Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Ä StS’ "UCH DOMBROWSKI Da r ms?l Tagb,an L c Wittich. ErschViVi f aß?iei.nsLraße 23 Telefon 3925 '■rsc.ntlm täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 144 Tieuefte Tia^ric^fen Samstag, 16. Dezember 1950 reis «^■ffß^Wrnzuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. R^ngenpretse: Preisliste Nr 3 v. I 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Bonn wartet auf Brüssel

Verstimmung über verzögerte Anerkennung der Vorkriegsschulden

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 15. Dezember. Bonner Regierungsstellen zeigen in Erwartung der Brüsseler Konferenz der Außenminister der Atlantikpaktstaaten eine betont außenpolitische Zurückhaltung.

Als im Bundestag am Freitag ein Zentrumsantrag zur Behandlung gelangte, durch den die Bundesregierung aufgefordert werden soll, sich um die Aufnahme Deutschlands in die Vereinten Nationen zu bemühen, verzichtete der Bundeskanzler auf eine Stellungnahme und das Parlament überwies den Antrag ohne Aussprache dem Auswärtigen Ausschuß.

Keine endgültige Entscheidung in Brüssel

Wie ein Regierungssprecher am Freitag betonte, wird in. Brüssel noch nicht die letzte Entscheidung über den deutschen Verteidigungsbeitrag fallen. Die endgültige Entscheidung soll im Einvernehmen mit der Bundesrepublik herbeigeführt werden.

Die außerordentliche Bedeutung der Brüsseler Konferenz wird nach Ansicht Bonner politischer Kreise durch die Tatsache unterstrichen, daß sich der amerikanische Außenminister Acheson entschlossen hat, persönlich an der Konferenz teilzunehmen. Damit ist ein neuer Beweis dafür erbracht worden, daß die europäische Verteidigung für die Vereinigten Staaten nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses steht.

Die Voraussetzungen für einen Erfolg der Brüsseler Konferenz, von dem zweifellos auch die weitere Haltung der Vereinigten Staaten abhängen wird, werden sowohl in deutschen als auch in alliierten Kreisen günstig beurteilt.

Alliierte betonen, daß Deutschland Gelegenheit haben werde, seine Ansichten über den Verteidigungsbeitrag zur Geltung zu bringen, während in deutschen politischen Kreisen der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß die Ernennung eines amerikanischen Oberbefehlshabers für die Atlantikstreitkräfte die weitere Behandlung des Verteidigungsproblems wesentlich erleichtern wird.

Verstimmung um die Auslandsschulden

In alliierten Kreisen haben die Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages über die Anerkennung der Vorkriegsschulden eine gewisse Verstimmung ausgelöst, da sie den Eindruck erwecken könnten, daß Deutschland nicht bereit sei, seine Schulden zu begleichen. Tatsächlich stand von vornherein fest, daß der Bundestagsausschuß

keinen Beschluß fassen würde, da er nur über ihm vom Parlament zugewiesene Vorlagen beschließen kann. Eine Stellungnahme des Bundestages wird erst erfolgen, wenn die Regierung zur Ratifizierung der Schuldenerklärung einen Gesetzentwurf eingebracht hat. Sie kann aber bereits vorher von sich aus eine Erklärung zur Schuldenfrage abgeben. Ein Kabinettsbeschluß über die Anerkennung der Vorkriegsschulden liegt bereits vor. Es ist nun Sache der Regierung, ihre Schulderierklärung zu formulieren, während es später Sache des Parlaments sein wird, über die Ratifikation zu entscheiden.

Eine Milliarde Dollar für Atomenergie-Kommission

Washington» 15. Dez. (AP.) Das amerikanische Repräsentantenhaus hat eine Sondervorlage in Höhe von 17,8 Milliarden Dollar (rund 75,5 Milliarden DM) gebilligt.

Von diesen Mitteln sind 16,8 Milliarden Dollar (rund 71 Milliarden DM) für militärische Zwecke und eine Milliarde Dollar (4,2 Milliarden DM) für die Atomenergie-Kommission vorgesehen.

Nationaler Notstand

Washington, 15. Dezember. (AP.) Präsident Truman wird am Samstag den Nationalen Notstand verkünden, erklären hohe Regierungsvertreter in Washington am Freitag.

Der Rundfunkrede des Präsidenten an die Nation werde am Samstag die Ausgabe einer Verordnung über die Errichtung eines Amtes für die Mobilisierung zur Landesverteidigung unter Charles E. Wilson folgen.

Acheson bleibt kaum zwei Tage

Washington, 15. Dezember, (dpa) Außenminister Acheson wird seinen Aufenthalt in Brüssel auf nicht ganz zwei Tage beschränken.

Wohnungen für Kinderreiche gefordert

Zusammenstöße im Bundestag um die Beendigung der Entnazifizierung

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 15. Dezember. „Die Wohnung soll sich nach der Familie richten und nicht die Familie nach der Wohnung.“ Nach diesem Grundsatz forderte der Bundestag am Freitag in einer Aussprache über den Wohnungsbau, daß im nächsten Baujahr größerem Ausmaß als bisher „familien— perechte Wohnungen“ gebaut werden.

Der soziale Wohnungsbau soll auch iur kinderreiche Familien Wohnungen schaffen Gleichzeitig wandten sich die Sprecher der Bundestagsfraktionen an die Besatzungsmächte, wegen einer Neuregelung der Beschlagnahme von Wohnungen. In einem einstimmig angenommenen Antrag wurde die Bundesregierung aufgefordert, durch Verhandlungen mit den Oberkommissaren zu erreichen, daß künftig vor ■ieder Beschlagnahme die deutschen Dienststellen gehört werden und daß mit ihnen bei der Belegung von beschlagnahmtem Wohnraum zusammengearbeitet wird.

Kontroverse um Entnazifizierung • _i

Tn einer Aussprache über die Richtunien nach denen die Bundesländer die Entnazifizierung nunmehr einheitlich zum Abschluß bringen sollen, kam es zu einem Schärfen Zusammenstoß zwischen Christ-

lich-Demokratischer Union und Freier Demokratischer Partei. Sowohl der Freien Demokratischen Partei, als auch der Deutschen Partei und der Deutschen Reichspartei gingen die von der Mehrheit des Bundestages befürworteten Richtlinien nicht weit genug.

Sprecher fast aller Parteien waren sich bei der Beratung eines Zentrumsantrages darin einig, daß die vor wenigen Wochen von der Bank deutscher Länder verfügte zweiprozentige Diskonterhöhung möglichst bald wieder rückgängig gemacht wird.

Nach dem Entnazifizierungsvorschlag des Parlaments sollen die Länder nach einheitlichen Richtlinien vom 1. Januar an keine Entnazifizierungsverfahren für die Gruppen 111, IV und V mehr anstrengen. Freizügigkeitsbeschränkungen für alle fünf Gruppen enden am 1. April. Berufs- und Tätigkeitsbeschränkungen sollen mit Ausnahme der Gruppen I und II vom 31. März an entfallen. Die zuständigen Bundesministerien sollen eine Uebersicht über die von nationalsozialistischen Gerichten aus politischen Gründen Verurteilten und über die in Konzentrationslagern und anderen Lagern Verstorbenen vorlegen.

Die Zentrums-Vorsitzende Helene Wessel begründet einen Antrag ihrer Fraktion, in dem die Bundesregierung ersucht wird, Verhandlungen mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen über den Beitritt aufzunehmen.

Einstimmig nahm das Plenum einen SPD-Antrag an, in dem die Einstellung der Demontage in Watenstedt-Salzgitter und beim Dortmunder Hüttenverein gefordert wird.

Zucker und Brot zu alten Preisen

Ein SPD-Antrag, den das Plenum annahm, fordert von der Bundesregierung wirksame Maßnahmen, um die Zuckerversorgung und die Versorgung mit Brot und Backwaren zu alten Preisen sicherzustellen. Angenommen wurde außerdem ein Antrag des Gesundheitsausschusses, in dem die Bundesregierung ersucht wird, an Stelle des Heilpraktikergesetzes aus dem Jahre 1939 ein neues Gesetz' zu schaffen. Staatssekretär Sauerborn kündigte eine Neuregelung der Unterstützungssätze für Arbeitslose und Kurzarbeiter an.


Die norwegische Hauptstadt Oslo spendete den Londonern einen 15 Meter hohen Weihnachtsbaum, der gestern mit dem Dampfer „Silvio“ in der britischen Metropole ankam. Er wird auf dem berühmten Trafalgar Square Aufstellung finden. Foto: dpa
Die norwegische Hauptstadt Oslo spendete den Londonern einen 15 Meter hohen Weihnachtsbaum, der gestern mit dem Dampfer „Silvio“ in der britischen Metropole ankam. Er wird auf dem berühmten Trafalgar Square Aufstellung finden. Foto: dpa

Einschränkung

Wiesbaden, 15. Dezember, (dpa) Vertreter der drei deutschen Verlegerverbände und der Gewerkschaftspresse beschlossen auf einer Tagung in Wiesbaden, die deutschen Tageszeitungen nach ihrem Papierbedarf nach drei Gruppen zu klassifizieren und für jede Gruppe einen Verteilerschlüssel zu errechnen. Als Grundlage sollen die Ziffern des Monats Oktober mit hundert Prozent angenommen werden. Da die Papierproduktion im Dezember und Januar achtzig Prozent des Oktoberstandes betragen dürfte, muß der Verbrauch für diese Monate um ein Fünftel gekürzt ,werden.

Im Zusammenhänge damit darf bemerkt werden, daß vom 15. Dezember an der Preis für das Papier sprunghaft hinaufgesetzt ist, und zwar in einer Höhe von fünfzehn bis zwanzig Prozent.

Chinesischer Großangrisf auf Hungnam

Kommunistische Bereitstellungen auch vor dem 38. Breitengrad

Tokio 15- Dezember. (AP./dpa) Die rotchinesischen Streitkräfte haben am Freitagmorgen ihren erwarteten Großangriff auf den alliierten Brückenkopf von Hungnam in Nordost-Korea begonnen.

Teile einer 120 000 Mann starken Armee stürmten bei Morgengrauen auf die amerikanischen Stellungen im Westen und Nordosten des Brückenkopfes. Die in mehreren Wellen fanatisch angreifenden Chinesen drängten die amerikanischen Verteidiger fast bis zur amerikanischen Küste zurück. Die kommunistischen Truppen drangen am Abend in die nördlichen Außenbezirke des Hafens Hungnam ein. Ueber den Stand der am Mittwoch von den Amerikanern begonnenen Evakuierung der Truppen der Vereinten Nationen aus Hungnam liegen seit Beginn des chinesischen Angriffs keine weitere Meldungen vor.

Weiter gab das Hauptquartier General Mac Arthurs bekannt, daß sich die Masse der chinesischen Divisionen in Zentralkorea nach Süden und Osten in Richtung auf die neuen UN-Stellungen am 38. Breitengrad in Bewegung gesetzt hat. Der chinesische Vormarsch erfolgt entlang der Achse - Koksan-I c h o n.

Offiziere im Hauptquartier General Mac Arthurs weisen darauf hin, daß der Korea-Krieg jetzt in die kritischste Phase eingetreten ist.

Entscheidender Schritt

** • Die Ausrufung des nationalen Notstandes in den Vereinigten Staaten, die zuletzt im Jahre 1941 vorgenommen wurde, bedeutet nicht das gleiche wie eine allgemeine Mobilmachung, die meist das Vorspiel zu einem Kriege war. Man hält es nur in den Vereinigten Staaten für richtiger, schon jetzt einem mutmaßlichen Gegner -zu beweisen, daß man nicht willens ist, sich etwa durch ein neues Pearl Harbour oder ein anderes Korea überraschen zu lassen.

Wenn auch zuletzt Zweifel geäußert wurden, ob Truman sich wirklich zu einem Schritt entschließen werde, der entscheidende Folgerungen für die amerikanische Wirtschaft nach sich ziehen muß, so ließen ihm die jüngsten Ereignisse kaum eine andere Wahl. Entgegen der Annahme Bevins zeigen sich die Chinesen nicht bereit, ihre Kampfhandlungen einzustellen. Obwohl sich die Vereinten Nationen um einen Waffenstillstand bemühen, haben nach den jüngsten Meldungen neue Angriffe der Chinesen am 38. Breitengrad begonnen. Sie setzen dabei starke Luftstreitkräfte ein. die eine Verteidigung der UN-Truppen noch schwieriger machen als bisher. Aber auch aus innenpolitischen Gründen wird Truman gezwungen, einen weiteren Schritt zu tun, um den russischen Streitkräften eine genügende Gegenwehr bieten zu können. Der Führer der republikanischen Partei Dewey hat bereits in einer Rundfunkrede Forderungen aufgestellt, die einer Mobilmachung gleichkommen. Amerika verabscheut nach wie vor den Krieg. Es ist aber zu der Erkenntnis gekommen, die russische Springflut könne nur dann eingedämmt werden, wenn man ihr eine starke Abwehr entgegensetzt.

Der Wolf und die sieben Geißlein

Von Erich Dombrowski

Wir nähern uns dem Höhepunkt des Dramas, der entscheidenden diplomatischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West. In dem flimmernden Hin und Her von mündlichen und schriftlichen Verhandlungen, Konferenzbeschlüssen und politischen Noten oder Briefen findet man sich kaum mehr zurecht. Was ist Bluff? Was ist wirkliche Absicht? Kein Mensch kann das im Augenblick sagen. Die Ueberraschung ist unser täglicher Gast geworden. Er klopft nicht erst an. Er ist da. Irgendwie hat man sich dann, ein wenig benommen, mit ihm auseinanderzusetzen. Nur wenn man den tieferen Hintergründen dieser scheinbar sprunghaften Aktivität Rußlands nachzuspüren versucht, wird man sich in dem gegenwärtigen Labyrinth hindurchfinden und auch gewisse Anhaltspunkte für die weitere Entwicklung der Dinge, zum mindesten in Europa, entdecken. Das bolsche.- wistische System ist aus den Trümmern des Zarenreiches geboren. Der Krieg war verloren. Die Soldaten warfen die Waffen weg. Rußland stand damals, vor nun schon über dreißig Jahren, völlig wehrlos dem deutschen Zugriff offen. Als dann der Frieden von Brest-Litowsk, mit dem Faustschlag des Generals Hoffmann, zustande kam, waren die äußeren Gefahren für die Bolschewisten noch lange nicht vorüber. Die Gegenrevolution erhob ihr Haupt. Von vier Seiten schob sie sich gegen die Gralsburg der Sowjets, gegen Moskau, vor. Vier antikommunistische Armeen erhoben drohend ihr Haupt. Im Norden: General Judenitsch. Im Osten: General Koltschak. Im Süden: General Wrangel. Im Westen endlich, nach der Ukraine greifend, die Armee des wiedererstandenen Polens. Alle diese Heere, wenn auch ziemlich bunt zusammengewürfelt und durcheinandergewirbelt, wurden von den ehemaligen westlichen Alliierten Rußlands mit Geld und Waffen unterstützt. Darin sahen die Bolschewisten die Absicht der sogenannten kapitalistischen Welt, den Kommunismus mit Gewalt auszurotten. Alle diese Vorstöße wurden von den Russen schließlich zurückgewiesen. Aber die Sorge vor dem Versuch des Kapitalismus, zuzuschlagen, blieb ihnen in den Knochen stecken. Aus diesem Grunde trachteten sie danach, sich ein so großes Vorfeld wie möglich zu schaffen und die Last der Abwehr eines etwaigen Einbruchs auf die Schultern dieser Satelliten-Staaten zu legen. So entstand, nach dem zweiten Weltkriege, der osteuropäische Sicherungsgürtel des Mütterchens Rußland.

Das ist die eine Seite der russischen Auslandspolitik. Die andere ist: die Weltrevolution weiterzutreiben, um damit das Vermächtnis Lenins zu erfüllen. Aber auch hier sollen die andern, nicht Rußland selbst, die Zeche bezahlen. Selbst Stalin kann nicht, auch wenn er noch so sehr propagandistisch in der ganzen slawischen Welt vergöttert wird, ohne weiteres einen dritten Weltkrieg riskieren. Rußland muß wirtschaftlich,industriell und agrarisch noch unendlich viel aufholen, obwohl es, in rasendem Tempo, in den letzten dreißig Jahren schon Erstaunliches geschafft hat. Vor allem wird Stalin, der in der Menschenbehandlung ein kalter Rechner ist, immer wieder zögern, das russische Volk, selbst mit den größten Zwangsmitteln, zu einem neuen Waffengang mit höchst ungewissem Ausgang antreten zu lassen. Drei Unsicherheitsfaktoren werden ihn immer wieder wie ein Alp bedrücken: Das ist die Atombombe. Das sind die nationalen Selbständigkeitsregungen in dem Völkergemisch Rußlands selbst und seiner Vasallen. Das ist schließlich das noch nicht ausreichende Kriegspotential der Industrie, vor allem die unzulängliche Ölproduktion, um einen wahrscheinlich jahrelangen Waffengang bis zu einem erfolgreichen Ende durch-

zuhalten. Selbst wenn es Rußland gelänge, in einem Blitzkriege Mittel- und Westeuropa zu überrennen, dann bliebe, und das braucht nicht bloß am Rande vermerkt zu werden, auch noch die Verwaltung der militärisch geschlagenen Nationen übrig, für die Rußland einfach die erforderlichen Kräfte fehlen. So spricht diese Häufung von Risiken gegen eine kriegerische Auseinandersetzung Rußlands mit Europa. So werden die Westmächte vielleicht noch eine Atempause von einigen Jahren haben, eine militärische Abwehrfront, als Riegel an der Tür nach dem Osten, aufzurichten. Ihre gegenwärtige Politik wird nur darauf abgestellt sein müssen, dafür zu sorgen, wenn auch möglicherweise unter vorübergehenden Prestigeverlusten, daß Funken des fernöstlichen Brandherdes nicht herüberfliegen und unversehens dann doch den europäischen Bereich in Flammen setzen. Rußland will sein weltpolitisches Geschäft so billig wie möglich machen. Es soll ihm, an Geld und Blut, so wenig wie möglich kosten. Zur Sicherung seiner nationalen und kommunistischen Existenz möchte es Westdeutschland, sogar Frankreich, als weitere Pufferstaaten sich vorgelagert wissen. Als der deutsch-russische Rapallo-Vertrag nach dem ersten Weltkriege zustande kam, ging es, aus den gleichen Erwägungen des Selbstschutzes heraus, dazu über, die Deutschen zur Aufstellung einer Schwarzen Reichswehr zu veranlassen. Karl Radeck, der vielgewandte Odysseus, der Goebbels der damaligen sowjetischen Gewalthaber, und der Berliner russische Botschafter’ Krestinski, waren es, die sich heimlich an die deutschen Freikorps wandten, um sie, mit Erfolg, für diese Idee zu begeistern. Die Schwarze Reichswehr sollte den Franzosen, falls sie wieder Lust verspürten, den ihnen verbündeten Polen beizustehen, den Durchzug durch Deutschland unmöglich machen. Heute unterbreiten die Russen, vorsichtig tastend, den Deutschen und auch den Franzosen ähnliche Vorschläge. Durch alle möglichen diplomatischen Kanäle schlagen sie ihnen vor, sich doch als „Dritte Kraft“ zwischen Ost und West zu etablieren und so das eigentliche europäische Spannungsfeld auszuschalten. Rußland scheint dabei, wenn auch zunächst nur mit Worten, bereit zu sein, erhebliche Zugeständnisse zu machen und seine weltrevolutionären Absichten um ein paar Pflöcke zurückzusetzen. Die Weltrevolution, glaubt es nach wie vor, wird ihm sowieso eines Tages als reife Frucht in den Schoß fallen, wenn das politische Durcheinander über kurz oder lang auch ein wirtschaftliches Durcheinander zur Folge haben wird. Auch den Brief Grotewohls an den Bundeskanzler Adenauer wird man, als Fühler, auf dem Wege zu dieser Dritten Macht zu bewerten haben. Das von der Volkskammer der Ostzonen-Republik jetzt beschlossene Strafgesetz gegen alle, auch in Westdeutschland, die sich als Gegner des Kommunismus betätigen, kann nur als ein Einschüchterungsversuch betrachtet werden, um die deutsche Bevölkerung zu verwirren und sie von einer endgültigen Bindung an die Westmächte abzuhalten. Dieser Spaltungstrick wird vergeblich sein. Wenn etwas, hat der von den Russen hervorgerufene Korea-Konflikt auch dem letzten Deutschen die Augen geöffnet. Der Ausfall der verschiedenen Landtagswahlen, in denen die Kommunisten zu einer hoffnungslosen Minderheit zusammengeschrumpft sind, zeigt das zur Genüge. Lieder ohne Worte.

Der Weg Europas ist nunmehr von dem Gang des Schicksals vorgezeichnet. Anfang nächster Woche treten die Atlantikpaktmächte in Brüssel zusammen, um sich endgültig über den deutschen Wehrbeitrag schlüssig zu werden. Die europäische Armee ist im Werden. Sie wird jetzt, rasch Gestalt annehmen. Die westlichen Alliierten sind sich darüber einig geworden, daß Europa vor allem anderen den Vorrang hat. Ganz gleich, wie sich die Verhältnisse im Fernen Osten entwickeln. Das Märchen von den sieben Geißlein, an deren verschlossener Tür der Wolf, schmeichelnd und verführerisch, pocht, wird in der Wirklichkeit anders ausgehen. Die sieben Geißlein werden die Tür nicht öffnen, und der Wolf wird hoffentlich mit eingezogenem Schwanz abziehen müssen. Europa und die ganze westliche Welt will Frieden. Aber einen gesicherten Frieden. Wie kein Mensch im Ernst daran denkt, Rußland anzugreifen, so wünschen auch wir nicht, angegriffen zu werden. Aber sicher ist sicher. Ein Riegel vor der Tür bietet immerhin einen gewissen Schutz. Denn wer kennt die Launen eines Wolfes? Die sieben Geißlein hatten darin noch keine Erfahrung. Wir haben sie'.

Neutrale Zonen für Prauen, Kinder und Greise?

i Die Genfer Konvention vopi 12. August 1949 über den Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten enthält in ihrem vierzehnten und fünfzehnten Artikel verschiedene Abmachungen über Schutzzonen. Diese Konvention wurde, von den Vertretern, die sechzig Länder repräsentierten, paraphiert. Ratifiziert, also vollzogen ist sie bisher erst von zwei Nationen, der Schweiz und Jugoslawien. Es ist nicht unwichtig, in diesem Augenblick: der politischen Spannung auf diese humanitäre Tatsache hinzuweisen.

In Berlin hat sich jetzt ein „Deutscher Bund für die soziale Befreiung“ gebildet, der diese Idee aufgegriffen hat und sie verwirklichen will, ehe es womöglich zu spät ist. „Wir müssen fordern“, heißt es in der grundlegenden Kundgebung, „wenn unsere Männer und Industrien aufge-. rüstet werden, daß Frauen, Kinder und Nicht-Kampfteilnehmer geschützt werden, das heißt, daß in Gesamtdeutschland parallel zu den Aufrüstungen neutralisierte Zonen eingerichtet werden, in die im Kriegs- oder Bürgerkriegsfalle Frauen, Kinder und Nicht-Kampfteilnehmer hinemströmen können. Diese Sicherung der Wehrlosen müßte so bald wie möglich, im Rahmen des Roten Kreuzes, zu einem internationalen Rechtssatz erhoben werden, wie es jene Genfer Konvention vorsieht. In der Vergangenheit hat man es zweimal schon, und zwar mit erheblichem Erfolg, versucht: im chinesisch-japanischen Krieg und im spanischen Bürgerkrieg. Viele Menschenleben wurden dadurch gerettet. Hier ist, nach der Meinung des Deutschen Bundes für die soziale Befreiung, der west- und der ostdeutschen Bevölkerung über den Weg des Roten Kreuzes eine gemeinsame hohe ethische Aufgabe gestellt.

Bei der zugespitzten politischen Gegensätzlichkeit der beiden Zonen werden dieses Werk aber, wohl : nur Männer und Frauen in die Hand nehmen können, die parteipolitisch unbeschwert sind. Deutschland als politisches Spannungsfeld zwischen Ost und West wäre wohl am geeignetsten, den ersten Schritt einer Vermittlung zu tun, und so Millionen von Menschen wenigstens ein bißchen Lebensangst zu nehmen.

Gegen Besteuerung von Verlusten

Wiesbaden, 15. Dezember. Der Bund der Steuerzahler in Hessen hat eine „Interessengemeinschaft“ gegründet, die sich dagegen wenden will, daß „heute noch gewerbliche Verluste aus Kriegsfolgen zur Einkommen- und Gewerbesteuer herangezogen werden“.

Nach einer Mitteilung des Bundes ziehen die Finanzämter plötzlich solche „unrechten“ Gewinne zur Steuer heran, die aus Forderungen gegen das frühere Reich oder dessen öffentliche Stellen entstanden sind und sich in den Bilanzen der betroffenen Unternehmen nur• deshalb auswirken, weil ihre Abschreibung auf Grund des Kontroll-Tatsgesetzes Nr. 12 verboten sei. In Wirklichkeit seien die In die seinerzeitigen Lieferungen gesteckten Materialien und die übrigen damit verbundenen Unkosten „restlos“ verloren.

Zwischenfall im Prozeß Falkenhausen

Gerichtsvorsitzender gegen unsachlichen Anwalt der Nebenkläger

Brüssel, .15. Dezember. (AP.) Im Prozeß gegen General von Falkenhausen behauptete der belgische Anwalt Wolf, Falkenhausen müsse von dem Schicksal der 25 000 aus Belgien verschleppten Juden gewußt haben. Sollte er etwa geglaubt haben, daß die Juden nur 2um Arbeitseinsatz nach Deutschland kämen, so sei es merkwürdig, daß er dagegen nicht, wie in andern Fällen, bei Sauckel protestiert habe..

Zu der Behauptung, daß Falkenhausen Widerstand gegen das Hitlerregime geleistet habe, bemerkte Wolf sarkastisch, es sei doch merkwürdig, daß „diese großen Patrioten“ mit dem Feind verhandelt haben sollten und daß sich „zum ersten Male in der deutschen Geschichte die Blüte Deutschlands schon bei Kriegsbeginn um Frieden bemühte“.

Im weiteren Verlauf der Sitzung ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen dem Gerichtsvorsitzenden und dem Anwalt Model, der ein unnachsichtiges Urteil gefordert hatte, „als Warnung für die Hintermänner Falkenhausens und Reeders, die diese beiden für eine kommende Verwendung retten wollen“.

Als der Vorsitzende Model aufforderte, die angeblichen „Hintermänner“ zu nennen oder seine Aeußerung zurückzuziehen, antwortete dieser, das wisse der Vorsitzende so gut wie er, und bestand auf seiner Bemerkung.

Der Vorsitzende unterbrach darauf die Sitzung für eine halbe Stunde, um den Präsidenten der Brüsseler Anwaltskammer von dem ordnungswidrigen Verhalten des Anwalts Model zu verständigen. Nach der Wiederaufnahme der Sitzung zog Model seine Aeußerung zurück, aber in so eingeschränkter Form, daß der Vorsitzende erneut eingreifen mußte.

Moskau mahnt an Beistandspakt

Neue Warnung an Paris

Paris, 15. Dezember, (dpa) In Pariser diplomatischen Kreisen verlautete am Freitag, die Sowjetunion habe Frankreich über den Moskauer Botschafter erneut davor gewarnt, die Aufrüstung der deutscheh Bundesrepublik zuzulassen.

Der Botschafter Chataigneau soll von dem sowjetischen Vertreter nochmals auf den französisch - sowjetischen Beistands- und Freundschaftsvertrag hingewiesen worden sein, der beide Länder verpflichte, das Wiedererstehen einer militärischen Bedrohung durch Deutschland zu verhüten.

In französischen Parlamentskreisen verlautet, die Sowjetunion habe Frankreich erneut angeboten, Möglichkeiten zur Verbesserung der Handelsbeziehungen zwischen West und Ost zu erörtern.

Ein Geistlicher sagte aus

Neue schwere Beschuldigungen gegen Ilse Koch

Augsburg, 15. Dezember. (dpa/AP.) Im Prozeß gegen Ilse Koch w'urde am Freitag der Zeuge Bernhard Meiners vernommen, der seinerzeit als „Kapo“ in Buchenwald der Großeinkäufer für den Lagerkommandanten Koch gewesen sein soll. Der Zeuge sagte aus, Ilse Koch. wäre vor allem deswegen im Lager so verhaßt gewesen, weil sie die Frau des Kommandanten war. Sie habe sich aber prinzipiell nicht um die. Häftlinge gekümmert.

Tiefes Schweigen herrschte Im Gerichtssaal, als der katholische Geistliche Rieser aus Oesterreich schilderte, wie an ihm im Konzentrationslager Dachau die Passion demonstriert worden sei. Nachdem er zunächst von SS-Wachmannschaften gegeißelt worden sei, habe er aus rostigem Stacheldraht eine Dornenkrone flechten müssen, die ihm die SS-Leute auf den Kopf drückten. Die SS habe lachend dabeigestanden und andere Häftlinge gezwungen, ihn anzuspeien. Mit einem Dachbalken auf dem Rücken habe er dann „den Weg nach Golgatha“ gehen, niederknien, und eine halbe Stunde in der Kniebeuge mit ausgestreckten Armen hocken müssen. Dabei hätten ihn die SS-Wachen anhaltend verspottet.

Rieser sagte weiter aus, er erinnere sich an einen Vorfall, bei dem sich Ilse Koch über einen Häftling geärgert habe. Diesem Häftling habe darauf ein SS-Führer mit einem Stein den Kopf zerschmettert. Den gleichen Vorfall haben bereits mehrere Zeugen unter Eid geschildert.

Priester freigesprochen

„Erlaubte Kritik an einem Minister“

Wiesbaden, 15. Dezember. (Eigener Bericht.) Auf Grund eines Strafantrages von Wirtschaftsminister Albert Wagner, dem die Staatsanwaltschaft beigetreten war, hatte sich der frühere. Erste Vorsitzende der Nationaldemokratischen Reichspartei Deutschlands (NDP), Karl-Heinz Priester, am Freitag wegen Beleidigung und übler Nachrede vor dem Landgericht Wiesbaden zu verantworten.

Priester hatte in Fulda bei einer Kundgebung festgestellt, Minister Wagner leite drei Ministerien; er sei als Volksschiullehrer nicht die Fachkraft für ein solches Amt. Außerdem arbeite in leitender Stelle eines dieser Ministerien ein Beamter, der vor 1933 wegen einer Verfehlung aus der Rechtsanwaltschaft ausgeschieden sei.

Während fier Staatsanwalt drei Monate Gefängnis beantragte, plädierte der Verteidiger Priesters, Dr. Latemser — u. a. unter Hinweis auf das berechtigte Interesse eines Staatsbürgers und Politikers an der Kritik der Regierung — auf Freispruch.

Die Strafkammer sprach Priester aus „Mangel an objektivem Tatbestand“, d. h. wegen erwiesener Unschuld, frei. Priester sei ein junger Deutscher, der sich Gedanken über das Schicksal Deutschlands gemacht habe, welche nicht unehrenhaften Motiven entsprangen. Er habe an der fachlichen Eignung eines Ministers sachliehe Kritik geübt, entsprechend der Meinung seiner Partei. Zu einer solchen Kritik sei er in der Demokratie berechtigt. Hinsichtlich der Vorwürfe gegen den Mitarbeiter Wagners hielt das Gericht den Wahrheitsbeweis für erbracht.

Der Frankfurter Polizei-Skandal

Große Anfrage der FDP-Fraktion

Wiesbaden, 15. Dezember. (Eigener Bericht.) Von den drei Oppositionsparteien im Hessischen Landtag haben die Freien Demokraten als erste Fraktion eine Große Anfrage und drei Anträge gestartet.

Neben dem Ersuchen an die Landesregierung um Vorlage eines Gesetzes über Sonn- und Feiertage und eines einheitlichen Verwaltungsgebührengesetzes soll die im November dieses Jahres vom Kultusminister verfügte Auflösung der Dienststelle des Landeskonservators für Hessen in Marburg wieder rückgängig gemacht werden.

Schließlich wünscht die Freie Demokratische Partei vom Ministerpräsidenten Aufklärung über die Vorfälle bei der Frankfurter Kriminalpolizei, die zur Verhaftung von einigen Kriminalbeamten führte.

Die britische Regierung hat Pläne über beabsichtigte Rohstoffkürzungen auf dem zivilen Sektor zugunsten der Wiederaufrüstung, die sich in erster Linie auf Baumwolle, Aluminium und Zink beziehen, angekündigt.

WIRTSCHAFT

Teilwiedergutmachung

F. C. Der Bundestag hat bekanntlich beschlossen, Renten aus privaten Lebensversicherungen, Werks, pensi on e n und sonstigen Versicherungen auf Gegenseitigkeit, die das Umstellungsgesetz im Verhältnis 10:1 dezimiert hatte, aufzubessern. Alle nach dem 30. Juni 1950 fällig gewordenen Ansprüche dieser Art sollen danach bis zu 70 DM im Verhältnis 1:1 und darüber hinaus bis zu 100 DM im Verhältnis 2:1 aufgewertet werden. Die Beträge über 100 DM bleiben einer Aufwertung im Verhältnis 10:1 unterworfen.

Damit hat der Bundestag wenigstens zum Teil die außerordentlichen Härten beseitigt, denen sich die Empfänger von privaten Renten und Werkspensionen auf Grund der Währungsreform ausgesetzt sahen. Ein Empfänger einer Rente oder Pension der oben skizzierten Art, der einen Anspruch auf monatlich 200 Mark hat, erhielt bisher 20 DM. Nach dem Beschluß des Bundesrats soll er in Zukunft 95 DM empfangen, und zwar 70 DM, die 1:1 umgestellt werden, 15 DM aus der Differenz von 70 zu 100 Mark, die 2:1 umzustellen sind und schließlich 10 DM aus dem 100 Mark übersteigenden Betrag, der der Aufwertung 10:1 unterliegt.

Nach den Schätzungen der Lebensversicherungsgesellschaften werden etwa 40 000 Rentner und Rentnerinnen bessergestellt. Darüber hinaus kommen schätzungsweise etwa 40 000 ' bis 60 000 Männer und Frauen als Mitglieder privater Pensionskassen in den Genuß der erhöhten Umstellung. Die Mehraufwendungen allein der Lebensversicherungsgesellschaften hat man mit etwa 14 Millionen DM iährlich eintaxiert. Sie werden mit Hilfe erhöhter Ausgleichsforderungen, die die Lebensversicherungsgesellschaften vom Bund bzw. den Ländern erhalten sollen, gedeckt werden. Durch Einsparungen an Unterstützungen werden diese Beträge zum großen Teil wieder eingebracht

Bundesrepublik bleibt ausgeschlossen

Nur die Atlantikpakt-Staaten sollen bevorzugt Rohstoffe erhalten

dpa. Die geplante internationale Zuteilung von Rohstoffen, die die Westmächte für ihre erhöhte Rüstungsproduktion benötigen, soll, im Rahmen der Atlantikpakt-Organisation vorgenommen werden. Alle Atlantikpaktmitglieder sollen bevorzugte Lieferungen erhalten. Bei diesem Verfahren ist die Bundesrepublik, die einen aktiven Verteidigungsbeitrag leisten soll, völlig ausgeschlossen, da an eine Einbeziehung der Bundesrepublik in die Atlantikpakt-Organisation nicht .gedacht ist. Auch eine lose Assoziierung sei nicht geplant.

Rujirbehörde soll entscheiden

vwd. Die gesamte zusätzliche Förderung aus den bis Ende März 1951 zu verfahrenden Sonderschichten im Kohlenbergbau kommen der deutschen Wirtschaft und dem Hausbrand zugute, erklärte der Generaldirektor der DKBL Dr. Kost. Die Förderung des westdeutschen Bergbaues habe im November einschließlich der Sonderschichten 400 000 Tonnen arbeitstäglich überschritten. —■ Die vorgesehene Senkung der deutschen Kohlenausfuhr für Dezember um 300 000 t muß durch eine Mehrleistung im Januar ausgeglichen werden. Sie muß noch von der internationalen Ruhrbehörde endgültig verfügt werden. Inzwischen hat die Oberkommission die Regierungen von USA, England und Frankreich gebeten, sofort eine Sondersitzung der Ruhrbehörde einzuberufen, auf der die geringere Kohlenausfuhr erwogen werden soll.

Neue Film-Finanzierungs-Gesellschaft

Eine private Film-Finanzierungs-Gesell¬ schaft mit einem Eigenkapital von zwei Mill. DM ist auf Anregung des Landeswirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen gegründet worden. Filmproduzenten des gesamten Bundesgebiets könnten sich bei der Gesellschaft um Kredite zur Filmfinanzierung bemühen. Das Wirtschaftsministerium lege Wert darauf, daß von der deutschen Produktion exportreife Filme gedreht würden, die im Ausland für Deutschland und damit indirekt auch für deutsche Industrieerzeugnisse vzerben würden.

Bayer-Leverkusen sagt: „Lauter Unsinn“

vwd. Der alliierte IG-Entflechtungsplan wurde von der Farbenfabrik Öaver, Leverkusen, zurückeewiesen, soweit er den Komplex Leverkusen betrifft. Es könnten nicht Betriebsteile nachträglich nach vielen Jahren aus der Zusammengehörigkeit mit dem ganzen Werk herausgelöst werden, ohne „lauter Unsinn und unmögliche Verhältnisse zu schaffen“.

Voigt & Häsfner fast wieder aufgebaut

Die Frankfurter Gesellschaft (Elektrische Starkstromapparate) legt der Hauptversammlung (9. 1.) die DM-Eröffnungsbilanz und den Jahresabschluß Ende 1949 vor. Es gelang, in der Berichtszeit den Wiederaufbau weiter durchzuführen. 850 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, der Umsatz 1949 um 50 Prozent erhöht. Die Aufträge befriedigten, auch der Export. Die Fabrikate wurden weiter entwickelt und die Fertigung auf friedensmäßiger Ausführung abgeschlossen.

In der DM-Eröffnungsbilanz wurde die Wohlfahrtskasse 1,:1 umgestellt und ihr Weitere 501 000 DM zugewiesen. Der HV wird Vorgeschlagen, das Grundkapital mit 5,915, die gesetzliche Rücklage mit 1,2 Mill, und die freie Rücklage mit 2,17 Millionen' festzusetzen. Das neue Grundkapital steht zu dem letzten Grundkapital vom 20. 6 1948 von 4,55 Millionen RM im Verhältnis 1:1,3. Das kommt daher, daß V. & H. bereits Ende 1946 eine Herabsetzung 2:1 vorgenommen hatte. Vorgeschlagen werden aus 276 400 DM Reingewinn 4 Prozent Dividende für die Zeit vom 21. 6. 48 bis 31. 12. 49. Die Geschäftslage sei weiter gut.

Bei Hoch-Tief keine Dividende

Die H.V. der Hoch-Tief A.G. für Hoch- und Tief bauten vorm. Gebr. Helf mann, Essen, (Mehrheitsbesitz Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk) beschloß Umstellung 1:1 auf 7,75 Mill. Der Verlust zum 31. 12. 49 von 2 Mill. DM nach 8,43 Mill. Abschreibungen wird vorgetragen. Wegen hohen Aufwendungen für Baumaschinen und Baumaterial sei auch in den nächsten Jahren keine Dividende zu erwirtschaften.

Bz Die H.V. der Wayss & Freytag A.G., Frankfurt a. M. genehmigte einstimmig die ’voi'geschlagene Kapitalneufestsetzung im Verhältnis 1:1 auf 4.0 Mill. DM und beschloß antragsgemäß den im verlängerten ersten DM-Geschäftsjahr (vom 21. 6. 1948 bis 31. 12. 1949) erarbeiteten Gewinn von 81 930 DM auf neue Rechnung vorzutragen.

Börsenberichte

Bz. Trotz geringen Ordre-Einganges entwickelte sich im Wertpapiergeschäft auf rheinische und norddeutsche Käufe eine leicht angeregte Stimmung. Größere Umsätze hatten Dt. Erdöl mit 55 (unverändert) sowie Contigummi bei 107,5 (+ 1,5). Erholt Maschinen-Hartmann, Offenbach, 117 (4-5) auch Adlerwerke 41 (+2). Chemische Albert 66,5 (+ 0,5) dagegen Chern. Andreae 175

Freie Devisenkurse

Bz. An der Frankfurter Börse wurden am 15. 12. 1950 folgende freie Devisenkurse genannt: Für den USA-Dollar 5,10 bis 5,40 DM, für das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den Schweizerfranken 1,15 bis 1,22 DM, für den Hollandgulden 1,15 bis 1,22 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52, für die schwedische Krone 0,75 bis 0.80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM.

Margueriten IM BLAUEN FELD

Kriminalroman von Ullrich v. Bissing

5. Fortsetzung

„O ja“, entgegnete das Mädchen, „das Wappen kenne ich! Aber ich sage Ihnen, ich habe das Etui bei Herrn d’Argent nie gesehen. Er hat es nicht benutzt- Er benutzte, wie gesagt, überhaupt keine Zigarettenetuis. Er sagte einmal, sie machten nur die Taschen entzwei.“

In diesem Moment hörte der Kriminalrat den Polizeiwagen der Mordkommission vor dem Hause halten. Er sagte zu dem Mädchen, es möge sich auf sein Zimmer begeben. Sie sollte sich aber weiter bereithalten. Es wäre vielleicht erforderlich, sie noch um die Beantwortung einiger Fragen zu bitten. Eva Arndt verließ die Bibliothek, während der Kriminalrat die Herren von der Mordkommission empfing und sie in das Schlafzimmer des Töten führte. Ungersbach dachte darüber nach, aus welcher Eingebung heraus ihn jene unbekannte Stimme in seiner Pension angerufen haben könnte. Wer hatte mit Rotstift jene Telefonnummer auf den Rand der Zeitung geschrieben? DArgent? Oder die Unbekannte? Dies war eigentlich unwahrscheinlich. Er wußte nicht genau, ob Frauen die Angewohnheit besaßen, in ihren Handtaschen Rotstifte mit sich zu führen. Jene Frau, deren Stimme er bei dem Gespräch vernommen hatte, schien ihn zu kennen. Plötzlich beugte Ungersbach sich über die Zeitung und betrachtete eingehend die auf dem Rand stehende Zahl. Und nun sah er, daß diese Zahl gar nicht mit einem Rotstift niedergeschrieben worden war. So breit und fettig schrieb ein Rotstift nicht. Wohl aber ein Lippenstift. Und im gleichen Augenblick setzte fast sein Herz aus. Das eigenartige Rot dieser Farbe kam ihm unheimlich bekannt vor. Und als er an den harmonischen Klang jener Stimme des spätabendlichen Telefongesprächs dachte, setzte er sich betroffen in den Lehnstuhl zurück, aus dem er sich vorher erhoben hatte, um die Zeitung, ohne sie in ihrer Lage zu verändern, eingehender betrachten zu können. Er hatte eine erregende Entdeckung gemacht. Aber sie erschien ihm derartig unsinnig, daß er kaum wagte, seine Gedanken zu Ende zu führen. Nach einigen Sekunden wählte er auf dem Zifferblatt des Telefons eine Nuihmer. Es war der Anschluß des Verlags, in dem die Zeitung erschien, zu dessen Mitarbeiterstab er gehörte. Er ließ sich mit der Telefonzentrale verbinden und erkundigte sich, welche von den Telefonistinnen in der Zeit zwischen achtzehn Uhr bis Mitternacht Dienst gehabt hätte. Er schrieb die Namen, die man ihm nannte, in sein Notizbuch. Er legte den Hörer auf die Gabel des Apparates und begann mit ausgreifenden Schritten den Raum zu durchqueren. Er sagte sich mehrere Male, daß er, falls sich diese unglaubliche Vermutung bewahrheiten sollte, in eine unangenehme Lage geriet. Er empfand es merkwürdig, daß er gleich daran denken mußte. Zwischen Klausen und ihm hatte es in ähnlich gearteten Situationen nie ein Geheimnis gegeben. In Gedanken versunken fand er sich vor dem ungründigen Antlitz der Buddhastatue wieder. Er riß sich zusammen, verließ die Bibliothek, durchquerte die Halle sowie die Garderobe, und nach kurzem Klopfen stand er in dem Mädchenzimmer des Hauses Eva Arndt gegenüber. Sie war gerade damit beschäftigt, ihr Bett abzudecken.

„Ist etwas geschehen?“ fragte sie ihn. Die Neugierde in ihren Worten war nicht zu überhören.

„Es ist wohl genug geschehen. .entgegnete der Journalist, „ich wollte Sie nur etwas fragen!“ Er blieb mit dem Rücken gegen die Tür gelehnt an dem Eingang des Zimmers stehen. „Hat Herr d'Argent häufig Besuch empfangen? Ich meine, hatte er häufig Gäste?“

„Meinen Sie Damenbesuch?“ Eva Arndt faltete die über dem Bett liegende Decke zusammen und legte sie über einen Stuhl. Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr sie fort: „Nun, er hat schon mitunter Besuch empfangen. Auch Damenbesuch. Aber nachdem er vor einigen Wochen aus der Klinik entlassen worden war, kamen Damen eigentlich seltener in das Haus. Wenn Sie annehmen, es hätten hier öfters Gelage stattgefunden, muß ich Sie enttäuschen. Wir waren ein anständiges Haus. Herr d’Argent lebte ziemlich zurückgezogen. Für einen Junggesellen, der zudem recht gut aussah, war es recht unverständlich. Mir wäre solch ein Leben zu langweilig.“

„In einer Klinik war Herr d’Argent? Was hatte er denn?“

„Er mußte sich unerwartet einer Blinddarmoperation unterziehen. Es kam völlig überraschend. Am Morgen fühlte er sich noch ganz wohl. In der gleichen Nacht wurde er schon operiert.“

„Wissen Sie, in welcher Klinik Herr d’Argent operiert wurde?“

„Bei Herrn Professor Csatow! Die Klinik ist kaum zehn Minuten von hier entfernt. Kennen Sie sie nicht?“

„Natürlich!“ erwiderte der Journalist, „natürlich! Also Professor Csatow hat ihn operiert!“

„Ich glaube, Herr d’Argent war mit Herrn Professor Csatow gut befreundet.“ Ungersbach sah überrascht auf.

„Wie kommen Sie denn darauf?“

„Nun ..meinte Eva Arndt, „er verkehrte dort in dem H^us. Ich weiß es von einer Bekannten, die bei der Familie des Professors als Hausmädchen angestellt ist. Wir sind zusammen mitunter ins Kino gegangen.“

„So!“ entgegnete Ungersbach und schwieg.

„Bringen Sie ihn noch heute fort?“ fragte das Mädchen nach einer Weile. „Ich glaube, ich hielte es nicht aus,' mit einem Toten allein unter einem Dach zu sein! Noch dazu in der Nacht!“

„Ja, ich denke“, erwiderte der Journalist, „machen Sie sich keine Sorgen deswegen! Wenn sie ihn heute nacht nicht fortbringen, wird ein Polizeibeamter hierbleiben. Haben Sie mal irgendwann gehört, daß Herr d’Argent einen Streit hier im Hause gehabt hat? Eine Auseinandersetzung?“

Das Mädchen dachte einen Augenblick nach. Dann schüttelte es verneinend den Kopf. Sie sagte, Herr d’Argent wäre ein ruhiger und guter Mensch gewesen. „Nur einmal habe ich ihn wirklich ärgerlich gesehen. Es war vor einigen Wochen. Da hat er einen Streit gehabt. Aber es war am Telefon. Ich deckte im Eßzimmer den Tisch ab, und so hörte ich es. Er schimpfte und gebrauchte Ausdi^cke, die man nicht gewöhnt war, von ihm zu vernehmen. Es wollte wohl jemand irgend etwas von ihm haben.“

„Sie wissen nicht, was es^war?“

„Nein! Er wehrte sich sehr energisch. Und das tut man ja nur, wenn man etwas hergeben soll, was man nicht hergeben will. Nicht wahr?“ Ungersbach lachte leise.

„Sie sind ein kluges Kind!“ erwiderte er. „Wenn c^er Kriminalrat noch irgendwelche Fragen an Sie richten sollte, so beantworten Sie diese Fragen nur recht ausführlich! Sie brauchen ihm aber nicht unbedingt zu erzählen, daß ich hier in Ihrem Zimmer gewesen bin!“ Als er die Tür geöffnet hatte, um den Raum zu verlassen, wandte er sich noch einmal um und fragte: „Sie haben das Elfenbeinetui wirklich hier im Hause nicht gesehen?“

„Nein! Nie!“ erwiderte Eva Arndt prompt, und Ungersbach schloß die Tür. Das Mädchen sah ihm mit einem leichten Lächeln nach.

3.

Im Hause des bekannten Chirurgen Professor Dr. Csatow war es am Sonntag üblich, daß die Familie erst das Mittagessen gemeinsam einnahm. Dies hatte seine Gründe. Der Professor, der jeden Morgen um sieben Uhr mit seinem Wagen zur Klinik fuhr, besaß die Neigung, den Sonntagmorgen zu benutzen, um sich auszuschlafen. Suzanne Csatow besaß diese Neigung auch an den anderen Tagen der Woche. Sie war daher nach kurzer Ehe aus dem gemeinsamen Schlafzimmer geflüchtet. Sie war es schnell leid geworden, jeden Morgen um Punkt sechs Uhr durch das entsetzliche Geräusch des Weckers aufgescheucht zu werden. Seit’ der Zeit schlief das Ehepaar in getrennten Schlafzimmern, die durch ein gemeinsames Bad verbunden waren. Auf der anderen Seite des hellen Flurs lag das Schlafzimmer von Irene. Irene war Suzannes Tochter aus ihrer ersten Ehe mit einem schwedischen Konsul. Irene war zwölf Jahre, als ihr Vater bei einem Autounglück ums Leben kam. Ein Jahr später heiratete ihre Mutter Dr. Csatow, den Chefarzt eines städtischen Krankenhauses. Suzannes reichliche Geldmittel erlaubten ihm, sich bald eine eigene Klinik zu bauen.

(Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebung

Europa ruft!

Die Ausstellung „Europa ruft!“ hatte bisher einen außerordentlichen Erfolg zu verzeichnen. Es ist sicherlich nicht nur ie vorzügliche Art der Darstellung, die Technische Vollkommenheit, die sachlich gut fundierten Erklärungen in umreißendei oder präziser Form durch die leiten- ^en Herren, sondern vor allem das große Veiständnis, sowohl der Pädagogen, als auch in immer zunehmendem Maße das Interesse der Bevölkerung.

Am Mittwochabend stattete Oberbürgermeister Metzger der Mathildenhöhe einen Besuch ab, und verschiedene Professoren, Pädagogen und Fachkräfte aller Wissensgebiete waren beeindruckt von dem Gedanken, dem Aufbau und der Organisation der Ausstellung. Etwa 60 Schulklassen sowie alle gewerblichen Berufsschulen ließen sich von den Möglichkeiten berichten, über die ein vereintes Europa verfügen könnte.

Einige Stimmen:

Ein Lehrer: „Es müßte in den Schulen mehr propagiert werden, aber es fehlt an Unterlagen. Die Ausstellung ist inhaltsreich, klar und eindeutig.“

Eine Lehrerin: „Das ist das Gebot der Stunde. Es müßte von jedem erkannt und von jeder Lehrkraft gefördert werden, damit die Jugend früh genug diesen Gedanken erkennt.“

Ei n Schüler: „Wir haben von der Aktion in Straßburg gehört, und waren begeistert. Das wäre ein Weg!“

Eine Schülerin: „Die Jugend sucht nach Idealen, diese aber sind in dem letzten Krieg zerstört. Hier aber erweist sich, daß es doch noch ein großes Ideal gibt, für das es sich einzusetzen lohnt.'1 -Sg-

Der Marktplatz soll größer werden

Fluchtlinienplan und Stellenplan werden die Stadtverordneten beschäftigen Lehren aus der Heinrichsstraße

PD. Die letzte Stadverordnetensitzung dieses Jahres am kommenden Donnerstag wird sich, neben der Beratung des Stellenplans, mit einigen für das Stadtbild bedeutsamen Fluchtlinienverfahren und mit Geländetauschanträgen befassen.

So soll es der Firma Butter-Maul (früher Schustergasse, jetzt Viktoriastraße) ermöglicht werden, wieder in die Stadtmitte, nämlich an den Stadtkirchenplatz, zu kommen und ebenso Möbelhändler Haas und Buchhändler Saeng an die Pädagog-Kirchstraße.

Aus dem großen Vorhaben der Altstadtsanierung ist der Fluchtlinienplan für die geplanten Baublöcke Markt- und Schilterplatz — Holzstraße — Schustergasse — Kirchstraße vorweggenommen. Da eine freiwillige Vereinbarung mit den Anliegern nicht zu erzielen war. beabsichtigt die Stadtverwaltung für die Umlegung sich der ihr durch das Aufbaugesetz gegebenen Möglichkeiten zu bedienen. Der Fluchtlinienplan sieht eine Vergrößerung des Marktplatzes nach Osten, die Erweiterung des alten Rathauses durch einen dahinter zu schaffenden kleinen Platz und die Verbreiterung der Kirch- und Holzstraße vor. Durch eine Zurücksetzung der Baufluchten sei der Chor der Stadtkirche städtebaulich wirksam in die Bebauung einzufügen.

Neu aufgelegt werden müssen die Fluchtlinienpläne der Kasinostraße und des Taunusringes von der Bismarck- zur Frankfurter Straße, da sie grundsätzlich geändert wurden und die „Erfahrungen bei der Heinrichstraße“ die neuerliche Offenlegung ratsam erscheinen ließe. Es wird eine, gegenüber den ersten Plänen, wesentliche Verminderung der Straßenbreiten vorgeschlagen. Die Kosten sind mit 1,075 Mill. Mark veranschlagt.

Gegen den Fluchtlinienplan der verlängerten Schleiermacherstraße in den Baublock Luisenstraße war von den Eigentümern des Hauses Luisenplatz 1 (das gegenwärtig enttrümmert wird) Einspruch erhoben worden. In Uebereinstimmung mit dem Magistrat hat der Bauausschuß einstimmig beschlossen, den Einspruch abzulehnen. Es soll zu Lasten der Stadt eine Passage zu dem in der verlängerten Schleiermacherstraße vorgesehenen Parkplatz erstellt werden.

Es wird damit gerechnet, daß im nächsten Jahr die Gebäude des Kaufhofs und das Vordergebäude des Uniontheaters erstellt werden, Für die Anlage einer Passage zwischen Rhein- und Ernst-Ludwig-Straße werden 16 500 Mark beantragt, für die endgültige Herstellung der Wormser Straße 28 000 Mark.

Spendet für das Glockenspiel!

Sammler gesucht

Dieser Aufruf wurde von dem Verein „Alt-Darmstadt“ mit der Bitte an die Bevölkerung herausgegeben, unser Glokkenspiel nicht zu vergessen und sich rege an der Sammlung zu beteiligen.

Außerdem bittet der Glockenspiel-Ausschuß um die Mithilfe von Darmstädtern, die gegen eine kleine Verdienstmöglichkeit die Sammelarbeit übernehmen wollen. Meldungen werden schriftlich an Oberbaurat Diefenbach, Martinstraße 79, erbeten.



Durchs Fenster gestiegen

Einbruchdiebstahl in Textilgeschäft

Durch ein Fenster an der Rückseite eines Geschäftshauses in der - Ludwig-Straße stiegen Diebe ein und entwendeten Textilien im Werte von etwa 10 000 DM und einen Barbetrag von 300 DM. Bei den gestohlenen Waren handelt es sich um Anzugsstoffe, Kleiderstoffe, wertvolle Mäntel, Blusen, Wäschegarnituren und Damenstrümpfe. Die Kriminalpolizei bittet um sachdienliche Mitteilungen und warnt vor Ankauf des Diebesgutes. DT

Jakob Heymann zum Gedächtnis

Der Seniorchef der Firma Darmstädter Bettenhaus, Herr Jakob Heymann, ist am 13. Dezember I^so nach arbeitsreichem Leben und längerem Krankenlager im Alter von 77 Jahren aus dem Leben geschieden. Er hat das Unternehmen, welches von seinem Vater im Jahre 1871 unter den schwieligsten Verhältnissen als kleines Polster- und Bettengeschäft gegründet wurde und nunmehr seit drei Generationen im Familienbesitz ist, in der zweiten Generation als ausgesprochenes Bettenfachgeschäft durch seine im In- und Auslande erworbenen Fachkenntnisse sowie seinen umsichtigen kaufmännischen Weitblick und nicht zuletzt seinen gesunden Humor zusammen mit seiner sehr tüchtigen Geschäftsfrau bereits zur Blüte gebracht und seinei' Firma zu einem klangvollen Namen verhülfen.

Im ersten Weltkrieg mußte sein Betrieb vier Jahre stillgelegt werden. Aber sofort nach seiner gesunden Rückkehr aus dem Weltkriege im Jahre 1918 begann er sein Lebenswerk fortzusetzen. Im Privatleben, das er recht bescheiden führte, war seine einzige Passion „Trompete spielen“. So konnte er bis in das hohe Alter hinein dem Posaunenchor der Petrusgemeinde stets wertvolle Dienste leisten.

Im Jahre 1935 überließ er seinen inzwischen heran gereiften beiden Söhnen Heinrich und Paul Heymann die Leitung des Geschäftes, das er lediglich als Seniorchef überwachte. Durch den Krieg verlor er, wie so viele, sein gesamtes Hab und Gut, und wohnte von 1944 ab in Groß-Zimmern/Odw. bis ihm die Söhne seine Wohnung in der Bessunger Straße 55 anfangs dieses Jahres wieder auf gebaut hatten. Bedauerlicherweise konnte er jedoch die Räume nur noch kurze Zeit als Kranker bewohnen.

Beschlagnahmte Wohnungen

Die Besatzungsmacht nimmt immer noch 302 Wohnungen in Darmstadt in Anspruch. Eine Freigabe von solchen Wohnungen an die früheren Inhaber war in den letzten 12 Monaten nicht zu verzeichnen. Im Gegensatz hierzu mußten 1950 laufend deutsche Familien aus beschlagnahmten Häusern anderweitig untergebracht werden, die vorher lediglich geduldet waren. Im November 1950 wurden der Besatzungsmacht in der Frankfurter Straße 3 geeignete Räume zur Einrichtung einer Militärpolizeistation zur Verfügung gestellt. I ri ri

Darmstadt wächst

Nach den Aufzeichnungen des Wohnungsamtes wurden im Jahre 1950 7889 Personen in Darmstadt neu aufgenommen, von denen ein beachtlicher Teil in Altbauwohnraum untergebracht wurde. Umsiedlertransporte aus Schleswig-Holstein trafen im Laufe des Jahres 1950 mit 74 Personen ein, während 151 Flüchtlingsfamilien (480 Personen) der Stadt zugewiesen -wurden. Ebenso bestand die Verpflichtung zur Uebemahme von Ausländern aus den aufgelösten Lagern Hanau (IRO) und Auerbach und deren wohnraummäßiger Versorgung. Immer noch befinden sich 10 000 bis 12 000 Darmstädter außerhalb der Stadtmauern. Die Zahl der Wohnungssuchenden beträgt insgesamt ca. 17 000. ri

Gegen Bauwirtschaftsstelle

Prozeßbeginn am 8. Januar

Vor einer Darmstädter Strafkammer beginnt am 8. Januar nächsten Jahres die Verhandlung gegen ehemalige leitende Angestellte der Bauwirtschaftsstelle beim Regierungspräsidium Darmstadt. Sie werden sich wegen aktiver bzw. passiver Bestechung zu verantworten haben. Bezüglich der Anklage wegen Wirtschaftsverbrechens wurde das Verfahren auf Grund des Amnestiegesetzes eingestellt. Dem eigentlichen Strafprozeß, der sich über eine Woche erstrecken dürfte, ging ein umfangreiches Ermittlungsverfahren voraus, das in Händen von Staatsanwalt Arndt la?, der auch in der Gerichtsverhandlung die Anklage vertreten wird. yk.

Brand an der Autobahn

An der Tankstelle auf der Autobahn bei der Einfahrt Darmstadt geriet gestern gegen 18.30 Uhr der Motor eines Lastkraftwagens aus Hersfeld in Brand. Beim Auffüllen eines Reservetanks lief, nach Aussage von Augenzeugen, Benzin auf die Batterie und entzündete sich. Innerhalb von wenigen Minuten konnte der Brand wieder gelöscht werden. An dem Fahrzeug entstand erheblicher Sachschaden. DT.

Weihnachtsgratifikationen an alle minderbemittelten Mitglieder teilt die Arbeiterwohlfahrt Eberstadt in den nächsten Tagen aus. .+,


Es ist nur noch ein Tag bis zum dritten Advent, ein letztes heimliches und neugieriges Warten der Kinder, die nicht mehr die Wochentage zählen mögen, sondern an der Zahl der brennenden Kerzen die Frist bis zum nahen Weihnachtsfest bemessen. Noch steht der Engel mit den goldenen Flügeln im Schatten des hohen Tannenkranzes, und dieses Bild nur möchte feierliches Präludium zum „Heiligen Abend“ sein, wenn glückhafte Kinderaugen mit ahnungsvollen Händen zu dem alten und ewig neuen Lichterkranz greifen. Foto: Dr. W. Paterno,
Es ist nur noch ein Tag bis zum dritten Advent, ein letztes heimliches und neugieriges Warten der Kinder, die nicht mehr die Wochentage zählen mögen, sondern an der Zahl der brennenden Kerzen die Frist bis zum nahen Weihnachtsfest bemessen. Noch steht der Engel mit den goldenen Flügeln im Schatten des hohen Tannenkranzes, und dieses Bild nur möchte feierliches Präludium zum „Heiligen Abend“ sein, wenn glückhafte Kinderaugen mit ahnungsvollen Händen zu dem alten und ewig neuen Lichterkranz greifen. Foto: Dr. W. Paterno,

Der neue Ofen ist angeheizt

Anheizfeier des neuen Koksofen im Gaswerk

In Anwesenheit von Oberbürgermeister Metzger und Bürgermeister Schröder wurde gestern mittag der neue Koksofen des Darmstädter Gaswerkes angeheizt. Die Essener Firma Heinrich Koppers, die in aller Welt als die größte Fachfirma für die Errichtung von Kokereien gilt, hat diesen Ofen, der in fünfzehn Kammern je 10 t Kohlen als Maximalleistung innerhalb von 16 bis 24 Stunden verarbeitet, in der Rekordzeit von nur sechseinhalb Monaten errichtet.

2000 Tonnen feuerfestes Spezialgestein mußten vermauert werden. Gleiche Oefen, die in Frankreich und England »errichtet wurden, benötigten eine Bauzeit von 3V2, resp. 2V2 Jahren. Jede der Kammern dieser Horizontalkammerofenanlage ist vier Meter hoch und zehn Meter lang.

Die gestrige Feier galt der Entzündung der dreißig Gasflammen, die nun acht Wochen lang den Ofen beheizen, bis er eine Arbeitstemperatur von etwa 1100 bis 1300 Grad Celsius aufweist. Erst dann kann die Anlage mit Kohlen beschickt werden, und die eigentliche Koks- und Gasproduktion beginnt. 240 Tonnen Wasser gilt es in den kommenden 8 Wochen aus dem Gemäuer zu entfernen, die während der Bauzeit als Mörtel in das Bauwerk hineingebracht wurden. Dabei wird sich die Ofenanlage naturgemäß ausdehnen. Wenn in Zukunft der Koksbedarf der Abnehmer groß sein sollte, so wird die Anlage mit Steinkohlengas beheizt. Ist der Koksbedarf aber geringer, wie in den Sommermonaten, so wird die Feuerng mit Generatorengas, das aus dem Koks gewonnen wird, gespeist.

Die Lebensdauer dieser neuen Anlage wird auf 20 bis 25 Jahre veranschlagt, bei einer ständigen Temperatur von 1200 Grad Celsius. Die hohen Abgastemperaturen werden für die Vorwärmung von Heizgas und Luft verwandt. Die Firma H. Koppers bekam von den Gaswerken den Generalauftrag erteilt, und sie gab verschiedene Arbeiten an Darmstädter Firmen weiter. So waren an der Errichtung der Anlage die Firmen Hummel, Ganss, Schenck und Donges-Stahlbau beteiligt.

Direktor Nuß dankte allen Mitarbeitern für ihren restlosen Einsatz, und ganz besonders Herrn Direktor Gapp von der Fa. Koppers, die im Anschluß an die Anheizfeier die Gäste zu einem Essen ins Parkhotel eingeladen hatte. —st

Hundertprozentige Wahlbeteiligung

Späte aber interessante Nachlese zur Landtagswahl

PD. Darmstadt hat in der Beteiligung an der Landtagswahl selbst die Ostzone übertrumpft. Es hatte nämlich eine hundertprozentige Wahlbeteiligung der Männer und der Frauen. Allerdings nur in zwei Wahllokalen, nämlich den „fliegenden“ für die Anstalten. Dort gab es aber auch mit 5,3 Prozent die meisten ungültigen Stimmen. (Durchschnitt 4,1 Prozent). Dort zählte die CDU im Vergleich zu den anderen Abstimmungsstätten auch ihre meisten Wähler (19,5 Prozent bei ihrem Durchschnitt von 10 Prozent, davon 10,2 Prozent bei den Männern und 24,5 Prozent bei den Frauen).

Sonst freilich war die Beteiligung im gesamten Stadtkreis nur 63,6 Proz. Sie lag in Arheilgen mit 73,8 Proz. am höchsten; es folgten die Lessingschule mit 71,5, die Gutenbergschule mit 67,3 und die Bessunger Knabenschule mit 63,1 Proz. Die „Vororte“ haben also am wenigsten träge gewählt.

Die Schlüsse können gezogen werden aus einer sorgsamen Arbeit des Statisten und Wahlamts der Stadt Darmstadt. Sie bringt nicht nur eine genaue absolute und prozentuale Aufgliederung der Landtagswahlzahlen nach den Stadtgruppen, Geschlechtern und — bedingt — auch Altersstufen, sie fügt auch aufschlußreiche graphische Schaubilder bei, in die sich die Parteistrategen vertiefen werden. Dafür noch einige Hinweise:

Die höchste Prozentzahl hat die SPD mit 74,6 in der Heimstättenschule (72,8 Proz. Männer und 76,7 Proz. Frauen), im Cafe Linnemann (62,7), in der Lessingschule (61,4) und in Arheilgen (62,5). An allen diesen Stellen überwog übrigens die Zahl der Frauenstimmen.

Die FDP hatte über 50 Prozent im Cafe Henn (65,2 Proz.), im Polizeipräsidium (56,2), im Arbeitsamt (53,5) und im Finanzamt (51.8 Proz.). Nur in der Schillerschule lagen die Frauenstimmen um ein geringes höher (36,1 : 37,1 Proz.).

Bei der CDU kommen auf 8,1 Männer hingegen 11,8 Frauen. Ihre höchste Stimmenzahl erhielt diese Partei im Cafe Linnemann mit 18,8 (mehr Männer als Frauen) und in der Staatsbauschule mit 14,6 Prozent. Die KPD hatte in der Heimstättenschule 8,7 Proz. (10,6 Proz. Männer) und in der Kyritzschule 6,1 Proz. der Stimmen als höchste und im Linnemann 0,6 als niedrigste Prozentzahl erhalten. Männer und Frauenstimmen standen bei ihr im Verhältnis 6,6 : 3,8.

Märchenvorstellung

des Landestheaters für Waisenkinder

Nach einer Uebereinkunft mit der Stadtverwaltung Darmstadt veranstaltet das Landestheater am Sonntag, den 17. Dezember, 10.30 Uhr, eine Märchenvorstellung zu Gunsten von Waisenkindern, Halbwaisen, Pflegekindern und Kindern unbemittelter Eltern. Die Karten sind bereits verteilt. Um die Vorstellung zu ermöglichen, verzichtet das Darmstädter Orchester auf das für diesen Tag in der Stadthalle vorgesehene Konzert, das am 26. Dezember, 11.00 Uhr vormittags, nachgeholt wird.

Drinnerum un drumerum

Zu meuner Schulzeit hatte mer emol en Lehrer, der hatt c ganz besunner Ard an sich, Scbbäß zu mache. Wann der als die Dier ereukumme is, do hot er schun gekrische: Kobb wäck! Un do hots aach schun gerabbelt, weil er nem-Uch im selwige Aageblick em erste Beste wedder de Wärsching gehage hot, daß aam Heern un Sehe vergange is. Deß is net geloge, un es is mer noch in de Erinnerung, wie heit, dann weil ich e bißje klaa war, hab ich vorne gehoggd un dodewäje als im Schußfeld geläje. Mir Klaane hatte uns jo mit de Zeit e groß Ferdigkeit im Bigge agewehnt, awwer manchmal hatt der Bruder doch Gligg, un unseraam is nix anneres iwwrich gebliwwe, als em die Knoche zu verfluche. Wann er nor net immer so dreggisch hinnenooch gesackt hett, ich hatt eich jo gewarnt.

An den Unfug muß ich ewe als dengge, wann ich seh, wie deß Iwwerfallkommando dorch die Stroße rase dhut ohne Ricksicht uff die Verkehrsordnung zu nemme, wäje dere se doch die annern immer verknasse. Wann uff die Ard emol ebbes bassiert, do wem se nachher aach saache, wie unser Schulmaster: Mir hawwe doch Singnal gäwwc, warum hawwe se dann de Kobb net ew'dck gedah? Awwer net jeder, der wo do grad uff de Stroß is, is so gelengisch wie mir Buwe domals.

Was soll dann eichentlich mit dere Raserei bezweckt wem? Wann zwaa zammegerennt sin und die Brogge leije do erum, do kimmt die Bolezei doch zu schbet, un ob se jetzt den Dreckhaufe e par Minute speter unversucht, deß ennert an de Sach doch nix mehr.

Meu Lißbedd hots es bißje am Herz, un die hot neilich, wie mer grad mitte uff de Rheinstroß warn, vor lauter Schregge net gewißt, wohie se eichentlich ausweiche soll. Im letzte Aagebligg hatt se doch noch soviel Geistesgäjewatt un hott sich in meun Arm falle losse, un dann wars aus. Was maane se, wann se debei gebliwwe weer? Ich will jo de Bollezei kaa Vorschrifte mache, ich maan bloß, es hett doch seu kenne. Wer hett do de Schade gehatt? Die Bollezei brauch außerm Singnal bestimmt nix zu gäwwe.

Gottlob war se bald widder bei sich, un dann sin mer emol in de ganz Stadt erum gedabbt. (Sie hatt sich fest an meun Arm gehengt un hot net mehr locker gelöste.) Is der deß ewe e Gefungel in de Stroße. Schun die hellbleilich Perlekett in de Neckastroß macht beinah en großstädtische Eudruck. Un dann die hündische Lichtreglame an de Lade. Wann mer aach dodemit gäje annern Stadt e schee Weilche hinnenooch kumme, machts aam doch Fraad, daß mer jetzt endlich aach uff die Weis es Stroßebild verschönert sehe derfe. Griene, rote, gäle Nome oder Strich, alles schee hündisch dorchenanner, wie an de Bienestegg, damit daß mer sich seun Lade schun vun weitem merke kann, wann aach als emol zwischedorch aans net funkzjoniert. Deß will nix haaße bei so Neierheite.

Gehn se emol die Elisabethenstroß enuff un gugge se dodebei schnurstracks nooch em Ludwigsblatz, deß is der doch e Pracht, un wann se dann drowwe sin, do bleiwe se emol do steh, von wo aus se in die fimf Stroße, die wo vun do ab gehn, eneugugge kenne, do stoggt ihne ihr Herz vor lauder Lichterglanz, besunnert wo grad jetzt aach noch es Christkindche seu Weihnachtslichtcher dezugehengt hot. Meu Lißbedd hatt nasse Aage, wie ich zu er gesackt hab, cs geht doch nix iwwer unser lieb Darmstadt. Erst hab ich geglaaht, sie weer draurig, weil ich nix vum Kaafe geredd habb, awwer es war werklich aus Riehrung.. Mer derf noch so alt wem, Lichtcher mache aam immer widder grad so viel Fraad, wie de klaane Kinner die Lichtcher am Christbaam.

Ich kann eich bloß saache, benutzt morje noch emol die Geläjenheit, eich an dere Stadtbeleichdung zu ergetze, dann mer kann net wisse, obs net wäjem Kohlemangel vabodde werd, un dann habt ihr deß 'Nachsehe un außerdem is diesmal schun am letzte Advent Bescheerowend und do habt ihr unner Umstend kaa Zeit mehr, deß alles in Ruh zu bedrachde.

In dem Sinn grießt eich eier

Anton Berzel

Wie wird das Wetter?

Kälter, Schneeschauer

Vorhersage: Am Wochenende bei wechselnder Bewölkung einzelne Schneeschauer. Temperaturen am Tage im Flachland um null Grad, im Gebirge anhaltend unter dem Gefrierpunkt. Nachts durchweg mäßiger Frost.

Weitere Aussichten: Wechselhaft, kalt.



Km 512 auf der Anklagebank

Unfälle immer bei beginnendem Regen / Der Fall war schon „verjährt“ Fahrlässige Körperverletzung lag nicht vor / Autobahnbelag schuldig?

Staatsanwalt Keppel beantragte wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe von 200 DM gegen Peter Daufenbach, den Fahrer des bei Kilometer 512 auf der Autobahn bei Gräfenhausen am 6. Juli verunglückten Personenkraftwagens. Daufenbachs Chef, Fabrikant Josef Plum aus Bütgen bei Koblenz, hatte seinen rechten Arm bei diesem Unfall verloren.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Dr. Wenck konnte sich diesem Antrag nicht anschließen. Er erklärte nach der Feststellung, daß der Fall an sich schon gesetzlich nach 3 Monaten „verjährt“ gewesen sei und deshalb das Verfahren niedergeschlagen werde. Im übrigen liege eine fahrlässige Körperverletzung nicht vor.

Nach der Vernehmung von Kommissar Borger und Wachtmeister Muschiol von der Autobahnpolizei hatten Dipl.-Ing. Freiherr von Schauroth -Darmstadt als Kfz.-Sachverständiger und Generaldirektor Willy Hof, der Wegbereiter des Autobahngedankens in Deutschland

und Erbauer der Autobahnstrecke Darmstadt—Frankfurt, übereinstimmend auf den Straßenbelag der Unfallstrecke als wesentlichen Schuldfaktor hingewiesen. Beide Sachverständige erklärten, daß die seinerzeitige Geschwindigkeitsbegrenzung für Kraftfahrzeuge allein aus wehrwirtschaftlichen und nicht aus Sicherheitsgründen eingeführt worden sei, daß die Autobahn ihrer Idee nach für hohe und höchste Geschwindigkeiten — bis zu 200 Stundenkilometern — geschaffen worden sei und sich der Unfall ihrer Ansicht nach auch bei geringerer Geschwindigkeit ereignet haben könnte. Der benutzte Kraftwagen sei in technisch einwandfreier Verfassung gewesen, erklärte Dipl.-Ing. von Schauroth und Generaldirektor Hof sah die Schuld in einer allgemeinen Senkung dei’ Fahrbahn an dieser Stelle um etwa 20 Zentimeter, der ungeeigneten Straßendecke und der bei beginnendem Regen sich darauf aus den Gummi-, Oel- und Staubrückständen bildenden Schmiere.

Das glänzend geführte Plädoyer des Verteidigers Dr. Da h s faßte die Entlastungspunkte zusammen und kritisierte die Müßigkeit der Behörden, erst nach Eingreifen der Presse an dieser Stelle etwas unternommen zu haben. Er erklärte, daß hier nicht Peter Daufenbach, sondern ein Stück der Autobahn auf der Anklagebank sitze. -ae-


Uifsere Hm-Montage zeigt von links nach rechts: Kraftfahrer Peter Daufenbach, Gendarmerie-Wachtmeister Muschiol, Staatsanwalt Keppel, Amtsgerichtsrat Dr. Wenck, Fabrikant Josef Plum und Generaldirektor Willy Hof.
Uifsere Hm-Montage zeigt von links nach rechts: Kraftfahrer Peter Daufenbach, Gendarmerie-Wachtmeister Muschiol, Staatsanwalt Keppel, Amtsgerichtsrat Dr. Wenck, Fabrikant Josef Plum und Generaldirektor Willy Hof.

Generalversammlung der Gebrüder Roeder A.G.

In der am 15. Dezember stattgefundenen Hauptversammlung wurde über den Abschluß des Geschäftsjahres 1949 Bericht erstattet. Die Verwaltung schlug vor, den Reingewinn, welcher sich nach Abzug sämtlicher Unkosten einschließlich dem Vortrag aus 1948 auf 131 900,04 DM bezifferte, wie folgt auszuschütten: 7 ’/o Gewinnanteil auf die Vorzugsaktien von 5000 DM, 6 °/o Gewinnanteil auf die Stammaktien in Höhe von 1,8 Müll. DM.

Dr.-Ing. e. h. Schenck wurde für drei Jahre einstimmig wieder in den Aufsichtsrat gewählt.

Direktor Dr. Bernauer ging dann noch auf das durch einen verschärften Konkurrenzkampf gekennzeichnete Geschäftsjahr 1950 ein, in dem es trotz der verminderten Einkünfte durch den außerordentlich guten Auftragseingang gelungen war, die Produktion und den Umsatz weiter zu steigern. Ueber die Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung dm 2. Halbjahr 1950 konnten Laigerbestände hinweghelfen. Der Betrieb arbeite seit Monaten mit Ueberstunden. Für das Jahr 1951 sei es schwer, eine Beurteilung zu geben, weil man nicht wisse, wie die Bautätigkeit durch eine eventuell einsetzende Rüstung beeinträchtigt werden könne. Nach dem Auftragsbestand würde die Firma noch einige Monate voll beschäftigt sein. t-s

Kurze Meldungen aus der Stadt

Die Mitglieder des „Vereins junger Drogisten“ fanden sich mit ihren Angehörigen auf dem Heilig-Kreuz zu einer Nikolausfeier zusammen. Der Vorsitzende, Herr Pertrack, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Nach vielerlei Vorträgen, Gesangsdarbietungen und 3 Märchenfilmen, erschien der „Niggeloos“, um, den Kindern einen Vorgeschmack auf Weihnachten zu geben. -st

Das Darmstädter Orchester für Berufs¬ musiker veranstaltet auch morgen, am 3. Advent, bei gutem Wetter an verschiedenen Plätzen der Innenstadt ein weihnachtliches Konzert in der Zeit von 14 bis 16 Uhr. Leitung: Kapellmeister T r a s e r. *

Die Jugcndgruppc der Martinsgemeinde Ost I bringt am 3. Adventssonntag, um 20 Uhr, im Gemeindehaus, Liebfrauenstraße 6, das Märchen „Prinzessin Huschewind“ zur Aufführung.

Eine Kinderbescherung führt der Kreisverband der Heimatvertriebenen e. V., Ortsgruppe Eberstadt, am Sonntag, dem 17. Dez., 17 Uhr, im Gasthaus „Zur Harmonie“ durch. +,

Eine Bescherung für die schulpflichti¬ gen Waisenkinder führt der Verband der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner heute, Samstag, um 15 Uhr, im Gasthaus „Zur Eisenbahn" durch. +

Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Personenwagen und einem amerikanischen Omnibus mit deutschem Fahrer kam es gestern morgen in der Nieder-Ramstädter Straße in Nähe der Redlingerstraße. Beim Abbremsen des Pkw. war der Omnibus durch die Glätte der Fahrbahn auf diesen aufgefahren. Es entstand Sachschaden von etwa 1000 DM. *

Ein Pkw. streife gestern abend in der Wilhelminenstraße ein dort abgestellten Möbelwagen. Der Fahrer gab an, durch entgegenkoinmende Fahrzeuge geblendet worden zu sein. Es entstand lediglich Sachschaden. *

Bexreitschaftsdienst am Sonntag

Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst (vom 16. 12., 13.00 Uhr bis 23. 12., 8.00 Uhr):

Darmstadt: Adler-Apotheke, Mathildenplatz 20. Tel. 714; Gutenberg-Apotheke, Kittlerstraße 34, Tel. 3444.

Da.-Eberstadt: Schwanen - Apotheke, Darmstädter Straße 26, Tel. 221.

Da.-Arheilgen: Arheilger Apotheke, Dieburger Straße 20, Tel. 604.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst (von 10 bis 12 Uhr): Zahnarzt Dr. Schifferdecker, Darmstadt, Ludwigshöhstr. 98.

Sonntagsdienst der Dentisten (von 10 bis 12 Uhr): Dentist Ernst Heldmann, Da.-Eberstadt, Darmstädtef Straße 264.

Wohin gelien wie heŭte?

Landestheater, Orangerie: 19 Uhr „Don Carlos“.

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Amerikahaus: 14.30 Uhr Kinderfilm. — Ausstellung zweier Darmstädter Maler, Bernd Krimm e 1 und Eberhard Schlotter.

Mathildenhöhe: 9—12 und 14 bis 20 Uhr Ausstellung „Europa ruf t“.

Mathildenhöhsaal (Kunst ler ko lon i e): 19.30 Uhr Darmstädter Musikzentrale in Verb. m. d. Chopin-Komitee „W 1 a - d y s 1 a Kedr a“.

Landesmuseum: 10—13 und 14—17 Uhr Künstler - Weihnachtsmesse, veranstaltet vom Neuen Hessischen Kunsverein.

Arheilgen „Goldener Löwe“: 20 Uhr MGV „Eintracht“ Volkslieder-Konzert.

Stadthalle,: 20 Uhr Veranstaltung mit erbl’ndeten Kunstschaffenden.

Pauluskirche: 20 Uhr Musikalische Vesper.

...ŭnd morgen?

Landestheater, Orangerie: 19.30 Uhr „Maske in Blau“.

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Mathildenhöhe: 9—12 und 14—20 Ausstellung „Europa ruft“ (letzter Tag).

Landesmuseum: 10—13 und 14—17 Uhr Künstler.- Weihnachtsmesse, veranstaltet vom Neuen Hessischen Kunstverein.

Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3a: 10—18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.

Wir gratülieren

75. Geburtstag: Herr Franz Löffel, Darmstadt, Liebigstr. 67.

75. Geburtstag: Frau Margarethe Schilling Wwe. geb. Kaffenberger, Da. -Eberstadt, Ludwigstr. 11 (17. 12.).

| Heute verschied nach langer Krankheit mein M lieber Mann Ludwig Leichtweiß H im 68. Lebensjahr. In tiefer Trauer: । • Anna Leichtweiß Wwe. geb. Stoll | Darmstadt, den 15. Dezember 1950 i ■ Am Eichbaumeck 22 | Beerdigung: Montag, den 18. Dezember 1950, um 14.15 Uhr, Waldfriedhof.

Bestattungen am Samstag, dem 16.12.1950 Beerdigungen: Arhellger Friedhof: ' 11 Uhr Heinrich Giebel, 70 Jahre, Altersheim Aumühle I Darmstadt-Eberstadt: 11 Uhr Marie Arras geb. Hofmann, 68 Jahre, Darm- I Städter Straße 73 ’

Feuilleton

Der Stern von Bethlehem

DIE BIBLISCHE ÜBERLIEFERUNG IM LICHTE DER WISSENSCHAFT

„Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem und sprachen: ,Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.’“

Diese Niederschrift des Evangelisten Matthäus, wonach ein außergewöhnliches Himmelsereignis die Weisen aus dem Morgenlande zum Marsch nach Palästina veranlaßte, ist schon Untersuchungsgegenstand vieler astronomischer Arbeiten gewesen.

Lange Zeit nahm man an, daß es sich bei dem Stern von Bethlehem um einen Kometen gehandelt hat, wie man ja auch noch oft in älteren Krippendarstellungen über die Wiege des Jesukindleins einen solchen Schweifstern abgebildet sieht. Da die Kometen innerhalb des Sonnensystems periodisch wiederkehren, bietet sich dem Astronomen eine einfache Möglichkeit zur zeitlichen Zurückrechnung, aber das Ergebnis dieser Rechnung ist unbefriedigend und nicht eindeutig.

Ein mit den biblischen Ueberlegungen In guter Uebereinstimmung stehendes Ergebnis erzielte man erst, als man die ungeheuere Bedeutung berücksichtigte, die die Astrologie oder Sterndeuterei in früheren Zeiten im Leben der Menschheit besaß. Alle Menschenschicksale und großen politischen Ereignisse wurden mit Vorgängen am gestirnten Himmel, mit der Stellung der einzelnen Planeten, in Zusammenhang gebracht. Ereignisse besonders großer- Bedeutung las man ab aus der nahen Begegnung zweier Planeten. Und je seltener eine Annäherung zweier Wandelsterne ist, desto größer war die Bedeutung, die man dem Himmelsereignis zuschrieb. Besonders wichtig hielt man die seltene Zusammenführung der beiden Planeten Jupiter und Saturn, die im Durchschnitt nur alle zwanzig Jahre einmal vorkommt.

Die astronomische Nachrechnung ergibt nun, daß solche dreifachen Konjunktionen nur etwa einmal im Jahrhundert stattflnden, ganze enge Zusammenfühi-ungen sind noch seltener; solche fanden statt in den Jahren 7 v. Chr., um 1007, 1682/83 und 1941/42.

Kann man nun mit der dreifachen Konjunktion des Jahres 7 v. Chr. die Aufzeichnung des Evangeliums in Uebereinstimmung bringen? Die wörtliche Uebersetzung des Mathäusevangeliums lautet: „Wir haben einen Stern im Frühaufgang gesehen“, was bedeutet, daß die Sternerscheinung bei langsamer Entfernung aus den Strahlen der Sonne erstmals sichtbar wurde. Dies stimmt mit der astronomischen Nachrechnung überein, wonach die erste Konjunktion im Mai des Jahres 7 v. Chr. am Osthimmel morgens stattfand. Die „Weisen aus dem Morgenlande“ waren keine Könige, sondern Astrologen, worunter man damals ja allgemein einen Weisen verstand. Man muß annehmen, daß das zweite Zusammentreffen von

Jupiter und Saturn im Oktober die Weisen zur Reise nach Palästina veranlaßt hat; sie haben sich dann unmittelbar nach der Hauptstadt Jerusalem begeben, um dort etwas über die Auswirkungen der Gestirnskonstellation zu erfahren. Aus dem Text des Evangeliums folgt nun eindeutig, daß sie sich in Jerusalem eine gewisse Zeit aufgehalten haben, während welcher von ihnen und dem König Herodes Nachforschungen über die Geburt des neuen Königs der Juden angestellt wurden. Während dieser Zeit befanden sich Jupiter und Saturn nicht in Konjunktion. Die dritte Begegnung der beiden Planeten ereignete sich nun Anfang Dezember, und zwar standen die beiden schicksalsverkündenden Planeten bei Beginn der Abenddämmerung genau im Süden. Man kann also annehmen, daß dieses dritte Zusammentreffen der beiden Wandelsterne am südlichen Abendhimmel die Weisen bewog, von Jerusalem aus südwärts zu ziehen, wobei sie dann nach Bethlehem gelangten. „Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin.“ — „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ Diese letzte Angabe deckt sich mit der Tatsache, daß über einen Monat lang kein Zusammenstehen der beiden Sterne stattfand und dann die dritte Konjunktion die Weisen in ihrem Glauben an das außergewöhnliche Ereignis bestärkte.

Danach muß also das Jahr 7 vor Beginn unserer Zeitrechnung als Geburtsjahr Christi gelten. Kalenderänderungen und -reformen mögen wohl einen Teil Schuld haben an dieser Abweichung. Der Hauptgrund dürfte aber darin liegen, daß die Evangelien erst viele Jahre nach Jesus Tod aufgezeichnet wurden und das genaue Geburtsjahr daher nicht mehr eindeutig feststellbar war. So hat dänn gerade diejenige Naturwissenschaft, die die Wunder unserer Schöpfungen am eindringlichsten darlegt, die Astronomie, eine Möglichkeit zur Bestimmung des Geburtsdatums des Stifters der christlichen Religion gegeben.

Dr. H. Faust


WEISSE ROMANTIK
WEISSE ROMANTIK

Milhauds „Armer Matrose“

Eine Neufassung in Hamburg

Die Hamburger Staatsoper brachte in einer Studio-Aufführung als Matinee Milhauds im Jahre 1927 geschriebene Kurzoper „Der arme Matrose“. Das Werk fesselt auch heute noch durch die Eigenart und den Avantgardismus seines Stils, in der besonderen Diskretion seiner dramatischen Haltung. Milhaud gibt keine Entwicklungen, Verdeutlichungen im Seelischen, sondern nur Zuständliches, gleichsam das Sinnbildliche des Geschehens und der Gestalten. Es ist bigentlich nur das Monodram einer Frau, die auf ihren lange verschollenen Gatten, den Matrosen, wartet. Ohne zu wissen, daß er es ist, tötet sie den Heimgekehrten in einem tragischen Irrtum- Dieses Libretto stammt von Jean Cocteau. Die Hamburger Aufführung benutzte erstmals die neue kammermusikalische Fassung (für 14 Solo-Instrumente) des Komponisten. Aber diese abstrahiert im Grunde das Werk, gerade im Lyrischen, noch mehr als nötig. MBS

Neue Filme in Darmstadt

UNION. „Bergkristall“. Ein Film aus der Eergwelt Tirols, und wessen Herz den Bergen gehört, der wird seine Freude haben an den eindrucksvollen Aufnahmen der verschneiten Felsen und der sommerduftenden Höhen. Bauern, Jäger und Hirten das Oberen Gerichts in Tirol spielen das Filmgeschehen mit. Ihre Gestalten und Gesichter wie ihre Verhaltensweise geben ihm den Impuls echten Lebens. Allerdings sind aus jener feinsinnigen Stifter-Novelle „Bergkristall“ nur einige Motive verwendet, um einen eigenlebigen Spielfilm mit der Herzkraft echter Dichtung zu speisen, die sonst dem dramatischen Lebenslauf des Valteiner Franz (Franz Eichberger) nacheinander als leidenschaftlicher Wilderer, vermeintlicher Mörder, liebender. Gatte und Vater, tüchtiger Schaffer, Gottesleugner, Säufer und schließlich begnadeter und wieder in die Dorfgemeinschaft aufgenommener Bauer fehlen würde. Liebliche Kinder in ihrer Unschuld und Gläubigkeit ans Christkind rühren immer, wie auch Szenen mit Ritus und Zeichen der katholischen Glaubenswelt längst in ihrer filmischen Wirksamkeit erprobt sind. So ist der Film nur insofern, als er gleichförmiges Leben über sieben, acht Jahre hinspielen muß, gewagt. Sonst macht er aus viel Altem ein bißchen Neues. D-S

UNION. „Lhasa Lo“. (Eine Morgenveranstaltung am 17. Dezember.) Eine Expedition von sechs Deutschen bahnte sich vor dem letzten Krieg von Indien aus über den Himalaya und durch die Hochsteppe Tibets ihren Weg nach Lhasa, der heiligen Stadt, dem Sitz des fleischgewordenen Bhuddas, und dieser Film, von Ernst Krause gut fotografiert, gibt einen Eindruck von den Schwierigkeiten der „„Reise“. Darüber hinaus aber wird in schönen Bildern über Land und Leute, Sitten und Gebräuche, Religionen und Kulturen, Pflanzen und Tiere berichtet. Da schnurren Gebetsmühlen, beten Tausende unaufhörlich ihre „o mani padme hum“, da werden Dämonen beschworen und in wildem, ekstatischem Tanz böse Geister vertrieben. Hochland Tibet, geheimnisvolles Herz Asiens, sichtbar gemacht durch diesen Film, der seinen interessanten Höhepunkt in den rituellen Feiern und weltlichen Festen zum Neujahrstag in Lhasa findet. Der romantische Hauch des Abenteuers umweht ihn ebenso, wie ihm die streng sachliche Forschungstätigkeit eine wissenschaftlich einwandfreie Fundierung gibt. Gerade in dieser Verbindung liegt der Reiz des Films und sein bisheriger Erfolg.

THALIA: „5 unter Verdacht". Das ist nach langen Jahren endlich wieder der deutsche Kriminalfilm, wie wir ihn uns wünschen. Spannend, geistreich und von einer sauberen Regie. In einem Privatgymnasium einer nordischen Kleinstadt wird der Hausdiener unter sehr merkwürdigen Umständen ermordet aufgefunden.

Wie die Handlung abrollt, und zu welcher überraschenden Lösung des Falles es kommt, das muß man gesehen haben. Großartig die Kamera, die in der nebligen Stadt Bilder von ungeheurer Intensität einfängt. Großartig auch die Leistung der Schauspieler, allen voraus die Person des Kriminalrats Thomsen, den Hans Nielsen mit einer fabelhaften Plastizität darzustellen weiß. Die Figuren sind menschlich angelegt, wodurch der Kriminalfall an Wahrhaftigkeit gewinnt. Dorothea Wieck als Frau Berling, Friedrich Schönfelder als Studienrat Dr. Berling und Hans Leibelt als Direktor des Gymnasiums vollbringen hier eine anerkennenswerte Ensembleleistung. Die Regie unter Kurt Hoffmann schuf Situationen voller filmischer Wirksamkeit, wie wir sie meistens im deutschen Film vergeblich suchten. Man könnte sagen, daß der deutsche Kriminalfilm eine Wiedergeburt erlebt hat. hfl «

BELIDA: „Tatort Springfield“. Richard Mason, ein anerkannter Ingenieur, lebt seit fünf Jahren mit seiner Gattin in einer scheinbar glücklichen Ehe, die selbst von nächsten Bekannten als vorbildlich gepriesen wird. In Wirklichkeit aber klafft zwischen beiden eine große Kluft, die noch dadurch vertieft wird, daß Mason die jüngere Schwester seiner Frau liebt. Mit Raffinesse und Kaltschnäuzigkeit tötet er schließlich seine Frau und läßt in der Gewißheit seines sicheren Alibis die von ihm selbst benachrichtigte Polizei nach ihr und dem Täter suchen. Nur eine Rose verrät ihn: Die Rose nämlich, die die Ermordete vom gemeinsamen Freund, dem Psychologen Hamilton, unmittelbar vor jener Fahrt als Geschenk erhielt, von der sie nicht zurückkehrte. Und Mason gibt in der Personalbeschreibung diese Rose im Knopfloch des Kostüms der Verschwundenen als „besonderes Kennzeichen“ an, obwohl er sie praktisch gar nicht mehr mit der Rose gesehen haben kann, weil er, wie er angibt, seit der Abfahrt aus dem Haus kein Lebenszeichen mehr von ihr hat

Für was doch so eine Psychologie gut ist! Man kann damit einen Film mindestens um das Doppelte verlängern, denn eigentlich hatte sich der Mörder schon mit der Rose, das heißt, nach 20 Minuten Laufzeit, verraten. Zudem wirkt sie, verbunden mit Parfumgeruch. Urkundenfälschung und anderen Scherzartikeln, ein bißchen plump. Aber es steht nun mal im Drehbuch von A. T. Korman und Dwight Taylor, so daß sich auch Humphrey Bogart (Mason) und Sydney Greenstreet (Hamilton) damit abfinden mußten. hn

PALAST: 3 Cowboys und 1 Mädel. Atemberaubende Spannung bis zum Schluß“, steht in der Voranzeige, und der Besucher ist tatsächlich des öfteren geneigt, wegen des lebhaften, permanenten Schußwechsels Dekkung hinter den Kinostühlen zu suchen. Ebenso möchte man seinen Sitznachbarn mißtrauisch beäugen, da in diesem Film die ehrenwerten Männer, — sie werden sogar meist mit „Sir“ angeredet — sich hinterher als die Hauptgauner erweisen. Wer wen mit Sicherheit erschießt, ist deswegen am Anfang des Stückes durchaus noch nicht klar, und man kann höchstens an den Sympathie verschenkenden Wildwest-Mädchen die Guten von den Bösen unterscheiden. Die Vieh- und Goldklauer tragen außerdem meistens noch einen Bart und haben mehr Geld. Dagegen sind die drei Polizisten der Prärie, Jonny, Jack und Albert immer glatt rasiert, und feindliche Kugeln treffen nur den Hut oder eine nebenan stehende Vase. Im übrigen siegen auch hier die positiven Kräfte, die Jugend wird gar nicht verdorben, und die Erwachsenen kamen mit einem vergnügten und tapferen Gesicht aus der Vorstellung. Sg

Rhythmische Gymnastik

VORGEFÜHRT VON DER LANDESMUSIKSCHULE

Vielleicht erinnerte sich mancher an Elisabeth Duncans „Kindertanzschule“ auf der Marienhöhe, als er im dicht besetzten Saal des Amerikahauses die Klasse für rhythmische Gymnastik von Maria Heiß bei ihren Vorführungen sah. Was die Duncan zunächst nicht erreichte, Laban und Mensendieck schafften es später: Dieses Gebiet des Tanzes hielt seinen Einzug in weiteste Volkskreise, in die Sehulen. Auch die Landesmusikschule nimmt sich also des Unterrichts der Körperbewegung an. Von „Systemen“, hat man sich seit langem befreit. Maria Heiß geht daher auch teilweise eigene Wege. Sie hat es in einem leichter, denn Hermann Heiß schreibt für ihre Zwecke eine zwar bewußt „einfache“, aber so einprägsame und tänzerische Musik, daß sich körpereigene Bewegung und Rhythmus und Ton auf das schönste verbinden können. „Rhythmische Studien“ nach einer „Melodie“ von einer Gruppe gegangen, nach einem „Ostinato“ von Gruppe und Solo zum Gegenklang gebracht, nach einem „Kanon a 3“ in solistische Imitationsbewegung hineingestellt, zeigen die mehr oder weniger starke Veranlagung der Schülerinnen. Vor allem kennzeichnen sie die Absicht der Gymnastiklehrerin, der einfachen naturgegebenen Ursprünglichkeit des Körperlichen nachzuspüren, ihr den Raum in der Bewegung aufzuschließen und sich möglichst aller pantomimischen Gestik zu enthalten. Dieses Prinzip verrieten auch die „Bewegungsstudien“ nach varierten Volksweisen Islands, der isländische „Volkstanz“ und die 15 „Kinderstubentänze“ der Kleinsten, in denen Typik, nicht mimische Geste, vorwalteten.

Erstes erfolgreiches Bemühen war überall zu erkennen und fand im wiederholten Volkstanz sogar schon größte Zustimmung. Die Kindergruppe (Der Knabe das Mädchen, die Puppe, die Stubendinge Stuhl, Tisch, Bank usw.) hatte von vornherein alle Sympathien der Zuschauer für sich. Dazu wurde recht gut auf Flöte, Violine und Klavier musiziert und Elsbeth Stumpf sang ganz ausgezeichnet die Kinderverse. Viel Beifall für Maria Heiß und ihre Schützlinge.

Bühne und Autor

Einen praktischen Beitrag zu der Frage „Bühne und Autor“ soll der fjir den 19. Dezember, 19.30 Uhr, auf der Probebühne des Großen Hauses vorgesehene Leseabend des Landestheaters parmstadt darstellen. Mitglieder des Schauspielensembles werden in einer Lesung das Publikum mit dem Werk „Phrasen“ des Stuttgarter Schriftstellers H.-F. Willmann bekanntmachen. In einer anschließenden Diskussion wird Gelegenheit sein, sich kritisch und anregend zu äußern.

Von den Hochschulen

Professor Dr. Schäfer von der Justus-Liebig-Hochschule in Gießen und Direktor des Kerckhoff-Institutes für Kreislaufforschung an der Max-Planck-Gesellschaft in Ead Nauheim, ist auf den ordentlichen Lehrstuhl für Physiologie an der - Ruprecht-Universität in Heidelberg berufen worden.

se. Dr. Franz Dirlmeier, dem Ordinarius und Dekan der philosophischen Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, ist die ordentliche Professur für klassische Literatur an der Schweizer Universität Fribourg angeboten worden. -se.

Professor Dr. Walter Rehm an der Universität Freiburg in Baden hat den Ruf der Universität Frankfurt zur Uebernahme des Lehrstuhls für neuere deutsche Literaturgeschichte als Nachfolger für den kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Franz Schultz, abgelehnt. _se.

Die Sendeprogramme vom 17. Dezember bis 23. Dezember 1950

Messĩscher Rundfunk (Frankfurt Kassel Fritzlar)

Sonntag, 17. Dez. 12.05 Konzert 13.00 Musik nach Tisch 14.30 Lustiges Konfektbacken bei Onkel Karlemann 15.00 Aus dem Tagebuch Ihres Senders 15.15 Der gemeinsame Weg 15.30 Meister ihres Faches 16.00 Zur Unterhaltung 17.00 Sport und Musik 18.00 Orchester der Welt 20.00 Der Silberne Sonntag 22.10 Sportberichte. 22.25 Der Weihnachtsmann geht um 23.00 Tanzmusik von Schallplatten

Montag, 18. Dez. 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.15 Schulfunk. Klingende Elementarlehre vin 16.00 Weihnachtliche Musik 16.45 Skizzen. Kurzgeschichten 17.00 Bitte abschalten, meine Herren! 18.00 Aus den Akten eines Jugendrichters 18.30 Zum Feierabend 20.00 Operettenrevue 21.10 Erinnerung an die Heimat 21.45 Dolf Sternberger spricht 22.15 Die bunte Folge 23.00 Lord Byrons letzte Reise 23.15 Zärtliche Musik von Schallplatten

Dienstag, 19. Dez. 12.00 Musik am Mittag 13 00 Unterhaltsame Musik 14.15 Schulfunk Wie sprechen wir? 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Operettenkonzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Hessische Volksmusik 18 00 Gibt es typische Frauenberufe? 18.25 Wenn die Bratäpfel duften 20.00 Tanz und Unterhaltung 22.15 Zum Ausklang des Bach-Jahres 1950

Mittwcch. 20. Dez. 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Melodien von Willy Richartz 14.00 Weihnachtliche Lieder 14.15 Schulfunk. Tibet 14.45 Lebkuchenherz und Bubenschenkel 15.05 Unterhaltende Melodien 15.25 Hoppla, die Purzel sind da 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18 00 Der werktätige Mensch 20.00 Hoffmanns Erzählungen. Oper von Offenbach 22.45 Neue Heilmethoden für Kinderlähmung 23.00 Willy Berking spielt

Donnerstag, 21. Dez. 12.00 Musik am Mittag 13.00 Unterhaltsame Musik 14.15 Schulfunk. Locarno 15.15 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Alte Weisen 16.50 Was Frauen interessiert 17.00 Leichte Unterhaltung 18.00 Hörerlieblinge 18.30 Zur Dämmerstunde 20.00 „Der Gesang im Feuerofen“, v. Carl Zuckmayer 22.15 Tanzmusik 21.30 Klaviermusik 23.00 Den Freunden der Dichtung 23,30 Rhythmus der Welt

Freitag, 22. Dez. 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14 00 Das Panorama 14.15 Schulfunk. Marburg 16.00 Frankfurter Komponisten 17.00 Unterhaltungskonzert 17.40 „Am Rande bemerkt" 18.00 Funk-Feuilleton 18.15 Flotte Sachen 20.00 „Leise rieselt der Schnee . . .“ 21.00 In diesen Tagen 21.10 Populäre französische Orchestermusik 22.15 Die Kurbel 23.00 Die Stadt, die vom Bürgerkrieg lebt 23.20 Klaviermusik

Samstag, 23 Dez. 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 13.40 Sportvorschau 14.15 Vergnügen mit Musik 15 00 Durch die weite Welt. Griechenland! 15.15 Volkstümliches Wissen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 Humor der Landschaften 18.00 Recht für Jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 20.00 Unterhaltungskonzert 20.30 Die Glückskette. Internationale Ringsendung 22.25 Sportergebnisse 22.35 Instrumente der Völker 23.00 Zwischen heute und morgen

Süclwestdeutscher Rundtunk

Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) (1538 kHz)

! (Rhein sender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)

Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr

tungs-Orchester 18.30 Sportberichte 19.20 Adventslieder 20.00 Sinfonie-Konzert 22.15 Sport und Musik 23.00 Fröhlicher Ausklang 0.10 Tanz- und Unterhaltungsmusik

17.00 Kammermusik 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Hänsel und Gretel", von Engelbert Humperdinck 21.15 Funk- und Fernsehen 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio

17.00 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Volksmusik und Chorgesang 20.30 Hörspiel „Bambi" 22.30 Nachtstudio Erinnerungen an Alban Berg 23.30 Weihnachtliche Spirituals

17.10 Sang und Klang im Volkston 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Ein großes Konzert 21.40 Alte Marienlieder zur 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio 23.00 Klänge aus dem Londoner Senderaum

17.00 Klaviermusik 18.30 Musik zum Feierabend 20.05 „Der Gesang im Feuerofen“, v. Carl Zuckmayer 22.30 Das Prisma 23.30 „Komm, Winter, komm — der Weg ist dir bereitet. Hörfolge von Artur Georg Richter

16.45 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Alte und neue Adventslieder 21.00 Die großen Meister 22.30 Für Kenner u. Liebhabei 23.15 Nächstenliebe — Fernstenliebe 23.30 Marienlieder

; 16.30 Unser Samstag-Nachmittag 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Christkind im Schwarzwald.“ Ein Spiel * :r 20.30 Die internationale , Glückskette 22.45 „Wenn es schneit im Zillertal“

Süeddeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 523 m (574 hHz)

(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)

Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00, 12.45 Uhr 1755., 19.45, 21.45, 23.45 Uhr

17.00 Pioniere des Hörspiels: Josef Martin Bauer: „Bäuerliche Legende" 17.45 Kammermusik 20.05 Das klingende Magazin 22.00 Julius Baßler am Klavier 22.20 Offen gesagt 22.30 In Dur und Moll

17.00 Konzertstunde 18.25 Musik zum Feierabend 20.05 Musik für jedermann 21.15 Alte und neue Weihnachtslieder 22.05 Zeitgenössische Musik 23.25 Stücke im alten Stil

17.15 Weihnachtsmusik zeitgenössischer Komponisten 20 05 „Das Christelflein.“ Eine Spieloper v. Hans Pfitzner 21.55 Blick in die Welt 22.05 Tanzmusik 23.00 „Der Schaffner und der Sultan Salakir.“ 23.30 Art van Damme und «ein« Barbesetzung

17.15 Kleines Orchesterkonzert 18.20 Musik zum Feierabend 20.05 „Der arme Heinrich". Eine Singfabel 20.45 Französische Künstler konzertieren in Deutschland 22.05 Das Streichorchester Heinz Hoffmann-Glewe 23.00 Orchesterkonzert

17.10 Hausmusik 18.25 Schöne Melodien 20.05 „Weihnachten im Erzgebirge“ 21.15 Das Orchester Mario Traversa-Schoener 22.05 „Die Weihnachtslegende als Quelle der- modernen Literatur.“ Eine Hörfolge 23,00 Nachtkonzert

17.00 Froh und heiter 18.20 Beim Gutenachtlied-Onkel 20.05 Symphoniekonzert 22.05 Tanzmusik 22.45 „Weihnachtliche Schmunzelecke“ 23.15 Zur Unterhaltung

17.00 Vom Guten das Beste 17.45 Familie Staudenmaier 18.20 „Das Christkindelwunder" 20.05 Willy Mattes dirigiert 20.30 Die internationale Glückskette 22 30 Schöne Stimmen

STARKENBURG

„Knigge“ für Peler

Sie werden mich fragen: „Ist das nicht ein ‘bißchen zu früh?“ Dazu müßte ich mir eine Gegenfrage erlauben: „Meinen Sie nun, daß Peter mit einer jungen Dame vor dem Schaufenster steht . . . oder meinen Sie die kleine Lektion ,Knigge“ für Peter?“ ...

Ehe Sie sich aber weiterhin Mühe machen, über Wert oder Unwert des kleinen Wortgeplänkels nachzudenken, darf ich Sie acht Tage zurückversetzen ...

Wie schrieb doch „Peter der Erste“ am vergangenen Samstag an eben der gleichen Stelle unter dem Titel „Wünsche“? Vor ein paar Tagen war’s ...“ Im Folgenden aber schilderte er die kleinen und großen Wünsche, die seine Sprößlinge, Peter und Sybille, auf den Wunschzettel für das Christkind schrieben.

Und auch ich kann nicht anders, wie „Peter der Große“ . . . Verzeihung „der Erste“ ... sagen: Vor ein paar Tagen war’s, als die Kamera beide vor der Auslage eines Spielwarenladens einfing.

Sybille müßte nicht später einmal eine Frau werden. Denn so ein klein wenig Neugierde, so ein ganz klein bißchen Begehren nach den Dingen hinter der großen Scheibe aus Glas steht schon heute in ihren Augen geschrieben. Wohl fehlt ihr noch manches. So z. B. dieses „Schatz! - schiau - mal - wie - hübsch 1“. (Wobei später die Fingerspitzen der rechten Hand sacht über den Handrücken des’ Herrn Gemahls streicheln.) Aber Diplomatie, ja die lernt man erst mit der Zeit.

Anders.der Peter. (Ja, nun kommt die Reihe an dich, mein Lieber!) Er ist schon so weit Kavalier, daß er versteht, gelassen stehenzubleiben. Ohne geringschätzig über die bezaubernden Puppen zu lächeln. Während um die Ecke die Eisenbahnen, Autos und Baukästen doch viel interessanter sind! Er weiß schon heute, was ich ihm eigentlich sagen wollte:

Du hast zu den Frauen höflich zu sein. Du hast ihre Wünsche zu respektieren. Doch darfst du nicht eher, das Wörtchen „Ja“ zu der Angebeteten deines Herzens sagen, ehe du nicht merkst, daß bei weiterem Zögern deine eigene Ruhe restlos dahin ist. Inzwischen hast du immer noch Aussicht, daß ein neuer Wunsch in Erscheinung tritt. Und nicht lange wird es dann dauern, und der dritte stellt sich ein. Dann wird es Zeit! Dann» prüfe dein Herz (ob „sie“ es wert ist) und dein Portemonnaie. Und tu, was du für richtig hältst. In jedem Falle wirst du Freude bereiten . . . wenn du es richtig machst.

Es nichtig zu machen ist aber im Leben manchmal sehr schwer. Bei den Frauen sogar sehr schwer. (Da kenne sich einer aus!) Sybille weiß von alledem noch nichts. Doch es kommt eines Tages von selbst. Dann bleib Kavalier. Wie vor ein paar Tagen. Aber — Peter. . . gib acht!

Auf die Fingerspitzen! Fred Berk



„Kochende“ Schüler keine Seltenheit

Eine interessante Aussprache über die Verschiedenheit der deutschen und amerikanischen Schulreform

Gernsheim, (kr) - Einer Einladung von Studienrat Dr. Menzel folgend, sprach vor den Schülern und Schülerinnen der Oberklassen des Gernsheimer Realgymnasiums der amerikanische Austauschlehrer Mr. Heart, der gegenwärtig englischen Sprachunterricht in der „Odenwaldschule“ in Jugenheim erteilt.

Einleitende Worte der Begrüßung von Studienrat Dr. Menzel eröffneten die in englischer Sprache geführte Unterhaltung, in deren Verlauf die anwesenden Schüler und Schülerinnen Gelegenheit fanden, sich an dön amerikanischen Gast mit Fragen zu wenden.

Mr. Heart stellte u. a. als wesentlichen Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Lehrmethoden die Tatsache heraus, daß man in den USA großen Wert darauf legt, im Unterricht neben allgemeinem Wissen auch praktische Dinge zu behandeln. So sei es keine Seltenheit, daß in Amerika Schüler kochen lernen. Schreibmaschinenschreiben und Autofahren seien ebenfalls wesentliche Bestandteile des Lehrplanes.

Sogenannte Schülerparlamente, die in letzter Zeit auch in deutschen Schulen gegründet würden, seien in den Staaten eine Selbstverständlichkeit. Jeder Schüler habe das Recht, sich zu Wort zu melden, wenn er glaube, etwas sagen zu müssen, was ihn betrifft. Prüfungsarbeiten fänden meist statt, ohne daß ein Lehrer dabei anwesend sei.

Ein sehr wichtiger Faktor des amerikanischen Erziehungssystems sei das Fußballspiel, weil man in dem Zusammenwirken der Schüler innerhalb eines Sport-Teams die beste Voraussetzung für das Leben in der Gemeinschaft sehe.

Die anschließend nur zögernd in Fluß kommende Aussprache hatte wohl ihren Grund darin, daß es für die Schüler zunächst schwierig war, das Gehörte so schnell verarbeiten zu können, um in ihren Fragen das Kernproblem dieser oder jener Verschiedenheit zu streifen. Der Gewinn dieser Stunden wird vielmehr in den vielfältigen Anregungen bestehen, die sowohl Schülern und Lehrern zur weiteren Beachtung vermittelt wurden.

Neuer Ortsgewerbeverein

Goddelau. (Kb) — In Anwesenheit von Bürgermeister Hartung fand im Saalbau Sturm die Gründungsversammlung des Ortsgewerbevereins statt. In den vorläufigen Vorstand wurden Maurermeister Johannes Ludwig, Maurermeister Heinrich Müller, Schreinermei^teb Phil. Schaffner, Zimmermeister Heinrich Hartung und Schreinermeister Willi Wiemer gewählt. Der Bürgermeister sagte dem Verein jegliche Unterstützung zu. In Kürze wird eine Vollversammlung mit der endgültigen Vorstandswahl stattfinden.

DER LACHENDE ROTSTIFT Reporter stilblüten vom Redaktionstisch

Man sah die Termitenkönigin — bewacht von den Kriegern — die alle zwei Sekunden ein Ei legt und nur ab und zu vcn dem Herrn Gemahl wieder angekurbelt werden muß ..

Als sie am Abend ihr Soll nicht erfüllt hatte wurde sie von der Leibwache erdolcht an ihrer Stelle eine andere Königin gewählt. Von deren Leistungen konnten bisher noch mdits in ^^brrngen.


Aus einer Reportage: ' „Tierleben unter der Lupe“:
Aus einer Reportage: ' „Tierleben unter der Lupe“:

Ahktuelles zwischen gesteru und heute

Vier Personen angefahren

Im Vollrausch am Steuer

Ex-Bürgermeister wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt

Groß-Zimmern, (wst) - In wilder Fahrt brauste am Abend des 22. Januar ein Wagen durch die Straßen von Groß-Zimmern. Ehe man sich versah, hatte sich eine ganze Kette von Unfällen ereignet: Zuerst erhielt ein zwölfjähriges Mädchen einen Rammstoß, so daß es verletzt vom Fahrrad flog, dann war es ein Ehepaar, das zu Boden geschleudert wurde und mit erheblichen Verletzungen liegenblieb. Mit unverminderter Geschwindigkeit weiterfahrend erfaßte der Wagen noch eine weitere Fußgängerin, die gleichfalls Verletzungen erlitt. Ein Bäumchen war schließlich das letzte Opfer des Wagens, der vor einer Garage anhielt.

Der Fahrer, der sich im Zustand eines Vollrausches befand, entpuppte sich als der 51jährige ehemalige Bürgermeister von Groß-Zimmern Georg Bernhard D.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilte die 1. Große Darmstädter Strafkammer den Beklagten zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten.

Edwin C. Pancoast

Neuer Resident-Officer für Dieburg

Dieburg. (RG) - Zu eiper ersten kurzen Besprechung hatte der neue Resident-Officer des Kreises Dieburg, Mr. Edwin C. Pancoast, die Vertreter der Presse eingeladen. Mr. Pancoast war zum Schluß seiner Militärzeit als Offizier einige Monate in Mannheim. Nach seiner Rückkehr in die USA genoß er eine vielseitige Ausbildung im Amerikanischen Auswärtigen Amt, wo er mit weiteren 24 von 900 Bewerbern eingestellt wurde. Neben Sprachstudien befaßte er sich vornehmlich mit dem Flüchtlings- und Austauschproblem; in der deutschen Abteilung des Auswärtigen Amtes erfuhr er seine letzte Ausbildung nach vorübergehender Tätigkeit im Amt für Ernährung und Landwirtschaft der UN.

Der neue Resident-Officer, der zur Zeit noch in Bad Nauheim wohnt, beabsichtigt, möglichst bald nach Dipburg umzusiedeln.

Aussprache mit Mr. Goodnight über die Bürgerversammlungen

Waldmichelbach, (vir) - Zusammen mit Regierungs-Assessor Greim und Kreisjugendpfleger Dixkes fanden sich die Bürgermeister des Ueberwaldes am Freitag im Hotel „Zum Odenwald“ ein, um mit dem Resident Officer des Kreises Bergstraße, Mr. Goodnight, und seinen Mitarbeitern eine Aussprache über bestehende Probleme zu führen. Gleichzeitig wurden dabei als Referentin für Frauenfragen Anneliese Gaß und als Sachbearbeiter für Erwachsenenbildung Paul Martin vorgestellt. Die sehr rege und über 4 Stunden dauernde Aussprache behandelte vorwiegend das Problem der Bürgerversammlungen, wobei die Erfahrungen der Bürgermeister, der Standpunkt der Kreisbehörde und die Anregung des Resident Officer klargelegt und behandelt wurden.

Berufsschullehrer-Fachtagung

Dieburg. (RG) In der Kreisberufsschule Dieburg fand eine Arbeitstagung der Berufsschullehrer statt, in der die Durchführung der Berufsfindung in den Volksschulabschlußklassen erörtert wurde. Die Bedeutung der Tagung wurde durch den Besuch von Regierungsdirektor Rieser aus dem Kultusministerium und Regierungs- und Gewerbeschulrat Stein als Vertreter des Regierungspräsidenten unterstrichen.

Im Ergebnis wurde festgestellt, daß die Maßnahmen zur Berufsfindung bereits zu Ostern anlaufen müßten, um die Schüler vor der Festlegung auf einen bestimmten Beruf weitgehend aufzuklären und sie entsprechend ihren Neigungen und Fähigkeiten zu einer echten Berufsfindung hinzuführen. Besonders wichtig sei das Vorhandensein von Schulwerkstätten, in denen der Schüler seine Handfertigkeiten und seine Berufseignung erproben könne, ehe er sich zu einem Beruf entschließe.

Regierungsdirektor Rieser wies auf den großen Umbruch hin, der sich im Berufsleben anbahne. Nicht der Fachmann allein solle das Ziel der Ausbildung sein, sondern der mit seinem Beruf in der Gesellschaft stehende Mensch. Diesen Gedankengang sprach auch Professor Dr. Weigand aus, der in seinem ausgezeichneten Referat über „Allgemeinbildung und Berufsbildung“ die Verbindung von fachlicher Ausbildung mit der Erziehung zur kulturellen Gesinnung betonte.

Am Dienstag findet in der Kreisberufsschule Dieburg (Fechenbach-Schloß) ein kostenloser Schweißlehrgang statt, auf den alle interessierten Kreise des Handwerks und der Industrie hingewiesen werden. Am Vormittag sollen die Lehrlinge des 3. Lehrjahres der metallhandwerklichen Berufe geschult werden. Ab 14 Uhr will man Vorführungen für Handwerk und Industrie durchführen.

Ohne Kohlen kein Brot

Bttrstadt. (bb) — In der letzten Gemeinderatssitzung wurde mitgeteilt, daß der Bürgermeister der Gemeinde bereits zu wiederholten Malen beim zuständigen Kohlensyndikat vorstellig war, um eine erhöhte Zuteilung für die Bürstädter Gewerbebetriebe zu ■ erlangen. Die Lage habe sich inzwischen so zugespitzt, daß bei Fortdauer der derzeitigen ungenügenden Versorgungslage verschiedene Bürstädter Bäckereien ihre Arbeit einstellen müßten.

Zur Zeit zieht die Gemeinde in Erwägung, das Schwimmbad aus Billigkeitsgründen mit einer eigenen Wasserversorgungsanlage auszustatten. Wegen Ueberlassung vonUebungsgelände für den Bürstädter Schäferhundeverein muß noch mit der Forstbehörde Rücksprache genommen werden. Die Fortführung der Vorbereitungsarbeiten zum Bau des dritten gemeindeeigenen Wohnhauses in der Steinlachstraße wurde beschlossen. Für die Jahre 1949 und 1950 ermäßigte die Gemeindevertretung unter Berücksichtigung der besonderen Jagdverhältnisse in Bürstadt den zu entrichtenden Pachtpreis auf 10 Prozent des vereinbarten Grundbetrages. Im Rechnungsjahr 1951 soll die Jagd zu 25 Prozent verpachtet werden. Man regte jedoch an, die Verpachtung auf ein Jahr auszusetzen und eine ebensolange Schonzeit für den jetzt noch vorhandenen, kläglichen Wildbestand zu beschließen.

Streifendienst gegen Diebe

Seeheim (hl) — In letzter Zeit haben die Einbruchsdiebstähle in der Gemeinde zugenommen. So haben die Diebe unter anderem die Bäckerei Schwind in der Darmstädter Straße und die Metzgerei Sanwald, Ecke Schul- und Wilhelm-Leuschner-S'traße, heimgesucht. Aus der Metzgerei Sanwald holten die Diebe durch Durchbruch in die rückwärtige Hausfront etwa 75 Pfund Fleisch- und Wurstwaren. Nach den Feststellungen der Gendarmerie müssen die Einbrecher mit den örtlichen Verhältnissen vertraut sein. Um die Einbruchsdiebstäh’le zu unterbinden, hat die Gemeindeverwaltung eine Belohnung von 100 Mark für denjenigen ausgesetzt, der in dei- Lage ist, zweckdienliche Angaben zu machen, die zur Ergreifung der Täter führen. Die Angaben werden vertraulich behandelt. Außerdem führt die Gemeindeverwaltung Seeheim wieder — wie bereits in früheren Jahren — einen nächtlichen Streifendienst ein.

Ein treuer Sangesbruder

Seeheim. (=) — Am 13. Dezember beging Herr Heinrich Funk, Röderweg 5, in körperlicher und geistiger Frische seinen 85. Geburtstag. Herr Funk ist einer der Begründer der Sängervereinigung 1891 und versah über 40 Jahre mit größter Gewissenhaftigkeit das Amt des Kassenverwalters. Dem hochbetagteri treuen Sangesbruder brachte der Verein an seinem Wiegenfeste ein Ständchen. In seiner Aiysprache würdigte der Vorsitzende des Vereines, Hennemann, die Verdienste des Jubilares und überreichte ihm ein kleines Geschenk.

Reisekasse sinanziert Lehrausflüge

Unter-Mossau (rr) — Der Ortsbauernverband hielt eine gutbesuchte Versammlung ab. in der die Herren Dr. Best über Schweinezucht und -mast, und Schmitt über die Landvolk-Krankenhilfe und die Altersversorgung der Bauern referierten. Es wurde eine gemeinsame Reisekasse des Bauernverbandes und Obstbau Vereins gegründet, die Lehrausflügen dienen soll. Weitere regelmäßige Zusammenkünfte sind vorgesehen.

DT-Reporter schrieben und bebilderten die „Wochenend-Reportage“

In der Bahnstraße riecht's gar weihnachtlich

Wenn der Erbacher Lebkuchenbäcker seine Reiter und Herzen backt

ch. — Wenn sich auch in den Städtchen und Dörfern des Odenwaldes freudig erregte Kinderscharen an Schaufenstern bunt geschmückter Spielwarenläden die Nasen platt drücken vor den kleinen Wunderwerken elektrischer Eisenbahnen, Dampfmaschinen und all den vielen modernen Spielsachen, die das Kinderglück unserer technisierten Zeit ausmachen, so gehört zur rechten Weihnachtsfreude der Mädels und Buben des Odenwaldes doch noch etwas anderes, was zwar bei weitem nicht so prahlerisch-wertvoll, aber gerade in seiner Schlichtheit seit Generationen zum Inbegriff der Weihnachtsfreude im Odenwald geworden ist: der .Lebkuche*.

In alten Zeiten, als sich in den weltabgeschiedenen Tälern des Odenwaldes noch Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagten, waren die glänzend-braunen und lustig bemalten Lebkuchenfiguren überhaupt die einzige Weihnachtsgabe, mit der die Kinderwünsche in diesem armen Bergland erfüllt werden konnten. Ohne Lebkuchenreiter, den „Schockelgaul“, die „Butterfraa“, oder wie die vielen Formen der Lebkuchen im Volksmund sonst noch hießen, war Weihnachten einfach undenkbar.

Jedes Odenwalddorf hatte einen oder sogar mehrere Lebkuchenbäcker, die nach mündlich überlieferten, jahrhundertealten Rezepten mit handgeschnitzten alten Holzformen, von Generation zu Generation sich vererbend, die aromatischen Honigkuchen in den vielgestaltigen Figuren herstellten, die alle dem bäuerlichen Lebenskreis entstammen.

Das Teigrezept ist denkbar einfach und absolut kein Geheimnis: Reiner gekochter Bienenhonig wird im bestimmten Verhältnis mit Mehl und etwas Hirschhornsalz vermischt — das ist alles. Keinerlei Ingredienzen kommen in den Teig, der sein wunderbares Aroma allein vom Bienenhonig erhält. Die Hauptsache aber ist seine richtige Bearbeitung. Stundenlang muß er von zwei Personen „umgeschlagen“ und „gebrochen“ werden. Das geschieht auf einem stabilen Holzbock mit einer Art Holzmesser von etwa 60 cm Länge.

Ist die richtige Geschmeidigkeit erreicht, bleibt der Teig einige Tage liegen, bis er „gar“ geworden ist. Dann wird er in Scheiben geschnitten, ausgerollt und fest in die alten, wurmstichigen Holzformen gepreßt. Die nicht zur Figur zählenden Teile müssen mit einem Messer herausgeschnitten werden. Auf mehlbestäubten Blechen werden die Kuchen gebacken und sofort mit geschlagenem Ei bestrichen, wodurch die schöne, feste Glasur entsteht, auf die mit einem kunstgerecht geschnittenen Gänsekiel die weiße Bemalung aus einer Reisstärkemischung aufgetragen wird.

Viel Arbeit ist mit der Herstellung der Odenwälder Lebkuchen verbunden. In den Tagen vor Weihnachten saßen die Familien der Lebkuchenbäcker vom jüngsten Kind bis zur Großmutter beisammen und bemalten die Stücke. Unsere hastende Zeit hat auch diese schöne alte Volkskunst mehr und mehr verschwinden lassen, denn zu verdienen ist heute nichts mehr dabei. Die billigeren Fabrikerzeugnisse haben den alten Odenwälder Honiglebkuchen verdrängt. Zwar arbeiten die bekannten Kirch-Beerfurther Lebkuchenbäckereien Delp auch noch nach den alten Rezepten, aber die Fertigung ist dort auf modernen Maschinenbetrieb im großen umgestellt.

In Erbach gibt es jetzt noch den Bäcker Jakob Heilmann in der Bahnstraße, der die Herstellung streng nach der Ueberlieferung vom Vater und Großvater her betreibt. Er ist auch der einzige, der noch die Federkiele zum Malen zu schneiden versteht. Da ist nämlich ein ganz besonderer Kniff dabei — genau so wie bei der Herstellung der richtigen Malflüssigkeit.

Das Herz der Odenwälder hängt auch heute noch an den Lebkuchen. Diejenigen, die hinausgezogen sind in die Welt, lassen sich jedes Jahr zu Weihnachten ein Paket schicken. Vor dem Kriege gingen die weitesten Sendungen der Bäckerei Heilmann nach Windhuk in Afrika und Long-Island. Seit vorigem Jahr konnte wenigstens der Versand innerhalb des Bundesgebietes wieder aufgenommen werden.

Für die alten handgeschnitzten Holzformen, die zum Teil noch aus dem 17. Jahrhundert stammen, hatten sich schon Sammler und Museen interessiert. Aber da sie seit vielen Generationen Familienbesitz sind, will sich Herr Heilmann nicht von ihnen trennen.

Die großen Lebkuchenherzen mit den schönen Schnitzornamenten der Formen sind bis in unsere Tage vor allemauch das traditionelle Odenwälder Patengeschenk zu Neujahr geblieben. Das alte Sprüchlein:

„Prosit Neijohr, e Brezel wie e Schaierdohr

unn e Lebkucheherz uff de Kaffeedisch, daß mer waas, daß Neijohr is!“ hat noch seine volle Gültigkeit!


Die ganze Familie muß beim Bemalen der Lebkuchen mithelfen. Da aber die Arbeit mit dem Gänsekiel geübt sein will, muß der Meister die großen Stücke alle selbst vornehmen.
Die ganze Familie muß beim Bemalen der Lebkuchen mithelfen. Da aber die Arbeit mit dem Gänsekiel geübt sein will, muß der Meister die großen Stücke alle selbst vornehmen.

Der Lebkuchenreiter ist eines der beliebtesten Motive, das in zahllosen Variationen auftaucht. Vorsichtig muß das dünne Teigrelief aus der Holzform genommen werden.
Der Lebkuchenreiter ist eines der beliebtesten Motive, das in zahllosen Variationen auftaucht. Vorsichtig muß das dünne Teigrelief aus der Holzform genommen werden.

Besinnliches Sonntag

Wer hätte gedacht, daß die Tage vor dem Fest so schnell verfliegen. Unaufhaltsam treibt uns der Alltag Weihnachten entgegen und morgen werden wir bereits die dritte Kerze am Adventskranz entzünden.

Den Kindern allerdings vergeht diese Zeit des Wartens auf den großen Augenblick, da die Türe sich öffnet und der brennende Tannenbaum sie zum Eintreten lädt, viel zu langsam. Nur die offenen Fensterchen des Adventskalenders sind ihnen Trost. Er zeigt ihnen, daß es ja nur noch ein paar Tage sind, die man sich in Geduld fassen muß. Die Geduld allerdings wird auf eine sehr harte Probe gestellt.

Dabei muß ich an die vielen Menschen denken — die Mütter, Väter, Bräute, Schwestern und Brüder —, für die diese Augenblicke, das Eintreten in die Weihenacht, von großem Schmerz begleitet sind. Sie werden an jene denken müssen, die immer noch nicht unter ihnen sind. Auf die sie wiederum ein ganzes langes Jahr gewartet haben. Sie werden an jene denken, die fern von ihren Lieben, in fremdem Lande irgendwo der Freiheit entgegenfiebern.

Vielleicht wird auch jenen sich ein Weihnachtslied über die Lippen stehlen. Das Zittern ihres Mundes und das Weh ihres Herzens aber wird ihr Singen zur Klage werden lassen. Eben in jenem Augenblick, da vielen Tausenden in der Heimat, unserer Heimat, beim Anblick der leuchtenden Tanne die Tränen über die Wangen rollen, weil sie an alle die Verlassenen und Trostlosen denken.

Wie viele aber werden sich wieder mit leeren Händen, Verzweiflung in den tiefliegenden verhärmten Augen, gegenüberstehen. Ohne Kerzen. Ohne Tanne. Ohne den leuchtenden Weihnachtsengel an der Spitze des Baumes.

So wird auch dieses Weihnachtsfest wieder kein Grund sein, aus vollem Herzen zu jubeln. Weil es noch inner- und außerhalb unserer Grenzen noch Menschen, Brüder und Schwestern gibt, die die Freude des Festes nicht teilen können.

Denken wir an sie. Geben wir aber vor allem die Hoffnung nicht auf. Denn sie macht stark. Auch den Schwachen.

Und er ist imstande, all das zu ertragen, was ihm heute oder morgen noch an Bitternis widerfahren wird. Bernd Kraft

Vier gestrandete Jugendliche

Schaufensterknacker „verknackt“

Man wollte zur Fremdenlegion und wurde zum Bandendieb/Mit gestohlenem Pkw. und Schreckschußpistole auf Diebestour

Darmstadt (wst) — Ein erschütterndes Bild ergab eine Gerichtsverhandlung der Dritten Darmstädter Strafkammer gegen vier junge Burschen aus Offenbach und Pfaffendorf: Trotz ihrer Jugend — sie sind 19 bis 23 Jahre alt — haben Horst Heßler, Heinz Re gen fuß, Helmut Herget und Heinz Hartl eine Unzahl von Verbrechen auf dem Kerbholz, die sie durchweg gemeinsam im August dieses Jahres verübten.

Sie begingen vornehmlich in Orten des Rhein-Main-Neckargebietes Einbrüche, Diebstähle und Betrügereien, die der Staatsanwalt als „einmalig und unerhört“ bezeichnete.

Drei des Einbrecherquartetts hatten sich in L a nd au in einem Einstellungslager der Fremdenlegion kennengelernt. Trotz ihrer Verpflichtung verließen sie jedoch bei Nacht und Nebel das Lager: „Wegen des dort herrschenden Schmutzes und der menschenunwürdigen Behandlung“, wie sie vor Gericht bekundeten. In Neustadt stahlen sie einen französischen Pkw., um weiterzukommen. Diesen tauschte man dann bei Köln gegen einen Volkswagen der Postdirektion ein, nachdem man vorher in einem Lebensmittelgeschäft eingebrochen war, um „etwas zu essen zu haben“. Mit dem entwendeten Pkw. gingen von nun ab Heßler und Regenfuß auf Diebestour. Hartl tat nicht mehr mit, dafür schloß sich den beiden später Herget an.

Man „besorgte“ sich Kleidungsstücke, Schuhe, Lebensmittel und zum „Umsetzen“ teuere Fotoapparate, Schreibmaschinen und Stoffe. Dabei erwiesen sich die Burschen als vollendete Schaufensterknacker. Der 19jährige Heßler verstand es, in fünf Fällen evangelische Pfarrer, den Mainzer Domkapitular und die Innere Mission um Gelder zu prellen. Vor allem aber spezialisierten sich die Angeklagten auf Einbrüche in Fotogeschäfte, wobei sie nur die teuersten Apparate entwendeten. Dies geschah in Arhei Ige n , Wertheim. Oppenheim, Ludwigshafen. Rüsselsheim, Heppenheim. Bergzabern. Miltenberg, Hers_ feld, Frankfurt und Offenbach. Um „notfalls“ einen Rückzug decken zu können, führten die Täter Schreckschußpistolen, Munition und einen „Totschläger“ mit.

Durch Zufall fand ein Gendarm bei Raunheim einen nach einem fetten Beutezug übermüdeten Täter schlafend am Steuer des Wagens vor. Kurz darauf konnte man auch die anderen bei „Bräuten für eine Nacht“ in Ludwigshafen aufstöbern.

Die Strafkammer verurteilte unter Zubilligung mildernder Umstände den 19 jährigen Heßler zu dreieinhalb Jahren, den 23jährigen Regenfuß zu drei Jahren, den 22 jährigen Herget zu zwei Jahren vier Monaten und den 21jährigen Hartl zu einem Jahr und einem Monat Gefängnis.

Unsere Geburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Herr Adam Göbel, Landwirt und Frau Katharina geb. Stromberger, Altheim, Hauptstraße. Silberne Hochzeit: Herr Christoph Rau und Frau Käthe, geb. Herpel, Darmstädter Straße 11. 90. Geburtstag: Herr Christoph Künz, Zwingenberg a. d. 8., Orbis-Siedlung. 80. Geburtstag: Frau Anna Pullmann geb. Held, Sandbach i. 0., Neustädter Str. 2 80. Geburtstag: Herr Heinrich P r a n z , Rentner, Erlenbach i. O. ’ 78. Geburtstag: Frau Katharina Hamm geb. Kunz, Gräfenhausen, Wiesenstr. 6. (17. 12.) 74. Geburtstag: Herr Stephan Orban, Zwingenberg a. d. 8., Bahnhofstraße 5.

Was aŭch intessiert:

Die Stadtmeisterschaft des Stenographenvereins „Gabelsberger“ wird heute und morgen in Ben sheim ausgetragen. Es wird eine Mindestleistung von 180 Silben verlangt. HB

Mit dem Bau eitjer Kapelle werden in Kürze die katholischen Gemeindemitglieder von Haing run d , Kreis Erbach, beginnen. Bisher mußten die Gläubigen die Kirche in Seckmauern besuchen, hm

Das neuerbaute Sandbacher Rathaus ist in den letzten Tagen fertiggestellt worden. Man hofft es bis zum Jahresende beziehen zu können. hm

Neue Omnibuslinie nach Reichenbach

Jugenheim (hl) — Zwischen Jugenheim und Reichenbach hat die HEAG am 10. Dezember eine neue Omnibuslinie in Betrieb genommen. Sie führt von Jugenheim (Haltestelle Hotel „Deutsches Haus“) über Balkhausen. Kuralp, Staffel, Schmal-Beerbach nach Reichenbach und hat dort Anschluß an die Kraftpost nach Bensheim und Lindenfels. Die Wagen fahren ab Jugenheim 8.30, 13.34 und 19.00 Uhr. ab Reichenbach 7.40, 12.11 und 17.10 Uhr und verkehren ™r sonn- und feiertags. Die Fahrzeit beträgt 47 Minuten.

Dieburg lehnt Zwangsetat ab

Scharfe Kritik an Groß-Umstadts Finanzgebahren

Dieburg. (RG) — In der Dcnnerstagsitzung des Gemeinderates stand der Haushaltsplan 1950 erneut auf der Tagesordnung. Er war bei seiner Beratung vor einiger Zeit wegen der mit etwa 60 000 D-Mark veranschlagten Kosten für das Realgymnasium einstimmig abgelehnt, und jetzt vom Lanarat in der gleichen Form zur Annahme durch den Gemeinderat zurückgereicht worden.

Nun wurde einstimmig beschlossen, beim Regierungspräsidenten als der nächst höheren Aufsichtsbehörde Beschwerde einzulegen. Während die Sprecher der FDP, KPD und der SPD ihren Standpunkt kurz begründeten, machte Rat Keller (CDU) zu diesem Punkt weitergehende Ausführungen. Wenn sich auch der Fehlbetrag von 30 000 DM durch Herabsetzung der Kreisumlage um 24 000 DM auf 6000 DM vermindere. so sei das kein Grund, den Haushaltsplan anzunehmen. Das Nein habe den Schulkosten gegolten und dabei bleibe es.

In diesem Zusammenhang führte er das Beispiel Groß-Umstadt an, dessen Stadtrat die Schulkosten nicht in den Haushalt eingesetzt hatte Er müsse feststellen, daß der Gemeinde Groß-Umstadt aus dem Ausgieichsstock des Landes zur Sanierung des Krankenhausbaues 30 000 DM zugewiesen worden seien, die man auf die rückständigen Schullasten gutgeschrieben habe. Die A'usgleichsmittel dürften aber nur für die Erfüllung von Pflichtausgaben verwandt werden, die eine Gemeinde von sich aus zu erfüllen nicht in der Lage sei. E:n Krankenhausumbau falle aber nicht in diesen Aufgabenbereich. Die Vorkommnisse in Groß-Umstadt bedeuteten, auf die Dieburger Situation angewendet. daß die Korrekten bestraft würden.

Groß-Umstadt versuche außerdem, wie ihm zu Ohren gekommen sei. aus der McCloy-iSpende 40 000 DM zu erhalten und damit die Misere auf dem Umweg über den Krankenhausbau zu beseitigen Er müsse erwarten, daß man in dieser Beziehung nicht ebenso leichtfertig bereit sei, die Gemeinde auf diese Weise zu sanieren. Am Schluß der Aussprache wurde der Bürgermeister beauftragt, beim Landrat Aufklärung über diese Vorgänge einzuholen.

Eine Reihe oft lebhaft diskutierte Punkte wurden im Rahmen der Tagesordriung erledigt.

Weihnachtliche Feiern

in der evangelischen Gemeinde Bensheim

Bensheim. (HB) — In der evangelischen Gemeinde finden wieder zahlreiche Veranstaltungen vor, an und nach den Weihnachtsfeiertagen stat.

Am Sonnag, dem 3. Advent, sind alle Gemeindeglieder zu einem weihnachtlichen Nachmittag um 16 Uhr im „Bensheimer Hof“ eingeladen. Bei dieser Gelegenheit wird Such der neue evanglische Jugendchor und Instrumentalkreis unter db” Leitung von Lehrer Nassauer. Schönberg, erstmalig mit der Kantate: „Fürchtet euch nicht“ von Buxtehude an die Oeffentlichkeit treten; die evangelische Jugend führt das Weihnachtsspiel? „Heut1 schleußt er wieder auf die Tür“ von Eva Maria Cranz auf.

Der Hauptgottesdienst am 4. Advent um 10 Uhr ist mit einer Weihnachtsfeier des Kindergottesdienstes, bei der die Gemeinde. jugend ein Krippenspiel aufführen wird, verbunden. Die Christvesoer um 17 Uhr soll durch zahlreiche musikalische Einlagen, dargeboten vom Kammerorchester Bergstraße. Leitung Adam Rettig, ausgeschmückt werden.

In diesem Jahre wird zum ersten Male in der evangelischen Gemeinde Bensheim um 12 Uhr nachts wieder eine Christmette stattfinden, in der die Altistin Lotte Bopp einige Weihnachtslieder singen wird. Ab 23.30 Uhr bläst der Posaunenchor auf dem Ritterplatz und vor der Kirche Weihnachtslieder.

Am 3. Feiertag veranstaltet die Gemeinde in den Räumen des Kindergartens. Neckarstraße, eine Weihnachtsfeier mit Kaffee und Kuchen für die Gemeindeglieder über 70 Jahre; abends findet am gleichen Ort eine Weihnachtsfeier der Frauenhilfe statt.

Langstadt (NB) — Im Gasthaus „Zur Rose“ fand die Abschlußfeier des von 32 Teilnehmern besuchten Melklehrganges statt.

Der Schein der Umwelt trügt

Schulleitertagung des Landkreises Dieburg

Zu Beginn der SchuSleitertagung des Landkreises Dieburg sprach Kreisschulrat Schmidt zu den versammelten Erziehern zu dem Leitsatz: „Wir müssen wieder zurückfinden zum Menschen!“

In seinen Ausführungen bedauerte der Schulrat, daß sich heute wieder viele vom Schein der vorweihnachtlichen Lichtreklamen und den überladenen Auslagen der Schaufenster blenden lassen. Es werde der Anschein erweckt, daß wir im Ueberfluß leben. Trotzdem sei es aber nur eine Welt des Scheins, der Verworrenheit, einer inneren Hohlheit, die die Unzufriedenheit nur steigere.

Als Vertreter des Jugend-Rot-Kreuzes wies Herr Pech o 1 d auf die Ziele des DRK hin. „Unsere Jugend“, so betonte der Referent, „muß wieder angeleitet werden, herzgegenwärtig zu sein, daß heißt den Mut zur Tat haben, dem Nächsten zu dienen, gegen Tierquäler, für Anstand, Ruhe, Ordnung und Hygiene sich einzusetzen,“

Im weiteren Verlauf der Tagung wurde an Hand praktischer Fälle klar, daß das Züchtigungsverbot in seiner derzeitigen Formulierung fehl am Platze ist und abgeändert werden muß. Allerdings wurde ausdrücklich betont, daß kein Erzieher damit der Prügelpädagogik das Wort sprechen wolle.

Oberschulrat Dr. Weygand, Frankfurt, wies in seinen Ausführungen über die Berufsschule darauf hin. daß es s. E. nach noch eine freie Berufswahl gäbe solange es noch ein Berufsethos geben wird. Nur eine verhältnismäßig kleine Schicht wechsele dauernd den Beruf. Diese Tatsache erscheine jedoch mehr oder weniger zeitbedingt. Dr. Weygand erklärte, daß es n’cht damit getan sei. dem Landwirt, dem Handwerker oder dem Kaufmahn nur das Grundwissen beizubringen. Ebenso wichtig sei es, den Jugendlichen an die kulturellen Werte heranzuführen, seinen Geschmack zu bilden und ihn daran zu gewöhnen sein eigenes Leben zu gestalten, um ihn solcherart „mündig“ zu machen.

Humorvoll und interessant gestaltete der Direktor des Frankfurter Zoos. Dr. Grzimek, seine Ausführungen über die von ihm gesammelten Erfahrungen im Tierleben.

Kreisschulrat Schmidt schloß die Tagung mit den Worten: „Den Frieden in der hohen Politik können wir mit unseren schwachen Kräften nicht fördern, aber in uns. da können wir ihn suchen — und pflegen.“

240 Reklamationen geregelt

Eppertshausen, (gi) - Von etwa 250 Reklamationen an der Feldbereinigung konnten rund 240 in Güte geregelt werden. Der kleine Rest wird die Spruchstelle des Kulturamtes Darmstadt beschäftigen, die im Laufe der nächsten Woche in der Gemeinde tagen vzird.

Nach Ansicht vieler Anlieger zeigte sich während der Regenperiode, daß sich die Bereinigung mit ihrem neuaufgelegten Entwässerungsnetz nur vorteilhaft ausgewirkt hat.

Geschäftsanteile 1:1 umgestellt

Beerfelden, (ch) - Unter Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden Rebscher, Gammelsbach, fand die Jahreshauptversammlung der Molkereigenossenschaft im Gasthaus „Zur Glocke“ statt. Im Geschäftsbericht wurde mitgeteilt, daß die Geschäftsanteile 1:1 umgestellt werden können. Die veränderten Wirtschaftsverhältnisse nach der Währungsreform machten einige formale Satzungsänderungen erforderlich, denen die Versammlung zustimmte. Die durch Tod ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Reicher, Etzean, und Kumpf, Beerfelden, wurden durch Ludwig Kredel, Etzean, und Geschäftsführer H ö r s c h ersetzt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Unger, Falkengesäß, wurde neu in den Aufsichtsrat gewählt.

Kreisbrandinspektor sprach über Feuerschutz

Stockheim, (ch) - Bei der Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr hielt Kreisbrandinspektor Küchler einen Vortrag über das neue Feuerschutzgesetz. Kommandant Schmidt berichtete, daß die Wehr im vergangenen Jahr acht Uebungen, davon drei mit der Pflichtfeuerwehr, abgehalten hat. Bei der Vorstandswahl wurde Hch. Volk 1. Vors., Leonh. V a y 2. Vors., Karl Altmeier Rechner, Wilhelm Löb Schriftführer, Armin Schneider und Fritz Löb Beisitzer, Ludwig Schmidt 1. Kommandant, Leonhard Löb 2. Kommandant und Heinz Ihrig Zeugwart. Bürgermeister Hamburger sicherte der Wehr auch im kommenden Jahr die Unterstützung der Gemeindeverwaltung zu.

Zum letztenmal in diesem Jahre

Jugenheim, (hl) - In der am Mittwoch einberufenen Sondersitzung des Gemeinderats in Jugenheim wurde die Vorschlagsliste der Schöffen und Geschworenen einstimmig angenommen. Der Gemeinderat beschloß, eine Prüfung der Rechnungen vor 1948 durch das Kreisprüfungsamt nicht vornehmen zu lassen, da Mängel in der Verwaltung nicht vorliegen. Bürgermeister Sch ür r 1 e i n verabschiedete den Gemeinderat mit den besten Wünschen zum Weihnachtsfest.

DER SPORT

Alles oder nichts...?

Deutsche Sportler und Olympia 1952

* ®er Sportredakteur der „ Rhein-Neckar-Zeitung“ Heidelberg, Walter Winterer, hat sich die große Mühe gemacht, eme Reihe unserer bekanntesten deutschen Sportler über ihre Meinung zur deutschen Beteiligung an den Olympischen Spielen 1952 zu befragen. Ursache dazu war die Ablehnung des Norwegischen Olympischen Komitees, Deutschland zu den Olympischen Winterspielen in Oslo einzuladen. Winterer stellte dabei die Frage, ob es nützlich sei, daß maßgebliche deutsche Sportler noch eineine Resolution an das Norwegische Olympische Komitee richteten, um dieses zur Aufgabe seiner ablehnenden Haltung zu veranlassen.

Mittlerweile ist auch eine Mitteilung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bekanntgeworden, daß nicht das veranstaltende Land (also Norwegen), sondern das IOC die Einladungen verschickt. Daß bei einer ablehnenden Haltung Norwegens diese Einladung durch das IOC n i ch t erfolgen wird, darf ohne weiteres angenommen werden. Es sind aber auch die Antworten von etwa 50 bekannten deutschen Sportlern zu dieser Frage eingegangen, die immerhin recht aufschlußreich sind.

Resolution oder nicht?

Interessant ist, daß die gestellte Frage: „Soll die Resolution an das Norwegische Olympische Komitee gerichtet werden oder nicht?“ vielfach nicht klar beantwortet wird. 25 bis 30 Einsender sind gegen jeden Schritt solcher Art, etwa acht würden eine solche Resolution gutheißen, während ebensoviele es für richtig halten, wenn in dieser Angelegenheit überhaupt nichts unternommen würde. Es sind gerade Sportler in führender Stellung ihrer Verbände, welche einen solchen Schritt überhaupt nicht für zweckmäßig halten. Bezeichnend ist, daß alle Einsender die Haltung des Norwegischen Olympischen Komitees verurteilen. Man sagt, daß in dieser Ablehnung nicht die wahre Meinung der norwegischen Sportler zum Ausdruck kommt und hört dabei die Mahnung „Man sollte doch endlich den Krieg vergessen“ oder „Die Generation für 1952 war ja damals gar nicht dabei, war noch viel zu jung“. Wenn man vielleicht auch annehmen darf, daß Norwegens Sportler nicht gegen eine deutsche Teilnahme sind, so scheint aber die Meinung Gerhard Stocks, des deutschen Speerwerfers, das Richtige zu treffen. Stock sagt: „Man darf nicht vergessen, daß Norwegen Gastland ist und daß aus am Sport völlig unbeteilgten Kreisen Schwierigkeiten gemacht werden können. Das wissen auch die norwegischen Sportler.“

Olympische Spiele unteilbar

Bei den Ablehnem der Resolution überwiegt der Gedankengang: nicht anbiedern! Wir warten ab und werden dabei trotzdem versuchen, mit den Norwegern auf guten Fuß zu kommen. Die gute Hälfte der Ablehner ist sogar gegen eine Beteiligung an den Olympischen Sommerspielen. „Olympia ist unteilbar“, heißt es in einer Zuschrift. Andere sind weit schärfer in ihrer Aussage, wobei ein Einsender sogar anführt, daß deutsche Wintersportler kaum in Norwegen gewesen sein dürften da ja dort eine — österreichische Gebirgs-Division eingesetzt gewesen sei. Das führt natürlich zu weit.

Man wird natürlich auch in Deutschland um eine klare Antwort nicht herumkommen. Und da will es uns scheinen: eine Resolution nach Norwegen ist nicht am Platze; wir wollen uns nicht aufdrängen, sondern ruhig abwarten, ob eine Einladung des OIC kommt oder nicht. Kommt sie nicht, dann sind wir in Oslo noch unerwünscht, ganz gleich, welches die Gründe auch sein mögen. Das ist aber kein Anlaß, dann auch nicht nach Helsinki zu gehen. Denn dort sind wir willkommen. und dort werden auch viele Sportkameraden aus Deutschland ehemals feindlichen Ländern auf die deutschen Sportkameraden warten.

Letztes Vorrundenspiel gegen Kupfer & Co.

Wird der Liliensturm auch Schweinfurts Deckung überwinden können?

Nach dem schönen 2:1-Erfolg in Augsburg müssen die 98er auch am Sonntag wieder auswärts spielen, diesmal gegen einen Gegner, der ihnen das Siegen noch schwerer machen wird. Aber die Darmstädter sind aus der Rolle eines Oberligasäuglings herausgewachsen und haben es sich schon längst abgewöhnt, an große Gegner mit allzuviel Respekt heranzugehen. So werden sie sich auch gegen die Kugelstädter ein wirkungsvolles Rezept ausgedacht haben.. Zu hoch darf man in Darmstadt diesmal die Hoffnung jedoch nicht schrauben. denn die Schweinfurter sind in dieser Saison überraschend gut herausgekommen.

Der 44fache Altinternationale Albin Kitzinger hat aus einer glücklichen Mischung von alt und jung eine Elf auf die Beine gestellt, diie bereits eine Woche lang stolzer Spitzenreiter war und — wenn es ganz verrückt zugehen sollte — durch einen Sieg über die Lilienträger sogar Herbstmeister werden kann. Daheim ist ihnen kaum etwas am Zeug zu flicken, nur die „Schwaben“ konnten ihnen bisher einen Streich spielen. Sonst blieb alles im geschlagenen Feld, auch Offenbach (4:0). auch Vfß Stuttgart (2:0), Waldhof (4:1), München 1860 (2:0), Mühlburg (2:1) und am letzten Sonntag auch VfR Mannheim (4:3).

Die Papierform spricht also für die Mainfranken, die in Käser einen Torhüter haben, auf den Verlaß ist. Von den beiden Verteidigern ist der 29jährige Morgenroth der routiniertere, wenn ihm auch Hippler nicht viel nachsteht. Ueberragend die Läuferreihe, in der Deutschlands bester Außenläufer Anderl Kupfer dirigiert und den Sturm mit seinen weiten und genauen Paßbällen nach vorn drückt. Merz ist in diesem Jahr in bestechender Form und hat sich zu einem ausgezeichneten Stopper entwickelt. Diesen beiden Zerstörern großen Formats reiht sich Gorski würdig an. Dem Sturm der Grün-Weißen mit Molly Kupfer, Geyer 11, Meusel. Fischer und Lotz wird nachgesagt, daß er zu schußarm sei. Tatsächlich leben die 05er von dem erbitterten Zers'törungsspiel und den Steilpässen ihrer Deckungsreihe, die aber dem Durchreißer Meusel und seinen Nebenleuten genug Gelegenheit geben, den Ball in des Gegners Tor unterzubringen.

Wenn die Darmstädter wieder ihre dichten Sperrkreise zu ziehen verstehen, werden sie auch im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion nicht auf verlorenem Posten stehen. Die Mannschaft spielt in der Aufstellung: Müller; Barth. Abt; Herder, Schmidtmer, Leichtlein; Reeg, Mühlbach, Bohmann, Herwig und Becker 11.

Im Sondertriebwagen, der um 8,23 Uhr fährt, sind noch Plätze frei. Der Preis ist auf 7 DM herabgesetzt Worden.


Schwer ist’s in Schweinfurt richtig zu jonglieren. Man kann sehr schnell die Punkte dort verlieren.
Schwer ist’s in Schweinfurt richtig zu jonglieren. Man kann sehr schnell die Punkte dort verlieren.

TEC in Aschaffenburg

dr.- Zum letzten Spiel in diesem Jahr fährt der TEC mit vier Hockeymannschaften zu Weiß-Blau Aschaffenburg. Jugend und Junioren treten dabei einem ihnen noch unbekannten Gegner gegenüber, während die Damen vor drei Wochen ihr Punktespiel in Darmstadt sicher mit 3:0 gewannen. Die ersten Herren siegten damals im Freundschaftsspiel glatter, als es das 2:0 besagt. Diesmal werden sie auf den bewährten Sturmführer und Vollstrecker Rieß verzichten und außerdem Mittelläufer K. Pabst ersetzen müssen. Dadurch dürften die TECer kaum eine Gewinnchance haben. Hoffen wir, daß sich die TEC-Verteidigung genau wie in den letzten Spielen findet und dem Gegner nichts schenken wird, denn auf ihr wird die Hauptlast des Kampfes ruhen. Abfahrt der Mannschaften um 8.15 Uhr mit Omnibus am Marktplatz.

Tischtennis

Landesliga auf vollen Touren

Der erste Spielsonntag in der Rückrunde brachte durchweg die erwarteten Ergebnisse. Am kommenden Wochenende pausiert Flörsheim und der SV Wiesbaden, so daß die Eintracht Frankfurt bei der SG Höchst wiederum die alleinige Tabelienführung übernehmen kann. Der TTC Biblis steht in Friedberg beim Neuling vor einer schweren Aufgabe, die jedoch mit kompletter Mannschaft selbst auf fremder Platte gelöst werden kann. Weiß-Blau empfängt Concordia Bad Nauheim und dürfte um eine weitere Niederlage nicht herumkommen. In Klein-Krotzenburg wird die Rüsselsheimer Mannschaft nichts zu bestellen haben.

SV Darmstadt 98—1. ABC Wiesbaden

Die Lilienträger empfangen am kommenden Sonntag 10 Uhr in der Eleonorenschule einen weiteren starken Gegner der obersten hessischen Spielklasse. Im Vorkampf mußte man eine knappe Niederlage hinnehmen. Die weiteren Spiele zeigten, daß die Gäste doch das größere spielerische Können auf ihrer Seite hatten. Mit dem süddeutschen Jugendmeister Wüst an der Spitze werden sie den Anschluß an die Spitzengruppe nicht verlieren wollen. Die 98er stellen sich dabei für mehrere Wochen letztmals in Darmstadt vor. Die kommenden sechs Spiele müssen auswärts ausgetragen werden. Es wäre ein großartiger Erfolg, würde ein Sieg über die favorisierten Gäste herausspringen. Die Mannschaft spielt in folgender Aufstellung: Hartmann, Römer, Hardt, Kappes, Haller und Lutz. Ku.

Lilienträgerinnen beim SV Wiesbaden

Nach kurzer Ruhepause bestreitet die 1. Damenmannschaft am kommenden Sonntag in Wiesbaden ein weiteres schweres Auswärtsspiel. Die Gastgeber, die schon immer eine beachtliche Stärke besaßen und hinter Eintracht Frankfurt und dem SV 98 das folgende Mittelfeld anführen, unterlagen in Darmstadt nach ausgeglichenen Kämpfen knapp. Inzwischen konnten sie ihre Mannschaft durch Neuzugänge verstärken. Trotzdem sollten die Punkte mit nach Darmstadt gebracht werden können. Die 98erinnen bestreiten dieses für sie wichtige Spiel in der Aufstellung Holzapfel, Römer, Nungesser, Guyot, Nangot, Pommer (Freudei).

Volles Programm in der 2. Liga

Die in diesem Jahr ins Leben gerufene sogenannte 2. Liga hat inzwischen die Vorrunde Hinter Sich gebrächt. An der Spitze steht ungeschlagen die 2. Garnitur des SV Wiesbaden. Da diese Mannschaft jedoch außer Konkurrenz spielt, ebenso wie die 2. Mannschaft des SV 98, gilt das Hauptinteresse den folgenden Mannschaften. Hier- sind es die Vertreter des Bezirkes Darmstadt, die entscheidend um die Meisterschaft eingreifen. TuS Griesheim und Bensheim haben bis jetzt am meisten überrascht und stehen am günstigsten. Die Mittelgruppe führt die Mannschaft der SG Wixhausen an.

Am kommenden Wochenende treffen aufeinander: TTC Kelsterbach—SG Wixhausen. TV Hofheim (Taunus)—TTC Heppenheim, TV Bensheim—TuS Griesh., SV Wiesbaden lI—SV 98 11, TSG Auerbach—TuS Griesheim.

Die Bezirksklasse Darmstadt ist am Wochenende spielfrei und wird lediglich einige Nachholspiele austragen.

Frauen-Kreisklasse

Mit der Mannschaft der SKG Bickenbach stand bereits vor Abschluß der Verbandsrunde die Meisterschaft fest. Der letzte Spielsonntag wird auch in der Tabelle keine Verschiebungen mehr mit sich bringen. Die neue Meistermannschaft hat damit ungeschlagen sich den Titel eines Kreismeisters erkämpft. Die letzten Spiele am Wochenende lauten: TSV Pfungstadt—SKG Bickenbach. SG Arheilgen—SKG Eberstadt, SG Egelsbach—SSG Langen, SG Wixhausen— SV Darmstadt 98 11.

Herren-Kreisklasse

Nachdem auch bei den Herren die SKG Bickenbach die Tabelle arführt, scheint es, als ob in diesem Jahr nach dort beide Meisterschaften fallen. Die Verbandsrunde ist jedoch noch nicht zu Ende, und der Tabellenführer mußte am Sonntag gegen den SV 98 111 die erste Niederlage hinnehmen. Auch am Sonntag steht der Spitzenreiter in Wixhausen vor keiner leichten Aufgabe, nachdem der Vorkampf nur knapp gewonnen wurde. In Eberstadt sollte sich der SV 98 111 durchsetzen. Nieder-Ramstadt muß nach Langen und wird der dortigen SSG keine , allzugroßen Chancen einräumen. Die TSG 46 Darmstadt ist Gast bei der SKG Ernsthofen und sollte dort zu einem weiteren Punktgewinn kommen, obwohl sich die Gastgeber verbessert haben. In Erzhausen steigt eine offene Begegnung zwischen dem SV Erzhausen und der TGB 65 Darmstadt. Die 2. Mannschaft der TSV Nieder-Ramstadt empfängt die SG Egelsbach. Ku.

Pfungstadts Ringer in Arheilgen

Nach Abschluß der Verbandsrunde kommt es am Samstagabend in der Arheilger Turnhalle wiederum zu einem interessanten Vergleichskampf zwischen der SG Arheilgen und der jungen Pfungstädter Staffel. Obwohl die Gäste in der Kreisklasse mit eine führende Rolle einnehmen, sollten sich die Landesligisten erfolgreich durchsetzen können. Die Arheilger Mannschaft bestreitet diesen Kampf voraussichtlich in folgender Aufstellung: Freudenberger, Ebert, Kuchar, Häuser, Becker, Arnold, Fiedler und Spatz.

Hessens Boxer hatten kein Glück.

Es'stand 2:2 im Wiesbadener Ring, als im Federgewicht Langer (Mittelrhein) über Stasch (Hessen) den Punktsieg erhielt. Eine recht zweifelhafte Entscheidung, die minutenlange Proteste auslöste. Trotz einer 8:4-Führung der Hessen gewannen die Gäste in beiden schweren Klassen. In der Entscheidung hatte der Mittelrhein Glück. Krümmel holte im Fliegengewicht die beiden ersten Gut-Punkte und Rau erhielt gegen Rosenberg ein schmeichelhaftes Unentschieden. So endete der Kampfabend, bei dem Ringrichter Schulz (Niederrhein) nicht energisch genug war, mit 11:9 für den Mittelrhein.

BC Darmstadt in Gießen

Der BC Darmstadt tritt am Samstag in Gießen zum Rückspiel an. Die Nordhessen werden sich nach ihrem Ueberraschungssieg gegen den TB Heidelberg natürlich mächtig ins Zeug legen, und der BCD muß schon mit einer besonderen Leistung aufwarten, wenn er nicht auf der Strecke bleiben will.

Zu einem klaren Erfolg sollte es dem TB Heidelberg gegen das Schlußlicht BC Karlsruhe reichen, während das dritte Spiel die spannungsvolle Auseinandersetzung zwischen dem VfL 1848 Bad Kreuznach und dem Heidelberger TV 1846 bringt. Kreuznach erspielte sich in Heidelberg einen knappen 30:29-Sieg und hat demzufolge auch in heimischer Umgebung die größeren Siegesaussichten.

Die Ergebnisse vom letzten Wochenende: MTV Gießen — TB Heidelberg 18:16 (!), Homburger TG — TB Heidelberg 30:45 und 30:53, Heidelberger TV 46 — Homburger TG 38:31, Karlsruher BC — Heidelberger TV 46 43:48.

Um die Halbzeitmeisterschaft in der Landesliga

Die Basketball-Landesliga Hessen trägt am Sonntag ihre letzten Vorrundenspiele aus. Das größte Interesse beansprucht das Zusammentreffen der beiden noch ungeschlagenen Mannschaften BC Frankfurt und SKG Roßdorf, in dem es um den 1. Platz der Vorrunde geht.

In der Frauen-Runde hat die Homburger TG mit einem 24:19-Erfolg gegen den BC Frankfurt die Vorrundenspiele abgeschlossen. Die Frankfurter Frauen empfangen am Sonntag den Tabellenführer SKG Roßdorf und möchten diesmal zu ihren ersten Punkten kommen. Ob dies allerdings gegen die derzeit recht gute Roßdorfer Mannschaft gelingen wird, ist sehr fraglich.

In Heppenheim stellt sich der MTV Gießen vor. Während im Spiel der Frauen mit einem klaren Heppenheimer Sieg zu rechnen ist, muß das Jugendsniel als völlig offen bezeichnet werden. Beide Jugendmannschaften stehen sich erstmals gegenüber. -er-

Zahlreiche Motorsportler der Unterzent gründeten in Lützel-Wiebelsbach einen Motorsnortklub. Zum 1. Vorsitzenden wurde Fritz Walther gewählt. -hm-

TSG 46 — Fußballabteilung. Heute Samstag, 20 Uhr, findet bei unserem Mitglied Borger eine wichtige Besprechung statt. Erscheinen aller Mitglieder ist dringend erforderlich.

Wohin am Wochenende

Samstag : 20.30 Uhr Ringen SG Arheilgen—Pfungstadt Vereinsturnhalle

Sonntag: 9.00 Uhr Tischtennis Kreisklasse Herren Eberstadt — SV 98 111 „Harmonie“ 9.00 Uhr Tischtennis Kreisklasse Frauen SG Arheilgen — SKG Ebers.tadt, Vereinsturnhalle 10.00 Uhr Tischtennis Landesliga SV 98 — ABC Wiesbaden, Eleonorenschule 10.30 Uhr Fußball SV 98 Junioren—Hanau 93 Flugplatz 10.45 Uhr Handball Kreisklasse SV 98 Junioren — Raßdorf, Flugplatz 10.45 Uhr Handball Kreisklasse Bessungen — Bickenbach, Rennbahn 10.45 Uhr Handball Kreisklasse Eberstadt — Niede r-R amstadt, W aldsportplatz 14.00 Uhr Handball Kreisklasse Arheilgen— TG 75 Darmstadt, Am Mühlchen 14.15 Uhr Fußball Kreisklasse TSG 46—SSG Langen (vorher Reserven), Woogswiese 14.15 Uhr Fußball Kreisklasse Union Bessungen — Eschollbrücken (vorher Reserven), Rennbahn 14.30 Uhr Fußball Bezirksklasse Eberstadt — Roßdorf, Waldsportplatz 10.30 Eberstadt — Nieder-Ramstadt 14.30 Arheilgen — TG 75 Darmstadt

Landwirtschaft

Marktbeobachtungen für den Landwirt

Getreide und Futtermittel

Die Brotgetreideanlieferungen der Landwirtschaft haben erst in einigen Gebieten merklich zugenommen. Freigaben aus der Eundesreserve waren erforderlich. Die überdurchschnittliche Nachfrage hat anhaltende Preisauftriebstendenzen ausgelöst. Diese Lage hat sich im Zusammenhang mit der weltpolitischen Entwicklung in den letzten Tagen verschärft. Bei Weizen führte das zu beträchtlichen Ueberpreisen. Die Weizenfreigaben der Vorratsstelle überwiegen die Neuankünfte, so daß die Bundesreserve wieder abgenommen hat; beim Roggen halten sich die Zu- und Abgänge in etwa die Waage. — Auch am Futtermittelmarkt hat die Entwicklung der jüngsten Zeit den ohnehin bestehenden Auftriebstendenzen neue Nahrung gegeben. Die Preise haben sich weiter nach oben bewegt. Bei Oelkuchen liegen die Auslandspreise jetzt über den Inlandspreisen, so daß die vorgesehenen Importe von rund ICO 900 Tonnen zur Zeit nicht realisiert werden können. Dementsprechend haben auch die Kleiepreise angezogen. Bei Milokorn besteht der unhaltbare Zustand, daß die zur Verbilligung eingesetzten Mittel auf den verschiedenen Zwischenstationen zum Verbraucher versickern. Es sollen jetzt nochmals rund 100 000 Tonnen Milo freigegeben bzw. an den Markt gebracht werden. Der Preis wird wiederum auf DM 24/dz frei Paritätspunkt herabgeschleust.

Preise in DM je Doppelzentner im Großhandel in Ffm.: Weizen und Roggen amtlicher Festpreis plus Zuschläge bis zu 2 DM, Hafer 26,75—27,25, Futtergerste 33.00 bis 34,50 ab Station, Weizenmehl T 1050 47,40. Roggenmehl T 1150 40,75—41,25, Weize’nk'leie 16,50—17,00, Roggenkleie 13,50 bis 14,00 ab Mühle m. S., Fischmehl 59—60 ab Seehafenstation, Trockenschnitzel 14,50 ab südd. Fabrik, Auslandsgerste 33,50, Auslandshafer 29 ab Mannheim, Milokorn ohne Umsätze, Oelkuchenmischfutter 29—32, Erdnußschrot 39, Sojaschrot 36,00—36,50, Kokosschrot 28,50, Leinschrot (in Leihsäcken) 37,50; alles brutto für netto ab Niederrhein.

Kartoffeln

Am Kartoffelmarkt ist die Umsatztätigkeit infolge der Wetterlage fast zum Stillstand gekommen. Angebot und Nachfrage sind im ganzen gering. Die Preise halten sich noch in etwa auf der bisherigen Höhe, zeigen aber Ansätze zu einer festeren Entwicklung. Dies ist besonders bei den bisher vernachlässigten Sorten Ackersegen, Voran usw. der Fall. Für Futterkartoff e 1 n ist die Nachfrage aus den bekannten Bedarfsgebieten sehr gut. Auch hier haben sich die Preise im Hinblick auf die Lage am Futtermittelmarkt leicht gefestigt.

Preise für Speisekartoffeln (Durchschnittssorten) in DM je 50 kg: Großhandelseinstandspreis frachtfrei Gegend Ffm. (lose verladen) 3,15—3,50, Großhandelsabgäbepreis an den Kleinhandel 4,00—4,30, Erzeugerpreis ab Hof bzw. frei Verladestation 2,90—3,10, Verbraucherpreis je 50 kg 4,50—5,00, je 5 kg 0,45—0,55, — Futterkartoffeln: frachtfrei Nordrhein-Westfalen 3,20, ab südd. Verladestation 2,40—2,50.

Obst und Gemüse

Auf den Märkten herrscht weiter schwaches Geschäft. Nur Kopfsalat, Endivien, Spinat, Feldsalat, Rosen- und Blumenkohl waren besser abzusetzen. Bei den Kopfkohlarten stand Rotkohl in der Nachfrage und im Preis an erster Stelle. Südfrüchte sind im Vormonat wesentlich umfangreicher hereingekommen als in früheren Jahren. Preisrückgänge waren die Folge und haben auch das deutsche Aepfelgeschäft nicht unwesentlich beeinflußt. Für gute Winteräpfel verspricht man sich eine neue Belebung erst zu Weihnachten.

Frankfurter Obst- und Gemüse-Großmarkt

Obst: Allgemein gutes Angebot, insbesondere in Aepfeln, Apfelsinen und Nüssen. Absatz anfangs schleppend, später gut. Preise unbeständig.

Preise für Aepfel und! Birnen in DM je 50 kg: Coxs Orange 35—45,805k00p 20 bis 30, Edelapfel 20—25, Goldparmäne 25 bis 40, Sternrenette 25—30, Baumannn Renette 20—25, Goldrenette v. Blenheim 20 bis 30, Landsberger 15—20, Wirtschaftsäpfel B—ls, Schafsnase B—lo. — Birnen: Winter Dechant 30—35, Madame Verdun 25—30, Gräfin v. Paris 20—30, Pastoren/Flaschen 15—20, Kochbirnen B—lo.8—10.

Gemüse: Reichliche Zufuhren in allen Gemüsearten. Trotz lebhaftem Marktverkehr nur mittleres Geschäft. Preise verhältnismäßig stabil.

Preise in DM je 50 kg: Weißkohl 4 bis 5, Wirsing 6—B, Rotkohl B—lo,8—10, Winterkohl 10—12, Spinat 12—18, Rosenkohl 40—45, Feldsalat 50—70, Schwarzwurzeln 35—38, Zwiebeln 7—lo, Meerrettich 55—60, Rote Beete 6—B, Karotten 4—5, Erdkohlrabi 6—B, Weiße Rüben B—lo.8—10. Petersilie 40—50. Lauch 10 bis 15, Suppengewürzei 4—5 (je 100 Bund). — Preise in DM je 100 Stück: Blumenkohl 20—80, Oberkohlrabi 4—5, Kopfsalat 10—15, Rettich 5—6, Sellerieknollen 20—50, Eskariol-Salat 20—30.

Milch, Butter, Eier

Milch: Der jahreszeitliche Rückgang der Milchanlieferung schreitet fort. Das Ergebnis der Berichtswoche liegt in Hessen rund 16 Prozent über dem der entsprechenden Vorjahreswoche. Der Vollmilchabsatz der Molkereien im Bundesgebiet ist ungefähr gleichgeblieben, während in Hessen wieder ein Rückgang von rund 3,5 Prozent eingetreten ist. Der Ab-Hof-Verkauf und die Landbutterherstellung beeinflussen die Verwertungsmöglichkeiten in den Molkereibetrieben nach wie vor höchst nachteilig.

Butter: Die Buttererzeugung geht langsam weiter zurück, ist aber im südd. Raum z. T. noch einmal e.twas angestiegen. Der Abstand zur diesjährigen Erzeugungsspitze von Anfang Juni beträgt jetzt rund 29 Prozent. Die Nachfrage, besonders nach frischer deutscher Markenbutter, hat sieh verstärkt. Die Qualität der eingelagerten Kühlhausbutter hat die Verbraucher nicht befriedigt. Die Preislage am Buttermarkt entwickelt sich, insbesondere bei frischer Butter, mit mehr oder weniger verdeckten Preisaufschlägen.

Eier: An den Eiermärkten zeichnet sich ein unerwarteter Preiseinbruch ab. Stärkere Anlieferungen aus der langsam einsetzenden Eigenerzeugung, Zurücksetzung der Auslandsforderungen und deutliche Zurückhaltung der Käufer trotz der Nähe der Weihnachtsfelertage wirken hier zusammen, so daß auch die Räumung der letzten Bestände an Kühlhauseiern der Vorratsstelle jetzt gewisse Schwierigkeiten bereitet. — Preise in Dpfg. je Stück: Auslandsware (Frankfurter Notierung vom 2. 12. 50) Kl. S 28, Kl. A 27, Kl. B 25,5, Kl. C 23,5, Kl. D 21,5. — Inlandseier im Erzeuger-Verbraucherverkehr je nach Größe 26—32. — Geflügel: Preise für Schlachtgeflügel gegen die Vorwoche unverändert.

Der Kropf - ein Ergebnis hungernder Pflanzen?

Ausgedehnte Reihenuntersuchungen, zahlreiche Bestimmungen des Vitamin- A-Gehaltes der Milch und des - A-Gehaltes (Carotin-Gehalt) von Weiden- und Wiesenpflanzungen zeigten gewisse Abhängigkeiten zwischen der Vitaminproduktion dieser Pflanzen, dem Carotinoidgehalt der Milch und der zunehmenden Kropfbildung 'beim Menschen. Der Kropf, eine ausgesprochene Mangelkrankheit, wurde in den letzten Jahren vorwiegend auf Jodmangel zurückgeführt. Besonders bemerkenswert war jedoch die Feststellung der unterschiedlichen Carotinproduktion des Pflanzenbestandes in den nur etwa 1500 m auseinanderliegenden, aber sehr unterschiedliche Kropfzahlen aufweisenden oberbayerischen Dörfern Riegsee und Aidling. Es konnte in diesem Untersuchungsgang festgestellt werden., daß hungernde oder falsch ernährte, auch einseitig längere Zeit nur mit Stallmist oder Jauche gedüngte Pflanzen weitaus weniger Carotinoide enthalten. Sie liefern dem Tier nicht genug dieser Wirkstoffe und setzen den Menschen, der pflanzliche oder tierische Produkte mit ungenügendem Carotinoidegehalt verzehrt, der Gefahr des Kropfes aus. Harmonisch ernährte, d. h. mit allen Nährstoffen im natürlichen Verhältnis versehene Pflanzen (Volldüngung) bringen diese Gefahr nicht.

Nicht allein für die Kropfbekämpfung sind diese Forschungsergebnisse von größter Bedeutung. Sie weisen auch auf die dringende Notwendigkeit eines beschleunigten Ausbaues der landwirtschaftlichen Qualitätsforschung hin und verleihen der schon mehrfach erhobenen Forderung nach der Schaffung einer zentralen Forschungsstätte für dieses Spezialgebiet, in der Landwirte, Chemiker. Tierärzte und Aerzte auf das engste Zusammenarbeiten, schärfstens Nachdruck. D. B. K.

Zehn sichere Tips für jeden Gartenfreund

Drahthosen oder andere Baumschützer sind jetzt unbedingt anzubringen, damit Kaninchen und Hasen die Stämme nicht benagen können. Mindesthöhe 100 cm.

Abkratzen der alten Rinde, Beseitigen von Moos und Flechten muß jetzt erfolgen. Stämme mit Kalkmilch anstreichen. Abfälle sammeln und verbrennen.

Ba Umschnitt kann bei frostfreiem Wetter begonnen werden. Zuerst die älteren Bäume auslichten und beschneiden. Mit dem Auslichten oben beginnen. Keine genagelten Schuhe beim Besteigen der Bäume tragen. Möglichst Leiern verwenden.

Winterspritzung ist vorzubereiten. Spritzmittel beschaffen und Spritze in Ordnung bringen oder Spritzkolonne bestellen. Die Winterspritzung ist die Grundlage einer geregelten Schädlingsbekämpfung.

Früh beet kästen werden ausgeräumt und instandgesetzt. Die Frühbeetfenster ausgebessert, gestrichen und untergestellt.

Strohmatten für Frühbeete usw. können jetzt hergestellt werden. Sie bieten den besten Schutz für unsere Treibkulturen.

Eingelagerte Gemüse- und Obstvorräte bedürfen weiterhin der sorgfältigen Ueberwachung. Zuviel Wärme kann ebenso schädlich sein wie Kälte.

Zwiebeln sind im Winterlager besonders empfindlich gegen Wärme und Frost. Sie sollten immer luftig gelagert werden. Nur ganz dünn ausbreiten und unter allen Umständen gegen Frost schützen.

Vogelschutz ist wichtig, sobald Frost und Schneewetter einsetzen. Unsere Sinvögel sind die wertvollsten Helfer im Kampf gegen Schädlinge im Obst- und Gartenbau. Nistkästen 4—5 m hoch gegen Südosten gerichtet aufhängen und Futterstellen anlegen. Täglich füttern. Brotkrumen usw. sind ungeeignet, Körner und Oelsaaten sind besser.

Umgraben fortsetzen bis der Frost eintritt. Baumscheiben nicht vergessen.

Schlachtviehmarkt Darmstadt

Marktbericht vom 12. 12. 1950

Auftrieb: 112 Großvieh (5 Ochsen, 5 Bullen, 61 Kühe und 41 Färsen), 79 Kälber, 559 Schweine, 43 Schafe.

Marktverlauf : Großvieh, Schweine und Schafe ruhig, Kälber rege. Ueberstand 4 Großvieh. — Fleischmarkt: 7 t Inlandfleisch und 2,91 Importe (Dänemark).

Preise: In Dpf. je 500 gr. Lebendgewicht. Ochsen a 85—89, Bullen a 75—85, Kühe a 65—80, Kühe b 47—66, Kühe c 42—49, Kühe d 40—42, Färsen a 79—88, Färsen b 77—84.

Kälber a 105—115, b 95—105, c 85—100, d 75—85.

Schweine (Durchschnittspreis 138) a—c 135—140, d 130—138, gl 120—131. Schafe c 38.

Der nächste Schlachtviehmarkt findet am Montag, dem 18. 12. (Hauptmarkt) und Donnerstag dem 21. 12. 1950 (Nachmarkt) statt.

Reger Verkelmarkt

Groß-Gerau, (eng) — Zum Ferkelmarkt am 13. Dezember 1950 in der Kreilsstadt Groß-Gerau waren 298 Stück Ferkel aufgetrieben. Es kosteten vier Wochen alte 30 bis 35 DM, fünf Wochen alte 40—45 DM, sechs Wochen alte 45—50 DM und sieben Wochen alte 50—55 DM. Läufer wurden je nach Gewicht 70—100 DM bezahlt. Der Verkauf war sehr rege. Alle Ferkel wurden verkauft. Der nächste Markt findet am Mittwoch, dem 27. Dezember 1950, auf dem Markplatz statt.

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Advent St. Ludwig, Nieder-Ramstädter Str. 30: 6.30 Frühm., 8.00 Singm. m. Pr., 9.30 Hochamt m. Pr., 11.00 Studentengd. m. Pr., 19.00 Aufführung des Spieles „Die Berufung" v. Thumair. (Werktagsgottesd.: tägl. um 6.45 u. 7.30 hl. Messe; Beichte heute von 18.00 bis 20.00); Wilhelminenpl. 9: 8.30 Kgd. m. Pr., 16.00 Adventsfeierstunde der Kinder. Liebirauen: 7.00 Singm. m. Pr., 8.15 Hochamt m. Pr. u. Advents¬ komm. d. Jugend, 10.00 Kindergd. m. Pr. u. Adventskomm. d. Schuljungen, 14.00 Kommunionstunde, 17.00 Adventsand, (werkt.: hl. Messe tägl. 6.30 außerdem: Di., Fr. u. Sa. 8.05 — Mi. (Quatemberfeier) 19.00 Abendand., Beichtgelegenheit: Sa. 16.30—19.30). St. Elisabeth: 6.30 Frühm., 7.45 Singm. m. Pr., 9.00 Kdgd. m. gern. Adventskomm, der Schulkinder, 10.15 Hochamt m. Pr., 14.30 Andacht (Sa.: Reichte von 16 00—18.30 [3 Beichtväter] und von 20 Uhr an). St. Fidelis: 6.00 Frühm. bei den Schwestern (Feldbergstr. 32), 6.45 Beichte, 7.30 Singm. m. Pr. u. Komm., 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm., 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm., 15.00 An¬ dacht (Sa., 17.00—19.00 und ab 20 00 Beichte, sonst werktags vor jeder hl. Messe; Werktagsgd. 6.30 und 7.30). Da.-Eberstadt: 7.30 hl. Messe m. Anspr., 9.45 Hochamt m. Pr. u. Adventskomm. d. Kinder, 14.30 Erstkommunionstunde, 15.00 Krippenspiel des Kindergartens, 18.00 Adventsand, (werkt.: 7.00 Rorate-Amt; Sa.: Beichtgel. von 16.00—18.30). Da.-Arheilgen: 7.30 Frühm., 8.30 Kgd., 9.45 Hochamt, 13.30 Erstkommunionunterricht, 14.30 Adventsand. Wixhausen: 8.15 Hochamt. Christengemeinschaft, Herdweg 31 So. 10.00, Di. 7.00, Mi. u. Sa. 8.00 Menschenwcihehandlung, Do. 19.30 Abendpredigt. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Taunusstr. 40, Sönntags¬ gottesdienst 14.30, Mittwochabend 18.30 (Zeugnisversammlung). Baha’i-Gemeinde Darmstadt . „Lesung aus den Baha’i-Schriften“ Dienstag, 19. 12. 1950, um 19.00 Uhr Wohnung. Dr. R. Jockel, Barkhausstr. 70. Gäste willkommen. Evangelische Freikirchen und Gemeinden Evgl. Freikirchl. (Baptisten-) Gem., Mollerstr. 40: 9.30 Pred.- Gottesdienst, P. Schlier. ’ Freikirche Evgl. Gemeinschaft, Bessunger Str. 125: 10.00 Predigt, P. Pleßmann. Methodfstenklrche, Wilh.-Leuschner-Str. 38: Sonntag, 19.30 Pre¬ digt-Gottesdienst, Montag, 20.00 Frauenarbeitsstunde, Mitt¬ woch; 19.30 Bibelarbeitsstd. Christl. Gemeinschaft, Mollerstr. 40. 15.30 Bibelstd., P. Krust. Amtliche Bekanntmachungen Betr.: Fluchtlinien- und Bebauungsplan zugleich des ehern. Exerzierplatzgeländes zwischen Rheinstraße, Kinden¬ burgstraße, Haardtring und Holzhofallee. Der in der Stadtverordnetenversammlung vom 30. November 1950 beschlossene Fluchtlinien- und Bebauungsplan zugleich des ehern. Exerzierplatzgeländes zwischen Rheinstraße, Hinden¬ burgstraße, Haardtring und Holzhofallee liegt bei der Stadt¬ bauverwaltung, Abteilung Stadtplanung. Bessunger Straße 125, Zimmer 205, vom 15. 12. 1950 bis 5. 1. 1951 zur Einsicht offen. Einwendungen sind innerhalb der genannten Frist bei der Stadtbauverwaltung zu erheben. Darmstadt, den 12. Dezember 1950. Stadt Darmstadt — Stadtbauverwaltung. Amtliche Bekanntmachung Die Besatzungsgeschädigten werden erneut darauf hingewiesen, daß durch die Besatzungsmacht verschiedene Wohnungseinrichtungs¬ gegenstände freigegeben worden sind. Eigentümer von Gegenständen, denen durch die Besatzungsmacht Wohnungseinrichtungsgegenstände beschlagnahmt wurden, werden hiermit aufgefordert, die freigegebenen Einrichtungsgegenstände im Lagerraum, Rheinstraße 102, Block „C“, an den Sprechtagen montags, mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr zu besichtigen bzw. ihr Eigentum in Empfang zu nehmen. Insbesondere sind in den letzten Tagen Möbel aus den noch beschlagnahmten Grundstücken von der Besatzungsmacht zurück¬ gegeben worden: Darmstadt: Schildbachweg 10. Kekulesstraße 4, Rosenhöhweg 25, Hindenburgstraße 27'/z, Schillerstraße 9. Darmstadt-Eberstadt: Im Elfengrund 19, Karl-Ulrich-Straße 19, W.-Leuschner-Straße 204, Darmstädter Straße 98, 129, 161, 203, 270 und 280. Nieder-Ramstadt: Karlstraße 21, Friedrichstraße 3. Darmstadt, den 13. Dezember 1950 Besatzungskostenamt Darmstadt öffentliche Ausschreibung! Für den Neubau eines Kreishauses in Darmstadt werden öffent¬ lich ausgeboten: die Glaserarbeiten, die Estricharbeiten, die Steinholzfußböden, die Linoleumarbeiten. Unterlagen, solange der Vorrat reicht, sind gegen Erstattung der Selbstkosten von 2 DM auf dem Landratsamt Darmstadt, Wilhel¬ minenstraße 34, ab Montag, dem 18. 12. 50, in der Zeit von 10—12 Uhr abzuholen, woselbst auch die Zeichnungen und be¬ sonderen Vertragsbedingungen zur Einsicht offenliegen. Einreichungstermin: 27. Dezember 1950, 11 Uhr, beim Landratsamt Darmstadt, Zimmer 14. Jedes An¬ gebot in verschlossenem Umschlag mit entsprechender Aufschrift. Der Landrat des Landkreises Darmstadt Amtliche Mitteilungen des Landkreises Darmstadt Bekanntmachung Nachstehend gebe ich eine Rundverfügung des Herrn Regie¬ rungspräsidenten Darmstadt betr. Streudienst und Schaee¬ räumung auf den Landstraßen bekannt. I. V.: gez. Schön. Der Regierungspräsident in Darmstadt 111/9 — 3320/50 — 43a 46.2 Darmstadt, 4. Dez. 1950. Betr.: Streudienst und Schneeräumung auf den Landstraßen. Rundverfügung Die Hessischen Straßenbauämter im Regierungsbezirk Darm¬ stadt werden, wie in den Vorjahren, bemüht bleiben, die ver¬ kehrswichtigen Straßen soweit wie möglich durch Schnee¬ räumung und Glatteisbekämpfung während des Winters befahr¬ bar zu halten. Die vorgesehenen Maßnahmen beruhen nicht auf einer Verkehrs¬ sicherungspflicht des Straßenunterhaltungspflichtigen, sondern sind eine freiwillige Leistung der Straßenbauverwaltungen zur bestmöglichen Erleichterung des Straßenverkehrs im Winter. Da für die Durchführung des Winterdienstes nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen, muß diese Wartung auf ganz besonders gefährdete Stellen im Straßennetz beschränkt wer¬ den. Es wird dem Verkehrsteilnehmer daher empfohlen, bei Glatteisgefahr oder bei Schneeverwehungen die Straßen nur mit äußerster Vorsicht zu befahren. Die Benutzung erfolgt in iedem Falle auf eigene Verantwortung. Aus angeführten Gründen können daher Haftoflichtforderungen bei Unfällen wegen angeblich unzureichender Wartung nicht an¬ erkannt werden. I. V.: gez. Ahl.

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der Aktion bieten und die mit einem Empfehlungsschreiben von mir versehen sind. Eine entsprechende Bescheinigung hat der Schädlingsbekämpfungsdienst, Firma Konrad Merz, Hanau a. M. (Barbatossastraße 3), bereits erhalten, deren Vertreter Sie in den nächsten Tagen besuchen wird. Bis zum 15. Januar 1951 ist mir zu berichten, ob und wann eine Rattenbekämpfungsaktion in Ihrer Gemeinde durchgeführt wurde bzw. durchgeführt wird. Erbach, den 9. Dezember 1950. Der Landrat. Ins AVBI. Erste Verordnung zur Durchführung der Verordnung PR Nr. 59/50 über Getreide¬ preise für die Monate Oktober 1950 bis Juni 1951 (Qualitäts¬ zuschläge für Auslandsweizen). Vom 24. Oktober 1950 (Bundesanzeiger Nr. 224 vom 18. November 1950). Auf Grund der §§ 2 Abs. 2 und 4 Abs. 1 der Verordnung Pr Nr. 59/50 über Getreidepreise für die Monate Oktober 1950 bis Juni 1951 (Bundesanzeiger Nr. 203 vom 20. 10. 1950) wird verordnet: § 1 Zu den Abgabepreisen für ausländischen Weizen, die in § 2 Abs. 1 Ziff. II der Verordnung PR Nr. 59/50 über Getreide¬ preise für die Monate Oktober 1950 bis Juni 1951 (Bundes¬ anzeiger Nr. 203 vom 20. 10. 1950) festgesetzt sind, werden zur Abgeltung der besseren Beschaffenheit bis auf weiteres in allen Preisgebieten folgende Zuschläge in DM je 1000 kg berechnet: a) für Hartweizen (Amber Durum) .... 40,— b) für alle anderen ausländischen Weizensorten 3,— § 2 Diese Verordnung tritt am 1. Oktober 1950 in Kraft. Bonn, den 24. Oktober 1950. Der Buntlesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Dr. Niklas. Der Bundesminister für Wirtschaft: Ludwig Erhard. Bekanntmachung Betr.: Regelung der Feierabendstunde in der Silvesternacht. Der Regierungspräsident in Darmstadt teilt mit Verfügung vom 4. 12. 1950 mit, daß die Feierabendstunde für die Silvesternacht dieses Jahres allgemein gebührenfrei auf 2.00 Uhr festgesetzt worden ist. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, daß ich Anträge auf Genehmigungen zur Abhaltung von Tanzlustbarkeiten für Weihnachten, Silvester und Neujahr rechtzeitig, d. i. spätestens eine Woche vor Weihnachten, bei mir vorzulegen bitte. Heppenheim, den 11. Dezember 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Ich mache darauf aufmerksam, daß die auf beiden Seiten der Rheinbrücke zwischen Worms und Hofheim bestehenden Wege nur für Fußgänger bestimmt sind. Das Befahren dieser beiden Fußgängerwege mit Fahrrädern und Motorrädern ist untersagt. Die aufgestellten amtlichen Verbotsschilder sind zu beachten. Heppenheim, den 11. Dezember 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße.

Betr.: § 51 StVZO., Standlicht an Krafträdern ohne Beiwagen. Ins AVBI. Den nachstehenden Erlaß des Herrn Bundesministers für Ver¬ kehr vom 14. November 1950 bringe ich hiermit zur all¬ gemeinen Kenntnis. Erbach, den 9. Dezember 1950. Der Landrat. Der Bundesminister für Verkehr. Offenbach, den 14. November 1950. Krafträder ohne Beiwagen sind von der Vorschrift in § 51 Abs. 1 StVZO über 'die Führung seitlicher Begrenzungsleuchten, die als Standlicht verwendet werden, ausgenommen, und zwar mit Rücksicht darauf, daß Anschaffung und Unterhaltung einer Bat¬ terie bei Kleinkrafträdern von erheblicher wirtschaftlicher Be¬ deutung sind und ferner Krafträder allgemein ohne besondere Mühe von der Fahrbahn entfernt werden können, wenn sie abgestellt werden müssen. Das Vorhandensein einer Batterie kann deshalb nicht zum An¬ laß genommen werden, bei Krafträdern ohne Beiwagen Stand¬ licht zu fordern, wenn solche Fahrzeuge bei Dunkelheit oder starkem Nebel entweder von der Fahrbahn entfernt oder ander¬ weitig, z. B. durch Straßenlaternen oder lose mitgeführte La¬ ternen, ausreichend beleuchtet werden. Im Auftrag: gez. Stra ull no. Betr.: Einhaltung der Beladungsvorschriften im Straßenverkehr Ins AVBI. Nach einem Erlaß des Herrn Bundesministers für Verkehr wird darüber geklagt, daß die Ladung von Straßenfahrzeugen, nament¬ lich von Lastkraftwagen, nicht immer so verstaut ist, daß Ver¬ kehrsgefährdung vermieden wird. Insbesondere kommt es immer wieder vor, daß durch herabtallende Teile der Ladung (z. B. Steine) Gefahren entstehen. Nach § 19 Abs. 1 StVO muß die Ladung so verstaut sein, daß sie niemanden gefährdet oder schädigt oder mehr als unver¬ meidbar behindert oder belästigt. Erbach, den 9. Dezember 1950. Der Landrat.

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Betr. Ferienordnung Ilir 1951 Für alle Volks-, Mittel-, Sonder- und Höheren Schulen im Lande Hessen gilt für das Jahr 1951 die nachstehende Ferien¬ ordnung: 1. Weihnachtsferien: Mittwoch, 20. Dezember 1950, bis Dienstag, 9. Januar 1951 2. Osterferien: Mittwoch, 21. März 1951, bis Donnerstag 5. April 1951 3. Pfingstferien: Freitag, 11. Mai .bis Montag, 21. Mai 1951. 4. Sommerferien: Freitag, 29. Juni 1951, bis Donnerstag 2. August 1951 5. Herbstferien: Samstag, 29. September 1951, bis Donnerstag 11. Oktober 1951 6. Weihnachtsferien: Freitag, den 21. Dezember 1951. Die Daten bestimmen jeweils den letzten Schultag und den lag des Wiederbeginns des Unterrichts. In den nicht kreisfreien Gemeinden können die Sommer- und Herbstferien mit Rücksicht auf örtliche Gegebenheiten anders festgesetzt werden. Für die abweichende Festlegung dieser Ferien machen die unteren Schulaufsichtsbehörden — in den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden der Schulrat und der Landrat im gegenseitigen Einvernehmen, im Regierungsbezirk Darmstadt das Kreisschulamt — den Regierungspräsidenten Vor¬ schläge, nachdem sie die Wünsche der Ortsschulbehörden ge¬ prüft und sich mit den Direktoren der Höheren Schulen des be¬ treffenden Landkreises geeinigt haben. Die Regierungspräsi¬ denten setzen im Benehmen mit den. Obmännern der Höheren Schulen ihres Bezirks für alle Schulgattungen die Sommer- und Herbstferien für die Gemeinden, Kreise oder größeren Bezirke einheitlich fest. Schulfreie Tage wie Gelöbnistage, Jahrmarktstage und sonstige örtliche Feiertage, soweit an solchen traditionsgemäß schulfrei ist, werden auf die Feriendauer angerechnet. Erbach, den 11. Dezember 1950. Kreisschulamt.

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Sonntag, 17. Dezember 1950

Ein Winter-Urlaub in Schnee und Sonne lãßt alle Kümmernisse des Alstags vergessen


Aufnahme: Bavarfa
Aufnahme: Bavarfa

Der Griesheimer Brunnen

ER HÖRTE EINES TAGES AUF ZU SPRUDELN

Vielleicht wissen es die Griesheimer noch, daß sie einmal Kurort gewesen sind. Das ist aber schon sehr lange her, und die Herrlichkeit währte nicht lange.

Im Sommer 1671 herrschte in Hessen=Darmstadt und im angrenzenden Ausland helle Aufregung. Ein Naturereignis war eingetreten, über das im Alsfelder Konventsbuch folgende Eintragung zu lesen steht: „Von Darmstadt wird berichtet, daß vor 14 Tagen umb den Mittag sey bey Griesheim ein heller Knall auf der Erden gehört worden, mit dem zugleich ein starker Dampf aus der Erden getrungen. Als solches die Leut im Feld gesehen, seind sie herzugelauffen, zu vernehmen, was da gewesen. Die haben an dem Ort eine starke Brunnenquell angetroffen. Ein alter Mann, der an einem Schnekel lange Zeit war lahm gewesen, trank davon, der ist davon curirt worden, daß er wider gerad gehen können. Nachgehents sind auch Blinden und andere sehr bresthafte Menschen geheilet worden, also daß nunmehr von allen Orten eine große Menge Patienten sich da befindet. Er führet eine große Sulphurische Fettigkeit bey sich und werden viele curirt."

Es ist also dasselbe Ereignis mit den gleichen Folgen, wie wir sie von anderen Heilquellen her kennen, mit dem Unterschied allerdings, daß der „gute Brunnen", wie er im Volksmund heißt, nach wenigen Jahren schon seine Heilkraft eingebüßt hat. In jenem Jahr 1671 machte die Kunde von ihm schnell die Runde, und man hielt von seiner Heilkraft so viel, daß im November 1671 der Leibarzt Dr. Johannes Tackius auf Veranlassung des Landgrafen ein Buch über den Brunnen schrieb, in dem er sich mit seiner Geschichte und seiner Bedeutung befaßt.

Die Kunde vom Wunderbrunnen zog natürlich eine Menge Menschen an, die sich von seinen Wassern die Heilung erhofften. Tatsächlich sind die Heilerfolge manchmal verblüffend, und die Zahl der Genesenen ist nicht klein. Zum guten Teil aber richtete der Brunnen Unheil an: Leute kamen und tranken das Brunnenwasser in sich hinein, ohne Rücksicht auf ihr körperliches Befinden, mit dem Erfolg, daß Krankheiten auftraten, die sie vorher nie gehabt hatten.

Als dann im Spätsommer des gleichen Jahres die Kinder der Griesheimer Gegend von „giftigen Pocken" befallen wurden, schob man die Schuld daran dem Brunnen zu. Landgraf Ludwig VI. war nicht dieser Ansicht, er verteidigte den Brunnen und ließ eine provisorische Kurverordnung anbringen: Es wurde eine Tafel aufgehängt, die Leute zur Mäßigung gemahnt, der Brunnen eingefaßt und ein Schöpfer angestellt, der den Gästen das Wasser schöpfte.

Diese Maßnahmen blieben nicht ohne Erfolg: der Brunnen stieg wieder im Ansehen, und der Leib’ arzt des Landgrafen kann in seinem Buch über verblüffende Heilungen berichten: „Item es kam ein Mann von Engelsbach zum Brunnen, war 99 Jahr alt, der war taub, er trancke vom Brunnen, und sein Gehör kam ihm wieder, und was ich ihn fragte, darauf antwortete er mir recht, in Gegenwart vieler Brunnengäste. Ein Pfarrherr, den ich eben jetzo nicht nennen mag, doch mir mit Blutfreundschäft verwandt ist, tranck des Wassers, und thäts warm in die Ohren, und bekam sein Gehör wider, so er zwey Jahr lang verloren gehabt."

Nicht nur Ohrenkrankheiten — sie sind als Beispiel angegeben — heilte der Brunnen. Der Leibarzt berichtet von Gicht, Rheuma, „Brustbeschwerungen" und so weiter.

Man rechnete — auch in Fachkreisen — dem Brunnen eine gute Zukunft aus. Es fanden sich bald rührige Geschäftsleute und Wirte, die bereit waren, sich auf ihre Art am Brunnen gesund zu machen. Sie eröffneten Kaqfläden Und Ausschänke.

Sie hatten ihre Hoffnungen zu hoch geschraubt: auf einmal blieb das Wasser aus. Das Jahr ist leider nicht genau bekannt. Erst 1723 wird der Brunnen wieder erwähnt. Damals begann der Brunnen erneut zu sprudeln. Das gleiche Spiel wie bei seinem ersten Auftreten einige Jahrzehnte vörher wiederholte.sich: In Scharen kamen die.Kranken und beschädigten dabei die Grundstücke des Landgrafen und der Griesheimer Bürger, die in der Nähe wohnten. Über diese Periode sind noch einige Schriftstücke der Behörden vorhanden.

Man weiß auch hier nicht genau, wann der Brunnen aufhörte zu existieren. Es kann schon in den zwanziger Jahren der Fall gewesen sein. Jedenfalls wird in einer Beschreibung Griesheims aus dem Jahre 1788 gesagt, daß die Untersuchung des Wassers negativ ausgefallen sei.

Der Griesheimer „gute Brunnen" hatte nicht das Glück, das seine großen Kollegen in unserem mit Heilquellen gottlob gssegneten Land haben: Über hundert Jahre schon sprudeln die drei Fontänen der Nauheimer Quelle in Oberhessen mit unverminderter Heilkraft. G. R.

„Füß wie der Peter Schoffer“

WENN IN GERNSHEIM EINER „MAINBOOTCHEN" AN DEN FÜSSEN TRÄGT

Wer in der Maingegend auffallend große Füße hat, trägt nicht etwa „Schuhe", sondern „Mainbootchen". So nennt man aber auch in vielen Orten rechts und links des Rheins, im Ried und an der Bergstraße besonders große Schuhe. 810ß in Gernsheim am Rhein sagt man nicht „Mainbootchen", aber auch nicht „Mainkähne" und auch nicht „Rheinkähne", wenn man große Füße oder große Schuhe meint. In Gernsheim heißt es vielmehr: „Der hot Füß wie de Peter Schöffer!" Gemeint ist Peter Schöffer, der um 1425 in Gernsheim im sogenannten Schafviertel geborene Mitarbeiter Gutenbergs.

Ob dieser alte Gernsheimer wirklich so auffallend große Füße hatte, wissen wir nicht, wir wissen nur, daß er als Schwiegersohn des reichen Mainzers Fust auf großem Fuß leben konnte. Und wie kam es zu der in Gernsheim und auch rund um Gernsheim so bekannten Redensart? Ganz einfach: Im Jahre 1836 errichtete Gernsheim seinem großen Sohn Peter Schöffer — der vielfach auch „Peter von Gernsheim" genannt wurde — ein sechs Meter hohes Denkmal, an dem die Füße des Geehrten besonders in die Augen fallen. Man hat sie in Augenhöhe, wenn man vor dem Monument steht und hat den Eindruck, daß diese Füße übergroß sind.

Der Darmstädter Bildhauer J. B. Scholl, der das Gernsheimer Schöffer=Denkmal schuf, hätte es sich wohl nicht träumen lassen, daß es wegen der „Mordsfüße" des darauf Verewigten einmal so populär werden und daß die von einem Witzbold um 1836 geprägte Wendung: „Der hot Füß wie de Peter Schöffer!" weit über Gernsheim hinaus ein Begriff werden würde. Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß der Darmstädter Lokaldichter Ernst Elias Niebergall dieser Witzbold war. Niebergall, der fünf Jahre später, 1841, durch seine Posse „Datterich" bekannt wurde, schrieb Anno 1836: „Ich will nix von den Monemente wisse. Ich war in Gernsem, wie se dem Scheffer do ahns gesetzt hawwe. Gott, wann ich noch dro denk! Mer hot gemaant, de Deiwel hett sein Sack mit Mensche ausgeleert gehatt: alles wor der Ihne sindedeier, un for sei Geld hot mer net emol ebbes krije kenne. Mei Frah is mit ahm Schuck haamkumme, un mir hat so 'n Rheinflegel mei Peif aus dem Maul gestoße, da se kabutt gange is. Ahmol bei eme Monement un net mehr." Das könnte von Wolf Schmidt, genannt „Karl Hesselbach", sein, aber es stammt wirklich aus der Feder von Ernst Elias Niebergall. Leider fehlt in dem Schrieb von 1836 der Ausdruck „Füß wie de Peter Schöffer".

Spötter haben übrigens von 1836 an gesagt, Schöffer sei mit den langen Füßen, die ihm Scholl gemacht habe, selbst nicht zufrieden, da er wehleidig auf sie herabsehe. Das war früher stark übertrieben, neuerdings allerdings nifht mehr, da man den bei Kriegsende (1945) abgefallenen Kopf Peter Schöffers so wieder anflickte, daß er noch ein wenig mehr nach unten geneigt ist als früher. Dr. B.

Seppchen, der Ortsdepp

Am Offenheimer Dorfausgang nach Weinheim zu stand sein Elternhaus, wenn man so sagen kann; denn es gehörte ja nicht seiner Familie, sondern war das Gemeindehaus, in dem die Dorfarmen wohnten. Seine Kinderstube lag also in keinem Palast, und die Wohnverhältnisse waren mehr als dürftig: eine Stube, in der gewohnt, gekocht und geschlafen wurde, dazu ein Bett, das er mit seiner Mutter und seinem Bruder teilte.

Als ihn einmal ein Witzbold fragte: „Na, Seppchen, wo schlaft ihr denn?", erwiderte er: „Ei, ich hinten, Philipp in der Mitte und Kätchen vorn auf der Schnepp!" Das Kätchen war seine Mutter, und sein Bruder Philipp pflegte einen Pfeifenkopf ohne Rohr zu rauchen. Die Dorfjugend bewunderte seine Virtuosität, mit der er den heißen Kopf hielt.

Beide Brüder waren in geistiger Beziehung von der Natur sehr stiefmütterlich behandelt worden und hatten sich im Laufe der Jahre zu richtigen Dorfdeppen ausgewachsen, wobei das Seppchen seinen Bruder bei weitem überflügelte. Philipp hatte einmal bei der Bäckersfrau Holz gesägt, und in seinem Eifer merkte er nicht, wie der Bengel durch war, so daß er auch den Sägebock in zwei Teile zerlegte. Auf die Vorhaltungen der Bäckersfrau meinte er stoisch: „Kaputt!"

An einem schönen Junitag nahm der alte Wittmann Seppchen mit in die Heuernte. Der Bauer ging vorauf und wendete das Heu. Als er sich am Ende des Ackers umschaute, bemerkte er zu seinem Schrecken, daß Seppchen die gemähten Schwaden wieder in ihre ursprüngliche Lage zurückgebracht hatte. In Mauchenheim war das Seppchen „dagguff". Er half den Bauern gegen einen geringen Lohn, aber er wollte immer eine Hand voll Geld haben. Als ihm einmal ein Mann ein Markstück für seine Arbeit gab, warf er es weg, weshalb der Arbeitgeber ihn das nächste Mal in Pfennigstücken auszahlte. Jetzt war Seppchen zufrieden und glücklieh, und er klimperte mit seinem Geld in der

Hosentasche, bis er die Hohl herunter nach Hause kam. Am nächsten Tag fragte ihn der Manchem heimer: „Na, Seppchen, was hat denn deine Mutter zu dem vielen Geld gesagt?" — „Ei, welcher Planer hat dir denn das gegeben?" erwiderte er bieder.

Mittwoch und Samstag waren für die beiden Brüder Festtage, denn da hatten sie das unverbriefte Recht, im Dorf Brot zu sammeln, um so dem kärglichen Tisch der Mutter etwas aufzuhelfen. In Bechenheim weilte Seppchen gern. Bei einem solchen Besuch erzählte er: „Meine Mutter ist heute nach Heimersheim, und ich soll das Haus hüten. Da dachte ich: Du gehst ein bißchen nach Bechem heim!" In seinem Tusculum war auch wenig zu bewachen. Wie jeder junge Mann mußte Seppchen natürlich auch zur Musterung. Als er nach Hause kam, berichtete er den fragenden Bauern stolz, was der Stabsarzt gesagt hatte, nämlich: „Seppchen Brand braucht niemals mehr zu kommen!"

Er wäre auch keine Zierde der damaligen Armee geworden. In ihrem Alter fuhr die „ Brande=Josefsen" nach Amerika und ließ ihre Buben zurück. Die Gemeinde mußte die beiden Burschen nach. Heidesheim überführen lassen. Dort ging es ihnen wie dem Vogel aus freier Wildbahn im Käfig: sie starben bald an Heimweh, das Seppchen zuerst. Aber noch heute lebt er in der Erinnerung der Dorfalten weiter. Jo.



Frauen IM STURM DER ZEITEN

VON PETER GRIESENBRUCH

io. Fortsetzung

Die Königin begreift den Sinn der Rufe, wie ihn jeder der stummen Insassen des großen Beratungs» zimmers begreift. Aber nun ist ihr Trotz geweckt. Sich feige zeigen? Lieber sterben! Und nun geht sie allein auf den Balkon, einsam und ohne Schutz tritt sie dem vieltausendköpfigen, tobenden Tier gegen» über.

Plötzlich ist Stille über dem weiten Platz. Man glaubt das Rascheln der niedersinkenden Blätter zu hören. Achttausend Weiber und als Weiber Ver» kleidete schauen atemlos zu dem Balkon hinauf. Der Nachtwind hat die dunklen Regenwolken ver» jagt, die strahlende Herbstsonne beleuchtet hell die Frau dort oben, wie sie einsam steht, schlank, steil und stolz wie immer, der Morgenwind spielt leise mit ihrem leuchtenden Blondhaar — eine sehr schöne Frau und ein sehr tapferer Mensch. Eine lange, eine unvergeßliche, eine nicht enden wollende Minute senken sich die Blicke der einsamen Frau und der unübersehbaren Menge ineinander, ein stummes Spiel der Kräfte — dann hat Marie Antoinette die Achttausend überwunden. „Es lebe die Königin! Es lebe die Königin!" braust es über den Platz, und am lautesten rufen die, die vor wenigen Stunden noch ihren Tod gewünscht haben.

Nach Paris

Marie Antoinette tritt zurück in das Gemach, umringt von ihrer Umgebung, die sie stürmisch beglückwünscht. Der Herzog von Orleans ist nur für einen Augenblick zusammengezuckt, als er die Jubelrufe der Menge — seiner Menge — hörte, aber jetzt verbeugt er sich mit ebenso gleisnerischer Freude über die Hand der Königin wie der Graf von Provence. Der Vetter Marie Antoinettes und ihr Schwager, beide haben in diesem Augenblick eine Schlacht verloren. Aber beide wissen auch, daß dies nur eine Episode war. Der Wagen der Revolution rollt weiter, dem Abgrund zu; und unsichtbar an ihn gefesselt ist bereits das Königspaar.

Niemand weiß dies besser als Marie Antoinette. Während alle Minister und Prinzen ihren Mut preisen, hat sie nun, da die Gefahr vorüber scheint, Tränen in den Augen. „Wünschen Sie mir kein Glück! Ich weiß, wie dies heute noch alles enden wird. Man wird uns zwingen, nach Paris zu ziehen, und die Köpfe unserer Gardisten, auf die Spieße gesteckt, werden uns begleiten."

Sie hat richtig prophezeit. Die Mordgier der Menge scheint für den Augenblick besiegt. Aber unnachgiebig, getreu den Parolen, die sie zusammen mit den Goldstücken empfangen, beharren die An» führer auf der Forderung, das Königspaar müsse nach Paris übersiedeln. Und die Tausende von Ver» führern, in der naiven Vorstellung, wenn der Hof erst in Paris sein wird, werde auch dort wieder Brot hinkommen, folgen den Forderungen der Anführer wie Schafe. Es hat keinen Zweck, zu versuchen, die Belagerung des Schlosses zu sprengen. Der König gibt nach.

So sieht man am Nachmittag des sechsten Oktober den schaurigsten Zug, der sich je auf der großen Straße von Versailles nach Paris bewegt hat. In der Mitte die große sechsspännige Karosse mit dem Königspaar, den Kindern und den Erzieherinnen. Um sie herum noch einige Leibgardisten zu Pferde, denen man gnädig gestattet hat, das Königspaar zu begleiten. Um sie herum aber auch die Reiter» schar der Bürgerwehr, die sich nun ganz den Revo» lutionären angeschlossen hat. Und dann die unüber» sehbare Menge der Weiber, dazwischen Männer mit Spießen, und auf den Spießen die abgeschla» genen Köpfe der Leibgardisten, die in der Nacht gefallen sind. Ganz hinten die Wagen mit Mehl aus dem Schloß. Es wird für ganz Paris nur für Tage reichen. Aber die Weiber sind vergnügt, viele sind auch betrunken, sie rufen den erschreckt am Straßenrand Gaffenden zu: „Wir bringen den Bäcker, die Bäckerin und den kleinen Bäckerjungen."

In eine Ecke gedrückt sitzt Marie Antoinette und sinnt ihren schweren Gedanken nach. Von Zeit zu Zeit erhascht sie durch das Wagenfenster den Blick auf einen der Leibgardisten, der mit strengem und unbewegtem Gesicht neben dem Wagen reitet. Er heißt Graf Axel von Fersen und trägt nur eine geliehene Uniform. Würde man ihn erkennen, würde man wissen, daß sich hier ein verkleideter Freund des Königspaares in seiner Nähe befindet, man

Ein Retter?

3. Juli 1790

würde ihn in Stücke reißen. Er kennt die Gefahr, aber er trotzt ihr. Lieber würde der Graf Fersen sterben, als daß er die Frau, die er liebt, in der Stunde der Gefahr verließe.

In seinem Arbeitszimmer sitzt Charles Maurice von Talleyrand=Perigord, Abgeordneter der Na» tionalversammlung, Wortführer der gemäßigten Linken. Er liest in einem Stapel von Zeitungen die Berichte über die letzte Sitzung des Parlaments nach. Der Abgeordnete Talleyrand hatte selbst nicht anwesend kein können. Die entzückende Frau von Lahaut hatte im versprochen, ihn an diesem Tage zu empfangen, und da war ihm die Versamm» lung lästig gewesen. Nun unterrichtet er sich hinter» her, was gesprochen worden ist. Von Zeit zu Zeit huscht ein spöttisches Lächeln über sein Gesicht. Was für einen unerschöpflichen Vorrat von Phrasen die Leute doch haben! Wann endlich lernen die Herren einmal, wie die Wirklichkeit aussieht? Wenn

diese Versammlung so weiter macht, wird sie noch ihren ganzen Ruf zerstören. Ob es nicht Zeit wird, sich langsam von der Revolution wieder zu ent» fernen?

Da meldet ein Lakai den Besuch des Grafen von Mirabeau, des politischen Freundes von Talleyrand, des größten Redners der Nationalversammlung, des einzigen Abgeordneten zugleich, dem Talley» rand ohne Neidgefühl zugesteht, daß er den Kern der Entwicklung ebenso erkennt wie er selber.

Der Diener hat kaum ausgesprochen, da stürmt schon die mächtige Figur des Grafen herein, die Augen funkeln vor Freude in dem häßlichen, von Blatternarben gezeichneten und doch so kühnen, so bezwingenden Gesicht. Wieviel Frauen und wieviel Männer waren nicht schon erschreckt von diesem Anblick! Und wieviel Frauen und wieviel Männer hat der Graf von Mirabeau nicht schon hingerissen, wenn sie die erste Bestürzung überwunden hatten, wenn sie das Leuchten dieser großen Augen, wenn sie den Zauber dieser wohlklingenden Stimme gespürt hatten.

Heute scheint er feuriger denn je. Mit ausgestreck» ten Händen eilt er Talleyrand entgegen, er findet kaum ein Wort der Begrüßung, er sprudelt hervor: „Ich habe sie gesehen, ich habe sie gesprochen. Ah, die Welt hat keine herrlichere Frau als sie..."

Mit nachsichtigem Lächeln hört Talleyrand dem Überschwang des Freundes zu. „Von welcher Schön» heit haben Sie sich denn wieder verzaubern lassen? Wieder eine Tänzerin von der Oper? Oder sind Sie diesmal in die Regionen der neuen Gesellschaft hineingestiegen? Ich warne Sie, mein Lieber! Die Politik und die Liebe vertragen sich nicht immer miteinander."

Der Graf von Mirabeau macht eine wegwerfende Bewegung. Wie ist es nur möglich, daß ein Mensch, ein Freund nicht ahnen kann, von wem er spricht? „Schweigen Sie doch heute mit Ihren Torheiten! Es ist die Königin, die ich gesprochen habe. Sie hat mir heute morgen eine Audienz gewährt, im Garten des Schlosses, ganz heimlich, damit niemand die Maje» stät und einen Führer der Revolution miteinander sehe. Ach, Talleyrand, hätten Sie sie doch auch ge» sprechen! Sie ist eine sehr schöne Frau und sehr unglücklich..." Für einen Augenblick sinnt er nach, als sehe er noch einmal dies bezaubernd gütige Lächeln in dem ersten Gesicht, über dem ein Hauch von Schwermut liegt. Aber dann fährt er fort, ent» schlossen, mit einer Stimme, die wie Stahl klingt: „Aber ich, Gabriel Honore von Riquetti, Graf von Mirabeau, Freund der Freiheit und Freund der Ordnung, Führer der Revolution und Bewunderer des großen Menschentums, wo immer es sich zeigt — ich werde die Königin retten..."

Der Herr von Talleyrand hat sein Lächeln nicht verloren, nur daß sich jetzt Melancholie darin mischt: „Ich fürchte, Sie werden die Königin nicht retten können, lieber Mirabeau. Marie Antoinette retten, hieße Ludwig retten, und das ist unmöglich. Sehen Sie sich ihn an, sehen Sie seine Umgebung an — diesen Menschen ist nicht zu helfen. Um in solchen Stürmen zu bestehen, muß man ein Mann sein. Ludwig ist König, aber kein Mann." Aber entschieden entgegnet ihm der Frepnd: „Ich weiß wohl, daß der König an seinem ganzen Hofe nur einen einzigen Mann hat — seine Frau. Aber das genügt. Mit ihrer Hilfe werde ich es schaffen. Ich

habe ihr das Bild der Entwicklung der Revolution gezeigt, wie ich es sehe. Ich hatte einmal die Hoff» nung, die Revolution zu mäßigen. Das ist vorbei. Jetzt gibt es nur noch ein Mittel: ihre Ausbrüche, ihren Wahnsinn, ihr Blutvergießen zu beschleuni» gen und damit um so schneller Gegenkräfte zu wecken. Dazu habe ich mich der Königin erboten. Ich werde ihr Ratschläge geben, und sie wird mir ihre Informationen geben.

Sie wissen, daß ich vom Hofe Geld verlangt habe, und ich werde es bekommen: eine Million! Ah, ich stecke bis zum Halse in Schulden, und ich brauche Geld, ich brauche Diener, Bücher, Möbel, Kerzen» schein, Musik, schöne Frauen in schönen Kleidern — ich ersticke sonst. Aber beim Himmel, ich verkaufe mich nicht. Keinen Funken meiner Überzeugung gebe ich preis.

Die Königin hat mir von Fluchtplänen gesprochen. Nach dem Osten will sie mit ihrem Mann, an die deutsche Grenze, dort warten treue Regimenter auf sie. Ich habe sie vor diesem Weg gewarnt. Der König darf nicht zur Grenze; das würde den Ver» dacht erwecken, er wolle ins Ausland. Ein König flieht nicht vor seinem Volke. Er muß am offenen Tage in das Innere des Landes reiten, sich dort an die Spitze seiner Regimenter stellen und dann nach Paris zurückkehren. So wird er die Revolution niederschlagen — wenn er gleichzeitig verkündet, daß er die neue Freiheit nicht zerstören will. Die alten Mißbräuche dürfen nicht wiederkehren.

(Fortsetzung folgt)


Das Königspaar kommt am 6. Oktober 1789 unter starker Bedeckung in Paris an.
Das Königspaar kommt am 6. Oktober 1789 unter starker Bedeckung in Paris an.

VER JÜNGTES PORTUGAL

Seit Oliveira Salazar die Geschichte Portugals bestimmt — es sind inzwischen zwei Jahrzehnte darüber vergangen —, herrschen in diesem Lande Ruhe, Ordnung, Sauberkeit. Es gibt keine politischen Verschwörungen mehr, keine wirt* schaftlichen Skandale, keine Revolten, von denen Portugal früher alle paar Jahre heimgesucht wurde. Wer nach Portugal reist, dem weht schon beim Grenzübertritt eine Luft entgegen, die das Aufwärtsstreben des Landes kennzeichnet. Er hat das Gefühl des Geborgenseins. Man spürt die Rührig= keit der Regierung, die mit allen Mitteln bestrebt war, sich von den Schlacken vergangener, unpro* duktiver Epochen zu reinigen. Portugal ist aufgeblüht, hat sich verjüngt, vor allem auf dem Gebiete der Wirtschaft und des Handels. Die Aufgeschlos* senheit der Regierung gegenüber den europäischen Problemen ist unverkennbar. So hat sie sich auch zur Teilnahme an der Liberalisierung Westeuropas entschlossen. Portugals Beziehungen zu dem spani* sehen Nachbar sind ausgezeichnet.

Die Hauptstadt Lissabon offenbart sich den Fremden immer als eine der saubersten Siedlungen unter der südlichen Sonne. Sie behält auch während der größten Sommerhitze einen frischen Atem, der nicht nur durch die Brise vom Meer erzeugt wird. Dabei ist es gleichgültig, ob man bei einem Bummel in der nach dem Erdbeben von 1755 neu errichteten Unterstadt beginnt, wo die Autos mit echt süd* lichem Lärm dahinbrausen, oder ob man die alten Viertel „oriental" besucht, Alfama, das Armenviertel, oder Bemfica, das traumverlorene. Traumverloren sind eigentlich alle älteren Viertel, obwohl die Innenstadt mit der Gesamtverjüngung des Landes in jeder Hinsicht Schritt gehalten hat. Bemfica macht den Eindruck einer selbständigen Stadt der ver* wunschenen Schlösser. Hier liegen die alten Paläste mit verschwiegenen Gärten und lauschigen Parkanlagen. Manche dieser Gärten sind verwildert, weil es den Besitzern an Mitteln fehlte, sie wieder völlig herzurichten. Alfama bezeichnen die Fremden* führer als Armenviertel. Und doch habe ich selten ein fröhlicheres Völkchen gesehen als die Bewohner dieses Stadtteils, die Männer mit den breiten, schwarzen Hüten und dem Kragenmantel, die Buben barfuß und die Gitarre klimpernd in den Händen, auf den Bordsteinen sitzend — und schließ* lieh die Frauen, nicht ganz so grazil wie ihre spa* nischen Nachbarinnen, aber immer freundlich und natürlich, immer von bezaubernder Liebenswür* digkeit.

Das Leben spielt sich auch in Portugal, wie in allen südlichen Ländern, fast ausschließlich auf der Straße und Gasse ab. An der Küste ist das Wasser das belebende Element. Vom Wasser leben die Fischer und Schiffer. Das Wasser stellt die Verbin* düng mit der großen Welt her, denn Portugal besitzt noch Kolonien, deren Erträge kein geringes Aktivum in der Handelsbilanz bedeuten. So ist die Selbständigkeit Portugals größer, als es der flüchtige Besucher diesem kleinen Land zutrauen möchte. Und der besondere Ehrgeiz Salazars war es, den ausländischen Einfluß nach Möglichkeit zu besei* tigen, der hier einmal groß gewesen ist. Auch darin offenbart sich die Verjüngung. „Estado novo" sagen die Portugiesen, neuer, jüngerer, verjüngter Staat...






Oben; Auch der Hafen von Lissabon, der portugie* sischen Hauptstadt, atmet südliche Buntheit; links: Die Altstadt von Lissabon steigt bergan und sie ist reich an romantischen Winkeln und Plätzen; rechts: ein portugiesischer Fischer löscht seinen Durst aus dem charakteristischen Tonkrug. Aufnahmen: Jung
Oben; Auch der Hafen von Lissabon, der portugie* sischen Hauptstadt, atmet südliche Buntheit; links: Die Altstadt von Lissabon steigt bergan und sie ist reich an romantischen Winkeln und Plätzen; rechts: ein portugiesischer Fischer löscht seinen Durst aus dem charakteristischen Tonkrug. Aufnahmen: Jung

Verlorene Heimat:

Unter Krähenbeißern und Bernsteinfischern

Das Leben auf der Kurischen Nehrung zwischen den Dünen ist nie leicht gewesen. Im Sommer war dieses Land zwar für Fremde ein Paradies, die hier Ruhe und Erholung am Strand suchten. Aber im Winter verödete das weite Gebiet, und die Bewohner mußten sich mühselig durchschlagen. Die Sommersaison dauerte drei Monate, und dann kam eine tote Zeit. Sie war bitter und hart. Um ivieviel härter mag sie heute sein, da die zahlungskräftigen Fremden nicht mehr kommen.

Unfruchtbar ist das Land rings um die Kurische Nehrung. So unfruchtbar, daß nicht einmal die Birken gedeihen, die sonst fast auf jedem Boden wachsen. Hier sterben sie ab, faulen ab, weil das Grundwasser zu hoch steht. Espen und Erlen und mageres Strandgras, Strandhafer schauen gelb aus dem Sand der Dünen heraus, die sich zu wahren Bergen aufwerfen und rücksichtslos über Dörfer und Friedhöfe hinwegbrausen, wenn der Wind geht. Und der Wind geht immer. Die Dünen wandern, und durch starke Anpflanzungen hat man versucht, sie aufzuhalten. Alte Chroniken berichten von versunkenen Dörfern, die der Sand verschlungen hat. Der Kampf gegen diese Naturgewalten währt seit Jahrhunderten.

Hier wohnen die Nehrungsfischer, die nebenher auf den Krähenfang gehen oder im Meer nach Bernstein suchen. Nur wenn das Haff zugefroren ist, können die Männer der Nehrung im Winter fischen — unter dem Eise her, aber wenn die Eisdecke früh aufbricht und die Schollen nicht weichen wollen, dann müssen die Netze ruhen oder das Treibeis reißt sie ins Meer. Und was dann? Dann kommt die graue Not. Auf den Krähenfang gehen die Fischer in der Zugzeit, am liebsten im Herbst, weil die Krähe dann rund und fettgefressen ist. Aber die Not treibt auch zu anderen Zeiten zum Krähenfang. Mit Fangnetz, Lockkrähen und kleinen Fischködern gehen die „Krajenbieter" hinaus vor die Dünen und stellen ihre Netze auf. Mitten im Gelände steht die Fanghütte, in der der „Jäger" den Krähenflug beobachtet, um im geeigneten Augenblick das Netz zuzuschlagen. Nicht immer ist der Fang lohnend, aber es kommt vor, daß an einem Tag bis zu 180 Stück ins Netz gehen. Die Krähe wird in der Suppe gekocht wie ein Huhn. Im Herbst pökelt sie der „Krajenbieter" wie Fische ein, und das ist dann sein Wintervorrat. Seinen Namen hat dieser Mann seit Jahrhunderten von dem Biß, mit dem er die Krähe in die Halsschlagader tötet. Das soll der schnellste und schmerzloseste Tod sein.

Eine angenehmere Beschäftigung ist die Bernsteinfischerei. Die Hauptgewinnungsstätten liegen eigentlich im Samland, bei Königsberg. Sowohl das Bernsteinfischen wie der Tagbau sind dort zu Hause. Aber Bernstein wird weiter die ganze Nehrung entlang bis an die Süderspitze bei Sandkrug gefischt. Der Bernsteinfischer macht sich am liebsten nach einem schweren Sturm auf, wenn die See bis in die Tiefen aufgewühlt und der Tang leicht zu fassen ist. Mit dem Kescher und den langen Wasserstiefeln oder auch mit dem Boot ziehen die Fischer dann hinaus und stechen nach dem Gold des Meeres. Der Tang wird haufenweise an den Strand befördert und dort sorgfältig durchsucht.

Das ist die Kurische Nehrung, das Land der Gegensätze, der armseligen Einöden und der unfaßbarsten Schönheiten, bewohnt von einem zähen Geschlecht, das sich seiner Haut gegen Naturgewalten aller Art wehren muß und das doch nicht weicht, weil es dieses Land liebt und fast vor Heimweh stirbt, wenn es von der Scholle vertrieben wird!


Oben: Krähenfänger mit der Lockkrähe; Mitte: Der „Krajenbieter" (Krähenbeißer), der die Krähe durch einen Biß in die Halsschlagader tötet; unten: Die Bernsteinfischer sortieren ihre Beute; links: Diese Männer fischen im Meer nach Bernstein. Aufnahmen: Jung
Oben: Krähenfänger mit der Lockkrähe; Mitte: Der „Krajenbieter" (Krähenbeißer), der die Krähe durch einen Biß in die Halsschlagader tötet; unten: Die Bernsteinfischer sortieren ihre Beute; links: Diese Männer fischen im Meer nach Bernstein. Aufnahmen: Jung






§ Der Rechtsberater hat das Wort

Ist Steuererlaß mglich?

NUR BILLIGKEITSGRÜNDE KÖNNEN IM ALLGEMEINEN DAZU FÜHREN

Wenn zu befürchten ist, daß ein Betrieb durch Steuerlasten in seiner Existenz bedroht wird, kann die Steuerbehörde neben der Stundung besonders durch Erlaß fälliger Steuern den beson* deren Notstand berücksichtigen. Auf einen Steuer* erlaß hat der Pflichtige keinen Rechtsanspruch. Lediglich Billigkeitsgründe können zum Erlaß füh* ren. Die Steuerpraxis der Finanzverwaltung läßt einen solchen Erlaß aus Billigkeitsgründen nur als Ausnahmefall zu, wenn die Ablehnung eines sol* chen Antrags dem Gewerbetreibenden oder Land* wirt eine erhebliche Gefährdung der Fortführung des landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebs bringen würde. Bei allen Steuerpflichtigen liegt ein Grund zu einem Billigkeitserlaß dann vor, wenn infolge der Ablehnung des Antrags der notwendige Lebensunterhalt, sei es dauernd oder auf Zeit, nicht gesichert ist.

Die Gleichmäßigkeit der Besteuerung muß ge* wahrt bleiben. D. h. bei Personen gleicher Einkorn* mens* und Vermögensverhältnisse darf durch den Steuererlaß keine offensichtliche Bevorzugung ein* treten. Der Erlaß dient nur zum Ausgleich unbilliger Härten. Wer sich durch die Einziehung von Steuern in seiner Existenz bedroht fühlt, der stelle einen Erlaßantrag. Dieser Antrag kann sich außer auf Bundessteuern auch auf Landes*, Real* und Ge* meindesteuern beziehen. Aber auch Erzwingungs* gelder, Zinsen, Zuschläge und Kosten können er» lassen werden.

Mit dem Erlaßausspruch verzichtet der Steuer* gläubiger auf die Steuer. Mit der Bekanntgabe des Erlasses an den Steuerschuldner wird er rechts* wirksam. Nicht zu verwechseln ist der Erlaß mit der Niederschlagung von Steuern. Eine Nieder* schlagung wird dann ausgesprochen, wenn die Kosten der Beitreibung in keinem Verhältnis zu dem beizutreibenden Steuerbetrag stehen, oder wenn der Beitreibung voraussichtlich kein Erfolg beschieden sein wird. Die Niederschlagung ist kein Verzicht, da der Steueranspruch nach wie vor zu erfüllen ist. Die Niederschlagung ist lediglich der interne, vorläufige Schlußstrich. Der Steueranspruch soll vorerst nicht beigetrieben werden. Der Schuld* ner erhält keine Nachricht von der Niederschlagung. Bessert sich die Lage des Schuldners, so kann der Anspruch, solange er nicht verjährt ist, jederzeit wieder geltend gemacht werden. Handelt es sich um den Erlaß eines größeren Betrages, so ist zweck* mäßigerweise mit dem Antrag ein Status der Liqui* dität vorzulegen. Besonderen Wert soll der Steuer* Schuldner auf die Erläuterung über den vermut* liehen Eingang der Außenstände legen. Der Pflich» tige muß, besonders in größeren Fällen, damit reell» nen, daß seine Liquidität im Rahmen einer Betriebs* prüfung von der Finanzverwaltung ermittelt wird. Dabei wird besonderer Wert auf die Ausschöpfung aller zulässigen Kreditmöglichkeiten gelegt. Ferner wird untersucht, ob der Betrieb alle Vorkehrungen getroffen hat, um seine Ausgaben zu drosseln und die Einnahmen zu steigern. Die behauptete wirt* schaftliche Notlage des Steuerpflichtigen muß im Einklang mit seinen Privatentnahmen und seiner privaten Lebensführung stehen. Spesenkonto und Gehaltslisten liefern die Maßstäbe für die Grenzen des zulässigen Aufwands. Natürlich verlangt eine solche Prüfung zur Ermittlung der wirtschaftlichen Verhältnisse ein besonderes wirtschaftliches Ein* fühlungsvermögen des Betriebsprüfers. Die Finanz* Verwaltung setzt zu diesen Aufgaben nur ihre besten Kräfte ein.

Grundsätzlich wird erst nach rechtskräftiger Fest* Stellung der Steuern über den Erlaßantrag ent* schieden. Wenn sich aber im voraus die Einziehung einer Steuer als unbillig erweisen würde, dann kann ein Erlaß bereits vor Eintritt der Rechtskraft aus» gesprochen werden. Das ist aber ein seltener Aus* nahmefall.

Die Finanzverwaltung kombiniert oft die Moda* litäten der Stundung und des Erlasses, um wenig* stens einen Teil der Steuern hereinzubekommen und auf der anderen Seite die pünktliche Einhaltung der festgesetzten Raten durch einen späteren Teil* Erlaß eines Restbetrages zu belohnen. Bei außer* gerichtlichen Vergleichsverfahren wird das Ent* gegenkommen der Finanzverwaltung durch Erlaß rückständiger Steuern sich meist in demselben Rah* men bewegen, wie die Vergleichsbereitschäft der übrigen privaten Gläubiger. Voraussetzung ist aber, daß durch dieses Entgegenkommen die an sich bedrohte Existenz des Betriebes erhalten bleibt.

Eine Ausnahme ist aber besonders zu beachten: Die einbehaltene Lohnsteuer darf grundsätzlich nicht erlassen werden. Das gleiche gilt für die So* forthilfeabgabe. Ist sie doch eine Vorauszahlung auf den endgültigen Lastenausgleich. Ein Erlaß ist aber grundsätzlich nur bei endgültig festgesetzten Steueransprüchen zulässig.

Die Erlaßanträge sind zweckmäßigerweise bei dem zuständigen Finanzamt einzureichen, selbst wenn mit Rücksicht auf die Höhe des Betrages die Oberfinanzdirektion oder der Finanzminister zur Entscheidung berufen sind, da das Finanzamt seine gutachtliche Stellungnahme vor der Weiterleitung an die höhere Instanz beifügen muß. Wenn ein Er* laßantrag abgelehnt wird, dann ist als Rechtsbehelf die Beschwerde an die Aufsichtsbehörde möglich. Dr. St.

Der Vorrang des Mietvertrages

Der Steinmetz L. hat eine leerstehende Halle auf die Dauer von fünf Jahren gemietet. Nach drei* jährigem Lauf des Mietvertrages wird die Halle von dem bisherigen Besitzer an einen Fabrikanten verkauft. Sofort nach Abschluß des Kaufvertrags kündigt der neue Besitzer dem Steinmetz zum Ende des laufenden Jahres. Dieser lehnt die Kündigung ab und beruft sich auf seinen Mietvertrag, der über den Kündigungstermin hinaus noch etwa ein Jahr Laufzeit hat. Während des Ablaufs der Räumung** klage, die bei einem Amtsgericht anhängig ge* worden ist, muß sich der Fabrikant belehren lassen, daß er im Unrecht ist.

Im Paragraph 571 BGB. ist bestimmt: „Wird das vermietete Grundstück nach der Überlassung an den Mieter von dem Vermieter an einen Dritten veräußert, tritt der Erwerber an Stelle des Ver* mieters in die. sich während der Dauer seines Eigen* tums aus dem Mietverhältnis ergebenden Rechte und Verpflichtungen ein." Diese Bestimmung kann nicht durch eine Vereinbarung zwischen Erwerber und Vermieter insoweit geändert werden, als da* durch die Rechtsverhältnisse gegenüber dem Mieter beeinflußt werden. Allerdings kann der neue Eigen* tümer von dem Recht einer Kündigung Gebrauch machen, wenn sich der frühere Eigentümer für besondere Fälle ein solches Recht Vorbehalten hat.

Aus dieser Rechtslage ergibt sich, daß der Stein* metz das Recht des vertragsmäßigen Gebrauchs für die Dauer der Mietzeit auch dann behält, wenn das Eigentum an der Halle während des Mietvertrags an den Fabrikanten übergeht. Erfüllt der Fabrikant diese Verpflichtungen nicht, dann haftet auch der Vermieter für den von dem Erwerber zu ersetzenden Schaden wie ein Bürge, der auf die Einrede der Vor» ausklage verzichtet hat. Der Steinmetz kann also gegebenenfalls wählen, ob er den Vermieter oder den Fabrikanten für evtl, entstandenen Schaden in Anspruch nehmen will. r.

Der Meistersohn

Im Betriebe des Schreinermeisters Sch. ist auch sein Sohn tätig. Dieser arbeitet vorerst als Geselle, soll aber später das Geschäft übernehmen und fortführen. Die zuständige Krankenkasse verlangt die Anmeldung des Sohnes bei ihr, da dieser wöchentlich einen bestimmten Lohn erhalte und somit als Arbeitnehmer der Versicherungspflicht in der Krankenversicherung unterliege. Der Schreiner» meister lehnt die Anmeldung ab und beantragt die Entscheidung des Versicherungsamts M.

Das Versicherungsamt hat die Versicherungs» pflicht verneint und seine Entscheidung wie folgt begründet: „Nach § 165 der Reichsversicherungs=Ordnung ist Voraussetzung für die Versicherungs» pflicht, daß eine Beschäftigung gegen Entgelt vor» liegt. Dabei ist es aber nicht angängig, die ethischen Gesichtspunkte, die sich aus dem Verwandtschafts» Verhältnis zwischen dem Schreinermeister und sei» nem Sohn ergeben, außer acht zu lassen. Das frühere Reichsversicherungsamt hat in ständiger Rechtsprechung von den besonderen Verhältnissen im Handwerk ausgehend, den Begriff des ,Meister» sohnes' geprägt und diesen für versicherungsfrei in der Krankenversicherung erklärt." r.

Sprechstunde des Hausarztes

Kampf der Zahnkaries!

NEUE WEGE ZUR VERHÜTUNG DES GEBISSVERFALLS

I Jie gewaltige Zunahme des Gebißverfalls, die “'Zahnkaries (Zahnfäule), die Paradentosen und die Kiefernverkümmerung mit Stellungsunregel* mäßigkeiten der Zähne umfaßt, gab in allen Kultur* staaten Anlaß, Forschung und Praxis in den Dienst der Ursachenaufklärung und Bekämpfung dieser Krankheiten zu stellen. Die weiteste Verbreitung fand die Zahnkaries, die gegenwärtig 95 Prozent aller Menschen des europäisch*amerikanischen Kul« turkreises befällt.

Die Vertreter der Medizin früherer Epochen waren emsig am Werke, die Geheimnisse der Ent» stehungsbedingungen der Zahnkaries zu enthüllen. Erst mit Hilfe naturwissenschaftlicher Fortschritte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es 1884 W. D. Miller, Prof, der Zahnheilkunde in Berlin, die Natur der Zahnkaries aufzuklären. Es handelt sich um einen chemisch=parasitären Vorgang, bestehend in Entkalkung (Erweichung) des Gewebes und beim Zahnbein (Dentin) in Auflösung des er* weichten Rückstandes. Untersuchungen der letzten Jahre über die Zahnkaries hemmende und fördernde Faktoren haben zu Ergebnissen geführt, die eine wirkungsvolle Bekämpfung dieser Krankheit durch vorbeugende Maßnahmen gestatten.

Neben naturgemäßer, gemüse* und obstreicher, derber Kost ist eine regelmäßige, abends und mor* gens vorgenommene Zahn* und Mundpflege ein weiteres Mittel zur Vorbeugung der Zahnkaries. Forschungen in USA haben in der letzten Zeit ein neues Mittel in den Dienst der Zahnpflege gestellt. Die Feststellung, daß eine enge Beziehung zwischen dem Kohlehydratgenuß und dem Auftreten von Acidophilusbakterien (Lactobacillus acidophilus), die dank einem zuckerbildenden Enzymsystem Gärungssäuren bilden und so den kariösen Prozeß einleiten und unterhalten, im Munde besteht, gab Veranlassung, durch Versuche Stoffe zu ermitteln, die diese Bakterientätigkeit hemmen und die Säure* bildung neutralisieren. Dr. R. G. Kesel (Universität Illinois) nebst Mitarbeitern gelang es durch Zusatz von zweibasischem Ammoniumphosphat und Harn* Stoff (Carbamid) kariesverhütende Zahnpasten und Zahnpulver zu entwickeln. Die 5 Monate lange An* Wendung von zweibasischem Ammoniumphosphat (morgens und abends) als Zahnpflegemittel führte zu einem starken Rückgang der Acidophilusbak* terien. Außerdem wurde kaum mehr Zahnstein oder Belag an den Zähnen festgestellt, so berichtet die Universitätszahnklinik in Illionis. Auch Dr. Th. Lammers vom hygienischen Institut der Univer* sität Mainz stellte fest, daß bei Zusatz der Kesel* sehen Kombination eine Herabsetzung der Acido* philusbakterien erfolgt. Nicht nur in USA, sondern auch in Deutschland werden Ammonium und Harn* Stoff enthaltende Zahnpflegemittel mit Lizenz der Univer^ity of Illinois Foundation hergestellt. Selbstverständlich sind Ammonium und Harn* Stoff enthaltende Zahnpasten keine Allheilmit* tel. Wohl aber sind sie wegen ihrer bakterien* verhütenden und säureneutralisierenden Wirkung bei regelmäßiger Anwendung ein bedeutsamer Fak* tor im Rahmen der übrigen vorbeugenden Maß* nahmen wie zweckmäßige Ernährung und natür* liehe Lebensweise.

Aufgabe einer zukünftigen Forschung ist es, an Hand jahrelanger Beobachtungen den Nachweis zu führen, inwieweit eine planmäßige Zahnpflege mit Ammonium und Harnstoff enthaltenden Präparaten dem Zahnzerfäll vorbeugt. Dr. Franciscus.

Im Kinderland

Evchen wandert durch den nächtlichen Weihnachtshimmel

Klein Evchen liegt schon in ihrem Bettchen. Der Nikolaustag hatte doch das kleine Gemiit stark erregt Noch immer klangen ihr die Worte des alten Nikolaus in den Ohren, als er mit polternden Schritten und tiefer Stimme zur Tür hereintrat und sagte: „Von drauß vom Walde komm’ ich her, ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr." Eben tritt die Mutti noch einmal an Evchens Bett, streicht ihr über die heißen, roten Bäckchen und gibt ihr einen lieben Kuß. Das Nachtgebet war schon kaum vernehmbar. Mutti schließt leise die Tür, und schon ist die Kleine eingeschlafen. Da traten zwei Traumenglein leise an das Bettchen, heben Klein Evchen heraus, setzen es auf einen goldenen Schlitten und heißa juchhei Se,nt es hinauf in den Weihnachtshimmel. Ein großes, goldenes Tor öffnet sich und der Nikolaus in seinem scharlachroten, mit weißem Pelz verzierten Mantel nickt Evchen freundlich zu. Die Englein nehmen es nun in die Mitte, und vor ihm liegt die glitzernde Herrlichkeit. Zuerst stehen große und kleine Tannenbäume mit vielen Lichtlein und prächtig leuchtenden, bunten Kugeln am Weg. Engelsgeläut und feine, silberhelle Glockenstimmen vereinen sich in schönster Harmonie. Nun kommen sie in den Spielzeughimmel, und Evchen hat gar nicht Augen genug, um all diese schönen Spielsachen zu erfassen. Groß und sehnsüchtig schauten die Augen auf das niedliche, kleine Bärchen, welches so possierlidi tanzt.

Ach und erst die kleine Mamapuppe in der himmelblauen Wiege — wie schön ist sie. Ein Seufzer entfährt Klein Evchen und leise legt St. Nikolaus Puppe und Bärchen auf den goldenen Schlitten, den er hinter sich herzieht. Lustig trippelt Evchen zwischen den Englein weiter und steht nun in der großen Weihnachtsbäckerei. Welch köstlicher Duft entströmt diesem mit Honigkuchen, Schokoladenherzen, Marzipan und Nüssen gefüllten Raum.

Unzählige Englein laufen eilig mit Kuchenblechen umher, andere wieder sind damit beschäftigt, all die Süßigkeiten mit buntem Zucker zu bestreuen und Sprüchlein und Namen aufzuspritzen. Ein großer Kuchenteigberg wartet noch darauf, verarbeitet zu werden. Alle haben in der Weihnachtsbäckerei volb auf zu tun, um dem Christkindlein alles pünktlich für den Heiligen Abend abzuliefern.

Jetzt tut sich das letzte goldene Tor auf. Klein Evchen schließt für einen Augenblick die Äuglein, so geblendet ist es von dem Glanz des großen, goldenen Saales. Auf einem glitzernden Thron von tausenden Sternlein sitzt das Christkind und lächelt Evchen freundlich und mild entgegen. Neben dem Christkind steht der alte Knecht Ruprecht und verteilt die großen und kleinen Pakete auf große Schlitten, die ihm die Englein bringen.

Klein Evchen läuft auf das Christkind zu, macht einen tiefen Knicks und singt mit feinem Stimmchen „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all". Liebevoll nimmt das Christkind die Kleine in den Arm, gibt ihr einen Kuß und schenkt ihr ein großes Schokoladenherz, die Puppe, das Bärchen und ein kleines Tannenbäumchen. Glückstrahlend bedankt sich Evchen und verspricht, immer brav und fromm zu bleiben.

Dann setzten die Englein Evchen wieder auf den goldenen Schlitten, hüllen es fest in eine warme Decke, und rasch geht es zur Erde zurück.

Mit einem heftigen Ruck wacht Klein Evchen in seinem Bettchen auf und reibt sich die Äuglein. Ihm ist, als hörte es noch die Stimme des Nikolaus im Nebenzimmer. Wie aber staunte es, als am Heiligen Abend all die Herrlichkeiten, die ihm das Christkindlein im Weihnachtshimmel geschenkt hatte, unter dem Weihnachtsbaum liegen. G. K.

Kleine Bastel-Freuden

Hei! Vier kleine Zwergenkerlchen — Kulleraugen blaue Perlchen, Weiße Watte Bart und Haar, Und der Leib Radieschen gar! —

Haben sich hier bei dem runden Apfelzwerglein eingefunden. In der Wiege hin und her Schaukelt sich aus Wolle wer,

Möchte gern die Zwerglein streicheln — Neben drüben steht aus Eicheln Hergestelltes Waldgetier Und beguckt das alles hier. —

„All' ihr Mädchen, all’ ihr Knaben! Wollt ihr schönes Spielzeug haben". Sagt der dicke Apfelzwerg, „Bastelt selbst und geht ans Werk!"



Jugendlicher Weihnachtsbaum

Ende Dezember 1804 schrieb Marie Helene von Kügelgen, die Mutter des Malers Wilhelm von Kügelgen aus Rhens bei Koblenz: „Die Weihnachtstage habe ich recht froh verlebt. Ich machte einen hohen Fichtenbaum mit tausend kleinen Lichterchen, der ganz voll Reinetten und anderer schöner Sachen hing... Ein solcher Baum ist hier eine neue Erscheinung. Alt und jung liefen zusammen."

Der Ausschnitt des Briefes beweist, daß der weihnachtliche Lichterbaum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts am Rhein noch völlig unbekannt war. In Köln kannte man ihn 1825 noch nicht, und am Niederrhein ist er erst seit einigen Jahrzehnten zu Hause. Überhaupt nachweisbar ist unser WeiM nachtsbaum erst seit dem siebzehnten Jahrhundert, als er im Elsaß zum erstenmal auftauchte.

Bis weit über das Mittelalter hinaus blieb das Weihnachtsfest ein rein kirchliches Fest. In den bäuerlichen Gegenden des Rheinlandes war es das noch bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein. Man feierte das Fest mit dem Besuch der Christmette und einem Brauch, der sich das „Wiegen des Christkindleins" nannte.

Ursprünglich wurden im Rheinland die Kinder am Tlikolaustag beschenkt, die Erwachsenen aber am Abend vor Neujahr. Diese Sitte findet sich heute noch teilweise am Niederrhein. Erst Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ist auch von Weihnachtsgeschenken für die Kinder die Rede, und es dauert noch Jahrzehnte, bis sich das häusliche Weihnachts* fest aus vornehmen Kreisen in die einfachen Kreise des Volkes durchsetzte.

Die Geburt des Herrn, unser Weihnachten, wurde 345 zum erstenmal auf den 25. Dezember festgelegt, und die Mainzer Synode stellt das Weihnachtsfest 813 für ganz Deutschland sicher. Aber erst eine langsame Entwicklung läßt das Weihnachtsfest in den Kreis der deutschen Volksfeste eingchen. Wenige wissen, wie jung unser Fest eigentlich ist, das man am Rhein mit Äpfeln und Nüssen und gebackenen Reitern, Tieren und Weckmännern feierte. G. R.

Wer lacht mit?

Der Hinserhalt

„Liebling", sagte die Ehefrau zu ihrem Gatten, „sitzt mein Hut gerade?"

„Ja doch", erwidert er, „beeil dich, wir kommen ohnehin zu spät ins Theater!"

„Dann tut es mir leid", meint die Frau, „aber da muß ich nochmal umkehren. Dieser Hut muß nämlieh schief sitzen!"

Scharfschießen

„Woher nehmen Sie das viele Geld", fragte man einen Filmproduzenten in Hollywood, „um die zehntausend Komparsen bei ihren Wildwest=Fi!men zu bezahlen?"

„Das ist nur am ersten Tag so teuer", anwortet der Produzent, „das wird später billiger. Wir benutzen nämlich scharfe Munition."

„Wenn mir der Robert die fünf Mark nicht bringt, sitze ich vollkommen auf dem Trocknen."



Blöde Frage

An der Turmuhr lehnt eine Leiter und ein Arheiter schickt sich an, zum großen Zeiger hinaufzuklettern und trägt in der Hand einen Werkzeugkästen.

„Nanu?" klopft ihm ein Passant auf aie Schulter, „ist etwas mit der Uhr nicht in Ordnung?"

„Nein", knurrt der Arbeiter, „ich bin nur kurzsichtig."

Eßstäbchen

Nur ein Drittel aller Menschen ißt mit Messer und Gabel. Ein zweites Drittel gebraucht die bloßen Finger, das dritte Drittel aber ißt mit Stäbchen.

Wenn die Ostzone lacht...

Angeblich haben die Russen alle großen Erfindungen gemacht: elektrisches Licht und Radio, Flugzeug und Eisenbahn. Natürlich waren auch die ersten Menschen Russen. Warum? Adam und Eva gingen nackt, nährten sich von gestohlenen Äpfeln und lebten im „Paradies".

Ein Spätheimkehrer bittet seinen Freund, einen hohen Funktionär in der SED, um Vermittlung einer guten Stellung. „Kleinigkeit, willst du Werk=Schutzleiter machen? 1400 Mark im Monat." — „Ja, aber, ob ich das so ohne weiteres kann?" — „Na, dann Treuhänder, 800 Mark im Monat." —

„Das traue ich mir nicht so recht zu. Am liebsten wäre mir so was wie kaufmännischer Angestellter mit drei=, vierhundert Mark monatlich." — „Ach, solche Stellen gibt's in Massen — aber da mußt du was gelernt haben!"

Im Hafen von Stettin steht einer am Wasser und guckt nach Osten, jeden Tag, Woche für Woche. Eines Tages fragt ihn ein russischer Offizier: „Was du hier gucken?" — „Ich gucke nach den Schiffen aus der großen Sowjetunion, die das russische Getreide bringen sollen." ’ — „Du nicht hier gucken, du gucken in die Zeitung!" klärt ihn der Russe auf.

Zwei Ostberliner stehen vor einer Wand mit der Aufschrift: „go home". „Was heißt das?" fragt der eine. „Das ist Englisch", antwortet der andere, „und heißt: Schert euch nach Hause!" „So ein Blödsinn", meint der erste, „die Russen können doch gar nicht Englisch."

In Herrn Eislers ostzonalem Informationsministerium werden Bewerber geprüft. „Wieviel ist zwei und zwei?" fragt man den ersten. „Zwei und zwei ist vier", anwortet der. — „Reaktionär. — Sie können gehen." Der nächste antwortet: „Zwei und zwei — das ist eine Leistungssteigerung von mindestens 345,7 Prozent." — „Ausgezeichnet, Sie sind angestellt."

Eislers Informationsministerium hat zum Dichten von volksnahen politischen Schlagertexten aufgerufen. Der Volksmund in Ostberlin schlug vor: „Komm in meinen Traktor, o Maria" — „Wenn der alte Hausobmann Selbstkritik übt" — „Erfüll mit mir dein Plansoll in Liebe" — „Wenn zum Schulungsabend leis die Sirene ruft".

Wilhelm Pieck besucht die Nervenklinik der Universität Leipzig. Er betritt einen Saal und wird von den Insassen begeistert gefeiert. Nachdem er gedankt hat, fragt er einen unbeteiligt in der Ecke stehenden Mann, warum er die Ovationen nicht mitgemacht habe. Sagt der: „Ich bin doch der Wärter!"

Blick in die Welt

Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung


Ceneral Doudas Mac Arthur mit General Walker (links) und Coulter (rechts) in Winterkleidung auf
Ceneral Doudas Mac Arthur mit General Walker (links) und Coulter (rechts) in Winterkleidung auf

Das neue Gebäude der UN im Zentrum von Neuyork zum ersten Male durch die einprägsamen Buchstaben beleuchtet, deren Träger die Hoffnung der Welt sind und auf die alle blicken
Das neue Gebäude der UN im Zentrum von Neuyork zum ersten Male durch die einprägsamen Buchstaben beleuchtet, deren Träger die Hoffnung der Welt sind und auf die alle blicken

Amerikanische Offiziere der Frankfurter Military Post erhalten jetzt Deutsch=Unterricht
Amerikanische Offiziere der Frankfurter Military Post erhalten jetzt Deutsch=Unterricht

Der indische stellvertretende Außenminister, Dr. Keskar, besuchte Bundespräsident Prof. Dr. Heuss
Der indische stellvertretende Außenminister, Dr. Keskar, besuchte Bundespräsident Prof. Dr. Heuss

Auf der Frankfurter Geflügelausstellung, die mit 8000 Tieren aus Westdeutschland beschickt war, errangen zwei Hähne, ein Brahma-Dunkel (links) und ein Bantam=Sdiwarz (rechts) Ehrenpreise.
Auf der Frankfurter Geflügelausstellung, die mit 8000 Tieren aus Westdeutschland beschickt war, errangen zwei Hähne, ein Brahma-Dunkel (links) und ein Bantam=Sdiwarz (rechts) Ehrenpreise.

Die Quäker=Mitglieder des Frankfurter Nachbar* schaftsheimes helfen beim Aufbau eines Hauses; die Hilfe ist international: ein Amerikaner, ein Engländer, eine Ungarin, Deutsche und Inder. Aufnahmen: UP/dpa
Die Quäker=Mitglieder des Frankfurter Nachbar* schaftsheimes helfen beim Aufbau eines Hauses; die Hilfe ist international: ein Amerikaner, ein Engländer, eine Ungarin, Deutsche und Inder. Aufnahmen: UP/dpa

AUS DEM INHALT: „Füß wie der Peter Schöffer" Seite 2 Frauen im Sturm der Zeiten Seite 3 Verjüngtes Portugal Seite 4 Krähenbeißer und Bernsteinfischer Seite 5 Ist Steuererlaß möglich? Seite 6 Blick in die Welt Seite 8