Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt v^F^ERAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI, naJ m . Pa^StädLer TaSblatt L. C. Wittich, t>.?hV,ad.\\Rhelnstraße 23' Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 125 Jieaege UaäridMen Freitag, 24. November 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr, 3 v. I. 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Herbst 1951 volle Souveränität

In den nächsten Monaten beginnen die abschließenden Verhandlungen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 23. November. Alliierte Kreise in Bonn weisen darauf hin, daß bereits in den nächsten Monaten die Verhandlungen über die völlige Aufhebung des Besatzungsstatuts beginnen werden. Das revidierte Statut wird nur bis September nächsten Jahres Gültigkeit haben. Mit seinem Ablauf soll die Bundesrepublik Deutschland die volle Souveränität erhalten, wobei aber für eine Uebergangszeit noch gewisse alliierte Kontrollen fortdauern sollen.

Angesichts dieser Sachlage erscheint es ausgeschlossen, daß wegen der Revision des Besatzungsstatuts noch Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und den Oberkommissaren geführt werden. Deutsche Einwendungen gegen die unzulängliche Revision werden mit der Feststellung beantwortet, daß es sich jetzt lediglich um die Verwirklichung der Neuyorker Beschlüsse handele, von denen auch die Alliierten zugeben, daß sie durch die allgemeine Entwicklung überholt sind. Dafür wird dann betont, daß die Laufzeit des Besatzungsstatuts auf insgesamt zwei Jahre beschränkt worden ist, und daß das kommende Jahr die Gewährung der politischen Gleichberechtigung bringen soll.

Die Auslandsschulden

Unter diesem neuen Gesichtspunkte wird jetzt auch die Frage der Anerkennung der deutschen Auslandsschulden und der deutschen Beteiligung an der Verteilung strategisch wichtiger Waren gestellt. Es gibt hiergegen in Bonn sehr erhebliche Bedenken. Der Schuld*- schein, den die Bundesrepublik unterzeichnen soll, erscheint als ein Blanko? wechsel, da der Gesamtumfang der damit einzugehenden Verpflichtungen nicht annähernd geklärt ist.

Einige Kritiker gehen so weit, daß sie die Festsetzung einer bestimmten Summe verlangen, die von deutschen und alliierten Sachverständigen ermittelt werden solle. Andere fordern wenigstens eine Abgrenzung der Schulden und weisen beispielsweise darauf hin, daß ein Teil der amerikanischen Hilfeleistungen für Westdeutschland auf den sich aus der Haager Landkriegsordnung ergebenden Verpflichtungen beruht habe, und daß die Bundesrepublik hierfür nichts zu zahlen brauche.

Die Rohstoffverteilung

Bezüglich der deutschen Mitwirkung bei der Rohstoffverteilung wird erklärt, daß diese Art von deutschem Beitrag zur Verteidigung des Westens nicht unabhängig von der Entscheidung über die Einbeziehung Deutschlands in die Westverteidigung und gewissermaßen im voraus geleistet werden solle. Alle diese Einwendungen erscheinen berechtigt, wenn sie in dem Umfang der Revision des Besatzungsstatuts gemessen werden. Man wird aber nicht außer acht lassen können, daß die Revision, wie sie jetzt bevorsteht, den Übergang zur gänzlichen Abschaffung des Besatzungsstatuts bedeutet.

Propaganda oder Friedensfühler?

Chinesen entlassen amerikanische Gefangene in Korea

Söul, 23. November (AP.) 27 verwundete amerikanische Kriegsgefangene sind am Donnerstag im Raume von Yongbyon im Nordwestabschnitt der Koreafront von den chinesischen Kommunisten mit den Worten entlassen worden: „Die Chinesen wollen nicht gegen die Amerikaner kämpfen.“ Es wurde ihnen ausdrücklich aufgetragen, daß ihren Kameraden bei der Rückkehr zu den eigenen Linien mitzuteilen.

Die Entlassenen berichteten, sie seien gut behandelt worden. Man habe ihnen erklärt, die Chinesen hätten nur in den Krieg eingegriffen, um die Suiho-Kraftwerke am Jalu zu schützen. Sie würden dieselben bis zum letzten Mann verteidigen.

Gleich nach dem Bekanntwerden der Gefangenenfreigabe tauchten an der Front erneut Gerüchte über Verhandlungen zu einem Waffenstillstand auf, die jedoch vom Hauptquartier General Mac Arthurs dementiert wurden. Man ist dennoch der Ansicht, daß sich in Korea irgendetwas „zusammenbraut". Seit über einer Woche ist es an der gesamten Nordwestfront auffallend ruhig.

Weit vorstoßende Spähtrupps konnten keinen Kontakt mit dem Gegner aufnehmen. Die Truppen der Vereinten Nationen erhielten jedoch seltsamerweise nicht den Befehl, die von den Kommunisten aufgegebenen Stellungen und Gebiete zu besetzen.

Allein in Nordostkorea und im Partisanengebiet hinter der Front kam es in den letzten vierundzwanzig Stunden zu geringer Kampftätigkeit.

Amerikanische Jäger und Bomber belegten das feindliche Hinterland in Ostkorea und Partisanenunterschlüpfe in Süd- und Mittelkorea mit Bomben und Bordwaffenfeuer.

Amerikanische Fallschirmtruppen stoßen 85 km südöstlich von Pyongyang weiter auf das von Partisanen besetzte Singye vor.

14 Begnadigungen

Frankfurt, 23. November (dpa) Der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte in Europa, General Handy, hat vierzehn Deutsche begnadigt, die in Prozessen wegen Kriegsverbrechens zu lebenslänglicher Haft oder hohen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Sie waren bisher im Landsberger Gefängnis inhaftiert.

Die Begnadigten sind Karl Billmann, Michael Czerny, Heinrich Geise, Herbert Brzybowski, Paul Güttyaff, Ferdinand Läppert, Josef Maier, Viktor Korgar, Adolf Rutka, Heinrich Palme, Anton Weber, Josef Wolf, Hans Ulrich und Otto Merkle.

Ein grauenvolles Gisenbahn-Unglück

Zugszusammenstoß fordert 78 Tote und 132 Verletzte

Neuyork. 23. November (AP.) Eine der größten Eisenbahnkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten hat sich am Mittwochabend in Neuyork ereignet. Bis zum Donnerstagmittag wurden aus den Wracks zweier Vorort-Züge 66 Tote geborgen. Von den zahlreichen Verletzten verstarben noch einige auf dem Weg zu den Krankenhäusern oder im Hospital. Die Gesamtzahl der Todesopfer beträgt bis zur Stunde 78, die der Verletzten 132.

Das Unglück trug sich im Neuyorker Vorort Queens zu, wo ein Zug der Long-Island-Bahn mit voller Wucht auf einen anderen Zug auffuhr. Der Triebwagen des auffahrenden Zuges bohrte sich völlig in den letzten Wagen des ersten Zuges ein. der buchstäblich aufgeschlitzt wurde. Beide Züge waren überfüllt mit Angestellten und anderen Neuyorkern. die sich auf dem Heimwege von ihren Arbeitsstellen im Innern der Stadt befanden. Augenzeugen berichten, daß der erste Zug bei einem nicht vorgesehenen Halt von dem kurz darauffolgenden Zug gerammt und zusammengeschoben wurde.

„Idi hörte plötzlich ein ungeheures Krachen und wurde in die Mitte des Wagens geschleudert“, erklärte ein Fahrgast aus dem Triebwagen des zweiten Zuges, der mit dem Schrecken davonkam. „Sekundenlang herrschte Todesstille, dann war der Zug erfüllt von den Schreien der Sterbenden und Verletzten, die übereinandergeworfen in den Wagen lagen.“

Der Neuyorker Korrespondent des Londoner „Daily Mirror“. John Walters, erklärte, er habe ein furchtbares Krachen wie bei einer Explosion gehört. Er sei aus dem Wagen getaumelt und nach hinten geeilt. ,

„Es war das Schlimmste, was ich seit den Luftangriffen auf London gesehen habe“, meinte Walters später. „An einem Fenster sah ich ein stilles Gesicht, das nach draußen blickte. Es war eine tote Frau. So saßen viele in den Wagen, regungslos und stumm, während die Ueberlebenden über sie hinwegkletterten und den Weg ins Freie suchten.“

Noch nach Stunden bot der Schauplatz der Katastrophe einen Anblick des Schreckens. Im Scheinwerferlicht versuchten die aus allen Teilen der Stadt herbeigerufenen Rettungsmannschaften mit Schweißbrennern und Motorsägen die beiden ineinandergeschobenen Wagen zu trennen, um die in den Trümmern festgeklemmten Leichen zu bergen.


Königin Juliane der Niederlande ist mit ihrem Gatten, Prinz Bernhard, zu einem Staatsbesuch in London eingetroffen. Auf dem Victoria-Bahnhof wurden sie von der englischen Königsfamilie empfangen. Das Bild zeigt König Georg, Königin Juliane, die englische Königin und Prinz Bernhard. Foto: UP-Acme
Königin Juliane der Niederlande ist mit ihrem Gatten, Prinz Bernhard, zu einem Staatsbesuch in London eingetroffen. Auf dem Victoria-Bahnhof wurden sie von der englischen Königsfamilie empfangen. Das Bild zeigt König Georg, Königin Juliane, die englische Königin und Prinz Bernhard. Foto: UP-Acme

Doch ein Treffen der großen Vier?

Der Wunsch hierzu verstärkt sich bei den Westmächten

London, 23. November. (AP.) Vertreter Großbritanniens, Frankreichs und der Vereinigten Staaten werden in der kommenden Woche in London oder Paris zusammenkommen, um die Antwort der drei Westmächte auf den sowjetischen Vorschlag für eine Viermächtekonferenz über Deutschland zu entwerfen.

Wie diplomatische Vertreter erklärten, wird die Konferenz höchstwahrscheinlich die von den Sowjets befürwortete Viererdiskussion über eine deutsche Entmilitarisierung ablehnen, gleichzeitig jedoch den Wunsch nach Verhandlungen zum Ausdruck bringen, sofern alle schwebenden Fragen des Ost- West-Konflikts erörtert werden könnten.

Sowohl in Großbritannien als auch in Frankreich wird in zunehmendem Maße die Aufnahme derartiger Ost- West-Verhandlungen verlangt.

Wie weiter verlautet, trägt sich die US-Regierung mit dem Gedanken, innerhalb der UN mit der Sowjetunion inoffiziell Fühlung aufzunehmen und zu versuchen, bereits im voraus in einigen Punkten eine Einigung herbeizuführen. Damit soll verhindert werden, daß eine Konferenz erneut nur in eine Redeschlacht ausartet, ohne daß Erfolge zu verzeichnen sind.

Für die Verhandlungen der kommenden Woche über die Antwort der Westmächte werden die Botschafter bevollmächtigt werden.

Eine Pufferzone?

♦ * * Nachdem sich das Eingreifen chinesischer Divisionen in den Korea-Konflikt dramatisch zugespitzt hatte, sieht es nun wiederum so aus, als bahnten sich Verhandlungen an, die noch zu einem guten Ende führen könnten. Es gibt mancherlei Anzeichen dafür. England hat durch eine Sonderbotschaft der Regierung in Peking nochmals mitteilen lassen, die Vereinten Nationen würden in Korea in keiner Weise die berechtigten chinesischen Interessen gefährden. Die Chinesen selbst haben siebenundzwanzig verwundete amerikanische Kriegsgefangene an der Front in Korea freigelassen und ihnen angeblich ein Schreiben mitgegeben, die chinesischen Kommunisten beabsichtigen nicht gegen die Amerikaner zu kämpfen, sie seien nur entschlossen, die Kraftwerke am Jalu zu schützen. Korrespondenten halten entgegen einem Dementi aus dem amerikanischen Hauptquartier die Behauptung aufrecht, es fänden bereits an Ort und Stelle Verhandlungen über eine Einstellung des Kampfes statt.

Die Entlassung der amerikanischen Kriegsgefangenen läuft nun parallel mit dem Flug einer Delegation der chinesischen Kommunisten ' zur Vollversammlung der Vereinten Nationen. Sie sind zwar nur eingeladen zur Beratung über die Formosa-Frage, aber man hofft, mit ihnen über das gesamte Korea-Problem ins Gespräch zu kommen und läßt sogar die Möglichkeit durchblicken, daß Rotchina in den Weltsicherheitsrat aufgenommen werde.

Eine Einigung mit dem kommunistischen China denkt man sich in der Weise, daß eine neutrale Pufferzone zwischen Nordkorea und der Mandschurei gebildet werden soll, die allerdings auch mandschurisches Gebiet umschließen müsse. Dieser Plan wird zwar von den Südkoreanern abgelehnt, aber außer den Amerikanern sind auch die Engländer und Franzosen entschieden dafür. Die Frage ist nur, ob Peking und Moskau mit einem solchen Vorschlag einverstanden sein werden und ob die chinesische Delegation die Vollmacht besitzt, über eine solche Pufferzone zu verhandeln.

Die Aussichten für eine Befriedung sind vielleicht deshalb nicht so ungünstig, weil China nach jahrzehntelangen Kriegs wirren einen inneren Aufbau notwendiger hat als einen neuen kriegerischen Konflikt, und weil vielleicht auch Rußland zu der Erkenntnis gekommen ist, der heiße Krieg bringe wenigstens zur Zeit weit größere Risiken mit sich als der kalte Krieg.

Das Problem Bayern

Von unserem Münchener We-Korrespondenten

Am kommenden Sonntag finden in Bayern die Landtagswahlen statt. Der Bericht unseres Münchener Korrespondenten gibt einen guten Einblick in die vielfältigen Strömungen der bayerischen Politik.

„Ich gebe mein Ehrenwort — ich habe bis heute keinen Preußen gefressen. Es hätte mich wahrscheinlich zerrissen.“ Diese beachtliche neue Erklärung stammt von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Bayernpartei, Dr. Jacob Fischbacher. Sie deckt sich nicht ganz mit seinen Ausführungen auf der diesjährigen Landesversammlung der Partei. Damals hatte er gesagt, er sei sehr stolz auf den ihm beigelegten Ehrennamen eines „Preußenfressers“. Der Parteivorsitzende Dr. Baumgartner spricht in seinem Nachruf für den Generalsekretär Dr. Falkner erneut von der Stunde des „bayerischen Schicksalskampfes“. Schon im vergangenen Jahr, als es um die Annahme des Grundgesetzes ging, hatte man mit einem solchen Freiheitskampf gedroht, der dem des indischen und irischen Volkes in nichts nachstehen werde. Statt dessen sitzen heute dank der festen, aber nüchternen Haltung des Ministerpräsidenten Dr. Ehard, der die Politik als eine Kunst des Möglichen betrachtet, mehr Minister aus Bayern im Bundeskabinett als aus irgendeinem anderen deutschen Land, und die Stimme Bayerns hat sich ausgezeichnet Gehör zu verschaffen gewußt.

Die Bayernpartei

Mit Hartnäckigkeit versuchen die Repräsentanten der Bayernpartei in- und außerhalb des Landes den Eindruck zu erwecken, als seien nur sie berufen, für Bayern zu sprechen, und als seien ihre Argumente ein Anliegen der gesamten bayerischen Bevölkerung. Sie sollten sich dann nicht wundern, wenn Zitate wie die obenerwähnten in anderen Teilen Deutschlands als „bayerische“ Meinungsäußerung schlechthin bewertet werden. Sie fordern zu einer solchen Resonanz heraus. Daß sie in sehr vielen Fällen unberechtigt ist, steht freilich genau so fest. Die von der Bayernpartei ins Rollen gebrachten Untersuchungen zum Thema Bestechungsgelder haben auch einige für die Partei selbst nicht sonderlich erfreuliche Wirkungen gezeitigt. Der Abgeordnete Aumer, der schon vorher aus der Fraktion ausgeschieden war, hat bei seiner Vernehmung in einer Münchener Klinik auf die Frage, ob Dr. Baumgartner oder die Partei Auslandsgelder für politische Zwecke bekommen hätten, die Aussage verweigert. Als man ihn fragte, ob man sich im Ausland dafür interessiere, wer an der Spitze der Bayernpartei stehe, antwortete er vielsagend: „Vielleicht hat Dr. Baumgartner von seinen dortigen Freunden eine gewisse Hilfe erwartet. Mag sein, daß ich Interesse daran hatte, daß diese Hilfe nicht zustande kommt“. Ueber diese Dinge ist schon öfter gesprochen worden, aber eine eingehendere Diskussion gerade jetzt könnte der Partei sehr unangenehm sein. Noch unangenehmer als für andere Parteien die Frage, ob sie aus dem Inland Wahlgelder empfangen haben.

Monarchisten

Aumer gehörte zu der sogenannten Donhauser-Gruppe. Man pflegte sie als den gemäßigteren Flügel der Partei zu bezeichnen. Donhauser hat sich inzwischen der Bayerischen Heimat- und Königspartei angeschlossen. Der monarchistische Gedanke hat in Niederbayern einen besonders starken Rückhalt, wo auch Donhauser über seinen größten Anhang verfügt. Bayernpartei und Königspartei haben insofern ein Stück Weges gemeinsam, als beide Parteien Bayern wieder zu einem selbständigen Staat machen wollen. Die Königspartei allerdings mit klarem Kurs auf Wiederrichtung der Monarchie, während die Bayernpartei die Entscheidung über die Staatsform durch eine Volksbefragung herbeigeführt sehen will. Beide Lager haben wiederholt betont, man denke keineswegs an eine Zerreißung aller Bande. Eine Verbindung mit den anderen deutschen Ländern solle schon noch bestehen bleiben. Man verwahrt sich im allgemeinen mit mehr oder weniger Entrüstung dagegen, als Separatist angesprochen zu werden. Anders jedoch Professor Berr. Er hat vor einiger Zeit die keinen Raum mehr für Mißverständnisse lassende Meinung von sich gegeben, die Begriffsprägung „Deutschland“ sei die größte Geschichtslüge aller Zeiten. Jetzt steht er einem eigenen „Heimat- und Königsbund“ vor, der zwar schon mit kraftvollen Verlautbarungen an die Oeffentlichkeit getreten ist, aber sonst noch keine schlüssigen Beweise für seine Existenzberechtigung geliefert hat.

Franken, rührt sich

Man tut gut daran, diese Gruppen nicht lediglich als bizarre Fische in dem ohnehin bereits genügend seltsamen bayerischen Aquarium abzutun, wozu manche Beobachter von draußen neigen. Sie sind wie vieles, was hier auf den ersten Blick unverständlich erscheint, in der geschichtlichen Entwicklung des Landes begründet. Eine ganz andere Frage ist natürlich, ob es von politischem Weitblick zeugt, mit ihrer Hilfe im November des Jahres 1950 neue Ressentiments hervorzubringen. Die Weltgeschichte ist mittlerweile etwas vorangeschritten.

In diesen Tagen kam eine Nachricht aus Nürnberg, die beweist, daß das „Problem“ Bayern auch noch andere Seiten hat, daß es zum Beispiel nicht richtig ist, von “Bayern“ zu sprechen, wenn man eigentlich nur die altbayerischen Landesteile meint. Es gibt nämlich auch noch die Franken und Schwaben, die ganz und gar nicht immer wollen wie die Altbayern. Im Nürnberger Rathaus also forderte in einer von Persönlichkeiten des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens besuchten Versammlung die überparteiliche und überkonfessionelle Fränkische Arbeitsgemeinschaft einen staatlichen Neubau Bayerns, verwahrte sich gegen die „seit je betriebene Kulturdemontage“ in Franken und Schwaben und bekundete ihre Entschlossenheit, die „unerträgliche hegemonische Stellung Oberbayerns und Münchens“ zu brechen und zu einer paritätischen Behandlung der bayerischen Stämme zu kommen. Die Franken seien zunächst einmal Deutsche und nur insoweit Bayern, wie es sich mit ihrem Deutschtum vereinbaren lasse. Nicht zum ersten Male, aber mit noch größerem Nachdruck als bisher wurde die Beseitigung des in München herrschenden Staatszentralismus verlangt. Man wünscht einen revolutionären Neubau der bayerischen Staatsorganisation, einen Umbau der auf französischen Einfluß zurückgehenden zentralistischen Verwaltung an Haupt und Gliedern, der in der Gründung dreier gleichberechtigter Landeshauptmannschaften Franken, Altbayern und Schwaben gipfeln soll.

Die Forderung nach Anwendung der gleichen föderalistischen Grundsätze im eigenen Hause, die im größeren deutschen Rahmen mit wechselndem Erfolg von Bayern angestrebt worden sind, ist nicht zu überhören. Aber diese Forderung zielt nicht auf Absplitterung, sondern auf Konsolidierung. Nicht von allen politischen Strömungen in Bayern läßt sich das sagen.

Geist wird verhaftet

M. G. In Potsdam haben ein paar Leute, die nebenbei etwas verdienen wollten und die Sehnsucht so mancher Einwohner nach gehaltvoller Lektüre kennen, eine Art privaten Bücherverleihs aufgemacht. Wer wollte, konnte sich da was Gutes holen. Da man die Verfasser selbst nicht hängen kann, müssen nun die Verleiher daran glauben. Wäre politische Lektüre unter den Werken, gegen den Osten gerichtet, müßte man zugeben, daß jeder Staat das Recht hat, auf seine Sicherheit bedacht zu sein. Wenn auch da die große Frage offen bleibt, ob nicht gerade das Absperren solcher Werke, wenn sie von Gehalt sind, schädlich ist, denn nun kann niemand mehr sein eigenes Urteil überprüfen, es befestigen oder Meinungs-Einbrüche hinnehmen, die sein Nachdenken herausfordern. Es scheint sich aber in Potsdam nur um Romane von Amerikanern und Engländern zu handeln. Mit ihnen könnte man im Osten durchaus zufrieden sein, denn sie nehmen in ihrer Gesellschaftskritik wahrhaftig kein Blatt vor den Mund. Man denke nur an John Steinbeck. Es sind hervorragende Gestalter darunter, ihren eigenen Regierungen durchaus nicht immer bequem, Künstler von Fleisch und Blut, keine hohläugigen Literaten mit verschwommenen sozialen und ethischen Idealen. Wir in Deutschland scheinen verdammt zu sein, auf dieser Weltbühne alles Schlechte und längst Abgetane mindestens zweimal sehen zu müssen, denn es ist kaum eine Mandel Jahre her, daß in unseren eigenen Wohnungen die Gestapo erschien und nach „unerwünschter“ Lektüre fahndete. Gott sei Dank hatte sie keine Ahnung, was denn über die Liste der Bücher hinaus, die sie ungefähr im Kopf hatte, nicht genehm sein könnte. Jedenfalls die russischen Klassiker, Maxim Gorki voran, ließen sie stehen, auch alles das, was sonst noch an ernsthafter Lektüre über russische Dinge vorhanden war. Verhaftungen nur wegen Besitzes oder Verpumpens von Büchern hat es nicht gegeben. Das ist das Neue, was in einer Berliner Meldung mitgeteilt wird. Man hört aus ihr, daß zehn Personen in Potsdam festgesetzt worden sind, weil sie Bücher angelsächsischer Autoren für einen Groschen ausgeliehen haben. Man wird sie nicht lange sitzen lassen, weil auch der grimmigste „Reichssicherheitsdienst“ — auch dieser Schreckensbegriff parademarschiert noch einmal an uns vorüber — einsehen muß, daß Gedanken zollfrei sind. Es ist klüger, sie nicht fangen zu wollen. Sie schlüpfen früher oder später doch über alle Grenzen und sind dann kräftiger und unangreifbarer als je zuvor. Wir lesen die großen Schriftsteller des Ostens immer wieder, weil wir den russischen Menschen lieben und wüßten sehr gerne, was die junge russische Schriftsteller-Generation an künstlerischen Dingen produziert, um uns ein farbigeres und tieferes Bild von ihr machen zu können, als es die politische Feder oft genug in Schwarz-Weiß zu zeichnen gezwungen ist. Völkerverständigung, echte Verständigung, gibt es nur über das Geistige der Nationen und läßt sich nur über das Geistige befestigen. Wir, soweit wir verständig sind, gehen daran, ganz allgemein erneute Versuche in dieser Richtung zu machen. Wer Geist verhaftet, könnte ebenso gut einen Elefanten, der an Freiheit gewöhnt ist, mit Zwirnsfäden an Gitterstäbe binden wollen. Gutmütig wie er ist, hält er eine Weile stur still. Aber dann tut er einen Tritt nach hinten und die Fäden mitsamt dem Gitter fliegen durch die Luft und kommen nicht wieder.

Das Berliner Stadtparlament nahm neue Bestimmungen über den Zuzug nach Berlin an.

von Mantenffel antmortet Dr, Kempner

Ein Offener Brief des einstigen Panzergenerals an den früheren Hauptankläger in Nürnberg

Düsseldorf, 23. November, (dpa) Der ehemalige deutsche Panzergeneral von Manteuffel hat in einem Offenen Brief dem früheren stellvertretenden amerikanischen Hauptankläger in Nürnberg, Dr. Kempner, auf einen gleichfalls Offenen Brief geantwortet, in dem Kempner sich mit den Anschauungen Manteuffels auseinandersetzte.

Von Manteuffel weist den Vorwurf Kempners zurück, daß er für „verbrecherisch gewordene Berufsgenossen“ eingetreten sei. Er habe vor Vertretern der in- und ausländischen Presse ausdrücklich erklärt, daß er nicht Leute reinwaschen wolle, denen wirkliche Verbrechen nachgewiesen wurden. „Sie beweisen damit nur, Herr Kempner, daß auch Sie nicht über Ihren Schatten springen können und der gleiche geblieben sind, als den wir Sie in Nürnberg kennengelernt haben“. Dies müsse auch aus Kempners wiederholten Aeußerungen geschlossen werden, in denen im Gegensatz zu der besonders auch im Ausland gewandelten Betrachtungsweise über die sogenannten Kriegsverbrecher-Prozesse immer wieder jene Männer als Verbrecher und Mörder bezeichnet wurden, die eindeutig Ehrenmänner seien.

Kempner habe sich als „Freund aller anständigen Deutschen“ bezeichnet, fährt von Manteuffel fort. „Ich will hoffen, daß es mehr anständige Deutsche gibt, als Sie, Herr Kempner, Freunde haben dürften“. Er müsse der Ansicht Kempners zustimmen, daß das schwierige Problem des westdeutschen Beitrages zur europäischen Verteidigung nicht das mindeste damit zu tun habe, ob einige „Verbrecher“ ihre Strafe verbüßen. Leider müsse er aber annehmen, daß Kempner damit auch jene Männer als Verbrecher bezeichne, denen selbst das Ausland ihre Ehrenhaftigkeit bestätigt habe.

Manteuffel überlasse es der Beurteilung seiner Zeitgenossen, festzustellen, ob es menschlicher sei, die Amnestierung offensichtlich ganz ehrenhafter Männer zu erbitten oder dort auf unerbittlichen Strafvollzug zu drängen, wo die Wiederaufnahme der Verfahren oder das Gnadenrecht als der einzige richtige Ausweg erscheine. Zu der väterlichen Art der Anrede Kempners, „Mein lieber junger Panzergeneral“, möchte er sich aus Gründen des Taktes nicht äußern. Im übrigen sei er darüber nicht überrascht, daß seine Anregung, Kempner möge praktische völkerrechtliche Vergleichsstudien an der Koreafront treiben, anscheinend keinen besonderen Widerhall gefunden habe.

Abgelehnt

Der Berufungsantrag Ohlendorf

Washington, 23. November (AP.) Der Berufungsantrag des in Landsberg inhaftierten und wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilten früheren Leiters der SS -„Einsatztruppen“ im Osten, Ohlendorf, ist vom District Court in Washington zurückgewiesen worden. Das Gericht erklärte sich dem Antrag des Offizialverteidigers entsprechend als nicht zuständig.

Pflichtsprache Deutsch

Frankfurt, 23. November, (dpa) Alle amerikanischen Offiziere des Militärstandortes Frankfurt müssen künftig während ihrer Dienstzeit Deutsch-Unterricht nehmen.

Für die amerikanischen Angestellten im amerikanischen Oberkommissariat gilt diese Bestimmung bereits seit einiger Zeit. Mit ähnlichen Regelungen ist auch für die amerikanischen Offiziere in anderen Bereichen des amerikanischen Besatzungsgebietes zu rechnen.

Adenauer reist uach Berlin

Bonn, 23. November. (AP.) Bundeskanzler Adenauer wird am 28. November zu einem zweitägigen Besuch nach Berlin reisen.

Spionagetrupp festgenommen

Dinslaken, 23. November, (dpa) Bundesinnenminister Dr. Lehr teilte in Dinslaken mit, daß kürzlich ein sowjetischer Oberst mit einem Spionagetrupp bei einem Hydrierwerk in der Bundesrepublik festgenommen worden sei. Der Spionagetrupp sei mit Handfeuerwaffen ausgerüstet gewesen.

Keine kleineuropäische Lösung

Das bisherige Ergebnis der Straßburger Verhandlungen

Straßburg, 23. November (dpa). Nach der politischen Debatte in der Beratenden Versammlung des Europarates ist die „kleineuropäische Lösung“ in Straßburg nicht mehr aktuell. Den letzten Stoß hat ihr das von Carlo Schmid ausgesprochene Nein der deutschen Sozialdemokratie gegeben. Vorher hatten bereits die Vertreter Großbritanniens, der skandinavischen Staaten und der Beneluxländer nein gesagt.

Der französische Europaminister Mollet erklärte, die Vertreter des europäischen Föderalismus würden zunächst auf das von ihnen geforderte europäische Bundesparlament verzichten. Allerdings müßten jetzt auf dem Gebiet des Transportwesens, der Landwirtschaft usw. die übernationalen Körperschaften geschaffen werden, die vom Europarat vorgesehen sind.

Die Straßburger Tagung des Europarates geht Freitag zu Ende. Am Donnerstag wurde die politische Debatte abgeschlossen, während am Freitag noch das Problem der europäischen Verteidigung behandelt wird.

Tägliche „Haßminute“

London, 23. November. (AP.) In einer täglichen „Haßminute“ soll die freie Welt sich nach einem Vorschlag Lord Vansittarts der Untaten des Regimes im Kreml erinnern.

Neuer Protest

zur Oesterreich-Frage

Washington, 23. November. (AP.) Die drei Westmächte haben am Donnerstag erneut in getrennten Noten bei der Sowjetunion gegen die sowjetische Einmischung in die Kontrolle der österreichischen Regierung über ihre Polizeikräfte in der sowjetischen Besatzungszone protestiert.

Kohlenpreise werden beraten

Wesentliche Preiserhöhung ist vorgesehen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 23. November. Die wirtschaftspolitischen Ausschüsse des Bundestages, des Bunderates sowie der Bundesregierung werden am Freitag gemeinsam mit der deutschen Kohlenbergbauleitung über die Erhöhung der Kohlenpreise entscheiden. Der Preisrat des Bundeswirtschaftsministeriums beschloß am Donnerstag Vorschläge, die, wie von gut unterrichteter Seite verlautet, eine Erhöhung des Kohlenpreises zwischen 5,50 und 6,— DM vorsehen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß so weitgehende Vorschläge am Freitag angenommen werden.

Nimmt man die Gesamtmenge der im Bundesgebiet geförderten Kohle, so wäre eine Erhöhung des Kohlenpreises um vier Mark pro Tonne ausreichend. Tatsächlich kann aber nur der Preis der verkauften Kohle erhöht werden und nicht auch der Kohle, die dem eigenen Verbrauch des Bergbaues dient. Aus dieser Tatsache leiten Sachverständige die Notwendigkeit einer Erhöhung des Inlandpreises um sechs Mark ab. Gleichzeitig müsse der Exportpreis um 1,65 Mark erhöht werden, um die bisherige Differenz zwischen Export- und Inlandspreis, die 4,35 Mark beträgt, aufrechtzuerhalten.

Bei den Verhandlungen am Freitag wird von entscheidender Bedeutung die Frage sein, inwieweit sich die Kohlenpreiserhöhung zu einer allgemeinen Preissteigerung auswirken kann. Ueber die Verhandlungen des Preisrates am Donnerstag erfolgte keine amtliche Meldung. Man hörte jedoch, daß sich der Preisrat bereits mit einer Erhöhung der Preise der Eisen- und Stahlindustrie als Folgerung aus einer Preiserhöhung für Kohle einverstanden erklärt habe.

Das Bundesverforgungsgesetz

Bad Godesberg, 23. November. Unter diesem Titel hat der Verband der Kriegsbeschädigten (VdK) soeben die Textausgabe des neuen Bundesversorgungsgesetzes der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Broschüre kann gegen Voreinsendung eines Betrages von 60 Pfennig bei der Hauptgeschäftsstelle des Verbands, Bad Godesberg, Deutschherrenstraße 62, bezogen werden.

Britische Botschaft an Peking

London, 23. November. (AP.) England hat Rotchina mitgeteilt, die Streitkräfte der Vereinten Nationen würden die „Sicherheit“ Chinas respektieren, wie am Donnerstag in London bekanntgegeben wurde.

Die Mitteilung ist in einer Sonderbotschaft Außenminister Bevins enthalten, die am Mittwoch der rotchinesischen Regierung in Peking zugestellt wurde.

Feste Haltung Amerikas

Kein „Kuhhandel“ mit Peking

Neuyork, 23. November, (dpa) Die USA-Regierung soll zu Verhandlungen mit der Delegation der chinesischen Volksrepublik bereit sein, die für Freitag in Neuyork erwartet wird. Diplomatische Kreise in Neuyork wollen aber wissen, daß die USA-Regierung ausschließlich über den Koreakrieg verhandeln will und jeden „Kuhhandel“ mit Peking ablehnt. Die Voraussetzung für Verhandlungen über die Formosafrage wäre nach amerikanischer Auffassung der Rückzug der chinesischen Truppen aus Korea.

Einstmeilen eingestellt

London, 23. November, (dpa) Die britische Regierung gab im Unterhaus die Zusicherung, daß die britischen Waffenlieferungen an Aegypten einstweilen gestoppt werden.

Stimmen der Anderen

„Isolation-Illusion“

Unter diesem Stichwort schreibt „Christ und Welt“ über die Ergebnisse der Wahlen in Hessen und Württemberg-Baden unter anderem:

„Offensichtlich hat sich der deutsche Wähler durch die irreführende Parole „Remilitarisierung“ darüber täuschen lassen, daß er mit seiner Zustimmung zur SPD in praktischer Konsequenz für eine westdeutsche Isolationspolitik gestimmt hat. Wähler sowohl wie Nichtwähler wären entsetzt, wenn sie plötzlich bis in ihr privates Dasein hinein auf die wirtschaftlichen und politischen Folgen dieser Politik festgelegt würden.

Der zweite Grund, aus dem wir die Wahlergebnisse mit Sorge betrachten, ist die Desorientierung der protestantischen Wähler. Wahrscheinlich ist ein großer Teil der protestantischen Wähler gar nicht zur Wahl gegangen und ein geringerer Teil hat die SPD gewählt. Auch NiemöMerS^Erfolg geht im wesentlichen auf die „Ohne-mich“ -Stimmung zurück. Auch er betreibt praktisch Isolationspolitik — und dies im Namen des Evangeliums. Würde er indessen wirklich als Seelsorger am deutschen Volke handeln, so hätte er Antwort geben müssen auf die Frage, was denn das deutsche Volk tun soll, wenn die Rote Armee über ein wehrloses Westdeutschland herfällt. Bislang hat er keine Antwort darauf gegeben ..."

„Parador“

Zur Frage einer Wiederaufrüstung der Bundesrepublik schreibt die „Ne w Y o r k Time s“:

„Die Deutschen sind genau so unrealistisch wie die Franzosen, wenn sie glauben, daß sie um ihre eigene Verteidigung feilschen können. Es ist paradox genug, daß ein Feind, der vor nur fünf Jahren zur Abrüstung gezwungen wurde, sich jetzt den Befehlen des Siegers zur Wiederaufrüstung widersetzt. Noch paradoxer ist es, daß Nationen, deren Fortbestand von einer gemeinsamen Verteidigung abhängt, so handeln, als ob man sie ersucht, einen anderen als sich selbst zu retten.“

Schweizer Hilfsmaßnahmen

Der Bundesrat will der Schweizer Europahilfe aus Budgetmitteln drei Millionen Schweizer Franken zur Unterstützung von Flüchtlingen in Mitteleuropa zur Verfügung stellen. Der Betrag ist hauptsächlich zur Linderung der Not vertriebener Volksdeutscher vorgesehen, zu deren Gunsten die internationale Flüchtlingsorganisation auf Grund ihrer Statuten nicht intervenieren kann. Außerdem hat sich die Schweizer Bundesregierung bereit erklärt 200 tuberkulösen IRO-Flüchtlingen einen dauernden Erholungsaufenthalt in der Schweiz zu gewähren.

Insgesamt schlägt die Schweizer Bundesregierung die Bewilligung von Hilfsgeldern in der Höhe von fünf Millionen Franken für Flüchtlinge aller Art vor.

Die Züricher „T a t" gibt sich am Sonnabend mit dem Umfang dieser staatlichen Hilfsmaßnahmen der Schweiz nicht zufrieden und betont, in der Geschichte der Menschheit sei es bisher noch nicht vorgekommen, daß sich ein Heer von fünfzehn Millionen Flüchtlingen in Mitteleuropa aufhielt.

„Es fragt sich, ob von der kriegsverschonten Schweiz, namentlich was die Aufnahme gebrechlicher Flüchtlinge anbetrifft, nicht eine erhebliche größere Anstrengung unternommen werden könnte. Die Anträge des Bundesrats muten neben den Anstrengungen anderer Länder, die schließlich die Kriegsgeißel am eigenen Leib verspürten, recht bescheiden an. Sagen wir es offen: 720 Millionen Franken Militärausgaben im eidgenössischen Budget und fünf Millionen Franken zur Linderung der internationalen Flüchtlingsnot ist eine irrsinnige Proportion.“

Hölle woist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

Es war kein öffentlicher Gerichtssaal, in den man Henriette führte, sondern ein kleinerer Raum, in dem sich etwa ein Dutzend Männer versammelt hatten. Ihre Gesichter zeigten eine maskenartige Ausdruckslosigkeit, als sie sich ihnen gegenübersetzte und auf den Beginn des Verhörs wartete. Der Schock bei den Worten des Wärters hatte in ihr dieselbe dumpfe, lähmende Verzweiflung ausgelöst, die sie empfunden hatte, als Albert sie mit der Schreckensnachricht weckte. Sie hatte die Fähigkeit zu denken, mehr noch zu fühlen, verloren. Es überraschte sie, daß sie noch so aufrecht und ohne Schwanken gehen konnte, daß sie sich noch so ruhig auf den Stuhl setzen konnte, den man ihr dicht an den Tisch des Richters gerückt hatte.

Monsieur Broussais, der Untersuchungsrichter, sah kaum hoch, als sie eintrat. Seine Hände blätterten in zahllosen Papieren, und er schien vertieft in ein Gespräch mit dem Staatsanwalt. Sie unterhielten sich leise; alle anderen dagegen musterten sie mit unverhohlener Neugierde und tauschten flüsternd Bemerkungen über sie aus. So fing das erste Verhör von Mademoiselle Henriette Deluzy-Desportes an, fünfunddreißig Jahre alt, ledig, von Beruf Erzieherin, aus Paris gebürtig, zuletzt wohnhaft in der Pension der Madame Le Maire, 9, Rue du Harlay, im Quartier Marals.

Die ersten Fragen, die man ihr stellte, waren mehr formeller Art: Wie lange war sie bei den Praslins in Stellung gewesen? Welches Gehalt hatte sie bezogen? Welches waren ihre Pflichten gewesen? Henriette antwortete so gefaßt und sicher, daß alle sich verwunderten. Aber schon die nächste Frage wurde in einem anderen Ton gestellt. Monsieur Broussais lehnte sich über den Tisch und fixierte sie mit seinen tiefliegenden, unergründlichen Augen.

„Wir haben bereits erfahren, daß Sie sich eines schweren Unrechts in diesem Hause schuldig machten: daß Sie der verstorbenen Herzogin nicht die gebührende Achtung bewiesen, daß Sie die Kinder der Mutter und den Gatten der Frau zu entfremden suchten. Ist da« wahr?“

Die anderen beugten sich ebenfalls in ihren Sitzen vor. Henriette spürte förmlich die gespannte Erregung, die seinen Worten folgte, und sie wußte, daß jetzt der Augenblick gekommen war, in dem sie ihre eigenen Worte wohl abwägen mußte. Aller Augen ruhten auf ihr, während man auf ihre Antwort wartete. Sie zwang ihre Stimme, ihr zu gehorchen, wie man einen abgerichteten Jagdhund zum Apportieren zu zwingen vermag.

„Nein, Monsieur.“ Sie sprach deutlich und ohne Zögern. „Es entspricht nicht den Tatsachen. Als ich zu den Praslins kam, war es bereits um den häuslichen Frieden schlecht bestellt. Eine ganze Reihe von Erzieherinnen waren vor mir dagewesen, und alle hatten sie der Herzogin wegen nicht ausgehalten. Es hatte ständig Unstimmigkeiten wegen der Erziehung der Kinder gegeben.“

„Und was war der Grund dieser Unstimmigkeiten, von denen Sie da sprechen?“

„Der Herzog wünschte, daß ich die Erziehung leitete und daß ich nur ihm gegenüber Rechenschaft darüber ablegen sollte. Ich sollte ganz mit den Kindern leben und alle Mahlzeiten mit ihnen, getrennt von den Eltern, einnehmen. Ich machte den Herzog darauf aufmerksam, wie schwierig eine solche Stellung sei und welche Verantwortung er mir damit übertrug, und daraufhin wurden einige Veränderungen getroffen. Aber es war trotzdem nicht leicht, zumal meine Vorgängerin noch dort war, als ich meine Pflichten aufnahm; und selbstverständlich fühlte sie sich durch meine Gegenwart gekränkt. Vom ersten Tage an hetzte sie die Herzogin gegen mich auf, und die Herzogin konnte es nicht lassen, sich in die Erziehung der Kinder einzumischen, was zu sehr unerfreulichen Folgen führte. Der Herzog war sehr ungehalten und stellte seine Frau zur Rede. So kam es, daß die Kinder und ich uns mehr und mehr für uns hielten; aber ich habe niemals wissentlich versucht, sie ihrer Mutter abspenstig zu machen. Die Unstimmigkeiten zwischen dem Herzog und der Herzogin dauerten fort, und es lag natürlich nicht in meiner Macht, etwas daran zu ändern. Vielleicht beging ich einen Fehler, als ich diese so ungewöhnlich schwierige Stellung annahm, aber ich habe niemals daran gedacht der Herzogin wehzutun. Wenn ich ihr manchmal eine gereizte Antwort gab, dann nur, weil sie mich selbst ungerechterweise verletzt hatte.“

„Und was“, nahm das Verhör seinen Fortgang, „war die Ursache für die Entfremdung zwischen dem Herzog und der Herzogin?“

„Auf Seiten der Herzogin offenbar der Wunsch, ihre Kinder und vor allem ihren Mann zu beherrschen, während der Herzog dem einen hartnäckigen Widerstand entgegensetzte, ohne jedoch jemals so heftig zu werden wie seine Frau.“

„Ihre enge Zugehörigkeit zu der Familie scheint die Eifersucht der Herzogin besonders gereizt zu haben. Mit gutem Grund?“

„Ich kann nicht leugnen, daß die Herzogin zuzeiten eine gewisse Eifersucht auf mich zur Schau trug, ohne dafür auch nur den geringsten wirklichen Anlaß zu haben. Zu anderen Zeiten war das Verhältnis zwischen uns weniger gespannt. Wenn sie gut aufgelegt war und mich freundlich behandelte, vergaß ich nur zu gern ihre ungerechten Vorwürfe. Was sollte ich tun, meine Herren, ohne Geld und ohne Freunde? Ich mußte nach Kräften bemüht sein, meine Stellung nicht zu verlieren, wenn es auch oft meine ganze Geduld auf die Probe stellte. Außerdem hatte mir der Herzog eine Rente versprochen, wenn ich den Mut aufbrächte — das waren seine eigenen Worte —, bis zur Heirat seiner älteren Tochter bei ihnen zu bleiben, und ich hatte es ihm zugesagt, so schwer es mir auch wurde.“

Die Frage dieser Rente mußte genau erörtert werden: War sie bereits beim Antritt ihrer Stellung festgesetzt worden? War eine bestimmte Summe ausgemacht worden? Konnte sie sich genauer an die Unterredung hierüber erinnern? Eine lange Pause trat ein, während der Monsieur Broussais sich Notizen machte. Dann räusperte er sich, um seinen nächsten Vorstoß anzukündigen. Das Geräusch hatte in der atemlosen Stille des Raumes einen unheilvollen Klang.

„Trifft es zu“, fragte er, „daß die Herzogin, insbesondere in der letzten Zeit, den Verdacht hatte, daß zwischen Ihnen und ihrem Mann eine intimere Beziehung bestand?“

Die alte Verleumdung war also wieder aufgetaucht. Henriette hatte das geahnt, und die Frage traf sie daher nicht unvorbereitet.

„Nein, Monsieur, nein, niemals!" Ihr Nein rief sie laut und hastig, dann sprach sie langsamer weiter, ihre Worte sorgfältig abwägend, da sie sich der Bedeutsamkeit dieser Frage durchaus bewußt war. „Die Herzogin muß gewußt haben, daß eine solche Beziehung zwischen dem Herzog und mir nie bestanden hat. Sie hat dessen auch niemals beschuldigt. Wenn sie es anderen gesagt haben mag — mir gegenüber nie. In den Zeiungen erschienen allerdings ein paarmal verleumderische Artikel. Vor zwei Jahren, als ich mit den Kindern in Korsika waJ. erschien ein besonders bösartiger, und ich wollte damals unverzüglich die Praslins verlassen. Aber der Marschall oebastiani, der Vater der Herzogin, überredete mich dazubleiben. Eine Zeitlang danach behandelte mich die Herzogin sehr kühl und unfreundlich; doch allmählich änderte sie ihr Verhalten mir gegenüber und den ganzen letzten Winter hindurch war sie sogar ungewöhnlich liebenswürdig zu mir, so daß ich neue Hoffnung schöpfte, ihr eines Tages doch naherzukommen, als ich vor ungefähr zwei Monaten zu meinem grenzenlosen Erstaunen erfahren mußte, meine Anwesenheit sei auch nicht einen Tag länger erwünscht.“

(Fortsetzung folgt)

Hunderte in Gefängnissen Polens

Ehemalige Kriegsgefangene berichten über ihr Schicksal

+November- (dpa) Aus Polen ©umgekehrte 21 ehemaligen Kriegsberichteten übereinstimmend ” ™ ln dem Paschen Gefängnis Mokotow bei Warschau noch Hunderte von Deutschen festgehalten werden, aie bis heute weder eine Anklageschrift erhaiten noch den Grund ihrer Haft erfamen hatten. Die Heimkehrer wollen sich bei Bundeskanzler Dr. Adenauer mit allem Nachdruck für eine Intervention aer Bundesregierung für die Festgchaltenen einsetzen.

Ohne Grund verurteilt

Einer der Heimkehrer, der frühere Polizeigendarm Alfred Vetter, sagte, er wisse bis heute nicht, weshalb er in Polen bestraft und im Gefängnis festgehalten worden sei. Er sei früher nie in Polen gewesen. Kurz nach der Kapitulation sei er gefangen genommen und später mit seinen Kameraden einfach auf Verlangen eines sowjetischen Wachkommandos wegen angeblicher Kriegsverbrechen von amerikanischen Soldaten an Polen ausgeliefert worden. Unter menschenunwürdigsten Verhältnisse seien sin in das Gefängnis Mokotow transportiert worden Erst Ende 1947 hätten die Verhandlungen gegen sie begonnen. Nur vertreten durch einen polnischen Offizialverteidiger, hätten sie sich ohne polnische Sprachkenntnisse kaum rechtfertigen können. Sie seien dann wegen angeblicher Zugehörigkeit zu einer kriegsverbrecherischen Organisation fast durchweg zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Sämtliche Heimkehrer bestätigten, daß nach anfänglichen schweren Mißhandlungen durch das polnische Wachpersonal die Behandlung im Laufe der Zeit besser geworden sei. Sie seien zum Aufbau der zerstörten Teile Warschaus eingesetzt worden und hätten sich, sofern sie Facharbeiter waren, bald des besten Rufes erfreut. Die polnische Zivilbevölkerung habe sich zum Teil desinteressiert gezeigt oder habe sie bemitleidet. Von einem ausgesprochenen Haß hätten sie in letzter Zeit nichts mehr gemerkt.

Noch 240 Deutsche in Werl

Bonn, 23. November. (AP.) Der britische Oberkommissar hat Bundeskanzler Dr. Adenauer mitgeteilt, daß von der britischen Besatzungsmacht Auslieferungen deutscher Staatsangehöriger an das Ausland nur noch dann vorgenommen werden, „wenn es sich eindeutig um Fälle von Mord nach deutschem Recht handelt“. Es wurde ferner mitgeteilt, daß sich noch etwa 240 deutsche Staatsangehörige in britischer Haft im Zuchthaus Werl befänden. Von diesen hätten etwa 160 zum Personal von deutschen Konzentrationslagern gehört und seien wegen Grausamkeiten gegenüber Insassen der Konzentrationslager verurteilt worden.

Das überanstrengte Herz

Kreislaufstörungen sind zu „Volkskrankheiten“ geworden

Frankfurt (Main), 23. November. (AP.) Tuberkulose und Krebs sind als „Volkskrankheiten“ längst von Herz- und Kreislauferkrankungen überholt worden, ist auf einer Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitswesen mitgeteilt worden.

Als maßgebliche Ursache für diesen „Wechsel“ werden ärztlicherseits die heutigen Lebensbedingungen, beeinflußt durch ständige Hast, Nachtarbeit, fehlende Entspannung und Erholung, verantwortlich gemacht. Als ein weiteres Moment wurde die allgemeine Lebensangst und die Sorge über wirtschaftliche Unsicherheit angeführt.

Nach einer statistischen Uebersicht kommen bei 10 000 Personen in Westdeutschland nur sechs Todesfälle auf Tuberkulose, 14 auf Erkältungskrankheiten und Lungenentzündungen, 18 auf Krebs, aber über 20 Todesfälle auf Herz- und Kreislauferkrankungen und Schlaganfall.

Rheumatismus wurde ebenfalls als eine „typische Volkskrankheit“ bezeichnet, da nahezu ein Zehntel aller statistisch erfaßten Krankheitsfälle rheumatischer Art sind. Unfälle und Unfallfolgen nehmen in der Krankheitstatistik mit 22,3 Prozent den ersten Platz ein. Die Arbeitsgemeinschaft hat sich zur Aufgabe gestellt, als sachverständiges Gremium der Aerzteschaft, der Wissenschaft und der öffentlichen Spitzenverbände die Probleme des öffentlichen Lebens und der Volksgesundheit zu erforschen.

Als Vertreter des Bundesinnenministeriums kündigte Dr. Wilh. Hagen an, daß die Schaffung eines zentralen Gesundheitswesens auf Bundesbasis angestrebt werde.

Auf der Pressekonferenz wurde mitgeteilt, daß sich der gesundheitspolitische Ausschuß der westdeutschen Aerzteschaft am Donnerstag mit der dem Bundestag vorliegenden Neufassung des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten befaßt habe. Die Ansicht der Aerzteschaft gehe dahin, daß Zwangs- und Strafandrohungen zu vermeiden und durch Maßnahmen der Fürsorge, Pflege und Erziehung zu ersetzen seien. Insbesondere warnt der Ausschuß dringend vor jeder Form einer Anzeigepflicht.

Der Ausschuß behandelte ferner Maßnahmen zur Bekämpfung der Betäubungsmittelsucht. Er wies darauf hin, daß die derzeitige Gesetzgebung zwar lückenlos, aber viel zu unübersichtlich und schwerfällig sei. Er kündigte die Vorlage von Vorschlägen zur Behebung dieser Mängel an.

Die Maginot-Linie

Paris, 23. November, (dpa) Eine Gruppe französischer Senatoren, die in den letzten Tagen die Maginotlinie auf ihren militärischen Wert hin untersucht hat, kamen zu dem Ergebnis, ' daß sie zu 90 Prozent noch immer brauchbar ist. Bei den Anstrengungen, die Frankreich zur Stärkung der Landesverteidigung unternimmt, wäre es nach Ansicht der Senatoren unverantwortlich, von den vorhandenen Befestigungswerken nicht Gebrauch zu machen.

Begistrierung gefordert

Washington, 23. November, (dpa) Das USA-Justizministerium hat die amerikanische kommunistische Partei offiziell beschuldigt, ein Instrument der Sowjetregierung zu sein. In einem Antrag an das Staatssicherheitsamt fordert das Justizministerium, daß sich die kommunistische Partei beim Staatssicherheitsamt eintragen lassen, über ihre Finanzverhältnisse Aufschluß geben und sämtliche Mitgliederlisten veröffentlichen muß.

Keine Gehaltskürzung

bei den Beamten

Bonn, 23. November, (dpa) Der Beamtenrechtsausschuß des Bundestages hat am Donnerstag in der ersten Beratung des Gesetzentwurfs zur Versorgung der im Artikel 131 des Grundgesetzes genannten Personen mit großer Mehrheit die Paragraphen gestrichen, die eine dreiprozentige Gehaltskürzung für Beamte und Angestellte des Oeffentlichen Dienstes zur Deckung der Kosten vorsahen.

Damit fallen auch die Paragraphen über die Aufhebung der sechsprozentigen Gehaltskürzung nach der Brüningschen Notverordnung fort, die im Gesetzentwurf mit der dreiprozentigen Gehaltskürzung verbunden sind. Die sechsprozentige Gehaltskürzung ist inzwischen für alle Bediensteten einschließlich Bahn und Post gefallen. Soweit sie auf dem Verwaltungswege beseitigt worden ist, muß noch durch ein besonderes Gesetz eine Rechtsgrundlage geschaffen werden.

Französische Gelder

für die Bayern-Partei

München, 23. November (dpa). Der ehemalige Schatzmeister der Bayernpartei, Dr. Eduard Maier, erklärte, daß der BP-Bundestagsabgeordnete Anton von A r e t i n ihm wiederholt versichert habe, der Bayernpartei seien mehrfach französische Gelder zugeflossen. Sie habe besonders kurz nach ihrer Gründung über einen mit dem Abgeordneten Hermann Aumer befreundeten französischen Oberst Geld erhalten.

Dieses Geld sei ausschließlich für die „radikale Gruppe“ um den Landesvorsitzenden Dr. Jakob Baumgartner und den oberbayrischen Kreis vorsitzenden Jakob Fischbacher verwendet worden. V. Aretin und der inzwischen ausgetretene Anton Donhauser hätten nichts erhalten. Aumer sei dafür aus Dank für den Bundestag nominiert worden.

Wirtschaftsblatt

„Eiserne Portionen"

A. H. Bei weiterhin ansteigenden Preisen für Rüstungsrohstoffe aller Art ist an den internationalen Warenmärkten während der letzten Wochen eine deutliche Schwäche für eine Reihe solcher Lebensmittelrohstoffe und Konsumgüter eingetreten, die — wie z. B. Kaffee, Zukker, gewisse Speisefette, Kakao und Süßwaren, Fleischkonserven — in den Wochen nach Ausbruch des Koreakonfliktes gehamstert worden waren. Gegenwertig können Hortungstendenzen — im Gegensatz zu den Rüstungsrohstoffen — bei diesen Konsumgütem als endgültig überwunden gelten. Wenn sich gelegentlich noch in dem einen oder anderen Land eine Käuferpanik eingestellt hat (wie z. B. in diesen Tagen in der Tschechoslowakei), dann hat diese nicht mehr die Vorgänge in Ostasien oder überhaupt Kriegsbefürchtungen zum äußeren Anlaß. sondern Befürchtungen anderer Art, wie z. B. Gerüchte über eine Währungsreform. Die internationale Hortungswelle aus Kriegsfurcht hat sich jedenfalls, soweit die reinen Konsumgüter in Frage kommen, zunächst verlaufen. Allenthalben sind jetzt die Hausfrauen in vielen Ländern der Welt darangegangen, die angeschafften Vorräte wieder langsam aufzubrauchen. Dadurch sinkt die Nachfrage, und die Einzelumsätze sind — diese Erscheinung ist auch in der Bundesrepublik festzustellen — zum Teil rückläufig geworden. Besonders drastisch tritt das auch in der amtlich in besonderer Weise geförderten Politik der Vorratshaltung in der Schweiz in die Erscheinung. Mitte Juni hatte das eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement die privaten und kollektiven Haushaltungen sowie die gewerblichen und industriellen Betriebe aufgefordert, bis Ende September 1950 Haushalt- und Betriebsvorräte an Lebensmitteln anzulegen. Jetzt hat sich die gleiche Stelle genötigt gesehen, „nachdrücklich“ daran zu erinnern, daß die angeschafften Vorräte ohne Rücksicht auf das Auf und Ab der weltpolitischen Ereignisse durchgehalten und periodisch durch frische Waren ausgewechselt und daß überdies außer Lebensnutteln auch angemessene Vorräte an Seife und Waschmitteln gehalten werden sollen. Offenbar hat sich diese amtliche Ermahnung notwendig gemacht, weil die schweizerischen Hausfrauen vielfach darangegangen waren, die „eiserne Ration“ anzugreifen.

Marketenderware aus Ansbach

Westdeutsche Schokoladeindustrie kämpft gegen ausländische Konkurrenz

Eine Industrie, die wie die westdeutsche Schokoladenindustrie direkt und indirekt wohl 100 000 Menschen Arbeit gibt, sollte man unterstützen. Das geschieht nicht in wünschenswertem Ausmaß. Daß die westdeutsche Schokoladenindustrie seit 1949 ihre Preise nicht erhöht hat, darf nicht vergessen lassen, daß sie unter Aufbietung aller Kräfte gegen ausländische Konkurrenz, legale und illegale, und darüber hinaus gegen Abgabenbelastungen ankämpft.

Während die jährliche Durchschnittseinfuhr an Kakao-Fertig- und -Halbfabrikaten in den Jahren 1930 bis 1938 nur ’A Millionen D-Mark betrug, wurden in den ersten neun Monaten 1950 allein für 65 Millionen D-Mark solcher Einfuhren getätigt. Nun steht eine neue Ueberschwemmung mit Auslandsfertigwaren bevor, weil binnen zehn Tagen für etwa 15 Millionen D-Mark Einfuhr-Genehmigungen für englische Schokoladeerzeugnisse erteilt wurden. Ein deutscher Export als Ausgleich für den Import ist jedoch kaum möglich.

Die ausländische Konkurrenz vermag billiger zu liefern. Rohkakaowaren bezieht sie aus erster Hand. Die deutsche Schokoladenindustrie lag dagegen beinahe zehn Jahre still und muß außerdem Zuckersteuer und Zuckerabgabe aufbringen, die für 100 kg zusammen rund 40 D-Mark betragen. Die ausländischen Regierungen unterstützen den Export ihrer einschlägigen Industrien mit Mitteln, die auf Ausfuhr-Subventionierungen hinauslaufen. Der Engländer. der Deutschland bereist, pflegt sich hierzulande mit englischer Schokolade einzudecken, weil er sie in England nicht so billig bekommt. Man sollte Schokolade aus der Liberalisierungsliste herausnehmen, wenn man schon nicht die Möglichkeit besitzt, ihr bei der Liberalisierung gleiche Startbedingungen zu geben.

Von den 1800 Tonnen Schokolade, die im PX-Lager Katterbach b. Ansbach lagern, zweifellos das Vielfache des tatsächlichen Bedarfs der Truppe, sollen jetzt 880 t für den innerdeutschen Verkauf freigegeben werden. Eine dunkle Bestechungsaffäre, die hineinspielt und bei der bereits Gefängnisstrafen ausgesprochen wurden, macht die Aufnahme dieser USA-Marketenderwaren nicht sympathischer. Inzwischen hat bereits das Frankfurter Universitäts-Institut für Lebensmittelchemie Warenproben aus diesen Beständen überprüft und festgestellt, daß sie eigentlich für den menschlichen Genuß nicht geeignet sind. Im Hinblick auf das weihnachtliche Schokoladengeschäft ist nur zu hoffen, daß die deutschen Käufermassen sich an den Erfahrungssatz halten: Wir sind nicht reich genug, um gar so billig einkaufen zu können. Die echten Markenartikel unter den deutschen Schokolade-Erzeugnissen verbürgen dem Käufer, daß er einwandfreie Ware erhält.

Von Januar bis September sind bereits 39 000 t Rohkakao nach Deutschland gekommen, eine Zahl, die sich bis Jahresultimo auf 50 000 erhöhen wird. Der Preis des Rohkakaos ist gegen früher um das Vierfache angestiegen. Eine fast unerträgliche Belastung bei der Einfuhr von Rohkakao stellt in diesem Zusammenhang das 50prozentige Bardepot dar, um dessen Aufhebung sich die Industrie ebenso bemüht, wie um die Ermäßigung der Zuckersteuer, der zusätzlichen Belastungen und der Umsatzausgleichsteuer, die bei Rohkakao auf den zehnfachen Betrag erhöht worden ist.

Börsen und Märkte

Die Frankfurter Börse zeigte weiterhin Zurückhaltung bei im allgemeinen nur kleiner Umsatztätigkeit. Die Frage der Heraufsetzung der Haben-Zinsen ist noch weiterhin in der Schwebe, da die entsprechenden Beschlüsse der Kommission jetzt zur Genehmigung an die zuständigen Länderministerien weitergereicht sind. Elektropapiere hatten überwiegend kleine Abstriche von 0,5 bis 1 Prozent. Maschinenaktien stellten sich nicht ganz einheitlich.

Freie Devisenkurse

Bz. An der Frankfurter Börse hörte man am 23. November 1950 folgende freie Devisenkurse: Für den US-Dollar 5,10 bis 5,40 DM, für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM. für den holl. Gulden 1,15 bis 1,22 DM, für den Schweizer Franken 1.15 bis 1,22 DM. für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0.80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben wurden für eine DM-West 5,20 bis 5,40 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West ge. boten.

Zu Gerüchten über eine erneute Zuckerknappheit infolge Kohlenmangels erklärte die Pressestelle der nordhessischen Wirtschaft, daß die Zuckerfabriken sich mit Kohlen eingedeckt hätten. Die Gesamtversorgungslage bei Zucker sei durch rechtzeitige Importe gesichtet. Mit rund 1,35 Millionen Tonnen sei die Hälfte bereits gekauft, für die andere Hälfte seien die Subventionen bereitgestellt.

Erhöhte Grundstoffpreise

BH. Der Bundeswirtschaftsminister hat angekündigt, daß in den nächsten Tagen eine endgültige Entscheidung des Kabinetts über die Kohlenpreiserhöhung fallen werde. Daß eine Aufstockung erfolgt, steht wohl kaum noch zur Diskussion. Es ist aber noch die Frage, welches Ausmaß für richtig gehalten wird. Die Meinungen hierüber gehen weit auseinander. Die Deutsche Kohlen-Bergbau-Leitung hatte ursprünglich um eine Erhöhung von neun DM je Tonne nachgesucht. Sie scheint jedoch eingesehen zu haben, daß sie damit weit über das Ziel hinausschoß. Von anderer Seite konnte man Vorschläge auf eine Preiserhöhung von vier bis sechs Mark hören. Die niedrigsten Wünsche lagen bei 1,80 bis 2 DM. einem Betrag, der den jüngsten Lohnaufbesserungen im Bergbau entspricht.

Niemand hätte etwas dagegen einwenden können, wenn die Lohnerhöhungen, die am 1. November mit zehn Prozent wirksam geworden sind und durchschnittlich etwa 1,80 je Tonne Mehrbelastung für die Zechen ausmachen, durch einen Preisaufschlag auf die Kohle ab Zeche ausgeglichen worden wären. Eine solche Erhöhung hätte aufgefangen werden können, wenn die Zechengesellschaften nicht selbst durch eine Degression ihrer Kosten in der Lage gewesen wären, wenigstens einen Teil der erhöhten Lohnkosten selbst zu tragen.

Niemand bestreitet, daß der westdeutsche Steinkohlenbergbau nicht jene Rentabilität aufweist, die erforderlich ist, um den gesamten Wirtschaftszweig gesund zu erhalten. Andererseits darf man jedoch nicht verkennen, daß die Unwirtschaftlichkeit vor allem auf eine Gruppe von Zechen zurückzuführen ist. die nicht als repräsentativ für den deutschen Steinkohlenbergbau angesehen werden können. Zurzeit mögen etwa 90 000 Tagestonnen der Förderung mit Mehrkosten aus der Erde geholt werden müssen. Die übrigen knapp 300 000 Tonnen machen sich jedoch auch innerbetrieblich bereits bezahlt. Ein Teil davon wirft sogar schon einen Gewinn ab. Jener Satz von 3,64 DM, der als Unterbilanz für den Durchschnitt der verwertbaren Gesamtförderung errechnet worden ist. ist also eine problematische Größe. Es geht nicht an. hiermit eine Kohlenpreiserhöhung durchzusetzen.

Es muß aber festgehalten werden, daß der größte Teil der deutschen Steinkohlenzechen nicht unrentabel arbeitet. Das Gesetz der Grenzkosten kann für eine gelenkte Kohlenpreiserhöhung nicht maßgebend sein, zumal in kurzem im westdeutschen Steinkohlenbergbau wiederum Einzelgesellschaften entstehen sollen, die miteinander in fruchtbare Konkurrenz treten müssen. Diese Ueberlegungen dürfen nicht außer acht gelassen werden.

Kohlenpreis zieht Stahlpreis nach

Was eine Kohlenpreiserhöhung — sagen wir von 6 DM je Tonne — bedeuten würde, geht schon aus den Ueberlegungen hervor, die von der eisenschaffenden Industrie angestellt werden. Grob gerechnet. bedeutet eine Mark Erhöhung bei der Kohle eine Aufstockung von zwei Mark bei Stahl. Eine um sechs Mark teuerere Kohle würde für Stabstahl eine Verteuerung um rund 16 DM bedeuten. Zwar dürfte auch die Eisen- und Stahlindustrie in der Lage sein, eine mäßige Kohlenpreiserhöhung teilweise mitzuverdauen. Eine Aufstockung des Kohlenpreises um 6 DM jedoch könnte keinesfalls von der Stahlindustrie übernommen werden. Die Preise für schwedisches Erz sind bereits um 15 Prozent erhöht worden. Die Schrottpreise, die augenblicklich 73 DM je Tonne betragen, sind bis zu 19 DM je Tonne erhöht worden. Die Eisentransporttarife dürften bei einer Kohlenverteuerung eine Heraufsetzung erfahren. Auch andere Hilfsstoffe, wie Kalk, Dolomit und dergleichen, werden wahrscheinlich von einer Preiserhöhung nicht ausgenommen sein. Dies alles könnte für die Eisenindustrie eine Mehrbelastung von 30 bis 40 DM je Tonne Stabsstahl bedeuten.

Die Abschlüsse der entflochtenen Stahlgesellschaften für das erste DM-Geschäftsjahr zeigen zwar, daß die meisten Gesellschaften erhebliche Beträge aus eigenen Mitteln für Investitionen einsetzen konnten. Andererseits muß berücksichtigt werden, daß die Anlagen sehr stark überaltert sind und daß in den nächsten zehn Jahren eine völlige Erneuerung stattfinden müßte, die grob gerechnet 300 Millionen DM kostet.

Mit der Erhöhung der Kohlen- und Stahlpreise würde das gesamte Preisgefüge der deutschen Volkswirtschaft in Bewegung kommen. Es gibt niemanden, der sicli nicht bewußt wäre, welche Folgen dies vor allem in sozialpolitischer Beziehung haben würde. Auch den Gewerkschaften müßte daran gelegen sein, die Grundstoffpreise möglichst stabil zu halten. Man sollte deshalb alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Erhöhung zu vermeiden.

Frankfurter Eflektenhbörse / Kursblatt des D. T.

ni ~ bezahlt, B •• Brletnurse, T ~ Taxe, alle übrigen sind Geldkurs) (Sämtliche Kurse ohne Gewähr)

21.11. 23. 11. Pfandbr. u. Korn.-Obi. 4% Dt Rtb 34 A.. 7
4%Pr. Lpt Anst.PL 7,5 4% do. Komm. Obi. 7.25
4% Hess Ldbk.Pt. . 7.75 4% Kass Ldkr.Pf • 7-75bz
4% Nass. Ldbk.P... 7-75 4% do. K0m.0b1... 7.75
4% Rhein. Giro-PL. 8.25 4% Rhelnprv.PL... 8,25 Dekosama I 4% Bayr Hyp. PL. 7.5 4% Um Hvp Bk.Pf. 7,75bz
4% Ffm Hvp Obi .. 7,25bz 4% Pfalz Hvp Pf •• 7.75bZ 4% Rh.Hvp.Bk.PL . 7,87 4% Westd Bod Cr 7,5
7 7,5 7,25
7.75b' 7,75tz 7,75 7,75 8,25 8,25
17,12bz 7,5
7,75bZ 7,25bz 7,75 7,87bz 7,5bZ Industrie-Anleihen
4% ABO 42 6.75
2%Aschaffbg Zell 6 4% Augsb Nürnb 6,75bz 4% BMW. 42 7 4% Daimler 42 ... 8.5 4% Degussa 43 ... 8 4%% Ess. Stk. 41. 6.87
6.75 6
6.75 7
8.5 8
7
41.11. 23. 11.
4'/2%Gesenb.Benz. 8,12
4% Gelsenk. Bgwk. 7,12 4% Harpener 42 .. 7,25 4'/2%Hartm. & Br. 7.75 .% Klöckner 39 .. 7,37 B Metallges. 39 . 8,250 z Rh. Braunk. 40 8,25
4% Schluchsee 43 . 7 l’/z% Union Rhbr.. 8
4% Ver. Dt. Met. 42 7,75 8.25 7.12 7,25 7.75 7.37 B 8,25 8.25bz 6.75 8 7.75
Industrie-Aktien
Accumulatoren . .89 Ada-Ada 5chuh....54 B Adler-Werke 40,5bz Adt. Gebt 44
Allg. Bauges. Lenz. 30 AEG 26,75bz
Andreae-Noris ....iBobz Aschaffbg. Akt Br. — Aschaftb Buntpap. —
Aschaffbg Zellst . .74 Augsh Nürnbg ...86 89 54 B
40.25ÖZ 44.5ÖZ 30
26.25ÖZ
180 74 87 B
Bad. Maschinen ... 100 Baumw. Erlangen .I34bz Bayr. Motoreuwk.. 32,5bz 100 138 32bZ
21. 11. 23. 11.
Bemberg, J. P 80,5 —B
Berger, Tiefbau ...30 30bz
Bin. Kraft u. Licht. 25,5 25bz
Braub. Nürnberg .. 51 51
Brown Boveri HObz 110
Buderus Eisenw. ..73.5 73bz
Burbach Kali 66 68bz
Chem. Albert 69,5bz Conti Gummi 106,5 106,75bz
Daimler Mot. Wk.56.75bz 56.75bz
Demag, Duisburg . 83 84.25bz
Dessauer Gas 20.5 20,5bZ
Deutsche Erdöl ... 54,75 54.5bz
Deutsche Steinzeug 139.5 B 139.5 B
Degussa 74bz 72bz
Dt. ' inoleum Wk. . 119 B 1198
Dt. Tafelglas 125 125
Dldlerwk Wiesb. ,878 87bz B
Dierig. Cbr 88bz B 86
Elchbg Werger Br. 49 49
Eisenb Verkehrsm. —
El Lich! u. Kraft . 29,5bz 29.25bz
Enzinger Union ... 65 65
Eßlinget Maschinen 100 100
Ettlinger Spinnerei 160 160
21. 11. 23. 11.
Faber & Schleichet 100
Feinmech. letter ..85 85
Feldmühle 78,5 78,5
Felten & Gulll. .. 69 68.5
Ffm. Masch. P &W 88 88
Goldschmidt, Th. .. 59bz 59bz
Gritzner-Kayser... 102 102
Grün & Bilfinger ..50,5 50.5
Hafenmühle Ffm. .-GT 92 -GT 92
Hanau Hofbr. HauSss 55
Hanfwk Füssen .. 133,5 139
Harpener Bergbau.7l 73bz
Harpenet Bonds 458 z 45
Hartmann & Braun _
Heidelberg. Zement 101,5bz 102.5 b!
Henninger-Bräu 83 83
Hess -Nassau Gas . 85 85
Hoesch Eisen .... Blbz 59.75bz
Holzmann, Ph 27bz 28bz
Hotel AG 45 45
lunghans. Gehr .. 60 60
Kabelwerke Rheydt 60 60
Kali Chemi 94bz 94
Karstadt. Rud. ... 80bz 80 B
21. 11. 23. 11.
Kauth. Hansa, Ftm. 80 80
KL, Schzl. & Becker 83 83
Klöcknerwerke.... 68.5bz 68,5bZ
Knorr, Heilbronn . 69 68
Konserven Braun —
Kupferberg Sekt .. — 47,75bz
Lahmerer S Co. .. 86,5 B 86.5 B
Lanz, Hch 53.5bz 51.5bz
Lindes Eismasch 96 95bz
Mainkraftwerke... 88bz 87bZ
Mainzer Akt -Br. .. 51 51
Mannesm.Röhr.StAs6,7sbz 56,25bz
Mannesm.Röhr VA7B
Masch Hartm Oflb Hsbz 115bz
Metallgesellschatt 62,5bz 62.5bz
Moenus Maschinen 45.5 46bz
Neckar Wk. Eßllng. 107 107
Nordd Lederwerke 25 B 25 B
NSU 131 131
Odenw Hartstein. 80 80
Pfalz Mlihlenwk —0 —n
Rhein Braunkohle 93bz 93.5
Rhein Elektrizität 93 92bz
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Roeder. Gebt 100 100
21. 11. 23. 11.
Salamander Schuh.; — Salzdetfurth Kali . 62bz 61bz
Salzwk Heilbronn. 106 106
Sarott! AO 93 93
Schöfferh Brauerei 50 49
Schramm Lackt abr 103 103
Schriftg Stempel . 104 104
Seillndusttle Wolff 91 91
Siem. & Halske 5tA42,5 42.62bz
Siem. & Halske VA 42 42.25
Stollwerck, Gebt... 84 85
Südd. Zucker AG... 100.5 -T96
Veith Gummiwerke 120 120
Ver Dt Met Werke 63 64
Ver Dt Olfabriken 84 84
Ver Stahlwerke .53.5 53bz
Voigt <S Haeffner.. 125 125
Voltohm Seil 35 35
Wayß & Freytag .116 116
Westdt Kaufhof .. 75 74.5bz
Wintershall 46.5bz 46.75bz
Zellstoff Waldhof . 53.37bz : 52.75bz
Banken
Bayr.Hyp.Wchs.Bk. 36,5 36.5
Berl.Handels-Ges.. 17.5 17.5bZ
21. 11. 23. 11.
Commerzbank ....26,5bz 26.5bz
Deutsche Bank .... 29bzB Dt.Eff.-u.Wchs.-Bk 25
Dresdner Bank . 27.75bz 28,87bz 25
27.75bz
Frankturter Bank 26
Ffm. Hvpoth Bk 25,25 26 ; 25.25 '
Pfalz Hvpoth -Bk 22.75 22,75
Rhein Hvpoth.-8k..24,75bz 24,75
Verkehr AG. für Verkehr ..3ibz
Hapag 26 B
Norddt l.lovd .... 19 Südd. Eisenb Ges 60 31bz 25bz 19,5bz 60
Versicherungen
Allianz Leben ....45 AU u. Stutte ver .7ibz 45
71bz
Unnotierte Werte
Beck & Henkel ... 38 38
Chemietas. Inh. .. 60.5bz Chemiefas. Na. ...57,5 Chern. Brockhues .75 60.5 B
57,5 75
21. 11. 23. 11.
Dt Waden 26bz 25.62
Dingler Zweibr ... 96 96
uskusw 123 125
ckerhoffZement. 120 120
' isenb Köln 44bz 43bz
i-ordwetke Köln .. 87 87
intehoftnungsh .. 65bz 64bz
Hutschenreuther .. 70 71
Kahla Porzell 36 38
Kammg Kaisersl... 105.5 105.5
Rh. Strohze llstofl. 155 156
Rosenthal Porzell 100 100
schwäh Zellstoft 135 137
Süddt Zellwolle 116 116
Thür Zellw Inh 13 13
Thüt Zellw NA .11 ‘ Übz
Torpedo Werke . 163 163
Württemb Metall 59 58.5
Zeiß Ikon .37 37.5
Zellst Waldhof VA. 47 47

Frisches Leben

Der Star von Segringen

Selbst einem Staren kann es nützlich sein, wenn er etwas gelernt hat, wieviel mehr einem Menschen. — In einem respektablen Dorf, ich will sagen: in Segringen — es ist aber dort nicht geschehen, sondern hier im Land. — Der Segringer Barbier hatte einen Star, und der wohlbekannte Lehrjunge gab ihm Unterricht im Sprechen. Der Star lernte nicht nur alle Wörter, die ihm sein Sprachmeister aufgab, sondern er ahmte zuletzt auch selber nach, was er von seinem Herrn hörte. Zum Exempel: „Ich bin der Barbier von Segringen“. Sein Herr hatte sonst noch allerlei Redensarten an sich, die er bei jeder Gelegenheit wiederholte, zum Exmpel: „So so, la-la“ oder: „par compagnie“ (das

heißt so viel als: in Gesellschaft mit andern), oder: „Wie Gott will“, oder: „Du Tollpatsch“. So titulierte er nämlich insgemein den Lehrjungen, wenn er das halbe Pflaster auf den Tisch strich anstatt aufs Tuch, oder wenn er das Schermesser am Rücken abzog anstatt an der Schneide, oder wenn er ein Arzneiglas zerbrach. Alle diese Redensarten lernte nach und nach der Star auch. Da nun täglich viele Leute im Haus waren, weil der Barbier auch Branntwein im Hause ausschenkte, so gab’s manchmal viel zu lachen, wenn die Gäste miteinander ein Gespräch führten, und der Star warf auch eins von seinen Wörtern drein, das sich dazu schickte, als wenn er den Verstand davon hätte, und manchmal, wenn ihn der Lehrjunge rief: „Hansel, was machst du?“, antwortete er: „Du Tollpatsch!“. Und alle Leute in der Nachbarschaft wußten von dem Hansel zu erzählen.

Eines Tages aber, als ihm die beschnittenen Flügel wieder gewachsen waren und das Fenster war offen und das Wetter schön, da dachte der Star, ich hab’ jetzt schon so viel gelernt, daß ich in der Welt kann fortkommen, und husch zum Fenster hinaus. Weg war er. Sein erster Flug ging ins Feld, wo er sich unter eine Gesellschaft anderer Vögel mischte, und als sie aufflogen, flog er mit ihnen, denn er dachte: Sie wissen die Gelegenheit hierzulande besser als ich. Aber sie flogen unglücklicherweise alle miteinander in ein Garn. Der Star sagte: „Wie Gott will“.

Als der Vogelsteller kommt und sieht, was er für einen großen Fang getan hat, nimmt er einen Vogel nach dem anderen behutsam heraus, dreht ihm den Hals um und wirft ihn auf den Boden. Als er aber die mörderischen Finger wieder nach einem Gefangenen ausstreckte und denkt an nichts, schrie der Gefangene: „Ich bin der Barbier von Segringen!“ Als wenn er wüßte, was ihn retten muß. Der Vogelsteller erschrak anfänglich, als wenn es hier nicht mit rechten Dingen zuging, nachher aber, als er sich erholt hatte, konnte er kaum vor Lachen zu Atem kommen; und als er sagte:

„Ei, Hansel, hier hätt’ ich dich nicht gesucht, wie kommst du in meine Schlinge?“ Da antwortete der Hansel: „par compagnie“. Also brachte der Vogelsteller den Star seinem Herrn wieder und bekam ein gutes Fanggeld. Der Barbier aber erwarb sich damit einen guten Zuspruch; denn jeder wollte den merkwürdigen Hansel sehen, und wer jetzt noch weit und breit in der Gegend will zur Ader lassen, geht zum Barbier von Segringen.

Merke: So etwas passiert einem Staren selten, aber schon mancher junge Mensch, der auch lieber flankieren als daheim bleiben wollte, ist ebenso par compagnie in die Schlinge geraten und nimmer herausgekommen.

Aus dem „Rheinhessischen Hausfreund“ von Johann Peter Hebel, aufgenommen in den Abschnitt „Bergstraße“ des Buches „Der deutschen Kinder wundersame Deutschlandreise“.



Aus den Jugendverbänden

Mit den „Nerothern" nach der Grenzau

Der Freitag war total verregnet. Alle Pläne schienen ins Wasser zu fallen. Aus der Nachtfahrt zu unserem Bundestreffen wurde bei diesem Wetter jedenfalls nichts. Die einzige Möglichkeit war, den Samstagmorgen abzuwarten, mit dem Rad nach Wiesbaden zu fahren und von dort aus mit der Bundesgruppe Wiesbaden per Lastwagen nach der Grenzau zu fahren.

Grenzau, was schließt der Name für den Bund der Nerother nicht alles ein? Die Aelteren kennen diese alte Burgruine im Westerwald noch aus der Zeit der großen Bundestreffen vor 1933, die Jüngeren aber sind genau so gespannt, weil sie den Namen der Burg aus vielen Erzählungen kennen.

Samstag morgen ist es dann so weit. Wir fahren. Nach einigen Pannen und Regenschauern erreichen wir mit den Rädern kurz nach Mittag Wiesbaden. Von dort geht es mit dem Lastkraftwagen den Rhein entlang über Rüdesheim, an der Burg Stahleck vorbei nach Koblenz und in östlicher Richtung von dort in den Westerwald hinein.

Langsam hatte sich der Himmel aufgeheitert, und von weitem grüßte uns die Burgruine Grenzau. Ein Wimpel wehte vom Turm, und Hornruf schmetterte uns entgegen.

Auf der Fahrt durch Grenzhausen, dem Dorf unterhalb der Burg, begrüßten uns die Einwohner, die sich zum größten Teil noch an den alten Nerother Bund erinnern, auf das herzlichste. Dann hatten wir unser Ziel erreicht und konnten die vom Fahren steifgewordenen Glieder wieder bewegen. Beim Abspringen vom Lkw. schon begrüßte uns Karl Oelbermann, der erst zwei Monate vorher aus Afrika heimgekehrt war. Karl und sein Zwillingsbruder Robert hatten im Jahre 1920 den Bund gegründet. 1935 begab sich Karl mit noch fünfzehn Nerothern auf eine Fahrt nach Afrika. Während sein Bruder Robert 1936 ins KZ gebracht wurde, wo er 1941 umkam, blieb Karl, durch die Verhältnisse gezwungen, in Afrika.

Nun ging es die letzten Meter hinauf zur Burg selbst. Die Wiesbadener nisteten sich in den zum Teil noch erhaltenen Räumen des Turmes ein, während wir bei den anderen im Burghof unsere Zelte aufschlugen. Die große Ueberraschung aber war Walter mit einer Darmstädter Gruppe, die wir die ganze Zeit vermißt hatten. Sie waren trotz des schlechten Wetters in der Nacht per Fahrrad aufgebrochen und hatten, die ganze Strecke durchfahrend, das Ziel noch eine Stunde vor uns erreicht.

Nun folgte das liebliche beim Aufbau eines Lagers: Stroh besorgen, Wasser holen, Feuer anmachen, Abkochen usw. Ein riesiger Feuerstoß wurde für den späten Abend gebaut.

Gemeinsam gingen wir zuerst ins Dorf, wo Karl in der Wirtschaft uns seine Filme zeigte vom Beginn seiner Fahrt nach Afrika durch die Schweiz, Italien und Spanien nach Spanisch-Marokko. Dann schilderte er uns in einem Lichtbildervortrag seine Rückkehr von Johannesburg über Deutsch-Ostafrika, Chartum, Kairo und Tripolis nach Europa.

Danach erstiegen wir wieder den Berg und versammelten uns im Burghof, wo Oelb das große Feuer entzündete und wir bei seinem Scheine unsere alten Lieder sangen, traurige und lustige, wie es gerade kam.

Am Sonntagmorgen besprachen die Führer der einzelnen Gruppen noch einmal die Satzungen des Bundes.

Nachmittags war großer Lagerzirkus. Alle Gruppen lieferten dazu Beiträge, und jede strengte sich an, das Beste zu leisten. So verging unter Scherz und Spiel auch dieser Tag, und mit dem Abend senkte sich auch eine Abschiedsstimmung herab.

Am nächsten Morgen war allgemeiner Aufbruch. Zeltbahnen wurden gerollt, Affen gepackt, das Lager wurde gesäubert und die Burg in den Zustand gebracht, in dem wir sie angetroffen hatten. Zum letzten Male wurde abgekocht. Sämtliche Reste an Wurst, Nudeln, Maggi-Würfeln wurden dabei verbraucht. Gegen 2 Uhr kam unser Lkw. und in rascher Fahrt brachte er uns durch den Westerwald und Taunus nach Wiesbaden zurück.

Dort bestiegen wir unsere Tretmühlen (abends gegen 8 Uhr), um mühselig nach Darmstadt zurückzustrampeln. Daß ich dabei kurz hinter Gustavsburg noch einmal eine Panne bekam und dadurch erst nachts um 24 Uhr mein Ziel erreichte, war weniger schön. Aber trotzdem, Horridoh! bis zum nächsten Jahr!

Ein Fahrtenteilnehmer.

2. Singfreizeit in Brandau i. O.

Für Jugendleiter veranstaltet vom Stadtjugendausschuß

Am vergangenen Wochenende führte der Stadt-Jugendausschuß Darmstadt unter Leitung von Herrn Berthold Bührer die 2. Singfreizeit für Jugendleiter und Mitglieder der Darmstädter Jugendgruppen durch, die eine Grundlage für das Jugendmusikwerk Darmstadt schaffen soll. Die Singfreizeit gab durch das Erarbeiten von alten und neuen Kanons und von Liedsätzen zeitgenössischer Tondichter eine Einführung in das lebendige Singen und Musizieren mit besonderer Hinsicht auf die Hausmusik.

Die Singfreizeit in Brandau gab Anregungen für das schöne Singen, um so langsam zu den Meisterwerken der Tonkunst hinzuführen. Sie wollte Brücken schlagen von Mensch zu Mensch durch geistig-seelische Vertiefung in wertvolles Musikgut, um hierdurch Wegbereiter des Jugendmusikwerkes zu sein. Zu dessen weiterer Vorbereitung sind im Winter Blockflöten-Lehrgänge geplant für Solo-Alt und - Sopran-Flöte, wodurch gleichzeitig das Gemeinschaftsmusizieren in den Gruppen angeregt und vertieft werden soll.

Die im Henri-Dunant-Heim Brandau durchgeführte 2. Singfreizeit kann als voller Erfolg gewertet werden; die teilnehmenden Jugendlichen brachten klar den Wunsch zum Ausdruck, ähnliche Singfreizeiten noch öfter zu wiederholen. Aber auch die Teilnahme des Resident Officers, Mr. Goetcheus. und des Bezirks-Jugendpflegers Koch zeigt, welch starkes Interesse am Darmstädter Jugendmusikwerk bei den dortigen Dienststellen besteht, und läßt hoffen, daß die begonnene Arbeit bald Früchte trägt.

Unsere Bustelkiste

Diesmal brauchen wir ein sauberes Stück Pappe, nicht allzu stark, etwa in der Größe eines Aktendeckels. Ein Adventskalender soll entstehen. Auf die Pappe zeichnen wir mit Längs- und Querstrichen 23 kleinere Fenster ein und in die Mitte in größeres. Durch drei Schnitte richten wir jedes Fenster zum Aufklappen ein, kleben von rückwärts ein Stück Zeichenpapier dagegen und bemalen oder bekleben die kleine Fläche mit Apfel, Nuß, Spielzeug und allerlei weihnachtlichen Figuren. In das größte und 24. Fenster wird der Weihnachtsbaum hineingemalt. Dann klappen wir die Fenster zu und verschließen sie mit einem kleinen Stern. Wer es besonders schön machen will, schneidet die Pappe wie ein Haus zurecht mit einem Giebel und bemalt sie noch bunt um die Fenster. Zum Schluß bekommt sie einen Aufhänger, die Fenster die Tagesdaten von 1 bis 24, und vom 1. Dezember an kann Brüderchen oder Schwesterchen täglich je ein Fensterlein öffnen! -hm-

BÜCHER die wir ums vrümschen

Erika Müller-Hennig: „Inselkinder“, Overbeck-Verlag, Wilhelmshaven. 195 Seiten, Schwarzweißzeichnungen, 4,80 DM.

Die bekannte Erzählerin der „Wolgakinder“-Reihe. Erika Müller-Hennig, führt ihren jungen Leserkreis mit diesem Buche auf eine kleine Vogelinsel in der Nordsee. Nur der Naturforscher und Vogelkundler Hans Volker bewohnt mit seiner Frau und den vier Kindern das schmale Eiland. Immer von den Stürmen und dem Meere bedroht, führt diese feste, fröhliche Familiengemeinschaft ein Leben der Arbeit und einer Freiheit, wie sie das Festland nicht kennt. Randvoll Erlebnisse ist jeder Tag für die Kinder, die ihre Heimat, das kleine selbstgebaute Haus, die Forscherarbeit des Vaters, die Welt der Vögel und des Seegetiers heiß und unverbrüchlich lieben und ihnen die Treue halten, selbst als Krankheit die Eltern zu jahrelanger Abwesenheit zwingt. Die frische Erzählweise läßt die Seeluft richtig schmecken, den Wind spüren und die blanke Sonne, wie wir die Herzenskraft und den Frohsinn miterleben. durch die die Inselleute aller Not Herr werden. Di.

Margarete Dierks: „Sonnentau, Mär¬ chen im Jahreslauf“. L. C. Wittich Verlag. Darmstadt. 100 Seiten. Schwarzweißzeichnungen 4 DM.

In diesen 10 Märchen, die Frühling, Sommer. Herbst und Winter durch das Jahr begleiten, lebt und webt die Natur. Wald und Feld, Vögel und Blumen, Bäume, und Steine, Regentropfen und Sonnenstrahlen gewinnen Sprache und offenbaren wirkend, erlebend und erleidend ihre göttliche Bestimmung. Da wird von der Wanderschaft des Wassertropfens Prinz Hell-und-Klar vom Meere durch die Wolken, durch Strom und Heide und den Geschehnissen auf seiner Fahrt erzählt. da wird die Mär von der goldenen Schlüsselblume berichtet, die Eisriesen treiben ihren Uebermut. und mancher Zug uralter Mythe und Sage durchdringt mit den wegekundigen Raben, mit der Ostaragöttin. der weisen Frau am Quell und der güldenen Wiege im heiligen Berg diese reizvollen Märchen, die auch weit über das übliche ..Märchenalter“ hinaus Freude und Besinnung schenken, agt.

Feuilleton

Der „Limes“ stellt aus

EINE VEREINIGUNG KÜNSTLERISCH SCHAFFENDER DES ODENWALDES

Am Samstag, dem 25. November, um 16 Uhr wird der „Limes“ erstmals mit einer Ausstellung von Malerei, Plastik, Graphik und Kunsthandwerk im Rathaussaal zu Erbach an die Öffentlichkeit treten. Die Schau wird bis zum 10. Dezember geöffnet sein. Die Eröffnungsansprache wird Dr. Herchenröder, Darmstadt, halten. Es ist beabsichtigt, während der Dauer der Ausstellung auch eine Vortragsveranstaltung einzuschalten. Die Ausstellung soll später auch in anderen größeren Orten des Odenwaldes wiederholt werden.

Eine Gruppe künstlerisch Schaffender des Odenwaldes hat sich in Erbach im Odenwald zusammengeschlossen, um eine bereits früher sehr lebendige Tradition fortzusetzen und eine Brücke zu schlagen zu größeren Kunstzentren. Zu ihrem Namen wählte die Vereinigung den „Limes“, jenen durch den ganzen Odenwald laufenden Zeugen römischer Kultur, der für dieses Gebiet schicksalhaft geworden ist. Die Mitglieder wollen nicht nur sich selbst dienen durch gegenseitige Anregung und geistige Befruchtung; in Ausstellungen, Vorträgen und Aussprachen wollen sie sich in breiter Oeffentlichkeit mit den Fragen künstlerischer Gestaltung auseinandersetzen. Sie hoffen, daß die am Kunstleben interessierte Bevölkerung ihren Zielen Verständnis und Förderung entgegenbringt. Kunstfreunde können fördernde Mitglieder des „Limes“ werden, wofür die Vereinigung eine künstlerische Jahresgabe verteilt. Darüber hinaus sollen auch Leihgaben an Förderer für eine gewisse Zeit ausgegeben werden.

Als aktive Mitglieder sind Maler, Bildhauer, Graphiker und Kunsthandwerker wie Elfenbeinschnitzer, Keramiker, Kunsttöpfer usw. zugelassen, deren Arbeiten eine künstlerisch selbständige Note besitzen. Die Aufnahme wird von dem Urteil einer Jury abhängig gemacht. Der vorläufige Vorstand wird von den Herren Albrecht Glenz, Direktor der staatlichen Fachschule für Elfenbeinschnitzerei in Erbach, und dem Graphiker Prof. Franz Neundlinger, Erbach, gebildet. -ch

Das Spiel von „Ritter, Tod und Teufel“

Der Chor der Hessischen Landesmusikschule brachte am Buß- und Bettag eine wiedergewonnene musikalische Form zur Aufführung: das Chorspiel. Nach Dürers Bild „Ritter, Tod und Teufel“ schuf Bruno Stürmer nach der Textvorlage von Friedrich Hartau eine Chormusik, die die Dialoge der drei Sprecher unterstrich und erklärte. Die entscheidende Funktion des Chores kennt bereits die Antike, wo er als Mittler der Handlung die Entscheidungen und Beweggründe des Schauspiels erklärte. Er diente als dritte Dimension des Theaters, er manifestierte die Vergangenheit zur Gegenwart, er exemplifizierte die Handlung dort, wo sie in der Exposition nicht zur Sprache gekommen war, mit einem Wort, der Chor wirkte als gestalterischer Ausgleich. als Mahner und Frager, der die Gedanken des Zuschauers aussprach, Forderungen an ihn erhob und Erklärungen gab.

Das Spiel von . Ritter, Tod und Teufel“ ist weder ein Schauspiel, noch überhaupt ein Spiel zu nennen, es ist ein neuzeitliches Mysterienspiel. Die Frage des Menschen nach dem Sinn des Daseins, nach der letzten Wirklichkeit, die im Streben nach der Ewigkeit dem Vergänglichen anheimfällt, findet an Hand

der Gespräche zwischen dem Ritter als dem lauteren Erdenmenschen, dem Teufel als dem Versucher, und dem Tod als dem gnadenvollen Mittler zwischen Diesseits und Jenseits, eine Antwort im Eingang des Zweifelnden in das himmlische Reich.

Der Saal der Christengemeinschaft bot der Aufführung günstige Möglichkeiten. Im Rücken der Gäste hatte sich der gemischte Chor der Landesmusikschule aufgestellt. Abwechselnd traten Tod und Teufel aus den Falten des Vorhangs hervor, symbolhaft der Dunkelheit entsteigend, um — mit Lockungen der Teufel, mit monotoner Sprache der Tod — den Ritter zur Abkehr vom Irdischen zu bewegen. Dem jeweiligen Dialog folgten Dunkelheit und der Einsatz des Chores, der die Fragen des Suchenden beantwortete, die Mahnungen des Todes erklärte und den Wert des Vergänglichen an der Allmacht Gottes maß.

Kurt Bausch sprach die Rolle des Ritters, des strahlenden Jünglings im roten Wams. Die Töne waren echt, die Verzweiflung und der Glaube an die verheißene Erlösung kamen aus reinem Herzen. Der Teufel Oskar C. Homs brachte das mephistophelische Lachen der Dämonie mit, die Wendigkeit des Verruchten und des Verführers, der Zweifel sät und Seelen erntet, behenden Fußes und voller mimischer Ausdruckskraft. Anders dagegen der Tod Gerhard Meisingers: Monoton, unbeweglich im Sprachklang, machtvoll die Erlösung von irdischen Bindungen verheißend, Gewalt, die aus sich selbst heraus wirkt, unbeweglich und starr. Die Sprache hätte noch kälter und unbeweglicher, noch härter und dynamischer kommen müssen. Sonst eine gute Leistung, die das Charakteristische der drei Pole augenscheinlich und überzeugend herausstellte. Der Chor sang leider nicht ausgeglichen genug, um die madrigalistische Anlage der Tonsetzung zu treffen. Die Sprache Friedrich Hartaus, des Textdichters, stolperte über metrische Schwierigkeiten, war aber sonst von eindringlicher Schlichtheit. Die Zuhörer verließen sichtlich beeindruckt die Aufführung.

H. Fr. List

Das Schneiderhahn-Quartett

lieber diese Wiener Kammermusikvereinigung noch etwas Besonderes sagen zu wollen, vor allem,'wenn sie Beethoven spielt, hieße Eulen nach Athen tragen. Musikalische Tradition und Spielkultur sind bei diesem Ensemble in vorbildlicher Weise vereint, ohne daß sich an einer Stelle ein Manierismus breit machte. Im Gegenteil, der Atem blutvollen Lebens durchpulst die Interpretation und reißt gelegentlich sogar die künstlerische Intention bis zu Tempiforcierungen mit.

Ein besonderes Wort sei aber den drei Streichquartetten (op. 18/2, 135, 59/3) Beethovens gewidmet. Die arg verstümmelte Notiz im Programmheft deutet nur kurz an, daß die gespielten Werke drei entscheidenden Epochen in Beethovens Leben angehören. Unter ihnen ist das Jugend werk als „eingängigstes“ Stück kaum mißzuverstehen. Opus 59/3 zeigt Beethoven auf der Höhe seiner stilistischen Formkunst. Die virtuose Fassung der Themen und Behandlung der Instrumente, die unerhörte kontrapunktische Eindringlichkeit der Fuge im Finale und ihre Bindung zur Sonatenform, das Zurückgreifen auf das „Gracioso“ der „alten“ Menuette-Gattung und die harmonische Expressivität des Andante stellen jetzt Beethovens Schaffen über das Zeitgeschehen (1806). Hier ist Beethovens letzte Meisterschaft in jeder Hinsicht erreicht. Was sich in Opus 135 dann noch entwickelte, ist Konzentration innerer Erlebnisse, ist Intensivierung des Klangmaterials und ist Ausschöpfung der Form, die bis an die äußersten Grenzen des Möglichen geht. Nur ein ungeheurer Wille bändigt hier noch, was die Genialität des Musikers bereits zu sprengen, aufzulösen droht. Im letzten Grunde wird hier vorbereitet, was man später in Konsequenz bei Bruckners Melodie und Form findet — was uns heute in der Gegenwart noch beschäftigt: Rückkehr und Neubildung einer Synthese von Form und Inhalt. g. I.

Violinkonzert Denes Zsigmondy

Viele mögen über den Stilwandel des bekannten Geigers verwundert gewesen sein, als er im Amerikahaus Sonaten von Piston, Bartok, Hindemith und Brahms spielte. Seine Virtuosität und sein musikantischer Elan sind jetzt einer intimen Interpretationsweise und verhaltenen Ausdruckstiefe dienstbar gemacht worden, bei denen der größte Wert auf einen „schönen Ton“ gelegt wird. Diese Wandlung und Verbindung verschiedener künstlerischer Eigenschaften hat wohl seine Vorteile, die aber die nunmehr auftretenden Nachteile keineswegs aufwiegen. Hindemiths C-dur-Sonate verliert dadurch beispielsweise stark von dem charakteristischen Marcato-Geist und in der d-moll-Sonate von Brahms gewinnt das Sentiment allzu sehr die Oberhand. Dem „spielerischen“ Ausdruck von Walter Pistons Sonatine kommt dagegen sein Stil am besten entgegen und auch in den Mozartwerken, die als Zugaben gewählt wurden, wirkt sich die Art der schönen und eleganten Strichführung sehr vorteilhaft aus. Bartoks „Ungarische Tänze“ hinterließen in ihrer schwungvollen und doch gebändigten Struktur den schönsten Eindruck. Der 2. Sonate von Bartok hätte man vielleicht mehr melodische und rhythmische Freizügigkeit gewünscht, da sie trotz ihrer expressiven Momente stark von virtuosen Eigenschaften abhängig ist. Die Zwiespältigkeit, die bei aller anerkannten Meisterschaft von Denes Zsigmondy in diesem Konzert zutage trat, mag vielleicht ihren Hauptgrund darin haben, daß dieser große Geiger in der Umstellung seines Stilwillens zu weit gegangen ist, indem er mit geistvoller Objektivität zu erreichen sucht, was seiner natürlichen Veranlagung widerspricht. Anneliese Nissen begleitete delikat am Flügel und schloß sich ganz den Gestaltungsprinzipien ihres Gatten an. G. I.

Ein Problem unserer Zeit

Vor Hörern der Volkshochschule sprach Prof. H. W. Eppelsheimer, der Direktor der Frankfurter Bibliotheken, über „Dokumentation — universale Organisation der geistigen Arbeit“.

Dokumentation ist zwar noch keine Wissenschaft, aber eine Methode der Rationalisierung, die aus dem Problem der Arbeit mit den Dokumenten als den Unterlagen der geistigen und technischen Produktion mit Notwendigkeit entstanden ist. Die Dokumente des menschlichen Geistes und seiner technischen Welt in den Bibliotheken und Archiven, in den Büros, Behörden und Banken müssen in ein System eingeordnet werden.

So wie in unser Leben die Technik völlig umgestaltend und erdrückend eingreift — so daß das Problem Technik — Mensch, von Ortega y Gasset, Heidegger, Max Bense und anderen klar gesehen, wahrhaft existentiell geworden ist —, so sind wir heute auch der Flut des Gedruckten und Geschriebenen unausweichlich ausgeliefert. Auf der ganzen Welt werden heute pro Jahr 200 000 Bücher in einer Milliarde Exemplaren und eine Million Aufsätze in Zeitschriften gedruckt. Trotz einer Flut wissenschaftlicher Literatur herrscht auf manchen Gebieten stets Mangel, auch deswegen, weil Spezialarbeiten der hohen Kosten wegen nicht mehr verlegt werden. Man hat errechnet, daß in der Yale-University in den USA die Bibliothek (sie hat heute 2,5 Millionen Bände) im Jahre 2040 etwa 200 000 Millionen Bände auf einer Regal-Länge von 9000 km umfassen wird.

Das klassische System der Bibliographie und Dokumentensammlung des Amerikaners Dewey, die Normung der systematischen Wissenschaften bis in die Unterabteilungen durch die Dezimalklassifikation, ist in unserem Zeitalter der Spezialisierung nur noch beschränkt brauchbar. Heute sind alle Erfahrungen auf dem Gebiet der Dokumentation über den Haufen geworfen.

Der Traum, eine Welt-Bibliographie schaffen zu können, ist nicht zu realisieren. Ueberall verzichtet man auf Vollständigkeit und neigt zur Spezialisierung. Als Entlastung steht die Mikrokopie, die Kleinstfotografie, zur Verfügung, in Deutschland werden die’ technischen Voraussetzungen allerdings erst in zwei Jahren erfüllt sein. Vorläufig ist eine der dringendsten Arbeiten die Herausgabe eines Kataloges durch die „Deutsche Bibliothek“ in Frankfurt am Main, der alle deutschsprachigen Veröffentlichen der Jahre 1945 bis 1950 enthalten wird. rw

Darmstadt und Umgebung

Tempo, Tempo . .

Sg. Laut Reuter-Meldung arbeitet Dr. Porsche, der bekannte Autokonstrukteur; an dem Projekt eines Düsenautos. In Kuize soll schon mit der Herstellung des ersten Modellwagens begonnen und später das Fahrzeug serienweise hergestellt werden ...

Die Düse hat schon viel Staub aufgewirbelt. Heute ist sie aus dem praktischen Sprachgebrauch nicht mehr hinwegzudenken. Fritzchen, Angehöriger der technisch interessierten und begabten Jugend, sagte zum Lehrer: „Konnte nicht kommen- mußte eine stärkere Düse in den Motorroller einsetzen.“ Oder noch drastisch-yerwechslungsreioher: „Opa ist krank, seine Düsen sind geschwollen.“

Als man dann im Krieg die Flugzeuge gleichen Namens baute, ein nachmalig englisches Patent, fand der prophezeite Weltuntergang nicht statt, dafür aber der der vorgestellten Geschwindigkeitsgrenze Aber es war wie im Dreißigjährigen Kriege, wo man sich bei Nebel nicht fand, und hier in der Luft aneinander vorbeiflog. Man bewegt sich nämlich in der Luft schneller (oder so schnell) als sich die Erde dreht. Deshalb kann Käpt’n Smith z. B. die Sonne nie untergehen.

Nunmehr scheinen, wenn es Porsche gelingt, auch die Autos auf den Straßen diese rasante Geschwindigkeit zu entwickeln. Mit einem Feuerstrahl aus dem Heck wird man die Rheinstraße herunterrasen, und den abgestoppten Verkehr an der Neckarstraße mit der gepanzerten Frontseite vernichten. Niemand. auch kein Verkehrsschutzmann, kann mehr gegen Gott und die Düsenautos streiten. Endlich kommt Dominik zu seinem Recht, der das alles schon prophezeite, und dessen Schnelligkeitstheorien von den MP-Wagen und den ET-Taxen in der Holzhof-Allee laufend durchprobiert werden. Man hört ihren Ueberschall erst, wenn die Taxen schon bei ihren Kasernen angelangt sind.

Wir gehen einer Zukunft entgegen, wo sich alles, am Heck mit einer Rakete bewehrt, fortbewegt. So kann man auch den Steuern entkommen, weil das Finanzamt weiter mit .Zweitakt-Motor auf Kopfsteinpflaster fahren muß. Das ist tröstend, denn wir können nun immer mit der Sonne fahren, die uns nie mehr untergehen wird.

Am Vorabend der Kirchensynode

„Am Vorabend der Kirchensynode“ ist ein kurzes Wort überschrieben, das Prof. D. Martin Schmidt, der Stellvertreter des Synodalpräses in dem hessischen Kirchenblatt „Weg und Wahrheit“ veröffentlicht. Es glaubt annehmen zu dürfen, daß in Frankfurt mit einer Aussprache über „gewisse Fragen“ gerechnet werden kann, die „weit über den Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau lebhaft besprochen werden." Aus dem gleichen Blatt wird über die neue kirchenpolitische Gruppe, die unter dem Namen „Hessische theologische Konferenz“ sich gebildet hat, gesagt, sie sei auf Hessen-Darmstädtischem Gebiet entstanden und bringe sich selbst in Zusammenhang mit dem verstorbenen Prälaten D. Diehl. Für den vorläufigen Ausschuß zeichnen Dr. Brünning (Darmstadt), Pfarrer Guyot (Darmstadt), Baron Ludwig von Heyl (Herrnsheim), D. Wagner (Bensheim) und Lic. Dr. Steitz (Bischofsheim).

Zur Frage „Sitz der Kirchenleitung“ ist aus Prof. D. Schmidts Vorwort der Passus interessant, es handele sich dabei um „eine provinzielle Streitfrage“, für die „manche Spezialisten sich lebhaft interessieren“. Wir halten dem die Feststellung entgegen, die zuletzt von der Dekanatssynode Darmstadt-Stadt getroffen wurde und die die eindeutige Rechtslage noch einmal dahin präzisiert, daß die Entscheidung für Darmstadt bereits getroffen wurde, es also einer nochmaligen Aussprache darüber nicht mehr bedürfe. peck

Linie 7

Unser HEAG werd sich freie, weil die Fahrgast stennig steije. Ihr Budget is halt im Winter

gäjen Summer viel gesinder, weil die viele eigne „Treter“ un die mit de Moder-Räder dm Spetherbst wäjem kalte off „Gehbetrieb“ umschalde. Kimmt noch so’ en Wäscher un de Storm peift dorch die Löcher,

sin die Ecke un die St roße grad im Nuh wie ausgeblose.

Jedes sterzt sich mit „Aheu“ in die Straßefoahn enoi.

Ich stand neilich, wie beseh nie we off de Plattform, Linie 7.

Festgekeilt un eigeengt alles hat sich neigedrenigt.

„Au“, jetzt tritt ma so’n Genosse dodeau noch off mei Flosse.

^Mann“, stöhn ich, „Sie sin verickt, erst honse mich halibdot gedrückt, dann kwetsche’ se mei Fußzeh wund, Sie sin en ricksichtslose Herr!“ Wörter flieje hie un her, vergesse is: „Nimms net so schwer“. Alle Fahrgast voll Ergötze amisiern sich, odder hetze ... „Hehrsemol“, sag ich brüskiert, wann am schon, so was bassiert dhut ma doch, so Isises Sidde, sage; Ach, verzeihn Se bitte!“ In Ekstase kimmt der Mann, un beleidigt schnorrt er dann: „Vun wäje O stand, Höflichkeit, des bezeuge mir die Leit, Sie haiwe gar kan Grund zur Jacht, dann ach hab laut „hoppla“ gesagt.. .“

Liesje

Bischof Dr. Stohr

besucht Griesheim und Eberstadt

Bischof Dr. Stohr. der bereits im Jahr 1948 mit Flüchtlingskommissar Dr. Nahm die ungarndeutsche Siedlung St. Stephan besichtigte, hat für heute. Freitag abend, um 17.30 Uhr. seinen Besuch dort angesagt.

Ferner wird er die Firmung der katholischen Jungen und Mädchen der Gemeinden Griesheim und St. Stephan vornehmen. Die Firmlinge sind fast ausschließlich Flüchtlingskinder. Die letzte Firmung in der Gemeinde Griesheim fand 1936 in der jetzt zerstörten Kirche Ecke Leuschner- und Ebertstraße statt. Kommenden Sonntag wird Bischof Dr. Stohr in der St.-Josephs-Kirche in Eberstadt nach der 8-Uhr-Messe 86 Jungen und Mädchen die Firmung spenden.

Bibespruch statt Stimmschein

Zur Feststellung des endgültigen amtlichen Wahlergebnisses trat am Donnerstag der Kreiswahlausschuß Darmstadt-Stadt unter Vorsitz von Stadtkämmerer Dr. Feick zusammen. Eine Durchsicht der strittigen Stimmzettel brachte, wie vorauszusehen, keine wesentlichen Änderungen am Gesamtergebnis. Die Zahl der ungültigen Stimmen verringerte sich von 1841 auf 1792 bei 68 580 Wahlberechtigten und 43 636 (63,6 Prozent) abgegebenen Stimmen. Davon entfallen auf die SPD 2507 (+9), die CDU 4185 (+5), die FDP 14 969 (+9) und die KPD 2135 (+26). Wie bei jeder Wahl, so sind auch diesmal Stimmzettel nicht nur dadurch ungültig geworden, daß sie ohne jede Kennzeichnung geblieben sind, sondern auch durch unstatthafte Zusätze. „Gedichte“ lagen bei, in denen selbst Korea in den Reim einbezogen war, empörte und belehrende Zusätze. Auch das übliche Bibelzitat fehlte nicht, doch hieß es diesmal nicht „Euch zu wählen ist ein Greuel“, sondern war Matth. 23, 3 u. 4 entnommen, in dem es von den Schriftgelehrten heißt, daß man nicht nach ihren Worten tun soll, weil sie den Menschen unerträgliche Bürden auf den Hals legen, aber selbst nicht einen Finger regen. DT

Kanarienzucht- und Vogelschutzverein 1897 in Darmstadt

Am Sonntag, den 26. November 1950, nachmittags 14 Uhr, findet im Vereinslokal Lorenz, Darmstadt, Lautenschlägerstraße, die Fortsetzung des Schulungskurses des Kanarienzucht- und Vogelschutzvereins 1897 Darmstadt statt. Die zur Ausstellung kommenden Kanarienhähne erhalten in diesen Tagen ihren letzten Prämiierungsschliff. Weiterhin ist der Verein zur Zeit damit beschäftigt, die Prämiierung vorzubereiten, die am 30. November und 1. Dezember 1950 im genannten Vereinslokal stattfindet.

Darmstädter Tagblatt am Jonntag

Sie lesen in der nächsten Ausgabe des „Darmstädter Tagblatt am Sonntag" unter anderem:

Andreasnacht-Bräuche Seite 2 Frauen im Sturm der Zeiten Seite 3 Kontinent der Zukunft Seite 4 An der jungen Oder Seite 5 Alkohol im Blut Seite 6 Blick in die Welt Seite 8


Am Totensonntag gedenken wir auch der Opfer des Meeres: Friedhof der Schiffbrüchigen an der Nordsee
Am Totensonntag gedenken wir auch der Opfer des Meeres: Friedhof der Schiffbrüchigen an der Nordsee

Der fragliche Weihnachtskuchen

HFL Wenn die Tage kürzer werden und die Jahreswende sich nähert, dann ist die Zeit der Weihnacht« Vorbereitungen gekommen. Neben dem Einkäufen der Geschenke, dem Umtauschen und Besichtigen, nimmt die Frage des Weihnachtsgebäcks bei der Hausfrau einen großen Raum ein. So um den ersten Advent herum pflegen sich vorsichtige Menschen wahre Plätzchenberge zuzulegen, und je mehr sie backen, um so mehr wird von eifrigen Naschern, als da sind Ehemänner und Kinder, verzehrt. Es reicht eigentlich nie, man kann sich als Frau dabei anstrengen soviel man will.

Es ist also ganz erklärlich, daß der Konsum der notwendigen Rohstoffe zur Herstellung von Christstollen und Anisgebäck ins unendliche steigt. Daß sich aber wieder einige Hausfrauen den Zucker in Halbe-Zentner-Paketen ins Haus schicken lassen, stimmt bedenklich und traurig zugleich. Man sollte doch annehmen, daß die Zeit des Hamsterns um jeden Preis endgültig vorbei ist.

Während des letzten Krieges hatte das Hamstern noch einen Zweck. Es gab ja nichts mehr nach, und was man nicht im Keller hatte, konnte einem nur noch im Traum als Fata morgana erscheinen. Nach dem Krieg gab es einfach nichts zum Hamstern, es war das große Zeitalter des Tauschens und Schiebens, und einige Jahre darauf, als die DM siegreichen Einzug in die Bundesrepublik hielt, da loderten die alten Leidenschaften wieder auf. Jetzt bekam man für sein gutes Geld wieder Waren, also her mit ihnen und in den Keller. Es ist noch gar nicht so lange her, als sonst ganz vernünftige Menschen von einer wilden Hausse in Zucker und Oel ergriffen wurden. Völlig zu Unrecht, denn es war eigentlich genügend vorhanden. Aber da alles raunte und kaufte, kam der Nachschub nicht mehr mit, besonders nicht kurz vor Beginn der neuen Zuckerkampagne.

Manch einer hat heute den Oelvorrat für seine Enkelkinder eingekellert, und es ist nur zu hoffen, daß ihm der edle Saft nicht ranzig wird. Neuerdings macht man aber wieder in Oel und Zucker, und wer als Geschäftsmann bislang einen Sack Zucker im Monat verkaufte, braucht nun vier und mehr. Wenn es nicht so traurig wäre, müßte man eigentlich darüber lachen. Die Zuckerfabriken stoppen die Anlieferung von Rüben, weil sie mit der Verarbeitung nicht mitkommen, die Großhändler legen gar keinen gesteigerten Wert auf erhöhten Absatz von Zucker, da die Verdienstspanne äußerst gering ist, und kein Mensch sieht ein, daß die unnötige Zucker- und Oelhamsterei vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus höchst ungesund ist, da hier Kapitalien in Lebensmitteln investiert werden, die anderen Sektoren verlorengehen.

Kurze Meldungen aus der Stadt

Für alle Arbeitnehmer des Einzelhan¬ dels wurden zwischen der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen und dem Einzelhandelsverband neue Lohn- und Gehaltssätze vereinbart. Die neuen Gehaltstabellen können bei der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, Darmstadt, Taunusring 7 11, abgeholt werden. *

Ueber das Thema „Der homerische Mensch“ spricht in dem ersten öffentlichen Vortragsabend des Vereins Ludwig-Georgs-Gymnasium in diesem Winter am Freitag, dem 24. November, um 18 Uhr, in der Aula der Technischen Hochschule Professor Dr. Karl Reinhardt von der Universität Frankfurt am Main. *

Die Fußball-Abteilung der SKG Eber¬ stadt veranstaltet zur Vorbereitung der Feier des vierzigjährigen Gründungsjubiläums ihres Stammvereins „Germania“ am Samstag, dem 25. November, um 20 Uhr, eine wichtige Besprechung im Gasthaus „Zur Eisenbahn“, zu der Vertreter aller Eberstädter Vereine gebeten wurden. *

Eine allgemeine Einführung in die Ge¬ schichte der chinesischen Kunst gibt am Freitag, dem 24. November, um 19,30 Uhr, im Saal 158 der T. H. an Hand zahlreicher Lichtbilder Professor Dr. Carl Hentze. *

Buchhandlung Schroth eröffnete gestern vormittag mit einer kleinen Begrüßungsfeierlichkeit die neuen Geschäftsräume in der Schulstraße. Ein besonderer Freundeskreis der Firma hatte sich dazu eingefunden, die Hausbesitzerin, Frau Daut, und Architekt Kappler; Oberbürgermeister Metzger machte seinen Besuch, und Stadtrat Dr. Holtzmann sprach die Glückwünsche der Stadt aus

„Unruhen auf dem Friedensplatz“

Gerichtsverhandlung wurde vertagt

Die Gerichtsverhandlung, welche die Vorgänge am 10. September 1950 auf dem Darmstädter Friedensplatz ( Zusammenstoß zwischen der Polizei und Teilnehmern einer verbotenen Kundgebung) zum Gegenstand hat, sollte am letzten Dienstag vor dem Bezirksschöffengericht stattfinden. Sie mußte jedoch abgesetzt werden. Als neuer Termin wurde der 22. Dezember bestimmt.

Insgesamt sind 16 Personen angeklagt. Sie haben sich u. a. wegen Auflaufs zu verantworten. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Arndt. Die Verteidigung der Beschuldigten hat Rechtsanwalt Dr. Hekker t, Frankfurt, übernommen. Den Vorsitz der kommenden Verhandlung wird Amtsgerichtsrat Dr. Wenck führen.

Schreibt an Fritz Knippelius

„Das Mariendogma“

Nachstehend überreichen wir eine Erklärung anläßlich der Verkündigung des Dogmas der leiblichen Aufnahme der Mania in den Himmel:

In der ersten Anwendung der 1870 verkündeten päpstlichen Unfehlbarkeit hat Papst Pius XII. am 1. November 1950 die leibliche Aufnahme der Maria in den Himmel zum Dogma erklärt. Auch die katholische Theologie kann nicht leugnen, daß diese Lehre weder im Neuen Testament noch in der Ueberlieferung der frühchristlichen Kirche enthalten ist. Ihre Dogmatisierung bedeutet also daß die katholische Kirche sich daran bewußt von der apostolischen Verkündigung löst und selbst Offenbarungslehre schafft. Das ist ein Mißbrauch des der christlichen Kirche verliehenen Auftrages, die neutestamentliiche Botschaft zu bewahren und jedem Zeitalter von neuem darzutun. Mit diesem Dogma tut die katholische Kirche einen weiteren entscheidenden Schritt auf dem Wege, Mariä die auch wir evangel. Christen als die Mutter des Herrn lieben und ehren, zu einer nahezu göttlichen Gestalt zu machen. Die katholischen Christen werden dadurch noch mehr als bisher verleitet, ihr Vertrauen nicht allein auf Christus zu setzen und den Zugang Gott nicht durch ihn allein zu suchen.

ZU VtOLL 111UU - . In der jüngsten Zeit hat sich i.n beiden Konfessionen ein starkes Bewußtsein von S gebildet, was uns trotz alles Trennenden an Glaubensbesitz und sittlichen Gütern gegenSer den widerchristlichen Kräften verbindet Um so mehr erfüllt uns jetzt die erneute Abwendung der römischen Kirche von biblischen Grundlage mit Schmerz An Stelle wachsender Einheit bringt Pine neue, unüberwindliche Trennune Die päpstliche Lehrentscheidung beweist die Richtigkeit der vor 80 Jahren ^katholischer wie evangelischer Seite das Unfehlbarkeitsdogma erhobenen S,Me »nd bestätigt bleibende Recht der Reformation. — „

Das Präsidium des Evangelischen Bundes.

„Noch einmal Arbeitsdienst?“

Was gedenkt der Staat mit der erwerbsloS Jugend anzufangen? Wie können sie flüchtigen Menschen erzogen werden? Auf der Straße und ohne Arbeit nicht! Einen Arbeitsdienst mit dem Spaten, aber kein Gewehr. Schickt sie in Unterrichtsabende zur Vorbildung eines Berufes, für welchen sie Interesse haben!

Der Staat soll die Arbeitsmenschen über 60 Jahre pensionieren, wie es bei den Herren Beamten auch der Fall ist, dann kommen Tausende junger Menschen in den Arbeitsprozeß hinein. Wie ist aber heute die Lage? Die Alten arbeiten, bis sie auf den Friedhof kommen und die Jugend faulenzt, haben kein Einkommen, werden deshalb zu Verbrechern erzogen. Will man sich da wundern, wenn es heute so viele Vergehen gibt? Ein junger Mensch braucht Arbeit und Verdienst, sonst kommt er auf schlechte Wege und dann erst leistet er dem Staat Dienste — in den Gefängnissen. Aber hoffentlich werden sie dort zu Menschen erzogen und lernen auch einen Beruf, was aber wohl nicht der Fall ist. Leider wird eg heute nicht möglich sein, die jungen Menschen in den Arbeitsprozeß hineinzubringen bei diesen technisierten Zeiten, dazu noch ein Volk ohne Raum und ohne den verfluchten Militarismus.

Deshalb heraus mit den Arbeitsmenschen aus der Arbeit, welche über 60 Jahre alt sind, dann kommt diie Jugend unter, dann braucht man keinen Arbeitsdienst und keinen Militarismus. Kampf den Doppelverdienern, gerade bei den hohen pensionierten Beamten, die haben solch eine hohe Pension, daß sie sehr gut als Menschen leben können. Laßt soziale Gerechtigkeit walten, dann geben sich die Menschen auch zufrieden bei der heutigen Zeit. Jeder Mensch hat ein Recht auf ein menschliches Dasein. Gebt dem Menschen was ihm gehört, dann ist uns ein einig Deutschland beschert.

Ph. Heldmann, Darmstadt Eichbergstraße 18

Tschaikowsky gegen „Organisierten Lärm“

Ich kann nicht umhin, der Kritik über das 2. Sinfoniekonzert des Landestheaters Darmstadt in Ihrer Ausgabe vom 8. 11. zu widersprechen. Abgesehen von der Tatsache, daß ich einmal als Laie spreche und zum anderen eine begeisterte Tschaiko<wsky-Verehreran bin. weil ich der Meinung bin, daß gerade Tschaikowsky die Instrumentierung seiner Werke einfach meisterhaft verstand, finde ich doch, daß der gute Peter Iljitsch bei der Kritik ein bißchen zu schlecht weggekommen ist.

Es muß einmal gesagt sein, daß man als Laie die moderne Musik als disharmonisch ■und unmelodisch und als eine Aneinanderreihung von Tönen ohne jeglichen Zusammenhang empfindet. Ja, daß man — kraß ausgedrückt — oft das Gefühl hat, daß jeder Musiker des Orchesters einen Solopart in irgendeiner beliebigen Tonart spielt, wobei es gleichgültig ist, ob ein harmonischer Zusammenklang erzielt wird oder nicht. Musik wurde und wird doch zur Freude und Erbauung der Menschheit geschaffen, aber erfüllt denn die neue Musik diesen Zweck? Jedenfalls empfinde ich es oft als eine direkte Zumutung, daß man sich Musik anhören muß, die diesen Namen gar nicht verdient, sondern bei der es angebracht wäre, daß man sie mit einem anderen Ausdruck — z. B. organisierter Lärm — belegt. Ich habe das Gefühl, daß man die Werke der modernen Klassiker in einer etwas zu forcierten Weise an den Mann bringen will. Es sollte einem doch mehr Zeit und Ruhe gelassen werden, wenigstens zu versuchen, sich mit dem Neuen, Fremden, daß man unschön und oft abscheulich findet, etwas anzufreunden. Der Unterschied zwischen der alten und der neuen Musik ist derartig groß, daß er nur ganz langsam und nach und nach etwas überbrückt werden kann. Ich möchte es jedoch dahingestellt sein lassen, ob man jemals die neuen Musikwerke so lieben und verstehen lernen wird, wie diejenigen unserer alten Meister.

Es ist mir völlig unverständlich, wie man eine moderne Sinfonie Tschaikowskys Pathetique vorziehen kann, ja daß man die letztere am liebsten endgültig unter den Tisch fallen lassen möchte. Gerade die Pathetique, von der behauptet wird, daß sich Tschaikowsky mit ihr sein eigenes Requiem geschrieben hat, und die noch an so viel zusätzlicher Bedeutung gewinnt, wenn man Tschaikowskys Leben kennt, ist so reich an Schönheit, daß sie bestimmt jeden Menschen tief beeindruckt.

Ich glaube nicht, daß die Stadthalle ausverkauft gewesen wäre, wenn man statt der beider Werke von Tschaikowsky moderne Stücke gebracht hätte. Im übrigen wäre es interessant, einmal durch eine einfache Umfrage bei den Darmstädter Konzertbesuchern zu erfahren, welche Komponisten sie zu hören wünschen.

Luitgard Baeck. Darmstadt, Hobrechtstraße 37.

Justizwachtmeister keine Saaldiener

Betr.: Herabwürdigende Bezeichnung der bei den Darmstädter Justizbehörden bediensteten Justizwachtmeister.

Bezug: Ihr Artikel über die Schwurgerichtssache Rückert in Ihrer Ausgabe vom 16. November 1950.

Namens meiner Kollegen lege ich gegen die Bezeichnung „Saaldiener“, wie es in Ihrem obigen Artikel geschehen ist, schärfste Verwahrung ein. Die Justizwachtmeister der Darmstädter Justizbehörden erblicken in dieser Bezeichnung nicht nur eine Diffamierung ihrer Person, sondern auch eine nicht zu verantwortende Herabwürdigung ihrer oft sehr verantwortungsvollen Aufgaben bei der Durchführung des Sitzungsdienstes sowie der sonstigen dienstlichen Obliegenheiten.

Ich glaube annehmen zu dürfen, daß Ihrem verantwortlichen Berichterstatter in seiner bisherigen journalistischen Tätigkeit innerhalb der Darmstädter Gerichtsverhandlungen der Begriff und die Aufgaben eines Justizwachtmeisters hinreichend bekannt geworden sind.

Saaldiener jedenfalls gehören in private Veranstaltungen und karnevalistische Sitzungen.

Heinrich Crößmann Justizwachtmeister bei der Staatsanwaltschaft in Darmstadt

„So nicht, Mr. Orson Welles“

Erfreut las ich in Ihrem Tagblatt Nr. 119 vom 16. November den Aufsatz von Herrn Ziegler, der zu den Zeitunigsaufsätzen von Mr. O.W. in der französischen Presse Stellung nahm. Ich kann den Ausführungen von Herrn Ziegler nur voll und ganz zustimmen, wenn er meint, man sollte keine - Welles-Filme mehr besuchen. Man sollte sogar erwarten, daß noch weitere Kinos verschiedenen norddeutschen Schauspielhäusern nachahmen und keine Filme, mit denen Mr. O.W. etwas zu tun hat, zeigen. Ferner sollte man Photos von Mr. Welles, als auch Berichte in keiner Filmiillustrierten oder Zeitung mehr abdrucken.

Ich glaube, daß man so Mr. Welles unseren Charakter zeigen könnte.

Der Satz „Off limits to Orson Welles“ sollte bei jedem Deutschen Beachtung finden.

Philipp Schmitt, Darmstadt.

Cherstädter Hundedresurplatz

sinnlos beschädigt

Der Dressurplatz des Dressurvereins für Gebrauchshunde Eberstadt, auf dem Eschollskopf, wurde i n der Nacht vom 21. auf den 22. November zerstört und dadurch dem Dressurverein schwerster Schaden zugefügt.

Unbekannte Täter rissen die Hindernisse, die zur Abrichtung der Hunde dienten, zusammen und warfen eine aus schweren Bohlen gebaute Hütte zur Unterbringung der Geräte, die ein Gewicht von mehreren Zentnern und eine Grundfläche von sechs Quadratmetern hat, um. Sie beschädigten das Dach und zerstreuten die zerschlagenen Fenster und die Tür auf dem Platz.

Die Tat ist um so verwerflicher, da sich die Mitglieder des Vereins die Einrichtungen in mühevoller Arbeit selbst geschaffen haben und jeden übrigen Pfennig dafür aufwandten. Der Dressurverein bittet die Bevölkerung um Unterstützung in der Fahndung nach den Tätern. Mitteilungen, die auf Wunsch streng vertraulich behandelt werden, nehmen der 1. Vorsitzende des Dressurvereins, Jakob Nold, Eberstadt Schützenstraße Nr. 48, oder die Polizei, entgegen. t-s

Wie wird das Wetter ?

Wetterbesserung

Vorhersage: Am Freitag zeitweise aufheiternd und überwiegend trocken. Temperaturen tagsüber etwas über fünf Grad, nachts nahe null Grad. Winde aus Südwest bis West.

Weitere Aussichten: Am Samstag nicht mehr so mild.



Wohin gehen wir heǔte?

Landestheater, Orangerie: 19.00 Uhr „Don Carlos“, Ende 22.30 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Föhn“; Tha¬ lia: „Die blaue Laguna“; Belida:’ „Stürmische Höhen“; Palast: „Verrücktes Afrika“; Hansa: „Ihr letzter Tanz“.

Amerikahaus: 19.00 Uhr, Vortrag von Walter Büsch (Schweiz) „Ein freies Wort an die freie junge Welt“. Musikprogramm 15.00 bis 16.30 Uhr „Aus Puccini-Opern“; 14.30 und 17.00 Uhr Fi Improgram m.

Volkshochschule und Neuer Hess. Kunst¬ verein: 19.30 Uhr in der Tech. Hochschule, Prof. Dr. Carl Hentze „Allgemeine Einführung in die Geschichte der chinesischen Kunst“.

Volkshochschule: 10.30 Uhr im Raum 167 der Tech. Hochschule, Dr. Bernhard Grzimek, Frankfurt am Main, „Der Frankfurter Zoo“ (m. Filmvorf.)

Verein Ludwig-Georgs-Gymnasium: 18 00 Uhr in der Aula der Tech. Hochschule Prof. Dr. Karl Reinhardt, Frankfurt, „Der homerische Mensch“.

Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3a: 10 bis 18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“ Landesmuseum: 10 bis 18 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch.

Interessengemeinschaft Kynologischer Organisationen, Stadt- und Landkreis Darmstadt 20.00 Uhr, Versammlung im Hotel Knauf.

Stadthalle: 20.00 Uhr, Elly Ney (Klavier) und Ludwig Hoelscher (Violon. cello) spielen Beethoven

Odenwaldklub: 19.30 Uhr im Saal 167 der Tech. Hochschule Lichtbildervortrag Dr. Wolff „Ferienfahrt in die Provence“.

für Versicherungs-Wissenschaft: 17.10 Uhr im Saal 168 der Tech. Hochschule vortrag „Feststellung von Brandursachen“.

Wir gratǔlieren

80. Geburtstag: Frau Marie Merkel geb. Vogler, Darmstadt. Gutenbergstr. 54.

STARKENBURG

Das große Sterben

Es läßt sich nicht mehr leugnen: die Zeit ist gekommen, da uns Mutter Sonne ihre letzten wärmenden Strahlen immer mehr entzieht und der Winter übers Land streicht mit eisiger Hand, unter der alles Lebendige erstarrt, das uns noch tags zuvor mit heller Stimme und bunter Farbe erfreute.

Du in der Geborgenheit Deiner warmen Stube spürst nichts von all der Kälte, die in diesen Tagen über das einst so lustige Völkchen in Wäldern und Feldern hereinbricht; diese Kälte ist nicht nur in Graden Celsius zu messen, sie läßt sich nur von dem erfühlen, der auch in diesen Tagen hinauszieht, „seine Freunde“ zu beobachten.

Was er dabei findet, mag ihn traurig stimmen. Denn dort draußen hebt jetzt das große Sterben an. Käfer flüchten unter Steine, als könnten sie dort im Dunkel Schutz finden vor dem, das sie bedroht. Ein Falter — ob es wohl jener ist, dessen frohen Flatterflug wir noch vor wenigen Tagen verfolgten? — verkriecht sich, schon halb erstarrt von der Kälte, steif und ungeschickt in einem Spalt, der zwischen Stamm und Rinde einer Pappel klafft. Und dort, an einem einsamen Schilfstengel, sucht unsere Freundin vom Sommer, die zarte Libelle, leise zitternd, jeden letzten Sonnenstrahl auszukosten.

Sie alle scheinen den nahen Tod zu fühlen — wir wissen um ihn. Doch, wir wissen auch, daß dieser Tod nicht Endglied einer Kette ist. Nein, er ist allenfalls ein verdorrter Seitenast am Baum einer geheimnisvollen Entwicklung. An einem Baum, dessen starke Wurzeln in der dunklen Erde ferner Vergangenheit ruhen und dessen zarte Knospen einem neuen Sommer entgegenreifen. Ein Blick auf diesen neuen Sommer mit neuem Licht und neuer Sonne läßt uns erkennen, wie jede scheinbare Disharmonie in der Natur ihre endliche harmonische Auflösung erfährt.

So halte im Gedächtnis, was einer unserer Großen sagte: „Man muß die Einheit und Harmonie der Natur immer wieder innerlich erleben. Wer Auge und Herz offen hält, kann dies auch, denn in jedem Jahre legt die Erde wieder ihr grünes Kleid an, in jedem Jahre schmückt sie sich mit Blüten und reift die Frucht. — Stets siegt die Tagesansicht über die Nachtansicht." - Kn -


Sterbende Libelle Foto: Knöpp
Sterbende Libelle Foto: Knöpp

Katzenköpfe glühen im Saunabad

Eröffnung der Reinheimer Sauna am Samstag Ein Werk im Dienste der Volksgesundheit vollendet

Am Samstag wird in Reinheim in der Grabenstraße eine Badeanstalt eröffnet, die mit einer Sauna verbunden ist. Wir nahmen die Gelegenheit wahr, uns bei dem Erbauer des Bades, Herrn Riebel, über die Art der Einrichtung näher zu informieren.

„Wären Sie gestern schon vorbeigekommen, so hätten Sie gleich alles einmal gründlich ausprobieren können“ — rief uns Herr Riebel von der Höhe der Sitzbänke im Saunaraum seines Erweiterungsbaues zu, wo er gerade dabei war den „letzten Schliff“ anzulegen. „Wir haben probeweise den Ofen angeheizt und sind im Raum auf eine maximale Temperatur von 92 Grad gekommen“ erläuterte er uns.

Als erstes erweckt natürlich der Ofen, der diese Wärme erzeugen soll, unser Interesse. Er wird von einem besonderen Kesselhaus aus beheizt und ist nach dem Frankfurter System gebaut. Steine werden im Innern des Ofens bis auf Rotglut erhitzt und ein von der Tür aus zu regelnder Wasserstrahl wird von Zeit zu Zeit daraufgeleitet. So kann die gewünschte Temperatur reguliert werden. Die Steine im Ofen dürfen natürlich durch die große Hitze nicht platzen; Herr Riebel verwendet sogenannte „Katzenköpfe“, die noch von der alten, einst in der Grabenstraße verlaufenden Reinheimer Stadtmauer stammen. Die in drei Stufen übereinander angeordneten Sitzbänke bieten 15 bis 20 Personen Platz. Eine bisher einzig dastehende Einrichtung hat der Inhaber mit seiner Einzelsauna geschaffen, die es auch einer Einzelperson ermöglicht ein Bad zu nehmen.

An diese schweißtreibende Bademöglichkeit schließen sich noch andere an. So können zu Reinigungszwecken auch Wannen- und Brausebäder gegeben werden. Insgesamt stehen vier Brausen und drei Wannen zur Verfügung, alles mit fließendem warmem und kaltem Wasser. Die Möglichkeit für medizinische Bäder besteht ebenfalls, und zwar werden vorerst Sprudelbäder, Fichtennadel- und Fichtennadelschaumbäder sowie Salhuminbäder abgegeben. An die Hinzuziehung von Moorbädern wurde ebenso gedacht. Voll- und Teilheißluftmassage, Kurzwellenbestrahlung, Massage und Fußpflege gehören gleichfalls zum reichen Arbeitsgebiet. Ein sehr gemütlich und bequem ausgestatteter Ruheraum kann zur Entspannung nach den Kuren verwandt werden und steht auch den Saunabenutzern zur Verfügung.

Die Preise, die uns Herr Riebel für die öffentlichen Bäder nannte, entsprechen denen anderer Saunabäder. Wenn jetzt am Samstag um 11 Uhr zum ersten Male die Katzenköpfe offiziell glühen, werden wohl bald nicht nur die Einwohner von Reinheim, sondern auch die der weiteren und näheren Umgebung von dieser Einrichtung regen Gebrauch machen. Kranke und Gesunde können sich wohlfühlen, die mit der Einrichtung Vertrauten werden vermutlich gleich die obersten Reihen der Sitzbänke beschlagnahmen, und bei solchen, die es auch nötig haben, kann eine Entfettungskur beginnen. eb.

Gedenkkerze des Roten Kreuzes

Das Rote Kreuz Hessen hatte bereits für Weihnachten 1949 eine grüne Gedenkkerze vorbereitet. In diesem Jahre wird sie zusammen mit dem Bund der Heimatvertriebenen zur Advents- und Weihnachtszeit im Zusammenhang mit der Sammelwoche des Roten Kreuzes Hessen allen Familien zum Kauf angeboten werden. Diese grüne Gedenkkerze soll als Gedächtniskerze des Roten Kreuzes brennen zum Gedenken der Lieben in der Ferne, der gefallenen Angehörigen, der Vermißten, der noch in Gefangenschaft befindlichen Väter, Brüder, Söhne und Verwandten. Sie soll leuchten für die verlorene Heimat, der für so viele Angehörige unseres Volkes die Sehnsucht stiller Stunden gilt. Sie soll die Hoffnung symbolisieren, die unvertilgbar in den Herzen lebt, sie soll ferner das Gefühl der inneren Verbundenheit in unserem Volke stärken und schließlich den Gedanken des Roten Kreuzes, dessen Dienst in besonderer Weise den Heimkehrern, Vermißten, Versehrten, den Vertriebenen und allen Bedürftigen gilt, noch tiefer in das allgemeine Bewußtsein hineintragen.

Aktuelles zwischen gestern und heute

Giftmordanschlag auf Ehemann?

Affolterbach. In den Abendstunden des Mittwoch wurde ein Einwohner, der behauptete, von seiner Frau Gift verabreicht erhalten zu haben, nach einer örtlichen Untersuchung* in das Heidelberger Krankenhaus eingeliefert.

Ob die in Erscheinung getretenen Symptome simuliert waren und damit die Behauptung der Ehefrau zutrifft, der Mann habe sich mit seiner Behauptung an ihr rächen wollen, konnte bisher nicht geklärt werden. Die Gendarmerie hat die weiteren Ermittlungen übernommen. -r

Schlägerei im Tschechenlager

Babenhausen. Zu einer Schlägerei kam es dieser Tage im Regierungsdurchgangslager, wo bekanntlich über 600 Tschechen untergebracht sind. Dabei wurde ein deutscher Lagerarbeiter verletzt. Der Täter mußte vorläufig durch die deutsche Lagerpolizei festgenommen werden. -NB-

Am Rollenseil aufgehängt

Lützel-Wiebelsbach. Wie alle Tage war am Dienstagvormittag der 77 Jahre alte Invalide Adam E n d e r s ir> seine Scheuer gegn^^en, um kleine Arbeiten zu verrichten. Als etwa eine Stunde später seine etwas gebrechliche Frau in die Scheuer kam, sah sie ihren Mann mit dem Rollenseil am Durchzugsbalken unter dem Schließloch hängen. Sie rief Nachbarn zu Hilfe, die den Mann aus dem Seil befreiten und Wiederbelebungsversuche anstellten, die jedoch ohne Erfolg waren. Es wurde festgestellt, daß das Seil in einem einfachen Knoten um den Hals des Invaliden lag, so daß es sich zweifellos nicht um einen Unfall, sondern um Freitod handelt. Der alte Mann litt seit längerer Zeit an Altersschwäche und nervösen Störungen. -ch-

Wo sind die Pflastersteine?

Bensheim-Auerbach. In der Mühltalstraße wurden im Laufe der vergangenen Woche mehrere Male während der Dunkelheit Kleinpflastersteine, die für die Ausbesserung der Straße bestimmt waren, von einem in Richtung Hochstädten fahrenden unbekannten Fuhrwerk abgefahren. Der Gesamtschaden, der hierdurch für die Gemeinde entstand, beläuft sich auf ca. 600 DM. Die Bevölkerung wird gebeten, alle Wahrnehmungen hierüber der Polizei Bensheim zu melden, damit der Dieb ermittelt werden kann.

Liebhaber für Chiffonschals

stahlen für 64 000 DM

Ein schwerer Einbruchsdiebstahl wurde in einer der letzten Nächte in der Import- und Exportgroßhandelsfirma Katz und Tennenbaum in Frankfurt von unbekannten Tätern verübt. Die Strolche erbeuteten dabei Nylonstrümpfe und Chiffonschals im Werte von 64 000 DM. Auch fielen den Dieben eine Ledertas^he und 507 DM Bargeld in die Hände. Die Täter entkamen unerkannt. Bisher fehlt noch jede Spur von ihnen. wst.

Verkehrsverein gegründet

Beerfelden. Unter- lebhafter Beteiligung der Bevölkerung fand am Dienstagabend im Gasthaus ..Zum Lamm“ unter Leitung von August Sattler die Gründungsversammlung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Beerfelden statt, über dessen Zweck und Ziel Heinrich Kr e h einen einleitenden Vortrag hielt. Bürgermeister Ackermann leitete die Vorstandswahl, bei der Regierungsbaurat Rosenkranz 1. Vorsitzender wurde. Stellvertreter Hotelier August Sattler, Kassierer Joh. Hofmann und Schriftführer Stadtsekretär Rudi Krämer. In einem Beirat sind die Vorsitzenden sämtlicher Vereine, des Handwerks. Handels und der Industrie, ebenso die Post. Bahn und Polizei vertreten.

In der lebhaften Aussprache wurden Anregungen für die Stadtbildverschönerung, Bereitstellung von Fremdenbetten in Privatwohnungen, Wegebezeichnungen in der näheren und weiteren Umgebung sowie die Herstellung eines Werbeprospektes gegeben. ch.

Von der Mümling zum Broadway

Michelstädter Telefonistin kehrte vom Studienaufenthalt in USA zurüch

Bis Anfang Mai dieses Jahres saß die junge Michelstadter Telefonistin Hannelore Eisenhuth am Klappenschrank im Fernamt Michelstadt. Dann folgte sie einer Einladung zu einem Studienaufenthalt in Amerika, von dem sie in diesen Tagen wieder zurückkehrte. Im Büro des Resident Officers des Kreises Erbach berichtete sie vor Pressevertretern über ihre Eindrücke in den Staaten.

„Als ich am 5. Mai nach Bremerhaven kam, von wo aus ich mit 54 anderen Deutschen verschiedenster Berufsgruppen mit dem Schiff nach Neuyork fahren sollte, hatte ich solches Heimweh, daß ich am liebsten wieder nach Michelstadt gelaufen wäre“, plauderte munter und unbefangen Frl. Eisenhut, daß das Zuhören Freude machte. Sie schilderte dann ihre Ueberfahrt mit den Aerzten, Junglandwirten, Gewerkschafts- und Arbeitgebervertretern, die alle im Rahmen des Austauschdienstes zu kürzeren oder längeren Studienreisen in die Vereinigten Staaten fuhren. Als sie bei der Ankunft in Neuyork in ein Riesenhotel mit 3000 Zimmern im 13. Stockwerk einquartiert worden sei, habe sie unwillkürlich an Michelstadt denken müssen, dessen ganze Einwohnerschaft man bequem in diesem einen Hause hätte unterbringen können.

Jeder Deutsche bekam drüben zunächst in einem achttägigen Informationsprogramm einen Ueberblick über die Verhältnisse in den verschiedenen Gebieten der Staaten. Je nach beruflicher Zielsetzung konnte man sich auf Wunsch noch speziell unterrichten. Hannelore interessierte sich besonders für Arbeitsrechts- und Gewerkschaftsfragen, aber auch für die Frauenorganisationen und vor allen Dingen für das Schulwesen, das sie besonders tief beeindruckte.

Vor ihrer Reise glaubte sie, daß es kein besseres Schulwesen als das deutsche gebe. Gewiß, rein wissensmäßig mag hier dem Kind mehr vermittelt werden, aber fürs praktische Leben lernen die Kinder mehr in den Staaten. Befangenheit und Minderwertigkeitskomplexe kenne die amerikanische Schuljugend nicht. Sie habe Vergleiche zu ihrer Schulzeit ziehen müssen; drüben in den Schulen könne eine Kind wirklich glücklich sein, während sie bei uns eher ein Schreckbild sind.

Selbstverständlich könne man nicht alles auf unsere Verhältnisse übertragen, was man in den Staaten macht. Aber wi e man es anpackt, das sei wesentlich, und daraus habe sie viel gelernt. Früher habe sie sich Amerika nur als technisch hochentwickeltes Land ohne viel Seele vorgestellt. Jetzt wisse sie, daß man drüben genau so sein Familienleben hat, seine Probleme und Sorgen wie bei uns. Einer könne vom anderen lernen.

Obwohl sie drüben viel allein gereist sei, habe sie nirgendwo Feindseligkeit gegen Deutsche feststellen können, überall sei man ihr hilfsbereit begegnet und habe auch taktvoll über ihre Sprachschnitzer hinweggesehen. „Mein Englisch war nämlich gar nicht gut, als ich rüberkam“, erklärte Hannelore. Deshalb habe sie auch zur Vervollkommnung ihrer Sprachkenntnisse eine Fortbildungsschule für ausländische Studenten besucht. Schließlich konnte sie am Schluß ihrer Reise in Washington vor 15 Vertreterinnen amerikanischer Fräuenorganisationen einen fast zweistündigen Vortrag in Englisch über ihre Eindrücke halten.

Neben ihrer ernsten Studienarbeit gab es natürlich eine Fülle interessanter Ereignisse und Besichtigungen, angefangen von einem Besuch bei Frau Roosevelt, über eine Vollsitzung der Vereinten Nationen in Lake Success zu herrlichen Landparties in die verschiedensten Gebiete der Staaten vom hohen Norden bis zum Süden.

„Ich möchte jetzt in meiner Gewerkschaftsarbeit in Frankfurt besonders die neuen Erkenntnisse in dei- Erziehungsarbeit praktisch verwerten“, stellte Hannelore abschließend fest und deutete damit an, daß sie nicht mehr zu ihren Kolleginnen ins Fernamt Michelstadt zurückkehren wird. -ch


„Als ich auf dem Rhein-Main-Flughafen das Flugzeug verließ, fiel es mir zuerst schwer, mich wieder hier zurechtzufinden, aber bald spürte ich um so stärker, daß ich doch hierher gehöre“, stellte Hannelore Eisenhuth fest. Foto: Tehad
„Als ich auf dem Rhein-Main-Flughafen das Flugzeug verließ, fiel es mir zuerst schwer, mich wieder hier zurechtzufinden, aber bald spürte ich um so stärker, daß ich doch hierher gehöre“, stellte Hannelore Eisenhuth fest. Foto: Tehad

Neue Prospekte für Fremdenverkehrswerbung

Auerbacher Verkehrs- und Kurverein stellt Etat auf

Am Dienstagabend fand im ehemaligen Rathaus in Auerbach eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Verkehrs- und Kurvereins statt. Auf Anraten des Finanzamtes Bensheim wurden hierbei die Satzungen dahingehend abgeändert, daß bei einer Auflösung des Vereins über das vorhandene Kapital nur mit der Zustimmung des Finanzamtes verfügt werden kann.

Punkt 2 der Tagesordnung sah die Aufstellung des Haushaltsplanes vor. Geschäftsführer G i e s i n betonte in seinen Ausführungen, daß es Aufgabe des Vereins sei, alles zu tun, um den Fremdenverkehr auch wieder an dieses schöne Fleckchen Erde zu lenken. Bei der Werbung müsse man jedoch bedenken, daß zur Zeit leider nur eine beschränkte Zahl Betten in den Gasthäusern und Pensionen zur Verfügung stehe. In seinem Entwurf für den Etat forderte der Geschäftsführer vor allem die Herstellung von 7500 neuen Prospekten.

Für die Instandsetzung und Verbesserung des Goethe-Brunnens wurde ein Betrag von 150 DM bereitgestellt. Die Gemeinde Hochstätten, auf deren Grund und Boden sich der Brunnen befindet, soll sich entweder durch einen finanziellen Zuschuß oder durch Gestellung von Arbeitskräften beteiligen. Weitere Beträge sollen für die Ausbesserung der neuangelegten Ligusterhecken in den verschiedenen Anlagen, die Erneuerung und Aufstellung von Werbeschildern an den Ortseingängen und- an der Bahnlinie sowie für die Wiederherstellung der Marienbank, eines beliebten Ruheplatzes, verwendet werden. Für 250 DM sollen neue, den modernen Anforderungen entsprechende Werbefotos angefertigt werden. Für Werbung in Fach- Zeitschriften usw. wurde ein Betrag in gleicher Höhe bewilligt.

Auf vielseitigen Wunsch hin ist beabsichtigt, in Kürze ein Heftchen mit der Auerbacher Ortsgeschichte herauszugeben, das für Fremde wie auch für den Schulunterricht geeignet ist. Ein Entwurf wurde dem Schulrat Schad zur Prüfung und Begutachtung vorgelegt. Ein Restbetrag des Etats soll für die Anschaffung seltener Bäume im Stadtpark Fürstenlager dienen, zwei ganz seltene Exemplare sollen bereits von Bensheimer bzw. Auerbacher Gärtnereien in Aussicht gestellt worden sein. Wie .Geschäftsführer Giesin zum Schluß bekanntgab, soll der Melibokusturm in etwa zwei Jahren wieder aufgebaut sein, ebenso soll das Auerbacher Postamt erweitert werden. Das 100 jährige Jubiläum der Bahnstation Bensheim-Auerbach soll im nächsten Frühjahr im Rahmen eines kleinen Festes gefeiert werden. (HB)

Die Kuh kam per Luftpost

Biblis. Eine freudige Überraschung er¬ lebte am Dienstagnachmittag die Flüchtlingsfamilie Gustav Krebs, als ihr eine hochtragende Kuh als Geschenk übergeben wurde. Im Beisein von Bürgermeister Reichert und Ortslandwirt Angert übergab als Beauftragter der Militärregierung der Kreisobmann der Flüchtlinge des Landkreises Bergstraße, Wagner, das Tier dem neuen Besitzer.

Die Kuh stammt aus einer Spende amerikanischer Hilfsorganisationen und war zusammen mit weiteren Tieren, die auf verschiedene Orte des Riedes und des Odenwaldes verteilt wurden, am gleichen Tage per Flugzeug in Frankfurt/Main eingetroffen.

Familie Krebs, die aus dem Sudetenland ausgesiedelt wurde, hatte einen landwirtschaftlichen Betrieb im Stich lassen müssen. Krebs hatte sich nun in Biblis mit viel Mühe eine kleine Landwirtschaft aufgebaut, wobei ihm die Gemeinde mit Zuteilung von Ackerland behilflich war. Groß war daher die Freude, als sich nun unverhofft zu dem vor einiger Zeit erworbenen Pferd die Kuh gesellte. -MW-

Eine neue Stadt mit 50 000 Einwohnern

So bezeichnet die „GdF Wüstenrot“ den Erfolg der durch sie in organisierter Selbsthilfe finanzierten Neubauten, die auf einem Platz zusammengefaßt eine mittelgroße Stadt ergeben. Das Unternehmen zahlte bis zur Währungsreform 330 Millionen RM für Neubauten aus; seine Gesamtleistung nach der Währungsreform erreichte im Oktober dieses Jahres 120 Millionen DM für 6200 Ein- und Mehrfamilienhäuser mit 11 300 Wohnungen.

In einer Eigenheimschau in Pfungstadt am 25. und 26. November, die im „Gasthaus zur Krone“ von 9—19 Uhr geöffnet ist, wird sie Zeugnis von ihren bisherigen Leistungen ablegen sowie Baupläne und Modelle vorführen.

Zwischen Stockstadt und Goddelau:

Verstümmelte Leiche neben dem Bahnkörper

20jährige warf sich vor einen Zug / Auch Oberstaatsanwalt Dr. Kant an der Fundstelle

Im Laufe des Buß- und Bettages wurde an der Bahnlinie zwischen S t Ockstadt und Goddelau bei Kilometer 44 eine weibliche Leiche gefunden. Sie lag völlig ausgestreckt neben dem Bahnkörper unterhalb der Schottersteine. Das rechte Bein und die linke Hand waren abgetrennt und der Kopf wies Verletzungen auf. Die Tote wurde als die am 10. Januar 1930 in Gelsenkirchen geborene und zuletzt in Stockstadt wohnende Annemarie Klemp identifiziert.

Die Leiche war zuerst von einem Lokführer gesehen worden, der mit seinem Zug die Fundstelle passierte. Er meldete dies im Bahnhof Goddelau, worauf sich ein Oberschrankenwärter von dem unweit gelegenen Bahnübergang an die Fundstelle begab.

Die verständigte Kriminalpolizei-Inspektion Darmstadt erschien mit drei Be amten. Auch Oberstaatsanwalt Dr. Kant und Staatsanwalt Werner waren sofort zur Stelle, da man zunächst eventuelle Zusammenhänge mit der Mordaffäre Rückert vermutete. (Die Tote lag etwa 400 Meter von der seinerzeitigen Fundstelle der ermordeten Helene Rückert entfernt.) Es ergaben sich jedoch für diese erste Vermutung keinerlei Anhaltspunkte. Irgendwelche Spuren einer Beraubung oder eines vorausgegangenen Kampfes waren nicht vorhanden.

Nach den kriminalpolizeilichen Ermittlungen dürfte zweifellos nur Selbstmord in Frage kommen. Das Mädchen muß sich vor einen Frühzug geworfen haben und überfahren worden sein. Die Tat dürfte Mittwoch früh um 7.15 Uhr geschehen sein; diese Uhrzeit zeigte die beschädigte Armbanduhr der Toten an. Um die gleiche Zeit passierte auch ein Zug die betreffende Strecke.

Der Grund für den Freitod der 20 jährigen wird — wie sich aus Briefen ergibt — in Schulden und der Furcht vor einem angedrohten Gerichtsverfahren zu suchen sein. Das Mädchen besaß keine Eltern mehr und war lange Zeit ohne festen Wohnsitz und außerdem ohne Beruf. Die Schwester der Toten, die ebenfalls in Stockstadt wohnt, gab an, Annemarie sei immer lebenslustig, aber auch leichtsinnig und unehrlich gewesen. wst.

Die sechste Kreisgeflügelschau des Kreisverbandes Dieburg wurde beim Züchtertreffen in Nieder-Roden nach Zeilhard vergeben. Sie soll im Dezember des kommenden Jahres stattfinden. NB

Unsere Geburtstagskinder

Goldene, silberne und grüne Hochzeit in einer Familie:

Goldene Hochzeit: Herr Anton Herrmann und Ehefrau Katharine geb. Barthel, Heppenheim, Kleine Bach 13.

Silberne Hochzeit: Herr Philipp Adam Mastelotto, Hochkranführer, und Ehefrau Elisabetha Katharina geb. Herrmann, Heppenheim, Schulgasse 4.

Grüne Hochzeit: Herr Otto Rudolf Brauch, Maschinenschlosser, und Frau Anna geb. Mastelotto, Hemsbach, Schillerstraße 19.

Goldene Hochzeit: Herr Johannes Konrad Bub und Frau Justine geb. Laier, Heppenheim, Graben 20.

Goldene Hochzeit: Herr Peter Wolf IV und Frau Elisabetha geb. Wattendorf, Heppenheim, Lehrstraße 27.

Goldene Hochzeit: Herr Johann Fischer und Frau Agnes geb. Goß, Heppenheim, Fürther Straße 118.

90. Geburtstag: Frau Kath. Elis. Lautenschläger geb. Ihrig, Lauerbach, Hauptstraße 12.

82. Geburtstag: Herr Lehrer in Ruhe Schaffnitt, Ober-Ramstadt, Wilhelm-Leuschner-Straße.

78. Geburtstag: Frau Babette Merkel, Wald-Amorbach, Ortsstraße.

76. Geburtstag: Herr Johannes Ackermann, Wixhausen, Göthsbachstraße.

75. Geburtstag: Herr Georg Vollhar dt, Wixhausen, Ludwigstraße.

71. Geburtstag: Frau Elisabeth Roth, Wwe., geb. Resch, Altheim, Kirchstr. 151.

Starkenburg meldet:

Philatelisten stellen aus

Groß-Gerau. Um das Interesse für Briefmarkensammeln neu zu wecken, hat sich in der Gemeinde eine Gruppe alter Sammler zu einer lesen Arbeitsgemeinschaft verbunden, die am Sonntag, dem 3. Dezember, zum ersten Male an die Oeffentlichkeit treten wird. Es ist an diesem Tage von 9—17 Uhr in Klassensälen des Realgymnasiums eine Ausstellung geplant, an der sich auch eine Schülergruppe des Realgymnasiums mit Motivsammlungen beteiligen wird. Von Angehörigen der Arbeitsgemeinschaft sind bisher folgende interessante Ausstellungsobjekte angemeldet: Ländersammlungen (Bayern, Danzig, Deutschland nach 1945, Belgien, Schweiz und USA), deutsche Viererblocks von der Inflationszeit bis 1933, Motivsammlung Leipziger Messe, Briefsammlung mit Ersttage-Stempeln, Sammlung von Erstflügemarken usw.

Am Nachmittag des Ausstellungstages, um 15 Uhr, wird der Kassierer des Bundes der deutschen Philatelisten, Bald, über den Sinn des Markensammelns und den Zweck des Bundes referieren. Man hofft, daß sich die Gründung eines Sammlervereins anschließt. eng.

Gerauer Woche 1927 im Film

Groß-Gerau. Ein Stummfilm aus dem Jahre 1927, der Ausschnitte aus dem Festzug der damaligen Gerauer Woche sowie Bilder von der Geschäftswelt in der Kreisstadt, ein Fußballspiel zwischen einem Groß-Gerauer und einem Neu-Isenburger Sportverein und den damals noch jugendlichen Bürgermeister Dr. Lüdecke zeigte, wurde am Dienstag im Kino Sandboehl einem größeren Interessentenkreis vorgeführt. Einleitende Worte zu diesem inzwischen schon historisch gewordenen Filmstreifen sprach Dr. Lüdecke und dankte bei dieser Gelegenheit dem Initiator dieses Filmes, Wilhelm Posauner, der sich bereit erklärt hat, der Stadt diesen Film zu verkaufen. Für die im Saal anwesenden alteingesessenen Groß-Gerauer, die Wiedersehen mit manchem bekannten Gesicht feiern konnten, war der Streifen ebenso interessant wie für den Fremden, der sich nicht genug über die damalige Mode und das Treiben in der Kreisstadt wundern konnte. Kr.

Für schlaue Köpfchen

Schaufensterraten in Groß-Zimmern

Für die Zeit vom ersten Adventssonntag bis zum Weihnachtsfest hat sich der Ortsgewerbeverein Groß-Zimmern eine besondere Kundenwerbung ausgedacht. Mit einer Schaufensterdekoration wird der Ortsgewerbeverein einem Wunsche der Käufer nachkommen. Schon die Gewerbeausstellungen der letzten Jahre machten die einheimische Geschäftswelt weit über die Grenzen der Heimat hinaus bekannt. Im Zusammenwirken aller Kräfte wird Industrie, Handel und Handwerk keine Mühe scheuen, während der Vorweihnachtszeit in den Schaufenstern und Ausstellungsräumen das Beste zu zeigen.

Ähnlich wie im benachbarten Rheinheim werden in Auslagefenstern branchefremde Artikel ausgelegt, die vom Publikum erkannt werden müssen. Jedes Geschäft, das sich an der Aktion beteiligt, erhält eine Nummer. Eine Reihe wertvoller Preise ist für die Gewinner ausgesetzt. Ohne Unkostenbeitrag kann sich jeder Einwohner an dem Schaufensterraten beteiligen. -gi-

Notizen aus Trebur

Der Stand der Siedlungsbauten, die von der Baugenossenschaft Ried in Trebur ausgeführt werden, zeigt, daß von den im laufenden Bauabschnitt etwa 29 vorgesehenen Wohnhäusern 12 bereits unter Dach sind. Man hofft, die 17 für Flüchtlinge bestimmten Häuser, deren Keller bereits fertig sind, ebenfalls noch vor dem Winter unter Dach zu bringen.

Kurz vor der Vollendung steht die neue Friedhofs-Kapelle, die am Totensonntag in einer schlichten Feier ihrer Bestimmung übergeben werden soll. Kr.

„Ernsthafte Bedenken“

der Kirchenleitung zum Karnevalsbetrieb

Wiesbaden. Ein Erlaß der Kirchenleitung von Hessen und Nassau, der in der neuen Ausgabe des Kirchlichen Amtsblatts veröffentlicht wird, bittet die evangelischen Geistlichen, bereits jetzt im Gottesdienst ihren Gemeinden eindringlich vor den Auswüchsen des Karnevals zu warnen. Die Epistel des 1. Adventssonntags biete hierzu eine Gelegenheit. „Das Karnevalstreiben“, so heißt es wörtlich in dem Erlaß, „hat bereits seit Anfang November solchen Umfang angenommen und auch in der Presse ein Echo gefunden, das uns veranlaßt, dagegen ernsthafte Bedenken zu erheben.“ epd

Für Hessens modernste Schule

Braunshardt. Für Dienstag abend um 20 Uhr hatte der Gemeinderat zu einer öffentlichen Gemeinderatssitzung eingeladen. Zur Debatte stand der Bau eines neuen Schulhauses, der mit fünf Jastimmen gegen zwei Stimmenthaltungen von den Gemeindevertretern befürwortet wurde.

Als Gäste begrüßte Bürgermeister Schauß Fräulein Steinhag vom Staatsbauamt, Darmstadt, und Herrn Bohländer vom Regierungspräsidium, Darmstadt. Nach den Angaben des letzteren wird das Braunshardter Schulhaus, das mit einem Kostenaufwand von 120—130 000 DM erstellt werden soll, das modernste Hessens werden.

Drei geräumige Schulsäle, eine große Terrasse, eine Lehrer- und eine Hausmeisterwohnung sowie Wannen- und Brausebäder zum Wohle der gesamten Einwohnerschaft sollen darin untergebracht werden. Nach seinen Ausführungen legte Fräulein Steinhag die fertigen Pläne zur Einsicht vor.

In einer sich anschließenden Diskussion nahmen verschiedene Einwohner und Gemeinderäte, besonders Lehrer Degreif, Stellung zu dem Neubau. VO

DGB gegen Remilitarisierung

Erbach. Der Ortsausschuß des Deutschen Gewerkschaftsbundes hielt bei sehr gutem Besuch eine öffentliche Versammlung im „Hirsch“ ab, wobei der Vorsitzende des Kreisausschusses Darmstadt, Albert Mayer, über aktuelle Fragen zur Remilitarisierung, die von den Schaffenden abgelehnt werde, über das innerbetriebliche Mitbestimmungsrecht sowie das wachsende Mißverhältnis zwischen Löhnen und Preisen sprach. Auch die Frage der Selbstverwaltung der Sozialversicherung wurde eingehend erörtert. Neben dem Leiter der AOK Erbach, Friedrich Koch, beteiligten sich zahlreiche Zuhörer lebhaft an der allgemeinen Aussprache. ch

Aufgeschoben - nicht aufgehoben

Endgültiger Etat für Landkreis Erbach

Erbach. Die bereits mehrfach vertagte Beratung und Verabschiedung des Haushaltsplanes 1950/51 für den Landkreis Erbach findet nunmehr endgültig in öffentlicher Kreistagssitzung am Donnerstag, dem 30. November, um 13 Uhr, im Sitzungssaal des Landratsamtes Erbach statt. Außer Etatsberatungen stehen u. a. die Neuwahl des Soforthilfeausschusses sowie des Ausschusses zur Wahl der Schöffen und Geschworenen auf der Tagesordnung. Weiter soll die Übernahme der Straße Finkenbach—Raubach als Straße 11. Ordnung in die Verwaltung des Kreises beschlossen werden. ch

Herbsttagung der Feuerwehr

Reichelsheim. Auf der Herbsttagung der Feuerwehren des Kreises Erbach gab Schriftführer Hastert bekannt, daß sich im Kreise 54 freiwillige und 46 Pflichtfeuerwehren befinden. In einem Vortrag behandelte dann Inspektor Küchler vor allem das demnächst in Kraft tretende Brand- und Feuerschutzgesetz.

Im Verlauf der Tagung wurde auch die Ehrung verdienter Feuerwehrmitglieder vorgenommen. Folgende Feuerwehrmänner aus Reichelsheim erhielten die goldene Brosche für 50jährige Mitgliedschaft: Leonhard Bein, Adam Hufbauer, Georg Dingeldein, Georg Keil, Valentin Weber, Michael Steiger, Johann Schneider. Für 40jähr. Dienste erhielten zu den bereits verliehenen Broschen Urkunden: Peter Trautmann und Philipp Trinkaus, ptoo.

Achtung, Schulfunksendung!

Ober-Ramstadt. Heute, von 10.15—10.45 Uhr, werden in der Schulfunksendung des Radio Stuttgart Aufsätze einer hiesigen Schülerin verlesen, die mit einem Geldbetrag ausgezeichnet wurden. Fräulein Rieger beteiligte sich zusammen mit 12 Klassenkameradinnen der oberen Mädchenklasse, deren Lehrer Franz Hahn durch seine Arbeitsschulmethode in der Lehrerschaft im Kreis bekannt ist, Mitte dieses Jahres an einem Preisausschreiben des Schulfunks. -D-

Schlachtviehmarkt Darmstadt

Marktbericht vom 21. 11. 1950

Auftrieb: 120 Großvieh (39 Ochsen, 3 Bullen, 40 Kühe und 38 Färsen), 80 Kälber, 566 Schweine, 52 Schafe. Marktverlauf: Großvieh und Schweine schleppend, Kälber und Schafe ruhig. Ueberstand bei Großvieh und Schweine. Fleischmarkt: 7 Tonnen Inlandfleisch. Preise: In Dpf. je 500 g Lebendgewicht: Ochsen a 81—87, Ochsen b 69—80, Bullen a 80—86, Kühe a 60—85, Kühe b 50—68, Kühe c 43—54, Kühe d 40—42, Färsen a 80—88, Färsen b 67—80. Kälber a 110—125, Kälber b 100—115, Kälber c 82—95, Kälber d 50—80. Schweine (Durchschnittspreis 145) a, bl, b 2 143 bis 146, c 140—145, d 138—144, gl 125—138. Hammel b 50, c 42—45. Qualität: Großvieh mittel bis gut, Kälber, Schweine und Hammel mittel.

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Pfungstadt. Das Winterprogramm des Kulturkartells wird heute Abend um 20 Uhr im SPD-Heim, Siedlung am Mühlberg, mit dem Farbfilm „Südamerika“ eröffnet. — Sattlermeister Christoph C 1 eme n s konnte kürzlich im Alter von 76 Jahren das 50 jährige. Jubiläum des von seinem Vater übernommenen Sattlergeschäftes feiern. Vorstandsmitglieder der Sattleninnung überbrachten ihm eine Ehrenurkunde der Handwerkskammer Darmstadt. *

Seeheim. Im vollbesetzten Saale des Hotels Hufnagel fand kürzlich ein Liederabend der Sängervereinigung 1891—1948 Seeheim statt. Unter der meisterhaften Leitung seines Dirigenten Bäni sc h brachte der Chor eine reiche Auswahl von Werken deutscher Meister zu Gehör. Auch das Instrumental-Quintett und die Solisten A. Anders, J. Deigentasch und L. Hartmann legten Proben ihres Könnens ab. hw

DIEBURG

Groß-Biebrau. Einige frohe Stunden verlebten die Besucher eines Bunten Abends, der von der Chorgemeinschaft 1950 veranstaltet wurde. Die musikalische Umrahmung lag in den Händen der Kapelle Schmuck. Um der großen Nachfrage nach Karten zu begegnen, soll der Abend demnächst wiederholt werden. GD.

Babenhausen. Das Sozialwerk der Deutschen Bundesbahn führt am Samstag im Gasthaus „Zum Adler“ einen Familienabend durch. Konzert, Tanz und humoristische Vorträge, dazu die Stimmungskapelle Vock, werden den Abend ausfüllen. NB

Reinheim. In einer der vergangenen Nächte spielten einige bisher noch Unbekannte dem Spediteur Heinrich Spörl einen bösen Streich. Sie fuhren die über Nacht auf der Straße abgestellte Güterrolle in die nahe gelegene Wembach. Die Rolle wurde stark beschädigt. Polizeiliche Ermittlungen sind noch im Gange.

ERBACH

Unter-Ostern. - Vom Gemeinderat wurden folgende Ortsbürger als Schöffen und Geschworene in Vorschlag gebracht: Karl Ne ff, Wilhelm T r i t s ch, Philipp Arras, Heinrich Hartmann und Adam Trautmann. Die Vorschlagsliste liegt diese Woche auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. ptoo.

Ober-Ostern. - Die Vorschlagsliste der Schöffen und Geschworenen liegt diese Woche auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. ptoo.

BERGSTRASSE

Lorsch. Eine Versammlung der Heimatvertriebenen findet am Samstag im „Lamm“ statt. — Eine Mitgliederversammlung hat der Vorstand des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes „Solidarität“ für Samstag im „Goldenen Stern“ einberufen. — Der Vogelfreunde- und Vogelschutzverein veranstaltet seine Monatsversammlung heute im „Schützenhof“. -bl-

Biblis. Die Spielschar des Realgymnasiums Gernsheim, bestehend aus Schülern der drei oberen Klassen, bringt am 25. November im „Weißen Löwen“ das Lustspiel „Der tolle Hund“ von Ernst E. N i b e r - g al 1 zur Aufführung. Der Erlös dient dem Aufbau der Schülerbibliothek. Ka

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Heute tritt der Gemeinderat im Rathaussaal zu einer Sitzung zusammen. Auf der 8 Punkte umfassenden Tagesordnung steht an erster Stelle die Müllabfuhr und im weiteren eine polizeiliche Verordnung über die Rattenbekämpfung.

Der SPORT

Tischtennis-Landesliga beendet Vorrunde

Tabellenführer Flörsheim empfängt SV Wiesbaden / SV 98 (Damen und Herren trifft auf den Vfß Friedberg

In der obersten hessischen Spielklasse wird der letzte Spielsonntag der Vorrunde für die Tabelle von entscheidender Bedeutung sein. Die Vereine der Spitzengruppe treffen ebenso wie die am Tabellenende stehenden Mannschaften gegeneinander. So wird die TG Rüsselsheim, als einzigste Mannschaft ohne Gewinnpunkte, beim SG Höchst ihre letzte Chance suchen wollen. Die Gastgeber, die auch erst einen Sieg verbuchen konnten, sollten sich gegen die Rüsselsheimer durchsetzen können. Die interessanteste Begegnung findet zweifellos in Flörsheim beim derzeitigen ungeschlagenen Tabellenführer statt. Der mehrfache hessische und vorjährige zweite deutsche Mannschaftsmeister, der SV Wiesbaden, der durch mehrere Spielerabgänge von seiner alten Schlagkraft erheblich verloren hat, wird aller Voraussicht nach die Gastgeber nicht überraschen können, selbst wenn, was anzunehmen ist, Seifert (Wiesbaden) über Korn (Flörsheim) gewinnt. Lachender Dritter im Falle einer Niederlage der Gastgeber wäre die Eintracht Frankfurt, die dann punktgleich wieder mit diesen beiden Mannschaften an der Tabellenspitze zu finden wäre. Die Adlerträger müssen zwar auch ein schweres Spiel In Klein-Krotzenburg bestreiten, sollten sich aber auf Grund ihrer größeren Erfahrung durchsetzen können. Der TTC Biblis ist Gast beim TTC Concordia Bad Nauheim und wird dort nicht viel ausrichten können.

Die 1. Herrenmannschaft des SV 98 empfängt den Vfß Friedberg. Der Neuling, der bisher überraschend gut abgeschnitten hat und einen guten Platz in der Tabelle einnimmt, ist gleich stark besetzt. Von ausschlaggebender Bedeutung wird sein, ob die Lilienträger an den ersten beiden Brettern zu doppelten Punktgewinnen kommen können. Nach geraumer Zeit wieder einmal komplett spielend, sollte nach den letzten enttäuschenden Ergebnissen ein Sieg der Gastgeber herausspringen. Die Lilienträger bestreiten dieses Spiel in der Besetzung Hardt, Hartmann, Kappes, Römer, Haller und Lutz. Die Doppel werden voraussichtlich Kappes/Hardt und Hartmann/Römer spielen.

Bei den Frauen greifen die Lilienträgerinnen in die Rückrunde ein, nachdem sie bisher mit zwei Minuspunkten klar auf dem zweiten Tabellenplatz stehen. Ihr Gegner, der Vfß Friedberg, leistete im Vorkampf hartnäckigen Widerstand, und erst das letzte Spiel brachte einen äußerst knappen 9:7-Sleg der Darmstädterinnen. Die Gastgeber sind sich über ihre Position im klaren und müssen ihre Chancen durch einen Sieg über Friedberg wahren. In der Aufstellung Holzapfel, Römer, Nungesser, Guyot, Nangot und Pommer sollten beide Punkte in Darmstadt bleiben.

Schwaches Programm in der Bezirksklasse

Der kommende Spielsonntag weist In der Bezirksklasse Darmstadt nur drei Begegnungen auf. Dabei sollten sich jeweils die Gastgeber klar durchsetzen können. Im einzelnen spielen: Bensheim gegen TSV Groß-Umstadt, TSV Pfungstadt—TTC Wolfskehlen, SG Mörfelden gegen SKG Jugenheim.

Die Mannschaft der SKG Ober-Ramstadt, aussichtsreich in der Spitzengruppe liegend, hat ihre Mannschaft aus den Rundenspielen zurückgezogen.

Kreisklasse mit vollem Programm

Die Herren beginnen am Wochenende die Rückrunde mit den Begegnungen SV Erzhausen—TSG 46 Darmstadt. TSV Nieder-Ramstadt gegen SKG Eberstadt, SG Wixhausen II—SSG Langen, TGB 65 Darmstadt—SKG Ernsthofen, SV Darmstadt 98 III—SG Egelsbach, TSV Nieder-Ramstadt II—SKG Bickenbach. Die Meisterschaftsrunde der Frauen, die nur noch drei Spielsonntage aufweist, wird am Wochenende mit den Begegnungen SG Wixhausen—SG Egelsbach, SV Darmstadt 98 II gegen SSG Langen, SKG Bickenbach—SKG Eberstadt und TSV Pfungstadt—SG Arheilgen fortgesetzt. Ku.

Toto-Gemeinschaft

zwischen Nordrhein/Westfalen und Hessen

Die westdeutsche Fußballtoto G. m. b. H„ Köln-Dellbrück, und die Staatliche Sportwetten-Gcsellscbaft Hessen, Wiesbaden, sind am 23. 11. 1950 übereingekommen, eine Wettgemeinschaft Nordrhein/Westfalen-Hessen zu bilden. Beide Gesellschaften werden künftig, erstmals zum 9./10.12.1950 einen einheitlichen Wettschein herausbringen und eine gemeinsame Ausschüttung an die Gewinner vornehmen. Damit soll dem Wetter eine größere Gewinnchance und der Gesellschaft die Möglichkeit gegeben werden, den Sport in beiden Ländern besser als bisher zu unterstützen.

Kassel 03 bleibt Tabellenführer

Auch am Buß- und Bettag wickelte die hessi-Fußball-Landesliga mit neun Begegnungen fast volles Programm ab. Kassel 03 bebanntete seine Spitzen-Position durch einen 2 1-Sleg über den Ortsrivalen SV Kassel Mit z.i öieg u . t der Wetzlarer Eintracht se?zt? sich Borussia Fulda auf den zweiten Tabpllenolatz da Olympia Lampertheim spielfrei wa r E in beachtliches Unentschieden (1:1) erhielte der Tabellenletzte Hessisch-Liditenau bei Union Niederrad. In den übrigen Spielen gib es ausschließlich Siege der Heimmannsdiaften Germania Bieber besiegte Hermannia Kassel mit 3:1 und mit dem gleichen Ergebnis felgte Rot-Weiß Frankfurt den hessischen pJkalmeirter FC Hanau 93 ab. 1:0 schlug der VIL SurÄ den 1. FC Rödelheim. Spvgg GHesS^fertigte den VfL Biedenkopf mit 4-2 ab. Vfß Friedberg überrannte den VfL Kassel überraschend hoch mit 5:0. Einen wei-S klareni Sieg feierte Hessen Hersfeld (6:0 über Bad Homburg).

Kreisturntag in Jugenheim

Am Mittwochvormittag tagten die Vertreter der Turner des Kreises Darmstadt in Jugenheim, um aus dem Mund der Fachwarte einen Rückblick entgegenzunehmen über die im Jahr 1950 geleistete Arbeit. Aus 27 Vereinen waren 65 Vertreter anwesend.

Kreisvorsitzender Matthes (Darmstadt) gedachte zunächst der verstorbenen Turnfreunde und sein Gruß galt weiterhin dem Bürgermeister der Gemeinde und dem Kreisvorsitzenden Eisinger (Erzhausen). Aus den abgegebenen Berichten war zu entnehmen, daß die turnerische Arbeit in allen Altersklassen vorbildlich vorangegangen ist. Wenn auch einige Mängel sich hie und da bemerkbar machten, so steht dem doch überall der merkbare Aufstieg des Turnens, sowohl leistungs- als auch zahlenmäßig.

Ueber wichtige Verbandsangelegenheiten entspann sich eine angeregte Diskussion, die in den Worten des Kreisvorsitzenden ihren Niederschlag dahingehend fand, daß nicht Trennung, sondern engste Zusammenarbeit Innerhalb des Kreises Platz finden müßte.

Der Jahresarbeitsplan wurde in großen Zügen festgelegt, zwei Kinderturnfeste werden wiederum die Jüngsten in Anspruch nehmen, der Nordbezirk turnt in Gräfenhausen und der Südbezirk in Nieder-Beerbach. Die Jugendbestenkämpfe finden in Eberstadt und das Kreis-Alterstreffen sowie Kreisvolksturnen in Weiterstadt statt. Das Frankensteinbergfest wird nächstes Jahr am 26. August abgehalten. Den Herbstturntag. verbunden mit einem Schauturnen, übernahm Egelsbach. Ebenso ist der 2. Julisonntag als Termin für das Stromschwimmen in Gernsheim festgelegt worden. Das Kreis-Turn- und Sportfest in Arheilgen, an dem die Turner selbstverständlich teilnehmen, ist am 9. und 10. Juli.

Die Neuwahlen für den Kreisvorstand und Kreisturn-Ausschuß brachten einige Veränderungen. So steht in Personalunion Turnfreund Matthes (Darmstadt) nun als Kreisvorsitzender und Kreisoberturnwart dem Darmstädter Turnkreis vor. In Wilh. Kunz, dem seitherigen Altersturnwart, hat der Kreis den neuen Männerturnwart. Die Kassengeschäfte führt Max Schneidewind, und die Pressearbeit übernahm Karl Oldendorf. Zwei Aemter, Kreisgeschäftsführer und Jugendwart, bedürfen noch Ihrer Besetzung, ebenso werden die Altersturner noch ihren Vertreter wählen. —

Als Abschluß der Tagung folgte am Nachmittag in der Turnhalle ein Schauturnen, das von den Kreisriegen der Turner und Turnerinnen des TV Seeheim, der TG 75 Darmstadt und der zweiten deutschen Meisterin im Neunkampf, Frau Thiem-Heuser (Frankfurt) bestritten wurde.

Die Seeheimer Turnerinnen kamen mit Keulenübungen, Gymnastik und einem Rheinländer, während die 75er Turnerinnen eine Bewegungs-Sprung-und-Hüpf-Vorführung ausdrucksvoll zeigten. Die Kreisschule der Turnerinnen führte die Keulenübungen für das Kreisfest vor und überraschte noch mit dem Tanz „Holzhackerbua“. Die sieben Mann starke Turnerriege konnte am Pferd, Barren und Hochreck die Besucher in die edle Turnkunst einführen und erntete, wie alle anderen Darbietungen, lebhaften Beifall. Doch über all dem stand die überragende Leistung am Barren und die vorzügliche Hüpfseilübung von Frau Martha Tliem-Heuser. Was hier gezeigt wurde, war deutsches Turnen in bester Vollendung. kof.

Gerätekampf in Eppertshausen

In Eppertshausens Edersaal wird den Anhängern des Geräteturnsportes am Samstag (25. November) eine besondere Delikatesse serviert werden. Unter Mitwirkung der Turnvereine Dieburg und Groß-Zimmern veranstaltet der Turn - Athletik - Verein Eppertshausen einen Gerätewettkampf in bester Besetzung. Die Damenabteilungen der genannten Vereine werden mit Gymnastikspielen die Ausschmückung des Programms übernehmen. Die Gesamtleitung des Wettkampfabends wurde Herrn Ignaz Gruber, Eppertshausen, übertragen. • -gi-

DFC ermittelt seine Klubmeister

In der zweiten Hälfte des Novembers führt der DFC seine Clubmeisterschaften durch. Die ersten Kämpfe im Herren-Florett werden am 24. November, 20 Uhr, auf dem Fechtboden des DFC „Heilig Kreuz“ gestartet. Acht Fechter werden die Klingen kreuzen: Haun, Melcher, Weicker, Dr. Vix. Leicht, Schreher, Storck und Getrost. Ani gleichen Abend wird eine Ueberprüfung verschiedener Anfänger vorgenommen, die im nächsten Jahr an öffentlichen Wettkämpfen teilnehmen sollen.

Am Dienstag, dem 28. November, ist das Florettfechten der Damen und Säbelfechten der Herren vorgesehen. Die Fechterinnen: Frau Haun, Frl. Niebel, Frau Schreher, Frau Unger, Frau Groß. Die Säbelfechter: Melcher, Landesmeister 1950, Haun, Weikker, Schreher und Storck.

Am Donnerstag, dem 30. November, ermitteln die jüngsten Fechterinnen und Fechter ihre Besten im Florett. Es werden rund 15 Fechterinnen und Fechter ihre Kräfte messen.

Zu interessanten Kämpfen kommt es besonders bei den Aktiven.

Im Florettfechten der Herren dürfte es zwischen den Fechtern Melcher, Dr. Vix, Hauh und Weicker zu den schönsten und härtesten Gefechten kommen, bei denen Melcher infolge seiner Körperlänge ein leichtes Plus einzuräumen ist. Aber auch alle anderen Fechter sind für Ueberraschungen gut.

Die Clubmeisterschaft der Damen wird voraussichtlich zwischen Frau Haun, Frl. Niebel und Frau Schreher entschieden.

Die Entscheidung im Säbelfechten wird zwischen den Herren Melcher, Haun und Weicker fallen. Hier ist von besonderem Interesse wie die technisch besseren Fechter Haun und Weicker gegen den wegen seiner Körperlänge und seiner guten Zeitwahl sehr gefährlichen Melcher abschneiden werden.

Die Sieger der Aktiven erhalten eine Plakette während die Sieger der Anfängerklasse zwischen Florett, Maske oder Fecht, handschuh wählen dürfen. -icke-

2:2 Jugoslawiens in England

London. Siebzigtausend Fußballbegeisterte passierten am Mittwoch die Drehkreuze in Hiighbury, dem prächtigen Spielgelände der berühmten Ansenalelf, um das Länderspiel England gegen Jugoslawien zu erleben. Es galt für die englische Nationalelf, die 1939 ' in Belgrad erlittene 2:1-Niederlage auszuwetzen. Die recht spielstarken Jugoslawen machten ihren Gastgebern allerdings einen dicken Strich durch die Revancherechnung, denn das Spiel endete 2:2 (E:l). Die Gäste hinterließen einen ganz ausgezeichneten Eindruck. Sie ließen sich auch dadurch nicht beirren, daß England in der 25. und 29. Minute durch Treffer seines Mittelstürmers Lofthouse 2:0 davonzog. Immerhin fiel der Anschlußtreffer auf eine glückliche Art. Leslie Compton hatte das Pech, in der 40. Minute den Ball im eigenen Tor unterzubringen. Neun Minuten vor Schluß des Spiels kam Jugoslawden durch seinen Mittelstürmer Zivanovic zum Ausgleich. Kritisch bleibt zu sagen, daß England zwar besser spielte, aber im Sturm zu wenig durchschlagskräftig war. Auf der anderen Seite verhütete der jugoslawische Torwart Beara mit feinen Paraden weitere Treffer der Engländer.

Zweimal 1. Liga Nord

-ng. Hamburg. Am Millerntor in Hamburg fanden sich am Buß- und Bettag fünftausend Zuschauer zum Punktespiel des FC St. Pauli gegen den Vfß Oldenburg ein. Oldenburg stellte eine überraschend starke Mannschaft, und die Platzherren waren am Schlüsse froh, mit 3:2 (2:2) gesiegt zu haben. In Osnabrück erkämpfte sich die „Eintracht“ gegen den Tabellenletzten SV Itzehoe ihren ersten Sieg in dieser Serie, der mit 6:2 sehr deutlich ausfiel. In der Tabelle hat es insoweit eine Aenderung gegeben, als St. Pauli mit jetzt 17:9 Punkten zum Tabellendritten Hamburger SV aufschloß.

Eintracht Frankfurt schlug den HSV

Fürth imponierte in Berlin

Der süddeutsche Meister Spvgg Fürth erkämpfte sich im Berliner Poststadion vor 25 000 Zuschauern einen 4:l-(l:l-)Sieg über Tennis-Borussia.

In Bad Gandersheim unterlag der Hamburger SV in einem Freundschaftsspiel gegen die Frankfurter „Eintracht“, die sich anscheinend von der 0:7-Niederlage in Fürth gut erholt hat, überraschend deutlich mit 0:5.

Stimmen zum Länderspiel

Dr. Peco Bauwens (Präsident des DFB): „Das Spiel der deutschen Mannschaft war die größte Ueberraschung für mich. Ich hätte nicht geglaubt, daß wir auf diesem schweren Boden den Mangel an internationaler Erfahrung gegen einen solch gut aufeinander eingespielten Gegner durch ein ausgezeichnetes ,teamwork‘ mehr als ausgleichen würden.“

Ernst Thommen (Zentralpräsident des SFAV): „Ihr habt verdient gewonnen. Ich war überrascht, daß Ihre Mannschaft nach einer so langen Pause es fertig gebracht hat, sofort den nötigen Kontakt zueinander zu finden und sich zu einer derartigen Leistung aufzuraffen.“

Sepp Herberger: „Es war doch gut, daß ich Othmar Walter trotz des Ausfalls von Fritz im Angriff beließ. Er war der einzige Mann im Angriff, der die zweimal 45 Minuten vollkommen durchstand und in die erfahrene Abwehr der Schweizer zeitweise gefährliche Lücken schlagen konnte.“

Carl Ar p e (Schatzmeister im DFB): „Ich hatte allen Grund, schon vor dem Spiel optimistisch zu sein. Daß dann auch der Verlauf selbst und auch der deutsche Sieg so eindrucksvoll ausfiel, hat mich besonders gefreut. Das Interesse am Fußball ist größer geworden und wir können beruhigt den kommenden Ereignissen entgegensehen.“

Luder (Technische Kommission des SFAV): „Ihre Mannschaft hat mich außerordentlich überrascht. Wir hatten uns zwar auf starken Widerstand gefaßt gemacht, rechneten aber nicht mit einem so hervorragenden Mittelfeldspiel. Auf dieser Basis braucht Deutschland für seine gesunde Weiterentwicklung keine Öefürchtungen zu haben und wird wohl bald eine gute Rolle dm internationalen Fußball spielen.“

Dr. Klett (Oberbürgermeister von Stuttgart): „Für die Stadt Stuttgart war das Länderspiel auf jeden Fall ein Erfolg und ich freue mich begreiflicherweise sehr über den deutschen Sieg. Hoffentlich wird der DFB auch im nächsten Jahre nicht an uns vorbeigehen.“

And e r 1 Kupfer (Spielführer der deutschen Elf): „Wir marschierten genau nach dem Plan Sepp Herbergers. Jeder kannte seine Aufgabe und ich glaube, daß es glänzend geklappt hat. Mit etwas mehr Glück hätten wir noch ein weiteres Tor schießen können.“

Paul Mebus (VfL Benrath, Ersatzspieler der deutschen Elf): „Es ist schade, daß mich meine Verletzung daran hinderte, aktiv bei diesem Spiel mitzuwirken, aber ich freue mich, wenigstens in der engeren Auswahl gestanden zu haben. Unsere Mannschaft hat ihr Bestes gezeigt. Schade, daß Balogh soviel Pech hatte und verschiedene gute Gelegenheiten neben das Tor setzte, sonst wäre unser Sieg wahrscheinlich höher ausgefallen.“

Handball:

Wormatia Worms beim SV Darmstadt 98

Keimig im Tor der Gäste / Spitzenreiterduell Offenbach—Dietzenbach

Nachdem die 98er die überaus schwere Hürde in Mombach genommen haben, wobei es leider zu recht unerfreulichen Szenen mit den sich als schlechte Verlierer zeigenden Gastgeber kam, waren die Lilienträger am vergangenen Mittwoch in Nied. Da die Nieder nicht antraten, konnten die 98er die Punkte kampflos mit nach Hause nehmen. Am kommenden Sonntag zeigen sie sich ihren Darmstädter Freunden wieder einmal im Hochschulstadion; Gegner ist diesmal Wormatia Worms. Die Wormser haben bisher nicht gut abgeschnitten. Das liegt aber in der Hauptsache an ihrem wenig durchschlagkräftigen Sturm, während ihre Hintermannschaft stets recht ordentliche Partien lieferte, so daß teilweise die Spiele erst im Endspurt verloren wurden. Der bekannteste Mann der Wormser steht im Tor, und zwar ist es der Olympiatorhüter Heiner Keimig. Vielen Darmstädtern Handballfreunden wird Keimig aus den Zeiten, während deren er in Darmstadt beim Polizeisportverein bzw. beim MSV Schlußmann der Handballelf war., noch in bester Erinnerung sein. In allen Spielen der Wormser Mannschaft war Keimig bisher die überragende Figur auf dem Spielfeld gewesen und wird es auch am kommenden Sonntag wieder sein. Bei einem Freundschaftsspiel im Sommer dieses Jahres hatten die 98er nach einem 3:3-Pausenstand alle Mühe, um mit einem 11:5 als Sieger den Platz verlassen zu können. Allerdings sind die Darmstädter augenblicklich in einer weitaus besseren Form als damals, und es steht zu erwarten, daß sie am Sonntag einen klaren Sieg davontragen. Allerdings ist es noch nicht sicher, ob Schäfer und Lutz spielen werden bzw. nur einer von beiden, da sie zur Zeit noch an ihren Verletzungen laborie* ren. Folgende Spieler wurden für Sonntag benannt: Lehning; Mark, Glock; Spieker, Peters, Fischer; Schäfer, Lutz, Reinhardt, Dr. Barth, Emig. Wenz.

Die Reserven beider Mannschaften treffen sich bereits um 13.45 Uhr zum Punktspiel, während die beiderseitigen Frauenmannschaften sich um 13 Uhr im Kampf um die Punkte gegenüberstehen. Beide Frauenmannschaften sind bisher ohne Verlustpunkte und es ist zu erwarten, daß sie auch die Bezirksmeisterschaft unter sich austragen. Ein Punktverlust auf eigenem Platz würde möglicherweise der Verlust der Meisterschaft für Darmstadt bedeuten.

Weiter spielen am Sonntag in der Verbandsliga:

Kickers Offenbach — SG Dietzenbach VfR Wiesbaden —SG Nied

TuS Griesheim — Eintracht Mombach Kempten — Herrnsheim

Als das Spiel des Tages dürfte das Zusammentreffen der beiden derzeitigen Spitzenreiter Kickers Offenbacji und Dietzenbach auf dem Bieberer Berg zu bezeichnen sein. Gewinnen die Offenbacher diese Partie, haben die Darmstädter Lilienträger noch Meisterschaftsaussichten, da Offenbach noch nach Dietzenbach und Darmstadt muß. Gewinnt allerdings Dietzenbach, dann dürfte ihnen auch in diesem Jahr die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen sein, da der Punktabstand zwischen den Rodgauern und den 98ern kaum mehr aufzuholen wäre. In Gries he i m erwartet die TuS die Mannschaft von Eintracht Mombach und dürfte voraussichtlich leicht zum Siege kommen, da Mombach drei seiner besten Spieler durch die Unsportlichkeiten im Spiel gegen Darmstadt 98 gesperrt hat. In Kempten wird wohl der Gastgeber zu seinen bisher errungenen zwei Punkten gegen das Schlußlicht Herrnsheim zwei weitere Punkte hinzufügen, während die Partie zwischen VfR Wiesbaden und SG Nied als durchaus offen anzusprechen ist. -r.

Gruppenliga 4

Am letzten Spieltag, dem Buß- und Bettag, hat Rüsselsheim nicht nur die Herbstmeisterschaft errungen, sondern auch gleichzeitig die Vorrunde beendet. Der nächste Spielsonntag entscheidet über die Besetzung des zweiten Tabellenplatzes.

Dabei kommen folgende Begegnungen zur Austragung: TSV Braunshardt — TSV Pfungstadt, VfL Herrnsheim — Concordia Gernsheim. SG Bretzenheim — SSC Alzey. TuS Wörrstadt — SV Kostheim.

Der Sportplatz hinter dem Braunshardter Schlößchen ist Austragungsort eines der spannendsten Spiele dieser Saison. Der in letzter Zeit stark aufgekommene TSV Pfungstadt wird dort vom TSV Braunshardt zum letzten Vorrundenspiel empfangen. Der Gastgeber wird natürlich von vornherein auf Sieg spielen, denn bei einem Punktverlust geht endgültig der Anschluß an die Spitzengruppe verloren, während auch nur ein einfacher Punktgewinn der Gäste mindestens den dritten Tabellenplatz sichern würde. — Der VfL Herrnsheim wird es auch zu Hause nicht allzu schwer haben, um zu Hause gegen die Gernsheimer Concorden zu einem doppelten Punktgewinn zu kommen. Der zweite Tabellenplatz dürfte damit bereits für die Vorrunde vergeben sein. — In Bretzenheim stehen sich in dem dortigen SG und dem SSC Alzey der Tabellenzweite und -drittletzte gegenüber. Da beide Mannschaften bestrebt sind, Punkte zu gewinnen, um den Anschluß nicht ganz zu verlieren, darf das Spiel als eine offene Begegnung vorausgesagt werden. — Der Tabellenletzte, der TuS Wörrstadt, hat sogar auf eigenem Platz sehr geringe Aussichten, seinen Kostheimern Gästen einen Erfolg zu versagen. Klare Favoriten sind die Vertreter der Mainspitze. -th-

Kreisklasse Dieburg

Am kommenden Sonntag finden folgende Spiele statt: Gruppe I: Semd Babenhausen, Schaafheim—Langstadt/Schlierbach 11, TV Reinheim Klein Umstadt. Gruppe II: Münster Groß-Zimmern, Groß-Umstadt TS Ober-Roden, Nieder-Klingen —Brensbach, SV 45 Reinheim Habitzheim. Zwei gleichwertige Mannschaften stehen sich in Semd gegenüber, die Tagesform wird in dieser Begegnung ausschlaggebend sein. Einen sicheren Sieg sollte sich Schaafheim zu Hause gegen die Reserve des TSV Langstadt holen. In Reinheim stehen sich die beiden Tabellenletzten der Gruppe I gegenüber. Beide Mannschaften sind in ihren Leistungen sehr schwankend und es erscheint uns daher mehr als fraglich wem sich Fortuna zuwenden wird. Groß-Zimmern hat am Sonntag einen schweren Gang vor sich. In der Vorrunde konnte bekanntlich der TV Münster aus Groß-Zimmern einen Punkt entführen. Jedoch hat der Tabellenführer gegenüber den ersten Spielen wesentlich an Stärke gewonnen, während Münster in den letzten Begegnungen etwas enttäuschte. Der Favoritenschreck Groß-Umstadt empfängt die beständige Mannschaft der Turnerschaft Ober-Roden. Die Gäste werden alles hergeben müssen, wenn sie bei den zu Hause noch ungeschlagenen Platzherren zum Siege kommen wollen. Nieder-Klingen, das im Vorspiel in Brensbach bereits Sieger blieb, sollte sicher gegen seine Gäste gewinnen und somit Anschluß an die Mittelgruppe gewinnen. -ff-

Kreisklasse Bergstraße

Nach dem zwischendurch am Bußtag ausgetragenen Rundenspiel Zwingenberg — Auerbach wurden für kommenden Sonntag folgende Begegnungen angesetzt: Kreidach — Heppenheim, Zell — Kirschhausen, Krumbach — Einhausen, Siedelsbrunn — Auerbach. Ober-Mumbach — Erbach.

Die Tabellenführer sind also auf Reisen. Es ist allerdings kaum anzunehmen, daß sie ihre Exkursionen mit Niederlagen beenden, denn Heppenheim wird den jungen Kreidachern ebenso das Nachsehen geben wie Kirschhausen den Platzherren in Zell. Abgesehen von der Begegnung in Ober-Mumbach, wo ein klarer Sieg der Einheimischen über Erbach herausspringen sollte, sind die Treffen Krumbach-—Einhausen und Siedelsbrunn— Auerbach als offen zu bezeichnen, wenn wir auch den Bergsträßern an der Kreidacher Höhe mehr Erfolgschancen geben. (ni)

Ringer-Meisterschaft vor dem Abschluß

SV 98 empfängt Großzimmern / SG Arheilgen in Sprendlingen

Die Verbandsrunde der Ringer neigt sich ihrem Ende zu. Die Spannung wird aber bis zum Schluß anhalten. So stehen am vorletzten Kampftag in der hessischen Ober- und Landesliga noch nicht die Meister fest. Die absteigenden Mannschaften sind in der Oberliga der SV 98, falls ihm nicht die Punkte von Hanau zugesprochen werden, und in der Landesliga Wiesbaden.

Am Wochenende stehen sich folgende Staffeln gegenüber: SV Darmstadt 98 gegen Vorwärts Groß-Zimmern, ASV Frankfurt 86 gegen Germania Hösbach, SG Eckenheim gegen Eiche Hanau. Germania Dettingen Ist kampffrei. In Darmstadt stehen sich am Samstagabend in der Goetheschule um 20.30 Uhr die beiden stärksten Mannschaften des Bezirks Darmstadt gegenüber. Die Gäste aus Groß-Zimmern und die Gastgeber kennen sich nur zu gut, und es wird zu interessanten Begegnungen kommen. Beide Mannschaften stehen in dem diesjährigen Meisterschaftswettbewerb in der unteren Tabellenhälfte. Noch ist nicht sicher, welche von beiden Mannschaften den Weg in die untere Klasse antreten muß. Sollten die Darmstädter die Punkte von ihrem letzten Kampf in Hanau zugesprochen bekommen, würden sie nur einen Punkt hinter den Gästen liegen. Dieser Tatsache sind die Lilienträger sich bewußt und der Kampf wird mit dem nötigen Einsatz und mit kompletter Aufstellung bestritten. Auf eigener Matte sollte es den Gastgebern gelingen, ihre klare Vorkampfniederlage wettzumachen. Die 98er treten voraussichtlich in der Aufstellung Marx, Borowski oder Schnauber, Heckhaus, Mischky, Ebert, Waldhaus, Gerhardt und Scheidler an. Die Gäste, in deren Reihen bekannte Namen wie Dittmann, Steinbeck, Roth und Pullmann stehen, sind sich ebenfalls ihrer kritischen Lage bewußt, ein Teilerfolg würde ihnen zum Verbleib in der Oberliga lOOprozentig genügen. In Eckenheim wird der Meister seinen noch fehlenden Punkt für die Meisterschaft buchen können. Die Hanauer Gäste besitzen nicht mehr die Stärke, um den Meister ernstlich gefährden zu können.

In Frankfurt wird die Henze-Mannschaft einen schweren Kampf bestreiten müssen, obwohl mit einem knappen Siege der Gastgeber gerechnet werden darf.

In der Landesliga ringen: SKV Sprendlingen gegen SG Arheilgen, Athletia Wiesbaden gegen SKV Ober-Ramstadt, KSV Neu-Isenburg gegen Kostheim. Darmstadt 1910 ist frei. Der Spitzenreiter Darmstadt 1910 pausiert am Wochenende und kann dadurch profitieren, wenn seine hartnäckigen Verfolger Spendlingen und Ober-Ramstadt Punkte lassen.

Einen schweren Gang bestreitet die SG Arheilgen beim Tabellenzweiten in Sprendlingen. Obwohl auf eigener Matte die Arheilger ein Unentschieden erzielen konnten, ist in Sprendlingen ein Sieg der Gastgeber zu erwarten. Dennoch darf dabei nicht vergessen werden, daß die Mannschaft der Gastgeber den Gästen gut liegt. Entscheidend für den Ausgang der Begegnung wird sein, ob die Gäste komplett antreten können. Das größte Interesse wird dabei das erneute Zusammentreffen zwischen Heinl (Sprendlingen) und Spatz (Arhellgen) finden.

Die mächtig nach vorne strebenden Ober-Ramstädter müßten in Wiesbaden zu einem glatten Siege kommen, obwohl die Gastgeber mit den Gebrüdern Meerscheidt nicht unterschätzt werden dürfen.

scnaizt weiuen uuncu. In Neu-Isenburg werden die Einheimischen auch ohne Euler über die Kostheimer Mannschaft zum doppelten Punkterfolg kommen.

Ausscheidungsturnier

in Sprendlingen

Der hessische Schwerathletikverband ermittelte am Sonntag in Sprendlingen in einem Ausscheidungsturnier in den Klassen Bantam-, Leicht-, Welter- und Halbschwergewicht seine besten Ringer.

Die ersten internationalen Begegnungen unserer Ringer nach dem Kriege haben bewiesen, daß der Leistungsstandard der Vorkriegszeit noch lange nicht erreicht ist. Es wird Aufgabe des deutschen Schwerathletikverbandes sein, in kurzer Zeit eine schlagkräftige deutsche Nationalstaffel auf die Beine zu stellen. In der Türkei vermochten bekanntlich unsere Ringer im Freistilringen nicht zu Punktehren zu kommen. In Schwede/i waren die Leistungen schon besser, es zeigte sich aber erneut, daß langjährige internationale Erfahrung fehlte. Zu diesem Zweck ermitteln die einzelnen Länder in den verschiedenen Klassen ihre besten Ringer, die dann in Dortmund gegeneinander antreten und die wirklich Besten ermitteln.

Die Kämpfe verliefen fair und hatten in Kampfrichter Hubeier (Neu-Isenburg) einen guten Leiter. Die zahlreichen Zuschauer waren mit den gezeigten Leistungen zufrieden.

Stand des Turniers: Bantamgewicht: 1. Ditter, Darmstadt: 2. Schlagmüller, Eckenheim; 3. Fuldan, Frankfurt. Leichtgewicht: 1. Fey, SG Eckenheim; 2. Specht. SKG Sprendlingen; 3. Dix, Sachsenhausen. Weltergewicht: 1. Wittmann, Friesenheim; 2. Schlagmüller, Eckenheim; 3. Dittmann, Groß-Zimmern. Halbschwergewicht: 1. Henze. ASV Frankfurt; 2. Heinl, Sprendlingen.

Der Dortmunder Schwergewichtler Heins Neuhaus soll in seinem ersten Kampf nach dem großartigen Unentschieden gegen Hein ten Hoff am 29. Dezember in Dortmund entweder gegen Oldini (Italien), Wilde (Belgien) oder gegen den Holländer Klein antreten.

Bestattungen am Freitag, 24. Nov. 1950 I Beerdigungen: Alter Friedhof: 11.00 Uhr: Raab, Elisabeth, 89 J., Bensheim-Schönberg I 14.00 Uhr: Roth, Karl, 80 Jahre, Am Erlenberg 19 Waldfriedhof: 13.45 Uhr: Engel, Philipp, 51 Jahre, Gardistenstraße 13 ■

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Amtliche Bekanntmachungen | Allgemeine Viehzählung am 2. Dezember 1950 Am 2. Dezember 1950 wird auf Grund der „Gemeinsamen An¬ ordnung der Verwaltungen des Vereinigten Wirtschaftsgebietes zur Durchführung von Statistiken“ vom 1. Juni 1949 (öffentl. Anzeiger 1949, Nr. 50) eine allgemeine Viehzählung durch¬ geführt. Die Auskunftspflicht der Viehhalter ist durch das Ge¬ setz über Viehzählungen vom 31. Oktober 1938 (RGBI. I, S. 1532) und die Verordnung über die Auskunftspflicht von 13. Juli 1923 (RGBI. I, S. 723) gegeben. Die Zählung erstreckt sich auf Pferde. Maultiere Maulesel und Esel, Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, Federvieh und Bienenstöcke. Die Durchführung der Zählung erfolgt wie üblich mittels besonderer Zähllisten. Den beauftragten Zählern ist jede Aus¬ kunft zu erteilen und Zutritt zu Hof und Stallungen zu ge¬ statten. Die Angaben sind sorgfältig und wahrheitsgetreu zu machen. Nachkontrollen werden sie überprüfen. Jeder Viehhalter be¬ fleißige sich daher wahrheitsgetreuer Angaben, da er in seinem Betrieb mit einer Nachkontrolle und deren Folgen zu rechnen hat. Dagegen wird ausdrücklich versichert, daß die Angaben nur für statistische Zwecke zum Erhalt handelspolitischer Unter¬ lagen verwendet werden. Weder das Finanzamt noch andere Dienststellen erhalten Kenntnis. Die Bürgermeister und Zähler sind ausdrücklich zur Geheimhaltung verpflichtet und dürfen keinerlei Auskunft erteilen. • Angaben für einen Betrieb sind jeweils vom Betriebs¬ inhaber oder höchstens von seiner Ehefrau zu unterschreiben; eine andere Unterschrift ist ungültig. Wenn bei dem Besuch des Zahlers der Betriebsleiter oder seine Ehefrau nicht zu¬ gegen sein sollten, dann hat er seine Unterschrift auf der Bürgermeisterei nachzuholen. Im übrigen wird nochmals auf die einschlägigen Bestim¬ mungen die nunmehr allgemein bekannt sein dürften, verwi'e¬ sen Desgleichen geben Bürgermeister und Zähler nähere Aus¬ kunfte. Auf die an der Bürgermeisterei ausgehängte Bekannt¬ machung wird hmgewiesen. Darmstadt, den 15. November 1950. Der Landrat: I. A.: Dieterich. Schbchthof (Freibank) Freitag von 8.00—12.00 Uhr: Nr. 850—1350 Samstag kein Verkauf

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