Für energische Europa-Politik
Der Bundestag stimmt den Empfehlungen des Europarates zu
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 16. November. Die aus den drei Koalitionsparteien bestehende Bundestagsmehrheit stimmte am Donnerstag allen sieben Empfehlungen der Beratenden Versammlung des Europarats zu, einschließlich der Empfehlungen für den Schumanplan und den Churchillplan über die Schaffung einer europäischen Armee.
Zentrum, Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung, Bayernpartei und einige Abgeordnete der Freien Demokratischen Partei enthielten sich der Stimme. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten, die Kommunisten und die Deutsche Reichspartei.
Der christlich-demokratische Abgeordnete Dr. Pünder, der namens der Koalition sprach, betonte, daß weder im Bundestag, noch im deutschen Volk Uneinigkeit über die Grundzüge einer klaren und energischen Europapolitik bestehe. Der Aussprache und Abstimmung über die Straßburger Empfehlungen wohnte auch Bundeskanzler Dr. Adenauer bei.
Nach der vom Bundestag angenommenen Entschließung soll die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, um die Absichten, die den Empfehlungen zugrunde liegen, unter Berücksichtigung der besonderen Lage der Bundesrepublik zu fördern. In seinen Ausführungen zu den Straßburger Empfehlungen richtete Dr. Pünder an die Bundesregierung die Bitte, bei ihren späteren Verhandlungen die Empfehlung des Europarats über eine gemeinsame europäische Verteidigungsmacht freier und gleichberechtigter Völker unter gemeinsamer Führung und Kontrolle zugrunde zu legen.
Der Abgeordnete Euler (FDP) empfahl der Bundesregierung, den Vorbehalt, daß die deutsche Teilnahme nur bei Gleichberechtigung tragbar sei, nicht leichtzunehmen. Die FDP werde ihre Stellungnahme davon abhängig machen, inwieweit die Gleichberechtigung verwirklicht sei. Euler betonte, daß bei der Festsetzung der finanziellen Belastung der Bundesrepublik Rechnung getragen werden müsse.
Die sozialdemokratische Gegenentschließung, die den Schuman-Plan und die europäische Armee unerwähnt ließ und sich durch die Annahme der Entschließung der Koalition erledigte, wurde von dem sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Lütk en s begründet. Gegen die Empfehlung für eine Europaarmee wandte er ein, daß Europa ein Werk des Friedens sein müsse und nicht als ein Werk der militärischen Organisation geschaffen werden könne. Mit der Tendenz, die Stellung der Beratenden Versammlung zu stärken, stimme die SPD überein. Lütkens tadelte die Bundesregierung, weil sie sich dazu bereitgefunden habe, im Ministerausschuß neben dem Saargebiet als „Kiebitz“ zu sitzen.
Senkung der Kohlenausfuhr
Eine Forderung der Bundesregierung
Bonn, 16. November. (AP.) Der Kohlenexport der Bundesrepublik müsse, wenn der innerdeutschen Kohlenlage „einigermaßen Rechnung getragen werden soll“, in Zukunft um etwa 15 Prozent gesenkt werden, erklärt die Bundesregierung in ihrem amtlichen Informationsdienst. Von deutscher Seite werde erwartet, daß sowohl die ausländischen Abnehmer als auch die internationale Ruhrbehörde für die innerdeutsche Kohlensituation Verständnis zeigen „und keine überhöhten Anforderungen“ stellen, heißt es in dem Informationsdienst.
Schuman: Keine Aenderung
Paris, 16. November, (dpa) Der französische Außenminister Schuman betonte, es sei nicht an eine Revision der französischen Außenpolitik gedacht. Entsprechende Gerüchte seien absurd.
Acheson beruhigt
Washington, 16. Nov. (BBC.) Außenminister Acheson erklärte, es müsse alles geschehen, um Befürchtungen Chinas über die amerikanischen Absichten zu beseitigen. Acheson gab die Zusicherung, daß die Interessen Chinas an der koreanischen Grenze einschließlich der Wasserkraftwerke am Jalu jetzt und in aller Zukunft sorgfältig geschützt werden. Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen hätten keine Absicht auf chinesisches Gebiet. Wenn die Chinesen aber sich verleiten ließen, eine wirklich große internationale Krise hervorzurufen, „dann müßten wir dieser Krise mit aller Entschlossenheit, aller Kühlheit und aller Klugheit entgegentreten“.
Suche nach der Lösung
Acheson über die Rüstungsfrage
Washington, 16. November. (AP.) Außenminister Acheson hat im State Department seinem Vertrauen darauf Ausdruck gegeben, daß eine allgemein annehmbare Lösung für das Problem der Eingliederung deutscher militärischer Einheiten in eine westeuropäische Verteidigungsstreitmacht gefunden werden könne. Er betonte jedoch, daß Schnelligkeit bei diesem Prozeß erforderlich sei.
„Nach unserer Meinung ist die Zeit ausschlaggebend. Wenn wir bei der Bildung einer starken Streitmacht rasch zum Ziele gelangen, dann können viele Gefahren, mit denen wir andererseits rechnen müßten, vermieden werden“, sagte der Außenminister.
Weihnachtsbeihilfe soll exhöht werden
Steuerfreigrenze für Gratifikationen auf 200 Mark heraufgesetzt?
Bonn, 16. November, (dpa) Der Bundestag beschloß am Donnerstag einmütig, daß die Bundesregierung die einmalige Weihnachtsbeihilfe für Hilfsbedürftige erhöhen soll. Nach dem Beschluß sollen die im Erlaß des Bundesinnenministers und des Finanzministers vorgesehenen Sätze von fünfzehn Mark für Alleinstehende und fünf Mark für jedes hilfsbedürftige Familienmitglied auf 25 Mark und zehn Mark erhöht werden.
Außerdem soll die Bundesregierung auf einstimmigen Beschluß des Bundestages ersucht werden, die Steuerfreigrenze für Weihnachts- und N e u - jahrs Zuwendungen, die in der Zeit vom 15. November bis 15. Januar gezahlt werden, auf 200 Mark zu erhöhen. Anträge einiger Parteien, die Freigrenze auf 300 Mark zu erhöhen, wurden abgelehnt.
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Bonn, 16. November, (dpa) Bundeswohnungsminister Wildermuth erklärte, es treffe nicht zu, daß er die Wiedereinführung der Hauszinssteuer wünsche. Es sei allerdings bedauerlich, daß der Finanzierung des Wohnungsbaues das feste Rückgrat fehle.
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Hi. Boun, 16. November. (Eigener Drahtbericht.) Wie Bundestagsabgeordneter Dr. Oellers (FDP) in Bonn mitteilte, hat Bundesarbeitsminister Storch seine Bedenken gegen den vom Geld- und Kreditausschuß des Bundestages beschlossenen Gesetzentwurf über die Aufbesserung der umgestellten Renten- und Pensionsversicherungen zurückgestellt. Da der Forderung des Sozialpolitischen Ausschusses, gleichzeitig den betrieblichen Pensionskassen Zuschüsse zu gewähren, voraussichtlich entsprochen werden kann, sollte auch von dieser Seite kein weiterer Widerstand zu erwarten sein.
Temperaturen 30 Grad unter Null
Die Truppen der Vereinten Nationen setzen Vormarsch in Korea fort
Söul, 16. November. (AP.) Die UN-Truppen haben am Donnerstag an der ganzen Koreafront ihren Vormarsch erfolgreich fortgesetzt. Im Bergland von P u n g s a n stehen amerikanische Truppen nach der Eroberung von Kaps an nur noch 30 Kilometer vor der mandschurischen Grenze.
Die Erfolge bei Kapsan wurden gegen heftigen Widerstand nordkoreanischer Verbände bei Temperaturen von minus 30 Grad Celsius und eisigen Nordwinden erzielt.
Auch an der Nordwestfront konnten die UN-Truppen bei plötzlich auf tretendem Tauwetter und stürmischen Südwestwinden bis nördlich und westlich von P a k - ch o n sowie nördlich von Yongbion vordringen. Pakchon selbst wurde von britischen Truppen besetzt.
Im Mittelabschnitt haben südkoreanische Truppen nach zügigen Gegenangriffen die Stadt T okc h o n zurückerobert, die am Morgen unter starken nordkoreanischen Angriffen vorübergehend aufgegeben werden mußte.
Im äußersten Nordosten gelang es südkoreanischen Einheiten kleinere nordkoreanische Einbrüche abzuriegeln und im Gegenangriff Geländegewinne von fünf Kilometern zu erzielen. Nordkoreanische Landungsversuche an der Ostküste wurden nach heftigen Kämpfen abgewiesen.
Wie ein Sprecher der achten Armee bekanntgab, sind in den letzten 24 Stunden 2500 Tonnen Nachschubmaterial und Winterausrüstung an der Nordwestfront eingetroffen.
Eine zweite britische Brigade ist in den letzten Tagen in Korea gelandet. Sie ist mit Winterausrüstung versorgt und soll in Kürze an der Nordwestfront eingesetzt werden. Die bereits auf dem Pazifik schwimmenden kanadischen Verbände sind völlig auf den Winterkrieg vorbereitet. Sie verfügen über Pelzmäntel, Spezialschuhe, Kopfschützer und Wintermützen.
Superfestungen warfen am Donnerstag zum zweitenmal in zwei Tagen 40 000 Brandbomben über dem Verkehrsknotenpunkt Hoeryong in Nordostkorea ab. Riesige Brände wurden beobachtet.
Nordkoreanische Zivilisten, durch die Wirren des Krieges heimatlos geworden, fliehen mit ihren geringen Habseligkeiten aus dem Kampfgebiet Foto: UP-Acme
Amerikanische Verluste
Washington, 16. November. (AP.) Die amerikanischen Verluste in Korea haben nach einer Bekanntmachung des Verteidigungsministeriums in der Zeit seit Ausbruch des Krieges bis zum 10. November 4 798 Tote, 19 740 Verwundete und 4 343 Vermißte betragen.
Die Verluste' der britischen Truppen in Korea belaufen sich auf 51 Tote, 158 Verwundete und fünf Vermißte.
Eindämmen und beenden!
Shinwell zum Koreafeldzug
London, 16. November, (dpa) Der britische Verteidigungsminister Shinwell erklärte vor dem Unterhaus, Großbritannien werde alles in seiner Macht Stehende tun, um die Feindseligkeiten in Korea einzudämmen und zu beenden.
An der Grenze
*** Mit den notwendigen Sicherungen kann man Elektrizität mit außerordentlich ‘ hohen Spannungen aufspeichern. Es gibt jedoch eine Grenze. Und wenn diese nicht sorgsam beachtet oder wenn nicht noch größere Sicherungen eingebaut werden, erfolgt seine Entladung. Man darf sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß die äußerste Grenze in der politischen Ost-West-Spannung beinahe erreicht ist. Schon springen Funken über und zwar wiederum an einer Grenze, nämlich dort, wo Nordkorea und die Mandschurei aneinanderstoßen.
Noch weiß man nicht, ist es den Chinesen nur darum zu tun, die Wasserkraftwerke am Jalu zu schützen? Häufen sie, wie ein Ostasienkenner glaubt, in der Mandschurei Truppen an, die nur vorgeben, die Grenzen zu sichern, die in Wirklichkeit aber die wirtschaftlich wertvolle Mandschurei vor einer russischen Ausbeutung bewahren sollen? Oder ist Mao vom Kreml beauftragt, eine wirklich große internationale Krise hervorzurufen? Wie dem auch sei, die Spannung ist an der Grenze des Erträglichen. Der amerikanische Außenminister Acheson hat versucht, eine neue Sicherung einzubauen, indem er ausdrücklich erklärt hat, die Interessen Chinas an der koreanischen Grenze einschließlich der Kraftwerke am Jalu würden jetzt und in aller Zukunft sorgfältig geschützt. Aber wird sich Mao Tse-tung mit dieser Erklärung zufrieden geben? Für den Fall, daß er es nicht tut, hat Acheson angekündigt, man werde dann der Krise mit aller Klugheit, aber auch mit aller Kühnheit und Entschlossenheit entgegentreten. Er gebrauchte in diesem Zusammenhang die Worte, es sei „eine der größten Tragödien“, wenn die Krise nicht behoben werden könne.
Es besteht auch kein Grund, die Hoffnung aufzugeben, denn jeder Verantwortliche weiß, was eine Entladung zu bedeuten hätte. Aber es ist Eile geboten, um sie zu verhindern. Nicht allein in der Behandlung der ostasiatischen Frage, sondern audi im europäischen Zusammenschluß zu einer gemeinsamen Verteidigung. Darauf hat Acheson ebenfalls hingewiesen und es hat den Anschein, als ob seine Mahnung in dep Hauptstädten Europas beachtet werde.
Ruklands Programm für Deutschland
Von Reinhold ZenzAm 22. Oktober haben die Ostblockstaaten in Prag unter dem Vorsitz der Sowjetunion ein Vier-Mächte-Programm aufgestellt, das, „Zur Erhaltung des Friedens“ die deutsche Frage lösen soll. Die Westmächte beraten heute noch über eine endgültige Antwortnote. Man ist sich klar darüber, daß die russischen Vorschläge keine Verhandlungsgrundlage bieten. Man möchte jedoch vor der Weltöffentlichkeit nicht das Odium auf sich nehmen, ein Verhandlungsangebot von vorneherein abgelehnt zu haben, und man möchte, wenn man sich schon mit dem Gedanken einer Vier- Mächte-Konferenz vertraut macht, dann wenigstens gleich alle strittigen Fragen behandeln, die geeignet sind, zwischen Ost und West die Spannung immer mehr zu verschärfen.
Die Prager Forderungen
Die Prager Erklärung schließt mit vier Forderungen an die Westmächte, die das russische Programm klar umreißen. Demnach sollen die vier Besatzungsmächte eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen, wonach sie eine Wiederaufrüstung Deutschlands nicht zulassen. Sie werden ferner aufgefordert, alle Beschränkungen aufzuheben, die der Entwicklung der deutschen Friedenswirtschaft entgegenstehen, wobei jedes Wiederentstehen des deutschen Kriegspotentials verhindert werden soll. Ein sofortiger Abschluß eines Friedensvertrages mit Deutschland soll die Zurückziehung aller Besatzungstruppen innerhalb eines Jahres vorsehen. Und schließlich wird verlangt, es müsse eine für ganz Deutschland zuständige Körperschaft vorbereitet werden, der die Aufgabe obliege, die Errichtung einer gesamtdeutschen Regierung vorzubereiten. In dieser Körperschaft sollen Ost- und Westdeutschland gleich stark vertreten sein.
Der Pferdefuß
Der einzige neue Vorschlag der Prager Beschlüsse betrifft die Schaffung eines gesamtdeutschen konstituierenden Rates auf paritätischer Grundlage als Voraussetzung für freie Wahlen in ganz Deutschland. Dieser Vorschlag muß mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet werden, zumal da der Nationalrat der kommunistischen „Nationalen Front“ am Dienstag in einer einstimmig angenommenen Entschließung sich nochmals besonders auf diesen Punkt festgelegt hat. Der Nationalrat betont, der Vorschlag eines solchen konstituierenden Rates sei von den Millionen Anhängern der „Nationalen Front“ mit Begeisterung begrüßt worden. Er bedeute einen einfachen und friedlichen Weg zur Einheit Deutschlands. Erst unter einem gesamtdeutschen konstituierenden Rat könne das deutsche Volk seine demokratischen Wahlen für Gesamtdeutschland vornehmen, die dann „frei“ seien im Gegensatz zu den Wahlen, die bisher unter anglo-amerikanischem Druck gestanden hätten.
Gerade dieser Vorschlag zeigt am deutlichsten den Pferdefuß der bolschewistischen Absichten. Während die Westmächte die Regierung der Bundesrepublik als einzige maßgebliche und zuständige Vertretung für Gesamtdeutschland anerkannt haben, sollen nach dem russischen Vorschlag auch die auf Grund von Schein wählen amtierende Regierung und Volksvertretung der Sowjetzone als gleichberechtigt anerkannt werden. Damit aber nicht genug. Der konstituierende Rat soll „paritätisch“ zusammengesetzt werden. Das heißt, man will die 17 Millionen Einwohner der Sowjet-
zone in ihm durch ebenso viele Mitglieder vertreten wissen wie die 48 Millionen Einwohner der Bundesrepublik. Was die Folge einer solchermaßen zusammengesetzten verfassunggebenden Versammlung wäre, kann man sich leicht ausmalen, wenn man daran denkt, auf welche Weise der Kreml sich derartiger Körperschaften in Polen, Rumänien und anderen Satelliten-Staaten zu bedienen gewußt hat. Von. freien, demokratischen Wahlen, wie wir sie in der Bundesrepublik gewöhnt sind, könnte überhaupt nicht die Rede sein. Zudem würde die Anwesenheit der sowjetzonalen Volkspolizei nach dem Abzug der Besatzungstruppen dafür sorgen, daß die sogenannte „Nationale Front“ auf die westdeutschen Mitglieder des konstituierenden Rates den Druck ausüben könnte, der sie den bolschewistischen Absichten gefügig machte. Schon jetzt hat der Nationalrat der kommunistischen nationalen Front die Entfaltung einer „umfassenden Volksbewegung in ganz Deutschland für die Bildung des gesamtdeutschen Konstituierenden Rates“ und eine viel stärkere „Unterstützung des nationalen Widerstandskampfes der deutschen Patrioten in Westdeutschland“ beschlossen.
Die Haltung der Westmächte
Die Bundesregierung lehnt selbstverständlich derartige Vorschläge rundweg ab, und die Bevölkerung der Bundesrepublik ist mit ihr völlig einer Meinung. Leider haben wir selbst bei - Mächte-Verhandlungen nicht mitzureden. Es sind immer noch andere, die über uns zu bestimmen haben. Die Erfahrung hat nun aber auch die Westmächte gelehrt, daß man die Russen ebenso wie die Danaer mit Mißtrauen betrachten muß, auch dann, wenn sie sich den Anschein geben, sie wollten, wie die Danaer, Friedensgeschenke bringen. In Washington hat man unmißverständlich zu verstehen gegeben, die russischen Vorschläge bildeten überhaupt keine Verhandlungsgrundlage. Auch der britische Außenminister Bevin hat sein Mißtrauen gegenüber den scheinheiligen Prager Vorschlägen zum Ausdruck gebracht. Die konservative „Daily Mail“ bemerkte' dazu, England hätte vielleicht mit sich reden lassen, wenn die Sowjets Beweise für ihre Aufrichtigkeit hätten geben können. Aber Aufrichtigkeit sei nun einmal keine kommunistische Tugend. Man weiß in England zur Genüge, was bei Verhandlungen mit den Sowjets herauskommt: keine sachlichen Ergebnisse, sondern lediglich hitzige Propagandareden.
Pariser Diplomatie
Nur der französische Außenminister Robert Schuman hat sich vor der französischen Nationalversammlung zur Teilnahme an einer Vier-Mächte-Konferenz bereit erklärt. Er meinte, Frankreich befürworte grundsätzlich ein Treffen von Vertretern der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs mit den Vertretern der Sowjetunion. Allerdings machte er die Einschränkung, eine derartige Konferenz müsse unter Voraussetzungen abgehalten werden, die eine Hoffnung auf Erfolg zuließen. Die gegenwärtigen großen Schwierigkeiten in den internationalen Beziehungen geböten, eine Konferenz zu vermeiden, die mit einem Mißerfolg ende, da sie das Risiko einer Verschlechterung statt einer Besserung der bedauerlichen internationalen Lage einschließe.
Die Bedingungen Schumans muß man auch vom deutschen Standpunkte aus gelten lassen. Er verlangt, die Sowjetunion solle sich damit einverstanden erklären, daß die Aussprache nicht auf das deutsche Problem beschränkt bleibe, sondern daß auch andere Krisen behandelt werden, die den Frieden bedrohen. Er wird dabei besonders an Korea gedacht haben, da der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auch bei seiner letzten Aussprache am Donnerstag über die Anwesenheit rotchinesischer Truppen sich dazu entschlossen hat, sofortige Maßnahmen zu verlangen. Als zweites fordert Schumann, die Sowjets müßten erkennen, daß sie durch eine „militärische Polizei mit dem Aussehen einer nationalen deutschen Streitmacht“ in dei' sowjetischen Zone eine „ernste Maßnahme“ ergriffen hätten. Drittens habe die Sowjetunion die Gefahr zu beachten, die sie mit der Politik der vollständigen Abschließung ihrer Besatzungszone in Deutschland seit dem Jahre 1945 heraufbeschworen habe.
Im Prinzip einig
Ausländische Kreise sind der Meinung, der französische Außenminister habe infolge der ehemaligen traditionellen französischen Freundschaft mit Rußland die russischen Vorschläge nicht so scharf zurückgewiesen, wie es erforderlich gewesen sei. Es ist durchaus begreiflich, wenn Frankreich jede Möglichkeit nützen will, um eine Zuspitzung der weltpolitischen Gegensätze zu vermeiden. Man darf jedoch annehmen, auch Robert Schuman sich dessen bewußt ist, daß die bolschewistische Gefahr für Frankreich nicht vermindert würde, wenn Deutschland unter bolschewistischem Vorzeichen seine Einheit wieder erlangte. Wir sind daher überzeugt, daß Frankreich bei der gemeinsamen Beratung der Westmächte über die Antwortnote an Rußland zwar eine allgemeine Vier-Mächte-Konferenz befürworten, die Prager Vorschläge für eine Lösung der Deutschlandfrage aber entschieden zurückweisen wird.
„Ungehenres Entsetzen“
Eindrücke eines Sowjetoffiziers
London, 16. November, (ap) Zu dem sowjetischen Angebot, zwei in der Ostzone festgehaltene englische Soldaten gegen einen in England im Asyl lebenden früheren Offizier der Roten Armee auszulösen, hat das britische Außenministesterium am Donnerstag einige interessante Einzelheiten bekanntgegeben.
Der Sowjet-Offizier, Leutnant Bystrov, begründet seine Fahnenflucht mit dem ungeheuren Entsetzen, das ihn ergriffen habe, als er im Oktober 1949 das erstemal den Lebensstandard in Ostdeutschland mit dem in seiner Heimat im Ural vergleichen konnte. Bystrov berichtete von den Zwangsarbeitslagern im Ural, in denen täglich so viel Menschen vor Entkräftung sterben, daß die Totengräber nicht nachkommen können. Er erzählte von der Armut und den primitiven Lebensverhältnissen in der Sowjetunion. Dies alles habe ihn dermaßen erschüttert, daß er 1950 beschlossen habe, nach seinem nächsten Heimaturlaub zu desertieren.
In Kiew 9000 Gefangene
Bad Hersfeld, 16. November, (dpa) Der über Oesterreich nach Hessen gekommene Sudetendeutsche Hans Pettermann, berichtete im Heimkehrerlager Waldschänke bei Bad Hersfeld, daß im Kiewer Lager 7062/2 noch 1700 Kriegsgefangene gewesen seien, als er Kiew am 20. Oktober dieses Jahres verließ. Darüber hinaus würden in anderen Kiewer Lagern noch 7 000 ehemalige Kriegsgefangene festgehalten — meist Angehörige von Heimatvertriebenen oder holländische, Schweizer oder norwegische Staatsangehörige. Er sei nur entlassen worden, weil er sich als Oesterreicher ausgab.
Industrie gegen „totalen Machtwahn“
Feststellungen der Arbeitgeber und das Echo der Gewerkschaften
Köln, 15. November, (dpa) Der Vizepräsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Vogel, wandte sich in Köln gegen die „radikale Tendenz einer gewissen Clique in den Gewerkschaften“, die in der ganzen Unternehmerschaft Entsetzen hervorgerufen habe. „Wir wollen und müssen die Gewerkschaften haben, aber nicht unter dem Zeichen eines totalen Machtwahns“, sagte er.
Vogel nahm damit zu seiner Kölner Rede Stellung, die von den Gewerkschaften scharf kritisiert worden war. Er hatte darin unter anderem den Gewerkschaftsfunktionär als unproduktiv bezeichnet, den Gewerkschaften Machtstreben vorgeworfen und ihnen das Recht abgesprochen, sich noch Sozialpartner zu nennen.
Vogel betonte, daß er in vollem Umfange zu seinen Ausführungen stehe. Lediglich die Feststellung, daß „die Unternehmer keine Ausbeuter seien, sonst wären sie genau so reich wie viele Leute aus den Gewerkschaften“, sei ein „falscher Zungenschlag“ gewesen. Auch der Bundesverband sei der Ansicht, daß er mit seinen Worten die Meinung der Industrie richtig getroffen habe. Er habe im übrigen den Gewerkschaften nicht die Aktiv-Legitimation abstreiten, sondern ihre p o - sitiven Kräfte aufrufen wollen, sich wieder auf der Ebene der Demokratie zu bewegen. Die Gewerkschaften dürften nicht versuchen, die innerbetrieblichen Dinge unter Umgehung der Unternehmer zentral zu behandeln.
130 000 Arbeitnehmer der Eisen- und Stahlindustrie werden in Kürze in einer Urabstimmung darüber entscheiden, ob sie für das Mitbestimmungsrecht notfalls die äußersten Kampfmittel einsetzen wollen, kündigte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Böckler, an. Die Industriegewerkschaft Bergbau werde voraussichtlich Ende November auf ihrem Verbandstag in Hannover das gleiche beschließen.
Dr. Böckler bezeichnete diese Maßnahme als Antwort auf Versuche der Unternehmerseite, „eine Kluft zwischen Arbeitern und Gewerkschaften aufzureißen“. Es gehe nicht darum, die Mitbestimmung auf die Gesamtwirtschaft auszudehnen, doch auf die volkswirtschaftlich entscheidenden Betriebe müsse das Beispiel der entflochtenen Werke angewandt werden. Bei der Großindustrie mit ihrem weitgehend anonymen Kapital sei der bisherige sinnlose Widerstand nicht zu begreifen.
Dr. Böckler bezeichnete die Kölner Aeußerungen des Vizepräsidenten des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Vogel, als „sehr schwerwiegend“. Der Kölner Vorgang verstärke den Eindruck, daß die „Scharfmacher“ ausschlaggebend seien. Solange die nicht provozierten Kölner Angriffe ohne öffentlichen Widerspruch der andersdenkenden Unternehmer bleiben, seien neue Verhandlungen wenig zweckvoll.
Vermögensbelastung wird kleiner
Da. Bonn, 16. November. (Eig. Drahtbericht.) Nach einer Erklärung, die Bundesfinanzminister Schäffer am Donnerstag im Bundestag abgab, soll die jährliche Vermögensbelastung nach Verabschiedung des endgültigen Lastenausgleichs niedriger sein als die gegenwärtige Belastung durch Vermögenssteuer und Soforthilfeabgabe.
Wie der Finanzminister mitteilte, hat die Soforthilfeabgabe bisher insgesamt 1,788 Milliarden Mark erbracht. Im laufenden Etatjahr ist das Aufkommen um 32 Prozent höher als im vergangenen. Die Steigerung ist nach Ansicht des Ministers auf die von den Finanzämtern durchgeführte Nachprüfung, auf den Eingang von 420 Millionen Mark Rückstände aus dem Vorjahr und auf die Senkung der Einkommensteuer zurückzuführen.
Nadaruetz bewährt sich
Frankfurt (Main), 16. November. (AP.) Ein bislang geheimes amerikanisches Radarnetz, das mit Unterstützung von Düsenjägerpatrouillen Westeuropa vor einem Ueberraschungsangriff schützt, hat seine erste Probe praktisch bestanden.
Als ungewollte „Versuchskaninchen“ fungierten in den letzten Tagen kommunistische „Friedensflugzeuge“, die Delegierte von England zum bolschewistischen Friedenskongreß nach Warschau brachten. Allein am Mittwoch hat das amerikanische Radarnetz in Westdeutschland insgesamt 39 unangemeldete Flüge registriert, die von den benachrichtigten Düsenjägerpatrouillen als Flugzeuge der kommunistischen Ostblockstaaten identifiziert wurden.
Verstürkungen für Berlin
Belgische Panzer und amerikanische Infanterie
Berlin, 16. November. (AP.) Zur Verstärkung der alliierten Garnison trafen in den frühen Morgenstunden des Donnerstags acht britische Panzer vom Typ „Cornet“ in West-Berlin ein. Mit einem Gewicht von 33 Tonnen und bestückt mit einer 7,7-Zentimeter-Kanone, sind diese Kriegsfahrzeuge die stärksten Panzerwaffen der Alliierten in Berlin seit 1945. .
Nur wenige Stunden später brachte ein Militärtransport eine Abteilung von rund 200 Mann amerikanischer Infanterie nach Berlin. Die Truppen, ein Teil des sechsten amerikanischen Infanterie - Regiments, kamen von dem süddeutschen Truppenübungsplatz Grafenwöhr, wo sie ihre letzte Ausbildung erhalten hatten. Weitere Einheiten dieses Regiments befinden sich zur Zeit noch in Grafenwöhr und werden zu einem späteren Zeitpunkt nach Berlin verlegt werden.
Zur Zeit befinden sich rund 8 000 Mann alliierter Truppen in West-Berlin. Es ist jedoch geplant ihre Stärke bis zum Frühjahr 1951 auf 12 000 Mann zu erhöhen.
Enttäuschung befürchtet
Da. Bonn, 16. November. (Eigener Drahtbericht.) Maßgebende politische Kreise in Bonn befürchten, daß die Revision des Besatzungsstatuts in dem bescheidenen Umfang, wie sie zur Zeit erwartet werden muß, und über die Neuyorker Beschlüsse nicht hinausgehen soll, in der deutschen Bevölkerung tiefe Enttäuschung und eine erhebliche Schockwirkung auslösen wird. Man erklärt, daß hieraus für die Politik Bundeskanzler Dr. Adenauers ernste innerpolitische Schwierigkeiten entstehen könnten. In Bonn besteht allerdings der Eindruck, daß sich in letzter Zeit die nicht immer guten deutsch-britischen Beziehungen entscheidend verbessert haben.
Situng auf dem Petersberg
Bonn, 16. November. (AP.) Die Oberkommission beschäftigte sich auf ihrer Sitzung am Donnerstag mit der Frage der Erleichterung der Kontrollen über deutsche auswärtige Angelegenheiten, wurde in einem Kommunique bekanntgegeben. In Kürze werden Besprechungen über die Uebertragung der Ein- und Ausreisekontrollen auf deutsche Behörden beginnen, heißt es in dem Kommunique.
Wird Opel weiterarbeiten?
Frankfurt/Main, 16. November, (vwd) Die Opelwerke in Rüsselsheim werden am Montag entscheiden, ob sie wegen des Kohlenmangels schließen oder ob und m welcher Form der Betrieb weiterlaufen kann.
Bisher kämen trotz fester Zusicherung kurzfristiger Kohlenlieferungen nur kleine Mengen an.
Was will Lecoeur in Moskan?
Der französische Bürgerkriegsspezialist begleitet Thorez
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 16. November. Mit dem französischen Kommunistenführer Thorez flog am vergangenen Sonntag ein gewisser Leco eu r nach Moskau, der vielleicht der eigentliche Führer in der kommunistischen Widerstandsbewegung während der Besetzung Frankreichs gewesen ist und damals auch in den nationalen Kreisen Frankreichs das Ansehen eines Helden genossen hat. Lecoeur gilt als der Bürgerkriegsspezialist der französischen Kommunisten, und seine Berufung nach Moskau wird nicht weniger zu bedeuten haben, als daß sich eine neue, gegen Frankreich gerichtete Offensive im kalten Krieg des Kremls vorbereitet.
Westeuropa muß ständig darauf gefaßt sein, daß sich im kalten Krieg neue Schwerpunkte bilden. Solange der Kreml davon absieht, seine Panzer rollen zu lassen — und alle Erfahrungen, die bisher mit der sowjetischen Politik gemacht worden sind, sprechen dafür, daß Sowjetrußland ein solches militärisches Risiko nicht eingehen will — wird er weiterhin nach den wunden Stellen in Westeuropa zielen, die für einen Bürgerkriegsversuch geeignet erscheinen. Daß Frankreich eine solche Stelle ist, wird auch von den Franzosen, die die Kraft
des Bolschewismus nicht überschätzen, durchaus nicht bestritten.
Eine wichtige psychologische Voraussetzung, die einen bolschewistischen Revolutionsversuch in Frankreich b e g ü n - stigt, wird gerade durch einen Mann wie Lecoeur gekennzeichnet. In der Zeit der deutschen Besetzung waren die Unterschiede zwischen nationalem und kommunistischem Widerstand ebenso stark verwischt, wie die zwischen den Kriegszielen der westlichen Demokratien und Sowjetrußlands. Niemand hat damals das Bündnis mit der Sowjetunion so vorbehaltlos bejaht, wie die nationalen Franzosen. Nicht nur Churchill, sondern auch Roosevelt dachten jedoch schon an die Schwierigkeiten, die sich nach dem Sieg mit Sowjetrußland ergeben könnten. In Frankreich herrschte ob des Stalingrad-Sieges der Sowjets nichts als eitel Freude.
Der kommunistische Widerstandskämpfer Lecoeur wird zweifellos an diese Erinnerung anknüpfen, und so setzt sich der Kommunismus in Frankreich eine nationale Tarnkappe auf, die es einigermaßen begreiflich macht, warum die Kommunistische Partei bis jetzt noch die stärkste Partei Frankreichs ist.
Stimmen der Anderen
Der deutsche Beitrag
Das Eintreten des britischen Verteidigungsministers Shinwell für Divisionsstärkedeutscher Verteidigungskontingente sowie Dr. Adenauers Dementi einer deutschen Wiederaufrüstung veranlassen verschiedene Schweizer Blätter zu ausführlichen Kommentaren.
Die Züricher „T at“ schreibt, Frankreichs Widerstand gegen eine militärische Gleichberechtigung der Bundesrepublik bleibe weiterhin das ernsteste Hindernis beim schnellen Aufbau einer Europaverteidigung.
„Man hört zwar, daß die Franzosen Neigung zeigen, statt deutscher Bataillone die Eingliederung deutscher Brigaden als Maximaleinheiten in die Schuman-Armee zu erwägen. Gleichzeitig aber wird bekannt, daß französische Experten recht erhebliche Forderungen betreffend eines deutschen Beitrages zur Finanzierung der Europa-Verteidigung ausgearbeitet haben sollen.“
Die „Neue Züricher Zeitung“ beschäftigt sich ausführlich mit der finanziellen Seite eines künftigen deutschen Verteidigungsbeitrages und kommt zur Feststellung, daß der gegenwärtige Verteilungsschlüssel der Besatzungskosten in Deutschland nicht mehr lange in Kraft bleiben könne.
„Die gegenwärtigen Quoten sind, verglichen mit der Effektivstärke der in Deutschland stationierten Divisionen, viel zu hoch. Aus diesem Grunde wird man versuchen müssen, zunächst einmal festzustellen, wieviele Divisionen auf deutschem Boden stationiert sind und welche finanziellen Aufwendungen militärischer Natur man umgekehrt von der Bundesrepublik erwarten kann, um dann zu erklären, inwieweit überhaupt noch deutsche Leistungen an die Signatarmächte des Atlantikpaktes gefordert werden können. Es sieht ganz danach aus, als ob die Bereitstellung deutscher Kontingente für die Verteidigung des Westens an sich schon eine derartige Belastung des Bundeshaushaltes darstellen wird, daß ein gewisses Maß von Hilfe von selten der Atlantikpaktmächte und insbesondere der Vereinigten Staaten kaum zu umgehen sein wird. Die deutschen Gegenleistungen auf finanziellem Gebiet würden dann voraussichtlich ähnlich aussehen wie diejenigen Großbritanniens, Frankreichs und anderer europäischer Partner, die einfach ihre Verkehrsmittel, Flugplätze und andere Installationen den Verbündeten zur Verfügung stellen und die entfallenden Kosten auf eigene Rechnung übernehmen. Deutsche Bargeldleistungen an die Alliierten dürften sich erübrigen, wenn nicht die Bundesrepublik unter der finanziellen Last dieser europäischen Verteidigung erliegen soll.“
Der dritte Weltkrieg
Mit dem Aspekt eines künftigen Krieges beschäftigt sich der linksstehende Pariser „Combat“: z *
Der Krieg, den wir befürchten, wird weder ein Stellungskrieg wie der erste Weltkrieg noch ein Bewegungskrieg wie der zweite sein. Er wird ein Bürgerkrieg sein. Einige hunderttausend Mann, durch eine eindrangliche und zähe Propaganda verwirrt, werden glauben, gegen den anderen Teil des eigenen Volkes für die Freiheit zu kämpfen, während sie sich in Wirklichkeit nur für ein fremdes Land schlagen, das ihnen Versklavung bringen wird.
Neue Verteidigungslinie
Saigon, 16. November. (AP.) Die französischen Truppen In Nordwest-Tonkin haben jetzt eine neue Verteidigungslinie bezogen, die in etwa 80 Kilometer Breite an einem Gebirgshang verläuft. Die neue Verteidigungslinie zieht sich etwa 50 Kilo-
meter vom Roten Fluß entfernt von Nordwesten nach Südosten und endet in Thanuyen, 50 Kilometer südlich von Laoktay.
Hölle woist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELD66)
Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.
„Und dann haben Sie Laudanum genommen. Nun, Sie sind nicht die erste. Aber ganz so leicht ist das nicht, Henriette Desportes! So leicht läßt das Leben sich nicht seine Beute entgehen.“
Tränen der Schwäche füllten Henriettes Augen. Das Sprechen fiel ihr schwer; aber nach einer Weile bezwang sie ihr Schluchzen und sprach weiter.
„Es war verkehrt, ich weiß; aber es gibt Zeiten, in denen der morgige Tag und sogar nur eine einzige Stunde mehr zuviel erscheint, um ertragen werden zu können. Ich konnte nicht schlafen; Sie wissen, was das ist — man zählt jeden Schlag der Uhr, und mit jedem Schlag wächst die Sorge und die Ratlosigkeit ins Ungeheure, bis man nichts anderes vor sich sieht.“
„Natürlich kenne ich das.“ Madame schüttelte ihr Haupt so nachdrücklich, daß ihr eine Strähne schwarzen Haares über das Auge fiel. „Aber wer kennt das nicht.“
Wieder schwiegen sie eine Zeitlang, und nur das Rufen der Straßenhändler tönte von der nassen Straße herauf.
„Und ich fühle mich so einsam, verstehen Sie“, fuhr Henriette endlich wieder fort. „Wenn ich nur jemanden gehabt hätte, an den ich mich hätte wenden, an dem ich einen Halt hätte finden können.“
„Jetzt hören Sie mir mal zu!“ Die scharfen alten Augen blitzten sie aus
dem faltenreichen Gesicht streng an. „So jemanden werden Sie niemals finden; also hören Sie lieber gleich auf, Ihre Zeit damit zu vergeuden, nach Schultern Ausschau ,zu halten, an die Sie sich anlehnen könnten.“
„Aber andere Menschen haben doch diesen Trost — warum ich nicht?“
„Weil Sie Schultern haben, an die andere sich lehnen. Sie sind als Stütze geboren und nicht als Ranke. Man kann sich nicht gegen seine eigene Natur empören, wie Sie es gestern abend versuchten. Glauben Sie mir, Mademoiselle, ich weiß, was ich sage; eine Eiche kann sich nicht in ein Erdbeerpflänzchen verwandeln. bloß weil sie Lust dazu verspürt.“
ZWANZIGSTES KAPITEL
Es war ein Tag um die Mitte des August, und in der Rue du Harlay war schon fast eine Stunde seit dem Mittagessen bei Madame Le Maire verstrichen. Henriette, die unter der Stehlampe neben einem Berg von Wäschestoff saß, hielt von Zeit zu Zeit im Nähen und Säumen inne, um die Feuchtigkeit von der Nadel zu wischen, die sie durch die großen Baumwollaken zwingen mußte. Sie hielt sich ihr mit Kölnisch Wasser besprengtes Taschentuch vor die Nase, und der frische Duft ermunterte sie wieder, ein Weilchen mit der Arbeit fortzufahren. Sie saß in Madames kleinem Wohnzimmer, das durch eine Schiebetür vom Salon getrennt war, in dem ein paar Studentinnen noch einen von den langweiligen Sommerabenden hinzubringen suchten.
Im allgemeinen leistete Henriette den jungen Leuten Gesellschaft, spielte die Anstandsdame und half ihnen bei ihren Arbeiten. Aber heute abend war ihr das erspart geblieben. Sie empfand es nahezu als einen Luxus, allein für sich nähen zu dürfen, während sie darauf wartete, daß ihre Besucher angemeldet wurden. Sie hatte sich an manches gewöhnen müssen, was ihr noch im Juni unerträglich erschienen wäre.
„Nun?“ Madame Le Maire blickte zur Tür herein. „Noch keine Spur von Ihren Besuchern? Haben Sie sich auch bestimmt nicht geirrt?“
„Nein, Madame.“ Henriette blickte von der Arbeit in ihren Händen auf. „Louise schrieb ausdrücklich ,am siebzehnten August“.“
„Ich habe Pierre schon gesagt, er soll sie nicht warten lassen, sondern gleich heraufführen. Ich muß noch mit den Mädchen nebenan sprechen; aber ich bin sofort zurück. Es wird weniger peinlich sein, wenn ich bei ihrem Kommen hier schon mit Ihnen sitze.“
Die energische, alte Frau rauschte davon, und gleich darauf hörte Henriette sie ihre Anweisungen im Nebenzimmer erteilen. Sie hatte viel durchgemacht in diesen letzten drei Wochen, seit sie Louise und die anderen nicht mehr gesehen hatte. Ihr Selbstmordversuch war an ihrem Gemüt nicht spurlos vorübergegangen, wenn sie auch körperlich keinen Schaden davongetragen hatte dank der Hellhörigkeit von Jeannette und Madames raschem Eingreifen. Aber alle Widerstandskraft hatte Henriette verlassen, wenigstens im Augenblick. Sie war sogar bereit, falls nötig, sich zu einem Kompromiß zu verstehen. Es würde ihr ja auch kaum etwas anderes übrigbleiben, wenn es Madame Le Maire heute abend nicht gelingen sollte, ihre Forderung nach dem Empfehlungsschreiben der Herzogin durchzusetzen.
Madame hatte ihr Ultimatum gestellt, nicht unfreundlich, aber mit einer Entschiedenheit, an der. wie Henriette wußte, nicht zu rütteln sein würde. Sie mußte persönlich eine feste Zusage für das Empfehlungsschreiben erhalten; sie wollte selbst mit dem Herzog sprechen, da Henriettes Bemühungen zu nichts geführt hatten, Henriette war nichts anderes übriggeblieben, als sich damit einverstanden zu erklären, so sehr ihr auch die Einmischung der alten Frau gegen den Strich ging..
„Strengen Sie sich doch nicht mit diesen feinen Stichen an, die Sie im Kloster gelernt haben“, ließ sich Madame vernehmen, als sie sich neben sie setzte. „Diese Laken sind die Mühe nicht wert, die Sie darauf verwenden. Wie spät ist es? Fast neun? Nun, ich muß sagen, Ihre Freunde hätten Ihnen ruhig die Höflichkeit bezeigen können, etwas früher zu erscheinen.“
Eine Viertelstunde später hörten sie die Erwarteten endlich eintreffen. Bevor Henriette ihre Näharbeit aus der Hand legen konnte, waren die Kinder schon mit eifrigen Rufen nach Mademoiselle Deluzy die Treppen hinaufgelaufen. Berthe und Raynald stürmten als erste mit Blumen in der Hand herein; Louise und Marie folgten, und zuletzt kam- der Herzog mit einem Korb voll. Obst und einer der berühmten Melunschen Melonen. Wieder war Henriette der Mittelpunkt des kleinen Kreises, und sie mußte sich zusammennehmen, um sich an diesem Abend, von dem soviel abging, in der Gewalt zu behalten. Sie gab sich so lange mit der Begrüßung der Kinder ab, ehe sie sich dem Vater zuwandte.
Als Madame Le Maire vorgestellt war, nahmen sie, so gut es ging, in dem engen Wohnzimmer Platz; die Erwachsenen auf den Stühlen, die Kinder dicht zusammengedrängt auf dem Sofa. Der Raum schien plötzlich viel zu winzig, um diesen Ansturm von Lebensfreude und schönen, elegant gekleideten Menschen zu
fassen. Henriette mußte an einen Kessel denken, der jeden Augenblick überkochen kann, und der Kopf schwirrte ihr bei der aufgeregten, sich überstürzenden Fragen der Jugend und bei dem Bemühen, gleichzeitig etwas von dem Gespräch zwischen Madame und dem Herzog zu erhaschen, ohne die beiden anzusehen.
„Oh, diese schönen Rosen und der -Heliotrop!“ Sie barg ihr Gesicht in den duftenden Sträußen. „Und daß du daran gedacht hast, Berthe, wie sehr ich diese rosa Nelken liebe — das sind die ersten, die ich in diesem Sommer zu sehen bekomme. Und richtige Waldfarne!“
„Aber Früchte auch, Mademoiselle! Wir haben Ihnen die ersten Pfirsiche gebracht, und die Weintrauben sind aus dem neuen Treibhaus; Erdbeeren gab es leider nicht mehr, und die Brombeeren sind noch zu grün. Aber diese Melone wird noch ausreifen, wenn Sie sie in die Sonne legen. Es war die größte, die wir in den Treibkästen finden konnten."
Durch dieses lebhafte Geschnatter versuchte Henriette etwas von der Unterhaltung der beiden neben ihr aufzuschnappen. Waren sie schon bei dem heiklen Thema angelangt? Brachte Madame das Gespräch nicht zu taktlos auf den Empfehlungsbrief?
(Fortsetzung folgt)
Aufruf des Landeskommissars
zur Teilnahme an der Landtagswahl am Sonntag
Der Landeskommissar für Hessen, Dr. James R. Newman, richtet zur Landtagswahl an die hessische Bevölkerung nachfolgenden Appell:
„Wählen ist nicht nur bürgerliches Vorrecht, sondern eine Pflicht gegenüber de/ Gemeinde und ein wesentlicher Teil der Staatsbürgerschaftsrechte. Es ist für jeden Bürger in Hessen eine Verpflichtung, seine Stimme abzugeben, da — wie wir alle wissen — in der Ostzone fast jeder zur Wahlurne gezwungen wird. Dieses geschieht dort zwar nicht in Ausübung einer bürgerlichen Pflicht, sondern nur als Sterripel bei einer Scheinwahl für eine einzige Liste von Kandidaten, die von der totalitären Hierarchie vorher sorgfältig ausgewählt wurden. Hier in der Bundesrepublik wird dem Wähler in einer freien und fairen Wahl die Möglichkeit zwischen verschiedenen Kandidaten gegeben.“
Dr. Newman weist ferner darauf hin, daß bei dem in Hessen angewandten System der direkten und Verhältnis-Wahl der Wähler, der der Wahlurne fernbleibt, den kleinen totalitären Gruppen hilft, da deren Mitglieder aus Parteidisziplin geschlossen für ihre Kandidaten stimmen. Auf diese Weise können, wenn die Gesamtzahl der Wähler verhältnismäßig gering ist, die totalitären Minderheitsgruppen unter dem Verhältnissystem Erfolge erzielen. Es ist leichter — so führt Newman abschließend aus — 5 Prozent von 65 Prozent der Wahlerstimmen zu erhalten als 5 Prozent von 85 Prozent.
SPD-Vorsitzende erklären:
Keine Gewerkschaftsgelder für Wahlkampf
Frankfurt, 16. November, (dpa) „In keinem der drei süddeutschen Länder, in denen in den nächsten Wochen Landtagswahlen abgehalten werden, haben die Gewerkschaften der Sozialdemokratischen Partei finanzielle Unterstützung für den Wahlkampf gewährt“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der SPD-Vorsitzenden von Bayern, Hessen und Württemberg-Baden.
BVE-Klage wurde abgewiesen
Staatsgcrichtshof-Entscheidung / Nunmehr gleicher Antrag im Bundestag
Wiesbaden, 16. November. (Eigener Bericht.) Die von dem „Block der Vaterländischen Einigung (Zusammenschluß der WAV und des Blocks der Vertriebenen und Entrechteten) beim Hessischen Staatsgerichtshof erhobene Klage auf Ungültigkeitserklärung des Paragraphen 20 im Hessischen Wahlgesetz ist nach dem Beschluß des Gerichtshofes als unbegründet zu rück gewiesen worden.
Vom BVE wurde die für Kreiswahlvorschläge erforderliche Anzahl von 300 Unterschriften beanstandet. Durch einen öffentlichen und namentlichen Einsatz für %ine Partei setze sich der Wähler der Gefahr persönlicher und wirtschaftlicher Beeinträchtigungen aus. Da der BVE den Zusammenschluß einer alten, politischen Partei mit der Flüchtlingsorganisation darstelle, könne man für ihre Handluhgsberechtigung nicht an der Zulassungsbedingung von einem Prozent der Wahlberechtigten festhalten.
In dem ablehneifden Beschluß des Hessischen Staatsgerichtshofes wird grundsätzlich der BVE von einer Beteiligung am Verfahren ausgeschlossen, da eine „rechtsfähige Personenvereinigung“ nicht in Frage komme. Ueber den Rechtscharakter eines Zusammenschlusses von WAV und „Block der Vertriebenen und Entrechteten“ sei in der Antragsbegründung ■nichts enthalten. Auf die von dem BVE gerügte Einschränkung der Wahlrechtsgleichheit eingehend, erinnert der Staatsgerichtshof an ein früheres Urteil, wonach „die Aufsplitterung des politischen Lebens nur allzu leicht eine Auflöseerscheinung der repräsentativen Demokratie werden kann“. Wenn der Wahlgesetzgeber deshalb dem Bedürfnis nach treuen Parteibildungen nicht schrank?nlos nachgeben wollte, so habe ihn ein durchaus anerkennenswertes Motiv geleitet, das ohne weiteres vor dem Werturteil des Verfassungsrichters bestehen könne.
Nach Ansicht des BVE findet die Voreingenommenheit der alten Parteien gegenüber der WAV durch den Beschluß des Staatsgerichtshofes beredten Ausdruck. Ueber die WAV-Fraktion im Bundestag soll das gleiche Anliegen erneut in Form einer Anfrage vorgetragen werden.
Wahlkampf mit Schallplatten
Stock bedient sich der Technik
Wiesbaden, 16. November, (dpa) Der hessische Ministerpräsident Christian Stock hat sich für den Wahlkampf zu den Landtagswahlen die Technik zu Hilfe genommen, da er sich nach langer schwerer Krankheit nicht in allen Gemeinden seines Wahlkreises Darmstadt-Land persönlich vorstellen kann. Lautsprecherwagen fahren bis in die entlegensten Ortschaften des Wahlkreises und übertragen zwei kurze Reden, in denen der sozialdemokratische Regierungschef die Bevölkerung auffordert, die SPD zu wählen.
„Mittler zwischen uns und der Welt!“
Hochschule für internationale pädagogische Forschung gegründet
Wiesbaden, 16. November. (Eigener Bericht.) Im Gästehaus der Stadt Frankfurt in Schönberg i. Ts. erfolgte am Donnerstag die feierliche Gründung der Hochschule für Erziehungswissenschaften und internationale pädagogische Forschung durch Kultusminister Dr. Stein. Der Gründung, der neben Vertretern der hessischen Regierung und des Landtags Landeskommissai' Dr. James Newman und ein Vertreter der Oberkommission beiwohnten, war die Bildung einer Gesellschaft für pädagogische Tatsachenforschung vorausgegangen.
Die Hochschule für Erziehungswissenschaften und internationale pädagogische Forschung, die bereits im kommenden Frühjahr in Frankfurt ihre Lehrtätigkeit aufnehmen soll, wird die erste Hochschule dieser Art an der Bundesrepublik sein. Ihre Gründung wurde durch eine Spende der amerikanischen Oberkommission in Höhe von 800 000 DM ermöglicht. Weitere 400 000 DM stehen aus Dollarfondsmitteln zur Verfügung, während das Land Hessen aus Haushaltsmitteln in den Rechnungsjahren 1950 und 1951 je 200 000 D-Mark bereitstellt.
Wie der Direktor der neugegründeten Hochschule, Professor Erich Hylla, ausführte, sieht es die Hochschule als ihre Hauptaufgabe an, eine eigene pädagogische Forschung aufzubauen, die sich auf die Erfahrungen und Forschungsergebnisse ähnlicher Institute des Auslandes stützen wird. Die Studierenden werden in einem einjährigen Ausbildungsgang das Schul- und Bildungswesen des Auslandes studieren und im Austausch mit ausländischen Studenten hervorragende Forschungsstätten des Auslandes besuchen. „Die Gründung der ständigen Erziehungshochschule in Frankfurt ist der Ausdruck unserer gemeinsamen Bemühungen für eine bessere Erziehung unserer Jugend“* erklärte Kultusminister Dr. Stein, auf dessen Initiative die Gründung zurückgeht. „Möge die Hochschule ein Mittler zwischen uns und der Welt sein.“
Die Gründung der neuen Hochschule hat schon jetzt ein lebhaftes Echo des In- und Auslandes gefunden. Die Rockefeller-Stiftung hat bereits einige der künftigen Studierenden zu einem längeren Studienaufenthalt nach den USA eingeladen.
Gratifikationen rechtzeitig
Eine Bitte der Regierung
Wiesbaden, 16. November. (H. R.) Das hessische Wirtschaftsministerium bittet die Firmen, die eine Weihnachtsgratifikation zahlen wollen, diese Gratifikation möglichst frühzeitig auszuzahlen, damit durch eine Verteilung der Einkäufe auf eine größere Zeitspanne ein besserer Geschäftsablauf als in den vergangenen Jahren ermöglicht wird.
Kilometerstein 512
Darmstadt, 16. November. (H. R.) Auf der Autobahnstrecke Frankfurt —Darmstadt wurde der berüchtigte Autobahnkilometer 512, der seit dem 7. September zur Hälfte gesperrt war, wieder dem Verkehr übergeben. Auf diesem Streckenabschnitt hatten sich innerhalb weniger Monate über zwanzig Unfälle ereignet.
Wirtschaftsteil
Bleigewichte
F. C. Die deutsche Ausfuhr ist im Oktober um 32 Prozent auf 921 Millionen DM gestiegen. Beim Blick auf die angespannte Zahlungsbilanz ist allerdings ein allzu großer Enthusiasmus nicht gerechtfertigt. Mit einer Importsteigerung auf 1,3 Milliarden DM klafft die Lücke in der deutschen Zahlungsbilanz noch weiter auseinander. Sie hat sich von 307 auf 380 Millionen DM vergrößert.
Die Frage, wie solche Lücken ausgefüllt werden sollen, hat in dem Gutachten der internationalen Sachverständigen Per Jacobsen und Alec Cairncross einen besonderen Niederschlag gefunden. Der mit diesem Gutachten in Aussicht gestellte 120- Millionen-Dollar-Kredit wird die Spannungen in der deutschen Handelsbilanz fühlbar mildern. Er kann sich aber nicht allein völlig beseitigen.
Auch aus anderen Gründen ist dieses Kreditangebot nicht nur ein Gegenstand reinster Freude. Die Bedingungen, die die Kreditgeber an ihre Hilfe knüpfen, sind zweifellos zum großen Teil diskutabel. Die geforderte Absaugung überflüssiger Kaufkraft, die Einschränkung der Kreditgewährung, die verstärkte Kontrolle der Bank deutscher Länder über die Privatbanken sowie die empfohlene Kontrolle über die Investierungen zeigen, daß sich die Sachverständigen eingehend mit den Gedankengängen beschäftigt haben, die vor allem im Haus der Bank deutscher Länder in Frankfurt zur Diskussion stehen und bereits zum Teil verwirklicht worden sind. Die von den Sachverständigen aufgestellten Gesichtspunkte sollen zwar nur Empfehlungen sein. Die deutsche Bundesregierung wird aus ihnen, so sagt man in Kreisen der europäischen Zahlungsunion, eine Auswahl treffen können. Man wird aber auch im Ausland nicht übersehen, daß diese Empfehlungen zum Teil tiefe Eingriffe in die deutsche Wirtschaft, insbesondere in die Steuerpolitik, bedeuten.
Der Wunsch u. a. auf Erhöhung der Einkommen- und Umsatzsteuer fällt schwer ans Gewicht. Inwieweit wird die Bundesrepublik solchen Wünschen folgen müssen, um die 120-Mill.-Dollar-Kredite zu erhalten? Andere Mittel als der Kredit stehen ihr praktisch kaum zur Verfügung. Sie könnte die Mitarbeit in der Europäischen Zahlungsunion und damit das Prinzip der Liberalisierung aufkündigen. Sie könnte auch den Außenhandelskurs der Mark abwerten, dadurch die Einfuhr stoppen und die Ausfuhr anregen. Praktisch sind diese beiden Wege jedoch kaum gangbar.
Um so aufmerksamer wird die Bundesregierung die Anregungen des Direktoriums der Europäischen Zahlungsunion sichten müssen. Um so größere Anstrengungen werden auch nötig sein, den Export zu fördern. Das ist schwierig in einer Zeit, da den Betrieben durch Aufstockung u. a. der Kohlen- und Eisenpreise sowie der Energie- und Verkehrstarife zusätzliche Belastungen drohen. Solche Preisauftriebstendenzen hängen wie Bleigewichte an der Exportförderung. Ihr Druck wird sich noch erhöhen, wenn es nicht gelingt, Kohlen- und Schrottexporte vernünftig zu begrenzen.
Preissteigerungen vermeiden
Tagung des südhessischen Lebensmitteleinzelhandels in Darmstadt
DT Der südhessische, in der Vereinigung des Einzelhandels von Darmstadt und Umgebung e. V., Darmstadt, zusammengefaßte Lebensmitteleinzelhandel hielt seine Jahreshauptversammlung ab.
Assessor Borth nahm zu den vielseitigen Problemen des Lebensmititeleinzelhandels eingehend Stellung. Wie für den gesamten Einzelhandel sei auch für den Lebensmitteleinzelhandel wichtig d;e Stärkung der Kaufkraft der breiten Käuferschaft. Dieses Ziel sei nur zu erreichen durch Vermeidung jeglicher Preissteigerungen vor allem auch im Interesse der Aufrechterhaltung des sozialen Friedens. Neueinführung von Verbrauchssteuern oder eine Erhöhung der Umsatzsteuer könne nur eine weitere Vorwegnahme der Kaufkraft sein. Der Lebensmitteleinzelhandel als Treuhänder vieler leicht verderblicher Waren verlangt im Hinblick auf die Volksgesundheit ferner das Erfordernis der Sachkunde für den Zugang zum Beruf. Sowohl Assessor Borth wie auch Syndikus Dr. Hummel in seinem Geschäftsbericht behandelten vor allem auch wettbewerbliche Probleme — Verhältnis zu den Milchkaufleuten, Konsumvereinen, Kiosken, ferner das Automatengesetz. Rabattfragen, Berufsförderung usw. Die Rentabilitätslage im Lebensmitteleinzelhandel sei keineswegs zum besten, der Verkauf einer Reihe von Artikeln decke noch nicht einmal die Unkosten. Daher die Forderung des Lebensmitteleinzelhandels auf Senkung der Umsatzsteuer für die sogenannten sozialkalkulierten Artikel auf l*/s Prozent.
An die Referate schloß sich eine lebhafte Aussprache an, in der allgemein eine starke Einflußnahme des Handels in den Gemeindevertretungen und Parlamenten und insbesondere auch eine erhöhte Berücksichtigung des ansässigen Lebensmitteleinzelhandels bei der Vergebung von öffentlichen Lieferungen gefordert wurde.
In der anschließenden Vorstandswahl wurde Herr Arthur Schulz, Darmstadt, zum 1. Vorsitzenden des Lebensmitteleinzelhandels gewählt, während Herr Theodor Stemmer, Darmstadt, der bisher umsichtig dieses Amt innehatte, auf seinen ausdrücklichen Wunsch aus Nachwuchsgründen eine jüngere Kraft an seinem Posten wissen wollte, nunmehr zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Der Beirat setzt sich sowohl aus Vertretern der einzelnen Kreise wie der Fachgruppen zusammen.
Stromversorgung leicht entspannt
Die Stromversorgungslage des Bundesgebietes hat sich durch starke Regenfälle etwas entspannt. Günstige Wasserverhältnisse führen zu einer erhöhten Elektrizitätserzeugung in den Süddeutschen Wasserkraftwerken. Einige Kraftwerke konnten ihren Kohlenbestand etwas anreichern. Die Lage ist aber nach wie vor sehr labil.
83 Mill. DM für Verkehrswirtschaft
vwd Die Verkehrswirtschaft erhält aus der zweiten ERP-Tranche 83,6 Millionen DM. Im Bundesgebiet entfallen davon (alles in Millionen DM): auf die privaten Bahnen 6,9, auf die Unternehmen des Personenstraßenverkehrs 13,8, Binnenschifffahrt 9,5, Binnenhäfen 10,8, Seehäfen 5,2, Speditions- und Lagerunternehmen besonders des Seeverkehrs 1,14 und auf die Küstenschiffahrt 36.26. Die 9,5 Millionen DM für die Binnenschiffahrt teilen sich auf die westdeutschen Stromgebiete: Rhein 4,1, westdeutsches Kanalsystem 1,7, Weser 0,97, Donau 0,3, Elbe und Elbehäfen 2,2.
Börsen und Märkte
Bz. Weiter zu beobachtende Geldverkäufe und kleines Geschäft bestimmten die uneinheitliche Kursgestaltung an den meisten Aktienmärkten in Frankfurt. Maschinenwerte zogen meist bis 1 Prozent an, Gritzner sogar auf 102 (+ 2), Elektropapiere konnten sich meist behaupten, ebenso Bau-Aktien. Bergbauwerte verbesserten ihren Kursstand etwa 1 Prozent, allerdings waren hier auch vereinzelt leichte Abbröckelungen festzustellen. Festverzinsliche hatten nur kleines Geschäft aufzuweiisen.
Freie Devisenkurse
Bz. Am 16. November 1950 wurden an der Frankfurter Börse folgende freie Devisenkurse genannt: Für den USA-Dollar 5,15 bis 5,25 DM, für das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den holländischen Gulden 1,15 bis 1,25 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 D-Mark.
Rohstoffe aus eigener Kraft
Viele Millionen blieben im Land und befruchteten wieder die Wirtschaft
CH. Die noch bestehenden fühlbarsten Produktionsbeschränkungen beziehen sich vor allem auf Stahl, Benzin und Gummi. Die derzeitige Stahlproduktion hat, auf ein Jahr umgerechnet, heute schon rund 13 Millionen Tonnen erreicht. Trotzdem konnte in den letzten Monaten ein großer Teil der Auslandsaufträge nicht ausgeführt werden. Sachverständige sind der Auffassung, daß eine Stahlkapazität von etwa 17 Millionen Tonnen jährlich in Westdeutschland vorhanden sein muß, damit die Auslandsaufträge reibungslos abgewickelt werden können.
Stahl
In erster Linie kommt für den Ausbau der westdeutschen Stahlkapazität die August-Thyssen-Hütte in Betracht. Sie hat über vier moderne Stahlwerke verfügt, von denen drei völlig und eins teilweise demontiert worden sind. Mit einem Kostenaufwand von etwa 80—100 Millionen DM wäre die Stahlkapazität der Thyssen-Hütte wieder auf 1 bis 1,2 Millionen Tonnen jährlich zu bringen. Als weiteres großes Stahlprojekt ist der Bochumer Verein anzusehen. Er könnte auf der Grundlage der von der Demontage verschonten Restanlagen in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder auf eine Jahreskapazität von etwa 500 000 Tonnen Stahl gebracht werden. Hinzu kommen die Reichswerke. Sachverständige rechnen damit, daß hier bei einer Leistung von 600 000 Tonnen im Jahre schätzungsweise 180 Millionen DM bereitzustellen sind. Verschiedene kleinere. Stahlwerke des Ruhrgebiets, die ebenfalls von der Demontage heimgesucht worden sind, könnten nach dem Urteil von Sachverständigen zusammen in verhältnismäßig kurzer Frist wieder 300 000 Tonnen Stahl produzieren.
Benzin
Auch im Bereich der synthetischen Treibstoffherstellung sind Produktionslockerungen von den Alliierten in Aussicht gestellt worden. Man rechnet damit, daß auf Grund der bisher verbotenen Hochdruck-Synthese nach dem Bergius-Verfahren und der - Tropsch-Synthese etwa 15 Prozent de_ derzeitigen deutschen Treibstoffbedarfs gedeckt werden können. Dies würde bedeuten, daß etwa 10 Millionen Dollar jährlich eingespart werden. Für die Hochdruck-Synthese kommen vor allem die Hydrierwerke Scholvener Chemie-AG. und die Ruhröl-AG. in Frage, deren Kapazität jährlich auf je 200 000 bis 300 000 Tonnen zu veranschlagen ist. Zwei weitere Hydrierwerke, nämlich die Gelsenberg-Benzin-AG. in Gelsenkirchen und die Union Rheinische Braunkohlen-Kraftstoff-AG. in Wesseling, haben bereits die Produktionserlaubnis für die Verarbeitung von Erdöl- und Rohöl-Rückständen.
Die Fischer-Tropsch-Anlagen, von denen es sechs in Westdeutschland gibt, sind für die Benzinherstellung weniger gut geeignet, weil Fischer- Tropsch-Benzin qualitätsmäßig nicht allen Ansprüchen gerecht wird. Infolgedessen würden sich die Fischer-Tropsch-Anlagen hauptsächlich auf die Herstellung von Vorprodukten für die chemische Industrie verlegen können. Hierdurch bestände die Möglichkeit, hohe Devisenbeträge für die Einfuhr chemischer Rohprodukte zu ersparen.
Buna
Devisensparend würde sich ebenfalls die Wiederaufnahme der Produktion bei den Chemischen Werken Hüls auswirken, die als wichtigstes Werk in Westdeutschland für die Buna-Produktion eingerichtet sind. Die Alliierten haben in Aussicht gestellt, daß die Produktion in Hüls demnächst wieder aufgenommen werden kann. Es würde sich um’ einige hunderttausend Tonnen im Jahre handeln. Trotzdem könnte damit der deutsche Gummibedarf bei weitem nicht gedeckt werden.
Bz. In der A.R.-Sitzung der Siemens-Rei¬ niger-Werke A.G., Erlangen, wurde beschlossen, für das mit 28. Februar 1950 abschließende Geschäftsjahr eine Dividende von 5 Prozent auf das 1:1 umgestellte Grundkapital von 18,0 Mill. DM zu verteilen. bt. Die Deutsche Tafelglas A.G. hat das Grundkapital im Verhältnis 1:1 auf 12,0 Mill. D-Mark umgestellt. Die Ertragsrechnung für die Zeit vom 21. 6. 48 bis 31. 12. 49 schließt mit einem Ueberschuß von 1,170 Mill. DM ab, hieraus soll eine Dividende von 7,5 Prozent ausgeschüttet werden.
Frankfurter Essektenbõrse Kursblatt des D. T.
bz ■» bezahlt, B •» Briefkurse, T — Taxe, alle übrigen sind Geldkurse (Sämtliche Kurse ohne Gewähr)
| 15. 11. | 16. 11 | Pfandbr. u. Kom.-Obl. | 4% Dt. Rtb. 34 A.. 7,25 |
| 7.25 | 4% Pr. Lpt.Anst.Pt. 7,5bz | ||
| 7.5bz | 4% do. Komm. Obi. 7,25 | ||
| 7,25 | 4% Hess Ldbk.PL. 7,75 | ||
| 7,75bz | 4% Kass Ldkr.PL. 7,75bz | ||
| 7.75bz | 4% Nass. Ldbk.P... 7,75 | ||
| 7.75 | 4% do. Korn.Obi. .. 7,75 | ||
| 7,75 | 4% Rhein Giro-Pf.. 8,25 | ||
| 8,25 | 4% Rheinprv PL..• 8,25 | ||
| 8,25 | Dekosama I 17,12bz | ||
| 17.12bz | 4% Bayr. Hyp. PL . 7,5 | ||
| 7,5 | 4% Ffm.Hyp.Bk.PL 7,75bz | ||
| 7,75bz | 4% Ffm Hyp.Obl. .. 7,25bZ | ||
| 7,25bz | 4% Pfalz.Hyp.PL .. 7.75 | ||
| 7,75bz | 4% Rh.Hyp.Bk.PL . 7.87 | ||
| 7,87bz | 4% Westd. Bod.Cr 7,5 | ||
| 7,5bz | Industrie-Anleihen | ||
| 4% AEG. 42 6,75 | |||
| 6,75 | 2% Aschaffbg. Zell. 6 | ||
| 6 | 4% Augsb.-Nürnb.. 6.75 | ||
| 6.75 | 4% BMW 42 6.75 | ||
| 7 | 4% Daimler 42 ... 8.5 | ||
| 8.5 | 4% Degussa 43 ... 8 | ||
| 8 | 4%%ESS. Stk. 41. 6.75 | ||
| 6,75bz |
| 15. 11. | 16. 11. | ||
| 4'/j% Gesenb.Benz. | 8,12 | 8.12 | |
| 4% Gelsenk Bgwk. | 7,12 | 7,12 | |
| 43 | o Harpener 42 .. | 7,25 | 7,25 |
| 4/2%Hartm. & Br. | 7,75 | 7.75 | |
| 5% Klöckner 39 .. | 7,378 | 7,37 B | |
| 5% Metallges. 39 . | 8,25 | 8.25 | |
| 5° | i Rh. Braunk. 40 | 8,25 | 8.25 |
| 43 | i Schluchsee 43 . | 7 | 7 |
| 4/ | 9% Union Rhbr.. | 8 | 8 |
| 4% Ver. Dt. Met. 42 | 7,75 | 7,75bz | |
| Industrie-Aktien | |||
| Accutnulatoren.... | 92bz | 90.5 | |
| Ada-Ada-Schub.... | 548 | 54 B | |
| Adler-Werke | 40,5 | 40 | |
| Adt, Gebr | 44 | 44 | |
| Allg. Bauges. Lenz. 30 | 30 | ||
| AEG | 26,25bZ | 26.75bz | |
| Andreae-Noris .... | 180 | 180 | |
| Aschaffbg. Akt.-Br. 50 | 50 | ||
| Aschaffb. Buntpap. | —. | — | |
| Aschaffbg. Zellst... | 74.5 | 74.5 | |
| Augsb.-Nürnbg. ... | 86 | 87 | |
| Bad. Maschinen ... | 100 | 100 | |
| Baumw. Erlangen . | 130 | 130 | |
| Bayr. Motorenwk,. | 32,5bz | 33bz |
| 15. 11. | 16. 11 | |
| Bemberg, J. P 80 | 80 | |
| Berger, Tiefbau ... 328 | 31 B | |
| Bin. Kraft u. Liebt. 25bz | 25bz | |
| Brauh. Nürnberg .. 51 | 51 | |
| Brown Boveri 110 | 110 | |
| Buderus Eisenw. ..76 | 76 | |
| Burbach Kali 65,25 | 65 | |
| Chem. Albert 65 | 66 | |
| Conti Gummi 110 | HOB | |
| Daimler Mot. Wk..s6bz | 55bz | |
| Demag, Duisburg .82,5bz | 82.5 | |
| Dessauer Gas 20 | 20.25 | |
| Deutsche Erdöl ... 548 | 53,75 | |
| Deutsche Steinzeug 139.58 | 139,5 B | |
| Degussa 75.5bz | Dt. ’ inoleum-Wk. .— | 75bz |
| 118,5 b: | ||
| Dt. Tafelglas 120 | 125 | |
| Didierwk. Wfesb. .84bz | 85 | |
| Dierig. Chr 88 | 87,5bz | |
| Eichbg.Werger-Br. 49 | 49 | |
| Eisenb. Verkebrsm. 67 B | 67 B | |
| El. Licht u Kraft.— | 28 bz | |
| Enzinger Union ... 65 | 65 | |
| Eßlinger Maschinen lOObz | 100 | |
| Ettlinger Spinnerei 160 | 160 |
| 15. 11. | 16. 11 | |
| Faber & Schleicher— | — | |
| Fahr, Gebr — | — | |
| Feinmech. fetter..— | 84 | |
| Feldmühle 78.5 | 78,5bz | |
| Felten & Guill. ...67.5 | 67.5 | |
| Ffm. Masch. P. &W 88 | 88 | |
| Goldschmidt, Th. .. 598 | 67.5bz | |
| Gritzner-Kayser... 100 | 102 | |
| Grün & Bilfinger ..49 | 49 | |
| Hafenmühle Ffm. .—G | —G | |
| Hanau Hofbr.-Hausss | 55 | |
| Hanfwk. Füssen ..131 | 131 | |
| Harpener Bergbau.7obz | 70 B | |
| Harpener Bonds .-45bz | 45,5 | |
| Hartmann & Braun — | — | |
| Heidelberg. Zementlo2bz | 102bz | |
| Henninger-Bräu ...83 | 83 | |
| Hess.-Nassau Gas .85 | 85 | |
| Hoesch Eisen 588 | 59bz | |
| Holzmann. Ph 28 | 28bz | |
| Hotel AG. 45 | Junghans, Gebr. .. 638 | 60bz |
| Kabelwerke Rheydt 59 | 59 | |
| Kall Chemi 94 | 94 | |
| Karstadt, Rud. ... 78 | 78 |
| 15. 11. | 16. 11 |
| Kaufh. Hansa, Ffm. 80 | 80 |
| Kl., Schzl. & Beckerso | 80 |
| Klöcknerwerke.... 66,25 | 66bz |
| Knorr, Heilbronn .69 | 69 |
| Konserven Braun .— | |
| Kupferberg Sekt ..46,5 | 46.5 |
| Lahmeyer & Co. .. 85 | 85 |
| Lanz, Heb 55 | 54bz |
| Lindes Eismasch. .95.5bz | 95 B |
| Mainkraftwerke... 87 B | 87 B |
| Mainzer Akt.-Br. .. 53 | 53 B |
| Mannesm.Röhr.StAss | 55.25 |
| Mannesm.Röhr. VA7B | 79bz |
| Masch.Hartm Offb. 115bz | 115bz |
| Metallgesellschaft 63bz | 63bz |
| Moenus Maschinen46bz | 46 |
| Neckar-Wk. Eßling.lo7 | 107 |
| Nordd. Lederwerke2s,2sbz | 25 |
| NSU 131bz | 131 |
| Odenw Hartstein.. 80 | 80 |
| Pfalz. Mßhlenwk..—G | — G |
| Rhein Braunkohle. 93 | 93 |
| Rhein Elektrizität. 93 | 93 |
| Rhein. Stahlwk. .. 51bz | 52 |
| Rh.-Westf. Elektr..7obz | 69,25 |
| Roeder. Gebt 100 | 100 |
| 15. 11. | 16. 11 | |
| SalamanderSchuh..— | Salzdetfurth Kali . 62bz | 61.5bz |
| Salzwk. Heilbronn. 106,5 | 106,5 | |
| Sarotti AG 93 | 93 | |
| Schöfferb. Brauerei— | 52bz | |
| Schramm Lackfabr. iosbz | 103 | |
| Schriftg Stempel . 103 | 104bz | |
| Seilindustrie WolfT9l | 91 | |
| Siem. & Halske StA43bz | 42,75 | |
| Siem. & Halske VA4i,5 | 41,75bZ | |
| Stollwerck,Gebr...Ba | 84 | |
| Südd. Zucker AG...102 | 102 | |
| Veith Gummlwerkei2o | 120 | |
| Ver.Dt.Met.-Werke64 | 64bz | |
| Ver. Dt. ÜlfabrikenB3 | 83 | |
| Ver. Stahlwerke ..50.5 | 50,75 | |
| Voigt & Haeffner..i2s | 125 | |
| Voltobro Seil .....35 | 35 | |
| Wayß 5 Freytag .116 | 116 | |
| Westdt. Kaufhof ..798 | 78 B | |
| Wintershall 46.5bz | 46,5 | |
| Zellstoß Waldbof. 52bz | 51.5bZ | |
| Banken | ||
| Bayr.Hyp. Wchs.Bk. 36,5 | 36.5 | |
| Berl.Handels-Ges.. 17.5 | 17.5bz |
| 15. 11. | 16. 11 |
| Commerzbank ....26,75bz | 26bz |
| Deutsche Bank ....29bz | 28.5bz |
| Dt.Eff.-u.WchS.-8k.25 | 25 |
| Dresdner Bank ...27 | 27.5bz |
| Frankfurter Bank .26 | 26 |
| Ffm. Hypoth.-Bk. . 25bz | 25 |
| Pfälz. Hypoth.-Bk.. 22.75 | 22,75 |
| Rhein.Hypoth.-Bk.. 25bz | 25 |
| Verkehr | |
| AG. für Verkehr ..30,75 | 30.75bz |
| Hapag 268 | 26 B |
| Norddt. Lloyd■;.... 20bz | 20 |
| Südd. Eisenb.-Ges.. 60 | 61 |
| Versicherungen | |
| Allianz Leben ....43 | 43 |
| All. u. Stuttg. Ver.. 74bz | 73 |
| ünnotierte Werte | |
| Beck & Henkel ....38 | 38 |
| Chemlefas. Inh. ... 60bz | 59bz |
| Chemiefas. Na. ...56.5 | 56,5 |
| Chem. Brockhues .70 | 70 |
| 15. 11. | 16. 11 | ||
| Dt. Waffen | Dingler Zweibr... | .94 | 95 |
| Diskusw | . 123 | 123 | |
| DyckerhoffZement. 120 | 120 | ||
| Eisenh. Köln .... | • 42,5bz | 43bz | |
| Fordwerke Köln . | .88 | 88 | |
| Gutehoffnungsh... | . 62,25bz | : 63.25bz | |
| Hutschenreuther . | .70 | 70 | |
| Kahla Porzell. ... | . 34bz | 34 | |
| Katnmg Kaisers!.. | . 102 | 102 | |
| Rh. Strohzellstof! | . 130 | — 8 T/50 | |
| Rosenthal-Porzell. | 90 | 90 | |
| Schwab.Zellstoff.. | ■ 133 | 133 | |
| Süddt Zellwolle.. | • 116 | 116 | |
| Thür. Zellw Inh.. | .13,75 | 13 | |
| Thür Zellw NA ... | .11,75 | llbz | |
| Torpedo-Werke ... | . 163 | 163 | |
| Württemb. Metall. 59bz | 59bz | ||
| Zeiß Ikon | 388 | 38 B | |
| Zellst.Waldhof VA. 47 | 47 |
Feuilleton
Laienspieler zeigen echtes Komödiantentum
GROSSER ERFOLG DER HESSISCHEN SPIELGEMEINSCHAFT MIT RÜTHLEINS „GLASSCHRANK“
Im kommenden Monat feiert die „Hessische Spielgemeinschaft“ ihr 25jähriges Bestehen. Sie begann 1925 mit Nibergalls „Datterich“ und wird ihn im Jubiläumsmonat wieder auf die Bühne bringen. Während aber der „Datterich“ für Darmstadt bereits zum festen Bühnenrepertoire gehört und in bestimmten Zeiträumen wiederkehrt, dadurch in Bühnenbild, Regiearbeit und Darstellern bereits eine feststehende Norm erhalten hat (was neben allen Vorteilen auch nicht zu übersehende Nachteile mit sich bringt), ist Rüthleins „Glasschrank“ noch neu und läßt alle Möglichkeiten offen. Was unter der Spielleitung von Eugen Vogt entstand, ist ein Lustspiel im besten Sinne des Wortes.
Dieses Ungetüm von einem Glasschrank, das selbst unter Brüdern keine 30 Mark wert ist, steht im Mittelpunkt des Geschehens. Er wandert zwischen der Familie Nudelmann und der Familie Speckberger hin und her. Zuerst ist es nur der Aufsatz, der den Besitzer wechselt, dann folgt das „Unnerdaal“, aber inzwischen hat der Aufsatz schon wieder zurückgefunden. Es ist wie im Lied: „Sie konnten zusammen nicht kommen.“ Jeder glaubt, es handele sich bei diesem Schrank um eine wertvolle „Andikwidät“ und ist bemüht, beide Teile des Schrankes in die Hand zu bekommen, um ein Geschäft damit zu machen. Triumph und Enttäuschung wechseln allerseits in schneller Folge, und es gehört ein Rechenschieber dazu, festzustellen, wie oft der Schrank gewandert ist, aber schließlich bleibt doch die reine Schadenfreude aller über den einen, der als Ueberschlauer die Sache mit dem „wertvollen Möbel“ eingefädelt hatte und dann selbst auf sie hereinfiel.
Elli Büttner gab dem Bühnenbild die Atmosphäre gut bürgerlicher, wilhelminischer Zeit, liebevoll ausgestaltet in den Details, wunderbar angepaßt an die Mentalität der agierenden Personen.
Mit einer in allem spürbaren Begeisterung und einem ungeheuren Eifer setzten sich die Laienspieler dei' Spielgemeinschaft ein. Eine Lebendigkeit und Beweglichkeit, eine aus dem Ursprünglichen kommende Vitalität, die fern aller übertriebenen Theatralik liegt, ein echter, sprudelnde!- Dialog sind das große Positivum der Aufführung. In dieser Urwüchsigkeit liegt ein echtes Komödiantentum, das auf vielen Bühnen Deutschlands der Stagnation eines würdevollen Pathos, eines bedächtigen „sich ja nichts vergeben“ gewichen ist; das aus dem eigentlichen Wesenskern menschlichen Seins eruptiv hervorbrechende Gestaltwerden ist heute meist übertüncht vom Intellekt. Es ist das große Verdienst Eugen Vogts, daß er die echte Ursprünglichkeit, das unbewußte Sich-Geben der Schauspieler nicht umbog, sondern es nur — der Art jedes einzelnen entsprechend — für das Spiel richtig einsetzte, hier eine Pointe gab, dort ein wenig dämpfte oder unterstrich.
Da ist Adolf Volz als Herr Oktroiaufseher Nudelmann, je nach Stimmung aufbrausend in Freude und Wut oder tief geknickt, unbeherrscht und beherrscht (von seiner Frau), ein Meisterstück des „Familienvorstandes unter weiblicher Führung“. Seine Frau ist von Irene Harros prächtig angelegt: etwas knurrig, widerborstig, aber mit einem guten Herzen. Kanzleidiener Speckberger steht unter dem Pantoffel, er möchte der Herr sein und selbst bestimmen, aber... Eine vorzügliche Leistung von Wilhelm Rittweger. Lili Müller-Neudecker ist die listige, ein bißchen skrupellose Frau Speckberger, deren spitze Zunge viel Unheil anrichtet. Heute wohnt so ein Weibertyp sehr häufig in einem großen Mietshaus und hat Krach mit allen Familien. Die Töchter beider Familien, Marie (Fränze Willenbücher-Börsig), resolut aber mit Herz, und Lisbeth (Ingeborg Schön), etwas gretchenhaft, zierlich nett, sind in ihrem Wesen dem ihrer Liebhaber umgekehrt proportional (nach dem Motto: Entgegengesetzte Pole ziehen sich an). Anton Klappächer (Paul Da m b man n) gehört zur Marie und ist schüchtern, leicht beeinflußbar; Theo Spieß (Willi Kern) dagegen gehört zur Lisbeth und ist energisch und bedeutend lebhafter als der Anton. Alle vier sind in ihre Rollen hineingewachsen. „Typ edelster Sorte“ stellt Georg Degenhardt alias Agent Hecht dar. Eine kleine, fein durchgearbeitete Rolle ist Fritz Gutkäses Fabian. Viel Freude brachten mit ihren verschiedenen Auftritten die beiden Schlosserlehrlinge Günther Gutkäse und Charly Staudinger, zwei echte Heiner, der „Dienstmann" Robert Strombergers und der „Taglöhner“ Wilhelm Nikoleys.
Heinrich Rüthlein schrieb dieses Lustspiel als Darmstädter für die Darmstädter, und die Hessische Spielgemeinschaft brachte in der Gestaltung des Stückes das zum Ausdruck, was ein Wesenszug jedes mit Woogswasser Getauften ist: Das weiche, große Herz, das sich hinter einer rauhen Schale verbergen möchte. Der Beifall des zahlreich erschienenen Publikums galt in gleichem Maße Darstellern, Bühnenbildnerin, Regie und Technik wie auch dem unvergessenen Dichter. -hn-
„Gäwwe Se mer den Schrank Widder, mei Fraa leid’s net, daß ich en verkauft hob.“ Eine Szene aus dem Lustspiel in Darmstädter Mundart „Der Glasschrank“, von Heinrich Rüthlein, das die Hessische Spielgemeinschaft in neuer Inszenierung herausbrachte. Von links nach rechts: Adolf Volz als Oktroiaufseher Nudelmann, Lili Müller-Neudecker als Frau Speckberger und Wilhelm Rittweger als Kanzleidiener Speckberger Foto: Hilde Roth
Musikabend im Nachbarschaftsheim
Den monatlichen Hausmusikabend im Nachbarschaftsheim gestalteten diesmal am Sonntag Helene Bauer (Mezzosopran), Cäcilie Walter (Klavier) und Adolf Schumann (Violine).
Ein großer Kreis der Nachbarschaft hatte sich zusammengefunden, um die Werke von Händel, Beethoven, Schubert, die Arie und Lieder von Bach-Cenelli, Brahms und Reinecke zu hören, die hier nicht von Berufskünstlem dargebracht wurden, sondern von Menschen, die sich und anderen zur Freude musizieren und von dem Kraftquell Musik, den sie selbst gefunden haben, anderen mitteilen möchten.
DT Film-forum
Er schuf nicht viele Filme
Daß nicht die Anzahl seiner Filme für die Bedeutung eines Schauspielers und auch für seine Publikumsgeltung von Bedeutung sein muß, daß vielmehr auch das künstlerische Gewicht der Einzelleistung den Ausschlag geben kann: Das beweist Ewald Balser, den wir nic'-t in einer schier endlosen Reihe von Filmen sahen, und dessen Namen dennoch einen hohen Klang hat — und eigentlich verdankt er diesen Namen von hohem Klang einem einzigen Film: Seinem Rembrandt! Wer an Rembrandt denkt, denkt an Balser, und wer an Balser denkt, denkt an Rembrandt. So unauslöschlich hat sich die große Einfühlungsfähigkeit dieses Mannes, der ganz in seiner Rembrandt-Rolle aufging, seinen Zuschauern eingeprägt. Höheres Lob kann man wohl kaum einem Darsteller spenden! Balser gehört zu den wenigen Darstellern, die mit den wirklichen Tiefenproblemen der von ihnen verkörperten Charaktere ringen, die nicht ruhen, bis sie erfühlt haben, was in den von ihnen darzustellenden Menschen vorgegangen sein muß, die nicht ruhen, bis sie dies hellsichtig erahnte Seelenleben sichtbar machen können.
Es versteht sich, daß solch eine Tiefenarbeit unmöglich mit „vielen“ Rollen zusammenfallen kann, und so ist die relativ geringe Zahl von Balserschen Filmen kein Zufall, sondern innerste Notwendigkeit. Die Filme, in denen er mitwirkte, sind schnell aufgezählt: Umwege zum Glück, Frau am Scheidewege, Befreite Hände, Der Weg zu Isabell, Rembrandt . . . und dann noch in den letzten Kriegsjahren: Das Fräulein von Barnhelm, Der dunkle Tag, Das heilige Feuer, Schule des Lebens, Ein glücklicher Mensch, und nach dem Zusammenbruch der Wiener Film „Eroika“. Das ist für ein langes Künstlerleben wirklich nicht viel, und manch einer seiner Kollegen kann demgegenüber mit vielmals größeren Zahlen aufwarten! Aber das Gewicht seiner Filmrollen gleicht die geringere Zahl wirklich aus!
Als 11. Kind einer Elberfelder Familie hat er es nicht gerade allzu leicht gehabt, und extravaganten Wünschen des 11. Kindes konnte da nicht nachgegeben werden. So mußte er mit 15 Jahren die Schule verlassen, denn längerer Schulbesuch war bei so viel hungrigen Mäulern nicht denkbar, und zum Theater konnte er auch nicht gehen, dafür erlernte er das Goldschmiedehandwerk. Aber die Sehnsucht nach der Bühne, die schon so früh in ihm lebendig war, konnte allerdings durch diese Lehrzeit ebenso wenig erstickt werden wie durch den ersten Weltkrieg, in den er im Jahre 1916 als Soldat hineingeriet. Als er wieder daheim war, hatte diese Sehnsucht sich nicht vermindert. Aber erst mußte er noch einen Umweg machen, ehe er zur Bühne durfte: Er versuchte sich nach 1919 in Berlin als Goldschmied, aber der Erfolg blieb ihm versagt. So kehrte er noch einmal in seine Heimatstadt zurück, und hier betrat er dann die Bühne, um nie mehr von ihr zu lassen.
Drei Jahre hat er dann in Elberfeld gearbeitet, weitere drei Jahre am Düsseldorfer Stadttheater, Luise Dumont hat ihn an ihre Bühne geholt, und als er all diese Jahre des Lernens und Reifens hinter sich hatte, wagte er es, zur Eroberung Wiens auszuziehen . . . aber Wien ergab sich dem Norddeutschen nicht so schnell! Ein Zwischenspiel bei Falckenberg in München mußte er noch durchstehen, dann versuchte er es ein zweites Mal, und nun gelang es ihm. Damit begann seine große Zeit, in der er oftmals mehr im Zug zwischen Wien und Berlin saß als in seinem Heim. Nach dem Zusammenbruch ist er ganz in Wien geblieben. Es wurde seine zweite Heimat, hier hat er endlich den Wirkungskreis gefunden, den er sich heftig ersehnte, als er noch ein Goldschmiedelehrling war.
EWALD BALSER
(Foto: Junge Film-Union / Foto Wesel.)
Musik im Amerikahaus
DR. EVERETT HELM - BASTIAAN-QUARTETT
Darius Milhaid
Ueber das Schaffen des französischen Musikers Darius Milhaud zu sprechen, bedarf wohl einer größeren Zeitspanne, als sie in einer Stunde gegeben ist. Dr. Helm, ein amerikanischer Komponist der mittleren Generation (geb. 1913), beschränkte sich daher in seinem Vortrag größtenteils auf die Darstellung persönlicher Erlebnisse, die er als Schüler des großen Franzosen zu erzählen wußte. Er rühmte Milhauds Schlichtheit und Einfachheit, seine ungeheure Arbeitsenergie, den leichten Fluß seines Schaffens und seine nimmermüde Bereitschaft und Hilfe für neue Schüler. Abhold jeder Lobhudelei lebt Milhaud zurückgezogen und nur der Musik. Kurz berührte Dr. Helm die einzelnen Lebensepisoden Milhauds, der aufgeschlossen und feinnervig auf die jeweiligen Erscheinungen seiner Umgebung sofort reagiert. Er verwies auf Milhauds Jahre in Brasilien, in denen er die dortige Musik beeinflußte, selbst aber auch davon profitierte („Saudades de Brazil“), auf seinen Neuyorker Aufenthalt 1923, in dem er den reinen Jazz kennenlernte (“La creation du monde“) und schließlich auf seine typisch französischen Werke, die sehr oft den provencalischen Hauch seiner Heimat Aix-en-Provence tragen. Milhaud schreibt viel, manches davon hält strenger Bewertung nicht stand. So teilt sich auch sein Stil in einen konventionellen, der gelegentlichen und zweckdienlichen Arbeiten gewidmet ist, und in einen meisterlich durchgeformten, in dem sich die ganze Schöpferkraft dieses Musikers in eigenwilliger Weise zusammenballt. Eine glänzende Behandlung der polytonalen Kontrapunkte, der die Diatonik zum Ausgangspunkt seiner Schichtungen nimmt und so den „konsonanteh Stil“ nicht verläßt, paart sich auf dem Theater und dem Ballett mit elementaren dramatischen Wirkungen. Die Vielseitigkeit, die man ihm vorwirft, ist gerade die bestechende Eigenschaft, die ihn vor vielen Musikern der Zeit heraushebt — Milhaud, der 58jährige, ist schwer krank; trotzdem teilt er in rastlosem Schaffen seine Lehrtätigkeit zwischen USA und Frankreich.
Mit schönen Schallplatten-Beispielen wußte Dr. Helm seine Worte prägnant zu illustrieren.
Beredte Musikalität
Zwei Tage später spielte das Bastiaan-Quartett Werke von Arthur Honegger, Robert Schumann und Walter Piston. Honeggers 11. Quartett muß noch um seinen „Pacific“ herum entstanden sein. Die Konvulsivität der Themen und ihre Verarbeitung weisen in ihrem dichten Stimmengeflecht jedenfalls in jene Zeit. Auch die Expressivität des langsamen Satzes erinnert an diese Epoche. Ganz anders zeigt sich Piston in seinem Streichquartett. Klassische Einfachheit des Motivs, offene Stimmigkeit und lineare Klarheit deuten auf die Schule von Nadia Boulanger, der französischen Komponistenmacherin der Amerikaner. Von dort kommen auch die rhythmischen Elemente her, durch die das ' Werk seinen vielseitigen und persönlichen Impetus erhält. Robert Schumanns - dur-Quartett nimmt sich in diesem Kreis grazil und anmutig aus, als wäre es von französischem Geist befruchtet. Eine neue lichte Seite, durch diese „Umgebung“ plötzlich anders eingefärbt.
Die ehemaligen Berliner Philharmoniker spielten die Werke stilgetreu und mit vielgesichtiger Intensität. Die „Bastiaaner“ sind in ihren Instrumenten sehr präzis aufeinander abgestimmt, tragen leuchtende Klangfarben in die Kompositionen hinein und wissen sich in beredter Musikalität, auch im Werk der Gegenwart, zu bewegen. Sie konnten daher großen Beifall entgegennehmen, wofür sie sich mit einem Haydn-Satz (op. 20,4) klassisch brillierend bedankten. G. I.
Die erste deutsche Kunststudentenwoche soll im März 1951 in Hamburg veranstaltet •werden. Sie will mit einer Kunstausstellung, täglichen Solisten- und Orchesterkonzerten und Referaten deutscher Musikerzieher und Dozenten für bildende Kunst einen umfassenden Ueberblick über die Arbeit an den Kunstakademien des Bundesgebietes geben. Die Kunstschau, die später auch in anderen Städten der Bundesrepublik gezeigt wenden wird, soll mithelfen, einen engeren Kontakt zwischen den einzelnen deutschen Kunsthochschulen herzustellen und darüber hinaus Zusammenarbeit mit den Akademien des Auslandes, besonders in Amerika, England, Schweden und Holland anzubahnen.
„Dr. Faust“ auf der Handpuppenbühne
JUBILÄUMSVORSTELLUNG DER „KÖNIGSTEINER"
Das „Darmstädter Echo“ hatte einen engen Kreis interessierter Zuschauer zur 250. „Faust“-Aufführung der „Königsteiner Puppenspieler“ in das Nachbarschaftsheim geladen.
In der letzten Zeit brachten die meisten der größeren deutschen Marionetten- und Handpuppenbühnen einen „Faust“. Aber in keiner der Aufführungen, die wir sahen, war die Eigengesetzlichkeit des Puppenspiels so gewahrt geblieben. Hier ist ein abgerundeter, eigener Stil der Darstellung entstanden: eine fast nur durch farbige Vorhänge hergestellte Szenerie im Kontrast zu den ausgezeichneten, von Lore Lafin geschaffenen Puppen — eine sinngerechte und für den Uneingeweihten magisch-bezaubernde Puppenführung — eine differenzierende Sprache, natürlich und sauber.
Der Text der „Königsteiner“ fußt, wie ihr Leiter Rudolf Fischer eingangs erklärte, auf dem alten Volksbuch vom Doktor Faustus aus der Zeit, in der Puppenspiel noch eine urtümliche Volkskunst war und nicht — wie heute — die Bezeichnung für eine Fülle auch extremer Spielarten.
Im Mittelpunkt des Spiels, das vom Goetheschen Weltgedicht natürlich weit entfernt ist, stehen Faust und Kasperl. Der Kasperl hat die uralte, vom griechischen Chor bis zum „Sprecher“ des modernen Dramas gehende Funktion des Mittlers zwischen Bühne und Publikum, die verhindert, daß die „vierte Wand“ zur Glaswand wird. Sein Gewicht erhält er aber als Typ des Menschen von Schlau-, heit, Optimismus, Güte und reizender Frechheit. Wie in den ältesten Ueberlieferungen steht er seiner Zeit kritisch gegenüber und unterbricht die allerdings etwas blasse Tragik des Faust mit seinen aktuellen Pointen.
In den Zuschauern wurde so die Gefühlsskala in ihrer ganzen Breite erregt. Ein wirkliches Erlebnis, für das sie mit herzlichem Beifall dankten, wie alle, ob Berliner Studenten oder Odenwälder Bauern, die den „Faust“ der Königsteiner sahen.
Zwei neue Stücke sind in Vorbereitung: das Märchen für Erwachsene „Der kleine Prinz“, jene bezaubernde Dichtung des im Kriege abgestürzten französischen Fliegers A. de Saint-Exupery, in ihrem Dialogreichtum gut als Spiel zu geben, und eine eigene Bearbeitung des Eulenspiegelstoffes. Wir hoffen, die „Königsteiner“ mit diesen beiden Stücken bald wieder hier zu sehen. rw
Neue Filme in Darmstadt
UNION: „Peter Voß. der Millionendieb“. Es war einmal ein Roman ..Peter Voß, der Millionendieb“. Es war ein sehr erfolgreicher Roman. Und weil er so erfolgreich war, bemächtigte sich- eine Filmgesellschaft des herrlichen Stoffes. Ein Regisseur (Karl Anton) suchte sich ein paar nette, ausgezeichnete Schauspieler (u. a. Viktor de Kowa. Hans Leibeit, Karl Schönböck. Fritz Kampers) und auf „Los!“ ging’s los. Und wenn nicht alles täuscht, wird der „Millionendieb“ sein Geld wieder bringen (das man ausgeben mußte, um ihn herzustellen).
Da kommt einem gar manches bekannt vor und von der einen oder anderen Szene war schon vor zig Jahren der große O‘Flaherty der geistige und wirkliche Vater. Aber sagen Sie selbst: wird deswegen der Spaß, den man bei der Geschichte hat. kleiner? Man müßte den Streifen zweimal sehen, um all die tausend kleinen und großen Anzüglichkeiten mitzukriegen, die gesagt und gezeigt werden (köstlich der Polizeidirektor in Rio, in Gehabe und Aussehen dem seligen Viktor Emanuel von Italien gleichend, oder die Szene in Tahiti mit dem Inspektor des Fremdenverkehrsverbandes, Abteilung heimatliche Sitten und Gebräuche). Was eigentlich gespielt wird? Schauen Sie sich's an und haben Sie ihren Spaß dabei. Der Rezensent hatte ihn auch. hwd
HANSA. Der Schuß durchs Fenster. Rasende Autos, wilde Menschenjagd, kreischende Bremsen, gestohlene Dokumente, ein sehr überlegener Kriminalkommissar, ein immer gehinderter, keineswegs aber verhinderter Kriminalassistent, eine Kabarettsängerin, ein Liebespaar, drei Morde und ein kleines, rundes Einschußloch in einem Fenster (davon hat der Film den Titel): Das sind die wesentlichsten Zutaten zu einem Kriminalfilm, der sich von den Streifen aus dem gleichen Milieu kaum unterscheidet. Die spannende Handlung ist sauber fotografiert und von der Musik Willy Schmidt-Gentners unauffällig untermalt. Siegfried Breuer führt als Regisseur und Hauptdarsteller (Kommissar Rittner) die Schar der Akteure, die fast ohne Ausnahme gegenüber seiner routinierten Darstellungskunst abfallen. Wie es sich gehört wird am Ende des Films der Urheber der Verbrechen gestellt und das liebende Paar kann sich gerührt in die Arme sinken. We.
Am Mikrofon:
Ludwig Manfred Lommel
Weiß der Teufel wie es kam: ehe wir uns versahen, wurde gestern aus Günther Hahnfeld von Radio Frankfurt Ludwig Manfred Lommel von Radio Runxendorf. Sie haben es selbstverständlich gleich gewußt, denn wer sollte in Darmstadt Ludwig Manfred Lommel nicht kennen. Wir haben es erst heute gemerkt und stellen deshalb richtig: Gestern war am Mikrofon Ludwig Manfred Lommel und heute sehen sie auf unserem Bild Günther Hahnfeld von Radio Frankfurt.
Neue Bücher
Bote der Heimat
Wie ein freundlich vertrauter Bote kommt wieder der Hessenkalende r 19 5 1 in seinem grünen Umschlag mit den Weißzeichnungen der Figuren bäuerlichen Lebens in alle Gegenden des Hessenlandes und teilt seine Gaben aus: bsinnliche und lehrreiche Aufsätze, ernste und heitere Erzählungen, Berichte und Gedichte, Rätsel und Bilder der Heimat und Zeichnungen, von denen besone Zeichnungen aus hessischen Ortschaften im Kalendarium von Verena Rosch erwähnt sein sollen. Das Gedenken an bekannte und verehrte Verstor-Uene ist nicht vergessen, und aus allen Beiträgen, ob sie der Bienenzucht gelten oder von heimischem Handwerk, vom Brauchtum oder vom Volkshumor berichten, spricht eine starke Heimatliebe, der fein ausgewählte Gedichte die Glanzlichter aufsetzen.
Das Bändchen wurde vom Heimatbund für den Regierungsbezirk Darmstadt im Verlag C. W. Leske herausgegeben. Es umfaßt 112 Seiten und ist für 1,— DM erhältlich.
Darmstadt und Umgebung
Weg zur Gesundheit
Es War kein Platz mehr in der Aula der Technischen Hochschule zu bekommen, als Oberbürgermeister Metzger den Chefarzt der Asthma-Kinderheilanstalt in Bad Reichenhall, Dr. med. Franz Braun, und die zahlreichen Zuhörer begrüßte. Der Oberbürgermeister hatte der Anstalt selbst einen Besuch abgestattet und wies auf die erfolgreiche Behandlung der kranken Kinder hin. 186 000 DM habe die Stadt jährlich für den Kur-Aufenthalt der kleinen Darmstädter Patienten aufzubringen, von denen nur 86 000 DM ersetzt würden. -
Rund 90 Prozent aller Milchschorfkinder seien für asthmatische Krankheiten anfällig, sagte Dr. Braun. Absolut plötzlich könne die Krankheit jedoch nicht auftreten, zumindest ginge etwa im zweiten bis dritten Lebensjahr käufiges Husten voraus. Wenn auch Auswirkungen auf die Wirbelsäule und deren benachbarte Partien nicht zu befürchten seien, so entstünden bei fortschreitendem Prozeß doch schwere innerliche Schädigungen, und äußerlich sei ein blauer Farbton auf Lippen und Fingernägeln zu sehen.
Dr. Braun zeigte sodann an einzelnen Kindern die typischen Merkmale und deren Bekämpfung. Es wird hierbei ein membranartiges Mund-Gerät benutzt, welches die Luft nur langsam und mit pfeifendem Ton aus der Lunge entweichen läßt. Dieses Gerät sei so einfach, daß es beinahe lächerlich wirke, sagte der Arzt. Als wichtigste und entscheidenste Unterstützung des Heilprozesses bezeichnete er die unbedingte Einhaltung der Atemübungen, und wenn Elternhaus und Schule die befallenen Kinder zur planmäßigen Benutzung dieses Atemgerätes anhalte, könne man sich — Dr. Braun fügte es scherzhaft hinzu — Reichenhall sparen.
An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion an, die zur Beantwortung vieler Fragen führte. Stadtrat Schrauth dankte dem Arzt und bot nochmals um Beherzigung und Einhaltung der klarformulierten und aufgezeigten Bekämpfungsmöglichkeiten, deren Befolgung sichtbare Hilfe bringen könne und müsse. sg.
Berliner Kinder suchen Pflegestellen
Hunderte von Kindern aus Berlin, die kein schützendes Elternhaus haben, suchen liebevolle Pflegeeltern und eine neue Heimat in Westdeutschland. Die meisten dieser Kinder leben inmitten der Trümmerstätten Berlins in großen Heimen. Es sind körperlich und geistig gesunde Kinder, die nur nicht in Pflegestellen gegeben werden konnten, weil in der Großstadt für sie Pflegestellen kaum zu bekommen sind, vor allem nicht für größere Jungen zwischen 10 und 14 Jahren.
Oft sind die Kinder körperlich zart und im Schulwissen zurück, weil sie wegen Bomben, Flucht, Hunger und Elend jahrelang keine Schule besucht haben. Sie leben auf, wenn sie in gesunde Verhältnisse kommen, und holen Versäumtes nach. Früher wurden solche Kinder in die nähere und weitere Umgebung Berlins in Landpflegestellen gebracht. Jetzt liegt West-Berlin wie eine Insel da, von der russischen Zone umgeben. Dort können wir unsere Kinder nicht mehr unterbringen. Darum rufen wir Westdeutschland zur Hilfe auf.
Das für Sie zuständige Jugendamt nimmt Ihre Meldung gern entgegen und gibt diese dem Hauptjugendamt Berlin weiter. (GD)
Haus der Arbeit und Frende
Einweihung des ersten Studentenwohnheimes
Gestern konnte in Gegenwart von Oberbürgermeister Metzger und dem Rektor der Darmstädter Technischen Hochschule, Seine Magnifizenz Prof. Dr.-Ing. Mehmel, das erste Studentenwohnheim in der Riedeselstraße seiner Bestimmung übergeben werden.
Aus der ehemaligen Stadtortarrestanstalt und dem späteren Gestapogefängnis ist ein modernes Studentenwohnheim geworden. 45 Einbettzimmer und sechs Mehrbettzimmer stehen den Studierenden zur Verfügung. Damit dürfte der Anfang zur Behebung des Wohnraummangels für Studierende gemacht sein. Das ganze Gebäude hat sich einem völligen Wandel unterworfen, und wo vor Jahren noch düstere Zellen an schreckliche Zeiten erinnerten, sind heute helle und luftige Zimmer entstanden, die das Studieren zu einer Freude werden lassen. Nach'einem Wettbewerb um die beste Lösung des Problems der Inneneinrichtung wurde die Möblierung durch Ankauf der besten Arbeit von Architekt Arndt großartig durchgeführt. Auf- und Ausbau des Gebäudes lag m den Händen von Architekt Jahn von der Wiederaufbau A.-G.
Oberbürgermeister Metzger betonte in seiner Uebergabeansprache, _ daß er ■ein ~Kenner dieses Hauses“ sei, da .er während des „letzten Reiches einige Zeit dort untergebracht war. Darmstadt sei nicht nur bemüht, durch Heranziehung neuer Industriebetriebe das wirtschaftliche Leben der Stadt zu beleben, sondern auch dem Ausbau der Technischen Hochschule sein besonderes Augenmerk zu schenken. Es wäre geplant, diesem Studentenwohnheim noch ein oder zwei weitere Heime folgen zu lassen. Er übergab Seiner Magnifizenz das Haus mit den besten Wünschen und in der Hoffnung, daß damit ein weiterer entscheidender Schritt in dem Verhältnis zwischen Stadt und Hochschule getan sei. Rektor Prof. Dr.-Ing. Mehmel stellte fest, daß die Einweihung dieses Hauses ein Ereignis sei. Durch das Studentenwohnheim sei die Frage der . studentischen Gemeinschaftsbildung einen entscheidenden Schritt zur Verwirklichung näher gerückt. „Wer von uns hat früher eine derartige Bude gehabt?“, fragte Rektor Prof. Mehmel unter Applaus. Besonderer Dank gelte Herrn Oberbürgermeister Metzger und dem Stadtkämmerer Dr. Feick, die alles taten, was in ihrer Macht stand, um das Projekt in schnellster Zeit zu verwirklichen. Auch dem Hauptamt für Soforthilfe sei zu danken, und der Nebenstelle beim Regierungspräsidenten in Darmstadt, die den Bau mit finanzieren halfen. Der Leiter des Studentenwerkes, Dr. Bach, sprach dann in launigen Worten über die Einrichtung des Hauses, wie über die Raumaufteilung.
Die Miete für ein Einzelzimmer beträgt 30 DM, einschließlich Zentralheizung, Licht und Bettwäsche. Von den
beiden großen Gemeinschaftsräumen wird ein Raum voraussichtlich der studentischen Oeffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
Die Ausbildung des akademischen Nachwuchses ist heute eine Lebensfrage für Deutschland. Ihn zu fördern, ist erstes Anliegen der Stadt Darmstadt, die mit der Schaffung dieses Studentenwohnheimes beispielgebend gewirkt habe. Nach der öffentlichen Uebergabe setzten sich Oberbürgermeister und Rektor mit den Gästen für eine gemütliche Stunde in einem der Aufenthaltsräume zusammen. HFL
Blick in einen Wohn-Schlafraum im neuen Studentenheim in der ehemaligen Arrestanstalt.
Elternversammlung der Lessingschule
sprach ihre Wünsche und Sorgen aus
Unter Leitung des Vorsitzenden des Elternbeirats Willi Helwig, fand in der Aula der Lessingschule eine gut besuchte Elternversammlung statt, während der Rektor Mattheß u. a. die Sorgen der Schulleitung und die Wünsche der Elternschaft zum Vortrag brachte. Oberbürgermeister Metzger wies die Eltern an Hand sachlicher Darlegungen auf die augenblicklichen Verhältnisse hin, die es nicht immer gestatten, trotz besten Willens die vorgetragenen Wünsche zu erfüllen. An der lebhaften Diskussion beteiligte sich auch der Schuldezernent, Stadtrat Reiber.
Wie wir weiter vernehmen, wird in absehbarer Zeit ein berufener Sprecher über das Thema: „Welchen Beruf soll mein Junge und mein Mädel erlernen?“ den Eltern der Waldkolonie einen Vortrag halten.
Die Aussprache war ein weiterer Schritt zum Erfolg in den Bemühungen des Elternbeirats, das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Elternschaft und Schule zu vertiefen. z w-g
Darmstädter Tagblatt am Jonntag
Sie lesen in der nächsten Ausgabe des „Darmstädter Tagblatt am Sonntag" unter anderem:
„...an den Galgen gehängt!" Seite 2 Frauen im Sturm der Zeiten Seite 3 China im Fieber Seite 4 Eine Stadt ist ausgewandert Seite 5 Der Schuldner in Not Seite 6 Blick in die Welt Seite S
Im wiederauf gebauten Goethe-Haus in Frankfurt wird mit dem geretteten Hausgerät bald wieder der alte Geist einziehen: Frau Aja , lehrt die Mädchen kochen.
„Sitz der Kirchenleitung entschieden“
Feststellung der Dekanatssynode Darmstadt zu einer eindeutigen Rechtslage
Die Synode des evgl. Dekanats Darmstadt-Stadt, die am Dienstag nach einem von Pfarrer Ring gehaltenen Gottesdienst im Gemeindehaus Liebfrauenstraße zusammentrat, wählte Pfarrer Weiß, der dieses Amt seit der kirchlichen Neuordnung unter den schwierigen Nachkriegsverhältnissen verwaltete, zum Dekan und Pfarrer Britz als seinen Stellvertreter.
Propst Rau hatte einleitend über die Aufgaben des Dekanats gesprochen. Als Stellvertreter für die Mitglieder des Synodalvorstandes wurden die Synodalen Pfarrer Röder, Dr. Beyer, Rau und Rieger gewählt, in den Diakonieausschuß die Pfarrer Ring, Stenger, Rathgeber, Roeder und Pczolla sowie Frl. Staudt, Eberstadt, Frau Kraft, Griesheim. Schwester Maria Binzel, Oberin Fresenius, Lehrer Stoll und die Diakone Kaiser und Bosch.
Aus einem Referat von Jugendpfarrer Rathgeber über den Religionsunterricht in den Berufsschulen ging hervor, daß für die 3300 evangelischen von 4700 Schülern und Schülerinnen der Darmstädter berufsbildenden Schulen acht vollbeschäftigte, hauptamtliche Lehrkräfte benötigt würden, da wöchentlich 170 Religionsstunden zu erteilen wären. Eine Umfrage unter den Schülern ergab, daß sie in ihrer überwältigenden Mehrheit — bis zu 85 Prozent — eine solche Unterweisung wünschen.
Ueber den Sitz der Kirchenleitung hatte der Darmstädter Synodalvorstand einen bei einer Enthaltung einstimmig angenommenen Antrag eingebracht, der davon ausgeht, daß diese Frage durch den Beschluß der Frankfurter Synyode vom 7. Dezember 1949 bereits gelöst ist. Dort wurde im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit für Darmstadt entschieden. Eine Kommission sollte die in Frage kommenden Objekte überprüfen und nur im Falle schwerwiegender Bedenken sollte der Finanzausschuß diese Frage noch einmal der Gesamtsynode zur endgültigen Beschlußfassung vorlegen. Solche Bedenken sind im April 1950 in Wiesbaden nicht erhoben worden, so daß Darmstadt Sitz der Kirchenregieru"" geworden ist. Deswegen drückt die Dekanatssynode ihr Befremden darüber aus, daß die Frage noch einmal der kommenden Frankfurter Synode vorgelegt wird. Sie erklärt ausdrücklich, daß sie es keineswegs verstehen könnte, wenn der Synodalvorstand oder die Kirchenleitung den klaren und eindeutigen Beschluß vom Dezember 1949 nicht anerkennen würde.
In der Aussprache wurden in sehr bestimmter Form die klare Rechtslage für Darmstadt und die Aufgeschlossenheit auch der bürgerlichen Gemeinde für die Anliegen der Kirchenverwaltung unterstrichen. Mit der Annahme des Etats war der Inhalt der von ihrem Vorsitzenden, Lehrer Stoll, geleiteten Dekanatssynode erschöpft. 1 P. D.
Endlich...
Die Gesichter der Heag-Umsteigefahrgäste am Böllenfalltor hellen sich auf: Zimmerleute sind gekommen, messen und werken. Endlich hat man „höheren Orts“ ein Einsehen, und das balkengestützte Wartedach wird zum Häuschen vervollkommnet. An drei Seiten wehren fortan Holzwände Wind und Wetter ab, die bisher die unglücklichen Wartenden vor Kälte zittern und wider die Heag murren ließen. Nun aber hat sie sich zu einer Tat von „wahrhaft volksgesundheitlicher“ Bedeutung entschlossen, denn wie viele Schnupfen und Erkältungskrankheiten werden in Zukunft ausbleiben, weil es sich wärmer und trockener steht. Hoffentlich paßt der fertige „Bau“ dann schön in die waldige Umgebung, hoffentlich bekommt er innen auch eine Bank — so müde Menschen warten täglich dort — aber, es ist schon so: ein erfüllter Wunsch gebiert zwei neue. Di
Ermittlung von Brandstiftungen
Anläßlich der Mitgliederversammlung des Vereins für Versicherungs-Wissenschaft und -Praxis in Hessen e. V. (Zweigstelle Darmstadt) hält Kriminalkommissar Kurt Dierlamm, Sachverständiger für die Ermittlung von Brandursachen und Dezernent beim Frankfurter Polizeipräsidium, am Freitag, dem 24. November 1950, einen Lichtbilder-Vortrag über das Thema: „Die Brandstiftung und ihre Ermittlung unter Berücksichtigung der möglichen natürlichen Brandursachen“. Die öffentliche Veranstaltung findet um 17.10 Uhr im Hörsaal 168 der Technischen Hochschule statt.
„Kollege kommt gleich“ - außer Dienst
50jähriges Stiftungsfest des Kellnerbundes im Concordia-Saal
Der Bund der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten feierte am Mittwochabend Im Concordiiasaal sein 50jähriges Stiftungsfest. Auf der festlich mit Palmen geschmückten Bühne hatte die Kapelle Karl Pöhler Aufstellung genommen, um von dort schmissige Weisen in den Saal zu hauchen. Gleich am Eingang war ein riesiger Berg mit Wein- und Likörflaschen, mit wagenradgroßen Torten und Rodelschlitten aufgebaut, die es später bei einer Monstretombola zu gewinnen gab, Geschenke von Geschäften, Cafes und Gaststätten.
„Kollege kommt gleich“ feierte Ferien vom eigenen Ich, zum erstenmal seit langer Zeit konnte er sich bedienen lassen und war nicht darauf angewiesen, den vielgestaltigen Wünschen anderer nachkommen zu müssen.
Nach dem Prolog, den Fräulein Fleischmann sprach, erschien Herr Schmig als abendlicher Ansager auf den weltbedeutenden Brettern. Der 1. Vorsitzende, Herr Zeitz, konnte die Mitteilung machen, daß Herr Sörgel als Ehrenvorsitzender mit der „goldenen Ehrennadel“ ausgezeichnet wurde. Ebenso wurden die Herren F. B a u e r und W. L e y a x für 25jährige Zugehörigkeit zum Bund ausgezeichnet.
Die „6 frohen Sänger“ gaben gute Ratschläge, unter Klavierbegleitung von Herrn K. Altwein, wenn „einem im Leben etwas daneben geht . . . “ Großen, nein, donnernden Applaus erntete Fräulein Engels vom Landestheater mit ihrer Tanzvorführung. Ganz in Blau, mit viel Nichts und noch mehr Grazie. Heinrich Merker mit Frau, ein gutes humoristisches Duo, repräsentierte den „gemütvollen Hessen“. Herr Schmig schmiegte sich sodann ins Programm, um einmail vorzuführen, wie man mit Frauen telefonische Verabredungen trifft. Herr Prick als Musikal-Clown blies auf der Schuhbürste, geigte die Geige und hobelte gemütvolle Töne auf einem meterlangen Fuchsschwanz.
Herr Zeitz dankte allen Beteiligten an der Ausgestaltung des Festes und Ehrenvorsitzender Sörgel gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Darmstädter Ortsgruppe des Bundes. Herr Emich von der Gastwirtsinnung brachte Grüße und bedauerte, daß in Darmstadt ein geeigneter Saal fehlen würde, in dem 2—3000 Personen feiern könnten. Sonst wäre schon lange die alte Tradition des gemeinsamen jährlichen Balles der Gastwirte und der Kellner wieder eingeführt worden. Auch Herr Hausmann, der 1. Vorsitzende des internationalen Genfer Verbandes überbrachte seine Grüße.
Nach Mitternacht war das offizielle Pro* gramm beendet und die inzwischen immer zahlreicher erschienenen Gäste stürzten sich mit Elan in den allgemeinen Tanztrubel oder versuchten durch den Kauf von Losen Torten und Wein zu gewinnen. Es war ein gelungenes Fest, und es dauerte lange, bis die ersten nach Hause gingen. -st
Der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Darmstadt des Bundes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten, Herr Zeitz (links), im Gespräch mit Ehrenvorsitzendem Sörgel (rechts), der an diesem Abend für seine verdienstvolle Mitarbeit im Verband ausgezeichnet wurde. Foto: Hilde Roth
Kurze meldungen aus der stadt
Ein rückwärtsrollender Pkw. beschädigte gestern mittag an der Kreuzung Rhein- und Grafenstraße einen hinter ihm anhaltenden Personenwagen.
Zwei Pkw.s stießen gestern mittag auf der Straßenspinne hinter der Technischen Hochschule zusammen. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt.
Auf eine Zugmaschine mit Anhänger fuhr gestern mittag auf der Unteren Rheinstraße ein Lastkraftwagen. Es entstand Sachschaden.
Mit einer Kopfverletzung in das Krankenhaus eingeliefert wurde gestern nachmittag eine neuundzwanzigjährige Frau aus Weiterstadt. Sie hatte in einem Pkw. gesessen, der an der Kreuzung Wilheiminen- und Heinrichstraße auf den Anhänger einer Zugmaschine aufgefahren war.
Schwerverletzt wurde gestern abend der zwanzigjährige Hans H. Horn, der mit seinem Fahrrad auf der Kreuzung Elisabethen- und Saalbaustraße mit einem Pkw. zusammenstieß.
Durch das Schleudern eines Lastzug¬ anhängers wurde gestern morgen zwischen Roßdorf und Darmstadt ein die Straße passierender Pkw. schwer beschädigt. Es entstand Sachschaden in Höhe von etwa 2500 DM.
Ein Pkw. und ein Krad stießen gestern morgen auf dem Schillerplatz zusammen. Der Fahrer des Motorrades wurde leicht verletzt.
lieber die Zoologische Station Neapel, ihre Bedeutung und Geschichte, sprach am Mittwochabend in einem Vortrag in der Technischen Hochschule Prof. Dr. W. E. Ankel. Wir werden über diesen Vortrag in den nächsten Tagen berichten. *
Der „VERBAOST“, Kreisverband Darmstadt, hält seine nächste Mitgliederversammlung am 25. November um 17 Uhr im Hotel Knauf in der Bleichstraße ab. *
An die neu angelegte Verkehrsinsel am Anfang der Frankfurter Straße wurde die Straßenbahnhaltestelle der HEAG-Linie 7 und 8 verlegt, die sich seither am Herrngarteneingang befand. *
An Stelle der sommerlichen Prome¬ nadenkonzerte im Herrngarten veranstaltet das Darmstädter Orchester für Berufsmusiker sonntäglich von 11—12 Uhr in der Stadthalle Morgenkonzerte. Der Eintritt ist frei. . *
Eine Halbtagswanderung nach dem Bismarckturm unternimmt der Turn- und Sportverein 1876 Eberstadt am nächsten Sonntag. t-s
Ueber die „Pädagogik der Waldorfschule und ihre erzieherische und heilende Wir¬ kung“ wird heute Freitag, den 17. Nov., um 19.50 Uhr, im Saale 167 der Technischen Hochschule Robert Kilian von der freien Waldorfschule in Stuttgart sprechen.
Bei einem Vortragsabend des Deutschen Akademikerinnen - Bundes, Ortsgruppe Darmstadt, sprach Dipl. - Architektin Weiß über das Thema:. „Wie wollen wir wohnen?“, das sie zu dem größeren Zusammenhang: „Wie wollen wir leben?“ erweiterte. Eine sehr lebhafte Diskussion über den Bau- und Wohnstil im allgemein nen und die Gestaltung Darmstädter Neubauten und Siedlungen schlossen sich an. An einem Abend im Januar soll über den modernen Schulbau gesprochen werden.
für Cdcintirrmrfjtcr Hühner und Kaninchen zeigen sich
Der Darmstädter Kleintierzuchtverein H 20 veranstaltet am Samstag, dem 18. und Sonntag, dem 19. November, in der Holzhofallee 36/38 (früher Schrautenbachkaserne) eine Geflügel- und Kaninchenausstellung mit etwa 250 Tieren der verschiedensten Rassen und Farben.
Heute, vor Erröffnung der Ausstellung, werden strenge Preisrichter von 10 Uhr ab die Tiere einer eingehenden Bewertung unterziehen. Zur Prämiierung wurden von Tierfreunden und Gönnern des Vereins wertvolle Preise gestiftet.
Diese vielseitig und schön aufgebaute Ausstellung wird ein eindrucksvolles Bild von dem gegenwärtigen Stand der Kleintierzucht geben und jedem Tierliebhaber Freude bereiten. *
Wie wird das Wetter ?
Weiter unbeständig
Vorhersage: Am Freitag bei überwiegend starker Bewölkung noch einzelne kürzere Regenfälle. Temperaturen tagsüber um 7 Grad, nachts über 0 Grad. Mäßige Winde aus Südwest bis West. Weitere Aussichten: Leichte Beruhigung und trockener.
Wohin gehen wir heũte?
Landestheater, Orangerie : 19.30 Uhr „Maske in Blau“
Lichtspieltheater: Union: „Peter Voß, der Millionendieb“; Thalia: „Der Postmeister“; Belida ; „Unter schwarzer Flagge“; Palast: „Sturm über Asien“; Hansa: „Schuß durchs Fenster“
Amerikahaus: 19.30 Uhr Liederabend des amerikanischen Bassisten William Wahlert, am Flügel: Dieter Erbelding (Werke von Beethoven, Franck, Händel, Holmes, Moussorgsky, Schubert, Schumann und andere); Musikprogramm: 15.00 bis 16.30 Uhr „Aus Opern“; Filmprogramm: 14.30 und 17.00 Uhr
Waldorfschul verein, Ortsgr. Darmstadt: 19.30 im Saal 167 der Techn. Hochschule. Vortrag von Robert Killian über „Die Pädagogik der Waldorfschule und ihre erzieherische und heilende Wirkung“
Evangel. Akademie, Arbeitskreis Darmstadt: 19.30 Uhr im Pauluskirchensaal, Pfarrer Rudolf Wintermann: „Protestantismus im Kreuzfeuer der Zeit“
Hygiene-Lichthof, Necka rst r . 3a: 10 bis 18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“
Landesmuseum: 10 bis 18 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch
STARKENBURG
Bravo Annemarie!
Am Mittwochabend läutete gegen 18.30 Uhr plötzlich die Alarmglocke der Ladenkasse in dem Lebensmittelgeschäft Germann in Rehbach i. Odw.
Als die 18jährige Tochter Annemarie in den Laden lief, sah sie einen fremden Mann mit einem Schäferhund hinter dem Ladentisch stehen, der gerade die Kasse herausgerissen hatte. Mutig sprang sie ihn an und drängte ihn, um Hilfe rufend, in die Ladenecke. '
Der überraschte Dieb ließ die Kasse fallen und schlug mit beiden Fäusten auf das Mädchen ein. Als er zu flüchten versuchte, hielt sie ihn an der Jacke fest und wurde bis in den Hausflur mitgeschleift. Dort hetzte der Mann den Hund auf das Mädchen, das von dem Tier in den Leib gebissen wurde. Trotzdem ließ sie den Dieb nicht los. Er befreite sich dadurch, daß er aus der Jacke schlüpfte und in die Wiesen flüchtete. Mehrere Männer, die den Burschen aufhalten wollten, wurden von ihm und seinem Hund verletzt. Schließlich sprang er in den Dorfbach, wurde aber dort gestellt und überwältigt.
Die empörte Bevölkerung hatte bis zum Eintreffen der Gendarmerie den Burschen herzhaft verdroschen. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um den mehrfach vorbestraften Karl Walter aus Erbach, auf dessen Konto auch die in letzter Zeit verübten Ladenkassendiebstähle in Steinbuch und Ober-Mossau kommen dürften.
Er wurde in das Gerichtsgefängnis Michelstadt eingeliefert. -ch-
Die Jungend bekommt ihr Heim
Ersprießliche Aussprache im Jugendring Erbach-Michelstadt
Am Mittwochabend fand in der Erbacher Jugendherberge eine Aussprache aller im Jugendring Erbach-Michelstadt zusammengeschlossenen Organisationen mit Regierungsrat Zörgiebel als Vertreter des Landrats, sowie den Bürgermeistern Volk und W ö b e r statt über die Frage „Wie kommt die Jugend beider Städte am schnellsten zu einem Heim?“
An der Aussprache nahmen als Vertreter der Industrie der Prokurist der Tuchfabrik Arzt, A. Hoffahrt, Graf Alfred zu Erbach-Fürstenau, der amerikanische Resident-Officer Mr. Ouverson sowie Stadtbaumeister Meyer, Michelstadt, teil.
Kreisjugendpfleger Meyer und die Vertreter der einzelnen Jugendorganisationen schilderten zu Beginn der Aussprache die Raumnot der Jugend. In Kellerräumen, zugigen Winkeln und anderen unfreundlichen Gelassen müsse sie zur’ Zeit ihre Heimabende verbringen. Alle Beteiligten betonten die Unhaltbarkeit dieses Zustandes. Regierungsrat Zö r - g i e b e 1 versicherte die Unterstützungsbereitschaft des Kreises und erinnerte an in der Jugendpflege bereits Vollbrachtes. Er schlug vor, die den „Roten Falken“ in Michelstadt geschenkte Baracke von 20 X 8 Meter, die zur Zeit auf dem Gelände der Käsefabrik Nicklas steht, an zentraler Stelle aufzustellen und zunächst als behelfsmäßiges Jugendheim auszubauen.
Bürgermeister W ober, Michelstadt, begann seine Ausführungen mit der Feststellung, er komme sich angesichts' der zahlreichen Hilferufe der Radfahrer, Turner, Feuerwehren und der Jugendorganisationen vor wie ein erwerbsloser Familienvater mit 12 Kindern. Er wisse nicht mehr, wem er zuerst helfen solle. Dringend seien alle Fälle. Er bot der Jugend an, mit Hilfe des städtischen Bauhofes in Michelstadt selbst das Baumaterial für einen in Selbsthilfe zu errichtenden Neubau eines Jugendheims herzustellen. Der Plan fand allgemeine Anerkennung,- jedoch wären dazu mindestens zwei Jahre erforderlich, so daß für die Uebergangszeit der Barackenbau vorgezogen wurde.
Die Bürgermeister beider Städte erklärten sich bereit, den Abbau und die Wiederaufstellung der Baracke zu übernehmen, eventuell auch finanzielle Beihilfen zu leisten. Der Kreis wird das erforderliche Gelände besorgen, möglichst in der Gemarkung Stockheim, damit der Anmarschweg von beiden Städten gleich weit ist. Graf Alfred zu Erbach-Fürstenau erklärte sich zur Unterstützung dieses vorbildlichen Gemeinschaftswerks der Jugend bereit, ebenso der Vertreter der Industrie. Es wurde beschlossen, unverzüglich unter der Oberleitung von Regierungsrat Zörgiebel mit den Arbeiten zu beginnen. Die Stadtbaumeister beider Gemeinden und die Bürgermeister übernehmen die technische Leitung.
Erfreut dankte Werner Schreiber vom BEJ, der die Aussprache leitete, allen Beteiligten für die positive Zusammenarbeit. Ihr Erfolg sei ein verheißungsvoller erster Schritt der Jugend beider Städte zur Gemeinschaft. -ch
Unsere Geburtstagskinder
86. Geburtstag: Frau Komm.-Rat Julia Merck-Bucher, Jugenheim a. d. 8., Haus auf der Höhe.
78. Geburtstag: Frau Marie Willmann Witwe, Harpertshausen.
78. Geburtstag: Frau Elisabethe Bormuth geb. Meierhöfer, Kuralpe am Felsenberg i. Odw.
Einst Waisenhaus - jetzt Heilstätte
St.-Marienhaus bei Sandbach — ein Ort der Pflege und Erholung
Am Fuße des Breubergs, zwischen Neustadt und Sandbach im Odenwald, unmittelbar am Walde, inmitten prachtvoller Gartenanlagen bietet das St.- Marien-Waisenhaus lungenkranken Kindern und Jugendlichen einen gesunden Aufenthalt.
Bischof Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteier gründete 1856 an einem der reizvollsten Plätze des Mümlingtales das Waisenhaus. Ursprünglich war es ein Heim für Waisenkinder und Fürsorgezöglinge, die hier eine zweite Heimat finden sollten. Nach 1933 wurde es in eine Heilstätte für lungenkranke Kinder umgewandelt.
Das Heim kann 65 Kinder aufnehmen, wobei es sich allerdings nur um leichtere Fälle von Tbc-Erkrankungen handelt, die von der Landesversicherungsanstalt Hessen zugewiesen werden. Die Betreuung obliegt Aerzten der Ernst- Ludwig-Heilstätte in Sandbach, wo eine moderne Durchleuchtungsanlage zur Verfügung steht, so daß der Krankheitszustand der Patienten genauestens überprüft werden kann. Eine Entlassung erfolgt erst nach vollkommener Heilung.
Mit viel Sorgfalt pflegen 15 katholische Schwestern die Kranken. Mehrere Angestellte für Küche, Haus und Landwirtschaft sind dort beschäftigt.
Sobald sich die kleinen Patienten in die Gemeinschaft eingelebt haben, das geschieht normalerweise sehr rasch, vermissen sie kaum mehr ihr Zuhause. Gute, reichliche Mahlzeiten, bei denen Butter
und Milch die erste Stelle einnehmen, wechseln mit Liegekuren in großen Liegehallen ab. Bei schönem Wetter unternimmt man Spaziergänge und Wanderungen in die nahegelegenen Wälder. Schulpflichtige Kinder werden regelmäßig von einer Schwester im Rechnen, Schreiben und Lesen unterrichtet. Schöne, helle Tagesräume mit einer großen Bibliothek überbrücken unfreundliches Wetter oder kalte Wintertage. Zur Unterhaltung finden öfters Filmvorführungen statt.
Eine ganz besondere Freude bereitet es den Kindern, wenn die Schwestern ein Theaterstück mit ihnen einüben, das sie dann aufführen dürfen. Strahlende, helle Kinderaugen zeigen dem Besucher, daß sich die Kinder hier wohlfühlen. hm
Kennkarte mit hohem Preis
Weil er sich Mitte dieses Jahres unter falschen Personalangaben eine zweite Kennkarte hatte ausstellen lassen, verurteilte das Bezirksschöffengericht Darmstadt in seiner letzten Sitzung einen 39- jährigen Forstingenieur aus Mörfelden zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten. Das Gericht fand ihn einer Falschbeurkundung für schuldig. wst
Ahktuelles zwischen gesteru und heute
Motorbrand durch Kurzschluß
In den frühen Mittagsstunden des gestrigen Tages geriet im Anwesen Seibold in Spachbrücken der Motor eines Personenkraftwagens in Brand, als der Fahrer damit beschäftigt war, den Vergaser auseinanderzunehmen. Zur besseren Sicht verwendete er eine elektrische Handlampe, an der vermutlich infolge des Regens ein Kurzschluß entstand, wobei aus der offenen Benzinleitung tropfender Kraftstoff in Brand geriet. Das Feuer konnte mittels eines Minimaxgerätes und dem Einsatz einiger beherzter Männer schnell erstickt werden. Holzgarage und Wohnhaus waren bei weniger schnellem Eingreifen stark gefährdet. *
Kind fiel vom LKW
Auf der Straße von Asth ei m nach Bauschheim fiel am Mittwochabend ein Bjähriger Junge von dem Lastkraftwagen eines Mainzer Weinhändlers und zog sich erhebliche Verletzungen zu. Der Fahrer des Wagens hatte drei Kinder aus Gefälligkeit mitgenommen. Als er in eine Kurve einbog, fiel der Junge, der es wahrscheinlich versäumt hatte, sich einen festen Halt zu verschaffen, vom Wagen. Sofortige ärztliche Behandlung war erforderlich. Kb.
Tod durch Kohlenoxydgase
Anfang der Woche wurde der 17jährige Oskar Link aus Biblis, der in Bürstadt bei einer Gärtnerei beschäftigt war, im dortigen Heizungskeller ohnmächtig aufgefunden. Nachdem er seine Besinnung wiedererlangt hatte, wurde er durch einen Bürstädter Arzt sofort nach Hause geschickt, wo man noch einen weiteren Arzt zu Rate zog. Der Bibliser Arzt ordnete an, ihn mit einem Wagen nach Worms ins Krankenhaus zu bringen. Auf der Fahrt dorthin verstarb L.
Am Mittwoch wurde Link unter großer Anteilnahme der Bibliser Bevölkerung zu Grabe getragen. Ka
Uehbler Streich
Dem Geschäftsreisenden K. E. aus Worfelden löste sich auf der Heimfahrt von Frankfurt plötzlich das linke Hinterrad seines Volkswagens. Der geistesgegenwärtige Fahrer bemerkte den Schaden rechtzeitig und konnte den Wagen sofort zum Stehen bringen.
Wie sich inzwischen herausstellte, hat ein Unbekannter bei einem kurzen Aufenthalt des Fahrers in Mörfelden aus noch nicht feststellbaren Gründen die Verschraubungen an dem Hinterrad gelöst. Da der Täter anschließend die Radkappe wieder aufschraubte, war der „Unfug“ nicht zu erkennen. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Kb.
Fahrlehrer fuhr falsch
Wegen fahrlässiger Tötung hatte sich am Mittwoch der 38jährige Franz Josef H. aus Groß-Gerau vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt zu verantworten. Er erhielt nach mehrstündiger Verhandlung ein Jahr Gefängnis. Das Gericht hielt für nachgewiesen, daß der Angeklagte — ein Fahrlehrer — in den frühen Morgenstunden des 19. August mit seinem Personenwagen auf der Bundesstraße 44 von Frankfurt nach Groß-Gerau falsch und verkehrswidrig gefahren und dadurch mit einem ihm entgegenkommenden Motorradfahrer zusammengestoßen war. Das Unglück, das sich in der Nähe des Forsthauses Gehspitz- Mitteldick ereignete, hatte schwere und tragische Folgen: Der angefahrene Motorradfahrer — der Weißbinder Karl Baer —Vater von drei Kindern — erlitt tödliche Verletzungen.
Bei der seinerzeitigen polizeilichen Vernehmung stellte sich heraus, daß der Angeklagte unter Alkoholeinfluß gestanden hat. wst
Ein Rad flog ins Feld
Auf der Straße Reinheim—Gr.-Bieberau streifte vorgestern gegen 18.30 Uhr ein Pkw. aus Groß-Bieberau beim Ueberholen eines unbeleuchteten Handkarrens einen entgegenkommenden Lastwagen. Das Vorderrad des Pkw. wurde abgerissen und ins Feld geschleudert. Personen wurden nicht verletzt.
Die Kiste war schuld
Zu einem eigenartigen Verkehrsunfall kam es in der Darmstädter Landstraße in Gustavsburg. Ein Bjähriger Junge wollte die Straße überqueren und hatte dabei eine Kiste auf dem Rücken, die ihm die Sicht nahm. Auf der Fahrbahn wurde er daraufhin von einem amerikanischen Personenwagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Die Insassen des Wagens, amerikanische Offiziere, bemühten sich sofort um den Jungen, der zum Glück nur leichte Verletzungen davongetragen hatte. Kb.
Leitungsmast angefahren - 2 Tote
Die 20- und 22jährigen Brüder Herbert und Heinz Geiss aus Neckarbischofsheim gerieten kürzlich auf der Fahrt nach dem nahen Helmhof mit einem geliehenen Kraftrad in einer Kurve ins Rutschen und prallten mit aller Wucht gegen einen Leitungsmast. Beide Brüder waren auf der Stelle tot. WL
Mordprozeß Heil/Rückert nähert sich seinem Höhepunkt
Zeugenvernehmung im wesentlichen beendet / Werden das frühere Heilgeständnis und die Indizien zu einer Verurteilung ausreichen? / Mit Spannung erwartet man die Plädoyers
Am gestrigen vierten Verhandlungstag des Schwurgerichts Darmstadt im Mordprozeß Heil/Rückert ergaben sich keine besonderen Ueberraschungen. Die Zeugenvernehmung wurde im wesentlichen beendet und ein Teil der Sachverständigen gehört. Die Beweisaufnahme dürfte heute abgeschlossen werden. Man wird dann mit Spannung darauf warten, zu welchem Ergebnis zunächst Oberstaatsanwalt Dr. Kant in seinem Plädoyer kommt, das er aller Voraussicht nach heute mittag vortragen wird.
Es wurden gestern zahlreiche Zeugen vernommen, darunter unter anderem auch Kriminalkommissar Beyer, Kriminalinspektorin Wüst und Kriminalassistentin Beul er. Der Zeuge Schmidt, der sich am 5. März 1950 zwischen 20.30 und 21 Uhr auf der Chaussee von Stockstadt nach Goddelau befand, berichtete, daß kurz vor 21 Uhr ein Mann mit einem Fahrrad ohne Licht ihn passiert habe und dann am rechten Ufer die Schwarzbach aufwärts in Richtung Anstalt gefahren sei. Fünf Minuten später habe er dann einen Frauenschrei aus dei- Richtung des Hospitals gehört und zunächst geglaubt, es handele sich um die Stimme eines Kranken in der Anstalt. Später sei ihm jedoch eingefallen, daß der Schrei viel näher gewesen sei.
Die Zeugin Z i e f 1 e — vor einiger Zeit wegen 51 Diebstählen selbst abgeurteilt — war geraume Zeit Zellengenossin der Angeklagten Heil im Bensheimer Gefängnis. Wie sie aussagte, habe sie von Kriminalrat Weidmann den Auftrag bekommen, Frau Heil zu beobachten und mit dieser ins Gespräch zu kommen. Die Zeugin wußte allerdings nur zu berichten, daß .Frau Heil ihr gegenüber stets alles abgestritten, einmal auf ihren eigenen Mann als möglichen Täter getippt und von jenem unbekannten Manne gesprochen habe, mit dem die Angeklagte angeblich am Tatabend in der Anstaltswaschküche sich amüsiert haben will.
Obermedizinalrat Dr. Bins ac k war am Dienstag, dem 7. März 1950, an den Fundort der Leiche gerufen worden. Ihm sei sofort, so sagte er als Sachverständiger aus, das rote Gesicht, die geschwollenen, blauroten Lippen sowie die zwei Finger breite Strangulaitonsfurche am Hals der Leiche aufgefallen. Die Obduktion habe später klare Drosselungsmerkmale und keinerlei Anhaltspunkte für einen Ertrinkungstod gegeben. Seiner Ansicht nach sei die Leiche erst längere Zeit nach der Tötung in das Wasser hineingeworfen worden. Darauf deute das eigenartige Herausragen des rechten Armes aus dem Wasser hin. Bevor man die Frau ins Wasser gelegt habe, sei bereits die Leichenstarre eingetreten gewesen. Außerdem hielt er es für unmöglich, daß die Leiche bereits zweieinhalb Tage im Wasser gelegen haben soll. Er schätze höchstens zehn bis zwölf Stunden. Keine sogenannte Waschhaut, die durch langes Liegen im Wasser eintrete, sei festzustellen gewesen. Eine Tötung am 5. März abends halte er schon für möglich, nur müsse seiner Meinung nach die starre Leiche dann erst einige Zeit darüber hinaus in die Schwarzbach hineingeworfen worden sein.
Dr. med. Lange war der Auffassung, daß eine Waschhaut auch ausbleiben könne. Auf Befragen, ob die Leiche zweieinhalb Tage bereits im Wasser gelegen
haben könnte, das heißt bereits am Sonntagabend, dem 5. März, hineingeworfen worden sei, meinte er, diese Zeit erscheine ihm zu lang. Dr. med. Karl Luft vom Gerichtsmedizinischen Institut Frankfurt teilte im wesentlichen diese Auffassung.
Oberarzt Dr. med. Ohm hatte den Angeklagten Rückert zur Beobachtung in Behandlung. Er fand keinerlei Anhaltspunkte für eine geistige Unzurechnungsfähigkeit Rückerts. Zu einer überlegten Tötung an seiner Frau sei Rückert nicht der passende Typus. Er traue ihm auch nicht die Willenskraft zu,- eine eventuelle Lüge so lange durchzuhalten. Rückert hätte seines Erachtens schon längst jn dramatischer Weise ein Geständnis abgelegt, wenn er der Mörder wäre. Die Tatsache, daß er auf die Nachricht vom Tode seiner Frau zusammengebrochen sei, werte er als Primitivreaktion eines buchstäblich damit „überfallenen“ Mannes, aber keineswegs eines kalkulierenden Mörders.
Heute wird Professor Dr. Rauch (Heidelberg) sein Gutachten über die Angeklagte Heil erstatten. Wst.
Schöllenbach vor unlösbaren Problemen
Bürgerversammlung diskutierte über Wasserleitungsbau und Eisenbahn-Haltestelle
In der Gastwirtschaft „Zur Eisenbahn“ hatte sich am Dienstagabend der größte Teil der Einwohnerschaft Schöllenbachs zur ersten Bürgerversammlung eingefunden, an der Regierungsrat Zörgi ebe 1, Regierungs-Oberbaurat Krause und Inspektor Jung vom Wasserwirtschaftsamt Darmstadt sowie der amerikanische Resident-Offlcer Mr. Ouverson teilnahmen.
Als wichtigstes Problem der Gemeinde bezeichnete Bürgermeister V a y den Bau einer Trinkwasseranlage, um den man sich schon seit Jahrzehnten vergeblich bemüht. Die Wasserverhältnisse dieser kleinen Gemeinde mit etwa 80 Haushaltungen und rund 360 Einwohnern sind unhaltbar; denn es gibt nur einige Brunnen, deren Wasser aber nur in abgekochtem Zustand genießbar ist. Bereits 1939 hatte man ein Projekt mit einem Kostenaufwand von 60 000 RM beschlossen, das aber durch den Krieg wieder zunichte gemacht wurde.
Jetzt hat das Wasserwirtschaftsamt Darmstadt zwei Projekte in Vorschlag gebracht, die aber je i4O 000 bis 160 000 DM Kosten verursachen Das Land Hessen gibt in Würdigung der Dringlichkeit des Falles einen Zuschuß von 41 000 DM und stellt weiter ein zinsloses Darlehen von 39 000 DM in Aussicht, die aber noch im laufenden Rechnungsjahr verbraucht werden müssen. Diese 80 000 DM machen aber erst etwa die Hälfte der Gesamtkosten aus. Durch Holzeinschläge im Gemeindewald und Notstandsbeihilfen könnte zwar noch ein Teil aufgebracht werden, aber der Rest von 30 000 DM ist für Schöllenbach ein unlösbares Problem.
Regierungsbaurat Krause schlug vor, zunächst die Neufassung der Kirchquelle zu versuchen, da dieses Projekt das billigere ist. Ungeachtet dessen könne man das weitere Projekt im Eutergrund für später im Auge behalten. Nach eingehender Aussprache einigte man sich in diesem Sinne. Am kommenden Montag sollen die ersten Vorarbeiten bereits in Angriff genommen werden. Die Männer des Dorfes erklärten sich bereit, durch Selbsthilfe die Kosten möglichst niedrig zu halten.
Die Einrichtung eines Haltepunktes für Personenzüge im Ort war der zweite Punkt der Tagesordnung, der die Schöllenbacher lebhaft interessierte. Dadurch würde den Berufstätigen aus Schöllenbach und Hesselbach der 3 Kilometer lange Weg zum Bahnhof am Krähbergtunnel erspart. Die Bundesbahn hatte sich bereits mit der Einrichtung eines derartigen Haltepunktes einverstanden erklärt, wenn die Gemeinde die Einrichtungskosten trägt. Nachdem die Schöllenbacher hiermit einverstanden waren, stellte die Bundesbahn nunmehr weitergehende Forderungen. Durch das Anhalten der Züge im Ort ergebe sich jährlich ein Mehrverbrauch an Kohle von ca. 2000 bis 3000 DM. Im übrigen müsse die laufende Unterhaltung, Beleuchtung usw. des 90 Meter langen Bahnsteigs von der Gemeinde getragen werden.
Regierungsrat Zörgiebel erklärte sich bereit, erneut mit der Bundesbahn zu verhandeln, damit endlich der berechtigte Wunsch der Schöllenbacher auf Einrichtung des Haltepunktes erfüllt wird. Die Kreisverwaltung werde es auf keinen Fall dulden, daß der südliche Odenwald weiterhin so stiefmütterlich behandelt v/ er d e wie bisher.
Beigeordneter Hieronymus vom Ortsteil Kailbach-diesseits stellte die Forderung, daß die amerikanische Besatzungsmacht als der derzeitige Jagdausübende die Wildschadenskosten und die Unterhaltung des Elektrozauns zur Verhütung von Wildschäden trage. Regierungsrat Zörgiebel stellte hierzu in Aussicht, daß in Kürze ca. 100 Gewehre an Jäger im Kreis Erbach ausgegeben werden, so daß deutsche Jäger wieder die Schadwildbekämpfung übernehmen werden. -ch.
Brandgrab aus der Bronzezeit
in Rüsselsheim gefunden
Bei Bauarbeiten legte der Rüsselsheimer Einwohner Karl Dietz eine selten große Urne frei, die nur leicht beschädigt war und sichergestellt werden konnte. Das Gefäß ist 60 cm hoch und hat einen Umfang von 1,56 Meter. Da man im Innern der Urne neben verschiedenartigen Gefäß-Scherben auch Knochenreste vorfand, ist anzunehmen, daß es sich offenbar um ein Brandgrab aus der Urnenfelder Bronzezeit um 1000 vor Christi handelt. Der historische Fund wurde dem Heimat-Museum zugeführt.
50 D-Mark
für „kreisfreie Stadt”
Dieser Tage konnte die Opelstadt Rüsselsheim durch einen Geburtenzugang ihren 20 OOOsten Einwohner registrieren und hat somit nunmehr die Möglichkeit, kreisfreie Stadt zu werden. Der Magistrat überreichte den Eltern des Kindes aus diesem Anlaß ein Sparbuch mit einer Einlage von 50 D-Mark. Kb.
Neuer Bücher für große und kleine Leute
in der amerikanischen Lesehalle Heppenheims
Eine lauschende Kinderschar trafen wir bei einem Besuch in der amerikanischen Lesehalle von Heppenheim an. Die Leiterin, Fräulein Schröder, die vor allen Dingen die Kinder anhielt, ein Buch nur mit sauberen Händen anzufassen, las den Kindern vor.
Von ihr erfuhren wir manches Interessante:
Wie zu allen Zeiten werden Indianergeschichten von der Jugend bevorzugt. Alles aber, was in der Lesehalle geboten wird, ist sorgfältig ausgewählter, den jungen „Leseratten“ keineswegs schadender Stoff. Zu den bisherigen ca. 3000 Bänden ist neuerdings eine weitere stattliche Auswahl guter Werke für Erwachsene und Kinder hinzugekommen. Es finden sich deutsche und englische Fachliteratur, wertvolle Biographien, gute Kriminalromane (die mit zum bevorzugten Lesestoff gehören), aber auch Werke des früheren Heppenheimer Religions-Philosophen und Schriftstellers Martin Buber, interessante Reisebeschreibungen, Schriften über Psychologie, „Die Welt im Brief“ und vieles mehr.
Durch diese soziale Einrichtung wird der minderbemittelten Bevölkerung geistige Bildung ermöglicht. Im September wurden fast 2000 Bücher und Zeitschriften ausgeliehen. Aber auch die Filmvorführungen unter Leitung des Bensheimer
Bildhauers Hans Mühlhäuser, Musikabende, Vorträge und englische Konversation tragen zur geistigen Vertiefung bei. Regelmäßige Stunden, in denen man Kinder im Basteln unterrichtet, sind besonders interessant gestaltet.
Eltern, die ihren Kleinen klargemacht haben, daß sie sich im Amerikahaus als Gast zu betragen haben, wird sich diese begrüßungswerte Einrichtung doppelt zum Guten auswirken. (erh)
Zum Dekan des Dekanats Zwingenberg wurde Pfarrer Ullmann, Jugenheim, dieser Tage durch die Dekanatssynode wiedergewählt. Zu seinem Vertreter wurde Pfarrer Keller, Heppenheim, ernannt. HB
Colibakterien wurden bei einer Untersuchung des Wassers von Hainstadt festgestellt. Aus diesem Grunde soll die Quellenkammer neu gefaßt werden, hm Kostenlos erfolgt die Abgabe eines Marktkalenders durch die Bürgermeisterei, den die Gemeindeverwaltung Groß-Bieberau herstellen ließ. GD
Rußland - so und so gesehen
Arbeitskreis für Erwachsenenbildung in Groß-Gerau tagte
• Z^ei ,nteressanten Vorträgen über das Leben in der Sowjetunion wurde aer Aula des Realgymnasiums in Groß-Gerau die Winterarbeit des AroeitsKreises für Erwachsenenbildung am Mittwoch eröffnet.
Direktor Barth begrüßte als Gäste Bürgermeister Dr. Küde ck e und Kreisschulrat Schwedes und wies darauf hin, daß der Arbeitskreis die bestehenden Volkshochschulen unterstützen werde und auf Kreisebene in d e n Orten, in denen es noch keine Volkshochschule gebe, die Erwachsenenbildung übernehmen wolle.
Den ersten Vortrag zum Thema „Das Leben im Vorkriegs-Rußland“ hielt Morosow, der seine Studienjahre in der Sowjetunion verbrachte und in seinen Ausführungen das Leben einer russischen Familie in Moskau schilderte. Es war für die zahlreichen Zuhörer eine Ueberraschung zu hören, daß es im sozialistischsten Staate der Erde auch Familien gibt, die ein Dienstmädchen halten. Zeitungsträger und Schuhputzer gelten in der Sowjetunion als unehrenhafte Berufe. Dagegen seien Frauen, die als Lokomotivführer fungieren, keine Seltenheit. Morosow sagte, daß die
meisten Familien in der Metropole der Sowjetunion in sogenannten Kommunal-Quartieren wohnten, in denen es für je 6 Familien eine Küche gäbe. Gas gehöre allerdings nicht zu den Selbstverständlichkeiten Moskaus, denn nur 40 Prozent der Häuser seien an das Gasnetz angeschlossen. Telefon-Apparate besäßen jedoch die meisten Familien.
In einem völlig anderen Licht ließ Dr. Enders als nächster Redner ein Bild von Rußland erstehen, wie er es während seiner 50 Monate Gefangenschaft in Sibirien erlebte. Von den letzten Kämpfen, über den Marsch in die Gefangenschaft bis zu den sibirischen Schweigelagern schilderte er an Hand erschütternder Erlebnisse den Leidensweg deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion. Mit den Worten „Lieber sterben als noch einmal eine russische Gefangenschaft erleben“, beschloß er seinen Vortrag. Kr.
Doppeljubiläum
in Groß-Umstadt
Die Sängervereinigung in Groß-Umstadt ist aus der Verschmelzung des irn Jahre 1869 gegründeten Gesangvereins „Liederkranz“ mit dem am 8. Dezember 1900 ins Leben gerufenen Gesangvereins „Sängerlust“ hervorgegangen. Während also der „Liederkranz“ im vorigen Jahre auf ein 80 jähriges Bestehen zurückblicken konnte, wird die Sängerlust“ in wenigen Wochen ein Alter von 50 Jahren erreicht haben.
Am Sonntag, dem 3. Dezember, nachmittags um 15 Uhr, sollen diese beiden Jubiläen im Saale des Gasthauses „Zum Weißen Roß“ feierlich begangen werden. Unter der Leitung seines Dirigenten P. M. Leist wird der Männerchor eine Auswahl der schönsten Chorwerke zu Gehör bringen.
Klavierwerke von Schubert und Brahms, gespielt von Herrn Leist, runden das anspruchsvolle Programm ab. Die Ansprache, in der die Geschichte der beiden Stammvereine und der Sängervereinigung gewürdigt werden wird, hat Studienrat a. D. Wittersheim übernommen. *
Bäckerinnung tagte
in Groß-Gerau
In einer Innungsversammlung trafen sich am Mittwoch im Saal des Hotels „Adler“ die Bäcker des Kreises Groß-Gerau. Obermeister Arnold begrüßte als Ehrengäste Landesinnungsmeister Rausch aus Frankfurt, den Präsidenten der Handwerkskammer, Gisbert, sowie Kreishandwerksmeister Gruber. Neben aktuellen Fragen, befaßten sich die Referenten mit der Regelung der Kohlenversorgung und forderten die Kohlenhändler auf, die Bäckereien bevorzugt zu beliefern, um die Versorgung der Bevölkerung mit Brot nicht zu gefährden.
Präsident Gisbert kam in seinen Ausführungen auf das kommende Handwerksgesetz zu sprechen, das eine Anerkennung der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts vorsehe. Eine 12prozentige Lohnerhöhung werde wahrscheinlich das Ergebnis der gegenwärtigen Verhandlungen mit den Gewerkschaften sein, die kürzlich die Tarifverträge für das Nahrungsmittelgewerbe gekündigt hätten, erklärte Landesinnungsmeister Rausch und teilte mit, daß mit einer Erhöhung der Preise für Konsumbrot nicht zu rechnen sei. Kr.
Interne Fragen
vor der Gemeinde verhandelt
In der Gemeinderatssitzung Groß-Bieberau wurden die Be- und Entwässerungsarbeiten für den Schulhausneubau zurückgestellt, um den Gemeindevertretern Gelegenheit zu geben, sich mit Architekt Pullmann, Groß-Zimmern, in einer gemeinsamen Sitzung über alle Positionen zu informieren. Es waren zwei Angebote eingereicht, zu 15 244,48 DM und zu 12 934,31 DM.
Abgelehnt wurde die Pachtung des Schwimmbades Lichtenberg. Es wurde die
Ansicht vertreten, daß der Neubau eines Schwimmbades noch akut sei, und daher eine Pacht auf 15 bis 20 Jahre nicht in Frage komme.
Weiterhin wurden der Gartenpachtpreis für die verpachteten gemeindeeigenen Gärten auf 0,04 DM festgesetzt, 4 Bauplätze zugesprochen und ein Baugesuch genehmigt.
Unter „Verschiedenes“ gab der Bürgermeister bekannt, daß bis jetzt 53 Bauplätze vergeben wurden, und die Gemeinde für etwa 75 000 DM Bürgschaften beim Wohnungsnotbauprogramm übernommen habe. Dies bedeute jedoch keine auf Jahre hinausgehende Verschuldung der Gemeinde, diese Bürgschaft würde vielmehr nach Erwerb des Bauplatzes als Hypothek eingetragen. GD.
Alsbachs Waldwirtschaftsplan
vom Gemeinderat verabschiedet
Bei der letzten Sitzung des Gemeinderats, in der auch die Geschworenen- und Schöffenwahl durchgeführt wurde, über die wir bereits berichtet haben, kam der Waldwirtschaftsplan der Gemeinde zur Verabschiedung,
Nach dem von Förster Wegers erläuterten Plan sieht das Forstamt Jugenheim für das Wirtschaftsjahr 1950/51 einen Hiebsatz von 1100 Festmetern vor. In der sich anschließenden Diskussion vertrat Gemeinderat Mahr (SPD) die Ansicht, daß die aufgestellte Holzeinschlagsmenge> zu niedrig sei. Da aber nach den von Förster Wegers gemachten Angaben der Hiebsatz dem nach der Bestandsinventur errechneten Abnutzungssatz entspricht, wurde der Plan verabschiedet.
Dem Gesuch der Waldarbeiter um Bewi'lligung einer Teuerungszulage wurde mit 15prozentiger Erhöhung stattgegeben. hl
Leistungsschau in Kelsterbach
Wie im Vorjahre hält der Kelsterbacher Verkehrs- und Versehönerungsverein auch in diesem Jahre wieder eine großangelegte Leistungsschau ab. Die Ausstellung findet in der Zeit vom 18. bis 22. November 1950 in den beiden Sälen der Gasthäuser „Zur Sonne“ und „Grüner Baum“ statt. Bis jetzt sind über 450 qm Ausstellungsfläche von einheimischen Firmen belegt. Mit der Schau ist eine reichhaltige Verlosung verbunden, zu welcher die ausstellenden Firmen wertvolle Gewinne gestiftet haben. Kb.
Jakob Kaiser
bei Bürgermeister Treffert
Bundesminister Jakob Kaiser der kürzlich auf einer Versammlung der CDU in Heppenheim sprach, benutzte die Gelegenheit, Bensheim und Bürgermeister Treffert, mit dem er durch seine frühere Tätigkeit im Rheinland und in Berlin befreundet ist, einen Besuch abzustatten. Der Minister zeigte großes Verständnis für die schwierige Wohnraumlage in Bensheim, das durch die Zuweisung zahlreicher Flüchtlinge und die Belegung einzelner Gebäude mit DP’s sehr stark in Anspruch genommen ist. Zum Vergleich schilderte Jakob Kaiser die Verhältnisse in der Ostzone, die er durch seine Tätigkeit in Berlin bis in kleinste Einzelheiten kennengelernt hat, und betonte, daß die Bevölkerung der Westzonen alles tun müsse, um die opferfreudigen Bewohner der Ostzone zu unterstützen. (HB)
Alle Parteien an einer Tafel
Die Stadt Michelstadt hat aus den Erfahrungen früherer Wahlkämpfe die Lehre gezogen und angeordnet, daß Wahlplakate nicht an Häuserwände zu kleben sind. Sie hat an verschiedenen Stellen der Stadt, so am Lindenplatz, beim Amtsgericht und in der Waldstraße vier je sechs Quadratmeter große Holztafeln aufstellen lassen, auf denen alle vier Parteien ihre Wahlplakate ankleben können.
Forsthaus Wildbahn wurde Schule
Am Montag lief im Forsthaus Wildbahn bei Lampertheim der erste Kurs zur Schulung von Waldarbeitern an. Die Lehrgänge dauern durchschnittlich 10 bis 14 Tage und werden nicht nur für Waldarbeiter, sondern auch für Förster, Eleven und Waldhüter abgehalten. Die offizielle Einweihung der Schule ist für den 24. November vorgesehen. bb.
Kulturfilmveranstaltungen im Landkreis Darmstadt
Das Wochenprogramm der Kulturfilmveranstaltungen im Landkreis Darmstadt sieht in der Zeit vom 20. bis 26. November folgenden Plan vor:
Montag, 20 November: 20.30 Uhr Wembach, Landwirtschaftsschule.
Dienstag, 21. November: 20 Uhr Hähnlein, Volkshochschule.
Freitag, 24. November: 19.45 Uhr Rossdorf, Ortsjugendausschuß. DT
Fast alle Ferkel verkauft
Auf dem Ferkelmarkt, am 15. November in Groß-Gerau kosteten vier Wochen alte Ferkel 35—40 DM, fünf Wochen alte 40—50 DM. sechs Wochen alte 45—55 DM und sieben Wochen alte 55—60 DM. Für Läufer wurden je nach Gewicht bis zu 100 DM bezahlt. Der Verkauf war schleppend. Von den 305 aufgetriebenen Ferkeln wurden jedoch bis auf einen geringen Bestand alle verkauft. Der nächste Markt findet am Mittwoch, dem 29. November, auf dem Marktplatz statt. eng
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Roßdorf. Am Samstagabend führt die Ortsgruppe des Roten Kreuzes in einer Werbeveranstaltung einen bunten Abend im Saale des Gasthauses „Germania“ (Plöser) mit musikalischen und humoristischen Darbietungen durch. sl
Messel. Am Mittwochabend fand hier eine Wahlversammlung der SPD mit dem Spitzenkandidaten dieser Partei, Ministerpräsidenten Stock, statt. -es
DIEBURG
Groß-Bieberau. Der Kleintierzuchtverein hatte kürzlich seine Mitglieder zu einer Versammlung bei Karl Lortz eingeladen. Es wurde die Beschickung der Ausstellungen im Winter 1950/51 besprochen und zwei Zwerghuhnstämme verlost. GD.
Babenhausen. Am Sonntag findet um 20 Uhr im Saale des Gasthauses „Zum Adler“ ein Theaterabend des Gesangvereins „Volkschor Sängerbund 1840“ statt, bei der der Vier-Akter „Robert und Bertram, die lustigen Galgenvögel“ zur Aufführung gelangt. NB
ERBACH
Heubach. Die Kreisstraße nach Groß-Umstadt ist für den Verkehr wieder freigegeben worden. hm Dorndiel. Die Flüchtlinge der Gemeinde hielten eine Versammlung ab, in deren Verlauf Albert Neutzner zum Obmann gewählt wurde. hm
BERGSTRASSE
Lorsch. Ein Familienabend des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen findet am Samstag, dem 18. November, in der Turnhalle statt.
Groß-Rohrheim. Sobald alle erforderlichen Mittel bereitgestellt sind, will die Gemeinde die Kanalisierung ihrer Hauptstraßen' in Angriff nehmen. Mit dem Beginn der Arbeiten wird noch in diesem Winter gerechnet. bb
GROSS-GERAU
Goddelau. Der Gemeinderat stimmte dem Gesuch der Firma Stahlbau zu, die zur Erstellung von Werkswohnungen um gemeindeeigenes Gelände nachgesucht hatte, und verkaufte ihr ein insgesamt 3342 Quadratmeter großes Baugelände an der Gernsheimer Straße. -Kr-
Worfelden. Der Radfahrerverein 03 veranstaltet am Samstag, dem 18. November, im Saalbau ..Zur Sonne“ einen Theaterabend. bei dem ein Märchenstück und das Lustspiel „Der Meisterboxer“ zur Aufführung gelangt. Kb
Der SPORT
Bezirksklasse im zweiten Drittel
Spitzenreiter Lorsch und Bischofsheim vor leichten Aufgaben
In der Gruppe 1 wird sich Lorsch wohl Wieder von seinem Bensheimer Schock erholt haben und auf eigenem Platz gegen Biblis zum 9. Sieg aus zehn Spielen kommen. Bürstadt müßte nach seinem 2:3-Sieg in Hofheim auch von seiner Reise zum VfR Langen, der seine bisherigen acht Spiele im Durchschnitt nur unentschieden gestalten konnte, mit unigeteiltem Punktpaar zurückkommen, sonst könnte ihm Ober-Ramstadt, das gleich den Bürstädtem von zehn Spielen sieben voll ausbeutete, in Groß-Gerau leicht den Rang ablaufen. Viktoria Urberach muß vor seinen Anhängern gegen Bobstadt schon weit mehr erreichen als nur einen Treffer in der zweiten Halbzeit (wie letzten Sonntag), wenn es mit seinem Gegner nicht den Tabellenplatz tauschen will. Diese Gefahr liegt jedenfalls nahe. In Hofheim gegen Pfungstadt liegen die Dinge nicht viel anders. Die Tabellenzeilen beider Vereine ähneln sich sehr. Eberstadt erwartet Roßdorf, dessen 1:1 gegen Urberach bestimmt eine gute Empfehlung ist; ob sein Spielvermögen ausreicht, wenigstens ein kleines Schnittchen vom vorletzten Platz und damit über die diesmal spielfreien Bensheimer hinauszukommen, ist allerdings fraglich. Groß-Rohrheim hat sich bis jetzt noch nicht zur Spielreife der Bezirksklasse entwickeln können. Wenn sein neuer Gast Heppenheim trotz 8 Gutpunkten auch noch nicht übers letzte Drittel (Platz 11) hiinausgekommen ist, so hat man doch berechtigte Zweifel an einem Sieg der „Rohremer“.
Es spielen: Langen—Bürstadt, Hofheum— Pfungstadt, Groß-Rohrheim—Heppeneim, Ebersadt—Roßdorf, Viktoria Urberach —Bobstadt, Groß-Gerau—Ober-Ramstadt, Lorsch— Biblis, spielfrei Bensheim.
In der G r u p p e 2 steht Bischofsheim vor einer leicht lösbaren Aufgabe. Es hat die Egelsbacher zu Besuch, die sich für den kommenden Sonntag vielleicht das eine oder andere Tor, kaum aber einen Punkt als Ernte ausrechnen werden. Schwieriger wird die Lage schon für Rot-Weiß Walldorf, bei dem sich Germania Oberroden unter Umständen in die Spitzengruppe verschieben kann, denn sein Rückstand von nur zwei Pluspunkten zeugt von einer Mannschaftsleiistung, die nahe an die der Dieburger (in Mörfelden unentschieden heranreicht. Der Tabellendritte Dieburg muß zwar einen Sprung durch den Wald nach Messel machen, aber er kann sich ähnlich Bischofsheim wohl auch für zwei Punkte gut erachten, so daß ihm unter Umständen der Platz hinter dem Tabellenführer zufallen kann. Die KSV Urberach muß in Wixhausen schwer auf Draht sein, wenn sie sich nicht überflügeln lassen will. Ihr vergangener 3:0-Sieg über die führenden Bischofsheimer eröffnet ihnen jedoch gute Aussichten auf Erfolg. Mörfelden kommt in den südlichen Rodgau zum SV Münster. Beide Vereine stehen bereits gesichert in der Mittelgruppe, so daß also hier die Tagesform entscheiden wird, wem der Sprung nach oben gelingt. Fast gleicher Spielstärke sind Erbach und Nauheim, die sich im Odenwald treffen, und die Partner der Begegnung Eppertshausen—Trebur. Während man bei jenen eher auf ein Unentschieden rechnen möchte, sollte den Eppertshäusern unter Umständen der erste Sieg gelingen.
Es spielen: Münster—Mörfelden, Bischofsheim-Egelsbach, RW Walldorf—Germania Oberroden, Eppertshausen—Trebur, Erbach —Nauheim, Wixhausen—KSV Urberach, Messel—Dieburg. (RG)
Ringer mit interessanten Begegnungen
SV 98 in Hanau / Darmstadt 1910 empfängt Wiesbaden, Arheilgen die Neu-Isenburger / Ober-Ramstadt vor schwerem Kampf
Die Meisterschaft der Ringer ist in die entscheidende Phase getreten. In der Oberliga treffen sich am Wochenende: Eiche Hanau — Darmstadt 98, Germania Hösbach — SG Eckenheim, Germania Dettingen — ASV 86 Frankfurt, Groß-Zimmern frei.
Die Lilienträger fahren am Samstag nach Hanau und treffen dort auf einen der stärksten Gegner der hessischen Oberliga. Die Gastgeber bewiesen ihre Kampfkraft durch ihren überlegenen Sieg am vergangenen Wochenende in Groß-Zimmern. Lange Zelt waren sie ernster Bewerber des ersten Platzes, bis es zu dem unnötigen Kampfabbruch in Darmstadt kam. Beim Rückkampf werden die Hanauer den Darmstädtern beweisen wollen, was in ihnen steckt. Immer noch ist ihr Halbschwergewichtler Fleischer gesperrt und die Lilienträger fahren auch nach Hanau nicht ohne Chancen, vorausgesetzt, daß sie in ihrer kompletten Aufstellung antreten. Theoretisch könnten aus den beiden letzten Begegnungen noch 4 Punkte geholt werden, die evtl, zum Erhalt reichen könnten. Die Darmstädter müßten allerdings in Hanau mit erstklassigen Leistungen aufwarten.
• In Hösbach trifft der Meister, die SG Eckenheim auf die starken Gastgeber, die auf eigener Matte besonders gefürchtet sind. Trotzdem sollen die Gäste das bessere Ende für sich behalten können.
In Dettingen wird der Neuling versuchen, seinen 2. Platz durch einen Sieg über die Henze-Mannschaft zu behaupten, was ihm auch gelingen sollte.
llllgtJll ÖUHIC. In der Landesliga ringen: Darmstadt 1910 gegen Athletia Wiesbaden, SGK Ober-Ramstadt gegen SKG Sprendlingen, SG Arheilgen —KSV Neu-Isenburg, Kostheim frei.
IN VM Ul । ■■ aa Nachdem die Abstiegsfrage bereits entschieden ist — Wiesbaden steht hoffnungslos am Tabellenende — wird der Kampf um die ersten Plätze immer härter. In Darmstadt sollten die 1910 er ihren klaren 7:1-Sieg in Wiesbaden wiederholen und damit weiter die Tabellenspitze halten können. Die Gastgeber treten in ihrer z. Z stärksten Aufstellung an, also mit Geron, K. Ditter, H. Ditter, Winkel, Trüber, Schäfer, Veith jun. und Veith sen. Das größte Interesse hat zweifellos die Begegnung zwischen Ober-Ramstadt und Sprendlingen. Ein Sieg der Gastgeber, der durchaus im Bereich der Möglichkeit liegt, würde beiden Mannschaften gemeinsam den 2. Platz bringen. Den Nutzen könnten dann nur die Darmstädter ziehen. Eine weitere starke Begegnung findet in Arheilgen statt. Neu-Isenburg, das erst am vergangenen Wochenende eine Niederlage auf eigener Matte beziehen mußte, wird seinen klaren Vorkampfsieg nicht wiederholen können. In Arheilgen ist mit einem Erfolg der Gastgeber zu rechnen. -eri-
Rechtsaußen Berni Klodt von Schalke 04 wird in der deutschen Elf dem stämmigen Schweizer viel zu schaffen machen Fotos: Schirner
Ringer-Kreisliga
In der Gruppe 1 fahren die Münsterer mit wenig Aussichten nach Wersau. Die Mattenherren haben zu Hause noch keine Punkte verloren. Am Samstagabend. 20.30 Uhr, erwartet die Staffel von Schaafheim im Saale „Frankfurter Hof“ ihre Gäste aus Roßdorf. Die Gleichwertigkeit der Mannschaften garantiert für einen spannenden Kampfverlauf. In der Gruppe 2 sieht man mit besonderer Spannung in Ober- und Nieder-Ramstadt dem Treffen der Nachbarmannschaften entgegen. Die Rimbacher haben die Vorkampf-Niederlage in Bensheim noch nicht vergessen und wollen sich revanchieren. Da die Gäste ihren zweiten Platz nicht verlieren wollen, wird es zu einem erbitterten Ringen kommen. Der Neuling wird in Pfungstadt die Rolle des Punktlieferanten übernehmen müssen, denn in Pfungstadt haben es selbst die alten Veteranen schwer. Doch die Fürther haben sich wieder etwas gefangen und werden sich nicht ohne harte Gegenwehr geschlagen geben.
Hessen-Boxer im Länderpokal
Die hessische Länderstaffel der Boxamateure greift am Sonntag in das Turnier um den Länderpokal ein. Der Gegner für diese Zwischenrundenbegegnung um die Ausscheidung in der Gruppe Südwest heißt Rheinland, das die Mannschaft des Landesverbandes Südwest erst durch zwei glückliche Auslosungssiege irt’ Trier aus dem Rennen werfen konnte.
Das Gerippe der rheinländischen Mannschaft stellt wieder der Deutsche Mannschaftsmeister BC Trier unter Verzicht auf den verletzten Fliegengewichtler Frankreiter.
Für den Pokalkampf, der am Sonntag um 11 Uhr in der Rüsselsheimer Stadthalle beginnt, wurde folgende Mannschaft für Hessen namhaft gemacht: Fliegengewicht: Struck ( Rot-Weiß Frankfurt), Bantamgewicht: Biermann (BC Rüsselsheim), Federgewicht: Stasch (KSV Hessen Kassel), Leichtgewicht: Schilling (BC Zeilsheim), Weltergewicht: Frank (BC Kassel-Wllhelmshöhe), Mittelgewicht: Fleck (Stockstadt), Halbschwergewicht: Müller (Fechenheim), Schwergewicht: Hofmann (BC Rüsselsheim).
Der letzten Enscheidung entgegen
Noch 10 Paare umkreisen das Holzoval in Hannover und reißen mit ihren pausenlosen Jagden die Menschenmassen von den Stühlen. Es ist ein Rennen ganz nach dem Geschmack des Publikums, das die Halle ständig bis auf den letzten Platz füllt. In den Jagden des Mittwoch wurden am laufenden Band Runden gewonnen und verloren. Leider stürzte der Hannoveraner Theißen so schwer, daß er mit einem Schädelbruch das Rennen aufstecken mußte. Auch Lakemann, Pfannenmüller und Müller waren den Strapazen nicht mehr gewachsen und gaben auf. Die Frage nach dem Sieger bleibt wahrscheinlich bis zu den letzten Minuten offen. Die besten Aussichten haben die Paare: Giorgetti/Bautz, Koblet/van Büren, Rigoni/Intra, Lapöbie/Saager, Vooren /Nothdurft, Kilian/Roth und Vopel/Zoll. Am Donnerstagnachmittag schonten sich die Fahrer sichtlich für die kommenden letzten Entscheidungen. Im Laufe des Tages ergaben sich keine Veränderungen des Standes, der um 17 Uhr lautete:
1. Rigoni/Intra (190 Punkte): 2. Giergetti/ Bautz (46 Punkte); 1 Runde zurück: 3. Kohlet/ van Büren (232 Punkte); 4. Vopel/Zoll (132 Punkte)) Kilian/Roth (118 Punkte): 6. Lapebie/ Saager (80 Punkte); zwei Runden zurück 7. Vooren/Nothdurft (204 Punkte); vier Runden zurück: 8. Weimer/Holthoefer (167 Punkte); 9. Knoke/Schuhmacher (130 Punkte); fünf Runden zurück 10. Janssens/v. Kempen (103 Punkte).
Sieger: Koblet/van Bueren
Die Schweizer Favoriten Hugo Kohlet/ Armin van Büeren haben am Donnerstagabend im überfüllten Messesportpalast in Hannover das internationale Sechstagerennen mit einer Runde Vorsprung vor Gustav Kilian/Jean Roth (Luxemburg / Schweiz) gewonnen.
Kreisklassen vor der Halbzeit
Bickenbach prüft den Tabellenersten
Am kommenden Sonntag steigen in der A- und B-Klasse des Kreises Darmstadt die letzten Vorrundenspiele der Verbandsrunde. Es spielen: Hahn — Seeheim, Bickenbach — Weiterstadt, TuS Griesheim — Hähnlein, TSG 46 Darmstadt — Alsbach, Gräfenhausen — Erzhausen, SSG Langen und Nieder-Ramstadt sind spielfrei.
Daß es in Hahn nicht so wird wie im Vorjahr um die Entscheidung zur B-Meisterschaft, in dem Hahn mit wehenden Fahnen unterging, ist bestimmt jedem klar. Aber auch die Seeheimer sind wieder auf dem Teppich, so daß es ein interessantes Spiel werden wird, bei dem der Verlierer erst am Ende des Spieles feststeht. Bickenbach, das sich die letzte Chance am Sonntag in Hähnlein vergeben hatte, müßte sich gewaltig umstellen, um wenigstens gegen Weiterstadt bestehen zu können. Beide Vereine lieferten sich schon immer schöne Spiele, bei denen stets Weiterstadt dominierte. Wenn sich die Einheimischen noch bei der Spitze halten wollen, müssen sie einen anderen Fußball zeigen als am letzten Sonntag. TuS Griesheim, die zu Hause die wirklich gut aufgekommenen Hähnleiner empfängt, wird bei der jetzigen Verfassung der Gäste um eine weitere Niederlage nicht herumkommen. Vor ihre letzte schwere Aufgabe wurde TSG 46 Darmstadt gegen Alsbach gestellt. Selbstverständlich werden die Woogsleute alles daransetzen, gerade dieses entscheidende Spiel zu gewinnen, denn wenn die erwarteten Sensationen eintreten, könnte TSG noch an die Spitze kommen.
Zu einem letzten Lokalderby der Vorrunde kommt es in Gräfenhausen im Spiel gegen Erzhausen. Beide Vereine haben am letzten Sonntag Punkte eingebüßt und jeder will versuchen, seine Stellung zu verbessern.
Die beiden Spiele in Griesheim und auf der Woogswiese finden schon morgens statt.
In der B-Klasse ist die Herbstmeisterschaft etwas klarer geworden, denn SC Griesheim dürfte auch sein letztes Spiel in Rohrbach gewinnen und somit ungeschlagen bleiben. Weiter spielen: Brandau — Traisa, Ober-Beerbach — VfR Langen, Jugenheim — Union Darmstadt, Nieder-Beerbach — SV 98 II Darmstadt, Eschollbrücken ist spielfrei.
Brandau dürfte als Platzverein und in momentaner Verfassung im Spiel gegen Traisa als Favrit gelten, auch Jugenheim gegen Union Darmstadt. Hier soll man aber den Tag nicht vor dem Abend loben und erst am Schluß des Spieles den Ausgang zur Kenntnis nehmen. Ob natürlich die beiden Nachbarvereine Ober- und Nieder-Beerbach trotz Heimspiel endlich mal zu einem verdienten Sieg kommen, bleibt ebenfalls abzuwarten. Alle A- und B-Klassen-Vereine des Sportkreises Darmstadt werden gebeten, bis zum 26. November ihre Wünsche bezüglich der Verbandsrückrunde und Erstellung der Terminlisten an den Kreisfachwart Morgenthal, Bikais Favorit gelten, auch Jugenheim gegen Union Unterlagen können nicht mehr berücksichtigt werden.
Pokalspiele finden zwischen der Vor- und Rückrunde nicht statt. Der Verbandsvorstand wurde sich einig, daß Pokalspiele dieses Jahr wieder auf freiwilliger Basis, allerdings erst nach den Verbandsspielen stattfinden sollen. -nd-
Keine Schlagerspiele im Kreis Dieburg
In der Fußball-A-Klasse des Kreises Dieburg braucht sich Nieder-Roden um das bei ihm nun schon gewohnte Weiterkommen auch am Sonntag keine Sorgen zu machen. Mosbach, sein Helmgegner, kann sich kaum etwas versprechen. Wenn nicht alles trügt, hat das Ruder der Rodgauer auch weiterhin den richtigen Kurs: Halbzeitmeister — und wenn alles gut geht sogar ohne Punktverlust. Da verlohnt sich's schon, bei jedem der dazu noch notwendigen Spiele kräftig Atem zu holen. Götzenhain dagegen dürfte es nicht leicht fallen, seinen relativ punktgleichen Gast Offenthai leer ausgehen zu lassen und damit die pausierenden Ueberauer einzuholen. Reinheim wiederum kann diesmal durchaus eine Sprosse höher kommen. Es muß zwar nach Kleestadt, aber sein Gegner hat bis jetzt kein Spiel gewonnen und auch am Sonntag kaum Aussicht auf den Gewinn auch nur eines Punktes. Groß-Umstadts Treffen mit der TG Ober-Roden ist nur von mittelbarer Bedeutung, es kann am Tabellengefüge kaum bedeutungsvoll rütteln, wenn auch jedem Partner einer oder gar zwei Punkte sehi- zustatten kämen. Das gleiche gilt für die Spiele Dreieichenhain gegen Lengfeld und Groß-Zlmmern gegen Spachbrücken.
Es spielen: Kleestadt — Reinheim, Groß-Umstadt — Ober-Roden, Nieder-Roden — Mosbach, Groß-Zimmern — Spachbrücken, Drei-
eichenhain — Lengfeld, Götzenhain-Offenthal. In der Fußball-B-Klasse Gruppe 1 kann. Groß-Bieberau mit Ruhe seinen Gegner Wersau erwarten, der ihm wahrscheinlich zwei Punkte liefert. Hassia II spielt zwar außer Konkurrenz, aber die Georgenhäuser werden in der Kreisstadt doch ihren Ruf als Tabellenzweiter nicht trüben wollen. Nur wenig schwerer haben es die beiden Heimmannschaften der restlichen beiden Spiele, denn Niedernhausen sollte sich gegen Hering ebenso behaupten können wie Fränkisch-Crumbach über seinen Gast Brensbach.
Es spielen: Niedernhausen — Hering, Hassia II — Georgenhausen, Groß-Bieberau gegen Wersau, Fränkisch-Crumbach — Brensbach. Die Gruppe 2 hat ein Spiel mit allen Spannungen: die Hergershäuser Kickers, die sich auf den zweiten Platz vorgeschoben haben, erwarten den Tabellenführer Schaafheim, der bis jetzt noch kein Spiel verloren hat. Ob ihnen der gleiche Streich gelingt, wie in der Bezirksklasse den Bensheimern gegenüber Lorsch? Wiebelsbach, das sich gegen Klein-Umstadt nicht durchsetzen konnte, wird wohl auch am kommenden Sonntag von seinem Gegner FrSpVg Münster nicht erwarten, daß er ihm Punkte überläßt. Klein-Umstadt wird seinen besonderen Stolz dareinlegen, nicht nur seine Wiebelsbacher Form wieder zu zeigen, sondern bei seinem Nachbarn TV Groß-Umstadt zu beweisen, daß ihm um den Erhalt seines guten vierten Tabellenplatzes ernsthaft zu tun ist.
Es spielen: Wiebelsbach — FrSpVg Münster, Hergershausen — Schaafheim, TV Groß-Umstadt — Klein-Umstadt. (RG)
Gernsheim Herbstmeister im Kreis Groß-Gerau?
Für die Fußball-A-Klasse bringt der sonntägliche Spielplan die letzten Begegnungen der diesjährigen Vorrunde, deren Rückspiele erst nach einer mehrwöchigen Pause zu Beginn des neuen Jahres fortgesetzt werden. Es spielen: Walldorf — Astheim, Ginsheim gegen Dornheim, Biebesheim — Wolfskehlen, Raunheim 07 — Stockstadt, Büttelborn gegen Klein-Gerau, Gustavsburg — Gernsheim.
Die Frage nach dem Herbstmeister ist zwar noch nicht endgültig entschieden, doch darf man allgemein der Gernsheimer Mannschaft diesen Titel zusprechen. Wenn ihr auch die letzte schwere Begegnung in Gustavsburg alles abverlangt, so wird sie dennoch versuchen, das Spiel ganz zu ihren Gunsten zu entscheiden. — Ginsheim hat es leichter. Der Tabellenletzte Dornheim wird es vor kenne große Aufgabe stellen, so daß der Platzbesitzer einen sicheren und wahrscheinlich auch hohen Sieg landen kann. — Das Spiel Walldorf — Astheim ist für den Neuling eine erneute Bewährungsprobe, zu der er nach den beachtlichen Leistungen der letzten Sonntage nicht ohne Aussichten antritt — Raunheim wird sich daheim gegen Stockstadt ziemlich anstrengen müssen. Es sollte ihm bei der besseren Technik des Gastes kaum gelingen, beide Punkte zu behalten. — Aehnliches gilt auch für Biebesheim, das die Wolfskehler Elf zu Gast hat. Bei der Ausgeglichenheit der Chancen wird die Tagesform maßgebend sein. — Die Entscheidung zwischen Büttelborn und Klein-Gerau dürfte trotz des lokalen Charakters dieses Spieles für den Gastgeber ausfallen.
Die Spiele für die B-Klasse sind: Worfelden— Bischofsheim üb, Königstädten gegen Geinsheim, TSV Rüsselsheim — SSV Raunheim, Erfelden — Leeheim, Opel Ib gegen Wallerstädten.
Die interessanteste Begegnung dürfte die in Königstädten sein, weil hier zwei fast gleichstarke Vereine ein als offen geltendes Spiel bestreiten. Dabei sind die Punkte für die Geinsheimer weitaus wichtiger, damit sie nicht den Anschluß an die Tabellenspitze verlieren. Ebenso wird auch der TSV Rüsselsheim gegen den SSV Raunheim seine Chancen wahren, da ihm bei einem Sieg noch die Herbstmeisterschaft winkt. Der Erfelder Neuling tritt gegen seinen Nachbarn Leeheim an und sollte auch diesmal wieder zu einem Punkt kommen. Außer Konkurrenz spielt Worfelden daheim gegen die Bischofsheimer Ib und Wallerstädten bei der Opeler Ib-Mannschaft. -lr-
Normaler Spielbetrieb im Kreis Erbach
Trotz seiner 2:1-Niederlage in Erbach wird dem Tabellenführer Sandbach, der mit einem Punkteverhältnis von 15:3 vor Neustadt (11:5) die Fußball-A-Klasse Erbach anführt, die Herbstmeisterschaft nicht mehr zu nehmen sein. Neustadt, gegenwärtig die schlagkräftigste Elf der Gruppe, hat sich nach seinem zweifelhaften Start erneut in die Spitzengruppe vorgeschoben und sollte alles daransetzen, um mit Beginn der Rückrunde den wankenden Titel von Sandbach streitig zu machen. Der 10. Spielsonntag sieht ein normales Programm, bei dem lediglich die Begegnung Rimhorn—Neustadt herausragt, vor. Die restlichen Spiele: Lützel-Wiebelsbach—Bad König, Beerfelden—Steinbach, Hainstadt —Günterfürst, KSG Erbach (Soma)—Würzberg.
Die Sondermannschaft der KSG Erbach, die am Vorsonntag über Sandbach mit einem 2:1- Erfolg triumphierte, erwartet Würzberg. Der Neuling hat vor einheimischem Publikum wiederholt recht ansprechende Leistungen gezeigt, sollte jedoch noch nicht über die für einen Sieg in der Kreisstadt notwendigen Qualitäten verfügen. Günterfürst, ein weiterer Neuling, brachte aus acht Spielen viermal eine Punkteteilung nach Hause. Er fährt nach Hainstadt, wo die Platzherren nur schwer um eine Niederlage herumkommen sollten. Beerfelden pausierte am Sonntag und wird in der Begegnung mit Steinbach darauf bedacht sein, vor allem die flinken Flügelmänner der Gäste. Brumund und Körner, abzuschirmen. Unter diesen Voraussetzungen erscheint ein Erfolg der Platzherren durchaus möglich. Bad König, das in Triebs und Bertow über zwei schußfreudige Spielmacher verfügt, fährt nach Lützel- Wiebelsbach. Die Gastgeber liegen gegenwärtig auf dem 7. Tabellenplatz und müßten bei einigem Einsatz gegen die Kurstädter mindestens einen Punkt behalten dürfen. Rimhorn, das sich in dem seitherigen Verlauf der Verbandsrunde überraschend gut gehalten hat, trifft vor einheimischem Publikum auf Neustadt. Die Gäste waren am Vorsonntag mit 5:2 über Höchst siegreich nud werden versuchen, auch auf fremdem Boden zu Erfolgen zu kommen.
Die Gruppe Oberzent nimmt nach einer Zwangspause von zwei Wochen die Rückrunde mit der Partie Steinbuch—Sensbachtal wieder auf. Der Neuling Steinbuch, der sich seinem Gegner vor allem in technischer Erfahrung nicht gleichstellen kann, wird sich auch vor einheimischem Publikum mit einer Niederlage abfinden müssen.
In der Gruppe Unterzent trifft Vielbrunn auf Haingrund, das gegen den Tabellenzweiten in einem ziemlich aussichtslosen Rennen liegt. Kirch-Brombach dürfte in Fürstengrund keine allzu schwere Hürde zu nehmen haben. Die Höchster Sondermannschaft gilt gegen Wald-Amorbach, Mümling-Grumbach gegen den VfL Höchst als favorisiert. -ppi
Sport in Kürze
Als Ehrengäste des DFB werden dem Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz FIFA-Präsident Rimet, Barassi (Italien), Gero (Oesterreich), Kolisch (Oesterreich), Eicher (Schweiz) und Advokat Mauro, Mitglied des Exekutiv-Komitees der FIFA, beiwohnen.
• Gelegentlich der Pressekonferenz des DFB In Frankfurt teilte der Vorsitzende des DFB- Spielausschusses, Hans Körfer, mit, daß alle Meldungen über eine Flut von Einladungen zu Länderspielen an den DFB oder seitens des DFB an andere Nationen nicht den Tatsachen entsprechen. Bis jetzt liegen in Stuttgart nur zwei Einladungen zu Länderkämpfen vor und zwar von Portugal (für den 31. Januar 1951) und von der Türkei. Erst nach dem Länderspiel gegen die Schweiz wird der Vorstand des DFB über sein weiteres Programm beschließen.
Als einzige Vertreter Hessens sind für den Schwimmländerkampf zwischen Süddeutschland und Oesterreich am 9. und 10. Dezember in Pirmasens Hilde Schmidt (DSV Frankfurt) und Erich Dilfer (Hessen Kassel) vorgesehen.
Schalke 04 wurde eingeladen, im Mai 1951 bei den britischen Fußball-Festspielen drei Spiele auszutragen. Als Gegner wurden vorgesehen: Brentford. Manchester City und Notts County.
Der SFV hat über Schwaben Augsburg wegen der Vorfälle beim Spiel Schwaben Augsburg — SSV Reutlingen eine vorläufige Platzsperre verhängt. Das nächste Heimspiel der Schwaben am 26. November gegen FSV Frankfurt wird erstmals auf neutralem Platz, und zwar am Samstag, dem 25. November, in Fürth durchgeführt. Diese Lösung der „Platzsperrespiele“ auf neutralem Platz ist zweifellos zu begrüßen, denn der billige Vorteil des Gegners könnte sich zuin Nachteil anderer Vereine auswirken.
Statt Karten! Heute nachmittag verschied nach kurzem Leiden im 73. Lebensjahr, unerwartet mein geliebter Mann, mein guter Vater Dr. Theodor Meisinger Pfarrer i. R. Marie Meisinger geb. Wodaege Otto Meisinger und Familie Reinheim, den 15. November 1950 Beerdigung Samstag, den 18. November, 13.00 Uhr in Reinheim
Am Dienstagabend ist nach kurzer, schwerer Krankheit, mein geliebter Mann, unser liebster Vater, Schwiegervater und Großvater, Herr Dr. jur. Manfred Edward Ministerialrat i. R. in den ewigen Frieden eingegangen. In tiefer Trauer: Frida Edward geb. Hickler . Dipl.-Ing. Manfred Edward Sigrid Warning geb. Edward Eberhard Edward Felicitas Edward geb. Hirth Maria Edward geb. von Zumbusch und die Enkelkinder Jugenheim an der Bergstraße, den 14. November 1950. 1 Pauerweg 30 Beerdigung findet am Samstag, 18. Nov. 1950, 15 Uhr, auf dem Jugenheimet Friedhof statt. Von Beileidsbesuchen wird gebeten, Abstand zu nehmen.
■ Bestattungen , dem 17. November 1950 iessunger Friedhof: colay, Johann-Ludwig, 81 Jahre, esbergstraße 47 ng: Waldfriedhof: itsch, Johannette, 73 Jahre, ssunger Straße 107
Amtliche Bekanntmachungen Die Fischerei am Woog und am Arheilger Mühlchsn wird hiermit zur Neuverpachtung öffentlich ausgeschrieben. An¬ gebote mit Pachtangaben können bis Ende d. M. eingereicht werden. Städt. Badeverwaltung
Öffentliche Ausschreibung der Glaser- (Fenster-) Arbeiten für den Wiederaufbau des Alten Gerichtsgebäudes, Mathildenplatz 13, Darmstadt. Angebote, so¬ lange Vorrat, ab sofort bei der ausschreibenden und zuschlag¬ erteilenden Stelle: Staatsbauamt Darmstadt, Alicestraße 25. Ein¬ reichungstermin: Montag, den 27. November. 9.30 Uhr, beim gleichen Amt. Losweisc Vergebung bleibt vorbehalten. Zeichnungen usw. können im örtlichen Baubüro im Alten Gerichtsgebäude, Mathildenplatz 13 (Eingang Wilhelminenstraße), eingesehen werden. Staatsbauamt Darmstadt
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Achtung! Darmstädter! Heute. Freitag, abends 8 Uhr Schlu^kundgebung der Freien Demokratischen Partei (FDP) in der Darmstädter Stadthalle Unser Spitzenkandidat Heinrich Rodemer und unser Bundestagsabgeordneter Dr. Hammer werden auf die Agitation anderer Parteien antworten Saalöffnung 19.15 Uhr Es spielt das Darmstädter Blas- und Unterhaltungsorchester Kommt und hört die Stimme der Wahrheit! Nach Schluß der Versammlung Straßenbahnverbindungen nach allen Richtungen | Achtung! Unser Wahlschleppdienst steht am Sonntag allen Körperbehinderten zur Verfügung. Telefonischer Anruf: 875 Wahlbüro der FDP, Darmstadt, Rheinstraße 22
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