Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. nCn r m TaSblatt L- C. Wittich, F r 23- Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 123 Jieuefte Jia^ri^fen Dienstag, 21. November 1950 Redaktion: Darmstadter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rhelnstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig 11

38. Peking-Armee einmarschiert

Reguläre rotchinesische Streitkräfte kämpfen in Norbkorea

Tokio, 20. November, (dpa) Die 38. Armee der regulären kommunistischen chinesischen Streitkräfte ist im geschlossenen Verband in Nordkorea einmarschiert, gab ein Sprecher des Hauptquartiers General Mac Arthurs in Tokio am Montag bekannt. Nicht ein einziger Soldat der drei Divisionen, aus denen sich die Armee zusammensetzt, sei ein freiwilliger.

Der Sprecher Mac Arthurs, der zum ersten Male zusammenhängende Ergebnisse von Verhören der 150 bisher gefangengenommenen chinesischen Soldaten bekanntgab, erklärte, die 38. Armee sei ursprünglich in Tschangtschun in der Mandschurei stationiert gewesen. Von dort sei sie mit der Eisenbahn nach Mukden transportiert worden. In Mukden erhielten die drei Infanteriedivisionen und die Spezialkampfverbände der Armee Winterkleidung. Sie erfuhren hier auch, daß sie nach Korea geschickt werden sollten. Sie erhielten Befehl, in Korea nicht chinesisch zu sprechen und alle Briefe und Papiere in ihrem Besitz zu verbrennen, die auf ihre chinesische Herkunft schließen ließen.

Die Einheiten der 38. Armee, fuhr der Sprecher fort, hätten dann Mukden verlassen und bei Manpojin den Jalu-Fluß überschritten.

Den chinesischen Soldaten wurden keine Anweisungen gegeben, wie sie sich im Falle einer Gefangennahme zu verhalten hätten. Es wurde ihnen nur gesagt, daß es eine Schande sein würde, wenn sie sich ergäben und daß sie in einem solchen Fall nicht wieder nach China zurückkehren dürften.

Nehru warnt

vor Verletzung der indischen Grenze

Neu Delhi, 20. November, (dpa) Der indische Ministerpräsident Nehru er¬ klärte vor dem indischen Parlament, die McMahon-Linie, die im Jahre 1914 in der Simla-Konvention die Grenze zwischen Indien und Tibet festlegte, sei Indiens Grenze, ob mit oder ohne Landkarte, und man würde niemand gestatten, sie zu verletzen.

Sowjetischer Protest

Gegen Freilassung Shigemitsus

Washington. 20. November. (AP.) Die Sowjetregierung protestierte in einer Note an die Vereinigten Staaten gegen die vorzeitige Haftentlassung des ehemaligen japanischen Außenministers Shigemitsu. Dieser war als früherer Außenminister im japanischen Kriegskabinett im Jahre 1948 vom internationalen Gerichtshof wegen Kriegsverbrechens zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden.

In Prag eingetroffen

Prag, 20. November. (AP.) Die rotchinesische Delegation, die in Lake Success an der Formosa-Debatte des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen teilnehmen soll, ist am Montagnachmittag in Prag eingetroffen. Sie wird am Mittwoch über London nach Neuyork weiterfliegen.

Militärischer Schuman-Plan?

Er wird in Straßburg beraten

Straßburg, 20. November. (AP.) Der Ausschuß für allgemeine Angelegenheiten der Beratenden Versammlung des Europarates hat am Montag Übereinstimmung darüber erzielt, daß die Verteidigung Westeuropas eine der Kräfte ist, die zum Zusammenschluß beitragen kann, und hat einen „militärischen Schuman-Plan“ in Angriff genommen.

Adenaner traf Kirkpatrick

Bonn, 20. November (dpa). Bundeskanzler Dr. Adenauer stattete am Montag dem britischen Oberkommissar Kirkpatrick in der britischen Verbindungsstelle in Bonn einen Besuch ab.

Wie von alliierter Seite bekannt wurde, wurden Einzelheiten des für den 9. Dezember vorgesehenen Besuches des britischen Außenministers Bevin in der Bundeshauptstadt erörtert. Außerdem besprachen die beiden Politiker wahrscheinlich die mit der Revision des Besatzungsstatuts zusammenhängenden Fragen.

Schärfere Flugbedingungen angedroht

Oberkommissar McCloy schrieb Sowjetgeneral Tschuikow

Frankfurt/Main, 20. November. (AP.) Der amerikanische Oberkommissar McCloy hat in einem Schreiben an den sowjetischen General Tschuikow am Montag angekündigt, daß er sich unter Umständen gezwungen sehen wird, die Bedingungen der Flüge sowjetischer Maschinen über der amerikanischen Besatzungszone einer Ueberprüfung zu unterziehen.

Das Schreiben McCloy’s stellt die Antwort auf die Beschuldigungen des Oberbefehlshabers der sowjetischen Besatzungsarmee in der Ostzone dar, daß ein russisches Verkehrsflugzeug mit dem französischen Kommunistenführer Thorez an Bord am 11. November über amerikanisch besetztem Gebiet von einem Düsenjäger „angegriffen“ worden sei.

Der amerikanische Oberkommissar betont in seinem Brief, daß die sowjetische Maschine annähernd alle international üblichen Flugregeln verletzt habe, und fügt hinzu: ....

Ich muß Ihnen mitteilen, daß ich gezwungen wäre, die Bedingungen, unter denen solche Flüge gestattet sind, einer Prüfung zu unterziehen, wenn sich Zwischenfälle dieser Art wiederholen sollten.“

McCloy nennt die sowjetische Beschuldigung „vollkommen unberechtigt“ und sehr erstaunlich“. Tatsache sei, daß der sowjetische Pilot ohne Voranmeldung einen der am meisten beflogenen Lufträume in Europa durchflogen habe und damit nicht nur sein eigenes Leben und das seiner Passagiere in Gefahr gebracht habe, sondern auch das Leben von Hunderten anderer Personen.

Der Pilot der amerikanischen Erkundungsmaschine habe zwecks Feststellung der Identität des überfliegenden Flugzeuges nahe an dieses heranfliegen müssen, jedoch niemals näher als 150 Meter.

McCloy schließt seinen Brief an General Tschuikow mit den Worten:

„Ich empfehle Ihnen daher, sofortige Schritte zu unternehmen, um Wiederholungsfälle von so grober Nachlässigkeit oder Unfähigkeit auf Seiten sowjetischer Flugzeugführer beim Ueberflug der amerikanischen Zone Deutschlands für die Zukunft auszuschließen.“

Die Kohlenpreise

Blücher fordert gleichmäßige Erhöhung

Da. Bonn, 20. November. (Eigener Drahtbericht.) Vizekanzler Blücher forderte am Montag eine Erhöhung des deutschen Exportkohlepreises. Es sei Pflicht, so erklärte er, die tatsächlich entstehenden Selbstkosten durch gleichmäßige Erhöhung des Inlands- und des Exportpreises auszugleichen.

Unterrichtete Kreise in Bonn erwarten, daß die Bundesregierung gegen den Beschluß der Internationalen Ruhrbehörde, wonach die Bundesrepublik im ersten Quartal 1951 6,83 Millionen Tonnen Kohle exportieren soll, die Oberkommission anrufen wird. „Ich habe feste Ansichten über das, was geschehen soll“, sagte der Vizekanzler, „bin aber gezwungen, die Entscheidung der Gesamtregierung abzuwarten.“ Die Sinngebung der Ruhrbehörde heiße nicht einseitige Versorgung der fremden Länder.

Drei Kilometer vor der Grenze

Stetiger Vormarsch der amerikanischen Truppen in Korea

Söul, 20. November. (AP.) Vorausabteilungen der 7. amerikanischen Infanteriedivision haben sich am Montag nördlich von Kap sa n der mandschurischen Grenze bis auf drei Kilometer genähert. Das über schneeverwehte Straßen vorstoßende 17. Regiment der Division nähert sich Hyesanjin, der nordkoreanischen Grenzstadt auf der Südseite des Jalu.

Auch an den anderen koreanischen Frontabschnitten sind die UN-Truppen gegen schwachen feindlichen Widerstand weitergestoßen. Einheiten der amerikanischen Marine-Division rücken am Ostufer des Changjin - Stausees weiter nach Norden vor.

An der Ostküste stieß die südkoreanische „Söul“-Division bei Yongchong auf stärkeren Feindwiderstand. Fünfzehn Kilometer nördlich der Stadt kam es zu schweren Kämpfen mit kommunistischen Sperrverbänden. Teile der Division haben zu einer Umgehungsoperation gegen die Riegelstellung angesetzt.

Im Mittelabschnitt haben die Kommunisten damit begonnen, zwischen T o k - ch o n und Taec ho n neue Stellungen auszubauen. Der Schwerpunkt-des neuen Verteidigungsnetzes liegt im Raum nördlich von Unsan.

An der Chonchon-Front haben die Kommunisten ihre Verbände vom Ostufer des Flusses zurückgenommen. Das 2. südkoreanische Korps setzte den Kommunisten nach, ohne Feindberührung zu erhalten.

Nach Aussagen rotchinesischer Gefangener haben die chinesischen Truppen in Korea den Befehl erhalten, *bis zum letzten Mann zu kämpfen“. Jeder rotchinesischen Einheit sei ein politischer Kommissar beigegeben. Nach weiteren Aussagen bereitet das Nachschubproblem den roten Truppen steigende Schwierigkeiten


An Stelle der im Kriege zerstörten Klappbrücke über den Innenhafen von Duisburg ist eine Hubbrücke gebaut worden. Die in Gegengewichten hängende Brücke kann mit der geringen Hubkraft von 48 PS in einer Minute um neun Meter gehoben werden, um den Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen Foto: Schirner
An Stelle der im Kriege zerstörten Klappbrücke über den Innenhafen von Duisburg ist eine Hubbrücke gebaut worden. Die in Gegengewichten hängende Brücke kann mit der geringen Hubkraft von 48 PS in einer Minute um neun Meter gehoben werden, um den Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen Foto: Schirner

Fast völlig zerstört

Ein kommunistisches Hauptquartier

Tokio, 20. November (dpa). Leichte Bomberverbände der USA - Luftstreitkräfte zerstörten in einem der schwersten Luftangriffe des koreanischen Feldzuges 75 Prozent ihrer Ziele in Musan, einem kommunistischen Militärhauptquartier im äußersten Nordosten Koreas.

„Um jeden Preis vermeiden“

Tokio, 20. November, (dpa) Den Bombern der USA-Luftstreitkräfte, die in Korea operieren, wurde Befehl gegeben, Ziele im mandschurisch-koreanischen Grenzraum auf koreanischem Boden nur anzugreifen, wenn sie mit dem bloßen Auge erkennbar sind, erklärte ein Sprecher der amerikanischen. Luftstreitkräfte am Montag in Tokio. Es sei die Politik der UNO-Streitkräfte, „um jeden Preis Grenzverletzungen zu vermeiden“.

Zu Verhandlungen bereit

Bevin zu Forderungen König Faruks

London, 20. November. (AP.) Großbritannien sei bereit, die Möglichkeit einer Revision des britisch-ägyptischen Vertrages aus dem Jahre 1936 zu erörtern, erklärte der britische Außenminister Bevin am Montag vor dem Unterhaus. Der Vertrag könne nur durch beiderseitiges Übereinkommen abgeändert werden. Bevin nahm mit dieser Erklärung zu der Forderung auf Abzug der britischen Truppen am Suezkanal Stellung.

Eine Brücke

E. D. Die hessischen Landtagswahlen ziehen weitere politische Kreise. Sind sie, die den Sozialdemokraten einen so überraschenden Erfolg gebracht haben, symptomatisch für einen gewissen Stimmungsumschwung in der gesamten Wählerschaft Westdeutschlands? Kaum. Vor so vorschnellen Verallgemeinerungen muß vor allem die verhältnismäßig geringe Wahlbeteiligung in Hessen hüten. Immerhin wird die Frage aufgeworfen, ob jetzt die Zeit für die Große Koalition im Bunde reif zu werden beginne. Wenn noch bis vor kurzem in den Kreisen der Sozialdemokratie manche Neigung dafür vorhanden war, ist es jetzt an der Christlich-Demokratischen Union, die in Hessen ja nicht geringe Einbußen erlitten hat, ihrerseits die Koalitionskarte auszuspielen. Das hat erst vor einigen Tagen der Bundesminister Kaiser getan, der dem linken Flügel angehört.

Aus außenpolitischen Gründen wäre, wenn die Frage eines deutschen Wehrbeitrages zur Verteidigung Europas beantwortet werden muß. eine Große Koalition durchaus wünschenswert, geradezu erforderlich, um den Gesamtwillen des deutschen Volkes wirkungsvoll zum Ausdruck zu bringen. Aber die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien der Regierung und der Opposition klaffen noch in voller Breite auseinander. Eine Zusammenarbeit von Adenauer und Schumacher ist. nach allem Vorangegangenen, kaum denkbar. Aber vielleicht noch heftiger prallen die Ansichten in der Frage einer freien oder einer geplanten Wirtschaft aufeinander. Selbst über das vielumstrittene Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer, insbesondere ob betriebsfremde Gewerkschaftsvertreter diese Funktionen übernehmen können, hat man bisher noch keine Kompromißformel gefunden.

In Kürze wird der Außenminister der britischen Arbeiterregierung, Minister Bevin, nach Bonn kommen. Wird er, ohne sich in die deutsche Innenpolitik direkt einmischen zu wollen, eine Brücke von der Regierung zur Opposition zu schlagen versuchen? Oder wird sich die Sozialdemokratie, wie bisher in der jüngsten Zeit, darauf versteifen, daß Neuwahlen stattfinden sollen, um das Volk über den deutschen Wehrbeitrag entscheiden zu lassen. Uns scheint 'es, als ob Schumacher sich in diesem Verlangen durch den Ausgang der hessischen Wahlen bestärkt fühlt.

Große Ueberraschung und ihre Folgen

Von J. Schäfer

Die Landtagswahlen in Hessen und in Württemberg-Baden sind zur großen Ueberraschung der Gewinner und Verlierer, der Wähler und Nichtwähler ausgefallen. Die Analyse der Ergebnisse ist diesmal besonders schwierig, weil eine ganze Reihe wägbarer und unwägbarer Momente die einzelnen bestimmt haben, dieser und nicht einer anderen Partei ihre Stimme zu geben oder überhaupt nicht zu wählen. Die Nichtwähler (in Hessen 35 Prozent und in Württemberg-Baden 43 Prozent der Wahlberechtigten), die mit Recht oder Unrecht Verärgerten und die politisch Indifferenten bestimmten vielfach die Politik dadurch, daß sie den anderen das Feld überlassen, auch wenn sie überzeugt sind, daß diese es falsch machen. Jedenfalls wird das Ergebnis der Wahlen in Hessen und Württemberg-Baden nicht nur erhebliche Bedeutung für die beiden Länder und für die Gestaltung des Parteiwesens überhaupt haben, sondern — im Gegensatz zu der gestern geäußerten Auffassung des Bundeskanzlers — auch für die Innen- und Außenpolitik des Bundes, was ausländische Stimmen ebenfalls bestätigen. Die Landtagswahlen in Bayern am kommenden Sonntag werden gleichfalls dazu beitragen, die Veränderungen und Umschichtungen, in denen wir uns zur Zeit befinden, noch deutlicher werden zu lassen.

Entgegengesetzte Entwicklung

Die hessische Sozialdemokratie ist über ihren großen Erfolg selbst erstaunt. Sie konnte von den abgegebenen Stimmen 44 Prozent für sich buchen und von den 80 Landtagsmandaten 47 erobern, während sie vorher in dem aus 90 Abgeordneten bestehenden Parlament nur 38 Vertreter auf ihren Bänken sah. Dieses Ergebnis wirkt besonders deswegen so überraschend, weil die Sozialdemokratie in der bisherigen „schwarz-roten“ Koalition die Führung hatte und ihr Koalitionspartner einen so erheblichen Erdrutsch erlebte; er behauptete nur noch 12 (vorher 28) Sitze. In dieser entgegengesetzten Entwicklung liegt ein Hauptschlüssel zum Verständnis der politischen und parteipolitischen Lage, wie sie von den Wählern bestimmt wird. Denn die aus der Sozialdemokratie und der Christlich - Demokratischen Union bestehende bisherige Regierung kann zweifellos beachtliche Leistungen auf vielen Gebieten vorweisen, was bei aller berechtigten kritischen Einstellung niemand bestreiten wird, der die Ereignisse der letzten vier Jahre und ihre großen Schwierigkeiten sachlich beurteilt. Hat nun die Bevölkerung, soweit sie sozialistisch wählte, dafür ihre Anerkennung ausgesprochen und der Christlich-Demokratischen Union nicht gedankt, soweit in der Politik von Dank gesprochen werden darf? Die Verhältnisse liegen schwieriger und sind zum Teil weniger rückschauend als vorschauend zu verstehen.

Gründe für die SPD-Erfolge

Die Sozialdemokratie, die im scharfen Gegensatz zu der Bonner Koalition, der Regierung Adenauer, steht, hat in dem Wahlkampf nicht nur ihre Politik in Hessen verteidigt, sondern darüber hinaus den politischen, insbesondere den außenpolitischen und wirtschaftlichen Kurs des Bundeskanzlers in scharfer Form angegriffen. Die Fragen der Wiederbewaffnung, des Mißverhältnisses zwischen Löhnen und Frei-

sen sowie einer stärkeren Planung in der Wirtschaft standen im Vordergrund. Sie waren zum Teil so stark vereinfacht worden, daß für den Wähler gefühlsmäßig die Entscheidung nicht schwer wurde. Man mag darin eine bewußte Taktik der Parteiführung sehen oder nicht. Die Wirkung ist erzielt worden, auch wenn, im großen betrachtet, mehr als Parteitaktik die Triebfeder war. Denn Dr. Schumacher ist nach seinen wiederholten Aeußerungen nicht der Meinung, daß sich Westdeutschland an der Verteidigung nicht beteiligen soll. Im Gegenteil! Er verlangt sogar, daß die Elbe-Linie schon jetzt durch die Besatzungsmächte so stark gemacht wird, daß ein Angriff aus dem Osten nicht nur abgewehrt, sondern mit einer Gegenoffensive beantwortet werden kann. Voraussetzungen sind nach seiner Auffassung, daß die Westmächte sich dementsprechend militärisch und politisch Deutschland gegenüber einstellen, das heißt, daß ihm volle Gleichberechtigung gewährt und jede Einmischung in innerdeutsche Verhältnisse unterlassen werden. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann auch, nach der Meinung Dr. Schumachers, ein deutscher Beitrag zur Verteidigung des Westens nicht abgelehnt werden. Ob die neuen und manche alten Wähler der Sozialdemokratie sich dieses Unterschiedes zwischen dem unbedingten sozialdemokratischen Nein in der Gegenwart und dem bedingten Ja in der Zukunft bewußt gewesen sind?

Man geht wohl auch in der Annahme nicht fehl, daß manche Vertriebene, trotz des Wahlabkommens mit der Freien Demokratischen Partei, ihre Stimme der Sozialdemokratie gegeben haben, weil sie der Meinung sind, daß ihre Interessen dort zu ihrer relativen Zufriedenheit wahrgenommen werden. Ferner dürfte die Auffassung berechtigt sein, daß evangelische Christen, die dem Kreis Niemöllers angehören, diesmal nicht christlichdemokratisch, sondern sozialistisch gewählt haben, besonders nach den Gesprächen zwischen Dr. Schumacher und dem hessischen Kirchenpräsidenten. Auch werden manche, die früher für die Kommunisten eintraten, zur Sozialdemokratie gestoßen sein.

Im Schatten von Bonn

Die hessische CDU hatte im Wahlkampf und bei der Abstimmung erheblich unter der Bundespolitik zu leiden. Außer der großen Politik spielen hier viele Fragen mit. Neulich hat ein kluger Politiker der Christlich-Demokratischen Union die berechtigte Auffassung vertreten, daß in einem Wahlkampf 7000 DM, die für das Bürozimmer einer Sekretärin in Bonn ausgegeben würden, ein wichtigerer Faktor seien als 100 000 neu erbaute Wohnungen. Wie der Streit um die Bundeshauptstadt noch nachwirkt, so stellen der Bestechungsskandal, hohe Ausgaben und verschleppte Gesetze in Bonn eine fühlbare Belastungsprobe für das Volk dar, das nicht auf Rosen gebettet ist. Wahltag ist zugleich Zahltag, auch wenn hier nicht immer richtig ausgezahlt wird. Die CDU, die bei der Wahl in Hessen einen beträchtlichen Rückschlag erlebte, wird sehr darauf achten müssen, daß gewisse Spannungen in der Partei nicht noch größer werden. Denn der Rückgang ihrer Stimmen auf 347 803 (19 Prozent) ist beachtlich, wenn man bedenkt, daß sie bei der Bundestagswahl noch 454 437 (21,3 Prozent) und vor vier Jahren bei den Landtagswahlen 498 158 (31 Prozent) Wähler zählte.

Die Freie Demokratische Partei, die ihre Landtagsmandate von 14 auf 21 erhöhen konnte, erzielte 588191 Stimmen (32 Prozent). Bei der Bundestagswahl gewann sie 597 081 (28 Prozent) und bei der Landtagswahl im Jahre 1946 nur 252 207 Wähler (16 Prozent). Seit dieser Zeit hat sie also einen großen Aufschwung genommen, den sie hinsichtlich des Prozentsatzes der abgegebenen Stimmen am Sonntag noch fortsetzen konnte. Ihre Hoffnungen als bisherige Oppositionspartei haben sich jedoch nicht ganz erfüllt. Es kam dazu, daß die Vertriebenen nur zu einem Teil der Partei ihre Stimme gegeben haben.

Die Kommunisten erreichten in Hessen ebenso wie in Württemberg-Baden nicht fünf Prozent der abgegebenen Stimmen; sie sind somit in beiden Parlamenten nicht mehr vertreten. Die Splittergruppen kamen ebenfalls nicht zum Zuge.

Koalition oder nicht? So besteht der Hessische Landtag nur noch aus drei Parteien, von denen die Sozialdemokratie mit ihren 47 Mandaten die absolute Mehrheit besitzt. Wird sie die Verantwortung allein tragen wollen oder eine Koalition eingehen und mit wem? Das ist die Frage. Wenn Finanzminister Dr. Hilpert (CDU) gestern morgen dem Ministerpräsidenten Stock (SPD) zu dem Wahlsieg gratulierte, so mag man darin ein gutes Zeichen von Fairneß im demokratischen Leben sehen. Man weiß auch, daß beide Männer sich gegenseitig sehr schätzen. Aber vielleicht kommt in diesem Akt doch noch etwas mehr zum Ausdruck. Da Sozialdemokratie und Christlich-Demokratische Union zusammen über 59 Mandate, also über 75 Prozent, verfügen, ist die Erwägung verständlich, ob die bisherige Koalition nicht am besten fortgesetzt würde. Es ist. auch zu bedenken, daß die Sozialdemokratie zwar 44 Prozent der Stimmen, aber auf Grund des neuen Wahlgesetzes 59 Prozent der Mandate und damit die absolute Mehrheit im Landtag, jedoch nicht die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten hat. Die Ueberlegungen über die Regierungsbildung befinden sich aber erst im Anfangsstadium. Auch die Sozialdemokratie, die weiß, was die alleinige Verantwortung bedeutet, wird nicht gern auf so erfahrene Männer wie Hilpert verzichten. Aber vielleicht will die CDU sich nicht an der neuen Regierung beteiligen, um gewissermaßen eine Atempause zu gewinnen.

Man muß die Entwicklung der nächsten Tage abwarten, zumal noch manche wichtigen Vorfragen einer Klärung bedürfen, so zum Beispiel die Auflösung des „Mammut“-Ministeriums in ein Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium sowie die Trennung des Kultus- und Justizministeriums. Jedenfalls kann in Hessen bei der bevorstehenden Regierungsbildung entgegen mancher Erwartungen keine Partei das „Zünglein an der Waage“ spielen. Es sollte ein Weg gefunden werden, der den Gesamtinteressen am besten dient. Das ist jedenfalls der Wunsch aller Wähler — und wohl auch der Nichtwähler.

Kie wollen zur Kundespolizei

Berlin, 20. November, (dpa) Aus dem sowjetisch besetzten Gebiet sind in den letzten vier Wochen besonders viele Volkspolizisten nach West-Berlin geflohen, von denen ein großer Teil den Wunsch geäußert hat, der im Bundesgebiet entstehenden Bereitschaftspolizei beizutreten. In den letzten vier Wochen haben sich fast 140 Volkspolizisten um Anerkennung als politischer Flüchtling beworben.

Der tägliche Strom politischer Flüchtlinge aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet ist indessen zurückgegangen. Gegenwärtig suchen täglich 170 bis 200 Menschen in West-Berlin um Asylrecht nach.

„Geschichte und Schuld des Offizierskorps“

Tagung der ehemaligen Berufssoldaten in Bad Boll

Bad 8011, 20. November, (dpa) Im Mittelpunkt einer Tagung für ehemalige Berufssoldaten, die zur Zeit in der evangelischen Akademie in Bad 801 l stattflndet, stand über das Wochenende das Thema „Geschichte und Schuld des deutschen Offizierskorps“.

Der ehemalige General Helmuth Reinhardt aus Königstein im Taunus meinte, das Offizierskorps habe einen zähen Kampf gegen die Diktatur Hitlers geführt. Die innere Geschlossenheit sei jedoch durch die Vermehrung des Offizierskorps infolge der Wehrpflicht gebrochen worden. Wenn auch das alte Offizierskorps nicht wiedererstehen werde, so könnten doch manche Tugenden erhalten bleiben.

In einer sehr lebhaften Diskussion, an der etwa 250 ehemalige Berufssoldaten und 25 Pressevertreter teilnahmen, warnte der frühere Generalsekretär des Gewerkschaftszonenrates, Fritz Tarnow, vor der Auffassung, daß sich das deutsche Militär glänzend bewährt habe. Es sei nicht wegen, sondern trotz der harten Erziehung so gut gekämpft worden. Letzten Endes habe der einzelne aus Notwehr gehandelt.

Bundeswohnungsminister Wildermuth, der den letzten Krieg als Oberst der Reserve mitgemacht hat, sah einen Hauptgrund für die Niederlage in dem zu engen Standesbewußtsein des Offizierskorps. Wenn je wieder ein Offizierskorps geschaffen werde, dann müsse voraussetzungslos beim „Punkt Null“ wieder angefangen werden.

Der durch seine Nürnberger Verteidigung bekannt gewordene ehemalige Flottenrichter Kranzbühler sprach von einer mangelnden erzieherischen Vorbereitung des Offizierskorps auf letzte Verantwortungsprinzipien. Außerdem hätten viel häufiger Befehle Hitlers verweigert werden müssen.

Grundsätze für ein etwaiges neues Offizierskorps stellte der im Nürnberger Südost-Prozeß freigesprochene ehemalige General Förtsch auf. Dieses neue Offizierskorps solle konservativ sein in ethischer Beziehung, fortschrittlich in der Einstellung zum sozialen Problem und revolutionär bei der Ausbeutung der handwerklichen und fachlichen militärischen Mittel. Frühere junge Offiziere kritisierten sehr stark, daß in vielen Fällen die ethischen Bindungen des Offizierskorps gefehlt hätten.

Im Verlauf der Tagung, die bis Mittwoch dauern wird, zeigten sich vor allem ältere ehemalige Offiziere sehr skeptisch gegenüber einer eventuellen Wiederaufrüstung Deutschlands.

Zurückhaltung nötig

Eine Erklärung Bischof Liljes

Hannover, 20. November, (dpa) Landesbischof D. Lil j e erklärte nach seiner Rückkehr aus Berlin, die Aussprache der Mitglieder des Rates der evangelischen Kirche habe gezeigt, daß in der evangelischen Kirche die Möglichkeit verschiedener politischer Meinungsbildung bestehe, ohne daß die Einheit der Kirche gefährdet werde.

Zum Fall Niemöller sagte Lilje. er bedaure die Schärfe der Formulierungen, die Niemöller in seinen Erklärungen gebraucht habe, wenngleich er den Gewissensernst seiner Aeußerungen anerkenne. Jedes Ratsmitglied solle in Zukunft mit Stellungnahmen zu wichtigen politischen Entscheidungen zurückhaltend sein und Erklärungen nach Möglichkeit nicht ohne Fühlungnahme mit anderen verantwortlichen Männern der Kirche abgeben.

Bruch bei den Liberalen

im Britischen Unterhaus

London, 20. November, (dpa) Innerhalb der Liberalen Partei Großbritanniens ist es in den letzten Wochen zu einem Bruch gekommen, der nach Ansicht informierter Beobachter kaum wieder behoben werden kann. Zwei Gruppen stehen sich gegenüber. Der eine Flügel der Liberalen wünscht eine engere Zusammenarbeit mit den Konservativen, während sich der andere mehr der Labour-Party annähern will. Die Differenzen traten offen zutage, als,drei der neuen liberalen Abgeordneten im Unterhaus bei einer Abstimmung über die Lebenshaltungskosten nicht mitstimmten.

Hessen-Landtag hat sich versüngt

Früher 55,8, jetzt 51,5 Jahre Durchschnittsalter.

Wiesbaden, 20. November. (Eigener Bericht.) Der neue Hessische Landtag hat sein Gesicht verändert: von den 90 Abgeordneten des Landtages von 1946 wurden am vergangenen Sonntag 36 wiedergewählt, 54 sind damit ausgeschieden, 44 neue Abgeordnete sind gewählt. Bei der SPD bleiben von 38 Abgeordneten 25, 13 schieden aus, 22 neue wurden gewählt. Von den 14 ehemaligen FDP-Abgeordneten wurden nur 4 wiedergewählt, 17 neue kommen hinzu. Von den 28 CDU-Abgeordneten des alten Landtages ziehen 7 in den neuen Landtag ein, dazu 5 neue. Die 10 KPD-Abgeordneten des alten Landtages kommen nicht wieder.

Der Landtag hat sich auch verjüngt: im alten Landtag betrug das Durchschnittsalter 55,8, das Durchschnittsalter der SPD-Fraktion 57,9, der CDU-Fraktion 54,6, der FDP-Fraktion 56,5, der KPD 50,2. Von den am Sonntag gewählten 80 Abgeordneten beträgt das Durchschnittsalter nur 51,5, und zwar bei der SPD 53,1, CDU 47,1 und FDP 50,6.

Eine altersmäßige Uebersicht läßt erkennen, daß die Abgeordneten im Alter zwischen 50 und 60 Jähren in der Mehrzahl sind. Drei Abgeordnete sind zwischen 25 und 30 Jahre alt, zwei Parlamentarier haben das 70. Lebensjahr überschritten.

Im alten Landtag saßen 7 weibliche Abgeordnete: 4 SPD und je 1 bei den übrigen Fraktionen. Im neuen Landtag sind wieder 4 weibliche Abgeordnete bei der SPD und je eine bei CDU und FDP.

Wieder freigegeben

Basel, 20. November, (dpa) Die von den Schweizer und französischen Schiffahrtsbehörden am Freitag verfügte Sperre der Rheinschiffahrt oberhalb und unterhalb Basels wurde wieder aufgehoben. Der Wasserstand ist um einen halben Meter zurückgegangen, so daß wieder normaler Schiffsverkehr möglich ist.

Für neutrale Ginheits-Gewerkschaft

Entschließung der christlich-demokratischen Arbeiter

Essen. 20. November. (H. R.) Der Kongreß der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft bejahte auf seiner Schlußsitzung am Montag den Gedanken der parteipolitischen und weltanschaulich neutralen Einheitsgewerkschaft. Im Interesse der gesamten Arbeitnehmer könne es nicht geduldet werden, wenn die Gewerkschaften von einer bestimmten Partei beherrscht würden. Jedes Abweichen von dem Grundsatz der Neutralität gefährde den Bestand der Einheitsgewerkschaft.

Die Teilnehmer des Kongresses forderten in einer Entschließung ferner die Mitverantwortung und Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Betrieb sowie eine Ertragsbeteiligung und ein Miteigentum. Dabei hätten alle Formen der persönlichen Mitverantwortung und Mitbestimmung und der unmittelbaren kapitalmäßigen Beteiligung jedes einzelnen Arbeitnehmers den Vorzug vor jeder kollektiven Lösung.

Ferner verlangte der Kongreß Maßnahmen. die zu einer echten Gemeinwirtschaft der Grundindustrien führen. Die Bundesregierung müsse ihre Wirtschaftspolitik noch entscheidender nach Sozialnormen orientieren und mehr wirtschaftsordnende und wirtschaftsdemokratische Schritte zum Schutz der breiten Arbeitnehmer- -und Verbraucherschaft unternehmen.

Schließlich rief der Kongreß die christlich-demokratische Arbeitnehmerschaft zur aktiven Mitarbeit bei der Wiederherstellung der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung ^uf.

Sehr ernst

Hamburg, 20. November, (dpa) Das Be¬ finden des Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des Deutschen Journalistenverbandes, Klabunde, der am Samstag in Bad Pyrmont einen Schlaganfall erlitt, ist nach ärztlicher Feststellung sehr ernst. Klabunde ist linksseitig gelähmt.

Stimmen der Anderen

Der Nürnberger

Paris, 20. November, (dpa) Zum fünften Jahrestag des Beginns des Nürnberger Prozesses beleuchtet der linkssozialistische „Franc-Tireur“ die Problematik dieses Gerichtsverfahrens:

„Die Unsicherheit, an der die menschliche Rechtsprechung krankt, rührt daher, daß wir sie nur rückwirkend verstehen, nachdem einmal das Verbrechen begangen worden ist. Wir werden zweifellos weitere .Nürnberger Prozesse' haben, weitere Untersuchungsrichter namens Jackson, andere Mächte, die sich berühmter Würger annehmen. Je nach dem Kriegsglück werden sie vielleicht Stalin, Molotow, Truman oder Acheson heißen. Aber die Verhaftungen und Verhandlungen werden sich auf jeden Fall auf Verbrechen beziehen, deren Folgen die Völker auf sich nehmen mußten. Die Toten aber werden tot bleiben und die Städte in Trümmern ....

Wir sind stolz, einer Zeit anzugehören, die das Verbrechen an der Menschheit benannt und definiert hat. Aber dieses Verbrechen besteht nicht nur dann, wenn es ausgeführt wird. Es besteht bereits in gleichem Umfange, wenn eine Politik betrieben wird, die über kurz oder lang unweigerlich zu derartigen Verbrechen führen muß. Bestraft man nicht auch den Vorsatz? Jede Drohung mit dem Tode, vorsätzlich oder fahrlässig, wird bestraft.“

Langsame Arbeit

Die Revision des Besatzungsstatuts

Bonn, 20. November, (dpa) Die Londoner Drei-Mächte-Studienkommission arbeitet noch immer an der Revision des Besatzungsstatuts, die vor Jahresende verkündet werden soll.

In wenigen Zeilen

Die Vereinten Nationen werden in Zukunft eigene Briefmarken ausgeben.

Der Präsident des Obersten Sowjets der Lettischen Republik, Professor Kirchensteins, ist zusammen mit anderen führenden lettischen Politikern von seinem Posten entfernt worden.

Eine skandinavische Ministerkonferenz begann in Kopenhagen unter dem Vorsitz des dänischen Außenministers Ole Björn Kraft.

Die bekannte Pariser Zeitung „Epoque“ stellt ihr Erscheinen ein.

Otto Nusclike, der stellvertretende Ministerpräsident der Ostzonenregierung, ist zu ärztlicher Behandlung in die Tschechoslowakei gefahren.

Die Gewerkschaft der Polizeibeamten im Bundesgebiet fordert, bei allen Entscheidungen, auch über Fragen der Bereitschaftspolizei, mitzuwirken.

Der „Bund für Bürgerrechte“ hat sich in einem Telegramm an J. McCloy gegen die Auslieferung von Deutschen ins Ausland gewandt.

„Der Mann ist verrückt“

Weitere Entlastungszeugen im Falkenhausen-Prozeß

Brüssel, 20. November. (AP.) „Der Mann ist verrückt, wir werden den Krieg verlieren“. Mit diesen auf Hitler bezogenen Worten habe der ehemalige Militärbefehlshaber von Belgien, von Falkenhausen, im Jahre 1939 eine Unterredung mit ihm beendet, sagte am Montag der Kaufmann Charles Schröder aus Lüttich vor einem Brüsseler Militärgericht aus.

Schroeder, der Falkenhausen bereits vor 1938 in China kennengelernt hatte, wo er für europäische Rüstungsfabriken tätig war, bestätigte frühere Zeugenaussagen, nach denen der Angeklagte gegen den Nationalsozialismus eingestellt gewesen sei.

Bei einem Gespräch im Jahre 1939 habe sich Falkenhausen gegen den Krieg ausgesprochen und im Hinblick auf Belgien gesagt: „Eine Invasion Belgiens würde ein Fehler und ein Verbrechen sein.“

Zu Beginn der Sitzung hatte Gerichtspräsident Marechal verschiedene Briefe verlesen, in denen festgestellt wurde, daß Falkenhausen gegen das nationalsozialistische Regime eingestellt gewesen sei.

Der Zeuge L a g a aus Courtrai sagte aus, daß der nazifreundliche „Vlaamsche Nationalist Verbond“ nach Angaben seiner Mitglieder während des Krieges in Berlin die Abberufung Falkenhausens gefordert habe, weil dieser die Pläne der Bewegung nicht unterstützt habe.

Bundestagsabgeordneter Dr. Pünder erklärte in einer schriftlichen Aussage, daß Falkenhausen über die Umsturzpläne, die zum zwanzigsten Juli 1944 geführt hatten, immer informiert und zur Mitarbeit bereit war. Dies sei auch von Karl Gördeler betont worden.

Hölle woist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Redite beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

69)

„Sie werden uns noch alle verhaften“, wiederholte sie immer wieder. „Das habe ich nun davon, daß ich Ihnen Obdach gewährte. O Gott, daß mir das zustoßen mußte!"

„Aber, Madame —“, versuchte Albert sie zu beruhigen. „Ihnen ist ja gar nichts geschehen. Henriette hat doch mit diesem schrecklichen Verbrechen überhaupt nichts zu tun. Sie schlief ja hier ganz ruhig, bevor wir sie weckten. Ich bin nur hergekommen, um sie schonend vorzubereiten. Es liegt gar kein Anlaß vor, sie darin zu verwickeln."

„Aber man wird sie hineinziehen. Sie werden es schon sehen. Man kann sie gar nicht übergehen. Ich weiß genau, wie es kommen wird, und sie darf keine Stunde länger in meinem Hause bleiben.“ „Aber ich bitte Sie, Madame, nehmen Sie sich doch etwas zusammen! Wir müssen uns vor allem gründlich informieren. Ich werde eine Zeitung holen gehen.“

„Und sie wird mit Ihnen gehen. Bringen Sie sie fort, bevor man sie bei mir sucht.“

„Aber ich muß doch hier sein, wenn man etwas von mir will.“ Henriette hatte endlich wieder die Kraft gefunden, in einer leisen, fast tonlosen Stimme zu sprechen. „Die armen Kinder! Jetzt brauchen sie mich nötiger als je!"

„In meinem Hause wird die Polizei Sie nicht verhaften!“

Ein trockenes, konvulsivisches Schluchzen schüttelte den Körper der alten Frau. Albert überlegte einen Augenblick, dann nahm er Henriette beim Arm.

„Sie kommen besser mit mir mit“, sagte er. „Bei Marie wird es leichter für Sie sein. Und wenn man wirklich etwas von Ihnen will — obwohl ich nicht einsehe, wieso—.können wir ja hier hinterlassen, wo Sie zu finden sind. Ich werde unten warten, bis Sie sich angezogen haben.“

Es gelang ihm nur mit Mühe, Madame Le Maire ebenfalls aus dem Zimmer zu führen. Henriette wartete, bis ihre Schritte auf der Treppe verklangen, dann stand sie auf und begann sich anzukleiden.

Das ganze Haus war schon wach, als sie schließlich die Treppe hinabstieg, dankbar für das sichere Gefühl des breiten Holzgeländers unter ihrer Hand. Albert und Pierre warteten an der Tür. Der Alte hatte vergessen, seine Jacke anzuziehen und sich zu rasieren. Mit besorgter Miene stand er in seinem blauen Arbeitshemd dort.

„Passen Sie gut auf sie auf“, hörte sie ihn Albert ermahnen. „Sie ist den ganzen Sommer gar nicht mehr die alte gewesen." Und dann, als er ihnen die Tür aufhielt, tippte er sie auf die Schulter, und seine alten Augen blickten sie tröstend an. „Vielleicht stellt sich noch alles als ein Irrtum heraus“, flüsterte er ihr ermutigend zu.

Es war halb sieben, ats sie auf die Straße traten, die still und verlassen dalag. Aber von der Ecke hörten sie schon das Schreien der Zeitungshändler. Sogar in dieser Entfernung hörte man den seltsam triumphierenden, fast tierischen Klang ihrer gellenden Stimmen, nicht vergleichbar mit ihren sonstigen Ausrufen.

„Blutrausch hat sie gepackt,“ dachte Henriette und stützte sich in einem plötzlichen Schwächeanfall schwer auf Albert.

„Ich werde einen Wagen holen,“ sagte er.

Sie schüttelte den Kopf. Er sollte nicht soviel Geld für sie ausgeben, und sie bemerkte jetzt erst, daß sie ihre eigene Börse liegengelassen hatte. Sie schritten schweigend weiter, und Henriette empfand seine 'schützende Nähe dankbar.

Jeder Mensch, dem sie begegneten, hielt eine Zeitung in der Hand oder war gerade im Begriff, sich eine zu kaufen. Die Gesichter waren so gierig in den Blättern vergraben, daß Henriette und Albert sich in acht nehmen mußten, nicht mit jemand zusammenzustoßen. Sie allein hatten leere Hände; aber die Rufe der Händler folgten ihnen wie Wölfe auf den Fersen.

„Mord in der Rue Faubourg Saint Honore .. . Mordfall Praslin . . Ungeheuerliches Verbrechen ... Die Herzogin von Praslin bestialisch ermordet.“

Ein Vorübergehender hielt ihnen eine der Extraausgaben unter die Nase, bevor Albert ihn beiseite drängen konnte. Aber jene schwarze Ueberschrift ließ sich nicht fortdrängen.

„Nun ist es nicht mehr weit“, sprach Albert ihr Mut zu. „Hören Sie nicht auf das Gerufe, Henriette, und vergessen Sie, was Madame sagte. Sie war nur außer sich vor Aufregung; sie meinte es gar nicht so schlimm.“

„Ach, Albert, sie hat ja recht! Irgendwie habe ich auch teil an diesem —“, sie brachte das entsetzliche Wort, das von allen Seiten widerhallte, nicht über die Lippen, „fragen Sie mich nicht wieso es genügt, daß ich’s weiß.“

EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL

Auf der Ile de la Cite erhob sich den Justizpalast wie ein düsterer Fels gegen den abendlichen Augusthimmel. Wolkenfetzen, zart getönt wie die Federn des Flamingos, trieben dahin und spiegelten sich in der Seine, die sich zwischen den Gebäuden durchwand. Grau und drohend stand er da, unberührt vcn Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, von Revolutionen und Verschwörungen von dem steten Wechsel der Jahre und der Manner und Frauen, die er im Namen des Gesetzes in seinen Gewahrsam nahm. Dort hatte Marie Antoinette ihre letzte Nacht auf Erden verbracht; Danton, Madame Roland, Robespierre — diese und zahllose andere waren durch das Tor am Quai de l'Horloge in die Salle des Gardes geschritten. Und heute, am io. August des Jahres 1847, waren wieder zwei Füße über die abgetretenen feteine des Gefängnishofes gegangen, und noch ein Augenpaar starrte durch eines der vergitterten Fenster.

Henriette leistete keinen Widerstand als die Polizei sie um acht Uhr verhaftete.1 Sie bewahrte' ihre Ruhe viel besser als die Remeys. Sie versuchte sogar, die beiden zu trösten, als sie zwischen den Gendarmen fortgeführt wurde.

„Weinen Sie nicht, Marie“, sagte sie. „Es handelt sich gewiß nur um eine Formalität. Man will mir einige Fragen stellen. Bitte, Albert, versuchen Sie "die Polizisten nicht zu hindern. Sie machen es nur sich und mir schwer. Ich bin bestimmt bald wieder da“.

Aber sie wußte nur allzugut, daß sie ihren eigenen Worten keinen Glauben schenken durfte.

Und jetzt war es Abend, und immer noch saß sie allein in dem kleinen kahlen Raum, in den man sie gesperrt hatte, den neuesten Ankömmling in der Conciergerie, an der sie so oft gedankenlos vorbeigelaufen war. Sie hatte sich niemals überlegt, was es hieß, sich innerhalb dieser Mauern zu befinden.

Zweimal am Tage hatte man ihr Essen gebracht, und die Aufseherin war mit Wasser und einer Decke für ihre Pritsche gekommen. Man hatte sie gefragt, ob sie eine Flasche Wein zum Mittagessen kaufen wollte, aber sie hatte diese Vergünstigung nicht angenommen. Sie mochte nicht sagen, daß sie gar kein Geld bei sich hatte; und sie wagte auch nicht zu fragen, weswegen man sie hier eigentlich festhielt. Sie wußte nur so viel, wie sie aus einem jener Extrablätter am Morgen hatte entnehmen können. Sie hatte es vor Alberts Haustür liegen sehen und aufgehoben und mitgenommen. Man hatte es ihr gelassen, und nun überflog sie in dem schwachen Lichtschein die spärlichen Nachrichten aufs neue. Vielleicht zum hundertsten Male zwang sie jetzt ihre schmerzenden Augen, die Worte zu lesen, und zwang sieh selbst, an den Inhalt des verschmierten Artikels zu glauben. Es handelte sich ja um einen Menschen, den sie gekannt und in dessen Haus sie die letzten sechs Jahre verlebt hatte. Sie kannte den Bericht schon Satz für Satz auswendig, und immer noch konnte sie ihn nicht in Verbindung mit der Herzogin bringen mit der üppigen dunklen Frau, deren Reichtum und Verzweiflung, deren Eifersuchtsausbrüche und Anfälle von Zärtlichkeit sie so gut kennengelernt hatte.

(Fortsetzung folgt)

Die Aufgaben der SPD

Erklärungen von Ministerpräsident Stock

Wiesbaden, 20. November. (Eigener Bericht-) In einem Interview gab Ministerpräsident Stock einige Andeutungen über die zukünftige Politik der SPD in Hessen. Er stellte dabei heraus, daß es Aufgabe der SPD sein würde, die vom Volk schon vor vier Jahren gewünschte Sozialisierung der Grundstoffindustrie zu verwirklichen. Er befürworte bei der Verabschiedung des Gesetzes über die Sozialgemeinschaften die gleichzeitige Regelung der Entschädigung. Die SPD werde „keine wirtschaftlichen Experimente“ in Hessen durchführen.

Sollte ihm der Posten des Ministerpräsidenten in Hessen wiederum angeboten werden, erklärte Christian Stock, so werde er sich dafür einsetzen, daß u. a. wieder ein selbständiges LandwirtschaftsministerJum gebildet wird. Die Erfahrung habe gezeigt, daß die Zusammenarbeit dieses Ministeriums mit dem für Wirtschäft und Arbeit nicht glücklich war. Der größte Teil seiner Parteifreunde stimme ihm darin zu. Ebenfalls würde er eine Trennung von Justiz- und Kultusministerium befürworten.

Sieben Ministerien für ein so kleines Land wie Hessen seien verhältnismäßig viel, erklärte Christian Stock. Bei einer erneuten Berufung zum Ministerpräsidenten werde er aber den Versuch unternehmen, eine Zusammenlegung Hessens mit Teilen von Rheinland-Pfalz zu erreichen.

Es wird abzuwarten bleiben, wie die zukünftige hessische Regierung aussehen wird, sagte Stock und deutete an, daß nach diesem Wahlausgang ein großer Teil der Wähler der SPD es kaum verstehen würde, wenn die SPD wieder eine Koalition mit der CDU eingehen würde.

Glückwünsche für Stock

„Wende des politischen Lebens bahnt sich an“

Wiesbaden, 20. November. (Eigener Bericht.) Bei einem zwanglosen Empfang des hessischen Ministerpräsidenten Christian Stock in der Staatskanzlei am Montagvormittag beglückwünschte als Wortführer der Beamten und Angestellten der Staatskanzlei Staatssekretär Hermann Bach den Ministerpräsidenten, dessen Regierungsführung in Hessen mit dazu beigetragen habe, den Sieg der SPD nach vierjährigem Wirken zu festigen. Im Namen des Betriebsrates sprach Oberregierungsrat Paul Schmidt ebenfalls seine Glückwünsche aus.

Christian Stock, der vor wenigen Tagen nach schwerer Krankheit seinen Dienst wieder aufgenommen und den Zustand der Rekonvaleszenz noch nicht ganz überwunden hat, war über die Glückwünsche sichtlich überrascht und erfreut. Nach herzlichen Worten des Dankes griff der Ministerpräsident noch einmal die Bedeutung des SPD-Sieges bei den Landtagswahlen auf und deutete an, daß durch das Ergebnis in Hessen und Württemberg-Baden eine allgemeine Wandlung im politischen Leben angekündigt sei. Es könne sich in ganz Westdeutschland nunmehr eine Politik vorbereiten, die auf eine Abkehr der Wähler vondem Kurs Dr. Adenauers hinzielt.

Im allgemeinen mache sich eine politische Vernunft als Ergebnis der klaren Ueberzeugung bemerkbar. In diesem Zusammenhang sagte Stock, zu seinen Beamten gewandt, daß es für ihn persönlich belanglos sei, welcher Partei auf demokratischer Grundlage jemand angehöre und welche Ueberzeugung er in sich trage, wenn er überhaupt nur einen klaren politischen Standpunkt beziehe. Menschen ohne politische Ueberzeugung seien nicht ernst zu nehmen, für manchen bedeute es einen ausgesprochenen Mangel an Bildung.

Mit Nachdruck stellte der Ministerpräsident die Haltung der Wähler aus Flüchtlingskreisen heraus, die ein großes Maß an politischer Vernunft bewiesen hätten. Die Tatsache, daß sie in starkem Maße der SPD ihre Stimme gegeben haben, fuße auf der Erkenntnis, daß in Hessen tatsächlich etwas für die Flüchtlinge geschehen ist.

Christian Stock gab dann den Inhalt eines Telegramms wieder, in dem der Vorsitzende der hessischen CDU, Minister Dr. Hilpert, seinen Glückwunsch zu dem Wahlsieg der Sozialdemokraten aussprach. Man möge berücksichtigen, so erklärte Stock, daß, wenn die CDU auch starke Verluste davongetragen hat, trotzdem beide Parteien eine Mehrheit von 75 Prozent im neuen Landtag aufweisen. Dies komme einer Billigung der Wähler für die bisherige Regierungspolitik gleich.

Stimmen zum Wahl-Ergebmnis

Wiesbaden, 20. November (Eig. Bericht). Aus den zahlreichen offiziellen Äußerungen zum Ergebnis der Landtagswahl greifen wir im folgenden einige Ansichten der Vorsitzenden jener drei Parteien, die im Hessischen Landtag nunmehr nur noch vertreten sind, heraus.

Eine Billigung der bisherigen Landespolitik der SPD nannte der nordhessische Landesvorsitzende der SPD, Bundestagsabgeordneter Georg August Zinn, das hessische Wahlergebnis. Gleichzeitig sei die Wahl über Hessen hinaus eine entschlossene Absage an die Bundespolitik Adenauer—Blücher.

„Die CDU wird ihren Helm fester binden“, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident und Landesvorsitzende der CDU, Dr. Werner Hilpert, im Hinblick auf den Wahlausgang. Der Stimmenrückgang der CDU sei größer ausgefallen, als man allgemein bei der CDU befürchtet habe. Die Christlichen Demokraten werden sich durch das Wahlergebnis nicht davon abhalten lassen, den

politischen Möglichkeiten und Notwendigkeiten gerecht zu werden, betonte Dr. Hilpert, gegebenenfalls auch als konstruktive Opposition.

Der Vorsitzende der FDP Hessen, August Martin Euler, führt den Erfolg der SPD darauf zurück, daß allzu viele nichtsozialistische Wähler der Wahlurne ferngeblieben seien. Diese Stimmenthaltung habe ihre Ursache in dem Gefühl, daß die Bundesregierung die Forderung der Gleichberechtigung als Voraussetzung eines deutschen Verteidigungsbeitrages nicht nachdrücklich genug vertrete.

In der Sowjetzone muß mehr als ein Drittel aller Lokomotiven wegen fehlender Ersatzteile stillgelegt werden.

Kindesmörder vor Gericht

Der Angeklagte Steigelmann kann sich an nichts erinnern

G. C. Frankenthal, 20. November. (Eigener Drahtbericht.) Vor dem Schwurgericht Frankenthal begann am Montag die Verhandlung gegen den Kindesmörder Kurt Steigeimann aus Neustadt. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, am 12. Mai an der drei Monate alten Christine Ritzinger einen bestialischen Sexualmord verübt zu haben. Der erste Verhandlungstag war völlig mit dem Verhör des Angeklagten ausgefüllt. Soweit die Fragen sein Vorleben betrafen er weilte wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit sieben Jahre in einer Klosteranstalt — gab Steigeimann stokkend und leise Antwort. Sobald sich jedoch Fragen auf die Tat bezogen, konnte er ssich an nichts mehr erinnern und schwieg hartnäckig.

Dem Gericht liegen zwei Geständnisse vor, von denen sich das eine auf ein Verhör durch Kriminalbeamte bezieht und das andere in Form eines Lebenslaufes von dem Angeklagten abgegeben wurde. Steigelmann will sich jedoch an diese Geständnisse nicht mehr erinnern können und anscheinend den Eindruck erwecken, als sei er zu der Abgabe seiner Erklärungen mehr oder weniger gezwungen worden. An seiner furchtbaren Tat dürfte für das Gericht kein Zweifel bestehen, doch gilt es die Frage zu klären, inwieweit sich Steigelmann seines Verbrechens bewußt war. Während der Vernehmung hatte er sich als ein frommer Mensch bezeichnet und angegeben, daß er mehrmals in der Woche die Kirche besucht habe. Auch vor seiner in der Verhandlung noch nicht eingestandenen Tat will er noch eine Maiandacht besucht haben.

Wirtschaftsteil

Keine Kursänderung

Industrie- und Handelstag an Erhard

Der wirtschaftspolitische Arbeitskreis des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) stellt fest, daß keine Veranlassung vorliege, von Seiten der Wirtschaft ein Abgehen vom bisherigen wirtschaftspolitischen Kurs zu befürworten. In einem Schreiben an den Bundeswirtschaftsminister erklärt der Präsident des DIHT, Dr. Petersen, u. a.:

Die Notwendigkeit ausgleichender Maßnahmen könne angesichts der Spannungen zwischen Angebot und Nachfrage und im Hinblick auf die Devisenlage nicht bestritten werden. Man müsse den Anteil der westdeutschen Wirtschaft an den Kreditquoten der Europäischen Zahlungs-Union steigern.

Darüber hinaus sei die Notwendigkeit autonomer Maßnahmen von deutscher Seite anzuerkennen, die sich im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft halten müßten. Soweit bei echten Engpässen Lenkungsmaßnahmen unabweislich würden, dürften sie keinesfalls durch die Bürokratie erfolgen.

Nach Lage der Dinge müsse somit als richtig anerkannt werden, daß die Lösung der Spannungen durch Maßnahmen auf kreditpolitischem Gebiet gesucht worden sei. Auch die Heraufsetzung des Diskontsatzes erscheine zur Zeit unabweisbar. Restriktionsmaßnahmen dienten in erster Linie dazu, eine Erhöhung der Exportquote im Rahmen des Produktionsvolumens herbeizuführen. Bei aller Anerkennung dieser Notwendigkeit sei doch die Frage berechtigt, ob sich nicht andere Wege besser eigneten. Vielfache Vorschläge zur Exportförderung, insbesondere auf steuerlichem Gebiet, seien von den Wirtschaftsorganisationen immer wieder vorgetragen worden. Für die Zustimmung zu den vorliegenden Bestriktionsmaßnahmen sei Voraussetzung, daß ohne weitere Verzögerung ein wirksames Programm der Exportförderung verwirklicht werde.

Unabhängig davon sollte sofort die Anordnung über die 50prozentige Bardepotstellung einer Revision unterzogen werden. Eine Differenzierung zugunsten lebensnotwendiger Einfuhren bitte man einzuführen. Darüber hinaus sei ein Abbau und eine Milderung der Restriktion erforderlich, sobald die Devisenlage es zulasse.

Die Mineralölwirtschaft protestiert

Steuer zu hoch und zu weitgehend

vwd. Der Mineralöl-Zentralverband, Hamburg, hat sich gemeinsam mit dem Verband Süddeutsche Mineralölwirtschaft, München, gegen die Besteuerung aller Mineralöle ausgesprochen. In Kreisen der Mineralölwirtschaft ist man sich darüber klar, daß eine Besteuerung des Mineralölsektors zur Abdeckung der Kosten des Kriegsopferversorgungsgesetzes unvermeidlich ist. Hierfür werden jedoch nach amtlichen Verlautbarungen 335 Millionen DM benötigt. Rechnet man noch 70 Millionen DM für die Aliment.ierung der Dieselölvorzugsverbraucher hinzu, so ergibt sich ein Betrag von 405 Millionen DM. Der vom Bundesrat angenommene Gesetzentwurf würde nach Ansicht von Fachkreisen im kommenden Jahre einen Betrag von 550 Millionen DM erbringen.

Aus Wirtschaftskreisen wird vorgeschlagen, die Besteuerung von Heizöl, Bitumen, Steinkohlenteeren, Petrolkoks sowie Spezial- und Testbenzinen gänzlich fallen zu lassen und die Belastung von Schmierölen und Leuchtpetroleum stark zu verringern. Es verblieben dann (auch ohne Autobahngebühr) noch immer genügend Einnahmen, um den Ansprüchen der Kriegsopferversorgung gerecht zu werden.

Kurze Wirtschaftsmeldungen

Einspruch gegen Kohlenexportquote

Die deutsche Delegation bei der internationalen Ruhrbehörde hat gegen die Kohlenexportquote für das erste Quartal 1951, die auf 6,83 Millionen Tonnen festgesetzt wurde, Einspruch erhoben. Vizekanzler Blücher erklärte, daß das Bundeskabinett bei der alliierten Oberkommission intervenieren wird. Die deutsche Delegation hatte der Ruhrbehörde für das erste Quartal einen Export von 5,7 bis 5,9 Millionen Tonnen vorgeschlagen.

Anthrazitkohle aus der Sowjetunion soll Frankreich erhalten. Ein erstes Bezugsabkommen sieht die Lieferung von 25 000 Tonnen vor.

Gegen den Versuch der schweizerischen Bundesbahnen, die Schiffbarmachung des Hochrheins zu vereiteln, wenden sich die Handelskammern des Rheingebietes.

Der Bedarf der westdeutschen re¬ parationsgeschädigten Industrie (ohne Schiffbau und Reichsbetriebe) an Re¬ montagekrediten beläuft sich für die nächsten zwei Jahre auf rund 650 Mill. DM. Einen Bedarf an Remontagekrediten haben bisher rund 400 Firmen von insgesamt 1000 bis 1100 geschädigten Unternehmungen angemeldet.

Gesellschafts-Nachrichten

Bz Bei der Schnellpressenfabrik AG., Heidelberg hat die H.V. (12. Dezember) den letzten RM-Abschluß, die DMEB mit einer Kapitalumistell'ung von 4,0 Mill. RM auf 5,0 Mill. DM zu genehmigen, ferner Kapitalserhöhung bis auf 7,0 Mill. DM durch Ausgabe neuer Aktien gegen Bar- oder Sacheinlagen zu beschließen.

Bz. Die Europa-Film-GmbH., Frankfurt am Main, verlegte den Sitz nach Hamburg.

Bz. Ott & Heinemann GmbH., Frankfurt. Die Gesellschafterversammlung hat das Stammkapital von 200 000 RM auf 300 000 DM neu festgesetzt und um 100 000 DM auf 400 000 D-Mank erhöht.

Bz. Kronthaler Brunnen GmbH., Kronthal bei Kronberg im Taunus. In der Gesellschafterversammlung wurde beschlossen, das bisherige Stammkapital von 150 000 in gleicher Höhe auf D-Mark neu festzusetzen.

w NITAG Deutsche Treibstoffe AG. in Hamburg. Die Hauptversammlung soll unter anderem Beschluß fassen über die Neufestsetzung des Grundkapitals auf 7 Millionen DM.

Zwangsfeiertage wegen Kohlenmangel

Hessen muß je Woche einen arbeitsfreien Tag einlegen

In hessischen Regierungskreisen wird zur Zeit erwogen, wegen des Kohlen- und Energiemangels vom Dezember an in der Industrie Hessens einen arbeitsfreien Tag je Woche und in der Zeit vom 21. Dezember bis 6. Januar Zwangsferien einzuführen. Wie aus dem hessischen Wirtschaftsministerium noch verlautete, wird die Versorgung der hessischen Industrie mit Kohlen, von Ausnahmen abgesehen, bis Ende Dezember als einigermaßen gesichert angesehen. Da vom Januar an jedoch mit Schwierigkeiten gerechnet werden müsse, sollen schon jetzt vorsorgliche Maßnahmen getroffen werden.

Nach hessischer Ansicht müssen alle einschränkenden Maßnahmen jedoch einheitlich für das ganze Bundesgebiet getroffen werden, wenn sie von durchschlagendem Erfolg sein sollen. Entsprechende Vorschläge will die hessische Regierung bei den kommenden ..Kohlenbesprechungen“ in Bonn unterbreiten

Wir brauchen mehr Buna und Chlor

Möglichkeiten nach Aufhebung der Produktionsbeschränkungen

vwd Mit einer Entscheidung der Alliierten über die verbotenen und beschränkten Industrien rechnen unterrichtete Kreise der westdeutschen Industrie spätestens Anfang Dezember. Bei einer Aufhebung des Produktionsverbotes für Butadien und Buna wird in der Bundesrepublik vorläufig infolge fast restloser Demontage der Buna-Anlagen in Ludwigshafen, Leverkusen und Hüls nur eine bescheidene Jahresproduktion in den Chemischen Werken Hüls bei Marl/Recklinghausen von zunächst 6000 Tonnen möglich sein. Der Wiederaufbau der demontierten Buna-Anlagen dürfte nach Ansicht von Fachkreisen mindestens ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. Eine Produktionssteigerung auf 18 000 bis 20 000 Tonnen wird für möglich gehalten.

Die beiden letzten noch nicht permittierten Ruhr - Hydrierwerke Scholven in Gelsenkirchen und Ruhröl in Bottrop dürften voraussichtlich in Kürze die Erlaubnis zur Erdölrückstandshydrierung erhalten.

Die beiden Hydrierwerke Gelsenberg-Benzin AG. in Gelsenkirchen und Union rheinische Braunkohlen-Kraftstoff AG. Wesseling in Wesseling bei Köln produzieren gegenwärtig mit einer jährlichen Erzeugungsquote von je etwa 500 000 Tonnen. Die Fischer-Tropsch-'Werke können nur verhältnismäßig geringe Treibstoffmengen liefern. In absehbarer Zeit kann nur das Werk in Bergkamen die Produktion von zunächst jährlich rund 50 000 Tonnen Primärprodukte aufnehmen. Das Krupp-Treibstoff-Werk in Wanne-Eickel ist in der Umstellung auf Oxylverfahren begriffen, nach dem höhere Alkohole hergesteilt werden.

Weiterhin wird die Aufhebung der Kapazitätsbegrenzung für Chlor zu erwarten sein. Der Spitzenbedarf, der beträchtlich über der zugestandenen jährlichen Erzeugungsquote von 24 000 Tonnen liegt, muß zum Teil durch Importe gedeckt werden.

Steinkohlenförderung steigt

vwd Die westdeutsche Steinkohlenförderung erreichte in der vergangenen Woche mit einem arbeitstäglichen Durchschnitt von 385 576 Tonnen ihr bisher höchstes Wochenergebnis seit Kriegsende. Die ersten zusätzlichen Sonntagsschichten erbrachten 75 942 Tonnen.

Deutsches Vermögen in Brasilien

Der brasilianische Präsident hat das Gesetz über die Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Vermögens in Brasilien unterzeichnet. Es tritt sofort in Kraft. Aktien, Obligationen und sonstige Wertpapiere, soweit sie noch vorhanden sind, sollen in natura zurückgegeben werden, Bargeld nur in Form von Schatzanweisungen. Raschere und stärkere Rückwirkungen erwarten brasilianische Wirtschaftskreise jedoch von der Aufhebung aller Beschränkungen bei deutschen Immobilien, die nicht beschlagnahmt sind, sondern nur der freien Benutzung durch ein Überwachungsrecht der Bank von Brasilien entzogen waren.

Die Deutsche Kabelwerke AG., Rheydt, (AK 16 Mill.) beantragte die Umwandlung in eine GmbH.

Börsen und Märkte

Bz. Nach anfänglicher Zurückhaltung aus Ueberlegung wegen des Ausfalls der hessischen Wahlen konnte sich das Geschäft an der Frankfurter Börse im Verlauf wieder leicht beleben. Eine Reihe von Gebieten, voran Bergbauwerte, lag freundlicher (ausgenommen Buderus — 1). Maschinenwerte gewannen 1 bis 1.5. Aehnlich lag ein Teil des Elektromarktes. Zellstoffaktien notierten Waldhof 53 (+ 1). Am Chemiemarkt waren Chemische Albert mit plus angeschrieben. Hier hörte man bestimmte Versionen, daß nun doch eine Kapitalumstellung im Verhältnis 1:1 komme. Auf der anderen Seite Mainzer Aktienbier 51 (— 2), Süddeutsche Zucker 100 Bf (— 2.5).

Freie Devisenkurse

Bz. Am 20. November 1950 hörte man an der Frankfurter Börse folgende freie Devisenkurse: für den USA-Dollar 5,15 bis 5,25 DM, für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den Hollandgulden 1,15 bis 1,25 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben wurden für 1 DM-West 5,80 bis 6,0 Ostmark gezahlt bzw. für 5 Ostmark 1 DM-West geboten.

Frankfurter Schlachthofbericht

Bz. Am Hauptschlachttag wurden aufgetrieben: 1236 (1350) Stück Großvieh, 802 (739) Kälber, 3601 (3973) Schweine, ferner 464 (416) Schafe. Im Großhandel wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht erzielt: Ochsen A unverändert 82—88, B 70—80 (72—80), C 60—70 (62—70); Bullen A 82—88 (84—90) B 74—80 (76—82); Kühe A 64—70 (65—72), B 54—63 (50—65), C unverändert 44—52; Färsen A 84—88 (84—90), B 72—32 (72—80); Kälber A 120—125 (125—130), B 100—115 (110—120), C 87—90 (100—110), D 70—80 (85—96). Es wurden notiert: Schweine A 142—146 (142—145), B 1 und 2 140—146 (142—145), C unv. 138—145, D 130 bis 142 (135—145), G 1 wieder 130—138. Hämmel gute Qualität stellten sich auf 60—65 gegenüber 46—68 in der Vorwoche, mittlere auf 50—58 (50—60) Schafe gute Qualität 50 bis 55 (56—60), mittlere 40—45 (48—55). Mindere Sorten bis 35 (40).

Frankfurter Essektenbörse Kursblatt des D.7.

oz = oezamt, b =• Brlelkurse, T Taxe, alle übrigen sind Geldkurse (Sämtliche Kurse ohne Gewähr)

17. 11. 20. 11. Pfandbr. u. Kom.-Obl.
4% Dt Rtb. 34 A.. 7
7 4% Pr. Lpf.Anst.Pt. 7,5
7,5bz 4% do. Komm. Obi. 7,25
7.25bz 4% Hess.Ldbk.pt. . 7,75
7,7 sbz 4% Kass. Ldkr.PL • 7,75
7.75bz 4°/? Nass. Ldbk.P... 7,75 4% do. K0m.0b1... 7,75bz
7,75bz 7.75bZ 4% Rhein. Giro-PL. 8,25bz
8,25 4% Rbeinprv PL..• 8,25 Dekosama 1 17.1*
8,25
17,12bz 4% Bayr Hyp. PL • 7.5 4% Firn Hvp.Bk.PL 7.75bz
4%Ffm.Hyp.obl. .. 7.25bz 4% Pfälz.Hyp.PL •• 7,75bz
7.5 7.75bz 7.25bz 7,75bz 4?^ Rh.Hyp.Bk.PL . 7,87bz
7,87bZ 4°A Westd. Bod. Cr 7,5bz
7,5bz Industrie-Anleihen
4% AEG. 42 6.75
6.75, 2% Aschaffbg. Zell 6
6 4% Augsb Niirnb 6.75 4% BMW. 42 7bz
6.75
7bz 4%Daimler 42 ... 8.5 4%Degussa 43 ... 8 4%% Ess. Stk. 41. 6,75bz
8.5
8 6,75bz
17. 11. 20. 11.
4'/j% Gesenb.Benz. 8,25 8.12
4% Gelsenk. Bgwk. 4% Harpenet 42 .. 7,12bZ 7,12
7,25 7,25
4 72% Hartm & Br. 7,75 7,75
5% Klöckner 39 .. 7,37 B 7,37 B
s%Metallges. 39 . 8,25bz 8,25
5%Rb. Braunk. 40 8,25 8.25bz
4% Schluchsee 43 . 7 7
4^5% Union Rhbr.. Bbz 8
4% Ver. Dt. Met. 42 7,75 7,75bz
Industrie-Aktien
Accumulatoten . • • 91 90bz
Ada-Ada-Scbuh.... 54 B 54 B
Adler-Werke 40bz 41,5bz
Adt, Gebr 44 44
Allg. Bauges. Lenz. 30 30
AEG 26,25bz 26,75bz
Andreae-Noris .... 180 180
Aschaffbg. Akt.-Br. 50 —•
Aschaffb Buntpap. ——
Aschaffbg. Zellst 74 74bz
Augsb Niirnbg. ... 87 87
Bad. Maschinen ... 100 100
Baumw. Erlangen . 130 130
Bayr. Motorenwk.. 33bz 34bzB
17. 11. 20. 11.
Bemberg, J. P 80bz 80,5
Berger, Tiefbau ... 30bz 30
Bln. Kraft u. Licht. 25,5bz 25.5
Brauh. Nürnberg ~ 51 51
Brown Boveri 110 110
Buderus Eisenw. .. 75.5bz 74.5bz
Burbach Kali 65 B 65bz
Chern. Albert 66 68bz
Conti Gummi 108.5bz Daimler Mot. Wk.. 55.75 57bz
Demag, Duisburg . 82.5bz 83bz
Dessauer Gas 20.75bz 20bz
Deutsche Erdöl ... 54 54.75
Deutsche Steinzeug 139,5 B 139,5 B
Degussa 75bz 76bzB
Dt. ' inoleum Wk. - ns 120 B
Dt. Tafelglas 125 125
Didierwk. Wiesb. .85.5 87.3
Dierig. Chr — -G (T 89]
Elchbg Wergerßr. 49 49
Eisenb Verkehrsm 66 B
El Licht u. Kraft 28 28bz
Enzinger Union ... 65 65
Eßlinger MaschlnenlOO 100
Ettlinger Spinnerei 160 160
17. 11. 20. 11
. Faber & Schleicher —
Fahr. Gebt —
Feinmech letter .84 85
Feldmühle 78.5 79bz
Felten & Guill. ..— 69,5bz
Ffm Masch P &W 88 88
Goldschmidt, Th. ..58bz
Gritzner-Kavser... 102 102
Grün & Bilfinger ..49 50bz
Hafenmühle Ffm. .—G —G (T 92
Hanau Hofbr Hausss 55
Hanfwk Füssen .131 131
Harpenet Bergbau.69,sbz 70
Harpener Bonds . 46bz 46 B
Hartmann & Braun—
Heidelberg. Zementio2bz 102.5bz
Henninger-Bräu 83 83
Hess Nassau Gas .85 85
Hoesch Eisen 59bz 61bz
Holzmann. Ph 27 sbz 27,5bz
Hotel AG 45 45
Junghans. Gebr. ..60 60
Kabelwerke Rheydts 9 60bz
Kati Cheml 94bz 94
Karstadt. Rud. ...78 79
17. 11. 20. 11
Kauth. Hansa, Ffm.Bo 80
KL. Schzl. & BeckerB3 83
Klöcknerwerke.. ■ -66.75bz 68.5bz
Knorr, Heilbronn .69 69
Konserven Braun .—
Kupferberg Sekt .. 46,5 46,5
Lahmeyer & Co. .. 85 86,5bz
Lanz. Heb 55 54
Lindes Eismasch. . 95.5bz 96.5bz
Mainkraftwerke... 85bz 88bz
Mainzer Akt.-Br. .538 51bz
Mannesm Röhr StA 56bz 56,5bz
Mannesm.Röhr VA7B 78bz
Masch.Hartm Offb. 115 115
ktetallgesellschaft 63bz 63bz
Moenus Maschinen 46 45.5bz
Neckar-Wk. Eßling.lo7bz 107
Nordd. Lederwerke 25 25bz
NSU 131 131
Odenw.Hartstein.. 80 80
Pfalz Mühlenwk. . —G —G
Rhein.Braunkohle 93bz 93bz
Rhein Elektrizität 93 93
Rhein. Stahlwk. ..53.25bz 53,5bz
Rh.-Westf. Elektr.. 70 71.5bz
Roeder. Gehr. ....100 100
17. 11. 20. 11
Salamanderschuh . — Salzdetfurth Kali . 61,5bz
Salzwk. Heilbronn. 106.5 Sarotti AO 93 Schöfferb. Brauereisobz
Schramm Lackfabr. 103 Schriftg. Stempel . 104 Seilindustrie WolffOl Siem. & Halske StA43 Siem. & Halske VA42
Stollwerck, Gebt 84
Südd Zucker AG. .102.5bZ 61,5bz
106 93
50bz
103
104bz 91
43bz 42.25bz 84 100 B
Veith Gummiwerke 120 Ver.Dt Met Werke6sbz Ver Dt ÖlfabrikenB3
Ver. Stahlwerke .. 52bz Voigt & Haeffner.. 125 Voltohm Seil 35 120 64bz 83
53.5bz
125bz 35
Wayß S Freytag . 116
Westdt. Kaufhof .. 78 B Wintershall 46.5bz 116 78 B
46.5bZ
Zellstoff Waldhof . 52 53bzB
Banken
Bayr.Hyp. Wehs.Bk. 36,5
Berl.Handels Ges.. i7,sbz 36,5
17.5bz
17. 11. 20. 11
Commerzbank ....26,5bz 26,5
Deutsche Bank .... 28,75 28.75 b;
Dt.F.ff u Wehs. Bk. 25 25
Dresdner Bank ...28bz 28bz
Frankfurter Bank . 26 26
Ffm. Hypoth.-Bk. . 25 25
Pfälz. Hypoth.-Bk.. 22,75 22.75
Rhein.Hvpoth.-Bk.. 25 25 bz
Verkehr
AO lüt Verkehr ..30 30
Hapag 26 B 26 B
Norddt. Lloyd 20 20bz
Südd Flsenb -Ges 61 60
Versicherungen
Allianz Leben .... 44 45
All u Stutte Ver. . —T7I
Unnotierte Werte
Beck S Henkel . 38 38
Chemiefas. Inh. ... 60bz 60
Chemlefas. Na. ... 56,5 57.5
Cbem. Brockhues .70 70
17. 11. 20. 11.
Dt. Wafien 27 B 26,5 B
Dingler Zweibr.... 96 96
Diskusw 123 123
DyckerhoßZement. 120 120
Elsenh. Köln 43,5bz 44bZ
Fordwerke Köln .. 88 87bz
Gutehoflnungsh.... 63,5bz 64.5ÖZ
Hutschenreuther ..70 70bZ
Kahla Porzell 35 35
Kammg Kaisers!... 105.5 106
Rh Strohzellstofl . 150 155
Rosenthal-Porzell —(T100) 100
Schwab.Zellstoß 135 135
Süddt Zellwolle. 116 116
Thür Zellw Inh .13 13
Thür Zellw NA ... 11 11
Torpedo-Werke .. 163 163bz
Württemb Metall. 59 59,5
Zeiß Ikon 38 B 38 B
Zellst Waldhot VA. 47 47

Ahsdiluß des Film-Forums des DT

Verteilung der Geld- und Sachpreise. Auch Sie können Gewinner werden!

Beteiligen Sie sich an 1. der Preisfrage: „Bndabstinmiung unserer I^eser“ der Preisfrage: „Wer ist’s ?44 und 3. der Preisfrage: „Wettbewerb zur Auffindung neuer Vilmgesichter44

Sie können aber auch schon dann Gewinner werden, wenn Sie sich nur an einer dieser 3 Preisfragen beteiligen.

X^und drei und ein halber Monat ist nun seit dem Tag vergangen, da unser Film-Forum zum erstenmal herauskam, und seit dieser Zeit haben wir in jeder Woche zwei- oder dreimal im Film-Forum vom Leben, Werden und Wirken unserer deutschen Filmdarsteller berichtet. Ein buntes Stück Filmgeschichte und Zeiterleben zog so an den Augen unserer Leser vorüber, und so manche Tatsache aus dem Leben unserer Filmlieblinge,die bislang nicht oder nur wenig bekannt geworden war, kam auf diese Art in den Gesichtskreis unserer Leser. Nun naht der Augenblick, da unser Film-Forum sein Ende erreicht. Da wollen wir uns noch einmal auf all das Gebotene besinnen und dann zur Endabstimmung schreiten, in der alle Leser über den besten deutschen Film und die beliebtesten Darsteller entscheiden sollen.

Leider ergab es sich nun, daß in dem zur Verfügung stehenden Rahmen bei weitem nicht alle deutschen Schauspielerinnen und Schauspieler gebührend gewürdigt werden konnten, ja, viele der bekanntesten und beliebtesten wurden bislang noch gar nicht erwähnt! Gewiß bedürfen sie eigentlich keiner langen und ausführlichen Schilderung, denn ihre Namen und ihre Gesichter, dazu der Ruhm ihres Wirkens wurden längst zu einem Weltbegriff und haben sich dem Gedächtnis aller Filmfreunde fest eingeprägt! Was sie geleistet haben, was sie können — das steht längst mit ehernen Lettern im Buch des Films eingeschrieben! So bleibt uns nur noch die Aufgabe, und ihr unterziehen wir uns wirklich gern: Noch einmal an all die prominenten Namen zu erinnern und ihre Bedeutung ins Gedächtnis der Leser zurückzurufen, auf daß jeder, der mit zur Endabstimmung schreitet, die ganze Größe und Fülle deutschen Filmschaffens vor Augen hat.

Da sind zunächst unsere — wir möchten sie zuerst nennen — echten, alten Wiener Freunde, die uns in Ernst und Scherz so unvergeßliche Stunden bereitet haben, jene Männer und Frauen, die irgendwie untrennbar mit Oesterreich und Wien verknüpft sind. Sie alle sind durch das Band des echten wienerischen Humors, der Wiener Charmanterie und der Wiener traditionellen Schauspielkunst miteinander verknüpft . . . oder wer würde das nicht spüren, wenn er an die beiden Brüder Hörbiger denkt, die zwei Seiten des Wiener Lebens versinnbildlichen: Der eine ein lieber, guter, alter Herr mit Herz und Gemüt, der andere eine Persönlichkeit, die schon so manchen durch ihren tiefen, männlichen Ernst erschüttert hat!? Da steht dann auch gleich der ewig nörgelnde, aber auch immer alle Zuschauer mit seiner urkomischen Art rührende und erheiternde Hans Moser vor unseren Augen, der ganz echte Urwiener, der ein Wiener Chanson so unnachahmlich sprechen kann wie wohl kaum ein zweiter! Daß Theo Lingen eigentlich kein echter Wiener ist, wissen wir, aber er gehört nun auch schon in diese Stadt an der blauen Donau, er hat dort Fuß gefaßt und Wurzel geschlagen. Aber Wien birgt noch weit mehr Könner großen Formats!

Da taucht Willi Forst vor uns auf, und sein Name ist mit Walzer, Strömen von Musik, Tanz, Liebe, leiser Melancholie ’und süßem Wiener Weltschmerz verknüpft, echtestes Wien, das noch immer, im Film angedeutet, in aller Welt Herzen begeistert und erschüttert hat. Sind das alle Wiener? Ach nein ... aus dieser von Kunst überquellenden Stadt deutscher Muttersprache kamen mehr Könner, und da erinnern wir an Adolf Wohlbrück, den elegantesten der Eleganten, den großen und ach so glaubhaften Verführer, der eine Weltkarriere durchlief und nun wieder im Heimatland filmt, und schließlich denken wir an die Frauen, die aus Wien, aus Oesterreich herkamen, an Paula Wessely, an Marika Rökk, an Hilde Krahl, die Gattin Wolfgang Liebeneiners, an Maria Andergast, und sie alle sind uns unvergeßlich . . . nebst ihren Kolleginnen, die wir gar nicht alle nennen können, die aber in jedes Filmfreunds Herzen einen kleinen Heimatswinkel haben. Viel hat uns Oesterreich und Wien gegeben. Der deutsche Film verdankt ihm wirklich große Impulse!

Und da melden sich all die vielen Namen der anderen, die alle irgendwie mit dem einen und anderen großen, künstlerischen Ereignis verbunden sind. Lil Dagover, Kristina Söderbaum, die deutsche Schwedin, Hertha Feiler (Heinz Rühmanns Gattin), Heli Finkenzeller, Und indem wir alsdann im eigentlichen Deutschland Umschau halten, sehen wir auch hier eine reiche Fülle großer Könner, die wir in der bisherigen Reihe des Film-Forums noch nicht erwähnten. Wir brauchen aber auch bei ihnen nur die Namen zu nennen, und die ganze Künstlerpersönlichkeit steht vor unseren Augen! Wenn er zum Beispiel auch in der letzten Zeit nicht so sehr als Filmdarsteller, sondern als Intendant, Regisseur, Bühnenschauspieler in Erscheinung trat — wer würde, wenn er den Namen Gustaf Gründgens hört, nicht sofort der vielen großen, eleganten, meisterhaft gekonnten Filme gedenken, in denen sein unbändiges Schauspielerblut triumphale Erfolge feierte? Und da denken wir sofort an seine Gattin Marianne Hoppe, die Ostpreußin, die so manche herbe und von gebändigter Leidenschaft durchglühte Frauengestalt verkörpert hat. Muß man von ihr viel erzählen? Oder ist sie nicht schon zu einem Begriff für viele geworden?

Margot Hielscher, Brigitte Horney, Jenny Jugo, Leni Marenbach, Käthe Dorsch, Käthe Haack, Magda Schneider . . . ach, es mangelt der Raum, sie alle zu nennen, und man verzeihe es uns, daß wir die eine und die andere nicht mit aufzählten: Wir wollen ja nur daran erinnern, wie viele leuchtende Sterne am deutschen Filmhimmel aufgingen, weit über die Zeiten und Länder strahlend. Und auch der neueren sei hier gedacht, Auch sie haben das Ihre getan, dem deutschen Film ausgeprägte Konturen zu geben: Jaester Naefe, Hildegard Knef, Hannelore Schroth, und auch da wartet noch mancher Name darauf, mitgenannt zu werden!! Wem sollen wir den Rang der beliebtesten deutschen Schauspielerin zuerkennen? Welcher männliche Darsteller ist am ehesten dieser Bezeichnung würdig? Indem wir uns so fragen, ziehen die Gesichter an uns vorüber, die wir so oft schon sahen, deren Konflikte und Erschütterungen wir miterlebten: Werner Krauß — in wie vielen Rollen haben wir ihn schon erlebt, als Mann voll dämonischer Leidenschaften, als unheimlichen Intriganten, als Mann einer unvergleichlichen Wandlungsfähigkeit?! Und dann die lange, lange Reihe der anderen, jeder ein Könner, jeder eine Schauspielerpersönlichkeit eigener Prägung, jeder ein Typ von einmalig - eigenwilliger Art! Karl Ludwig Diehl, dieser distinguiert^ Darsteller voll altererbter Kultur, Albert Florath, der so wunderbar nette alte Herren spielt, Werner Fuetterer, Otto Gebühr, einstmals ein „Fridericus“, heute ein würdig-leutseliger alter Herr mit Humor und Augenzwinkern . . . und Richard Häußler wollen wir nicht vergessen, ebensowenig wie Johannes Heesters, den Sohn holländischer Erde, den wir uns am besten und wirkungsvollsten mit italienischer Kulisse denken, ein Liebeslied über abendlich stilles Wasser sehnsüchtig hinsingend ... ja, wo fangen wir an, wo hören wir auf? Da steht Paul Henckels vor uns, Ernst Legal, Hans Leibelt, Eduard von Winterstein, Theodor Loos . . . wer würde bei ihnen noch langatmige Schilderungen der Persönlichkeit verlangen? Stehen sie doch alle vor unseren Augen in mehr oder weniger unvergeßlicher Filmrolle aus meh* als einem Film als ausgeprägte, reife Künstlerpersönlichkeiten! Ja, und da ist ja noch der Harald Paulsen! Geboren für kesse, gefahrumwitterte Rollen eines Spions, Hochstaplers, verwegenen, kaltblütigen Kerls . . . Hans Nielsen, und nicht zu vergessen der neuaufgegangene Stern Dieter Borsche (aus dem Film „Nachtwache“), dann meldet sich mit dem Begriff von Tieren, Menschen und Sensationen Harry Piel... und Rudolf Platte ... (wer lachte da?)... Fritz Rasp, man konnte bei ihm in den Brüdern Karamasoff das Gruseln lernen ... Karl Schönböck, Joe Stöckel... Herrgott ja, der deutsche Film ist doch wirklich überreich an Persönlichkeiten ausgeprägtesten Charakters, an Kön-

nern, wirklich großen Darstellern! Adi, wir müssen so viele weglassen, und es tut uns um jeden weh. Aber wir wissen: Indem wir von einem Teil unserer großen Darsteller sprechen, wecken wir die Erinnerung an viele, alte große Filme und Filmrollen mit vorbildlicher Besetzung, und jeder unserer Leser hat ja einen heimlichen Herzenswinkel, in dem er sich einen Lieblingsschauspieler aufbewahrt hat. Da soll er nun, angeregt durch uns, nachgraben^und dann sich und uns — auf unten anhängendem Abstimmschein — die Frage beantworten:

Wer ist Deiner Meinung nach der beliebteste deutsche Filmschauspieler?

Schnell noch ein paar Namen: Mathias Wiemann? Aribert Wäscher? Jakob Thiedke? Fritz Kortner? Rudolf Fernau? Paul Hartmann? Wolf Albach-Retty? Rudolf Forster, der stets von heimlicher Melancholie umweht ist . . . oder wer sonst?

So wird abgestimmt!

So gehen Sie nun bitte zusammen mit den vielen Tausenden unserer Leser an diese Abstimmung heran und sagen Sie uns, wer Ihrer Meinung nach der beliebteste Schauspieler ist, welches der beste deutsche Film war — nur Ihrer Meinung nach!.' — und schreiben Sie dann schnell noch auf den unten anhängenden Lösungsschein die Antworten auf die Preisfrage: „Wer ist’s?“, die wir am 25. September 1950 veröffentlicht hatten, senden Sie uns weiterhin ein gutes Foto ein — Größe beliebig!! — wenn Sie am Wettbewerb zur Auffindung neuer Filmgesichter teilnehmen wollen, und schreiben Sie Ihren Namen mit dazu, und schließlich und endlich und zuletzt: Sagen Sie uns auf anhängendem Zettel, ob Sie an einer Sammelmappe für das Film-Forum Interesse haben. Vergessen Sie nicht, bei all diesen Zetteln Ihren Namen dazu zu setzen, und dann schicken Sie alles bis zum Samstag, dem 25. November 1950 an uns ein!

Die Gewinner werden noch rechtzeitig vor Weihnachten benachrichtigt.


CHARLOTTE DAUDERT
CHARLOTTE DAUDERT

HANS MOSER
HANS MOSER

PAUL HENKELS und LUIS TRENKER
PAUL HENKELS und LUIS TRENKER

MARIA ANDERGAST
MARIA ANDERGAST

RUDOLF PRACK
RUDOLF PRACK

Darmstadt und umgebung

Der „Heiner-Festausschuß“ tagt

hildPfA haL Verkehrs- und Verschönerungsverein Darmstadt geausschuß für das Darmstädter Heinerfest 1951 unter Vorsitz von “7 adtrat s?lne vorbereitenden Arbeiten aufgenommen. Aus dem die durchweg langjährige Erfahrung in der Ver¬ 7^" Und in der Werbung besitzen, wurde ein engeres Fest-Je ”a®h den Besprechungsthemen werden Fachleute des Sports, herange U"d MuS,k’ des Laienspieles und der Studentenschaft usw mit-

Das Fest findet in der Zeit vom Samstag, dem 30. Juni, bis Montag, den 2. Juli, 1951 statt. Hauptfestplatz ist die Umgebung des Schlosses mit Einbeziehung der benachbarten Plätze, des Markt-, Schiller-, Theater- und Friedensplatzes. Unter der Voraussetzung, daß das Betreten des Schloßinnern baupolizeilich genehmigt wird, sollen auch der Glockenhof, die Arkaden und die Bastionen mitbenutzt werden. Die Orangerie und Mathildenhöhe, die vorhandenen Vortragssäle, der Woog und die Sportplätze werden’ die Veranstaltungsplätze ergänzen. Eine Ausstellung „Alt-Darmstadt“ wird zum Teil aus Privatbesitz zusammengestellt. Das ambulante Gewerbe wird sich bereits in nächster Zeit mit der Ausschreibung des Festes zu beschäftigen haben. Ein Festabzeichen, von Hartmuth Pfeil gestaltet, wird bald ausgeführt. Es soll die gesamte Ausstattung des Festes und die Werbung in allen Erscheinungsformen — Poststempel, Anstecknadel, Fahnensymbol, Briefkopf, Schaufensterdekorationen, Plakate

usw. beherrschen. Die Fertigung übernehmen einheimische Betriebe.

Die gesamte Bevölkerung wird zur festlichen Ausschmückung der Stadt aufgerufen werden. Um auch Minderbemittelten Gelegenheit zum Flaggen zu geben, sollen Fahnen zu einem geringen Preis leihweise abgegeben werden. Grundfarben sind die Stadtfarben Weiß und Blau, dazu treten die hessischen und Bundesfarben. Die Geschäfte werden Fähnchen verteilen, die das Festabzeichen und eine bescheidene Geschäftswerbung tragen. Eine besondere Aktion gilt den ausgesiedelten Darmstädtern, die in den umliegenden Landkreisen wohnen. Die Aelteren unter ihnen, ferner die Schwerkriegsbeschädigten und Spätheimkehrer werden am Sonntag, dem 1. Juli 1951 mit Privatautos, Omnibussen und der Bundesbahn als Gäste zu Kaffee und Kuchen in die festliche Stadt geholt.

Weitere Sitzungen gelten der Abwicklung des Tagesprogramms. Wir werden darüber laufend berichten.

Probleme der Blechverarbeitung

Jahreshauptversammlung und Vortragstagung der Forschungsgesellschaft „Blechverarbeitung“ im Zintl-Institut

In diesen Tagen eröffnete im großen Hörsaal des Zintl-Instituts der Darmstädter Technischen Hochschule die Forschungsgesellschaft „Blechverarbeitung“ ihre diesjährige, erste Jahreshauptversammlung, verbunden mit einer Vortragstagung, in der bekannte Wissenschaftler über Fragen der Blechverarbeitung und über neue Herstellungsverfahren referierten.

Der Rektor der TH, Seine Magnifizenz Prof. Dr.-Ing. A. Mehmel, eröffnete die Tagung durch eine kurze Begrüßung, und gab das Wort an Direktor Dr.-Ing. A. Burkhardt von der Württembergischen Metallwarenfabrik, der über die Forschung in der Blech Verarbeitung, über ihre Notwendigkeiten und Aufgaben sprach. Anschließend referierte Regierungsdirektor Dr. Thuma vom Württemberg - badischen Wirtschaftsministerium über „100 Jahre Gewerbeförderung in Württemberg als Musterbeispiel einer erfolgreichen staatlichen Gemeinschaftsarbeit für die Industrie“.

Nach diesen Vorträgen fand die Jahreshauptversammlung mit einem Bericht über die Aufgaben und die Tätigkeit der Forschungsgesellschaft statt. Organisations- und Satzungsfragen standen auf der Tagesordnung. Es folgte der Kassenbericht und die Wahl des Kuratoriums. Nach dem gemeinsamen Mittagessen sprach Prof. Dr.-Ing. O. Kienzle von

der TH Hannover über „Grundgedanken zur Blechverformung“. Dabei wurde die Normung verschiedener Benennungen und andere Fachfragen behandelt. Dr.- Ing. O. Klein von der Forschungsgesellschaft machte Ausführungen über „Blechherstellung und Blechgüten“. Das Thema wurde angeregt durch die Klage über die in vielen Fällen noch immer nicht friedensmäßige Güte der unlegierten Bleche. Diese Nachkriegserscheinung, die sich auch nach dem ersten Weltkrieg gezeigt habe, sei metallurgisch bedingt. Die Veranlassung für das Absinken der Tiefziehfähigkeit von Blechen sah der Vortragende unter anderem in den Legierungsbestandteilen, die aus dem Kriegsschrott stammen und die nur äußerst schwer zu entfernen seien. Dr.-Ing. O. May sprach über neue Pressenkonstruktionen und Dr.-Ing. Beißwänger berichtete über das konische Ziehen von Blechen. Mit anschließender lebhafter Diskussion endete der erste Tag, dem sich am Abend ein geselliges Beisammensein anschloß.

Der heutige Samstag sieht Vorträge von Prof. Dr.-Ing. H. B a b b 1 i k von der TH Wien, von Dr.-Ing. A. Burkhardt, Dr.- Ing. A. Kutzelnigg, Dr.-Ing. H. Wiegand, Ing. Hans Diehl. Prof. Dr.-Ing. F. Bollenrath, von der TH Aachen und von Dipl.- Ing. R. von Linde vor. Weitere Ausführungen erfolgen über elektrostatisches Farbspritzen und über Schutzgasanwendung bei der Blechverarbeitung. Herr Dr. Tret sc h vom Bundeswirtschaftsministerium, der kürzlich von einer längeren Studienreise durch die USA zurückkehrte, wird im Verlauf der Tagung über seine Reiseeindrücke berichten, wie über die Organisation und Erfolge der amerikanischen Forschung. -st

In des Stadt notiert

Alle Minderbemittelten können am heutigen Dienstag auf der Bürgermeisterei in Griesheim Antragsformulare für Winterhilfe in Empfang nehmen. Fürsorgeempfänger erhalten Winterhilfe ohne besonderen Antrag. -nk-

Ueber „Die männliche Sexualität“ wird im Rahmen der Volkshochschule Dr. Dr. Hans Giese, Direktor des Instituts für Sexualforschung Frankfurt am Main, am Donnerstag, dem 23. November, um 19.30 Uhr, im Saal 167 der T. H. einen Vortrag halten.

Der Direktor des Frankfurter Zoos, Dr. Grzimek, wird am Freitag, dem 24. November, um 19.30 Uhr, im Saal 163 der T. H. in einem Vortrag mit Filmvorführung über den Frankfurter Zoologischen Garten berichten. *

Auf einen haltenden Lastzug fuhr gestern, kurz nach Dunkelwerden, ein amerikanischer Pkw. in der Nähe der Tankstelle Lorsch auf der Autobahn. An dem Personenkraftwagen entstand erheblicher Sachschaden. Die Insassen wurden leicht verletzt.

Böser-Buben-Streich

Drei 14jährige Burschen kletterten am Sonntagabend zwischen 19 und 20 Uhr über das Hoftor des Lebensmittelhändlers Bär in der Waldstraße in Eberstadt und vernichteten ca. zwei Zentner Wirsing und Weißkraut, das in einem Schuppen untergestellt war und streuten es im ganzen Hof umher. Das Hoftor, das erst vor kurzem mit Oelfarbe gestrichen wurde, ist beim Ueberklettern stark beschädigt worden. Die Täter wurden beobachtet und sind erkannt. Anzeige wurde erstattet -nk-

Kreiskonferenz der Kriegsbeschädigten

Der Kreisverband Darmstadt des Landesverbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner hält am Buß- und Bettag um 9.30 Uhr in Jugenheim, Gasthaus „Zur Sonne , Hauptstraße, eine Kreiskonferenz ab. In dieser Konferenz werden vormittags interne Fragen der Organisation und die zu treffenden sozialpolitischen Maßnahmen besprochen. Nachmittags 14 Uhr findet im großen Saal des Gasthauses eine öffentliche Kundgebung statt in der Kreisvorsitzender Karl Meckes, Darmstadt, über das Bundesversorgungsgesetz sprechen wird. -pr-

Elternversammlung der Kyritz-Schule

In die Turnhalle der Goetheschule hatte die Schulleitung zu einer Elternversammlung eingeladen, um einmal Bericht zu erstatten wie sich die Schulverhältnisse verändert haben und zum anderen die Neuwahl des Elternbeirates vorzunehmen.

Der Leiter der Schule. Rektor Buss, gab einen Rückblick seit der Wiederaufnahme des Unterrichts und hob heraus, daß nun seit der Wiedereröffnung der Schillerschule die Schülerzahl um die Hälfte gesunken sei, immerhin aber noch nahezu 800 Buben unterrichtet würden. Verschiedene Mißstände konnten, und dies unter Mitwirkung des Elternbeirats, beseitigt werden, so die Herrichtung des Schulhofes, Renovierung der Schulsäle und durch Spenden und mit Unterstützung der Stadt eine Schülerbücherei angelegt werden. Weitere Wünsche seien noch offen. Im Vordergrund stehe die völlige Instandsetzung der Schulturnhalle. die besonders für die körperliche Ausbildung der Kinder unbedingt erforderlich sei.

Die Neuwahl des Elternbeirates vollzog sich rasch, wenn auch bedauert werden muß. daß nur wenige freiwillige Mitarbeiter sich von selbst zur Verfügung stellten.

In der anschließenden Aussprache mit den Erziehern mußte man hören, daß gerade die Ueberbelegung einzelner Jahrgänge ein Zustand ist, der sowohl für die Lehrer als auch für die Kinder einer alsbaldigen Aenderung bedarf. Gerade im Winter, wo die Lüftung nur sehr kurz ist, ist dies ein Zustand, der für die Gesundheit der Kinder nicht von Vorteil sein dürfte. Es wäre zu überprüfen, ob nicht durch einen Schüleraustausch mit anderen Schulen hier in dem einen oder anderen Jahrgang eine Abhilfe geschaffen werden könnte. Klassen mit über 60 Kindern dürften zudem eine Gewähr für einen ordnungsgemäßen Unterricht nicht immer geben, wo zum anderen feststeht, daß den älteren Jahrgängen in den vorausgegangenen Jahren manches verlorenging, und es jetzt an der Zeit wäre, hier mit einem intensiveren Unterricht fortzufahren. kof.

Das katholische Dekanat Arheilgen teilt mit

Se. Exzellenz der Bischof von Mainz in Darmstadt vom 22.—27. 11. 1950

Am 22. um 9.00: in Liebfrauen Hochamt mit Predigt Sr. Exzellenz und Firmung. Um 18.00: in St. Elisabeth Ansprache an die Jugend.

Am 23. um 7.30: in St. Fidelis Bischöfliche Messe mit Ansprache des Hochwürdigsten Herrn. Danach Besuch der Volks- und Höheren Schulen Darmstadts.

Am 24. um 8.00: in Arheilgen Bischöfliche Messe mit Ansprache. Um 17.30: in St. Stefan Firmung der Kinder.

Am 25. um 8.00: in Niederramstadt Bischöfliche Messe mit Ansprache Sr. Exzellenz und Firmung. Um 15.30: Besuch in Obermodau.

Am 26. um 8.00: in Eberstadt Bischöfliche Messe mit Ansprache und Firmung, 15.00: Ansprache des Hoch würdigsten Herrn und Firmung in Pfungstadt.

Am 27. um 6.45: in St. Ludwig, Nieder - ramstädter Straße 30, Bischöfliche Messe mit Ansprache.

„Im Traumland der Mode“

Modenschau in den neu eröffneten Räumen des Park-Hotels / Männer dachten an ihren Geldbeutel und sprachen vom „Albtraumland der Mode“

Die Atmosphäre eines eleganten Wintersport-Hotels erfüllte zuerst den Raum, als nacheinander die feschen Skihasen durch die Reihen der Gäste promenierten, den Damen ein entzückendes „Ah“, den Herren ein schmunzelndes Wohlwollen entlockten. Die Keilhose ist nach wie vor Favorit. Bei den dazugehörigen Anoraks und Blusen jedoch hat der Schöpfer dieser -."irklich aparten Modelle

— das Haus Bogner in München — seiner Fantasie freien Spielraum gelassen. Besonders auffallend in der Farbzusammenstellung war ein schwarzer Skianzug, dessen Bluse leuchtend roten Strickrand an Halsausschnitt, Ärmel und Taille aufwies. Ein hübscher Anorak zeigte in brauner Außen- und warmgelber Innenseite — nach Belieben zu tragen — seine Vielseitigkeit und Wandelbarkeit, weiblicher Mentalität entsprechend.

Vom Sporthaus Hübner, das diese Wintersportkleidung zeigte, waren auch die Herren der Schöpfung nicht vergessen und in unauffälliger Eleganz präsentierte sich der sportliche Herr. Den Abschluß der Sportkleidung bildeten zwei fesche Jägerkostüme, worin — so der Conferencier! — „die Damen auf die Jagd gehen“. Na denn: Weidmanns Heil!

Und plötzlich waren unsere sportlichen Mädchen in schöne, gepflegte Frauen verwandelt; in der Luft lag der Hauch eines „Five-o’clock-teas“. Die Lieblings-Farben der kommenden Saison: Schwarz, Altrosa, gedämpftes Grün, Braun. Der Stil: sehr vornehm, damenhaft.

Noch einen Schritt weiter: Eine kleine, intime Bar, eine bezaubernde Frau in zart fliederfarbenem Kleid, darüber schwarze Brüsseler Spitze. Und als die junge Dame — das entzückendste Mannequin dieser Schau — das Jäckchen ablegte, um im schulterfreien Cocktail - Kleid durch die Reihen zu schreiten, da konnten sich nicht einmal die jüngsten Besucher der Modenschau — zwei kleine Jungen — ein anerkennendes „Olala“ verkneifen. Modehaus Philippi machte mit diesen Kleidern Staat. Erleichtert atmeten die vollschlanken Damen im Publikum auf, als sie sahen, daß man auch ihrer gedacht hatte.

Mäntel als lose Hänger, für mädchenhaft schlanke Figuren in Redingote-Form, ließen die Wärme ahnen, die sie an kalten Wintertagen spenden, nicht zu vergessen die molligen und eleganten Pelzmäntel, die das Pelzhaus Volkmer zeigte.

Das Finale bildeten — zugleich als Höhepunkt — die Abendkleider. Viel applaudiert vor allem das Modell „Berlin“, auf schwarzem Grund die bekannten Berliner Motive. Sehr apart wirkte ein einseitig auf der Schulter gerafftes Abendkleid mit spiralförmig angelegtem Volant am Rock. Das für eine Modenschau allgemein obligatorische Brautkleid als Abschluß des Ganzen, wurde bei der Fülle des Gebotenen nicht vermißt.

Die Damen, die diese Herrlichkeiten zur Schau trugen, kamen aus Heidelberg; mit ihnen der Ansager der Schau, Hans Joachim Gerber, der während seines lustigen Gefrozzels mit dem Mikrofonkabel und vielen Zetteln kämpfte. Er gewann die Schlacht!

Er vergaß vor allem nicht, immer auf das hinzuweisen, was man nicht sah: Manchmal war es ein Hütchen, für die weiter hinten Sitzenden waren es die Schuhe von Schuhhaus Dielmann, ferner die Preise — „Preise, eine Treppe höher!“ — und die Wäsche — ja, die sah man leider nicht! — von Wäschehaus Bauer.

Daß bei den jungen Damen eine Brille kein verpöntes Instrument sein braucht, bewiesen die vielfältigen Augengläser von Optiker Feldmann. Darüber schwebten die scharmanten Hütchen und Modellhüte von Helene G u ß m a nn.

Welche Schirme im nächsten Jahr in Darmstadt getragen werden können, zeigte das Schirmhaus Schroth,

Die geschmackvollen Handtaschen — sie stammten von der bekannten Darmstädter Firma Hufnagel, der modische Schmuck vom „Bunten Lädc he n“ und, last not least, waren die Frisuren von Meister Bein auf die Köpfe gezaubert. ko


Eine geschmackvolle Ergänzung zu einem flotten Pelzmantel ist dieses aparte Hutmodell. Der in dezenten Farben gehaltene Wandteppich wurde von Frau Grund-Meißner Pfungstadt, geschaffen. Foto: Hilde Roth
Eine geschmackvolle Ergänzung zu einem flotten Pelzmantel ist dieses aparte Hutmodell. Der in dezenten Farben gehaltene Wandteppich wurde von Frau Grund-Meißner Pfungstadt, geschaffen. Foto: Hilde Roth

Lavendelblauer Taft mit echter Brüsseler Spitze sind das Material zu diesem eleganten Cocktail-Kleid, dessen Wirkung durch den Charme seiner Trägerin vorteilhaft unterstrichen wurde. Foto: Hilde Roth
Lavendelblauer Taft mit echter Brüsseler Spitze sind das Material zu diesem eleganten Cocktail-Kleid, dessen Wirkung durch den Charme seiner Trägerin vorteilhaft unterstrichen wurde. Foto: Hilde Roth

Generalstaatsanwalt i. R. Dr. Eckert

wird am 23. November 70 Jahre alt

Am 23. November 1950 vollendet Generalstaatsanwalt i. R. Dr. Gerhard Eckert sein 70. Lebensjahr. Mainzer von Geburt, führte ihn seine dienstliche Laufbahn früh nach Oberhessen. Zwei Jahrzehnte wirkte er in Gießen als Staatsanwalt, bis er auf Grund seiner reichen Erfahrungen und literarischen Veröffentlichungen als Generalstaatsenwalt nach Darmstadt berufen wurde.

uuwaiL iidLii uaiHiöidui uuiuivu wiuuc. Sein „Kampf ums Recht“, den er in dieser verantwortungsvollen Stellung bis zuletzt führte, hinterläßt seinen Mitarbeitern und in der Oeffentlichkeit das Andenken an einen furchtlosen und gütigen, geistvollen und wahrhaft lebendigen Menschen, der bis zum heutigen Tage ein junges Herz bewahrt hat. In politisch schwerer Zeit reiften seine Verdienste tun eine gerechte und menschliche und gerechte Strafjustiz, die durch seine volle „Entlastung — allerdings nach langer bedrückender Wartezeit — gewürdigt wurden. Seiner umfassenden Welt- und Menschenkenntnis — mit scharfem und zegleich liebevollem Blick erworben und angewandt — gesellt sich eine künstlerische und philosophische Freiheit und Bildung des Geistes zu, die ihm seinen besonderen Rang verleiht. Nur wer ihn nicht näher kennt, mag sich im ersten Augenblick wundern, wenn er, eine eigene Version seines Berufes andeutend, von seinen „lieben Raubmördern“ spricht. Aller steifen Würde, aller repräsentativen Pose — nicht ohne Humor — abhold, griff er — das Wesentliche sofort erkennend — durch und hinter die Akten eines „Falles“ und erfaßte dessen menschliche Hintergründigkeit. Niemand war in seine amtliche Gewalt gegeben, der nicht seine Menschlichkeit zu spüren bekam.

Es mögen zahlreiche Freunde sein, die ihm zu seinem Geburtstag noch viele gesunde Jahre in frischer Anteilnahme an dem pulsierenden Leben wünschen, das er in seinen unverstellten Erscheinungen über alles liebt. *

Protest gegen Kfz.-Versicherungsprämien

Versammlung der Arbeitsgemeinschaft des Kraftverkehrs

Die Arbeitsgemeinschaft des Kraftverkehrs Darmstadt hatte alle Kraftfahrzeugbesitzer von Darmstadt und Umgebung zu einer Versammlung eingeladen, in der Assessor Kriesel über die Kraftfahrzeugversicherung referierte.

Der Sprecher führte aus, daß die ständige Erhöhung der Prämiensätze die Kfz. -Besitzer aufhorchen ließe. Die Prämiensätze seien durch die Einnahmen der Fahrzeuge kaum noch zu bezahlen. In letzter Zeit seien jedoch verschiedentlich große Versicherungen an die Besitzer von Wagenparks herangetreten, die ihnen die Zusicherung einräumten, daß sie die erhöhten Prämien nicht zu bezahlen brauchten. In Anbetracht der unhaltbaren Situation habe sich die Arbeitsgemeinschaft „Fernverkehr“ zu einer Versicherungsgenossenschaft zusammengeschlossen. Dieser Genossenschaft sind fast alle hessischen Fernfahrunternehmen beigetreten.

Assessor Kriesel erklärte, die letzte Erhöhung der Kfz.-Versicherung sei nur durchzuführen gewesen, weil die Industrie und der Handel keinen entschlossenen Widerstand entgegengesetzt hätten. Die Proteste der Verkehrsvereinigungen hätten nichts genutzt. In der Verfügung PR 51/50 vom 22. August d. J., die vom Bundeswirtschaftsministerium herausgegeben worden war, sei im § 3 die Handhabe geboten, abgeschlossene Versicherungsverträge innerhalb eines Monats zu kündigen. Es sei Tatsache, daß die Versicherungen 40 bis 60 Prozent der eingenommenen Versicherungsprämien für Verwaltungskosten verbrauchten. Es gehe nicht an, daß diese Gelder in Versicherungspalästen verbaut würden.

Um diese Verwaltungskosten zu senken, sei am 10. Oktober 1950 die „Kraftfahrzeugversicherung auf Gegenseitigkeit“ gegründet worden, die mit einem Verwaltungssatz von 15 Prozent der Prämieneinnahmen auszukommen hoffe. Die jährlichen Ueberschüsse sollen an die Teilnehmer verteilt werden. Auch bestehe keine Nachschußpflicht. Durch einen Rückversicherungsvertrag mit den Vereinigten Stahlwerken sei die volle Deckung aller auftretenden Schäden gewährleistet. Durch eigene Sachverständige wäre eine schnelle Schadensreglung möglich. Zweck dieser Selbsthilfe sei nicht, mit Gewalt eine neue Versicherungsanstalt ins Leben zu rufen, sondern die Versicherungsunternehmen zu einem kulanteren Benehmen ihren Versicherungsnehmern gegenüber zu bewegen. Das erstrebenswerte Ziel sei, von den Festprämien herunterzukommen, um in einem freien Wettbewerb einen Prämienausgleich zu erzielen. In Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums würde diese Frage zur Zeit ernstlich erwägt. hfl.

Seinen 70. Geburtstag feierte am 14. November der weithin bekannte Erzieher an oberhessischen und Darmstädter Schusen, Rektor i. R. Heinrich Becker, ein gebürtiger Oberhesse aus Muschenheim. Rektor Becker wirkte nahezu vier Jahrzehnte in Darmsadt, zuletzt als Leiter der Knaben-Arbeitsanstalt und der Gartenarbeitsschule. -se

Wie wird das Wetter?

Zunehmend unbeständig Am Dienstag und Mittwoch meist stark bewölkt und zeitweise Regen. Noch ziemlich mild. Höchsttemperaturen um + 8 Grad. Stark auffrischende Winde um Südwest. Weitere Aussichten: Wechselhaft und Temperaturrückgang.



Wohin gehen wir heũte?

Landestheater, Orangerie: 20.00 „Helden“, Komödie von Bernhard Shaw, Ende gegen 22.15 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Eroika“; Thalia: „Befehl des Gewissens“; Belida: „Eine Frau fürs Leben“; Palast: „Verrücktes Afrika“; Hansa: „Im Schatten des Herzens“.

Amerikahaus: 19.30 Uhr Vortrag: Gedanken zum positiven Denken. 15.00—16.30 Musikprogramm, Hindemith: Nobilissima Visione; 14.30 und 17.00 Uhr Filmprogramm. Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3a: 10 bis 18 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch.

...ũnd morgen ?

Landestheater, Orangerie: 18.00 Uhr „Tannhäuser“, Ende gegen 21.30. Lichtspieltheater: wie heute, außer Palast: „Die Treppe“.

Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3 a: 15—20 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.

Landesmuseum: 10—18 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch.

Landesmusikschule, Herdweg 31: 17.00 Uhr „Ritter, Tod und Teufel“.

Stadthalle: 20.00 Schneiderhan-Quartett.

Wir gratũlieren

75. Geburtstag: Herr Theodor Amelung, Da.-Eberstadt, Weingartenstraße 21 (22. 11.). Silberne Hochzeit: Herr Georg B o r m e t und Ehefrau Ottilie geb. Siebenborn, Da.- Arheilgen, Ettesterstraße 19.

Silberne Hochzeit: Herr Heinrich Bergsträsser und Ehefrau Rose geb. Rindei, Darmstadt, Taunusring 107.

Feuilleton

Erziehung zur Individualität

VORTRAG ÜBER PÄDAGOGIK DER WALDORFSCHULE

Im Rahmen des Waldorf-Schulvereins, Ortsgruppe Darmstadt, sprach Lehrer Robert Killian von der Freien Waldorfschule Stuttgart über das Thema: „Die Pädagogik der Waldorfschule und ihre erzieherische und heilende Wirkung“.

Der Unterricht der Waldorfschule will, gemäß den Lehren Rudolf Steiners, die Kinder mit ihren verschiedenen Temperamenten und Strebungen harmonisieren und ihnen in leiblichem, seelischem und geistigem Bezug eine gesunde Lebensgrundlage geben. Die Wissensvermittlung steht im Dienste dieses größeren Gedankens, der in »besonderen Methoden verwirklicht werden soll.

Praktischer und theoretischer Unterricht ergänzen sich in glücklicher Weise. Die künstlerischen und handwerklichen Begabungen werden gelockert und gefördert, eine besondere Konzentration für die jeweiligen Gebiete wird durch Epochen-Unterricht erreicht. Eine große Rolle spielen die Farben als Ausdrucksmittel im kindlichen Zeichnen wie als Hilfe zum Merken und Behalten in wiissensmäßiger Hinsicht.

Die Waldorfschulen selbst nehmen keinerlei Examen ab und lassen keine Schüler beim Uebergang in die nächst höhere Klasse zurück. Derselbe Lehrer führt seine Klasse vom 1. bis zum vollendeten 8. Schuljahr hinauf. Weitere Schuljahre bereiten zum Abitur vor, das die Schüler dann als Externe ablegen.

Die Waldorfschulen können wachsende Schülerzahlen feststellen. Obwohl die Eltern hier das Schulgeld selbst tragen müssen, besteht ein Klassendurchschnitt von mindestens 50 Kindern. Durch den nach Temperamenten ordnenden Eingriff des Lehrers bildet sich aus dieser Menge bald eine Gemeinschaft, in der die individuelle Entwicklung des einzelnen gewährleistet ist.

Viele Fragen der zahlreichen Hörerschaft im Anschluß an den Vortrag zeigten das starke Interesse an dieser besonderen Schulform. Di

Runxendorf auf Welle 0,5

Ludwig Manfred Lommel in der Stadthalle

~Humor ist mehr als nur Späßemachen“, sagte Will Enders zur Begrüßung und Einleitung des Abends mit Ludwig Manfred Lommel in der Stadthalle. Es gibt nicht viele deutsche Humoristen, die sich darauf verstehen, diesem wahren Wort Gültigkeit zu geben, und nur ab und zu „verirrt“ sich einer von diesen wenigen nach Darmstadt. Ludwig Manfred Lommel hat jenen feinen Humor, den ohne Pauken und Trompeten, und noch in seinem „Blödeln“ steckt Geist und Witz. Wenn er hier und da etwas kräftiger wird, so entschuldigt er .das mit seinem „schlesischen Charme“. Ob Lommel, der zusammen mit seiner Frau und Will Enders das Programm allein bestritt (Lommels fünfjähriger Sohn Ulli, der sonst mit von der Partie ist, hatte, wie der Papa meinte, „Starallüren“ und wollte nicht), als Paul Neugebauer den Kreisarzt in Verlegenheit brachte oder als Geräusche-Imitator bei Radio Runxendorf den Sendeleiter an den Rand des Irrsinns brachte, ob er als Polizeikommissar in Wehrhahn-Pose preu¬ .ßisch kurz angebunden war oder als Pauline dem Arzt ein vielsagendes Referat über Gallenverkalkung hielt, immer kam ein die schlesische Heimat nicht verleugnender echter Humor zum Vorschein, der selbst den Mißmutigsten zu herzhaftem Lachen zwang.

Lommels Programm ist Kleinkunst, und Kleinkunst ist die große Kunst, die gro- Ben Sorgen unseres Alltags künstlich kleinzukriegen: Was von Ludwig Manfred Lommel bewiesen wurde. hn

Chorkonzert im Altersheim

Der Darmstädter Schubert-Chor, unter der Leitung von Bernd-Zeh, brachte den Insassen des Städtischen Altersheims eine Stunde der Freude und Erbauung. Zur Einführung richtete der 1. Vorsitzende des Schubert-Chors, Paul H e n t - sc hei, herzliche Worte an die Zuhörerschaft.

Der gemischte Chor brachte Stücke von Schubert, Beethoven, Brahms und Isaak zum Vortrag. Karl Schmidt spielte einige Solo-Violin-Stücke. Am Flügel begleitete ihn der Dirigent.

Die Anwesenden verfolgten die Darbie - tungen mit großer Aufmerksamkeit un< Freude. Direktor Blank dankte im Namen der Stadverwaltung und aller Zuhörer für das Gebotene und sprach der Wunsch aus, daß der Schubert-Chor weiterhin gute Erfolge erzielen möge und die Verbindung zum Altersheim fernerhin pflege.

„Liebe in der Lerchengasse“

Operettenpremiere in der Stadthalle

Mit der Neuinszenierung der Operette „Liebe in der Lerchengasse“ von Arno Vetterling wird das Landestheater am Donnerstag, dem 23. November, seine zweite Spielstätte in der Stadthalie eröffnen. Die musikalische Leitung hat Hans Mikory. Es wirken u. a. mit: Ditta Dreesen, Martha Kuhn-Liebel, Ruth Wilke, Ingeburg Niederberger, Otto Boettcher, Theodor Maaß, Joachim Rökker und Carl Zollern.

Im 3. Sinfoniekonzert des Landestheater-Orchesters am Montag, dem 27. November, kommen unter Leitung von Richard Korz folgende Werke zur Aufführung: Ludwig van Beethoven: Große Fuge; Edouard Lalo: Konzert für Cello und Orchester in d-moll; Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 4. Das Sopransolo in der 4. Sinfonie singt Ruth Wilke, für das Cello-Konzert wurde Paul Toretellier (Paris) als Solist gewonnen.

Empfindsamkeit als Aufgabe

In der Reihe der Rezitationsabende der Darmstädter Volkshochschule sprach Herbert Wien vom Landestheater Gedichte von Matthias Claudius, Ed. Mörike und Freiherm von Eichendorff.

Diese Gedichte, die in ihrem klaren Aufbau der klassizistischen Zeit der deutschen Lyrik angehören, verströmen eine ganze Welt der Empfindsamkeit und der Besinnung. Das Wortgemälde herrscht noch vor, der Ausdruck des Göttlichen wird noch in der Schönheit der Blume und der Mondnacht erkannt. Sie sind symbolgewordene Natur, in ihrem Entstehen schon der Sehnsucht des Menschen nach der Rückkehr zu einer idealisierenden Natürlichkeit vermählt. Es ist die Empfindsamkeit der Romantik, die der Realität des Daseins sich zu entziehen versucht, um in einer höheren Wirklichkeit ihre eigentliche Aufgabe zu suchen.

Gedichte sind nicht nur Ausflüsse des Geistigen ihrer Schöpfer, sondern weit mehr noch ein lebendes Excmpel der Zeitsehnsucht, des Drangs nach Erkenntnis und Verstehen zwischen realem Sein und traszendentaler Suche nach dem Ursprung des Göttlichen. Herbert Wien brachte die Sprache zu einer seltenen Brillanz, maßvoll in der Diktion, ohne pathetischen Ueberschwang, in der Durchleuchtung der dichterischen Seele von kristallener Klarheit. Er setzte die Akzente wie bunte Tupfen mit leichter Hand hierhin und dorthin, und verhalf der Lyrik damit zu einer kraftvollen Interpretation, ohne sie ihres eigentlichen Formgehaltes zu entkleiden. Die kleine Zuhörergemeinde dankte mit herzlichem Beifall. (Es wäre zu wünschen, bei derartigen Veranstaltungen darauf zu achten, daß nicht dje machtvolle Stimme eines Vortragenden im Nebenraum die Atmosphäre eines Rezitationsabends zerstört.) hfl

Mea culpa

„Ich aber will mein Leben leben ohne Schuld!“ So läßt Stefan Zweig den Helden seiner Novelle „Die Augen des ewigen Bruders“ immer wieder versichern. Aber dieser Vorsatz mißlingt. Ob er als Krieger, als Richter, als Privatmann, als Einsiedler lebt, überall fällt er in Schuld. Darin liegt wohl überhaupt die besondere Bedeutung dieser Novelle, daß sie die Allgemeingültigkeit des Satzes deutlich macht: Kein Mensch kann leben ohne Schuld.

Das ist ja eine sehr alte Erkenntnis. Wo Menschen miteinander handeln — im Kreise der Familie, in der Erfüllung ihres Berufs, auf der Ebene der Politik — da bleibt das Unrecht nicht aus. So ist der Bußtag nicht etwa nur eine Einrichtung der christlichen Kirchen; schon im alten Israel wurde der Versöhnungstag als allgemeiner Bußtag begangen. Rechte Buße ist freilich noch an eine andere Voraussetzung geknüpft als an das bloße Bewußtsein der eigenen Verfehlungen gegenüber' den Mitmenschen. Solche Buße wird notwendig entwertet durch das Fehlen eines festen Maßstabes. Die rechte Buße entsteht aus der Verantwortung des Menschen vor dem Gott, dessen heiligen Geboten wir nicht genügen konnten. Darum ist Buße immer Beugung der Seelen vor Gott.

So ist der Bußtag zweifellos ein Tag der Traurigkeit. Denn „ohne Traurigkeit ist keine Umkehr“. Das hat schon der griechische Tragiker Aischylos gewußt. Darin unterscheidet sich allerdings die Buße des Christen von jeder anderen, daß sie nicht ohne erlösende Antwort auf diesen geschilderten Zwiespalt bleibt, der Schuld nicht entgehen zu können und in der Schuld verzweifeln zu müssen. Der bußfertige Christ erfährt nämlich: Es gibt eine Vergebung aller Schuld.

Keine Verfehlung ist so groß, daß sie nicht getilgt werden könnte. Die Traurigkeit des Christen ist wohl abgrundtief, aber sie ist nur durch eine papierne Wand von der freudigen Gewißheit getrennt, daß man einen neuen Anfang machen darf. Und diese Wand wird in dem Augenblick durchstoßen, wo der Mensch sich dem gekreuzigten Herrn vorbehaltlos ergibt. Wenn in der eingangs erwähnten Novelle die Möglichkeit, der Schuld zu entgehen, schließlich darin gesehen wird, daß der Mensch sich unter Aufgabe seines Eigenwillens einem andern unterordnen muß, so ist das durchaus richtig. Nur darf dieser andere Wille kein menschlicher Wille sein, denn kein Mensch auf der ganzen Welt kann uns die Verantwortung für unser eigenes Tun abnehmen. Wir sind alle gottunmittelbar. Darum muß die Buße, die der Vergebung gewiß werden will, trotz allen Wissens um unsere menschliche Schwachheit einmünden in die Worte: All mein Wunsch und all mein Wille geh’n in Gottes Willen ein. W. S.



Franlichkeiten

Soziale Berufsarbeit

Aufgabengebiete für die Frau

Wer außerhalb der sozialen Berufsarbeit steht, vergegenwärtigt sich kaum, welch vielseitiges Aufgabengebiet hier liegt und wie umfassend auf ihm der Sinn aller Menschenarbeit verwirklicht werden kann: der Dienst am Menschen, Erleichterung schweren Geschicks, Wegweisung in bedrängender Situation, Klärung und Rat bei innerer Not, tatkräftige Hilfe, wo sie gebraucht wird.

Glaubwürdigem Zahlenmaterial nach hat die Frau steigenden Anteil an der fürsorgerischen Tätigkeit genommen, nicht nur im unmittelbaren praktischen Dienen als Schwester und Pflegerin (wogegen übrigens noch vor hundert Jahren die Armenpfleger allerlei merkwürdige Argumente anführten), Sondern auch im Verwalten und Beraten. Sind Frauen in den Parlamenten und ihren Arbeitsausschüssen den Männern gegenüber sonst weit in der Minderzahl, so halten sie ihnen im Bundestagsaussöhuß für öffentliche Fürsorge mit 47 Prozent, in dem für Jugendfürsorge mit 40 Prozent fast die Waage.

Im Bereich der sozialen Fragen um Jugend und Familie, Alternde und Einsame, Geschädigte und Kranke, Unglückliche und Bedürftige entfaltet der weibliche Mensch seine Kräfte im innewohnenden natürlichen und ethischen Sinne, fraulich, schwesterlich, mütterlich helfend und erhellend, wo immer Not das Leben gefährdet. Denn dies ist der am tiefsten gelagerte Grund allen fraulich hilfreichen Wirkens: als natürliche Trägerin und Pflegerin des Lebenskeimes steht die Frau immer auf der Seite des Lebens, sucht sie das Leben stets zu retten und zu verteidigen wider alle unguten Mächte, mag das Flämmchen noch so karg brennen, noch so sehr bedroht sein von leiblichem oder seelischem Elend.

Das Beste freilich an helfender Kraft würde die Frau verlieren, wenn sie in solcherlei Tim ihr Wesen schwärmerisch überspannte oder einseitig verkümmerte. Der schlichte Frohsinn des gesunden Gemüts, die feste Zuversicht in das letzten Grundes göttlich geborgene Leben und unversehrbarer, ausstrahlender Glaube an Heilung und Besserung sind für die Erfüllung fürsorgerischer Arbeit und ihren Erfolg Voraussetzungen, die zu ihrer Erhaltung auch Nahrung brauchen aus der Fülle und Schönheit des Lebens.

Die Ausbildung zu pflegerischen fürsorgerischen Berufen ist heute vielfach schon in diesem Sinne angelegt. Davon können wir uns gerade in Darmstadt leicht überzeugen, haben wir hier doch in der Freiligrathstraße das auf kleiner Anhöhe mit weitem Rundblick gelegene, gartenumgebene Heimathaus des Hessischen und Rheinisch-Westfälischen Diakonievereins e. V. Es ist für Hessen und Rheinland-Westfalen die Zentrale für die Ausbildung der Diakonieschwestem; außerdem unterhält es ein Seminar für soziale Berufsarbeit (Wohlfahrtsschule), die sich in die drei Hauptgebiete gliedert: Gesundheitsfürsorge, Jugendfürsorge und wirtschaftliche Fürsorge.

Einen großen Teil ihrer Ausbildungszeit verbringen Schwestern- und Seminarschülerinnen außerhalb des Hauses. Doch kehren sie immer wieder dorthin zurück und haben in den freundlichen Zimmern, in denen sie zu zweien und dreien wohnen und in den einfach und gemütlich ausgestatteten Gemeinschaftsräumen eine wirkliche Heimat, deren Atmosphäre auch der Besucher sofort empfindet.

„Wir sind wie eine große Familie", sagt Pfarrer Guy o t, der Leiter des Heimathauses, „und bei allem Ernst der Arbeit pulsiert hier ein frisches, fröhliches Leben. An freien Abenden wird gesungen und musiziert, und wir sehen es gern, wenn unsere Schülerinnen Theater und Konzerte besuchen, offen sind den kulturellen Werten und sich eine weite Lebenssicht erwerben“.

Die Ausbildung der Seminarschülerinnen, die auf beendete Vorbildung in entsprechenden Fächern aufbaut, dauert 2 Jahre und schließt mit einem staatlichen Examen ab, das zur Berufsausübung bei den Gesundheitsämtern, in der Jugendwohlfahrtspflege, Erziehungsanstalten, Berufsberatung an den Arbeitsämtern, Wohnungs- und Flüchtlingsfürsorge, Wenkfürsorge, im Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt, Caritas und Inneren Mission berechtigt.

Die Seminarschülerinnen, für die Schulgeld, Aufnahme-und Examensgebühr bezahlt werden muß, bleiben frei, während die Schwesternschülerinnen nach kurzer Probezeit in die Schwesternschaft aufgenommen werden; die Ausbildung der Schwesternschülerinnen geschieht unentgeltich; sie haben kostenlos Wohnung, Essen und Arbeitskleidung und sind für Krankheits- und Unglücksfälle versichert. Bald schon erhalten sie ein Taschengeld, an dessen Stelle nach zwei Jahren ein bis zu 90 DM ansteigendes Gehalt tritt.

Pfarrer Guyot berichtet, daß auch der Nachwuchs für Schwesternschaft und Seminar für soziale Berufsarbeit gut ist. Doch reicht die Zahl bei weitem nicht aus, den Anforderungen in den verschiedenen Arbeitszweigen zu genügen. Vielfach herrscht eine Scheu vor den Schwestem- und Fürsorgeberufen vor, da man hier nur ein untergeordnetes, abseits vom eigentlichen Leben sich vollziehendes Dienen sieht. Aber es kommt darauf an, wie man die Begriffe „eigentliches Leben“ und „Dienen“ faßt, so wird man der Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentfaltung inne und des Reichtums an „eigentlichem Leben“, den hier der weibliche Mensch gewinnen kann. Die vielseitige Ausbildung selbst vermittelt den Mädchen die besten Voraussetzungen, später für eine Familie sorgen zu können, und lächelnd gibt Pfarrer Guyot zu, daß die Heirats- Ziffern gerade bei den Schwestern recht hoch ist.

In letzter Zeit hat auch manche Kriegerwitwe und junge Mutter im Heimathaus des Hessischen und Rheinisch-Westfälischen Diakonievereins um pflegerische und fürsorgerische Ausbildung nachgesucht. Die selbst großes Leid erfuhren, wissen am besten, was Hilfe bedeutet nicht nur für den, der sie empfängt, sondern für den, der sie ohne Ueberheblichkeit und Prädestinationsgefühle schlicht und ‘klarsinnig ausübt. D-s


DT-FotötHilde Roth
DT-FotötHilde Roth


Meine Mutter

Im Pariser Verlag des „Mercure de France“ erscheinen demnächst die „Herbstblätter" von Andre Gide, dem Literatur-Nobelpreisträger von 1947. Aus diesem Sammelband bringen wir ein Blatt, in dem der französische Dichter, der in diesem Jahre seinen 80. Geburtstag begehen wird, seiner Mutter gedenkt.

Arn Ende meiner Pennälerzeit hielt es meine Mutter für richtig, mich in die „Welt“, in die Gesellschaft, einzuführen. Aber außer einigen nahen Verwandten und den Frauen einiger Kollegen meines Vaterg an der rechtswissenschaftlichen Fakultät, die von Rouen nach Paris verlegt worden war, hatte sie niemals Bekanntschaften zu machen tvensucht. Ueberdlies waren die Kreise, die mir interessant erschienen, die der Literaten und Künstler, nicht die ihren: sie wäre sich dort fehl am Platze vorgekommen.

Ich weiß nicht mehr, in welchen Salon sie mich damals einführte. Es dürfte wohl der unseres Vetters Saussine gewesen sein, bei dem ich, zweimal jede Woche, in seinem Haus in der Rue d'Athänes langweilige Tanzstunden nahm. Es war ein Empfangstag. Eine Menge Leute wurden einander vorgestellt, und die Unterhaltung bestand, wie fast alle Unterhaltungen in solchen Gesellschaften aus Nichtigkeiten und Getue. Mehr als die anderen Damen beachtete ich meine Mutter. Ich erkannte sie kaum wieder. Sie. sonst so bescheiden, so zurückhaltend und kaum eine eigene Meinung wagend, schien in diesem Salon so selbstsicher und sich so vollkommen wohl zu fühlen, ohne daß sie sich dabei in den Vordergrund drängte. Man könnte sagen, daß sie in eine Rolle geschlüpft war, die sie tadellos spielte, der sie freilich auch keinerlei Bedeutung beimaß. die ihr aber erlaubte, in diesem Gesellschaftsspiel mitzumachen. zu dem man sowieso kaum etwas anderes als guten Schliff mitzubringen brauchte. Aber, inmitten der Albernheiten und Eseleien rundum, schien es mir doch, als ob einige ihrer besonders sinnvollen Bemerkungen in der allgemeinen Unterhaltung einige Verwirrung stifteten; das abgeschmackte Gerede löste sich in nichts auf wie Gespenster beim ersten Hahnenschrei. Ich war entzückt und sagte es ihr. sobald wir, jenem „Jahrmarkt der Eitelkeiten" entronnen, wieder allein waren. An diesem Abend aß ich. wie ich glaube, mit Pierre Louy® zusammen. Jedenfalls erinnere ich mich, daß ich mich von meiner Mutter an der Ecke der Rue d‘Athenes trennte. Aber bald nach dem Abendessen sah ich sie wieder. Es drängte mich geradezu, sie wiederzusehen.

Von ANDRE GIDE

Wir wohnten damals in der Rue de Commaille. Die Fenster unserer Wohnung blickten auf einen weiträumigen Garten, der heute verschwunden ist. Meine Mutter befand sich gerade auf dem Balkon. Sie hatte ihren Schmuck abgelegt, und so sah ich sie in einem sehr schlichten, unauffälligen Alltagskleid wieder. Es war gerade die Zeit, da die ersten Akazien süß dufteten. Meine Mutter erschien mir sorgenvoll, aber sie offenbarte sich nicht gern. Zweifellos trug der Frühling dazu bei. daß sie nun zu sprechen begann:

„Ist das wahr, was du mir sagtest, als wir von Saussines fortgingen?“, begann sie mühsam. „Glaubst du wirklich? Also, ich war ebenso gut wie die andern?,“

Als ich gegen diese Frage laut zu protestieren begann, fuhr sie traurig fort: Hätte doch dein Vater mir das ein einziges Mal gesagt! . . . Ich hab ihn niemals zu fragen gewagt, und dabei hätte ich es so gern gewußt, ob er, wenn wir miteinander irgendwo waren, mit mir . .

Einen Augenblick lang blieb sie still. Ich sah, wie sie ihre Tränen zurückzuhalten versuchte. Dann aber sprach sie den Satz leise und undeutlich zu Ende: „Ob er mit mir zufrieden war.“

Herbstlich alle Fluren rings verwildern und unkenntlich wird die Welt. Dieses Scheidens Schmerzen sich zu [mildern,

wenn die Zauberei zerfällt, sinnt der Dichter, treulich abzuschildern den versunknen Glanz der Welt. Selig Herze, das in kühnen Bildern ewig sich die Schönheit hält! Eichendorff.

Ich glaube, es waren genau ihre Worte, die mich plötzlich erkennen ließen, wieviel Kummer, unausgesprochene Fragen. Hoffnungen selbst in der besten Ehe, unter der Oberfläche scheinbaren Glücks, vorhanden sein konnten. Und solch eine Ehe war in den Augen aller und denen ihres Sohnes die meiner Eltern. Was meine Mutter von meinem Vater vergeblich erwartet hatte, war kein Kompliment, sondern die Bestätigung, daß sie sich seiner würdig benommen hatte und er nicht enttäuscht war, Aber was mein Vater gedacht hatte, das konnte ich, noch weniger als sie. nicht wissen. An jenem Abend ging es mir auf, daß jede Seele, um es dort für immer zu verbergen, ins Grab ein Geheimnis mitnimmt. ■* '

STARKENBURG

In memoriam Theodor Meisinger

Mit Pfarrer Dr. Theodor Ludwig Meisinger, der als Lehrersohn am 25. Mai 1878 zu Zotzenheim in Rheinhessen das Licht der Welt erblickte, ist ein begnadeter Pfarrer und Forscher aus unserem Kreise abberufen worden. Sein Leben und Schaffen vollzog sich im äußeren Rahmen der althessischen Heimat. Seine Jugendjahre verbrachte er in Rhein- und Oberhessen, er studierte in Gießen. Darmstadt und Friedberg. Zu Nieder-Ingelheim wurde er ordiniert und war im Pfarrasssitentendienst in Neu-Isenburg, Fränkisch-Crumbach und Nieder-Modau tätig, bis er 1906 definitiver Inhaber der Pfarrstelile zu Fränkisch-Crumbach wurde.

Dort begann er neben einer ausgedehnten und eifrigen pfarramtlichen Tätigkeit auch seine wissenschaftlichen Arbeiten, die sich vor allem mit der Geschichte und Kunstgeschichte des Odenwaldes befaßten Er setzte sie fort, als er 1926 die Pfarrstelle zu Reinheim erhielt. Mit dem Gemeindeblatt „Die Heimat" hat er in Fränkisch-Crumbach eine der ersten kirchlichen Heimatzeitschriften Hessens gegründet. In Reinheim redigierte er 15 Jahre lang den „Heimatboten für die evangelischen Gemeinden Reinheim und Ueberau“. Er hat. auch alle Bestrebungen, die auf eine kultische Erneuerung des Gottesdienstes und der christlichen Kunst hinzielten, gefördert und ist namentlich in den Jahren der Bedrohung christlicher Wahrheiten, wie sie erst durch das Freidenkertum und dann durch das völkische Neuheidentum erfolgten, aufrecht und tapfer auf seinem Posten gewesen, wovon seine zahlreichen mutigen, weit über das Niveau volkstümlicher Apologetik hinausragenden Aufsätze in seinem Gemeindeblatt noch beredtes Zeugnis ablegen.

Als Heimatforscher hat er viele unbekannte Quellen zur Lokal- und Familiengeschichte der Gemeinden Fränkisch-Crumbach und Reinheim erschlossen und die Ergebnisse seiner Studien in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Hier ist an seine Beiträge in der „Dorflinde“, in den „Mitteilungen der hessischen familiengeschichtlichen Vereinigung“ und zuletzt in der Festschrift zur 650-Jahr-Feier der Stadt Reinheim zu erinnern. Für dieses Jubiläum verfaßte er auch auf Grund einer historischen Begebenheit das Festspiel „Ich tu’s nit, ich bin von Reinheim“, das im verwichenen Sommer viermal mit großem Erfolg aufgeführt wurde.

Seine wissenschaftliche Lebensarbeit galt der Erforschung des Geschlechtes Rodenstein und dem, was Geschichte, Sage und Kunst darüber aussagen. Das Buch „Der Meister von St. Jakob in Adelsheim“, ein Beitrag zur Geschichte der spätgotischen Grabplastik in Unterfranken und im Odenwald, 1927 in Darmstadt verlegt, mit dem er an der Universität Gießen zum Dr. phil. promovierte, hat wesentlich dazu verholten, daß der Meister des Fränkisch-Crumbacher Rodensteindenkmals von 1500 als hervorragender Bildhauer der deutschen Spätgotik erkannt wurde. Die große Arbeit über „Rodenstein in Geschichte und Sage“, an der er in seinen letzten Lebensjahren immer wieder bessernd und ergänzend gewirkt hat, liegt als abgeschlossenes Manuskript vor.

Auch als Mensch vereinte Dr. Theodor Meisinger große Herzensgute mit ungewöhnlicher geistiger Spannkraft und erfrischender Anteilnahme. Die mancherlei Schmerzen, die er im Leben zu tragen hatte, haben ihn nicht bitter, sondern weise gemacht. Wer ihn kannte, vermag ihm nur zu danken. Dr. Walter Hotz

Reinheims Schaufenster geben Rätsel auf

Vorweihnachtliches Schaufensterpreisraten / Anregungen des Ortsgewerbevereins verwirklicht

In der kommenden Vorweihnachtszeit beabsichtigt der Gewerbeverein der Stadt Reinheim eine großangelegte Schaufensterwerbung durchzuführen. Sie soll in ter Zeit vom 3. bis 17. Dezember in Verbindung mit einem Preisraten des Publikums stattfinden.

Damit trägt der Ortsgewerbeverein seinen Kunden, die ja zu einem großen Teil auswärts beheimatet sind, Rechnung. Zeigte schon die Ausstellung während der 650-Jahrfeier der Stadt das zielstrebige Leistungsvermögen des einheimischen Gewerbes, so soll die vorgesehene Schaufensterwerbung in gleichem Sinne den Besucher auf die Bedeutung und Leistung, auf weitschauenden Blick und echten Kaufmannsgeist in Reinheim aufmerksam machen.

Nach de mMotto „Nur in der Gemeinschaft liegt die Stärke“ faßt der Ortsgewerbeverein alle einsatzwilligen Kräfte aus Industrie, Handwerk und Handel zusammen, um zu dokumentieren, daß in Reinheim ein Kunde wirklich alles erhalten kann und einer guten und stets aufmerksamen Bedienung sicher ist.

Ueber die Form der geplanten Schaufensterwerbung entspann sich auf der letzten Sitzung des Ortsgewerbevereins, die am vergangenen Freitag im „Darmstädter Hof“ stattfand, eine lebhafte Diskussion. Der schließlich von der Versammlung nahezu einstimmig gebilligte Vorschlag sieht vor, die gespendeten branchegebundenen Preise in den Auslagen anderer Geschäftszweige unterzubringen. So wird das Publikum in lustigem Ratespiel auf die Suche nach den wertvollen Prämien gehen. Zum anderen können bei dieser Art der Werbung auch kleinste Schaufenster und Schaukästen berücksichtigt werden.

Aus Anlaß dieser Werbeaktion wird der Ortsgewerbeverein einen umfassenden Prospekt herausgeben, dem ein Verzeich-

nis der beteiligten Firmen beigegeben ist. Die Auflage soll zunächst 5000 Stück betragen, gegebenenfalls aber erhöht werden, um auch die Umgebung Reinheims entsprechend zu informieren.

In Anbetracht der günstigen Lage Reinheims als „Tor und Mittelpunkt des Gersprenztales“ dürfte diese Art der Werbung von großer Anziehungskraft sein. (eb)

Georg Ackermann

zum Wahlergebnis im Kreis Erbach

Der im Landkreis Erbach mit absoluter Mehrheit gewählte Kandidat der SPD, Georg Ackermann (Beerfelden), der bereits dem letzten Hessischen Landtag angehörte, äußerte sich zum Ergebnis der Wahl:

„Der 19 November brachte für die SPD im Kreis Erbach mit 54 Prozent aller abgegebenen Stimmen eine klare Mehrheit. Dieser eindeutige Willensentscheid der Bevölkerung bedeutet für die Sozialdemokratische Partei eine besondere Verpflichtung. Die Fortführung der von ihr im Jahre 1945 begonnenen Aufbauarbeit zum Wohle der Kreisbevölkerung wird nach wie vor vornehmste Aufgabe sein. Der besondere Dank gebührt der Wählerschaft, die in klarer Erkenntnis der gegenwärtigen innen- und außenpolitischen Situation ihre Entscheidung getroffen hat.

Wie bereits im vergangenen, werde ich selbstverständlich auch im neuen Hessischen Landtag als der Kandidat des Kreises Erbach für die gesamte Kreisbevölkerung ohne Ansehung der parteipolitischen Einstellung des einzelnen eintreten.“ -ch-

Aktuelles zwischen gestern und heute

Ist der Täter gefunden?

Auf Befragen wurde uns gestern von der Kriminalpolizei-Inspektion Darmstadt mitgeteilt, daß das Amtsgericht Reichelsheim in diesen Tagen gegen den 26jährigen Georg Eckhart aus Erbach wegen des dringenden Verdachts eines Mordversuchs Haftbefehl erlassen hat. Eckhart, der bereits wegen einer anderen Straftat in Untersuchungshaft sitzt und Ende September bzw. Anfang August in Nieder-Kainsbach ohne Entgelt beschäftigt war, wird beschuldigt, am 1. Oktober in Ober-Kainsbach den Regierüngsbaurat a. D. Karl S t o r c k in dessen Keller überfallen, niedergeschlagen und lebensgefährlich verletzt zu haben.

Die Verdachtsmomente hatten sich in letzter Zeit gegen ihn zu stark verdichtet, daß der Amtsrichter Haftbefehl erließ. Wie verlautet, hat der überfallene und wiedergenesene Regierungbaurat a. D. Storck bei einer Gegenüberstellung mit Sicherheit Georg Eckhart wiedererkannt und als Täter bezeichnet. Der Beschuldigte bestreitet die Tat. wst.

Gefräßige Diebe

Ende vergangener Woche brachen unbekannte Täter nachts in die Auerbacher Filiale der Firma Schade und Füllgrabe ein und nahmen Wurst- und Fleischwaren im Werte von 330 DM mit. Die Ermittlungen nach den Tätern sind noch im Gange. HB

Steigende Arbeitslosenziffer

im südlichen Odenwald

Die Arbeitsamtnebenstelle Mörlenbach die Ende Oktober 629 Arbeitslose registriert hatte, buchte 14 Tage später 752 Unterstützungsempfänger. Dies resultiert in erster Linie aus der Einstellung der Bauarbeiten an der Landstraße Gorxheimer Tal — Kreidacher Höhe. Frauen und Mädchen betrifft diese Zunahme bisher nicht.

Sollte allerdings in absehbarer Zeit keine Entspannung in der Kohlenversorgung des südlichen Odenwaldes eintreten, so muß auch hier mit Schließungen in mehreren Betrieben gerechnet werden, -r.

„Einjähriges“ in Babenhausen eine reine Geldfrage

Kürzlich fand in Babenhausen eine Gemeinderatssitzung statt, bei der unter anderem über einen Antrag des Realgymnasiums diskutiert wurde, der die Eröffnung einer Untersekunda zur Ablegung des „Einjährigen“ vorschlug. Damit wäre den Schülern die Möglichkeit gegeben, bis zur mittleren Reife das Babenhäuser Realgymnasium zu besuchen, und sich so den Schulweg mit der Bahn nach außerhalb zu ersparen.

Bürgermeister Melk vertrat den Standpunkt, daß der Gedanke nicht zu verwerfen sei, aber die augenblicklichen Finanzschwierigkeiten seine Durchführung unmöglich machten. Gemeinderat Nöth (CDU) gab daraufhin einen kurzen Überblick über die seit 1896 bestehende Schule und schlug vor, wenn der Rathausneubau fertiggestellt sei, nochmals über diesen Punkt zu sprechen. Gemeinderat Grasse jr. schlug vor, an die Eltern in einer Versammlung mit der Bitte heranzutreten freiwillige Beiträge zu leisten. Man will nun erst das Urteil der Eltern zu dieser Frage hören.

Interessant war es zu erfahren, daß von verschiedenen Gemeinden, die ihre Kinder nach Babenhausen in die höhere Schule schickten, trotz Zusage noch kein Geld eingetroffen sei. Auch das Drittel des Kreises stehe noch aus. NB.

„Friedensstraße“ muß weichen

Die Gemeinderäte Birkenaus beschlossen kürzlich, die vor einigen Monaten neu getaufte „Friedensstraße“ in Anlehnung an den Flurnamen „Im Schwanenklingen“ zu benennen. Die Bezeichnung „Friedensstraße“ soll „zu gegebener Zeit“ anderweitig Verwendung finden.

In der gleichen Sitzung wurde ein neuer Wiesenvorstand gebildet, der sich aus Joh. Peter Krause, Joh. Adam Berg, Adam Spil ge r und Georg Gerbig zusammensetzt. Die Anlage eines Parkplatzes konnte trotz zahlreicher Anträge aus den Reihen der Bürgerschaft aus Raum- und Geldmangel nicht beschlossen werden, -r

Fortschrittliche Bundesbahn

Der Eisenbahnerverein Wolfskehlen hielt im Gasthaus Hammann seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, bei der Schäfer vom Bezirkssekretariat der Eisenbahnergewerkschaft in Darmstadt über die Eindrücke seiner Amerikareise berichtete. Die hierbei von ihm und seinen Kollegen gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich einer rationelleren Arbeitsweise und einer vereinfachten Verkehrssicherung wurden bereits den vorgesetzten Behörden unterbreitet, die ihrerseits ihre volle Unterstützung zur Verwirklichung der Vorschläge zusagten, da hierdurch manche D-Mark eingespart werden kann.

Anschließend wurde dem alten Vorstand des Vereins Entlastung erteilt und die neue Vereinsleitung gewählt, die sich wie folgt zusammensetzt: 1. Vorsitzender: Georg Schaffner, 2. Vorsitzender: Konrad Schneider, Schriftführer: Otto Hammann, Beisitzer: Adam Schupp.

Am Schluß der Veranstaltung fand unter lebhafter Beteiligung eine heftige Diskussion über die Winterbrandversorgung statt. -th-

Der Raubacher Wahlstreik

Ein Mittel zur Beschleunigung des Amtsschimmels

Als am Sonntagabend das Ergebnis der Landtagswahl in der kleinen Odenwaldgemeinde Raubach im Landkreis Erbach bekannt wurde, gab es allgemeines Kopfschütteln. Von den 71 Wahlberechtigten hatte kein einziger seine Stimme abgegeben. Diesen offensichtlichen Wahlstreik nahmen wir zum Anlaß, atn Montag in das abgelegene Dörfchen zu fahren, um die Raubacher selbst über die Beweggründe zu befragen.

Von Finkenbach aus führt eine schmale Straße in das reizvolle Hinterbachtal, die sich etwa einen Kilometer vor dem Forsthaus Saubuche nochmals gabelt. Wer nicht gut Bescheid weiß, findet den Weg in die Raubach nicht, denn nirgendwo befindet sich ein Wegweiser. Plötzlich steht man vor einem guten Bäckerdutzend sauberer Fachwerkhäuser, die in einem Halbkreis, wie ein großes Hufeisen, den Rand des Tales säumen. Vergeblich sucht man auch hier ein Ortsschild. Aber wir wissen: Das ist Raubach oder richtiger „die Raubach“, wie man hier im hohen Odenwald sagt.

Als ersten trafen wir den Beigeordneten Wilhelm Gruber, der uns bereitwilligst Aufschluß gab über die Beweggründe der Raubacher, einfach die ganze Landtagswahl zu ignorieren. Die aus dem Falkengesäßer Forst als Waldarbeiter-Siedlung entstandene Gemeinde, die zwar allein nicht lebensfähig ist, stellte bei der in diesem Jahre erfolgten Aufteilung der selbständigen Gemarkung im Landkreis Erbach Ansprüche auf größere Teile der Gemarkung „Falkengesäßer Forst“, vor allem auf Flur 11, worin auch ihre 12 Morgen Gemeindewald liegen. Nach dem Aufteilungsplan des Landratsamtes Erbach sollte aber gerade dieser Teil der Gemeinde Finkenbach einverleibt werden. Als der Protest der Raubacher ungehört blieb, wandten sie sich in einer Eingabe an das hessische Innenministerium in Wiesbaden. Da nach 10 Wochen auch von dort keine Antwort kam, stand es bei den Raubachern fest: „Bei der nächsten Wahl gibt es für uns keine Partei.“

Im Gesangverein wurde die Frage diskutiert. Er stellt das beste Bürgerforum dar, denn aus jedem der 17 Häuser Raubachs ist mindestens ein Bewohner Mit-

glied. Das Dorfinteresse geht über Parteipolitik. So ließen sich sogar die 2 oder 3 KPD-Wähler, die bei der Bundestagswahl noch ihre Stimme abgaben, diesmal nicht zur Wahl bewegen. Der fünfköpfige Wahl vorstand des Dorfes saß vorschriftsmäßig bei seiner Urne von 10 bis 17 Uhr im Wahllokal in der Schule, wartete vergeblich auf Wähler und — spielte Skat. Ein altes Mütterchen meinte zwar, die Wahl sei deshalb ergebnislos geblieben, weil fast alle Männer des Dorfes am Sonntag bei einer Treibjagd des Jagdpächters, eines dänischen Konsuls aus Mannheim, beschäftigt waren und erst spät am Abend nach Hause kamen. „Die Wahl is e Sach für die Mannslait, die Waibslait allaans gaihn net!“, meinte sie aus alter Erfahrung. Was immer auch die Raubacher zu ihrem Wahlstreik bewogen haben mag, sie haben dafür gesorgt, daß der Name ihres schönen Dörfchens weit über Hessen hinaus bekannt wurde, und ihre bei dem hessischen Innenministerium schlummernde Eingabe ist inzwischen sicherlich schon zur beschleunigten Erledigung vorgelegt worden. -ch-

Ein Jahr Motorsportklub

in Lampertheim

Am Samstagabend feierte der junge Motorsportklub Lampertheim im „Darmstädter Hof“ den ersten Jahrestag seiner Gründung. Der Begrüßungsansprache des zweiten Vorsitzenden, Rechtsanwalt Jöckel, Lampertheim, folgte ein buntes Programm, das von Heidelberger Künstlern ausgestaltet wurde. bb

Ueber 100 Hähne krähten in Mörfeldeu

Rassegeflügelausstellung des Kreises Groß-Gerau

Als besondere Anerkennung für seine Arbeit in der Geflügelzucht des Kreises konnte der Rassegeflügelzuchtverein Mörfelden, der gleichzeitig sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen feierte, am Samstag in seinen Mauern die 5. Kreisgeflügelausstellung nach dem Kriege eröffnen. Aus den verschiedensten Orten des Kreisgebietes waren insgsamt 438 Tiere ausgestellt.

Die Eröffnungsansprache hielt Bürgermeister Klingler, der auf die Bedeutung der Rassegeflügelzucht für die Wirtschaft hin wies und ausführte, daß früher der Anteil der Geflügelzucht in der Gesamtwirtschaft mit 645 Millionen Mark etwa auf der Höhe der deutschen Weizenernte gelegen habe. Stete Zuchtwahl und Leistungskontrolle empfahl er den Züchtern, um zum gewünschten Erfolg zu kommen. In gleicher Weise sprach sich Kreisamtmann Seipp aus, der, selbst aus bäuerlichen Kreisen stammend, aufs engste mit den Sorgen und Freuden der

Geflügelzucht vertraut, der Ausstellung einen guten Erfolg wünschte.

Dem Preisrichterkollegium gehörten die Herren Karl Engelhard aus Frankfurt-Preungesheim und Heinrich Arnold aus Frankfurt-Niederrad an.

Landesfach schaftsehrenpreise erhielten: Johann Arndt, Mörfelden: für Rhodeländer (rot), Hähne; Ludwig Treu te 1, Kelsterbach: für Minorka (schwarz), Hähne; Ludwig Christ, Kelsterbach: für Italiener (rebhuhnfarb.), Hähne; Heinrich Walter, Königstädten: für Italiener (gelb) Hennen; Eugen Hartung, Nauheim: für Leghorn (weiß), Hennen; M. Hasenpflug, Walldorf: für Zwergwyandottes (schwarz), Hennen.

Kreisfachschaftspreise errangen: Für rote Rhodeländer Hennen: Georg Fritz, Mörfelden; Minorka-Hennen: Treutel; Italiener,goldfarb.Hähne: Georg Best II.; für rebhuhnfarb. Italiener-Hennen: Adam Schneider, Bischofsheim; für silberfarb. Italiener: Ludwig Schad, Bischofsheim; schwarze Rheinländer: Friedrich Schnatz, Bischofsheim; silberfarbene Brakel-Hähne: Friedrich Wolf, Gustavsburg; rote Zwerg-Rhodeländer-Hennen: Hugo Bramer, Königstädten; schwarze Zwerg-Italiener-Hennen: Jak. Schöneberger, Mörfelden; silberfarbene Zwerg-Italiener-Hähne: Fritz Kark, Mörfelden.

Für Tauben der Rasse: blaue Elster-Kröpfer wurde Willi Noß aus Gernsheim ein Kreisfachschaftspreis zuerkannt, kr.

„Geflügelzüchter sind wirklich Idealisten“

Fünfte Kreisgeflügelschau der Fachgruppe Dieburg/Odenwald

Die Kreisfachgruppe der Geflügelzüchter Dieburg-Odenwald veranstaltete am vergangenen Wochenende ihre 5. Kreisgeflügelschau in Nieder-Roden. Der Ausrichter der Schau, Geflügelzuchtverein Nieder-Roden, feierte gleichzeitig sein 25jähriges Stiftungsfest.

Transparente, wehende Fahnen und Fichtengrün schmückten die Ausstellungsräume „Frankfurter Hof“ und „Zu Jean Grimm“. In den Gasträumen des „Frankfurter Hof“ eröffnete am Samstagnachmittag der Schirmherr der Ausstellung, Landrat Ritzert, die Schau. Mit ihm hatten am Ehrentisch Landesverbandsvoraitzender E. Rhumbler, Frankfurt a. M., Vorsitzender der Leistungszüchter im Landesverband Oswald Weber, Frankfurt a. M., Kreisfachgruppenvorsitzender Friedrich Storck, Babenhausen, Bürgermeister Peter Schüler, Dr. Hayd uc k, Lehrer Hüter und der 1. Vereins vor sitzende Peter Jäger Platz genommen.

Mit den Worten: „Ich weiß, daß man in den Zuchtvereinen wirklich nur Idealisten hat“, eröffnete der Landrat die schlichte nachmittägliche Feierstunde. Nachdem Vorsitzender Peter Jäger die Herren Johann Koser für 25jährige Mitgliedschaft und Anton Koser als ältestes Vereinsmitglied geehrt hatte, übergab er in feierlicher Weise den Schlüssel zu den Ausstellungshallen an den Schirmherrn. Das Vereinstrio umrahmte mit flotten Weisen die Eröffnungsfeier.

Bereits am Freitag walteten die sechs Herren des Schiedsgerichtes Adam, Dietesheim, Nix, Frankfurt,Pfeiffer, Darmstadt, Maas, Darmstadt, Zil ch, Weiskirchen, und Krüger, Offenbach, ihres Amtes. Die annähernd 600 Ausstellungsnummern teilten sich in Hühner,

Zwerghühner, Wassergeflügel und Schautauben. Viele Preise konnten in allen Rassenarten verzeichnet werden. Aus diesen heraus wurde als „Bestes Tier des Tages“ die Nummer des Züchters Jakob Keller, Groß-Zimmern, mit Sussex hell bewertet. Die Schau, von fast allen Geflügelzuchtvereinen des Gebietes Dieburg-Odenwald beschickt, erfreute sich an beiden Ausstellungstag^^ des besten Besuches. -gi-

Kurze Sitzung

des Ober-Ramstädter Gemeinderats

Zu Beginn der Tagesordnung gab der Sprecher der KPD eine Resolution als Protest gegen die geplanten Entlassungen von Mitgliedern der KPD oder ihr nahestehender Personen aus dem öffentlichen Dienst bekannt. Auch die Gemeindevertreter sollten sich dieser Protestnote anschließen. Da bei der Bürgermeisterei bisher keine diesbezüglichen Verfügungen eingegangen sind, bat der Bürgermeister, diesen Punkt vorerst zurückzustellen. Schließlich sprachen sich die Gemeinde Vertreter jedoch gegen einen solchen verfassungswidrigen Schritt aus.

Die Gemeindevertreter stimmten weiterhin einem Vorschlag des Bürgermeisters zu, die vorgeschlagenen Schöffen und Geschworenen dem Amtsgericht zu melden. Abschließend berichtete er von einer Aussprache mit der Forstbehörde, die vorgeschlagen habe, diesen Winter wieder Faserholz aus dem Gemeindewald zu liefern. Er, Bürgermeister Frankenberger, habe sich diesem Standpunkt nicht angeschlossen, sondern gewünscht, daß zunächst die Brerinholzversorgung gesichert werde. -D-

Werbeabend des DRK Roßdorf

Die Werbeveranstaltung der Ortsgruppe des Roten Kreuzes am Samstagabend im Saale des Gasthauses „Germania“ war ein voller Erfolg. Als Gast war Frau Regierurigsrat Keller vom Kreisverband erschienen.

Der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Georg Ruhl begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die Gäste und ging in seinen Ausführungen auf das Ziel und den Zweck der Werbeveranstaltung ein. Dabei betonte er, daß es die vordringliche Aufgabe der Ortsgruppe sei, für die im kommenden Winter stattfindenden Ausbildungskurse neue Interessenten zu gewinnen und vor allem Nachwuchskräfte auszubilden.

Nach den Ansprachen von Frau Reg.- Rat Keller und Herrn Hübner saß man noch lange bei humoristischen und musikalischen Darbietungen und bei Tanz, zu dem Kapelle Sauerwein aufspielte, zusammen. sl

Unsere Geburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Herr Johann Georg Breu 1e r und Frau Katharine geb. Lautenschläger, Haierngasse 8.

88. Geburtstag: Herr Philipp Mül¬ ler 111., Werkmeister i. R., Ober-Ramstadt, Grabengasse 5.

87. Geburtstag: Frau Katharina Hennemann, Bickenbach (Bergstraße), Erbsengasse 6 (22. 11.).

81. Geburtstag: Herr Philipp Jäckel, Wald-Amorbach, Ortsstraße.

78. Geburtstag: Frau Margarethe Hild, Wald-Amorbach, Ortsstraße.

50 Jahre Kleintierzuchtverein Heppenheim

Bürgermeister Holzamer Schirmherr der Kreis-Kaninchenschau

Der Kleintierzuchtverein Heppenheim unter Vorsitz von Jakob Wagner blickt auf eine 50jährige erfolgreiche Arbeit zurück und steht durch seine hervorragenden Leistungen an führender Stelle im Landesverband.

Unter seinen Mitgliedern befinden sich noch heute zwei betagte Mitbegründer. Sie wurden in einer schlichten Feier mit neun weiteren Mitgliedern für 25- bis 40- jährige Mitgliedschaft vom Verein und Landesverband Hessen-Nassau durch Kreisvorsitzenden Ph. Heeb, Bensheim geehrt.

Um die Oeffentlichkeit für seine Tätigkeit zu interessieren, bereitet der Verein eine von Ausstellungsleiter Hch. Blöcher für den 24. Dezember, vormittags 9 Uhr zur Eröffnung in der Stadthalle vorgesehene Kreis-Kaninchenschau vor. Die Kreisdelegierten tagten bereits in Unter-Flockenbach in Verbindung mit der dortigen diesjährigen Lokalschau.

Zur Schau in Heppenheim kommen alle im Kreis Bergstraße gezüchteten Rassen. Die Frauengruppen der Vereine werden selbstgearbeitete Pelzsachen aus Kaninchenfellen, sowie lecker zubereitete Kanin-

chengerichte ausstellen. Mit der Schau ist ein Preisschießen verbunden. Die Gewinne sind ab 22. Dezember im Kaufhof M a u - r e r in Heppenheim, Friedrichstraße ausgestellt.

Ebenfalls aus Anlaß des Jubiläums soll am 13. und 14. Januar in der Stadthalle Heppenheims eine mit etwa 800 bis 1000 Tieren beschickte Kreis-Geflügelschau stattfinden. (erh)

Kappenabend in Niederramstadt

Am Samstag fand in der „ Datterich-Klause“ in Nieder-Ramstadt ein großer Kappenabend unter Mitwirkung des Karnevalvereins Nieder-Ramstadt 1950 statt.

Die launigen Ansprachen von Frau Meyers und Präsident Neff fanden starken Beifall. Die verschiedenen Büttenredner mit ihren humorvollen Plaudereien und Zwiegesprächen erfreuten die Zuhörer

Rege Bautätigkeit in Bickenbach

Planung einer Turnhalle / Erhebliche Wasserschäden

In der letzten Bickenbacher Gemeinderatssitzung wurden sechs Bauplätze an die Bau- und Siedlungsgenossenschaft und zwei an private Interessenten vergeben. Seit Juli 1948 konnte die Gemeinde insgesamt 32 Bauplätze abgeben. Sechs Häuser mit je zwei Wohnungen werden in Kürze bezugsfertig.

Die örtlichen Saalverhältnisse für sportliche Uebungsstunden, Jugendabende usw. sind nicht mehr ausreichend. Der Gemeinderat stimmte daher in einer der letzten Sitzungen dem vom Ortskartell gemachten Vorschlag zum Bau einer Turnhalle zu. Die Halle, die mit Bühne, Garderobe und Nebenräumen ausgestattet werden soll, wird nach Klärung der Finanzfrage vor dem Gemeindewald an der Pfungstädter Straße gebaut.

Für den Bau des gemeindeeigenen Hauses in der Sandstraße können die Gelder nicht aus den laufenden Mitteln des Haushaltsplanes entnommen werden. Um das Finanzierungsproblem zu lösen, wurde beschlossen, die Mittel aus einem außerordentlichen Naditrag des Haushaltsplans zu beschaffen; ein Landesbaudarlehen von 12 000 Mark wurde beantragt. Das Haus soll außer vier Wohnungen die Fortbildungsschule aufnehmen. Die Regenfälle der letzten Wochen ver-

Ursachen der Gemeinde unvorhergesehene Ausgaben. So muß u. a. die erst vor einigen Monaten gereinigte Bachrinne wieder entschlammt werden. Durch einen großen Wasserrohrbruch in der Ernst-Thälmann-Straße wurde die Straße teilweise unterspült und die Straßendecke gehoben. Vier Pächtern von gemeindeeigenem Feld wurde die Pacht erlassen, da durch Wasserschaden der Ertrag sehr gering war.

Die vor einigen Wochen aufgetretenen Scharlachfälle sind abgeklungen. Die Gemeinde hat die Kosten der Desinfektion der Wohnungen und des Kindergartens übernommen. Der Kindergarten bleibt vorerst geschlossen.

Am Sonntag, dem 26. November, hält der Geflügelzuchtverein eine Geflügelschau ab. Der Gemeinderat hat für die Schau drei Ehrenpreise von 20 Mark für Großgeflügel, 20 Mark für Kleingeflügel und 10 Mark für Tauben gestiftet. hl.

BKG in Auerbach

Am Samstagabend besuchte die Bensheimer Karnevalgesellschaft BKG ihre Auerbacher Freunde und wiederholte ihr buntes Programm vom 11. 11. im Saale Daum. Wieder erfreute die „Künstleragentur“ im ersten Teil des Abends mit der tibetanischen Schlangentänzerin, der reizenden Sängerin Anneli Witt, dem „ U-Bahnhof“. dem „Kraftakt“ und der „alten Jungfer“. Leider mußte der beliebte Martin Kuhn, der plötzlich erkrankt war. in letzter Minute absagen, doch sprang Adam Stim m 1 e r mit solcher Gewandtheit, Routine und vor allem einem guten Schuß Humor für den Kollegen ein, daß man kaum etwas von der „Umbesetzung“ merkte. In der Elferratssitzung stieg wieder der „Diogenes von Bensern“ und Ehrenpräsident des Elferrates „Stolle Seppel“ in die Bütt und erfreute durch seine humorvollen Verse über die Kunst des Altwerdens.

Selbstverständlich kamen auch die Auerbacher selbst nicht zu kurz, deren Beigeordneter im Bensheimer Stadtparlament. Nungesser, in seiner Rede den „Bensemern“ einmal so riditig eins draufgab. was diese mit närrischem Humor entgegennahmen. Im weiteren Verlauf des Abends bestieg die beliebte Heimatdichterin „Fraa Katzemeijer“ die Bütt und beleuchtete in ihren Mundartversen verschiedene Auerbacher (besonders Kerwe- und Nachkerwe-) Geschichten.

In bester Stimmung tagte der närrische Rat noch bis tief in die Nacht hinein. HB

Brieftaubenzüchter-Ehrung

in Bürstadt

Die Nachbarvereine aus den Gemeinden im Südried waren am vergangenen Samstagabend einer Einladung des Brieftaubenvereines „Heimatliebe“ nach Bürstadt gefolgt, wo im Saale Waidenberger eine Ehrung der Bürstadter Züchterjubilare stattfand. Zur Verteilung gelangten silberne Plaketten und Ehrendiplome an Chr. Kilian, Val. Gebhardt, Jos. Winkler, Phil. Bauer (alle über 40 Jahre und mehr), Jos. Ofenloch, Phil. Gebhardt, Joh Keilmann (über 35 Jahre). Phil. Ille (über 30 Jahre) und Heinrich Siegler (über 25 Jahre Vereinszugehörigkeit). Der Abend wurde mit gesanglichen Darbietungen und einer Dreimannkapelle verschönt. bb.

Konzertabend in Ober-Modau

Im Saale der Gastwirtschaft „Zum goldenen Hahn“ wurde den Ober-Modauern am Sonntagabend eine musikalische Meisterleistung geboten. Durch den Mangel eines Klaviers mußte leider die Darbietung auf Biasinstrumente beschränkt bleiben. Das tat dem künstlerischen Genuß jedoch keinen Abbruch. Der Ansager des Breitwieserischen Orchesters brachte in gediegener, humorvoller Weise die bunte Programmfolge näher. Walzer wechselten mit Ouvertüren und Charakterstücken und Solis mit zwei Trompeten. Anschließend kam die Jugend mit einem Tänzchen zu ihrem Recht. -wa-

Grundwasser-Meßstellen

im Kreis Groß-Gerau

Am 14. November 1950 wurden die Feldschützen Heinrich Breckheimer, Nauheim, Heinrich Walter 11., Königstädten, Bernhard Daniel, Klein-Gerau, Jakob Pflug, Rüsselsheim, Adam Benner, Bauschheim, Johannes Lohr, Trebur und Philipp Kunz, Groß-Gerau zur Vornahme laufender Messungen an den in den betreffenden Gemarkungen eingebauten Grundwassermeßstellen durch den Landrat des Kreises Groß-Gerau verpflichtet. -th-

Kaufunlust senkt die Preise

beim Ferkelmarkt in Groß-Bieberau

Beim Ferkelmarkt in Groß-Bieberau am Montag waren 107 Tiere aufgetrieben. davon 20 Ferkel und 87 Läufer. Da kein Kauf-Interesse vorhanden war, wurden die zu Beginn des Marktes verlangten Preise bei Ferkel auf 39 bis 40 DM und bei Läufer auf 55 bis 68 DM herabgesetzt. Der Markt schloß mit 80 Prozent Ueberstand ab.

Der nächste Ferkelmarkt findet am 1. Dezember statt. Der Marktkalender für 1951 ist erschienen und kann kostenlos auf der Bürgermeisterei abgeholt werden. GD

Was aũch interessiert:

In einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderats von Schaafheim wurde der Einstellung des in öffentlichen Diensten stehenden Försters Bor mut zugestimmt und die Brenniholzzuteilung von 2 Festmetern je Familie bzw. eines Festmeters für alleinstehende Personen aus eigenem Holzeinschlag beschlossen.

Zur Schöffen- und Geschworenenwahl für die Gemeinde Schaafheim wurden Heinrich Diehl 6, Karl Breitwieser 4, Georg Hofmann, Wilhelm Kreher, Peter Krautwurst 14, Ludwig Höreth 7, Otto R e u t z e 1 und Johann Brix vorgeschlagen. Vo

Die Thcatergruppe des TSV Braunshardt hat z. Z. das Theaterstück „So lang noch lebt dein Mütterlein“ mit Unterstützung des Gesangvereins „Frohsinn“ in Vorbereitung, das am 1. Weihnachtsfeiertag zur Aufführung gelangen soll. Vo

Der neugegründete Knabenchor des Vereins „Frohsinn“ Braunshardt wird neben weiteren gesanglichen und humoristischen Darbietungen erstmalig beim diesjährigen Familienabend des Vereins am 2. Dezember im Gasthaus „Zum Adler“ zu hören sein. Vo

Am Buß- und Bettag spricht um 20 Uhr in der evangelischen Kirche Pfarrer Dr. Uhrig, Nieder/Ober-Modau, über das neue Mariendogma. Der Gottesdienst findet am Totensonntag um 10 Uhr in der Kirche und die Gedächtnisfeier auf dem Friedhof unter Mitwirkung des Ober-Ramstädter Posaunenchores um 13.45 Uhr statt. *

Eine Gedächtnisfeier am Totensonntag wird die Gemeindeverwaltung zusammen mit örtlichen Vereinen auf dem Friedhof in Babenhausen abhalten. Die Feierstunde geht auf eine Anregung der Sport- und Kulturgemeinde zurück. NB

Berichterstatter Adolf Werner, München, spricht am Mittwoch, um 20 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses zu Bensheim über das Thema: „Unter der Sonne Italiens und Griechenlands“. 150 farbige Lichtbilder zeigen die Schönheiten dieser Länder und ihre Kunstdenkmäler. HB

Ein fünfjähriges Mädchen aus der Hirschstraße in L o r s c h lief in ein Fahrrad und zog sich schwere Verletzungen zu. ol

Schamlos belästigt wurde dieser Tage eine junge Bauersfrau in der Nähe von Riedrode. Leider konnte der Unhold vor den herbeieilenden Bauern flüchten, el

Hinterachse und Aufbau demontierten von einem Lastkraftwagen des ehemaligen Baustoffhändlers Ludw. Fritz, Nauheim, zwei Männer, die früher bei ihm in Arbeit gestanden hatten. eng

Über 100 mm Niederschlag wies die Wetterstation Hammelbach in der ersten Novemberhälfte auf, also eine weit über dem Monatsmittel liegende Menge.

Die Auerbacher Kirchenglocken können leider nicht, wie ursprünglich vorgesehen, noch vor dem ersten Advent eintreffen, doch hofft man, daß am Heiligen Abend wieder ein volles Geläute vorhanden ist.

Über kommunalpolitische Probleme diskutierte man dieser Tage vor dem Ortsgewerbeverein in Pfungstadt. Bürgermeister Jäger gab bereitwillig auf alle an ihn gestellten Fragen Auskunft. Der erste Vorsitzende, Jakob Hassenzahl, dankte dem Referenten und den zahlreich erschienenen Besuchern für ihr Interesse. ler

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Jugenheim. Der Verband der Körperbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen (Kreisverband Darmstadt) veranstaltet am Mittwoch um 14 Uhr im Gasthaus „Zur Sonne" eine Versammlung. Kreisvorsitzender Meckes wird über das neue Bundesversorgungsgesetz sprechen. hl.

Seeheim. Die Schülerin Annesibyll Heyd, Klasse IV, und der Schüler der Klasse VIII Eduard Schmidt wurden mit Buchpreisen der Hygiene-Ausstellung für wohlgelungene Zeichnungen bedacht. rh

Seeheim. Der Turnverein 1893, der vor einem Jahr seine Tätigkeit wieder aufgenommen hatte, konnte jetzt sein erstes Schauturnen veranstalten. Die Darbietungen an den Geräten sowie Freiübungen und Reigen fanden reichen Beifall.

DIEBURG

Groß-Zimmern. Eine „Karnevalsgesellschaft-Sängervereinigung“ wurde neu ins Leben gerufen. -gi-

Reinheim. Auf Anregung des Ortsgewerbevereins wird die Abfahrtszeit des in Richtung Stuttgart verkehrenden Eilzuges von 7.29 Uhr auf 7.37 Uhr verlegt, um so auch den aus der Richtung Frankfurt um 7.33 Uhr ankommenden Reisenden die Benutzung des Eilzuges zu ermöglichen. eb.

Reinheim. DiÄ Ortsgruppe des Odenwaldklubs beabsichtigt auch in diesem Jahre wieder einen Nikolausabend durchzuführen. Dabei soll den Mitgliedern ein fröhlicher Abend im Kreise der großen Odenwaldklubfamilie geboten werden. Auch bei den Kindern hat sich St. Nikolaus bereits angesagt. eb.

Lengfeld. Vom 20. November bis 24. Dezember findet täglich von 14 bis 18 Uhr (einschließlich der Adventsonntage) im Saale des Gasthauses „Zum Löwen“ eine Weihnachtsausstellung mit Verlosung vieler Elektrogeräte statt. ML

Heubach. In einer Elternversammlung, die im Rathaussaal stattfand, wurde ein neuer Elternbeirat gewählt, dessen 1. Vorsitzender Fritz Steinke Hst. Die Schriftführung hat Friedrich Braun übernommen. hm.

Schaafheim. Für den Glockenfond brachte unter Mitwirkung Einheimischer der Kulturkreis Dieburg in der Schaafheimer Pfarrkirche als Laienspiel „Die gehorsame Magd“ zur Aufführung. Unter den Anwesenden befanden sich auch Mr. Conduras und die Herren Buchmeier und Pfleger vom Resident Office, Dieburg. io

Babenhausen. Die Bereitschaft des DRK begann dieser Tage mit einem neuen Lehrgang für „Erste Hilfe“. NB

Babenhausen. In zwei Vorstellungen mit über 600 Besuchern hielt der Gesangverein „Volkschor — Sängerbund“ 1840 am Sonntag einen Theaterabend ab. Drei Stunden Heiterkeit verbrachte man bei dem Stück „Robert und Bertram — die lustigen Galgenvögel“. -NB-

Sickenhofen. Der Gemeinderat beschloß in seiner letzten Sitzung, ein Behelfsheim auf dem Gemeindegrundstück hinter dem Lehrerhaus zu erstellen. Es soll für 7 bis 8 Familien Wohnraum bieten, -NB-

Sickenhofen. Bürgermeister Schroth erklärte, daß 59 Festmeter vom Borkenkäfer befallenes Grubenholz an Firma Euler, Papierfabrik in Bensheim, verkauft wurden. -NB-

Eppertshausen. Laut Gemeinderatsbeschluß soll im neuen Siedlungsgebiet an der Ober-Rodener Straße weiteres Bauland erschlossen werden. -gi-

Eppertshausen. Vor wenigen Tagen wurden in Heilbronn die neuen Glocken der katholischen Kirche gegossen. Wie verlautet, soll das neue Geläute am 25. November in Eppertshausen eintreffen. Zur feierlichen Weihe am darauffolgenden Sonntag haben Vertreter des Mainzer Bischofs ihr Erscheinen zugesagt. Den kirchlichen Weiheakten schließt sich am Nachmittag eine weltliche Feier im Edersaal an. ’Sl'

ERBACH

Ober-Ostern. Vom Gemeinderat wurden folgende Ortsbürger als Schöffen und Geschworene in Vorschlag gebracht: Konrad Rummel, Philipp Heist, Adam Rauch, Philipp Arras und Philipp Höhner.

Ober-Ostern. Der Gesangverrein „Sängerlust" hat nach zweieinhalb Monaten Pause, die durch die Arbeiten in der Landwirtschaft bedingt war, seine Tätigkeit wieder aufgenommen. ptoo.

Unter-Ostern. In der Schule fand kürzlich ein Elternabend statt, wobei die Schulkinder den zahlreich erschienenen Eltern und Angehörigen ihr Können zeigten. ptoo.

Sandbach. Mehrere Tage stand ein herrenloses Fahrrad vor einem hiesigen Geschäft, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, den Besitzer zu ermitteln. — Ein Karnevalverein wurde gegründet, -hm-

Wald-Amorbach. Der Gemeindeverwaltung ist es gelungen, der Schule einen weiteren Raum als Klassenzimmer zur Verfügung zu stellen. -hm-

BERGSTRASSE

Lampertheim. Unter Leitung von Pfarrer Richter brachte die Jugendspielschar der evangelischen Kirchengemeinde am Samstag im Rahmen eines Gemeindeabends in der evangelischen Kirche ein Christophorus-Spiel zur Aufführung. bb.

Bürstadt. Der Gesangverein „Volkschor“ startete am Wochenende mit großem Erfolg die Operette „Im weißen Rössl“. Vor zweimal ausverkauftem Hause fanden die Mitwirkenden redlich verdienten Beifall für ihre guten Leistungen. bb.

Biblis. In einer schwachbesuchten Bürgerversammlung sprach sich die Bürgerschaft gegen die Verpachtung eines Teiles des Flugplatzgeländes an die amerikanische Firma NCEF, die dort einen Sender errichten will, aus. Das Gelände, das in jahrelanger mühseliger Arbeit von den Pächtern urbar gemacht worden sei, um friedlichen Zwecken zu dienen, solle nicht jetzt an die Amerikaner zu Rüstungszwecken übergeben werden. ka

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Heute wird im Kino „Sandböhl“ der Film „Gerauer Woche 1927“ aufgeführt. Der Frauenarbeitsring trifft sich am gleichen Tag um 20.15 Uhr im Rathaussaal, wo Frau Dr. Stahl spricht. Die Pfarrer beider Konfessionen werden um 15.00 Uhr im kleinen Saal des Hotels „Adler“ Fragen der Schulreform besprechen. kr.-

Statt Karten! Unsere liebe Mutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Katharina Friedrich geb. Kraus ist am 18. November 1950 im 88. Lebensjahr sanft entschlafen. In tiefer Trauer: Heinrich Erb und Frau Marga geb. Friedrich Emst Knüppel und Frau Pia geb. Friedrich und Enkelkinder Traisa bei Darmstadt, Bremen, 20. November 1950. Beerdigung: 23. November 1950, 14.15 Uhr, in Darmstadt, Waldfriedhof.

Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heim- gl gang unseres lieben Entschlafenen sprechen wir hiermit allen K unseren herzlichen Dank aus. Besonders danken wir Herm Pfarrer D. Röhricht für die tröst- und inhaltsreichen Worte, den ehrenden Nachruf der Firma Wacker & Doerr und deren M Belegscnaft. Auch für die Kranzniederlegungen des evangeli- Q sehen Gemeinschaftsverbandes und des Posaunenchors der ■ Gemeinschaft herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Adolfine Becker und Angehörige Nieder-Ramstadt, den 21. November 1950.

DER SPORT

Stuttgart in Erwartung

Bernhard Gnege1

Von unserem Sonderberichterstatter

Stuttgart, 20. November. Mit nur mäßigem Temperament hat Stuttgart am Sonntag an den Wahlen zum württemberg-badischen Landtag teilgenommen. In den überfüllten Lokalen der Stadt wurde am Abend die Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft für den Fußballkampf gegen die Schweiz am Mittwoch zumindest mit dem gleichen Interesse wie die ersten Wahlergebnisse erwartet. Gleich groß war in beiden Fällen das Erstaunen der Interessierten. Die Freunde des Sports bemängelten, übereinstimmend mit den Pressekommentaren, daß drei Tage vor dem großen Spiel noch immer eine Reihe Fragezeichen hinter die Mannschaftsaufstellung gesetzt werden mußten. Die in Stuttgart erscheinende „Deutsche Sport-Illustrierte“ meint in ihrer Montagausgabe, der deutsche Fußball stelle sich mit dem Festhalten an verletzten oder nur fragwürdig ausgeheilten Spielern ein Armutszeugnis aus.

Hoffnungen und Befürchtungen

Im Laufe des Montags sind die Kandidaten für die Nationalmannschaft aus ihren Heimatgebieten, wo sie am Sonntag die letzten Meisterschaftsspiele ohne neue Schäden überstanden hatten, wieder nach Stuttgart in die Obhut des Bundestrainers Herberger zurückgekehrt. Aber erst am Dienstag soll nach einer letzten Prüfung des körperlichen Zustandes von Fritz Walter und Matzkowsky über die endgültige Aufstelllung der Mannschaft entschieden werden. In Stuttgart befürchten Presse und Publikum das Risiko der Aufstellung eines im Schnellverfahren wieder hergestellten Fritz Walter. Man plädiert hier in letzter Stunde noch einmal für eine Sturmaufstellung Klodt, Morlock, Schade, Balogh, Hermann oder Blessing. Auf jeden Fall möchte man Schade in der Mannschaft sehen, selbst für den Fall, daß Herberger bei der Nominierung von Fritz Walter bleiben sollte.

Die Schweizer Mannschaft wird erst im Laufe des Dienstag in Stuttgart erwartet. Kleine Gruppen aus dem Nachbarland sind schon am Montag eingetroffen, darunter auch die in der Schweiz als Trainer tätigen Deutschen Edmund Conen und Teddy Lohrmann. Beide sprechen mit hohem Respekt von der Form der Schweizer Spieler. Sie gaben aber auch den Deutschen eine Chance, vorausgesetzt, daß die neue Nationalmannschaft so viel inneres Gleichgewicht findet, um konsequent bei einem guten Mannschaftspiel zu bleiben und es nicht in wirre Einzelhandlungen zersplittern läßt.

Sorgen um das Wetter

Eine andere Hoffnung ist am Sonntagnachmittag wieder fraglich geworden. Man wünscht dem Länderspiel am Mittwoch natürlich trockenes und womöglich heiteres Wetter. Aber nach nur kurzer Aufhellung in den Morgenstunden ist die Landschaft wieder in Dunst und Nebel gehüllt. Im Stadion konnten inzwischen durch den Einbau von zwanzig Stahlrohrtribünen mit 17 000 zusätzlichen Plätzen das Fassungsvermögen auf angeblich 100 000 Zuschauerplätze gebracht werden. Nach früheren schlechten Erfahrungen muß man zweifeln, ob tatsächlich und ohne Beschwerden so viel Menschen im Stadion untergebracht werden können. Die Stuttgarter ringen sich nur schwer zu der Erkenntnis durch, daß rund zwei Drittel der Eintrittskarten nach auswärts vergeben worden sind. Zwar sieht man die Masse der Gäste aus dem Bundesgebiet und der Schweiz gerne, denn sie werden wohl einiges Geld in der Stadt lassen, aber in Stuttgart sind zu viel Wünsche nach Karten unbefriedigt geblieben. Wenn 200 000 Karten für dieses erste Länderspiel nach dem Kriege zur Verfügung gestanden hätten, so wären auch sie abgesetzt worden.

Für das Fußballspiel Kickers Offenbach gegen 98 Darmstadt am kommenden Samstag sind Stehplatz- und Tribünenkarten für den „Bieberer Berg“ im Zigarrenhaus Hugo de Waal, Rheinstraße 23, bis Samstagvormittag, zu haben.

Am Mittwoch im Stuttgarter Neckarstadion:

Deutschland-Schweizim Fußball

Im ersten Länderspiel nach acht Jahren trifft Deutschland auf ein en sehr starken Gegner

f. kr. Wenn am Mittwoch die beiden Fußball-Ländermannschaften von Deutschland und der Schweiz unter dem Jubel der Hunderttausend auf die einzigartige Kampfbahn des Stuttgarter Neckar-Stadions einlaufen, dann geht der Wunsch aller Sportfreunde, die über den engeren Horizont ihrer Vereine, Kreise oder Verbände hinwegsehen, in Erfüllung: Deutschland tritt wieder ein in den internationalen Spielverkehr, darf wieder seinen Fußballkameraden aus vielen Ländern die Hand reichen und sich mit ihnen im friedlichen Wettstreit messen. Fünf Jahre mußten noch seit Kriegsende vergehen, bis dies möglich wurde. Daß es so kam, war mit ein Hauptverdienst der Schweizer Fußballkameraden, die schon vor zwei Jahren sozusagen aus der Reihe der Boykott-Träger tanzten und zu einigen Städtespieleri nach Süddeutschland kamen. Sie wurden sogar offiziell dafür gerügt; aber sie hatten es gewagt, den Anfang zu machen. Heute darf die Schweiz auch „offiziell“ gegen Deutschland spielen.

Deutschlands ältester Gegner

Die Schweiz ist unser ältester und häufigster Gegner in Fußball-Länderspielen gewesen. In den bisherigen 27 Begegnungen war unsere Bilanz stark aktiv: 16 Siege, vier Unentschieden, sieben Niederlagen bei 71:41 Toren. Vier möchte aber nach dem neuen 4:2- Sieg der Schweizer Fußballer über Schweden noch bezweifeln, daß die deutsche Nationalelf in ihrem ersten Nachkriegs-Länderspiel in Stuttgart am 22. November vor eine schwere Aufgabe gestellt wird? Seit 1945 hat die Schweiz bereits 40 Länderspiele bestritten. Ihre Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: 17 Siege, sieben Unentschieden, 16 Niederlagen bei 84:95 Toren. Dabei waren Europas führende Nationen die Gegner. Engländer, Schotten, Schweden, Oesterreicher, Tschechen und Spanier mußten erfahren, daß die kleine Schweiz große Fußballer hervorzubringen vermag. In Sao Paulo wurde gegen Brasilien ein 2:2 ertrotzt und in den letzten Wochen Holland mit 7:4 und Schweden mit 4:2 geschlagen.

Die Schweizer stellen in Stuttgart die gleiche Elf, die Schweden und Holland bezwang. Sämtliche Spieler sind international schon —ehrfach bewährt. Das Durchschnittsalter der Spieler beträgt 27 Jahre. Als Glanzstück gilt der Genfer Flügelstürmer Jacques Fatton, erfolgreichster Torjäger der National-Liga A und in 29 Länderspielen bewährt. Ein Balljoungleur mit artistischem Einschlag. Drei vorgeschobene, explosive Stürmer, von dem 66fachen Nationalspieler Bickel dirigiert, bilden die erste Angriffswelle, während der Verbinder Bader als Pendler das Mittelfeld mitbeherrschen hilft, wobei er sich mit dem jungen, talentierten Casali, dem „Stehaufmännchen“, in die Hauptlasten teilt. In der Abwehr stehen neben dem Stopper Eggimann (26 Länderspiele) die wuchtigen Verteidiger Bocquet und Neury.

Herbergers „Sorgen-Elf“

Es ist der deutschen Oeffentlichkeit bekannt genug, welche Sorge Bundestrainer Herberger mit der Aufstellung einer schlagkräftigen Mannschaft hatte. Wäre es nur ein Vergleich zwischen Vereinen beider Länder gewesen, so hätten wir auf deutscher Seite kaum Befürchtungen. Denn wir wissen, daß unsere führende deutsche Oberliga gegen jeden Schweizer Verein bestehen kann. Anders aber ist es in einem Länderkampf. Der Vorsprung der Schweizer mit ihrer einge-

spielten Mannschaft ist zu groß, als daß er in einigen Wochen schon aufgeholt werden könnte. Zur Aufstellung einer Nationalmannschaft gehört auch ein wenig Glück. Glaubte man schon das zu haben, so hörte man bald von Verletzungen und so weiter. Die Zahl unserer auch international bewährten Könner ist noch nicht so groß, wie es wünschenswert wäre. Ist auch bei vielen Spielern das Können da, so fehlt die internationale Erfahrung. Denn Länderkämpfe sind anders als Vereinsspiele. So mußte Herberger bis zum Sonntagabend warten, ehe er eine Elf nominieren konnte, der er einigermaßen das Vertrauen schenken durfte Man darf nun nur hoffen, daß nicht alte Verletzungen diesen oder jenen Spieler vorzeitig kampfunfähig machen.

Die Namen unserer deutschen Spieler sind zur Genüge bekannt. Aus vielen Meisterschaftskämpfen und über die beiden Auswahlspiele in Ludwigshafen und Frankfurt kamen sie in die Oeffentlichkeit. Das Durchschnittsalter der Mannschaft beträgt überraschend sogar 29 Jahre. Streitle und Kupfer sind die Senioren. Daß alle Spieler technisch ihren Gegnern gewachsen sind, glauben wir sagen zu dürfen. Ob sie aber die gleiche Kampfkraft aufbringen wie die Schweizer, ist eine andere Frage. Hier liegt eine Gefahr, die nur durch intelligenteres Spiel überwunden werden kann.

Stuttgart — ein gutes Omen?

Das einzige Plus, das wir gegen die Schweiz ins Feld führen können, ist das des eigenen Platzes. In den sechs Länderspielen, die bisher in Stuttgart gespielt wurden (davon allein vier gegen die Schweiz), haben die deutschen Fußballer immer triumphiert. Die Atmosphäre des 100 000-Zuschauerwalles wird hoffentlich auch diesmal unsere Elf zu großen Taten beflügeln.

Darüber hinaus ist aber das Resultat eigentlich unwesentlich. In einem Kampf, der nach langen Jahren zum erstenmal Sportkameraden befreundeter Nationen zusammenführt, darf es nicht darum gehen, um jeden Preis siegen zu wollen, sondern die Hauptaufgabe muß wohl darin bestehen, beiderseits gut zu spielen. Wer das dann am besten kann, dem soll neidlos der Sieg gegönnt sein.

Nur kleines Rahmenprogramm

Das offizielle Programm des Länderspieles Deutschland—Schweiz läßt erkennen, daß man bestrebt ist, alles in möglichst einfachen Grenzen zu halten. Am Dienstag in den Mittagsstunden wird das Schweizer Aufgebot erwartet. Um 16 Uhr gibt es einen kurzen Empfang durch die Stadtverwaltung. Um 19.30 Uhr besuchen Offizielle und beide Mannschaften eine Aufführung von Millöckers „Bettelstudent“. Ein Fußballspiel zwischen einer Schweizer und süddeutschen Presse-Auswahl wird am Mittwoch um 9 Uhr auf dem Kickers-Platz im Degerloch ausgetragen. Ein offizieller Presseempfang des DFB und der Stadt Stuttgart schließt sich um 11.30 Uhr an. Das Spiel findet um 14.30 Uhr im Neckarstadion statt. Vorher werden die Schüler-Mannschaften von Vfß und Kickers spielen. Das Festbankett des DFB um 20 Uhr beschließt am Abend nach dem Spiel die offiziellen Veranstaltungen.

Die beiden Mannschaften für Stuttgart



Darmstadts Wasserballerfolg

bei der Frankfurter Winternunde

Als einziger Darmstädter Verein hatte der DSW 12 seine Jugend-Mannschaft zur diesjährigen Wasserball-Winterrunde des Bezirks Mitte im Hessischen Schwimmverband gemeldet, da im eigenen Gebiet die Wettspielmöglichkeiteri zu gering sind. Insgesamt 9 Vereine haben die Teilnahme ihrer Jugendspieler beschlossen und sind am vergangenen Samstag im Frankfurter Stadtbad-Mitte zum ersten Spielabend angetreten. Die Darmstädter Jungen trafen in dem ersten Kampf auf den 1. Sodener SV, den sie mit 7:2 Toren bezwangen. In ihrem zweiten Spiel stießen sie dagegen auf den erbitterten Widerstand des SV Bad Homburg, dem sie aber immerhin noch ein 1:1- Unentschieden abtrotzen konnten.

Einen zähen Kampf lieferten sich der SC Niederrad 04 und der EFSC, der gleichfalls unentschieden, und zwar 2:2 ausging. Trotz schwimmerjscher Ueberlegenheit zog der 1. Offenbacher Schwimmclub gegen Niederrad mit 3:1 den Kürzeren, blieb aber gegen Höchst mit 4:2 erfolgreich. Wegen fehlender Trainingsmöglichkeiten zeigte Poseidon Limburg nur eine schwache Leistung und mußte durch den Sv Soden schließlich eine O:6-Niederlage hinnehmen. Der DSW 12 konnte sich durch seine errungenen drei Punkte neben Niederrad und den 1. Frankfurter Schwimmclub in der Spitzengruppe plazieren, und es ist anzunehmen, daß er auch gegen seine übrigen Gegner gut abschneiden wird. _er_

Knappe Hockeyniederlage In Mainz

dr. Mit einer knappen HO-Niederlage gegen die erfahrenen Mainzer stellten die I. Herren de TEC unter Beweis, daß ihre Erfolge in den letzten Wochen kein Zufall waren. Nach 10 Minuten gingen die Gastgeber bereits in Führung. Eine Flanke ihres Linksaußen wurde im Schußkreis abgelenkt und zischte für Stock unhaltbar in den Darmstädter Kasten. Wenige Minuten später die gleiche Situation vor dem RV-Tor, aber drei TEC-Stürmer ließen die Kugel passieren. Die Darmstädter Verteidigung hatte sich nun auf den schnellen Angriffswirbel der Mainzer eingestellt und hielt das Spiel offen, war aber zuviel in der Verteidigung beschäftigt, als daß sie ihrem Sturm den notwendigen Druck hätte verleihen können. — Nach der Pause kamen noch einige schöne Chancen für die Darmstädter, aber das Tor in den ersten Minuten hatte das Spiel bereits entschieden. Gegen Schluß drückten die Männer um Dr. Günther noch einmal stark, konnten aber die Darmstädter nicht mehr schlagen. — Die Damen des TEC, die ihre Mannschaft mit Mädchen kombiniert hatten, siegten durch zwei Tore von Frl. Hom mit 2:1 und sicherten damit wenigstens einen Darmstädter Erfolg. Die Schüler des TEC spielten gegen die Junioren des RV und hatten dadurch wenig Siegesaussichten. Sie verloren nach schönem Spiel 9:0. Die erstmals antretenden 11. Herren fanden sich erst in der zweiten Halbzeit richtig, konnten aber ein dem Spielgeschehen nach zu hohes Resultat (3:0) nicht mehr günstiger gestalten. — In Frankfurt unterlagen die Junioren beim SC Forsthausstraße 2:1.

Ausscheidungskämpfe der Ringer

Der Hessische Schwerathletikverband ermittelt am Buß- und Bettag in Frankfurt a. M. in den verschiedensten Gewichtsklassen seine besten Ringer, die dann in Dortmund weitere Ausscheidungskämpfe für die zu bildende Ringer-Ländermannschaft bestreiten müssen. Von Hessen nominiert sind bisher lediglich die beiden deutschen Meister Bruno Henze und Max Leichter. In der Bantamgewichteiklasse hat der Darmstädter K. Ditter (1910) eine erste Chance. Er trifft bei den in Frankfurt auszutragenden Kämpfen auf den Eckenheimer Schlagmüller und den Dettinger Heuser. Der zweifache deutsche Jugendmeister, der bereits in den aktiven Kämpfen seinen Mann gestanden hat, wird beweisen müssen, wie weit seine Stärke für Repräsentativkämpfe der Senioren ist.

Schweizer Kreuz auch im Hochschulstadion

Darmstadt erlebt sein erstes Fußball-Länderspiel / Starke deutsche Studentenelf gegen die Eidgenossen

Wie im Stuttgarter Nieckarstadion. so wird auch Über dem „kleinen Länderspiel“ im Darmstädter Hochischulstadion morgen die Schweizer Flagge wehen. Unsere Stadt wurde als Austragungsort für das erste Spiel einer Schweizer Studentenländermannschaft nach dem Kriege auf deutschem Boden gewählt, weil Darmstadt schon immer eine Pflegestätte des Hochschulsports war und für eine solche internationale Begegnung im Hochschulstadion eine ideale Kampflstätte zur Verfügung stellen kann. Für die Darmstädter Sportgemeinde ist diese Auszeichnung zugleich Verpflichtung, durch recht zahlreiches Erscheinen einen für diese Begegnung würdigen Rahmen zu schaffen. Vor allem aber sind wir dazu unseren Gästen gegenüber verpflichtet, waren es doch unsere Schweizer Freunde, die der deutschen Fußballjugend als erste wieder den Weg in die internationale Arena eröffneten. Wie 1920 reichten uns die stummen Samariter des stöhnenden Schlachtfeldes auch nach dem 2. Weltkrieg die Freundeshand und setzten die stolzen Parolen des Vergessen-Könnens und der Menschlichkeit sofort in die Tat um.

So gibt nicht das Spielerische der morgigen Begegnung eine tiefere Bedeutung, sondern mehr noch das Symbolische. Das Ergebnis des Treffens wird uns nicht wichtig dünken, es wird eine untergeordnete Rolle spielen ’ gegenüber der Tatsache, daß wir wieder ausländiische Sportler in Deutschland empfangen können. Und daß wir das können, verdanken wir in erster Linde den Sportfreunden unseres Meinen Nachbarlandes, das morgen seine besten Studenten-Fußballer nach Darmstadt schickt. Wir freuen uns über ihren Besuch und heißen sie in unserer Stadt aufs herzlichste willkommen.

Wenn auch unsere Gedanken mehr beim großen Länderspiel in Stuttgart weilen werden, auch in Darmstadt wird guter Fußball zu sehen sein, stehen doch in beiden Mannschaften fast nur Spieler, die der obersten Spieiklasse ihrer Länder angeboren. Schiedsrichter Schmetzer, Mannheim, wird um 14 Uhr den Ball für folgende 22 Spieler freigeben:

Auf Wunsch der Schweizer werden außer den zwei Linienrichtern auch zwei Torrichter fungieren. Die deutsche Elf wird von Dr. Neumann, dem Direktor des Hochschulinstituts für Leibesübungen, betreut. Für die deutsche Elf wurden folgende Ersatzspieler namhaft gemacht: Tor: Rosenbaum (Eintracht Trier); Verteidiger: F, Seemann (Spvgg Landshut); Läufer: Hamburger (Hanau 93); Sturm: Krömmelbein (Eintracht Frankfurt).

Die Schweizer werden am Dienstagnachmittag in Darmstadt eintreffen und um 19 Uhr seitens der Stadt und der Tech¬ 'nischen Hochschule in der Mensa der TH begrüßt. Die Stadt gibt beiden Mannschaften nach dem Spiel am Mittwoch, 20 Uhr, im Büchnersaal einen Empfang. Am Dienstag findet eine Vorstandssitzung des „Arbeitsausschusses „Deutscher Hochschulsport“ statt, der sich am Mittwochvormittag eine Vorstandssitzung des „Deutschen Hochschulausschusses für Leibesübungen“ anschließt. Am Dienstagabend, 20.30 Uhr, wird in einem Hörsaal der TH u. a. ein 40-Minuten-Schmalfilm von den „Studentenmeisterschaften 1950 in Berlin“ vorgeführt werden.



Fußball am Mittwoch

Länderspiele

In Stuttgart: Deutschland—Schweiz In Saarbrücken: Saarland—Schweiz B In Darmstadt: Deutschland — Schweiz (Studenten) In Stuttgart: Süd — Schweiz (Sportpresse) In London: England — Jugoslawien Meisterschaftsspiele 1. Liga Nord FC St. Pauli — Vfß Oldenburg Eintracht Osnabrück —SV Itzehoe

Freundschaftsspiele

Bremer SV—Hertha BSC Berlin Hamburger SV—Eintracht Frankfurt (Gandersheim) Eintracht Gelsenkirchen—Schalke 04 Arminia Bielefeld—Preußen Münster Rhen. Würselen—Spvgg Andernach Hessen Kassel—TuS Neuendorf Tennis-Borussia Berlin—Spvgg Fürth

Die Toto-Quoten

Hessen. 1. Rang (10 richtige Tips) ein Gewinner mit 21 005 DM, 2. Rang 44 Gewinner mit je 477 DM, 3. Rang 449 Gewinner mit je 46,70 DM. Zusatzwette: (acht richtige Tips) zwei Gewinner mit je 3763 DM.

Württemberg-Baden- 1. Rang (12 richtige Tips) zwei Gewinner e 50 225 DM, 2. Rang 63 Gewinner je 1 593 . M, 3. Rang 913 Gewinner je 109,80 DM. Zusatzwette 3 329 Gewinner je 15 DM.

Bayern: 1. Rang (12 richtige Tips) zwei Gewinner je 53175 DM, 2. Rang 13 Gewinner je 8 180 DM, 3. Rang 246 Gewinner je 432,30 DM. Zusatzwette: 1. Rang (9 richtige Tips) ein Gewinner 24 419 DM, 2. Rang 40 Gewinner je 610,40 DM. — „Die internationalen Zehn“: 1. Rang (10 richtige Tips) 40 Gewinner je 731,20 DM, 2. Rang 975 Gewinner je 30 DM, 3. Rang 9 434 Gewinner je 3,10 DM.

Rheinland-Pfalz: 1. Rang 56 Gewinner mit je 2055 DM, 2. Rang 1903 Gewinner mit je 60,50 DM, 8. Rang 26 867 Gewinner mit je 4,30 DM. Im Kleintip gab es 124 Gewinner mit je 268,75 DM.

Nordblock. 1 Rang 37 Gewinner je 9717 DM, 2. Rang 1483 Gewinner je 242 DM, 3. Rang 26251 Gewinner je 13,70 DM,

98er Handballer in Nied

In einem Nachholspiel müssen die 98er am Buß- und Bettag erneut auswärts, diesmal in Nied, antreten.

Die Begegnungen zwischen Nied und Darmstadt 98 waren schon immer äußerst hart und spannend. Das bevorstehende Spiel hat noch erhöhte Bedeutung dadurch, daß der Sieger dieses Spieles den 3. Tabellenplatz einnimmt. — Nach dem unerfreulichen Spiel in Mombach, bei dem nach zwei Herausstellungen ein dritter Mombacher Spieler den Schiedsrichter mit zwei Faustschlägen traktierte, wäre zu hoffen, daß das Spiel bei allem Einsatzwiillen sich in sportlichem Rahmen bewegt. Jedenfalls werden - die 98er gut daran tun. sich auf Kampf einzustellen, um keine unangenehme Ueberraschung zu erleben; voraussichtlich wird auch Schäfer wieder zur Verfügung stehen.

Abfahrt der 1. und Reservemannschaft: 11.45 Uhr am Marstall.

In einem weiteren Spiel stehen sich in Offenbach die dortigen Kickers und die SG Dietzenbach gegenüber. Es wird also dort eine Art Vorentscheidung geben, denn beide Mannschaften sind noch ohne Punktverlust und haben alle Spiele bisher überlegen gewonnen. Einen Sieger kann man schwer Voraussagen.

Gruppenliga 4

Damit die Vereine während der Meisterschaftsrunde nicht in Terminnot geraten, werden auch am Buß- und Bettag einige Spiele ausgetragen. Es finden folgende Begegnungen statt: TG Rüsselsheim—TSV Braunshardt, SSC Alzey—SG Wörrstadt, SG Bretzenheim—VfL Herrnsheim.

In Rüsselsheim findet die Wiederholung des laut Spruchs des Schiedsgerichts annullierten Treffens, das bereite am 17. September ausgetragen wurde, statt. Favorisiert sind, die Platzherren, denen aber auch bei einem Punktverlust die Herbstmeisterschaft nicht mehr zu nehmen ist. Bei den Gästen geht es um den zweiten Tabellenplatz, denn ein Punktverlust würde sie auf den 3. Tabellenplatz zurückbannen. Auf jeden Fall werden sie den Rüsselsheimern einen heißen Kampf liefern und ihnen nichts schenken.

Zwei alte Bekannte treffen in Alzey aufeinander, wo sich der dortige SSC und die SG Wörrstadt gegenüberstehen. Den Einheimischen. darf man dabei die größeren Siegeschancen zurechnen.

Bretzenheim wird es auch zu Hause kaum möglich sein, gegen Herrnsheim zu einem Erfolg zu kommen. -th-

Die Spiele am 26. November

SV Waldhof—BC Augsburg (Sa) Kickers Offenbach—Darmstadt 98 Eintracht Frankfurt—lß6o München Schwaben Augsburg—FSV Frankfurt Vfß Stuttgart—Spvgg Fürth 1. FC Nürnberg—Vfß Mühlburg SSV Reutlingen—Schweinfurt 05 Bayern München—Vfß Mannheim VfL Neckarau—FC 04 Singen

2. Liga Süd

Ulm 46—FC Freiburg SG Arheilgen—l. FC Pforzheim TSV Straubing—SV Wiesbaden Union Böckingen—Viktoria Aschaffenburg 1. FC Bamberg—Hessen Kassel VfL Konstanz—Stuttgarter Kickers Bayern Hof—ASV Cham ASV Durlach—Wacker München Jahn Regensburg—SV Tübingen

Nach Offenbach

fahren am Samstag zum Spiel SV 98 gegen Kickers Offenbach folgende Gewinner unseres Wettbewerbs:

„DT-Schlachtenbummler“

1. Gewinner: Ludwig Müller, Darmstadt, Robert-Schneider-Str. 7; 2. Gewinner: Rudolf Apfel, Roßdorf, Müllerstraße 54; 3. Gewinner: Friedrich Schmuck, Wixhausen, Rebusgasse 2.

Die Schiedsrichtervereinigung des Kreises Dieburg hält am Buß- und Bettag in Dieburg eine Sitzung ab. Tagungsort: Gasthaus „Zur Insel“. Beginn 9.30 Uhr. RG

Infolge des Feiertages Buß- und Bettag erscheint unsere nächste Ausgabe am Donnerstag, 23. November, zur gewohnten Stunde

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1. Preisfrage: Eiidabstimniuiig Der beste deutsche Film der letzten \ Jahre ist meiner Meinung nach: Die beliebteste deutsche Filmschauspie- i lerin ist meiner Meinung nach: i Der beliebteste deutsche Filmschau- i spieler ist meiner Meinung nach: j Name i ■ Vorname ■ 1 : Beruf p : Alter |' i Wohnort f : Straße — - i

2. Preisfrage: „Wer ist’s“ ? Ijösnii^sscliein Am 25. September 1950 druckten wir Bildausschnitte von Fotos deutscher Film¬ schauspieler ab, deren Bilder wir in den laufenden Veröffentlichungen des DT- Filrr-Forums abgedruckt hatten. Sagen Sie bitte, aus welchen Bildern diese Aus¬ schnitte stammen. Setzen Sie bitte in die untenstehende Tabelle bei den Ziffern I—l 2 die Namen der Schauspieler ein, aus deren Bild jedesmal der Ausschnitt entnommen wurde. Senden Sie diese Liste bitte gut ausgefüllt mit Ihrem Namen an uns ein! 1 7 . 2. 8 _ : 3. 9 4. 10 5 11 6. 12 _ ■Jame: Vorname: __ Vohnort: „ Straße:

j 3. Preisfrage: Wollen Sie zur Probe- i anfnahme zum Film ? > Dann füllen Sie bitte den hier vorge- ; i druckten Zettel aus, setzen Sie Ihren i ; Namei. dazu und senden Sie ihn an uns i i ein. Sie müssen gleichzeitig ein recht ; : gutes Foto mit einsenden, das einem Gre- i i mium von Fachleuten zur Entscheidung i i vorgelegt wird. Sie erhalten dann bis i ; zum Samstag, dem 2. Dezember 1950, | i Bescheid, ob Sie im Wettbewerb zur = ; Auffindung neuer Filmgesichter in die i i engere Wahl gestellt worden sind. Falls Sie hierbei nicht mitmachen wollen, | streichen Sie bitte diesen Zettel durch! i [ | Ich beteilige mich am Wettbewerb zur Auffindung neuer Filmgesichter! ! Name i ; Vorname j Wohnort .. _ | | ! i Straße i ; Foto ist beigefügt! Name steht darauf! i

Noch eine Frage! 1. Haben Sie die einzelnen Folgen des Film-Forums gesammelt? 2. Haben Sie Interesse an der Belie¬ ferung mit einer Sammelmappe? 1. ja / nein 2. ja / nein (Nichtzutreffendes bitte streichen) Name _. Vorname Wohnort Straße

Bitte füllen Sie die obenstehenden Scheine für die Wettbewerbe, an denen Sie teilnehmen wollen, aus und senden Sie die^e b7™m

Bestattungen am Dienstag, dem 21.11.1950 Alter Friedhof: 14.30 Uhr: Schlüter, Pauline, 72 Jahre, Kahlertstraße 25 Waldfriedhof: 10.45 Uhr: Zarge®, Ernst Ludwig, Seeheim a. d. 8., Bergstr. 22 11.15 Uhr: Keßler, Magdalene, 75 Jahre, Viktoriastraße 66 13.45 Uhr: Becker, Friedrich, 53 Jahre, Pallaswiesenstraße 1. 14.15 Uhr: Dörr, Johannes, 87 Jahre, Gardistenstraße 16 14.45 Uhr : Dörr, Eva, 66 Jahre, Reinheim i. 0., Darmst. Str. 36.

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Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Buß- u. Bettag. 22. November 1950 Bessunger Kirche: 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Calgan; Stadtkirche: 10.00 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Knodt; Ver. Martinsgemeinde: 10.00 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Stüh¬ linger; 11.30 Kgd./Martinsstift Pfr. Köhler; 11.30 Kgd./ Gemeindehaus Pfr. Stühlinger; 17.00 Abendgd. Pfr. Köhler; Matthäusklrche: 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Stenger; Johannesgemelnde: 8.00 Frühgd. Pfr. Jaeschke; 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Jaeschke; Paul-Gerhardthaus: 10.00 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Ring; Pauluskirche: 8.00 Jgd. m. hl. Abdm. Pfr. Wintermann; 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Britz; Stadtmission: Bußtagfeier m. hl. Abdm. Pfr. Knell; Da.-Eberstadt: 9.45 Hgd.; 20.00 Beichtgel.; Da.-Arheilgen: 10.00 Hgd. m. anschl. Abdm.

Unser Danksagungsgottesdienst findet am Donnerstag, 30. November, 19 Uhr. statt. Erste Kirche Christi, Wissenschaftei Darmstadt, Taunusstraße 40

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Bekanntmachungen . Betr.: Kohlenprelse. Durch den augenblicklichen Mangel an Waggon-Leerraum zum Transport von Brennstoffen aus dem Ruhrgebiet nach Süddeutschland wird vorübergehend die Heranbringung der Kohle auf dem Landwege mit Lkw. erforderlich. Dies bedeutet erhöhten Frachtenaufwand gegenüber den Eisenbahn- oder Schiffsfrachten. Um der derzeitigen Brennstoffknappheit zu begegnen, ist der Regierungspräsident in Darmstadt vorübergehend bereit, auf Antrag die Berechnung der'Frachtmehrkosten im Anhängerverfahren zu genehmigen, sofern sich die Einkaufspreise mit den zulässigen Ab-Zeche-Preisen decken. Zur Erteilung einer entsprechenden Ausnahmegenehmigung bedarf es für jeden Einzelfall der Vorlage einer Kalkulation, die den Unterschiedsbetrag gegenüber den per Bahn oder Schiff bezogenen Brennstoffen aufweist. Lkw.-Transportkosten dürfen hierbei nur in tariflicher Höhe in Ansatz kommen. Eine eigenmächtige Erhöhung der Kohlenpreise ist verboten und wird nach den Bestimmungen des Wirtschaftsstrafgesetzes geahndet. Heppenheim, den 11. November 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Betr.: Abiturientenlehrgang filr Heimkehrer Das Hauptbüro Hannover des Evangelischen Hilfswerks wird voraussichtlich noch einen, und zwar den letzten staatlich anerkannten Abiturientenlehrgang mit 32 Plätzen im Christlichen Jugenddorf Adelheide über Delmenhorst von November 1950 bis April 1951 durchführen. Dieser Lehrgang steht allen Heimkehrern bzw. Kriegsteilnehmern offen, die im Besitz des Reifevermerks sind oder den fünfmonatigen Besuch der , früheren 7. Klasse nachweisen können. Bewerber dürfen indessen nicht nach der Kapitulation wieder eine höhere Schule besucht haben und müssen dies durch eidesstattliche Erklärung versichern.

Eine Aufnahmeprüfung findet nicht statt, doch erfolgt die endgültige Aufnahme erst nach zehntägiger Mitarbeit. Weitere Auskunft erteilt das Hauptbüro des Evangelischen Hilfswerks, Hannover-Kleefeld, Stephansstift. Heppenheim, den 17. November 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Bezirksfürsorgestelle Steuer- und Wirtschaftskalender für die Zelt vom 16. bis 30. November 1950 Ausschneldenl Autbewahrenl 20. November: Soforthilfe. Abgabe auf Grund der abgegebenen Vermögensaufstellung für Nichtlandwirte. 20. November: Soforthilfe. Abgabe auf Grund der abgegebenen Vermögensaufstellung für Land wirte in Höhe des halben Jahresbetrages. 20. November: Beförderungssteuer im Güterfernverkehr, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer. 24. November: Ortskrankenkasse. Letzter Tag, an dem der Beitrag für den Vormonat an die Allgemeine Ortskrankenkasse Darmstadt noch ohne Kosten gezahlt werden kann. 30. November: Feuerschutzsteuer. Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer. 30. November: Versicherungssteuer. Zahlung nach dem Prämienist-Betrag, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer für die monatlichen Zahler. 30. November: Ortskrankenkasse. Fälligkeit des Beitrags an die Allgemeine Ortskrankenkasse Darmstadt für den Monat November 1950. 30. November: Gewerbesteuer-Vorauszahlung 1950, 4. Rate. Letzter Tag der Zahlung an die Stadthauptkasse Darmstadt zur Vermeidung der Kosten. 30. November: Grundsteuer für den Monat November 1950. Letzter Tag der Zahlung an die Stadthauptkasse Darmstadt zur Vermeidung von Kosten. H. W. W.

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