Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Dar ms tad t, Rheinstraße 23. Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 124 Xeueffe Tita^rt^en Donnerstag, 23. November 1950 Redaktion: Darmstadter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt. Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Deutschland bestimmt die Front

Alliierte Erklärung zur Verteidigungslinie

Frankfurt am Main, 22. November (AP.) Die Verteidigungslinie des Westens gegen eine eventuelle sowjetische Aggression werde so weit östlich vorgeschoben werden, wie es die Unterstützung durch Westeuropa und Deutschland gestatte, wurde von maßgeblicher alliierter Seite am Mittwoch erklärt.

„Je größer die Unterstützung ist, die die Vereinigten Staaten erfahren, um so weiter östlich kann Westeuropa verteidigt werden“, wurde gesagt.

Wenn auch keine Aeußerung darüber fiel, so ist man doch in unterrichteten alliierten ■ Kreisen der Ansicht, daß das Hauptgewicht der westlichen Verteidigung westlich des Rheines liegen wird, wenn Deutschland sich nicht beteiligt.

„Wir, die Alliierten, würden einen großen Fehler machen, wenn wir versuchen würden, mit den Deutschen zu handeln“. wurde von dieser Seite mitgeteilt.

„Wenn die Idee der europäischen Verteidigung nicht mit ganzem Herzen unterstützt wird, ist sie wertlos. In jedem vom Westen geschaffenen vereinten Verteidigungssystem werden die Deutschen eine völlig gleichberechtigte Stellung haben.“

. Es wurde hervorgehoben, daß die Frage einer deutschen Wiederbewaffnung vom deutschen Volk „ohne Druck oder Beeinflussung durch die Alliierten“ erörtert werden müsse. Dabei müßten sich die Deutschen jedoch über die Weltlage im klaren sein und ihr Urteil „im Lichte der gegebenen Tatsachen“ fällen.

Von maßgeblicher Seite wurde weiter erklärt, daß bei den gegenwärtigen Revisionsverhandlungen über das Besatzungsstatut „nichts Neues“ zu erwarten sei. Es handele sich lediglich um die Durchführung der Beschlüsse der Neuyorker Außenministerkonferenz. Es wurde die Ansicht vertreten, daß die Westmächte entscheidende Maßnahmen zur Beendigung der alliierten Kontrolle aber Deutschland treffen sollten.

Es sei zu hoffen, daß die wirtschaftlichen Kontrollen einschließlich der Beschränkung der synthetischen Produktion beseitigt werden könnten. Nach den Beschlüssen der Außenministerkonferenz soll die Liste der verbotenen Industrien revidiert werden.

Die Revision des Besatzungsstatuts werde weitgehend von Maßnahmen der Deutschen, wie Anerkennung der Auslandsschulden, abhängen, wurde weiter erklärt.

Kein Grund zur Verzögerung

Washington, 22. November. (AP.) Der amerikanische Außenminister Acheson sagte, er glaube nicht, daß der sozialdemokratische Wahlerfolg in Westdeutschland die Verwirklichung der westlichen Pläne für eine Einbeziehung deutscher Einheiten in die vorgeschlagene Nordatlantik-Armee verzögern werde.

Auflösung der Ruhrhehörde?

Ein britischer Antrag

London, 22. November. (AP.) Großbritannien werde in Kürze vorschlagen, die Internationale Ruhrbehörde aufzulösen, verlautete in politischen Kreisen Londons. Die britische Regierung werde jedoch voraussichtlich mit ihrem Vorschlag warten, bis die westeuropäische Montanunion unterzeichnet ist. Man ist im Foreign Office offenbar der Ansicht, daß durch den Schuman-Plan die seit zwei Jahren bestehende Ruhrbehörde überflüssig werde.

Noch kein Termig

Paris, 22. November, (dpa) Auf Grund von Einwänden, die Belgien und Italien in letzter Minute vorbrachten, kann kein bestimmter Termin für die Unterzeichnung des Vertrages über die europäische Montanunion in Paris angegeben werden, erklärte ein Sprecher des französischen Außenministeriums. Auf französischer Seite rechne man jedoch damit, daß die neuen Schwierigkeiten in kurzer Zeit beseitigt werden können.

Dir Auslieferunagsfrage

Bonn, 22. November, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer wurde am Mittwoch von zuständiger alliierter Seite mitgeteilt. daß in Zukunft nur noch die Deutschen an fremde Staaten ausgeliefert werden sollen, die wegen Mordes nach deutschen Gesetzen bestraft werden können. Eine entsprechende Vereinbarung sei in Kürze zu erwarten.

Partifanen-Wellen in der Etappe

Kämpfe im Hinterland / Mandschurische Grenze erreicht

Söul, 22. November. (AP.) Die Kampftätigkeit an der koreanischen Front hat am Mittwoch erneut nadigelassen, gleichzeitig verstärkte sich jedoch die Partisa-

nentätigkeit hinter der Front. Große Teile der Streitkräfte der Vereinten Nationen, darunter südkoreanische Truppen in ganzen Divisionsverbänden, werden durch die kommunistischen GuenU» m terland gebunden. Zahlreiche Städte und Dörfer befinden sich weit hinter der Front in der Hand des Feindes. An sämtlichen Stellen der „Partisanenfront“ haben die Kommunisten in den letzten Tagen starke Verbände zusammengezogen und ihre Widerstandslinien weiter ausgebaut.

In Nordwestkorea hat die 7. amerikanische Infanteriedivision den das Land in zwei Teile spaltenden Keil zur mandschurischen Grenze verbreitert. Panzer- und Schützenverbände stoßen gegen Samsu im Südwesten von der eroberten Grenzstadt Hyesanjin aus vor. wo stärkere feindliche Konzentrationen gemeldet worden sind.

An der Ostküste hat die südkoreanische „Söul“-Division den engeren Raum von Chongjin erreicht. Vorausabteilungen der Division stehen bereits 10 km von der Stadt entfernt. Amerikanische Superfestungen flogen den ganzen Mittwoch über Einsätze gegen die feindlichen Stellungen und Verbindungen in diesem Raum. Andere Geschwader bombardierten das Gebiet von Musan im äußersten Nordosten, wo sich starke chinesische Reserveverbände zusammen mit nordkoreanischen Truppen zu einem Gegenangriff formieren sollen.

Neutscher Lußballsieg über die Schweiz

Das erste Nachkriegsländerspiel in Stuttgart endete 1:0 (1:0)

Stuttgart, 22. November. Das mit größter Spannung erwartete erste Nachkriegs-Länderspiel zwischen der deutschen Nationalmannschaft und der Vertretung der Schweiz endete im Stuttgarter Neckar-Stadion vor hunderttausend Zuschauern mit einem verdienten 1:0(1:0)-Sieg der Deutschen. Trotz aufgeweichten Bodens und, vor allem in der zweiten Halbzeit, starken Regens, bei dem die Hunderttausend nicht wichen und wankten, sah man ein spannendes und auch leistungsmäßig gutes Spiel. Das entscheidende Tor fiel in der 40. Minute durch einen Handelfmeter von Burdenski. Vorher hatte bei einem Eckball ein Schweizer den Ball mit der Hand abgewehrt.

Die deutsche Mannschaft, die auf Fritz Walter und den Fürther Schade verzichten mußte, hatte ihren Angriff mit dem Nürnberger Morlock umbesetzt. Die Elf lieferte, allen vorherigen Unkenrufen zum Trotz, ein gutes Spiel und gewann verdient. Großzügiger Leiter des Treffens war der Londoner Unparteiische Ellis.

Neben dem Stuttgarter Länderspiel fand in Darmstadt noch ein Treffen zweier S tudenten-Auswahlmannscha f ten beider Länder statt. Deutschland gewann auch hier mit 2:1. Ein am Vormittag in

Stuttgart ausgetragenes „Länderspiel“ der Presse brachte ebenfalls den deutschen Zeitungsmännern einen 8:2-Sieg. (Ausführlichen Bericht siehe im Sportteil.)


Flüchtlingsströme, Treckkolonnen zwischen den Fronten, Mütter, denen die Babys im Arm erfrieren, Kinder, die ihre Eltern verlieren und allein Zurückbleiben, — das alles erlebt die Bevölkerung Koreas jetzt seit sechs Monaten des Krieges. — Unser Bild zeigt eine Gruppe koreanischer Kinder, die im Kampfgebiet aufgelesen worden sind und nun auf einem Lkw. in ein Waisenhaus gebracht werden Foto: dpa
Flüchtlingsströme, Treckkolonnen zwischen den Fronten, Mütter, denen die Babys im Arm erfrieren, Kinder, die ihre Eltern verlieren und allein Zurückbleiben, — das alles erlebt die Bevölkerung Koreas jetzt seit sechs Monaten des Krieges. — Unser Bild zeigt eine Gruppe koreanischer Kinder, die im Kampfgebiet aufgelesen worden sind und nun auf einem Lkw. in ein Waisenhaus gebracht werden Foto: dpa

Warschau schafft „Weltfriedensrat“

Der Weltfriedenskongreß mit zahlreichen Entschließungen beendet

Warschau, 22. November, (dpa) Der Warschauer Weltfriedens-Kongreß beendete am Mittwoch seine sechstägige Sitzung mit der Forderung nach Einberufung einer Konferenz der fünf Großmächte „zur Erörterung und Beilegung der bestehenden Meinungsverschiedenheiten“.

In dem Schlußmanifest heißt es: „Die Macht der friedliebenden Völker in der ganzen Welt ist groß genug. Die Stimmen der freien Menschen sind stark genug, um ein baldiges Treffen der Großmächte zu sichern. Wenn die UNO die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt und für die Menschheit noch nicht Sicherheit und Frieden geschaffen hat, so sind daran gewisse Mächte schuld, die den Kampf um allgemeinen Frieden und die Suche nach Verständigung mißachten.“

Der Kongreß beschloß die Bildung eines „Weltfriedensrates“, dem Vertreter aller Nationen angehören. Ferner soll ein internationaler Ausschuß ernannt werden. der sich mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Korea und insbesondere mit der „Verantwortung Mac Arthurs" beschäftigen soll.

In einer weiteren „Friedenscharta“ genannten Erklärung werden die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten in Korea, der Rückzug aller ausländischen Streitkräfte aus dem Lande und eine friedliche Beilegung des Konfliktes gefordert. In einer Botschaft an die Parlamente aller Staaten wird die Einstellung der Feindseligkeiten in Indochina gefordert. Mit einem geeinten, entmilitarisierten Deutschland, dessen Wiederaufrüstung eine ernste Friedensbedrohung sei, solle Frieden geschlossen werden. Allen Kolonialvölkern müsse das Recht auf Freiheit und Unabhängigkeit zugestanden werden. Wirtschaftliche und Rassendiskriminierung. Kriegspropaganda, baktemolO'gische, chemische und Atomwaffen sollen verboten werden. An dem Kongreß nahmen insgesamt 2065 Personen teil.

„Phantastisch“

* * * Marschiert Europa? Wenn man die vielen Berichte aus Straßburg liest, möchte man es manchmal glauben. Zumal, wenn man liest, wie der gleichzeitig tagende Kongreß der europäischen Föderalisten, der in der Hauptsache aus jugendlichen Teilnehmern besteht, sich für den europäischen Gedanken einsetzt. Westdeutsche Gruppen wollen zum Beispiel wiederum die Grenze nach Frankreich ohne Paß überschreiten und im Notfall die Grenzübergänge stürmen.

Der Politische Ausschuß der Beratenden Versammlung des Europarats hat in einem Entschließungsentwurf, der der Beratenden Versammlung vorgelegt werden soll, mit 18 gegen eine Stimme die Aufstellung einer europäischen Armee mit deutscher Beteiligung innerhalb des atlantischen Verteidigungssystems empfohlen. Es war der deutsche sozialdemokratische Delegierte Mommer, der dagegen gestimmt hat. Nach seiner Ansicht bedeutet der Entwurf, „daß Deutschland als wilder Elefant von zwei zahmen Elefanten an beiden Seiten geführt werden soll“, damit er nicht ausbreche. Mommer vermißt in dem Vorschlag die deutsche Gleichberechtigung. In seinem Sinne hat sich in Straßburg auch Professor Nölting, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, ausgesprochen, und man weiß, seine Auffassung entspricht der Dr. Kurt Schumachers. Es werden sich überhaupt nicht viele Deutsche finden, die bereit sind, zu kämpfen, solange Deutschland nicht als völlig gleichberechtigt mit den anderen Ländern anerkannt wird und solange nicht durch die genügende Entsendung fremder Truppen die Garantie gegeben ist, daß Deutschland nicht zur verbrannten Erde wird.

Nun ist aber von maßgeblicher alliierter Seite die Auffassung Schumachers, die Westmächte müßten genügend Truppen an der Elbe zur Verfügung haben, um nach einem sowjetischen Angriff sofort bis zur Weichsel vorstoßen zu können, als „phantastisch“ bezeichnet worden. Es wird klar gesagt, die westlichen Alliierten würden keine deutsche Hilfe brauchen, wenn sie über derart große Streitkräfte verfügten. Man läßt sogar durchblicken, die Verteidigung Europas werde erst westlich des Rheines beginnen können, wenn Deutschland sich nicht an ihr beteiligte.

Wenn die Sache so ist, dann wird man sich in Deutschland ungeachtet aller Abneigung, noch einmal eine Waffe anzurühren, doch noch einmal überlegen müssen, ob es vorteilhafter ist, im Falle eines bolschewistischen Angriffes die Bundesrepublik zum Schlachtfeld werden zu lassen, oder gemeinsam mit den West- und Atlantikmächten Europa und uns selbst soweit östlich wie möglich zu verteidigen.

Der schweigsame Ranzler

Kurswechsel in der Außenpolitik ist möglich

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 22. November. Selten ist die Situation des Bundeskanzlers so heikel gewesen wie in diesen Tagen, in denen er sich tiefer noch als für gewöhnlich in Schweigen hüllt, um die sich entwickelnden außenpolitischen Entscheidungen nicht zu stören. Sowohl die sich anbahnende Verständigung der Westalliierten über den deutschen Verteidigungsbeitrag als auch die Besprechungen über die Revision des Besatzungsstatuts machen nach Auffassung Bonner Regierungskreise eine starke deutsche Zurückhaltung notwendig, wobei es überflüssig ist, zu betonen, daß die Neigung des Bundeskanzlers zu Publizität niemals groß gewesen ist.

Unterschiedliche Beurteilung

In Anbetracht der ihr geboten erscheinenden Zurückhaltung hat die Bundesregierung von jeder weiteren Stellungnahme zu den Ergebnissen der Landtagswahlen in Württemberg-Baden und Hessen abgesehen, obgleich diese Wahlergebnisse am Dienstag im Kabinett sehr eingehend beraten worden sind. Ein Sprecher der Bundesregierung bemerkte im Anschluß an die Kabinettssitzung, die Regierung sei sich darüber klar, daß die Bedeutung der Wahlen in keiner Weise unterschätzt werden sollte, aber auch in ihrer Bewertung für die Politik der Bundesregierung nicht überschätzt werden dürfe. Es liegt auf der Hand, daß die Kabinettsmitglieder je nach ihrer eigenen Parteizugehörigkeit den Ausgang der Wahl sehr unterschiedlich beurteilen.

Von grundlegender Bedeutung dürfte es sein, daß seitens der Demokratischen Partei nunmehr bestimmte Forderungen an den Bundeskanzler gestellt werden: Ernennung eines verantwortlichen Außenministers, Geschäftsordnung für das Kabinett, aktive Pressepolitik u. a. m. Die Partei begründet diese Forderungen, indem sie sich einerseits bereit erklärt, mit der „angeschlagenen Regierungspartei“ die Verantwortung der Bundesregierung zu tragen, andererseits aber betont, die Verantwortung nur mittragen zu können, wenn die Regierungsmethode nicht auf eine Person, sondern auf die Zusammenarbeit der Kabinettsmitglieder und beteiligten Fraktionen zugeschnitten sei.

Ruf nach Gleichberechtigung

Außer diesen Forderungen, die schon seit langem griffbereit lagen, jetzt aber vermutlich auch im Kabinett sehr entschieden vorgebracht worden sind, dürfte auch die Feststellung der Demokratischen Partei zur Sprache gekommen sein, daß der Westen „Adenauer mit leeren Händen“ vor das deutsche Volk treten ließ. Zwar sind die Kabinettstüren hermetisch verschlossen geblieben, aber die Demokratische Partei macht kein Hehl daraus, daß „längst die Stunde nicht für eine Aenderung, sondern eine Beseitigung des Besatzungsstatuts, nicht für ein Feilschen um Bataillone und Divisionen, sondern für die solidarische Verteidigung, nicht für Kontrollen des Mißtrauens, sondern für die volle Gleichberechtigung geschlagen“ habe. Sie spricht von der „verhängnisvollen Neuyorker Panne“, womit sie ihre Unzufriedenheit über die Beschlüsse der letzten Neuyorker Außenministerkonferenz ausdrückt, und fordert die Westmächte auf, anzuerkennen, daß außenpolitische Konferenzen nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland innenpolitische Auswirkungen hätten.

Das Kabinett ist sich einig, daß weder die von der Sozialdemokratie geforderte Bundestagsauflösung, noch die Bildung einer großen Koalition für eine der drei Regierungsparteien jetzt in Frage kommen kann. Aber die demokratischen Erklärungen, die sich an die Westmächte richten, weisen darauf hin, daß wenigstens die Demokratische Partei nunmehr auf einen etwas anderen außenpolitischen Kurs, hindrängen wird. Vorläufig scheint Bundeskanzler Dr. Adenauer nicht geneigt, seine Methoden zu ändern. Von den westalliierten Entscheidungen, auf die er jetzt wartet, hängt es ab, ob sich seine Politik behaupten kann.

„Alles großer Ouatsch“

Zwischenfall in Straßburg

Straßburg. 22. November (AP.) Einen heftigen Tumult löste in der Baratenden Versammlung des Europarates der Zwischenruf einer englischen Zuhörerin aus.

In das Schweigen des Hauses nach einer Rede des französischen Delegierten Reynaud ertönte plötzlich eine Frauenstimme von der Zuhörergalerie: „Mister Spaak, warum respektieren Sie hier einen Mehrheitsbeschluß, während Sie ihn im Parlament ihres Landes, das die Rückkehr des Königs wünscht, ignorieren?“

Der sichtlich erschrockene Präsident der Versammlung, Paul Henri Spaak (Belgien), der einer der schärfsten Widersacher des Königs Leopold von Belgien war, ordnete die Entfernung der Zwischenruferin aus dem Saale an.

Daraufhin rief die einen Leopardenpelz über ihrem eleganten schwarzen Kleid tragende Dame: „Das ist alles großer Quatsch!“ Die Sitzung wurde unterbrochen und die Fremde aus dem Saale gewiesen.

Mit großer Mechrheit

Das Friedensprogramm Lies

Neuyork, 22. November, (dpa) Die UNO-Vollversammlung billigte mit 51 gegen 5 Stimmen des Ostblocks bei einer Stimmenthaltung das Zehn- Punkte-Programm des UNO-Generalsekretärs Lie, das auf die Sicherung des Weltfriedens für eine Periode von mindestens zwanzig Jahren abzielt.

Konferenz der Großmüchte

London, 22. November, (dpa) 41 Labourabgeordnete brachten im Unterhaus einen Antrag ein, in dem die Einberufung einer Außenministerkonferenz der vier Großmächte gefordert wird. Die Antragsteller gehören zum größten Teil dem Gewerkschaftsflügel der Labour Party an.

Friedensvertrag mit Japan

Zweite Unterredung Dulles' mit Malik Lake Success, 22. November. (AP.) Foster Dulles, der Berater Präsident Trumans, hatte eine zweite Unterredung mit dem sowjetischen UN-Delegierten Malik über den geplanten Friedensvertrag mit Japan.

CDU zur Koalition

Wiesbaden, 22. November. (Eigener Bericht.) Der Vorstand des Kreisverbandes Wiesbaden der CDU hat sich in seiner Sitzung vom 21. November mit dem Wahlergebnis beschäftigt.

Er vertritt den Standpunkt, daß die SPD auf Grund ihrer eindeutigen tragfähigen Mehrheit in der Lage und verpflichtet ist, allein die zukünftige hessische Regierung zu bilden und damit die volle Verantwortung dem Land gegenüber zu übernehmen.

Er hat sich in vorstehendem Sinne an die zukünftige Landesfraktion der CDU und den Landesvorsitzenden mit dem Ersuchen gewandt, den Spielregeln der Demokratie Rechnung zu tragen und Koalitionsgespräche zu vermeiden.

Eulers Antmort au Hilpert

Frankfurt, 22. November, (dpa) Der Vorsitzende der hessischen FDP, August Martin Euler, bezeichnete die Erklärung des CDU-Landesvorsitzenden Dr. Werner Hilpert, Euler sei es gelungen, die von ihm so bekämpfte „Schwarz-rote Koalition“ in eine „rote Regierungsmehrheit“ umzuwandeln und damit dem Mittelstand neue Schwierigkeiten zu bereiten, als völlig abwegig.

Altımeier antmwortet Stock

Mainz, 22. November, (dpa) Nach Pressemeldungen, in denen Ministerpräsident Stock auch auf das Verhältnis Hessen-Rheinland-Pfalz anspielte und von der Notwendigkeit einer Zusammenlegung von Teilen von Rheinland-Pfalz mit Hessen sprach, erklärte Ministerpräsident Alt¬ mei e r von Rheinland-Pfalz, daß die jetzige Wahl in Hessen mit der Frage der Neugliederung der deutschen Länder nicht das Geringste zu tun gehabt habe. Im übrigen — so erklärte Altmeier — dürfe Ministerpräsident Stock nicht im Zweifel darüber’ gelassen werden, daß die Rheinland-Pfälzer „von Hessen nichts wissen wollten“.

Tagung der Kirchen-Synode

Baron von Heyl wird Erklärung abgeben

Wiesbaden, 22. November. Wie der „Evangelische Pressedienst“ erfährt, ist bei der Tagung der Kirchen-Synode der Evangelischen Kirche am 28./29 November in Frankfurt/Main auch damit zu rechnen, daß Baron von Heyl, Worms, der kürzlich seine Aemter zur Verfügung gestellt hat, eine Erklärung abgeben wird. In diesem Zusammenhang wird — wie es heißt — „eine Aussprache über gewisse Fragen“ möglich sein, „die weit über den Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hinaus lebhaft besprechen werden“.

Pfarrertage zum Marien-Dogma

„Nicht in der Schrift begründet“

Bensheim, 22. November. (EPD.) Der Landesverband Hessen und Nassau des „Evangelischen Bundes“ führte in Darmstadt, Gießen, Wiesbaden und Limburg Arbeitstagungen durch, in denen die evangelische Pfarrerschaft über das neue Marien-Dogma unterrichtet und die evangelische Stellungnahme herausgearbeitet wurde. Professor Dr. Bertram, Gießen, stellte fest, daß das große Neue Testament Christi Zeugnis sei und keinen Hinweis auf einen Marienkult enthalte. Pfarrer Lic. Dr. Jost, Seligenstadt, betonte, daß das Dogma nicht durch die Schrift und Tradition begründet sei.

Commonmenlth-Konferenz

London, 22. November (dpa). Die Ministerpräsidenten der Commonwealth-Staaten werden Anfang Januar in London zu einer Konferenz über die internationale Lage zusammentreten, gab Premierminister Attlee am Mittwoch im Unterhaus bekannt.

Bereitschaftspolizei mit deutschen Waffen

Die Aufstellung von zunächst 10 000 Mann beginnt

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Bonn, 21. November. Alpenjägergrün wird die Farbe der Uniform der Bereitschaftspolizei sein, deren Aufstellung jetzt beginnt, nachdem die langwierigen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern im wesentlichen abgeschlossen sind. Sieben Bundesländer haben der vorgeschlagenen Vereinbarung zugestimmt. Die Zustimmung von Nordrhein-Westfalen gilt als sicher, und Bremen und Hamburg werden voraussichtlich ebenfalls beitreten, da der Bund die Tatsache berücksichtigen will, daß dort bereits eine kasernierte Polizei besteht. Lediglich Niedersachsen wird vorläufig abseits bleiben, muß dann aber, wie Ministerialdirektor Egidi als Leiter der Abteilung I des Bundesinnenministeriums erklärte, auf die Unterstützung des Bundes für eine Verstärkung seiner Polizei verzichten.

Man ist in Bonn sehr erleichtert darüber, daß mit den 10 000 Mann, die zunächst aufgestellt werden, eine Polizeitruppe entsteht, die infolge ihrer Organisation und Bewaffnung in der Lage sein wird, eventuelle Notstände zu meistern.

Während die gesamten Polizeikräfte der Länder bisher nur 87 000 Mann stark waren, von denen lediglich jeder dritte Beamte mit einer Pistole ausgerüstet war, darunter Pistolen vom Modell 1873, wird die Bereitschaftspolizei mit modernen Pistolen, Gewehren, Maschinenpistolen und womöglich leidsten Maschinengewehren ausgerüstet. Für Deutschland bleibt die Herstellung von Waffen verboten. Die Waffen werden deshalb voraussichtlich leihweise von den Besatzungstruppen zur Verfügung gestellt werden. Man nimmt an, daß es sich hierbei um ■Waffen der ehemaligen deutschen Wehrmacht handeln wird.

Die Ausrüstung der Bereitschaftspolizei ward nicht billig sein, da es sich um eine moderne Ausrüstung insbesondere auch mit geländegängigen Fahrzeugen und einem Funkmeldedienst handeln wird. Von den Gesamtkosten bei der ersten Aufstellung trägt der Bund, der für die Motorisierung, die Bewaffnung und das Nachrichtenwesen zu sorgen hat, etwa 45 Prozent. Später werden sich die Kosten für den Bund verringern, da die laufenden Kosten (Sold, Unterhalt und Bekleidung) von den Ländern aufgebracht werden müssen.

Das Einstellungsalter für „Anlernlinge“ liegt zwischen 19 und 22 Jahren. Um bei der Aufstellung nicht nur unausgebildete Leute zu haben, werden zunächst auch Männer bis 27 Jahre, in Ausnahmefällen bis 35 Jahre, eingestellt. Ein Anlernling verdient in den ersten beiden Jahren, in denen er sich in der Grundausbildung befindet, monatlich 45 DM bei freier Unterkunft, freier Verpflegung, freier Dienstbekleidung einschließlich Wäsche und freier Heilbehandlung. Nach zwei Jahren steigt das Monatsgeld auf 60 DM und beträgt für 30jährige 100 DM. Für Offiziersbewerber laufen zur Zeit bereits Ausbildungskurse in Hannoversch-Münden und Braunschweig.

Pistolen für das Kabinett

Bonn, 22. November. (AP.) Der Bundeskanzler, seine Minister und deren Kraftfahrer haben vor einigen Tagen Pistolen erhalten, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Diese Waffen dienten dazu, die Sicherheit dieser exponierten Persönlichkeiten zu gewährleisten.

Das Büro des Bundespräsidenten erklärte, Professor Heuss werde nicht von dem Recht Gebrauch machen, eine Pistole bei sich zu tragen.

Baumgartner handelte Leichtfertig

Das Ergebnis einer Untersuchung

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Bonn, 22. November. Leichtfertige Verdächtigung ehrenhafter Beamter, Angestellter und Kaufleute wird dem Vorsitzenden der Bayernpartei, Bundestagsabgeordneten Dr. Baumgartner, in dem Abschlußbericht eines auf seinen Antrag eingesetzten Untersuchungsausschusses vorgeworfen. Auf Grund der Erfahrungen, die der Ausschuß mit den Behauptungen Dr. Baumgartners gemacht hat, fordert er Vorkehrungen gegen eine mißbräuchliche Benutzung parlamentarischer Untersuchungsausschüsse und appelliert an die Bundestagsabgeordneten, bei Anträgen auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses das nötige Verantwortungsbewußtsein walten zu lassen.

Im Februar hatte Dr. Baumgartner in einer Bundestagssitzung behauptet, es bestehe der begründete Verdacht, daß Millionen-Importe nicht gerecht im Bundesgebiet beim Importhandel verteilt und daß nur einige wenige Importeure schon vom Jahre 1946 an auf einzelnen Gebieten durch die Bürokratie bevorzugt worden seien.

Der Ausschuß, der auf Grund der überzeugend wirkenden Argumente Dr. Baumgartners vom Bundestag beschlossen wurde, hat nach einer Arbeit von sieben Monaten festgestellt, daß nicht die geringste Unkorrektheit nachgewiesen worden ist, und fordert die Rehabilitierung des angegriffenen Personenkreises, vor allem der Außenhandelsstelle, vor der Oeffentlichkeit.

Bezeichnenderweise hatte im Mittelpunkt der haltlosen Baumgartnerschen Beschuldigungen die angebliche Benachteiligung bayrischer Importeure gestanden. Es ist dies ein typischer Ausschnitt aus dem Kampf, den die Bayernpartei gegen Bonn und den Bund führt.

Königin Iuliane in London

London, 22. November (dpa). Königin Juliane von Holland ist in Begleitung ihres Gemahls Prinz Bernhard zu einem Staatsbesuch in London eingetroffen. In London wird angenommen, daß während des Staatsbesuches auch wichtige politische Besprechungen über die Frage der deutschen Wiederaufrüstung zwischen Außenminister Bevin und dem holländischen Außenminister Stikker stattfinden, der das Königspaar auf der Reise begleitet.

Ein politischer Anschlag

Maskierte Männer überfielen CDU-Abgeordneten

Heidelberg, 22. November, (dpa) Der Heidelberger CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Karl Neinhaus steht seit Dienstag abend unter dem Schutz der Kriminalpolizei, nachdem er am Montagabend von bewaffneten Männern überfallen worden war.

Die Heidelberger Kriminalpolizei deutet den Ueberfall auf Dr. Neinhaus als einen politischen Anschlag. Am Montag war er gegen 18.30 Uhr von einem Unbekannten gebeten worden, an einen bestimmten Ort zu kommen, wo angeblich drei Herren der CDU auf ihn warteten. Unterwegs wurde Dr. Neinhaus von mehreren bewaffneten und maskierten Männern zur Rückkehr in die Wohnung gezwungen. Als er eine Frage der Täter, ob er in Polen gewesen sei, verneinte, gaben die Männer an, daß sie aus der Sowjetzone kämen. Die Männer durchwühlten in Neinhaus’ Wohnung Akten. Sie entwendeten jedoch keine Papiere.

Eine zufällig in die Wohnung kommende Nachbarin ermöglichte Dr. Neinhaus durch geistesgegenwärtiges Verhalten die Flucht und alarmierte die Polizei. Die Eindringlinge wurden unsicher und flohen. Bisher konnte keiner von ihnen ergriffen werden. Das Verhalten der Männer deutet nach Ansicht der Polizei nicht auf berufsmäßige Verbrecher hin. Ein Bauer gab der Polizei an, daß er kurz vor dem Ueberfall in der Nähe des Hauses von Dr. Neinhaus fünf junge Männer im Alter von zwanzig bis dreißig Jahren gesehen habe. Dr. Neinhaus war von 1929 bis 1945 Oberbürgermeister von Heidelberg.

Nicht vor 1951

Frankfurt/Main, 22. November (AP.) Oberkommissar McCloy kündigte an, er werde voraussichtlich nicht vor dem kommenden Jahr eine Entscheidung über die Revision von Urteilen gegen die wegen Kriegsverbrechens in Landsberg inhaftierten Deutschen fällen.

In polnischen Gefängnissen

Hof, 22. November. (AP.) Noch Hunderte von ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen befinden Sich in polnischen Gefängnissen, teilten Angehörige einer Gruppe von 21 Deutschen mit, die aus Polen nach Westdeutschland zurückgekehrt waren, nachdem sie ihre Strafe verbüßt hatten oder begnadigt worden waren.

In wenigen Zeilen

Die internationale Arbeitsorganisation kündigte die Eröffnung eines Auswanderungsamtes in Bonn an.

Fünf Bergleute wurden bei einem Strebbruch verschüttet, der sich auf der Zeche Karl Funke in Essen-Heisingen ereignete.

Die europäische Getreidekonferenz, die von der UNO-Wirtschaftskommission für Europa einberufen war, vertagte sich am Montag nach siebentägiger Dauer.

Zawadzki, der stellvertretende Ministerpräsident von Polen, ist schwer an Magenkrebs erkrankt.

Beim Zusammenstoß eines kanadischen Militärzuges mit einem transkontinentalen Expreß in den Rocky Mountains wurden achtzehn Personen getötet, 53 schwer verletzt.

Die Ueberschwemmungen und Stürme an den beiden Küsten der Vereinigten Staaten haben bisher 29 Todesopfer gefordert.

Bei dem Zusammenstoß eines Lastwagens mit einem Omnibus in der Nähe der Stadt Guanajuato in Mittel-Mexiko kamen achtzehn Personen ums Leben.

In den ägyptischen Städten Kairo, Alexandrien und Port Said wurde der Ausnahmezustand ausgerufen.

Bei den schweren Stürmen, die in den letzten beiden Tagen Frankreich heimsuchten, sind dreizehn Personen ums Leben gekommen.

Stimmen der Anderen

Wahlen und Verteidigung

Die „Time s“ schreibt zu der Debatte über den deutschen Verteidigungsbeitrag:

„Die Forderung, daß die deutsche Teilnahme an dem europäischen Verteidigungssystem unter genau den gleichen Bedingungen erfolgen soll wie die Teilnahme aller anderen Staaten wird in Entschließungen berücksichtigt, die von den Westmächten immer noch erörtert werden, aber Bundeskanzler Dr. Adenauer ist n o,ch nicht inder Lage, zumdeutschen Volk darüber zu spreche n.“

Echa zu den Wahlen

Zu den sozialdemokratischen Wahlerfolgen in Hessen und Württemberg-Baden schreibt die „Times“

„Aus den Wahlergebnissen in zwei kleinen Ländern läßt sich noch nicht der Schluß ziehen, daß das deutsche Volk gegen eine Wiederaufrüstung zur Teilnahme an einer .gemeinsamen europäischen Verteidigungsstreitmacht ist. Der sozialdemokratische Parteivorsitzende Dr. Schumacher hat seinen Wahlfeldzug auch nicht gegen die Wiederbewaffnung geführt, sondern gegen eine Wiederbewaffnung vor Befragung des deutschen Volkes. Die Wahlergebnisse in Hessen und Württemberg-Baden zeigen jedoch, daß in der deutschen Bevölkerung wegen der Wiederaufrüstung eine große Besorgnis und Verwirrung herrscht. Die schweren Folgen zweier militärischer Niederlagen haben die Deutschen in eine pazifistische und defaitistische Stimmung versetzt. Die Politik der Besatzungsmächte war darauf abgestellt, den Deutschen den Mut zu nehmen, ihr Vertrauen jemals wieder auf die Gewalt der Waffen zu setzen.“

Auch die französische Presse beschäftigte sich ausführlich mit dem Ergebnis der Landtagswahlen in Hessen und W ürttember g-Baden:

„Figaro“ (konservativ) schreibt: „Falls die zwölf Außenminister der Atlantikpaktmächte tatsächlich etwa Mitte Dezember in Brüssel zusammentreten und eine Einigung über die Aufrüstung erzielen, müssen die drei Hohen Kommissare noch mit den Deutschen selbst verhandeln. Dieser zweite Teil der diplomatischen Vorarbeiten wird nicht leichter als der erste sein. Die Sozialdemokraten haben, soeben in der amerikanischen Zone einen Wahlsieg davongetragen. Ihre ganze Wahlpropaganda baute sich auf den Widerstand gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands auf. Der Bundeskanzler wird im Verlaufe etwaiger Verhandlungen mit dem Westen durchaus befugt sein, aus dem Wahlergebnis die Berechtigung zu wesentlichen Forderungen an die Alliierten abzuleiten, damit das deutsche Volle durch Gegenleistungen dazu gebracht wird, etwas anzunehmen, was es offensichtlich nicht will.“

Autifaschistengesetz

Rom, 22. November, (dpa) In einer zehnstündigen Sitzung beschloß das italienische Kabinett, dem Parlament einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Neofaschismus vorzulegen.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdrucls. Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag, Hamburg.

70) '

„Die edle Herzogin de Praslin weilt nicht mehr unter den Lebenden . . . Sie tat ihren letzten Atemzug heute morgen irgendwann, zwischen halb fünf und fünf in der Familienresidenz in der Rue du Faubourg Saint Honore, Nummer 55 . . . Noch ist nichts Näheres bekannt über das gemeine Verbrechen an diesem reichen und gütigen Mitglied des Adels, der Gattin von Charles Laure Hugo Theobald, Herzog von Choiseul-Praslin, Mutter von neun Kindern, einziger Tochter des Marschalls Sebastian!.... Zu der genannten frühen Morgenstunde hörten die entsetzten Bewohner des Hauses und Passanten auf der Straße wilde Hilfeschreie und ein anhaltendes Klingeln aus dem Boudoir der Herzogin. Den ersten Zeugenaussagen zufolge stürzten drei von den Dienstboten — die Jungfer, Marguerite Leclerc, Madame Merville, die Pförtnersfrau, und Auguste Charpentier. der Kammerdiener des Herzogs — in die Gemächer ihrer Herrin.“

Seltsam, diese Namen im nüchternen schwarzen Druck zu lesen und die Menschen dabei so deutlich vor sich zu sehen, mit denen sie tagein. tagaus den Gutenmorgen- und Gutenachtgruß getauscht hatte.

„Diese drei versuchten ins Schlafzimmer einzudringen, fanden die Tür aber verriegelt. Als sie schließlich die Tür aufbrachen, sahen sie das Zimmer in größter Unordnung und die Unglückliche sterbend in ihrem Blute liegen. Offenbar hatte die Herzogin sich heftig gegen den Angriff ihres Mörders zur Wehr gesetzt. Man nimmt an, daß der Täter durch den Garten, der an die Champs Elysees grenzt, entkommen ist. Nach den Aussagen des Herzogs “

Hier war die Zeitung abgerissen, gerade an der Stelle, die sie am brennendsten interessiert hätte. Vergeblich versuchte sie zu erraten, was für eine Erklärung der Herzog wohl abgegeben haben mochte. Aber wie konnte sie das — war es ihr doch nicht einmal gelungen, diese unvorstellbare Tatsache zu fassen. Menschen, die man jahrelang täglich gesehen hat, die. man heute morgen noch aufsuchen wili, werden doch nicht ermordet. Grauenhafte Sensationen und Verbrechen können uns doch nicht betreffen. Das Leben anderer Menschen mag vielleicht durch solche Gewalttaten erschüttert werden, aber unseres doch nicht. Wir sind gegen dergleichen gefeit.

Die Dämmerung senkte sich über den Gefängnishof, schlich sich durch die Reihe der gleichförmigen Fenster und vertiefte sich zum Schatten in den Zellen. Aber hier brachte die Dunkelheit einmal keine Lösung. Lebendiger denn je sah Henriette das volle, blasse Gesicht der Herzogin vor sich mit all den unberechenbaren Launen, die sich darauf abgespiegelt hatten. Sie sah auch das elegante Zimmer in dem wüsten Zustand, in dem es sich heute morgen befand. Unauslöschlich standen diese Bilder, die der Zeitungsbericht heraufbeschworen hatte, ihr vor Augen.

Sie sah das verwühlte Bett und die kostbaren blutbespritzten Gobelins; Stühle und Tische umgeworfen; Bücher und Nippes über den Teppich verstreut, auf dessen hellfarbigem Muster unheimliche Lachen zu dunklen Flecken eintrockneten. Auf dem Schreibtisch zwischen den Fenstern, an dem die Herzogin so oft ihrem Kummer Ausdruck gegeben hatte mit einer Feder, die schneller über das Papier flog als der Vogel vormals durch die Lüfte, lagen möglicherweise noch unbeendete Briefe herum. Vielleicht war auch einer darunter, der so begann: „Hiermit empfehle ich Mademoiselle Deluzy, deren vorzügliche Charaktereigenschaften und Geistesgaben ich zu schätzen gelernt habe in den sechs Jahren treuer Dienste als Erzieherin ..Es war nicht ausgeschlossen, daß ein solcher Brief während der letzten Lebensstunden der Herzogin entstanden war. Aber Henriette wußte, daß sie ihn niemals zu Gesicht bekommen würde. Und niemals würde er Madame Le Maire oder einer künftigen Brotherrin gezeigt werden.

Jemand schloß die Tür auf. Eine Lampe wurde in einen eisernen Sockel geschraubt. Die Aufseherin sprach sie an; sie legte ein Bündel auf die Pritsche und untersuchte sorgfältig den Inhalt. Henriette erkannte ihren Paisleyschal und andere Gegenstände ihrer Garderobe.

„Ihre Freunde brachten die Sachen soeben“, wurde ihr mitgeteilt. „Sie wollten Sie sehen, aber Sie dürfen noch keinen Besuch empfangen.“

Marie war wohl in die Rue du Harlay gegangen, um ihr das Nötigste zu holen. Niemand sonst konnte daran gedacht haben, und Henriette segnete sie dafür.

Die Pritsche in der Conciergerie war weniger hart als ihr Lager im „Nadelöhr“, der Raum weniger stickig. Und doch lag Henriette, mit weit offenen Augen in die Dunkelheit starrend, und lauschte in das Schweigen um sie herum — eine so eindringliche Stille, daß sie nach kurzer Zeit sich nach irgendeinem Geräusch sehnte, das diese unnatürliche Ruhe unterbrechen möge.

Sie zwang sich, das Brot und den Kaffee zu sich zu nehmen, den man ihr am Morgen brachte. Sie bat den Wächter, der das Geschirr wieder abholte, um die Erlaubnis, eine Morgenzeitung lesen zu dürfen, aber er durfte ihr diese Bitte nicht erfüllen. Er war ein freundlicher und geschwätziger Kerl und ließ sich gern dazu herbei, ihr von dem Mord zu erzählen, was er wußte.

Die Zeitungen seien voll davon, sagte er. Es sei das Tagesgespräch von Paris; in jedem Cafe und Laden, an jeder Straßenecke jagten sich die Berichte über neue Einzelheiten, die die Nachforschungen der Polizei gezeitigt hatten. Die erste Annahme, daß der Mörder von außen in das Zimmer der Herzogin eingedrungen sei, habe sich als unsinnig herausgestellt. Jetzt schien man den Herzog von Praslin selbst zu verdächtigen, obwohl doch so etwas eigentlich undenkbar sei — ein Mann, der sich einer so unmenschlichen Tat an seiner eigenen Frau schuldig machte! Die Arme sei an einer Unzahl von Wunden verblutet und müsse überdies noch grausam geschlagen worden sein.

„Nein, nein!" Henriette vermochte kaum mit ihrem geflüsterten Protest seinen Bericht zu unterbrechen. „Es ist unmöglich! Das hätte der Herzog niemals — Sie wissen nicht, was Sie sagen!“

Aber er zuckte nur vielsagend die Schultern; er wiederhole ja nur, was ganz Paris sagte. Zunächst habe sogar die Polizei sich gesträubt, dieser Auffassung Glauben zu schenken. Aber schließlich hätten sie ja dem Zeugnis ihrer eigenen Augen nicht mißtrauen können. Als sie auf Anraten des Kammerdieners die Zimmer des Herzogs durchsuchten, hätte sich reichlich belastendes Material gegen ihn gefunden. Oja, es sähe nicht gut aus für den Herzog. Er sei unter Bewachung, um nicht Gefahr zu laufen, daß er entwische. Ganz gleich, ob er Pair von Frankreich und nur seinem König verantwortlich sei — das Volk wollte ihn seine Tat büßen sehen wie jeden anderen Verbrecher.

„Und was — was sagt man von mir?“ hörte Henriette sich leise fragen.

Er entgegnete wieder mit einem Achselzucken und blickte sie neugierig an. Ja, ihr Name sei natürlich auch gefallen, dag könne er nicht abstreiten. Manche Leute behaupteten, sie und der Herzog seien — nun, was ein Mann und eine Frau einander manchmal wären. Man habe ja schon früher über die Rolle gemunkelt, die sie im Hause Praslin gespielt habe; es sei ja bekannt gewesen, daß zwischen der Herzogin und der Erzieherin ihrer Kinder keine große Zuneigung bestanden habe; es gingen sogar noch ärgere Gerüchte um. Deshalb habe die Polizei sie auch zur Conciegerie gebracht, um sie auszufragen. Man sei fest entschlossen, diesem gräßlichen Mord auf den Grund zu gehen. Bald würde man sie zum Verhör holen, da erführe sie dann mehr. als er ihr jetzt sagen könne. Nein, wie lange sie noch hierbleiben müsse, könne er ihr nicht sagen. Aber sie solle nur dankbar sein, daß man sie hier festhielt, denn draußen auf der Straße wäre sie jetzt ihres Lebens nicht sicher. (Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebung

Musterbild eines Redakteurs

Ein Redacteur muß ein guter A c t e u r seyn, denn er hat eine schwere Rolle zu spielen; er muß viele Ohren haben, weil er bald dem, bald jenem eins leihen muß; er muß einen großen Sack besitzen, um manche Grobheiten einstecken, einen gesunden Magen und eine weite Kehle, um so manche bittere Pille hinunterwürgen und verdauen zu können; er muß die Schwimmkunst verstehen, um bald mit dem Strome, bald gegen den Strom der Meinungen und Ansichten zu schwimmen; er muß ein Wegweiser seyn, um die Richtungen der Zeit und die Kreuz- und Querwege der Politik anzugeben, ein rüstiger Fußgänger, um mit ihr fortzuschreiten, ein Telegraph, um aufs Schnellste jedes Ereigniß zu signalisiren; er muß statt der Füße Pferdehufe haben, weil er g u t beschlagen seyn muß, d. h. in Kunst und Wissenschaft; er muß ein gewandter Fechtmeister seyn, um alle Ausfälle zu pariren, ein scharfer Schütze, um sein Ziel nicht zu fehlen, ein geschickter Jäger, um auf alle Neuigkeiten Jagd zu machen, aber auch ein schnellfüßiges Wild, weil er oft von allen Hunden gehezt wird; ein Fischer, um die Gunst des Publikums durch lockende Köder zu erangeln; ein Barbier, um keck lügen zu können, aber auch wieder ein Wahrsager und Zeichendeuter; ein Nagelschmidt, um stets den Nagel auf den Kopf zu treffen; ein Schneider, um die Gedanken in ein hübsches Gewand zu kleiden, ein Schuster, um ein Conversationsblatt, wie das Frankfurter, ein Wagner, um eine Didaskalia, und ein Töpfer, um eine Theaterzeitung, wie die Hamburger „Thalia“, redigiren zu können; ein Maler, um Sittengemälde zu liefern, ein Anstreicher, um die Artikel in andern Zeitschriften für sein Blatt anzustreichen; er muß ein Wirth seyn, um gute Geistesnahrung aufzutischen, ein Weinhändler, also ein geistreicher Mann; ein Gärtner, um poetische Blumen zu hegen, ein Sämann, um den Saamen des Guten auszustreuen; er muß aber auch ein Nachtwächter seyn, um zu verkünden, welche Zeit es sey, und sogar ein Scharfrichter, um alles Schlechte scharf zu richten, etc., etc., etc.; kurz ein Redacteur muß fast Alles seyn, vor Allem aber ein Lamm an Geduld, denn die Welt läßt gewöhnlich kein gutes Haar an ihm, sondern nimmt ihn unter das Messer, wo sie nur kann! S.

(Aus „Gutenberg“, Unterhaltungsblatt für Stadt und Land, vom 11. Januar 1542. Verleger: E. Bekker, Flofbuchdrucker, Darmstadt. — Der Verfasser S. ist sehr wahrscheinlich A. Schnezler, der Redakteur des Blattes.) Dr. G. W.

Fahrt durch Hessische Flüchtlingsunterkünfte

Pressevertreter besuchten Buchenland- und Donau-Siedlung in Darmstadt

Auf Anregung von Mr. Rhoa de s , dem Leiter der Pressestelle der US-Landeskommission, fand eine Rundfahrt durch Flüchtlingsunterkünfte in Hessen statt, zu der die Vertreter der hessischen Presse eingeladen waren.

Am Nachmittage trafen die Gäste, von Weilmünster kommend, in Darmstadt ein. Herr Steinsch konnte Mrs. van Rabink, als Vertreterin des Landeskommissars, zwei amerikanische Volkswirtschaftlerinnen, Reg.-Direktor Dr. Nahm, Mr. Gotcheus, Oberbürgermeister Metzger, Stadtrat Schrauth und die Vertreter der Presse zu Beginn der Besichtigung in der Donau-Siedlung begrüßen.

Daß die Vertriebenen wieder Heimat und Existenz bekommen hätten, sei der kräftigen eigenen Initiative sowie weitgehendster Unterstützung durch die hiesige Stadtverwaltung zu verdanken, betonte Herr Steinsch und gab einen Abriß über Aufbau, Unterteilung und Zweckmäßigkeit der Neubauten, dem sich eine Besichtigung der Wohnhäuser durch die Gäste anschloß.

In der Buchenland-Siedlung, dem zweiten Ziel der Besuchergruppe, berichtete Herr Liebewein über Beginn, Fortschritt und weitere Pläne des Siedlungsprojektes und sprach von den besonderen Gegebenheiten und dem langen Flüchtlingsweg der Deutschen aus dem Buchenland. Oberbürgermeister Metzger erwähnte, daß vor einiger Zeit an dieser Stelle noch Wald gestanden habe und hob besonders die Einstimmigkeit der Darmstädter Stadtverordneten hervor, die sich für die Aufbringung der erforderlichen Mittel zur Durchführung des Projektes bereit erklärten.

Reg.-Dir. Dr. Nahm sagte, daß man am Anfang dieser Rundfahrt durch hessische Flüchtlingssiedlungen das Chaos vorgefunden habe, während hier in Darmstadt die Lösung des gesamten Problems zu sehen sei. Als wichtigste Momente für Beginn und Weiterführung von Flüchtlingsunterkünften bezeichnete er die Weckung zur Selbsthilfe, der Hilfe von den kommunalen Stellen und die Einsicht bei der gesamten Bevölkerung, diese Aufgaben einem positiven Ergebnis zuzuführen. Ohne die Verwirklichung dieser drei wichtigen Punkte könne auch die Initiative des Staates nichts nützen.

Mit einem Rundgang durch die Häuser und Werkstätten schloß die Besichtigung, die allen Beteiligten eine Planung und deren Verwirklichung vor Augen führte, mit der Darmstadt in Hessen weitaus an der Spitze stehen dürfte. Sg.

Schnelltriebwagenverbindung gefordert

Verkehrstagung der Industrie- und Handelskammer Darmstadt

In diesen Tagen fand im Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer Darmstadt eine Tagung des Fahrplan- und Personentarifausschusses der rheinmainischen Industrie- und Handelskammern statt. An der Sitzung nahmen neben Vertretern der Kammern und Verkehrsverbände maßgebliche Vertreter der Eisenbahndirektionen Frankfurt a. M. und Mainz und des Eisenbahnverkehrsamtes Darmstadt sowie im Auftrag des Magistrats der Stadt Darmstadt Stadtrat Dreiheller teil.

Der Vorsitzende Dr. Roesener gab seiner Überzeugung auf Weiterführung der bewährten verständnisvollen Zusammenarbeit zwischen Kammern, Verkehrsverbänden und Bundesbahn Ausdruck sowie der Hoffnung auf weitere Aufgeschlossenheit aller Bundesbahnstellen gegenüber den Erfordernissen der Wirtschaft als Verkehrsnutzer. Die ab Mai nächsten Jahres im Zuge einer Beschleunigung der D-Züge beabsichtigte Aufhebung von D-Zugshalten sei unter Beteiligung der Verkehrsnutzer sorgfältig zu überprüfen. Auch nach Einführung der ausgezeichneten Schnelltriebwagenverbindungen (ohne 3. Klasse) müßten die derzeitigen Fernverbindungen für die 3. Klasse erhalten bleiben.

Nach eingehenden Referaten des Oberreichsbahnrats Dr. Stacks (EBD Mainz) über Personentariffragen sowie des Reichsbahnrats Meyer-Krahe (EBD Frankfurt a. M.) über Fahrplanfragen vom Berufs- bis zum Fernschnellverkehr entwickelte sich eine ausführliche Diskussion, bei der die Wünsche der Wirtschaft der Bundesbahn in Ergänzung schriftlicher Vorstellungen dargelegt wurden.

Herr Reich von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt sowie Herr Dr. Roesener betonten dabei erneut die Forderung, Darmstadt an die neuen Schnelltriebwagenverbindungen nach und von Basel unmittelbar anzuschließen. Es könne erwartet werden, daß von den vorgesehenen drei Schnelltriebwagenpaaren nach und von Basel über Mannheim wenigstens ein Paar über die Main-Neckarbahn und Heidelberg mit Halten in Darmstadt geführt werde. Es jnüsse versucht werden, einen Weg zu finden, um die entgegenstehenden betrieblichen Schwierigkeiten zu überwinden. Die Kammer Darmstadt setzte sich außerdem für eine bessere Bedienung der Odenwaldstrecke Darmstadt—Erbach und der Riedbahn mit durchgehenden Eilzügen ein. Die Verwirklichung hängt hier allerdings von der Beschaffung der notwendigen Triebwagen ab.

In dem Jahresfahrplan 1951/52 sollen mit Einführung der Schnelltriebwagen die derzeitigen FD-Züge in normale D-Züge (also ohne erhöhten Zuschlag) umgewandelt werden.

Einem von der Kammer Darmstadt schon lange geäußerten Wunsch entsprechend wird ab Mai nächsten Jahres die bisher fehlende Frühverbindung von Darmstadt nach München durch Kurswagen hergestellt (Ankunft in München etwa 13.00 Uhr), außerdem wird ein Eilzugpaar von Stuttgart über Darmstadt— Wiesbaden nach Köln und zurück neu eingesetzt, womit ebenfalls einer schon wiederholt vorgetragenen Forderung der Kammer Darmstadt nach einem weiteren unmittelbaren Anschluß an den Schnellverkehr nach und von dem Rheinland entsprochen wird.

Bischof Dr. Stohr

in Darmstadt

In der St.-Liebfrauen-Kirche in Darmstadt firmte gestern morgen Bischof Dr. Stohr, der für vier Tage in Darmstadt und Umgebung weilt, nach dem feierlichen Hochamt etwa 300 Jungen und Mädchen der vier Darmstädter Pfarreien und von Ober-Modau.

In seiner Predigt führte Bischof Dr. Stohr aus, daß den meisten Gläubigen heute Gott eine ferne Größe sei, die einmal vor Zeiten die Welt erschaffen habe und nicht der Schöpfer, dessen lebendige Kraft jeden Tag in uns wirke. Die bischöfliche Behörde müsse einen zähen Kampf gegen die Selbstsüchtigkeit einzelner Gemeinden führen, und es gelinge nur schwer an die Jugend heranzukommen, von der vier Fünftel außerhalb der Jugendarbeit stünden. Der Bischof-empfahl den Gläubigen opferfreudige Liebe und tatkräftigen Glauben.

Heute besucht der Bischof die Bessun¬ -er Morneweg- und Ursulinenschule und nimmt dort Religionsprüfungen vor. t-s

Die Totenehrung auf dem Eberstadter Friedhof findet am Totensonntag, um 15 Uhr statt. Oberbürgermeister Metzger, Pfarrer Weisgärber (evangelische Gemeinde) und Pfarrer Mohr (katholische Gemeinde) werden sprechen. Außerdem wird ein Massenchor aller Eberstädter Gesangvereine zum Abschluß der Feierstunde singen.

Hilfe für Kriegsbeschädigte und Sozialrentner

Der Kreisvorsitzende des VdK, Karl Meckes, kommentierte in einer Versammlung das Bundesversorgungsgesetz

In der Versammlung des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner im Gasthaus „Zur Eisenbahn“, Eberstadt, referierte Kreisvorsitzender Karl Meckes über das Bundesversorgungsgesetz, das er als einen Grundpfeiler, auf dem der VdK weiter aufbauen wolle, bezeichnete. Wenn in dem neuen Bundesversorgungsgesetz auch ein großer Teil der Forderungen des VdK verankert worden sei, so müßte erst die Praxis beweisen, wie sich die einzelnen Bestimmungen auswirkten.

Der Redner umriß noch einmal den schweren Weg, den der VdK bis zur Verabschiedung dieses Gesetzes, das ein Drittel der Gesamteinnahmen des Bundes, 3,2 Milliarden, für die Kriegsopferversorgung sicherstelle, gegangen sei. Sodann gab er einen kleinen Ueberblick über die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes mit seinen 90 Paragraphen und erwähnte dabei, daß die Durchführungsbestimmungen noch bearbeitet würden.

Als Vorteile des Gesetzes stellte Herr Meckes die Gewährung einer Grundrente als Entschädigung für den anatomischen Körperschaden, auch für die 25prozentig Erwerbsgeminderten, die Besserstellung der Hirnverletzten und Blinden, die Abfindung von 1200 DM für die Kriegerwitwen bei deren Wiederverheiratung, die Verankerung des Anspruches auf Rente, auch der jüngeren Witwe, die Erhöhung der Waisen- und Elternrente und der Bestattungsgelder heraus. Sehr wichtig seien ferner die Bestimmungen des Gesetzes über die soziale Fürsorge für alle Beschädigten, die Berufsfürsorge und Erziehungsbeihilfe, der Anspruch auf Krankenbehandlung und die Verfügung, daß eine Operation nur mit Zustimmung des Kranken durchgeführt werden dürfe.

Die Beschädigten durch die Besatzungstruppen und deren Hinterbliebenen sollten in das Bundesversorgungsgesetz mit einbezogen werden. Zum Schluß ermahnte der Redner alle noch abseits stehenden Kameraden, sich dem Verband anzuschließen, damit die bestmöglichste Versorgung der Kriegsopfer erreicht würde. t-s

Ball der Baningenieure

Am Samstag, dem 18. November 1950 veranstalteten die Studierenden der Fachschaft für Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule in den festlichen Räumen des Hotels „Goldene Krone“ in Jugenheim ihren jährlichen Ball. Die Herren Professoren waren ausnahmslos der Einladung gefolgt, um mitten unter ihren Studenten einige Stunden froher Geselligkeit nach den vielen anderen ernster, wissenschaftlicher Arbeit zu verbringen. Auch Gäste aus Behörden und Industrie bekundeten mit ihrem Erscheinen ihre Verbundenheit mit der Fakultät.

Die Studenten zeigten, daß sie auch über einen guten Schuß Humor, Phantasie und — min darf sogar sagen — ausgesprochen künstlerische Begabung verfügen. Besonders fiel, neben der flüssigen, launigen Conference ein nettes Stück Kleinkunst auf, das von einem Studenten selbst gedichtet, komponiert und meisterhaft dargeboten wurde.

Nach dem Programm wurde die neben der Bar eingerichtete „Baubude“ eröffnet, und bald fanden sich Professoren und Studenten in froher Stimmung zu Tanz und Unterhaltung zusammen. Hg.

Wie wird das Wetter ?

Nicht mehr ganz so mild

Vorhersage: Am Donnerstag und Freitag dunstig und noch meist bewölkt, aber nur vereinzelte und geringfügige Niederschläge. Temperaturen zwischen 4 und 7 Grad über Tag, nachts wenig über 0 Grad. Wechselnde Winde.



Wohin gehen wir heǔte?

Stadthalle; 19.30 „Liebe in der Lerchengasse“, Ende 22.00 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Eroica“; Thalia: „Befehl des Gewissens“: B e 1 i - da: „Eine Frau fürs Leben“: Palast: „Verrücktes Afrika“; Hansa: „Im Schatten des Herzens“, ferner 14.00 und 22.30 „Narziss, der unfreiwillige Flieger“.

Amerikahaus: 19.30 Vortrag: „Keine Angst vor morgen“, Heitere Erlebnisse und Begegnungen, Karl Wilczynski (Schweiz); Musikprogramm: 15.00 bis 16.00 Mozart: Prager Symphonie (Nr. 38 in D-dur), 16.00 bis 17.00 AFN Symphony Orchestra; Filmprogramm 14.30 und 17.00 Uhr.

Volkshochschule: 19.30 Uhr Techn. Hochschule, Raum 167, Dr. med. und Dr. phil. Hans Giese, Frankfurt/Main, „Bericht über den Kinsey-Report über die männliche Sexualität (mit Lichtbildern).

Hygiene-Lichthof. Neckarslraße 3a: 10.00 bis 18.00 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“. Landesmuseum: 10.00 bis 18.00 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch.

STARKENBURG

Rückert—Heil erneut vor den Richter?

Schwurgerichtsurteil angefochten

Oberstaatsanwalt legte Revision ein

Wie wir am Dienstag von Staatsanwalt Freiherr von Schenck zu Schweinsberg erfuhren, ist das im Mordprozeß Heil — Rückert vom Schwurgericht Darmstadt am 18. November verkündete Urteil seitens der Staatsanwaltschaft angefochten worden; Oberstaatsanwalt Dr. Kant hat gegen den Entscheid des Gerichts Revision eingelegt.

Bekanntlich hatte Dr. Kant für die vom Gericht mangels Beweises freigesprochene 34jährige Elisabeth Heil — die sich zur Zeit in Ober-Ramstadt aufhalten soll — wegen Totschlags 8 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust beantragt. Nähere Einzelheiten über den Inhalt des in letzter Minute am Samstag eingegangenen Briefes waren bisher nicht zu erfahren. Man scheint ihm allerdings eine größere Bedeutung beizumessen.

Um evtl. Ermittlungen nicht zu beeinflussen, enthalten wir uns in dieser Mordsache zunächst jeglicher Veröffentlichung und werden uns erst zu gegebener Zeit wieder mit dieser mysteriösen Mordaffäre beschäftigen. DT

Haftbefehl aufgehoben

Verdachtsmomente reichten nicht aus

Der Haftbefehl gegen den Maschinenbaumeister St. aus Bickenbach wegen Wilderei wurde vom Amtsgericht Reinheim aufgehoben, weil die Verdachtsmomente für die Eröffnung des Hauptyerfahrens nicht ausreichen. Wegen der ihm in früheren Jahren nachgewiesenen Wildereien mußte das Verfahren auf Grund der Bundesamnestie eingestellt werden.

Bezüglich der bei ihm vorgefundenen Waffen und erheblichen Mengen an Munition hat sich St. demnächst wegen verbotenen Waffenbesitzes vor einem amerikanischen Militärgericht zu verantworten. Le.

Theateraufführung

in der Strafanstalt

Dieburg. Die Insassen der Strafanstalt erlebten am Samstagmittag eine Aufführung des Schauspiels „Antonio und Beatrice“ durch die Laurentius-Spielschar, Dieburg. Die Inhaftierten gingen begeistert mit und dankten den Spielern mit lang anhaltendem Applaus für ihre vorzüglichen Leistungen. rfd

Ehemalige Wohnungsamtsleiter

von Offenbach freigesprochen

Nach mehrtägiger Verhandlung hat nun die Zweite Strafkammer beim Landgericht Darmstadt in ihrer letzten Sitzung in Offenbach den wegen Bestechung angeklagten 51jährigen, ehemaligen Leiter des Städtischen Wohnungsamtes Offenbach, Walter Oelschläger aus Bürgel, in einem Falle wegen erwiesener Unschuld, in einem anderen mangels Beweisen freigesprochen.

Der 1947 aus der Ostzone geflüchtete frühere Stadtrat von Halle und spätere Vorsitzende der Spruchkammer Offenbach war von der Staatsanwaltschaft Darmstadt beschuldigt worden, durch zwei selbständige Handlungen in seiner Eigenschaft als Wohnungsamtsleiter zwei Wohnungsbewerber bevorzugt und dafür Vergünstigungen entgegengenommen zu haben.

Diese Vorwürfe hatten seinerzeit zur Entlassung Oelschlägers aus den Diensten der Stadt Offenbach und zur Niederlegung seines Stadtverordnetenmandats geführt. wst

Bauhelz kam ins Rolilen

Dieser Tage hatte L. F 1 ec k aus Rohrbach in Unter-Ostern eine Fuhre Bauholz abgeholt. Als er sie zu Hause abladen wollte, kam die Fuhre ins Rollen, und Fleck, der nicht rechtzeitig zur Seite springen konnte, geriet unter die herabstürzenden Balken. Er brach sich dabei ein Bein und mußte in ein Krankenhaus eingeliefert werden. ptoo.

Kein verbilligtes Bauholz mehr

Roßdörfer Gemeinderat beabsichtigt Erlaß der Grundsteuer als Ausgleich

In seiner Dienstagabendsitzung beriet der Roßdörfer Gemeinderat neben der Wohnraumfrage und der Zuteilung von Wohnungen im 3. Gemeindesiedlungshaus die Erhöhung des Wassergeldes, die Zuteilung von Bauholz für die Baulustigen und die Rechnungslegung für das Jahr 1949.

Bürgermeister Roßmann gab einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über die Haushaltslage des vergangenen Jahres und stellte dabei fest, daß der Haushaltsplan 1949 mit 378 000 DM in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen und ein Überschuß von 120 000 DM zu verzeichnen sei.

Eine Zuteilung von verbilligtem Bauholz für die Baulustigen kann in Zukunft nicht mehr erfolgen, da die betreffenden Holzbestände im Roßdörfer Gemeindewald nahezu aufgebraucht und ein diesbezüglicher Einschlag dieses Jahr nicht erfolgt. Um einen finanziellen Ausgleich für all jene Bauherren zu schaffen, die nicht in den Genuß des verbilligten Holzes kamen, wurde der Erlaß der Grundsteuer für die nächsten Jahre vorgeschlagen. Eine nähere Prüfung und Festlegung von Einzelheiten in dieser Frage wurde der Finanzkommission überlassen. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die Beschlußfassung über die Erhöhung des Wassergeldes und dessen zukünftige Erhöhung auch in den Gemeindewohnun¬ ' gen erörtert. Der Bürgermeister begründete diesen Vorschlag damit, daß im vergangenen Jahr 25 000 DM für Wasserleitungserweiterungen und die Neuschaffung von Brunnenanlagen aufgebracht wurden und eine Soforthilfeabgabe für das Wasserwerk im Betrage von 6000 DM für zwei Jahre eventuell noch hinzukäme, noch hinzukäme. Außerdem müßten, um den Wasserverbrauch eindeutig feststellen zu können, eine beträchtliche Anzahl von Wassermessern angeschafft und eingebaut werden. Um eine weitere Belastung der Gemeindefinanzen zu .verhindern, wurde eine Erhöhung des Wassergeldes um 5 Pf. pro cbm vorgesehen, um so einen jährlichen Mehrerlös von ca. 3500 DM zu gewährleisten. Diese Erhöhung wurde in dem einstimmigen Beschluß zunächst auf ein Jahr, beginnend mit dem IV. Quartal 1950, festgelegt.

Einen breiten Raum nahmen die Vorschläge über die Zuteilung von Wohnungen für das in Kürze bezugsfertige dritte Gemeindesiedlungshaus ein. Dabei kam es zu lebhaften Debatten zwischen den anwesenden Interessenten und dem Gemeinderat. Für das neue Siedlungshaus, das vier mittelgroße und zwei kleinere Wohnungen umfaßt, lagen eine Unzahl von Bewerbungen vor. Dabei wurden die vordringlichsten Fälle einer scharfen Überprüfung unterzogen und nach längerer Beratung die dafür in Frage kommenden Familen festgelegt.

Hinsichtlich der Neubesetzung der Revierförsterstelle wurde der zur Zeit in Oberhessen tätige 25jährige Revierförster Metzger zur Einstellung vorgeschlagen und einstimmig gebilligt. — Die Genehmigung der Vorschlagsliste für Schöffen und Geschworene fand keine allseitige

■'ZUstimmüng. Sie würde einerseits von der SPD-Fraktion, die den Leumund einiger Vorgeschlagenen anzweifelte, andererseits von der KPD-Fraktion, die die Arbeiterklasse als ungenügend berücksichtigt fand, verworfen und zur Behandlung in geheimer Sitzung verwiesen. Die nochmals zur Diskussion stehende Frage des zukünftigen Roßdörfer Feüerwehrkommandanten wurde den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr zur Entscheidung überlassen. Mehrere interne Fragen wurden, in der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung behandelt. sl

Unsere Guburtstagskinder

84. Geburtstag: Herr Adam Heinrich Funck, Altheim, Hauptstraße 42.

75. Geburtstag: Herr Wilhelm Brunner, Bickenbach (Bergstr.), Bahnhofstr.

75. Geburtstag: Herr Otto Rogge, Altheim, Kirchstr. 132.

73. Geburtstag: Herr August Heil, Hauptwachtmeister i. R., Altheim, Hauptstraße 5.

71. Geburtstag: Frau Margarete Gaubatz, Groß-Bieberau, Ernst-Ludwigstraße 4.

„Alles für Bonn"

Die Gemeinde Stockheim, zwischen Erbach und Michelstadt, ist seit einiger Zeit fernmündlich nicht mehr zu erreichen; das Fernsprechkabel ist beschädigt und muß ausgewechselt werden. Wie lange das noch dauert, kann weder das Fernsprechamt Michelstadt noch sonst jemand sagen, obwohl die Entfernung von Erbach nach Michelstadt nur 2 km beträgt und Stockheim auf halbem Wege liegt.

Als sich die Telefonbesitzer von Stockheim, meist Geschäftsleute, die auf ihren Apparat dringend angewiesen sind, beschwerdeführend an das Telegraphenbauamt Darmstadt wandten, erhielten sie von dort den Bescheid, daß für diesen Zweck zur Zeit kein Fernsprechkabel verfügbar sei, da „alle Vorräte für Bonn“ benötigt würden. -ch-

Mit 60 Sachen gegen die Wand

Zu schnell in die Kurve

Der 19 jährige Elektriker Horst Schwinn aus Lützel - Wiebelsbach fuhr mit seinem Motorrad von Wörth kommend mit 60 km Geschwindigkeit in die Rechtskurve der Ortsdurchfahrt von Seckmauern. Er geriet zu weit nach links und rannte gegen eine Hauswand. Während er selbst unverletzt blieb, trug der auf dem Sozius fahrende Schneider Helmut Schnellbacher eine Gehirnerschütterung und einen Bruch des rechten Unterarmes davon. Er kam ins Kreiskrankenhaus nach Obernburg. Das Motorrad wurde erheblich beschädigt. -ch-

Landung auf dem Schotterhaufen

Auf der Heimfahrt von Darmstadt sah am Montagabend der Landwirt Georg Bit enmü Iler aus Ober-Ostern zwei verschieden helle Lichter auf sich zukommen, die er für Lampen von zwei Motorrädern hielt. Als plötzlich unmittelbar vor seinem Motorrad ein Lkw. nach linkt einbog ohne vorher Fahrtrichtungszeichen gegeben zu haben, erkannte er seinen Irrtum — aber zu spät. Er und sein Soziusfahrer landeten auf einem Schotterhaufen. Der Fahrer trug Knöchelverletzungen am linken Fuß davon, -ch-

Neckar trat über die Ufer

Hirschhorn. Durch die anhaltenden Regengüsse der vergangenen Woche wurde der Zufluß besonders im unteren Teil des Neckars so stark, daß das Flußbett die Wassermassen nicht mehr fassen konnte und am Freitag über die Ufer trat. Die Auto-Umgehungsstraße in Hirschhorn war völlig überschwemmt, so daß die engen Stadtstraßen den Durchgangsverkehr Heidelberg—Eberbach—Erbach aufnehmen mußten.

Abgesehen von mehreren Karambolagen mit Sachschaden und einem Motorrad-Salto, gelang es jedoch der Gendarmerie, größere Verstopfungen zu vermeiden. , -r.

Amerikanische Lesehalle Dieburg

Am Freitag, dem 24. November, um 20 Uhr, spricht in der amerikanischen Lesehalle Dr. Wilcynski (Schweiz) über das Thema „Keine Furcht vor morgen“, Erlebnisse und Begegnungen.

Einen Vortrag mit Lichtbildern bringt am Donnerstag, dem 30. November, um 20 Uhr, in der Knabenschule, Marienstraße, Herr E pti n g über „Eine Fahrt per Anhalter durch England und Schottland“. rfd.

Aktuelles zwischen gestern und heute

Keine Kupplerin

Dr. Feigl erzielt neuen Freispruch

Von der Anklage der Kuppelei wurde jetzt in einer Berufungsverhandlung vor der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt die Angeklagte Ruth Sch. aus Erfelden freigesprochen. Diese Frau, deren Verteidigung in der Berufungsinstanz der „ Rückert-Verteidiger“, Rechtsanwalt Dr. Feigl übernommen hatte, war in einer früheren Verhandlung vom Bezirksschöffengericht Darmstadt zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Dem Verteidiger gelang es jetzt in einer mehrstündigen dramatischen Beweisaufnahme, dieses frühere Urteil durch klare Gegenbeweise zu erschüttern und das Berufungsgericht von der Unschuld seiner Mandantin zu überzeugen. Der Staatsanwalt war anderer Meinung und hatte sich für eine Verurteilung eingesetzt. wst

Zelluloid entzündet sich

Die Ursache des Nauheimer Großbrandes

Am letzten Sonntag, nachmittags gegen 14 Uhr, wurde die Spielzeug- und Musikinstrumentenfabrik Blohberger und J o rk a, Nauheim, ein sudetendeutscher Flüchtlingsbetrieb, innerhalb einer Stunde durch ein Großfeuer fast völlig vernichtet.

Wie die bisherigen kriminalpolizeilichen Ermittlungen ergaben, ist die Ursache des Brandes mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Entzünden von Zelluloid zurückzuführen. Durch einen Raum, in dem dieses Zelluloid gelagert war. führte ein Ofenrohr. Da es dicht an dem leicht brennbaren Stoff vorbeiführte, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß durch die ausgestrahlte Hitze des Ofenrohrs das Zelluloid zur Entzündung gebracht wurde und sich sofort in ein großes, schnell um sich greifendes Flammenmeer verwandelte.

Wilde Sammler

in Egelsbach aufgetreten

Wie erst jetzt bekannt wird, treiben immer noch Personen mit Ausweisen und Sammellisten der im Frühjahr 1950 in Konkurs geratenen Ausbildungsschule für Blindenführerhunde e. V. Seeheim ihr Unwesen.

So hat sich vor einiger Zeit, wie die Kriminalinspektion Darmstadt mitteilt, ein Unbekannter unter Vorlage der oben bezeichneten Unterlagen in Egelsbach seine altgewohnte Tätigkeit fortgesetzt und zahlreiche Geschäftsleute zu Spenden veranlaßt. Es wird von der Kriminalpolizei nochmals darauf hingewiesen, daß diese Tätigkeit untersagt ist. Sie bittet bei Auftreten dieser Personen die nächste Polizeistation zur Feststellung der Personalien dieser wilden Sammler zu veranlassen. wst

Trauriges Ende

der Hochzeitsfeierlichkeiten

Dieser Tage fand inßockenrod eine Hochzeit mit all ihrer Freude ein jähes Ende. Der Gesangverein aus Laudenau dem der Bräutigam angehörte, war eingetroffen, um ihm zu Ehren ein Ständchen darzubringen. Ein älterer Hochzeitsgast aus Laudenau, der voller Erregung das Eintreffen der frohen Sänger gemeldet hatte, brach, während sich die Hochzeitsgesellschaft vor dem Hause versammelte, tot auf der Treppe zusammen. ptoo

Der Fahrer merkte nichts

als der Anhänger einen Baum fällte

Unterhalb der Bahnunterführung von Neckarsteinach löste sich am Dienstagfrüh der Anhänger eines in Richtung Neckarsteinach fahrenden Lastzuges. Er prallte an einen Straßenbaum und riß ihn um. Dieser kam zum Teil auf den Bahnkörper zu liegen. Erst in Neckarsteinach bemerkte der Fahrer das Fehlen seines Anhängers. w. L.

Gehirnerschütterung

durch eigene Unvorsichtigkeit

Mit einer Gehirnerschütterung mußte am Montag ein 20jähriger junger Mann aus Einhausen ins Krankenhaus Lorsch eingeliefert werden. Der Verunglückte hatte mit seinem Fahrrad das Stoppschild an der Einhäuser Landstraße überfahren und wurde dabei von einem auf der Bundesstraße 47 fahrenden amerikanischen Personenwagen erfaßt. Auch der Wagen wurde beschädigt, da der Fahrer versucht hatte, links auszuweichen und dabei gegen einen Richtungsstein gefahren war. bl.

Lok entgleiste

Wegen eines Federbruchs entgleiste in der Frühe des Dienstag im Bahnhof Nekkarhausen die Lokomotive eines in Richtung Hirschhorn fahrenden Güterzuges. Das Bahngeleise wurde erheblich beschädigt. Personen kamen nicht zu Schaden. W. L.

Karl Walter hat gestanden

Der nach einer dramatischen Verfolgung in der vergangenen Woche in Rehbach dingfest gemachte Ladenkassenmarder Karl Walter aus Erbach hat nach anfänglichem Leugnen seiner Taten bei einem Haftprüfungsverfahren unter Leitung von Amtsrichter Dr. Tichy vom Amtsgericht Michelstadt die Ladenkassendiebstähle in Steinbuch bei Adam Gölz und dem Lebensmittelgeschäft Germann sowie den versuchten Ladenkassendiebstahl im Lebensmittelgeschäft Germann in Rehbach, der zu seiner Festnahme führte, zugegeben. Das Gericht hob daraufhin den Haftbefehl gegen Walter auf. Er wird sich demnächst für seine Taten zu verantworten haben. -ch-

Dreijähriger stürzte vom Fuhrwerk

Hahn. Der dreijährige Sohn des Landwirts Kraft. Rheinstraße 34. stürzte in der väterlichen Hofreite so unglücklich von einem Pferdefuhrwerk, daß der Tod innerhalb weniger Minuten, wahrscheinlich infolge Verblutens, eintrat. +

Violin-Abend Elfriede Früh

Bensheim. Die junge Geigerin Elfriede Früh (Bensheim-Auerbach) gibt am 28. November in der Turnhalle des Gymnasiums einen Abschiedsabend. Es gelangen Werke von Tartini, Bach, Chausso n und Cesar Franck zum Vortrag. Am Flügel begleitet Kapellmeister Joachim Pope 1k a vom Nationaltheater Mannheim. HB.

Konsolidierung im Pferdesport

Verband südwestdeutscher Rennvereine in Erbach gegründet

In Fortsetzung von Besprechungen, die bereits vor einiger Zeit in Bad Dürkheim begonnen wurde, versammelten sich am Mittwoch die Vertreter der Renn-Vereine von Buchen, Bad Kreuznach, Haßloch, Karlsruhe-Knielingen, Seckenheim, Viernheim, Zweibrücken und des Odenwälder Rennvereins Erbach im Rathaussaal zu Erbach zur konstituierenden Sitzung des „Verbandes südwestdeutscher Rennverein e. V.“, der seinen ständigen Sitz in Bad Kreuznach haben wird.

Aufgabe des Verbandes wird es sein, das bisherige Uebergewicht der großen Rennsportvereine gegenüber den kleineren Vereinen auszugleichen und vor allen Dingen durch direkte Verhandlungen Termin-Ueberschneidungen zu vermeiden. Die Mitgliedschaft können alle Pferdesportvereine erwerben, die Voll- oder Halbblut-Rennen der Klassen A und B mit Totalisator-Betrieb durchführen.

Die Versammlung wählte einstimmig den Vorsitzenden des RV Bad Kreuznach, Otto Zimmer, zum 1. Vorsitzenden, zu dessen Stellvertreter den Gründer des Odenwälddr Rennvereins Erbach, Alexander Graf zu Erbach-Erbach, zum Geschäftsführer Heinz Schnee, den auf allen Turf-Plätzen Deutschlands bekannten Geschäftsführer des Rennklubs Frankfurt, und zum juristischen Beirat Justizrat Christian Berdel, Zweibrücken.

Kaum war die Vorstandswahl beendet, wurde ihm als erste Amtshandlung die Ehrung zweier verdienter Männer des südwestdeutschen Pferdesports übertragen: Der Vorsitzende des RV Haßloch, Jakob Veith, der seit 50 Jahren der Pferdezucht und dem Turf dient, wurde zum Ehrenvorsitzenden des Verbandes, und Justizrat Berdel zum Ehrenmitglied ernannt.

Ein wesentlicher Teil der Tagesordnung war die Festlegung der Renn-Termine sämtlicher Mitgliedsvereine für das kommende Jahr, wobei Ueberschneidungen mit den großen Rennen in Frankfurt, Baden-Baden und München zu vermeiden waren.

Der Plan sieht folgende Rennen vor: 6. 5. Viernheim, 13. 5. (Pfingstsonntag) Haßloch, 14. 5. (Pfingstmontag) Seckenheim, 20. 5. Zweibrücken, 3. 6. Bad Kreuznach, 17. 6. Haßloch, 1. 7. Buchen, 8. 7. Karlsruhe-Knielingen, 29. 7. Erbach i. 0., 5. 8. Bad Kreuznach, 2. 9. Zweibrücken, 16 9. Viernheim, und am 7. 10. in Haßloch.

Die Beratung des technischen Betriebs mußte ihrer Bedeutung und ihres Umfanges halber der nächsten Mitgliederversammlung vorbehalten bleiben, die im Januar in Seckenheim stattfinden soll. ' -ch-

Schulungs- und Bildungsabende des DGB Leorsch

Der Ortsausschuß Lorsch des Deutschen Gewerkschaftsbundes führt am Freitag in der alten Schule seine im letzten Winterhalbjahr eingeführten Schulungs- und Bildungsabende weiter. Das erste Thema lautet: „Die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung“. Weiterhin sollen die Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Angestelltenversicherung und das Sozialversicherungsanpassungsgesetz behandelt werden. Das Mitbestimmungsrecht, Arbeitsrecht und die Arbeitslosenversicherung sind ebenfalls als Themen vorgesehen. bl

Zur Stärkung des religiösen Lebens

Pfarrer beider Konfessionen trafen sich in Groß-Gerau

Zu einer Aussprache mit dem Beauftragten für Kirchenfragen bei der Hicog, Mr. Dr. Donovan, Wiesbaden, trafen sich am Montag — einer Anregung des Resident-Officer Mr. Mulvehill folgend — Pfarrer beider Konfessionen aus dem ganzen Kreisgebiet in Groß-Gerau. Als Gäste waren außerdem Landrat Ha rt h und Bürgermeister Dr. Lüdecke erschienen.

Mr. Mulvehill begrüßte die Versammlung und äußerte seine Zufriedenheit über die Bereitwilligkeit zu einem gemeinsamen Gespräch. Dr. Lüdecke, der die Grüße der Stadt überbrachte, betonte, daß er stolz darauf sei, eine solche Versammlung in der Kreisstadt zu haben, die bemüht sei, in der gegenwärtig schweren Zeit ein geistiges Zentrum zu bilden.

Mr. Donovan wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß es heute mehr denn je notwendig sei, das religiöse Leben zu stärken. Dies gelte; insbesondere», für die Arbeiterschiaft, die auf dem Wege der Besinnung auf religiöse Fragen materialistischen Anschauungen am ehesten entfernt werden könne. Um dies zu erreichen, sei es notwendig, daß sich Arbeiter und Geistliche zusammenfänden. Ohne religiöse Grundsätze sei weder eine politische noch eine wirtschaftliche Organisation existenzfähig. Mr. Donovan schlug die Bildung überreligiöser Arbeitskreise, ähnlich der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit vor, um in einem solchen Rahmen nicht nur örtlich, sondern auf Länderbasi® alle brennenden Gegenwartsprobleme zu besprechen. Dem Arbeiter müsse klargemacht werden, daß die Menschenwürde dem Individuum nicht von Menschen, sondern von Gott gegeben sei.

In der dem Referat folgenden Diskussion wurde der Vorschlag gemacht, Pfarrer und Bürgermeister eines besseren Kennenlernens wegen einmal zusammenzubringen. Weiterhin wurde die Forderung gestellt, daß Behörden und staatliche Stellen gegen minderwertige Filme und Schundliteratur einschreiten sollten. Mr. Donovans Vorschlag, interkonfessionelle Gruppen zu schaffen, lehnte die Versammlung als nicht im Sinne des zu erreichenden Zieles ab. Ein junger katholischer Pfarrer, der die Auffassung vertrat, man könne Menschen entweder nur gut evangelisch oder nur gut katholisch erziehen, . fand bei Vertretern beider Bekenntnisse weitgehende Zustimmung. Jedoch sei eine gute Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchen notwendig und begrüßenswert. Besonders die Not der Jugend wurde in der Aussprache erörtert.

Landrat Harth wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die heutige Jugend eine schwere Vergangenheit hinter sich habe. Sie sei viele Jahre nur zum Haß erzogen worden und es müsse die Aufgabe aller Verantwortlichen sein, statt des Hasses Liebe in die jungen Herzen einzupflanzen. Bestrebungen, die auf eine Zusammenarbeit zwischen der Geistlichkeit und den Behörden hinzielten, sagte der Landrat seine Unterstützung zu.

Die Versammlung wurde mit dem allseits ausgesprochenen Wunsch, bald wieder zu einer solchen Aussprache zusammenzukommen, beendet. kr.-

Neue „Vaterunser-Glocke“

eingeholt

Rothenberg. Am Sonntag konnte die evangelische Gemeinde einen festlichen Tag begehen: die beiden Glocken bekamen endlich ihre noch fehlende Schwester. Im Krieg mußte die Gemeinde zwei Glokken abgeben, wovon eine glücklicherweise schon vor längerer Zeit an ihren alten Platz zurückkehren konnte. Die andere, die „Vaterunser-Glocke“, war leider in den letzten Kriegstagen eingeschmolzen worden. Freiwillige Spenden der gesamten Gemeinde ermöglichten jetzt den Ankauf einer neuen.

In feierlichem Zug wurde sie nun eingeholt und zum Gotteshaus gebracht. In einer Feierstunde dankte Pfarrer Weiß allen Spendern. In den nächsten Tagen wird die Glocke ihren endgültigen Platz im Gestühl erhalten und am ersten Advent zum erste Male ihre Stimme erheben. Mr

„Selig ihr Armen“

Aufführung der katholischen Laienspielschar Waldmichelbach

Die Aufführung der katholischen Laienspielschar W aldmichelbach von Maria Murmelters „Selig ihr Armen“ wurde im Rahmen eines Elisabeth¬ -Abends zu einem überwältigenden Erfolg. Rund 700 Personen drängten sich im großen Saal des Hotels „Zum Odenwald“, um mit Hingabe der gebotenen Aufführung zu folgen. Kaplan Wö 1 - felschneider als Regisseur hatte

versucht, dem Theaterspiel auf dem Lande über reine Unterhaltung hinweg aufrüttelnde, fragende und antwortheischende Problematik zu geben. Elisabeth Eck, Gertrud Fischer, Hans Roth und Wilma Unger waren inmitten einer zahlreichen Darstellerschar hervorragende Erscheinungen. -r.

Kreisgeflügelschau in Vielbrunn

Landrat Neff gewann Ehrenpreis für Plymouthrocks / 25jähriges Jubiläum des Geflügelzuchtvereins Vielbrunn

^re'svere*ne hatten auf der Kreisgeflügelschau in Vielbrunn fast , Here ausgestellt. Aus nah und fern waren zudem die Züchter zusammengekommen, um ihre Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen.

Dabei ergoß sich über den armen Laien ein wahres Füllhorn von Rassebezeichnungen, daß es ihm erging wie dem Schüler in Goethes Faust: Orpington, Wyandotte, Sussex, Rhodeländer, Barnevelder, New Hampshire. Italiener stolzierten in jeder Menge und in allen Farbnuancen in ihren Käfigen umher, während die Altsteirer nur einen Vertreter entsandt hatten. Die Reichshühner folgten dem Zug der Zeit und fristeten ein beschauliches Dasein, während die Rheinländer sich breiter gemacht hatten. Auch der Nichtfachmann kam also auf seine Kosten und bewunderte die Liebe und Geduld, mit der die Züchter ihie Tiere pflegen, und das umfangreiche Wissen, das ein erfolgreicher Tierhalter haben muß.

Ueber 40 Ehrenpreise konnten an die besten Züchter ausgegeben werden. Unter ihnen befanden sich Johann Haas, Vielbrunn, der auch den Jubiläumspreis des Geflügelzuchtvereins Vielbrunn erhielt, vier Ehrenpreise: P. Bernges, Michelstadt, W. Hartmann, Michelstadt, L. Schneider, Neustadt, K. Volk, Höchst, je zwei Ehrenpreise; L. Wass um, Bad König, L. Löffler, W. Jeck, Michelstadt, W. Schäfer, Bad König, G. Konrad, Erbach, G. Enders, Vielbrunn, G. Gebhard, Vielbrunn, A. Dankelmann, Michelstadt, L. E c k ar d t, Neustadt, J. Schmelz, Michelstadt, W. Schäfer, Michelstadt, K. Neff, Michelstadt, Ph. Büchner, Neustadt, W. Wölfeischneider, Höchst, A. Menges, Höchst, je ein Ehrenpreis.

Erfreulich waren vor allem die Leistungen der Jugendgruppe, die bewiesen, daß die Zuchtvereine über einen gesunden Nachwuchs verfügen. Hier konnten von den Schiedsrichtern Friedmann, ^Seligenstadt, und Thoma, Offenbach, mit Ehrenpreisen ausgezeichnet werden: W. Lautenschläger, Vielbrunn, Annemarie Schmelz, Michelstadt, W. Hartmann, Michelstadt, F. Hofmann, Vielbrunn, H. Weyrich, Vielbrunn, J. Siefert, Vielbrunn.

Gleichzeitig fand durch den Kreisvorsitzenden die Ehrung einer Reihe von Mitgliedern des Geflügelzuchtvereins Vielbrunn statt, die ihm seit 25 Jahren angehören. Es waren dies Georg Ruppert, Johann Haas, Georg Enders, Philipp Weyrich, Adam Weyrich, Johann Deitrich, Friedrich Siefert, Philipp Bischoff, Leonhard Hofmann und Karl Straub. -im-

Volkshochschule Bergstraße im Winter

Allen Hörern bietet sich ein reichhaltiges Programm

Die „Volkshochschule Bergstraße" in Jugenheim, die die Orte Seeheim, Jugenheim, Balkhausen, Stettbach, Alsbach und Bickenbach umfaßt, bietet in ihrem reichhaltigen Winterprogramm 1950/51 berufliche, künstlerische und bildende Veranstaltungen aller Art. Für Jugenheim ergeben sich aus der Zusammenarbeit mit dem PI Darmstadt eine Reihe von Vorlesungen und Uebungen, die nicht nur Erzieher, sondern auch Eltern angeht.

Die Arbeitsgemeinschaft „Obstbau an der Bergstraße“ in Verbindung mit dem Kreis - Obst- und Gartenbauverband (Darmstadt) wird für den Kleinbauer belehrende Vorträge bringen, so z. B. durch Vorführung neuer Obstbaumschnitte, Aufgaben der Obstzentralen, Entwicklung des Genossenschaftswesens und Besuch im Muster-Obstgut Talhof (Balkhausen). Auch religiöse Fragen der Gegenwart und „Praktische Gesundheitslehre“ sind in dem Winterprogramm einbezogen.

. Die Vorträge und Führungen „Unsere engere Heimat“, die sich mit der Entwicklungsgeschichte der unteren Bergstraße, mit den Kunstbauten der engeren Heimat, mit Darmstadt und Umgebung als Objekt sozialwissenschaftlicher Forschung, Odenwälder Trachten und vieles andere beschäftigen, werden das Programm vertiefen. An Samstagnachmittagen sind Halbtages-Heimaitgänge vorgesehen, deren Termin noch bekanntgegeben wird. Ganztagesfahrten in die „Unbekannte Heimat“ sind ebenfalls in Aussicht genommen.

Ernst Penzoldt und Ina Seidel werden aus eigenen Werken lesen. Hinzu kommen noch Konzerte, in denen bekannte Künstler, wie z. B. die Harfenistin Frau Lange (Frankfurt), Prof. W. Borngässer, das „Kammerorchester Bergstraße“, das „Müller-Gündner Streichquartett und Branka Musulin (Berlin) oder Werner Hoppstock (Darmstadt) zu hören sind, „Kunstbetrachtungen und Uebungen“ mit Fräulein Maria Fröhlich (Jugenheim) und „Literarische Lesungen“ von Frau K 1 os e - Roger werden das überaus reichhaltige Programm ergänzen. hl.

Eppertshaursen bekommt neue Glocken

Das kommende Wochenende wird zu Feiertagen der ganzen Gemeinde

Seitdem der Gedanken zur Neuanschaffung von Kirchenglocken in Eppertshausen gefaßt wurde, sind nur wenige Monate vergangen. Der heute vorliegende Spendebetrag läßt erkennen, daß die Aufrufe von Pfarrer Fleischmann in keinem Fall auf taube Ohren stießen.

Mit dem Reinerlös von Veranstaltungen steuerten die Ortsvereine nennenswerte Beträge in die „Glockenkasse“. Ein größerer Betrag eines spendefreudigen Privatmannes läßt es außerdem zu, die gesprungene „Silberglocke“ der Valentinuskapelle neu zu gießen.

Nachdem das neue Glockenspiel in der letzten Woche gegossen wurde, wird die Gemeinde am Samstag und Sonntag im Zeichen der Weihefeierlichkeiten stehen. Aus Sinn (Dillkreis) kommend werden die Glocken am Samstagnachmittag am Ortseingang durch den Kirchenvorstand und die Ortsgeistlichen empfangen, um anschließend durch die geschmückten Dorfstraßen geleitet zu werden. Eine Feierstunde vor dem Hauptportal der Pfarrkirche schließt sich an. Ansprachen von Pfarrer Fleischmann und Bürgermeister Gruber werden herzliche Dankesworte an alle Spender zum Gegenstand haben. Unter der Gesamtleitung des jugendlichen einheimischen Dirigenten Heinz Röhrig haben sich die Gesangvereine „Liederkranz-Frohsinn“ und „Germania 1890“ im Gemeinschaftschor für die Ausgestaltung des Nachmittags zur Verfügung gestellt.

Den Höhepunkt der beiden Festtage bildet der eigentliche Weiheakt im feierlichen Hochamt am Sonntagvormittag. Kirchliche Vertreter des Mainzer Bischofs und der umliegenden Pfarrgemeinden werden als Gäste erwartet. Das Programm der weltlichen Feier, die zum Festausklang im Edersaal stattfindet, bestreiten die beiden Gesangvereine, die Mandolinenabteilung des Odenwaldclubs und der Knabenchor der Volkshochschule. _gi_

Das Schicksal der Hugenotten vor 300 Jahren“ ist das nächste Thema des kulturellen Arbeitskreises Pfungstadt. über das Prof. Petri, Universität Mainz, sprechen wird. *

„Widerstand‘“ macht sich bezahlt

aber nur für die Staatskasse

Bensheim. Mit zwei Fällen von „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ hatte sich das Bezirksschöffengericht zu befassen. In dem einen Falle hatte ein Maurer, der in Untermiete in Jugenheim wohnt und eine Schuld von vier D-Mark nicht bezahlt hatte, den Obergerichtsvollzieher nicht nur wüst beschimpft, sondern ihn auch auf offener Straße tätlich angegriffen. Da er kriegsverletzt ist und zeitweise unter Erregungszuständen leidet, wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt. Trotzdem hat er wegen Beleidigung und Körperverletzung 200 DM Geldstrafe zu zahlen. —■ Der gleiche Obergerichtsvollzieher hatte bei einem Gastwirtsehepaar in Zwingenberg eine Schuld von 13,83 D-Mark einzutreiben. Da es hierbei zu erregten Auseinandersetzungen kam, forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe für den Ehemann. Das Gericht erkannte gegen ihn auf 200 DM Strafe wegen fortgesetzten Widerstands gegen die Staatsgewalt und 50 DM wegen versuchter Nötigung. Die Ehefrau wurde zu 75 DM Geldstrafe wegen fortgesetzten Widerstands verurteilt. *

Dekorierungen beim OWK

Heppenheim. Mit ihrem Dekorierungsfest verband die Ortsgruppe des Odenwaldklubs ihr 60jähriges Stiftungsfest. Bei der Feier in Sonderbach bezeichnete Landesforstmeister Dr. Hesse die Heppenheimer Gruppe als eine der vortrefflichsten und führenden. Allein 49 Mitglieder der Jugendgruppe, die noch gesondert ausgezeichnet werden sollen, haben sich eine Ehrennadel verdient. Unter den 66 dekorierten Wanderern befinden sich der 81jährige Senior der Ortsgruppe, Fritz Heinz, und Wilhelm Straub, der die „Goldene“ zum 30. Male erhielt. Die Mitglieder Frau Böhm, Bitsch. Lehmann und Merck sowie der 1. Vorsitzende, Oberstudiendirektor i. R. K o c h. wurden für 25jährige, die Mitglieder Ingenhaag, J. Schmitt und Thomas für 40jährige Zugehörigkeit zur Ortsgruppe ausgezeichnet. Sanitätsrat Dr. Otto Ferrari gehört der Ortsgruppe bereits 58 Jahre lang an. -L

Feuchtfröhliche Volksabstimmung an der Bergstraße

Ein besonderer Ausschuß, der für die Taufe des diesjährigen Weines verantwortlich ist, trat am vergangenen Samstag in Bensheim zusammen . und wählte von 250 vorgeschlagenen Namen 15 aus. die am 25. November in allen Gaststätten an der Bergstraße der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden sollen. Einige der ausgewählten originellen Namen: Dunnerkeil, Knallkopp. Lastenausgleicher, Vaddermilch, Ueberrumpler. Gewitterverdaaler. Wer also am 25. November abends ein Lokal an der Bergstraße besucht, bekommt einen Stimmzettel mit den 15 Namen vorgelegt und kann sich an dieser feuchtfröhlichen Volksabstimmung beteiligen. Nicht zuletzt hofft man, daß dabei auch die Gaststätten. Hotels und Cafes, in denen „Bergsträßer“ ausgeschenkt wird, ein gutes Geschäft machen. HB

Einwohnerschaft ist dagegen

Biblis. Gegen die Verpachtung eines Teiles des Flugplatzgeländes an die amerikanische Zivilfirma NCEF, die einen Radiosender errichten will, sprach sich die Einwohnerschaft in einer leider sehr schwach besuchten Bürgerversammlung aus. Wesentlicher Grund für die Ablehnung war die Ansicht, daß es nicht einzusehen sei. das Gelände in jenem Augenblick an die Amerikaner zu verpachten. da es nach jahrelanger Urbarmachung zum ersten Male gute Ernten gewährte. 4-

Erfreuliche Uebereinkunft der Mörlenbacher Vereine

Um Ueberschneidungen und Konkurrenzen zu vermeiden, trafen sich die Mörlenbacher Vereinsvorstände kürzlich zu einer Besprechung, bei der die Termine für die kommenden Weihnachts- und Faschingsveranstaltungen festgelegt wurden.

Arbeiter-Wohlfahrt, Sportverein, Flüchtlingsverband, Gesangverein „Einheit“, Kolpingfamilie, Jungschar, Odenwald-Klub, Rotes Kreuz und Kirchenchöre haben nun trotz der kurzen in diesem Winter zur Verfügung stehenden Zeit, die noch dazu durch das Fehlen eines oder zweier Säle die Situation problematisch werden läßt, Gelegenheit, zu jedem Anlaß wenigstens eine Veranstaltung durchzuführen. -r

Was aǔch interessiert:

Die Männerchöre der Gemeinden Bie¬ besheim, Messel und der SKG Roßdorf veranstalteten am Wochenende im Saal des Gasthauses „Zur Sonne“ in Roßdorf unter ihrem gemeinsamen Dirigenten Kullmann ein großes Konzert, das vor überfülltem Saale mit Begeisterung aufgenommen wurde. sl

Die Spielschar des Realgymnasiums zu Gernsheim beabsichtigt, im Gasthaus zum „Weißen Löwen“ in Biblis am 25. November das Lustspiel „Der tolle Hund“ von Schülern und Schülerinnen der drei oberen Klassen aufführen zu lassen, mw

Eine Probe seines Könnens lieferte kürzlich der Männergesangverein 1859 Seeheim in einem Liederabend unter der Leitung seines Dirigenten H. Knöß. Eberstadt.

„Der Zirkus brennt“

EINE URAUFFÜHRUNG DER STUDIOBÜHNE DER UNIVERSITÄT FRANKFURT

Die Studiobühne der Universität Frankfurt brachte in Uraufführung das Schauspiel „Der Zirkus brennt“ von Jochem Thiem. Eine Tragödie nennt der Autor sein Werk, das ein weiterer Beitrag zu dem schon öfter angestellten Versuch sein soll, das Thema Nationalsozialismus und zweiter Weltkrieg auf die Bühne zu bringen — so wir ihn recht verstanden haben.

Thiem zeigt die Herrschaft des Bösen in einem Zirkus, einer Manege der Selbstmörder, die ihr Leben in die Hand des Direktors der Zeltstadt gegeben haben, nachdem sie vorher noch einige Jahre in Saus und Braus leben durften. So soll dieser Zirkus wohl eine andere Art Welttheater sein, in dem sich die „Bürger“ treffen, um vom sicheren Parkett aus auf das Gaukelspiel der Todgeweihten zu gaffen. Droben, unter der Kuppel, schwebt das Seil, auf dem sie tanzen, diese Hasardeure des Lebens, balancieren zwischen Tod und Hoffnung, und es bedarf nur eines Winks des Direktors um den abstürzen zu lassen, der die Liebe eines anderen Menschen erweckt hat. Wohlgemerkt: das Objekt der Liebe muß sterben. Diese tödliche Disziplin wird durchbrochen von Bianca, der Tänzerin, und Pedro, dem Dompteur. Bevor aber ihre Liebe geahndet werden kann, brennt der Zirkus, brennt die Welt eines Idols nieder, zusammen mit all denen, die geduldig mit zuschauten — und sich durch ihr Gaffen schuldig machten. Was bleibt, ist graue Asche, sind die schweren Träume einer neuen Generation von jenem Zirkus, dessen unheimlicher Bann ewig ist, weil er immer wiederkehren kann.

Es ist nicht leicht, die Symbolik Thiems zu verfolgen, zumal er Menschheits- und Menschenschicksal vermengt. Er möchte sicher eines durch das andere deuten und gibt dadurch der Handlung einen kleinen Bruch. Das verzweifelte Spiel zwischen Albtraum und Wirklichkeit, zwischen Tod und lebendiger Liebe, zwischen Freiheit und Knechtschaft des Geistes und des Körpers, diese unauflösbare Gegensätzlichkeit, die tragisch zu werten wäre, ist zu sehr ins Gleichnishafte verlagert, als daß sie in ihren Bezügen noch klar erkennbar wäre. Oder haben wir schon zu viel Abstand gewonnen von dem, was der Dichter kurz nach Ende des Krieges mit heißem Herzen niederschrieb?

Was die Studiobühne aus der Tragödie machte, grenzt haarscharf an Klamotte. Es sei dabei nicht vom Bühnenbild die Rede, das in seiner einfachen Zweckmäßigkeit geschickt gelöst war. Vielmehr waren es die Darsteller, deren Rollengestaltung zum Teil völlig verfehlt angelegt war. Am weitesten entfernte sich Axel Schmidt, der die Rolle des Zirkusdirektors Asmus, die Personifikation des Bösen spielte, von den Gegebenheiten. Mit großspurigen Schritten ist hier nichts getan, und das Schreien im Stile eines KZ-Aufsehers, das Zukneifen der Augen, als störe die — sehr mangelhafte — Beleuchtung das Zerquetschen der Worte bis zur Unverständlichkeit, die Außerachtlassung jeder Artikulation sind nicht dazu angetan, die Eiseskälte, den schneidenden Intellekt eines von seiner Idee besessenen Diktators über Leben und Tod eindrucksvoll zu gestalten. Das war höchstens ein besserer wahrer Jakob auf einem Rummelplatz, sonst nichts. Unter dieser Fehlbesetzung — oder, wie man will, falschen Rollenauffassung — litt das Stück am meisten.

Ralf E. Schobers Wanka war ausgezeichnet in der qualvollen Not des am Leben verzweifelnden Menschen, fein pointiert in der shakespearehaften Narrenrolle, wenn auch nicht wendig genug. Seit wann tragen aber auch Shakespeare-Narren kiloschwere Knobelbecher an den Füßen, die jede Bewegung hemmen müssen. In ihrer Schlichtheit eindrucksvoll gestaltet waren die kleineren Rollen von Bianca (Renate Zech) und Bakal (Eberhard Drews), deren natürliches Spiel in wohltuendem Gegensatz zu der stark manierierten Art stand, in der Heinz Zyrewitz den Tobias Sysiphus spielte. Rolf Hesse brachte einen sympathischen, etwas unbeholfenen Pedro.

Die Regisseure Schmidt und Schober ließen sich, besonders zu Anfang, einige überraschende Feinheiten einfallen, die vielversprechend einer allmählich abflauenden Intensität vorausgingen.

Das nicht allzu zahlreiche Publikum dankte mit einem etwas verlegenen Beifall und formierte sich außerhalb des Saales alsbald zu verschiedenen kleinen Diskussionsgruppen. Was als ein Erfolg zu buchen wäre. un

Von den Universitäten

Frankfurt. Prof. Dr. Heinrich Hoeniger früher an den Universitäten Freiburg, Kiei und Frankfurt, heute Ordinarius für Arbeitsrecht und Wirtschaftswissenschaften "am Hunter-Co liege Neuyork, wird demnächst an der Johann - WoMgang - Goethe - Universität Gastvorlesungen halten.

Die medizinische Fakultät der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität hat Prof. Dr. Wolfgang Kohlrausch von der Philipps-Universität Marburg einen Lehrauftrag für Sportmedizin und Bewegungstherapie für das Wintersemester erteilt. -se

Die Senckenibengische Naturforschende Gesellschaft hat dem Frankfurter Botaniker und Paläobotaniker Prof. Dr. Kräusel zur Vollendung seines 60. Lebensjahres die eiserne Ehrenmünze der Gesellschaft verliehen. «

Dr. Hansjoachim Kanold, Dozent für Mathematik an der Liebig-Hochschule, übernimmt im Wintersemester vertretungsweise ein Ordinariat für Mathematik an der Universität Würzburg.

Sie spielen Beethoven

Elly Ney und Ludwig Hoelscher

Am Freitag, dem 24. November, spielen Prof. Elly Ney (Klavier) und Prof. Ludwig Hoelscher (Violoncello) um 20 Uhr in der Stadthalle Werke von Beethoven. Zum Vortrag kommen die Sonate für Violoncello und Klavier, A-dur op. 69, sieben Variationen für Violoncello und Klavier in Es-dur, Klaviersonate, Sonate für Violoncello und Klavier, D-dur, op. 102, Nr. 2.

Ludwig Hoelscher, 1937 als einer der jüngsten Professoren an die Hochschule für Musik nach Berlin berufen, kam auf zahlreichen Konzertreisen durch fast alle Länder Europas, wo er mit den bedeutendsten Orchestern und Dirigenten spielte. Künstlerisch fühlt er sich bei Bach beheimatet, zugleich aber stark der modernen Kunst verpflichtet. Die ihm gewidmeten Cellokonzerte von Pfitzner und Karl Höller, die Konzerte von Trapp, Zilcher u. a. hat Hoelscher uraufgeführt; Hindemith ist ständig in seinem Repertoire. Grundlage und Maßstab für alle musikalische Arbeit ist ihm aber immer Johann Sebastian Bach. Auf Hoelschers Initiative entstand die „Bachwoche“ Ansbach, die inzwischen zu einer der hervorragendsten musikalischen Veranstaltungen gedieh.

Elly Ney ist als einer der letzten Repräsentanten eines großen Klavierstils schon seit Jahrzehnten zu einem Begriff geworden. Und doch eröffnet jede neue Begegnung mit dieser Künstlerin neue musikalische Möglichkeiten und ungeahnte Tiefen. Das Geheimnis ewiger Jugend scheint sie zu verkörpern, diese große Virtuosin und mütterliche Frau, die die Werke Beethovens gleichsam in seinem Auftrage nachzugestalten sucht. Wir wissen, welch eiserner Wille diese Frau in die Höhen menschlichen Erfolges geführt hat, den sie, ungeachtet ihres hohen Alters und mancher körperlichen Anfälligkeit, zu halten vermag.


LUDWIG HOELSCHER
LUDWIG HOELSCHER

Neue Filme in Darmstadt

THALIA. — „Befehl des Gewissens“. Unter den Romanen, die Graham Greene geschrieben hat, nimmt „Die Kraft und die Herrlichkeit“ zweifellos den ersten Platz ein, was den gedanklichen Inhalt wie die literarische Form anbelangt, mit der ein Menschheitsproblem auf die Ebene einer echten, modernen Dramatik projiziert wird.

Es ist das Schicksal eines Priesters, der als einziger in einem südamerikanischen Land trotz des Verbotes der Regierung noch seinen seelsorgerischen Aufgaben nachgeht. Der Mestize, ein übler Polizeispitzel, heftet sich an seine Fersen und versucht die leichte Beute bei den Machthabern zu verkaufen. Dem Priester gelingt es, mit Hilfe einer Eingeborenen, deren Kind er zuvor getauft hatte, zu fliehen, aber der Spitzel folgt ihm ins Nachbarland und lockt ihn unter dem Vorwand, ein sterbender Raubmörder brauche seinen geistlichen Beistand, über die Grenze zurück. Obgleich der Priester die Falle erkennt, folgt er dem Ruf, liefert sich den Machthabern aus, um unter der Salve des Exekutionskommandos für seine geistliche Berufung zu sterben.

Der Stoff dieser Handlung ist mit einer unheimlichen Dramatik erfüllt. Die Personen sind zeitlos, sind Symbole der guten und der schlechten Welt, Gleichnisse der Hoffnung und der Angst. Graham Greenes Roman ist stärker als dieser Film. Er läßt den Priester noch menschlicher erscheinen, er gibt ihm Schwächen und Fehler mit, die seinen späteren Entschluß, freiwillig seiner Mission zu folgen und sich den Häschern auszuliefern, mit einem schwereren Gewicht versehen. Die Filmhandlung zielt darauf hin, durch die Makellosigkeit des Priesters die Idee des unzerstörbaren Christentums zu dokumentieren, aber sie geht deshalb an der tieferen Tragik der Buchfigur vorüber. Dort die zwiespältige, zerrissene Seele eines schnapstrinkenden Priesters, der in der letzten Entscheidung den Mut zur Aufgabe findet, und hier ein Mann, der einen geraden Weg sieht, dem er zu folgen hat, um auf ihm unterzugehen.

Der Film ist vom literarischen her verfehlt angelegt. Künstlerisch dagegen ist er insofern etwas Neues, als er nicht mit den Mitteln des Dialogs arbeitet, sondern von einer enorm intensiven Photographie lebt, von der sparsamen Mimik der Darsteller und der eindrucksvollen Landschaft. Henry Fonda spielt den Priester mit einer tiefen Verhaltenheit des Ausdrucks, Dolores del Rio ist die Eingeborene, mit echter Religiosität, denen beiden der Polizeioffizier Pedro Armendariz gegenübersteht, fleischgewordener Fanatismus um eine Idee. Großartig die schmierige Rolle des Spitzels von J. Carrol Naish.

UNION. - „Eroica.“ Der Film lebt von der unsterblichen Musik, deren Entstehung die Beethovengestaltung E. Balsers und die filmisch erfaßte Wegstrecke aus dem Leben des Großen verständlich machen möchten. Landschaft und Naturstimmung, Vorgänge und Empfindungen werden sofort musikalisch aus den Werken gegeben, ohne daß man eines auch nur hätte ganz Erlebnis werden lassen. Die historischen Verschiebungen sind in ihrer Notwendigkeit auch für die filmische Straffung und Dramatisierung des Stoffes nicht einzusehen, denn wieviel Dramatik liegt ohnehin in diesem Leben und seiner Zeit! Das Schicksal der Liebesentsagung und Einsamkeit des gottbegnadeten, gottgeschlagenen Künstlers ergreift immer. Ob diese zartesten Beziehungen, diese innersten Auseinandersetzungen so deutlich wortwörtlich ausgesprochen werden müssen, ist unschwer zu beantworten, da gerade die filmische Darstellung andere Möglichkeiten hat. Jedoch leistet Balser Eindrucksvolles, und die lichten. verstehenden Gestalten der Liebenden, Therese und Giulietta (Marianne Schönauer und Judith Holzmeister), des Freundes Amenda (Hanns Krassnitzer) wie auch des Fürsten Lichnovski (Ivan Petrovich) erfüllen ihre Rollen gut. Walter Kolm-Veltee, der für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, hat eine Wegstrecke aus dem Leben Beethovens zeigen wollen, der er von vornherein zielstrebig die Entwicklung von der Eroica bis zum Lied an die Freude auferlegte. So gab es einen in sich gerundeten Spielfilm mit romantischen, historischen und Verkündigungselementen, der aber der gewaltigen Wirklichkeit des Beethovendaseins nicht gerecht werden konnte. Die Kamera bringt viele Bilder von großer Schönheit und Beseelung. D-s

PALAST. - „Verrücktes Afrika.“ Es ist wirklich eine verrückte Sache, die wir in diesem Film, in dessen Mittelpunkt die weltbekannten Komiker Lou Costello und Bud Abbott stehen, erleben... Ein biederer Bücherverkäufer, von Natur aus Tieren gegenüber ängstlich, ein wenig weltfremd und tolpatschig, bekommt aus heiterem Himmel das Angebot, eine Expedition ins Innere des schwarzen Erdteils zu führen, weil er angibt, einen Plan zu kennen, der einmal zu einem reichhaltigen Diamantenfeld führt, zum anderen in eine Gegend, in der ein berüchtigter Menschenaffe haust. Klar, daß der Dicke (Costello) im Gegensatz zu seinem Busenfreund (Abbott) sich durch sein Lachen alle Herzen erschließt und auch derjenige ist. der zuerst Affen und Diamanten findet.

Das alles wird nett, mit einer gewissen Spannung und der schlichten Tendenz serviert. daß zum Schluß nicht derjenige der Glücklichste ist, der bewußt Reichtümern und Erfolgen nachjagt, sondern der, der lachen kann wie Costello, das Herz auf dem rechten Fleck hat und im übrigen sein Geld, das ihm eines Tages in den Schoß fällt — und sei’s durch einen Affen — in komfortablen Wolkenkratzern anlegt, damit es gute Zinsen bringe. -zr-

HANSA. - „Im Schatten des Herzens.“ Die Story: Seele von Mensch kommt ins Gefängnis. Frau soll sich scheiden lassen. Will nicht. Will dann doch, weil Kinder mit neuem Vater finanziell besser gestellt. Kommt nicht dazu, weil guter Mann begnadigt. Kommt heim. Rettet Sohn vor Mörder, Tochter aus Seenot. Zweiter — beinahe! — Vater entsagt. Herz ist Trumpf. Und das Gefühl! Viel Gefühl!

Konfektionsarbeit aus Hollywood.Eventuelle Webfehler im laufenden Meter Film hat wahrscheinlich der Cutter herausgeschnitten. So ist es eine glatte, fehlerfreie Arbeit die durch einige nette musikalische Gags — Mundharmonika-Akrobatik — ein paar vergnügte Schlaglichter erhält. Ein Kleid von der Stange hat aber die Eigenart, keine Eigenart zu haben. So bei diesem Film. Die schauspielerische Leistung ist jedoch eines besonderen Wortes wert. Walter Huston als MacKenzie Scott. Kay Francis als Marjorie und vor allem die junge Gloria Warren als Tochter Victoria spielen in ihren tragenden Rollen einen geschliffenen Part. Nicht zu vergessen die — wie schon gesagt —- Mundharmonika-Akrobaten mit ihren vergnüglichen Intermezzi. agt

DER SPORT

Aus elf Spielern wurde eine Elf

Deutschland war der Schweiz überlegen und siegte verdient - Burdenski trat einen Elfmeter scharf und unhaltbar - Unerbittliches und konsequentes Decken brachte uns den entscheidenden Vorteil - An der Sonderklasse des Schweizer Hüters Hug scheiterte Deutschlands Sturm, der eine Fülle bester Chancen verspielte - Englischer Pfeifenmann war alles - Friedländer und Barufka verletzt

Sepp Herberger darf man gratulieren. Er brachte trotz alter Ungewißheit bis zur letzten Minute eine deutsche Elf ins Feld, deren Kondition großartig war. In verwirrendem Flachpaßspiel setzten diese international unerfahrenen Spieler die Schweizer häufig matt und erreichten gegen diesen großen Gegner, der sich in mehreren internationalen Kämpfen in der jüngsten Vergangenheit bestens bewährt hatte, ein Uebergewicht, andern die Rothemden schließlich zerbrechen mußten. Der deutsche Sieg war, wenn auch durch einen Elfmeter errungen, verdient.

Impressionen

von Robert Ludwig

Was ist wohl das Hauptgesprächsthema in der Schwaben-Metropole, als wir am Montagabend dort ankommen? Die Mannschaftsaufstellungen meinen Sie? Der Ausgang des Spiels? Sie irren, werter Leser. Das Hauptthema ist das Wetter. Von 20 000 Stuttgartern, die Karten besitzen, befinden sich während des Spiels 18 000 im Freien. Da ist es also kein Wunder, daß es an den Tischen in den Lokalen nur so wimmelt von (pessimistischen) Aussprüchen über ein atlantisches Tief, das sich wie ein Lindwurm auf den Kontingent wälze und (optimistischen) Prophezeiungen, die da besagen, daß pünktlich am Mittwoch in der Frühe ein prächtiges Hoch von den Azoren einträfe.

Vorläufig senkt sich wie ein wallender Schleier ohne Ende hauchdünner Regen auf das Pflaster und macht es so schmierig, daß die Kreppsohlenträger sich bewegen wie routinierte Samba-Tänzer. Es ist nicht kalt und es ist nicht warm, aber alles ist mausgrau. Die Quartierbestelhungen klappen nicht. Aller Laune ist schlecht. Der Teufel hole den November!

Wo sich der Zaster häuft

Am Dienstag aber ist alles wieder guter Laune.. Viele schöne blaue Himmelsaugen blinzeln durch die aufgerissene Wolkendecke, als wir, diesmal in normalem Gang auf trockenem Pflaster, den Deutschen Fußball-Bund besuchen, der hoch oben in der Etzelstraße sein Quartier hat. Er muß das Haus mit vielen anderen Parteien teilen. Sinnigerweise hängt gleich unter dem Schild „Sekretariat des DFB“ ein anderes: . .Müller, Helfer in Steuersachen.“ Sehr praktisch: wo der Zaster sich häuft, den hunderttausende Zuschauer hinbringen, ist ein Helfer in diesen Dingen wahrhaftig angebracht.

Im Büro des DFB kann man nicht Umfallen, weil dort so viele Leute stehen, die noch Karten haben wollen Aber dennoch rennen sich Dr. Xandry und Kurt Schaffner, beide aus zwei gegenüberliegenden Türen kommend, bald über den Haufen. Der Isenburger Doktor arbeitet trotz der Kühle in Hemdsärmeln. Unschuldsvoll sagt er zu den Leuten: „Natürlich könnt ihr Karten haben, für Theater, für Kino, den Kreuzbuben, was ihr wollt, nur keine Eintrittskarten ins Stadion.“ Und mir vertraut er stöhnend an, daß er noch nie so leergefressen gewesen sei an Karten wie diesmal. Die Bittsteller verziehen sich. Nur einer bleibt hartnäckig: „Mein Name ist Kraus . . .“. Und schon Wird er von Schorch Xandry unterbrochen: „Natürlich, wenn Sie Kraus heißen, dann ist das etwas anderes. Für Sie habe ich noch den Joker!“ Da wendet sich der Kraus mit Gesten . . .

Die Schweizer kommen

Die Schweizer Expedition hat bei dem diesigen Wetter die gute alte Eisenbahn dem Flugzeug vorgezogen. Um 12.39 Uhr am Dienstag klettern unsere Freunde munter und vergnügt aus dem Sonderwagen des Züricher Expreßzuges. Die Männer von der Schwarzen Kunst, die Wochenschau-Reporter und Bildberichter hocken auf Leitern, stehen auf den Wagendächern eines Leerzuges, knien auf dem Rücken eines hilfsbereiten Eisenbahners. Es blitzt, ohne daß es donnert und die Verschlüsse der Leicas werden glühend heiß.

Im Mittelpunkt des Interesses steht Ernst Thommen. Präsident des schweizerischen Fußballverbandes, der seine Frau mitgebracht hat, die von Dr. Xandry sofort mit der natürlichen Grazie eines spanischen Granden betreut wird. Ernst Thommen war der Mann, der am meisten zu unserer Wiederaufnahme in die Fifa beitrug, der in Rio auf dem entscheidenden Kongreß den ebenso entscheidenden Antrag stellte und damit dieses erste Nachkriegsländerspiel zwischen Deutschland und der Schweiz möglich machte. *

Inzwischen haben sich schon viele deutsche Kollegen eingefunden. Die Stimmung ist nicht gut, niemand weiß Bescheid um unsere Mannschaftsaufstellung. Spielt Walter oder spielt er nicht? Es heißt, der Artikel eines Stuttgarter Journalisten habe Fritz Walter zu einem Nervenzusammenbruch gebracht. Wenn das zutrifft, was wir bis jetzt bezweifeln, dann gehört Fritz Walter nicht in die Ländermannschaft. 90 Minuten Länderkampf-Fußball verlangen Nerven wie Drahtseile, die durch nichts zu beeinflussen sind. Es sieht tatsächlich so aus. als ob unser bester Spieler, eben dieser Fritz Walter, gesundheitlich nicht auf der Höhe ist. Soeben wunde als neue Formation des deutschen Angriffs diese Aufstellung bekanntgegeben: Klodt, Morlock, Balogh, Herrmann, Blesisng. Ob das so bleibt, werden wir morgen sehen.

Auf den Plätzen und in den Hauptstraßen weht die Schweizer Flagge mit dem weißen Kreuz auf dem satten Rot. flankiert von den Fahnen Deutschlands und Württembergs in Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Rot. Die Mannschaften weilen, während diese Zeilen geschrieben werden, beim offiziellen Empfang durch die Stadt Stuttgart. Anschließend hören und sehen sie in der Stuttgarter Oper „Madame Butterfly“. Wir selbst aber freuen uns auf das Zusammensein mit unseren Schweizer Kollegen, das im Reichsbahn-Hotel in Stuttgart jetzt vor sich geht.

Am Mittwoch besuchten wir noch einmal die DFB-Geschäftsstelle, um uns über den Stand des Kartenverkaufs zu orientieren. Kurt Schaffner meinte, daß man die Zahl der Zuschauer auf 96 000 im „Etat“ ansetzen könne. Da es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch Bindfaden geregnet hatte, rechnete er nicht mehr damit, daß die noch vorhandenen Stehplatzkarten Absatz finden würden. Vom Wetteramt war gerade die Nachricht gekommen, daß die atlantische Störungsfront unser Gebiet bereits überquert hätte und daß am Nachmittag mit Aufklärung zu rechnen sei. Kurt Schaffner hatte sich so geirrt wie das Wetteramt. Es goß am Mittwochnachmittag erheblich, aber die Karten waren alle weg. Ja, es müssen sogar noch mehr als 103 000 Zuschauer dagewesen sein. Die Polizei, in deren Unterkunft unter der Tribüne diese Zeilen geschrieben werden, schilderte uns nämlich die Schwierigkeiten, die sie hatte, um ein Eindringen der Massen ins Spielfeld zu verhindern.

Der Anblick des Neckarstadions war überwältigend. Nur die Sonne fehlte, um dem Bild den richtigen Schimmer zu geben. Ergriffen hörten wir — wie wir das schon so oft erlebt haben — die Schweizer Hymne, aber besonders tief beeindruckte uns die anschließende Gedenkminute, die man eingelegt hatte, weil wir keine Nationalhymne haben. Im tiefen Schweigen der Hunderttausend zogen die ganzen Ereignisse der letzten 15 Jahre in diesen 60 Sekunden an unserem geistigen Auge vorbei.

Dann war es endlich soweit. Schiedsrichter Ellis aus England pfiff an. Wieder standen wir im Bann der 90 Minuten eines Länderspiels, eines Ereignisses, das nicht seinesgleichen hat. Deutschland gewann zwar nur durch einen von Burdenski verwandelten Elfmeter, aber der Sieg war hoch verdient, wie sich aus der Schilderung des Spielverlaufs und der Kritik der Mannschaften ergeben wird.

Bei uns die Regel

Am Mittwochvormittag fand sich die deutsche Presse auf gemeinsame Einladung des DFB und der Stadt Stuttgart iih Cannstätter Kursaal zu einem Empfang zusammen. Oberbürgermeister Klett hielt in seiner humorvollen Art und Weise, die jeden Zuhörer begeistert, eine Rede, in der er darauf hinwies, daß Stuttgart nicht nur als Sportstadt einen Ruf habe, sondern auch als Kulturzentrum Süddeutschlands in der ganzen Welt geachtet werde. Er bewies diese Behauptung mit folgendem Vers: „Der Schiller und der Hegel, der Übland und der Hauff, die sind bei uns die Regel, das regt uns gar nicht auf!“

Die deutsche Deckung entschied

Die Gesamtleistung der deutschen Mannschaft war geradezu verblüffend gut. Herberger hat in dem Vorbereitungskursus ein Meisterstück vollbracht. Die Elf spielte, als ob sie schon jahrelang zusammengehört hätte. Im Zusammenspiel gab es wenig Beanstandungen, wenn auch der abschließende Paß mitunter ungenau war und uns dadurch um manchen sicheren Torerfolg brachte. Entschieden hat den Kampf die deutsche Deckung und Verteidigung. Den Schweizern behagte es offensichlich gar nicht, haarscharf markiert zu werden Die fünf Schweizer Stürmer, die in den Länderspielen gegen Holland und Schweden elf Tore schossen, erzielten gegen uns nicht ein einziges, ja. sie hatten darüber hinaus kaum eine Gelegenheit, freistehend zum Schuß zu kommen, so eisern stand die deutsche Hintermannschaft. Was dennoch aufs Tor kam, holte sich Turek mit einer geradezu fantastischen Ruhe und Sicherheit. Er hat seine Berufung in die Ländermannschaft in jeder Hinsicht gerechtfertigt. Die beiden Verteidiger ergänzten sich hervorragend. Ueber Streitles Können ist kein Wort mehr zu verlieren und Burdenski stellte mit seiner Schnelligkeit und Härte den gefürchteten Schweizer Linksaußen Fatton jederzeit kalt. Baumann hielt den eidgenössischen Mittelstürmer Friedländer ohne besondere Mühe. Die Außenläufer Kupfer und Barufka beherrschten das Mittelfeld, Barufka hatte allerdings einen langsamen Start und ließ einige Wünsche offen.

Auch der Angriff war kein Ausfall, obwohl er bei der Bekanntgabe durch den Lautsprecher ausgepfiffen wurde. Herrmann als Linksaußen zog sich glänzend aus der Affäre. Allerdings glauben wir, daß er als Verbinder bedeutend besser gewesen wäre. Othmar Walter und Balogh litten offensichtlich unter Lampenfieber. Sie schossen schlecht und wenig, bedeuteten aber in der Gesamtleistung keineswegs einen Ausfall. Klodt hatte seine Last mit dem Boden, der so glatt war wie ein Parkett Bei seiner Schnelligkeit fiel er meistens im Augenblick des Flankens oder Schießens hin.

Rasenschach auf schwerem Boden

Die 90 Minuten im Stuttgarter Neckarstadion sah Kurt Dangschat

14.23 Uhr. Grau ist der Himmel, das Neckarstadion bis auf den allerletzten Platz gefüllt. Ballons schweben über dem brodelnden Hexenkessel. Reklameflugzeuge kreisen über der Fülle und unbeweglich hängen die Flaggen der Schweiz. Deutschlands und Englands in dieser Novemberstimmung. Während der Schreiber noch seinen Gedanken nachhängt, springen die Mannschaften ins Feld. Die Rotblusen der Schweizer leuchten neben den Weißhemden der Deutschen auf. Nationalhymnen ertönen, für die Schweiz, für England. Dann schweigt die Masse stehend im Gedanken an unser Vaterland. Fotografen, Wochenschauen sind an der Arbeit. Um 14.28 Uhr losen Bickel und Kupfer. Die Schweiz gewinnt und Deutschland stößt um 14.36 Uhr an.

Das deutsche Spiel läuft

Schon ist die Hölle los. Deutschland im Angriff. Flach und gekonnt läuft der Ball, verliert sich in der Schweizer Deckung, die ihre rechte Sturmseite in den Kampf wirft. 2. Minute. Antenen wühlt sich durch und erreicht bereits eine Ecke, die von Bickel getreten, durch Baumann abgewehrt wird. 4. Minute. Baumann kann sich nur im Nahkampf gegen Friedländer durchsetzen. Ein Schuß von Antenen streicht weit über die Latte. Hin und her wogt das unheimlich schnelle Spiel. Klodt verpaßt ein Zuspiel von Morlock, da foult Barufka den ruhenden Pol der Schweizer. Bickel. Morlock spielt sich durch, gibt den Ball weiter. Dann muß Baumann gegen Fatton seine ganze Kraft aufbieten, um den schnellen Schweizer nicht zum Erfolg kommen zu lassen.

8. Minute. Deutschlands erste große Chance. Der flinke Balogh ist nach einem verwirrenden Paßspiel von halbrechts in Schußposition gekommen, doch hebt er den Ball im Fallen über das Tor. Auch im Anschluß daran hat er Pech, als er sich vergeblich nach einer Flanke von Hermann

wirft 10. Minute. Kupfer-Schuß verfängt sich, es kommt zur ersten deutschen Ecke von links, die leicht abgewehrt wird.

11. Minute. Handspiel von Eggimann. Walter tritt den Strafstoß, den Hug sicher hält. Im Gegenzug sind die Schweizer gefährlich durch. Fatton kurvt vor das deutsche Tor, aber der wieselflinke Linksaußen verschießt.

Hug läßt sich nicht schlagen

12. Minute Große Minuten der deutschen Mannschaft. Der Ball wandert flach von Mann zu Mann, wird am Strafraum hin- und hergeschoben. Hermann verschießt, auch Balogh und Morlock. Die Schweiz verteidigt schwer und ist froh, daß Hug eine Hermann-Bombe ebenso großartig hält wie sie abgefeuert war. Kupfer läßt sich von Friedländer nicht bluffen und schaltet sich großartig in das Stürmerspiel ein.

20. Minute. Kernen, der ebenso wie sein Läuferkamerad Casali oft im Sturm auftaucht, stellt Turek mit einem Weitschuß auf die Probe, wobei der Düsseldorfer nicht sicher genug zupackt. Trotzdem bleibt Deutschland feldüberlegen und viel gefährlicher.

22. Minute. Morlock und Klodt winden sich durch, da stolpert der Nürnberger. Schließlich verschießt Balogh. Wieder ein Angriff von rechts, der mit einer gefahrvollen Flanke Klodts endet, die abgewehrt wird-

Baloghs Riesenchance

25. Minute. Es könnte 1:0 stehen. Balogh ist in verwirrendem Spiel plötzlich allein mit dem Ball am Fuß vor dem Tor. Er zögert und vergibt eine Riesenchance. Im Gegenangriff steht Antenen abseits.

28. Minute. Die Schweiz erzwingt ihre zweite Ecke, die Burdenski klärt. Morlock bleibt im Zweikampf Sieger, aber am herauslaufenden Hug geht der Ball glatt am Tor vorbei. Dann hebt Balogh einen Strafstoß geschickt in den Strafraum, doch steht der ganze Sturm abseits.

31. Minute. Das Tempo läßt nicht nach. Die dritte deutsche Ecke von rechts ist eben abgewehrt, als Bader von Eggimann eingesetzt wird. Sein Schuß fliegt weit am Tor vorbei. Hug nimmt Balogh den Bal] v^m Fuß und vereitelt damit eine weitere große Chance des deutschen Sturmes. Auch Morlock versucht sein Glück, aber Hug hält wieder. Er hat seine Arme überall und taucht im Strafraum da auf. wo es brennt.

36. Minute. Die Schweiz hat das Eckenverhältnis ausgeglichen. Es regnet und das Riesenoval wird grau in grau. Turek setzt sich einmal sehr sicher und zuverlässig ein. Klodt erzwingt im Gegenangriff eine Ecke. Balogh-Kupfer-Barlock-Walter heißt eine Musterkombination, die der Lauterer verschießt.

40. Minute. Die Massen stöhnen enttäuscht auf. Klodt umkurvte herrlich erst Casali dann Bocquet und flankt — aber Balogh visiert wieder den Himmel an. Im Anschluß kommt es zur Ecke von links. Walter köpft großartig, doch drei Schweizer Abwehrspieler stehen auf der Linie und verwehren dem Ball mit der Hand den Weg ins Tor.

Das war der Sieg

41. Minute. Elfmeter.. Burdenski kommt von hinten, legt sich den Ball zurecht, nimmt Anlauf und schießt unter ohrenbetäubendem Lärm, auch für Hug unerreichbar. in die linke obere Ecke. Deutschland führt 1:0! Das Stadion ist noch ein Hexenkessel, als Bickel einen Strafstoß knapp verschießt und Hermann auf der Gegenseite eine große Chance vergibt. Mit 1:0 und 5:3 Ecken geht es in die Pause. Der Regen wird stärker und die Dunkel¬ heit senkt sich herein-

Mit dem Wiederanpfiff ist die Schweiz sofort im Bilde und drängt. Eine Kombination Fatton-Bader. Eckball für die Schweiz. Er endet nach mehreren Kopfbällen in den Armen Tureks. Die Rothemden suchen den Ausgleich.

49. Minute. Klodt hat sich auf dem nun sehr schlüpfrigen Platz durchgewühlt. Sein. Schuß aus spitzem Winkel springt von der Latte ins Feld zurück. Dann ist Turek wieder an der Reihe und hält einen raffiniert angesetzten Bickel-Strafstoß.

52. Minute: Balogh wühlt sich in der Mitte mit Erfolg durch, verschießt aber überhastet, statt besser stehende Stürmer (Klodt, Walter) zu bedenken. Bickel kurbelt das Schweizer Spiel aus dem Stand an, doch Friedländer wird gestoppt

55. Minute: Balogh bleibt im Pech. Bei einer Klein-Klein-Kombination fällt er im entscheidenden Augenblick. Einen Entlastungsangriff der in ihrer Hälfte eingeschnürten Deutschen rettet Bocquet gerade noch gegen Hermann. Dann wird Friedländer von Baumann an der Außenlinie gefoult. Der Schweizer ist angeschlagen und wird in den letzten Minuten durch Maillard II ersetzt. 59. Minute: Hermann wühlt sich durch, aber Klodt hat mit seinem Schuß kein Glück. Casali stellt mit Fernschuß Turek auf die Probe, die der deutsche Hüter besteht. 61. Minute: Deutschland! wieder im An-

griff. Hug muß erst gegen Balogh, dann gegen Morlock retten. Neury wird der Turm in der Schweizer Abwehr und muß überall einspringen. Kupfer und Barufka beherrschen das Mittelfeld. Die Schweiz verteidigt massiert. Hug hält Balogh-Bombe, Bocquet rettet zur Ecke.

75. Minute: Die Spieler sind kaum mehr zu erkennen. Der Platz ist schwer und sehr glatt, ein zügiges Spiel nicht mehr möglich. 85. Minute: Große Chance der Schweiz: Friedländer überlistet Baumann, aber Turek nimmt in Seelenruhe dem Schweizer den Ball vom Fuß.

Die letzten Minuten

87. Minute: Klodt verschießt aussichtsreich und erstmals ertönen Pfiffe. Deutschland erzwingt Ecke von rechts. Friedländer geht vom Platz und wird ersetzt. Wenige Minuten später foult Maillard Earufka, für den Mebus In den letzten beiden Minuten eintritt. Noch einmal verschießt Othmar Walter, dann geht der Schlußpfiff des Schiedsrichters im Jubelsturm unter.



Im Fußball-Oberhaus geht es hoch her

Wieder Tabellenwechsel im Süden? / Im Westen erwartet Dortmund die „Knappen“ / Osnabrück am Rothenbaum

Mit ganz besonders ausgesuchten Paarungen wartet die erste Fußballklasse am Totensonntag auf. Im Süden überprüft der 1. FCN den Vfß Mühlburg, während die „Kleeblätter“ im Stuttgarter Neckarstadion beim Vfß beweisen müssen, was sie können. Alle Blicke im Westen richten sich nach Dortmund. Die „Kanarienvögel“ haben die „Knappen“ zu Gast — und dieses Treffen sollte die Entscheidung über den ersten Teil der Punktspiele bringen. Aehnlich ist die Situation im Norden. Am Rothenbaum stellt sich der VfL Osnabrück den Hamburger Rothosen, während Göttingen pausiert.

SV Waldhof — BC Augsburg Kickers Offenbach — Darmstadt 98 VfL Neckarau — FC Singen 04 Bayern München — VfR Mannheim 1. FC Nürnberg — Vfß Mühlburg Vfß Stuttgart — Spvgg Fürth Eintracht Frankfurt — 1860 München Schwaben Augsburg — FSV Frankfurt SSV Reutlingen — Schweinfurt 05

So spannend war es schon lange nicht mehr im Süden. Die Nürnberg — Fürther Hochburg, die im Augenblick noch dominiert, kann bereits am Sonntag schon unter die Räder kommen. Der Club blieb in Darmstadt manches schuldig, und der Vfß Mühlburg ist ein Gegner, der erst bezwungen sein will. Der Platzvorteil sollte allerdings für die Rotjacken sprechen, die ideenreicher als ihre Gäste spielen können.

Auch die Fürther Kleeblätter haben in Stuttgart viel zu verteidigen. Ihr Sturm war endlich in Laune und schoß gegen die Frankfurter Eintracht die Tore nach Gefallen. Das wird bei „Gummi“-Schmidt nicht möglich sein, aber der Ausgang bleibt doch recht offen.

Die Schweinfurter Grünhemden könnten zusammen mit Mühlburg (wenn bei den Spitzenbegegnungen alle Eventualitäten eintreffen) die Tabellenspitze übernehmen, wenn sie sich zu ihrer alten kämpferischen Leistung aufraffen. Reuttlingen ist spielerisch doch erheblich schwächer als die Männer um Kupfer.

Am Bornheimer Hang wird es den Frankfurter Adlerträgern recht schwer fallen, einen Sieg gegen die Löwen herauszuspielen. Verluste in den Reihen der Stammannschaft haben die Eintracht außer Tritt gebracht. Mehr als ein Unentschieden ist für die Gastgeber kaum zu erwarten.

Durch den sensationellen „Schwabenstreich“ in Schweinfurt sollte der FSV gewarnt sein, wenn er in die Fuggerstadt reist. Nur unter Aufbietung aller Kräfte wird es zu einem Teilerfolg Re en die favorisierten Schwaben reichen.

Der VfR Mannheim hat in dieser Spielzeit noch keinen Auswärtserfolg buchen können. Warum sollte der gerade gegen die Bayern gelingen, deren Abwehr wieder meisterlich von Streitle organisiert wurde. Die Münchener werden die Oberhand und damit einen Mittelplatz in der Tabelle behalten.

Eine Hessenbegegnung rollt auf dem Bieberer Berg ab. Die Kickers müßten der Papierform nach klarer Favorit gegen die „Lilien“ sein, aber die Neulinge haben es nun einmal in sich. Nach Kampf werden die Rotjacken den Sieg behalten.

Die Waldhüter sind sicher von ihrem Lokalrivalen Neckarau vor dem plötzlich neu erstandenen BC Augsburg gewarnt. Oder war das nur ein Strohfeuer? Die Erfahrung spricht für die Gastgeber, aber es ist nicht ausgeschlossen, daß ein Punkt aus Mannheim wandert. Singen und der VfL Neckarau boten zuletzt kein Oberliga-Format. Die Mannheimer pochen auf ihren Platzvorteil, der tatsächlich in dieser an sich offenen Begegnung den Ausschlag geben könnte.

Schalkes schwerster Gang

RW Oberhausen — Fortuna Düsseldorf Duisburger SV — Rheydter SV 1. FC Köln — Katernberg Borussia Dortmund — Schalke 04 RW Essen — Preußen Münster Horst Emscher — Preußen Dellbrück Hamborn 07 — München-Gladbach Erkenschwick — Alemannia Aachen

Nach einer Zeit, in der die Borussen im Westen den Ton angaben, ist nun wieder Schalkes Stern aufgegangen. Die Kampfbahn „Rote Erde“ wird die Massen nicht fassen können, die dabei sein wollen, wenn des Westens Schlager ausgespielt wird. Der Platzvorteil der Dortmunder fällt in dieser Auseinandersetzung besonders ins Gewicht. Ob er allerdings die augenblickliche spielerische Ueberlegenheit der Knappen ausgleichen kann, erscheint doch zweifelhaft. Gewinnen die Königsblauen, was unserer Meinung nach wahrscheinlich ist, dann ist der Herbsttitel ihnen nicht zu nehmen, zumal Preußen Münster bei RW Essen um eine Niederlage nicht herumkommen sollte. Fortuna Düsseldorf wird auch aus Oberhausen beide Punkte entführen. Erkenschwick kann gegen den gut in Schwung gekommenen Alemannensturm vielleicht ein Unentschieden retten. Die Männer vom Kölner FC werden Katernberg schlagen und in der Spitzengruppe bleiben. Die Horster sind keine Husaren mehr, also hat Dellbrück Siegesaussichten, Der Duisburger SV müßte den Platzvorteil gegen den Rheydter SV ebenso ausnützen können wie Hamborn 07 gegen die Borussen aus München-Gladbach.

Bringt HSV-Sieg wieder Hoffnung?

Hamburger SV — VfL Osnabrück Altona 93 — Eimsbüttel SV Itzehoe — Concordia Werder Bremen—Göttingen 05 Hannover 9G — Bremer SV Holstein Kiel — Arminia Hannover

Am Rothenbaum muß der VfL Osnabrück beweisen, daß er im N o r d e n zu Recht Tabellenführer ist. Da der HSV immer noch „da war“, wenn es gilt, so sollten die Punkte in der Hansestadt bleiben. Ein Sieg der Rothosen würde ihnen zugleich die Möglichkeit eröffnen, den Titel wieder zu verteidigen, denn Göttingen 05 steht in Bremen bei Werder vor einer kaum zu lösenden Aufgabe, wenn man auch die Spielstärke der Universitätsstädter nicht übersehen darf. Die Bremer spielen im Augenblick nach Meinung der Experten den besten Fußball im Norden. Holstein Kiel wird die Punkte gegen Arminia an der Förde behalten. Den Hamburger Lokalkampf könnten die 93er aus Altona gegen Eimsbüttel gewinnen, doch ist ein Unentschieden wahrscheinlicher. Hannover 96 wird es mit dem Bremer SV, der stark abgefallen ist, sehr schwer haben, und Itzehoe gegen Concordia ist offen, denn die Hamburger zeigten bisher herzlich wenig.

Südwest

Mainz 05 — 1. FC Kaiserslautern Eintracht Kreuznach — FK Pirmasens Tura Ludwigshafen — ASV Landau FV Engers — Phönix Ludwigshafen Wormatia Worms — VfL Neustadt TuS Neuendorf — VfR Kaiserslautern

Vertragsliga Berlin

Union OG — Tennis Borussia Südring — Tasmania Blau-Weiß — Minerva 93 Vfß Blitz — BSV 92 Westende — Alemannia Viktoria 89 — Spandauer SV Wacker 04 — Hertha BSC

Schweizohne taktische Einstellung

Die Schweizer dürfen sich in erster Linie bei ihrem Torwächter bedanken, daß die Niederlage nicht höher ausfiel. Hug aus Locarno hielt Schüsse, die manchen schon auf seinem Platz hochrissen, weil er glaubte, der Ball sei im Netz. Er war ein großartiger Torhüter, wie es wenige auf dem Kontinent geben dürfte. Ausgezeichnet war der Verteidiger Neury. Sein Partner Bocquet stand ihm wenig nach. Gegen Ende des Kampfes ging ihnen aber offensichtlich die Luft aus, während der Mittelläufer Eggimann ohne Mühe durchhielt. Der beste Schweizer dürfte der linke Läufer Casali gewesen sein.

Bickel, der Spielmacher im Angriff, spielte zu viel aus dem Stand und fehlte in entscheidenden Momenten vor dem deutschen Tor. Der vielgerühmte Fatton rannte sich an Burdenski fest, er kam einfach nicht an ihm vorbei. Antenen stand gegen einen Streitle — mehr braucht darüber nicht gesagt zu werden. Bader und Friedländer waren die beiden Stürmer, die sich am wenigsten mit dem Deckungsspiel der Deutschen abfinden konnten.

Der englische Schiedsrichter Ellis bot eine Leistung, die es wert gemacht hätte, daß man sämtliche deutsche Unparteiischen zu diesem Spiel hätte kommen lassen Seine Regelauffassung, seine blitzschnellen Entscheidungen, sein dauerndes Mitlaufen, das alles sind Dinge, die bei uns nur ganz wenige Pfeifenmänner beherrschen.

Deutschlands Studenten besiegten die Schweiz

Schweizer Riegel in abgewandelter Form / Mittelläufer Lautenegger erzielt das Tor für die Schweizer Scheufeie und Lauxmann für Deutschland erfolgreich / Trickreicher Herbolsheimer begeistert 2000 Zuschauer

Auch im Darmstädter Hbchschulstadion wehte die Schweizer Fahne. In einem spannenden, iaircn Spiel konnte die stets leicht überlegene deutsche Studentenmannschaft vor etwa 2voo Zuschauern ihre Kollegen aus der Schweiz verdient mit 2:1 Toren besiegen, ine Halbzeit lang gelang es den Eidgenossen, mit einem umgewandelten „Riegel“- System Gegentore zu vermeiden. Aber in der 2. Halbzeit hatte sich der deutsche Sturm mit der ihm ungewohnten Deckungstaktik des Gegners abgefunden und die auf der rechten Sturmseite erstklassig besetzte deutsche Vertretung beherrschte das Spiel klar und eindeutig. Trotz einer großen Anzahl von Torchancen blieb es auf Grund der tadellosen Abwehrleistung des Schweizer Torhüters beim 2:1-Sieg.

Deutschland: Herkenrath (Preußen Dellbrück); Baum (Reutlingen), Müller (1860 München);Neumeier (Schwenningen), F. Seemann (Landshut), Szilinski (Köln 99;) Herbolsheimer (1. FC Nürnberg), Lauxmann (1860 München), Scheufeie (Reutlingen), Steger (Plattling), Lammers (Preußen Münster).

Schweiz: Weiß (Young Boys Bern); Deglise (Fribourg), Delmenico (Fribourg); Speich (Lausanne Sports), Leutenegger (FC Zürich), Preiss (Grasnoppers Zürich); Pittet (Lausanne Sports), Diggelmann (Winterthur), Weber (Aarau), Wang (Grashoppers), Vonrufs (Hönk).

Zu schauer: 2000.

Schiedsrichter: Höhn (Mannheim).

Es war von vornherein klar, daß die deutsche Studenten-Mannschaft nicht so sehr eine spieltechnische, sondern eine taktische Aufgabe gegen die Schweizer Mannschaft vorfinden würde. Analog wie ihre Nationalmannschaft, die seit ihrer mißglückten WM-Generalprobe im März 1950 in Wien gegen Oesterreich wieder zu einem etwas veränderten „Riegel“-System zurückgekehrt ist, spielte auch die Studentenvertretung der Schweiz dieses gleiche

S Sofort nach dem Anpfiff des Schiedsrichters sah man, wie die Abwehrspieler der Schweiz ihre „Stellung“ einnahmen. Die „Außenläufer“ decken gewissermaßen als „Stopper an der Seitenlinie“ die deutschen Flügelstürmer, um dadurch den Angriffsschwung zu lähmen. Innen blockieren die beiden Verteidiger wie zwei gewaltige Wachttürme den Strafraum. Der auch figürlich große, schwarzhaarige Mittelläufer Leutenegger pendelt zwischen diesem Abwehrblock und der eigenen Angriffsreihe und wird in dieser Aufgabe durch den zurückgezogenen Halbstürmer Wang unterstützt. Geschieht es nun, daß der deutsche Innensturm durch seine intelligenten Kombinationen den Mittelläufer vorzeitig ausgeschaltet hat und dadurch ein deutscher Stürmer (z. B. der Halblinke Steger) frei wird, so erfolgt eine Parallelverschiebung der eidgenössischen Deckungsreihe derart, daß der vom Ballführenden entfernteste deutsche Stürmer ohne Deckung gelassen wird. Der linke Verteidiger Delmenico übernimmt in vorgeschobener Position an Stelle des Mittelläufers die Bewachung des gegnerischen Mittelstürmers, während der andere Verteidiger in einer „ Letztenmann-Position“ verharrt, um die unmittelbare Nähe des Tores zu sichern.

Leutenegger erzielt das 0:1

In den ersten Minuten schien es, als hätte die Schweiz mit ihrer Taktik Erfolg. In der 5. Minute läßt sich die deutsche Hintermannschaft durch das plötzliche Auftauchen des gegnerischen Mittelläufers für einen Moment verwirren, so daß Leutenegger aus kürzester Entfernung andern wie gebannt auf der Linie stehenden Herkenrath zur l;0-Führung einschießen kann. Die folgenden Minuten sind bis auf wenige Schweizer Durchbrüche von einer Drangperiode der deutschen Elf gekennzeichnet, die aber trotz fabelhafter Leistungen des schnellen und trickreichen Rechtsaußen Herbolsheimer nur Eckbälle einbringt. Wohl brennt es lichterloh im Schweizer Strafraum, aber schon jetzt zeigt sich die schwache Leistung des Halblinken Steger, der durch schlechte Ballabgaben von Lauxmann gut angelegte Kombinationen zunichte macht.

Lauxmann —Herbolsheimer in Spiellaune

Nach der Halbzeit werden die Schweizer immer stärker in die Abwehr gedrängt. Die beiden deutschen Außenläufer Szilinski und besonders Neumeier füttern im Verein mit dem Spielmacher Lauxmann immer wieder den eigenen Sturm mit brauchbaren Vorlagen. Insbesondere Herbolsheimer profitiert von dem Spiel seines immer besser werdenden Verbinders und ist von seinem Deckungsmann kaum mehr zu halten. Auch Scheufeie wirkt snritziger als in der 1. Halbzeit und ist stets gefährlich. In der 47. Minute ist er es, der auf eine Vorlage von Szilinski aus kurzer Entfernung den erstklassigen Weiß im Schweizer Tor mit einem flachen Schuß bezwingen kann.

2. Tor eröffnet Drangperiode

Immer stärker drückt die deutsche Mannschaft ihren Gegner in die eigene Hälfte zurück. In der 56. Minute fällt das entscheidende 2. Tor, das als das schönste Tor des Tages anzusprechen ist. Wieder gibt Szilinski eine Maßvorlage vor das Schweizer Tor, so daß Lauxmann mit großartigem Kopfball den etwas zu spät gestarteten Torwart Weiß zum 2. Male schlagen kann. Dieses Tor war der Beginn einer bis zum Spielende anhaltenden deutschen Ueberlegenheit, die aber trotz oftmals turbulenter Szenen vor dem Schweizer Tor nicht mehr zu einer Erhöhung des Torergebnisses führt. Immer wieder ist es der in dieser Periode sich selbst übertreffende Schweizer Torhüter, der durch ein prachtvolles Stellungsspiel Schüsse von Lauxmann, Herbolsheimer und Lammers zunichte macht. Ihm- und Mittelläufer Leutenegger gebührt hauptsächlich das Verdienst, das knappe Ergebnis gehalten zu haben.

Bester Schweizer: Leutenegger

Das Spiel zeigte, daß der Schweizer „Riegel“ durch einen gut kombinierenden Innensturm durchbrochen werden kann. Wie jedes System hat auch der Schweizer „Riegel“ geeignete Spielerpersönlichkeiten zur Voraussetzung. Zweifellos eine derartige Persönlichkeit war der Mittelläufer Leutenegger. Dagegen fielen die anderen Abwehrspieler stark ab und es war ein Glück, daß Torhüter Weiß erstklassige Leistungen zeigte. Wie Mannschaftsbetreuer Darnutzer nach dem Spiel sagte, kpnnte die Schweiz nicht mit ihrer besten Mannschaft antreten, da einige Spieler nicht zur Verfügung standen. Doch äußerte er sich sehr lobend über die Formverbesserung seit dem 6:1-Erfolg der deutschen Studentenmannschaft in Meran. Auch der Torschütze Leutenegger war über das Ergebnis sehr erfreut.

Der Betreuer der deutschen Nationalmannschaft, Dr. Neumann (Heidelberg), der vor dem Krieg Waldhof und nach dem Krieg VfR Mannheim trainiert hatte, äußerte sich lobend über die Verbesserung der Schweizer Vertretung seit Meran und hob besonders Torwart Weiß und Mittelläufer Leucenegger aus der Schweizer Mannschaft hervor. Seiner Ansicht nach hätte der deutsche Angriff in der 2. Halbzeit bei ruhigerem Spiel und konzentrierterem Schießen leicht ein höheres Torergebnis erzielen können.

Schiedsrichter Höhn (Mannheim) hatte bei dem fairen Spiel der beiden Mannschaften ein leichtes Amt. (ei) *

Am Dienstagabend begrüßte Stadtrat Reiber die Gäste und die deutsche Studentenelf in der Mensa der T.H. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß sich erstmalig nach dem Kriege die Fußballmannschaften beider Länder zu einem friedlichen Wettstreit zusammengefunden hätten. In Verhinderung des Oberbürgermeisters übergab er jedem Spieler als Andenken an diesen Aufenthalt in den Mauern der Stadt das Buch „Denkwürdiges Darmstadt“ und lud die beiden Mannschaften zu einem Essen und einem guten „Rheinischen Tropfen“ nach dem Spiel ein. Der Vorsitzende des akademischen Sportverbandes in der Schweiz, David Stocka, dankte in sehwizerischem Deutsch für die freundliche Aufnahme und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diesem Besuch der Schweizer in baldiger Zukunft ein Gegenbesuch folgen möchte. Herr Professor Klöppel, der Vorsitzende des akademischen Ausschusses für Leibesübungen an der T.H. erinnerte an die sportliche Tradition der Darmstädter Hochschule mit humorvollen Worten und zeigte den Anwesenden abschließend Filme von den deutschen Hochschulmeisterschaften und dem letzten Hochschulfest auf dem Stadion, bei dem, wie er erklärte, die Mannschaft der Professoren einen „eindeutigen“ l:0-Sieg erreicht hatte. Hm.


Der Schweizer Torhüter Weiß verhütete eine höhere Niederlage seiner Landsleute beim Studenten-Länderspiel Deutschland —Schweiz (2:1). Im Bild klärt er vor dem deutschen Mittelstürmer Scheufeie (SSV Reutlingen). (Foto-Hemme.)
Der Schweizer Torhüter Weiß verhütete eine höhere Niederlage seiner Landsleute beim Studenten-Länderspiel Deutschland —Schweiz (2:1). Im Bild klärt er vor dem deutschen Mittelstürmer Scheufeie (SSV Reutlingen). (Foto-Hemme.)

Herbolsheimer vom 1, FC Nürnberg war einer der erfolgreichsten Stürmer in der deutschen Studentenmannschaft, die die Schweiz in Darmstadt mit 2:1 schlug. (Foto-Hemme.)
Herbolsheimer vom 1, FC Nürnberg war einer der erfolgreichsten Stürmer in der deutschen Studentenmannschaft, die die Schweiz in Darmstadt mit 2:1 schlug. (Foto-Hemme.)

Turnkreis Odenwald in Reinheim beschlossen

Im Volkshaus in Reinheim traten am Sonntagmorgen die Vertreter zahlreicher Turnvereine der Kreise Dieburg und Erbach zu einer Beratung zusammen, deren Ergebnis mit dem Beschluß zu gemeinschaftlicher sportlicher Arbeit war, deren Auswirkungen aber noch nicht abzusehen sind. Sie können, so ließ sich aus den ersten b reits erkennbaren Anzeichen schließen, sehr weittragend sein - ja, sie können unter Umständen den Bestand des Turnkreises Dieburg gefährden.

Nach dem Begrüßungschor, den der Arbeitergesangverein Reinheim vortrug und einer kurzen Eröffnungsansprache Sportkreisvorsitzender Andreas Kern ( Ober-Roden) aus, daß das Geräteturnen weiter gefördert werden müsse, denn es sei der Grundsport der Turnerei. Grußworten des Vorsitzenden der Sportvereinigung 45 Reinheim folgte eine Uebersicht über die turnerische Arbeit im Kreis Dieburg während des letzten Jahres, die Kreisoberturnwart Josepn Remspecher (Dieburg) erstattete. An sieben bzw. acht. Vorturnerlehrgängen nahmen im Durchschnitt 14 Turner bzw. 23 Turnerinnen teil. An kreisinternen Veranstaltungen sind zu verzeichnen die Kreismeisterschaften in Urberach, das Turn- und Sportfest in Münster, die Werbeschau der Turner in Dieburg, die Kreiswanderung und vor allem das erstmals abgehaltene Kinderturnfest in Schaafheim daß mit 500 Teilnehmern ein besonders eindrucksvoller Erfolg wurde. Auf dem Landesturnfest in Kassel war der Kreis Dieburg mit 34 Teilnehmern vertreten, die alle auf die Siegerliste kamen — beim Alterstreffen in Heidelberg standen unter 3500 Turnern aus ganz Westdeutschland 13 Turner aus dem Kreis Dieburg: sie alle kehrten mit Siegerehren zurück. Joseph Remspecher erreichte den 1. Platz, die übrigen 12 Teilnehmer sind alle Mitglieder des Turnvereins 'Groß-Zimmern. Dem Dank Remsnechers an Jakob Wildhirt (Urberach). Paul Wieland (Babenhausen). Frau Glaser (Harreshausen) Adam Krämer (Reinheim) und Ernst Roth (Groß-Umstadt) für ihre aufoDferungsvolle Tätigkeit schloß Andreas Kern Ehrungen für Joseph Remspecher der auch aus Kassel als erster Sieger zurückkam, Jakob Wildhirt und Paul Wieland an, denen Ehrendiplome des Landessportbundes zu^r" kannt wurden. Die Teilnahme an den Lehrgängen für Frauenturnen war erfreulich rege§ während der Wandertag nicht das wurde was früher die Sternwanderungen ™ Himmelfahrt waren. Der Vorsitzende des Turnkrei=es Erbach. Mähn, sprach von der fruchtbaren Arbeit, die sein Kreis geleistet habe und die vor allem am Wandertag in Wöllstein und beim Kinderturnfest in Beerfelden zum Ausdruck gekommen sei

- Längere Ausführungen machte dann der Geschäftsführer des Landesturnverbandes, Kobald Er sprach von der (langer als bei vielen anderen Sportarten durch Anordnung der Besatzungsbehörden gehemmten) schwierigen Aufbauarbeit im Turnen, bei dem heute noch hauptsächlich die Alten im Vordergrund ständen, und von der Arbeitsweise des Landessportbundes. Die finanziellen Zuweisungen seien gering gewesen; Gelder vom Hessentoto seien noch nicht überwiesen worden er, Kobald, lehne ihn überhaupt ab, weil er nicht dem Ideal des Turners entspreche. Man sei daher auf die zurückfließenden, sehr geringen Beiträge an den Bund angewiesen. Der Vorschlag des Turnverbandes auf Zusammenschluß beider Turnkreise fuße auf der Erfahrung, daß der Turnkreis Erbach trotz aller Bemühungen noch nicht wieder in wünschenswertem Maße auf die Beine gekommen sei. Die aus dem Kreis Erbach anwesende vor zwei Wochen in Michelstadt berufene Kommission sprach sich einmütig für den Zusammenschluß aus, den die Delegierten der Vereine aus dem Kreis Dieburg schließlich durch Handerheben einstimmig bejahten.

In der dem Beschluß vorausgegangenen Debatte konnte Kreisvorsitzender Kern mit seiner ablehnenden Haltung, die eine Abwanderung von Vereinen an die Stadtkreise zur Folge haben könnte, nicht durchdringen. In weiteren Erwägungen wurde sogar davon gesprochen, daß sich Rodgauvereine nach Offenbach und Hanau hin, andere Turner dem Kreis Darmstadt zuwenden könnten, Groß-Zimmern und Reinheim dem Turnkreis Odenwald sich anschlössen, und daß damit der Bestand des Turnkreises Dieburg überhaupt gefährdet sein könnte. Ueber den Ablauf der Tagung wäre allgemein zu sagen, daß man ihrer Bedeutung wegen nicht einen halben Vormittag, sondern einen ganzen hätte vorsehen müssen. (RG)

SV-Handballer kamen kampflos zu Punkten

Das für den gestrigen Buß- und Bettag nach Ffm.-Nied angesetzte Nachholspiel wurde nicht ausgetragen. Nachdem der Klassenleiter Schöppler (Wiesbaden) am Dienstag die Durchführung des Spieles noch einmal bestätigt hatte, traten die Nieder auf ihrem eigenen Gelände nicht an. Schiedsrichter Schwab erledigte die Formalitäten, und nach der festgesetzten Wartezeit fuhren die Darmstädter ohne Spiel, aber mit den Punkten wieder ab. Sie sind damit auf den dritten Tabellenplatz vorgerückt. Das Spiel zwischen Kickers Offenbach und Dietzenbach wurde vom Verband auf den kommenden Sonntag verlegt. -r.

Rüsselsheim Herbstmeister

Rüsselsheim — Braunshardt 16:6 (9:1)

Beim Wiederholungsspiel der Handball-Gruppenliga landete die Elf der Turngemeinde Rüsselsheim einen klaren Sieg über ihren schärfsten Rivalen Braunshardt und sicherte sich dadurch ungeschlagen die Herbstmeisterschaft. Bei einer weiterhin so konstanten Form der Opelstädter wird ihnen auch die Meisterschaft nicht zu nehmen sein. Etwa 800 bis 1000 Zuschauer waren Zeuge eines technisch hochstehenden Spieles der Gastgeber, an das die Gästeelf nicht herankam. Besonders der rot-weiße Sturm riß mit fliegenden Kombinationen die Gästedeckung immer wieder auf und gegen die plazierten und harten Würfe war Torsteher Wesp machtlos. Die Braunshardter kamen an ihre gewohnte Form nicht heran. Sowohl der Sturm als auch die Deckung wies Mängel auf, die die Gastgeber geschickt zu Torwürfen ausnutzten. Dazu kam. daß Volz keine Freiwürfe verwandeln konnte, während sein Kontrahent Klime mit acht Treffern Schützenkönig war. Schon von Beginn an legte Rüsselsheim ein schnelles Tempo vor und konnte auch schon nach 10 Minuten mit 4:0 in Front gehen. Braunshardt kam dann etwas besser ins Spiel und holte durch Schilling ein Tor auf. Mit 6 bis 7 Mann stürmend kamen die Gastgeber bis zur Pause zu fünf weiteren Toren und stellten damit ihren Sieg bereits sicher. Nach dem Wiederanpfiff dominierten die Rüsselsheimer weiter und warfen noch 7 Tore. Erst in den letzten 10 Minuten zeigten auch die Braunshardter ihr wahres Können und konnten durch Treffer von Volz (3) und Schilling (2) das etwas zu hoch ausgefallene Ergebnis erträglicher gestalten. Vo.

Mein Leben lang habe ich gearbeitet und gefpart

Dann kamen Kriege und Geldentwertungen

Eine Sitzung im Beschwerdeausschuß für Soforthilfe-Entscheidungen

Abertausende von Menschen, die nie daran gedacht hätten, sind heute genötigt, Soforthilfe in Anspruch zu nehmen. Zwei Weltkriege und zwei Geldabwertungen haben einen neuen Kreis von Hilfsbedürftigen entstehen lassen, denen mit den Mitteln des Staates der notdürftigste Unterhalt gesichert werden muß. Die gesetzlichen Bestimmungen sind zwangsläufig streng gehalten. Für mögliche Härten gibt es Beschwerdemöglichkeiten. Sie werden für unseren Regierungsbezirk vor einem besonderen Ausschuß bei der Darmstädter Außenstelle des Landesamtes für Soforthilfe behandelt. Jeden Mittwoch tritt er zusammen.

Auf einem kleinen Bänkchen eines Barackenraumes in der Rheinstraße warten die Parteien, daß ihr „Fall“ entschieden wird. Sie sind, wie jener 76- jährige Bauer aus dem Odenwald, selbst gekommen, oder haben, wie die fürsorgebetreute gleichaltrige kranke Frau aus dem Ried und der armamputierte Kriegsversehrte aus dem ersten Weltkrieg, Vertreter entsandt.

Bei dem Bauersmann liegen die Verhältnisse wohl einmalig kompliziert. Er lebt, seitdem sein Sohn gefallen, bei der Tochter und betätigte sich, solange es irgend ging, noch helfend gegen Kost und Taschengeld auf dem Anwesen der Tochter. An sich hätte er als Altenteiler auf dem einst eigenen Gut für den Lebensabend versorgt sein können. Nun aber lebt dort noch ein 98jähriger Vater und der betagte Sohn trat ihm das Altenteil ab. Dafür ist er nun selbst in Not. Denn die Ersparnisse sind durch die Abwertung zerronnen. Den greisen Vater aber der öffentlichen Fürsorge anzuvertrauen, das widerstrebt seiner Kindesdankbarkeit. Ehrlich habe er sein Geld verdient und jeden Pfennig gespart, erklärt der alte Mann mit zitternder Stimme und unter verhaltenen Tränen. Er verstehe die Welt nicht mehr.

Der Ausschuß beschließt nach kurzer Beratung, der Bitte um Unterhaltsbeihilfe stattzugeben. Es sei ihm nicht zuzumuten. daß er seinem hilfsbedürftigen Vater das Altenteil entziehe. Mit einem herzlichen „besten Dank“ verabschiedete sich der Bauer, der einst einen Erbhof besaß.

Der Fall des Kriegsversehrten wird, durch den Verband der Kriegsopfer vertreten. Bei 70prozentiger Kriegsbeschädigung erhält er eine KB-Rente von 63 Mark mit einer kleinen weiteren Rente, so daß er etwas über den Mindestrichtsatz für einen Einzelstehenden erhält. Es wird aber geltend gemacht, daß er sich nicht allein versorgen kann und gebeten, den Satz zu erhöhen, um eine Haushaltshilfe entlohnen zu können. Darüber soll ein Zeugnis des Amtsarztes entscheiden.

Die Prüfung, ob ein Währungsschaden und ein dringender sozialer Notstand vorl'iegt, ist nicht immer einfach. Bejaht wurde sie im Falle einer 76jährigen Frau aus dem Ried. Sie erhielt zuletzt noch 29 Mark monatliche Unterstützung. Als Mutter von vier Kindern stand sie 1911 beim Tode ihres Mannes mit Ersparnissen, aber ohne sonstige regelmäßigen Einkünfte da. Denn erst ein Jahr später trat das Rentengesetz in Kraft. Ein Unterhaltszuschuß von 30 Mark soll ihre Lage nun etwas erleichtern.

Keine Möglichkeit zur Hilfe bot das Gesetz jedoch einem nur noch teilweise arbeitsfähigen Handwerker aus dem Kreise Dieburg. Er hat ein Monatseinkommen von 50 Mark, besitzt aber ein Häuschen und einige kleine Aecker. Hier mußte der dringende soziale Notstand verneint werden, da die Unterhaltsbeihilfe nur gewährt werden kann, wenn die sonstigen Vermögenswerte erschöpft sind. Der Ausschuß verschloß sich nicht der Notlage, mußte sich jedoch an die Bestimmungen halten, denn die Mittel, über die er verfügt, entstammen den Steuergeldern von Menschen, die zum großen Teil selbst an der Grenze des Existenzminimums leben. Auch ihnen gegenüber trage der Staat eine Verantwortung, sagte abschließend Oberregierungsrat Herting, der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses, der die nicht leichte Aufgabe hat, zwischen Herz und Gesetz zu entscheiden und dessen ruhige Verhandlungsführung auch dort begütigte, wo die Paragraphen dem Hilfswillen eine Schranke setzen. P. D.

Wiederaufbau, Neneröffuung, Geschäftsausbau

Zweiter Bauabschnitt bei Tritsch und Heppenheimer

Der im modernen Stil angelegte Neubau der 1929 in Darmstadt gegründeten Firma für Innendekoration wird am Donnerstag, 10 Uhr, seiner Bestimmung übergeben.

Mit der Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes hat das Geschäftshaus an der Ecke der Rhein- und Grafenstraße eine Erweiterung von vier Etagen mit insgesamt 800 qm Bodenfläche erfahren. Mitten im Trubel der Einrichtungsarbeiten und Säuberungsaktionen trafen wir Herrn Heppenheimer, der noch bis zur Fertigstellung viele Dispositionen zu treffen hat. Fieberhaft arbeiten Tag und Nacht Bauarbeiter. Handwerker, Verkäufer. Dekorateure und Putzfrauen, um ihre Termine einhalten zu können.

Großzügigkeit, Zweckmäßigkeit und ein gediegener Geschmack zeichnen die Räume in den Etagen aus, die in ihrer Weitläufigkeit auch einer großen Zahl von Käufern das ungestörte Ausbreiten und Aussuchen der gewünschten Waren ermöglichen. Großstadt-Auswahl in jeder Hinsicht bietet der neue Teppichsaal unter der Erde, in dem man sich bei Neonlicht an geschmackvollen, echten Orientteppichen, Brücken, Bettumrandungen und Vorlagen erfreuen kann. Nicht minder groß ist die Auswahl an Gardinen und Stores im Parterrestock, zu dem in der Grafenstraße eine Passage mit fünf Auslagen, einem Eingang und vier neue Schaufenster geschaffen wurden. Das erste Obergeschoß dient dem Verkauf von Schlaf-, Stepp-, Daunen-, Reise- und Wolldecken sowie Matratzen in allen Qualitäten.

Mit dem eindrucksvollen Bau. der wie das alte Geschäftshaus der Gotha-Bank gehört und der zur gleichen Höhe wie sein Gegenüber, die Rhein-Main, aufgestockt werden soll, wurde in der total zerstörten Grafenstraße eine weitere Lücke geschlossen.

Bis zum Frühjahr plant die Firma Tritsch und Heppenheimer die Durchführung des dritten Bauabschnittes, den Ausbau und Aufbau des alten Geschäftshauses. t-s.

Glück und Wissen

in der Schulstraße

Heute vormittag eröffnen wieder zwei neue Geschäfte in der Schulstraße: die Staatliche Lotterie-Einnahme Kü 1 p und die Buchhandlung Heinrich Schroth. Nach dem schnellen Wiederaufbau der Gebäude in der südlichen Schulstraße haben nun auch die Kaufleute ihr Möglichstes getan, um die Ladenräume zu beziehen und damit der Schulstraße wieder das Aussehen einer Geschäftsstraße zu geben. Architekt Kappler hat sich des Wiederaufbaus angenommen. die Bau. und Möbelschreinerei Aßmann besorgte den Ladenausbau der beiden neuen Geschäfte, Elektro-Hielscher installierte die elektrischen Anlagen und die Kunstglaserei Bernhard Felmer setzte die großen Glasscheiben ein. So ist nun Darmstadts älteste Buchhandlung nach sechs langen Jahren wieder ins Stadtzentrum zurückgekehrt. Gleich nebenan hat sich die Lotterie-Einnahme Külp häuslich niedergelassen, mit einer großen Schaufensterfront, die sich tief in eine Passage hineinzieht, mit einem kaminähnlichem Ofen im Laden, der dem ganzen Raum eine angenehme Atmospäre verleiht. Hier können nun in Zukunft auch die Tipp2 zettel für den Fußball-Toto abgegeben werden, und wer in der glücklichen Lage ist. einen dicken Gewinn abholen zu können, kann sich gleich an Ort und Stelle Zigarren oder Zigaretten zur Beruhigung seiner angegriffenen Nerven verabfolgen lassen.

Eine bessere Symbiose als das einträchtige Beieinanderwohnen von Fortuna und der Eule, als den Sinnbildern des Glückes und der Gelehrtheit, läßt sich wohl kaum denken, und es ist daher zu erwarten, daß von diesen beiden Möglichkeiten reger Gebrauch gemacht werden wird. -st

Die „Darmstadt“ Läuft aus

Der am 12. 9. 1950 von der Vulkanwerft in Bremerhaven-Vegesack vom Stapel gelaufene Fischdampfer „Darmstadt“ wird am 27. November von Bremerhaven aus seine Probefahrt unternehmen und an seinen Bestimmungsort Cuxhaven überführt.

Auf Einladung der „Nordsee“, Deutsche Hochseefischerei AG., werden einige Mitglieder des Magistrats, der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher und der Pressereferent an der Probefahrt teilnehmen.

In der Stadt notiert

Die Post zahlt ihre Renten für Dezember 1950 am Mittwoch, den 29. und Donnerstag dem 30. November 1950 in der Zeit von 3—12 und von 15—17 Uhr bei dem früheren Hauptpostamt in der Rheinstraße (Paketannahme).

Die nächste Ziehung der Süddeutschen Klassenlotterie, und zwar die 2. Klasse der 8. Lotterie, findet heute und morgen statt.

Die Erste Kirche Christi, Wissenschafter, hält ihren Dankgottesdienst nicht wie in der Anzeige vom 21. November angekündigt am 30. November, sondern schon heute, am 23. November 1950, in Darmstadt, Taunusstraße 20, ab.

Die Adalbert-Stifter-Gruppe veran¬ staltet am 25. November, um 19.30 Uhr, gemeinsam mit dem Stadtjugendausschuß im Nachbarschaftsheim einen Vortragsabend, in dem ein Skandinavier zu dem Thema: „Jugend im Blickfeld Europas“ sprechen wird. Die Ausgestaltung des Abends mit Musik, Spiel und Gesang hat die Adalbert-Stifter-Gruppe vorbereitet. *

„Liebe macht so jung“ heißt das Stück, das der Gesangverein „Frohsinn“, Eberstadt, am 2. und 3. Dezember, um 20 Uhr, in der Turnhalle aufführen wird. *

Eine große Geflügelschau wird in der Turnhalle Eberstadt am 25. und 26. Nov. gezeigt. *

Die Interessengemeinschaft kynologi¬ scher Organisationen der Stadt und des Kreises Darmstadt hält kommenden Freitag, den 24. 11., um 20 Uhr, in der Gaststätte Knauf, Darmstadt, Bleichstraße, eine Mitgliederversammlung ab. Die Interessengemeinschaft bittet um zahlreiche Teilnahme der Vereinsvorstände der angeschlossenen Rassehunde- und Abrichteverbände.

Ein freies Wort an die freie junge Welt wird ein Vertreter der Schweizer Jugend, Walter Bues ch, Freitag, den 24. November, 19 Uhr, im Amerikahaus richten. Walter Buesch ist Mitbegründer des Schweizer Jugendparlaments, dem er als Fraktionspräsident angehörte. Er hat als Vertreter der Schweizer Jugend an zahlreichen internationalen Jugendkongressen teilgenommen und plant, ein deutschschweizerisches Jugendtreffen im Frühjahr 1951 in die Wege zu leiten.

Wirtschaftsblatt

Bundesbahn beschließt Tariferhöhung

Beirat für 50prozentige Erhöhung der Arbeiter- und Schülerkarten

Hi. Der Beirat der Bundesbahn befaßte eich mit den Vorschlägen der Bundesbahn zur Erhöhung der Gütertarife und der Tarife im Berufs- und Schülerverkehr. Die Bundesbahn rechnet mit einem durch die Lohnerhöhung bei den Arbeitern, durch den Wegfall der sechsprozentigen Gehaltskürzung bei den Beamten und durch Preissteigerungen verursachten Mehrbedarf von jährlich über 300 Millionen DM, die nur durch eine Tariferhöhung wieder eingebracht werden könnten.

Nach den Vorschlägen der Bundesbahn würden die Frachten des Expreßgutverkehrs mit Ausnahme der Sendungen im Gewicht von I—B kg auf alle Entfernungen um 20 Prozent erhöht. Im Güterverkehr beantragte die Hauptverwaltung die Frachtsätze für Stückgut bei Sendungen im Gewicht von I—soo kg um 25 Prozent, bei Sendungen im Gewicht von 501—1000 kg um 22,5 Prozent und bei Sendungen im Gewicht von mehr als 1000 kg um 20 Prozent zu erhöhen. Im Tierverkehr sollen die bisherigen Frachten der Stufen I—l 6 für Frachtstückgut im Gewicht von mehr als 1000 kg auf alle Entfernungen um 20 Prozent, die Frachten der folgenden Stufen um bestimmte feste Beträge erhöht werden.

Bei den Frachtsätzen im Wagenladungsverkehr sind auf der Basis der beizubehaltenden Krisenzuschläge und Abschläge feste Zuschläge vorgesehen, die mit zunehmender Entfernung prozentual abnehmen. Die Frachtsätze für Wagenladungen aller Klassen sollen bis 220 km um 17 Prozent linear erhöht werden. Diese Zuschläge werden in festen DM-Beträgen ausgedrückt. Der sich für 220 km ergebende feste Betrag wird auf die weiteren Entfernungen in gleichbleibender Höhe übertragen.

Im Personenverkehr hält die Bundesbahn eine Erhöhung der Tarife für Arbeiterwochenkarten, Kurzarbeiterwochenkarten, Schülermonatskarten und Schülerfahrkarten um 50 Prozent für notwendig, wird jedoch auf größeren Entfernungen eine geringere Erhöhung der Fahrpreise vorsehen.

Der Beirat der Bundesbahn nahm nach längerer Diskussion sämtliche Vorschläge der Hauptverwaltung der Bundesbahn mit Stimmenmehrheit an. Die Tarifvorschläge bedürfen zu ihrer Inkraftsetzung eines Kabinettbeschlusses und der Zustimmung des Bundesrats.

Arzthonorar ohne Preisbindung

Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht aber feste Krankenhaussätze vor

WID. Nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung soll die Preisbindung für Arzthonorare abgeschafft, jedoch die der Krankenhauspflegesätze beibehalten werden. Dies gab der Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium, Diplom-Volkswirt Bormann, auf einer Veranstaltung des Instituts für Versicherungswissenschaft an der Universität Köln bekannt. Der Redner betonte, angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung, die sowohl die Festsetzung der Arzthonorare als auch die der Krankenhauspflegesätze beeinflusse, müsse erwartet werden, daß die privaten Krankenversicherungen noch auf längere Sicht mit größeren Schwankungen zu rechnen hätten.

Prof. Dr. Rohrbeck, Köln, betonte, das Studium des ausländischen Versicherungswesens lasse immer mehr die Erkenntnis reifen, daß auch in Deutschland die Selbstbeteiligung und die Kostenbegrenzung in der privaten Krankenversicherung eingeführt werden müsse. Prof. Dr. L. Heyde (Köln) wies darauf hin, daß den 15 Millionen Beschäftigten im Bundesgebiet 10 Millionen Rentenempfänger gegenüberständen. Er habe Bedenken, den Personenkreis in die Sozialversicherungen einzubeziehen, der nicht an ihr teilnehmen wolle und der sich bisher mit der Privatversicherung begnügt habe. Zur Gegenwirkung gegen die Vermassung sei es jedoch notwendig, daß die Privatversicherung die ihr eigenen Vorzüge hervorkehre.

Schrottpreis erhöht

vwd Eine befristete Erhöhung der inländischen Schrottpreise ist der Schrottwirtschaft zagestanden worden. Nacn einer Verordnung des Bundeswirtschaftsministeriums dürfen für Schrott und Gußbruch Lieferprämien bis zu 19 DM je» Tonne auf die bisherigen Höchstpreise aufgeschlagen werden. Die Verordnung gilt ab 20. November. Der Mehrpreis soll ausschließlich den Anfallstellen und dei Sammlern zugute kommen.

Butter nicht teurer

dpa. Die Bundesregierung hat beschlossen, den gegenwärtigen Butterpreis bestehen zu lassen. Der Butterpreis beträgt nach dem Beschluß weiter 4,80 Mark pro Kilogramm ab Molkerei und 5,40 Mark im Kleinverkauf. Die Aufhebung des Saisonabschlages von 0,40 Mark pro Kilogramm (0,44 im Kleinverkauf) war von den Ernährungsausschüssen des Bundesrates und Bundestages befürwortet worden.

Hopfen gegen Butter

vwd. Das zwischen der Bundesrepublik und Norwegen paraphierte Handelsabkommen sieht bei einigen Waren Mindestlieferungen vor. Für die nicht liberalisierten Güter sind auf dem landwirtschaftlichen Sektor unter anderem folgende Kontingente aufgestellt worden: 5000 Tonnen Butter, 12 500 Tonnen Walöl (gehärtet), 15 000 Tonnen Fischöl (raffiniert), 12 500 Tonnen Walöl (roh), 1500 Tonnen Eier, 10,7 Millionen Dollar Fischwaren. Auf dem Ausfuhrsektor sind unter anderem 450 000 Dollar für Hopfen sowie nicht festgesetzte Mengen an Saatgut, Wein und Spirituosen vorgesehen.

Baumwolle aus Peru

AP. Die Alliierte Oberkommission hat den Handelsvertrag zwischen Deutschland und Peru genehmigt. Ein Warenaustausch von etwa 50 000 000 DM ist vorgesehen. Peru wird u. a. Fahrzeuge und Pharmazeutika importieren und Baumwolle, Zuckerrohr, Reds, Kakao und Kaffee ausführen.

vwd. 28,4 Prozent des westdeutschen Umsatzes fabrikneuer Kraftwagen und Straßenzugmaschinen wurden im Sep¬ tember ausgeführt.

Protest gegen Kohlen-Ausfuhrquote

Bemühungen um Erhöhung der Kohlenexportpreise

(AP) Die Bundesregierung hat beschlossen, gegen die von der Ruhrbehörde festgelegte Kohlenexportquote bei der Oberkommission zu protestieren. Die Ruhrbehörde hatte gegen die Stimmen der deutschen Delegation die Kohlenexportquote für das erste Quartal 1951 auf 6,8 Millionen Tonnen festgelegt. Von deutscher Seite waren 5,9 Millionen Tonnen vorgeschlagen worden.

Vizekanzler Blücher hatte darauf hingewiesen, daß die Oberkommission gegen einen Beschluß der Ruhrbehörde intervenieren könne, wenn sie von der Bundesregierung darum ersucht werde. Es sei nicht der Sinn der Ruhrbehörde, ausschließlich für die Deckung des ausländischen Kohlenbedarfs zu sorgen und dadurch möglicherweise eine Kohlenkrise in der Bundesrepublik hervorzurufen. Die Ruhrbehörde müsse die paritätische Verteilung der Kohle an alle gewährleisten.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums betonte, im Wirtschaftsministe¬ • rium sei nichts davon bekannt, daß Fabriken stillgelegt seien oder in absehbarer Zeit ihre Arbeit wegen Kohlenmangels einstellen müßten.

Die Bundesregierung werde noch im Laufe dieser Woche über die Erhöhung des Kohlenexportpreises entscheiden. Blücher vertrat den Standpunkt, daß der Selbstkostenpreis keinesfalls über dem Kohleexportpreis liegen und auch in einer entsprechenden Relation zum Inlandpreis stehen müsse.

Bergarbeiterstadt ohne Kohlen

dpa Oberbürgermeister Lange hat im Namen der Gladbecker Stadtvertreter einen telegrafischen Notruf an den Bundeswirtschaftsminister gerichtet: „Zu¬ ‘ geteilte Kohlen- und Koksmengen treffen nicht ein. Mehrere Schulen und öffentliche Gebäude müssen in zwei bis drei Tagen schließen. Auch private Wirtschaft in akuter Kohlennot.“

AP. Die im November bereits um 25 Prozent gekürzte Kohlenzmteilung für Württemberg-Baden werde für Dezember nochmal um 20 Prozent verringert werden, teilte der stellvertretende Württemberg - badische Wirtschaftsminister mit. Kontingentierungen in der Kohle- und Energieversorgung der Industrie , seien nunmehr unvermeidlich.

Bankguthaben nicht aufgewertet

Enttäuschungen für westzonale Sparer in der Ostzone

Bis Jahresende sollten die westzonalen Sparer ihre „Uraltguthaben“ in der Ostzone anmelden. Viele schöpften daraus ein wenig Hoffnung. Jetzt veröffentlicht die „Bankenkommission“ eine Anmerkung, wonach die Geschäftsunterlagen der Deutschen Bank, Dresdner Bank. Commerzbank, Berliner Handelsgesellschaft, der Sparkasse der Stadt Berlin usw. an der Umwertung nicht teilnehmen. „weil die Geschäftsunterlagen im sowjetischen Sektor Groß-Berlins nicht zur Verfügung stehen“.

Auch Guthaben bei Kreditinstituten mit Sitz außerhalb Berlins (so u. a. Danzig, Wartheland, Ost-Oberschlesien. Memelland, Sudetenland, früherer polnischer Korridor) werden nicht umgewertet. Erbfälle und Schenkungen werden nicht berücksichtigt. Man will aber den heutigen Wohnsitz wissen! Wie hoch überhaupt die sagenhafte Umwertung sein könnte, wird auch nicht gesagt. Eines steht fest: Millionen von Sparern aus dem deutschen Osten werden nun in den Mond gucken. Der Sparer wird wieder betrogen. Warum soll man dann überhaupt sparen, fragt mit Recht der Sparer, wenn bei jeder Reform nur Grundbesitz und gehortete Waren ihren Wert behalten?

vwd. Als erste Nachkriegslieferung der Kölner Fordwerke« nach Uruguay wurden 100 Fordwagen nach Montevideo und 50 Ford-Lkw.-Chassis nach der Türkei abgefertigt.

Fortsetzung des lokalen Teiles auf Seite 7

/XwlO^^^ //Kw, $&/$ Will __ö^ 1 ^fX/y^ g^— V\ .=|gjpr~Xsg) 11\ / ^9^- ^S\ /1r / # i\y /\ r ^/^r X^ der Wunschtraum des Skatspielers! Mit vier Buben ist man nicht zu schlagen. OerWelterfolgder Cigarette beruht auf diesen 4„Buben", dem ★ VIRGINIA-TABAK aus den Staaten Georgia,Carolina/Virginia BURLEY-TABAK aus den Staaten Kentucky und Tenessee ^Ar MARYLAND-TABAK aus dem Staate Maryland ORIENT-TABAK aus der Türkei und aus Mazedonien. Unsere verdankt ihre ständig wachsende Beliebtheit der strengen Einhaltung des amerikanischen Original-Rezeptes, der 4-fachen Mischung.

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