Senkung der Kohlenausfuhr?
Verringerung der Dezemberquote um 500 000 Tonnen wahrscheinlich
Frankfurt, 12. Dezember, (dpa) Ein Sprecher des amerikanischen Oberkommissariats äußerte am Dienstag in Frankfurt, die weltpolitische Lage zwinge praktisch die Alliierten in der Frage des Kohlenproblems zumindest teilweise nachzugeben.
Der amerikanische Sprecher deutete an, daß die Oberkommission der Bundesregierung bei ihrem Wunsch, die Kohlenexportverpflichtungen für Dezember um 500 000 Tonnen von 2,27 auf 1,77 Millionen Tonnen herabzusetzen, entgegenkommen wolle. Das würde bedeuten, daß sie bei der Ruhrbehörde auf einen Kompromiß hin wirkt.
Man könne auch die Forderung, die deutsche Kohleförderung in der ersten Januarhälfte nur für die deutsche Wirtschaft zu verwenden, annehmen, wenn die für das erste Quartal 1951 festgesetzte Exportquote von 6,8 Millionen Tonnen eingehalten werde. Eine Revision dieser Exportquote dürfe jedoch unter den gegenwärtigen Voraussetzungen nicht erwartet werden.
Falls der Bundesregierung aber entgegengekommen werde, erwarteten die Alliierten, daß sich die zuständigen deutschen Stellen wirklich durch eigene Maßnahmen bemühen, die Kohlesituation zu bessern.
Butter wird teurer
Bonn, 12. Dezember. Das Kabinett beschloß, den Saisonabschlag vom Butterpreis mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Das Kilo Butter kostet demnach im Einzelhandel wieder 5,84 DM gegenüber 5,40 DM im Sommer.
Staatssekretär Sonnemann teilte mit, daß durch erhöhten Schweineauftrieb im Inland und verstärkte Einfuhr die Schweinepreise in den letzten zehn Tagen um etwa 25 Prozent gefallen seien.
Hochofen Nr.5
Bonn, 12. Dezember, (dpa) Dr. Adenauer hat den Oberkommissaren neue Vorschläge über die Zukunft Watenstedt-Salzgitters gemacht, die auf dem Petersberg gegenwärtig „wohlwollend“ geprüft werden.
Die Weihnachtsgratisfikationen
Wenig Aussicht auf eine Freigabe von 200 DM
Bonn, 12. Dezember, (dpa) Dem Gesetzentwurf des Bundestags über eine Erhöhung der steuerlichen Freigrenze für Weihnachtsgratifikationen auf 200 DM werden von Bundesratsmitgliedern nur wenig Chancen gegeben, da der Steuerausfall für die Länder rund 40 Millionen Mark ausmachen würde.
Der Bundesrat wird am Freitag seine Entscheidung treffen.
Neue nordskoreanische Verbände
Geben die Chinesen die Initiative wieder an Nordkorea ab?
Söul, 12. Dezember. (AP./Bpa) Die Streitkräfte der Vereinten Nationen haben jetzt fast ganz Nordkorea den chinesisch-nordkoreanischen Kommunisten überlassen.
Im Nordwesten hat sich die Hauptmacht der achten Armee südlich des 38. Breitengrades zurückgezogen. In Nordostkorea hat die Front mit Ausnahme des Brückenkopfes Hamhung-Hungnam zu bestehen aufgehört. Durch die Absetzbewegungen der achten Armee ist die Gefahr der Einkesselung vorerst abgewendet und die offene rechte Flanke der UN-Streitkräfte nach Mittel-Nordostkorea hin beseitigt.
Den UN-Truppen standen nach bisherigen Meldungen, in denen keine genauen Angaben über den Kampfraum gemacht werden, keine chinesischen Truppen, son- dern neu formierte nordkoreanische Verbände gegenüber.
Frontberichten zufolge zieht der Gegner im mittleren Teil der Halbinsel südlich von K o k s a n neue Verbände zusammen.
Südkorea fordert Atombombe
Söul, 12. Dezember. (AP.) Der südkoreanische Verteidigungsminister S i h n S u n g - m o hat am Dienstag den Abwurf von Atombomben auf die Oelfelder und Stahlwerke der Sowjetunion gefordert.
„Woche der Rache“
Paris, 12. Dezember, (dpa) In Vietnam hat am Dienstag die „Woche der Rache“ begonnen, zu der die Aufständischen aufgerufen haben. Jeder Anhänger des Vietminh soll sich im Verlauf dieser Woche an einem Franzosen rächen.
Amerika füũr den Dreizehn-Mächte-Plan
In Korea sollen Waffenstillstands-Verhandlungen eingeleitet werden
Neuyork, 12. Dezember, (dpa) Die USA gaben am Dienstag vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen ihre Bereitwilligkeit zu erkennen, den Plan dreizehn asiatischer und arabischer Nationen zur Feuereinstellung in Korea zu unterstützen.
Der amerikanische Delegierte Warren Austin erklärte, er werde dafür stimmen, daß der Entschließungsentwurf über die Feuereinstellung mit Vorrang auf die Tagesordnung des Ausschusses gesetzt wird. Der Ausschuß beschloß sodann mit 48 gegen fünf Stimmen der Ostblockstaaten bei vier Enthaltungen, den Dreizehnmächteantrag mit Vorrang zu behandeln und die Debatte darüber sofort zu eröffnen.
In dem Antrag heißt es, die Vollversammlung solle ihren Vorsitzenden Nasrollah Entezam und zwei Sondervertreter beauftragen, mit den beiden in Korea kriegführenden Parteien Verhandlungen über einen Waffenstillstand aufzunehmen. Der politische Ausschuß vertagte die Erörterung des Antrages auf Mittwoch.
Dem Ausschuß liegt noch ein zweiter, von sechs Mächten eingebrachter Entschließungsentwurf vor, in dem der Abzug der chinesischen Streitkräfte aus Korea gefordert wird. Ein weiterer Antrag fordert eine Konferenz über die allgemeine Lage im Fernen Osten und über die friedliche Beilegung der gegenwärtigen Konflikte in Uebereinstimmung mit den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen.
In der Aussprache erklärte der indische Delegierte Sir Benegal Rau, die asiatischen und arabischen Staaten seien zu dem Schluß gekommen, daß China keinen Krieg will. Es fürchte sich jedoch vor einer Aggression. Die Pekinger Regierung habe ihm zugesichert, daß sie eine friedliche Regelung wünscht. Sie habe jedoch erklärt, daß dem chinesischen Volk der Krieg (in Korea) von den USA und der UNO aufgezwungen sei.
Weiter hat die UN-Vollversammlung einen Ausschuß zur Prüfung der Frage der Vertretung Chinas eingesetzt, der noch vor Beendigung der laufenden Sitzungsperiode Bericht erstatten soll.
Nationaler Notstand?
Washington, 12. Dezember, (dpa) Washingtoner Regierungskreise erklärten am Dienstag, daß Präsident Truman binnen 48 Stunden den nationalen Notstand für die Vereinigten Staaten ausrufen werde. Es wird erwartet, daß Truman das amerikanische Volk in einer Rundfunkansprache auf die Notwendigkeit drastischer Maßnahmen zur Bewältigung der durch den Korea-Konflikt entstandenen Weltkrise hinweisen wird.
Eine Verkündung des nationalen Notstands in den Vereinigten Staaten wird sich nach Ansicht maßgebender amerikanischer Stellen auf die Bundesrepublik höchstens in moralischer, nicht aber in materieller Hinsicht auswirken.
Aussprache Attlee-Churchill
London, 12. Dezember. (AP.) Der britische Premierminister Attlee hatte nach dem Abschluß der Unterhaussitzung am Dienstag, bei der er eine Erklärung über seinen Besuch in Washington abgegeben hatte, eine private Unterredung mit dem Führer der Konservativen Partei, Winston Churchill.
Italien rüstet auf
Rom, 12. Dezember. (AP.) Italien werde die Vereinigten Staaten um eine Anleihe oder Zuschüsse in Höhe von einigen hundert Millionen Dollar zur Vervollkommnung seiner „Atlantikpakt“-Armee ersuchen, verlautete am Dienstagabend aus politischen Kreisen Roms. Anzeichen deuten darauf hin, daß Washington den Vorschlag unterstützt.
„Bruch eines Versprechens“
Dr. Schumacher über den Spofford-Plan
Bonn, 12. Dezember, (dpa) Der SPD-Vorsitzende Dr. Schumacher erklärte, der „Spofford-Plan“ zur Eingliederung deutscher Kampfgruppen in die geplante atlantische Armee stelle den Bruch eines Versprechens dar, das die Vereinigten Staaten führenden Politikern der Bundesrepublik gegeben hatten.
In einem Exklusiv-Interview mit dem europäischen Chefkorrespondenten der amerikanischen Nachrichtenagentur INS, Kingsbury Smith, warnte Dr. Schumacher das deutsche Volk davor, diesem Plan zuzustimmen, selbst wenn er, war unwahrscheinlich scheine, von der Bundesregierung angenommen wird.
Schumacher sagte: „Die Amerikaner haben uns gesagt, wenn die Deutschen sich an einer atlantischen Streitmacht beteiligten, würden sie volle Gleichberechtigung erhalten. Jetzt haben die Amerikaner genau das Gegenteil getan, um die französische Zustimmung zu einem deutschen Verteidigungsbeitrag zu erhalten.“
Als „unerläßliche Vorbedingung“ für Deutschlands Bereitschaft zur Beteili^ung an den Verteidigungsplänen des Westens bezeichnete Dr. Schumacher die Stationierung ausreichender alliierter Streitkräfte an der Elbe. „Die Kampfhandlungen müssen im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa sofort nach Osten getragen werden.“ Gegenwärtig seien die in Deutschland stationierten alliierten Streitkräfte kein wirklicher Schutzschild, hinter dem sich die deutsche Wiederbewaffnung in zwei bis drei Jahren vollziehen könne.
Für die heute bestehende Gefahr sei es unerheblich, ob Deutschland wiederauf¬ „erüstet ist oder nicht. Dieser Punkt wird von den internationalen Konferenzen nicht nach Gebühr gewürdigt. Die Frage der deutschen Teilnahme an der Verteidigung des Westens sei nur als langfristige Planung von Wichtigkeit.
Auf die Frage, was er von der Errichtung einer internationalen Militärakademie halte, in die junge Franzosen, Deutsche, Amerikaner, Holländer und andere aufzunehmen wären, sagte Dr. Schumacher, dies sei eine „gute Idee. Gegenwärtig sind wir aber nicht bereit, junge Deutsche in die Reihen einer solchen Organisation zu schicken, bevor wir das umfassende politische Schema für die Behandlung der Deutschen kennen.“ Die vorherrschende Einstellung in Europa sei gegenwärtig noch die Unterscheidung von Siegern und Besiegten. Damit müsse Schluß gemacht werden. Die jüngsten Erklärungen Bradleys und Eisenhowers seien nicht ermutigend für die Deutschen, die von den Amerikanern als wirkliche Kameraden mit gleichen Rechten behandelt zu werden hofften.
Unverrückbarer Standpunkt
Außenminister Schuman zur Frage deutscher Truppeneinheiten
Paris, 12. Dezember. (dpa/AP.) Der französische Außenminister Schuman erklärte am Dienstag vor der Nationalversammlung, Frankreich wünsche nicht, daß die deutsche Regierung Streitkräfte zu ihrer freien Verfügung habe. Selbst für eine Uebergangsperiode werde Frankreich das nicht gestatten.
Eine Konferenz der Großen Vier, auf der die mit der deutschen Wiederbewaffnung ip Verbindung stehenden Probleme erörtert würden, stehe „unmittelbar bevor“, erklärte Robert Schuman.
„Wir wollen Deutschland vor der Wiedergeburt des militaristischen Geistes bewahren“, sagte der Minister. „Das französische Parlament und die Regierung haben ihren Standpunkt zur Verfassung der europäischen Armee dargelegt. Wir wer- den unwiderruflich darauf beharren, da er die einzige mögliche und annehmbare Lösung für die ganze Welt ist.“
In privaten Gesprächen machen hohe Regierungsbeamte kein Hehl aus ihrer Verstimmung über die Bonner Berichte. Die deutsche Ablehnung wurde mehrfach als Erpressung bezeichnet.
Mit der Sowjet-Union?
Paris, 12. Dezember, (dpa) Der französische Außenminister Schuman erklärte am Dienstagabend in der Nationalversammlung, Frankreich, Großbritannien und die USA seien übereingekommen, die Frage der deutschen Aufrüstung mit der Sowjetunion zu erörtern. Diese Frage sei noch nicht endgültig gelöst.
Termine
*** Am Dienstagvormittag sind in London die Stabschefs der zwölf Atlantik-Pakt-Mächte zusammengetreten, um sich mit der deutschen Rüstungsfrage zu befassen. Wahrscheinlich am Dienstag der kommenden Woche werden die Außenminister dieser Staaten in Brüssel zusammenkommen; sie werden über die gleiche Frage beraten. Außerdem werden die drei Außenminister Acheson, Bevin und Schuman zu derselben Zeit in Brüssel Besprechungen führen, zu denen gegebenenfalls die Verteidigungsminister herangezogen werden. Diese Zusammenkünfte zeigen, welche Dringlichkeit man der Klärung beimißt, wann und in welcher Form Deutschland seinen Beitrag zur europäischen Verteidigung leisten soll.
Die Zeit drängt, das ist allen westlichen Politikern und militärischen Sachverständigen durch die Ereignisse in Korea deutlich geworden. Auch in Bonn ist man der Ansicht, es sei das beste, wenn die Entscheidung über den deutschen Verteidigungsbeitrag bereits vor der von Rußland vorgeschlagenen Viererkonferenz falle. Deshalb hat auch der Kanzler erstmalig am Montag die Vorsitzenden aller Fraktionen des Bundestages in einer mehrstündigen Sondersitzung des Kabinetts über die außenpolitische Lage unterrichtet. Er wies dabei darauf hin, es gehe nicht an, daß die Deutschen bei Fragen, die ihr Schicksal bedeuteten, nicht zu Rate gezogen würden und sprach die Ansicht aus, die Deutschen würden nicht einfach das tun, was andere beschließen.
Adenauer zählte nochmals die Voraussetzungen auf, die erfüllt werden müßten, bevor die Deutschen bereit seien, ihren Beitrag zu leisten. Auch hier wurde deutlich, daß die Zielsetzung von Adenauer und Schumacher gar nicht so sehr verschieden ist. Nur den Weg stellen beide sich anders vor. Der Kanzler lehnte es ab, deutsche Truppen ohne schwere Waffen und ohne eigene deutsche Führung als Kanonenfutter verwenden zu lassen. Mit ihm ist sich das ganze deutsche Volk darüber einig, ein deutscher Beitrag könne überhaupt nur bei voller Gleichberechtigung in Frage kommen.
Die Verantwortlichen der Westmächte sehen ein, daß die Zeit reif ist. Es liegt uns fern, die politische Weltlage zu erpresserischen Forderungen zu benutzen. Aber es kann keinem Deutschen zugemutet werden, als Soldat zweiter Klasse in der gemeinsamen Front zu stehen.
England in schwerer Sorge
Von unserem Londoner G-Korrespondenten
„Zeitungen ausverkauft!“ Dieses Wort hörte man in den vergangenen Wochen mehr als einmal an den Londoner Straßenecken. Insbesondere die Abendblätter waren vielfach schon am späten Nachmittag vergriffen. Und einzelne Händler waren sogar — durchaus im Widerspruch zu der üblichen Londoner Tradition — dazu übergegangen, ihren Kunden jeweils nur eine von den drei Abendzeitungen abzugeben, um auf diese Weise möglichst viele Käufer bedienen zu können.
Es war nicht die Papierknappheit, die diesen plötzlichen Mangel verursachte, obwohl diese sich bei den englischen Zeitungen heute sowohl im Umfang wie in der Auflagenhöhe bitter bemerkbar macht. Es war die plötzlich gesteigerte Nachfrage des Publikums. Die Ereignisse der letzten Wochen hatten selbst bei dem schwer aus seiner Ruhe zu bringenden Inselvolk eine spürbare Besorgnis und deutliche Nervosität hervorgerufen.
Die „B ackbencher“ meldensich
Auch die Unterhausdebatte der vergangenen Woche spiegelte die sdiwere Besorgnis des ganzen Landes über die politische Entwicklung deutlich wider, weniger in den großen Reden der Führer der Parteien, als vielmehr vor allem in den Ausführungen der „backbencher“, der unbekannten Abgeordneten der hinteren Sitzreihen. Sprecher auf Sprecher erhob sich und forderte eine stärkere „Friedensinitiative“ von der Regierung. Sozialisten, Konservative, Liberale ersuchten, häufig mit den gleichen Worten, den Ministerpräsidenten wie den Außenminister, alles zu tun, um dem gegenwärtigen hilflosen Treiben in einen neuen Weltkrieg Einhalt zu gebieten. Winston Churchill, der Führer der Opposition, gebrauchte alle Mittel seiner Beredsamkeit, um die erregten Abgeordneten zu beruhigen.
Einheitsfront der Parteien
Die Besorgnis über den politischen Kurs Amerikas und der Vereinten Nationen im Fernen Osten besteht in England nicht erst seit einigen Tagen. Sie ist schon seit Monaten vorhanden. Sie kam bei der Erörterung über eine mögliche Verteidigung Formosas zum Ausdruck, und sie zeigte sich in der Anerkennung der rotchinesischen Regierung durch Großbritannien. Und auch die vor zwei Wochen vom britischen Außenministerium der Regierung in Peking unaufgefordert erneut gegebene Garantieversicherung der chinesischen Grenzen ließ die Verschiedenheit der Standpunkte deutlich erkennbar werden.
England will mit China verhandeln. Und England will eine Anwendung der Atombombe wenn irgend möglich vermeiden. Diese Haltung ist keineswegs, wie es vielleicht zunächst den Anschein haben könnte, auf den linken Flügel der Labour Party beschränkt. Die politische und militärische Entwicklung der Ereignisse im Fernen Osten hat vielmehr alle britischen Parteien alarmiert und zu einer Einheitsfront zusammengeführt, wie die Unterhausdebatte erkennen ließ.
Hierbei ist man durchaus überzeugt, daß auch die amerikanische Regierung unter keinen Umständen einen Krieg mit China will, sondern vielmehr den größten Wert darauf legt, ihn zu vermeiden. Aber man ist in London der Ansicht, Amerika behandele die Chinesen psychologisch falsch; es versetze sich nicht genügend in die Lage Pekings hinein und habe die — wenn auch unbegründeten — Befürchtungen Chinas angesichts des Vormarsches der Truppen der Vereinten Nationen durch Nordkorea für seine dortige Grenze nicht genügend berücksichtigt.
In erster Linie Europa
Diese seit Monaten nur verdeckte und immer wieder durch Kompromisse überbrückte Meinungsverschiedenheit zwischen England und den Vereinigten Staaten über die im Fernen Osten einzuschlagende Politik wurde nunmehr plötzlich offen sichtbar. Wie tief sie geht, ergab sich aus den beinahe beschwörenden Worten sowohl Attlees wie Churchills, alles zu vermeiden, was einen Keil zwischen die beiden Länder treiben könnte. Auf der anderen Seite zeigte die Reise Attlees nach Washington, daß man in London entschlossen war, die für den Westen unerläßliche Einigkeit zwischen den beiden Ländern unter allen Umständen zu wahren. Als Voraussetzung dafür forderte man jedoch, daß die Stimme Englands — und damit in diesem Falle zugleich die Stimme Europas — in Zukunft in Washington und in Lake Success mehr Gehör findet und stärkeres Gewicht erhält als bisher.
Denn obwohl der Ferne Osten das eigentliche Thema der englisch-amerikanischen Meinungsverschiedenheit ist, beziehen sich Englands heutige Sorgen weit weniger auf China, Japan und Formosa als vielmehr in erster Linie auf Europa.
„In Europa droht der westlichen Zivilisation die tödliche Gefahr“, erklärte Anthony Eden im Unterhaus für die Konservativen, und sein Wort wurde von der Regierung wie von der Opposition aufgenommen. Eine Ausdehnung des Krieges in Korea würde weitere amerikanische Kräfte in Asien binden und Europa einem kommunistischen Einfall preisgeben. Denn die europäischen Länder haben zur Zeit weder genügend Waffen noch Soldaten, um ihn zurückzuschlagen.
Notfalls Prestigeverlust
Deshalb fordert Großbritannien ein Verhandeln, ein * Nachgeben im Fernen Osten, notfalls selbst unter Prestigeverlust, um Zeit zu gewinnen und Kräfte zu sparen, und inzwischen eine äußerste Beschleunigung der europäischen Verteidigungsvorbereitungen. Aus diesem Grunde hat man auch in London seine Bedenken gegen eine europäische Armee zurückgestellt, um jede weitere Verzögerung, insbesondere auch in der für umgehend notwendig erachteten Aufstellung deutscher Einheiten zu vermeiden.
Ein Nachgeben im Fernen Osten darf freilich auch nach britischer Ansicht nicht zu einem Triumph der nordkoreanischen Angreifer führen, das hat ein Sprecher des Foreign Office in London dieser Tage mit aller Deutlichkeit ausgesprochen. Denn ein solcher Triumph würde den Todesstoß für die Vereinten Nationen und darüber hinaus vermutlich den Anfang einer nicht mehr endenden Kette kommunistischer Invasionen in allen Teilen der
Welt bedeuten. Sollten China und Moskau daher die Invasion der nordkoreanischen Angreifer in Südkorea decken, so wäre ein Krieg unvermeidlich, und England würde sich diesem auch nicht entziehen. Daran läßt man auch in London keinen Zweifel. Im Augenblick jedoch glaubt man noch nicht daran. Zur Zeit glaubt man noch an eine Verhandlungsmöglich-
Paul Löbe
ED. Am Donnerstag wird Paul Löbe, der langjährige frühere Reichstagspräsident, seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag begehen. Das gibt zu einigen Betrachtungen- Anlaß über die Rolle, die diese interessante Persönlichkeit im politischen Leben Deutschlands gespielt hat und noch spielt. Als geborener Schlesier fand er in seiner engeren Heimat erst als Buchdrucker und Journalist, dann als Parlamentarier ein fruchtbares Betätigungsfeld. Schon früh, in den neunziger Jahren, schloß er sich der Sozialdemokratie an und wußte sich durch seine sprudelnde Lebendigkeit, durch seine mäßigende Klugheit und durch sein aufgeschlossenes Wesen einen wachsenden Anhang zu schaffen. Unnötig, all die Stadien seiner politischen Entwicklung zum Breslauer Stadtverordneten, zum preußischen Landtagsmitglied und zum Abgeordneten der Nationalversammlung aufzuzählen. Hier, in Weimar, wurde er, auf Beschluß der drei Koalitionsparteien, zum Präsidenten des Parlaments gewählt, und dieses Amt hat er dann, auch in den weiteren Reichstagen, ununterbrochen zwölf Jahre bis 1932 innegehabt. Erst der Einbruch der Nationalsozialisten bereitete seiner präsidialen Tätigkeit ein Ende.
Seine Amtsführung war mustergültig, war unparteiisch und immer auf einen ausgleichenden Ton gestimmt, so daß er sich bald das Vertrauen des ganzen Parlamentes, über alle Parteigrenzen hinaus, erwarb. Wie kein anderer kannte er die Ordnung des Hauses und ließ sich, auch wenn die Wogen noch so hoch gingen, durch nichts in seiner Ruhe erschüttern. Oft stellte sich der Humor, eine liebenswürdige Geste, zur rechten Zeit ein. Der Umgang mit Menschen war eine besondere Gabe, die ihm das Schicksal mit auf den Weg gegeben hat. So durfte es denn auch nicht überraschen, daß Hindenburg, den er bei seinem Amtsantritt zu vereidigen hatte, ein besonderes persönliches Vertrauen in ihn setzte, als einen Menschen, auf dessen Charakter und auf dessen Wort man sich, bei aller parteipolitischen Verschiedenheit, verlassen konnte.
Die Hitler-Jahre brachten auch ihm nicht geringe Prüfungen. Er wurde ins Spandauer Gefängnis geworfen, wurde von dem Fememörder Heines, dem damaligen Breslauer Polizeipräsidenten, aus dem Gefängnis „gestohlen“ und in ein Konzentrationslager geschleppt, wo ihm keine menschliche Erniedrigung erspart blieb. So wurde ihm die linke Kopfhälfte abgeschoren und er zwischen Schwerverbrecher gesteckt. Erst nach fünf Monaten wurde er von Göring, seinem Nachfolger auf dem Präsidentensitz des Reichstages, aus der Haft entlassen. 1944 sah ihn, im Zusammenhänge mit dem Juli-Putsch, das Konzentrationslager wieder. Der Bundestag erkor ihn zum Alterspräsidenten, als einen Vertreter Berlins. Paul Löbe, seit je ein beredter Vorkämpfer für ein freies und demokratisches Deutschland, ist jetzt zu einem Veteranen der Sozialdemokratischen Partei und der deutschen Politik geworden. Aber nur den Jahren nach. Sein Herz und sein Geist sind jugendlich geblieben.
In wenigen Zeilen
Gemeinsame Armeemanöver der fünf Mitgliedstaaten des Brüsseler Paktes hat Feldmarschall Montgomery angekündigt.
Der amerikanische Senat stimmte der von Truman geforderten Hilfe für Jugoslawien zu.
Das amerikanische Handelsministerium hat eine Liste von über tausend ausländischen und fünfhundert amerikanischen Firmen zusammengestellt, die im Verdacht stehen, die Sowjetunion oder die von ihr beeinflußten Staaten zu beliefern.
Die aufständischen Truppen der nepalesischen Kongreßbewegung haben Biratnagar, die größte Industriestadt des Landes, erobert.
Der frühere Ministerpräsident von Neuseeland, Fraser, ist nach längerer Krankheit gestorben.
30 evangelische Geistliche sind in Korea getötet worden. Drei Bischöfe werden vermißt.
Die brandenburgische kommunistische FDJ hat gefordert, Schülern und Studenten aus der Sowjetzonenrepublik den Besuch West-Berliner oder westdeutscher Schulen und Universitäten zu verbieten.
Das Bundeskabinett beschloß, gegen den früheren Generalmajor Remer Strafantrag wegen Verleumdung zu stellen, weil er erklärt habe, daß alle Bundesminister sich bereits Quartiere in London besorgt hätten.
London: Keine Diskriminierung
„Befürchtungen Dr. Adenauers beruhen auf ungenügenden Informationen“
London, 12. Dezember, (dpa) Der Plan für den deutschen Verteidigungsbeitrag, den Bundeskanzler Dr. Adenauer als unannehmbar bezeichnet hat, ist noch gar nicht der endgültige Plan. Diese Feststellung trafen unterrichtete Kreise Londons.
Viele Befürchtungen Dr. Adenauers gingen auf ungenügende Informationen zurück. Der Plan, der ihm schließlich vorgelegt werden soll, weise beträchtliche Unterschiede gegenüber dem Plan auf, zu dem sich Dr. Adenauer am Montag in seinem Interview mit Kingsbury Smith ablehnend äußerte. Wenn der Zeitpunkt für Besprechungen mit der Bundesregierung kommt, werde sich zeigen, daß die Allierten Deutschland nicht diskriminieren wollen.
In London verlautet weiter, in Deutschland schienen Mißverständnisse über die Rolle, Organisation und Ausrüstung von Verbänden in der Größenordnung der geplanten „Kampfgruppen“ zu bestehen. Solche Einheiten wären nicht bloße „Brigaden“, sondern nach der englischen Terminologie „Brigadegruppen“, was einen großen Unterschied bedeute.
Brigadegruppen besäßen ihre eigenen Spezialtruppen, Panzerabwehrgeschütze und oft ihre eigenen Flakabteilungen.
Die Frage einer taktischen Luftwaffe für die deutschen Kontingente werde bereits seit längerer Zeit erwogen.
Die Ernennung des atlantischen Oberbefehlshabers könne jetzt in naher Zukunft erwartet werden, noch ehe die atlantische Streitmacht organisiert wird. Es sei selbstverständlidi. daß der Oberbefehlshaber nicht irgendwelche Soldaten unter seinem Kommando diskriminiere.
Zwei Tagungen in Brüssel
Atlantikpaktrat und West-Außenminister treten nächste Woche zusammen
Brüssel, 12. Dezember. (AP./dpa) Der Atlantikpaktrat wird am 18. und 19. Dezember unter dem Vorsitz des belgischen Außenministers Paul van Zeeland in Brüssel zusammentreten, gab ein Sprecher des belgischen Außenministeriums am Dienstagvormittag bekannt.
Gleichzeitig sollen gemeinsame Konferenzen der Außen- und Verteidigungsminister der zwölf Mitgliedsstaaten des Atlantikpaktes abgehalten werden.
Nach Berichten aus Washington soll der Rat die Pläne zur Koordinierung des westeuropäischen Verteidigungssystems unter Einschluß deutscher Verbände ratifizieren.
Der Entwurf der Pläne wird bis zum Beginn der Konferenz abgeschlossen sein.
„Endgültige Einigung“
London, 12. Dezember, (dpa) Der Atlantische Militärausschuß gab am Dienstagabend bekannt, über die militärischen Pläne zur Eingliederung deutscher Kontingente in die atlantischen Streitkräfte sei eine „endgültige Einigung“ erzielt worden.
Wird Adenauer antworten?
Entscheidung über den Grotewohl-Brief ist sehr schwierig
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 12. Dezember. In Bonner politischen Kreisen hat ein Vorschlag, wonach Bundeskanzler Dr. Adenauer den Grotewohl-Brief durch ein Schreiben an Marschall Tschuikow beantworten soll, starke Beachtung gefunden. Man glaubt, daß es in nächster Zeit von beträchtlichem Wert sein könnte, wenn die Antwort nicht durch eine öffentliche Rede des Bundeskanzlers, sondern schriftlich erteilt würde.
Ein Regierungssprecher erklärte am Dienstag, daß über die Form der Antwort des Bundeskanzlers noch keine Entscheidung getroffen worden sei. Außer der Möglichkeit, mit einer Rede zu antworten, würden auch noch andere Möglichkeiten erwogen. In bisher unverbindlichen Besprechungen zwischen dem Bundeskanzler und den Oberkommissaren hat sich Uebereinstimmung darüber ergeben, daß die Antwort des Bundeskanzlers an Grotewohl auf keinen Fall eine de-facto-Anerkennung des Sowjetzonen-Regimes bedeuten darf. In alliierten Kreisen besteht der Wunsch, daß die deutsche Antwort möglichst bald erfolgt.
Dagegen erklärte der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Dr. Schumacher, die deutsche Antwort solle erst nach der Viermächtekonferenz erteilt werden.
Keine Demontage in Töging
Frankfurt, 12. Dez. (dpa). Nach den Informationen, die im amerikanischen Oberkommissariat vorliegen, soll die Demontage des bayerischen Aluminiumwerks Töging in Kürze endgültig eingestellt werden. Die Demontage ist bereits seit einigen Wochen ohne nähere offizielle Begründung unterbrochen.
Die Holbeinsche Madonna
Von Verkauf keine Rede
Darmstadt, 12. Dezember. (Eigener Bericht.) Zu Vermutungen und Gerüchten über einen möglichen Verkauf der' Holbeinschen Modonna in das Ausland erfahren wir von bestunterrichteter Seite:
„Der Aufenthalt des Kunstwerkes ist seit Jahren kein Geheimnis mehr. Im Kriege war es nach Schlesien in Sicherheit gebracht worden. Beim Einmarsch der Russen kam es unter großen Schwierigkeiten in den Westen zurück. Bereits im Frühjahr 1947 ist die .Madonna des Bürgermeisters Meyer' dem Baseler Kunstmuseum als Depositum überlassen worden. Die Anregung dazu ist von Basel aus der Militärregierung gegeben worden, die auch die Genehmigung erteilt hat. Von einem Verkauf dieses Privatbesitzes der Großherzoglichen Familie war und ist nicht die Rede.“
(Von unterrichteter Seite war uns mitgeteilt worden, daß die Gefahr eines Verkaufes bestanden habe. Wir haben es daher für unsere Pflicht gehalten, darauf aufmerksam zu machen. Wir nehmen gerne zur Kenntnis, daß von einem Verkauf jetzt und in Zukunft keine Rede sein soll. D. Red.)
Wirtschaftsteil
Einsicht oder Sorgen
Das Memorandum der Bundesregierung an die Europäische Zahlungsunion, welches Maßnahmen zur Verbesserung der deutschen Zahlungsbilanz aufzeichnet, setzt die Linie fort, die mit der Diskonterhöhung begann. Das Inland soll sich einschränken. Die Konsumenten werden sich aber der Tragweite dieser Maßnahmen noch kaum bewußt sein. Auch die Industrie scheint erst langsam zu erkennen, daß sie nun unter sehr viel schwierigeren Bedingungen, vor allem unter erhöhten Kosten wird arbeiten müssen.
Die Verteuerung vieler Rohstoffe hat sich bereits bemerkbar gemacht. Jetzt kommen die nicht gerade geringen Erhöhungen der Kohlen- und Stahlpreise hinzu, Strom und Gas werden diesen Preissteigerungen folgen. Noch scheint die Industrie zu glauben, diesen Kostenerhöhungen durch Preissteigerungen ausweichen zu können. Bei der Bank deutscher Länder ist man dagegen überzeugt, daß die Kreditknappheit und die Höhe der Kreditkosten ein Weiterwälzen der Preiserhöhungen weitestgehend unmöglich machen wird. Der Abbau der steuerlichen Vergünstigungen bei der Selbstfinanzierung steht dazu in Aussicht. Der Industrie droht hier ein Zangengriff. Er wird es ihr sehr viel schwieriger machen, durch Rationalisierungsmaßnahmen die Preise zu senkeri. Die Ansichten darüber, wie groß die Elastizität der Kosten ist, ist sehr geteilt. Werden die Betriebe trotz erhöhter Kosten die Preise senken und dadurch der Schrumpfung des Absatzes im Inland begegnen können? Oder muß die Industrie wegen rückläufigem Absatzes zu Arbeiterentlassungen schreiten?
Eine Steigerung des Exports kann die Spannungen mindern. Sie kann sie aber selbst im günstigsten Falle nicht ganz ausgleichen. Auch in der Auslandsnachfrage werden besonders die Güter zurücktreten, die auch allmählich von der Inlandsnachfrage vernachlässigt werden. Man muß deshalb mit Reibungen rechnen, die jede Umstellung in einer Wirtschaft begleiten. Bedenklich ist allerdings, daß solche Reibungen in einer Zeit in Erscheinung treten werden, in der sich die Winterarbeitslosigkeit besonders bemerkbar macht. Die Gefahr einer verstärkten innerpolitischen Spannung tritt damit wieder in den Vordergrund. Es wird aber kaum eine Möglichkeit geben, dieses unglückliche zeitliche Zusammentreffen zu vermeiden. Kann man auf die Einsicht aller beteiligten Kreise rechnen? Die Entwicklung der nächsten Monate — auch im Zusammenhang mit der Aufrüstung — gibt deshalb zu einiger Besorgnis Anlaß.
Ruhrkoks gegen Saar-Stahl
Deutsch-französischer Austausch ist klar festgelegt
vwd. Anläßlich der Unterzeichnung des deutsch-französischen Handelsabkommens weist das Bundeswirtschaftsministerium darauf hin. daß das Verfahren für den gegenseitigen Warenaustausch besonders in Ruhrkoks und in französischen sowie saarländischen Eisen- und Stahlerzeugnissen durch den Vertrag klar festgelegt ist. In der Unterzeichnung sieht das Bundeswirtschaftsministerium einen Beweis für den Willen beider Regierungen, gerade auch auf dem Gebiet der Brennstoffe und der Eisen- und Stahlerzeugung den im Abkommen enthaltenen Bestimmungen und Verpflichtungen gerecht zu werden.
Kohlenentladung an Sonntagen
Die Bundesbahn fährt auch an Sonntagen die Kohlenzüge den Verbrauchsgebieten zu und bringt die Lehrzüge zur Verladung wieder gleich zurück. Sie regt an, die Kohlenwagen auch sonntags zu entladen, damit die Arbeit der auch sonntags arbeitenden Kohlenzechen nicht umsonst ist. Auch die Bundesbahn arbeite zur Ueberbrückung der Kohlen^ knappheit ohne Einschränkung.
Sofortige Ein- und Ausfuhrkontrolle
vwd Der schweizerische Bundesrat gab die Wiedereinführung der Kontrollen über die Ein- und Ausfuhr zahlreicher Rohstoffe bekannt. U. a. wird die Ausfuhr von Blei, Zink, Zinn, Aluminium, Häuten. Wolle und Baumwollabfällen eingeschränkt. Für die Ausfuhr u. a. von Erdölprodukten, Kupfer, Kautschuk, Jute, Baumwolle, Wolle, Seife werden Exportlizenzen verlangt.
Zuckerversorgung gesichert
Hi. Wie in Bonn verlautet, mehren sich in einigen Teilen des Bundesgebietes bereits wieder die Hortungskäufe von Zucker. In Anbetracht der Tatsache, daß die diesjährige Zuckerkampagne mehr als die Hälfte des Bedarfs erreicht und darüber hinaus bereits mehr als die Hälfte der für dis laufende Jahr vorgesehenen Importe gesichert ist, ist die Marktlage stabil. Sollten die Hortungskäufe jedoch zunehmen, so besteht die Gefahr, daß sich Schwierigkeiten vielleicht ergeben können.
Börsen und Märkkte
Bz. Die Frankfurter Börse war auf den meisten Märkten weiter erholt. Bevorzugt wurden solche Werte, deren Umstellung und Geschäftsergebnisse bereits bekannt sind. So Deutsche Linoleumwerke nach Pause 114 (+ 5,5), Heidelberg Zement n. P. 103,62 (+ 2,87), Chemische Albert 66 (+ 1). Auch einige Maschinenaktien konnten ihren Kursstand verbessern. Lindes Eis 92 75 (+ 2,25).
Freie Devisenkurse
Bz. An der Frankfurter Börse vom 12. 12. 1950 hörte man im Freiverkehr für den US-Dollar 5,10 bis 5,40 DM. für das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den holl. Gulden 1,15 bis 1,22 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,22 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM und für den österreichischen Schilling 0.14 bis 0,16 DM.
In den Berliner Wechselstuben wurden für eine DM-West 5,30 bis 5,50 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.
Gehaltserhöhungen bei Handel, Banken und Versicherungen wurden zwischen dem Landesverband des Groß- und Außenhandels in Hessen sowie des genossenschaftlichen Groß- und Außenhandels und der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen vereinbart. Die Gehälter und Löhne in den betreffenden Berufen erhöhen sich rückwirkend ab 1. 10. 1950 um 6 bis 12 v. H.
Die Agrippina-Versicherungsgruppe in Köln hatte 1950 über 40 Mill. DM Prämien. einnahmen. Bei allen Gesellschaften sei das Geschäft stark gestiegen.
Die Haeberlein-Metzger Vereinigte Nürnberger Lebkuchen- und Schpkoladenfabriken-AG. verteilt 4 Prozent Dividende auf die STA und 6 Prozent auf die VA (Grund¬ kapital 2,5 Mill.)
Margueriten IM BLAUEN FELD
Kriminalroman von Ullrich v. Bissing2. Fortsetzung
Kriminalrat Klausen war ein Mann von fünfundvierzig Jahren und, wie seine Kollegen vom Skattisch beteuerten, eine Seele von Mensch. Es gab eine Reihe anderer Zeitgenossen, deren Meinung von diesem schmeichelhaften Urteil wesentlich abwich. Allerdings war ihr Urteil weniger maßgebend und auch insofern unlogisch, als sie mit dem Kriminalrat mehr in beruflicher Hinsicht aneinandergeraten waren. Klausen war der Anlaß ihres Aufenthaltes in staatlichen Gebäuden geworden, deren Fenster, mit Gittern verziert, einen unsympathischen Eindruck hinterließen. Zumal wenn man Gelegenheit hatte, von drinnen nach draußen zu sehen. Dennoch hatten auch die Brüder der Skatrunde mit der Beurteilung des Charakters des Kriminalrats keineswegs ins Schwarze getroffen. Sie waren zu sehr von der Tatsache beeindruckt, daß Harald Klausen voller Seelenruhe im Spiel Verluste ertragen konnte, die sie selbst in Harnisch brachten. Hätten sie in ihrem Leben so manches miterlebt, was Klausen in seiner Tätigkeit am Tage oder auch in der Nacht über den Weg lief, dann hätte ihnen wahrscheinlich auch ein mit sechzig Points verlorener todsicherer Grand nichts mehr anhaben können. Aber schon die Kollegen des Kriminalrats im Polizeipräsidium dachten anders. Nicht nur, daß hier seine beruflichen Fähigkeiten geschätzt und geachtet wurden, hier stand seine menschliche Anteilnahme oft zur Debatte. Sein Wesen, seine Art, hinter die Kulissen menschlicher Schwächen und Fehler zu blicken, hatten ihn oftmals vor Irrtümern bewahrt. Es gab Staatsanwälte, die in den Gerichtssälen Fälle von ihm zur Anklage gebracht hatten, deren Beweismaterial so lückenlos war, daß ihnen fast nichts zu tun übrig blieb. Während Rechtsanwälte, die die Verteidigung gleicher Fälle übernommen hatten, zumeist resigniert die Schultern zuckten.
Aber immer hörte Klausen aufmerksam zu, wenn man versuchte, ihn von seiner Ansicht über einen Menschen oder über einen Fall abzubringen. Er war ein genialer Zuhörer. Er hatte es einmal fertiggebracht, so lange zuzuhören, bis am Ende der Entlastungszeuge einen Mord gestand, für den ein Unschuldiger in Untersuchungshaft saß. Diese Geduld war seine Stärke. Diese Geduld, die andere zur Ungeduld brachte. Auch an diesem Abend hatte Harald Klausen Verluste im Spiel zu buchen. Es erregte ihn, wie gesagt, nicht. Aber es war ein schlechtes Omen. Vor vier Wochen hatte er fast die gleiche Summe im Spiel auf Grund der miserablen Karten zugesetzt. Und just in der Nacht hatten der rote Jim und seine Bande freundlicherweise eine Bank ausgeplündert. Sie hatten ihm damit vierzehn schlaflose Nächte bereitet, bevor er sie dahin gebracht hatte, wohin sie gehörten. Er ging daher auch an diesem Abend recht nachdenklich nach Hause. Von der Straße aus bemerkte er, daß in seiner Wohnung Licht brannte. Er fragte sich, ob wohl eins der drei Kinder plötzlich erkrankt war. Jürgen, der jüngste Sproß der Familie, hatte schon seit zwei Tagen einen hartnäckigen Husten, und seine Frau war der Ansicht, man müßte nun wohl doch einen Arzt zu Rate ziehen. Vieleicht war auch Besuch gekommen, die Schwester seiner Frau mit dem altmodischen Namen Agathe. Agathe, die stets sagte, sie müßte nun aber wirklich gehen, um dennoch erst um Mitternacht das Haus zu verlassen. Klausen mochte sie nicht. Sie besaß eine Art penetranter Aufdringlichkeit. Darüber hinaus legte sie Karten und wußte immer alles vorher, was später doch nicht eintraf. Klausen seufzte ergeben, als er daran dachte, sie vorzufinden. Er stieg mit der ihm eigenen Ruhe die Stufen zur dritten Etage empor und schloß die Korridortür auf. Und schon vernahm er Agathes näselnde Stimme, die aus dem Wohnzimmer zu ihm drang.
habe ich es vorhin nicht noch gesagt? Neuigkeit in kurzer Zeit über einen kleinen Weg. Und dann Pik As und Kreuz Zehn, das bedeutet einen sicheren und unerwarteten Todesfall.“
guten Abend!“ sagte Klausen und betrat das Wohnzimmer. Aber selbst, wenn er noch etwas hätte hinzusetzen wollen, wäre ihm dies nicht möglich gewesen. Denn im gleichen Augenblick vollführte der Telefonapparat auf seinem Schreibtisch einen recht aufdringlichen Lärm. Klausen sah von seiner Frau zu seiner Schwägerin Agathe und stellte zum hundertsten Male fest, daß zwischen den Geschwistern beim besten Willen keine Aehnlichkeit festzustellen war. Er hatte es schon vor zwanzig Jahren bemerkt, damals auf dem Ball in den Zelten, als er Jutta kennenlemte. Schon damals war Agathe schrecklich aufgedonnert einherstolziert. Ihn aber hatte gerade das schlichte, einfache Wesen seiner Frau so sehr für sie eingenommen. Und jedesmal, wenn er die Geschwister später wieder zusammen sah, freute er sich über die kluge Wahl, die er getroffen hatte. So schritt er auch jetzt befriedigt zu seinem Schreibtisch. Schon die ersten Worte, die er vernahm, ließen ihn einen Blick auf die Uhr werfen. Dann machte er eine Notiz auf eitlem Block und sagte: „Ja! Ich komme! Ja! Mit einer Taxe!“ Danach legte er den Hörer auf die Gabel des Apparats zurück, öffnete eine Schreibtischschublade, die sorgsam verschlossen war, entnahm ihr eine Pistole, steckte sie in die hintere rechte Hosentasche, sagte: „Guten Abend!“ und verließ das Wohnzimmer mit einer Selbstverständlichkeit, die Agathe erregte, da sie zu gern gewußt hätte, was es mit diesem nächtlichen Telefongespräch auf sich gehabt haben konnte.
„Das ist denn doch die Höhe!" meinte sie empört.
„Das ist mein Mann!“ entgegnete Jutta Klausen, und der Kriminalrat, der die Worte auf dem Flur noch soeben vernahm, lachte leise, und dies trotz der eigenartigen Tatsache, daß er soeben von einem Mann angerufen worden war, den er schlafend auf der Strecke nach Basel wähnte. Mit Ungersbach verband ihn eine Freundschaft, die man unter Männern mit einem fast zwanzigjährigen Altersunterschied nur selten findet. Kennengelernt hatten sie sich vor nunmehr fast genau zwei Jahren, als Ungersbach dem Kriminalrat recht unsanft auf einer überfüllten Untergrundbahnstation im Gedränge auf den Fuß trat. Eine Sache, die damit endete, daß Klausen dem jungen Journalisten in seinem Heim eine Sammlung seltsamster Souvenirs zeigte, die mehr oder weniger einem Kriminal-’ museum zur Ehre gereicht hätten. Zu jedem dieser kleinen Andenken erzählte der Kriminalrat eine manchmal gruselige. manchmal recht humorvolle Geschichte. Und da sie etliche Flaschen Rotwein dabei geleert hatten, endete der Abend mit dem Ergebnis, daß Ungersbach die Nacht bei Klausens auf einer Couch kampierend verbrachte, um am anderen Morgen den kleinen Jürgen zur Schule zu bringen. Und seitdem war Ungersbach zu jeder Stunde für Klausen zu erreichen und der Kriminalrat für den Journalisten.
Klausen war froh, der Schwägerin Agathe entwischt zu sein. Andererseits fragte er sich, was Ungersbach da draußen in dem westlichen Villenviertel in der Dahlienstraße zu suchen hatte. Er konnte sich während der Fahrt eines unangenehmen Gefühls nicht erwehren. Er stieg so auch schon an der Ecke der Allee aus und ging zu Fuß die Dahlienstraße hinunter, bis er vor dem Hause stand, das an dem Pfeiler des Gartentores die Nummer 29 aufwies. Bevor er es betrat, vergewisserte er sich, daß die Straße von Passanten frei war. Wie angegeben, fand er die Haustür nur angelehnt. Er zog sie hinter sich ins Schloß und folgte dem Lichtschein, der ihn durch das Speisezimmer zu der Bibliothek führte. Hier fand er Ungersbach in einem hohen Lehnstuhl hinter einem gewaltigen Schreibtisch sitzen, die Beine übereinandergeschlagen, eine Zigarette im Mund, in einer Art, als sei dies der ihm gebührende Platz in diesem Haus. So ruhig blieb er auch sitzen, als er den Kriminalrat kommen sah.
Auf dem Schreibtisch brannte eine Stehlampe. Sie erhellte den Raum nur schwach. Ihr Licht fiel eigentlich nur auf die aufgeschlagene Zeitung, die noch an der gleichen Stelle lag, an der sie der Journalist vorgefunden hatte. Auf diese Zeitung stellte Ungersbach jetzt eine Kiste Zigarren.
-Das ging ja verhältnismäßig schnell“, stellte er mit einem Blick auf seine Armbanduhr fest, „zweiundzwanzig Minuten sind erst seit meinem Anruf vergangen. Wollen Sie nicht eine Zigarre rauchen?
(Fortsetzung folgt)
Darmstadt und Umgebung
„Mit seinen stolzen Bergeshöõh'n...“
Stiftungsfest des Deutschen Alpenvereins, Sektion Starkenburg
Am vergangenen Sonntag konnte der Deutsche Alpenverein, Sektion Starkenburg, sein 66. Stiftungsfest mit großer Beteiligung und zahlreichen Gästen im „Weißen Schwanen“ in Arheilgen feiern. Der 1. Vorsitzende, Dr. Müller, begrüßte die Vertreter der Schwestersektionen Darmstadt und Offenbach, den Vertreter des Odenwaldklubs und insbesondere Dr. Heinrich Lautz, das einzige Ehrenmitglied der Sektion.
Nachdem die Singgruppe das Bergsteigerlied vorgetragen hatte, berichtete Dr. Müller in seiner Festansprache von der Entwicklung des Vereins, der geleisteten Arbeit und den zukünftigen Plänen. Er hob besonders den ethischen Wert und echten Bergsteigergeist hervor, den schon die Gründer im Jahr 1884 besaßen und der den Verein befähigte, alle Stürme der Zeit zu überstehen. Mit seinen 380 Mitgliedern und der großen Jugendgruppe sei auch jetzt eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen, und mit Stolz könne man auf die Leistungen der Sektion blicken. Dr. Müller überreichte anschließend folgenden Jubilaren Ehrenurkunden: für 50jährige Mitgliedschaft an Dr. Lautz; für 40jährige Mitgliedschaft an Landesbankdirektor a. D. Otto Seipp und Baumeister Carlo Zimmer; für 25jährige Mitgliedschaft an Amtsgerichtsrat Ludwig Lutz, Amtmann Phil. Schmidt, Rechner Phil. Si o r und Versicherungsdirektor Alfred Biehl.
Oberbürgermeister Metzger entbot seine Grüße als Stadtoberhaupt und Ehrenvorsitzender und wünschte dem Verein weiterhin Glück und Gedeihen.
Nach weiteren Ansprachen des Vertreters des Odenwaldklubs und der Sektion Darmstadt des Alpenvereins zeigten Lichtbildervorträge die Schönheiten des alpinen Hochlandes. Mit der „Besteigung der Jungfrau“ (Nordkante), einem heiteren Schwank mit viel Humor und guten Einfällen, schloß der vortragende Teil dieses gelungenen Stiftungsfestes, dem Tanz und gemütliches Beisammensein folgten. Sg.
Von der Zugspitze zum Passeier
Lichtbildervortrag im Alpenvercin
Im Rahmen eines Lichtbildervortrags des Alpenvereins, Sektion Starkenburg, sprach Dr. Harald Uhlig von der Heidelberger Universität über Klettertouren in den bayerischen und österreichischen Alpen. Zusammen mit zwei Kameraden unternahm er eine ausgedehnte Alpenreise vom Oberrheintal bis zum Passeier. An Hand einer Reihe von ausgezeichneten Farbaufnahmen schilderte er die Schönheit der Alpenlandschaft. Wettersteingebirge, Zugspitze, die Quelle der Partnach, die „blaue Gumpe“ stiegen vor den zahlreichen Zuhörern auf. Die Tiroler Grenze führt mitten durch diese Landschaft hindurch, nur durch kleine Schilder gekennzeichnet. Tragik des Alpenwanderns. Die Hütten, die vom Deutschen Alpenverein im Tiroler Gebiet errichtet worden waren, stehen heute leer — teilweise mit vernagelten Fenstern — und warten auf den Zeitpunkt, daß wieder deutsche Touristen sie besuchen. hfl.
Forderungen der Gewerkschaftler für die Sozialversicherung
In einer Mitgliederversammlung des Ortsausschusses des DGB Eberstadt im Gasthaus „Zur Rose“ erläuterte Direktor Heil von der AOK eingehend den Gesetzentwurf zur Einführung der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung. Direktor Heil betonte, daß die Versicherungsträger es, ablehnten, ein Spielball der politischen Parteien zu werden. Bei der Sozialversicherung, für deren kompliziertes Recht eine Reform notwendig sei, müßte allein der Mensch im Vordergrund stehen. Die im Gesetzesentwurf vorgesehene paritätische Verwaltung wäre alles andere als eine echte, objektive Selbstverwaltung. Kreisvorsitzender des DGB Darmstadt, Mayer, kritisierte namentlich die für die vier Versicherungszweige geplanten Wahlen an verschiedenen Tagen, statt der von den Gewerkschaften geforderten einen, Urwahl. Eine Beteiligung der Versicherten an den ärztlichen Leistungen und Arzneimitteln würde einen sozialen Rückschritt bedeuten. Der Redner forderte die Versicherten dazu auf, an ihren Arbeitsplätzen über die unannehmbaren Bestimmungen des Gesetzesentwurfes Aufklärung zu schaffen und erklärte, daß die für die Vorstandswahl vorgesehenen Mitglieder auf den Bundesschulen in Sozialversicherungskursen bestens auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet würden. t-s.
Lehrlings-Freisprechung bei Goebel
In der weihnachtlich geschmückten Lehrlingsabteilung waren die zirka 75 Lehrlinge der Goebel A. G., der Betriebsrat, die Ausbilder und mehrere Herren der Geschäftsleitung versammelt, als Dr. Köhler die Gesellenbriefe verteilte. Er konnte dem Ausbildungsleiter, Meister Frank, und seinen Mitarbeitern, dem Betriebsratsvorsitzenden Friedrich und seinen Kollegen mit dem stolzen Gefühl danken, daß auch in diesem Jahr die Goebel-Lehrlinge die besten Noten erreicht haben. Die neuen Facharbeiter bat er, auf dem so gut begonnenen Wege nicht stehen zu bleiben.
Dr. Köhler überreichte den beiden Besten, Herrn Helmut Kleinböhl und Herrn Alfred Katzer, Prämien der Handelskammer und der Firma und Fräulein Annelore Häuser sowie den Herren Hans Beck, Karl Nicolay, Siegfried Schott und Thomas Gnad Prämien des Unternehmens. Der Betriebsratsvorsitzende Friedrich unterstrich die Worte Dr. Köhlers. Lehrlingsmeister Frank schloß mit besten Wünschen an die seiner Obhut und Führung nun Entwachsen und mit einer Aufforderung an die weiteren Jahrgänge, es den soeben Ausgezeichneten gleichzutun.
Gesellenbriefe bei der Fahrrad- und Nähmaschinen-Mechaniker-Innung
In der am Sonntag stattgefundenen Hauptversammlung der Fahrrad- und Nähmaschinen - Mechaniker - Innung des Stadt- und Landkreises Darmstadt fand die feierliche Ueberreichung der Gesellenbriefe statt.
Innungsobermeister Gg. Hahn wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß mit der Ueberreichung der Gesellenbriefe an die Junggesellen ein für diese neuer Lebensabschnitt beginnt. Den Junggesellen alles Gute wünschend, übergab Obermeister Hahn die Gesellenbriefe und die zur Schau gestellten Gesellenstücke.
Anschließend ergriff Mechanikermeister E. Renker, Arheilgen, das Wort und würdigte in ehrenvollen Worten die verdienstvolle 25jährige Tätigkeit des Obermeisters Hahn für die Fahrrad- und Nähmaschinen-Mechaniker-Innung.
Er betonte, daß er seit 17 Jahren die Meisterprüfungen abnimmt und trotz vieler arbeitsreicher Ehrenämter unermüdlich sich für die Belange des Handwerks eingesetzt hat. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde Gg. Hahn wieder einstimmig zum Obermeister und O. Orio zum stellvertretenden Obermeister gewählt.
Griesheims Arbeiter-Radfahrer veranstalten eine Weihnachtsfeier
In den letzten Tagen hatte die Ortsgruppe des Arbeiter-Radfahrer-Bundes, Solidarität, Griesheim zum ersten Male ihre Mitglieder mit Familienangehörigen zu einer Weihnachtsfeier eingeladen.
Die Bescherung für die Kinder war in guter Vorarbeit erledigt und der Höhepunkt war das Erscheinen des Weihnachtsmannes, (Herr Schupp) der großen und kleinen Kindern der Mitglieder reichliche Geschenke überreichte. Hr.
Bezirkstag der Solidarität“
Am 10. Dezember fand im „Braustübl“ der Bezirkstag des Arb.-Rad- und Kraftfahrerbundes „Solidarität“ statt. Von 22 Ortsgruppen waren 19 vertreten. Bezirksleiter Hindermeyer gab seinen Rechenschaftsbericht. Vom Hauptvorstand war Herr Kessler anwesend. In seinen Ausführungen schilderte er die Lage des Bundes, der zur Zeit auf einem guten, sich stets vorwärts entwickelnden Fundament aufgebaut wird. In Sachen der
Wiedergutmachung kann der Bund mit dem bis jetzt Erreichten bis zur restlosen Klärung zufrieden sein. Nach den Berichten des Kassierers, des Sportleiters und Jugendleiters wurde der alte Bezirksvorstand bis auf den Tourenfahrtwart wieder gewählt. Als Straßen- und Tourenfahrtwart kam Herr Karrer (Darmstadt) neu in den Bezirksvorstand.. Die Bezirksmeisterschaft im Saalsport für 1951 wird in Erbach im Odenwald abgehalten. R.
Volksliederkonzert des Männergesangvereins „Eintracht“ Darmstadt-Arheilgen
ai= Abschluß des Jubeljahres vom Mannergesangverein „Eintracht“ findet am Samstag dem 16. Dezember, 20 Uhr, im Zum goldenen Löwen“, Darmstadt-ArhPiläen ein Volksliederkonzert statt. Das Konzert bringt die schönsten Perlen des Hachen Volksliederschatzes. Als Solisten konnten Kurt Wolinski, Tenor, vom Opernhaus Frankfurt und Emilie Häbel, Frankfurt a. M. verpflichtet werden.
„Nur der Glaube kann uns führen“
Festakademie des „Bundes Neudeutschland“ in der Stadthalle
Anläßlich des diesjährigen Bundesfestes veranstaltete der „Bund Neudeutschland“ in der überfüllten Stadthalle am Sonntagvormittag eine Festakademie, auf der bekannte Theologen über das neue Dogma sprachen.
Die Einführungsmusik, ein Quartett „Phantasie“ aus dem 17. Jahrhundert, wie die Chöre mit Instrumentalbegleitung, wurden von dem Streichquartett und dem Chor der Darmstädter Gruppe des Bundes Neudeutschland aufgeführt. Nach den Begrüßungsworten und der Verlesung der Botschaften der Bischöfe von Mainz und Limburg, ergriff Pater Hirschmann S. J., Professor an der theologisch-philosophischen Hochschule St. Georgen, Frankfurt am Main, das Wort zu seinen Aus-
führungen über „den katholischen Kirchenbegriff im neuen Dogma“ ...
Der Bund Neudeutschland sei aus der innerkirchlichen Erneuerung heraus geboren, da erkannt worden sei, daß eine Neuwertung des Menschen ohne Zusammenhang mit dem Sohn Gottes unmöglich wäre. Das neudeutsche Lebensprogramm müsse als Glaubensbekenntnis erkannt werden. Ebenfalls als Glaubensbekenntnis müsse auch die Dogmatisierung der Kirche aufgefaßt werden. Die katholische Kirche glaube um Gottes Willen, nicht um Maria Willen. Aber der Jubel der Kirche um die Verkündung des neuen Dogmas wäre durch die Tatsache getrübt, daß die evangelische Kirche diesem Schritt nicht zu folgen vermöge. Es gäbe keinen Unterschied zwischen der apostolischen Kirche und der einen Kirche, sie wären beide in der una ecclesia zusammengefaßt.
In Zusammenhang seines Vortrages gedachte Pater Hirschmann auch des Darmstädters Alfred Delp, der während des letzten Reiches in Plötzensee hingerichtet worden sei. Der Redner sah zwei Zeichen, die in der Lage wären, durch das Dunkel der Zeit zu führen, — die Atombombe und die Mutter Maria. Es wäre zu hoffen, daß der Glaube um das Ringen einer geistigen Erneuerung die Oberhand behalten würde.
Prof. Dr. Carl Holzamer von der Universität Mainz sprach als zweiter Redner über „das christliche Menschenbild im neuen Dogma“. Philosophie und Glaube seien zwei Bereiche, deren natürliche Erkenntnis eigene Grenzen haben. Die Sphäre des Glaubens sei aber nicht ausschließlich durch eigene Erkenntnis erreichbar. Schon früh wäre erkannt worden, daß die Autarkie, die „Selbstgenügsamkeit“, nicht anwendbar sei, da der tatsächliche Mensch nicht aus sich selbst zu seiner wirklichen Vollkommenheit komme, denn der Mensch, der mit dem Menschen zufrieden sei, stürbe am Menschen. Nur aus der philosophischen Erkenntnis von der Einheit von Leib und Seele heraus könne die Dogmatisierung der Kirche verstanden werden. Sie sei keine platonische Erkenntnis, da nur der Mensch als Ganzes als wahrer Mensch erkannt werden könne. Die Erlösung des Menschen von Leib und Seele sei die tiefere Wahrheit des neuen Dogmas, -st
Kurze Meldungen aus der Stadt
Einem vielfach geäußerten Wunsche Rechnung tragend, wird das Landestheater Darmstadt am Freitag, 15. Dezember 1950 um 19 Uhr im Orangeriehaus Verdis Oper „Der Troubadour“ in einer Vorstellung außer Miete zur Aufführung bringen. Schulen werden bei Abgabe von Sammelbestellungen besondere Preise von 1,50 bis 3,— DM eingeräumt.
Ueber „Baugrund — Bauhandwerk“ spricht am Donnerstag, dem 14. Dezember 1950, um 19.30 Uhr in der Aula der TH in Darmstadt Prof. Dr. Ing. W. Loos von der TH Karlsruhe.
Die TSG 1846, Abt. für Männer- und Frauenturnen veranstaltet am Samstag, dem 16. Dezember 1950 um 20 Uhr im „Braustübl“ am Hauptbahnhof ihre Weihnachtsfeier.
Ein Brand entstand in einer auf dem Friedensplatz aufgestellten Bauhütte am Montagabend gegen 21 Uhr. Die von einem aufmerksamen Passanten sofort verständigte Städtische Feuerwehr konnte das Feuer kurz nach ihrem Eintreffen löschen. Der entstandene Brandschaden beläuft sich auf 1000 DM. yk.
Zwei schwere Wohnungseinbriiche wurden am Montag zwischen 17 und 19 Uhr im Südostviertel der Stadt verübt. Dabei stahlen die Täter Brillantringe, wertvolle Anstecknadeln, eine goldene Halskette, drei schwere goldene Armbänder, eine goldene Armbanduhr, 90 silberne Löffel, Gabeln usw., einen Damenpelzmantel (Persianer), zwei Paar Herrenhalbschuhe, zwei Damenkostüme, Regenmäntel und einen goldenen Trauring mit der Inschrift M. L. Für die Wiederbeschaffung der gestohlenen Gegenstände ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Mitteilungen sind an die Darmstädter Kriminalabteilung zu richten, yk.
Bei Kilometer 512 geriet am Montagmorgen der aus der Nähe von Basel stammende Schweizer Dr. Karl May mit seinem Personenwagen durch die Straßenglätte ins Schleudern. Der Wagen kam von dr Fahrbahn, blieb jedoch unbeschädigt in der aufgeweichten Autobahnböschung stecken. *
Wie wird das Wetter?
Wechselhaft
Vorhersage: Am Mittwoch wechselnde Bewölkung mit Aufheiterungen, einzelne Schneeregenschauer; Temperaturen bei Tage um 0 Grad, nachts leichter Frost, südwestliche Winde.
Weitere Aussichten: Wechselhaft, nachts kälter.
Wolin gehen wir heǔte?
Landestheater, Orangerie: 19.30 „Romulus der Große“. Stadthalle: 15.00 „Tischlein deck’ dich!“ — 20.00 „Liebe in der Lerchengasse“.
Amerikahaus: 19.30 „Sonatenabend“ des Duos L u e d e r (Flöte u. Klavier). — 14.30 und 17.00 Filmprogramm. — Ausstellung Bernd K r i m m e 1 — Eberhard Schlotter.
Technische Hochschule, Saal 167: 19.30 Oberkirchenrat Heß, Wiesbaden, „Die Kirche und die soziale Frage“.
Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3a: 10—18 Ausstellung „Gesundes Leben“.
STARKENBURG
Glatteis
sr. Keinem kann es das Leben recht machen. „Leider“ werden mir einige sagen. Vielleicht aber auch „Gottseidank“. Schließlich würde uns alle die Zufriedenheit so langweilen, daß wir gerade das, was wir nicht wünschen — das bittere Ende und den Abschied von dieser Welt — mit Sehnsucht erwarteten.
In weiser Voraussicht wurde darum alles so eingerichtet, daß besagte Zufriedenheit immer nur einen Teil unter uns beglückt. In Jahreszeiten ausgedrückt: der Frühling die Liebespaare, der Sommer die Urlauber, der Herbst die Romantiker und der Winter — ja der Winter hauptsächlich die Kinder. Obgleich sie als Kinder durch das ganze Jahr hindurch nur vom Glück begünstigt scheinen.
Wenn der Schnee vom Himmel fällt, werden die Kufen des Schlittens geschmiert, daß sie besser über das weiße Gold flitzen (Gold deswegen, weil man evtl. Kapital daraus schlagen kann) und Mutter muß die Schuhe fetten, daß kein Wasser eindringen kann. Ja und wenn’s dann halt auch mal regnet, tut das der Zufriedenheit auch keinen Abbruch. Weil dann meist der Frost hintennachkommt und das Wasser erstarren läßt.
Dann geht es hinaus aus der Stube und mit mächtigen Schwüngen wird Schleife auf Schleife gezogen. Für die Kraftfahrer ist dies die Zeit des Mißmuts. Glatteis ist das Gespenst für alle, ob sie nun mit oder ohne Ketten fahren. Man rutscht wie auf Schmierseife und bisweilen knallt Blech auf Blech. Zurück bleibt ein Schrotthaufen, dem man nicht mehr das einst so stolze Gefährt ansieht.
Wir alle aber bewegen uns in unserer ganzen Herrlichkeit vorsichtig Schritt für Schritt in unserer Umwelt. Stiefelsohlen sind dann genau so hinterhältig und neigen dazu, sich selbständig machen zu wollen. Ohne viel zu fragen, laden sie ihren Träger zu einer Rutschpartie auf Mutter Erde ein, die diese mit blauen Flecken quittiert. Fachleute sollen wohl einen totsicheren Gleitschutz erfunden haben.
Allerdings wirkt er nur im Winter.
Denn von einer schönen Frau kann man auch Im Sommer aufs Glatteis geführt werden.
Und dann hilft die beste Sohle nichts!
Das Urteil im Marbacher Kindesmord-Prozeß
Lebenslänglich ins Zuchthaus
Gesetzliche Bestimmungen erforderten auch in der zweiten Instanz im Mordprozeß Rödl-Heilmann eine harte Bestrafung
Wst. Unter starker Beteiligung der Öffentlichkeit verurteilte gestern morgen das Darmstädter Schwurgericht die 44jährige Flüchtlingsfrau Marie Rödl und den 45jährigen Fabrikantensohn Alfred Heilmann aus Marbach-Haisterbach bei Erbach wegen gemeinschaftlichen Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebzeiten.
Die Geschworenen folgten damit den Anträgen von Staatsanwalt Werner. Gleichzeitig bestätigte das Schwurgericht durch diesen neuen Entscheid sein erstes Urteil vom 10. März 1950. Den beiden Verurteilten bleibt es vorbehalten, gegen dieses zweite Urteil erneut Revision zu beantragen.
Landgerichtsddrektor Hahn ging in seiner Urteilsbegründung noch einmal ausführlich auf den Sachverhalt der Tat ein. Er erklärte, ■lediglich Heilmann habe plötzlich in dieser ■Verhandlung versucht, Ausflüchte zu machen und behauptet, daß er nur Mitwisser sei. Demgegenüber wäre einwandfrei nachgewiesen, daß die beiden Angeklagten verabredungsgemäß gemeinsam vorsätzlich den Säugling getötet hätten. Nicht geklärt sei — so sagte der Landgerichtsdirektor — ob Frau Rödl Heilmann bei der Untat das Brett gereicht oder ob dieser es sich genommen habe. Es könne aber auch dahingestellt bleiben, ob Frau Rödl bei der Tat selbst Hand angelegt hat. „Man begeht auch einen Mord dadurch, daß man Verpflichtungen, die einem obliegen, unterläßt“, kommentierte der Vorsitzende. Als Mutter des Kindes hätte Frau Rödl das Handeln Heilmanns unbedingt unterbinden müssen und es nicht zulassen dürfen.
Die Sonderbestimmungen des § 217 (Milderungsgründe für uneheliche Mütter, die ihr Kind während oder kurz nach der Geburt töten) könnten im Falle Rödl nicht zur Anwendung kommen, weil die Angeklagte weder kurz nach der Geburt noch in einem Zustand der Psychose ihr Kind umgebracht habe.
Das Gericht kam auch nach dieser Verhandlung zu der Auffassung, daß das Tatmotiv in seiner Gesamtheit niedrigen Beweggründen entsprungen ist und deshalb die Bestimmungen des § 211 (Mord) erfüllt sind. Um Unbequemlichkeiten aus dem Wege zu gehen und ihr Liebesverhältnis nicht dieser großen Belastung auszusetzen, hätten die beiden Angeklagten das Kind erstickt.
„Das Urteil mag manchem hart erscheinen, wenn er es mit denemanderer Verhandlungen vergleicht“, sagte Direktor Hahn. Das Gesetz sei jedoch in diesen Bestimmungen stark und lasse nur eine Strafe zu: Lebenslänglich! Nur einer Gnadeninstanz müsse es überlassen bleiben, die Strafen später zu ändern.
Weinend verließ Frau Rödl den Sitzungssaal, während Heilmann mit eingefallenen Gesichtszügen neben einem Wachtmeister fortschlenderte . . .
Stolze Züchter führten ihre Tiere vor
Hühner, Tauben und Kaninchen
Ein Querschnitt durch die Kleintierzuchtaustellungen in Odenwald, Bergstraße und Ried am vergangenen Wochenende
Auch das vergangene Wochenende und der „Silberne Sonntag“ sahen in vielen Gemeinden unseres Verbreitungsgebiets die Kleintierzüchter mit zahlreichen Ausstellungen auf dem Plan.
Wixhausen. (1k) - Dir Geflügelzuchtverein zeigte im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ vornehmlich Sussex, Rhodeländer, Rheinländer, Italiener aller Schattierungen. Goldbrackel, Kennhühner und Blausperber. Die alten Züchter waren mit insgesamt 210 Tieren vertreten, während die Jungzüchter 85 Tiere zur Schau stellten. Den Landesfachgruppenehrenpreis erhielten Michael Arnold für einen Stamm Italiener „Silberhals“ und Altmeister Peter Dietz für braungemusterte Zwerg-Wyandottes. Konrad Preu sc h , Ludwig Melk und Ludwig Röder konnten den Ehrenpreis der Gemeinde erringen. Außerdem wurden weitere 29 Ehrenpreise und 46 erste Preise zugeteilt.
Groß-Zimmern, (gi) - Die Reisetaubenvereinigung Starkenburg, Sitz Dieburg, veranstaltete im „Löwensaal“ mit 200 Tieren der letzten Flugsaison ihre Reisetauben-Siegerschau. Angesichts eines vorzüglichen Ausstellungsmaterials war es nicht leicht, die „Sieger“ der Sieger herauszufinden. Als 1. Preisträger wurden ermittelt: 1. A-Klasse (männl. Tiere): Walter Krimm, Dieburg, der gleichzeitig bester Aussteller des Tages wurde; 2. B-Klasse (weibl. Tiere): Walter Krimm. Dieburg; 2. A-Klasse (m): Franz Baum, Münster, gleichzeitig 2. Preisträger; 2. B-Klasse (w): Walter Krimm. Dieburg; 3. A-Klasse (m): Fritz D ölscher, Groß-Zimmern; 3. B-Klasse (w): Heinrich Huthmann, Ober-Ramstadt. Jungtiere: 4. A-Klasse (ml: Walter Monike, Ober-Ramstadt; 4. B-Klasse (w): Walter Monike, Ober-Ramstadt; 5. A-Klasse (m): August Freund. Groß-Umstadt; 5. B-Klasse (w): Fritz Dölscher, Groß-Zimmern. *
Spachbrücken. (Si) - Im Saale Schröder veranstaltete der Kleintierzuchtverein seine mit über 200 Tieren beschickte Schau. Ehrenpreise erhielten für Kaninchen: Heinrich S p i 1 g e r, Georg Kilian. Georg Stromberger X., Jakob Schanz. Alle Genannten konnten auch die 1. und 2. Preise erringen. Der Landesverbands-Ehrenpreis wurde bei den Hühnern Jakob Niebel zugesprochen. Auch für gute Zuchtleistungen bei Puten. Enten und Schautauben konnte eine Reihe von Preisen vergeben werden.
Rimbach, (vir) - Die Lokalschau des Kleintierzuchtvereins war mit 425 Nummern außerordentlich gut beschickt und erfreute sich eines regen Besucherzustroms. 175 der ausgestellten Tiere werden am kommenden Sonntag an der Kreisgeflügelschau teilnehmen können. Bürgermeister Schmitt ehrte bei der Eröffnung der Schau „Vereinsvater“ Weiß, dem er für seine stets hilfsbereite Aufbauarbeit dankte. Unter den zahlreichen Gästen war auch Landrat Dengler anwesend.
Lorsch, (bl) - Im „Weißen Kreuz“ zeigte der Kleintierzuchtverein 144 Stück Geflügel. 10Ö Kaninchen und 14 Schautauben. Die Frauengruppe stellte Fleischgerichte und Pelzwaren aus.
Lampertheim, (bb) - Während der Verein der Kanarienzüchter und Vogelfreunde seine besten, zur Verbandsausstellung nominierten Tiere vorführte, hatte der Kaninchenzuchtverein H 65 mit 150 Ausstellungsnummern aus elf Rassen den „Rheingoldsaal“ belegt. Am stärksten vertreten waren Weiße Wiener und Klein-Chinchilla.
Bürstadt, (bb) - Der Brieftaubenverein „Heimatliebe“ zeigte im Saale Waidenberger 264 Tiere, davon 14 Sonderklassen. Der Geflügel- und Farbentaubenzuchtverein wartete zur gleichen Zeit im „Löwen“ mit 470 Ausstellungsnummern auf. Hier waren am stärksten die schwarzen Italiener vertreten. *
Hcfheim. (bb) - Nach einer am Samstagabend vorausgegangenen Familienfeier mit Jubilar-Ehrung zeigte der Verein am Sonntag über 200 Kaninchen und Geflügel. *
Biblis, (bb) - Die Attraktion der 250 Tiere umfassenden Geflügelausstellung im „Weißen Löwen“ bildeten die Bronze-Puten von Emil Hesse, die ihrem Züchter schon manchen internationalen Preis einbrachten. *
Groß-Rohrheim, (bb) - Kaninchen. Wassergeflügel, Hühner. Tauben und Fasanen zeigte der Kleintierzuchtverein im Saale „Zum Löwen“.
Ein deutsches Erziehungszentrum
5 Jahre Pädagogisches Institut Jugenheim/Westdeutsches Direktorentreffen im Januar / Im Sommer 1951 Lager mit nordischen Studenten
Jugenheim. (PD) - „Nicht von dem aus, was die neue Form der Lehrerbildung in den vergangenen Jahre« schon geleistet hat, sondern aus dem, was im Werden ist, muß sie beurteilt werden.“ Diese Worte sagte Direktor Prof. Trost in seinem Bericht, den er am Mittwoch in der Gedenkstunde zum fünfjährigen Bestehe« des Pädagogischen Institutes Darmstadt in Jugenheim gab.
Am 10. Dezember 1945 nach Anregungen und organisatorischen Vorarbeiten des verstorbenen Ministerialrates Hoffmann durch Kultusminister Böhm mit 131 Studierenden eröffnet, wurden auf dem „Heiligenberg“ in vier AusbildungslehrgäYigen 615 Schulhelfer, darunter 178 Heimatvertriebene und 165 Frauen, zur ersten Lehrerprüfung geführt. Handelte es sich dabei auch um eine Notmaßnahme, so berechtigen die Erfahrungen doch zu ihrer unbedingten Bejahung. Vom Winter 1947 ab wurde die sechssemestrige Ausbildung aufgebaut, deren ersten Lehrgang im Frühjahr dieses Jahres 109 von 118 Teilnehmern erfolgreich abschlossen. Gegenwärtig werden zwei Lehrgänge mit 142 Studierenden abgehalten. Sie werden von 15 haupt- und 17 nebenamtlichen Lehrkräften unterrichtet.
Erfreuliches konnte über die äußere Entwicklung berichtet werden. Herrschte vor der Währungsreform bei den Studenten noch große Not — in einem Kursus waren von 180 Schulhelfern die meisten unbemittelt — so hat sich die wirtschaftliche Lage wesentlich gebessert. Dankbar wurde die Hilfe aus Amerika anerkannt. Nach dem im Gang befindlichen Umbau eines Remisengebäudes werden 120 Studierende im Schloßgelände wohnen können. Dazu kommen 35 P’ätze im Studentenheim und preiswerte Zimmer im Ort. Der Freundeskreis des Instituts zählt 300 Mitglieder. Neun Hörsäle und Uebungsräume, dazu ein Lesesaal mit 40 Arbeitsplätzen stehen zur Verfügung. Die Bücherei mit etwa 10 000 Bänden steht im Ausleiheverkehr mit der Darmstädter Landes- und Hochschulbiliothek und mit denen der benachbarten Universitätsstädte.
Mit dem äußeren Aufbau ging die innere Festigung — auf den „Jugenheimer Stil“ hin — einher, die Angleichung der Lehrziele und die Vereinheitlichung der Bildungsbemühungen. Gastvorlesungen, Tagungen und Fortbildungskurse geben Anregungen zu sozialer und jugendpflegerischer Arbeit.
Die besondere Stellung, die sich Jugenheim innerhalb der westdeutschen Lehrerbildung erworben hat, ist auch daraus ersichtlich, daß sich im Januar die Direktoren aller westdeutschen Lehrerhochschulen treffen werden, wobei beabsichtigt ist, einen ähnlichen Zusammenschluß einzuleiten, wie er in der Bundesvertretung der Studenten an den pädagogischen Hochschulen besteht, deren Vorstand Jugenheim übertragen worden ist. In seinen Ausführungen über die studentische Selbstverwaltung konnte Obmann Karl Sauer auch von reger Zusammenarbeit mit dem Ausland berichten. Man hofft, daß im nächsten Sommer ein Freizeitlager mit dänischen und schwedischen Lehrerstudenten auf dem Heiligenberg eingerichtet wird.
Den Berichten aus Arbeit und Planungen schloß sich die akademische Festrede Professor Dr. E 1 z e r s an, die den Begriff des „Lernens“ von philosophischer Sicht her behandelte. Wie bei allen festlichen Veranstaltungen auf dem Heiligenberg legte auch diesmal das Orchester der Studierenden Zeugnis von seiner Musizierfreudigkeit vor den Gästen ab, die aus dem Wiesbadener Ministerium, dem Regierungspräsidium, aus Schule, Kirche und Gemeinde gekommen waren. p. d.
Forum kritisiert Bürgermeister
Höchst (Le) — Ende vergangener Woche fand in der neuen Schule ein Diskussionsabend des öffentlichen Forums statt, bei dem der Vorsitzende des Verkehrsvereins, Apotheker Haas, das passive Verhalten des Bürgermeisters bei der Ortsverschönerung stark kritisierte. Auch die schleppende Regelung des Schulraumproblems wurde bemängelt. Besonders empfahl man auch die Instandsetzung des Marktbrunnens, der durch sein Ueberlaufen bei Frost den Fußgängerverkehr gefährdet. Die Errichtung einer Haltestelle am Ortseingang der bayrischen Bahn, die Baracke am Schwimmbad, ‘das Feuerwehrhaus und die Pflasterung von Bürgersteigen standen ebenfalls zur Debatte. In Abwesenheit des Bürgermeisters wurden die aufkommenden Fragen von Gemeinderat Appel und Ortsbaumeister Reuter beantwortet. Zum Schluß wurde von. der Versammlung vorgeschlagen, Anfang Januar bei Anwesenheit des Bürgermeisters und der Gemeindevertretung, nochmals dasselbe Thema zur Sprache zu bringen.
Krankenhaus-Krise übherwunden
Lindenfels, (vt) Die Unterstützungsaktion der evangelischen Kirchengemeinden zugunsten des Krankenhauses hatte einen überaus guten Erfolg zu verzeichnen.
Auf den Aufruf von Pfarrer Baumann, Reichelsheim, den er im Namen des hessischen Diakonieverbandes erließ, gingen so viel Spenden an Kartoffeln, Obst und Gemüse ein, daß das Krankenhaus schließlich gar nicht mehr dafür aufnahmefähig war.
Trotzdem immer noch Verhandlungen schweben, erscheint der Fortbestand des Krankenhauses gesichert. Wie uns mitgeteilt wurde, sind derzeit Verkaufsverhandlungen mit der Eigentümerin des Gebäudes, der Landesversicherungsanstalt Speyer, im Gange.
Nur 700 to Kohle für den Landkreis Darmstadt
10. Kreistagssitzung in Griesheim / Landrat Wink erstattet Verhaltungsbericht
Griesheim (hfl). — Gestern trat im „Waldschlößchen“ der Kreistag des Landkreises Darmstadt unter Vorsitz von Landrat W i n k zu seiner 10. Sitzung zusammen. Nachdem der Vorsitzend e die Teilnehmer begrüßt und die Beschlußfähigkeit des Hauses festgestellt hatte, erhoben sich die Delegierten zum Gedenken an das tödlich verunglückte Kreistagsmitglied, Herrn Brückner. Landrat Wink erstattete dann den allgemeinen Verwaltungsbericht.
Seitens der Besatzungsmacht sei geplant, ein Wohnblock zu errichten, um die Freigabe beschlagnahmter Häuser zu erreichen. Die Spende von 20 000 DM, die von McCloy für das Gesundheitswesen gestiftet worden sei, wäre zur Anschaffung eines neuen Röntgengerätes verwandt worden. In den Fragen der Jagdangelegenheiten hätte es mancherlei Enttäuschungen gegeben. Die Wildschäden durch Schwarzwild hätten katastrophale Ausmaße angenommen, und da die zuständigen deutschen Stellen, die für die Jagdwaffeneinfuhr verantwortlich seien, bisher noch keine durchgreifenden Schritte unternommen hätten, wäre an eine Abstellung dieser Plage zur Zeit nicht zu denken.
Bezüglich der Durchführung des Hessenplanes hätte die Kreisverwaltung der Regierung verschiedene Betriebe namhaft gemacht, die einer Förderung wert wären. Besonders in Ober-Ramstadt, Weiterstadt und Pfungstadt bestünden ausgesprochene Schwerpunktgebiete. Die Bezirksfürsorgestelle verteile monatlich etwa 30 000 DM, darunter 11 000 DM an Flüchtlinge, 7000 DM an Evakuierte, 2000 DM an Sozialrentner und 3000 DM für einmalige Beihilfen. Der Kreisjugendausschuß finde noch nicht das Interesse aller Jugendverbände. Trotzcjem wäre eine intensive Tätigkeit zu bemerken.
Das Soforthilfeamt müsse augenblicklich Ueberstunden machen. Vom 1. September 1949 bis jetzt wären 1 305 000 DM zur Verteilung gekommen, darunter 650 000 DM Hausratshilfe, 127 000 DM Existenzaufbauhilfe und 38 000 DM Ausbildungshilfe. Das Schulprojekt Bergstraße sei immer noch aktuell, da die Amerikaner ihr Angebot, 50°/" der Kosten aufzubringen, weiterhin aufrecht erhielten.
An Mahnungen seien im vergangenen Jahr aus öffentlichen Mitteln 367 neu errichtet worden. Seit 1945 betrage die Zunahme an Wohnraum 1292 Wohneinheiten. Das Kreishaus, an dem zur Zeit eifrig gearbeitet werde, solle zum Mai kommenden Jahres bezugsfertig sein.
Bürgermeister Lorenz wies am Schluß des Verwaltungsberichtes darauf hin, daß man insbesondere den Straßen erster Ordnung verstärkte Aufmerksamkeit widmen müsse, wenn man nicht des Fremdenverkehrs verlustig gehen wolle. Auf eine Anfrage wurde mitgeteilt, daß mit der Ausgabe der Weihnachtsbeihilfe noch bis Ende der Woche gerechnet werden könne. Die Neuwahl der Beisitzer zu den Soforthilfe-Ausschüssen ergab folgendes Ergebnis: Flüchtlingsgeschädigte: Studeni (SPD), Sachgeschädigte: Massing (CDU), Währungsgeschädigte: Kenn ler (FDP), politisch Verfolgte: Eckert (SPD).
Unter Punkt Verschiedenes kam die Besetzung der Rektorstelle in Griesheim zur Sprache, wobei sich der Kreistag der Auffassung des Landrats anschloß, daß die Selbstverwaltungskörperschaften auch gewisse eigene Rechte geltend machen müßten.
Landrat Wink erklärte zum Schluß der Tagung, daß zur selben Stunde Besprechungen zwischen dem Regierungspräsidenten und den Landräten stattfänden, auf denen die Brennstoffversorgungslage erörtert würde. Die Situation sei sehr ernst. Während im Oktober 1948 für den Landkreis Darmstadt 2740 Tonnen Kohle zur Verfügung standen, könne diesen Monat nur mit einer Zuweisung von 700 Tonnen gerechnet werden.
300 Wohnungs-Neubauten im Jahre 1950
Tagung der Bürgermeister und Flüchtlingsvertreter des Kreises Dieburg
Dieburg. fjRG) - Drei Punkte von außerordentlicher Bedeutung standen in der Versammlung der Bürgermeister des Kreises zur Debatte. Zu einer Aussprache über Vertriebenenfragen waren auch die örtlichen Vertrauensleute des Verbandes der Heimatvertriebenen eingeladen. Ferner wurde das Problem der Gesundheitsführung in den Landkreisen und schließlich der soziale Wohnungsbau diskutiert.
Zum ersten Punkt, zu dem Regierungsrat Dörsam ein Referat hielt, kamen all die Reibungspunkte der Heimatvertriebenen zu den Alteingesessenen zur Sprache. Im allgemeinen wurde die Auffassung vertreten, daß dieses Problem nicht durch Wohnraumlenkung. sondern einzig durch Wohnraumbeschaffung gelöst werden könne. Solange es aber an den dazu notwendigen Mitteln fehle, müsse in Güte ein Zusammenleben und -arbeiten versucht werden.
Ministerialdirektor Dr. Freund, der über das Gesundheitswesen sprach, forderte vor allem zur Bekämpfung der Tuberkulose einen hohen Grad von Stallhygiene und die Verwendung von nur abgekochter oder pasteurisierter Milch. Gleich wichtig sei die Bekämpfung der Wurmkrankheit durch äußerste Reinlichkeit. Hier müsse vor allem durch Aufklärung die notwendige Bereitschaft zur Abwehr der Krankheit erreicht werden. Die Hygiene-Lichthofausstellung in Darmstadt, die im nächsten Jahre auch in den Landkreisen gezeigt werden solle, habe sich diese Aufgabe gestellt.
Über den Stand des sozialen Wohnungsbaues berichtete Kreisamtmann Sachs. Im Laufe des Jahres 1950 seien etwa 300 Wohnungsneubauten erstellt worden. Zur Durchführung des Wohnungsbaues nach dem Bundesprogramm müßten allein für den Kreis Dieburg 5,4 Millionen DM aufgewendet werden. Aus Bürgermeisterkreisen wurde vor allem die Zurverfügungstellung von Baumitteln kritisiert. Die Bearbeitung der Darlehensgesuche durch die Hessische Landesbank in Frankfurt unter Ausschaltung der Landkreise bringe unliebsame Verzögerungen in der Auszahlung der Gelder mit sich, weil den betreffenden Sachbearbeitern die zur Beurteilung notwendigen örtlichen Kenntnisse fehlten.
Landrat R i t z e r t setzte sich für friedliche Zusammenarbeit, sachliche Aussprache und gemeinsame Überwindung der nun einmal bestehenden mißlichen Verhältnisse und offensichtlichen Nöte ein.
Notizen aus Fränkisch-Crumbach
Lr Am vergangenen Sonntag brachte die Landesmusikschule Darmstadt die Operette „Frau ohne Kuß“ zur Aufführung. Leider war die ausgezeichnete Vorstellung nur schwach besucht. Anders bei der Veranstaltung des Bundes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, der am Nachmittag eine Kinderbescherung und am Abend eine Bescherung für Erwachsene durchführte. Die sorgfältigen Vorbereitungen des 1. Vorsitzenden ließen die kleine Gemeinde im festlich geschmückten Saal „Zur Traube“ einen harmonischen Abend erleben. Der Sportverein gab im Saal „Zur Linde“ ein ländliches Theaterstück: „Heimatklänge“. Mit seinen echten Typen und handfesten Scherzen erntete es reichen Beifall.
2. Odenwaldschau in Fränkisch-Orumbach
Fränkisch-Grumbach. (gi) Die zweite Kreisigefiügelschau des Bezirks Dieburg-Odenwald findet am kommenden Samstag und Sonntag in den Sälen der Gasthäuser „Zur Linde“ und „Traube“ statt. Mit den Züchtern des Dieburger Kreises stellen Zuchtfreunde aus den umliegenden Odenwaldtälern ihr bestes Material aus. Die offizielle'Eröffnungsfeier ist auf Samstagvormittag in der „Traube“ angesetzt.
Heimatabend in Groß-Bieberau
Groß-Bieberau. (GD) Am Sonntagabend hatte die Gemeindeverwaltung die Bevölkerung zu einem Heimatabend eingeladen, bei dem Oberstudienrat i. R. Dr. A. Heldmann über die Geschichte des alten „Bieberau“, seine einstigen Hofreiten und Bewohner in der Zeit um das Jahr 1730 sprach. Die OdenwaldkapeMe umrahmte den Abend. Schüler des Realgymnasiums trugen Gedichte, teils in Odenwälder Mundart vor.
Angestellter wird auf seinen Geisteszustand untersucht
Er betrog die „Odenwaldbank“
68 800 RM und 29 507 DM unterschlagen
Michelstadt. (Wst) - Vor der Großen Strafkammer I beim Landgericht Darmstadt begann am Montag die Verhandlung einer raffinierten Betrugsaffäre. Angeklagt ist der 28 Jahre alte Bankangestellte Heinrich Fornoff aus Stockheim im Odenwald, der innerhalb von zwei Jahren als Angestellter der Odenwaldbank e. G. m. b. H. in Michelstadt nicht weniger als 68 800 RM vor und 29 507 DM nach der Währungsreform durch üble Manipulationen unterschlagen hat.
Seit dem Jahre 1938 war Fornoff bei der Bank tätig. Zwecks Verschleierung seiner Unterschlagungen änderte er Buchungsbelege, einen finanzamtlichen Genehmigungsbescheid zur Währungsumstellung, den der Bank mitgeteilten Kontostand auf einem ihr von der Geno-Bank zugegangenen Schreiben, ließ außerdem mehrere falsche Buchungen vornehmen und den Kunden falsche Tagesauszüge übergeben. Die ordnungsgemäßen Auszüge vernichtete er. Ferner entnahm er bei Kreditkonten der Bank aus den Karteikästen Kontokarten. Um nicht frühzeitig den Verdacht der Unterschlagung auf sich zu lenken, täuschte er überall einen „hohen Totogewinn“ vor. Wie es in der Anklageschrift heißt, basiert der Betrag von 68 800 RM auf zehn und die Summe von 29 507 DM auf zirka 40 einzelne Einzelunterschlagunigen.
Fornoff ist geständig. Wie er angibt, hat er das Geld für den Lebensunterhalt verbraucht. Er übergab dem Gericht eine genaue Aufstellung von Sachen, die er sich mit dem unterschlagenen Geld angeschafft haben will.
Mit welchen Mitteln der Angeklagte arbeitete, beweist die Tatsache, daß er einem zur Aufklärung des Falles eingesetzten Bankangestellten, als dieser während der Unterhaltung plötzlich über Kopfschmerzen klagte, anstatt Grippetabletten ein Schlafmittel gab. Er glaubte so, die Sache weiterhin aufschieben zu können.
Am Montagabend brach die Strafkammer auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. K a 111 e r die Verhandlung ab. Man beschloß, Fornoff auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen.
Zum Dekan wiedergewählt
(se)- Groß-Umstadt. Die Synode des evangelischen Dekanats Groß-Umstadt unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Dr. Türe wählte mit großer Stimmenmehrheit den seitherigen Dekan Pfarrer Karl Reichert auf neun Jahre wieder zum Dekan des Dekanates. Dekanstellvertreter wurde Pfarrer Heinrich Hartmann (Groß-Umstadt).
7226 Jahre beim Kaffeekränzchen
Wixhausen. (1k) - Im Saale des Gasthauses „Zur Traube“ hatte die Arbeiter-Wohlfahrt alte Wixhäuser Einwohner zu einem Kaffeekränzchen eingeladen. 95 Personen über 70 mit zusammen 7226 Jahren waren erschienen.
Ein Krippenspiel, dargestellt von den Frauen und Kindern der Arbeiter-Wohlfahrt, fand reichen Beifall. Abwechselnd spielten A. Krug (Flügel und' Schifferklavier) und F. Schulz (Violine) Weihnachtslieder und frohe Weisen. Der Tenor Willi Büchner gab einige Lieder und Arien zum besten. Die Frauen bewirteten dazwischen die Alten mit Kaffee und Kuchen. Im Namen der Bewirteten sprach Philipp Weber den Mitwirkenden seinen Dank für all die Mühe und Arbeit aus.
Prüfungen für KRirchenmusik
(Kb) — Beim Amt für Kirchenmusik der evangelischen Kirche in Hessen-Nassau bestanden die Prüfung für nebenamtliche Kirchenmusik: Eberhard Dreier, Buchschlag, Helmut Goecke, Weiher r. Odw., Käthe Oliech, Bischofsheim und die Prüfung für nebenamtliche Organisten und Chorleiter Helga Blitz, Darmstadt, Ursula Bosse, Darmstadt und Mätgret Hofmann, Lich (Oberh.)
Katholische Pfarrpersonalien
Durch Ernennungen des bischöflichen Ordinariats Mainz traten folgende Versetzungen ein: Kaplan Heinz Bredel in Ober-Mossau nach Bischofsheim, Pfarrverwalter Josef Klein in Sprendlingen (Rhh.) als vicarius substitutus nach Seckmauern, Pater Heinrich Kup t z als Kaplan nach Offenbach, St. Peter, anstelle von P. Alfons Schäfer, Dr. Heinrich Hähner als Pfarrverwälter nach M ö r 1 eb a c h. (se)
Die Stadtschule Erbach veranstaltet am Donnerstag, um 20.15 Uhr, in der Festhalle ihren diesjährigen Elternabend mit der Aufführung des Märchenspiels „Das gläserne Häuschen“, von M. Cordes, (-ch)
Preisverteilung beim D Film-Forum
Die Gewinner erhalten ihre Preise noch vor Weihnachten
• yre^ag’ ^em 8- Dezember, tagte das Preisrichterkollegium, um unter Aufsicht eines Notars aus der größeren Anzahl richtiger Lösungen die Gewinner der Geld- und Sachpreise zu ermitteln. Geldpreise erhielten:
b £,ejs: ^2? '7era Knöß, Goddelau, Friedrichstraße 30 75 Anni Schmitt, Darmstadt, Robert-Schneider-Straße 15 • reis: 50 DM: Maria Lichtenberg, Jugenheim a. d. 8., Ludwigstraße 17 . Preis: 25 DM: Irmgard Köbler, Darmstadt, Rhönring 135 ■ Preis: 25 DM: Marga Schuchmann, Bickenbach, Karl-Liebknecht-Straße 10 • Preis: 25 DM: Renate Fischer, Zwingenberg, Bahnhofstraße 3 7. Preis: 25 DM: Mia Liebs, Trautheim b. Dst., Im Wiesengrund 13 o. Preis: 25 DM: Evi Koziullo, Rheinheim, Wingertstraße 13 9. Preis: 25 DM: Immo Beyer, Darmstadt, Schloß (Stadtarchiv) 10. Preis: 25 DM: Dr. Ilse Hessel, Darmstadt, Jahnstraße 130 11. Preis: 25 DM: Amalie Kurschat, Darmstadt, Pallaswiesenstraße 21 12. Preis: 25 DM: Liesel Treupel, Roßdorf, Bahnhofstraße 28 13. Preis: 25 DM: Marie Lang, Darmstadt, Kranichsteiner Straße 597/io 14. Preis: 25 DM: Margarete Rieve, Bensheim/Zell, Bismarckweg 9
Als Gewinner der 80 Sachpreise (Je ein „Buch des Films“) wurden ermittelt:
Elsbeth Toth, Fränikisch-Grumbach, Erbacher Straße 30; Marianne Siefert, Etzean/Odenw., Ortsstraße 11; Else Stürmer, Dst./Arheilgen, Kranichsteiner Straße 21; Ernst W. Rech, Darmstadt, Alicenstraße 16; Else Breitwieser, Dst.-Eberstadt, Hügelstraße 61; Lina Schaffer, Dst.-Eberstadt, Heidelberger Straße 29; Irmgard Engelhardt, Darmstadt, Martinsstraße 22; Hedwig Kirsch, Pfungstadt, Lindenstraße 40; Else Zulauf, Darmstadt, Schachtstraße 4; Martha Birkener, Darmstadt, - Leuschner-Straße 34; Margot Ot tum, Darmstadt, Arheilger Straße 57; Hildegard Schön, Dst.- Arheilgen, Darmstädter Straße 124; Else Schleifer, Oberklingen, Neckarstraße 7; Elfriede Reis, Griesheim b. Dst., Bessunger Straße 188; Brigitte Anthes, Darmstadt, Kittlerstraße 42; Gg. Roß, Traisa b. Dst., Ludwigstraße 52; Brigitte Christ, Darmstadt, Oppenheimer Straße 7; Valerie Gaube, Darmstadt, Hobrechtstraße 31; Hartmut Schild, Darmstadt, Bismarckstraße 71; Marie Mischlich, Darmstadt, Darmstraße 49; Elisabeth Kopp, Darmstadt, Lagerhausstraße 26; Lucie Gerbig, Pfaffenbeerfurth, Marktplatz 8; Georg Marc u , Darmstadt, Forstweg 18; Marga B ö*h m , Messel, Fr.-Ebert-Straße 7; Fritz Richter, Wolfskehlen, Groß-Gerauer Straße 1; Inge Stock, Reinheim, Kirchstraße 39; Erika Scheuch, Dst. -Eberstadt/Kühler Grund, Mühltalstraße 48; Heinrich Peters, Darmstadt, Moltkestraße 45; Wilhelm Schuchmann, Darmstadt, Dieburger Straße 76; Georg Walter, Pfungstadt, Rheinstraße 78: Reiner Ohlenforst, Reinheim, Ludwigstraße 19; Bertel Pschierer, Darmstadt, Steinbergweg 45; Friedrich Wachtel, Griesheim b. Dst., Gg.-Fröba-Straße 16; Christian Orth, Höchst, Bismarckstraße 2; Karlheinz W e'h r 1 e , Darmstadt, Kaupstraße 49; Fritz Stauth, Dieburg, Steinstraße 48; Albert Brückei, Darmstadt, Am Erlenberg 29; Annemarie Reich a r t, Darmstadt, Ludwigshöhstraße 37; Ida Wehmer, Darmstadt, Heinrichstraße 27; Reiner Wohmann, Darmstadt, Fichtestraße 35; August Schuch, Seeheim, Villastraße 5; Anna A'pfel, Roßdorf, Müllerstraße 54; Marie Schönbein, Darmstadt, Barkhausstraße lOVs; Renate Sauer, Darmstadt, Arheilger Straße 68; Georg Treupel, Roßdorf, Bahnhofstraße 28; Margarete H u tterer, Brensbach/Odenw., Heidelberger Straße 45; Ilse Roth, Gräfenhausen, Darmstädter Straße; Ella Kroll, Darmstadt, Kranichsteiner Straße 59; Marie Maul, Nieder-Ramstadt, Karlstraße 9; Else M. Peemöller, Darmstadt, Frankfurter Straße 24; Willi Fornoff, Dst.-Eberstadt, W.-Leuschner-Straße 157; Ludwig Klöß, Ober-Ramstadt, Darmstädter Straße 62; Gerlinde Straub, Mümling-Grumbach, Wiesenweg 105; Hermann Manet, Darmstadt, Heinrichstraße 105; Christa Radzi¬ !k ows ky , Darmstadt, Im Harras 29; Emma Otterbach, Darmstadt, Dornheimer Weg 30; Lisa Schüler, Darmstadt, Bessunger Straße 2; Else Lenz, Roßdorf, W.-Leuschner-Straße 2; Heinr. Schwartz, Jugenheim, Ludwigstraße 17; Wally Salomon, Wixhausen,. Mittelgasse 24; Annemarie Köpper, Darmstadt, Atzwinkelweg (Hochschulstadion); Josefine Fischer, Darmstadt, Löffelstraße 16; Annemarie Phrymert (Namen nicht einwandfrei entziffert), Darmstadt, Spessartring 14; Irmgard Hanitzsch, Darmstadt, Rheinstraße 14; Flora K a u ß , Gernsheim, Mainzer Straße 18; Heinrich Jeckel, Bensheim, Erbacher Straße 11; Ilse Schäfer, Wolfskehlen, Martinsstraße 15; Max S k o n e c k i, Darmstadt, Soderstraße 109; Jörn Schnell, Alsbach, Brückenweg 5; Josef Mart ter, Darmstadt, Otto-Wolfskehl-Straße 30; Elisabeth Breuer, Zwingenberg, Bahnhofstraße 8; Ludwig Endn er , Darmstadt, Aeußere Ringstraße 124; Hans Naporra, Jugenheim, Zwingenbergstraße 8; Johanna Scheliga, Darmstadt, Röhnring 139; Fritz Hechler, Griesheim b. Dst., Sterngasse 15; Ingeborg Kohlbacher, Hering im Odenw., Hinterg. 5; Ilse Lohf in k , Darmstadt, Röhnring 31; Else Huck, Ober-Ramstadt, W.-Leuschner-Straße 26: Irene Hlawaty, Gr.-Bieberau, Hauptstraße 76; Alexander Konrad, Lützelbach/Odenw., Ortsstraße 22.
Das Ergebnis der Abstimmungen
Es war zuerst nach dem besten deutschen Film
gefragt worden. Das Ergebnis ist aufschlußreich und zeigt, daß unsere Leser einen gediegeneren Geschmack haben, als man vielfach meint. Nicht Wildwest- und Gangsterfilme, nicht Kriminalreißer und seichter Gesellschaftskitsch wurden von unseren Lesern für gut erklärt, sondern der ernste und inhaltsschwere Film
NACHTWACHE!
46 Prozent aller überhaupt abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn, und in die verbleibenden 64 Prozent der Stimmen teilen sich etwa 50 Filme. Nur „SchwarzwaldmädeT' konnte noch eine Prozentzahl von 13 auf sich vereinigen, danach kommen Filme, die weniger als zwei Prozent und ein Prozent aller Stimmen bekamen!
Zu den beliebtesten deutschen Schauspielern
wurden von unseren Lesern zwei Darsteller erklärt, und zwar mit einer geradezu erstaunlichen Einmütigkeit:
MARIKA RÖKK und RUDOLF PRACK.
Für Marika Rökk erklärten sich 45 Prozent aller Abstimmenden, für Rudolf Prackstimmten 38 Prozent. Alle anderen bekannten Filmschauspieler folgen ihnen mit mehr oder minder großen Prozentzahlen. — Was die Teilnehmer am Wettbewerb zur Auffindung neuer Filmgesichter anbetrifft, so müssen wir unsere Leser noch etwas vertrösten. Die Auswahl und gewissenhafte Sortierung der vielen, vielen Bilder erfordert noch Zeit. In den ersten Wochen des neuen Jahres wird es soweit sein. Näheres hierüber geben wir noch rechtzeitig bekannt.
Julzeit in Schweden
ZUM LUCIATAG AM 13. DEZEMBER
In Schweden wird die Weihnachtszeit eingeleitet mit dem 13. Dezember, dem Luciatag Heute verläuft dieser Tag ganz anders als noch vor einigen Jahren. In jeder Stadt wird eine Lucia gewählt. Als die Schönste, in emem kostbaren Pelz und mit Blumen beschenkt, fährt sie mit ihrem Gefolge in einer großen Kortege durch die Stadt. Danach werden Besuche zwischen den Lucien der verschiedenen Städte getauscht, und die Auserwählten fliegen sogar nach London, wo sie vom Lordmayor begrüßt werden, nach Neuyork und anderwärts, wie auch Schweden feierlichen Besuch erhält von den Lucien anderer Läpder.
T- Dies ist aber keineswegs schwedische Tradition. Vordem spielte sich die Luciafeier ganz innerhalb der Familie ab. Die junge Frau oder die Tochter schmückte sich morgens um 5 Uhr als Lichterbraut mit einem Lichterkranz auf dem Kopfe. In ein weißes Gewand gekleidet, bot sie den Familienmitgliedern Kaffee und viel gutes Gebäck am Bett an. Von diesem Tage an zählen die Kinder mit Spannung die noch verbleibenden Tage bis zum Julabend
Und endlich ist er da. der große Tag! Schon auf dem Frühstückstisch brennen nur Kerzen in bunten Armständern. Vor jedem Gedeck liegt das traditionelle Gebäck. Hie Kringel, das Sonnwendkreuz, der Julböck und vieles andere. _ . ~ f t
Um 12 Uhr geht die Familie in die festlich hergerichtete Küche zum „Stippen“. Auf dem Herd steht ein Kessel mit FetthHihe in die das besonders gewürzte Julbrot in dünnen Scheiben gestippt wird. Da¬ -7u wird ein besonders stark gewürztes, süße« Weihnachtsbier getrunken. Abends Fndet das Mittagessen statt mit der altherkömmlichen Speisenfolge, u. a. bestehend au™ Stockfisch, der sechs Wochen in einer Imme gelegen hat und nur wenigen mundPt aber unter keinen Umständen fehlen darf weite“ aJs Spanferkel mit Apfelbrei und' zuletzt einem Reisbrei, in dem eine Mandel versteckt ist. Wer sie erwischt, kann auf baldige Heirat denken. Bei uns fand stets Vater sie in seiner Portion, worüber wir jungen Leute nicht wenig empört waren.
Nach dem Essen wird der Weihnachtsbaum angeizündet, und wo Kinder sind, wird um ihn in einem großen Kreis getanzt unter Absingen der alten, einfachen Jullieder. Und dann klopft es an die Tür, der Jultombe erscheint im schneeigen Pelz, mit großem Bart und hohen Stiefeln. Auf dem Rücken trägt er einen Sack mit Geschenken für die Kleinen. Er ist sehr gütig, aber erschreckend und feierlich empfinden ihn die Kinder. Unter dem Weihnachtsbaum stehen große Körbe mit Julklappar, gut verschnürt mit viel Kordel und Lack. Der Hausvater verteilt die Pakete und liest die Widmungsverse dabei vor.
Am nächsten Morgen um 5 Uhr geht oder, wenn wie auf dem Lande der Weg zu weit ist, fährt die ganze Familie in die „Julottan“. in die Kirche. Die Villen und Häuschen, die draußen meist halb im Walde stehen, haben die Jultannen angezündet, an den Fenstern hängen große, erleuchtete Julsterne. Der Schein fällt nach draußen auf den hohen Schnee, die behangenen Bäume — von unbeschreiblicher Stimmung ist solch ein Julmorgen des schwedischen Winters.
Abgeschlossen wird die Julzeit 12 Tage nach dem 24. Dezember, also am 6. Januar. Da wird der Baum geplündert, hinausgetragen und angezündet. Und dies ist ganz und gar Sache der Kinder, die in dieser Zeit nicht nur die eigene Plünderung zusammen mit geladenen Freunden haben, sondern Tag für Tag auch selbst hierzu eingeladen werden und infolgedessen nicht aus den Magenverstimmungen herauskommen.
Auch zum Abschluß der Julzeit. dem Dreizehntetagsabend, wie zum Altjahrsabend kommen die festlichen Gerichte vom Jultag in der gleichen Folge auf den Tisch. Ebenso ist auch für den folgenden Festtag der Speisezettel vorgeschrieben und wiederholt sich dreimal, am Jultag. am Neujahrstag und am 6. Januar.
Froh und heiter wird die lange Weihnachtszeit begangen, und das ist auch notwendig, um die Dunkelheit und Kälte der Winterwochen zu überwinden, die mit Schnee, Sturm und Eisglätte bis zum März ahdauern und das Leben erschweren, ton
Poldi Mildner spielte mit dem Klavier
4. ABONNEMENTSKONZERT DER MUSIKZENTRALE
Poldi Mildner ist zweifellos eine große Virtuosin. Aber die Qualität jeglicher autoritativer Darlegung hängt mindestens ebenso sehr von dem ab. was der Künstler nicht tut wie von dem, was er tut. Die Pianistin verläßt sich zu sehr auf ihre uniheimliche Technik, deren Brillanz im Spiel in stärkster Schwarz-Weiß-Zeichnung härteste Konturen modelliert. d> oft mehr erschrecken als beeindrucken. Die Bewunderung für die handwerkliche Geschicklichkeit wiegt jedoch den Mangel an musikalischer Auffassung und Interpretationskunst nicht auf. Poldi Mildner scheint das zu wissen und wählt entsprechend ihr virtuoses Programm. Nicht zu wissen scheint aber die geläufige rechte Hand, daß die linke an Kraft das Doppelte im Anschlag verbraucht. Findet man sich mit der Tatsache artistischer Virtuosität bei der Künstlerin ab. so sind Schumanns Carneval-Szenen op. 9 am glücklichsten gestaltet. Chopins Ballade in F wird zum Revolutionsfilm, Brahms Paganini-Variationen zum glänzenden pianistischen Schaustück. Beethovens Waldstein-Sonate, die ja nicht aus „seelischer Notwendigkeit“. sondern aus überschäumendem Kraftgefühl entstanden ist, könnte man in den Ecksätzen trotz der hämmernden Eilfertigkeit bestehen lassen, wenn nicht die Adagio-Teile so gänzlich unbeteiligt danebenliefen. Galluppis Sonate verriet kaum Stil, von Friedemann Bachs d-moilil-Konzert (Bearbeitung) waren nur wenige Noten authentisch vom Komponisten. Hier scheint übrigens die Lektüre von Brachvogels „dämonischem“ Phantasieroman zu starke Nachwirkungen hinterlassen zu haben. Auffällig die häufige Bedienung des Pedals als Rollschweller. Gewiß ist Poldi Mildner eine phänomenale Virtuosin von internationalem Rang, aber in ihrer Interpretationsweise kann sie als Künstlerin so nicht überzeugen. — Trotzdem viel Beifall in der Stadthalle und eine Reihe Zugaben. G. I.
Ein junger Ruropäãer
Sammy Schmitt sprach im Amerika-Haus
Drei Bücher hat dieser junge Schweizer Schriftsteller bis jetzt geschrieben: ein Kinderbuch, eine Rahmenerzählung und ein Buch — „Das Glück, ein Narr zu sein“ —, in dem er seine Erlebnisse als Staatenloser in vielen europäischen Ländern und seine Begegnungen mit deren Menschen schildert. Sein Weg führte ihn als Schiffsjunge, Vagabund, Kindermädchen, Landarbeiter, Fremdenführer und wer weiß was sonst noch durch halb Europa.
In allen Ländern hat der junge Schriftsteller Freunde gefunden, unter Menschen aller Konfessionen, auf der Landstraße, am Arbeitsplatz und — im Krieg — in den Lagern, im KZ. Die Lehren, die ihm das Leben gab, brachte nun Sammy Schmitt in seinem Vortrag als Anregung: jeder von uns solle sich Freunde im Ausland zu erwerben suchen, keinem möge das Anders-Sein im Ausländer als etwas Schlechtes erscheinen. So könne im Kleinen, in der Begegnung von Mensch zu Mensch, etwas gegen den Krieg und für die Verständigung getan werden. Man solle sich auch der Gesetze Moses’ erinnern, in denen soviel Gutes und des Nachdenkens wertes liege. Eine lebhafte Aussprache schloß sich dem Vortrag an. rw
„Emilia Galotti“ in Bensheim
In Bensheim' gastierte das Wormser Stadttheater mit Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“. Die Regie (Heinz Artmann) hatte unter Vermeidung aller leeren Gestik und Theatralik klar und wirkungsvoll die dramatischen Spannungen und Gegensätze herausgearbeitet, sich dabei eng an das Werk gehalten und die durchgeistigten Dialoge Lessings in den' Vordergrund gestellt Ein schlichtes, wirkungsvolles und sehr zweckmäßiges Bühnenbild hatte Hanns Willy Herbert geschaffen. Die Darsteller spielten mit Hingabe und Ueberzeugung und formten jede Gestalt des Dramas zu einer besonderen Persönlichkeit. Es dürfte diese Aufführung wohl die beste gewesen sein, mit der die Wormser bis jetzt in Bensheim gastierten. (HB)
Neuer Film
UNION. - „Sträfling 3312.“ Clenn Morgan, ein ehemaliger Jagdflieger, den der Krieg etwas aus der Bahn geworfen hat, gerät in eine Schwarzhändler-Bande. Als er aber erfährt, daß seine „Kollegen“ auch Rauschgift verschieben, will er wieder „aussteigen“. Da er zuviel weiß, wird ihm der Mord an einem Polizisten in die Schuhe geschoben und er wandert mit einer Zuchthausstrafe von fünfzehn Jahren in ein Straflager, von wo er allerdings recht bald wieder ausbricht, um sich an denen zu rächen, die seine Verurteilung verschuldeten.
Ein waschechter englischer Kriminalfilm, packende Handlung von Anfang bis Ende, raffinierte Kameraeffekte, vorzügliche Charakterisierung der Rollen durch die Darsteller und — 'nicht zuletzt — eine blendende Synchronisation. In den Hauptrollen: Trevor Howard und Sally Grey. Ein Streifen, den sich die Freunde des Kriminalfilms ansehen sollten. hn
Ein Liederkonzert veranstaltete der Mannergesangverein Altheim am 2. Adventsabend mit einem sehr reichhaltigen Programm von Chören, Volksliedern und Solovorträgen. Die Leitung hatte Chormeister Musikdirektor Leist-Dieburg, der auch als Tenorist sowie mit zahlreichen eigenen Kompositionen zur Geltung kam. Besonders gefeiert wurde außer dem Dirigenten die Sopranistin Frl. Rudolf aus Groß-Zimmern. In der jungen Nachwuchssängerin scheint eine beachtenswerte Hoffnung und Anwärterin auf das Soubrettenfach zu stecken, -se.
Die Darmstädter Musikzentrale veranstaltet gemeinsam mit dem Chopin-Komitee am Samstag, dem 16. Dezember um 19.30 Uhr auf der Mathildenhöhe einen Konzertabend mit Wladyslaw Kedra, dem Chopin-Preisträger von Warschau und Genf. Auf dem Programm stehen Werke von Scarlatti, Haydn, Liszt, Chopin, Paderewski und Stymanowski.
Der 36. Esperanto-Weltkongreß wird vom 4. bis 11. August 1951 in München stattfinden.
Der SPORT
Jenseits der Grenzen
Arsenal verlor wieder einen Punkt / Auch Internazionale ließ Federn
Mit einem Punkt Vorsprung gewann Arsenal, das schon einmal weit in Führung lag, die Halbzeitmeisterschaft der 1. englischen Division. Gegen Blackpool langte es auf eigenem Platz und vor 65 000 Zuschauern nur zu einem 4:4. Ebenso unenglisch war das Ergebnis, das der Tabellenzweite Middlesbrough gegen Charlton Athletic herausschoß (7:3). Newcastle United erzielte gegen die Wölfe ein 1:1, und mit dem gleichen Ergebnis trennte sich der Tabellenvorletzte Sheffield Wednesday von den gefürchteten Tottenham Hotspurs. Die „Heißsporne“ können aber noch mit Newcastle den Tabellenplatz tauschen, wenn sie ihr rückständiges Spiel gewinnen. Während das Schlußlicht Everton auf eigenem Platz gegen Derby County mit 1:2 verlor, holte sich das ebenfalls gefährdete Chelsea gegen Fulham mit 2:0 beide Punkte.
In Bergamo hängen die Trauben hoch
Die Verfolger warten in Italien darauf, daß der Spitzenreiter Internazionale Mailand entscheidend strauchelt. Diesmal kam der Tabellenführer noch mit einem blauen Auge davon, denn bei Atlanta Bergamo gab es wenigstens einen Punkt (3:3). FC Mailand (3:0 über den einst berühmten FC Turin) und Juventus Turin (4:0 über Novarra) wahrten ihre Rechte. Der- vierte Tabellenplatz konnte von Como nur eine Woche lang gehalten werden. In Palermo hieß es 0:3. Dafür erscheint mit Lazio Rom ein alter Bekannter, der sich vom FC Neapel mit 3:1 die wichtigen Punkte holte.
Chiasso vor Lausanne Sports
In der Schweiz gab es keine Veränderungen in der Rangfolge, da die Spitzenmannschaften als Sieger vom Platz gingen. Mit 13:5 Punkten bleibt Chiasso (2:0 über Lugano) an der Spitze. Es folgen Lausanne Sports mit 13:7 Punkten (3:1 über den FC Basel) und Young Boys Bern, die es durch ihren 3:0-Erfolg über Servette Genf ebenfalls auf 13:7 Punkte brachten.
Lüttich spielte unentschieden
Der SC Anderiecht konnte in Belgien seine Position verbessern und nimmt nach seinem 2:0-Erfolg über Racing Brüssel an Stelle seines Gegners bei 19:9 Punkten den zweiten Platz ein. An der Spitze Hegt noch der FC Lüttich, der bei Berchem Sport über ein 1:1 nicht hinauskam und nur 21:7 Punkte aufweist. Die weitere Reihenfolge: Racing Brüssel 18:10 und Tilleur FC 17:11 Punkte.
Drunt im Süd...
Aus der Niederlage von Athletico Madrid (0:3 bei La Coruna) zog in Spanien Sevilla den meisten Nutzen. Sie schossen gegen Bilbao ein wertvolles Tor und kamen auf 21 Punkte gegenüber den 19 Punkten, die Madrid aufzuweisen hat. Valladolid, das spielfrei war, hat ebenfalls 19 Punkte.
Bezirkstagung im Tischtennis
Der Bezirk Darmstadt hielt am Wochenende seine Bezirkstagung ab. In Anwesenheit des 1. Vorsitzenden Peter Bunn und der Landesfachwartin Fey begrüßte der kommissarische Leiter des Bezirkes Heinrich Ritzert (Auerbach) die Kreisfachwarte und die einzelnen Delegierten der Vereine. Nach Rückblick über die abgeschlossene Vorrunde der Bezirksklasse wurden die Termine der Rückrunde festgelegt. Gleichzeitig wurden die Bezirksmeisterschaften vergeben. So werden die Meisterschaften der A-Klasse am 18. 3. 1951 in Griesheim, die B-Meisterschaften am 11. 3. 1951 in Mörfelden und die C-Meisterschaften am 4. 3. 1951 in Jugenheim durchgeführt. Die Jugendmeisterschaften werden für die Einzelspiele am 11. 2. 1951 in Bessungen, die Mannschaftsmeisterschaften am 28. 1. 1951 in Mörfelden abgehalten.
Die Vorrunde der Bezirksklasse ist mit einigen Nachtragsspielen zum Abschluß gelangt. Die Tabelle hat folgendes Aussehen: 1. Mörfelden 13:1, 2. 1875 Darmstadt 12:4, 3. Groß-Umstadt 8:4, 4. Bensheim II 7:5, 5. Arheilgen 6:8, 6. Wolfskehlen 5:9, 7. Jugenheim 4:8, 8. Pfungstadt 3:11, 9. Biebesheim 2:10,
Der Spitzenreiter Mörfelden konnte durch einen überlegenen Sieg in Wolfskehlen die Tabellenführung weiter ausbauen (13:3). Mit dem gleichen Ergebnis besiegte die TSV Pfungstadt auf heimischer Platte die Mannschaft von Biebesheim. Ku
Tischtennis-Landesliga ohne Veberraschungen
Das größte Interesse am vergangenen Wochenende galt der Begegnung der beiden Spitzenreiter SV Flörsheim und SV Wiesbaden. Die Partie endete 8:8, was den beiderseitigen Leistungen entsprach. Lachender Dritte ist die Eintracht Frankfurt, die einen Verlustpunkt weniger hat und die Tabelle anführt. Trotzdem sollten die Wiesbadener, die bald wieder auf Lentföhr und Scheer zurückgreifen können, das Rennen der Meisterschaftsrunde zu ihren Gunsten entscheiden. Ueberraschend glatt konnte SG Klein-Krotzenburg bei Weiß-Blau Frankfurt siegreich bleiben. Knapp unterlag die TG Rüsselsheim in Friedberg und dürfte nach dem neuerlichen Punktverlust hoffnungslos dem Abstieg verfallen sein. Bei den Damen sah das Spielprogramm recht mager aus. Die Eintracht Frankfurt wahrte ihre Chancen auch ohne ihre Spitzenspielerin Ilse Donath und siegte in Höchst bei der dortigen SG glatt 13:3.
Ringen
Erwartete Resultate in der Kreisliga
In der Riinger-Kreisliga, Gruppe 1, unterlag die Staffel von Roßdorf am Samstagabend in Münster. Das Treffen Wersau— Groß-Zimmern II kam nicht zum Austrag. Die Münsterer kamen mit 5:3 Punkten gegen Roßdorf zu einem verdienten Sieg. Wohl waren die Gäste nicht komplett, doch die Einheimischen zeigten eine gute Form und hätten voraussichtlich doch gewonnen. Im Bantamgewicht lieferte der alte Mattenfuchs Stelzer (R) einen schönen Kampf gegen Schneider (M) und verlor erst in der 8. Minute nachdem er sich selbst in eine gefährliche Lage brachte. Auch im Leichtgewicht hatten die Gäste einen der alten Veteranen stehen, doch der jugendliche Emil Löbig (M) stellte seinen Mann und besiegte Nikolay in der 11. Minute durch Doppelstütz. Für die Einheimischen siegten außerdem: Seibert über Kirsch, Karl Löbig I über Lebert, Karl Löbig II über Breitwieser nach Punkten. Für Roßdorf waren Fröhlich über Gerhard Löbig, Moter nach Punkten über Englert und Huck über Edmund Schneider erfolgreich.
Zu den Placierungen der Gruppe 2 erfahren wir, daß noch immer die Staffel von Nieder-Ramstadt die Tabelle anführt. Die Nieder-Ramstädter haben sowohl gegen den Kampf in Bensheim als auch in Rimbach Protest erhoben. Bensheim muß sich also bis zur endgültigen Entscheidung durch den Spruchausschuß mit dem zweiten Platz begnügen.
D.ie Ergebnisse vom Sonntag: Nieder-Ramstadt—Pfungstadt 5:3 und Ober-Ramstadt II gegen Bensheim 2:6.
Besonders spannend für die sehr zahlreichen Zuschauer war der Kampfverlauf in Nieder-Ramstadt, zumal die Gastgeber erst mit dem letzten Kampf ('Weltergewicht) den Sieg sicherstellten. Für die Gäste konnte nur Steinmetz einen Schultersieg erzielen, während sich Hofmann und Koch mit einem Punktsieg zufrieden geben mußten. Die Punkte der Einheimischen errangen: Müller, Keller, Pfannenschmidt, Krautwurst und Faidermahn. — Die Bensheimer stellten in Ober-Ramstadt erneut ihre gute Kondition ■unter Beweis. Die Gastgeber kamen nur im Mittel- und Weltergewicht zu einem Sieg und mußten den Gästeningern die verdienten Punkte mitgeben. Kampfleiter Kaffenberger, Nieder-Ramstadt, hatte in diesem fairen Treffen ein leichtes Amt. -ES-
Short in Kürze
Der Kraftsportverein 1910 Darmstadt wird am kommenden Sonntag im Schwanensaal in Arheilgen seine diesjährige Weihnachtsfeier abhalten. Eine reichhaltige Programmfolge mit einer auserlesenen Tombola wird die um 18 Uhr beginnende Veranstaltung aiufweisen. Anschließend wird die Kapelle Bänisch zum Tanz aufspielen. Eintritt 1,— DM. -eri-
Der Kegelklub „Schuster" trug am Sonntag auf der Asphaltbahn der Woogsturnhalle seine Vereinsmeisterschaft aus. Bei 100 Wurf errang Thomas mit 582 Holz den Meistertitel vor Büttner (554), Gesser (548), Wenninger (540) und Stork (519).
Der Kraftsportverein „Vorwärts“ Groß-Zimmern veranstaltete ein Weltergewichtsturnier, das Diettmann vor Dietrich und Haas (alle Groß-Zimmern) gewinnen konnte. Die nächsten Plätze belegten Böttcher ( Ober-Ramstaidt) und Bück (Frankfurt 86). Tosenden Beifall erhielt die bekannte Künstlertruppe „6 Fechinis“ für ihre artistischen Leistungen. Verbandsvorsitzender Heckmann (Darmstadt) ehrte die Herren Heinrich Roth und Friedrich Held für ihre Verdienste mit der goldenen Ehrennadel des Landesverbandes. Die goldene Vereinsehrennadel erhielten Philipp Obmann, Karl Bernhard, Justus Krauß und Ehrenvorsitzender Heinrich Held. Die Herren Johann Angermeier, Georg Beutel, Peter Vonderheidt, Johann Seibert, Karl Kläber und Heinrich Krauß wurden mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. -gi- *
Karten für die Fahrt im Sondertriebwagen der Bundesbahn zum Spiel des SV 98 in Schweinfurt sind ab heute auf der Geschäftsstelle des SV 98 erhältlich. Fahrpreis 8,50 DM. Abfahrt am Sonntag ab Darmstadt 8.23 Uhr, Ankunft 11.34 Uhr. Rückfahrt 18 Uhr, Ankunft in Darmstadt 21.10 Uhr. *
Hannover, (sid) Ein schwerer, unerwarteter Verlust traf den deutschen Sport mit dem Tode von Robert Henle, dem Präsidenten des Deutschen Ski-Verbandes. Der 68jährige Ski-Präsident erlitt am Gründungstäge des Deutschen Sport-Bundes in Hannover einen Schlaganfall, an dessen Folgen er verstarb.
Die Geschäftsstelle des Deutschen Fußball-Bundes wird schon Mitte Januar von Stuttgart nach Frankfurt a. M. übersiedeln, nachdem in der Mainmetropole im Hause Arndtstraße 39 geeignete Räumlichkeiten gefunden wurden.
Der Bayrische Fußball-Toto steht, der Beteiligung an einem etwaigen süddeutschen Toto-Block ablehnend gegenüber, weil damit den Wettern nicht gedient ist und der mit weiteren Zusammenschlüssen unvermeidliche Umsatzrückgang (im ganzen gesehen) den Anteil des Sports beeinträchtigen würde.
Zürich, (sid) Die Eidgenössische Kunstturner-Vereinigung richtete an den Leiter der deutschen Kunstturner, Albert Zellekens, eine Einladung, am 6. Mal 1951 in Luzern einen Kunstturn-Länderkampf Deutschland — Schweiz auszutragen. Da der Deutsche Turner-Bund noch nicht dem internationalen Verband angehört, haben die Schweizer gleichzeitig um eine Spezialerlaubnis für diesen Kampf beim ITB nachgesucht, die voraussichtlich auch erteilt werden dürfte.
Zu den Rollhockey-Weltmeisterschaften 1951 in Barcelona haben bisher 13 Länder ihre Zusage gegeben: Portugal, Frankreich. Belgien, Schweiz. Italien, Deutschland, England. Aegypten. Dänemark, Luxemburg, Ifland, Uruguay und Spanien. (sid) »
Erfolgreichster Sechstage-Fahrer nach dem Kriege ist nach einer belgischen 3-2-1- Punktewertung der Holländer Gerrit Schulte mit 31 Punkten yor Bruneel (27) und Gerrit Boeven (19). Dahinter folgen: van Steenbengen (16), Lapebie und Naeye (15), Petens (14), Arnold (13), Kilian, Adriaenssenis und Strom (11), Serös, De Kuysscher und Depauw (je 10 Punkte, (sid) *
Borussia Dortmund und die Spvgg Fürth, die beiden letztiährigen Meister von West- und Süddeutschland. haben für den zweiten Weihnachtstae ein Freundschaftsspiel nach Dortmund vereinbart. (sid)
Toto-Quoten
| Zwölfertip: | Hessen / West-Toto | |||||
| 1. Rang 12 richtig | 56*Gewinner | 2362,— | DM | |||
| 2. Rang 11 | richtig | 1 034 | Gewinner | 127,30 | DM | |
| 3. Rang 10 | richtig | 8 956 | Gewinner | 14,30 | DM | |
| Zehnertip: | 1. Rang 10 | richtig | 1 231 | Gewinner | 113,50 | DM |
| 2. Rang 9 | richtig | 14 155 | Gewinner | 9,60 | DM | |
| 3. Rang 8 | richtig | 70 196 | Gewinner | 1,70 | DM | |
| Nordblock | ||||||
| 1. Rang 11 | richtig | 44 | Gewinner | 8657,— | DM | |
| 2. Rang 10 | richtig | 1 069 | Gewinner | 356,— | DM | |
| 3. Rang 9 | richtig 10 951 | Gewinner | 35,30 | DM |
Unser Tip für den West-Hessen-Toto
| FSV Frankfurt | — VfR Mannheim | 1 | 1 |
| München 1860 — | Offenbacher Kickers | 0 | 1 |
| RW Oberhausen ■ | — Alemannia Aache.n | 1 | 1 |
| VfL Neckarau — | Eintracht Frankfurt | 1 | 0 |
| St. Pauli Hamburg — Göttingen 05 | 1 | 1 | |
| Singen 04 — Vfß | Stuttgart | 0 | 2 |
| TuS Neuendorf — | - Eintracht Trier | 1 | 1 |
| Vohwinkel 80 — | VfL Benrath | 1 | 0 |
| Duisburg 08 — TSV Detmold | 1 | 1 | |
| Spvgg. Fürth — | Bayern München | 1 | 1 |
| BC Augsburg — 1 | . FC Nürnberg | 2 | 0 |
| 1. FC Pforzheim | — 1. FC Bamberg | 0 | 1 |
| Schweinfurt 05 - | - Darmstadt 98 | 1 | 0 |
| Schwarz-Weiß Essen — Schalke 04 | 2 | 2 |
Mainz im Frühmittelalter
Ein Vortrag im Historischen Verein Darmstadt
Am 11. Dezember 1950 sprach Universitätsprofessor Dr. Büttner (Marburg) über das „Fränkische Mainz als Beitrag zur mittelalterlichen Stadtgeschichte und zum Kontinuitätsproblem“. Er führte dabei folgendes aus:
Die stadtgeschichtliche Forschung ist in den letzten Jahren in der deutschen wie in der französischen Wissenschaft wieder stark in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Dabei hat sich die Notwendigkeit von Einzeluntersuchungen immer wieder erwiesen. Für Mainz besteht eine solche Untersuchung, die über das Zuständliche hinausgeht und das genetische Moment hervorhebt, noch nicht, obschon Mainz in der frühmittelalterlichen Geschichte des Franken- und danach des Deutschen Reiches eine bevorzugte Rolle spielte.
So ist eine Studie über das Werden des frühmittelalterlichen Mainz nicht nur für die Städtegeschichte von Bedeutung, sondern auch für die allgemeine Frage der geschichtlichen Kontinuität und für die Kenntnis über die fränkische Herrschaft am Mittelrhein. Die in beträchtlichen Teilen noch im Mittelalter erhaltene römische Stadtmauer, die im Jahre 882 eine erste große Erneuerung erhielt, umschließt ein weites Gebiet, das der Fläche des spätrömischen Köln nicht nachsteht und die Bereiche des spätantiken Worms oder Straßburgs weit übertrifft. Die Einbeziehung der Hügelränder, die sich im Westen der Stadt erheben, war aus Verteidigungsgründen notwendig; die Beschaffenheit des Geländes bedingte somit den Verlauf der Mauer.
Das Herausschälen der städtischen Siedlung des 13. Jahrhunderts innerhalb des Mauerbereiches ist nicht besonders schwierig. Die Gegend der Bleichen im Norden und des Kästrich im Westen war größtenteils noch unbebaut.
Die Lage der Bettelorden- und Zisterzienserinnenklöster des 13. Jahrhunderts vom Franziskanerkloster über den Dominikanerkonvent zu St. Agnes und dem Weißfrauenkloster am Dietmarkt (Schillerplatz) deutet eine weitere Zone lockerer Bauweise an, die als Grenzlinie oder -säum zwischen der Domsiedlung und dem Quartier um St. Emmeran zu betrachten ist. Die Außengrenze dichterer Besiedlung nach Norden wird gekennzeichnet durch das Karmeliten- und Reichklarakloster.
Von der Höhe des Gautors wuchs seit den letzten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts die Siedlung um die damals errichtete Kollegiatkirche St. Stephan der Stadt am Flußufer über die Gaugasse entgegen. Diese aus dem rheinhessischen Hügelland kommende Straße fand ihre Fortsetzung nach dem Flußübergang durch die jetzige Emmeransstraße, der einzigen Straßenführung, die ihren römischen Verlauf noch gewahrt hat. Die Immunität von St. Stephan reichte bis zum Fuße des Hügelgeländes, das von der Stitftskirche her nach dem Dietmarkte und nach dem Weihergarten sich senkte. Dieses Immunitätsgebiet deckte sich noch im 18. Jahrhundert mit den Grenzen der Pfarrei St. Stephan.
Ein sehr starker Gleichklang d'er Mainzer Pfarreigrenzen, wie sie sich zum ersten Male im 18. Jahrhundert festlegen lassen, mit den Grenzsäumen der einzelnen Siedlungsbereiche, wie wir sie feststellten, läßt sich nicht verkennen. Die gleichen Nahtstellen werden in beiden Fällen sichtbar, so daß wir einen Zusammenhang zwischen dem Wachstum der Siedlung und dem Entstehen der durch die Stiftshäuser freilich hie und da durchbrochenen Pfarreigrenzen annehmen können.
Bei Betrachtung der Pfarrbereiche fällt nun auf, daß St. Ignaz, das südlich außerhalb der Mauern im mittelalterlichen Selenhofen lag, mit seiner Pfarrei weit hineinragt in die eigentliche Stadt bis zur Grebengasse und zum Kirschgarten. Bei weiterem Zusehen ergibt sich die auffallende Tatsache, daß die alten galloromanischen und auch die lokalen Mainzer Patrozinien der Kirchen sich insgesamt außerhalb des Mauerbereiches befinden, angefangen von St. Peter, St. Clemens und St. Theonest im Norden der Stadt über Altmünster (St. Maria) und St. Hilarius bis zu St.'Nicomed, St. Alban, St. Victor, St. Maria in campis undl St. Ignaz im Süden vor der Stadt.
Innerhalb der spätrömischen Mauer ist eine spätere Schicht der Kirchenheiligen anzutreffen, die sich deutlich wieder in das ältere Patrozinium der Domkirche St. Martin (mit St. Johann) aus dem 6. Jahrhundert und in die jüngeren St. Quintin, St. Lambert des 7./8. Jahrhunderts und, an die Stelle der letzteren tretend, St. Emmeran (9. Jahrhundert) scheidet. Die Entstehung dieser Kirchen läßt sich mittels der Verehrungsgeschichte ihrer Titelheiligen und ihrer ersten Erwähnung hinreichend genau festlegen.
Nach der Ueberflutung des Mittelrheingebietes im 5. Jahrhundert durch die Wellen der Völkerwanderung hatte die Bevölkerung, die ansässig blieb oder wurde, ihre Wohnsitze in der Nähe der Heiligtümer, die als älteste durch die Patrozinien ausgewiesen, vor den Mauern lagen, näher dem Ackerboden und den Weinbergen und im Norden vor der Stadt nach dem spätrömischen Hafengelände hin, dem Mittelpunkt des ehemaligen Handels. Die germanische und die galloromanische Bevölkerung von Mainz, die um die 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts mit dem Nordteil des Rhein-Maingebietes bereits unter fränkischer Herrschaft stand und damit die altüberlieferte Verbindung mit Trier und dem Moselland aufrechterhielt, lebte außerhalb der Steintrümmer der spätrömischen Stadt' aber seibverständlich in ihrem Denken und Handelnxauf den Stadtbereich bezogen.
Vom 6. Jahrhundert an nachweisbar, wurde die Stadt innerhalb des Mauerbeleiches wieder aufgebaut und stärker besiedelt; von außen her drangen die belebenden Kräfte wieder in die alten Räume in stärkerem Maße ein. Dieser Vorgang des Zusammensiedelns und die natürliche Bevölkerungsvermehrung führte bis zum 8. Jahrhundert zu einer Ausdehnung der besiedelten Fläche innerhalb des Mauerbereiches. Um die Kathedrale St. Martin, um St. Quintin und St. Lambert gruppierte sich die Siedlung; dabei waren nur die Domsiedlung und die Ansiedlung zwischen St. Quintin und dem Rhein eng miteinander verwachsen, wenn auch in ihrer Struktur von Anfang an deutlich geschieden.
Bei der Wiederbesiedlung der Stadt veränderte sich auch das Aussehen der Umgebung. Im 7. Jahrhundert war das Gebiet von St. Peter und der beiden benachbarten Kirchen noch bewohnt, am Ende der Karolingerzeit war die Bevölkerung abgewandert; Gärten, Wiesen und feuchtes Gelände breiteten sich im Bereich der ehemaligen ■römischen Hafensiedlung aus. Die Anlegeplätze der Schiffe befanden sich nunmehr vor der frühmittelalterlichen Stadt, deren nächstgelegene Leutkirche St. Quintin war, oberhalb der Uebergangsstelle über den Rhein. Im 7. Jahrhundert legten dort bereits Schiffe an, im Jahre 815 ist die Porta Hrahhada dort erwähnt. Aus der Abwanderung der im Norden vor der Stadt lebenden Bevölkerung nach der Gegend um St. Quintin, wobei der breite Wiesenstreifen der Bleichen innerhalb der Nordmauer bestehen blieb, erklärt es auch, weshalb St. Peter keine Pfarrechte innerhalb des Mauerbereiches entwickelte.
Anders waren die Verhältnisse im Süden der Stadt; zwischen die fränkische Dom- und Wohnsiedlung mit dem Schiffslandeplatz und die große kirchliche Niederlassung St. Alban, auf deren Höhe Karl der Große und Erzbischof Richolf am Ende des 8. Jahrhunderts als Denkmal ihres gemeinsamen Schaffens die neue Abtei bauten, war Seihofen gelagert. Der Markt bei St. Alban bedingte einen lebhaften Verkehr aus der „Stadt“ nach dort und umgekehrt. Die enge Verbindung zwischen Erzbistum und Abtei knüpften die Bande noch fester. Der fränkische Salhof ging wohl bald an den Erzbischof über. Die Siedlung blieb erhalten, wenn auch von hier aus ein Teil der Bewohner wieder nach der Stadt zurückging. Der Pfarrsprengel von St. Ignaz folgte in den Stadtbereich nach, bis er auf den Streifen traf, der noch bis ins 13. Jahrhundert Gartengeläride blieb. Entlang der Durcligangsstraße wurde rasch eine Anknüpfung an den Dombezirk gefunden, während die geradlinige Grebenstraße eher eine gesetzte Grenzziehung vermuten läßt, wie sie auch eine planmäßige Anlage verrät.
Wie die Schutzmaßnahmen, die Bischof Sidonius im 6. Jahrhundert gegen die Fluten des Rheines ergriff, den Anfang einer direkten Wiederbesiedlung des Innenbezirkes von Mainz dokumentieren, so ist der Abschluß der karolingischen Zeit für die Gestaltung des fränkischen Mainz dadurch •gekennzeichnet, daß Erzbischof Hatto (891— 913) erneut und nun wohl in einer gewissen Planung sich um die Stadtteile am Rhein kümmerte, am Flusse, der in der mittelalterlichen Zeit der vorzüglichste Verkehrsträger war. H. B.
Am 12. Dez. 1950 verschied nach kurzer, qualvoller Krankheit, nach einem arbeitsreichen Leben mein lieber Mann, unser lieber, guter Vater, Großvater, Bruder, Schwager, Onkel S und Schwiegersohn Konrad Sommer kurz vor seinem 65. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Frau Margarethe Sommer geb. Berth Familie Heinrich Sommer Erich Sommer (vermißt in Stalingrad) Frau Frieda Sommer-Haase und Kind Frau Elise Berth Witwe Darmstadt (Lichtenbergstraße 73), den 12. Dezember 1950. B Die Beerdigung findet am Freitag, dem 15. Dezember 1950, um 14 Uhr, auf dem Bessunger Friedhof statt.
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