Pekings Großeinsatz in Koren
Chinesische Einmischung bringt die Front im Nordwesten zum Einstur;
Söul, 28. November (AP./dpa) Ueber 200 000 Mann rotchinesische Truppen haben durch ihre großangelegte Winteroffensive dem Krieg in Korea ein völlig neues Gesicht gegeben. Bis tief in den chinesisch-mandschurischen Raum hinein sind Reserven in Stärke von mehr als 750 000 Mann aufgezogen, die die Gesamtstärke der kommunistischen Truppen auf über eine Million Mann erhöhen.
General Mac Arthur hat in einem Sonder-Kommunique bekanntgegeben, daß die UN-Truppen damit einer völlig neuen Lage gegenüberstehen. In der Erklärung stellte der General fest, daß nunmehr das UN-Oberkommando nicht mehr über die zu ergreifenden Maßnahmen entscheiden könne.
Dies sei jetzt Aufgabe der Vereinten Nationen und der Regierungen der einzelnen Länder.
Bei der rotchinesischen Intervention handle es sich nicht mehr um eine bloße Geste, auch nicht um Freiwillige, sondern um reguläre rotchinesische Verbände in Stärke bis zum Armeekorps. Der unerwartete Rückzug der chinesischen Truppen bis vor einer Woche habe nur die Vorbereitungen für ihre jetzige große Offensive verdecken sollen.
Walker und Almond in Tokio
Gleichzeitig hat Mac Arthur die beiden Kommandeure der Kampftruppen in Korea, General Almond, Oberbefehlshaber in Nordwestkorea, und General Walker, Kommandeur der achten Armee, zu Besprechungen nach Japan beordert. Beide Offiziere sind bereits in Tokio eingetroffen.
Unter den wuchtigen Schlägen des weit überlegenen Gegners ist die UN-Front in Westkorea am Dienstag erneut auf beiden Flanken zusammengebrochen, nachdem sich die Reste des 2. südkoreanischen Korps und die 2. und 25. US-Division am Montag in rückwärtigen -Auffangstellungen gesammelt hatten.
In ihren verschneiten Schützenlöchern erwarteten am Dienstagfrüh Amerikaner, Südkoreaner und Briten die Angriffe der Chinesen, die im Vorwärtsstürmen zum Teil barfuß den eisigen Chongchon-Fluß durchwateten. Durch die ungeheure Ueberzahl der Angreifer wurden jedoch die UN-Truppen an allen Stellen der Front zum Rückzug gezwungen. Drei rote Sturmdivisionen haben ihren vor zwei Tagen im Raum zwischen Tokc h o n und Y o n g w o n erzielten Einbruch erweitert und sind auf dem schnellen Marsch nach Süden und Südwesten.
Die Auffang-Stellungen des 11. südkoreanischen Korps wurden erneut durchstoßen. Hier hat der Feind in drei Tagen einen Geländegewinn von annähernd sechzig Kilometer erzielt.
Vorausabteilungen der Chinesen bedro¬ ,hen die große Ueberlandstraße Pyönyang-Wonsan, die von Küste zu Küste führt und über die die Verbindung zwischen der West- und Ostfront aufrecht erhalten wird.
Weiter westlich, im Raum des mittleren Chongchon sind Teile südkoreanischer und amerikanischer Divisionen eingeechlossen und aufgerieben worden. An der Chongchon-Mündung hat der Feind den Fluß ebenfalls überschritten, die Stellungen der UN-Truppen überrannt, und die Tiefe des Raumes gewonnen. Die Stadt Y o n g s a n fiel den Kommunisten in die Hände.
Verzweifelte Abwehrgefechte
Nach den letzten Frontberichten befindet sich die gesamte Westfront auf dem Rückzug. Alliierte Nachhuten führten verzweifelte Abwehr- und Sperrgefechte gegen den stürmisch nachdrängenden Feind, der zahlenmäßig oft um das Vierbis Fünffache überlegen ist.
Die Lage hat sich hier derart zugespitzt, daß sie nur noch mit der Situation zu Beginn des Koreakrieges verglichen werden kann.
Die in Korea eingesetzte türkische Brigade hat sich bereits nach den ersten Kampftagen als Elite-Truppe bewährt. Kleinere eingeschlossene türkische Verbände haben sich mit aufgepflanztem Bajonett durch die feindlichen Linien durchgeschlagen. Im blutigen Nahkampf haben die Türken über 200 Gegner getötet und 200 weitere gefangengenommen.
Ernster alg je
Washington, 28. November, (dpa) Der amerikanische Außenminister Acheson gab Mitgliedern des Außenpolitischen Senatsausschusses am Dienstag hinter verschlossenen Türen einen Bericht über die neueste Entwicklung des Koreakrieges.
Die allgemeine Ueberzeugung in politischen Kreisen Washingtons geht dahin, daß die neue durch das chinesische Eingreifen geschaffene Situation in Koreä ernster ist als je zuvor während des ganzen Feldzuges.
Aktiensturz in Neuyork
Neuyork, 28. November (AP.) Auf die Nachrichten über die kritische Lage in Korea hin wurde die Neuyorker Dienstagbörse von einer heftigen Verkaufswelle erfaßt. Sämtliche Aktienwerte lagen ein bis vier Dollar pro Stück niedriger.
Das gegenteilige Bild ergab sich auf den Produkten märkten, wo wilde Käufe in Terminwerten einsetzten. Das hatte ein scharfes Anziehen der Preise für Gummi, Wolle, Kakao, Häute, Zucker, Gemüse, Oel und Getreide zur Folge.
Amerikanischer Schritt
Washington, 28. November. (AP.) Die Vereinigten Staaten wollen das kommunistische China des Angriffs bezichtigen. Der Staatssekretär im Außenministerium, Hickerson, unterrichtete die US-Delegation bei den Vereinten Nationen fernmündlich von diesem Beschluß.
Revision verzögert sich
Wesimächte warten noch auf deutsche Zusicherungen
Frankfurt, 28. November, (dpa) Die Verkündung der ersten Revision des Besatzungsstatuts, die für diese Woche vorgesehen war, wird sich noch verzögern. Das liegt daran, daß die von Deutschland verlangten Zusicherungen noch ausstehen, und ferner am Wunsch Bundeskanzler Dr. Adenauers nach einem Sicherheitsvertrag.
Bei der Oberkommission ist man über den Wunsch Dr. Adenauers und über die Bekanntgabe seiner Forderung überrascht. Der Bundeskanzler habe den Vorschlag'eines Sicherheitsvertrages in einem geheimen Dokument an die drei Oberkommissare gegeben, die es an ihre Regierungen weiterleiteten.
. Amerikanische Kreise in Frankfurt halten eine Annahme des Vorschlags zum gegenwärtigen Zeitpunkt für unmöglich. Es wird erwartet, daß er zumindest bedingt abgelehnt wird.
Amerikanische Beamte betonen, sie verstünden gut, daß Dr. Adenauer eine volle Gleichberechtigung bei den künftigen deutsch-alliierten Beziehungen wünsche. Man zweifle jedoch, daß die von der deutschen Seite nunmehr gewählte Form die richtige sei.
8OO Milliouen Mark
zusätzliche Besatzungskosten
Bonn, 28. November, (dpa) Die zusätzlichen Besatzungskosten für die Bundesrepublik im laufenden Haushaltsjahr werden nach alliierten Schätzungen rund 800 Millionen Mark betragen.
Wirtschafts-Besprechungen
Bonn, 28. November. (AP.) Zu einer Besprechung über die wirtschaftliche Lage der Bundesrepublik sind Wirtschaftsminister Erhard, Finanzminister Schäffer, Vizekanzler Blücher und der Präsident der Bank deutscher Länder, Vocke, mit Vertretern der Koalitionsparteien in Niederbreisig bei Bonn zusammengetroffen.
Kein Bedluß über die Kohlenupreise
Bundespresseamt berichtigt Regierungssprecher
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Bonn, 28. November, (dpa) Das Bundespresseamt teilte am Dienstagabend mit, daß das Bundeskabinett am Dienstagvormittag keinen Beschluß über die Kohlenpreise gefaßt hat. Es berichtigt damit die Mitteilung eines Regierungssprechers, nach der das Kabinett die Vorlage des Bundeswirtschaftsministeriums über höhere Kohlenpreise gebilligt haben sollte.
Nach Auffassung politischer Beobachter erscheint damit eine schnelle Erhöhung der Kohlenpreise in Frage gestellt. Weder Bundesrat, noch Bundestag liegen Regierungsbeschlüsse in dieser Frage vor. Die Organe können sich aber erst dann äußern, wenn von der Bundesregierung Beschlüsse gefaßt worden sind.
Es wird angesichts dieser Tatsache für ausgeschlossen angesehen, daß der Bundesrat auf seiner Sitzung am Freitag zu den neuen Kohlenpreisen Stellung nehmen kann. Er könnte frühestens wieder am Freitag nächster Woche beschließen.
Unsere Karte veranschaulicht die Bewegungen der großen chinesisch-nordkoreanischen Offensive in Nordwestkorea, die für die Truppen der Vereinten Nationen eine ernste Krise geschaffen hat. Die weißen Pfeile weisen die Stoßrichtungen der Kommunisten und ihren Durchbruch auf der rechten Flanke der UN-Front. Im Raum zwischen Tokchon und Yongwon hat der massierte Angriff der Rotchinesen die Verteidigungslinien der UN-Truppen erneut in einer Breite von 40 Kilometern aufgerissen und die Front zum Einsturz gebracht. Die schwarzen Quadrate in diesem Raum zeigen die Reste des 11. südkoreanischen Korps und der 25. amerikanischen Division, die sich trotz der heftigen Schläge der kommunistischen Sturmtruppen dort wieder zu sammeln suchen
Ein zweiter Protest
Berlin, 28. November. (AP.) Der Vorsitzende der sowjetischen Kontrollkommission, Armeegeneral Tschuikow, hat dem Oberkommissar McCloy ein zweites Protestschreiben gegen den angeblichen Angriff eines amerikanischen Düsenjägers auf ein sowjetisches Flugzeug übersandt.
Regierungsrücktritt in Paris
Paris, 28. November. (AP.) Die französische Regierung hat am Dienstagabend beschlossen, zurückzutreten. Der Beschluß der französischen Regierung geht auf einen Mißtrauensausspruch der Nationalversammlung gegen Verteidigungsminister Jules Moch in der „Generals-Affäre“ zurück.
Der französische’Staatschef Auriol hat den Rücktritt des Kabinetts Pleven abgelehnt.
Botschafter für Madrid
Washington, 28. November. (AP.) Amerika wird seinen fünfjährigen diplomatischen Boykott gegen Franco-Spanien mit der Ernennung von Stanton Griffis zum Botschafter in Madrid im nächsten Monat beenden, verlautete am Montag in diplomatischen Kreisen in Washington.
Scharfe ägyptische Worte
Kairo, 28. November, (dpa) Der ägyptische Außenminister Mohamed Saleh el Din stellte fest, er habe nicht den geringsten Zweifel, daß der britisch-ägyptische Vertrag entweder im Uebereinkommen mit Großbritannien oder durch einseitiges Vorgehen Aegyptens abgeschafft werde..
Ein ueuer krieg
*** Am vergangenen Freitag sah es so aus, als bestehe durchaus die Möglichkeit, mit dem kommunistischen China zu Verhandlungen zu kommen. Die Grundlage dafür bildete der Vorschlag, eine neutrale Pufferzone zwischen Nordkorea und der Mandschurei zu bilden, die den chinesischen Interessen am Jalufluß Rechnung tragen sollte. Man erwartete nur noch in Lake Success die Ankunft der rotchinesischen Delegation, um mit ihr alles Nähere zu vereinbaren.
In diese aussichtsvolle Situation platzte einen Tag später eine Großoffensive des Generals Mac Arthur hinein, zu der er etwa hunderttausend Mann hatte antreten lassen. Er versprach seinen Soldaten, mit dieser Offensive wolle er den Krieg noch vor Weihnachten beenden. Es ist anders gekommen. Nach Anfangserfolgen sind die Truppen der Vereinten Nationen von den chinesischen Kommunisten zurückgeworfen worden. Sie führten ihren Gegenangriff fast ohne Artillerie mit einem Masseneinsatz von Infanterie, wobei sie keinerlei Rücksicht auf Menschenverluste nahmen. Nach den letzten Berichten ist die Front der UN-Truppen davon bedroht, durch einen Stoß in die Flanken aufgerollt und im Nordwesten eingekesselt zu werden, Mac Arthur selbst hat in einem Sonderkommunique bekanntgegeben, man sehe sich durch das Eingreifen von 200 000 Chinesen „einem völlig neuen Krieg“ gegenüber. Bei diesem handle es sich nicht, wie von amtlicher chinesischer Seite bekanntgegeben worden war, um Freiwillige, sondern um eine unzweideutige Einmischung Rotchinas, denn weitere chinesische Armeen seien noch im Anmarsch.
Es steht jetzt nicht zur Erörterung, ob Mac Arthur mit seiner Offensive eigenwillig gehandelt und die Pläne der amerikanischen Regierung durchkreuzt hat. Oder ob diese vor Beginn von Verhandlungen eine vollendete Tatsache schaffen wollte. Die einzige Frage ist jetzt nur, wie eine Ausweitung des heißen Krieges in Ostasien verhindert werden kann.
Selbst die Verhandlungen des Weltsicherheitsrates erscheinen jedoch in diesem ernsten Augenblick zu umständlich und zu langwierig, um ein schnelles Ergebnis erhoffen zu lassen. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß wenigstens nebenher unmittelbare Verhandlungen mit der bevollmächtigten rotchinesischen Delegation aufgenommen würden, damit zumindest durch einen Waffenstillstand weiteres Blutvergießen vermieden wird.
Läßt sich der Faschismus verbieten ?
Von unserem römischen F-Korrespondenten
Es hat nicht geringe Ueberraschung in politischen Kreisen ausgelöst, als der Innenminister Mario Scelba in einer Rede in Turin mit ungewöhnlicher Schärfe gegen die MSI, „das Movimento Sociale Italiano“, Stellung nahm und ihr vorwarf, eine kaum mehr verkappte Fortsetzung jener alten Faschistischen Partei zu sein, deren Wiederbelebung durch eine besondere Klausel der republikanischen Verfassung verboten und unter hohe Strafen gesetzt wurde. Kurz zuvor hatte der Präfekt von Bari, offensichtlich auf direkte Anweisung von Rom, die dortige Abhaltung des Nationalparteitages der MSI kurzerhand untersagt.
Sdelba, der starke Mann
Der sizilianische Christlich-Demokrat Scelba ist ein alter Antifaschist. Als junger Mann war er Sekretär des sizilianischen Priesters Don Sturzo, des damaligen Führers der Katholischen Volkspartei, der als einer der ersten den Weg des Exils antreten mußte und als einer der letzten „Fuorusciti“ nach dem letzten Krieg aus Amerika nach dem Heimatland zurückkehrte. Aber die öffentliche Meinung hatte sich seit drei Jahren daran gewöhnt, in Mario Scelba den „starken Mann“ der Regierung gegen 1 i n k s zu erblicken, und in der Tat betrachten ihn die Kommunisten als ihren Todfeind Nr. 1. Seine gelegentlichen Redewendungen auch gegen die Extremisten von rechts wurden lediglich als taktische Ausgleichsschachzüge aufgenommen, auch von den Neo-Faschisten selber.
Sogar die gemäßigte Rechtspresse reagierte gegen Scelbas Turiner. Rede mit überraschender Schärfe. Sie versuchte sogleich, einen Gegensatz zwischen ihr und einer am selben Tag in Modena gehaltenen Rede des Ministerpräsidenten de Gasperi zu konstruieren. Dieser hatte dort, im Herzen der kommunistischen Hochburg-Provinz Emilia, fast ausschließlich gegen die Linksextremisten gesprochen und die Anhänger der Regierung aufgefordert, ihre Angst vor dem terrorartigen Druck der Kommunisten abzuschütteln und sich gegen Moskaus Fünfte Kolonne zusammenzuschließen.
Viele Gegner der Kommunisten in Italien trauen der Regierung nicht die Kraft zu, den inneren Kampf gegen zwei Fronten gleichzeitig zu führen. Außerdem empfinden sie es als unlogisch, daß man für eine künftige Kraftprobe mit den Kommunisten auf solche aktiven und tatenlustigen Gruppen, wie es die Neo-Faschisten der MSI nun einmal sind, nicht nur verzichtet, sondern sie sogar verfolgen will.
Erben der „Schwarzhemden“
Durch das energische Auftreten Scelbas offenbar ermuntert, haben nun die Sozialdemokraten der Saragat-Partei bald danach an die Regierung das Ersuchen gerichtet, die MSI kurzerhand aufzulösen und zu verbieten. Die politische Bedeutung der Sozialdemokraten ist, trotz ihrer relativen Schwäche im Lande und im Parlament (die durch eine vor Jahresfrist erfolgte und noch nicht geheilte Spaltung verschlimmert wurde), schon deshalb nicht unerheblich, weil sie einen Teil der Regierungskoalition und sogar den relativ stärksten Koalitionspartner der Christlich-Demokraten bilden. Ihr Ersuchen an eine Regierung, in der sie durch drei Minister und mehrere Unterstaatssekretäre vertreten sind, läßt sich daher nicht ignorieren.
Ein Parteiverbot ist allerdings für einö Demokratie eine sehr ernste Sache, auch wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schon gegeben sind. Daß die Anhänger der MSI, die „Missini“, wie sie der Volksmund schon längst getauft hat, Faschisten sind — und zwar schon mehr „Alt“ als „Neo“ —, läßt sich kaum mehr bestreiten. Sie selber bestreiten es nur noch insoweit, wie es im Hinblick auf das verfassungsgesetzliche Verbot notwendig ist. So weisen sie darauf hin, daß sie ideo¬ . logisch nicht gegen das parlamentarische System und das Bestehen anderer Parteien seien, was einen entscheidenden Unterschied zwischen ihnen und der früheren totalitären Faschistischen Partei bedeute. Aber in so vielen anderen Dingen, insbesondere in den äußerlichen rituellen Formen und Kundgebungen (Kampfrufen, Gruß, Gesängen und dergleichen) treten sie neuerdings so ungeniert als die Erben der Schwarzhemden Mussolinis hervor, daß zumindest sehr starke Argumente für die Anwendung des verfassungsgesetzlichen Verbotes auf sie sprechen.
Innenminister Scelba hat nun, unmittelbar nach dem Bekanntwerden des sozialdemokratischen Vorschlages, im Kabinett über die MSI ausführlich referiert und auf die Unhaltbarkeit des gegenwärtigen Zustandes hingewiesen. Das Ausführungsgesetz zu dem in der Verfassung verankerten Verbot, die alte faschistische Partei zu erneuern, existiert noch nicht. Die Gerichte sind daher noch nicht in der Lage, zu entscheiden, ob die MSI eine Fortsetzung der Faschistischen Partei sei oder nicht. Infolge dieser Unklarheit würden sie sowieso höchstwahrscheinlich negativ entscheiden. Die Verwaltungs- und Polizeibehörden wissen daher erst recht nicht woran sie sind. Die Staatsautorität leidet unter dieser Unklarheit und davon profitieren nicht nur die neuen Faschisten selber, sondern indirekt auch die Kommunisten.
Wahlmanöver?
Nun ist aber die MSI schon jetzt eine erhebliche politische Kraft. Vielleicht ist es sogar schon zu spät, um sie mit einem gesetzlichen Federstrich unter Acht und Bann zu stellen. Wahrscheinlich würde sie unter einem neuen Namen sehr bald wieder auftauchen, sogar mit der Märtyrerglorie der Verfolgten, und möglicherweise noch zahlreicher in die kommenden Kämpfe treten. Im April 1951 soll es in ganz Italien zu Gemeindewahlen kommen, die sicher unter rein politischen Gesichtspunkten ausgefochten werden. Die MSI behauptet schon jetzt, daß sowohl Scelbas Auftreten gegen sie, und erst recht der sozialistische Verbotsantrag, Wahlmanöver seien, um den gefürchteten Konkurrenten auszuschalten.
Ueber die Forderung der Saragat-Partei gingen die Meinungen auch im Regierungslager auseinander, ja sogar unter den Sozialdemokraten selber sind Bedenken laut geworden. Manche befürchten, daß man damit einen bedenklichen Präzedenzfall schaffen könnte. Auch die Liberalen sind grundsätzlich gegen ein Partei-Verbot. Die extreme Linke kann sich schwerlich vor die Faschisten stellen, aber den Kommunisten und Linkssozialisten ist dabei nicht wohl zu Mute, denn sie wittern Unheil für sich selber: Wenn erst die eine totalitäre Ideologie für ungesetzlich erklärt wird, könnte sehr wohl auch die andere das gleiche Schicksal erfahren.
„Wahlarithmetik“
zz. Mit dem bayrischen Landeswahlgesetz hat man versucht, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Man wollte dem Wähler die Möglichkeit geben, einen bestimmten Kandidaten direkt zu wählen, außerdem sollten durch eine besondere Landesliste die letzten Stimmen ausgewertet werden. Schließlich wollte man durch eine - Prozent-Klausel die Splitterparteien ausschalten. Das heißt, eine Partei konnte nur dann Mandate erringen, wenn sie wenigstens in einem Wahlkreise mehr als zehn Prozent der Stimmen erreicht hatte.
Dadurch haben sich einige Seltsamkeiten ergeben. Die sozialdemokratische Partei hat auch in Bayern unbestritten die Führung erlangt. Sie hat 28,0 Prozent der Wählerstimmen erreicht, während es die Christlich-Soziale Union von 22,9 bei den Bundestagswahlen auf 27,4 Prozent brachte. Dennoch hat die Christlich-Soziale Union nach dem verzwickten Landeswahlgesetz 64 Mandate erreicht, die Sozialdemokratische Partei dagegen nur 63.
Als gestern an dieser Stelle eine Bewertung der Wahlergebnisse versucht wurde, obwohl zu dieser Zeit die endgültigen Stimmenzahler) noch nicht vorlagen, wurde von einem Mißerfolg der Freien Demokratischen Partei gesprochen. Bis zu jenem Augenblick schien es nämlich noch, daß sie kein einziges Mandat werde erringen können, weil "sie noch in keinem Wahlkreise mehr als zehn Prozent der Stimmen erlangt hatte. Erst im letzten Augenblick ergab es sich, daß die Freie Demokratische Partei im Wahlkreis Mittelfranken 12,8 Prozent für sich buchen konnte. Damit kam sie auch auf der Landeswahlliste zum Zuge und kann 12 Abgeordnete in den Landtag entsenden, während sie sonst leer ausgegangen wäre. Gegenüber den Bundestagswahlen, bei denen sie 8,5 Prozent der Gesamtstimmen erreichte, ist sie diesmal mit 7,1 Prozent vertreten.
Die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung von Alfred Loritz wird im bayrischen Landtag ebensowenig mehr vertreten sein wie die Kommunistische Partei. Als neue Gruppe tritt jedoch der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten ein, der sich mit der Deutschen Gemeinschaft zusammengeschlossen hatte. Diese Gruppe steht nach der Bayernpartei, die 17,2 Prozent gegenüber 20,9 Prozent bei den Bundestagswahlen erreicht hat, mit 12,3 Prozent an vierter Stelle.
In Kürze bundrseinheitlich?
Düsseldorf, 28. November, (dpa) In den Ländern der Bundesrepublik wird voraussichtlich das Schuljahr künftig einheitlich zu Ostern beginnen. Wie ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Kultusministeriums hierzu m.’tteilte, hat lediglich Bayern den Vermittlungsvorschlag gemacht, Ostern für die Volksschulen und Herbst für die1 höheren Schulen als Schuljahrbeginn festzusetzen.
Aumer helegt Zahlangen
Bonn, 28. November, (dpa) Der Bundestagsabgeordnete Aumer (früher Bayernpartei) belegte vor dem Bonner Spiegel-Ausschuß die Zahlungen, die er an die Mitglieder der Donhauser-Gruppe in der Bayernpartei geleistet hat.
Nach seinen Angaben haben erhalten: die Abgeordneten von Fürstenberg und Volkholz je 975 Mark, von Aretin 9 900 Mark, Meyerhofer 1 000 Mark, Rahn 500 Mark und Donhauser 4 500 Mark. Er selbst habe von dem Elwerath-Direktor Telle einmal 7 000 Mark, einen zweiten Betrag von 5 000 Mark und schließlich 9 500 Mark zur Unterstützung der Donhauser-Gruppe erhalten.
Telle selbst behauptete demgegenüber vor dem Ausschuß, Aumer als ersten Betrag 7 500 Mark gezahlt zu haben, so daß er insgesamt 22 000 Mark und nicht, wie Aumer behauptet, nur 21 500 Mark erhalten habe,
Niemöller-Debatte in der Landessynode
Baron von Heyl begründet seinen Austritt aus dem Synodalvorstand
Frankfurt, 28. November (Eigener Bericht.) Am Dienstagvormittag begann in Frankfurt die zweitägige außerordentliche Sitzung der ersten Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, in deren Verlauf sich eine erregte Debatte um die Reden des Kirchenpräsidenten Niemöller entspann.
Zu Beginn der Tagung verlas Freiherr Ludwig von Heyl, Worms, seine angekündigte Erklärung, in der er grundsätzliche Divergenzen als Ursache seines Austrittes aus dem Synodalvorstand feststellte. In der Erklärung heißt es:
Aufgabe des Synodal-Vorstandes sei es, die Kirchenleitung zu überwachen, die jedoch .den Charakter eines Aufsichtsrats einer Aktiengesellschaft angenommen habe. Sichtlich bewegt stellte Baron Heyl in seinen Darlegungen die Frage, ob Kirchenpräsident Niemöller politisch und kirchlich auf dem richtigen Weg sei.
Der Kirchenpräsident zöge die Politik in die Kirche hinein. Im Endergebnis arbeite er für die Politik des imperialistischen, rein materialistischen Bolschewismus, indem er die russische Politik, die noch ungezählte Deutsche in Sklaverei halte, unterstütze.
Niemöller scheue sich nicht, den Engländern die Nächstenliebe abzusprechen, heißt es in der Erklärung. Er vergesse den Dank an die amerikanischen Christen, die uns vor dem Hungertod und dem Chaos errettet hätten. Das sei eine Gefahr für Westdeutschland. Niemöller bagatellisiere die Gefahr Rußland und bekenne sich offen als Gegner der Bundesrepublik, setze die Regierung herab und liefere damit Waffen für Stalin. Es handele sich heute aber um die Frage, ob wir die Freiheit retten oder die Knechtschaft ertragen wollten. Niemöller handele nach der Theorie des Schweizer Calvinisten Karl Barth, der unlängst gesagt habe, an den deutschen Soldaten denke man „mit Grauen zurück“. Ein tiefer Riß gehe nun diagonal durch die Seelen der evangelischen Christen.
Verteidigungsredr Niemöllers
Mit Spannung erwartet, verteidigte sich dann Kirchenpräsident D. Martin Niemöller.
Es sei eine „Anzapfung“, erklärte er, wenn ihm vorgeworfen werde, daß er die Geschäfte Rußlands betreibe. Er habe 1933 zum erstenmal sein kirchliches Amt verloren, weil er die Diskriminierung der Juden-Christen als unmöglich bezeichnet hätte. Nach dem Kriege habe man mit schlechtem Gewissen in Stuttgart erklären müssen, daß man damals nicht deutlich genug sprach.
Niemöller erinnerte an Martin Luther, der immer wieder zu politischen Fragen Stellung nahm. „Wir wissen von Luther“, rief Niemöller aus, „daß die Kirche Jesu Christi in der Politik nicht Partei werden kann, wie es uns heute von katholischer Seite aus nahegelegt wird.“
Für den Menschen jenseits des Eisernen Vorhangs sei es schwer, mehr zu sehen, als die dortige Propaganda zulasse. Aber auch auf dieser Seite des Eisernen Vorhangs sehe man nur einen Ausschnitt. Diesen Mangel auszugleichen, sei der Christ gehalten und die Kirche müsse deshalb als „Gewissen des Volkes“ wirksam werden.
Zum Vorwurf „Wanderprediger“ sagte Niemöller, daß er aus „christlichem Gewissen“ das Wort genommen habe. Zwanzig Millionen Brüder und Schwestern lebten heute jenseits des Eisernen Vorhangs in bejammernswertem Zustand. Auch für sie sei Christus gestorben. Aber es scheine, daß diese Menschen in unserer Welt „politisch abgeschrieben“ sind. Zwanzig Millionen hätten keinen Nächsten, der ihre Not als eigene betrachte, wenn nicht wir sie anerkennen.
An Adenauer habe er deshalb einen offenen Brief geschrieben, weil eine persönliche Fühlungnahme nicht gegeben war. Die Situation sei brenzlig für das deutsche Volk in Westdeutschland. Eine Wiederbewaffnung der Menschen in Westdeutschland dürfe nicht wider deren Willen geschehen. Nur die Kirche sei noch die große organisatorische Klammer zwischen Osten und Westen.
„Setzt Eure Hoffnung nicht auf einen neuen Krieg, auf Gewaltanwendung ruht kein Segen. Ich sehe in dem Versuch, uns in Deutschland die Waffen in die Hand zu drücken, ein Unglück äußersten Ausmaßes!“ äußerte der Kirchenpräsident und erklärte beiseite treten zu wollen, wenn man seine Meinung nicht ertragen könne. Wenn man jedoch selbst verschiedenster Meinung sei, dann könne man ihn nicht zwingen, zu scnweigen. Er stehe unter dem Zwang des Gewissens. Die Kirche könne nicht sagen, dies alles gehe sie nichts an.
Niemöller schloß mit dem Samariter-Gleichnis, das zur Hilfe an unseren Brüdern verpflichte. Von dem Theologen Karl Barth rückte er ab und entschied sich für eine Kirche der frohen und freimachenden Botschaft statt einer des Gesetzes. Ein Kirchenführer zu sein, wie man ihn so oft beschrieben habe, lehnte er als Angleichung an die katholische Kirche ab. Die Synodalen sollten sich überlegen, ob sie ihn bitten müßten, sein Amt niederzulegen, dann würde er sich irgendwo und sei es im Osten eine Gemeinde suchen.
Im weiteren Verlauf der Aussprache forderte Dr. Brüning, von Dr. Ertz, Wiesbaden, unterstützt, daß Niemöller sich Mäßigung auferlegen oder zurücktreten solle.
250000 DM für Studentenhaus
Wiesbaden, 28. November. (Eigener Bericht.) In seiner Dienstag-Sitzung beschloß das Hessische Kabinett, für die Errichtung eines Studentenhauses an der Frankfurter Universität einen Betrag von 250 000 DM bereitzustellen, über den innerhalb der nächsten zwei Jahre verfügt werden kann.
Das vorläufige Endergebnis
Auch in Bayern gewannen die Sozialdemokraten
München, 28. November. (dpa/AP.) Zwei Tage nach Schluß der Abstimmung liegt nun das amtliche vorläufige Endergebnis der bayrischen Landtagswahl vor.
An Stimmen wurden abgegeben:
Sozialdemokratische Partei 2 586 659 Christlich-Soziale Union 2 526 780 Bayernpartei 1 656 512 Bund d. Heimatvertriebenen 1 135 759 Freie Demokratische Partei 652 139 Wirtsch. Aufbauvereinigung 260 188 Heimat- u. Königspartei 178 683 Kommunistische Partei 71 082
Die 204 Sitze des neuen Landtages verteilen sich wie folgt: CSU 64 (bisher 100), SPD 63 (bisher 54), Bayern-Partei 39 (bisher keinen). Bund der Heimatvertriebenen 26 (bisher keinen), FDP 12 (bisher 10), WAV keinen (bisher 12).
Eine Uebersicht über die seit 1946 in den einzelnen Bundesländern durchgeführten Wahlen ergibt nun in Prozenten der abgegebenen Stimmen folgendes Bild:
Die Parteien bei den Wahlen
Schleswig-Holstein
| Landtag -Bundestag Landtag | 1946 | 1949 | |
| 1950 | Sozialdem. | 43,3 | 29,6 |
| 27,5 | Christl. Dem. | 34,1 | 30,7 |
| 19,7 | Fr. Demokr. | 4,9 | 7,4 |
| 7,1 | Komm. Partei | 4,3 | 3,1 |
| 2,2 | Heimatvertr. (BHE) — | —■ | |
| 23,4 |
| Hessen | Landtag | Bundestag | Landtag |
| Sozialdem. | 42,7 | 32,1 | 44,4 |
| Christl. Dem. | 30,9 | 21,3 | 18,3 |
| Fr. Demokr. | 15,7 | 28,1 | 31.8 |
| Komm. Partei | einschl. Heimatvertr. (BHE) | ||
| 10,7 6,7 4,7 | |||
| Württemberg-Baden | |||
| Sozialdem. | 31,9 | 25,2 | 33,0 |
| Christl. Dem. | 38,4 | 31,2 | 26,3 |
| Fr. Demokr. (DVP) | 19,5 | 18,2 | 21,1 |
| Komm. Partei | 10,2 | 16,7 | 4,9 |
| Dtsch. Gemeinsch. | — | — | 14,7 |
| Bayern | |||
| Sozialdem. | 28,6 | 22,8 | 28,0 |
| Christ. Soz. | 52,3 | 29.2 | 27,4 |
| Fr. Demokr. | 5,6 | 8,5 | 7,1 |
| Komm. Partei | 6,1 | 4,1 | 1,9 |
| Bayernpartei | — | 20,9 | 17,8 |
| Heimatvertr. (BHE) | mit Dtsch. Gemeinsch. — | 12,3 | |
| Wirtsch. Aufb.-Ver. | 7,4 | 14,4 | 2,8 |
Neuer Ausbruch des Aetna
Catania (Sizilien), 28. November. (AP.) Im Krater' des Aetna haben sich neue schwere Vulkanexplosionen ereignet. Riesige Lavamassen wälzen sich mit einer Geschwindigkeit von 40 Metern in der Stunde den Nordwestabhang hinunter und bedrohen die beiden Städte Milo und Fornazzo. Im nahegelegenen Zafferana sind zahlreiche Evakuierungsfahrzeuge zusammengezogen worden, um die Bevölkerung der beiden Ortschaften im Notfall abtransportieren zu können.
Stimmen der Anderen
Frankreich zu Bayern
Das gute Abschneiden der Sozialdemokratischen Partei bei den Wahlen in Bayern, mit dem die meisten Blätter nicht gerechnet hatten, wird von der französischen Presse ausführlich kommentiert. „Le Figaro“ (konservativ) schreibt:
„Der SPD-Sieg ist größer, als dies der verhältnismäßig geringe Unterschied in den Stimmenzahlen vermuten läßt. Bei den Wahlerfolgen der SPD in Württemberg-Baden und Hessen hatte man noch festgestellt, es ließen sich daraus keine endgültigen Schlüsse ziehen. Jetzt ist es notwendig, aus den verschiedenen Wahlergebnissen allgemeingültige Schlußfolgerungen zu entnehmen. Man muß feststellen, daß die Ergebnisse dieser Wahlen nicht nur für die Entschlüsse Dr. Adenauers in der Aufrüstungsfrage, sondern auch für die Entscheidungen der Alliierten von großem Gewicht sein werden.“ .
„L’A urore“ (gaullistisch) meint: „Die Siegeshymnen der sozialistischen Zeitungen sind diesmal weitgehend unberechtigt, denn die Sozialisten haben gerade die Stimmen der Kommunisten für sich gewinnen können. Das ist eine Taktik, die die Kommunisten vielleicht auch bei uns anwenden werden: für die Sozialisten zu stimmen, um sie mit einer Hypothek zu belasten und dann von innen auszuhöhlen. Mit dem gleichen Vergnügen wie die Vernichtung der Kommunisten nehmen wir auch die Niederlage der extremen Rechtspartei von Alfred Loritz zur Kenntnis.“
„Mit Herz“ handeln
Zuchthaus für Kindesmörderin
Fulda, 28. November, (dpa) Das Fuldaer Schwurgericht verurteilte am Montag die 24jährige Irene Petrowitz wegen versuchten Totschlags zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus. Die Angeklagte hatte im Mai dieses Jahres im Städtischen Krankenhaus ein uneheliches Kind geboren und es nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in einem Kornfeld bei Fulda ausgesetzt. Das Kind verstarb bald danach.
In der Verhandlung warf die Anklagevertretung dem Städtischen Krankenhaus vor, Irene Petrowitz entlassen zu haben, ohne ihr zu zeigen/ wie sie ihr Kind versorgen und ernähren könnet Auch habe das Säuglingsheim, wo die Angeklagte um Aufnahme für ihr Kind nachsuchte, dies abgelehnt. Allerdings, so meinte der Staatsanwalt, hätten sich die städtischen Behörden korrekt verhalten. Sie hätten den Ernst der Angelegenheit nicht übersehen können.
Zweihundert Meter unter Wasser
Unaufhörliches Ansteigen der Flut im Reichenbergschacht
Wiesbaden, 28. November (Eigener Bericht.) In der Dienstagsitzung des hessischen Kabinetts informierte Minister Wagner die Regierungsmitglieder über das Unglück im Kupferschieferwerk Sontra. Sachverständige untersuchen zur Zeit, ob es sich bei dem Großwasser-Einbruch im Reichenberg-Schacht um ein einmaliges Unglück handelt oder ob die Katastrophe auf eine dauernd fließende Quelle zurückzuführen ist. Wenn es sich nur um eine voraussichtlich einmalige Störung des Untertagebetriebes gehandelt hat, will man den Schacht beschleunigt wieder in Betrieb nehmen. Die Entsumpfungsarbeiten werden allerdings einige Monate dauern.
Im Reichenberg-Schacht in Sontra ist das Wasser noch immer im Steigen begriffen. Am Dienstagmittag hatte es bereits die Höhe von 200 Metern erreicht. Es muß damit gerechnet werden, daß der ganze Schacht in seiner Höhe von 256 Metern ersäuft.
Von den 450 gekündigten Arbeitern der Hessischen Kupferschiefer-Bergbau G. m. b. H. in Sontra werden 180 Mann im Laufe des Monats Dezember wiedereingestellt werden, da die Arbeiten zur Erschließung der beiden Schächte „Wolfsberg“ und „Schnepfenbusch“ beschleunigt' werden sollen, wurde am Dienstag von Obe'rbergrat Röver mitgeteilt. Voraussichtlich können auch 60 Zechenarbeiter wieder eingestellt werden.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck. Alle Rechte beim Wolf?ang-Krüger Verlag, Hamburg.
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Hier konnte sich die Gelegenheit ergeben, auf die man seit langem gewartet hatte,die Macht der Regierung zu erschüttern. Welche Ironie, dachte Henriette, daß sie in einem Prozeß eine Rolle spielen sollte, in den der König und die Pairskammer verwickelt zu- werden drohten — sie, die immer die Sache der Repuolik verfochten und das Haus Orleans so unumwunden abgelehnt hatte.
»Ich weiß auch, daß die Stimmung gegen mich ist“, sagte sie. »Einer der Wächter teilte es mir heute früh mit. Er meinte, hier in meiner Zelle wäre ich sicherer, als wenn ich frei in Paris herumliefe.“
„Es gehen tolle Gerüchte um“, gab er zu. „Bedauerlichei-weise nennt man Ihren Namen mit dem des Herzogs in einem Atem. Bekanntlich pflegen sich die Menschen ja immer mehr über eine bestimmte Person zu empören als über ein System. Es ist eben soviel einfacher, einem einzelnen Mann oder einer Frau die Schuld zu geben als einem Regierungssystem. Natürlich ist es schwierig vorauszusehen, wie es um diese Stimmung in der nächsten Stunde bestellt sein wird. Ich habe die öffentliche Meinung schon so plötzlich umschlagen sehen wie einen Wind, der das Feuer, das er eben erst entfacht hat, wieder ausbläst.“
„Das Feuer kann aber auch um sich greifen, Monsieur, bis alle Hoffnung, es zu löschen, dahin ist.“
„Der König hat jedenfalls schleunigst seine Rückreise nach Paris angetreien“, erzählte er. „Und er wird es hier nicht nur mit einem einfachen Mordfall zu tun haben. Ich halte es daher für wichtig, daß Sie sich sofort einen guten Verteidiger nehmen. Sie haben ein Anrecht auf gesetzlichen Beistand, und ich werde dafür sorgen, den besten, den wir finden, für Ihre Sache zu gewinnen.“ Aber sie schüttelte den Kopf.
„Nein, Monsieur Monod, ich brauche keinen Anwalt. Ich kann alle Fragen selbst beantworten.“
»Aber Sie kennen die Gesetze nicht, Kind, und Sie müssen in Ihren Aussagen beraten werden. Eine einzige Unbesonnenheit, eine einzige unüberlegte Bemerkung kann Sie aufs schwerste schädigen.“
„Dieses Risiko will ich gern auf mich nehmen. Ich werde ihnen alles sagen, was sie von mir wissen wollen, wie ich es heute schon getan habe.“
»Nur nicht übereilen! Wenn Sie nur aus geldlichen Gründen zögern, seien Sie vollkommen unbesorgt. Ich verfüge über genügend Mittel, um Ihnen zu helfen, und besitze überdies einflußreiche Freunde unter den Anwälten. Sie sollen aufs allerbeste beraten werden.“
»Sie sind viel zu güt mit mir“, unterbrach sie ihn. „Ich weiß eigentlich nicht warum, denn Sie haben doch mir gegenüber gar keine Verpflichtung. Aber ich will nicht nach dem Grund Ihrer Großzügigkeit fragen; ich bin Ihnen nur herzlich dankbar. Ein Anwalt aber würde mich nur verwirren. Ich habe nichts zu bieten als die Wahrheit, und die muß ich auf meine eigene Art sagen können.“
Er lächelte ihr zu, obwohl er nicht einverstanden war.
„Ja, dann halten Sie es, wie Sie wollen“, sagte er.
Es klopfte an die Tür, und eine Stimme mahnte den Pastor, daß er seine Besuchszeit bereits überschritten habe.
„Ich habe mit Ihnen nicht gebetet, mein Kind“, sagte er, als er sich erhob, „aber ich denke, Sie sind imstande, allein zu beten. Meine Gebete und die meiner Frau sind Ihnen ohnehin gewiß.“
„Es tut gut, das zu wissen. Und werden Sie wiederkommen?“ fragte sie ihn ängstlich. .
„Sooft man es mir erlaubt. Sie sind nicht allein, denken Sie immer daran. Sie haben Freunde. Die Remeys erwarten mich schon. Soll ich ihnen irgend etwas ausrichten?“
»Sagen Sie ihnen nur von Herzen Dank. Und wenn Sie vielleicht mit meinem Großvater sprechen könnten —“ Sie nannte ihm die Adresse und fuhr hastig fort: „Er hat nie gut von mir gedacht und war sehr dagegen, daß ich diese Stellung annahm. Deshalb hatte ich auch einen anderen Namen angenommen; aber er ist nun einmal mein einziger Verwandter, und in meiner jetzigen Notlage mag er mir vielleicht beistehen wollen.“
„Ich will sehen, was ich tun kann. Ich werde ihn sofort aufsuchen und ihn von allem unterrichten. Haben Sie sonst noch etwas auf dem Herzen?“
»Wenn Sie mir eine Nachricht über die Praslin-Kinder bringen könnten, besonders über die jüngeren, würde es mich sehr beruhigen. Und ja. da ist noch etwas. Sagen Sie doch, bitte. Albert und Marie, sie möchten Madame Le Maire an den Obstkorb auf meinem Fensterbrett erinnern. Es wäre ein Jammer, wenn das Obst verdürbe, und die Melone muß inzwischen schon reif geworden sein.“
ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL
Während der Woche vom 18. bis 24. August 1847 hallte ganz Frankreich von Entsetzen und Entrüstung über die täglichen neuen Enthüllungen in der Mordsache Praslin wider. Und nicht nur in Paris und Marseille, sondern auch in Brüssel, Amsterdam, Berlin, in London und Manchester unterhielten sich Männer und Frauen mit vor Abscheu zitternden Stimmen über dieses Verbrechen und lauerten auf neue Einzelheiten. Sie lasen den ärztlichen Befund über die Leiche der Herzogin, der die genaue Anzahl der Wunden angab. deren jede tief genug gewesen war um den Tod herbeizuführen. Sie beugten sich über die Pläne des Hauses in der Rue du Faubourg Saint Honore 55 und folgten jenen grausigen Federstrichen, welche die blutigen Spuren darstellten, die das Opfer während des wütenden Kampfes auf dem Fußboden, an den Wänden und auf den Möbeln hinterlassen hatte, und den roten Abdrücken der Finger, die so verzweifelt nach der Klingelschnur getastet hatten. Sie verschlangen die Aussagen der Dienstboten, die auf das Klingeln herbeigestürzt waren diese Aussagen, die sich alle im Bericht über den häuslichen Unfrieden einig waren und in der Behauptung, daß die kürzlich entlassene Erzieherin der Hauptanlaß für den Zwist des herzoglichen Paares gewesen sei. Sie lasen von dem Kammerdiener Charpentier, der der Polizei den schlauen Rat gegeben hatte, den Mörder nicht außerhalb des Hauses zu suchen, sondern lieber den Räumen des Hausherrn ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Sie staunten über das fortwährende Leugnen des Herzogs, obwohl er sich so unabweisbaren Indizien wie einem blutbefleckten Schlafrock und einem blutigen Hemd gegenübergestellt sah, von den angesengten Fetzen verbrannter Briefe und Papiere in seinem Kamin und jenen Kratz- und Bißwunden an seinen Händen, die er nicht zu erklären vermochte, ganz zu schweigen. Wie konnte er nur angesichts der erdrückenden Beweise seiner eigenen Schuld so hartnäckig an der fadenscheinigen Geschichte von einem eingedrungenen Mörder festhalten? Wie konnte überhaupt ein Mann, noch dazu der Sproß einer der vornehmsten Familien Frankreichs, eine so brutale Gewalttat begehen, fragte man sich zu beiden Seiten des Kanals. Ueberall brandmarkte ihn die öffentliche Meinung einstimmig als den unmenschlichsten Verbrecher seiner Zeit. Vom Staatsmann bis zum Ladenbesitzer und Straßenhandler waren sich alle darüber einig, daß es keiner weiteren Beweise mehr bedurfte, um ihn zu verurteilen, und daß kerne Todesart grausam genug wäre, um so einen Mann zu richten
Und diese Mademoiselle Henriette Deluzy-Desportes, die ehemalige Erzieherm deren Name und Einfluß eine so bedeutende Rolle in jeder einzelnen Version des Verbrechens spielten — was war von ihr zu halten? Auch an ihr ließ man in den verschiedensten Sprachen kem gutes Haar. Es steckt doch immer eine Frau dahinter, sagte man sich, und was für eine Megäre mußte diese Erzieherin sein! Kein Mann war imstande, seine Frau, die Mutter seiner neun Kindei. auf so bestialische Weise umzubringen, wenn nicht eine andere Frau ihn zur Raserei getrieben hatte.
(Fortsetzung folgt)
Wirtschaftsteil
Kohlenpreise
F. C. Das Bundeskabinett soll sich mit einer Erhöhung der Preise für Steinkohlen um durchschnittlich 6 DM je Tonne befassen. Im Glückauf-Haus in Essen als dem Sitz der Deutschen - Bergbau-Leitung hatte man einen Aufschlag von mindestens 7 DM verlangt. Anstoß zur Preiserhöhung war die der Bergarbeiterschaft zugestandene Lohnerhöhung um 10 Prozent und die dadurch verteuerten Kosten der Steinkohlengewinnung um 1,90 DM je Tonne. Ein Aufschlag in dieser Höhe genügt aber dem Bergbau nicht. Inmitten der Diskussionen um die Abwälzung der nicht im Kohlenpreis gedeckten Kosten erinnerte die Deutsche Kohlen-Bergbau-Leitung nachdrücklich an die bisher ungedeckt gebliebenen Förderkosten des Steinkohlenbergbaues.
Jede Tonne verwertbarer Förderung war im reinen Steinkohlenbetrieb, so sagen die Kalkulationen der Deutschen Kohlen-Bergbau-Leitung, bereits im ersten Halbjahr 1950 mit einem ungedeckten Verlust von 3,36 DM verbunden. Er erhöhte sich in der Weiterverarbeitung des Steinkohlenbergbaues auf 4,03 DM. Diese kalkulatorischen Verluste aus der Vergangenheit läßt Generaldirektor Kost heute zusammen mit den ungedeckten Förderkosten aus der Lohnerhöhung und den im zweiten Halbjahr 1950 gestiegenen sonstigen Unkosten vor der Oeff entlieh - keit aufmarschieren. Der Kohlenpreis, das war die Schlußfolgerung aus seinen Kalkulationen, muß um mindestens 7 DM pro Tonne im Durchschnitt erhöht werden.
Für die Kohlenverbraucher ist es schwierig, diese Kalkulationen auf ihre Hieb- und Stichfestigkeit nachzuprüfen. Das Wachstum der Förderung müßte, das sind unsere Erwägungen, zwangsläufig die Allgemeinkosten gesenkt haben. Zweifellos konnten sich diese Kostenminderungen nicht voll auswirken, nachdem die Exporterlöse zurückgegangen und die Ausgaben für Sozialleistungen angewachsen waren. Dennoch ist es notwendig, die Kalkulationen des Glückauf-Hauses zu durchleuchten. Die Förderung war vom September 1948 bis zum ersten Halbjahr 1950 von 92 000 Tonnen auf 358 000 Tonnen gestiegen. In der gleichen Zeit hatten sich die Gesamtselbstkosten von 35,21 DM auf 36,73 DM erhöht. Die erwartete Kostendegression war in eine Kostensteigerung umgeschlagen.
Die Selbstkosten, vor allem aber die fixen Kosten sind im Bergbau zweifellos besonders schwierig zu berechnen. Solche kalkulatorischen Schwierigkeiten dürften sich in einem monopolartigen Gebilde zweifellos noch steigern. Ein Blick hinter die Kulissen ist hier deshalb in der Deutschen Kohlen-Bergbau-Leitung mit übergroßen Schwierigkeiten verbunden. Die Leitung des westdeutsche^ Steinkohlenbergbaues ist zudem nach Kriegsbeginn einem durchgreifenden Wechsel der Führung unterworfen gewesen. Der Wirtschaftler mußte dem Bergingenieur weichen. Der Techniker aber sah sein Arbeitsgebiet sorgfältig vor dem Wirbelwind der freien Konkurrenz abgeschützt. Kann aber von der Ausschaltung der alten Unternehmerschicht, der Beseitigung der Wettbewerbsordnung und dem Schwebezustand der Eigentums- und Besitzverhältnisse ein wirksamer Drude auf die Förderkosten ausgehen? Im Tauziehen um den Kohlenpreis stellen sich solche Fragen mit Nachdruck.
3,5 Milliarden DM Bundesschuld
Schätzungen über die Höhe der ausländischen Vorkriegsschuld des Reiches
b Schon auf der Neuyorker Konferenz hatten die Außenminister an die Erleichterungen für die Bundesrepublik eine Bedingung geknüpft. Jetzt soll das Besatzungsstatut gelockert werden. Und wieder verlangt man von der Bundesrepublik dieselbe Gegenleistung. Sie soll ihre Auslandsschulden anerkennen.
Schon seit einiger Zeit bemüht man sich in Bonn die Höhe dieser Schulden festzustellen. Es ist eine sehr schwierige Aufgabe. Es ging viel Material in den Wirren des Krieges verloren, manches liegt unerreichbar in der Ostzone. Jedenfalls zeigen die bisher berechneten Zahlen ein anderes Bild als diejenigen, die uns das Ausland nennt.
Nur die Vorkriegsschulden sollen anerkannt werde’n, nicht die Vorkapitulationsschulden. Eine weitere Begernzung ist die Trennung der privaten Schulden, die Verpflichtungen des ehemaligen Reiches, der Länder und der Gemeinden. Bundeskanzler Adenauer will die Schulden anerkennen. Man kann aber von der Bundesregierung nicht verlangen, daß sie in die privatrechtlichen Schuldverhältnisse eintritt. Auch die einzelnen Länder müssen ihre Verpflichtungen selbst tragen, wobei die Schulden Preußens unter den verschiedenen Nachfolgeländern auf geteilt werden sollen. Jedenfalls errechnete man ’n Bonn eine Bundesschuld von rund 3,5 Milliarden DM. Ueber 1,7 Milliarden entfallen dabei auf die Anleiheschulden der Dawes- und Young-Anleihen. Hierzu kommen noch Barkredite, Schuldverschreibungen, Bankkonten von Ausländern und die Schulden der deutschen Verrechnungskasse. Die Zinsfrage bei den Anleihen ist umstritten. Manche Stücke wurden auch schon zurückgekauft. Das Geschäft konnte aber durch den Krieg nicht beendet werden. So gibt es viele Streitpunkte. Auf welche Summe wird man sich einmal einigen? Zählt man die Schulden des Bundes, der Länder und der Privaten zusammen, so spricht man in Bonn heute von 15 Milliarden DM.
Die Alliierten fordern die Anerkennung unserer Vorkriegsschulden. Kaum wurde aber bisher über das deutsche Auslandsvermögen gesprochen, über die deutschen Patente und die Gewinne des Auslandes aus deutschen Warenzeichen. Aus Amerika verlautete schon verschiedentlich, daß durch die deutschen Patente jahrelange Forschungsarbeit gespart wurde. Werden diese Tatsachen einen materiellen Niederschlag bei einer Verrechnung finden? Man kann von keinem Kaufmann verlangen, daß er seine Schulden anerkennt, während seine Forderungen nicht beachtet werden. Auch von einer Regierung kann man dies billigerweise nicht verlangen.
Aber noch eine andere Frage. Das ehemalige Deutsche Reich wurde durch die Sieger in zwei Teile zerrissen. Der Bund sieht sich als Rechtsnachfolger des Reiches an. Trotzdem kann man von einem Teil nicht die ganze Leistung des Körpers verlangen. Die Bundesregierung macht zur Zeit Erhebungen über ihre Steuereinnahmen, um sie den Einnahmen des Reiches gegenüberzustellen. Dies soll ein kleiner Anhaltspunkt für die mögliche Leistungsfähigkeit sein. Es ist erfreulich, daß man die Bundesrepublik im Auslauf als alleinige deutsche Autorität ansieht. Eine volle Bezahlung der Auslandsschulden kann man aber erst dann verlangen, wenn Deutschland wieder eine Einheit ist. Erst wenn man diese Tatsachen anerkennt, zeigt es sich, ob Vernunft und internationale Ehrlichkeit noch einen Sinn haben.
Börsen und Märkte
Bz. Die un-ewisse außenpolitische Lage führte zu neuerlichen Abgaben, die zu Kurseinbußen von meist 0 5 bis 1 Prozent führten. Aber auch einige Erholungen konnten festgestellt werden. So am Elektromarkt Lahmeyer 86, von Maschinenwerten Lindes Eis 95 (je + 1). Bergbauwerte mußten in der Mehrzahl Abstriche hinnehmen. Auch Zellstoffpapiere folgten der rückläufigen Bewegung. Ebenfalls niedriger notierten Bauaktien. Banken waren in der Mehrzahl gehalten.
Freie Devisenkurse
Bz. An der Frankfurter Börse hörte man am 28. 11. 1950 folgende freie Devisenkurse: Für den USA-Dollar 5,10 bis 5,40 DM, für das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,22 DM, für den Hollandgulden 1,15 bis 1,22 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM und für den österreichischen Schilling 0.14 bis 0,16 DM.
In den Berliner Wechselstuben wurden für 1 DM-West 5,30 bis 5,50 Ostmark gezahlt bzw. für 5 Ostmark 1 DM-West geboten.
Internationale Warenpreise
vwd Der indische Versichertenbestand des Allianz- und Stuttgarter Vereins, Lebensversicherungsges., ist auf Grund einer Note des indischen Parlaments der United Indian Life Insurance Co. übertragen worden.
Für den Import von Schafwolle aus Chile wurden eine Million Dollar, weiter 400 000 Dollar für Importe roher Bettfedern aus Jugoslawien sowie 300 000 Dollar für RohlSnters aus Mexiko freigegeben.
| New York Getreide | 14. 11. | 27. 11. | |
| Weizen, Hardwinter Nr. 2 ... | 260 | 264,7 | |
| Mais, gelber Nr. 2 | 188,2 | 183,4 | |
| Hafer, weißer Nr. 2 | 112 | 109.7 | |
| Roggen, Western fob NY | 185,5 | 184,5 | |
| Gerste Nr. 2 | —— | — | |
| Mehl, Hardwinter | 5,85,6,00 N 5,85-95 N | ||
| Roggenmehl | 5,00-15 N | 4,85-5,00 N | |
| Kolonialwaren | 1 | ||
| NY. Zucker Nr.s loco ...... | 6,20 | 6,18 | |
| NY. Kaffee, Santes loco | 53,25 N | 54,00 N | |
| NY. Kakao. Accra loco | 37,75 N | 34,87 N | |
| Fette und Oele | |||
| Chicago Schweine, leichte ... | 17,50 | 17,75 | |
| Chicago Schmalz, loco | 14,25 G | 13,62 N | |
| Textilrohstoffe und Häute | |||
| NY. Baumwolle, loco | 43,25 | 44,15 | |
| NO. Baumwolle, loco | 42,00 | 43,15 | |
| Sao Paulo Baumwolle per Dez. | 354,6 | 366,4 | |
| Jute, Ld. Daisy 2/3 | 115,5 W | 112 W | |
| Häute, Ny. per Dez | 29,85 G | 28,75 G | |
| Kautschuk | |||
| London, loco | 66,5 | 62 N | |
| New York, loco | 82,5 N | 52,45 N | |
| New York Loco • Metalle | Aluminium | 19 | 19 |
| Blei, loco NY | 17 | 17 | |
| Kupfer, midwest | 24,6 | 24,7 | |
| Nickel | 48 | 48 | |
| Quecksilber, einh | 92,5-95 | 106,5 N | |
| Zink, St. Louis | 17,5 | 17,5 | |
| Zinn Grad „A“ | 138,5 N | 130 N | |
| Alexandria-Baumwolle | |||
| Karnak per Nov j" | 114.0 | 120,15 | |
| Ashmouni per Dez | 107,0 | 111,30 | |
| Westdeutsche Metalle | |||
| Blei .- | 164.38 | 164,38 | |
| Hiittenzink | 171,88 | 171,88 | |
| Kupfer | 239,50 | 239,50 | |
| Zinn | 1301 | 1210 |
Obstverwertung ausbauen
Forderungen zur Verbesserung der Lage der Obstbauern
Id Durch das starke ausländische Angebot an Obst und Gemüse ist eine Absatzkrise eingetreten. Die Landesverbände der landwirtschaftlichen Genossenschaften in den Ländern Württemberg-Hohenzollern, Württemberg-Baden, Südbaden und Bayern fordern deshalb die Bereitstellung von 20 Millionen DM zum Ausbau der gewerblichen Verwertung von Obst und Gemüse. Außerdem müßten zpr Verbesserung der Qualitäten 8,5 Millionen DM bereitgestellt werden. Die Mittel sollen aus verlorenen Zuschüssen, durch verbilligte Kredite und Genossenschaftsmittel aufgebracht werden.
Wieder Erz aus Schweden
vwd Die Exportlizenzen für die Schwedenerzverschiffungen nach der Bundesrepublik sind nunmehr bewilligt worden. Die Zurückstellung auf schwedischer Seite war darauf zurückzuführen, daß die westdeutschen Kokslieferungen eine Verzögerung erfahren hatten.
Höherer Strompreis gefordert
dpa Die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände der Elektrizitätswerke im Bundesgebiet hat beim Bundeswirtschaftsministerium beantragt, die Strompreise zu erhöhen, falls sich durch Beschluß der parlamentarischen Organe die Kohle verteuern sollte.
Neue Kohlenpreise vom 1, Dez. an
vwd Angesichts der zu erwartenden Kohlenpreiserhöhung hat das Bundeswirtschaftsministerium die Verkaufsstellen des Steinkohlenbergbaus zu der Mitteilung ermächtigt, daß die Lieferungen vom 1. Dezember 1950 an zu den neuen Preisen erfolgen werden. Bei den Lieferungen für den Hausbrand und den Kleinverbrauch wird auf diesen Vorbehalt verzichtet.
Besprechung über Zollfragen
Hi. Zwischen Vertretern der Bundesregierung und der Oberkommission haben Besprechungen über eine mögliche Anpassung des neuen deutschen Zolltarifgesetzentwurfes an die Bestimmungen der internationalen Zollabkommen der GATT, der Havanna-Charta, der OEEC-Grundsätze und der Vorschläge der Brüsseler Studiengruppe stattgefunden.
Die Devisen sind zu knapp
Hi. Die vom deutschen Zinn- und Kautschukhandel beantragte Zulassung von Warentermingeschäften an ausländischen Börsen, wurde von der Bank deutscher Länder mit der Begründung abgelehnt, daß es bei der gegenwärtigen Devisensituation nicht vertretbar erscheine, Devisen für derartige Geschäfte bereitzustellen.
Wer bestimmt den Sitz?
Hi. Wegen Differenzen zwischen Bundesrat und der Bundesregierung wird die Errichtung der V er waltun gsbeh ö rdenfürdieKriegsopferversor denfürdieKriegsopferversorg u n g verzögert. Der Bundesrat tritt dafür ein, daß die Bestimmung des Sitzes und die Abgrenzung des Bezirkes der Versorgungsämter den Ländern überlassen bleibt.
Verdoppelte Zuckerausbeute
bz Nach Feststellungen des Statistischen Bundesamtes dürfte die gegenwärtige Zuckerkampagne eine um 50 Prozent höhere Ausbeute als im Jahre 1949 bringen. Im Durchschnitt des Bundesgebietes errechnet man einen um 12,2 Prozent besseren Hektarertrag, mithin wird sich die gesamte Zuckerrübenernte um mehr als 1,5 Millionen Tonnen vergrößern. Ein Hauptproblem der gegenwärtigen Kampagne ist allerdings die Kohlenknappheit.
Erhöhung der Kassenarztgebühr
gpk. Der Hauptverband der Betriebskrankenkassen hat mit der Arbeitsgemeinschaft der kassenärztlichen Vereinigungen eine Erhöhung des Pauschalhonorars für die ärztliche Behandlung vereinbart. Die ursprünglich festgesetzte Ueberbrückungshilfe wird rückwirkend vom 1. 4. 1950 ab um 90 Prozent erhöht. Sie ist zunächst bis zum 31. 12. 1951 befristet.
Für Warenmuster in die USA brauchen keine Zollgebühren mehr entrichtet zu werden.
Firmenmeldungen
Die Riedel Motoren-AG in Immenstadt 'Herstellerin des IMME-Motorrades) hat ihre Zahlungen eingestellt und der Beleg-Ah aff rtAkünöigt . _ _ „
Bz ; Trikotwarenfabrik F. Helfferich AG. in Neustadt (Haardt). Die Gesellschaft, die das A K 1:1 auf b 0 MilL DM umstellte, meldet für das verlängerte Betriebsjahr 21. 6. 1948 bis 31. 12. 1949 1,590 Mill. DM Rohüberschuß. Nach Abrechnung der Aufwendungen von 1475 resultiert ein JSuß mit 0,163, über dessen Verwendung Angaben nicht vorhegen. , n Dinnendahl Groppel AG.
bt Die Westfalia üinnenuani (WFDAG) in Bochum, die ihr A. K. im Ver-SlSs 1 1,25 auf 6,50 Mill. DM erhöhte, weist in’dem verlängerten Geschäftsjahr vom 21 6 1948 bis 31. 12. 1949 einen Reingewinn' von 0,460 aus. Hieraus werden ß Prnypnt Dividende verteilt. ...
Bz° Wavss & Freytag AG in Frankfurt am Main stellt das bisherige Grundkapital 1:1 auf 4-0 Millionen DM um. Im verlängerten Betriebsiahr 48/49 wird ein Rohüberschuß von 4 760 neben 0.070 außerordentlichen Erogen'ausgewiesen. Unter Berücksichtigung von 26 745 Aufwendungen, steht der Hauptversammlung (15. Dezember) ein Reingewinn von 81 930 DM zur Verfügung. Die Verwaltung schlägt Vortrag auf neue Rechnung vor.
b Die Schubert & Salzer Maschinenfabrik AG. Stuttgart (früher Chemnitz) will ihr Grundkapital im Verhältnis 2:1 auf 5,3 Millionen DM umstellen. Der Reingewinn im Geschäftsjahr 1949 von 8395 wird auf neue Rechnung vorgetragen. Die Firma wird demnächst auch Cotten-Maschinen herstellen.
b Die Deutsche Steinzeugwarenfabrik für Kanalisation und Chemische Industrie, Mannheim-Friedrichsfeld, will das Grundkapital 1:1 auf 8 Millionen DM umstellen. Das erweiterte Geschäftsjahr 48/49 brachte einen Gewinn von 484 361 DM, aus dem eine Dividende von 6 Prozent gezahlt werden soll.
b Die Vereinigten Deckenfabriken Calw AG stellt das Aktienkapital 1:1 auf 3,15 Millionen DM um und zahlt für das verlängerte Geschäftsjahr 1948/49 eine Dividende von 5,7 Prozent.
w Die Odenwälder Hartstein-Industrie AG. in Darmstadt beantragen bei der HV. am 29. Dezember u. a. die Umstellung des Grundkapitals von 1,32 Mill. RM auf 1,12 Mill. DM.
w Die Portland - Cementfabrik Hemmoor stellt das Grundkapital von bisher 6,72 Mill. RM auf 5,38 Mill. DM um.
Feuilleton
Aus deutschem Geist geschaffen
DIE ZOOLOGISCHE STATION NEAPEL / ZU EINEM VORTRAG PROF. ANKELS
Biologische Meeresstationen gibt es heute an allen Küsten der Welt. Dennoch hat die Zoologische Station Neapel, die erste, die gegründet wurde und die überhaupt für alle reinen Forschungsinstitute das Beispiel gab, ihre einzigartige und überragende Stellung behalten.
Sie ist das alleinige Werk des deutschen Zoologen Anton Dohrn. Die nachhaltigen Anregungen ' durch Darwins Lehre ließen ihn, wie viele andere Zoologen, bei der Fülle der Meeresorganismen Antworten auf die Fragen erhoffen, die jetzt brennend geworden waren. Aber mühsame Untersuchungen unter behelfsmäßigen Umständen, fern von Bibliotheken und Hilfseinrichtungen, konnten hier nicht weiterführen. Anton Dohrn hat die Idee einer Stätte gesicherter zoologischer Forschung am Mittelmeer nicht nur gefaßt und ihre Bedeutung für die Entwicklung der modernen Biologie weit vorausschauend formuliert, sondern er hat diese Idee auch kämpfend verwirklicht. Man muß in der Biographie, die unser jetziger Bundespräsident Theodor Heuss über Anton Dohrn geschrieben hat, nachlesen, wie dieser Mann die seltene Gabe hatte, allen geistigen und materiellen Kräften in seinem Umkreise und in der ganzen Welt ein Gefälle zu seinem Werk hin zu geben. Und Wie er in diesem Werk, das inmitten von Anfeindungen und Rückschlägen doch wirklich wurde und wuchs, nicht nur wissenschaftliche, sondern auch kulturelle Kräfte so zusammenfaßte, daß die Lebenskraft des Geschaffenen den Schöpfer weit überdauert hat und seinem Werk Möglichkeiten gab, die bis heute nicht ausgeschöpft sind, das ist einmalig.
Die Zoologische Station Neapel hat unter der Führung des Sohnes von Anton Dohrn, Professor Reinhard Dohrn, die akuten Gefahren von zwei Weltkriegen überstanden. Als im Herbst 1943 die deutschen Truppen ab- und die alliierten eingezogen waren, wurden Reinhard Dohrn —. einem deutschen Staatsangehörigen! — wenig später von der Royal Society 1000 Pfund Sterling als erste Hilfe für die Instandsetzungen und Neubelebung der wissenschaftlichen Arbeiten überreicht. Die Weltgeltung des Institutes überwandt mühelos den Krieg und konnte kaum großartiger zum Ausdruck gebracht werden.
Heute sind Wissenschaftler aus allen Ländern der Erde wieder in der Station an der Arbeit. Sie wird von Italien, von Amerika, von England, von der Schweiz und von Schweden gestützt, - die UNESCO stellt Mittel bereit und seit kurzem können auch deutsche Gelehrte mit Unterstützung der „Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft“ wieder an der Station arbeiten.
So ist die „Stazione Zoologica di Napoli“, deren repräsentatives Gebäude den Park am Ufer des Golfes von Neaoel schmückt, in der die herrlichen, in der Begeisterung des Gründungsjahres 1873 entstandenen Fresken Marees mit noch frischen Farben von den Wänden leuchten, zur Zeit vielleicht die einzige Stätte auf der Welt, in der in einer Atmosphäre echter Liberalität und universaler wissenschaftlicher Kultur eine internationale Gelehrtengemeinschaft lebendig gedeiht. Sie ist, mit den Worten von Theodor Heuss: „aus deutschem Geist geschaffen, von italienischer Einsicht gestützt, eine übernationale Stätte der Anregung. des Ausgleichs, der Ergänzung, des edelsten Wetteifers!“.
Das Gebäude der zoologischen Station in Neapel
Hedwig Courths-Mahler
Sie ist 83 Jahre alt geworden. Es ist noch gar nicht so lange her, daß sie, die Thüringerin, ihre Werke im Radio verteidigte. Auf eine angenehme Art. Nun,’da sie tot ist, darf man sie, trotz aller wütenden Angriffe der Literaten, als eine Volksschriftstellerin mittleren Grades bezeichnen, Ihre Wirkungszeit ist abgeklungen, aber an so mancher heutigen Schundliteratur gemessen, war sie eine gute Schreiberin, die ihre Schriften von allem freihielt, was wider den Anstand war. Sie hat so mancher armen Näherin das trübe Dasein mit ihren Romanen erhellt, obwohl sie keine allzu .übertriebene Glü^ksspenderin war. (Es gab bei ihr noch keine Sekretärinnen, die pripzipiell den Generaldirektor heirateten.) !Iri der hohen Literatur gilt sie nichts, aber das ist unwesentlich gegenüber ihren zeitlichen Erfolgen. Ihre Romane waren in über 20 Millionen Exemplaren verbreitet und spuken noch heute durch die Bücherreihen der Warenhäuser und Leihbibliotheken. In einer Illustrierten wurde einmal ihre Wohnung gezeigt, mit den gewaltigen Bücherregalen, auf denen nur ihre Werke standen. Sie selbst war dicht daneben mit ihrer Tochter zu sehen, die ebenfalls Romane ä la mere verfaßt. „Rezepte zu einem bescheidenen Glück“ hätte man angesichts der Bibliothek darunter schreiben können. Wobei es dann jedem überlassen bliebe, ironisch oder verstehend zu lächeln. ir.g.
Neue Filme in Darmstadt
PALAST. — „Sheriff und Sträfling.“ Hier wird ein Sheriff bei einem Streit erschossen, weil er den Banditen, mit denen er halbehalbe machte, nicht mehr genehm war. Da taucht aber in letzter Sekunde ein entflohener Sträfling auf, der sich glücklicherweise als der Zwillingsbruder des Erschossenen entpuppt und wider Willen zum Sheriff gemacht wird. Natürlich ergeben sich aus dieser Situation einige Komplikationen. Nun hat der Sträfling, alias Sheriff, aber eine verdächtige Ambition — er will ein anständiger Mensch werden, was im höchsten Grade löblich ist. Deshalb macht er den ganzen Rummel nicht mit. Inzwischen kommen die Viehzüchter, die merken, daß sie mit, diesem Sheriff angeschmiert wurden, und wollen ihm den Garaus machen. In letzter Sekunde mißlingt das Unternehmen, der Pseudo-Sheriff legt nach einem wilden Zweikampf dem Hauptgangster die Handschellen um. Großartig das Wunderpferd „Tarzan“ des Hauptakteurs Ken Maynard, gut die reichlichen Naturaufnahmen,.und noch besser die Idee des Vorfilms, der den „Wilden Westen“ schildert, wie er heute ist. Und er ist inzwischen sehr unromantisch geworden, leider... Peng! -st
THALIA. — „Duell mit dem Tod.“ Das ist zunächst einmal ein ganz hervorragend gemachter Kriminalreißer. Wie hier die Spannung vom ersten Augenblick bis kurz vor Schluß gehalten und gesteigert wird, wie sich durch Rückblendungen die Situationen folgerichtig aneinanderreihen, wie in der Unzahl der Einzelepisoden die große Linie genau gewahrt bleibt, das alles ist musterhaft. Mit dieser rein äußerlichen „Aufmachung“ aber stößt „Duell mit dem Tod“ auf ein ganz anderes Gebiet vor und behandelt die Schicksale eines Mannes, seiner Frau und seiner Freunde, die als eine echte, verschworene Gemeinschaft in den letzten Jahren des Krieges in Deutschland gegen ein Regime kämpfen, das sie als verbrecherisch erkannt haben. Vielfältig sind die in dieses Thema verarbeiteten Probleme, die in der einen großen Frage gipfeln: Darf ich einen Menschen töten, einen Menschen, der mir nichts getan hat, den ich überhaupt nicht einmal kenne, töten nur deshalb, weil er mich, uns alle in Gefahr bringt und damit unser Werk gefährdet Diese Frage wird um so schwerwiegender, als auch ein Priester vor die Entscheidung gestellt wird. Für den des Mordes vor einem Militärgericht Angeklagten aber entscheidet das Tribunal auf Freispruch, bejaht also die Frage und stempelt seine Tat als einen Akt der Notwehr. Es wird manche geben, die es kopfschüttelnd ablehnen, einen solchen Film Jahre nach dem Zusammenbruch der Macht, deren Dämonie hier gezeigt wird, zu besuchen. Man will vergessen. Gerade dieses Vergessenwollen aber soll mit diesem Film bekämpft werden. Er will mahnen: so kann es vielleicht morgen wieder sein, wenn du nicht wach bleibst. Außerdem ist „Duell mit dem Tod“ ein Dokument gegen den immer noch vereinzelt herrschenden Kollektivschuldgedanken.
Mit Ausnahme von Annelies Reinhold sind es fast alles weniger oder noch nicht’ bekannte Schauspieler, die in den einzelnen Rollen Vorzügliches leisten. Buch und Regie von Paul May waren klug aufeinander abgestimmt. Lediglich der Schluß fiel aus dem Rahmen des Gesamtbildes.
Putzi, die Währungen und Korea
VON WILHELM PLEYEREs ändert sich immer wieder einiges in Deutschland und auf der Welt. Man erfährt es im großen und kann es so recht im kleinen beobachten.
Ich denke da zum Beispiel an den Hund der Greißlerin. Er heißt Putzi und liegt an der Schwelle des Ladens, faul und unförmig, überfüttert. Er bewegt sich nur wenig, er muß sein verfettetes Herz vor Anstrengungen bewahren. Der Schlag wird ihn daher im Liegen treffen.
Dieser Hund, häßlich, verwöhnt und trotz aller Pflege räudig, lag schon immer als ein ständiges Aergernis an der Schwelle des Ladens. Jeder Kunde mußte über ihn hinwegsteigen, und immer wieder kam die Greißlerin oder eines der beiden Ladenmädchen heraus und gab dem Putzi ..a Guaterl“.
Und wenn die Kundinnen kamen oder gingen und über das Hundevieh hinwegsteigen mußten, dann überschütteten sie den Putzi mit Teilnahme und Zärtlichkeit, und dies so. daß alles an die Ohren und womöglich an die Augen der Putzi-Mutti gelangte. „No Putzili, Putziliii! — No, was macht denn das Hündchen? — Nein, bist, du ein lieber Kerl! —“
Und so fort in dieser Zeit der Lüge und der Heuchelei.
Und Putzi blinzelte sie an. bewegte im Liegen ein wenig den fast enthärten Schweif und schlief weiter, indem er beim Atmen röchelte, verfettet und ververkropft wie er war.
Dann kam der Tag der Abwertung der Mark und der Aufwertung des Selbstbewußtseins der Kunden. Und wieder blieb ich ab und zu einmal stehen, auf der anderen Seite der Straße gegenüber der Stelle wo Putzi lag. Es war nicht mehr ganz dieselbe Stelle, er hatte sich, obzwar die Verkörperung des Beharrungsprinzips, etwas zur Seite verfügt. Es war leicht zu erkennen, warum. Nicht nur. daß ihm niemand mehr auswich — er bekam, wie mir scheinen wollte, mit einiger Absicht die Schuhspitzen der Kundinnen zu spüren. „Geh weg. Hundsvieh, gräßliches!“ Das „Hundsvieh“, besonders scharf gesprochen, klang fast wie ..Putzi“, aber davon hatte der Putzi nichts. Der Klagelaut des schmerzhaft Gestoßenen war im Laden deutlidi zu hören, und jetzt war es an der rundlichen Frau hinter der Theke, von einem Zittern befallen zu werden und sich in Beherrschung zu üben.
Von ihr aus gesehen, war es hoch an der Zeit, daß sich die Zeiten änderten. Und ihr Wunsch ging wenigstens teilweise in Erfüllung, als der Krieg auf Korea ausgebrochen war. Da erfuhr Putzi endlich wieder eine liebevolle Behandlung. Wahre Wellen der Tierfreundlichlichkeit gingen über ihn hin. Ich gönne sie ihm von Herzen: aber die Ursachen dazu, die weltgeschichtlichen und die allgemein menschlichen, sind dem Betrachter herzlich zuwider.
Ein Programm im Zeitspiegel
3. SYMPHONIEKONZERT MIT PAUL TORTELIER
Es ist eigentlich merkwürdig, daß das Publikum in der Gegenwart nur durch bestimmte Werke und Meister zum Konzertbesuch veranlaßt wird und nur bei gewissen standardisierten Mustern seine volle Zustimmung gibt. Sobald aber ein Name oder ein Werk einmal eine Wegscheide bezeichnen oder weniger bekannt, d. h. weniger oft aufgeführt sind, stellt sich sofort Mißtrauen und Zurückhaltung ein. Man sollte doch beim Betreten eines Konzertsaales nicht vergessen, daß erst über viele Umwege ein Genie geboren wird, und daß es auf den Seitenpfaden noch des Guten genug gibt, das interessant und hörenswert ist, weil es geräde in seinen Unzulänglichkeiten den Blick für das Zeitlose und Ewige im Kunstwerk schärft und aus diesem Grunde die Notwendigkeit seiner Existenz erhärtet.
Über Beethovens große Quartettfuge op. 133 ist hier keine Erklärung abzugeben. Sie allerdings in orchestraler Streicherbesetzung zu spielen, entbehrt jeder sachlichen und fachlichen Begründung, auch wenn das einmal von Weingärtner propagiert ■ wurde. Eine Steigerung der Monumentalität durch Orchesterwirkung ist nicht zu erreichen, denn ihre Größe liegt in der Monumentalität musikalisch dialektischen Gedankenreichtums. Ein Vergleich mit Bachs „Kunst der Fuge“ und deren Aufführungsproblem ist daher hier nicht angängig. Gegenüber dieser absoluten Aufführungspraxis bei Beethoven spiegeln Edouard Lalos Cellokonzert und Gustav Mahlers 4. Symphonie reine Orchestermusik ihrer Zeit wider. Die Virtuosität der Orchesterfarbe bei Lalo bezieht ihren Anreiz noch von Berlioz und geht auf das spezifisch französische Musikodeur aus, das dann im Impressionismus von Debussy usw. seinen Höhepunkt findet. Ähnliche Gedanken bewegen auch Mahler in seinen Werken, nur daß hier eine speziell deutsche, teils österreichische Charaktereigenschaft aufgedeckt werden soll, in der Bruckners Klangvisionen sich mit den letzten Ausläufern einer natiohalen Nachromantik treffen. Lalo zeigt sich dabei trotz starken Sentiments als der Geist mit größerer Disziplin, Mahler— um über eine Generation jünger — fällt dagegen den Extremen seiner Zeit zum Opfer, ohne sie zu erreichen.
Richard Kotz legte die Ausdeutung der Werke auf klare dynamische und agogische Zeichensetzung an, ohne die Farbigkeit der Partituren zu vernachlässigen. Betrachtet man mit Kühle und Zurückhaltung die Stilisierung dieser von so viel Ressentiments beeinflußten'Werke von Lalo und Mahler, so entdeckt man doch eine ganze Reihe schöner Einfälle, die wegen ihrer Unbeschwertheit eine Aufführung in dieser Art rechtfertigen. Das Landestheater-Qrchester spielte mit sichtlichem Vergnügen; Zu'mäf NtählerslV. auch deivSolisten. 'desl-Onehesters sehr dankbare'Aufgaben stellt, die allesamt ausgezeichnet erfüllt wurden. Ein ganz besonderes Lob verdient Ruth Wilke, die mit bezaubernder Natürlichkeit die Sopransoli, das Lied aus „Des Knaben Wunderhorn“ sang.
Als Solist in Lalos Cellokonzert konnte man den jungen Franzosen Paul Torte¬ 1i e r bewundern. Temperament, Stilempfinden und Musikalität, dazu eine klangliche und manuelle Technik von höchster Meisterschaft reihen ihn unter die großen Künstler ein, deren Namen in der Musikwelt zum Begriff werden. Das Publikum sparte für alle Ausführenden nicht mit anerkennendem Beifall. G. J.
Unter der Leselampe
Neue Bücher von Agnes Miegel
„DIE BLUME DER GÖTTER“ UND „DU ABER BLEIBST IN MIR“
Von Agnes Miegel liegen zwei neue Bücher vor. die in ihrer Verschiedenartigkeit und ihrem inneren Ausmaß zeigen, wie ungerechtfertigt es ist, ihr Werk allein der Balladen- oder der Heimatdichtung zuzuweisen.
Die fünf Erzählungen des Prosabandes „Die Blume der Götter“ (Diederichs Verlag 1949) sind, obwohl nicht ausdrücklich Von der Dichterin so benannt, Novellen in einer strengen und geschlossenen Form, die kaum noch bei uns beheimatet ist, uns in dem ursprünglichen Sinne, daß sie dem Bekannten etwas Neues und Einmaliges hinzufügen. Die Gestalt des irrenden Odysseus, in großen Umrissen aus mythischem Dunkel gelöst, wird zum zeitlosen, heimatsuchenden Wanderer, der ein Gelübde erfüllt. Aber man müßte ein kunstvolles Gewebe in einzelne Fäden auflösen, wollte man die Fabeln dieser Erzählungen in knappen Worten wiedergeben: die Errettung der schönen Albigenserin vom Ketzertod, die mit bezaubernder Anmut geschilderte Begegnung eines Wiener Hofmanns mit seiner ehemaligen Gattin’ die er. als Witwe eines reichen Paschas wiederfindet, die tiefernste, symbolhafte Apotheose der sterbenden russischen Bäuerin am Hofe der großen Katharina oder das traumhafte Erlebnis des Dichters Chamisso vor der exotischen Blume, die der Sammlung den Namen gegeben hat.
Alle diese Stoffe beschäftigen Agnes Miegel seit Jahren, sie sind langsam gereift und so intensiv erlebt, daß sich ihre Darstellung nun wie eine Welt von lückenloser Dichte um das Geschehen schließt. Alles ist aus der Keimzelle der dichterischen Intuition gewachsen und gestaltet von einem Menschen, der das Leben vielfältig und mit einem scharfen Blick für die Wirklichkeit erfahren hat, dem aber tieferes Wissen aus Träumen und Gesichten kommt.
Die Sprache dieses Buches ist prall von Leben, farbengesättigt, bildkräftig und ganz unverbraucht. Sie ist reich an urwüchsigen Wortzusammensetzungen und schöpferischen Neubildungen. Ihr weitausschwingender Rhythmus wird immer wieder auf gefangen von kurzen, gleichsam statischen Sätzen. Wem Sinn und Ohr geschärft sind für solche Feinheiten, der wird wahre Beglückung an so ausgereifter und vollendeter Sprachkunst erleben. *
Die 15 Gedichte des Bandes „Du aber bleibst i.n mir“ (Verlag der Bücherstube Fritz Seifert, Hameln 1949), geschrieben im dänischen Flüchtlingslager oder gleich nach der Rückkehr von dort, schließen sich zum Kreis um das. was die Dichterin erfahren hat an Schmerz und Trost. Auch hier ist alles ohne Pathos gesagt, ganz unmittelbar und lebensnah. Neben den großen Visionen vom Untergang der Heimat steht die weltinnige Klage zum Gedächtnis aller preisgegebenen Kreatur. Leiser Finkenschlag und ein Zug wandernder Gänse sind erste, behutsame Tröstung wie der Anblick des spielenden Kindes im fremden Land. Mit der ersten, andächtig gebrochenen Krume deutschen Brotes wird ihr alles geschenkt, was sie so schmerzlich entbehrte im Kreislauf des Jahres.
Wie ein Orgelpunkt klingt die Trauer durch dieses Buch, jene Trauer, die uns bei Michelangelo ergreift, an den auch die großartige Rauhigkeit der Sprache erinnert und die Kühnheit nie bisher gebrauchter Bilder, wie sie dem nie zuvor Erlebten zukommen. Fast alle diese Gedichte von Abschied, Flucht, Tod und Heimatlosigkeit enthalten eine Anrede, ja, eine beschwörende Anrufung: Du Erde, Du erstes Brot, Du Vaterstadt —, ureigene Aussage und Auseinandersetzung sind sie, aber es klingt in ihnen die Stimme aller derer mit, denen der Ausdruck versagt ist für das Tiefste und Schmerzlichste, was Menschen erleiden können. ur s.
Maschine Mensch
Constantin Virgil Gheorghiu: 25 Uhr; Roman. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. Leinen, 504 Seiten.
25 Uhr! Das soll heißen: Es ist zu spät. Der Mensch, die Menschheit ist der Maschinenwelt zum Opfer gefallen. Statt der Person gilt der Mechanismus, statt der geprägten Seele das Uhrwerk. Präzision ist alles. Mit Präzision lebt, besteht und mordet man. Mit Präzision wird geliebt, bestraft, gefoltert. Der Mensch ist eine Karteikarte, eine Nummer, ein Rädchen in der riesigen, anonymen Maschinerie der anonymen Menschheit. Ohne Affekt, blindlings, bewegt er sich in dem Getriebe, das ihn treibt, wie ein Kolben sich bewegt oder ein Zahnrad. Er mußte so werden, um der Maschine ebenbürtig zu bleiben. Maschinen sind nie müde, nie ungleichmäßig, nie hungrig sie funktionieren bei Tag und Nacht. Zuverlässig, automatisch. Der Mensch muß ein Automat werden, Neigung und Persönlichkeit aufgeben, um so tüchtig, so leistungsfähig, so gleichmäßig zu sein wie eine Maschine.
Das ist die — nicht gerade originelle — geistige Konzeption, auf der sich der dreißigjährige Rumäne seinen Welterfolg erschrieb. Jon, der rumänische Landarbeiter, wird von dem Dorfpolizisten aus persönlichen Motiven in ein Judenlager abgeschoben und durchwandert, nachdem ihn der Mechanismus der Bürokratie erst einmal erfaßt hat, alle Zwangseinrichtungen der östlichen und westlichen Welt. Es ist Krieg. Wohin sich der Mann ohne Pässe und Papiere wendet, ist er in seiner beispielhaften Anonymität der Feind. Und als Jon — ausgerechnet im Interniertenlager Darmstadt im Jahre 1945 — die Lehrer und Gefährten seiner Jugend wiederfindet, so bestätigt das nur die Annahme, daß buchstäblich jeder der Nivellierungsmaschine des Kollektivs ausgeliefert werden kann und in dieser Zeit totaler Automatisierung auch ausgeliefert wird.
Man fühlt sich an die herkömmliche Darstellung erinnert, wonach der Tod ohne Ansehen der Person, arm und reich, jung und alt unabwendbar in die Bahn seines Totentanzes lockt. Nur steht hier an Stelle des Todes die Maschinenwelt, die alles in ihrem präzisen Räderwerk zermalmt. Und da liegt auch die Schwäche des Buches. Während nämlich tatsächlich nur der Tod sicher und gewiß ist, bleibt alles Lebendige, das man so konsequent zu einem absoluten Ende führt, notwendig in der gedanklichen Hypothese stecken. Zweifellos können Menschenschicksale, wie sie hier gezeichnet werden, symptomatisch sein für eine Zeit. Die Zielstrebigkeit aber aller Aussagen auf den einen Beweis hin, daß es nämlich 25 Uhr, das heißt für jede Hilfe zu spät sei, die sture Folgerichtigkeit, mit der die vielfältigen Erscheinungen, die die Welt bewegen, auf einen Generalnenner gebracht werden, macht die Personen der Handlung zu Statisten eines politischen Ethos, dessen geistige Grundlage noch zu untersuchen wäre.
Schade um den Vorwurf. So viel gedankliche Konsequenz über dem heißen, umstrittenen, fragwürdigen ,widerspruchsvollen, auf alle Fälle aber blutenden Herzen des Menschen wirkt peinlich und trocken. Man möchte sich gern von diesen prachtvollen Menschen bewegen lassen, aber man kommt nicht dazu, weil man immer wieder durch die schulmeisterliche Belehrung, mit der ihr Leiden demonstriert wii’d, daran gehindert wird.
Von der Kraft des Herzens
Gerd Gaiser: „Eine Stimme hebt a n“. Carl-Hanser-Verlag, 451 Seiten. Ein Mann mit Namen Oberstelehn ist aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekommen und tritt in das veränderte Leben der Heimat ein. Er ist es und ist es nicht, die Heimat ist es und ist es nicht, die Menschen sind es und sind es nicht. Oberstelehn bleibt auf einem Anwesen, wo er aushilft. Er wird Waldarbeiter. Er führt „das einfache Leben“, und hier ist es wirklich das einfache Leben in der Mühsal der Menschen dieses Ortes, in Hunger und Nahrungsuche, in der Erbärmlichkeit steter Aushilfen von einem zum anderen Tage, steten Hinhaltens und steter Ungewißheit, bei denen doch das Dasein bestanden und hinübergerettet sein will in eine Zukunft, nach der keiner fragt. Das vielfältige Wie des Bestehens und Hinüberrettens offenbart Züge und Möglichkeiten der menschlichen Seele, wie sie in friedlichen, geordneten Zeiten nicht zu Tage treten. Dies unmittelbar lebendig werden zu lassen und ohne langatmiges Diskutieren und abstrakte oder psychologische Reflexion mitten in „unsere“ Zeit hineinzustellen, gelingt Gaiser ausgezeichnet. Die Fülle der Erlebnisse, Bilder und Gestalten geben in ihren ausgesprochenen oder nur fühlbaren tieferen Verknüpfungen die Schau vom Leben irgendwo und überall in dem aüsgekämpften Deutschland von 1945/46, in dem nebeneinander und verflochten miteinander Veizagen und Glaube, Verzweiflung und Standhaftigkeit, Verbrechen und Güte, durch Notdurft gebotene Uebertretung und schlichtes Helfen, Begierde und Ueberwindung stehen. Es ist am Ende auch nur die Aussicht gegeben auf eine neue Ordnung oder Wiederherstellung der Ordnung: Oberstelehn wird zu seiner Frau zuruckkehren, Frau Waaga kann ihren Mann zurückerwarten, und für die anderen alle zeigt sich irgendwie der Weg, der sie weiterführt. Die ausweglose Wirrsal ist überstanden.
sin<^ viale, die nie wieder hinabbhcken möchten in jene Entblößtheit des Menschseins, die keinen Wert von daher, kerne Einsicht und tieferes Wissen nut sich genommen haben. Für sie ist das Buch nicht geschrieben. Die anderen werden seine schlichte Aufrichtigkeit bejahen und der lebentragenden Kraft des menschlichen Herzens getrost sein, davon es zeugt. D_s
Darmstadt und Umgebung
Für zwölf Stunden Berufsrchule
Fachliche Unterweisung und Erziehung zur allgemeinen Menschenbildung
Die Leiter der amtlichen Facharbeitsgemeinschaften für die Berufsschulen im Regier ungsbeairk Darmstadt kamen am Samstag in Darmstadt unter dem Vorsitz von Regierungs- und Gewerbeschulrat Stein zu ihrer zweiten Arbeitstagung „Planung und Organisation“ zusammen, nachdem im vergangenen Vierteljahr Beprechungen der Arbeitskreise für die Hauptberufsgruppen vorausgegangen waren (Metall, Elektro, Bau, Holz, Kunst, Nahrung, Bekleidung, Jungarbeiter, Handel, Hauswirtschaft, Landwirtschaft). Die Rahmenlehrpläne für die Berufskunde werden bis Ostern 1951 fertiggestellt sein. Die Aussprache klärte Einzelfragen, wie Einschulung der Splitterberufe, Einweisung in Fachklassen, Bildung von Fachklassen auf bezirklicher Ebene, Religionsunterricht, Ausbildung der Kandidaten und Fachaufsicht. Regierungsrat Stein, Mitarbeiter in den Lehrplanikonferenzen, gab weitere Anregungen für die Gestaltung der Pläne.
Die Facharbeitsgemeinschaften werden sich demnächst auch mit dem kulturkundlichen Unterricht befassen müssen. Der Deutschunterricht ist in der Berufsschule offiziell als besonderes Fach nicht vertreten, sondern soll im Gesamtunterricht zur Geltung kommen. Die unzureichenden Deutschkenntnisse hemmen auch die fachliche Ausbildung. So haben viele Berufsschulen notgedrungen besonderen Deutschunterricht eingeführt. Dies schmälert die Zeit für die Berufskunde, auf die im Interesse einer gründlichen fachlichen Ausbildung nicht verzichtet werden kann.
In der Aussprache wurde betont, daß die Berufsschule ihre Aufgabe, einen charakterlich und fachlich tüchtigen Nachwuchs heranzubilden, nur erfüllen könne, wenn die Pflichtstunden der Schüler von bisher wöchentlich acht auf mindestens zwölf erhöht und zu dem zweitägigen Berufsschulunterricht mit mit je sechs Stunden übergegangen wird. Diese drängende Forderung ist einigerorts dank der verständnisyoUen Haltung gewisser Wirtschaftskreise bereits verwirklicht, während sie in anderen deutschen Ländern eifrig diskutiert wird. Die Ostzone kündigte 1948 einen ISstündigen Berufsschulunterricht an.
Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Planung und Organisation“, Handelsstudiendirektor Dr. Zeiger, wies bseonders auf die Berufsschule als Erziehungsschule im Dienste der allgemeinen Menschenbildung hin. Ihre Anerkennung in der Oeffentlichkeit hänge davon ab, was sie für den einzelnen und die Gemeinschaft leiste. Eine Schule, in der das Fachliche vorherrsche und die Charakterbildung zu kurz komme, könne keinen Anspruch auf den verpflichtenden Namen Schule erheben, sie sinke auf die Stufe eines Kursus herab. Vom Staate und den Gemeinden sei zu erhoffen, daß sie dieser Schule des breiten Volkes künftig mehr als bisher ihre Aufmerksamkeit zuwenden und die Kluft zwischen privilegierten Schulen und „Armen“-schulen durch eine gleichmäßige Verteilung der öffentlichen Mittel beseitigen möge.
An die Tagung werden sich weitere Einzelberatungen der Fachgruppen anschließen.
Behördenfrier zum Verfallungstag
Darmstädter Feier im „Orangeriehaus“
Nach einem Kabinettsbeschluß werden am 1. Dezember 1950 aus Anlaß der Wiederkehr des Tages, an dem sich das hessische Volk seine Verfassung gegeben hat, der Bedeutung des Tages angemessene Feiern für die Behörden durchgeführt.
Der Regierungspräsident Darmstadt veranstaltet deshalb am Freitag, dem 1. Dezember 1950, vormittags 10 Uhr, mit den Darmstädter Behörden eine Verfassungsfeier im „Orangeriehaus“, wozu die Bevölkerung Darmstadts eingeladen ist.
Genaue Angaben notwendig
Vermißtennachforschung des Roten Kreuzes wird unnötig erschwert
Wie uns der Bezirksverband Darmstadt des Roten Kreuzes mitteilt, wird die Sucharbeit des Roten Kreuzes nach vermißten Soldaten des letzten Krieges sehr oft durch ungenaue und fehlende Angaben ihrer Angehörigen erschwert. Oftmals wird bei Kriegsgefangenen die letzte bekannte Anschrift und die letzte Feldpostnummer vergessen, so daß solche Soldaten auf die Vermißtenliste kommen Und nicht in die deutsche Kriegsgefangenenliste eingetragen werden können. Dadurch ist die Möglichkeit der Rückforderung dieser Kriegsgefangenen verschlossen.
Das Rote Kreuz bittet deshalb, alle Angaben mit möglichster Genauigkeit zu machen.
Schulungskurse für Jungjäger
Da die Jagdwaffenordnung nun vom Sicherheitsrat genehmigt wurde, veranstaltet der Jagdklub Darmstadt Kurse zur Heranbildung waidgerechter junger Jäger. Forstmeister Issl ai b. der in Jungjägerkursen über eine weitgehende Erfahrung verfügt, wird die Kurse leiten. Anmeldungen von Interessenten nimmt der Jagdklub Darmstadt. Rheinstraße 63, durch Herrn Eifert entgegen.
Der zweite evangelische Pfarrer von Eberstadt, Pfarrer Fritz Andreas Hähnlein, wird sich am 2. Adventssonntag im Gottesdienst, um 9.45 Uhr, der Gemeinde vorstellen. Er wird in das neue Pfarrhaus in der Daniel-Greiner-Straße einziehen. *
Baugerüst im Haupthahnhof
500 Gerüststangen und etwa 1000 Dielen waren notwendig, um das Baugerüst der Firma Wilhelm Klein zur Instandsetzung der Halle des Hauptbahnhofs zu errichten. 1800 Stricke halten das gewaltige Gerüst zusammen. Wenn man bedenkt, daß eine Stange etwa 10 Meter lang ist und eine Diele im Durchschnitt fünf Meter hat, so ergibt sich die stattliche Länge von 10 Kilometer Bauholz. Hm.
Foto: Hemme
Aus Darmstadt kommt das „Fuukmetter“
„Arbeitsgemeinschaft Jenosphäre“ sendet aus Darmstadt täglich den Zustand der obersten Luftschichten / Atmosphärische Störungen im Funkdienst werden erkannt
Jedermann, der einen Radioapparat sein eigen nennt, weiß, daß sein Gerät mal besseren, mal schlechteren Empfang hat, daß tagelang knatternde und krachende Geräusche aus dem Lautsprecher tönen und den besorgten Besitzer mit dem Apparat zum Rundfunkmechaniker jagen. Der schaut hinein, zuckt die Achseln und sagt: „Atmosphärische Störungen. Dem Gerät fehlt nichts.“
Diese unterschiedliche Empfangsgüte ist bei unserem Rundfunkgerät nicht weiter tragisch. Aber die Umgebung des Erdballes ist in jeder Sekunde von Tausenden von Ausstrahlungswellen lebenswichtiger Sender erfüllt, von deren gutem oder schlechtem Empfang oft Außerordentliches abhängt. Fachleute haben sich daher an die Beobachtung dieser seltsamen Erscheinungen gemacht und festgestellt, daß die zeitweiligen Störungen ganz bestimmten Gesetzen folgen und sich so sicher wie Sonnenschein und Regen abwechseln.
Vom 1. Dezember 1950 an nimmt die Deutsche Bundespost in Zusammenarbeit mit der „Arbeitsgemeinschaft lonosphäre“ und den wissenschaftlichen Instituten ihren täglichen Funkdienst über dieses „Funkwetter“ auf. Im Fernmeldetechnischen Zentralamt in Darmstadt laufen die Fäden zusammen, aus denen die „Funkwettermeldungen“ nach Norddeich weitergeleitet und von dort in alle Welt gefunkt werden.
Diese täglichen Funkmeldungen, die „ Jon-Telegramme“, geben dem Fachmann ein Bild über die Lage der obersten Luftschichten in etwa 70 Kilometer Höhe über dem Erdball, in denen sich das „Funkwetter“ zusammenbraut. Obzwar dieses, Gebiet nahezu luftleer ist, hat es doch für die Funkwellen eine große Bedeutung, da die dünne Luft wie ein Spiegel wirkt, der die Funkwellen reflektiert. In dieser Höhe brausen ständig Stürme mit ungeheuren Geschwindigkeiten, und die Temperatur ist erheblichen Schwankungen unterworfen. Besonders ändert sich aber der elektrische Zustand mit den*Tages- und Jahreszeiten. In der Hauptsache ist das „Funkwetter“ von der Sonnenstrahlung abhängig. Diese ändert Sich plötzlich, im Zusammenhang mit den Sonnenflecken, die in elftägigem Rhythmus kommen und verschwinden. Die Sonnenfleckeneruptionen schleudern elektrisch geladene Gasmassen in die Erdatmosphäre, die im Gebiet der lonosphäre Polarlichter erzeugen. Dadurch wird die sonst glatte lonosphäre stark zerrissen, und die Auswirkungen auf den Funkverkehr sind oft tagelang zu spüren. Erst einige Tage nach dem „lonosphärensturm“ beruhigt sich das Gebiet soweit, daß es für die Funkwellen wieder als ungetrübter Spiegel wirken kann.
Für den praktischen Funkverkehr ist es also wichtig, möglich rechtzeitig vor dem Einsetzen dieser Stürme in den obersten Luftschichten gewarnt zu werden. Der Funkwetterdienst benötigt hierzu die Beobachtungs- und Meßergebnisse einer großen Anzahl verschiedener wissenschaftlicher Zweige. Da selbstverständlich diese Messungen und Beobachtungen nur von Fachkräften erfolgen können, von denen es auf der Erde nicht allzu viele gibt, ist es notwendig, daß der „Funkwetterdienst“ in gleicher Weise wie der Wetterdienst international eng zusammenarbeitet. Bisher ist das kaum der Fall. Lediglich die französische Postverwaltung verbreitet täglich ein Telegramm, in dem die wichtigsten französischen Beobachtungsergebnisse auf diesem Gebiet in die Oeffentlichkeit kommen.
Zum erstenmal geht nun auch von Darmstadt aus ein derartiger Funkdienst in die Welt hinaus, und er ist in diesem Umfang der einzige seiner Art.
Wenn nun jeden Abend der Sender Norddeich die „Funkwettermeldung“ in alle Welt hinaussendet, so wird die Telegrammunterschrift „lonosphäre Darmstadt“ mit dazu beitragen, die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Bundespost mit ihrem Leiter, Dipl.-Ing. W. Menzel, über die Landesgrenzen hinweg bekannt zu machen und somit auch unserer Stadt eine weitere, weltumspannende Bedeutung zu geben. HFL
Odenwaldaussftellung geplant
Verkehrsverein trifft Vorbereitungen für Darmstadt
Der Landesverkehrsverband Hessen e. V.. Gebietsausschuß Odenwald /Bergstraße/Neckartal, beabsichtigt, ab 1. März 1951 eine Ausstellung etwa unter dem Titel „Reise und Erholung in der schönen Heimat“ im Hygiene-Lichthof Darmstadt, Neckarstraße, zu veranstalten.
Den Kern der Ausstellung soll die Darstellung der bio- und heilklimatischen Vorzüge der Bergstraße, des Kurortes Lindenfels, des Heilbades Bad König und des Moorbades in Lampertheim bilden. Um diesen Kern werden sich Gemälde, Großfotos, Zeichnungen, Bildkarten und andere Darstellungen gruppieren, die ein Abbild der Schönheit unserer Heimat vermitteln werden, ergänzt durch Trachten. gute Arbeiten der Elfenbeihschnitzerei und Kunsttöpferei. Leihgaben aus den Erbacher Sammlungen und Erzeugnisse eigenartiger Gewerbe und Handwerke.
Diese Ausstellung bezweckt in erster Linie, die eigenen Landsleute auf die Schönheiten und Erholungsmöglichkeiten unserer engeren Heimat hinzuweisen, aber auch den in den letzten Jahren Zugezogenen und den Flüchtlingen aus anderen deutschen Gauen einen Einblick in unser Land zu geben.
Gräber warten
Ueberzeugt, daß die Sorge für die Ruhestätten der Gefallenen als eine Herzenssache jedes einzelnen Deutschen nicht unpersönlichen Behörden überlassen bleiben sollte, hat sich der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfür-
sorge e. V.“ die Aufgabe gesetzt, im In- und Auslande deutsche Ehrenfriedhöfe anzulegen und zu pflegen. Großes ist bisher geleistet, Größeres bleibt noch zu tun. In den Kampfgebieten von der Westgrenze bis über den Rhein hinaus warten noch viele Grabstätten unserer Gefallenen auf die Umbettung auf Ehrenfriedhöfe. Im westlichen Ausland werden die Gefallenen auf große Sammelfriedhöfe zusammengebettet. Diese sollen wieder, wie nach dem ersten Weltkriege, zu einem Stück deutschei- Eigenart werden und die Gestalt erhalten, die unserem Wesen entspricht. Diese Friedensarbeit wird uns helfen, dem deutschen Namen Ehre einzulegen.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kreisverband Darmstadt, hat seine Geschäftsstelle im Roquetteweg 15.
Vor dem Richter
Fahrlässige Tötung
Nachspiel zu einem Verkehrsunfall
Am 14. September hatte es bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn Darmstadt—Frankfurt bei Kilometerstein 517, nahe Weiterstadt, zwei Tote und einen Schwerverletzten gegeben. Der 23 jährige Tischler Harry M. aus Frankfurt war am besagten Tag gegen 24 Uhr mit dem von ihm gesteuerten Pkw. in überhöhter Geschwindigkeit über die Bahn gebraust, ins Schleudern gekommen und mit voller Wucht auf den Anhänger eines vorschriftsmäßig parkenden Lastzuges aufgefahren. Der neben Harry sitzende G. sowie die Mitfahrerin Emma B. erlitten bei dem Aufprall den Tod. Die rechte Seite des Pkw.-Kastenaufbaus war bis zur Mitte zusammengeschoben worden.
Das Schöffengericht kam zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte durch seine zu schnelle und unbedachte Fahrweise — er war noch ein „junger“ Kraftfahrer — auf der regennassen und schlüpfrigen Fahrbahn sich der fahrlässigen Tötung und einer Uebertretung der STVO schuldig gemacht hat. Der Dreiundzwanzigjährige erhielt drei Monate Gefängnis.
Gefährdete Ingend
Es mangelt an genügender Aufsicht
Saßen da gestern zwei junge Bürschchen auf der Anklagebank. Der eine geht noch in die Schule, der andere meidet jegliche Arbcit. Beide sahen in den Trümmergrundstücken ihren „Ernährer“ und hielten den Verkauf von gesammeltem Alimatenial lohnender als eine geregelte Arbeit. Daß sie dabei ihre „Schätze“ auch in Lagerplätzen suchten und fanden, kümmerte sie wenig. Hauptsache, es gab Geld. Zweimal standen sie bereits wegen Diebstahlsgeschichten vor dem Jugendgericht. Da ernste Ermahnungen nichts genutzt hatten, packte Amtsgerichtsrat Hol zsc hu h diesmal die beiden etwas schärfer an und verhängte vier bzw. acht Monate Jugendgefängnis.
Dann nahm eine 15jährige auf der Sünderbank Platz. Sie stammt ebenfalls aus nicht gerade vorbildlichen häuslichen Verhältnissen. Auch sie machte bereits mehrfach mit dem Jugendrichter Bekanntschaft, weil sie sich zur Nachtzeit in zweifelhaften Lokalen herumtrieb. Jetzt war sie wieder eine ganze Woche von zu Hause verschwunden. Während diesem Herumstreichen machte sie bei ihrer Tante heimlich „lange Finger“ und stahl sich allerlei Keidungsstücke um elegant einhergehen zu können. Ihr Onkel erwischte sie jedoch. Sie wurde ins Ohlystift eingeliefert. Um das dortige Erziehungsverfahren nicht zu unterbrechen, sah der Richter von einer Strafe ab und ordnete lediglich Fürsorgeerziehung an. wst
Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Radfahrer und einem Lkw. kam es gestern mittag auf der Kreuzung der Rhein- und Wilhelminenstraße auf dem Luisenplatz. Der Radfahrer stürzte und verletzte sich geringfügig.
Der Herrngartenberg - ein Stück Alt-Darmstadt
Filmvortrag in der Volkshochschule
In diesem Sommer hätte der Herrngartenberg seinen 125. Geburtstag feiern können. Er ließ es aber bleiben, denn sein Kleid mag ihm allzuwenig geburtstäglich geworden sein. Nun das Jahr seinem Ende zugeht, setzen ihm die Regengüsse arg zu. Sie spülen die kahle Erde fort und legen die Wurzeln der Bäume und des Gesträuchs bloß. Soll das sich weiter fortsetzen oder besteht doch die Absicht, den unscheinbar gewordenen Zeugen vergangener Gartenfreude wieder herzurichten, wenn der Frühling einzieht und das „Boskett“ der Großen Landgräfin, das allmählich wieder in die Reih“ kommt, grünt und blüht?
Schon einmal, im Jahre 1926, war der Herrngartenberg aufgegeben worden. Damals, am 15. April, beschlossen die Stadtverordneten, ihn abtragen zu lassen. Seine Erde sollte den Ebertplatz auffüllen. Diese Erde, wie ist sie doch schon gewandert. Karolinens Sohn, Großherzog Ludewig der Erste, wollte in die Nordwestecke des Bosketts einen Berg wachsen lassen. Noch standen keine Häuser ringsum und der Blick hätte weithin gehen können.
Damals, es war 1813, wurde die Chaussee nach Frankfurt abgestochen, und auch bei der Anlage der Neuen Vorstadt gab es viel Bauschutt oder „Kummer“, wie man ihn in der Maurersprache nannte. Aber während wir Heutigen bei den traurigen Aufräumungsarbeiten nach der Stadtzerstörung die Scherbenhügel auf dem Exert in kurzer Zeit sich auftürmen sahen, brauchte es damals zwölf Jahre, um den kleinen Hügel aufzuschichten. Es waren Strafandrohungen nötig, um die Fuhrleute zu zwingen, nur an dieser Stelle den Schutt abzuladen. Man kannte noch keine Lorenzüge, aber der Hofkammerrat Tischbein schlug bereits vor, die Erde statt mit Schubkarren durch einen zwischen Rollen laufenden Wagen auf die Höhe bringen zu lassen. Dieser Wagen sollte, „um die Vorteile der in neueren Zeiten sehr angerühmten Eisenbahn“ sich zu eigen zu machen, auf Holzbahnen laufen und mit einer Kippvorrichtung versehen sein.
Wieviel Scharfsinn ist doch auf die Entstehung des Herrngartenberges verwandt worden! Aus dem dicken Aktenbündel darüber hat Professor Esselborn in einem kleinen Privatdruck interessante Einzelheiten herausgeholt. Er überlieferte auch das Jahr der Fertigstellung. Nachdem man nämlich eingesehen hatte, daß der große Plan eines größeren Berges zu teuer käme, wurde der „Bergbau“ 1825 abgeschlossen. Aus den Waldrevieren Kalkofen und Steinbrückerteich wurden 500 Stück Lärchen zu 48 Gulden 15 Kreuzer, 350 Stück Weißdorn zu 21 Kreuzer und 50 Fichtenpflänzchen zu vier Gulden zehn Kreuzer bezogen und auf dem Berge eingepflanzt. Viel ist von diesem Reichtum nicht übriggeblieben, aber wer um um den kleinen Hügel aufzuputschen. Es wandt wurde, möchte doch wünschen, daß sie uns erhalten bleibt und wieder instandgesetzt wird. Der um die hessische Denkmalpflege hochverdiente Professor Dr. Walbe hat durch einen im „Darmstädter Tagblatt“ vom 17. April 1926 veröffentlichten Aufruf den Berg vor seiner Abtragung bewahrt. Hoffen wir für das nächste Jahr, daß er wieder zu.», einer schmucken Anlage im Herrngarten wird, denn auch er ist ein Stück Alt-Darmstadt.
Selbizündung vder Brandstiftung?
Lichtbildervortrag im Verein für Versicherungswissenschaft
Im Rahmen der Mitgliederversammlung der Zweigstelle Darmstadt des „Vereins für Versicherungswissenschaft und -Praxis“ hielt der Dezernent und Sachverständige für Brandursachen beim Frankfurter Polizeipräsidenten, Kriminalkommissar Kurt Dierlamm, einen Lichtbildervortrag. Generaldirektor Dr. Biedemann entwarf in seiner Begrüßung ein Bild der mannigfaltigen Fragenkomplexe.
Kriminalkommissar Dierlamm erklärte, daß bis 1914 keine eigentliche Brandermittlung bestanden habe. Die Versicherungen hätten damals die Prämien ausgezahlt, ohne lange nach den Ursachen des Brandes zu fragen. Erst 1924 erfreute sich die Brandursachenermittlung besonderer Aufmerksamkeit, zu der Beamte der Kriminalpolizei in Spezialkursen geschult werden mußten. Heute, wie vor der Währungsreform, kämen kaum Brandstiftungen als Versicherungsbetrug wesen beschäftigt
vor, weil, wie der Redner sich ausdrückte, sie sich nicht lohnten.
Meist gehe die Aufklärung des Falles auf die Feststellung technischer Mängel zurück. Auch die Selbstentzündung von Erntevorräten sei eine häufige Brandursache, wie auch der leichtsinnige Umgang mit Schweißbrennern, Benzin und Benzindämpfen. Häufig sei bei Brandstiftung das Vortäuschen von natürlichen Brandursachen zu beobachten. Obzwar es schwerfalle, einen Brandstifter zu überführen, gelänge doch bei sorgsamer Beobachtung der Brandstelle die Feststellung, ob die Brandursache durch technische Mängel bedingt, oder durch Vorsatz angelegt gewesen sei. Selbst nach fünfzehn bis siebzehn Jahren wäre die Aufklärung von Brandursachen noch gelungen.
An Hand einer Reihe von Lichtbildern demonstrierte der Redner verschiedene Brandursächen und ihre Efrhittlungen. hfl
Kurze Meldungen aus der Stadt
Pater Ansgar Schröder spricht Donnerstag, den 30. November, im Hotel Knauf, um 20 Uhr, vor den Mitgliedern und Gästen des Vereins katholischer Kaufleute und Beamte „Constantia“.
Aus Schleswig-Holstein kommt in den nächsten Tagen ein neuer Flüchtlingstransport in Darmstadt an. Es werden etwa 10 Personen erwartet.
Eine Funktionärssitzung hält die Gewerkschaft „Chemie“, Bezirk Darmstadt, am 2. und 3. Dezember im Riedbergheim bei Eberstadt.
Die Ortskrankenkasse Darmstadt zahlt am Freitag in der Zeit von B—l 2 und von 13—16 Uhr die Renten aus der Invaliden- und Angesteilten-Versicherung sowie nach dem Körperbeschädigten-Leistungsgesetz. Für den sonstigen Publikumsverkehr ist an diesem Tage die Kasse geschlossen.
Ueber die Zubereitung des Weihnachts¬ karpfens und des Weihnachtsgebäcks hält Frau Koenig im Auftrag der Südhessischen Gas- und Wasser-AG am Donnerstag, dem 30. November, 19.30 Uhr, im Hause Luisenplatz 4 einen Vortrag mit praktischen Back- und Kochvorführungen.
Ein Gesangskonzert veranstaltet der Gesangverein „Liedertafel“, Griesheim, am Sonntag, dem 3. Dezember, um 16 Uhr, im Festsaal „Zum grünen Laub“.
Die hündische Freischar „Frankenstein¬ jugend“, Eberstadt, veranstaltet jeden Montag, 20 Uhr, ihren Heimabend im Rathaussaal. *
Eine Fahrt nach der Urberacher Hütte unternehmen die Naturfreunde Eberstadt unter Führung von Arnim Dreßler am 2. und 3. Dezember. Die Abfahrt mit dem Fahrrad erfolgt 15 Uhr ab Rathaus. *
Der Berg-Frei-Film der Schweizer Na¬ turfreunde wird am Freitag, dem 8. Dezember, 20 Uhr, im Rathaussaal in Eberstadt gezeigt. *
Trockenskikurse in Eberstadt finden jeden Montag im Dezember im Riedbergheim, 20 Uhr, statt. Für Weihnachten und Neujahr £ind Skiwanderungen bei günstiger Schneelage geplant. *
Ein Weihnachtsbaum mit Lichtern wird auch in Eberstadt auf dem Platz vor dem Rathaus aufgestellt werden. *
Eine Weihnachtsfeier veranstaltet der Ortsverband Eberstadt der Heimatvertriebenen am 30. Dezember im Gasthaus „Zur Rose“. ♦
Eine Nikolauswanderung führt der Odenwald-Club, Ortsgruppe Eberstadt, am Sonntag, dem 3. Dezember, durch. Die Mitglieder treffen sich um 13 Uhr an der Wartehalle. Die Wanderung führt durch den Griesheimer Weg, über den Lämmchesberg und wieder zurück nach dem Gasthaus „Zur Rose“. ♦
Vorweihnachtliche Barockmusik von Corelli, Pachelbel, Biber, Zipoli u. a. wird von Erica Schneider mit ihren Schülern am Sonntag, dem 3. Dezember 1950, um 17 Uhr in der Bessunger Kirche vorgetragen. An der Orgel: Charlotte Liebig.
Zu vier Monaten Gefängnis verurteilte das Darmstädter Schöffengericht einen Friseurgehilfen aus Darmstadt. Der Betreffende war in der Nacht zum 4. November in ein Friseurgeschäft, das sich in einem Holzhaus befand, eingestiegen. Er nahm dort eine elektrische Haarschneidemaschine, Kämme, Rasierklingen und andere. Dinge an sich. Offenbar handelte es sich um einen Racheakt, denn der Angeklagte war kurz vorher noch aushilfsweise an Samstagen bei diesem Friseur beschäftigt worden, jedoch nach einem scharfen Wortwechsel von diesem weggegangen. wst
Beim Ueberholen auf der Autobahn, streifte gestern ein Lkw. einen in Richtung Darmstadt fahrenden Lastzug in der Nähe von Lampertheim. Es entstand lediglich Sachschaden.
Eine Gaslaterne wurde umgefahren bei dem Zusammenstoß zwischen einem Dreiradlieferwagen und einem Lastkraftwagen auf der Kreuzung der Pankratius- und Liebfrauenstraße. Die beiden Fahrzeuge wurden schwer- beschädigt. Es entstand Sachschaden von etwa tausend Mark.
Wie wird das Wetter ?
Unbeständig
Vorhersage: Am Mittwoch gelegentliche Bewölkungsauflockerung, einzelne kürzere Niederschläge. Temperaturen tagsüber 8 bis 10 Grad, zum Teil lebhafte Winde aus Südwest bis West.
Weitere Aussichten: Verhältnismäßig mild, unbeständig.
Wohin gehen wir heǔte?
Landestheater, Orangerie: 19,30 Die Csardasfürstin“.
Lichtspieltheater: Union: „Hochzeitsnacht im Paradies“; Thalia: „Duell mit dem Tod“; Beli da : „Gasparone“; Palast: „Sheriff und Sträfling“; Hansa: „Liebespremiere“.
Amerikahaus: 19.30 Uhr Sonatenabend des Duos Theo Schürgers (Violoncello), Alfred Westphal (Klavier); 15—17 Uhr „Wunschkonzert“; 17—18 Uhr „Stunde für den Jazzfreund“; 14.30 und 17 Uhr Filmprogramm.
Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3a? 10—18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.
STARKENBURG
Gründung einer Segelfluggruppe
Dieburg. Dem Beispiel anderer Städte folgend, wollen sich auch die Segelflieger und Modellflieger der Kreisstadt und ihrer Umgebung zusammenschließen, um zunächst Flugmodellbau zu betreiben und später nach Freigabe des Segelfluges in Zusammenarbeit mit anderen Gruppen Segelflugzeuge zu bauen und zu fliegen.
Die Segelfluggruppe Darmstadt, als weitaus stärkste Gruppe Hessens, wird bei der Gründung Pate stehen und ihren 1. Vors. Dipl.-Ing. F. Layritz, der gleichzeitig Vizepräsident des Deutschen Aero-Clubs, Landesverband Hessen, ist, zur Beratung entsenden. Die Gründung der neuen Gruppe soll am Donnerstag, dem 30. November, um 20 Uhr im Gasthaus „Erbacher Hof“ erfolgen.
„Per Anhalter durch England“
Dieburg. Die amerikanische Lesehalle bringt am Donnerstag um 20 Uhr in der Knabenschule, Marienstraße, einen Lichtbildervortrag „Eine Fahrt per Anhalter durch England und Schottland“. Für Donnerstag, den 7. Dezember, ist wieder ein Musikabend mit Werken von Strauß vorgesehen. rfd.
Fahrt mit Hindernissen
Besichtigungsreise des Groß-Gerauer Guppenwasserwerksverbandes
Groß-Gerau. Der Gruppenwasserwerksverband, dem außer der Kreisstadt die Gemeinden Nauheim, Berkach, Büttelborn, Klein-Gerau, Wallerstädten und Worfelden angehören, unternahm bei Teilnahme der Bürgermeister, der Gemeindevertreter, der Gemeinderohrmeister, von Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes Darmstadt sowie Vertretern interessierter Firmen eine Fahrt zur Besichtigung von Trinkwasserklär- und -enteisenungsanlagen.
Erstes Ziel war die Adam Opel AG., Rüsselsheim. Dort wurde eine Kläranlage besichtigt, die aus dem Main gepumptes Wasser reinigt, so daß es für den menschlichen Genuß geeignet und unschädlich ist. Nächste Station war eine Kläranlage in Nieder-Roden, die z. Z. außer Betrieb ist. Hauptziel und -zweck der Exkursion war die Inaugenscheinnahme eines Pumpwerks und einer Enteisenungsanlage der Stadtwerke Hanau bei Groß-Krotzenburg. Die Teilnehmer gewannen dabei wertvolle Erkenntnisse, die dem geplanten Bau einer Enteisenungsanlage des Gruppenwasserwerksverbandes in Groß-Gerau zugute kommen.
Bei Beginn der Rückfahrt kam der Omnibus infolge eines schlammigen Wasserabflusses ins Schleudern und mit einem Telegrafenmast in Kollision. Nur der Geistesgegenwart des Fahrers war es zu verdanken, daß man mit kleineren äußerlichen Schäden am Fahrzeug davonkam. Ein gemütliches Beisammensein im Hotel „Adler“ in Groß-Gerau gab dem ereignisreichen Tag einen würdevollen Abschluß. -th-
Ausschußwahlen
bei der Landwirtschaftskammer
Darmstadt. Bei dei' fünften Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer Hessen-Nassau, die in Frankfurt stattfand, wurden Herr Einhof f (Hofgut Hohenau bei Trebur), Herr Bernhardt (Direktor der Starkenburger Obst- und Gemüse-Anbaugenossenschaft Klein-Gerau) und Herr Lippert (Talhof bei Jugenheim) in den hessischen Landesausschuß für Obstbau gewählt. Herr Wilhelm Jäger (Ober-Moskau) wurde in den Forstausschuß und Frau Büchsenschütz (Pfungstadt) in den Ausschuß für landwirtschaftliches Schulwesen berufen. Kb.
Aeber dem Nutzen steht die Freude
Geflügelschau in Bickenbach am vergangenen Wochenende
In seiner Eröffnungsansprache zur Bickenbacher Geflügelschau am vergangenen Wochenende dankte der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins, Philipp Engelhard, allen Mitgliedern für die im vergangenen Jahre geleistete treue Mitarbeit.
Die Geflügelschau, so betonte er, solle abei' nicht nur für die Mitglieder eine Rückschau auf die Leistungen sein, sondern vor allem auch der Oeffentlichkeit zeigen, daß der Verein sich der hohen Wertschätzung, die er weithin in Züchterkreisen genießt, würdig erwiesen habe. Die Zucht von Rassegeflügel sei auch heute von größter Bedeutung und die Schau solle für alle Mitglieder, besonders aber für die Jugend, ein Ansporn zur weiteren eifrigen.-Mitarbeit sein. Die Zucht ergebe aus ihren Leistungen nicht nur materiellen Nutzen der verschiedensten Art, sondern sie sei auch eine Quelle reiner Freude an der Natur und an den züchterischen Erfolgen.
Ausgestellt waren 124 Stück Großgeflügel, 40 Stück Zwerggeflügel, 10 Stück Wassergeflügel und 40 Tauben. Als bewährte Preisrichter walteten die Herren Pfeffer, Darmstadt, und Weber, Weinheim, ihres Amtes. Ehrenpreise hatten der Hessische Landesverband der Rassegflügelzüchter. die Gemeindeverwaltung, die Kleiderfabrik Flach u. Co., die Holzwerke Dietrich sowie verschiedene Einwohner gestiftet.
Ausgezeichnet wurden: Italiener, goldfarbig: Bauer, Georg; schwarz: Fey; Zwerg, goldfarbig: Bauer, Willi. Minorka : Rettig. Rheinländer: Traub (Jugenheim,); schwarz: Peter, Heinrich. Rhodeländer: Engelhard, Philipp. Sussex, hell: D r a u d t, Philipp. Wyandott. schwarz: Götz; silber: Crößmann. Zwerghühner, porzellanfbg.: Metzger (Jugenheim). Enten, Pekingenten: D ra u d t, Philipp. Tauben, Thüringer Flügeltauben: Engelhardt, Philipp; schwarz: Ganser, Wilhelm.
Jugendgruppe: Orpington, gelb: Plößer (Alsbach). Wyandott, braungebändert: Hill; schwarz: Ruppel. Enten, Indische Laufenten: Plößer (Alsbach). Tauben. Koburger Lerchen -.Jährling. rh
Brieftauben stellten sich vor
Wixhausen. Der Brieftaubenclub ^Sturmvogel“ hielt im Saale des Gasthauses „Zur Traube“ eine Brieftaubenausstellung ab. Vereine aus Arheilgen, Erzhausen und Gräfenhausen waren als Gäste eingeladen; über 220 Reisetauben wurden ausgestellt. Preisrichter Ludwig Dack er , Sprendlingen, nahm die Klassifizierung und Prämiierung der Tauben vor. Aus dem besonders guten Material konnte er acht Ehren- und acht erste Preise verteilen. Als vorzüglich wurden besonders die jungen Tauben aller Züchter beurteilt. Ludwig Cron, Erzhausen, erhielt 2 Ehren- und 2 erste Preise. Hch Volz, Wixhausen, 2 Ehren- und 2 erste Preise, Ph. Müller, Karl Bergmann, beide Wixhausen, Heinz Degen, Arheiligen, und Philipp Bauer, Gräfenhausen, je einen Ehrenpreis, Dieter Pfeffer, Georg Me 1 k, Wixhausen, Jakob Heck, Erzhausen, und Heinrich Kümmel, Gräfenhausen, je einen ersten Preis. Eine reichhaltige Tombola stand dem Verein zur Verfügung und mancher Besucher konnte als glücklicher Gewinner den Saal verlassen.
Pfungstadt. Der Musikverein 1926 veranstaltet am 3. Dezember, 20 Uhr, ein Herbstkonzert im „Rheinischen HofI'. Scg
Darmstadt und Odenwald im Spiegel der Rhein-Bildkarte
260 000 farbige Karten werben in vier Fremdsprachen für unsere Heimat
Eine für Darmstadt und das gesamte Gebiet des Odenwaldes, der Bergstraße, des Rieds und Neckartales bedeutende Besprechung hatte die Arbeitsgemeinschaft der rheinischen Landesverkehrsverbände unter Vorsitz von Stadtrat a. D. O c h s , Geschäftsführer des Landesverkehrsverbandes Rheinland, nach Oberwesel einberufen.
An der Sitzung nahmen die Geschäftsführer der Landesverkehrsverbände Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordbaden teil, ferner die Verkehrs- und Kurdirektoren von Frankfurt, Bad Nauheim, Mainz, Oberwesel, Köln, Düsseldorf, Bad Honnef und Oberhausen, sowie ein Vertreter des DER. Darmstadt und das Gebiet Odenwald/Bergstraße,Neckartal vertraten die Herren Dr.' Dietrich, Leiter des Presse-, Werbe- und Verkehrsamtes Darmstadt und Geschäftsführer Meisel vom' Verkehrsverein Darmstadt und Gebietsausschuß Odenwald/ Bergstraße/Neckartal.
Die Arbeitsgemeinschaft der rheinischen Landesverkehrsverbände betreibt eine gemeinschaftliche Werbung aller Fremdenverkehrsträger des Rheingebietes von der holländischen Grenze bis Mannheim-Heidelberg, um den Besucher dieses bedeutendsten deutschen Verkehrsgebietes, vor allem dem Ausländer, ein geschlossenes Bild des natürlichen Verkehrsweges zu vermitteln.
Nachdem im vergangenen Jahr bereits ein im In- und Ausland mit großer Anerkennung aufgenommener Rheinprospekt erschienen war, ist nun die Herausgabe einer in Inhalt und Farbgebung lebhaften und künstlerisch hochwertigen, dabei als Informationsquelle leicht übersichtlichen Bildkarte geplant, in der auch die ganze Rheinebene zwischen Mainz und Mannheim und der Odenwald m t der Bergstraße, mit ihren Hauptorten vertreten sein werden. Bunte Bilder werden dem Betrachter mit den Ortsnamen gleichzeitig einen Begriff von den Eigenarten der Orte vermitteln. Die Karte wird in einer Auflage von 260 000 Stück in Deutsch, Englisch, Französisch, Holländisch und Schwedisch gedruckt und über aie Auslandswerbestellen der Deutschen Zentrale für Fremdenverkehr, sowie durch die Landesverkehrsverbände verteilt.
Es ist erfreulich, daß durch dieses Werbemittel auch der Odenwald, der trotz seiner landschaftlichen Schönheiten und kulturellen Werte immer etwas abseits steht, mit in die große internationale Rhein-Werbung, die stets in aller Welt Beachtung gefunden hat, einbezogen ist. *
Rückkehr in die Heimat als Krönung der Arbeit
Höchst. Die Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft hielt am Sonntag im Saale des Gasthauses „Frankfurter Hof“ eine Versammlung ab. Landesobmann Woln er, Wiesbaden, sprach über Gegenwarts- und Zukunftsprobleme der Landsmannschaften. Der Redner wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß in außenpolitischer Hinsicht intensiv gearbeitet werden muß und auch wird. Dabei sei besonders das Abkommen mit der tschechischen Exilregierung hervorzuheben, das überall in der Welt Anklang gefunden habe, aber auch in der Tschechoslowakei stark beachtet wurde. Trotz dieser Arbeit, deren höchste Krönung die Rückkehr in die alte Heimat sein soll, dürften die Gegenwartsprobleme nicht vergessen werden. Le
Wiener Sängerknaben in Heppenheim
Heppenheim. Auf ihrer diesjährigen Konzertreise durch Süddeutschland werden die Wiener Sängerknaben am 6. Dezember in der Heppenheimer Stadthalle gastieren.
Neue Leichenhalle eingeweiht
Trebur. Am Totensonntag wurde die neuerbaute Leichenhalle in Anwesenheit von Landrat Harth, Bürgermeister Roth sowie der Geistlichkeit beider Kirchen feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Das in seinem Charakter entsprechend gestaltete Bauwerk gilt als eines der schönsten seiner Art im Kreisgebiet Groß-Gerau.
Landrat Harth gedachte in seiner Ansprache der Gefallenen beider Kriege, der Opfer des Faschismus und der Heimatvertriebenen. Pfarrer Scholl von der evangelischen Gemeinde und sein Amtsbruder, Pfarrer Freund von der katholischen Gemeinde, sprachen im Namen der beiden Konfessionen. Chöre des Männergesangvereins und Musikstücke gaben der Feier einen würdigen Rahmen. kr.-
Chorkonzert in Messel
Messel. Die Kullmannsche Chorgemeinschaft, die bereits am 18. November im überfüllten Saal in Roßdorf unter der Stabführung von Kapellmeister Kullmann, Darmstadt, durch vorzügliche Leistungen einen überwältigenden Erfolg erzielte, wird am kommenden Samstag um 20 Uhr im Saale der Gastwirtschaft Johann Heinrich Laumann 2. dieses Chorkonzert wiederholen. Das Programm wird, von einigen kleinen Aenderungen abgesehen, dasselbe wie vor 14 Tagen in Roßdorf sein.
Unsere Guburtstagskinder
Goldene Hochzeit: Eheleute Georg Friedrich 11., Lützel - Wiebelsbach, Ortsstraße 63.
Goldene Hochzeit: Eheleute Georg Friedrich H e g n y , .Erbach, Bahnstr. 24.
78.Geburtstag: Herr Heinr. Preusch, Wixhausen, Falltorstraße.
74. Geburtstag: Frau Emilie Sattler, Wixhausen, Mittelgasse.
Matiscik schreibt aus dem Kittchen:
„Reines Gemissen für ein neues Leben“
Unerwartete Aufklärung des Radheimer Einbruchdiebstahls / Gefängnisinsasse bekennt sich „zwecks Erleichterung der Gewissensbisse“ zur Tat
Im Textilhaus Ostheimer in Radheim wurde vor einiger Zeit ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt, bei dem dem Täter Damenwäsche, sechs Herrenhemden, sieben Herrenhosen, mehrere Anzugstoffe, eine Herrenarmbanduhr, eine Halskette, ein goldener Ring mit Granatsteinen und 280 DM bar in die Hände fielen. Der Diebstahl hat eine unerwartete Aufklärung gefunden.
In der Strafanstalt Kassel verbüßt der 23 Jahre alte Karl M a t i s c i k zur Zeit eine längere Gefängnisstrafe. Sie ist allerdings nicht die erste, die gegen ihn verhängt werden mußte, denn M. hat in den letzten drei Jahren schon öfters mit den deutschen Gerichten Bekanntschaft machen müssen, weil er mehrere Einbrüche und Diebstähle begangen hatte. Die nach seiner Entlassung wiedergewonnene Freiheit bekam ihm jedoch nicht sonderlich gut. So eignete er sich „in gewohnter Weise“ u. a. in Darmstadt einen Radioapparat an und stattete auch dem Radheimer Kaufhaus einen nächtlichen Besuch ab.
Matiscik, der sich nach seiner Entlaslung aus der Kriegsgefangenschaft ohne festen Wohnsitz in Westdeutschland aufhielt, hatte seinem in Radheim wohnenden Onkel einen längeren Besuch abgestattet. Hierbei kam er vermutlich auch auf den Gedanken, den Einbruchsdiebstahl zu planen und auszuführen.
Das Bekenntnis zu der Tat begründet M. in einem im Gefängnis geschriebenen Brief damit, daß er sich ein reines Gewissen schaffen und nach Verbüßung der gegen ihn zu erwartenden Strafe ein neues Leben anfangen wolle. Er wird sich nun noch näher darüber zu äußern haben, was er mit der Beute, die einen Wert von mehr als 1200 DM darstellt, machte. RG
Fünfer-Ausschuß der SPD entscheidet im Fall Wedel-Ritzert
Dieburg. Wie wir aus gut informierter Quelle erfahren konnten, wird sich ein Fünfer-Ausschuß der SPD im Kreis Dieburg mit den Anwürfen des 2. Kreisdeputierten, Ludwig Wedel, Groß-Umstadt, gegen den Landrat des Kreises, Ritze rt, befassen. Erst nach vollständiger Vorlage der Unterlagen und Prüfung von deren Richtigkeit wird der Ausschuß ein offizielles Vorgehen der Partei entscheiden.
In gemeinsamer Sitzung des Kreisvorstandes und der Kreistagsfraktion der SPD wurde der am 18. November erfolgte Parteiaustritt von Kreisamtmann Sachs zur Kenntnis genommen. Dem Kreisamtmann wurde daraufhin einstimmig das Vertrauen entzogen und er zur Rückgabe des von der SPD erhaltenen Amtes aufgefordert. J
Was beabsichtigt die SML?
Groß-Bieberau. In der Montags• Sitzung des Groß-Bieberauer Gemeinderates wurden die letzten größeren Arbeiten für den Rohbau des Schulhauses, die Be- und Entwässerungsanlagen, vergeben. Ein Antrag der SML Darmstadt wurde wegen unklarer Formulierung zurückgestellt.
Der Gemeinderat stimmte hinsichtlich der Fertigstellung des Schulhausrohbaus über zwei Voranschläge ab; die Be- und Entwässerungsanlagen wurden drei einheimischen Firmen übertragen, die Vergebung der Blitzableiteranlage erfolgte an eine Groß-Umstädter Firma.
Ein Antrag der Starkenburger Milchliefervereinigung, die das Schulgäßchen käuflich erwerben möchte, wurde vorläufig zurückgestellt, da aus ihm nicht hervorgeht, welches Bauvorhaben zugrunde liegt. Der Bürgermeister wurde beauftragt, mit der Vereinigung über die zukünftige Bebauung zu verhandeln.
In Anbetracht der gespannten Finanzlage der Gemeinde erschien ein Antrag der Turn- und Sportgemeinde in Höhe von 200 DM für die Anschaffung von Trikots zu hoch. Der Gemeinderat bewilligte aus diesem Grunde lediglich 50 DM.
Als Schöffen und Geschworenen wurden vorgeschlagen: Wilh. Li n n ew e g , Gg. Meyer 3., Gg. Ludwig Spatz 3., Ludwig Merz, Ernst L ore nz , Emil Weidlich, Franz Richter, Hans Schmid. H. Schnellbächer 6., K. Buxbaum, Gg. Gaydoul 2., Bernh. Böhm, Heinr. Schnellbächer 5., K. Gerbig, Franz Brommer, K. Peter und P. Bauer, -öh-
Radheim. Aus einem Hühnerstall im Landgut Häuserhof wurden acht Zuchtkaninchen, darunter sechs Angora, im Gesamtwert von 250 DM gestohlen.
Links ne Pappel - rechts ne Pappel
Da staunt der Laie in der Gräflich v. Schaersbergschen Pappelbaumschule
»en Bäumen soll angeblich dafür gesorgt sein — und so besagt eine alte Redensart —, daß sie nicht in den Himmel wachsen. Pappeln scheinen allerdings dabei eine Ausnahme zu machen. Und wenn man sie bis heute auch noch nicht wachsen hören kann — wie etwa das Gras —, so kann man sie dafür um so besser wachsen sehen.
Herr Bosch jr., der Leiter der Gräflich von Schaesbergschen Pappelbaumschule auf dem Kühkopf, meinte, das sei aber keine Neuheit, wenn es uns auch so vorkäme. Er führte uns durch 10- und 15jährige Pappelalleen, die nicht nur schon ein ganz ehrwürdiges Aussehen hatten, sondern mit ihren hohen Stämmen ein ganz wesentlicher, nicht fortzudenkender Bestandteil der Fluß- und Niederungslandschaft geworden sind.
Überall auf dem Kühkopf wachsen Pappeln, Pyramidenpappeln, die ausgefahrenen Wege entlang, und prächtige, hochstämmige Sorten einzeln und in Gruppen auf Weiden und an Waldrändern. Sie verbinden sich mit geräumigen Feldern, Wiesen und Hecken, hinter denen der alte und der neue Rhein immer wieder wie ein silberner Streifen aufglänzt, zu einem Bild von eigenartiger Stille und Schwermut.
Dennoch wird in der Pappelbaumschule, die sich über 100 Morgen Ackerland erstreckt, das von dem Hofgut des Freiherrn Heyl zu Hernsheim eigens zur Verfügung gestellt wurde, keineswegs der Poesie und der Romantik gepflogen. Dafür geht die Arbeit niemals aus. Stecklinge, die im Frühjahr- 1949 zu dieser Zeit wurde mit der Arbeit überhaupt erst begonnen in den Boden kamen, haben heute eine Höhe von sechs Meter erreicht, während diesjährige Triebe in der Zeit von April bis September durchschnittlich zwei Meter hoch gewachsen sind.
Dazu bedurfte es freilich einer -sorgfältigen Auslese der Sorten, regelmäßiger Bodenbearbeitung und intensiver Schädlingsbekämpfung. Künstlicher Dünger wurde so gut wie gar nicht verwendet, weil die Beschaffenheit des genügend kalkhaltigen Bodens auf dem Kühkopf alle natürlichen Voraussetzungen für das Gedeihen der Pappelstecklinge gewährt.
Heute sind die Quartiere, in denen die Stecklinge von ausgesuchten Mutterbäumen jeweils zusammengepflanzt.sind, für einen Laien nicht mehr übersehbar. Wie ein riesiges Aufgebot stehen Reihe neben Reihe, durch schnurgerade Wege voneinander getrennt.
In waldarmen Ländern, wie etwa in Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten, wurde die Bedeutung der Pappel viel eher erkannt als bei uns. Erst heute, nach den jahrelang durchgeführten Überhieben, die seit der Besetzung zu regelrechten Kahlhieben geworden sind, zwingt die Holznot in Deutschland zu einer neuen Beachtung schnellwüchsiger Holzarten. Die Pappel aber ist die schnellwüchsigste von allen in unserer Klimazone. Sie erzielt in einem Alter von 20 bis 30 Jahren die gleiche Leistung wie die in regelmäßigem Forstbetrieb angebauten Holzarten von 70 bis 100 Jahren und kann — eine Elitepappel — mit 40 Jahren für Nutz- und Brennholz etwa 7—12 Festmeter liefern.
Die Bauern am Niederrhein sind deshalb dazu übergegangen, zur Geburt einer jeden Tochter ein paar Pappeln zu pflanzen. Ist dann das Mädchen herangewachsen
und kommt ins heiratsfähige Alter, so sind auch ihre Pappeln soweit, Holz für die Ausstattung zu liefern. Pappelholz eignet sich nämlich besonders gut für Blindholz, das, mit Eichenfurnieren belegt, heute überall in der Möbelindustrie Eingang gefunden hat.
Noch wesentlicher aber ist die neuerkannte Bedeutung der Pappel als Zelluloseholz. Herr Professor Jay m e vom Papierinstitut der Technischen Hochschule Darmstadt konnte feststellen, daß bereits 9—l2jährige Pappeln — im Gegensatz zu Buche und Fichte — einen Höchstwert an Zellulosegehalt besitzen. Im Hinblick auf die Tatsache, daß der Papierknappheit in Deutschland heute nur durch die Einfuhr von Zellulose begegnet werden kann, ist diese Feststellung von weittragender Wichtigkeit. Es gilt nur die richtige Auslese für die Nachzucht zu treffen. Sie erstreckt sich auf Holzqualität, Schnellwüchsigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheit und auf die beste Vermehrungstechnik der einzelnen Sorten. Darum werden neben der Großanpflanzung, die dem Verkauf und der Stecklingsgewinnung dient, in dem sogenannten „Lexikon“ des Herrn Bosch von der Gräflich von Schaesbergschen Pappelbaumschule etwa 400 bis 600 verschiedene Sorten und Kreuzungen über längere Zeitabschnitte ständig beobachtet. Am günstigsten erwiesen sich seither die kanadischen Pappelsorten, die dementsprechend unermüdlich nachgezüchtet und vermehrt werden.
Nicht jeder Boden eignet sich für Pappelanbau, erklärte uns Herr Bosch. Gerade aber in unserer Gegend, dem Gebiet der rheinischen Tiefebene mit ihren zahlreichen Aueböden, fällt der Pappel auch als Baum außerhalb des Waldes große Bedeutung zu. Wo immer der Boden tiefgründig, grundwasserreich und kalkhaltig ist, sollte man sein Kapital in Pappeln anlegen. Es hat den großen Vorteil, daß der Anbauer selbst noch in den Genuß seiner Erträge kommt.
Mehr kann man wirklich nicht verlangen. -kä¬
Was aǔch interessiert:
Der Kreistag des Landkreises Darm¬ stadt wird in seiner Sitzung am 12. Dezember' im Restaurant „Waldschlößchen“
in Griesheim neben anderen Tagungspunkten, den allgemeinen Verwaltungsbericht, mehrere Bauleitpläne, die Enteignung von Grundstücken in Seeheim, den Bericht über die Prüfung der Rechnung der Kreiskasse im Rechnungsjahr 1948 und die Neuwahl der Beisitzer zu den Soforthilfe-Ausschüssen behandeln. *
Die Firmung der Erstkommunikanten von Pfungstadt Hahn. Eich und Eschollbrücken wurde kürzlich durch Bischof Dr. Stohr vorgenommen. Daran schloß sich eine Religionsprüfung der Schulkinder an. ler
Die Glocken der Pfarrkirche Groß- Zimmern läuten am Samstag über den Hessischen Rundfunk den Sonntag ein. gi
Ueber die Behandlung bösartiger Pferde spricht im Auftrage der Landwirtschaftskammer Herr Franck am Samstag um 10 Uhr im Heppenheime r Winzerkeller. Dem Vortrag schließen sich praktische Unterweisungen an. *
Mit amerikanischen Spezialgeräten wurden nunmehr die Arbeiten in der Wasser- und Wintersportanlage des Ortsjugendringes von Nauheim abgeschlossen. Die gesamten Erdarbeiten (2500 cbm) haben die Amerikaner kostenlos durchgeführt.
Eine große Weihnachtsbuchausstellung der Buchhandlung Kraft aus Erbach findet auch in diesem Jahre wieder am 5. Dezember in den Räumen des Gasthauses Reinheimer in Groß - Bieber a u statt. gd
Aktuelles zwischen gestern und heute
„Hoffnungsvoller Nachwuchs“ übt sich beizeiten
Bensheim. In letzter Zeit wurden wiederholt in der Rodensteinschule Fahrräder von Schülern gestohlen, die diese im Keller des Schulgebäudes unabgeschlossen abgestellt hatten. Die Kriminalpolizei Bensheim konnte nun dieser Tage verschiedene Fälle aufklären. Es handelt sich um mehrere Schüler, die ihren Kameraden die Räder entwendeten, zu Hause verschiedene Erkennungsmerkmale veränderten und sogar auf diesen Rädern durch die Stadt fuhren. Ihren Eltern logen sie vor, die Räder gefunden oder von Mitschülern geschenkt bekommen zu haben. Das Jugendamt wird sich jetzt der Jugendlichen annehmen, während sich die Eltern, die über das Treiben ihrer Kinder unterrichtet waren, vor Gericht wegen Hehlerei zu verantworten haben. H.B.
Bei der Arbeit verunglückt
Mannheim. Ein folgenschwerer Betriebsunfall ereignete sich im amerikanischen Depot, Mannheim-Käfertal. Der Jugendliche Sebastian Gärtner aus Lorsch erhielt einen Stoß durch ein Eisenteil, mit dem sein Arbeitskamerad hantierte, so unglücklich gegen den Kopf, daß er blutüberströmt und mit einer schweren Gehirnerschütterung in das Städtische Krankenhaus Mannheim übergeführt werden mußte. el.
Zu eng für vier Fahrzeuge
Bensheim. Am Montag ereignete sich in der Rodensteiner Straße ein Verkehrsunfall, an dem 4 Fahrzeuge beteiligt waren. Während vor der Fischhandlung Wörtge ein Lkw. hielt, wartete zu gleicher Zeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Pkw. Ein aus Richtung Heppenheim kommender Lastwagen versuchte zwischen den beiden Fahrzeugen hindurchzufahren, während im gleichen Augenblick ein Pkw. aus entgegengesetzter Richtung die gleiche Stelle passieren wollte. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, bremste der Fahrer des Pkw. scharf ab, fuhr jedoch auf den parkenden Pkw. auf. so daß beide Fahrzeuge beschädigt wurden. H.B.
Betrunkene Kraftfahrer verursachten Unfälle
Am Sonntagabend gegen 18.30 Uhr wurde auf der Bundesstraße 45, kurz hinter Etzengesäß, der mit seiner Familie in Richtung Bad König laufende Bahnangestellte Karl Reeg von einem überholenden Lkw. angefahren und etwa 10 Meter weit mitgeschleift. Er trug schwere Verletzungen an der linken Schulter und am Kopf davon und mußte in die Zandersche Klinik gebracht werden. Der Fahrer des Lkw. fuhr weiter, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Er konnte kurze Zeit später durch die Gendarmerie am Bahnhof Bad König ermittelt und vorläufig festgenommen werden. Es handelt sich um den 29jährigen Kraftfahrer Joseph Wolodkewitz aus Gelsenkirchen, der erheblich angetrunken war. Er leugnete, den Unfall bemerkt zu haben. Das Amtsgericht Höchst erließ Haftbefehl und zog den Führerschein ein. Außerdem wurde der Lkw. sichergestellt.
Am Samstag gegen 21.30 Uhr rannte ein von Höchst kommender Pkw. in einer der zahlreichen Kurven des Rondells gegen einen abwärts fahrenden Lastzug. Der Pkw. wurde erheblich beschädigt, sein Fahrer, der 40 Jahre alte kaufm. Angestellte Hermann Benz aus Schaafheim, war angetrunken. Nur dem Umstand, daß dei- Lastzug in sehr mäßiger Geschwindigkeit fuhr und bei dem Herannahen des die Kurve schneidenden Pkw’s derart bremste, daß er fast zum Stillstand kam, ist es zuzuschreiben, daß bei dem Unfall keine Menschenopfer gefordert wurden.' -ch.
Sieben Meter Mauer eingedrückt
Rüsselsheim. Ein mit 10 Personen besetzter amerikanischer Lastkraftwagen stieß mit voller Wucht gegen die Mauer des alten Friedhofes. Sie wurde in einer Breite von 7 Metern eingedrückt. Während das Fahrzeug beschädigt wurde, erlitten die Insassen keine Verletzungen.
Ertappt und verurteilt
„Lange Finger“ kosten 9 Monate
Wegen vollendeten und versuchten Diebstahls verurteilte das Bezirksschöffengericht Darmstadt einen Werkzeugmacher aus Rüsselsheim zu neun Monaten Gefängnis. Er hatte bei Dachreparaturen Zinkblech gestohlen und sich einmal in verdächtiger Weise auf dem Werksgelände der VDM Halbzeugwerke in Gustavsburg in der Nähe von Kupferbarren zu schaffen gemacht. Hierbei wurde er jedoch erwischt.
Sturz durch Bananenschale
Groß-Gerau. In der Frankfurter Straße kam eine Frau durch eine auf der Straße liegende Bananenschale so unglücklich zu Fall, daß sie sich mit erheblichen Kopfverletzungen in ärztliche Behandlung begeben mußte. Kb.
Aus einem in voller Fahrt befindlichen Personenwagen stürzte in Gorxheim der Jugendliche Horst Krumbholz aus Unter-Flockenbach, als sich in einer Kurve die Tür des Wagens öffnete. Der Verunglückte zog sich eine leichte Gehirnerschütterung und Gesichtsverletzungen zu. *
Bauern fordern Unterstützung
Groß-Gerau. Der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes, Hirsch, richtete auf der kürzlich stattgefundenen Kreisdelegiertentägung an die zuständigen Stellen der Regierung die dringliche Bitte, endlich die agrarfeindliche Politik fallen zu lassen, Kenntnis von der schwierigen Situation zu nehmen, in der sich heute große Teile der Bauernschaft befänden und sobald als möglich der deutschen Landwirtschaft spürbare Hilfe zu leisten. Die Notwendigkeit der Förderung geistiger Arbeit namentlich unter dem bäuerlichen Nachwuchs, unterstrich Jugendleiter Schulz. Bei der anschließenden Neuwahl des Vorstandes konnte das bisherige Vorstandsmitglied Ei n h o f f wieder alle Stimmen auf sich vereinigen. Den satzungsgemäß ausscheidenden Herrn Damme 1 ernannte die Versammlung in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Belange der Bauernschaft zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden des Kreisverbandes. Kr.
Bibliser Senderprojekt in abgeänderter Form genehmigt
Biblis. Nachdem der Gemeinderat in der vergangenen Woche schon einmal nach Hause gehen mußte, da er wegen Nichterscheinens mehrerer Räte beschlußunfähig war. kam er am Montag erneut zusammen. Im Verlaufe dieser Sitzung wurde dem Vertrag mit der amerikanischen Firma NCFE in seiner abgeänderten Form zugestimmt. Die seitherigen Schöffen wurden einstimmig wiederbenannt. Ein Antrag auf von der Gemeinde zu zahlende Regreßgelder wurde abgewiesen und ein anderer auf Uebernahme einer Jagd zurückgestellt. Im Punkt Verschiedenes standen Bauplatzfragen und Neuanschaffungen für die Schule zur- Debatte. Außerdem wurde über den zu einem späteren Zeitpunkt geplanten Anschluß der Gemeinde an das Gasnetz gesprochen, wozu jedoch eben noch die nötigen finanziellen Mittel nicht aufgebracht werden können. In nichtöffentlicher Sitzung wurden die Zimme r era rb ei ten a m S ch ulh ause rwe i t e rungs - bau vergeben.
Jugenheim zahlt Winterbeihilfe
Jugenheim. Der Gemeinderat bewilligte in seiner letzten Sitzung eine einmalige Winterbeihilfe für hilfsbedürftige Einwohner, auch wenn sie nicht laufend Fürsorgeunterstützung beziehen. Die Winter- oder Weihnachtsbeihilfe kann gewährt werden, wenn das monatliche Einkommen die nachstehenden Grenzen nicht übersteigt: Alleinstehende 70 DM, Haushalt mit 2 Personen 100 DM, mit 3 Personen 125 DM, mit 4 Personen 140 DM, mit 5 Personen 150 DM, mit 6 und mehr Personen 155 DM. Die Anträge mit den Unterlagen (Verdienstbescheinigungen, Rentenbescheide, Arbeitslosen - Meldekarte usw.) sind sofort, spätestens bis zum 2. Dezember d. J. bei der Bürgermeisterei (Fürsorgeamt) zu stellen. hl
Mutter ohue moralische Einsicht
Sie duldete nächtliche Parties ihrer Töchter in der Wohnung
Im Darmstädter Gerichtssaal zeigte sich jetzt wieder einmal ein trübes Bild sittlicher Verwahrlosung: Eine moralisch einsichtslose Mutter hatte schweigend das nächtliche Treiben ihrer leichtlebigen Töchter mit lockeren Freunden geduldet. — Ein klarer Fall von Kuppelei.
Nicht zum ersten Male stand die 44- jährige Hausfrau Katharina B. aus Neu-Isenburg aus diesem Grunde vor Gericht. Bereits 1946 und 1947 hatte sie Darmstadts Erste Strafkammer durch mehrmonatige Gefängnisstrafen zur Einsicht bringen wollen und sie in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen. Es nutzte nichts. Kaum probeweise nach einem Jahr aus der Anstalt entlassen, setzte sie ihr kupplerisches Treiben fort.
Der Ehemann der Angeklagten, die mit ihren vier Töchtern in einer Behelfswohnung inmitten eines recht düsteren Milieus wohnt, war von einem der „boyfriends“, einem Besatzungssoldaten, vor Jahren erschossen worden, als er sich einmal recht deutlich gegen die Zustände in seiner Behausung aussprach.
Die Angeklagte, eine an sich gutmütige Frau, lehnte sich nicht gegen die illegalen Liebeleien ihrer Töchter auf. Eine von ihnen ist erst siebzehn, aber ein schwarzer Freund kam ständig nachts zu ihr. Eine andere tat das gleiche, und eine dritte wurde nachts bei einer Polizeikontrolle ebenfalls mit einem Liebhaber erwischt. Hier duldete die Mutter, daß man gemeinsam in der Küche „schlief“.
Heute sind die Töchter zum Teil in einem Erziehungsheim, zum Teil in Strafhaft. Ihre Mutter beteuerte gestern vor Gericht, sie habe nichts von den nächtlichen Szenen gewußt. Auf Grund ihres Vorlebens, der örtlichen und familiären Verhältnisse konnte man ihr das aber nur wenig glauben.
Ein Sachverständiger bezeichnete sie als vermindert zurechnungsfähig. Nur für den Fall, daß die Angeklagte in andere, geordnetere Verhältnisse komme, könne man von einer erneuten Einweisung in eine Anstalt absehen.
Die Erste Darmstädter Strafkammer entschloß sich für eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten und anschließender Einweisung der Vierundvierzigjährigen in eine Heil- und Pflegeanstalt. wst.
Sichere Einnahmen durch gesteigerte Milchwirtschaft
Biblis. Den Abschluß der diesjährigen Genossenschaftsversammlungen bildete kürzlich die Generalversammlung der Milchabsatzgenossenschaft, in der Heer Matt, Heppenheim, in seiner Eigenschaft als Verbandsprüfer den gesetzlichen Prüfungsbericht bekanntgab und gleichzeitig die Tätigkeit der Genossenschaft bis zur Währungsreform unterstrich.
Die Bilanz per Juni 1948 wurde einstimmig genehmigt. Anschließende Erörterungen des Referenten galten den Umstellungsmaßnahmen zur DM-Eröffnungsbilanz im Rahmen des Währungsgesetzes. Hinsichtlich des Berichts des letzten Geschäftsjahres konnten die Mitglieder die gute Fundierung der Genossenschaft erkennen, so daß auch die Bilanz per Dezember 1949 einstimmig angenommen wurde.
In der Zusammensetzung des Vorstands gab es bei der Neuwahl keine Veränderungen; für den ausscheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Adam Metz wurde dessen Sohn Karl Metz gewählt. Auch die Wahl eines neuen Rechners wurde vorgenommen. Herrn Adam Metz und der bisherigen Ria Kissel wurde der Dank des Genossenschaftsverbandes für die Mitarbeit in den vergangenen Jahren ausgesprochen.
In seinem Schlußwort wies Herr Matt auf den schweren Stand der Bauern hin und erinnerte die Mitglieder an die guten und sicheren Einnahmen aus der gesteigerten Milchwirtschaft. efka
Mehr denn je Einigkeit!
Kreishandwerksmeister fordert zur Wahrung der beruflichen Würde und des Zusammenhalts auf
Groß-Gerau. Mit ihren Frauen und Kindern versammelten sich am Samstag die Mitglieder der Stellmacher- und Wagnerinnung, wobei namhafte Vertreter der Kreishandwerkerschaft, unter ihnen Kreishandwerksmeister Gruber, über die Lage des deutschen Handwerkerstandes referierten. Besonders die von den Amerikanern eingeführte Gewerbefreiheit unterzog Gruber einer scharfen Kritik und betonte dabei, daß diese, eine gefährliche Beeinträchtigung der werteschaffenden Aufgabe der deutschen Handwerkerschaft zur Folge habe. Anders als in den USA, sei in Deutschland das Handwerk ein gleichberechtigter Partner der Industrie. Es sei daher unverständlich, wenn man das Handwerk nicht im gleichen Umfange fördere wie Industrie und Arbeiterschaft. Auch der Lastenausgleich als eine für das Handwerk ernste Frage war Gegenstand einer kritischen Untersuchung. Mit der ernsten Mahnung, mehr denn je berufliche Würde und Einigkeit im Handwerk hochzuhalten, wandte sich der Redner eindringlich an die Versammlung. An Staat und Behörden stellte Gruber die Forderung, das Handwerk als staatstragende Säule endlich einmal gebührend zu stützen.
Der SPORT
England spielte in dichtem Nebel
Arsenal nicht zu halten / Führungswechsel in Italien und Frankreich / Ausfälle in der Schweiz
Das spannende Rennen um die Tabellenführung zwische n Arsenal und den Tottenham Hotspurs ist vorerst wenigstens für die „Gunners“ entschieden. Während sie gegen Fulham fünf Tore schossen (bei einem Gegenerfolg), verlief der Besuch der Heißsporne bei Huddersfield Town weniger feurig. Beim Abpfiff hieß es 2:3, das bedeutet hinter Middlesbrough (4:3 über Blackpool) und Newcastle United (3:2 über Charlton Athletic) den vierten Tabellenplatz. Am Ende krebsen Chelsea, Sheffield Wednesday und Everton, von denen nur der Träger des Schlußlichtes, Everton, Sunderland mit 3:1 hereinlegte.
Ist Straßburg am Ende?
Der vor einigen Sonntagen mit Abstand in Führung liegende Racing Straßburg leistet sich jetzt in Frankreich Niederlagen am laufenden Band. Diesmal bekam ihnen der Ausflug an die Riviera schlecht, denn Nizza behielt mit 4:1 die Punkte an der sonnenbeschienenen Küste. Le Havre behauptet nun bei gleicher Punktzahl (19:11) die Tabellenspitze, nachdem den Hafenstädtern in Roubaix ein 3:2-Erfolg glückte. Mit einem Punkt Abstand folgen Olympique LiUe (4:2 über Nimes) und Stade Reims (4:1 über Lens) auf den nächsten Plätzen mit 18:12 Punkten.
FC Mailand wieder geschlagen
Auch in Italien kann der heiße Favorit im Augenblick seinen einmal gehabten Vorsprung nicht verteidigen. Lange Sonntage waren die Männer vom FC Mailand nicht zu bezwingen. Dann scheiterten sie am Lokalrivalen Intelnazionale, und nun sorgte der AS Bologna dafür, daß durch seinen 2:1-Erfolg in Mailand, für den FC 18:4 Punkte gewertet werden. An der Spitze steht Internazionale, das 2:1 in Florenz erfolgreich blieb und 21:3 Punkte aufweist. Den zweiten Platz nimmt Juventus Turm mit 19:5 Punkten ein, das sich diesmal Palermo mit 4:1 überlegen erwies. Mit Lazio Rom erscheint ein Vertreter der Hauptstadt (15:9 Pkt.) auf dem vierten Platz.
Rapid Wien als Favorit
Das Verfolger-Rennen geht in Oesterreich hinter dem Tabellenführer Rapid weiter, doch müssen alle Mannschaften bei ihrer Gleichwertigkeit damit rechnen, daß ihnen Punkte verloren gehen, die sie sicher in Gewahrsam glaubten. So trennten sich Austria und der FC 0:0, während der SC mit 0:2 gegen Admlra verlor. Rapid ließ dem Floridsdorfer AC mit 5:2 keine Chance, und Wacker setzte sich in Graz bei Sturm sogar mit 6:1 durch. Tabellenspitze: Rapid 17 Pkt., Wacker 14 Pkt., FC Wien 13 Pkt., SC Wien und Austria je 12 Pkt.
Schneefall und Spiclausfälle
In der Schweiz herrschte starkes Schneetreiben, dem einige Spiele zum Opfer fielen. Tabellenführer Chiasso (11:5 Pkt.) pausierte und mußte Lausanne Sports nach einem 1:0- Erfolg in Locarno bei 11:7 Punkten aufschließen lassen. Die Young Boys Bern feierten gegen Cantonal mit 7:2 ein wahres Schützenfest und erreichten ebenfalls 11:7 Punkte.
Die Toto-Quoten
Hessen-Toto: 1. Rang: zwei Gewinner je 9780 DM, 2. Rang: 26 Gewinner je 752 DM, 3 Rang: 449 Gewinner je 43,50 DM. Zusatzwette :° 29 Gewinner bei sieben richtigen Voraussagen je 226,50 DM.
Bayern-Toto: 1. Rang (Zwölfertip): zwei Gewinner je 55 072 DM, 2. Rang: 36 Gewinner je 3059 DM, 3. Rang: 483 Gewinner ie 228 DM Zusatzwette: 1. Rang: ein Gewinner 26 328 DM. 2. Rang: 48 Gewinner je 548 50 DM — Intemationale Zehn: 1. Rang (keiner io‘richtig); mit. neun ^^en Voraussagen 18 Gewinner je 1067 DM. 2. Rang. 162 Gewinner je 118,50 DM, 3. Rang. 104 Gewinner je 18,30 DM.
Rheinland-Pfalz: 1. Rang (10 richtige Tips), ein Gewinner mit 107 225,50 DM. 2. Rang: Gewinner je 932,40 DM. 3. Rang: 1113 je 96.3» DM. - KlelnMp: 9 Gewinner je 3410 DM.
Württemberg-Baden: \ £ang G° JK&SW ™ 3DH»e: nm Gewinner je 20,20 DM.
Nordblock: 1. Rang: 4 Gewinner je 8698^0 DM, 2. Rang: 67 Gewinner je a 355 DM, 3 Rang: 934 Gewinner je 384 DM.
Belo Horizonte unter der Lupe
Kein Wunderteam — ein Team zum Wundern
Düsseldorf, (sid) Sie hat uns eine große Illusion genommen, diese erste brasilianische Fußball-Mannschaft auf deutschem Boden. Nicht, daß ihr Spiel enttäuschte oder ihre prächtigen Ball-Artisten versagt hätten. Aber wir sind nüchtern genug, um Plus- und Minus aufzuaddieren. ohne damit Siege und Niederlagen zu meinen. Brasilianischer Fußball! Alles, was sich mit diesem Begriff verbindet, haben die Mineiros uns gezeigt. Sie waren sprühende, elegante Jongleure auf dem Rasen, wirkliche Artisten, die ihre Salti ,en passant' machten. Aber vollkommenen Fußball, den haben sie uns nicht bieten können. Weder in München, Bremen, Gelsenkirchen oder Braunschweig. Auch nicht in Hamburg; wenngleich hier von einer besonders eindrucksvollen Vorstellung gesprochen werden muß. Allerdings ist der heutige HSV ein dankbares Objekt für schnelle Mannschaften. Es bedarf keines Wunderteams, um ihn zu schlagen. Die Probe aufs Exempel machte Eintracht Frankfurt noch am Bußtag.
Kritisches von Saar und Donau
In Saarbrücken zogen die Brasilianer 9000 Zuschauer an. Der 1. FCS verlor 0:2. Aber beide Tore fielen in den letzten fünf Minuten, nach einem Spiel, das die Saarländer bis eine Viertelstunde vor dem Abpfiff im Felde gleichauf sah. Die Kritik für Belo Horizonte: Teils, teils... „Eine Elf. die hielt, was sie versprach, die tatsächlich in sojtiefer Schlachtordnung aufspielte und perfekte Athleten und Akrobaten mit einer gerissenen Gewandtheit in der Ballbehandlung und -beherrschung einsetzte ... Der Sturm hatte den Argentiniern und Chilenen gewiß einiges in der Schußfreudigkeit voraus, doch gar nichts an Treffsicherheit. So bombten die Stürmer ein halbes dutzendmal den Ball aufs geradewohl auf und und über den Kasten oder blindlings vorbei.“
Rapid Wien schlug die Akrobaten vor 60 000 (!) 3:0. „Es hätte ebenso gut 6:0 heißen können“, sagt ein Wiener Kritikus. Die Brasilianer wollten spielen. Die Rapidler wollten siegen. Das war der Unterschied . . . Ihr artistisches Können ist wundervoll. Wie sie mit dem Ball jonglierten, darum beneidete sie jeder Seehund. Aber schon mit dem Schießen fängt das Malheur an. Zum rechten Torschuß gehören bei ihnen Salto und Kopfsitand. Schade, daß sie keinen Elfmeter zugesprochen erhielten. Vielleicht wären sie rückwärts angelaufen und hätten mit der Ferse geschossen . . . Athletico Mineiro enttäuschte. Elf Spieler spielten auf gut Glück . . . Gewiß haben sie Fußballer von Weltklasse in ihrem Team... Aber vielleicht hat man in Brasilien andere Ansichten vom Fußball, Vielleicht ist ein Salto vor dem Tor soviel wert wie das Tor selbst...
Bleiben wir bei unseren Leisten
... denn sie passen uns besser. Wahrschieinlich wissen die Italiener sehr gut, warum sie ihre Teams bevorzugt mit kühlen Nordländern garnieren. Für den nötigen Wirbel sorgen die Eingeborenen. Daß es in der entsprechenden Richtung bläst, ist Sache der Schweden und Dänen. Und wie man hört, soll auch. Janda nicht mehr lange als Deutscher allein blei'ben. — Eine^ aber haben uns diie Mineiros gelehrt: Sie spielen nicht „brasilianisch“, wenigstens nicht so, wie es bei uns im Wörterbuch steht. Wiederkommen dürfen sie jederzeit. Und sind sie nicht vollkommen, so sind sie doch zumindest interessant.
Zentropa-Cup ohne Deutschland
Düsseldorf, (sid) Auf einer in Innsbruck staittgefundenen Tagung der Fußball-Delegierten von Italien. Jugoslawien und Österreich wurde die Durchführung eines Zentropa-Cup-Wettbewerbs beschlossen, der als Nachfolger des früheren Mitropa- Cup-Wettbewerbs gedacht ist und von Vereinsmannschaften bestritten wird. Da die Schweiz im Gegensatz zu früheren Jahren an diesem Pokalturnier nicht interessiert ist, wird sich die Teilnahme auf die vorgenannten drei Länder beschränken.
Die in Aussicht genommene Teilnahme Deutschlands läßt sich wegen Terminschwierigkeiten nicht ermöglichen. Der DFB hatte die Absicht, seinen zweiten Vorsitzenden Hans Huber und Generalsekretär Xandry als Beobachter zu der Innsbrucker Tagung zu entsenden, doch kam die Reise wegen Paßschwierigkeiten nicht zustande.
Bezirksauswahl—ABC-Boxer 108
In der bis auf den letzten Platz besetzten städtischen Festhalle in Erbach standen sich am Samstagabend in einem Boxvergleichskampf der ABC Darmstadt-Eberstadt und eine Bezirks-Auswahlstaffel gegenüber. Im einleitenden Jugend - Fliegengewicht landete Berlieb (BVg Erbach-Michelstadt) einen Punkte-Erfolg über Lüttke (ABC). Die Senioren-Fliegengewichts-Begegnung, in der Weigel (ABC) und Drakert ( Mannheim-Waldhof) die Handschuhe kreuzten, brachte nach einem fairen Treffen einen Erfolg des Mannheimers.
Adam Knieß (ABC) traf im Bantamgewicht auf den Lorscher Arnold 11. Der Eberstädter präsentierte sich in seiner bekannten Form. Nachdem Knieß seinen Gegner vom ersten Gong an ununterbrochen durch den Ring gejagt hatte, brach der Ringrichter wegen zu großer Ueberlegenheit des ABC-Boxers ab.
Glück (Lampertheim) deckte Büttner (ABC) im Federgewicht mit schweren Brocken ein, so daß der Erfolg des Lampertheimers keineswegs überraschte.
Mit einem weiteren Abbruch endete die Leichtgewichtspaarung zwischen Kohl (ABC) und Lerchel (Lorsch). Der in Rechtsauslage boxende Kohl schlug seinen Gegner schon in der ersten Runde zu Boden. Nach dem zweiten Gong wurde wegen zu großer Ueberlegenheit des Eberstädters die Entscheidung des Schiedsrichters notwendig.
In einem Treffen ohne Höhepunkte besiegte Heiner Knieß (ABC) im Leichtgewicht Geideck (Bürstadt) nach Punkten.
Ohne Entscheidung trennten sich Allmann (ABC) und. Wolf (BVg Erbach-Michelstadt) im Weltergewicht.
Ueber 5 Runden ging der Kampf Formella (ABC) gegen Heilos (BVg Erbach-Michelstadt). Nach einem müden Distanzfight, in dem Heilos nur in der vierten Runde über das größere Plus verfügte, trennten sich beide Kämpfer mit einem Unentschieden.
Der abschließende Mittelgewichtskampf, ebenfalls über 5 Runden, zwischen Ströher (ABC) und Milden (BVg Erbach-Michelstadt) brachte den Höhepunkt der Veranstaltung. Milden, trotz seiner Jugend ein „alter Hase“, verfügte schon in der ersten Runde über die größeren Chancen. Obwohl in den letzten Minuten ein gut gezielter Schlag den Eberstädter für die Zeit auf die Bretter geschickt hatte, mußte sich Milden mit einem Punkterfolg zufriedengeben. ppi
Kameradschaftsabend der Schiedsrichter
Die Schiedsrichtervereinigung des Kreises Darmstadt hielt am letzten Samstag, dem 26. November, in Eberstadt im Gasthaus „Zur Rose“ einen Kameradschaftsabend ab. Kreisschiedsrichterobmann Härtel hatte zu dieser wohlgelungenen Veranstaltung die Frauen der Schiedsrichterkamefaden, den Kreis- und Bezirksspielausschuß eingeladen. Als Gäste waren von dem Bezirksspielausschuß Leißler, Bauer, Altendorf und Mängel und von dem Kreisspielausschuß Morgenthal und Heß anwesend. Nach erfolgter Begrüßung wurden einige Schiedsrichterkameraden für ihre verdienstvolle Betätigung als Schiedsrichter mit der silbernen Ehrennadel des Kreises geehrt. So die Gründer Valentin Döring. Jakob Eberhardt und Aug. Bauschmann, L. Leißler, Otto Mängel, Ernst Härtel, Adam Metzler, Wilhelm Lerch und Ph. Reitz für über 25jährige Schiedsrichterleistung. Die einfache Nadel erhielten Gg. Reitz, S. Gutjahr, Adolf Schmidt, Hch. Polster und Karl Morgenthal.
Der bunte Abend wurde mit Einmarsch des Elferrates, dem nur die Frauen vorstanden, eröffnet. Die Leitung und Ansage hatte Kamerad Schuster übernommen. Besonders reichen Beifall erntete Kamerad Gutjahr für seine karnevalistischen Reden und die Vorträge der Griesemer Martfraa, von dem Malche und dem Männerfeind. Weitere Einlagen wurden von Herrn Grün und anderen Kameraden bestritten. He.
Nur ein Darmstädter in der 30-Besten-Liste
Die deutsche Leichtathletik hat in diesem Jahre wieder den Anschluß an die Weltklasse gefunden. Dadurch ist es natürlich ungeheuer schwer geworden, sich in der amtlichen 30-Besten-Jahresliste zu placieren. Darmstadt und sein gesamter Sportbezirk konnten nur einen einzigen Athleten in dieser Liste der Auserwählten bringen. Darmstadts Spitzenkönner ist der TSGler Walter Thomas, der mit seiner 110- m-Hürdenzeit von 15,9 Sek. an der zwanzigsten Stelle rangiert. Thomas steht nach Ansicht seines Trainers Siegfried Schmitt erst am Anfang seiner Erfolgskurve.
Wer wird Herbstmeister im Tischtennis?
In der hessischen Landesliga fiel die Begegnung SV Flörsheim—SV Wiesbaden aus, so daß die Frage nach dem Herbstmeister nach wie vor ungeklärt ist. Die Frankfurter Eintracht bestritt am Wochenende zwei Spiele. Beim Lokalgegner SC Weiß-Blau Frankfurt behielten die Adlerträger mit 11:2 die Oberhand, während sie in Klein-Krotzenburg beinahe eine Ueberraschung erleben mußten. Eine knappe und unglückliche Niederlage mußten die Klein-Krotzenburger mit 7:9 einstecken. Im Spiel der beiden Neulinge, die beide aussichtslos am Tabellenende stehen, behielt die SG Höchst klar mit 11^3 die Oberhand über ihre Leidensgenossen aus Rüsselsheim. Durch den klaren Darmstädter Sieg über den Vfß Friedberg haben die Lilienträger Anschluß an das Mittelfeld gefunden.
Bei den Damen bewiesen die beiden Spitzenreiter der obersten hessischen Spielklasse auch am Wochenende ihre größere spielerische Ueberlegenheit und siegten jeweils klar und sicher. So gewann die Eintracht Frankfurt in Wächtersbach mit 15:0 und die Lilienträgerinnen siegten über Friedberg mit 9:2. Eine Ueberraschung gab es lediglich im Spiel zwischen der SG Höchst und dem SV’ Wiesbaden, das die Gastgeber 9:2 gewinnen konnten. Die Kurstädter sind nach dieser Niederlage aus der Spitzengruppe ausgeschieden. Die Höchster Damenmannschaft hat nach diesem Siege hinter Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 den 3. Tabellenplatz inne. Ku.
Im Anschluß an die Tischtennis-Weltmeisterschaften, die vom 12. bis 18. März 1951 in Wien durchgeführt werden, ist ein Länderkampf Deutschland—Frankreich für Berlin vorgesehen.
Bei den indischen Tennismeisterschaften, die am 12. Dezember in Kalkutta ihren Anfang nehmen, wird Gottfried von Cramm Deutschlands Falben vertreten.
Völlige Klärung in der Ringer-Oberliga
SG Eckenheim sicherte sich traditionsgemäß die Meisterschaft
Der vorletzte Kampftag in der Ringer-Oberliga brachte bereits die Entscheidung. Die Frage nach der Meisterschaft wurde geklärt und auch der Absteigende gab seine Abschiedsvorstellung. Mit der SG Eckenheim hat sich die wirklich stärkste und in allen Mannschaiftssteilen gleichmäßig gut besetzte Staffel durchgesetzt, die auch bei den -kommenden Kämpfen die hessischen Farben gut vertreten wird. Der Neuling Dettingen, der am Wochenende pausierte, hat sich im ersten Jahr sdined Debüts sehr wacker geschlagen und wird auch bei den kommenden süddeutschen Meisterschaften zu beachten sein. Mit dem SV Darmstadt 98 steigt die in dieser Saison schwächste Mannschaft ab. Sie hatte das Pech, in den wenigsten Kämpfen ihre komplette Mannschaft zur Verfügung zu haben.
Die Ergebnisse des Wochenendes lauter ten; SG Eckenheim—Eiche Hanau 5:3, ASV 86 Frankfurt—Germania Hösbach 5:3, SV Darmstadt 98—Vonwärts- Groß-Zimmern 2:6.
Der Tabellenstand der Oberliga hat vor dem letzten Kampftag folgendes Aussehen: I, SG Eckenheim 19:3, 2. Dettingen 15:7, 3. Frankfurt 86 11:11, 4. Hösbach 11:11, 5. Hanau 11dl, 6. Gr-Zimmern 8:14, Darmstadt 98 3:21. -eri-
Wer wird Meister in der Ringer-Landesliga?
Die hessische Ringer-Landesliga Gruppe 1 wird nun schon wochenlang von Darmstadt 1910 angeführt. Obwohl die Darmstädter am Wochenende pausierten, konnten sie diesen Tabellenplatz halten. Auf den zweiten Platz ist die SKG Ober-Ramstadt gerückt, die ihre Chancen durch einen überlegenen Sieg bei Athletia Wiesbaden wahrten, Der letzte Kampftag am kommenden Wochenende wird erst die Entscheidung bringen. Darmstadt 1910 oder SKG Ober-Ramstadt? Die Ergebnisse des Wochenendes lauteten: Wiesbaden—Ober-Ramstadt 1:7, Sprendlingen—Arheilgen 6:2, Neu - Isenburg—Kostheim 5:3.
Ringer-Kreisklasse
Tabellenführer errangen hohe Siege
In der Ringer-Kreisliga, Gruppe 1, ist die Reserve von Groß-Zimmern immer noch ungeschlagen und führt nun mit 12:0 Punkten die Tabelle an. Die Staffel von Münster errang mit dem Sieg über Schaafheim die ersten Pluspunkte und konnte sich durch das bessere Kampfverhältnis vor Schaafheim setzen.
Die Ergebnisse: Roßdorf— Groß-Zimmern II 1:7 und Münster —Schaafheim 5:3.
Groß-Zimmern II 6 6 0 0 41:7 12:0 Wersau 4 3 0 1 18:14 6:2 Roßdorf 5 2 0 3 19:21 4:6 Schaafheim 6 1 0 5 12:36 2:10 Münster 5 1 0 4 14:26 2:8 • ... _ _ . _
Der Tabellenführer erzielte in Roßdorf einen einwandfreien Sieg. Von den 11 Vereinen, die sich an den Meisterschaftskämpfen beteiligen, kann ihnen außer Nieder-Ramstadt, Gruppe 2, wohl kaum eine Mannschaft gefährlich werden. Die Sieger vom Fliegengewicht an aufwärts: Pullmann, Adam Dietrich, Hack, Herbert, Göbel, Heinrich Dietrich und Palmy. Den Ehrenpunkt der Gastgeber errang Hude kampflos. — Hart und verbissen wurde in Münster um die Punkte gekämpft. Etwa 200 Zuschauer kamen mal wieder voll auf ihre Kosten, denn fünf der Begegnungen gingen über die Zeit. Vom Fliegengewicht an aufwärts war der Kampfverlauf wie folgt: Löbig (M) siegte durch Uebergewicht von Sachs (S), Helmuth Schneider (M) unterlag Kern (S) nach Punkten, Englert (M) siegte durch Hüftzug in der 2. Minute über Diehl (S), Emil Löbig (M) verlor gegen H. Trippel nach Punkten. Adam Seibert (M) unterlag ebenfalls nach Punkten gegen W. Trippel. Karl Löbig I und Handt (M) errangen Punktsiege über Günther und Jordan und der Schwergewichtler Karl Löbig II siegte in der 3. Minute über
Orth (S). In der Gruppe 2 konnten die Mannschaften von Ober-Ramstadt und Bensheim ihre unmittelbaren Verfolger besiegen. Der Tabellenführer kam in Fürth zu dem erwarteten Erfolg.
Die Ergebnisse: Ober-Ramstadt II gegen Rimbach 5:3, Fürth— Nieder-Ramstadt 1:7 und Bensheim—Pfungstadt 5:3.
Auch dn Ober-Ramstadt lieferten sich die Mannschaften einen harten Kampf. Der Kampf verlauf war für das einheimische Publikum besonders spannend, denn zweimal gelang den Gästen aus Rimbach die Führung. Es siegten für Ober-Ramstadt: Fischer über G. Schmitt, Brandl üiber Brecht, Becker über E. Schmitt, Heisel über Pfeiffer und Huthmann über Beer. Für Rimbach waren erfolgreich: Trautmann über Frankenberger, Schimuneck über Kleppinger und Hechler über Niksch. — Mit demselben Resultat des Vorkampfeg unterlagen die Fürther den Gästen aus Nieder-Ramstadt. Nur Schorsch (F) siegte über Burkhardt und erzielte damit den Ehrenpunkt. Für Nie1- der-Ramstadt siegten: Müller, Wendel, Schneider, Pfannenschmitt, Ludwig, Faldermann und Krautwurst. — In Bensheim hätten die Gäste aus Pfungstadt einen knappen Sieg erzielen müssen. Im Mittelgewicht bekam Koch eine Verwarnung und verlor dadurch nach Punkten. Aber auch Hofmann (Leichtgewicht) führte bereits hoch nach Punkten, als er sich in der 11. Minute unnötig in Gefahr begab und so Sieg und Punkt verlor. Die Sieger von Bensheim: Schröder, Domini, Wölfel, Wolf und Kilian. Für die Gäste waren Steinmetz, Weber und Frommherz erfolgreich. -ES-
| Nieder-Ramstadt | 8 | 7 0 1 | ||
| 50:14 | 14:2 | Bensheim | 8 | 6 1 1 |
| 39:25 | 13:3 | Pfungstadt | 7 | 3 2 2 |
| 30:25 | 8:6 | Ober-Ramstadt II | 7 | 1 3 3 |
| 21:35 | 5:9 | Rimbach | 8 | 1 1 6 |
| 24:40 | 3:13 | Fürth | iS | 0 15 |
| 11:36 | l:lil |
Dreizehn Paare
starten beim 33. Berliner Sechstagerennen, das am 1. Dezember seinen Anfang nimmt. Es wurden verpflichtet: Strom/Arnold (Australien), Naeye/Adrienssens (Belgien), Lakeman/Vooren (Holland), Keiler/Diggelmann (Schweiz), Surbatls/Bouvard (Frankreich), Lapebie/Saager (Frankreich - Deutschland), Giorgetti/Zoll (Italien - Deutschland), Roth u. Schorn (Schweiz - Deutschland), L. Hörmann/Intra (Deutschland), Ehmer/Nothdurft (Deutschland), Müller/Weimer (Deutschland), Funda/Ziega (Deutschland) und Mirke/ Preiskeit (Deutschland).
Zwei Boxkampftage verlegt
Hamburg, (sid) Die Deutsche Mittelgewichts-Meisterschaft zwischen Peter Müller (Köln) und Kuddl Schmidt (Hamburg) wird nunmehr bereits am ersten Weihnachtstag in Hamburg zur Durchführung kommen, da am zweiten Feiertag der Hamburger SV den deutschen Meister Vfß Stuttgart erwartet und außerdem in Farmsen ein bedeutendes Trabrennen zur Austragung gelangt.
Um eine Woche (vom 2. auf den 9. Dezember) verlegt wurde der Kieler Kampftag, der als Hauptkampf die Schwergewichts-Begegnung zwischen Heinz Seelisch (Kiel) und Günther Bola (Hannover) bringt,
Zu Kämpfen In Deutschland wurde eine Reihe französischer Profi-Boxer unter Vertrag genommen. So werden in deutschen Ringen zu sehen sein: Europameister Albert Yvel, die Schwergewichtler Stefan Olek und Aaron Wilson sowie der Mittelgewichtler Michel Lapourielle.
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Pfungstadt. Die für den Verkaufstag der Gemeinde am 1. Advent in Angriff genommenen Vorarbeiten sind nahezu abgeschlossen. An der Ausgestaltung des Tages werden alle Organisationen der Gemeinde beteiligt sein. +
Roßdorf. Kürzlich führte der Kaninchenzüchterverein H 99 seine alljährliche Ausstellung im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ durch. Neben einer Reihe wirklich beachtlicher Prachtexemplare wurden die verschiedenartigsten zu Pelzen verarbeiteten Felle und andere aufklärende Werbematerialien gezeigt. Im Verlauf des Nachmittags konnten durch eine Verlosung zahlreiche Gewinne an die Besucher ausgeschüttet werden, sl
DIEBURG
Dieburg. Auf der am Donnerstag, um 20 Uhr, im Saal des Fechenbachschen Schlosses stattflndenden öffentlichen Gemeinderatssitzung wird unter anderem über den Ankauf eines größeren Baubezirks, über das Enteignungsverfahren eines Grundstücks in der Rathenaustraße und mehrere Anträge der SPD verhandelt. Außerdem soll die Stelle eines Schlachthofaufsehers neu besetzt werden. RG.
Eppertshausen. Mit Wirkung vom 1. Dezember 1950 wurde Herr Stephan M ü 1 - 1e r I zum Fleischbeschauer bestellt. gi
Münster. Die Spielschar des katholischen Kirchenchors „Cäcilia“ bringt am Sonntag im „Hessischen Hof“ in einem Theaterabend „Der Meineidbauer“ zur Aufführung. gi
Spachbrücken. Zu einem Unterhaltungsabend hat die Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner in die Gastwirtschaft Schröder ihre Mitglieder für Samstag, 20 Uhr, eingeladen. pr.
Roinheim. Am Sonntag wurden in der Dreifaltigkeitskirche die von Einwohnern der Stadt gestifteten Gedenktafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege geweiht. Am Nachmittag fand auf dem Friedhof eine Gedenkstunde unter Mitwirkung des Posaunenchores statt. — Am kommenden Sonntag wird im Volkshaus eine Schau des Brieftaubenklubs mit Tombola veranstaltet. Sie wird von allen Vereinigungen des Brieftaubensports der näheren und weiteren Umgebung beschickt werden. si
ERBACH
Bad König. Der kürzlich gegründete Reit- und Fahrverein hielt eine Versammlung ab, bei der die^kommende Winterarbeit erörtert wurde. -hm-
Haingrund. Die Notstandsarbeiten an dei’ Wasserleitung sind beendet und die Dorfstraße wieder dem Verkehr übergeben worden. hm
Sandbach. In der Turnhalle fand am Sonntag eine Versammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft statt. Anschließend an die Ausführungen von Landesobmann Woln e r, Wiesbaden, wurde eine Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft ins Leben gerufen. Le. Neustadt, Der Breuberg-Bund wird in Kürze mit einem Kurzschriftkursus beginnen. -hm-
Höchst. In der neuerrichteten Siedlung im Anschluß an die - Ebert-Straße wurden bereits 14 Häuser im Rohbau fertiggestellt; die Hälfte davon ist schon bewohnt. Nachdem die Kanalisationsarbeiten beendet sind, wird der Ausbau der Straße in Angriff genommen. Le.
BERGSTRASSE
Waldmichelbach. — Zum Bezirksschornsteinfegermeister und Nachfolger von Schornsteinfegermeister Kramer wurde jetzt der Heimatvertriebene Albert Herrn an a u ernannt. > -r
Fürth. Die Bürgermeister des Forstamtsbezirks Lörzenbach erörterten in einer Bürgermeisterbesprechung außer allgemeinen forstwirtschaftlichen Fragen den Holzeinschlag und die Holzhauerlöhne, *
Lorsch. — Demnächst wird der Ausbau der Schiller Straße vorgenommen werden. , el
GROSS-GERAU
Nauheim. Die Ortsgruppe der Interessengemeinschaft deutscher Heimatvertriebener e. V. hatte in der Turnhalle zu einem Heimabend eingeladen. Bei Tanz, Humor und heimatlichen Klängen erlebten die Besucher, darunter auch viele einheimische Einwohner, einige nette Stunden. Kb.
Leeheim. Der Männergesangverein 1853 veranstaltete im Saalbau „Zum Römer“ mit großem Erfolg einen gutbesuchten Bunten Abend. In Kürze wird der Verein das gleiche Programm in Erfelden wiederholen. Kb.
Obermeister tagen.
in der Kreisstadt Groß-Gerau
Groß-Gerau. Zu einer erweiterten Obermeistertagung, zu der neben den Inpungsvorständen auch die Lehrlingswarte hinzugezogen werden sollen, hat die Kreishandwerkerschaft für Donnerstag, den 30. November, um 14 Uhr im Saal des Hotel „Adler“ eingeladen. Ueber die Bedeutung der neuen Handwerksordnung für die handwerklichen Organisationen wird der Präsident der Handwerkskammer, Gisbert, sprechen. Regierungsrat Geist (Wiesbaden) wird über seine Eindrücke während seiner Studienreise durch die Vereinigten Staaten berichten. Die Zuweisungen von Lehrlingen im kommenden Jahr soll ebenfalls anläßlich der Tagung behandelt werden. Kr.
Bestattungen am Mittwoch, 29.11.50 Beerdigungen: Alter Friedhof: 13.30 Scheuermann, Robert, Arheilger Str. 85, 37 Jahre Waldfriedhof: 15.15 Gundersdorf, Heinrich, Heimstättenweg 101, 63 Jahre
Ziätierb... wäre das Leben eintönig und der Alltag ein grauer Brei, Dank der Verschiedenheit des Geschmacks haben sich im Laufe der Jahrzehnte 4-Standard-Cigarettentypen entwickelt: örient-cigärettex (Türkisch-mazedonische Richtung) SCHWÄRZE CIGÄRETTEX (Maryland-Typ) VIRGINIÄ-ZIGÄRETTEN (hellgelber, englischer Typ) CIGÄRETTEN (vierfache amerikanische Mischung) Liberty gehört zum Typ 4, der die größte Verbreitung gefunden hat. Liberty vereinigt infolge ihrer 4-fachen Mischung in sich die Vorzüge aller übrigen Typen.
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