Revision so bald wie möglich
Alliüierte GErklärung zur Frage des Besatzungsstatuts
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 1. Dezember. Nach einer vierstündigen Besprechung zwischen den Oberkommissaren und Bundeskanzler Dr. Adenauer am Freitag auf dem Petersberg wurde von alliierter Seite folgendes amtliche Kommunique ausgegeben:
„Die alliierten Oberkommissare und der Bundeskanzler trafen sich heute zu einer ihrer periodischen Sitzungen auf dem Petersberg bei Bonn.
Alle Anwesenden stimmten darin überein, daß es wünschenswert sei, die Neuyorker Beschlüsse der Außenminister so bald wie möglich zu verwirklichen.
Der Bundeskanzler trug den Oberkommissaren erneut den Wunsch vor, der bereits in seinem Memorandum vom 29. August 1950 enthalten war, das Besatzungsstatut so bald wie möglich durch vertragliche Vereinbarungen zwischen der Bundesregierung und den Regierungen der drei Besatzungsmächte zu ersetzen. Die alliierten Oberkommissare haben diesen Wunsch zur Kenntnis genommen und ihn an ihre Regierungen mit der Bitte um Prüfung weitergeleitet.“ Von unterrichteter Seite erfahren wir, daß das revidierte Besatzungsstatut vor¬ aussichtlich in der nächsten Woche in Kraft gesetzt wird.
Was die deutsche Mitarbeit bei der Rohstoffbewirtschaftung betrifft, so dürfte sich hieraus bereits die erste Belastungsprobe ergeben haben. Wie wir erfahren, haben die Oberkommissare am Freitag die deutsche Bitte um Herabsetzung der Exportquote für Kohle mit dem Hinweis auf die Kohlenknappheit abgelehnt.
Bezüglich des Vorschlags, das Besatzungsstatut durch ein System zweiseitiger Verträge zu ersetzen, - wurde unserem Korrespondenten von einer sehr hohen Persönlichkeit der Alliierten Oberkommission erneut bestätigt, daß das Besatzungstatut im kommen de n Jahr verschwinden werde. stützen, zu stärken. Diese Staaten haben allem Anschein nach nicht die Absicht, sich jetzt zurückzuziehen.
18,2 Milliarden Zusatzkredite
Washington, 1. Dezember. (AP.) Präsident Truman hat den führenden Kongreßmitgliedern mitgeteilt, daß er angesichts der gespannten internationalen Lage zusätzlich 17 000 000 000 Dollar für die Streitkräfte und 1200 000 000 Dollar für das Atomenergieprogramm benötigt.
Gemeinsame Verteidigungsmacht
Washington, 1. Dezember. (AP.) Ein Treffen der führenden Militärs der Atlantikpaktmächte, auf dem eine Einigung über die Bildung einer gemeinsamen Verteidigungsstreitmacht in Westeuropa erzielt werden soll, wird gegenwärtig vorbereitet.
Neue Besprechungen
Lake Success, 1. Dezember. (AP.) Nach der offiziellen Sitzung des Sicherheitsrates traten die Delegierten zu neuen Besprechungen über die Frage zusammen, wie die chinesischen Kommunisten zu einem Rückzug ihrer Truppen aus Korea veranlaßt werden könnten, ohne einen dritten Weltkrieg heraufzubeschwören.
UIIVVCI* »» ~~ Der sowjetische Delegierte Malik, der in der Ratssitzung sein Veto gegen die Sechsmächte-Resolution zur Beilegung der Koreakrise eingelegt hatte, blieb den Besnrechungen betont fern.
Die Reden Maliks und des rotchinesischen Delegierten Wu im Sicherheitsrat haben offensichtlich dazu beigetragen, die Solidarität unter den 53 Mitgliedsstaaten, die die Aktionen in Korea unter-
Größere Fenerkraft
Washington, 1. Dezember. (AP.) Aus einer Veröffentlichung des amerikanischen Verteidigungsministeriums geht hervor, daß sowohl die amerikanischen Infanterie-, als auch die Panzerdivisionen über eine anderthalbmal so starke Feuerkraft verfügen als eine sowjetische Division.
Der Mannschaftsbestand einer amerikanischen Division liegt zwischen 16 000 und 20 000 Mann, der einer sowjetischen Divison zwischen 10 000 und 12 000 Mann.
Der Lavastrom steht
Catania, 1. Dezember. (AP.) Der aus dem Aetna austretende Lavastrom ist am Freitag fast zum Stillstand gekommen. Die Kraterexplosionen dauern jedoch weiter an. Die Lava bricht aber nur noch in seltenen Fällen und nicht in den bisherigen Mengen aus dem Krater aus.
Attlee fliegt zu Truman
Aussprache der beiden Staatsmänner am Wochenende
London, 1. Dezember. (dpa/AP.) Der britische Premierminister Attlee gab bekannt, er werde Präsident Truman in Washington besuchen. Truman hat sein Einverständnis zu dieser Absicht gegeben. Attlee wird voraussichtlich im Laufe der nächsten 48 Stunden nach Washington abfliegen.
Attlee sagte, nach Ansicht der britischen Regierung könne eine so folgenschwere Entscheidung wie die über den möglichen Einsatz der Atombombe nicht A eingehende Beratung mit den am SÄ beteiligten UNO-Mitglledern getroffen werden.
Inzwischen haben über hundert Labour-Abgeordnete in einem Schreiben an Attlee ihre Beunruhigung wegen der Möglichkeit einer Atombombenanwendung geäußert. In diesem Schreiben wird gefordert, daß die Atombombe auf keinen Fall verwendet werden darf, bevor die Vereinten Nationen zu Rate gezogen wurden.
Der kanadische Ministerpräsident St. Laurent wird zur Teilnahme an der Konferenz zwischen Truman und Attlee nach Washington eingeladen werden.
Wie aus gutunterrichteten Kreisen verlautet, wird Attlee versuchen, die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien über eine Annäherung an die rotchinesische Regierung und über die Fernostpolitik im allgemeinen zu klären.
Hierbei werde sich Attlee für eine Zurückziehung der UN-Truppen bis zur „Wespentaille“ Koreas einsetzen, bevor irgendwelche Verhandlungen mit dem kommunistischen China aufgenommen werden.
Pleven nach London...
London, 1. Dezember, (dpa) Ministerpräsident Pleven und Außenminister Schuman werden am Samstag nach London reisen, um mit Attlee und Bevin zusammenzutreffen. bevor Attlee nach Washington abfliegt.
Pleven wird möglicherweise nach Washington fliegen, um mit Truman und Attlee über die Verschlechterung der Lage in Asien zu beraten.
Eine neue Verteidigungslinie
UN-Truppen beziehen neue Stellungen 50 km vor Pyöngyang
Söul, 1. Dezember. (AP./dpa) Bei weiterhin schwacher Kampftätigkeit hat sich die Masse der achten Armee in Nordwestkorea am Freitag auf eine neue Verteidigungslinie 50 km nördlich von Pyöngyang abgesetzt. Die Linie verläuft in west-östlicher Richtung auf der Höhe von Sunchon und Sinchang.
Die Absetzbewegung wurde in der Flanke erfolgreich von der ersten US-Kavalleriedivision sowie der türkischen und der 29. britischen Brigade gedeckt. Amerikanische Einheiten der zweiten und 25. Infanteriedivision, die im Raum von Kunori von der Einkreisung durch die stark drängenden Rotchinesen bedroht waren, konnten sich mit Unterstützung britischer Panzer unter Verlusten den Weg nach Süden freikämpfen. Am Chongchon stehen lediglich noch kleinere Verbände.
In dem größten Lufteinsatz seit September griffen die Land- und Trägerflugzeuge der Vereinten Nationen am Freitag in mehr als siebenhundert Einsätzen die chinesischen Truppen und Nachschubwege an. Ein rotchinesisches Bataillon, das nördlich von Kunu mit Panzern den Chongchon überschreiten wollte, erlitt schwerste Verluste.
Im äußersten Nordosten steht die südkoreanische Division „Söul“ nach weiterem Vormarsch nur noch 50 km vor der sibirischen Crenze.
Im Raum des Changjin-Reservoirs werfen die. Kommunisten neue Eipheiten in den Kampf gegen die dort eingeschlossenen amerikanischen Einheiten. Wie bei ihrer großen Offensive am Chongchon setzen auch dort die Kommunisten kaum Panzer und Artillerie ein, sondern verlassen sich hauptsächlich auf ihr erdrückendes Uebergewicht an Infanterie. Stärkere UN-Verbände kämpften sich am Freitag von H a m h u n g aus in Richtung auf den Stausee vor, um die eingeschlossenen Divisionen zu entsetzen. Sie stießen jedoch auf so heftigen Widerstand, daß ein Erfolg dieser Operation voraussichtlich nicht zu erwarten ist. Ueber das Schicksal der im Raum des Changjin-Reservoirs eingekreisten Truppen ist nichts Näheres bekannt.
1. Advent 1950 Es ist ein friedensmäßiges Bild, das die Läden in den großen und kleinen Städten bieten. Am 1. Advent werden die Menschen in diesen Läden mit ihren Einkäufen für das Fest beginnen und an den Schaufenstern werden sich Kinder ihre Nasen ob all der Wunder platt drücken. Foto: Hemme
Bis zum 38. Breitengrad?
Rotchinesische Pläne
Tokio, 1. Dezember, (dpa) Der Chef des Abwehrstabes im Hauptquartier General Mac Arthurs. General Wiloughby, erklärte am Freitag, daß die Lage der UN-Streitkräfte in Nordwestkorea nicht so verzweifelt sei, als daß sie den Einsatz der Atombombe rechtfertigen könne.
Der General teilte weiter mit, aus Gefangenenaussagen gehe hervor, daß die Chinesen in Nordkorea innerhalb von zwei Monaten bis zum 38. Breitengrad marschieren wollten. Die Fortsetzung des Krieges solle sodann den nordkoreanischen Armeen überlassen werden, die gegenwärtig bei M a n p o j i n umgruppiert werden.
Korea vor der Vossversammlung
Flushing-Meadows, 1. Dezember. (AP.) Der Präsident der UN-Vollversammlung hat die Delegierten davon unterrichtet, daß sich die Versammlung mit der Koreakrise befassen müsse, weil der Sicherheitsrat zu keiner Entscheidung gelangt sei.
Abgebremst
**♦ Die Gefahr, daß schon heute oder morgen die erste Atombombe in Korea fallen werde, ist abgebremst worden. Nachdem Truman seine erste Ankündigung, McArthur habe über ihre Anwendung zu befinden, zurückgenommen und sich selbst die letzte Entscheidung Vorbehalten hatte, beanspruchen auch die Westmächte, als die wichtigsten Vertreter in den Vereinten Nationen, gehört zu werden. Der englische Premierminister Attlee fliegt in den nächsten Tagen zu einer persönlichen Besprechung mit Truman nach Neuyork. Falls die Abstimmung über das Vertrauensvotum, die in den späten Abendstunden in der französischen Kammer stattfindet, keine Regierungskrise verursacht, will der französische Ministerpräsident Pleven seinem Beispiel folgen. Allgemein herrscht, die Ueberzeugung vor, es müsse ein entscheidender Versuch gemacht werden, mit der kommunistischen Regierung Chinas direkte Verhandlungen aufzunehmen. Man will sogar so weit gehen, die Truppen der Vereinten Nationen bis zur’ „Wespentaille“ Koreas zurückzuziehen, um Verhandlungen zu ermöglichen.
Nun hängen Verhandlungen von dem guten Willen aller Partner ab. Vorerst muß man noch daran zweifeln, denn im Weltsicherheitsrat hat Rußland sein Veto gegen die Entschließung der sechs Mächte eingelegt, durch die das kommunistische China aufgefordert wird, seine Truppen aus Korea zurückzuziehen. Wann nun die Vollversammlung über diese Entschließung beraten wird, ist noch nicht sicher.
Sicherlich wird Truman den Bedenken Attlees und Plevens Rechnung tragen, sofern er glaubt, vom Einsatz der letzten Mittel noch Abstand nehmen zu können. Wie ernst er die internationale Lage jedoch betrachtet, geht daraus hervor, daß er zusätzlich die Bewilligung von ungefähr 71 Milliarden Mark allein nur für die nordamerikanischen Streitkräfte und fünf Milliarden Mark für den Ausbau des Atomenergie-Programms vom Kongreß verlangen will. Auch die Verhandlungen zur Schaffung einer europäischen Wehrmacht unter gemeinsamem Oberbefehl werden neuerdings vorwärtsgetrieben. Die Krise ist noch keineswegs überwunden. Man darf jedoch hoffen, es werde den vereinten Bemühungen verantwortungsbewußter Staatsmänner gelingen, ihrer Herr zu werden.
Wer will wen verkohlen?
Von Erich DombrowskiAlso auf einer Versammlung deutscher Plan Wirtschaftler: „Hier haben Sie, meine Herren, einmal ein schlagendes Beispiel, wohin die freie Marktwirtschaft führt und führen muß. Hätten wir eine Planwirtschaft, dann brauchte sich keine Familie um die Kohlenversorgung graue Haare wachsen zu lassen. So aber steht sie einem ungewissen Schicksal gegenüber. Wenn wir einen kalten Winter bekommen, werden die Leute schrecklich frieren.“ Das ist in der menschlichen Geschichte immer so gewesen: wenn unerfreuliche Dinge passieren, dann wird, statt daß man ihnen auf den Grund geht, zunächst einmal nach dem Schuldigen gesucht. Das ist natürlich. Man will seinen Zorn abreagieren und ist dann vorerst einmal befriedigt, wenn man ihn gefunden zu haben glaubt. Die Tatsachen aber lächeln darüber. Sie sind da und bleiben bestehen. Man hat sich, ganz gleich, wer schuld hat oder nicht, mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn das Leben geht weiter. Ja, wie ist das nun mit der Kohle, an der sich ein ganzer Brand der Gemüter entzündet hat? Wir haben eine ausgesprochene Kohlennot. Das ist nicht zu leugnen. Worauf ist sie zurückzuführen? Auf mehrerlei. Wir können heute nicht mehr so aus dem vollen schöpfen wie einst, als wir über die Kohlengruben nicht nur des Ruhrgebiets, sondern auch Oberschlesiens und der Saar verfügten, als uns auch die mitteldeutsche Braunkohle offen stand. Heute sind wir, im großen und ganzen, nur noch auf die Ruhr angewiesen. Vor vierzehn Jahren, also 1936, förderte der Bergmann hier rund zwei Tonnen Kohle je Tag und Schicht. In den letzten Monaten nur siebzig Prozent davon. Das bedeutet einen geringeren Ertrag, aber auch größere Kosten gegenüber jener Vergleichszeit. Das andere ist dies: wenn die damalige deutsche industrielle Erzeugung gleich 100 war, so ist sie heute auf 125 hinaufgeschnellt. Das schließt einen entsprechenden Mehrbedarf an Kohle in sich. Auf einen Nenner gebracht: Minderproduktion. Mehr Verbrauch. Mehr Kosten. Aber damit ist diese Skala noch nicht erschöpft. Das Ausland beansprucht auch seinerseits, im Rahmen des Ruhrstatuts der Alliierten, einen Anteil an dieser Kohlenproduktion. Wir sollen auch noch exportieren. Ungefähr ein Viertel von dem, was wir aus den Gruben herausholen. Wir produzieren an Kohle im Vierteljahr, immer in runden Ziffern, 27 Millionen Tonnen. Dabei stellt sich der deutsche Inlandsbedarf auf 23 Millionen, wobei den Hausbrand als den letzten die Hunde beißen. Was ist die Schlußfolgerung aus alledem? Wir sind einfach nicht mehr in der Lage, größere Mengen von Kohlen an das Ausland abzugeben. Wir brauchen sie dringend selber. Das gegenüber den Alliierten durchzusetzen, ist eine der dringendsten Aufgaben des Bundes-Wirtschaftsministeriums. Wenn plötzlich das Thermometer unter Null sinkt, wenn Kälte hereinbricht, sind wir in der größten Not.
Steht es denn wirklich so schlecht um den Hausbrand? Um die Lage zu zeigen, wie sie ist, greifen wir ins alltägliche Leben. Da ist ein größeres Kohlenhandelsgeschäft, das ungefähr zweitausend Kunden zählt. Zu Kriegsbeginn, vor elf Jahren, bekam es fünftausend Tonnen zugeteilt. Das war schon um ein Viertel weniger als sein normaler Anspruch. Auf Grund dieser Menge bekam jede Familie von diesem Geschäft 24 Zentner im Jahr zugewiesen. Die Firma hatte auch noch Versorgungsbetriebe zu befriedigen. Und jetzt? Ach, du lieber Himmel, werden dem Geschäft ganze 420 Tonnen zugeleitet. Das ist weniger als ein Zehntel der Zeit vor einem Jahrzehnt. Mit anderen Worten: vom November an darf das Geschäft nur noch einen ganzen Zentner an jede ihm als Kunde angeschlossene Familie abgeben. Aber selbst das ist, wenn sich die Verhältnisse nicht wesentlich ändern, noch ungewiß. Es sollen davon noch dreißig Prozent abgezogen werden. Nun ist man bemüht, die Kohlenförderung durch Lohnerhöhungen als Anreiz zu steigern. Unnötig, auf die Einzelheiten dieser Regelung einzugehen. Es werden unter anderem Sonderschichten eingelegt. Seitdem beginnt auch die Forderung langsam zu steigen. Aber dieses Mehr reicht bei weitem nicht aus, um die täglich höher werdenden Kohlenbedürfnisse zu befriedigen. Die deutsche Wirtschaft läuft auf vollen Touren. Wir haben zwar noch Arbeitslose, eine ganze Menge, aber bereits einen fühlbaren Mangel an Facharbeitern. Die Erwerbslosen, die heute noch in den Statistiken erscheinen, befinden sich an den wirtschaftlichen Randgebieten, und die große Wohnungsnot macht es unmöglich, sie dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden können. Im Zusammenhang mit den europäischen Verteidigungsplänen der Alliierten wird die deutsche Industrie, ganz plötzlich, zusätzlich noch mit Aufträgen überschüttet werden, die, in der Hauptsache Bauvorhaben aller Art, in die drei bis vier Milliarden Mark gehen werden. Kurz: die Situation des Kohlenmarktes wird sich noch weiter sprunghaft verschärfen, wenn die Alliierten nicht von ihrem deutschen Exportanteil abgehen. Aber, was hat das alles nun mit dem Prinzip der freien Wirtschaft zu tun? Nichts. Denn gerade im Kohlenbergbau haben wir sie noch nicht. Die Eigentümer dürfen nicht über ihren Besitz selbständig verfügen. Dem stehen noch die Maßnahmen der Alliierten, nicht zuletzt auch das Ruhrstatut, entgegen. Der Bergbau wird von eingesetzten Assessoren und Ingenieuren geleitet. Die Verteilung der Kohle an den Verbraucher geht über zentral zusammengefaßte Gesellschaften der drei Zonen, alles ist aufgeschlüsselt, und wenn einer vor Zorn über diese Planwirtschaft (ohne Kohle) kocht, dann ist es die Hausfrau.
Also auf einer Versammlung englischer Freiwirtschaftief „Hier haben Sie, meine Herren, einmal ein schlagendes Beispiel, wohin die Planwirtschaft führt und führen muß. Hätten wir eine freie Wirtschaft, dann brauchte keine Familie sich um die Kohlenversorgung graue Haare wachsen zu lassen. So aber steht sie einem ungewissen Schicksal gegenüber. Wenn wir einen kalten Winter bekommen, werden die Leute schrecklich frieren.“ Dieselben Worte, die hier von den Freiwirtschaftlern, den Liberalen und Konservativen, in England gesprochen wurden, hörten wir eben von deutschen Planwirtschaftlern. In der Tat, auch Großbritannien, das seine Kohlenwirtschaft sozialisiert und planvoll geregelt hat, ist in großer Not. Es hat nicht, wie Deutschland, große Kohlengebiete durch den Krieg verloren. Es hat sie allesamt behalten. Ihr Umfang, ihre Ergiebigkeit und ihre Produktion waren ehedem so überragend, daß England als Exporteur auf dem europäischen Markt eine führende Rolle spielte. Jetzt hat es seine Kohlenausfuhr nicht nur sp gut wie völlig einstellen müssen, sondern ist sogar gezwungen, trotz der noch immer nicht günstigen Devisenlage, Kohlenkäufe im Auslande vorzunehmen, um seinen Inlandsbedarf zu decken. Wie wir fragten, ob die Mangelerscheinungen in Deutschland auf die freie Wirtschaft zurückzuführen seien und das verneint haben, so haben wir zu überlegen, ob die gleichen Erscheinungen in England der Planwirtschaft in die Schuhe zu schieben sind. Auch das ist mit einem Nein zu beantworten. Wie in Deutschland ist auch in England der industrielle Kohlenbedarf sprunghaft rapid gestiegen, einmal, um die Erzeugung der Exportgüter zum Ausgleich der passiven Handels- und Zahlungsbilanz, zu forcieren, und zum anderen, um den unvermutet notwendig werdenden inilitärischeh Rüstungsansprüchen, auch in Höhe von Milliarden, gerecht zu werden. Diesem Mehr an Bedarf steht aber eine geringere Ausbeute der Gruben gegenüber. Großbritannien verfügt einfach nicht über genügend Bergleute, uin auch nur einen normalen Kohlenabbau zu gewährleisten. Im Augenblick beschäftigen die Bergwerke, obwohl sie schon zahlreiche Ausländer geworben haben, zweiundzwanzigtausend Mann weniger als vor einem Jahr, und die Belegschaf ten nehmen noch weiter, von Monat zu Monat, ab. Obwohl es sich um sozialisierte Betriebe handelt, scheint die englische Arbeiterschaft also keine allzu große Neigung zur Beschäftigung in ihnen zu zeigen. Hinzu kommt, daß die vorhandenen Belegschaften zu einem Teil überaltert sind und schon aus diesem Grunde nicht so voll einsatzfähig sind wie die jüngeren Jahrgänge. Die seit zwei oder drei Jahren planmäßig eingeleitete Mechanisierung hat noch nicht solche Fortschritte gemacht, daß sie die Quote der Erzeugung wesentlich hinaufzuschrauben vermag. Obwohl England ungefähr das Doppelte an Kohlen produziert wie Deutschland, dort über zweihundert, hier über einhundert Millionen Tonnen, hat es ungefähr den gleichen Fehlbetrag von sechs bis sieben Millionen Tonnen wie wir. Gleich uns versuchen es auch die Engländer, mit Sparmaßnahmen und Produktionsprämien an die Arbeiter durch den Engpaß des Winters zu kommen. Ob ihnen das gelingen wird, ohne in plötzliche Schwierigkeiten zu kommen, hängt vom Wetter und bei uns vor allem vom ganzen oder teilweisen Verzicht der Alliierten auf die Lieferung deutscher Kohle ab. Müßig aber ist es, die Schuldfrage aufzuwerfen, Prinzipien wie in einem Turnier aufeinanderrennen zu lassen und Schlüsse daraus auf den Nutzen oder den Schaden der freien Wirtschaft oder der Planwirtschaft zu ziehen. Der Hausfrau, die kochen und heizen soll, brennt die Not (ohne Kohle) auf den Nägeln. Und sie fragt sich ergrimmt nur: Wer will wen verkohlen?
Eine bisher unbekaunte Hausse
Zeitungsrationierung in England
Die Nachrichten, daß zehn Millionen Analphabeten in Indien und Indonesien das Lesen lernen, daß Amerikaner das Fünffache an Zeitungspapier einführen, daß die Vereinigten Staaten die skandinavische Produktion aufgekauft haben und daß ein bedeutender Mehrverbrauch von Papier für die früher unbekannte Verwendung als Rohstoff zur Bekleidung und selbst zum Hausbau benötigt wird, erklären eine Hausse dieses für die Zeitungen bedeutenden Materials, so daß heute der Preis um das Dreifache gestiegen ist.
Im Bundesgebiet wurden im. September nur noch 13 000 Tonnen produziert, während im Jahre 1937 39 000 Tonnen aus den Papierfabriken kamen, die zu zwei Drittel in Mitteldeutschland und in den Ostgebieten liegen. Diese Ursachen haben die zwangsläufige Folge, daß die Zeitungen um 10 Prozent ihren Bezugspreis erhöhen mußten.
In England erscheinen die Tageszeitungen von jetzt an mehrmals in der Woche mit nur vierseitigen Ausgaben. Der „Manchester Guardian“ teilte seinen Lesern mit, daß nur noch regelmäßige Bezieher die Zeitungen auch weiterhin ohne Schwierigkeiten erhalten, doch besteht dafür keine Gewähr, wenn ein Abonnement unterbrochen wird. Infolge der ernstlichen Verknappung ist die Liefermöglichkeit englischer Zeitungen begrenzt.
Ein interessanter Besuch
Gaullistischer Senator besuchte deutsche Persönlichkeiten
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn« 1. Dezember. Der Deutschlandbesuch des französischen Senators de Bre, eines Abgesandten de Gaulles, ist am Freitag zu Ende gegangen. In unterrichteten Kreisen wird dem Besuch de Bres. der unter anderem auch vom Bundespräsidenten Professor Heuss empfangen wurde, große Bedeutung beigemessen.
De Bre gilt, obgleich er erst 38 Jahre alt ist. als einer der besten Köpfe des Gaullismus. Er hat seine Deutschlandreise benutzt, um mit den führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Fühlung aufzunehmen.
Man ist überzeugt, daß de Bre in Deutschland sehr wichtige Fäden für den von vielen erwarteten Fall angeknüpft hat, daß General de Gaulle bei den französischen Wahlen im kommenden Jahre Erfolg hat.
Der Besuch de Bres ist in dem Augenblick erfolgt, da sich in Bonn auch unter den überzeugten Anhängern der europäischen Verständigung Enttäuschung darüber äußert, daß Straßburg offensichtlich nicht der Weg ist, um Europa zu einigen. Hieraus ergibt sich, daß sich in Bonn mehr und mehr der Gedanke durchsetzt, als ersten Schritt zu einer Einigung Europas die deutsch-französische Verständigung zu betreiben.
Aus den Gesprächen, die maßgebliche deutsche Politiker mit de Bre geführt haben, ist deutscherseits der Eindruck gewonnen worden, daß auf der Basis von de Gaulles Deutschland-Politik eine solche französische Annäherung verhältnismäßig leicht zustande kommen könne. Die Voraussetzungen, die de Gaulle von deutscher Seite erfüllt sehen will, scheinen keineswegs unannehmbar zu sein.
200 DM Freigrenze abgelehnt
Hi. Bonn, 1. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Die Erhöhung der steuerfreien Grenze für Weihnachtsgratifikationen von einhundert auf zweihundert Mark ist nun auch, von den Länderkabinetten abgelehnt worden, nachdem bekanntlich der Finanzausschuß des Bundesrates diesem Vorschlag des Bundestages nicht zugestimmt hat. Das Plenum des Bundesrates wird diese Frage nach Ablehnung durch die Länderkabinette nicht mehr zur Debatte stellen.
Arbeitslosigkeit nimmt zu
Bonn, 1. Dezember, (dpa) Die Zahl der Dauerarbeitslosen im Bundesgebiet, die länger als sechs Monate erwerbslos sind, hat trotz des allgemeinen Rückganges der Arbeitslosigkeit in diesem Jahre zugenommen. Das Bundesarbeitsministerium folgert daraus, daß sich ein struktureller Dauerbestand an langfristig Arbeitslosen bildet. Die Zahl der aus strukturellen Gründen arbeitslosen Menschen schätzt das Bundesarbeitsministerium auf rund 900 000 bis eine Million.
Die Verwaltung des Düsseldorfer Flughafens Lohhausen ist in deutsche Hände übergegangen. Der Sowjetzonenministerrat beschäftigte sich am Donnerstag ausführlich mit der Remilitarisierung in Westdeutschland.
Bonn: Eine große Gefahr
Politische Kreise über Korea sehr beunruhigt
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 1. Dezember. Im Hinblick auf den Ernst der Lage in Korea betrachten es politische Kreise in Bonn als sehr große Gefahr, wenn die Vereinigten Staaten sich in China stark engagieren müßten. Es sei nicht anzuzweifeln, daß dies das letzte Ziel der sowjetischen Politik sei.
Man hebt in Bonn aus der letzten Rede des amerikanischen Außenministers Acheson den Satz besonders hervor, in dem er sagte, daß der ganze chinesische Angriff vielleicht eine große Ablenkung sei, um für Rußland das Feld in Europa vorzubereiten. Wie in den anderen westeuropäischen Hauptstädten ist man auch in Bonn sehr besorgt, daß der Krieg in Ostasden durch eine militärisch vielleicht geboten erscheinende Bombardierung der rotchinesischen Basen in der Mandschurei ausgeweitet werden könnte. Ä
Die Frage, ob es im Koreakrieg zum Einsatz von Atombomben kommen werde, wirkt in Westeuropa auch deshalb beunruhigend, weil man die Atombombe zwar in einem europäischen Kriegsfall für entscheidend hält, jedoch auf dem koreanischen Kriegsschauplatz eine kriegsentscheidende Wirkung nicht unbedingt sicher ist. Sollte der Atombombeneinsatz seine Wirkung in Korea verfehlen, so befürchtet man, daß die Sowjets überhaupt die Scheu vor der Atombombe verlieren und auch in Europa •den Angriff wagen könnten.
Bonner Regierungskreise weisen darauf hin, daß es bewundernswert sei, wie sich in Großbritannien in Momenten starker weltpolitischer Spannungen die öffentliche Meinung zusammenschließe. Wenn die Sache ernst werde, höre dort der Parteienstredt auf. Man gibt der Hoffnung Ausdruck, daß mit der Beendigung des Berliner Wahlkampfes auch in Deutschland die parteipolitischen Gegensätze gegenüber dem Ernst der weltpolitischen Lage zurücktreten.
MeCloy bleibt
Frankfurt, 1. Dezember, (dpa) Ein amerikanischer Sprecher wies in 'Frankfurt mit aller Entschiedenheit amerikanische Pressemeldungen zurück, nach denen der amerikanische Oberkommissar McCloy beabsichtigt, in Kürze zurückzutreten.
Häftlinge waren schutzlos
Zeugenaussagen ehemaliger SS-Richter im llse-Koch-Prozeß
Augsburg, 1. Dezember, (dpa) Ehemalige hohe SS-Richter bekundeten am Freitag im Gerichtsverfahren gegen die Kommandeuse von Buchenwald, Ilse Koch, daß die Kz-Häftlinge praktisch schutzlos gewesen seien.
SS-Oberführer Horst Bender, früherer SS-Richter bei Himmler, berichtete über die Schwierigkeiten, die den SS-Gerichten bei Untersuchungen in den Konzentrationslagern durch Kaltenbrunner und Pohl gemacht wurden.
Der ehemalige Weimarer Polizeipräsident und SS-Gruppenführer Hennicke erklärte, daß er 1941 nach der ersten Verhaftung des Kz-Kommandanten Koch bei einer Haussuchung in dessen Villa die Schränke von unten bis oben mit Wäsche vollgestopft vorgefunden habe. Ilse Koch habe damals einen seelischen Zusammenbruch erlitten und erklärt, sie halte difeses Leben nicht mehr aus und wolle sich von ihrem Mann trennen, wenn alle Beschuldigungen wahr seien.
Der Zeuge Jelineck, der selbst in Buchenwald inhaftiert war. schilderte, wie Ilse Koch sich dort aufgeführt hat. „Schau Täubchen, der Alte könnte mal robben“, habe sie zu ihrem Mann einmal gesagt, als sie an einer Arbeitsstelle vorüberkamen. Der bezeichnete Häftling sei dann von Koch so lange gejagt worden, bis er zusammenbrach. Der Zeuge will auch beobachtet haben, daß Ilse Koch Leichenverbrennungen zusah.
Wie der Zeuge berichtete, bekamen die SS-Wachen für jeden Häftling, den sie auf der „Flucht“ erschossen, drei Tage Sonderurlaub. „Es gab SS-Leute, die auf ihrem Koppel Kerben für jeden Erschossenen eingeschnitten hatten.“
Grste SPD-Fraktionsgesprüche
Klärung über Regierungsbildung in Hessen erst am 6. Dezember
Wiesbaden, 1. Dezember. (Eigener Bericht.) Die verantwortlichen Institutionen der SPD in Hessen — der Landesausschuß und die neue Landtagsfraktion — traten am Freitag in Wiesbaden zusammen, um die durch den Wahlausgang in Hessen geschaffene neue politische Lage zu erörtern. In den Abendstunden wurde ein Kommunique herausgegeben, in dem es heißt, daß über die Wahl des Landtagspräsidiums sowie über die Regierungsbildung erst in einer neuen Sitzung des erweiterten Landesausschusses, die die Bedeutung eines „kleinen Parteitages“ hat, am 6. Dezember entschieden werden soll.
Zum vorläufigen Fraktion svorstand wurden die Abgeordneten Ludwig Bodenbender, Heinrich Fischer und Willy Wittrock gewählt, zu Beisitzern die Abgeordneten Max Bock, Otto Gnaß „und Ursula Gärtner.
Wie nach Schluß der Sitzung aus Teilnehmerkreisen noch ergänzend zu erfahren war, wird der seitherige Landtags- Präsident Otto Witte von seiner Fraktion auch als neuer Landtagspräsident vorgeschlagen werden. Offen ist die Frage, ob die SDP hinsichtlich der Bildung des Landtagspräsidiums ihre Mehrheit ausnützen und dies nur mit Sozialdemokraten besetzen wird, oder aber dem parlamentarischen Brauch zufolge auch die anderen Parteien im Präsidium vertreten sein werden.
Am Vormittag hatte der Landesausschuß der SPD in einer einstimmig beschlossenen Entschließung der neuen Landtagsfraktion empfohlen, die Regierung in Hessen allein zu bilden. Wie aus gut unterrichteten Kreisen noch ergänzend zu erfahren war, ist zwar, die Frage dei- Regierungsneubildung zur Zeit noch völlig offen, andererseits aber auch so gut wie sicher, daß mit der Neubildung entweder nur der seitherige Ministerpräsident Christian Stock oder aber der frühere hessische Justizminister und jetzige Bundestagsabgeordnete Georg August Zinn beauftragt wird.
Zinn gilt als ausgesprochener Exponent des Hauptvorstandes der SPD. Als ziemlich sicher ist anzunehmen, daß der Zentralvorstand der Partei zu Beginn der kommenden Woche — nach Rückkehr aus Berlin — ein entscheidendes Wort bei der hessischen Regierungsbildung mitreden wird.
Gottesdienste vor Parlamentseröffmmg
Vor der Eröffnungssitzung des zweiten hessischen Nachkriegslandtages am kommenden Donnerstag werden in Wiesbaden getrennte evangelische und katholische Gottesdienste für die Abgeordneten abgehalten werden. Diese Gottesdienste hatte der Fraktionsvorsitzende der FDP, Karl Theodor Bleek, in einem Schreiben an den Geschäftsführenden Präsidenten des Landtages, Otto Witte, angeregt.
Die Landesleitung des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Hessen wandte sich gegen Pressemitteilungen, nach denen vom Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten Koalitionsgespräche mit der SPD beabsichtigt seien.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck. Alle Rechte beim Woltgane-Krüger-Verlag. Hamburg.
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Man kann Liebe nicht stehlen; denn sie wird freiwillig gegeben oder überhaupt nicht. Sie müssen mir glauben, wenn ich Ihnen sage, daß ich der Herzogin nichts Böses nachreden will. Sie behandelte mich nicht anders als andere; oft war sie ungerecht und hatte immer etwas an einem auszusetzen, und manchmal wieder konnte sie gütig und freundlich sein. Im einen Augenblick quälte und beleidigte sie einen Menschen, und im nächsten war sie die Liebenswürdigkeit selbst. Innerhalb einer Stunde konnte sie so von einem Extrem ins andere fallen; erst warf sie mir dann meinen zu großen Einfluß auf ihre Familie vor, und kurz darauf bat sie mich, gerade diesen Einfluß auszuüben, wenn sie sich irgendeinen Vorteil davon versprach. Sooft sie mich bitter gekränkt hatte, versuchte sie es mit einem Geschenk wiedergutzumachen. Man wußte nie, woran man war."
Aber die Verhörenden schienen dies nur als eine neuerliche Bestätigung für die Güte der Herzogin aufzufassen. Weitere Fragen folgten, bis Henriette der Kopf schwirrte. Der Saal mit all den Augen, die sie anstarrten, schwamm wie in einem Nebel vor ihr, nud das eifrige Kratzen der Federn hielt keinen Augenblick inne.
»Jede Aussage, die Sie machen, enthält irgendeine versteckte Anklage gegen die Herzogin“, warf die Stimme ihr wieder vor.
Tränen der Empörung und Erschöpfung stiegen ihr in die Augen. Sie wischte sie fort und zwang sich zur Antwort, die nach der langen Anstrengung nicht mehr so sicher klang.
»Ich wünschte selbst aufrichtig, ich brauchte nicht zu sagen, was ich sagen muß. Sie ist tot, und wenn ich sie durch das Opfer meines eigenen Lebens wieder lebendig machen könnte, würde ichs gern tun. selbst wenn ich ihr schreckliches Schicksal teilen müßte. Aber ich kann doch nichts ungeschehen machen. In den sechs Jahren lernte ich jede einzelne ihrer Regungen und ihrer wechselnden Launen kennen. Keiner dürfte besser als ich ihre merkwürdige Fähigkeit, zwischen Wut und Großmut, zwischen Haß und Güte hin und her zu schwanken, beurteilen können. Ich habe nicht ein einziges Wort gesagt, das unwahr oder ungebührlich gewesen ist. Ich brauche mich nicht zu verteidigen, ich habe mich nur bemüht. Ihnen alles zu erklären.“
Das zweite Verhör der Mademoiselle Deluzy-Desportes war zu Ende. Man brachte sie wieder in ihre Zelle zurück.
Am Abend desselben Tages, des 23. August, sprachen die Gerüchte über den Herzog zum erstenmal von der Hoffnungslosigkeit seines Gesundheitszustandes, und nur Henriette erfuhr nichts davon. Im Luxembourggefängnis am anderen Ufer waren sich die Aerzte darüber klar geworden, daß sie dem Gift, das die Lebenskraft des Kranken ständig mehr aufzehrte, machtlos gegenüberstanden. Der Herzog von Praslin lag im Sterben. Nur seiner unbändig kräftigen Natur war es zuzusehreiben, daß er mit all dem Arsen in seinem Körper überhaupt noch lebte. Die ärztliche Untersuchung hatte ergeben, daß er genug von dem Gift genommen haben mußte, um ein halbes Dutzend Männer zu töten. Eine kleinere Dosis würde bereits binnen wenigen Stunden tötlich gewirkt haben, aber die Menge, die der Herzog offenbar in einem unbewachten Augenblick am Tage seiner Ueberführung ins Gefängnis zu sich genommen hatte, wirkte so stark, daß sie beinahe seine selbstmörderische Absicht vereitelt hätte. Denn die Abwehrkräfte seines Organismus waren dadurch auf den Plan gerufen worden, anstatt von der schleichenden Wirkung einer geringeren Menge überrascht und gelähmt zu werden.
Er hatte die qualvollen Schmerzen zunächst mit stoischem Gleichmut ertragen, doch als er immer mehr dahinsiechte, war sein halb unterdrücktes Stöhnen schrecklich anzuhören; das und die Krämpfe, die ihn von Zeit zu Zeit schüttelten, blieben die einzigen Anzeichen seine/ Leidens.
Er war bereits verhört worden, zuerst durch die Polizei am Morgen nach dein Mord und später durch Monsieur Pasquier. Der letztere war in ihn gedrungen, doch ein volles Geständnis abzulegen, aber der Herzog hatte auf seinem Leugnen beharrt. Von Anfang an hatte er an seiner Version festgehalten, er sei erst durch die Schreie geweckt worden und daraufhin sofort in das Schlafzimmer seiner Frau geeilt. Es sei ihm nicht möglich anzugeben, was er in dem ersten Entsetzen und seiner Verwirrung getan
habe. Die Blutflecken auf seinem Hemd und seinem Schlafrock rührten sicherlich daher, daß er die Sterbende in seine Arme genommen habe; und die Pistole, die man in ihrer Nähe gefunden hatte, gehöre ihm wohl; er habe sie mitgenommen, als er seiner Frau zu Hilfe eilte. Er könne sich's auch nicht erklären, wie das Blut und die Haarsträhne auf die Waffe gekommen seien. Warum habe er denn aber die Blutflecken auszuwaschen versucht? Auf diese Frage entgegnete er, er habe es getan, weil er die Kinder nicht durch den Anblick zu erschrecken wünschte. Was die brennenden Papiere im Kamin anbetraf, so gab er sich keine Mühe, eine Erklärung dafür zu finden. Jemand müsse wohl ein Streichholz nineingeworfen haben Wie solle er sich jetzt noch daran erinnern können, was er in seiner Aufregung getan habe. Er bat. von weiteren Fragen bis zum nächsten Tage verschont zu werden; er fühle sich jetzt zu schwach, um zu antworten.
(Fortsetzung folgt)
Stimmen der Anderen
Frankreich zur Atombombe
Der konservative „Figaro“ bezeichnet die Aeußerung Präsident Trumans über Erwägungen zur Anwendung der Atombombe als „fest im Inhalt und gemäßigt in der Form“.
„Der Chef des Weißen Hauses hat auf die Entschlossenheit der Vereinten Nationen hingewiesen, das im Namen des internationalen Rechts im Juni in Korea begonnene Unternehmen fortzusetzen und die Politik der Unterstützung in anderen Teilen der Welt ohne Abschwächung weiterzuführen. Diese Feststellungen hätten in brutalerer Form erfolgen können. Es war nicht an dem. Deutlich war, daß Präsident Truman die künftige Entwicklung offenhalten wollte. Seine Erklärungen schließen sicherlich nicht die Tür für Verhandlungen und Kompromisse“.
„Franc Tireur“ (links-sozialistisch) schreibt:
„Wenn es auch juristisch richtig ist, daß die Vereinten Nationen Mac Arthur in der Wahl seiner Waffen keine Grenzen gesetzt haben, wird Truman den Befehl zur Anwendung der Atombombe nicht ohne vorherige Fühlungnahme mit London und Paris, wenn nicht sogar mit der UN geben. In Amerika haben übrigens die leitenden Militärs, die Mehrheit des Kongresses und die öffentliche Meinung stets die Anwendung der Atombombe in Korea abgelehnt. Man muß auch die Stimmung in Amerika verstehen, die die durch die chinesische Intervention entstandenen Verluste hervorgerufen haben. Die Warnung richtet sich an Moskau und an Peking“.
„L’Aube“ (volksrepublikanisch) meint:
„Wir glauben stärker als je zuvor, daß, wenn dem Angriff in Asien nicht Einhalt geboten wird, die Aggression überall und zuerst in Europa ermuntert wird Das Gebot der Vereinten Nationen muß beachtet werden. Vergessen wir nicht, daß Festigkeit die Vorbedingung zum Gelingen von Verhandlungen ist. Wir treten für die Schaffung einer neutralen Zone im äußersten Norden Koreas ein. Wir begrüßen auch die Konferenz von Vertretern der drei Westmächte, die in Paris über den sowjetischen Vorschlag zur Einberufung einer Deutschland-Vierer-Konferenz verhandeln sollen. In diesem Sinne behandeln wir auch das Problem der Beteiligung Deutsch ’ands an der Verteidigung Westeuropas mit einer Vorsicht, für die man uns noch einmal dankbar sein wird“.
„ C e M at i n “ (gaullistisch) erklärt:
„Die Alliierten verlieren in Asien Schlachten und in Lake Succes Zeit. Die Sowjetunion macht im Sicherheitsrat von ihrem Vetorecht Gebrauch. Daher wäre es wohl besser, zum alten Mittel der Diplomatie zurückzukehren. Hinter Korea versteckt sich Peking, und hinter Peking Moskau. Man muß also Fühlung mit den Sowjets nehmen“.
Mit Sitz herausgeschlendert
Düsenjäger abgestürzt und explodiert
Wiesbaden, 1. Dezember, (Eigener Bericht.) Ein amerikanischer Düsenjäger vom Typ F 84 stürzte am Donnerstag auf einem Feld zwischen München und München-Riem ab und explodierte, teilte das Luftwaffenhauptquartier mit. Das größte Stück, das übrig blieb, war ein Turbinenmotor. Der zum ersten Male in Europa verwendete neuerfundene Pilotensitz, der den Flugzeugführer in 500 Fuß Höhe aus dem Düsenflugzeug schleuderte, rettete ihm das Leben, so daß er mit dem Fallschirm sicher zur Erde kam und nur einige leichte Schrammen am Kopf davontrug. Der Grund des Unfalls ist noch nicht genau geklärt. Der Pilot gab an, Maschinenschaden gehabt zu haben, worauf das Flugzeug in Flammen aufging.
Kriegsgefangenenfrage
vor der UN-Vollversammlung
Bonn, 1. Dezember, (dpa) Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion wird voraussichtlich in der kommenden Woche in der UN-Vollversammlung erörtert werden. Die beiden Bundestagsabgeordneten Dr. Eugen Ger¬ ’stenmaier (CDU) und Herbert Wehner (SPD), werden in den nächsten Tagen nach Neuyork fliegen.
Neues Schwerbeschädigtengelset
Berlin, 1. Dezember, (dpa) Bundesarbeitsminister Storch teilte mit, daß für das Bundesgebiet ein neues Gesetz für Schwerbeschädigte vorbereitet wird. Dieses Gesetz werde über den Bereich des Arbeitseinsatzes von Kriegsbeschädigten weit hinausgehen und auch die Beschädigten anderer Kategorien in gewissem Umfange berücksichtigen-
Doch Weihnachtsbeihilfe
Bonn, 1. Dezember, (dpa) Entgegen den bisherigen Informationen werden auch diejenigen Fürsorgeempfänger, die bereits eine einmalige Winterbeihilfe zur Beschaffung von Feuerung bekommen haben, auch eine, allerdings niedrigere Weihnachtsbeihilfe erhalten. Auf Beschluß der Länderfinanzminister wird an sie die Beihilfe in ihrer anfänglich geplanten Hohe von lo Mark für jeden Unterstützungsberechtigten und 5 Mark für jeden Angehörigen ausgezahlt.
Darmstadt und Umgebung
Sechszehn anstatt neun
Flüchtlinge aus Schleswig-Holstein trafen ein
Im Verlauf der Uebersiedlung der in Schleswig-Holstein bisher untergebrach-Flüchtlinge nach Süd- und Südwestdeutschland trafen gestern mittag mehrere für Darmstadt bestimmte Familien im Hauptbahnhof ein.
Der Flüchtlingskommissar der Stadt Dannstadt Herr Baumüller, begrüßte die Ankommenden, zumeist Ostpreußen, und sprach seine Zuversicht aus, trotz der nicht gemeldeten, fast doppelten Anzahl, allen einen menschenwürdigen Wohnraum zuzuweisen. So konnten die Leiter des Wohnungsamtes Eberstadt, Herr Voltz, und Herr Friedrich, Arheilgen, noch in den Mittagsstunden die nötigen Zuweisungen vornehmen.
Fehlendes Mobilar, also vor allem Stühle, Tische und Bettstellen, werden in kürzester Frist zur Verfügung stehen. Darmstadt regelt für seine neuesten Mitbürger alle Dinge so schnell und gut, wie nur irgend möglich.
Einige Schicksale mögen genannt sein: Eduard Bortkun aus Libau in Lettland, Büromaschinen-Mechaniker: er entkam mit Mühe den Kriegswirrnissen im Jahre 1941, verlor dabei alles. Später in Ostdeutschland ansässig, verlor -er zum zweiten Male jeglichen Besitz. Er erhofft in Darmstadt Arbeitsmöglichkeit.
Werner Kühn, Rundfunk-Mechaniker aus Ostpreußen, lange Kriegsgefangenschaft, in Schleswig arbeitslos, freut sich, endlich wieder in seinem Beruf arbeiten zu können.
Die Familie Maibaum, ebenfalls aus Ostpreußen. Herr Maibaum ist Kaufmann. Nach Flucht und Irrwegen arbeitslos und unter schlechtesten wirtschaftlichen Verhältnissen lebend.
Alle haben die feste Zuversicht, in Darmstadt endlich Ruhe und ein festes Heim -zu finden. Sg.
Keine Zwang in der Energieversorgung
Aussprache über Kohle-, Energie- und Gasversorgung
in einer industriellen Sitzung der Industrie- und Handelskammer Darmstadt wurde die Frage der Kohlen-, Gas- und Energieversorgung behandelt. Aus den Kreisen des Kohlenhandels wurde von Dörr mitgeteilt, daß insbesondere auf dem Hausbrandsektor mit erheblichen Versorgungsschwierigkeiten zu kämpfen sei. Die Stromversorgung wurde von Direktor Strahringer z. Z. nicht als kritisch bezeichnet. Man werde, wenn die Bevölkerung und die Wirtschaft von sich aus verantwortungsbewußt sich eine freiwillige Zurückhaltung beim Stromverbrauch auferlege, von Zwangsmaßnahmen absehen können. Die gleiche Meinung vertrat auch der Vertreter der Südhessischen Gas und Wasser AG., Baurat Glöckler, für die Gasversorgung. Er berichtete, daß die Lieferungen an Kohle und Ferngas bisher gleichmäßig erfolgten und daß lediglich bei der Versorgung mit Koks vorübergehende Schwierigkeiten aufgetreten seien.
In der Diskussion ergab sich, daß im Augenblick die Kohlen- und Energieversorgung der Industrie keinen Grund zur Beunruhigung bietet, und daß die Einlegung von Betriebsfeiertagen aus Gründen der Kohlenknappheit nicht erforderlich erscheint und abgelehnt wird. Allerdings ist die Bevorratung allgemein außerordentlich knapp. Eine Verschlechterung der WitterungsVerhältnisse und Erschwerung der Transporte durch Frost, Schnee usw. können die Lage naturgemäß ungünstig beeinflussen.
Weiter berichtete Direktor Kluge (Rhein-Main-Bank) über die Lage auf dem Geld- und Kreditmarkt. Er führte die Gründe an, die die Bank deutscher Länder veranlaßten, die Kreditrestriktionen, insbesondere die Diskonterhöhung, durchzuführen und gab der Meinung Ausdruck, daß auch in Zukunft die Nachfrage nach kurzfristigen Produktionskrediten ausreichend befriedigt werden könne, und daß eine Reihe von Maßnahmen zu erwarten sei, die die Bildung von langfristigem Kapital begünstigen sollen.
Herr Korn ging u. a. auf einen Gesetzentwurf über die steuerliche Behandlung von Zuwendungen an Pensionskassen und Unterstützungseinrichtungen der Firmen ein. Dieser Entwurf beseitige praktisch jegliche steuerliche Begünsti-
gung dieser anerkannten sozialen Firmeneinrichtungen. Er habe zu einem scharfen Protest der Kammer Anlaß gegeben. Die Erörterung der steuerlichen Behandlung der Reisekosten privater Arbeitnehmer ergab die Forderung nach einer weitergehenden Pauschalierung, für die sich die Kammer einsetzen wird.
Abschließend referierte Herr Meisel, Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Darmstadt, über dessen Tätigkeit zur Förderung des Fremdenverkehrs.
Achtung, Kinder, aufgepaßt!
Schaut Euch das „Tagblatt“ heute besonders gut durch! Auf einer seiner Seiten beginnt nämlich gerade das DT-Weihnachtsmärchen „W u r z e 1 wilos W e i hn ac h t s g a n g“, von dem es heute jeden Tag eine Fortsetzung gibt, die Ihr Euch heraussuchen müßt. Aber alle Fortsetzungen sind gleich groß, so daß Ihr sie, fein ausgeschnitten und aufgeklebt, zu einem hübschen Buch zusammenfügen könnt und dann zum Weihnachtstag, am 24. Dezember gerade, alle Verse und Bilder von „Wurzelwilos Weihnachtsgang“ beieinander habt.
Darmstädter Schulspeisung
Der „Magenfahrplan“ der nächsten Zeit
Am Montag, dem 4. Dezember 1950. gibt es Keks mit Kakao; Hühnerfleischbrühe mit Reis am Dienstag; Mittwoch, zum Nikolaus Schokolade; Donnerstag Nudelsuppe mit Fleisch; Freitag Brötchen mit Kakao.
Die zweite Woche fängt am 11. Dezember mit Knäckebrot und Kakao an. Dienstag gibt es Erbsensuppe mit Fleisch. Mittwoch Keks mit Kakao, Donnerstag Brötchen mit Kakao, Freitag Schokolade.
Am Montag, dem 18. Dezember, gibt es Hühnerfleischbrühe mit Nudeln; Keks und Kakao am Dienstag; Mittwoch Reissuppe mit Fleisch und dann zu Weihnachten ein kleines Päckchen mit Süßigkeiten.
Feierliche Immatrikulation unserer Studenten
Feierstunde in der Stadthalle / Zusammenkunft der „Vereinigung der Freunde der Technischen Hochschule“
HGR. Gestern morgen fand anläßlich des 115 jährigen Bestehens der Technischen Hochschule und der Zusammenkunft der Vereinigung der Freunde der TH in der festlich geschmückten Stadthaile eine Feierstunde statt, in der die für das Wintersemester 1950/51 neu immatrikulierten Studenten von Sr. Magnifizenz Professor Dr. Mehmel verpflichtet wurden.
Nach dem, vom Hochschulorchester vorgetragenen, Concerto grosse c-moll (Larghetto — Allegro) von G. F. Händel, begrüßte Se. Magnifizenz die zahlreich erschienenen Gäste, namhafte Persönlichkeiten von anderen Hochschulen und Universitäten, der Regierung und des Landtags. Sein Dank für die Hilfe, die die TH im letzten Jahr erfahren hat, galt besonders den Freunden der Technischen Hochschule, sowie allen Institutionen, die sich um den Aufbau der TH verdient gemacht haben. Scharfe Kritik übte Prof. Dr. Mehmel am Land Hessen, das der Hochschule nicht die finanziellen Möglichkeiten geboten habe, beispielsweise in Bezug auf neue Berufungen, wie andere Länder der Bundesrepublik. Der Wiederaufbau der TH sei auf etwa 30 Millionen DM veranschlagt. Wenn man bei dieser Summe die für das vergangene Jahr erhaltenen 0,8 Mill. DM zugrunde lege, dann verschleppe sich der Aufbau über 20 Jahre. — Das bedeute, daß es unmöglich sei, auf diese Weise den Fortschritt der technischen Wissenschaft einzuholen. Deshalb habe man sich, entgegen vielem Für und Wider, dazu entschlossen, südlich der Alexanderstraße (Altstadt) einzelne Institute neu aufzubauen.
Von den weiteren interessanten Ausführungen Se. Magnifizenz sei die soziale Lage der Studenten zu erwähnen. Zunächst stellte Prof. Mehmel fest, er hoffe, daß schon im nächsten Jahr keine Zulassungsklauseln mehr erforderlich seien. Augenblicklich sei es so, daß etwa die Hälfte der rund 3000 Studenten, ohne Sorgen studieren könne; ein Viertel erhalte kleinere Zuwendungen, indessen ein weiteres Viertel auf größere Unterstützungen angewiesen sei. Prof. Mehmel hob hervor, daß die Studenten, die auf materielle Hilfe der Bevölkerung angewiesen seien, eine solide Arbeit mit fester Bezahlung jeder anderen vorziehen würden. — Als Ueberraschung wirkte die Seststeliung Sr. Magnifizenz, daß, wie Mr Gotcheus ihm berichtet habe, damit zu rechnen sei, daß die Hochschule im Frühjahr ihr Hochschulstadion zurückerhalte.
Im Anschluß daran hielt Prof. Dr.-Ing. Lebrecht den Festvortrag über das Thema- „Gedanken über Grundlagen und Weg der deutschen Elektrizitätsversorgung“ Seinen beachtlichen Ausführungen folgte die Verpflichtung der zum Wintersemester immatrikulierten Studenten. In erster Linie erklärte Se. Magnifizenz den i ungen Studenten, komme es auf die charakterliche Formung an, denn die technische Wissenschaft unserer Zeit bürde j^em, der mit ihr vertraut sei, eine ungeheure Verantwortung auf. Er empfahl den Studenten, sich nicht zum Werkzeug der Politik machen zu lassen. Niemals dürfe die Wissenschaft der Politik hörig sein. Umgekehrt sei es wünschenswert, wenn verantwortliche Politiker gelegentlich mehr auf die Wissenschaft hören würden. Wenn sich die Studenten dies stets vor Augen führten, ihr Studium ernst nehmen, Selbstkritik üben und Freude an der verantwortungsvollen Arbeit bekunden würden, dann könne man getrost in die Zukunft sehen; dann werde auch keinem der Erfolg, den er erwarte, versagt bleiben. Die Feier schloß mit dem Andante Allegro des Concerto grosso e-moll, gespielt vom Hochschulorchester.
Kann man Atome sehen?
Am Nachmittag fand im großen Hörsaal des Zintl-Instituts eine Zusammenkunft der „Freunde der Technischen Hochschule“ statt, bei der Professor Dr. Witte über das aktuelle Thema sprach: „Kann man Atome sehen?“ Der Vorsitzende der „Vereinigung von Freunden der TH“, Dr. W. Köhler, eröffnete die Versammlung und wies darauf hin, es sei beabsichtigt, derartige Veranstaltungen zweimal jährlich durchzuführen. Die Zahl der „Freunde der TH“ sei ständig im Steigen begriffen, und es konnten erhebliche Geldmittel aufgebracht werden, die der Technischen Hochschule zur Verfügung gestellt wurden. Allein am gestrigen Tag wurden 30 000 DM von den „Freunden“ an die Hochschule weitergeleitet, und weitere 11 000 DM konnten gesammelt werden.
Se. Magnifizenz, Prof. Dr. A. Mehmel, erklärte, daß er derartige Vortragsreihen begrüße, da sie dem fachlichen Gedankenaustausch dienen und dauernde Verbindungen zwischen Hochschule und der „Altherrenschaft“ herstellen würden.
Prof. Dr. Witte ergriff sodann das Wort, um an Hand einer Reihe von Lichtbildern die Methoden zu dokumentieren, unter denen es heute möglich ist, hinter die Kulissen der Materie zu schauen. Was die Philosophen der Antike geahnt hatten, was im 19. Jahrhundert als These a priori von Wissenschaftlern aufgestellt wurde, daß der Baustoff der Materie aus winzigen Partikeln bestünde, den Atomen —, das kann heute durch Lichtbilder beweiskräftig nachgewiesen werden. Allerdings handelt es sich nicht darum, nach bewährtem Rezept einige Atome unter das Mikroskop zu legen, einen Dunkelfeldkondensator einzuschalten und dann das Bild auf die Platte zu bannen. Der Vorgang ist ungleich komplizierter, obzwar der Vortragende nur von kleinen Schwierigkeiten sprach, die es zu beheben galt. Aber in dem Bemühen, dem blutigen Laien, und nicht nur ihm, die Existenz von Atomen nachzuweisen, fand man zwei Methoden, Atome sichtbar zu machen. Erstens mit Hilfe eines Mikroskops mit zwei verschiedenen Wellenlängen, denen der Röntgenstrahlen und des Lichtes, und zweitens mit Hilfe des modernen Elektronenmikroskops. In ihm gelingt es allerdings nicht vollkommen, aber es besteht die Hoffnung, daß in absehbarer Zeit die Physik Mittel und Wege gefunden hat, das Problem der Sichtbarmachung der kleinsten Bausteine des Alls unter Mithilfe der Elektronenstrahlen zu lösen.
Die Berechnungen, die Prof. Witte an der Wandtafel entwarf, die Zeichnungen und Erklärungen entstammen der Geheimsprache exakter Wissenschaft, sie sind kinderleicht für den, der diese Sprache beherrscht. Der Laie hingegen freut sich an den Lichtbildern, die nach Röntgenphotos aufgenommen wurden, und bewundert den menschlichen Geist, der den Aufbau der Atome in Formeln und Zeichnungen manifestiert, ehe er noch das wirkliche Bild zu Gesicht bekommen hat —, und das Bild stimmt, wie man an Hand der Dias sehen konnte.
Hier ist das Grenzgebiet des Daseins, hier schlummern ungeahnte Kräfte der Vernichtung und des Wohlstandes, hier ist ein Tätigkeitsgebiet für die Forschung, wie es größer und geheimnisvoller kaum zu denken ist. Atome werden sichtbar gemacht, man photographiert sie wie Verwandte und Reiseerinnerungen, und dennoch läßt einen ein Blick in diese unbekannte Welt erschauern. Die Photos wirken wie eine Mahnung an den Menschen, in dessen Hand es liegt, Vernichtung oder Kräfte des Aufbaues zu entfesseln.
Professor Pabst erläuterte den Plan für den Wiederaufbau der Darmstädter Technischen Hochschule, der zentralisiert durchgeführt werden soll (siehe oben). Eine rege Aussprache über das zukünftige Werden der TH schloß sich der nachmittägigen Zusammenkunft der Freunde der Darmstädter Technischen Hochschule an. HFL.
Verfassungsfeier in der Orangerie
Aus dem Anlaß der Verfassungsgebung am 1. Dezember 1946 fand gestern vormittag in einer einfachen und würdigen Form eine Feder statt. Das Orangeriehaus konnte den Andrang der Teilnehmer nicht bewältigen. Regierungs- und Schulrat Plewe hielt die Festansprache, die sich insbesondere mit dem modernen und freiheitlichen Geist in der Hessischen Verfassung beschäftigte und einzelne Bestimmungen von allgemein wichtiger Art hervorhab. Der Redner verschwieg nicht, daß leider unter der heutigen Jugend die Kenntnisse von der Hessischen Verfassung noch sehr dürftig seien und forderte, daß vornehmlich an den pädagogischen Akademien nicht nur auf die pädagogische, psychologische und fachwissenschaftliche Ausbildung der jungen Lehrer Wert gelegt werde, sondern auch, mehr als bisher, auf die staatsbürgerliche Unterstützung. Der Redner stellte schließlich die Forderung, die Verfassung mit lebendigem Geist zu erfüllen.
Unter der Leitung von Kapellmeister Mirkorcy trug das Landestheater- Orchester mit Werken von Weber (Oberonouvertüre) und Dvorak (1. Satz aus der Symphonie „Neue Welt“) zur Ausgestaltung der Feierstunde bei. H. W. W.
Karpfen im Gasherd
In den Räumen der Südhessischen Gas- und Wasser-AG., Luisenplatz 4. sprach Frau Koenig über die Zubereitung des Weihnachts- und Silvesterkarpfens und über allerlei Weihnachtsgebäck, Karpfen blau, Karpfen auf polnische Art, Karpfen in Majonnaise, Meerrettichtunke und Kartoffeln, Weingebäck, Marmorplätzchen und Lebkuchen — alles kochte, grillte, buk, während Frau Koenig sachkundig und mit manchem Scherze „würzend“ die Hausfrauen und Hausherren über die Rezepte und die moderne Gasküche unterrichtete. Die Kostproben mundeten allen vorzüglich.
Fischereidezernent Dr. Gemmerich wies eingangs darauf hin, daß etwa 500 Zentner Süßwasserfische für den Reg.-Bez. Darmstadt zur Verfügung stünden, so daß jede Nachfrage befriedigt werden könnte. Besonders der Karpfen, der 9 Prozent Fett und 17 Prozent Stickstoff enthält, ist nahrhafte. bekömmliche und festliche Speise. di
Der Geistberg, den unsere heutige Reproduktion einer Postkarte aus der Jahrhundertwende zeigt, ist als „Der heilige Geistberg“ schon hundert Jahre früher auf dem Stadtplan verzeichnet. Neun Häuser gehörten bis zur Zerstörung der Stadt zu der Straße: das des Kaufmanns Roos, der Bürstenmachers-Witwe Pulz, ein kleines im städtischen Besitz, das des Schokoladengroßhändlers Diehl, des Ober-Inspektors Grosse, des Spenglermeisters Wasser und des Lokomotivführers Koekler. Das Haus Nr. 8 aber besaß Brauereibesitzer Valentin Wagner. Zum Teil hatten die Anwesen auf der anderen Seite, nämlich an der großen Ochsengasse, ihr Gegengebäude. Eine dieser beiden Straßen aber mußte hinauf, wer in den „Anker“ wollte. Darmstadts alte Brauerei, die auf eine über 300 jährige Vergangenheit zurückblicken kann, baute auf den alten Kellergewölben im ersten Abschnitt wieder auf und der „Anker“ hat wieder seine Gasse. Paul Heß hatte ihn 1756 erworben, doch bereits im vorigen Jahrhundert schon gehörte er den Wagners. Valentin Wagner, der Großvater und Amerikasegler, hatte ihn bereits 1856 von seinem Vater Heinrich übernommen. Von 1890—1916 besaß ihn Christian Wagner, dann dessen Bruder Valentin, der 1929 starb. Seit jenem Jahr ist der dritte Valentin, der Enkel des ersten, Ankerwirt. Bis zur Zerstörung des Hauses arbeitete Herr Haas — des zweiten Valentin Schwager — mit seiner Frau im Betrieb. Gesundheitsgründe nötigten ihn, die Geschäftsführung niederzulegen, die nun Küchenchef Baumann hat.
Driunerum un drumerum
Mir sin jo in de letzte Zeit an allerhand. Iwwerraschunge gewehnt worn, so daß aam eichentlich garnix mehr iwwerrasche kann. Awwer wann mer emol ausnahmsweiß was Agenehmes uffgedischt krickt, do is deß doch widder e Iwwerraschung. Un wanns aach noch e par Sache uff aamol sin, do is deß schun als e Wunner zu bedrachde.
Hette sie geglaabt, daß es doch noch emol zu eme Heinerfest kumme dhet, nachdems letzt Johr so dußmaache ins Wasser gefalle is? Diesmol scheint der Ausschuß, der wo die Arweit uff em Hals hengge hot, bei Zeit un >glei ganz geherig dewedder zu geh. Wanns aach kaan Festzuch gäwwe dhut, bin ich doch baff, was do alles gebodde wern soll. Un mitte in de Stadt. Do muß aam jo seu Heinerherz vor Fraad hibbe, wie de Deckel uff em Subbegrobbe. Es werd jo, wie bei alle Sache, aach dodebei e par Schnuddeler gäwwe, awwer die kenne net vun Damstadt seu. dann die echte Heiner sin schun lang gespannt druff, daß endlich emol widder de Nome vun de Stadt Damstadt mit was Besunnerem in de Zeidung steht. Un weil jo, wie mer sekt, alle große Ereignisse ihren Schadde vorauswerfe, sieht mer, daß dorch deß Heinerfest mer aach heheren Orts uff den Gedangge kimmt, daß Damstadt doch Damstadt bleiwe mißt. Wenigstens blaggeweis.
Dodezu geheert zunechst emol de Maktbrunne. Ich hett mich net gewunnert un bloß geärjert, wann mem hett verschwinne lo«se, weil mer do vielleicht zwaa Keesstendcher mehr hett hiestelle kenne. Awwer ich hab emol dorch die Ritz vun de Bordwand gespiggeld un ich kann ihne versichern, er is noch do un werd widder.
Wann beim Heinerfest de Datterich im Schloß zu Wort kumme soll, do muß aach de Schloßhof ohne Läwensgefahr betrete wern kenne. Un gugge se, de Glocketorm werd widder uffgebaut. Deß wer die Iwwerraschung Nummer zwaa.
Un »als dritt soll unser Glockespiel Widder wie frieher die VZeiwer uff em Makt alle halb Stund mit eine Liedche druff uffmerksam mache, daß se ihr Schwätzje abbreche misse, warms Mittagesse noch fertig wern soll, befor de Vadder haamkimmt. Wann ich saach, ich bin ganz schläächt vor Fraad, do is deß kaa Bohn iwwerdriwwe. Wann ich die Aage zumach, do seh ich noch ganz genaa, wies emol ausgesehe hot un wie die aanzelne Hemmerchen als uff die Glocke gedubbt hawwe un wa..n meu Lißbedd net dezwische redd, do heer ichs noch ganz genaa. Horscht! Ewe glimberts grad: Der Mai is gekommen. Ach, wie scheel
Was weern mir Heiner so froh, wann deß alles beim Heinerfest beisamme weer, deß wer doch Widder e Stickelsche vun unserm liewe aide Damstadt. Aa Glick is wenigstens, daß deß Schloß noch em Staat geheert, do muß deß städtische Bauamt die Pode devo losse un meu Traumbild kann mer net verdorwe wern.
Ich hab mer saache losse, de weer alles kaa Broblem, wann die Glocke net so deier weern. Die kann jo de Staat net bezahle un deß wer aach Sach vun de Damstädter. Ich maa, dodro derfts net Scheidern. Wann ich Geld hett, wie ich kaans hab, do weer aa Glock sicher, die mißt Lißbedd haaße. Uff die Ard dhet ich meu best Stick verewige un uff de Dafei am Torrn dhet dann steh: Die Lißbedd wurde geliwwert vun Anton Berzel.
Deß weer so e Aufgab for de Verkehrsun Verschenerungsverein. Der mißt sich schleunichst verschiedene Geläjenheite ausdenke, damit daß jeder aanzelne die Meechlichkeit hett, ebbes beizusteiern un wanns noch so wenig weer. Ich kann mer net dengge, daß sich aaner ausschließt. Ich glaab, die wenigste Leit wisse, was der Verein all for Uffgawe hot. Glaawe se mer, wann er die all erfille soll, do muß er aach deß nedige Pingepinge hawwe. Wann se aamol aan vun dene Vertreter hawwe greine heern, do scheine se sich, daß se net schun lengst Mitglied sin.
Un jetzt iwwerleggt eich deß emol alles un wann der dann nooch eme schene Sunndaach eich am Owend mit dem feste Vorsatz in die Brust werfe dhut. daß ihr aach ebbes dezu gäwwe wollt, dann fraat sich wie en Schneekenig Eier Anton Berzel.
Bereitschaftsdienst am Sonntag
Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst
(vom 2. 12., 13.00 Uhr, bis 9. 12., 8 Uhr): Darmstadt: Frankenstein - Apotheke, Heidelberger Straße 85, Tel. 925; Löwen-Apotheke, Magdalenenstraße 23, Tel 814; Johannes-Apotheke, Landwehrstraße IV2, Tel. 3338. Da.-Eberstadt: Schwanen - Apotheke, Darmstädter Straße 26, Tel. 221. Da.-Arheilgen: Arheilger - Apotheke, Dieburger Straße 20, Tel. 604. Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (von 10 bis 12 Uhr) Zahnarzt Dr. Plehn, Darmstadt, Elisabethenstraße 52. Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10 bis 12? Uhr) Dentist Georg Göbel, Darmstadt, Rhönring 43.
Wohin gehen wir heǔte ?
Landestheater, Orangerie: 20.00 Uhr „Der Troubadour“ Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil Amerikahaus: 15—18 Uhr Musikprogramm „Sie wünschen, wir spielen“; 14.30 Filmprogramm „Kinderfilm“ Stadthalle: 20 Uhr „Bremer Stadtmusikanten“ der Eleonorenschule Darmstadt Stadtjugendausschuß: 19.30 im Amerikahaus „Nerother auf großer Fahrt“. Karl Oelbermann spricht über seine Fahrt von Johannesburg nach Deutschland
...ǔnd morgen?
Landestheater, Orangerie: 19.30 „Romu¬ lus der Große“
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil Stadtkirche: 9.30 Uhr Bachkantate Nachbarschaftsheim: 17.00 Weihnachtl. Lieder- und Musizierstunde des Instrumentalkreises der ev. Jugendgem. Darmstadt Treuhänderschaft der Heimkehrer: 10.00 Ausschank Fay, Alexanderstraße 23, „Oeffentl. Aussprache“ „Sängerlust“ Arheilgen: Konzert im Schwanensaal Landesmuseum: 10—13 und 14—17 Uhr Künstler-Weihnachtsmesse Bessunger Kirche: 17 Uhr Vorweihnachtliche Barockmusik, Erica Schneider mit ihren Schülern Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3a: 10—18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“ Gesangverein „Liedertafel“ Griesheim: 16 Uhr Chorkonzert im „Grünen Laub“
Wir gratǔlieren
80. Geburtstag: Herr Wilhelm Deuseinger, Darmstadt, Frankfurter Straße 37 (4. Dezember).
Wie wird das Wetter?
Stürmisch...
Vorhersage: Am Wochen¬ ende zunehmende Schauertätigkeit, im Gebirge später als Schnee, Temperatur-Rückgang. Höchstwerte 4—6 Grad, südwestliche, zum Teil böige Winde mit Drehung von Süds west auf Nordwest.
Weitere Aussichten: Wetter¬ beruhigung, Nachtfrost.
Kurze Meldungen aus der Stadt
Eine weihnachtliche Lieder- und Mu¬ sizierstunde veranstaltet der Instrumentalkreis der evangelischen Jugendgemeinde Darmstadt im Nachbarschaftsheim Sonntag, 3. Dezember, 17.00 Uhr.
Die Bachkantate zum 1. Advent wird in der Stadtkirche vom Stadtkirchenchor am morgigen Sonntag im Gottesdienst gesungen. Der Gottesdienst beginnt deshalb ausnahmsweise um 9.30 Uhr.
Einen „Weihnachtsbasar" veranstaltet die Arheilger Frauenhilfe im Gemeindehaus. Der Verkauf beginnt am 2. Advent um 14 Uhr. O
Eine „Große Weihnachtslotterie“ ver¬ anstaltet der Gewerbeverein Arheilgen in der Zeit vom 25. November bis 17. Dezember. Als Hauptpreis kommt ein Motorrad zur Verlosung. Die öffentliche Ziehung findet am 22. Dezember statt. O
Der Deutsche Alpenverein, Zweig Darmstadt, veranstaltet einen Farb .lichtbildervortrag, bei dem Dr. Harald Uhlig aus Heidelberg den Vortrag „Zwischen Zugspitze und den Lechtaler Alpen“ halten wird. Die Veranstaltung findet am Freitag, dem 8. Dezember, 19.30 Uhr, in der Aula der Technischen Hochschule statt.
Eine öffentliche Aussprache der Vermißten-, Kriegsgefangenenangehörigen und Heimkehrer findet Sonntag, den 3. Dezember im Ausschank Fey, Darmstadt, Alexanderstraße 23, um 10 Uhr, statt.
Die Gründung einer Erziehungs- und Beratungsstelle plant die Volksschule von Eberstadt für das nächste Jahr. In einer Versammlung, die im Januar einberufen wird, sollen noch Einzelheiten fieser neuen Einrichtung, in der jede besorgte Mutter ihre Nöte vortragen kann, besprochen werden.
Der Stenografenverein von 1898 veranstaltet für seine Mitglieder und Gäste am Samstag, dem 2. Dezember, 19.00 Uhr, auf dem „Heilig-Kreuz“ ein Fest aus Anlaß der Siegerehrung einiger Mitglieder für ein kürzlich veranstaltes Leistungswettschreiben.
Eine Sammlung für das Darmstädter Glockenspiel ist vom Regierungspräsidenten für die Zeit nach dem 11. Dezember genehmigt worden.
lieber seine Fahrt durch Afrika wird der Mitbegründer des „Nerother Bundes“, Karl Oelbermann, im Amerikahaus am Sonntag, dem 2. Dezember, um 19.30 Uhr sprechen.
Der Neue Hessische Kunstverein ver¬ anstaltet vom 3. bis 23. Dezember im Landesmuseum, täglich von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr eine Künstler-Weihnachtsmesse. Eine günstige Gelegenheit zur Erwerbung guter und preiswerter Oelgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Plastik und Kunstgewerbe ist damit gegeben.
Die Vorführung des Berg-Frei-Films der Schweizer Naturfreunde, die am 8. Dezember,. 20 Uhr, im Rathaussaal Eberstadt stattfinden sollte, wurde auf den 15. Dezember um dieselbe Zeit verlegt. Die Arbeiterwohlfahrt Darmstadt ver¬ anstaltet am 19„ Dezember, 19 Uhr, im Concordia-Saal, Saalbaustr., ihre Weihnachtsfeier. Etwa 400 Personen werden mit Gutscheinen beschenkt.
Zu einem Zusammenstoß zwischen zwei Lastkraftwagen kam es gestern mittag an der Straßenkreuzung Morneweg — Feldbergstraße. Es entstand lediglich Sachschaden. x
Die ersten Häuser der Arheilger Sied¬ lungsgenossenschaft an der Woogstraße wurden bezogen. Die restlichen Gebäude werden noch vor Kälteeinbruch unter Dach gebracht werden. O
Die Spechstunden der Arheilger "Für¬ sorgerin finden nur mittwochs von 9 bis 11 Uhr im Zimmer 12 der Ortsverwaltung statt. O
Für die Nähstube der Arheilger Ar¬ beiterwohlfahrt können sich noch interessierte Frauen und Mädchen donnerstags zwischen 8 und 12 Uhr und zwischen 14 und 18 Uhr in Zimmer 9a der Ortsverwaltung melden. O
Das gute Beispiel
die beste Erziehungsmaßnahme
Die von der Arbeiterwohlfahrt Eberstadt am Donnerstag im Rathaussaal angesetzte Veranstaltung, bei der pädagogische Fragen behandelt wurden, verlief sehr anregend. Lehrer’ Kirschner legte dar. daß das Glück des Kindes in der freien Betätigung entsprechend seiner Persönlichkeit und in der Entfaltung seiner Anlagen beruhe. Störungen in der Entwicklung des Kindes seien oft auf Fehler in der Behandlung des Säuglinges zurückzuführen. Die Eltern sollten die Beantwortung von Fragen der Kinder genau nehmen, sich vor Notlügen und leeren Versprechungen hüten und unnötige Verbote vermeiden. Das Erschrecken der Kinder würde meistens zum Lügen führen. Auch in der Aussprache und im Wortgebrauch sollten die Eltern den Kindern Vorbild sein, da sich übernommene Fehler nur schwer wieder ausmerzen ließen. In erster Linie käme es auf das gute Beispiel an, durch das sich die Eltern das Vertrauen und die Achtung ihrer Kinder erhalten sollten. Eine Besserung der sozialen Verhältnisse würde auch eine leichtere Lösung der Erziehungsfragen mit sich bringen.
In der lebhaften Diskussion wurde die Frage des Trotzalters aufgeworfen und Möglichkeiten aufgezeigt, Kindern Konfliktsituationen zu ersparen. Dr. D a 1 i c h o erklärte, daß Lehrer Kirschner, aus seinen Erfahrungen heraus, das entwickelt habe, was in der modernsten Pädagogik festgelegt sei.
Kirchliche Fragen
vor katholischen Kaufleuten
Anläßlich der Zusammenkunft des Vereins für katholische Kaufleute und Beamte im Hotel Knauf, nahm Pater Ansgar, St. Ludwig, zu einigen kirchlichen Fragen Stellung. ' Die Kirche sei Künderin und Hüterin der Wahrheit, sagte Pater Ansgar. Der Inhalt der Bibel sei Gottes eigenes Wort. Als Hüterin wache die Kirche darüber, daß die göttliche Wahrheit nicht verloren gehe oder entstellt werde. Daß man die Bibel im Mittelalter an Ketten gelegt habe, wurde nicht getan, um sie den Menschen vorzuenthalten, sondern weil die Uebersetzungen zur damaligen Zeit sehr wertvoll gewesen seien.
Der erste Vorsitzende des Vereins, Herr Baumann, dankte Pater Ansgar für seine aufgeschlossenen und in verständlicher Form gebrachten Worte und bat die Anwesenden zu einem weiteren gemütlichen Beisammensein. Scg.
Rudolf-Koch-Preis
fiel nach Darmstadt
Am 27. November wurde in Hamburg, anläßlich des Geburtstages des Offenbacher Schriftkünstlers Rudolf Koch, der diesjährige Preis für die beste schriftgestalterische Arbeit vergeben. Der 1. Preis fiel an einen Darmstädter Kunstschüler, den Aschaffenburger Ernst Vollmer, der noch Angehöriger der Werkkunstschule Darmstadt ist und von dem Leiter der Schriftklasse, Ludwig Becker, ausgebildet wurde. Schon* während des Studiums zeigte Ernst Vollmer ausgeprägtesten Formsinn und war bereits nach wenigen Semestern in der Lage, den außerordentlich hohen Ansprüchen dieses Wettbewerbes zu genügen.
Das junge Darmstädter Institut konnte schon in den wenigen Jahren seines Bestehens mit beachtlichen Erfolgen in den verschiedensten Fachgebieten aufwarten. Sg.
Erbacher SBraustůbl
wieder am alten Platz
Nach schwerer Arbeit und vielen Mühen ist es Herrn Herrmann gelungen, sein 1919 am Hauptbahnhof gegründetes „Erbacher Braiustübl“ an der Ecke Feldiberg¬ —Mornewegstraße wieder aufzubauen. Von 1937 bis zur Ausbombung war das Lokal am selben Platz. s
Große, helle und gemütlich eingerichtete Räume geben die Gewähr für einen angenehmen Aufenthalt. Herr Herrmann beabsichtigt dem Restaurant weiterhin Fremdenzimmer anzuschließen, die auch den weniger Bemittelten eine Uebernachtung ermöglichen. Scg.
Morca in tranlichen Nischen
Café Bormuth am Marktplatz eröffnet zweiten Raum
Die Konditorei Bormuth kann heute, Samstag, einen weiteren, sehr individuell eingerichteten Caferaum eröffnen. Eine indirekte D eckenbeleuchtung un d die aparte Tapete mit dem Rosenkavalier-Muster werden dem Raum einen sehr intimen Charakter verleihen. Das große erleuchtete Aquarium unter den Fenstern wird besondere Liebhaber anziehen. Dieser zweite Raum, nach den Entwürfen des Architekten, Baurat Bester ausgestaltet, wird nicht nur den Durchgangspuiblikuim eine angenehme Atempause ermöglichen, sondern auch den Gästen, die längere Zeit dort sitzen wollen, einen gemütlichen Aufenthalt bieten. Scg.
Chorkonzert in Arheilgen
Ein Chorkonzert veranstaltet amSonntag, dem 3. Dezember, um 20 Uhr, im Gasthaus „Zum weißen Schwanen" der Arheilger Gesangverein „Sängerlust“ unter Leitung von Wilhelm Poth. Der Abend steht unter dem Motto: „Im Walde“ und „Verliebtes Ständchen“. Als Solisten wirken mit: Elsbeth Stumpf — Sopran, Maria Lutz — Klavier, Hans Theo Wömle — Flöte, Renate Maguerre — Geige und Walter Seifert — Bratsche. Eintrittspreis 1,— DM. —st
Amtliche Grnteberichterstatter
hielten eine Arbeitstagung ab
Für die amtlichen Saatenstands- und Ernteberichterstatter aus der näheren und weiteren Umgebung fand eine Arbeitstagung statt, auf der ein Vertreter des Hessischen Statistischen Landesamtes die aktuellen Fragen der Landwirtschaftsstatistik behandelte. Im Mittelpunkt der Aussprache stand die Frage, wie die schwierigen.Probleme gemeistert werden können, die bei der Schätzung der Flächenerträge der Feldfrüchte immer wieder auftreten.
Hinführung zu Nilke
Am Dienstag, den 5., Dezember, findet um 19.30 Uhr im Raum 167 der Technischen Hochschule eine Rilke-Gedenkstunde statt. Frau Dr. Margarethe Dierks gibt eine „Hinführung zu Rainer Maria Rilke“ und liest aus seinen Werken.
„Deutsches Land im Osten“
In der Zeit vom. 8. bis einschl. 16. Dezember 1950 wird in Darmstadt in den Ausstellungshallen auf der Mathildenhölhe die Ausstellung „Deutsches Land im Osten“ gezeigt. Diese Ausstellung ist vom Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Marburg mit Unterstützung des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen und des Göttinger Arbeitskreises zusammengestellt worden. Diese Schau bietet einen interessanten Einblick in die ungeheuren Werte unseres deutschen Vaterlandes. Ergänzt wird sie durch Statistiken und Kartenmaterial, die in eindeutiger Form auf die Schwere des Verlustes der Gebiete ostwärts der Oder-Neiße-Linie Hinweisen. Durch eine sachkundige Führung wird der deutsche Osten, insbesondere die landschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Struktur Ost- und Westpreußens, Danzigs. Ostbrandenburgs, der Grenzmark, Nieder- und Oberschlesiens und des Sudetenlandes vor Augen geführt.
Die Ausstellung, die in sämtlichen großen Städten Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens gezeigt wurde, ist in Darmstadt werktags in der Zeit von 8 bisl 17 Uhr und sonntags in der Zeit von 9 bis 20 Uhr geöffnet.
Tierleben unter der Lupe
Über das Thema „Ameisen, Termiten und Menschen“ sprach ein Schüler Haekkels, der Herausgeber der Zeitschrift „Urania“, Ernst Mühlbach, aus Hamburg, im Rathaussaal in Eberstadt. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden der Ortsgruppe der Naturfreunde, Wilhelm, schilderte der Redner das eigenartige, wohlgeordnete Gemeinschaftsleben von verschiedenen-Tieren. In Lichtbildern zeigte er u. a.: Kiefernspinner, Ameisenhaufen bis zu 2 Vs Meter Höhe, den Lebensbereich von etwa 120 000 Ameisen, und erstaunliche zementharte Termitenbauten.
Der Redner erzählte von seinen eigenen Versuchen mit Ameisen, die die Angehörigen ihres eigenen Volkes am Geruch erkennen, Fremde aber töten und auffressen. Die geflügelten Ameisen würden zu ihren Hochzeitsflügen meistens in Schwärmen um Kirchtürme kreisen. Auch von den Wanderameisen in Brasilien, die dort als Staatsfeind Nr. 1 bekannt seien und ganze Gegenden in Gefahr brächten, berichtete der Forscher. Anschließend gab er dann noch eine Schilderung Albert Schweitzers wieder, der in Westafrika einen sechsstündigen Überfall einer endlosen .Kolonne von Wanderameisen auf seine Hühnerfarm miterlebt hatte, bei dem er und seine Frau die Tiere schließlich mitLysolwasser zum Rückzug zwingen konnten. -tz
Neue Filme in Darmstadt
Hansa - „Der Untergang Pompejis.“ Die Katastrophe dauert 4—7 Minuten, der Film gleichen Titels aber einundeinehalbe Stunde. Er walzt das Schicksal des armen Schmiedes Marcus weidlich aus — eines Mannes, dessen unersättliche Gier nach Reichtum ihn zum Gladiatoren, Sklaverifänger, Roßhändler werden läßt, seinen angenommenen Sohn Flavius zwischen dem 6. und 21. Lebensjahr zu einem von blinder väterlicher Liebe mit Gold überschütteten jungen Mann, den auf einer Räuberreise seines Vaters durch Judäa der Heiland heilt. Er wird zum Jünger Christi, Freund der Sklaven, die Marcus in der Arena haufenweise morden läßt. Mit ihnen zusammen kämpft er bei den großen Spielen, indes den alten Marcus die helle Verzweiflung packt. Sein Leben rein um des Mammons willen — Symbol zugleich für die Pompejaner alle — endet unter der zermalmenden Wucht der kochenden Lava des Vesuv nach einem abschließenden Salto mortale ins vergebende Reich der Reue. Man hat um diesen Streifen eine Reihe amerikanischer Filmleute und deutscher Sprecher bemüht. Der Dialog ist hundertprozentig sachlich, die Absicht der Darsteller bestimmt bestens, aber — so wird der Untergang Pompejis wohl kaum gewesen sein; er müßte und würde uns — gut rekonstruiert und wiedergegeben — auch heute noch erschüttern. In diesem Streifen sind leider nur die Aufbauten in den Ateliers erschüttert.
BELIDA. - „Carlifornia.“ Zwar wird auch diesmal wieder geschossen und toll geritten und heftig geliebt. Zwar sind auch diesmal wieder die Guten und die Bösen hübsch gemischt, auf daß es ein Wild-Wester werde. Aber diesmal wird gelitten, geschossen und geliebt mit hochpolitischen Gründen. Jawohl, geht es doch letzten Endes darum, Californien als neues Land für die Vereinigten Staaten zu gewinnen, was so ein böser Mann wie dieser ehemalige Sklavenhändler, und Leuteschinder hintertreiben möchte. Natürlich geht nach mancherlei Gefahren alles gut aus und die Geschichte endet in einem langen Kuß.
Ein Farbfilm der Paramount mit prächtigen La ndschaftsa'U’f nahmen, mit viel Wild-West, mit für solche Filme traditionell gewordener Regie und Kamera. Ein Jux für die Jugend, die auf ihren Stühlen mit dem Helden kämpft und sich mit ihm freut, daß er nach so viel Strapazen, Kinnhaken und Gefahren doch noch seine Geliebte in die Arme schließen kann. -n
STARKENBURG
Verfassungsfeiern in allen Landkreisen
DT Zum Jahrestag des Inkrafttretens der hessischen Verfassung fanden in allen Landkreisen Feierstunden statt.
In Dieburg waren im Saalbau „Ludwigshalle“ Beamte und Angestellte aller Behörden und Dienststellen erschienen. Zu Beginn der dortigen Feier sprach Landrat Ritzert über die Bedeutung der hessischen Verfassung. Die Feierrede hielt Lehrer Proksch, Klein-Zimmern. — Die Kreisverwaltung Erbach hatte am frühen Vormittag alle Behörden, Schulen und die Einwohnerschaft der Kreisstadt in die Erbacher Festhalle eingeladen. Nach einleitenden Worten von Landrat Neff sprach der Landratsabgeordnete des Landkreises Erbach, Georg Ackermann, Beerfelden, über den Sinn der Verfassung. — Angestellte und Beamte der Bensheimer Behörden und öffentlichen Ämter versammelten sich in der Turnhalle zu Bensheim, wo Dr. Stumm die Festrede hielt. — Im vollbesetzten Saal des Hotels „Adler“ fanden sich in Groß-Gerau die Behördenbediensteten der Kreisstadt zusammen. Nach den Eröffnungsworten von Landrat Harth sprach Kreisdeputierter Bürgermeister Graf, Bischofsheim. In einem Schlußwort wies Landrat Hardt auf die drohenden Gewitterwolken am politischen Horizont und die Folgen eines etwaigen Krieges hin. Er forderte eine konsequente Ächtung des Krieges in seiner Gesamtheit
und die Sauna dampfte
Groß-Gerau (Kr) — In Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Lüdecke, Kreisamtmann Heinemann, Flüchtlingssachbearbeiter Rei tzn er sowie von Kreisresident-Officer Mr. Mulv eh i 11, wurde am Donnerstagabend in einer schlichten Feier die von Ing. Osterb er g und dessen Frau erbaute Sauna-Badeanlage ihrer Bestimmung übergeben.
Dr. Lüdecke wünschte dieser Einrichtung, die von hohem gesundheitlichem Wert sei, einen guten Start und regen Besuch. In gleicher Weise sprach sich Kreisamtmann Heinemann aus, der die Grüße der Kreisverwaltung überbrachte, die die Entwicklung dieser Anlage mit besonderem Interesse verfolgt habe.
Dr. Hölzer sprach als Arzt über die medizinische Bedeutung der Badeanstalt und versprach, auch bei der Aerzteschaft des Kreises sich für die Sauna einzusetzen.
DT-Reporter schrieben und bebilderten die „Wochenend-Reportage“
Zwanzig Jungen nnd Mädchen nnter einem Dach
Ein Besuch im Alumnat der Martin-Luther-Schule in Rimbach
Wer mit offenen Augen durch den Odenwald reist, begegnet allerorts Einrichtungen, die ihm beweisen, daß dieses Stückchen Heimaterde keinesfalls ein wirtschaftlich und kulturell totes Gebiet ist. Fährt man z. B. nach Rimba c h, so fällt einem neben der Kirche ein mehrstöckiges hohes Gebäude auf, des sen rohe Backsteine besagen, daß es erst vor kurzem fertiggestellt worden ist: Die Martin-Luther-Schule. Etwas im Hintergrund, in unmittelbarer Nähe dieser Schule erhebt sich am Rande eines sanften Abhanges ein modernes Holzhaus auf einem stabilen Steinsockel, mit breiter Veranda und sauberem Anstrich, das Alumnat der Martin-Luther-Schule.
Schon lange gibt es konfessionelle Schulen, aber erst nach dem Kriege hat auch die evangelische Kirche ihre Aufgabe an der Erziehung der Jugend erkannt und in großzügiger Weise die Martin-Luther-Schule errichtet. Da aber ein großer Teil der Schüler aus den verschiedensten Gegenden der näheren und weiteren Umgebung zum Schulbesuch nach Rimbach müssen, hat sich gezeigt, daß die Errichtung eines Alumnats notwendig wurde. In ihm werden die Schüler aus allen Gegenden Deutschlands, die die Martin-Luther-Schule absolvieren wollen, in einem wohleingerichteten Internat untergebracht. Dank der verständnisvollen Unterstützung des Lutherischen Weltbundes konnte dieses reizende Heim erbaut werden, und heute verbringen dort zwanzig Schüler ihre sorglosen Schuljahre. !
Aus allen Schichten der Bevölkerung setzt sich die Schülerzahl zusammen, und meist sind es Kinder aus Familien, deren Väter nicht mehr am Leben sind, oder die immer noch als Kriegsgefangene unter die Vermißten gerechnet werden müssen. Die monatlichen Aufwendungen betragen für jeden Schüler ganze hundert Mark, was in Anbetracht der guten Unterbringung und der ausgezeichneten Verpflegung wie der Beaufsichtigung durch das Ehepaar Reh, als nicht zu hoch erscheint. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß es in den meisten Fällen den Müttern, deren Männer gefallen oder verschollen sind, schwer fällt, von ihrem geringen Einkommen das Internatsgeld aufzubringen. In besonders gelagerten Notfällen, bei denen die Leistungen des Schülers eine Förderung verdienen, stehen dann selbst-
verständlich in sehr beschränktem Umfange Stipendien zur Verfügung. Heute ist das Bedürfnis nach Internaten größer denn je, da es eine Erscheinung jeden Krieges ist, daß Fami¬ -1 en den Zeitverhältnissen entsprechend auseinandergerissen werden. Die Errichtung eines zweiten Internates ist geplant, und schon heute liegen über fünfzig Neuanmeldungen vor, die teilweise aus der Ostzone stammen. In dem Gedanken, den Schüler nicht nur unterrichtlich erziehen zu wollen, sondern ihn darüber hinaus als Menschen zu formen, ist die Aufstellung eines festen Schülerstammes erforderlich, der den übrigen Schülern der Martin-Luther-Schule Ansporn und Wegweiser sein soll. Aber nicht nur evangelische Kinder werden aufgenommen, sondern in gleichem Verhältnis katholische Schüler, die wöchentlich gemeinsame’ Andachten haben, die von den Schülern durchgeführt werden, und nur die Wochenschluß-Andachten am Samstag werden getrennt gehalten.
Die Schülermitverwaltung ist stark ausgeprägt, und wenn man diese Schüler der verschiedensten Altersklassen von der Sexta bis zur Oberprima gemeinsam am Mittagstisch sitzen sieht, sollte man annehmen, daß es keinerlei erzieherische Probleme gibt. Jungen und Mädchen leben gemeinsam unter einem Dach, und der verständnisvollen Anleitung der Heimleiterin und des Heimleiters ist es zu danken, daß das „Erziehungsexperiment“ des Zusammenlebens von Jungen und Mädchen auf engem Raum geglückt ist. 13 Jungen und 7 Schülerinnen fügen sich gut und willig in die Heimordnung ein und das kameradschaftliche Verhältnis, das sie zu ihrem Lehrer und Erzieher haben, hilft mit dazu bei, ihren Aufenthalt im Rimbacher Alumnat der - Luther-Schule zu einer bleibenden Erinnerung ihres Lebens zu machen. HFL
Schon das schmucke Haus des Alumnats der Martin-Luther-Schule in Rimbach ist äußeres Zeichen der Geborgenheit, die hier die Kinder, oft ohne Etiernhaus, unter der liebevollen Leitung der Heimeltern finden. DT-Foto: Schröder
Dieburg erweitert Grundbestt
Großes Aufforstungsprojekt am Ortsrand des Dieburger Waldes / Fraktionen verwerfen einstimmig die Vorschlagslisten der Schöffen und Geschworenen
KG — Unter den 14 Punkten der Tagesordnung der Donnerstagssitzung des Dieburger Gemeinderats brachte der letzte eine für die finanzielle Zukunft der Gemeinde sehr bedeutungsvolle Mitteilung des Bürgermeisters: Ein Großprojekt zur Aufforstung des Gemeindewaldes.
Schon gelegentlich der Beratung des Waldwirtschaftsplanes hatte ein Referat von Forstmeister Germann aufgezeigt, weich’ ungeheure Lücken der Raubbau der letzten zehn Jahre in den Wald und damit indirekt in das Vermögen der Gemeinde gerissen hatte- Nach seinen überschlägigen Berechnungen wären 500 000 D-Mark notwendrig, um all’ die Schäden an Baumbestand, an den Waldwegen und im Entwässeungssystem zu beheben. Begreiflicherweise ist die Gemeinde außerstande, eine solche Summe aufzubringen. Im Einvernehmen mit dem Forstamt hat Bürgermeister Steinmetz einen Weg gefunden, der, auf lange Sicht betrachtet, zu diesem Ziele führen kann.
Am Ostrand des Dieburger Waldes liegt seit- Jahren ein Gelände brach, dessen Boden sich einmal nicht voll zum Ackerbau eignet, zum andern aber das Wild auf den Aeckem untragbaren Schaden anrichtet. Diese Fläche von etwa 400 Morgen mit jungen Waldbäumen anzupflanzen, war der Ausgangspunkt von Verhandlungen mit den Forstbehörden, mit dem Ziel, durch Genehmigung eines Sonderhiebs den dazu notwendigen Betrag von rund 50 000 D-Mark flüssig zu machen. In der Sitzung konnte der Bürgermeister mitteilen, daß mit dem Einverständnis der hessischen Forstbehörden zu rechnen ist.
Nach einem in der Sitzung gefaßten Beschluß wird die Stadt Dieburg demnächst ihren Grundbesitz um 62 578 Quadratmeter erweitern. Das Gelände, das zwischen der Aschaffenburger Straße und der Umgehungsstraße liegt und Eigentum der von Fechenbachschen Gutsverwaltung ist, soll käuflich erworben werden. Die Verhandlungen mit dem Grundstückeigentümer können jetzt also zum Abschluß gebracht werden. SPD un KPD erhoben zwar Einwendungen gegen den geforderten Quadratmeterpreis, doch gab letzten Endes die Einsicht des Vorteils dieser Neuerwerbung den Ausschlag für die Zustimmung.
Der Vereinigung der Kunstfreunde „Dreieck“ werden der Festsaal des Fechenbachschen Schlosses und ein angrenzender Raum zur Abhaltung der vom 3. bis 20. Dezember dauernden Weihnachtskunstausstellung „Malerei, Graphik. Plastik und Architektur“, an der sich auch Künstler aus Mainz, Frankfurt a. Main und Aschaffenburg beteiligen, überlassen. Zur Erledigung zweier Anträge der SPD-Fraktion auf Schutzmaßnahmen gegen künftige Hochwassergefahr im Südosten der Stadt soll ein Gutachten des Wasserwirtschaftsamts Darmstadt erbeten werden.
Die dem Gemeinderat überreichte Vorschlagliste für die Wahl der Schöffen und Geschworenen wurde von keiner Partei gutgeheißen; die Fraktionen wollen vielmehr bis zur nächsten Sitzung eigene Vorschläge einreichen.
Kulturfilm-Programm
für Stadt- und Landkreis Darmstadt Montag, 4. Dezember: 20 Uhr Eberstadt, Freischar Dienstag, 5. Dezember: 20 Uhr Obe r-Ra ms t adt, GYA 20.15 Ühr Hähnlein, Volkshochschule Mittwoch, 6. Dezember: 18 Uhr Darmstadt, Schülerzeitung, Amerika-Haus 18 Uhr Gräfenhausen, Olystift 20 Uhr Ernsthofen, Eltemversammlung Donnerstag, 7. Dezember: 20 Uhr Roßdorf, Ortsjugendausschuß 20 Uhr Nieder-Modau, Filmabend 20.30 Uhr Wixhausen, Arbeiterwohlfahrt, Frauengruppe Freitag, 8. Dezember: 20 Uhr Griesheim, Heimatvertriebene
Pflege des Heimatgedankens
Groß-Bieberau. (GD) — Die Gemeindeverwaltung veranstaltet am Sonntag, dem 10. Dezember, um 20 Uhr im Gasthaus „Zum Odenwald“ einen Gemeindeabend, bei dem Oberstudienrat i. R. Dr. A. H e 1 dm a n n über seine Arbeiten am Gemeindearchiv berichten wird. Der Vortragende will die Entwicklung des Dorfes darstellen und sich besonders mit der Geschichte der Hofreiten und ihrer Besitzer befassen.
Der Vortrag soll durch Darbietungen der Kapelle des Odenwaldklubs und Gedichtvorträge von Schülern des Realgymnasiums umrahmt werden.
„Beigeordnete halte sich net in Ärbach !"
Öffentliche Gemeinderatssitzung — diesmal im Landratsamt
—ch — Die letzte öffentliche Beratung der Erbacher Gemeindevertreter mußte im Sitzungssaal des Landratsamtes stattfinden, weil der Rathaussaal zur Zeit noch mit der Kunstausstellung des „LIMES“ belegt ist. Immerhin scheute eirtte größere Anzahl Zuhörer den weiteren Weg nicht.
Die Tagesordnung war» auch recht interessant. Als erster Punkt wurde ein Gesuch des Gemeinderats Georg Volk um Entbindung von seinem Amt erörtert, der als Abgeordneter der KPD irr? Gemeinderat sitzt, im Juli dieses Jahres aber aus der Partei ausgetreten sei. Bürgermeister Volk stellte fest, daß der angeführte Grund nach der Hessischen Gemeindeordnung nicht zur Amtsentbindung ausreiche. Einstimmig beschloß deshalb der Gemeinderat, Georg Volk nicht von seinem Amt zu entbinden.
Eine Vorschlagsliste mit 31 Schöffen und Geschworenen wurde widerspruchslos angenommen. Ebenso eine Aenderung der Friedhofsordnung vom 15. 11. 1937, die sich aus dem Anbau der neuen Leichenhalle ergab.
Unter Berücksichtigung der ungünstigen Erfahrungen, die die Stadt Dieburg mit dem „Dreiecksrennen“ machen mußte, nahm der Gemeinderat Abstand von dem Ausbau der Pferderennbahn für Motorrad-Grasbahnrennen, der vom MCD im vergangenen Jahr angeregt worden war. Allein für die notwendige Erhöhung der Südkurve auf eine Länge von 200 Metern mache auf einer Bahnbreite von 12 Metern rund 800 cbm Erdaufschüttung erforderlich, was nicht weniger als 9200 DM kosten würde. Das ist der Gemeinde nicht möglich. Der Gemeinderat beschloß deshalb gegen eine Stimme, den Plan für dieses Jahr zurückzustellen.
Der für die Bürgerschaft interessanteste Punkt war die Wahl des 1. Beigeordneten. Bürgermeister Volk leitete den Wahlakt mit der Feststellung ein: „Die Beigeordnete halte sich net in Aerbach, alle Johr misse mer zwaa naie wähle!“ Drei Vorschläge waren eingegangen; von der CDU der gegenwärtige 2. Beigeordnete Adam Rodemich, von der überparteilichen Wählergemeinschaft Leo Kolm er und von der KPD Georg Volk. Die SPD hatte auf einen Vorschlag verzichtet, um der überparteilichen Wählergemeinschaft das Amt zu belassen, die auch den verstorbenen 1. Beigeordneten, Oberforstmeister Diersch, gestellt hatte. Mit 9:6 Stimmen wurde daraufhin der Fabrikant Leo Kolmer zum 1. Beigeordneten gewählt. 6 Stimmen wurden für Adam Rodemich abgegeben. Eine längere nichtöffentliche Beratung schloß sich an.
Aktuelles zwischen gesteru und heute
Großfeuer durch Kinderhand
Heubach, (hm) — Gestern mittag 12.45 Uhr brach im Anwesen des Franz Schötz ein Großbrand aus, dem eine Scheuer, Stallungen und Nebengebäude zum Opfer fielen. Die Erntevorräte, 2 Wagen, eine Mähmaschine und landwirtschaftliche Geräte, fielen den Flammen zum Opfer. Das Vieh konnte trotz der raschen Ausbreitung des Feuers noch in Sicherheit gebracht werden. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, hat der Bjährige Sohn Heinrich mit Streichhölzern gespielt und so den Brand verursacht. Der Gesamtschaden beläuft sich nach vorläufigen Schätzungen auf ca. 18 000 bis 20 000 DM.
Sühne nach 17 Jahren
Darmstadt, (wst) Wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt wurden gestern abend der 42jährige ehemalige Verlagsleiter Werner Goerendt aus Badenweiler und der 40jährige Mechaniker Karl Wolter aus Darmstadt von der Großen Strafkammer I beim Landgericht Darmstadt zu einem Jahr drei Monate bzw. neun Monaten Gefängnis verurteilt. Sie waren beide als ehemalige Angehörige des Landeskriminalpolizeiamtes an der Mißhandlungsaktion eines SS-Sonderkommandos gegen politische Gegner am 9. 9. 1933 in Reichelsheim beteiligt. In unserer Montagausgabe werden wir ausführlich auf diesen Prozeß zurückkommen.
Unter schwerem Verdacht
Darmstadt, (wst) Von der Kriminalpolizei wurde der Kraftfahrer Alois R. aus Büttelborn festgenommen und dem Amtsrichter in Groß-Gerau vorgeführt, der gegen ihn Haftbefehl erließ. Er steht unter dem dringenden Verdacht, unzüchtige Handlungen mit seinem zehnjährigen Stiefsohn und seiner dreizehnjährigen Stieftochter vorgenommen zu haben. Die beiden Kinder stammen aus der ersten Ehe der jetzigen Frau von Alois R. Der Verhaftete hat bisher energisch den ihm zur Last gelegten Tatbestand bestritten.
Schiff gerammt - ein Toter
Hirschhorn. (WL) Am Abend des vergangenen Mittwoch ereignete sich an der Schleuse Rockenau ein Schiffsunglück, dem ein junger Matrose zum Opfer fiel. Ein Motorschiff aus Bremen rammte ein entgegenkommendes Schiff. Durch den Stoß verlor der Matrose des Motorbootes den Halt, glitt aus und fiel in den Neckar.
Alle Versuche, den Ertrinkenden zu retten, blieben erfolglos. Wen die Schuld an dem Unglück trifft, werden die eingeleiteten Ermittlungen ergeben.
18 Unfälle im Kreise Erbach
Erbach, (ch) Im Monat November hatte die Gendarmerie des Kreises Erbach insgesamt 18 Verkehrsunfälle zu bearbeiten, darunter 10 ausschließlich mit Sach- und 8 mit Personen- und Sachschaden.
Der- Schulverein Langen veranstaltet am Montag um 20.30 Uhr im Saale des Gasthauses „Frankfurter Hof“ eine Gründungsfeier, zu der zahlreiche Ehrengäste geladen sind. (*)
Die Briefschule — ein Fernlehrinstitut der Gewerkschaften in Frankfurt am Main — bringt folgende Berufsfachkurse neu heraus: Maschinenbau, Elektrotechnik und Bautechnik. (*)
Die Gemeindeväter berieten
Nieder-Ramstadt. (SL.) — In der letzten Gemeinderatssitzung wurde die Vorschlagsliste der Schöffen und Geschworenen einstimmig angenommen. Anschließend beriet man über die Verbesserung der Straßenbeleuchtung, wozu ein Voranschlag der Heag vorlag. Man entschloß sich, die Arbeiten nach Einholung von Preisangeboten den ortsansässigen Handwerkern zu übertragen, womit allen Teilen am besten gedient sein wird.
Schwierigkeiten bereitete die Frage der Grenzbegradigung zwischen Nieder-Ramstadt und Traisa. Der von der Gemeinde Traisa vorgelegte Vorschlag ist für Nieder-Ramstadt nicht annehmbar, obgleich von beiden Seiten der Wunsch besteht, die Grenze zu bereinigen. So wird es wohl das beste sein, gemeinsam das Für und Wider aller Möglichkeiten sachlich zu erwägen. Der Termin für diese Besprechungen wird noch bekanntgegeben.
Für die neu zu benennenden Straßen im Ortsteil Trautheim wurden die alten Flurnamen „Am Wingertsberg“ und „Im Elfengrund“ gewählt. Des weiteren wurde den Gemeinderatsmitgliedern mitgeteilt, daß sowohl der Volkswagen als auch der neue Zuchteber inzwischen angeschafft wurden.
Arbeitstagung evangelischer Pfarrer und Lehrer
Höchst. Im Michaelsaal fand eine Arbeitstagung der evangelischen Pfarrer und Lehrer der Unterzent statt. In seinem Thema: „Die Kirchengeschichte im Religionsunterricht der Volksschule“. gab Pfarrer Schanz, Höchst, einen Ueberblick über die chronologische Entwicklung der evangelischen Kirche. Dekan Römh e 1 d , Sandbach, referierte über: „Maria oder Christus“ und nahm zum Dogma der katholischen Kirche vom 1. 11. 1950 Stellung.
Nach Bekanntgabe der von der Kir¬ chenleitung aufgestellten Geschäftsordnung der Arbeitsgemeinschaften für evangelischen Religionsunterricht fand die Wahl des Pfarrer- und Lehrervorsitzenden statt. Dekan Römheld, Sandbach, wurde zum Vertreter der Pfarrer und Lehrer Hänsler, Rai-Breitenbach, zum Vertreter der Lehrerschaft gewählt. Als Stellvertreter fungieren Pfarrer Schulz, Bad König, und Lehrer 810ß, Höchst. -hm-
zŭm Besinnliches Sonntag
Besinnliche Stunden regen dann und wann dazu an, den Zeiger der Zeit zurückzudrehen in vergangene Tage. Der Mensch entflieht damit der Schwere des Heute und blendet seine Gedanken in jene Vergangenheit ein, da er den Lebenskampf wohl schon an den sorgenvollen Reden und auf den gefurchten Zügen seiner Eltern ahnte, selbst aber noch kindlich zu glauben wagte, daß die Hände von Vater und Mutter ihn um alle Klippen führen, die sich ihm einmal in den Weg stellen würden.
Damals meinten wir im Unverstand, daß das unbeschwerte Glücklichsein unter Gleichgearteten und Gleichgesinnten niemals abreißen könne. Heute, reifer und älter geworden, müssen wir einsehen, wie sehr wir uns täuschten. Denn das Leben ist nicht nur ein Kampf um das eigene Bestehen, es ist ein ebenso grausames Spiel, von dem wir alle erfaßt werden, bis zu jenem Tage, da der Rechen des knöchernen Croupiers uns einstreicht und ein höhnisches „rien ne va plus!“ in unsere letzten Atemzüge tönt, uns hinüberträgt in eine andere Welt.
Damals, vor vielen Jahren, kannten wir in unserem kindlichen Leben ein anderes Spiel. Bunte Kartenblätter bogen sich in unseren Fäusten, gingen reihum — huschten von dir zu mir, von mir zu dir. Eines unter ihnen hatte es in sich. Das wußten wir. Und warteten atemlos, ob es auch zu uns sich verliere. „Schwarzer Peter“ schrien wir dann glücklich, wenn wir alle, außer einem unter uns, los und ledig der Bilder, die Karte des Schicksals (das wurde sie erst später in aller Tragik für uns) in der Hand des Letzten, des Uebertölpelten, des Gescheiterten sahen.
Die Jagd nach dem Dummen würden wir heute lakonisch sagen.
Aber stehen wir nicht auch heute noch in jenem Spiel? Oder glauben wir wirklich, es wäre die letzte Karte schon an uns vorübergegangen? Schiebt nicht Mensch Irgendwer hinter dem Stuhl unseres Schreibtisches, unseres Arbeitsplatzes, die schwarze Karte, sorgsam verdeckt, zwischen den schaffenden Armen hindurch? Steht nicht vor der Tür das Schicksal in Form Hunderttausender, die darauf warten, daß wir aufstehen und Weggehen? Und die dann ebenso schnell die bewußte Karte aufgedeckt auf den Tisch legen, daß wir sie, wiederkommend, in all ihrer Schwere erkennen müssen?
Damals — ja damals spielten wir mit bunten Karten, die unser ganzes Entzücken waren. Die Karten des Lebens aber haben uns später gezeigt, daß jene Buntheit nur am Anfang des großen Spiels der Kräfte steht, sie später aber abgelöst wird von den Gesichtern unserer Umwelt.
Darum bist du auch so unruhig, lieber Freund, von gestern auf heute -—*von heute auf morgen. Und der Sonntag scheint dir die rettende Klippe im Strudel der Woche, im Kampf um das bißchen Glück, auf das wir vergeblich warten.
Das Eeben ist ein endloses Spiel, das nur in unseren vier Wänden eine glückhafte Wendung erfährt, wenn es Sonntag ist. Am Montag beginnt' dann wieder das grausame Spiel, steht e r wartend vor deiner Tür, geht er neben dir her... und wartet auf dich, der „Schwarze Peter". Fred Berk
Handwerker fordern wieder großen Befähigungsnachweis
Tagung der Obermeister und Berufsberater in Groß-Gerau
vprsam»», Gruber begrüßte am Donnerstag in Groß-Gerau die zu einer erweiterten Tagung meiten Obermeister, Innungsvorstände, Berufsberater und Vorsitzenden der einzelnen Ortsgewerbevereine. Als min; wa.ren der Präsident der Handwerkskammer, Gis bert, sowie Regierungsrat Dr, Geist vom Wirtschaftsministerium erschienen.
sch^ff.^-h der die Grüß® des wirtscnaftsministenums überbrachte, hielt vor aer Versammlung einen Vortrag über seine Eindrücke in den Vereinigten Staaten, die er in einer mehrwöchigen Studienreise kennenlernte. Besonderes Interesse fanden seine Ausführungen, die sich auf die finanzielle Lage der'Arbeiterschaft bezogen. Der Referent, der Gelegenheit hatte, mit vielen Amerikanern ins Gespräch zu kommen, erklärte, ne r^an in w,eiten Kreisen die von der US-Besatzung in Deutschland eingeführte Gewerbefreiheit nicht billige und auch nicht verstehe, da man von den Leistungen deutscher Handwerksmeister überzeugt sei.
An die mit großem Interesse aufgenommenen Schilderungen schloß sich ein Referat des Präsidenten der Handwerks-Kammer Gisbert an. das sich in der Hauptsache auf die Bedeutung der neuen Handwerksordnung und die gegenwärtig bestehenden handwerklichen Organisationen bezog.
Der Präsident bezeichnete die Gewerb .efreiheit die in keiner Hinsicht auf deutsche Verhältnisse zutreffe, als einen schweren Schlag für das deutsche Volk. Es müsse alles getan werden, um dieses Gesetz wieder abzuschaffen. Vor allem sei es unbedingt erforderlich, den großen Befähigungsnachweis wieder einzuführen.
Gisbert kam dann auf den Stand der Beratungen über die neue Handwerksordnung, vor dem Bundestag zu sprechen und sagte, daß diese von den beiden Regierungsparteien, einschließlich der Opposition, gebilligt wurde. Je breiter die Basis sei, um so größer sei die Schlagkraft des neuen Gesetzes, dem sich dann auch die Besatzungsmächte nicht mehr verschließen könnten.
Nach den einzelnen Ausführungen zu dem Gesetz, die der Präsident der Versammlung mitteilte, sollen die Innungen vorerst auf freiwilliger Basis beibehalten werden; eine Zweidrittelmehrheit bei einer Abstimmung führe jedoch zu einer Pflichtinnung. Weiterhin strebe man an, die Kreishandwerkerschaften zu Körperschaften des öffentlichen Rechts zu machen. Die Lösung organisatorischer Fragen soll den Handwerkskammern, die wie früher Körperschaften des öffentlichen Rechts werden sollen, überlassen bleiben. Als Neuerung werden die Gesellen in den zukünftigen Kammern zu einem Drittel vertreten sein. Regiebetriebe wurden allgemein abgelehnt.
Schärfere Bestrafung von Schwarzarbeit. die geeignet sei. die Arbeitslosigkeit zu erhöhen, forderte Präsident Gisbert in seinen weiteren Ausführungen. Ftwas zu weit schien jedoch seine AuffaS-sung zu gehen, als er erklärte, daß in Fällen, da etwa die Bäcker glauten, die Preise für das Brot erhöhen zu müssen, das Handwerk in seiner Gesamtheit hinter diesen Forderungen stehen müsse. Vorher hatte sich der Präsident über die Bäckerinnungen., die sich entschieden gegen das neue Gesetz gewandt hatten, beklagte, und bedauerte diese Unstimmigkeit innerhalb der Handwerkerschaft.
Ueber die Lage des Berufsnachwuchses und die Arbeit der Berufsvermittlung sprach anschließend Herr Blechern als Vertreter des Arbeitsamtes und führte aus. daß er die Hoffnung habe, Angebot und Nachfrage auf dem Gebiete des handwerklichen Nachwuchses ausgleichen zu können. 380 von insgesamt 820 beim Arbeitsamt Groß-Gerau gemeldeten Berufssuchenden hätten sich entschlossen, einen Metallberuf zu ergreifen, dies entspreche auch dem Gesamtanteil der in der Metallindustrie tätigen Arbeiter. 11 v. H. der Jugendlichen meldeten sich nach Biechems Ausführungen zu Berufen in den Bauwirtschaft. Ein beinahe gleich hoher Anteil entfalle auf holzverarbeitende Berufe. Ausgesprochen schlecht sei die Lage im .Nahrungsmittelgewerbe, was seinen Grund darin finde, daß bei den meisten keine Aussicht auf spätere Selbständigkeit bestehe. Blechern forderte die Handwerksmeister auf. sehr bald Meldungen über offene Lehrstellen abzugeben, damit eine restlose Erfassung aller offenen Stellen zum Abschluß gelangen könne.
Im Anschluß an die Referate besprach man noch organisatorische Fragen und die Einrichtung einer Sterbeversicherung.
Hüttenfeld gibt klein bei
Lampertheim, (bb) — Die Gemeindevertretung beriet am Mittwochabend wieder über die Erneuerung des Stromliefervertrages mit dem Elektriziätswerk Rheinhessen. In einer der Sitzung vorausgegangenen nichtöffentlichen Debatte wurde mit den Vertretern des EWR verhandelt, ohne daß es jedoch bis jetzt zu einem endgültigen Abschluß kam. Bürgermeister Günderoth versicherte jedoch am Anfang der öffentlichen Sitzung, daß — gleichgültig ob nun die Gemeinde ihr Stromnetz in eigener Regie übernehme oder nicht — der neue Vertrag für Lampertheim Vorteile mit sich bringen würde. Die sich für die Gemeinde aus dieser Tatsache ergebenden finanziellen Ueberschüsse sollen als zweckgebundener Gewinn zur Verbesserung und Erweiterung des Lampertheimer Stromnetzes verwandt werden.
Der Gemeinderat stimmte sodann vollzählig der 82 Personen umfassenden Vorschlagsliste für die zu benennenden Schöffen und Geschworenen zu. Er beschloß außerdem die Zahlung von Weihnachtsgratifikationen an alle Gemeindebediensteten in Höhe von 35 DM für Verheiratete und von 20 DM für ledige Personen. Für mehrere Siedlungsgebäude wurde eine vorübergehende Bürgschaft in Höhe von 46 000 DM übernommen. Zur Durchführung eines Parkverbotes für die Kaiserstraße ist der Ankauf und die Aufstellung von insgesamt 12 Hinweisschildern (300 DM) gebilligt worden. Aus Zweckmäßigkeitsgründen soll nunmehr auch die 2. (nördliche) Pappelreihe am Hollerweg gefällt werden. Für die Filialgemeinde Hüttenfeld sprach sodann Beigeordneter Ehret und bat die Gemeinde, wegen der mißglückten Selbständigkeitsbestrebungen Hüttenfeld nun nicht als Stiefkind zu behandeln. Er brachte verschiedene dringende Anliegen vor, von denen der Kauf eines Jungbullen auf der nächsten Darmstädter Auktion zugesagt wurde.
„Wildschütz“ im neuen Heim
Fürth. (—r)— Was vor einem Jahr, als die Vorbereitungen unterbrochen werden mußten, noch nahezu utopisch anmutete, ist nun tatsächlich Wirklichkeit geworden: Fürths katholische Jugend hat ihr eigenes Heim. Nicht zuletzt dank der stetigen freiwilligen Mitarbeit der Jugend selbst, aber auch durch die Spendenfreudigkeit der Einwohnerschaft und der Tatsache, daß man vielerlei Wege einzuschlagen wußte, um zum Ziele zu kommen, steht nun unmittelbar neben der Pfarrkirche der fertiggestellte Bau, der als erste Veranstaltung den „Wildschütz“ als Darbietung der Spielschar erleben durfte. Rund 400 Plätze umfassend. mit einem großen Bibliotheksraum und einer schönen Bühne versehen, präsentiert sich das Gebäude dem Beschauer. Auch die beiden ersten Theateraufführungen, die vor vollem Saal abliefen, brachten einen zusätzlichen Erlös, der der weiteren Ausgestaltung des Heims dienen wird.
Kammersänger Karl Schmitt-Walter
singt am 10. Dezember in einer Versammlung der Goethegesellschaft in Bensheim Lieder und Arien von Händel, Mozart, Schubert und Schumann. Am Flügel begleitet ihn Prof. Hubert, Gießen. Das Konzert, das in der Turnhalle des Gymnasiums stattfindet, beginnt um 17.15 Uhr.
Sei Freund deiner Tiere!
Michelstadt, (ch) — Im Speisesaal der Höheren Landbauschule drängte sich am Freitagvormittag eine zahlreiche Zuhörerschaft, um den sowohl als Fachmann wie auch als Mensch bemerkenswerten Inspektor Hans Franck, Schönhof (Mecklenburg), zu hören und zu sehen, der in Pferdezüchter- und Reiterkreisen als der bedeutendste Spezialist für die Erziehung störrischer und bösartiger Tiere gilt. In einer Karikatur über sich selbst sagt Hans Franck: „Dieser kleine Mann hat in 55 Jahren-über 100 000 bösartige Pferde behandelt, nur beim Amtsschimmel versagte seine Kunst.“ Obwohl er in dieser langen Zeit über 150 mal von Pferden verletzt wurde und auch seinen rechten Unterarm durch einen Pferdebiß verloren hat, zählt er zu den fanatischsten Pfei^efreunden, die es gibt. Seine Methode, die ihn noch nicht im Stiche ließ, basiert, auf der Liebe zum Tier, auf dem Studium seiner Psyche. Es werden nach seiner Meinung keine bösartigen Pferde geboren, sie werden nur durch falsche Behandlung dazu gemacht. Die Charakterveranlagung vererbt sich, nicht aber die Untugend als solche.
Hans Franck gab eine Fülle von Beispielen für die Richtigkeit seiner Darlegungen. In lebhaftem Frage- und-Antwortspiel zeigte er die landläufigen Fehler in der Pferdebehandlung auf. Das alles auf eine solch originelle, humorvolle Weise, daß es eine Freude war, ihm zuzuhören. So wurde aus dem Vortrag eine mehrstündige kurzweilige Unterhaltung, bei der es sehr viel zu lernen gab.
Erziehungsfragen der Jugend
vor dem Schulforum
Langen, (se) — Schulrat Dr. Plötz, Darmstadt, sprach vor dem Schulforum der Stadt zu dem Thema: „Ist die Schule das Heim für unsere Kinder“, wobei er ein Bild der neuen Schule entwarf, in der sich die Kinder wohlfühlen sollten. Die Starrheit der Bänke müsse durch Tische und Stühle eine Auflockerung erfahren, vor allem aber sollten Spiel, Sport und musische Erziehung einen breiteren Raum finden. Nicht Stoffwissen sei zu lehren und gedächtnismäßig einzuprägen, sondern das eigene Denken des Kindes müsse zur Selbsterarbeitung angeregt werden. Die Ausführungen des Vortragenden wurden durch Lichtbilder von modernen Schulen unterstrichen. Von der unter Leitung von Professor Dr. Bappert stehenden Versammlung wurde der Bau einer Versuchsschule vorgeschlagen»
Eltern-Aussprache-Abend
Dieburg. (VV) Das Realgymnasium hielt kürzlich in der Turnhalle der Anstalt einen Elternabend ab, in dessen Verlauf Oberstudiendirektor Deister und Studienrat Bertsch die Verordnungen des Kultusministeriums über eine neue Notenskala, verschärfte Schülerauslese, bevorstehende Crdnungsnoten und Erziehungsbeihilfen erläuterten. Berichte über Schulspeisung, Klassen-Elternversamnüungen, Eltern-Rücksprachen und Unterrichtsbeginn schlossen sich an.
Dann gab der Direktor einen Rechenschaftsbericht über die Verwendung freiwilliger Schulspenden, die zum größten Teile für die Anschaffung von Schulbänken Verwendung fand, da die Anstalt ihre gesamten Schulmöbel eingebüßt hatte. Bei der sich anschließenden freien Aussprache äußerten viele Eltern ihre Wünsche und machten von der Gelegenheit zu einer Einzelrücksprache mit den Lehrkräften Gebrauch.
Ihren Abschluß fand die erfolgreiche Veranstaltung mit einem Rundgang durch das Schulgebäude. Die mit modernen Sitzmöbeln ausgestatteten Klassensäle der Unter- und Mittelklassen und die mit Tischen und Stühlen möblierten Oberklassen machten einen wohltuenden Eindruck.
Volkskirchliche Woche
Groß-Bieberau, (öh) — Vom 26. bis 29. November fand in der evangelischen Gemeinde, veranstaltet durch das Evangelische Männerwerk, eine volkskirchliche Kurzwoche statt. Kaufmann Emil Neff, Unter-Mossau, sprach in den Männerabenden über die Themen: „Wetterleuchten über dem Abendland“, „Die Lebensangst und ihre Ueberwindung“ und „Hat das Christentum versagt?“
In Frauennachmittagen behandelte er die Fragen: „Du und dein Mann“, „Du und dein Kind“, „Du und deine Gemeinde“. Der Jugendabend am Mittwoch mit dem Thema: „Mit oder ohne Gott?“ war so stark besucht, daß der Gemeindesaal sich als zu klein erwies und die Kirche geöffnet werden mußte um die über 200 Jugendlichen aufzunehmen.
Die Veranstaltung kann als ein voller Erfolg bezeichnet werden.
Vollksmusik auf dem Lande
Birkenau, (-r) Am kommenden Sonntag tritt das als „Mandolinenklub“ in weiten Kreisen des vorderen Odenwaldes bekannte „Volksorchester Birkenau“ zum zweiten Male mit einem größeren Konzert an die Oeffentlichkeit, nachdem man erst 1949 den seit Kriegsbeginn brachliegenden Vereinsbetrieb wiederaufgenommen und mit dem ersten Konzert am 14. Januar 1950 viel Anerkennung gefunden hatte.
Der Volkschor Birkenau wird die hierbei gebotene Gelegenheit ergreifen und sich mit mehreren Liedern an der Ausgestaltung des Programms beteiligen. Ein Humorist aus Mannheim wurde ebenfalls engagiert. Die Gesamtleitung des Konzerts liegt in den Händen von Kapellmeister H. Schmitt.
Unsere Geburtstagskinder
77. Geburtstag: Herr Heinrich Wilhelm Lautenschläger, Harpertshausen (3. 12.)
Der SPORT
Mühlbach-Tore gegen Bayern München?
Die Lehre von Offenbach: Lilien werden umgetopft — Der Sturm wieder mit Mühlbach und Becker II — Herder als Verteidiger — Das interessanteste Duell: Streitle—Bohmann — Letztes Heimspiel der Vorrunde
Am Böllenfalltor herrscht höchste Alarmstufe. Nach der allzu deutlichen 4:0- Niederlage der 98er in Offenbach waren sich alle Schlachtenbummler darüber im klaren, daß etwas geschehen muß. Die Lage des Oberliganeulings ist beängstigend ernst geworden. Seit dem 15. Oktober (dem Spiel gegen VfL Neckarau) glückte der Mannschaft kein Sieg mehr. Wenn es so weiter geht, daß nur ab und zu ein Unentschieden erreicht wird, sehen sich Snopeks Zöglinge bereits am Tabellenende, noch bevor es in die Rückrunde geht, für die man ihnen dann keine rosigen Perspektiven eröffnen kann.
So geschah denn auch etwas. Die Mannschaft wurde wieder einmal umgestellt. Thalheimer, der auf dem nassen Rasen am Samstag bisweilen eine recht unglückliche Figur abgab, soll pausieren. Statt seiner erscheint Becker 11, der wohl technisch gut veranlagt, für Oberligaspiele aber körper-
lich zu schwach ist. Mühlbach in den Sturm vorzuziehen, ist hingegen eine gute Lösung, denn es fehlte in den letzten Spielen vorn der Mann, der „Abstaubertore“ zu wittern vermag Herder wird sich in der Verteidigung güt anlassen, und Barth war als Läufer stets besser als im Sturm.
Es wird für die Verantwortlichen nicht leicht gewesen sein, sich zu dieser Neuformierung zu bekennnen. Wollen wir hoffen, daß "das Experiment glückt, zumal der Ausgang des Spiels gegen die Münchner „Rothosen“ für die 98er von größter Bedeutung ist. Verlieren sie, würden sie vielleicht schon am Samstagabend als Tabellenschlußlicht einen rötlichen Schimmer haben. Die beiden noch ausstehenden Auswärtsspiele in Augsburg und Schweinfurt werden dann kaum eine Besserung der Lage bringen. Ein Unentschieden nützt auch nur wenig, bleibt als einzige Möglichkeit ein Sieg, durch den der 14. Platz zurückerobert werden könnte.
Gegen die „Bayern“ kann man den 98ern im Hochschulstadion auch durchaus Gewinn- Chancen geben. Die Gäste haben zwar eine alte Tradition, waren sogar 1932 einmal deutscher Meister, sind aber auswärts nie sehr stark gewesen. Schon in der Saison 1949/50 holten sie sich nur aus Schweinfurt beide Punkte und diesmal sind sie bisher nur in Augsburg beim dortigen BC erfolgreich gewesen. Mit 13:15 stehen sie 4 Punkte und 4 Plätze besser als die Darmstädter. Wie ihr morgiger Gegner haben auch sie allen Grund, sich mächtig ins Zeug zu legen. Der englische Trainer Davison kommt mit den Männern um Nationalspieler Jacki Streitle bereits heute nach Darmstadt, ein Zeichen, wie ernst man an der Isar die Begegnung mit dem SV 98 nimmt. Es wird einen Kampf auf Biegen und Brechen geben. Beginn 14.30 Uhr. Vorher Reserven.
SV Darmstadt 98: Müller; Herder, Abt; Barth, Schmidtmer, Leichtlein; Reeg. Bekker 11, Bohmann, Mühlbach. Herwig.
FC Bayern München: Schmalz!; Kohle, Bauer; Th. Mayer, Streitle, Oswald; Hädelt, Witt, Seemann, Siedl, Resch.
Haut dem Faß den Boden aus! Freiwillig rückt es nichts heraus!
Seifert siegte in London
Die internationalen englischen Tischtennis-Meisterschaften begannen in London und brachten dem Wiesbadener Kurt Seifert ISVW) einen schönen Erfolg. Er schlug den Engländer Brook 21:15, 21:17. 21:16 und erreichte die nächste Runde. Der Deutsche Meister Raack hatte einen schwachen Start und verlor gegen den Zweiten in Englands Rangliste Simons. 9:21. 16:21. 17:21. Than unterlag Reismann (USA) 13:21. 13:21. 21:23. Die übrigen deutschen Spieler griffen noch nicht’in das Turnier ein.
SG Arheilgen noch nicht entmutigt
In Aschaffenburg treffen sich alte Bekannte
Die nächsten beiden Sonntage trifft die SGA als Abschluß der Vorrunde auf zwei ihr von den Landesligazeiten her wohlbekannte Hessenvereine. Während die Mannschaft am Sonntag in Aschaffenburg antritt, steht sie 8 Tage später dem SV Wiesbaden am Mühlchen gegenüber.
Aschaffenburg, das die Mittelgruppe der Tabelle anführt, hat sich seither sehr wechselvoll geschlagen. Neben überraschend hohen Siegen (5:1 in München) stehen unerwartete Niederlagen (1:3 Straubing in Aschaffenburg). Die Mannschaft stützt sich nach wie vor auf den Altinternationalen Lehner und ist auf beiden Flügeln (Englert, Budion), sehr stark besetzt. Kommen die Ascheberger in ihr Spiel, dann wird Arheilgen einen sehr schweren Stand haben.
Die SGA fährt mit derselben Mannschaft, mit der sie am letzten Sonntag Pforzheim schlug. Durch die Mitwirkung von Kaut als Sturmführer und Becker als Halbstürmer hat sich der Sturm wieder gefangen. Auch Potrafke zeigte ein sehr gescheites Spiel. Würde Lieber noch mehr auf Potrafkes Spielweise eingehen, könnte der linke Flügel als der gefährlichste angesehen werden. Auch der alte Müller ist als rechter Läufer wieder an seinem Stammplatz, von dem aus er mit seiner guten Technik immer wieder den Angriff ankurbelt. Eigentümlicherweise sind die kleinsten Spieler — Zöller und Wendler — als Verteidiger zu finden und haben beide ihr Debüt mit Erfolg bestanden.
Aschaffenburg hat sich am letzten Sonntag mit einem l:0-Sieg in Böckingen empfohlen. Die Arheilger schlugen die etwas besser stehenden Pforzheimer. Wer wird nun bei dieser Kraftprobe das bessere Ende für sich haben? Die SGA hat eine schwere, aber nicht unlösbare Aufgabe vor sich. Hewe.
Conny Rux nicht in Frankfurt
Die ursprünglich für den zweiten Weihnachtstag in Frankfurt geplante Begegnung zwischen Conny Rux und Frankreichs Halbschwergewichts-Europameister Albert Yvel kommt nicht zustande. Rux boxt stattdessen am 29. Dezember erstmalig seit seiner k.0.- Niederlage durch Tiger Jones wieder in Berlin. Als Gegner kommt ein guter Ausländer in Frage.
Eine Renovierung der Eisbahn im Berliner Sportpalast plant der 17fache Deutsche Eishockeymeister Berliner SC. Das Dach muß zwar vollständig abgenommen werden, doch ist die Röhrenkonstruktion der Eisfläche noch gut erhalten und mit geringen Mitteln wieder in Ordnung zu bringen.
Fürths Reserve-Mannschaft führt mit klarem Vorsprung die Meisterschafts-Tabelle der 1. Liga Süd (Reserve) an. Nach den „Kleeblättern“ (22:2 P.) rangieren zur Zeit der Vfß Mühlburg (18:6 P.), Bayern München (18:6 P.) und der 1. FC Nürnberg mit 17:5 Punkten.
Die Ringerstaffel der SG Frankfurt-Eckenheim wurde zu mehreren Starts nach Jugoslawien eingeladen. Der FSV Frankfurt hat seinen Halblinken Richard Herrmann wegen der Mitwirkung beim Stuttgarter Länderspiel Deutschland — Schweiz zum Eh-renspielführer der Oberiigaelf ernannt.
Im Eishockey-Meisterschaftsspiel der Gruppe West hat der Vfß Bad Nauheim den Krefelder EV zu Gast. Die Hessen gewannen in Krefeld 8:3 und sind auch auf eigener Bahn klare Favoriten. Der für sie wichtige zweite Tabellenplatz in ihrer Gruppe und damit die Teilnahme an der Meisterschaftsendrunde sind bei einem Siege gesichert.
Wiesbaden sieht hohe Turnkunst
Der Tumerbund Wiesbaden veranstaltet am Sonntag ein Bühnenschauturnen, an dem über 200 Turner, Turnerinnen. Knaben und Mädchen mitwirken. Es erhält seine besondere Note durch die Teilnahme von zehn der besten deutschen Turner. So werden die Wiesbadener das hohe Können des mehrfachen Deutschen Meisters und Olympiasiegers Alfred Schwarzmann (Goslar) sowie des sechsfachen Deutschen Meisters Jakob Kiefer (Kreuznach) bewundern können. Zugesagt haben ferner der hessische Meister Willibald Englert (Jügesheim), Heinz Schnepf (Kreuznach) und der zur Zeit an der Sporthochschule in Köln studierende Ungar Szabo. Bei den Turnerinnen werden die dreifache Deutsche Meisterin Irma Walther-Dumbsky (Nürnberg), die beiden Hessen-Meisterinnen Marthel Heuser-Thiem ( Ffm-Bomheim) und Anni Heuser ( Ffm-Schwanheim) sowie die vorjährige Bezirksmeisterin Erika Blum (Eltville) vertreten sein.
Länderpokal der Amateurboxer
Im Länderpokalwettbewerb der Amateurboxer steht am Wochenende die Vorschlußrunde auf dem Programm. In Wiesbaden treffen sich am Samstagabend die Mannschaften von Hessen und Bayern. Die Paarungen vom Fliegengewicht aufwärts: Clement (Kassel)—Hofmann (Hof), Biermann (Rüsselsheim)—Rembold (München), Stasch (Kassel)—Sixt (Schwarzenfeld), Schilling (Zeilsheim)—Ossenfort (Rosenheim), Frank (Kassel)—Bommer (Coburg), Fleck (Stockstadt)—Gudat (Regensburg), Müller (Fechenheim)—Kistner (Nürnberg) und Hofmann (Rüsselsheim)—rStenger (Coburg).
Hockeyelf des TEC in Niederrad
Am Sonntag treten die I. Herren des TEC bei der Niederräder Turngemeinde an. Die Frankfurter wurden im letzten Jahr, nachdem sie eine Saison wieder in der Landesliga spielten, Gruppensieger der Landesliga vor Offenbach und Darmstadt und stiegen in die erste hessische Spielklasse auf. Die Darmstädter spielten in Frankfurt gegen die NTG unentschieden, in Darmstadt verloren sie knapp. Nun hat sich die Situation etwas geändert. Niederrad hat bis jetzt in der obersten Spielklasse eine wenig erfolgreiche Partie gespielt und wird bei gleichbleibender Leistung den Weg nach unten wieder antreten müssen. Die Darmstädter dagegen erzielten in dieser Saison zum Teil recht unerwartete Erfolge und haben am Sonntag Gelegenheit, in Frankfurt zu erfahren, wie stark eine Mannschaft sein muß, um in der Oberliga bestehen zu können. Nach dem Erfolg gegen Aschaffenburg, das einen wesentlich besseren Platz in der Tabelle einnimmt wie Niederrad. darf man wohl erwarten, daß die TEC-Mannschaft als Sieger den Platz verläßt. Am Böllenfalltor stellen sich die Darmstädter Nachwuchsmannschaften gegen die des hessischen Meisters, der SG Höchst, vor. Die Jugend beginnt um 9 Uhr. An¬ '-’-pr'’""! daran r-reuzen die Junioren ihre Schi cer. Die Mädels des TEC. die am letzten Sonntag gegen die hessischen Meistermädels eine knappe Niederlage hinnehmen mußten, beschließen den Reigen. dr.
Die Termine der Rückrunde
SV 98 Silvester in Mannheim — 4 Heimspiele im April
Der Spielausschuß des Süddeutschen Fußball-Verbands hat nunmehr die Termine der Rückrunde für die 1. und 2. Liga Süd festgelegt. Der zweite Durchgang beginnt am 30. Dezember und ist am 29. April abgeschlossen. Die Lilienträger sind am 18. März, dem Tag der Repräsentativspiele West—Süd und Nord—Süd spielfrei. Für sie ist die Reihenfolge der Gegner fast die gleiche geblieben wie in der Vorrunde, nur das Spiel gegen den FSV Frankfurt wurde an den Schluß gesetzt, so daß die Darmstädter die diesjährige Oberligasaison mit 3 Heimspielen abschließen werden, die vielleicht entscheidend sein können.
Der genaue Spielplan für den SV 98 und die SG Arheilgen:
31. 12. VfR Mannheim—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen—TSV Straubing 7. 1. SV Darmstadt 98—SSV Reutlingen Union Böckingen—SG Arheilgen 14. 1. Vfß Mühlburg—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen—ASV Durlach 21. 1. Spvgg Fürth—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen—Ulm 46 28. 1. SV Darmstadt 98—1860 München VfL Konstanz—SG Arheilgen 4. 2. BC Augsburg—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen—l. FC Bamberg 11. 2. SV Darmstadt 98—FC Singen 04 Bayern Hof—SG Arheilgen 17. 2. (Sa.) VfL Neckarau—SV Darmstadt 98 18. 2. SG Arheilgen—Wacker München 25. 2. SV Darmstadt 98—SV Waldhof ASV Cham—SGArheilgen 4. 3. Eintracht Frankfurt—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen—Hessen Kassel 11. 3. SV Darmstadt 98—VfB Stuttgart Stuttgarter Kickers—SG Arheilgen 25. 3. 1. FC Nürnberg—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen—FC Freiburg 1. 4. SV Darmstadt 98—Kickers Offenbach 1. FC Pforzheim—SG Arheilgen 7. 4. (Sa.) Bayern München—SV Darmstadt 98 8. 4. SG Arheilgen—Viktoria Aschaffenbg. 15. 4. SV Darmstadt 98—Schwaben Augsbg. SV Wiesbaden—SG Arheilgen 22. 4. SV Darmstadt 98—FC Schweinfurt 05 SG Arheilgen—SV Tübingen 29. 4. SV Darmstadt 98—FSV Frankfurt Jahn Regensburg—SG Arheilgen
Wohin am Wochenende
Samstag : 18 Uhr: Basketball SKG Roßdorf—MTV Gießen (Jugend und Frauen), Schulturnhalle Arheilgen. 20 Uhr: Kunstturnwettkampf SG Arheilgen—TuS Weinheim, Vereinshaus der SG Arheilgen. 20.30 Uhr: Ringen Landesliga SG Arheilgen—Athletia Wiesbaden, Schulturnhalle Arheilgen. Sonntag: 9 Uhr: Tischtennis Damen SV 98—Vfß Bad Nauheim, Eleonorenschule. 9 Uhr: Hockey-Jugend TEG —SG Höchst (anschließend Junioren), Böllenfalltor. 14.30 Uhr: Fußball 1. Liga Süd SV 98 gegen Bayern München, Hochschulstadion.
Feuilleton
Der Reiz der Umwelt
zu EINER AUSSTELLUNG IM AMERI KAHAUS
Es sollte kein Zweifel mehr darüber bestehen: der Impressionismus ist der "Beginn der modernen Kunst. Was Manet seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vollzog — wäre ein anderer Zeitpunkt denkbar? — ist jene grundlegende Umwandlung der seitherigen Kunsüberlieferung zu einer Autonomie der Malerei, die konsequent bis zur Kunst der Gegenstandslosigkeit führen mußte. Schon bei Manet die Ersetzung des „Süjets“ durch die dargebrachte Persönlichkeit des Malers, die Ersetzung des Lichts, der gegenständlich gebundenen Farbe durch den Eigenwert des Bildes. Was später geleistet wurde, waren die essentielleren Aussagen; die schöpferische Existenz des Malers wurde vor dem Sujet immer übermächtiger, und zuletzt blieb nur noch der Maler und das Werk. So kann heute noch die impressionistische Aussageweise eines Malers bei der schier unerschöpflichen Vielfalt der Formensprache unserer Tage, deren spezifische Auswahl durch den Künstler nur einem individuellen Zwang zu unterliegen scheint, zeitgenössisch genannt werden. Der Vorwurf des Historischgewordenseins kann — und das ist die beklagenswerte Situation — bereits jeder der herrschenden Stilrichtungen gemacht werden.
Welch eine klare Demonstration, welch eine ehrliche Haltung" eines recht jungen Malers, der zudem noch Autodidakt ist, wenn die persönliche Geschichte seines künstlerischen Werdens die Historie der modernen Malerei spiegelt. Der 1926 geborene Darmstädter Bernd Krim me 1 zeigt im Amerikahaus eine stattliche Auswahl seiner in diesem Jahr entstandenen Bilder.
Die Kategorisierung dieser Werke als „spätimpressionistisch“ ist zunächst als ein nur äußerlich zu wertender Akt anzusehen. Dahinter steht die zeitgenössischste tragische und existenzielle Situation, das Experimentieren mit sich selbst. Derart ist auch der Vorgang der Konzeption zu betrachtet. Zwar ist es zuerst das Objekt, die Hingabe an den vielfältigen Reiz der Dinge, aber dann trägt der Reiz hinüber in den veränderten Raum des Lichts und der Färbe, in die Eigengesetzlichkeit der vollendeten Bildfläche. Dieser Vorgang ist besonders deutlich bei den „Strandbildern“ zu erleben, in denen eine raumdurchsichtige, exotisch zu nennende Vibration der Farbe sich niederschlägt.. Auch die Farbverschiebungen und -Verwehungen der „Bootbilder“ und vor allem der umwucherten „Hütte“ führen zu Forminhalten, in denen die Ausgangsstellung nur noch als Erinnerungsbild weiterlebt.
Die erwähnten Bilder sind Aquarelle, die durch die Unmittelbarkeit ihrer Technik die Eindeutigkeit der Realitäts-, Veränderung ermöglichen, wie es auch* Aquarelle sind, die den künftigen Weg des Malers ahnen lassen, nämlich die tektonisch gefestigteren, großflächigen Darstellungen von Dorfstraßen, darin ein neuer Klang, der eines Geheimnisses um den Bestand der Dinge, leicht aufzutönen beginnt.
Die wenigen ausgestellten Oelbilder (2 Porträts und eine Uferlandschaft) sind im Atelier entstanden, komponiert aus der blitzschnellen Vision nach einer Reihe von Wahrnehmungen und verdichtet und gehäuft in dem Illusionsraum des Bildes dargebracht. Hier ist die koloristische Begabung Krimmeis besonders deutlich zu spüren, jener schon als meisterlich zu bezeichnende Schmelz harmonischer, milder Farbtöne, in Auswahl und Art jedoch noch etwas an großen Beispielen orientiert.
Die graphischen Blätter zeigen Krimmel ebenfalls als Beherrscher des Augenblicks, des treffsicher angebrachten Schnappschusses. Es ist das Erfassen einer einmaligen, zufälligen Geste, das sichere Umreißen eines Handlungsablaufes mit einem feinnervigen, gebrochenen Strich. Und somit ergibt sich auch die Fähigkeit zuf Illustration, für die gute Beispiele von erregenden Szenen zu Novellen von Maupassant und Gorki ausgestellt sind.
Zu der Ausstellung wurde ein typographisch hervorragender Katalog geschaffen, dessen besonderer Wert in der Beifügung von 3 Originalradierungen liegt und dessen Text von dem bekannten Darmstädter Kunstkritiker Dr. Rudolf Perard in sorgfältig ausdeutender Weise gestaltet wurde.
Den Bildern Krimmeis beigestellt sind einige dekorative Entwürfe von Eberhard Schlotter, Entwürfe in Tempera für Aufträge, die in Darmstadt ausgeführt werden sollen. Es sind freie Kompositionen meist figürlicher Art, flächig und in erdigen Farben gehalten mit guter Einfühlung in die architektonischen Erfordernisse. Durch die Darstellungen weht ein spätklassischer Atem, eine mittelmeerische Erinnerung, und sie verraten die vielfach geschulte Hand des seiner Eigenart bewußten Malers. he
Stillste Zeit
Stadtfern in der natürlichen Lebensordnung unserer Landstriche ist die stillste Zeit des Jahres eingezogen —, schweigsam stehen die Wälder, in sich gekehrt und fahl ruhen die Fluren, in immer kleineren Tagesbogen geht verhaltenes Licht darüber auf und unter.
Wem noch in solchem Stück Stille zu leben vergönnt ist oder wer es doch öfter durchwandert, spürt die Gedanken in die gleiche Richtung gewiesen, wie es dem Saft in Stamm und Krone geschieht: einwärts, tiefenwärts näher zu währender Wurzel und wartendem Kem, dem engsten Ringe zu, dem unergründlichen Grund.
Totengedenken und Lebensglaube schlingt die stillste Zeit geheimnisvoll ineinander. Durch das dunkle Tor des Totensonntags blickten wir voraus auf das erste Licht der Vorweihenachtwochen, und der stummen Zwiesprache, die wir mit denen hielten, die nicht Wort noch Gabe mehr erreicht, war schon das Bedenken verbunden, wie wir die erfreuen wollen zum kommenden festlichen Tag, die mit uns leben, Kinder und Eltern, Geschwister und Freunde und einen für uns Namenlosen, der irgendwo schwer an des Daseins Bürde trägt.
Das moderne Stadtleben, die moderne Technik sind der stillsten Zeit abhold. „Stille Zeit“ hat für sie die Bedeutung geschäftlicher Flaute, und wem eine solche gerade in den Vorweihenachtswochen widerfährt, hat sich damit nur als lebensuntüchtig erwiesen. Ja, wer richtig kalkuliert und das Geschäft wahrzunehmen weiß, dem wird „die stillste Zeit“ zur betriebsamsten, gejagtesten und lärmendsten.
Es ist nicht leicht, der stillsten Zeit ein Eckchen auszusparen in den randvollen Tagen der Arbeit und einander ablösender und häufender Sorgen. Aber es ist auch ein eigen Ding mit ihr: gönnt man ihr nur einen Augenblick, so tritt sie schon ganz herein mit ihrer tiefen Stärkung und Begütigung, deren wir bedürfen, auch wenn wir es uns nicht eingestehen wollen. Die beseligte Erwartung der Kinder lädt sie uns ein ins noch so enge Behelfszimmer, und wenig nur braucht es, das Entzücken der Kleinen wachzurufen und damit einen Hauch zu verspüren aus jener bronnentiefen Stille, die Kommen und Gehen vereint: einen Zweig, eine Kerze, ein Lied, auch Nuß und Apfel und brauner Kuchen, Inbegriff der notüberdauernden Frucht und des nährenden Brotes.
Es ist die Zeit der Sinnbilder und Zeichen, in denen wir uns besser verstehen als durch Worte, es ist die Zeit der Märchen, in denen mehr. Wahrheit zu finden ist als bei Kongressen, die sie erreden wollen, es ist die Zeit des Lichtes, das sich aus dem Schoße der Dunkelheit erneuert, mählich und unaufhaltsam wachsend in obsiegender Kraft. D-s.
Mausoleen in Darmstadt und Ravenna
ZUM 1500. TODESTAG DER WESTRÖMISCHEN KAISERIN GALLA PLACIDIA EINE KUNSTHISTORISCH-HISTORISCHE BETRACHTUNG
Wenn man in diesen Herbsttagen, in denen die Novemberstürme die Bäume kahl gefegt haben, die Dieburger Straße in Richtung Hirschköpfe entlanggeht, sieht man — was im Sommer unmöglich — über die Felder hinweg das sogenannte „neue Mausoleum“ zwischen den Bäumen der Rosenhöhe in voller Deutlichkeit hervortreten. Der kleine Bau, den Großherzog Ernst Ludwig in den Jahren 1903/10 für seine Eltern und Geschwister erbauen ließ, zeigt schwere, schlichte Formen: vier Flügel, die sich zu einem lateinischen Kreuz zusammenschieben, über dem sich, vierkantig, ein stumpfer Turm erhebt. Im Innern spannen sich Bögen und triumphiert eine Kuppel in mühelosem Aufstieg. Marmorplatten bedecken Fußboden und untere Wände; Mosaiken, bräunlich-golden, gleißen an verhalten schwingendem Licht.
Dieses Darmstädter Mausoleum ist keine Erstschöpfung. Es ist bewußt einem Vorbild angenähert, das der Großherzog auf seinen Reisen in Italien fand: dem um 440 n. Chr. errichteten Grabmal der weströmischen Kaiserin Galla Placidia in Ravenna. Mit seinem Backsteinmauerwerk wirkt dieser Bau nach außen noch unscheinbarer als der Darmstädter. Doch die Farben seiner Mosaiken, mystische Zusammenklänge von tiefem Blau und Rot zu Gelbgrün und Gold, sind die unerreichten Künder einer symbolhaften tief verw>urzeiten Frömmigkeit.
Galla Placidia, die noch zu ihren Lebzeiten in diesem Grabmal den Ausdruck einer großen Sehnsucht für sich und eine ganze Epoche fand, starb in Rom am 27. November 450, also vor genau einginhalbtausend Jahren. Zu diesem Todestag ihr Gedächtnis wachrufen heißt sich hineinstürzen in den Strudel gewaltiger geschichtlicher Ereignisse, die mit ihren schweren Umbrüchen und den vielen, sich ankündigenden Neugestaltungen nur in den Vorgängen unserer eignen Zeit das entsprechende Gegenbild finden. 392 in Byzanz als Tochter Theodosius des Großen geboren, der endgültig das Römische Reich in das West- und Oströmische schied, verlief ihr Leben während der letzten Phase des vor dem Zusammenbruch stehenden Weströmischen Reiches und mitten in den Schrecken der letzten germanischen Völkerwanderung, die durch das Vordringen der Hunnen von Osten her ausgelöst wurde. Als Schwester des Weströmischen Kaisers Honorius in Ravenna und als Leiterin des Staates von 425 bis 445 an Stelle ihres Sohnes Valentinians 111., stand sie während ihres ganzen Lebens an exponiertester Stelle im Brennpunkt der aufeinanderprallenden Kräfte.
Die politische Lage während der entscheidenden zwanzig Jahre ihrer Regierung, in der sie von ihrem ausgezeichneten Feldherrn und Staatsmann Aetius unterstützt wurde, war ständig aufs äußerste 'gespannt. In weitem Umkreis um den Kern des Reiches hatten die Germanen auf römischem Boden Posten bezogen, von Nordafrika und Spanien über Süd- und Nordgallien bis Britannien, so daß dem Reich selbst nur noch Italien mit Sizilien, die Alpenländer und der mittlere Teil Galliens verblieben. Ueber allen aber, ob Römer oder Germanen, hing die immer klarer sich abzeichnende Gefahr des hunnischen Vormarsches gegen Westeuropa.Ein Jahr nach der Kaiserin Tode fiel die Entscheidung auf den Katalaunischen Feldern im mittleren Gallien. Es war Galla Placidias und des Aetius kluger und weitsichtiger Politik zu verdanken, daß damals die germanischen Stämme in Westeuropa sich mit den Römern zusammenfanden, um in der mörderischen Schlacht des Jahres 451 den Bedrohet der westeuropäischen Kultur vernichtend zu schlagen.
Fünfundzwanzig Jahre später brach das Weströmische Reich endgültig zusammen, und abermals nach fünfundzwanzig Jahren regierte Theoderich der Große, der Ostgote, in Ravenna als Herr über Westrom. Was sich unter Galla Placidias Regierung entgegen ihrem Willen angebahnt hatte, wurde von ihm stabilisiert, wenn auch noch nicht für dauernd: er schloß alle germanischen Völker auf weströmischem Reichsboden zum ersten, großen, germanischen Staatenbund zusammen. Erst Karl dem Großen, dem Franken, blieb es Vorbehalten, der neuen germanischen Welt Dauer und Festigkeit zu verleihen.
Leben und Gestalt der Galla Placidia werden nicht nur über das Darmstädter Grabmal in unseren Gesichtskreis gerückt. Henry Benrath, der aus Friedberg stammende hessische Dichter, hat dieses außergewöhnliche Frauenschicksal in einem groß angelegten Roman vielen in Deutschland nahegebracht. Marie Frölich
Unsere Bilder zeigen das Mausoleum auf der Rosenhöhe in Darmstadt (links) und das Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia in Ravenna (rechts).
Die Sendeprogramme vom 3. Dezember bis 9. Dezember 1950
Hessischer Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar
Mittelwelle: 208,47 m (1439 kHz)
UKW-Sender: Feldberg 92,9 MHz, 3-m-Band
Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.45 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der
hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.30 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.00 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, * Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.
Sonntag, 3. Dez.
8.30 Katholische Morgenfeier 9.15 Können Menschen sich anSern? 9.30 Rainer Maria Rilke 10.00 Franz Schubert 10.30 Frankfurter Gespräch 11.15 Volkstümliches Konzert 13.00 Musik nach Tisch. 14.30 Adventspost. Kinderfunk 15.00 Aus dem Tagebuch Ihres Senders 15.15 Meister ihres Faches 15.45 Der gemeinsame Weg 16.00 Sport und Musik 17.00 Unterm Adventskranz 17.45 Wimpfen, Bildnis einer Stadt 18.00 Orchester der Welt 20.00 Unser Sonntagabend 22.10 Sportberichte 23.00 Tanzmusik
Montag, 4. Dez.
11.15 Schulfunk. Der Marsch auf Rom 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.15 Schulfunk. Grundbegriffe der Musik I 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Vorspiele und Szenen aus , zeitgenössischen Opern 16.45 Der Mantel 17.00 Mit Kopftuch und Pelzmütze 18.00 Benehmen wir uns richtig? 18.30 Zum Feierabend 20.00 Haus des himmlischen Entzückens 20.50 Musik der Heimat 21.45 Dolf Stemberger spricht 22.15 Die bunte Folge 52 15 Musils mit. CharmA
Dienstag, 5. Dez.
11.15 Schulfunk. Grundbegriffe der Musik I 12.00 Musik am Mittag 13.00 Unterhaltsame Musik 14.15 Schulfunk. Don Carlos 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Orchesterkonzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Leichte Unterhaltung 18.00 Sankt Nikolaus 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.25 „Nun ist Nikolausabend da . . .“ 20.00 Tanzabend 22.15 Das Abendstudio
Mittwoch, 6. Dez.
11.15 Schulfunk. Don Carlos 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Unterhaltungsmusik für großes Orchester 14.00 Klaviermusik von Smetana 14.15 Schulfunk. Paul Elpper 14.45 Intermezzo auf der Balalaika 15.05 Bambi. Die Geschichte eines Rehes 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Schule und Elternhaus 16.15 Unterhaltungskonzert 18.00 Der werktätige Mensch 18.15 Zeit im Funk 18.20 „Immer lustig und fidel“ 20.00 Das Rheingold 23.00 Willy Berklng spielt zum Tanz
Donnerstag, 7. Dez.
11.15 Schulfunk. Paul Elpper 12.00 Musik am Mittag 13.00 Das Stündchen nach Tisch 14.15 Schulfunk. Inflation 15.15 Freistehende Künstler 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Bitte abschalten, meine Herren! 16.50 Was Frauen Interessiert 17.00 Liebeslieder im Volkston 18.00 Hörerlieblinge. Es spielt Georges Boulanger 18.30 Tanzende Noten 20.00 Operettenrevue 21.00 Blick auf Europa 21.10 Slawische Lieder 21.45 Passiert — glossiert 22.15 Den Freunden der Dichtung 22.45 Nachtkabarett 23.00 Rhythmus der Welt
Freitag, 8. Dez.
11.15 Schulfunk. Inflation 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Das Panorama 14.15 Schulfunk. Der Bahnhof 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Sextett für Bläser und Klavier 16.45 Für junge Menschen 17.00 Unterhaltungskonzert 17.40 „Am Rande bemerkt“ 18.00 Funk-Feuilleton 18.15 Konzertante Tanzmusik 20.00 Erstes öffentliches Konzer für die Jugend 21.00 In diesen Tagen 21.10 Die Kurbel 22.15 Ein Tanzpotpourri 23.00 Der Angeklagte befinde sich unter uns 23.20 „An den Mond“
Samstag, 9. Dez.
11.15 Magazin des Schulfunk» 12.00 Musik zur Unterhaltung 1300 Unterhaltsame Musik 13.40 Sportvorschau 14.15 Vergnügen mit Musik 15.00 Durch die weite Welt. Spanien 15.15 Volkstümliches Wissen 15.45 Deutche Fragen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 Hansi, Lorchen und Waldi 18.00 Recht für Jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft : 20.00 Ländlich — sittlich 21.30 „Raten Sie mit!“ 22.10 Sportergebnisse 22.20 Am Montmartre um halb elf 23.00 Zwischen heute und morgen
UKW -Programm des Hessischen Rundfunis
18.00 Kleine Abendmusik 20.00 Sinfoniekonzert 21.30 Tanzmusik
18.00 Kleine Abendmusik 20.00 Sonnenstrahlen im Hut 21.02 Champagner itn Blut 22.10 Sportberichte
18.00 Kleine Abendmusik 20.00 Ein Tanzpotpourri 21.02 Kompositionen von Johannes Brahms 21.45 „Alle Sehnsucht verweht der Monsun“
18.00 Kleine Abendmusik 18.30 Die Geschichte der Champs Elysees 20.00 Der Mantel Susannens Geheimnis
18.00 Kleine Abendmusik 20.00 Aus unserm Gästebuch 21.30 Die Vögel unter dem Himmel 22.00 Operettenkonzert
18.00 Kleine Abendmusik 20.00 Zum 85. Geburtstag von Jean Sibelius 21.02 Leichte Kost 21.30 Buchstaben der Nacht
18.00 Kleine Abendmusik 20.00 Der Theaterverein 21.02 Musik von Jean Francaix 21.30 Die zoologische Station in Neapel
Sũclwestdeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) _ 195 m (1538 kHz)
(Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)
Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr' 22 nn 24 nn uh-
12.20 Johann Sebastian Bach: Magnificat 13.30 Volksmusik und Chorgesang 14.15 Frohe Melodien 17.00 Das Südwestfunk - Unterhaltungs-Orchester 19.20 Adventslieder 20.00 Sinfoniekonzert 22.15 Sport und Musik 23.00 Fröhlicher Ausklang
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisth 15.00 Tanztee am Montag 17.00 Solistenkonzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Musik für dich 21.00 Aus der Welt der Oper 22.20 Klaviermusik
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.15 Sang und Klang im Volkston 16.00 Sinfonie-Konzert 17.00 Musik zur Unterhaltung 20.00 „Der Winter“ — Volksliederkantate 20.30 Hörspiel: „Der Stern ohne Namen" von Michael Sebastian 22.30 Lebendige Musik in Paris
12.20 Mittagskonzert 15.00 Nachmittagskonzert 17.10 „St. Nikolaus kehr bei uns ein" — Kinderliedersingen 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Pack die großen Taschen aus!“ 21.30 Die Stimme der Gewerkschaften 21.40 Klingende Kleinigkeiten 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 17.00 Klaviermusik 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Operettenkonzert 21.00 Wolle die Wandlung. — Eine Hörfolge um Rainer Maria Rilke von Herbey Günther 22.30 Konzert des Südwestfunk-Orchesters 23.30 Zärtliche Weisen
12.20 Mittagskonzert 15.00 Musik am Nachmittag 16.00 Kammermusik 16.45 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Die großen Meister. — Werke von J. S. Bach 22.30 Nachtstudio
44.uu, z4.uu unr 12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.30 Allerhand Schlager! 15.00 Opernmelodien 16.30 Unser Samstagnachmittag 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Wir erfüllen Hörerwünsche 22.30 Der SWF bittet zum Tanz — 1001 Nacht
Süddeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 523 m (574 hHz)
(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)
Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00, .12.45 Uhr I*7 RS in AR Hl AR «e- rtL_
12.00 Musik am Mittag 14.00 Stunde des Chorgesangs 15.00 Frohes Raten — Gute Taten 15.40 Nachmittagskonzert 17.45 Mozart — Beethoven 20.05 Großes Unterhaltungskonzert 22.30 Ganz leis’ erklingt Musik.
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Konzertstunde 18.25 Musik zum Feierabend 20.05 Musik für Jedermann 21.15 Rendezvous am Montagabend 22.05 „Paul Hindemith“
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Musik der italienischen Renaissance 20.45 Uhr „Ile Zauberflöte" 22.05 Die Rundfunktanzkapelle 23.15 Kleine Barmusik
12.00 Musik am Mittag 16.15 Konzertstunde 17.15 Berühmte kleine Stücke 20.05 „Flüchtlinge“ — Hörspiel 22.05 Tanzmusik 22.30 „Kräfte und Gestalten der ' Weimarer Republik“
12.05 Musik am Mittag 16.00 Kaffeestunden für die Hausfrauen 18.25 Schöne Opernmelodien 20.05 „Mit hundert Sachen“ 22.05 Neues aus dem Weltall 22.45 Böhmische Tänze 23.15 Unterhaltung und Tanz
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Froh und heiter 18.20 Musik zum Feierabend 20.00 Symphoniekonzert 22.05 Tanzmusik 23.15 Zur Unterhaltung
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Kleines Konzert 20.05 Alles tanzt mit 21.00 Familie Staudenmaiet 22.05 Alles tanzt mit 24.00 Das Nachtkonzert
Nordwestdeutseher Rundfunk
Mittelwelle: 309 m (971 kHz)
(Köln, Hamburg, Hannover, Berlin)
Nachrichtensendungen: 5.45, 6.45, 7.45, 8.45 Uhr 12,45, 16.45, 19.45, 21.45 24.00 Uhr
12.00 Volkstümliches Konzert 13.20 Sang und Klang 18.00 Das Meisterwerk 20.05 Ein Melodicnreigen 22.45 Tanzmusik 23.15 Melodie zur Mitternacht 00.10 Im Quartier Latin 00.30 Georg Haentzschel
12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Musik am Mittag 15.40 Die Nußknacker-Suite 16.25 Volksweisen und Tänze 17.05 Französische Kammermusik 18.00 Eine bunte Stunde 20.05 Sinfoniekonzert 23.20 Musik zur späten Stunde
12.00 Musik zur Mittagspause 15.40 Nachmittagskonzert 16.25 Filmmusik aus aller Welt 17.05 Klaviermusik von Beethoven IS.OO Und jetzt ist Feierabend 20.05 Köln bittet zum Tanz 21.30 Johann Sebastian Bach 23.40 Tanzmusik
12.00 Musik zur Mittagspause 15.40 Mit Musik durch die Welt 17.05 Marienlieder 18.00 Orchesterkonzert 20.05 Pariser Leben 22.40 Nachtprogramm 23.30 Moderne Klaviermusik . 00.35 Tanzmusik
12.00 Musik zur Mittagspause 15.40 Das Hamburger Radio-Tango-Orchester 17.25 Jean Sibelius. Zum 85. Geburtstag 20.05 Die Odyssee des Jonny Wren 20.50 Orchesterkonzert 23.40 Moderne Musik
12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Musik am Mittag 15.40 Nachmittagskonzert 17.05 Mariengesänge 17.20 Kammermusik 20.05 Polifem. Oper von Bononcini 21.30 Jean Sibelius. Festkonzert zum 85. Geburtstag
12.00 Frohes Wochenend 13.20 Mittagskonzert 14.00 Froh und heiter 16.00 Kaffeeklatsch 17.00 Musikalisches Mosaik 18.30 Adventsingen 20.05 Bunter Abend 23.10 Melodie und Rhythmus
Ü^ENNCH- FOHRE KUNSTGEWERBE Palaisgarten handgewebt ROCKE handgestickt KLEIDER handgemalt BLUSEN auch nach Ma^ GESCHENKARTIKEL
Der veredelte und <--4' leicht bekömmliche IDE &•> «•Stfe sie*s frisch zu haben bei 5 Theodor Stemmer, Darmstadt, Elisabethenstr. Amtliche Bekanntmachungen Verordnung betreffend Außerkraftsetzung vl>n Güterfern¬ verkehrs-Genehmigungen vom 18. November durch Verkündung in Nr. 230 des Bundesanzeigers vom 29. November 1950, am 30. November 1950 in Kraft getreten. Danach werden mit Wirkung vom 30. November 1950 ungültig: 1. Auf Grund der Einschränkungsverordnung erteilte ur¬ sprünglich befristete Genehmigungen und 2. Auf Grund Güterfernverkehrs-Aenderungsgesetz § 14 Abs. 2 erteilte vorläufige Genehmigungen. Straßenverkehrskontrollen setzen schlagartig 1. Dezember 1950 verstärkt ein. Ungültige Genehmigungen werden durch Kontroll¬ organe eingezogen. Der Regierungspräsident in Darmstadt Beschluß: Das Zwangsversteigerungsverfahren bezügl. des Grundbesitzes a) Barbara von Stein zu Lausnitz, b) Beatriz Kargtet geb. von Stein zu Lausnitz, Ehefrau des Otmar Kargiel, alle in Trautheim bei Darmstadt, zu je */s wird nach Antragsrücknahme aufgehoben. Der Versteigerungstermin vom 4. Dezember 50 wird abgesetzt. Darmstadt, den 27. November 1950. Amtsgericht, Abt. 3 Neueintragungen Für Angaben ( ) keine Gewähr. HRA. 969. 20. November 1950. Weinbaus und Gasthof „Bocks¬ haut" Heiß, Kommanditgesellschaft, Darmstadt. (Betreibung eines Gasthofes und eines Weinhauses; Kirchstraße 7.) Kom¬ manditgesellschaft. Die Gesellschaft hat am 1. Januar 1950 be- Knodel, Witwe, Darmstadt. 3 Kommanditisten sind vorhanden, gönnen. Persönlich haftender Gesellschafter: Sofie Heiß geb. HRA. 968. 18. Novembej 1950. Paschke u. Co., Maschinen- und Apparatebau, Darmstadt. (Herstellung und Vertrieb von Ma¬ schinen und Apparaten für die Zellstoff-, Papier-, Pappen- und Faserplattenindustrie sowie für die chemische Industrie, Aha¬ straße 9.) Offene Handelsgesellschaft. Die Gesellschaft hat am 1. Januar 1949 begonnen. Persönlich haftende Gesellschafter sind: Johannes Paschke, Fabrikant, Darmstadt, und Kurt Weiße, Diplom-Ingenieur, Darmstadt. Der Sitz ist von Unterhain nach Darmstadt verlegt. • Veränderungen HRA. 563. 16. November 1950. Friedrich Ewald, Darmstadt (Lebensmittel-Import und -Großhandel, Kaffee-Großrösterei; Elisa¬ bethenstraße 46.) Friedrich Wilhelm Ewald ist durch Tod aus der Gesellschaft ausgeschieden. Walter Ewald und Friedrich Justus Ewald sind nunmehr für sich allein vertretungsberechtigt. Löschung HRA. 152. 10. November 1950. K. W. Prinz. Die Niederlassung ist von Darmstadt-Eberstadt nach Ingelheim am Rhein verlegt. Neueintragungen: Für Angaben in ( ) keine Gewähr HRB. 175. 13. November 1950. Firma: J. & H. Richter, Grund¬ stilcksgesellschaft mit beschränkter Haftung Sitz: Darmstadt. (Geschäftslokal: Darmstadt, Rheinstraße 22.) Gegenstand des Unternehmens ist der Erwerb und die Verwaltung von Liegen¬ schaften, ferner der Erwerb und die Verwaltung der auf diesen
Liegenschaften gegebenenfalls errichteten oder noch zu erstellen¬ den Gebäude oder Gebäudeteilen. Stammkapital: 20 000,— DM. Rechtsverhältnisse: Gesellschaft mit beschränkter Haltung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 22. August 1950 festgestellt. Die Gesellschaft hat einen oder mehrere Geschäftsführer. Bei meh¬ reren Geschäftsführern wird die Gesellschaft durch zwei Ge¬ schäftsführer gemeinschaftlich oder durch einen Geschäftsführer in Gemeinschaft mit einem Prokuristen vertreten. Geschäftsführer sind: Kaufmann Josef Richter, Geschäftsfrau Helene Richter geb. Schönberger, beide in Darmstadt. Als nicht eingetragen wird veröffentlicht: Die Bekanntmachungen der Gesellschaft er¬ folgen im Bundesanzeiger. HRB. 176. 13. November 1950. Firma: „TEHAGE, Textil-Handel Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Darmstadt. (Ge¬ schäftslokal: Darmstadt, Noacksraße 1.) Gegensand des Unter¬ nehmens ist die Herstellung und der Vertrieb von Textilien und Textilwaren jeglicher Art im Groß- und Einzelhandel. Stamm¬ kapital: 20 000,— DM. Rechtsverhältnisse: Gesellschaft mit be¬ schränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 14. Sep¬ tember 1950 festgestellt. Die Gesellschaft hat einen oder mehrere Geschäftsführer. Geschäftsführer: Geschäftsfrau Marie Schwarz in Darmstadt. Diese ist auch bei Vorhandensein meh¬ rerer Geschäftsführer zur Vertretung der Gesellschaft allein be¬ rechtigt. Die Dauer der Gesellschaft ist bis zum 31. Dezember 1955 befristet. — Als nicht eingetragen wird veröffentlicht: Der Gesellschafter Kaufmann Dr. Georg Schwarz in Darmstadt bringt einen neuen Kassenschrank sowie einen neuen Stahl¬ schrank in die Gesellschaft ein. Diese Sacheinlage ist mit 1500,— DM bewertet und ihm in dieser Höhe auf seine Stamm¬ einlage angerechnet worden. — Bekanntmachungen der Gesell¬ schaft erfolgen im Bundesanzeiger. Veränderungen: HRB. 86. 16. November 1950. Firma: Friedrich Klstinger, Ge¬ sellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Eschollbrücken (Kr. Darmstadt), Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 23. Juni 1950 ist gemäß dem DM-Bilanzgesetz das Stammkapital von 100 000,— RM auf 50 000,— DM endgültig neu festgesetzt; zugleich ist § 3 des Gesellschaftsvertrags (Stammkapital und Stammeinlagen) entsprechend geändert und neu gefaßt. HRB. 91. 16. Noveriiber 1950. Firma: Sulfalin Gesellschaft mit beschränkter Haftung; Herstellung und Vertrieb chemisch-phar¬ mazeutischer Erzeugnisse. Sitz: Darmstadt. Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 18. 9. 1950 ist die Gesellschaft aufgelöst. Liquidatoren sind die bisherigen Geschäftsführer In¬ genieur Fritz Axt und Baurat Paul Hermany, beide in Darmstadt. Jeder von ihnen ist alteinvertretungsberechtigt. Löschung: HRB. 97. 10. November 1950, Firma: Rhein-Malnische Schuh¬ reparaturwerke, Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: DarmstadJ. Die Gesellschaft wird auf Grund des § 2 des Ge¬ setzes über die Auflösung und Löschung von Gesellschaften vom 9. Oktober 1934 von Amts wegen gelöscht. HRB. 169. 16. November 1950. Firma: Rhein-Mainische Gas¬ gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Darmstadt. Die Gesellschaft ist auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Auf¬ lösung und Löschung von Gesellschaften und Genossenschaften vom 9. Oktober 1934 wegen Vermögenslosigkeit von Amts wegen gelöscht. Amtsgericht Darmstadt Betr.: Antrag des Fritz Schönberger, Gartenbau, Bensheim-Auer¬ bach, Am Bangert 15, auf Genehmigung zur Entnahme von Wasser aus dem Auerbach mittels einer kleinen Pumpanlage. Herr Fritz Schönberger, Gartenbau, Bensheim-Auerbach, Am Bangert 15, beabsichtigt auf dem Grundstück Flur XV Nr. 152s/io und 153s/io der Gemarkung Bensheim-Auerbach eine kleine Pumpanlage zur Entnahme von Wasser aus dem Auerbach zu errichten. Die Pläne liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet, bei dem Bürgermeister der Stadt Bensheim zur Einsicht für Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind, gehörig be¬ gründet, binnen vorbestimmter Frist bei Meidung des Ausschlusses bei dem Bürgermeister der Stadt Bensheim schriftlich oder münd¬ lich vorzubringen. Heppenheim, den 23. November 1950. Der Landrat ds« Kreise« Bergstraße, I. A.: Grein
Beurkundete Sterbefälle (In der Woche vom 20. bis 25. November 1950) Becker, Friedrich Adam Wilhelm Jakob, geb. 17. 3. 97, Maurer, Darmstadt, Pallaswiesenstraße 1, gest. 18. 11. 50. — Bernhard, Katharina, geb. 28. 9. 75, Nieder-Beerbach, Bachgasse 9, gest. ,19. 11. 50. — Brommer, Katharina, geb. 26. 4. 66, Groß-Bieberau, •Brensbacher Straße 62, gest. 23. 11. 50. — Dörr, Eva geb. Bößler, geb. 11. 7. 84, Rheinheim, Darmstädter Straße 36, gest. 18. 11. 50. — Engel, Philipp, geb. 15. 4. 99, Betriebsvorarbeiter, Darmstadt, Gardistenstraße 13, gest. 21. 11. 50. — Ernst, Katharina geb. Stork, geb. 17. 8. 95, Büttelborn, Karlsstraße 10, gest. 25. 11. 50. — Feldmann, Elisabetha, geb. 10. 10. 97, Darmstadt, Landwehr¬ straße 62, gest. 20. 11. 50. — Germann, Anna Margaretha geb. Saiuer, geb. 4. 5. 89, Darmstadt, Liebfrauenstraße 44, gest. 20. 11. 50. — Geyer, Adam Johann, geb. 8. 10. 78, Rentner, Darmstadt, Sandbergstraße 4, gest. 20. 11. 50. — Heherer, Georg August, geb. 23. 2. 89, Hilfsarbeiter, Darmstadt, Land¬ wehrstraße 107, gest. 25. 11. 50. — Jährling, Luise geb. Schmitt, geb. 15. 5. 94, Darmstadt-Eberstadt, Muna Block 2, gest. 24. 11. 50. — Kaden, Käte Elsa, geb. 17. 7. 50, Egelsbach, Niddastraße 52, gest. 22. 11. 50. — keßler, Magdalena geb. Mül¬ ler, geb. 23. 9. 75, Darmstadt, Viktoriastraße 66, gest. 17. 11. 50. — Kunz, Barbara geb. Widekind, geb. 16. 12. 82, Groß-Zimmern, Leinestraße 48, gest. 18. 11. 50. — Müller Margaretha geb. Guth, geb. 3. 11. 59, Darmstadt, Büchnerstraße 18, gest. 20. 11. 50. — Oberdörfer, Georg, geb. 12. 2. 95, Kaufmann, Darmstadt, Liebigstraße 47, gest. 19. 11. 50. — Pessel, Chri¬ stiane geb. Enders, geb. 13. 1. 73, Darmstadt, Ludwigshöh¬ straße 2, gest. 22. 11. 50. — Pfeiffer, Gerhard, geb. 20. 11. 50, Nieder-Klingen, Lengfelder Straße 5, gest. 20. 11. 50. — Ritter, Ernestine Adolphine geb. Kritzer, geb. 1. 2. 89, Darmstadt-Arheil¬ gen, Fuchsstraße 3, gest. 24. 11. 50. — Rößler, Dagma Anna Elisabeth, geb. 15. 11. 50. Reinheim, Hinter der Stadt 5, gest. 21. 11. 50. — Ruß, Johann, geb. 5. 5. 79, Bierbrauer, Griesheim, Georgenstraße 24, gest. 18. 11. 50. — Schmidt, Marie geb. Schneider, geb. 3. 11. 72, Darmstadt-Arheilgen, Ettesterstraße 18, gest. 20. 11. 50. — Trumptheller, Karoline geb. Fell, geb. 6. 9. 13, Darmstadt, Scheppallee 80, gest. 13. 11. 50. — Weiße, Johann Karl Martin, geb. 14. 12. 71, Schlosser, Darmstadt, Wein¬ bergstraße 38, gest. 23. 11. 50. — Wenzel, Karl, geb. 8. 6. 89, Invalide, Gundershausen, Darmstädter Straße 92, gest. 19. 11. 50. — Zarges, Ernst, geb. 24, 2. 92, Postamtmann, Seeheim, Berg¬ straße 22, gest. 17. 11. 50. Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 2. Dezember 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Bessunger Kirche; 17.30 Martins¬ stift; 20.00 Johannesgemeinde, Elisabethenstift (Beichtgd.), Pauluskirche: Musikalische Vesper. Sonntag, den 3. Dezember 1950, 1. Advent Bessunger Kirche: 9.00 Hgd. m. hlg. Abdm., Dekan Weiß; 12.00 Tgd.; 14.30 Kgd.; 17.00 Vorweihnachtl. Barockmusik (Mi. 6. 12. um 20.00 Bibelstd. im Gemeindehaus, Dekan Weiß). Stadtkirche: 9.30 Hgd. m. hlg. Abdm. (m. Bachkantate: Nun kommt der Heiden Heiland);- 11.00 Kgd., Pfr. Knodt; 15.00 Einweihung des Gemeindehauses in der Kiesstr. 17 (Mi. 6. 12. um 20.00 Gebetsgd. für die Kriegsgef.); Ver. Martinsgemeinde: 10.00 Hgd. m. hlg. Abdm., Pfr. Köhler; 11.15 Kgd. im Martinsstift, Pfr. Widmann. Altersheim, Emllstr.: 10.00 Gd. m. hlg. Abdm., Pfr. Stühlinger. Matthäusklrche: 9.30 Hgd. m. hlg. Abdm.; 10.45 Kgd., Pfr. Stenger (Do. 7. 12 um 20.15 Bibelstunde). Johannesgemeinde: 9.30 Hgd. m. hlg. Abdm.; 11.15 Kgd.; 17.00 Abdgd., Pfr. Jaeschke (Mi. 6. 12. um 20.00 liturg. Abendgd. u. Mitwirkung des Kirchenchores; Fr. 8. 12. um 20.00 Bibelstd., Pfr. Orth). Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd. tn. hlg. Abdm.; 11.15 Kgd., Pfr. Ring. Pauluskirche: 8.00 Abdm.-Gd.. Pfr. Britz; 9.30 Predigtgd., Pfr. Britz; 11.00 Kgd.; 15.30 Adventsfeier der Frauenhilfe. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. hlg. Abdm.; 11.00 Kgd. Stadtmission, Mühlstr. 24: 7.00 EC-Adventsfeier; 8.30 Gebets¬ stunde; 11.15 Kgd.; 15.30 Adventsfeier mit Gesangsvortr.; 20.00 Missionsvortrag der Fürstin Liven im Johannesgemeinde¬ saal (Di. 15.30 Frauenbibelstd.; Do. 20.00 Bibelstd.). Da.-Eberstadt: 9.45 Hgd.; 11.15 Kgd.; 17.00 Ev. M. m. Jugend¬ abendmahl. Da.-Arheilgen: 10.00 Hgd. I. Gemeindehaus (Posaunenchor), an¬ schließ. Abdm.; 14.00 Kgd.; 14.00 Schloßkapelle Kranichstein: 17.00 Liturg. Aventsand. tn. Abdm. (Do. 7. 12. 20.00 Bibel¬ stunde).
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Im Gottesdienst der Stadtkirchengemeinde, der am 1. Advent, den 3. 12. ausnahmsweise um 9.30 Uhr beginnt, singt der Stadtkirchenchor die Bachkantate Nr. 61: „Nun kommt der Heiden Heiland“. Solisten: Frau Horn-Stoll (Sopran), Herr Rasch (Tenor), Herr Massoth (Baß), Orchester: Freunde der Kirchenmusik. In der Bessunger Kirche musiziert am 1. Advent, 3. 12., Erica Schneider mit ihren Schülerinnen vorweihnachtliche Ba¬ rockmusik vom Pachalbei, Corelli und anderen alten Mei¬ stern bei freiem Eintritt. Katholische Gottesdienste Sonntag, den 3. Dezember 1950 St. Ludwig (Nieder-Ramstädter Straße 30): 6.30 Frühm.: 8.00 Singm. m. Pr.; 9.30 Hochamt m. Pr.; 11.00 Studentengd. m. Pr.; 18.00 Adventsandacht (Werkt.: tägl. um 6.45 und 7.30 hl. Messe. Beichte: heute 14.30 Kinderbeichte; von 18—20 für Erwachsene. Wilhelminenpl. 9: Sonntag 8.30 Kgd. m. Pr. u. hl. Komm. Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pr.; 8.15 Hochamt m. Pr.; 10.00 Kgd. m. Anspr.; 18.30 And. (Werkt.: tägl. 6.30 hl. Messe; Di., Mi., Fr. u. Sa. 2. hl. Messe 8.05; Do.' 19.00 Jugend- und Kinderm.; jed. Mi. 8.05 Gemeinschaftsm. f. d. Frauen). St. Elisabeth: 6.30 Frühm.; 7.45 Singm. m. Pr.; 9.00 Kgd.; 10.15 Hochamt m. Pr.; 14.30 Andacht. Beichte: Sa. 16.30—18.30 u. 20.00. (Fr. 8. 12. Fest der unbefl. Empfängnis Mariens: 20.00 Hochamt.) St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schwestern (Feldberg¬ straße 32); 6.45 Beichte; 7.30 Singm. m. Pr. u. Komm.; 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm.; 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm.; 18.00 Andacht. (Sa. 17.00—19.00 und ab 20.00 Beichte, sonst werkt, vor jd. hl. Messe.) Sonntag, 12. 12.: Einkehrtag der Männer in Darmstadt Schwe¬ sternhaus Nieder-Ramstädter Straße. Thema: Ehe am Scheide¬ wege. Es sprechen Domkapitular Schwalbach und Dr med. Schmidt. Alle Männer des Dekanats Darmstadt sind eingeladen. Meldungen an die Pfarrämter oder die Obmänner des Männerwerkes. Da.-Eberstadt: 7.20 Morgengeb. d. Jugend; 7.30 Gemeinschafts¬ messe der Jugend m. Adventskomm.; 9.45 Advents-Amt m Pr.; 15.00 Erstkomm.-Unterricht; 18.00 Adventsandacht (Sa 16.00—18.30 Beichte, 19.30 Abendgeb. der Jugend.) Werk¬ tags: 7.00 Rorateamt m. Segen. Da.-Arheilgen: 7.00 Frühm.; 8.30 hl. Messe m. Gemeinschafts¬ komm. der Kinder; 9.45 Hochamt; 13.30 Erstkomm -Unter, richt; 14.30 Adventsandacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Curch of Christ, Sdentlst), Taunusstr. 40: Sonntaasanttoc dienst 14.30 (Mi.: 18.30 Zeugnisversammlung). B Christengemeinschaft, Herdweg 31 So. 10.00; Di. 7.00; Mi. uvSa. 8.00 Menschenweihehandlung. Evangelische Freikirche und Gemeinden Sonntag, den 3. Dezember 1950 Evgl. Frelkirchl. (Baptisten-)Gem., MOllerstr. 40- 9 in prPH Gottesdienst P. Schlier. ' a rrea" Freikirche Evgl. Gemeinschaft, Bessunger Str. 125- m nn Pro digt P. Pleßmann. ' u-uu rre’ Methodistenkirche, Wilh.-Leuschner-Str. 38. Sonntags 19 30 Pre digtgottesdienst. Montags 20.00 Frauenarbeitsstd. (P Breu¬ ninger). Mittwoch, 6. 12.: 19.30 Missionsvortrag des Afrika nermissionars Theophil Hopf (Bethel-Miss ) & *«1« Christl. Gemeinschaft, Mollerstr. 40: 15.30 Bibelstd. P. Krust. Baha’i-Gemeinde, Darmstadt „Lesung aus den Baha’i-Schrlften". Di. 5. 12. um 19 00- ni to 12. um 19.00: Wohnung Dr. R. Jockel, Barkhausstraße 70 Gäste willkommen.
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Die Kanonade von Hambach
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Das war zur guten alten Zeit, als man noch in Klosterschulen das Schreiben lernte und seinen Zwist mit einem wackeren Knüppel austrug. Damals also hatten die Gemeinden Hambach und Kirschhausen im Odenwald einen gemeinsamen Gemeiridebullen.
Zweihundert Jahre hatte kein Mensch danach gefragt, wem das Vieh gehörte. Dem Bullen war es ohnehin egal, ob die Hambacher oder die Kirschhäuser zu ihm kamen: er tat seine Pflicht, wie das Gesetz es befahl.
Der Bulle stand in einem Hambacher Stall, und eines Tages kamen die Kirschhäuser auf die Idee, den Bullen nach Kirschhausen zu treiben. Denn es war ihnen ein Dokument in die Hände gefallen, auf dem schwarz auf weiß zu lesen stand, daß Anno Domini vor zweihundert Jahren der damalige Bulle
von einer Kirschhäuser Kuh geboren ward und somit als Stammvater des Geschlechtes der Gemeindebullen anzusehen sei, und daß infolgedessen der Gemeindebulle von Rechts wegen in einen Kirschhäuser Stall gehörte, was hinwiederum eine Befreiung des Bullen kategorisch und sofort verlangte.
Die Kirschhäuser also ernannten eine Gesandtschäft von zwei angesehenen Bürgern, drückten ihnen das Dokument und viele gute Ratschläge in die Hand und ein kräftiges Vesper in die Hosenlasche und schickten dergestalt ihre Forderung auf den Weg.
Nun liegt Kirschhausen rechts und Hambach links der trutzigen Starkenburg. Die wackeren Bolen also ritten auf kräftigen Rossen durch die wehrhafte Stadt Heppenheim und klommen den Stich empor ins Hambacher Tal. Auf dem Platz im schmalen und langen Dorf machten sie halt, der Bürger Mitsch blies in eine zerbeulte Trompete, die sich aus den Wirren der Schwedenkriege nach Kirschhausen in ein beschauliches Dasein gerettet hatte, und bis die Bürger von Hambach herbeigeeilt waren, aß man einstweilen ein wohlbelegtes Schinkenbrot.
Dann begann der Bürger Michel seine Rede: „Die Bürger von Kirchhausen tun Euch, den Bürgern von Hambach, kund und zu wissen, daß sie den Gemeindebullen, so er bislang zwischen beiden redlich geteilet ward, nunmehr als ihr alleiniges Eigentum betrachten ..
Als der Kirschhäuser seine lange und verschnörkelte Rede vollendet hatte, begannen die Harm buchet zu murren, und nachdem der Hambacher Schmied eine feurige Rede gehalten hatte, warf man die Kirschhäuser samt Rössern kurzerhand zum Dorf hinaus.
AUS DEM INHALT: Die Kanonade von Hambach Seite 2 Frauen im Sturm der Zeiten Seite 3 Bunte Palette aus Mexiko Seite 4 Oberschlesien,nicht nur Industrieland Seite 3 Warum weint mein Kind? Seite 6 Blick in die Welt Seite 8
Solche Tat schreit nach Rache. Die Kirschhäuser taten das, was sie schon einmal im Schweden'krieg getan hatten: sie nahmen Hellebarde, Schwert'und Sense und zogen gen Hambach. Vierundzwanzig wackere Kämpen marschierten racheschnaubend durch den wilden Odenwald, zur höheren Ehre des Gemeindebullen und des geschändeten löblichen Namens.
Die Hambacher, die wußten, was kam, hatten in aller Eile ebenfalls ihre Streiter zusammengetrorm melf, und als der Marschall die Häupter der Seinen zählte, kam er auf die stolze Zjhl siebzehn. Aber dieses Manko ward wettgemacht durch eine großmäulige Kanone, die die Schweden früher einmal vergessen hatten. Die Hambacher also zogen zum oberen Dorf hinaus und etablierten dort sich und ihre Kanone.
Die Kirschhäuser gewahrten die feste Stellung, machten Halt und hielten vorsichtshalber Kriegsrat. Dann begannen sie mit Steinen zu werfen. Die Hambacher überschütteten sie zur Antwort mit wilden Schmähreden und einem Hagel handfester Brocken. Nachdem man sich dergestalt drei Stunden ü) den paaren, und Zähnen gelegen hatte, nachdem das Blut in Wallung geferacht und die Gemüter erhitzU waren, steckten die Hambacher eine dicke Eisenkugel in ihr Kanonenrohr', hielten eine Lunte ans Pulver, es-tat einen Schlag, daß den Kämpfern die Ohren wackelten.— und die Kugel flog in hohem Bogen hinüber zur Kirschhauser Armee.
Bei den Kirschhäusern gab es -einen Riesern tumult, und keine zehn Sekunden waren vergangen, da erschien ihr Feldherr auf der, Spitze des Erdwalls, hinter dem seine Truppen lagen, und schrie erbost und in heller Empörung zu den Hambachern hinüber: „Seid ihr wahnsinnig geworden, hierher zu schießen? Hier stehen doch Leute!"
Die Hambacher sahen ihren Fehler ein und kratzten sich verlegen hinter den Ohren. Die Kirschhäuser kochten vor Wut, nahmen im ersten Anlauf den feindlichen Wall, schlugen die Hambacher in die Flucht und drangen nach einer fürchterlichen Klopperei in den Stall des Gemeindebullen ein.
Die Verlustliste der beiden Heere zeigte nach geschlagener Schlacht eine große Zahl veilchenblauer Augen und faustdicker Beulen, ein verbogenes Nasenbein und die am Boden zerstörte Kirschhäuser Trompete. An Toten gab es nur einen einzigen: den Gemeindebullen. Er war im Laufe des Kampfes wild geworden, auf seine Befreier losgegangen und in Notwehr liquidiert worden.
Der „Richter-Henrich“ aus Groß-Rohrheim
ER TRUG JAHRAUS, JAHREIN BUTTER AUF DEN MANNHEIMER MARKT
Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts betrieb ein Groß=Rohrheimer neben einer kleinen Landwirtschaft’noch einen Butter= und Eierhandel, und zwar trug er seine Ware in einem Korb auf dem Kopf 30 km weit nach Mannheim auf den Markt. Das war der „Richter=Henrich", ein hagerer Mann, der in einem Gäßchen wohnte, das auf die Korngasse siieß. Sein richtiger Name lautete Heinrieh Richtberg, aber in Groß=Rohrheim hieß er nur „Richter=Henrich".
Woche für Woche lief dieser zähe und arbeitsame Mann mit Butter und Eiern nach Mannheim. Wer zusehen wollte, wie ihm seine Frau den „Ring" auf den Kopf legte und den schweren Korb darauf hob, der mußte schon in aller Herrgottsfrühe auf den Beinen sein. Und so schwer die Last auch immer
war, die er auf dem Kopfe trug, Henrich war im Nu die Korngasse draußen und auf der Bibliser Chaussee, passierte mit kräftigen Schritten die Wolfenbrücke, dann die „Waad" und schließlich die „Schanz". In Biblis gabs manchen freundlichen Zuruf, aber keinen Aufenthalt. Den leistete er sich an heißen Tagen erst an der Weschnitzbrücke, wo er mal verschnaufte, sich die heiße Stirne mit einem großen bunten Taschentuch abwischte und aus einer Blechflasche einen kräftigen Schluck Kaffee trank. Bald war nach dieser kurzen Rast Bobstadt erreicht, wo ihn jeder kannte und wo es an Zurufen ebenso wenig fehlte wie in Bürstadt und in Lampertheim. Wenn Henrich mit jedem, der ihn ansprach, ein Schwätzchen hätte halten wollen, wäre er schwerlieh ans Ziel gekommen, deshalb sagte er sich ein für allemal: „Nix wie fort!" Von Lampertheim über Waldhof nach Mannheim, das war noch ein Weg, der sich in die Länge zog. Nur gut, daß er stellen^ weise durch Wald führte und „Ruhen" aufwies, wo man bequem abstellen konnte.
In Mannheim auf dem Wochenmarkt brauchte Henrich nicht viel Worte zu machen: seine gute, goldgelbe Groß=Rohrheimer Butter, die stets schön verziert war, erfreute sich großer Beliebtheit und ging rasch ab. Selbst das fünffache Quantum wäre er los geworden, wenn er es hätte herbeischaffen können. Aber nicht nur seine Butter, auch seine frischen Eier waren bei den Mannheimer Haus=
frauen sehr beliebt, die vor allem die goldgelben Dotter, die sie in der Regel hatten, zu schätzen wußten. Henrich, der bald ausverkauft hatte, konnte auch in Mannheim bald „nix wie fort", was er um so lieber tat, als daheim allerhand Arbeit auf ihn wartete. Der Heimweg war für ihn „eine Schnitz", der Korb war leer, und der Geldbeutel drückte ihn nicht.
So ging das bei ihm Woche für Woche und Jahr für Jahr, bei Sonnenschein und Regen, aber auch bei Kälte und Schnee. Aber eines Tages hörte es auf. Nicht, weil Henrich nicht mehr gekonnt oder nicht mehr gewollt hätte — er wäre von Herzen gern noch weiter auf Schusters Rappen nach Mannheim und zurück gelaufen. Die Eisenbahn war es, die eines Tages von Frankfurt über Groß=Rohrheim nach Mannheim dampfte und seinen übrigens manchmal recht gefährlichen Marktgängen ein jähes Ende bereitete. Erst tat es ihm leid, aber schließlich fand er sich damit ab, und je älter er wurde, desto mehr wunderte er sich darüber, daß seine Füße, die ihn jetzt oft schmerzten, früher den himmelweiten Weg ausgehalten hatten. Und mehr als einmal sagte es der Richter=Henrich in seinen alten Tagen: „Off Mannern häi= unn herlaafe, däß könnt ich jetzt ne'mäi", was von verständnisvollen alten Groß=Rohrheimern, vor allem aber von seüier Frau, mit „seil glaawe Mensche" bekräftigt zu .erden pflegte.
So wortkarg der „Richter=Henrich" sonst auch sein mochte, so gesprächig konnte er beim „Bierbrauer" samstagsabends bei einem Glas Bier werden. Wenn er am Wirtshaustisch von alten und jungen Bauern zum Erzählen aufgefordert wurde, tat er ihnen auch meist den Gefallen und gab einiges aus seinem Leben zum besten. R. F.
Nachklage
Von Joseph Freiherr von Eichendorff
Mir träumt, ich ruhte wieder Vor meines Vaters Haus Und schaute fröhlich nieder Ins alte Tal hinaus. Die Luft mit lindem Spielen Ging durch das Frühlingslaub, Und Blütenflocken fielen Mir über Brust und Haupt.
Als ich «erwacht, da schimmert Der Mond vom Waldesrand, Im falben Scheine flimmert Um mich ein fremdes Land. Und wie ich ringsher sehe: Die Flocken waren Eis, Die Gegend war vom Schnee Mein Haar vom Alter weiß.
Frauen IM STURM DER ZEITEN
VON PETER GRIESENBRUCH8. Fortsetzung
In Paris ist Hungersnot? Auf diesen Tischen reichen die Lakaien des Königs ununterbrochen die Schüsseln mit Pasteten, Wildbret, Früchten, Konfekt und Eis. Und alle die Offiziere sind fröhlicher Stimmung, sie trinken einander zu; aber am häufigsten sind die Trinksprüche auf das Regiment Flam dern.
Was der Herzog von Orleans vor neun Tagen ins Werk geleitet hatte, war zu umfangreich, war zu großzügig geplant, hatte zu vieltausend Personen umfaßt, als daß es völlig geheim hätte bleiben körn nen. Noch arbeitet die Geheimpolizei des Innern ministeriums vorzüglich; der Hof hat Wind be» kommen davon, daß ein Sturm herannaht; er hat sich darauf besonnen, daß ein treues Regiment, das nämlich mit dem Namen Flandern, in der Nähe steht; es hat in Eilmärschen herangemußt, und für heute abend hat das Königspaar den Offizieren der Truppen ein Bankett gegeben.
Nein, in diesem kriegerischen Adel Frankreichs ist kein Falsch wie in dem müßigen Hofadel, der aus Übersättigung und Verspieltheit und kindischer Gekränktheit seit langem der Herd der Ränke ge» gen die Königin ist und dessen verworfenste Glie» der nun schon seit einem halben Jahr das Bündnis mit der Revolution eingegangen sind. Hier, unter dem Schwertadel, herrscht noch die alte Treue des Lehnsmannes zu seinem Lehnsherrn.
Und nun öffnet sich die große Tür, nun kommt der König herein, an seiner Seite die Königin mit dem kleinen Prinzen auf dem Arm. Die Stühle flie» gen zurück, wie ein Mann erhebt sich das Offiziers» korps, alle Blicke fliegen nach der Tür, begleiten jetzt das Paar, wie es von Tisch zu Tisch geht.
Der König — du lieber Himmel, ist das wirklich ein König? Unbeholfen schiebt er den schweren Leib vor sich her, auf seinem Gesicht ist ein ge» quältes Lächeln, man merkt, er ist fürchterlich verlegen, er schwitzt vor Verwirrung — aber er ist der König!
Und da an seiner Seite schreitet die Frau, die jetzt alle Herzen bezwingt, wenn man sie nur ansieht. Das Gesicht Marie Antoinettes ist ernst; sie weiß, wie gefährdet sie und ihr Gatte sind; und sie kann nicht vergessen, daß vor einem Vierteljahr der ge» liebte Sohn starb; der Kronprinz, den sie jetzt auf dem Arme trägt, ist eigentlich der zweite Sohn.
Es lebe die Königin!
Aber sie ist schön, beim Himmel, sie ist schön, und sie ist wahrlich eine Königin! Wie sie dahergeht, schlank und steil und dennoch biegsam, mit dem federnden Gang, wie ihr goldenes Haar im Kerzenschimmer aufleuchtet, wie jetzt ein Lächeln auf den blassen Lippen erscheint, wie sie nun den stolzen Kopf zur Begrüßung neigt, wie sie nun den kleinen Kronprinzen hoch empor hebt — dies müßten keine Männer, dies müßten keine Edelleute sein, wenn ihr Herz nicht vor Begeisterung höher schlüge bei diesem Anblick.
Und nun stimmt in einem blitzschnellen Einfall die große Kapelle die Hymne an: „Richard, o mein König. "
Richard, o mein König; alle haben dich ver» lassen, ich allein verlaß dich nicht...
Nein, diese Männer werden ihren Herrscher nie verlassen. Und nun fahren die Degen aus der Scheide, nun funkelt das Licht auf dem hundertfach emporgereckten Stahl, nun schreiten König und Königin durch unter einem schützenden Dach von gekreuzten Schwertern, und nun braust donnernd der Ruf durch den weiten Saal: „Es lebe der König! Es lebe die Königin!"
Es lebe die Königin ..., wie lange hat Marie An» toinette diese Worte nicht gehört! Und wie sie nun in- alle diese männlichen Gesichter und diese strah» lenden Augen blickt, fühlt sie einen letzten Schim» mer von Hoffnung, einen letzten Hauch einst ver» gam? nen Glückes in ihr Herz ziehen. Vielleicht ist doch nicht alles verloren?
Alles ist verloren. Das Festmahl für das Regiment Flandern bringt das Königspaar dem Blutgerüst nur näher.
Arme, stolze, unwissende Marie Antoinette! Sie hat allen Mut des Königtums; sie hat nichts von der Weisheit, die nötig wäre, es in stürmischen Zeiten zu halten. Das Festmahl für das Regiment Flandern, der Besuch des Königspaares, die Hochrufe der Offiziere, das alles ist nur eine Hilfe für ihren gefährlichsten Feind.
Als die Nachricht von dem Bankett zum Palast der Orleans kommt, begreifen der Herzog und seine Berater sofort die Gunst der Stunde. Niemals war die Gelegenheit besser für einen tödlichen Stoß. Die Banden, die in seinem Solde stehen, werden so leicht nicht wieder dazu zu bringen sein, ins Hauptschloß der Monarchie zu dringen, das Königspaar herunterzureißen in die schimpfliche Berührung mit aller Hefe von Paris und so sein Ansehen tädlieh zu treffen. Versinken in den Strudel des Aufruhrs auch das Leben des Königs und der Königin — um so besser!
Die Agenten des Herzogs erregen mit den Nachrichten von dem Bankett die wütendste Erbitterung. Welche Unverschämtheit der Königstreuen! Dafür hatte man Frankreich nicht die Freiheit gebracht, daß sich auch der Thron ihrer bedienen darf.
Und zu der entfesselten Wut gesellt sich die entfesselte Angst, sorgsam geschürt von den ver» wegenen Ränkeschmieden um den Herzog von Orleans. Sie wissen, wie man Menschenmassen da» zu bringt, den letzten Rest ihres Verstandes zu ver» gessen. Haben die Offiziere nicht mit Absicht ver» gessen, nach dem Hoch auf das Königspaar auch auf das der Nation auszubringen, wie es doch seit einem halben Jahre üblich ist? Liegt dahinter nicht schon die Drohung? Hat man nicht die dreifarbige Kokarde in den Staub getreten, die in den letzten Monaten gestraften worden ist? Was bedeutet es denn, daß man ein neues Regiment herbeigeholt hat? Nichts anderes, als daß man Paris mit Gewalt erstürmen will. Im Blute ihrer Mitbürger will die Königin, die Verruchte, sich baden. Soll man war» ten, bis man abgeschlachtet wird? Lieber angreifen, als ermordet werden! Zu den Waffen, Mitbürger, zu den Waffen!
Kein Einfall derer um den Herzog aber ist ge» schickter, ist teuflicher als dieser, mit dem man sich die Armee besonders aussucht, die gegen Versailles losgeschickt wird. Ludwig der Sechzehnte und Marie Antoinette haben noch treue Soldaten? Nun, man wird sehen, ob die Soldaten auch auf wehrlose Frauen feuern werden.
Der Zug der Weiber
5. Oktober 1789. Über die Landstraße von Paris nach Versailles galoppiert ein einsamer Reiter. Das Pferd ist er» schöpft, die Nüstern dampfen, aber immer wieder reißt es der unbarmherzige Reiter mit Peitsche und Sporn nach vorne. Der Graf Alexander von Fersen reitet wie nie in seinem Leben. Er hat Eile. Es gilt, Menschen zu retten, und einer davon ist die Frau, die er liebt.
Ach, der König von Frankreich und die Königin haben wohl einen treuen Diener nötig, der sie warnt. Dieser König, der die Vorgänge um ihn herum überhaupt kaum versteht und der keine Lust hat, gegen das Schicksal anzukämpfen, ist wie gewöhnlich auf die Jagd geritten. Seit drei Monaten ist Revolution im Lande; sein König jagt und schlossert jeden Tag wie ehedem. Marie Antoinette aber ist noch einmal in ihrem Trianon, um mit dem Blick auf die braunen und gelben Blätter des ge» liebten Parks und auf den leise niederrinnenden Regen darüber nachzudenken, wie zuweilen Schat» ten hinter dem Glanz des Lebens stehen. Ahnt sie, daß sie zum letzten Male den Platz gesehen hat, der ihren Augen am teuersten ist?
Den beiden Herbeigerufenen meldet der Graf schlimme Botschaft. Früh am Morgen ist eine Frau — niemand kennt ihren Namen, aber an ihren Fingern hatte sie reiche Ringe — in ein Wachlokal der Bürgerwehr eingedrungen. Die Überraschten und Erschreckten haben ihr nicht wehren wollen, so hat sie eine Trommel ergriffen, ist mit ihr auf die Straße geeilt und hat den Wirbel geschlagen. Verdächtig schnell haben sich andere Frauen hin» zugesellt, schlampige, übelriechende Frauenzimmer zumeist, aber dazwischen nicht minder verdächtige vornehme Damen. Unter dem Geschrei nach Brot ist man zum Stadthaus gedrungen, wieder ist kein Widerstand geleistet worden, man hat Spieße und Flinten und sogar zwei Kanonen genommen. Merk» würdig schnell haben sich Männer angeschlossen, die mit Waffen umzugehen wissen, und nun ist ein Zug von achttausend Menschen, fast lauter Wei» bern, im strömenden Regen unterwegs auf der Straße nach Versailles. Die Boten sind abgefangen worden, die dem König die Nachricht melden woll» ten; nur der Graf Fersen ist entkommen.
Man muß handeln. Die Minister des Königs sprechen mit den Vertretern der Nationalversamm» lung, die in Versailles tagt, die ein freies Volk will und die darum die Beschmutzung durch den Pöbel scheut. Die Politiker geben dem König zwei Rat» Schläge. Beide sind gut; vielleicht würde ein jeder von ihnen den König retten; aber man muß ein König, man muß wenigstens ein Mann sein, um sie zu befolgen.
Ludwig, der Zauderer
Der eine, der entschlossenste, ist bereit zu kämpfen. An der Spitze seiner Dragoner soll der König den Weibern entgegenreiten. Vor der Entfaltung gebietender Stärke wird der Zug der disziplinlosen Menschen zurückweichen. Der andere, der weniger gute Ratschlag, heißt Flucht. Mit dem Hofe und der Nationalversammlung nach Ramboulett ausweichen, heißt dem geplanten Stoß das Ziel nehmen und zugleich vor ganz Frankreich den Pöbelaufruhr und seine Urheber bloßstellen. Fliehen ist eigentlieh unköniglich, aber immerhin, es heißt auch etwas getan, und es ist immer noch besser als zögern.
Aber Ludwig der Sechzehnte wäre nicht Ludwig der Sechzehnte, wenn er nicht zauderte. So ver» rinnen in endlosem Gespräch die Stunden. Bleich, die Zähne an der Unterlippe nagend, steht Marie Antoinette inmitten dieser Verwirrung. Wäre sie der König, sie wüßte, was sie täte. Wäre sie ein Mann, sie würde ihn wenigstens bestürmen zu han» dein. Aber es ist nicht üblich unter der Krone Frankreichs, daß die Königin mitspricht im Rate der Minister. So dehnt sich endlos die Beratung, die Herbstsonne versinkt, noch ist kein Entschluß ge» faßt; endlich scheint sich der König aufzuraffen . ..
.. .da ertönt von unten her ein dumpfes Brausen, das immer näher kommt, dazwischen Trommel» wirbel, man unterscheidet schon einzelne Rufe: „Brot! Brot! Führen wir den Bäcker und die Bäcke» rin nach Paris!" Die Weiber sind da. Zufrieden sinkt der König in seinen Sessel zurück. Das Schwierigste ist ihm erspart geblieben. Er braucht nicht zu handeln.
Aber starr schaut Marie Antoinette in die Däm» merung des Herbsttages. Dies ist die Stunde, in der sie ihre Hoffnungen begräbt. Die lange Herbstnacht ist über Versailles her» niedergesunken, die Lichter im Schloß und in den Häusern sind erloschen. Der König hat verdrieß» lieh in sein Tagebuch eingetragen, das jeden Abend seine Haupteindrücke empfängt: „Drei Rebhühner, ein Feldhuhn. Jagd unterbrochen durch die Er» eignisse."
... durch die Ereignisse! Das ist alles, was der König von Frankreich vor sich selber zu sagen weiß über einen Tag, der sein Reich in seinen Grundfesten erschüttert und sein eigenes Leben bedroht. Für ihn besteht das Leben aus Jagd und Schlosserei und ein wenig Plaudern mit seiner Familie. Herrscherpflichten sind lästig; man denkt am besten überhaupt nicht an sie. Nun ist er längst zu Bett gegangen und schläft seinen gesunden Schlaf dem kommenden Morgen entgegen, der so viel Schrecknisse für ihn bergen wird.
(Fortsetzung folgt)
Bunte Palette aus MEXIKO
Bevor man die Grenze eines Landes überschrei* tet, macht man sich Vorstellungen und Gedanken über seinen Charakter, die Menschen und die Landschaft. Nicht immer treffen diese Vor* Stellungen zu, weil sie oft aus der Lektüre einschlä* giger Literatur oder auf mündlichen Erzählungen von Reisenden beruhen, die das Land mehr oder weniger gründlich besucht haben.
Wohl kaum ein Land der Erde ist soviel ver* schiedenen Vorstellungen unterworfen wie Mexiko. Es hat den Verfassern von Abenteuer=Romanen immer wieder herhalten müssen. Dabei wurden die Begriffe so weit verwirrt, daß der Leser solcher Bücher vielfach in Mexiko nichts weiter sah als ein Land, in dem nur mit dem Schießeisen verhandelt wird und wo der Revolver gleichsam zum Eßbesteck gehört. Zu dieser Auffassung haben auch die zahlreichen Bürgerkriege beigetragen, von denen Mexiko allerdings im Laufe der Zeit heimgesucht wurde.
Die Schilderungen, die Mexiko als einen unruh* vollen Staat darstellen, sind fast immer maßlos übertrieben. Gewiß spielen Revolver und Maschi* nengewehre eine Rolle; der Reisende ist überrascht, wenn er feststellt, daß der Zug, der ihn von der Küste nach Mexiko=City bringen soll, gegen räuberische Ueberfälle durch eine militärische Bewachung gesichert ist, die gleich hinter dem Tender vor schußfertigen Maschinengewehren sitzt. Auch bei der Fahrt über Land stößt man auf den Straßen in gewissen Abständen immer wieder auf Militär* posten, die den friedlichen Bürger schützen sollen.
Aber im allgemeinen ist die Unsicherheit geringer als es die Skribenten von Räuberpistolen wahr* haben möchten.
Mexiko ist bunt — diese Definition trifft wohl am meisten auf Bevölkerung, Landschaft und Re* gierung zu. Es ist nicht rot, wie vielfach angenommen wird. Es mag ursprünglich in der Absicht Mos* kaus gelegen haben, aus Mexiko einen bolsche* wistischen Staat zu machen. Aber der Versuch mißlang, wenn auch zahlreiche rote Emigranten aus anderen Ländern in Mexiko ein Asyl fanden.
Allerdings wurde seit 1920 der Grundbesitz unter 7000 mexikanische Gemeinden mit insgesamt drei Millionen Einwohnern aufgeteilt. Man führte eine Art Gemeindekommunismus ein, den sogenannten „ejido", aber das Ergebnis war katastrophal. Davon zeugen die zahlreichen, dem Verfall nahen Gebäude der großen Hazienden und die dazu gehörenden verwahrlosten Ländereien. Der mexikanische Staat wollte kein Landproletariat schaffen wie die Sowjet* Union, sondern den früher von den Hazendados geknechteten Peon und Landarbeiter zum Kleinbauer erziehen. Dieser Plan scheiterte jedoch an der india* nischen Geruhsamkeit der ländlichen Bevölkerung, die lediglich das bebaute, was sie zur Ernährung benötigte, alles andere aber brachliegen ließ.
Hand in Hand mit der Landenteignung der Groß* grundbesitzer ging auch die Enteignung der Kirche, die bereits 1917 vollendet war. Trotzdem wurde die Kirche nicht so radikal verfolgt wie in Rußland. Die Enteignung des Minenbesitzes, die gleichfalls beab* sichtigt war, scheiterte an der Tatsache, daß die Minen zum großen Teil in amerikanischen Händen waren und entsprechende Maßnahmen wahrschein* lieh zu ernsten Verwicklungen mit dem mächtigen und vor allem finanzkräftigen Nachbar geführt hätten.
Trotz umwälzender Gesetze und Verordnungen ist der Mexikaner Mexikaner geblieben. Man fühlt das im öffentlichen Leben, auf der Reise, in den Lokalen, auf dem Lande. Es fehlt die Knute, wie sie in Rußland herrscht. Das „manana" (der Hang, alles auf morgen zu verschieben) des Spaniers steckt dem Mexikaner doch zu sehr in den Gliedern und er fühlt sich glücklich dabei. In den Groß* Städten prallen die Gegensätze zwischen reich und arm ganz offen aufeinander, als lebe man in einem ausgesprochen kapitalistischen Staat. Hypermoderne Hotels mit allem Komfort, bombastische Villen und verlauste und verwanzte Elendsquartiere liegen dicht beieinander. Die Natur aber offenbart sich in den wenig besiedelten Provinzen in unberührter Rein* heit und Wildheit, was nicht zuletzt auch auf die indianische Gleichgültigkeit und Unbekümmertheit der breiten Masse zurückzuführen ist.
Links oben: Mexiko=City, die Hauptstadt von Mexiko, ist sehr modern angelegt. — Rechts oben: Mexikanischer Topfhändler auf der Straße. — Links unten: Mexikanischer Militärposten gegen Überfälle in 3000 m Höhe.—Rechts unten: Mexikanische Landschaft bei Cholula. Aufnahmen: Jung
Verlorene Heimat:
Oberschlesien¬ nicht nur Jndustrieland
Jn Gleiwitz und Beuthen, besonders aber in Hindenburg, Laürahütte und wie die Orte alle hei=Ben, ist das Gras nicht grün, und die Blumen leuchten keineswegs rot und gelb. Ueber allem liegt ein feiner, dunkler Schleier. Kein Wunder! Wir sind im Land der „schwarzen Diamanten", und wo nach ihnen gegraben und geschürft wird, ist auch die Umgebung schwarz, zumindest grau.
Schon vor Zeiten grub man nach Blei und nach Zink. Es folgte die Auswertung der Erz= und Kohlenlager, und mächtige Hochöfen künden vom Fleiß der Bewohner. Aber Oberschlesien besitzt nicht nur Industriestädte, Fördertürme, Fabriken und rauchende Schlote. Nein. Weite Wälder dehnen sich, in denen die Laubkronen der Bäume sich wölben, daß der Wanderer still wird wie in einem mächtigen Dom. Zur Erntezeit schweift der Blick über goldgelbe Getreidefelder, die im leisen Lufthauch ■wogen. Auf saftigen Weiden kaut das Rindvieh gemächlich ruhend wieder, und Füllen tollen mit ihren Müttern um die Wette. Schafherden ziehen über Heideland. Fern ragen dunkel die Bischofskoppe und die Ausläufer des Altvatergebirges.
Alte Städte wachsen aus der Landschaft. P a t s c hkau mit dem Mauerring und den Tortürmen zeigt unverkennbar deutschen Charakter. In Neiße blühte reiches Kunsthandwerk und eine bürgerliche Baukunst. Die Kirchen und Klöster zeigen Werke religiöser Kunst, und selbst in Dorfkirchen stehen Altäre stimmungsvoller Prägung. Viele Kirchen sind von heimischen Zimmerleuten als Blockbau oder im Schrotholzbau gefügt. St. Anna bei Rosenberg zeigt im Grundriß eine fünfblättrige Rose. Klöster, mit verschwenderischer Fülle des Barocks ausgestattet, sind nicht selten. Die Pfarrkirche von Oberglogau ist eine der prächtigsten im Lande. Auf dem St. Annaberg, der sich aus dem waldigen Hügelland 380 m hoch erhebt, steht die Wallfahrtskirche, zu der jährlich tausende frommer Pilger ziehen. Oppeln, die alte Piastenstadt an der Oder, ist in alter deutscher Bauweise errichtet worden. In Kreuzburg, der Stadt der Kreuzherren, wurde Gustav Freytag geboren, dessen bekannter Roman „Soll und Haben" Breslauer Kaufmannsleben schildert. Der Dichter schenkte uns außerdem die Geschichte der Vergangenheit des deutschen Volkes. Ottmachau liegt am Ufer des mächtigen Stausees — der Talsperre. Im Burghof der „Landesburg" wähnt man sich ins Mittelalter versetzt. Fern über dem Stausee stehen die Glatzer Berge am Horizont.
Und der Mensch dieser Landschaft? Er ist gesellig, großzügig und gastfreundlich. „Leben und leben lassen" ist seine Parole. Standesunterschiede kennt er nicht, und Bergrat, Hüttendirektor, Werkmeister und Vorarbeiter sitzen in den Lokalen gemütlich beieinander. Aber sie sagen sich auch ganz offen ihre Meinung. Sie feiern die großen Festtage gemeinsam, und den „Himmel" bei der Fronleichnams=Prozession tragen die Ehrenmänner der Stadt. Tichauer Bier ist das Festgetränk und natürlich der gute „Korn". Die überfüllten Kirchen zeigen eine unverdorbene kindliche Gläubigkeit und die religiöse Bekenntnisfreude ist groß. Der Oberschlesier ist witzig und er lacht gern. Sein Humor ist von besonderer Eigenart; er mischt harmlose Pointen zu eigenartigen Späßen. Wer den Oberschlesier nicht kennt, versteht seinen Humor schlecht. Auf einer Seite besitzt der Oberschlesier alle Grundeigenschaften des Schlesiers überhaupt; er verlernt nie das Heimweh, und einmal antwortete einer, der seine Ferien in der kohlengeschwärzten Vaterstadt Königshütte verbrachte, auf die Frage, warum er nicht wenigstens in die Beskiden fahre, wo Wald und Feld und Berge sind: „Ich geriet 1916 in russische Gefangenschaft. Damals war ich zwanzig Jahre alt. Sieben Jahre saß ich in Sibirien und bin vor Heimweh fast vergangen. Nun bin ich hier und bleibe hier. Wer weiß denn, ob ich nicht noch einmal fort muß und dann niemals mehr wiederkommen kann . . . Aufnahmen: Heinze, Pergamon
Links oben: Kosel, der erste Oderhafen
Links unten: Bergbau in Ober=Schlesien: Die Schaffgotsch=Grube
Rechts unten: W allfahrtskirche St. Anna bei Rosenberg, typischer Schrotholzbau
Rechts oben: Wegkreuz in Hindenburg
§ Der Rechtsberater bat das Wort
Die Verjährung naht...
AUSSTEHENDE FORDERUNGEN SIND JETZT ZU ÜBERPRÜFEN
Nur noch wenige Wochen trennen uns von dem Jahreswechsel, der in finanzieller Beziehung auch für Schuldner und Gläubiger von besonderer Bedeutung ist. Es ist deshalb Zeit, daß alle noch aus* stehenden Forderungen daraufhin nachgeprüft wer* Jen, ob am 31. Dezember 1950 die Verjährung ein* tritt. Wir bringen nachstehend einen Überblick über die gesetzlichen Bestimmungen, deren Kenntnis für eine solche Überprüfung unerläßlich ist.
Untere Verjährung wird der Verlust eines An* Spruchs nach Zeitablauf verstanden. Die Verjährung dient der Rechtssicherheit und dem Rechtsfrieden, die verlangen, daß veraltete Rechtsansprüche einmal ausgeschaltet werden müssen. Das Gesetz will damit den Gläubiger zwingen, seine Ansprüche rechtzeitig geltend zu machen, was auch deshalb notwendig ist, weil nach Ablauf einer längeren Zeit der Nachweis der Forderungsberechtigung bzw. der Entlastungs* beweis durch den Schuldner nicht mehr oder nur schwer zu erbringen ist. Der Ablauf der im Bürger* liehen Gesetzbuch vorgesehenen Verjährungsfristen hat immer die Folge, daß der Berechtigte mit seiner Forderung ausfällt. Dabei muß aber beachtet wer* den, daß die Verjährung nur dann berücksichtigt werden darf, wenn der Schuldner den entsprechen* den Einwand erhebt. Hieraus folgt, daß trotz Ver* jährung Geleistetes nicht mehr zurückgefordert wer* den kann, und daß der Gläubiger auch noch nach Ablauf der Verjährungsfrist seine Ansprüche gel* tend machen kann. Er setzt sich allerdings der Gefahr aus, daß der Schuldner die Leistung wegen Verjährung verweigert. Der Gläubiger muß deshalb rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, die eine Verjährung verhindern.
Nach den Bestimmungen des BGB. (§§ 196, 197, 201) verjähren alljährlich am 31. Dezember folgende Ansprüche des täglichen Lebens:
In zwei Jahren: Die Ansprüche der Kaufleute, Fabriken, Handwerker usw. für Lieferung von Waren, Ausführung von Arbeiten, der Kommissionäre, Spediteure, Agenten und Makler, für Ausführung von Arbeiten und Geschäftsbesorgung, der Landwirte für Lieferung land= und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse, der Fuhr= und Verkehrsunternehmer, der Gastwirte, Gehaltsansprüche der Privatangestellten, Lohnansprüche der Arbeitnehmer, Gebüh’ ren der Rechtsanwälte, Ärzte usw.
In vier Jahren: Die Ansprüche auf Zinsen, Tilgungsbeträge, Miet’ und Pachtzinsen von Grundstücken und Räumen, Rentenansprüche, Warte= und Ruhegehälter, Unterhaltsbeträge und andere regel’ mäßig wiederkehrende Leistungen.
Die Verjährung der Ansprüche beginnt mit dem Ablauf des Jahres, in welchem die Lieferung oder Leistung erfolgt ist. Dieser einheitliche Beginn der Verjährungsfristen ist notwendig, um die dauernde Kontrolle der Rückstände zu ersparen. So bedarf es nur jeweils am Jahresende einer Nachprüfung der ausstehenden Forderungen auf eine evtl. Verjäh’ rung.
Dem Gläubiger stehen durch den Gesetzgeber Mittel zur Verfügung, um die Verjährung zu verhindern. Außergerichtliche Maßnahmen sind allen anderen vorzuziehen. Der Gläubiger soll mit dem Schuldner in Verbindung treten und versuchen, eine Anerkennung der Schuld (möglichst schriftlich), Ab=Schlagszahlungen, Zinszahlungen oder Sicherhei’ ten zu erhalten. Sind diese Versuche erfolglos, bleiben nur gerichtliche Maßnahmen übrig. Neben dem gerichtlichen Mahnverfahren (Zahlungsbefehl) kommen als weitere gerichtliche Maßnahmen in Frage: Die Einreichung einer Klage, die Anmeldung der Forderung zur Konkurstabelle, die Geltendmachung der Aufrechnung des Anspruchs im Prozeß, die Vornahme einer Vollstreckungshandlung und die Stellung des Antrags auf Zwangsvollstreckung. Durch jede einzelne der vorstehenden Maßnahmen wird die Verjährung unterbrochen. Es beginnt dadurch eine vollständig neue Zwei= bzw. Vierjahresfrist. Die noch immer vertretene Auffassung, daß die Zustellung eines eingeschriebenen Briefes oder einer Rechnung die Verjährung abwende, ist falsch.
Alle Verjährungsverluste gehören unbedingt zu den Verlusten, die stets vermieden werden können. Sie sind fast immer zu verhindern, wenn die gesetz» liehen Bestimmungen bekannt sind und richtig zur Anwendung kommen.
Namensführung nach der Scheidung
Das Landgericht hat die Ehe des Kaufmanns M. geschieden und die Ehefrau für allein schuldig erklärt. Auf Grund der schweren Verfehlungen seiner Frau möchte M. dieser die Weiterführung seines Namens untersagen. Er erkundigt sich bei dem Amtsgericht und erhält dort folgende Auskunft: Nach Paragraph 54 des Ehegesetzes vom 20. Februar 1946 behält die geschiedene Frau den Familiennamen des Mannes. Ist die Frau allein oder überwiegend für schuldig erklärt, so kann ihr der Mann, durch Erklärung gegenüber dem Standes’ beamten, die Weiterführung seines Namens unter» sagen. Herr M. muß zu diesem Zweck gegenüber dem Standesbeamten eine entsprechende Erklärung abgeben. Der Standesbeamte wird der Frau M. die Änderung mitteilen. Mit dem Verlust des Mannesnamens erhält Frau M. ihren Mädchen= bzw. den F’-men wieder, den sie vor der geschiedenen Ehe hatte.
Unrechtmäßiger Krankengeldbezug
Nach den gesetzlichen Vorschriften der Reichsver=Sicherungsordnung und Ausführungsbestimmungen ruht bei Arbeitsunfähigkeit die Zahlung von Barleistungen so lange, als Lohn oder Gehalt weiter gewährt wird. Es genügt demnach, daß während der Krankheitszeit Arbeitsentgelt, gleich aus welchem Grunde, überhaupt gezahlt wird, um die Ruhens=Vorschriften wirksam werden zu lassen. Gleich’ zeitiger Krankengeldbezug bei Lohnfortzahlung, auch während eines bezahlten Urlaubes, ist daher gesetzlich unzulässig. Der Bezieher ist zur Rück’ erstattung verpflichtet. Ebenso ist bei vorzeitiger Arbeitsaufnahme die Rückerstattungspflicht gegeben, wobei eine Strafverfolgung wegen Betruges nicht ausgeschlossen bleibt.
Die gesetzlichen Ruhensvorschriften sind zwingend. Durch die regelmäßigen Lohnbuchprüfungen bei den Arbeitgebern werden derartige Unregelmäßigkeiten festgestellt. Es sollte sich jeder Versicherte darüber klar sein, daß eine ungerechtfertigte Inanspruchnahme von Barleistungen nicht zu» letzt ihn selbst schädigt.
Freibeträge für Rentner
Auf die Unterhaltshilfe aus dem Soforthilfegesetz werden grundsätzlich alle Rentenleistungen, z. B. aus der Sozialversicherung oder aus den Versorgungs* gesetzen, voll angerechnet. Nach einem Bundesgesetz vom 10. August 1950 wurde der Paragraph 36 des Soforthilfegesetzes dahingehend geändert, daß den Beziehern von Unfall* oder Kriegsbeschädigtenrenten gewisse Freibeträge gewährt werden, die auf die Unterhaltshilfe nicht zur Anrechnung kommen. Diese Freilassungssätze betragen bei einer Erwerbs* minderung von
40 % oder weniger ... 10 DM monatlich 50—60 o/o 20 DM monatlich 662/3—Bo °/o 30 DM monatlich über 80 °/o 40 DM monatlich
Da diese Änderungen rückwirkend ab i. April 1950 in Kraft getreten sind, können die in Frage kommenden Personen eine Nachzahlung der Frei* betrage bei dem für sie zuständigen Amt für So* forthilfe beantragen.
Sprechstunde des Hausarztes
Warum weint mein Kind?
VON KINDERARZT DR. O. LADE, WIESBADENTjer erste Schrei eines Kindes nach der Geburt ist
■*—' ein wichtiger Vorgang, der aufs engste mit dem Beginn der Lungenatmung und der Umstellung des Kreislaufs zusammenhängt. Falls bei zu jung Geborenen oder in der Geburt Geschädigten das Schreien ausbleibt, muß es mit künstlichen Mitteln erzwungen werden. Hat das Neugeborene sich durch den ersten Schlaf von den Belästigungen bei der Geburt und der ersten Versorgung erholt, erhebt es erneut seine Stimme, was von der Umgebung im allgemeinen als Ausdruck des Nahrungsbedürfnis’ ses gedeutet wird. Die Darreichung der Nahrung bringt das Kind zum Schweigen. Dies geschieht normalerweise an der Mutterbrust, so daß die Bezeichnung des „Stillens" hierfür durchaus verständlich ist. Auf der Erfahrung, daß die Nahrungsaufnahme das Kind zur Ruhe bringt, bauen sich jedoch weiterhin manche Fehlmaßnahmen in seiner Betreuung auf. Zu leicht wird nun jedes Schreien als das Verlangen nach Nahrung gedeutet und dem Kind Brust oder Flasche angeboten, ohne Rücksicht auf die doch notwendigen großen Verdauungspausen; oder, wo Verständnis dafür vorhanden ist, daß man einem Säuglingsmagen nicht ständig oder alle Augenblicke Nahrung zuführen darf und neben den Pausen die Pünktlichkeit in der „Fütterung" eine Hauptsache für gutes Gedeihen ist, greift man zu einem sehr ungeeigneten Mittel, dem Schnuller. Man erzielt damit, allerdings nur für einige Zeit, Stillschweigen, betrügt aber erstmals in seinem Leben das Kind, indem man ihm eine Ernährung vortäuscht. Man er» zeugt damit fruchtlose Saugbewegungen, da diese durch jeden zwischen die Lippen gebrachten Gegenstand ausgelöst werden, die aber nur sinnvoll sind, wenn sie der Nahrungsaufnahme gelten.
Die Saugbewegungen dienen nicht nur der Nahrungsbeförderung, sondern sie bewirken auch eine reichlichere Absonderung des Speichels, ja sogar des Magensaftes, von Flüssigkeiten also, die zur Vet’ arbeitung der Milch notwendig sind. Wird die Ab’ Sonderung im Übermaß oder zur Unzeit bewirkt, kommt es unter Umständen zur Störung der Verdauung, mindestens bedeutet es aber eine unnötige Belastung der entsprechenden Drüsen. Hat man erst das Bedürfnis zum stetigen Saugen am Schnuller erweckt, kommt es zur Ünruhe und zum Schreien des Säuglings unabhängig von den Mahlzeiten, sobald dem Bedürfnis nicht Genüge geleistet wird. Jedem Mangel, den das Kind empfindet, sucht es durch Schreien abzuhelfen. Je mehr Gewohnheiten, um so mehr Forderung nach ihrer Erfüllung. Wer also das Schreien möglichst vermeiden will, erziehe dem Kind gar nicht erst Gewohnheiten an, oder doch nur solche, die er regelmäßig zu erfüllen gesonnen ist, wie Beschäftigung mit dem Kinde zu bestimmter Stunde, ganz pünktliche Fütterungs= und eingeteilte Ruhezeiten. Eine sorgliche Mutter wird auch dem Kinde ersparen, in seinem Schmutz oder in Nässe zu liegen. Es genügt nicht, nur zu den Fütterungs» Zeiten für saubere Windeln zu sorgen, sondern von Anfang an ist der Säugling trocken zu legen, sobald er naß liegt, wovon sich recht oft die Mutter oder Pflegerin Gewißheit verschaffen soll.
Ein so betreutes Kind macht einem die Pflege sehr leicht, da es schreit, sobald es nicht sauber ist und sofort nach der Säuberung verstummt. Auch hier ist ersichtlich, daß das Schreien nur Ausdruck der Un» lustgefühle ist, die es zu beseitigen gilt ohne erst nach anderer Begründung zu suchen. Um den Grund des Unbehagens zu erkennen, geht man am besten planmäßig vor. Schreit ein Säugling vor den regel’ mäßigen Mahlzeiten, soll er deshalb nicht vorzeitig die Nahrung erhalten, sonst läuft man Gefahr, mit der Ernährung ganz in Durcheinander zu geraten. Schreit das Kind außerhalb dieser Zeiten, kümmere man sich um die Windeln. Man versuche auch eine Beruhigung durch Veränderung der Lage, durch Wiederherstellen der Bewegungsfreiheit besonders bei zu eng oder nicht faltenfrei verpackten Kindern. Ist hier alles in Ordnung, ohne daß das Kind sich beruhigt, kann eine körperliche Störung vorhanden sein. Eine Untersuchung ist erforderlich. Nie tröste man sich mit billigen Sätzen wie „Schreikind —Gedeihkind", „Sechswochen=Schreier" oder gar mit dem „Zahnen". Der normale Zahndurchbruch ist nicht schmerzhaft. Die Fehlmeinung hierüber führt zur Bequemlichkeit in der Feststellung möglicher Störungen und zum Übersehen von Halsentzündun» gen, Mittelohrkatarrhen und häufig noch schwererer Erkrankungen. Jeder Arzt wird Fälle kennen, die reichlich verspätet einer Behandlung zugeführt wurden, da irgendein falscher Trost das Schreien und Weinen zu erklären glaubte. Und wenn es nur Blähungen, ein häufiger Grund nächtlichen Schreiens,
waren, so ist es eine dankbare Aufgabe, durch einfache Maßnahmen die baldige Ruhe wiederherzu» stellen. Der größte Fehler ist es, das Schreien, dessen Ursache vielleicht zunächst nicht festzustellen ist, für Ungezogenheit zu halten. Die Annahme einer Ungezogenheit ist, besonders bei jüngeren Kindern, die Bankerotterklärung eigenen Wissens und Erkennens. Da ist es schon besser, ein „Ichweiß’ esnicht" einzugestehen; damit verbaut man sich und auch anderen nicht den Weg zu weiterer For» schung nach möglichen Ursachen. Man nehme immer an, daß jedes Weinen außer dem Zeichen augenblicklichen Mißbehagens auch der Beginn einer ernsten Störung sein kann, da ja auch ein Kind lieber lacht als weint.
An Auderlaud
Der Fuhrmann Kilian
EIN MÄRCHEN VOM RÜBEZAHLU4o, wer rattert mit seinem Fuhrwerk die Straße hinauf, und flucht ganz gotterbärmlich? Und jetzt — jetzt schlägt er wohl gar die Pferde, die die Karre ziehen müssen und nicht mehr weiter können? Rübezahl, der mit großen, schweren Schritten durch den Wald stapfte und zur Straße, die hinauf ins Gebirge führt, kam, legte die Hand über die Augen — die Frühsonne blendete ihn — und hielt Ausschau. Natürlich, der Kilian, dieser Pferde* schindet war es, der da mit einem hochbeladenen Wagen die Straße hinauffuhr. Es wurde ihm immer und immer wieder gesagt, die armen Tiere können nicht so viel ziehen, denn — bitte, seht euch einmal die Pferde an! — alte, müde, halbverhungerte Gäule sind es! Der Kilian ist ein Geizhals und spart gern am Futter fürs Vieh. Es ist ja nur — Vieh' Wozu ist es da? Nur um zu rackern, zu schuften.
Na, warte, du alter, böser Kilian, du sollst sehen, was heute mit dir geschieht!
Der Riese trat aus dem Wald, und war mit einem Male ein dürres, kleines Männlein, das eine Butte auf dem Rücken trug, in der es Pilze hatte Das Männlein keuchte den Weg hinauf, als könne es nicht mehr weiter, und setzte sich auf einen Stein, um auf den rumpelnden Wagen zu warten. „Hü=ho!" schrie der Fuhrmann Kilian und schlug das linke Pferd, daß es vor Schmerz einen Augenblick stehen blieb. Einen Augenblick nur, denn das zweite zerrte weiter. —
Das Männlein trat' auf Kilian zu: „Wollt Ihr meine Butte auf den Wagen laden? Seht, für mich ist sie zu schwer!"
„Mach, daß du fortkommst, alter Tagedieb!" zeterte der Kilian.
„Höflich bist du nicht gerade, und deine Pferde liebst du auch nicht. Schau wie das linke blutet!"
„Was geht dich das an, du alter Kerl! Es ist mein Tier, und ich kann mit ihm machen, was ich will. Wenn es faul ist, muß es Prügel haben." „Du hast zu schwer geladen ..."
„Was kümmerst du dich um mich und meine Sachen!? Geh deiner Wege!"
„Nee, so leicht wirst du mich nicht los", kicherte der Alte. „Wir haben den gleichen Weg."
„Ich verzichte auf deine Begleitung! Geh — oder ——" Der Fuhrmann hob drohend die Peitsehe und ließ sie tanzen. „Schau, daß du fortkommst! Du ..."
Doch was war das? Das alte dürre Männlein sah mit einem Male aus wie ein knorriger Baumstamm; ein filziger Bart hing ihm über die Brust, ein breiter Hut beschattete das faltige Gesicht. Was sollte das ? Ehe Kilian mit dem Gedanken zu Ende
gekommen war, gab es einen Krach — der Wagen rutschte zur Seite —er kippte —, und bevor er sich dagegen stemmen konnte — knacks—, brach das Rad! Die Pferde rissen sich los — aus dem Wagen pur* zelte und kollerte es. Kilian stand und schaute und wußte nicht wie ihm geschah. Da rollten Brote den Berghang hinunter und verschwanden im Abgrund, plätscherten ins Wasser, das dort unten vorbei* rauschte. Weg waren sie! Äpfel kollerten hinterher! Kartoffeln sprangen aus dem Sack und taten es den Äpfeln nach. Und die Teller, die schönen, blanken Teller mit dem Goldrand, die er hinauf zur Brotbaude bringen sollte! Sie zersprangen in tau* send Stücke. Die Pferde standen dumm und schau* ten sich das alles an. Das linke, das so geschlagen worden war, schien zu lächeln: Siehst du, so geht es, wenn man arme Tiere ausnützt, sie schlägt! Und der Kilian? Was tat der?
Er stand breitbeinig da und sah sich die Geschichte an. Dann tat er einen kräftigen Fluch und wollte all die Sachen, die da in den Abgrund kollerten, purzelten und sprangen, aufhalten. Aber es half ihm weder Eile noch Eifer. Was er zu packen bekam, entfiel ihm wieder. Da tat der Kilian noch einen Fluch und rief: „Das hab' ich alles dem alten Mann zu verdanken, und der war niemand anders als Rübezahl! Warte nur! Ich nehme es auch mit einem alten Berggeist noch auf!" Hu - da erschrak der Kilian plötzlich! Denn wie aus dem Boden gewachsen stand ein knorriger Riese vor ihm: „Versuchen wirs! Komm an!" Oh, da wurde Kilian klein, immer kleiner ...
Rübezahl packte den Fuhrmann, hob ihn über die höchsten Tannen des Waldes und setzte ihn auf einen Felsen. „So — hier kannst du sitzen und darüber nachdenken, wie man mit Tieren umgehen soll ..."
Rüoezahl machte den Schaden am Wagen wieder ganz, schirrte die Pferde an und drehte um. Leer fuhr er im Gehöft des Kilian ein, und die Frau erschrak, als sie den fremden Mann ankommen sah. „Wo ist mein Kilian?" fragte sie voll Angst.
„Dem geht’s gut. Der sitzt hoch oben auf dem Felsen und soll nachdenken, wie man ein anständig ger Mensch wird. Geh ihn dir holen! Rede ihm zu. daß er endlich ein ordentlicher Kerl wird, mit dem Herzen auf dem rechten Fleck! Aber erst den Tieren Futter geben! Und zwar die Raufen voll! Und tüchtig Hafer. Die armen Pferde wurden genug geschunden!" „Ja — ja — natürlich ..."
Rübezahl ging davon, und die Frau brachte die Tiere in den Stall, wusch die Wunden, rieb sie mit hellender Salbe, und dann gab sie den Pferden Futer, wie sie es noch nie beim Kilian erlebt! Und nachher — es war unterdes finstere Nacht geworden - machte sich die Frau auf den Weg, um ihren Kilian zu erlösen. —
Ob es etwas genutzt hat, daß er hoch oben auf dem Felsen saß? Ich glaube doch. Denn Rübezahl hatte die Wolken geschüttelt; Hagelkörner prasselten auf Kilians Kopf; der Wind tanzte um den Felsen und zog den armen Mann fast herunter. Mühsam hielt er sich fest, sonst wäre er ins Bodenlose gestürzt. In den hohen Bäumen ächzte es, stöhnte es. Etwas Graues, Unheimliches strich über die Kronen, und der großmäulige Kilian wurde still, ganz still. Und wenn der Mond durch die Wolken schaute, sah die Erde seltsam und gespenstig aus.
Als dann endlich die Frau unter dem Felsen stand und ihren Kilian rief, da kletterte ein anderer Mensch herunter und sank der Frau in die Arme. „Nie wieder — nie wieder ..." stammelte er, und er wollte damit wohl sagen, daß er nie wieder c 1 Tier quälen, und von jetzt an Menschen und Tic lieben wollte, wie es sich gehört.
Kleine Bastel-Freuden
kannst du heute oder morgen Dir ein Bündel Bast besorgen? (Und am schönsten wäre fast Möglichst bunt gefärbter Bast!) —
Du beginnst in allen Fällen, Was du machst mit Drahtgestellen, Weil ein inneres Gerüst Überall von Nutzen ist.
Ist die Biegung ausgeklügelt, Wird der Bast herumgewickelt, Weil das liebe Krokodil Außen 'rum auch leben will.
Sorglich mußt du darauf sehen: Gut den letzten Bast vernähen, Sonst löst alles sich im Lauf Des Gebrauchs in Fäden auf!
Werlacht mit ?
Das Doppelkinn
Eine Dame hatte im „Briefkasten" die Frage gestellt: „Können Sie mir ein unfehlbares Mittel gegen Doppelkinn nennen?" Da es ihr unangenehm war, ihren eigenen Namen anzugeben, unterschrieb sie ihre Anfrage mit „Karl Peter".
Am nächsten Samstag stand in der Zeitung die Antwort: „Legen Sie sich einen Vollbart zu!"
Was ist Philosophie?
Wilhelm Wundt, der Philosophie=Professor, wurde bei einem Abendessen neben eine junge, sehr lebhafte Dame gesetzt, die ihm ohne zu pausieren alle möglichen Fragen stellte. Schließlich wollte sie gar wissen: „Was ist denn eigentlich Philosophie?"
„Philosophie", antwortete Wundt, „ist die Kunst, die Fragen irgendeiner schönen Dame anzuhören, ohne dabei wild zu werden."
Das Schlafmittel
Ein junger Schriftsteller klagte bei Shaw über die Gefahren geistiger Ueberanstrengung. „Sehen Sie", sagte er, „wenn ich beispielsweise bis Mitternacht gearbeitet habe, dann kann ich einfach keinen Schlaf finden."
„Oh", sagte G. B. S. bedauernd. „Und dabei gäbe es doch ein so einfaches Mittel." „Welches denn?" fragte der Schriftsteller hoffnungsvoll.
„Lesen Sie noch einmal durch, was Sie geschrieben haben."
Mißverständnis
„Haben Sie nicht gehört, wie wir heute nacht an ihre Wand geklopft haben?" fragt der eine Nachbar gekränkt den anderen.
„Das macht fast gar nichts", erwidert fröhlich der andere. „Es hat uns nicht gestört, wir haben selber solchen Lärm gemacht!"
Kunst der VUeberredung
„Sie, das dürfen Sie nicht", sagt ein Schutz* mann auf der Tower=Bridge zu dem Selbstmörder, der gerade ins Wasser springen will. „Sagen Sie mir lieber, was Sie bekümmert. Vielleicht kann ich Ihnen helfen."
Der Selbstmörder trat vom Geländer zurück und sprach eine Viertelstunde lang auf den Polizisten ein.
Dann sprangen sie beide Hand in Hand in die Fluten.
Es war ein Vertreter in Staubsaugern ...
Ostafrika
„Was muß ich hören", fragt der Colonel seinen Leutnant. „Sie sind gestern betrunken durch das Eingeborenenviertel gelaufen und haben einen Schubkarren geschoben. Ist das eine Art, um unser Prestige bei den Eingeborenen zu wahren? Wie kam das überhaupt?" „Das müßten Sie am besten wissen, Herr Hauptmann," sagte der Leutnant, „sie saßen doch vorn drin!"
„Wünschen der Herr das Haar zurück?" „Danke, Sie können es behalten."
Der Lautsprecher
Die Familie hat ihre neu ausgebaute Wohnung bezogen. Am zweiten Tag geht der Vater zum Radiohändler und fragt: „Als Fachmann werden Sie mir sicher sagen können, ob man die Tonstärke eines Empfangsgerätes so regulieren kann, daß die Nachbarn nicht gestört werden."
„Das ist ohne weiteres zu machen", erklärt der Radiohändler. „Wo steht denn das laute Gerät?" „Das steht genau unter meiner Wohnung, nämlich hier in Ihrem Laden!"
„Ich war nicht betrunken", wehrte sich der Angeklagte, „nur stark angeheitert!" „Schön", sagte der Richter, „in Anbetracht dessen verurteile ich Sie nicht zu zwei Wochen, sondern zu vierzehn Tagen Gefängnis!"
Humanität
Ein Gangster verläßt das Kino, tritt zur Kasse und sagt,, mehr verzweifelt als drohend: „Der Film war schrecklich! Geben Sie mir das Geld aller Kinobesucher zurück!"
Blick in die Welt
Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung
Modernste Hochbrücke Europas in Duisburg. — Sie wird in einer Minute neun Meter gehoben
Marschall Tito, viel zitiert, selten photographiert, mit einer jugoslawischen Bäuerin im Gespräch
Mehr Kohle! Dieser Alarmruf hat die Ruhrkumpels zu einem erhöhten Arbeitseinsatz veranlaßt
Rotchinesische Kriegsgefangene in Korea werden verhört
Bei den USA=Flottenmanövern wurde ein Zerstörer gerammt und schwer beschädigt
Der 75 Jahre alte Rifkabylenführer Abd el Krim lebt seit 25 Jahren im Exil Aufnahmen: DPA, UP, Seegei