Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt («gsßüiww* CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, r r e'rkV.3 d.‘; „RhelnstraOe 23 Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 126 öefiiföe Xeuefie Jiacbri^fen Samstag, 25. November 1950 Bezugspreis: ^^^^^B^^TC^zuzü glich 0.40 DM Trägerlohn. ^Rgenpreise: Preisliste Nr 3 v. I 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Neue Großoffensive in Korea

General Mac Arthur will den Krieg noch vor Weihnachten beenden

Söul, 24. November. (AP.) Drei alliierte Armeekorps sind in den frühen Morgenstunden des Freitag nach stundenlanger Artillerievorbereitung und bei rollendem Einsatz der Luftstreitkräfte zu einer Großoffensive gegen die Reste der nordkoreanischen Armee und gegen die rotchinesischen Truppen in Nordwestkorea angetreten.

Bereits bis zum Mittag hatten die Angriffstruppen große Geländegewinne erzielt. Die Masse der beteiligten Armeekorps stieß bis zu fünf Kilometer Tiefe in den feindlichen Raum vor. Vorausabteilungen der Sturmdivisionen sind in schnellem Vormarsch nach Norden, Nordwesten und Westen begriffen.

General Mac Arthur traf im Hauptquartier des ersten Armeekorps ein, um beim Anrollen der Offensive selbst zugegen zu sein. Er erklärte, er hoffe, daß er sein Versprechen an die amerikanischen Truppen halten könnte, wonach sie Weihnachten zu Hause sein sollten.

Genau um 8 Uhr japanischer Zeit verließen die Truppen ihre Ausgangsstellungen nördlich des Chongchon. Zwei Stunden später schlossen sich andere große Verbände dem Vorstoß zur mandschurisehen Grenze an. Ueber die Köpfe der vorrückenden Einheiten brausten alliierte Jäger und Bomber zu vernichtenden Angriffen gegen die kommunistischen Riegelstellungen. Die Gesamtstärke der angreifenden UN-Truppen entspricht mit etwa hunderttausend Mann der Stärke der kommunistischen Truppen. *

(AP.) Die chinesischen Kommunisten ha¬ ben am Freitag erneut dreißig verwundete amerikanische Kriegsgefangene freigelassen.

Chinn protestiert

Hongkong, 24. November. (AP.) Die chinesische kommunistische Regierung hat am Freitag in scharfer Form gegen angebliche französische Grenzverletzungen in Indochina protestiert.

Notenwechsel

Um den Frieden mit Japan

Moskau, 24. November, (dpa) Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS veröffentlichte ein amerikanisches und ein sowjetisches Memorandum über einen japanischen Friedensvertrag.

In dem amerikanischen Memorandum, dessen Vorschläge ausdrücklich als nicht endgültig bezeichnet werden, befürworten die USA einen Vertrag mit Japan, durch den der Kriegszustand beendigt, die japanische Souveränität wiederhergestellt und Japan gleichberechtigt in die Gemeinschaft der freien Völker wieder aufgenommen wird.

In ihrer Antwort verlangt die Sowjetunion Aufklärung darüber, ob die Möglichkeit eines Sonderfriedens einzelner am Krieg gegen Japan beteiligter Nationen mit Japan erwogen wird. Die Sowjetunion weist ausdrücklich darauf hin, daß sich die USA, Großbritannien, China, die Sowjetunion und eine Reihe anderer Staaten verpflichtet hätten, keine Sonderfrieden abzuschließen.

VII nmerikanische Armee

Sie wird wieder aufgestellt

Heidelberg, 24. November. (AP.) Die siebente amerikanische Armee in Europa ist reaktiviert worden, um die Schlagkraft der amerikanischen Streitkräfte zu stärken.

Seit der Demobilisierung der amerikanischen Streitkräfte bestand keine eigentliche Armee mehr in Europa. Die reaktivierte siebente Armee wird das organische Gerüst sein, in das die erwarteten amerikanischen Verstärkungen aus Uebersee eingeordnet werden können.

Nie Nerzicht auf Ostgebiete

Berlin, 24. November. (AP.) Den Anspruch Deutschlands auf die verlorenen Ostgebiete hat Bundesminister Kaiser am Freitag bei der Eröffnung der ostdeutschen Ausstellung in Berlin erneut betont.

Deutsch-alliiterter Sicherheitsvertag

Zahlreiche aktuelle Fragen harren ihrer Erledigung

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn. 24. November. Nach Informationen, die Bonner Regierungsstellen erhalten haben, ist zwischen den militärischen Sachverständigen der Atlantikpaktstaaten über die Frage des deutschen Beitrages zur Westverteidigung eine Einigung erzielt worden, über die die atlantische Außenministerkonferenz am 12. Dezember endgültig entscheiden wird.

Im Anschluß an die Entscheidung der Außenminister dürfte an die Bundesrepublik offiziell die Anfrage gerichtet werden, ob sie bereit ist. einen Verteidigungsbeitrag zu leisten. Hohe Bonner Regierungsstellen weisen darauf hin. daß, wenn die westdeutschen Truppenkontingente unter völliger Gleichberechtigung aufgestellt werden sollen, dann das deutsche Volk die Ueberzeugung haben müsse, daß es seinen Beitrag freiwillig um der Freiheit willen leistet.

Wie wir erfahren, sind in der vergangenen Woche von Bundeskanzler Dr. Adenauer den Oberkommissaren bestimmte Vorschläge unterbreitet worden, d'e das völlige Verschwinden des Besatzungsstatuts betreffen.

Danach soll das Besatzungsstatut, wie der Bundeskanzler bereits vor Beginn der Neuyorker Außenministerkonferenz angeregt hatte, durch einen deutsch-alliierten Sicherheitsvertrag ersetzt werden.

Es sind dann auch weitere Punkte mit den Oberkommissaren besprochen worden. Als erster Erfolg der Bitte um die Einstellung der Demontagen ist die De-

montage des Aluminiumwerkes T ö g i n g in Bayern eingestellt worden. Andere Probleme betreffen eine Ausdehnung der wirtschaftlichen Produktion, die Freigabe der verbotenen Industrien und der wissenschaftlichen Forschung, schließlich auch den endgültigen Verzicht auf die Auslieferung von Deutschen. Die Nachprüfung der Urteile der in Landsberg und Werl Inhaftierten ist zugesagt worden. Man hat in Bonn die Hoffnung, daß auch in Frankreich die gegen Deutsche erlassenen Urteile nachgeprüft werden.

Umstrittenes Sicherheitsmemorandum

Der Bundeskanzler übergibt der Presse einen Auszug

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 24. November. Bundeskanzler Dr. Adenauer übergab Freitagnachmittag deutschen Journalisten einen Auszug aus dem umstrittenen Sicherheitsmemorandum, das er am 29. August Oberkommissar McCloy zugestellt hatte. Der Auszug enthält die Stellen des Memorandums, die sich auf das Problem der äußeren Sicherheit beziehen und auf die der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Dr. Schumacher, die Behauptung gestützt hat, der Bundeskanzler habe den Westalliierten deutsche Divisionen angeboten. Nach dem Hinweis auf die dringende Notwendigkeit einer Verstärkung der alliierten Besatzungstruppen im Bundesgebiet heißt es in dem Memorandum wörtlich:

„Der Bundeskanzler hat wiederholt seine Bereitschaft erklärt, im Falle der Bildung einer internationalen westeuropäischen Armee einen Beitrag in Form eines deutschen Kontingentes zu leisten. Damit ist eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß der Bundeskanzler eine Remilitarisierung Deutschlands durch Aufstellung einer eigenen nationalen militärischen Macht ablehnt."

Dr. Adenauer erklärte hierzu, daß er sich zu diesen Ausführungen infolge des französischen Mißtrauens veranlaßt gesehen habe, wonach noch immer mit der Möglichkeit gerechnet werde, daß von ihm eine nationale Armee angestrebt würde. Er habe schon im Parlamentarischen Rat die Schaffung einer deutschen Armee abgelehnt, sich aber dafür ausgesprochen, daß sich Deutschland unter gleichen Bedingungen an der Schaffung einer europäischen Armee beteilige.

Der Kanzler stellte dann fest, daß ey dem Beauftragten Dr. Schumachers, dem Abgeordneten L ü t k e n s, eine Abschrift des Memorandums übergeben habe, um es Dr. Schumacher zur vertraulichen Kenntnisnahme zuzuleiten. Er finde es mehr als bedauerlich, daß der Führer der Opposition von einem Schriftstück, das ihm der Bundeskanzler zu treuen Händen übergeben habe, im Wahlkampf Gebrauch mache.


Ueber verschneite Straßen, bei bitterer Kälte, rollen die Panzer zur großen Offensive General Mac Arthurs in Nordkorea. Foto: UP-Acme
Ueber verschneite Straßen, bei bitterer Kälte, rollen die Panzer zur großen Offensive General Mac Arthurs in Nordkorea. Foto: UP-Acme

Einiges Europa, wichtigste Aufgabe

Große Rede des französischen Außenministers Schuman in Straßburg

Straßburg, 24. November. (AP.) Der französische Außenminister Robert Schuman hat vor der Beratenden Versammlung des Europarates die Bildung einer europäischen Armee unter dem Einschluß deutscher Einheiten als Grundlage für den Weltfrieden gefordert.

Unter donnerndem Beifall sagte der Minister, Frankreich werde die Pläne für die europäische Einheit auf politischem, wirtschaftlichem und militärischem Gebiet unnachgiebig vorantreiben.

Schuman erwähnte nicht, wie groß die deutschen Einheiten sein sollten, die nach dem französischen Plan an der Europaarmee teilnehmen würden. Er betonte jedoch, daß einige Länder auf Grund ihrer politischen Situation größere militärische Verbände unterhalten müßten als andere. Einige Staaten hätten militärische Aufgaben außerhalb Europas zu erfüllen, andere wiederum nicht. Es werde keine Diskriminierungen geben.

Der Minister erklärte, die Europa-Armee bedeute nicht nur die Zusammenfassung von nationalen Armeen, jeder Staat müsse einen Teil seiner Souveränität aufgeben.

Der kommunistische Ueberfall auf Korea zwinge die Westmächte, sich gegen ähnliche Vorkommnisse in Deutschland zu sichern. Die Ereignisse im Fernen Osten hätten eine beängstigende Parallele zwischen der Situation in Korea und der Lage in Deutschland sichtbar werden lassen.

Beide Länder seien durch eine Demarkationslinie in zwei Zonen getrennt, die von zwei politischen Regimen regiert würden, die sich gegenseitig bis aufs schärfste bekämpfen.

Stunde der Lugend

*** Der amerikanische Oberkommissar McCloy hat in einer Rede vor Studenten der Kieler Universität Deutschland und die deutsche Jugend auf ihre besondere Aufgabe bei der Verteidigung der Freiheit hingewiesen. Er meinte, wer sich mit dem kritischen Problem der Verteidigung gegen kommunistische Angriffe auseinandersetze, dem werde die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns klar. In Straßburg, wo der französische Außenminister Robert Schuman sich klar und deutlich für die Einbeziehung Deutschlands in das westeuropäische Verteidigungssystem ausgesprochen hat, erklärte kurz zuvor der deutsche demokratische Delegierte Freiherr von Rechenberg, bei der Verteidigungsfrage komme es vor allem auf den zukünftigen deutschen Soldaten an. Die Westmächte sagten den jungen Deutschen: „Ihr müßt die Demokratie, die Freiheit verteidigen. Die Antwort werde sein: „Welche Demokratie, die der Oberkommissare?“ Man könne auf die Dauer ein Volk, das leben wolle, nicht unterworfen halten.

Das Ergebnis aller Verhandlungen, von denen eine Gleichberechtigung Deutschlands und ein vereinigtes Europa erwartet wurde, waren jedoch nur Sprüche und Widersprüche. Auch bei den Beratungen des Europarates in Straßburg ist es nicht anders gewesen. Nie aber war nach den Worten McCloys die Notwendigkeit, international zu denken, größer als heute.

Die Jugend Europas scheint dies besser begriffen zu haben als die alten gewiegten Politiker. Sie ist zum Protest nach Straßburg geströmt (worüber an anderer Stelle ein junges Mitglied unserer Redaktion berichtet). Sie will einen Drude auf die europäischen Regierungen und den Europarat auslösen, damit er der europäischen Jugend ein neues Ideal zeige und mithelfe, die europäischen Völker aus der Teilnahmslosigkeit zu wecken. In einem Flugblatt, das die europäische Jugend auf ihrer Fahyt verteilt, wird die Proklamierung eines europäischen Notstandes, die Einsetzung eines Europa-Direktoriums unter Einbeziehung des europäischen Generalstabes und die sofortige Bildung einer Europa-Partei gefordert. Die Freiwilligen Europas sind entschlossen, ihre Hoffnungen auf einen vereinten Kontinent nicht länger „zerreden“ zu lassen. Sie wollen ihre revolutionären Forderungen „mit allen Mitteln durchsetzen, notfalls auch mit Gewalt“.

Ein kühnes Programm, das für ein sicheres politisches Gefühl und für ein gesundes Wollen spricht. Sollte die Stunde der Jugend wirklich gekommen sein? Ihr Elan ist jedenfalls sehr begrüßenswert.

Die Bekenntnisse eines Briefträgers

Von Erich Dombrowski

Jede Zeit legt ihren Rechenschaftsbericht vor. Das besorgen, nach einigem Abstande, die Geschichtsforscher. Ehe aber die Politik zur Geschichte gefriert, ehe die größeren Zusammenhänge erkannt werden können, melden sich gewöhnlich, etwas vorschnell, die unmittelbar daran Beteiligten zu Wort: die Tenöre und die Primadonnen der Politik, die Dirigenten und die Solisten des Orchesters. I^ie Verfasser von Erinnerungen bevölkern nach großen politischen Ereignissen den dichten Bücherwald. Der Historiker genießt sie mit Vorsicht. Bei seiner kritischen Sichtung des Materials muß er das Ich des Autors von der Welt, die es um sich Karussell fahren läßt, wohl unterscheiden, nicht zuletzt durch Vergleiche, um zu einem klaren Urteil zu kommen über das, was wirklich war. Wenn gar gewesene Politiker oder Staatsmänner, Diplomaten oder Generäle, nach einem Zusammenbruch ihres Systems, auf der öffentlichen Anklagebank der Geschichte sitzen, ist doppelte Vorsicht am Platze. Denn dann machen sie oft von dem Vorrecht des Beschuldigten Gebrauch, die Taten der anderen zu entschleiern, ihre eigenen aber zu verschleiern. Zu den vielen Memoiren-Schreibern, die jetzt, da alles vorbei ist, Kopf an Kopf, auftauchen, sozusagen aus der Tiefe heraufquellend, hat sich Otto Meißner, der Staatssekretär des Präsidialkabinetts, gesellt. Eine seltsame Erscheinung. Breit, schwer, quadratisch gleich einem Büroschrank, mit einer Hornbrille auf der Nase. Heute siebzig Jahre alt. Ein geborener Elsässer. Seine eigentliche Heimat aber wurde Preußen. Der Süden, der ihm im Herzen leuchtete, und der Norden Deutschlands, der ihm im Gehirn steckte, vermochten in ihm nie zu einem rechten Ausgleich zu kommen. Dieses seelische Grenzgängertum wurde sein Verhängnis, bestimmte seinen Charakter, und unter den Kompromissen, die er mit sich und der Umwelt fortwährend zu schließen hatte, zerbrach er. Nur, daß er es vor sich und den andern nicht zugeben wollte. In einer demokratischen Atmosphäre war er aufgewachsen, war dann zu den Preußen gegangen, hatte als aktiver Offizier den ersten Weltkrieg mitgemacht, war in den Dienst des Auswärtigen Amtes übergetreten und fand eich, demokratisch umspült, bald danach als Chef im Büro des Reichspräsidenten Ebert wieder. Als Hindenburg sein Amt antrat, blieb er sitzen und erinnerte sich wieder mehr seiner verhältnismäßig kurzen militärischen Vergangenheit. Als Hitler endlich in das Palais des Reichspräsidenten einzog, verharrte er wiederum auf seinem Posten, schaltete sich um und schaltete sich gleich und machte alles, Schritt'für Schritt, bis zum bitteren Ende, tapfer mit. Er war bei allen nur dabei gewesen. Er hatte immer nur in der zweiten Reihe gestanden. Er war ein korrekter Beamter gewesen, der nur ausführte, was sein Vorgesetzter ihm auftrug. Er hatte sich zu einer fleischgewordenen Sachlichkeit, durch dick und dünn, herauf gelebt. Vier Jahre lang war er dann in alliierten Lagern in Haft gewesen und wurde schließlich von dem amerikanischen Militärgericht als nichtschuldig freigesprochen

In den langen Jahren der Internierung schrieb er seine Erinnerungen, die jetzt bei Hoffmann und Campe in Hamburg, den Nachfahren der Verleger Heinrich Heines, erschienen sind. Ein Werk von über sechshundert Seiten. Sind es Bekenntnisse einer schönen Seele, um mit Goethes „Wilhelm Meister" zu reden, oder sind es dämonische Ausbrüche eines zwiesnältigen Geistes" Keines von beiden.

Das Buch hat mit ihm selbst, auch wenn er hin und wieder über den Zaun in das personelle Getriebe guckt, so gut wie nichts zu tun. Es ist eine historische Registrierarbeit. Mit peinlicher Sauberkeit und bestechender Klarheit hat er einen Spiegel der Geschichte von 1918 bis 1945 gegeben, jener schicksalsschweren Epoche Deutschlands, in der er angeblich nur hinter dem Schreibtisch in seinem Büro gesessen hat. Wohl fehlt es nicht an Werturteilen, zustimmenden und ablehnenden, aber sie bewegen sich, vorsichtig formuliert, immer nur am Rande des Geschehens, das er als Chronist wiederzugeben versucht. Um sein eigenes Ich schleicht er vorsichtig herum. So, als ob er weder innerlich noch äußerlich daran beteiligt gewesen wäre. Trotz alledem muß der objektive Kritiker anerkennen, daß sich unter den heutigen Veröffentlichungen über das Werden und Vergehen der ersten deutschen Republik nur wenige befinden, die ein so übersichtliches, oft spannendes - Bild in gedrängter Sprache von dem geben, was jetzt hinter uns liegt. Es ist ein ergreifendes Lehrbuch, das uns, Seite auf Seite, zeigt, wie eine aus Trümmern geborene Demokratie zerschellen muß, wenn Revanchegeist und Kurzsichtigkeit, drinnen und draußen, sich, wenn auch unbewußt, in die Hände arbeiten und so die Grundlagen eines Aufbaus erschüttern, bis der ganze Bau zusammenbricht.

Aus der Fülle des Materials, das Meißner, sorgfältig geordnet, zusammenträgt, springt einiges heraus, das noch nicht bekannt ist und das heute, nachträglich, manche Situation erhellt. Als Wilhelm 11. im November 1918 die Armee verließ und in Holland eine Zuflucht suchte, hatte ein Generalstabsoffizier an der Front mit schrillem Hohn ausgerufen: „Seine Majestät der Kaiser und König haben gnädigst geruht zu desertieren.“ Dieses Wort gab damals die Stimmung des Heeres über den kaiserlichen Schritt wider. Maßgebende Politiker der Rechten traten im Frühjahr an den Feldmarschall von Hindenburg und einige andere Generäle mit der Bitte heran, durch eine gemeinsame Aeußerung dieser abträglichen Kritik an dem kaiserlichen Entschluß entgegenzutreten. Insbesondere sollten sie hervorheben, daß sie den Monarchen zu diesem entsagungsvollen Schritt veranlaßt hätten und hierfür als seine Ratgeber die Verantwortung trügen. Meißner fährt fort: „Aus Unterhaltungen mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg erfuhr ich später, daß diese Erklärung mehr aus Vasallen-Treue und zur persönlichen Ehrenrettung des Kaisers als zur Feststellung der geschichtlichen Tatsachen abgegeben worden ist. In Wirklichkeit haben weder Hindenburg noch einer der beiden anderen Generäle dem Kaiser eine Flucht ins Ausland empfohlen.“ Ein anderes. Zehn, elf Jahre später. Im Reichstage regierte damals die Große Koalition, die sich von der Deutschen Volkspartei über das Zentrum und die Demokraten bis zu den Sozialisten erstreckte. Trotz allen Stürmen der Not hatte dieses Zusammengehen der Mitte das Staatsschiff durch die zahlreichen Klippen gesteuert. Als dann aber, im Zeichen der Wirtschaftskrise, die Stimmen der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten von Wahl zu Wahl wuchsen, wichen die Deutsche Volkspartei, nach dem Tode Stresemanns, aus Besorgnis um ihren Parteibestand, nach der rechten und die Sozialdemokraten, aus Furcht vor einer Ueberflügelung durch die Kommunisten, nach der linken Seite aus. Was blieb, war ein parlamentarisch lebensunfähiger Torso. Der Reichspräsident mußte, da keine Regierungsmehrheit zustande gebracht werden konnte, die Führung der Politik selbst in die Hand nehmen Und mußte, nacheinander, drei Präsidialkabinette bestellen. Auf Brüning folgte Papen, und Papen wurde abgelöst von Schleicher. Und dann kam Hitler. Von 1925 bis 1930 hatte es keine Ausnahme-Verordnung gegeben. Dann aber ging es los. Bis zum April 1931 wurden neben neunzehn formellen Gesetzen zwei Notverordnungen erlassen. Von April bis Dezember desselben Jahres kam überhaupt kein einziges normales Gesetz mehr zustande. Dagegen waren vierzig Notverordnungen erforderlich. Im Jahre 1932 erschienen nur fünf Gesetze, aber neunundvierzig Ausnahmeverordnungen. Der Reichstag hatte sich durch seine Arbeitsunfähigkeit selbst ausgeschaltet. 1930 gab es noch vierundneunzig Sitzungen. 1931 nur noch einundvierzig und 1932 lediglich dreizehn. Die Parteien waren impotent geworden. Die Geschehnisse gingen über sie hinweg. Die Verfassung war zu einem Stück Papier geworden.

Hitler: das ist ein Kapitel für sich. Kein Wort darüber, wie Meißner, der ihn eben noch, allerdings im Auftrage Hindenburgs, schroff abgelehnt hatte, dann doch den Weg zu ihm fand und die ganzen Jahre getreu an seiner Seite blieb. Das ist die größte psychologische Lücke. Wie so oft, wenn sein Charakter Sprünge macht, wird man versucht, an seine eigene Schulzeit zu denken. Wenn es brenzlig wurde erhob man den Finger und sagte schüchtern: „Herr Lehrer, ich muß mal raus!“ Also, er ist da und er bleibt da, die ganzen zwölf Jahre, macht alles mit, an der Quelle sitzend, aus der alles Unheil kam, beschränkt sich auf seine Büroarbeit und bearbeitet, wie er in dem Nürnberger Prozeß gegen die Wilhelmstraße aussagte, in der Hauptsache Gnadengesuche. Nüchtern. Realistisch. Korrekt. Diszipliniert bis zur Entpersönlichung. Kultiviert nur nach innen. Er will sich allerdings, wie er später vor dem Gericht bekundet, für Juden und Insassen der Konzentrationslager und für verschleppte Personen aus den besetzten Gebieten (vorsichtig, wie die Lage es erfordert) eingesetzt haben. Als Adam den Sündenfall im Paradies begangen hatte, verbarg er sich. Und als der Herr kam und ihn suchte, rief er: „Adam, wo bist du?“ Das möchten auch wir immer wieder in diesem Buche fragen. Er selbst, der hinter den Kulissen über zwei Jahrzehnte einen überaus einflußreichen, wenn auch indirekten persönlichen Einfluß auf die Spitze des Staates ausgeübt hat, zugegeben weniger auf Hitler, schweigt sich darüber in und zwischen den Zeilen in sieben Sprachen aus, um ein Wort Schleiermachers zu gebrauchen. Er versteckt sich hinter den andern und versteckt sich hinter seinem eigenen Ich. Er macht sich selbst zum Bürokraten, zum Registrator, zum Briefträger. So sollen seine Erinnerungen erscheinen als die Bekenntnisse eines Briefträgers, der allerdings die meisten Briefe selbst geschrieben, aber von einem anderen, von der höchsten Staatsstelle hatte unterschreiben lassen.

Berger mird ausgeliefert

Frankfurt, 24. November (dpa). Oberkommissar McCloy kündigte an, daß der Deutsche Wilhelm Berger aus Wiesloch bei Heidelberg an Frankreich ausgeliefert wird. Die Entscheidung über die Auslieferung Heinrich Bechtels aus Heidelberg ist vertagt worden. Bechtel und Berger sollen in Frankreich vor Gericht gestellt werden, weil sie während des Krieges französische Zivilisten ermordet haben sollen.

Ein bemerkensmerter Orden

Paris, 24. November. (AP.) Ein neuer Orden für Bandenbekämpfung auf sowjetischem Boden ist mit einem Erlaß des Obersten Sowjets gestiftet worden, gab der Moskauer Rundfunk bekannt.

Die Medaille wird für „besondere Tapferkeit bei der Liquidierung plündernder Banditengruppen“ verliehen werden. Mit dieser Meldung wurde von sowjetischer Seite erneut das Vorhandensein organisierter illegaler Gruppen bestätigt.

„Stürmt die Bastille Nationalstant!“

3000 junge Europäer wollen in S traßburg demonstrieren

Von einem an der Kundgebung teilnehmenden jungen Mitglied unserer Redaktion

Ha. Straßburg, 24. November. Am Freitagnachmittag, fünf Minuten nach 3 Uhr, hoben sich bei Fischbach an der Grenze nach Lothringen die deutschen und franzöischen Grenzschranken. Achthundert junge Deutsche überschritten ohne Paß und Visum und ohne von deutscher oder französischer Grenzpolizei gehindert zu werden, die Grenze nach Straßburg.

Diese achthundert Jungen und Mädchen — Studenten, Angestellte, Handwerker, Arbeiter, Vertreter der Jugend aus allen Schichten, waren zusammen mit zweitausend jungen Europäern aus allen freien Ländern Europas einem Aufruf der Professoren Michel Mouskhely und Marcel Mille gefolgt, „gegen die Untätigkeit der Nationalregierungen zu protestieren, die ohne Unterlaß ein vereinigtes Europa fordern und sich mit der gleichen Beharrlichkeit weigern, die zu seiner Verwirklichung notwendigen Schritte zu unternehmen“.

Unter dem Jubel der Bevölkerung

Unter der Führung von Mouskhely und Mille hatten am vergangenen 6. August dreihundert junge Europäer die Grenzpfähle bei St. Germanshof niedergerissen. Am Freitag rollte eine über zwei Kilometer lange Omnibuskolonne mit unzähligen aufgerollten Europaflaggen auf die Grenze zu. Mouskhely benachrichtigte davon in Straßburg den europäischen Aktionsrat und die Präfekturen und die deutsche Grenzpolizei.

Niemand wagte es, diesen Aufmarsch aufzuhalten oder zurückzuweisen, zumal die Jungen angekün- digt hatten, im Weigerungsfälle den Grenzübertritt zu erzwingen.

So stand deutsche und französische Gendarmerie jubelnd zu beiden Seiten der hochgezogenen Grenzstangen. Französische Offiziere salutierten vor den Flaggen des Vereinigten Europas —

dem weißen E auf grünem Grund. In den Grenzdörfern zu beiden Seiten eilten die Einwohner auf die Straßen. Die Mütter hoben ihre Kinder hoch, alle riefen und winkten der deutschen Omnibuskolonne zu. Ungehindert rollte die deutsche Autokolonne, die in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag von allen Hauptstädten Westdeutschlands gestartet war, durch Lothringen nacli Straßburg. In Straßburg wurden die Deutschen von ihren zweitausend Kameraden aus Italien, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen und England mit Hochrufen und Fahnen empfangen.

„Stürmt die Bastille Nationalstaat!“, steht auf den Transparenten, mit denen diese dreitausend jungen Europäer vor dem Europahaus in Straßburg demonstrieren wollen. Sie wollen den Regierungen klarmachen, daß sich die Jugend „nicht weiterhin mit Ministerreden zufriedengeben wird“ und sie wollen schwören, nicht eher zu ruhen und nicht eher aufzuhören, die Regierungen unter Druck zu setzen, bevor ein geeinigtes, freies, föderalistisches Europa geschaffen werde. Sie wollen nicht eher aufhören, für Europa zu arbeiten, bis die Bastille Nationalstaat endgültig gefallen ist.

Mit leeren Händen

Adenauer trägt Francois-Poncet deutsche Bedenken vor

Bonn, 24. November. (AP.) Bundeskanzler Dr. Adenauer suchte am Freitag den französischen Oberkommissar Fran-Cois-Poncet auf, um mit ihm aktuelle politische Probleme zu besprechen, gibt das Bundespresseamt bekannt.

Aus Kreisen, die dem Kanzler nahestehen, verlautet, Adenauer habe den Oberkommissar darauf aufmerksam gemacht, daß die unklare alliierte Haltung zu zahlreichen deutschen Problemen, vor allem zur Wiederaufrüstung, zu einer gewissen innerpolitischen Mißstimmung geführt habe. Adenauer habe vermutlich darauf hingewiesen, daß die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen nicht zuletzt eine Antwort auf diese alliierte Haltung gewesen seien.

Adenauer habe in der letzten Zeit stets mir leeren Händen, ohne Konzessionen von den Alliierten, vor die deutsche Bevölkerung hintreten müssen, und sei nicht in der Lage gewesen, dem Bundestag irgendwelche Informationen darüber zu geben, welcher Art der deutsche Beitrag an der westlichen Verteidigung sein und unter welchen Bedingungen er erfolgen solle.

Der Kanzler habe daher wahrscheinlich bei der heutigen Konferenz Erleichterungen auf dem Gebiet der Kohlenhydrierung, des Lebensmittelim- und -exports und die Aufhebung der letzten Beschränkungen auf dem Gebiet des Schiffsbaues besprochen. Gleichzeitig habe man vermutlich darüber gesprochen, wie lange das Besatzungsstatut überhaupt noch aufrechterhalten werden solle.

Der Finanzausagleich

Eine Konferenz der Länderminister

bb. Koblenz, 24. November. (Eigener Drahtbericht.) Unter dem Vorsitz des hessischen Finanzministers Dr. Hilpert trafen sich am Freitag auf dem Ritterstur z die Länderfinanzminister. Auch Bundesfinanzminister Dr. Schäffer war zugegen.

Hinsichtlich des Finanzausgleichs der Länder ist eine Vereinbarung getroffen worden, daß von den Ländern, die zahlen müssen, 210 Millionen Mark an Vorschuß für die Länder, die Finanzausgleich erhalten sollen, gegeben werden. Es handelt sich um die Länder Schleswig-Holstein (95 Millionen), Niedersachsen, Rheinland-Pfalz (21 Millionen) und Bayern. Wie die „Allgemeine Zeitung“ weiter erfährt, sind steuerliche Maßnahmen zur Exportförderung erörtert worden. Einzelheiten sollen in Kürze ausgearbeitet werden.

Die Delegation der kommunistischen chinesischen Regierung, die an den Beratungen über Formosa teilnehmen soll, traf in Neuyork ein.

McCloy: Großzügiger denken!

Eine Rede des amerikanischen Oberkommissars in Kiel

Kiel, 24, November (AP.) In einer Rede vor Studenten und Professoren der Kieler Universität erklärte der amerikanische Oberkommissar McCloy, Deutschland habe heute die Möglichkeit, Europa einen starken Antrieb zur Einheit zu geben. Das verlange manchmal auch, daß Deutschland und das deutsche Volk großzügiger dächten als seine europäischen Nachbarn.

Auf die Frage der Verteidigung der Freiheit eingehend, erklärte McCloy: „Niemand kann Ihre Freiheit für Sie erhalten. Das Beste was andere dabei tun können, ist. Ihnen dabei zu helfen. Wenn wir uns mit dem kritischen Problem der Verteidigung gegen kommunistische Angriffe auseinandersetzen, dann wird die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns klar.“

Der Oberkommissar wies darauf hin, daß Deutschland in den kommenden Wochen wesentliche neue Verantwortungen und Machtbefugnisse übernehmen werde. Die Alliierten in Deutschland arbeiteten darauf hin. daß Deutschland eine gleichberechtigte und ehrenvolle Rolle spielen könne.

Eine alliierte Kommission untersuche zur Zeit die Möglichkeiten des Schutzes der deutschen Zivilbevölkerung vor Luftangriffen, sagte McCloy auf eine Frage deutscher Journalisten, wie sich die Amerikaner die Verteidigung Europas dächten, nachdem alle Luftschutzbunker und -befestigungen in den Nachkriegs jähren in Deutschland geschleift worden seien.

Die Deutschen brauchten nicht zu befürchten. daß die amerikanischen Verteidigungsmaßnahmen in Europa zum Kriege führen würden. Niemand in Europa würde das Risiko auf sich nehmen, einen Präventivkrieg zu beginnen.

Deutschlands bester Beitrag zur europäischen Verteidigung sei die Kohle. Das rheinische Industrierevier stelle das Zentrum der europäischen Verteidigung dar.

Partifanenkämpfe in Burma

Rangun, 24. November. (AP.) Burmesische Partisanen haben am Freitag in Stärke von über 1700 Mann zwei befestigte Ortschaften in Nordburma angegriffen. Zu schweren Kämpfen kam es besonders vor der Stadt Moywa, die erbittert von den Regierungstruppen verteidigt wurde.

In wenigen Zeilen

Wegen Zusammenarbeit mit den Kommunisten sind in Korea bisher 877 Personen zum Tode verurteilt worden.

Der kommunistische „Weltfriedensrat“ wählte zum Vorsitzenden den französischen Atomforscher Joliot-Curie.

Der britische Staatsminister für Schottland, Hector McNeil, mußte seine geplante Vortragsreise in Kanada absagen, da im britischen Parlament nämlich für die Regierung Attlee eine neue Kampfabstimmung zu erwarten ist.

Norwegen hat der Errichtung eines Konsulates der Bundesrepublik in Oslo zugestimmt.

Zwei Kompanien amerikanischer Infanterie sind wieder in Berlin eingetroffen.

Oberkommissar Francois-Poncet hat die Absicht, sich dafür einzusetzen, daß das Urteil gegen Großadmiral Dr. Raeder revidiert wird.

Das Berliner Stadtparlament empfahl einstimmig, den Steuerfreibetrag bei Weihnachtsgratifikationen für West-Berlin auf 200 Mark zu erhöhen.

Oberkirchenrat Dr. Hermann Ehlers hat auf Glückwünsche zu seiner Berufung als Bundestagspräsddent geantwortet, daß er weiterhin Oberkirchenrat der Landeskirche Oldenburg bleiben werde.

Dr. Kurt Sieveking, der Hamburger Senatssyndikus, gilt als erster Anwärter für den Posten des deutschen Generalkonsuls in Schweden.

Stimmen der Anderen

Das Kompromiß?

Im „Figaro“ berichtet der Washingtoner Korrespondent des Blattes:

„Die in Washington tagenden Militärsachverständigen der Atlantikpaktmächte haben in großen Zügen die Kompromißlösung über die Aufrüstung Westdeutschlands ausgearbeitet, die den amerikanischen und französischen Wünschen auf einer mittleren Linie entgegenkommt. Der Plan sieht deutsche Kampfgruppen in Höhe von höchstens viertausend Mann vor, von denen zur Lösung taktischer Aufgaben jeweils drei zusammengefaßt werden könnten. Befehlsmäßig wird jedoch jede Kampfgruppe direkt dem alliierten Oberkommando unterstellt sein.“

Eine derartige Konstruktion, heißt es weiter, würde die Wiedererrichtung des deutschen Generalstabes unmöglich machen und auf lange Z^t verhindern, daß sich eine Schicht von Divisionsbefehlshabern heranbilde. Dies stelle eine gute Sicherheit dar, da bekanntlich für das Entstehen einer organisierten Militärmacht das Vorhandensein von Führungsstäben auf der Divisionsebene notwendig sei.

„Operation für die Katz“

Im „T a gesspiege 1“ lesen wir:

„Die Sicherheitsbehörde, die ihren Sitz in Berlin hatte, will jetzt nach Koblenz umziehen, wofür es offensichtlich keinen anderen Grund gibt, als daß diese Institution für ihre abgelegenen Aufgaben auch einen abgelegenen Hintergrund benötigt. Das Amt ist, wie ein amerikanischer Journalist ironisch bemerkte, dafür verantwortlich, daß Westdeutschland bis auf die letzte Platzpatrone abgerüstet bleibt. Gestern nun hat das Amt seinen Umzug von Berlin nach Koblenz begonnen. Und dieser Umzug wird, wie der Associated-Press-Korrespondent George Boultwood berichtet, sechs Wochen dauern und etwa 16 Millionen DM kosten. Dem deutschen Steuerzahler werden für Umzug und Neuetablierung in einem restaurierten Schloß rund 20 Millionen DM angerechnet. Aus eigenen Mitteln werden die Alliierten eine Million Dollar zu dem Unternehmen beisteuern. Das seit neunzehn Monaten arbeitende Amt für militärische Sicherheit sollte ursprünglich eine Lebensdauer von zehn bis zwanzig Jahren haben. Allerdings gibt es auch bei den Alliierten Leute, die sich fragen, ob der Aufwand an Geld und Energie angesichts der russischen Aggressionsdrohung nicht besser genutzt werden könnte.“

Stärkere Mitverantmortung

Ein Schreiben Blüchers an Dr. Adenauer

Bonn, 24. November, (dpa) Vizekanzler Minister Blücher hat sich im Namen seiner Partei in einem Schreiben an Bundeskanzler Dr. Adenauer für eine stärkere Beteiligung der FDP an der Mitverantwortung der Politik der Bundesregierung ausgesprochen. Blücher setzt sich darin für ein Außenministerium und für das Aufteilen verschiedener Ministerien wie Finanz- und Wirtschaftsministerium zugunsten kleinerer Ministerien ein.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

72)

Monsieur Broussais verzog während dieses Berichtes keine Miene. Als Henriette geendet hatte, nahm er aus den Papieren vor ihm ein Blatt heraus und reichte es ihr hin. Es war ein Bogen von dem Briefpapier der Herzogin, und obwohl es keine Anrede und kein Datum trug, erkannte Henriette in dem Schreiben einen Brief wieder, den die Herzogin an sie selbst gerichtet hatte. Er begann:

„Wir sollen uns nicht zur Ruhe begeben, ohne Frieden mit unserem Nachbarn geschlossen zu haben, und es scheint mir, daß der Beginn eines neuen Jahres uns ganz besonders dazu verpflichtet, allen unseren Hader zu vergessen und alten Streit zu begraben.“

Aha, dachte Henriette, als sie auf die bekannten Schriftzüge niederblickte, sie sind also bereits bei Madame Le Maire gewesen und haben die Schatulle aufgebrochen, in der ich meine Papiere verwahre.

„Diesen Brief“, erklärte sie, „schrieb mir die Herzogin im vergangenen Jahr. Ich erhielt ihn zusammen mit einem Armband als Neujahrsgeschenk. Ich erinnere mich besonders gut daran, weil sie von diesem Zeitpunkt ab tatsächlich wie umgewandelt war; sie ging mit mir und ihren Tächtern ins Theater und sprach sogar mit mir über deren Heiratsaussichten. Sie bat mich, meinen Einfluß auf den Herzog in dieser Angelegenheit geltend zu machen; aber das mußte ich natürlich ablehnen, weil ich mich nicht in so persönliche Dinge einmischen wollte.“

Der Brief wanderte wieder auf den Tisch vor den Untersuchungsrichter, und neue Fragen folgten: über den Grund und das genaue Datum ihrer Entlassung, und ob sie den Herzog danach noch gesehen habe. Dann wieder wollte man wissen, wo und wie sie die Nacht zum 18. August verbracht hatte, auf welche Weise sie zuerst von der Tragödie gehört habe und warum sie nicht mehr bei Madame Le Maire gewesen sei, als die Gendarmen sie dort suchten. Aber die nächste Frage erst ließ sie hochfahren und mit entsetzten Augen den Fragenden anstarren.

„Wissen Sie auch, daß der Herzog eine schwere Anklage zu gewärtigen hat? Wissen Sie, daß er im Verdacht steht, seine Frau ermordet zu haben?“

„Nein, nein!“ Hilfesuchend wandte sich ihr Blick von einem zum andern. „Sagen Sie mir, daß es sich nur um ein unbegründetes Gerücht handelt. Ich kann nicht glauben, daß er es getan hat. Er konnte es nicht einmal ertragen, seine Kinder auch nur an einer geringfügigen Unpäßlichkeit leiden zu sehen. Bitte, sagen Sie mir, daß es nicht wahr ist — was Sie eben sagten!“

Aber niemand antwortete ihr darauf; man beobachtete sie nur, um festzustellen, welchen Eindruck diese Nachricht auf sie machen würde. Das Schweigen verriet ihr, daß es sich hier nicht um irgendein phantastisches Gerücht handelte. Es konnte aber doch nicht wahr sein, und wenn es doch... Sie mußte ihnen ganz einfach begreiflich machen, welche Rolle sie unwissentlich in dieser Tragödie gespielt hatte. Der Brief! Das durfte sie ihnen nicht verschweigen. Blitzartig kam ihr die Ueberzeugung, daß sie allein den Schlüssel zu diesem grauenvollen Rätsel besaß. Jenes Empfehlungsschreiben war im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Blut der Herzogin geschrieben worden.

Die Knie zitterten ihr; ihre Hände öffneten und schlossen sich wie im Krampf. Sie hörte sich beschwören, stammeln, flehen — nicht anders als Madame Le Maire gestern.

„Ich bitte Sie, meine Herren, hören Sie mich an. Er hätte niemals etwas so Entsetzliches tun können ... aber wenn er doch irgend etwas damit zu tun haben sollte — mein Gott, dann ist es meine Schuld, weil ich zuviel von ihm verlangte. Ich liebte die Kinder, ich vergötterte sie. Ich war ein Feigling, weil ich mich nicht in mein Schicksal ergab. Ich schrieb ihnen. Sie können die Briefe selbst sehen. Ich erzählte ihnen, wie unglücklich ich wäre, daß ich nicht länger leben wollte. Ich fürchtete mich vor der Zukunft. Oh, wie unrecht von mir! Ich hätte meinen Kummer für mich behalten sollen und so tun, als hätte ich mich mit allem abgefunden, als wäre ich glücklich in dem Dachzimmerchen. Ich hätte sie bitten müssen, mich zu vergessen und nur mehr an ihre Mutter zu denken. Aber ich hatte nicht den Mut dazu. Ich war verzweifelt und wollte sterben. Ich nahm Laudanum, aber unglücklicherweise wurde ich ins Leben zurückgerufen, und das Leben war mir doch so verhaßt. Nach den sechs glücklichen Jahren mit den Kindern, die ich liebte und die mich liebten, schien mir die plötzliche Leere unerträglich. Jetzt verstehe ich alles und jetzt ist es zu spät. Er muß zu seiner Frau gegangen sein, um jenen unglückseligen Brief, den sie mir versprochen hatte, von ihr zu fordern. Sie hat es ihm dann abgeschlagen und dann... Sie sehen, ich bin die Schuldige. Schreiben Sie es dort in Ihre Akten — schuldig!“

Monsieur Broussais’ knappe, kühle Stimme unterbrach ihren Ausbruch mit ironischem Tonfall.

„Es scheint kaum glaublich, daß ein solcher Gefühlsüberschwang, solch großartige Worte, wie Sie sie eben benutzten, sich auf Kinder beziehen. Haben Sie diese verzweifelten Briefe, von denen Sie sprachen, nur an die Kinder gerichtet?“

„Ja, Monsieur.“ Sie begegnete freimütig seinem Blick. „Ihnen mag mein Gefühl für die Kinder überschwenglich erscheinen, aber können Sie nicht versuchen, mich zu verstehen? Ich will auch nicht abstreiten, daß sich in meine Liebe zu den Kindern eine aufrichtige Zuneigung zu ihrem Vater mengte, der immer so gut und rücksichtsvoll gegen mich war“. Ihre Stimme brach in einem Schluchzen; dann fuhr sie aber fort, und immer schneller und lauter kamen ihre Worte. „Aber ich habe keine Sünde begangen, keinen Ehebruch — denn das ist es doch, woran Sie alle denken. Hätte ich mich dessen schuldig gemacht, würde ich doch niemals wieder die Kinder haben ansehen können. Ich betrachtete sie fast wie meine eigenen Kinder, aber vielleicht ist es nicht richtig von mir, so zu sprechen. Und doch war es so. Können Sie denn nicht verstehen, daß eine solche Liebe rein und ohne Sünde sein kann?“

Frage folgte auf Frage, und sie hielt diesem Geschoßhagel richterlicher Spitzfindigkeiten unbeirrt stand. Jetzt, nachdem sie sich von ihrem ersten Schock erholt hatte und ihre Geistesgegenwart wiederkehrte, zeigte sie sich seinen sarkastischen Anzüglichkeiten und seinen Unterstellungen besser gewachsen. Sie begegnete seinem Angriff mit erhobenem Kopf und so sicheren, wohlgezielten Worten, daß alle sie überrascht anblickten; und sogar der Untersuchungsrichter hörte ihr wider Willen mit größerer Achtung zu. Sie wußte, daß er nur darauf wartete, sich wie ein Adler auf das erste Wort von ihr zu stürzen, dem ein zweideutiger Sinn unterschoben werden konnte, um nichts durchzulassen, was sich in ein belastendes Moment gegen sie verdrehen ließ. Sie war sich daher durchaus darüber klar, wieviel von ihren Antworten abhing. Es genügte nicht, die Wahrheit zu sprechen und nichts als die Wahrheit; man mußte ebenso schlau wie ehrlich sein.

Draußen stand die Mittagssonne hoch über den Dächern von Paris und über der metallisch glitzernden Seine, deren Arme die Ile de la Cite mit dem Justizpalast und der Conciergerie umspannten In dem engen Zimmer war die Luft stikkig geworden, und das unbarmherzige Sonnenlicht stach durch die ungeschützten Fenster. Die Gesichter der Männer glänzten vor Hitze; Monsieur Broussais mußte immer wieder den Schweiß von seiner Stirn und seiner Brille wischen. Hennettes Taschentuch war nur noch ein Knäuel in ihrer Hand; sie schob sich das feuchte Haar aus dem Gesicht und nahm dankbar das Glas Wasser, das ihr ein Gerichtsdiener reichte.

(Fortsetzung folgt)

Feuilleton

Kleist’s letzte Stunden

VON FRITZ VON WOEDTKE

V°n Homburg: „Ach, wie die Nachtviole lieblich duftet! spurst du es nicht?“ Stranz: „Es sind Levkojen und Nelken“

.™? yarf ihm die Levkojen übers Gitter, sie fielen auf sein Herz — gerade dorthin, wo sein Herz gebettet sein mußte, im barg, an jenem Novembertag. Da lagen sie nun, zwei rote und eine weiße, als kämen sie meht mehr von mir, und ich brauchte nicht mehr verlegen zu sein. Von der btraße her hörte ich junge Stimmen, die naherkamen, laut und ahnungslos. Sie mundeten im Eingang des Bootshauses, das so nah an diesem Grabe liegt wie das Leben dem Tod überhaupt.

Ich sah auf die Uhr, und dachte, daß der Wächter bald kommen werde, um den kleinen Todespark abzuschließen. Die Eiche wächst immer höher, die sie dir gepflanzt haben! Kleist, dachte ich . . . weißt du es noch, wie du hinausfuhrst nach Stimmings, nach dem Gasthof, zwischen dem großen und dem kleinen Wannsee, mit dieser Henriette Vogel? Wie ihr am Gasthaustisch saßet, befremdliche Gäste aus Berlin, ein sterbenswundes, ganz schon vom andern Leben durchglühtes Paar? Preußisch aber warst du bis zuletzt, denn gewissenhaft schriebst du, mitten in dem „Triumphgesang“, den deine Seele in diesem Augenblick des Todes anstimmte: „Ich habe nämlich vergessen, meinen Barbier für den laufenden Monat zu bezahlen, und bitte, ihm 1 Thaler ä Vs Courant zu geben, die Sie eingewickelt in dem Kasten der Mad. Vogel finden werden.“ Und am selben Tisch: „Möge dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit dem meinen gleich . . .!“

Wir müssen es ihm wohl glauben, daß er strahlend und heiter ins Sterben ging, obwohl ihm jene fremde Frau sehr zugesetzt haben muß. „Ein Strudel von nie empfundener Seligkeit“, schreibt er zwar, „hat mich ergriffen, und ich kann dir nicht leugnen, daß mir ihr Grab lieber ist als die Betten aller Kaiserinnen der Welt.“ Gleich darauf aber: „Die Vogel bemerkt noch, daß zu dem Koffer mit dem messingnen Vorhängeschloß, der in Berlin in ihrer Gesindestube steht, und worin viele Kommissionen liegen, der Schlüssel hier versiegelt in dem hölzernen Kasten liegt. — Ich glaube, ich habe dies schon einmal geschrieben, aber die Vogel besteht darauf, daß ich es noch einmal schreibe.“

Preußens brennender Genius — mit kleinen Erledigungen für „die Vögeln“ beschäftigt: Vergessen, den Barbier zu zahlen . . . Triumphgesang, den meine Seele anstimmt . . .? Das sind die beiden Pole unseres Lebens, mußte ich denken.

Es begann leise vor sich hinzuregnen. Auf einem vergoldeten Lorbeerkranz, der feierlich und spröde auf dem Stein lag, verfingen sich die ersten Tropfen. Aber die Eiche wuchs immer über dem Grab. Du großer Widerspruchsgeist Kleist, mußte ich denken: würdest du auch, wenn du heute noch leben würdest, diesen Tod gewählt haben müssen? Sind nicht am Ende alle Dichter verlorene Söhne? Und um wieviel mehr du, der du als Offizier ein Dichter warst, als Dichter noch Offizier.

„Meine liebste Marie“, schreibt Kleist aber, „wenn du wüßtest, wie der Tod und die Liebe sich abwechseln, um diese letzten Augenblicke meines Lebens mit Blumen, himmlischen und irdischen Dingen zu bekränzen, gewiß, du würdest mich gern sterben lassen. Ach, ich versichere dir, ich bin ganz selig . . .!“

In seiner letzten Nacht schreibt Kleist diese Zeilen, und vom Hausknecht des Gasthofs wird später berichtet, daß die ganze Nacht hindurch in den Zimmern der beiden Licht gewesen und daß sie vor den Kerzen auf- und abgegangen seien, um dann sich wieder hinzusetzen und zu schreiben: „Der Himmel weiß, meine liebe treffliche Freundin, was für sonderbare Gefühle, halb wehmütig, halb ausgelassen uns bewegen, in dieser Stunde, da unsere Seelen sich wie zwei fröhliche Luftschiffer über die Welt erheben . . .“

Die Vogel aber schreibt im Nebenzimmer:„Mein sehr werter Freund, Ihrer Freundschaft, die Sie für mich bis dahin immer so treu bewiesen, ist es Vorbehalten, eine wunderbare Probe zu bestehen, denn wir beide, nämlich der bekannte Kleist und ich, befinden uns hier bei Stimmings auf dem Wege nach Potsdam in einem sehr unbeholfenen Zustande, indem wir erschossen daliegen . . .“

Und dann der Auftrag: „Für die 10 Thaler Courant wünschte ich eine recht schöne blaßgraue Tasse, inwendig vergoldet, mit einer goldenen Arabeske auf weißem Grunde zum Rand, und am Obe.rkopf meinen Vornamen, die Facon, wie sie jetzt am modernsten ist.“

Man sieht sie vor sich sitzen, ein wenig selbstgefällig noch in diesem Augenblick — „der bekannte Kleist und ich“, schreibt sie — und sie ist recht darauf bedacht, daß ihr Mann die Tasse mit ihrem Namenszug ja rechtzeitig zu Heiligabend als Ueberraschung bekommt. Nebenan schwankt der todesselige Kleist an den herunterbrennenden Kerzen vorbei, die ganze letzte Nacht. Und manchmal geht er zum Fenster und horcht auf die Stille.

Bis zuletzt war also dieser verteufelt einsame Kleist noch allein, das ist ganz gewiß, wenn er es auch dadurch ableugnen wollte, daß er, die Vögeln mit sich nahm. War der Freitod für ihn ein Fest, das man ausschmücken mußte, so wie die Poeten des späten Rom es getan hatten? Oder starb er aus Verantwortungsgefühl gegen sein Werk einen harten Pflichtentod? Wir wissen es nicht.

Aber das Manuskript seines „Prinz von Homburg“ lag irgendwo — ungedruckt, unbekannt, ungeschätzt — unter seinen Hinterlassenschaften. •

Die Levkojen bedeckten den Efeu. Rot und weiß schimmerten sie. Der Regen fiel stumm in glitzernden Tropfen. Ich schlug den Kragen des Regenmantels hoch und genoß die Reinheit der Stunde.


Wir Toten, wir Toten sind größere Heere als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere. Wir pflügen das Feld mit geduldigen Taten, ihr schwinget die Sichel und schneidet die Saaten. Und was wir vollendet, und was wir begonnen, das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen, und all unser Lieben und Hassen und Hadern, das klopft noch dort oben in sterblichen Adern. Und was wir an gültigen Sätzen gefunden, dran bleibt aller irdische Wandel gebunden, und unsere Töne, Gebilde, Gedichte erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte. Wir suchen noch immer die menschlichen Ziele — drum ehret und opfert, denn unser sind viele. Conrad Ferdinand Meyer
Wir Toten, wir Toten sind größere Heere als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere. Wir pflügen das Feld mit geduldigen Taten, ihr schwinget die Sichel und schneidet die Saaten. Und was wir vollendet, und was wir begonnen, das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen, und all unser Lieben und Hassen und Hadern, das klopft noch dort oben in sterblichen Adern. Und was wir an gültigen Sätzen gefunden, dran bleibt aller irdische Wandel gebunden, und unsere Töne, Gebilde, Gedichte erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte. Wir suchen noch immer die menschlichen Ziele — drum ehret und opfert, denn unser sind viele. Conrad Ferdinand Meyer

Der Tod ist allgegenwärtig

Wir gedenken der Toten. Und doch sind es nur die vorderen Reihen, ein bis zwei Generationen, die unsere Trauer umschließt. Denn über die längst Dahingeschiedenen breitet die Zeit liebevoll die Decke des Vergessens.

Herbsthimmel schattet seine Düsternis über unseren Friedhof. Starr und unerbittlich mahnen die steinernen Äfale. Blätter tropfen von den Zweigen wie Tränen. Im Geflecht der Lebensbäume nisten Geheimnisse. Windstöße suchen sie herauszureißen. Es ist kalt und naß und niederdrückend.

An den Gräbern aber stehen Menschen, deren Liebe kein Herbst zu löschen vermag. Ein Kind legt mit klammen Fingern einen Kranz zurecht. Zur Schleife bückt sich eine Mutter und ordnet sie mit sorgender Gebärde. Ueber den glatten Marmor des Kreuzes streicht die zitternde Hand eines Mannes.

Ueber dem Zug derer, die morgen von den Gräbern heimkehren, liegt die Milde der Getrösteten. Gräber lindern den Schmerz, weil an ihnen Gebete eine Stätte und Tränen ein Ziel haben. In vielen Häusern aber, an denen der Zug vorbeizieht, schließen sich die Fenster. Hinter ihnen geißelt die Ungewißheit die Herzen derer, die kein Grab wissen. Unsere Zeit hat das Schlimmere als den Tod gefunden: das Verschwinden. Das Grausamere ist die Frage nach dem Ort des Todes jener, von denen nie eine Nachricht kam, eine Frage, die unaufhörlich ist wie der Pendelschlag der Uhr.

Der Tod ist allgegenwärtig und wird keinem von uns geschenkt. Aber ist er das Zu-Ende? Am Totensonntag steigt die Frage nach unserem Verhältnis zur letzten Stunde wie eine Flamme auf. Für Josef Weinheber war der Tod ein Schlaf. Shakespeare sah ihn mit Entsetzen: „Gehn, wer weiß wohin, daliegen, kalt, eng eingesperrt und faulen.“ Sokrates nahm von den Elfmännern den Giftbecher, als sein Leben ohne Leistung geworden war, und schickte die Frauen fort: „Sterben muß man unter andächtigem Schweigen.“ Für Christoph Hölty war der Tod die große Ueberwindung: „Wandelst über Millionen Sternen, / Siehst die Handvoll Staub, die Erde nicht; / Schwebst im Wink durch tausend Sonnenfernen, / Schwebst vor Gottes Angesicht!“

Dem Christen ist die Gewißheit des ewigen Lebens gegeben. Wir sterben in ein neues Leben Und das ist für alle gleich: für uns, die wir leben, für diese, an deren Gräbern wir Trost Anden, und für jene, deren letzte Stätte wir nicht wissen. U. S.

Liebe in der Lerchengasse

NEU INSZENIERTE OPERETTE IN DER STADTHALLE

Die alte, gute „Gartenlaube“, sie lebt noch. Viele Exemplare von ihr sind der Zeit zum Opfer gefallen, aber einige haben sich mit der anonymen Geheimwaffe der Unverwüstlichkeit gepanzert und — sind noch einmal davongekommen. Gewiß, sie sind leicht lädiert, und um die unschönen Altersflecke nicht zu sehr auffallen zu lassen, hat man sie kurzerhand mit der Schere beschnitten. Man ist sogar so weit gegangen und hat einige Seiten als „zeitlich überfällig“ auf die Verlustliste gesetzt und dafür aus anderen „Zeit“-Schriften neue Bilder und Kapitel eingeheftet, aber der Anzeigenteil, die begehrte Poesie vieler Leserherzen ist geblieben. Es gibt Heiratsannoncen in Menge. Alle sind in der „Lerchengasse“ zu erfragen. Es finden sich das scharmante Hofratstöchterlein (Dita Dreesen) und der wohl distinguierte Dichter (Otto Boettcher); der bohemienhafte, mit Mutterwitz geladene Maler (Joachim Böcker) und der Wirtin temperamentschäumende Nichte (Ruth Wilke). Natürlich meldet sich ein Graf mit grauen Schläfen und gutem Herzen (Alexander Helfmann) und eine exotisch exaltierte Ballerina (Ingeborg Niederberger im schönen Debüt auch als Schauspielerin). Die Suchanzeige einer alten poltrigen, aber liebeheischenden Tante (Martha Kuhn-Liebel) lotst ihren knurrigen Seebären wieder überraschend in den heimatlichen Hafen. Schließlich wird ein blumensüchtiger, bockbeiniger Hofrat (Theodor Maaß) mit blühenden Wundern bekannt gemacht, während ein überspannter Notar (Ferdi Küppers) seine Praxis laut verkündet. Für polizeiliche Verlautbarung zeichnet Eugen Vogt, für gutes Dienstpersonal annonciert Berta Gerhardt. Und mitten zwischen diesen unbeschreiblichen Glücks- und Zufällen preist eine unzerstörte Firma ihre verträumten Spieluhren mit den Rokkokonippes und der geretteten Bijouterie der Nachjahre des tanzenden Wiener Kongresses in der grazilen Einstudierung von Walter Horn an.

Der redigierende Redakteur von heute (Otto Boettcher) hat recht mißtrauisch die Seiten seines Fundes durchblättert. Eines leisen ironisierenden Lächelns (mehr wäre wünschenswerter gewesen) kann er sich durchweg nicht erwehren. Sein Blick schweift öfter einmal auf die erwähnten neu eingehefteten und mehr gegenwärtigen Szenerien ab, traumhaft überblendet er wie im Kino verschiedene Enochen. schlägt auch die Lokalspalte der Zeitung auf, während Kapellmeister Hans Mikorey in die imitierende Singspielmusik rasante Pasos dobles einschaltet. Aber trotz der vielen Bonmots, lustigen Einfälle, der ausgezeichneten Spiellaune aller Beteiligten, der sängerischen musikalischen und regielichen Leistung, der gegenüber das Bühnenbild etwas humorlos war (Elly Büttner), hinterläßt das Stück als Ganzes keine reine Freude mehr. Im Detail wirkt oft herzerfrischend die Pointe, der Witz, die musikalische, tänzerische oder szenische Nummer, also die künstlerische Nüancierung der Akteure. Die Macher der Operette, Herr Hermecke und Herr Vetterling, haben jedoch kaum noch Anteil am Erfolg. Das meinte doch sicherlich auch das Publikum, das wie eh und je seinen Lieblingen auf der Bühne insgesamt größten Beifall spendete und sie zu öfteren Da capos zwang. Auch der Gesamtheit des Ensembles gehört daher hier die Würdigung. Die „Gartenlaube“ wieder neu herauszugeben, ist unmöglich, aber in dieser Art wurde sie doch zu einem lesbaren Blättchen harmlosen Amüsements. G. F.

Wege zum positiven Denken

Im Amerikahaus sprach Martin Steinke, der lange Jahre seines Lebens in Ostasien verbrachte, über das bewußt-positive Den-Von der für uns oft unverständlichen asiatischen Welt. Die positive Gedankenwelt des Fernen Ostens sei ein Wegweiser zum klaren Idi-Bewußtsein. Leiden als Inkarnation östlicher Welterkenntnis sei als Schmerz nicht subjektiv sondern objektiv und damit allen Menschen anhängig. Es sei tragisdi, daß der in der Leidensbetrachtung des Ostens einen Kult, eine Metaphysik erblickt und in Stola oder Weihrauch dessen «ufs’mittel sehe, während der Buddhismus Se Erkenntnis des Leidens als reine Sachlichkeit betrachte, die ihm zur Klarheit des Äens helfen könne. Der Vortragende gab Pinen klaren Abriß der Entwick ungsstufen un^dhistischen Lehre, deren letzte Aufing in den^eden festgehalten sei: die Lehre des Brahman, das durch sich selbst seiende schöpferische und erhaltende Prin¬ ^in der Welt, die Kraft, welche m ahen Wesen verkörpert vor uns steht welche alle Welten schafft, trägt, erhalt und wieder in sich zurückninunt.

Neue Filme in Darmstadt

UNION. — „Föhn“. Ein wahrhaft erfreuliches Wiedersehen mit Hans Albers, dem man mit einiger Spannung und, das sei nicht verschwiegen, auch mit einigem Mißtrauen entgegensah. Hatte doch die Filmindustrie diesen Darsteller wie wenige in ein Schema zu pressen versucht, das ihn immer wieder zwang, als „Hans in allen Gassen“ über die flimmernde Leinwand zu geistern — und das durch einige Jahrzehnte deutschen Films. Es gab nur wenige Ausnahmen. Eine davon „Peer Gynt“ (sie war nicht recht gelungen), eine andere „Münchhausen“ (sie war problematisch). Beide Streifen deuteten aber schon den Weg an, den der alternde Erzkomödiant Albers einmal zu gehen beabsichtigte. Er ist sich und seiner Absicht treu geblieben. Sein Dr. Jensen in „Föhn“ ist ein Prachtkerl. Liebenswert und glaubhaft, trotz des oft hart die Grenzen der Kolportage streifenden Manuskriptes, das dem Dr. Jensen — nachdem er runde zwanzig Jahre seiner in den Bergen umgekommenen Frau nachtrauerte — vorschreibt, für zwei junge Menschen in einem Wettersturz sein Leben zu lassen.

Hans Albers — um es ganz klar auszusprechen — ist mit Erfolg in das Charakterfach hinübergewechselt. Er hat dabei nicht vergessen, das mitzunehmen, was ihn populär machte: Sein großes Komödiantentum.

Seine Mitspieler, der junge Peter (Adrian Hoven) und Maria (Lieselotte Pulver) haben es neben dem einstmals „blonden Hans“ nicht immer leicht. Sie entledigen sich ihrer Aufgabe aber mit Anstand. Besonders von der wirklich entzückenden Lieselotte Pulver wird man nicht das letzte Mal gehört haben. Ausgezeichnet auch die Figur des Bergführers.

Die von den Münchener Philharmonikern gespielte Musik schrieb Mark Lothar. Richard Angst fotographierte die Berge wie immer meisterhaft. Regie führte Rolf Hansen. We.

UNION. — „Lied der Wildbahn“. Ein Bejöhr-Film, Aufnahmen: Heinz Sielmann. Sonntag, 11 Uhr.

Wessen Herz der Natur zugewandt ist und dem Leben «der Geschöpfe auf noch freier Wildbahn, kann sich mit dem Besuch dieses Films eine Feier bereiten. Die besten Bild- und Tonaufnahmen aus jahrelangem geduldigem Warten und Beschleichen, liebevollem Beobachten und mühseliger Kleinarbeit wurden zu einem Streifen von seltener Schönheit aus dem Leben der Tierwelt, dem Jahreslauf folgend, zusammengestellt. Freilich, „Handlung“, „Dramatik“ und „Spannung“ sind darin nicht in dem üblichen Sinne enthalten. Doch wird hier die andere Möglichkeit der Erfindung von Film- und Tongerät in vollkommener Weise genutzt: sichtbar und hörbar zu machen, was sonst Menschenaugen und -ohren verborgen bleibt im Ineinanderwirken von Werden und Vergehen, Daseinslust und Daseinskampf der Geschöpfe. Die Landschaft vor unseren Augen lebt in Licht und Schatten, Schnee und Sonne, Wind und Nebel, Frühlingsschmuck und Herbstlaub —, die unendlichen Scharen der großen und kleinen Wandervögel ziehen, wir vernehmen das Rauschen ihrsr Flügel und ihre Stimmen, sind Beobachter bei der Aufzucht der Brut und dem Spiel der Jungfüchse und schauen Bindings Zeilen: „Wiesen in Andacht, stummes Wild drüber hin“ —, erregende Erlebnisse der Natur, die der moderne Tonfilm vermittelt. Di

THALIA. — „Die blaue Lagune“. Das Märchen einer modernen Robinsonade zu Zweien. Als Kinder werden sie bei einem Schiffbruch auf eine unbewohnte, abseits gelegene Südseeinsel verschlagen und wachsen dort heran, in einem paradiesischen Leben der Natürlichkeit und der Kameradschaft. Zwei Schmierenbanditen versuchen, die Perlen zu bekommen, die der Mann für seine Gefährtin getaucht hat, und die Frau dazu. Es mißlingt, zumal einer den anderen umbringt, die Frau kehrt schwimmend auf die Insel zurück, bei einem Gewitter wird der Sohn geboren, und nach einigen Ueberlegungen startet man zu Dritt zum Aufbruch in die Zivilisation. Ein Filmstoff, der nichts Ungewöhnliches bietet. Aber die Farben und die Herrlichkeit der Landschaft halten den Beschauer in Atem. Ein prachtvoll gemachter Zweikampf zwischen Mann und Riesenkrake lockert die Romantik der Südseeinsel grauenhaft und packend auf. Jean Simmons als das Mädchen wirkt mit ihrer Kindlichkeit überzeugend und anmutig. Donald Houston wurde, wie man sagt, unter viertausend Bewerbern für diese Rolle des Schicksalsgefährten ausgewählt. Daß die Wahl gelang, beweist die Kamera, die einen unbefangenen und menschlichen Mann auf die Leinwand brachte. Die Farben wirken echt und eindringlich, wenn man Berichten von Leuten glauben darf, die schon in der Südsee waren. Es ist ein Film, der gekonnt die bürgerlichen Träume einer idyllischen Südseeromantik wahrmacht, hfl

HANSA. — „Ihr letzter Tanz“. Wieder einmal — wie so oft — wurde bei der Auswahl eines deutschen Titels für einen ausländischen Film nicht mit jener Präzision das Wesentliche seines Charakters erfaßt, wie es, der Originaltitel „Woman to woman“ — „Frau zu Frau“ dieses britischen Filmes tut. Der Tanz in diesem Film — auch der letzte Tanz — ist zwar wesentlich, aber nicht die Drehachse des Geschehens.

Vielmehr geht es um die packend geschilderte, menschliche Seite zweier unterschiedlicher Frauen-Charaktere und der zwischen ihnen stehenden Männer.

Drehbuch und Regie weisen keine Lükken auf, die schauspielerische Leistung von Douglas Montgomery (als Thomas Anson), von Joyce Howard (als Tänzerin Nicolette), von Eugene Deckers (als Journalist de Rillac) ist von menschlicher Wärme durchzogen, die in der mit gleichem Können gespielten Kälte von Adele Dixon (als Sylvia Anson) ihr gut apostrophiertes Gegenstück aufweist.

Die Tanzszenen, in wohlabgewogener Dauer und Anzahl, lockern die Handlung vorteilhaft. agt

BELIDA: Stürmische Höhen. Unter der Regie von W. Wyler wurde nach der bekannten Novelle von E. Bronte „Wuthering Heights“ ein Unterhaltungsfilm geschaffen, den man sich ansehen kann. Die junge Cathy hat viele Kämpfe zu bestehen, ehe sie den letzten, wirklichen Frieden findet. Neben der zügellosen, natürlichen Leidenschaft für den „Zigeuner“ Heathcliff, der sich für diese Klassifizierung später rächt, steht der Wunsch nach den berauschenden Festen und dem bequemen Leben der Gesellschaft, zu der auch sie eigentlich gehört. Merle Oberon, die der Cathy das eigenwillige Gesicht gibt, spielt das nicht fragende, Liebe fordernde Mädchen genau so meisterhaft, wie sie später der jungen Frau den erforderlichen Liebreiz gibt. Neben ihr Laurence Olivier, der von der Gesellschaft verachtete Zigeuner Heathcliff, dem ihr Herz bis zum Tode gehört. Seine Schwere und Natürlichkeit geben den besten Gegensatz zu David Niven, der den konventionellen, etwas weichen Verehrer und Gatten spielt. Flora Robson und Geraldine Fitzgerald geben dem Streifen durch die Nebenrollen die notwendige Abrundung. Scg.

Klavierabend Detlev Kraus

Der junge Hamburger Pianist, ein Kempff-Schüler, ist heute zu den wenigen deutschen Nachwuchsspielern zu zählen, von denen man mit Recht erhoffen kann, daß sie sich allmählich in die internationale Klasse emporarbeiten werden. Im allgemeinen sieht es ja um die nachrückende deutsche Pianistengeneration von internationalem Format sehr betrüblich aus. Das ist um so auffälliger, als es uns an großen Künstlern keineswegs gefehlt hat noch fehlt, aber Schüler von überdurchschnittlichem Können sind nicht ausgebildet worden. Selbstverständlich tragen die chaotischen Zustände dei* letzten 20 Jahre einen großen Teil Schuld daran.

Detlev Kraus gehört zu den wenigen, die den Durchschnitt überschritten haben. Seine Technik ist nicht auf die virtuos-brillierende, sondern auf die „spielerische“ Seite hin angelegt, d. h. die manuelle Fertigkeit wird Dienerin einer subtilen Musikalität, die teils stark von den Kräften jugendlichen Ueberschwangs angetrieben wird, ohne sich einer geistigen Kontrolle zu entziehen. So gelingen Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ am plastischsten. Ein wenig mehr Attitüde hätte die elegante Wiedergabe von Chopins Etüden (op. 10) noch charaktervoller erstehen lassen. Bachs Partita B-Dur hätte vielleicht bei einer etwas stärkeren Akzentuierung ein noch stilvolleres Profil erhalten. Im ganzen genommen war das Programm aber mit einer erfreulichen Frische und persönlichen Ausdrucksnote musiziert worden und brachte daher dem jungen Pianisten mit Recht größten Erfolg und reichsten Beifall. g. I.

Darmstadt und Umgebung

Der Totensonntag und die Schlesier

Feierstunde auf dem Bessunger Friedhof

An dem Tage, da so viele an die geschmückten Gräber geliebter Toter treten, können die Schlesier es nicht tun. Unerreichbar ist die geliebte Heimat und unerreichbar sind die Gräber der Lieben. Schwer liegt das Leid darum auf den Schlesiern. Ein schönes und gesegnetes Land war es, das sie verließen. Groß aber ist das Erbe, das ihnen anvertraut ist und das sie mitbrachten: das Erbe des cherubinischen Wandersmannes Angelus Silesius und des frommen Schuhmachers Jakob Böhme, das Erbe Eichendorffs und Freytags, Gerhart Hauptmanns und Hermann Stehrs und anderer Dichter, das Erbe so vieler Denker und Forscher, die unserem ganzen Volk Großes brachten.

Aber die Sehnsucht der Herzen baut gerade am Totensonntag weite Brücken in die Heimat. Sie eilt zu den stillen Gräbern auf den schlesischen Friedhöfen, aber auch zu jenen, die verweht und vergessen an den Straßen der großen Flucht liegen. Die Schlesier haben es mit den anderen vertriebenen Stämmen erfahren, daß wir hier „keine bleibende Stadt“ haben.

Es gibt keinen deutschen Namen mehr in Schlesien, kein deutsches Denkmal, kein deutsches Buch. Aber die Heimat wohnt in unseren Herzen und unsere lieben Toten mit ihr. Und da wir nicht an ihre Gräber treten können, will der Schlesierverein Darmstadt am Totensonntag um 11.00 Uhr an den Gräbern verstorbener, verdienstvoller Schlesier symbolisch für alle Toten in der Heimat Kränze niederlegen. Dies wird auf dem Alten Friedhof am Grabe des Vereinsgründers Prof. Dr. Matthäi und des früheren Ehrenvorsitzenden Otto Titze und auf dem Bessunger Friedhof am Grabe des Ehrenmitgliedes Prof. Dr. Arnold Mendelssohn geschehen.

Friedhofsfeiern zum morgigen Toten¬ sonntag finden außer den bereits von uns gemeldeten noch auf dem Bessunger Friedhof um 15 Uhr durch Pfarrer Britz, auf dem Alten Friedhof um 15 Uhr durch Pfarrer Knodt und auf dem Waldfriedhof um 15.30 Uhr durch Pfarrer Jaeschke für die evangelische Gesamtgemeinde und um 14.30 Uhr auf dem Waldfriedhof (Seite Krematorium) unter Mitwirkung eines Männerchores für die Freireligiöse Gemeinde statt. *

Einzug ins Kanzleigebäude

Die Wiederherstellung des Kanzleigebäudes am Mathildenplatz ist so weit vorgeschritten, daß in den Tagen vom 4. bis 0. Dezember 1950 weitere Dienststellen dorthin übersiedeln werden, und zwar die Abteilung 3 (Wirtschaft einschließlich Baudezernat) und die gesamte Schulabteilung. Damit ist im Regierungsgebäude in der Rheinstraße Platz geschaffen worden für Aemter, die sich bisher mit Berackenunterkünften unter sehr mißlichen Verhältnissen mit anerkennenswerter Geduld behelfen mußten. *

Wer erbarmt sıch?

Durchstreift man die Stadt einige Tage nach der Wahl, kann man wohl nur zu einer Betrachtung kommen, freilich einer tiefsinnigen und betrüblichen: irgendwie versprach eigentlich jedes Plakat, das seine Auftraggeber für Ordnung sorgen würden —. Ordnung beginnt in den kleinsten Dingen des Anstands und eines Schönheitssinns, der nicht nur ein Plakat und die politischen Verhältnisse meinen sollte, sondern z. B. auch den Anblick einer Stadt, einer Straße, eines Gebäudes oder eines schlichten Zauns. Dort überall nämlich flattern nun etliche Tage nach der Wahl die Fetzen jener Ordnung versprechenden Plakate munter im Wind, im Regen verwäscht das Papier, und häßliche Flecke, unsauber und zerrissen, machen keinen guten Eindruck. Halbe Wörter, durchlöcherte Sätze legen kein günstiges Zeugnis ab für „die gute Sache“, der sie in Vollkommenheit dienen wollten.

Wer erbarmt sich der Wahlplakate nach der Wahl? Könnte man nicht heimlich die gleichen Kolonnen, die erst klebten, ausschicken, die häßlichen Spuren des löblichen Wahlkampfes zu tilgen? Es wäre in der Tat ein Zeugnis von Ordnungsliebe und Gemeinsinn. Also, Freiwillige vor zur Zierde unserer Stadt! Di.

Adler-Apotheke im neuen Haus

In diesen Tagen siedelt die alte Darmstädter Adler-Apotheke vom alten Kollegiengebäude am Mathildenplatz, in dem sie seit Herbst 1946 Unterkunft fand, in das von Architekt Dr. Samesreuther für Dr. Tenner, Ecke Wilheiminen- und Adelungstraße, gebaute Haus über. Dort eröffnet die Adler-Apotheke am Montag in ihren neuen Räumen.

Die Apotheke wurde 1843 in einem Eckhaus der Hügelstraße, am Wilhelminenplatz, in der sogenannten „Darmstädter Neustadt“ — wie man die um diese Zeit noch dünn besiedelte Gegend um den alten Bontanischen Garten (in ihm wurde später das Neue Palais erbaut) nannte — gegründet. Ein Liebig-Schüler, Dr. Winkler, war der erste Besitzer der Adler-Apotheke. 1863 übernahm sie Medizinalrat Dr. Alfons Tenner, der Großvater des jetzigen Inhabers. 40 Jahre, von 1904 bis zum Septemberangriff 1944, führte die Apotheke der in seiner lebensfrohen und gemütvollen Lebensart in Darmstadt sehr beliebte Dr. Theodor Tenner, der über seine Berufsarbeit hinaus ein ausgesprochener Natur- und Kunstfreund und ausübender Musikliebhaber war.

Die gleiche Tatkraft, mit der es seinem Großvater und Vater gelungen war, die Leistungsfähigkeit ihrer Apotheke zu steigern, zeigte Dr. Alfons Tenner in der Meisterung der schwierigen Nachkriegsverhältnisse. Zunächst wurde die Wiedereinrichtung der Apotheke im Ministerium am Mathildenplatz und dann der Neubau in der Wilhelminenstraße in Angriff genommen. Zwei repräsentative Eingänge führen von beiden Seiten aus in die vorbildlich ausgestattete Apotheke. Jeden Einrichtungsgegenstand hat Dr. Tenner entworfen und auch die Raumeinteilung der Apotheke bestimmt. Von der Offizin, in der auch die Rezeptur und die Homöopathie untergebracht sind, gelangt man in das Labor, Privatbüro, das Zimmer für den Nachtdienst und in die Vorratsräume.

Mit der Adler-Apotheke zieht auch Dr. Immel, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, mit seiner Praxis aus der Landwehrstraße in die im ersten Stock nach seinen eigenen Angaben eingerichteten Räume um. t-s

MrCloy-Spende für Technische Hochschule

US-Resident-Officer überreichte 430 000-DM-Scheck an Se. Magnifizenz

Am Freitagmorgen konnte der Rektor der Technischen Hochschule, Professor Mehmel, einen Scheck des amerikanischen Hochkommissars Mr. McCloy über 430 000 DM in Empfang nehmen.

Mr. Gotcheus, der die Ueberreichung vornahm, betonte, daß dieses Geld für Einrichtungen gedacht sei, „wie es sie früher vielleicht nicht gab“. Es sei nach wie vor auffallend, daß die deutschen Universitäten zwar sehr gute Studenten, aber weniger gute Staatsbürger entließen. Ein wichtiger Grund hierfür sei wohl in den mangelnden Möglichkeiten zur gemeinsamen Frei- Zeitgestaltung der Studenten zu sehen. Er hoffe deshalb, daß das Geld der Technischen Hochschule zugute komme und davon Einrichtungen geschaffen würden, die mit dazu beitragen, aus den Studenten auch gute Staatsbürger zu machen.

Professor Mehmel sprach Mr. Gotcheus seinen Dank für die hochherzige Gabe aus und erwähnte, daß Studenten als junge Menschen immer das Bestreben zur Gemeinschaft hätten. Man werde nicht nur alte, sondern vor allen Dingen auch neue Wege gehen müssen. Scg

Foto: Hilde Roth



Vom Steuerzahler nicht zu verstehen

Der Betriebsrat des kirchlichen Verwaltungsamtes Darmstadt an die Synodalen

„Beim Verwaltungsamt Darmstadt der ev. Kirche in. Hessen und Nassau sind 56 Bedienstete tätig, die alle seit langen Jahren in der landeskirchlichen Arbeit stehen. Frankfurt hat keine landeskirchlichen Bediensteten. Wird der Sitz der Kirchenleitung und Kirchenverwaltung nach Frankfurt verlegt, so müssen den Darmstädter Bediensteten nach den geltenden Bestimmungen für längere Zeit die Faihrtkosten und ein arbeitstäglicher Zuschuß gezahlt werden, wodurch der Kirche erhebliche Kosten entständen. Dazu kommt der Umzug im Laufe der Zeit, der ebenfalls ganz erhebliche Kosten, auch für die Wohnungsbeschaffung, verursachen würde. Die Aufwendung wäre unverständlich und würde auch von den Steuerzahlern nicht verstanden.“

Diese Sätze stehen in einem Schreiben, das der Betriebsrat des kirchlichen Verwaltungsamtes Darmstadt an die Mitglieder der in Frankfurt zusammentretenden Synode gerichtet hat. Es stellt noch einmal die Rechtslage fest, nach der durch früheren Synodalbeschluß und den ausdrücklichen Erklärungen des Vorsitzenden des Finanzausschusses, Synodalen Kehr, Darmstadt bereits Sitz der Kirchenleitung list. Aus der Tatsache, daß die Kirchenleitung vor Wochen auf Wohnungen, die die Stadtverwaltung Darmstadt bereitgestellt habe, verzichtete, weil sie hierfür keine Verwendung habe (!), müsse geschlossen werden, daß Synodalvorstand und Kirchenleitung den klaren und eindeutigen Synodenbeschluß nicht durchführen wollen, sondern anstreben, ihn durch einen anderen zu ersetzen. Es werden noch einmal die Gründe für Darmstadt angeführt, das bereits ein ausreichendes Verwaltungsgebäude und Grundstückseigentum besitze, während Frankfurt nur ein Mietgebäude anbieten könne, es sei denn, man mache sehr bedeutende Aufwendungen für den Erwerb eines Grundstückes und den Aufbau eines kircheneigenen Gebäudes. Alle mit der Sache verbundenen finanziellen, wirtschaftlichen und personellä Erwägungen geböten, daß Darmstadt Sitz der Kirchenregierung bleibe. Eine nochmalige Behandlung der Frage auf der kommenden Synode sei abwegig. P. D.

Geschäftsvergräßerung

Nach vielen Mühen ist es dem Frisiersalon Steinmetz in der Ludwigstraße gelungen, das Geschäft zu vergrößern und mit den modernsten Anlagen auszustatten. Der intim eingerichtete neue Salon in der ersten Etage wird es den Damen leicht machen, in bequemen Sesseln auf die verschönernde Behandlung zu warten. Besonders begrüßen wird man die praktisch eingerichteten Kabinen, in denen es möglich ist, den Kopf auch von rückwärts waschen zu lassen. Die Trockenanlage befindet sich in der Mitte des Raumes. Die Glasvitrinen am Treppenaufgang lassen alle die kosmetischen Artikel sehen, die zur Pflege einer Frau gehören. Sehr wirksam ist die Verkleidung der Kabinen und Vitrinen mit den neuartigen, schwarzen Resopal-Platten. Für ausgesprochen kosmetische Behandlungen ist ein besonders abgetrennter Raum vorgesehen. Durch die Verlegung der Damensalons war es möglich, auch die Parfümerie zu vergrößern.

Scg.

Sie schlugen ihn blutig ...

Zu den Vorfällen im DP-Lager Babenhausen

HGR. Anläßlich der Vorfälle im DP-Lager Babenhausen, in dem dieser Tage der Slowake Scekow von tschechischen Lagerinsassen blutig geschlagen wurde, fand gestern morgen bei Regierungspräsident Arnoul (Darmstadt) eine Pressekonferenz statt. Informatorisch wurde mitgeteilt:

Auf Beschluß der US-Landeskommission sollte das Tschechenlager in Babenhausen für amerikanische Militärunterkünfte frei gemacht werden. Von den mehr als 500 Lagerinsassen wurden am vergangenen Dienstagmorgen 100 Slowaken herausgezogen und nach Bensheim-Auerbach gebracht. Auf freiwilligen Entschluß blieben 5 Slowaken weiterhin im Lager, unter ihnen war der 25jährige Schlosser Scekow.

Am Dienstagnachmittag erschienen im Lager die Herren Nowotny und Robertsen von der US-Landeskommission. Sie wollten sich überzeugen, wie deren Anordnung befolgt wurde. Bei dieser Gelegenheit erklärte die tschechische Lagerkommission den beiden Amerikanern, die Lagerleitung bevorzuge eindeutig die Slowaken. Die Amerikaner gingen der Sache nach, fanden aber keine Beweise. Wenig später, nachdem sie wieder abgereist waren, erhielt der Schlosser Scekow von der Lagerleitung den Auftrag, in einer Baracke, in der vorher Slowaken wohnten, und die nun abgerissen werden sollte, das Unterkunftsgerät sicherzustellen. Scekow traf in der Baracke einige Tschechen an, die ihn nach kurzem Wortwechsel tätlich angriffen. Sc., der sich mit einem Schraubenschlüssel verteidigte, verletzte in dem Handgemenge einen Tschechen leicht am Hals. Darauf floh er und zog sich in seine Werkstatt zurück.

Die Tschechen verständigten von dem Vorfall ihre Lagerkommission, die daraufhin Scekow nahelegten, aus seiner Werkstatt herauszukommen, da sie mit ihm zu sprechen hätte. Sc., der ihrem Wunsch nachkam, wurde von den Tschechen, die sich um die Kommission gruppiert hatten, plötzlich niedergeschlagen und mißhandelt. Ein Arbeiter, der ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde von einem Mitglied der Kommission daran gehindert. Erst ein Polizeibeamter konnte den Niedergeschlagenen vor weiteren Mißhandlungen bewahren. Von der Lagerleitung wurde sofort die Polizeibereitschaft in Darmstadt verständigt, die die Ruhe wieder herstellte.

Am folgenden Tag erhielt die Lagerleitung — unter Drohungen! — von der tschechischen Kommission eine Aufstellung, in der Personen aufgeführt waren, die die Tschechen nicht mehr im Lager wünschten, da sie angeblich für die entstandene Unruhe und Unordnung verantwortlich seien. Es handelte sich ausschließlich um die freiwillig zurückgebliebenen Slowaken.

Auf Grund dieser Vorfälle wurde Kreiskommissar Best (Dieburg) beauftragt, sofort wieder eine Wachmannschaft ins Lager abzustellen. Ein Tscheche wurde verhaftet.

Was ist zu den Vorfällen von uns aus zu sagen? Es freut uns, daß auch die Tschechen seit kurzem unter deutscher Gerichtshoheit stehen. Die Verfehlungen und Verbrechen, die seit ihrem Aufenthalt in Deutschland auf das Konto bestimmter Elemente unter ihnen zu buchen sind, müssen endlich mit härtesten Strafen geahndet werden. Es wird Zeit, daß ihnen dämmert, daß sie in unserem Lande nur Gäste sind und daß sie sich als solche auch zu benehmen haben. Regierungspräsident Arnoul hat angeordnet, daß jede weitere Revolte schon im Keim zu ersticken ist. Bravo! sagen wir.


KAPELLFRIEDHOF UM 1840. —Nach einem Aquarell von H. Hoffmann (Stadtarchiv) Nicht das Wachsen der Einwohnerzahl, sondern das große Sterben im Seuchenjahr 1564 hatte den Rat der Stadt gezwungen, vor dem Bessunger Tor eine zweite Begräbnisstätte anzulegen. Das war der Kapellfriedhof. Die alte Kapelle wurde 1610 aus Mitteln erbaut, die der Leib- und Zeltschneider Bierlein her gab, um sich und seiner Frau die Peinlichkeit öffentlicher Kirchenbuße zu ersparen. Über dreieinhalb Jahrhunderte diente derßau nacheinander als Predigtkapelle bei den Bestattungen, als Garnisonkirche des Schrautenbachregiments (1703—1768), als Andachtsstätte der reformierten Gemeinde (1770) und der Deutschkatholiken (1849). 1868 wurde er niedergelegt. Auch das neue Kapellchen, das wir in Erinnerung haben, liegt in Trümmern. Die Begräbnisstätte war mit der Anlage des Friedhofs an der Nieder-Ramstädter Straße 1828 geschlossen worden. Noch entdeckt man in der heutigen Wildnis einige der alten Grabmale. Andere sind bereits seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts verschwunden. So klagt um 1850 der Mädchenschullehrer und Stadtpfarrer Ritzert: „Der Vandalismus der hiesigen Jugend ließ kein Denkmal unberührt.“ Mußte doch die marmorne Gedenkplatte auf dem Grab des Regierungsrates May, die zertrümmert worden war, von der Stadt durch noch erhaltene massive Eisentafeln ersetzt werden. Ebenso ist das Grabmal des Komponisten und Orgelkünstlers Abt Vogler kopiert worden. Das beschädigte Original hat der Heimaterzähler Ernst Pasque sich nach seinem Alsbacher Ruhesitz schaffen lassen. Verschwunden ist auch Schuknechts Grabstein, auf dem das alte Zeughaus abgebildet war. Wir möchten annehmen, daß mit der Errichtung eines Neubaus für das Ludwig-Georg-Gymnasium der Kapellfriedhof wieder zu einer würdigen Anlage wird. In dem zwischen kirchlicher und bürgerlicher Gemeinde 1890 abgeschlossenen Vertrag, ist er auf den Namen der Stadt überschrieben worden. Dabei wurde jedoch zur Bedingung gemacht, daß er nie für profane Zwecke verwendet werden dürfe. Das gleiche wurde für den älteren Begräbnisort, den Platz hinter der Stadtkirche, ausgemacht. Doch bedarf es solcher Erwähnung von Paragraphen? Sind sie nicht selbstverständlich, so lange geschichtliches Bewußtsein und Verbundenheit mit der heimatlichen Vergangenheit noch vorhanden sind? P. D.
KAPELLFRIEDHOF UM 1840. —Nach einem Aquarell von H. Hoffmann (Stadtarchiv) Nicht das Wachsen der Einwohnerzahl, sondern das große Sterben im Seuchenjahr 1564 hatte den Rat der Stadt gezwungen, vor dem Bessunger Tor eine zweite Begräbnisstätte anzulegen. Das war der Kapellfriedhof. Die alte Kapelle wurde 1610 aus Mitteln erbaut, die der Leib- und Zeltschneider Bierlein her gab, um sich und seiner Frau die Peinlichkeit öffentlicher Kirchenbuße zu ersparen. Über dreieinhalb Jahrhunderte diente derßau nacheinander als Predigtkapelle bei den Bestattungen, als Garnisonkirche des Schrautenbachregiments (1703—1768), als Andachtsstätte der reformierten Gemeinde (1770) und der Deutschkatholiken (1849). 1868 wurde er niedergelegt. Auch das neue Kapellchen, das wir in Erinnerung haben, liegt in Trümmern. Die Begräbnisstätte war mit der Anlage des Friedhofs an der Nieder-Ramstädter Straße 1828 geschlossen worden. Noch entdeckt man in der heutigen Wildnis einige der alten Grabmale. Andere sind bereits seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts verschwunden. So klagt um 1850 der Mädchenschullehrer und Stadtpfarrer Ritzert: „Der Vandalismus der hiesigen Jugend ließ kein Denkmal unberührt.“ Mußte doch die marmorne Gedenkplatte auf dem Grab des Regierungsrates May, die zertrümmert worden war, von der Stadt durch noch erhaltene massive Eisentafeln ersetzt werden. Ebenso ist das Grabmal des Komponisten und Orgelkünstlers Abt Vogler kopiert worden. Das beschädigte Original hat der Heimaterzähler Ernst Pasque sich nach seinem Alsbacher Ruhesitz schaffen lassen. Verschwunden ist auch Schuknechts Grabstein, auf dem das alte Zeughaus abgebildet war. Wir möchten annehmen, daß mit der Errichtung eines Neubaus für das Ludwig-Georg-Gymnasium der Kapellfriedhof wieder zu einer würdigen Anlage wird. In dem zwischen kirchlicher und bürgerlicher Gemeinde 1890 abgeschlossenen Vertrag, ist er auf den Namen der Stadt überschrieben worden. Dabei wurde jedoch zur Bedingung gemacht, daß er nie für profane Zwecke verwendet werden dürfe. Das gleiche wurde für den älteren Begräbnisort, den Platz hinter der Stadtkirche, ausgemacht. Doch bedarf es solcher Erwähnung von Paragraphen? Sind sie nicht selbstverständlich, so lange geschichtliches Bewußtsein und Verbundenheit mit der heimatlichen Vergangenheit noch vorhanden sind? P. D.

Drinnerum un drumerum

Nix ärjert mich mehr, als wann meu Fraa mich frage dhut, was soll ich dann heit koche. Die Weibsleit wisse garnet, wie se aam mit dere Fragerei uff die Nerve falle. Erstens emol laß ich mich gern iwwerrasche un zweitens is deß sowieso e ganz iwwerflissisch Froog, weil die Antwort jo hinnenooch doch nix gilt. In Werklichkeit is deß iwwerhaupt kaa Froog, sondern nix wie en Stoßseifzer, weil beim Koche de Geldbeidel e viel greßer Roll spiele dhut, wie de Geschmack oder de Lüste. Deß in Euklang zu bringe, is ewe e schwer Broblem. Flaasch, Worscht, Eier, Kees, alles is dauernd in die Heh gange, ei, selbst so en äbsche Hering, der kost jo heit dobbelt so viel wie friejer. Deß is die Lidanei, die wo die Menner fast jeden Daach vorgeblose krieje. Kenne mirs ennern?

Ich hab meu Fraa dreste wolle, daß dorch die Wahle vielleicht die neie Menner dene Breisdreiwer e bißje mehr uff die Finger klobbe dhete. Do hette se was heern kenne. Sie maant, vun dene dhet jeder seu Asichte nooch em Inhalt vun seum Bordmernee bilde und wann die, wo gewehlt wem dhete, emol e geschwolle Briefdasch hette, do hette se rasch vergesse, daß es aach noch annern Leit gewwe dhet. Ich kann ihne saache, wie se mol im Zug war, hot se mich fast net mehr zu Wort kumme lasse. Die Bonner Bosse mit ihre Gärde und Debbich un so, die kann se net verdaue. Ich hab mer die greeßt Mieh gewwe, maane se die wer wehle gange? Net for e Gaaß. Und hieschlaafe kann ich se net.

Do hab ich die Geläjenheit benutzt un bin nooch em Wehle emol Widder e bißje in de Stadt erum gebummelt und do bin ich zu de Maanung kumme, daß doch Sisteem in de Damstädter Bauerei liggt. Do hawwe se jetzt doch aach die Sparkass in de Hiegelstroß bis uff de unnerste Stock abgerobbt. Un ich hab meune Aage net gedräut, wie ich gesehe hab, daß se grad, wie bei de Sparkass in de Rheinstroß, bloß noch den aane hohe Schornstaa stehegelosse hawwe. Soll deß vielleicht deß neie Wahrzeiche for die Sparkasse bedeite und soll soviel haaße, als wie, es kennt seu, daß mer seu bißje Gespartes doch noch emol in de Schornstaa schreiwe kennt.

Abselut net gefalle kenne mer die neie Haiser am Exert. Ich hab mer als eugebildt, die Rheinstroß sollt als Zugang vum Bahnhof aus uff die Fremde glei en Eudruck mache, der wo en imbonniert Awwer mit dene Haiser, die wo quer gäje die Stroß stehn, do kann mer, waaß Gott, kaa Brulljes mache. Bei so ere brate Stroß hett ich die brat Front vorne hiegemacht. Es kann jo seu, daß der, wos genehmigt hot, seun besunnere Grund defor gehatt hot, den mir annern net verstehn. Es gibt awwer aach Leit, dene is es bloß drum zu dhu, uffzufalle un wanns dorch was ganz Verkehrtes is.

Nachdem die Mauer am Prinz Emilgadde umgeworfe worn is un die Brocke lang genug deß Bild verdorwe hawwe, scheint mer jetzt e nei Mauer uffbaue zu wolle. Dem schmale Beddogräbche nooch, werd do was gemacht, was zu dere ganze ATag Widder emol baßt, wie die Faust uffs Aag.

Wanns mir nachgegange weer, do hette se die Mauer Widder geflickt un die alt Scheenheit weer erhalde gebliwwe. Un deß wer aach net deierer kumme. Hoffendlich leßt eich deß Wedder emol Widder e bißje mehr aus eiere Wend eraus, do kennt ihr eich iwwerzeiche, ob ich recht hab. Dozu winscht eich viel Spaß eier Anton Berzel

Wie wird das Wetter?

Unbeständig

Vorhersage: Am Wochenende vorherrschend bewölkt und regnerisch. Temperaturen wenig geändert, südwestliche Winde.

V.'eitere Aussichten: unbe: ständig.



Kurze Meldungen aus der Stadt

Im Rahmen der Evangelisationswoche P? Griesheim hält Pfarrer Schamberger-Mannheim allabendlich Vorträge im Griesheimer Gemeindehaus, die lebhaften Zuspruch finden. msch

Der Männergesangverein „Liedertafel“ Griesheim, hält Sonntag. 3. Dezember’, nachmittags 16 Uhr, im Festsaal „Zum grünen Laub“ als Abschluß eines Jubilaumsjahres ein Gesangskonzert ab. Als Gast wurde die 1. Sopranistin des Landes-Theaters Coburg, Frau Anneliese Ecsy-Landzettel. gewonnen, die sowohl in ihrem Geburtsort Griesheim, als auch ui ihrer Heimatstadt Darmstadt eine bekannte Persönlichkeit ist. Außerdem wirken als Solisten Philipp Friedmann (Tenor) und Emst Reifenrath (Flügel) mit.

Einen Jugendabend veranstaltet die Jugendgruppe des DGB, Kreisausschuß Darmstadt, am Montag, den 27. November, 19.30 Uhr, im Amerikahaus. Jugendsekretär Knoth hält ein Referat. Anschließend wird der deutsche Spielfilm „Die große Nummer“ gezeigt. *

Holzdiebstähle, die in den Waldungen um Darmstadt in letzter Zeit wieder überhandnehmen, werden mit hohen Strafen belegt. Vergangenes Jahr erhielten zwei Eberstädter Einwohner für einen einzigen unrechtmäßig gefällten Baum, unter Einzug des gestohlenen Holzes, 236 DM Geldstrafe. Vor kurzem wurde ein Holzdieb zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. nk

Zum Vogelschutz ließ das Forstamt Darmstadt-Eberstadt in seinem Waldrevier 120 Nistkästen aufhängen. nk

Zwanzig Hektar Waldfläche werden zur Zeit im Eberstädter Waldrevier mit Raupenschlepper zur Wiederaufforstung im Frühjahr umgeackert. nk

Das Landestheater Darmstadt teilt mit, daß die erste Wiederholung der Studio-Aufführung des Schauspiels „D e r Flüchtling“ von Fritz Hochwälder am Samstag, dem 25. November, um 20.30 Uhr, im Foyer des Orangerie-Hauses stattfindet. t

Ueber „Gedankenwege zur Versöhnung" sprechen Samstag, den 25. November, um 20 Uhr, im Nachbarschaftsheim Douglas S t e e r e und Andre T ro c m e. Douglas Steere ist amerikanischer Professor der Philosophie und international bekannter Quäker; Andre Trocm6 französischer Pfarrer und international für seine Friedensarbeit bekannt. Der Vortrag im Nachbarschaftsheim ist Teil einer europäischen Vortragsreihe.

Die Vortragsreihe für kirchliche Zeit¬ fragen des Darmstädter Arbeitskreises der Evanglischen Akademie findet ihren Abschluß durch einen öffentlichen Vortrag von Dr. von Rautenfeld heute, Samstagabend, 19.30 Uhr, im Pauluskirchensaal, über das Thema „Kommunismus und orthodoxe Kirche, zur geistigen Problematik des Ostens“. *

Zu einem Verkehrsunfall durch einen Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Motorradfahrer kam es gestern an der Ecke Wilhelminen- und Elisabethenstraße. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. Der Motorradfahrer wurde leicht verletzt. t-s.

Die Vorderachse brach gestern nachmittag. einem Dreiradlieferwagen in der unteren Grafenstraße. Da der Wagen vorschriftsmäßig rechts fuhr, trat keine Verkehrsstockung ein. *

Etwa fünfhundert Mark Sachschaden entstand bei einem Zusammenstoß zwischen einem Personenwagen und einem Motorrad mit Anhänger gestern gegen zwölf Uhr Ecke Wilheiminen- und Elisabethenstraße. Personen wurden nicht ver-

Kampf gegen Feldmäuse

In der Gemarkung Da.-Eberstadt hat die Feldmäuseplage derart überhand genommen, daß eingegriffen werden muß. Die Abwehrmaßnahmen einzelner Besitzer von Ackergelände sind so lange wertlos, als sich nicht die Gesamtheit der Grundstücksbesitzer zu gemeinschaftlichem Vorgehen entschließt. Die Bezirksverwaltung Eberstadt hat zur Unterstützung dieser Maßnahme Giftlegerohre beschafft, die an die einzelnen Interessenten leihweise abgegeben werden. Der Giftweizen steht ebenfalls bei dem Ortslandwirt Fritz Rück, Da.-Eberstadt, Kirchstraße 15, und den einschlägigen Geschäften gegen Bezahlung zur Verfügung.

Es wäre dringend erwünscht, wenn sich alle Grundstücksbesitzer an der Bekämpfung der Mäuseplage beteiligten, um so für die Gesamtheit auch einen Erfolg zu erreichen.

Paffage Grafenstraße—Mnthildenplatz


Ein Riesenbagger ist hier seit einigen Tagen an der Arbeit, um einen Straßendurchbruch von der Grafenstraße zum Mathildenplatz herzustellen. Die letzten Trümmerreste alter Hausmauern werden beseitigt und bald wird der Verkehr die verlängerte Bleichstraße passieren können, um ein Stück Wegs die Rheinstraße hinauf zu sparen. Vorläufig künden nur Staub und Schmutz die Geburt der jungen Straße an. -st Foto: Hilde Roth
Ein Riesenbagger ist hier seit einigen Tagen an der Arbeit, um einen Straßendurchbruch von der Grafenstraße zum Mathildenplatz herzustellen. Die letzten Trümmerreste alter Hausmauern werden beseitigt und bald wird der Verkehr die verlängerte Bleichstraße passieren können, um ein Stück Wegs die Rheinstraße hinauf zu sparen. Vorläufig künden nur Staub und Schmutz die Geburt der jungen Straße an. -st Foto: Hilde Roth

Geschäftliche Mitteilung

Ohne Verantwortung der Redaktion

Einem Teil unserer heutigen Auflage liegt ein Prospekt der Firma Kaufhof, Darmstadt, Ludwiigstraße 7 und 12, bei.

Für Kunstschule und Mathildenhöhe

Nächste Stadtverordnetensitzung am Donnerstag

Das Haus Olbrichweg 10, früher im Besitz der Großherzoglichen Vermögensverwaltung, wird für die Werkkunstschule, die z. Z. noch behelfsmäßig im Hochzeitsturm untergebracht ist, wieder aufgebaut. Der nächste Bauabschnitt erfordert zu den bisher verausgabten 45 000 noch 56 000 DM. Diese Mittel sollen zur Fertigstellung ausreichen. Der Finanzausschuß hat sie bereits einstimmig bewilligt. Der nächsten Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag wird die Vorlage zur endgültigen Beschlußfassung vorliegen.

Für das Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe wird die Bereitstellung vqn 54 500 DM nachträglich beantragt.

Aus den weiteren Vorlagen ist zu erwähnen, daß auf dem Anwesen des früheren Polizeireviers in der Hügelstraße ein Straßenreinigungsdepot für das städtische Fuhramt eingerichtet (51 000 DM) und die als Hilfsschule benutzte Kleinkinderschule in der Heimstättensiedlung mit einem Kostenaufwand von 7400 DM zweckentsprechend ausgebessert werden soll. Behandelt wird ferner der Fluchtlinien- und Bebauungsplan des „Exert“ zwischen Rheinstraße, Hindenburgstraße, Haardtring und Holzhofallee. pd

Im Rohbau fertiggestellt wurde der 6. Familienwohnblock, den die Hefefabrik in Eberstadt für ihre Werksangehörigen in der Damaschkestraße errichten läßt, nk

Bereitschaftsdienst am Sountag

Apothekcn-Sonntags- und Nachtdienst (vom 25. Nov., 13.00 Uhr bis 2. Dez., 8.00 Uhr):

Darmstadt: Apotheke am Justizpalast, Bismarckstr. 17, Tel. 636; Hirsch-Apotheke, Nieder-Ramstädter Straße 21, Tel. 3926;

D a. -E be r s t a dt: Alte Eberstädter Apotheke, Oberstr. 10, Tel. 219;

Da. - Arheilgen: Goethe-Apotheke, Darmstädter Straße 65, Tel. 2022.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst (von 10 bis 12 Uhr): 26. Nov. Zahnarzt D r. Nieswandt, Darmstadt, Wilhelmstr. 37;

Sonntagsdienst der Dentisten (von 10 bis 12 Uhr): 26. Nov. Dentist Fritz Otto, Darmstadt, Kranichsteiner Straße 59.

Wohin gehen wir heǔte?

Landestheater, Orangerie: 20.30 Uhr „Der Flüchtling“, Ende 22.15 Uhr.

Stadthalle: 19.30 Uhr „Liebe in der Lerchengasse“, Ende 22.00 Uhr.

Lichtspieltheater: Union : „Föhn an der Nordwand“; Thalia: „Die blaue Lagune“; Nachtvorstellung: „Triumph der guten Laune“; Beli da : „Stürmische Höhen“, 14.00 und 22.30 Uhr „Die Teufelsneiter von Texas“; Palast: „Die Treppe“; Hansa: „Ihr letzter Tanz“, 14.00 und 22.30 Uhr, Nachtvorstellung: „Narziß, der unfreiwillige Flieger“.

Amerikahaus: 15.00—18.00 Uhr Musi-kprogramm „Sie wünschen, wir spielen“; 14.30 Uhr Kinderfilm.

Landesmuseum: 10—18 Uhr Gedächtnisausstellung Alex-ander Posch (letzter T a g).

Darmstädter Arbeitskreis der Evangelischen Akademie in Hessen und Nassau: 19.30 Uhr im Pauluskirchensaal, Dr. von Rautenf e 1 d „Kommunismus und orthodoxe Kirche, zur geistigen Problematik des Ostens“.

Nachbarschaftsheim: 20.00 Uhr Vortrag „Gedankenwege zur Versöhnung“.

Nachbarschaftsheim: 19.30 Uhr Vortragsabend der Adalbert-Stifter-Gnuppe gemeinsam mit dem Stadtjugendausschuß „Jugend im Blickfeld Europas“.

... ünd morgen?

Landestheater, Orangerie: 19.00 Uhr „Don Carlos“, Ende 22.30 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Föhn an der Nor-dwand“, 11.00 Uhr „Lied der Waldbahn“; Thalia : „Die blaue Lagune“; Be 11 d a : „Stürmische Höhen“, 10.30 und 14.00 Uhr „Hans im Glück“; Palast : „Die Treppe“; Hansa: „Ihr letzter Tanz“.

Hygiene-Lichthof, Neckarstraße3a: 10—18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.

Wir. gratǔlieren

Diamantene Hochzeit: Herr Karl A f f e - mann und Frau Katharina geb. Schäfer, Darmstadt, Klappacher Straße 26.

Goldene Hochzeit: Herr Franz Recke und Frau Margarethe geb. Lich, Darmstadt, Dornheimer Weg 28.

Die Sendeprogramme vom 26. November bis 2. Dezember 1950

Hessischer Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)

Mittelwelle: 208,47 m (1439 kHz)

UKW-Sender: Feldberg 92,9 MHz, 3-m-Band

Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.45 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der

hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.30 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.00 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.

Sonntag, 26. Nov.

8.15 Aus dem religiösen Leben 9.15 Elisabeth Langgässer 9.30 Posaunen-Könzert 10.00 Orgelmusik und Lieder 11.15 Volkstümliches Konzert 13.00 Orchesterkonzert 14.30 Der Wandersmann und sein Hund. Ein Hörspiel 15.00 Aus dem Tagebuch Ihres Senders 15.15 Stunde des Chorgesang» 15.45 Der gemeinsame Weg 16.00 Hugo Distler: „Totentanz“ 17.00 Begegnungen mit der Natur 17.45 Geheimnis aus dem Reinhardtswald 18.00 Orchester der Welt 20.00 Requiem von Verdi 21.30 Worte großer Deutscher 22.15 „Und auf einmal steht es neben Dir“

Montag, 27. Nov.

6.40 Morgenständchen 11.15 Schulfunk — Eltville 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.15 Schulfunk Klingende Elementarlehre 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Musik aus Frankreich 16.45 Zwei Geschichten 17.00 Hessisches in Lied und Tanz 18.00 Wege der Verständigung 18.30 Zum Feierabend 20.00 Haus des himmlischen Entzückens. Hörspiel 21.00 Erinnerungen an alte Schlager 21.45 Probleme der deutschen Politik 22.15 Kompositionsstunde 23.00 Briefmarkenplauderei 23.15 Tanzmusik

Dienstag, 28. Nov.

6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 11.15 Schulfunk Klingende Elementarlehre 12.00 Muisk am Mittag 13.00 Unterhaltsame Musik 14.15 Schulfunk Wie sprechen wir? 15.45 Deutsche Fragen 16.00 OiChesterkonzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Leichte Kost 18.00 Aus deutschen Frauenzeitschriften 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.25 Mit Mandolinen und Gitarren 20.00 Sendung für Tanzbeflissene 22.15 Das Abendstudio Der deutsche Widerstand gegen Hitler und seine Probleme

Mittwoch, 29. Nov.

7.15 Frühkonzert 9.10 Slawische Komponisten 11.15 Schulfunk Wie sprechen wir? 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.10 Dreimal Strauß 14.00 Beethoven: Variationen F-dur op. 34 14.15 Schulfunk —■ Java 14.45 Intermezzo auf dem Klavier 15.05 Unterhaltende Musik 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Der Dichter und sein Werk 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Für unsere Studierenden 18.20 Weißblau kariert! 20.00 Oeffentliches Sinfonie-Konzert 22.15 Hessischer Bühnenspiegel 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz

Donnerstag, 30. Nov.

7.15 Frühkonzert 11.15 Schulfunk — Java 12.00 Musik am Mittag 14.15 Schulfunk Der Marsch auf Rom 15.15 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Plauderei mit viel Musik 16.50 Was Frauen interessiert 17.00 Heimatklänge aus Schlesien 18.00 Hörerlieblinge Es singt Liselotte Malkowsky 18.30 Tanzende Noten 20.00 Neues aus dem Plattenalbum 21.00 Blick auf Europa 21.10 Klaviermusik von Schubert 21.45 Passiert — Glossiert 22.15 Den Freunden der Dichtung 22.45 Nachtkabarett 23.00 „Rhythmus der Welt“

Freitag, 1. Dez.

7.15 Frühkonzert 11.15 Schulfunk — Sendung zum Hessischen Verfasstingstag 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kulturelle Wochenschau 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Klaviermusik von Bach Kammermusik v. Phil. Mohler 16.45 Für junge Menschen 17.00 0 mia bella Napoli 18.00 Funk-Feuilleton 18.15 Konzert für die Jugend 20.00 Tonfilmmelodien 21.00 In diesen Tagen 21.10 Orchesterkonzert 22.15 Tanzpotpourri 23.00 Eindrücke eines amerikanischen Komponisten in Deutschland 23.20 Der Jazzclub

Samstag, 2. Dez.

7.15 Frühkonzert 11.15 Schulfunk — Tauschhandel 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 13.40 Sportvorschau 14.15 Vergnügen mit Musik 15.00 Durch die weite Welt Portugal 15.15 Volkstümliches Wissen 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 Familie Hesselbach 18.00 Recht für jedermann 18.15 Musik für alt und jung 20.00 „Eintritt frei!“ Ein heiterer Abend 21.15 Operettenrevue 22.20 „Hält man es für möglich!“ Ein Kabarett 23.00 Zwischen heute und morgen

Südwestdeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) 195 m (1538 kHz)

; (Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)

Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr 22.00. 24.00 Uhr

12.20 Musik zum Totensonntag 13.30 Musik nach Tisch 14.15 Kleines Konzert 17.00 Sinfonie-Konzert 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 „Von Land zu Land, von Mensch zu Mensch“ 21.00 Der Totengräber. Von Rainer Maria Rilke 21.15 „Fjedor Schaljapin singt!“ 22.15 Sport und Musik

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Tanztee 17.00 Solisten-Konzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Werther“. Lyrisches Drama von Massenet 22.20 Klaviermusik 22.30 Friedrich Engels zum Gedenket 23.00 Musikalisches Kabarett

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Afrika-Geschichten 15.15 Sang und Klang im Volkston 16.00 Sinfonie-Konzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Volksmusik im Chorgesang 20.30 Hörspiel „Titanic“ 22.30 Nachtstudio. Lebendige Musik in Paris 23.30 Jazz 1950!

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Nachmittagskonzert 17.10 Sang und Klang im Volkston 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Tausend bunte Noten 21.40 Das war Karl Valentin! 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio. „Sinn und Unsinn der Astrologie“ 23.00 Tanzmusik aus Berlin

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 17.00 Klaviermusik 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Unterhaltungsmusiker von heute 20.30 „Hab' oft im Kreise der Lieben“ 21.00 Der Dichter des Sonnenkönigs Jean Baptiste Racine. Hörfolge 22.30 Das Prisma 23.30 Musik zur Nacht

12.20 Mittagskonzert 13.15 „Spanische Serenade" 15.00 Kompositionen von Wal-Berg 16.00 Solistenkonzert 16.45 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Die großen Meister 22.30 Nachtstudio. Für Kenner und Liebhaber 23.35 Paris im Chanson

44.vu. mir 12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.30 Allerhand Schlager 15.00 Aus der Welt der Oper 16 30 Unser Samstagnachmittag 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Heitere Sketchparade 22.30 Der SWF bittet zum Tanz! 0.10 Hoppla, hoppla, Reiter . . .

Süddeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 523 m (574 hHz)

(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)

Nachrichtensendangen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00, .12.45. Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr

12.10 Musik am Mittag 14.00 Stunde des Chorgesangs 15.00 Nachmittagskonzert 16.15 Orchesterkonzert 17.00 „Totentanz". Eine Dichtung 18.20 Johann Sebastian Bach 20.05 „Das dunkle Reich“ Eine Chor-Phantasie 22.00 „Nacht und Träume" 23 00 Der Tod in unserem Dasein

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Russische Kammermusik 18.25 Musik zum Feierabend 20.05 Fröhlich fängt die Woche an 21.15 Rendezvous am Montagabend 22.05 Zeitgenössische Musik 22.45 „Erde und Sterne“ 23.30 Richard Strauss Vier Blumenlieder

12.00 Musik am Mittag 15.30 Das Heinz-Lucas-Quintett 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Robert Schumann Intermezzo e-moll 18.20 Klänge der Heimat 20.05 Aus der Welt der Oper 21.15 Oscar Wilde 22.05 Unterhaltung und Tanz

12.00 Musik am Mittag 14.00 Unterhaltungsmusik 16.00 Von Dichtern und Dichtung 16.15 Konzertstunde 17.15 Volksweisen aus aller Welt 18.20 Musik zum Feierabend 20.05 „Die Landung“ Ein Hörspiel 22.05 Tanzmusik von Schallplatten 23.00 Orchesterkonzert

12.05 Musik am Mittag 16.00 „Zwei rechts — zwei links“ 17.10 Hausmusik 18.25 Schöne Opernmelodien 20.05 „Haben wir gelacht!“ 22.05 „Ich aber nannte ein Geschlecht, das starb" 23.05 Johann Nepomuk David 23.50 Nacht-Feuilleton 0.05 Jazz im Funk

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Froh und heiter 18.30 Musik zum Feierabend 20.05 Symphoniekonzert 21.10 Der Mensch in der Zeit 22.05 Tanzmusik 23.15 Zur Unterhaltung

12.00 Musik am Mittag 16.00 Selten gehörte Operettenmelodien 17.00 Vom guten das beste 17.15 Kleines Konzert 18.20 Das Kammertanzorchester 20.05 Frohes Raten — gute Taten 20.45 Eine Melodienfolge 22.05 Schöne Stimmen 22.30 Die Rundfunktanzkapelle

STARKENBURG

Europafahne in Erbach gehißt

Erbach. Mitglieder des Bundes europäischer Jugend aus Erbach und Michelstadt hißten bei ihrer Abfahrt zu der Kundgebung in Straßburg vor dem Landratsamt Erbach die Europa-Fahne mit dem großen grünen „E“ auf weißem Grund. Sie wehte während des ganzen Tages. Nicht nur der Hausmeister des Landratsamtes, sondern auch viele Passanten zerbrachen sich am Freitagmorgen die Köpfe, was diese Fahne zu bedeuten habe. Sie wird hoffentlich nicht zum letzten Male in Erbach geweht haben. ch

Zusammenschluß der Landfrauen

Groß-Gerau. Am Donnerstagabend fand im Hotel „Adler“ die Gründung eines Kreisverbandes der Landfrauen statt. In den Vorstand wurden gewählt: Frau Dehlinger (Weilerhof Wolfskehlen) als 1. Vors., Frau Schäfer (Erfelden) stellvertr. Vors., Frau Rupp (Goddelau), Frau Senkenberg (Rheinfelder Hof, Wallerstädten) und Fräulein Schadt (Dornheim) als Vertreterin der Jugend. Geschäftsführerin des neuen Kreisverbandes wurde Landwirtschaftslehrerin Fräulein Goldschmidt (Goddelau). eng

Im Gedenken an Werner Deubel

Heppenheim. Anläßlich des einjährigen Todestages ihres Mitarbeiters Werner Deubel wird die Volkshochschule am heutigen Samstagabend um 20 Uhr im kleinen Saal der Stadthalle eine Gedenkfeier abhalten. Ueber- „Werner Deubels romantisches Anliegen“ wird hierbei Heinz Friedrich vom „Hessischen Rundfunk“ sprechen. Musikalische Darbietungen umrahmen die Feier. +

„Reiner Tisch zum Jahresschluß“

Schaafheim. Gewerkschaftssekretär Meyer aus Darmstadt vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund wird heute Abend im Bürgerforum über die Selbstverwaltung der Sozialversicherung und die Krankenbeihilfe der Gewerkschaft sprechen. Unter dem Motto „Reinen Tisch zum Jahresschluß“ sollen noch ungeklärte Fragen behandelt werden. Im Hinblick auf die zu erwartende zahlreiche Teilnehmerschaft versammelt sich um 20.30 Uhr das Forum im Saal des Gasthofes „Zum Frankfurter Hof“. io.

Vor einer Magistratsverfassung?

Gernsheim. Wie gut unterrichtete Kreise wissen wollen, soll von der CDU-Fraktion des Stadtparlamentes der Vorschlag gemacht worden sein, eine Magistratsverfassung zu schaffen. Wenn dieses Gerücht zutrifft, würde dies bedeuten, daß die CDU, als' bisher stärkste Partei in der Gemeindevertretung, auch weiterhin einen großen Einfluß auf die Geschicke der Gemeinde ausüben könnte. Verschiedentlich werden auch Stimmen laut, die das angebliche Vorhaben der CDU mit dem Fall Adler in Zusammenhang bringen. Es heißt, daß man durch diese Institution eine vielleicht mögliche Wiedereinstellung des zurückgetretenen Bürgermeisters verhindern wolle. Fehlen im Augenblick auch noch genaue Anhaltspunkte von der Entwicklung der Verfahren um Adler, so wird doch bereits allgemein von einer Entscheidung zugunsten des ehemaligen Bürgermeisters gesprochen. Kr.

Aktuelles zwischen gestern und heute

Wieder Kohlenkarten

Dieburg. Der Bürgermeister der Kreisstadt hat in Anbetracht der Brennstoffnot und im Einvernehmen mit den Kohlenhändlern ab sofort wieder Kohlenbezugsscheine eingeführt. Dadurch soll neben einer gleichmäßigen und gerechten Verteilung erreicht werden, daß alten und gebrechlichen Personen und vor allem Schwerbeschädigten das lange Anstehen bei den Kohlengeschäften erspart wird. RG

Eingeschlafen und umgekippt

Urberach. Infolge Uebermüdung geriet dieser Tage am Ortseingang von Urberach der Dieburger Vertreter Schmitt auf die rechte Rasenbahn, überfuhr einen Kilometerstein, rammte einen Straßenbaum und landete schließlich mit den Rädern nach oben im Straßengraben. Mit erheblichen Verletzungen und ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben mußte Sch. ins Kreiskrankenhaus nach Dieburg eingeliefert werden. Am Fahrzeug entstand schwerer Sachschaden, -gi-

Einbrecher auf großer Tour

Dieburg. Am Donnerstagnachmittag mußte der Inhaber des Gasthauses „Zur Ludwigshalle“ feststellen, daß ihm aus einem Zimmer seiner Wohnung ein Barbetrag in Höhe von 160 DM, gestohlen worden war. In der Nacht zum Freitag drangen noch unbekannte Täter in das Gastzimmer des gleichen Hauses ein, entwendeten aus der Tageskasse Wechselgeld und außerdem eine Anzahl Spirituosen. Ein dritter Besuch ungebetener Gäste wurde in der Wirtschaft Schumann festgestellt, wo den Einbrechern, die sich gleichfalls im Gastzimmer zu schaffen gemacht hatten, allerdings nur geringe Beute in die Hände fiel. RG

In das Polizeiauto gerannt

Ober-Roden. In den Abendstunden des Mittwoch wollte ein Volkswagen der Dieburger Polizei in Ober-Roden zur Spessartstraße einbiegen. Der nachfolgende Motorradfahrer Murmann aus Eppertshausen, der das Winkzeichen übersah, wollte im gleichen Augenblick überholen. Dabei blieb er mit seinem Fahrzeug im linken Kotflügel des Polizeiwagens hängen. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. M. erlitt leichte Verletzungen. -gi-

Deckengewölbe stürzte ein

Roßdorf. Ein Einwohner der Bahnhofstraße zerkleinerte dieser Tage in seiner Wohnküche mit Axt und Schlegel großstückiges Holz mit einem solchen Kraftaufwand, daß das gesamte Deckengewölbe einstürzte. Die Bewohner laufen seitdem auf den noch erhalten gebliebenen Fußbodenbrettern umher. el

Alarmvorrichtung vertrieb Diebe

Lindenfels. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gegen zwei Uhr wurden die Einwohner durch anhaltendes Heulen einer Sirene geweckt. Im Betrieb der Steinschleiferei Kreuzer & Böhringer waren offenbar Einbrecher am Werk, die jedoch vor der sich auslösenden Alarmvorrichtung gestört wurden. Es dauerte dreiviertel Stunden, bis die Vorrichtung in dem über einen Kilometer von Lindenfels entfernten Werk abgestellt war. vt.

Kühner Griff in die Kasse

Groß-Rohrheim. In der Gastwirtschaft Hermann wurde von einem Gast aus der Kasse ein größerer Geldbetrag gestohlen. Der Dieb, ein junger Mann aus Worms, konnte von der Gendarmerie noch am Ort festgenommen werden. Der Täter gab den Diebstahl erst vor dem Lampertheimer Amtsgericht zu Kb.

Dreifacher Sturz drei Verletzte

Bauschheim. Ein Motorradfahrer erfaßte kürzlich mit seinem Krad auf der Bundesstraße 26 von Bischosheim nach Nauheim zwei auf dem Radweg fahrende Arbeiterinnen aus Bauschheim, die zu Boden geschleudert wurden und Verletzungen davontrugen. Der Motorradfahrer stürzte selbst und erlitt einen Schädelbasisbruch sowie eine schwere Gehirnerschütterung. eng

DT-Reporter schrieben und bebilderten die „Wochenend-Reportage“

Weit i der Weg zurück ins Heimatland ...

Die Odyssee der 15jährigen Theresia Exle — Ein Kind der Batschka entrinnt dem Todeslager Jarek Mit Vater und Stiefmutter in ein neues Leben in einer neuen Heimat

In der vergangenen Woche kehrte die 15 Jahre alte Theresia Exle nach über sechsjähriger Trennung aus Jugoslawien an die Seite ihres jetzt in Lampertheim lebenden Vaters zurück. Es ist eine traurige, zugleich aber auch interessante Geschichte, die das intelligente Mädel unserem bb-Reporter erzählte, als er die Exles in ihrer neuen Heimat aufsuchte.

In seiner Heimat — der Batschka — besaß David Exle einst zwei Landgüter von je 200 Morgen Größe. Nach dem deutschen Einmarsch im Jahre 1941 zu Ungarn geschlagen, kam sie erst mit der Besetzung durch die Russen wieder an Jugoslawien. Das Los der Deutschen jedoch war besiegelt. Es begann mit der Verschleppung aller Männer zwischen 16 und 60 Jahren, unter denen sich auch Vater Exle befand. Ohne die Möglichkeit eines Abschieds von seiner Familie wurde er eines Tages — es war im Jahre 1945 — in ein russisches Bergwerk im Donezbecken gebracht. Nahezu zwei Jahre lang teilte er dort das Schicksal vieler seiner Landsleute, bis er 1947 nach Deutschland entlassen wurde. Hier erst sollte er von dem noch weitaus schlimmeren Unglück erfahren, das seinen Angehörigen widerfahren war.

Im Todeslager Jarek

Während die Männer nach dem Osten rollten, pferchte man Frauen, Kinder und alte Leute der deutschstämmigen Bevölkerung in Lagern zusammen, aus denen weder der Leichengeruch, noch die in den ehemaligen deutschen KZ’s als „Muselmänner“ bekannten Gestalten wegzudenken waren. „Todeslager Jarek“ — so stand nach Aussage des damals zehn Jahre alten Mädchens Theresia über dem Eingang des Lagers, in dem die sieben Angehörigen der Familie Exle schmachteten. Die Tatsachen geben diesem Namen recht, sind doch dort innerhalb von drei Monaten Urgroßmutter, Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits und die Mutter 'der Kleinen buchstäblich verhungert. Täglich wuchs die Zahl der Grabhügel auf dem Kukurruzfeld neben dem Friedhof, wo die Unglücklichen nach qualvollen Wochen endlich Ruhe fanden. Als letzte Ehrung für sie wurde, meist gegen ein Kleidungsstück, ein einfaches schlichtes Holzkreuz erhandelt, von dem keiner weiß, ob es heute noch steht.

Am Sterbebett der Mutter

Theresias Mutter war die vorletzte ihrer Verwandtschaft, die der Sensenmann ergriff. „Kind“, sagte sie damals, „ich muß sterben. 1ß, was du immer bekommen kannst, und bete, daß du deinen Vater einmal wiedersiehst!“ — Dann schloß sie die Augen — für immer. Theresia aber stahl sich tagtäglich durch den Stacheldraht, bettelte und lebte von dem, was sie auf den Feldern fand. Als dann die Großmutter — die letzte der Sippe — starb, wurde das Kind mit vielen anderen zusammen in ein Kinderheim gebracht.

Für Beten gab es Schläge

In den staatlichen Kinderheimen des jugoslawischen Kommunismus war alles darauf abgestellt, die Waisenkinder der ehemals deutschen Bevölkerung zu guten Serben und Kommunisten zu erziehen. Dazu gehörte auch grundsätzliche Religionslosigkeit, die soweit ging, daß Kinder, die die Hände falteten, oder bei denen als Andenken aufbewahrte Heiligenbildchen gefunden wurden, harte Prügelstrafen über sich ergehen lassen mußten. Theresia versicherte, daß sie die letzten Worte der Mutter nie vergessen habe und selbst bei einem kurzen Tischgebet die flachen Hände zu Seiten des Tellers legte, statt sie zu falten.

Briefe gehen über die Grenze

Während das Kind in den ersten Schuljahren deutschen und ungarischen Unterricht erhielt, mußte es jetzt Serbisch und Russisch lernen. Trotzdem vergaß es seine Muttersprache nicht. Der nach Deutschland zurückgekehrte Vater aber ruhte nicht eher, bis er mit Hilfe des Roten Kreuzes den Aufenthalt seines Kindes ausfindig gemacht hatte. Seit 1948 standen so Vater und Tochter in ständigem Briefwechsel, der sich besonders für Theresia oft schwierig gestaltete. Die Kinder bekamen keinen Pfennig Geld und wußten nicht, wi sie sich Briefpapier und Porto beschaffen sollten. Theresia verkaufte deshalb meist das, was sie entbehren konnte, oder was ihr in Päckchen und Paketen geschickt wurde, nur um schreiben zu können.

In der alten Heimat

Ein einziger von Theresiens Verwandten, ein Arzt von Beruf, hatte in der Heimat die Kriegwirren überstanden. Mit ihm stand das Kind ebenfalls in Briefverbindung und wurde auch einmal in seine frühere Heimat beurlaubt. Da stand Theresia dann mit Tränen in den Augen an der Seite der Arztfrau vor ihrem einstigen Vaterhaus, das von fremden Menschen bewohnt war. Sie erhielt auch die Erlaubnis, durch alle Räume zu gehen und fand auf dem Speicher noch etliche Fotografien aus den einstigen besseren Zeiten, die sie zur Erinnerung mitnahm.

Auch die Gemeinde half

Vater Exle aber ruhte nicht eher, bis er alle notwendigen Unterlagen für die Rückkehr seines Kindes besorgt hatte. Er wurde dabei auch von Bürgermeister Günderoth und dem Wohnungsamt der Gemeinde Lampertheim tatkräftig unterstützt, und eines Tages war es dann sowit, daß der Mann; der sich 1949 mit einer auch aus seiner Heimat stammenden Frau zum zweiten Male verheiratete, vom Roten Kreuz in Heppenheim die Nachricht erhielt, daß seine Tochter noch im Laufe des Jahres nach Deutschland komme. Theresia aber empfing in Jugoslawien laufend die Geschenkpakete ihrer aus Lampertheim inzwischen nach Amerika ausgewanderten Lehrer-Tante und wußt noch von nichts.

Auf der Heimfahrt

Sie erschrak, als am 2. November, abends, eine Aufseherin zu ihr sagte: „Pack Deine Sachen und bringe sie auf die Kanzlei!“ Auf die Frage nach dem Warum erhielt sie die Antwort: „Idesch do Pana“ (Du. fährst zu Deinem Vater). Da war die Freude ^oß, und die folgen den Tage auf den Schienen vergingen nur zu langsam. Mit Theresia fuhren noch viele andere Kinder in die Arme ihrer glücklichen Eltern, und eine, kleine Episode, die sich unterwegs abspielte, scheint erwähnenswert. Eine der jungen Heimkehrerinnen, Katharina Michel, die nach Oesterreich fuhr, war ebensolange von ihren Eltern getrennt. Sie erkannte aber ihr damals drei, heute acht Jahre altes Brüderchen ,unterwegs an seinem hellblondem Schopf bei einer Sammelstelle wieder. Beim Namen nennen konnte sie ihn, aber zu unterhalten vermochten sich die beiden Geschwister nicht, denn der Junge war in einem slowenischen Kinderheim groß geworden, während das Mädel nur serbisch und deutsch sprach.

In der neuen Heimat

So pustete denn der Transportzug über Oesterreich dem Westen zu, und am vergangenen Dienstag stieg Theresia Exle wohlbehalten im Bahnhof Lampertheim aus. Für ihren Vater war es eine der freudigsten Ueberraschungen seines Lebens, als er die Tochter endlich wieder sah, und auch ihre zweite Mutter schloß sie froh in ihre Arme und will dem angehenden Backfisch nach dieser schweren Zeit der Prüfung auf dem künftigen Lebensweg Mutter und Freundin zugleich sein ?. .


Theresia Exle mit ihren Eltern Foto: pdr.
Theresia Exle mit ihren Eltern Foto: pdr.

Nutznießer des „Eisernen Norhangs“

„Politischer Flüchtling“ zweier Zonen vor dem Schöffengericht

In dem 35jährigen Händler Isidor L. stand gestern ein Mann vor dem Richter, der eine Zeitlang geschickt den „Eisernen Vorhang“ zur Verschleierung seiner Straftaten ausgenutzt hatte.

Der zuletzt in Eppertshausen (Kreis Dieburg) wohnende Angeklagte mußte sich jetzt wegen Untreue, Betrugs, Diebstahls und Urkundenfälschung verantworten. Im Juli 1949 war ihm — vom hessischen Staatsmini^terium befürwortet — von der Kreissparkasse ein Kredit von 2000 DM übergeben worden. Er selbst hatte einen solchen von 15 000 DM beantragt. Als Sicherheit übereignete L. sein Warenlager.

L. hob nun diesen Betrag bis auf den letzten Pfennig von der Bank ab und verschwand, seine Geschäftsbücher mitnehmend, in die Ostzone. Kurz vor seinem Grenzübertritt zog er noch einen Scheck über das ausgeräumte Dieburger Konto und übergab ihn einem Gläubiger an der Grenze.

In der Ostzone angekommen, stellte er sich als „politischer Flüchtling aus dem Westen“ vor und fand in Sachsen auch bald Kontakt. Sein Lebenswandel ließ ihn jedoch auch hier recht bald in Schulden geraten. Sein Ausweg: Er packte kurzerhand alles, was er bei seiner Quartiergeberin während ihrer kurzen Abwesenheit erreichen konnte, in Koffer und Säcke, bestellte einen Wagen und „setzte sich gen Westen ab“.

Einen leisen Schreck bekam L. allerdings, als ihm bei der westlichen Grenzstation das Fahndungsbuch der Kripo kurz zu Gesicht kam, in dem auch er zu finden war. Daraufhin fälschte er kurz entschlossen seine Papiere und seinen Namen. Von jetzt ab spielte er den “politischen Flüchtling aus der Ostzone“. Als „Wirtschaftsberater“ fand er in einem Ort in der Pfalz ein Dach über dem Kopf. Allerdings dauerte es nicht lange, bis ihm die Polizei auf die Spur kam.

In der Verhandlung hatte sich der Angeklagte eine faule Ausrede zurechtgelegt. Nur für kurze Zeit—so sagte er — habe er damals in die Ostzone fahren wollen. An der Grenze sei er jedoch von der Volkspolizei geschnappt und für ein Jahr in den Uranbergbau bei Aue geschickt worden. Die bestohlene Zeugin in der Ostzone machte in ihrer schriftlichen Aussage dieses „Alibi“ von L. gründlich zunichte. — Das Gericht verhängte gegen L. acht Monate Gefängnis. wst.

60 Jahre Spar- und Darlehenskasse

Hammelbach. Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates der am 16. November 1890 gegründeten Spar- und Darlehnskasse trafen sich kürzlich zur Feier des 60jährigen Bestehens. Derzeitige Vorstandsmitglieder sind: Georg Adam Krämer (1. Vors.). Adam Wolk 111. (stellvertr. Vors.) und Adam Stein (Rechner). Dem Aufsichtsrat gehören an: Georg Röth (Vors.), Otto Berg und Adam Schmitt (Beisitzer). 4-

Unsere Guburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Herr Johannes Darnieder, Ortsdiener, und Frau Sophie geb. Fröhlich, Habitzheim, Klingerweg.

Goldene Hochzeit: Herr Johannes Schäfer VII und Frau Katharina geb. Schnellbächer, Lützel- Wiebelsbach, Hauptstraße 25.

Goldene Hochzeit: Eheleute Jakob Dilfer, Weichenwärter i. R., Worfelden, Oberdorf 38.

81. Geburtstag: Frau Emilie R e u 1 i n g, Groß-Bieberau, Römerstraße 41 (26. 11.). 81;Geburtstag: Herr Friedrich Feickl, Schreiner, Traisa, Darmstädter Straße 51 (26. 11.).

80. Geburtstag: Frau Anna Berti, Bensheim-Schönberg, Nibelungenstr. 85.

76. Geburtstag: Herr Martin Held 11, Groß-Zimmern, Lebrechtstraße 83.

75. Geburtstag: Frau Katharine Eckstein, Groß-Bieberau, Auf der Beune Nr. 22.

Was aǔch interessiert:

Eine Omnibuslinie zum Kinzigtal wind auf Veranlassung von Direktion und Betriebsleitung der Veith-Gummiwerke eingerichtet werden. Der Omnibusbetrieb Fornoff, Lü t z el-Wiebelsbach wird täglich die Arbeiter aus den abgelegenen Ortschaften des Kinzigtales zu den einzelnen Schichten in die Fabrik bringen.

Die Theaterfreunde aus Groß-Gerau fahren am Sonntag um 18.20 Uhr zur Oper „Don Carlos“ ins Darmstädter Orangeriehaus. kr.

Der Schaafheimer Kleintierzuchtverein tritt am Sonntag in einer groß angelegten und reichhaltigen Ausstellung im Saal des Schützenhofes vor die Öffentlichkeit, w.

Eine neue Leichenhalle wird heute nachmittag in Ober-Ram stadt ihrer Bestimmung übergeben. -D-

Der Film „Freude durch Geflügelzucht“ soll in fünf Orten des Kreises Dieburg, zuerst beim größten Verein in Babenhausen, vorgeführt werden, teilte Kreisvorsitzender Stork mit. NB

8200 Zentner Obst und Gemüse

Seeheim. Die Obst- und Gemüseverwertung hat von Mai bis Oktober 1950 insgesamt 8200 Zentner Obst und Gemüse an die Zwingenberger Obst- und Gemüsezentrale zur Ablieferung gebracht. Den Haupbanteil hatten Johannis- und Stachelbeeren mit 2600 Zentner, Kirschen mit 2000 Zentner, Pfirsiche mit 1000 Zentner und Steinobst mit 1800 Zentner. Birnen und Aepfel wurden 330 Zentner (1949 = 390 Zentner) abgeliefert. Der Anteil des abgelieferten Gemüses betrug 410 Zentner, hiervon allein 400 Zentner Spargel. Der Gesamtumsatz betrug 180 000 Mark. hl.

„Nur wer rastet, der rostet“

Vorbildliche Gewerkschaftsarbeit im Kreis Dieburg

Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund hat für das Winterhalbjahr Abendsemester und Vortragsabende eingerichtet, in denen Gelegenheit gegeben wird, Gewerkschaftskunde, Deutsch und Betriebswirtschaftslehre zu hören.

„Besonders im Winterhalbjahr ist unsere Zeit gekommen“, meinte Gewerkschaftssekretär Wilhelm Buchsbaum aus Groß-Zimmern, als wir in der Nebenstelle Dieburg zu Besuch weilten. Fast jeden Abend stellt der rührige Arbeitervertreter seine gesamte Arbeitskraft für Weiterbildungsvorträge des FDGB. zur Verfügung. Ein Blick in die Terminliste der Veranstaltungen läßt uns die Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit der Wissengebiete erkennen.

Sehr großen Anklang finden z. B. die Abendsemester in der Reinheimer Schule. In einem Lehrgang, der sich über 15 Wochen erstreckt, wird dort Gewerkschaftskunde, Deutsch sowie Betriebswirtschaftslehre I und II gelehrt. Die Referenten Kaiser, Darmstadt, und Roth, Groß-Zimmern, lassen es sich außerdem angelegen sein, die eigentliche Betriebsräteschule besonders zu fördern. In jeder Woche kann montags und donnerstags das Semester besucht werden.

Unterdessen reist Kollege Buchs - bäum durch den Landkreis. Seine Vorträge in Münster, Zeilhard, Reinheim und vielen anderen Kreisgemeinden haben stets dankbare Zuhörer gefunden.

Die letzte Versammlung wurde am Buß- und Bettag in Lengfeld abgehalten, wo er über die Aufgaben eines Ortsausschusses ein ausführliches Referat hielt. Im Anschluß daran konnte der zehnköpfige Ortsausschuß gewählt werden. Als 1. bzw. 2. Vorsitzender stehen diesem Johann Falkenstein und Otto Reuter vor. Die nächste Arbeitstagung, die für kommenden Sonntag in Zeilhard angesetzt war, muß leider infolge Saalschwierigkeiten ausfallen. „Vieles wurde geleistet, aber wer rastet, der rostet“, ruft man uns noch beim Abschied zu. _gi.

Gemeinsame Jubiläumsschau

Ober-Ramstadt. Anläßlich des gemeinsamen 50jährigen Jubüäums des Brieftauben- und Geflügelzuchtvereins haben beide Vereine ihre Mitglieder zu einer außerordentlichen Geflügel- und Brieftaubenschau aufgerufen. Insgesamt werden ab heute nachmittag über 500 Tiere im „Schützenhof“ und im Flur des „Neuen Schulhauses“ ausgestellt. -D-

Eine Arbeitstagung evangelischer Lehrer und Pfarrer der Unterzent findet am Montag im Michaelsaal zu Höchst statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag über „Kirchengeschichte im Religionsunterricht der Volksschule“. Im Anschluß daran sollen pädagogische Themen be¬ handelt werden. hm

Wie lange noch „Mord ohne Sühne“?

Qns Geheimnis des Schwarzbachs - ein unlösbares Rätsel?

Mitwisserin ode Begünstigerin? / Die Kriminalisten sagen „schuldig an der Tat!“ / Wird au Rückerts Tod seine Sühne finden? / Feststellungen und Erläuterungen zum Mordprozeß Rückert-Heil

Doh?eilirtw^ Urteilsverkündung im Mordprozeß Rückert-Heil suchten wir den Leiter der damaligen kriminalden Prn7Aß . ^mit9ung®”’ Krlminalrat a. D. Weidm an n, in Beckenbach auf, um von ihm ein abschließendes Urteil über a« rT?.Verlauf zu erhalten. Im Nachfolgenden schildert Kriminalrat Weidmann seine Eindrücke und An¬ , die sicherlich für alle unsere Leser, die den Prozeß in unserer Zeitung verfolgten, von Interesse sein dürften. Die Redaktion

Eine Woche lang dauerten die Verhandlungen im Mordprozeß Rückert-Heil, und es war dem Schwurgericht nicht möglich. die Schuldfrage zu klären. Mit Recht hatte die Mordtat an der Schwarzbach oder wo immer sie geschehen sein möge, die Bevölkerung auf das Aeußerste er¬ tt u' ^as ^sonders durch die ständige Ueberfüllung des Zuhörerraumes im Gerichtssaal und die starke Nachfrage nach den Presseberichten zum Ausdruck kam. Noch mehr allerdings stieg die Erregung, als die beiden Angeklagten mangels Beweises freigesprochen wurden. All lene, die dem Prozeß beiwohnten. waren innerlich vonder Schuld der Frau Heil uoerzeugt, — bei dem Angeklagten Rückert waren sie im Zweifel...

Es ist nicht meine Aufgabe, das Dafür oder Dagegen zu erörtern. Als alter Kriminalist möchte ich jedoch eindringlich darauf hinweisen, was zu geschehen hat, um in Zukunft die Aufklärung einer Mordtat zu erleichtern und zu sichern. Sehr oft werden Fehler gemacht, die der erfahrenste und gerissenste Kriminalist nicht wiedergutmachen kann. Immer wieder muß darum darauf hingewiesen werden. daß bei jeder Leiche, die im Freien oder in einem Raum aufgefunden wird, die Polizeiorgane oder die Bevölkerung sie nicht berühren oder ihre Lage verändern dürfen. Durch Neugierige können wichtige Tat- oder Ueberführungsspuren zertreten oder unbrauchbar gemacht werden. Einzig und allein die Mordkommission entscheidet, was zu geschehen hat, denn sie trägt die volle Verantwortung.

Im Falle Rückert-Heil hat sich die immer wieder festzustellende Tatsache gezeigt. daß der Aufruf an die Bevölkerung, mitzuhelfen und alles mitzuteilen, was gesehen oder gehört wurde, nicht befolgt wurde. Im Interesse der Wahrheitserforschung muß die Scheu, vor Gericht auszusagen, unbedingt abgelegt werden. Die Beamten der Mordkommission sind keine Hellseher und können ihre Ermittlungstätigkeit nur dann mit Erfolg durchführen. wenn alle Beteiligten, oder diejenigen, die etwas auszusagen haben, dieses wahrheitsgemäß den Ermittlungsbeamten mitteilen. Immer wieder wird zudem darauf hingewiesen, daß Mitteilungen auf Wunsch vertraulich behandelt werden.

Bei fast allen Kapitalverbrechen, die zur Aburteilung stehen, erleben die Ermittlungs- und Vernehmungsbeamten, daß der Angeklagte vor Gericht behauptet. er habe dies oder jenes nicht gesagt, sein Geständnis sei ihm in den Mund gelegt oder sogar erpreßt worden. Dies ist menschlich verständlich, und jeder Angeklagte hat das Recht zum Leugnen. Sind jedoch Beweise (stumme Zeugen der Tat oder Zeugenaussagen) vorhanden, so hat das Leugnen keinen Wert mehr und der Angeklagte kann überführt werden.

Im Mordprozeß Rückert-Heil hat Frau Heil vor drei Instanzen vollkommen unabhängig insgesamt 6 Geständnisse abgelegt, die sie später, unter Berufung auf den „großen Unbekannten“, widerrief, Um Geständnisse wortgetreu und die an den Beschuldigten gestellten Fragen einwandfrei widergeben zu können, müßten die Mordkommissionen mit einem Aufnahme- und Wiedergabegerät ausgestattet werden. Ein Widerruf oder eine Aenderung des Geständnisses wäre dann nicht mehr möglich; in der Gerichtsverhandlung könnten die Aufnahmen abgespielt werden.

Was ergibt sich nun Wesentliches aus dem abgelaufenen Prozeß?

Tatsache ist. daß an der Ehefrau Rükkert ein Mord begangen wurde, dessen Ausführung am 5. März 1950 in der Zeit zwischen 19 und 23 Uhr geschah.

Tatsache ist ferner, daß Frau Heil zwischen 19 und 21 Uhr und 22 und 23 Uhr nicht zu Hause war.

Ebenso klar ist. daß Frau Heil den Brief, der bei der toten Frau Rückert gefunden wurde, geschrieben hat. Dies hat sie mir gegenüber eingestanden. Sie versuchte unter allen Umständen in den Besitz dieses Briefes zu gelangen und hat auch die beiden Briefumschläge in der Wohnung der Familie Rückert an sich genommen.

Unumstößlich dürfte die Aussage des Zeugen Krumb sein, daß Frau Rückert schon einmal von Frau Heil an die Anstalt bestellt wurde und letzterer durch die an die Ermordete gerichteten anonymen Briefe erreichen wollte, daß sie sich von ihrem Mann scheiden lasse, — daß Frau Heil aber auch gleichzeitig auf Rückert einzuwirken versuchte, sich von seiner Frau scheiden zu lassen.

Tatsache ist. daß Frau Rückert am 5. März 1950 auf dem Wege zur Anstalt gesehen wurde und Frau Heil sie kurz nach 19 Uhr im Anstaltsgebäude gesehen und gesprochen hat.

Nicht zu vergessen ist. daß Frau Heil zu ihrem Ehemann sagte: „Sage ja nicht, daß ich zwischen 19 und 21 Uhr fort war!“, daß sie dem am Montag, 6. März 1950.' nach seiner Mutter fragenden Sohn Walter verschwieg, daß Frau Rückert am Vorabend im Anstaltsgebäude war und mit ihr sprach.

Sagt ein Unschuldiger beim Besuch seines Kindes: „Midi siehst du in 10 oder 15 Jahren nicht mehr!??“ ....

Nicht festgestellt wurde in jenem Mordprozeß, ob der Fundort der Leiche auch der Tatort des Mordes war, ob Frau Heil allein, oder mit einer anderen Person zusammen die Tat ausgeführt hat. Dadurch war es nicht möglich, positiv zu sagen, daß sie Alleintäterin. Gehilfin, Begünstigerin oder Mittäterin ist. Hinsichtlich dieses fehlenden lückenlosen Beweises wurde Frau Heil mangels Beweises freigesprochen.

Alle, die an den Verhandlungen teilgenommen haben und dienstlich mit der Sache zu tun hatten, sind der felsenfesten Ueberzeugung, daß Frau Heil an der Tat beteiligt war. Diese Tatsache hat Frau Heil übrigens selbst in all ihren Geständnissen zum Ausdruck gebracht. Daß diese allerdings objektiv falsch sind, geht daraus hervor, daß sie den Weg zum Tatort verschieden schilderte und die Tatausführung (Erdrosseln) nicht als wahrscheinlich beurteilt wird.

Noch ist das letzte Wort in der Mordsache Rückert-Heil nicht gesprochen. Die nahe Zukunft wird es lehren, ob das alte Sprichwort seine Gültigkeit behält: Die Sonne bringt es doch an den Tag!


Elisabeth Heil
Elisabeth Heil

Hinter der eichenen Tür des Sitzungssaales 303 spielte sich der l.Akt des Mordprozesses Rückert—Heil ab — ohne Sühne für die Ermordete — aber wie lange noch wird der Schleier um das Geheimnis des Schwarzbachs unzerreißbar sein? Unsere Montage zeigt Frau Heil (X) und Rückert (XX) vor dem Fenster des Kesselhauses, von dem man aus Rükkert bei seiner Arbeit beobachten konnte. Hier stand auch schon Frau Heil, um nach Rückert zu sehen. Vielleicht auch am Abend des Mords. Von hier aus sind es aber auch nur wenige Schritte zur Fahrradhalle und zur Waschküche, beides Stätten, an denen das Drama des Schwarzbachs seinen Anfang genommen haben könnte. DT-Montage: Schröder
Hinter der eichenen Tür des Sitzungssaales 303 spielte sich der l.Akt des Mordprozesses Rückert—Heil ab — ohne Sühne für die Ermordete — aber wie lange noch wird der Schleier um das Geheimnis des Schwarzbachs unzerreißbar sein? Unsere Montage zeigt Frau Heil (X) und Rückert (XX) vor dem Fenster des Kesselhauses, von dem man aus Rükkert bei seiner Arbeit beobachten konnte. Hier stand auch schon Frau Heil, um nach Rückert zu sehen. Vielleicht auch am Abend des Mords. Von hier aus sind es aber auch nur wenige Schritte zur Fahrradhalle und zur Waschküche, beides Stätten, an denen das Drama des Schwarzbachs seinen Anfang genommen haben könnte. DT-Montage: Schröder

Rolannen des ewigen Schweingens

Ein Gang über den Soldatenfriedhof Trebur

Ausgerichtet in einer Linie — geradeso wie jene Menschen, deren Ruhestätte sie heute bezeichnen, einst in der Front ihrer Kompanien standen — stehen 29 Kreuze an den Gräbern deutscher Soldaten auf dem Ehrenfriedhof in Trebur.

Als im Jahre 1945 der Tod in und um Trebur seine Ernte gehalten hatte — wobei er zwischen Freund und Feind keinen Unterschied machte —, galt es für die Einwohner dieser Gemeinde jene traurige Nachlese zu tun, wie es in diesen Jahren vom Atlantik bis zur Wolga, vom Nbrdkap bis Tobruk, die Menschen anderer Sprachen und Farben mußten. Unter jenen, die man an den Straßen und auf den Äeckern fand, waren viele, deren Namen niemand wußte. Unbekannte Soldaten die einen Tod erlitten, ohne daß die Wartenden daheim um ihre Gräber wissen.

Die Männer und Frauen in Trebur aber wußten, daß es Söhne ihres Volkes waren, die sie in die Gräber senkten, und sie setzten an jedes Grab das gleiche schlichte Birkenkreuz, von einem Stahlhelm gekrönt. Und jedes Grab zierten Blumen und frisches Grün. Eine würdige Totensiedlung ist dieser Ehrenfriedhof, die die Einwohner des alten Kaiserstädtchens am Rande der Gemeinde unmittelbar am Friedhof schufen.

Wie in jedem Jahre, wird man auch am Totensonntag 1950 wieder vor den Gräbern der eigenen und denen der fremden Toten stehen, um ein stilles Gebet zu verrichten. Der Herbst, der mit seinen Nebeln die Formen verwischt, der den Dingen ihren Sinn zu nehmen scheint und die Tage beendet, ehe sie recht begonnen haben, läßt die Gedanken an eine Ewigkeit und das Unfaßbare leise anklingen, wie Saiten einer Harfe, in die Frauenhände greifen. Die in den Gräbern ruhen, haben jene Gedanken, die uns Lebenden bewegen, zu Ende gedacht, und die Erkenntnis, um die wir reicher sein möchten, mitgenommen in eine Welt, die wir nicht kennen.

Sie unterlagen alle dem gleichen Gesetz, die Toten der Kriege, das ihnen aufträgt in denen, die auf der anderen Seite standen, Feinde zu erkennen und einander zu töten. Aber der Tod sollte der Menschen Gesetze lösen und sie gleichmachen vor den höheren Gesetzen der Ewigkeit. Der Weg, den diese Toten, vor dessen Gräbern wir am Totensonntag stehen, zu gehen verpflichtet waren, sollte uns hindern, ihn fortzusetzen, denn er würde bald wieder mit Kreuzen gezeichnet sein.

Die Kreuze mit den Stahlhelmen in Trebur und in anderen Orten und Ländern sollten einmal die letzten sein, die über den Gräbern toter Soldaten errichtet werden müssen. Wenn dies sein könnte, hätte das Sterben dieser unserer Männer einen Sinn gehabt. kr.-



Ein Heim für alle Ingendagruppen

Sitzung und Vorstandswahl des Ortsjugendausschusses Roßdorf

Der Ortsjugendausschuß Roßdorf beriet in seiner letzten Sitzung neben der Schaffung eines Jugendheimes die Neuwahl des Vorstandes und die im kommenden Winter geplanten Werbe- und Filmveranstaltungen.

Zu letzterem stellte der 1. Vorsitzende Heinz fest, daß der Schuljugend bereits während der Unterrichtsstunden Lehrfilme gezeigt werden und daß die Einwände der Lehrerschaft, bei den abendlichen Filmvorführungen nur Schulentlassene bzw. ältere Jahrgänge zuzulassen, gerechtfertigt sind. Im Verlaufe der Wintermonate werden für diese Jugendlichen landwirtschaftliche und kulturelle Filme gezeigt werden.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde der Nutzungsvertrag zur Ueberlassung von 2 Räumen in der Turnhalle zwecks Ausbau eines Jugendheimes zwischen der Sport- und Kulturgemeinde Roßdorf und dem Ortsjugendausschuß beraten. Die in dem Kostenvoranschlag zur Wiederherstellung dieser Räume festgelegte Summe von 4500 DM soll durch öffentliche Jugendveranstaltungen und anderweitige Zuwendungen aufgebracht werden.

Das neu zu schaffende Heim soll allen Jugendgruppen in Roßdorf, u. a. den Naturfreunden, der evangelischen Jugend, sowie der Sport- und Schuljugend zur Verfügung gestellt werden.

Bei der Neuwahl des Vorstandes traten in der bisherigen Besetzung keine wesentlichen Aenderungen ein. Zum

1. Vorsitzenden wurde Theo Heinz, zum 2. Vorsitzenden der Jugendleiter der Naturfreunde, Gg. Horneff, und zum Schriftführer Fr. Hörr wiedergewählt. (sl)

Kaninchenschau mit Pelzverlosung

Groß-Gerau. Heute und morgen tritt der Kaninchen- und Geflügelzuchtverein mit einer großen Ausstellung an die Öffentlichkeit. Der Ausstellung hat sich der Spezialklub der „Loh-Kantnchenzüchter Hessen-Nassau“ angeschlossen. Als Ausstellungsraum hat der Verein diesmal den im Stadtzentrum gelegenen Saal des Hotels „Adler“ erhalten. Für eine Tombola wurden wertvolle Pelzstücke zur Verfügung gestellt. Kb.

Hühner, Tauben, Enten

Bickenbach. Der Geflügelzuchtverein veranstaltet heute und morgen im Saale des Gasthauses „Zum Hirsch“ seine diesjährige Ausstellung, an der sich 25 Aussteller mit allen Hühner- und verschiedenen Tauben- und Entenrassen beteiligen werden. Besondere Erwähnung verdient die starke Beteiligung der Jugendgruppe. Zwei führende Preisrichter werden die Preisverteilung unter die 200 ausgestellten Tiere vornehmen, rh

Das Bils der Heimat


EINES DER ALTESTEN HÄUSER IN HÖLLERBACH
EINES DER ALTESTEN HÄUSER IN HÖLLERBACH

Zǔm Besinnliches Sonntag

Welch ein anderes, vertrauteres Verhältnis zum Tode hatten unsere Vorfahren doch, als die meisten der modernen Menschen, die am liebsten jedem Gedanken an die Vergänglichkeit entfliehen möchten. Auf dem Lande, wo bis in unsere Zeit hinein die Menschen, und auch die jungen Menschen, eine engere Beziehung zum natürlichen Lauf und Ablauf des Lebens haben, ist und war vor allem das anders.

In seinen Lebenserinnerungen erzählt Wilhelm Baur, der Lindenfelser Försterssohn und spätere Hofprediger und Generalsuperintendent aus seinem heimischen Pfarrort, zu dem seiner Zeit zwanzig Ortschaften gehörten, wie der Schullehrer bei den Bestattungen mit ein paar Dutzend Knaben oft über eine Stunde lang über Berg und Tal wanderten. Noch der bald Siebzigjährige konnte, wenn er die Weise: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ hörte, die Bilder der Heimat nicht vergessen. Sie wurde vor dem Trauerhause am offenen Sarg gesungen. Dann nahmen die Männer, mit Rosmarinzweigen in den Kirchenröcken, den Sarg auf, befestigten ihn auf einem Bauernwagen, an den Pferde oder auch Kühe gespannt waren und unter Gesang ging es zum Dorf hinaus, oft auf ungebahnten Wegen mit hervorstehenden Granitblöcken, wohl auch, wo die Brücke fehlte, durch den rauschenden Bach. Von Zeit zu Zeit, auf besseren Wegen, sammelte der Lehrer seine Jugend wieder zum Gesang. Von Dorf zu Dorf mehrte sich das Gefolge, bis im Kirchdorf der Pfarrer den Zug empfing. Noch einmal, am Grabe, wurde der Sarg geöffnet, erneuerten sich die Wehklage und der Trostgesang. Der Pfarrer verrichtete sein Gebet und hielt in der Kirche die Leichenpredigt.

Die Erinnerung an die Vergänglichkeit wurde den Menschen, alt und jung, ständig vor Augen geführt. So findet man auch heute noch in manchen Bauernhäusern ein Bild, das die Lebensstufen in Form einer Treppe sinnbildlich macht und mit den darunter stehenden Sprüchen: „10 Jahr ein Kind, 20 Jahr ein Jüngling, 30 Jahr ein Mann, 40 Jahr wohlgetan, 50 Jahr stillestahn, 60 Jahr geht’s Alter an, 70 Jahr ein Greis, 80 Jahr nichts mehr weiß, 90 Jahr der Leute Spott, 100 Jahr erbarm Dich Gott.“

Warum wohl dieses ständige „Gedenke an den Tod“ die Menschen nicht niederdrückte und lebensuntüchtig machte? Sie wußten, was auch wir heute wissen dürfen, daß hinter allem Irdisch-Vergänglichen für den Gläubigen die Verheißung des Lebens steht. So konnte frommer Sinn auf hessischen Bauernhäusern die zuversichtliche Inschrift setzen:

„Hoffnung ist mein Wanderstab Und Geduld mein Reisekleid. Damit reis’ ich durch die Zeit Bis zur frohen Ewigkeit.“ P. D.

Aussprache mit Bürgermeister

Groß-Gerau. Die Bewohner der Siedlung werden am kommenden Montag Gelegenheit haben, ihre Sorgen und Wünsche in einem Aussprache-Abend mit Bürgermeister Dr. Lüdecke und maßgeblichen Vertretern der kommunalen Verwaltung zu besprechen. kr.-

„Triumpf der guten Laune“

Erbach. Am Dienstag, dem 28. November wird die Kreisstadt in der städtischen Festhalle einen bunten Abend mit einer Starbesetzung wie bisher noch nie erleben. Namen von Weltruf stehen auf dem Programm, wie Barnabas von Geczy, Lale Andersen, Heinz Erhardt, Marita Gründgens, Kurt Engels als Meister am „Marimbaphon“ und die Instrumental-Solisten. Ernst Günter Zobel konferiert. ch

DER SPORT


Hunderttausend erlebten bei Regen im Stuttgarter Neckarstadion Deutschlands Wiedereintritt in die internationale Fußballarena. Millionen saßen am Rundfunk und bangten um das 1:0 unserer Nationalvertretung. Wie es zu diesem Treffer kam, zeigen unsere Bilder. Ganz links hat Otmar W'alter einen Kopfball in Richtung Tor gezirkelt, das von seinem Hüter verlassen ist. Drei Schweizer Abwehrspieler springen hoch, und Bocquet (3) macht unterstützt von Eggimann (links) und Bader (10) in höchster Not Hand. Elfmeter! Krachend schlägt der von Burdenski getretene Ball in der linken oberen Ecke ein (mittleres Bild), Hug aber streckte sich vergeblich. Rechts kommt der Schweizer Hüter zur Zeit, um dem durchgelaufenen Balogh den Ball an der Fünfmeterlinie vom Fuß zu nehmen. Im Hintergrund Klodt, Neury und Schiedsrichter Ellis. Fotos: Gewalt-Vetter (2), Schirner
Hunderttausend erlebten bei Regen im Stuttgarter Neckarstadion Deutschlands Wiedereintritt in die internationale Fußballarena. Millionen saßen am Rundfunk und bangten um das 1:0 unserer Nationalvertretung. Wie es zu diesem Treffer kam, zeigen unsere Bilder. Ganz links hat Otmar W'alter einen Kopfball in Richtung Tor gezirkelt, das von seinem Hüter verlassen ist. Drei Schweizer Abwehrspieler springen hoch, und Bocquet (3) macht unterstützt von Eggimann (links) und Bader (10) in höchster Not Hand. Elfmeter! Krachend schlägt der von Burdenski getretene Ball in der linken oberen Ecke ein (mittleres Bild), Hug aber streckte sich vergeblich. Rechts kommt der Schweizer Hüter zur Zeit, um dem durchgelaufenen Balogh den Ball an der Fünfmeterlinie vom Fuß zu nehmen. Im Hintergrund Klodt, Neury und Schiedsrichter Ellis. Fotos: Gewalt-Vetter (2), Schirner

Immer wieder Sportplatzfrage

Stadtrat Reiber wird in der nächsten Stadtverordnetensitzung am Donnerstag die Anfrage des Stadtv. Benz (KPD) bezüglich, der Sportplatzfrage nach ihrer Entwicklung und ihrem gegenwärtigen Stand beantworten. Im übrigen nimmt der Magistrat zu der Frage wie folgt Stellung:

„Es kann heute schon mitgeteilt werden, daß der Sportplatz für die amerikanischen Soldaten auf der Nordseite der Eschollbrücker Straße seither erhebliche Fortschritte gemacht hat. Der Baseballplatz wird zur Zeit mit Rasen gedeckt, der auf einer Wiese hinter dem Alten Flugplatz an der Nieder-Ramstädter Straße abgehoben wird. Es ist damit zu rechnen, daß der Platz, soweit die Arbeiten in Frage kommen, deren Erledigung wir und der Sportverein 98 übernommen haben, bis Ende des Jahres fertiggestellt sein wird.

Der Sportplatz des Sportvereins 98 ist zur Zeit durch die Amerikaner gesperrt. Es darf darin keinerlei Arbeit vorgenommen werden. Infolgedessen wird der Aufbau der Rundtribüne etwas später fertig werden als vorgesehen. Der Spielplatz selbst ist mit Gras eingesät, das bereits aufgegangen ist. und deshalb ist die derzeitige Arbeitssperre nicht besonders schlimm.

Das Hochschulstadion steht dem Sportverein 98 zum Abspielen seiner Oberliga-Verpflichtungen zur Verfügung. An eine völlige Freigabe ist nach Aeußerung der Amerikaner jedoch einstweilen nicht zu denken.“

Hockey

Oberligamannschaft Gast beim TEC

dr. Am Sonntag ist auf dem Platz des TEC am Böllenfalltor Hochbetrieb. Ab 8.30 Uhr spielen die Jugend, Mädchen und Junioren gegen die Mannschaften des THC Hanau, bei denen Mädchen und Junioren hessische Meister sind. Um 12.30 Uhr sind die Weiß-Blauen aus Aschaffenburg zu Gast. Nach dem Spiel der 2 Mannschaften treten die ersten Herren an, die damit erstmals wieder einen Gegner aus der 1. hessischen Spielklasse haben. Die Aschaffenburger empfahlen sich bis jetzt mit einem Unentschieden gegen den Tabellenführer, die Ein. tracht Frankfurt und ein weiteres Unentschieden gegen den hessischen Meister, die SG Höchst. Nach der knappen Niederlage der Darmstädter Herrenmannschaft in Mainz kann man den Darmstädtern wohl ein Unentschieden zutrauen, aber Mannschaften wie Weiß-Blau liegen dem TEC nicht, denn bei den Aschaffenburgern ist neben dem technischen Können harter Kampf Trumpf. Hoffentlich ist das Feld durch die vorhergegangenen Spiele noch einigermaßen in Ordnung, wenn um 14.00 Uhr die Herrenmannschaften beginnen. Als letzte Mannschaft spielt die Damenelf gegen Aschaffenburg. Dieses Spiel geht um die Punkte. Eine Vorhersage ist schwierig, aber wenn die Darmstädterinnen an ihre Fonn vom Vorsonntag gegen Mainz anknüpfen, so müßten sie erfolgreich abschneiden können.

Die Lilien auf dem Bieberer Berg

Der Vizemeister Offenbach ist Favorit / SV 98 in Stuttgarter Form für Ueberraschungen gut

Für das heutige Spiel der beiden hessischen Mannschaften auf dem Bieberer Berg gibt es kaum Vergleichsmöglichkeiten, denn beide Vereine haben merkwürdigerweise bisher noch wenig Spielverkehr miteinander gepflegt. Wenn auch der Platzvorteil, der bessere Tabelienstand und die größere Oberligaerfahrung für die Offenbacher spricht, die Lilien fahren nicht ohne Gewinnchance an den Main.

Werden die Darmstädter, denen die Göttin Fortuna am vergangenen Sonntag im Spiel gegen die „Weinroten“ aus Nürnberg ihre Gunst versagte, mit den gleichfarbigen Offenbachern besser fertig werden? Diese Frage hätte man vor zwei Jahren, als die Offenbacher unangefochten süddeutscher Meister wurden, und noch im Frühjahr, als Süddeutschlands Dritter bis ins deutsche Endspiel vorrückte, kaum zu stellen gewagt. Der Bieberer Berg war noch im vergangenen Jahr der Schrecken aller Gastmannschaften, und nur der SV Waldhof brachte es fertig, den Lederstädtern dort beide Punkte abzujagen. In der laufenden Saison konnten aber schon zwei Mannschaf-

ten, die Augsburger Schwaben und der FSV Frankfurt, den Beweis antreten, daß der deutsche Vizemeister auch auf eigenem Gelände nicht unverwundbar ist.

Seit dem Abgang von Buthz und Wirsching fehlt es der Sturmreihe an dem richtigen Vollstrecker. Wohl zeigten die Offenbacher bisweilen noch immer ein variantenreiches, flüssiges, von ihrem bewährten Trainer Paul Oßwald wohl einstudiertes Kombinationsspiel mit oft verblüffenden Tricks, aber der Innensturm war mehr als einmal zu schußschwach, um die sich ihm bietenden Gelegenheiten zu nutzen. Er hat die Berliner Endspielleistung noch nicht wieder erreichen können. Torhüter Schepper oder sein Ersatzmann Ri k - ke r, die beiden erfahrenen Verteidiger Keller und Kemmerer, Stopper Picard und das vorzügliche Außenläuferpaar Magel und Keim bilden eine solide Deckung. Hätte der kräftige Mittelläufer in den letzten Wochen seine alte Form erreicht, so hätte er sicher am Mittwoch in der deutschen Mannschaft gegen die Schweiz gestanden. Im Sturm ist es vor allem der junge, flotte Rechtsaußen Kaufhold, der als sehr talentiert und als einer der besten Rechtsaußen Deutschlands gilt. Das Innentrio mit Schreiner, Maier und Weber ist schwer zu halten, wenn es einmal richtig in Schwung gekommen ist. Weber war noch im Vorjahr Anwärter auf den Linksaußenposten der Nationalmannschaft, fühlt sich aber heute im Innensturm wohler und wäre mit seinen schnellen gradlinigen Läufen noch weit gefährlicher, wenn er über einen sicheren Torschuß verfügte. Auf Linksaußen wird wahrscheinlich der jetzt in Darmstadt wohnende Baas spielen. Das Spiel des Sturmes hat noch immer den alten Schwung, es sind ja auch fast noch die gleichen Leute, die früher den gefürchteten Offenbacher Angriffswirbel inszenierten, weshalb man sich wundert, warum die Lederstädter diesmal noch nicht in d'er oberen Tabellenhälfte zu finden sind. Sie haben zweifellos in den bisherigen Punktspielen Pech gehabt und außer dem Spiel in Schweinfurt immer nur mit knappesten Resultaten verloren.

Die Lilienträger stehen vor einer sehr schweren Aufgabe, werden aber trotzdem die Reise an den Main mit dem Vorsatz antreten, den Bieberer Berg wenigstens zur Hälfte ersteigen zu können. Nur dann wird es ihnen möglich sein, ihren seit dem 8. Oktober zäh verteidigten 14. Tabellenplatz zu halten. Im Falle einer Niederlage würden sie auf einen der vier Plätze abrutschen, die am Saisonende für die Absteigenden vorgesehen sind. Es steht also viel auf dem Spiel beim Punktekampf in Offenbach, der heute, Samstag, um 14.30 Uhr, angepfiffen wird.

Kickers Offenbach: Ricker oder Schepper; Keller, Kemmerer; Magel, Picard, Keim; Kaufhold, Sdireiner, Maier, Weber, Baas.

SV 98 Darmstadt: Müller: Mühlbach, Abt: Herder, Schmidtmer. Leichtlein; Reeg, Thalheimer, Bohmann, Barth, Herwig.


Des Lehrers Rechnung wäre richtig! Sind seine Schüler auch so tüchtig?
Des Lehrers Rechnung wäre richtig! Sind seine Schüler auch so tüchtig?

Bezirksklasse erwartet Heimsiege

Hochbetrieb nur noch im Kreis Dieburg / Kreis Groß-Gerau ohne Spiel

In der Fußball-Bezirksklasse Darmstadt Gruppe 1, hat Lorsch wieder den Vorteil des eigenen Platzes, doch wird es diesmal mehr Mühe haben als in den beiden vergangenen Spielen, wenn es auch gegen Bobstadt in der bisher gewohnten Weise vorankommen will. Ein Gästesieg ist zwar unwahrscheinlich, aber eine Punkteteilung liegt diesmal noch eher im Bereich der Möglichkeit als bei dem Treffen in Bensheim. Ober-Ramstadt,das sich in letzter Zeit gut nach vorne gebracht hat, fährt an die Bergstraße nach Heppenheim, wo es auf einen Gegner trifft, der aus seinen bisherigen zehn Spielen noch nicht allzu viel profitiert hat. Offener ist schon das Spiel in Bürstadt, zu dem sich Viktoria Urberach stellen muß. Der Gastgeber kann auf einen Sieg und mit Hilfe einer Überraschung in Heppenheim wieder zum Tabellenführer aufrücken, die Viktoria durch einen Husarenstreich ebenfalls noch dichter aufschließen. Wesentlich ruhiger darf Hofheim dem kommenden Sonntag entgegensehen, denn sein Partner Eberstadt kann vom Ausflug an den Rhein nicht viel erhoffen. ?eo VfR Langen ist seinem Heimgegner Roßdorf zwar nur einen Gutpunkt voraus, sein 2:0-Sieg über Bürstadt räumt ihm aber alle Chancen ein; auch Groß-Gerau dürfte sich auf vollen Gewinn einstellen, denn seine Reise nach Groß-Rohrheim gibt ihm bei einigermaßen befriedigender Leistung gute Aussicht. mit Langen punktgleich zu bleiben Nicht allzuleicht dagegen darf Pfungstadt seinen Gegner Bensheim nehmen, aber auch ihm sollten alle Punkte unter der derzeitigen Kräfteverteilung zufallen. Mit zwei Ausnahmen (in Heppenheim und in Groß-Rohrheim) steht also am Sonntag alles auf Heimsieg.

Es spielen: Pfungstadt—Bensheim, Bürstadt-Viktoria Urberach. Groß-Rohrheim— Groß-Gerau, Lorsch—Bobstadt, Hofheim— Eberstadt, Langen—Roßdorf, Heppenheim— Ober-Ramstadt. Spielfrei: Biblis. In der Gruppe 2 ist Walldorf Schauplatz des Spieles der Spiele. Die Rot-Weißen, die mit ihrem Sieg über Ober-Roden gefährlich nahe an Bischofsheim herankamen, erwarten nun den Tabellenführer. Die Spielstärke beider Mannschaften zeigt zur Zeit nur so geringe Unterschiede, daß über diesem Treffen unbedingt ein Fragezeichen schwebt. Walldorf hat zwar Platzvorteile, aber bei Bischofsheim wird der Ehrgeiz, die Tabellenführung auch weiterhin zu behalten, das Spiel ankurbeln. Die KSV Urberach empfängt den SV Münster — jene strebt nach dem zweiten Platz, dieser nach noch festerem, Anschluß an die Spitzengruppe. Im übrigen stehen da zwei Mannschaften gegenüber, die sich und ihr Gelände nicht erst seit gestern kennen. Der 4. zu Hause gegen den 14. heißt die Paarung Dieburg—Eppertshausen. Da sollte es kein großes Raten über den Spielausgang geben. So ist es auch mit Germania Ober-Roden gegen Trebur, also beim 5. gegen den 15. Mörfelden ist eine ausgesprochene Heimmannschaft, die ihre Punkteinbuße in der Fremde auf eigenem Boden meist wieder ausgleicht. Das sollte auch am Sonntag glücken: Michelstadt heißt diesmal der Gast. Wixhausen fährt in den „Darmstädter Kohlenpott“, nach Messel. Seine Aufgabe ist nicht ausgesprochen leicht, aber sein gesundes Streben nach dem 11. und 12. Punkt und damit nach dem Einzug in die obere Tabellenhälfte sollte auch den Gastgeber und dessen Platzvorteil überwinden helfen.

Es spielen: Mörfelden—Michelstadt, KSV Urberach—SV Münster, Dieburg —Eppertshausen, Germania Ober-Roden—Trebur, Nauheim — Egelsbach, Rot-Weiß Walldorf — Bischofsheim, Messel—Wixhausen; spielfrei: Erbach. (RG)

Basketball Oberliga

Vorläufige Klärung am Tabellenende — BC Darmstadt in Karlsruhe

Die Basketball-Oberliga Südwest stand am letzten Samstag im Zeichen des für den Abstieg bedeutungsvollen Spiels Homburger TG BC Karlsruhe. Wie man erwarten durfte, sind die wesentlich besseren Bad Homburger mit 53:35 Körben als Sieger aus diesem Spiel hervorgegangen. Der Erfolg der Homburger, der Mannschaft mit der größeren Korbsicherheit, stand eigentlich nie in Frage. Flüssiges Zusammenspie] sah man auf keiner Seite, dafür tempogeladene Durchbrüche, bei denen sich die Gastgeber infolge der mangelhaften Karlsruher Deckung besser in Szene zu setzen wußten. Homburgs Abwehr war aber auch alles andere als sattelfest. Beide Mannschaften verhielten sich beispielhaft fair.

Die Mannschaft des BC Darmstadt wird sich am nächsten Samstag in Karlsruhe vorstellen und sollte nach den letzthin gezeigten Leistungen der Karlsruher zu einem klaren Sieg kommen, womit nicht nur die Tabedlenposition des BCD, sondern auch sein negatives Korbverhältnis verbessert werden könnte.

Der Heidelberger Tv 1846 steht in seinem Heimspiel gegen den VfL 1848 Bad Kreuznach vor einer durchaus lösbaren Aufgabe. Die Kreuznacher — in eigener Halle , sehr gefährlich — erreichen in Auswärtsspielen nicht ihre beste Form und sollten um eine Niederlage nicht herumkommen. Ein Punktgewinn der Nahestädter würde sehr überraschen.

Basketball-Landesliga

Bereits am Samstag kommt es in der Heppenheimer Stadthalle zu der Begegnung der beiden Tabellenletzten TV Heppenheim gegen TV Offenbach. Beide Mannschaften sind natürlich bemüht, ihren ersten Sieg zu landen und damit den Anschluß an die anderen Vereine wiederzugewinnen. Nach Lage der Dinge ist aber eher mit einem Erfolg der Einheimischen zu rechnen als mit einem Offenbacher Punktgewinn.

Das Spiel zwischen dem TSV 1875 Bonames und dem derzeitigen Spitzenreiter SKG Roßdorf ist als offen anzusehen, wenn man auch vielleicht den Gästen einen knappen Sieg zutrauen möchte. Bonames ist in eigner Halle nur schwer beizukommen, so daß Roßdorf schon sehr gut aufgelegt sein muß. um die Tabellenführung zu behaupten.

In der Frauengruppe empfängt am Samstag der Heppenheimer TV die Homburger TG. Beide Mannschaften sind punktgleich, doch das bessere Korbverhältnis sieht die Homburger Mädel auf dem zweiten Platz. Heppenheim hat seine gute Vorjahrsform noch nicht erreicht und wird mit den Homburgerinnen rechnen müssen, die kürzlich gegen Roßdorf ein sehr gefälliges Spiel zeigten. -er-

Der 1. FC Pforzheim am Mühlchen

Wird die SG Arheilgen endlich wieder einmal siegen?

Am Sonntag spielen am Mühlchen die den Darmstädtern nicht unbekannten Goldstädter aus Pforzheim. Schon jahrelang kämpft diese Mannschaft um einen Platz an der Sonne, ohne sich aber jeweils ganz durchsetzen zu können. Auch in den Spielen der diesjährigen 2. Liga reichte es bisher nur für einen guten Mittelplatz, obwohl die Elf einen guten Fußball spielt. Den Pforzheimern fehlt die Beständigkeit, sie ist starken Schwankungen unterworfen. Neben ausgezeichneten Siegen stehen überraschende Niederlagen. Vor einer körperlich starken Verteidigung steht eine solide Läuferreihe, die ihre Stütze in den beiden Außenläufern hat. Im Sturm ist es das Innentrio, das dem Gegner viel zu schaffen macht und immer für Tore gut ist. Die Mannschaft spielt in folgender Besetzung: Bischoff; Schmid, Ganzhorn; Fix, Biedenbach, Neßmann; Vogt, Rau, Maisenbacher, Straub, Hartmann.

Die Arheilger sind in den letzten Spielen scheinbar vollkommen aus dem Tritt geraten. Ohne klare taktische Richtlinien wird alles mehr dem reinen Zufall überlassen, der einzelne fühlt sich nicht, mehr als Teil des Ganzen, der sich unterzuordnen hat, sondern jeder versucht sein Heil auf eigene Faust. Dieses Auseinanderfallen hat die Vereinsleitung veranlaßt, am letzten Dienstag eine eingehende Aussprache mit den Spielern durchzuführen, um durch geeignete Maßnahmen eine stärkere geistige Konzentration der einzelnen Spieler zu erreichen. Der unbefangene Zuschauer wird immer wieder zu der Erkenntnis kommen, daß die einzelnen Spieler wohl den Anforderungen gewachsen sind, aber der freudige, kameradschaftliche Einsatz fehlt. Alle Handlungen sind noch zu schwerfällig, ohne Witz und Spielfreude, und ohne die Konzentration auf das einzige Ziel, gemeinsam und geschlossen den Gegner zu schlagen.

Trotz der Niederlagen in Tübingen und Freiburg bleibt das Ergebnis gegen Pforzheim durchaus offen. Reißt sich die Mannschaft zu einer geschlossenen Leistung zusammen, ohne sich durch gegenseitiges Anöden, Reklamationen und all das, was nebensächlich ist, von dem großen Ziel ablenken zu lassen, hat sie eine berechtigte Chance, endlich wieder einmal einen Sieg herauszuspielen und die Punkte im Lande zu lassen. Folgende zwölf Spieler sind vorgesehen: Seibel; Wendler, Zöller, Mahr, Müller, Kaut, Dilfer, Lieber, Potrafke, Traser, Marco und Becker.

Rux boxt gegen Yvel

Frankfurt, (sid) Der deutsche Ex-Meister im Halbschwergewicht. Conny Rux (Berlin), trifft am zweiten Weihnachtsfeiertag in Frankfurt auf den französischen Europameister im Halbschwergewicht Albert Yvel in einem Zehnrunden-Kampf. Nach der Begegnung Walcott — ten Hoff ist der Frankfurter Kampf zweifellos das für Deutschland größte boxsportliche Ereignis der Nachkriegszeit, soweit dies den internationalen Maßstab betrifft, zumal mit Yvel erstmals ein Nachkriegs-Europameister in einem deutschen Ring erscheint.

Der deutsche Ex-Leichtgewichtsmeister Heinz Sander (Hildesheim) wurde für einen Kampf gegen den Franzosen Herriot am 9, Dezember in Frankfurt im Rahmen zu Pepper — Charity (USA) und Imbsweiler — G. Stock (Frankreich) verpflichtet. (sid)

ABC gegen Bezirksauswahlstaffel in Erbach

Die Fachgruppe Boxen im Hessischen Landessportverband, Bezirk Darmstadt, veranstaltet am Samstagabend in der Städtischen Festhalle in Erbach einen Vergleichskampf zwischen dem ABC Darmstadt-Eberstadt und einer Bezirksauswahlstaffel. Die einzelnen Kämpfe:

Jugend-Fliegengewicht: Liedtke (ABC) gegen Berlieb (Erbach-Michelstadt); Sen.- Fliegengewicht: Weigel (ABC) gegen Drakert (Mannheim-Waldhof); Bantamgewicht: Büttner (ABC) gegen Arnold (Lorsch), Federgewicht: Adam Knies (ABC) gegen Lerchel (Lorsch); Leichtgewicht: Kohl (ABC) gegen Glück (Lampertheim); Leichtgewicht: Nicolai (ABC) gegen Geideck (Bürstadt); Weltergewicht: Allmann (ABC) gegen Wolf (Erbach-Michelstadt); Weltergewicht: Formella (ABC) gegen Heilos ( Erbach-Michelstadt); Mittelgewicht: Ströher (ABC) gegen Sarodnik (Erbach-Michelstadt); Halbschwergewicht: Schulz (ABC) gegen Milden (Erbach-Michelstadt).

Am Sonntag. 18 Uhr, boxen die ABCer im „Grünen Laub" in Griesheim gegen eine verstärkte Staffel der Einheimischen. Die einzelnen Kämpfe: Jugend-Federgewicht: Gruber (ABC) gegen Feldmann (Griesheim), Jugend-Leichtgewicht: Dieter (ABC) gegen Kissinger (Griesheim), Fliegengewicht: Weigel (ABC) gegen Drakert ( Mannhedm-Waldhof), Bantamgewicht: Büttner (ABC) gegen Arnold I (Lorsch), Federgewicht: A. Knieß (ABC) gegen Lerschei (Lorsch), Leichtgewicht: Glück (ABC) gegen Feldmann (Griesheim), Allmann (ABC) gegen Lang (Griesheim), Nicolay (ABC) gegen Dein (Griesheim), Weltergewicht: Ströher (ABC) gegen Schupp (Griesheim) und Mittelgewicht: Formella (ABC) gegen Arnold II (Lorsch).

Filmabend bei der TG 75 Darmstadt

Am Samstag, dem 25. November, 20.30 Uhr, findet im Vereinslokal (Baltes, Liebfrauenstraße) wieder ein Filmabend statt. Zur Vorführung kommen Lehrfilme im Turnen, Schwimmen und ein Landschaftsfilm mit Skilauf und Wintersport. — Für die Vereimsjugend ist am Sonntagnachmittag im Versammlungsraum auf dem Sportplatz eine Märchenfilmstunde. Beginn 15.30 Uhr.

Wohin am Wochenende?

Samstag: 20.30 Ringen, Oberliga SV Darmstadt 98—Groß-Zimmern, Goetheschule

Sonntag: 9.00 Tischtennis, SV 98 gegen Vfß Friedberg (Damen) Eleonorenschule 10.00 Tischtennis, Landesliga SV 98 gegen Vfß Friedberg (Herren), Eleonorenschule

14.00 Hockey, TEC—Weiß-Blau Aschaffenburg, Böllenfalltor 14.00 Fußball, Kreisklasse, TSG 46 gegen Union Bessungen, Woogswiese 14.30 Fußball, 2. Liga Süd, SG Arheilgen gegen 1. FC Pforzheim, Am Mühlchen

15.00 Handball, Verbandsliga, SV 98 gegen Wormatia Worms, Hochschulstadion

21. Silberschild-Finale in Hamburg

Düsseldorf, (sid) Zum vierten Male steht Westdeutschland im Finale um den Hockey-Silberschild, der in seiner 36jährigen Geschichte bisher nur 1949 in Köln mit 4:1 über Rheinland-Pfalz einen Sieg der Westdeutschen brachte. Die Hamburger Vertretung, der Gegner des Schildverteidigers Nordrhein-Westfalen, drang — sieht man von dem in den letzten Vorkriegsjahren gültigen Austragungsmodus des regional erweiterten Teilnehmerkreises an der Runde ab — in diesem Jahr erstmals ins Endspiel vor, während Norddeutschland bei fünfmaliger Teilnahme am Endspiel die begehrte Trophäe noch nie gewinnen konnte.

Nordrhein-Westfalen hatte auf dem Weg ins Finale 1950 die zweifellos schwierigere Aufgabe zu lösen. Die Siege über Hessen (3:2) und Bayern (5:2) wiegen schwerer als die Erfolge der Hamburger (4:0 gegen Bremen und 2:1 gegen Niedersachsen). Die Endspielteilnehmer konnten in der Vorschlußrunde nicht voll überzeugen. Westdeutschland erreichte erst nach einem begeisternden Endspurt das Finale, und Hamburg ließ gegen Niedersachsen jegliche Mannschaftsarbeit vermissen. Das diesjährige Finale in Hamburg ist unter diesen Aspekten durchaus offen; auch dann, wenn d'er Westen das ausgeglichenere Spielermaterial zur Verfügung hat.

Nordrhein-Westfalen hat neben Böhnert, H. Budinger, Deppe, H. Dollheiser, Kleine, Griesel, Hidding und Suhren, die der im Vorjahre siegreichen Mannschaft angehörten, folgende Spieler in engere Wahl gezogen: Ernst, Kochern, Schmidt, Schützler, Teichelkampf und Tillmann.

Hamburg hat folgende Elf aufgestellt: Berodt (HTHC); Weiß (HTHC), Plöger (UHC); Plaß (HTHC), Günther (Heimfeld), Meier (Klipper); Meschke (UHC), Fehling (Club an der Alster), Ruck (UHC), Stoltenberg (Klipper), Schroeder (Heimfeld).

Evember verschied im Alter von 61 Jahren >em, mit großer Geduld ertragenem isere liebe Mutter, Großmutter, Schweägerin und Tante te Germann Wwe. geb. Sauer Die trauernden Hinterbliebenen: Die Kinder und alle Angehörigen 'vember 1950 ?ung fand in aller Stille statt. wir allen für die erwiesene Teilnahme S ink aus. ■

Bestattungen am 25. November 1950: Beerdigungen: Alter Friedhof: 11.00 Uhr: Wichmann, Elise, 86 Jahre, Erlenberg 11 Bessunger Friedhof: 11.30 Uhr: Weise, Martin, 78 Jahre, WeinbergstraSe 38 Waldfriedhof: 10.45 Uhr: Kind Rasier, Dagmar, 7 Tage, Reinheim im Odenwald Feuerbestattung: 9.45 Uhr: Pessel, Christina, 77 Jahre, Ludwigshöhstraße 2

OTTOZI ERE FL Es gibt nichts, was so interessant ist wie die Geschichte der „Beinahe wie ein Film, W ism Menschheit. Seitdem der Mensch aus den Höhlen der Stein« aber freilich der wertvollste, der bis« WT'ljl zeit seinen Weg in die Zukunft begann, ist jedes Jahrhundert her geschaffen wurde, rollt »Das Bild iB ü' O voll von atemberaubendem Geschehen. In dieser Weltgeschichte der Jahrhunderte« mit seinen Szenen, H! ni üi sind die Ereignisse, Gestalten und Schauplätze so darge« Gestalten, Schauplätzen vorüber“ — Hl Hi stellt, daß man die Bücher wie spannende Romane liest. so urteilt HorstWolframGeißler, einer JUKHKr der bekanntesten deutschen Schrift« _ _ r - m■t- . __- ___ __ . _ . steiler. Alfred Dahlmann, der bedeu« »K HB HF WSäiä tende Kulturkritiker, bekennt, „daß I Hf Jlw mH Kg Kgl ® ® ® K K ’-hm keine ähnlich anschauliche Ge« iG| K lipWmh pj w kB Schichtsdarstellung bekannt ist“. — HW H Hw E JO» b fff S IPwi % S ffiW 8 Die Krhik v°n Dr- k- peitzer, aus« Äs^ J™ Jlw J® ÄWÄÄ WA ” ÄrtAWÄ landskorrespondentgroßerdeutscher Um jedem die Möglichkeit zu geben, sich von der glänzenden dererstenbiszurletztenSeiteinSpan« Darstellung zu überzeugen, liefern wir den 1. Band ohne Ver« ”ung Per Meckaniker p- Einze/bd., Ganzleinen, M pflichtun.g zum Gesamtbezug zum Originalpreis. Wer nach dem Einzelband, zweifarb. Zeugpfang München schreibt: „Als Goldprägung, farbiger . g Lesen des 1 Bandes das Ges^mtwerk bestellt erhält als Snb- Karton mit Lacküber- ich den ersten Band gelesen hatte war ^chutzumschi. 160 S. B A6s*? u Ban4es aas ^esamtwerk bestellt, erhalt als bub« rund 16Q Se/t ich Jn cine andere Welt versetzt.“ - Bddtafein und Karten W sknpüons«Vergünstigung zusätzlich, ohne Berechnung, das Bildtafeln und Karten Dr. Schneider«Manzell, Rundfunk« große „Historische Lexikon“. Das „Bild der Jahrhunderte“ referentin: „Hier ist das Geschehen — - - ■ ■ J umfaßt 19 Einzel« und 1t Doppelbände. Jeden Monat erscheint ^-T akSelegensten Zeiten jedem ver« ein Buch, und jeden Monat ist auch nur ein Buch zu bezahlen. DM« X« jO'l ständlich und in der Sprache unserer UC* **• K - Zeit dargestellt. Ich bin überwältigt — ^VERLAG SEBASTIAN LUX MURNAU VOR MÜNCHEN von der Fülle des Dargebotenen."

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Amtliche Bekanntmachungen Verkaufssonntage vor Weihnachten Auf Grund des § 105 b Abs. II der Gewerbeordnung wird für den Stadtkreis Darmstadt (einschließlich Arheilgen und Eberstadt) an den Sonntagen 3., 10. und 17. Dezember 1950 die Beschäftigung von Arbeitern, Angestellten und Lehrlingen im Handelsgewerbe während der Zeit von jeweils 14 bis 18 Uhr genehmigt. Nach § 41 a der Gewerbeordnung dürfen sonach sämtliche Ver¬ kaufsstellen im Stadtbezirk Darmstadt an diesen Tagen von 14 bis 18 Uhr für den geschäftlichen Verkehr offengehalten werden. Gleichzeitig wird auch nach § 55 a Abs. II GO. der ambulante Handel an den genannten Sonntagen von 14 bis 18 Uhr zugelassen. Am Sonntag, dem 24. Dezember 1950, wird auf Grund vorge¬ nannter Bestimmungen lediglich der Handel mit Weihnachts¬ bäumen von 11 bis 14 Uhr genehmigt. Im übrigen ist an diesem Sonntag jeglicher Geschäftsbetrieb einschließlich dem ambulan¬ ten Handel verboten und strafbar. Die auf Grund des § 105 e der Gewerbeordnung ergangenen Regelungen in den sogenannten Bedürfnisgewerben bleiben jedoch von diesem Verbot unberührt. Darmstadt, den 21. November 1950 Stadt Darmstadt — Amt für öffentliche Ordnung Betr.: Fluchtlinien- und Bebauungsplan des Gebietes zwischen Eschollbrücker Straße / Bessunger Straße / Groß-Gerauer Weg / Donnersbergring und Kattreinstraße. Bekanntmachung Der durch Magistratsbeschluß vom 11. 11. 1950 förmlich fest¬ gestellte Fluchtlinien- und Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Eschollbrücker Straße / Bessunger Straße / Groß-Gerauer Weg / Donnersbergring und Kattreinstraße liegt bei der Stadtbauver¬ waltung, Abt. Stadtplanung, Darmstadt, Bessunger Straße 125, jederzeit während der Dienststunden zur allgemeinen Einsicht offen. Darmstadt, den 20. November 1950 Stadt Darmstadt — Stadtbauverwaltung Bekanntmachung Betr.: Verkaufssonntage vor Weihnachten. Um wie alljährlich, einem dringenden Bedürfnis der Bevölkerung nach vermehrter Einkaufsgelegenheit in der Weihnachtszeit zu ent¬ sprechen können auf Grund des § 105 b Abs. 2 Satz 2 in Ver¬ bindung mit § 41 a der GO. alle offenen Verkaufstellen am 3., 10 und 17 12. d. J. in der Zeit von 13.00 bis 18.00 Uhr in allen Gemeinden des Kreises affen gehalten werden. Die Beschäftigung von Arbeitnehmern während dieser Zeit ist gestattet. Für Sonntag, den 24 Dezember, wird der Handel mit Weihnachtsbäumen und Rpsrtiäftieung von Arbeitnehmern in dieser Branche in der Zeit von 11.00 bis 14.00 Uhr gestattet Hennenheim. den 16. November 1950 Heppennewi, Landrat des Landkreises Bergstraße Dienstjubiläen der Feuerwehrmänner nm Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim-Zell, Herrn Peter Leist, habe ich anläßlich 40jahnger Dienstzeit in der Freiwilligen Feuerwehr und den Feuerwehrmännern: Stellvertr. vlm^ndänt Christian Schmitt, Rohrmeister Valentin Degen- Fotnnwndant Ch si Volk, Löschmeister Philipp v n k i Lö“hmeister Peter Maier, Löschmeister Johann Walt er LösXeister Wilhelm Stephan Signabst PMipp vnH ukd Löschmeister Bernhard Horr habe ich anläßlich n^ -hrierpr Dienstzeit in der Freiwilligen Feuerwehr für ihre treuen und aufopfernden Dienste meine Anerkennung und Glückwünsche "Ä den ^ D“erratl9dess° Landkreises Bergstraße i. V.: L ind n e r . v.rkaufssonntane vor Weihnachten 1950 ?etr -:p Kms b Absatz 2 der Gewerbeordnung (GO.) genehmige ich, Gemäß § 105 b Absat sstellen am 3., 10. und 17. Dezember daß in allen offen Zeit von 13_18 uhr beschäftigt und 195b s^aGLO die Ladengeschäfte offengehalten werden dürfen, nach § 41a GO. die und die damit verbundene B^chä^ng^S wird auch am 24. 12. 1950

für die Zeit von 11—14 Uhr genehmigt. Weitere Ausnahmen im Handelsgewerbe werden an diesem Tage nicht zugelassen. In den vorgenannten Zeiten dürfen auch Jugendliche beschäftigt werden. Gleichzeitig genehmige ich gern. § 55 a Abs. 2 GO. für den 3., 10. und 17. Dezember 1950 das Gewerbe im Umherziehen soweit es unter § 55 Abs. I Ziff. I—3 fällt. Das Gewerbe im Umherziehen darf am 24. 12. 1950 in keinem Falle betrieben werden, auch von denjenigen Personen nicht, die eine generelle Sonntags-Verkaufserlaubnis besitzen. Für den 31. 12. 1950 werden im Handelsgewerbe Ausnahmen von der Sonntagsruhe nicht zugelassen. Erbach, den 21. Novembe^ 1950 Der Landrat Betr.: Unfälle durch die Benutzung von Luftgewehren und das Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Durch die unverantwortliche Benutzung von Luftgewehren und das leichtfertige Abbrennen von Feuerwerkskörpern an bewohnten oder von Menschen besuchten Orten sind in letzter Zeit wiederholt Unfälle vorgekommen und dabei Personen ernstlich gefährdet und in einigen Fällen sogar erheblich verletzt worden. In erster Linie sind es Jugendliche, zum Teil noch schulpflichtige Kinder, die beim Schießen mit Druckluftwaffen und beim Abbrennen von Feuer¬ werkskörpern angetroffen werden. Häufig wird noch mit den Druckluftwaffen wahllos auf Vögel geschossen, ohne daß es dem Schützen möglich ist, zwischen nützlichen und schädlichen Vogel¬ arten zu unterscheiden. Diese Auswüchse werden keinesfalls weiter geduldet. Nach § 367, Abs. 1, Nr. 8, STGB, wird wegen Uebertretung be¬ straft, „wer ohne polizeiliche Erlaubnis an bewohnten oder von Menschen besuchten Orten Selbstgeschosse, Schlageisen oder Fu߬ angeln legt oder an solchen mit Feuergewehr oder anderem Schie߬ werkzeug schießt oder Feuerwerkskörper abbrennt“. Erbach, den 23. November 1950 Der Landrat Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 25. November 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Bessunger Kirche; 17.30 Mar¬ tinsstift; 20.00 Johannesgemeinde, Elisabethenstift: 20.00 Pauluskirche, Vortrag Evangel. Akademie. Sonntag, den 26. November 1950 (Totensonntag) Bessunger Kirche: 9.30 Hgd.; 12.00 Tgd.; 14.30 Kgd., Dekan Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd. mit hl. Abendmahl; 11.15 Kgd., Pfr. Knodt; 17.00 Kirchenmusik. Abendfeier. Vereinigte Martinsgemeinde: 10.00 Hgd., Pfr. Stühlinger; 11.15 Kgd., Martinsstift. Pfr. Widmann; 1115 Kgd., Gemeindehaus, Pfr. Stühlinger; 17.00 Abendg., Pfr. Widmann. Altersheim, Emilstr.: 10.00 Gd., Pfr. Köhler. Matthäusklrche: 9.30 Hgd.; 10.45 Kgd., Pfr. Mapp es. Do., 30. 11. 1950. 20.15: Bibelstunde. Johannesgemeinde: 8.00 Frühgd., Pfr. Orth; 9.30 Hgd. m. Hl. Abendm.; 11.15 Kgd., Pfr. Orth. Mi.. 29. 11.: Abdgd. Tägl. 7.30 Morgengebet. Do., 6.45 u. 7.30. Paul-Gerhardt-Kaus: 10.00 Hgd. m. Hl. Abendm.; 11.30 Kgd., Pfr. Ring; 17.00 Liturg. Totenfeier. Mi., 29. 11., 20.00: Gemeindeabend, Pfr. Sucker spricht über Christus oder Maria. Pauluskirche: 9.30 Hgd. m. Hl. Abendm., Pfr. Winter¬ mann; 11.00 Kgd.; 17.00 Gd., anschl. Hl. Abendm., Prf. Britz. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Hl. Abendm.; 11.00 Kgd. Stadtmission. MUhlstr. 24: 8.30 Gebetsstunde; 11.00 Kgd.; 11.30 Totengedenkfeier auf dem Alten Friedhof (mit Ge¬ sangs- und Posaunenchor); 15.30 Totenfestfeier; 19.30 Jgdbd. f. EC. (Di., 15.30: Frauen-Bibelstunde; Do., 20.00: Bibel¬ stunde; Freit, u. Sa. Wiederaufbau-Bazar.) Friedhofsfeiern am morgigen Sonntag werden von der Evan¬ gelischen Gesamtgemeinde gehalten: auf dem Bessunger Friedhof um 15 Uhr durch

Pfr. Britz. auf dem Alten Friedhof um 15 Uhr durch Pfr. Knodt und auf dem Waldfriedhof um 15.30 Uhr durch Pfr. Jaeschke. Da.-Eberstadt: 9.45 Hgd. m. Abendm.; 11.15 Kgd.; 20.00 Betgdl. f. d. Gefallenen. Selbständ. Luth. Kirche: 15.30 Gd. 1. d. Stadtkirche, Pfr. Müller (Erbach). Gottesdienstordnung in der evangelischen Kirche zu Arheilgen Totensonntag, den 24. November 1950; 10 Uhr Hauptgottesdienst (Posaunenchor); 11.15 Uhr Kinder¬ gottesdienst; 15 Uhr Choralblasen auf dem Friedhof; 16.30 Uhr: Liturgischer Gottesdienst (Kirchenchor), anschließend Feier des heiligen Abendmahles. Samstag, den 25. November 1950: vor dem Tod fürchtete.“ Dienstag, den 28. November 1950: 20 Uhr Männerabend (Kuhn: Die Straße der Knüppel). 20 Uhr Gemeindeabend mit dem Spiel „Der Gärtner, der sich Donnerstag, 30. November 1950: 20 Uhr Gemeindebibelstunde. Katholische Gottesdienste Sonntag, den 26. November 1950 St. Ludwig (Nieder-Ramstädter Str. 30): 6.30 Frühm.; 8.00 Singm. m. Pred.; 9.30 Hochamt m. Pr.; 11.00 Studentengd. m. Pr.; um 18.00 Uhr spielt die Jugend von St. Fidelis ~D i e Berufung“ von Thurmair i. d. Kapelle Nieder-Ramstädter Straße 30, Eintritt frei. Aus diesem Grund entfällt die An¬ dacht. (Mo., 27. 11., 6.45: Bischofs m. m. Anspr.; Beichte: Sa. 18.00—20.00.) Liebtrauen: 7.00 Singm. m. Pred.; 8.15 Hochamt m. Pr.; 10.00 Kgd. m. Anspr.; 18.30 Andacht. (Werktags: tägl. 6.30 hl. Messe; Di., Mi., Fr. u. Sa. 2. hl. Messe 8.05; Do., 19.00: Jugend- und Kinderm.; jeden Mi. 8.05 Gemeinschaftsm. f. d. Frauen.) St. Elisabeth: 6.30 Frühm.; 7.45 Singm. m. Pred.; 9.00 Kdg.; 10.15 Hochamt m. Pred.; 14.30 Andacht. (Sa., 16.30—18.30 und 20.00: Beichte.) St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schw. (Feldberg¬ straße 32); 6.45 Beichte; 7.30 Singm. m. Pr. u. Komm.; 8.00 Hochamt in Weiterstadt m. Pr. u. Komm.; 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm.; 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm.; 18.00 Arme-Seelen-Andacht. (Do.: Beichte von 17—18 Uhr; Herz- Jesu-Freitag: hl. Messen 6.30 u. 20.00, sonst werkt, hl. Messen 6.30 u. 7.30. Beichte werkt, vor jed. hl. Messe; Sa. Beichte von 17.00—19.00 und ab 20.00 Uhr.) Das Dekanat Darmstadt lädt die Männer aller Pfarreien ein. Thema: „Ehe und Familie“. Voranmeldungen erbeten bis So., 2. Dez., bei den zuständigen Pfarrgeistlichen oder den Pfarrei-Obmännern. Nähere Einzelheiten werden noch bekanntgegeben. Da.-Ellerstadt: Sa., 16.00—19.00: Beichtgel.; So.: Fir¬ mung sta g. 6.45 hl. Messe; 7.40 Abholen Sr. Exzellenz des Hochw. Herrn Bischofs; 8.00 Bischofsm. m. Bischofs¬ predigt, anschl. Spendung des Hl. Firmsakramentes; 17.00 Hl.-Geist-Andacht für die Firmlinge und die Pfarr¬ gemeinde. (Werkt.: 7.00 Uhr Amt oder hl. Messe.) Da.-Arheilgen: 7.00 Frühm.; 8.30 Kdg.; 9.45 Hochamt; 14.30 Andacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scle nll s t), Taunus¬ straße 40: Sonntagsgottesdienst 14.30 (Mi.: 18.30 Zeug¬ nisversammlung). Christengemeinschaft, Herdweg 31 So., 10.00, Di., 7.00, Mi. u. Sa.. 8.00 Uhr: Menschenweihe¬ handlung; Do., 19.30 Uhr: Einführungsabend. Freie Religionsgemeinschaft So 26. 11., 10.00 Uhr, im Prinz-Emil-Schlößchen: Freireligiöse Totenfeier. Pfr. Max Gehrmann. Offenbach: „Ueber Gräber vorwärtsl"

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Darmstädter Tagblatt am Jonntag Sonntag, 26. November 1950
Aufnahme: Jung Am Totensonntag gedenken wir auch der Opfer des Meeres: Friedhof der Schiffbrüchigen an der Nordsee
Aufnahme: Jung Am Totensonntag gedenken wir auch der Opfer des Meeres: Friedhof der Schiffbrüchigen an der Nordsee

St. Peter, die Pfarrkirche ın Hochheim

Seit nunmehr fast einem Jahrtausend grüßt die Bergkirche von der Hochheimer Höhe, gleich der Eckbastion im Vorfeld der alten Kaiserstadt Worms. Am äußersten, die Ebene beherrschenden Ausläufer der Pfrimmhügel war der Platz für ein Gotteshaus geradezu prädestiniert. Doch früher schon, in römischer und fränkischer Zeit, mögen hier nicht unbedeutende Niederlassungen bestanden haben, das beweisen die Bodenfunde und der Ortsname „Hochheim". Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1068, wo Bischof Adalbert von Worms die Verhältnisse des Andreasstiftes

ordnete und hierzu bestimmte Gefälle in „Hove* heim" anwies.

Die heutige Anlage der Bergkirche bietet sich dem Besucher als flachgedeckter, mit spätgotischen Details sparsam ausgestatteter Saal, dem asym* metrisch ein romanischer Westturm vorgelagert ist. Unter dem Altarraum befindet sich die Krypta, eine im Grundriß quadratisch, schachbrettartig ge* gliederte Halle, Kreuzgratgewölbe, durch Gurtbogen getrennt, überdecken neun Kompertimente und ruhen auf vier Säulen mit wuchtigen Würfelkapi* teilen. Plan und Einzelformen sind eng verwandt mit den Krypten von Worms — St. Amandus (1934 durch Bauer ausgegraben), Ladenburg, St. Michael bei Heidelberg, Limburg a. d. H., Speyer (Dom), Andlau i. Elsaß und Bingen. Stilkri'Jsche Unter* Buchungen unter Berücksichtigung festdatierter Denkmäler ergaben, daß die Krypta in Hochheim die älteste dieser spezifisch mittelrheinischen Gruppe darstellt und in den Jahren zwischen 1000 und 1010 errichtet sein muß. Bauherr war ohne Zweifel Bi* schof Burchard I (1000—1025), neben Willigis von Mainz, Bernward von Hildesheim und Werinher von Straßburg eine der hervorragendsten Person* lichkeiten spätottonischer Zeit. Die historischen Ge* gebenheiten sprechen dafür, daß auch die übrigen genannten Krypten direkt oder indirekt auf ihn bzw. die Initiative seines Pflegesohnes Kaiser Kon* rad 11. zurückgehen.

Über den Rahmen der lokalen Forschung hinaus gab die Krypta von Hochheim Anlaß, Herkunft und Bedeutung dieser unterirdischen Räume erneut zu untersuchen. Zunächst konnten die Vierstützen* bauten als bewußt gestaltete Zentralanlagen nach* gewiesen und von anderen Hallenkrypten abgesetzt werden. Es handelt sich um einen Typus, der seit etwa 800 im gesamten Abendland verbreitet ist und besonders in stark byzantinisch beeinflußten Ge* bieten auftritt. Entgegen der älteren Ansicht scheint sich die Raumform nicht langsam aus Ring*Stollen oder Kammerkrypten entwickelt zu haben, sondern sie dürfte von oberirdischen Bauten übernommen sein. Vorbilder waren gewisse Maslyrien und Mau* soleen des vorderen Orients, Schöpfungen Christ* lich=spätantiker und frübyzantinischer Zeit. Die Um* Projektion ursprünglich selbständiger Architekturen zur „Kirche in der Kirche" vollzog sich mit dem Wandel des Reliquienkultes; causa efficienswar, den Heiligen ihr „Haus" zu erhalten oder neu zu schaffen, zur Feier am Dies natalies und als Prozes* sionsspiel der Gläubigen. Der Rückgriff auf Tra* ditionen des frühen ersten Jahrtausends entsprach völlig dem Geist der karolingischen Renaissance und ottonischen Renovatio.

Zur weiteren Erforschung der Hochheimer Berg* kirche konnte ich 1948/49 mit Unterstützung des örtlichen Denkmalpflegers, Dr. F. M. Illert und Pfarrer Jobst Bodensohn Grabungen und Mauer* Untersuchungen durchführen. Es gelang die Fun* damente der ehemaligen zur Krypta gehörenden Oberkirche freizulegen und deren Verband mit dem Westturm zu sichern. Das Langhaus des Grün* dungsbaues war ein ungegliederter Saal von 5,80 mal 12,i0 Meter Ausdehnung, besaß eine lichte Höhe von etwa 5 Meter und hatte einen zurück* springenden, quadratischen Chor. Der Turm erwies sich, von Restaurationen abgesehen, bis ins dritte Geschoß einwandfrei als ursprünglich; seine fort* schriftlichen Einzelformen zeugen von der Blüte der Wormser Bauschule im ersten Viertel des 11. Jahr* hunderts. Die beiden oberen Stockwerke wurden um 1200 verändert oder neuaufgeführt. Das eigenartige Blendsystem hat seine Parallele am Turm der katholischen Pfarrkirche von Dalsheim, die Säulen gleichen denen im Chorgiebel von St. Andreas (1180 bis 1200) und des Judenbades von Worms, in* schriftlich datiert 1186.

Die Grundrißdisposition der Bergkirche ist süd* lieh der Mainlinie sehr ungewöhnlich, hat aber größte Ähnlichkeit mit der auf dem Büraberg bei Fritzlar ausgegrabenen Bonifatiuskircbe. Man darf vermuten, daß Bischof Burchard, dessen Heimat und Erbbesitz in dieser Gegend lag, die berühmte Kathe* drale wohl kannte und sie zum Vorbild für Hoch* heim wählte.

Das romanische Langhaus muß bis ins Refor* mationszeitalter fortbestanden haben und wurde erst um das Jahr 1600 durch die heutige Anlage in posthumgotischen Formen ersetzt. Aus dieser Periode datieren die Fundamente einer auf der Süd* seife des Chores ermittelten Sakristei und die Umbauten der Krypta. Letztere bekam einen unmittelbaren steilen Zugang ins Freie und scheint nunmehr als Beinhaus des angrenzenden Friedhofes benutzt worden zu sein. Gleichzeitig verschüttete man die beiden ursprünglichen, zur Kirche führenden Stol* len und vermauerte dort die Mensa des abgebrochenen Kryptenaltars.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Neben den Untergeschossen der westlichen Domtürme sind uns in Krypta und Turm der Bergkirche von Hoch* heim die einzigen aufrechtstehenden Reste früh* mittelalterlicher Baukunst im Wormsgau erhalten.

Dr. D. Weirich



Gespenster im Nebel

Als ich vor vierzig Jahren in Alzey die Schule besuchte, mußte ich schon um sechs Uhr mein Heimat* dörfchen verlassen, um nach einem Fußmarsch von zwei Stunden rechtzeitig zum Unterricht zu kom* men. Wenn dann die Novemberstürme über die erntemüden Felder brausten und die kahlen Äste der Bäume auf* und abtanzen ließen, war es mit* unter recht unheimlich, und ich gestehe ein, daß ich mich manchmal fürchtete und froh war, wenn mir die Lichter der Volkerstadt entgegenblinkten.

Besonders der Windberg zwischen Weinheim und Offenheim hatte es in sich. Hörte man doch dort oft das Käuzchen schreien und angeblich die verzwei* feiten Hilferufe der unglücklichen Witwe des Rit* ters Henko von Wünnenberg, die ihrem ermordeten Sohn Idomir und dessen Braut Hedda nachtrauerte. Hinzu kam noch der Gedanke an den unterirdisdien Gang, der sich in den steilen Rebenhang des Sibyl* lensteins hineinbohrte, von dem man zwar nichts Genaues wußte, dessen Nähe aber schon alle Vor* Stellungen des Grauens auslöste, besonders im dich* ten Nebel und bei dunkler Nacht. Kurz zuvor, ehe man an den „Achtzehn Morgen" die Höhe des Windbergs überschritten hatte, war man durch das Gebiet der Weider Bach gekommen, deren Umge* bung erst recht nicht geheuer erschien. Besonderes „die Alten", die das einst wasserreichere Gebiet noch aus eigener Erfahrung oder doch von der Überlieferung her kannten, wußten Dinge zu er* zählen, die einem die Haare zu Berg stehen ließen. Zur Rechten drüben lag der Woog, ein mittelalter* lieber Fischteich, und ganz in dessen Nähe der Geiersberg oder Hinkelstein, eine vorgeschichtliche Begräbnis* und Kultstätte.

Der Belzrock (beiz = Gebüsch, rock = Rücken), auch Hartwiese (hart = Wald) genannt, der an die Landstraße grenzt, war einmal ein kleines Busch* Wäldchen, ein Klauer, und hinzu kamen noch die Pappeln und die vielen Kopfweiden, deren faules Holz im Dunkeln phosphoreszierte. Hing dann der November noch seine Nebelfahnen an die schau* kelnden Äste, dann war das Stimmungsbild zu Goethes „Erlkönig" fertig. Jo.

Andreasnacht-Bräuche

AMÜSANTE ERINNERUNGEN ZUM 30. NOVEMBER

Wer es noch nicht wissen sollte: am 30. November ist Andreastag, und der hat etwas zu bestellen! Andreas — das heißt der „Mannhafte", der „Starke" — ist der Künder der Zukunft, der, wie man in frü* heren Zeiten glaubte, den heiratsfähigen Jung* frauen in irgendeiner Form antwortet, wenn sie in der Andreasnacht in ihrem stillen Kämmerlein also nach ihrem zukünftigen Liebhaber fragen:

„Andreas, ich bitt' dich, Bettstolle, ich tret’ dich! Laß mir erscheinen heut nacht in meinen Träumen den Herzallerliebsten mein, den ich soll haben." Tut er mir reichen Wasser und Brot, soll ich leben mit ihm in Not; tut er mir geben Weck und Wein, soll ich mit ihm glücklich sein!"

Mädchen, die am 30. November in mitternächt* lieber Stunde dieses Sprüchlein hersagten, „andreselten . Ob wohl heute in Rheinhessen, im Ried und im Odenwald noch „geandreselt" wird? Genau kann man das natürlich nicht wissen. Aber auch in früheren Zeiten, in denen das „Andresein" bei uns gang und gäbe war, wußte man's nicht haar* genau, wie viele Jungfrauen „andreselten", denn den wenigsten wäre es am Morgen des 1. Dezember ein* gefallen zu sagen: „Ich habe heut nacht geandre* seit" oder gar zu fragen: „Hast du geandreselt?" Mit aller Bestimmtheit weiß man's, daß in den rund um die Neunkircher Höhe gelegenen Odenw Iddör* fern die Mädchen früher vom „Andresein" weidlich Gebrauch machten. Auch im Modautal wurde früher „geandreselt", nur mit dem Unterschied, daß sich die dortigen Jungfrauen verkehrt herum ins Bett legten, ehe sie ihr Zaubersprüchlein flüsterten.

Mädchen, die sich scheuten, das oben zitierte Sprüchlein herzusagen, befragten in der Andreas*

nacht gern die Orakel. Dabei bedienten sie sich mit Vorliebe einiger Nußschalen=Schiffchen, in die sie winzige Kerzchen stellten, die angezündet wurden und der Sache ein besonderes Gepräge gaben. Gin* gen diese Schiffchen in einem Wasserbehälter auf* einander zu, so war das ein gutes Omen. Entfernten sie sich jedoch voneinander, so war es „Essig". Mäd* eben, deren Schiffchen Tuchfühlung mbeinander nahmen, waren fest davon überzeugt, daß in aller* nächster Zeit ein Freier kommen werde. Audi aus Apfelschalen konnte in der Andreasnacht etwas herausgelesen werden, vor allem der Anfangsbuch* stabe des Zukünftigen! Man mußte sie nur „hinter* rüdes" werfen. Mitunter mußten zu Ur=Ur *Urgroßmutters Zeiten sogar Schuhe herhalten in der An* dreasnacht: mit geschlossenen Augen waren sie von der „andreselnden" Jungfrau über die Schul* fern zu „feuern". Was dabei herauskam, konnte natürlich nur die verstehen, die in der „Schuh* spräche" bewandert war . . .

Finden Sie nicht auch, daß unsere Ur=Ur=Urgroß* mütter recht abergläubisch gewesen sind? Dr. B.

Herbstlied

Von Friedrich Hebbel

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah Die Luft ist still, als atmete man kaum Und dennoch fallen rasdielnd, fern und nah Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O, stört sie nicht, die Feier der Natur Dies ist die Lese, die sich selber hält Denn heute löst sich von den Zweigen nur Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Frauen IM STURM DER ZEITEN

VON PETER GRIESENBRUCH

7. Fortsetzung

ein, er hat sich nicht verändert. Höchstens, daß sein Gesicht noch um einiges ernster wirkt, als früher. Aber noch immer steht er da, groß, breite Schultern, schlanke Gestalt, kräftig und lässig zu» gleich; wenn er geht, wird man sehen können, wie federnd dieser Körper ist. Das Gesicht gut geschnit» ten, kräftige Nase, eckiges Kinn, der Mund ein wenig zu groß; ein männliches Gesicht, das viel über seinen Besitzer aussagt: man kann ihm ver» trauen.

Aber wie sich jetzt der schwedische Gast aus sei» ner Verbeugung erhebt und die Königin voll an» schaut, erschrickt sie fast. Beim Himmel, so viel unverhüllte Bewunderung, so viel Feuer hat sie in die» sen Blicken doch nie gesehen.

Aber die Königin Marie Antoinette atmet nicht umsonst seit zwanzig Jahren die Luft des Hofes und der Salons, sie weiß sich zu beherrschen. Der Graf de la Garde hat die Fürstin von Polignac zum Tanz geholt, für einige Minuten geht die Unterhaltung nur zwischen Marie Antoinette und Fersen. Aber sie will weiter nichts, als ein wenig plaudern. Mögen andere das Rätsel des Schweden lösen.

„Hat Ihr König wieder einen seiner berühmten diplomatischen Aufträge für seinen fähigsten Son» dergesandten? Nun, die Damen des Hofes werden es ihm danken, daß sie auf diese Weise wieder zu einem der vollendetsten Tänzer kommen, den Ver» sailles je gesehen hat."

Sie erhält keine Antwort. Verwundert sieht sie den Gast an. Er war doch sonst weder unhöflich noch ungewandt, wenn man mit ihm sprach. Warum also schweigt er heute?

Aber der Graf von Fersen ist verwirrt. Zum ersten Male seit Jahren sieht er die Frau wieder, deren Bild er seit langem im Herzen trägt. Was soll er ihr sagen? Die Wahrheit? Das ist unmöglich!

Denn die Wahrheit ist, daß der Graf Fersen die Königin liebt. Gerade deshalb war er früher so zu» rückhaltend, gerade deshalb hat er es seit langem ab» gelehnt, nach Versailles zurückzukehren. Aber nun sind in den letzten Monaten seltsame Nachrichten gekommen nach seinem Gut in Schweden, von der Königin, die immer einsamer wird, von vielen gehaßt und verachtet und geschmäht, die sehr unglücklich sein muß und vielleicht eines Tages in wirklicher Gefahr ist. Wer wird sie dann schützen? Ihr Gatte? Der wird sich selber kaum schützen können. Darum ist der Graf von Fersen jetzt nach Versailles gekommen. Er hatte sich alles zurecht» gelegt, was er ihr sagen wollte von einer Ver» gnügungs» und Studienreise, aber nun, da er vor ihr steht und von ihrem Anblick fast überwältigt wird, fallen ihm alle die eingelernten Phrasen nicht mehr ein.

Es ist die Königin, die die Unterhaltung weiter» führt: „Ich sehe, Sie sind ein getreuer Beamter Ihres Königs. Sie geben Staatsgeheimnisse nicht preis. Auf jeden Fall freue ich mich, Sie wieder in Ver» sailles zu sehen."

Aber nun, entzückt von diesen wenigen freund» liehen Worten, faßt der Graf von Fersen Mut: „Nichts kann sich mit meiner Freude vergleichen, da ich wieder hier sein darf. Eure Majestät haben in Frankreich keinen treueren Diener als mich. Eure Majestät können ganz über mich verfügen, über alle meine Kräfte, und wenn Sie wollen, über mein Leben."

Das sind Worte im überschwänglichen Stil, wie man sie wohl gegenüber Fürsten braucht. Und Marie Antoinette käme es nicht in den Sinn, da» hinter mehr zu suchen, wenn nicht dieser feurige Blick aus den strahlend blauen Augen sie dabei ver» wirrte. Was ist mit diesem Menschen, was ist ihr heute, daß sie ihre Unbefangenheit so zu verlieren droht? ....

Aber während sie eine Art von glücklichem Er» schrecken in sich spürt, hört sie auch schon die war» nende Stimme in ihrem Innern: „Trau ihm nicht, Marie Antoinette, trau ihm nicht. Du bist so oft ent» täuscht worden; dieser da ist auch nicht besser als die anderen

Und mit einer Stimme, in der ein ganz leiser Spott widerklingt, sagt sie zu dem Grafen Fersen: „Wenn Sie gehofft haben, für Ihre Treue Belohnung zu empfangen, so muß ich Sie enttäuschen. Die Königin von Frankreich ist nicht so reich, wie sie einst selber dachte."

Das Gesicht Fersens färbt sich dunkelrot War das nicht eine offene Beleidigung? Jedem anderen Menschen, auch einer gekrönten Frau, würde er jetzt durch eine Antwort verschleierten Trotzes Gelegenheit geben, die Unterhaltung brüsk ab» zubrechen. Aber er erinnert sich: diese Frau da ist sehr unglücklich; und gerade darum liebe ich sie um so mehr. So sagt er nur leise: „Sie tun mir unrecht, Majestät. Ich wünsche von Herzen, daß nie» mals der Tag kommen möge, an dem Sie meine Hilfe nötig haben. Aber wenn dieser Tag kommt, werden Sie erfahren, daß der Graf Alexander von Fersen bereit ist, den letzten Blutstropfen für Sie einzusetzen." Er beobachtet das Verstummen der Königin; er sieht, wie eine leichte Röte ihr Gesicht überzieht, er sieht sich schnell im Saal um, er be» merkt, wie alle ihn und die Königin beobachten, aber er bemerkt auch, daß sie noch für eine kurze Minute allein miteinander sprechen können. Und so fährt er fort, und alle Kühnheit überkommt ihn wieder, die er so oft im Duell und bei Frauen be» wiesen hat, seine Stimme ist immer noch leise, aber es ist jetzt ein glühender Klang darin: „ . . . denn ich liebe Sie, Majestät..."

Das Wort ist gesprochen, das entscheidende, mit» ten auf einem Fest mit Hunderten von Menschen. Die Königin Marie Antoinette glaubt zu erstarren vor Schreck. Aber da sieht sie wieder das männliche Gesicht vor sich, diese feurigen Augen, und plötz» lieh fühlt sie ihr Blut strömen in ihren Adern, und sie fühlt ihr Herz höher schlagen . .. Zum ersten Male in ihrem Leben weiß die Köni» gin Marie Antoinette, daß sie liebt.

Verschwörung

27. September 1789

Im Arbeitszimmer des Herzogs von Orleans brennen die Kerzen. Sie beleuchten kostbare Teppiche-und erlesenes Holz, sie beleuchten die Reihe der Bourbonenbilder an den Wänden, sie beleuchten das leichtsinnige und verlebte Gesicht des Herzogs, das heute abend einen düsteren Zug zeigt.

Ruhelos geht er auf und ab. Von Zeit zu Zeit blickt er prüfend auf die Stutzuhr in der Ecke. Dann scheint er nach draußen zu horchen. Keine Trom» melschläge, keine Rufe wütender Menschen „An die Laterne"?

Es sind erregte Zeiten in Paris, viel Blut ist schon geflossen, noch mehr wird fließen. Aber nur wenige ahnen, wie weit die Bewegung dieser Monate noch gehen wird; und zu ihnen gehört der einsame Mann, der ohne Rast auf dem weichen Teppich auf und ab geht, seinen finsteren Gedanken nach» hängend.

Freilich, auch der Herzog von Orleans weiß in dieser Stunde nicht, daß ihn die Nacht des Todes bald verschlingen wird, die in diesen Monaten so viele Franzosen in sich aufnimmt. Vorerst sieht er vor sich noch Glanz und Macht, und seine Augen funkeln, wenn er daran denkt, daß er bald auf dem Throne vpn Frankreich sitzen wird. Der Weg aber dazu führt über Bluttat und Verrat; und der Herzog von Orleans ist bereit, diesen Weg zu gehen.

Es ist halb elf. Draußen jagen Wolkenfetzen vor» bei. Der einsame Mann ist an das Fenster getreten und blickt in den Hof des Palastes. Draußen jagen Wolkenfetzen vorbei, den Mond und die Sterne ver» hüllend. Es ist eine finstere Nacht; sie ist so, wie sie der Herzog von Orleans braucht.

Geräuschlos tritt der Lakai ein: „Mademoiselle Theroigne de Mericourt ist unten, Erlaucht." Hastig wendet sich der Herzog um: „Führen Sie sie hier herein; aber sie wissen — über die geheime Treppe. Niemand außer Ihnen darf sie sehen, hören Sie? Niemand!"

Theroigne de Mericourt im Palast des Herzogs von Orleans? Was tut die Anführerin der revolu» tionären Frauen im Hause eines Mannes, der sich rühmen darf, außer den Brüdern der nächste Ver» wandte des regierenden Königs zu sein?

Mademoiselle de Mericourt stammt aus einer ehrenhaften Familie. Ein reicher Adeliger hat sie in ihrer frühen Jugend verführt und dann sitzen lassen. Seit der Zeit hat ihre leidenschaftliche Natur allem Rache geschworen, dem Adel, der Geistlich» keit, dem Königtum, und am meisten der Königin. Marie Antoinette ist für Theroigne wie für Mil» lionen von Franzosen die Verkörperung alles des» sen, was morsch und faul und hochmütig und Volks» verachtend ist in der obersten Schicht des Reiches. Und was revolutionäres Feuer, genährt aus der un« stillbaren Sehnsucht nach Rache, einer im Grunde stolzen und darum tief gedemütigten Natur ver» mag, das hat Theroigne de Mericourt bereits in den revolutionären Zuckungen bewiesen, die seit einem halben Jahr das Land erschüttern.

Gerade darum will der Herzog von Orleans sie heute sehen. Er spielt ein hohes und ein verwegenes Spiel. Den König und die Königin stürzen, möge aus ihnen werden, was wolle, um dann selber den Thron zu besteigen, das ist das Ziel Philipps von Orleans. Sein Herz ist verbrannt von Ehrgeiz und Machtbegierde; und dazu verzehrt er sich in bitteren Erinnerungen daran, wie ihn die stolze, die hoch» mütige Königin behandelt hat vor all dem ganzen Hofstaat. Was geht sie sein Leben an, wie er es privat führt? Anstößig sei es? Sie soll sich nicht in den Tugendmantel hüllen, die Heuchlerin. Nein, er wird es ihr nicht vergessen, daß sie ihn ihre Ver» achtung hat spüren lassen.

Wohl, da ist noch der Bruder des Königs, der Graf von Provence, der in diesen Monaten wie schon seit Jahren das gleiche Spiel spielt wie er, der Herzog. Aber wird sich der Bruder halten können, wenn der König gestürzt ist? Mit ihm wird man auch noch fertig werden. Man arbeitet im Augen» blick mit ihm zusammen; eines Tages muß der Bruder doch dem Bruder folgen, und dann ist der Weg für den Herzog frei.

Darum ist heute Theroigne de Mericourt beim Herzog von Orleans. Sie verachtet ihn, aber noch mehr haßt sie die Königin. Auf den Lippen der Frau, deren Gesicht in aller Verwüstung durch Leidenschaft und Ausschweifung immer noch eine leuchtende und merkwürdig bannende Schönheit zeigt, wächst ein triumphierendes Lächeln, als der Herzog ihr seine Pläne enthüllt. Beide flüstern mit» einander, als habe selbst in diesem Gemach der König seine Beobachter.

Vom nahen Kirchturm hört man zwölf hallende Schläge. Es ist Mitternacht. Das raunende Gespräch ist zu Ende. Der Herzog und die Abenteuerin geben sich die Hände, den Plan bekräftigend, der zwei Menschen Thron und Leben kosten soll.

Nun eilt der Herzog zu einem Wandschrank, er zieht eine schwere Kassette heraus, er bringt sie der erstaunten Theroigne, er öffnet sie — funkelndes Gold, in vielen Rollen aufeinandergehäuft, blinkt ihr im Kerzenschein entgegen. „Morgen und über» morgen werden ihnen meine Freunde mehr brin» gen." Abwehrend, beleidigt, verächtlich wehrt Theroigne ab: „Ich verkaufe mich nicht." Aber der Herzog sagt zu ihr, sehr eindringlich: „Sie brauchen das Geld, glauben Sie es mir. Nicht für Sie, ich weiß es. Aber mit Geld kann man alles kaufen, Waffen, Munition — und Männer."

Richard, o mein König!

1. Oktober 1789

Der große Raum des Königlichen Opernhauses ist in eine Flut von Lichtern getaucht. Aber wo sonst die Gäste des Königs den Vorgängen auf der Bühne zusahen, sind heute die Sitzreihen entfernt, und statt ihrer stehen lange Tische da, mit leuchtendem Damast gedeckt, auf ihnen das Funkeln des Silbergeschirrs, dazu Kerzenleuchter, Weinflaschen und Blumen. Und auf den Stühlen sitzt die militärh sehe Auslese Frankreichs, in Weiß und Silber und Gelb und Blau und Gold, die Offiziere der Königliehen Leibgarde, der Schweizergarde und des Regimentes Flandern.

(Fortsetzung folgt)


Marie Antoinette im Jagdkleid
Marie Antoinette im Jagdkleid

KONTINENT DER ZUKUNFT

Dem Europäer erscheint Südamerika- als ein ferner Kontinent, voller Urwälder, Gift* schlangen und heimtückischer Indianer. Eine Vorstellung, nur zum Teil begründet. Große Gebiete Südamerikas sind noch unerschlossen. Da sind die undurchdringlichen Urwälder im Amazonasbecken, in denen sich die Ureinwohner, die Indianer zurückgezogen haben und den weißen Eindringlingen feindlich entgegentreten. Gar mancher fiel ihren Giftpfeilen zum Opfer. Auf der Westseite des Kon* tinents erheben sich die Bergriesen der Anden in ihrer kühnen Erhabenheit, noch zum größten Teil unbezwungen. Im Süden die Weiten der Pampas, auf denen die Gauchos, die Kollegen der nordame* rikanischen Cowboy, zu Hause sind. Doch Süd* amerika hätte nicht seinen Ruf als Kontinent der Kontraste verdient, wenn es nicht auch junge moderne Weltstädte beherbergen würde, Weltstädte voll pulsierenden Lebens, im Tempo und Anblick den nordamerikanischen Städten nachgeahmt.

Doch, nachgeahmt ist vielleicht nicht ganz richtig. Gewiß, die Millionenstädte wie Buenos Aires, Rio de Janeiro, Sao Paulo und Montevideo besitzen gleichfalls Wolkenkratzer, wenn auch nicht so viele wie Neuyork oder Chicago. Das Hasten und die endlose Kette der vorübersausenden Autos gleicht ebenfalls den Städten des Nordens und trotzdem ist es ein anderes Leben, weitaus lauter und impul* siver! Keiner ist in seiner kindlichen Freude zu übertreffen, wie der Südamerikaner, wenn er die Hupe seines Autos betätigt. Der Europäer benötigt einige Zeit, bis er sich an die Hupkonzerte gewöhnt.

Nur in Südamerika ist es möglich, vom breiten Weltstadtboulevard mit wenigen Schritten den herrlichsten Meeresstrand zu erreichen. Keine Stadt der Welt besitzt dies, ausgenommen Rio de Janeiro mit seinem einzigartigen Badestrand Copacapana und der Hauptstadt Uruguays, Montevideo, mit ihrem Pocitosstrand. Großzügig sind die Millionen* Städte Südamerikas gebaut. Breite Fahrbahnen, weite Plätze und prächtige Gebäude. Wer unter ihren Palmen einherwandelt, vergißt, daß im Hin* terland noch primitive Indianerstämme hausen.

Allein die Namen der Städte: Rio de Janeiro, Buenos Aires, Montevideo, Santiago, Pernambuco, Valparaiso, es klingt wie Musik, wenn man diese Namen ausspricht. Weit entfernt liegt der Kontinent Südamerika von unserem alten Europa, doch die Zeit des Luftverkehrs hat ihn nähergerückt. Nur sechsundzwanzig Stunden braucht die KLM=Maschine von Frankfurt aus in der Luft zu schweben, um Rio de Janeiro zu erreichen, die Stadt, die nicht zu Unrecht „die schönste der Welt" genannt wird.




Wolkenkratzer in Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens. — Rechts oben: Montevideo. — Links oben: Pocitos, Badestrand von Montevideo, Hauptstadt Uruguays. — Rechts unten: Modernstes Rio de Janeiro, Hauptstadt Brasiliens
Wolkenkratzer in Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens. — Rechts oben: Montevideo. — Links oben: Pocitos, Badestrand von Montevideo, Hauptstadt Uruguays. — Rechts unten: Modernstes Rio de Janeiro, Hauptstadt Brasiliens




Verlorene Heimat:

An der jungen ODER

Die Oder, diese Hauptlebensader des schlesi* sehen Raumes wird in Verbindung mit der Oder*Neiße=Linie oft genannt. Aber ein Teil dieses Schicksalsstromes, das Quellgebiet, ist meist recht wenig bekannt. Das war schon so, als man noch an keine Austreibung der Deutschen aus der Heimat dachte. Obwohl von der Quelle bis zur Mündung die deutsche Zunge klang, lag die Quelle außerhalb der alten Reichsgrenze, in dem von Deut* sehen bewohnten Gebiet der Tschechoslowakei. Als die Grenze fiel, konnte man von Breslau aus mit dem Auto stromaufwärts bis zur Quelle fahren. Diese Reise, eine der letzten in unserer Heimat, wurde zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Stromauf* wärts ging die Fahrt, immer durch altes schlesisches Kulturland. In Cosel hörte die Schiffbarkeit auf. Im Zuge des geplanten Oder=Donau=Kanals sollte die Schiffbarkeit bis zur alten Herzogsstadt Ratibor ausgebaut werden. Über Troppau kamen wir nun in eine liebliche und sehr reizvolle Mittelgebirgs* ■ landschaft. Nach etwa 200 Kilometer Fahrt war die Quelle erreicht. Diese lag in 634 Meter Seehöhe auf der welligen Hochfläche des Odergebirges, des süd* liebsten Teiles der großen walddurchsetzten Rumpf* fläche des Mährisch=Schlesischen Gesenkes, unweit des Ortes Koslau, zwischen Olmütz und Weiß* kirchen.

Mitten im Wald, idyllisch am Wege, zu Füßen eines Marterls war die obere Quelle, der Anfang der Oder. Einige Schritte abwärts vereinigte sich das leichte Geriesel der oberen Quelle mit der Hauptquelle. Über der Quelle war ein kleiner höl* zerner Pavillon errichtet. Noch schien die Oder ein unscheinbares Bächlein zu sein, aber schon nach einem Kilometer war eine Sägemühle errichtet, so klein wie das Wasser der Oder, der junge Strom leistete die erste Arbeit. In kurzen Abständen folg* ten nun, malerisch in die Täler eingebettet, weitere Mahl* und Sägemühlen. Bei Kriegsdorf, dem ersten Dorf an der Oder, war diese schon ein recht ansehn* licher Bach. Dann ging es weiter, durch das obere stille Odertal, welches zuweilen steilwandig durch* flossen wurde. Vorbei ging es an Maria Stein, einer kleinen Sommerfrische und idyllischen Wallfahrts* grotte. Nach rund 40 Kilometer von der Quelle ab* wärts war Odrau, die erste Stadt an der Oder, er* reicht. Vor hier aus trat ich die Heimfahrt an, nicht ahnend, daß diese erste und so schöne Fahrt auf unübersehbare Zeit auch die letzte sein sollte.

Text und Aufnahmen: E. Heinze


Hier beginnt der Lauf der Oder
Hier beginnt der Lauf der Oder

Die Haslichter Mühle
Die Haslichter Mühle

Kriegsdorf, das erste Dorf an der Oder
Kriegsdorf, das erste Dorf an der Oder

Odrau, die erste Stadt an der Oder
Odrau, die erste Stadt an der Oder

Der Rechtsberater bat das Wort

Das getrennte Schlafzimmer

Peter Müller und seine Frau Irene lebten zusammen mit ihren drei Kindern — zwei Buben und ein Mädchen — schlecht und recht als Ausgebombte auf dem Lande. Peter Müller war der ewigen Fahrerei zu seiner Arbeitsstelle in der Stadt überdrüssig. Er wollte wieder am Ort seiner Arbeitsstelle wohnen. Durch Zufall wurde ihm eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche angeboten. Irene ist anfänglich gegen den Umzug. Sie will lieber auf dem Lande sitzen bleiben, als in der Enge einer zerstörten Großstadt ihr Leben fristen. Nach längerem Überlegen ist Irene einverstanden und Familie Müller siedelt nach der Stadt um. Wegen großen Platzmangels schläft Irene mit der 14jährigen Tochter in einem Zimmer. In dem anderen schläft Peter mit seinen beiden Buben von 9 und 12 Jahren. So geht es jetzt schon über drei Jahre.

Peter hat schließlich festgestellt, daß dies doch nicht die richtige Lösung ist. Es hat schon manchen Wortwechsel zwischen Peter und Irene gegeben. Lediglich am Mittagstisch trifft sich die ganze Familie. Sonst herrscht eine gespannte, ja feindliche Atmosphäre, und es kommt dauernd zu häßlichen Szenen, die auf die ewige Streitsucht und Quälerei Peters zurückzuführen sind. Aus dieser gereizten Stimmung heraus läßt sich Peter öfter zu Tätlich» keiten hinreißen. Schließlich will sich Peter entgegen dem Willen seiner Frau scheiden lassen. Er beruft sich auf die infolge der getrennten Schlafzimmer aufgehobene häusliche Gemeinschaft. Wird Peter Müller recht bekommen?

Peter möchte sich auf § 48 des Ehegesetzes berufen, denn nach dieser Bestimmung kann jeder Ehegatte die Scheidung begehren, wenn die häusliche Gemeinschaft der Ehegatten seit drei Jahren aufgehoben und infolge einer tiefgreifenden unheilbaren Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses die Wiederherstellung einer dem Wesen der Ehe ent» sprechenden Ehegemeinschaft nicht zu erwarten ist.

Das Gesetz verlangt nebeneinander zwei Voraussetzungen. Einmal muß eine unheilbare Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses die Wiederherstellung einer normalen ehelichen Lebensgemeinschaft als aussichtslos erscheinen lassen. Zum anderen muß die häusliche Gemeinschaft der Ehegatten seit drei Jahren aufgehoben sein. Gewiß kann man nach dem Tatbestand das Vorliegen einer tiefgreifenden Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses durch die dauernden nervenzermürbenden Streitigkeiten der Eheleute annehmen. Aber ob diese Streitigkeiten als „unheilbar" zu bezeichnen sind, kann schon deshalb verneint werden, weil Irene an der Ehe mit Peter festhalten will. Wenn beide Ehegatten auseinanderstreben und wenn insbesondere die an dem ganzen Zustand unschuldige Irene sich von Peter abwenden wollte, dann läge eine unheilbare Zerrüttung offen zutage. Die Frage, ob eine tiefgreifende unheilbare Ehezerrüttung vorliegt, kann oft nicht klar beantwortet werden, weil alle Zusammenhänge und Umstände des Einzelfalles gegeneinander abgewogen werden müssen. Hier läßt Irenes Treue zu ihrer Ehe mit Peter doch noch die Hoffnung zu, daß der gewiß vorhandene Zerrüttungszustand wieder durch die Zeit geheilt werden kann, wenn Irene weiter tapfer aushält und Peter vernünftig wird.

Wenn Peter glaubt, daß durch die seit drei Jahren bestehenden getrennten Schlafzimmer der Eheleute die häusliche Gemeinschaft aufgehoben worden sei, so ist er im Irrtum. Zunächst waren sich beide Eheleute einig, daß sie mit Rücksicht auf die enge Wohnung und die heranwachsenden Kinder nur durch eine Trennung der Schlafzimmer diese Wohnung überhaupt bewohnen könnten. Wenn nun Peter sich an diesem ungewohnten Zustand stößt, so wird ihm sein Gesinnungswandel wenig zur Scheidung verhelfen können. Eine Trennung der Schlafzimmerräume bei gemeinsamer Haushaltung hebt nämlich nach herrschender Rechtsprechung die häusliche Gemeinschaft der Ehegatten nicht auf. Peter hätte sich vielmehr ganz aus dem Familienverband lösen müssen, wenn die häusliche Gemeinschaft als aufgehoben betrachtet werden sollte.

Wenn Peter nach dieser Rechtslage wirklich noch Lust zur Scheidungsklage haben sollte, so wird er abgewiesen werden müssen, da die gesetzlichen Voraussetzungen zur Scheidung nach § 48 Absatz 1 des Ehegesetzes nicht vorliegen. Auch wenn die geforderten Voraussetzungen erfüllt wären, so hätte der Richter die Möglichkeit nach § 48 Absatz 3 des Ehegesetzes im wohlverstehenden Interesse der drei Kinder das Scheidungsbegehren abzulehnen.

Dieses Ergebnis ist auch menschlich richtig. In einer Ehe müssen Opfer gebracht werden, erst recht, wenn in der Enge der Kleinstwohnungen einer zerstörten Großstadt sich ein normales Leben nicht entfalten kann. Peter wollte doch mit aller Gewalt wieder in die Stadt. Er hat seinen Willen durchgesetzt. Also muß eine bessere Einsicht endlich zum ehelichen Frieden beitragen. Ihm bleibt die Hoffnung, vielleicht einmal eine größere Wohnung zu finden, oder daß die Lage sich spätestens ändern wird, wenn seine Kinder erwachsen sind und sich verheiraten. Es kommt doch alles im Leben auf den guten Willen an. Dr. St.

Arbeitszimmer; lohnsteuerbegünstigt

Die beiden Entscheidungen des Finanzgerichts Düsseldorf (IVb 4/49 und IVb 19/49) haben viel Staub aufgewirbelt, da hier erstmalig neue Wege gegangen werden, die sich nicht an die Auffassung des früheren Reichsfinanzhofs halten. Das Finanzgericht Düsseldorf hat entschieden, daß die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer beim Lohn- und Gehaltsempfänger stets dann als Werbungskosten zu berücksichtigen sind, wenn dieses Arbeitszimmer ausschließlich beruflichen Zwecken dient und kraft seiner Ausstattung nur dienen kann.

Leider hat die Finanzverwaltung gegen diese Urteile Rechtbeschwerde an den Bundesfinanzhof eingelegt. Über diese ist noch nicht entschieden. Die Urteile sind also noch nicht rechtskräftig. Somit ist gegenwärtig noch keine Möglichkeit gegeben, unter Berufung auf diese Entscheidungen des Finanzgerichts Düsseldorf Lohnsteuer-Vorteile zu erreichen. Hoffentlich schließt sich der Bundesfinanzhof der wirklichkeitsnahen und wohl kaum zu erschütternden Rechtsauffassung des Finanzgerichts Düsseldorf an. Dcht.

Altmieter und die Neubau-Wohnung

Das Bundesgesetz vom 4. September 1950 über die Einwirkung von Kriegssachschäden an Gebäuden auf Miet» und Pachtverhältnisse ordnet grundsätzlich das Erlöschen der genannten Vertragsverhältnisse an.

Jedoch in drei Fällen tritt ein Erlöschen des alten Mietvertrags nicht ein:

1. Wenn die Räume bis 27. April 1950 durch den früheren Mieter bezogen worden sind.

2. Wenn der alte Mieter mit dem Hausherrn zwischen dem 20. 6. 1948 und dem Inkrafttreten dieses Gesetzes vom 4. 9. 1950 einen auf den Wiederaufbau oder die Wiederherstellung zielenden Vertrag geschlossen hat, der die Fortsetzung des alten Mietverhältnisses voraussetzt oder

3. wenn der alte Mieter den Wiederaufbau oder die vollständige Herstellung erheblich durch Mitarbeit, Materialbeschaffung oder Kostenübernahme gefördert hat.

Soweit die alte Wohnung bis zum 30. Juni 1951 nicht bezugsfertig wird, erlischt das Vertragsverhältnis zu diesem Zeitpunkt.

Hat der frühere Mieter zum Wiederaufbau oder der Wiederherstellung beigetragen, so kann er, wenn das Vertragsverhältnis erloschen ist, eine angemessene Entschädigung fordern. Hat der Hausherr bei Weiterbestehen eines Vertragsverhältnisses die Verpflichtung zum Wiederaufbau oder zur Wiederherstellung übernommen, so wird er von dieser Verpflichtung frei, wenn die Weiterführung des Baues ihm mit Rücksicht auf seine wirtschaftlichen Verhältnisse nicht zumutbar oder der Aufbau überhaupt unwirtschaftlich ist.

Bei Meinungsverschiedenheiten über die Frage des Fortbestehens eines Vertragsverhältnisses entscheiden die ordentlichen Gerichte, also das Amtsoder Landgericht.

Die Hühner sind schuld

Der 'Pensionär Friedlich hat einen Garten. Er hatte seine Freude an den jungen Pflanzen und Blumen, die vorzüglich gediehen. Seine Freude war aber nur kurz. Einige Hühner des Nachbarn überflogen die Umzäunung, fraßen die Blumen ab und rissen die Pflanzen mit den Wurzeln aus dem Boden. Fr. jagte die Hühner zurück und bat den Nachbarn für Abhilfe zu sorgen. Trotz Erhöhung der Umzäunung kamen die Hühner immer wieder. Friedlich wußte sich nicht mehr zu helfen, da der Nachbar seine Bitte, die Hühner einzusperren, nicht erfüllte. Er bat seinen Rechtsanwalt um Rat, wie er sich zu verhalten habe. Dieser legte ihm nahe, beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung zu beantragen, daß dem Besitzer der Hühner bei Vermeidung einer Geld- oder Haftstrafe aufgegeben wird, die Hühner so einzusperren, daß sie keinen Schaden mehr anrichten können. Er machte ihn auch darauf aufmerksam, daß er nicht das Recht habe, die Hühner zu töten, da er sich sonst schadenersatzpflichtig machen würde.

Sprechltunde des Hausarztes

Alkohol im Blut LEICHTSINNIGE AUTOFAHRER MÜSSEN SICH VORSEHEN

C J ft wird die Frage gestellt: ob es denn wirklich möglich sei, Alkohol objektiv im Blut nachzuweisen und ob es an Hand des gefundenen Blut-Alkohol-Wertes erlaubt sei, Rückschlüsse auf die Menge des genossenen Alkohols und auf den Grad des Rauschzustandes zu ziehen?

Vielleicht darf gleich zu Anfang gesagt werden, daß diese Fragen heute voll zu bejahen sind!

Durch eine Mikromethode (nach Widmark) ist es möglich, auch kleinste Alkoholspuren mengenmäßig im Blut nachzuweisen. Bei einem „nüchternen" Menschen ist das Ergebnis einer solchen Blutalkoholbestimmung stets negativ. Doch schon nach dem Genuß kleinster Alkoholmengen steigen die Alkoholwerte im Blut schnell an. Mit dem Ansteigen des Blutalkohols tritt in zunehmender Weise eine Lähmung der gesamten lebenden Substanz des betreffenden Organismus ein. Diese Lähmung ist reversibel. Sie ist in ihrem Grad abhängig von der Menge des genossenen Alkohols.

Nach experimentellen Untersuchungen wissen wir, daß bei einem Alkoholgehalt von 3,5 bis 2 pro mille im Blut stets schwerste Rauschzustände bestehen. Bei einem Blutalkoholgehalt von 1,6 bis 0,6 pro mille kommt es zu deutlichen Störungen im Reaktionsvermögen. In diesem Zustand ist die sichere Lenkung eines Fahrzeugs nicht gewährleistet. 0,6 pro mille Alkohol im Blut gilt bei Verkehrsunfällen als oberste zulässige Grenze. Die Widmarksche Mikromethode erlaubt uns also an Hand des gefundenen Blutalkoholwertes direkt Rückschlüsse auf die psychisch-physische Verfassung des Untersuchten zu ziehen.

Durch besondere Berechnungsverfahren wurde es möglich, auch nachträglich noch jene Alkoholkonzentration im Blute zu bestimmen, die Stunden vor der Blutabnahme — zur Zeit eines Unfalles zum Beispiel — bestanden hat.

Die Widmarksche Mikromethode hat sich heute allgemein durchgesetzt. Sowie der Verdacht besteht, daß ein Fahrer Alkohol genossen hat, wird diese Methode heute angewandt. Gerade weil sie so exakt ist, ist sie aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken.

Ein kurzes Wort über die „Trinkfestigkeit" bzw. „Alkoholgewöhnung", auf die manche Menschen so besonders stolz sind. Es läßt sich nicht bestreiten, daß solche Menschen eine gewisse Gewöhnung ihres Körpers an dieses „Narcoticum" gewonnen haben, ähnlich wie man sich durch den ständigen Schlafmittelgebrauch an immer größere Schlafmittelmengen gewöhnen kann. Aber auch bei diesen alkoholgewöhnten Menschen kommt es zum gleichen Alkoholanstieg im Blut, wie bei den weniger Trinkfesten. Wir finden bei ihnen gleich hohe Alkoholwerte im Blute. Nur treten bei ihnen die Lähmungserscheinungen nicht so deutlich hervor. Sie besitzen gewisse Hilfsfunktionen, über die der weniger Alkoholgewöhnte nicht in gleichem Maße verfügt. Die objektiv meßbare Reaktionszeitveränderung leidet bei ihnen jedoch genau so wie bei den weniger Trinkfesten.

Einen „pathologischen Rauschzustand" finden wir bei Menschen, die bereits auf kleinste Alkohol» mengen mit schwersten Vergiftungserscheinungen reagieren. Auch Kinder und Jugendliche sind relativ alkoholempfindlich.

Wir wollen mit unseren Ausführungen nichts gegen einen maßvollen Alkoholgenuß sagen. Gerade in Weinbaugebieten weiß man mit vollem Recht einen „guten Tropfen" zu schätzen. Doch muß sich jeder dessen bewußt sein, daß er sich beim Alkohol» genuß eines „Narcoticums" bedient und daß es unweigerlich zu Lähmungen seines Reaktionsvermö» gens kommt.

Begeht jemand in diesem Alkoholzustand verkehrswidrige Handlungen, so muß er mit Recht auch alle Konsequenzen tragen.

Auch die kleinste Menge genossenen Alkohols ist meßbar. Nur dies wollten wir sagen. Dr. S.

In Kinderland

Die Wasserkinder und die Weihnachtsäpfel

EIN MÄRCHEN VON RIA WEIL

\/\/ ° die Berge am Rhein niedriger werden, da wohnte der Fischer Peter. In seinem Garten wuchsen breitkronige Apfelbäume. Wer im Herbst ihre Früchte leuchten sah, dem lief vor Verlangen danach die Zunge um den Mund. Die schönen Apfel hob der Fischer nach dem Pflücken sorgsam im Keller auf, um sie vor Weihnachten auf den Markt zu bringen.

Finer von den Bäumen stand ganz nahe am Strom, und dieser Apfelbaum hatte die besten Früchte. Das wußten auch die Kinder der Rheinwasserfrau Wella, denn früher hatte der Baum ihnen jeden Herbst saftige Äpfel in das Wasser geschüttelt. Aber der Fischer, der die Äpfel verkaufen mußte, um ein bißchen mehr Geld ins Haus zu bekommen, spannte ein altes Netz um den Stamm aus; das war so dicht, daß nie mehr eine Frucht in den Rhein fiel. Der Fischer Peter sah ja nicht wie die Kinder der Wasser* frau nun unter dem Netz hin und her schwammen und mit ihren kleinen Flossen nach den roten Äpfeln zu greifen versuchten; er wußte gar nichts von ihrem Heißhunger, sonst hätte er den Wasser* kindern bestimmt ein paar von den Weihnachts* äpfeln geschenkt.

Jahrzehntelang ging das nun schon so. Die Was* serkinder waren inzwischen nicht viel größer geworden, denn die Wasserleute wachsen nicht so schnell wie wir Menschen, aber schlimm war es, daß sie in jedem Jahr vom Herbst bis zum Weihnachts* fest den Apfelhunger bekamen — so nannte es näm* lieh die Mutter. Tag und Nacht konnte Frau Wella dann nicht die Kleinen vom Garten des Fischers wegbringen, weil sie immer hofften, einmal, ach ein einziges Mal nur, könnte doch eine Frucht durch eine Netzmasche fallen. Und ob der Baum abgeern* tet war und Rauhreif und Schnee auf seinen Ästen lagen, immer trieben sie sich da herum, denn viel* leicht, so meinten sie, würde ihnen der Fischer, wenn er die Früchte auf den Weihnachtsmarkt fuhr, doch einmal ein paar schenken.

Stärker und stärker wurde das Verlangen der Wasserkinder nach den Äpfeln, und im letzten Jahr, als der Fischer mit seinen gefüllten Körben auf den Markt gefahren war, lagen sie ohne jede Bewegung so lange am Ufer, daß ihre Mutter Angst bekam, die Wellen könnten die traurigen Kleinen weg* schleppen. Es half auch nichts, daß sie mit ihnen schimpfte und sie ein bißchen zwickte, sie wimmer* ten nur nach den Äpfeln.

Da trug Frau Wella ihre Kinder heim in die grü* nen Tangbettchen, kochte ihnen Tee aus geriebenen Rheinkieseln und Dezembernebel, und bald schlie* fen die Kleinen ein. Die Wasserfrau aber stieg hin* auf zum Ufer und ging schnurstracks zum Weih* nachtsmarkt. Verwundert sahen die Leute sie an, denn von ihren Kleidern tropfte es unablässig.

„Komm her an mein Feuer und trockne dich!'' rief ihr der Bäcker Michel zu. „Was ist dir denn geschelten? Komm, wärme dich, du kannst auch eine von den Christbrezeln essen."

Frau Wella lächelte dem Bäcker zu, ging aber weiter. Und die Menschen liefen hinter ihr drein, bis sie beim Marktstand vom Fischer Peter stehen blieb und sagte:

„Peter, meine Kinder sind krank nach deinen Weihnachtsäpfeln. Gib mir welche?"

„Den ganzen Korb, wenn du sie bezahlen kannst", antwortete er.

„Was ist denn bezahlen?" fragte die Wasserfrau. „Wir kennen das nicht im Strom."

„Im Strom?" rief Peter, „du wohnst doch nicht im Rhein?" Ganz erschrocken sah er die Wasserfrau an. „Doch", sagte Frau Wella, „aber gib mir nur den Korb!"

„Gib mir dann mal erst einen ordentlichen Klum* pen Rheingold!" lachte der Fischer sie aus.

„Wenn es weiter nichts sein soll", nickte die Was* serfrau, nahm rasch den Korb, schüttelte sich ein wenig und stand auf einmal in einem breiten Bach, der trug sie mitsamt dem Äpfelkorb hinab an den Strom. Schreiend liefen die Menschen mit. Der Bach trug die Wasserfrau in den Strom hinein, dann war er gleich ihr verschwunden. Nirgends blieb in den Gassen eine Spur. Da teilten sich die Wellen, und die Wasserfrau kam ans Land. In der Hand trug sie wahrhaftig zwei Goldklumpen.

„Peter", rief sie den Fischer heran, „nimm das für deine Äpfel! Und das ist für dich, Michel!" winkte sie den Bäcker herbei, „weil du mich wärmen woll* test."

Erstarrt standen die Menschen, während Frau Wella wieder in ihr Wasserhaus stieg. Gleich weckte sie ihre Kinder, jubelnd stürzten sie zu den Früch* ten, und sie durften davon essen, soviel sie nur wollten.

Aber von nun an band der Fischer kein Netz mehr um den Baum am Strom. Ritsch! Ratsch! plumpsten im Herbst viele Früchte in die Wellen, denn nun wußte der Fischer ja, wie sehr die Wasserkinder danach verlangten. Und der Bäcker buk nun jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt Brezeln für alle, die sie umsonst haben wollten.

„Etwas Gutes muß man tun", lachte er oft, wenn er die Menschen fröhlich seine Christbrezeln schmausen sah.



Stammbuchvers der Woche

Schießt das Schicksal Trommelfeuer, Halte ich mich klein und still: Einmal kommt's ihm doch zu teuer, Und ist dann die Luft geheuer, Tu ich wieder, was ich will!





Were lacht mit !

Rheinisches

Tünnes und Schäl haben kein Geld. „Spring in de Rhing", sagt Tünnes. „Un denn rett' ich dich. Da steht: Wer einen Ertrinkenden rettet, erhält 10 Mark."

Schäl springt. Tünnes macht keine Anstalten, ihm zu helfen.

„Wat, rettest du mich nich?" ruft Schäl. „Mir brauche doch die 10 Märkelcher!"

„Ja", ruft Tünnes zurück. „Aber da steht auch: Wer eine Leiche ländet, erhält 20 Mark!" —mpfo


„So habe ich immer das Gefühl, mein Mann ist zu Haus."
„So habe ich immer das Gefühl, mein Mann ist zu Haus."

Etwas schwierig

Ein später sehr beliebter Charakterkomiker hatte seine erste Begegnung mit Heinrich Laube, dem berühmten Direktor des Wiener Burgtheaters. Er hoffte bei ihm engagiert zu werden. Laube sprach: „Sie sind promovierter Doktor und sind doch beim Theater?"

„So ist es, Herr Direktor." „Wo spielen Sie jetzt?"

„In Graz. Dort spiele ich komische Rollen." „Lachen die Leute dort, wenn Sie spielen?"

„Ja, Herr Direktor, in Graz lachen sie." „Schön", meinte Laube nachdenklich, „aber wie kriege ich die Grazer her nach Wien?"

Die falsche Kehle

Geheimrat Duden, der berühmte Verfasser der deutschen Rechtschreibung, befand sich in einer größeren Gesellschaft. Nach dem Essen bat er den Diener, ihm einen Kognak zu bringen.

Der Diener führte den Auftrag auch sogleich aus, reichte das Glas aber versehentlich der neben dem Geheimrat sitzenden Dame. Diese wunderte sich zunächst, trank den Kognak dann aber in einem Zuge aus. Duden ärgerte sich darüber ein wenig, und plötzlich mußte er husten.

„Was haben Sie denn?" fragte ihn die Dame, „sind Sie erkältet?"

„Nein", knurte Duden, „mir ist nur der Kognak in die falsche Kehle gekommen."

„Du sollst nicht ...“

Reverend Miller geht in seinem Garten spa* zieren. Da sieht er, wie ein Mann seinem Gärtner etwas zusteckt und schnell davongeht.

„Zeige mir das Papier, John", sagt der Reve* rend streng. Und kaum hat er einen Blick darauf geworfen, als er auch schon zu einer Strafpredigt ausholt. „Ein Wettschein? John, du wettest? Tö* richter John! Rennwetten sind der Verderb vieler Familien. In jedem Rennpferd steckt der Satan! Außerdem — " er wirft wieder einen Blick auf das Papier — „außerdem hat ,Maiglöckchen' über* haupt keine Chancen!"


„Herr Ober, gibt es etwas Abscheulicheres als ein Haar in der Suppe?" „Gewiß, mein Herr, Suppe im Haar."
„Herr Ober, gibt es etwas Abscheulicheres als ein Haar in der Suppe?" „Gewiß, mein Herr, Suppe im Haar."

Schneide dir ein Loch in die Schürze ...

Nach den Anschauungen des achtzehnten Jahr* hunderts war das Spielen der Kinder nicht sehr geschätzt. Kinder sollten sich schon von frühester Jugend an einer ernsthaften Beschäftigung zu* wenden.

Als ein kleines Mädchen seine Untätigkeit damit zu entschuldigen suchte, daß es nichts zu tun habe, wies die Mutter das Kind mit den Worten zurecht: „Ach was, wenn ein Mädchen nicht weiß, was es tun soll, schneidet es sich ein Loch in die Schürze und flickt es wieder!"

Polirk in die Welt

Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung


Ungeziefer=Krieg in Korea, Kriegsgefangene der UNO=Truppen werden entlaust
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Auch Berlin will Karneval feiern. Tänzerinnen proben für den Einmarsch des Elferrates
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■Auf der demontierten Werft von Blohm & Voß in in Hamburg sollen jetzt Maschinen gebaut werden
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Die USA-Super V 2 erreichte 4 ^oo=Stundenkilometer=Geschwindigkeit und eine Höhe von 4; opo m
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Truman* Attentäter Oscar Colazzo vertauscht Kran* kenhaus mit Gefängnis
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John Knittels (links) Schauspiel „Therese Etienne" wurde in Kassel urauf geführt Aufnahmen: dpa und UP
John Knittels (links) Schauspiel „Therese Etienne" wurde in Kassel urauf geführt Aufnahmen: dpa und UP

AUS DEM INHALT: Andreasnacht=Bräuche Seite 2 Frauen im Sturm der Zeiten Seite 3 Kontinent der Zukunft Seite 4 An der jungen Oder Seite 5 Alkohol im Blut Seite 6 Blick in die Welt Seite 8