleibt der Dienstbetrieb des Standesamtes.

Zahltage der Stadthauptkasse in der Weihnachts- und Neujahrszeit

Die Auszahlung der Weihnachtsbeihilfe erfolgt bis einschließlich 22. Dezember. A 1.1 gemeine Fürsorge wird am 27. Dezember ausgezahlt. Körperbeschädigte, Hinterbliebene und diesen Gleichgestellte erhalten ihre Renten am 28. Dezember. Die Kleinrentner- und Uebergangsfürsorgeauszahlung erfolgt am 29. Dezember. Ruhe- und Witwengelder werden am 29. Dezember gezahlt. Sozialrentner der Buchstaben A—Z erhalten ihre Renten am 3. Januar 1951,

Zugverkehr bei Darmstadt zeitweilis leicht geändert

Wegen dringender Bauarbeiten muß vom 20. Dezember ab 7.30 Uhr bis 23. Dezember um 17 Uhr auf der Strecke Darmstadt — Goddelau-Erfelden zwischen Darmstadt Hauptbahnhof und Griesheim bei Darmstadt eingleisiger Betrieb eingeleitet werden. Mehrere Reisezüge müssen deshalb bis zu 20 Minuten später verkehren. Dadurch gehen auch in Darmstadt Hauptbahnhof und Goddelau-Erfelden einzelne Anschlüsse für diese 4 Tage verloren. Einzelheiten sind aus den Anschlägen in den Bahnhöfen zu ersehen oder an den Fahrkartenschaltern zu erfahren.

Vorbereitungskurse zu den Geselloͤnprüũfungen

Für Maschinenschlosser-, Werkzeugmacher-, Dreher- und Elektrikerlehrlinge, die im kommenden Frühjahr ihre Gesellenprüfung ablegen wollen, werden ab 6. Januar 1951 Vorbereitungskurse durchgeführt. Die Unterrichtsstunden finden jeweils samstags von 8 bis 13 Uhr statt. Anmeldungen sind bis spätestens 29. Dezember an Gewerbelehrer Abt. Darmstadt, Nieder-Ramstädter Straße 223. für die Metallarbeiterlehrlinge und an Gewerbelehrer Co y , Hering, Friedhofstraße 2. für die Elektrikerlehrlinge zu richten. Die Kursgebühr wird je nach Teilnehmerzahl 5 bis 10 DM betragen. Die Kursteilnehmer müssen sich am 6. Januar um 8 Uhr bei der Firma Gebrüder Roeder AG. Darmstadt, Eingang Mornewegstraße. bei Gewerbelehrer Abt, beziehungsweise in der Gastwirtschaft zum „Rößler Eck“. Darmstadt, Ecke Landwehr- und Rößierstraße bei Gewerbelehrer Coy einfinden.

Der Deutsche Kellnerbund, Gruppe Darmstadt, veranstaltet heute am Mittwoch in „Finks Gasthaus“ eine Weihnachtsfeier. Alle Kinder dier Ortsgruppenmitglieder bis zum vollendeten 15. Lebensjahre sollen mit einem netten Geschenk bedacht werden. Auch die Erwachsenen können einige Ueberraschungen erwarten.

Volkslieder-Konzert in Arheilgen

Der Männergesangverein „Eintracht“ veranstaltete am Samstagabend im Saal des Gasthauses „Zum goldenen Löwen“ in Arheilgen ein Volkslieder-Konzert. Mehr als 300 Gäste hatten sich zu diesem Programm eingefunden. Unter der Chorleitung von Willi Heuser (Frankfurt) kamen bekannte und wenig aufgeführte Volkslieder zur Wiedergabe. Bearbeitungen von Fr. Silcher, Joh. Brahms. A. v. Othegraven, Ed. Götti, R. Wickenhausen, Franz Ludwig, Erw. Lendvai, Br. Seidler-Winkler, Hub. Eckartz, Quirin Rische und Anton Dvorak wurden vom Chor und den Solisten in sauberer Arbeit geboten. Als Tenor stellte sich Kurt Wolinski (Frankfurt) mit einer tragfähigen und schönen Stimme vor. Emilie Häbel, ebenfalls aus Frankfurt, wie Friedel Thier (Tenor),Willi Thier (Bariton) und Ludwig Gehbauer (Bariton) konnten großen Beifall erringen. Am Flügel begleitete Willi Heuser die wohlgelungene Veranstaltung, die wiederum bewies, daß der Arheilger Männergesangverein „Eintracht“ ein Stimmenmaterial aufweist, das sich hören lassen kann. Der Beifall war echt und herzlich. -st

Treuhänderschaft der Heimkehrer

Am gestrigen Sonntag hatte die »Zentralstelle Darmstadt der Treuhänderschaft der Heimkehrer, Vermißten und Kriegsgefangenenangehörigen e. V.“ zu einem vorweihnachtlichen Unterhaltungsnachmittag eingeladen-

Der Vorsitzende, Herr Freitag, konnte 130 Mitglieder des Verbandes begrüßen. Er bat in seiner Ansprache, das Zusammengehörigkeitsbewußtsein zu vertiefen. Diejenigen, die dem Schreckgespenst der Gefangenschaft entkommen seien, sollten und möchten Bindeglied und Brücke für die Angehörigen der noch Vermißten sein.

Ein reichthaltiges Programm, von der Kapelle Kuhn mit Musikvorträgen untermalt, sorgte für einen abwechslungsreichen Verlauf. Große Freude bereiteten Hausschuhe, Aepfel, Wein und Lebkuchen, die von Geschäftsleuten gespendet worden waren und an die Kinder verteilt werden konnten. Sg.

Einer trage des Anderen Last

Erste ordentliche Generalversammlung der Buchenländer Baugenossenschaft Darmstadt

In dem Gemeinschaftsraum der Bauhütte Buchenland am Eichbaumeck fand am Sonntag die 1. ordentliche Generalversammlung der Buchenländer Siedlungsgenossenschaft eGmbH statt.

Die vertriebenen Deutschen aus der Bukowina wurden Ende 1947 in Darmstadt aufgenommen. Den Männern — durchweg Bauhandwerker — folgten später die Familien, die zum Teil in der Schule an der Hermannstraße vorläufige Unterkunft fanden. Die Männer arbeiteten beim Wiederaufbau der Stadt und nach Feierabend, samstags und sonntags wurde an der eigenen Siedlung gearbeitet. Bis Ende 1949 waren 16 Häuser erstellt, in denen heute 56 Familien untergebracht sind. Anfang 1949 erfolgte die endgültige Gründung der Genossenschaft, so daß nunmehr die erste Generalversammlung stattfinden konnte.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Professor Brödner, eröffnete die Versammlung mit einem kurzen Rückblick. Er unterstrich mit herzlichen Dankesworten die Unterstützung, die man in Darmstadt fand.

Geschäftsführer Liebe we i n gab den Bericht des Vorstandes. Herr Volk trug die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung vor. Sie zeigte eine Rücklage von 1100 DM und eine Rückstellung von zusammen 2059 DM. Die Gewinn- und Verlustrechnung wies einen Gewinn von 10,64 DM auf. Ihre Genehmigung erfolgte einstimmig. ebenso die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.

Aus dem Aufsichtsrat schieden auf eigenen Wunsch die Herren Süß und M a n s k aus. Prof. Brödner betonte die Verdienste des Herrn Süß um das Entstehen der Genossenschaft aus ihren ersten Anfängen undl -seine ununterbrochene Mitarbeit und bedauerte sein Ausscheiden. In den Aufsichtsrat wurden neu gewählt die Herren Franz Reis und Harald Kutschera. Den Vorsitz übernahm erneut Herr Prof. Brödner. In den Vorstand berief der Aufsichtsrat die Herren Daab, Liebe wein und Steininger.

Zum Schluß sprach Herr Stoll für das evangelische Hilfswerk und sagte auch weitere notwendig werdende Hilfe zu. Herr Süß verabschiedete sich mit dem Bibelwort, das für jede Gemeinschaft gelte: Einer trage des andern Last! C. D.

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen... Weihnachtsfeiern in Schulen und Vereinen

Weihnachtsfeier der Blinden

Im dichtbesetzten Saale des Gemeindehauses der Martinsgemeinde fand eine Weihnachtsfeier der Blinden statt. Bezirksleiter Otto Schrödter begrüßte die Anwesenden. Frau Dr. Heister hielt im Anschluß hieran eine zu Herzen gehende Weihnachtsansprache. Chormeister Georg Späth (Klavier), Peter Schmitmer (Violine), die stets gefeierten „Woogsflnken“ und als Solist Herr Mitschdörfer, wurden mit Beifall für ihre Mitwirkung überschüttet. Das blinde Vereinsmitglied Frl. Feth aus Lampertheim trug zum Gelingen des Festes mit Gesangs- und Zithervorträgen bei. Den Mitgliedern vergingen die frohen Stunden nur zu rasch.

Die Schillerschule feierte

Die Schillerschule veranstaltete ihre erste Weihnachtsfeier am Montag, 18. Dezember, in der Stadthalle. Im Mittelpunkt der Feier, der auch der Schuldezement, Stadtrat Reiber, Stadtschulrat Bra t u und der Elternbeirat beiwohnten, stand ein Krippenspiel, das von Lehrer Fritz Hu d y verfaßt und eingeübt worden war. Eine kleine Instrumentalgruppe von Schülern und Lehrern unter- Leitung von Lehrer Müller brachte Weihnachtsmusik von Händel und Brahms klangrein zu Gehör und leitete damit auf das Krippenspiel über. Die jugendlichen Spieler wären ganz im Banne der- schlichten Handlung, die von Chören unter der Leitung von Lehrer N u m r i c h wirkungsvoll umrahmt wurde.

Das Spiel soll bei genügender Beteiligung am Donnerstag, 21. Dezember, um 20 Uhr im Gemeindehaus. Liebfrauenstraße 6. für die Eltern wiederholt werden. die an der ersten Aufführung nicht teilnehmen konnten.

Die schönste Weihnachtsfeier hatten sich die Kinder der Schillerschule zweifellos damit bereitet, daß sie eine Gabensammlung veranstalteten, aus der vielen bedürftigen Kindern eine Weihnachtsfreude bereitet werden konnte.

Turnerjugend im Concordiasaal

Ein vielseitiges Programm hatten die Jungen und Mädchen der TG 1875 für ihre Weihnachtsfeier im Concordiasaal vorbereitet. Turnerische Vorführungen, Ballspiele, Stabübungen und Tänze, Gedichte und Lieder wechselten miteinander ab. Viel Freude bereitete das reizvolle Weihnachtsspiel „Das deutsche Märchenbuch“, dessen Regie in Händen der Gebrüder Steinmann lag. 250 Kinderherzen beglückte der Nikolaus mit seinen Weihnachtsgaben. t—s

Siedlergemeinschaft Waldkolonie

feierte ein gemeinsames frohes Fest Eine besondere Ueberraschung für die Mitglieder der . Siedlergemeinschaft Waldkolonie bildete bei ihrer Weihnachtsfeier vor wenigen Tagen das, von der Siedlerjugendspielschar aufgeführte Märchenspiel „Nikolaus vom Walde kommt“. Vorher hatte der Vorsitzende des Vereins, Herr Meisinger, die Ehrengäste, Mitglieder und deren Angehörige begrüßt.

Sechzig Siedlerkindern bescherte sodann der Nikolaus und sein Knecht Ruprecht seine Gaben. Einige Mitglieder des Vereins erhielten für treue Gemeinschaftsarbeit Ehrenurkunden.

Gedichts vorträge, Weihnachtslieder, die Musik der Hauskapelle und nicht zuletzt die Kuchenspenden der Siedlerfrauen hielten die Mitglieder der Gemeinschaft noch lange zusammen.

Weihnacht der 65jährigen

Die 65jährigen Schulkameraden der ehemaligen Ballon- und Müllerschule Darmstadt fanden sich in der Gastwirtschaft Ripper zusammen, um gemeinsam mit ihren Frauen, Kindern und Enkelkindern die Weihnachtsfeier zu begehen. Nach der Begrüßung durch den Kameraden Heinrich Hummel erschien der Nikolaus, der reiche Gaben austeilte. Im Anschluß an die Bescherung, die allerseits große Freude auslöste, entwickelte sich ein Weihnachtsprogr^mm, das von Frl. Elsbeth Srumpf (Sopran) und Heinrich Gutkäse, unter Begleitung des Herrn Etzold, bestritten wurde. A.uch Frau Christel Hummel erntete mit ihren heiteren Vorträgen stürmischen Beifall. Zwischendurch wurden von den Jüngsten Weihnachtsgedichte vorgetragen.

Der Tod auf der Autobahn


Unser Bild zeigt die Stelle des gestern von uns gemeldeten Unfalls auf der Autobahn bei Grafenhausen. Schreiner Wilhelm Deus er (im Bilde links) wurde von dem im Hintergründe stehenden Lastzug überfahren. Der Unfall beweist wieder, wie gefährlich es ist, zumal im Dämmerlicht und bei Glatteis, auf der Autobahn zu Fuß zu gehen. Die auf der' Fahrbahn stehenden Schilder mit Zahlen dienen zur Verdeutlichung des Unfallverlaufes bei der späteren Gerichtsverhandlung.
Unser Bild zeigt die Stelle des gestern von uns gemeldeten Unfalls auf der Autobahn bei Grafenhausen. Schreiner Wilhelm Deus er (im Bilde links) wurde von dem im Hintergründe stehenden Lastzug überfahren. Der Unfall beweist wieder, wie gefährlich es ist, zumal im Dämmerlicht und bei Glatteis, auf der Autobahn zu Fuß zu gehen. Die auf der' Fahrbahn stehenden Schilder mit Zahlen dienen zur Verdeutlichung des Unfallverlaufes bei der späteren Gerichtsverhandlung.

Preisraten bei der Heag

Wie lange kann man die Hand auf eine neuzeitliche Ringkoch-Platte legen, ohne sich die Hand zu verbrennen? Direktor S t r ah - ringer von der „Heag“ brachte es auf nur 15 Sekunden. Diese Preisfrage der elektrischen Kochplatte war die Frage 5 des Weihnachts-Preisausschreibens der Heag. Am Donnerstagnachmittag fand die Ziehung der Lose in feierlicher Form statt.

Direktor Strahninger begrüßte die Anwesenden und das Preisrichter-Kollegium. Er gab seiner Freude Ausdruck über den lebhaften Widerhall, den dieses Weihnachts-Preisraten in Darmstadt und der Provinz gefunden habe. Ueber 3000 Antworten seien eingegangen, von denen 1900 Einsender alle Aufgaben nichtig gelotst hätten.

Einige Schulklassen hatten lustige Briefe oder graphische Zeichnungen geschickt, und eine Familie brachte in Reimform und humorvoller Weise das Ergebnis zum Ausdruck. „Läßt sich die Frage 5 schwer beantworten, da ich nicht weiß, welcher Verbrennungsgrad gemeint ist: Rötung, Verbrennung oder Verkohlung“ ... schrieb ein weiterer Einsender. Die Mühe lohnte sich auch wirklich, da 100 Preise zu gewinnen waren; z. B. Kühlschrank, Heißwasserspeicher, Tischherd, Kaffeemaschine usw.

Nach der Ziehung — es ging ebenso korrekt wie feierlich zu — bat Herr Direktor Dreiheller die Anwesenden zu einem kurzen Imbiß. Danach begann die namentliche Einzeichnung in die Gewinnlisten — damit verbunden nochmalige Kontrolle — so’wie’Besichtigen und Begutachten der einzelnen praktischen und wertvollen Gewinne. Sg.

Hähne, Hühner und Tauben zeigten sich in Griesheim

Letztes Wochenende hatten die Geflügelzüchter des Kreises ihre Tiere auf der „Kreisgeflügelschau“ in Griesheim im „Grünen Laub“ ausgestellt.. Durch c |ie bereits vorausgegangenen Landes- und und Lokalschauen kamen nur erstklassige Rassetiere zur Ausstellung, die meist schon mehrfach preisgekrönt waren. Die über 500 zur Schau gestellten Hähne, Hühner und Tauben zeigten eine überraschend große Vielfalt an Variationsmöglichkeiten in der Geflügelzucht hinsichtlich Größe und Färbung. Den ersten Preis hatten die Preisrichter einem golck farbigen Italiener zuerkannt. Dem Ehrgeiz der Züchter gelang die Züchtung von Tieren, deren Jahresleistung über „300 Eier beträgt.

Kurze Meldungen aus der Stadt

Die Straßenverbreiterung der Kasinostraße an der Ausf.ährt zur Rheinstraße ist beendet. Die trichterförmige Straßenmündung bekam eine kleine Verkehrsinsel zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. O

In der Muna-Flachbausiedlung in Dst.- Eberstadt sind am 15. Dezember wieder vier Wohnungen bezugsfertig geworden. Dringende Notstände, darunter einige bekannte Kellerfälle aus der oberen Heinrichsstraße, wurden bereinigt. Weitere Wohnungen der gleichen Art werden in einigen Tagen ebenfalls fertiggestellt sein.

Die Kranichstelner Straße in Arheilgen geht jetzt, an der Dieburger Straße beginnend, bis zur Gemarkungsgrenze Darmstadt durch. Die ehemalige Merckstraße erhielt die alte Bezeichnung „An der Schafbrücke“, der Wixhäuser Weg wurde in die Wixhäuser Straße umbenannt und die seitherige Karlstraße bekam den Namen Merckstraße. o

Ein Schadenfeuer entstand .gestern Mittag in der Siedlung St. Stephan zwischen Darmstadt und Ghiesheim. In einer Bürobaracke war durch einen überhitzten Ofen ein Stück der Decke und des Daches in Brand geraten. Den Anwohnern des Gebäudes gelang es, vor Eintreffen der städtischen Feuerwehr den Brand zu löschen.

Tagung des ,Orplid“

Der Bund für Geistes- und Körperkultur e. V., Orplid, Darmstadt, traf sich seit der Neugründung zum ersten geselligen Beisammensein im Hotel Knauff. Dipl.-Ing. Schwabe, der Erste Vorsitzende, hofft, daß im nächsten Jahr der Verein ein eigenes Freikörperkulturgelände habe. Dr. med. Günther, der seit 1920 der Freikörperkulturbewegung angehört, äußerte in einer kurzen Ansprache seine Genugtuung über das Wiederaufleben der Bewegung, die den Menschen zu einem lebenstüchtigen und weitdenkenden Individuum erziehe. Die Jugendleiterin,' Fräulein Gamp, erklärte, es lasse sich an vielen Beispielen nachweisen, daß Kinder, die nach den Grundsätzen der Freikörperkultur aufwachsen, besser durch die Entwicklungsjahre kommen als andere und ihren Eltern manche Sorge ersparen. — Der Verein beabsichtigt, sich im kommenden Jahr mehr als bisher an die Jugendlichen zu wenden, um ihnen die Freude und Sicherheit zu vermitteln, die sie für ihr weiteres Leben benötigt. tt.

Wohin gelien wie heŭte?

Landestheater, Orangerie: 19.30—21.45 „Romulus der Große“. Stadthalle: 15.00 „Tischlein deck1 dich“. Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Amerikahaus: 15.00 Oper auf Schallplatten: Hänsel und Gretel, Ensemble der Metropolitan Opera, Neuyork. Ausstellung: Sössy van Cuylen, Brigitte Hallerstede. Landesmuseum: 10—13 Uhr Künstler-Weihnachtsmesse, veranstaltet vom Neuen Hessischen Kunstverein. Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3a: 15 bis 20 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.

Wir gratülieren

78. Geburtstag: Frau Elise P 1 ö s e r geb. Meckel, Darmstadt, Tannenstraße 17. 76. Geburtstag: Frau Elisabeth Kämme re r, Wwe. des Spenglermeisters Karl Kämmerer, Darmstadt, Parcusstraße 10.

Wie wird das Wetter?

Weiter Frostwetter

Vorhersage: Im wesentlichen niederschlagsfrei, zeitweise wolkig. Tiefsttemperaturen nachts zwischen minus 4 und minus 8 Grad, örtlich noch kälter. Tageshöchsttemperaturen nur im Flachland in Gefrierpunktnähel, Schwache wechselnde Winde.



STARKENBURG

Höchste Zeit!

sr Als ich gestern vor dem Schaufenster eines Haushaltswarengeschäftes stand und eine Christbaumspitze sah. die ich schon seit zwei Jahren suchte, fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, daß mir dieses Jahr 'bestimmt die Tanne dazu fehlen würde, wenn ich mich nicht bald zu ihrem Kauf entschlösse. Mit der Spitze in der Tasche trat ich deshalb schleunigst den Weg zu einem alten Bekannten an. von dem ich wußte, daß er alljährlich ein großes Lager und eine noch größere Auswahl hat.

In langer Reihe standen sie da. die Boten des Waldes, kleine und große, breit ausladend und bescheiden. schmal, da und dort ein kleines Zettelchen tragend, zum Beweis dafür, daß sich ihr Besitzer schon gefunden habe und nur .noch schnell um die Ecke einen kleinen Einkauf mache.

Bisher war es immer mein Stolz, schnell una sicher einzukaufen. Ich hasse ®s» unentschlossen herumzustehen oder die 'Verkäufer herumzu jagen, bis nach dem fünfundzwanzigsten Vorschlag der erste doch am besten gefällt. Aber man erinnere mich nicht an Weihnaehtsbäume! Da zerbricht in mir aller Stolz und ich weiß nicht, wo ich anfangen und! auf hören soll. Seit ich das einmal gemerkt habe, nehme ich Jahr für irr T. Familie mit. Womit also unser Weihnachtsbaumkauf zum Routinegang wurde.

Gestern allerdings fiel er uns besonders schwer. Und mein alter Bekannter meinte dazu: „Wärste vor acht Dääg gekomme, häddsde se frisch gehabt und scheene warn aach noch debai gewäse!“ Was sich uns nämlich hier präsentierte, war wirklich nicht das was wir suchten. Trotzdem ich für meine Person nicht allzu wählerisch bin.

Das Gesicht meiner Frau wurde zudem merklich länger, als ich nervös einen nach dem anderen um die Achse drehte, wieder hinsteMfe und als undiskutabel bezeichnete. Mein? kleine Tochter aber legte inzwischen den Kopf schief, schaute von Mutti zu Vati, von Vati zu den Tannen und wieder zur Mutti. (Was sie eich dabei gedacht haben mag, wollte ich sie nicht fragen, weil sie dann vielleicht an unserer Intelligenz gezweifelt hätte.)

So drehte ich einen um den anderen in meinen Händen. Als ich gerade beim 24. war und den letzten argwöhnisch betrachtete, um ihm schneller auf seine Fehler zu kommen, meinte meine Frau, daß dieser doch „herrlich“ sei. Sie wies dabei auf einen, der bescheiden in einer Ecke stand. Weshislb ich ihn mir näher ansah und ebenfalls .herrlich“ fand. Und als dann meine Meine Tochter auch nichts daran auszusetzen hatte, kaufte ich ihn. Für 2.40 DM.

Es war jener, den ich zuerst in Händen hielt, als ich das Geschäft meines alten Bekannten betreten hatte.

NB. Ich fruig, was mit den „scheppen“ geschehej wenn sie nicht gekauft würden. Hierzu meinte mein alter Bekannter: „In de letzde Minude komme noch genuch Leit, die wo den Kram kaafe. Dodevor, daß die sitze bleiwe. hob ich keu Aengsde!“ *

Wer also noch keinen Baum hat, tut gut, ihn jetzt zu kaufen. Es ist höchste Zeit!

Damit die „scheppen“ auch noch ihre Besitzer (finden. . .

(Wenn. Sie ihren Baum gekauft haben!)

Wollen wir wieder marschieren?

Diskussionsabend im Groß-Umstädter Jugendforum

Groß-Umstadt. (Rb.) „Wollen wir wieder marschieren?“ war das Thema, das der Groß-Umstädter Jugend zu einem Forumsabend gestellt war, zu dem auch die Vertreter aller Parteien eingeladen waren. Leider erschienen jedoch nur Ludwig Wedel (SPD), Hermann Molter (FDP) und Georg Reinhard (KPD).

Forumsleiter Simon brachte das Gespräch, das sich bald zu einem lebhaften Meinungsaustausch entwickelte, in Gang. Hauptsächlich die Redner der Linksparteien machten von ihrem umfangreichen Wissen und ihrer geschulten Rethorik Gebrauch; ihnen gegenüber gerieten die jugendlichen Diskutanten etwas ins Hintertreffen, die Teilnahme aber von 20 Jugendlichen an der Behandlung der gestellten Frage zeigte das außerordentlich starke Interesse, das den jungen Menschen von heute bewegt!

Remilitarisierung — Wiederaufrüstung —■ Wehrbereitschaft waren die drei Punkte, um die sich die nahezu vier Stunden währende Auseinandersetzung drehte. In ihrem Verlauf allerdings kam es mehr zu einer Darlegung der zum Teil auch persönlichen Auffassungen der Parteiredner, so daß das Forum selbst zeitweise stark in die Rolle des Zuhörers gedrängt war.

Die Erweiterung des gestellten Themas zu der Frage „Wie ist es zu der heutigen Situation und dem Problem der deutschen Wiederbewaffnung gekommen?“ war gelegentlich Anlaß über die vorgesehene Linie hinaus auf Vorgänge in der ganzen Welt einzugehen. Die Fülle der dabei berührten neuen Themen führte schließlich dazu, daß eine Fortsetzung dieses Jugendforums für die erste Hälfte Januar 1951 mit den gleichen Parteirednern beschlossen wurde.

Der weitaus größte Teil der Jugendlichen, die sich zum Wort meldeten, bekannte sich als Gegner der Wiederaufrüstung, je nach Lebensalter aus eigener bitterer Erfahrung der letzten Kriegsjahre, oder nach Kriegsende nur ideologisch geschult. Im Zusammenhang mit der zur Zeit außerordentlich gespannten politischen Lage zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion erhob' sich die Frage, was wir als Deutsche tun könnten, um eine Entspannung herbeizuführen — ein Problem, auf das meist die Antwort kam: „Wir müssen uns aus West und Ost zusammensetzen und gemeinsam den Versuch der Lösung dieser Frage anstreben.

Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Grotewohl-Brief erwähnt und schließlich eine Resolution angenommen, in der u. a. jegliche Remilitarisierung Westdeutschlands abgelehnt und zur Sicherung des Friedens ein gemeinsames Gespräch zwischen West- und Ostdeutschen gefordert wird.

Der im großen und ganzen sehr anregenden Aussprache wohnte der neue Resident Offlcer des Kreises Dieburg, Mr. Pancoast, bei, der seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß die deutsche Jugend ein wenig von der Freiheit der Meinung und des Wortes erlebt habe, wie man sie sich für alle Bürger einer wahren Demokratie wünschen möchte.

Gemeinderat in Spendelaune

Grundsteuervergünstigungen und Verdienstausgleich für Waldarbeiter

Münster. (Rb ) - Der Gemeinderat hat in seiner Vorfeststimmung am Montagabend vielen Einwohnern der Gemeinde eine Weihnachtsfreude bereitet. Alle Punkte der Tagesordnung, bei denen es „ums Geben“ ging, wurden — wenn auch nicht ohne gelegentliche längere Aussprache — gutgeheißen.

So wurde 25 Bauherren eine Grundsteuervergünstigung eingeräumt, auch für Neuwohnungen, die zwischen der Währungsreform und dem 1. Januar 1950 erstellt wurden Ferner wurde einem Antrag der Gemeinde-Waldarbeiter auf Verdienstausgleich für die Arbeiten zugestimmt, die infolge Bodenbeschaffenheit und Bewuchs nicht die Möglichkeiten bieten, die an sich und allgemein eingeführten Akkordlöhne zu erreichen In Zukunft soll die Entlohnung auf eine ’Grundlage gestellt werden, die einen Stundenlohn von 1,20 DM gewährleistet.

Die an Gemeindebedienstete auszuzahlende Weihnachtsgratifikation wurde für Verheiratete auf 35 DM, für Ledige auf 20 DM festgesetzt und damit gegenüber dem Voriahr erhöht. Der katholischen Schwesternschaft wurden 50 DM als Festgabe überreicht. Der Anregung, aus der Entschädigung für den konfiszierten Gemeindewald pinen Betrag zur Errichtung einer Festhalle abzuzweigen, soll nach Abschluß der noch schwebenden Entschädigungsverhandlungen nähergetreten werden.

Massenchor „Ich warte Dein“, gesungen von der Gesangsabteilung Ueberau und dem Gesangverein Gundernhausen, endete dieser Lieder-Abend.

Im Gesang vereint

Ueberau. (Si.) - Die Gesangsabteilung snortgemeinde veranstaltete unter Mitd rkung der Gesangvereine Gundernr^sen Wembach-Hahn und der Kapelle Kreisel, Roßdorf, einen Liea v und Konzertabend in dem neuheroprichteten Saale des Gasthauses „Zur golpn Krone“. Männerchöre, gemischte Se und Soloparts, vorgetragen von Di-C. 1 Kreisel, Roßdorf, ernteten den BeKall der zahlreichen Zuhörer. - raeen Ende des Abends erfreute der , v^sitzende des Arbeiter-Gesangvereins Lachbrücken, Seibold, der von öPd .. Klingler, Reinheim, aufs bereitet wurde, die Zuhörer durch se^ne wunderbare Baßstimme. Mit dem

Erfolgreiche Odenwaldschau

Fränkisch - Crumbach, (öf) — Bürgermeister Jost eröffnete am Wochenende die zweite Odenwälder Geflügelausstellung. Außer dem Schirmherrn der Veranstaltung sprach der 2. Kreisvorsitzende der Fachgruppe Geflügelzucht Dieburg. Vertreten waren: 428 Hühner, 20 St. Wassergeflügel, 300 Tauben Und 50 Tiere der Jugendgruppe. Insgesamt wurden 57 Ehrenpreise und 150 Zuschlagpreise vergeben.

Die Preise verteilen sich wie folgt: Siegerband für Tauben: Jakob Treusch, Bockenrod, hessische Kröpfer, weiß; Heinrich Dingeldein, Reichelsheim, hessische Kröpfer, schwarz.

Siegerband für Hühner: Nikolaus Niklas, Reichelsheim, Orpington-Hähne, schwarz; Georg Arras 11, Fränk. -Crumbach, Jakohama-Hähne; Wilh. Hofmann, Reichelsheim, Italiener Goldhals-Hahn; Kapp, Groß-Bieberau, Lachshühner, Hennen.

Landesfachgruppenpreis für Hühner: Joh. Bühler, Dieburg, Wyandotten-Hähne; K. F. E. Gg. Arras 11, Fränk.-Crumbach, Jakohama-Hahn, rot.

Landesfachgruppenpreis für Tauben: Ph. Arras, Fränk.-Crumbach, Altdeutsche Kröpfer, weiß.

Die 3. große allgemeine „Odenwaldschau“ findet am 17. und 18. Dezember 1951 in Reichelsheim statt.

Steigende Preise, wenig Nachfrage

Groß-Bieberau (GD) — Während beim letzten Ferkelmarkt vor 8 Tagen 48 Tiere aufgetrieben wurden, waren es diesmal nur 39 (17 Ferkel und 22 mittlere Springer). Folgende amtliche Preise wurden notiert: Ferkel 40 bis 60 DM (45—50) und Springer 60 bis 70 DM (55—60). Die Qualität der Tiere war gut, nur das Kaufinteresse fehlte, so daß der Markt mit 60 Prozent Ueberstand geschlossen wurde. Der nächste Ferkelmarkt findet am 8. Januar statt.

Baugemeinschaft bringt Vorteile

Wohnungssuchende und Bauwillige informierten sich

Roßdorf, (sl) — Zahlreiche Bauwillige und Wohnungssuchende der Gemeinde waren der Einladung Bürgermeister Roßmanns gefolgt, um an einem Ausspracheabend teilzunehmen. Als Gäste waren die Herren Arnold und B er n j u s von der Deutschen Baugenossenschaft A. G., Königstein, erschienen. Bürgermeister darauf hin, daß die Wohnungs-

In seinen einleitenden Worten wies der läge trotz reger Bautätigkeit immer noch als recht kritisch zu betrachten sei und die neu geschaffenen Wohnungen keinesfalls den erforderlichen Bedarf decken. Beweis hierfür sei zum Beispiel die in der letzten Gemeinderats-si-tzung beratene Vergebung von sechs Wohnungen im dritten Gemeindesiedlungshaus, zu der allein 38 Anträge von Wohnungssuchenden vorlagen.

Anschließend erläuterte Herr Arnold, daß gemäß Bundesgesetz allen Flüchtlingen, Sachgeschädigten, politisch und rassisch Verfolgten Baudarlehen aus Soforthilfemitteln gewährt werden können, wenn diese einen Bausparvertrag abschliießen. Die Höhe dieser Darlehen betrage für Flüchtlinge 2000 DM, für sonstige Geschädigte 1500 DM; für die Errichtung einer Einliegerwohnung könnten weitere 1000 DM gewährt werden. Auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Bund und den Bausparkassen erfolge die Zuteilung an die betreffenden Bausparer innerhalb von sechs Monaten. Somit könnten also diese Interessenten bei Entrichtung einer Abschlußgebühr von 1 Prozent der Bausumme umgehend mit den Bauarbeiten beginnen. Voraussetzung sei allerdings der Abschluß eines Bausparvertrags bis zum 31. 12. 1950.

Nach eingehenden Erläuterungen über die günstigen Rückzahlungsbedingungen der Darlehen betonte Herr Arnold, daß ein Zusammenschluß aller Baulustigen zu einer Baugemeinschaft wesentliche Vorteile und Erleichterungen bringe und außerdem eine merkliche Senkung der Baukosten durch eine einheitliche Bauweise herbeigeführt würde.

Schwein sprang ab

Dieburg. (R. G.) — Auf der Straße nach Groß-Umstadt bemerkte ein Motorradfahrer ein herrenlos umherlaufendes Schwein. Er holte einen vor ihm fahrenden Metzger aus Dietzenbach ein und machte ihn auf das Borstenvieh aufmerksam, das dem Geschäftsmann während der Fahrt vom Lkw. gesprungen und sich für kurze Minuten selbständig gemacht hatte.

Unter dem Weihnachtslicht

Weitere Gemeinden meldeten uns heute ihre Weihnachtsfeiern die sie am Anfang der Woche durchführten. So brachte die Jugendgruppe der Spielschar 1946 Bickenbach „Annemaries Märchentraum“ von Pannek zur Aufführung. Der vor kurzem gegründete Chor der Volksschule sang unter Leitung von Lehrer Koch mehrere Lieder. Bei der Feier, die die Schüller und Schülerinnen der Volksschule Brauns h a r d t durdnführten, ernteten die kleinen Künstler mit zwei Theaterstückchen: „Der Weihnachtsmann weiß alles“ und „Die Schatzgräber“ reichen Beifall. Der Zweigverein des Verbandes der Körperbeschädigten von Ober-Modau hielt im Lokal „Zur Linde“ seine diesjährige Nikolaus- und Weihnachtsfeier ab. Bei einem von der Wixhäuser Volksschule durchgeführten Elternabend, der ebenfalls sich im weihnachtlichen Rahmen abspielte, wurde der Einakter „Weihnachten im Walde“ und „Der Mutter Bild“ ein Weihnachtsspiel in zwei Akten aufgeführt. Der Volkshausbauverein in Reinheim batte seine Mitgliedei' ebenfalls zu einer kleinen weihnachtlichen Familienfeier versammelt, an deren Ausgestaltung sich die Sportvereinigung 1945 und die We r - sauer Kapelle Kohlbacher beteiligten.

Die evangelische Jugendgruppe Spachbrückens hatte unter ihrem Jugendleiter Ahl eine Bescherung durchgeführt, bei der auch Theateraufführungen dargeboten wurden-.

In Stock sta d t hat die Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten und -hinterbliebenen 115 Kinder reichlich beschenkt. Vorsitzender Holzmann hielt die Festrede. Unter der Leitung von Lehrer Roloff feierten die Schaafheimer Neubürger im „Frankfurter Hof“ ihre Weihnachten.

Im Geiste Friedrich Aereboe's

Jährlich rund 500 Studienbewerber / Einführung des zweijährigen Studiums erforderlich?

Michelstadt (eh) — An der Friedrich-Aereboe-Schule, der höheren Landbauschule der Landwirtschaftskammer Hessen-Nassau, gab es seit Mitte November bänglich-kiopfende Studentenherzen. Vom 13. bis 15. November wurden die schriftlichen Prüfungen abgehalten, bei denen an jedem Tag je eine schrift liehe Klausurarbeit in den Fächern Acker- und Pflanzcnbaulehre, Wirtschaftslehre, Landbau, Tierhaltung und Tierzucht zu liefern war. In den Tagen vom 14. bis 16. Dezember fanden die mündlichen Abschlußprüfungen statt.

Ursprünglich hatten sich 77 Hörer zur Prüfung gemeldet, von denen jedoch auf Grund des Ergebnisses der schriftlichen Arbeiten nur 75 Kandidaten zur mündlichen Prüfung zugelassen werden konnten. Der vom Ministerium für Arbeit. Landwirtschaft und Wirtschaft eingesetzten Prüfungskommission gehörten als Vertreter des Ministeriums Oberregierungs- und Landwirtschaftsschulrat Dr. Kraft, der den Vorsitz führte, als Vertreter der Justusv.-Liebig-Hochschule in Gießen Prof. Dr. v. Boguslawski, als Vertreter der Landwirtschaftskammer für Hessen-Nassau Oberlandwirtschaftsrat Leonhard, als Vertreter der praktischen Landwirte Kreislandrat Walter Pril i p p , ferner die Dozenten der Anstalt. Direktor Dr. Josef Ott. Prof. Dr. L. W. Ries und Dr. W. Dörri c h an. Am zweiten Prüfungstag hatte sich auch der Direktor der Landwirtschaftskammer in Frankfurt. Kammerdirektor Hermann Weingarth. eingefunden.

Das Ergebnis der sehr strengen Prüfung, die nach der Prüfungsordnung des Ministeriums vom 28. 6. 1947 durchge.führt wurde, kann durchweg. als sehr befriedigend bezeichnet werden. Von den zur mündlichen Prüfung zugelassenen Kandidaten erhielten vier eine Gesamtbewertung mit „sehr gut“, und zwar: Winfried Busse, Warendorf (Weatf.), Hans Heinrich, Seligenstadt, Georg Wagner, Wolzhausen (Kr. Biedenkopf) und Alexander Schultz. Hermannsburg (Kreis Celle). 42 wurden mit „gut“, 27 mit „befriedigend“, einer mit » genügend“ und einer mit „ungenügend“ bewertet, so daß mit den 2 schon bei der schriftlichen Arbeit ausgefallenen Kandidaten 3 die Abschlußprüfung nicht bestanden haben.

Mit der Zeugnisverteilung fand der Lehrgang seinen offiziellen Abschluß. Am Abend fanden sich Hörer. Dozenten und Freunde des Instituts zu einer gemütlichen Abschlußfeier zusammen, bei der unter anderem auch der Bürgermeister von Michelstadt, Wöb er , und Bundes- und Landtagsabgeordneter Heinrich Ritzel herzliche Worte für die Absolventen der Anstalt wie für die Leistungen ihrer Dozenten fanden.

Die Friedrich-Aereboe-Schule Michelstadt sieht mit dem Abschluß dieses Lehrgangs auf eine vierjährige Tätigkeit zurück, in der sie die Aufmerksamkeit breiter Kreise der Landwirtschaft auf sich gezogen hat. Daraus ist es nur zu erklären, daß sich jährlich etwa 500 Bewerber für das Studium melden, von denen jedoch nicht mehr als 78 aufgenommen' werden können. Diese hohe Zahl der Teilnehmer, die hohe Anforderungen an die Leistungen der Dozenten stellt, ist gerade aus dem Bestreben der jungen Landwirte gerechtfertigt, für ihren schweren Beruf ein gutes Rüstzeug zu erwerben.

Wenn auch die hessischen Bewerber in erster Linie berücksichtigt werden, so steht die Anstalt doch den Landwirten aus ganz Deutschland zur Verfügung. Auch die Ost- und Volksdeutschen sind reichlich vertreten. Sowohl von den Lehrern als auch von den Hörem wurde immer wieder festgestellt, daß die Studiendauer von emem Jahr für das große Wissensgebiet der Landwirtschaft mit ihren neuen Erkenntnissen und Fortschritten kaum mehr ausreicht, so daß die Einführung eines zweijährigen Studiums recht bald ins Auge gefaßt werden sollte.

Weihnachtsfreude überall

Erbach, (eh) Das letzte Wochenende stand auch in der Kreisstadt wie in fast allen anderen Orten im Zeichen zahlreicher Weihnachtsfeiern und Bescherungen von Behörden, Organisationen, Vereinen und Großbetrieben.

Die Erbacher Tuchfabrik hatte am Samstagnachmittag dazu einen großen Fabrikraum festlich hergerichtet, in dem sich alle Werksangehörigen, Betriebsrat, Direktion und Aufsichtsrat zusammengefunden hatten. Ein weihnachtliches Programm mit Musik und Gesang trug zu guter Stimmung bei.

Die Gendarmerie des Kreises hatte sich zu ihrer Weihnachtsfeier wieder in die malerische Winterwaldlandschaft der „Vier Stock“ zurückgezogen, um für einige frohe Stunden auszuspannen vom Ernst des Alltagsdienstes. Gend.-Oberkommissar Fornoff, der Leiter des GKK Erbach, konnte als Gäste Gend.-Direktor Beyer, Darmstadt, Regierungsrat Zörgiebel und Regierungsamtmann Sattler von der Kreisverwaltung Erbach begrüßen.

In der Amerikanischen Lesehalle hatten die Kinder des englischen Sprachlehrgangs „Englisch zum Spaß'1 ihre Weihnachtsfeier in Form eines lustigen Bunten Abends in Englisch und Deutsch. Die Box-Vereinigung Erbach-Michelstadt bereitete ihren Aktiven am Samstagabend im Saal des Erbacher Brauhauses eine stimmungsvolle Weihnachtsbescherung.

Besonders festlicher Glanz lag über der Weihnachtsfeier, die der Ortsverband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen- und Vermißtenangehörigen in Gemeinschaft mit dem Roten Kreuz am Sonntagnachmittag im Cafe Glenz für die Kinder von Vermißten und noch nicht heimgekehrten Kriegsgefangenen veranstaltet hatte. St. Nikolaus hatte für diese vom Schicksal so hart geprüften Kinder eine besonders offene Hand.

Das dicke Ende kam nach:

11 Monate Gefängnis sür Kuppelei

Mehr Pärchen als Zimmer / Überpreise sollten das schlechte Geschäft über Wasser halten

Reinheim (le) — Vor dem Schnellrichter des Amtsgerichts Reinheim hatten sich der Gastwirt G. L., Nonrod, und dessen Ehefrau sowie der Gastwirt Ph. Schz., Lichtenberg, zu verantworten. Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, seit über einem Jahr fortgesetzt Mädchen mit ihren amerikanischen Freunden Zimmer zur Verfügung gestellt und hierfür Ueberpreise verlangt zu haben.

Die Anmeldeplätze und das Fremdenbuch ergaben, daß in den Frühjahrs- und Herbst-Monaten durchschnittlich 50 bis 60 Pärchen bei L. übernachteten. Bei Schz. war diese Zahl geringer. Auf Grund der Zeugenaussagen ergab sich, daß den Pärchen teilweise getrennt Zimmer angewiesen wurden, aber dabei von den Gastwirten betont wurde, „sie könnten ja nachts nicht vor ihrer Tür Wache stehen“. So ergab sich auch, daß die Anzahl der Pärchen -die Zahl der Zimmer übertraf. Die Angeklagten verteidigten sich damit, daß sie diesen Betrieb nur wagen finanzieller Schwierigkeiten aufrecht erhalten hätten.

Staatsanwalt Starke beantragte wegen fortoesetzter und gewohnheitsmäßiger Kuppelei für L. 8 Monate Gefängnis und 800 DM Geldstrafe, seine Frau 6 Monate Gefängnis, und für Schz. 5 Monate Gefängnis sowie 250 DM Geldstrafe.

Amtsgerichtsrat Dr. Rothe stellte fest, daß verschiedene Mädchen schon wegen krimineller Delikte bestraft werden mußten. Das Gericht erkannte bei L. auf 5 Monate, bet seiner Frau wegen Beihilfe auf 3 Monate und bei Schz. auf 3 Monate Gefängnis. L. und Schz wurde die Untersuchungshaft von einer Wochle als verbüßt angerechnet.

Frau und Kinder vernachlässigt

Schaafheim. (RG) — Der Arbeiter R. K. hat die seiner Frau und seinen vier Kindern -gegenüber bestehende Unterhaltspflicht schon mehrere Monate lang nicht erfüllt, so daß der Lebensbedarf seiner Familie gefährdet war und die Ehefrau K. nur durch schwerste Waldarbeit die Not abwenden konnte.

K. selbst, der bei einer Frau in Dieburg Wohnung genommen hat, hat außerdem im Beisein dieser Frau und seiner Kinder in der Schaafheimer Wohnung seine Ehefrau so schwer mißhandelt, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Schließlich versuchte er noch, die gemeinsam -angeschafften Gegenstände -aus der ehelichen Wohnung zu entfernen. Nach seiner ersten richterlichen Vernehmung wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Doppeleinbruch in Babenhausen

Babenhausen (RG) — In die an der Aschaffenburger Straße liegende Häusergruppe wurden in ein und derselben Nacht zwei Einbruchsdieb stähle ausgeführt. Im ersten Fall gelangten die Diebe über die Terrasse eines Restaurants und nach Ausschneiden einer Fensterscheibe in den Gastrauim, wo sie aus der Verkaufsvitrine Schokolade, Zigaretten und Genußmittel im Werte von über 200 Mark stahlen.

Im zweiten Fadil wunden die Bänder einer Gartentür gelöst, das Vorhängeschloß an einem Hühnerhaus aufgebrochen und aus dem Stall ein Stamm wertvoller Zuchthühner entwendet.

Den Weihnachtsbraten geholt

Bensheim. (H. B.) — Aus einem Anwesen in der Ludwigstraße wurden in der Nacht von Montag zum Dienstag 8 Hühner gestohlen und gleich an Ort und Stelle abgeschlachtet. Die rücksichtsvollen Täter ließen dem Geschädigten jedoch von seinen zehn Hühnern wenigstens zwei als Braten für die Feiertage übrig. Von den Dieben fehlt jede Spur. Fahndungsmaßnahmen wurden von der Polizei eingeleitet.

Staatsbauamt mit grõßten Ausfgaben

Bedeutsames Richtfest in der Kreisstadt Groß-Gerau

Groß-Gerau (kr.) — Am Montag wurde auf dem nunmehr fertiggestellten Staatsbauamt in der Hedwigstraße die Richtkrone gesetzt.

Dieser, aus den Trümmern eines ehemaligen Beamter.hauses wiederaufgebaute Bau stellt gegenüber der bisherigen Unterbringung der Dienststellen des Staatsbauamtes in einem dem Finanzamt gehörigen Raum eine wesentliche Verbesserung dar. Baurat Giesen, der als Gäste den Vertreter ■ des Regierungspräsidenten, Oberregierungsrat Holtz, Kreisamtmann Seipp vom Landratsamt sowie Bürgermeister Dr. Lüdecke begrüßte, wies in seiner Festansprache auf die Bedeutung dieser Dienststelle hin, die nun wieder eine eigene Heimat finden wird und betonte, daß das Groß-Gerauer Bauamt neben dem der Stadt Frankfurt in Hessen die größten Aufgaben zu erfüllen habe.

Die dem Zuständigkeitsbereich des Groß-Gerauer Staatsbauamtes angehörenden Bauten repräsentieren nach den Ausführungen von Baurat Giesen einen Wert von 20 Mill. DM. Die Gäste wünschten dem Staatsbauamt erfolgreiche Arbeit in den neuen Räumen, die neben Büros auch verschiedene Heimstätten für Familien enthalten. Besonderer Dank galt auch den Bauhandwerkern, die trotz schwieriger Witterungsverhältnisse ihre Arbeiten vollenden konnten.

Rine verspielte Sache

56jähriger verließ seine Familie

Darmstadt (wst) — Karl R. aus Langen war gemeinsam mit seinem Sohn. Provisionsvertreter einer Wuppertaler Firma. Durch den Kauf eines Wagens geriet der 56jährige in Schulden. Hinzu kam, daß der Verdienst durch die schlechte Geschäftslage ohnehin nicht hoch war. Aus diesen Gründen ließ sich R. eines Tages dazu verleiten., in Spielkasinos sein Glück zu versuchen. Er verlor jedoch und deckte seine Spielschulden mit Geldern, die er für seine Firma kassiert hatte.

Als er seine Verfehlungen seiner Ehefrau eingestand, gab es großen Krach. Im Verlauf dieser Familienstreitigkeit verließ R. das Haus und trieb sich fortan ziellos in verschiedenen Ortschaften herum. Um seinen Lebensunterhalt fristen zu können, verübte er Betrügereien am laufenden Band: Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen brachte er Leute um Geld oder er bezahlte mit lingedeckten Schedes.

Völlig heruntergewirtschaftet stellte er sich der Kriminalpolizei 'in Darmstadt. Das Darmstädter Schöffengericht verurteilte gestern den 56jährigen vorbestraften Mann zu acht Monaten Gefängnis

Ein Gaunerstreich:

Der entführte Lastzug

Jugenheim. (wst) — Ein gerissenes Gaunerstückchen vom letzten Sommer fand gestern vor dem Darmstädter Schöffenrichter sein gerichtliches Nachspiel. Der 28 Jahre alte vorbestrafte Arbeiter Karl Peter St. aus Jugenheim, hatte sich seinerzeit als Fuhrunternehmer niederlassen und trotz geringer Geldmittel einen Lastzug anschaffen wollen. Er führte mit einer Pfungstädter Firma entsprechende Verhandlungen. Nach einer Probefahrt nach Neuwied, bat er um Überlassung des Lastzuges.

St. verschwand jedoch mitsamt dem Lastzug und einem Fahrer (er selbst besaß keinen Führerschein) auf Nimmerwiedersehen. In Hamburg ließ er sidr nieder. Der Fahrer des entführten Wagens, der Mitangeklagte N., trennte sich von ihm (in Nürnberg wurde er wegen einer anderen Sache festgenommen).' St. verpfändete den Anhänger des Zuges einem Gastwirt und zwei Reifen an eine Vulkanisieranstalt für ein Darlehen von 150 DM. Nach zwei Monaten war der Traum zu Ende: St. wurde in Hamburg festgenommen und der Rest des Lastzuges sichergestellt. Dais Schöffengericht entschied auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und sprach den Mitangeklagten

unser cburtslagskinder

87. Geburtstag: Frau Maria Beines, Groß-Zimmern, Andreasgasse 2 b. Mohr. 82. Geburtstag •’ Frau Luise Hergert, Wixhausen, Ostendstraße.

Frisches Leben

CH. H. KLEUKENS

Das Wunder der heiligen Nacht

Als kleines Kind fand ich's wunderschön, wenn mir die Großmutter das Märchen von den lüttjen Mäusen erzählte, die keine Schuhe hatten. Aber als ich größer wurde, verlangte ich richtige Geschichten. Vom Großvater wollte ich wissen und lieber noch vom Urgroßvater, der ein Schiffer gewesen war. „Er segelte dorthin, wo nachts die Sonne ist“, sagte die Großmutter. Das konnte ich nicht fassen. Doch war ich gewaltig stolz auf ihn. Von Sonne, Mond und Sternen wollte ich wissen, von Gott und von der Welt, ja von allem. Und einmal drang aus den heiligen Hainen unserer Väter uraltes Wortgeläute an mein Ohr: der Hymnus von Wessobrunn. „Da hörte ich der Wunder höchstes: daß Erde nicht war, noch oben Himmel, noch irgend ein Baum noch Berg nicht war, noch die Sonne nicht schien, noch der Mond nicht leuchtete, Schlittengeläute. Plötzlich wurde unsere nichts war an Enden und Wenden, da war doch der Eine, der allmächtige Gott, der Männer mildester, und waren dort mit ihm gute Geister.“ Alles fing an, zu singen in mir: Baum, Berg, Sonne und Meer, tausendstimmig, ein lebendiger, heiliger Choral.

Unser Dorf lag zwischen Heide, Moor und Wesermarsch unter den schweren Wolken der See und den häufigen Stürmen. Die Menschen dort waren schwerblütig, wortkarg und hingen am Alten. Und wohl als wichtigstes Ereignis des Jahres galt ihnen die Wintersonnenwende: der Tag, an dem die Sonne wieder zu steigen beginnt, der Geburtstag der Sonne. Und dieses Fest nannten sie Julfest, machten es zum Jubel tage und feierten es gleichzeitig als die heilige Nacht, in der Jesus geboren wurde, das Licht der Welt.

Und einmal, im Winter, die Sonne hatte alle Kraft verloren, die Bäume standen geduckt und ganz schief und trügen dicke, weiße Kappen, jedes Haus war versteckt im Schnee, überall lag hoher Schnee, und langsam fielen weiche weiße Flocken — da hörte ich, daß bald die neue Sonne geboren werden würde, daß auch Gott in dieser Zeit ein großes Licht bereitet habe. Ich saß in Erwartung des Wunders. Mein kleines Herz klopfte. Bang und feierlich war mir zumute. Der Abend kam. Das Schneien hatte aufgehört, der Himmel war höher geworden, unermeßlich hoch, Millionen Sterne funkelten. Bitter kalt war es auf der Erde, das Eis auf den Kuhlen knisterte. Auf einmal heulte es wie Sturmwind über die Dächer: Wodan, der wilde Jäger brauste vorüber. Ganz schaurig war es. Lange, lange blieb dann alles still. Nur manchmal, von fernher, erklang Schlittengeläut. Plötzlich • wurde unsere Haustür aufgerissen, ein Paket flog mit lautem Geklapp in unsere Diele und eine kräftige Stimme rief: Julklapp! — Noch ein zweites, ein drittes Mal wurden heimliche Gaben in unsere Diele geworfen, und jedesmal erscholl dabei ein Julklapp! Der Weihnachtsmann und seine Knechte gingen um.

Aber erst am andern Morgen, bei Sonnenaufgang, erstrahlten die Lichter des Tannenbaumes. Sein schlichter Adel trug Früchte heimischer Erde, doch keinerlei Flitter. Und draußen wurde mit Geknatter die aufgehende Sonne begrüßt, die Geburt des siegenden Lichtes.

So wurde noch vor sechzig Jahren in einsamen Gehöften und abseits liegenden Orten Niedersachsens das Weihnachtsfest gefeiert. Aber auch dort hat sich im letzten halben Jahrhundert manches geändert. Das Abbrennen von Feuerwerk ist mehr und mehr auf die Zeit verlegt worden, die im Kalender des Papstes Gregor als der Beginn des neuen Jahres

Der Sonne zieh'n wir ferne auf winterdunkler Bahn. Doch sind uns alle Sterne zur Weihnacht zugetan und brennen hell und funkeln vom hohen Himmelsraum, als ragte aus dem Dunkeln empor ein starker Baum, der sie mit seinen Zweigen da droben trägt und hält, daß sie im Glanze neigen sich über alle Welt. Margarete Dierks

bezeichnet wird. Die Tage zwischen der heiligen Neujahrsnacht unserer Ahnen und dem Nenjahr des römischen Kalenders nennt aber der Volksmund noch heute „Zwischen den Jahren“.

Das große Wintersonnenfest unserer Vorfahren hat man schon vor mehr als fünfzehnhundert Jahren auf Jesus, das Licht der Welt, bezogen, dessen wirklichen Geburtstag aber noch niemand ermitteln konnte und den im Jahre 354 die Kirche auf den 25. Dezember festgelegt hat.

Zum Christtag wurde der Tag, an dem die Sonne zu steigen beginnt, zur Weihenacht wurde die heilige Neujahrsnacht unserer Ahnen, zum Geburtsfest des Heilandes wurde das Wunder der siegenden Sonne.

BÜCHER die wir uns wünschen

Der Verlag der Internationalen Biblio¬ thek wagte mit der Abenteurer-Erzählung von Heinrich Rosemann „Kapitän Silver“ eine Fortsetzung von Stevensons’ vielgelesener „Schatzinsel“. Sie ist dem Verfasser geglückt. In Handlung und Stil an das „unvollendete Drama“ anschließend, gelang eine selbständige und in sich geschlossene Erzählung, die bis ans Ende in atemloser Spannung hält. Das rauhe Leben der Seeleute, die Grausamkeit der Seeräuber und goldgierigen Verbrecher finden den moralischen Ausgleich in der Treue und kameradschaftlichen Hilfsbereitschaft der Besatzung von der „Fortune“, die schließlich, den Schatz heimbringt. (227 Seiten, Bilder, Halbl. 5.30 DM). Im gleichen Verlage erschien „Sigismund Rüstig“ in neuer Bearbeitung von Wilhelm Dreecken (204 Seiten, mit Bildern, Halbl. 4,90 DM). Unverändert in ihrem menschlichen Gehalt, ist diese alte, geliebte Erzählung hier durch Straffung und mancherlei Feilung in eine Form gebracht worden, die dem „Freund der Auswanderer“ auch in unserer Gegenwart viele Herzen gewinnen wird. Di.

„Verlassen im Wilden Westen“ von Karl Otto Horch. Kreuz-Verlag Stuttgart, mit farbigem Schutzumschlag und zahlreichen Bildern im Text, 212 Seiten. Halbl. 3,90 DM.

Ein prachtvolles Jungenbuch, erfüllt von der Atmosphäre des Abenteuers im „wilden“ Amerika von vor hundert Jahren, ein Buch das gleichzeitig fesselnd und wegweisend zu religiös begründeter Lebensauffassung ist. Im Gegensatz zu den vielen aus Uebersee importierten Abenteuerbüchern wird hier nicht das Böse verherrlicht, sondern das Gute setzt sich ohne Moralpredigt gegen alle Widerstände durch, eine Lektüre, mit der Eltern und Jugendliche gleichermaßen einverstanden sein können. F.-L.

* „Drei packen an“. Eine Erzählung aus unseren Tagen von Walter Börner, Kreuz-Verlag, Stuttgart, mit mehrfarb. Schutzumschlag und vielen Bildern im Text von Walter Rieck, 293 Seiten, Pappband 3,90 DM, Halbl. 4,80 DM. T-^ • C -Ll’ L„ T-., V. r« Oltwl in

Drei frische, fröhliche Jungens sind in ihrem Kameradenkreise durch die Nachkriegszeit vor besondere Probleme gestellt und finden ihren Weg, weil sie richtige Jungens und gar keine Engel sind. Ein kluger, älterer Pfarrer ist ihnen ein verständnisvoller Führer und zeigt ihnen Möglichkeiten, wie man froh-gläubiges Christentum mit den Forderungen des täglichen Lebens verbinden kann.


Nur vereinzelt in wenigen Gegenden Deutschlands blieb noch aus ferner Vergangenheit der Brauch, draußen die Feuer zur Wintersonnenwende zu entzünden — Vorrecht und Aufgabe der Jugend eines Dorfes. Doch untrennbar von weihenachtlichem Feiern blieb das Licht und entbrennt landauf, landab in Gestalt der unzähligen Kerzen zur Heiligen Nacht.
Nur vereinzelt in wenigen Gegenden Deutschlands blieb noch aus ferner Vergangenheit der Brauch, draußen die Feuer zur Wintersonnenwende zu entzünden — Vorrecht und Aufgabe der Jugend eines Dorfes. Doch untrennbar von weihenachtlichem Feiern blieb das Licht und entbrennt landauf, landab in Gestalt der unzähligen Kerzen zur Heiligen Nacht.

Die Weihnachtskiste

Schmuck für Tisch und Baum

Bei uns daheim war „die Weihnachtskiste“ ein Begriff. Ein fester Pappkarton, mit Bindfaden verschnürt, stand sie während des ganzen Jahres auf dem Speicher, und keinem wäre es eingefallen, sie etwa zur Frühlings- oder Sommerzeit zu öffnen und ihren Inhalt zu betrachten.

Regelmäßig aber, wenn wir Kinder uns ihrer erinnerten (meist fiel dies Erinnern mit der 1. Schlittenbegutachtung zusammen) war sie von ihrem Platze verschwunden. Sie stand bereits in der Wohnung unter einem Bett oder auf dem Schrank, damit „man besser dran konnte“, denn sie barg alles, was die Zeit der .festlichen Vorweihnachtssonntage und endlich der Tannenbaum selbst an Schmuck und Zierde gebrauchte.

Als wir klein waren, blieb uhs das Geheimnis der „Kiste“ verborgen. Später sahen wir selbst und durften ihre bunten Herrlichkeiten herausheben: die glänzenden Kugeln und Glöckchen, die, blitzenden Flittergoldsterne und glaszarten Eiszapfen, die Weihnachtsmänner und Engelchen aus Watte und silbrig bestäubtem Papier, die flimmernden Ketten und das Lametta, die Lichtständer und bunten Figürlein aus Holz. Wir schauten, ob alles noch untadelig schön sei zum Schmuck für Tisch und Baum, wir erfuhren, daß dieser Rauschgoldengel und jene Kette und dies Glöckchen schon den Baum in Mutters Elternhaus geziert hatten.

Viel können die Dinge aus der Weihnachtskiste erzählen, und zugleich bringen sie auf den Gedanken, selbst ans Werk zu gehen und den liebvertrauten Gebilden neue hinzuzufügen.

Freilich gibt es ohnehin jährlich neuen, unaufhebbaren Schmuck: das Backwerk, das unter Mutters Händen entsteht und bei dessen Formen und Ausstechen die Mädchen und Buben so gerne helfen, Brezeln und Lebkuchenmänner, Herzen und Jahresräder, Hirsch und Eber, Fisch und Vögelchen.

Die roten, blankpolierten Aepfel sind gleichfalls Schmuck wie Backpflaumen und Weihnachtsnüsse — groß und klein —, Früchte unserer Heimaterde, die seit je festlich zu dieser Zeit gebraucht wurden. Apfelmännchen und Apfellicht —, wie leicht sind sie herzustellen! Bei einem schönpolierten Apfel braucht nur die Blütenstelle so weit ausgehöhlt zu werden, daß eine Kerze sicher darin steht. Drei Tannenreiser um sie her in den Apfel gesteckt und mit Silberfaden oder Stern behangen, schaut gar freundlich aus!

Putzig guckt der Apfelmann drein! Einem großen Apfel ward durch ein Holzspänchen ein kleinerer oder eine Nuß aufgesetzt, denen man ein Gesicht aufmalte, einschnitt oder aus Backpfiaumenteilen einsetzte. Ein wenig gelockerte Watte zum Bart und eine Kapuze aus rotem Papier vervollständigen das Kerlchen zur Freude der Kleinen.

Prächtig gar nimmt sich der Klausenbaum aus: Drei Aepfel werden mit drei gleichlangen Holzstäbchen zum Dreieck verbunden. Drei weitere gleichlange Holzstäbe führen von den drei Aepfeln her schräg aufwärts und tragen dort zusammen das schon beschriebene Apfellicht. Den drei Aepfeln unten wurden ebenfalls Tannenreiser eingesteckt. Sind

dann die verbindenden Holzstäbe kunstvoll gekerbt, gebrannt, bemalt oder mit schmalem rotem Band umwunden, ist das Ganze schon ein kleines Kunstwerk.

Stäbe aber und Band finden hernach wiederum ihren Platz in der Weihnachts-Kiste, aufs nächste Jahr zu warten, gleich dem Drahtgestell mit dem Pflaumentoffel und dem Pergamentpapier mit den feinen Scherenschnitten, das, wie eine Manschette um ein Licht gestellt, als Weihnachtslaternchen wunderlieben Schein gibt. D-s


Schwedischer Weihnachtstischschmuck, uns nicht fremd anmutend. Foto: G. May
Schwedischer Weihnachtstischschmuck, uns nicht fremd anmutend. Foto: G. May

Pressestimmen zum Spiel Schweinfurt 05—SV 98 Darmstadt

„Schweinfurter Tagbiatt“: Der Gegner war aber am und im Strafraum die Harmlosigkeit selbst . . . Eine derartige spielerische Ueberlegenheit mußte die doppelte Trefferanzahl einbringen . . . die Gäste stellten eine junge, spielfreudige und sehr lebendige Formation, die aber an das Können der heimischen Mannschaft nicht heranreichte . .. Freilich muß berücksichtigt werden, daß mit dem Stopper Schmidtmer einer der besten Spieler nicht zur Verfügung stand. Nur ein Spieler lieferte eine wirklich ansprechende Partie: Leichtlein auf dem linken Läuferposten ... die Stürmer waren recht einfallsreich und technisch gut, einen wirklichen Schuß sah man aber nicht.“

„Der Volkswille“, Schweinfurt: „. . . Mit etwas mehr Sicherheit und Entschlußkraft wäre Darmstadt ohne eine zweistellige Niederlage nicht entlassen worden . . . bei den Darmstädtern gefiel besonders der Läufer Leichtlein. Herder in der Mitte gab sich große Mühe, den Sturm anzukurbeln, der glatt versagte, zwei klarste Sachen vergab und daher nicht einmal den verdienten Ehrentreffer erzielte.“

„Tageblatt“, Heidelberg: „Als bisher schwächster Gegner stellte sich in Schweinfurt der Neuling Darmstadt 58 vor. Die Lilien brachten außer einem bewundernswerten Eifer nichts Gleichwertiges mit. . .“

„Frankfurter Neue Presse“: „Leichtlein in der Läuferreihe war Darmstadts bester Mann. Im Sturm konnte nur Reeg gefallen. Thalheimer und Herwig waren außerordentlich schwach.“

Handball-Kreisklasse Darmstadt

Gruppe I: Einen klaren 7:1-Erfolg errang der Tabellenführer Arheilgen gegen 75 Darmstadt und bleibt somit weiterhin ungeschlagen. — Der Tabellenzweite Oberramstadt konnte auf dem heißen Boden in Hahn zwei wertvolle Punkte erringen (2:4). — In Eberstadt gab es mit 2:1 ein Fußballergebnis. Da Bickenbach seine Mannschaft zurückgezogen hat, werden alle in der Rückrunde ausgetragenen Spiele mit dem Torergebnis 0:0 für Bickenbach als verloren gerechnet.

Roßdorf 9 29:122 1:17 Gruppe II: In Büttelborn trat unverständlicherewise Schneppenhausen mit nur sieben Mann an und hatte dadurch das Spiel bereits vor Anpfiff verloren. Verstärkt durch drei Spieler der Büttelborner Reserve, verloren sie im Freundschaftsspiel 18:0. — TV Langen konnte durch einen klaren 9:3-Erfolg in Mörfelden den Anschluß an Büttelborn wahren. — Im Treffen der Tabellenletzten siegte Weiterstadt in Groß-Gerau mit 7:4 Toren.

Für das am ersten Weihnachtsfeiertag im Hochschulstadion stattfindende Freundschaftstreffen SV Darmstadt 98 gegen SG Arheilgen sind die Eintrittspreise herabgesetzt worden. Karten im Vorverkauf nur in der Geschäftsstelle des SV 98. im Zigarrengeschäft Hugo de Waal, Rheinstraße, und im Sporthaus Paiser. Arheilgen, Wilhelm-Leuschner-Straße.

Arhellgen
11 120:41 22:0 Obsrramstadt
11 97:50 18:4 Hahn
10 107:46 14:6 75 Darmstadt
9 60:42 12:6 Bessungen
12 54:64 11:13 Sp. 98 jr.
12 79:86 10:14 Eberstadt
12 46:82 8:16 Niederramstadt
10 66:97 5:15 Bickenbach
10 37:55 5:15
Büttelborn 11 91:46 20:2
TV Langen 11 118:51 18:4
Egelsbach 11 93:G1 17:5
TV Groß-Gerau 10 84:G1 15:5
Walldorf 11 90:72 13:9
Worfelden 9 60:77 8:10
Schneppenhausen 10 62:57 6:14
Weiterstadt 11 47:116 5:17
Mörfelden b 11 48:99 4:18
VfR Groß-Gerau 12 38:85 0:24

Klein aber fein ist das Punktspielprogramm

Dafür stehen Schlager in Stuttgart und Mühlburg auf dem Weihnachtsspeisezettel

Neben einer Fülle von Freundschaftsspielen, die zum Teil internationalen Charakter haben, sieht das Punktspielprogramm in den Weihnachtstagen mager aus. Besser wäre es wahrscheinlich gewesen, man hätte auf Meisterschaftsspiele überhaupt verzichtet — aber die zahlreich besetzten ersten Fußballklassen können keine Rücksichten auf Feiertage nehmen. Der Termin muß eingehalten werden. Im Süden, das steht fest, wird der Halbzeitmeister ermittelt; im Norden könnte sich Werder Bremen entscheidend in den Vordergrund schieben.

Vfß Mühlburg — Kickers Offenbach, Vfß Stuttgart — Spvgg. Fürth, VfL Neckarau — FC Singen 04.

Zwei Schlager, die ihre Anziehung auf die Zuschauermassen in Mühlburg und Stuttgart nicht verfehlen werden, zwei Spiele, die zu Spielereien mit Tabellenzahlen reizen. Gewinnt der Vfß Mühlburg gegen die Offenbacher Kickers, was wahrscheinlich sein müßte, dann haben die Karlsruher Vorstädter den ersten Teil der Strecke als Spitzenreiter hinter sich gebracht. Auch bei einem Unentschieden rangieren' sie bei gleicher Punktzahl vor dem FSV Frankfurt. Offenbach verliert im Falle einer Niederlage nicht seinen Platz, aber den Anschluß ans Mittelfeld. Noch reizvoller ist der Ausgang im Stuttgarter Neckarstadion. Gewinnt der Vfß über die Fürther Kleeblätter, dann rangiert er vor den Schweinfurtern auf dem dritten Platz, spielt er unentschieden, dann überläßt er diesen Platz den Gästen. Gewinnt Fürth, dann könnte es ihnen selbst zur Halbzeitmeisterschaft reichen — aber nur, falls Mühlburg nicht gewinnt. Wir rechnen mit der Reihenfolge: Mühlburg, FSV, Vfß Stuttgart, FC 05 Schweinfurt. Die dritte Begegnung zwischen Neckarau und Singen entscheidet über die Gestaltung des 15. bis 17. Platzes. Neckarau müßte gewinnen können und damit zum Platztausch mit Reutlingen und Singen kommen.

Letzte Gelegenheit für Kickers

VfL Konstanz — Kickers Stuttgart

In der zweiten Liga wollen die Stuttgarter Kickers in Konstanz durch einen Sieg mit dem ASV Cham punktgleich bleiben und den Anschluß zum Tabellenführer Regensburg behalten. Nur Pforzheim und der SV Wiesbaden verloren am Bodensee beide Punkte, also haben die Kickers gute Aussichten zum Sieg. Jeder Punktverlust würde dagegen sehr schwer wiegen.

Werder Bremen an der Spitze

Werder Bremen — Eimsbüttel, Concordia gegen St. Pauli. Im Norden hat Werder Bremen im Weser- Stadion Eimsbüttel zu Gast und muß gewinnen, wenn der Traum nach der Tabellenführung wahr werden soll. Mittelstürmer Gernhardt erlitt zwar gegen den Vfß Oldenburg eine schwere Knöchelverletzung und muß pausieren. Trotzdem sollte der Sieg und damit die Tabellenführung den Grün-Weißen gelingen. Ob Concordia den Paulianern ein Bein stellt? Die Wandsbecker brauchen dringend Punkte, um vom Tabellenende wegzukommen, St. Pauli um „oben“- dabeizubleibeh. Stärker sind gewiß die Männer vom Millerntor — aber die Ungewißheit in Lokalspielen . ..

Hertha gegen Tennis Borussia

Hertha BSC — Tennis Borussia, Union 06 gegen Blau-Weiß, Viktoria 89 — BSV 92, Vfß Britz — Südring.

An der „Plumpe“ wird Berlins Fußballschlager aus alten Zeiten wieder wahr. Hertha empfängt die Veilchen. Wer will da nicht mit von der Partie sein? Wahrscheinlich werden die stärker einzuschätzenden Gäste gewinnen, aber der alte Hertha-Geist könnte ebenso gut zu einem neuen Triumph kommen. Union 06 wird den zweiten Platz gegen Blau-Weiß halten, Viktoria 98 kann die „Störche“ gefährden. Die Begegnung zwischen Britz und Südring könnte den Sieg der Platzherren bringen.

Tischtennis-Landesliga

Eintracht Frankfurt Tabellenführer

In der obersten hessischen Spielklasse ist in diesem Jahr die Frage nach dem neuen Meister offener denn je. Der SV Wiesbaden, der auf Spieler wie Scheer und Lentföhr hoch nicht zurückgreifen kann, verlor gegen den SV Flörsheim auf eigener Platte. Den Ausschlag gab letzten Endes der knappe 2:1-Sieg des Flörsheimer Spitzenspielers Korn über den Nationalspieler Kurt Seifert. Nach dieser Niederlage dürfte Wiesbaden in diesem Jahr für die Meisterschaft nicht mehr in Frage kommen. Eintracht Frankfurt, das über die SG Höchst glatt siegreich blieb, führt nun mit 2 Verlustpunkten die Tabelle an, gefolgt von Flörsheim, das 3 Minuspunkte aufweist, jedoch die Adlerträger noch auf eigener Platte empfangen kann. Klein-Krotzenburg besiegte die TG Rüsselsheim und der TTC Biblis den Neuling Vfß Friedberg. Nach ihrer erneuten Niederlage stehen die Darmstädter auf dem drittletzten Tabellenplatz.

Veberraschungen bei den Damen

Nicht nur die Lilienträgerinnen erlaubten sich einen Seitensprung, sondern auch ihre schärfsten Revalinnen, Eintracht Frankfurt, die mit Glück in Höchst wenigstens ein 8:8-Untenschieden erzielten. Auch in Kelkheim mußte die nicht komplett antretende Mannschaft schwer kämpfen, um mit 9:7 erfolgreich zu sein. In Wächtersbach unterlag der Vfß Friedberg glatt 9:2 und in einem weiteren Spiel behaupteten sich die Höchsterinnen über Bad Homburg. Die Tabelle wird aber nach wie vor souverän von der Eintracht Frankfurt mit einem Verlustpunkt vor Darmstadt 98 mit 4 und Höchst mit 6 Verlustpunkten angeführt. Ku.

Deutscher Sportbhund und DEB?

Darüber und über andere Dinge plaudert Robert Ludwig

In Südfrankreich konnte ein Fußballspiel nicht ausgetragen werden. Bei der Platzwahl warf der Schiedsrichter, wie üblich, eine Münze in die Luft „Wappen oder Zahl?“ der Spielführer der einen Mannschaft guckte der steigenden Münze offenen Mundes nach, vergaß, die Klappe wieder rechtzeitig zu schließen, und schon war es geschehen: die Münze fiel in den offenen Mund und von da aus gleich weiter in den Magen (was übrigens auf eine ausgepichte Kehle schließen läßt). Der „Münzenschluck“ — nicht Münzenberg — mußte im Krankenhaus operiert werden. Da haben wir es ja: die Leute, die da immer behaupten, Fußball sei ein rohes und gefährliches Spiel, haben doch ....

Österreichs Fußball-Nationalelf schlug im Hampden-Park zu Glasgow die Schotten-Auswahl 1:0. Die Schotten, die während vieler Jahrzehnte als die stärkste Fußballnation der Welt galten, konnten übrigens gegen Österreich noch nie gewinnen. Es gab u. a, ein 2:2 in Glasgow und ein 1:1 in Wien, und in der schönen Wienerstadt spielte im Jahre 1931 das österreichische „Wunderteam“ die Schotten mit 5:0 geradezu aus dem Praterstadion hinaus . . . Unter „Schottenstil“ verstand man früher den Begriff des „Schönheitsfußballs“ in Reinkultur, mit offensivem Mittelläufer und dem bewußt forcierten Dreiinnenspiel haargenau von Mann zu Mann, flach, noch flacher, so flach, daß der Ball unter der Grasnarbe verschwand. Wie sich die Zeiten ändern: eine so „(alt-) schottisch" spielende österreichische Elf siegte jetzt in Glasgow über die Schotten, die mit Stopper und allen Schikanen der sogenannten WM-Formation aufkreuzten. Doch deshalb nichts gegen Stopper und WM-Svstem. Die Schalker huldigten auch dieser Taktik, und zwar bis zur letzten Konsequenz, und wer wollte behaupten, der Schalker Spiel sei nicht schön gewesen? *

Im Fußballbericht einer schwedischen Zeitung stand dieser Satz, dessen Feststellung erschütternd wirkt: „Das Ergebnis war 0:0. Aber beide Mannschaften waren so ausgeglichen, daß das Resultat auch umgekehrt hätte lauten können.“

Damit war unser schwedischer Kollege Adam Riese und alle, die sich mit der Wissenschaft des Rechnens bisher beschäftigt haben, Lügen gestraft. Wenn 0 nicht gleich 0 ist, dann ist 9 auch nicht gleich 9, 21 nicht gleich 21 u. so fort, und die ganze Mathematik ist aus den Angeln gehoben, was den Verfasser, dieser Zeilen diebisch freut, weil er mit dieser Wissenschaft immer auf Kriegsfuß stand. Dank also dem schwedischen Kollegen, der sie jetzt ko. schlug.

In Hannover wurde der Deutsche Sportbund gegründet, die sogenannte Dachorganisation des deutschen Sports. Na ja. Eine etwas eigenartige Rolle spielte dabei die Organisation des deutschen Fußballs, der DFB. Erst zog er seinen Kandidaten für den Präsidentenposten, Notar Jersch (Bochum), zurück. Dann gab er bei allen Wahlen leere Zettel ab. Schließlich verließen seine Vertreter vor der Wahl der Beisitzer den Saal mit der Begründung, der DFB habe keinen Kandidaten für einen dieser Posten nominiert.

Dunkel ist der Rede Sinn, rutschste aus, dann fällste hin! Er hätte ja Kanditaten nominieren können, warum hat er es denn nicht getan? Mir scheint, es gab einen guten Grund. In § 3 der Satzungen des Sportbundes heißt es nämlich: „Der deutsche Sportbund steht auf dem Boden des Amateursports“. Der DFB aber hat bekanntlich mit den Vertragsspielern eine große Zahl von Nichtamateuren in seinen Reihen. Seine Spitze, die Ländermannschaft, die in Stuttgart gegen die Schweiz spielte, bestand aus elf Nichtamateuren. Wie aber kann eine Organisation, deren spielerische Prominenz aus lauter Nichtamateuren zusammengesetzt ist, einem Bund angehören, in dessen Satzungen der Passus verankert ist: ..Der deutsche Sportbund steht auf dem Boden des Amateursports,“

Von dieser Warte aus gesehen erscheint das merkwürdige Verhalten der Vertreter des DFB in Hannover schon eher erklärlich. Aber wäre es dann nicht einfacher gewesen, gleich nach Annahme des § 3, der die Bestimmumng enthält, daß man hier auf dem Boden des Amateursports stehe, die Konsequenzen und von dannen zu ziehen?

Unser Tip für den West/ Hessen-Toto

1 Vfß Stuttgart — Spvgg Fürth 1 (0) 2 Hertha BSC — Tennis Borussia 0 (2) 3 Vfß Mühlburg — Kick. Offenbach 1 (1) 4 Cone. Hamburg—St. Pauli Hamb. 0 (2) 5 VfL Neckarau — Singen 04 1 (1) 6 TSV Eimsbüttel — Werder Bremen 2 (2) 7 Hamburger SV — Vfß Stuttgart 1 (1) 8 Hamborn 07 — 1. FC Nürnberg 1 (0) 9 Vfß Bielefeld — RW Essen 2 (0) 10 München 1860 — Belgrader SK 1 (0) 11 Rheydter SV — VfR Mannheim 1 (1) 12 TuS Neuendorf — Hajduk Split 2 (2) 13 Fortuna Düsseld. — Union Luxemb. 1 (1) 14 Eintr. Kreuzn. — Eintr. Frankfurt 2 (2)

Den Tabellenführern an den Kragen

Auch im Ausland gibt es keine Favoriten mehr

Die Ueberraschungen im englischen Fußball führten wir unseren Lesern bereits am Montag durch Ergebnisse und Tabelle vor Augen. Den Kommentar können wir uns also diesmal sparen.

Kein Tag für Künstler

Frankreichs Spitzenreiter hatten einen schwarzen Tag. Während Racing Straßburg den prophezeiten Weg in die unteren Gefilde antrat (1:2 in Nancy), schob sich Stade Rennes auf den dritten Platz (19:5 Punkte), da in Marseille durch ein 1:1 wenigstens ein Punkt übrig blieb. Tabellenführer Stade Reims (2:3 gegen Bordeaux und jetzt 20:14 Purikte), Le Havre (0:2 gegen Toulouse u. 19:13 Punkte) und Olympique Lille (1:5 in St. Etienne und 19:15 Punkte) ließen Federn.

Spitzenkampf noch spannender

An der Reihenfolge hat sich in Italien nichts geändert, aber der Abstand zwischen den Mailänder Clubs hat sich wieder verringert. Internazionale fand in Bologna einen Gegner vor. der durch ein 1:1 einen wichtigen Punkt behielt. Dagegen setzte sich der FC mit 2:0 über Pro Patria hinweg. Juventus überwand den Widerstand in Udine (3:0) und Lazio Rom war mit 3:1 über Genua 93 erfolgreich. Die Tabel¬ : Internazionale Mailand 25:5 Punkte, FC Mailand 24:6 Punkte, Juventus Turin 23:7 Punkte, Lazio Rom 19:11 Punkte.

Young Boys an der Spitze

„.RY10!? eine R“ihe von Spielausfällen begünstigt übernahm in der S c h-w e i z Young Boys Per".(1:l, hei Chaux-de-Fonds) mit 14:8 Punkie Tabellenspitze. Auf dem zweiten Platz stent nun das spielfreie Chiasso mit 13:5 Punkten. Lausanne Sports verloren 0:1 in Grenchen 13:9 Punkte auf. Dann folgt der „ “er sich vom FC Zürich mit 5:2 schlagen ließ, mit 11:9 Punkten.

Wie gewonnen — so zerronnen

.°iese Erkenntnis mußte in Spanien Ta-Sevilla machen. Am vergangenen Sonntag profitierten die „Stierkämpfer“ aus der Niederlage von Athletico Madrid und dies-Sle in Madrid mit 0:2 den kürzeren. Beide haben nun 21 Punkte, das Torverhältnis spricht noch für Sevilla. Valladolid blieb auf • stehen, denn auf eigenem Platz verlor es mit 0:1 gegen Alcoyano.

WIRTSOCHAFT

Schweinepreise

V. G. Seit langem erwartet man, daß die zweifellos überhöhten Schweinepreise zuruckgehen würden. Allen Schätzungen zum Trotz waren lange die ständig steigenden Auftriebe zu hohen Preisen immer wieder vom Markt aufgenommen worden. Der Schweinefleisch-Verbrauch nähert sich praktisch dem Friedensdurchschnitt von 40 kg pro Jahr, und das in einer Zeit, wo die Preise eine Einschränkung der Käufe naheliegend erscheinen ließen. Die Konsumsteigerung war keineswegs mehr auf Vorratskäufe der Bevölkerung oder der verarbeitenden Betriebe zurückzuführen, sondern eine echte Auswirkung der Kauflust. Wenn der Rückgang der Preise jetzt auch durch das Bestreben der verarbeitenden Betriebe mitbestimmt sein mag, ältere teuere Bestände rechtzeitig abzustoßen, so ist doch der wesentliche Grund für das Nachgeben das starke Angebot junger Schweine, die vielfach noch nicht ausgemästet sind. Darin zeigt sich der Erfolg eines Appells an die Erzeuger, möglichst vor Weihnachten noch Schweine an den Markt zu bringen, um nicht im Januar oder Februar ein Ueberangebot wie im vergangenen Jahre zu erleben.

Plötzliche Preisschwankungen, wie in der vergangenen Woche zeigen, daß das Marktgeschehen noch nicht in geordneten Bahnen verläuft Nicht die schockartige, sondern die langsame Angleichung der Preise an Angebot und Nachfrage ist im Sinne aller wünschenswert. Es bleibt daher zu hoffen, daß in Zukunft die geplante Einfuhr- und Vorratsstelle des Bundes einen beruhigenden Einfluß auf die Beschickung der Märkte nimmt. Würde der Schweinepreis unter die Gestehungskosten absinken, so würde das unmittelbare Einwirkungen auf die Produktionen haben, die der Verbraucher später wieder teuer bezahlen müßte. Zur Vermeidung des berüchtigten „Schweinezyklus“ muß angestrebt werden, daß die Angleichung der Preise in Zukunft weniger sprunghaft erfolgt. Für den Erzeuger war der Schock dieser Tage ein Beweis, daß eine unnatürliche Ausweitung der Schweinehaltung gefährlich ist.

Alliierte wollen weiter entslechten

Das Bundeswirtschaftsministerium hat Bedenken und wünscht Aufschub

Hi. Wie in Bonn verlautet, wollen die Alliierten nach dem Liquidationsbefehl für sechs große Montankonzerne nunmehr auch die Liquidation von weiteren Unternehmen anordnen.. In den Verordnungen Nr. 4 und 5 sind aufgeführt: Das Kohlenkontor Weyenmeyer, Mannheim, die Kohlenhandelsgesellschaft Glückauf. Abteilung Beck u. Co., die Deutsche Kohlenhandelsgesellschaft Lüders, Meentzen u. Co., und die Friedrich Flick KG. Das Bundeswirtschaftsministerium hat seine Bedenken mitgeteilt und vorgeschlagen, die Maßnahmen auszusetzen, bis über die allgemeinen Entflechtungsnläne Klarheit besteht.

Meinungsverschiedenheiten bestehen insbesondere bei den großen Komplexen, weil die Alliierten eine viel weitergehende Aufteilung wünschen, als man dies deutscherseits vorgesehen hat.

Fast 1 Million Tonnen Zucker w Die westdeutschen Zuckerfabriken werden bei einer verarbeiteten Rübenmenge von 6,8 Millionen Tonnen und einer Ausbeute von 14,16 Prozent fast eine Million Tonnen Rübenzucker-Rohwert erzeugen. Das entspricht etwa 865 000 Tonnen Weißwert.

Hi Eine verschärfte Steuererhebung soll auf Empfehlung des Bundesrates durchgeführt werden. Man hofft, daß eine solche Kontrolle das Aufkommen wesentlich erhöhen könnte, ohne daß die Tarife geändert werden.

dp Die Verwendung elektrischer Lichtreklame hat Holland mit Rücksicht auf die Kohlenknappheit verboten. Auch die Straßenbeleuchtung soll im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent verringert werden.

dp Gegen eine Mineralölsteuer nahm das Verkehrsgewerbe der Bundesrepublik erneut Stellung. Vor dem Finanz-, Verkehrs- und Wirtschaftsausschuß des Bundestages wurde erneut auf die volkswirtschaftlich nachteiligen Folgen eines solchen Gesetzes hingewiesen.

Kaushof will 1:1 umstellen

Die Westdeutsche Kaufhof A.G. wird aller Voraussicht nach 1:1 umstellen. Wenn keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, werde für das 1. DM-Geschäftsjahr eine Dividende verteilt. Die Verwaltungsgruppe der ehemaligen Leonhard Tietz A.G. hat an Kaufhof einen Restitutionsanspruch gestellt, den die Gesellschaft nicht anerkennt. Die Leonhard Tietz A.G. habe auch in der NS-Zeit als arisches und nicht als jüdisches Unternehmen gegolten. Niemand bestreite, daß der Kläger eine qualifizierte Minderheit des Aktienbesitzes besessen habe, aber niemand wisse, auf welcher Basis sich der Besitz dieser Aktienpakete vollzogen habe. Die H.V. wird sich Mitte Februar mit dieser Frage beschäftigen.

b Die Opelwerke wollen wegen Materialmangels in der Zeit vom 23. Dezember bis 2. Januar die Produktion einstellen. Den Arbeitern sollen Kurzarbeiter-Tarife gezahlt werden.

Die Bonner Portland-Zement A.G. stellte 1:1 auf 3,6 Millionen um und zahlt 4 (2) % Dividende.

Die Westdeutsche Bank für Landwirtschaft wurde mit einem Grundkapital von 1,5 Mill, in Köln gegründet.

Die Deutsche Eisenbahn-Betriebs-Ges. AG. Bodenweiler, will das AK 1:1 auf 8 Mill. DM umstellen.

In der HV der „Nordsee“. Deutsche Hochseefischerei AG, Bremerhaven, wurde der Abschluß 48/49 genehmigt. Gegen die 10:1- UmsteUung der aufgelaufenen Dividende seit 1943 wurde Protest erhoben. Eg soll das Ergebnis einer Feststellungsklage aus einem Fall abgewartet werden.

Die Stuttgarter Hofbräu AG setzt das AK von 4,5 Mill RM auf 3.6 Mill. DM neu fest. Der Reingewinn von 7331 aus dem Gesch.- Jahr 48/49 wird vorgetragen.

Die Friedr. Remy Nachfolger A.G., Bimsbaustoffwerk Neuwied, stellt 1:1 auf 1,21 Millionen um.

Die Holsten-Brauerei, Hamburg - Altona, will das AK 1;1 auf 10 Mill. DM umstellen.

Börsen berichte

Bz. Die Frankfurter Wertpapierbörse nahm mit Rücksicht auf die bevorstehende große Feiertagspause einen sehr ruhigen Verlauf. Nur vereinzelte Sonderwerte waren etwas gefragt.

Freie Devisenkurse

Bz Am 19. 12. 1950 hörte man an der Frankfurter Börse folgende freie Devisenkurse: für den USA-Dollar 5,10 bis 5,40 DM, das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den Hollandgulden 1,15 bis 1,22 DM, für den Schweizerfranken 1,15 bis 1,22 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM. In den Berliner Wechselstuben wurden für 1 DM West 5,50 bis 5,70 Ostmark gezahlt bzw. für 5,75 Ostmark 1 DM West geboten.

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Gehrüder Roeder Aktiengesellschaft, Darmstadt Aktiva Bilanz vom 31. Dezember 1949 Stand am Stand am 1. 1. 1949 Zugang Abgang Abschreibung 31. 12. 1949 I. Außenstehende Einlagen DM DM DM DM DM auf das Grundkapital —,— —,— —,— —,— —,— 11. Anlagevermögen 1. Bebaute Grundstücke mit 0 a) Geschäfts- u. Wohngebäuden 250 942,83 95 494,48 —l9 676,31 326 761,— b) Fabrikgebäuden oder anderen Baulichkeiten 657 271,85 16 484,96 —ll 897,96 661 858,85 2. Unbebaute Grupdstücke 54 400,— —,— —,— —,— 54 400,— 3. Maschin. u. maschinelle Anlagen 339 421,— 209 331,42 —,— 165 282,42 383 470,— 4. Werkzeuge, Betriebs- und Ge- schäftsausstattung 82 642,— 179 622,03 —,— 128 279,03 133 985,— 5. Konzessionen, Patente, Marken- und ähnliche Rechte 1,— ' —,— —,— —,— 1,— 6. Beteiligungen —,— —,— —,— —,— —,— 7. Wertpapiere d. Anlagevermögens —,— —,— —,— —,— —,— 1 384 678,68 500 932,89 —,— 325 135,72 1 560 475,85 111. Umlaufvermögen 1. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 723 012,12 2. Halbfertige Erzeugnisse 406 782,81 3. Fertige Erzeugnisse 207 050,44 1 336 84537 4. Wertpapiere des Umlaufvermögens 12 807,— 5. Eigene Aktien —,— 6. Hypotheken, Grund- und Rentenschulden —,— 7. Von der Gesellschaft geleistete Anzahlungen 1,— 8. Forderungen auf Grund von Warenlieferungen u. Leistungen 1 486 407,66 9. Forderungen an Konzernunternehmen -t-,— 10. Ausweispflichtige Forderungen an Geschäftsleiter —>— 11. Forderungen an Aufsichtsratsmitglieder —>— 12. Wechsel-Bestand 13 571,46 13. Schede-Bestand —■— 14. Kassenbestand einschl. Landeszentralbank und Postscheck¬ guthaben 36 672,62 15. Andere Bankguthaben 47 052,07 16. Sonstige Forderungen 27 650,29 2 961 007,47 IV. Posten, die der Rechnungsabgrenzung dienen H 096,10 Bürgschaften —,— DM 532 579,42 Passiva ______ DM DM I. Grundkapital Stammaktien 18 000 Stimmen 1 800 000,— Vorzugsaktien 4 500 Stimmen 5 000,— 1 805 000,— 11. Rücklagen 1. Gesetzliche Rücklage 180 500,— 2. Andere (freie) Rücklagen 200 000,— 3. Zweckbestimmte Rücklage 120 000,— 500 500, — 111. Wertberichtigungen a) Zu Posten des Anlagevermögens .t —,— b) Zu Posten des Umlaufsvermögens 70 000,— 70 000, IV. Rückstellungen für ungewisse Schulden 334 500,— V. Verbindlichkeiten 1. Anleihen —•— 2. Hypotheken, Grund- und Rentenschulden —>— 3. Von Arbeitern und Angestellten gegebene Pfandgelder —.— 4. Verbindlichkeiten aus Werkspareinlagen 5. Anzahlungen von Kunden 57 281,58 6. Verbindlichkeiten auf Grund von Warenlieferungen und Leistungen 1 069 658,42 7. Verbindlichkeiten gegenüber Konzernunternehmen —• 8. Verbindlichkeiten aus der Annahme von gezogenen Wechseln und der Ausstellung eigener Wechsel • 9. Verbindlichkeiten gegenüber Banken ~■ 10. Sonstige Verbindlichkeiten 303 739,38 i 430 b/y.j» 11. Unterstützungseinrichtung der Fa. Gebrüder Roeder A -G. Darmstadt e. V. 260 000,— VI. Posten, die der Rechnungsabgrenzung dienen —,— Vortrag aus 1948 17 969,43 Gewinn aus 1949 113 930,61 131 900,04 Bürgschaften —,— DM 4 532 579,42 Gewinn- und Verlusti'echnung vom 31. Dezember 1949 Aufwendungen DM DM 1. Löhne und Gehälter 2 640 403,45 2. Soziale Abgaben 237 987,94 3. Abschreibungen und Wertberichtigungen auf das Anlagevermögen 325 135,72 4. Zinsen, soweit sie die Ertragszinsen übersteigen 4 214,04 5. Ausweispflichtige Steuern 889 881,21 6. Gesetzliche Berufsbeiträge 2 310,— 7. Verwendungsbeträge aus der gesetzlichen Rücklage —,— 8. Außerordentl. Aufwendungen, soweit sie nicht in Nr. I—71—7 enthalten sind —.— Vortrag aus 1948 17 969,43 Gewinn aus 1949 113 930,61 131 900,04 231 832,40 Erträge - 1. Ausweispflichtiger Rohüberschuß 4 200 908,43 2. Erträge aus Beteiligungen —,— 3. Zinsen, soweit sie die Aufwandszinsen übersteigen —,— 4. Außerordentliche Erträge 12 954,54 5. Die aus der Auflösung der gesetzlichen Rücklage gewonnenen Beträge —,— 6. Außerordentliche Zuwendungen —,— Vortrag 1948 17 969,43 4 231 832,40 Nach dem abschließenden Ergebnis meiner pflichtmäßigen Prüfung auf Grund der Bücher und Schriften der Gesell¬ schaft sowie der vom Vorstand erteilten Aufklärungen und Nachweise entsprechen die Buchführung, der Jahres¬ abschluß und der Geschäftsbericht, soweit er den Jahresabschluß erläutert, den gesetzlichen Vorschriften. Darmstadt, im November 1950 Adolf Goerlitz, Wirtschaftsprüfer In der heutigen ordentlichen Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 1949 wurde beschlossen, einen Gewinn¬ anteil von 6% auf die Stammaktien und von 7% auf die Vorzugsaktien zu verteilen. Eine Zahlung in Höhe der Dividende erfolgt auch auf ehemals sammelverwahrte Aktien, soweit die Zuteilungs¬ rechte aus diesen Aktien nach den Bedingungen für den Treuhandgiroverkehr bei einer Wertpapiersammelbank gemeldet sind. Die Zahlung erfolgt gegen Abgabe eines entsprechenden Reverses der depothaltenden Bank gegen¬ über ihrer zuständigen Wertpapiersammelbank, bei der Vordrucke erhältlich sind. Die Dividendenbeträge werden von den depothaltenden Banken den berechtigten Aktionären unter folgendem Vorbehalt gutgeschrieben: „Der Betrag wird unter dem Vorbehalt gutgeschrieben, daß Sie verpflichtet sind, ihn insoweit an uns zu¬ rückzuzahlen, als die im Wertpapierbereinigungsverfahren angemeldeten Rechte später nicht in voller Höhe oder überhaupt nicht anerkannt und nicht durch entsprechende Gutschrift auf Sammeldepotkonto (§§ 37 ff WBG) wiederhergestellt werden sollten. Ihre Ansprüche aus § 44 Abs. 1 WBG sind insoweit abgefunden, sie gehen auf den Frankfurter Kassenverein AG., Frankfurt am Main, über.“ Die Dividende ist zahlbar ab 18. Dezember 1950. Aufsichtsrat: Philipp Roeder, Trautheim über Darmstadt. Vorsitzer; Dr.-Ing. e. h. Emil Schenck, Darmstadt, stelle.'.. Vorsitzer; Bankdirektor Georg Hofmann, Darmstadt; Oberfinanzrat Wilhelm Lucius, Darmstadt; Direktor Josef Reuter, Frankfurt/M. Vom Betriebsrat entsandt: Ludwig Schmidt, Ludwig Volk. Vorstand: Dr. Willi Bernauer, Darmstadt; Hans Roeder, Trautheim über Darmstadt. Gebrüder Roeder Aktiengesellschaft

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