Truman: Keine Ziele in China
Amerikas Prähdent versucht erneut des fernostkonflikts
Washington, 17. November. (AP.) Präsident Truman hat auf seiner jüngsten Pressekonferenz in Washington versichert, daß die Vereinigten Staaten „niemals zu irgendeiner Zeit die Absicht hatten, die Feindseligkeiten nach China hineinzutragen“.
Die Vereinigten Staaten würden vielmehr im Interesse des Weltfriedens und ihrer Freundschaft mit dem chinesischen Volk jeden mit ihrer Ehre vereinbaren Schritt tun, um eine Ausweitung der Feindseligkeiten im Fernen Osten zu verhindern.
Wenn die chinesischen Kommunisten ebenso wie die Vereinten Nationen den Wunsch hätten, im Fernen Osten Frieden und Sicherheit zu erhalten, würden sie sich nicht einer Obstruktion der Ziele der UN in Korea schuldig machen. Dagegen würden jetzt die Streitkräfte der Vereinten Nationen von Flugzeugen angegriffen, die yon Stützpunkten hinter der sicheren chinesisch-koreanischen Grenze operierten, und die rotchinesischen und nordkoreanischen Truppen würden von dort aus verstärkt mit Nachschub versorgt und ausgerüstet.
Truman fuhr wörtlich fort: „Wir haben niemals zu irgendeinem Zeitpunkt geplant, irgendwelche Feindseligkeiten auf chinesischen Boden zu tragen. Ich möchte unzweideutig feststellen, daß wir uns wegen unserer tiefen Hingabe an die Sache des Weltfriedens und unserer alten Freundschaft mit dem chinesischen Volk mit allen Mitteln ehrlich dafür einsetzen werden, daß die Feindseligkeiten im Fernen Osten sich nicht ausdehnen.
Wenn das chinesische Volk oder die kommunistischen Behörden des Landes etwas anderes glauben, dann ist dies nur deshalb, weil sie von denen getäuscht werden, für die eine Verlängerung und Ausdehnung der Feindseligkeiten im Fernen Osten entgegen den Interessen aller ostasiatischen Völker nur von Vorteil ist.
Indien rüstet
Neu-Delhi, 17. November (AP.) Die indische Regierung sei entschlossen, wegen der unsicheren Lage in Zentralasien eine „schlagkräftige und schnell bewegliche Armee“ zu unterhalten, erklärte Ministerpräsident Nehru vor dem Parlament.
Protest zurückgemiesen
Hongkong, 17. November (AP.) Das kommunistische China hat den Protest der indischen Regierung gegen die Invasion Tibets durch rotchinesische Truppen zurückgewiesen.
In der chinesischen Antwort wurde erklärt, es handle sich bei der Ausübung der chinesischen Souveränität über Tibet um eine innere Angelegenheit Chinas, das eine „fremde Einmischung nicht dulden“ würde.
Opel arbeitet weiter
Hi. Bonn, 17. November. (Eigener Drahtbericht.) Wie unserem Bonner Vertreter aus dem Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt wurde, ist auf Grund der Maßnahmen, für die sich der Bundeswirtschaftsminister persönlich verwandt hat, der akute Kohlenmangel bei der Adam Opel A. G. in Rüsselsheim behoben worden. Nachdem zunächst fünftausend Tonnen Kohle geliefert wurden, hat das Werk nach Rücksprache seines Beauftragten mit der Deutschen Kohlenbergbauleitung darüber hinaus weitere Kohlenmengen erhalten, so daß nach Meinung des Bundeswirtschaftsministeriums die Kohlenschwierigkeiten für die nächsten vier Wochen behoben sind.
„Deutschland muß bewaffnet werden“
Erklärung des amerikanischen Generalstabschefs Bradley
Atlanta, 17. November. (AP.) Der amerikanische Generalstabschef General Bradley hat sich in Atlanta dringend für eine Wiederbewaffnung Deutschlands ausgesprochen.
Der Atlantikpakt müsse dem deutschen Volk die Möglichkeit zur Selbstverteidigung im Falle eines Angriffes auf die westlichen Nationen geben. Dies bedeute nicht, daß die Deutschen „mit völlig freier Hand“ in den Pakt aufgenommen werden sollen. Es müsse gelingen, einen Plan zur gegenseitigen Verteidigung zu entwerfen, in welchen man die deutschen Produktionsquellen und die deutschen Menschen miteinschalten könne. Die Verteidigung Europas solle so weit östlich geschehen wie möglich.
Die Zeit dränge, so erklärte Bradley. Ein wiedererstarktes Westeuropa sei eine der großen Hoffnungen für die Verteidigung der Freiheit und für die Verbesserung der Aussichten für den Frieden. Sobald das Problem der deutschen Beteiligung gelöst sei, könne man sich mit der Aufstellung einer vereinigten Verteidigungsstreitmacht für Westeuropa befassen.
Bradley betonte, daß das amerikanische Volk die Idee eines Präventiv-Krieges strikt ablehne. Es müßten alle Anstrengungen unternommen werden, um die „Tür zu Verhandlungen nicht zuzuschlagen“. Die Vereinigten Staaten würden mit Freuden die Atombombe für einen „echten Kurs des Rechtes in der Welt“ hingeben. „Wir würden“, so schloß der General, „unsere gesamte Militärmacht für ein Jahrhundert des Friedens eintauschen.“
Ernsthafte Aussichten
Schuman zur Rüstungsfrage
Paris, 17. November, (dpa) Der französische Außenminister Schuman erklärte im Rat der Republik, es bestünden ernsthafte Aussichten für eine französisch-amerikanische Einigung über das Problem der deutschen Wiederbewaffnung.
94 Tote
Belgrad, 17. November, (dpa) Vierundneunzig Personen sind am Freitag beim Kentern einer Fähre auf der Save ums Leben gekommen.
Amerikanischer Durchbruch in Korea
Zunehmende Partisanentätigkeit in den besetzten Gebieten
Tokio, 17. November. (dpa/AP.) Amerikanische Panzertruppen haben am Freitag bei mäßigem Frost in Nordostkorea die feindlichen Stellungen südlich von Kapsan durchbrochen und sind bis zu einem Punkt 36 Kilometer vor der mandschurischen Grenze vorgestoßen.
Mit dieser Offensive der siebenten Division, die den Nordostteil Koreas abschneiden soll, wurden chinesische und nordkoreanische Verbände aus gutausgebauten Stellungen geworfen. Als die amerikanische Panzerspitze zwei Gegenangriffe abgeschlagen hatte, fluteten die kommunistischen Verbände nach Norden zurück.
Die Lage war am Freitag durch ein Aufleben der kommunistischen Partisanentätigkeit in Mittel- und Südkorea gekennzeichnet. Guerillaverbände griffen das Städtchen Kapyong, 50 km nordöstlich von Söul, an und setzten den größten Teil der Häuser in Brand.
Nach einer Mitteilung aus dem Hauptquartier General Mac Arthurs sind die Partisanenverbände völlig reorganisiert und unter ein zentrales Kommando gestellt worden. Allgemein werde angestrebt, die Nachschub - linien der UN-Truppen zu zerstören.
Im Nordwesten drangen amerikanische Patrouillen bis zu 10 km nördlich von Pakchon vor, ohne auf Widerstand zu stoßen. Gleichzeitig hat die 24. US-Infanteriedivision fünf Kilometer nördlich von Yongbion neue Stellungen bezogen.
Die Karte gibt einen Überblick über die wichtigsten Kraftwerke und Häfen in Nordkorea Karte: Globus
Niemöllers Rede wurde unterbrochen
Er sprach vor seiner alten Gemeinde in Berlin-Dahlem
Berlin; 17. November. (AP.) Zu heftigen Tumulten kam es bei einer Rede des hessischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller im evangelischen Gemeindehaus in Berlin-Dahlem. Niemöllers Äußerungen zur Frage der Wiederbewaffnung Westdeutschlands wurden von einem Teil der Anwesenden ständig durch ablehnende Zwischenrufe kommentiert.
Niemöller behauptete, die achtzehn Millionen Deutschen in der Sowjetzone hätten nur in den deutschen Menschen des Westens ihre Nächsten. Die Engländer und Amerikaner seien den Deutschen in der Sowjetzone schon lange keine Nächsten, denn „sie kennen überhaupt keine Nächsten“, und die Franzosen wären „froh und dankbar“ wenn diese achtzehn Millionen Deutschen tot wären.
An dieser Stelle wurde Niemöller durch energische Zwischenrufe zum Abtreten aufgefordert. Er mußte seine Rede unterbrechen und ein Kirchenlied singen lassen.
Zuvor hatte er die Stellung der „Russen, Polen und Tschechen“ gegenüber den Deutschen in der Sowjetzone dahingehend definiert, daß es diesen „völlig egal“ wäre, ob die Deutschen lebten oder stürben. Niemöller stellte am Beginn seiner Rede fest, der Westen habe den Osten Deutschlands ausdrücklich herausgefordert, seinen eigenen Staat zu bilden, der nicht demokratisch sei. Dabei könne aber auch nicht gesagt werden, daß dieses Attribut für den westdeutschen Bundesstaat zutreffe.
Niemöller wandte sich gegen die Parolen, durch die eine Wiedergewinnung des deutschen Ostens propagiert werde. Das sei das „Spiel mit dem Krieg“. Unter anderem griff Niemöller die Presse scharf an und behauptete, diese lüge grundsätzlich. Vor den Parteien sagte er, es gebe keine christliche unter ihnen.
Wer die Möglichkeit der Befreiung der Menschen hinter dem Eisernen Vorhang propagiere, sei ein „Hochstapler“. Wer in der augenblicklichen Situation die Waffe in die Hand nehme, sei ein Narr.
Auf die Vorkommnisse nach dem sowjetischen Einmarsch in Ostdeutschland und Berlin anspielend, sagte er, es würde weniger Schändungen von Frauen geben, wenn nicht mit der Waffe gekämpft werde. Er, Niemöller, würde dann „ein Stuhlbein“ nehmen. Aber auch Gebete hätten schon geholfen. Divisionen könnten auf jeden Fall Schändungen von Frauen nicht verhindern. Auch bei dieser Stelle traf Niemöller wieder auf heftigen Widerspruch der Anwesenden.
Schließlich meinte er, die Wiederbewaffnung des Westens würde den Brüdern im Osten jede Möglichkeit rauben, eine Widerstandsfront aufzubauen. Eine Erklärung dafür gab er nicht.
Um Niemöller
♦** Die Gläubigen in der evangelischen Kirche befinden sich in einer übergroßen Zahl seit Wochen in einer seelischen Krise. Sie ist hervorgerufen worden durch den Kirchenpräsidenten Martin Niemöller, der wiederholt Reden gehalten hat, die auch in evangelischen Kreisen Widerspruch hervorriefen. Niemöller ist gegen die westdeutsche Wiederbewaffnung. Das ist sein gutes Recht. Die Form aber, in der er sich äußerte, hat zweifellos nicht allein im In- und Auslande politischen Schaden, sondern bei vielen Gläubigen schwere seelische Verwirrung hervorgerufen.
Auch innerhalb der evangelischen Kirchenleitung ist es dadurch zu einer Krise gekommen. Sie wurde am Freitag in einer Kirchenkonferenz der evangelischen Kirchen in Deutschland besprochen, in der man versuchen will, eine gültige Stellungnahme zur innen- upd außenpolitischen Lage zu formulieren. Niemöller war von kirchlicher Seite gebeten worden, von einer Rede am Vorabend der Kirchenkonferenz Abstand zu nehmen. Er hat sich jedoch über diesen Wunsch hinweggesetzt und neue Erklärungen abgegeben, die von weiten Kreisen der verantwortlichen Kirchenführer mißbilligt werden, insbesondere seine scharfen Angriffe gegen die westlichen Alliierten. Deshalb steht auch, wie verlautet, die Abberufung Niemöllers von seinem Posten als Leiter des kirchlichen Außenamtes zur Debatte.
Den Bericht der Associated Press (AP.) über die Dahiemer Rede Niemöllers geben wir an anderer Stelle ungekürzt wieder. Da sich die Kirchenkonferenz mit der Rede befaßt, wollen wir uns einstweilen noch einer Stellungnahme enthalten. Wir müssen uns jedoch entschieden gegen die Aeußerung Niemöllers verwahren, „die Presse lüge grundsätzlich“. Die verantwortlichen Redakteure der deutschen Zeitungen werden es sich überlegen, ob sie es mit ihrem eigenen Ehrgefühl verantworten können, weiterhin über die verwirrenden Aeußerungen Niemöllers zu berichten, wenn er von vomeherein die Glaubwürdigkeit ihrer Berichte bestreitet. Bisher hat unseres Wissens noch kein westdeutscher Journalist dem Kirchenpräsidenten die subjektive Ehrlichkeit abgesprochen. Bezweifelt wurden nur seine realpolitische Einsicht und Klugheit, sowie sein Vermögen, die Tragweite seiner Reden objektiv abzuschätzen. Nach seiner letzten Aeußerung über die Presse kann man sich weitergehenden Zweifeln nicht verschließen.
Nüsse, die zu knacken sind
Von Erich DombrowskiWenn Frau Schmidt Geburtstag hat, legt sie ein Zehntel der Kuchen für ihre Kinder beiseite, ehe die Gäste kommen. Sicher ist sicher. Das deutsche Volk soll künftig nach den Wünschen der Alliierten ein Zehntel seines Sozialproduktes, also seiner gesamten jährlichen Einnahmen, abzweigen für seine Rüstung. Die Alliierten schätzen dieses Sozialprodukt auf neunzig Milliarden Mark. Ein Jahr vor dem Weltkriege errechnete Helfferich es, und zwar für das ganze Reichsgebiet, auf sechzig Milliarden. Unnötig zu sagen, daß dieser Unterschied in nahezu vierzig Jahren keinen wirklichen Einkommenszuwachs bedeutet. Eher das Gegenteil. In dieser hinaufgeschnellten Ziffer drückt sich lediglich die (internationale) Kaufkraft-Entwertung des Geldes aus Einen ungefähren Maßstab für das Tempo und den Umfang dieser Geldminderung bekommt man, in das Alltagsleben greifend, durch einen Vergleich mit dem Preis eines Nahrungsmittels, das sozusagen zwischen Luxus- und Durchschnittsbedarf liegt. Ein Pfund Schinken kostete damals 1,20 Mark. Heute 3,60 Mark und noch mehr, je nach dem Standort der Metzgerei. Mit anderen Worten: unsere Einkommensverhältnisse sind, nach zwei verlorenen Kriegen, nach großen Gebietsverlusten, Rohstoff- und Nahrungsquellen, nach zwei Inflationen obendrein, außerordentlich zusammengeschrumpft. Nur durch unermüdlichen Unternehmungs- und Erfindergeist, vor allem aber durch rastlose Arbeit können wir allmählich das wieder wirtschaftlich und sozial aufholen, war wir verloren haben. Dieses Wieder auf steigen aus der Tiefe wird nun durch die bevorstehende Rüstung, wenn nicht aufgehalten, so doch stark gehemmt. Denn diese zehn Prozent, die wir fortan als Lebensversicherungsprämie jährlich unserem Volkseinkommen entnehmen sollen, werden dem Konsum entzogen und wirtschaftlich unproduktiv angelegt. Das ist der Preis, den wir für unsere persönliche und nationale Sicherheit, für unsere Freiheit und Selbstbestimmung zu entrichten haben werden. Wie würde sich das auf unsere wirtschaftliche Struktur, wie auf unsere Lebensführung auswirken? Stehen wir vor einem Gestaltenwandel? Ist es Neuland, das wir in dieser Zeit, da jeder Tag uns durch Ueberraschungen aufrüttelt, betreten? Oder kehren wir, im Kreise wirbelnd, wieder in wirtschaftliche Daseinsbezirke zurück, die uns noch aus der jüngsten Vergangenheit, ach so unangenehm, vertraut sind? Sind die wirtschaftlichen Begleiterscheinungen eines kalten Krieges die gleichen wie die eines heißen Krieges? Kurz: droht uns eine neue Kriegs-Planwirtschaft? *
Wenn wir, abgesehen von der Aufstellung einer Bereitschaftspolizei so und so viel Divisionen als unseren Wehrbeitrag in die kommende europäische Armee einzugliedern haben, ist es nicht mit der bloßen Einziehung, Besoldung und Unterhaltung dieser erforderlichen Soldaten getan. Sie müssen auch mit allen modernen Waffen, mit Gewehren, Kanonen und Panzern versehen werden. Das Material dazu würde vonden Amerikanern geliefert werden. Die Frage der Bezahlung steht noch aus. Aber ebenso wichtig ist die Unterbringung in Kasernen, und noch wichtiger werden die Festungsanlagen der alliierten Sicherungstruppen in Deutschland selbst sein. Wir befinden uns, fern von jeder Angriffslust, in einer Abwehrstellung gegenüber einem etwaigen russischen Massensturm. Dazu genügt, als Schutz gegen Ueberraschungen. nicht bloß die Stationierung von. Truppen, dazu sind auch bauliche militärische Vorkehrungen großen Umfangs notwendig, um der Gefahr
eines Ueberranntwerdens zu begegnen. Der Ueberrumpelungsversuch in Korea steckt der ganzen Welt noch in den Gliedern. Diese baulichen Maßnahmen würden, finanziell gesehen, einige Milliarden beanspruchen, ohne daß man seine Phantasie allzusehr anzustrengen brauchte. Die deutsche Industrie würde sie auszuführen haben und so einen Teil ihrer Produktion, anstatt sie dem unmittelbaren Güteraustausch zukommen zu lassen, zunächst einmal dafür verwenden. Denn diese Ansprüche werden ein Prioritäts-, also ein Vorzugsrecht haben. Von der Bau- und Stahlindustrie wird sich dieser überstürzte Bedarf in feiner Verästelung auf alle möglichen anderen Produktionszweige erstrecken. Das ganze wirtschaftliche Ge-
füge wird, zunächst einmal für die nächsten zwei bis drei Jahre, davon berührt werden. Der innerdeutsche Konsum wird durch diese Vorrangstellung der Produktion für militärische Zwecke auf der einen Seite und durch die Aufbringung der finanziellen Mittel für die Rüstung auf der anderen Seite beschränkt werden. Wird sich daraus, notwendigerweise, eine Plan- oder Zwangswirtschaft ergeben, um die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bevölkerung, in gerechter Verteilung, zu befriedigen? Ja, auch nein. Es wird nur-halb so schlimm sein. Immerhin sollte man sich doch einiges überlegen. Zunächst einmal handelt es sich nur um ein Uebergangsstadfum, wenn auch von einer gewissen Dauer. Zum anderen ist Deutschland nicht, wie im Kriege, blockiert und steht heute bereits, wenn auch mit mancherlei Beschränkungen, doch schon wieder mitten in der Weltwirtschaft. Eine staatlich regulierte Zuteilung der Lebensmittel und sonstigen Bedarfsartikel steht daher überhaupt nicht zur Debatte. Wohl aber droht, bei den militärischen Vorrechtsansprüchen, eine Kontingentierung verschiedener Rohstoffe, also ihre Beschränkung für den zivilen Bedarf. Wieweit das zum Beispiel Einfluß auf den sozialen Wohnungsbau haben wird, läßt sich zur Stunde noch nicht sagen, da alles noch in der Schwebe ist. Aber das ist nur ein Moment von den vielen. Denn eine dosierte Rohstoffzuweisung würden Industrie und Handel in ihren letzten Ausläufern zu spüren bekommen. Auch auf die Beschäftigung der Arbeiter und Angestellten würde das nicht ohne Einfluß bleiben, wenn andererseits auch die Neubeanspruchung von Arbeitskräften für militärische Zwecke dadurch mehr als wettgemacht werden würde. In Amerika, wo die Kriegsproduktion bereits auf vollen Touren zu laufen anfängt, hat der Präsident sich bereits alle Vollmachten für eine Rohstoff-Rationierung geben lassen, und man spricht bereits davon, sie gegebenenfalls international zu regeln. ♦
In welcher Lage sieht siqh nun der einzelne gegenüber diesen wirtschaftlichen Veränderungen? Allem anderen voran muß er sich darauf einstellen, daß ihm ein weiterer Teil seines Einkommens durch die Steuern entzogen werden wird. Selbstverständlich will man dabei die minderbemittelten Schichten möglichst schonend behandeln. Es wird, was die Familie angeht, sich dabei weniger um direkte als um indirekte Steuern, weniger um sichtbare als um unsichtbare drehen. Bei der Einkommensteuer wird man keine Erhöhung der Stufen vornehmen, aber gewisse Vergünstigungen des Frühjahrs fortfallen lassen. Man wird das Benzin steuerlich stärker belasten. Man wird aber vor allem auch die Umsatzsteuer hinaufsetzen. Das wird die Menschen allerdings an ihrem empfindlichsten Nerv treffen, auch wenn die alltäglichen Verbrauchsartikel, mithin die Lebensmittel, davon ausgenommen werden sollen. Es handelt sich dabei um eine ausgesprochen progressive Steuer, die in ihrem Gesamteffekt um so höher ist, je mehr Haltestellen durchlaufen werden, wie wenn der Schaffner des Omnibusses nach jedem Stop neu kassieren würde. Den letzten, den Konsumenten, aber beißen die Hunde. Er, der sich seufzend sagt, der treueste Hund ist der, auf den man kommt, blecht die ihm unsichtbare Steuer in einem ihm recht sichtbaren Warenpreis, in den die Steuer auf den Zwischenstufen mehr oder weniger einkalkuliert wird. Dem Fabrikanten und dem Händler wird das auch durchaus angemessen erscheinen, da das Warenangebot durch die vorzugsweise Inanspruchnahme der Produktion für Rüstungszwecke, und damit auch sein eigener Umsatz, nachlassen wird. Auf einen Nenner gebracht bedeutet das: die einzelne Familie wird, in dieser oder jener Form, mehr Steuern und gleichzeitig höhere Preise zu bezahlen haben. Daraus wird sich dann eine natürliche Konsum-Ein-
schränkung jedes einzelnen ergeben. Und nicht nur das. Auch die Sparmöglichkeiten werden sich wesentlich verringern. Das ist eine sehr ernste Angelegenheit, die über die noch immer recht bittere Existenz von Millionen Menschen hinausgeht, weil sie die weitere wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung infolge mangelnden Kapitalzuflusses gefährdet. Krediterweiterungen können aber nur im Verhältnis zum wachsenden produktiven Wirtschaftsumfang vorgenommen werden. Militärische Sach- und Personalleistungen aber sind in diesem Sinne unproduktiv. Die Spuren der Helfferichschen Kriegsanleihen und der Schachtschen Mefo-Wechsel schrecken. Diese Methoden von Seifenblasen-Krediten haben uns zweimal in eine Inflation hineinrutschen lassen. Allerdings werden wir vom Auslande einen neuen Antrieb durch umfangreiche Aufträge von Gütern erhalten, die zwar nicht direkt die Rüstungsbedürfnisse der westlichen Welt befriedigen sollen, die aber überall da Lücken auszufüllen haben, die in anderen Ländern, nicht zuletzt in Amerika, durch die Ueberbeanspruchung der Industrie für militärische Aufgaben entstehen werden. Das wird zu mehr Export und damit auch zu einer Kräftigung unseres inneren Marktes führen. Wir werden, zusammenfassend, durch Mehrarbeit, nicht zuletzt für das Ausland, das wieder wettzumachen versuchen, was wir für die Rüstung jetzt zusätzlich auszugeben haben werden. Um ein Wort Goethes variiert zu gebrauchen: Die Not der Zeit gibt uns die Nüsse. Knakken müssen wir sie selber.
Persönliche Zustimmung nötig
Zinnkann zu Auslieferungs-Verfahren
Wiesbaden, 17. November. (Eigener Bericht.) Nur mit ausdrücklicher persönlicher Zustimmung des Innenministers dürfen deutsche Staatsangehörige innerhalb des Landes Hessen an die Besatzungsmacht oder fremde-'-Mächte ausgeliefert werden. Die Auslieferung ist bis zur Erteilung der Zustimmung zu verweigern. Diese Anordnung erließ Innenminister Zinnkann an die Polizeibehörden und kommunalen Dienststellen des Landes Hessen. Der Minister kündigte disziplinarische Maßnahmen gegen alle Beamten an, die dieser Anordnung zuwiderhandeln.
„Unerschütterlicher Optimismus“
Knothe über SPD-Landespolitik
Frankfurt, 17. November, (dpa) Die Sozialdemokratische Partei fühle sich von dem unerschütterlichen Optimismus getragen, weiterhin die stärkste Partei in Hessen zu bleiben, erklärte der hessische Landes- und Bezirksvorsitzende der SPD, Willi Knothe, auf einer Pressekonferenz.
Durch eine Nachwahl wurde die La¬ bour-Mehrheit im britischen Unterhaus auf fünf Sitze verringert.
Bundesrat beschließt Mineralölstener-Geset
Verteuerung des Benzins um zehn, des Dieselöls um sieben Pfennig
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 17. November. (Eigener Drahtbericht.) Die Einführung einer Autobahnbenutzungsgebühr hat sich am Freitag im Bundesrat erledigt. Sie erübrigt sich infolge einer Steuer auf alle Mineralöle, die der Bundesrat an Stelle der von der Bundesregierung vorgeschlagenen Treibstoffsteuer beschlossen hat und die das Benzin statt um fünfzehn nur um zehn Pfennig pro Liter, den Dieselkraftstoff um sieben Pfennig pro Kilogramm verteuern wird.
Bundesfinanzminister Schäffer erklärte sich im Bundesrat mit den Abänderungsvorschlägen einverstanden und sagte zu, daß er sie dem Kabinett zur Annahme empfehlen wird. Es dürfte von schwerwiegender Bedeutung sein, daß mit Ausnahme der Hochseeschiffahrt und der Hochseefischerei, die ihren Treibstoff von Zollverschlußlägern beziehen werden, keine weiteren Privilegien bei der Mineralölsteuer vorgesehen sind. Ein Antrag des Agrarausschusses des Bundesrats, Binnenfischerei und Landwirtschaft auszunehmen, fand im Bundesrat keine Unterstützung. Auch schaffe die Steuerbegünstigung von Treibstoff und ähnlichem eine Quelle für den Schwarzhandel und gerade dies müsse im Hinblick auf die Zukunft vermieden werden. Der Bundesfinanzminister knüpfte in der öffentlichen Bundesratssitzung an Ausführungen an, die er in der vergangenen Woche in einer vertraulichen Sitzung des Bundesrats gemacht hatte, und stellte fest, daß bei einem Einnahmeausfall von über 500 Millionen Mark im nächsten Etatjahr allein an sicheren Ausgaben infolge vermehrter Aufwendungen für Sozialleistungen 1,5 Milliarden DM aufgebracht werden müßten. Unsichere Ausgaben, wie etwa ein Verteidigungsbeitrag,
waren in dieser Berechnung des Ministers nicht enthalten.
Obgleich die neue Mineralölsteue^ pro Monat 39 Millionen Mark und zusammen mit der Besteuerung der Bestände in den letzten beiden Monaten dieses Jahres mit insgesamt 147 Millionen Mark noch einige Millionen mehr einbringt, als die Steuervorschläge der Bundesregierung eingebracht hätten, sah der Bundesrat auch deshalb von jedem Abzug ab, weil der Finanzminister betonte, die erübrigten Millionen für das DeutscheJugendw e r k zu benötigen.
•Entscheidende Voraussetzung für den Beschluß über die Mineralölsteuer war für den Bundesrat die Zusage des Ministers, daß das Bundesverso rgungsg e s e t z im Hinblick auf diesen Bundesratsbeschluß in Kraft gesetzt werden kann. Bekanntlich hatte die Bundesregie-
rung ihre Steuervorschläge damit begründet, daß der Bundeshaushalt infolge der Bundestägsbeschlüse zum Bundesversorgungsgesetz nicht mehr ausgeglichen sei.
Verkehrsgewerbe lehnt ab
Frankfurt, 17. November, (dpa) Das Verkehrsgewerbe lehnt eine Mineralölsteuer ab, auch wenn dadurch das Verkehrsgewerbe weniger belastet würde als durch eine Treibstoffsteuer oder Autobahngebühr.
Die Zentralarbeitsgemeinschaft des Verkehrsgewerbes in Frankfurt äußerte am Freitag die Befürchtung, daß ein großer Teil der Verkehrsbetriebe bei erhöhter Steuerbelastung wegen mangelnder Rentabilität stillgelegt werden müßte. Damit würde für den Fiskus ein Steuerausfall statt der erhofften zusätzlichen .Steuereinnahmen eintreten.
Aus blinder Liebe Mörder geworden
Schmidt zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt
Frankfurt a. M., 17. November, (dpa) Der 28jährige Maschinenschlosser Heinrich Schmidt wurde am Freitag vom Frankfurter Schwurgericht wegen Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub zu lebenslänglichem Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Schmidt hatte am 4. Oktober die 59jährige Frau des Kohlenhändlers Hameister in ihrer Wohnung mit einem Beil erschlagen.
Ausgangspunkt der Tat war die Liebe des Arbeiters zu einem Mädchen, das die Zuneigung nicht erwiderte. Schmidt machte dem Mädchen Geschenke, deren Wert weit über seine Einnahmen hinausging. Er unterschlug für 3000 Mark Kohlen seines Arbeitgebers und verkaufte sie an den Kohlenhändler Hameister. Als Schmidt eine Rate eines auf Abzahlung gekauften Plattenspielers nicht zahlen konnte, drang er in die Wohnung der Familie Hameister ein, um dort Geld zu stehlen. Er wurde von Frau Hameister überrascht und schlug mit einem Beil viele Male auf sie ein. Dann nahm er die Geldbörse der Frau mit 120 Mark an sich und ging, nachdem er von dem Geld Geschenke gekauft hatte, zur Geburtstagsfeier des von ihm verehrten Mädchens.
Sachverständige bezeichneten Schmidt als schüchternen Menschen, der in der Pubertät stecken geblieben sei. In seinem Schlußwort sagte der Angeklagte: „Ich habe nicht töten wollen, ich bereue.“ In der Urteilsbegründung erklärte das Gericht, daß ein Mörder sein Opfer selten so furchtbar zugerichtet, selten aber auch ein Täter so leidzerquält auf der Anklagebank gesessen habe. Schuld an, der Tat rnüsse auch der Familie des Mädchens zugesprochen werden. Sie habe Geschenke angenommen, ohne zu fragen, woher sie kamen. Der Angeklagte hätte in richtigen Händen ein guter Mensch bleiben können.
Pleil widerruft
Braunschweig, 17. November, (dpa) Nach achtzehntägigem Prozeß verurteilte das Braunschweiger Schwurgericht den Massenmörder Rudolf Pleil und seine Komplicen Karl Hoffmann und Konrad Schüßler zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Mit diesem Urteil ist der bisher größte Mordprozeß der Nachkriegszeit beendet worden.
Pleil widerrief — als das Gericht den Saal bereits verlassen hatte — einen Teil seiner Geständnisse und beauftragte seinen Rechtsanwalt Fritz Hallermann, sofort Revision einzulegen.
Niemöller: Nur „ein“ Zwischenrufer!
Der Kirchenpräsident dementiert / Die Presse bleibt bei ihrer Darstellung
Hamburg, 17. November, (dpa) Zu den Vorgängen während der Rede des hessischen Kirchenpräsidenten D. Martin Niemöller am Donnerstag in Berlin-Dahlem übergab der Privatsekretär Niemöllers, Dr. Beyer, am Freitag eine Erklärung. Darin heißt es, daß „e i n CDU-Mitglied, ein Katholik, durch Zwischenrufe Unruhe zu schaffen versucht“ hätte. Die Gemeinde sei darauf den Störversuchen mit dem Gesang des Chorals „Erhalt uns, Herr bei Deinem Wort“ begegnet, um dann in größter Ruhe und Aufmerksamkeit den Vortrag Niemöllers bis zum Ende anzuhören.
Im Gegensatz zu dieser Erklärung muß die Deutsche Presse-Agentur an der Richtigkeit ihrer Berichterstattung über die Niemöller-Rede festhalten. Die West-Berliner Presse berichtet über die Vorfälle in Eigenberichten wie folgt:
„Der Tag“: Unter der Ueberschrift „Lärm um Niemöller“ beißt es, daß Niemöller versucht habe, Gegensätze zwischen evangelischer und katholischer Kirche aufzureißen. Es sei zu ernsten Entrüstungsrufen aus der Hörerschaft gekommen, und als Niemöller fortgefahren habe, „die Engländer und Amerikaner haben außer sich selbst keinen Nächsten“, sei ein Entrüstungssturm ausgebrochen, der auch nicht aufhörte, als Niemöller einen Choral anstimmen ließ, um die Ruhe wiederherzustellen.
Chefredakteur Müller-Jabusch schreibt im „Abend“, die Behauptung des Kirchenpräsidenten, daß Frankreich ruhiger schlafe, wenn die 20 Millionen Deutschen in der Sowjetzone tot wären, weil dann das Kräftepotential beider Völker ausgeglichen wäre, grenze an Verleumdung. „Er begegnete dem stürmischen Widerspruch damit, daß er einen Choral anstimmen ließ. Das ist mindestens geschmacklos.“
Unter der Ueberschrift „Stürmischer Verlauf der Dahiemer Versammlung“ berichtet der „Kurier“, daß Niemöller bei seinen Ausführungen über die Engländer und Amerikaner einerseits durch den Beifall seiner Anhänger, andererseits durch Zwischenrufe wie „pfui, unerhört, abtreten, Unverschämtheit“ unterbrochen wurde. „Als sich Lärm und Zwischenrufe zu Tumulten steigerten, stimmte der Kirchenpräsident den Choral an.“
Volle Einigung erzielt
Polizei-Konferenz des Bundes und der Länder
Stuttgart, 17. November. (AP.) Polizeifachleute der elf westdeutschen Länder unter Vorsitz eines Beauftragten des Bundesinnenministeriums sind auf ihrer Konferenz über die Organisation und Ausrüstung der künftigen deutschen Bereitschaftspolizei zu einer völligen Einigung gelangt.
Wie mitgeteilt wurde, soll jede Abteilung der Polizei aus vier Hundertschaften, davon eine technische, bestehen. Die Bereitschaftspolizei soll voll motorisiert werden, doch sind keine geländegängigen Fahrzeuge vorgesehen. Bei der Bewaffnung sollen nur solche Waffen verwandt werden, die für den polizeilichen Einsatz notwendig sind. Das Eintrittsalter für die Polizei soll 19 bis 25 Jahre betragen. Für die leitenden Beamten, bei denen eine polizeiliche Vorbildung gefordert wird, sind Lehrgänge von vier bis- acht Wochen geplant. Die Einzelheiten für die fernmeldetechnische und kraftfahrzeugtechnische Ausrüstung sollen von zwei Kommissionen ausgearbeitet werden.
Geflüchtet
Berlin, 17. November. (AP.) Das gesamte leitende Personal der polnischen Handelsvertretung in O s t - B erl i n ist nach dem Westen geflüchtet.
Stimmen der Anderen
Das wort wägen
Zum sowjetischen Vorschlag, die Viererbesprechung über Deutschland wieder aufzunehmen, schreibt der Chefredakteur der „Zeit“, Hamburg, Richard Tüngel:
„Es ist ein großes Spiel, das er (der Kreml) spielt. Ein Spiel, das darauf ausgeht, die Vereinigten Staaten aus Europa zu verdrängen. Auf sehr geschickte Weise ist es den Sowjets gelungen, die mobilen amerikanisehen Streitkräfte in Korea zu binden. In dem Augenblick, in dem man allgemein in der westlichen Welt hofft, daß der koreanische Zwischenfall abgeschlossen sei, griffen rotchinesische Truppen ein, und einstweilen ist noch nicht abzusehen, wie dieser neue Konflikt beendet werden kann.
Für diejenigen Amerikaner, die der Meinung sind, die Vereinigten Staaten sollten nur eine Politik treiben, die der Verteidigung des eigenen Landes dient, und sollten nicht den Polizisten spielen, wird diese Ausbreitung des koreanischen Konfliktes eine neue Versuchung sein, sich von ihren sonstigen Verpflichtungen in der Welt zu lösen. Hinzu kommt, daß diejenigen Republikaner, die es für richtig hielten, Europa mehr oder weniger sich selbst zu überlassen, seit den letzten Wahlen erheblich an Einfluß gewonnen haben. Da könnten dann unbedachte Äußerungen, wie sie in den europäischen Parlamenten und in der europäischen Presse in letzter Zeit fast täglich fielen, sehr leicht ein Gewicht erhalten, das ihnen ursprünglich nicht zugedacht war. Gerade in Deutschland sollte man dies bedenken. Vieles, was hier ehrgeizige Politiker, im Verein mit religiösen Sektierern, mißvergnügten Offizieren und rechtsradikalen Wirrköpfen auf allen Gassen predigen, ist wohl geeignet, neues Mißtrauen gegen uns zu erwecken . . . “
Die vertriebenen Beamten
Ein neuer Gesetzentwurf
Bonn, 17. November. (AP.) Die Vertreter der Regierungsparteien im Beamtenrechtsausschuß des Bundestages haben einen eigenen Gesetzentwurf über die Unterbringung der vertriebenen Beamten und Berufssoldaten nach Artikel 131 des Grundgesetzes ausgearbeitet.
Der Entwurf stellt fest, daß die unter Artikel 131 fallenden Personen rechtlich den sonstigen Angehörigen des öffentlichen Dienstes gleichgestellt werden. Beförderungen sollen anerkannt werden, sofern sie nicht beamtenrechtlichen Vorschriften widersprechen oder überwiegend mit Rücksicht auf die Verbindung zum Nationalsozialismus vorgenommen worden sind.
Die Kohlenzuteilung
Bonn, 17. November, (dpa) Die Kohlenzuteilungen für die Betriebe der Ernährungsindustrie und der Landwirtschaft bleiben im November im wesentlichen unverändert. Nach Mitteilung des Bundesernährungsministeriums wird deshalb, wenn die Kohlenförderleistung nicht absinkt, bei diesen Betrieben kein Versorgungsengpaß auftreten. Nur bei der Genußmittelindustrie sollen die Kohlenzuteilungen gekürzt werden.
Hölle woist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck. Alle Rechte beim WolfeangKriigerVerlas, Hamburg.
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„Sie sehen sehr blaß aus, Mademoiselle“, sagte Louise, „und Ihre Augen sehen aus, als ob Sie —“
„Ach, du hast nur vergessen, wie ich aussehe“, unterbrach Henriette sie hastig. Sie wollte nicht danach gefragt werden, ob sie geweint habe.
„Ich habe ein Blumenstilleben gemalt, Mademoiselle, gelbe und weiße Lilien und violette Iris in einem grünen Krug. Die Blumen waren ganz leicht; aber der Krug war schwer, weil beide Seiten gleich aussehen mußten.“
„Da bin ich aber mächtig neugierig, Berthe. Vergiß ja nicht, an der See möglichst viele Skizzen zu machen von allem, was du gerade so siehst, Muscheln, Tang und Schiffe. Neulich blätterte ich wieder einmal in meinem alten Skizzenbuch von Olmeto und bekam fast Heimweh danach.“
Schwatzen, schwatzen, schwatzen — von Blumen, Muscheln und solcherlei, während das Herz ihr zum Zerspringen klopfte, die Kehle sie schmerzte und ihr die Lippen wie ausgedörrt waren, weil sie all die Worte von Liebe, Heimweh und Sehnsucht zurückdrängen mußte.
„O ja, danke schön, Mademoiselle, den andern geht’s gut. Das heißt, außer Mama. Sie kränkelt wieder, seit wir in Melun sind. Neulich mußte der Arzt aus Paris kommen, um sie zu untersuchen; er meinte, sie müsse wieder nach Dieppe fahren; wir haben dort eine viel größere
Villa als früher — erinnern Sie sich noch —"
„Natürlich erinnere ich mich noch“, fiel Henriette wieder schnell ein. „Morgen wollt ihr also fahren?“
„Nein, erst übermorgen. Cöleste und Amelie sind heute direkt In die Hue du Faubourg Saint Honore gegangen und Mama und die Jungens wollten erst noch zum Buchhändler- gehen, um ein paar Bücher für die Reise zu kaufen.“
„So, so. Und was hört ihr von Isabella? Vor vierzehn Tagen schrieb sie mir einen so lieben Brief. Louise, du siehst blendend aus. Ist dein Hochzeitstag nun eigentlich endgültig festgesetzt?“
Hinter der Schiebetür erklang das Sprechen der Pensionäre und gelegentlich ein lautes Kichern. Dann begann das Klavierspiel wieder; man konnte in dem Lärm kaum sein eigenes Wort verstehen. Madame erhob sich und entschuldigte sich für einen Augenblick, um dem Krach nebenan ein Ende zu machen.
„Das ist aber ein komisches kleines Zimmer, das Sie hier haben, Mademoiselle. Wo schlafen Sie denn hier?“
„Seht, Raynald, frag nicht soviel.“ „Oh, das macht nichts, Monsieur. Es ist kein Geheimnis. Dies ist das Wohnzimmer von Madame Le Maire. Sie erlaubt mir nur, es zu benutzen, wenn ich Besuch habe, und zum Schlafen klettere ich in mein eigenes Zimmerchen hoch oben unter dem Dach. Die Melone wird da oben schön schnell reifen, fast so gut wie in eurem Treibhaus.“
Sie hielt inne, als sie die überraschten. mitleidigen Blicke in den Augen der Kinder sah und erkannte, daß sie zuviel gesagt hatte. Ihre Worte waren eigentlich mehr für den Herzog bestimmt gewesen, und er hatte sie verstanden. Sie bemerkte, wie er unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her rückte.
„Mademoiselle Deluzy“, er sprach überstürzt und blickte zur Tür. um sich zu vergewissern, daß Madame noch nicht zurückkehrte, „ich mache mir Ihretwegen große Sorgen. Ihre Gesundheit hat gelitten; auch ohne es von Madame gehört zu haben, wäre mir das aufgefallen.“ Er musterte sie prüfend, und sie wußte, daß er auf ihre Torheit mit dem Laudanum anspielte. „Sie müssen unseren Arzt unverzüglich zu Rate ziehen und mir erlauben, Ihnen eine Erholungsreise zu ermöglichen. Lassen Sie mich Ihnen bitte helfen.“
Seine Stimme klang beschwörend, und doch vermochte sie seinen Blick nicht auszuhalten. Denn was sie darin sah, erschreckte sie. Schwere, müde Linien durchfurchten sein Gesicht; aber in seinen Augen leuchtete die innere Spannung.
„Nun, Monsieur", sie seufzte und machte eine hoffnungslose Geste mit der Hand, „mir kann nur noch eins helfen; ich nehme an, Madame Le Maire hat es Ihnen schon gesagt.“
Er nickte nur. weil Madame in diesem Augenblick wieder eintrat; und Henriette wandte sich von neuem den Kindern und ihren Fragen zu.
„Wie geht es Ihrem kranken Großvater, Mademoiselle? Ist er nicht bald gesund, damit Sie wieder zu uns zurückkommen können?“ „Ich weiß nicht, Liebling; ihr dürft nicht damit rechnen, daß ich zurückkomme.“
„Das tun wir aber; wir wollen keine andere Erzieherin. Monsieur Remey kann uns ja unterrichten, bis Sie wieder da sind, bis auf die Malstunden. Davon versteht er gar nichts.“
Berthes plötzliches Lachen erfüllte das Zimmer mit ihrer heiteren, unbeschwerten Fröhlichkeit.
Zehn Uhr. Aus der Feme tönten die Schläge herüber; und der Herzog stand auf, um sich zu verabschieden.
„Gute Nacht, Madame, ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Freundlichkeit. Kommt, Kinder, wir müssen wirklich gehen.“
„Auf Wiedersehen, Herzog.“ Madame Le Maire glich in ihrem alten, schwarzen Kleid einer aufgeplusterten Krähe, wie sie sich da vor ihm verneigte. „Es war sehr gütig von Ihnen, uns zu besuchen, und ich hoffe, Sie besitzen Verständnis für meine Lage.“
„Durchaus. Madame; aber — wie ich schon sagte -r falls es sich noch ein wenig verzögern —“
„Es hat sich bereits um zwei Monate verzögert. Verstehen Sie mich recht, ich will nicht aufdringlich erscheinen; aber ich bin nun einmal für die anderen verantwortlich. und gerade unter diesen Umständen —“
„Ich verstehe Sie gut, Madame, und ich kann Ihnen nur noch einmal versichern, daß ich mein Bestes tun werde!“
Henriette folgte den fünf bis zum Treppenabsatz. Sie küßte die weicnen Gesichter, die sich ihr zuwandten, und stand dann, die Hand am Geländer, und blickte forschend in sein vorn flackernden Licht beschienenes Gesicht.
„Nehmen Sie es sich nicht so zu Herzen, was Madame Ihnen sagte, Monsieur“, sagte sie zu ihm, „ich kann mich besser als irgend jemand in die Lage versetzen, in die Sie sich meinetwegen, des Briefes wegen, begeben haben.“
„Ich habe mich schon redlich darum bemüht.“ Er sprach leise und' zögernd. „Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand; aber ich spiele eine klägliche Rolle in dieser Angelegenheit.“
„Die Herzogin hat einen sicheren Weg gefunden, wie sie mich strafen kann; sie kann mich auch hier vertreiben, und wird ihren Willen wahrscheinlich durchsetzen.“
„Sie hat Sie doch schon aus unserem Haus vertrieben — sollte ihr das nicht genügen?“
„Offenbar nicht, Monsieur. Aber seien Sie bitte vorsichtig, wenn Sie mit ihr reden. Ich werde mich schon auf irgendeine Weise durchschlagen.“
Sie wandte sich um und wollte wieder ins Zimmer zurückgehen, aber er ergriff ihre Hand.
„Ich werde noch einen Versuch machen“, versprach er. „Vielleicht wird sie. Vernunft annehmen, wenn ich jetzt gleich zu ihr gehe und heute nacht noch mit ihr spreche."
„Rechnen Sie nicht damit, Monsieur." Es gelang ihr nicht ganz, ihre Stimme zu beherrschen, als sie fortfuhr: „Gehen Sie- um meinetwillen nicht zu weit!“
„Papa, Papa!“ riefen die Kinder von unten, „kommst du endlich? Hier unten ist es so dunkel, daß wir die Tür nicht finden können.“
„Gleich!“ antwortete er. Noch einmal wandte er sich an Henriette. „Kommen Sie morgen um zwei zu uns. Ich kann Ihnen nichts versprechen; aber vielleicht — nun, wir werden sehen. Auf» Wiedersehen also bis morgen."
(Fortsetzung folgt)
Die Parteien zur Landtagswahl
Hessen - unsere Heimat!
Von Ministerpräsident Christian Stock (SPD)
Rund dreiviertel Millionen Menschen sind seit Kriegsende in unser Land zugezogen und haben die Regierung vor die schwierige Aufgabe gestellt, Arbeitsstellen durch Ansiedlung neuer oder Förderung bereits bestehender Industrien und Handwerksbetriebe zu schaffen. Mit finanziellen fürsorgerischen Maßnahmen kann man einön Notstand vorübergehend lindern, wirklich helfen kann man aber nur, wenn man für Arbeit und für Wohnungen sorgt.
Bis Ende September 1950 wurde mit 69,5 Millionen DM bewilligter Landesbaudarlehen der Bau von 23 000 Wohneinheiten gefördert, davon 14 500 aus Mitteln der Soforthilfe. Der Staatsbeauftragte für das Flüchtlingswesen hat dabei streng darauf geachtet, daß die Bewerber aus den Kreisen der Heimatvertriebenen und Ausgebombten angemessen berücksichtigt werden. Innerhalb dieses Jahres werden im Rahmen des sozialen Wohnungsbaues des Landes Hessen mindestens 10 000 Vertriebenenfamilien eine Neubauwohnung beziehen können. 10 000 Neubauwohnungen bedeuten eine Stadt von mindestens 40 000 Einwohnern.
60 000 Arbeitsplätze
10 000 neue Betriebe, durch Ausfallbürgschaften in Höhe von 48 Millionen DM und Direktkredite aus Haushaltmitteln in Höhe von 8 Millionen DM gefördert, schufen 60 000 Arbeitsplätze für Neubürger. Die Schwerpunkte dieser Industrien sind über das ganze Land verteilt. Der Hessenplan sieht die Umsiedlung von weiteren 100 000 Personen in den nächsten Jahren vor. Für sie sollen 25 000 Wohnungen — im Baujahr 1951 bereits 10 000 ■— in den industriellen Schwerpunktgebieten erstellt werden.
Der Hessenplan sieht daneben auch die Streuung neuer Arbeitsstätten über das ganze Land vor. Bei beiden Maßnahmen wurde besonders an die nordhessischen Notstandsgebiete gedacht, da dort die Heimatvertriebenen fast ein Viertel der Bevölkerung ausmachen.
Keine Entrechteten
In unserem Lande Hessen sollen die Flüchtlinge keine Entrechteten, sondern vollwertige Bürger sein. Sie können aus eigener Beobachtung feststellen, daß wir stets bemüht waren, ihnen so schnell als möglich und so gut es ging, Hessen zu einer neuen Heimat zu machen.
Zehntausende von Familien sind in der Vergangenheit freiwillig in das Land am Main und Rhein gekommen, um hier eine neue Wahlheimat zu finden. Sie alle haben sich schnell eingelebt und fühlen sich heute wohl. Wir sind kein Volk mit einer alten Tradition, unser Land wurde aus besonderen Verhältnissen heraus geschaffen. Das hat manche Vorteile. Wir stehen dem Neuen aufgeschlossener gegenüber als andere deutsche Volksteile, die sich durch eine lange geschichtliche Vergangenheit beschwert fühlen, und sind deshalb auch eher bereit, uns menschlich mit denen zu vereinen, die nicht ein freiwilliger Entschluß, sondern ein hartes Schicksal zu uns führte.
Kraftquellen der Heimat
Wenn einmal die Jahre der Not überwunden sind, werden sie ihre neue Heimat genau so lieben wie wir, die wir einst freiwillig in dieses schöne Land kamen. Was für andere Tradition, Geschichte und Volkstum sind, wollen wir durch Liebe zu unseren herrlichen Bergen, zum Taunus und zum Westerwald, zum Odenwald und zum Vogelsberg, zur blühenden Bergstraße und zu den Rebenhügeln am Rhein und Main ersetzen.
Wir wissen, welche ungeheuren Kraftquellen von den Städten unseres Landes ausgehen, und schätzen die Leistungen unserer Landgemeinden. Ueberall finden wir fleißige und vorwärtsstrebende Menschen, die jedem Fortschritt aufgeschlossen gegenüberstehen. 138 000 Wohnungen haben sie in den Jahren der Not aufgebaut. Wenn die Regierung Mittel bewilligte, dann wußte sie, daß die Bevölkerung damit auch etwas Rechtes anzufangen wußte.
Die Zeit des improvisierten Wiederaufbaues noch vorhandener Einrichtungen ist beendet. Nun müssen wir das errichtete Gebäude im Innern so zweckmäßig und nutzbringend wie möglich e i n r i c ht e n , damit es uns auch darin gefällt. Und es gefällt uns, wenn wir alle die uns zusagende Arbeit haben, wenn wir verdienen und uns kaufen können, was wir nötig und was wir gern haben. Dahin ist noch ein weiter Weg. Wir werden das Ziel aber eher erreichen, wenn wir ihn gemeinsam gehen.
Dabei sondern wir uns nicht ab. Wir schauen immer über unsere Grenzen hinaus auf das ganze Deutschland, auf unsere Freunde in Europa und in der Welt. Mit ihnen gemeinsam wollen wir eine bessere Zukunft erstreben. Dazu aber brauchen wir einen langen, am besten den ewigen Frieden. Für ihn zu arbeiten, soll unseres Lebens schönster Sinn sein.
Was will die hessische CDU ?
Von Dr. Werner HilpertAn dem tragenden Grundgedanken der Christlich-Demokratischen Union hat sich in Hessen seit den Tagen der Gründung der Partei nicht das geringste geändert. • Daraus ergeben sich in der Praxis einige ganz klare und ohne weiteres einleuchtende Forderungen:
1. Die CDU kann nie eine Politik betreiben, die ihrem Wesen nach unsozial ist. In der Praxis bedeutet das, daß die wirtschaftlich Stärkeren den wirtschaftlich Schwächeren helfen müssen.
2. Die CDU lehnt es ab, die Interessen bestimmter wirtschaftlicher Einzelgruppen zu vertreten. Sie sieht das Heil nur im gerechten Ausgleich der Forderungen, die etwa Arbeiter und Unternehmer oder Flüchtlinge und Alteingesessene voneinander trennen. Dabei ist anzumerken, daß das Recht auf Eigentum als eins der Grundrechte des Menschen in vollem Umfange anzuerkennen ist.
3. Ehe und Familie (dazu gehört vor allem auch die Erziehung der Kinder) müssen unter dem besonderen Schutz des Staates stehen.
Wendet man nun diese Grundsätze auf die aktuellen Fragen der hessischen Politik an, so wird z. B. deutlich wie folgerichtig sich die hessische CDU-Politik verhalten hat, als es darum ging, den Artikel 41 der Hessischen Verfassung zu verwirklichen, der unter dem Stichwort
Sozialisierung
seit Jahren die Gemüter beunruhigt. Gewisse Grundindustrien, wie der Bergbau, die Betriebe der Energiewirtschaft, des Verkehrs und der Eisen- und Stahlerzeugung, sollten in Gemeineigentum überführt werden, da, wie uns die Vergangenheit bitter genug gelehrt hat, private Interessen sich hier allzuleicht dazu verleiten lassen, ihr Gewinnstreben dem allgemeinen Wohle überzuordnen. Doch kann eine neue Ordnung auf diesem Gebiet der Grundindustrien nur erreicht werden, wenn der Plan alle deutschen Betriebe dieser Art umfaßt. In Hessen befinden sich diese Betriebe entweder schon in Gemein- oder in Gemeindeeigentum (was praktisch dasselbe ist), oder sie sind nach Größe und Wirkung so bedeutungslos, daß es sich nicht lohnt, den Apparat der Verstaatlichung in Gang zu setzen, oder es fallen nur Teile von größeren Unternehmen unter das Gesetz, die, falls sie in Gemeineigentum über-
führt werden, den Fortbestand der Gesamtbetriebe in Frage stellen. Die SPD und KPD haben, um mit der Sozialisierung sozusagen auf kaltem Wege zu beginnen, Sozialgemeinschaften vorgeschlagen, in welche die nach dem Artikel 41 in Gemeineigentum zu überführenden Betriebe eingebaut werden sollen. Damit wollte man das Pferd vom Schwänze her aufzäumen. An erster Stelle hätte jedoch die Frage der Entschädigung und vor allen Dingen die Frage, ob und wie die Betriebe rentabel weiterzuführen sind, geklärt werden müssen. Gegen die gemeinsam stimmende KPD und SPD hat die CDU, von der nicht ein einziger Mann bei der entscheidenden Abstimmung fehlte, den Antrag der SPD wegen der Sozialgemeinschaften im letzten Augenblick zu Fall gebracht, mit 41 gegen 41 Stimmen, Für ihr zukünftiges politisches Handeln wird die CDU bei dem Grundsatz bleiben, daß die schwierige Frage des Gemeineigentums an den Grundstoffindustrien nur im gesamtdeutschen Bereich gelöst werden kann.
Die hessische CDU hat sich besonders
Sparsamkeit in der Verwaltung
angelegen sein lassen. Hessen ist das Land mit den wenigsten Ministern, den niedrigsten Landtags-Diäten, den bescheidensten Ministerien und der bescheidensten Einrichtung aller ihrer Dienstgebäude und Verwaltungsstellen.
Die hessische CDU hat weiterhin ganz entschieden dazu beigetragen, daß die
Flüchtlinge
soweit es mit den vorhandenen beschränkten Mitteln irgendwie zu ermöglichen war, auf sinnvolle Weise eingegliedert wurden.
Ich selbst habe dafür gesorgt, daß alle für den Wohnungsbau bereitgestellten Gelder, ganz gleich, ob es sich um Bundesmittel oder hessische Mittel handelte, so schnell wie möglich vergeben wurden. Daß wir in allen Schulfragen und allen Fragen der Kindererziehung dem
Elternrecht
den ersten Rang zubilligen, ist zu bekannt, als daß ich darüber besonders zu sprechen brauchte.
Anstatt großspurige Programme für die Zukunft zu verkünden, scheint es uns einleuchtender, mit dem aufzuwarten, was wir in den vergangenen 5 schweren J ahren wirklich erarbeitet haben.
Nidcht gegeneinander, sondern miteinander!
Von August Martin Euler, Land esvorsitzender der FDP Hessen
Seit langem fühlt das Volk sehr deutlich, daß wir alle eine Schicksalsgemeinschaft sind. Die Art und Weise, wie man uns Deutsche behandelt hat und leider noch immer behandelt, läßt die Erkenntnis immer klarer werden, daß wir unsere Lage desto schneller erleichtern können, je fester wir uns zusammenschließen. Nur wenn wir zusammenstehen und wenn wir endlich lernen, nach außen geschlossen aufzutreten, werden wir die Möglichkeit finden, unseren Kampf um die Gleichberechtigung und um die Freiheit mit Aussicht auf Erfolg zu beenden.
Schluß mit der Rachepolitik!
Hiervon hat auch die hessische Politik auszugehen. Was wir in den letzten Jahren erlebt haben, war gerade in unserer Heimat zum größten Teile niederdrückend. Breite Bevölkerungskreise wurden infolge der bekannten Diffamierung vom öffentlichen Leben ferngehalten, ja insbesondere durch die rigorose Handhabung des unseligen Entnazifizierungsgesetzes aufs heftigste abgestoßen. Nachdem es der FDP-Fraktion im Bundestag nicht gelungen ist, die Sozialdemokraten, aber auch Teile der CDU davon zu überzeugen, daß die Entnazifizierung einheitlich für das gesamte Bundesgebiet beendet werden müsse, wird es eine der Hauptaufgaben des neuen hessischen Landtages sein, die letzten Reste einer verhängnisvollen Rachepolitik wegzuräumen, auf daß endlich im Volke Friede werde.
Wieder Berufsbeamtentum
In engstem Zusammenhang mit dieser ernsten Frage steht die maßlos übertriebene Parteibuch-Politik, wie sie besonders durch die sozialdemokratischen Machthaber gehandhabt worden ist. Wir vertreten seit Jahren die Ansicht, daß im öffentlichen Dienst genau wie in der Privatwirtschaft ausschließlich Charakter und Leistung bei der Stellenbesetzung maßgebend sein sollen.
Sparsamkeit der Verwaltung
Die noch bestehende Not sowie die Opfer, die wir auch in Zukunft bringen müssen, verlangen gebieterisch äußerste Sparsamkeit, nicht nur in Bonn, sondern auch und in viel größerem Maße in den Ländern. Darum gehört es zu den Pflichten der jetzt zu wählenden Volksvertreter, in der Verwaltung einzusparen.
Neue Arbeitsplätze und Wohnungen
Um die Arbeitslosigkeit weiterhin wirksam zu bekämpfen und um vor allem den Heimatvertriebenen, den Flüchtlingen aus der Sowjetzone, den Ausgebombten, den Kriegsbeschädigten und Heimkehrern, wie überhaupt allen vom Schicksal so schwer geprüften Menschen zu helfen, müssen neue Arbeitsplätze mit den besten wirtschaftlichen Standortbedingungen geschaffen und dort auch die nötigen Wohnungen gebaut werden.
Den gewerblichen Mittelstand und die Landwirtschaft leistungsfähig zu erhalten, ist uns eine ernste Pflicht. Darum bekämpfen wir die marxistischen Sozialisierungsbestrebungen, die im Endeffekt einer Machtzusammenballung dienen und zu einer Leistungsminderung führen.
Keine Bekenntnisschulen!
In der Kulturpolitik widersetzen wir uns allen Versuchen der hessischen Links-CDU, die seit vielen Jahren erprobte christliche Gemeinschaftsschule in Bekenntnisschulen zu zerreißen. Dies wäre nicht nur eine kostspielige Angelegenheit, sondern auch insofern verhängnisvoll, als gerade dadurch die sowieso schon bestehende Zersplitterung im deutschen Volke noch gefördert und häufig die Kinder der Heimatvertriebenen von denen der einheimischen Bevölkerung isoliert würden.
350 000 neue Wohnungen
Unter Führung des FDP-Ministers Wildermuth haben wir in diesem Jahre mit 350 000 neuen Wohnungen im Bundesgebiet einen Weltrekord aufgestellt, um den uns das Ausland beneidet. So bedauerlich es ist, daß die Zahl der Arbeitslosen immer noch rund 1,2 Millionen beträgt, so sehr muß hervorgehoben werden, daß wir heute als besiegtes, durch Kriegszerstörungen und Demontagen schwer geschädigtes Volk mit über 14 Millionen Beschäftigten in der Bundesrepublik mehr Männern und Frauen Arbeit geben konnten, als im Jahre 1936.
Mit Hilfe der amerikanischen Kredite war es weiterhin möglich, auch die Ausfuhr deutscher Wertarbeit außerordentlich zu steigern.
Das sind Erfolge, die sich nicht ableugnen lassen.
Das Gesamtwohl
Da es feststeht, daß gerade die Männer der FDP im Kampf um die Errichtung eines sauber geführten Rechtsstaates für die Entrechteten aller Gruppen tatkräftig eingetreten sind, haben sich die Anhänger des Blockes der Heimatvertriebenen und Entrechteten mit überwältigender Mehrheit zum Wahlabkommen mit der Freien Demokratischen Partei entschlossen. Dies widerlegt am besten die Verleumdung, wonach die FDP nur die Interessen des sogenannten Besitzbürgertums vertrete. Wer deutsche Politik machen will, kann immer nur das Gesamtwohl im Auge behalten.
Feuilleton
Der „Flüchtling“ auf der Studiobühne
SCHAUSPIEL VON FRITZ HOCHWÄL DER / ENTWURF VON GEORG KAISER
Der Aufführung der Studiobühne des Landestheaters' war eine Besprechung vorausgegangen, zu der Intendant Dr. Siegmund Skraup die Presse gebeten hatte. Thema war: der Tiefstand der dramatischen Gegenwartsliteratur in Deutschland und dessen mögliche Behebung durch die Zusammenarbeit zwischen Autor, Verlag und Theater. Es wurde das alte Lied vom Fehlen eines produktiven und theatersicheren Nachwuchses gesungen, von den Balancekünsten der Intendanten gesprochen, die mit anerkannten Namen und Stücken das finanzielle Gleichgewicht des Hauses halten müssen, und von der Schwierigkeit, jungen Autoren zur Aufführung zu verhelfen. Dabei wurde allgemein zugegeben, daß zwar die vorliegenden Sujets meist bestes Gedankengut verrieten und auch in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen nahesten Zeitgeist atmeten, daß es aber der jungen Generation fast stets an jeglicher dramaturgischer und theaterfachlicher Erfahrung ermangele und auch die Sprache selten einiges Niveau erreiche. Hier müßten Wege beschritten werden, indem man die frühere enge Verbindung zwischen Autor — Verleger — Theater wiederherstellte, außerdem durch Lese-Bühne, Studio-Aufführung und anschließende Diskussion in Anwesenheit des Dichters sofort über eventuelle Schwächen spräche. Die beste Lösung seien allerdings Schulen oder Kurse, in denen der Nachwuchs von ersten Praktikern und namhaften Dichtern in die notwendigen Grundregeln der Dramaturgie und des Theaters eingeweiht würde.
Ein eklatantes Beispiel für das vorangegangene Gespräch bot nun das dreiaktige Schauspiel „Der Flüchtling“ von Fritz Hochwälder. Das ausgearbeitete Szenarium war dem Wiener Dramatiker (geb. 1911), der 1938 nach der Schweiz emigrierte, 1944 von Georg Kaiser überantwortet worden. Als Kaiser dann das fertige Stück zu Gesicht bekam, bemerkte er ungefähr kurz zu Hochwälder: „Sie haben gut gedichtet. So kann man es auch machen.“
Ein Mann, der von der Besatzungsmacht seines Landes zu einer entfernten Arbeitsstätte deportiert wird, entkommt an der Grenze aus dem fahrenden Transportzug. Der Flüchtling dringt in den Bergen in ein Haus ein, versteckt sich im Bett der Frau, deren Mann als Grenzsoldat in dieser Nacht gerade Dienst tut. Die Frau nimmt für den Verfolgten Partei, auch ihrem Mann gegenüber und löst sich aus dem Lebenszwang und der Gleichgültigkeit gegenüber den diktatorischen Unterdrückern. Sie entscheidet sich für die Freiheit ihres Handelns und ihres Lebens, wie sich der Flüchtling entschieden hat im Angesicht der Grenze und der Lethargie seiner Mitgefangenen. Den Grenzer würden wir heute in die Kategorie der Mitläufer einreihen. Aber er ist gefährlicher als diese, denn ihm ist „das Hemd näher als der Rock“. Sein Dasein gilt allein dem Ich, zu dem er auch seine Frau rechnet. Erst als diese ihn verläßt, gerät sein Lebensprinzip ins Wanken. In einem allzu kurzen Schlußmonolog bekehrt er sich „Ich habe von Anfang an alles falsch gemacht.“ Als er dem Flüchtling und seiner Frau, die zu den Aufständischen in die Berge eilen, folgen will, trifft ihn die Kugel der Häscher. Es steht offen, ob der Dichter hier das Schicksal als eine gesühnte Bekehrung, eine moralische Selbstaufopferung oder eine verdiente Strafe walten lassen will. Kaiser wählte die Selbstaufopferung.
Fürwahr ein glänzendes Thema und Sujet — von Georg Kaiser, ausgeführt von Hochwälder. Der in die Handlung hineinspielende sexuelle Liebesverstoß zwischen Flüchtling und Frau wurde auf Anraten der Intendanz und mit Einwilligung des Dichters gestrichen. Es waren so schon der Probleme genug, die recht eilig behandelt wurden. Aber ein Großteil des seelischen Konfliktes zwischen Mann und Frau beziehen sich auf diese erotische Sphäre. Eindeutig wird das im dritten Akt offenbar, dem jetzt die Vollständigkeit der erklärenden Pointe fehlt und psychologische Lücken aufweist, die von den Darstellern allerdings geschickt überwunden wurde. Geschlossener ist das Stück auf alle Fälle geworden, obwohl die charakterliche Entwicklung der Personen noch manchen anderen Wunsch offen ließ. Auch an die Sprache hatte man mit Erfolg den Hobel angelegt.
Ein Vergleich mit dem Entwurf Georg Kaisers zeigt ganz evident die Diskrepanz zwischen fertigem Stück und Vorlage. Hochwälder bleibt an der Oberfläche, es fehlt der durchdringende Geist im Dialog, in der Formung der Worte. Er begnügt sich mit der Alltagssprache, dem Jargon eines erregenden Straßengesprächs, das in „platonischer Liebe“ Abstand von der realen Wesenstiefe Georg Kaisers hält. Bei Kaisers Dramen wird die aus dem Dialog geschöpfte Erkenntnis zur Erscheinung und von der Erscheinung getragen überhöht sich seine Erkenntnis. Hochwälder überläßt die Erscheinung dem Schauspieler, dem er nur wenige und nicht gerade dichterisch hochwertige und psychologisch tiefsinnige Worte der Erkenntnis in den Mund legt. Nicht der Dialog, sondern eine geschickte Situationssprache sind als eigentliches geistiges Eigentum Hochwälders anzusehen. Daß er dabei einige Szenen ändert, auch in ein wesentliches Moment des Entwurfes eingreift, indem er den Grenzer ebenfalls in die Berge gehen lassen will, während bei Kaiser der Grenzer sich selbst opfert, hat der ganzen Kaiserschen Entwicklungslinie den ursprünglichen Wesenszug genommen und die Peripetie auf ein anderes Gleis verlagert.
Trotz alledem, dieses Stück ist bei all seinen Schwächen stark, vor allem durch die zeitnahen Probleme, die hier nur gestreift, nicht immer durchdacht und in ihrer unerbittlichen Konsequenz durchgeführt werden. Aber die Spannung verlagert sich auf das Außen, oder, wie Kaiser sagen würde, auf das, „was mit Armen und Beinen getan werden kann“, während Kaiser wohl selbst „den Aufstieg des Menschen im Bezirke des Vollkommenen“ geistig, psychologisch und sprachlich konsequenter bestimmt hätte.
Dieses Schauspiel gehört mindestens auf die Studio-Bühne. Man muß es gesehen haben, denn es regt an, vielleicht auch auf. In Gemeinschaftsarbeit zwischen Regisseur (Herbert Walter), Intendant, Dramaturg und Dichter hat es ein beachtliches Gesicht bekommen. Es wurde geformt und geglättet. Der Dichter und die Praktiker holten sich damit den schönsten Erfolg. Er wäre aber versagt geblieben, wenn sich nicht mit Ellen Krug (die Frau), Herbert Wien (der Flüchtling) und Willy Leyrer (dei' Grenzwächter) drei hervorragende Schauspieler so glänzend für dieses Stück eingesetzt hätten. Jedes weitere Wort für diese Leistung könnte die Anerkennung nur abschwächen. Die Regie brauchte hier keine große Arbeit zu leisten. Grundprinzip blieb Einheit und Einfachheit und das wurde erfüllt. Die Besucher im Foyer der Orangerie, das Elli Büttner mit vielleicht schon zuviel skizzierender Staffage für eine Studioaufführung eingerichtet hatte, verließen sichtlich beeindruckt und schweigend das Haus. G. I.
Das Landestheater brachte als Studio-Aufführung „Der Flüchtling" von Fritz Hochwälder, nach einem Entwurf von Georg Kaiser. Unser Bild: Ellen Krug (die Frau) und Willy Leyrer (der Grenzwächter)
Englische und amerikanische Lyrik
Vortrags-Abend im Amerika-Haus
Rezitationen englischer und amerikanischer Lyrik aus zwei Jahrhunderten brachte Charlotte Christann zu Gehör. Die englische Lyrik aus der Zeit der Romantik und aus dem viktorianischen Zeitalter nahm mit Gedichten von Coleridge, Keats, Shelley, Byron und von Rossetti, Wilde, Barret-Browning und Yeats den breitesten Raum innerhalb der Vortragsfolge ein. Die Künstlerin erfüllte alle Erwartungen, die man in sie setzten durfte. Lyrik ist heute zwar unpopulär, weil der Zugang zu ihr das eigene Bemühen erfordert. Aber gerade in Darmstadt sollte der Zuhörerkreis bei solchen Abenden nicht so beschämend klein sein. Die wenigen dankten der Künstlerin herzlich. rw
DT Film-Forum
Schauspieler ans Begeisterung
Man soll sich doch wirklich vor platten.Verallgemeinerungen hüten! Das ist eine uralte Weisheit, aber es tut wohl, wenn sie hin und wieder durch die Praxis, durch das Leben selbst bestätigt wird. So wird normalerweise jeder meinen, die Kunst habe so recht ihre Heimat da drunten in Wien, wo die Musik in der Luft liegt, wo das Theater ein Urelement des Volkslebens ist, wo der Wein und das Singen und der Walzer bodenständig sind wie nirgends sonst... indessen der magere märkische Sandboden rund um Potsdam herum zwar gute Soldaten voll herrlicher Disziplin, eine Zuverlässigkeit, die ihresgleichen in der Welt sucht und sonst noch einige, in dieser allgemeinen Richtung liegende Tugenden hervorgebracht hat, nicht aber Kunst, Künstler . . . Und genau diese ganz allgemein geltende Meinung wird doch hin und wieder ad absurdum geführt. Durch wen? Durch große Könner, und ob wir dabei an Marlene Dietrich denken, die alter Offiziersfamilie entsproß oder an Hubert von Meyerinck, der aus den preußischsten Preußen, aus einer Potsdamer Offiziersfamilie entstammt: Das ist unwichtig — sie beide beweisen, daß aus solchem Stamm von Zeit zu Zeit mit Urgewalt eine Begabung ausbricht, die durch nichts zu halten ist.
Man könnte da tiefsinnige Betrachtungen anstellen etwa der Art, daß. wenn schon eine Familie so lange Generationen hindurch treu und bescheiden nur dem Staat gedient hat, still auf viele Annehmlichkeiten verzichtend, daß dann in einem Sproß dieser Familie eine übermächtige Lebenslust durchbricht und nachholt, worauf so viele seiner Vorfahren verzichten mußten . . . und man könnte vielleicht eine ganze kleine Philosophie dieser Art entwickeln . . . aber ein Mann wie Hubert v. Meyerinck würde darob wahrscheinlich nur lachen, denn wenn man ihn fragt, warum er denn der Tradition seiner Familie untreu und ausgerechnet Schauspieler wurde, so bekommt man eine wahrlich unkomplizierte Antwort: „Aus Lust und Begeisterung!“ Und damit sind dann alle tiefsinnigen Betrachtungen fortgewicht und übrig bleibt das, was ihn immer und überall auszeichnet: Eine fröhlich-unbekümmerte Art, die ohne allzustrenge moralische Bedenken aus einer Rolle herausholt, was da herauszuholen ist. Mag dabei die Moral ein wenig zu kurz kommen, mag es dabei zuweilen so zugehen, daß die Potsdamer Verwandten entsetzt wären: Es ist ja Spiel, Schau-Spiel, und dem hat sich Hubert mit Leib und Seele verschrieben! So gründlich, daß er allein bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges nicht weniger als 45 Filme hinter sich gebracht hat. Die Titel? Alle nennen können wir nicht, aber an die markantesten wollen wir noch einmal erinnern: „Der weiße Dämon“, „Der Flüchtling aus Chikago“, „Ich und die Kaiserin“, „Ein gewisser Herr Gran . . das sind Filmtitel aus der Zeit vor 1945. Nach dem Zusammenbruch war er selbstverständlich auch sofort wieder dabei, und die Titel wie: „Die seltsamen Abenteuer des Fridolin B“, „Der große Mandarin“, „Blockierte Signale“, „Liebe 47“, „Amico“, „Artistenblut“, „Kein Engel ist so rein“ — legen von seiner ungebrochenen Schaffenskraft Zeugnis ab.
Welche Art von Rollen er bevorzugt? Nun, seine Möglichkeiten sind nicht an einen engen Rahmen gebunden! Ob er einen öligen Diplomaten wie in „Der große Mandarin“ spielen muß oder einen indiskreten Friseur wie in „Mordprozeß Dr. Jordan“, ob er den Inhaber eines hypermodernen Hutgeschäfts darstellt wie in „Der blaue Strohhut“ oder ob er in „Absender unbekannt“ einen in Formalismus erstarrten Lehrer glaubhaft machen muß — immer ist bei ihm etwas los, denn er ist eben Schauspieler aus Lust und Begeisterung, und darauf allein kommt es an, wenn einer in seinem Beruf groß werden will!
HUBERT V. MEYERINCK
(Foto: Witt/Schordit-Film)
Stefan Andres in Jugenheim
Am vergangenen Donnerstag las der Schriftsteller und Dichter Stefan Andres in Jugenheim aus seinen Werken. Eingeladen von der Sport- und Kulturgemeinde, fand er im Rahmen der Volkshochschule Bergstraße einen erstaunlich großen Kreis von Zuhörern, die den Saal des Education Service Center bis auf den letzten Platz füllten.
Der wesentliche Vorzug der Veranstaltung war zugleich ihr Mangel: Stefan Andres wählte zur Lesung, abgesehen von ein paar wenigen Gedichten, die uns noch fremd waren, Proben aus seinen bekanntesten Büchern. Zumal mit dem Abschnitt aus „Ritter der Gerechtigkeit“ konnte er sich einer Menge vertrauter Hörer versichern, die es dankbar annahmen, daß sich ihnen eine bekannte Szene noch einmal festlich erhellte und belebte. Die mündliche Interpretation des Verfassers deckte erst recht den Mangel des stillen Lesens auf, der zumeist darin besteht, daß man wohl den Inhalt verfolgt, aber die geistige Gestalt des Werkes nicht erfaßt. Ein paar erläuternde Worte zuvor, taten ein übriges, die zuvor beschriebene und bekannte Begegnung der beiden jungen Männer Fabio und Dino zu einem fühlbaren Ereignis werden zu lassen.
Der Lyriker Andres hält zu seinem abendländischen Erbe. In der persönlichen Sammlung eines Mannes, der des deutschen Wortes mächtig ist, beugt sich noch einmal die Fülle der poetischen Gesichte in die Form und den Rhythmus bewährter Prägung. Unzerbrochen auf dem bitteren Grund der Zeit, fügt sich noch einmal der Glaube an das Schöne zu der Verheißung des Guten — äußerst dankbar angenommen von den Hörern.
Schließlich aber hat kein Dichter seine Bewährungsprobe bestanden, dem nicht ein echter Humor gelingt. Diese menschlichste Anteilnahme an der Welt, übermittelte Andres mit einer heitern Legende aus dem Roman „Das Tier aus der Tiefe“. Die Geschichte des jungen Noah, prachtvoll erzählt in der Weise der gütigen menschenfreundlichen Märchenerzähler, die letzten Endes über nichts mehr sich ernstlich erzürnen können, mag als Siegel dafür gelten, daß Stefan Andres wirklich ein Dichter ist. kä
Vom Einschlafen
VON GÜNTHER RUPPDie Tätigkeit des Schlafens besteht bekanntlich aus zwei Teilen: dem Einschlafen und dem Ausschlafen. Daneben gibt es bei manchen noch einen dritten Teil: das Aufwachen. Das Aufwachen können sich aber nur die Minderbeschäftigten leisten, bei normalen Durchschnittsmenschen erschöpft sich das Aufwachen in einer mehr oder weniger gewaltsamen Unterbrechung des Ausschlafens.
Ich benutze ein Nachthemd. Ich sage dies selbst auf die Gefahr hin. bei einigen weiblichen Lesern Antipathie zu erwecken. Denn Männer in Nachthemden machen keinen allzu männlichen Eindruck. In finde aber, daß ich darin immer noch besser aussehe als in einer Unterhose. Außerdem ist das Nachthemd weitaus bequemer. Meine Frau hat sich über dieses Problem noch nicht geäußert. Denn ich bin ledig.
Gott sei Dank! Ich wollte sagen: Gott sei Dank kommen wir nun endlich zur Sache, zum Einschlafen. Ich sinke also zu später Stunde zuerst ins Nachthemd und dann ins ungemachte Bett. Sofern mich Brot- und Tabakkrümel nicht weiter stören, kann ich ernsthaft mit dem Einschlafen beginnen. Ich denke zu diesem Zweck zunächst an etwas Schönes! Das Schöne aber muß ich zuerst suchen. Die Suche nach dem Schönen erweist sich als sehr anstrengend, infolgedessen gebe ich es bald auf.
Ich ändere meine Taktik und suggeriere mir: das rechte Bein ist so müde, ach. was ist das rechte Bein so müde! Und das linke Bein ist noch viel müder, ach. was ist das linke Bein... aber ich will Sie nicht langweilen, sonst schlafen Sie noch überm Lesen ein! — Wenn ich also alle Körperteile durch habe, stelle ich fest, daß ich jetzt so richtig munter
bin und gähne. Das Gähnen hat aber nichts mit dem Einschlafen zu tun. Das Gähnen ist bei mir ein Lebenszeichen. Idi knipse also nun das Licht an, nehme ein Buch zur Hand und entzünde eine Zigarette. Rauchen im Bett beruhigt und brennt Löcher ins Bettuch. Ich schlafe mit Durchzug nach unten.
Wenn ich die Zigarette aufgeiraucht habe, bin ich wieder hellwach und schaue unters Bett. Dazu veranlaßt mich der Mörder im Buch, der unterm Bett zu hegen pflegt. Weiterhin trägt ein Blick auf den unerbittlich vorrückenden Zeiger der Uhr wesentlich zu meiner Beunruhigung bei. Den neuesten Forschungsergebnissen zufolge benötigt der Normalmensch sieben Stunden Schlaf. Selbst wenn ich jetzt auf der Stelle einschlafe. sind mir höchstens noch fünfeinhalb Stunden beschieden.
Alsdann sende ich Strom in mein Radio. Das Nachtgespräch im Abendstudio belehrt über die geistigen Kräfte des neuzeitlichen Parlaments. Das Nachtgespräch dauert fünfzehn Minuten. Nach fünfzehn Minuten döse ich. Nach weiteren fünfzehn Minuten fallen mir die Augen zu. Eben habe ich zUm Schnarchen angesetzt, da schrecken mich die schrillen Trompetenstöße des „Schlafe süß, mein Liebling“ wieder in die Höhe. Ich zerschmeiße wutentbrannt die Skalenscheibe meines Radios, wobei leider der Wecker herunterfällt und zu rappeln beginnt.
Alsdann greife ich zum letzten, verzweifelten Mittel: ich erinnere mich des Witzes vom Manne, der nicht einschlafen konnte und deshalb zählte. Er kam bis 56 371 — da war es Zeit zum Aufstehen. Wie gesagt, ich greife zu diesem Mittel und zähle. Ich will es Ihnen zeigen: 1,2, 3. 4,5, 6, 7. 8, 9. 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18. 19. 20 Auf Wiedersehen!
Neue Filme
BELIDA — „Unter schwarzer Flagge.“ Abenteuerfilme haben wir in den letzten Monaten reichlich zu sehen bekommen. Sie unterscheiden sich, was die Piratenfilme jedenfalls angeht, nur durch ihre Titel voneinander. Diesmal aber kommt ein Streifen zur Aufführung, der in der Hauptsache durch die schauspielerische Gestaltungskraft seiner Darsteller die Zuschauer in Atem hält. Charles Laughton, der große Charakterdarsteller, spielt die Rolle des Captain Kidd, eines blutrünstigen Seepiraten, der über Leichen und Herzen geht, um zu Geld und Macht, und damit zu der erstrebten Lordwürde zu kommen.
Der Film lebt nur von Charles Laughton, der den Captain Kidd mit einem Minimum an Gestik, aber mit einer ungeheueren Mimik spielt, etwa in dem Zwiegespräch mit Orange Povy (John Carradine), oder während seiner Abschiedsansprache unter dem Galgen. Die Regie zog alle Register bewährter Tricks, und die Kamera hatte vielfach Gelegenheit, in geschickten Einstellungen das Unheimliche und Unwirkliche des Geschehens zu unterstützten. Ein guter Film „von altem Schrot und Korn“, bei dem es auf einen Toten nicht genau drauf ankommt.
PALAST. — „Sturm über Asien.“ Es ist die Geschichte von einem, der auszog, ein Reich zu erwerben. Erich Keith, Abenteurer par excellence, skrupellos, ohne Hemmungen der Leidenschaft des Herrschenwollens verfallen, unterwirft sich mit einer kleinen Schar Verwegener riesige Gebiete im Innern Asiens in denen er als Diktator herrscht, bis ein Aufstand der Eingeborenen die fremde Tyrannei hinwegfegt.
Die vorherrschende Gestalt ist Conrad Veidt (t), der seiner Rolle die ganze Kälte, den unheimlichen, glasklaren Intellekt, die brutale Selbstsicherheit des mit dem Schicksal vabanque spielenden Abenteurers gibt. Seine Gegenspieler, der Arzt (Roger Duchesne), Suzanne (Madeleine Robinson) und Prinz Ling (Sessue Hayakawa), spielen ihre Partie im Rahmen der ihnen vom Drehbuch
gegebenen Möglichkeiten, stehen aber — nicht nur durch die vorgeschriebene Handlung — im Schatten Conrad Veidts. Der Regisseur tat sein möglichstes, dem Streifen Spannung, Dramatik und Sensation mitzugeben. hn
Darmstadt und Umgebung
Darmstadt will wieder sein Glockenspiel
Die gesamte Bevölkerung wird sich an der Glockenspende beteiligen / Das hohe C ist bereits gesichert / Für eine zweite Glocke stiftet das „Tagblatt“ und der Verlag L. C. Wittich
Was das Glockenspiel dem echten Darmstädter bedeutete, brauchen wir an dieser Stelle nicht mehr zu sagen. Er hörte es seit seiner Kindheit Tage. Wenn er in der Ferne an Darmstadt dachte, dachte er an das Glockenspiel. Die schaurige Brandnacht ließ der Glocken Stimme verstummen. Nicht für immer, wie wir hoffen und zu wissen glauben.
Schon im nächsten Jahre wird der Glokkenturm wieder in die Höhe wachsen. Der Staat hat ihn in sein Wiederaufbauprogramm einbezogen. Dafür sind wir ihm dankbar, aber das klingende Leben vom Turm soll nicht seine sondern unsere ureigene Sache sein. Alle werden daran teilhaben wollen, die sich mit unserer Stadt verbunden wissen. Vom ärmsten früheren Altstädter hin bis zum Fabrikanten, von der Marktfrau und dem Geschäftsmann, dem Studenten von einst und dem Industriellen von heute, wom Kanzleiboten bis hin zum Amtsvorstand.
Am Donnerstag kam der Ausschuß zusammen, der sich vorgenommen hat, die Mittel herbei zu schaffen, die für den Wiederaufbau des Glockenspiels benötigt werden. Alle Berufszweige sind in ihm vertreten und alle waren sich darin einig: „Wir werden es schaffen!“ Auf 30 000 Mark werden die Kosten geschätzt. Das scheint eine hohe Summe, aber umgerechnet auf den einzelnen Haushalt, sollten sie aufgebracht werden können. Man hat sich verschiedene Wege dazu ausgedacht.
Da ist einmal die Mittelbeschaffung durch größere Seienden. Wie wäre es, wenn Firmen, Berufsverbände und Vereine es übernähmen, eine von den vorgesehenen 25 Glocken zu stiften? Sie sollen dann den Namen der Stifter tragen.
Es kann verraten werden, daß schon in der ersten Besprechung von den Teilnehmern die Mittel für die erste Glocke aufgebracht wurden. Es ist zwar keine große, aber immerhin, das hohe C ist gesichert. Wir können weiter mitteilen, daß das „Darmstädter Tagblatt“ und der Verlag L. C. Wittich die zweite Glocke stiften.
Wer reiht sich an.' * Aber das Glockenspiel ist ja eine Angelegenheit aller Darmstädter. Auch diejenigen, die nur einen Zehner oder Fünfziger opfern können, sollen nicht ausgeschlossen sein. Darum ist an eine Haussammlung, deren Genehmigung zugesagt wurde, gedacht. Es soll beileibe keine offizielle und behördliche Angelegenheit sein. Die da sammeln, werden ihre Tätigkeit als Ehrensache ansehen. Sie kommen nicht nur mit „einer Liste“, sondern werden auch ein Andenken an die Glockensammlung mitbringen, eine schöne Karte oder sonst eine Ueberraschung. Auf den Sportplätzen, im Theater, im Kino, bei Darmstädter Festlichkeiten, an den Stammtischen, überall soll denen Gelegenheit gegeben werden, ein Scherflein abzuladen, die die Stadt und ihr Glockenspiel lieben.
Uns scheint, daß man nicht ohne Grund für den Erfolg der Sammlung optimistisch sein darf. Vorschläge aus der Darmstädter Bevölkerung sind immer willkommen. Doch wir wollen es nicht bei den Vorschlägen bewenden lassen. Wer reiht sich den ersten Stiftern an und wartet nicht erst den Aufruf ab? Das „Darmstädter Tagblatt“ wird sich freuen, bald weiter Günstiges über den Fortgang des Glockenspielvorhabens berichten zu können und lädt seine Leser ein mitzutun, damit wir unser Glockenspiel bald wieder erhalten. Ob es wohl möglich sein wird, es zum Heimatfest im Sommer wieder zu hören? pede
70 Jahre Weinmichel
Die „Grüne Bettlad“ wurde die Ostseite des Mathildenplatzes genannt. Hier, im Hause Nummer vier, eröffnete vor 70 Jahren Gastwirt Jean Michel seine Weinstube „Zum Pfälzer Hof“. Er war aus dem rheinhessischen Selztal zu uns gekommen, und die Verbindung mit seiner alten Heimat ist Generationen hindurch bis heute nicht abgebrochen. Sie wurde von Jean Michels Sohn Albert weitergeführt, den wir ob seines immer freundlichen Wesens noch in guter Erinnerung haben. Als er 1934 starb, wurde das Unternehmen in eine Familien-AG. umgewandelt. Der Einzelverkauf weitete sich zum Großhandel mit Qualitätsweinen aus. Dann zerstörte der Krieg, was Vater und Sohn aufgebaut hatten. Nun hat seit Kriegsende Hans A. W. Michel, ein Enkel Jeans und Neffe Alberts, dem Namen „Wein-Michel“ einen neuen Klang gegeben, die Keller wieder gefüllt, das Hotel 1948 wieder aufgebaut und die Weinstube traulich eingerichtet. Vom heutigen bis zum kommenden Samstag begeht er das 70 jährige Bestehen des Geschäftes, zusammen mit seinen Gästen und seinem Personal, das zu einem großen Teil schon seit langen Jahren mit dem Betrieb verbunden ist. p. D.
Neues Betonhärteverfahren
Die Betonindustrie wird alljährlich im Spätherbst von der Bauwirtschaft besonders stark beansprucht. Durch von den Nachtfrösten bedingten Störungen entstehen im Spätherbst regelmäßig Produktionslücken, die von der Betonindustrie überbrückt werden müssen. Zwar ermöglicht die künstliche Schnellhärtung ohne weiteres, jedoch sind die hierfür erforderlichen Anlagen zur Härtung mittels Dampf viel zu kostspielig und unwirtschaftlich.
Nach Behebung der Schwierigkeiten hat Dr.-Ing. Richter (Beton-Richter), Darmstadt, ein Hohlluft - Staustrahl-Schnellhärteverfahren im Zusammenhang mit einer Stauglocke entwickelt. Das Verfahren ermöglicht, 1000 Hohlblocksteine in 24 Stunden bis zur Stapelfähigkeit und in 48 bis 60 Stunden bis zur Lieferungsfähigkeit vorzuhärten. Das Verfahren wurde von der Firma zum Patent angemeldet. oa
Hinweis des Polizeiprästdenten
Das Abbrennen und Werfen von Feuerwerkskörpern an bewohnten oder von Menschen besuchten Orten ist verboten.
Zuwiderhandlungen werden nach § 367 (8) des Reichsstrafgesetzbuches bestraft. Bei Vernachlässigung der Aufsichtspflicht sind die gesetzlichen Vertreter für alle Schäden, die Minderjährige anrichten, gemäß § 832 des Bürgerlichen Gesetzbuches verantwortlich und haftbar; außerdem können die Aufsichtspflichtigen nach § 139 b des Reichsstrafgesetzbuches strafrechtlich belangt werden.
Weiter wird darauf hingewiesen, daß nach der Polizeiverordnung zum Schutze der Jugend Minderjährige unter 18 Jahren während der Dunkelheit von öffentlichen Straßen und Plätzen fernzuhalten sind.
Die Polizeibeamten haben Weisung erhalten, gegen Zuwiderhandelnde entsprechend einzuschreiten.
Zweiter Bauabschnitt im Parkhotel beendet
Eröffnungsfeier und Modenschau am Sonntag
Am Sonntag eröffnet das Parkhotel Aachener Hof sein zweites Restaurant und die Hotelhalle. Mit Stolz kann Frau Claire Merz, die Inhaberin des Hotels — Eigentum der Aachener und Münchener Versicherung — auf die erfolgreiche Arbeit zurückblicken, die seit der Eröffnung des Hotels vor einerh guten Jahre geleistet wurde.
Das Parkhotel in Darmstadt ist bereits zu einem Begriff für prominente Reisende des In- und Auslandes geworden, und Frau Merz kann in ihren Räumen Gäste aus aller Welt zwischen Finnland und Aegypten, Amerika und Bulgarien begrüßen. Etwa 70 Prozent des bei ihr verkehrenden Publikums ist international, und schon wünschen Ausländer, die sonst in Frankfurt abzusteigen pflegten, im Parkhotel in Darmstadt zu wohnen.
Bisher mußten die Anforderungen solchen Fremdenverkehrs nur mit einem Teilbau und 12 Zimmern bewältigt werden. Mit dem jetzt fertiggestellten 2. Bauabschnitt stehen 45 Zimmer zur Verfügung, ein zweites Restaurant und die Empfangshalle.
„Meine Gäste fühlen sich hier wie zu Hause“, sagt Frau Merz, und wir glauben es ihr gern. Wußte sie doch dem von Professor Grund ausgearbeiteten Gesamtentwurf in der Ausgestaltung der Innenräume die geschmackvolle, persönliche Note zu geben. Die Ausführung der Arbeiten, über die Architekt Schmidt wachte, zeugen von gediegenem handwerklichem Können. Darmstädter Firmen haben auch hier ihr Bestes geleistet, und mit besonderer Bewunderung steht man vor den schlichten, schönen Möbeln der Zimmerausstattung in Mahagoni und Birke, vor den Türdurchgängen und eingebauten Schränken, die von Möbel-Tempel, Palaisgarten, und Möbel-Baumann, Pfungstadt, gearbeitet wurden. Eine besondere Linienführung zeigt die in sanfter Rundung steigende Treppe. Großzügig ist die Halle angelegt, deren Wand gegenüber dem Eingang den von Frau Grund-Meißner handgewebten Gobelin mit Darmstädter Wappen und Motiven trägt.
An die Halle schließt sich ein Konferenzzimmer an, das sich leicht auch in Restaurationsraum und Bar verwandeln läßt.
Man spürt gerade in der Gestaltung kleinerer Einzelheiten, die diesen Räumen das eigene vornehme Leben geben, den Geist einer Frau am Werke, die viel von der Welt gesehen hat. Frau Merz weilte mehrfach im Ausland und spricht fließend französisch und englisch, so daß die Verständigung mit fast allen Gästen mühelos stattfinden kann. Hinzu kommt die persönliche Einsichtnahme in die Gepflogenheiten vieler Länder, durch die es möglich ist, daß der ausländische Gast im Parkhotel sich wie von heimischer Atmosphäre aufgenommen fühlt.
Auch Portier Martin Rüdiger spricht mehrere Sprachen. Geschäftsführer Rohde ist seit einem halben Jahr die rechte Hand der Inhaberin, und mit der Eröffnung der neuen Räume tritt Restaurantchef Fock seinen Dienst an. Mit eigener Wäscherei und Konditorei gibt der Betrieb zusammen 35 Angestellten sichere Existenz —, das Werk einer Frau, die im Kriege den Mann, Heim und Habe verlor, und die es noch einmal mit dem Leben aufnahm. * • *
Am Sonntag, dem 19. November 1950, eröffnet das Parkhotel Darmstädter Hof, mit einer Feier 11.30 Uhr sein zweites Restaurant mit Hotelhalle. Am Nachmittag 16.30 Uhr und Abend 20.30 Uhr findet anläßlich der Eröffnung eine große Modeschau unter dem Thema „Im Traumland der Mode“ statt, an der sich namhafte Darmstädter Firmen beteiligen. Di
Geschäftseröffnungen
Am Montag wird in der Schulstraße die Firma Müller und Spilger ihre neuen Geschäftsräume eröffnen. Die Geschäftsgründung erfolgte bereits im Jahre 1930 durch den Vater des jetzigen Mitinhabers Otto Müller. Das Geschäft, das in der Hauptsache Brautausstattungen. Baumwollwaren, Leinen, Steppdekken und Trikotagen führt, kann nun nach intensiver Aufbauarbeit in seine neuen, hellen Räume einziehen. Die Innenausstattung erfolgte mit schwerem Eichenholz, und moderne Leuchtstofflampen verbreiten ein warmes Licht.
In den Obergeschossen sind Wohnungen ausgebaut worden. Sie wurden im Rahmen des sozialen Wohnungsbauprogramms errichtet. Im gleichen Haus wird demnächst die Firma Pelz-Zimmermann ihr Ladengeschäft und ihre Werkstatträume in Betrieb nehmen können.
Daß sich in Darmstadt manches tut, beweisen die unzähligen Neubauten, die allerorts aus dem Boden schießen. Noch erstaunlicher aber ist die Schnelligkeit, mit der die Ladengeschäfte ihren Kunden die Türen öffnen.
So kann heute im Rahmen des Wiederaufbaues der südlichen Schulstraße die Firma Elektro-Keii, (Fa. Georg Keil OHG) ihren Einzug in die neuen Geschäftsräume melden. 1903 wurde das Unternehmen vom Vater des jetzigen Inhabers, Georg Keil, als elektrisches Spezialgeschäft gegründet. Es führt Beleuchtungskörper, Heiz- und Kochgeräte, nimmt jegliche Installationsarbeiten und Neon-Lichtanlagen vor. Moderne Vitrinenbeleuchtung und eine sinnreiche Dekkenanlage, zur Anbringung der Ausstellungslampen, machen den Einkauf von Beleuchtungskörpern und elektrischen Geräten zu einem Vergnügen. Eine gesonderte Abteilung bleibt den Radiogeräten Vorbehalten, eigene Reparaturwerkstätte und Lagerräume ermöglichen die Befriedigung aller Käuferwünsche.
Ebenfalls kann am heutigen Tage das Polster- und Dekorationsgeschäft Mangold, das bisher seine Räume in der Kasino-, Ecke Bleichstraße hatte, eröffnen Das Geschäft führt Gobelin-, Möbel- und Dekorationsstoffe, wie Velour, Brokat und Damast, und darüberhinaus moderne und Stilpolstermöbel. In einem eigenen Werkbetrieb werden die aus — ris bezogenen französischen Stuhlgestelle mit der gewünschten Polsterung bezogen. Echte Stilmöbel finden hier ihre Liebhaber. -st
„Minorca“ ist unter den Siegern
Die Preisrichter prämiierten gestern die besten Tiere des Darmstädter Kleintierzuchtvereins, der heute und morgen in der Holzhofallee — der früheren Schrautenbachkaserne — eine Geflügel- und Kaninchenausstellung mit etwa 260 Tieren zeigt.
Eine Fülle von bekannten und seltenen Rassen konnte der Ausstellungsleiter, Herr Darp el, am gestrigen Morgen zeigen. Auffallend bei den Hühnern z. B. die Cochins, eine Züchtung, die in Deutschland sehr selten ist, und in Farbgebung und auffallend wunderschöner Form auch in Zukunft schwer zu bekommen sein wird. Mit einem Stab brachte der Preisrichter Adam Daum die Tiere in die richtige Position, um Farbe, Bart und gute Formbildung sicher beurteilen zu können. Ein „Deutscher Zwerg“ zeigte stark verstoßene Schwingen, die dieses kleine, der Urzwergrasse angehörende Tier in der Bewertung etwas zurücksetzte. Die Lachshühner rechnet man dagegen nur zur verzwergten Rasse. — „Stand und Latschen gut“ sagte der Preisrichter beim Stand der Tauben, dem „Sächsischen Kröpfer“, jedoch die Flügelbinde weist unrichtig gesäumte Farben auf“. Der Prüfende bläst die Kröpfer voll Luft, damit das Tier möglichst gerade und mit hochgehaltenem Kopf zur Beurteilung kommt.
Auf jede Kleinigkeit muß gesehen werden, denn zur Landesausstellung am 1.—3. Dezember in Frankfurt darf nur bestes Material gesandt werden. — Auffallend die Schwarzloh-Kaninchen — Dr. Kißner belegte damit zwei Ehrenpreise —, von deren Fellen die Frauengruppe des Vereins in Selbstarbeit eine schöne Pelzjjacke anfertigte.
Ehrenpreise erhielten: Hühner: Cochin, Herr Lenkering; Rhodeländer: Darpel; Sussex: Lemster; Wyandotten: Waldhaus; Lachshühner:Heuss; Barnevelder:Berger; Minorca: Fürstenau; Rheinländer: Malterer und Waldhaus.
Kaninchen Deutsche Riesenschecke: Schacht; Deutscher Widder, grau: Reubold; Angora: Lautenbach, Kraus und Wirth. Helle Großsilber: Kraus und Müller; Wiener, weiß: Volk; Klein-Chinchilla: Mattheis; Schwarzloh: Dr. Kißner; Holländer, schwarz: Löchel. Preisrichter bei den Kaninchen: Georg Wenz.
Der Verein, der in der Nachkriegszeit mit guten Zuchtergebnissen aufwarten konnte, besitzt heute hervorragendes Tiermaterial. Der Ausstellung und weiteren Arbeit möchte man den vollsten Erfolg wünschen. Sg. Für die restlichen 6 Konzerte der Darm¬ städter Musikzentrale mit Wolfgang Schneiderhahn, Poldi Mildner, Adolf Busch, Ruggiero Ricci, Gaspar Carsado und das Freund-Quartett werden bis spätestens 20. November noch Abonnenten angenommen. Nach diesem Termin besteht dazu keine Möglichkeit mehr. *
Einen Studentenball veranstaltet die Fakultät der Bauingenieure der TH am Samstag, dem 18. November, um 21 Uhr, im Hotel „Zur Krone“ in Jugenheim, st
Wer kennt es wohl noch, das Gasthaus zum Glockenspiel? Unser Photo, das wir der Sammlung des Stadtarchivs verdanken, zeigt das schmale langgestreckte Haus mit den hohen Gauben, das bis zum Jahre 1904 am Schloßgraben zwischen Ritter- und Schirmgasse stand. Mit der „Schloßfreiheit“ fiel es der Spitzhacke zum Opfer. Wer noch eine Erinnerung an die Zeit um die Jahrhundertwende hat, wird wissen, daß neben dem „Glockenspiel“ der Samenhändler Peter Rettig wohnte, der Sattler Wilhelm Boos, die Privatin Elisabeth Loos, der Oktroiaufseher Schmuth und der Fettwarenhändler Adam Maul. Vielleicht weiß er auch noch von Gastwirt Jean Becker und Schuhmacher Bernhard Grosch, die in dem Haus Schloßgraben Nr. 1 wohnten. Ober er sich auch noch an den Zirkus Löbe erinnert, der auf der Anschlagtafel am Hauseck zum Besuch seiner Vorstellungen einlud? Und ob in der Nähe wieder einmal ein „Gasthaus zum Glockenspiel“ kommen wird? Aber erst müssen wir unser Glockenspiel wieder haben! P. D.
In Memoriam Manfred Edward
Am Abend des 14. November verschied nach kurzem, schwerem Leiden im Darmstädter Elisabethenstift der Ministerialrat i. R. Dr. jur. Manfred Edward im 69. Lebensjahr. Mit dem Heimgegangenen ist ein Mann zur ewigen Ruhe gekommen, der. mit dem Geschick Hessens in schwerer Zeit eng verbunden war.
Als Dr. Edward nach dem 1. Weltkrieg, der ihn zuletzt in die Türkei und in rumänische Kriegsgefangenschaft geführt hatte, heimgekelyt war, wurde er bald der Hess. Gesandtschaft in Berlin als Bevollmächtigter zum Reichsrat zugeordnet und damit einer Tätigkeit zugeführt, in der er vor allem segensreich für das besetzte Gebiet gewirkt hat. Sein bestimmtes, immer klares und entschiedenes Wesen hatte ihm Freunde im Reichsrat und in den Reichsministerien gewonnen und unvergessen wird bleiben, wie er sich mannhaft und nie ermüdend für Linderung der Nbt und schwerer Wirtschaftskrisen im linksrheinischen Gebiet einsetzte und vieles oft gegen eine unverständliche Einstellung in Berlin erreichte. Es ist ihm doch einmal, als er für ein schwer gefährdetes Unternehmen in Mainz eintrat, die seltsame Frage entgegengeklungen, ob denn Mainz besetzt sei. Sein Freund Markull im Reichsfinanzministerium, den ein tragisches Geschick hinwegnahm, schätzte Edwards Rat hoch ein und hat sich ihm nie versagt. Sein Wort galt viel bei den hanseatischen Vertretern in Berlin, und mit dem bayerischen Bevollmächtigten, dem Obersten Sperr, der noch im Januar 1945 aufgrund eines Freislerurteils gemordet wurde, verband ihn wahrhafte Freundschaft.
Immer vom Vertrauen der Staatspräsidenten Ulrich und Adelung getragen, trug Edward viel dazu bei, daß man Hessen in seiner Bedeutung für das Reich würdigte. So kam es, daß auch der Staatspräsident Werner 1933 diesen Vertreter unserer Heimat dn Berlin nicht missen wollte, ja daß Edward den Auftrag erhielt, von Hitler die Kaltstellung Sprengers zu fordern. Aber Werner wurde beseitigt, und Sprenger sah in Edward einen Todfeind, der dann aufgrund des Beamtenreinigungsgesetzes entlassen wurde und Berlin verließ. Er folgte wohlmeinendem Rat heimatlicher Freunde und ließ sich nicht in seinem Elternhaus in der Darmstädter Sandstraße nieder. Jahrelang wohnte er in Prien am Chiemsee, wo er sich angekauft hatte, in steter Sehnsucht nach der Heimat. Der Klang des Glockenspiels, nach dem so mancher Darmstädter in der Fremde verlangte, hatte es auch ihm angetan. Kurz vor dem 2. Weltkrieg wagte er es, sich hier niederzulassen. Die Gewaltherrscher mochten ihn vergessen haben in der Stille seines Tuskulums, wie er den mit Bücher- und Kunstschätzen in seinem Haus angefüllten Raum nannte. Die Beschäftigung mit Kunst und Geschichte füllte die Zeit des zu früh seinem tätigen Leben Entrissenen aus, den zudem ein schleichendes Leiden befallen hatte. Daß der Briefwechsel mit Sperr, der alles kommende militärische Unheil schon 1940 mit unheimlicher Sicherheit voraussagte, Späheraugen entging, ist ein Wunder gewesen. Immer wieder drang ich in ihn, seine Erinnerungen aufzuzeichnen. Er schob es hinaus, und ein wertvoller Beitrag zur Zeitgeschichte ging so verloren. Die Septembernacht 1944 nahm auch ihm alles. In Jugenheim fand er. ein bescheidenes Unterkommen bis heute. Er war gerade dabei, sich einen kleinen Alterssitz zu bauen, als sein Lebensfaden jäh abriß.
Wenn man sagt, Edward lebt in der Geschichte seiner Heimat, so muß man diesen Begriff schon als den des Mittelrheingebiets fassen. Von irgendwelcher spezifisch darmstädtischen dynastischen Bindung war er frei. Gern war er mit Freunden in Oppenheim, dessen Katharinenkirche seine ganze Liebe gehörte. Der Odenwald war ihm seit Jugendzeiten vertraut. Weite Reisen im Süden vor allem hatten seinen Blick für alles Schöne und Große in Kunst und Natur aufgeschlossen, aber der Heimat blieb der Mittelrheiner, in dem sich Tiroler und Westfalenblut mischten, im tiefsten verhaftet. Als er in der Zeit seiner Chiemseeverbannung nicht am Grabe eines heimgegangenen Freundes stehen konnte, schrieb er mir bewegt, eine anima candida sei geschieden, die ihm in der Heimat fehlen würde. Das gilt auch für ihn, und der Kreis, der ihm naheständ, wird schmerzlich bewegt an der letzten Ruhestatt, die er sich in Jugenheim gewählt, ihm ruachtrauern. Dr. Leonhard Kraft
Wohin gehen wir heǔte?
Landestheater, Orangerie: 19.30 (Y/3) „Tannhäuser“. Lichtspieltheater: Union: „Peter Voß der Millionendieb“; Thalia: „Der Postmeister“; Beli da : „Unter schwarzer Flagge“ (auch als Nachtvorst. 22.30); Palast: „Sturm über Asien“; Hansa: „Schuß durchs Fenster“, 14.00 „Rotkäppchen“, 22.30 Nachtvorist.: „Auf Leben und Tod“. Amerikahaus: 19.30 Gastspiel des Heidelberger Zimmertheaters: „Die Glasmenagerie“; 15—17.45 Musikprogramm „Sie wünschen, wir spielen ... “, 14.30 Kinderfilm. Kleintierzuchtverein Darmstadt: 9—17 Uhr Holzhofallee 13, große Geflügel- und Kaninchen aus s te 1 luing. Landesmuseum: 10—18 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch. Alt-Darmstadt: 17.00 Uhr im Saal des Altersheimes, Emilstraße 1, Vortrag (mit Lichtbildern) von Frl. Marie Frölich: „Die Darmstädter- Landschaft in der Kunst“. Paulusgemeinde: 20.00 Uhr in der Pauluskirche „Musik. Vesper“.
...ǔnd morgen ?
Landestheater: Orangerie : 19.00 „Die Csardas fü ns t in “. Lichtspieltheater: wie Samstag, außerdem Union: 14.00 Uhr Kindervorstellung „Kasperls Reise um die Weilt“; Thalia: 11.00 Uhr „Goldrausch“. Kleintierzuchtverein Darmstadt: 9—17 Uhr Holzhofallee 13, große Geflügel- und Kaninchenausstellung. Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3a: 10 bis 18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben". Landesmuseum: 10—18 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch. Stadthalle: 19.30 Uhr Ludwig Manfred Lommel.
Stadthalle: 11—12 Uhr Volkstümliches Morgenkonzert. Es spielt das Darmstädter Orchester für Berufsmusiker unter Leitung von Hans T r a s e r. Eintritt frei.
Bereitschaftsdienst am Sonntag
Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst (vom 18. 11., 13 Uhr, bis 25. 11, 8 Uhr): Darmstadt: Adler-Apotheke. Mathildenplatz 20, Tel. 714; Gutenberg-Apotheke, Kittlerstraße 34, Tel. 3444. Da.-Eberstadt: Schwanen-Apotheke, Darmstädter Str. 23, Tel. 221. Da.-Arheilgen: Arheilger-Apotheke, Dieburger Str. 20. Tel. 604.
Zahnärztlicher Sonntagsdienst (von 10 bis 12 Uhr) 19. 11: ZÄ Nette, Darmstadt, Erbacher Str. 50. Sonntagsdienst der Dentisten (von 10 bis 12 Uhr) 19.11.: Dentist Otto Franke, Heimstättenweg 66.
Wie wird das Wetter?
Langsame Beruhigung
Vorhersage: Ueber das Wochenende bewölkt mit Zwischenaufheiterungen, keine wesentlichen Niederschläge. Tagsüber noch verhältnismäßig mild, Tiefsttemperaturen nachts bei 0 Grad. Oertlich schwacher Frost, westliche Winde.
DER SPORT
Derl. FC.Nürnbergin Darmstadt
Der deutsche Altmeister kommt mit den drei Länderteam-Kandidaten Fischer, Morlock und Baumann / Die Lilienträger spielen mit der gleichen Mannschaft, die gegen den Vfß Stuttgart das sensationelle Unentschieden erzielte
Morgen werden die Ränge des Hochschulstadions bis auf den letzten Platz gefüllt sein, wenn der alte ruhmreiche Club aus der Hochburg des deutschen Fußballs in seinem verwaschenen weinroten Trikot durch das Marathontor einläuft. Nicht nur der Name des siebenfachen deutschen Meisters ist es, der die Massen anziehen wird, nicht allein die Tatsache, daß in der Elf drei Spieler mitwirken, die vielleicht am Mittwoch in der deutschen Mannschaft gegen die Schweiz spielen werden, sondern weil der jetzige Tabellenzweite unter der Leitung des Alt-Internationalen Bumbas Schmidt mit seinem flachen, gekonnten Kombinationsspiel auch heute noch an vergangene Glanzzeiten erinnert und gerade in der laufenden Saison seinen Willen, erneut zu höchsten Fußballehren zu kommen, deutlich erkennen läßt. Nicht zuletzt aber wird der morgige Punktekampf einen erhöhten sportlichen Reiz dadurch bekommen, daß bei den 98er in den letzten Spielen ein bedeutender Aufschwung zu verzeichnen war, der erhoffen läßt, daß dem Club von einem gleichwertigen Gegner ein großes Spiel geliefert wird.
Wenn man früher in Wien, Prag, Budapest, Turin, Madrid oder Zürich vom deutschen Fußball sprach, dann sprach man vom 1. FC Nürnberg, von einem Stuhlfaut, Kalb, Träg, Sutor oder wie sie alle hießen, die auf den großen europäischen Fußballplätzen heimisch waren und in keiner Länderelf fehlten. Daran hat sich auch heute nicht viel geändert, denn noch immer ist der Club einer der größten Kassenmagnaten. Wenn man auch bei den Heutigen die Robustheit und Schußsicherheit ihrer großen Vorgänger vermißt, die Eleganz und die brillante .Technik ist geblieben.
Die Rothemden verloren bisher nur drei Spiele mit knappsten Ergebnissen. Ihren günstigen Tabellenplatz verdanken sie vor allem ihren hinteren Reihen, die in zwölf Begegnungen nur zehn Gegentreffer, zuließen, wodurch der Club das beste Torverhältnis aller Mannschaften der 1. Liga Süd aufweisen kann. Der Ex-Wormser Fischer gilt zur Zeit neben Turek als bester deutscher Torhüter. Mirsberger hat sich zu einem Klasseverteidiger entwickelt und der kaltblütige 37jährige Uebelein I besticht noch immer durch seine Ruhe und Umsicht. Der verletzte Bergner ist durch den jungen Sippel gut ersetzt, Mittelläufer Kennemann ist zwar etwas langsamer geworden und spielt viel aus dem Stand, ist aber immer noch zuverlässig, und auf dem linken Läuferposten werden wir den Ex-Stuttgarter Baumann sehen, der für das Spiel gegen
die Schweiz als Stopper vorgemerkt ist. Auf Rechtsaußen stürmt Herbolsheimer, der Kabinettstückchen am laufenden Band zeigt, wenn er seinen Tag hat. Er kann sich keinen besseren Nebenmann wünschen als Maxi Morlock, den Motor des Angriffs, den im Clubsturm an technischer Eleganz und taktischer Gerissenheit keiner überbietet. Der blonde Ex-Fürther Brenzke, durch den der Sturm an Durchschlagskraft gewonnen hat, profitiert ebenso von ihm wie der linke Flügel der beiden Leichtgewichtler Winterstein und Ucko.
Das Spiel mit dem Altmeister wird den Neuling zur Höchstleistung anspornen. Die „Lilien“ werden in den ersten 15 Minuten wachsam sein müssen, um nicht von dem berühmten Anfangsspurt der „Hochburgler“ überrascht zu werden. Nach ihrem guten Abschneiden gegen den Vfß Stuttgart kann man auch auf ein günstiges Ergebnis gegen die Leute aus dem Zabo rechnen. Ihr schneller rechter Flügel Reeg, Thalheimer und Bohmann sollte den „alten Herren“ Uebelein, Baumann und Kennemann mehr als einmal entwischen können, und auch der Spielmacher Morlock müßte Schwierigkeiten haben, wenn man sich dazu entschließen könnte, Herder an Stelle von Leichtlein zu seiner Beschattung vorzusehen.
SV Darmstadt 98: Müller; Mühlbach, Abt; Herder, Schmidtmer, Leichtlein; Reeg, Thalheimer, Bohmann, Barth, Herwig.
1. FC Nürnberg: Fischer; Mirsberger, Uebelein I, Sippel, Kennemann, Baumann; Herbolsheimer, Morlock, Brenzke, Winterstein, Ucko.
Beginn 14.30 Uhr. Vorher Reserven.
Was sagt des „Großen“ bedenklich* Gesicht? „Ganz klar ist diese Aussicht nicht!“
Tischtennis
Abstiegsfrage Im Vordergrund In der hessischen Landesliga ist nach dem überraschend glatten Sieg des SV Flörsheim über die Eintracht Frankfurt am vergangenen Sonntag die Vorentscheidung gefallen. Das Hauptinteresse gilt jetzt in erster Linie den am Tabellenende stehenden Mannschaften. Am stärksten sind gefährdet die Mannschaften der TG Rüsselsheim und der SG Höchst. Aber auch die Mannschaften von Biblis und Darmstadt 98 sind noch nicht über den Berg und müssen noch Punktgewinne erzielen, die zum Verbleib in der höchsten hessischen Spielklasse berechtigen.
Am Wochenende finden folgende Begegnungen statt: TTC Biblis—SG Eintracht Frankfurt, SV Wiesbaden—TTC Bad Nauheim, SV Flörsheim—SG Klein-Krotzenburg, 1. ABC Wiesbaden — SG Höchst, Vfß Friedberg — SC Weiß-Blau Frankfurt. Darmstadt 98 spielfrei.
In sämtlichen Spielen sollten sich die Heimmannschaften glatt durchsetzen können. Lediglich in Biblis wird die Eintracht zum Erfolg kommen, wenn die Gastgeber wiederum ersatzgeschwächt antreten müssen. Ku.
In der Landesliga Süd wird mit dem Spiel Bensheim—SV Darmstadt 98 II die Vorrunde beendet. Die Tabelle wird angeführt von dem SV Wiesbaden 11, dicht gefolgt von TuS Griesheim, SG Wixhausen und dem SV Darmstadt 98 11. Die Gäste sollten in Bensheim die Punkte an sich reißen können. Ku.
Die Damen des SV 98 auf Reisen
Wegen Terminnot bestreiten die Lilienträgerinnen am Wochenende gleich drei Auswärtsspiele, die alle" nicht leicht genommen werden dürfen. Am Sonntagmorgen spielen sie gegen den VfL Bad Nauheim, anschließend beim dortigen Lokalgegner TTC Concordia Bad Nauheim, und nachmittags in Friedberg beim dortigen Vfß. Trotz der Strapazen, die drei schwere Auswärtsspiele mit sich bringen, sollten die Lilienträgerinnen sämtliche Spiele zu ihren Gunsten entscheiden können. In der Aufstellung Holzapfel, Nungesser, Römer, Nangot, Guyot und Pommer sind sie jeweils für doppelten Punktgewinn gut.
Bezirksklasse:
In der Bezirksklasse brachten die letzten Spiele große Ueberraschungen, die von der Ausgeglichenheit sämtlicher Mannschaften sprechen. Durchweg sind es die Neulinge, die die ersten Chancen auf den Titelgewinn haben. Noch ist die Vorrunde nicht abgeschlossen, aber man darf den Mannschaften wie 1875 Darmstadt, Mörfelden, Bensheim und Ober-Ramstadt die besten Aussichten auf den Titelgewinn einräumen.
Die Paarungen des Wochenendes lauten: Biebesheim—Arheilgen, TG 75 Darmstadt —Wolfskehlen, Jugenheim—Groß-Umstadt, Ober-Ramstadt—Bensheim. Pfungstadt und Mörfelden spielfrei. Ku.
Kreisklasse:
Die Frauen der Kreisklasse Darmstadt haben nur noch vier Spielsonntage. An dem jetzigen Tabellenstand dürfte sich nicht viel ändern. Die Mannschaft der SKG Bickenbach führt weiterhin ungeschlagen die Tabelle an, die Meisterschaft wird ihr kaum zu nehmen sein. Im einzelnen spielen: SSG Langen—SSG Wixhausen, SG Egelsbach—TSV Pfungstadt, SKG Eberstadt—SV Darmstadt 98 11, SG Wixhausen 11. Mannsch.—SKG Bickenbach. Die Herren beenden an diesem Wochenende die Vorrunde mit folgenden Spielen: TSG 46 Darmstadt—SKG Bickenbach, SG Egelsbach TGB 65 Darmstadt, SSG Langen—SV Erzhausen, SKG Eberstadt—TSV Nieder-Ramstadt 11, SG Wixhausen II—TSV Nieder-Ramstadt. Ku.
SV Erzhausen I — SKG Eberstadt II 4:5 TSV N.-Ramstadt I — TSG 46 Darmst. I 6:3 SKG Ernsthofen I — SG Wixhausen II 5:4 SKG Ernsthofen I — SKG Bickenbach 1:8 TGB 65 Darmstadt I — SKG Bickenbach 4:5 TGB 65 Darmstadt I — SSG Langen 4:5 TSV Nied.-Ramstadt I — SG Egelsbach 7:2
SG Arheilgen II — SV 98 Darmstadt IV 6:3 SG Arheilgen — SG Egelsbach 8:1 TGB 65 Darmst. II — TSV Pfungstadt II 8:1 SKG Ernsthofen II — TG 75 Darmst. II 7:2 TG 75 Darmst. II — SV 98 Darmstadt IV 5:4
SG Wixhausen — SSG Langen 6:3 SKG Eberstadt — SSG Langen 3:6 TSV Pfungstadt — SG Wixhausen 4:5 SKG Bickenbach — SG Egelsbach 9:0 SG Arheilgen — SG Egelsbach 8:2 SV 98 Darmstadt II — SKG Bickenbach 3:6 SSG Langen — TSV Pfungstadt 5:4
Wieder mit vollem Programm
Vor spannenden Kämpfen in allen Oberligagruppen
f. kr. - Der Punktekampf in den deutschen Oberligen geht mit vollen Touren weiter. Ludwigshafen und Frankfurt waren vor allem füt die Mannschaften in Süd und West willkommene Ursache für einen Ruhesonntag (sofern man diesen nicht aus finanziellen Gründen durch Freundschaftsspiele verpfuscht hat. — was auch vorgekommen sein soll). Am Sonntag geht es nun überall mit vollem Programm weiter, nur das Südwest-Programm ist schwächer geblieben. Ein Blick über die Sonntagspaarungen zeigt folgende Spiele:
Bleibt Schweinfurt Tabellenführer?
VfR Mannheim — Kickers Offenbach Darmstadt 98 — 1. FC Nürnberg Vfß Mühlburg — Vfß Stuttgart Spvgg. Fürth — Eintracht Frankfurt München 1860 — SV Waldhof BC Augsburg — VfL Neckarau FC Singen 04 — SSV Reutlingen FSV Frankfurt — Bayern München Schweinfurt 05 — Schwaben Augsburg
Im Süden ist am letzten Sonntag Schweinfurt 05 Tabellenführer geworden, das auch am Sonntag zu Hause gegen Schwaben Augsburg seine Spitzen-Position behaupten dürfte. Sonst heben sich aus der wie stets gehaltvollen Karte noch die Treffen VfR Mannheim — Kickers Offenbach, FSV Frankfurt — Bayern München, Vfß Mühlburg— Vfß Stuttgart und Darmstadt 98 — 1. FC Nürnberg heraus. In Mannheim und Frankfurt sind Heimsiege noch am ehesten zu erwarten, dagegen könnten der Vfß Stuttgart und auch der „Club“ in Mühlburg bzw. Darmstadt größere Schwierigkeiten vorfinden. Fürth müßte mit Eintracht Frankfurt fertig werden und wohl auch 1860 München mit Waldhof. Dagegen kann es in Augsburg einen Erfolg der Gäste geben.
Süd II ohne Aufregung
Kickers Stuttgart — Ulm 46 Wacker München — Bayern Hof SV Tübingen — ASV Durlach SV Wiesbaden — Jahn Regensburg Vikt. Aschaffenburg — TSV Straubing FC Pforzheim — Union Böckingen FC Freiburg — SG Arheilgen Hessen-Kassel — VfL Konstanz
In der 2. Liga haben die Stuttgarter Kickers beste Chancen, weiter das Feld anzüführen, denn Ulm 46 ist in die Mittelmäßigkeit zurückgefallen. Von den bayerischen Verfolgern müssen sich Regensburg und Hof in Wiesbaden bzw. München bewähren (Cham ist spielfrei). Hessen-Kassel sollte sich mit einem Sieg über Konstanz weiter nach vorn schieben.
Dortmund hat wieder Chancen
Fortuna Düsseldorf — Duisburger SV Rheydter Spvgg. — RW Oberhausen Schalke 04 — FC Köln Spfr. Katernberg — Borussia Dortmund Preußen Dellbrück — RW Essen Preußen Münster — STV Horst Alemannia Aachen — Hamborn 07 Bor. M.-Gladbach — Spvgg. Erkenschwick
Im Mittelpunkt des Sonntagsprogramms, das nach der Unterbrechung durch Süd-West wieder acht Spiele umfaßt, steht die Begegnung Schalke 04 — 1. FC Köln, die zur Zeit die beiden ersten Tabellenplätze halten. In der letzten Saison verlor Schalke beide Spiele. Entscheidend dürfte die Einsatzmöglichkeit und -fähigkeit von Matzkowski sein; denn gerade die Deckung wird gegen das sachliche Spiel der Kölner vor einer schweren Aufgabe stehen. Borussia Dortmund wird es in Katernberg, wo der Meister in den Vorjahren nur einen Punkt aus zwei Spielen holte, nicht leicht haben, noch schwerer aber Rot-Weiß Essen in Dellbrück. Im übrigen wird der Meisterschaftskampf wieder interessanter. Dortmund dürfte Gelegenheit finden, in Wiederholungspielen die Punkte aus dem „Fall Meinßen endgültig sicherzustellen. Damit wäre die Mannschaft sofort wieder im engeren Kreis der Titelanwärter.
Göttingen wird geprüft
Arminia Hannover — Göttingen 05 VfL Osnabrück — Bremerhaven 93 Hamburger SV — Eintracht Osnabrück Bremer SV — Holstein Kiel Eintr. Braunschweig — Hannover 96 Vfß Oldenburg — Altona 93 Eimsbüttel — Concordia Hamburg
Für Göttingen 05, nach Verlustpunkten gerechnet die am günstigsten stehende Mannschaft in Norddeutschland, beginnt in vier Auswärtsspielen (nur Altona muß noch nach Göttingen) nun die Bewährungsprobe. Arminia Hannover, Werder, St. Pauli und Concordia sind Hindernisse, die auch Göttingen nicht ohne Verluste nehmen kann. Der VfL Osnabrück müßte gegen Bremerhaven die Spitze der Tabelle erfolgreich verteidigen. Daß der HSV über Eintracht Osnabrück weiter vorstößt, ist nach dem Braunschweiger Spiel nicht mehr zweifelhaft. Werder Bremen. St. Pauli und Itzehoe spielen nicht um Punkte.
Südwest ohne die „Asse“ TuS Neuendorf—Tura Ludwigshafen FV Engers—Vfß Kaiserslautern Eintracht Trier—Spvgg Andernach VfL Neustadt—Eintracht Kreuznach
Neben Tabellenführer 'FC Kaiserslautern und Wormatia Worms sind auch Phönix Ludwigshafen und der FK Pirmasens am Sonntag spielfrei. Nur Eintracht Trier, die sich überraschend bis auf den vierten Tabellenplatz vorgespielt hat, tritt auf eigenem Gelände der Spvgg Andernach gegenüber. Bei der augenblicklichen guten Verfassung der Platzbesitzer ist mit ihrem neuerlichen Siege zu rechnen. Auch die Neustadter „Löwen“, zu Hause in letzter Zeit eminent gefährlich, müßten das Zeug dazu haben, um den Neuling Eintracht Kreuznach geschlagen nach Hause schicken zu können. Ausgeglichener erscheint dagegen die Begegnung zwischen dem FV Engers und den Kaiserslauterner Rasenspielern. Der Platzvorteil sollte hier das Zünglein an der Waage bilden. Recht geringe Siegesaussichten hat aber schließlich in Neuendorf der Ludwigshafener Neuling Tura.
Neben den genannten Punktspielen tritt Pirmasens im Saarlandpokal gegen den Vfß Neunkirchen an, und Phönix Ludwigshafen liefert beim 1. FC Bamberg ein Ablösespiel für seinen von Bamberg gekommenen wertvollen Halbrechten Off.
Die SG Arheigen beim Freiburger FC
Auch der 2. Darmstädter Verein mit einem ehemaligen deutschen Meister
Die SG Arheilgen muß auch am kommenden Sonntag nach auswärts und zwar zum FC Freiburg, einem alten Pionier der Deutschen Fußballgeschichte. Der Freiburger FC blickt auf die größte Tradition aller Vereine der 11. Liga zurück. Er war Deutscher Fußballmeister 1907 und mehrmals Badischer Meister. Große Männer des Deutschen Fußballs sind aus seinen Reihen hervorgegangen wie Prof. Hunn. Prof. Haase und nicht zuletzt Prof. Dr. Glaser, der langjährige Leiter des Bundesspielausschusses.
Bei der heutigen schweren Konkurrenz haben es auch d!ie Freiburger, die ein prachtvolles Stadion besitzen, schwer, wieder einen Platz an der Sonne zurückzuerobern. Die heutige Mannschaft hat nur 3 Pluspunkte und nur 2 Plustore mehr als Arheilgen, bildet aber ein gutes Mann*- schaftsganzes. Die Freiburger pflegen mehr ein ideenreiches, flüssiges und fürs Auge mehr erfreuliches Spiel, dem es etwas an der großen Härte der heutigen Spielweise fehlt. Daher auch der Tabellenplatz in dem unteren Teil. Solche Mannschaften brauchen eine jahrelange Entwicklung, sind sie aber einmal da, dann sind sie auch für höhere Aufgaben reif.
Die Mühlchesleute fahren mit wenig Hoffnung, nachdem sie am vergangenen Sonntag in der anderen Universitätsstadt Tübingen nicht bestehen konnten. Wie schon so oft, wurde auch in Tübingen den Vorstädtern ihr einwandfreies und gutes Mittelfeldspiel bescheinigt. Aber im Sturm hat man nicht die schnelle Entschlußkraft, sofort und plaziert zu schießen. Alle Versuche. hier eine Besserung herbeizuführen, s'ind bisher gescheitert. Es fehlt die klare führende Hand, die in der Lage ist, aus diesen Einzelspielern ein wirkliches Mannschaftsgefüge zu schaffen. Ein Punkt bei dem Deutschen Altmeister wäre ein großer Erfolg für die Vorstädter.
Die Abfahrt der Mannschaft erfolgt um 7 Uhr ab Gasthaus zum Löwen mit Haltepunkt an der Fuchsstraße. Teilnehmerkarten im Vereinshaus zu 6 und 10 Mark. Hewe.
Basketball-Oberliga
Die Tabellenletzten unter sich
Der BC Karlsruhe tritt diesmal die Reise nach Hessen an, die kürzlich der Heidelberger TV 1846 mit zwei schönen Erfolgen abschloß. Am Samstag wird der Tabellenletzte bei seinem ebenfalls noch sieglosen Gefährten am Tabellenende, der Homburger TG, antreten. In dieser Begegnung entscheidet sich voraussichtlich, welche Mannschaft für den Abstieg am ersten in Frage kommt. Die Bad Homburger haben ohne Zweifel die größeren Siegeschancen in diesem Spiel. Die Karlsruher gastieren in Gießen, wo bereits das erste Rückspiel der Oberliga Südwest stattfindet. Auf Karlsruher Boden gelang den Gießenern ein knapper 32:27- Sieg, so daß wohl auch im Rückspiel vor eigenem Publikum mit einem Punktgewinn des MTV Gießen gerechnet werden darf. Im Falle eines Sieges rückt Gießen in der Tabelle auf den 4. Platz vor.
Basketball-Landesliga
In der Basketba'll-Landesliga Hessen steht nur ein Spiel auf dem Programm, das die beiden noch ungeschlagenen Frauenmannschaften Homburger Turngemeinde und SKG Roßdorf zusammenführt. Beide Mannschaften haben sich bisher als sehr spielstark erwiesen lind ihre Punkte in schweren Auswärtsspielen geholt. In den bisher ausgetragenen Freundschaftsspielen blieb jeder Verein einmal sigreich. Auch diesmal ist mit einem ausgeglichenen Spiel zu rechnen^ dessen Sieger nur sehr schwer vorauszusagen ist. ' —er—
Sechs Hockeymannschaften auswärts
dr. — Ein umfangreiches Programm mit schweren Prüfungen läuft am Sonntag ab. Während die Junioren in Frankfurt im Vorspiel gegen Bonn bei SC Forsthausstraße antreten, und die AH-Mannschaft gegen SC 1880 spielt, fahren I. Herren, Damen. 11. Herren und Jugend zum RV Mainz. Die ersten Herren sollten damit wohl vor der schwersten Aufgabe stehen. Im Vorspiel in Darmstadt verloren sie glatt 4:1, nun befinden sie sich zur Zeit in einer besseren Form und werden dem RV Mainz, in dessen Mannschaft der bekannte Tennisspieler Dr. Günther steht, keine leichte Nuß zu knacken geben. Der Darmstädter Sturm wird in seiner augenblicklichen Form für Tore gut sein, aber ob die Verteidigung ihre Schwäche vom letzten Sonntag überstanden hat, wird der Sturm der Gastgeber aufdecken. Die Damenmannschaft wird mit einigen Spielerinnen der Mädchen, die als einzige Mannschaft des TEC spielfrei ist. antreten. Die Darmstädterinnen sind bei diesem Spiel nicht ohne Öhance. Erstmals treten die 11. Herren an. Auf ihr Aljschneidbn darf man gespannt sein. Die Jugend hat sich nach eifrigstem Training gebessert und wird in Mainz zeigen, was säie seit dem letzten Spiel gelernt hat.
SV 98 vor schwerem Gang nach Mombach
TSG 46 spielt auf der Woogswiese gegen Bauschheim
Nach ihren glänzenden Leistungen in den letzten Spielen treten die 98er am kommenden Sonntag einen schweren Gang nach Mainz-Mombach an. Die Gastgeber, die durch die Neueinteilung in die Verbandsliga Gruppe Süd gekommen sind, haben sich bisher als sehr stark und auf eigenem Platz äußerst gefährlich erwiesen. Nach Verlustpunkten stehen die Mombacher zusammen mit Nied einen Punkt hinter den Lilienträgern. Für die ehrgeizigen Mainzer Vorstädter ist das Grund genug, gegen die Leute vom Böllerfalltor alle Register ihres Könnens zu ziehen, um dem Gast das Siegen so schwer wie möglich zu machen.
Die 98er müssen in diesem Spiel leider auf ihren Rechtsaußen Schäfer verzichten. Er zog sich am vergangenen Sonntag bei dem Pokalendspiel Nord gegen Süd eine Verletzung des Mittelhandknochens der linken Hand zu und muß vorläufig pausieren. Das bedeutet natürlich für den Sturm, der in den letzten Spielen tadellos kombinierte, eine Beeinträchtigung des Zusammenspiels. Es ist aber anzunehmen, daß sich Reinhardt auf Rechtsaußen und der erstmals wieder spielende Wenz in der Sturmmitte gut mit ihren Nebenleuten verstehen werden und im Zusammenwirken mit ihren beiden schußgewaltigen Kameraden Dr. Barth und Lutz sowie dem linksaußen spielenden Emig die Lücken finden werden, um durch die Mombacher Deckung zu stoßen und Tore zu erzielen. Die Hintermannschaft bleibt in derselben Zusammensetzung wie im Spiel gegen Wiesbaden, in dem sie eine erfreuliche Stabilität zeigte. Nach einsatzfreudigem Kampf mußten die Punkte eigentlich von den Gästen mitgenommen werden.
SV 98 spielt in folgender Aufstellung: Lehning — Mark, Glock — Spieker, Peters, Fischer — Reinhardt, Lutz, Wenz Dr Barth Emig.
Das Vorspiel bestreiten die beiderseitigen Reserven.
Abfahrt beider Mannschaften: 12.15 Uhr am Marstall.
Ferner spielen in der Verbandsliga: TuS Griesheim—SG Kempten, SG Nied —Wormatia Worms, SG Dietzenbach—Vfß Wiesbaden, Kickens Offenbach—Gelnhausen.
Die Darmstädter Vorortler, TuS Griesheim. erwarten mit der SG Kempten den Tabellenvorletzten, der bisher in dieser Runde nur 2 Punkte erringen konnte. In Griesheim dürfte den Rheinhessen kapm eine Chance offenbleiben. Der derzeitige Tabellendritte, die SG Nied, müßte aus dem Kampf mit Wormatia Worms als Sieger hervorgehen. Mit klaren Niederlagen werden der VfR Wiesbaden in Dietzenbach und Gelnhausen bei den Offenbacher Kickers rechnen müssen, so daß in der Tabellengestaltung keine Aenderungen eintreten werden.
Wir wir erfahren, findet das Spiel Griesheim—Kempten nicht in Griesheim, sondern in Kempten statt. Die Elf von Griesheim spielt erstmals in kompletter Aufstellung, mit Zöller; Voit, Flick; Feldmann, Martin, Schecker; Lösch, Nold, Höhl, Weingärtner, Becker.
Gruppenliga IV
Hauptschlager: VfL Herrnsheim—TSV Braunshardt
Am letzten Sonntag fand nur ein Spiel statt, wodurch es in der Tabelle keine Veränderungen gab. Der kommende Sonntag führt wieder einen Schritt näher zum Ende der Vorrunde und wird voraussichtlich weitere Klärung in der Frage der Herbstmeisterschaft bringen. Es spielän: SSC Alzey— SV Kostheim, Concordia Gernsheim—TuS Wörrstadt, VfL Herrnsheim gegen TSV Braunshardt, TSV Pfungstadt gegen TG Rüsselsheim, TSG 46 Darmstadt — SKG Bauschheim.
Eine völlig offene Begegnung findet in Alzey statt, wo sich der dortige SSC und der SV Kostheim gegenüberstehen. Ein einheimischer Sieg würde den Anschluß an die Mittelgruppe bringen, ein Gästesieg die Festigung eines guten Mittelplatzes in der Tabelle. — Die Gernsheimer Concorden werden es am Kaffeedamm gegen den rheinhessischen Vertreter aus Wörrstadt nicht allzu schwer haben, um Sieg und Punkte zu erringen. — Die interessanteste Begegnung des Sonntags in dieser Gruppe steigt in Herrnsheim, wo der TSV Braunshardt erwartet wird. Der Sieger dieses Spiels wird auf alle Fälle erster Anwärter auf den zweiten Tabellenplatz in der Herbstmeisterschaft. Der Spielausgang ist als offen zu bezeichnen, wobei die Tagesform den Ausschlag geben wird. — Der bisher ungeschlagene Tabellenführer, die TG Rüsselsheim, tritt einen schweren Gang zu dem äußerst heimstarken Pfungstädter TSV an. In ihrer jetzigen Form sind die Opelstädter wohl kaum von einer Mannschaft der Gruppenliga zu schlagen. Außenseiterchancen darf man den Einheimischen aber trotzdem einräumen, denn sie sind immer für eine Ueberraschung gut. Bei einem Sieg der Gäste oder sei es auch nur ein einfacher Punktgewinn, wird der diesjährige Herbstmeister der Gruppenliga 4 TG Rüsselsheim heißen. — Die Elf der TSG 46 Darmstadt empfängt bereits am Sonntagvormittag um 10 Uhr (Reserven 8.45 Uhr) auf der Woogswiese die SKG Bauschheim. Die Gäste scheinen ihre Formkrise überwunden zu haben, denn sie boten an den beiden letzten Spielsonntagen beachtliche Leistungen, während die Einheimischen in derselben Zeit manches zu wünschen übrig ließen. Trotzdem darf man den Woogsleuten einen Erfolg, auch wenn er nur knapp ausfallen sollte, zutrauen.
Handball In den Bezirksklassen
In der Bezirksklasse Darmstadt-Odenwald spielen Mörfelden — Seeheim, Eppertshausen gegen Fränk.-Crumbach, Urberach — Kirch- Brombach, Langen—Reichelsheim, Groß-Bieberau spielfrei.
Am 1. Spielsonntag der Rückrunde empfängt der Tabellenführer Mörfelden die am letzten Sonntag angenehm überraschende Neulingsmannschaft aus Seeheim, deren Stärke auch in Mörfelden zu beachten sein wird. — Der 'Tabellenzweite Fränk.-Crumbach muß nach Eppertshausen und wird dort einen sehr schweren Stand haben. — In Urberach sollte die Platzelf trotz verbesserter Spielstärke der Gäste aus Kirch-Brombach zu einem klaren Sieg kommen. — Was ist mit Langen los? Diese Frage stellt man sich unwillkürlich nach den letzten Spielergebnissen. Auf Grund der augenscheinlichen Krise von Langen fährt Reichelsheim nicht ohne Aussichten nach Langen.
In der Bezirksklasse Ried spielen Heppenheim-Bürstadt, Pfeddersheim—Erfelden, Offstein—Pfiffligheim .
Bürstadt hat in Heppenheim gegen den Tabellenletzten die Chance, durch einen Sieg seine Tabellenposition zu verbessern. — Ein spannendes Spiel zweier gleichwertiger Gegner erwartet, man in Pfeddersheim, wo der Tabellenzweite Erfelden zu Gast sein wird. Die Begegnung ist vollkommen offen. — In Offstein sollten die Einheimischen gegen die Keimig-Elf aus Pfiffligheim zu einem vielleicht knappen Sieg kommen.
Kreisklasse Darmstadt
Gruppe I: Bessungen—7s Darmstadt, Roßdorf—Ober-Ramstadt.
Da Jugenheim seine Mannschaft zurückgezogen hat, finden nur zwei Begegnungen statt. Die TG 75 Darmstadt wird es in Bessungen nicht leicht haben, zu einem Punktgewinn zu kommen, zumal ihr guter Mittelstürmer Zimmer gesperrt ist. — Dagegen sollte der Tabellenzweite Ober-Ramstadt in Roßdorf einen Steg mit nach Hause nehmen.
Gruppe II: Schneppenhausen—Büttelborn, Egelsbach—TV Langen, Worfelden—Mörfelden, Weiterstadt—Vfß Groß-Gerau. In Schneppenhausen wird der Tabellenzweite Büttelborn bemüht sein, durch einen Sieg sich den Herbstmeistertitel zu sichern. — Ein vollkommen offenes Treffen findet in Egelsbach statt, wo zwei Mannschaften der Tabellenspitze sich gegenüberstehen. — In der Begegnung in Worfelden haben die Einheimischen die besseren Sieges-Aussichten. — Das am 24. 9. stattgefundene Spiel Weiterstadt gegen VfR Groß-Gerau wurde vom Kreisspielausschuß neu angesetzt. -ei-
Kreisklasse Erbach
In der Handball-Kreisklasse Erbach steigt am Sonntag das mit großen Interesse erwartete „Derby“ VfL Michelstadt—KSG Erbach. Die Partie trägt einen offenen Charakter. Für einen Sieg dürfte der Platzvorteil keine unwesentliche Rolle spielen. _ppi
Platzsperre für Schwaben Augssburs
Stuttgart, (sid) Die Spruchkammer des Süddeutschen Fußball-Verbandes verhängte auf ihrer letzten Sitzung folgende Strafen: Schwaben Augsburg erhält wegen der Vorfälle nach dem Spiel gegen den SSV Reutlingen (1:2) eine vorläufige Platzsperre. Bekanntlich war Schiedsrichter Rieger (Fellbach) von Augsburger Zuschauern tätlich angegriffen worden Das für «den 26. November angesetzte Meisterschaftsspiel Schwaben Augsburg — FSV Frankfurt wird auf neutralem Platz in Fürth ausgetragen.
Kleines Eishockey-Programm
Düsseldorf, (sid) Die Gruppe West mit den Krefelder, Kölner und Nauheimer Vereinen setzt an diesem Wochenende ihre Spiele um die Gruppenmeistenschaft fort. Am Samstag treffen die Mannen um Malecek und Poitsch (Krefelder EV) in Krefeld auf den VfL Bad Nauheim, der nach seiner Verstärkung durch Pfundtner und den Schweden Lindberg klarer Sieger bleiben sollte. Offen und darüber hinaus mit Vorteilen für die Gastgeber ist die Begegnung am Sonntag zwischen den Preußen und den Hessen, wobei die Krefelder ihre ersten Punkte sammeln und den Beweis ihrer derzeitigen Klasse gegen einen stärkeren Gegner erbringen wollen.
TG 1875 Darmstadt, Techn. Ausschuß. Am Montag, dem 20. November. 20.30 Uhr findet in der Gaststätte Petri eine Sitzung ‘ e n 4 slej te r und samtichep Helfer statt. Um pünktl. Erscheinen wird gebeten.
Der Vortrag „Die kulturelle Bedeutung Sportbewegung“, der am Donnerstag in von Herrn Prof. Dr. Altrock gehalten werden sollte, mußte leider auf einen spateren Termin verlegt werden da der Referent auf der Fahrt nach Darmstadt rinon £ytounfaH hatte, wobei er sich geringe Körperverletzungen zuzog.
Baas heiratet nach Darmstadt
T,P5r Ottenbacher Stürmer und Sportlehrer ah™ Slch am Montag mit der Sportlehrerin Margarete Müller. Das junge Paar wird in Darmstadt wohnen. Wir gratulieren ihm (und dem SV 98?) herzlichst!
Wohin zum Wochenende?
Sonntag. 10 Uhr Fußball: Junioren SV 98 „Eiche“ Offenbach, Flugplatz. 10 Uhr Handball: Gruppenliga 4 TSG 46 SKG Bauschheim (Reserven 8.45) Woogswiese.
11 Uhr Fußball: Kreisliga TSG 46 gegen Alsbach, Woogswiese.
14.30 Uhr Fußball: 1. Liga Süd SV 98 gegen 1. FC Nürnberg, Hochschulstadion.
Wirtschaftsblatt
Kein Versorgungsengpaß
vwd. In den Betrieben der Ernährungs- und der Landwirtschaft wird im November — vorbehaltlich der Erfüllung der Kohleförderleistung — kein Versorgungsengpaß auftreten, wie das Eundesernährungsministerium mitteilt. Die Zuteilungen an die genannten Betriebe werden nicht gekürzt. Umfangreiche Kürzungen werden lediglich für die Genußmittelindustrie vorgenommen.
Preis des 1949 er stabil
Idn Eine Versteigerung von 1949 er Unterhaardter Rot- und Weißwein durch den Grünstadter Weinmarkt e. V. In Grünstadt ergab, daß die Preise für den Jahrgang 1949 stabil bleiben. U. a. erzielten 14 800 Liter Weißwein im Faß Preise zwischen 173 und 422 DM pro hundert Liter. 1100 Flaschen 49er Weißwein erzielten 2,10 bis 3,20 DM pro - Liter-Flasche. 2400 Liter 49er Rotwein im Faß wurden mit 186 bis 294 DM pro hundert Liter zugeschlagen. 200 Flaschen Klein-Bockenheimer Spätburgunder Spätlese (rot) brachten 2,90 DM pro s/4- Liter-Flasche.
Textilimporte aus Frankreich
vwd. Der deutsch-französische Handelsvertrag sieht auf der Importseite über die bestehende 60prozentige Liberalisierung hinaus beachtliche Textilkontingent« in Höhe von über 15 Millionen Dollar vor. Die Kontingente umfassen nur Erzeugnisse, die nicht auf der deutschen Einfuhrliste stehen. Die Hälfte der Kontingente soll bis zum 15. Januar freigegeben werden.
Die Staustufe Hessighein am Neckarkanal mit ihrem Kraftwerk, dem neuen Wehr mit der Straßenbrücke und einer Schleusenanlage wird voraussichtlich schon im kommenden Jahr in Betrieb genommen werden können.
Ein Handelsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Oesterreich ist paraphiert worden. Die 60prozentige Liberalisierung des Handels wurde beibehalten. Für die restlichen 40 Prozent sieht das Abkommen ein Volumen von 72 Millionen Dollar (302,4 Millionen D-Mark) vor.
Die Saarkohlenförderung betrug im Oktober 1,26 Millionen Tonnen gegenüber 1,30 Millionen Tonnen im Vormonat. An der Spitze der Abnehmer stand Frankreich.
Bz. 251 600 motorisierte Zweiradfahr¬ zeuge wurden vom Januar bis Oktober gefertigt. Der Ausstoß an Motorrädern betrug in den ersten zehn Monaten 1949 62 683 Stück, im gleichen Zeitraum des laufenden Jahres 182 416, also 191 Prozent
Die Futter- und Kohlriibenernte im Bundesgebiet liegt mit 22,7 Millionen Tonnen um 3,6 Millionen Tonnen oder 18,7 Prozent höher als im Vorjahr.
Die Welttabakernte 1950/51 wird mit 7,2 Milliarden Ibs einen neuen Rekord darstellen. (Vorjahr 7,1 Milliarden Ibs, Vorkriegsdurchschnitt 6,6 Milliarden Ibs).
w Die britische Imperial Chemical Industries wollen, wie „Financial Times“ berichtet, 7. Mill. Pfund für die Errichtung einer Anlage zur Produktion einer neuen Textilfaser aufwenden, deren Ausgangsstoffe die fast vollendete Crackanlage der genannten Gesellschaft liefern soll.
Mitglieder der Betriebskrankenkassen
Vorschläge des Vermittlungsausschusses auch für die Landwirtschaft
Hi. Der Vermittlungsausschuß nach Paragraph 77 des Grundgesetzes befaßte sich in Bonn mit den Aenderungsanträgen des Bundesrats zum Gesetzentwurf über die Wiederherstellung der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung. Der Bundesrat hat die Verdoppelung der vom Bundestag beschlossenen Mindestzahlen der Mitglieder als Voraussetzung für die Gründung einer Betriebskrankenkasse, also statt 300 eine Mindestzahl von 600 Betriebsangehörigen gefordert. Der Vermittlungsausschuß hat demgegenüber einen Kompromißvorschlag gemacht, nach welchem von 450 Betriebsangehörigen an bereits eine Betriebskrankenkasse errichtet werden könne.
Der Vorschlag des Bundesrats, die Mindestzahl in landwirtschaftlichen Betrieben von 100 auf 200 zu erhöhen, -wurde vom Vermittlungsausschuß ebenfalls durch einen Kompromiß gelöst, wonach hier bereits von 150 Betriebsangehörigen an Betriebskrankenkassen gegründet werden können. Die Vorlage geht erneut dem Bundestag und Bundesrat zur endgültigen Entscheidung zu.
DM-Eröffnungsbilanzgesetz
vwd. Der Bundestags ausschuß für Finanzen und Steuern hat das Gesetz über die DM-Eröffnungsbilanz verabschiedet. Das Plenum wird sich voraussichtlich in etwa 14 Tagen in zweiter und dritter Lesung mit dem Gesetz befassen. Gegenüber dem Regierungsentwurf hat der Ausschuß die Fristen für die Anwendung der DM-Eröffnungsbilanz bis zum 31. Januar 1951 (ursprünglich 30. September 1950) und für die Neufestsetzung des Kapitals bis zum 30. Juni 1951 (31. März 1951) verlängert.
Rückkaufssperre aufgehoben
H.R. Die in der Lebensversicherung bestehende Rückkaufssperre ist zum Jahresende mit der Maßgabe auf gehoben worden, daß Beträge über 200 DM erst ab 1. 7. 1951 zahlbar sind. Mit Rücksicht auf die Liquidität der Unternehmen erwies sich bei der Währungsreform die Anordnung einer Auszahlungssperre bei gekündigten Verträgen aus der RM-Zeit notwendig. Immerhin wurde schon im März d. J. eine Lockerung für bestimmte Fälle wirksam. Wenn die Sperre nun mit dem oben erwähnten Vorbehalt ganz aufgehoben wird, so ergeben sich daraus umfassende Auswirkungen. Den Unternehmen erwächst daraus eine erhebliche Summe von Auszahlungsverpflichtungen, die die Liquidität der Unternehmen beanspruchen.
Die Chemische Werke Albert AG. Wiesbaden-Biebrich, legt der Hauptversammlung (18. 12.) die Bilanzen 1944 bis 1947, die RM-Schlußbilanz, die DM-Eröffnungsbilanz sowie den Abschluß vom 21. 6. 1948 bis 31. 12. 1949 vor. Das Unternehmen hat aus Kriegsereignissen große Verluste gehabt, doch ist es gelungen, das Hauptwerk Amöneburg weitgehend wieder produktionsfähig zu machen. Die DM-Bilanz weist ein Reinvermögen von 15,05 Millionen aus, so daß das Grundkapital (13,00 Millionen Stammaktien und 75 000 RM VA) 1:1 umgestellt werden kann und eine gesetzliche Reserve von 1,32 Millionen DM und eine freie Rücklage von 0,66 Millionen DM verbleibt. Während in den ersten Monaten nach der Währungsreform Umsatz und Preise befriedigten, setzte Anfang 1949 eine rückläufige Tendenz ein. Ein großer Teil der Rohstoffbestände und der Halb- und Fertigfabrikate mußte im Werte berichtigt werden. Dieser Umstand sowie sinkende Preise und Rückgänge erbrachten zum 31. 12. 1949 1,49 Millionen DM Verlust. Im laufenden Geschäftsjahr ' sei Umsatz- wie preismäßig eine Besserung zu verzeichnen, die es möglich machen dürfte, einen Teil des Verlustes einzuholen. (Frankfurter Börsenkurs 65 Prozent.)
b Die Rheinische Strohzellstoff AG, Rheindürkheim, Kreis Worms, legt ihrer HV am 25. November die DM-Eröffnungsbilanz und den Abschluß für die Zeit vom 21. 6. 48 bis 31. 12. 49 vor. Das Grundkapital von 1,6 Mill. RM soll 1:1,5 auf 2,4 Mill. DM umgestellt, der gesetzlichen Rücklage 0,24 und der freien Rücklage 1,03 Mill. DM zugeführt werden. Für das verlängerte Geschäftsjahr 48/49 soll aus dem Gewinn von 312 174 DM eine Dividende von 9 Prozent gezahlt werden (6 Prozent p. a.), während 96 174 DM auf neue Rechnung vorgetragen werden (letzter Frankfurter Freiverkehrskurs: 130 Prozent).
Bz. Werner & Mertz A.G., Mainz. Von der HV wurde das Grundkapital von 5,94 Millionen RM unter Einstellung eines ordentlichen Kapitalentwertungskontos ’ von 1,97 Mill. DM sowie eines ao. Kapitalentwertungskontos von 0,40 Mill. DM vorläufig neu festgesetzt.
Börsenberichte
Bz. Die Frankfurter Börse schloß die Woche in etwas freundlicher Haltung. Bevorzugt waren Bergbauwerte. Kaufinteresse begegneten daneben Zellwolle, Textil- und einzelne Porzellanaktien. Am Elektromarkt stellten sich 0,5 bis 0,75 Gewinne ein. Maschinenwerte lagen ebenfalls meist höher. Von Chemiewerten zogen VDM um 1 auf 65, Th. Goldschmidt um 0,5 auf 58 an. Niedriger lagen Contigummi 108,50 (— 1,5). Großbankwerte konnten sich 0,25 bis 0,5 verbessern.
Freie Devisenkurse
Bz. An der Frankfurter Börse wurden am 17. November folgende freie Devisenkurse genannt: Für den USA-Dollar 5,15 bis 5,25 DM, für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den holl. Gulden 1,15 bis 1,25, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,25, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,75 Ws 0,80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 Ws 0,16 DM.
STARKENBURG
Einer kam heim
Kurt Tucholski hat einmal gesagt, daß es das ewige Ziel von uns Deutschen sei, hinter dem Schalter zu sitzen, das ewige Los dagegen, vor dem Schalter zu stehen.
Beides scheint bei uns chronisch zu sein: der Wunsch sowie der nachfolgend* erwähnte Zustand. Viele gescheite und vernünftige Menschen von Stadt, Staat und Behörde bemühten sich mit Plakaten, Ermahnungen und Höflichkeitswettbewerben, die napoleonischen Gesten oder das Julius-Cäsar-Benehmen einzuschränken oder abzugewöhnen. Das Publikum sollte mit seiner bewertenden Beurteilung den Dolch unter dem Gewände tragen. Jedoch der Amtsschimmel reitet noch, klappernd zwar als eiserner Gustav, aber er schnaubt sich so durch die Lande und frißt das Gras lokaler Konjunkturen.
So auch in irgendeiner kleinen Stadt. Dort kam ein Fremder in die Stadt, der die wahnwitzige Idee hatte, nach sechsjähriger Kriegsgefangenschaft sich wieder mit seiner Frau vereinigen zu wollen. Er war ein Spätheimkehrer. (Spätheimkehrer deswegen, weil diese Menschen bzgl. Wohnung und Anstellung zu spät kommen.) Wie der Dank des Vaterlandes, der immer hinterher rennt und einen nie erreicht.
Hier rannte aber weder Vaterland noch Dank, sondern der Herr Kanzleirat, bzw. das Gericht und davor das Wohnungsamt. Seine Frau, Ostzonenflücht-
ling, hatte bereits eine Stelle als Buchhalterin erhalten und da auch die in den Kriegsgefangenenlagern erworbenen Brillanten einmal alle werden, und der Heimgekehrte nicht jeden Abend von Köln oder Hamburg zum Abendessen nach
Hause fahren konnte, erdreistete er sich, ohne beglaubigte Formulare in nähere wirtschaftliche und persönliche Beziehungen zu seiner Frau zu treten, jene also zu versorgen und nicht alleine zu lassen, die ihm Pfarrer und Standesbeamter bei der Eheschließung ermahnend ans Herz gelegt hatten.
Am liebsten hätte man wahrscheinlich den Heimkehrer an den zuletzt innege-
habten Wohnort mit polizeilicher Anmeldung zurückgeschickt, also an den Ural sicherlich oder Jenissei. Dort kam er aber her, das ging nicht, ergo: ins Gefängnis mit ihm!
Soweit der sachliche Vorgang, da man von Herz oder Gemüt nicht reden kann. Die Moral hat hier nicht die amtliche Stelle, sondern die Geschichte als solche: daß abgesehen von der klapperdürren Impertinenz des Amtsschimmels nebst verrosteter Rüstung derartiger Gesetzgebung das berühmte Echo aus dem Walde erwähnt werden muß, welches mit unangenehmer Lautstärke herausschallen könnte. In diesem Falle wäre Alter kein Verdienst, sondern ein zu beseitigender Zustand. Sg.
Hessens originellste Wahlurne
Studienobjekt für Malunterricht der Ober-Kinziger Schule
Wenn die Nieder-Kinziger morgen in die Schule zur Wahl gehen werden, erkennen sie höchstwahrscheinlich ihre gute, alte Wahlurne nicht mehr wieder. Aus dem unansehnlichen grauen Holzkasten ist ein farbenfreudiges Schmuckstück geworden mit sinnvollen Sprüchen, der Ansicht des Schulgebäudes sowie einem lustigen Fries mit Männlein und Weiblein, die alle zur Wahlurne hinstreben. Das ist das Werk der Nieder-Kinziger Schulkinder, die im Malunterricht diese schöne Gemeinschaftsarbeit vollbracht haben.
Der Leiter der einklassigen Volksschule in Nieder-Kinzig, Lehrer Ernst Lukow, erzählte uns, wie seine Buben und Mädels auf den Gedanken kamen, die Gemeindewahlurne zu bemalen:
Um seine 54 Zappelgeister der verschiedensten Altersklassen und Lehrstufen gleichzeitig in demselben Raum unterrichten zu können, mußte er die moderne Gruppenarbeit einführen. Das sind jeweils sechs bis acht Schülerinnen und Schüler, die sich mit einer Aufgabe zu beschäftigen haben, während die übrigen Gruppen etwas anderes lernen. So hatte er es auch mit seiner Malgruppe gehalten, in der vor allen Dingen die Mädchen dominieren. Schon seit längerer Zeit beschäftigte er sie mit Entwürfen von ornamentalen Buchecken, Lesezeichen und sonstigen kleinen Gebrauchsdingen, die im Stile alter volkstümlicher Motive gezeichnet und gemalt wurden.
Nun hatte der Lehrer in seiner Wohnung sehr schön gemalte Schränke und Truhen stehen, die das Interesse der Kinder fanden. Als Lehrer Lukow in Darmstadt totalfliegergeschädigt wurde und später nach Nieder-Kinzig evakuierte, richtete er sich mit zusammengetragenen, alten Möbelstücken wieder behelfsmäßig
ein. Als Mensch mit starker künstlerischer Begabung brachte er in die zusammengewürfelten Einzelstücke eine harmonische Einheitlichkeit, indem er sie im Stile alter Bauernmöbel mit leuchtenden Temperafarben bemalte und mit einem farblosen Lack spritzte.
Die Wirkung war großartig. — Die Kinder waren jedenfalls derart begeistert davon, daß sie den Vorschlag machten, die beiden alten Lehrmittelschränke im Schulsaal doch in der gleichen Weise umzugestalten. Lehrer Lukow machte aber zur Bedingung, daß die Kinder selbst die Arbeit entwerfen und ausführen müßten.
So gingen die Buben und Mädchen zunächst daran, einzelne Blumen und Vögel zu malen. Sie wurden dann ausgeschnitten und auf der ausgehängten Schranktür zu farblich und in Form gut harmonierenden Ornamenten zusammengebaut. Darüber legte man dann ein Pauspapier und zeichnete darauf das verbindende Trägergerüst. Dieses wurde dann auf die Türfüllung übertragen und die Blumen wieder aufgelegt, nachgefahren und schließlich ausgemalt.
Jedes Kind hatte seine eigene Blume zu malen. Es war ein herrliches Fabulieren mit Bleistift und Pinsel. Eine ältere Schülerin leitete die gemeinsame Gruppenarbeit, so daß der Lehrer seiner übrigen Unterrichtstätigkeit nachgehen konnte. Mit Eifer waren die kleinen Maler bei der Sache. Nach den ersten wohlgelungenen Erfolgen wurden immer neue Objekte ihres Schaffensdranges gesucht, und so kamen sie auch auf die grau und häßlich in einer Ecke des Schulsaales stehende Wahlurne.
Nach Einholung der bürgermeisterlichen Genehmigung wurde sie in gleicher Weise in Arbeit genommen; Lehrer Lukow hatte lediglich die Schriften entworfen, ausgemalt wurden sie von den Kindern. Alle übrigen Darstellungen sind eigene Erfindungen der Mädchen und Buben. Und man muß schon sagen: alle Achtung! Das werden hoffentlich auch die Eltern der kleinen „Volkskunstmaler“ sagen, wenn sie am Sonntag ihre Wahlzettel in diese Urne werfen, die wohl die originellste in ganz Hessen sein dürfte. -ch
Jie Nieder-Kinziger Wahlurne im neuen Gewand
Fragen der Schulreform
vor kleinem Kreis in Groß-Gerau In der Zeit vom 7. bis 9. Dezember wird in Groß-Gerau eine Arbeitstagung stattfinden, die einem kleinen Teilnehmerkreis, der Angehörige aller Bevölkerungsschichten einschließen soll, Gelegenheit bietet, sich über die geplante Schulreform auszusprechen. Unter den verschiedenen Themen dieser Tagung werden besonders solche Fragen behandelt, die nach Gesichtspunkten moderner Pädagogik der kommenden Schul- und Erziehungsreform das Gepräge geben sollen.
Einladungen zu dieser dreitägigen Arbeitstagung werden vom Hessischen Ministerium für Erziehung und Volksbildung ergehen. Fr kostenlose Unterkunft und Verpflegung auswärtiger Teilnehmer wird gesorgt. Kr.
Schulung von Verkehrsteilnehmern
Das Fortbildungswerk Lorsch beginnt am Montag in der Wingertsbergschule mit einem Lehrgang über das Kraftfahrzeugwesen. Neben, der praktischen Kraftfahrzeug- und Motorenkunde wird auch das Straßenverkehrs- und Kraftfahrzeugrecht nach den neuesten Bestimmungen behandelt. Die Zahl der bereits vorliegenden Anmeldungen läßt auf reges Interesse und starke Beteiligung schließen. bl
Mit dem Bau einer Pumpstation wurde Ende letzter Woche in Braunshardt begonnen. Bd.
Unsere Geburtstagskinder
Goldene Hochzeit: Herr Wilhelm Heinlein, Dachdeckermeister, und Frau Philippine geb. Willand, Babenhausen, Sackgasse 30.
Goldene Hochzeit: Herr Altbürgermeister Philipp Krebs 111. und Frau, Kleestadt.
Goldene Hochzei: Herr Wilhelm Heß und Frau, Hiltersklingen (Mühle), gleichz. 75. Geburtstag.
Goldene Hochzeit: Eheleute Jakob Fey, Spenglermeister, Groß-Gerau, Frankfurter Straße 18.
Goldene Hochzeit: Eheleute Ludwig Wiesenecker 11-, Leelheim, Schulstraße 6.
Silberne Hochzeit: Herr Peter Kumpf und Frau Luise in Günterfürst.
90. Geburtstag: Frau Sophie Wolf geb. Sulzbach, Steinbach, Am Berg 10. (19. 11.)
70. Geburtstag: Herr Heinrich H ut h - mann, Wixhausen, Bahnhofstr. (19. 11.)
DT-Reporter schrieben und bebilderten die „Wochenend-Reportage“
Ein alter Traum ist Wirklichkeit geworden
Züchter aus der Rhön gewinnen im Regierungsbezirk Darmstadt Laichforellen mit modernen Elektrogeräten - Ueberflüssige „Kostgänger“ werden aus den Bächen entfernt — Minuten der Betäubung folgt die Erholung in Sauerstoff-Fässern
Seit alter Zeit träumt der Mensch davon, sich leicht und ohne großen Aufwand an Zeit und Kraft in den Besitz von Gütern zu setzen, die die Natur laufend und ohne sein Zutun produziert. Die gute Fee’ alter Fischermärchen, die dem Petrijünger freundlich gesonnen ist und ihm überreiche Beute ins Netz treibt, hat ihren geistigen Ursprung nirgendwo anders, als in diesem Wunsch. Die Praxis ist freilich nüchterner. Aber auch sie kennt Punkte, an denen das Märchen vom guten, hilfreichen Geist Wirklichkeit geworden ist.
Bereits in unserer Ausgabe vom 23. Oktober berichteten wir, daß im Regierungsbezirk Darmstadt Jungforeiten ausgesetzt wurden, die in den Bächen der Rhön mit modernen Elektrofischereigeräten eingefangen worden waren. Was aber hat es mit dieser, gerade in jüngster Zeit öfters und mit mehr oder weniger Sachkenntnis diskutierten „Elektrofischerei“ auf sich?
Schon lange kennt die wissenschaftliche Zoologie das Phänomen der „Galvanotaxis“: Wassertiere, die sich in einem elektrischen Kraftfeld befinden, reagieren irgendwie auf den Strom, der ihre Umgebung durchfließt, sofern dieser nur genügend hohe Spannungen aufweist. Unter bestimmten Verhältnissen bewegen sich die Tier aktiv auf einen
Pol des elektrischen Kraftfeldes zu. Eine solche Reaktion zeigen auch alle unsere Süßwasserfische in, je nach Art, verschiedener Stärke. Sie sind „positiv galvanotaktisch, d. h., sie schwimmen in einem elektrischen Kraftfeld bestimmter Beschaffenheit von unsichtbaren Kräften getrieben auf den positiven Pol dieses Kraftfeldes zu.
Was weiter zu tun war, um diese Erkenntnis der modernen Fischerei nutzbar zu machen, mutet uns heute fast wie jene berühmte Anekdote vom Ei des Kolumbus an. Es war einfach um jenen geheimnisvollen Pol herum ein auf einer Seite offenes Netz anzubringen, dann würde dieser schon die ersehnte Beute hineinlocken, dann würde der alte Wunschtraum Wahrheit. — Und er ist Wahrheit geworden. Das zeigt in diesen Tagen wieder Forellenzüchter Groß. Dietershausen/Rhön, der nach Anweisungen der Darmstädter Fischereibehörde Laichforellen aus den Bächen des Reg.-Bez. Darmstadt gewinnt.
Es ist schon ein Erlebnis, zu sehen, wie die modernen Elektrogeräte auch im ertenumstandenen Bergbach oder im völlig verknauteten Wiesenbach noch die Tiere holt, denen kein Angelhaken mehr beikommt. Einzeln kommen sie, zu zweien, dreien und zu vieren, wie von einem Magneten gezogen, zum Netz des Fischens. Es ist wie im Märchen, auch wenn es „nur“ viere auf einen Streich sind.
Doch ist es nur die Freude am M-assenfang, die den Menschen zu solchem Tun antreibt?
Gewiß nicht! Die Vorteile dieser modernen Methode sind so groß und so mannigfaltig, daß es sich lohnt, ihre wesentlichsten hier anzufühnen.
Dem Elektrogerät entgeht bei nichtiger Anwendung kein Fisch des ganzen Baches, weder die dickköpfige Mühlkoppe, die im Winter und Frühjahr der Forelle die wertvollen Eier wegstibitzt, noch der Döbel, der sich an der jungen Brut gütlich tut, noch auch das „Mordstrumm“, die große Standforelle, die gar ihre eigenen jüngeren Artgenossen nicht verschont, hat sie erst einmal gemerkt, wie gut die schmecken. Sie alte sind im Forellenbach nicht gerade gern gesehen. Das Elektrogerät gibt die Möglichkeit, diese überflüssigen Kostgänger aus dem Bach zu entfernen und an ihrer Stelle wertvolle Jungforellen zum Speisefisch heranzuziehen. Ja, es gibt die Möglichkeit, den Bach vollkommen teerzufischen und frisch zu besetzen, ganz so, wie der Bauer im Herbst seinen Acker abemtet und ihn dann für das nächste Jahr neu bestellt. So wird der Bergbach mit Hilfe der Technik zum Gewässer, das intensiv bewirtschaftet werden kann.
Zu solch intensiver Nutzung gehören Satzforelten, die in eigenen Bruthäusern aus Eiern erbrütet werden müssen. Diese Eier kann nur die ältere Forelle liefern. Doch wie ihrer habhaft werden? Den eisernen Angelhaken im Maul nimmt sie krumm, so-
fern die Schlaue auf ihn überhaupt hereinfällt, und vor dem Netz flüchtet sie in ihren Unterstand zwischen Wurzeln und Gestrüpp am Ufer. Auch hier greift das Elektrogerät helfend ein. Es zaubert die Tiere aus ihren Schlupfwinkeln hervor und betäubt sie für wenige Minuten, doch so schonend, daß sie sich schon kurz darauf in den bereitgesteilten Sauerstoffässem erholen.
Viel harte Arbeit ist zu leisten von dem Augenblick, in dem die laichreife Forelle im Bach gefangen wird bis zum Zeitpunkt, zu dem ihre Nachkommenschaft diesem Bach wieder anvertaut werden kann. Modernste Miethoden, wie die hier beschriebene, ermöglichen diesen beschwerlichen Weg und erleichtern ihn zugleich. -kn-
Es ist wie im Märchen, auch wenn’s „nur“ viere auf einen Streich sind
Forellenzüchter Groß, Dietershausen (Rhön), mit seinen Helfern bei der Arbeit mit dem Elektrogerät (links). Das „Mordstrumm“, die alte Standforelle, vermag mit seinen kannibalistischen Neigungen — wiedas Elektrogerät—ganze Bachstrecken leerzufischen. Solche Brocken erfreuen das Herz des Waidmannes, doch sie gehören, nur noch zum Fressen und kaum mehr zur Fortpflanzung imstande, nicht mehr in den Bach (rechts) Fotos (3): Knöpp
Aktuelles zwischen gesteru und heute
Großfeuer in Lederfabrik
Ueber eine halbe Million Schaden
Mitten in der Weihnachtssaison verlieren 80 Arbeiter der Lederwaren-Metropole Jügesheim, Kreis Offenbach, ihren Arbeitsplatz. In den frühen Morgenstunden des Donnerstag vernichtete ein Großfeuer die Leder-Exportfirma Massoth & Klug fast vollständig. Trotz des tatkräftigen Einsatzes der Berufsfeuerwehren aus Offenbach und Neu-Isenburg und der Ortswehren Dudenhofen, Jügesheim und Weißkirchen konnte nur wenig vom Inventar gerettet werden. Nach vorläufigen Schätzungen beträgt der Sachschaden über eine halbe Million D-Mark.
Ueber die Ursache des Brandes konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden. Die Wehren wurden von Kreisfeuerwehr-Inspektor Leichter persönlich geleitet. -gi-
Bestrafte Unvorsichtigkeit
Dieser Tage bog ein Motorradfahrer aus der Ueberauer Straße in die Kirchstraße Reinheims ein, ohne auf den Gegenverkehrt zu achten. Da er seine Maschine nicht rechtzeitig zum Stehen brachte, fuhr er gegen den Anhänger eines Viehlastzuges, wobei das Motorrad beschädigt wurde. Personenschaden entstand nicht. le
Bundesstraße 26: Zwei Unfälle
In der S-Kurve der Bundesstraße 26 in der Nähe des Dornberger Bahnhofs kam es wieder einmal zur Kollision zweier Fahrzeuge. Der Anhänger eines Lastkraftwagens schleuderte auf der regennassen Fahrbahn gegen einen aus Richtung Groß-Gerau entgegenkommenden Lastwagen, und riß ihm eine Pritschenseite ab.
Auf der gleichen Straße, in der Nähe der Fernfahrergaststätte „Waldschlößchen“, mußte ein Lastzug vor einem plötzlich anhaltendem Personenkraftwagen scharf abstoppen. Um nicht aufzufahren, lenkte der Fahrer in den Straßengraben. Dabei stellte sich das Fahrzeug quer zur Fahrbahn und verursachte durch Blockierung der Straße eine längere Zeit währende Verkehrsstockung.
Haftbefehle aufgehoben
Die gegen die Gastwirte Sch. aus Lichtenberg und L. aus Nonrod wegen Kuppelei ergangenen Haftbefehle wurden nach einem Haftüberprüfungsverfahren vor dem Amtsgericht Reinheim aufgehoben. Die Ermittlungen in beiden Verfahren sind abgeschlossen. Da somit keine Verdunkelungsgefahr mehr bestehe und auch mit einer Flucht nicht zu rechnen sei, wurden die Beschuldigten sofort auf freien Fuß gesetzt. (Le)
Die Posaunen von Jericho
auf der Tromm
Mit Windstärke 8 toben gegenwärtig die November stürme um die Tromm. Das führte dazu, daß in Scharbach eine dem Sturm besonders ausgesetzte Hauswand nachgab und in zwei Stuben einbrach. Die durch den Schaden betroffenen Einwohner hatten die ganze Nacht zu tun, um die Steine zu entfernen und ihr Anwesen vor größerem Schaden notdürftig zu schützen. -r
Unfall im Bahngelände
Am Donnerstagmorgen ereignete sich auf dem Bahnhof Klein-Gerau ein bedauerlicher Unfall. Beim Ueberschreiten der Gleise zum Personenzug glitt der hiesige Einwohner W. H. aus und kam so unglücklich zu Fall, daß er sich die linke Kniescheibe brach. Der Unfall dürfte in erster Linie auf die sehr mangelhafte Beleuchtung der Bahnsteige zurückzuführen sein. KB
Empfindliche Geldstrafe
wegen Körperverletzung und Beleidigung Als vor einiger Zeit der Invalide M. aus U e b e r a u die 9jährige Tochter des S. zur Rede stellen wollte, warum diese seinen sjährigen Enkel mit einer Netztasche geschlagen habe, wurde er von S. in barschem Tone angefahren und zu Boden geschleudert. Von dem Sturz trug der Schwerbeschädigte erhebliche Verletzungen davon.
Der Strafrichter sah die Tatbestandsmerkmale der Körperverletzung und, da der Beklagte bei der Auseinandersetzung den BO°/oigen Invaliden „Krüppel“ tituliert hatte, die der Beleidigung als erfüllt an. Der Angeklagte erhielt eine empfindliche Geldstrafe. (Le)
Nächtlicher Diebstahl in Hering
In einer der vergangenen Nächte wurde bei Gastwirt Weiß eingebrochen. Die Täter, die von der Hoftüre in das Innere der Wirtschaft eingedrungen sein müssen, machten reiche Beute an Zigaretten, Tabak, Schnaps, Likör, Geld sowie Fleisch- und Wurstwaren. Sogar die Bettwäsche ließen sie nicht unberührt.
Ein verdächtiger Gast hatte am Abend mit einem Koffer das Gasthaus besucht um, wie er angab, auf eine Taxe zu warten. Die sofort alarmierte Polizei nahm die Untersuchung auf, doch fehlt bis jetzt jede Spur. gu
Noch gut abgegangen
Ein die Ortsstraße durchfahrender Lkw. kam bei der naßglatten Straße mit seinem Anhänger ins Schleudern, wobei der Einwohner J. Lohr gestreift und zu Boden geworfen wurde. Zum Glück erlitt L. nur leichtere. Verletzungen. KB
Richtig wählen - aber was?
Zeichnung: Schlotter
Streit in Walldorf
Bei einer gut besuchten Elternversammlung im Saalbau „Waldenser Hof“ wurde die kürzlich erfolgte Besetzung der Rektorenstelle an der Walldörfer Volksschule diskutiert.
Im Laufe der Versammlung kam es zu teilweise recht lebhaften Aussprachen, da ein Teil der Elternschaft gegen die vom Gemeinderat in geheimer Wahl besetzte Stelle war. In der Angelegenheit konnte keine Einigung erzielt werden, so daß es wahrscheinlich bei der getroffenen Entscheidung des Gemeinderates bleiben wird. Kreisschulrat Schwedes war bei der Versammlung anwesend. Kb
25 Jahre Kleintierzucht
Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des Kleintierzuchtvereins Mörfelden wird heute und morgen im Saalbau „Frankfurter Hof“ eine Ausstellung der Rasse-Geflügel-Züchter des Kreises Groß-Gerau abgehalten. Auch die Jugendgruppe der einzelnen Vereine wird zum erstenmal bei dieser Schau vor die Oeffentlichkeit treten. Es wird mit einer Beschickung von erstklassigem Zuchtmaterial gerechnet. Kb
Der Breubergbund hat in Neustadt eine Leihbücherei mit mehr als 200 Bänden eingerichtet, die von Fräulein Leonhardt und Herrn Pilger verwaltet wird. -eh-
Schwarzhandel unterminiert Volkswirtschaft
Steuer-, Zoll- und Gewerbefachleute berieten Abwehrmaßnahmen
Auf Veranlassung des Regierungspräsidenten in Darmstadt fand am Freitagvormittag im .Sitzungssaal des Landratsamtes Erbach unter Leitung von Dr. R i e k h e r r eine Besprechung über die Mitwirkung der Gewerbe- und Preisprüfer bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung, des Schwarzhandels und Schmuggels statt.
An der Aussprache nahmen als Vertreter des Finanzamtes Darmstadt Regierungsrat Dr. Clauß und Obersteuerinspektor Scherber, ferner Bezirkszollkommissar Hofmann, Erbach, Vertreter des Zollfahndungsdienstes und der Gewerbeämter der Städte Darmstadt und Offenbach sowie der Landkreise Darmstadt, Dieburg, Erbach, Groß-Gerau, Heppenheim und Offenbach teil. Leitgedanke der Tagung war die zwingende Notwendigkeit der Rückkehr zu geordneten Handels- und Gewerbeverhältnissen in Deutschland.
Im Vordergrund standen Beratungen zur Bekämpfung des Schwarzhandels und Schmuggels mit zoll- und steuerpflichtigen Waren, durch den nach wie vor dem Staat eneorme Ausfälle erwachsen, die zwangsläufig durch erhöhte Belastung der legalen Wirtschaftskreise ausgeglichen werden müssen. Deshalb liege es auch im Interesse jedes steuerehrlichen Geschäftsmannes, an der Bekämpfnug des Schwarzhandels teilzunehmen. Gewerbebehörden, Zoll- und Finanzämter sowie Polizei werden in Zukunft Maßnahmen zur Unterbindung des Schwarzhandels in allen seinen Zweigen treffen. Viele Wandergewerbetreibende verkaufen ausländische Schmuggelwaren, wodurch Staat und Gemeinden große Schäden erwachsen. Der Schmuggel habe schon zur Stillegung ganzer Gewerbezweige geführt. Jeder Straßenhändler müsse neben seinem Wander-
gewerbeschein ein vom Finanzamt ausgestelltes Straßensteuerheft ständig bei sich führen.
Regierungsinspektor Wilhelm Walther, der Leiter des Gewerbeamtes der Kreisverwaltung Erbach, berichtete über das Ueberhandnehmen von Spiel- und Lotterie-Geschäften auf Jahrmärkten und Volksfesten. Dieses besonders für die Jugend gefährliche Gewerbe erfordere schärfste Kontrolle. Künftig werde für die Ausspielung von Textilien sowie für alle Spielarten der Geld-Lotterie auf Jahrmärkten keine Genehmigung mehr erteilt. Waren-Lotterien und sogenannte Glücksräder werden nur noch unter Beachtung des Lotterie- und Glücksspiel-Gesetzes sowie der öffentlichen Gewerbeordnungen in beschränktem Umfange zugelassen.
Für den Freiverkauf von Milch am Hofe wurden schärfste gesundheitspolizeiliche Kontrollmaßnahmen angekündigt,da selbst bei bäuerlichen Erzeuger-Betrieben, die eigene Tiefkühlanlagen benutzen, vielfach noch Krankheitskeime festgestellt wurden. Nur die durch Molkereien gelaufene Milch bietet die Gewähr, hygienisch einwandfrei zu sein. Die Molkereien wollen von den Höfen, die Direktverkauf betreiben, künftig keine Milch mehr abnehmen. Andererseits haben Direktverkäufer, deren Milch zu Beanstandungen Anlaß gibt, mit strengster Bestrafung zu rechnen. -ch-
Oberstaatsanwalt Dr. Kant beantragt:
8 Jahre Zuchthaus für die Heil - Freispruch für Rückert
Anklagevertreter plädiert im Fall Heil auf Totschlag— Rechtsanwalt Götzmann fordert Freispruch mangels Beweises — Heute Mittag Urteilsverkündung
.Am gestrigen fünften Verhandlungstag im Mordprozeß Heil-Rückert zogen Oberstaatsanwalt Dr. Kant und die beiden Verteidiger ihre Ergebnisse aus der Beweisaufnahme und trugen vor einem überfüllten Gerichtssaal ihre Plädoyers vor. Der Oberstaatsanwalt beantragte für die Angeklagte Heil wegen Totschlags acht Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, während Rechtsanwalt Gotzmann Freispruch mangels Beweises forderte. Da im Falle Rückert bereits der Anklagevertreter auf Freispruch plädierte, konnte sich Rechtsanwalt Dr. Feigl diesen Ausführungen anschließen. Die Urteilssprüche werden, wie gestern abend Landgerichtsdirektor Hahn bekanntgab, heute um zwölf Uhr verkündet.
Oberstaatsanwalt Dr. Kant hatte keine leichte Aufgabe bei der Begründung seines Antrages. Mit erstaunlicher Präzision schilderte er die Kette jener Indizien, die seiner Auffassung nach zu einer Verurteilung ausreichten. Er wolle nicht beschönigen, so sagte er, daß die Gendarmerie schwerwiegende Fehler gemacht habe, als sie unverständlicherweise die aufgefundene Leiche aus der Schwarzbach habe ziehen und den Knoten um den Hals der Frau vor Eintreffen der Mordkommission habe lösen lassen. Vielleicht wären ohne dieses Handeln die beweiskräftigsten Punkte gefunden worden.
Der Anklagevertreter bemühte sich nachzuweisen, warum die Angeklagte Heil als alleinige Täterin in Frage komme. Ihr sei, so sagte er, ein Alibinachweis mißglückt. Als eines der wichtigsten Indizien hielt er die Tatsache, daß die Angeklagte montags morgens, als man allgemein nach der vermißten Helene Rückert suchte, zu ihrem Ehemann gesagt habe, er solle nicht sagen, daß sie abends zweimal länger abwesend gewesen wäre. Den Wechsel ihrer Taktik, daß sie den unbekannten Mann, mit dem sie zu der fraglichen Zielt in der Waschküche gewesen sein will, zuerst nicht kennen wollte, später jedoch behauptete, sie wisse nicht seinen Namen, hielt er für äußerst entscheidend. Trotz einer großen Fahndungsaktion habe man den später genannten angeblichen Andreas Baumgart nicht finden können. Ihre Angaben zu dem „großen Unbekannten“ reichten nicht aus, um das Gericht von seiner Existenz überzeugen zu können.
Dr. Kant zählte weitere Indizien auf, so einen Schuhabdruck, außerdem die von ihr sicherlich verfaßten anonymen Briefe sowie ihre fieberhafte Versessenheit nach dem Besitz eines der Briefe, der sich in der Schürze der Toten befand. Ohne Zweifel, so sagte er, stammten diese Briefe von Frau Heil. Der Oberstaatsanwalt befaßte sich sodann mit den sechs früheren Geständnissen der Angeklagten, die sie später widerrufen habe. Allan, so meinte er, sprächen sie nicht für ihre Schuld, aber in der Kette der vielen Indizien seien sie ein Glied. Auch gehöre hierzu der Ton ihrer Verabschiedung von ihrem Kind.. Im übrigen sei es auffallend, daß sie alle Belastungszeugen als unglaubwürdig hingestellt, in entscheidenden Fragen auf Belanglosigkeiten ausgewichen sei und kleinere Einzelheiten verdreht habe. Ihre frühere Darstellung der Tatausführung halte er für ein Produkt ihrer Phantasie. Wichtig sei hierbei aber der Umstand, daß sie überhaupt eine Beteiligung zugegeben habe. Er gestehe ein, nicht feststellen zu können, wo und wann nun die Tat verübt worden sei; badauerlich sei es, daß dadurch kein abgerundetes Bild gegeben werden könne.
Bezüglich des Tatmotivs von Frau Heil zitierte der Oberstaatsanwalt zwei Möglichkeiten. In ihrer Zwiespältigkeit zwischen Haß und Liebe zu Rückert habe sie vielleicht in Frau Rückert eine Nebenbuhlerin zu beseitigen versucht oder Rückert durch die Tat ins Unglück stürzen wollen. Der Angeklagte Rückert schluchzte, als Dr. Kant ausführte, er glaube nicht, daß er die Tat begangen habe. Dem Angeklagten habe wahrscheinlich doch zuviel an seiner Frau gelegen und sein Benehmen nach dem Tode seiner Frau sei eine echte Demonstration gewesen und kein Schauspiel. Auf Grund der Indizienkette und der Fülle des bewiesenen Tatsachenmaterials halte er Frau Heil für die alleinige Täterin. Er könne aber nicht mit Bestimmtheit sagen, daß sie vorsätzlich aus niedrigen Beweggründen gehandelt habe. Es spreche zwar nicht viel dafür, daß es in einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Frauen zu dieser Tat gekommen sei, doch der Grundsatz „in dubio pro reo“ habe noch immer Gültigkeit. Deshalb erkenne er nur auf Totschlag. Mildernde Umstände seien nicht gegeben.
Als Rechtsanwalt Gotzmann, der Verteidiger der Angeklagten, darauf hinwies daß Frau Heil freigesprochen werden müsse kam es zu lebhaften Unmutsäußerungen im Zuhörerraum.
Der Anwalt betonte hierzu, daß er keineswegs jemanden einer gerechten Strafe entziehen wolle, es sei aber seine Pflicht, seiner Mandantin beizustehen und darauf hinzuweisen, daß man sich nicht durch Stimmungen beeinflussen lassen dürfe. Niemand könne bestraft werden, weil er eben keine sympathischen menschlichen Züge trage und in der erregten Atmosphäre hätten sich viele Zeugen in ihren Bekundungen beeinflussen lassen. Man müsse genau unterscheiden zwischen der menschlichen und juristischen Schuld seiner Mandantin. Die menschliche Ablehnung ihrer Ehebrüche müßte zurückgedrängt und der Beweis dar objektiven Schuld geführt werden. Auch er wisse nicht, was sich eigentlich nun abgespielt habe, doch hätte er eine andere Einstellung gezeigt, wenn er überzeugt wäre, daß Frau Heil die Tat begangen habe. Seine Mandantin habe sich in eine sogenannte Schutzstellung eingekapselt. Der Ehemann trage ein großes Maß der Verantwortlichkeit für ihre Fehlentwicklung.
Der Verteidiger versuchte dann nachzuweisen, daß ihre Lügen dei- Ausfluß ihres Charakters und ihrer Erfahrungen mit der Kriminalpolizei seien und bemühte sich, die vom Oberstaatsanwalt aufgezeigten Indizien zu entkräften. Er betonte nachdrücklich, daß es eine Fülle von anderen Mordmöglichkeiten gäbe. Vor allem frage er sich, warum man den Schilderungen des Zeugen Schmitt nicht nachgegangen sei, der bekanntlich ausgesagt habe, daß er kurz vor 21 Uhr einen Mann mit einem Stutzer in Richtung der Anstalt gehen gesehen habe. Außer Betracht dürfe man auch nicht die Tatsache lassen,
daß das Ganze sich in der Umgebung einer Irrenanstalt abgespielt habe.
Bezüglich der früheren recht unklaren Geständnisse der Angeklagten Heil sagte er, daß die Polizei nie objektiv das feststelle, was sie einmal zu der Tat geschildert habe. Seiner Meinung nach hätte die Vernehmung * auf ihre besondere Persönlichkeit und psychische Eigenart abgestellt werden müssen. Der Verteidiger bemühte sich dann, die Wertlosigkeit der früheren Geständnisse der Heil nachzuweisen und erklärte, diese könnten keine Grundlage für eine Verurteilung bilden, weil die objektive Unrichtigkeit des Vorganges festzustellen sei. Für wichtig halte er, daß jedes vernünftige Motiv, der natürliche, treibende Grund zu der Tat. bei der Angeklagten fehle. Bereits der Oberstaatsanwalt habe zwei Möglichkeiten in Erwägung ziehen müssen. In der ganzen Literatur sei ihm kein Fall gekannt, wo die Verurteilung eines Mörders erfolgt sei, bei dem man nicht das Wann, Wo, Wie und Warum des Mordes festgestellt habe. Hier sei dies aber der Fall.
Er bedaure, daß diese Tat nicht gesühnt werden könne. Vielleicht bringe die Zeit eine Klärung.
Mangels Beweises müsse er deshalb auf Freispruch für seine Mandantin plädieren.
In ihrem Schlußwort bestritt die Angeklagte Heil nach wie vor ihre Tat. wst.
Zŭm Besinnliches Sonntag.
"Von den Bäumen fallen die letzten Blätter und auf den Feldern werden die letzten Früchte eingebracht. Der letzte Sonnenstrahl, so sich das brennende Tageslicht überhaupt den Menschen zeigt, weicht schon am frühen Nachmittag der hereinbrechenden Nacht. Die Straßen sind von Regen oder Nebel feucht. In der Welt kämpfen die Menschen gegeneinander und sterben Männer, Frauen und Kinder für oft imaginäre Ideen.
Die große Trostlosigkeit scheint über das Geschlecht der Menschen hereingebrochen und ein Ausweg aus ihr unmöglich zu sein. Mancher unter uns wird sich die Frage stellen, ob es noch verlohnt, dieses Leben zu leben. Und mancher zerbricht an der Schwere der Aufgabe, sein Leben zu meistern. Jeder Trost scheint billig, und es gibt Millionen Menschen unter uns, denen selbst der Glaube an die Allmacht Gottes im Sturm der Zeiten verlorengegangen ist. Ihnen sei gesagt:
Ihr mögt vielleicht recht haben mit eurem Unglauben. Und es wird niemanden geben, der euch wirklich zu trösten vermag.
Aber: Solltet ihr nicht einmal Trost suchen bei den Dingen unseres Daseins, die unveränderlich und schön sind? Habt ihr nicht schon einmal in die lachenden Augen eures Jungen gesehn, wenn ihr ihm eine Freude — und sei sie noch so klein gewesen — machen konntet? Habt ihr nicht schon einmal die beruhigende Kraft der Verse eines Matthias Claudius spüren können oder errinnert ihr euch wirklich nicht mehr der Zeit, da Mozart euren Geist beflügelte? Und hat nicht mancher unter euch die Möglichkeit, in schweren Stunden Trost bei Goethe zu finden?
Und wenn auch diese Dinge nichts mehr zu sagen vermögen: Geht doch einmal hinaus über die Felder und durch die Wälder, vom Herbststurm gepeitscht. Spürt doch, wie er die bösen Gedanken hinwegbläst, spürt eure Kraft, gegen ihn anzugehen und unbehindert durch ihn euren Weg zu machen.
Sollte das nicht auch in den kleinen und großen Dingen unseres Alltags möglich sein?
Und wenn wir schon, enttäuscht durch die großen Lügen unserer Zeit, an nichts und niemanden mehr zu glauben vermögen, ja, wenn wir nicht einmal mehr Trost bei Gott finden können, sollte doch das Vertrauen an die in uns wohnende Kraft uns den dunklen Weg durch das Leben gehen lassen, an dem es genügend Lichter gibt.
Wir müssen nur die Augen öffnen, sie zu sehen. Peter Pitt
Die Sendeprogramme vom 19. bis 25. November 1950
Hessischer Rundfunkk (krankturt, Kassel, Fritzlan)
Mittelwelle: 208,47 m (1439 kHz)
UKW-Sender: Feldberg 92,9 MHz, 3-m-Band
Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der
hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.
Sonntag, 19. Nov.
6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Katholische Morgenfeier 9.15 Der moderne englische Frauenroman 9.30 „So sind sie, diese armen Leute" 10.00 Kammermusik-Matinee 10.30 Frankfurter Gespräch 11.15 Volkstümliches Konzert 13.00 Musik nach Tisch 14.30 Der Zwerg Nase, Märchenspiel 15.00 Aus dem Tagebuch Ihres Senders 15.15 Meister ihres Faches 15.45 Der gemeinsame Weg 16.00 Sport und Musik 17.00 Tanztee mit Willy Berking 17.45 Die Seherin vom Rupertsberg 18.00 Orchester der Welt Das griechische Staats-Sinfonie-Orchester 20.00 Unterhaltungskonzert dazwischen: Wahlergebnisse 22.10 Sportberichte 22.25 Funk und Flax 23.00 Tanz und Unterhaltung
Montag, 20. Nov.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.25 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.00 „Rund um Kassel“ 11.15 Schulfunk — Der Markt 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau anschl. Musik 14.15 Schulfunk Hessische Schüler musizieren 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Das Instrumentalkonzert 16.45 „Die Powenzbande“ 17.00 Lieder und Tänze der Völker 18.00 Das Jugendleben in der Bundesrepublik 18.30 Zum Feierabend 20.00 Das Tagebuch des Jungen Li Kurzhörspiel 20.45 „Kinder, ist das Leben schön“ 60 Minuten Kunterbunt 21.45 Dolf Sternberger spricht 22.15 Die bunte Folge 23.00 Stimmen der Ferne: Florenz 23.10 Zärtliche Melodien
Dienstag, 21. Nov.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6 45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk Hessische Schüler musizieren 12.00 Musik am Mittag 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Schulfunk — Die Erinnyen 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Wagner-Verdi-Konzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Hessische Männerchöre 18.00 Suchtgefahren 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.25 Zungenbrecherisches im Schlager 20.00 Tanzabend 22.15 Das Abendstudio
Mittwoch, 22. Nov.
6.00 Morgenmusik 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Evangelische Morgenfeier 9.15 „Irgendwo in der Welt“ 9.30 „Liebe ist immer da“ 10.00 Musik von Telemann und Bach 11.00 Konzert zum Buß- und Bettag 13 00 Musik nach Tisch 14.00 Frauen im Sport 14.30 „Prinzessin Leiladin“ Ein Funkmärchen 15.00 Deutschland—Schweiz Uebertragung der zweiten Halbzeit des Fußball-Länderkampfes 16.00 Nachmittagskonzert 16.55 „Geh nicht nach El Kuwehd“ Hörspiel 18.00 Orchester der Welt 20.00 Missa Solemnis von Ludwig van Beethoven 21.30 Land der dunklen Wälder 22.10 „Herbstliche Suite" 22.30 Hörfolge „Der letzte Brief“ 23.00 Musik zur guten Nacht
Donnerstag, 23. Nov.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik • 11.15 Schulfunk. Die Erinnyen 12.00 Musik am Mittag 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk Der Rathenaumord 15.15 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Plauderei mit viel Musik 16.50 Was Frauen interessiert 17.00 „Im Volkston“ 18.00 Hörerlieblinge. Es singt Bruce Lowe 18.30 Geschwindigkeit ist Keine Hexerei 20.00 „Es war in Schöneberg . . ." Erinnerungen an Walter Kollo 21.00 Blick auf Europa 21.10 Mozarts Sonatenwerk II 21.45 Passiert — glotsiert 22.15 Der Moralist Klinger. 22.45 „Also wissen’se nee . . .*• 23.00 Rhythmus der Welt.
Freitag, 24. Nov.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.55 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 11.15 Schulfunk Der Rathenaumord 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kulturelle Wochenschau 14.15 Schulfunk. Eltville 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Kompositionen von Philipp Jarnach, Fritz Büchtger und Werner Haentjes 16.45 Für junge Menschen 17.00 Unterhaltungsmusik 17.40 „Am Rande bemerkt“ 18.00 Funk-Feuilleton 18.15 Ein Tanzpotpourri 20.00 Operetten-Revue 20.45 In diesen Tagen 21.10 Zeitgenössische Musik 22.15'Die Kurbel 23.00 „Frucht- und Dornenstücke" 23.20 Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 159 und Lieder
Samstag, 25. Nov.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau Morgenständchen 7.15 Frühkow 8.15 Volkstümliche Klänge 9.00 Intermezzi und Vorspiele 11.15 Magazin des Schulfunks 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Vergnügen mit Musik 15.00 Liechtenstein Eine Insel des Friedens ' 15.15 Volkstümliches Wissen 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 Aus der Knoppschachtel 17.15 Zur Unterhaltung 18.00 Recht für jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 20.00 Sieben — ein Programm 21.30 „Raten Sie mitl“ 22.10 Sportergebnisse 22.20 So ein Zufall! 23.00 Zwischen neute und morgen
UKW Programm des Hessischen Rundtunks
18.00 Kleine Abendmusik 18.45 Das Neueste vom Sport 20.00 Vincent van Gogh 21.10 Verliebte Klänge 22.10 Sportberichte
18.00 Kleine Abendmusik 18.40 Die Verantwortung der Frau in der Gegenwart 20.00 Willy Berking spielt zum Tanz 21.02 Musik slawischer Komponisten 21.45 Unsere Tochter Virginia
18.00 Kleine Abendmusik 18.30 Tanzstunde im Wandel de: Zeiten 20.00 Das Glöckchen des Eremiten
18.00 Kleine Abendmusik 18.40 Begegnungen mit Künstlern um 1930 20.00 Das tragische Finale 21.02 Sonate h-moll op. 58 von Frederic Chopin 21.30 „Komm, güldner Friede"
18.00 Kleine Abendmusik 18.40 Gold im Edertal 20.00 Orchesterkonzert 21.02 Französische Chansons 21.30 Der Naturalismus
18.00 Kleine Abendmusik 18.30 Kasperle unter den Räubern 20.00 Ständchen und Serenaden aus zwei Jahrhunderten 20.45 Warum haben manche Menschen immer Glück? 21.02 Neue Chor- und Kammermusik
18.00 Kleine Abendmusik 20.00 W. A. Mozart: Sinfonie in Es-Dur K. V. 543 (Leitung Winfried Zillig) L Strawinsky: Ödipus Rex, Opern-Oratorium
Südwestdeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) 195 m (1538 kHz)
; (Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)
Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr
12.20 Johann Sebastian Bach Kantate Nr. 55 13.30 Volksmusik und Chorgesang 14.00 „Katzenpredigt“ 14.15 Frohe Melodien 15 30 Viel Musik und wenig Worte 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Sinfonie-Konzert 22.15 Sport und Musik 23.00 Fröhlicher Ausklang!
12.20 Kiittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Tanztee 16.30 Literatur der Landschaft 17.00 Solisten-Konzert 17.30 Kleine Sorgenkinder 18.20 Aus der Welt des Sports 20.00 Musik für dich! 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio
12.20 Mittagskonzert 13.15 Eine lustige Volksmusik 15.00 Von Schelmen und Käuzen 15.15 Sang und Klang im Volkston 15.45 Erzählung der Woche 16.00 Sinfoniekonzert 17.00 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Volkvsmusik und Chorgesang 23.30 Jazz 1950!
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Kleines Konzert 15.15 Fußball-Länderspiel Deutschland—Schweiz 17.00 Nachmittagskonzert 18.30 Sport-Reportage 20.00 Brahms: Ein deutsches Requiem 22.30 Nachtstudio
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingen 15.15 Nachwuchs stellt sich vor 15.45 Lyrik der Zeit 20.00 Operettenkonzert 21.00 „Die Sanfte“ von Dostojewski 22.30 Mozarts geistige Welt 23.30 Zärtliche Weisen
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Geselliges Musizieren 15.00 Musik am Nachmittag 17.30 Welt und Wissen 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Werke von Ludwig van Beethoven 22.30 Für Kenner und Liebhaber
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Wir jungen Menschen 14.30 Allerhand Schlager 16.30 Unser Samstag-Nachmittag 17.30 Bücherschau 20.00 Wir erfüllen Hörerwünsche 22.15 Sportrundschau 22.30 Schlager von A—Z 0.00 Spätnachrichten
Süddeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 523 m (574 hHz)
(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)
Nachrichtensendungen:
: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00,32.45 Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr
12.00 Musik am Mittag 13.00 Neue Schallplatten 14.00 Stunde des Chorgesangs 14.30 Lustiges Kasperle-Hörspiel 15.00 Frohes Rater^— Gute Taten 15.40 Nachmittagskonzert 17.00 „Der Zauberlehrling von Bajadoz“. Ein Hörspiel 17.50 Beschwingte Klassik 18.30 Klingende Kleinigkeiten 20.05 Sang und Klang
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Konzertstunde 18.25 Musik zum Feierabend 20.05 Musik für jedermann 21.15 Die Rundfunktanzkapelle 22.45 „Leo Tolstoi — Bauer und Heiliger" 23.30 Russische Lieder
12.00 Musik am Mittag 13.10 Unterhaltende Musik 15.00 Schulfunk. Musiker formen ihre Welt: Das Ballett 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Kleines Konzert 18.20 Klänge der Heimat 19.00 Bühne, Film, Konzert 20.05 „Die neugierigen Frauen" 22.30 Tanz und Unterhaltung
12.00 Musik am Mittag 12.45 Nachrichten — Wetterbericht 13.00 Heimatliche Weisen 15.15 Fußball-Länderspiel Deutschland—Schweiz 16.15 Volkstümliche Weisen 17.15 Orchesterkonzert 20.05 „Nicht alle Türen ölfnen sich" Ein Hörspiel 20.45 Konzertstunde 23.00 Symphonisches Konzert
12.05 Musik am Mittag 15.00 Schulfunk 16.00 Kaffeestunde für die Hausfrauen 17.10 Alte und neue Hausmusik 18.25 Schöne Opernmelodien 20.05 „Märchen, nichts als Märchen" 22.05 „I Too Sing, America" 23.05 Amerikanische Operettenmelodien
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Froh und heiter 18.20 Musik zum Feierabend 20.05 Symphoniekonzert 21.15 Organismus Groß-Stadt 22.05 Tanzmusik 22.45 Die Schmunzelecke 23.15 Zur Unternaltung
12.00 Musik am Mittag 13.45 Sportrundschau 16.00 Nachmittagskonzert 16 45 Filmprisma 17.00 Vom Guten das Beste 17.15 Bunte Melodien 18.23 Kleines Konzert 20.05 Alte und neue Wiener e Melodien 21.00 Familie Staudenmaier 22.05 Schöne Stimmen
„Wir wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen". Meine liebe Schwester, Gerdrud Müllenhoff Lehrerin i. R. ist heute nacht von ihrem schweren Leiden erlöst worden. Im Namen der Hinterbliebenen: Adolf Müllenhoff, Prof. i. R., Lübeck, Friedrich-Wilhelm-Platz 6 ■ Nieder-Ramstadt, 17. November 1950. Die Beerdigung findet am Montag, dem 20. November 1950, um || 11 Uhr, auf dem alten Friedhof Nieder-Ramstädter Straße statt. ■
Beerdigungen I am Samstag, dem 18. November 1950 E ■ Feuerbestattung: Waldfriedhof: ■ 9.15: Katharina Finkenauer, 80 J., Jugenheim I
flösse) mckn T’ ppW- Ä Ä Wl »- y hieße es, ly " einen Maler über Farben oder einen Bildhauer über Formen belehren zu wollen. Oie Amerikaner haben in der Verwendung ihrer hervorragenden Tabake die größte Erfahrung. Sie bevorzugen seit 1912 für die Cigarette eine vierfache Mischung aus VIRGINIA-TABAK ^1 °us den Staaten Georgia,Carolina,Virginia ’W’ BURLEY-TABAK aus den Staaten Kentucky und Tenessee MARYLAND-TABAK aus dem Staate Maryland 'Wr ORIENT-TABAK aus der Türkei und aus Mazedonien. Überall, wo diese vierfach gemischte Cigarette auf den Markt kam, trat sie einen unaufhaltsamen Siegeszug an. , Unsere IjlHlillifll ’st nach originalamerikamsenem Rezept vierfach gemischt. Darin liegt der Grund für ihre ständig wachsende Beliebtheit.
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Amtliche Bekanntmachungen Betreffend: Gesetzliche Feiertage An die Herren Bürgermeister des Kreises Ich mache darauf aufmerksam, daß auf Grund des Gesetzes über die Feiertage vom 10. 1. 1946 der Buß- und Bettag (Mitt¬ woch, 22. November 1950) gesetzlicher Feiertag ist. Ich ersuche um ortsübliche Bekanntgabe. Erbach, den 15. November 1950 Der Landrat DIENSTNACHRICHTEN Am 15. November 1950 wurden lohannes Wilhelm Sletert, Ober-Sensbach und Hans Ludwig Adam Rexroth, Ober-Sensbach, als Feldgeschworene der Gemeinde Ober-Sensbach und Jakob Berg, Hetzbach, als stellv. Rohrmeister der Gemeinde Hetzbach verpflichtet. Erbach, den 15. November 1950 Der Landrat Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 18. November 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Uhr Bessunger Kirche; 17.30 Uhr Martinsstift; 20.00 Uhr Johannesgemeinde, Elisabethenstift, Pauluskirche (musik. Vesper).
Sonntag, den 19. November 1950 Bessunger Kirche: 9.30 Hgd.; 12.00 Tgd.; 11.00 Chrl./Ge¬ meindehaus; 14.30 Kgd. Dekan Weiß; Stadtkirche: 10.00 Hgd.; 11.00 Kgd. Pfr. Knodt; Ver. Martinsgemeinde: 10.00 Hgd. Pfr. Widmann; 11.15 Kgd./Martinsstift, Pfr. Widmann; 11.15 Kgd/Gemeindehaus, Pfr. Stühlinger; 17.00 Agd. Pfr. Stühlinger; Altersheim / Emilstraße: 10.00 Gd. Pfr. Köhler; Matthäusklrche: 9.30 Hgd.; 10.45 Kgd. Pfr. Mappes; Do. 23. 11: 20.15 Bibelstd. Pfr. Mappes; Johannesgemeinde: 9.30 Hgd. m. Taufen; 11.00 Kgd. Pfr. Orth; Freit. 24. 11.: 20.00 Bibelst.; tägl. 7.30 Morgengeb.; Do.: 6.45 u. 7.30; Paul-Gerhardthaus: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd. Pfr. Ring; Pauluskirche: 9.30 Hgd. Pfr. Wintermann; 11.00 Kgd.; Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abdm.; 11.00 Kgd.; Stadtmission / Mühlstr. 24: 8.30 Gebetsstd.; 11.00 Kgd.; 15.30 Evangelisation; Di.: 14.00 Frauenbibelstd.; Da.-Eberstadt: 7.30 Ev. M.; 9.45 Hgd.; 11.15 Kgd.; Da.-Arheilgen: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd.; 15 Landeskirchl. Gemeinsch.; 15.00 Evang. Frauenhilfe; Do. 23. 11.: 20.00 Ge¬ meindebibelstd.; Sa. 25. 11.: 20.00 Gemeindeabend. Buß- u. Bettag, 22. November 1950 Bessunger Kirche: 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. C a 1 g a n ; Stadtkirche: 10.00 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Knodt; Ver. Martinsgemeinde: 10.00 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Stüh-
finger; 11.30 Kgd./Martinsstift Pfr. Köhler; 11.30 Kgd./ Gemeindehaus Pfr. Stühlinger; 17.00 Abendgd. Pfr. Köhler; Matthäusklrche: 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Mappes ; Johannesgemeinde: 8.00 Frühgd. Pfr. Jaeschke ; 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Jaeschke; Paul-Gerhardthaus: 10.00 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Ring; Pauluskirche: 8.00 Jgd. m. hl. Abdm. Pfr. W i n t e r m a n n ; 9.30 Hgd. m. hl. Abdm. Pfr. Britz; Stadtmission: Bußtagfeier m. hl. Abdm. Pfr. Knell; Da.-Eberstadt: 9.45 Hgd.; 20.00 Beichtgel.; Da.-Arheilgen: 10.00 Hgd. m. anschl. Abdm.; Katholische Gottesdienste Sonntag, den 19. November 1950 St. Ludwig (Nieder-Ramstädter Str. 30): 6.30 Frühm-; 8.00 Singm. m. Pr.; 9.30 Choralamt der Stü¬ de nte ng e m. m. Pr.; 11.00 Singm. m. Pr.; 18.00 And.; Werktagsgd.: 6.45 u. 7.30 tägl. hl. Messe; Beichte: Sa. von 18.00 bis 20.00 Uhr. Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pr.; 8.15 Hochamt m. Pr.; 10.00 Kgd. mit Anspr.; 18.30 Andacht. — (Werktags: tgl. 6.30 hl. Messe; Di., Mi., Fr. u. Sa. 2. hl Messe 8.05; Do. 19.00 Jugend- und Kinderm.; jd. Mi. 8.05 Gemeinschaftsm. f. d. Frauen.) St. Elisabeth: Patronatsfest. 6.30 Frühm.; 7.45 Sing¬ messe m. Pr.; 9.00 Kgd.; 10.15 lev. Hochamt m. Pr.; 14.30 feierl. Vesper; Firmunterricht Di. 10 Uhr für Mädchen, 15 Uhr für Knaben. Beichte: Di. 17—18 und 20 Uhr. Mittwoch, 22. 11.:
6.50 Singm. m. Komm. d. Firmlinge; 7.45 hl. Messe; 9.00 (Lieb¬ frauen) feierl. Hochamt m. Pr. des hochw. Herrn Bischofs, danach Firmung; 18.00 (in St. Elisabeth) Jugendfeierstunde m. Pr. des hochw. Herrn Bischofs; Beichte: Sa. 16.30 bis 18.30 u. 20.00 Uhr. St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm, bei d. Schw. (Feldberg¬ straße 32); 6.45 Beichte; 7.30 Singm. m. Pr. u. Komm.; 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm.; 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm.; 15.00 And. (Werkt. 6.30 u. 7.30 hl. Messen; Mi.: 7.15 hL Messe f. d. Firmlinge, 9.00 Hochamt; Do. 7.30 hl. Messe des Bischofs m. Anspr.; Sa.: 17.00—19.00 und ab 20.00 Beichte, sonst vor jd. hl. Messe). Am Sonntag, 19. 11.: 19.00 Uhr weit’ Feier im Concordiasaal anl. des 25jähr. Best, des Kirchenchores. Da.-Eberstadt: Sa. 16.00—18.30 Beichte; So. 7.30 hl. M. m. Anspr.; 9.45 Hochamt m. Pr. u. Kinderkomm.; 15.00 Firmst, der Firmlinge; 18.30 Sakramentale And. (Werkt.: 7.00 Amt od hl M.). Buß- u. Bettag 22. 11.: 7.30 hl. M.; 9.45 Amt m. Kinder¬ katechese. Da.-Arheilgen: 7.00 hl. M.; 8.30 Kdg.; 9.45 Hochamt- 20 00 And. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Taunusstr. 4C- Sonntags¬ gottesdienst 14.30 (Mi 18.30 Zeugnisversammlung).’ 6 Christengemeinschaft, Herdweg 31 So. 10.00; Di. 7.00; Mi. u. Sa. 8.00 Uhr, Menschenweihe¬ handlung; Do. 19.30 Einführungsabend.
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Amtliche Bekanntmachungen Betreffend: Hausierhandel mit Obstbäumen Den nachstehend abgedruckten über den Herrn Regierungs¬ präsidenten in Darmstadt mitgeteilten Erlaß des Herrn Hess. Ministers des Innern vom 21. 10. 1950 Nr. L II b/3443/50 bringe ich zur allgemeinen Kenntnis. „Die Baumschulbesitzer Hessens führen Klage darüber, daß bereits wieder-ein volkswirtschaftlich nicht zu verantworten¬ der Hausierhandel mit Obstbäumen erfolgt. Dieser Hausier¬ handel wird meist von unerfahrenen, z. T. gewissenlosen Händ¬ lern betrieben, die ohne ausreichende Fachkenntnisse sind und die versuchen, die Waren an den Mann zu bringen. Meist handelt es sich um überständige Baumschulware und Sorten, die keineswegs den hiesigen klimatischen und Bodenverhält¬ nissen entsprechen. Der hessische Obstbau wird hierdurch in seiner wirtschaftlichen Entwicklung sehr nachteilig beeinflußt. Nach § 56 Ziffer 10 der G.O. ist der Hausierhandel mit Bäumen und Sträuchern aller Art verboten. Sie dürfen nach § 42 a auch nicht auf Wegen, Straßen oder Plätzen feilgeboten werden. Im Interesse der Förderung des heimischen Obstbaues weise ich auf diese noch geltenden Verbote hin und bitte Sie, die¬ selben unbedingt einzuhalten.“ Erbach, den 14. November 1950 Der Landrat
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„...an den Galgen gehängt!“
Mittelalterliche Richtstätten in Rheinhessen
Wir können es uns heute kaum noch recht vor* stellen, daß bis vor etwa 150 Jahren das heutige Rheinhessen nicht weniger als rund 80 Herren und Herrschaften untertan war, die allesamt eigene Gerichtsbarkeit hatten und daher über Leben und Tod ihrer Untertanen entscheiden konnten. Nur wenn wir das bedenken, erklärt sich uns die Tatsache, daß Rheinhessen in früheren Jahrhunderten zahlreiche Richtstätten besaß. Längst sind die Galgen, die Wahrzeichen der Gerichtsbarkeit dieser vielen Herrschäften und Potentaten, verschwunden. In unserer weiten Heimat steht ein Galgen heute nur noch bei Beerfelden im Odenwald bei der alten Zehnt* gerichtslinde. Er stammt aus der Zeit um 1600 und besteht aus drei toskanischen Säulen, an deren Gebälk ursprünglich sechs Hängebalken angebracht waren.
Auch in Rheinhessen gibt es vor allem in Gewann- und Flurnamen noch zahlreiche Erinnerungen an die mittelalterlichen Richtstätten, wenn auch manche von ihnen bei Feldbereinigungen verschwunden sein mögen. An nachgenannten Orten Rheinhessens überliefern oder überlieferten Flurnamen die Er* innerung an die einst bestehende Gerichtsstätte: Abenheim (Am Galgenrech); Alzey (Galgenberg mit Armesünderweg dorthin); Albig (1591 wird genannt: „das alte hohe Gericht, so von alters hier daselbst gestanden", sowie der Galgenberg und Diebspfad); Armsheim (1721 Galgengewann); Badenheim (Galgenberg); Bechtheim (Galgenrecht); Biebelnheim (Galgen); Blödesheim (Galgenberg); Bornheim (Am Galgen); Bretzenheim (Auf dem Galgenrech); Budenheim (Galgengipfelwiesen); Bubenheim (Galgenacker); Büdesheim (Galgenberg); Dautenheim (Am Gericht); Dahlheim (Galgenrech); Dittelsheim (Gal* genstück); Dalsheim (Galgenweg); Eckelsheim (Am Galgen); Engelstadt (Galgenstück); Eichloch (Galgen* gewann); Erbes=Büdesheim (Am Galgen); Essenheim (Galgengwannpusch); Flonheim (Galgenhöhe); Fret* tenheim (Galgenstück); Framersheim (1677 Hinter dem Galgenborn); Gau=Algesheim (Am Galgen); Gimbsheim (Galgenerde); Gau=Weinheim (An der Galgenhöhe); Gundheim (Galgenberg); Hackenheim (Galgenberg); Hechtsheim (Galgengewann); Herms* heim (Galgengewann); Hohen=Sülzen (Galgengewann); Horchheim (Galgenweg); Köngernheim (Galgenklauer); Marienborn (Galgengrund); Mommenheim (Galgenflecken); Monzernheim (Am Gal* gengrund, Galgenweg); Mainz=Kostheim (Bei dem Galgen, 1705); Neu=Bamberg (Auf dem Galgenberg); Nieder=lngelhein. (Galgenbuckel); Nierstein (Galgenberg und =hohl); Nieder=Saulheim (In der Galgen* gewann); Ober=Olm (Galgenbruch); Oppenheim (Galgenberg); Ober=Flörsheim (Galgenacker); Ost* hofen (Galgenerd); Ober=Hilbersheim (Galgengewann); Ober=Saulheim (Am Galgen); Pfedders* heim (Am Galgen); Uffhofen (Am Galgen); Uden* heim (Am Gericht); Vendersheim (Am Galgenberg, Galgengewann); Wallertheim (An der Galgenwies); Wolfsheim (Galgengewann); Wörrstadt (Am Gal* gen); Zornheim (Am Galgen).
Der größte Teil der rheinhessischen Orte hat also in früheren Jahrhunderten solche Richtstätten mit einem Galgen besessen.
Auf einige Besonderheiten soll hier noch hinge* wiesen werden. In Nieder=Flörsheim liegt der Galgenacker an der Straße nach Pfeddersheim. Zu ihm führte früher der Armsünderweg, der fast den größten Teil der Gemarkung durchschnitt. Soweit er überpflügt und eingesät war, stand das Getreide auf ihm schlechter, weil einst ein unschuldig Ver* urteilter diesen Weg gehen mußte, wie man früher hier erzählte. In Heimersheim bei Alzey ist der Galgenplatz inmitten von vier aneinanderstoßen* den Gewannen ausgespaH und hieß „Das Galgen* plätzchen". In Monzernheim hat man auf dem Galgengrund, einer unweit des Ortes gelegenen An* höhe, vor Jahrzehnten die Reste eines römischen Landhauses aufgedeckt, wobei Reste einer Apollofigur gefunden wurden, die man in das Museum nach Worms gebracht hat. Hier lag die mittelalterliche Richtstätte also in der Nähe einer heidnischen Kult* statte. Das Bretzenheimer Weistum von 1578 erwähnt auch den Galgen „Auf dem Galgenberg" und bestimmt im einzelnen diejenigen Stellen, die für seinen Bau zu sorgen hatten, falls dies erforder* lieh wurde. Das Eppelsheimer Weistum von 1598 erwähnt einen sogenannten Schneppgalgen. Zum Unterschied von der gewöhnlichen Galgenstrafe
des Erhängens wurde hier der Verurteilte nicht getötet, sondern in die Höhe geschnellt und dann recht unsanft auf den Boden herabgelassen. Ursprünglich hatte man diese Strafe am Ast eines Baumes oder auch einem herabgebogenen Baum selbst vollzogen. Eine Wendelsheimer Urkunde von 1611 nennt den Galgen zu Stein = Bockenheim. In Lör z = weiler wird in einer Niederschrift über eine Zeugenaussage aus dem 18. Jahrhundert sowohl der neue Galgen als auch das Rad erwähnt, darauf die Verbrecher zu Tode gerädert wurden. Der Oppen* h e i m e r Galgen galt auch für Nierstein, Dexheim und Schw.absburg. Der Worm^ e r Galgen stand zwischen dem Rhein und der Mainzer Straße in der Nähe der heutigen Eisenbahnbrücke. Hier lag auch der sogenannte Rabenstein, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts beseitigt wurde. Von da führte der sogenannte Galgenweg zum „Gericht"; wo der Galgen stand, während am Rabenstein die Strafe des Räderns vollzogen wurde. Der Galgen bestand aus drei im Dreieck zueinander gestellten, oben durch drei Quer* balken verbundenen Pfosten. Die Querbalken difen* ten zum Aufhängen der Verurteilten.
Erst die territorialen Veränderungen an der Wende vom 18. bis 19. Jahrhundert und die Neuordnung der Staats* und Rechtsverhältnisse beseitigen auch die vielen Galgen, deren es zu Anfang des 18. Jahr* j hunderts an die 800 in Deutschland gegeben haben soll. Denn jeder kleine Potentat ließ in seinem Länd* chen als Wahrzeichen seiner Macht über Leben und Tod seiner Untertanen einen Galgen errichten. Und die Feldbereinigungen der letzten Jahrzehnte haben dann bei den Umlegungen auch manchen Gewann* Namen, der die Erinnerung an die alte Gerichts* Stätte mit dem Galgen festhielt, beseitigt.
Selbst der Volksspruch „Falsch wie Galgenholz" ist heute fast ebenso vergessen wie der warnende Kinderreim, wo es heißt:
Wer lügt, der stiehlt. Der sengt und brennt Und wird zuletzt An den Galgen gehängt! — illi —
Im Reich der Puppen
Die Sammlung Georg Zinks in Sinsheim
Es wird eigentlich schier alles gesammelt, aber nicht immer erhebt sich diese Leidenschaft über den Selbstzweck. Wie bedeutsam jedoch gerade das beharrliche „Zusammentragen" sein kann, hat der Sinsheimer Stadtarchivar Georg Zink, dessen Hei* matstadt Worms ist, bewiesen. Als Stadtbiliothekar in Heidelberg (1906—1942) verstand er es in unübertrefflicher Weise, das Puppentheater zur Interpretation der großen Dichtung zu verwenden. Aus der Pflege des Puppenspiels wuchs bei Georg Zink die Neigung mit dem Erfolg: das Reich der Puppen zu erforschen. Er betrat dieses „terra incognita" mit sicheren Schritten und wurde so zu dem, was er heute ist: ein Experte des Puppenspiels und der Freund der künstlerisch ausgeführten Puppe.
Neben dem altehrwürdigen Sinsheimer Rathaus gab Zink seine Arbeit von 50 Jahren, die Puppen, Puppentheater und Zinnfiguren, in einer volkstüm* liehen Sammlung zusammengefaßt, der öffentlich* keit frei.
Es ist eine kleine Kulturgeschichte des Puppen* theaters der letzten Jahrhunderte, die in den zwei Räumen zur Schau gestellt ist. Rund 800 Puppen und Figuren sowie 1500 einschlägige Schriften zeu* gen von einer umfassenden Illustrierung der Geschichte des Puppenspiels.
Die Reise um den Erdball führt über die Schweiz, Italien, Türkei, Java, China und Japan, überall auf phantasievolle, schöpferische Arbeit für den Gedanken des Puppentheaters hindeutend. Und hier besonders beachtlich der türkische Kaspar aus Kamelhaut, die javanischen Tempelmarionetten (Wajangfiguren), die im Spiel vor oder innerhalb des Tempels Verwendung finden — und ein chinesisches Papierpuppentheater, dessen Figuren durch zu zupfende Fäden bewegt werden.
Eine 150 jährige Kulisse für ein orientalisches Lehrspiel, die 50jährige Stangenpuppe des Kölner* Hänneschen=Theaters oder die venezianische Gondel mit Ruderern aus Altvater Schichtls „Münchener theatrum mundi" und weitere, schier unübersehbare Zeugen des Puppenspiels spiegeln dessen Entwick* hing in Deutschland, von seltenen alten Drucken über das Puppentheater und neuerer Literatur ver* vollständige
Georg Zink beschränkte sich in seiner Sammler* tätigkeit, wie schon gesagt, nicht ausschließlich auf das Puppentheater, sondern hielt sich auch an die Puppen, wie sie nicht nur das Puppenmütterchen in der ganzen Welt liebt, sondern auch der Erwach* sene sich selbst zur Freude schuf. Alle Völkerschaften scheinen sich ein Stelldichein zu geben. Und stets mit den Merkmalen ihrer Rasse. Da erst einmal reizende Kuriositäten aus Deutschland: aufziehbare,pfeifende und rauchende Puppen; schließlich die kleinste Puppe der Welt, kaum einen Zentimeter groß, aus der Schweiz, die Spieluhrpuppe aus Frankreich, die auf einem Stöckchen zu drehen ist. wenn ihre silber* zarte Weise erklingen soll. Kostbar und köstlich die kleine Japanerin in echten Gewändern, und endlich Italiener, Holländer, Engländer, Russen, Chinesen.
Wertvolle Schnitzereien aus dem ehemaligen Deutsch=Ostafrika, italienische Krippenfiguren aus der Zeit Goethes, erzgebirgische und Oberammer* gauer Schnitzereien sprechen für sich.
Nicht minder interessant sind die zahlreichen Jugendschriften in deutscher, englischer und franzö*
sischer Sprache, die ausschließlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen, oftmals in mühsamer Ar* beit handkoloriert. Unverwüstlich ein auf Tuch gedrucktes Bilderbuch.
Bilder, Skizzen und Modelle, mitunter von Kory* phäen auf dem Gebiet des Puppenspiels, so eine Karikatur von dem Klassiker des Puppentheaters, Graf Pocci, gezeichnet, der vor 100 Jahren in Mün* chen lebte — vertiefen das Wissen um die geheim* nisvolle Kunst der lebenden Puppen.
50 Jahre hat Georg Zink gesammelt und mit aus* ländischen Freunden getauscht, mit denen er zum Teil auch heute noch im Briefwechsel steht. Die Frucht seiner Tätigkeit ist unermeßlich groß. Nicht alles fand in seiner Sinsheimer Sammlung Auf* nähme. Etwa 40 Kisten mit Puppen, Büchern und Bildern überließ Zink, der in Fachkreisen einen Ker* vorragenden Namen besitzt, dem Puppentheater* Museum der Stadt München.
Abendfrieden
Der Abend geht das Tal entlang, und milde Schatten fallen weich; das Kirchlein hoch am Bergeshang schaut traumvoll aus dem Rebenreich.
Im letzten Licht erstrahlt es dort, das alles Land so süß verklärt, und drunten in dem stillen Ort ein müdes Fuhrwerk schwankend fährt.
Vollendet ist des Tages Lauf voll harter Arbeit, Müh' und Plag’. Am samt’nen Himmel leuchten auf die gold'nen Sternlein, leis’ und zag.
Es ruht der Mensch, es schläft das Tier, in heil’gem Frieden liegt die Welt. O heil'ge Ruhe gib auch mir, Du, Vater, über’m Sternenzelt.
Franz Joseph Spang
Frauen IM STURM DER ZEITEN
VON PETER GRIESENBRUCH6. Fortsetzung
|j Jann kommt die Katastrophe. Der erste Zahlungstermin naht heran. Der Juwelier, der kein Geld bekommt, eilt zur Königin. Die sieht ihn fassungslos an, sie versteht überhaupt nicht, was geschehen ist. Wenige Tage später sind der Kardinal und die de la Motte verhaftet wegen Betrugs und wegen Beleidigung der Königin.
Am Abgrund
Das Gericht klärt in schleppender Verhandlung die Vorgänge. Die Gräfin de la Motte ist zwar hochadeliger Herkunft, aber dennoch eine Abenteuerin. Lange von Almosen lebend, hatte sie ihr Auge auf den Prinzen geworfen, dessen Leichtgläubigkeit und Leichtsinn in Geldsachen aller Welt bekannt sind. Sie hat durch ihren Geliebten die Briefe der Königin fälschen lassen, sie hat ein leichtes Mädchen angeworben, das der Königin ein wenig ähnlich sieht und an jenem Sommerabend im Parke von Versailles die Rolle Marie Antoinettens gespielt hat. Das Halsband hat die Gräfin auseinandergebrochen, die Steine hat sie einzeln verkauft, und mit dem Erlös hat sie ein Leben in Pracht und Luxus geführt, wie sie es sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorgestellt hat. Die Königin hat sie nie in ihrem Leben gesehen. Der Prinz von Rohan aber, Fürst des Königreiches, Fürst der Kirche, ist ihr ins Garn gelaufen wie nur ein weltfremder Büchernarr.
Am Ende ergibt sich die Geschichte eines zwar groß angelegten und nicht alltäglichen Betruges, aber eben doch nur einer kriminellen Angelegenheit. Aber da ist noch etwas anderes, das diesen mehr komischen als tragischen Fall zu einem Ereignis macht, das den Hof und das Volk und ganz Europa beschäftigt: wie haben sich die Teilnehmer eigentlich die Königin vorgestellt? Was eigentlich haben sie von ihr gedacht? Und weil diese Fragen nur zwiespältig beantwortet werden, deshalb trifft dieser Prozeß Marie Antoinette ins Herz.
Daß der Prinz zwar beispiellos leichtsinnig, aber sonst gutgläübig gehandelt hat, ergibt sich nach den ersten Prozeßtagen. Aber er hat doch die Königin beleidigt mit seiner Annahme; deshalb hat die Königin vom König seine Verhaftung verlangt, und deshalb wünscht sie öffentliche Genugtuung. Daß ihn der Gerichtshof freispricht, ist nach dem Prozeßverlauf nicht anders möglich. Aber der König wünscht, daß wenigstens ein scharfer Tadel für sein Verhalten ausgesprochen wird, und eben dies verweigert der Gerichtshof. Er spricht den Prinzen frei, bedingungslos, ganz einfach frei, ohne jede Einschränkung.
So tief ist der Hofadel, der seine Beziehungen auch zum Gerichtshof hat, durch die Verhaftung des Prinzen gekränkt, so eingewurzelt ist überall die Abneigung gegen Marie Antoinette, so fest ist die Ueberzeugung von ihrer Lasterhaftigkeit bereits geworden, daß niemand es fertigbringt, den Prinzen wegen einer Ueberzeugung zu verurteilen, die von den Gerichtsherren geteilt wird.
Dies ist die Bedeutung des Urteils: die Justiz stellt sich hinter den Prinzen, die Justiz glaubt, daß die Königin von Frankreich sich nachts mit fremden Männern trifft, die Justiz glaubt, daß die Königin sich zwei Millionen leiht, um ihrer Vergnügungssucht zu frönen. Und alle tuscheln: „Die Königin hat sich doch mit ihm getroffen; die Königin hat doch das Halsband gekauft, nun will sie sich ihrer Komplicen entledigen ..
Fast ganz Frankreich denkt so. Als das Urteil bekannt wird, erhebt sich ein frenetischer Jubel. Der Gerichtshof, der Prinz werden fast erdrückt von den Bezeugungen der Zustimmung, des Beifalls, der Zuneigung. In diesen Tagen nimmt Frankreich Partei gegen seine Königin. In diesen Tagen gibt ganz Frankreich den Ruf Marie Antoinettes endgültig preis. In diesen Tagen begreift sie zum ersten Male, daß sie zwanzig Millionen Feinde hat.
Bald vergrößert sich das Unglück. Die Gräfin de la Motte entkommt aus dem Gefängnis, in das sie mit Recht gekommen ist. Sie flieht nach England. Dort verkauft sie ihre „Erinnerungen" für schweres Geld an Skandalverleger, Erfindungen eines haßerfüllten Herzens und einer kranken Phantasie. Zweiunddreißig Liebhaber und Liebhaberinnen dichtet sie der Königin an. Die Kunde kommt nach Frankreich, wird verschlungen und — geglaubt.
In diesen Tagen bricht die Königin fast zusammen, aber sie richtet sich wieder auf an ihrem Stolz. Sie prüft ihr Verhalten, und sie findet es rein. Keine Stimme in ihrem Innern flüstert der Königin, dieser niemals an ernstes Nachdenken gewöhnten jungen Frau zu, daß man rein sein kann und doch schuldig, daß sie jetzt beginnen muß, für die Jahre der allzu sorglosen Heiterkeit zu bezahlen. Mit Verachtung und Hochmut sieht sie diesen Adel und diese Menge vor sich, die ihr eben noch zugejubelt haben bei der
Geburt ihrer Kinder und nun allen Verleumdungen Gehör schenken. „Pöbel", denkt sie, „Herzöge, Grafen, Bürger und Marktweiber".
Ihr Stolz hält sie von nun an aufrecht, die sieben bitteren Jahre, die sie noch zu leben hat. Sie bereut nicht, aber sie duckt sich auch nicht. Aufrecht geht Marie Antoinette den schweren Weg der Demütigung, der Einsamkeit und des Todes. Bis zu den Stufen des Blutgerüstes bleibt sie ungebeugt.
Aber auch in diesem tapferen Herzen ist eine Stelle, die sich nach Wärme, nach Verstehen, nach Zusammenklang sehnt. In diesen Jahren, da der Königin ihre tiefe Einsamkeit zum ersten Male brennend bewußt wird, hat sie die schicksalhafteste Begegnung ihres Lebens.
Auf dem Ball
6. Juni 1788
Die festliche Heiterkeit des Schlosses von Trianon scheint heute farbiger denn je. Die Königin feiert seltener Feste als früher. Aber von Zeit zu Zeit hält sie doch noch einen Ball. Sie ist Königin, sie hat Pflichten der Repräsentation; und sie leugnet es nicht vor sich selber, in ihrem Herzen erwacht immer wieder die alte Lust an dem Rausch der Farben der Hunderte von Festgewändern, an der Anmut der tanzenden Paare, an dem Gewoge der Menschen durch die Räume, die ihre Augen entzücken.
Aber wie der erste Tanz vorbei ist, spürt sie plötzlich in ihrem Herzen wieder die große Leere, spürt sie wieder diese merkwürdige Ungeduld, die sie seit Jahren so oft ergreift, wenn sie mit vielen Menschen zusammen ist. Hat sie nicht ihre eigene Freude am Glanz des Balles doch überschätzt? Ist es ihr nicht völlig gleichgültig, ob die Männer ihre neue hochgetürmte Frisur bewundern und die Frauen sie darum beneiden? „Bin ich schon alt?" fragt sie sich angstvoll.
Aber wie sie nun in einem der Nebenräume an einem Tisch Platz genommen hat und durch die weit geöffneten Türen dem Fortgang des Menuetts zuschaut, weiß sie: nicht ihre dreiunddreißig Jahre sind es, die sie kühl und gleichgültig machen gegenüber der Entfaltung all dieser Grazie und Beschwingtheit, die sie vor sich sieht. Aber es ist zu viel geschehen in den letzten Jahren, viel zuviel, als daß sie noch die alte, die unbeschwerte, die sorglose Marie Antoinette sein könnte. Sie ist Mutter, sie hat Kinder, und sie hat Sorgen mit ihnen. Hat nicht der Arzt vor einigen Tagen wieder gesagt, der kleine Kronprinz zeige immer deutlicher die Begleiterscheinungen der Rachitis, und man müsse sehr, sehr sorgfältig auf ihn achten? Wenn man solche Nachrichten noch in den Ohren hat, verspürt man nur geringe Lust zum Tanzen.
Und da sind die bitteren, die unvergeßlichen Erfahrungen seit dem Halsbandprozeß. Da ist die nie verschmerzte Erinnerung an den offenen Hohn in den Gesichtern des Hofes an dem Tage, da der Fürst von Rohan freigesprochen wurde. Da ist der furchtbare Schock, als der Bericht des Finanzministeriums die schwere Verschuldung des Staates anmeldet und als das unheimliche Geraune der Öffentlichkeit sich zu drohendem Gemurmel erhob: „An alledem ist nur die Königin, die Österreicherin schuld." Und da ist endlich wie ein Alptraum das Bild ihres engsten Hofstaates, ihrer viel verzogenen Lieblinge, als sie ihnen ihren Entschluß mitteilte, zu sparen, jährlich mit einer Million weniger auszukommen, nicht nur noch selten ein Fest zu feiern, sondern vor allem die riesigen Gnadengehälter zu mindern oder zu streichen. Mehr als ein Jahrzehnt hatte die Königin Marie Antoinette geglaubt, die bewundernden, die freundlichen, die liebevollen Worte ihrer engeren Umgebung, die sie sich gegen die Eifersucht des Hofadels ausgesucht hatte, hätten ihr selbst, hätten dem Menschen Marie Antoinette und nicht der mächtigen, der reichen Königin gegolten. Und nun muß sie spüren, daß sie selbst alle diese Jahre nichts war als ein Objekt der Ausbeutung. Wie viel Selbstsucht lag nicht in den Klagen der Betroffenen? Und hatten nicht einige statt zu jammern gar gescholten? Platten sie der Königin nicht noch Vorwürfe gemacht? Lag in ihren leidenschaftlichen Worten schon so etwas wie Drohung? Ah, wenn man dergleichen bei jemandem gehört hat, den man für seinen Freund hielt, so vergißt man es nie.
Und während heute die Königin lächelt wie stets und wie sie dem halblauten Geplauder der Fürstin von Polignac zuhört, währenddessen versucht sie eine Bilanz ihres Lebens als Königin für sie selbst, für sich allein zu ziehen. Wer ist ihr zugetan am Hofe von Versailles? Der alte grauhaarige Brummbär, der Graf Mercy; ihre Kinder; und dann der Gatte.. . Ein schwaches Lächeln überfliegt für einen Augenblick das Gesicht Marie Antoinettes. Der gute dicke König. Er ist so schrecklich unbeholfen, er ist der verlegenste und der schüchternste Mensch in diesem vieltausendköpfigen Hofstaat. Sein Leibjäger und sein Kammerdiener treten freier auf als er. Aber er hat ein warmes Herz, er verehrt die Königin, sie hat tausend Beweise dafür; er ist ein guter Mensch.
Aber nicht mehr als dies. Die Königin stützt ihren Kopf in die Hand, sie denkt an den Tag zurück, der fast zwanzig Jahre zurückliegt, als sie zum ersten Male den großen schwerfälligen Jungen sah. So wie er damals war, so ist er immer geblieben. Nicht einmal hat ihr Herz höher geschlagen in seiner Gegenwart, nicht einmal ist sie in dem holden Taumel gewesen, von dem die Damen ihrer Umgebung von Zeit zu Zeit flüsternd zu erzählen wissen. Sie ist nun dreiunddreißig, bald wird der Tag kommen, an dem das Leben, das eigentliche Leben für sie vorüber sein wird. Soll sie es nie wirklich kennengelernt haben?
Marie Antoinette fühlt sich einsam inmitten des glänzendsten Hofstaates, den Europa in diesem Jahrhundert kennt.
Das große Erlebnis
Da hört sie die Stimme des Grafen de la Garde: „Majestät, mein Freund, der Graf Alexander von Fersen, ist aus den Schneebergen seiner schwedischen Heimat hierher geeilt, um Eurer Majestät von neuem seine Verehrung bezeigen zu können. Er ist glücklich, daß Sie ihm auf meine Bitte heute abend Gelegenheit gegeben haben, Ihnen von neuem versichern zu dürfen, wie ergeben er Ihnen ist."
Neugierig blickt die Königin auf. Ach, also der Graf von Fersen ist wieder ,da. Sie hat ihn immer sehr gern gehabt, wenn er in den vergangenen Jahren auf seinen diplomatischen Missionen in Versailles war. Er sah gut aus und war aufgeschlossen, wenn auch ihr gegenüber ein wenig reserviert. Man wird sehen, ob er sich verändert hat.
(Fortsetzung folgt)
Marmorgruppe in einer Pariser Kapelle: Marie Antoinette und die heilige Elisabeth von Cortot Aufnahme: Marburg
CHINA im Fieber
Vor einiger Zeit, als aus China wieder einmal eine Hungersnot gemeldet wurde, schrieb die „New York Times": „Das amerikanische Volk hat keinen Streit mit dem chinesischen Volk. Die Chinesen waren und sind unsere guten Freunde — soweit ihre Herrscher es erlauben. Unser Gefühl befiehlt uns daher, die Not dieses Volkes zu lindern. Aber die kommunistische Regierung hat uns miß* trauisch gemacht. Wir können ihr nicht einfach Lebensmittel senden ohne das feste Vertrauen, daß auch wirklich den Bedürftigen geholfen wird. Wir wollen nicht die roten Truppen versorgen."
Heute weiß man in Amerika, daß die „New York Times" die Lage richtig gesehen hatte. Das chine* sische Volk wurde bei der Versorgung nicht berück* sichtigt. In erster Linie dachten die roten Macht* haber bei der Verteilung von Lebensmitteln an ihre eigenen Truppen, um sie schlagkräftig und angriffs* tüchtig zu erhalten. Das Volk war Nebensache. Eigentlich war es im Laufe der Jahrzehnte immer Nebensache und der Prügelknabe der herrschenden Clique. Als sich der Krieg zwischen Tschiangkai* schek und Mao Tse=tung dem Ende näherte, schrie* ben die großen amerikanischen Zeitungen in ihren Schlagzeilen: „China auf der Flucht! Hunderttau* sende zittern um ihr Leben. Sie gleichen einer ziel* und willenlosen Masse, die ins Blaue flüchtet wie wilde Tiere auf der Flucht vor dem Waldbrand. China lebt in einem immerwährenden Fieber."
Überschwemmungen, Seuchen, Bürgerkriege und Kriege gegen äußere und innere Feinde dezimieren seit vielen Jahrzehnten das chinesische Volk, und diese Katastrophen haben die Genügsamkeit und Anpassungsfähigkeit des einzelnen in einem nicht mehr zu übertreffenden Ausmaß gesteigert. Bei der Taiping=Revolution in den Jahren 1852 bis 1864 kamen nicht weniger als 65 Millionen Menschen um. 1931 wurden bei der Riesenüberschwemmung zehn Millionen Menschen obdachlos, und 88 000 qkm Land fielen der völligen Verwüstung anheim. Ganze Städte verödeten. Es wurden während der kriege* rischen Verwicklungen nebenher Feldzüge gegen verseuchte Landstriche unternommen, deren Bewoh* ner man davonjagte oder sie mit Petroleum begoß und verbrannte, um eine Wefterverbreitung der Seuchen zu verhindern. Menschenleben haben in China nie eine Rolle gespielt.
Ganz China ist heute in den Händen der roten Machthaber, die ihre Expansionsgelüste nicht zügeln können. „Wenn China fällt, fällt Asien", hat Frau Tschiangkaischek während des Konflikts bei einem Besuch in Washington erklärt, als sie Hilfe für die Nationaltruppen forderte. Werden ihre Worte Wahrheit werden oder wird es Mac Arthur gelin* gen, einen Damm gegen die rote Flut zu bauen? China lebt nach wie vor im Fieber und es scheint, daß die roten Machthaber das Volk weiter zur Ader lassen wollen. Was heute in China selbst vorgeht, weiß niemand. Auch das Ausland ist nur auf Ver* mutungen angewiesen. Die Tatsache, daß die roten Truppen über die Grenzen marschiert sind, nach Tibet einfielen und ihre Gesinnungsgenossen in Korea unterstützen, ist kein Beweis dafür, daß im Lande selbst Ruhe und Ordnung herrschen. Wahr* scheinlich ist, daß auch jetzt Hungersnöte und Seu* chen das chinesische Volk dezimieren, daß Revolten toben und Räuberbanden die endlosen Weiten die* ses Landes durchziehen und den bereits herrschen* den Terror noch vergrößern.
Amerikanische Sachkenner haben einmal behaup* tet, daß auch die roten Machthaber eines Tages von der gähnenden Unendlichkeit Mittel* und Südchinas erdrückt würden, weil auch sie der Rebellen nicht Herr werden könnten, die in China immer ein beachtliches Wort in der Politik mitgeredet haben. Noch ist diese Prophezeiung weder eingetroffen, noch zeichnet sie sich am Horizont ab. China lebt weiter im Fieber ... H.J.
^ne Rißsendschunke, die heute in dieser Art noch gern von Seeräubern verwendet wird. — Links: Chinesische Gasse, unergründlich in ihrer Verechachtelung und Unübersichtlichkeit. — Rechts oben: Die Wohndschunke, von den Behörden genau registriert, unerreicht in ihrer Primitivität und Enge. — echts unten: Eine chinesische Beerdigung formiert sich; je nach Vermögen des Verstorbenen wird sie pomphaft oder ärmlich durchgeführt. Aufnahmen: Jung
Verlorene Heimat:
EINE STADI IST AUSCEWANDERT
MIT ERP=MITTELN BAUEN GABLONZER FLÜCHTLINGE BEI KAUFBEUREN IM ALLGÄU EINE INDUSTRIESTADT AUF
In einem Barackenlager bei Kaufbeuren hämmerte im Herbst 1945 ein sudetendeutscher Heimkehrer aus alten Konservenbüchsen Kreuze und Schmuck* gegenstände und verkaufte sie an amerikanische Soldaten. Das war der Anfang der „Gablonzer In* dustrie" im Allgäu. Heute steht eine ausgedehnte Siedlung auf dem Gelände der ehemaligen Dynamit* fabrik Hart; mehrere hundert Betriebe haben sich in der „Allgäuer Glas* und Schmuckwaren=Genossenschäft" zusammengeschlossen und exportieren „Gablonzer Waren" für mehr als eine halbe Millionen D=Mark pro Monat. Dieser ungewöhnlich schnelle Aufschwung der neu in Bayern angesiedelten Indu* strie wurde besonders durch die Gewährung von Krediten aus Marshallplanmitteln gefördert.
Aus einem Heimkehrerlager entwickelte sich die Siedlung. Ehemalige sudetendeutsche Soldaten, die nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten, sam* melten sich hier im Frühjahr 1946, begannen zu ar* beiten und holten ihre Familien nach. Dann traf der erste Sammeltransport von Ausgewiesenen direkt aus Gablonz in Kaufbeuren ein. Auf einem Gelände von 3 Quadratkilometern, mitten im Walde gelegen, standen den Flüchtlingen anfangs nur teilzerstörte Bunker und alte Baracken zur Verfügung — dafür aber gab es ein erstklassiges Netz von guten Beton* Straßen, Wasserleitungen und Kanalisationsanlagen, die seinerzeit für die Munitionsfabrik gebaut wor den waren. Mit Geschick und Fleiß nutzten die Gablonzer die Lage, und allmählich verwandel* ten sich Bunker und Baracken in Glashütten, Glas Veredelungsbetriebe, Metallverarbeitungsstät* ten, Schleifereien und Glasdruckereien.
Heute wohnen bereits über 6000 Menschen in der neuen Ortschaft; außerdem aber werden auch noch die im Landkreis Kaufbeuren lebenden 14 000 Gablonzer von der Siedlung aus betreut.
Die Gablonzer Industrie erzeugt in vielen Arbeits* gängen 35 Warensorten verschiedener Schmuck* und Gebrauchsgegenstände aus Glas und Metall, doch findet die Fertigung nicht in einer großen Fabrik, sondern in vielen kleinen, selbständigen Betrieben statt. Fast jeder Familienvater ist ein „Unter* nehmer" — in einer Stube der Wohnung arbeitet er mit Frau, Kindern und Schwiegertöchtern an einem bestimmten Arbeitsgang der Gesamtproduktion. Ein Glasknopf z. B. läuft durch 6 verschiedene Ar* beitsgänge — und das heißt hier: durch 6 selb* ständige Kleinbetriebe. All diese Kleinbetriebe ha* ben sich schon 1946 zur „Allgäuer Glas* und Schmuckwaren=Genossenschaft" zusammengeschlos* sen, die für Vertrieb, Werbung und Export sorgt.
Eine solche Industrie kann sich natürlich nur durch Export in größerem Rahmen entwickeln. Wohl
gab es vor der Wäh* rungsreform verhält* nismäßig große Absatz* möglichkeiten für Glas* und Schmuckwaren in Deutschland; aber erst als sich seit dem Jahr 1948 im Rahmen der Marshallplanpolitik größere Exportmöglich* keiten boten, begann ein echter Aufschwung. Heute besuchen wöchentlich etwa 100 Ein* käufer aus den verschie* densten Ländern die Siedlung. Sechzig Pro* zent der Gablonzer Exportwaren gehen nach den Vereinigten Staa* ten, zwanzig Prozent
nach den Niederlanden, der Rest der Ausfuhr ver» teilt sich auf Belgien. Mexiko, die Schweiz, Oester* reich, Südamerika und Großbritannien zu etwa glei* chen Teilen. Die herrschende Mode kommt der Her* Stellung von Glas* und Metallknöpfen, unechten Perlen und Steinen sehr entgegen, und die Neu* Gablonzer konnten den vorhandenen Bedarf aus Mangel an Betriebsstätten und Facharbeitern gar nicht voll befriedigen.
Als erstes Ziel ihrer Exportanstrengungen hat sich die Allgäuer Glas* und Schmuckwaren=Genossenschäft eine Ausfuhr von 1 Million Dollar oder 4 Mil* lionen DM pro Monat gesetzt, und da die Auslands* aufträge dauernd steigen, liegt dieses Ziel vielleicht gar nicht mehr so fern.
Aber nicht nur auf dem Wege über die Industrie* kredite sind der Gablonzer Industrie ERP=Gelder zugute gekommen. Im Rahmen des bayerischen Wohnbauprogrammes für Flüchtlinge, das mit 30 Millionen D=Mark aus ERP=Mitteln gefördert wurde, sind in der Waldsiedlung Neu=Gablonz in diesem Jahre 90 Kleinwohnungen für ungefähr 400 Flücht* linge entstanden, die im November bezugsfertig sein werden. Und über alle direkten Hilfen hinaus hat die Wirtschaftsbelebung der Marshallplanpolitik, die Liberalisierung der Handelsverträge und das allgemeine Streben nach einer europäischen Gesamtwirtschaft den Gablonzern neue Märkte er* schlossen. H. G. P.
Links oben- Ein Spezialist des Glasdruckes preßt täglich Hunderte von Rückstrahlern. - Rechts oben: Meister für Glaswaren werden ausgebildet. Links unten: Hier entsteht Neu-Gablonz. Neue Facharbeiter der Glas- und Schmuckwarenindustrie können in die Siedlung einziehen. - Rechts unten, uie Fachschüler der „Allgäuer Glas- und Schmuckwaren-Genossenschaft" beim Perlendrehen. Die Imitationen sehen echten Perlen ähnlich. Aufnahmen. Amenka-Diens
Der Rechtsberater hat das Wort
Der Schuldner in Not
Jeder seriöse Geschäftsmann, der um seine Zahlungsfähigkeit bangen muß, sieht sich Problemen gegenüber, in denen er sich oft nicht auskennt. Er gerät häufig in ein Gefühl der Mutlosigkeit, das seine finanzielle Lage ungleich schwärzer erschein nen läßt, als tatsächlich nötig ist. Daher hat er manchmal keinen Blick für die Auswege, seine Geschäftsgrundlage zu retten und wieder hochzukommen. Der zahlungsschwache Schuldner tut gut daran, nach folgenden Gesichtspunkten seine geschäftliche Situation zu erforschen.
Prüfung der allgemeinen Lage
Zuerst muß der in Zahlungsnot stehende Schuldner zu einem systematischen Einblick in seine Geschäftsverhältnisse kommen. Dazu genügt ein Ab* Schluß der Geschäftsbücher allein noch nicht. Der Schuldner muß die Besitz* und Schuldbestände genau überprüfen. Bei den Aktiven ist zu unter* suchen, was dem Schuldner als liquide Werte zur Verfügung steht oder welche Werte ge= und ver* pfändet sind. Unter den Schuldbeständen muß die Rangfolge der Verbindlichkeiten in ihrer inneren Wertung ermittelt werden. Hierher gehören den Gläubigern gegebene Sicherungen, bevorrechtigte Forderungen, z. B. Steuern, Löhne und Gehälter sowie die Sozialabgaben usw.
Sehr wesentlich ist auch, daß der Schuldner sein Gläubigerverzeichnis einmal überprüft nach Zahl der Gläubiger und der tatsächlichen Höhe der ein* zelnen Forderungen. Dabei muß er den Wert seiner Geschäftsverbindungen zu den einzelnen Gläu* bigern abwägen, ob und in wie weit es „unangenehme" oder wohlwollende Gläubiger sind. Viel* leicht sind auch Forderungen an Verwandte darun* ter, deren Befriedigung aufgeschoben werden kann.
Es ist nach dieser Prüfung durchaus denkbar, daß gegenüber den Hauptgläubigern die nötige Zeit gewonnen werden kann, oder daß tatsächlich nur eine augenblickliche Zahlungsschwierigkeit vorliegt, die weder als Zahlungsunfähigkeit noch als Über« schuldung im Sinne des Konkursrechts anzusprechen ist. Wenn ein Gläubiger unbeugsam vollstrecken will, so kann bei dem Amtsgericht Vollstreckungs* schütz, besonders aber Ratenzahlung beantragt werden. Selbstverständlich kann der Schuldner das Gericht zur Vertragshilfe anrufen und eine Stun* düng erbitten. Das Gericht kann sogar lästige Ver« träge lösen, sofern sie von beiden Vertragsteilen noch nicht oder erst teilweise erfüllt wurden.
Das Vergleichsverfahren
Ergibt die Diagnose in der Tat eine eindeutige Einstellung der Zahlungen, so hat der Schuldner zwei Möglichkeiten. Er kann entweder das gericht* liehe oder das außergerichtliche Vergleichsverfahren anstreben. Die Durchführung eines außergericht* liehen Vergleichsverfahrens kann stets versucht wer* den. Es birgt kein Risiko, ist beweglicher und bil* liger als das gerichtliche Vergleichsverfahren. Schei* tern die Vergleichsverhandlungen mit den Gläu* bigern, dann muß das langweiligere gerichtliche Vergleichsverfahren mit seinem besonderen Ver* gleichsverwalter beantragt werden. Das gerichtliche Vergleichsverfahren hat aber auch seine Vorzüge: Unlustige Gläubiger können überstimmt werden, wenn die Hälfte der im Vergleichstermin vertrete* nen Gläubiger und 75 Prozent des Gesamtbetrags der nicht gesicherten und nicht bevorrechtigten For* derungen für den Vergleich verpflichtet werden. Wenn aber weniger als 50 Prozent der Vergleichs* quote geboten werden, so müssen 80 Prozent des Betrags der stimmberechtigten Forderungen zustim* men. Schließlich kann im gerichtlichen Vergleichs* verfahren ein allgemeines Vollstreckungsverbot aus* gesprochen werden. Das geht sogar so weit, daß alle Pfändungen, die nicht länger als einen Monat vor der Antragstellung auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens angeordnet wurden, mit der Bestätigung des gerichtlichen Vergleichs ihre Beschlagnahmewirkung verlieren. Scheitert aber der gerichtliche Vergleich, so muß das Gericht den An* Schlußkonkurs eröffnen.
Er ist das letzte Mittel des notleidenden Schuldners. Solange das Konkursverfahren noch nicht abgeschlossen ist, kann der Schuldner sogar ungefährdet neues Vermögen erwerben. Wenn das Konkursverfahren aber aufgehoben ist, dann unterliegt der Schuldner wieder dem Zugriff der Gläubiger. Ein Zwangsvergleich ist je^t noch möglich, wenn die überwiegende Mehrzahl der Gläubiger, die drei Viertel der stimmberechtigten Forderungen vertreten, damit einverstanden ist. Bei Ablehnung der Konkurseröffnung wegen Fehlens der geeigneten Masse, wenn z. B. alle wesentlichen Vermögenswerte zur Sicherung übereignet oder verpfändet sind, dann muß der Schuldner an die bessere Einsicht jener bevorrechtigen Gläubiger appellieren, damit sie ihm eine schlichte Existenz und eine letzte Erfolgschance gestatten. Hierzu werden die Gläubiger eher geneigt sein, wenn die Persönlichkeit des Schuldners die Gewähr bietet, daß er mit eiserner Energie seines Könnens und seiner Arbeitskraft seine eigenen Wünsche zurückstellen und seine Gläubiger mit Heller und Pfennig befriedigen wird.
Diese Lauterkeit der Geschäftsauffassung des Schuldners wird allein von Recht und Gesetz als schutzwürdig anerkannt. Der Schuldner aber, der durch Bankerott und Vergleichsverfahren im Trüben fischen will und leichtfertig in den Tag hineinlebt, den trifft die ganze Schwere des Gesetzes und die solide Geschäftsgrundlage eines anständigen Kaufmannes ist verspielt. Dr. St.
Ende der Versicherungspflicht
Der kaufmännische Angestellte Fl. erhält rück» wirkend ab 1. Juli 1950 eine Gehaltsaufbesserung von monatlich 50 DM, so daß nunmehr sein Mo» natseinkommen 415 DM beträgt. Die Nachzahlung erhält er am 1. Oktober 1950. Es ist ihm bekannt, daß eine Versicherungspflicht bei der Kranken» Versicherung nur bei einem Monatseinkommen bis zu 375,— DM besteht, und daß er deshalb aus seiner Krankenkasse als Pflichtversicherter aus» scheidet. Da er größten Wert darauf legt, Mitglied einer Krankenkasse zu sein, wendet er sich an die Geschäftsstelle seiner bisherigen Krankenkasse und erfährt dort folgendes:
* Nach Paragraph 165 b der Reichsversicherungs» Ordnung scheidet aus der Versicherungspflicht aus, wer die Versicherungsgrenze überschreitet. Tritt die Überschreitung durch rückwirkende Zulage ein, so ist für das Ausscheiden der Tag maßgebend, an dem diese Zulage erstmalig gezahlt wird. Der An» gestellte Fl. ist demnach seit 1. Oktober 1950 nicht mehr Mitglied der Krankenkasse. Er hat jedoch auf Grund des Paragraphen 513 der Reichsversiche» rungsordnung das Recht, freiwilliges Mitglied seiner Krankenkasse zu bleiben, wenn er dies innerhalb drei Wochen nach seinem Ausscheiden anzeigt. Nach Ablauf dieser Frist besteht keine Möglichkeit mehr, die bisherige Versicherung fortzusetzen, da es sich hier um eine Ausschlußfrist handelt, die auch dann angewendet werden muß, wenn Billigkeitsgründe vorliegen.
Sprechstunde des Hausarztes
„Krötenschmalz und Rebenblut - bösen Zähnen, Wunder tut"
So lautete das Rezept unserer abergläubigen Vor* fahren im finstersten Mittelalter gegen die auch von uns noch so gefürchteten Zahnschmerzen. Mystik und Wunder stehen dicht beieinander und erregen die Phantasie des Volkes. Die Kröte, in die der verzauberte Prinz verwandelt wurde oder die den Weinbrunnen zum Versiegen bringt, die Raben, die heiligen Vögel des germanischen Gottes Wotan, sie haben wohl bei diesem Zauberspruch Pate gestanden.
In unserer aufgeklärten Zeit haben solche Sprüche ihre Geltung verloren. Wir wissen wenigstens, welche Bewandtnis es mit den Zahnschmerzen hat, die uns die nerventötende Angst vor dem Zahn* arzt einjagen. Die größte Schuld hat die Zahnfäule (Karies), der Zerstörungsprozeß an den harten Substanzen, am Schmelz, Zahnbein und Zahnzement. Die Ursache dieser Zahnfäule ist von vielen, teils noch ungeklärten Faktoren abhängig, auch hier sind die gefürchteten Bakterien wahrscheinlich wieder die Hauptbeteiligten. Diese Bakterien dringen mit der Zeit durch die Zahnbeinkanälchen in das Zahnmark oder den „Zahnnerv", wie wir sagen, ein, nachdem sie den Zahnschmelz zerstört haben; das Zahnmark entzündet sich, und schon setzen die Zahnschmerzen ein, so unerquicklich, daß mancher geplagte Zahn* kranke mit Wilhelm Busch fühlt: „Und unter Toben und Gesaus, reift der Entschluß: Er muß heraus!"
Doch so schnell braucht in der modernen Zahn* heilkunde nicht zur Zange gegriffen zu werden! Der Zahnarzt von heute hat die Möglichkeit, dem stöhnenden, kranken Menschen die Schmerzen zu nehmen, mit lokaler Betäubung, schmerzlindernden Einlagen, die Entzündung des Zahnmarkes dämmen und den „Nerv töten", ja sogar manchmal mit dem schmerzausschaltenden Vorstadium einer Allgemeinnarkose.
Ist der Schmerz erst mal vorbei, dann beginnt die Behandlung. Grad der Entzündung, Stadium einer Infektion oder völliger Zerfall des Zahnmarkes bestimmen den weiteren Gang der zahnärztlichen Hilfsaktionen. Genau wie der Chirurg ein krankes Glied amputiert oder das nicht mehr zu rettende Glied wegoperiert, wird auch der Zahnarzt das Zahnmark entweder teilweise lebend erhalten oder ganz entfernen.
Die moderne Zahnmedizin ist deshalb den glei* chen chirurgischen Gesetzen unterworfen, die die Großchirurgie als Selbstverständlichkeit ansieht. Voraussetzung des endlichen Heilerfolges ist daher absolute Sterilität am erkrankten Zahn, an den Instrumenten und das aseptische Verhalten des Arz* tes. Ein Wundverband in Form einer Wurzelfüll* paste oder eine bakteriendichte, feste Abfüllung der Wurzelkanäle beschließen die Operation des er* krankten Zahnmarkes.
Wie können wir uns nun gegen die unangenehmen Folgen der Zahnfäule schützen? Die Antwort ist sehr einfach! Durch regelmäßige Kontrolle durch den Zahnarzt, rechtzeitige Frühbehandlung der Zähne, ausreichende Zahn* und Mundpflege, gutes Kauen und vernünftige Ernährung darf man es gar nicht zur Erkrankung des Zahnmarkes kommen lassen. Das sind für uns selbstverständliche Forderungen, um nicht nur den bösen Zahnschmerzen, sondern auch weiteren organischen Erkrankungen aus dem Wege zu gehen.
Priv.-Doz. Dr. med. dent. Josef Kluczka, Mainz.
Sich regen, schützt vor dem Alter
Das Leben scheint lebenswert zu sein. Wie könnte man es sich sonst erklären, daß die Menschen trotz der zum Sprichwort gewordenen „schlechten Zeiten" („wenn ich denke, in unseren Tagen . . . ") wieder und wieder nach dem Verjüngungselixier suchen, jenem Verjüngungsbad, das dem Greis wieder die blühende Frische und Kraft eines Jünglings gibt, und das gar ein ältliches Jüngferchen wieder begehrenswert macht.
Gegen Ende des letzten Jahrhunderts berichtete der 72jährige Forscher Brown=Sequard vor der Aka» demie der Wissenschaften in Paris, er habe sich durch Einspritzungen von Keimdrüsenhormonen verjüngt. Die Zuhörer reagierten teils mit Heiter» keit, teils mit heimlicher Hoffnung. Aber schon bald erkannte man, daß es sich nur um eine vorüber» gehende Erotisierung handelte, und daß die An» Zeichen einer allgemeinen Verjüngung flüchtig und trügerisch waren.
Die Frage, warum der Mensch altert, und ob man diesen Prozeß nicht aufhalten könne, beschäftigt noch heute wissenschaftliche Kreise. Das Forscher» ehepaar C. und O. Vogt macht einzig und allein die Nervenzellen für das Altern des Gesamtorganis» mus verantwortlich. Jede Körperzelle wird im Laufe eines Menschenlebens mehrmals durch Zellteilung erneuert, nur die Nervenzellen bleiben dieselben. Sie hören schon in der ersten Hälfte der Embryonal» zeit auf, sich zu teilen. Der Gedanke liegt also nahe, daß es die Zellteilung, also Zellerneuerung ist, die die Zellen jung erhält, und man müßte bei eingehen» der Untersuchung einen Unterschied herausfinden zwischen einer jungen und einer alten Nervenzelle. Das ist auch tatsächlich der Fall. Gewisse Substan» zen, die die Aktivität der Nervenzellen anzuregen scheinen, nehmen mit fortschreitendem Alter ab. Auch andere Zellbestandteile verändern sich in einer typischen Weise, die man als Alterung der Nerven» zellen ansprechen kann.
Besonders auffallend ist der veränderte Kolloid» zustand (Kolloide sind Stoffe, die keine echten Lösungen bilden können, z. B. Eiweiß) der alternden Zelle, zu dem es im anorganischen, toten Bereich Parallelen gibt. Das Lebenselixier — wenn man ein solches zur Hand hätte — müßte also an den Nerven» zellen angreifen und deren Alterung verhindern. Es erscheint nun keineswegs aussichtslos, einen solchen Faktor zu finden. Es wird dies Aufgabe zukünftiger Forschung sein. Heute haben wir nur ein Mittel in der Hand, das Altern aufzuhalten: Körperliche und geistige Regsamkeit. Unter dem Mikroskop konnte nachgewiesen werden, daß Arbeit die Nervenzellen vergrößert, Untätigkeit dagegen sie eher altern läßt.
Im Kinderland
Farbenfina / Ein Märchen von Ria Weil
I Jie Wolkenfarbenfrau, Fina heißt sie, stand ein» mal ganz dicht am Wolkenrand und sah hin» unter auf die Erde. Lange stand sie da. Plötzlich runzelte sie die Stirne, bückte sich, als wolle sie unten etwas besser sehen und rief: „Da blüht ja im Wald eine Tulpe!"
Nun stützte sie sich mit beiden Händen auf den Wolkenrand, beugte sich soweit es ging vor und schrie: „Du da unten, Tulpe, wie kommst du in den Wald hinein. Du darfst doch nur in einem Garten blühen?"
Langsam öffnete die Blume ihren Kelch: „Eben bin ich hier aufgewacht".
„Du gefällst mir nicht", meinte die Farbenfrau, „bist nicht rot und bist nicht blau, nicht weiß und nicht gelb, du hast ja gar keine richtige Farbe". Sie besah sich die kleine Tulpe noch einmal genau, sprang dann zu ihrer Farbenkammer, griff einen Topf mit rotem Zeug und einen Pinsel und lief zu» rück zum Wolkenrand. Mit dem Zeigefinger rührte sie im Topf herum, hielt ihn gegen die Sonne, rührte noch einmal, nickte, strich den Finger sauber an ihrem Haar ab, tauchte den Pinsel in den Topf, spritzte einen Farbtupfen auf die Blume und — kam fast mit ihm auf der Erd? an, weil sie ihren Pinsel so kräftig geschwungen hatte, daß sie durch ein Wolkenloch gerutscht war.
Lange, lange Zeit lag die Fina im Walde, ohne etwas denken oder sagen zu können. Als die Mittags» sonne sie wärmte, reckte sie sich auf, sah um sich, sah dicht neben sich die kleine Tulpe blühen, und da knurrte sie: „Unten wäre ich! Und nur wegen dir!"
Erschrocken schloß die Blume ihren jetzt leuchten» den Kelch. .
Aber die Fina bedachte traurig, daß sie von der Erde aus weder Wäldern und Wiesen, noch den Gärten und Feldern ihre Farben anmalen könne. Grau würde das Korn bleiben, die Wiesen, Blumen, Kirschen, Pfirsische, grau die Wasser, grau, grau die ganze Erde. Da weinte sie.
„Verflixtes Wolkenloch!" brummte sie und nahm sich vor, den Wolkenmännern, die doch jede Stunde nachsehen müssen, ob die Wolken keine Löcher ha» ben, die Nasenspitzen mit dicker schwarzer Farbe vollzuklecksen, damit sie nicht noch einmal vergäßen, die Wolken richtig zusammenzuballen. Aber nach zwei Stunden war sie nicht mehr böse, da war sie nur noch traurig. Unter eine alte Tanne setzte sie sich und klagte:
„Bunt ist mein Haar, Rot ist mein Kleid, Meine Schuhe gar, Grün wie eine Weid. Und mein Farbenhaus, Das sieht lustig aus, Alle Wolkenkinder wollen da hinein, Doch sie dürfen nicht, Ihre Kleidlein sind zu fein.
Weiß ist mein Tisch, Blau meine Bank, Und mein Flederwisch, Baumelt gelb am Schrank. Meine Pinsel sind, Schneller als der Wind, Malen mir mit einem einz'gen Strich, Eine riesengroße, Blumenbunte Wiese frisch.
Aber jetzt, o weh, Sitz ich hier im Gras, Wer soll Wald und See, Malen bunt und blaß? Wer das Abendrot, Daß es flammt und loht? Dauern wird es eine kurze Zeit, Und die Erde, meine liebe Erde, Hat ein ödes, ödes, graues Kleid!"
Wie zitterte die alte Tanne in allen Zweigen, als sie dies hörte. Weit in den Wald hinein rauschte sie es, wie arm bald die Erde sein werde. Und der ganze Wald klagte mit. Endlich bekam die alte Tanne wieder so viel Kraft, um zu fragen: „Farbenfrau, können wir dir vielleicht helfen?"
„Ja", seufzte die Fina, „wenn ihr eine Wolke fest» halten könntet?"
Da reckten und streckten sich alle Bäume, und selbst die Sträucher hoben ihr Geäst, ach, bis zu einer Wolke reichte kein einziger Baum. Gegen Abend aber rauschte der Wald vor Freude auf, eine Pappel hielt*eine Wolke fest. Und während Fina von Ast zu Ast klomm, rief sie: „Gute, gute Wolke, bleib stehn!" Atemlos kam sie zur Spitze und beklopfte fröhlich die breiten Wolkenbacken, während sie erzählte, wie sie mitsamt ihrem Pinsel und Farbentopf auf die Erde gepurzelt war. Inzwischen segelten viele Wolken herbei, um ihr eine Brücke zu bauen. Sie bedankte sich, lief schnell in ihr Haus, nahm sich Farben und konnte gerade noch recht» zeitig das Abendrot malen. Dabei sang sie:
„Was wär' die Erde ohne Farben? Ein grauer Klotz mit Narben! Ein Rumpelding im Weltenraum, Der kleinste Stern besäh sie kaum."
Zuletzt aber mischte sie in einem Näpflein eine wunderbar rote Farbe für die kleine Tulpe, die sollte morgen ihr schönstes Kleid bekommen. Dann setzte sie sich auf ihre blaue Bank, schaute durch das Fenster den Sternhütern zu, und ehe diese alle Sterne glänzen ließen, schlief sie schon fest.
Kleine Bastel-Freuden
Denkt, das Lieschen und der Stoffel Basteln etwas aus Kartoffeln; Kleine Hölzchen und Papier, Etwas Farbe dort und hier.
Mit dem Messer schnippelt Lieschen Mund und Augen in Radieschen; Schirm und Stock und Schlips und Hut Paßt den kleinen Burschen gut.
Denkt, wie kann man mit den vielen Kleinen Leutchen herrlich spielen. Mit den kleinen Leutchen und Mit dem Gelberübenhund! —
Was der Stoffel kann und Lieschen, Denk ich, könnt ihr auch ein bißchen: Eine kleine Zwergenwelt Schnell und selber hergestellt!
Werlachtmit!
Großreinemachen
„Warum kaufen Sie eigentlich so schrecklich viel Tomaten, Frau Mischke?" erkundigt sich Frau Raffke. „Essen Sie sich die nicht über?"
„O nein", sagt Frau Mischke. „Tomaten sind gesund. Die nehmen alle Schlacken aus dem Körper." „Haben wir nicht nötig", sagt Frau Raffke stolz. „Wir haben jetzt ja unsere Badewanne." —mpfo
Erstaunlich
Jimmy diente bei der Marine. Seine Mutter traf einen Matrosen auf der Straße und sprach ihn auch gleich darauf an, ob er ihren Sohn kenne.
„Auf welchem Schiff ist er denn", fragte der Matrose.
„Oh, Sie haben mehrere?" meinte die alte Dame sehr erstaunt. mpfo
In Ungnade
Der Herzog von Buckingham, Georg Villiers, genoß die besondere Freundschaft Karls 11. Dann fiel er in Ungnade. Eines Tages erschien eine Dame bei ihm und bat ihn, sich für sie beim König zu verwenden. Sie meinte: „Idi bin allein auf der Welt. Ich habe niemand, der sich noch meiner annehmen könnte als Cott und Sie."
„Dann ist Ihnen nicht zu helfen", erwiderte der Herzog. „Wir beide gelten bei Hofe nichts mehr."
„Vati, ich sitze nicht mehr auf der letzten Bank!" „Das freut mich, mein Kind! Wie ist denn das gekommen?"
„Die Bank wird jetzt gestrichen!"
Belohnte Pünktlichkeit
Seit es Theater gibt, wird über das Zuspätkom» men der Zuschauer geklagt. Vor dem Kriege kam eine Pariser Bühne auf den Gedanken, ihr Pu» blikum durch eine besondere Maßnahme rechtzeitig ins Theater zu locken. Jeder Besucher; der fünf Mi» nuten vor Beginn seinen Platz eingenommen hatte, bekam von der Direktion eine Tafel Schokolade.
Zeitungspapier
Das auch jetzt wieder allzu rar gewordene Zeitungspapier war schon vor dem ersten Weltkrieg ein nicht unwichtiger Gegenstand des Welthandels. China führte aus den USA jährlich für mehr als eine Million Dollar alte Zeitungen ein. Eine Tonne kostete 16 Dollar. Und was wurde
aus diesen Zeitungen? In Hongkong machte man daraus Tropenhelme, Spielzeug, Laternen, vor allem aber bunte Fähnchen, die in großer Menge gebraucht wurden.
Einer Meinung
Die Steuerbehörde schrieb: „Wir vermissen das Vermögen Ihrer Frau." Müller anwortete: „Ichauch!"
Stammbuchvers der Woche
Auf und ab, so wogt das Leben, Von den Wellen hochgetragen, Kannst du in den Lüften schweben, Um sogleich darauf zu zagen, Daß sie dich zusammenschlagen.
Ruhe kann dir keiner geben, Stürme wehn an allen Tagen, Ruhe mag der Narr erstreben — Du wirst mit den Rudern schlagen, Bis sie dich ans Ufer tragen . ..
Blick in die Welt
Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung
Die UNO-Truppen in Korea erhalten Nachschub
Anni Ondra, die Frau Max Schmelings, filmt wieder. Bei einer Probe in ihrem Heim.
In San Juan, Puerto Rico, werden Anhänger der Opposition zum Verhör vorgeführt.
Der Koch Mussolinis, Amerige Maria, wieder Küchenchef; er fiel unter die Amnestie
In Madrid wurde das höchste Gebäude Europas errichtet. Es dient Büro= und Wohnzwecken.
Kameradenschinder Richard Burger in München vor Gericht. Er „tarnt" sich mit einer Zeitung. Aufnahmen: DPA, Seeger
AUS DEM INHALT: An den Galgen gehängt Seite 2 Frauen im Sturm der Zeiten Seite 3 China im Fieber Seite 4 Fine Stadt ist ausgewandert Seite 5 Der Schuldner in Not Seite 6 Blick in die Welt Seite 8