Entscheidende Schlacht in Korea
Rotchinesischer Durchbruch bedroht die Flanke der UN-Truppen
Söul, 27. November (AP.) Die erst vor einigen Tagen begonnene große Winteroffensive der UN-Truppen in Nordwest-Korea ist unter den heftigen Angriffen rotchinesischer und nordkoreanischer Verbände zum Stehen gebracht worden. Während an einigen Stellen der Angriff der alliierten Truppen zusammenbrach, konnten die wütenden roten Gegenangriffe im Zentrum der Kampffront aufgefangen und zum Stehen gebracht werden. Die Lage an der Front ist völlig unübersichtlich. Angriff wechselt mit Gegenangriff. Eine der entscheidenden Schlachten des Krieges hat begonnen.
Zwischen 180 000 und 200 000 Mann starke rote Sturmarmeen stehen seit den Morgenstunden des Sonntags im Kampf mit den UN-Truppen, die fast an allen Stellen zurückgedrängt wurden. Zwei rotchinesische Armeekorps, die am Sonntag bei Tokchon die südkoreanischen Stellungen durchbrachen, bedrohen die gesamte rechte Flanke der UN-Truppen. Die amerikanischen und südkoreanischen Truppen haben sich auf die Ausgangsstellungen der Offensive zurückgezogen.
Im Raum von Tokchon haben die südkoreanischen Truppen innerhalb von zwei Tagen ihre Stellungen um rund 30 Kilometer zurücknehmen müssen. Verbände der 39. und 66. rotchinesischen Armeekorps haben bei Tokchon, Yongwon und die 18 Kilometer südlich gelegene Stadt Maengsan besetzt. Nach Aussagen von Zivilisten wollen die kommunistischen Truppen bis nach Songchon, 45 Kilometer nordöstlich von Pyöngyang, vorstoßen.
Inzwischen melden Aufklärungsflugzeuge neue chinesische Truppentransporte und Lastwagenkolonnen, die bei Singalpajin, 34 Kilometer westlich von Hyesanjin, den zugefrorenen Yalufluß überqueren. Bei Hyesanjin stehen amerikanische Truppen an der mandschurischen Grenze.
An allen wichtigen Straßenknotenpunkten ist mit der Errichtung von Straßensperren begonnen worden. Zum Teil erstrecken sich diese Arbeiten bis nach Sunchon, das auf halbem Wege nach Pyöngyang liegt.
Das an der Straße nach S i n u i j u liegende Chongju ist am Montag innerhalb eines Monats zum zweiten Male blitzartig von amerikanischen Truppen geräumt worden. Auch südlich von Taechon, südwestlich von U n s a n und nordöstlich von K u j a n g mußten sich die UN-Truppen unter heftigen Nachtangriffen der Rotchinesen mehrere Kilometer zurückziehen.
Stoß nach Westen
Die amerikanische Marinedivision, die am Morgen die Stadt Y u d a m am Westufer des Stausees von Chanjin genommen hat, ist nach Westen abgeschwenkt, um die Flanke der angreifenden Kommunisten zu bedrohen. Die Panzerspitzen der Division wurden jedoch bereits vier Kilometer westlich von Yudam in heftige Kämpfe mit chinesischen Einheiten verwickelt.
An der Ostküste sind Truppen der südkoreanischen Division „Söul“ etwa 15 Kilometer nördlich der Hafenstadt C h o n g j i n, die kampflos besetzt wurde, auf schwächeren Widerstand der Nordkoreaner getroffen. Andere Verbände setzten hier ihren Vormarsch auf die 80 Kilometer entfernte sowjetische Grenze fort.
Kampfflugzeuge der Vereinten Nationen griffen in pausenlosen Einsätzen die kommunistischen Nachschublinien an. Die Frontunterstützung wurde zum Teil verzögert, da die Verbindungsstäbe bei dem schnellen Vormarsch der Kommunisten teilweise aufgerieben wurden. Die Stadt Taechon ist nach einem Großangriff amerikanischer Superfestungen ein einziges Flammenmeer.
Beobachter in Tokio sind der Ansicht, daß General Mac Arthur seinen Wettlauf mit dem Winter verloren hat. Doch glaubt man, daß er versuchen wird, die Offensive wieder aufzunehmen.
Chuphaison aufgegeben
Aber französische Erfolge im Südabschnitt
Saigon, 27. November, (dpa) Die französischen Streitkräfte haben die befestigte Stellung Chuphaison, etwa 35 Kilometer südlich von Monka, geräumt. Der Posten war von Vietminh-Truppen belagert worden.
Dagegen soll die französische Offensive gegen die Vietminh - Truppen bei Thai Binh, im südlichen Sektor des Tonkin-Deltas, gute Fortschritte machen.
177 Todesopfer
Neuyork, 27. November. (AP.) Das schwere Unwetter, das seit Samstag den Nordosten der Vereinigten Staaten und Teile Kanadas mit orkanartigen Schneestürmen heimgesucht und bisher 177 Todesopfer gefordert hat, war am Montagmorgen endgültig abgeklungen.
Uebergriffe in Wien
Kommunisten bemächtigen sich Wohnungen
Wien, 27. November. (AP.) Im Sowjetsektor von Wien drangen Kommunisten in einen fertiggestellten Neubau ein und bemächtigten sich mehrerer Wohnungen, die der Bewirtschaftung unterliegen. Sie wurden dabei von sowjetischen Offizieren unterstützt, die die städtischen Polizeiorgane am Eingreifen hinderten.
Kommunistische Störkrupps
Für die West-Berliner Wahlen
Berlin, 27. November. (AP.) Für die Störung der West-Berliner Wahlen am 3. Dezember stehen nach Angaben der kommunistischen „Nationalen Front“ rund 10 000 kommunistische Funktionäre zur Verfügung.
Steigernng des Exports
Neue wirtschaftspolitische Maßnahmen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 27. November. Sowohl Vizekanzler Blücher als auch Bundeswirtschaftsminister Erhard betonten am Montag, daß ein Abweichen von der bisherigen Politik der Marktwirtschaft nicht beabsichtigt ist.
Der Bundeswirtschaftsminister bezeichnete vor allem auch die Gerüchte über eine „Erhard-Krise“ als frei erfunden und gegenstandslos. Er dementierte auch die Zeitungsmeldungen über eine bevorstehende „Entflechtung“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Tatsache ist jedoch, daß seitens der Freien Demokraten die Schaffung eines Außenhandelsministeriums befürwortet wird.
Die Steigerung des deutschen Exportes steht im Vordergrund der neuen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die zu einem wesentlichen Teil bereits in einem Memorandum enthalten sind, das die Bundesregierung am Montag der OEEC und der Europäischen Zahlungsunion überreichen ließ. Das Memorandum stellt die zum Teil schon ergriffenen Maßnahmen der Bundesregierung für eine Verbesserung der deutschen Zahlungsbilanz dar. Auf Grund dieses Memorandums erwartet die Bundesregierung die Gewährung eines ihr von der Europäischen Zahlungsünion in Aussicht gestellten Kredites.
Grundsätzlich wird an der Liberalisierung festgehalten. Professor Erhard erklärte am Montag, wegen der Steigerung des Exportes sei Deutschland an der Offenhaltung der Märkte in der Welt interessiert. Dementsprechend müsse auch der deutsche Markt offengehalten werden. Auswüchse und Mißbräuche der Liberalisierung sollten bekämp t werden.
Das am Montag veröffentlichte Memorandum der Regierung bestätigt die angekündigte Einführung der differenzierten Umsatzsteuererhöhung. Es ist dabei vorgesehen, die Umsatzsteuer für Grundnahrungsmittel und eventuell noch andere lebenswichtige Güter herabzusetzen oder vielleicht ganz fallen zu lassen, dafür bei allen anderen Gütern eine generelle Erhöhung der Umsatzsteuer vorzunehmen. Hierdurch soll der entbehrliche Verbrauch eingeschränkt werden.
Die Sozialdemokraten in Führung
Scharfes Rennen zwischen CSU und SPD bei den Wahlen in Bayern
München, 27. November. (AP.) Nach einer am Montagabend erfolgten Zwischenzählung der vorläufigen Endergebnisse aus allen sieben bayerischen Regierungsbezirken mit Ausnahme des Kreises Nürnberg-Land liegt die Sozialdemokratische Partei mit 2 571 394 Stimmen an der Spitze vor der Christlich-Demokratischen Union mit 2 521 229 Stimmen.
Die weitere Verteilung der bisher gezählten 6 195 181 gültigen Stimmen, die für die Stimmkreislisten wie Wahlkreislisten abgegeben wurden, lautet:
Deutsche Partei 1 652 373, Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten-Deutsche Gemeinschaft 1131310, Freie Demokratische Partei 646 189, Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung 258 578, Königs- Partei 71081, Kommunistische Partei 177 105, Wahlblock 51 770, Deutscher Block 82 007, Vereinigung 9388, Kampfblock 20 776, Unpolitische 1382.
Nadi Mitteilung der Landeswahlleitung ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Endergebnisses der Landtagswahlen noch nicht abzusehen. Es wurde jedoch versichert, daß man Weiterarbeiten werde, nötigenfalls auch die Nacht durch.
Bei der gemeinsam mit den Landtagswahlen in München, Traunstein und Bad Reichenhall abgehaltenen Probeabstimmung für ein vereintes Europa sprach sich die überwiegende Mehrheit der Wähler für einen Zusammenschluß der europäischen Staaten zu einem Bund aus.
In München stimmten mit ja 83,3 % und mit nein 11,3’/o, ungültig waren 5,4 %.
In Traunstein beantworteten 6 487 Wähler die Frage nach der Vereinigung Europas mit ja, dagegen sprachen sich 719 Wähler aus.
Malik begrüßt bei ihrer Ankunft in Neuyork die zur Formosa-Debatte der Vereinten Nationen entsandte chinesisch-kommunistische Delegation. — Unser Bild zeigt Jacob Malik (links) und den Führer der chinesischen Delegation Wu Hsiu-Chuan (rechts) Photo: UP-Acme
Regierung ohne CDU
in Württemberg-Baden
Stuttgart, 27. November. (AP.) Die Christlich-Demokratische Union in Württemberg-Baden hat am Montagabend beschlossen, sich n ic h t an der neuen Landesregierung zu beteiligen.
In einer Erklärung der CDU-Landtagsfraktion heißt es, das Fernbleiben weiter Wählerkreise von der Wahl habe die SPD und DVP gestärkt. Bei dieser Sachlage glaube die CDU, die Regierungsbildung diesen Parteien überlassen zu müssen.
Vernichtende Niederlage
der Kommunisten im Burgenland
Eisenstadt (Oesterreich). 27. November. (AP.) Die burgenländischen Gemeindewahlen am Sonntag haben den Kommunisten eine vernichtende Niederlage eingebracht. Nach dem offiziellen Auszählungsergebnis erhielten sie nur 2,87 v. H. der abgegebenen Stimmen und 39 Gemeinderatssitze von insgesamt 3345. Die Gewinner der Wahlen waren die Oesterreichische Volkspartei mit 2039 Sitzen und die Sozialdemokratische Partei mit 543 Sitzen.
And uun Berlin
*** Die Serie der Teilwahlen in der Bundesrepublik wird am nächsten Sonntag mit Wahlen in den Westsektoren von Berlin abgeschlossen. Der Berliner Magistrat hat sich 1948 in einen Ost- und einen Westmagistrat geteilt. In West-Berlin wird sich die bisherige Stadtverordnetenversammlung nach den Wahlen als Abgeordnetenhaus konstituieren, da Berlin auf Grund der am 1. Oktober in Kraft gesetzten Verfassung zu einem selbständigen Lande wird.
In Berlin wird der Wahlkampf voraussichtlich noch schärfere Formen annehmen, als in den anderen Ländern. Die Sozialdemokratische Partei hatte dort bisher die unbestrittene absolute Mehrheit und sie darf sich das Verdienst zurechnen, daß hauptsächlich durch ihre Unerschrockenheit der Ansturm des Bolschewismus auf West-Berlin gebrochen wurde. Bei den kommenden Wahlen, bei denen insgesamt acht Parteien antreten, haben sich die bürgerlichen Parteien zum Ziel gesetzt, die Vorherrschaft der Sozialdemokraten zu brechen. Ein Grund mehr für diese, die letzte Kraft aufzuwenden, um dennoch ih Berlin den Sieg zu erringen.
Die Berliner Wahlen werden jedenfalls nicht ohne Störungen ablaufen, denn schon jetzt versuchen Agitatoren der Sozialistischen Einheitspartei (SED) die Berliner von den Wahlen fernzuhalten. Dies fordern auch die Ost-Berliner Zeitungen, die gleichzeitig eine Umkehrung der Ost-Berliner Stimmabgabe mit Stammabschnitten der Lebensmittelkarten vornehmen wollen, die am 15. Oktober eine klare Absage der Ost-Berliner Bevölkerung an die Kommunisten ergeben hat. Diesmal sollen die West-Berliner auf Wunsch der „Nationalen Front“ einen in den Ost-Berliner Zeitungen abgedruckten Stimmschein „gegen Remilitarisierung und Frieden“ unterzeichnen und die ausgefüllten Zettel in den Sowjetsektor schicken.
Während man über den Ausgang der Berliner Wahlen selbst noch keine Voraussage machen kann, darf man mit Bestimmtheit annehmen, daß die vom Ostsektor eingeleitete Fern-Abstimmung mit einem vollen Mißerfolg enden wird. Daran können auch gefälschte Zahlen nichts ändern, mit denen man gegebenenfalls im Sowjetsektor operieren wird.
Nach den bayrischen Wahlen
Von Reinhold ZenzWie nicht anders zu erwarten war, wird es noch bis Dienstag früh dauern, bis die endgültigen Wahlergebnisse aus Bayern vorliegen. Um allen Wünschen gerecht zu werden, hatte man ein gemischtes Wahlsystem angewandt, bei dem der Wähler zwei Stimmzettel ausfüllen mußte, einen, auf dem er sich für einen Kandidaten seines Stimmkreises zu entscheiden hatte, und einen zweiten für die Landeslisten, Das war gut gemeint, aber die Wähler fanden sich kaum zurecht. Auch die Auszählung der Stimmen wurde wesentlich erschwert. So kam es, daß zum Beispiel in Nürnberg dreißig Wahlvorstände in den frühen Morgenstunden übermüdet ihre Zählarbeiten einstellten und nach Hause gingen. Sie mußten durch Polizeifahrer wieder aus den Betten geholt Werden, damit der Zählvorgang keine Unterbrechung erfuhr, andernfalls hätte die Landtagswahl in Nürnberg angefochten werden können. Man darf eben einen Wahlvorgang nicht zu kompliziert machen. Das werden auch die vielen Stimmen beweisen, die dadurch ungültig geworden sind.
Kein Erdrutsch
Wenn Schumacher die bayerischen Wahlen als seinen dritten Trumpf bezeichnet hat, so kann es sein, daß auch diesmal seine Trumpfkarte gestochen hat. Die Sozialdemokratie hatte 1946 bei den Landtagswahlen 28,6 Prozent der Stimmen erhalten. 1949 bei den Wahlen zum Bundestag 22,8 Prozent. Selbst wenn sie in München und Nürnberg noch einen erheblichen Stimmenzuwachs erwarten darf, ist es nicht sicher, ob sie damit die Christlich-Soziale Union wesentlich überflügeln wird. Diese hat gegenüber den vorhergehenden Wahlen (sie hatte von 1946 auf 1949 etwa die Hälfte der Stimmen verloren) ebenfalls aufgeholt. Ihr Stimmenzuwachs dürfte zum Teil aus den Kreisen der Bayernpartei kommen, die im Spiegel-Ausschuß nicht in strahlendem Lichte dastand, während die Sozialdemokratische Partei in der Hauptsache einen Gewinn durch früher kommunistische Wähler zu verzeichnen haben wird. Denn es sieht so aus. als hätten die Kommunisten etwa zwei Drittel ihrer Stimmen verloren.
Erstaunlich ist der Mißerfolg der Freien Demokratischen Partei, deren Stimmenzahl in Hessen. Württemberg-Baden und auch in Schleswig-Holstein prozentual angewachsen war. Die größte Enttäuschung wird Herr Loritz mit seiner Wirtschaftlichen Aufbau-Vereinigung erlitten haben, die bei der Bundestagswahl 14,4 Prozent der Stimmen erhielt und jetzt zu einer unbedeutenden Splitterpartei zusammenschrumpft. Bei der Bundestagswahl war Loritz eine Wahlverbindung mit den Flüchtlingen der Götzendorf-Gruppe eingegangen. Diesmal sind die Flüchtlinge für sich allein angetreten und werden voraussichtlich mehr Stimmen aufzuweisen haben, als früher mit Loritz zusammen. Ueberhaunt kaum zum Zuge ist die partikularistische Heimat- und Königspartei gekommen, ein gutes Zeichen für den gesunden Sinn des bayerischen Wählers. Auch die sonstigen Parteineugründungen werden kaum ein Mandat erringen, da sich die Wähler von den Splittergruppen ab- und den großen Parteien zugewandt haben.
Schumacher doch zufrieden Wie bei den vorhergehenden Landtagswahlen in Hessen und Württemberg-Baden ging es auch in Bayern weniger um Fragen der Landespolitik, als um ein Kräftemessen zwischen der sozialdemokratischen Opposition und der Regierungskoalition in der Bundesrepublik, deren Führung die Unionsparteien, Christlich-Demokratische Union und Christlich-Soziale Union haben. Schumacher ist zweifellos bestrebt, mit dem Hinweis auf sozialdemokratische Erfolge bei den Landtagswahlen ein doppeltes Ziel zu erreichen. Er will entweder Neuwahlen erreichen, oder wenn das nicht gelingt, will er mit eindrucksvollen Wahlziffern das Ausland davon überzeugen, eine deutsche Zustimmung zu einem gemeinsamen europäischen Verteidigungsplan sei nur dann zu erreichen, wenn man seinem Verlangen auf entsprechende Vorleistungen Zugeständnisse mache. Auch das Wahlergebnis in Bayern stärkt seine innenpolitische Stellung und schwächt die des Bundeskanzlers.
Die Frage ist nur die, ob die Westmächte aus den Wahlergebnissen die von Schumacher erwarteten Folgerungen ziehen werden. Obwohl Schumacher sich bemüht hat, die Frage des Wehrbeitrags als den Kernpunkt des Wahlkampfes herauszustellen, glaubt man in ausländischen Regierungskreisen nicht in ihnen eine Antwort auf das Problem der Wiederbewaffnung sehen zu können, zumal der deutschen Regierung noch kein entsprechender Vorschlag überreicht worden ist. Man weist auch mit Recht darauf hin, in diesen Wahlen käme durch den Gewinn der Sozialdemokraten in erster Linie die Unzufriedenheit zum Ausdruck, die als Folge der wirtschaftlichen und sozialen Verheerungen des Krieges nicht habe ausbleiben können. Bezeichnend dafür ist ja, daß die Vertriebenen, die vorher im Landtag von Württemberg-Baden nicht vertreten waren, dreizehn Sitze erobert und daß sie es in Bayern auf vierzehn Prozent der Wahlstimmen gebracht haben. Ausschlaggebende Bedeutung hatte auch das wachsende Mißverhältnis zwischen den Löhnen und Preisen, das bei manchen Wählern Zweifel daran aufkommen ließ, ob der von der Regierung befolgte Kurs der freien Wirtschaft richtig sei.
Die leeren Hände
Die Schlagkraft der Unionsparteien war in den Wahlkämpfen für die Länderparlamente, soweit der Verteidigungsbeitrag in den Vordergrund geschoben wurde, zweifellos erheblich geschwächt, weil der Kanzler in seiner Politik durch die Westmächte nicht genügend unterstützt wird. Er vertritt die richtige Erkenntnis, Deutschland könne sich von einer gemeinsamen Verteidigung Europas nicht ausschließen, weil nicht der Friedfertige einen Krieg verhindern und weil eine europäische Armee von genügender Stärke, um einer bolschewistischen Bedrohung entgegenzutreten, nicht ohne deutschen Beitrag erstellt werden kann. Auch er setzt für einen solchen Beitrag die Gleichberechtigung Deutschlands voraus. Schumacher’ fordert außerdem zur Zeit kaum unerfüllbare Vorleistungen. Die Gleichberechtigung ist Adenauer bis heute noch verwehrt worden. Die Beratende Versammlung in Straßburg hat zwar einer Entschließung über die Aufstellung einer europäischen Armee, in der es keine Diskriminierung zwischen den beteiligten Staaten geben dürfe, mit deutscher Teilnahme zugestimmt. Aber eine Lösung der Fesseln, in die Deutschland geschlagen ist, wird immer noch versagt. Das bestärkt viele Wähler in ihrem „ohne mich“-Standpunkt, oder veranlaßt sie wenigstens, den weitgehenden Vorbehalten der Sozialdemokratischen Partei zuzustimmen. Den wenigsten wird dabei bewußt, daß Schumachers „bedingtes Nein“ zu einem deutschen Wehrbeitrag vielmehr ein „bedingtes Ja“ ist. Und die da glauben, im Ernstfälle könnten sie unter Berufung auf Schumacher beiseite stehen, wissen nicht, daß er geäußert hat, die von ihm in Aussicht genommene deutsche Armee kenne keine Kriegsverweigerer. Sie würden also nicht den Schutz des Kriegsverweigerer-Gesetzes genießen, das zur Zeit in Bonn beraten wird.
Die Sozialdemokratie wird sich in der nächsten Zeit vor eine schwere Entscheidung gestellt sehen. Wie wir gestern mitteilen konnten, hat die amerikanische Oberkommission darauf hingewiesen, die Ablehnung eines deutschen Verteidigungsbeitrages durch den Bundestag würde zur Folge haben, daß die strategischen Pläne zur Verteidigung Westeuropas überprüft werden müßten. Man sähe sich dann möglicherweise gezwungen, die Verteidigung, wie ursprünglich geplant, am Rhein oder sogar in den Pyrenäen vorzusehen. Dies würde auch den Absichten der Republikaner entsprechen, die neuerdings im amerikanischen Kongreß ein entscheidendes Wort mitzureden haben und deren Blicke mehr nach Ostasien als nach Europa gerichtet sind. Wird die Sozialdemokratie die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Bundesrepublik, von jeder Verteidigung entblößt, die Russen zu einem Einmarsch herausfordert? Es ist kaum anzunehmen.
Strafbefehl für Eurapa
Ha. Ein Mitglied der Europa-Bewegung erhielt von der hessischen Justizverwaltung folgendes Schreiben: „Amtsgericht Wiesbaden.
Wiesbaden, den 17.11.1950. Strafbefehl
Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, am 30. 9. 1950 in Wiesbaden Plakate mit der Aufschrift .Europa und Du?‘ an straßenwärts gelegenen Hauswänden, Mauern pp. ohne polizeiliche Erlaubnis angebracht zu haben.
Übertretung des § 4,29 der Wiesbadener Straßenpolizeiverordnung vom 10. 7. 1931. Als Beweismittel hat sie bezeichnet: Eigene Angaben. Es wird gegen Sie eine Geldstrafe von 5,— Deutsche Mark, und für den Fall, daß diese nicht beigetrieben werden kann, eine Haftstrafe von einem Tag festgesetzt. Zugleich werden Ihnen die Kosten des Verfahrens auferlegt.“ Über die Propaganda-Aktion von jungen Europäern in Wiesbaden hatten wir am 2. Oktober unter der Überschrift „Die Jugend will Europa“ berichtet. Damals war die Wiesbadener Polizei mit Überfallwagen und Hilfe von Aufsichtsbeamten der Bundesbahn gemeinsam mit Störtrupps der kommunistischen „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) gegen die jungen Europäer vorgegangen. Vier von ihnen wurden verhaftet. In Frankreich hißten zum gleichen Zeitpunkt die Präfekturen aller größeren Städte die Europa-Flagge, die Polizisten steckten sich das Europa - Abzeichen an. In Deutschland werden Strafbefehle ausgeschrieben!
Im europäischen Ausland — dafür liegen viele Stimmen vor — verleihen diese Bürokratentaten dem deutschen Namen wieder einen unangenehmen Ruf.
Festung Tibet
Neu Delhi, 27. November (AP.) Nach den letzten Berichten aus Kalimpong müssen die rotchinesischen Einheiten ihre gesamte Munition und Verpflegung sowie selbst das Futter für die Maulesel mitführen. Ein laufender Bote, der Lhasa vor 12 Tagen verlassen hat, berichtete, daß die rotchinesischen Truppen wöchentlich höchstens 75 Kilometer zurücklegen können. Sie befänden sich noch immer rund 320 Kilometer vor der tibetanischen Hauptstadt.
Drei Dörfer hedroht
Sie müssen geräumt werden
Catania, 27. November, (dpa) Für drei am Aetna gelegene Dörfer — Milo, Fornazzo und Rinazzo — wurde am Montag der Räumungsbefehl gegeben. Die Lavaströme des sizilianischen Vulkans haben sich Rinazzo bereits so weit genähert, daß die Häuser dieser Ortschaft noch am Mon-
tag von den glühenden Gesteinsmassen erreicht wurden. Die drei Ortschaften zählen zusammen dreitausend Einwohner.
Scharfer Protest
Bonn, 27. November, (dpa) Der Zentralverband der Flieger- und Währungsgeschädigten erhob in Bonn schärfsten Einspruch gegen die vermutete Absicht der Bundesregierung, gewisse Steuererleichterungen für die Wiederbeschaffung von Hausrat durch Totalfliegergeschädigte zu streichen.
„Absurde Behauptungen“
Von unserem Pariser M-Korrespondenten
Mit den Worten „Absurde Behauptungen“ hat der französische Außenminister Robert Schuman die Gerüchte bezeichnet, die von einem Wendepunkt der französischen Außenpolitik wissen wollten. Es war kein Zufall, daß Schuman gerade den amerikanischen Presseclub in Paris wählte, um diese Erklärungen abzugeben, denn sie waren mehr an die Oeffentlichkeit Amerikas gerichtet als an die seines eigenen Landes. Der für die Außenpolitik Frankreichs verantwortliche Mann sagte, was angesichts der internationalen Lage, die eine ungebrochene Solidarität aller Mitglieder der Atlantikfront erfordert, zu sagen ist, und weil er nichts anderes sagen darf. Frankreich kann ebensowenig wie ein anderes Land der westlichen Welt, heute eigene Wege gehen.
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Der unmittelbare Anlaß zu den Gerüchten lag wohl in der Regierungserklärung zur Moskauer Note, die die Alliierten zu einer Konferenz der vier Außenminister aufforderte. Man weiß, daß Frankreich einen versöhnlicheren Ton anschlägt, als die Anglo-Amerikaner es bisher getan haben, deren Stellungnahme sich in einer negativen Kritik der sowjetischen Vorschläge Zu erschöpfen scheint. Paris will, unter der Voraussetzung einer gründlichen Vorbereitung eines solchen Treffens, mit Moskau ins Gespräch kommen und hält, wenn nur die Vorsichtsmaßregel, die Rüstun’gsvorbereitung nicht aufzugeben, eingehalten wird, einen solchen Schritt für ratsam, sowohl aus Gründen der Propaganda wie einfach um des Friedens selbst willen. So ist es zu verstehen, daß die französische Regierungserklärung, die ja nur eine „provisorische“ Stellungnahme zu sein hat, auf die Bedingung verzichtete, die London und Washington stellten, und die in der vorher zu leistenden Unterzeichnung des längst fertiggestellten Friedensvertrages mit Oesterreich besteht.
In Frankreich glaubt man, daß Rußland die internationale Lage auf Grund des mißglückten Koreaabenteuers für verfahren hält und nun, wenn man ihm Prestigeverluste ersparen will, zum Einlenken reif sei. Diese Ansicht und die Hoffnung, daß sich Moskau unter dem Druck der von seinen Männern nicht erwarteten Entwicklung vielleicht zu einer realistischen Verständigungspolitik bequemen könnte, lassen es Paris als ratsam erscheinen, einen solchen Versuch zu unternehmen. Da überdies die Sozialisten als wichtiger Bestandteil der Regierungskoalition die Forderung nach der weit offenen Tür als Programmpunkt vertreten, werden die Fassung der Regierungserklärung und die darin enthaltenen Tendenzen durchaus verständlich.
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Die Gerüchte, denen Schuman öffentlich entgegentreten mußte, wurden aber durch die genannte Erklärung nur ausgelöst, ihr wirklicher Ursprung liegt weit tiefer. Er liegt im Atlantik-Pakt selber, in einer urplötzlich aufgetauchten verschiedenen Auslegung seines Sinnes und Endzieles. Die französische Diplomatie sah im Atlantik-Pakt von Anfang an nur das, was er ursprünglich sein sollte: einen Verteidigungspakt. Man unterzeichnete ihn, weil er für Frankreich, und für Europa einen Schutzpakt darstellte und weil sich Frankreich, aus strategischen und materiellen Gründen, einen Pakt offensiven Charakters gar nicht erlauben kann. Aller Welt ist noch gegenwärtig, daß in der Periode der Unterzeichnung gerade im bürgerlichen Lager Frankreichs ein heftiger Kampf gegen den Atlantik-Pakt zugunsten einer bewaffneten Neutralität im Gange war, die seitdem abgeflaut und seit Korea unter der Oberfläche verschwunden ist.
Daß nun die damals gehegten Bedenken, die jetzt auch von Mitgliedern der Regierung geteilt zu werden scheinen, plötzlich wieder auftauchen, hat seinen Grund im Ausgang der jüngsten amerikanischen Wahlen, die die Beständigkeit der Truman-Acheson-Linie in Frage stellen.
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Es ist für ein westeuropäisches Land natürlich unmöglich, heute eine eigene Politik gehen zu wollen. Der nebelhafte Stand der europäischen Bewaffnung, — mit deutschen Brigaden oder ohne sie — läßt, wie Schuman ganz richtig sagte, einen solchen Gedanken als absurd erscheinen. Weniger absurd aber ist eine Lockerung der Stellung Frankreichs innerhalb des starren Atlantikgefüges, eine größere Elastizität seiner Glieder. Die forsche Atombombenstrategie gewisser aktivistischer Kreise unter den Republikanern Amerikas ist, so argumentiert man in Paris, auf das gute Funktionieren des europäischen Atlantikflügels aufgebaut. Frankreich, das die erste Militärmacht auf dem Kontinent bleiben will, hat die Aufgabe und die Möglichkeit, diesen aggressiven Tendenzen gegenüber die Waage zu halten, indem es dem Atlantik-Pakt seinen Verteidigungs-Charakter zu erhalten trachtet, nicht nur im eigenen Interesse, sondern im Interesse des Weltfriedens. Wohlverstanden: immer im “Rahmen des Atlantik-Paktes und nicht außerhalb. Solche Gedanken, die sich jetzt in der französischen Politik Luft zu machen suchen, bedeuten noch keinen „Wendepunkt“, es sind nur Gerüchte, aber vielleicht sind sie nicht ganz so absurd, wie sie in amerikanischen Augen erscheinen mögen?
Preise werden wieder stabil
Bundeswirtschaftsminister Erhard bleibt Optimist
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 27. November. „Preise können so wenig wie die Bäume in den Himmel wachsen“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard. Der Handel, der sich über die mögliche Nachfrage Illusionen gemacht habe, rechne jetzt selbst nicht mehr mit weiteren Preissteigerungen.
Es sehe im Augenblick so aus, als wenn sich der Weltmarkt beruhigen werde, aber auch wenn das nicht in vollem Umfange eintreten würde, würde aus der „inneren, Dynamik unserer Wirtschaft“ ein sehr starker Gegendruck gegen Preissteigerungen entstehen.
Die Kohlenpreise
Auf die Frage unseres Korrespondenten, wie sich die beabsichtigte Erhöhung des Kohlenpreises auf das allgemeine Preisniveau auswirken werde, erwiderte Professor Erhard, daß sie eine Steigerung des Preisniveaus im Durchschnitt um 0,6 Prozent bedeuten werde. Professor Erhard ging dabei von einer Erhöhung des Kohlepreises um sechs Mark pro Tonne aus, betonte aber, daß sich bei diesem Plan der Preis für Hausbrand nur um zwei Mark pro Tonne erhöhen würde. Gleichzeitig sei bei seiner Kalkulation auch die im Zusammenhang mit der Kohlepreiserhöhung stehende Erhöhung des Strompreises sowie des Eisen- und Stahlpreises berücksichtigt.
Keine Defizitpolitik
Jede Defizitpolitik wird von der Bundesregierung nach wie vor abgelehnt. Die Stabilität des DM-Kurses bleibt, wie dies auch in dem neuen Memorandum zum Ausdruck gebracht wird, ein Hauptprinzip der Bundesregierung.
Das Memorandum weist darauf hin, daß die Ausgabenerhöhung, die die Bundestagsbeschlüsse zum Bundesversorgungsgesetz bewirkt haben, durch die Erhöhung der Mineralölsteuer gedeckt wird und betont dann, daß weitere Ausgabenerhöhungen, die sich bei den Aufwendungen für die Sicherheit ergeben könnten, ebenfalls durch Steuern gedeckt werden würden. Um die Ausgeglichenheit der Länderhaushalte zu sichern, sollen außer der Begünstigung der Selbstfinanzierung von Investitionen im Bedarfsfälle noch einzelne andere Einkommensteuerbegünstigungen fallen gelassen werden.
Die „kommandeuse“ von Buchenwald
Der Prozeß gegen Ilse Koch in Augsburg hat begonnen
Augsburg, 27. November. (AP.) Vor dem Schwurgericht des Augsburger Landgerichtes hat am Montag der Prozeß gegen die 43jährige Ilse Koch, die Witwe des Kommandanten des Konzentrationslagers Buchenwald, begonnen, der Verbrechen an deutschen und österreichischen Häftlingen zur Last gelegt werden. Die Anklageschrift wirft ihr in 135 Fäl¬ len die Anstiftung zum versuchten Mord, in 45 Fällen die Anstiftung zum voll¬ endeten Mord und in zahlreichen Fällen gefährliche Körperverletzung an deutschen und österreichischen Häftlingen des KZ-Lagers Buchenwald vor.
„Ich habe nichts Unmenschliches gesehen“
„Ich habe nie etwas gesehen, was gegen die Menschlichkeit verstoßen hätte“, sagte Ilse Koch in der Nachmittagsverhandlung. Nicht ein einziges Mal sei in ihrer Anwesenheit jemand geschlagen worden. Mit leiser, kaum wahrnehmbarer Stimme hatte sie bei der Vernehmung durch den Vorsitzenden ihre Aussagen begonnen. Als aber die Sprache auf die Lampenschirme aus Menschenhaut kam!, ging sie merklich' aus ihrer Reserve heraus. Es gebe viele Zeugen dafür, daß diese Lampenschirme aus „handelsüblichem Pergament“ gewesen seien. „Aber man will ja damit Reklame gegen die Frau des Kommandanten machen.“
„Es ist ja gar nicht möglich, daß sich eine Frau so benimmt, wie man mich hinstellen will“, fuhr die Angeklagte fort. Ihr Mutterglück habe es ihr gar nicht gestattet, sich um die Angelegenheiten des Lagers zu kümmern. Ohne die Kinder sei sie nie aus dem Haus gegangen.
Sie habe das Gefühl, als stehe sie einer Verschwörung der Häftlinge gegenüber. Als der Vorsitzende darauf hinwies, daß ehemalige Häftlinge in früheren Verfahren teilweise sogar gegen ihren eigenen Willen aussagen mußten, meinte die Angeklagte: „Warum sind die Leute damals nicht gekommen, wenn ich das alles getan habe.“
Ueber ihren Aufenthalt im Lager Dachau sagte sie nur zögernd aus. Es habe keine Möglichkeit gegeben, das Lager zu verlassen. Als der Vorsitzende sie über das Kind befragen wollte, das sie dort empfing, erklärte Ilse Koch: „Das war inoffiziell, darüber möchte ich nichts aussagen.“
Stimmen der Anderen
Der bedrängte kanzler
In Schweizer und französischen Zeitungen stehen im Vordergrund der außenpolitischen Kommentare der Beginn der UNO-Beratungen mit Mao Tse-tungs Abgesandten in Lake Success sowie Dr. Adenauers Initiative, das Besatzungsstatut durch einen Sicherheitspakt zu ersetzen. Unter der Ueberschrift „Der bedrängte Kanzler“ schreibt die Baseler „Nationalzeitun g“:
„Adenauers Vorstoß erfolgte deutlich im Hinblick auf die bayerischen Wahlen, die, falls sie ein einigermaßen ähnliches Resultat ergeben würden wie die Wahlen in Hessen und Württemberg-Baden, die Position des Kanzlers stark erschüttern könnten. Es rächt sich nun, daß Adenauer in der Remilitarisierungsfrage allzu ungeduldig vorgeprellt ist. Die Westmächte scheinen keine große Lust zu haben, dem arg bedrängten Kanzler beizustehen. Aus alliierten Kreisen hört man, daß sich die Revision des Besatzungsstatuts an die Beschlüsse derNeuyorker Außenministerkonferenz halten und nicht darüber hinausgehen werde, so daß kein Grund für überspannte Hoffnungen auf deutscher Seite vorhanden ist. Dem Argument Adenauers: er stehe mit leeren Händen vor dem Volk, wird von alliierter Seite mit einer Aufzählung alles dessen begegnet, was man im Laufe des vergangenen Jahres der Bundesrepublik bereits zugestanden hat.“
„Le Popu lai re“ (sozialistisch) schreibt:
„Bundeskanzler Adenauer, der persönlich für die amerikanischen Ideen gewonnen wurde, sieht sich in seinem eigenen Lande einer wachsenden Opposition gegenüber. Sollte etwa der Bundestag die Mitwirkung Deutschlands an der Verteidigung des Westens auf Grund der angebotenen Bedingungen ablehnen, würden alle bisher so sorgfältig vorbereiteten Pläne hinfällig werden."
Die Oberkommissare nehmen den Vorschlägen Adenauers gegenüber eine ablehnende Haltung ein, stellt die unabhängige Linkszeitung „Comba t“ fest.
„Der Kanzler konnte zu Recht annehmen, daß sein Ansinnen, das Besatzungsstatut durch einen Sicherheitspakt zu ersetzen, bedeutsame Reaktionen auslösen würde. Es ist jedoch nichts erfolgt. Die öffentliche Meinung in der Welt ist offensichtlich nach so vielen und scheinbar widersprechenden Vorgängen langsam der vielen Memoranden, Gesuche und Klarstellungen überdrüssig. Die Anregungen Dr. Adenauers vermögen niemanden zu überraschen. Der Kanzler wünscht über die zur Debatte stehende Revision des Besatzungsstatuts hinaus dessen völlige Aufhebung. Das ist sein Spiel. Darauf läuft letzten Endes, von innerpolitischen Beweggründen einmal abgesehen, seine Taktik hinaus.“
Staatsbesuch
Kopenhagen, 27, November, (dpa) Das dänische Königspaar verließ am Montag in einem Sonderzug Kopenhagen, um Frankreich einen Staatsbesuch abzustat¬ ten.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krßger-Verlaß. Hamburg.
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Man ließ sie allein, und den ganzen endlosen Nachmittag saß sie da und versuchte sich jedes Wort, das sie geäußert hatte, ins Gedächtnis zu rufen. Warum war ihr nicht diese oder jene Antwort eingefallen? Hatte sie ihnen die Geschichte mit dem Empfehlungsschreiben genügend klargemacht? Über welchen anderen Briefen von ihr, dem Herzog oder der Herzogin mochten Monsieur Broussais und die Polizeibeamten wohl jetzt hocken? Alle waren sie von der Schuld des Herzogs und von ihrer Mittäterschaft überzeugt. Obwohl sie in jener Nacht nicht einmal in der Nähe der Rue du Faubourg Saint Honore geschlafen hatte, glaubten sie alle, daß sie an diesem Mord beteiligt wäre.
„Es kann nicht sein!" widerholte sie sich, wie sie es schon am Morgen wiederholt hatte. „Es kann nicht sein. Er ist nicht fähig, so etwas zu tun.“
Aber im Grunde ihres Herzens kannte sie die Wahrheit, die ihre Lippen verschwiegen. Das tägliche Gift der Eifersucht seiner Frau hatte seine Selbstbeherrschung untergraben. Es kam ,hr so vor, als sei eine Eiche, die Stürmen und Holzhauern getrotzt hatte, dem unablässigen Hämmern eines Spechts zum Opfer gefallen.
Ein Schlüssel quietschte im Schloß, und die Tür öffnete sich Beim Klang der bekannten Stimme riß sie sich aus ihren Gedanken, die Gegenwart ihres Besuchers noch halb bezweifelnd. Und doch war es kein Traum: vor ihr stand Pastor Monod. Die Tränen stürzten ihr aus den Augen, die doch während der langen, schlaflosen Nacht und während des Verhörs am Morgen trocken geblieben waren. Sie war nicht länger allein, und dieses Bewußtsein überwältigte sie.
„Aber wie sind Sie hier hereingekommen?“ fragte sie, allmählich ruhiger werdend. „Albert und Marie Remey haben es schon vergeblich versucht, und ich hatte vergessen, daß ich noch andere Freunde in Paris besitze.“
Er nahm ihre Hände in die seinen und sprach tröstend auf sie ein. „Ich bin Ihr Freund, Mademoiselle Deluzv oder Mademoiselle Desportes — es ist mir gleichgültig, welchen Namen Sie tragen — und außerdem bin ich auch Ihr Seelsorger. Man kann Ihnen nicht den Trost der Kirche verwehren, was auch immer die Anklage gegen Sie sein mag.“
„Oh, Monsieur Monod, ich weiß ja selbst nicht genau, wessen man mich eigentlich anklagt. Dieses schreckliche Verbrechen — und man sagt, er habe es begangen und am Abend vorher kam er noch mit den Kindern zu mir —sie kämpfte bei dieser Erinnerung von neuem gegen ihre Tränen an.
„Sprechen Sie sich ruhig aus“, sagte er. „Fürchten Sie nicht, daß ich Ihr Vertrauen mißbrauchen werde. Ich weiß, was über Sie geredet wird —“ „Aber Sie halten mich doch nicht für schuldig?“
„Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Aber selbst wenn ich mir im Zweifel darüber wäre, würde ich Sie aufgesucht haben» denn dann hätten Sie meiner doch nur noch mehr bedurft. Ich war vereist, als ich zuerst davon hörte. Die Zeitungen nannten zunächst nicht Ihren Namen, aber ich wußte ja, daß Sie zu jenem Haushalt gehörten, und ich konnte mir denken, wie sehr der Schock Sie mitgenommen haben mußte. Ich wußte da noc hnicht, daß man Sie entlassen hatte. Und erst, als ich heute früh nach Paris zurückkehrte, erfuhr ich. daß man Sie verhaftet hatte.“
Sie berichtete ihm so ausführlich wie möglich von den Umständen ihrer Entlassung, von dem letzten Besuch des Herzogs und von dem Empfehlungsschreiben, das ihrer festen Ueberzeugung nach der Anlaß für die Tragödie gewesen war.
„Ja“, pflichtete er ihr bei. „Sie mögen recht haben. Goliath erlag auch dem Kieselstein aus Davids Schleuder, und dieser Brief mag sehr wohl den letzten Anstoß gegeben haben. Aber Sie dürfen nicht weiter darüber nachgrübeln. Sie haben Fehler gemacht; aber das tun wir alle, nur sind die wenigsten von uns bereit, es auch zuzugeben.“
„Monsieur Monod“ — sie blickte ihn durch einen Tränenschleier an, während sie die verwickelte Geschichte dieser letzten sechs Jahre erzählte und die Dämmerung sich über den Hof der Conciergerie hinabsenkte — „ich hätte Ihnen das alles schon viel eher sagen sollen, bevor es zu spät war. Ich hätte Sie um Rat fragen sollen. Aber ich war meiner selbst zu sicher; ich dachte, ich könnte mein Leben ohne Hilfe meistern. Wenn auch überall schmutzige Wäsche gewaschen wurde, meine sollte nicht dabei sein. Ich bildete mir ein, mir könnte nichts zustoßen, weil ich niemanden etwas Böses wünschte. Ich war hochmütig und stolz, weil ich mich meiner selbst zu sicher fühlte."
„Sie sind nicht die erste, die diesen Fehler begeht“, antwortete er ernst. „Wir alle glauben, daß unser Leben uns gehört, bis wir eines Tages die Entdeckung machen, daß es mit dem anderer Menschen unlöslich verbunden ist.“
„Und ich war der Meinung“, fuhr Henriette fort, „daß mich niemals ein Vorwurf treffen könnte, weil ich nie absichtlich etwas Unrechtes tat. Aber jetzt — es ist furchtbar, denken zu müssen, daß sie diesen Tod erlitt und daß auch ich dafür zur Verantwortung gezogen werde. Ich habe sie nie gemocht; ich habe sie niemals achten können, und selbst jetzt fällt es mir schwer, ihre Fehler und ihre Dummheit zu vergessen; aber ich kann nicht vergessen, daß die Arme heute vielleicht noch lebte, wenn ich nicht auf dem. was ich für mein gutes Recht hielt, bestanden hätte. Was ich auch sagen und tun mag — daran werde ich nicht ändern können. Sie ist tot, und Gottweiß, was jetzt aus ihm und den Kindern werden mag.“
Monsieur Monod versuchte gar nicht, es ihr mit banalen Trostworten leichter zu machen, und er dachte auch nicht daran, fr sie zu beten, wie andere Geistliche es wahrscheinlich getan hätten.
„Sie sind zu ehrlich, um sich selbst entschuldigen zu wollen“, sagte er. „Sie leiden weit mehr, als Sie es verdienen; denn je intensiver ein Mensch lebt, desto verwundbarer ist er auch. Aber vergessen Sie nicht, daß es keine größere Weisheit gibt, als sich über die eigene Torheit klar zu werden. Verlieren Sie den Mut nicht, Mademoiselle. Sie werden ihn noch brauchen, einerlei, ob der Herzog die Anklage nun entkräften kann oder nicht.“
Sie bat um Neuigkeiten über den Herzog, aber er konnte ihr auch nicht mehr erzählen, als sie bereits wußte — daß nämlich Zder Herzog sich ebenfalls in Haft befände. Jede neue Ausgabe der Zeitungen brachte einen noch sensationelleren Bericht als die vorige. Monsieur Monod teilte ihr alles mit, was er wußte, und verschwieg ihr auch nicht, was für Ausmaße der Fall angenommen habe. Die Aufmerksamkeit des ganzen Landes war geweckt worden, und die Stimmung des Voleks wurde immer erregter. Selbst die Stellung des Königs und die Struktur des Hofes wurden davon betroffen.
„Das Volk auf der Straße“, sagte Monsieur Monod, „hält den Herzog für schuldig und verlangt, daß man ihm den Prozeß macht wie jedem anderen Verbrecher auch. Aber als Mitglied des Adels kann er nur von seinen Rangoberen zur Verantwortung gezogen werden — vom König und der Pairskammer. Sollte er freigesprochen werden, wird man bestimmt den König der Begünstigung bezichtigen, und sollte er verurteilt werden, dann wird das das Ansehen des ganzen Hofes schädigen. Sie wissen ja, wie sehr die Unzufriedenheit schon in der Luft liegt.“
Ja, das wußte sie. obwohl sie das bisher nicht in Betracht gezogen hatte. Ihre eigenen Sorgen hatten sie vollständig in Anspruch genommen. Aber jetzt begann sie zu begreifen, was hinter seinen Worten lag. Der König war alles andere als populär und das Volk nur allzu bereit, sich auf alles zu strzen, was nach höfischer Korruption aussah.
(Fortsetzung folgt)
SPD will allein regiereu
Erste Besprechung des Bezirksvorstandes nach den Hessen-Wahlen
Frankfurt/Main, 27. November. (Eigener Bericht.) Der erweiterte Bezirksvorstand der SPD Hessen-Süd befaßte sich am Montag in der Waldgaststätte „Unterschweinstiege“ bei Frankfurt mit der sich aus den Landtagswahlen ergebenden neuen politischen Situation.
In einer nach mehrstündiger Aussprache gefaßten Entschließung wird dem Landesausschuß empfohlen, daß die Sozialdemokratie die Regierung in Hessen allein übernehmen soll. Auch über die Nominierung des Ministerpräsidenten sowie eventuelle neue Minister soll das hessische Parteigremium, der Landesausschuß, der voraussichtlich am kommenden Freitag in Wiesbaden tagen wird, beschließen.
Nach einer Erklärung des Parteisekretärs der südhessischen SPD, Dürnholz, wurden in der Montagsitzung des Bezirksvorstandes Namen eventueller neuer Minister noch nicht genannt. Weiter empfiehlt die südhessische SPD dem Landesausschuß, darauf hinzuwirken, daß die künftige sozialdemokratische Regierung von einer Erhöhung der Ministerien auf alle Fälle Abstand nehmen soll.
Amtliches Gndergebnis
der Landtagswahl in Hessen
Wiesbaden, 27. November. (Eigener Bericht.) In einer Sitzung des Landeswahlausschusses von Hessen wurde das endgültige Schlußergebnis der Landtagswahl vom 19. November 1950 festgestellt. Gegenüber dem vorläufigen Wahlresultat haben sich nur geringfügige Aenderungen ergeben.
Nach dem amtlichen Schlußergebnis waren am 19. November 2 985 021 Personen wahlberechtigt. Davon gaben 1 936 762 = 64,9 Prozent ihre Stimme ab. Ungültig waren 85 675 Stimmen.
Von den gültigen Stimmen entfielen auf: SPD 821 268 = 44 Prozent, FDP/BHE 588 739 = 31,8 Prozent, CDU 348 148 = 18,8 Prozent, KPD 87 878 = 4,7 Prozent.
Die Splitterparteien — NDP, BVE und HBLVP — erhielten insgesamt 3973 Stimmen = 0,2 Prozent. Auf den einzigen unabhängigen Kandidaten, Dr. med. Kuno Stock, Wahlkreis elf Biedenkopf, entfielen 1081 Stimmen = 0,1 Prozent.
Die Wahlbeteligung betrug 64,9 Prozent, gültige Stimmen: 1 851 087, ungültige Stimmen: 85 675. Nachträglich sind durch die Kreiswahlausschüsse noch 986 ungültige Stimmen für gültig erklärt worden. An Rest- und Ueberschußstimmen entfielen auf SPD: 387 931, CDU: 302 973 und FDP: 477 570.
Vor Tarifabschluß im Großhandel
Frankfurt, 27. November, (dpa) Der Abschluß eines Tarifabkommens zwischen den Arbeitgebern des hessischen Großhandels und der Bezirksleitung der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherung wird für Mitte dieser Woche erwartet. Es kann mit einem sechs- bis zwölfprozentigen Teuerungszuschlag für Angestellte und Arbeiter aller - Gehalts- und Lohngruppen gerechnet werden. Die Lohnerhöhungen dürften rückwirkend ab ersten Oktober dieses Jahres gelten.
Statt Zwangsfeiertage Betriebsferien
Pessimistische Beurteilung der Kohlenlage in Hessen / Kabinettsitzung
Wiesbaden, 27. November. (Eigener Bericht.) Die äußerst angespannte Kohlenlage sowie die von der Bundesregierung beabsichtigte Preiserhöhung für Kohle werden auch in der Dienstag-Sitzung des hessischen Kabinetts erneut Gegenstand eingehender Beratung sein.
Der Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert Wagner, erklärte am Montag Pressevertretern gegenüber, daß die derzeitige Kohlenlage in Hessen zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gebe.
Entgegen anderweitigen Berechnungen sei die hessische Industrie im Oktober nur mit etwa 68 und nicht mit 82 Prozent des Lieferungs-Solls mit Kohle versorgt worden. Im November sei im Höchstfälle mit einer 60prozentigen Bedarfsdeckung zu rechnen. Während das Bundeswirtschaftsministerium für Dezember ein Planungs-Soll von 54 Prozent gegeben habe, rechnet die hessische Wirtschafts- Verwaltung auf Grund der Erfahrungen in den vorangegangenen Monaten im Höchstfälle mit 50 Prozent der Bedarfsmenge.
Das für den Monat Dezember im gesamten Bundesgebiet bestehende Defizit von 1,7 Mill. Tonnen Kohle müsse irgendwie auf gefangen werden, Minister Wagner vertritt die Ansicht, daß die sich aus der Kohlenverknappung für die Industrie ergebenden Maßnahmen in jedem Falle nur auf Bundesebene zu lösen seien. Während die zuständigen Stellen des Bundeswirtschaftsministeriums von der Einführung eines Zwangsfeiertages in der Woche sich keinen allzu großen Erfolg versprechen, glauben sie mit Betriebsferien zwischen Weihnachten und Neujahr mehr zu erreichen. Hiergegen allerdings haben die Gewerkschaften, die am Wochenende mit Minister Wagner eine Unterredung hatten, Bedenken geltend gemacht.
Flugeinschränkung
Frankfurt a. M., 27. November, (dpa) Oberkommissar McCloy hat in einem Schreiben an die tschechoslowakische Militärmission in Berlin Einschränkungen für die künftigen Flüge tschechoslowakischer Flugzeuge über das amerikanische Besatzungsgebiet Deutschlands festgelegt. McCloy begründet die Einschränkungen damit, daß in der Zeit vom 13. bis 14. November zahlreiche unerlaubte tschechoslowakische Flugzeuge über dem amerikanischen Besatzungsgebiet Deutschlands festgestellt wurden.
Das Recht entscheidet
Um die antidemokratischen Kräfte
Köln. 27. November, (dpa) Der Deutsche Beamtenbund vertrat in einer Sitzung der. Standpunkt, daß die Entfernung von antidemokratischen Kräften aus dem öffentlichen Dienst gemäß dem Erlaß der Bundesregierung nur nach beamtenrechtliehen und staatsrechtlichen Gesichtspunkten erfolgen dürfe. Insbesondere hält der Beamtenbund eine neue Fragebogenaktion für politisch unzweckmäßig und wenig erfolgversprechend.
Kasernenbewohuern geküudigt
Maßnahme der Militärbehörden
Gießen, 27. November, (dpa) Die „Military Post“ in Wetzlar hat den Bewohnern eines Blocks der früheren Bergkaserne in Gießen gekündigt. Die Wohnungen müssen bis zum 4. Dezember geräumt sein. 117 Familien mit 55 Personen und 48 Einzelmieter werden von dieser Maßnahme betroffen.
Oberbürgermeister Dr. Engler hat den Regierungspräsidenten in Darmstadt gebeten, sich dafür einzusetzen, daß de Räumung hinausgeschoben wird, bis die von der Besatzungsmacht versprochenen Montagehäuser und Baracken aufgestellt sind.
In wenigen Zeilen
Sechs prominente amerikanische Kom¬ munisten, darunter der frühere Vorsitzende der KP-US, Earl Browder, sind wegen Mißachtung des Kongresses unter Anklage gestellt worden.
Paul Henry Spaak, der Präsident des Straßburger Europarates, wird erst Ende Dezember zu seinem Besuch in Bonn eintreffen.
Die wiederaufgebaute Prümer Abteikirche wurde auf Grund eines Breve von Papst Pius XII. zur Basilika erhoben.
Die Christliche Arbeiter-Jugend (CAJ) befürwortete auf einem Studientag in Essen einen Beitrag Deutschlands zur europäischen Sicherheit.
Der Bund der Verfolgten des Nazi¬ regimes (BVN) forderte auf einer Tagung in Hamburg von der Bundesregierung ein einheitliches. Wiedergutmachungsgesetz.
Die Errichtung von Sozialfonds in den Betrieben für Lehrlinge, die erst vor kurzem aus der Kriegsgefangenschaft gekommen sind, oder deren Berufsausbildung sich aus anderen Gründen verzögerte, empfiehlt der Jugend ausschuß des Deutschen Gewerkschafts-Bundes.
Die FDF-Fraktion hat den Landtagspräsidenten gebeten, der Eröffnung des neuen Landtags am 7. Dezember Gottesdienste der verschiedenen Konfessionen vorangehen zu lassen.
Wıirtschaftsteil
Erhöhte Stahlquote
AP. Die Besatzungsmächte haben eine zusätzliche Stahlproduktion von 300 000 Tonnen für das letzte Quartal dieses Jahres zugestanden. Man habe sich darauf geeinigt, sagte der alliierte Sprecher, daß dieser „Bonus“ als Anteil der Ruhrindustrie an der westeuropäischen Verteidigung anzusehen sei, und nicht auf die jährliche Stahlquote von 11,1 Millionen Tonnen angerechnet werde. Nach Schätzungen wird sich die Stahlproduktion im 4. Quartal auf 3,1 Millionen. Tonnen belaufen.
Der alliierte Sprecher teilte weiter mit, daß sich die Oberkommission über ein Verfahren geeinigt habe, nach dem der Beschluß der Neuyorker Außenministerkonferenz durchgeführt werden soll. Unter diesem Verfahren soll die Bundesregierung den Alliierten monatlich Berichte über die Stahlproduktion vorlegen, damit sie entscheiden, welcher Prozentsatz der Stahlerzeugung als Beitrag zur westlichen Verteidigung angesehen werden kann und damit nicht unter die 11,1- Miilionen-Tonnen-Quote fällt.
In neun Gruppen zerlegt
Der alliierte Vorschlag zur Aufspaltung der IG-Farben
Hd. Die Aufspaltungsvorschläge der Alliierten Oberkommission für den IG-Farben-Konzern sind der Bundesregierung zugegangen. Die Vorschläge beziehen sich auf folgende neun Gruppen:
1. Ludwigshafen-Oppau, 2. Höchst-Griesheim-Offenbach, Eystrup-Knappsack, 3. Mainkur, 4. Titan-Fabrik, Leverkusen. 5. Filmwerk Leverkusen, 6. Rest Leverkusen, Elberfeld und Uerdingen, 7. Dormagen, Rottweil. Bobingen, 8. Chemische Werke Hüls, 9. Rheinfelden.
Die Arbeitsgemeinchaft der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf bezeichnete diesen Plan im ganzen als eine brauchbare Verhandlungsgrundlage. Allerdings sei die Vierteilung der Gruppe Leverkusen völlig unmöglich. Die ven alliierter Seite beabsichtigte Herauslösung des Filmwerkes und der Titan-Fabrik, die in engster Verbundwirtschaft mit Leverkusen verknüpft gewesen seien, sei mit dem Prinzip der Schaffung wirtschaftlich gesunder Gesellschaften unvereinbar. Auch die Verselbständigung der Kunstfaserbetriebe und des Werkes Mainkur wird von der Schutzvereinigung für bedenklich gehalten.
Die Schutzvereinigung glaubt, daß die Oberkommission vernünftige deutsche Gegenvorschläge berücksichtigen wird, bevor sie endgültige Entscheidungen trifft.
773 000 t Kohlendefizit
Hi. Gegenüber einer Verfügbarkeit von nur 6 927 000 Tonnen Kohlen schätzt das Bundeswirtschaftsministerium den tatsächlichen Verbrauch im Dezember auf 7 700 000 Tonnen. Allein für Bahnen, Verkehr und Landwirtschaft. Zuckerindustrie, Besatzungstruppen und Berlin werden schätzungsweise 1 825 000 Tonnen benötigt, für Kraft-, Gas- und Wasserwerke 1 460 000 Tonnen und für Hausbrand und Kleinverbraucher 1 400 000 Tonnen. Bei den Kraftwerken müßte eine weitere Kürzung möglicherweise zu Netzzusammenbrüchen führen.
Eine entscheidende Aenderung der Situation könne nur durch eine wesentliche Erhöhung der Förderung und Senkung der Exportquote eintreten. Die vom Bundeswirtschaftsministerium verfügten Stromeinschränkungen müßten von den Ländern ausgeführt werden.
100 000 Tonnen Benzin
Hd. Die Ruhrchemie, Obe r - hausen-Holten, hat die Erlaubnis erhalten, eine moderne Raffinerie zu erstellen und Erdöl zu verarbeiten.
Die Erdölverarbeitung erfolgt auf Grund eines Vertrages, der zwischen der Omnipetrol m. b. H. für Erdölverwertung, Karlsruhe, die die Interessen derOmnium-Francais-Petroles, Paris, in Deutschland vertritt, und der Ruhrchemie unterzeichnet worden ist. Die Omnipetrol soll Rohöl aus dem Mittelosten anliefern, das die Ruhrchemie im Lohn verarbeitet. In Aussicht genommen ist ein Rohöleinsatz von etwa 200 000 Tonnen jährlich. Die Erzeugung von Benzin wird sich auf etwa 100 000 Tonnen im Jahr belaufen.
Vereinigung für Rückerstattung
Bz. Durch die Rückerstattungsgesetze der westlichen Besatzungsmächte werden im Bundesgebiet zirka 300 000 Firmen und Einzelpersonen mit einem Vermögen von rund 35 Milliarden betroffen. Angesichts der großen Bedeutung der Rückerstattung ist es notwendig, daß sich die Betroffenen zusammenschließen, um ihre Rechte zu wahren. Unter dem Protektorat des Reichskanzlers a. D. Dr. Wirth wurde jetzt die „Bundesvereinigung für loyale Restitution e. V.“ in Baden-Baden gegründet.
„Verschraubte Flaschen“
Bz. Nach der Rechtsprechung zum Gaststättengesetz gilt eine Flasche mit Schraubverschluß nur dann als „fest verschlossen“, wenn sie nach Entfernung der Hülse oder eines Klebestreifens geöffnet werden kann. Bei Flaschen mit einfachem Schraubverschluß ist diese Voraussetzung nicht gegeben. Deren Verkauf vom Hersteller an den Einzelhandel ist also ein Verstoß gegen die erteilte Gewerbeerlaubnis zum Handel mit Spirituosen in „fest verschlossenen“ Flaschen.
Die Deutsche Angestellten-Gewerk¬ schaft fordert zum Weihnachtsfest für die öffentlich Bediensteten eine Weihnachtszuwendung von 50 DM. Die wirtschaftlichen Verhältnisse hätten sich besonders zuungunsten der Behördenangestellten verschlechtert. Die bisherige Weihnachtszulage von 8 DM für jedes zuschlagspflichtige Kind bis zur Einkommensgrenze von 300 DM sei völlig unzureichend.
Die Fleischpreise ziehen an
Steigende Preistendenzen überwiegen bei den Nahrungsmitteln
vwd. Die Verbraucherpreise ausgewählter Nahrungsmittel entwickelten sich in der Zeit vom 10. bis 17. November in den zehn Landeshauptstädten des Bundesgebietes uneinheitlich. Im großen und ganzen überwog jedoch nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes die steigende Preistendenz. Insbesondere beim Schweinefleisch setzten neuerliche Preissteigerungen ein, die Preise liegen damit jetzt um nahezu 30 Prozent über den Preisen vom 15. Juni dieses Jahres. Rindfleisch lag rund 2 Prozent über dem Preisstand von Mitte Juni.
Bei Schweineschmalz wurden die Verbraucherhöchstpreise in den meisten Sorten überschritten. Die Preise für Speiseöl gingen in der Mehrzahl zurück. Auf der anderen Seite bröckelten die Preise der Nährmittel zum Teil ab.
Rebanbauregelung gefordert
dg Die Arbeitsgemeinschaft der Weinbauverbände von Rheinland-Pfalz hat sich an den Ministerpräsidenten Altmeier gewandt, weil die Durchführungsbestimmungen über die Beschränkung der Neuanlage von Weinbergen noch nicht ergangen sind. Der Entwurf liegt seit Monaten vor und ist auch vom Justizministerium bereits genehmigt.
Idn. Die Zahl der Arbeitslosen stieg in der Pfalz in den ersten vier Wochen des November von 16 702 auf 19 893.
Bisher höchstes Aufkommen
Steuereinnahmen der Länder haben sich verdreifacht
vwd. Das Steueraufkommen des Bundes und der Länder hat im September mit 1572,1 Millionen DM die Ergebnisse der Vormonate Juli und August um über eine halbe Milliarde übertroffen. Es ist das höchste seit der Währungsreform.
Von den Septembereinnahmen wurden 841,6 Millionen DM für Rechnung des Bundes und 730,5 Millionen DM füi' Rechnung der Länder verbucht. Die Steuereinnahmen der Länder haben sich gegenüber August nahezu verdreifacht.
Besonders stark haben sich die Erträge aus der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer und der Umsatzsteuer erhöht. Die Lohnsteuer erbrachte 119,6 Millionen DM. die Einkommensteuer 307,8 Millionen DM, die Körperschaftssteuer 262.1 Millionen DM und die Umsatzsteuer 395,5 Millionen DM. Die Tabaksteuer lie^t mit 189 Millionen DM um rund neun Millionen DI^I über dem Ergebnis vom September 1949.
Zusatzförderung von 500 009 t
vwd Der Anstieg der westdeutschen Steinkohlenförderung hat sich verstärkt fortgesetzt. Die arbeitstägliche Durchschnittsleistung überschritt mit 391 560 Tonnen erstmalig seit Kriegsende die 390 000-Tonnen-Grenze. Seit dem Anlaufen der Sondermaßnahmen zur Steigerung der Kohlenproduktion am 13. November ergaben Sonn- und Feiertagsschichten bereits eine zusätzliche Förderung von rund 500 000 Tonnen.
Keine 4-Tage-Woche
Hi. Meldungen, wonach angesichts der angespannten Kohlensituation die Einführung einer Vier-Tage-Arbeitswoche geplant sei, werden vom Bundeswirtschaftsministerium als Gerüchte dementiert.
Börsen und Märkte
Bz. Die Frankfurter Börse eröffnete die neue Woche bei knapp gehaltenen Kursen. Gegenüber den teilweise stärkeren Einbußen gab es vereinzelt auch geringprozentige Erhöhungen Südd. Zuckerfabrik konnten auf 97 ( + 1) nach dem scharfen Rückgang am Freitag sich erholen. Weiter ansehnliche Verkäufe drückten wieder auf den Degussa-Kurs 71 (— 0.25). Bergbau-Werte konnten sich zum Teil behaupten. Aehnlich tendierten Maschinenwerte Am Baumarkt Berger 31.5 ( + 1,5). Heidelberg Zementf. 102.25 ( + 0,25) dagegen Didier 86,5 (—0,5). Banken gaben meist bis Vi Punkte nach.
Freie Devisenkurse
Bz. Am 27. November 1950 wurden an der Frankfurter Börse folgende freie Devisenkurse genannt: Für den US-Dollar 5,10 bis 5,40 DM, für das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den Schweizer Franken 1.15 bis 1,22 DM, für den holl. Gulden 1,15 bis 1.22 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die Schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0.16 DM. In den Berliner Wechselstuben wurden für eine DM-West 5,30 bis 5,50 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.
Bz. Bei der Herdfabrik und Emaillierwerk GmbH., Sitz Darmstadt, ist auf Anordnung des Landesamtes für Vermögenskontrolle und Wiedergutmachung in Hessen der Treuhänder, Min.-Dir. a. D. Rudolf Bissigkeit in Bensheim a. d. 8.. ermächtigt, an Stelle des seitherigen alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführers Kaufm. Albert Konzelmann, Darmstadt, zu handeln.
Bz. Die Gemeinnützige Wohnbau GmbH.. Darmstadt, die sich mit der Errichtung und Bewirtschaftung von Kleinwohnungen im eigenen Namen befaßt und sie betreut, verfügt über 50 000 DM Stammkapital. Zu Geschäftsführern wurden bestellt Dir. Fritz Dreiheller, Kfm. Hanns Jäger und Dipl.- Ing. Hanns Adrian, alle Darmstadt.
Aufteilung der III. ERP-Tranche
WID. Vor einiger Zeit ist die 111. ERP-Tranche von 1,8 Mrd. DM auf 1,3 Mrd. DM herabgesetzt worden. Inzwischen wurde mitgeteilt, daß auch von diesem Betrag vorerst nur 800 Mill. DM verfügbar sein werden. Ueber die Aufteilung ist bisher eine Einigung nicht zustande gekommen. Die Marshallpian-Stellen möchten die Gegenwertmittei vornehmlich für Kohle, Stahl, Bergarbeiterwohnungen, Elektrizität, Berliner Hilfe und Exportförderung eingesetzt wissen. Die Bundesregierung wünscht dagegen eine viel größere Aufteilung.
Nach dem Wunsch der Bundesregierung sollen die Landwirtschaft, die Gas- und Wasserwirtschaft, die Flüchtlingsindustrie, der Schiffsbau, die Forschung und die Endfinanzierung der in der I. und 11. Tranche mit Teilbeträgen bedachten Investitionsvorhaben einbegiffen werden. In dem von deutscher Seite für die Landwirtschaft vorgesehenen Betrag von 50 Mill. DM ist auch ein Betrag von 33 Mill. DM für den Bau von drei Zuckerfabriken enthalten. Die Gas- und Wasserwirtschaft, die Flüchtlingsindustrie, der Schiffsbau und die Forschung sollen bevorzugt mit billigen Krediten bedacht werden
Besondere Schwierigkeiten zeichnen sich beim Wohnungsbau ab. Der in der 111. Tranche deutscherseits eingesetzte Betrag von 135 Mill. DM ist bereits durch die BdL vorfinanziert worden. Nun besteht die Gefahr, daß ein erheblicher Teil der Vorfinanzierung nicht zurückgezahlt werden kann.
Frankfurter Effektenbörse / Kursblatt des D. T.
öz - Bezahlt, B ■’ Briefkurse, r — Taxe, alle übrigen sind Geldkurw (Sämtliche Kurse ohne Gewihr)
| 24. 11. | 27. 11. | Pfandbr. u. Kom.-Obl. | 4% Dl Rtb 34 A.. 7 | ||
| 7 | 4% Pr. Lpf Aast Pf 7,5bz | ||||
| 7,5 | 4% do. Komm Obi. 7,25 | ||||
| 2,25bz | 4% Hess Ldbk PL . 7.75bz | ||||
| 7,75 | 4% Kass Ldkr .Pt. . 7,75 | ||||
| 7,75 | 4^Nass LdbkP... 7,75 | ||||
| 7,75 | 4% do Kom Obi. .. 7,75 | ||||
| 7,75 | 4% Rhein Giro PL. 8,25 | 4%Rheinprv PL... »." | Dekosama 1 | 4% Bayr Hyp PI- • 7.5bz | 4% Pim Hvp Bk PL 7,75bz |
| 8,25 | |||||
| 8,25 | |||||
| 17,12 | 7,5 | 7,75bz | 4% Ffm Hvp Obi. .. 7,25bz | ||
| 7,75bz | 4% PfälZ Hvp PL.. 7,75bz | 4% Rh Hvp.Bk PL . 7,87bz | 4% Westd. Bod Cr 7,5bz | ||
| 7,75bz | 7,87bZ | ||||
| 7,5bz | Industrie-Anleihen | ||||
| 4% AEG 42 6,75 | |||||
| 6,75 | 2% Aschaffba. zell. 6 | ||||
| 6 | 4% Au^sb Nürnh. . 6,75 | ||||
| 6.75 | 4% BMW 42 7 | ||||
| 7bz | 4% Daimler 42 ... »,b | 4%Degussa 43 ... 8 | |||
| 8,5 | 8 | 4’/a%Ess, Stk. 41. 7 | |||
| 7 |
| 24. 11. | 27. 11. | |
| 4’/a% Gesenb.Benz. 8,12bz | 8,12 | |
| 4% Gelsenk. Bgwk. 7,12 | 7,12 | |
| 4%Harpener 42 .. 7,25 | 7,25 | |
| 4’/2%Hartm & Br. 7,75 | 7,75 | |
| 5% Klöckner 39 .. 7.378 | 7,37 B | |
| 5% Metallges 39 . 8,25 | 5%Rh Braunk. 40 8,25 | 8,25bz |
| 8,25 | ||
| 4% Schluchsee 43 6.75 | 6,75 | |
| 4%% Union Rhbr.. 8 | 8 | |
| 4% Ver. Dt. Met. 42 7,75 | 7,75 | |
| Industrie-Aktien | ||
| Accumulatoren.. ..888 | 88 B | |
| Ada Ada 5chub....548 | 52 G | |
| Adler-Werke 40 25 | 40bz | |
| Adt. Gebr 44 | 44 | |
| Allg. Bauges. Lenz 30 | 30 | |
| AEG 26,37bz | 26,75bz | |
| Andreae-Noris .... 180 | 180 | |
| Aschaffbg. Akt.-Br. 508 | 50 B | |
| Ascha ffb Buntpap — | — | |
| Aschaffbg Zellst. ..74.25bz | 74 | |
| Augsb . Nürnbg. ...86,75bz | 86,5bZ | |
| Bad Maschinen ... 100 | 100 | |
| Bauniw. Erlangen .138 | 138 | |
| Bayr. Motorenwk, .32bz | 32bz |
| 24. 11. | 27. 11 | |||
| Bemberg, J. P 80bz | ||||
| Berger, Tiefbau ...30bz | Bin. Kraft u. Liebt 24,75bi | |||
| Brauh. Nürnberg ..52 | Brown Boveri 110 | |||
| Buderus Eisenw. ..73bz | Burbach Kali 688 | 80 | ||
| 31,5bz | ||||
| : 25,5bz | 52 | |||
| 109 | 73,25 b; | 67 B | ||
| Chern. Albert 68,5bz | Conti Gummi 106bz | 68,5 bz | ||
| 105,5 bz | ||||
| Oaimiet Mot Wh .568 | ||||
| Oemag, Duisburg .83,5 | ||||
| Dessauer Gas 20,2bz | Deutsche Erdöl ...54,5 | |||
| Deutsche Steinzeugl39,sß | Degussa 71,75bz | Dt. ' inoleum Wk. .1188 | Dt. Tafelglas — | |
| Didierwk Wiesb. ,878 | Dierig. Chr — | 56 bz | ||
| 84bz | 20 | |||
| 54,5 | ||||
| 139,5 B | ||||
| : 71bz | 117bz | 126bz | 86,5bZ | 86bz |
| Eichbg Werger Br 49 | Eisenb Verkehrsm — | El Licht u Kraft 29,25 | ||
| Enzinger Union 65 | ||||
| Eßlinger MaschinenlOO | Ettlinger Spinnerei 160 | 49 | ||
| —B | 29,25 b: | 65 | ||
| 100 B | ||||
| 160 |
| 24. 11. | 27. 11. |
| Faber & Schleicher— | —G |
| Fahr, Gebr — | — |
| Feinmech. fetter ..84 | 85 |
| Feldmühle 78.5 | 79,5 |
| Felten & Guill. ...68,5 | 68 |
| Ffm. Masch. P &W 88 | 88 |
| Goldschmidt, Th. ..58bz | 58 |
| Gritzner-Kavser...lo2 | 102 |
| Grün & Bilfinger ..50,5 | — |
| Hafenmühle Flm. .-G | -GT92 |
| Hanau Hofbr Hausss | 55 |
| Hanfwk Füssen .140 | 140 |
| Harpenet Bergbau.72,sbz | 72 B |
| Harpener Bonds . 44,5 | 44,5 |
| Hartmann & Braun — | - |
| Heidelberg. Zement 102 | 102,25 b: |
| Henninger-Bräu ...83 | 81 bz |
| Hess.-Nassau Gas .85 | 85 |
| Hoesch Eisen .....58bz | — |
| Holzmann. Pb 28bz | 27,5 |
| Hotel AG 45 | 46 |
| Junghans. Gebr. ..— | 61,5bz |
| Kabelwerkeßheydt6o | 60 |
| Kall Cbeml 95bz | 94 |
| Karstadt. Rud. ...77 | 77 |
| 24. 11. | 27. 11 |
| Kaufh. Hansa, Fftn.Bo | 80 |
| Kl., Schzl. & BeckerB3 | 83 |
| Klöcknerwerke.. • 67,5bz | 67bz |
| Knorr. Heilbronn 68 | 67 |
| Konserven Braun .— | — |
| Kupferberg Sekt ..47,75 | 47,5bz |
| Lahmevet & Co. ..85bz | 85 |
| Lanz. Heb 51,75bz | : 51bz |
| Lindes Eismasch. .95bz | 94bz |
| Mainkraltwerke...B7B | 86bz |
| Mainzer Akt.-Br. ..— | 51 B |
| Mannesm Böhr StAs6bz | 55 |
| Mannesm.Röhr VA7BB | 78 B |
| Masch.Hartm Offb 117bz | 116 |
| Metallgesellschaft 63.5bz | 63 bz |
| Moenus Maschmeo4s,s | 45,5 |
| Neckar Wk Eßllng 107 | 107 |
| Nordd. Lederwerke2sß | — |
| NSU 131 | 131 |
| Odenrv Hartstein..Bo | 80 |
| Pfälz. Mühlenwk. .-G | -G |
| Rhein Braunkohle 93bz | 93bz |
| Rhein Elektrizität 92,5 | 92 |
| Rhein Stahlwk ~52,5bz | 52 |
| Rh West! Elektr..7lbz | 71bz |
| Roeder, Gebt 100 | 100 |
| 24. 11. | 27. 11 | ||
| Salamander Schuh | Salzdetfurth Kali . 61bz | ||
| Salzwk. Heilbronn. 105 | |||
| Sarotti AG 93 | Schößerb. Brauerei 49 | Schramm Lackfabr. 103 | Schritts Stempel . 104 |
| Seilindustrie Wolfl9l | Siem. & Halske StA42,sbz | Siem. & Halske VA42,25 | |
| Stollwerck, Gebt... 85 | |||
| Südd. Zucker AG...96 | 62bz | ||
| 105 | 93 | 48 | |
| 103 | 104 | 91 | |
| 42,5bz | 42,25 | 86 | 97 |
| Veith Gummlwerkel2o 120 | Ver.Dt.Met.-Werke64 64 | ||
| Ver. Dt ÖlfabrikenB4 84 | |||
| Ver. Stahlwerke ..52,75bz 51.75 b; | Voigt & Haeßner.. 125 125bz | ||
| Voltohm Seil 35 35 | Wayß S Freytag .116 | ||
| Westdt Kaufhof ..75.5bz | Wintershall 46.75 | 116 | 75,5 |
| 46,75 | |||
| Zellstoß Waldhol .52,5 | 52 | ||
| Banken | Bayt Hyp Wehs Bk 36.5 | ||
| Berl.Handels-Ges.. 17,5bz | 36,5 | 17 |
| 24. 11. | 27. 11. | |||
| Commerzbank ....26,75bz | 26bz | |||
| Deutsche Bank .... 28,75bz | Dt.Eff u Wehs Bk .25 | |||
| Dresdner Bank ...27.75bz | 28,5bZ | |||
| 25 | 27bz | |||
| Frankfurter Bank .26 | ||||
| Ffm. Hypoth. Bk .25,25 | 26 | |||
| 24,50 bZ | ||||
| Pfalz. Hypoth -Bk . 22,75 | 22,75 | |||
| Rhein. Hypoth.-Bk.. 24,75 | 24,75 | |||
| Verkehr | AG für Verkehr ..31 | |||
| Hapag 25,5bz | ||||
| Norddt. Lloyd 20bz | Südd Eisenb.-Ges..6O | 31bz | 25,5 | 20,5 |
| 60 | ||||
| Versicherungen | ||||
| Allianz Leben ....45 | ||||
| All. u. Stuttg. Ver. .71 | 46 | 72 | ||
| ünnotierte Werte | ||||
| Bedi S Henkel ....38 | 38 | |||
| Chemtefas Inh. ...59 | Chemiefas Na. ...57,5 | Chem. Brockhue» .75 | 58.5 | |
| 56,5 | 75 |
| 24. 11. | 27. 11. |
| Dt Waffen 25.62 | 25,5 |
| Dingler Zweibr....96 | 98 |
| Diskusw 125 | 125 |
| DvcketboffZement. 120 | 120 |
| Eisenh. Köm 43bz | 42,5bz |
| Fordwerke Köln ..89 | 87 |
| Gutehoffnungsh ... 63bz | 63bz |
| Hutschenreuther ..76 | 80bZ |
| Kahla Porzell 36 | 36 |
| Kammg Kaisersl... 105,5 | 105,5 |
| Rh. Strohzellstoft 157 | 157 |
| Rosenthal Porzell 100 | 100 |
| Schwab Zellstoff .. 140 | 143 |
| Süddt Zellwolle. .116 | 116 |
| Thür Zeliw Inh. .. 13bz | 13 |
| Thür Zeliw NA ... 11 | 1 ibz |
| Torpedo Werke ... 163 | 163 |
| Württemb Metall. 58,5 | 58,5 |
| Zeiß Ikon 37,58 | 37,5 B |
| Zellst. Waldhol VA.47 | 47 |
Feuilleton
Vive I;europe - Es lebe Europa!
EINDRÜCKE UND TATSACHEN VON DER DEMONSTRATION JUNGER EUROPÄER IN STRASSBURG
Von unserem nach Straßburg entsandten Sg-Berichterstatter
In Straßburg trafen sich am vergangenen Wochenende mehrere tausend junge Menschen aus zahlreichen Ländern Europas, um an der Stätte des tagenden Europarates für ein Vereintes Europa zu demonstrieren. Während unser gestriger Bericht „Europa ist die letzte Chance“ das Ereignis hauptsächlich vom politischen Gesichtspunkt aus behandelt, bringt unser heutiger Artikel die Eindrücke unseres Mitarbeiters, die, mehr oder weniger am Rande des Geschehens gesammelt, mosaikartig ein Bild von den Vorgängen und dem Wollen dieser jungen Menschen ergeben.
Am vergangenen Freitag, morgens um 3 Uhr, in den noch einsamen Straßen Frankfurts: mit aller Kraft seiner Stimme, beschwörend fast, stoppt ein junger Mann unseren Autobus. Atemlos, abgehetzt und glücklich steit er ein und wird mit jener lauten und beißenden Ironie seiner Kameraden begrüßt, die bei jungen Menschen so trocken, erbarmungslos klingen kann, wenn sie den Status quo unglücklicher Umstände anerkennend, glossieren. Daß der Mann einfach sein Fahrrad in irgendeine ihm unbekannte Toreinfahrt stellte, soll und möchte als sachlich zu registrierender Umstand der sichtbaren Begeisterung hinzugefügt werden, die an jenem grauen November morgen alle Teilnehmer erfaßt hat. Diese Begeisterung und ein weltweiter Idealismus sind die Leitmotive, die nach und zu Straßburg führten.
In Heidelberg treffen sich die Wagen der Teilnehmer aus ganz Deutschland. Omnibusse aus Wuppertal, Krefeld. Remscheid, Hamburg, Bremen, Würzburg, Duisburg, Nürnberg, Bamberg, Frankfurt, Erlangen, München. Man steigt aus. vertritt sich die Beine; man fröstelt, schlägt den Kragen hoch. Die Hamburger waschen sich am Neckar. Sie sind schon zwei Tage unterwegs und staunen über die Breite des Flusses: ~lscha fast so groß wie die Elbe!“ — Junge, kluge, auch bei Arbeitern und Handwerkern intellektuell wirkende Gesichter. An unserem Wagen steht eine Amerikanerin in grünem Trenchecoat, Pagenkopf und schwachem „make up“. »Warum ich hier mitfahre? Ich bin Freund von Europa-Bewegung,' ich war schon mit, als die Grenzpfähle verbrannt wurden; es ist so schön, mit diesen Menschen zusammen zu sein.“ Zwischen den Gruppen Reporter und Kameraleute aus ganz Deutschland, einschließlich der Wochenschau-Vertreter. Sie gehören mit zu den „Veteranen von Weißenburg“, als sie die Dreihundert filmten, die im Sommer jene Pfähle verbrannten.
Nach der Abfahrt über Ludwigshafen, Bad Dürkheim, gibt der Leiter der Frankfurter Aktion Informationen über Einzelheiten: „So oder so werden wir die Grenze überschreiten. Zwischenfälle? Kann sein, ist aber nicht wahrscheinlich. Und wenn schon..!“ Die Stundenten haben sich in ihre medizinischen oder volkswirtschaftlichen Zeitschriften vertieft, als wir über Kaiserslautern — Steinalben—Waldflschbach — Pirmasens fahren. Die Episode von den Münchenern kursiert im Wagen und zeigt das Trauma, welches die Idealisten der Vernunft umgibt: Morgens um 6.30 hatten Bus und Fahrer die jungen Leute versetzt. Das war schlimm, aber in letzter Minute bekamen sie tausend DM geschenkt. die ihnen doch noch Teilnahme und pünktliches Eintreffen ermöglichten. Der Spender möchte nicht genannt sein. — Diese Schenkung ohne Veröffentlichung und Dankbarkeits-Ambitionen wirft ein sehr helles Lacht auf die Szenerie.
Das Präludium der glückhaften Ereignisse: Kurz vor der Grenze werden die Fahnen herausgehängt, das grüne „E“ auf weißem Grund. Wir sind in der Nähe von Bergzabern und Fischbach, im oberen Mundertwald. Manche von uns bauten einmal an den jetzt gesprengten Bunkern des Westwalles mit. Hirschtal und Schönau, das war einmal Vorfeld. Vor wieviel Jahren eigentlich? Es ist schon lange her. Mein Gott, warum man nur Jahrhunderte lang aufeinander schoß! Die Menschen an der Straße winken. sprechen begeisternd. Wer kam je mit der Fahne der Vereinigung in das Nimandsland! Nur immer Kanonen und Gewehre. Wir halten noch einmal kurz. Professor Mouskhely von der Universität Straßburg steigt aus dem Wagen. „Meine Freunde, ich begrüße Sie“, sagt dieser hochgewaohsene schmale Mann mit dem fast etruskischen Gesicht und den flammenden schwarzen Augen. „Bis zum August muß Europa geschaffen sein, es darf nicht zu spät werden ... Wir fahren gleich durch bis Straßburg, niemand wird uns aufhalten können und wollen.“
In Schönau ist die Grenze. Die Spannung hat ihren Höhepunkt erreicht. Deutsche und französische Zollbeamte; alle Einwohner sind auf der Dorfstraße. Französische Offiziere salutieren vor der grünen Fahne, ein Sergeant steckt sich neben die Kokarde unser Abzeichen. „Jamais“, sagt er, „wollen wir wieder aufeinander schießen; wir brauchen keine Grenze zwischen Deutschland und Frankreich.'“ Die Wochenschau kurbelt von der hochgezogenen Zollschranke die jubelnde Turbulenz des Einverständnisses. Unzählige Apparate mit und ohne Blitzlicht halten diese kostbaren Minuten fest. „Mon dieu, das ist ja wunderbar“, sagen die Franzosen; und die Dienst tuenden Beamten: „Pourquois de controle, c’est tres bien, vraiment mes camerades!“
Durch den Hagenauer Forst geht die Fahrt nach Straßburg. Ueberall winken die Menschen an den Fenstern. Auch in Wörth, auf dessen Feldern im Jahre 1870 viel Blut floß. Es ist alles so bekannt, viele von uns waren im Krieg in Frankreich. Wir singen in unserem Bus. Von Straßburg, das Lied von der Rue Madelaine, long long way to tiparary; in Hagenau filmt die Wochenschau wieder unsere Durchfahrt und das Winken auf den Sträßen, die grüßenden Schutzleute.
Und dann Straßburg, du wunderschöne Stadt. Wir steigen aus. Frauen, Männer, Kinder umringen uns. Man lacht und scherzt. Mein Gott, man versteht sich ja; und wenn nicht, dann helfen die Straßburger Stundenten. „Gut, daß ihr kommt, es ist so wenig Zeit zu verlieren... ja, wir haben auch noch Bordeaux blanc, aber erst heute abend ... sind Göttinger Stundenten bei Euch? .. wo sind die Heidelberger, ich war voriges Jahr einen Monat dort...“
In der großen Messehalle Italiener aus Turin und Mailand, Belgier aus Löwen, Gent und Brügge; die Universität Löwen ist geschlossen angekommen. Sie tragen rote Studentenmützen und Brügge schwarze Samt-Baretts. Schweizer aus Luzern und Zürich. Holländer, Saarländer, fast alle Länder Europas sind vertreten. Transparente in allen Sprachen: „Europa ist Gegenwart, wir verlangen die Uebertnagung der Souveränität an die .Vereinigten Staaten von Europa1!“
Denmonstration vor dem Palast des Europa-Rates: Henry Spaak ergreift das Wort; seine Rede in französischer Sprache ist zwar die glänzende Dialektik eines großen Redners, aber schon Verteidigung einer Institution, die Churchill hoffnungslos-traurig verließ. Da kommt ein scharfer Zwischenruf von den Studenten aus Belgien. Zwei Worte nur fegen eiskalt und stechend gegen die Frontseite des modernen Komplexes. Das bringt Spaak aus dem Konzept, für Sekunden ist Totenstille auf dem erleuchteten Platz... „Quis que vous ... pardon» ... voulez dire ... Die Belgier antworten vielstimmig. Sie vergessen ihm zwei Sachen nicht: den König und den in Formeln erstarrten Europa-Rat. — Dann spricht ein junger französischer Sozialist mit kehliger, heller, begeisternder Stimme. Er erhält den Jubel der dreitausend jungen Europäer. Der Schwur unter dem Licht Zder Fackeln ist Wahrheit.
Fackelzug durch die Stadt: Ganz Straßburg ist auf den Beinen. Professor Mouskhely geht Arm in Arm an der Spitze der deutschen Gruppe. „Oh, es war so wunderschön“, sagt er, „und wenn sie uns einsperren, uns alle, wir schaffen es... Ihr müßt, wir müssen, hunderttausend, Millionen werden ...“ Wir singen, wir sind alle übermüdet, aber wir singen.
In den Restaurants Straßburgs ist lange nicht solch ein Trubel gewesen. Sämtliche Sprachen verlangen weißen oder roten Bordeaux. Der „Patron“ kann nicht so schnell bedienen. Es lebe Europa und Freundschaft unter den Nationen ... Das Straßburger Münster hört »warum ist es am Rhein so schön“, und „wer soll das bezahlen?“. Man spricht deutsch, englisch, französisch, italienisch, und alle verstehen sich: Gloriole der gemeinsamen Fahne in der Stadt und dem Land, wo so viel unnötiger Haß aufeinander traf.
Heǔte letzter. Tag
Haben Sie daran gedacht, daß heute der letzte Einsendetermin für die Beteiligung an unserem Film- Forum-Preisausschreiben ist? Zu Hunderten werden uns seit Tagen die Auflösungen in die Geschäftsstelle gebracht. Aber noch reicht es auch für Sie: Bringen Sie uns im Laufe des heutigen Tages Ihren Auflösungszettel, oder schicken Sie ihn mit der Post, denn das Datum des heutigen Tages auf dem Poststempel wird berücksichtigt. Dann haben auch Sie bei richtiger Lösung die Chance, einen der ausgesetzten Preise zu erhalten. Es werden verteilt:
ein 1. Preis zu 100.— DM ein 2. Preis zu 75.— DM ein 3. Preis zu 50.— DM elf 4. Preise zu je 25.— DM
dazu als Sachprämien eine größere Anzahl Filmbücher. Auf 'Wunsch wird jedem Teilnehmer eine Sammelmappe für die einzelnen Folgen des Film-Forums zugestellt. Die Namen der Preisträger werden Mitte Dezember veröffentlicht werden. Ihre Auflösung also noch heute an das
DARMSTÄDTER TAGBLATT Darmstadt, Rheinstraße 23
Ein neues. Kunstzentrum
„DER LIMES“, EINE VEREINIGUNG ODENWÄLDER KÜNSTLER, STELLT AUS
Es ist symptomatisch für unsere Zeit, daß sich unter den Aspekten dieser nicht unbeträchtlichen Völkerwanderung der letzten fünf Jahre an vielen Punkten des westdeutschen Raums kleine Kulturzentren bildeten. . Wenn es auch nur Gruppen sind, die kaum 10 Künstler umfassen, so sieht man doch einen Willen, der sich unter einem ganz bestimmten Stempel offenbart.
Erbach hatte sich in ein Nebelkleid gehüllt, und der späte Herbst mit seinen blattlosen Bäumen ließ es zu, die Augen wandern zu lassen in alle geheimnisvollen Ecken und Winkel dieses verwunschenen, ehrwürdig alten Städtleins. Kultur und Kunst an jeder Ecke, zeitlos schön. Fürsten und Adelsherren, großzügige und weitsichtige Repräsentanten des Hofs prägten dies Gesicht, und manche kleine Renaissance manifestierte sich hier. Ein schöner Auftakt zu dem Besuch der ersten wesentlichen Kunstausstellung in Erbach nach dem Kriege.
Unter dem Vorsitz von Direktor Albrecht G 1 en z , gleichzeitig Chef der Erbacher Elfenbeinschnitzschule, zeigen 15 Künstler, alle irgendwie zu Erbach gehörig, ihren Weg unter dem Siegel „Der Limes“.
Ein erfreulicher Anblick bietet sich beim Betreten des alten Rathaussaales. Einem intimen Kabinett gleich entfaltet sich diese Bildschau, man wird sympathisch berührt, daß hier Künstler, Kunsthandwerker und die Stadt sich ergänzen in Unvoreingenommenheit. Doch über diesen Rahmen hinaus wirkt das entfaltete Kunstwerk der Beteiligten.
Direktor Albrecht Glenz, selbst mit acht Arbeiten vertreten, zeigt u. a. ein schönes Knabenbildnis voll anmutigem Reiz, eine tiefe Sicht in das Problem der frühen deutschen Plastik. Als markante Eckpfeiler und überzeugende Stützen geben Hermann Tom ad a und Heinz-Otto Müller dieser Schau ein überdurchschnittliches Gepräge. Hermann Tomada überrascht als Maler wie als Bildhauer. Statuarisch konzentriert wirken diese kleinen Plastiken, ein beredtes Zeugnis ursprünglicher Begabung. Seine Malerei steht der Plastik nicht nach, saftig und frisch hauptsächlich auf die drei Grundfarben gestellt, mit einfachen Themen, lassen einen ernsten, sehr bescheidenen Künstler erkennen, von dem noch viel zu erwarten ist. Heinz-Otto Müller, anspruchsvoller im Thema, vollzieht mit seinen abstrakten Kompositionen in Schwarz und Blau eine Säuberung an sich, die von großer Bedeutung ist. Die dämonische Maske in dieser Bildserie weist tief in sein persönliches Problem. Müller hat die schönen Anzeichen, neben der Farbe auch eine glückliche Formaussage zu besitzen.
Oswald Ammersbach ist ein Maler, der seine Aufgabe kennt. Aus vielen Ausstellungen bekannt und auch hier vertreten, sind seine Bilder mit der feinen Musik der Farbe einer spätimpressionistischen Stimmung. Besonders schön sind seine Landschaften. Helene Röhrig bringt drei fraulich empfundene Porträtplastiken. Die zeichnerischen Beiträge von Prof. Franz Neudlinger sind in der Wahl in diesem Zusammenhang nicht sehr glücklich. Sein Oelbild wirkt sympathischer.
Neben der Malerei und Plastik kommt auch das Kunsthandwerk zur Sprache. Ursula Przygodda überrascht mit einem dickbauchigen Krug mit schmalem Hals. Hier ist echtes Material- und Formempfinden sichtbar. Einige Elfenbeinplastiken sind von hohem Materialreiz, einer Struktur, die nur das Elfenbein besitzt. Durch die überragenden Arbeiten kommen andere weniger zur Sprache. Dies ist für die Gruppe „Der Limes“ jedoch kein Problem, denn in diesem aufgeschlossenen Kreise wachsen die Kräfte aneinander, und darin liegt auf die Dauer die fruchtbare Spannung.
Oberregienungsrat Henrich sprach sich in zustimmenden, herzlichen Sätzen über das Zustandekommen dieser Ausstellung aus. Im Auftrage des Landrats ließ es sich Regierungsrat Zörgiebel eine angenehme Aufgabe und Verpflichtung sein, den Künstlern, die besonders heute große Not leiden, zu helfen.
Von besonderer Einfühlung und Beteiligung war die feine Rede von Dr. Max Herchenröder. Dem Redner gelang es, in knappen, jedoch tiefschürfenden Sätzen eine Verbindung zwischen interessierten Betrachtern und dem schaffenden Künstler herzustellen. Eine zwanglose Diskussion schloß sich an, die sicher manchem Besucher ein schönes Erlebnis bleiben wird.
Die Ausstellung ist vom 25. November bis 10. Dezember im Rathaussaal der Stadt Erbach täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet., er.
Vorlesungen an der Technischen Hochschule
Auch im laufenden Wintersemester werden an der Technischen Hochschule Darmstadt Vorlesungen über Themen gehalten, die eine breitere Oeffentlichkeit interessieren werden. Es handelt sich dabei um folgende Vorlesungen, über deren Termine die Technische Hochschule jederzeit Auskunft erteilt:
CL LVllb. Generalkonsul a. D. Karl August Balser: „Geschichte der Beziehungen Europas zu Ostasien aus der Sicht der Gegenwart“.
Professor Dr. H. G. Evers: „Albrecht Dürer, Leben und Werk“.
Patentanwalt Dipl.-Ing. Hans-Gerhard Heine: „Patent- und Gebrauchsmusterschutzwesen“.
Professor Dr. Friedrich Noack: „Stimmbildung und Stilschulung für Redner“, „Geschichte der Klaviermusik“. Privatdozent Dr. Josef Kunz: „Goethes Faust, I. Teil und Interpretation“.
Fremdsprachliche Kurse werden abgehalten für Englisch (Dr. Paterna), Französisch (Dr. Heyd), Italienisch (Dr. Biagioni), Spanisch (Alfonso Führer-Lozano), Russisch (Dr. Leontovitsch).
Rolf Müller: Immaterielle Figuren Rolf Müller stellt zur Zeit im Frankfurter Kunstkabinett Hanna Becker vom Rath aus. Wir verweisen auf den Artikel „Vom Abbild zum Sinnbild“ in unserer Ausgabe vom 15. November.
Ta- Te- Ti- Tu- „Topsy“
EINE URAUFFÜHRUNG IM WIESBADENER STAATSTHEATER
Die Idee, eine Antithese zwischen äußerlichem Glanz, seelenlosem Schein und urwüchsiger Intuition, Dämonie des Primitiv-Schöpferischen zu schaffen, stammt von Sonja Korty. Quacksalber des Dialogs war Fred Schmitz, der das hintergründige Thema in der Tänzerin Kolombine als Attraktion der kalten und unechten Bühnenwelt und in ihrer Neger-Dienerin als der echt empfindenden, aber durch ihre Natur in der Irrealität gebundenen Kunstseele in der Sprache des Zweigroschen-Romans zur Darstellung bringt. Die Sprachverrenkungen, die sich Fred Schmitz leistet, sind nicht etwa dadaistische Reminiszenzen, sie sind schauerlichste Fraktur, dazu noch voller Sentimentalitäten, und gefährden das ganze Stück. Retter des Spiels ist Hermann Reutter, der eine leuchtende und gewandte Partitur geschrieben hat. Der dramaturgische Rahmen erinnert an die Technik Brecht-Weil, einbezogen wird noch Tanz und Pantomime. Im Sinne Brechts versimplifiziert der Regisseur Heinrich Altmann das Bühnenbild und die Führung der Personen auf den Stil der „neuen Sachlichkeit“, arbeitet mit projiziertem Schattenspiel und weist so recht eindeutig auf die Idee der Antithese hin. Ein Erfolg blieb ihm versagt, weil die künstlerische Befähigung der Darsteller nicht ausreichte.
Anneliese Stammer a. G. tanzt die unechten Wandlungen des Weibes Kolombine wirklich unecht und dazu nicht sicher. Die Negerin Topsy wird von Sonja Korty selbst darstellt. Dadurch wäre es beinahe zu einer Katastrophe gekommen. Robert Kleinert hat als ihr Mann Tom die Sentimentalität der Sprache und der Handlung zu bekämpfen und bis auf einige Ausnahmen gelingt es ihm leidlich. Zwei amerikanische Manager, die Attraktionen anstatt echte Kunst suchen, werden von Wilhelm Leitner und Georg Stern gesungen. Einige Bi-Ba-Bu-Negerkinder und ein Harlekin sind auch noch zu sehen.
Karl Maria Zwissler dirigierte Hermann Reutters Musik glänzend. Der Komponist begibt sich in diesem Stück persönlich auf neue Pfade. Das Negro-Spiritual stellt die Thematik, die in einem reichen Variationenkranz eine europäischepische Abwandlung erfährt. Mit Maß wird hier neuen rhythmischen und klangliehen Reizen nachgegangen, ohne daß Reutter seiner episch-lyrischen Begabung entsagt hätte. So blieb der Komponist eigentlich der einzige, der Sinn und Inhalt der Idee zum Ausdruck brachte und auch das rein „spielerische“ Moment wahrte. G. I.
Notizen
Kammersänger Joachim Sattler sang in GenVßelgien in drei Vorstellungen die Titelpartie in „Siegfried“. Vor ausverkauftem Haus wurde dieses Gastspiel ein voller Erfolg für Sattler, der demnächst in Belgien auch den „Tristan“ singen wird. DT.
Der amerikanische Dichter und Nobelpreis¬ träger William Faulkner verdankt seinen Namen einem Druckfehler. Nach seinem Paß heißt er Falkner, als jedoch das erste Buch von ihm erschien, hatte sich ein „u“ eingeschlichen. Da die ganze Auflage bereits ausgedruckt war, verzichtete der Autor auf eine Aenderung und behielt statt dessen auch für die Zukunft den veränderten Namen bei.
Mit dem ersten Kunstpreis der Stadt Wup¬ pertal, der alljährlich in einer Gesamthöhe von 5000 DM für Literatur, Musik und bildende Kunst verliehen werden kann, ist für das Jahr 1950 der in Wuppertal lebende Schriftsteller Dr. phil. Gerhard Nebel ausgezeichnet worden. Die festliche Verleihung des Preises erfolgt am 2. Dezember. Der 1903 in Dessau geborene Schriftsteller studierte Philosophie, klassische Philologie und Theologie. Stark beeindruckten ihn Heidegger und’ Jaspers. Nach wissenschaftlichen Veröffentlichungen erschien 1939 sein erstes Buch „Feuer und Wasser“. Nach dem Krieg veröffentlichte Nebel die Werke „Griechischer Ursprung“, „Bei den nördlichen Hesperiden“, „An der Mosel“, „Tyrannis und Freiheit“, „Ernst Jünger“ und „Unter Partisanen und Kreuzfahrern“.
Als der italienische Maler Salvador Dali in Neuyork eintraf, sagte er Journalisten, daß er seinen bisherigen surrealistischen Stil aufgeben werde. Eine Unterredung mit dem Papst in Rom habe ihn überzeugt, daß die Kunst andere Ziele haben müsse. Er werde auch auf seinem neuesten Bild „Die Jungfrau mit dem Kinde“ einige Aenderungen vornehmen und zum Beispiel das große Ei, das hinter dem Kopf Marias sichtbar werde, entfernen.
Das Andenken Rainer Maria Rilkes, dessen 75. Geburtstag auf den 4. Dezember 1950 fällt wird am 13. April 1951 durch eine Konferenz der deutschen Literaturabteilungen amerikanischer Universitäten geehrt werden. Die Konferenz wird in der Bradley-Universität in Peoria (Illinois) stattfinden.
Der Maler Ludwig Straub
ZUR AUSSTELLUNG SEINER WERKE IN LANGEN
Am Sonntagmorgen wurde in I.angen im Realgymnasium die Ausstellung des Malers Ludwig Straub eröffnet.
Am 22. November 1905 wurde Ludwig Straub in Mannheim geboren. Nach der Schulzeit folgte die Maler- und Weißbinderlehre im Geschäft seines Vaters. Bis dahin verlief sein Leben ruhig und ohne jede Spannung. Straub, von Natur aus lebensfroh, doch nicht ohne die Aspekte tiefer Empfindungen, beginnt mit seinem 18. Lebensjahre sich völlig frei zu entfalten und die Schuhe jener späten Globetrotter anzuziehen, die nichts von den Vorteilen der zivilisierten Welt kannten — er wanderte: Durch Bayern über die Alpen nach Italien. Rom hielt ihn ein dreiviertel Jahr fest. Wie immer war ihm der Zufall hold, und der Mensch wird sein Freund.
Es liegt in seinem Wesen, daß jeder ihn gern hat, noch mehr, ihn zum Freund haben möchte. Kleine Regengüsse im Schicksal dieses Menschenfreundes wurden und werden immer mit seiner Lebensfreude überwunden. Das nächste Ziel ist Spanien, die Kunstschule in Barcelona nahm ihn auf, und unter der Leitung des großen Aquarellisten Baices studierte er längere Zeit. Die Sehnsucht in die Weite, jener kosmopolitische Grundzug seines Wesens erfüllte sich dann bei seiner großen Weltreise, wo er über den Balkan, die Türkei, Afrika, Indien, Sumatra, China, Japan nach dreijähriger Abwesenheit zurückkehrte. Es ist symptomatisch für seine Existenz, daß dieser der Sonne zugewandte, fröhliche Mensch von seinen Reisen die reine Schönheit des direkten Erlebnisses mitbringt. Hierin erfüllt sich seine Künstleraufgabe. Tiefschichtige Spannungen sind ihm fremd. Er ist ein Mensch des Auges, und das irisierende Licht, welches sich auf seiner Netzhaut bricht, erfüllt sein Dasein. Hierin ist er echt und von einer oft wunderschönen Aussage.
Seine Bilder, die nun in einer Sonderschau in Langen zu sehen sind, zeigen sehr deutlich, wie sicher und klar sieh Straub auf seine Welt festgelegt hat. Seine Ansichten: ich darf nichts erzwingen, alles muß langsam wachsen, sind für seine Bilder kennzeichnend. Während ein Großteil seiner Kollegen um das Geheimnis hinter den Dingen kämpft, verläßt sich Straub nur auf seinen Instinkt.
Etwas von Sehnsucht und echter Melancholie schaffen bei ihm ein seltsames Fluidum. Der Grundton ist dann Traurigkeit, eine ahnungsvolle Zwiesprache von Picasso zurück in die Gärten Renoirs.
Die Ausstellung ist ein Produkt jüngerer Zeit. Landschaften mit reifen, gesunden Farben von der Bergstraße und Blumenstücke in tiefer Farbenglut sind eine Themen. Vereinzelt treten neuerdings Figurenbilder auf. Ein paar hervorragende Aktzeichnungen runden das Gesamtbild. Es wäre wünschenswert, diese schöne Ausstellung auch in Darmstadt sehen zu können. ER
Kulturfilm-Veranstaltungen
Dienstag, 28. November: Strafanstalt Darmstadt, 9, 10 Uhr; Wixhausen, Aumühle, 20 Uhr; Nieder-Ramstadt, Krankenhaus 20.15 Uhr.
Mittwoch, 29. November: Darmstadt, Schülerzeitung, Amerika-Haus, 17.30 Uhr; Darmstadt Volkshochschule, Techn. Hochschule 19.30 Uhr; Roßdorf, Ortsjugendausschuß, 19.45 Uhr.
Donnerstag, 30. November: Darmstadt, Frauenverband, Amerika-Haus, 20 Uhr; Ober-Modau, Filmabend, 20 Uhr; Darmstadt, Volkshochschule, Eleonorenschule, 19.30 Uhr. Samstag^ 2. Dezember: Pfungstadt, Heimatvertriebene, 20 Uhr.
Darmstadt und Umgebung
Lichter in der Nacht
Kä. Immer wieder muß es November werden, müssen Nebel die Straßen verhängen und Regen die Landschaft verdunkeln, ehe wir merken, wie sehr der Mensch doch des Lichtes und der Wärme bedarf. Einen Sommer lang sind wir gedankenlose Gäste der Sonne, gleichmütige Landstreicher durch laue Nächte und duftende Tage. Der Himmel bedeckt uns mit W-ärme, und belaubte Bäume nehmen uns in ihren erfrischenden Schatten. Wir pflücken reife Früchte aus den Zweigen und Blumen aus dem Gras. Inmitten üppiger Verschwendung von Duft und Farbe werden wir selbst zu Verschwendern, die sich dem Reichtum gelassen zuordnen, als sei er ein bleibender Teil.
Wenn aber dann die Schatten länger und die Tage kürzer werden, werden wir stückweise unseres Irrtums inne. Nicht Regen und fallendes Laub, als die autorisierten Statisten herbstlicher Melancholie, befallen uns mit Angst, sondern die Nacht, die immer mehr sich schwärzende Dunkelheit. Die Welt löscht aus, es ist als erblinden wir. Mensch und Tier und die ganze Vielfalt des Tages versinken in ihrem schwarzen Schoß, während wir allein mit unserem hallenden Schritt über das Pflaster gehen. Alles ist empfindlich. Die Fensterhöhlen der Ruinen drohen wie böse Augen, die Mauern scheinen auf uns zuzuschwanken. Vergeblich sucht der Fuß Halt und Richtung auf dem schlüpfrigen Pflaster. Aber auch auf den Feldwegen ist es nicht besser. Selbst lautlos geworden auf dem grundlosen Boden zwischen tropfenden Bäumen, eingehüllt in feuchte Nebelfetzen, wird jedes Rascheln im Laub, jeder Schatten auf der Böschung zu einer erschreckenden Begegnung.
Nichts ersehnen wir in diesem Augenblick grundloser Verlassenheit mehr als ein Licht, das uns den Weg erhellen, Richtung weisen und die Nähe von anderen Menschen verkünden könnte. Ein Schimmer schon, der zwischen den Latten eines Fensterladens hervorquillt, der helle Streifen aus einem Türspalt entspannt die Nerven des Nachtwanderers. Der Schritt richtet sich auf den fern aufglimmenden Schein der Straßenlaterne oder auf die erhellte Fensterbreite des ersten Hauses an der Landstraße. Mit vollkommener Erleichterung aber treten wir schließlich aus der Nacht über eine erleuchtete Türschwelle und wärmen die Hände über dem Feuer.
Die Not ist groß, derer die jetzt draußen sind. Und wenn wir auch heimkehren in den schützenden Kreis einer Lampe und in dem vertrauten Geviert unserer Stube wieder zur Ruhe kommen, so sind doch eben in diesem Augenblick noch viele unterwegs. Wir sollten sie nicht vergessen in der Nacht.
Die Winterhilfe
Zwischen dem 8. und 10. November gab das Sozialamt der Stadt die Winterhilfe aus, teils in Holz- und Kohlengutscheinen, teils in Barbeträgen, die für eine Person 20 Mark betragen und sich bis auf 60 Mark für fünf und mehr Berechtigte steigern. Neben den Fürsorgeempfängern werden auch Bedürftige mit gleich niedrigem Einkommen bedacht. Im ganzen sind bis jetzt 4300 Fälle bearbeitet worden, doch dürfte sich ihre Zahl noch um einige hundert steigern.
Besuch der Hygiene-Ausftellung
durch Biochemischen Verein
Durch die Ausstellung „Gesundes Leben“ führt am Sonntag Dr. med. Bruno Günther die Mitglieder des Biochemischen Vereins und des Naturheilvereins. Die Führung bewies eindringlich, wie nötig es ist, hygienische Fragen, die mit den Mitteln der Ausstellung einem großen Publikum gestellt werden, durch sachgemäße Erläuterungen beantworten und klären zu lassen.
In Verbindung mit der Volkshochschule veranstaltet die Gesellschaft für deutsche Sprache in nächster Zeit folgende Vortragsabende: Donnerstag, 30. November, spricht Literaturhistoriker Prof. Dr. Obenauer über „Matthias Claudius“; Freitag, 1. Dezember und Freitag, den 8. Dezember, gibt Prof. Dr. Hentze eine „Allgemeine Einführung in die Geschichte der chinesischen Kunst“; Dienstag, den 5. Dezember bringt Frau. Dr. Margarethe Dierks eine „Hinführung zu Rainer Maria pilke“ mit Lesung. Die Vorträge finden jeweils um 19.30 Uhr in der Technischen Hochschule, Raum 167, statt.
Die „Darcmstadt“ schwimmt
Eigener Funkbericht unseres zur ersten Ausfahrt des Fischdampfers „Darmstadt“ nach Bremerhaven entsandten HGR-Redaktionsmitgliedes über Norddeich-Radio
Gestern morgen gegen 11.30 Uhr lief der Fischdampfer „Darmstadt“ unter Führung von Kapitän Buss von Bremerhaven aus, um im Anschluß an die Uebergabe nach seinem Heimathafen Cuxhaven überführt zu werden. Als Vertreter der Stadt Darmstadt nahmen Bürgermeister Schröder, Dr. Dietrich, Herr Pfeifer und Dr. Holtzmann an der Fahrt teil. Die für 10 Uhr festgesetzte Auslaufzeit mußte wegen starken Nebels um eineinhalb Stunden verschoben werden.
„Im Augenblick der von Norddeich-Radio übermittelten Durchsage des Berichtes, um 15.45 Uhr befindet sich die „Darmstadt“ in Höhe des Weserfeuerschiffes, wo die Uebergabe durch Generaldirektor Kabe 1 a c von der Bremer Vulkan-Werft an Direktor F o r n e 1 von der „Nordsee“-Hochseefischerei AG. erfolgt. Direktor Fornel bedankte sich bei Direktor Kabelac für die ausgezeichnet ausgeführte Arbeit und die Ausstattung des Schiffes. Anschließend wurde die „Nordsee“-Flagge gehißt. Damit ging das Schiff in den Besitz der „Nordsee“ -Reederei über. Direktor Fornel sprach den besonderen Wunsch aus, daß das neue Schiff in Zukunft mit der Stadt Darmstadt eng verbunden sein möge. Bürgermeister Schröder gab seiner Freude darüber Ausdruck, an der Fahrt teilnehmen zu können und übermittelte der „Nordsee“-Reederei die besten Wünsche der Stadt Darmstadt.“
Gäste opferten den Fischen
Während des Gespräches herrschte auf hoher See Windstärke 5 bis 6. Einige der Mitreisenden hatten, so schilderte unser Redaktionsmitglied, ihrer Seetüchtigkeit mehr zugetraut, als ihrem Magen. Der Erfolg blieb nicht aus und „die Fische müssen ja auch leben“, habe ein alter Seebär gemeint. Er erzählte weiter, daß er bei dem Versuch, die Seekranken zu fotografieren, eine „Ladung“ auf die linke Anzugseite bekommen habe, die ihn hinwiederum veranlaßte, es den anderen gleichzutun und ebenfalls „die Fische zu füttern“. —
„Jetzt nimmt das Schiff neuen Kurs auf Cuxhaven“, so hörten wir von Bord. „Cuxhaven soll heute abend um 19 Uhr erreicht werden. Möven umkreisen die „Darmstadt“, als wollten sie ihr gleichfalls bei der ersten Fahrt Glück und reiche Beute wünschen. Bereits morgen soll die „Darmstadt“ ihren Heimathafen Cuxhaven verlassen, um mit 24 Mann Besatzung zum Fang in die nordischen Gewässer auszulaufen.“
Leitender Ingenieur aus Roßdorf
„Die ,Darmstadt1 ist ein 242 Brutto-Register-Tonnen großes Schiff und hat eine Ladefähigkeit von 5 500 Zentner. In ganz neuer Bauart wird der Fischdampfer mit Deutz - Diesel - Motoren angetrieben, die eine Leistung von 1 000 PS haben. Im Gegensatz zu anderen Dampfern, die mit Kohlen heizen und täglich 10 bis 12 Tonnen benötigen, hat die ,Darmstadt1 nur Dieselöl an Bord. Leitender Ingenieur des Schiffes ist Herr Adolf Sauter aus Roßdorf bei Darmstadt. Herr Sauter hat an der Technischen Hochschule Darmstadt studiert.“ K
Grüße an den Oberbürgermeister
Mit diesen Angaben über das Schiff war das Gespräch aus der Funkkabine der „Darmstadt“ mit unserer Redaktion in der Rheinstraße beendet und unser Redaktionsmitglied übergab den Hörer an Bürgermeister Schröder, der seiner Freude darüber Ausdruck gab, auf hoher See Zeuge der Uebergabe der „Darmstadt“ gewesen zu sein. „Ich freue mich besonders, daß es mir möglich war, im Namen der Stadt Darmstadt der Vulkan-Werft und der „Nordsee“-Hochseefischerei AG., meine Glückwünsche aussprechen zu können und ich wünsche Mannschaft und Kapitän eine frohe Fahrt.“
Trotz der bewegten See, so berichtete Bürgermeister Schröder, habe sich die Darmstädter Delegation gut gehalten. Besonders lobend erwähnte er die überaus herzliche Gastfreundschaft der „Nordsee“- Reederei, die zu erwidern Darmstadt sich anstrengen müsse. Bürgermeister Schröder schloß seinen Bericht von See mit einem Gruß an Oberbürgermeister Metzger, den wir sofort weitergeleitet haben. Sein besonderer Gruß galt den Lesern des „Darmstädter Tagblatts“, den wir hiermit gerne weitergeben.
Gröffnungsfeier der Adler-Apotheke
n_„ Eröffnungsfeier der Adler-Apotheke in der Wilhelminenstr., Ecke Adelungstr., Ahnten «estern Oberbürgermeister M e t z-Obermedizinalrat Dr. Strnad und f fnd’psanotheker D o n n a t h , Architekt Dr. S a m e s r e u \ h e r , Herr Schröder von der Deutschen Bausparkasse und Bauunternehmer Zimmer bei.
Nach der Begrüßung der Gaste sprach Dr. T e n n e r die Hoffnung aus, daß der Neu-Ln länger als 130 Jahre, wie sie die alte Apotheke Ecke Wilhelminenplatz und Hugelstraßeerlebt hat, erhalten bleiben möge.
In zwei Schaufenstern werden Leihgaben Km Staats- und Stadtarchivs gezeigt, so ein ^ndgeschriebenes Arznei- und Alchemiebuch aus dem 15., ein Arzneibuch aus dem 17 Jahrhundert und das Gesuch eines Apothekers an die Stadt, der 1629 einen Arbeits- und Verkaufsraum im Rathaus einnchten wollte. t-s
Heimkehrer noch immer arbeitslos
Eine Bitte des Arbeitsamtes: Helft ihre Hoffnungen erfüllen
Viele unserer Heimkehrer aus Gefangenschaft sind noch ohne Arbeit, obwohl vom Arbeitsamt bei Anforderungen von Arbeitskräften Heimkehrer ständig bevorzugt angeboten worden sind. Durch Gesetz wurde eine Heimkehrerausbildungsbeihilfe und eine besondere Regelung der Arbeitslosenunterstützung für Heimkehrer geschaffen. Diese gut gedachten und weitherzig gegebenen Unterstützungen bieten nur einen
unzureichenden Ersatz für Einkommen aus Beschäftigung. Die Sorge — wie werde ich meine Familie weiterhin durchbringen — wird zur seelischen Not durch lang andauernde Arbeitslosigkeit. Hoffnungslos und enttäuscht stehen sie, die Unmenschliches sehen und selbst ertragen mußten, nach oft sechsjähriger Abwesenheit von Heim und Heimat, in der Adventszeit. Mit Bitterkeit im Herzen oder tieftraurig denken die vielfach noch Ausgebombten oder Vertriebenen an die bevorstehenden Weihnachten ohne Arbeit.
Der Leiter des Arbeitsamtes Darmstadt wendet sich in diesen Tagen noch einmal besonders an die Betriebe mit der Bitte, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Die arbeitslosen Heimkehrer haben auf Anforderung des Arbeitsamts, jeder in seiner Art, den Verlauf ihres Lebens und ihren beruflichen Werdegang geschildert. Diese Unterlagen werden den Betrieben mit einem besonderen Schreiben oder auf Verlangen übersandt.
An diese, vom Arbeitsamt eingeleitete Aktion knüpfen sich Hoffnungen zahlreicher Familien. An alle Verantwortlichen in den Betrieben ergeht die Bitte:
„Helft, diese Hoffnungen erfüllen! Zündet den Enttäuschten eine Kerze an!“
Zoo-Direktor Dr. Grzimek erzählte
Der Wiederaufbau des Frankfurter Zoologischen Gartens
Unter großem Beifall konnte der Direktor des Frankfurter Zoos, Dr. Grzimek, seinen interessanten Vortrag in dem vollbesetzten Saal der Technischen Hochschule am Freitag beginnen.
Anknüpfend an seinen vorjährigen Bericht, machte er zu Beginn noch einmal auf die oft fälschliche Vorstellung von den Tieren in der Gefangenschaft aufmerksam. Die „Gefangenschaft“ der Tiere sei nicht so schlimm, da ein Tierpark ja nicht ein menschliches Gefängnis sei; und die so gepriesene „Freiheit“ der Tiere nicht so schön, da der Kampf untereinander und gegen die natürlichen Widrigkeiten meist übersehen werde.
Dr. Grzimek sprach dann insbesondere über den Wiederaufbau des 1945 so schwer getroffenen Frankfurter Zoos, der mit seinen, damals 20—30 Tieren, vor der Auflösung stand.
Um Mittel für die erforderlichen Bauten und die Beschaffung neuen Tiermaterials zu bekommen, ließ die Verwaltung das Gelände zu einem Vergnügungspark werden und den Zirkus seine Zelte dort aufschlagen. Nur so sei es möglich gewesen, langsam wieder zu beginnen. Der Tierimport war durch die seinerzeitige Devisensperre besonders erschwert. Die ersten Elefanten kamen vom Zirkus Krone, der sie aus Futtermangel nicht mehr halten konnte.
Dr. Grzimek meinte, es sei zwar eine sehr romantische und abenteuerliche, aber durchaus falsche Vorstellung, daß zoologische Gärten Tierfangexpeditionen in die Wildnis schickten. Das Material würde sich dadurch unheimlich verteuern. Heutzutage würden in Indien oder Afrika die Tiere durch einheimische Händler listenmäßig verkauft und zum Versand gebracht. Im Frankfurter Zoo, der auch das größte Vogelhaus des Westens hat, sind bereits wieder alle Tierarten vertreten.
Ein zum Abschluß vorgeführter Film, der von Michael Grzimek, dem Sohn des Zoo-Direktors, gedreht wurde, zeigte den Anwesenden den heute wieder Freude und Erholung spendenden Frankfurter Tierpark. Scg.
Darmstädter Landschaft
Vortrag im Verein „Alt-Darmstadt“
Die Kunsthistorikerin Fräulein Marie Fröhlich unterstrich ihre Ausführungen von Anfang an mit vielen, schönen Lichtbildern und ging dabei von dem Luisenplatz als dem Darmstädter Mittelpunkt aus. Von hier nach den einzelnen Himmelsrichtungen schauend, erlebten die „Alt-Darmstädter“ und ihre Gäste, die ja alle begeisterte Freunde unserer schönen Heimat sind, wie die Stadt sich allmählich bis an den Rand der Wälder ausdehnte. Die Ludwigshöhe, der Bismarckturm und viele andere uns wohlvertraute Punkte tauchten so im Lichtbild auf und zahlreiche Luftaufnahmen, aus denen ja die Struktur einer Landschaft wie von einer Riesenkarte klar abzulesen ist, unterstützten eindringlich das gesprochene Wort. Nach dem Gesamtüberblick ging Fräulein Fröhlich dazu über, besondere Einzelheiten durch die Widergabe von Bildern zu schildern, in denen Eugen Bracht, Professor Beyer und andere bekannte heimische Maler die Schönheiten unserer Landschaft erkannt, empfunden und festgehalten haben.
Trotz der großen Verluste durch den Krieg, die wir nur noch im Bild oder in der immer mehr verblassenden Erinnerung bewahren können, blieb uns die herrliche Umgebung der „Stadt im Wald“,
Grundstücke wechseln ihren Behtzer
Die Stadt erwirbt weiteres Altstadtgelände und überträgt eigenen Boden für Wohnungs- und Industriebauten
Wie seit geraumer Zeit in jeder Sitzung, werden auch am kommenden Donnerstag die Stadtverordneten dem Erwerb von Altgrundstücken zustimmen, die für die Sanierung dieses völlig zerstörten Gebietes benötigt werden. Der Kaufpreis für den Quadratmeter bewegt sich um neun (Hinkelsgasse), zehn (Langgasse) und fünfzehn Mark Große Ochsengasse).
Der folgenden Aufstellung der zu erwerbenden Grundstücke ist der Name ihrer letzten Besitzer beigefügt: Kleine Bachgasse 8: Althandlung Saul: Große Bachgasse 7: Privatier Keller, Karl Hammel-Goddelau; desgl. Nr. 9: Milchhandlung Weber; Hinkelsgasse 2: Magdalene Balzer; desgl. Nr. 8: Therese Schubert; Große Kaplaneigasse 35: Eisenbahnschaffner Fr. Schmuck; Kleine Kaplaneigasse 6: Dachdecker Menges; desgl. Nr. 7: Zuschneider Borell; desgl. Nr. 9: Dörner, Debus; Langgasse 11: Ensling, Dix; desgl. Nr. 12: Schlosser Keutz; desgl. Nr. 27: Anna M. K. Michel; Große Ochsengasse 3: Bäcker Koch; desgl. Nr. 13: Erbengemeinschaft Frank; Sackgasse 8: Sattler Kauck, Wwp.
Neben einem für die spätere Baulandumlegung benötigten Grundstück an der Seekatzstraße zum qm-Preis von 2,40 Mark (Erbengemeinschaft Sieben) sollen in städtischen Besitz übergeben die Trümmergrundstücke: Bleichstraße 36 (Bäcker Beck, Erben), dessen größerer Teil in die Straßenverbreiterung zur Kasinostraße fällt, Eschollbrücker Straße 4 (Wwe. Nungesser) qm-Preis 13 Mark und Roßdörfer Straße 15 (Eheleute Beeres). In der Begründung wird hervorgehoben, daß der Aufbau dieses Wohngebietes besonders gefördert werden müsse. Es sei auch der Erwerb der Nachbarhäuser 13 und 11 (Metzger Bechthold) vorgesehen. Bodenpreis: 9 Mark der Quadratmeter.
Aus dem städtischen Besitz ist vom Magistrat beantragt worden zu veräußern: Das Anwesen Rheinstraße 98 zum Preise von 20 Mark je qm zuzüglich 61 000 Mark für Gebäude an die Firma Porcher & Meffert, mit der vor zwei Jahren ein zwanzigjähriger Vertrag abgeschlossen worden war. Es handelt sich um vier Abschnitte eines Bauvorhabdhs, das wahrscheinlich mehr als eine Million kosten wird. An Stelle der erst vorgesehenen Ueberlassung im Erbbaurecht soll die Eigentumsübertragung treten.
Finanztechnische Gründe veranlaßten den Magistrat zu befürworten, daß dreizehn städtische Wohngrundstücke am Spessartring im Wert von 753 000 Mark dem Bauverein für Arbeiterwohnungen übertragen werden, um dessen Beleihungsfähigkeit für den Wohnungsbau auszunützen. Der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft des hessischen Handwerks soll das Trümmergrundstück Martinstraße 72 (früher S‘>-—?ttmann) zum Preis von 18 000 Mark erkauft werden, damit hier und auf den Anliegergrundstücken bald Wohnbauten erstellt werden. Schließlich ist noch beantragt, Bäcker Ihrig, Dieburger Straße 50, an der Lichtenbergstraße 106 qm Gelände abzutreten, um seine Bauabsichten zu fördern. P. D.
Flickbeutelkreis und Nähstube
Flickbeutelkreis und Nähstube, zwei der Nächstenhilfe zugetane Arbeitszweige des Nachbarschaftsheimes haben in der vergangenen Woche bei ihrem immer vergnügt verrichteten Werk noch zusätzlich einige frohe Stunden gehabt. Die Frauen des Flickbeutelkreises helfen berufstätigen Müttern und alleinstehenden Männern, ihre Wäsche in Ordnung halten. Frau Wenner leitet diese selbstlose Gemeinschaft, deren Fleiß vor allem Bedürftigen zugute kommt und nur durch spendenmäßige Beiträge vergütet wird. Die Nähstube, die an vier Tagen der Woche wirkt, berät Frauen in der Schneiderei-Handfertigkeit. Bei der Mitgliederversammlung des Nachbarschaftsheimes am Mittwoch werden einige Glanzstücke ausgestellt sein. Mit Blumen reich geschmückt ist gegenwärtig diese Nähstube, denn Fräulein Emmi Lorenz, die Beraterin, hatte ihren Geburtstag. Es galt ihr zu danken für die nimmermüde Art, die immer bereit ist, auf eine Million Fragen eine Million und eine Antwort zu geben. pd.
„kommunismus und orthodoxe kirche“
Letzter Vortrag der Evangelischen Akademie
In dem letzten Vortrag innerhalb einer Vortragsreihe für kirchliche Zeitfragen des Darmstädter Arbeitskreises der Evangelischen Akademie in Hessen und Nassau sprach im Pauluskirchensaal Dr. von Rautenfeld über den „Kommunismus und die orthodoxe Kirche — zur geistigen Problematik des Ostens“.
Der totale Staat und die orthodoxe Kirche stünden sich in Rußland als Todfeinde gegenüber. Um den Zwiespalt und die Macht der beiden Einflüsse zu verstehen, sei es nötig, von dem Menschenbild auszugehen, aus dem heraus der Kommunismus denkt. Der Kommunismus wäre von Westeuropa aus nach Rußland vorgedrungen, und sein Initator, Lenin, habe gehofft, daß sich die Weltrevolution über die ganze Erde ausbreite. Stalin dagegen glaube nicht an diese Kettenreaktion, sondern er lege Wert auf seine staatliche Macht, um zur rechten Zeit mit brutaler Gewalt den Anstoß zur Weltrevolution geben zu können. Bewundernswert wäre aber die Standfestigkeit, mit der beide dem Ziel einer Weltrevolution nachgingen.
Der philosophische Standpunkt des Kommunismus sei der dialektische Materialismus, nach dem der Mensch Endprodukt einer natürlichen Entwicklung ist, der seine Existenz nur sich selbst verdanke. Den Kommunismus zeichne eine vollendete Diesseitigkeit aus. Gerade in dieser pseudoreligiösen Tiefe der Weltanschauung liege die Gefahr des Kommunismus.
Die orthodoxe Kirche betrachte den Menschen als „Geschöpf“. Der geistige Mensch lebe in anderen Dimensionen als der Kommunismus glaube. Die „Kirche“ werde nicht als Vereinigung von Menschen betrachtet, sondern als Tat Gottes. Sie sei in diesem Sinne keine Institution, und darin liege ihre Kraft. Die Christenheit bestehe heute in Rußland noch, führte der Vortragende aus, und das russische Problem gehe jeden an. Letzten Endes bedeute die Freiheit von Gott das Ende dieser erstrebten Freiheit. -st-
Cherstädter Fußballer planen
schon jetzt für nächsten Juni
Einen harmonischen Verlauf nahm am Samstag die Mitgliederversammlung der Fußballabteilung „Germania 1911“ im Gasthaus „Zur Eisenbahn“.
Im Mittelpunkt der Aussprache standen die Vorbereitungen für die im nächsten Jahr am 8., 9. und 10. Juni geplante Feier des 40jährigen Bestehens mit einem Volksfest auf dem Waldsportplatz. Nach den Worten des 1. Vorsitzenden, Herrn Schuhmacher, soll das Fest sich sehen lassen können und in einer Aufmachung veranstaltet werden, wie sie Eberstadt seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Herr Schuhmacher ermunterte dann die alten Fußballer, die vor 40 Jahren noch wegen der Ausübung ihres geliebten Sportes verachtet wurden, sich so intensiv wie in jüngeren Jahren dafür einzusetzen, daß der Verein seine alte Konkurrenzfähigkeit wieder erlange. Der 2. Vorsitzende der Vereinigung, Herr Buttler, registrierte dann die für die verschiedenen Festausschüsse gewählten Mitglieder. t-s
Geflügelschau in Cberstadt
180 Eier muß sie legen
Der Eberstädter Geflügelzuchtverein veranstaltete am letzten Samstag und Sonntag in der Turnhalle seine seit der Gründung des Vereins größte Schau, auf der sich nahezu 350 Tiere präsentierten. Die Ausstellung stand unter Leitung von Zuchtwart Heinrich Kern. Dem Verein steht als 1. Vorsitzender Adam Daum, einer der bekanntesten Geflügelzüchter Deutschlands, vor.
Die Schiedsrichter Neubecker (Sprendlingen) und Weber (Weinheim) verteilten, die Tiere nach Farbe, Glanz und Figur beurteilend. 20 gestiftete Ehrenpreise und 21 Zuschlagspreise und erkannten die schneeweiße Lockentaube des Züchters Kern als bestes Tier der Schau an.
„Es ist wie ein Lotteriespiel, wenn wir unsere Tiere auf die Ausstellungen schikken“, erzählte Zuchtwart Kern, als er uns an rebhuhnfarbigen, goldschimmernden, silberglänzenden und grauen Hühnern, an sauber gewaschenen bis zu 18 Pfund schweren, weißen Hähnen vorüberführte. Ein Geflügelzüchter muß Idealist sein, und es gehört jahrelange Arbeit dazu und ein reiches Wissen, bis es gelingt, solche reinrassigen, prächtigen Tiere zu ziehen. Wenn eine Henne nicht mehr als 180 Eier im Jahr legt, hat es keinen Zweck, sie weiter zu züchten.
Von den Tauben waren auf der Ausstellung 17 Rassen vertreten. Daß auch schon die Jugend in der Geflügelzucht etwas leisten kann, zeigte die Schau von Hühnern und Tauben, die von Jungen im Alter von 12 bis 18 Jahren gezogen worden waren. Eine Tombola beschenkte viele Ausstellungsbesucher mit wertvollen Gewinnen. t-s
In der Stadt notierst
Obwohl „gesperrt für Fahrzeuge aller Art“, durchfuhr gestern morgen ein Personenwagen die August-Bebel-Straße in Arheilgen und stieß Ecke Frankfurter Straße mit einem Motorrad zusammen. Es entstand Sachschaden. Personen wurden nicht verletzt.
Eine Radfahrerin stürzte Ecke Frankfurter- und Schloßgartenstraße, als spielende Kinder einen Autoreifen den Herrngartenberg hinabrollen ließen, der auf die Straße geriet und gegen das Fahrrad stieß. Die Frau wurde durch den Fall leicht verletzt.
Wie wird das Wetter?
Noch trocken
Vorhersage: Am Dienstag nach Frühnebel zeitweise aufheiternd und trocken. Tagestemperaturen einige Grad über null, nachts leichter Frost. Schwache östliche bis südöstliche Winde.
Weitere Aussichten: Am Mittwoch mittags etwas milder, sonst wenig Änderung.
Wohin gehen wir heǔte?
Landestheater, Orangerie: 19 Uhr „Tannhäuser“.
Lichtspieltheater: Union: „Föhn an der Nordwand“; Thalia: „Duell mit dem Tod“; Belida: „Gasparone“; Palast: „Sheriff und Sträfling“; Hansa: „Liebespremiere“.
Amerikahaus: 19.30 Uhr Vortrag von Min.- Dir. Dr. Hugo Freund „Psychologie im Atom-Zeitalter“; 15—16.30 Uhr Musikprogramm; 14.30 und 17 Uhr Filmprogramm.
Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3a: 10—18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.
Kreis „Junge Familie“: 20 Uhr in St. Ludwig, Wilhelminenplatz 9, Privatdozent Dr. med. Gottlieb „Brennende Ehefragen“.
STARKENBURG
Die Glocken klingen wieder
Schaafheim. Zu Beginn des Festgottesdienstes aus Anlaß der Glockenweihe, die von Gesangsdarbietungen des Singkreises und der Schaafheimer Sängervereinigung umrahmt wurde, übermittelte Dekan Reichert die Grüße der Kirchenleitung. Pfarrer Kloß dankte allen, die zur Erwerbung der neuen Glocken beigetragen haben und erwähnte besonders Lehrer Sehnert, der den Entwurf zu den Glocken ausgearbeitet hatte.
Ein erhebender Augenblick war es, als auf Geheiß des Dekans die kleine, die Sakramentsglocke, zum ersten Male ihre Stimme ertönen ließ und Pfarrer Kloß den Glockenspruch sprach. Zu den vollen Klängen der großen Glocke, die den Toten des zweiten Weltkrieges geweiht ist. verlas Pfarrer Kloß die Namen der Gefallenen dieses Krieges und die der Toten des letzten Jahres.
Während der Posaunenchor auf dem reich geschmückten Friedhof Choräle blies, gedachte die Gemeinde an den Gräbern ihrer Toten. io.
Gedenkkreuz geweiht
Groß-Gerau. Am Totensonntag kam die evangelische Gemeinde im Anschluß an den Gottesdienst im Hofe der Notkirche zusammen, um an der Weihefeier für ein schmiedeeisernes Kreuz und eine Gedenktafel teilzunehmen, die an der Stirnwand der Vorhalle des Gotteshauses den Gefallenen beider Weltkriege zum Gedächtnis angebracht wurden. Pfarrer Schulze schloß in das Gedenken an die Gefallenen auch das an die Toten der Heimatvertriebenen ein, die in ferner Erde zurückgelassen werden mußten. Ein Vertreter des Kirchenrates nahm die Erinnerungszeichen in die Obhut der Pfarrgemeinde und legte einen Kranz nieder. Bürgermeister Dr. Lüdecke sprach im Namen der Stadtverwaltung. eng.
Conduras nach Frankfurt versetzt
Dieburg. Mr. Nicolaus E. Conduras, Resident-Officer des Latndkreises Dieburg, wurde mit sofortiger Wirkung als stellvertretender Distriktsoffizier nach Frankfurt/Main versetzt. Sein Nachfolger wurde bisher noch nicht benannt. +
Würdige Totengedenkfeier
Babenhausen. Die am Totensonntag auf dem Friedhof stattgefundene Gedenkfeier der Sport- und Kulturgemeinschaft rief bei der Bevölkerung rege Anteilnahme hervor. Vom Kirchplatz aus bewegten sich die Ortsvereine, an die sich Stadtverwaltung und Geistlichkeit beider Konfessionen anschloß, zum Friedhof.
Posaunenchor und Gesangverein „Eintracht 1878“ umrahmten die eindrucksvolle Feier, bei der Bürgermeister Melk einen Kranz niederlegte und der evangelische Pfarrer Walther sowie der katholische Kaplan Schubert sprachen. In ergreifenden Worten gedachte der Vorsitzende der SKG Adolf Zimmer all der namenlosen Toten der beulen Kriege. NB
Brwegtes Schaafheimer Forum
Diskussion über Sozialversicherung und Schulspeisung
Präsident Muhl eröffnete die stark besuchte letzte diesjährige Forumsversammlung und begrüßte neben der Presse auch den Vertreter des Resident Office Dieburg, Herrn Pfleger. Er dankte besonders Gewerkschaftssekretär Meyer (FDGB) für sein Erscheinen und erteilte ihm das Wort.
Nach einem Rückblick auf frühere Beihilfen und Unterstützungen der Gewerkschaften wies der Redner darauf hin, daß die jetzt satzungsmäßig festgelegte Krankenunterstützung nicht eingeklagt werden könne, sondern eine „Kanngewährung“ sei, wobei der Grund zu dieser Formulierung darin liege, daß die Möglichkeit zur Ausschüttung von Geldmitteln an die Mitglieder abhängig von der finanziellen Stärke der Gewerkschaft sei. Seit Kriegsende zahlten die Gewerkschaften allein 600 Millionen RM und DM Beihilfen an rund 18 000 Invaliden.
Zu „Selbstverwaltung der Sozialversicherungen“ gab der Redner einen umfassenden Ueberblick über die Entwicklung des Sozialwesens und betonte, daß die gegenwärtige Sozialgesetzgebung reformbedürftig sei und vor allem bezüglich der Altersrenten nicht den tatsächlichen Erfordernissen gerecht werde. Eine Gegenüberstellung der Ortskrankenkassen mit den Ersatz- und Betriebskassen sollte zeigen, daß letztere die besseren Risiken hätten, während die Ortskrankenkassen für die schlechten Risiken aufkommen müßten. Im Anchluß an das umfassende Referat klärte der Redner noch verschiedene Fragen in der Diskusson.
Im Vordergrund des zweiten Teiles „Reiner Tisch zum Jahresschluß“ standen Schaafheims Gemeinderatssitzungen, die durchweg nichtöffentlich abgehalten werden. Ein Vertreter der Presse äußerte nach Aufforderung, daß es in allen Gemeinden, die er besuche, nur „öffentliche“ Gemeinderatssitzungen gebe und lediglich persönlichen Anträgen ein nichtoffizieller Teil vorbehalten bliebe. Mit Heiterkeitsäußerungen wurde die Entschuldigung eines Gemeinderates aufgenommen, daß bei öffentlichen Sitzungen die „Gemeinderäte nicht so aus sich herauszugehen wagten“. Der Bürgermeister gab die bindende Zusage, daß es in Zukunft auch in Schaafheim nur noch öffentliche Gemeinderatssitzungen geben werde.
Ausgehend ^on dem Punkt „Schulspeisung“ kam es zu Erörterungen über die Arbeit des Elternbeirates. Mit Rücksicht darauf, daß diese Einrichtung bisher noch nicht bestätigt wurde und keine Lehrer anwesend waren, wurde vorgeschlagen, über die entstandenen Fragen bei Anwesenheit aller Beteiligten in einer nächsten Forumsveranstaltung zu sprechen. Trotz dieses Vorschlages kam es zu erregten, oft unsachlichen Debatten über den mittlerweile pensionierten Rektor Darmstädter.
Die Errichtung eines Wetterschutzes an der Kraftomnibushaltestelle zum Schutz der zahlreichen, nach auswärts fahrenden Arbeiter wurde von dem Bürgermeister aus finanziellen Gründen abgelehnt, io.
Beliebter Seelsorger scheidet
Schaafheim. Am Sonntag verabschiedete sich Pfarrer Kloß von seiner Gemeinde. Vor nunmehr vier Jahren war er als Nachfolger von Pfarrer B e h r i n - g e r in die Gemeinde gekommen. Schon bald erfreute er sich großer Beliebtheit in allen Kreisen der Bevölkerung, wo er sich besonders die Herzen der Jugend eroberte. Sein Fortgang, durch die Folgen eines Kriegsleidens bedingt, wurde durch Dekan Reichert der Gemeinde mit dem Hinweis bekanntgegeben, daß er eine neue, große Aufgabe übernehmen werde. 10.
Schiebungen mit Wählerstimmen
Heppenheim. Bei der Kontrolle der eingesandten ungültigen Stimmzettel der Landtagswahl durch den Kreiswahlausschuß Bergstraße wurden unter dem Paket der Gemeinde Waldmi che 1 - b ac h 20 gültige Stimmen der KPD gefunden, die unter einen ungültigen Schein geheftet und insgesamt als ungültig eingereicht waren. Die sofort vorgenommene Nachprüfung brachte keine Klarheit darüber, auf welche Ursache dieser Umstand zurückzuführen war, so daß das Gendarmerie-Kreiskommissariat eingeschaltet werden muß,te. Im Zuge mehrtägiger Vernehmungen der Angestellten und des Bürgermeisters konnte ebenfalls keine restlose Klarheit geschaffen werden. Es ergab sich lediglich, daß die einzureichenden ungültigen Stimmscheine offenbar aus Versehen falsch nummeriert und vernichtet worden waren und durch unbenutzte ersetzt werden sollten. Dabei sind — ebenfalls versehentlich — Stimmen der KPD für diesen Zweck herangezogen worden. Da darüberhinaus weitere 24 Stimmzettel der KPD, die aus dem 2. Wahllokal der Gemeinde stammten, zunächst verschwunden waren und erst später hinter einem Schrank aufgefunden wurden, ergaben sich mancherlei höchst unangenehme Aspekte. Fest steht, daß die Manipulationen erst nach dem protokollarischen Abschluß der Wahl, nachdem also die Stimmen ausgezählt, telefonisch und schriftlich dem Kreiswahlleiter gemeldet und von den örtlich Verantwortlichen durch Unterschrift bestätigt worden waren, vorgenommen worden sind. Gerüchte, wonach die Wahl als solche angefochten werden müsse, sind somit unzutreffend. Seitens des Kreiswahlleiters wurde, nachdem am Samstag die kriminalpolizeilichen Verhandlungen beendet werden konnten, Anzeige gegen Unbekannt erstattet. (-r)
„Fußballstiefel - ein gefährliches Werkzeug"
Gerichtliches Nachspiel zu einem Fußballspiel im Odenwald
Eine nicht alltägliche Gerichtsverhandlung rollte gestern in Darmstadt ab. Zur Debatte stand eine „Fußballholzerei“ im Odenwald, bei der es nicht ohne Beinbrüche abgegangen war.
Ist es schon selten, daß derartige Vorfälle vor die Strafverfolgungsbehörde kommen, so bekam dieser Prozeß dadurch noch eine besondere Note, daß die Richter, die in diesem gerichtlichen Nachspiel des Fußballkampfes Sandbach gegen Michelstadt als Schiedsrichter fungieren mußten, völlige „Fußbailaien“ waren. Zu Beginn dieses Jahres hatten die beiden oben erwähnten Mannschaften auf dem Sandbacher Sportplatz einen Fußballmeisterschaftskampf ausgetragen. Es fehlte bei der erregten Atmosphäre nicht an Rauhbeinigkeiten. Als der Michelstädter Stürmer Sch. einmal bedrohlich dem gegnerischen Heiligtum zustrebte, wurde er von einem Sandbacher Verteidiger derart „abgestoppt“, daß er kurz darauf mit einem dreifachen Beinbruch ins Krankenhaus gefahren werden mußte. Die Michelstädter erstatteten deshalb Strafanzeige gegen den Sandbacher Spieler.
So saß also gestern der 20jährige Gemeindeangestellte Heini B. aus Sandbach wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht.
Staatsanwalt Scharen fuhr gegen den heutigen Fußballsport und gegen den Angeklagten im besonderen eine schwere Kanone auf. Mit Recht, so sagte er, würden in letzter Zeit mehrfach derartige Vorkommnisse auf den Fußballfeldern an die Strafverfolgungsbehörden herangetragen. „Sie zeigen, wie gefährlich heute das Fußballspiel geworden ist“, rief er. Kein Spielsonntag vergehe ohne Schlägereien und Verletzte. Der Staatsanwalt machte dem Fußballverband den Vorwurf. er sei nicht in der Lage, derartige Uebergriffe einzudämmen. Aus diesem Grunde müßten jetzt die Strafverfolgungsbehörden einschreiten, um durch energische Strafen diese Exzesse abzustellen. Auf den Angeklagten zu sprechen kommend, beantragte er wegen vorsätzlicher Körperverletzung drei Monate Gefängnis. Der Staatsanwalt vertrat dabei die Auffassung, daß der 20jährige Sandbacher nicht im Kampfeseifer, sondern ganz bewußt den „Gegner außer Gefecht gesetzt“ und ihn mit Absicht verletzt habe. Zu der Körperverletzung — so meinte der Staatsanwalt — sei ein gefährliches Werkzeug benutzt worden. Als solches sah er den Fußballstiefel an.
Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. L a en g e , protestierte als Beauftragter des Fußballbundes scharf gegen die Vorwürfe des Staatsanwaltes. Der Fußballbund sei wohl in der Lage, in eigenem Hause selbst Ordnung zu schaffen. Bezüglich des Vorfalls in Sandbach erklärte er, der Angeklagte habe damals ohne irgendwelche strafbaren Absichten den Ball wegschlagen wollen. Es habe sich lediglich um einem im Kampfverlauf vorkommenden Zusammenstoß gehandelt. Für wichtig halte er, daß der Schiedsrichter damals keinerlei Veranlassung gesehen habe, schärfer einzugreifen. Aeußerungen wie die vom Staatsanwalt zitierten kamen leider auf jedem Spielfeld vor, sie seien aber nicht ernst gemeint. Der Angeklagte sei freizusprechen, was denn auch geschah.
Landgerichtsdirektor Forch führte in seiner Urteilsbegründung aus, es bestehe zwar der erhebliche Verdacht, daß der Angeklagte unkorrekt und aus Wut gehandelt hat, doch sei die Sachlage ungeklärt. Für eine vorsätzliche oder fahrlässige Körperverletzung fehle ein ausreichender Beweis. Er gab Heini den guten Rat, im Interesse seinei eigenen Person, seines Vereins und des Sporte in Zukunft mehr Disziplin zu wahren, damit derartige unschöne Dinge sich nicht wieder ereignen. ws^
Groß-Zimmern erringt erneut den Wanderpokal
Scharfe Richter bei der Kreisdressurprüfung für Schutzhunde / 282 Punkte für „Brutus von Pfingstbrünnchen“
Waren auch nur drei Ortsgruppen bei der Kreisdressurprüfung für Schutzhunde erschienen, so konnte doch bei allen Tierfreunden eine gute Leistungsarbeit festgestellt werden. Prüfungsleiter Bink er t, Groß-Zimmern, und Preisrichter F 1 ad t, Weinheim, legten hierbei strenge Maßstäbe an.
Mit der Ausrichtung der Prüfung war der Wanderpokalinhaber, „Schäferhundeverein Groß-Zimmern“, beauftragt worden. Die Ortsgruppen Münster, Groß-Zimmern und Dieburg hatten je drei ihrer besten Tiere zur Prüfung gestellt. In einer Ansprache zum Abschluß des Tages bezeichnete Preisrichter Fla d t die Nasenarbeit der Tiere als gut. Bei allen Hunden machte sich außerdem der gute Charakter in der Mannarbeit und des Gehorsams bemerkbar. Wiederum konnte der Zuchtverein Groß-Zimmern den Kreiswanderpokal mit einer Gesamtzahl von 765 Punkten erringen. Ihm folgten Dieburg mit 750 und Münster mit 720 Punkten. Als bestes Tier des Tages zeichnete sich „Brutus vom Pfingstbrünnchen“, Besitzer und Führer Adam Arnold, Dieburg, in der Nasenarbeit, Unterordnung und Mutprobe mit einer Gesamtzahl von 282 Punkten aus.
Die weiteren acht Nummern wurden wie folgt bewertet: Nr. 2 „Dolf vom Haus Manus“, B. u. F. Nik. Manus, Münster, 278 Punkte; Nr. 3 „Bärbel vom Teufelsplatz“, B. u. F. Georg Klemm, Groß-Zimmern, 224 P.; Nr. 4 „Asta vom Herrgottsbrunnen“. B. u. F. A. Bü k - ki n g u. Martin Hechler, Groß-Zimmern, 268 P.; Nr. 5 „Billa vom Haus Mohrhardt“, B. u. F. Karl Wieck, Dieburg, 239 P.; Nr. 6 „Bella vom Haus Manus“, B. u. F. Jakob Kreher, Münster, 233 P.; Nr. 7 „Egwin vom Goldgrundt“, B. u. F. Adam Weyrauch, Groß-Zimmern, 273 P.; Nr. 8 „Doris von der Steinhütte“, B. u. F, Adam, Arnold, Dieburg, 229 P.; Nr. 9 „Anni vom Christenborn“, B. u. F. Jak. Günther, Münster, 209 P. -gi-
zwischen gestern und heute
Zugunglück in Biblis
Gestern abend gegen 20.30 Uhr fuhr der aus Richtung Worms kommende Personenzug auf den auf Gleis fünf des Bibliser Bahnhofs stehenden Personenzug nach Mannheim auf. Durch den Zusammenprall entstand an den Stirnseiten beider Lokomotiven erhebliche Beschädigungen. In den letzten Wagen des Mannheimer Zuges gab es mehrere Verletzte.
Das Unglück ereignete sich wahrscheinlich infolge Ueberfahrens des nicht auf Einfahrt stehenden Signals, das wegen des zu dieser Zeit dichten Nebels wahrscheinlich nicht erkannt werden konnte, b. b.
Zuchthaus und Sicherungsverwahrung für rückfälligen Dieb
Darmstadt. Die zweite Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verurteilte in diesen Tagen des 47 jährigen, 22mal vorbestraften Bäcker Heinrich Mai aus Klein-Heubach wegen schweren Diebstahls zu zwei Jahren Zuchthaus. Außerdem bezeichnete ihn das Gericht als einen gefährlichen Gewohnheitsverbrecher und verhängte Sicherheitsverwahrung.
Aus einer Hofreite in Vielbrunn im Odenwald hatte er im Sommer 1950 160 DM gestohlen. Während der Abwesenheit der Bauern war er unbemerkt durch ein Fenster eingestiegen. Beim Verlassen des Anwesens wurde er jedoch entdeckt. Mit Dreschflegeln. Hacken und anderen Arbeitsgeräten gingen die alarmierten Bauern auf den Eindringling los. Ein Sachverständiger führte aus, der Angeklagte sei keineswegs geistesschwach, jedoch charakterlich abartig. wst
Einbruch bei vollem Licht
Waldmichelbach. Am vergangenen Samstag drangen zwischen 19 und 19.15 Uhr Diebe in das neben dem Lebensmittelgeschäft 0. gelegene Lager ein. das zugleich ein Schaufenster enthält, und stahlen bei erleuchtetem Fenster aus der Auslage Weine, Spirituosen und Tabakwaren im Werte von 100 DM. Als der Besitzer den Raum verschließen wollte und ihn unzugänglich fand — die Diebe hatten die Türe hinter sich offenbar abgeriegelt —, suchte er den Schlüssel im Laden. Diesen Augenblick benutzten die Eindringlinge, um sich zu entfernen, (-r)
Wedel contra Ritzert
Dieburg. Ein Disziplinarverfahren gegen den Landrat des Kreises Dieburg, Dipl.-Ing. Ritzert, und gegen seine eigene Person beantragte der zweite Kreisdeputierte Ludwig Wedel, Groß - Umstadt, wegen der von ihm gegen Landrat Ritzert erhobenen Beschuldigungen in bezug auf das Bauvorhaben des Landrats in Groß-Umstadt und der mißbräuchlichen Benutzung des Dienstwagens des Landratsamtes anläßlich der Wahlkampagne zur Landtagswahl. Wedel forderte, daß während der Untersuchungen der erste Kreisdeputierte, Amtsgerichtrat Dr. Werner Rothe, Reinheim, die Geschäfte des Landrates übernimmt. +
Opel bester Trinkmilchabnehmer
Groß-Gerau. Die Milchanlieferung im Kreis beträgt zur Zeit täglich 27 000 Liter und ist damit innerhalb von vier Wochen um 2000 Liter gefallen, wie die Marktstelle des Landwirtschaftsamtes berichtet. Der Trinkmilchverbrauch ist um 30 Prozent niedriger als im Oktober, so daß die Buttererzeugung auf gleicher Höhe gehalten werden konnte, obwohl die Anlieferung an Milch gesunken ist. Aus anderen Kreisen braucht keine Milch zugekauft zu werden, Butter jedoch wöchentlich noch etwa drei Tonnen. Der größte Abnehmer von Frischmilch sind die Opelwerke in Rüsselsheim. eng.
Roggen verfüttert?
Groß-Gerau. Nach Beendigung der Druschperiode entspricht Erkundigungen der Marktstelle des Landwirtschaftsamtes bei Mühlen, Genossenschaften und dem Handel des Kreises zufolge die Getreideanbietung nicht derjenigen, die man zur geichen Zeit in früheren Jahren beobachten konnte. Insbesondere ist der Roggen in den Mühlen sehr knapp. Es muß danach angenommen werden, daß die Roggenverfütterung bei weitem höher liegt als nach örtlichen Berichten anzunehmen ist. eng
Grenzgang der Gemeindeväter
Nieder-Ramstadt. Am Samstagnachmittag fanden sich die Gemeindevertreter zu dem schon lange geplanten Grenzgang zusammen. Ihr Weg führte sie in südlicher Richtung zur Gemarkungsgrenze, an der die Grenzsteine in den Tagen vorher geweißt worden waren. Uebers „Hollert“ und die „Finstere Hölle“ gelangten sie dann zur Chaussee nach Ober-Ramstadt. Von dort geht die Grenze mitten durch die Fabrik Wacker & Dörr zum, landschaftlich schönen Kaisersberg. Anschließend wurde die unregelmäßige Grenze zwischen Nieder-Ramstadt und Traisa in Augenschein genommen. Bei dem späteren geselligen Beisammensein im Restaurant Waidesruhe erwog man die Möglichkeiten einer Grenzregulierung. Oberbaurat v.d. L e y e n versprach, zur nächsten Gemeinderatssitzung einen Vorschlag auszuarbeiten. F.-L.
Kanarien zwitscherten um die Wette
Lorsch. Eine Prämiierung der gesanglich besten Jung-Kanarienvögel (Selbstzuchtklasse) führte der Verein für Kanarienzüchter und Vogelfreunde am Samstag im Schützenhof durch. Insgesamt waren 8 Stämme — je vier Vögel — im Wettbewerb. Den Ehrenpreis erhielt Alfons Schürzinger mit 309 Punkten zugesprochen. Der 1. Preis fiel an Georg No 11 e r mit 297 Punkten, 2. Preis Konrad Massoth mit 282 Punkten und 3. Preis Johann Rettig mit 273 Punkten. Preisrichter war Jakob Ziegler, Lampertheim. (bl)
Voll Temperament: „Der tolle Hund“
Ein voller Erfolg der Spielschar des Realgymnasiums Gernsheim mit Niebergalls Lokalposse
Im gut besetzten Saal des „Weißen Löwen“ in Biblis fand am Samstag die Premierenaufführung des „Tollen Hund“ durch die Spielschar des Realgymnasiums Gernsheim statt. Nibergall selbst hätte sich wohl kaum eine bessere Interpretation seines mit feinsinnigem Humor gewürzten Lustspiels gewünscht, wie sie hier durch die jungen Laienspieler dargeboten wurde.
Die schmissige Aufführung verrät die kundige Hand eines sicheren Regisseurs. Prof. Eberle hat wirklich alles aus seinen Schauspielern herausgeholt, die all ihr Bestes gaben. Voll Temperament und treffender Mimik war Leher L. Heckmanns bärbeißiger Metzgermeister Knibelius. Man spürte förmlich, daß die anderen Darsteller durch sein hervorragendes Spiel mitgerissen wurden. Die Rolle der Frau Knibelius durch die Schülerin Waltraud Lutz stand jedoch keineswegs zurück. Auch Marianne Hübsch (Bärbel Knibelius) und der Student Fritz von Helmut Huth wirkten überzeugend und trugen wesentlich zum Gelingen der Aufführung bei. Ebenso echt war der Nachtschatten Klaus-Dieter Schwantes in seiner Ueber-
heblichkeit. Fritzens Freundin Bienchen (Lieselotte Hohmann), deren Eltern (Felicitas Guthjahr, Franz Adler), Bärbels Freund (Richard Heuser) und besonders noch der jüngste Darsteller, Günter Lutz als Karlchen Knibelius verstanden sich richtig in ihre Rollen einzuleben und ließen die Spielschar zu einem Ensemble werden. Vergessen sei nicht die resolute Magd (Hiltrud Huth), die es meisterlich fertigbrachte, ihrem Lehrer-Metzger über den Mund zu fahren.
Prof. Eberle gebürt das Lob, mit sicherem Blick seine jungen Schauspieler an der richtigen Stelle eingesetzt zu haben. So war es nicht verwunderlich, daß die Aufführung zu einem vollen Erfolg wurde, und das dankbare Bibliser Publikum kargte nicht mit Beifall. Das Schülerorchester unter Werner Assel füllte die Pausen und sorgte für die unterhaltende Umrahmung.
In den nächsten 3 Wochen finden weitere Aufführungen des „Tollen Hundes“ in folgenden Heimatgemeinden der Schüler statt: heute in Goddelau, 2. Dezember in Lampertheim, 9. Dezember in Gernsheim, 10. Dezember in Groß-Rohrheim und am 16. Dezember in Biebesheim. Der Erlös all dieser Aufführungen ist für Neuanschaffungen, vor allem für den Ausbau der Schülerbibliothek, bestimmt. Ka.
Erfreuliche Jahresbilanz
Reinheim. Zahlreiche Mitglieder hatten sich am Samstagabend im Gasthaus „Zum Schwanen“ zur Hauptversammlung der Reinheimer Ortsgruppe des Odenwaldklubs eingefunden. Der 1. Vorsitzende, Baron vo n Wi 11 ic h , begrüßte die Mitglieder. Wanderfreund Fuchs gab den Bericht über die nächste Wanderung, die als Grenzgang mit dem Endziel Groß-Bieberau am nächsten Sonntag durchgeführt wird. Der Wanderplan für das kommende Jahr wurde einstimmig verabschiedet. Zur Erreichung des goldenen Ehrenzeichens sollen auch 1951 28 Punkte erforderlich sein.
Nach dem Tätigkeitsbericht für das Wanderjahr 1950 konnten 15 neue Mitglieder geworben werden. Insgesamt wurden 21 Wanderungen unternommen, bei denen 820 Wanderfreunde mitwanderten. Die Veranstaltungen des Odenwaldklubs erfreuten sich durchwegs eines guten Besuchs. Neben dem Dekorierungsfest fand ein „Odenwälder Heimatabend“ statt, außerdem wurde ein Lichtbildervortrag und ein Tanzabend geboten. An der 650-Jahrfeier war der Klub ebenfalls beteiligt. Den Wanderbericht gab Wanderwart Krapp. Nach Prüfung der Rechnungen wurde dem Kassier Holler Entlastung erteilt. Der Vorstand wurde in seiner Gesamtheit einstimmig wiedergewählt. Der zweite Vorsitzende wurde zum geschäftsführenden Vorsitzenden bestellt und in Anbetracht der vielfältigen Arbeit drei weitere Beisitzer zugezogen. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Baron von Willich (1. Vorsitzender), Friedrich Weber (geschäftsführender Vorsitzender), Hermann Holler (Rechner), Manfred Weber (Schriftführer), Willi Krapp (Wanderwart), Karl Bechthold (Jugendwart), Wilhelm Krapp (Heimatmuseum), Wilhelm W i tt i c h (Vergnügungsausschuß), Ph. Saul (Volkstanz), Marg. Riebel und Wilhelm Illert (Beisitzer). eb
Kleinere Beträge aus der Ladenkasse
stahlen in Groß-Bieberau zwei Schuljungen im Alter von 9 und 11 Jahren fortgesetzt bei einem Friseur. Am vergangenen Samstag wurden sie auf frischer Tat ertappt. Öh
Unsere Geburtstagskinder
86. Geburtstag. Frau Marg. Heinemann. Goddelau. Friedr.-Ebert-Str. 11.
80. Geburtstag. Herr Aloys Bayer, Werkmeister i. R.. Kailbach i. O.
74. Geburtstag. Frau Marg. Geyer, Nauheim, Hintergasse 9.
72. Geburtstag. Frau Berta Bauer, Worfelden. Oberdorf 4.
71. Geburtstag. Frau Johanna W a b r a , Wixhausen. Falltorstraße.
70. Geburtstag. Herr Friedrich Becht, Groß-Bieberau. Friedrich-Ebert-Straße.
„Zum Zeichen des Friedens läuten die Glocken“
Festliches Wochenende in Eppertshausen / Aus St. Valentius klingt wieder die „Silberglocke“
Nach acht Jahren wird nun wieder das neue Glockenspiel Gläubige zum Gottesdienst rufen. „Möge diese Anschaffung für Jahrhunderte sein, und mögen sie läuten zum Zeichen des Friedens bei Geburt und Sterben“, sagte Pfarrer Fleischmann in seiner Begrüßungsansprache.
Ein Meer von Fahnen und festlich geschmückte Häuser bildeten die Kulisse zu den Empfangsfeierlichkeiten am Samstagnachmittag. Mit Pfarrer Fleischmann, Bürgermeister Gr über und den Herren des Kirchenvorstandes pilgerte eine große Gläubigermenge zum Dorfeingang.
Dem feierlichen Zug durch die Dorfstraßen schloß sich eine Gedenkstunde vor dem Hauptportal der Kirche an. Nach einem Prolog der Schülerin Margot Bli c k h a n ergriff der Pfarrer das Wort und streifte noch einmal den tieferen Sinn des Geläutes. In einem Gemeinschaftschor unter Leitung von Heinz Röhrig brachten die Gesangvereine „Liederkranz - Frohsinn“ und „Germania 1890“: „Die Himmel rühmen“ zum Vortrag. Die musikalische Umrahmung lag in den Händen des MV Ober-Roden.
Der eigentliche Weihetag war der Sonntag. In dei' überfüllten Pfarrkirche wurde frühmorgens ein feierliches Levitenamt gelesen, das von Chorälen des Kirchensingkreises untermalt war. Der Vertreter des Mainzer Bischofs, Dekan 80ß aus Klein-Zimmern, segnete in der Nachmittagsandacht das neue Geläute ein. Tief ergriffen lauschte man der Verlesung der Inschriften, die zu Ehren von St. Sebastianus, St. Valentinus und der heiligen Mutter Gottes eingegossen wurden. Dank einem gütigen Spender kann nun auch wieder das .Silberglöckchen“ der 500 Jahre alten St.-Valentinus-Kapelle erklingen.
Zum Festausklang versammelte sich die Kirchengemeinde im Edersaal. Vorträge der beiden Gesangvereine, Volkslieder des Knabenchors und Beiträge des Mandolinenorchesters fanden den ungeteilten Beifall eines gefüllten Hauses.
Eigenheime für den Mittelstand
Pfungstadt. Am Samstag und Sonntag stellte im Gasthaus „Krone“ die GdF. Wüstenrot Modelle ihrer bekannten Eigenheime aus. In erster Linie zeigte man Pläne, die den Ansprüchen des kleinen und mittleren Sparers gerecht werden, das heißt Objekte zwischen 8000 und 14 000 DM. Aber auch Fotos, Zeichnungen und Pläne, die Aufbau, Wirkung und die Erfüllung praktischer Erfordernisse des Eigenheimes zeigten. Unter anderem konnten sich ernsthafte Interessenten in 48 preisgekrönte Architektenentwürfe vertiefen und sich so ohne Beeinflussung durch den Werber, von den Möglichkeiten, den eigenen Wünschen entsprechend, überzeugen.
Die Ausstellung diente nicht allein der Werbung neuer Bausparer, sondern sollte auch den Altsparern eine zwanglose Aussprache und Orientierung ermöglichen. See.
300 Tiere standen zur Schau
Groß-Gerau. Am Samstag wurde im großen Saale des Hotels „Adler“ eine zwei Tage dauernde Kleintierschau eröffnet, deren Veranstalter der Kaninchen- und Geflügelzuchtverein Hessen 39, Groß-Gerau war. Insgesamt waren 300 Tiere, darunter Kaninchen, Hühner, Enten, Gänse und Tauben ausgestellt. Die reichhaltige Schau war außerdem mit 81 Nummern des hessennassauischen Spezialklubs der Lohkaninchenzüchter beschickt, die das besondere Interesse der zahlreichen Freunde der Kleintierzucht erweckten. Die Leitung der Veranstaltung lag in Händen von Josef Rafalsky, die Führung und fachliche Erklärung hatte der Vorsitzende des Kaninchen- und Geflügelzuchtvereins, Heinrich, übernommen. Einen Anspruch auf Vollständigkeit konnte diese Schau besonders hinsichtlich der Geflügelabteilung noch nicht erheben, da die durch den Krieg entstandenen Lücken noch nicht ganz ausgeglichen werden konnten.
Den Christoph - Fassoth - Gedächtnis - Wanderpreis errang Karl Heinrich (Groß-Gerau), einen von der Feuerwehr Rhein-Main gestifteten Wanderpreis für die beste Leistung der 2. Klubschau erhielt der Züchter Rafalsky. Dieser wurde gleichzeitig Besitzer des Preises der Landwirtschaftskammer. kr
Vorträge im Pädagogischen Institut
Jugenheim. Im Education Service Center spricht heute um 18 Uhr im Rahmen des Winterprogramms der Volkshochschule Bergstraße Dr. Meyers über „Künstlerische Schriften (Antiqua und Gotik)“. Um 20 Uhr ist „Musizieren und Werkbetrachten: Variationen“ (Beispiele: As-dur-Sonate, V. Symphonie 2. Satz, Beethoven). Leitung Dr. Teuscher. Heute abend, 20 Uhr, ist im Gasthaus „Löwen“ in S e e h e i m der erste Vortrag der Volkshochschule. Es spricht der Landwirtschafts-Referent Mörsch von der Landwirtschaftsschule Darmstadt über das Thema „Die Lebewesen im Ackerboden.“ hl.
Was aǔch interessiert:
„Das amerikanische Volkslied“, ein Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Uebersetzung, wird am Donnerstag, um 20 Uhr im Education Service Center in Jugenheim geboten. Dazu Heimatlieder, Cowboysongs und Negro Spirituals gesungen vom kleinen Chor der Odenwaldschule. hl
In der Heppenheimer Stadthalle findet heute abend ein Schülervorspiel der Violinklasse Margarete Lettermann mit Liedern und Tänzen statt. *
Im starken Nebel verirrte sich am Sonntag ein 4jähriges Kind aus Hütte nfe Id. Erst in den späten Abendstunden fanden es Nachbarsleute auf der Viernheimer Waldstraße auf. el
Mit einer Rippenprellung kam ein Pkw.-Fahrer aus Worms davon, der am Ortsausgang von Lorsch ins Rutschen gekommen war und in eine seitwärts der Straße liegende Kiesgrube fuhr. Der Sachschaden ist erheblich, el
Von einem Motorradfahrer angefahren und erheblich verletzt wurde dieser Tage die 12jährige Schülerin Martha Weiß aus Biblis am Ortseingang von Bürstadt. Das Kind mußte in ein Lampertheimer Krankenhaus eingeliefert werden. Kb
Eine Gehirnerschütterung und mehrere Platzwunden am Kopf zog sich eine Einwohnerin von Rai-Breitenbach zu, als sie die Treppe hinunterstürzte. Sie mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. hm
An der gefährlichen Straßenkreuzung am „Deutschen Hof“ in Stockheim stieß ein aus Michelstadt kommender Lkw. mit einem in die Hauptstraße einbiegenden Personenwagen zusammen. Die linke Tür des Pkw. wurde stark beschädigt. -ch
Mit einem Knüppel gelang es dieser Tage dem Jagdaufseher Wilhelm Menges aus Hüttenthai, im Jagdrevier von Optiker Heimel aus Michelstadt ein kapitales Borstentier zur Strecke zu bringen. ih
Ein unbekannter Dieb stahl in einer der vergangenen Nächte aus dem Garten des Viehhändlers Arras, Pfaffen-Beerfurth Herrenhemden, Frauenunterwäsche, Frottiertücher, ein Frauenkleid und Kinderwäsche von der Leine.
Mehrere Rippen brach ein Bob - Städter Motorradfahrer auf der Heimfahrt vom Sportplatz Lorsch. el
Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einem Motorradfahrer kam es am Sonntagabend auf der Nibelungenstraße bei Lorsch. Es gab zwei Schwerverletzte, die nach Worms ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Auch der Sachschaden ist beträchtlich. el
Die Leiter der Jugendorganisationen dei' Gemeinde Lorsch beschlossen die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft. Als vorläufiger Vorsitzender wurde Kreisjugendpfleger Dix ke s bestimmt. b
Schulfachmänner an die Spitze
Eine Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Darmstadt. Ende vergangener Woche trafen sich Lehrerinnen und Lehrer des Landkreises Darmstadt zur Wahl des Kreislehrerausschusses. Der Wahlvorschlag, in dem die Zusammensetzung nach männlichen und weiblichen Lehrkräften, Jung- und Altlehrern, Flüchtlingslehrern und Konfessionen berücksichtigt war. sah zehn Bewerber und ebensoviele Stellvertreter vor. Er wurde mit großer Mehrheit angenommen. Das Amt des Vorsitzenden fiel an Rektor Trautmann. Nieder-Ramstadt, Stellvertreterin wurde Fräulein Schlick, Traisa.
In seinem Bericht über die von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Frankfurt abgehaltene Vertreter- Versammlung des Zweigverbandes Darmstadt. stellte Rektor Winkler, Pfungstadt, fest, daß die Lehrergehälter trotz erhöhter Lebenshaltungskosten auf dem Stand von 1927 stehen.
Für den verhinderten Regierungsschulrat Plewe berichtete der Vertreter des Landesverbandes Röm i g über die Arbeit der Gewerkschaft für Schule und Lehrerschaft. Er hob hervor, wie schwer besonders die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Kultusministerium war. Aus diesen Gründen müsse der Landesvei'band fordern.
daß an der Spitze des neuen Kultusministeriums Männer stünden, die Schulfachmänner seien, und zwar der Volksschule, in die 90 Prozent der
Jugend gehen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft werde Männer vorschlagen, die des Vertrauens der Lehrer sicher seien. hd
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Wixhausen. Die Ortsgruppe des Verbandes der Körperbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner hielt im Gasthaus „Zum Paradies“ eine Versammlung ab, bei der Herr Konrad, Pfungstadt, Mitglied des Kreisvorstandes, über das Thema „Das neue Bundesversorgungsgesetz“ sprach.
Pfungstadt. Bei dem Wettbewerb des Kreisjugendausschusses konnten drei Jugendliche der Gemeinde, Irmtraud Opper, Grit Hechler und Horst H e ttinger, Preise erringen. Sie traten am Montag einen s'echstägigen Ferienaufenthalt in Neckarsteinach an.
DIEBURG
Dieburg. Eine öffentliche Stadtratsitzung ist für Donnerstag, den 30. November, im Fechenbacher Schloß angesetzt.
Groß-Bieberau. Die Standesbeamten, ihre Stellvertreter und Sachbearbeiter hatten im Sitzungssaal des Landratsamtes in Dieburg eine Tagung. Die Herren Dippel und Haas vom Fachverband der Standesbeamten sprachen über wichtige Tagesfragen. GD.
Schaafheim. Dieser Tage fand im Ausstellungsraum des Kleintierzuchtvereins eine ausgezeichnete Schau statt. Einen besonderen Anziehungspunkt bildete die Tombola mit ihren wertvollen Gewinnen.
ERBACH
Haingrund. Der Gemeinderat hat für die Wahl als Schöffen- und Geschworene Johann Nikolaus Weih rauh, Stephan Brohm, Adam Greim 11, Franz Stapp, Peter Eckert und Leonhard 011 vorgeschlagen. BM
Rai-Breitenbach. Den neuesten pädagogischen Erfordernissen entsprechend wurde einer der Schulsäle mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Die Mittel hierzu hat zum größten Teil die Gemeinde zur Verfügung gestellt. Die Schule ihrerseits trug mit dem Erlös von Veranstaltungen einen Teil zur Finanzierung bei. -hm-
Wald-Amorbach. In der Büngermeisterei wurde ein zweiter Schulsaal eingerichtet. Das Amt des Bürgermeisters und des Gemeinderechners befindet sich nun im ersten Stock des Schulhauses. -hm-
BERGSTRASSE
Biblis. Die Kosten des Schulerweiterungsbaues, der im Frühjahr begonnen wurde, werden sich auf etwa 120 000 DM belaufen. Da es die Gemeinde abgelehnt hat, Steuern zu erhöhen, wird dieser Betrag bis auf 10000 DM Zuschuß durch den Kreis von der Gemeinde aufgebracht werden müssen. Ka.
Affolterbach. Die Diakonisse Martha Luise Friedrich von der Diakonissenanstalt „Bethanien“ wurde durch Pfarrer Schmidt als Gemeindeschwestei’ gewonnen. -L
Waldmichelbach. Der im Rahmen des Katholischen Männerwerks vorgesehene Vortrag über das christliche Arbeitsrecht wurde auf den 3. Dezember verlegt. +
Neckarsteinach. Auf der Gendarmeriestation wurde ein Damenfahrrad Marke „Hansa“ sichergestellt, das in der Zeit vom 5. bis 10. Oktober von einem Jugendlichen gestohlen wurde. Der Eigentümer konnte noch nicht ermittelt werden, -r
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Die für gestern abend angesetzte Aussprache zwischen der Stadtverwaltung und den Bewohnern der Siedlung wurde auf den 4. Dezember verlegt.
Groß-Gerau. Im Anschluß an den Sonntagsgottesdienst wurde ein schlichtes Gedenkkreuz für die Toten beider Kriege eingeweiht, das die ev. Kirchengemeinde errichten ließ. vr
Der SPORT
ASV Cham ist Tabellenführer
In der zweiten Südliga kam es wieder einmal anders, als man dachte
Der ASV Cham brachte das Kunststück fertig, als erste Gastmannschaft in Hof seit eineinhalb Jahren zu gewinnen, und zwar als die bessere, keineswegs die glücklichere Mannschaft, mag der Sieg auch mit 1:0 knapp ausgefallen sein. Nach 20 Minuten schoß Chams Linksaußen Giesen den alles entscheidenden Treffer, und nach der Pause spielten die Gäste wohl mit stark zurückgezogenen Verbindern, vergaßen aber nicht, im Angriff das Heil zu suchen. Ein weiterer Treffer blieb ihnen zwar versagt, aber Sieg, Punkte und Tabellenspitze gehörten am Ende ihnen.
Jahn Regensburg spielte daheim gegen den Letzten Tübingen ausgesprochen schlecht und kam mit Ach und Krach zu einem 2:0- Sieg (Hal)bz. 1:0 Blaimer, Ende 2:0 Schmidt).
In Böckingen knallte der Aschaffenburger Budion nach knapp 20 Minuten einen weiten Schuß scharf unter die Latte. Damit hatte die Lehner-GmbH, gewonnen. Denn die Platzherren waren nicht in der Lage, auch nur zum Ausgleich zu kommen.
Schlecht erging es dem Hessen-Altmeister Hessen Kassel, der in Bamberg 0:3 unter die Räder des dortigen 1. FC kam (Pause 0:0, nachher drei Treffer für Bamberg von Schröder und Greb (2). Der Kasseler Linksaußen Borg erhielt Platzverweis.
Arheilgen machte es wie so mancher groggy geschlagene Boxer: es legte seinen ganzen Punch in den Kampf gegen Pforzheim und schlug die Badener dergestalt 2:1 k. o. (Tore 0:1 Pforzheim au, 1:1 Lieb, 2:1 Kaut).
Die Ulmer, von denen man zu Beginn der Runde so große Stücke gehalten hatte, brauchten die Hilfe Fortunas, um aus Freiburg wenigstens einen Punkt mitzubringen (Tore: 0:1 Gaus, 1:1 Mokros, 1:2 Gaus (abseits), 2:2 Faber (Elfmeter).
Landesliga Hessen
Hermannia Kassel — Griesheim 02 2:2 VfL Biedenkopf — Union Niederrad 4:0 Hessen Lichtenau — Vfß Friedberg 1:1 VfL Kassel — Hessen HerSfeld 1:2 Bad Homburc 05—Olympia Lampertheim 1:2 Opel Rüsselsheim — VfL Marburg 7:1 FC Rödelheim — Eintracht Wetzlar 0:2 Borussia Fulda — Spielverein Kassel 5:2 FC Hanau 93 —SC 03 Kassel 4:1
Tabelle
Die Spiele am 5. Dezember
1. Liga Süd VfR Mannheim — Schwab. Augsburg (Sa) FSV Frankfurt — Schweinfurt 05 Darmstadt 98 — Bayern München Vfß Mühlburg — Kickers Offenbach BC Augsburg — Eintracht Frankfurt Snvcg Fürth —l. FC Nürnberg 1860 München—Vfß Stuttgart FC 04 Singen — SV Waldhof VfL Neckarau — SSV Reutlingen 2. Liga Süd
Viktoria Aschaffenburg —SG Arheilgen Hessen Kassel — Ravern Hof SV Wiesbaden — Union Böckingen
Jahn Regensburg — ASV Durlach Stuttgarter Kickers —l. FC Bamberg 1. FC Pforzheim — Ulm 1846 FC Freiburg — VfL Konstanz SV Tübingen —TSV Straubing ASV Cham — Wacker München
Hessische Landesliga
Spvgg. Griesh. 02 —Rot-Weiß Frankfurt Union Niederrad — Hermannia Kassel Vfß Friedberg — VfL Biedenkopf Hessen Bad Uersfeld — Hess. Lichtenau Olympia Lampertheim — VfL Kassel VfL Marburg — Spvgg. Bad Homburg Eintracht Wetzlar — Opel Rüsselsheim Spv. Kassel —l. FC Rödelheim SC Kassel 03 —Borussia Fulda Germania Bieber — Hanau 1893
| Borussia Fulda | |||||
| 14 10 | 2 | 2 | 41:14 | 22:6 | |
| Olvrnuia Lamperth. | |||||
| 14 | 8 | 5 | 1 | 24:13 | 21:7 |
| SC 03 Kassel | |||||
| 14 | 10 | 1 | 3 | 26:16 | 21:7 |
| Rot-Weiß Frankfurt | |||||
| 15 | 9 | 0 | 6 | 35:24 | 18:12 |
| Griesheim 02 | |||||
| 15 | 8 | 2 | 5 | 30:26 | 18:12 |
| FC Hanau 93 | |||||
| 13 | 7 | 3 | 3 | 32:21 | 17:9 |
| Hermannia Kassel | |||||
| 14 | 7 | 2 | 5 | 20:18 | 16:12 |
| Germania Bieber | |||||
| 14 | 8 | 0 | 6 | 20:20 | 16:12 |
| VfL Marburg | |||||
| 15 | 8 | 0 | 7 | 25:29 | 16:14 |
| Homburg 05 | |||||
| 14 | 7 | 1 | 6 | 36:27 | 15:13 |
| Union Niederrad | |||||
| 14 | 5 | 5 | 4 | 14:17 | 15:13 |
| FC Rödelheim | |||||
| 15 | 7 | 1 | 7 | 28:27 | 15:15 |
| Onel Rüsselsheim | |||||
| 14 | 5 | 4 | 5 | 32:27 | 14:14 |
| Eintracht Wetzlar | |||||
| 14 | 4 | 4 | 6 | 16:20 | 12:16 |
| Hessen Hersfeld | |||||
| 15 | 4 | 2 | 9 | 20:27 | 10:20 |
| VfL Biedenkopf | |||||
| 14 | 4 | 1 | 9 | 23:36 | 9:19 |
| Spielverein Kassel | |||||
| 15 | 3 | 3 | 9 | 19:28 | 9:21 |
| VfL Kassel | |||||
| 15 | 4 | 1 | 10 | 17:34 | 9:21 |
| Vfß Friedbere | |||||
| 15 | 2 | 4 | 9 | 21:24 | 8:22 |
| Hessen Lichtenau | |||||
| 15 | 2 | 3 | 10 | 18:49 | 7:23 |
Unser Tip für den Hessentoto
1 BC Augsburg — Eintracht Frankfurt 0 (1) 2 SV Darmstadt9B — Bayern München 1 (0) 3 1860 München — Vfß Stuttgart 1 (D 4 FSV Frankfurt — Schweinfurt 05 1 (0) 5 1 FC Nürnberg — Spvgg. Fürth 0 (1) 6 Spv. Rheydt — Fortuna Düsseldorf 2 (0) 7 SV Tübingen — TSV Straubing 2 (2) 81. FC Köln — Borussia Dortmund 1 (0) 9 Bremer SV — Eimsbüttel 0 (2) 10 FC Singen 04 —Waldh. Mannheim 1 (0) 11 VfL Neckarau —SSV Reutlingen 1 (1) 12 Vfß Mühlburg — Kickers Offenbach 0 (1) 13 SV Wiesbaden — Union Böckingen 1(D 14 KSV Hess. Kassel — Bayern Hof 1 (0)
An einem noch zu bestimmenden Ort in der Schweiz wird am 15. April 1951 der Fußball-Rückkampf zwischen der Schweiz und Deutschland ausgetragen.
Nach Feststellungen des Stuttgarter Tiefbau- und Gartenbauamtes beläuft sich der Gesamtschaden am Stuttgarter Neckarstadion auf 20 000 DM.
Pressestimmen
Kickers Offenbach—SV 98 Darmstadt
„Offenbach Post“: „Darmstadt 98 unterlag nach schwacher Leistung. Darmstadt war nicht der Gegner, der den Kickers alles abverlangte... Der Darmstädter Sturm war kein homogenes Gebilde. Alles war auf Einzelaktionen abgestimmt.“
„Die Neue Zeitung“, Frankfurt: „Die 8000 Zuschauer waren von den Leistungen des hessischen Oberliganeulings enttäuscht. .. die „Lilienelf“ präsentierte sich von Anfang an als recht harmloser Gegner Beste Darmstädter waren neben Müller im Tor Schmidtmer als Stopper und Leichtlein..
„Mannheimer Morgen“: „... Sage und schreibe 80 Minuten lang spielte man nur auf ein Tor... der Darmstädter Schlußmann Müller, der sehr schöne Paraden zeigte, aber auch von der launischen Fortuna nicht gerade stiefmütterlich behandelt wurde, schüttelte des öfteren ungläubig sein fast kahles Haupt... Darmstädter Klassestopper Schmidtmer...“
„Frankfurter Rundschau“: „... Mit einer derartigen Ueberlegenheit der Offenbacher hatte man nicht gerechnet... Die Darmstädter schienen unter Minderwertigkeitskomplexen zu leiden ... Mittelläufer Schmidtmer ..., einer der auffälligsten Spieler der Partie... “
„Sportbericht“, Stuttgart: „. . . Die Mannschaft enttäuschte. Sie ließ sich geradezu willenlos degradieren, ließ mit sich spielen, mit sich umspringen. Die Halbstürmer sah man nur in der Abwehr ... Schmidtmer war Darmstadts Abwehrzentrum, aufmerksam, mit gescheitem Stellungsspiel, gesundem Abschlag, aber auch mit viel Sinn für Aufbauspiel. Und Müller mit Nummer 1 war denn auch wirklich die .Nummer 1‘; er stand neunzig Minuten lang im Mittelpunkt des Geschehens, zeigte in allen Torwartbelangen anerkennenswertes Können. Abt tat sich an Kaufhold weh, Herder wie Leichtlein mußten sich auf die Devensive konzentrieren ..."
„Frankfurter Neue Presse“: „... Wäh¬ rend der Neuling an dem seifig glatten Platz scheiterte, fühlten sich die leichtfüßigen Kickers-Leute auf dem schlüpfrigen Boden in ihrem Element... Nach dem Wechsel sah es zunächst so aus, als ob die Darmstädter das Spielgeschehen an sich reißen würden ... Doch Bohmann hielt zu lange den Ball, und Reeg stritt sich mehr mit den Mitspielern herum, als daß er spielte... Die Darmstädter hatten in Torhüter Müller und Stopper Schmidtmer ihre Besten, während der Sturm zusammenhanglos operierte ... “
Handball-Nachlese vom Sonntag
TuS Griesheim—Mainz-Mombach 7:5 (4:3)
In dem Bewußtsein der Geborgenheit in der sicheren Tabellen-Mitte legten sich beide Mannschaften offensichtlich über weite Strecken des Spieles Reserven auf. Erst Mitte der zweiten Hälfte, als Griesheim einen energischen Zwischenspurt einlegte, zeigten beide Mannschaften, was in ihnen steckt. Griesheim erkannte erst jetzt, daß es die haarscharf deckende Hintermannschaft der Mombacher nur durch schnelle Ballabgabe und blitzschnelles Lösen vom Gegner überwinden konnte.
Es gelang, den Torvorsprung, den die Mainzer von der neunten Minute an hielten, aufzuholen und durch zwei schöne Feldtore von Lösch den Sieg für Griesheim sicherzustellen.
In der ersten Halbzeit zeigt Mombach, trotz leichter Feldüberlegenheit Griesheims, durch seine schnellen Halbstürmer ein produktiveres Stürmerspiel und führt zur Halbzeit verdient 4:3. Erst in der 18. Minute der zweiten Halbzeit gelingt Griesheim der Ausgleich und die beiden Tore, die den Sieg erbrachten.
Mombach stellte eine körperlich gute Elf, deren bester Teil die gesamte Hintermannschaft ist.
Bei Griesheim gefiel außer Torwart Zöller vor allem Lösch, der ein außerordentliches Arbeitspensum erledigte, sowie Weingärtner. Reserven: 10:5 für Mombach. WK.
Bezirksklasse Odenwald
Kirch-Brombach — Mörfelden 7:6 (4:4) (!) Fränk.-Crumbach — Groß-Bieberau 2:1 (1:0) Seeheim — Langen 5:8 (2:5) Reichelsheim — Eppertshausen 3:8 (3:4) Eine Sensation gab es in Kirch-Brombach, wo der Tabellenführer Mörfelden strauchelte. Wohl konnten die Gäste die erste Halbzeit offen halten, ja sogar in der 2. Halbzeit durch einen verwandelten 13-m-Ball in Führung gehen, mußten aber den stets einsatzbereiten Einheimischen im Endspurt Sieg und 2 wertvolle Punkte überlassen. Die Torschützen der siegreichen Platzelf: Kießer (5) und Rebscher (2).
In dem mit Spannung erwarteten „Odenwald-Derby“ in Fränk.-Crumbach kam die Platzelf wohl zu dem erwarteten Sieg, doch fiel dieser mit dem unwahrscheinlichen Fußballergebnis 2:1 äußerst knapp aus. Das Spiel war sehr schnell und hatte in Schiedsrichter Gebhardt (Ffm.-Sossenheim) einen aufmerksamen Spielleiter. Die Tore der Platzelf schossen Schnatz (1) und Briele (1).
Auch in Seeheim gab es eine Ueberraschung. denn der Neuling konnte auf eigenem Platz seinen Vorrundensieg (7:4) nicht wiederholen. Langen stellte eine routinierte Mannschaft, die auch beim Stande von 5:5 in der 2. Halbzeit die Nerven behielt, ja sogar im Endspurt die nervös wirkende Seeheimer Elf durch bessere Spieltaktik schlagen konnte.
Im Neuling-Treffen in Reichelsheim setzte sich wie erwartet Eppertshausen gegen die durch Spielersperre erheblich geschwächte einheimische Mannschaft durch. In der 1. Halbzeit konnte die Platzelf das Spielgeschehen noch ausgeglichen gestalten, mußte aber in der- 2. Halbzeit eine klare Niederlage hinnehmen. Das am 8. 10. ausgetragene Spiel Eppertshausen — Mörfelden (2:4) wurde wegen vorzeitigem Abpfeifen durch den SR vom Bezirksrechtsausschuß für ungültig erklärt, und neu angesetzt. Dadurch übernimmt Fränk.- Crumbach die Tabellenspitze.
Kreisklasse Dieburg
Gruppe I: Semd — Babenhausen 18:2 Schaafheim — Langstedt'Schlierbach II ausgef. TV Reinheim — Klein-Umstadt 13:6 Gruppe II: Münster Groß-Zimmern 5'7 Groß-Umstadt TS Ober-Roden 5-9 Nieder-Klingen Brensbach ausgef. SV 45 Reinheim Habitzheim 16:7
In einem fairen Spiel, das ohne jegliche Höhepunkte verlief, distanzierte der TV Reinheim Klein-Umstadt mit 13:6 ziemlich eindeutig. Für die Platzherren warfen Kihan. Helm. Wetterich und Wolf die Tore, wahrend die Tore der Gäste M. Heil durch seine Freiwürfe erzielte Einen Kantersieg Konnte die SKG Semd gegen Badenhausen erringen. Babenhausen trat allerdings nur mit neun Mann an. so daß es unter seinem Wert geschlagen wurde. In der Grunne II setzte der Tabellenführer Groß-Zimmern auch in Münster durch eßen knannen 7:5- Sieg seine Erfolgsserie fort, ohne jedoch seine gefährlichsten Rivalen Ober-Roden und SV 45 Reinheim abschütteln zu können, da beide ebenfalls sichere Siege zu verzeichnen hatten. In Groß-Umstadt behielt die Turnerschaft Ober-Roden mit 9:5 die Oberhand und ’ -nte mit diesem Sieg den Platzherren die erste Heimniederlage dieser Runde zufügen. Ueber dem Spiel des SV 45 Reinheim gegen Habitzheim lag ein. Nebelschleier, der es den Zuschauern nicht gestattete, von dem einen Tor an das andere zu blicken. Pfuhl, Krämer. Hörr. Knecht, Heinz und Stühlinger waren für die Platzherren, Mickler, Pfuhl und Stein für die Gäste erfolgreich.
Am Sonntagmorgen wurde im . .Frankfurter Hof“ in Groß-Umstadt von dem Kreisrechtsausschuß des Handballkreises Dieburg das abgebrochene Spiel Klein-Umstadt gegen Germania Babenhausen verhandelt. Beide Vereine erhielten je 30 DM Strafe und müssen zu gleichen Teilen die Kosten des Verfahrens tragen. Das Sniel selbst wird unter Kreisaufsicht in Klein-Umstadt wiederholt. Die beiden in diesem Spiel herausgestellten Spieler von Babenhausen wurden mit 2 Monaten bzw. 3 Wochen Sperre belegt. _ff_
Kreisklasse Bergstraße
Kreidach — Heppenheim 2:14, Zell geeen Kirschhausen 17:21, Krumbach — Einhausen 13:5, Siedelsbrunn — Auerbach 5:15 Ober-Mumbach — Frbach 12:4.
Am Kreidacher Berg entwickelte sich ein flottes Spiel, bei dem der Tabellenführer so eindeutig überlegen war. daß das Ergebnis den Platzherren eigentlich noch schmeichelt. Dem Tabellenzweiten Kirschhausen wäre es in Zell beinahe bös ergangen, da er dort auf unerwartet harten Widerstand stieß. Da zudem ein Gästespieler längere Zeit pausieren mußte, sah man sich vor allem Mitte der zweiten Halbzeit häufig in Kirschhausens Strafraum versammelt — Krumbach fertigte die sich zäh verteidigenden Riedgäste aus Einhausen durch überlegene Schnelligkeit und bemerkenswerte Wurfgenau! "keif verdient 13:5 ab. — Siedelsbrunn, das sich aus dem Heimspie] gegen Auerbach wenigstens einen Teilerfolg versprochen hatte, konnte mit seinem 40 iährigen Ersatztorwart keine Bäume ausreißen und verlor, dem Eeldsnieteeschehen nach zwar unnötig hoch, aber insgesamt doch verdient. — Ober-Mumbach snielte zwar verhalten, kam aber gegen den Tabellenletzten Erbach zn einem klaren Sieg, der vor allem auf das Konto des verjüngten Innensturmes geht. (ni)
Die Kreisklassen melden ihre Herbstmeister
TSG 46 Darmstadt, Nieder-Roden, Gernsheim, Sandbach und Aschbach gingen als Halbzeitsieger durchs Ziel
Grafenhausen wieder geschlagen
Nieder-Ramstadt konnte daheim Gräfenhausen mit 4:2 besiegen. Die Einheimischen waren vom Anstoß weg gefährlich und brachten dies auch durch Tore von Thum (2) und Poschmann (2) zum Ausdruck. Erst dann rafften sich die fair kämpfenden Gräfenhäuser auf und konnten durch Schmidt (Handelfnieter) und Jost 2 Tore aufholen.
Im zweiten Spiel begegneten sich Hähnlein und SSG Langen. Es war ein schnelles Spiel, bei dem die Einheimischen bis zur Pause durch Tore von Flauaus und Rechel bei einem Gegentor von Sehring 2:1 in Führung lagen. Nach dem Seitenwechsel sah man nur noch Hähnleiner Angriffe. Gußmann, Rechel und May schossen noch 3 Tore, während SSG noch einmal durch Malchus seine Niederlage verbessern konnte.
B-Klasse. In einem Nachholspiel empfing schon am Morgen der VfR Langen den Tabellenzweiten Eschollbrücken, und mußte beide Punkte an den Gast abgeben. Im zweiten Spiel holte sich Rohrbach zwei wertvolle Punkte in Nieder-Beerbach. Wenn auch Götz die Platzherren in Führung bringen konnte, der Gast riß Immer mehr das Spielgeschehen an sich und konnte noch 1:2 gewinnen.
Der Kreisspielausschuß hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Verbandsrückrunde auf den 10. Dezember festzusetzen. Die Terminliste in der die eingegangenen Wünsche berücksichtigt wurden, geht allen Vereinen im Laufe dieser Woche zu.
Eine Kreisrechtsausschuß-Sitzung findet am kommenden Mittwoch in Eberstadt, Gasthaus „Zur Harmonie", statt.
Abschlußtabelle der A-Klasse des Kreises
Sandbach gewann nur knapp
Die Fußball-A-Klasse Erbach wartete am Sonntag nur mit zwei Meisterschaftsspielen auf. Die Sondenmannschaft der KSG Erbach siegte vor einheimischem Publikum über den Neuling Würzberg mit 11:0, der TabeMenführer Sandbach behauptete sich in Steinbach mit einem knappen 2:1-Erfo'lg. Der Tabellenführer Sandbach hatte in Steinbach einen unglücklichen Start und lag durch ein aus einem Gedränge heraus von Burkhardt Neff erzielten Tor bis zur Mitte der ersten Halbzeit mit 1:0 im Rückstand. Nach dem Ausgleich in der 35. Minute erhöhte Sandbach noch vor der Pause auf 2:1. Mit diesem Erfolg ist der Hilbert-Elf aus Sandbach die Herbstmeisterschaft nicht mehr zu nehmen. Die Sondermannschaft der KSG Erbach traf in ihrem Heimspiel auf den Neuling Würzberg. Die Platzherren waren vom Anpfiff weg überlegen und lagen bis zur Pause bereits mit 6:0 Toren in Front. An der Torausbeüte der Kreisstädter waren Gotter II (4), Syrotek (3), Holzhüter (2), Mohr und Lenz beteiligt.
Aschbach durch 7:1-Sieg Herbstmeister
Aschbach holte sich mit einem in der zweiten Halbzeit an imponierendem Ansturm errungenen 7:1-Sieg über Fehlheim die Herbstmeisterschaft der Kreisklasse Bergstraße. Bei Halbzeit hatte man noch mti 1:1 gewechselt, aber Ritter lief plötzlich zu großartiger Form auf und zielte fünfmal ins Schwarze; die beiden übrigen Treffer wurden von den Gebrüdern Riesiger markiert. — Weiher distanzierte Lampertheim 6:3. nachdem es zunächst 0:3 (!) und bei Halbzeit im Rückstand gelegen hatte. Die neuförmierte junge Elf hatte jedoch noch soviel zuzusetzen, daß die Riedgäste kapitulieren mußten. Hamm, Lurk und Greiaheimer hatten den 0:3 -Vorsprung besorgt, F. Schmitt II (2), F. Schmitt I, P. Schmitt und Krastel setzten das halbe Dutzend dagegen. — Einhausen mußte sich zu Hause von den in letzter Zeit etwas indifferenten Mörlenbachern, mit 2:3 das Nachsehen geben lassen. Die Gäste spielten streckenweise wie aus einem Guß, vergaßen aber häufig das Schießen. Sogar einen Handelfmeter kurz vor Spielende konnten sie nicht unterbringen. Seiler (2) und Reich waren für Mörlenbach, Seitz und Galley für Einhausen erfolgreich.
B-Klasse Gruppe Odenwald
Wahlen kanterte den Meisterschafts-Mitbewerber Ober-Absteinach in einem verwirrenden Angriffsspiel deutlich 2:5 nieder. Der Torschützenkönig des nunmehrigen Herbstmeisters, Otto, schoß alle fünf Treffer. Kappes und Krastel besorgten die Gegentore. — Rimbach hatte es in Fürth schwerer als angenommen werden durfte, um zum verdienten 2:4-Siege zu kommen. Die Platzherren wußten sich mit Erfolg ihrer Haut zu wehren. Fütterer. Weigold (2) und Haack sorgten für die Siegestore, Stehling und Kilian für diejenigen Fürths. — Mitlechtern nahm Zotzenbach auf eigenem Platz mit 0:5 beide Punkte ab. Wernerus (3), Steckel und Rettig waren als Torschützen dafür verantwortlich.
Anm.: Ueber -die beschlußgemäß gewerteten Spiele von Lindenfels wird in Kürze grundsätzliche Entscheidung folgen.
Nieder-Roden blieb ohne Verlustpunkt
Der Tabellenführer SG Nieder-Roden hat auch durch seinen 3:1-Sieg in Ueberau Ruf und Ruhm gewahrt. Richtige Einstellung seiner Mannschaft auf den immerhin recht spielstarken Gegner und der begreifliche Ehrgeiz, ohne Gegenpunkte in die Herbstpause zu gehen, haben das zweite Dutzend Gutpunkte vervollständigt. Götzenhain hatte mit Groß-Umstadt einen beachtlichen Gegner gefunden, der sich allerdings erst zurechtfand, als es schon zu spät war. Götzenhain siegte 3:0. Aus Torvorsprung und nachfolgendem Torrückstand wurde zuletzt ein 4:4 beim Spiel in Klein-Zimmern, das Offenthai bei sich empfing. Mosbach hat sich diesmal glücklich angelassen, mit sechs Toren — Jörg und Daniel je 2, Fuhry, von Berg — bei nur einem Gegentor sehr kräftig nach oben Schwung geholt und damit seinen Gast Gr.-Zimmern überflügelt. Dreieichenhain hatte gegen Kleestadt das bessere Ende weg. Sein 2:o-Sieg gerade noch vor Beendigung der Vorrunde kommt ihm in der Tabelle sehr zustatten. Spachbrücken kam auch auf eigenem Gelände gegen TG Ober-Roden nicht voran und spielte nur unentschieden.
p e 1 gingen vier Vereine leer aus. Da die Sieger an die dreißig Tore schossen, gab es bei jedem Treffen klare Torquoten. Weit voraus liegt auch weiterhin ungeschlagen Groß-Bieberau. Brensbach konnte seinen zwölf Treffern nichts Zählbares entgegensetzen. Ihm am nächsten kommt Hassia II Dieburg, die in Fränkisch-Crumbach ihrem Gastgeber mit 7:0 das Nachsehen gab. Diesen Auswärtserfolgen stehen aber auch zwej recht eindeutige Heimsiege gegenüber. Georgenhausen hat sich mit 6:0 über Hering für sein Spiel gegen die Bieberauer bestens empfohlen. Schließlich zog sich auch Wersau ohne Gegentreffer aus der Affäre: Ober/Nieder-Klingen wurde mit 4:0 auch noch deutlich genug distanziert.
In Gruppe 2 kam der Tabellenführer Schaafheim diesmal wirklich nur mit einem blauen Auge davon. Sein Sturm vermochte nicht, selbst vor heimischem Publikum, die stabilen Schlußleute des Gastes Heubach auch nur einmal zu überwinden; umgekehrt war es allerdings ebenso: 0:0. Hergershausen aber holte sich in Raibach einen faustdicken Sieg. Zwei Tore hatten die Gäste vorgelegt, als Heid den Anschlußtreffer für die Einheimischen erzielte. Damit war deren Latein aber auch zu Ende, während der Gast nach weiteren vier Toren mit 6:1 das Spiel siegreich beendete. Die Münsterer Freien Sportler konnten auch in Klein-Umstadt nicht Fuß fassen. Ihr 2:2 zeugt von der noch immer hemmenden Formkrise einerseits, andererseits aber von guter und vielversprechender Leistung des Platzvereins. Ausgebrochen sind die Wiebelsbacher, die sich keinen Punkt nehmen lassen dürfen. Für diesen Fehltritt mußten sie büßen, denn der TV Groß-Umstadt konnte das Treffen unentschieden gestalten. So hat es durch drei Remis-Spiele — sechs Vereine notierten je 1 Pluspunkt — im Tabellengebälk heuer nur ganz leise geknistert. RG
| Darmstadt | |||||
| TSG 46 Darmstadt | 11 | 7 3 | 1 | 38:13 | 17:5 |
| Weiterstadt | 11 | 8 1 | 2 | 35:14 | 17:5 |
| Bickenbach | 11 | 7 2 | 2 | 30:14 | 16:6 |
| Nieder-Ramstadt | 11 | 5 4 | 2 | 27:15 | 14:8 |
| Grafenhausen | 11 | 6 1 | 4 | 25:19 | 13:9 |
| Hähnlein | 11 | 5 2 | 4 | 34:22 | 12:10 |
| Seeheim | 11 | 4 1 | 6 | 20:25 | 9:13 |
| Hahn | 11 | 4 1 | 6 | 22:33 | 9:13 |
| Erzhausen | 11 | 4 1 | 6 | 17:26 | 9:13 |
| SSG Langen | 11 | 2 4 | 5 | 20:30 | 8:14 |
| Alsbach | 11 | 2 3 | 6 | 23:27 | 7:15 |
| TuS Griesheim | 11 | - 1 | 10 | 7:60 | 1:21 |
| Tabelle | ||||||
| Sandbach | 8 | 4 | 0 | 4 | ||
| 17:15 | 8:8 | Sandbach | 10 | 7 | 3 | 0 |
| 30:13 | 17:3 | Rimhorn | 9 | 4 | 4 | 1 |
| 25:15 | 12:6 | Neustadt | 9 | 5 | 1 | 3 |
| 33:19 | 11:7 | Bad König | 9 | 5 | 1 | 3 |
| 31:18 | 11:7 | Höchst | 8 | 4 | 0 | 4 |
| 17:15 | 8:8 | Beerfelden | 8 | 3 | 2 | '3 |
| 18:18 | 8:8 | Günterfürst | 9 | 2 | 4 | 3 |
| 19:21 | 8:10 | Steinbach | 10 | 3 | 2 | 5 |
| 23:27 | 8:12 | Lützel-Wiebelsbach | 8 | 2 | 3 | 3 |
| 17:19 | 7:9 | Würzberg | 8 | 2 | 1 | 5 |
| 13:33 | 5:11 | Hainstadt | 10 | 1 | 1 | 8 |
| 18:48 | 3:17 | Erbach (Soma) a. K. | 10 | 5 | 2 | 3 |
| 40:19 | 12:8 |
| Tabelle | ||||||
| Aschbach | 10 | 8 | 1 | 1 | 34:19 | 17:3 |
| Reichenbach | 10 | 6 | 2 | 2 | 40:16 | 14:6 |
| FC Fürth | 11 | 6 | 2 | 3 | 24:17 | 14:8 |
| Affolterbach | 11 | 5 | 2 | 4 | 18:19 | 12:10 |
| Waldmichelbach | 10 | 5 | 1 | 4 | 28:21 | 11:9 |
| Mörlenbach | 11 | 4 | 3 | 4 | 30:28 | 11:11 |
| Lampertheim | 11 | 6 | — | 5 | 30:33 | 10:12 |
| Fehlheim | 11 | 4 | 2 | 5 | 20:31 | 10:12 |
| Weiher | 10 | 3 | 3 | 4 | 24:21 | 9:11 |
| Auerbach | 10 | 3 | 2 | 5 | 25:24 | . 8:12 |
| Einhausen | 11 | 3 | 1 | 7 | 19:34 | 7:15 |
| Lindenfels | 10 | 1 | 1 | 8 | 12:35 | 3:17 |
| Tabelle | ||||||
| Nieder-Roden | 12 | 12 | 0 | 0 | 73:10 | 24:0 |
| Götzenhain | 12 | 9 | 0 | 3 | 49:23 | 18:6 |
| Ueberau | 11 | 7 | 2 | 2 | 31:17 | 16:6 |
| Groß-Umstadt | 11 | 6 | 1 | 4 | 23:18 | 13:9 |
| Offenthai | 11 | 5 | 3 | 3 | 30:31 | 13:9 |
| Reinheim | 10 | 5 | 2 | 3 | 29:19 | 12:8 |
| Klein-Zimmern | 11 | 4 | 3 | 4 | 25:46 | 11:11 |
| Lengfeld | 10 | 4 | 2 | 4 | 19:17 | 10:10 |
| Mosbach | 10 | 3 | 3 | 4 | 27:29 | 9:11 |
| Groß-Zimmern | 12 | 2 | 3 | 7 | 10:27 | 7:17 |
| Dreieichenhain | 11 | 3 | 0 | 8 | 11:29 | 6:16 |
| TG Ober-Roden | 10 | 2 | 1 | 7 | 11:31 | 5:15 |
| Spachbrücken | 10 | 1 | 2 | 7 | 12:29 | 4:16 |
| Kleestadt | 11 | 1 | 2 | 8 | 15:28 | 4:18 |
| In den vier Spielen | der | B - | K 1 | a | ss e G | ru p - |
Fechten
Weicker Klubmeister im Floreitt
Wie bereits gemeldet, wurden am Wochenende die Meisterschaften des Darmstädter Fechtolüfos im Florettfechten der Herren durchgeführt.
Gleich die ersten Gefechte ließen erkennen, daß harte Kämpfe zu erwarten sind, und daß kein Teilnehmer gewillt war, Treffer zu verschenken. Trotzdem wurde ritterlich und sauber gefochten, und der Geist echter Sportler beseelte die ganze Veranstaltung.
Die Höhepunkte des Abends waren die Gefechte zwischen Haun—Dr. Vix, Weicker— Dr. Vix und Weicker—Haun. Besonders das Gefecht Weicker gegen Haun, welches infolge der Gleichwertigkeit der Gegner mit besonderer Spannung erwartet wurde, nahm einen äußerst dramatischen Verlauf.
Die erste Hälfte des Gefechtes stand ganz im Zeichen von Haun, der bis zum Seitenwechsel 3:0 in Führung gehen konnte. Es sah stark nach einer Niederlage von Weicker aus. Nachdem die Seiten gewechselt waren, änderte sich jedoch das Bild, und die Initiative ging auf Weicker über. Das Tempo des Kampfes steigerte sich und' Weicker schob sich bis zum 3:3 heran. Durch diese für Haun überraschende Wendung des Kampfes geriet dessen Sicherheit etwas ins Wanken, und Weicker konnte dieses entscheidende Gefecht für sich buchen.
Dr. Vix, der Dritte der Clubmeisterschaften, zeigte eine weitere Formverbesserung, und es war erfreulich zu sehen, wie er den alten routinierten Fechtern den Sieg schwermachte.
Schreher, Leicht und Storck gaben ebenfalls ihr Bestes. Besonders hervorzuheben ist hier die sportliche Einstellung von Herrn Storck, der mit 63 Jahren als ein Vorbild für die Jugend, noch wacker mitmischte.
Meister Kötting, der die Kämpfe als Obmann leitete, war mit seinen Schülern sichtlich zufrieden. Schade, daß Melcher, der bei der Vergebung der Meisterschaft ein sehr wichtiges Wort mitzureden gehabt hätte, infolge einer Verletzung ausfiel.
Am Dienstag, dem 28. November 1950. werden die Cluibmeisterschaften im Florettfechten der Damen und im Säbelfechten der Herren ausgetragen.
Der Vorverkauf für das Spiel SV 98 gegen Bayern München beginnt am Mittwoch, vormittag 9 Uhr, an den bekannten Vorverkaufsstellen.
Abteilung Eis- und Rollsport TSG 46. Mittwoch, den 29. November, 19.30 Uhr, in der Gaststätte Ripper diesjährige Jahreshauptversammlung. Um vollzähliges- Erscheinen wird gebeten.
| Der Endstand des Turniers: | ||||
| 1. | Willi Weicker | 5 | Siege | 0 Niederlagen |
| 2. | Rolf Haun | 4 | Siege | 1 Niederlage |
| 3. | Dr. Ernst Vix | 3 | Siege | 2 Niederlagen |
| 4. | Dolf Schreher | 2 | Siege | 3 Niederlagen |
| 5. | Willi Leicht | 1 | Sieg | 4 Niederlagen |
| 6. | Franz Storck | 0 | Siege | 5 Niederlagen |
Danksagung All denen, die unsere liebe Entschlafene, Frau Elisabethe Stein Wwe. geb. Crößmann zur letzten Ruhestätte begleiteten, ihr Grab mit Blumen und Kränzen schmückten und uns in Wort und Schrift bedachten, herzlichen Dank. Besonderen Dank Herrn Dekan Ullmann für seine tröstenden Worte am Grabe und unseren beiden lieben Krankenschwestern Julie und Elisabeth für ihre liebevolle Hilfe während der Krankheit. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Peter Heim Familie Wilhelm Emmerich Jugenheim (Bergstraße), im November 1950
SSSasnMEHBHBBnöHBHIMOIHBKnnRaunHBBI Bestattungen am Dienstag, dem 28. Nov. 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof: 14.15 Urban, Jakob, Wenckstraße, 56 Jahre 14.45 Heberer, August, Heidelberger Straße 107, 61 Jahre 15.15 Traub, Marg., Bessunger Straße 88, 77 Jahre
Amtliche Bekanntmachungen Betr. Sperrung der Landstraße 11. Ordnung 106, Schaafheim— Radheim. Bekanntmachung Die Landstraße 11. Ordnung 106, Schaafheim—Radheim, wird ab Montag, dem 20. November 1950, bis auf weiteres infolge Straßenbauarbeiten für den Durchgangsverkehr aller Art gesperrt Umleitung erfolgt über Schlierbach—Kleestadt—Klein-Umstadt Mehrlänge: 10 Kilometer. — Die aufgestellten Sperr- und Um¬ leitungsschilder sind zu beachten. Dieburg, den 18. November 1950 Der Landrat des Landkreises Dieburg OeffentUche Ausschreibung der Maurerarbeiten für den Neubau 1. eines Forstdienstgehöftes '".Hiltersklingen i. Odw._ 2. eines Forstdienstgehöftes in Schönnen i. Odw. Leistungsverzeichnisse (Angebote), soweit vor¬ rätig, sind am Montag, dem 27. November 1950, beim Staats¬ bauamt Erbach, Pestalozzistraße 5, abzuholen und bis Mittwoch, den 6, Dezember 1950, vormittags 10 Uhr, einzureichen. Zu¬ scnlagsfrist beträgt zwei Wochen. Unterlagen und Zeichnungen sind auf dem Staatsbauamt einzusehen. Staatsbauamt Dieburg In dem Vergleichsverfahren über das Vermögen der „Peva" Produktiv Ein- und Verkaufsgenossenschaft eGmbH, Dieburg, Zuckerstraße 29, wird eine Gläubigerversammlung berufen. Termin wird anberaumt auf Freitag, 8. Dezember 195(7, 14.00 Uhr, Zimmer 10 des Amtsgerichts Dieburg. Dieburg, den 25. November 1950 Amtsgericht A 355. Neueintragung : Hilsheimer u. Abel, Lampertheim, Bürstadter Straße 2. Offene Handelsgesellschaft seit 1. August 1935. Gesellschafter sind die Kaufleute Philipp lakob Hilsheimer und Franz Abel, beide Lampertheim. Lampertheim, den 1. November 1950 Amtsgericht Beurkundete Sterbefälle (In der Zeit vom 15. November bis 18. November 1950) Oser. Julie geb. Eibert, geb. 7. 10. 83, Ober-Klein-Gumpen, Ortsstr. 1, gest. 15. 11. 50. — Ptersdorlf, Minnie Emmi Ma¬ na, geb. 30. I. 95, Lehrerin, Schönberg, Caritasheim, gest. 16 11. 50. — Planz, Lilli, geb. 10. 9. 68, Seeheim, Efeu¬ muhle, gest. 11. n. 50. — Rehm, Ella, geb. 11. 11. 81, Trautheim, Darmstädter Str. 63, gest. 8. 11. 50. — Reitz, Philipp, geb. 24. 2. 82, Kesselschmied, Dst.-Arheilgen, Fuchs¬ straße 6, gest. 22. 10. 50. — Roßkopf, Josef Georg, geb. 30. 11. 00, Heizer. Münster, Friedhofstr. 6, gest. 21. 10. 50. — Roßmann, Georg, geb. 3. 8. 74, Rentner, Seeheim, Tannen¬ bergstraße 12, gest. 5. 11. 50. — Rühl, Heinrich, geb. 11. 4. 66. Invalide, Darmstadt, Schuknechtstr. 63 gest. 29. 10. 50, — Sauerbrey, Fritz Franz, geb. 24. 9. 97, Ingenieur, Darmstadt, Haardtring 272, gest. 16. 11. 50. — Schäfer, Katharina geb. Leidel, geb. 15. 11. 86. Münster, Breitfeldstr., gest. 10. 11. 50. — Schäfer. Peter, geb. 12. 7. 79, Metallbohrer. Dst.-Eber¬ stadt Buschlerstr. 6. gest. 26. 10. 50. — Stietouch, Rudolf Wilhelm Bernhardt, geb. 20. 2. 89, Schlosser. Ober-Ramstadt, Darmstadter Str. 21, gest. 12. 11. 50. — Schenk, Katharina geb., Meister, geb. 27. 6. 99. Rimbach, Bismarckstraße 4, gest. 10. 11. 50. — Scheuch, Hans, geb. 25. 3. 45 Crumstadt. Wilhelm-Leuschner-Str. 24. gest. 13. 11. 50. — Schey, Wil¬ helm, geb. 26. 3. 90. Garagenmeister, Mannheim B 6/26, gest. 2. 11. 50. — Schneider, Maria geb. Kuhl. geb. 13 4 82 Darm¬ stadt. Pankratiusstr. 120, gest. 25. 10. 50. — Schuch, Rich Georg Willi, geb. 29. 8, 50. Bickenbach, Karl-Marx-Str 27' gest. 22. 10. 50. — Schuchmann, Irma, geb 30 6. 50 Oben Modau, Hauptstr. 20, gest. 12. 11. 50. — Schuchmann’ Karo¬ line geb. Löw, geb. 29. 12. 65. Dst.-Eberstadt. Pfungstädter Straße 17, gest. 21. 10. 50. — Schuhmacher, Anna Margarete geb, Urich, geb. 28. 9. 85, Dst.-Eberstadt. Hochstraße 15,
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