Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt D HEUTE BEILAGE: A /; ':/ C AamODLET f%‚_ä {//—:;iz K .‘\\_ £ä‚-;:..‚ S Jan VeNLRERAKTEURI ERICH DOMBROWSKI. DBrL?IT.B,äoef Tagblatt L. C. Wittich. ErVrmhVl?. ;.Rhelns,raßt 23 Telefon 3925. Erschfüm täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 138 seffifd)e üeuefte Jladjridden Samstag, 9. Dezember 1950 ^^^^^BH^ffihzuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Warenpreise- Preisliste Nr 3 v. I 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Die Washingtoner Beschlüsse

Truman und Ittlee hoffen auf eine friedliche Lösung

Washington, 8. Dezember. (AP.) Präsident Truman und Premierminister Attlee erklärten am Freitag, sie hofften auf eine friedliche Beilegung der Korea-Krise. Sollten die kommunistischen Chinesen sich dieser Haltung jedoch nicht anschließen, so würden die Vereinten Nationen über die zu ergreifenden Schritte zu entscheiden haben.

In der Erklärung heißt es u. a.: 1. Truman erklärte Attlee, er hoffe, es werde niemals erforderlich sein, die Atombombe einzusetzen. Er beabsichtige, Attlee über „Entwicklungen, die zu einer Veränderung der Lage führen könnten“, auf dem laufenden zu halten.

„Für unseren Teil erklären wir im voraus, daß wir fest entschlossen sind, die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen aufrechtzuerhalten“, heißt es in dem gemeinsamen Kommunique.

„Wir werden alles in unserer Macht stehende tun und alle uns offenstehenden Möglichkeiten benutzen, ihnen diese Ansicht nahezubringen und eine friedliche Lösung der bestehenden Probleme zu erreichen.“

In dem Kommunique heißt es weiter: „Wir glauben, daß die kommunistischen Führer der Sowjetunion und Rotchinas ihre Haltung mit einigem Willen derart ändern könnten, daß die alliierten Verteidigungsvorbereitungen unnötig würden.“

2. Truman und Attlee waren sich darüber einig, daß eine Erörterung der Formosa-Frage in den Vereinten Nationen zur Erhaltung des Friedens und der Sicherheit im Pazifik beitragen werde.

3. Die beiden Regierungschefs sind entschlossen, die unterschiedliche Politik der beiden Regierungen hinsichtlich der Anerkennung Rotchinas durch Großbritannien bzw. der nationalchinesischen Regierung auf Formosa durch die Vereinigten Staaten nicht mit den gemeinsamen Bemühungen zur Erreichung des gemeinsamen Zieles in Konflikt geraten zu lassen.

4. Die britischen und amerikanischen Truppen werden gemeinsam auch weiterhin ihre Mission im Auftrage der Vereinten Nationen in Korea erfüllen. „An eine Beschwichtigung oder die Hinnahme irgendeiner Aggression im Fernen Osten oder irgendeinem anderen Teil der Welt kann nicht gedacht werden.“

5. Es wurde Uebereinkommen darüber erzielt, daß die militärische Macht der Vereinigten Staaten und Großbritanniens „so schnell wie möglich verstärkt“ werden soll, weil angemessene Verteidigungsstreitkräfte für die Verhinderung eines Krieges unentbehrlich sind. Auch die Produktionskapazität der anderen alliierten Nationen muß erhöht werden.

6. Sie kamen überein, daß ein oberster Befehlshaber für die gemeinsame westeuropäische Verteidigungsstreitmacht ernannt werden soll, sobald die Pläne für diese gebilligt sind. Sie gaben der Hoffnung Ausdruck, daß diese Ernennung „bald“ erfolgen könne.

7. Weiter wurde Uebereinkommen darüber erzielt, daß ein internationales Vorgehen in der Frage der Verteilung der Rohstoffe erforderlich ist, um den Bedarf der Verteidigung und den wichtigen zivilen Bedarf decken zu können. Es wurde der Grundsatz angenommen, daß, während die Produktion für die Verteidigung „die höchstmögliche Priorität erhalten muß“, auch der wichtige zivile Bedarf an verknappten Rohstoffen so weit wie möglich zu decken ist.

Bestürzung in Söul

Söul, 8. Dezember. (AP.) Das Ergebnis der Besprechungen zwischen Truman und Attlee hat in südkoreanischen Regierungskreisen tiefe Bestürzung ausgelöst. Man ist der Auffassung, daß Korea und der Ferne Osten den europäischen Belangen untergeordnet worden sind.

Vor einer Vierer-Konferenz?

Westmächte stimmen Verhandlungen mit den Sowjets zu

Paris, 8. Dezember, (dpa) Die Türen des Verhandlungsraumes im französischen Außenministerium, hinter denen Gene¬ ralsekretär Parodi und die Botschafter Englands und Amerikas über die Antwort an die Sowjetunion beraten, haben sich noch nicht geöffnet. Augenblicklich ist lediglich sicher, daß die Westmächte dem sowjetischen Vorschlag auf Einberufung einer Viermächtekonferenz grundsätzlich zustimmen. Die von Pariser Zeitungen verbreiteten Gerüchte, daß die Westmächte angeblich bereit seien, auf die angerrieldeten Vorbedingungen zu verzichten und die Verhandlungen im wesentlichen auf Deutschland zu beschränken, wurden am Freitagnachmittag von einem maßgebenden Beamten des Quai d'Orsay weder bestätigt, noch dementiert, sondern als „nicht völlig zutreffend“ bezeichnet. Es scheint so zu cein daß die Westmächte zu Beginn der kommenden Woche der Moskauer Regierung ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einer Viererkonferenz mitteilen und zugleich anregen werden, daß die Tagesordnung bis zum Zusammentritt der Konferenz auf dem Wege diplomatischer Verhandlungen festgelegt wird.

Indisch-chinesisches Gespräch

Peking sondiert die Lage

Neuyork, 8. Dezember, (dpa) Die inaurhe Botschafterin in den Vereinigten Staaten, Frau Lakschmi Pandit, suchte den Leiter der Delegation der Chinesischen Volksrepublik bei den Vereinten Nationen General Wu, auf. Dabei stellte Wu die Frage, welche Garantien China gegeben würden, wenn die Streitkräfte der Chinesischen Volks- republik am 38. Breitengrad Halt machten. Peking wünscht vor allem die Zusicherung, daß sich die UN-Streitkräfte nicht südlich des Breitengrades neu formieren und ihren Angriff nach Norden wieder aufnehmen.

Kesselschlacht am Changjin

Die eingeschlossenen UN-Verbände versuchen verzweifelten Durchbruch

Söul, 8. Dezember, (AP./dpa) Im Osten Nordkoreas sind die im Changjin-Kessel eingeschlossenen amerikanischen und britischen Truppen am Freitagmorgen er-, neut zum Durchbruch nach Süden angetreten.

An dem Ausbruchsversuch, der durch hohe Verluste und übermenschliche Strapazen geschwächten Kampfgruppe nehmen insgesamt 10 000 Mann teil. Trotz der unvergleichlichen Tapferkeit der Eingeschlossenen und ihrer Entschlossenheit, die Küste zu gewinnen, erscheint es fraglich, ob ihnen bei anhaltend schlechtem Wetter der Ausbruch gelingen kann. Von Süden her stößt ein gepanzerter Kampfverband der dritten amerikanischen Infanteriedivision den abgeschnittenen Einheiten entgegen.

Die Gefechtsberührung zwischen den chinesischen Vorausabteilungen und den Nachhuten der UN-Truppen im Hauptkampfraum südlich von Pyöngyang beschränkte sich in den letzten 24 Stunden auf vereinzelte Spähtruppunternehmen. Unterdessen setzten die Kommunisten das Heranziehen ihrer Verstärkungen über den Taedong bei Pyöngyang in drei Marschsäulen fort. Die eine wird genau südlich geleitet, um an die achte amerikanische Armee heranzukommen. Eine zweite wird über die drei Kilometer breite Taedong-Mündung im Nordwesten der UN-Stellungen angesetzt. Die dritte stößt in der Mitte der koreanischen Halbinsel östlich der UN-Linien vor und erhöht damit die Gefahr einer Ueberflügelung der UN-Stellungen. Der Standort dieser dritten kommunistischen Gruppe wurde zuletzt im Raum von Kok sa n ausgemacht, etwa neunzig Kilometer nördlich des 38. Breitengrades. Diese Gruppe bedroht die rechte Flanke der achten Armee.


Deutschlands größter Holzkirchenbau, die im Jahre 1693 errichtete Clausthaler Marktkirche, ist infolge von Witterungseinflüssen gefährdet. Die Stadt Clausthal-Zellerfeld hat sich an die zuständigen Stellen gewandt, um die Kosten für eine gründliche Ueberholung, die etwa 20 000 bis 30 000 DM betragen werden, zu erhalten. Foto: dpa
Deutschlands größter Holzkirchenbau, die im Jahre 1693 errichtete Clausthaler Marktkirche, ist infolge von Witterungseinflüssen gefährdet. Die Stadt Clausthal-Zellerfeld hat sich an die zuständigen Stellen gewandt, um die Kosten für eine gründliche Ueberholung, die etwa 20 000 bis 30 000 DM betragen werden, zu erhalten. Foto: dpa

Ganz; Korea „befreien“

London, 8. Dezember. (AP.) Nach einer Meldung von Radio Peking soll „ganz Korea befreit werden“. Der nordkoreanische Botschafter in Peking, Li Tschunyen, soll in einer Ansprache zur Feier des Falles von Pyöngyang gesagt haben, „die Imperialisten werden schließlich aus ganz Korea vertrieben werden, und die Völker Asiens werden Freiheit und Frieden erringen“.

Lastenausgleich wird beschleunigt

Das Gesetz kommt noch vor Weihnachten vor den Bundesrat

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 8. Dezember. Der vom Kabinett verabschiedete Entwurf des Lastenausgleichsgesetzes wird, wie Bundesfinanzminister Dr. Schäffer am Freitag mitteilte, noch vor Weihnachten dem Bundesrat zugeleitet. Die Beratung des Gesetzes soll möglichst beschleunigt werden.

Der Gesetzentwurf enthält eine Ermächtig u n g für die Bundesregierung, zur Vorfinanzierung des Lastenausgleiches, auf dem Wege des Kredites, Geldmittel bis fünf Milliarden D-Mark zu beschaffen.

Nach dem Gesetzentwurf werden von den rund 1,5 Milliarden Mark, die beim Lastenausgleich jährlich aufgebracht werden, 400 bis 420 Millionen Mark auf die Kriegsschädenrente, 300 Millionen Mark auf die Hausratsentschädigung und 50 Millionen Mark auf zwei Härtefonds entfallen. Produktiven Zwecken dienen dagegen die Wohnraumhilfe mit 300 Millionen Mark, die Förderungshilfe mit 100 Millionen Mark und die Eingliederungshilfe mit über 300 Millionen Mark.

Die Kriegsschädenrente wird jährlich höchstens 840 Mark für den einzelnen Geschädigten betragen. Der Finanzminister will durch Verhandlungen mit dem Bundesrat erreichen, daß die Kriegsschädenrente und die vom Bund geleistete Kriegsfolgenhilfe mit der von den Ländern aufgebrachten Fürsorgehilfe zusammengefaßt werden, damit die Vertriebenen und Kriegssachgeschädigten eine einheitliche Rente erhalten, ohne sich länger als Fürsorgeempfänger zu fühlen. Kriegsschädenrente wird auch an Währungsgeschädigte. die nicht mehr erwerbsfähig sind, gewährt.

Strom und Gas

Sie sollen teurer werden

Bonn, 8. Dezember, (dpa) Die Bundesregierung hat dem Bundesrat zwei Verordnungsentwürfe zur Erhöhung der Preise von Strom und Gas zugeleitet. Danach sollen die Elektrizitäts- und Gaswerke ihre Mehrkosten infolge teurerer Kohle auf ihre Abnehmer abwälzen dürfen. Die Strompreise für Haushalte dürfen danach um höchstens 0,7 Pfennig je Kilowattstunde und die Gaspreise um zwei Pfennig je Kubikmeter erhöht werden.

Gefälschte Zahlen?

*** Endlich befassen sich die Vereinten Nationen mit dem Schicksal der Kriegsgefangenen. Zunächst allerdings noch nicht in der Vollversammlung, sondern nur im Sozialausschuß.

Nach dem deutschen Memorandum, das -in Lake Success vorliegt, sind die Namen von 62 792 deutschen Kriegsgefangenen bekannt, die sich in der Sowjetunion befinden. Außerdem liegen die Namen von 1 154 029 vermißten deutschen Soldaten vor, von denen 923 000 irgendwann ein Lebenszeichen aus der Sowjetunion oder den von sowjetischen Truppen besetzten Gebieten gegeben haben. Diesen Zahlen steht die russische Behauptung vom Mai dieses Jahres entgegen, in Rußland befänden sich nur noch 13 500 Deutsche, die als Kriegsverbrecher verurteilt oder krank seien.

Bisher war es weder dem Roten Kreuz noch irgendeiner anderen Stelle möglich, in Rußland selbst Feststellungen zu machen. Deshalb haben Amerika, England und Australien vorgeschlagen, es solle eine dreiköpfige Kommission gebildet werden, die sofort das Schicksal aller Kriegsgefangenen in Rußland selbst prüfen soll. Für die Vereinten Nationen ist diese Frage nicht mehr allein eine solche der allgemeinen Menschlichkeit. Zu den deutschen und japanischen und sonstigen Kriegsgefangenen in bolschewistischen Ländern sind ja inzwischen noch zahlreiche militärische Angehörige der Vereinten Nationen hinzugekommen, die in Korea in Gefangenschaft gerieten.

Die Verhandlungen vor dem Sozialaussohuß der Vereinten Nationen dauern noch an, sie werden voraussichtlich von der Vollversammlung weitergeführt werden müssen. Jetzt aber schon haben die Russen erklärt, die Zahlen über noch nicht entlassene Kriegsgefangene seien von den Westmächten „absichtlich gefälscht". Daher würde die Sowjetunion alle Bemühungen der Vereinten Nationen, Ermittlungen in Rußland anzustellen, verhindern.

Bisher ist von maßgeblichen Persönlichkeiten der Sowjetzone immer wieder abgeleugnet worden, es gäbe dort Konzentrationslager. Dieser Tage war nun mit anderen Vertretern des PEN-Clubs der Dichter Johannes R. Becher, der die Nationalhymne der Republik der Sowjetzone geschrieben hat, am Rhein. Er ist also nicht der Letztbeste. Becher hatte den Mut, vor Pressevertretern in Mainz zu sagen: „Wir leugnen die Existenz von Arbeitslagern in der Sowjetzone keineswegs, doch befinden sich dort nur Kriegshetzer und Feinde der Sache des Friedens.“

Wann wird die Sowjetunion ebenso den Mut haben, einzugestehen, daß sie im Gegensatz zu den Gesetzen der Menschlichkeit noch Hunderttausende von Kriegsgefangenen zurückhält?

Die wackelige Waagschale

Von Erich Dombrowski

Die Menschen sind reichlich nervös. Sie haben auch allen Grund dazu. Es wird wieder einmal über ihr Schicksal von einigen wenigen Männern an der Spitze gewürfelt. Bald scheinen die Würfel auf Krieg, bald wieder auf Frieden zu fallen. Wie dem auch sei, wir leben tatsächlich zwischen Krieg und Frieden. Die Staats-, männer stecken die Köpfe zusammen. Truman und Attlee , haben sich in tagelangen Beratungen auf eine Formel gemeinsamen Vorgehens geeinigt. Beide Nationen, Amerika und Großbritannien, sind politisch und wirtschaftlich im Fernen Osten stark engagiert. Sie dürfen dort unter keinen Umständen das Gesicht verlieren. Darum will man Korea grundsätzlich nicht aufgeben. Wenn die chinesischen Massen aber doch über den achtunddreißigsten Breitengrad hinwegströmen sollten, wird man das Land vielleicht vorübergehend räumen, die Auseinandersetzung mit China aber möglicherweise durch eine wirtschaftliche Blockade zur See fortführen. Ein etwas pythischer Spruch, dem England nicht ohne weiteres beipflichten will. Da dieses menschenwimmelnde Land, in dem Hungersnöte ein fast alljährlicher Gast sind, wirtschaftlich nach dreizehn Jahren ununterbrochener innerer und äußerer Krise schwer darniederliegt, würde ihm eine solche Abschnürung schwer zu schaffen machen und das kommunistische System Maos ,auf eine harte Probe stellen. Daher kann man im Augenblick noch nicht sagen, wie die Chinesen, und hinter ihnen die Russen, sich zu den verschiedenen Friedensvermittlungs-Versuchen stellen werden. Alles ist eben noch im Fluß. Vorläufig wird noch auf beiden Seiten wieder und wieder auf den Tisch geschlagen. Aber die Gespräche hinter den Kulissen, auch über eine Konferenz der vier Mächte, die eine Einigung über Deutschland versuchen soll, gehen weiter. Die Diplomatie läuft auf hohen Touren. Das Waffengeklirr macht eine unheimliche Begleitmusik dazu. Ueberall stieben die Funken, und man hat Mühe, jeden einzelnen rasch immer wieder auszutreten, damit nicht unversehens die ganze Welt in Brand gesteckt wird. *

Der zweite entscheidende Punkt, über den sich die beiden angelsächsischen Staatsmänner schlüssig geworden sind, ist die beschleunigte Aufrüstung Europas im Rahmen des Atlantik-Paktes. Bisher hat man, unter den drei Alliierten, in zahllosen Zusammenkünften nur drei Schritte voran und gleich zwei wieder zurück getan. Schließlich ist man in Amerika ungeduldig geworden. Frankreich hat von seinen starren Sicherheitsforderungen gegenüber dem künftigen militärischen Bundesgenossen Deutschland etwas nachgelassen und vor allem, um keine Zeit mehr zu verlieren, darin eingewilligt, daß die Eingliederung Deutschlands In die gemeinsame Verteidigungsfront nicht mehr von der vorherigen Unterschrift unter den Schuman-Plan über die Montan-Industrie abhängig gemacht wird. Aber damit ist nur ein, nicht einmal so wichtiges Hindernis beseitigt worden. Denn an dem Willen der Deutschen, den Schuman-Plan mitzumachen, hat es von vornherein nicht gefehlt. Es handelt sich gegenwärtig lediglich um die praktische Verwirklichung des Plans, das heißt um die Abstimmung und den Ausgleich der bergwerklichen Interessen hüben und drüben. Viel wichtiger ist die Zuerkennung der Gleichberechtigung Deutschlands als Partner der europäischen Abwehrfront. Wenn das Rathaus einer Stadt brennt, müssen alle Leute löschen. Man kann aber nicht ihren Elan zum Löschen abhängig machen von der vorherigen Ausfüllung eines., politischen Fragebogens. Das Feuer würde sich wenig darum kümmern, und wenn die Fragebogen glücklich vollgeschrieben wären, würde sowohl vom Rathaus nichts mehr stehen als auch von einem großen Teil der Stadt, auf die das prasselnde Feuer inzwischen übergegriffen hat. Diese Fragebogen sind in dem gegenwärtigen Augenblick die offenen und versteckten Sicherungsvorbehalte der Alliierten. Es kann heute, da es im Osten bereits brennt, nicht mehr die Rede davon sein, daß die deutsche Löschmannschaft, die für den militärischen Verteidigungseinsatz bestimmt ist, mit allen möglichen Vorsichtsmaßregeln als Heloten-Truppe dem großen Ganzen eingefügt wird. Es ist auch völlig unmöglich, daß wir als besetztes Gebiet, an Händen und Füßen politisch gefesselt, in Reih und Glied treten sollen. Entweder hat man Vertrauen zu uns, dann muß man uns dieses Vertrauen auch uneingeschränkt entgegenbringen und daraus die selbstverständlichen Folgerungen einer völligen Gleichberechtigung, einer wirklichen Bundesgenossenschaft ziehen. Oder man hat dieses Vertrauen nicht oder bloß verklausuliert, dann wird man sich gegen den verdächtigen Bundesgenossen sichern und ihn, politisch und militärisch, unter strengster Aufsicht und Kontrolle halten. Diese innere Unsicherheit und Unschlüssigkeit — das ist der augenblickliche Stand der Dinge in dem Hin und Her der Alliierten über die deutsche Teilhaberschaft. •

In dem Falle weiteren Mißtrauens aber wird man in Deutschland vielleicht gerade noch ein Söldnerheer, einen Haufen von Landsknechten, von Arbeitslosen, von sozial Ausgerutschten und vielleicht noch von einigen ehemaligen Militärs zusammenbringen, die von ihrer Freude am Kommiß nicht loskommen können. Aber der Geist, den diese Truppe beseelt, wird ein bezahlter Geist sein. Der Impuls wird ihm fehlen. Die vorantreibende Idee. De'r Einsatz der Persönlichkeit für das, worum es geht: die Verteidigung des Vaterlandes und, darüber hinaus, der westlichen Welt gegenüber einem östlichen Ansturm. Die Einsatzfreudigkeit, die Zuverlässigkeit und die Opferwilligkeit einer Truppe sind moralische, sind seelische Kräfte, die nur durch ein großes Ziel geweckt und in Bewegung gesetzt werden können. Dieses Ziel ist zweifacher Art: die Verteidigung der Heimat gegen einen eindringenden Feind und die Freiheit innerhalb eines über sich selbst bestimmenden Vaterlandes. Was also die Alliierten zu tun haben, um diese psychologische Voraussetzung zu schaffen, ist die Zuerkennung der völligen Gleichberechtigung Deutschlands als Bundesgenossen, die Aufhebung des Besatzungsstatutes, das durch ein Sicherheitsabkommen zu ersetzen ist. und die Gewährleistung der vorbehaltlosen politischen und wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit. Mit ein paar Zugeständnissen, mit einer kleinen, stückweisen Revision des Besatzungsstatutes, mit Versprechungen auf Sicht, daß man tropfenweise dies und jenes zu seiner Zeit nachlassen würde, ist es heute nicht mehr getan. Die Zeit schreitet rasend schnell über die bedächtig wägenden und abwägenden Köpfe hinweg. Die Alliierten sollten nicht ■wieder in den groben Fehler verfallen wie nach dem ersten Weltkriege, als sie sich ihre Zugeständnisse, nach jahrelangem Zögern, schließlich von der zwangsläufigen Entwicklung • abpressen ließen, meistens, wenn es schon zu spät war. Jetzt muß man handeln, und zwar ganz und uneingeschränkt. Für ängstliche Bedenken und Einwände ist keine Zeit mehr.

Was man über kurz oder lang doch geben muß, dann vielleicht politisch nutzlos, weil es nicht mehr zurückzuhalten ist, sollte man beizeiten, und das ist jetzt, tun und damit jenen Effekt erzielen, auf den man angewiesen'ist, auf die seelische Bereitwilligkeit des deutschen Volkes, sich rückhaltlos in die Verteidigungslinie Europas einzugliedern. Amerika drängt mit Recht darauf, daß mit den dauernden vorbereitenden und ausgleichenden Besprechungen Schluß gemacht und endlich gehandelt, daß die europäische Armee auf die Beine gestellt wird. Großbritannien, das sich Deutschland gegenüber all die Jahre nach dem Kriege eine kühle Reserve auferlegt hatte, um diesen vorsichtigen Ausdruck zu gebrauchen, scheint nunmehr fast ruckartig, zur Ueberzeugung zu kommen, daß man den Deutschen unverzüglich weitgehende politische Zugeständnisse machen müsse, um sie für die gemeinsame Sache Europas in dem Ringen um seine Existenz zu gewinnen. Es ist nicht so, als ob wir aus der bedrohlichen Lage der Alliierten durch Feilschen und Handeln irgendwelches Kapital schlagen wollten. Die Stunde ist zu ernst, um mit solchen Krämergedanken zu spielen. Aber wenn die deutsche Regierung die Bevölkerung aufruft, nun gleich den anderen freien Völkern auch ihren Beitrag zur Wehr und Abwehr beizusteuern, dann muß sie ihr sagen können, als freies, gleichberechtigtes Volk habt ihr im Ernstfälle diese Freiheit und Gleichberechtigung zu verteidigen. Wenn aber die Alliierten auf ihre wackelige Waagschale noch weiter ein Quentchen hier und ein Quentchen dort legen, um sie einigermaßen auszubalancieren, wenn sie nur Vertröstungen in diese wippenden Schalen werfen, statt Tatsachen, dann ist die seelische Atmosphäre vermanscht und halbe Maßnahmen werden nui’ halbe Wirkungen haben.

Mit einer direkten Rüstungsproduktion in der Bundesrepublik ist nach Aeußerungen aus alliierten Kreisen in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Wasserwerfer gegen Demonstranten

Zwischenfälle bei dem Gastspiel von Werner Krauß in Berlin

Berlin, 8. Dezember (AP.) Mit Rufen wie „raus mit Krauß“ und „nieder mit den Nazis“, protestierten am Freitagabend rund 1000 Personen vor dem Kurfürstendamm-Theater gegen den Schauspieler Werner Krauß, der im Rahmen eines Gastspiels des Wiener Burgtheaters in Berlin eine Hauptrolle spielt.

Etwa 100 zum Schutz des Theaters eingesetzte Polizisten versuchten vergeblich, die Demonstranten zu zerstreuen. Sie konnten auch nicht verhindern, daß die Demonstranten die Polizeikette durchbrachen und die Glastüren des Theaters zertrümmerten. Die Täter, die sich mit Händen und Füßen gegen ihre Festnahme wehrten, mußten von den Polizisten fortgetragen werden.

Angehörige der Berliner jüdischen Gemeinde waren zahlreich unter den Demonstranten vertreten. Während die Demonstranten auf der Straße immer wieder in die Rufe ausbrachen „Nazi-Krauß, geh nach Haus“, versuchten die Führer der jüdischen Demonstranten mit dem Polizei-Oberkommissar Gottlob Dahler, dem Leiter der Berliner Schutzpolizei, vor dem verbarrikadierten Theatereingang über einen Widerruf der Genehmigung zum Auftreten von Krauß zu verhandeln, da sie sonst zu Gewalttätigkeiten provoziert werden könnten.

Da die Menge noch während dieser Besprechungen eine drohende Haltung gegen die Polizei einnahm und die Polizeikette zu durchbrechen versuchte, wurde der Befehl zum Einsatz des Wasserwerfers gegeben.

Als Antwort ging die Menge mit Steinwürfen gegen die Polizei und die Besatzung des Wasserwerfers vor. Einige von ihnen versuchten vergeblich, die Besatzung des Wasserwerfers aus dem Wagen zu zerren. Nach kurzer Tätigkeit des Wasserwerfers war die Ruhe auf dem Kurfürstendamm wieder hergestellt. Die zurückgewichenen Demonstranten begannen jedoch sofort sich wieder zu sammeln.

Verhandlungspartner Bundesrepublik

Deutsche Teilnahme an den Verteidigungsbesprechungen?

London, 8. Dezember, (dpa) Gutunterrichtete Kreise Londons sind immer noch der Meinung, daß die Atlantikpaktmächte über den deutschen Verteidigungsbeitrag in aller Form mit Bonn verhandeln müssen. Für den Zeitpunkt solcher Verhandlungen gibt es gegenwärtig noch keine festen Voraussagen.

Die Tatsache, daß der holländische Vorschlag für die Einsetzung eines zivilen Hohen Kommissars einer Studiengruppe überwiesen worden ist. läßt nach Ansicht gutunterrichteter Kreise erkennen, daß es dem Vollzugsausschuß zunächst darauf ankam, nach außen die geeinte Front zu betonen, daß aber in weiteren Geheimverhandlungen noch eine Reihe von Einzelheiten geklärt werden muß.

Britische Kreise sind überdies der Ansicht, daß die französische Zustimmung mit einer Reihe von Vorbehalten verbunden wurde und von französischer Seite nur als eine Art Interimslösung betrachtet wird.

Frankreich ist nach Londons Ansicht deswegen so betont zurückhaltend, weil es den Weg zu einer Viererkonferenz nicht durch Entscheidungen in der Wiederaufrüstungsfrage verbauen möchte.

Unterrichtete alliierte Kreise in Frankfurt rechnen mit einer baldigen offiziellen Einladung an die Bundesrepublik, an den nächsten Beratungen über die Organisation der europäischen Streitkräfte teilzunehmen.

Mit dem. französischen Einverständnis, •sofort deutsche Kampfgruppen im Rahmen des europäischen Verteidigungssystems der Atlantikpaktmächte zu rekrutieren, sei ein konkreter Anfang für die Beteiligung Deutschlands gemacht worden. Es sei also zu erwarten, daß an der nächsten Aussprache der Beauftragten der Außenminister mit dem Militärausschuß der Atlantikpaktstaaten auch die Bundesrepublik teilnehmen könne.

Embargo gegen Rotchina

Amerika verhängt Ausfuhrsperre für strategische Güter

Washington, 8. Dezember (AP.) Das amerikanische Handelsministerium hat am Freitag den amerikanischen Schiffen und Flugzeugen in allen Teilen der Welt jeglichen Transport strategisch wichtigen Materials, das direkt oder indirekt für Rotchina oder die Ostblockstaaten bestimmt ist, mit sofortiger Wirkung untersagt.

Von dem Verbot sind auch alle Transporte betroffen, die für Hongkong und den portugiesischen Hafen Macao an der chinesischen Küste bestimmt sind. Kein amerikanisches Schiff odei’ Flugzeug darf in Zukunft für diese Gebiete bestimmte strategische Waren an Bord nehmen, auch wenn die Ladung zunächst nach irgendeinem anderen Land deklariert ist.

Insgesamt 30 Schiffe, darunter zahlreiche britische, schwedische und norwegische Frachter, sind bereits am Freitag gezwungen worden, in Neuyork und San Franzisko ihre Ladung für China und Hongkong zu löschen.

Bei einem Vergehen gegen die neuen Anordnungen, die sich auf das Gesetz über die Verteidigungsproduktion aus dem gegenwärtigen Jahr stützen, kann der Schuldige zu einer Höchststrafe von 10 000 Dollar (42 000 DM) oder einem Jahr Gefängnis verurteilt und ihm die Berufsausübung untersagt werden. Für Vertragsverletzungen, die unter diesen Anordnungen zustande kommen, kann der Schiffseigentümer oder die Fluggesellschaft nicht haftbar gemacht werden.

Guropahilfe für Verteidigung

Amerikanische Gelder jetzt vor allem zur Stärkung der Wehrkraft

Paris. 8. Dezember. (AP.) Der Sonderbeauftragte Präsident Trumans für den Marshallplan in Europa, Katz, sagte vor dem Handelspolitischen Ausschuß der französischen Nationalversammlung, der Schwerpunkt des Europahilfeprogramms müsse vom wirtschaftspolitischen Wiederaufbau auf die Verteidigung Europas gegen einen möglichen kommunistischen Ueberfall verlagert werden. Für die nächste Zukunft gab Katz folgende Richtlinien: Gemeinsamer Wiederaufbau der militärischen Stärke und Schlagfähigkeit des freien Europa, Wahl der rechten Mittel zum Einbau Deutschlands als eines verläßlichen und angesehenen Partners in die europäische Gemeinschaft, Gewinn der bisher abseits stehenden Teile der Arbeiterschaft in Frankreich und Italien für den Glauben an die westliche Gesellschaftsordnung und Befreiung ihrer Gewerkschaften von kommunistischer Kontrolle, und schließlich rationellere Verwertung von Arbeitskraft, Kapital, maschineller Ausrüstung, Rohstoffen und Arbeitszeit.

Weihnachtsbeihilfen

für Versorgungsberechtigte gefordert

Wiesbaden, 8. Dezember. (HR) - Der Landesverband des Bundes versorgungsberechtigter Wehrmachtsangehöriger und Hinterbliebener hat die Bundesleitung gebeten, bei der Regierung vorzusprechen, um zu erreichen, daß auch an versorgungsberechtigte ehemalige Wehrmachtsangehörige und deren Hinterbliebenen Weihnachtszulagen gezahlt werden. Der Landesverband begründete diese Aufforderung damit, daß die Unterstützungen, die auf Grund des Überbrückungshilfegesetzes gezahlt werden, niedriger sind als die Fürsorgesätze, die zu Weihnachten durch eine Sonderzahlung erhöht werden.

Die für den 18. und 19. Dezember angekündigte Konferenz zwischen Kirchenpräsident Niemöller und dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Dr. Schumacher, in Darmstadt wurde vertagt.

Wirtschaftsteil

Oberfinanzdirektion

wird in Hessen errichtet

H. W.W. Nunmehr ist auch in Hessen als Mittelbehörde eine Oberfinanzdirektion errichtet worden, die zwischen dem Finanzministerium und den Finanz- und Zollämtern usw. steht. Diese neue Mittelbehörde hat etwa dieselben Aufgaben zu bewältigen wie früher das Landesfinanzamt, mit dem Unterschied, daß für das Land Hessen nur eine Mittelbehörde eingerichtet wurde. Sie besteht aus einer Zoll- und Verbrauchssteuerabteilung (Finanzverwaltung des Bundes) und einer Besitz- und Verkehrsteuerabteilung (Finanzverwaltung des Landes). Bis zur geplanten Verlegung nach Frankfurt (Main) befindet sich die neue Oberfinanzdirektion in Wiesbaden, zum ständigen Vertreter des zur Zeit noch nicht ernannten Oberfinanzpräsidenten ist der bisherige Vorsteher des Finanzamtes Frankfurt (Main) Mitte, Regierungsdirektor Dr. Maier, bestellt worden. Die Oberfinanzdirektion wird künftighin noch um ein Präsidialbüro, eine Bundesvermögensabteilung, eine Landesvermögens- und Bauabteilung sowie um eine Oberfinanzkasse erweitert werden. Besoldungsstellen bleiben vorerst noch in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden bestehen, bei der staatlichen Kassenverwaltung treten zunächst keine Aenderungen ein.

Bereitschaft zur Aussprache

Neue Mitbestimmungsgespräche im Zeichen des guten Willens

(AP/dpa). Das Vorstandsmitglied der Vereinigung der nordrhein-westfälischen Arbeitgeberverbände, Dr. Krengel, schlug in Düsseldorf vor, die Verhandlungen ü’ er die Mitbestimmung mit den Gewerkschaften wieder .aufzunehmen. Angesichts der weltpolitischen Lage sollten die Partner, so betonte Dr. Krengel, zu der Basis der Gespräche von Maria Laach zurückfinden, statt diktatorische Forderungen zu erheben. Man sollte den Blick den sichtbaren Ansatzpunkten eines zweifelsfrei vorhandenen guten Willens auf beiden Seiten zuwenden. Nicht alle Erklärungen, die bei der Tagung des Bundesverbandes der Industrie in Köln abgegeben wurden, seien offiziell gewesen. Es sei aber verständlich, daß auf überspitzte Erklärungen der Gewerkschaften überspitzte Antworten von der anderen Seite kämen.

Dr. Krepgel betonte, daß die Gewerkschaften grundsätzlich das Recht zum Streik hätten. Er wandte eich aber mit Nachdruck gegen die Streikdrohung der Gewerkschaften, „mit der der Boden der Demokratie verlassen wird“. Bei der Urabstimmung in . der Eisen- und Stahlindustrie z. B hätten die Arbeitgeber festgestellt, daß in einzelnen Betrieben offen abgestimmt worden sei. Darüber hinaus hätten die Gewerkschaften mit den Arbeitsdirektoren in den entflochtenen Hüttenwerken die Arbeiter in ihrer Entscheidung stark beeinflußt.

Krengel warf die Frage auf, was geschähe, wenn die Industrie oder die Landwirtschaft oder andere Gruppen ihre Forderungen mit Drohungen, Aussperrungen, Lahmlegen der Lebensmittelerzeugung usw. untermauern würden. Die Parlamentarier dürften nicht unter dem Eindruck der Angst Entscheidungen treffen.

12 Milliarden DM Auslandsschulden

Hi. In einem Schreiben der Fraktion der Freien Demokratischen Partei des Bundestags an den Bundeskanzler wird dieser davor gewarnt, seine Unterschrift unter die Schuldenanerkennung ohne genaue Kenntnis der alliierten Vorschläge und ohne Zustimmung des Bundestags zu setzen.

In Kreisen des Bundestags werden die deutschen Schulden insgesamt auf zwölf Milliarden Mark beziffert. Die jährlichen Zinsen und Amortisationen werden von den Fachleuten in Bonn auf etwa vierhundert Millionen Mark geschätzt.

Gegen Kohlenferien

dpa Der Deutsche Gewerkschaftsbund wandte sich gegen die beabsichtigten Feierschichten und Betriebsferien zwischen Weihnachten und Neujahr. Dadurch würde die ganze Last einer wenig verantwortungsvollen Kohlen Versorgungspolitik rauf den arbeitenden Menschen gehen. Stattdessen solle' das Bundeswirtschaftsministerium sofortige vernünftige Planungsmaßnahmen ergreifen, die einen ernsten Notstand verhindern konnten. Die Haltpng des Bundeswirtschaftsministeriums zur jetzigen Kohlenkrise wird vom DGB als unbefriedigend bezeichnet.

dpa Das Präsidium des Bundesverbandes der deutschen Industrie hat der Bundesregierung vorgeschlagen das Kohledefizit durch eine gleichmäßige Kürzung in der Versorgung aller Verbrauchsgruppen einschließlich der öffentlichen Hand auszugleichen.

Freiheit für den Schiffsbau

dpa Der CDU-Fraktionsvorsitzende der Bremer Bürgerschaft, Müller-Hermann, erklärte, daß sämtliche Größen- und Geschwindigkeitsbeschränkungen des deutschen Schiffsbaues für eine eigene Handelsflotte endgültig aufgehoben werden. Müller-Hermann betonte, daß er vom Bundeskanzler zu dieser Mitteilung ermächtigt worden ist.

Doch höherer Butterpreis?

Hi. Wie verlautet, will die Bundesregierung nunmehr doch einer Butterpreiserhöhung zustimmen. Die Freie Demokratische Partei im Bundestag hat bereits beantragt, den Saisonabschlag des Butterpreises aufzuheben und den Festpreis für Butter in einen Mindesthöchstpreis von 4,80—5,20 DM je 1000 Gramm umzuwandeln.

Hausbrand bevorzugt liefern

dpa Der Zentralverband des deutschen Kohlen-Einzelhandels hat die zuständigen Stellen aufgefordert, die an sich schon völlig ungenügenden Sollmengen für Hausbrand und Kleinverbraucher bevorzugt an den Kohleneinzelhandel auszuliefern.

Börsenberichte

Bz. Zum Wochensch'luß zeigten die Aktienmärkte in Frankfurt weiterhin eine ruhige Haltung, die Umsätze blieben recht klein. Die Kurse waren meist nur zufällig nach der einen oder anderen Seite verändert, von Maschinenwerten: Adlerwerke 41 (+ 2), aber MAN 75 (— 2). Bei Zellstoffwerten konnten Aschaffenburger 1 Prozent gewinnen mit 73, dagegen Waldhof 47,5 (— 1). Aehnlich lagen Elektropapiere. Bergbauwerte waren meist gehalten. Am Chemiemarkt Chemische Albert 03 (— 2) dagegen Metallgesellschaft 62,75 (+ 0,75).

Freie Devisenkurse

Bz. An der Frankfurter Börse vom 8. Dezember hörte man folgende freie Devisenkurse: Für den USA-Dollar 5,10 bis 5,40 DM, für das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM. für den Hollandgulden 1,15 bis 1,22 DM. für den Schweizer!ranken 1,15 bis 1,22 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0.80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0.16 DM.

Hölle wo ist Dein Sieg~

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag. Hamburg.

84)

Er hatte sich endlich entschlossen, persönlich an sein Volk zu appellieren und vor dem Schloß die Parade des Wachregiments abzunehmen. Es war eine Eliteformation der Bürgerwehr, deren Uniform er trug, und sie repräsentierte das mächtige Bürgertum, auf dessen Ergebenheit er sich immer verlassen hatte.

Aber als er an diesem nieselnden Tag an ihren Reihen entlangritt, begrüßte ihn kein spontaner Jubel. Nur ein paar vereinzelte, unsichere Hochrufe lieferten die Probe aufs Exempel.. Er fühlte die feindliche Atmosphäre und wußte, daß er ausgespielt hatte. Unvermittelt wandte er sein Pferd zum Schloß zurück. Eine Stunde darauf hatte er bereits seine Abdankung unterzeichnet. Er vertauschte die Uniform mit bürgerlicher Kleidung und kehrte mit seiner Familie einem Paris, das nicht mehr seine Hauptstadt war, den Rücken.

Die Tatsache der Abdankung und der Flucht der königlichen Familie wurde erst nach und nach bekannt. In der Nachbarschaft des Monodschen Hauses hatte es weniger Unruhe gegeben als am Tag vorher, und Henriette, die sich nach dem langen Eingesperrtsein hinter verriegelten Türen und herabgelassenen Fensterläden nach frischer Luft sehnte, freute sich, als sich ihr eine Gelegenheit bot. hinauszukommen. Die Familie hatte die Nachricht erhalten, daß ein Mitglied von Pastor Monods Gemeinde ernstlich erkrankt und hilfsbedürftig sei, und da der Pastor nicht zu Hause und auch nicht zu erreichen war, hatte Henriette sich erboten, den Kranken zu besuchen, zumal Madame Monod ihre Kinder nicht allein lassen wollte.

„Nein, ich fürchte mich nicht im geringsten“, hatte sie den Zurückbleibenden noch an der Tür lächelnd versichert, „es scheint jetzt alles ruhig zu sein, und es regnet auch nicht mehr.“

Sie gelangte ohne Schwierigkeit zu der Wohnung des Kranken, indem sie nach Möglichkeit stille Seitenstraßen wählte. Von großem Nutzen konnte sie allerdings nicht sein; sie vertröstete die Familie des Schwerkranken auf den baldigen Besuch des Pastors und richtete die Grüße von seiner Frau aus. Als sie wieder auf der Straße stand, vermochte sie nicht der Versuchung zu widerstehen, bei der Heimkehr einen Umweg zu machen.

Die Straßen waren noch naß, aber die Sonne war wieder durch die Wolken gebrochen. Henriette ging auf die Champs-Elysees zu und kam bald in bekanntere Gegenden. Hier herrschte mehr Leben. Menschen hasteten an ihr vorbei, alle in derselben Richtung auf die Tuilerien zu, und in der allgemeinen Eile achtete niemand auf die unauffällige Frau mit dem Tuch um die Schultern. Erst als sie plötzlich ihren Weg durch Barrikaden versperrt und sich einer erregten Menschenmenge gegenüber sah, bereute Henriette die Unüberlegtheit, die sie zu diesem Umweg verleitet hatte. Sie wandte sieh bestürzt, um zurückzueilen, aber hinter ihr stauten sich die nachdrängenden Menschenmassen. Zu spät erkannte sie, daß sie von allen Seiten eingeschlossen war.

Die nächste Stunde erschien ihr später stets als ein wüstes Durcheinander von Gesichtern, Lärm und Schmutz, so unwirklich wie ein böser Traum. Einzelne Bilder prägten sich ihr für immer ein, jedoch nicht wie eine Szene, der sie leibhaftig beiwohnte, sondern wie das ständig wechselnde Muster eines Kaleidoskops.

„Vive la reforme!“ „Vive la RepubliquelC schrien die Stimmen, die tiefen der Männer und die hellen der Frauen. Das Schreien rollte wie dumpfer Donner über die Köpfe, bis es plötzlich durch das scharfe Knattern von Gewehrfeuer und rasch sich näherndem Pferdegetrappel unterbrochen wurde. Eine Kompanie Soldaten bog im Trab in die Straße, und die Menge stob panikartig vor den schlagenden Hufen und blanken Klingen auseinander.

Eine Frauenstimme gellte auf, und dann schloß sich der Menschenstrom um eine Gestalt, die regungslos auf dem Pfad ausgestreckt lag, den die Reiter sich durch die Menge gebahnt hatten.

„Da ist jemand verletzt worden, vielleicht sogar getötet!“ rief Henriette entsetzt den Umstehenden zu. „Wir müssen dorthin! Lassen Sie mich durch!“

Aber niemand antwortete ihr und niemand machte ihr Platz. Ihre Stimme machte soviel Eindruck wie das Zirpen einer Grille auf einen tosenden Wasserfall. Die Straße hinauf und hinein in eine Seitenstraße, um weiteren Barrikaden und aufgepflanzten Bajonetten auszuweichen — Henriette fühlte sich wie von einem reißenden Sturzbach erfaßt. Ihre Füße berührten kaum den Boden, und ihre Arme hielten, sie wußte nicht, wen, auf ihrer rechten und linken Seite umschlungen. Sie kam sich mehr wie ein Stück Treibholz vor als wie ein menschliches Wesen, das dort ohne ihr Zutun dahintrieb. Aber sie verspürte keine Furcht. Ein eigentümlicher Rausch der Begeisterung betäubte ihre Gedanken wie Wein.

Auf einmal tauchten die Tuilerien vor ihr auf. Die kahlen Aeste der Bäume zeichneten sich über den Köpfen der Masse vom Himmel ab. Wieder teilte sich der Strom vor einem riesigen Scheiterhaufen brennender Bänke und Möbelstücke, der den Weg versperrte. Henriette konnte den Rauch nicht riechen, ehe sie die Flammen sah. Rußflocken und Funken wirbelten in dem blauen, bitteren Rauch empor, der ihre Kehle beizte und ihre Augen tränen machte. Sie konnte nicht mehr sehen, wohin sie ging, aber sie fühlte, wie jemand sie mit sich fortzog. Sie kam erst wieder zur Besinnung, als sie sich inmitten kauernder Menschen auf den steinernen Stufen eines Ladens in dem Bogengang der Rue de Rivoli wiederfand.

„Wir bleiben lieber hier, solange es geht“, sagte ein abgerissen aussehender Student zu ihr. „Sie haben das Schloß gestürmt, und das wird noch eine wilde Schießerei geben.“

Fast bevor er noch ausgesprochen hatte, hörte sie wieder .Gewehrschüsse in der Ferne, und die Straße war im Nu von Fliehenden verstopft.

Man hatte die Tuilerien geplündert. Henriette sah Frauen mit wirrem Haar und leuchtenden Augen vorbeilaufen, die irgendein Beutestück aus dem königlichen Haushalt an sich preßten — eine Nippesfigur, eine Porzellanvase, ein goldbesticktes Kleid, das im Straßenschmutz nachschleifte; Männer, die die verschiedenartigsten Trophäen triumphierend hochhielten. Ihre Taschen waren zum Platzen gefüllt; Silberlöffel fielen vor stolpernde Füße und verschwanden in d^m trüben Wasser der Gosse.

Schließlich fand sie nach Hause zurück. Als sie endlich bei den Monods ankam, empfing die ganze Familie sie mit erleichterten Ausrufen an der Tür. Man hatte das Schießen in der Feme gehört und für ihre Sicherheit gefürchtet. Madame Monod machte sich die bittersten Vorwürfe, daß sie Henriette erlaubt hatte, sich allein einer solchen Gefahr auszusetzen; und der Pastor hatte in anderen Stadtvierteln selbst genügend Beispiele von Gewalt und Roheit gesehen, um zu wissen, wie leicht ihr etwas hätte zustoßen können. Dann lauschten sie entsetzt ihrem Bericht über die letzten beiden Stunden. Erst später am Nachmittag fiel es Pastor Monod wieder ein, daß er ihr einen Gruß auszurichten hatte.

„Wen meinen Sie wohl, traf ich heute nachmittag bei meinem Bruder? Diesen Field, diesen jungen Geistlichen aus Amerika. Erinnern Sie sich noch, Henriette?“

„Ach, der kleine Amerikaner mit seiner Leidenschaft fürs Reisen — doch, an den erinnere ich mich. Er ist also rechtzeitig wieder hergekommen, um eine Revolution mitzuerleben!“

„Sprechen Sie bitte das Wort nicht aus“, bat Madame Monod. „Es gibt, mir jedesmal einen Stich ins Herz, wenn ich es höre.“ „Nun“, fuhr ihr Mann fort, „er wird auf jeden Fall mehr erlebt haben als die meisten Reisenden. Er wollte ja immer dahinterkommen, was Menschen denken und fühlen, und jetzt wird er dazu reichlich Gelegenheit finden. Uebrigens“, er wandte sich Henriette wieder zu, „er bat mich. Sie zu grüßen und Ihnen zu bestellen, daß er noch immer an Sie denkt.“

Ende

Darmstadt und Umgebung

Fortschritte im sozialen Wohnuungsbau

Werden die Neubauwohnungen künftig ohne Baukostenzuschuß an Einzuweisende vergeben?

Der soziale Wohnungsbau in Darmstadt verzeichnet erhebliche Fortschritte. Die Hegemag, Hess. Gemeinnützige A.-G. für Kleinwohnungen in Darmstadt, errichtet im Rahmen des Sonderbauprogramms für Flüchtlinge auf dem Gelände am Donnersbergring 3 Wohnblocks mit je 18, insgesamt 54 'Wohnungen. Die Wohnungen werden nach besonderen Richtlinien (bei der Darlehensbewilligung gemachte Auflagen) durch das Wohnungsamt vergeben werden.

Die Hegemag baut ferner in der Bismarckstraße - Feldbergstraße - Am Herrenacker 3 große Blocks mit 54 Wohnungen. Es handelt sich bei dem Bauvorhaben in der Feldbergstraße und Am Herrenacker um je 16 Zweizimmerwohnungen und dem an der Bismarckstraße um 22 Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen, die für Staatsbedienstete und für Industriewerktätige mit Ausnahme von 16 Wohnungen bereitgestellt werden müssen.

Die Gagfah, Gemeinnützige A -G. für Angesteilten-Heimstätten, Frankfurt am Main, baut den zerstörten Wohnblock Ecke Gutenberg-Kittlerstraß e wieder auf. Ferner werden in der Adolf-Spieß-Straße durch die Gagfah Wohnungen erstellt.

Die Gewobag, Frankfurt a. M., baut in Darmstadt in der Heidelberger Straße (südlich des Marienplatzes) 66 Wohnungen, die je zur Hälfte an Flüchtlinge und Beschädigte gegeben werden müssen.

Die Nassauische Heimstätte, Frankfurt a. M., errichtet an der Windmühle in Neubaublocks Wohnungen, die nur an Flüchtlinge gegeben werden dürfen.

Wie wir erfahren, steht das Wohnungsamt in Verhandlungen mit sämtlichen Baugenossenschaften, um zu erreichen, daß die im Bauprogramm vorgesehenen Wohnungen ohne Baukostenzuschüsse oder ähnliche finanzielle Belastungen an Einzuweisende vergeben werden können. —in—

Studenten in der Remilitarisierungs-Debatte

Erste Studentenvollversammlung der Technischen Hochschule

Am gestrigen Abend fand im Großen Hörsaal des Zintl-Instituts die erste Studentenvollversammlung des neuen Semesters statt. Der Saal war überfüllt, und bewies, daß der Punkt 3 der Tagesordnung, die Frage der Remilitarisierung Deutschlands, weitgehendes Interesse fand.

Zunächst gab ein Mitglied des vorjährigen Studentenausschusses einen Rechenschaftsbericht über die geleistete Arbeit und über die Verbindungen, die in dieser Zeit mit anderen Universitäten angeknüpft werden konnten. Einige Zahlenangaben ergänzten die Ausführungen.

Anschließend referierten zwei Astamitglieder über die Möglichkeiten für Auslandsfahrten und studentischen Auslandsaustausch, der sich im kommenden Jahr bieten wird, wie über die Sportmöglichkeiten in Darmstadt. Das Hauptthema, die Remilitarisierung, war Gegenstand spitzfindiger Geschäftsordnungspunkte. Zunächst wurde einmal darüber abgestimmt, ob zwei Referenten zur Frage für oder gegen die Remilitarisierung Stellung nehmen sollten. Diese Frage ist ja in letzter Zeit öfters in allen deutschen Hochschulen und Universitäten aufgetaucht, und man hat immer versucht, sich mit möglichst viel Takt um das brennende Problem herumzudrücken. Die Mehrzahl der anwesenden Studenten war dafür, daß die beiden Referenten zu Wort kommen sollten.

Nach den beiden Referaten stand die Frage zur Debatte, ob man das Problem überhaupt weiterbehandeln, und in diesem Falle an einen Ausschuß überweisen solle, oder ob man es als abgeschlossen betrachten könne. Eine Abstimmung ergab, daß die große Mehrzahl der Anwesenden dafür stimmte, die Frage der Remilitarisierung einem zu wählenden Ausschuß zu übertragen, der nach ausführlicher Erörterung des Problems einer erneuten Studentenvollversammlung im Januar 1951 definitive Vorschläge zu unterbreiten.

Der Vorsitzende des neuen Asta verstand es ausgezeichnet, die Diskussion so zu lenken, daß sich die oft recht kritischen Zwischensprecher an die allgemeine Linie halten mußten, wodurch der Gefahr entgangen wurde, daß die Diskussion über einen politischen Debattierklub hinaus, unerfreuliche Formen annehmen konnte. -hfl-

200 städtische Kedienstete

leben noch außerhalb Darmstadts

Rund 200 städtische Bedienstete (Arbeiter Angestellte und Beamte) befinden sich noch außerhalb der Mauem Darmstadts und haben teilweise große Anmarschwege. Besonders in Mitleidenschaft gezogen sind die Bediensteten der Berufsfeuerwehr und der Polizei, begründet durch die Besonderheit ihres Dienstes. Mit Angehörigen handelt es sich um etwa 1000 Personen. —in—

Himmelsziege, Moorochse und Spötter

Vogelstimmen auf Schallplatten

In einem Gruppenabend des Vogelschutzbundes sprach Dr- Steinbacher (Frankfurt) zu Vogelabbildungen und Schallplatten mit Vogelstimmen.

Erst seit etwa 15 Jahren kann man Vogelstimmen naturgetreu aufnehmen und so der Jugend im Unterricht und allen Vogelliebhabern die Möglichkeit geben, draußen in der Natur die Vögel nach ihren Stimmen zu itendifizieren. Die früher übliche Aufzeichnung durch Noten oder Buchstaben gestattete dies nicht.

pr Steinbacher führte neben einigen Singvögeln (Drosseln, Schwalben und Blaukehlchen, dem „Spötter“) Sumpf- und Hühnervögel vor, unter ihnen die Rohrdommel („Moorochse“) und die Bekassine ( Himmelsziege“). Die Schallplatten stamm¬ -1’1“ aus Schweden, wo es schon über 150 dieser Arten gibt. rw

Zukünftige Ingenienre feierten

Die Studenten des vierten Semesters der Ingenieurschule trafen sich Samstag im nicmarck“ in Eberstadt mit ihren Dozenten einem Tanzabend mit Damen. Herr rrund1 Initiator des Abends, betonte die Notwendigkeit der Geselligkeit neben dem S°nst des Berufes. Den Ernst des Lebens verscheuchten die Klänge der Tanzkapelle, auf unterhaltenden Einlagen und humonstTschTn Rezitationen klassischer Humoristen. t'S

Fin amerikanischer Pkw stieß mit . deutschen Personenkraftwagen an der Kreuzung Erbacher Straße und Fiedlerweg gestern gegen Mittag zusammen. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden.

Um Kohlen-Sonderzuteilung

bemüht sich auch der Magistrat

Auch der Darmstädter Kohlenhandel hat mit Unterstützung des Magistrats durch persönliche Vorsprache bei den zuständigen Stellen in Mannheim unmittelbar die notwendigen Schritte unternommen, um eine Besserstellung der Bevölkerung in der Kohlenbelieferung zu erreichen. Außerdem hat der Oberbürgermeister in einem dringenden Telegramm eine Eingabe nach Bonn gesandt und persönlich den hessischen Wirtschaftsminister gebeten, die Stadt Darmstadt bei ihrer Eingabe in Bonn zu unterstützen. ♦

Weihnachtliche Platzkonzerte

Das Darmstädter Orchester für Berufsmusiker (Kapelle Hinze) unter der Leitung von Hans Traser bringt bei günstiger Witterung an den Adventssonntagen (am 10. und 17. Dezember) auf verschiedenen Plätzen der Stadtmitte (Marktplatz, Hinter der Stadtkirche, Ludwigsplatz, Luisenplatz, Am weißen Turm und an der Ecke Elisabethen-Wilhelminenstraße) in der Zeit von 14 bis 16 Uhr weihnachtliche Platzkonzerte. *

Schalter- und Zustelldienst

der Post an den Feiertagen

Schalterdienst: Am Sonntag, dem 10. 12. und 17. 12., sind Schalter von 14 bis 18 Uhr für die Annahme von Paketen und Einschreibsendungen sowie für die Abgabe von Postwertzeichen geöffnet. Am Heiligabend (Sonntag, 24. 12.) können in der Zeit von B—l 4 Uhr Pakete und Einschreibsendungen eingeliefert werden. Darüber hinaus ist beim Postamt am Bahnhof durchgehend von 8 bis 18 Uhr und beim Postamt in der Rheinstraße durchgehend von 7 bis 20 Uhr ein Schalter für die Annahme von Telegrammen, zum Führen von Ferngesprächen, für Wertzeichenverkauf, Annahme von Einschreibsendungen und telegraphischen Einzahlungen offen. Am 25. und 26. 12. (Weihnachtsfeiertage) ist Sonntagsdienst.

Zustelldienst: Bei Bedarf werden am Sonntag, dem 10. und 17. 12., Pakete zugestellt. Am Sonntag, dem 24. (Heiligabend) und Montag, dem 25. 12. (1. Weihnachtsfeiertag), wird je eine Brief-, Geld- und Paketzustellung durchgeführt. Am 2. Weihnachtsfeiertag ruht der Zustelldienst. Die Dienste an Silvester und am 1. Januar werden noch bekanntgegeben werden.

„Ich werde Putzfrau in der Kupferhütte...“

Stundenlohn von 3 DM und 1200 DM extra zu Weihnachten für Arbeiter / Es geht ohne Kontrolluhren / „Was wir uns als Gewerkschaftler erträumten . . .“ / Neuer sozialer Weg in der Kupferhütte Duisburg / Zum Vortrag „Der Arbeiter als Partner“ in der Stadthalle.

Agt. Als sich am späten Donnerstagabend die Stadthalle leerte, meinte neben mir eine Dame, die ein kleines Modegeschäft leitet: „Ich möchte bei denen Putzfrau werden, da wäre ich meine Sorgen los.“ Sie hatte gehört, daß die Putzfrau in der Kupferhütte Duisburg einen Stundenlohn von 1,10 DM erhält und anfangs Dezember dieses Jahres — je nach Dienstalter — noch einmal etwa 470 DM extra ausgezahlt bekomme. Andere Leute, die die Stadthalle verließen, schüttelten dagegen ungläubig die Köpfe und sagten: „Das können die auch nur, so lange die Konjunktur günstig ist.“ Aber alle waren von dem Gehörten stark beeindruckt.

Dr.-Ing. Dr. h. c. Ernst Kuss, der Direktor der Kupferhütte Duisburg, hatte in einem mehr als zweistündigen Vortrag auf Einladung des Vereins der Förderer der Werkgemeinschaft Künstlerkolonie und der Technischen Hochschule in der gut besuchten Stadthalle den Rahmen dieser überraschenden neuen sozialen Ordnung Umrissen, die unter seiner Leitung nach dem Kriege in dem bedeutenden Werk entwickelt, eingeführt und erprobt wurde. Sie habe sich glänzend bewährt, äußerte der Redner, und es wurde von ihm gar kein Hehl daraus gemacht, daß alle Werksangehörigen, von der Putzfrau bis zu ihm, dem Direktor, glänzend dabei verdienen. Die Spitzenlöhne der Lohnempfänger liegen bei 3 DM Stundenlohn und in diesem Jahre bei 1200 DM „Leistungsgewinn“ pro Mann. Das läßt sich hören und berührt vor allem den Nerv des Menschen, der nach Beseitigung aller weltanschaulichen, politischen, sozialen und dogmatischen Phrasen und faulen Sprüchen am leichtesten anspricht: „Ich will gut verdienen, damit ich ein gutes Leben führen kann.“

Von dieser innersten Gefühlsregung des Menschen, dem — ehrlich gesagt: egoistischen — Streben nach Erfolg, ging Direktor Kuss im Jahre 1946 mit wissenschaftlicher Nüchternheit aus, als er die Leitung des zu 75 Prozent zerbombten Werkes übernahm. Die Belegschaft war zum größten Teil entlassen, über ein Jahr hatte der Betrieb geruht, die restlichen Arbeiter waren durch die Nahrungssorgen ohne Arbeitsmut, Rohstoffsorgen stellten das Werk vor scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten.

Die Belegschaft mußte arbeitsfreudig werden. Sie wurde es. Nicht dadurch, daß man den Betrieb sozialisierte und den Arbeiter zum Firmenteilhaber machte, sondern ihn an der Leistungssteigerung interessierte. Alle Arbeitsplätze wurden nach der erforderlichen Leistung mit Punkten gewertet und danach der Leistungslohn ermittelt.

Der Jahresgewinn, der sich natürlich erst seit 2 Jahren in steigendem Maße bemerkbar macht, wunde geteilt zwischen Unternehmer — entsprechend dem investierten Betriebskapital — und Belegschaft — entsprechend der Jahresproduktion. „Dadurch wird der Arbeiter selbst zum Kapitalist1, wird entproletarisiert und ein tüchtiger Staatsbürger“, erklärte Dr. Kuss. „Kontrolluhren haben wir zum Alteisen geworfen, aus Nachlässigkeit kommt bei uns niemand zu spät.“ Direktor Kuss hat sich von den Arbeitgeberverbänden losgesagt, und die Gewerkschaften haben auf der anderen Seite auch nicht viel zu kritisieren, denn „so wie das bei uns ist, so haben wir uns das als Gewerkschaftler erträumt“, hätten ihm neulich ein paar seiner alten Arbeiter erklärt.

Der Redner sprach sich gegen die schiefe Lage der kapitalistischen, wie der sowjetischen Wirtschaftssysteme aus: Das Gold sei überbewertet, und das sowjetische Stachanowsystem mache den Menschen zur Nummer. Der Arbeiter müsse sich als Mensch und völlig gerecht behandelt fühlen. Dann sei er zu Leistungen bereit, wie sie das Werk aufzuweisen habe. Aus eigenem Interesse seien aus der Belegschaf t vorzügliche Verbesserungsvorschläge gemacht worden, und Reparaturen würden in unwahrscheinlicher Schnelligkeit durchgeführt. Als „Unternehmer“ werde der Arbeiter äußerst pflichtbewußt. Das Mitbestimmungsrecht in der jetzigen Auslegung des Begriffes sei für sie kein Problem, denn der soziale Friede in der Kupferhütte sei weitestgehend erreicht.

Den Rahmen dieses sozialen Weges vermochte Direktor Kuß in den Stunden seines Vortrages nur skizzenhaft zu umreißen. Noch weniger vermögen wir das in den wenigen Zeilen dieser Besprechung. Wir verweisen daher Interessenten auf die Broschüre: „Einneuer W e g“, Aloys-Henn-Verlag, Ratingen, und hoffen, in absehbarer Zeit noch einmal Einzelheiten dieses überaus interessanten Unternehmens bringen zu können.


Dieser Stahlstich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt den Darmstädter Marktplatz, wie man ihn damals vom Schloß her zu sehen bekam. Im Hintergrund erhebt sich das alte Rathausgebäude, das auf der Südseite des Marktes im Jahre 1580 unter Landgraf Georg I. errichtet worden war. „Ein düsteres Gebäude . . schreibt ein alter Chronist von ihm. Unter der Regierung des gleichen Landgrafen wurde auch 1568, also zwölf Jahre zuvor, der eigentliche Marktplatz angelegt, mit dem Marktbrunnen als Mittelpunkt, von einem Brunnenbaumeister des Pfalzgrafen Friedrich errichtet. Aber man hatte nicht viel Glück mit dem städtischen Hauptbrunnen gehabt. Mehrmals mußte er repariert werden, und als 1898 ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für den „eisernen Kanzler“ ins Leben gerufen wurde, war der Marktbrunnen in Gefahr, abgerissen zu werden. Trotz aller Wirrnisse hat er sich 382 Jahre lang gehalten, und heute, wo er wieder in neuem Glanz Mittelpunkt geschäftigen Treibens ist, scheint er bereit, weitere 300 Jahre Zeugnis einer alten Darmstädter Tradition abzulegen. Li.
Dieser Stahlstich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt den Darmstädter Marktplatz, wie man ihn damals vom Schloß her zu sehen bekam. Im Hintergrund erhebt sich das alte Rathausgebäude, das auf der Südseite des Marktes im Jahre 1580 unter Landgraf Georg I. errichtet worden war. „Ein düsteres Gebäude . . schreibt ein alter Chronist von ihm. Unter der Regierung des gleichen Landgrafen wurde auch 1568, also zwölf Jahre zuvor, der eigentliche Marktplatz angelegt, mit dem Marktbrunnen als Mittelpunkt, von einem Brunnenbaumeister des Pfalzgrafen Friedrich errichtet. Aber man hatte nicht viel Glück mit dem städtischen Hauptbrunnen gehabt. Mehrmals mußte er repariert werden, und als 1898 ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für den „eisernen Kanzler“ ins Leben gerufen wurde, war der Marktbrunnen in Gefahr, abgerissen zu werden. Trotz aller Wirrnisse hat er sich 382 Jahre lang gehalten, und heute, wo er wieder in neuem Glanz Mittelpunkt geschäftigen Treibens ist, scheint er bereit, weitere 300 Jahre Zeugnis einer alten Darmstädter Tradition abzulegen. Li.

Drinnerum un drumerum

Wann ich seh, wie sich ewe alles so rasch vdrennern kann, do hett ich gut Lust, noch e par J ehr eher zu läwe, weils mich doch indressiern dhet, was aus unserm Darmstadt noch emol werd. Wo heit noch en Haufe Ruinebrogge erum leije dhut, do reißt uff aamol en Bagger seu Riesemaul uff un, hoste net gesehe, is de ganze Dreck eweck. So hortig wie heit is noch nie gebaut worn. Ich kann der morjens net rasch genuch in meu Hose schlubbe un hab meu Hetz, bis ich iwwerall erumgelaafe bin un hab mich vum Fortschritt iwwerzeicht. Obs räjent, friert oder schneit, als werd gebaut. Frieher, do hawwe sich schun im Sepdember die Maurer zur Ruhe gesetzt, weil deß, was se im Summer gemacht hatte, erst im Winter hot druggene misse. Un heit, do wem die Eisscholle in de Speiß eneugeriehrt un als druff un druff Staa uff Staa gebabscht, un wie de Wind sin die Haiser schun vermiet un Lüde drin. Die wo deß zu verantworte hawwe, misse jo wisse, ob deß gut dhut. Mir solls recht seu. Ich hab jo aach meun Rheumadismus.

Is deß net e Wunner, wie schnell die Schulstroß im Blei war? Do hab ich am Daach zwaamol hiegemißt, wann ich nix verbasse wollt. Un jetzt sind schun iwwerall die Lüde uff, un die Adventskrenz henggie an de Geriststange. Was mich do ganz besunners befriedigt, is deß, daß alle Haiser Widder die richdisch Heh hawwe. Ich kann ihne garnet saache, wie mer die viele a’steggische Hitte um de Makt erum im Mage leije. Ich hatt schun geglaubt, daß die Sort Haiser net mehr gebaut wem derfte. Do kenne se sich ausmole, wie ich verschrocke bin iwwer die Lilibut-A’lag hinner de Stadtkerch. Wie die Lais uff em Kobb, so hengge beinah die neie Lüde an de Kerch. So nah an die Kerch kann mer nadierlich kaa Hochhaiser hiestelle, awwer so e Geknoddel vun Bauerei weer aach net needig gewäse. Hett die ehrwerdig Kerch net verdient, mit ihre Scheenheit e biß je freier zu steh? Oder hot mer bei dene dunkle Ecke, die wo do entstanne sin, vorsorglich an die Gast von de Bockshaut gedenggt? Oder sin ewe zwaa Stadtplaner am Werk? Was der Aane großziegisch zu weit ausenanner dehne will, dhut dann der Anner als Gäjesatz zu eng zammezieje.

Es hot mich werklich draurich gestimmt, wie ich do hinne so im Dunkle gestanne hab. Awwer Aerjer un Fraad, die leije oft ganz nah beinanner. Aus meine Gedangge hot mich e frehlich Johle un Kinnerlache gerisse, un wie ich dem nachgange bin, do hot im Kaufhof de Kasber Hildebrand seine klaane un große Zuschauer, zu dene se mich meintwäje aach zehle derfe, deß Rezebt vorgefiehrt, wie sich en Kasber all deß mol aus em Weg schafft, was em net in de Kram baßt. Wann mir nor aach alsemol mit eme Knibbel im Arm Bolligge-Bollage mache derfte.

Glaawe se mer, ich hab net bloß iwwer de Kasber gelacht, wann mer unner so ere lustige Kinnerbande steht un heert dene ihr goldige Sprich, do muß mer jo aach froh seu, dann ’s gibt werklich nix Schenneres wie gliggliche Kinner.

810ß aa klaa Mädche hot dauernd gegreint, wanns aach die Großmutter, die wo ganz verdieft in die Kasberweisheite war, alsemol geherig am Aermche gezobbelt hot. Deß Kindche hot mer laad gedah, un do hab ich’s gefragt: „Warum greinste dann. Klaanesje?“ Do hot se mer ihr Hendche hiegehalde, wo en ganz neie Fausthandschuh dra war un sekt: „Ich kann net mehr in de Nas bohrn.“ So hot doch halt jeder seu Sorje.

Un was sieht mer diesjohr so viel Niggeleeser un jeder hot en große Sack uff em Buggel. Do hab ich so im Stille gedenggt, was wers doch so schee, wanns dehaam bei mir schelle dhet un es dhet en Niggelos vor de Dier steh, ohne Bart un schwazz im Gesicht un hett en Sack uff em Buggel un dhet saache: „Ich bring ihne ihr Kohle.“ Leider werd awwer vun de Hoffnung die Stubb net warm.

Ich kann eich bloß rate, geht morje in die Stadt un bedracht eich die Lade. Es lohnt sich werklich. Die Fraad krickt ihr umsunst. Awwer wann ihr was kaafe wollt, do vergeßt net, viel Geld euzustegge. Dazu winscht eich viel Vergniege eier Anton Berzel.

Ein großer bunter Abend in Griesheim, desen Ertrag für Weihnachtsbeihilfen Sozialbedürftiger bestimmt ist. soll am heutigen Samstag auf Anregung Bürgermeister Müllers veranstaltet werden. Gesangs-, Sport- und Laienspielvereine haben die Gestaltung des Programms übernommen. msch

Sie spielten echt und überzengend ...

Ein Elternabend der Oberklasse der Eberstädter Volksschule

Man konnte wirklich den Eindruck gewinnen, als ob dieser größte Sohn unserer Stadt, der vor nahezu 150 Jahren (1803) in der Großen Kaplaneigasse geboren wurde, tatsächlich ein Mitschüler der Eberstädter „Heinerbuben“ gewesen wäre. So echt spielten die Schüler und Schülerinnen der Oberklasse der Eberstädter Volksschule in der Turnhalle das Heimatspiel „Berufung“, das sich in Darmstädter Mundart mit dem jungen Liebig befaßt. Im Unterricht war es in der Bessunger Mädchenschule entstanden, von Lehrer Strößinger geschrieben und schon 1938 von seinen damaligen Schülerinnen aufgeführt worden.

Das ganze Stück, angefangen mit dem Bänkelsängerlied, das in das Leben des berühmten Chemikers einführte, die Knallerbsenszene mit dem Trio der Freunde: Liebig, Gervinus und Kaup, das Eintreffen des blauen Briefes wegen der Schulstreiche Liebigs und der Nachricht des von ihm in der Heppenheimer Apotheke beim Experimentieren entfachten Dachstuhlbrandes und schließlich seine ehrenvolle Berufung, wurde mit einer Begeisterung vorgetragen, daß man seine helle Freude daran haben konnte.

Was das Stück wertvoll macht, ist aber nicht nur die lebendig gewordene Heimatgeschichte mit einer weltbekannten Darmstädter Persönlichkeit, sondern auch die in ihm in einleuchtender1 Weise veranschaulichte, für die in der Berufswahl stehenden Jugendlichen wichtige Lehre, daß man sich nämlich zu seinem Beruf auch berufen fühlen muß.

Die vor der Aufführung gezeigten Volkstänze, die zu Gehör gebrachten musikalischen Darbietungen und die Worte des Berufsberaters Hieronymus über die Berufswahl paßten in den Rahmen dieses Elternabends, dessen Erlös für die Bücherei der Eberstädter Volksschule bestimmt. ist. t -

Neues Geschäftshaus vollendet

In das von den Bauherren Hamm und Stütz errichtete Geschäftshaus in der Luisenstraße 10 sind mittlerweile weitere Mieter eingezogen. Die zwei weiteren Geschäftsräume im Erdgeschoß wurden von der Singer-Nähmaschinen AG. und von der Südfruchthandlung Hamm belegt. Im dritten Stock zog als nächster das Auskunftsbüro „Merkur“ ein. Der erste Stock bleibt der Medizin vorbehalten. Hier wird am Montag Dr. med. Guntrum, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten seine neuzeitliche Praxis mit Röntgeneinrichtung für Hautoberflächenbestrahlung eröffnen. In den gleichen Räumen wird auch seine Frau, Dr. med. Ruth Guntrum, als praktische Aerztin praktizieren. Bisher waren die Praxisräume, nach der Ausbombung in der Rheinstraße 21, in der Alicenstraße 16. Aus Eberstadt wird Zahnarzt Dr. Hannemann in das neue Haus einziehen. In das zweite Stockwerk zieht zu guter Letzt das „ P a r a - pack “-Institut, in dem man durch Schwitzkuren in Paraffinschaum seine verlorengegangene Gesundheit wiedergewinnt. Mit diesem Gebäude, gegenüber dem ehemaligen Kollegiengebäude, wird der Anfang zum endgültigen Wiederaufbau der Luisenstraße gemacht. -st

Wohin gehen wir heǔte ?

Landestheater, Orangerie: 20.00 „Die Csardasfürstin“, Ende 22.30 Uhr.

Stadthalle: 17.00 „Tischlein deck’ dich, Esel streck’ dich, Knüppel aus dem Sack“, Ende 19.15 Uhr.

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Amerikahaus: 14.30 Kinderfilm; 15.00—18.00 Uhr „Sie wünschen, wir spielen“.

Schauspiel-Studio der TH: 20.00 Uhr im Raum 246 der TH plaudert Ernst P e n z o 1 d t „Aus der Werkstatt des Dichters".

Ausstellung des Malers Ernst Stoffelshaus im Raum 300 der TH: wochentags 10.00—17.00 Uhr, sonntags 12.00—17.00 Uhr.

Landesmuseum: Weihnachtsausstellung des „Neuen hess. Kunstvereins“ 10.00—13.00 und 14.00—17.00 Uhr.

...ǔnd morgen?

Landestheater, Orangerie: 14.30 „Der Troubadour“, Ende 17.15 Uhr.

Stadthalle: 15.00—17.15 „Tischlein deck’ dich“; 20.00—22.30 Uhr Liebe in der Lerchengasse“.

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Bund Neudeutschland: 11.00 Uhr in der Stadthalle Festakademie, Pater Hirschmann „Der kath. Kirchenbegriff im neuen Dogma“, Prof. Dr. Carl Holzamer „Das christl. Menschenbild im neuen Dogma“.

Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3a: 10.00 bis 18.00 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.

Paulussaal: 17.00 Uhr Weihnachtsmusik des Darmstädter Singkreises.

Amerikahaus: 20.00 Uhr Klavierkonzert Andor Földes (USA), Werke von Bach, Busoni, Beethoven, Chopin, Copland, Kodaly.

Mathildenhöhe: Ausstellung „Deutsches Land im Osten“.

Concordiasaal: 14.00 Uhr Weihnachtsfeier des FC Darmstadt.

Wie wird das Wetter?

Weiterhin Frost

Vorhersage: Am Wochenende bei veränderlicher Bewölkung niederschlagsfrei. Temperaturen tagsüber bis nahe null Grad ansteigend. Nachts leichter bis mäßiger Frost. Winde aus Nordost bis Ost.



Einfamilienhäuser in Reihenform sind billiger

Bausparer-Versammlung im Heag-Saal

Im Speisesaal des Heag-Hauses hielt die „Badenia“-Bauspargemeinschaft eine Bausparerversammlung ab. Oberbaudirektor Prof. Grund, wie Reg.-Baumeister Lauke waren leider am Erscheinen verhindert, so daß Herr Bezirksleiter Braun, wie Herr H. Heldmann deren Referate übernehmen mußten.

Zum Thema der „Stadtbauplanung unter der Berücksichtigung der Errichtung von Eigenheimen“ führte Herr Braun aus, daß in Darmstadt dort gebaut werden sollte, wo das Versorgungsnetz bereits liegt. Man müsse sich für den Bau von Einfamilienhäusern in Reihenform entschließen, der billigsten Bauform, die besonders im Ausland großen Anklang gefunden habe. In letzter Zeit seien die Baukosten erheblich gestiegen. Naturgemäß hätten Baugesellschaften ein stärkeres finanzielles Rückgrat, und es wäre daher zu begrüßen, daß der Bauverein „Daheim“ an die Errichtung von Einfamilienhäuser denke, die bei Fertigstellung etwa 12 000 bis 15 000 DM kosten sollen.

Für Baulustige, die die hohen Anfangsbaukosten nicht selbst zu tragen in der Lage sind, sei an den Einbau einer Einliegerwohnung im Dachgeschoß gedacht. Wenn man für das Erdgeschoß 75.— DM Monatsmiete als Rate für die Bausparkasse berechnet, und nochmals 40,— bis 45,— DM für die Einliegermiete, so könnte mit diesem Geld innerhalb der vorgeschriebenen Frist von 10 bis 11 Jahren das Bauspardarlehen und die 1. Hypothek abgetragen werden.

Herr Heldmann erläuterte sodann die Schwierigkeiten bei Beschaffung von Zwischenkrediten und 1. Hypotheken. Die „Badenia“ sei eine der wenigen Bausparkassen, die für die 2. Hypothek nur 4,5 Prozent berechne. Ein neuer Tarif mit einer Mindestwartezeit von 12 Monaten sei geschaffen worden, der als „Teilflnanzierungs-Tarif S“ auf die 2. Hypothek eingetragen werde, und der bei 45 prozentiger Aufbringung der Gesamtsumme zur Auszahlung gelange. Wenn man berücksichtige, daß ein Mieter im Verlaufe seines Lebens den zweimaligen Wert seiner Wohnung an Miete zahle, so könne nur zur Errichtung eines Eigenheimes geraten werden. st.

Kreisgeflügelschau

Kreisschau der Rassegeflügelzüchter des Krei¬ ses Darmstadt am 16. und 17. Dezember 1950 Der Geflügelzuchtverein Griesheim bei Darmstadt führt am 16. und 17. Dezember 1950 im Saal „Zum grünen Laub“ die diesjährige Kreisgeflügelschau durch. Die Anmeldungen haben alle Erwartungen übertroffen. Nur bestes Tiermaterial wird gezeigt werden. Außerdem winkt durch die vorgesehene Tombola den Besuchern manch reizvoller Ge.winn. Es kann daher allen Zuchtfreunden und Tierliebhabern wärmstens empfohlen werden, diese Schau zu besuchen, wo ihnen auch Gelegenheit gegeben ist, Tiere käuflich zu erwerben.

Ohne den Osten - Deutschland ein Notland

Bildschau über die verlorenen Gebiete auf der Mathildenhöhe

Gestern morgen eröffnete Bürgermeister Schröder auf der Mathlldenhöhe die Ausstellung „Deutsches Land im Osten“, die als Wanderausstellung in zahlreichen Städten der Bundesrepublik mit nachhaltigem Erfolg gezeigt und deren Material vom kunstgeschichtlicben Seminar der Universität Marburg zur Verfügung gestellt wurde. Die Ausstellung wird vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen sowie dem „Göttinger Arbeitskreis“ unterstützt.

Bürgermeister Schröder eröffnete die Ausstellung mit einer kurzen Ansprache, in der er die Wichtigkeit der aufklärenden Bildschau betonte. Ministerialdirektor Dr. Friedrich wies in seiner Ansprache besonders auf die Notwendigkeit der Besichtigung durch die Schulen hin, während Herr von Winterfeld das Gesamtproblem der Ostvertriebenen umriß und forderte, es müsse zu einer positiven Lösung geführt werden.

Herr Wollny, der Leiter der Ausstellung, gab sodann einen Ueberblick über die wirtschaftlichen, landwirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten der verlorenen Ostgebiete und erwähnte besonders die erschütternde Zahl von 11 Millionen Vertriebenen, von deren Schicksal niemand etwas wisse.

Reichhaltiges, nach Landschaft geordnetes Bild- und Tabellen-Material gibt dem Besucher einen umfassenden Eindruck von den Schönheiten und dem Reichtum der ehemals blühenden Provinzen. Es muß den Menschen immer wieder ins Gedächtnis zurückgerufen werden, daß zum Beispiel aus Pommern und Schlesien fast 75 Prozent der Kartoffel- und Rübenernte kam, und daß Stettin den größten Umschlaghafen der Ostsee besaß. Dieser Ausstellung kann man nur den größten Erfolg wünschen.

In der Stadt notiert

Ein gemeinsames Schulkonzert veranstaltet das Ludwig-Georgs-Gymnasium und das Alte Realgymnasium Montag, 11. Dezember, 17 Uhr. in der Stadthalle. Es kommen Werke von J. S. Bach zum Vortrag. Es wirken mit Tilli Rettig (Sopran), Jakob Schäfer (Flöte).

Der Odenwaldklub „Frankonia“ veranstaltet Sonntag, 10. Dezember, eine Weihnachtsfeier auf dem Heilig Kreuz für seine Mitglieder und Gäste. Das ausführliche Programm, das durch Tanz und geselliges Beisammensein abgeschlossen wird, verspricht die Aufführung eines Theaterstückes, den Besuch des Nikolaus und den Vortrag verschiedener Gesangs- und Musikstücke.

Mit Kleidungsstücken und Spielzeug beschenkte im Auftrag des Jugendrotkreuzes Herr Pech o 1 d am Donnerstag 37 Kinder in der Eberstädter Turnhalle, die beim Ballonwettbewerb Flugkarten-Antworten erhalten hatten. +

Der Nikolaus besuchte die Kinderstation des Elisabethenstiftes und führte sich mit Aepfeln und Nüssen als vorweihnachtlicher Bote ein. o

Andor Földes aus den USA wird am 10. Dezember, um 20 Uhr im Amerika- Haus ein Klavierkonzert geben, in dem er Werke von Bach, Busoni, Beethoven, Chopin, Chapland und Kodaly zu Gehör bringen wird. *

Ueber das Thema „Gewissen und Be¬ ruf“ spricht Prof. Dr. Hartmann-Frankfurt a. M. am Donnerstag, dem 14. Dezember, 20 Uhr, in der St. Liebfrauenkirche in einer Veranstaltung aller katholischen Pfarreien Darmstadts.

Sechs Monate Gefängnis erhielt eine Frau, die wegen Kuppelei angeklagt war. Sie hatte fortgesetzt jungen Mädchen und ihren amerikanischen Liebhabern ihre Wohnung zur Verfügung gestellt. YK

Wegen Scheckbetrugs wurde ein Mann zu einem Monat und zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte wollte mit einem ungedeckten Verrechnungsscheck eine Autoreparatur bezahlen. YK

Bereitschaftsdienst am Sonntag

Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst (vom 9. 12., 13 Uhr bis 16. 12., 8.00 Uhr):

Darmstadt: Nordend- Apotheke, Friedrich-Ebertplatz 17, Telefon 978; Stadt-Apotheke, Rheinstraße 32, Telefon 3460; Bessunger-Apotheke, Hermannstraße 4, Telefon 598.

Darmstadt-Eberstadt: Alte Eberstädter Apotheke, Oberstraße 10, Telefon 219.

D armstadt-Arheilgen: Goethe-Apotheke, Darmstädter Straße 65, Tele¬ ■fon 2022.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst (von 10 bis 12 Uhr): Zahnarzt Dr. Reinig, Darmstadt-Eberstadt, Friedrichstraße 12.

Sonntagsdienst der Dentisten (von 10 bis 12 Uhr): Dentist Wolfgang H abic h , Darmstadt, Alicestr. 16.

Die Sendeprogramme vom 10. Dezember bis 16. Dezember 1950

Hessischer Rundfunk (Frankturt, Kassel Fritzlar)

Sonntag, 10. Dez.

13.00 Musik nach Tisch 14.30 Der Berg der drei Edelsteine 15.00 Aus dem Tagebuch Ihres Senders 15.15 Kriegsgefangenen- und Heimkehrerprogramm 15.30 Sport und Musik 16.30 Stunde des Chorgesangs 17.00 Unterm Adventskranz 17.45 Das Zwetschemännche 18.00 Orchester der Welt 20.00 Unser Sonntagabend 22.10 Sportberichte 22.25 Heitere und besinnliche Kleinkunst 23.00 Tanzmusik von Schallplatten

Montag, 11. Dez.

13.00 Das Stündchen nach Tisch 14.15 Hessische Schüler musizieren 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Musikalische Landschaftsbilder 16.45 Geschichten von Sani 17.00 Bitte abschalten, meine Damen 18.00 Fragen der Berufsausbildung, 18.30 Zum Feierabend 20.00 „Arc de Triomphe“ von Erich Maria Remarque 20.45 Melodiöse Tanzmusik 21.45 Probleme der deutschen Politik 22.15 Musik für zwei Klaviere 23.00 Briefmarkenplauderei 23.15 Platt — tonisches

Dienstag, 12. Dez.

13.00 Das Stündchen nach Tisch 14.15 Schulfunk: Das große Welttheater 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Orchesterkonzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Eine volkstümliche Liederfolge 18.00 Ein Weg zum Schutze gegen Massenspggestion 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.25 Leichtes Lüfteri — wienerisch 20.00 Tanz- und Unterhaltungsmusik 22.15 Das Abendstudio

Mittwoch, 13. Dez.

13.10 Melodien von Karl Millöcker 14.00 Lieder von Mendelssohn und Brahms 14.15 Schulfunk. Wir kaufen, ein: Tee 14.45 Intermezzo auf dem Klavier 15.05 Heitere Melodien 15.25 Hoppla, die Purzel sind da 16.00 Der Dichter und sein Werk 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Für unsere Studierenden 18.20 Wünsche nach Noten 20.00 Oeffentliches Sinfoniekonzert 22.15 Hessischer Bühnenspiegel 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz

Donnerstag, 14. Dez.

13.00 Das Stündchen nach Tisch 14.15 Schulfunk: Mahatma Gandhi 15.15 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Unterhaltsame Hausmusik 16.50 Was Frauen interessiert 17.00 Klingende Jahreszeiten 18.00 Hörerlieblinge. Es singen die Don-Kosaken 18.30 Rhythmische Klänge 20.00 Frisch aus der Presse! 21.10 Vorweihnachtliche Musik \ 21.45 Passiert — Glossiert 22.15 Den Freunden der Dichtung 22.45 Nachtkabarett 23.00 „Rhythmus der Welt“

Freitag, 15. Dez.

13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Das Panorama 14.15 Schulfunk: Der angelernte Bauarbeiter 16.00 Klaviermusik 16.45 Für junge Menschen 17.00 Unterhaltungsmusik 17.40 „Am Rande bemerkt“ 18.00 Funk-Feuilleton 18.15 Konzert für die Jugend 20.00 Musik der Heimat 20.45 Offenbachiana 22.15 Noten und Anekdoten 23.00 Begegnungen mit Künstlern in Frankfurt um 1930 23.20 Der Jazzclub

Samstag, 16. Dez.

13.00 Unterhaltsame Mttsik 13.40 Sportvorschau 14.15 Vergnügen mit Musik 15.00 Durch die weite Welt: „Andorra" 15.15 Volkstümliches Wissen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 1000 Worte Hessisch 18.00 Recht für jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 20.00 Bunter Abend 21.30 In diesen Tagen 21.40 Orgelmusik 22.10 Sportergebnisse 22.20 Wiegenlieder der Völker 23.00 Zwischen heute und morgen

Südwestdeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) 195 m (1538 kHz)

: (Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)

Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr 22.00, 24.00 Uhr

17.00 Sinfonie-Konzert 18.30 Sportberichte 19.20 Adventslieder 20.00 Abend-Konzert 21.30 Bekannte und beliebte Klänge 22.15 Sport und Musik 23.00 Im Rhythmus der Freude 0.10 Tanz- und Unterhaltungsmusik

17.00 Solistenkonzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Sendung neuer Schallplatten 21.00 Werke von Johann Strauß 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio 23.00 Musikalisches Kabarett

17.00 Unterhaltungsmusik 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Balladen von Carl Loewe 20.30 Hörspiel: „Eugenie Grandet" nach Balzac 22.20 Probleme der Zeit 22.30 Neues Musiktheater 23.30 Jazz 19501

17.10 Sang und Klang im Volkston 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Unterhaltungskonzert 21.40 „Also wissen se neel“ 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio 23.00 Tanzmusik

17.00 Klaviermusik 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Entthronte Götter der Gesangskunst 21.00 Religiöse Legenden der Völker 22.30 Das Prisma 23.30 Musik zur Nacht

16.45 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Die großen Meister 22.30 Für Kenner und Liebhaber 23.15 Meditationen an einem regnerischen Tage 23.30 Kleine Intimitäten!

16.30 Unser Samstag-Nachmittag 18.30 Musik zum Feierabend 2Q.00 „Zwischen Herbst und Winter“ 22.15 Sportrundschau 22.30 Der SWF bittet zum Tanz! 0.10 Bei Pfeiffers ist Ball

STARKENBURG

Wünsche

Vor ein paar Tagen war’s. Ueber die kleine Stadt hatten sich die grauen Schleier eines frühen Dezemberabends gebreitet. Im Zimmer brannte Licht, der Kaffeetisch war abgeräumt und an ihm saßen Peter der Zweite und Sybille, beide noch den Glanz eines kalten, aber lustigen Tages auf dem Eis in den Augen.

Papier und Bleistift waren zur Hand, und während auf dem Ofen die Aepfel brutzelten, war das Pärchen am Ueberiegen.

Sybille, schnell und rasch wie immer, hatte schon mit großen und ungelenken Buchstaben „Wuunschzetel“ über den Bogen geschrieben. Es stand ein wenig schief da, aber es war zu lesen, und da schrieb sie auch schon weiter: „Libes Christkind, ich bin glicklich und will nur eine neue Puppe weil die alte schon so alt is, und einen neuen Puppenwagen, der wo für die neue Puppe baßt und viel, vil Schokolad. ich bin auch immer ser brav.“ Punkt. Unterschrift und — „Mama, darf ich ein’ Apfel haben?“

Anders der Peter. Ja, ganz recht, das auf dem Bild ist der Peter. Sie sehen ja, wie er überlegt. Mal hält er den Bleistift links, mal hält er ihn rechts und über das „Wunschzettel“ kam der Große nicht hinaus.

„Ob ich keine elektrische Bahn haben kann? — Oder ein richtiges Pferd? — Oder die Leiter vom Schornsteinfeger? — Oder das kleine Fahrrad? Oder eine richtige große Peitsche? Oder gar das neue Buch mit den vielen Bildern?“

Keines fand Gnade vor seinen kritischen Augen. Dann schrieb er aber doch. Und was glauben Sie, was er schrieb? Lesen Sie selbst:

„Liebes Christkind, ich wünsche mär, daß mein Papa wieder einmal mit mir und der Eisenbahn spielt und nicht jeden Tag fortfährt und Zeitung macht!"

Kommentar überflüssig.

Peter der Erste



Dieburg holt seine neuen Glocken ein

In drei Jahrzehnten das dritte Geläut für die Stadtkirche

(RG) — Dieburg. Heute nachmittag werden um 15.30 Uhr die Pfarrangehörigen der katholischen Pfarrei Dieburg von der Ecke Rheingaustraße — Groß-Zimmerner Straße in feierlicher Prozession die neuen Glocken für die Stadtkirche einholen.

An diesem Feiertage seien die Gedanken einmal in vergangene Jahrhunderte gelenkt zu den alten Dieburger Kirchenglocken, deren älteste aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammten.

Stadtarchivar Ka” s t weiß über ihr und ihrer Nachfolgerinnen Schicksal bis zum heutigen Tag zu berichten. Nach seinen Aufzeichnungen, denen Urkunden, Kirchenakten und Kalender aus alter Zeit als verläßliche und authentische Quellen dienten, bestand das Geläute der Stadtkirche um das zweite Dezennium dieses Jahrhunderts aus vier Glocken. Die beiden aus den Jahren 1400 und 1476 stammenden wurden nacn der Zerstörung der Gnadenkapelle während des Dreißigjährigen Krieges in die Stadtkirche gebracht, zu der das Gotteshaus des aufgelösten Minoritenklosters durch Schenkung des Kurfürst-Erzbischofs im Jahre 1569 geworden war.

Zu der Elf-Uhr-Glocke und der Marienglocke kam. im Jahre 1570 gegossen, die Herrenfestglocke, die lange Zeit nur an bestimmten Festtagen geläutet wurde. Schließlich vervollständigte noch die aus dem Jahre 1665 stammende und 200 Jahre später umgegossene Weine Glocke, die 1917 abgeliefert werden mußte, das Geläut. Da es jedoch nicht ganz tonrein war und elf Jahre später eine der Glocken sprang, entschloß sich im Spätherbst 1928 der Kirchenvorstand auf Vorschlag des auch um Dieburgs Geschichte hochverdienten Dekans Ebersmann zur Anschaffung eines neuen Geläutes.

Am 15. März 1929 wurde das neue bei Meister Hamm in Frankenthal gegossene vierteilige Geläut auf Gespannwagen feierlich vom Bahnhof eingeholt und von Bischof Ludwig Maria Hugo von Mainz geweiht. Gabiela Freiin von Fechenbach-Laudenbach, Ministerialpräsident Uebel — die die Marien- bzw. die Evangelistenglocke gestiftet hatten —, Lehrerin Blüm und. Lehrer Philipp Blank standen Pate. Außer den Inschriften religiösen Inhalts, dem Namen des Gießers und dem Gußjahr wai- ein Teil der bisherigen Glocken mit Reliefs aus dem Leben Christi und Mariä und zahlreichen römischen Münzen geziert. Von dem zu gleicher Zeit angeschafften neuen Glockenstuhl mit Läutemaschine erklang das neue Geläut erstmals am Karsamstag beim Gloria des Hochamtes.

Wenig mehr als 12 Jahre nur durfte es die Gläubigen zu Gottesdienst und Gebet rufen. Zehn Tage vor dem Christfest des Jahres 1941 mußte es von der katholischen Gemeinde Dieburg schon wieder Abschied nehmen; auf Anordnung des Reichswirtschaftsministeriums wurden die Glocken ausgebaut. Trotz größter Bemühungen und auch ernsten Protestes wurde die künstlerisch wertvolle Festgiocke, die größte des Geläuts, nachträglich in die Klasse A (nach dem ersten Weltkrieg angeschafft) eingereiht und mit den anderen Glocken zusammen kurz vor Weihnachten abtransportiert und zerschlagen.

So blieb nur noch die kleine Glocke erhalten. die fast auf den Tag neun Jahre ihren Dienst versah. Aber auch sie wird nun bald den Weg in die Gießerei gehen. Ihre vertraut gewordene Stimme paßt nicht mehr zum Moll-Dreiklang d-f-a des neuen Geläuts. Dessen feierlicher Guß war am 1. Dezember dieses Jahres bei Andreas Hamm Sohn in Frankenthal vollzogen worden.

Am Sonntagmorgen werden die neuen Glocken im feierlichen Hochamt um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche geweiht werden.

Diese Stunde und jene, da das neue Geläut zum erstenmal erschallen wird, werden einen besonderen Platz in der jahrhundertealten Geschichte der Stadt Dieburg und ihrer katholischen Gemeinde einnehmen. Des Geläuts ehener Ruf möge Land und Leute dem Schutz der heiligen Jungfrau empfehlen, wie es einst aufdergroßen Glocke stand: „Maria, Gottes Zelle, hab in Hut. was ich überschelle“.

Unter Gẽburtslagskinder

Goldene Hochzeit: Herr Johannes German 3. und Ehefrau Katharine geb. Gaubatz, Messel, Seegartestraße 14.

92. Geburtstag: Frau Elisabeth Engel Trebur, Hauptstraße 16.

78. Geburtstag: Herr Karl Weber, Traisa b. Darmstadt, Hügelstraße 7.

74. Geburtstag: Frau Christine Burkart, Seeheim, Sandstraße 22.

73. Geburtstag: Herr Rudolf Nickel, Zwingenberg, Rheinstraße 10.

73. Geburtstag: Herr Adam Lautenschläger, Stockstadt, Ernst-Thälmann-Straße.

70. Geburtstag: Herr Ludwig Edler 2., Astheim, Mainzer Straße 17.

Versammlung der Bürgermeister des Landkreises Dieburg

Dieburg (rfd) — Der Landrat des Kreises Dieburg hat die Bürgermeister seiner Gemeinden für Dienstag um 9 Uhr in den Sitzungssaal des Landratsamtes zu einer Dienstversammlung einberufen, an der auch die örtlichen Vertrauensleute der Heimatvertriebenen teilnehmen werden. Auf der Tagesordnung stehen: Wohnraumlenkung, Fragen des sozialen Wohnungsbaues und ein Vortrag über das Gesundheitswesen.

Keine Entlassung von Gemeindeangestellten

Reinheimer Gemeinderat mit Leistungen der KPD-Angehörigen zufrieden Entlassungsantrag mit zehn zu zwei Stimmen abgelehnt

Reinheim (eb) — Die Mittwochsitzung des Reinheimer Gemeinderates wurde in Abwesenheit des Bürgermeisters vom 1. Beigeordneten C o y geleitet. Die zur Debatte stehende Tagesordnung wurde trotz teilweise recht lebhafter Diskussionen flüssig abgewickelt.

Die von den Fraktionen eingereichten Vorschläge zur Wahl der Schöffen und Geschworenen wurden in nichtöffentlicher Beratung auf die erforderliche Zahl von 20 gekürzt. Mit der Frage der Winterbeihilfe wird sich die Finanzkommission noch in dieser Woche auseinanderzusetzen haben, da.die Zahl der in Frage kommenden Personen und damit die finanzielle Belastung der Gemeinde noch nicht endgültig feststeht.

Die Entlassung von Gemeindebediensteten, die Mitglieder der KPD sind, wurde vom Gemeinderat mit 10 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen der FDP und CDU abgelehnt. Der Gemeinderat vertrat die Auffassung, daß man mit den Leistungen der beiden in Frage kommenden Personen sehr zufrieden sei. Zuvor wurde noch ein Antrag von Gemeinderat Molter (FDP) auf Vertagung des Punktes bis zur Anwesenheit des Bürgermeisters mit 7 Stimmen der SPD und KPD gegen 5 Stimmen der FDP und CDU abgelehnt.

Am Sonntag wird der Gemeinderat das Gelände der neuen Siedlung besichtigen., um über die zweckmäßigste Anlage eines Fußpfades für die Anlieger zu einem Beschluß zu kommen. Einem Antrag auf Zuweisung eines Bauplatzes in der neuen Siedlung wurde unter den üblichen Bedingungen entsprochen, ein Antrag auf Baugelände in der verlängerten Wingertstraße bis zur Erschließung des Geländes zurückgestellt. Für die aus dem Wiesenvorstand ausgeschiedenen früheren Gemeinderatsmitglieder Göbel und Metzler wurden vom Gemeinderat die Herren Karl Schmidt und Georg Leinert vor geschlagen.

Der Erweiterungsplan für die verlängerte Wilhelm-, Wingert- und Goethestraße zum Ortsbauplan lag dem Gemeinderat vor. Durch das Hochleitungsnetz der HEAG wären hier 8 Meter tiefe Vorgärten erforderlich. die der Gemeinderat ablehnt. Im allgemeinen wurde der Plan einstimmig gut-

geheißen. Der Bürgermeister soll mit der HEAG in Verhandlungen treten, damit die störenden Leitungsmaste versetzt werden.

An die öffentliche Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche Beratung an.

Buter Abend des VDK

Eppertshausen, (gi) — Am Sonntag lädt der Ortsverein des VDK im Edersaal zu seinem bunten Abend ein. Bekannte Künstler und ein Tanzensemble aus Darmstadt wurden zur Programmgestaltung verpflichtet. Der Reinerlös ist für Wohltätigkeitszwecke bestimmt.

Weihnachtsfeier und Elternversammlung

Babenhausen. (NB) — Das Realgymnasium hat die Eltern der Schüler für Samstag um 15 Uhr im Saale des Gasthauses „Adler“ zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Am Sonntag findet um die gleiche Zeit in der Schule eine Elternversammlung statt, in der der Vorsitzende des Elternbeirats, Dr. J ungwirth, über das Thema „Freiwilliges Schulgeld“ spricht.

„Mehr auf eigenem Boden pflanzen“

Bauernversammlungen im Landkreis Dieburg

Münster, (gi) — In der Reihe ihrer Aufklärungsvorträge über die fortschrittliche Bodenbewirtschaftung bereisen gegenwärtig Sachverständige der Landwirtschaftskammer den nördlichen Teil des Kreises Dieburg.

Im Rahmen einer Bauemversammlung behandelte am Donnertsagabend Dr. Niesel, Frankfurt, das Thema „Mehr Futter auf eigenem Boden pflanzen“. In ausführlichen Worten führte der Sachverständige den Anwesenden die richtige Anwendung des Kunstdüngers vor Augen.

Aehnliche Themen waren am gleichen Abend Gegenstand der Bauernversammlung in Eppertshausen. Landwirtschaftsrat Knoke, Frankfurt, erläuterte hier ebenfalls die Vorteile der besten künstlichen Düngemittel.

Gut besucht war in Ober-Roden am Mittwochabend die Versammlung des Ortsvereins der Bauernschaft. Der Lichtbildervortrag zeigte, wie bessere Ernten durch nutzbringende Dunganwendung erzielt werden können.

„Ritt ins neue Jahr“

Babenhausen. (NB) — Der Reit- und Fahrverein „Vorder-Odenwald“ hielt eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, den „Ritt ins neue Jahr“ wieder öffentlich als Silvesterball im Saal des Hotels „Zum Löwen“ abzuhalten. Im Frühjahr 1951 wird ein Turnier durchgeführt werden. Auch der Fahrunterricht soll erneut stattfinden und eine Kinder-Voltigierabteilung aufgestellt werden.

„DT“-Reporter schrieben die „Wochenend-Reportage“ — für den Landwirt:

Heute: Revolution in Steinau - Wo wird sie morgen sein?

Das Tierzuchtamt zeigt Wege zu größerer Rentabilität / Melken, molk, gemolken — bei Tag und Nacht

K H Am Fuße der Neunkirchener Höhe — inmitten eines Kranzes winterlicher Wälder, Ae^-Vgt das langgestreckte Dörfchen S te i n au mit etlichen Stuben, in den drei Wirtschaften. Man hort Jn ihnen keinen Straßenlarm, Ikeinen Glockens hg Landschaft. Und artigen Schule her die Stunde. Eine paradiesische Stille, die nur selten unterbrochen wird, Hegt uner aer g der eilige Fischbach murmelt an steinigen Klippen seinen immer wahrenden Monolog.

Die wohltuende Ruhe dieses Ortes blieb von vielen Naturfreunden nicht unentdeckt. Hierher wäre deshalb auch die „Eleonorenheilstätte“ Winterkasten gekommen, wenn sich die „Staaner“ Bauern damals nicht energisch gewehrt hätten. Hier, zehn Minuten von der Dorfmitte aus, liegt das weithin bekannte Kindererholungsheim Rimdidim und das Naturfreundehaus. Und oft zieht eine frohe Schar mit Rucksack oder Koffer den Berg hinan.

Die innerliche Ruhe der „Staaner“ wurde kürzlich jedoch auf eine harte Probe gestellt: Die Ursache war ein Melklehrgang, der endlich, nach vielen Bemühungen des Bauern Götz in Steinau abgehalten wurde. Beinahe alle Jungbauern und Bäuerinnen des Ortes, ja selbst einige der Nachbargemeinden Lützelbach und Billings, hatten sich zur Teilnahme gemeldet. Jeden Abend warfen die Lichter im Schulsaal 2 bis 3 Stunden lang breite Streifen in die Wiesen hinunter, weithin kündend, daß noch fleißig gearbeitet wurde.

Fehler wie vor 100 Jahren

Melklehrer Satzinger, vom Tierzuchtamt Darmstadt, erörterte hier eine Fülle von Fragen und Problemen, die heutzutage alle Bauern angehen, soll sich ihr Betrieb überhaupt lohnen. Nicht ohne Humor, aber mit unnachsichtlicher Kritik wies er seine Zuhörer auf die Fehler und Tierquälereien hin, die heute noch, wie vor hundert Jahren, in den meisten Viehställen gemacht werden.

„Auf Euren Feldern, an Euren Geräten und Maschinen, da würde sich Euer Urgroßvater nicht mehr auskennen, wenn er jetzt plötzlich zu Euch kommen könnte. Aber im Kuhstall, der oft noch genau so viel, besser genau so wenig frischer Luft, Licht und Sonne zugängig ist, in dem noch immer die Kälber in derselben dunklen Ecke angebunden werden wie damals — da könnte er sofort wieder mitarbeiten! Die Zucht ist der Haltung und Fütterung unseres Viehes mindestens dreißig Jahre voraus. Das muß anders werden, wenn sich der Kuhstall überhaupt rentieren soll, da er doch Geldgeber und Antriebsmotor des gesamten bäuerlichen Betriebes sein soll und muß!

Wieviel Liter Milch, wieviel Fettprozente geben denn Eure Kühe? Welches Futter, wieviel und wann füttert Ihr gut? Wann könnt und sollt Ihr einsparen, um mehr Geld herauswirtschaften zu können? Wie haltet und pflegt Ihr Eure Tiere, um mehr Milch zu bekommen?“

So und ähnlich lauteten die Fragen. Melklehrer Satzinger wies allen Richtung und Weg. Von der ersten Stunde an lernte jeder der Teilnehmer am Gummieuter den richtigen Melkgriff. Da mußte geübt werden, denn es ging hart, sehr hart her. Auch für die, die da glaubten, schon gut melken zu können. Tag für Tag ging's dann leichter. Der Eifer war groß, denn es wurde mit Stoppuhr und Meßglas gemessen. Täglich wechselte die Rangliste, täglich stieg die Spannung... „Wer wird heute wohl das Rennen machen?“

Referate zu grundlegenden Fragen

Alle Wirtschaften der kleinen Gemeinde waren jedesmal bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn z. B. Kreisveterinärrat Dr. Kieffer, Dieburg, Zuchtverwalter K 1 a sser t, Qualitätsprüfer Waldner und Herr Fuchs, vom Tierzuchtamt Darmstadt, oder der stellvertretende Leiter der SML Darmstadt, Benz, zu grundlegenden Fragen sprachen. Mehr und mehr aber erregten sich die Gemüter der Dorfbewohner, als das Wettmelken an der Kuh im eigenen Stall begann. Die Prüfungskommission hatte alle Hände voll zu tun. Es kam da schon auf die Vorbereitung (Kleidung, Anrichten), auf Sitz, Handstellung, Milchstrahl und Schaumbildung, auf jeden Ausmelkgriff, jeden Sekundenbruchteil, jeden Kubikzentimeter beim Ausmelken und nicht zuletzt auf die Sauberkeit der Milch selbst an. Die Rubriken auf den Prüfungsbogen füllten sich. Die Spannung, die Erregung wuchs von Stall zu Stall, von Hof zu Hof. Melken, molk, gemolken war das Tagesgespräch in den Ställen, in den Wirtsstuben, auf der Straße, im Omnibus und in den Träumen der aktiven Teilnehmer.

Die Olympiade findet im Saale statt

Am Abschlußabend aber ging es dann hoch her. Bei Kaffee und Kuchen. Und schmissiger Musik der Lützelbacher Kapelle. Mancher begehrliche Blick streifte da den kunstvoll aufgebauten Preise-Tisch, an dem das Tierzuchtamt, die Gemeinde und einige heimische Firmen beteiligt waren. Höhepunkt: das öffentliche Wettmelken am Gummieuter, das nach fieberhafter Auswertung durch die Prüfungskommission unmittelbar anschließend den Sieger ermittelte. Das Ganze mutete wie eine Olympiade an, in den Kuhstall, bzw. in den Saal verlegt...

Noch heute aber spricht man in Steinau, Lützelbach und Billings nur vom Melken und wälzt eifrig Pläne, wie man die revolutionierenden Ratschläge für den Kuhstall praktisch in die Tat umsetzen kann. Beim Bauer geht es langsam, aber dafür stetig — und wir sind sicher, daß auch andere Ortschaften Steinau nacheifern werden. Denn es geht ja dabei um das Bestehen einer gesunden, lebensfähigen Landwirtschaft.

Kulturfilm-Programm für Stadt- und Landkreis Darmstadt

Montag, 11. Dezember: 20 Uhr Frankenhausen, Dorfgemeinschaft.

Dienstag, 12. Dezember: 20 Uhr DGB, Amerikahaus Darmstadt. Jugendgruppe; 20.15 Uhr E. C. Wixhausen, Aumühle; 20.30 Uhr Waschenbach, Dorfgemeinschaft.

Mittwoch, 13. Dezember: 19.45 Uhr Roßdorf, Ortsjugendausschuß; 20 Uhr Schneppenhausen, Gewerkschaft.

Donnerstag. 14. Dezember: 20 Uhr Darmstadt, HEAG-Saal, Jungsozialisten.

Brodnitz Erben geben lugenheim Kinderspielplatz

Gemeinderat ehrt Dr. Siegfried Brodnitz durch Benennung der neuen Anlage nach seinem Namen

Jugenheim, (hl) In der Mittwochsitzung des Gemeinderates brachte die Gemeinderatsfraktion der SPD einen Antrag auf Schaffung eines Kinderspielplatzes ein.

In dem Antrag heißt es u. a.: Durch das Entgegenkommen der Brodnitz Erben, des Herm Dr. Türk (London) und seiner Gattin, geb. Brodnitz, ist es möglich, das an der Ecke der Haupt- und Sandmühlstraße gelegene Grundstück zu einem Kinderspielplatz zu gestalten, der durch gärtnerische Anlagen einen würdigen Rahmen erhalten soll. Der Gemeinderat gedachte bei dieser Gelegenheit des Vaters bzw. Schwiegervaters, des 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordeten Arztes Dr. Siegfried Brodnitz. In dankbarer Erinnerung an diesen, durch Opferwilliigkeit und Gemeinsinn ausgezeichneten Bürger Jugenheims wird dem Kinderspielplatz der Name „Brodnitz-Anlage“ gegeben. Wegen der gärtnerischen Gestaltung wird Bürgermeister Schürrle in mit Gartendirektor a. D. G 1 og a u Rücksprache nehmen.

Die HEAG stellte den Antrag auf Umlegung der Omnibuslinienführung. Die Genehmigung wurde widerruflich auf ein Jahr erteilt.

Die Pächter der Wiesen und Aecker in der „Jugenheimer Weide“ stellten den Antrag auf Herabsetzung der Pacht. Es wurde beschlossen, daß der Pachtsatz bis zum Ablauf des Wirtschaftsjahres (März 1951) bestehen bleibt. Bei der nächsten Voranschlagsberatung des Haushaltsetats wird sich die Finanzkommission mit der Herabsetzung der Pacht befassen.

Der Kaufpreis für die der Bau- und Siedlungsgenossenschaft überlassenen gemeindeeigenen Grundstücke, der seither gestundet war, wird ab 1. Apnil 1951 in ein Darlehen mit erträglichen Zinsen umgewandelt.

Aktive Vereine

Bickenbach, (rh) — Die Arbeiter-Wohlfahrt lädt für nächsten Sonntag, um 15 Uhr, alle über 70 Jahre alten Mitbürgerinnen und Mitbürger zu einem gemütlichen Beisammensein in der „Waldesruh“ ein. In den letzten Tagen hatte sie etwa 50 bedürftigen Ortseinwohnern und Kriegerwitwen ein wertvolles Lebensmittelpaket als Weihnachtsgeschenk überreichen können. — Die Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner veranstaltet für ihre Mitglieder am nächsten Sonntagabend in der „Waldesruh“ eine Weihnachtsfeier unter Mitwirkung der Feuerwehr-Blaskapelle.

Kreiskaninchenschau beim Jubiläumsverein

Ober-Ramstadt (D) — Ueber das Wochenende wird im Saale des Gasthauses Gg. S c h r ö b e Idie Kreiskaninchenschau durchgeführt, da der Ober-Ramstädter Kaninchenzuchtverein H 86 in diesem Jahre auf sein 40jähriges Bestehen zurückblicken kann. Landrat Wink hat die Schirmherrschaft der Ausstellung übernommen und wird sie am Samstag um 15 Uhr eröffnen. Die Schau soll mit 270 Kaninchen aus 10 Vereinen des Stadt- und Landkreises Darmstadt beschickt werden. Erwähnenswert ist die Teilnahme einer Jugendgruppe aus Pfungstadt.

Wembach-Hahn (D) — In der Gemeinde wurden kürzlich die Arbeiten für die Erweiterung der Wasserversorgungsanlage vergeben. Das Rohrnetz soll bis zum Ortsausgang von Wembach nach Hahn verlängert werden, um dort verschiedene Neubauten an das Netz anzuschließen.

Flüchtlingsversammlung in der „Neunkircher Höhe“

Gadernheim, (uka) — Zu einer Monats¬ ,Versammlung des Ortsverbandes der Heiimafvertri ebenen versammelten sich kürzlich die Flüchtlinge unter Leitung von Herm Metsch i er in der „Neunkircher Höhe“. Innerhalb des Verbandes sollen zwei Mann gewählt werden, die die Flüchtlinge nach Landsmannschaften ordnen und ihnen bei der Ausfüllung der Klageformulare gegen die CSR behilflich sind. Auf der Tagesordnung wurden die Fahrpreisermäßigungen für das Jahr 1951 wieder genehmigt, zu deren Erlangung lediglich die Genehmigungen aus dem Vorjahre einzureichen sind.

Es wurde festgestellt, daß seither 48 Flüchtlingsbauern in Hessen ein neues Anwesen erhalten haben und für diesen Zweck 139 000 DM verwandt wurden. Den Bau eines Flüchtlings-Jugendheimes will man durch den Verkauf von Weihnachtskerzen zu 0,35 und 0,45 DM p/o Stück unterstützen.

Notizen aus Wixhausen

Wixhausen. (1k) - Zum Sonntag hat die Arbeiter-Wohlfahrt alle Einwohner der Gemeinde über 70 Jahre in den Saal des Gasthauses „Zur Traube“ eingeladen, um sie mit Kaffee und Kuchen zu bewirten. Gesangliche und musikalische Darbietungen werden die Veranstaltung umrahmen.

Der Geflügelzucht v,e rein hält am Wochenende im Gasthaus „Zur Sonne“ eine Geflügelschau ab. Auch auswärtige Züchter haben ihr Erscheinen zugesagt. Besonderes Interesse dürfte die Sonderschau der Jungzüchter finden. Eine reichhaltige Tombola steht zur Verfügung.

zŭm Besinnliches Sonntag

Wenn ich abends heimwärts fahre und im Halbdunkel des Wagens, dessen grelle Scheinwerfer über das graue Band der Landstraße tasten, in die Gesichter meiner Mitmenschen schaue, versuche ich oft, ihre Gedanken zu ergründen, die hinter den bleichen Stirnen — das Licht des Mondes kriecht da und dort durch die Scheiben herein und überstrahlt sie — ihre Gemüter bewegen und von ihnen Besitz ergreifen.

Eine nächtliche Fahrt durch das Land ist wie ein Stillestehen im leeren Raum. Man fühlt sich allein, inmitten einer unendlichen Weite, und glaubt sich verloren, wenn man irgendwo aussteigen müßte, wo keine Menschen wären und ringsum sich Wälder, Felder und Wiesen ausbreiten würden, die in der Stille der Nacht das Gefühl der Einsamkeit und Verlorenheit noch erhöhen.

Je mehr ich mich dann in dem Wagen umsehe, um so deutlicher wird mir, daß, trotz aller Zurückhaltung, mit der diese Menschen neben- und hintereinander sitzen, selten nur mit dem Nachbarn ein Wort wechselnd, und wohl, ebenso wie ich, den vergangenen Tag überschauend, eine unsichtbare Kraft um sich greift, die alle und jeden erfaßt.

Und das Eigentümliche tritt ein: Jene, die sich nicht kennen, sich vielleicht nur das eine oder andere Mal gesehen haben, von denen keiner weiß, welchen Namen der andere trägt, erleben das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Nacht. Draußen lastet das Dunkel über der Natur —, drinnen im Wagen aber greift fühlbar, doch nicht faßbar, ein Tasten von Gedanke zu Gedanke um sich, treibt die Menschen in ihrer Gesamtheit zusammen, zu einer Einheit, zu einer Familie, die sich dann erst wieder löst, wenn das Ziel erreicht ist...

Im Halbdunkel meines Wagens zieht ein Frieden durch die Menschen, der nicht entsteht aus der Mattigkeit nach getaner Arbeit, sondern seinen Ursprung hat in dem Zusammengehörigkeitsgefühl aller Menschen, die nicht wissen, was der morgige Tag bringt, die aber in Ruhe erwarten, was kommen wird und muß. Weil es nicht in ihrer Macht steht, das Schicksal ihrer Umwelt, und ihr Schicksal, zu ändern. Denn das Gesetz des Handelns liegt in anderen Händen. Und keiner wird es an sich reißen können, ohne gleichzeitig den Frieden zu stören. Und die Gemeinschaft aller zu zerstören Bernd Kraft

Was aǔch interessiert:

Auf fast 100 000 DM beläuft sich der Hausaltsplan des Roten Kreuzes im Kreise Broß-G er au, der bei einer Tagung in der Rüsselsheimer Stadthalle kürzlich __ angenommen wurde. (eng)

i nier dem Motto „Froh und heiter" veranstaltet die Sport- und Kulturgemeinde Jugenheim heute um 20 Uhr in der lurnhalle einen Bunten Abend. Die musikalische Leitung liegt in den Händen v°n Paul Bäni s c h. Ansage und Gesamtleitung: Hans Jüraen Stein. fhh

Spachbrückens Kleintierzuchtverein ver-

anstaltet heute und morgen eine große Schau im Gasthaus Schröder. (si)

Pfarrer Trautmann (Viernheim) wurde zum Dekan des durch Teilung des seitherigen Dekanats Zwingenberg neu entstandenen Dekanats Rimbach gewählt. (vir)

„Heiner und Philipp“ (Heinz Erle und Botho Jung), bekannt aus den Sendungen des Hessischen Landfunks, kommen am Wochenende nach Erbach. In einer Bühnenschau unter dem Titel „Oft gehört — nie gesehen“ werden sie im Rahmen des Filmprogramms der Erbacher Lichtspiele mitwirken. (ch)

„In den Ländern des Weihnachtssternes“

heißt der Titel des Lichtbildervortrages, den Pfarrer Klöß, Gernsheim, bei einem großen Familienabendl der Gemeinde Eschollbrücken-Eich am Sonntag um 20 Uhr halten wird. (-)

Infolge Straßenglätte konnte ein Lastzug

aus Mannheim die Ausfahrtskurve an der Autobahn bei Lorsch nicht einhalten und fuhr in den Graben. Ein aus Worms kommender Pkw. rammte den Lastzug und trug erheblichen Sachschaden davon. Eine Beifahrerin wurde schwer verletzt.

Kleinere Diebstähle in einem Lors c h er

Kolonialwarengeschäft fanden jetzt ihre Aufklärung. Man stellte zwei schulpflichtige Knaben als Täter fest. (el)

Offene Eutertuberkulose wurde bei einer

Kuh des Landwirts Wilhelm Lutz in Weitengesäß festgestellt. Der Kreis, tierarzt erließ die erforderlichen Schutzmaßnahmen. -ch

Der Fleischbescbaubezirk Bad König wird

ab 1. 1. 1951 geteilt. Für die Orte Bad König, Zell und Momart ist Tierarzt Dr. Olt, für Fürstengrund, Etzengesäß, Nieder-Kinzig und Mümling- Grumbach Tierarzt Roer zuständig. , -ch

Einen Adventsmarkt im Gemeindehaus ver.

anstaltet die Evang. Kirchen gemeinde Erbach auch in diesem Jahr wieder am kommenden Sonntag. Der Reinertrag soll zur Begleichung der restlichen Baukosten des Gemeindehauses verwendet werden. -ch

Das Singspiel „Glocken der Heimat“ bringt

der Männergesangverein „Eintracht“ Reinheim am Sonntag im Volkshaus zur Aufführung.

Zu einem gemeinsamen Richtfest für alle in

diesem Jahr erstellten Werkserweiterungsbauten und Werkswohnungen hat die Firma J. F a u 1 s t r o h, G r o ß - G e Jj a u, alle Belegschaftsmitglieder mit ihren Angehörigen für den kommenden Samstaig in die Turnhalle eingeladen. Die Veranstaltung soll besonders in ihrem ersten Teile der vorweihnachtlichen Stimmung Rechnung tragen.

Ahktuelles æ2wischeu gestern und heute

Letzter Ausweg: Unterschlagung

Zehn Monate für Neunzehnjährigen

Walldorf. (WST) — Zu insgesamt zehn Monaten Gefängnis verurteilte das Bezirksschöffengericht Darmstadt gestern den einschlägig vorbestraften, 19 Jahre alten Schmied Helmuth B. aus Walldorf, weil er wiederum krumme Wege beschritten hatte.

Während seiner Beschäftigung bei einer Zeitschriftenhandlung in Walldorf fingierte er nicht nur einige Aufträge, um die Provision zu erhalten, und steckte Gelder, die er bei Austrägern einzukassieren hatte, in die eigene Tasche, er unterschlug auch ein Fahrrad und einige Kleidungsstücke .'Außerdem soll er laut Anklage eine Ledermappe und Modezeitschriften gestholen haben. Im letzteren Delikt sprach man ihn jedoch frei.

Mit 12 Jahren ein Dieh

Waldmichelbach, (vir) Lebensmittelhändler W. ö., der erst vor kurzem von Dieben heimgesucht wurde, erwischte jetzt einen 12jährigen Schuljungen, als er mit einem Griff in die Ladenkasse 22,— DM und zuvor einen neuen GummibalJ entwendete. Da der Junge den Diebstahl frech ableugnete, wurde die Gendarmerie verständigt und nach Feststellung des Tatbestandes Anzeige erstattet.

Wegen 14 DM: Fünf Monate

Michelstadt, (ch) — Das Bezirksschöffengericht Michelstadt unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Loesch verurteilte am Freitag nach mehrstündiger Verhandlung den 41 Jahre alten ehern. Postbetriebsassistenten W. G. aus Bad König wegen Amtsunterschlagung in 2 Fällen zu 5 Monaten Gefängnis und den Kosten des Verfahrens.

Der bisher unbescholtene Mann hatte im Juni/Juli dieses Jahres bei seinen täglichen Abrechnungen nach dem Zustelldienst wiederholt Unstimmigkeiten. Daraufhin wurden ihm von einem Schalterbeamten zur Prüfung 10 DM zuviel ausgehändigt. Prompt fiel G. auf die gestellte Falle herein. Bei der folgenden Untersuchung ergab sich noch die Unterschlagung von zweimal 2 DM Rundfunkgebühren, die er bei einem Freund erhoben, aber nicht abgeliefert hatte. Die insgesamt 14 DM hatte er für sich verbraucht.

Wegen einer Dummheit hat der Angeklagte Anstellung, Pension und seine Unbescholtenheit verloren — und das als Vater von 5 Kindern.

Schwindel mit Postsparbuch

Bundespost um 685 DM geprellt

Darmstadt, (wst.) — Im Frühjahr nahm der 42jährige Graphiker Herbert E. aus Frankfurt — ein bereits, mehrfach vorbestrafter Mann — das Postsparbuch seiner Frau an sich, um durch betrügerische Manipulationen in den Besitz von Geld zu gelangen. Durch eigenhändig vorgenommene Eintragungen täuschte er Einzahlungen vor. Zur Vollendung seines Schwindelmanövers fälschte er die erforderlichen Poststempel. Das gefälschte Postsparbuch legte E. in verschiedenen Orten Hessens — so in Raunheim, Frankfurt. Arheilgen, Hanau, Sulzbach und Gießen — den betreffenden Schalterbeamten vor und erreichte tatsächlich, daß ihm mehrmals Beträge von 25 bis 92 DM ausgezahlt wurden. Durch diesen Trick wurde die Bundespost um insgesamt 685 DM geschädigt. Eines Tages kam natürlich der Schwindel heraus und E. hinter schwedische Gardinen. Der Angeklagte war im wesentlichen geständig. Das Schöffengericht erkannte wegen fortgesetzten Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung auf eine Gefängnisstrafe von acht Monaten.

Unfälle infolge Schneeglätte

Bischofsheim. (Kb) — Auf der Bundesstraße 26 in der Nähe des Hofes Schönau kam es am Donnerstagabend zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein aus Richtung Bischofsheim kommender Fernlastzug einer

DER LACHENDE ROTSTIFT Reporter Itilblüten vom Redaktioustisch

Aus einem Vorbericht zur Nikolauswan¬ derung des Oderwaldkilubs: . . . dann geht es zurück zum Gasthaus. Dort wird der Nikolaus die Kinder bescheren . . . •

Und der Klapperstorch wunderte sich sehr, daß so ein alter Mann es wagte, ihm ins Handwerk zu pfuschen!

Kölner Baustoff-Firma kam auf der schneeglatten Straße ins Rutschen und fuhr in den Straßengraben. Auf den Anhänger des Lastzuges, der auf der Straße quer stehengeblieben war, fuhr im gleichen Augenblick ein aus gleicher Richtung kommender Lastwagen auf. Die Ladungen beider Fahrzeuge gingen zum großen Teil in Trümmer.

Der Lkw.-Fahrer erlitt erhebliche Verletzungen im Gesicht und Prellungen an der Brust.



Unrentabler Einbruch

Bensheim-Auerbach. (HB) — In def Nacht zum 6. Dezember brachen unbekannte Täter in die Büroräume der chemischen Fabrik Sch wei zer-E ff ax ein und durchsuchten sämtliche Räume. Da sie jedoch kein Bargeld fanden, nahmen sie lediglich einige Kästchen Zigarren und verzehrten am Tatort einige Tafeln Schokolade.

Wildschwein siel Fischer an

Gernsheim, (kr) — Am Donnerstagnachmittag wurden zwei Fischer am Mindeloch von einem Wildschwein im Wasser angegriffen. Sie versuchten vergeblich, sich des wütenden Tieres mit Stockschlägen zu erwehren. Zwei Ameririkaner, die mit ihrem Boot in der Nähe waren, brachten das Schwein durch mehrere Schüsse zur Strecke.

Exhibitionist gesucht

Bensheim (HB) — In den vergangenen Wochen belästigte wiederholt ein Exhibitionist an der Nibelungenstraße Frauen, die in den Morgen- oder Abendstunden auf dem Wege von oder zu ihrem Arbeitsplatz ‘waren. Trotz eingeleiteter Fahndungsmaßnahmen konnte der Täter bisher nicht gefaßt werden. Die Polizei bittet die Bevölkerung, bei erneutem Auftreten dieses Mannes die Verfolgung aufzunehmen und die Polizei sofort zu verständigen.

Der Täter wird wie folgt beschrieben: ca. 35 Jahre alt und 1,75 Meter groß. Er trägt einen grauen militärähnlichen Mantel und einen grünen Hut.

Kinder sangen und spielten

Groß-Gerau, (kr) Beim Elternabend der Volksschule begrüßte nach einer musikalischen Einleitung Rektor Philipp die Eltern sowie Bürgermeister Dr. Lüdecke und Kreisschulrat Schwedes und wünschte, daß der geplante Neubau der Volksschule im kommenden Jahr Wirklichkeit werde.

Es folgte bunte Unterhaltung mit ernsten und heiteren Chorliedern, Volkstänzen und einem Blockflötenkonzert. Die kleinen Sänger unter Leitung von Musiklehrer E i d e 1 ernteten reichen Beifall. Höhepunkt des Abends war das Märchenspiel der Gebrüder Grimm „Brüderchen und Schwesterchen“, zu dem ein Schüler der Groß-Gerauer Volksschule die Bühnenbilder geschaffen hatte.

AUS DEN GEMEINDEN

Messel, (es) — In der letzten Gemeinderatssitzung wurde die Bürgschaft für ein Darlehen des Arbeitsamtes Darmstadt übernommen.

Ober-Ramstadt (D) — Der Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt wurde am Nikolaustag vom Weihnachtsmann besucht, der den Kindern Gaben überreichte.

Ober-Ramstadt. (D) Die Ortsgruppe des Roten Kreuzes konnte für ihren diesjährigen Kursus in Erster Hilfe Dr. med. Gröt ecke gewinnen. Der Lehrgang beginnt heute um 20.16 Uhr in der Kochschule.

Kleestadt (kl) — Am Sonntag findet im Saale der Gastwirtschaft von Martin Selzer VI durch den örtlichen Geflügelzuchtverein die diesjährige Vereinsschau statt. Ueber 200 Rassetiere (Hühner, Zwerghühner und Tauben) kommen zur Ausstellung.

Reinheim. Ein Familienabend des Volkshausbauvereins findet auch in diesem Jjahjre wieder, id eter IVorweihnachtszeit statt und ist für den 16. Dezember im Volkshaus vorgesehen. Unter anderem werden der Arbeiteirgesängverein und die Turnabteilung der Sportvereinigung 45 mitwirken! (eb)

Ueberau. (Si) — Der Arbeiter-Gesangverein veranstaltet am 16. Dezember im Saale „Zur goldenen Krone“ einen großen bunten Liederabend.

Zeilhätd. (wd) — Die Ortsgruppe des Roten Kreuzes führt am ersten Weihnachtsfeiertag das Theaterstück „Heimgefunden“ auf.

Zeilhard, (wd) — In einer Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr wurde der diesjährige Jahresball auf den 2. Weihnachtsfeiertag festgelegt.

Niedernhausen (kpr) — Die Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten führt am Samstag um 20 Uhr im Gasthof „Mainzer Eck“ eine Versammlung durch, zu der auch alle Kriegsbeschädigten. Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner der Orte Lichtenberg und Obernhausen eingeladen sind. Ein Referent wird über das neue Bundesversongungsgesetz sprechen.

Groß-Bieberau (GD) — Am Samstag findet im Lokal des Odenwaldklubs die diesjährige Hauptversammlung mit einem Bericht des Schriftführers und des Rechners statt.

Rohrbach. (D) In der Kirche wird am Samstag ein Liederabend der Gesangsabteilung der SKG und des Gesangvereins „Liederkranz“ Wembach veranstaltet. Der Erlös soll mit zum Kauf einer neuen Kirchen-

glocke beitragen. Bad König, (hm) Am Diertstagvormittag fand in der Weyprechtstraße der monatliche Ferkelmarkt statt. Aufgetrieben wurden 112 Ferkel. Die Preise lagen (pro Paar) zwischen 70—80 DM für Ferkel, und 100—130 DM für B—lo Wochen alte Springer. Der Absatz war schleppend.

Rimborn. (hm) — Zwei Mädchen wurden. als sie von ihrer Arbeitsstelle kamen, in der Dunkelheit von einem Manne belästigt. Der Unbekannte flüchtete, als ein Dorfeinwohner den Mädchen zu Hilfe eilte.

Bensheim-Auerbach. (HB) Das Gemeindebad muß infolge Heizmaterialmangels ab sofort vorübergehend geschlossen werden.

Bestattungen am Samstag, dem 9. Dezember 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 10 Uhr Friedrich Becker, 59 J., Helimstättenweg 100 11 Uhr Adeline Rott, 79 J., Hanau Waldfriedhof: 11.45 Uhr Kind Anita Assmann, 4 J. Da.-Eberstadt: 11 Uhr Keller, Otto, 53 J., Friseur, Da. -Eberstadt, Georgenstraße 14 Feuerbestattung: 11.45 Uhr Lehner, Karl, 65 J., Weiterstadt

Feuilleton

Kunst außer Dienst

Ausgaben für repräsentative Verwaltungsbauten — das ist beinah eine ständige Rubrik der Tageszeitungen. Hier soll einmal der Finger auf einen wunden Punkt gelegt werden: wir meinen die Wiederherstellung unserer Museumsbauten.

Nach der Fortführung der unvergleichlichen Berliner Sammlung von antiken Skulpturen nach Osten sind die griechisch - römischen Kunstwerke der Münchner Glyptothek der einzige große deutsche Bestand alter Kunst; aber noch immer hat keines Menschen Auge die Aegineten, die Meduse Rondanini und den barberinisehen Faun wiedergesehen, welche einst König Ludwig I. von Bayern erworben hat. An Schausammlungen für Gemälde besaß München 1939 die beiden Pinakotheken, die Neue Staatsgalerie und unweit der Stadt die Schloßgalerie Schleißheim. Die Neue Pinakothek, eine formlose Ruine, wurde unlängst auf Abbruch verkauft; von abschlußnahen Wiederherstellungsarbeiten an den drei anderen Bauten hört man nichts. Im „Haus der Kunst“ wird vom Gesamtbestand jeweils eine Auswahl von noch nicht einem Fünftel gezeigt.

Steht es nun am Rhein besser? Die Mannheimer Kunsthalle ist wiederhergestellt; in Karlsruhe sieht man wieder die Hauptbilder. In Frankfurt scheint der Fortschritt dem Femerstehenden jedoch im Schneckentempo vor sich zu gehen: welch ein voller Klang europäischer Kunst war doch einst das Staedelinstitut im Verein mit Liebighaus und Kunstgewerbemuseum! Daß Mainz und Darmstadt interessante Galerien besitzen, weiß nur noch die ältere Generation. Schweigen wir von den Kalamitäten in Köln, Kassel und Braunschweig. Ein Kapitel für sich ist der unermeßlich reiche Hort alter Kunst in Wiesbaden, den Hessen treuhänderisch verwaltet: hier ruht ein Großteil des für den Westen geretteten Berliner Museumsguts, von der Nofretete bis zu Manets „Wintergarten“. Eine kleine Auswahl daraus wird jetzt in Berlin-West gezeigt und jedermann wird den Berlinern diesen Kunstgenuß gönnen. Aber muß der „Rest“, immerhin der wesentliche Inhalt von etwa sechs weltberühmten Museen und ebensoviel Hohenzollernschlössem, wirklich „bis auf weiteres“ im Depot liegen?

Für eine breite Darbietung unserer Kunstschätze sprechen eine ganze Reihe triftiger Gründe: uns selbst, namentlich der jungen Generation, muß vergegenwärtigt werden, wie reich wir noch sind und welchen Gehalt das so oft benutzte Wort „Abendländisches Kulturerbe“ nach allen Zerstörungen auch noch für Kunstfreunde besitzt. Weiter: die Meister der Vergangenheit sind zu allen Zeiten auch für das Schaffen der Lebenden wichtig gewesen. Manet ist nicht ohne Velasquez denkbar. Kokoschka nicht ohne die Barockitaliener, Beckmann nicht ohne die Altdeutschen. Manche Abseitigkeiten der neuesten deutschen Malerei sind durch das Fehlen der großen Maßstäbe zu erklären. Das gilt für die ausübenden Künstler; aber auch das aufnehmende Publikum schwankt in seinem Verhältnis zur neuen Kunst, weil es keine Vergleiche ziehen kann: Greco stand van Gogh nicht im Wege, sondern hat seine Wirkung gefördert!

Schließlich ein Argument für die Abgeordneten von Bund, Ländern und Städten: die deutschen Kunstmuseen bringen Fremde ins Land. Wer in diesem Jahr bei einem längeren Aufenthalt in Italien beobachten konnte, wie Taf für Tag ein Strom von Ausländern sich in die (1945 zerstörten und schnell wiederhergestellten) Galerien von Mailand ’md Florenz ergießt, wird die Frage nicht los: Kann Westdeutschland es sich wirklich leisten, ein Kapital, wie es seine Kunststhätze sind, nicht arbeiten zu lassen? Dr. N. v. Holst

Klavierabend Poldi Mildner

Poldi Mildner war eine Schülerin von Robert Teichmüller. Sie gab ihr erstes Konzert schon im Alter von 11 Jahren mit den Wiener Philharmonikern. Mit 15 Jahren trat sie ihre erste Nordamerika-Tournee an und war seitdem dreizehnmal in Amerika. Dort konzertierte sie unter Bruno Walter, Toscanini ( NBC-Orchester, Neuyork), Pierre Monteux (San-Franzisko-Orchester) Frederic Stock (Chicago) und Dohnani. In Deutschland spielte sie mit großen Orchestern wie dem Leipziger Gewandhausorchester, den Prager und Budapester Philharmonikern unter Knappertsbusch, Abendroth, Böhm, Paul van Kempen und Mengelberg. Ferner führten ihre Konzertreisen durch Skandinavien, Finnland, England, Portugal und Südamerika. Poldi Mildner hat im letzten Jahr in Neuyork einen Klavierzyklus in einer Konzertreihe mit ciandio Arrau, Arthur Rubinstein und Rudolf Serkin gespielt.

Die Künstlergilde Heppenheim veranstaltet auch in diesem Jahr wieder eine Weihnachtsausstellung im Amerikahaus Heppenheim mit Werken ortsansässiger Kunstler. Mit Zeichnungen, Aquarellen und Oelgemälden sind vertreten:, Heinrich Herrmann, August Emrich, Vala Lamberger, Leo Rother, Hans Kohl und Franz Storz; Köpfe für Puppentheater zeigt Bildhauer Franz Teckentrup; die künstlerischen Vasen entotammen der Hand des Keramikers Schroeder (Leiter der Abteilung Keramik der Darmstädter Werkkunstschule). Bucheinbände aus Leder bringt Ernst Maiberg.


Am Montag, dem 11. Dezember, gastiert Poldi Mildner in der Stadthalle. Unter anderem kommen zur Aufführung: Konzert d-moll von Friedemann Bach, die Waldsteinsonate von Beethoven, der Carneval von Schumann, die Images von Debussy, Ballade F-dur, Berceuse von Chopin und zum Abschluß die Paganini-Variationen von Brahms.
Am Montag, dem 11. Dezember, gastiert Poldi Mildner in der Stadthalle. Unter anderem kommen zur Aufführung: Konzert d-moll von Friedemann Bach, die Waldsteinsonate von Beethoven, der Carneval von Schumann, die Images von Debussy, Ballade F-dur, Berceuse von Chopin und zum Abschluß die Paganini-Variationen von Brahms.

Wiener Sängerknaben in Heppenheim

Die Weltbekannten Wiener Sängerknaben veranstalteten in der Heppenheimer Stadthalle ein Konzert. Ein sehr vielseitiges und inhaltsreiches Programm bot einem überaus zahlreich erschienenen Publikum geistliche Chorsätze alter Meister, von denen besonders das berühmte „Ave verum corpus“ von Mozart hervorgehoben sei sowie Sätze von Schubert, Brahms, Volkslieder und den beliebten „Donauwalzer“ von Johann Strauß.

Im Mittelpunkt der Vortragsfolge stand die Aufführung der Einakter-Oper: „Der Apotheker“ von Josef Haydn, einem reizenden Werkchen, das die kleinen Darsteller mit ech jungenhafter Frische, Natürlichkeit und einem guten Schuß Humor in stilechten Kostümen bei einem Mindestaufwand an Dekoration aufführten.

Der Chor verfügt über herrliche, glockenreine, zarte Knabenstimmen und besonders schöne Soprane mit leuchtender Höhe. Jeder Chorsatz wird zu einem Genuß ganz besonderer Art. Es gab deshalb auch einen nicht enden wollenden Applaus, so daß die Sängerknaben noch drei Zugaben, unter anderem „Schlafe, mein Prinzchen, schlaf’ ein“ singen mußten. (HB) zu alten Kirchengesängen von dem oberhessischen Pfarrer Stumpf, dem Vater des Orgelbaumeisters, vorgesehen, womit der Versuch einer zeitnahen musikalischen Ausdrucksform alter Kirchenlieder ohne eigene Melodie unternommen werden soll. Die Feierstunde ist interkonfessionell gehalten. -ch.

Kirchenmusik

Im Wandel der Jahrhunderte

Die Höchster Orgeltage 1950 wurden im Frühjahr dieses Jahres durch den bekannten Orgelbaumeister Gerhard Stumpf ins Leben gerufen, nachdem er die wertvolle Barockorgel der Evangelischen Kirche zu Höchst i. 0., deren Erbauer auch der Meister der Amorbacher Abteiorgel ist, in monatelanger Arbeit wiederhergestellt hatte. War das erste Konzert schon ein voller Erfolg, wird die kirchenmusikalische Feierstunde, die Gerhard Stumpf für den dritten Advent vorgesehen hat, noch mehr Anklang finden, weil sie nicht nur durch die Beleuchtung der ganzen Kirche und der Orgel mit Hunderten von Kerzen eine besondere Note erhalten soll, sondern auch durch den Vortrag Gerhard Stumpfs über „Kirchenmusik und ihre Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte“, der abwechselnd durch musikalische Beispiele der einzelnen Epochen unterbrochen wird. Organist ist Wilhelm Kraft, Gundernhausen. Für die Gesang-Soli soll eine Darmstädter Konzertsängerin verpflichtet werden. Als Besonderheit sind drei Beispiele moderner Kompositionen

Wir notierten:

Märchenspiel in der Stadthalle

Heute nachmittag, um 17 Uhr, werden zum ersten Male 700 große und kleine Kinder das Weihnachtsmärchen „Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack“ in der Stadthalle sehen und hören. Das Stück wurde von E. Gürster und H. Steinbach nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm geschrieben. Die Inszenierung besorgte Herbert Walter, das Bühnenbild entwarf Elli Büttner, die Tänze studierte Ingeburg Niederberger ein, die musikalische Leitung hat Hilmar Schatz. In den Hauptrollen spielen: Martel Ferber, Ellen Krug, Martha Kuhn-Liebel, Helmut Kissel, Walter Kohls, Johannes Kraus, Joachim Röcker, Curt Westermann und Herbert Wien.

Eine Bachfeier veranstalteten der Gesangverein „Liederkranz“ und der ev. Kirchenchor in der ev. Kirche in Bensheim. Die einführende Ansprache hielt Dr. Otto Schilling-Trygophorus, der als Urgrund von Bachs Kunstschaffen auf dessen echten Christenglauben hinwies.

Ernst Penzold liöst am Samstag, dem 9. Dezember, um 20 Uhr im Saal 246 der Technischen Hochschule aus seinen Werken. Außerdem wird er über das „Handwerk des Dichters“ sprechen und zu einer Aussprache zur Verfügung stehen.

Die Mehrzahl der Bühnenleiter des Bun¬ desgebietes nahm an einer Intendantentagung in Wiesbaden teil. In der Aussprache wurden nach Mitteilung von Tagungsteilnehmern erste Erfolge der Anstrengung zur Abwendung einer allgemeinen Theaterkrise mitgeteilt.

Der Frankfurter Kunstverein zeigt in einer neuen Ausstellung „Pastelle zum alten Testament“ von Werner Scholz. Die Ausstellung dauert bis einschließlich 23. Dezember.

Eine vollendete Oper nach Mark Twains „Huckleberry Finn“ hat der vor kurzem in Neuyork verstorbene Komponist Kurt Weill hinterlassen. Auch das Textbuch, das noch nicht gänzlich ausgeführt ist, stammt von Weill. Es ist in deutscher Sprache geschrieben.

Der Mensch bhrauch so wenich...

Der Mensch brauch so wenich, um glicklich zu sei“, nor sähe's die meiste als meistens net ei; mer schielt stets nooch owwe un seifzt herzenschwer: Ach wann ich's nor aamol so gut hett, wie der! — Ob aaner Minister odder Handlanger is, sein Bindel schleppt jeder, deß is ganz gewiß. Un je greeßer de Tidel, je greeßer de Sack, un je greeßer de Poste, je greeßer de Pack. Die Sorje, die find mer, do mangelt's net dra, nor sieht mer's so manchem vun auße net a‘. — Zu beneide is kaaner wo er aach steht — Doch's maant aaner vum annern, daß em besserer geht.

Der aa hott e Stubb bloß, der anner e Haus, nor freecht sich's, bei wem sieht's gemietlicher aus. Der aa fehrt uff Gummi, der anner, der leeft — Wer waaß, wer vun dene zwaa nachts besser schleeft... Drum seid doch net neidisch, ihr habt gor kaan Grund, des Wichdichst vun allem däß is — nor gesund! Un habt ihr e Arweit , die wo eich ernehrt, dann loßt doch des Kräxe, es hot doch kaan Wert. Un schenkt eich der Himmel de beste Gewinn, en gude Mut un en offene Sinn, un e freehlich Herz voller Sunneschei, Was braucht es do mehr um glicklich zu sei... Robert Schneider

Robert Schneider

Am vergangenen Mittwoch, dem 6. Dezember, wäre Robert Schneider 75 Jahre alt geworden, hätte er nicht vor fünf Jahren für immer die Augen geschlossen.

Robert Schneider war ein Mensch, der Freude zu schenken wußte, Freude aus einem Herzen, das für die Mitwelt schlug. Und diese Mitwelt war in erster Linie sein Darmstadt. Die großen und die kleinen Freuden, Leiden und Begebenheiten der Menschen in den Straßen und Häusern verstand er aufzugreifen und sie mit einer aus echtem Mitfühlen kommenden Herzenswärme in Vers oder Prosa umzusetzen. Er lobte und tadelte, beides aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger pädagogischen Besserwissens, sondern mit der auch im Humoristischen ernsten Absicht, zu helfen. Er verfügte dabei über jenen Darmstädter Humor, der oft derb zuschlagen möchte, dann aber lächelnd streichelt und begütigend einlenkt.

Ueber allem stand Robert Schneider die Natur, die Wälder und Felder rund um Darmstadt, in denen er immer wieder neue Eindrücke und neue Kräfte sammelte. In der Stille dieser Landschaft entstanden zahlreiche Werke, die ihn zu einem der bedeutendsten Mundartdichter unserer Heimat werden ließen. Das Dichten in Darmstädter Mundart war für ihn Notwendigkeit, und in ihr erwies er sich als Meister des geschliffenen Dialekts.

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alle Dichtungen Robert Schneiders anführen zu wollen. Nur an eines sei erinnert: Wie viele unserer alten Tagblatt-Leser erinnern sich nicht noch heute mit einem leichten Schmunzeln und ein wenig Wehmut jener Zeit, als sie Sonntag für Sonntag im Darmstädter Tagblatt die „Sonndagsnachmiddags-Bedrachdunge in Darmstädter Mundart von Bienche Bimbernell“ lasen. Robert Schneider hat mit dem „Bienche Bimbernell“ die Darmstäd-. ter Mentalität in eine komprimierte Form gebracht. Hartmuth Pfeil zeichnete das „Bienche“, und sehr schnell wurden diese „Bedrachdunge“ so populär, daß sie noch heute nachklingen und der Name „Bienche Bimbernell“ im Mundartschatz unserer Heimat als Scherzwort aufgenommen wurde.

Im Gedenken an Robert Schneider veröffentlichen wir heute eines seiner Gedichte aus dem alten „Tagblatt“, den älteren unter unseren Lesern als ein freundliches Erinnern, den jüngeren zur Hinführung zu Robert Schneider; allen aber zur Freude und Besinnung.

Neue Filme in Darmstadt

THALIA. „König der Toreros.“ Nach dem berühmten Roman von Vicente Blasco Ibanez drehte die Cent Fox unter der Regie von Rouben Mamoulian einen Streifen, der es fertig bringt, Ruhm und Fluidum der Arena wiederzugeben. In Sevilla wird aus dem kleinen, vom Ehrgeiz besessenen Juan Gallardo ein großer Stierkämpfer. Blutlachen im Sand der Arena neben hingeworfenen Nelken und großen Sträußen südlicher Rosen. Tyrone Power, der die Rolle des großen Matadors übernommen hat, zeigt reiche Skala vom Aufstieg des armen, bettlerhaften Jungen zum selbstsicheren, erfolgreichen und erflolggewohnten Torero, der die Brillanten, den Reichtum und die Blumen mit vollkommener Grandezza wieder verschenkt. Er gibt dem Stierkämpfer eine derartig kraftvolle glutäugige Note, daß man ihm den Abstieg von der Höhe des Ruhmes nur in der beschriebenen Handlung, nicht aber in der optischen Sicht glauben möchte. Rita Hayworth als Dona Sol: sie spielt auf sämtlichen Klavieren der Tango-Bolero-Erotiik. Sowohl im Ueberluxus-Haus mit Dienern, weißem Marmor und Springbrunnen als auch in den Tavernen der Unterstadt bringt sie mit süchtigem Augenaufschlag, leichten Salznäpfen am Hals, aber ansonsten noch vollkommen erhaltenem Barock die Männer aus der Fassung. Der Zuschauer mag ihrem Können auch den Sündenfall des Stierkämpfers verzeihen, der dadurch bis zu seinem letzten Kampf, nunmehr von allen verlassen, seine Frau (im Film: Linda Darnell als Carmen Espinosa) verliert. Linda Darnells Rolle ist so meisterhaft und abgerundet, daß Handlung und Zuschauer ihr vorübergehendes Fernbleiben vermissen. Die Amerikaner verstanden es, in diesem Buntfilm das spanische Milieu einzufangen und das Geschehen bis zur letzten Messe glaubhaft und

PALAST. „Steppenrache.“ Schon äußerlich versucht dieser Film, uns die beiden Extreme — Gut und Böse — gegenüberzustellein. Hier eine heißblütige, raffinierte Zigeunerin, da ein echtes, schneidiges Mädel. Beide wickeln sich die Männer, die um sie sind, spielend um die iFnger; nur die Mittel, mit denen sie es tun, sind verschieden. „Ihr“, sagt die Zigeunerin, „werdet noch an mich denken“, und sie brütet Rache gegen den Cowboy, der einen ihrer Sippe beim Pferdestehlen erwischte und ihm einen Denkzettel gab. Die Mittel dabei sind ihr gleich. Sie geht bis zum Mord. Und das alles spielt sich unter aufreizender Zithermusik ab, in einer hitzebrütenden Steppe, in der die Männer mit offenen Hemden herumlaufen. — Und im Kino ist’s kalt. -zr-

Gang durch Frankreich

ln der Volkshochschule fand ein Filmabend statt, in dem die zahlreich erschienenen Gäste durch zwei Tonfilme mit dem Wesen Frankreichs vertraut gemacht wurden. Die erklärenden Worte gab Frau Lily Pringsheim, eine besondere Kennerin dieses Landes. Es waren Filme typisch französischer Mentalität, die schon in der Aufnahmetechnik als solche zu erkennen waren. Ein Dunkel des Lichtes, die spielerische Leichtigkeit der Kamerabewegung. Sie sagten mehr über Frankreich aus, als es je Worte vermochten.

Der erste Film führte durch das ganze, weite Land, Städte wie Provinzen wurden durchstreift, der französische Mensch im Alltag festgehalten, und über den Alltag hinaus wurde die Bekanntschaft mit einigen Großen des französischen Kulturlebens geschlossen. Stätten geistiger Erinnerungen tauchten auf, Picasso beim Baden, die Riviera, und alle Abschnitte fügten sich harmonisch in die Grundkonzeption, dem Zuschauer Frankreich erstehen zu lassen, so wie es wirklich ist. Der zweite Streifen war ein Gang durch den Montmartre in Paris. Hier schufen die größten französischen und viele abendländische Maler der Neuzeit ihre unsterblichen Werke, hier empfingen sie Anregungen im Gespräch in Hunderten von kleinen Künstlerkneipen und Ca'fes — Montmartre ist das geistige Zentrum Frankreichs, das in verschwiegenen Winkeln, in winzigen Ateliers und in romantischen Straßen den Pulsschlag der künstlerischen Institution spürbar werden läßt. Ein Abend, der jedem, dem an einer Verständigung mit dem Nachbarland gelegen ist, gleichermaßen wie dem Frankreichkenner zu einem Erlebnis wurde. —st

Margueriten IM BLAUEN FELD

heißt der Kriminalroman von Hanns Ulrich von Bissing, mit dessen Abdruck wir demnächst beginnen. Jeder kennt die spannenden Kriminalromane eines Edgar Wallace, vielleicht auch die „Abenteuer des Saint“ von Leslie Charteris oder die psychologisch subtilen Werke des Franzosen Simenon. Nun, der deutsche Kriminalschriftsteller Hanns Ulrich v. Bissing, ein junger Hamburger, vereint in seinem Werk den Geist der Angelsachsen und Franzosen, er weiß in eine Handlung, die von Anfang bis zu Ende spannend aufgebaut ist, alles das einzubeziehen, was zu einem echten Kriminalroman gehört: Geheimnisvolle Verwicklungen um die Lösung eines Mordes, Phänomene des Buddhismus und ausgezeichnete Schilderungen des Berliner Westens, Kämpfe von Männern und Frauen um ihre Liebe, kriminalpsychologische Erörterungen und die munteren Zwischenspiele eines Detektivs von Zufalls Gnaden, der die Handlung im Fluß zu halten und mit Humor zu würzen weiß. Unsere Leserinnen und Leser werden es nicht leicht haben, dem Mörder auf die Spur zu kommen, denn fast alle im Roman auf tretenden Personen geraten in den Verdacht der Täterschaft. Dadurch wird die Spannung geschickt gesteigert und bis zur endlichen verblüffenden Lösung durchgehalten. Wir glauben somit nicht fehl zu gehen in der Annahme, daß der Roman „Margueriten im blauen Feld“ den Ansprüchen unserer Leserschaft an einen guten Unterhaltungsroman gerecht wird.

PERSONEN DES ROMANS:


Ullrich Ungersbach ein Journalist, unverheiratet und begabt, der seine Nase in viele Dinge steckt und darum auch in der Mordaffäre manches Wort mitspricht.
Ullrich Ungersbach ein Journalist, unverheiratet und begabt, der seine Nase in viele Dinge steckt und darum auch in der Mordaffäre manches Wort mitspricht.

Roger d’Argent, Forschungsreisender, der in den tibetanischen Bergen alle Gefahren glücklich Überstand, um nach seiner Rückkehr an einem Abend heimtückisch ermordet zu werden.
Roger d’Argent, Forschungsreisender, der in den tibetanischen Bergen alle Gefahren glücklich Überstand, um nach seiner Rückkehr an einem Abend heimtückisch ermordet zu werden.

Herr Hachenberg, Antiquitätenhändler, ist eine etwas undurchsichtige Persönlichkeit. Man weiß nicht recht, wie man bei ihm dran ist. Aber er scheint eine Vorliebe für Margueriten im blauen Feld zu haben.
Herr Hachenberg, Antiquitätenhändler, ist eine etwas undurchsichtige Persönlichkeit. Man weiß nicht recht, wie man bei ihm dran ist. Aber er scheint eine Vorliebe für Margueriten im blauen Feld zu haben.

Kriminalrat Klausen, außerberuflich eine Seele von Mensch, beruflich von denen, die mit ihm zu tun bekamen, weniger geschätzt. Seine Freundschaft zu dem Journalisten Ungersbach aber macht ihn uns sympathisch.
Kriminalrat Klausen, außerberuflich eine Seele von Mensch, beruflich von denen, die mit ihm zu tun bekamen, weniger geschätzt. Seine Freundschaft zu dem Journalisten Ungersbach aber macht ihn uns sympathisch.

Suzanne Csatow, in erster Ehe mit einem schwedischen Konsul verheiratet, hatte es Dr. Csatow durch ihre reichen Geldmittel ermöglicht, sich eine Klinik zu bauen. Suzannes Ehe mit Professor Csatow scheint nicht ganz glücklich zu sein.
Suzanne Csatow, in erster Ehe mit einem schwedischen Konsul verheiratet, hatte es Dr. Csatow durch ihre reichen Geldmittel ermöglicht, sich eine Klinik zu bauen. Suzannes Ehe mit Professor Csatow scheint nicht ganz glücklich zu sein.

Dr. Magnus Börckler, Assistenzarzt in der Klinik Csatows und dessen rechte Hand. Er ist ein merkwürdiger Mensch, aber Irene mag ihn nicht. Das hat gewiß seine Gründe.
Dr. Magnus Börckler, Assistenzarzt in der Klinik Csatows und dessen rechte Hand. Er ist ein merkwürdiger Mensch, aber Irene mag ihn nicht. Das hat gewiß seine Gründe.

Professor Csatow, in dessen Klinik Herr d’Argent ebenso bekannt war, wie in dessen Privatwohnung, denn er war mit dem Hause Csatow befreundet. Der Professor dachte über diese Freundschaft vielleicht etwas anders als seine Frau.
Professor Csatow, in dessen Klinik Herr d’Argent ebenso bekannt war, wie in dessen Privatwohnung, denn er war mit dem Hause Csatow befreundet. Der Professor dachte über diese Freundschaft vielleicht etwas anders als seine Frau.

Irene Kirsten, Suzannes Tochter aus erster Ehe, merkt so manches und ist darüber verstimmt. Übrigens macht sie die Bekanntschaft des Journalisten Ungersbach und ist auch sonst in die Mordaffäre vielfach verwickelt.
Irene Kirsten, Suzannes Tochter aus erster Ehe, merkt so manches und ist darüber verstimmt. Übrigens macht sie die Bekanntschaft des Journalisten Ungersbach und ist auch sonst in die Mordaffäre vielfach verwickelt.

Christa Marita, eine junge und hübsche Tänzerin, für die sich sowohl Hachenberg als auch Ungersbach interessiert. Sie selbst hat, wie wir verraten dürfen, mit dem Mord nichts zu tun, was sich noch herausstellen wird.
Christa Marita, eine junge und hübsche Tänzerin, für die sich sowohl Hachenberg als auch Ungersbach interessiert. Sie selbst hat, wie wir verraten dürfen, mit dem Mord nichts zu tun, was sich noch herausstellen wird.

DER SPORT

Sportunion in Sicht

Wird man in Hannover einig?

Düsseldorf, (sid) Wenn alles so abläuft, wie es sich die einsichtigen Männer im Turnen und Sport vorstellen, wird es am Sonntag in Hannover die lange geplante Dachorganisation des deutschen Sportes geben. Ob man bei dem ursprünglichen Titel „Deutsche Sport-Union“ bleibt oder „Turnen“ doch verankert, dürfte Debatten auslösen, aber auch hier müßte sich ein Weg finden lassen.

Die Forderung der Fachverbände geht dahin, ihre sportliche und wirtschaftliche Selbständigkeit auf der Bundesebene zu erhalten, zudem aber auch ihr Uebergewicht in der Verteilung der Stimmen sicherzustellen. Neben den Fachverbänden sollen die Landessportbünde Mitglieder der DSU (Abkürzung für Deutsche Sport - Union) werden, außerdem der deutsche Beirat, der sich aus Vertretern von Institutionen und Organisationen, aus Persönlichkeiten der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens zusammensetzen würde.

Das offizielle Programm sieht für den Samstag, 17 Uhr, die Auflösung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sport (ADS) vor, die sowieso keine praktische Arbeit geleistet hat (wenn man einmal von den endlosen Streitigkeiten, vor allem über Stimmrecht, Zuständigkeit usw., absieht).

Am Sonntag, 9.30 Uhr, soll dann die Deutsche Sport-Union (vorerst ist dieser Name vorgeschlagen) aus der Taufe gehoben werden. Der Hodler-Saal im Rathaus Hannover ist also die Stätte zumindest eines geschichtlichen Tages im deutschen Turn, und Sportleben. Wir wollen nur hoffen, daß er dieser Bedeutung wirklich gerecht wird.

SV 98 bei den Augsburger „Schwaben“

Darmstadts große Chance: Die Gastgeber mit drei Mann Ersatz / Die Fuggerstädter unberechenbar / Endgültige Aufstellung der „Lilien“ erst in Augsburg

Ein großes Fragezeichen liegt über dem Spiel der „Lilien“ bei den „Veilchen“. Man darf aus der 6:1-Niederlage der Schwabenelf beim VfR keine falschen Schlüsse ziehen, denn die Gastgeber sind bekannt dafür, daß sie von Sonntag

zu Sonntag ihre Form ruckartig ändern. So verloren sie schon einmal 6:1 beim Vfß in Stuttgart, um am darauffolgenden Sonntag die Nürnberger mit 1:0 hineinzulegen. Sie siegten überraschend in Offenbach und Schweinfurt und ließen sich nach Heimsiegen über Fürth, Nürnberg und „Bayern" daheim von den Reutlingern schlagen. Auch sind die „Violetten“ nicht mehr mit der Elf zu vergleichen, die im Vorjahr nur durch einen grandiosen Endspurt ihren Platz in der Oberliga halten konnte. Durch Neuzugänge hat sich die Mannschaft wesentlich verstärkt und nimmt z. Z. mit 16:14 Punkten einen guten Mittelplatz ein. Es läßt sich schwer voraussagen, ob die Darmstädter in Augsburg nun auf einen starken oder schwachen Gegner treffen werden. Die Tagesform und die Beschaffenheit des Platzes (Morast?) werden entscheidend sein. Die 98er wissen, daß für sie viel auf dem Spiel steht. Sie können zwei Plätze nach oben oder nach unten rutschen. Sie werden versuchen, den ersten Weg einzuschlagen, da es für sie sehr bedenklich wäre, die Vorrunde — das Spiel in Schweinfurt steht nur noch aus — am Tabellenende abzuschließen. Es bietet sich ihnen morgen eine große Chance, zumal Augsburgs zweiter Oberligavertreter den Kampf mit Ersatz für die am Sonntag verletzten Außenläufer Schmuttermeier und Saffer, sowie den Halbrechten Schiffer aufnehmen muß. Torwart Süßmann, Frisch und der junge Kne 11 e 1 bilden ein sicheres Schlußdreieck. Struzina, der nach jedem Spiel als überragender Stopper von der Presse gelobt wird, ließ in den Spielen gegen Fürth und Nürnberg weder Schade noch Morlock zur Geltung kommen. Die verwaisten Läuferposten werden von dem Stürmer Zak aluczny (früher Jahn Regensburg) und dem 32jährigen Meßmer besetzt. Im Sturmzentrum steht der Mannschaftskapitän und Angriffsdirigent Lechner, der bei den „Schwaben“ die gleiche Rolle spielt wie Willimowski in Singen. Auch er ist schon etwas langsam geworden, hat aber das Talent, die guten Einzelkräfte zu einem einheitlichen Sturm> zusammenzufügen. Mit Ihm bilden Bestie und der frühere Torjäger des FC Singen Strittmatter das Innentrio. Der 20jährige Harlacher und der quicklebendige, schußkräftige Ste hll k sma die beiden Außenstürmer, die durch ihre gefährlichen Flankenläufe Müllers Tor am meisten bedrohen werden. ... , Die endgültige Aufstellung der Lllicnträger erfolgt erst an Ort und Stelle nach Prüfung der Platzverhältnisse an der Haustetter Straße. Folgende 13 Spieler treten die Reise nach Augsburg an: Müller; Mühlbach, Barth; Abt; Herder, Schmidtmer, Leichtlein; Reeg, Becker 11, Böhmann, Michel, Thalheimer, Herwig.


Die Gunst Fortunas zu erreichen, scheitert oft an „Schwaben“streichen.
Die Gunst Fortunas zu erreichen, scheitert oft an „Schwaben“streichen.

Handball-Großkampf im Hochschulstadion

Kickers Offenbach Gast bei den Darmstädter Lilien

Am kommenden Sonntag hat das Hochschulstadion einen großen Schlager im Handball. Die Lilienträger empfangen die Leute vom Bieberer Berg. Sie waren in diesem Jahre bisher die große Ueberrasch ung und hatten bis vor 14 Tagen zusammen mit Meister Dietzenbach die Tabellenspitze ungeschlagen inne. Erst die Niederlage gegen die Rodgau-Elf hat sie auf den zweiten Tabellenplatz zurückgeworfen. Sie stehen mit zwei Verlustpunkten besser als die Darmstädter und am Sonntag wird darum gerungen, wer in diesem Jahre diesen Platz hinter dem voraussichtlichen Meister Dietzenbach einnehmen wird.

Die Offenbacher Mannschaft ist durchweg gleichmäßig besetzt. Im Tor haben sie in Harff einen ausgezeichneten Keeper, der schon ganz große Spiele lieferte. Die Hintermannschaft ist sehr hart und einsatzbereit. Herausragend der Mittelläufer Bayer und der rechte Läufer Rieke, die beide sehr offensiv spielen. Sie können sich das auch leisten, da sie von ihrem beweglichen Sturm immer unterstützt werden. Im Sturm ist Morgenroth die treibende Kraft und ein ausgezeichneter Strafwurf-Schütze. Und Strafwürfe „provozieren“ (wie eine Sportzeitung vor kurzem schrieb) können die Leute aus der Lederstadt tadellos. Man erinnert sich auch des vorjährigen knappen Sieges der Lilienträger in Darmstadt. Und vor allem ist die klare Niederlage in der Vorrunde in dieser Saison noch unvergessen!

Grund genug also für die Einheimischen alles zu zeigen, was sie können. Die Mannschaft wird in der Besetzung der letzten Spiele antreten. Daß auf Torhüter Lehning Verlaß ist, zeigte er zur Genüge. Er wird am Sonntag seine bisher größte Bewährungsprobe zu bestehen haben. Die Hintermannschaft hat sich sehr gut aufeinander eingespielt und wird auch am Sonntag nur bei genauester Markierung jeden Gegenspielers zum Erfolg kommen können. Beim Sturm krankte es am letzten Sonntag in Gelnhausen etwas. Das Zusammenspiel war lange Zeit nicht so flüssig wie es sein sollte. Es muß sich also jeder der Fünf auf seine Aufgabe einstellen und vor allem der Hintermannschaft Unterstützung angedeihen lassen. Nur so wird ein Sieg der bisher auf eigenem Platz ungeschlagenen Gastgeber möglich sein.

Spielbginn 14.30 Uhr! — Vorher die beiden Reserve-Mannschaften. Weiter spielen: Griesheim—Wiesbaden, Nied—Gelnhausen, Herrnsheim —Dietzenbach, Kempten—Mombach.

Die Darmstädter Vorstädter werden sicher zu ihren Punkten kommen, wenn sie ihr gewohntes flüssiges Spiel spielen und die gegnerische Hintermannschaft auseinanderreißen. — Nied dürfte ebenso wie Dietzenbach als sicherer Sieger zu erwarten sein. In Kempten wird Mombach allerdings erst nach Kampf zu den begehrten Punkten kommen. —r.

Gruppenliga 4

Am letzten Spielsonntag gelang es dem verlustpunktfreien Tabellenführer Rüsselsheim weiterhin den Nimbus der Unbesiegbarkeit zu wahren. Braunshardt stärkte durch einen hohen Sieg seine Position in der Spitzengruppe, während die TSG 46 Darmstadt durch ihre Niederlage in das Mittelfeld abrutschte, dem nun auch Kostheim durch seinen doppelten Punktgewinn 'angehört.

Am kommenden Sonntag finden folgende Begegnungen statt: TSC Pfungstadt—SV Kosteim, TSG 46 Darmstadt—Concordia Gernsheim, SKG Bauschheim—TSV Braunshardt, VfL Herrnsheim—SG Bretzenheim, TuS Wörrstadt—SSC Alzey.

Der SV Kostheim hat einen schweren Gang zum Pfungstädter TSV zu machen. Wenn die Gäste in der letzten Zeit auch eine Formverbesserung aufzuweisen hatten, werden sie den Einheimischen wohl kaum einen doppelten Punktgewinn streitig machen können. — Die TSG 46 Darmstadt empfängt bereits am Sonntagvormittag 11.00 Uhr (Reserven 9.45 Uhr) auf der Woogswiese die Mannschaft der Concordia Gernsheim. Die Woogsleute haben ihre in der Vorrunde erlittene Niederlage wettzumachen, was bei der zur Zeit in einer Formkrise befindlichen Gästemannschaft gelingen sollte. — Braunshardt scheint wieder Tritt gefaßt zu haben, wird aber gegen die in letzter Zeit stark aufgekommene SKG Bauschheim auf deren eigenem Gelände stark um die Punkte zu kämpfen haben. —

Im ersten Rheinhessenderby ist der VfL Herrnsheim klarer Favorit über die SG Bretzenheim, im zweiten sind dem SSC Alzey in Wörrstadt die größeren Chancen gegen das Tabellenschlußlicht einzuräumen. -th-

Bezirksklasse Odenwald

In der Bezirksklasse Odenwald spielen: Langen—Fränkiseh-Crumbach, R ei chelshe im —Mörfelden, Seeheim—Urberach, Kirch-Brombach—Groß-Bieberau. Der Tabellenführer Fränkisch-Crumbach wird in Langen gegen die wiedererstarkte Platzelf einen schweren Stand haben, doch sollte die Elf auf Grund der guten Leistung am letzten Sonntag in Urberach Sieger bleiben. — Der Tabellenzweite Mörfelden wird in Reichelsheim zwei sichere Punkte erreichen. — Schwerer dagegen wird Urberach in Seeheim gegen den Neuling zu kämpfen haben und ein Punktgewinn der Einheimischen ist durchaus möglich. — In dem Treffen der beiden Odenwald-Mannschaften in Kirch-Brombach wird sich die Platzelf für ihre Vorrunden-Niederlage revanchieren wollen.

Kreisklasse Darmstadt

In Gruppe I spielen: Bessungen —Arheilgen, Ober-Ramstadt—Eberstadt, Bickenbach —Spv. 98 jr. Darmstadt, Roßdorf— Nieder-Ramstadt. Die verbesserte Bessunger Elf wird gegen den Tabellenführer einen stärkeren Gegner abgeben als in der Vorrunde. Ober-Ramstadt wird gut daran tun, das Spiel gegen Eberstadt nicht zu leicht zu nehmen. — Die beiden übrigen Begegnungen sind offen/

In der Gruppe II treffen sich: Walldorf— TV Groß-Gerau, Weiterstadt—TV Langen, Mörfelden lb—Egelsbach, Schneppenhausen —Worfelden.

Der Tabellenzwedte Groß-Gerau trifft in Walldorf auf einen starken Gegner; dagegen hat es TV Langen in Weiterstadt leichter. Die beiden übrigen Begegnungen haben gleichwertige Gegner als Spielpartner. -ei-

Bensheim. — Schon vor 1900 wurde in Bensheim Tennis gespielt. Damals besaß der Klub ein schönes Gelände nördlich des Sportplatzes, das jedoch in den Jahren der .Wohnraumnot in Bauplätze aufgeteilt wurde. Durch das Entgegenkommen der Stadtverwaltung wurde den Tennisfreunden pachtweise ein neues Gelände zwischen Bensheim und Auerbach zur Verfügung gestellt. Der neugegründete Klub zählt bereits 90 Mitglieder. (HB.)

Short in Kürze

Groß-Bieberau: Am kommenden Sonnabend findet im Saalbau Lorz ein großer Turn-Werbe-Abend statt. Hierbei wird die Tischtennis-Abteilung mit einigen Schaukämpfen an die Oeffentlichkeit treten.

Der Westdeutsche Fußball-Verband hat den süddeutschen Vorschlag, das nächste Spiel der beiden Auswahlmannschaften am 18. März 1951 durchzuführen, akzeptiert. Das Spiel findet an einem noch zu ‘bestimmenden westdeutschen Ort statt. (sid)

Der Endkampf um den Länderpokal der Amateurboxer zwischen Hessen und Mittelrhein ist um 24 Stunden vorverlegt worden, er findet am 15. Dezember in Wiesbaden statt. (sid)

Zwei Hessenvereine am „Müählchen“

SG Arheilgen emfängt den SV Wiesbaden

Am morgigen Sonntag treten sich am Mühlchen zwei Hessenvertreter gegenüber, die sich aus ihrer Landesligazeit sehr gut kennen. Der SV Wiesbaden ist jene Mannschaft, die einen Tabellenplatz weit unter ihrem Wert einnimmt. Vom Beginn der Runde ab an drittleatzter Stelle liegend, hat die Mannschaft nach ihren letzten Siegen (3:2 in Straubing und 5:0 gegen Böckingen) den Vormarsch in die höheren Regionen angetreten. Wiesbaden hat einen außerordentlich gefährlichen Sturm, der mehr Tore schoß als der heutige Spitzenreiter Cham. Nur hinten scheint nicht alles dicht zu sein, trotzdem rangiert auch die Verteidigung mit ihren 28 Minustoren noch an 9. Stelle. Daß diese Mannschaft bei diesem verhältnismäßig guten Torverhältnis erst zu 11 Punkten kam, berührt etwas eigenartig. Neben hohen Heimsiegen rangieren knappe Auswärtsniederlagen.

Die SGA stützt sich voraussichtlich auf die Mannschaft der beiden letzten Sonntage, die ein Spiel gewann und eins verlor. Auch hier liegen die Verhältnisse ähnlich. Mit 20 Plustoren nimmt der Sturm einen viel besseren Platz ein. Sogar die an 4. Stelle liegenden Hofer Bayern haben erst 25 Tore erzielt. Aber hinten! Alle Versuche, eine schlagkräftige Verteidigung aufzubauen, eine Verteidigung wie einst, als Kaut noch in guter Form Mittelläufer spielte, sind bisher gescheitert. Bei allem guten Spiel scheint die heutige Verteidigung doch körperlich zu schwach, um harte und schnelle Stürmer zu halten. Auch Seibel ist zu unentschlossen und hat schon manchen Treffer auf dem Gewissen.

Ein Vergleich der beiden Mannschaften ergibt ein kleines Plus für Wiesbaden, das aber durch die größere Kondition und den eigenen Platz aufgewogen wird. Die Mühlchesleute haben im vergangenen Jahr vier Punkte gegen Wiesbaden eingeheimst. Ob sie das Kunststück wieder fertigbringen, scheint sehr zweifelhaft. Czakany, Klimmeck, Peter und Genossen scheinen in diesem Jahr erheblich gefährlicher zu sein.

Wiesbaden spielt mit: Herbertz; Schmidt, Roßkopp; Fleisch, Kurella, Kuhl; Götz, Remlein Peter Klimmeck und Czakany.

Arheilgen: Seibel; Zöller, Mahr; Müller, Kaut, Traser; Dilfer, Becker, Wendler, Potrafke und Lieber. Hewe. Cham in Durlach zu keinem Spaziergang kommt. Es ist sogar wahrscheinlich, daß auch hier ein Punkt mindestens verlorengeht.

Viktoria Aschaffenburg schiebt sich von Sonntag zu Sonntag weiter in das Vorfeld und müßte auch bei den Ulmer Spatzen zum Sieg kommen. Die Begegnung zwischen Wacker München und Hessen Kassel dürfte als offen zu bezeichnen sein, dagegen müßte der 1. FC Bamberg mit dem Freiburger FC fertig werden. Trotz einer gewissen Formverbesserung kann Tübingen in Böckingen nichts gewinnen, und dem Gesetz der Serie entsprechend wird auch Konstanz auf eigenem Boden den Pforzheimern die Punkte überlassen müssen.

( Hockey-Großkampf

Frankfurter Stadtauswahl beim TEC am Böllenfalltor

Erstmals nach dem Kriege gastiert in Darmstadt eine Hockey-Auswahlmannschaft. Die Frankfurter setzen sich aus Spielern der SG Höchst (hess. Meister 49/50), Eintracht Frankfurt (augenblicklicher Tabellenführer der 1. hess. Liga), Fechenheim (1. hess. Liga) und dem FSV Frankfurt zusammen. Die Repräsentativmannschaft spielte in Limburg 2:2 und besiegte die Hanauer Stadtauswahl mit 2:1 Toren. Da in Darmstadt nur eine Hockeymannschaft existiert, kann man das Spiel schlecht als Städtespiel werten, aber der TEC wird den Frankfurtern das Siegen nicht leicht machen. Er hat den Vorteil, mit einer eingespielten Mannschaft antreten zu können, während die Gäste, die sich zwar inzwischen auch kennengelernt haben, eben eine Auswahlmannschaft sind, deren Spieler die Zweikämpfe sicher gewinnen werden, aber als Mannschaft noch nicht so harmonieren werden. Damit gleichen sich die Vorteile der Mannschaften wieder aus und lassen den Ausgang des Spieles vollkommen offen erscheinen. In den letzten Spielen bewiesen die Darmstädter, daß sie auch gegen Oberligamannschaften bestehen und siegen können. Mit dem morgigen Treffen erkennt der hess. Hockeyverband das Aufstreben der Darmstädter Mannschaften an, die sich fast aus dem Nichts zu einer beachtlichen Stärke emporgearbeitet haben.

Wohin am Wochenende?

Samstag: 19 Uhr, Ringen: Stadtauswahl—ASV 86 Frankfurt. Schiulturnhalle, Arheilgen. Sonntag: 9 Uhr, Tischtennis: Landesliga, SV 98—SV Flörsheim, Eleonorenschule. 10 Uhr, Hockey: TEC—Frankfurter Stadtauswahl, Böllenfalltor. 10.30 Uhr, Handball: Kreisklasse, Bessungen—Arheilgen. Rennbahn. 11 Uhr, Handball: Gruppenliga 4, TSG 46—Concordia Gernsheim .Woogswiese. 14.30 Uhr, Fußball: Kreisklasse A, TSG 46—Weiterstadt. Woogswiese. 14.30 Uhr, Fußball: Kreisklasse B, Union Bessungen—Traisa. Rennbahn. 14.30 Uhr, Fußball: 2. Liga Süd, SG Arheilgen—SV Wiesbaden. Am Mühlchen. 14.30 Uhr, Handball: Verbandsliga, SV 98—Kickers Offenbach. Hochschulstadion.

Die drei Spitzenreiter auswärts

Arheilgen—SV Wiesbaden, Wacker München gegen Hessen Kassel, Bayern Hof—Stuttgarter Kickers, 1. FC Bamberg—Freiburger Fd, VfL Konstanz—l. FC Pforzheim, TSG Ulm 46 gegen Viktoria Aschaffenburg, Union Böckingen gegen SV Tübingen, TSV Straubing—Jahn Regensburg, ASV Durlach—ASV Cham. Noch zwei Sonntage hat die zweite Liga Im Süden an ihrer Vorrunde zu spielen, dann steht auch ihr Herbstmeister fest. Ohne Pause geht es dann am Silvestertag mit der Rückrunde weiter. Die drei Mannschaften, die sich die Spitzenposition eroberten, werden am Sonntag auf Herz und Nieren geprüft. Den schwersten Gang treten ohne Zweifel die Stuttgarter Kickers an, denn in Hof hängen auch für sie die Punkte mehr als hoch. Die Blau-Weißen werden sich gefaßt machen müssen, daß sie mindestens einen Punkt am äußersten Bogen-Zipfel verlieren. Auch in Straubing hat Jahn Regensburg noch nicht gewonnen. Die Gastgeber sind in der Lage, dem Exoberligisten ein Bein zu stellen. Durlach erzwang in Regensburg ein 1:1, das bedeutet, daß

Landwirtschaft

Marktbeobachtungen für den Landwirt

Getreide und Futtermittel

Das Angebot für Inlandsgetreide hält sich nach wie vor in engen Grenzen. Audi das Geschäft mit Auslandsbrotgetreide ist anomal klein. Deutscher Roggen ist stark gefragt. Es werden Preise geboten, die über den Festpreisen liegen. — Bei verstärkter Nachfrage haben sich die Preise auf dem Futtergetreidemarkt gefestigt. Der Großhandelspreis für Milocorn ist auf 27DM/dz gestiegen. Damit liegt der Endverbraucherpreis merklich über dem amtlichen Roggenpreis. Die Milocorn-Aktion zur Rettung des Roggens als Brotgetreide dürfte als gescheitert anzusehen sein. —

Großhandelspreise in DM/dz in Frankfurt a. M. Weizen und Roggen: Amtlicher Festpreis plus Zuschläge von I—21—2 DM, Hafer 26,75—27,25, Futtergerste 33,00—34,50 ab Station. — Weizenmehl T 550 51,50, T 1050 46,60, Roggenmehl T 1150 41,50. — Weizenkleie 15,75, Roggenkleie 13,75 ab Mühle m. S. — Trockenschnitzel 14,50 ab südd. Fabrik. — Auslandsgerste 33,25 ab Bremen, Auslandshafer 28.90 ab Mannheim, Milocorn 27 ab Mannheim, Mais 40 locco, Sojaschrot 36,50 ab Niederrhein, Palmkernschrot 26,50 ab Mainz, Dorschmehl 65—67 ab Seehafenstation.

Kartoffel

Angebot und Nachfrage sind stark zurückgegangen. Zufuhren aus Bayern und Rheinhessen nur noch in geringem Umfang. Bei Preisen, die sich auf dem niedrigsten Stand der Vorwoche halten, werden beim Großhandel in beschränktem Umfange Lagerbestände gebildet. Durch die Rekordernte Wird auch bei einer längeren Frostperiode genügender Nachschub aus der näheren Umgebung und damit laufende Versorgung der Verbraucher möglich sein.

Der Pflanzkartoffelumschlag geht seinem Ende zu. Vereinzelt werden bereits Abschlüsse zur Frühjahrslieferung zum Tagespreis getätigt. Die Nachfrage nach Futterkartoffeln konnte selbst bei gestiegenen Preisen nicht voll befriedigt werden. Durch Abnahmeschwierigkeiten und unzureichende Preise geht di» Anlieferung von Fabrikkartoffeln zurück.

Preise für Speisekartoffeln (Durchschnittssorten) in DM je 50 kg: Großhandelseinstandspreis frachtfrei Gegend Ffm. (lose verladen) 3,15—3,25, Großhandelsabgabepreis an den Kleinhandel 3,90—4,20, Erzeugerpreis ab Hof 2,80—3,00. Einkellerungspreis für Restpartien frei Keller: vom Er, zeuger 4,20—4,70, vom Großhandel 4,40—4,80, vom Kleinhandel 4,60—5,20, Kleinhandelspreis (Verbraucherpreis) je 5 kg 0,50. —Futterkartoffelpreise: 3,20 frei Empfangsstation Nordwesten, 2,30—2,50 ab Verladestation.

Obst und Gemüse: Großmarkt Frankfurt

Obst: Reichliche Zufuhren, besonders in Zitrusfrüchten und Aepfeln. Absatz bei ruhigem Marktverkehr mäßig, unbeständige Preise. Es wurden gezahlt: für Aepfel und Birnen in DM je 50 kg: Cox Orange 30—40, Boskoop 20—38, gelber Edelapfel 15—30, Goldparmäne 20—30, Sternrenette 25—30, Schafsnase B—lo, Baumann Renette 15—20, Landsberger 15—20, Goldrenette von Blenheim 20—25, Wirtschaftsäpfel B—lo, — Birnen: Winterdachent 30—40, Madam Verdun 30—35, Gräfin von Paris 30—38, Pastoren/ Flaschen 20—25, Kochbirnen 10—12.

Gemüse : Gutes Angebot in allen Gemüsearten, das bei ruhigem Marktverkehr keine Abnahme fand. Preise in DM je 50 kg: Weißkohl 4—6, Wirsing 4—6, Rotkohl B—9,8—9, Spinat 15—18, Rosenkohl 40—45, Feldsalat 40—50, Zwiebeln 7—lo, Schwarzwurzel 30 bis 35, Meerrettich 55—60, Rote Beete 6—B, Karotten 6—B, Erdkohlrabi 5—6, weiße Rüben B—lo, Kürbis B—lo, Winterkohl 10—12, Petersilie 30—50, Suppengewürzei 4—6. Preise in DM je 100 Stück: Blumenkohl 25—60, Oberkohlrabi 4—5, Rettjch s—lo, Sellerie 15—45, Eskariol-Salat 20—30, Kopfsalat (Treibh.) 10—25.

Butter, Eier, Geflügel

Butter: Bei saisonbedingtem Rückgang lebhaftere Nachfrage. Auch das Angebot in Importware ist stark geschrumpft, so daß im südwestdeutschen Zuschußgebiet dib Nachfrage das Angebot übersteigt. Preise für Markenbutter sehr fest. Faßbutter aus Bayern und Norddeutschland wird im Großhandel frei Ffm. mit DM 4,90—4,91 je kg bezahlt, Kühlhausbutter mit DM 4,88 je kg. Der Abgabepreis der Vorratsstelle liegt bei DM 4,83 je kg. Eier: Angebot und Nachfrage halten sich bei bemerkenswert zurückhaltendem Käufinteresse die Waage. Nur sehr begrenzte Einfuhr aus dem Ausland. Preise wie in der Vorwoche. Im Erzeuger- — Verbraucher-Verkehr werden frische Eier je nach Größe mit 25—32 Pfg. je Stück bezahlt. Schlachtgeflügel: Preise je nach Qualität und Stück in DM für ungemästete Tiere vom Erzeuger: junge Gänse 10—11, junge Enten: Campell 4—5, Peking 5—6, junge Puten (ausgewachsen): Hähne 10—12, Hennen B—lo, alte Hühner (ausgemaust): 3—4, junge Hähne 2,50—3, Tauben 0,75 bis 0,85. Durchschnittspreis für lebendes Geflügel aller Art etwa 1,20 DM je einhalb kg.

Schlachtviehmarkt Darmstadt Marktbericht vom 5. Dezember 1950

Auftrieb : HO Großvieh (4 Ochsen, 7 Bullen, 51 Kühe und 48 Eärsen), 99 Kälber, 520 Schweine, 28 Hammel). Marktverlauf: Großvieh und Schweine schleppend, Ueberstand. Kälber und Hammel ruhig, geräumt. — Fleischmarkt: 5,4 t Inlandfleisch und 2,3 t Importe (Dänemark). Preise: in Dpf. je 500 g Lebendgewicht: Bullen a 80 bis 82, b 72—76, Kühe a 63—86, b 50—55, c 40 bis 48, d 36—40, Färsen a 83—88, b 74—83, c 70 bis 72. Kälber a 100—115 b 87—105, c 70—90, d 50—68. Schweine, Durchschnittspreis 130, a, b 1 127—134, b 2 127—133 c 123—133, d 120 bis 132, g 1 115—127. Hammel a 55—60.

Hauptversammlung der Beratungsringe

Die Beratungsringe der Ober- und Unterzent Höchst, Bad König, Michelstadt und Beerfelden haben alle Ortslandwirte und interessierten Bauern zu ihren Jahreshauptversammlungen unter Leitung von Kreislandwirt Prilipp eingeladen. Sie finden statt am 11. 12. 1950 in Höchst i. O. im Gasthaus „Zum Stern“, am 12. 12. 1950 in Bad König im Gasthaus „Zum Roß“, am 13. 12. 1950 in Stockheim im Gasthaus „Zum Anker“ und am 14. 12. 1950 in Beerfelden im Gasthaus „Zum Schützenhof“, jeweils um 14 Uhr. Die Tagesordnung ist überall gleich. Nach der Eröffnung durch den Kreislandwirt Neuwahl des Ringausschusses. Dann berichtet Landwirtschaftsrat Ripper über die Versuche 1949—50. Kurzvorträge mit Lichtbildern werden von Landwirtschaftsrat Dr. Barth über „Betriebsvergleich“. Landwirtschaftsrat Ripper „Vom gesunden Boden zum gesunden Tier“ und Landw.- Ref. Müller „Wie erhalte ich das Saatgut gesund und leistungsfähig“ bzw. „Schweinehaltung“ gehalten. Den Abschluß bildet eine allgemeine Aussprache. -eh

Blumenausstellung

des Belgischen Nationalamtes für landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte in Köln

In der Zeit vom 20. Dezember 1950 bis 2. Januar 1951 findet im Belgischen Haus in Köln eine vom Belgischen Nationalamt für landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte veranstaltete Blumenausste’lung statt. Es werden vor allem Azaleen und Orchideen gezeigt, für deren Zucht Belgien bekannt ist.

Der Eintritt zur Ausstellung, die am 20. Dezember 1950 um 11 Uhr eröffnet wird, ist frei. Im Wege einer kostenlosen Verlosung werden wertvolle Pflanzen zur Verteilung kommen.

Fünfzig Zuchtbullen

2000 DM wurden gestern in Darmstadt auf der letzten diesjährigen Bullenauktion für das Spitzentier geboten. Es handelte sich um einen prächtigen, etwas über ein Jahr alten Rotscheck aus der Zucht von Ludwig Siefert in Airlenbach. Insgesamt waren 50 Bullen aufgetrieben. Der zweitbeste Bulle stammte aus der Hechlerschen Zucht in Rimbach i. O. und ging in den Besitz der Gemeinde Falken-Gesäß über. An dritter und vierter Stelle rangierten zwei Bullen Fähnlein (Züchter Georg Nickel und e liare Bullen wurden von dem Zuchtzweckverband Wetzlar erworben, Die

Heinrich Ritzel für gerechte Jagdverordnungen

Ein offener Brief an Hochkommissar John McCloy

Der Bundestagsabgeordnete des Wahl-

kreises Dieburg-Erbach, Heinrich Ritzel, Michelstadt, wandte sich in einem offenen Brief an den amerikanischen Hochkommissar mit der Bitte, durch entsprechende — bald zu treffende Maßnahmen das bestehende Unrecht im Jagdwesen zu beseitigen.

Es erübrige sich, auf den Widerspruch dieser Verordnungen zu der Haager Landkriegsordnung, zum Deutschen Grundgesetz und zur Hessischen Verfassung hinzuweisen. Schon aus sachlichen Erwägungen heraus sei eine sofortige Nachprüfung des bestehenden Zustandes notwendig, die nicht nur die dankbare Anerkennung der hessischen Gemeinden und der Landwirtschaft, sondern auch der Jäger und Jagdpächter finden werde.

Neben den Jagden der ehemaligen Standesherren und des Staates spielen im Wahlkreis Dieburg-Erbach die im Gemeindebesitz befindlichen Jagden eine bedeutende Rolle. Die Jagden seien grundsätzlich nur an Pächter vergeben worden, die anständige Ausübung des Jagdrechts garantierten Dabei wurde gleichzeitig der UeberhandJ nähme des Schwarzwilds erfolgreich begegnet. Heute sind dagegen die wertvollen Bestände zahlreicher Jagdgebiete weitgehend ausgeschossen, während die Wildsauen überhandnehmen und Felder und Fluren der Landwirte verwüsten.

Es bestehe ein dringendes Bedürfnis zur Wiederherstellung des früheren Zustandes, vor allem auch der früheren deutschen Gerichtsbarkeit für die Jagdausübung durch deutsche Jäger. Es sei auch unbedingt notwendig, daß die Rechte jagdverpachtender Gemeinden und der Jagdpächter wieder anerkannt werden. Einer Revision bedürfe auch die Tatsache, daß Angehörige der Besatzungsmacht entschädigungslos die Jagd ausüben. Alle Anstrengungen, den Wildbestand zu erhalten und zu vergrößern, seien durch die gegenwärtigen Zustände zunichtegemacht worden.

Bundestagsabgeordneter Ritzel wies in seinem Brief auf die Bemühungen Mr. McCloys hin, die bestehenden Schranken zwischen Deutschland und der Welt abzubauen. In dankbarer Anerkennung aller zugunsten des deutschen Volkes bisher ergriffenen Hilfsmaßnahmen, aber auch unter Hervorhebung der Tatsache, daß es sich heute um ein Deutschland handelt, das in seinem starken demokratischen Ansatz durch Zuerkennung der Gleichberechtigung gefördert werden muß, richtete Heinrich Ritzel an den amerikanischen Hochkommissar abschließend die Bitte, möglichst rasch eine Aenderung des bestehenden Zustandes herbeiführen zu wollen. -ch

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Amtliche Bekanntmachungen I—«™» nwurnKMummT-MKiu—B—fl Betreffend: Preise für mexikanische Rlndflelschkonserven Die nachstehende Verordnung PR Nr. 7050 vom 7. 11. 1950 über Preise für mexikanische Rindfleischkonserven wird hiermit ver¬ öffentlicht. Erbach, den 2. Dezember 1950 Der Landrat Ins AVBI. Verordnung PR Nr. 70/50 über Preise für mexikanische Rindfleischkonserven Vom 7. November 1950 Auf Grund des § 2 des Preisgesetzes vom 10. 4. 1948 (WiGBl. S. 27)/3. 2. 49 (WiGBl. S. 14)/21. 1. 50 (BGBI. S. 7) /8. 7. 50 (BGBI. S. 274) / 25. 9. 50 (BGBI. S. 681) in Verbindung mit § 4 Abs. 2 der Anordnung über Preisbildung und Preisüberwachung nach der Währungsreform vom 25. 6. 1948 (WiGBl. S. 61) in der Fassung der Verordnung PR Nr. 64/50 vom 4. 10. 1950 (Bundes- Anzeiger Nr. 210 vom 31. 10. 1950) wird verordnet- § 1 Auf die auf Grund der Verlautbarung Nr. 658 des Einfuhraus¬ schusses vom 28. 9. 1950 — Bund.-Anz. Nr. 189 vom 30. 9. 1950 (lAC-Nr. 3710) aus den USA zur Einfuhr gelangenden mexikani¬ schen Rindfleischkonserven findet die Bestimmung des Abschn. II Abs. 2 Satz 1 der Anordnung PR Nr. 7/50 zur Änderung und Er¬ gänzung der Anordnung PR Nr. 84/49 über die Preisbildung für eingeführte Güter vom 17. 3. 1950 (Bund.-Anz. Nr. 93 vom 16. 5. 1950) keine Anwendung. § 2 Nach § 4 Abs. 4 der Anordnung PR Nr. 84/49 über die Preis¬ bildung für eingeführte Güter vom 9.11.1949 (BMBL. S. 14) / 17. 3. 1950 (Bundes-Anz. Nr. 93 vom 16. 5. 1950) werden für die in § 1 genannten Rindfleischkonserven folgende Höchstpreise festgesetzt: je Dose zu je Dose zu 20 Unzen 28 Unzen (567 g) (794 g) Abgabepreis des Einführers frei Empfangs- station des Empfängers —,73 DM 1,02 DM Verbraucherpreis —95 DM 1,30 DM § 3 Die Einführer sind verpflichtet, den in § 1 genannten Rindfleisch¬ konserven die erforderliche Anzahl von Etiketten beizuneben aus denen der für die einzelnen Dosen festgesetzte Verbraucherpreis und das Gewicht des Doseninhalts ersichtlich sind. Die Rind¬ fleischkonserven dürfen an Verbraucher nur mit diesen Etiketten versehen abgegeben werden. § 4 Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Verordnung werden nach den Vorschriften des Gesetzes zur Vereinfachung des Wirtschaftsstrafrechts (Wirtschaftsstrafgesetz) vom 26 7 1949 (WiGBl. S. 193) 29. 3. 1950 (BGBI. S. 78) geahndet § 5 Diese Verordnung tritt am Tage ihrer Verkündung in Kraft Bonn, den 7. 11. 1950 I B 3/c 12/7029/50 Der Bundesminister für Wirtschaft I. V. gez. Dr. Schalfejew Der Bundesminister für Ernährung. Landwirtschaft und Forsten gez. Dr. Niklas Betreffend: Aufteilung des Fleischbeschaubezirks Bad König Mit Wirkung vom 1 Januar 1951 wird der Fleischbeschaubezirk Bad König wie folgt awfgeteilt: In Bad König, Zell und Momart wird die Fleischbeschau und Trichinenschau nach wie vor durch Herrn Tierarzt Dr. Olt Bad König, vorgenommen. In 'Fürstengrund. Etzen-Gesäß, Nieder-Kinzig und Mümling-Grum¬ bach werden Fleischbeschau und Trichinenschau durch Hnrrn Tierarzt Röer ausgeübt. Erbach, den 4. Dezember 1950 Der Landrat Betreffend: Genehmigung eines Preissllbenrätsels der Herr Hessische Minister der Finanzen hat dem katholischen Pfarramt in Gernsheim am Rhein mit Erlaß vom 13. 11. 1950 ausnahmsweise und unter Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs die Durchführung eines Preissilbenrätsels genehmigt. Die Genehmigung ist begründet in § 1 der Verordnung über die Genehmigung öffentlicher Lotterien und Ausspielungen (Lotterie¬ verordnung vom 6. März 1937 — RGBI. S. 283) in Verbindung mit dem Runderlaß des RMdI vom 8. März 1937 (MBliV. S. 385) und der organisatorischen Anweisung Nr. 4 der Militärregierung für Groß-Hessen vom 20. Oktober 1945. Das Preissilbenrätsel darf in dem Bistumsblatt der Diözese Mainz einmalig veröffentlicht werden. Der Reinertag des Preissilbenrätsels darf nur für den Wieder¬ aufbau der katholischen Kirche in Geinsheim verwendet werden. Erbach, den 6. Dezember 1950 Der Landrat Betreffend: Tuberkulose des Rindviehs Im Rindviehbestand des Landwirts Wilhelm Lutz in Weiten-Gesäß wurde bei einer Kuh offene Eutertuberkulose festgestellt. Die notwendigen Schutzmaßregeln wurden angeordnet. Erbach, den 4. Dezember 1950 Der Landrat Betreffend: Getreidepreise Die nachstehende Erste Verordnung des Herrn Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und des Herrn Bundes¬ ministers für Wirtschaft vom 24. 10. 1950 wird hiermit ver¬ öffentlicht. Die Verordnung PR Nr. 59/50 ist im Amtsverkündigungs¬ blatt Nr. 45 vom 10. 11. 50 veröffentlicht. Erbach, den 6. Dezember 1950 Der Landrat Erste Verordnung zur Durchführung der Verordnung PR Nr. 59/50 über Getreidepreise für die Monate Oktober 1950 bis Juni 1951 (Qualitätszuschläge für Auslandsweizen). Vom 24. Oktober 1950 (Bundesanzeiger Nr. 224 vom 18. November 1950) Auf Grund der §§ 2 Abs. 2 und 4 Abs. 1 der Verordnung PR Nr. 59/50 über Getreidepreise für die Monate Oktober 1950 bis Juni 1951 (Bundesanzeiger Nr. 203 vom 20. 10. 1950) wird verordnet; § 1 Zu den Abgabepreisen für ausländischen Weizen, die in § 2 Abs. 1 Ziff. II der Verordnung PR Nr. 59'50 über Getreidepreise für die Monate Oktober 1950 bis Juni 1951 (Bundesanzeiger Nr. 203 vom 20. 10. 1950) festgesetzt sind, werden zur Abgeltung der besseren Beschaffenheit bis auf weiteres in allen Preisgebieten folgende Zuschläge in DM je 1000 kg berechnet: a) für Hartweizen (Amber Durum) 40,— b) für alle anderen ausländischen Weizensorten . . 3,— § 2 Diese Verordnung tritt am 1. Oktober 1950 in Kraft. Bonn, den 24. Oktober 1950 I B 3/C 6/3642/50 Der Bundesminlster Der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft für Wirtschaft und Forsten Dr. Niklas Ludwig Erhard Betreff: Steuer- und Gebührenmahnung Folgende städtischen Steuern und Abgaben werden hiermit öffent¬ lich angemahnt: Grundsteuer für Monat Dezember 1950, Fälligkeitstermin 15.12. 50 Straßenreinigungsgebühren pp. Rj. 1950, 3. Rate, Fälligkeits¬ termin 10. 12. 1950. Zahlung ist bis spätestens 31. 12. 1950 an die unterzeichnete Kasse oder deren Zahlstellen in Da.-Eberstadt und Da.-Arheilgen zu leisten. Nach Ablauf dieser Frist wird die Beitreibung ein¬ geleitet; gleichzeitig werden Beitreibungskosten fällig. Außerdem wird bei Zahlung der Grundsteuer nach dem 15. 12. 1950 der gesetzliche Säumniszuschlag erhoben. Stadt Darmstadt Stadthauptkassc, Lagerhausstraße 1 Löschung HRB 169. 16. November 1950. Firma: Rhein-Mainische Gas¬ gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Darmstadt. Die Ge¬ sellschaft ist auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Auflösung und Löschung von Gesellschaften und Genossenschaften vom 9. Oktober 1934 wegen Vermögenslosigkeit von Amts wegen gelöscht. (f 7858 Amtsgericht Darmstadt

Beurkundete Sterbefälle Bel den Darmstädter Standesämtern beurkundete Sterbefälle (In der 'Woche vom 27. November bis 2. Dezember 1950) Cov. Heinrich, geb. 21. 9. 81, Dreher, Groß-Bieberau, Lichten¬ berestr. 49 gest. 29. 11. 50. — Efchamüller, Mane, geb. 20. 4. 1903, Darmstadt, Traubenweg 168, gest. 27. 11. 50. — Emig, Georg V geb. 5. 1. 66, Stellwerksmetster I. R., Da.-Eberstadt, Am Wehr 14, gest. 27. 11. 50. — Gundersdorff, Heinrich, geb. 13 7. 87, Rentner, Darmstadt, Heimstättenweg 101, gest. 26 11. 50 — Herrmann, Klara geb. Miltenburger, geb. 30 3. 1872, Darmstadt, Rhönring 13, gest. 16. 11. 50. — Hodecker, Kart neb 17 11. 76, Lok.-Führer i. R., Kranichstein, Kranich¬ steiner Str. 78, gest. 28. 11. 50. — Reitz, Katharina geb. Nie¬ hel geb 30 1. 67, Darmstadt, Am Grohberg 16, gest. 30. 11. 50. — Rück' Friedrich, geb. 24. 5. 76, Gärtner, Darmstadt, Heinnch- Wingerts-Weg, gest. 29. 11. 50. — Scheuermann Robert Karl Genre geb 317 3 14, Kraftfahrer Darmstadt, Arheilger Str. 85, eest°27 li 50 — Scheufler, Anna geb. Weikert, geb. 15. 11. 74, Darmstadt. Bessunger Str. 166. gest. 29. 11. 50 — Schneider, Katharina geb. Eckhardt, geb. 3. 4. 67 Darmstadt Kramch¬ steiner Straße 52, gest. 30. 11. 50. — Siegmayer, Anna geb. km eeb 30 3. 19, Darmstadt. Kramchsteiner Straße, gest. 12 November 1950. — Stranz, Josef, geboren 10. 4 69, Rentner, nensheim Neckarstr. 3, gest. 28. 11. 50. — Truch, Maria geb. Rndemic”’ geb 15. 8. 78, Traisa, gest. 30. 11. 50. — Traub, Marie Margarete, geb. 5. 12. 73. Darmstadt, Bessunger Str. 93. 24 11 50. — Urrhan, Elisabeth, geb. 18. 6. 84. Schne>- i Darmstadt, Jahnstr. 63. gest. 27. 11. 50. — Urban, Jakob, reb ’io 2. 95, Darmstadt, Wenkstr. 56. gest. 25. 11. 50. — wuiherofennlg, Heinrich Konrad, geb. 22. 7. 86. Magaziner, Groß Zimmern.'Friedhofstr. 36, gest. 26. 11. 50. Darmstadt, den 6. Dezember 1950. | Amtliche Bekanntmachungen Zwangsversteigerung Dienstag den 12. Dezember 1950, vorm. 9.30 Uhr, versteigere ich zwangsweise gegen sofortige Barzahlung 1 großen Posten Spielwaren aller Art. vpretpiserungsort: Concordiasaal, Darmstadt, Adelungstraße. Versteigerung Gerichtsvollzieher Bekanntmachung • Hochstzulässige Fahrgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge np, Minister des Innern in Wiesbaden weist in seinem Erlaß per miui jgso darauf hirli daß auf Grund einer Entscheidung Hohen Kommissars der Vereinigten Staaten in Deutschland nes non« 1950 (Amtsblatt der Alliierten Hohen Kommission, «711 der 6 9 der Straßenverkehrsordnung vom 30. 11. 1937 ^‘’/pr Fassung der Verordnung vom 3. 10. 1939 wieder an¬ wpnöbar ist. Danach beträgt die höchstzulässige Fahrgeschwin¬ digkeit für Kraftfahrzeuge: a) Innerhatb geschfossener Ortschaften: für Kraftfahrzeuge aller Art = 40 km/st. M außerhalb geschlossener Ortschaften und auf den Reichs¬ hphnpn- 1 für Pkw sowie für Krafträder mit und ohne Bei¬ autonanne . . 2 {ür Lkw und Omnibusse und alle übrigen Kraftfahrzeuge = 60 km/st. Hpnnenheim, den 4. Dezember 1950. Heppennei Landrat des Landkreises Bergstraße

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SEIT 1852 e lf ... 11 ■ ■ 11 --h-x a:'-•. •'V • -..V 7 . HAUSSMANN KLISCHEES DARMSTADT

Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 9. Dezember 1950: Wochenschlußandachten: 17.00 Bessunger Kirche; 17.30 Martins¬ stift; 20.00 Pauluskirche: musik. Vesper; Elisabethenstift: Beichtgd.; Johannesgemeinde: Gemeindeabend. Musikalische Vesper In der Pauluskirche: Georg Friedr. Händel: Sonate für Blockflöte und Orgel. 2 Chöre: „Es kommt ein Schiff. ..“ und „Tochter Zion freue dich“. Ausführende: Block¬ flöte Gertrud Knödel, Schwesternchor des Alicehospitals, Lei¬ tung und Orgel Liesel Jäger. Sonntag, den 10. Dezember 1950, 2. Advent: Bessunger Kirche: 9.30 Hgd., 14.00 Tgd., 14.30 Kgd., Pfarrer Calgan; Mi. 13. 12., um 20.00 Bibelst. Dekan Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd. u. Studentengd. Pfr. Friebel, 11.15 Kg. Pfr. Knodt 18.00 Jugendgd. f. alle Gemeinden, Pfr. Rathgeber. Matthäusklrche: 9.30 Hgd., 10.45 Kgd. Pfr. M a ppe S . Do., 14. 12., 20.15 Bibelstunde. . . Johannesgemeinde: 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Heinrich Köhler (früher Johannesgemeinde), 11.15 Kgd., 17.00 Gottesd. Pfr. H. Köhler. Di., 12. 12., 20.00 Adventssin¬ gen d. Darmst. Singkreises; Ml., 13. 12., 20.00 Abdand. Pfr. Jaeschke, Fr. 15. 12., 20.00 Bibelstd. Pfr. Orth. Tägl. 7.30, Do. 6.45 u. 7.30 Morgengebet.) Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Ring. Pauluskirche: 9.30 Hgd. Pfr. Winter mann; 11.00 Kdg. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abdm.; 11.00 Kgd. Stadtmission: 8.30 Gebtsstd.; 11.00 Kgd.; 15.30 Adventsand.; 19.30 Jgdbd. f. EC. (Di. 15.30 Frauenbibeist.; Do. 20.00 Martinsgemeinde: 10.00 Hgd. Pfr. Stühlinger, 11.15 Kgd. i. Martinsstift; 11.15 Kgd. i. Gemeindehaus; 17.00 Abendgd. Pfr. Köhler. Da.-Eberstadt: 7.30 Ev. M.; 9.45 Hgd.; 11.15 Kgd. Da.-Arhellgen: 10.00 Hgd. i. Gemeindehaus; 11.15 Kdgd.; 14.00 Bazar der Ev. Frauenhilfe i. Gemeindehaus; 18.00 Liturg. Adventsand.; 20.00 Gemeinschaftsstunde. (Di., 12. 12., 20.00 Männerabend; Do., 14. 12., 20.00 Bibelstd.) Katholische Gottesdienste Sonntag, den 10. Dezember 1950: St. Ludwig (Nieder-Ramstädter Straße 30): 6.30 Frühm.; 8.00 Singm. m. Pr.; 9.30 levitiertes Hochamt m. Pr.; 11.00 Singm. m. Pr.; 19.00 levitierte Vesper (Werktagsgd.: tägl. 6.45 u. 7.30 hl. Messe, heute von 18 bis 20 Uhr Beichte). Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pr.; 8.15 feierl. Levitenamt zu Ehren der verklärten Gottesmutter, als Festamt des Bundes Neudeutschland; 10.00 Kdgd. m. Komm, der Schulmädchen; 17.00 Andacht m. Eröffnung des Erstkommunion-Unterrichts; 17.30 Adventsfeierstunde im St.-Martins-Saal m. Lichtb. (Werkt, hl. Messe tägl. 6.30. Außerdem Di., Mi„ Fr. u. Sa. 8.05, Do. 19.00 Abendm.) St. Elisabeth: 6.30 Frühm.; 7.45 Singm. m. Pr.; 9.00 Kgd.; 10.15 Hochamt m. Pr.; 14.30 Andacht (Sa.: 16.30 bis 18.30 u. 20.00 Beichtgel). St. Fidelis: 6.00 Frühm. b. d. Schwestern (Feldbergstr. 32); 6.45 Beichte; 7,30 Singm. m. Pr. u. Komm.; 8.00 Hochamt m. Pr. u. Komm, in Weiterstadt; 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm.; 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm.; 15.00 Andacht. (Sa.: 17 bis 19.00 u. ab 20.00 Beichte, sonst werkt, vor jeder hl. Messe; Werkt.: 6.30 u. 7.30 hl. Messen. Kinder zum Erstkommunlon- Unterricht anmelden.) Da.-Eberstadt: 7.30 Gemeinschaftsmesse d. Männer m. gern. Adventskomm.; 9.45 Hochamt m. Pr.; 18.00 Adventsand. unt. Mitwirk. d. Kirchenchors. (Sa.: 16.00 bis 18.30 Beichtgel., werkt.: 7.00 Rorate-Amt.) Da.-Arhellgen: 7.00 Singm. m. Komm. d. Jugend; 8.30 Kindergd.; 9.45 Hochamt; 13.30 Erstkommunion-Unterricht; 14.30 Ad¬ ventsandacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Curth of Christ, Sclentlst), Taunusstr. 40: Sonntagsgottes¬ dienst 14.30 (Mi.: 18.30 Zeugnisversammlung). Christengemeinschaft, Herdweg 31 So 10.00, Di. 7.00, Mi. u. Sa. 8.00 Uhr Menschenweihehand¬ lutig; Do. 19.30 Abendpredigt. Evangelische Freikirchen und Gemeinden Evgl. Freikirchf.(Baptlsten-)Gem.: Mollerstr. 40; 9.30 Pred.- Gottesdlenst P. Schlier. Freikirche Evgl. Gemeinschaft: Bessunger Straße 125, 10.00 Predigt u. Abendmahl, Superintendent Merle, Stuttgart. Methodlstenkirthe, Wilhelm-Leuschner-Straße 38: sonntags um 19.30 Predigtgottesdienst; montags: 20.00 Frauenarbeitsstd. (P. Breuninger); mittwochs 19.30 Bibelarbeitsstd. Christl. Gemeinschaft, Mollerstr. 40: 15.30 Bibelst. P. K r u s t. Verkaufe aus Konkursmasse einer Heizungsfirma am Dienstag, dem 12. Dez. 1950, ab 10 Uhr in Darmstadt. Eschollbrücker Straße 24 (Hinterhof links), gegen bar: Werkzeuge, Büroeinrichtung, handwerkliche Apparate und Maschinen, Metalle u. dergl. RECHTSANWALT Dr. FEIGEL Konkursverwalter

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Darmstädter Tagblatt am Ionntag Sonntag, 10. Dezember 1950

Über Nacht fiel bis in die Täler Schnee, ein Adventsbild, wie es sich viele wünschen.


Aufnahme: Jung
Aufnahme: Jung

Schwarzes Bilsenkraut

AUS DER GESCHICHTE DER DARMSTÄDTER HEXENVERFOLGUNGEN

In Darmstadt kam es erst in verhältnismäßig später Zeit zu Hexenverfolgungen. Die Überliefe» rung bietet nicht übermäßig viel Anhaltspunkte. Tatsache ist, daß sich die landgräflische Regierung lange Zeit gegen die Durchführung von Hexen» prozessen sträubte und später angeblich dem „Volkswillen" nachgeben mußte. Zur Zeit, da sich das Gorgonenhaupt des finsteren mittelalterlichen Hexenglaubens über die deutschen Lande erhob, stellten sich ihm in Darmstadt weise Männer ent» gegen, die Ursachen und Folgen klar überblickten. So belegte denn auch die Regierung zunächst An» zeigen wegen Hexerei als Beleidigung und Verleumdung mit hohen Geldstrafen. Allein die Seuche griff um sich, schlug die Massen in den Bann einer satanischen Suggestion und verwirrte auch ver» nünftige Gemüter. Nur wenige ausgeprägte Charak» tere bewahrten ihre kühle Vernunft und mußten trotzdem Urteile sprechen, die auf gleicher Ebene mit denen der engstirnigen Hexenrichter lagen, deren Richtsprüchen die Nachwelt verständnislos und entsetzt gegenübersteht.

Es ist nicht ganz leicht, aus den überlieferten Bruchstücken ein geschlossenes Bild zu zeichnen, doch kann es ohne weiteres durch die in anderen Gebieten üblichen Praktiken ergänzt werden. Als

im Jahr 1599 im Rathaus zu Darmstadt peinliches Halsgericht über mehrere Hexen gehalten wurde, „und sichs mit Fassung der urtl etwas verweilete", ließen sich die Schöffen zur leiblichen und seelischen Stärkung Wein in den Gerichtssaal bringen. Das Urteil des Prozesses ist nicht überliefert. Eine Kir» chenbucheintragung bezeichnet eine Verstorbene als „teufeisbraut". Die Opfer waren wie überall in den meisten Fällen Frauen — und Frauen unter» stützten durch zahlreiche Anzeigen, denen gewöhn» lieh niedrige persönliche Motive zugrunde lagen, die schauerliche Arbeit der Hexenrichter.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte sich im Haus einer wohlhabenden Darmstädter Witwe ein Kreis von Frauen zusammengefunden, dem der Hexenwahn zum Verhängnis werden sollte, obwohl sie zum Schluß einem'aufgeklärten Richter gegen» überstanden, der sie wider seinen Willen, allein auf Grund ihrer eigenen Geständnisse verurteilen mußte. Gegen schweres Geld war der Witwe von einer Zigeunerin das Rezept einer Hexensalbe über» geben worden. Sie probierte das Mittel an sich aus und verfiel in kurzer Zeit dem Rauschgift, denn um ein solches handelte es sich. Weit davon entfernt, die tatsächliche Lage zu erkennen, glaubte sie sich m die Runde von Hexen versetzt und erwartete Nacht für Nacht den Teufel als willkommenen Be» Sucher. Sie war altruistisch genug, um auch ihren besten Freundinnen die ungewöhnlichen Genüsse zu gönnen. Die Frauen kamen an mehreren Abenden der Woche im Haus der Witwe zusammen. Nach» dem alle Sicherungen gegen überraschende Besuche getroffen worden waren, begannen sie ihren seit» samen Kult. Unter Beschwörungsformeln entklei» deten sie sich und massierten sich die Hexensalbe

in die Haut. Bald zeigte sich in Verbindung mit starker Selbstsuggestion die Wirkung des Narko» tikums. Der ersehnte, von wüsten Träumen erfüllte Schlaf kam über sie und entführte sie in eine andere Welt. Nach langen Stunden erwachten sie müde und zerschlagen unter dem Druck des peinigenden Gewissens und konnten sich gleichwohl ihrer finsteren Leidenschaft nicht mehr entziehen.

Schließlich wurde den Ehemännern die Verwand» Jung der Frauen augenfällig, so daß einige von ihnen an den Sitzungen nicht mehr teilnehmen konnten. Sie verlangten vcm der Witwe die Herausgäbe des Rezeptes der Hexensalbe, um sie in den für sie günstigen Stunden anzuwenden. Die Witwe verweigerte die Herausgabe. Die erregten Frauen zeigten sie als Hexe an. Die Witwe “ihrerseits enU hüllte das' Geheimnis des gesamten Kreises. Vor dem Richter bestritten sie zunächst gegen ihre Überzeugung Hexen zu sein, Es kam.zur peinlichen Befragung. Unter den Qualen der Folter gestanden sie. schließlich, als Hexen auf .dem.^Bejen durch die Luft geritten zu sein und mit dem Teufel Umgang gepflogen zu haben. Damit hatten sie ihr Schicksal besiegelt.

Der Richter, dem vor dem Spruch graute, den er den gegebenen Umständen nach fällen mußte, besprach sich vorher mit einem seiner Schöffen, einem Kaufmann, der ihm als kluger und einsichtsvoller Geist bekannt war. Er setzte ihm auseinander, daß die Geständnisse der unglücklichen Frauen auf Traumvorstellungen beruhten, die diese selbst für Wirklichkeit hielten. Eben dieser Zustand sei durch den Gebrauch der Hexensalbe bewirkt worden, die als wesentlichen Bestandteil den Extrakt des schwarzen Bilsenkrautes neben einigen anderen mehr oder weniger giftigen Bestandteilen enthalte. Ihre Anwendung führe zu rauschähnlichem Schlaf, verbunden mit Flugtraumen, erotischen Phantasiebildern und Zwangsvorstellungen, deren Ursachen in der geistigen Haltung der Zeit begründet lägen.

Der Schöffe entgegnete nach Durchdenken des Problems, daß von diesem Punkt aus möglicher» weise eine allgemeine Aufklärung einzusetzen hätte, daß er aber für das Urteil dieses Prozesses außer Betracht bleiben müsse. Einmal wegen der ver» bohrten Haltung der Öffentlichkeit in der Frage des Hexenwahns und besonders der maßgebenden Kreise, von denen sie samt und sonders bei einem derart begründeten freisprechenden Urteil alles für ihre persönliche Sicherheit zu fürchten hätten. Zum andern sei zu bedenken, daß beim Bekanntwerden der wahren Hintergründe das Volk in die Gefahr käme einer Rauschsucht zu verfallen, die unabsen» bare Folgen haben könnte. Es sei dann nur der Teu» fei mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Die Frauen wurden als Hexen verurteilt und er» litten den Feuertod. W. Ku jus.



Manderer

Von Justinus Kerner

Die Straßen, die ich gehe, So oft ich um mich sehe, Sie bleiben fremd doch mir. Herberg, wo ich möcht weilen, Ich kann sie nicht ereilen, Weit, weit ist sie von hier.

So fremd mir anzuschauen Sind diese Städt und Auen, Die Burgen stumm und tot; Doch fern' Gebirge ragen, Die meine Heimat tragen, Ein ewig Morgenrot.

Das Turnier der Wũteriche“ zu Darmstadt

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts erlebte Darm» Stadt unter der Herrschaft des Grafen von Katzen» einbogen einen bemerkenswerten Aufschwung. Die Grafen waren durch kluge politische, Wirtschaft» liehe und gesellschaftliche Maßnahmen bestrebt, aus dem Landstädtchen einen Platz von Bedeutung zu machen. Daß ihnen dies gelang, beweist der Ent» Schluß des rheinischen Adels, im Jahr 1403 sein 23. Turnier in Darmstadt abzuhalten. Daß im Ver» lauf dieses repräsentativen sportlichen Ereignisses die Teilnehmer völlig aus dem Häuschen gerieten und das Fest einen üblen Ausgang nahm, war weder Schuld der wackeren Darmstädter noch ihres Landesherrn.

Damals gab es in Deutschland vier große Turnier» gesellschaften, die rheinische, schwäbische, fränki» sehe und bayerische. Diese waren wiederum in eine große Zahl kleinerer gegliedert. An der Spitze einer großen Gesellschaft stand der oberste Turniervogt, meistens ein an der Sache besonders interessierter Fürst des betreffenden Landes. Eine Anzahl Unter» vögte halfen ihm die Organisation zu betreuen. Sie schrieben die Turniere aus, wählten die dafür in Frage kommenden Städte und setzten die Turnier» polizei ein. Die Kleinarbeit an Ort und Stelle er» ledigten die „Tumierwärtel".

Das Darmstädter Turnier wurde in allen vier Ländern der großen Turniergesellschaften aus» geschrieben und dazu eingeladen „wenn es beliebe, der Ordnung gemäß zu erscheinen in der Herberg zu Darmstadt, Sonntags vor Lichtmess." Die Sache kam auch gut in Schwung und versprach ein großes Ereignis zu werden. An kampflustigen Recken er» schienen 20 Fürsten und Grafen, 17 Herren, 52 Ritter und 278 Edle.

Inzwischen aber brauten sich düstere Wolken zusammen. Einige Tage vor dem Turnier hatten die Streitbaren bei einer Zusammenkunft in Wertheim im Gesellenhof ausgiebig die Humpen geschwungen. Dabei kam es zu unfeinen Bemerkungen. Die Fran» ken behaupteten, „die Hessen nährten sich aus dem Stegreif". Die Hessen dagegen äußerten, „die Fran» ken verunehrten ihren Adel durch die Kaufmann» schäft". Nur mit Mühe gelang es, die Kampfhähne davon abzubringen sofort blank zu ziehen. Ins» geheim aber schworen sie sich zornentbrannt, die Beleidigungen auf dem bevorstehenden Turnier mit Blut abzuwaschen.

Zu diesem Zweck brachten die Hessen 140 und die Franken 120 Helme auf die Beine. Um jede Un=Sportlichkeit zu verhindern, setzte man aus jedem Land drei Turniervögte ein, die den Turnierplatz im Feld bei Darmstadt mit stabilen Schranken sichern ließen. Die Zahl der innerhalb der Schran» ken als Schiedsrichter tätigen Tumierwärtel wurde von vier auf zwölf erhöht. Vor dem Beginn der Runden erscholl ein Trompetenstoß. Ein Fierold las mit gewaltiger Stimme noch einmal die Turnier» regeln herunter, sowie der Strafen, die auf Verletzung der Regeln standen. Der erste Punkt besagte, daß jeweils nur ein Kämpfer durch seine Schranke reiten durfte, wenn zum Kampfbeginn die sperren» den Stricke durchhauen wurden.

Die Grollenden pfiffen jedoch schon auf die erste Regel. Kaum fielen die Stricke, brausten die Kamp» fer geschlossen in den Ring. Hessen und Franken fuhren sich wie die Wildeber an den Hals. Im Nu war ein mörderisches Gefecht im Gang. Vergeblich warfen sich Vögte, Wärtel und Prügelknechte ins Getümmel. Sehr schnell hatten sie ihr Teil weg. Hessen und Franken bekämpften gemeinsam die Männer, die sie am Kampf gegeneinander zu hin» dem versuchten. Heulend, verbeult und zerschunden gaben sie ihr undankbares Schiedsrichteramt auf und verließen das Sportgelände in schleuniger Flucht. Die Hessen und Franken aber fochten weiter, daß die Funken stoben. Schwerter und Lanzen splitterten, die Helme flogen in den Sand und die Reiter ihnen nach. Die Hufe von Freund und Feind stampften über sie.

Unter Lebensgefahr rissen die Wärtel die Schran» ken auseinander, damit wenigstens die entwischen konnten, die mit dem Streit nichts zu tun hatten. Allmählich erschöpften sich die Wüteriche und be» endeten ihren blutigen Reigen. 17 Franken und 9 Hessen lagen erschlagen oder zu Tode gestampft in der Arena. Es gab nicht sehr viele, die ohne mehr oder weniger schwere Verletzungen davongekom» men waren. Ohne den am Schluß des Turniers üblichen Dank abzuwarten, so vermeldet die Chro» nik, ritten sie trotzig von dannen. Anscheinend hatten sich die Hessen am ruppigsten benommen, denn für die Teilnahme an späteren Turnieren, verlangte man ihre Entschuldigungen wegen des Zwischenfalls. Um den sportlichen Mißerfolg des Tages zu bemänteln, gab es am Abend einen großen Fescball, bei dem sich die zurückgebliebenen und unbeschädigten Edlen ritterlich im Tanz schwangen. Ansonsten stiegen sie gewaltig in die Kanne und befanden sich bald in gehobenster Feststimmung. Das alles jedoch erst, als man den offiziellen Teil des Programms erledigt hatte, der in der Wahl der neuen Vögte für das nächste Turnier bestand. W. K.

Frauen IM STURM DER ZEITEN

VON PETER GRIESENBRUCH

F~,'n‘ge große Gemächer von ihm entfernt liegt Marie Antoinette in ihrem Bett, das Herz noch immer hämmernd vor Erregung, die kein Pulver hat beruhigen können. Sie vermag nicht zu schlafen. Und horch, ist das nicht ein Geraune draußen vor den Fenstern, Flüstern, schlürfende Schritte? Sie springt auf, sie reißt einen Fensterflügel auf — nichts. Sie läuft zur Tür und öffnet den Spalt. Aber im Schein der Kerzenleuchter sieht sie nur an den Treppenaufgängen die unbeweglichen Gestalten der königlichen Leibgarde. Die erzenen Gesichter sind stumm wie immer. Seufzend schlüpft die Königin zurück in ihr Bett; dann verfällt sie in einen unruhigen Schlaf.

9- Fortsetzung

Aber viele schlafen nicht in dieser mondlosen Nacht zu Versailles. Im Schlosse selbst stehen die Posten des Leib= und Garderegiments; um das Schloß herum hat das vor acht Tagen herbeigerufene, das treue Regiment Flandern seinen Gürtel von Wachen gestellt, damit die königliche Majestät nicht durch den Pöbel befleckt werde, der aus Paris herbeigeströmt ist.

Aber dies ist die Nacht, die Theroigne de Mericourt gehört. Sie hat ihre schönsten, ihre mutigsten, ihre schamlosesten Anhängerinnen für diese Stunden ausgewählt; und wahrhaftig, sie hat gut gewählt. Noch am Rande der Dämmerung beginnen ihre Amazonen ihr Werk; der Posten sind viele, und man muß die Stunden nutzen. Und so beleuchtet hier eine flackernde Fackel, dort eine trübe Laterne den Seidenstrumpf, der über dem Kleid bis zum Knie und darüber gerafft wird; die Hand, die sich zärtlich um einen Busen spannt; die Branntweinflasche, mit einem heiteren Lachen an den Mund gesetzt und weiter gereicht; die funkelnden Goldstücke, aus einer Hand in die andere gleitend. Die Soldaten des Regiments Flandern sind arme Teufel wie alle Soldaten der Linieninfanterie; sie sind ausgehungert nach Wein und Essen und Frauen; und auch sie haben lange, lange davon gehört, daß die Königin ein verworfenes Geschöpf sei, das man nicht schützen dürfe.

„Richard, oh, mein König, alle haben dich verlassen, ich allein verlaß dich nicht..." Verweht, verloren, versunken die Klänge. Waren es nicht überhaupt nur die Offiziere, die eingeladen waren zu dem großen Bankett? Um den einfachen Soldaten hat sich kein Ludwig, hat sich keine Marie Antoinette gekümmert. Ist man nicht auch eine menschliche Kreatur? Ist man dem König überhaupt Treue schuldig? Und die Frauen sind schön und willig, und ihr Lachen tut gut, und das Gold klingt herrlich in der Tasche.

Am Morgen sind breite Lücken in die Postenkette vor dem Schloß gerissen. Gegen fünf Uhr weiß Theroigne de Mericourt, daß die Stunde zum Angriff gekommen ist.

Rettet die Königin!

Wie aus dem Boden gewachsen, lautlos sich formierend, von einer unsichtbaren Hand gelenkt, so drängt sich die Menge der Weiber und der als Weiber verkleideten Männer vor einem Nebenportal des Schlosses zusammen. Dann flutet sie herein in das weite Treppenhaus. Die hier zum Sturm gegen das Königtum angetreten sind, sind gekleidet wie Menschen aus der Hefe des Volkes oder doch wie arme Proletarier aus den Vorstädten — das wenigstens die meisten von ihnen auch sind — nach ihrem Aussehen hat nie jemand von ihnen das Schloß von innen gesehen. Und doch lenkt sie wieder eine unsichtbare Hand ohne Beirrung, ohne Aufenthalt kerzengerade in dem kilometerweiten Gewirr der Flure und Treppen — genau auf die Gemächer der Königin zu.

Die Leibgardisten stehen fassungslos vor dieser entfesselten Menge von Weibern, die sich heranschleicht, ohne Laut, mit tückischer Miene, sprungbereit. Dann setzen sie sich zur Wehr. Was aber wollen vereinzelte Soldaten, noch dazu gelähmt von der männlichen Abneigung, gegen Frauen die Waffen zu gebrauchen, was wollen sie gegen diesen Sturm? Sie werden niedergerissen, verschwinden unter den Schuhen und Fäusten der Weiber, verletzt oder tot werden sie nach draußen geschleift. Nur einem gelingt es, obwohl von Messerstichen zerfetzt, sich loßzureißen und sich noch einige Stufen

Das Grauen

die Treppe zu dem Flügel der Königin hinaufzuschleppen, bevor er niedersinkt „Rettet die Königin! Rettet die Königin!" gellt sein Ruf durch die weite Halle. Zum ersten Male wird eine Stimme laut in dem keuchenden, verbissenen Gewürge der letzten Minuten.

Und wirklich, der Ruf des bis in den Tod Getreuen rettet die Königin. Eine Kammerfrau hört ihn, sie öffnet die Tür, sie sieht von unten die Menge heranstürmen, schnell schiebt sie geistesgegenwärtig den Riegel vor, dann eilt sie ins Schlafzimmer der Königin. Die wirft ein leichtes Gewand über das Nachthemd, bloßfüßig eilt sie durch die anstoßenden Gemächer zum Zimmer des

Königs. Tödlicher Schrecken! Die Tür ist verschlossen! Verzweifelt hämmert Marie Antoinette und ihre Dienerinnen gegen das Holz, aber fünf lange Minuten brauchen der König und seine Bediensteten, um aus ihrem schweren Schlaf zu erwachen und zu begreifen, was vor sich geht. Währenddessen hören die Frauen, wie Türen zertrümmert, Schränke aufgeschlagen, Betten und Schiebkasten zerwühlt werden. Und näher kommt der unheimliche Lärm der aufrührerischen Meute, zitternd ducken sich die Frauen — da endlich öffnet sich die Tür, die Verängstigten können herein, hinter ihnen wird sie verbarrikadiert, man eilt in ein anstoßendes größeres Gemach, wo sich nach und nach Edelleute, Soldaten, Diener einfinden. Vorläufig ist man gerettet.

Und jetzt erwacht auch endlich der Mann, auf dem in dieser Nacht so viel Verantwortung lag und der sie in einem allzu gesunden Schlaf vergessen hatte: der Kommandeur der Bürgerwehr von Paris, der Marquis von Lafayette, ein Revolutionär trotz seinem adeligen Namen, Freund der Freiheit und der Ordnung, Mann des Vertrauens aller Feinde der Tyrannei und aller Feinde des Pöbels. Leider ist er ein Mann, der sich selbst sehr überschätzt und von vielen noch mehr überschätzt wird. Am Abend ist er, getrieben von trüben Ahnungen, aus Paris nach Versailles mit seinen Männern der Bürgerwehr gekommen und hat durch seine An=Wesenheit die Sicherheit des Königspaars verbürgt. Aber er hatte seine Pflicht schmählich vergessen. Nun scheuchen ihn böse Nachrichten auf, nun eilt er, gejagt von seinem Gewissen, in den Palast.

Dort erwartet ihn der Ekel. Die meisten Portale des Schlosses sind erbrochen. In den Gängen, auf den Treppen, in den Gemächern wälzt sich der Pöbel. Gröhlen und Lachen der Betrunkenen klingen ihm entgegen. Der Marquis von Lafayette ist menschenkundig genug, um zu begreifen, daß hier keine Befehle mehr helfen. Seine Bürgerwehr gegen diese Meute loslassen? Aber in mehr als einem Zimmer sieht er bereits seine eigenen Soldaten sich mit dem Pöbel verbrüdern. Wo die Führung so viel Schwäche und Leichtsinn zeigt, ist auch der gemeine Mann schwach geworden. Diese braven Handwerker und Geschäftsleute, aus denen die Bürgerwehr ge^ bildet wird, wollen ehrlich die Freiheit und ehrlich die Ordnung, wie sie denn auch den König — freilieh nicht die Königin — im Grunde recht gut leiden mögen. Aber die anderen da vor ihnen versichern ihnen, daß auch sie die Freiheit wollen; und ihr eigener Befehlshaber, dem zu vertrauen sie gewohnt waren, war so lange nicht dagewesen. So sie neugierig hinzugekommen, das merkwürdige Schauspiel zu besehen, von dem ihnen fliegende Kunde an ihre Lagerfeuer gekommen war; nun sind sie den Verlockungen und Betörungen zum Opfer gefallen.

Mit flehentlichen Bitten, mit Berufungen auf seine eigene revolutionäre Gesinnung, mit Schmeicheleien bringt Lafayette die widerwillige Menge langsam dazu, sich aus dem Schloß zu entfernen. Aber da sieht er aus dem Fenster in einen Hof, und das Herz bleibt ihm stehen vor Grauen. In einer Ecke warten die gefangenen Leibgardisten, umringt von wütenden Weibern und Männern. Vor ihnen steht ein riesiger Mann mit einem Bart, er hat ein schwarzes Gewand mit weißen Streifen an, eine Art Verhöhnung des Priestergewandes, er hat gerade einigen Gardisten den Kopf abgehackt und ist nun dabei, die anderen, die Wehrlosen, die zum Teil Verwundeten auf die gleiche Weise abzuschlachten. Fast schluchzend vor Wut und Angst eilt Lafayette hinunter, und wieder gelingt es ihm, nach endlosen Bemühungen und flehentlichen Bitten, die Freilassung der Gefangenen zu erreichen.

Auf dem Balkon

Dann endlich geht der Marquis zum König. Und jetzt erscheinen auch der Graf von Provence und der Herzog von Orleans, der Bruder und der Vetter des Königs, verruchte Anstifter des verruchten Komplotts. Niemand sieht ihren beherrschten, in einem langen Leben der Salons zur Verstellung erzogenen Gesichtern den Triumph an, den sie über das Gelingen des Anschlags empfinden. Freilich, die Königin scheint entkommen; aber der königliche Nimbus um ihr stolzes Haupt ist doch zerbrochen in der Stunde, da sie fliehen mußte. Bald wird sie sich noch tiefer demütigen müssen. Draußen aber hat sich inzwischen die Menge vor dem Fenster zusammengefunden, und unablässig dröhnt ihr brausender Ruf herauf, getreu den Anweisungen, die ihr in den letzten Tagen zugeflüstert worden sind: „Der König nach Paris, der König nach Paris!"

Die Schlacht ist verloren, der König ist kein König mehr. Er selber weiß es, der Marquis von Lafayette weiß es, und niemand weiß es besser als der Graf von Provence und der Herzog von Orleans. Nicht mehr kann es sich darum handeln, die Freiheit des Willens zu bewahren; man kann nur noch ver=> suchen, den tobenden Pöbel zu beschwichtigen, damit er nicht wieder in der Nacht das Schlimmste versuche. So entschließt sich der König, auf den Balkon zu treten, sich seinem Volke zu zeigen. Und wirklich, wie die Menge sieht, dessen Gutmütigkeit ganz Frankreich kennt, wie sie zugleich in seinem Erscheinen vor ihm den eigenen Sieg ganz tief auskostet, da ertönt stürmischer Jubel, der halb der Person Ludwigs des Sechzehnten und halb dem eigenen berstenden Selbstgefühle gilt. Aber da mischen sich plötzlich in die Hochrufe andere, gefährlichere, gellende Schreie: „Die Königin! Die Königin auf den Balkon! Wir wollen die Königin sehen!"

Marie Antoinette steht im Zimmer, die Rufe hallen von draußen herein, sie ist blaß geworden, wieder nagt sie an der Unterlippe, der Kopf ist zurückgeworfen. Der ganze Stolz der Habsburgerin bäumt sich auf. Sich. dem Pöbel beugen? Der betrunkenen Mörderleute da draußen Willen zu tun? Der König ist zurückgekommen, er sucht ihren Blick; sie schüttelt schweigend das Haupt. Aber der Marquis von Lafayette tritt zu ihr: „Majestät, glauben Sie mir, es ist notwendig!" Noch einen Augenblick zögert Marie Antoinette, dann sagt sie ruhig: „Alles, was notwendig ist, werde ich tun." Da sie gebeten wird, ist ihr Stolz überwunden.

Nun nimmt sie die beiden Kinder an die Hand und tritt mit ihnen auf den Balkon. Aber nun dröhnt es tausendfach von unten herauf: „Nidrt die Kinder! Nicht die Kinder! Nur die Königin soll kommen!" Ausbrüche einer zielbewußten Wut, die noch in der überschäumenden Leidenschaft sich selbst und ihre Grenzen kennt. Werden die beiden Kinder

mit dabei sein, das wissen die Tausende da unten, so wird das Stück Sentimentalität, das selbst in ihnen irgendwo wohnt, sich rühren lassen von dem Anblick der Unschuld. Aber sie wollen nicht weich werden, die Österreicherin soll ihnen allein entgegentreten, an ihrem verhaßten Anblick soll sich alle Leidenschaft wieder entzünden, zu schmähen, zu verwunden — und wer weiß, vielleicht zu töten.

(Fortsetzung folgt)



SAN FRANCISCO-Ltadt der Lebensbreude

San Francisco, Amerikas interessanteste Stadt, von der Rudyard Kipling einstmals sagte: „Eine verrückte Stadt, von meist völlig verrückten Menschen bewohnt, deren Frauen von einer bemerkenswerten Schönheit sind." Ein etwas hartes Urteil, das aber nicht ganz unbegründet war. San Francisco war früher eine wilde Stadt, voller Desperados, die dem Landstrich um die San=Francisco=Bay zum Namen „Barbary Coast" verhalfen.

Der Ursprung dieser vitalen Stadt geht auf das 1855 gegründete Dorf Yerba Buena zurück, das 1846 zu der Union kam und ein Jahr später den Namen der 1776 von Mexikanern gegründeten Missionsstation San Francisco erlangte. Nur 500 Einwohner zählte San Francisco 1848, 25 000 waren es 1850. Die Goldfunde hatten sie aus allen Teilen der Welt hergeführt.

Der Goldrausch verflog, aber San Francisco blieb eine unruhvolle Stadt, die noch 1900 mit ihren 342 700 Einwohnern die größte Kaliforniens war. Später lief ihr Los Angeles den Rang in der Größe ab, doch nicht in ihrem Reiz und ihrer Schönheit. „Frisco" blieb einmalig, nicht nur für Amerika. Auf zahlreichen Hügeln an der wunderschönen Bay gelegen, in die man vom Pazifik nur durch das weltberühmte „Goldene Tor" gelangen kann. San Francisco besitzt Charme. Wenn Neuyork atembeklemmend wirkt, Pittsburgs Rauchwolken bedrücken, Houstons Hitze lähmt und Chikago nur Kaltschnäuzigkeit ausstrahlt, bleibt in San Fran=Cisco alles heiter und lebensfroh.

Dabei wurde diese Stadt nicht von schweren Stunden verschont. Am 18. April 1906 erschütterte um fünf Uhr morgens ein Erdbeben eine Minute lang die Stadt bis in ihre Grundmauern. Was das Beben verschonte, vernichtete innerhalb von drei Tagen das Feuer. 425 Menschen kamen um, vier Quadratmeilen wurden zerstört. San Francisco schien tot. Aber hier lebt ein vitaler Menschenschlag, allen Neuerungen aufgeschlossen. Die Stadt erstand schöner denn je. Man braucht nur vom Turmrestaurant des Mark=Hopkins=Hotels, dem „Top o'the mark", herabzublicken, um ihren Zauber zu verspüren. Neuerungen war man hier immer zugetan. Was man sonst nicht in Amerika wagte, hier ward es getan. So entstand die 13 K lometer lange Oakland=Bridge, eine Hängebrücke quer über den Meergolf, und die etwa zehn Kilometer lange Golden Gate Bridge über das Goldene Tor hinweg. Von hier aus unternahmen die Pan American World Airways als erste Luftverkehrsgesellschaft der Welt 1935 transozeanen Luftdienst Iber den Pazifik hinweg nach Australien.

Aber San Francisco ist auch dem geistigen Leben aufgeschlossen und steht auf diesem Gebiet dem Babel Neuyork nur wenig nach. Man denke nur an einen Jack London, der hier beheimatet ar, und an William Saroyan. Typisch für diese Dreiviertel=Millionenstadt ist die Laufbahn Amadeos P. Gianninis, der zuerst mit einem Obstkarren durch ihre Straßen zog und vor wenigen Jahren als Herrscher der „Bank of America" (mit 5,2 Milliarden Mark Einlagen) starb. San Francisco ist kosmopolitisch, hier leben waschechte Yankees neben Europäern aller Stämme, Mexikanern, Japanern, Negern, Filipinos und Hawaianern.

Ein wichtiges Element bilden die 30 000 Chinesen der „China=Town", doch hat sich ihre Jugend schon sehr stark amerikanisiert. Die Zeit der FamiliemFehden, der „Tong=Kriege", liegt Jahrzehnte zurück. Geblieben ist ein San Francisco der Vielfarbigkeit, der Beschwingtheit und der steilen Straßen, die oftmals nur mit Kabelwagen, einer Art Drahtseilbahn, zu bewältigen sind.








Oben: Blick vom Turmrestaurant des Mark=Hopkins=Hotels auf die San Francisco=Bucht mit der mächtigen Oakland=Brücke. — Unten links: Aussicht auf die Hochhäuser von San Franciscos Geschäftsviertel. — Mitte: Chinatown, die größte chinesische Ansiedlung außerhalb Chinas. — Rechts: Drei Merkmale dieser kosmopolitischen Stadt: Das Kreuz auf der christlichen Kirche, die schlanke chinesische Pagode und ein KabeUWagen. Aufnahmen: PAA
Oben: Blick vom Turmrestaurant des Mark=Hopkins=Hotels auf die San Francisco=Bucht mit der mächtigen Oakland=Brücke. — Unten links: Aussicht auf die Hochhäuser von San Franciscos Geschäftsviertel. — Mitte: Chinatown, die größte chinesische Ansiedlung außerhalb Chinas. — Rechts: Drei Merkmale dieser kosmopolitischen Stadt: Das Kreuz auf der christlichen Kirche, die schlanke chinesische Pagode und ein KabeUWagen. Aufnahmen: PAA

Verlorene Heimat:

Auf den Spiren von St.hedwig +

Jetzt Christen stimmet an, es singe, wer da kann, Schutzfrau des ostdeutschen Land’s, Krone des Fürstenstand’s, Oh, St. Hedwig! In Unglück und in Not, in Krankheit und im Tod, in Trübsal und Gefahr, stets bei dir Hilfe war, Oh, St. Hedwig!

Vor nahezu tausend Jahren (1186) freite Heinrieh I. „der Bärtige", Hedwig, die Tochter des Grafen von Andechs und Meran. Er führte sie in sein Reich im Osten, in das damals, da es noch schwach besiedelt war, Deutsche vom Niederrhein, von Hessen, aus Thüringen und Franken zogen (seit ca. 840), um es zu kolonisieren. Der jungen Herzogin Hedwig wurde schwere Last auf die Schultern gelegt. Ihr tiefes Verantwortungsbewußtsein ließ sie in die ärmsten Hütten treten, und vor allem nahm sie sich der Frauen und Mädchen an. Von Liegnitz aus besuchte Hedwig gemeinsam mit ihrem Gatten das ganze schlesische Land und gründete hier und dort Klöster — vor allem auch Nonnenklöster —, in denen Mädchen Aufnahme fanden, um in allen fraulichen Künsten ausgebildet zu werden.

Liegnitz, der damalige Sitz der Herzöge oder „Piasten", liegt im Flachland. Fünf Seen, von denen der Kunitzer See mit der Möweninsel der bekannteste ist, befinden sich unweit der Stadt. In der Ferne streben die schlesischen Gebirge in den Himmel. Immer war die Stadt darauf bedacht sich auszudehnen, reich und mächtig zu werden. Unter der Herrschaft Heinrichs I. und Hedwigs blühte Liegnitz, aber der Mongoleneinfall von 1240'41 zerstörte alles. Der starke Wille der schlesischen An=Siedler baute wieder auf, und bis 1945 war Liegnitz eine lebhafte, fleißige Stadt. Maschinenfabriken, chemische Werke und vor allem die Pianofortefabrik Ed. Seiler zeugten vom Eifer der Bewohner. Die Parkanlagen der Stadt gehörten zu den schönsten und umfangreichsten in ganz Deutschland. Zahlreiche Gartenbauausstellungen wurden abgehalten und kurz vor dem Kriege wurde zu einer Reichsgartenschau gerüstet. Aber es kam nicht mehr dazu; was 1241 durch ein Wunder, das wir heute allerdings geschichtlich deuten können, gelungen war, gelang jetzt nicht. Liegnitz, auch das Piastenschloß, wurden schwer heimgesucht.

Zwischen Liegnitz und Jauer auf den niedrigen Höhen ragt das Kloster Wahlstatt. Hier stellte sich Heinrich 11., Hedwigs Sohn, dem anstürmenden Mongolenheer entgegen (9. April 1241). Er fiel in dieser Schlacht, und Hedwig gründete zu seinem Andenken an dieser Stelle ein Benediktiner=Kloster. Mancher Sturm brauste über das Kloster hin: 1524 wurde es aufgehoben und 1738 neu geweiht. 100 Jahre später war es preußische Kadettenanstalt, in welcher auch Hindenburg zur Schule ging. Von 1920 an war es staatliche Bildungsanstalt.

Aber nicht nur Wahlstatt verdankt seine Entstehung der frommen Herzogin. Kloster Hcinrichau (1222) und Kloster Grüßau (1242) wurden auf ihren Wunsch erbaut. Und vor allem Trebnitz. An den Hängen des Katzengebirges, inmitten der sich weithin erstreckenden Buchenwälder liegt das Kloster Trebnitz (1202 gegründet). Es wurde der Lieblingsaufenthalt Hedwigs. Hier starb sie und hier ruht sie nach einem bewegten, an Schicksalsschlägen reichen Leben. Kloster Trebnitz ist den meisten Schlesiern bekannt, denn am St.=Hedwigs-Tage (15. Oktober) pilgerten Ungezählte zu ihrem Grabmai, welches das Glanzstück des Bauwerks ist. Es wurde 1680 im Auftrage der Äbtissin Christina Katherina von Würben errichtet. Auf dem Sarkophgg ist die Gestalt der heiligen Hedwig dargestellt, auf dem Sterbebett ruhend, das Modell ihrer Klosterkirche vor sich. Die schlesische Herzogskrone schmückt ihr Haupt. Die Klosterkirche überdauerte die schweren Kämpfe, während Trebnitz selbst fast völlig zerstört wurde. Wenn die frommen Schlesier heute nicht mehr zur Grabstätte der Heiligen pilgern können so besuchen sie Andechs, ihren Geburtsort.

Oben links: „St. Hedwig, die Mutter Schlesiens", aus dem Schlackenwerter Kodex 1353. Oben rechts: Kirche in Liegnitz. Mitte: Die Schlacht bet Wahl* statt; aus dem Schlackenwerter Kodex 1353. Unten: Wahlstatt bei Liegnitz. Pergamon-Archiv


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§ Der Rechtsberater bat das Wort

Der Heimkehrer daheim

BRENNENDE FRAGEN DES ALLTAGS

Lange Zeit war die Einreihung eines Heimkehrers in das bürgerliche Leben eine schwierige Ange* legenheit, da eine einheitliche gesetzliche Regelung fehlte. Jetzt hat das Bundes=Heimkehrergesetz vom 19. 6. 1950 nebst einer Durchführungsverordnung vom 13. 7. 1950 eine Plattform geschaffen, von der aus dem Heimkehrer der Start in das private Berufsieben wesentlich erleichtert wird.

Wer ist Heimkehrer?

Nicht nur Kriegsgefangene, die zu einem militä* rischen oder militärähnlichen Verband gehörten und aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt sind, sondern auch solche Kriegsgefangene, die in ein ziviles Arbeitsverhältnis übergeführt worden waren und nunmehr im Bundesgebiet Aufenthalt genommen haben, sind Heimkehrer im Sinne des Gesetzes. Darüber hinaus werden im Ausland internierte Deutsche, wenn sie innerhalb von zwei Monaten nach der Entlassung im Bundesgebiet Aufent* halt genommen haben, als Heimkehrer betrachtet, es sei denn, daß sie wegen nationalsozialistischer Betätigung interniert worden waren.

Die Wohnung

Jede Zuzugsbeschränkung für den Heimkehrer ist beseitigt. Unterbelegter Wohnraum darf nicht er* faßt werden, wenn die Rückkehr eines Heimkehrers in die Familienwohnung erwartet wird. Im übrigen hat der Heimkehrer Anspruch auf bevorzugte Wohnraumzuteilung für sich und seine Familie.

Das Recht auf den alten Arbeitsplatz

Der Heimkehrer muß sich nach der Rückkehr ohne schuldhaftes Zögern bei seinem früheren Arbeit* geber zurückmelden. Minderleistungen während der ersten sechs Monate, die auf Kriegsgefangenschaft oder Internierung zurückzuführen sind, geben kei* nen Grund zur Kündigung. Besteht der frühere Ar* beitsplatz nicht mehr, oder ist der Heimkehrer an einen anderen Ort zurückgekehrt, so haben die Ar* beitsämter den Heimkehrer bevorzugt zu vermit* teln.

Die Übergangsbeihilfe

Im Falle der Bedürftigkeit wird eine Übergangs* Beihilfe im Werte von 250 DM an Bekleidungs* und Gebrauchsgegenständen gewährt. Daneben gibt es das einmalige Entlassungsgeld von 150 DM.

Die Ausbildungsbeihilfe

Zur Umschulung bei Berufswechsel und Ausbil* düng in einem bereits begonnenen Beruf, z. B. prak* tische Berufsausbildung, Studium usw. können Aus* bildungsbeihilfen gewährt werden, wenn die Heim* kehrer oder ihre unterhaltspflichtigen Angehörigen die Ausbildungskosten einschließlich der notwendi* gen Lebensunterhaltungskosten nicht aufbringen können.

Die Ausbildungsbeihilfe umfaßt die Ausbildungs« und Unterhaltskosten des Heimkehrers, seiner Ehefrau und seiner Kinder. Der Unterhalt des Heimkehrers wird als gesichert betrachtet, wenn er außer den Mitteln für die Ausbildungskosten für seinen Lebensunterhalt monatlich 90 DM zuzüglich 10 DM für Frau und Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr zur Verfügung hat. Die Beihilfe für den Unterhalt soll 120 DM im Monat nicht übersteigen. Die Ausbildungsbeihilfe wird für die Dauer der Mindestausbildungszeit gewährt. Sie muß jedes Jahr neu beantragt werden. Der bereits Heimge» kehrte hatte den Antrag innerhalb von drei Monaten, vom 15. Juli 1950 an gerechnet, bei dem für seinen Wohnort zuständigen Arbeitsamt zu stellen. Wer erst nach dem 15. Juli 1950 heimkehrt, muß seinen Antrag spätestens innerhalb von drei Monaten nach seiner Entlassung einreichen. In Härte» fällen kann der Präsident des Landesarbeitsamts die Frist um höchstens drei Monate verlängern.

Spätheimkehrer können außerdem aus Mitteln der Soforthilfe Ausbildungsbeihilfen als Lehrling oder Anlernling bis zum Höchstbetrag von monat* lieh 40 DM auf ein Jahr erhalten. Für die Schaffung freiberuflicher Lebensgrundlagen kann einem Spät* heimkehrer aus Soforthilfemitteln ein Aufbaukredit bis zum Höchstbetrag von 5000 DM bewilligt wer* den. Die Lehrlingsbeihilfe gewährt das zuständige Arbeitsamt; den Aufbaukredit das zuständige Soforthilfeamt des Wohnsitzes.

Die Arbeitslosenhilfe

An Stelle der seitherigen Arbeitslosenfürsorge* Unterstützung haben die Heimkehrer jetzt An* Spruch auf die weitergehenden Leistungen der Ar* beitslosenversicherung. Die Unterstützung wird nach einem Entgelt von mindestens 45 DM wöchent* lieh berechnet. Die Vorschriften über die Wartezeit und die Meldepflicht sind erheblich abgeschwächt.

Die Sozialversicherung

Die Heimkehrer können sich zu erleichterten Bedingungen bei ihrer früheren Krankenkasse weiter versichern. Den Heimkehrern, die- nach dem 1. Jan. 1948 im Bundesgebiet Aufenthalt genommen haben, werden die Zeiten der Kriegsgefangenschaft usw. als Versicherungszeiten angerechnet. Für die Leistun* gen ist die örtliche Allgemeine Ortskrankenkasse zuständig. Für die Rentenversicherung gilt die Zeit der Kriegsgefangenschaft usw. als Ersatzzeit bei der Erfüllung der Wartezeit und der Erhaltung der An* wartschaft. Für diese Zeiten werden sogar Steige* rungsbeträge gewährt.

Alles in allem gesehen gibt das Heimkehrergesetz und seine Durchführungsverordnung Zeugnis für das ehrliche Streben der Bundesrepublik, ihren heimkehrenden Söhnen nach besten Kräften den Weg in den Frieden zu ebnen. St.

Besonderer Kündigungsschutz

Der Buchhalter A. ist seit dreißig Jahren bei der gleichen Firma tätig. Er soll nun nach einer Kün* digungsfrist von drei Monaten entlassen werden, da der Schwiegersohn des Firmeninhabers die Ar* beiten des Buchhalters übernehmen wird. A. wird von einem Kollegen darauf aufmerksam gemacht, daß für Angestellte, die seit längerer Zeit im glei* chen Betrieb tätig sind, besondere Kündigungs* Schutzbestimmungen gelten. Beim Arbeitsgericht erhält er folgenden Bescheid:

Angestellte, die der Versicherungspflicht in der Angestelltenversicherung unterliegen, genießen auf Grund des Gesetzes über die Kündigung von An* gestellten vom 9. Juli 1926 einen besonderen Kün* digungsschutz. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes darf ein Arbeitgeber, der in der Regel mehr als zwei Angestellte, ausschließlich der Lehrlinge, beschäftigt, einen Angestellten, den er mindestens fünf Jahre beschäftigt hat, nur mit mindestens drei Monaten Frist für den Schluß eines Kalenderviertel* Jahres kündigen. Die Kündigungsfrist erhöht sich nach einer Beschäftigungsdauer von zehn Jahren auf Monate und nach einer Beschäftigungsdauer von zwölf Jahren auf sechs Monate. Bei der Berecnnung der Beschäftigungsdauer werden Dienst* Jahre, die vor Vollendung des 25. Lebensjahres liegen, nicht berücksichtigt. Vertragliche oder son* stige für den Angestellten günstigere Kündigungs* fristen werden durch das Gesetz nicht berührt.

Hiernacn kann der Buchhalter nur mit einer Kün* digungsfrist von sechs Monaten auf das Viertel* Jahresende entlassen werden. Dabei ist zu berück* sichtigen, daß auch in diesem Falle die Zustimmung Arbeitsamtes erforderlich ist, wenn dies länder* mäßig (z. B. Rheinland=Pfalz) vorgeschrieben ist.

Sprechstunde des Hausarztes

Weshalb wird Trinkwasser gechlort?

Von Dr. Wilh. Münch, Bad Nauheim

|\j ach Schluß des zweiten Weltkrieges verfügte A ’ die amerikanische Besatzungsbehörde die Des* infektion des Trinkwassers durch Chlorung in allen großen Städten mit Wasserleitungen. Seitdem wird immer wieder von vielen Seiten über den schlechten Geruch und Geschmack des Trinkwassers geklagt, öfters spricht man von den gesundheits* schädlichen Folgen dieser Maßnahme. Nach Ansicht zahlreicher Hausfrauen leidet auch die Wäsche und die Techniker sprechen von der Möglichkeit einer Schädigung der Rohrleitungen und Maschinen. Sind tatsächlich diese Annahmen begründet?

Gelegentlich einer Masernerkrankung im 12. Jahre lernte ich das große Verlangen nach gutem Trink* wasser kennen. Ich sah deutlich, wie vor meinen Augen die Quelle bei einer Mühle meines Heimat* dorfes, herrlich mundendes Trinkwasser spendete. Jedesmal, wenn ich hastig dieses Wasser trinken wollte, wich es mir aus und ich machte Tantalus* quälen durch. Im ersten Weltkrieg war ich mit der Überwachung der Trinkwasserquellen in einem Städtchen Nordfrankreichs beauftragt. Nach Einsicht in die Wasserprüfungsprotokolle der Universität Lille kamen mir Bedenken über die hygienische Beschaffenheit bestimmter Quellen. Als sich eines Tages bei mir etwa 200 jüngere und ältere Franzo* sen wegen Kopfschmerzen meldeten, faßte ich den Verdacht, daß eine Typhusepidemie vorliegen könnte. Eine von mir sofort veranlaßte Stuhl* und Blutuntersuchung bestätigte meine Annahme. Ich konnte durch sofortige Isolierungsmaßnahmen eine Ausdehnung der Epidemie unterbinden.

Gutes Quellwasser muß im allgemeinen keimfrei oder doch wenigstens keimarm sein. Das Leitungs* wasser darf pro ccm nur einige Bakterien enthalten. Die heutige Zusammenballung von Menschen aus den verschiedendsten Gegenden Deutschlands und Europas birgt die Gefahr in sich, daß im allgemeinen einwandfreies Quellwasser durch Paratyphus* und Typhusbazillen infiziert wird. Besonders gefährlich sind die sogenannten Bazillenträger und Daueraus* scheider, die dadurch ihre Umgebung gefährden. Der verstorbene Hygieniker Pettenhofer führte die alljährlich in München auftretenden Typhusfälle auf die schlechten Grundwasserverhältnisse dieser Stadt zurück. Geheimrat Dr. Kißkalt meinte bei einer Pressebesprechung, daß er in seiner langjäh* rigen Praxis noch nie so bakterienfreies Wasser wie in München gesehen habe. Demnach haben sich die Trinkwasserverhältnisse inzwischen erfreulich gebessert. Er meinte: Das Münchener Trinkwasser zu chloren, sei ebenso unsinnig, wie der Venus von Milo einen Büstenhalter anzuziehen.

Was die Technik des Chlorens betrifft, geht sie folgendermaßen vor sich: Das Quellwasser der meisten Städte ist erfreulicherweise im allgemeinen einwandfrei, weniger jedoch das Grundwasser, das zugeführt werden muß, um einen genügenden Vor* rat anzusammeln. Die Chlorungsanlage wird aus zwei Behälterri gebildet. In den einen füllt man jeden Tag eine bestimmte Menge chlorhaltiges Pul* ver und leitet die gesättigte Lösung in einen da* nebenstehenden gleichgroßen Behälter. Eine Saug* anlage pumpt von dieser Stelle aus, eine stets gleich* bleibende Menge in die Wasserleitung weiter. Es handelt sich hierbei um einen ähnlichen Vorgang, wie es bei der Verabreichung einer Spritze in die Blutbahn zu beobachten ist. Es wird 0,4 mgr Chlor zugesetzt, das wohl kaum nachteilige Folgen für den Verbraucher haben dürfte. Der Kaffee* und Tee* genuß kann allerdings durch den unangenehmen Chlorgeschmack beeinträchtigt werden. Auch ver* mag chlorhaltiges Wasser empfindliche Medika* mente zu schädigen oder gar zu zerstören, wie ich dies bei homöopathischen Arzneien feststellen konnte. Fraglos gibt es Menschen, die durch den Genuß von gechlortem Wasser Magen* und Darm* beschwerden bekommen.

Selbstverständlich kann man auch auf vorhandene, natürliche Quellen zurückgreifen, wie es seitens vieler Hausfrauen geschieht, um die Wäsche zu schonen. Will man das Chlor aus dem Wasser entfernen, so läßt man es 8 Stunden in der Luft stehen. Mittels eines Chlorindikators, wie z. B. Toluidine, läßt sich nachweisen, ob alles Chlor entwichen ist. Es ist bemerkenswert, daß schon vor 100 Jahren der Chlorkalk von dem berühmten Prof. Semmelweis, dem damaligen Direktor der Prager Frauenklinik, eingeführt wurde. Er ordnete an, daß die Studenten vor der Untersuchung von Wöchnerinnen die Hände mit Chlor desinfizieren mußten. Die bisherige Sterblichkeit der Wöchnerinnen ging daraufhin schlag» artig zurück. So bürgerte sich allmählich der Brauch ein, bei Epidemiegefahr das Trinkwasser zu chloren.

Der Skeptiker muß sich mit einem meiner Freunde trösten, der über das Chlor folgende Verse schrieb: „Jetzt weiß ich warum jedermann, Auf Bier und Wein versessen. Beim Wasser hat der Schöpfer einst, Das edle Chlor vergessen. Nur Dichter singen noch entzückt, Das Wasser sei das Beste, Sie sind aus unvernünftiger Zeit, Die letzten Überreste."

An Auderlaud

Wer ist „Krax”?

Eine lehrreiche Geschichte

PJ nur der kleine Christof kennt ihn. Als er auf die Welt kam, setzte Krax sich auf das Rollebett und dort blieb er. Er verließ seinen Platz nur, wenn Chri=Stof fest und tief schlief und ihn selbst lie Fliegen nicht belästigten. Krax war also ein Schutzgeistlein. Wenn Christof mit neugierigen Augen die Umgebung betrachtete, dann erzählte ihm Krax von allen Dingen des Lebens. Als der kleine Bub seine Beinchen probierte, räumte Krax ihm alles aus dem Weg, worüber er vielleicht stolpern könnte. Vier Jahre war Christof, als Krax ihm durch das Gewühl der Wagen und Räder auf der Straße half. Das kleine, rotbemützte Männlein wäre Christofs guter Geist geblieben, aber ...

Seht, Christof sollte nun bald zur Schule gehen und jeder Gegenstand erweckte seine Neugier. Auch die Weckeruhr auf Vaters Nachttisch. Krrrrrr=krrr kicherte sie jeden Morgen und das gefiel dem Buben. Aber er wollte wissen, wieso diese kleine Uhr nicht nur tickte. Er untersuchte sie und stellte sie dann auf ihren Platz zurück. Die Uhr war verstummt, und Christof ging bedrückt in sein Schlafzimmer. Manchmal lief er an Vaters Bett, horchte, aber die Uhr blieb still.

„Wer hat den Wecker in den Händen gehabt?" fragte am Abend streng der Vater. „Du, Christof?"

„Der Krax", war die schnelle Antwort. Ein Bru» der oder ein Schwesterlein war nicht im Haus, und die Mutter war „groß". Nahm sie eine Uhr in die Hand, tickte sie nachher immer noch.

„Der Krax!" — Die Eltern gaben ihrem Buben keinen Gute=Nacht»Kuß und die Mutter betete nicht mit ihm. Als der runde Mond durch das Fenster schaute, erschrak Christof. Denn auf dem Deckbett saß — Krax und blickte mit zornigen Augen auf den Buben. „Du hast gelogen. Ich kann nicht mehr bei dir bleiben — darf dir keine Geschichten mehr er» zählen — dir nicht mehr helfen." Christofs spitzes Gesichtlein war blaß geworden; die weiten Augen blickten erschrocken auf den kleinen Freund. „Krax", bettelte das leise Stimmchen.

Krax reckte sich und stelzte in seinen oten Stie» fein näher zu Christof heran. Das kleine Männchen wuchs und wuchs — und plötzlich schrie der Bub auf, sprang aus dem Bett, lief mit nackten Füßen zur Mutter und kletterte — hast du es gesehen? — zu ihr, schmiegte sich eng an sie und umklammerte ihren Hals. „Mutti! - Mutti! Der Krax. Er will mich holen. — Mutti — ich hab' den Wecker kaputt gemacht — Mutti — der Krax..." Hastig sprudelte es das atemlose Kind hervor.

Tröstend umfing die Mutter ihren Christof. „Wenn du die Wahrheit sagst, tut dir niemand ein Leid; auch dein Krax nicht. Lügenkinder mag nie» mand, weder Vater noch Mutter ... So — und nun wollen wir schlafen. Mutter und Kind in einem Bettchen..." =ei=



Was Onkel Egon als Weihnachtsmann erlebte

(VON IHM SELBST ERZÄHLT)

I iebe Freunde! Ihr wollt wissen, woher ich “meinen schönen, warmen Winterpelz habe? Das will ich euch erzählen. Ich begegnete zur richtigen Stunde dem Weihnachtsmann. „Grüß dich Gott, Onkel Egon!" rief er schon von weitem, und dann erzählte er mir, daß er heute noch viele hundert Häuser zu besuchen habe — treppauf, treppab —, und daß er schon sehr müde sei.

Ich meinte, das sei gar nicht so schwer, und erbot mich, ihm ein bißchen zu helfen. Der Weihnachtsmann schmunzelte und war damit einverstanden. Schnell traf ich meine Vorbereitungen, kehrte mei» nen Pelz mit dem Fell nach außen, steckte mir eine schöne, rote Pappnase ins Gesicht, klebte mir einen langen weißen Bart an, und der Weihnachtsmann war fertig. Da lachte der echte Weihnachtsmann mächtig, als er in mir sein Ebenbild erblickte, und sagte: „Wer dich in diesem Aufzug sieht, wird alles eher als den Onkel Egon in dir vermuten."

Leider hatte er nur zu recht. Aber davon später. Der Weihnachtsmann gab mir noch schnell aller» hand Geschenke, die ich verteilen sollte, und dann machte ich mich auf den Weg. Zuerst sollte ich bei meiner Nachbarin einkehren. Frau Strohbart hatte vier Kinder und einen Hund. Karo, so hieß der Hund, war mein besonderer Freund. So oft er mich sah, wedelte er mit dem Schwänze, was in der Hundesprache so viel heißt wie: „Ich hab dich gern." — Aber was sich nun ereignete, ließ mich an seinen freundschaftlichen Gefühlen mir gegenüber zweifeln. Karo sprang unter wütendem Bellen an mir hoch. Und ehe Frau Strohbart es noch ver» hindern konnte, hatte er sich in meinem Pelz verbissen.

„Karo!" rief ich, ich bat und jammerte... Es war alles umsonst. Karo hatte kein Einsehen und ließ nicht eher los, bis von meinem schönen Pelz nur noch ein paar traurige Fetzen übrig waren. Plötzlich sprang Karo mit einem mächtigen Satz nach meiner Pappnase, schnappte nach ihr und - hastenichtgesehn! - rannte mit ihr davon, wobei er auch die eine Hälfte meines schönen, angeklebten Bartes mitnahm.

Da schwor ich mir, in Zukunft, wenn ich mal 'wieder Lust verspüren sollte, Weihnachtsmann zu spielen, erst vorher Erkundigungen einzuziehen, ob auch der Hund eingesperrt ist. Als ich dann spät abends nach Hause ging, begegnete ich dem Weih» nachtsmann, dem ich mein Erlebnis erzählte. Er lachte daß ihm die Tränen über die Backen liefen.—

Iciuttc, - 1 • 1 . ja _ siehst du", sagte er, „es ist nicht so leicht, Weihnachtsmann zu sein!" Und dann zog er seinen schönen Pelz aus und schenkte ihn mir als Ersatz für meinen zerrissenen.

So, nun wißt ihr, woher ich meinen schönen, warmen Pelz habe. Onkel Egon.

Das Lachkabinett

Vater am Weihnachtsabend: „Da hat man kürz» lieh in Ägypten Spielsachen gefunden, die 4000 Jahre alt und vollkommen gut erhalten sind. Daran solltet ihr euch ein Beispiel nehmen, Kinder." *

„Rate mal, was wir heute zu Mittag bekommen. Es fängt mit R an." — „Rindfleisch." — „Falsch!" — „Rouladen." — „Falsch!“ — „Rollmöpse." — „Auch falsch! Erbsen!"

kSuse hat im Puppenstübchen Lauter liebe Wollepüppchen, Und der Klaus macht ebenso Lustig einen WoIle=Zoo; Denn die beiden Schlauen dachten: Was mit Bast sie gestern machten. Wird, wenn man's mit Wolle tut, Ganz bestimmt genau so gut. Drähte werden erst gebogen, Dann mit Wolle überzogen, Und ein Löwe, eine Maus, Bunte Püppchen werden draus. Und die letzten Fadenenden werden unter Suses Händen Und so gut es eben geht Mit der Nadel fest vernäht.



Werlacht mit ?

Das Konzert

Das Städtische Orchester von Bumsdorf gibt ein Konzert. Die Musiker beenden ein Stück, nicht sehr harmonisch, aber immerhin gleichzeitig. Da beugt sich der zweite Geiger zum ersten Gei» ger und fragt: „Was spielen wir als nächstes?" „Das Zwischenspiel zu Notre Dame", flüstert der erste Geiger. „Um Gotteswillen!" stöhnt der zweite Geiger, „das habe ich ja eben gespielt!"

Der Langstreckenkater

Als vor einiger Zeit in einem Vorort von London das Halten von Katzen durch eine neue Verordnung erschwert wurde, gab die Besitzerin eines Katers ihren Liebling zu entfernt wohnenden Verwandten aufs Land. Aber eine Woche später stand er staubig und müde vor ihrer Tür. Er hatte die Entfernung in sieben Tagen zurückgelegt. Das entsprach einer täglichen „Marschleistung" von 35 km. Nach seiner Rückkehr trank er etwas Milch und schlief dann 70 Stunden lang.



Unzufrieden

„Sag mal, Nelly, wie alt bis du eigentlich?" „Ich bin genau so alt, wie ich aussehe!“ „Ach, ich hätte dich für jünger gehalten!"

Kerzen auf dem Hut

Einige berühmte Männer hatten, wenn sie beim Schaffen waren, eigenartige Gewohnheiten. Der italienische Komponist Cimarosa konnte nur bei Lärm und in einem sehr hellen Raum arbeiten, während sein Landsmann Sarti besser im Dun» kein komponierte. Der Naturforscher Buffon zog, bevor er zur Feder griff, seinen feinsten Rock an und puderte sich die Haare, und auch der berühmte italienische Maler Guido Reni arbeitete nur im Feiertagsrock. Der Kanzelredner Bourdaloue spielte, ehe er auf die Kanzel stieg, ein Stück auf der Violine, und der französische Historienmaler Giro» det setzte sich zum Malen einen riesigen Hut auf, der mit mehreren Kerzen besteckt war. Auf diese Weise beleuchtete er seine Staffelei.

Skat mit Butterbrot

Die Wirtin bringt den hungrigen Pensionsgästen die dünnen Butterbrote zum Frühstück auf einer Platte.

Ein Gast fragt: „Haben Sie die Scheiben geschnitten?"

„Ja", erwiderte grimmig die Wirtin.

„Schön", sagte der Gast, „dann werde ich mischen und geben!"

Blick in die Welt

Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung


Teresa und Luisillo, die Stars des berühmten spanischen Nationalballetts, begaben sich auf Welttournee
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Der ehemalige japanische Außenminister Shigemitsu, als Kriegsverbrecher verurteilt, wurde entlassen. Sein erster, untertäniger Gruß galt bei der Ankunft in der Hauptstadt Tokio symbolisch seinem Kaiser.
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Bulgarien will 250 000 Moslems türkischen Blutes umsiedeln. Die ersten, völlig mittellosen Flüchtlinge beim Eintreffen des Transportes der Heimatlosen in der Türkei, die auch an Überbevölkerung leidet.
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Der Primas der russisch^orthodoxen Kirche (Mitte) traf in Neuyork ein, um eine Emigranten=Synode abzuhalten, zu der Teilnehmer aus aller Welt kamen.
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Der Wunder=Schimpanse „Bonzo" wurde von Hollywood als Filmstar engagiert. Er signiert den Vertrag.
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Schwere Unwetter richteten in USA große Schäden an. Bild oben: Überfluteter Flugplatz bei Neuyork. Unten: Die Bewohnerin eines gefährdeten Hauses wird von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht. Aufnahmen: dpa. AP.
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AUS DEM INHALT: Schwarzes Bilsenkraut Seite 2 Frauen im Sturm der Zeiten Seite 3 San Francisco, Stadt der Lebensfreude Seite 4 Auf den Spuren von St. Hedwig Seite 3 Der Heimkehrer, daheim Seite 6 Blick in die Welt Seite 8