„Kohlenversorgung wird besser“
Bundeswirtschaftsminister verwahrt sich gegen Angriffe der Opposition
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 15. November. „Wir haben jetzt die Dinge fest in die Hand genommen und die Kohlenversorgung wird laufend besser werden“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard am Mittwoch im Bundestag. Der Kohlenhandel sei angewiesen worden, die für den Hausbrand verfügbaren Kohlenmengen unter besonderer Berücksichtigung der ärmeren Bevölkerung zu verteilen. Der Verkaufspreis sei durch die Preisbildungsstelle festgesetzt und werde laufend kontrolliert.
Weiter gab der Minister bekannt, daß die Bundesregierung im Hinblick auf den gegenwärtigen Kohlenmangel bei der alliierten Oberkommission vorstellig geworden ist, um auf die Notwendigkeit einer Verminderung des Kohlenexportes hinzuweisen. Schließlich betonte der Minister, daß die Opelwerke nicht stillgelegt würden und daß auch das Weiterarbeiten der Stein- und Erdeindustrie sichergestellt sei. Eine entscheidende Verbesserung der Hausbrandversorgung könne erst bei einer Mehrförderung von Kohle eintreten, da eine Verminderung der industriellen Produktion unbedingt vermieden werden müsse.
Die „Erhard-Krise“
Nach den Gerüchten über das unmittelbare Bevorstehen einer Erhard-Krise errang der Bundeswirtschaftsminister mit seiner Antwort auf die sozialdemokratische Interpellation wegen der Hausbrandversorgung einen bemerkenswerten parlamentarischen Erfolg. Selten haben die Regierungsparteien einen Minister mit so starkem Beifall bedacht, wie ihn Professor Erhard am Mittwoch erhielt. Um so stürmischer waren die Proteste der Opposition, vor allem an der Stelle, wo der Minister der Sozialdemokratie vorwarf, daß sie sich nach der Währungsreform der Aufhebung der Zwangswirtschaft widersetzt habe.
Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Koch, der frühere hessische Wirtschaftsminister, weitete die Interpellation seiner Fraktion zu einem Generalangriff auf die Erhardsche Wirtschaftspolitik aus, der er Mangel an Planung und Vorausschau vorwarf. Er wandte sich gegen die Behauptung, daß die Verbraucher schuld seien, weil sie nicht rechtzeitig sich mit Kohlen versorgt hätten. Hierzu habe ihre Kaufkraft nicht ausgereicht. Dr. Koch erklärte, daß eine bessere Entlohnung der Bergarbeiter, der Bau von Bergarbeiterwohnungen sowie auch die Sozialisierung des Kohlenbergbaues die Mittel gewesen wären, um eine Steigerung der Kohlenförderung zu erzielen.
Erhards Antwort
Demgegenüber betonte der Bundeswirtschaftsminister, daß die wiederholten Aufforderungen, sich mit Kohlen einzudecken, wegen der Kaufunlust der Verbraucher erfolglos geblieben seien. Eine Stockung, die in den Wirtschaften anderer Staaten ebenfalls zu verzeichnen sei, der Bundesregierung zur Last zu legen, sei unsachlich. Er verwahrte sich gegen die Behauptung, daß 6,8 Mülionen Tonnen Kohle exportiert würden, um die Devisenbilanz in Ordnung zu bringen und stellte fest, daß es sich hierbei um eine Anweisung der Ruhrbehörde gehandelt habe.
Schweres Eisenbahnunglück
Oslo, 15. November, (dpa) Bei einem Eisenbahnunglück in Hjubseboe in Südnorwegen wurden am Mittwoch etwa zwanzig Personen getötet oder verletzt. Der Schnellzug nach Oslo fuhr auf einen Güterwagen auf, der sich von einem Güterzug gelöst hatte. Der erste Waggon des Schnellzuges wurde völlig zertrümmert. Von Drammen und Skien wurden Hilfszüge nach Hjubseboe geschickt.
Bwei wichtige Staudämme erreicht
Scharfe Kälte behindert den Nachschub in Korea
Söul, 15. November. (AP.) Amerikanische Marinetruppen haben am Mittwoch die beiden wichtigsten Staudämme Nordostkoreas erreicht. Sie besetzten die Ortschaft Hagaru am Changjin-Reservoir und drangen weiter östlich bis an das Ufer des Pujon-Sees vor.
Im äußersten Nordosten konnten kleine Einbrüche stärkerer nordkoreanischer Verbände von südkoreanischen Truppen abgeriegelt werden. Am Mittelabschnitt mußten die Südkoreaner westlich und östlich von Tokchon nach heftigen rotchinesischen Angriffen ihre Stellungen um etwa sechs Kilometer zurücknehmen. An der Nordwestfront erzielten die UN-Truppen am Mittwoch wiederum kleine Geländegewinne.
Nach einer Mitteilung aus dem Hauptquartier der achten Armee haben die Kommunisten ihre Guerillatätigkeit an den Nachschubstraßen der UN-Truppen verstärkt. Die Zahl der aktiv eingesetzten Partisanen wird auf 7000 geschätzt.
Das Hauptquartier Mac Arthurs gab bekannt, daß die Nordkoreaner seit Ausbruch des Krieges von der Sowjetunion 900 bis 1000 Panzer erhalten hätten. Der Nachschub der UN-Truppen ist durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse und die scharfe Kälte zum Teil verzögert worden. Ein Offizier der am Changjin-Reservoir stehenden Marinetruppen teilte mit, daß seine Division nur zur Hälfte mit Winterausrüstung versorgt sei. Fahrzeuge, Benzin und Munition seien durch Ausfälle und Verbrauch knapp geworden.
Chinesische „Freiwillige“
Hongkong, 15. November. (AP.) Den Sträflingen in den Gefängnissen Rotchinas ist die Freiheit angeboten worden, wenn sie sich für den Fronteinsatz in Korea verpflichten.
Wechselnde Kämpfe
Neu Delhi, 15. November. (AP.) Die nationalistischen Aufständischen in Nepal haben an verschiedenen Stellen die regulären Truppen aufhalten können, an anderen Punkten jedoch Rückschläge erlitten.
Einmarsch in Burma
Rangun, 15. November. (AP.) Chinesische kommunistische Truppen sind bis zu 80 Kilometer in Nordburma eingedrungen und nähern sich Putao, der nördlichsten burmesischen Stadt.
Bevins Reise ein Verständigungsversuch
Man spricht von Vermittlung zwischen Adenauer und Schumacher
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 15. November. Ein genauer Termin für die Reise des britischen Außenministers Bevin nach Deutschland war von der britischen Oberkommission am Mittwoch noch nicht bekannt. Ein Sprecher der britischen Oberkommission erklärte, daß die Reise auf eine persönliche Initiative Bevins zurückgehe. Bonner politische Kreise vermuten,
daß sie nicht zuletzt von dem Wunsch bestimmt ist, eine Verständigung zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer und dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Dr. Kurt Schumacher, über die Teilnahme der Bundesrepublik an der Verteidigung des Westens herbeizuführen. Großbritannien habe großes Interesse daran, mögliche innerdeutsche Schwierigkeiten, die einen deutschen Beitrag verzögern könnten, aus dem Wege, zu räumen.
Die Deutschlandreise des britischen Außenministers fällt mitten hinein in die Landtagswahlen, die naturgemäß die Fronten von Regierung und Opposition erstarren lassen, man hofft, daß Regierung und Opposition nach den Wahlen zu einer Fühlungnahme bereit sein werden. Ein Bundesminister, der nicht der Christlich-Demokratischen Union angehört, erklärte dieser Tage, nach seiner Ansicht werde es noch vor dem nächsten Frühjahr in Bonn zu einer großen Koalition kommen.
Seit dem Amtsantritt des ersten deutschen Konsuls in London im Mai 1950 hat die Bundesrepublik die Zahl der Konsulate ständig vergrößert. Die Karte zeigt die Orte, an denen Konsulate bereits errichtet, in Vorbereitung oder geplant sind (Karte: dpa)
Das Auslandhilfeprogramm
Washington, 15. November. (AP.) Präsident Truman hat die Regierungsämter angewiesen, mit der Ausarbeitung von Plänen für ein neues Auslandshilfeprogramm zu beginnen, das dem Kongreß im Januar vorgelegt werden soll.
Erhöhung der Umsaklteuer?
Die Frage der Finanzierung des Sicherheitsbeitrags
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 15. November. Die Frage einer Erhöhung der Umsatzsteuer steht im Mittelpunkt aller Ueberlegungen, die zur Zeit wegen der Aufbringung der Mittel für einen eventuellen deutschen Sicherheitsbeitrag stattfinden.
Falls es, wie man erwartet, zu erheblichen Anforderungen für Sicherheitszwecke kommt, werden die Mittel hierfür aus den Steuern aufgebracht werden müssen, die dem Bund zufließen. Die beiden.besten Einnahmequellen des Bundes sind die Umsatzsteuer, von der im laufenden Etatjahr 4,7 Milliarden Mark erwartet werden und die Tabaksteuer mit mehr als zwei Milliarden Mark. Die Tabaksteuer ist bereits so hoch,
daß an eine weitere Erhöhung nicht gedacht werde.
Im Bundesfinanzministerium wird nicht verkannt, daß eine generelle Erhöhung der Umsatzsteuer sozial höchst unerwünschte Folgen haben kann und obgleich man der Ueberzeugung ist, daß dies nicht zwangsläufig zu weiteren allgemeinen Preissteigerungen führen müsse, würde man es vorziehen, die Steuererhöhungen in der Weise zu differenzieren, daß der Massenkonsum von Existenzgütern der Steuererhöhung nicht unterliegen würde. Diese Differenzierung würde gleichzeitig eine gewisse Lenkung nach devisenwirtschaftlichen und Engpaßgesichtspunkten möglich machen.
Kulturkampf
* * * Gerade im Rheinland ist der Kulturkampf nicht vergessen, der im Jahre 1872 von dem preußischen Staate gegen die katholische Kirche geführt wurde. An Einzelheiten dieser erregten Zeit braucht daher nicht erinnert zu werden. Wir kommen auch nicht deshalb darauf zurück, weil etwa in der Bundesrepublik ein Kulturkampf zu befürchten wäre, sondern weil die Regierung der Sowjetzone als getreue Dienerin des Bolschewismus in schärfster Form den Kampf gegen die Kirche, und zwar diesmal gegen die evangelische Kirche angekündigt hat.
In dem neuen Kabinett der Sowjetzone besitzt die Sozialistische Einheitspartei sämtliche Schlüsselstellungen. Auch die übrigen Minister sind völlig linientreu. Man kann also endlich so vorgehen, wie man es seit langer Zeit tun wollte. Demgemäß kündigte Minister Grotewohl in dem Regierungsprogramm, das er gestern der Volkskammer vortrug, eine Politik der Demokratisierung Ostdeutschlands nach sowjetischem Vorbild an und erklärte dabei, daß jeglicher reaktionäre Widerstand unbarmherzig niedergeworfen werden würde.
Der Widerstand, der den Machthabern der Sowjetzone am unbehaglichsten ist, kommt von der Kirche, die nach ihrer Auffassung eine politische und gesellschaftliche Störungsarbeit vornimmt. Eine „streitende Kirche“, so erklärte Grotewohl unter dem Beifall der Volkskammer-Abgeordneten, sei für einen Volksstaat nicht tragbar. In der Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte unterstünden die Geistlichen lediglich dem Staate. Wenn geistliche Kämpfer für Fortschritt und Frieden von ihren Kirchenleitungen benachteiligt würden, so habe der Staat die selbstverständliche Pflicht, auf Kosten der Zuwendungen für die Kirchen diese Nachteile auszugleichen.
In der Ostzone sieht man in den Ausführungen Grotewohls nicht allein einen Angriff gegen den evangelischen Bischof von Berlin, Dr. D. Otto Dibelius, sondern gegen die Kirche überhaupt. Diese Kampfansage darf nicht unterschätzt werden und sollte die maßgeblichen Sprecher der evangelischen Kirche in Deutschland veranlassen, bei allen Aeußerungen, die sich an die Oeffentlichkeit wenden, darauf Bedacht zu nehmen, daß sie vom evangelischen Kirchenvolk in der Sowjetzone noch aufmerksamer beachtet werden als von dem der Bundesrepublik.
Kohlenknappheit und Auswege
Von J. SchäferEine Karikatur zeigte dieser Tage den Wirtschaftsminister Erhard mit einem „Normalverbraucher“ unseligen Angedenkens. Auf die Professor Erhard in den Mund gelegte Aeußerung, daß der „Kohlenrummel“ bald vorbei sein würde, fragte der unglückliche Gesprächspartner: „Aber wann, Herr Minister, wann?“ Antwort: „Spätestens im Mai“. Trotz dieses Trostes voller Ironie, die zugleich dem unverwüstlichen Optimismus des Wirtschaftsministers galt, besteht die berechtigte Hoffnung, daß die Kohlensorgen nicht das Ausmaß annehmen werden, das viele auf Grund bitterer Erfahrungen in noch nicht lange zurückliegenden Jahren befürchten. Die deutschen Menschen befinden sich verständlicherweise immer noch in einer großen Angstpsychose und reagieren auf jede Stockung in der Versorgung außerordentlich scharf, wie es auch vor einigen Wochen auf dem Zuckermarkt der Fall war.
Ausreichende Gründe?
Die Deutsche Kohlenbergbau-Leitung in Essen, die an erster Stelle zuständig ist, hat verschiedene Gründe für die etwas überraschend aufgetretene Kohlenknappheit angegeben. Die Steinkohlenförderung blieb hinter den begründeten Erwartungen zurück, während die Nachfrage infolge der steigenden industriellen Beschäftigung erheblich zunahm. Während des Sommers wurden Kohlen, die für Hausbrand und Kleinverbraucher sowie für Industriebetriebe zur Verfügung gestellt werden konnten, nicht abgenommen. Infolgedessen und zur Devisenbeschaffung mußten die Exporte erhöht werden, was „im bescheidensten Umfange“ geschehen sei. Zweifellos hat im Sommer bei vielen Verbrauchern das nötige Geld gefehlt, um von den günstigen Kohlenpreisen und Bezugsbedingungen Gebrauch machen zu können. Wir hören aber andererseits aus der Industrie, daß deren damalige Bestellungen nicht ausgeführt wurden, so daß diese Firmen heute auf Lieferung drängen müssen, wenn sie ihre Betriebe weiter beschäftigen wollen. Ob die Hoffnung der Deutschen Kohlenbergbau-Leitung, daß die Ruhrbehörde Verständnis für d’e schwierige westdeutsche Kohlenlage aufbringen und einen entsprechenden Nachlaß in der festgesetzten Ausfuhr zugestehen tfnrd. bleibt abzuwarten. Es wäre sehr zu wünschen.
Eigene Anstrengungen
Wir müssen also ah erster Stelle versuchen, die eigene Förderung zu erhöhen. Einige Maßnahmen sind vor kurzem getroffen worden — leider etwas zu spät. Denn die Entwicklung zeichnete sich schon früher ab. Die Bergknappen haben zweifellos den schwersten Beruf, so daß ihre Forderung, auch in den Löhnen an der Spitze zu stehen, durchaus berechtigt ist. Durch die Belebung in der ge-
samten Wirtschaft, besonders auch im Baugewerbe, hat die Abwanderung aus dem Bergbau und damit die Fluktuation mit ihren großen Nachteilen wieder zugenommen. Zum Beispiel betrug im Oktober im Steinkohlenbergbau der Zugang fast 6400, der Abgang beinahe 7200 Mann, so daß die Zahl der im Steinkohlenbergbau beschäftigten Arbeiter um 800 auf 435 400 Mann zurückging. Um diese Bewegung zu vermindern und die Leistung zu erhöhen, ist mit Wirkung vom 1. November eine Lohnerhöhung von zehn Prozent vorgenommen worden; ferner
wurden monatlich noch zwei Arbeitstage eingelegt, für die ein Zuschlag von fünfzig Prozent zu zahlen ist. Verfahren die Bergleute ihre Schichten regelmäßig, erhalten sie eine Prämie von drei Prozent; außerdem ist noch eine Beteiligung an einem Erfolgsanteilsystem vorgesehen.
Eine Höchstleistung
Diese Maßnahmen sind vor allem deswegen wichtig, weil die Leistung je Mann und Schicht immer noch wesentlich hinter der in der Vorkriegszeit zurückbleibt und andererseits eine verhältnismäßig geringe Steigerung der täglichen Gesamtförderung ausreichen würde, um eine krisenhafte Entwicklung in der Versorgung ohne weiteres zu vermeiden. In der Vorkriegszeit förderte ein Bergmann je Tag und Schicht etwas über zwei Tonnen, zur Zeit nur 1,4 Tonnen, also etwa siebzig Prozent. Wenn unter anderem durch eine bessere Rationalisierung und Mechanisierung der Kohlengewinnung die Leistung auch nur um einige Prozent zunehmen würde, könnte bald im westdeutschen Steinkohlenbergbau die Tagesförderung von 400 000 Tonnen erreicht und damit eine einigermaßen zufriedenstellende Versorgung gewährleistet werden. Am Montag, an dem die Maßnahmen zur Förderungs-Steigerung in Kraft traten, wurde mit über 391 000 Tonnen ein Rekord in der Nachkriegszeit erzielt. Allerdings gilt der November erfahrungsgemäß als der leistungsstärkste Monat, weil die Bergleute im Hinblick auf das Weihnachtsfest ihren Lohn möglichst erhöhen wollen.
Nerven behalten!
Die Bevölkerung ist durch einige alarmierende, sich widersprechende Meldungen über die Aussichten in der Versorgung mit Kohlen, Strom und Gas, mehr als angebracht, beunruhigt worden. Sie wird um so eher die Nerven behalten, je eingehender und sachlicher sie orientiert wird. Während zum Beispiel von einigen Gas- und Elektrizitätswerken verlautete, daß sie nur noch für wenige Tage über Kohlen verfügten, erklärte der Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, der bis vor einiger Zeit dem Direktorium der Deutschen Kohlenbergbauleitung angehörte, eine Verknappung der Kohlen bei den Elektrizitäts- und Gaswerken bestehe nur insoweit, als diese ihren Bestand nicht angreifen wollten, da nicht zu übersehen sei, ob in den kommenden Monaten bei scharfem Winterwetter eine regelmäßige Belieferung der Versorgungsbetriebe möglich sein würde. Diese Lagerbestände müßten aber im Laufe des Winters geräumt werden. Keinesfalls sei zu dulden, daß ein Teil der Bevölkerung unter mangelnder Kohlenversorgung zu leiden habe, während Großabnehmer mit gefüllten Lägern in das Frühjahr gingen.
Wenn diese Auffassung richtig sein sollte, dann würde hier wie wohl auch anderwärts die drohende Kohlenpreis-Erhöhung, die sich nicht vermeiden läßt, eine Rolle spielen. Das mag verständlich sein. Aber trotz der zu erwartenden Preiserhöhung, die für die gesamte Wirtschaft von außerordentlicher Bedeutung ist, muß an Disziplin und kaufmännische Moral appelliert werden, damit die bestehenden Schwierigkeiten leichter von allen überwunden werden können.
Unsere Kohlen- und Eisenindustrie wäre heute schon bedeutend leistungsfähiger, wenn man nicht die Demontage mit so großem Eifer und mit so wenig wirtschaftlicher Vernunft betrieben und wenn man von den Entflechtungs-Experimenten abgesehen hätte. Heute, mehr als fünf Jahre nach dem Kriege, ist die Reorganisation der Kohlen^ und Eisenbetriebe noch nicht durchgeführt, was sicher nicht dazu beiträgt, diese
Werke kreditfähiger zu machen. Hier liegt ein Hauptgrund für die Tastsache, daß jene Betriebe noch nicht auf den technischen Stand gebracht werden konnten, der für eine rationelle und leistungsfähige Betriebsführung dringend notwendig ist.
Der Regen der letzten Zeit ist den auf Wasserkraft stehenden Elektrizitätswerken sehr zustatten gekommen. Durch die gut arbeitende westdeutsche Elektrizitäts-Verbundwirtschaft können kritische Zuspitzungen, falls sie hier oder dort auftreten sollten, vermieden oder gemildert werden. Wenn die Kohlenförderung weiter steigt und alle Verbraucher wirtschaftliche Vernunft und einen verantwortlichen Gemeinsinn walten lassen, wird auch der Kohlen-Engpaß durchschritten werden. Ein milder Winter könnte uns dabei sehr helfen und notwendige Einschränkungen auf ein Mindestmaß verringern.
„Keine Helden“
zz. „Unsere Soldaten waren keine Helden, denn sie kämpften weder zur Verteidigung der Heimat, noch zur Unterstützung der hohen Ideale für das Edelste im Menschen.“
Diese unerhörteste Beschimpfung unserer gefallenen Väter und Söhne, die im besten Glauben hinausgezogen waren, um ihre Heimat und ihre Familien zu schützen, findet sich in den zehn Richtlinien für den Unterricht an den Schulen des Landes Sachsen-Anhalt“ in der Sowjetzone. Ihr Verfasser ist Ministerialdirektor Elchlepp im Ministerium für Volksbildung bei der Länderregierung Sachsen-Anhalt.
Um zu wissen, welchen Geistes dieser „Schulmann“ ist, genügt es, zu erwähnen, daß er in seinen Richtlinien einleitend betont, die Organisation der Schulen in der Sowjetzonen-Republik habe von nun an nach „rein sowjetischen Ideen“ zu erfolgen. Aber mit diesem Hinweis wissen wir, daß es sich bei seinen Richtlinien nicht um die Auffassung eines Einzelgängers handelt, sondern um eine wohlberechnete Absicht, bei allen Kindern der Sowjetzone das Andenken an ihre Väter zu schmähen und sie insgesamt als Kriegsverbrecher zu brandmarken. Elchlepp behauptet, jeder deutsche Krieg sei ein Raubkrieg gewesen, auch die Freiheitskriege von 1813 bis 1815. Sie seien nämlich nicht auf die Verteidigung des Vaterlandes beschränkt gewesen, sondern hätten zu Gebietserwerbungen geführt. Unmöglich sei es aber, die deutschen Soldaten, die während des letzten Krieges gefallen sind, als Helden zu ehren.
Es erübrigt sich, die nach „rein sowjetischen Ideen“ orientierte Geschichtsauffassung dieses sowjetzonalen Jugenderziehers richtigzustellen. Man kann nur die Kinder der Sowjetzone bedauern, die in seinem Geiste erzogen werden sollen. Aber auf eines muß hingewiesen werden: Auch in der Bundesrepublik würden Elchlepps Richtlinien für den Unterricht maßgebend werden, falls es jemals der „Nationalen Front“ gelingen sollte, Gesamtdeutschland nach bolschewistischem Muster zu beherrschen.
Neue Vereinbarungen
Bonn, 15. November, (dpa) Eine aus Regierungsvertretern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Rheinuferstaaten bestehende Sonderkonferenz hat in Straßburg eine Einigung über die Mindestbemannung für Motorschlepper, Dampfschraubenschlepper und Dampfgüterboote erzielt. Auch über das Mindestalter der Matrosen und Heizer sowie über Frauenarbeit in der Rheinschiffahrt kam eine Einigung zustande.
„Entschlossen zu ehrlicher Mitarbeit“
Tagung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in Schlangenbad
Schlangenbad, 15. November, (dpa) „Wir wissen, daß wir an der Wende einer Zeit stehen, in der Altes stürzen und Neues sich entwickeln muß. Wir wissen nicht, wohin diese Entwicklung führen wird, aber wir sind entschlossen zu ehrlicher Mitarbeit.“
Mit diesen Worten leitete der Vorsitzende der Bundesvereinigung, Dr. Raymond, seine Ausführungen vor der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ein. Die Unternehmer gehen von der tiefen Ueberzeugung aus, daß das Glück des Menschen von der freien Entfaltung seines Wesens abhänge, nicht vom Kollektiv. Nur ein Wirtschaftssystem, das dem Unternehmer ein Höchstmaß von Freiheit belasse, könne dem Staatsbürger ein Höchstmaß von Gütern sichern.
Es wäre für das Volk ein besonderes Glück, wenn der Deutsche Gewerkschaftsbund von der gleichen Grundauffassung ausginge. Der Bundesvorstand des DGB erblicke die Lösung der sozialen Frage in seinem direkten Einfluß auf die Betriebe.
In den Betriebsrätegesetzen der Nachkriegszeit finde der Gedanke des Kollektivs noch keinen Platz, damals sollten in die Aufsichtsorgane nur betriebsangehörige Arbeiter entsandt werden.
Die Forderung, daß das Recht der Präsentation von Aufsichtsratsmitgliedern den Gewerkschaften unter Zubilligung betriebsfremder Kandi- daten übertragen werde, sei ein ge-
fährlicher Weg, denn er führe zwangsläufig zu östlichen Methoden. Für einen „wachsamen Kampf gegen die Gefahr des kollektivistischen Denkens und eine bewußte Vertiefung des menschlichen Verhältnisses zu den Arbeitnehmern“ werde die Unternehmerschaft ihre ganze Kraft einsetzen.
Professor Dr. Müller-Armack (Köln), betonte, die Rückkehr zur Marktwirtschaft bedeutete eine einmalige Chance in einer stimmungsmäßig mehr der Wirtschaftslenkung zuneigenden Weltlage. Es sei dringend erforderlich, die Idee einer sozialen Marktwirtschaft als neue Wirtschaftsordnung deutlich dem öffentlichen Bewußtsein darzustellen. Das Ingangbringen der marktwirtschaftlichen Kräfte genüge nicht, vielmehr müßten die geistigen, die wirtschaftspolitischen und die sozialen Aufgaben der Marktwirtschaft nunmehr in vollem Umfange in Angriff genommen werden. Die Oeffentlichkeit erkenne die soziale Marktwirtschaft nur dann als überlegen an, wenn sie die Probleme der Marktwirtschaft erst einmal geistig bewältigt habe und erkenne, daß in ihr soziale Sicherheit und wirklicher sozialer Fortschritt besser erreicht werden könnten als in den bisherigen Systemen.
Bundesarbeitsminister Storch bemerkte zur Bilanz der Sozialversicherung, ob diese sich nicht in den nächsten Jahren so verschlechtern werde, daß sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen könne. Es ergebe sich eine Situation, die uns nötige, für den in der Wirtschaft Tätigen selbst zu sorgen und unter Umständen besser die Beiträge aus der Wirtschaft zu ziehen.
Wenn in den letzten Monaten manche Betriebserweiterung geschehen sei, dann müsse er doch bemängeln, daß man versäumt habe, die Industriebetriebe dorthin zu legen, wo die Flüchtlinge sich zusammenballen.
Worte wiegen nicht allzu schwer in den jetzigen Auseinandersetzungen unserer Zeit. Soweit aber Worte dazu angetan sind, eine Bereitschaft zur Versöhnung erkennen zu lassen, sollte man sie nicht unbedacht verwerfen.
Der soziale Frieden kann nicht von Utopisten, sondern nur von den wagemutigen Verkündern einer neuen und gegenwartsnahen Wirtschaftsordnung verkündet und erfochten werden.
Versuchte Entführung
Berlin, 15. November. (AP.) Nach einer Meldung der West-Berliner Zeitung „Telegraf“, sollte der Redakteur dieses Blattes, Werner Nieke, in seiner Wohnung von kommunistischen Agenten betäubt und dann in den Ostsektor verschleppt werden.
Der Plan wurde jedoch vorzeitig bekannt, so daß Maßnahmen zur Verhaftung der Agenten getroffen werden konnten. Der Hauptakteur, Ludwig Diermeier, der vorgegeben hatte, Material über die Ostzone bringen zu wollen, traf pünktlich ein. Er wurde sofort verhaftet. Auch der Fahrer einer Ost-Berliner Taxe, mit der Nieke in den Ostsektor transportiert werden sollte, konnte von der Polizei festgenommen werden. Der Fahrer erklärte, daß die Entführung wahrscheinlich auf Veranlassung des Staatssekretärs im Staatssicherheitsdienst, Mielke, vorgenommen werden sollte.
Das Produktionsverbot
England schlägt starke Lockerung vor London, 15. November. (AP.) England habe den Vereinigten Staaten und Frankreich eine Lockerung der Produktionsverbote und Beschränkungen für die westdeutsche Schwerindustrie vorgeschlagen, verlautete am Mittwoch von unterrichteter Seite.
Nach diesem Vorschlag würde die Herstellung von Geschützen, Panzern und Munition weiterhin verboten bleiben. Auf dem Gebiete der Stahlproduktion und des Schiffsbaus sollte Westdeutschland jedoch die Möglichkeit erhalten, bis zu seiner äußersten Kapazität zu produzieren. Außerdem sollten die Verbote für die Produktion von synthetischem Benzin und Buna aufgehoben werden.
Vetorecht gegen deutsche Gesetze bleibt
Revision des Besatzungsstatuts geht nur zögernd vorwärts
Von unserem Bonner Korrespondenten
Da. Bonn, 15. November. Durch die lebhafte Diskussion über einen deutschen Beitrag zur westlichen Verteidigung scheint die Revision des Besatzungsstatuts, die mit den Neuyorker Entscheidungen eingeleitet worden war, fast ein wenig in den Hintergrund zu geraten. Es wäre eine wichtige Aufgabe der deutschen Politik, diesen Eindruck sich nicht verstärken zu lassen. Namentlich dann auch, wenn den Westalliierten ein deutscher Verteidigungsbeitrag erwünscht und notwendig erscheint, steht die Revision des Besatzungsstatuts als wesentliche Voraussetzung hierfür im Mittelpunkt der aktuellen Politik.
Wohl die tiefste Enttäuschung für die deutsche Oeffentlichkeit wird darin bestehen, daß sich der Status der Besatzung mit der Revision des Besatzungsstatuts nicht verändern wird. Die rechtlichen Grundlagen der alliierten Oberkommission werden nur unwesentlich modifiziert. Nach wie vor werden die Oberkommissare die oberste Gewalt im Bundesgebiet inne haben. Es ist kein Gedanke daran, daß sie sich in einen Botschafterrat umwandeln. Man kann dem Vorsitzenden der Sozialdemokraten, Dr. Schumacher, nicht ganz unrecht geben, wenn er bei der großen außenpolitischen Debatte darauf hingewiesen hat, daß das Prinzip der bedingungslosen Kapitulation noch immer am Leben ist.
Diese Stellung der Oberkommission wird sich darin auswirken, daß sie das Vetorecht gegenüber der deutschen Gesetzgebung behält. Nach unseren Informationen tritt hier nur insofern eine Aenderung ein, als die deutschen Gesetze künftig ohne vorherige Prüfung durch die Oberkommission verkündet werden können. Die Oberkommissare werden aber das Recht haben, deutsche Gesetze, die sie für unvereinbar halten mit der alliierten Gesetzgebung oder die nach ihrer Ansicht die Sicherheit der Besatzung gefährden, zu annullieren.
Auf dem wirtschaftlichen Gebiet bleiben Entflechtung und Dekartellisierung so lange Vorbehaltsgebiet der Oberkommissdon, wie nicht deutsche Gesetze verabschiedet sind, die von den Besatzungsmächten als ausreichend anerkannt werden.
Eine wesentliche Erleichterung versprechen die Vorschläge der Oberkommission auf dem Gebiet der auswärtigen Anlegenheiten, da sie der Bundesrepublik die Einrichtung eines Außenministeriums gestatten wollen, womit in Bonn schon im voraus ein lebhaftes Rätselraten darüber ausgelöst worden ist, ob der Bundeskanzler sein eigener Außenminister sein will oder sich dazu bewegen lassen wird, einen besonderen Außenminister zu berufen.
Grotewohl stellt sein Kabinett vor
Er kündigt neue scharfe Polizeimaßnahmen an
Berlin, 15. November, (dpa) Der Ministerpräsident der Sowjetzonenregierung, Otto Grotewohl, stellte der Sowjetzonenvolkskammer sein neues Kabinett vor. Es unterscheidet sich von dem bisherigen Sowjetzonenkabinett dadurch, daß das bisherige Industrieministerium in drei einzelne Fachministerien aufgeteilt ist. Außerdem treten neu in das Kabinett ein Roman Chwalek (FDGB - SED) als Arbeitsminister und Paul Scholz (Bauernpartei) als Land- und Forstwirtschaftsminister. Die Nachfolgeschaft des früheren LDP-Vorsitzenden Hermann Kastner als stellvertretendem Ministerpräsidenten hat Finanzminister Dr. Lans Loch von der LDP angetreten.
In seiner Regierungserklärung betonte Grotewohl, daß die neue Regierung ihre Arbeit innen- und außenpolitisch in der gleichen Weise wie bisher fortsetzen werde. Er versprach allen Werktätigen der Sowjetzone im Laufe des Fünfjahresplanes einen höheren Lebensstandard als 1936. Da dem Staat „neue und gemeinere Sabotageakte und Spionage“ drohten, werde ein verstärkter Schutz durch die Volkspolizei und den Staatssicherheitsdienst einsetzen.
Mit scharfen Worten wandte sich Grotewohl gegen „eine Gruppe der evangelischen Kirchenleitung, die in West-Berlin wohnt, in westlicher Auffassung wurzelt und offen für die Remilitarisierung Westdeutschlands wirbt“.
Die Sowjetzonenregierung ist nach den ^Worten ihres Ministerpräsidenten zu gesamtdeutschen Besprechungen, wie sie die Prager Beschlüsse vorsehen, bereit.
Das Verhandlungsgremium müsse aber paritätisch besetzt werden. Wenn auch zwei Drittel des deutschen Volkes im Westen wohnen, so können derartige Besprechungen doch nur Erfolg haben, wenn nicht von vornherein ein Teil den anderen „majorisiere“.
Stimmen der Anderen
Krieg unwahrscheinlich
Die „Welt wo ehe“, Zürich, erklärt, es sei glatter Unsinn, mit der Gefahr eines dritten Weltkrieges zu rechnen. Wer die tatsächliche Lage ruhig und unparteiisch zu zergliedern verstehe, könne zu keiner anderen Erkenntnis kommen. Das wird so begründet:
„Wenn es als unmöglich erscheint, daß Moskau und Washington sich je verstehen, so erscheint es auch als fast ebenso unmöglich, daß es zwischen ihnen zu einer echten kriegerischen Auseinandersetzung kommt.
Eine solche Auseinandersetzung ist schon darum mehr als unwahrscheinlich, weil ein Sieg für jede der beiden Mächte überhaupt ein Ding der Unmöglichkeit scheint. Wie sollten etwa die Russen bei ihrer eindeutigen technischen Unterlegenheit die amerikanische Uebermacht erledigen? Selbst noch so geschickt gesteuerte Fernbomben könnten zwar Amerika schädigen, nicht aber wirklich kampfunfähig machen.
Genau das gleiche Problem stellt sich von Amerika aus. Allein schon der Krieg in Korea hat gezeigt, daß selbst ein militärischer Sieg noch lange keine Entscheidung bedeutet. An dieser Tatsache scheiterten bisher alle Angriffe gegen Rußland. Das war der Fall, als Karl XII. seine siegreichen Schlachten gegen Peter den Großen gewann. Das war wiederum der Fall, als Napoleon Moskau eroberte; das war noch einmal der Fall, als im ersten und zweiten Weltkrieg die deutschen Armeen bis vor Moskau rück-, ten und überall gewaltige Siege errangen, nirgends aber die Russen zwingen konnten, sich wirklich zu unterwerfen und einen echten Frieden mit den Angreifern zu schließen.
Heute ist in den Grundzügen die Situation zwischen Amerika und Rußland dieselbe, wie sie bis 1914 zwischen London und Moskau bestand. Das heißt, es gab damals wie heute zwar Raum für gefährliche Auseinandersetzungen, aber diese Auseinandersetzungen wurden nur indirekt an der Peripherie geführt, so etwa am Schwarzen Meer und in Sewastopol, während des Krimkrieges, später in der Türkei, in Indien und im Fernen Osten in Form der Grenzkäihpfe, und im japanisch-russischen Krieg in Korea und in der Mandschurei.
Im wesentlichen genau dieselbe Situation haben wir heute. Die Amerikaner und Russen standen und stehen sich gegenüber in Griechenland und in Berlin. Sie kämpfen indirekt gegeneinander in Korea, aber sie denken doch im wesentlichen kaum daran, wirklich einen Krieg von planetarischen Ausmaßen zu entfesseln, wie das der dritte Weltkrieg werden müßte . .
Mit und ohne Bauch
Der Angriff auf die „Taille“ unseres Bundespräsidenten soll nach Ansicht einer Leserin nicht unwidersprochen bleiben, die sich damit zum Sprachrohr seiner Verehrer und Verehrerinnen machen will.
Stimme aus dem Volk!
Ich finde von Herrn Kießling es im Grunde gar nicht nett, daß er dem guten Theodor mißgönnt das bißchen Fett. —
Im Gegenteil! — ein kleiner Bauch der fördert das Vertrau'n, er läßt beruhigt, hoffnungsvoll uns in die Zukunft schau'n!
„Laßt dicke Männer um mich sein“, sagt' Julius Cäsar schon — Kritik an der Erkenntnis ist Verstoß am „guten Ton“.
D'rum, lieber Bundespräsident, halt's ruhig wie es Brauch, — auf jeden Fall gefällst du uns, ob mit, ob ohne Bauch!
Annemarie Mann, Mainz
Die Bundesbahn hat nunmehr auch für Lehrfahrten von Konfirmandenklassen die bisher nur Schulklassen gewährte Fahrpreisermäßigung zugesagt.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.
65) Dem Herzog war das Blut in die Wangen gestiegen, und in seine Stirn gruben sich Falten. Es sei unglaublich, daß seine Frau sich nicht an die Abmachungen gehalten habe; er würde die Angelegenheit sofort selbst in die Hand nehmen.
„Ich würde nicht so sehr scharf darauf bestehen, Monsieur“, sagte sie, „aber ich glaube das Recht zu haben, wenigstens das von ihr zu erhalten. Für Ihre Frau bedeutet es so wenig, und für mich meine ganze Zukunft.“
„Sie sollen Ihren Brief bekommen“, versprach er, während sie zusammen den Garten verließen. „Seien Sie versichert, daß ich dafür sorgen werde, und wenn es selbst meine letzte Tat auf Erden sein sollte.“
Die Kinder baten sie, mit ihnen zur Station zu fahren, und gegen ihren Willen gab sie nach. Natürlich kam es zu den unvermeidlichen Tränen, als sie sich am Zug verabschiedeten. Sie selbst war nicht imstande, ihre Tränen zu unterdrücken, als Raynald und Berthe sich so an sie hängten.
„Versuchen Sie, den Mut nicht sinken zu lassen“, sagte der Herzog mit einem Händedruck, „es macht mir alles so viel schwerer, wenn ich auch Sie unglücklich weiß.“
„Ich will mein Bestes tun“, entgegnete sie. „Nacht für Nacht liege ich jetzt wach und überlege mir, warum gerade ich in dieser großen Welt glaube, glücklich
werden zu dürfen — und doch, aus irgendeinem Grunde lasse ich mich nicht davon abbringen, daß es nur mein gutes Recht sei.“
Sie sagten sich auf Wiedersehen, und Henriette drehte sich um und schritt allein den langen Bahnsteig zurück mit schwimmenden Augen, ohne ■auf ihre Umgebung zu achten. Als sie aus dem Bahnhof trat, stieß sie mit einem Mann zusammen, der zum Zug eilte.
„Verzeihung!“ murmelte sie.
Sie sah hoch und erkannte Auguste Charpentier, den Kammerdiener des Herzogs; auch er mußte sie erkannt haben, und sie wünschte, er hätte sie nicht weinen gesehen.
'Nach einer Weile schlüpfte sie aus dem Bett und ging ans Fenster, wie sie es schon so häufig getan hatte, wenn sie nicht schlafen konnte. Aber keine Kühle empfing sie, als sie sich hinauslehnte und in den dunklen Schacht der Straße unter ihr blickte, wo die Häuser auf der anderen Seite so finster und leblos dastanden und nur eine einzelne Laterne an der Ecke ihr schwaches Licht verbreitete. Sie stützte sich auf das Fensterbrett und vergrub das Gesicht in den Armen, als könne sie dadurch die Vision der sich endlos vor ihr erstreckenden Jahre von ihren Augen fernhalten.
„Henriette Deluzy, Henriette Desportes, die alte Jungfer!“ Immer wieder sagte sie diese Worte vor sich hin mit einer erbarmungslosen Betonung der letzten. Fünfunddreißig Jahre alt — und allein! Auf diese Art konnte sie weiterleben, bis sie eine alte Frau war. Alten Jungfern ging es oft so. Es blieb ihnen so wenig, worin sie aufgehen konnten.
„Mein Gott, dazu laß es bei mir nie kommen!“
Es schüttelte sie bei dem Gedanken, und der Schweiß brach ihr auf der Stirn aus und netzte die Falten ihres Nachthemdes; vergeblich rang sie in der stikkigen Enge des Raumes nach Luft.
Er hatte gesagt, sie habe Mut — vielleicht war das richtig; aber solchem Schicksal ins Auge zu sehen, dafür reichte ihr Mut nicht aus. Wenn das Leben, das noch vor ihr lag, ein Nichts war, von allem Wünschenswerten entblößt, was konnte Unrechtes oder Böses daran sein, es aufzugeben?
Die Flasche mit dem Opiat befand sich in der obersten Schublade ihrer Kommode. Es war eine kleine, bauchige Flasche und noch beinahe voll. Der Arzt hatte sie ihr während Berthes Krankheit anvertraut und sie darauf aufmerksam gemacht, daß eine zu große Dosis tödlich wirke. Ihre Finger umspannten das Fläschchen, und sie stand einen Augenblick still und preßte es eng an sich, während sie sich vergewisserte, daß die Atemzüge hinter der Wand gleichmäßig blieben. Ein merkwürdiger Gedanke, daß schon bajd jene paar Zoll Gipswand die Lebenden von einer Toten trennen würden.
Lautlos schlich sie zu dem Waschtisch unter der schrägen Mauer und tastete nach dem Glas und der Wasserkaraffe...
Irgend jemand stöhnte auf. Sie wurde sich des langen, bebenden Wehelautes bewußt, bevor ihr klar wurde, daß er aus ihrer eigenen Brust kam. Sie strengte sich an, ihre Lider zu heben; aber ein blendendes Licht und verschwommene Konturen von Gesichtern, die ihr so groß wie Vollmonde vorkamen, ließen sie in einem erneuten Schwindelgefühl die Augen wieder schließen. Ein Brechreiz befiel sie, und der beißende Geruch von Riechsalz und stechende Schmerzen riefen sie wieder ins Bewußtsein zurück.
„Na, also!“ hörte säe Madame Le Maire bekannte Stimme wie aus der Ferne durch ihre Betäubung. „Sie hat das Schlimmste überstanden. Pierre braucht nicht mehr zum Arzt zu gehen. Lauf schnell runter und sag's ihm.“
Wieder schüttelte Henriette ein Krampf; und als der Anfall vorüber war und sie in der Lage war, die Dinge um sich wahrzunehmen, sah sie, in der ungewohnten, wehetuenden Helligkeit blinzelnd, daß sie sich immer noch im „Nadelöhr“ befand. Der Morgenhimmel blickte durchs Fenster und mengte sein Licht mit dem der Lampe neben ihrem Bett.
„Madame", flüsterte sie, „woher wußten Sie? Warum sind Sie gekommen?“
„Warum?“ kam die Antwort in unfreundlicher Kürze, während die alte Frau sie energisch mit feuchten Tüchern abrieb und ihr das Riechsalz an die Nase hielt. „Haben Sie mir nicht schon genug Mühe gemacht, ohne auch noch Selbstmord begehen zu müssen? Sie hätten doch wahrhaftig daran denken können, wie eine solche Meldung bei der Polizei meinem Geschäft geschadet hätte. Aber Jeanette hat scharfe Ohren, dem Himmel sei Dank! Sie hörte Sie hinfallen und das Glas zerbrechen, und dann haben wir keine Zeit verloren. So, heben Sie Ihre Arme, damit ich Ihnen ein reines Nachthemd überziehen kann.“
Trotz der barschen Worte und Art der Alten wußte Henriette ihre hilfsbereite Güte zu schätzen, mit der sie sie wusch und ihr das Kissen glattstrich und sie dann zwang, schwarzen Kaffee mit einem Schuß Brandy zu trinken. Erschöpft und kraftlos lag sie da und achtete kaum auf das Kommen und Gehen der anderen, wenn sie auch Madame und die Mädchen und den alten Pierre erkannte, die sich darin abwechselten, bei ihr zu sitzen, und sie nötigten, etwas zu essen, und die Fliegen von ihr fortfächelten. Hin und wieder schlief sie ein wenig ein, nur um schweißgebadet aus wirren Träumen wieder aufzuwachen. Gegen Abend wurde ihr Kopf klarer, und ein Sommerregen brachte wohltuende Kühlung und Erfrischung. Sie lehnte sich ermattet zurück und wandte sich mit einem dünnen, um Vergebung heischenden Lächeln an Madame Le Maire.
„Verzeihen Sie mir, Madame, daß ich Ihnen so große Mühe gemacht habe“, stammelte sie. „Ich sehe jetzt ein, wie schwach und töricht ich gewesen bin.“
„Nun, es ist immerhin schon etwas, wenn man. seine eigene Dummheit eingesteht. Jedenfalls sind Sie am Leben geblieben, ob Sie es nun wollen oder nicht.“
„Es hat wohl keinen Sinn, etwas erklären zu wollen; ich war eben ganz einfach verzweifelt.“
„Das nahm ich an. Ich hatte schon so eine Ahnung, als ich Sie letzten Abend beim Essen beobachtete. Sie haben Ihre Praslins gestern allzu reichlich genossen, daran wird es wohl gelegen haben.“
„Vielleicht, Madame. Aber es hat sich nichts ereignet. Sie trifft keine Schuld. Es überkam mich nur wie schon früher, daß es doch zwecklos sei, sich weiter abzuquälen.“
(Fortsetzung folgt)
,Völlig gleichberechtigt'
Deutsche in der Europa-Armee
(dpa) Ein Sprecher des französischen Außenminsteriums betonte am Mittwoch, daß die deutschen Einheiten im Rahmen einer künftigen europäischen Armee nach dem Pleven-P 1 anjV£lllS ^erbberechtigt sein sollen und daß auch deutsche Generalstäbler für die Europa-Armee vorgesehen seien.
Ein Mihtrauensantrag
Da- Bonn. 15. November. (Eigener Drahtbericht.) Eine überraschende Mehrte“’ die infolge des Fehlens zahlreicher Abgeordneter der Regierungskoalition zustande kam. führte am Mittwochabend erstmalig zu einem Beschluß des Bundestages, mit dem der Bundesregierung eine Mißbilligung ausgesprochen wurde. Die sozialdemokratische Fraktion hatte wegen eines bereits im März vom Parlament gefaßten Beschlusses interpelliert, wonach die Bundesregierung dem Bundestag umgehend einen Gesetzentwurf vorlegen sollte, der auch den niedrigeren Einkommensgruppen Steuervergünstigungen für den Wohnungsbau gewährt.
Der Zentrumsabgeordnete Dr. Bertram beantragte in der Aussprache über die Interpellation, die Bundesregierung unter ausdrücklicher Mißbilligung ihres Verhaltens um unverzügliche Vorlage dieses Entwurfes zu ersuchen. Der Antrag wurde mit den Stimmen von Zentrum, Wirtschaftlicher Aufbauvereinigung, Sozialdemokratischer Partei und Kommunistischer Partei And einiger anderer Abgeordneten angenommen.
Die Strom- und Gasversorgung
Einschränkungen scheinen unvermeidbar
Wiesbaden, 15. November. (Eigener Bericht.) Der Leiter der Abteilung Energiewesen im hessischen Wirtschaftsministerium, Regierungsdirektor und Diplomingenieur Heinz Wagner, erklärte am Mittwoch, daß Hessen in jedem Falle Beschränkungen im Strom- und Gasverbrauch vornehmen müsse. Das Land Hessen sei zu 50 Prozent auf Einfuhren von Strom und Gas angewiesen. Die Stromversorgung sei ausschließlich eine Frage der Kohlenzufuhr. Darüber aber könnten genaue Auskünfte vom Bundeswirtschaftsministerium zur Zeit nicht gegeben werden.
Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard habe innerhalb weniger Tage die Zuteilung für die Kraftwerke der öffentlichen Elektrizitätsversorgung und für die das öffentliche Netz einspeisenden Industriekraftwerke in den Ländern des Bundesgebietes von insgesamt 1,089 Millionen Tonnen Steinkohlen auf 950 000 bis 980 000 Tonnen herabgesetzt. Neben dieser Zuteilungskürzung bliebe weiterhin die Frage der wirklichen Auslieferung offen. Weiterhin sei die richtige Zahl für den mittleren Wochenstromverbrauch auf 39 Millionen kWh festgelegt worden. In der letzten Woche jedoch habe bereits der ständig steigende Stromverbrauch in Hessen 44 Millionen für kWh betragen.
Beamte der hessischen Wirtschaftsverwaltung vertreten die Auffassung, daß eine Stromeinschränkung in Hessen nur bei den Verbrauchergruppen „Industrie“ sowie „Handel und Gewerbe“ vorgenommen werden kann, da weder die Besatzungsmacht noch die öffentlichen Versorgungsbetriebe sowie der Verkehr und die Haushaltungen für Stromverbrauchs-Einschränkungen in Frage kommen. Für die gesamte hessische Wirtschaft bedeutet die festgesetzte Herabsetzung des Wöchentlichen Stromverbrauchs eine Kürzung von 15 bis 20- Prozent ihres gesamten Strombedarfs. Regierungsdirektor Wagner vertritt weiter die Ansicht, daß das seit 1946 gehandhabte System, den Stromverbrauch der Industrie und gewerblichen Wirtschaft nach Dringlichkeitslisten über die 18 hessischen Lastverteiler einzuschränken, in diesem Winter nicht mehr erfolgversprechend angewandt werden kann. Andererseits könne jedoch dem Vorbild Bayerns nicht gefolgt werden, das einige wenige stromintensive Betriebe der Grundstoffindustrien einfach abgeschaltet habe, da es in Hessen praktisch solche Betriebe nicht gebe. Von den 4000 hessischen Industrieunternehmen verbrauchten allein 87 Verarbeitungsbetriebe zwei Drittel des gesamten Strombedarfs. Da es sich bei diesen 87 Firmen um besonders für den Export wichtige Unternehmen handelt, sind die Auswirkungen einer Stromeinschränkung besonders nachhaltig. Die hessische Wirtschaftsverwaltung wird erst in den nächsten Tagen und nach vorausgegangenen Rücksprachen mit den zuständigen Industriekreisen und Handelskammern darüber entscheiden können, welche Betriebe von den Stromverbrauchseinschränkungen betroffen werden.
Die Lage der Gasversorgung ist nach Auffassung Wagners besonders schlecht, weil die Kohlenzuteilung für die 38 hessischen Gaswerke auf der Basis des durchschnittlichen Verbrauchs während des ersten Halbjahres festgesetzt wurde. Die Groß-Gaswerke Darmstadt, Mainz-Wiesbaden, Frankfurt, Kassel und Höchst hatten jedoch gerade im zweiten Halbjahr eine besondere Steigerung der Gasabnahme zu verzeichnen. Die fehlende Gasmenge könne weder durch Ferngas noch durch eine Senkung des Heizwertes ausgeglichen werden. Es stehe zu erwarten, daß nur eine Einschränkung bei der gasverbrauchenden Industrie vorgenommen werde, da amtliche Stellen Sperrstunden für den Gasverbrauch bei Haushaltungen für unerwünscht halten.
Regierung prüft Kohlenlage
Wiesbaden, 15. November. (Eigener Bericht.) Die Frage der Kohlenversorgung wurde am Mittwoch eingehend vom Hessischen Kabinett erörtert. Um die Kohlenlage im ganzen Land zu überprüfen und den Bedarf festzustellen, sollen in den nächsten Tagen Besprechungen mit den Industrie- und Handelskammern sowie den Oberbürgermeistern und Landräten abgehalten werden. Die Landesregierung will mit allen Mitteln darauf hinwirken, daß die Versorgung der hessischen Wirtschaft und Bevölkerung mit Brennstoff ausreichend gesichert wird.
„Unglaubwürdiger“ Ministerialrat
Die Luxusmöbel im Bundespresse- und Informationsamt
Bonn. 15. November. Vor dem Untersuchungsausschuß des Bundestages gab es am Mittwoch widerspruchsvolle Zeugenaussagen über die Bestellung von Möbeln im Gesamtpreis von 62 000 Mark für das Bundespresseamt. Der Ausschußvorsitzende. Dr. Hasemann, stellte einen „beachtlichen Gedächtnisschwund im Bundespresse- und Informationsamt'* fest. Der Zeuge Ministerialrat Köster, der für die Möbelbeschaffung verantwortlich war. wurde nicht vereidigt, weil seine Aussagen — wie der Abgeordnete Erler sägte — „offensichtlich unglaubwürdig“ waren.
Der Vertreter der Möbelfirma legte dem Ausschuß eine Preisliste der Möbel vor. die damals auch dem früheren stellvertretenden Bundespressechef Dr. Boex vorgelegen habe und nach der die Möbel bestellt worden waren. Dr. Boex konnte sich zunächst daran nicht erinnern, mußte aber schließlich doch die Möglichkeit zugeben, die Liste in der fraglichen Zeit gesehen zu haben.
Vorher hatte Dr. Boex erklärt, daß die in Frage stehenden Luxusmöbel von ihm nur deshalb angenommen worden seien, weil sie nach Kösters damaligen Behauptungen aus Mangel an Speicherraum im Bundespresseamt aufgestellt werden müßten. Sie sollten im Bundespresseamt nur so lange stehen, bis sie für einen anderweitigen endgültigen Zweck abgeholt würden. Köster bestritt das. Er habe Dr. Boex mitgeteilt, daß die Möbel endgültig zur Verfügung des Bundespresseamtes seien. Köster bestritt ferner, jemals Möbel als zu einfach zurückgewiesen zu haben. Diese Aussage mußte er jedoch revidieren, als ihm ein Lagerverwalter gegenübergestellt wurde, der erklärte, daß eine von ihm gelieferte Dielengarnitur von Köster als ungenügend nicht angenommen worden sei. Köster habe einen großen Teppich und eine Klubgarnitur verlangt, die dann auch geliefert wurden.
„Gute stalinistische Schulung“
Großreinemachen in der Sozialistischen Einheitspartei
Berlin, 15. November, (dpa). Das Zentralsekretariat der Sozialistischen Einheitspartei hat seinen seit langem erwarteten Beschluß zur Ueberprüfung der Parteimitglieder veröffentlicht. Er sieht vor, daß in der Zeit vom 15. Januar bis 30. Juni kommenden Jahres die Parteimitgliedsbücher und die Kandidatenkarten für Parteianwärter umgetauscht werden.
Diese Maßnahme soll politisch-ideologisch gut vorbereitet werden. Die Empfänger der neuen Parteiausweise müssen eine Anzahl von Fragen aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung beantworten können.
Nach dem Beschluß des Zentralsekretariats sollen bei allen Organisationsstellen der Partei Kommissionen gebildet werden, die die Parteimitglieder und Anwärter überprüfen. Die bisherigen Mitglieder, die bei der Ueberprüfung nicht bestehen, können in den Kandidatenstand zurückversetzt oder aus der Partei ausgeschlossen werden.
Durch radikale Säuberungsmaßnahmen und durch den Ausschluß von unqualifizierten Kräften soll der Mitgliederbestand um zehn Prozent verringert werden. Ziel dieser Aktion sei eine bolschewistische Kaderpartei aus Funktionären und Mitgliedern mit einer guten stalinistischen Schulung.
Kabinett gegen Autobahngebühr
Wiesbaden, 15. November. (Eigener Bericht). In seiner Mittwochsitzung befaßte sich das Hessische Kabinett nochmals mit dem von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf eines Treibstoff-Steuergesetzes und einer Autobahn-Benutzungssteuer, ebenso mit einem Rohentwurf eines Mineral-Steuergesetzes, das eine Preiserhöhung von Dieselöl auf 0,48 DM und von Benzin auf 0,65 DM vorsieht. Mit dem Hinweis, daß das Kraftfahrzeuggewerbe die neuerliche Belastung kaum tragen kann, lehnte das Kabinett alle drei Entwürfe ab.
Hilpert für Groke Koalition
Weg der CDU nach den Landtagswahlen
Lauterbach, 15. November, (dpa) Der stellvertretende hessische Ministerpräsident und Finanzminister Dr. Werner Hilpert (CDU) sprach sich auf einer CDU-Wahlversammlung in Lauterbach für das Prinzip der Großen Koalition aus.
Wirtschaftsteil
Statt Klassenkampf
d. Worte wiegen nicht allzu schwer in den jetzigen Auseinandersetzungen unserer Zeit. Soweit aber Worte dazu angetan sind, eine Bereitschaft zur Versöhnung erkennen zu lassen, sollte man sie nicht unbedacht verwerfen.
Auf einer Tagung der Arbeitgeberverbände in Schlangenbad hat ein ehrwürdiger Vertreter des Unternehmertums, Dr. Raymond, versöhnungsbereite Worte gefunden, vielleicht wird ein Dogmatiker der Gegenseite mit handfesten und in der Wirkung erprobten Schlagworten antworten. Eine „Klassenversöhnung“ gäbe es nicht, behauptet seine Lehre. Und agitatorisch ist man damit immer gut gefahren.
Freilich haftet heute in Deutschland jedem Versuch, den sogenannten Klassenkampf zu überwinden, wie so vielem das Odium des Nazismus an, dem offenbar damit ein ewiges Patent auf den gesunden Menschenverstand zuerkannt werden soll. Dem Einbruch eines östlichen kollektivistischen Denkens dadurch einen Damm entgegenzusetzen, daß der Unternehmer „um die Seele jedes einzelnen seiner Arbeitnehmer ringt“ und mit Gewerkschaftsvertretern menschliche Beziehungen anzubahnen, ist eine Sache, die nur dem unmöglich erscheint, der sich von den Schatten der Vergangenheit nicht lösen kann. Nimmt man die Worte von Bundesarbeitsminister Storch hinzu, der die Notwendigkeit der Sicherung des Werktätigen betonte, dann gewinnt man den Eindruck, daß der Schützengraben, der innerhalb des deutschen Volkes die Stände (oder Klassen) trennt, zugeschüttet werden könnte.
Der soziale Frieden kann nicht von Utopisten, sondern nur von den wagemutigen Verkündern einer neuen und gegenwartsnahen Wirtschaftsordnung verkündet und erfochten werden.
Unsere Autoindustrie ist wieder da
Gegenwart und Zukunft im Blick des Verbandes der Autoindustrie
Die deutsche Automobilindustrie ist wieder da, stellte Dipl.-Ing. W. R. Vorwig auf der Pressekonferenz des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) fest. Im westeuropäischen Raum, der im Begriffe sei, zu einer Einheit zusammenzuwachsen, hingen die Zukunftsaussichten der deutschen Automobilindustrie von dem Abbau der Handelshemmnisse ab.
Der Umfang des Kraftverkehrs werde sich wahrscheinlich in Deutschland dem Stand der vergleichbaren Nachbarstaaten anpassen, wenn nicht verkehrsfeindliche Maßnahmen es verhinderten. Da in Frankreich auf 27 Personen, in England auf 22, in Deutschland aber nur auf 106 Personen ein Kraftwagen kommt (LKW: Frankreich 55, England 60, Deutschland 134), könne eine stetige Weiterentwicklung erwartet werden. Es sei jedoch eine Lebensfrage für die deutschen Werke, ob sie sich im Kampf um die Märkte auf gleicher Ebene mit den Industrien Frankreichs, Englands und Italiens messen könnten. Von den auf Automobilausstellungen in Paris und London gezeigten Modellen verdienten die von der britischen Industrie angebotenen, teilweise neu entwickelten, die größte Beachtung. Die Wettbewerbskraft der technisch vorzüglichen englischen Neukonstruktionen, einschließlich ihres niedrigen Preises, sei imponierend. Großbritannien exportiere z. Z. 70 o/o seiner Produktion, die in diesem Jahre 750 000 Einheiten erwarten lasse.
Für die deutsche Automobilproduktion komme es also darauf an, den Export weiter auszubauen. Dazu sei nur eine innerlich starke, nach rationellsten Methoden arbeitende, sich auf einen tragfähigen Inlandsmarkt stützende Automobilindustrie in der Lage. Für Maßnahmen, die dem Kraftfahrzeug stets neue Lasten aufbürdeten, seien wohl nicht fiskalische Erwägungen maßgebend. Es spiele auch das psychologische Moment eine Rolle, da der Personenkraftwagen noch als Luxusgegenstand angesehen werde. Die Erkenntnis, daß der Personenkraftwagen die Werkzeugmaschine des geistig Tätigen und die des Handarbeiters sei, die die Leistungskraft vervielfache, müsse sich durchsetzen.
Beim Thema Schiene — Straße seien gleiche Startbedingungen notwendig. Der Kraftverkehr entrichte nicht nui’ die Kosten für den Straßenbau, sondern einen wesentlichen größeren Betrag an Steuern und Abgaben. Das Aufkommen an Kfz.- . Steuern ergebe 1950 etwa 350 Mill., an Kraftstoffabgaben etwa 460 Mill. (810 Mill.) eine Belastung, die weit höher ist, als sie sich billig erweise aus der Tatsache der kostenlosen Benutzung errechnen lasse. Der Bundesbahn werde es unmöglich gemacht, durch ständige, aus der politischen Sphäre kommende Einflüsse, sich wie eine ordentlich geführte wirtschaftliche Unternehmung zu verhalten. Außer Italien und Spanien habe Deutschland den höchsten Benzinpreis. Es bestehe kein Zweifel, daß eine weitere Lastenerhöhung wieder jenen Schrumpfungsprozeß einleite, an dem einstmals die deutsche Wirtschaft beinahe zugrunde gegangen sei. Der Kraftverkehr sei einer der arbeitsintensivsten Zweige der deutschen Wirtschaft. Es läge im Sinne einer Steigerung des optimalen Ertrages für den Staat, wenn durch Ermäßigung der festen Lasten die Ausbreitung des Lastverkehrs ermöglicht würde.
Der deutschen Automobilindustrie liege die Frage der Neuerrichtung der Deutschen Automobil - Treuhandgesellschaft besonders am Herzen. Diese solle dafür sorgen, daß die von den Fabriken nach eigenem Ermessen festgesetzten Endpreise auch tatsächlich vom Händler erlöst werden. Die Exportorganisation habe man neu aufbauen müssen. Jedes exportierte Kraftfahrzeug bedeutet jedoch noch ein Opfer, denn die im Ausland erzielbaren Preise lägen unter den den deutschen Fabriken zufließenden Nettoerlösen. Dieses Opfer müsse im Hinblick auf die Ausweitung des Auslandsabsatzes und der Verbreiterung der Produktionsbasis gebracht werden. Die Automobilindustrie setze sich grundsätzlich für die Liberalisierung des Außenhandels, d. h. für die Aufhebung der Kontingente im gegenseitigen Warenaustausch ein. In Deutschland gelte noch das alte System der Gewichtszölle, der einen uns zur Zeit belastenden Unterschied zu den in anderen Ländern üblichen Wertzöllen enthalte. Es sei besonders der Arbeit des Vorsitzenden Herrn Thoennissen zu danken, daß der VDA wieder als gleichberechtigtes Mitglied des Bureau Permanent International des Constructeurs d’Automobiles aufgenommen worden sei.
Das DT berichtet in den nächsten Tagen über weitere Ausführungen der Tagungsteilnehmer.
Rohstoffe auf Monate sicher
vwd Die Rohstoffversorgung der deutschen Industrie in einigen wichtigen Zweigen ist nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums unter Berücksichtigung der Bestände, der schwimmenden Waren und der abgeschlossenen Kontrakte in folgendem Rahmen als gesichert anzusehen:
Baumwolle und Wolle für vier Monate, Kautschuk für vier bis fünf Monate, Kupfer für 372 Monate, Zink für fünf Monate, Aluminium für 2V2 Monate, Kunstfasern für 4V2 Monate, Sulfatzellstoff für 5V2 Monate, Häute und Felle für 4V2 Monate.
Internationale Straßen
WI Eine Arbeitsgruppe des Unterausschusses Straßenbau der UNO bereitet ein Regionalabkommen über den Bau und die Finanzierung internationaler Straßen vor. An ihm beteiligen sich die europäischen UNO-Staaten und die Bundesrepublik. Es soll für ein im einzelnen bereits festgelegtes Netz von Straßen, die für den internationalen Kraftwagenverkehr besonders bedeutsam sind, die technische Ausgestaltung einheitlich festgelegt werden.
Wie hoch wird der Kohlenpreis?
Hi. Im Bundeswirtschaftsministerium fanden Besprechungen mit der eisenverarbeitenden Industrie, dem Schrotthandel, sowie der Kohleindustrie statt, in deren Mittelpunkt Fragen der Preiserhöhung standen. Bevor Entscheidungen herbeigeführt werden, sollen aber auch die Ver-
treter der Verbraucherschaft gehört werden. Es kann schon jetzt als sicher angenommen werden, daß die Erhöhungen vom Bundeswirtschaftsministerium nicht anerkannt werden dürften. Deshalb sind Meldungen über eine Heraufsetzung der Schrottpreise um 20—25 DM je Tonne unwahrscheinlich. Ebenso verhält es sich mit Behauptungen, daß die künftige Eisen- und Stahlpreiserhöhung ab 1. Januar etwa 40 Mark im Schnitt je Tonne betragen wird. Auch 30 DM werden in Bonn als zu hoch bezeichnet. Was die Erhöhung des Kohlepreises um 18 Prozent anbelangt (sechs Mark je Tonne), so sind auch dies lediglich Vorschläge der Kohleindustrie, denen das Bundeswirtschaftsministerium kaum in vollem Umfange Folge leisten dürfte.
Australische Großaufträge
vwd Ein Vertrag zwischen dem australischen Staat Victoria u. den Donau-Industriewerken GmbH, Deggendorf, als deutsche Holding-Gesellschaft legt die umfangreiche deutsche Beteiligung an dem Siedlungsprogramm der australischen Bundesregierung fest. Neben der Lieferung von zunächst 6000 Holzfertighäusern wird ein Regievertrag über den Bau der notwendigen Straßen, Kanalisationen und Wasserversorgungsanlagen abgeschlossen.
Durch Beschluß der australischen Regierung wurde die Einwanderung der erforderlichen deutschen Arbeitskräfte erlaubt. Außerdem soll das Siedlungsprogramm mit Hilfe deutscher Maschinen durchgeführt werden.
Rohstoff-Kontrollen in den USA
vwd. Die nationale Produktionsbehörde der Vereinigten Staaten will neue Bewirtschaftungsvorschriften für die Verarbeitung von Kobalt, Zink,Wolfram, Kadmium und Mangan für den zivilen Sektor erlassen. Die zu erwartenden Maßnahmen werden sich in gleichem Rahmen bewegen, wie die Kürzung der Aluminiumauslieferung in Höhe von 35 Prozent. Bei den Kontingentierungsmaßnahmen handelt es sich nicht um Kontrollen der Endprodukte, sondern nur um die Bewirtschaftung des Ausgangsmaterials.
Zusammenarbeit notwendig
Geistiger Damm gegen den Osten / Die Grundsätze der Arbeitgeberverbände
Drei Grundsätze für die Arbeit der Vereinigung der Arbeitgeberverbände, der sozialpolitischen Spitzenorganisation der Unternehmerverbände aller Wirtschaftszweige der Bundesrepublik, enthält der der Jahresmitgliederversammlung in Bad Schlangenbad erstattete Geschäftsbericht:
Konstruktive Mitarbeit am Aufbau einer Sozialordnung, die mit den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft vereinbar ist;
Verwirklichung einer echten sozialen Selbstverwaltung und
Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und Sicherheit innerhalb der Grenzen wirtschaftlicher Tragbarkeit.
Die Zusammenhänge zwischen Marktwirtschaft und sozialer Ordnung wurden besonders deutlich bei den Verhandlungen über das Mitbestimmungsrecht. Mit der in den gewerkschaftlichen Vorschlägen geforderten „Wirtschaftsdemokratie“ werde, das stellt der Jahresbericht fest, die Ausdehnung gewerkschaftlicher Macht erstrebt. Demgegenüber erstrebten die Vorschläge der Unternehmerschaft eine wohldurchdachte, wirtschaftliche und sozialfortschrittliche Gesamtumstellung. Sie stellten der These des Klassenkampfes die These der Gemeinschaft entgegen, nämlich die Zusammenarbeit in der innerbetrieblichen Ebene. Solange gewerkschaftliche Grundsätze wie die auf der vorigen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vertreten würden, könnten nochmalige Verhandlungen keine Aussicht auf Erfolg bieten. Die verantwortliche Entscheidung müsse dann allein dem Parlament überlassen bleiben. Der Kabinettsentwurf für ein Betriebsverfassungsgesetz sei als positive Grundlage der Probleme anzusehen.
Auf der Grundlage der Selbstverantwortung und Selbstverwaltung der Beteiligten verständigten sich die Vereinigung der Arbeitgeberverbände und des DGB über den Entwurf einer Vereinbarung zur Schlichtungsordnung. Die lohnpolitische Offensive des DGB im Sommer und Herbst habe dieses Vertrauen schwer belastet.
Die zwischen Arbeitgeberverbänden und DGB in Hattenheim vereinbarten „Grundsätze für den Aufbau einer Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung“ hätten auf der These der paritätisch aufgebauten Selbstverwaltung der Sozialpartner beruht. Während der DGB dies noch im Oktober für die künftige Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung anerkannt habe, hätten gleichzeitig Vertreter des DGB einen erbitterten Kampf gegen diesen Grundsatz bei der Behandlung des „Gesetzes zur Wiederherstellung der Selbstverwaltung und der Sozialversicherung“ geführt.
Im Anschluß an die Hattenheimer Mitbestimmungsrechtsgespräche sei ein gemeinschaftlicher Vorschlag der Arbeitgeberverbände und des DGB für ein Kündigungsschutzgesetz der Bundesregierung übergeben worden. Die Vereinbarung sehe die Kündbarkeit des Arbeitsvertrages vor und bringe damit die privatrechtliche Eigenart des Arbeitsvertrags zum Ausdruck. Bevorstehende Erörterungen über Leistungsveränderungen in einzelnen Sozialversicherungszweigen könnten an der bereits vorhandenen Belastung in Höhe von 40°/» der Löhne und Gehälter des Sozialversicherten nicht vorbeigehen.
Auf dem Gebiet der Lohnpolitik werde nur eine grundsätzliche Stabilität der Lohn- und Gehaltssätze der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage gerecht. Nominalerhöhungen der Löhne und Gehälter schwächten die Wettbewerbsfähigkeit im Export und müßten zwangsläufig über Preiserhöhungen inflationistische oder über Bewirtschaftung und Rationierung planwirtschaftliche Folgen haben. Der Schiedsspruch in Remagen über die Bauarbeiterlöhne habe eine vorsichtige Lohnpolitik erschwert.
In der internationalen Sozialpolitik habe die Vereinigung der Arbeitgeberverbände die unmittelbaren Beziehungen zum Internationalen Arbeitsamt in Genf wieder hergestellt. Der Wiederanschluß an die Internationale Arbeitgeberorganisation in Brüssel sei ein Wunsch maßgebender Kreise dieser Organisation. Bei der Auswahl der Sozial-Attachäs für deutsche Auslandsvertretungen stehe das Recht der Benennung der Arbeitgeberorganisation ebenso wie dem DGB zu.
Vor dem Hintergrund weltpolitischer Ereignisse könne die Zuspitzung der sozialpolitischen Lage nur mit ernster Sorge angesehen werden. Der Aufbau unserer Sozialordnung müsse von dem politischen Ziel getragen sein, einen geistigen Damm gegen den Osten zu errichten. Dies könne nur mit der Ideologie unserer westlichen Kultur- und Sittenordnung geschehen. Die Vereinigung der Arbeitgeberverbände sei zur Zusammenarbeit mit allen Stellen und Organisationen bereit.
Neuer Bauspar-Taritf
A. Z. Die Badenia-Bausparkasse hat einen Teilfinanzierungstarif (Schnelltarif) geschaffen. Dadurch soll bei Einzahlung von 40 Prozent der Bausparsumme innerhalb 4 Wochen der Rechtsanspruch auf unkündbares Baugeld zu 4V2 Prozent Zinsen bestehen.
Börsen und Märkte
Bz. Die Frankfurter Börse war auf fast allen Gebieten schwächer. Im Durchschnitt ergaben sich Abschläge von 1 bis 2 Punkten, zum Teil auch noch mehr.
Freie Devisenkurse
Bz. An der Frankfurter Börse hörte man am 15. November 1950 folgende freie Devisenkurse: für den US‘-Dollar 5.15 bis 5,25 DM, für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den Hollandigulden 1,15 bis 1,25 DM, für den Schweizerfranken 1.15 bis 1 25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0.75 bis 0,80 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0.16 DM.
Film und Funk
BEFEHL DES GEWISSENS
Die Regierung hat die Betätigung der Kirche und ihrer Priester untersagt. Ein Priester jedoch trotzt dem Verbot und setzt seine Arbeit unter den Bauern fort. Ein Suchkommando ist auf seiner Fährte, doch kann er sich in einem einsamen Dschungellager verborgen halten. Auch hier droht ihm Verrat: der Mestize, der nicht von seiner Seite weicht, ist entschlossen, ihn der Polizei auszuliefern. Eine Anhängerin des Priesters, Maria, deren Kind er tauft und für die er sorgt, kann ihn bei einem seiner Aufenthalte im Dorf noch rechtzeitig verbergen und die Verfolger ablenken. Der Priester entkommt über die Grenze. Doch der Mestize erreicht ihn und bittet ihn um geistlichen Beistand für einen Sterbenden drüben. Der Priester folgt dem Ruf, wird verhaftet und „liquidiert". (Thalia.) Foto: RKO
UNTER SCHWARZER FLAGGE
König William 111. hat Kapitän Kidd mit dem Schutze der Handelsschiffe beauftragt, aber Kidd hißt die schwarze Piratenflagge und kreuzt als „Schrecken der Meere“ mit seiner wilden Besatzung in der Südsee. An Bord befindet sich der Matrose Adam Mercy, der Sohn Lord Blaynes, den Kapitän Kidd ermordete und samt seinen Schätzen auf einer Südsee-Insel verscharrte. Doch Mercy findet den Ort. Er entflieht mit Anne, einer unfreiwilligen Passagierin auf dem Piratenschiff, nachdem er den liebestollen Lorenzo im Zweikampf erstochen hat. Als Kapitän Kidd nach England kommt, sind Mercy und Anne bereits gelandet und haben seine Schandtaten bekanntgemacht. Kidd wird gehenkt. Mercy erhält als Sohn Lord Blaynes alle Rechte zurück und vermählt sich mit Anne. (Belida.) Foto: Prisma
Die Schwäche des Verfolgten
Ein Film von Graham Greene und John Ford
„Die Kraft und die Herrlichkeit“ heißt der rigorose, von kritischer und unbedingter Religiosität erregte Roman Graham Greens von dem katholischen Priester, der in einem Aequatorlande, wo die Kirche marxistisch ausgetilgt ist, illegal die Sakramente auszuteilen entsandt wird und in rechtschaffenem, aber unzulänglichem Mut einer übermenschlichen Ver-» schwörung von fanatischen Verfolgern, korrupten Gläubigen und prasselnden Zufällen erliegt. „BEFEHL DES GEWIS¬SENS“ heißt die deutsche Fassung des RKO-Films, den John Ford in Mexiko mit Hilfe der dortigen Regierung nach diesem niederzwingenden und tröstlichen Buch gedreht hat.
Dieser Titel ist aber die einzige Ungenauigkeit. Nichts sonst bleiben Drehbuch und Regie, Landschaft und Musik, weiße und indianische Darsteller der großartigen Dichtung schuldig. Beklemmend und berückend schließt sich fugenlos Schrecknis an Schrecknis, Verzagen an Ausharren, Hohn an Inbrunst.
Da des Erzählens kein Ende wäre, nur einige Hindeutungen: der Markttrubel im Indiodorf mit seiner Tarantella-Fröhlichkeit wird von der berittenen Polizei, die den Priester sucht, erbarmungslos zertrampelt. Dolores del Rio, gequälte Madonna, verwandelt sich, um den Verfolgten Zeit zur Flucht zu geben, in ein girrendes Sergeanten-Liebchen, der brutale, zynische Bankräuber zieht die Verfolger auf sich, damit der verzagende Priester (Henry Fonda) sich retten kann. Und dann kommt die vielleicht ungeheuerlichste, eine ganz kurze und stille Szene: Eben jenseits der Grenze, in einem Lande, wo Freiheit ist, ein elegantes Krankenhaus mit einem netten Arzt, der die Selbstanklage des Priesters beschwichtigt: „Lassen Sie nur, jetzt sind Sie ja in Sicherheit... Außerhalb aller Eisernen Vorhänge weiß kein Mensch mehr, was denen, die drinnen kämpfen müssen, zugemutet ist.“
„Die Geschichte, die Sie hier sehen, passiert jeden Tag und überall“, sagt ein Sprecher, bevor der Film anhebt. Sie müßte also vor allem in Deutschland gezeigt werden. Außerhalb aller Eisernen Vorhänge .. K. S.
PETER VOSS, DER MILLIONENDIEB
Viktor de Kowa ist der Mann, der als Peter Voß eine Verfolgungsjagd über die ganze Erde mitmacht, der als Millionendieb von der ganzen Welt gesucht wird. Tempo, Spannung, Humor: das sind die Schlagworte, mit denen der Verleih diesen Film aus dem Produktionsjahr 1944/ 45 ankündigt. (Union.) Foto: Aka-Film
Menschen aus Hleisch und Blut
Gedanken zu dem Rossellini-Film „Stromboli“
„Die Größe der Seele hat nichts Romantisches an sich“. Würde dieses Wort Stefan Zweigs immer Maxime unserer Filmautoren sein, entständen unter ihrer vielgewandten Hand nicht Gebilde, die wie phantasielos zubereitete Nachspeisen schmecken: etwas gezuckert, fad und völlig unbedeutend.
Da haben uns mehr als einmal Happy-Ends in zaghaftem Wechsel mit bombastisch dramatischen Schlüssen, die vorübergehend die Taschentücher anfeuchteten, zu Tode gelangweilt. Da sind uns Lebewesen begegnet, für die die Welt augenscheinlich nur da war, um die eigene Leere auszufüllen. Der Zuschauer verließ das Kino und fragte sich kopfschüttelnd: „Quält denn der Alltag wirklich nur allein mich? Sollten seine Wunder nur marktschreierische Sensationen sein? Gibt es denn gar nichts mehr, was in der Schwebe bleibt, und was erfühlt werden muß, weil es in Worte nicht zu kleiden ist? Ist kein Raum mehr für etwas jenseits von Gut und Böse?“
Daß die Menschen so viel unzufriedener geworden sind mit ihrem Dasein, das hat mancherlei Ursachen. Sie aufzudecken, würde eine psychologisch-soziologische Studie erfordern. Der Film hat eine Patentmedizin gegen diese Zeitkrankheit erfunden. Pausenlos erfindet er Schemen, Rezepturen und Klischees für des Menschen Glückseligkeit. So hat man aus Sehnsuchtsträumen, aus Unerfülltsein ein Geschäft gemacht. Und böse Zungen schufen das Wort von der Traumfabrik.
Die Abkehr von diesem „Bewährten“, Althergebrachten lag in der Luft. Italiens Filmregisseure verdichteten diese Strömung zu ihrem Neo-Realismus. Packten das Leben, wo es interessant war, lauschten ihm, wo es am heftigsten pulsierte. Das tat auch Roberto Rosselini. In seinem vieldiskutierten RKO-Film „Stromboli“ zeigt er nichts anderes als das schwere, einfache Leben, — ohne die verklärende Romantik, die Stefan Zweig meint.
Sein Film packt den Menschen durch seine Menschen. Sie sind aus Fleisch und Blut. Nicht edel, aber auch keine abgefeimten Bösewichter. Sie haben unsere Schwächen, werden ergriffen von unseren Leidenschaften. Sie tragen unseren Kummer mit sich herum und träumen unsere Träume. Sie wispern mit bösen Zungen, sind argwöhnisch und voller Neid. Aber — sie haben Freude an ihrem Leben und lachen ein herrliches Lachen zu der Kargheit ihres Daseins.
Die Ehe von Karin und Antonio, die Verbindung einer schönen gebildeten Frau und eines einfachen Fischers, ist wahrlich kein Paradiesgärtlein. Sie ist eine Bewährungsprobe des Menschlichen, so wie es jede rechte Ehe — wenn auch unter ganz anderen Partnern — immer sein wird. Hier leben sich zwei Menschen ineinander ein. Hier wird der schwere Weg von Herz zu Herz aufgedeckt, den es zu beschreiten gilt, wenn der egoistische Pfad des Einzelgängers verlassen wird. Hier schließt ein Film nicht mit Kuß in Großaufnahme, noch mit dramatischem Schlußakkord. Kein wolkenloser Himmel spannt sich über dem Alltag, in diesem Film pendelt das Leben, so wenig ausgewogen, wie unser aller Dasein, zwischen Glück und Traurigkeit, zwischen kleinen Freuden und kleinen Leiden hin und her. Es vertropft monoton. Aber auf seine Wasser fallen doch ab und zu Glanzlichter einer guten Sonne.
So wie in unserem Leben. Dr. M. A.
STURM ÜBER ASIEN
Keith will im fernen Asien Oel schürfen und Bodenschätze heben. In Thomas gewinnt er den Geldgeber für den Start des Unternehmens. Mit einer wilden Männerhorde als Schiffsbesatzung macht er sich auf und gewinnt die Bewohner des angesteuerten Landes zunächst durch Geschenke und Versprechungen. Bald aber errichtet er eine tyrannische Herrschaft, nimmt den angestammten Prinzen gefangen und läßt ihn öffentlich auspeitschen. Frau Suzanne, die Keith begleitete, wendet sich in Abscheu von ihm ab. (Palast.)
SCHUSS DURCHS FENSTER
Es beginnt mit einer „kleineren Sache“, einem Einbruchsdiebstahl in einem chemischen Werk, den Kriminalassistent Jellinek aufklär.en soll. Es geht weiter mit einem Mord: Ein Unsichtbarer feuert einen Schuß durch das Fenster und tötet die Assistentin des Chefkonstrukteurs. Aus der „kleineren Sache“ wird ein „schwerer Fall“. Aus einer verwirrenden Fülle von Komplikationen, gefährlichen Situationen und spannenden Einzelepisoden schält sich schließlich die Lösung dieses deutschen Kriminalfilms heraus. (Hansa). Foto: Afa-Union
Was geschieht in Studio und Regieraum?
Ein Blick hinter die Kulissen des Rundfunks
Stellen Sie sich zwei Räume in Zimmergröße vor. die schalldicht voneinander getrennt sind. Eine Verständigungsmöglichkeit durch Zeichen ist durch ein Beobachtungsfenster gegeben, wählend man nur über eine Lautsprecheranlage miteinander sprechen kann!
Der wichtigste Einrichtungsgegenstand des einen Raumes, den man Studio nennt, ist das Mikrofon, jenes kleine unscheinbare Ding von der Größe einer ein Pfund schweren Konservendose, auf der sich ein vergitterter Metallkopf befindet.
Dieses Mikrofon hat es in sich. Es saugt gierig alle Töne in sich auf und kann — mit einem Rundfunksender gekoppelt — zu Millionen von Menschen sprechen. Dieser Ehre ist sich das Mikrofon auch voll und ganz bewußt, und daher macht es den Menschen, die vorihm sitzen, das Leben sauer, lautlos und passiv, wie es so seine Art ist. Jeder Sprecher, und mag er auch schon 25 Jahre im Beruf sein, kennt jenes Mikrofonfieber, das ihn, ähnlich dem Lampenfieber auf der Bühne, überfällt. Aber das Mikrofon besitzt über die Menschen noch eine andere unheimliche Macht, da sie, einmal gefangen, niemals wieder von ihm loskommen.
Doch zurück zur Einrichtung eines Studios: An der Wand hängt eine elektrische Uhr, darunter ein Gong. Der Zeitmesser regiert ein Funkhaus, denn Verspätungen von nur wenigen Sekunden können zum Verhängnis werden. Kein Programm darf länger als die genau vorgeschriebene Zeit dauern, es würde sich sonst auf den Sendeablauf des ganzen Tages auswirken. Diese unbedingte Pünklichkeit hat dazu geführt, daß man sich im Funkhaus auch bei privaten Verabredungen zu entschuldigen pflegt, falls man auch nur eine Minute später kommen sollte.
Der stumme Gong wird erst zum Leben erweckt, wenn man einen mit ihm gekoppelten Kippschalter bedient. Dieser befindet sich auf dem Sprechertisch, übrigens außer einem Stuhl das einzige Mobilar im Raum. Ist der Gong eingeschaltet. so ertönt er mit dem Ablauf der vollen Minute. Neulich wollte er aber den Menschen einen Streich spielen. Er hörte nicht auf zu gongen, sondern tat es am Ende jeder Minute wieder und das ausgerechnet bei einer Sendung. Die im Studio Anwesenden konnten sich nur mit äußerster Anstrengung das Lachen verbeißen. Schließlich faßte sich einer ein Herz und nahm einfach die Gongschale von der Wand. Aber die Macht des Gongs war immer noch nicht völlig gebrochen. Als es wieder so weit war. erschienen zwei Klöppel aus der Wand, die alsbald ebenso lautlos wieder verschwanden, wie sie gekommen waren. Ein leises Gekicher im Raum konnte nicht ganz unterdrückt werden, wenn auch der Hörer wenig davon gemerkt haben mag, da jemand sofort die „Räuspertaste“ drückte, mit der man die Verbindung zur Außenwelt für wenige Augenblicke unterbrechen kann, zum Beispiel, wenn ein Sprecher husten oder niesen muß.
Wollen wir noch einen kurzen Blick m den Nebenraum werfen. Hier im Regieraum ist es wesentlich enger, denn außer einem Magnetofon-Aufnahmegerät nimmt ein schrankartiger Lautsprecher sehr viel Platz weg, ganz zu schweigen vom Regietisch und dem des Tontechnikers Alle diese Gegenstände sind notwendig, um Regie führen zu können, das heißt, um eine Sendung zu leiten. Das besorgt der Spielleiter, der den Leuten hinter der Scheibe im Studio das Zeichen zum Einsatz gibt, dem Inspizienten. seinem „verlängerten Arm“, im Studio deutlich macht, wann er mit der Markierung von Geräuschen beginnen soll, und der dem Tontechniker neben ihm angibt, wann Schallplatten oder Bandaufnahmen einzublenden sind. All dies geschieht lautlos, denn während einer Sendung ist natürlich eine Sprechverständigung im Regie-Studio nicht möglich.
Vergessen wollen wir aber nicht den Toningenieur, der links neben dem Spielleiter sitzt. Er ist für den technischen Ablauf der Sendung verantwortlich. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Aussteuerung der verschiedenen Mikrofone zu überwachen. Denn bei Iviusik- oder Hörspielsendungen sind mehrere Mikrofone gleichzeitig in Betrieb. Wird nun ein Mikrofon zu laut angesprochen, so merkt man es durch einen quäkenden Ton im Lautsprecher. Schwächere Töne müssen, wie man sagt, etwas „angehoben“ werden. Das geschieht mit Hilfe von LautstärkeregLern, den technisch verständigen Lesern sei verraten, daß diese wie Potentiometer arbeiten. Eine große Fingerfertigkeit ist notwendig, um mehrere Mikrofone gleichzeitig anzusteuern.
Toningenieure sind nicht nur Techniker, sie verstehen im allgemeinen sehr viel von Musik, können eine Partitur lesen und kennen auch schwierige und selten gespielte Werke auswendig. Sonst wäre auch eine einwandfreie Arbeit nicht möglich. da man bei dieser Tätigkeit immer kurz vorher ahnen muß. was im nächsten Augenblick geschieht, um entsprechend darauf reagieren zu können.
Können Sie zum Schluß eine kleine Enttäuschung vertragen? Dann mögen Sie wissen, daß die meisten Sendungen nicht unmittelbar wiedergegeben, sondern vom Band abgespielt werden. Nachrichten und ähnliche Sendungen, Sportreportagen und Uebertragungen von öffentlichen Veranstaltungen sind jedoch feist ausnahmslos Direktsendungen. Aber hinter diesen Bandaufnahmen steckt eine oft stunden- und nächtelange harte Probenarbeit. Doch auch der Film im Kino, der ja in ähnlicher Weise zusammengeschnitten ist, begeistert uns immer wieder. Warum sollte es nicht der Rundfunk tun, obwohl wir ein wenig hinter seine Kulissen geschaut haben?
Muhten Sie schon?
• • . daß es auf der Welt etwa 3000 Rundfunksender gibt, von denen sich in Amerika allein über 2000 befinden? In Deutschland bestehen zur Zeit 59 ■Rundfunksendestationen.
* • 'A' daß die Zahl der Rundfunkhörer in Deutschland seit kurzem die 8,5 Millionengrenze überschritten hat? 1943 gab es allerdings im alten Reichsgebiet 16 Millionen Hörer. ♦
... daß der Hessische Rundfunk seit dem 15. 10. dieses Jahres täglich in der Zeit von 18—22.15 Uhr ein besonderes Programm auf Ultrakurzwelle sendet, das mit einer Frequenz von 92,9 MHz vom Feldberg und mit 90,1 MHz von Kassel ausgestrahlt wird? Der Sender auf dem Feldberg kann in Südhessen einwandfrei empfangen werden, allerdings nur, wenn ihr Rundfunkgerät einen UKW-Teil besitzt. *
... daß der Nebensender Kassel, der bisher auf gleicher Wellenlänge wie der Mittelwellensender von Radio Frankfurt zu hören war, seit dem 4. November auf der neuen Frequenz von 1594 kHz = 188,2 m sendet. *
. . . daß in Kürze der Mittelwellensender Luxemburg seine Versuchssendungen bei Einbruch der Dunkelheit einstellt? Hierdurch werden die Empfangsverhältnisse von Radio Frankfurt in den Abendstunden erheblich besser werden.
750 000 Dollar = ein Menschenleben
Während der zehn Drehtage, die für die halsbrecherischen Kunststücke Burt Lancasters in dem Film „Der Rebell“ benötigt wurden, war Burts Leben mit 750 000 Dollar versichert. Diese Aufnahmen waren vorsichtigerweise an den Schluß des Filmes verlegt worden, da Burt, als Dardo, der Rebell, dabei senkrechte Wände hinaufklettern, von Dach zu Dach springen, von einem galoppierenden Pferd fallen und einen Salto Mortale über waagerechte Stangen hoch über dem Erdboden machen mußte. Mit einem gebrochenen Nasenbein, einem verstauchten Knöchel und einem durch einen Pfeil leicht angekratzten Arm beendete er die Aufnahme.
Am Mikrofon:
Günther Hahnfeld
Vom Regieraum aus bemerken wir durch die Scheibe, wie ein Sprecher im Studio Platz genommen hat. Ein grünes Lichtsignal des Spielleiters macht ihn darauf aufmerksam, daß seine Sendung in Kürze beginnen wird. Man sieht, wie der blonde, hochaufgeschossene Mann mit dem etwas eckigen Gesicht, auf das Zeichen zum Einsatz wartet, das jeden Augenblick vom Spielleiter kommen muß. So — jetzt ist es so weit. Der Sprecher vor dem Mikrofon holt tief Luft und man bemerkt deutlich, wie er versucht seiner inneren Aufregung Herr zu werden. Aber als das erste Wort heraus ist, scheint der Bann gebrochen. Mit ruhiger tiefer Stimme liest er weiter. Es ist Günther Hahnfeld, den wir soeben am Mikrofon beobachten konnten. Ein Mensch, jung an Jahren und noch nicht lange am Mikrofon. Früher war er freier Journalist, bis er 1947 bei einem Sprecherwettbewerb unter 80 Teilnehmern Beachtung fand, wenn er auch nicht den erhofften Sieg davontrug. Um überhaupt mit dem Funk in Fühlung zu bleiben, wurde er zunächst Redakteur in der Nachrichtenabteilung des Hessischen Rundfunks. Daneben nahm er Sprechunterricht und hoffte, so eines Tages doch das Mikrofon erobern zu können. Welche Enttäuschung, als er beim ersten Vorsprechen — durchfiel. Unendliche Geduld mit sich selbst ließ ihn im August 1948 sein Ziel erreichen. Seitdem hat das Mikrofon Günther Hahnfeld in seinen Bann gezogen. Er verrät uns, daß er sehr gern Nachrichten liest, wenn ihn auch Fachleute am Rundfunk lieber als Ansager von gehobenen Untersendungen hören. Hahnfeld versucht, mit den Hörern am Lautsprecher Zwiegespräche zu halten
Im allgemeinen ist es das Vorrecht der an Dienstzeit oder Jahren älteren Menschen, in einer Folge von Berichten an erster Stelle zu erscheinen. Aber warum soll mnn nicht auch einmal dem Menschen den Vortritt lassen, der wie Günther Hahnfeld zumindest hinsichtlich seiner Praxis der jüngste Sprecher.am Mikrofon des Hessischen Rundfunks ist.
Darmstadt und Umgebung
„Einen Baum wachsen sehen...
FC Ein Krieg war gewonnen. Feldherr und Staatsmann, deren gemeinsamer Bemühung der Sieg zu verdanken war, saßen zusammen. „Und was“, rief der Staatsmann aus, „wird nach solchen Erfolgen jetzt uns noch wert erscheinen, es erleben zu dürfen — was kann uns noch zu einer Lebensfreude gereichen 7" Nach einer kurzen Pause antwortete der Feldherr. Kurz und schlicht und in einem Satz: „Einen Baum wachsen zu sehen.“ Und es folgte die Stille allgemeiner Zustimmung.
„Zur Lebensfreude gereichen“ hatte der Staatsmann gesagt, denn man schrieb das Jahr 1871. Man sprach damals so, und die beiden Gesprächspartner waren Bismarck und Moltke. Die Geschichte ist nicht einmal erfunden, sondern ereignete sich so nach dem deutsch-französischen Krieg.
Warum wir diese Aeußerung auf greifen? Etwa weil wir von Moltke oder Bismarck zu reden beabsichtigten? Nein! Wir wollen von Darmstadt, von seinen Straßen, seinen Plätzen und seinen Bäumen reden.
Daß Tiere unsere Liebe und Fürsorge brauchen und verdienen ist allgemein bekannt und anerkannt; daß aber auch Sträucher und Bäume, uns brüderlich verwandt, keine Sachen, keine Dinge sind wie Bretterbuden und Garagen, die man beliebig aufbauen und abreißen, die man — machen kann, sondern die wachsen müssen, das scheinen die Menschen in der Stadt leicht zu vergessen. Alle, die täglich mit Baum und Strauch umgehen, haben sich — ohne alle Sentimentalität — die Erhrfurcht vor dem Gewachsenen bewahrt.
In anderen Ländern gibt es „Baumpflanzungstage“, an denen — festlich und feierlich — Bäume gepflanzt werden zur Freude aller; anderswo besteht die Sitte, daß, wer Bürgerrecht in einer Stadt erwerben will, dort einen Baum anpflanzen muß.
Es ist nicht notwendig, daß wir fremde Sitten übernehmen und nachahmen. Aber wir sollten nicht versäumen, in unseren Formen zu tun, was getan werden muß.
Die guten alten Darmstädter wissen, wie viele prächtige Bäume die Opfer der letzten Jahre geworden sind. Wir sollten alles tun, sie möglichst rasch zu ersetzen, und ein „Baumpflanzungsprogramm“ mit der gleichen Sorgfalt und Liebe durchführen, mit der in den beiden letzten Jahren unsere Anlagen wieder bepflanzt wurden.
Es ist dabei durchaus einzusehen, daß der eine oder andere Baum nicht wieder ersetzt werden kann, weil es der zunehmende Verkehr nicht zuläßt. Man könnte sich auch vorstellen, daß einmal Bäume dort gepflanzt werden — zur Freude derer, die nach uns kommen — wo bisher noch keine gestanden haben. Unser Stadtbild könnte dabei viel gewinnen, nie verlieren.
Aber es ist nicht gut, zu warten. Einen Hausbau kann man beschleunigen, wenn man die doppelte Anzahl Arbeiter anstellt. Ein Baum muß wachsen, und wir können im Grunde nichts dazu tun.
Oder sollte ich nicht besser sagen! Ein Baum darf wachsen? Denn das gibt ihm Rang und Vorrang vor allem Gemachten und verbindet ihn brüderlich mit Mensch und Tier.
„Einen Baum wachsen zu sehen ...“ Wir wollen es nicht vergessen.
„Darmstadt ist eine Technische Hochschule“
Oberbürgermeister Metzger zu den Studenten der TH
Gestern, abend sprach Oberbürgermeister Metzger im Zintl-Institut vor den Studenten der Technischen Hochschule über das Verhältnis zwischen Studentenschaft und Hochschulstadt. Der Rektor der TH, Prof. Dr.-Ing. Mehmel, begrüßte den Redner. Es wäre zu hoffen, daß die Entwicklung der Technischen Hochschule in absehbarer Zeit soweit fortschreiten würde, daß man sagen könnte, „Darmstadt ist eine Technische Hochschule“.
Oberbürgermeister Metzger erklärte, daß es infolge des Raummangels leider nicht möglich sei, bei der Einweihung des ersten Studentenwohnheimes die gesamte Studentenschaft als Gast zu sehen. Er benutze daher die Gelegenheit, am Vorabend der Einweihung vor den Studenten einige Ausführungen machen zu können. Darmstadt erfreue sich bei allen Studenten eines guten Rufes. Als nach dem Kriege 1947/48 das erste Semester eröffnet wurde, hatten sich bereits über 2200 Studierende eingeschrieben. Heute wären es etwa 2800. Diesem Vertrauen, das die Studenten in die Stadt Darmstadt setzten, gelte es gerecht zu werden. Es sei so die Idee entstanden, im Zusammenhang mit dem Aufbau des früheren Kasernengeländes die ehemalige Arrestanstalt zu einem Studentenwohnheim auszubauen. Die Ausbildung der Studenten sei eine Lebensfrage Deutschlands. Aus dieser Erkenntnis heraus beabsichtige man auch das Gelände der Technischen Hochschule zu erweitern, und auf dem unteren Teil der Alexanderstraße neue Gebäude zu errichten.
Zur Schulgeldfreiheit betonte Oberbürgermeister Metzger, daß die Lehrgeldfreiheit nur für in Hessen ansässige Studenten gelte, oder für Studierende aus Ländern, in denen Gegenseitigkeit gewahrt wäre. Es sei aber zu hoffen, daß in Zukunft bei besserer Finanzlage der Länder die Schulgeldfreiheit Allgemeingut würde. Der Redner schloß mit der Feststellung, daß es jetzt zunächst einmal gelte, die persönlichen Beziehungen zwischen Stadt und Hochschule zu festigen, um aus diesem Zusammenwirken das Bestmöglichste herauszuholen. hfl.
Arbeitsgemeinschaft „Segelflug Rhein-Main“
in Darmstadt gegründet
Etwa 70 Vertreter von Segelflugvereinen aus Südhessen, Rheinland-Pfalz und Nordwestbayern, die am Sonntag auf Einladung der hiesigen Segelfluggruppe nach Darmstadt gekommen waren, gründeten im neuen Segelfliegerheim am Steubenplatz die Arbeitsgemeinschaft „Segelflug Rhein-Main“. Maßgeblich an der Gründung beteiligt waren u. a. die Vereine der Städte Darmstadt, Worms, Miltenberg, Obernburg, Rüsselsheim, Trennfurt, Oberursel, Groß-Gerau, Mainz, Frankfurt und Wiesbaden. An den Besprechungen nahmen auch der bekante Segelflugzeugkonstrukteur H. Jakobs (Weiterstadt) und Dipl.-Physiker Boe nnecke aus Göttingen teil.
Die Arbeitsgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, nach der erhofften Aufhebung des Segelflugverbotes Mittel aufzubringen und gemeinsam an den Bau von Segelflugzeugen heranzugehen. Bei der Gründungsversammlung konnte bereits der Eingang einiger wertvoller Stiftungen bekanntgegeben werden. t-s.
KKV „Constantia“ feierte
das 67. Stiftungsfest
Zum 67 jährigen Stiftungsfest des Vereins katholischer Kaufleute und Beamten „Constantia“ waren am Sonntag in der Gaststätte „Heilig-Kreuz“ etwa 200 Gäste erschienen. Die Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden, Herrn Baumann, wurde musikalisch umrahmt von der Kapelle Hinze. In Verhinderung Generalvikars Kastell, der der 60 jährigen Geburtstagsfeier von Bischof Dr. Sto h r beiwohnte, hielt Pater Ansgar Schröder die Festrede. Er erinnerte an die Entstehung des KKV im Jahre 1883, bei der Kaplan Schäfer als 1. Geistlicher Beirat tätig war und der dann von Kaplan Kirchstein, dem späteren Bischof, abgelöst wurde. Der Redner betonte, daß der Verein seinem alten Grundsatz „Ehrlich im Handel, Christlich im Wandel“ treu bleiben und heute die Gemeinschaft im religiösen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben in den Vordergrund stellen wolle. Zwölf Mitgliedern überreichte er für ihre 25- jährige Mitgliedschaft zum Verband Ehrennadeln und Urkunden. Nachdem Pfarrer Dr. Degen seine Glückwünsche überbracht hatte, unterhielt Herr Savelsberg mit einem heiteren Allerlei die Versammelten. Nach einer Arie, gesungen von Herrn Messerschmidt, eröffnete eine Polonaise den Festball. t-s
Eine symbolische Kranzniederlegung für die Toten in der schlesischen Heimat wird der Schlesier-Verein Darmstadt am Sonntag, dem 26. November um 11 Uhr, an den Gräbern verschiedener, in Darmstadt verstorbener Schlesier vornehmen.
„Wir kriegen sie nicht mehr!“
Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben / Geschwindigkeitsbegrenzung neu festgesetzt
Am 19. Oktober verkündete der hessische Innenminister Zinnkann seinen untergeordneten Dienststellen, daß die Geschwindigkeitsbegrenzung für Kraftfahrzeuge außerhalb geschlossener Ortschaften aufgehoben sei.
Jeder, der ein Nummernschild an einem fahrbaren Untersatz hatte, konnte nun aufs Gaspedal steigen, wie ihm lustig war. Außerhalb geschlossener Ortschaften durfte ihm die Polizei nichts mehr tun. Sie konnte es auch nicht, denn sie kam mit ihren Volkswagen nicht mehr hinterher.
Die Aufhebung der Verordnung aus der Vorkriegszeit — „Volksvermögen Benzin und Reifen muß gespart werden“ — war für die Kraftfahrer das Ereignis des Jahres. Am 9. November gab ein Schreibstubengefreiter des amerikanischen Oberkommissars der Oeffentlichkeit bekannt, daß Kraftfahrzeuge außerhalb geschlossener Ortschaften der US-Zone nur 80 bzw. 60 Kilometer Höchstgeschwindigkeit fahren dürften —, womit alle „Klarheiten“ beseitigt sind.
Jetzt kommt die Polizei wieder mit und Minister Zinnkann weiß Bescheid. In den Tagen der ungehemmten Geschwindigkeiten stellte unser Sg.-Mitarbeiter an eine Reihe von Leuten, die mit Kraftfahrzeugen zu tun* haben, die Frage:
Was sagen Sie zur Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung?
Direktor Beyer, Einsatzleiter der Gendarmerie im Reg.-Bezirk Darmstadt: „Im Kreis Erbach fanden in der letzten Zeit sechs Menschen durch Autounfälle den Tod. Wenn sechs Morde vorgekommen wären, würde die Bevölkerung der Polizei unter allen Umständen Fahrlässigkeit oder Unfähigkeit vorwerfen. Das Echo auf die zahlreichen Unfälle ist dagegen relativ schwach. Wir können jetzt die schnellfahrenden Personenwagen nicht mehr einholen.
Es ist zwar hart, aber das einzige, was man auf die meisten Grabsteine der durch Verkehrsunfälle umgekommenen Mitmenschen schreiben könnte, wäre: Ich wollte es nicht anders haben. Selbstverständlich muß an sich jeder wissen, wie schnell er fahren kann und über welches Reaktionsvermögen er verfügt. Aber viele Fahrer wollen sich einfach nicht belehren lassen, und das Ende ist die erschreckend hohe Unfallziffer; ganz abgesehen von dem wichtigen Volksvermögen, das verloren geht.“
Eine Volkswagenfahrerin: „Wenn es nach mir ginge, würde ich zunächst die ständigen Polizeikontrollen auf heben. Jeder muß für sich selbst verantwortlich sein. Durch die vielen einengenden Bestimmungen sind noch nie Unfälle verhütet worden. Wer nicht fahren kann, wird einem Unfall auch unter der 80- km-Grenze zum Opfer fallen.“
Der Tankstellenwart an der Autobahn: „Ich höre natürlich viele Meinungen jeden Tag. Die Fahrer von schweren Pkw.s, sind einverstanden mit der unbegrenzten Geschwindigkeit, die Fahrer kleinerer Wagen nicht. Die schweren Motorräder allerdings, wie Horex und BMW, müssen ausgefahren werden, da die hochgezüchteten Motore das dauernd gedrosselte Tempo nicht vertragen.“
Ein Kurierfahrer: „Ich fahre täglich größere Strecken mit dem Motorrad und halte es für verfehlt, den Sonntagsfahrern bzw. ihrem Gashebel nunmehr .freie Fahrt' zu geben.“
Ein Kraftfahrzeugschlosser: „Gottseidank, daß diese bürokratische Verordnung aufgehoben wurde. Ich bin überzeugt, daß die Unfallziffer durch die Aufhebung dieser Verordnung nicht steigen wird. Jeder muß halt wissen, wie schnell er bei seiner persönlichen Fahrkunst und dem Zustand seines Kraftwagens fahren darf. Schauen Sie sich mal die großen Schweden-Omnibusse auf der Autobahn an, wie die mit 90 Sachen vorwärtskommen. Wenn die mit 50 Kilometern daherstoppeln sollen, dann ist die Autobahn für die Katz’ gebaut.“
Gendarmerie-Einsatzbereitschaft Auto¬ bahn: „Heute steht wieder ein Lastzug bei Kilometer 538 auf dem Kopf. Gerade wir sind täglich Zeugen schwerer Unfälle. Man muß bedenken, daß ein Wagen bei 100 Kilometer Geschwindigkeit einen Bremsweg von etwa 50 Meter hat. Zu hohe Geschwindigkeiten müssen den Menschen immer zum Verhängnis gereichen. Die Motorleistung der Wagen steigt, das menschliche Reaktionsvermögen bleibt aber.“
Ein Lkw-Fahrer aus Westfalen: „Meiner Meinung nach müßte bei schweren Lkw.s eine 50-km-Grenze bestehen. Wir haben in unserer Firma auch einige Schnelligkeitshelden, bei denen ist entweder die Karosserie oder die Stoßstange kaputt. Oder der Anhänger ist eingedrückt. Ich habe mit meinem „Faun“ über 20 Tonnen geladen und werde mich hüten, schneller als unbedingt nötig zu fahren. Die Menschen sind selbst an den Unfällen schuld.“
Ein Kaufmann aus dem Rheinland: „Mein großer, neuer Chevrolet erreicht spielend die 140-km-Grenze. Ich habe mir den Wagen gekauft, um schnell und bequem zu fahren. Feste Schnelligkeitswerte bringen nicht immer Zweckmäßigkeit.“ Sg.
„Hier Sender Runxendorf!“
Ludwig Manfred Lommel kommt nach Darmstadt
Es gibt Leute, die werden Humorist und steigen auf die Bühne, weil sie sich selbst sehr humorvoll vorkommen Das seht dann meistens schief. Humorist sein ist allenfalls ein Beruf, weil er auf der Steuerkarte oder auf dem Arbeitsamt als solcher anzugeben ist. Ansonsten ist es kein Beruf, sondern eine Berufung.
Die .haben nur wenige. Aber die sie haben, die sind auch schnell in aller Munde. Sie finden schnell ihre treuen Freunde, die ihren Werdegang genau und mit Entzücken verfolgen und meilenweit mit fahrbaren Geräten unterwegs sind, um ihre gefeierten Lieblinge einmal persönlich beim Gastspiel in der nächsten Stadt zu sehen.
So einer ist Ludwig Manfred Lommel. Auch er hatte nicht „Humorist gelernt“ und wurde doch einer. Obgleich sein durcheinanderwirbelnder Lebenslarf gar nicht danach aussah. Ober vielleicht: deshalb.
Der Vater: Schlesischer Tuchfabrikant. Ludwig Manfred lernte in den Zentren der englischen Tuchfabrikation das gleiche Metier, wurde Soldat, Offizier im ersten Weltkrieg. Nachher Reisender in Oelen und Fetten. Zwischendurch „machte er in Versicherungen“.
Und 1926 stand er plötzlich in Breslau auf einer kleinen Bühne. Er gefiel. Das griff wie ein Lauffeuer um sich und eines Tages stand er vor einem Mikrofon. Der Rundfunk hatte ihn.
Mit dem machte er seinen eigenen „Sender“ auf: Sender Runxendorf auf Welle Null-Komma-Fünf. Paul und Pauline, Baron Rülps von Knullrich und Kantor Stockschnupfen trafen sich dort am Mikrofon mit einer Unzahl von Viechern und anderen geräuschmachenden Geräten, alle Ludwig Manfred Lommels Kehle entstammend.
Das rief die Plagiatoren auf den Plan. Aber sie kamen nicht mit. Und Ludwig Manfred Lommel ist noch heute der, der er war: Der bekannteste schlesische Humorist, dem es gelungen ist. das schlesische Fluidum seines Humors über ganz Deutschland bekannt und in seiner Art beliebt zu machen.
Er wird am Sonntag in der Stadthalle zeigen, was er kann. agt.
Ueber Vorbeugungsmaßnahmen gegen Asthma und Rachitis wird heute Donnerstag, dem 16. November, um 16 Uhr, in der Aula der T. H., Dr. med. Franz Braun für Eltern, Erzieher und Fürsorgerinnen einen Vortrag halten. *
Neue Straßennamen legte der Magistrat der Stadt Darmstadt für zwei Straßenstücke fest. Die neuerstandene Straße zwischen Taunusring und Weiterstädter Straße, die zur Zeit vom Bauverein für Arbeiterwohnungen und der Firma Nungesser mit größeren Wohnblocks bebaut wird, erhielt die Bezeichnung „ Brauns hard ter Weg “, die am Donnersbergring einmündende Sackgasse zwischen Sandberg- und Weinbergstraße wurde “ Kur zier Weg“ benannt. *
Entlassungen oder Kurzarbeit
Obwohl im Arbeitsamtsbezirk Darmstadt mit den Landkreisen Darmstadt, Dieburg, Erbach und Bergstraße 2 473 Frauen und 6 529 Männer arbeitslos sind, kann der Bedarf an Facharbeitern und Facharbeiterinnen in verschiedenen Industrien und Gewerbezweigen nicht abgedeckt werden.
Diese Mangelerscheinungen neben der Verknappung von Kohlen, sonstigen Materialien und Halbfabrikaten beginnen schon mancherorts einen weiteren Konjunkturaufschwung zu hemmen. Daneben zeichnen sich im Bezirk des Arbeitsamts Darmstadt in einigen Gewerbezweigen und Industrien Absatzstockungen ab, die zum Teil saisonbedingt oder in Marktfragen verschiedenster Art zu suchen sind. Bei der Struktur des Arbeitsamtsbezirks kann es daher nicht ausbleiben, daß neben einer Mehrschichtenarbeit oder Ueberstunden Betriebseinschränkungen, Kurzarbeit und Entlassungen in Erwägung gezogen und andererseits Abwerbungen durch Locklöhne versucht werden.
Für die zur Entlassung kommenden Arbeitnehmer zahlt das Arbeitsamt Arbeitslosenunterstützung. Bevor jedoch Arbeitslosenunterstützung gezahlt werden darf, muß vom Arbeitsamt versucht werden, dem Antragsteller einen Arbeitsplatz zu vermitteln. Bei dem vorhandenen Bedarf an Fachkräften werden diese vom Arbeitsamt ohne Schwierigkeiten untergebracht werden können. Da es bei vorübergehenden Stillegungen dem Arbeitsamt nicht gestattet ist, vermittlungsfähige Arbeitskräfte zu unterstützen, gehen Betriebe, die vorübergehend schließen wollen, das Risiko ein, eingearbeitete wertvolle Fachkräfte für dauernd zu verlieren, weil diese Entlassenen anderweitig lohnende Arbeit finden können. Wenn in den Bezirken Erbach und Bensheim die Arbeitslosigkeit bei den Männern mit 9,9 v. H. der Beschäftigten weit über dem Durchschnitt liegt, so sind einschlägige Fachkräfte in den gefragten Berufen und den erforderlichen Qualitäten auch in diesen Bezirken nicht mehr vorhanden.
Sieht ein Betrieb von Entlassungen ab und versucht, die stille oder schwierige Zeit — wenn es nicht vermeidbar ist — durch Kurzarbeit zu überbrücken, so zahlt das Arbeitsamt als Ersatz für den Lohnausfall Kurzarbeiterunterstützung, die ohne Wartezeit und nach der gleichen Berechnung wie die Arbeitslosenunterstützung gezahlt wird. Diese Regelung ist für den Arbeitgeber aus vorstehenden Gründen günstiger und wohl sozialer zu bewerten als Entlassungen.
Kurzarbeiterunterstützung wird gewährt, wenn der Arbeitsausfall auf Arbeitsmangel beruht und unvermeidbar ist, wobei als Arbeitsmangel auch der Mangel an Betriebs- oder Werkstoffen vom Arbeitsamt anerkannt wird. Die Kurzarbeiterunterstützung wird nur auf Antrag gewährt. Den Antrag kann der Arbeitgeber oder der Betriebsrat stellen.
Bevor über Entlassungen oder Stilllegung von Abteilungen entschieden wird, sollten die Betriebsinhaber mit den Betriebsräten erwägen, ob Kurzarbeiterunterstützung nicht für beide Teile günstiger ist als Entlassungen. Pf-
Kampf gegen die Wurmplage
Programm für vier Jahre ausgearbeitet
Unter Vorsitz von Ministerialdirektor Dr. Freund fand am vergangenen Mittwoch eine Sitzung einer Kommission namhafter Sachverständiger statt, um einen Plan zur Sanierung der Wurm-Endemie in Starkenburg zu entwerfen.
Der Plan wurde für einen Zeitraum von vier Jahren angesetzt. Uebereinstimmend wurde für notwendig gehalten, daß die Aufklärungsarbeit mit allen Möglichkeiten der hygienischen Belehrung (Film, Presse, Ausstellung usw.) während der ganzen Sanierungsperiode in intensivster Weise stattfinden soll. Die Kommission empfahl, daß bis zur Fertigstellung der Kläranlage das berieselte Anbaugebiet nicht mit Gemüsen, sondern mit anderen landwirtschaftlichen Produkten, wie Getreide, Kartoffeln und Ackerfrüchten, bebaut wird.
Ein Unter-Ausschuß der Sachverständigen-Kommission wird unter Vorsitz von Prof. Schmitt vom landwirtschaftlichen Untersuchungsamt Darmstadt die Fragen untersuchen und klären, die sich durch die Düngung mit frischem Abortgruben-Inhalt — „Kopfdüngung“ — ergeben. Besonderen Wert legte die Kommission auf die Mitarbeit der Aerzteschaft und der Bevölkerung durch die planmäßig durchzuführenden systematischen Entwurmungskuren.
Der Kreisverband der Heimatvertrie¬ benen teilte uns mit, daß verbilligte Eintrittskarten zum Gastspiel von Ludwig Manfred Lommel in der Stadthalle, durch den Verbandsangehörigen Alfred Mühle, Alter Flugplatz an der Nachtweide, von den Verbandsmitgliedern bezogen werden können. Eine gleiche Möglichkeit besteht für die Angehörigen des „Schlesier-Vereins“, durch Nachweis ihrer Vereinszugehörigkeit, verbilligte Vorverkaufskarten bei der Darmstädter Musikzentrale bis Freitag nachmittag, 16 Uhr, zu erhalten. *
„Kleider machen Leute“
Am Mittwoch stattete Oberbürgermeister Metzger dem Darmstädter Betrieb der Firma Neckermann einen Besuch ab. In Begleitung von Dr. Betzen, dem leitenden Herm der Neckermannschen Betriebe, Herrn Mohrbather, dem Geschäftsführer des Darmsädter Unternehmens und der Direktrice Frau Dieseler, saih sich der Oberbürgermeister _ die technischen Einrichtungen an. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß auch hier die Frauen Gelegenheit hätten einen Arbeitsplatz zu erhalten. Der Oberbürgermeister wünschte weiterhin Erfolg und gutes Gelingen aller Pläne.
Innerhalb von vier Wochen konnte Herr Mohrbacher diesen Betrieb aufbauen, der mit 70 Maschinen und ebensoviel Näherinnen Konfektionskleidung herstellt. Um wirklich rationell schaffen zu können, geht die Arbeit am laufenden Bande vor sich: Nachdem der in Ballen angelieferte Stoff die Kontrolle passiert hat. kommen etwa hundert Stocfflagen auf die Legmaschine, wo das .Schnittmuster aufgezeichnet ist und mti dem Stoffmesser ausgeschnitten wird. Die zugeschnittenen Teile werden dann bündelweise zur Arbeit an die einzelnen Maschinen-Näherinnen gegeben. Die Ware kommt sodann an die Mangel oder an die Bügeltische zur letzten Bearbeitung. Das Bündeln und Etikettieren bildet den Abschluß dieses rationellen Produktionsvorganges.
In der Stadt notiert
Durch den Verein für Deutsche Schä¬ ferhunde, Ortsgruppe Darmstadt, findet am Sonntag, dem 19. November um 8.30 Uhr, auf dem Uebungsplatz der Ortsgruppe am Haardtring eine Körung für deutsche Schäferhunde statt. Körmeister ist Herr Dr. Sachs. *
Ein Schreiben an den Oberbürgermei¬ ster richtete bei seiner letzten Mitgliederversammlung der Schlesier-Verein in Darmstadt, in dem die Bitte ausgesprochen wurde, als lebendige Mahnung an die in Schlesien verlorenen Heimatgebiete bei der nächsten Straßenbenennung je eine Straße mit Oppelner, Breslauer und Liegnitzer Straße zu bezeichnen nach den Regierungshauptstädten der Provinz Schlesien. *
Das Parkhotel Aachener Hof wird am kommenden Sonntag seine neuen Räume eröffnen. Aus diesem Anlaß wird eine Modenschau „Im Traumland der Mode“ veranstaltet werden. *
Wie wird das Wetter?
Wieder Regen
Vorhersage: Am Donnerstag stark bewölkt und erneute Regenfälle. Mittagstemperaturen bis nahe 10 Grad, südwestliche Winde. Weitere Aussichten: Wet¬ terberuhigung.
Wohin gehen wir heũte?
Landestheater: Orangerie: 20.30 Uhr „Der Flüchtling“. Schauspiel von Fritz Hochwälder. Lichtspieltheater: Union: „Peter Voß. der Millionendieb“; Thalia: „Der Postmeister“; B e 1 i d a : „Via Mala“; Pal a s t: „Ekstase“; Hansa: „Schuß durchs Fenster“. , ~ Amerikahaus: 19.30 Uhr Vortrag: Arnold Schönberg und die Künstlergruppe „Der blaue Reiter“, Dr- Gaston Dejmek. Essen; Musikprogramm: 15—16 Uhr Werke von Mozart, 16—17 Uhr AFN Symphony Orchester; Filmprogramm 14.30 nd 17 Uhr. Studentenwerk Darmstadt. Sportamt: 20 Uhr im Hörsaal 163 der TH Vortrag von Prof. Dr. Altrock „Die kulturelle Bedeutung der Sportbewegung“. Deutscher Alpenverein, Sekt. Darmstadt: 19.30 Uhr im Zintl-Hörsaal der TH Lichtbiildervortrag des Alpenlichtbildners Ernst Baumann, Bad Reichenhall. Volkshochschule: 19.30 Uhr im Raum 167 der TH Vortrag von Dr. Wolfgang Kretschmer. Universitäts-Klinik Tübingen: „Dr. Carl Happich, ein Mensch unserer Zeit“. Concordiasaal: 20 Uhr Spielschar der kath. Jugend Frankfurts, Lustspiel „Familie Hannemann“. Stadthaus (Eleonorenschule): 18.30 Uhr Beginn der Vortragsreihe von Michael Morosow : „Grundzüge der russischen Außenpolitik“. Biochemischer Verein und Naturheil¬ verein: 19.30 Uhr Aula der TH öffentl. Vortrag über Erkältungskrankheiten. Redner: Heilpraktiker Rudolf Siegert. Hanau. Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3a; 10—18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“. Landesmuseum: 10—18 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch. Arbeitsgemeinschaft des Kraftverkehrs: 19.30 Uhr bei Ripper, Erbacher Straße, Versammlung. Thema: „Was machen wir mit der Kraftfahrzeugversicherung“. „Asthma und Rachitis vorbeugen“. Vortrag um 16 Uhr in der Aula der TH durch Chefarzt Dr. med. Franiz Braun, Bad Reichenhall.
STARKENBURG
Groß-Gerau rüstet
zum Weihnachtsfest
Die Gestaltung der Weihnachtswerbung in der Kreisstadt Groß-Gerau, die man in Form einer Weihnachts-Lotterie und eines Schaufenster-Rätselratens durchführen will, fand bei einer Besprechung zwischen den Vertretern des Verkehrsvereins, des kürzlich gegründeten Ortsgewerbevereins und des Einzelhandels-Vorstandes allgemeine Zustimmung. Es konnte festgestellt werden, daß bereits Bestellungen für mehr als 30 000 Lose vorliegen. Die kommenden Advents-Sonntage werden mit verschiedenen lokalen Darbietungen, wie Krippenspiele und Theateraufführungen ausgefüllt sein, deren Gestaltung die Schulen übernehmen. Mit der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ wird der Kreis-Theaterverein Frankfurt an einem der drei Advents-Sonntage in der Kreisstadt gastieren. Tannengeschmückte Omnibusse sollen von den einzelnen Orten der näheren Umgebung die Bevölkerung an verschiedene Haltepunkte in Groß-Gerau bringen. Die Organisation der gesamten Weihnachtswerbung liegt in den Händen eines Ausschusses, dei' in Kürze mit der Aufstellung mehrerer Arbeitsausschüsse beginnen wird. -Kr-
23 858 DM Ueberschuß
in der Bilanz der Gemeinde Hähnlein
Zu Beginn der letzten Hähnleiner Gemeinderatssitzung gab Bürgermeister Gerhard einen Bericht über das Rechnungsjahr 1949, das mit einem Ueberschuß von 23 858,56 DM abschließt. Für das Jahr 1950 wurden insgesamt 30 600 DM Landesbaudarlehen an Interessenten bewilligt.
„Friedensschluk“ mit der GYA
Ortsjugendring Groß-Gerau wieder im „Haus der Jugend“
Als Nachfolger des Sergeanten Conn, der vor kurzem nach den USA zurückkehrte, stellte sich in der Halbjahresschlußsitzung des Ortsjugendrings Groß-Gerau als Verantwortlicher für das „Haus der Jugend“ Sergeant Mears vor.
Mears betonte in einer kurzen Ansprache, daß er um so lieber gekommen wäre, als nun die Schwierigkeiten beseitigt worden seien, die den Jugendring bisher von der Benutzung des „Hauses der Jugend“ am Wasserturm abgehalten hätten. Der Eintritt in das GYA-Heim, in das zur Zeit eine Zentralheizung eingebaut, dessen Zugangswege verbessert und dessen Innenausstattung jetzt erneuert würde, sei nun für jeden Angehörigen der Jugend frei. Er freue sich, der Jugend auf diese Weise helfen zu können, und erbat sich ebenso die Mithilfe der Jugendorganisationen, deren Vertreter sowohl durch ihren Beifall wie durch die Bereitschaft, an der Wegeverbesserung selbst mitzuhelfen, diesem „Friedensschluß“ ihre wärmste Billigung ausdrückten.
Der Ring beschloß, schon die nächste Sitzung, am Donnerstag, dem 30. November, im „Haus der Jugend“ abzuhalten. Den Vertretern wurde aufgetragen, für diesen Termin auch Vorschläge für die weihnachtliche Betreuung der Waisenkinder und die Bedürftigen vorzubereiten.
Die siebzehn Vertreter der zum Ortsjugendring gehörenden Organisationen gaben bei der Neuwahl des Vorsitzenden, die nach Erstattung von Rechenschafts- und Kassenbericht und Entlastung des Gesamtvorstands angenommen worden war, geschlossen ihre Stimme für den bisherigen Vorsitzenden, Georg Sturmowski, ab. Stellvertreter wurden Fräulein Löf f-
ler und Forstassessor Ra iß. Der Jugendbund für entschiedenes Christentum wurde neu in den Ortsjugendring aufgenommen. Da von der Goethe-Volkshochschule Groß-Gerau auf die schriftliche Anfrage über Leitung, Träger und Programm und die Anregung zu einer klärenden, öffentlichen Versammlung keine Antwort eingelaufen war, beschloß die Versammlung, nunmehr um eine beschleunigte Antwort zu bitten. eng
Landesschulbeiräte-Tagung
im Dezember in Groß-Gerau
Im Einvernehmen mit dem hessischen Ministerium für Erziehung und Volksbildung beabsichtigt der Landesschulbeirat vom 7. —9. Dezember einen Kreis von 60 Personen in Groß-Gerau gründlich mit den Schulreformplänen im Lande Hessen bekanntzumachen.
Sechs Fachleute, unter ihnen ein Arzt, werden u. a. folgende Themen im einzelnen behandeln: Innere und äußere Schulreform, Anpassung des Unterrichts an die Entwicklungsstufe des Kindes, Förderung der Selbständigkeit, Gemeinschaft zwischen Lehrer und Schüler, Selbsterziehung der Schüler, Schulverwaltungs-Gesetzentwurf, Erziehungsberatung der Eltern, Auslese, Schulbetrieb. An die Vorträge schließen sich Gruppen-Aussprachen an. eng
Ahktuelles zwischen gestecn und heute
Zug versäumt - Dieb gestellt
Einem Einwohner aus Bad König wurde vor etwa 5 Wochen vor dem Gasthaus „Zur Burg Breuberg“ in Höchst sein Fahrrad gestohlen. Als er am Sonntag mit dem Zug von Höchst aus nach Hause fahren wollte, versäumte er diesen. Auf den nächsten Zug wartend, spazierte er am Bahnhofsgelände auf und ab und bemerkte dabei, wie ein Pole eine Fahr- und eine Fahrradkarte nach Frankfurt löste. Aus Interesse betrachtete er das Fahrrad und stellte fest, daß es sein abhandengekommenes war. Die sofort verständigte Gendarmerie konnte das von der Bahnstation vorläufig sichergestellte Fahrrad dem Geschädigten aushändigen. Die weiteren Ermittlungen bestätigten die Angaben des Polen, daß er das Fahrrad von einem in Sandbach wohnenden Landsmann ausgeborgt hatte. Dieser wird einem Strafverfahren entgegenzusehen haben. Le.
Scharf geschnitten
Beim Ueberholen hinter der Gaststätte „Zur Marbach“ bog ein Lkw aus Gammelsbach so scharf vor einem Eberbacher Lastwagen wieder auf die rechte Straßenseite ein, daß sich die Wagen streiften. Es entstand Sachschaden an beiden Wagen. -ch-
Plötzlich wurde der Sitz heiß
Der Fuhrunternehmer Wilhelm Geiß aus Groß-Zimmern stellte auf der Fahrt zwischen Höchst und Mümling-Grumbach plötzlich starken Brandgeruch im Führerhaus und beträchtliche Hitze unter dem Sitzkissen seines Lastwagens fest. Bis er den Wagen anhielt und nachsah, stand die Füllung des Führersitzes bereits in hellen Flammen. Zu Hilfe eilende Kraftfahrer und Arbeiter der Hackenfabrik Lutz vermochten mit Handfeuerlöschern nicht Herr des Brandes zu werden. Erst der Freiwilligen Feuerwehr Bad König gelang es mit einer Motorspritze. Allerdings war inzwischen das gesamte Hinterteil des Lkw verbrannt. Zum Glück blieb der Motor verschont. Vermutlich entstand das Feuer durch Kurzschluß an der Batterie, die sich unter dem Führersitz befand. -ch-
Schwarzkittel auf großer Fahrt
Am vergangenen Sonntag bekamen die Einwohner der Gemeinde Ober-Ostern einen nicht gelinden Schrecken: 19 Wildschweine strolchten in Ortsmitte auf den Misthaufen der Bauern herum, und wälzten sich mit vollem Genuß darin umher. Nachdem sie eine ansehnliche Strecke durch den Ort marschiert waren, wurden sie von der Feuerwehr, die sich gerade bei einer Uebung befand, wieder in die Wälder vertrieben. ptoo
Geschäftsmann ohne Scham
Trotz Bezahlung des Kaufbetrags dachte in Nauheim ein Baustoffhändler nicht daran, die gewünschten 2500 Falzziegel an einen Landwirt in Leeheim zu liefern. Als der Auftrag zurückgezogen wurde, händigte er dem Käufer einen Scheck in Höhe von 830 DM auf die Kreissparkasse Groß-Gerau aus, ohne daß für diesen Deckung vorhanden war. Der betrogene Käufer erstattete nunmehr Strafanzeige gegen den „reellen“ Geschäftsmann. -eng-
Erfolglose Suchaktion
Trotz Einsatzes von drei Suchkommandos mit sechs Spürhunden konnte die seit dem 3. November vermißte Frau Kleinh e n s aus Weiterstadt, die sich mit einem alten Damenfahrrad von ihrer Wohnung entfernte und seitdem verschollen ist, nicht aufgefunden werden. Die Aktion würd' in der Täubcheshöhle, dem Faulbruch und in der Hardt bei Weiterstadt durchgeführt. LK
Er war selbst schuld
Ein Motorradfahrer aus Gernsheim beachtete zu spät das Stoppschild vor der Autobahn-Zubringerstraße. Er wurde von einem vorbeifahrenden Rollfix aus der Pfalz gestreift und in den Straßengraben geschleudert. Das Motorrad wurde stark beschädigt, der Fahrer selbst verletzt, el
Pfarrer Dr. Meisinger
In Reinheim verstarb am Mittwochnachmittag Pfarrer i. R. Dr. Theodor Meisinger im Alter von über 72 Jahren. Er hat in der evangel. Gemeinde Reinheim über 22 Jahre gewirkt. Neben seiner pfarramtlichen Tätigkeit betrieb er eifrig Studien als Heimatforscher, namentlich über die Rodensteinsage und die Rodenstein-Denkmäler in Fränkisch-Crumbach. DT
Rathaussaal wird modernisiert
Das Stadtbauamt Bensheim plant in Kürze die beiden Holzpfeiler, die bisher die Decke des einen der beiden Räume des Sitzungssaales trugen, zu entfernen und die Decke aufzuhängen. Da die beiden Pfeiler sich besonders bei kulturellen Veranstaltungen und Lichtbildervorträgen sehr ungünstig bemerkbar machten, ist diese Verbesserung sehr zu begrüßen. HB
Pfarrertreffen in Groß-Gerau
Die Pfarrer beider Konfessionen des Kreises Groß-Gerau treffen sich am Montag, dem 20. November, im Stadtcafe Menne, um einem Referat von Mr. Donovan, dem Beauftragten für religiöse Angelegenheiten bei der Oberkommission in Wiesbaden, beizuwohnen, der sich in seinen Darlegungen mit verschiedenen Arbeitsgebieten der konfessionellen Gruppen befassen und Fragen der Unterstützung durch die HICOG berühren wird, eng
Dritter Verhandlungstag im Mordprozeß Heil-Rückert
Lüften die Indizien das Mordgeheimnis?
Zeugen bringen schwerwiegende Belastungsmomente gegen die Angeklagte Heil vor / Langsam reiht sich Indiz an Indiz / Noch immer aber kein klares Bild / Die Angeklagten bestreiten weiterhin
Der Mordprozeß Heil-Rückert ist zu einem der sensationellsten und schwierigsten Verfahren geworden, und wohl selten hatte ein Gericht eine derartig harte Nuß zu knacken. Daß Helene Rückert ermordet wurde, ist erwiesen. Das Schwurgericht steht aber vor der fast unlösbar erscheinenden Aufgabe, bei zwei hartnäckig leugnenden Angeklagten zu erforschen, wer nun der Mörder ist, wo der Tatort sich befindet, welches die Tatmotive waren und wie der Mord ausgeführt wurde.
Bisher konnten diese schwerwiegenden Fragen noch keine konkreten Antworten finden, wenn auch viele Indizien, die gestern von den Zeugen vorgetragen wurden, die Angeklagte Heil schwer belasten. Noch aber fehlt das entscheidende I-Tüpfelchen, das heißt, der klare Beweis, der zu einer Verurteilung ausreicht. Die Verdachtsmomente gegen den Angeklagten Rückert sind stark gedämpft worden. Man darf gespannt sein, ob die mehrtägige Verhandlung noch eine überraschende Wendung bringt und welches Resümee zunächst der Oberstaatsanwalt und die beiden Verteidiger aus der Beweisaufnahme ziehen werden.
Rückert hofft, Sonntag zu Hause zu sein
Während des gestrigen dritten Verhandlungstages, der wieder im Schwurgerichtssaal in Darmstadt stattfand, drängte sich abermals eine große Menschenmenge vor den Türen des überfüllten Gerichtssaales. Die Saaldiener hatten alle Hände voll zu tun. Nach wie vor beteuerten die beiden Angeklagten ihre Unschuld. Rückert äußerte auf dem Gang ganz aufgelockert, „er hoffe, am Sonntag zu Hause zu sein“. Während der Verhandlung legte er teilweise ein unbekümmertes Verhalten an den Tag und begann am Abend nur bitterlich zu weinen, als der Zeuge Krumb erklärte, er habe nie daran gedacht — und glaube es auch heute nicht — daß Rückert der Täter sei. Die Angeklagte Heil blickte zuweilen starr vor sich hin, grinste flüchtig und fiel durch die Gewandtheit auf, mit der sie auf recht kitzlige Vorhaltungen antwortete. Ihre Behauptungen sind zum anderen aber oft mehr als merkwürdig und unverständlich.
„Ich war dabei... und noch ein Mann ..
Kriminalassisten Götte, dessen Verdacht sich damals sofort auf die Angeklagte Heil gerichtet hatte, berichtete als Zeuge, ihm sei aufgefallen, daß Frau Heil nach anfänglichem gleichem Leugnen wie Rückert in der Wohnung in der Anstalt abends plötzlich ihr Kind aus dem Schlaf gerissen und zu diesem gesagt habe: „Sei schön brav; in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren wirst du mich nicht mehr sehen.“ Ihren Mann habe sie dabei spontan als Schuldigen an ihrem Unglück bezeichnet. Am gleichen Abend habe er, der Zeuge Götte, seine Hand auf ihre Schultern gelegt und sie nochmals gebeten, doch die Wahrheit zu sagen. Darauf habe sie geschwankt, ihren Kopf auf seine Schultern fallen lassen und gesagt: „Ich war dabei und noch ein Mann, den ich aber nicht nenne.“ Ihr anschließender seelischer Zusammenbruch sei die Reaktion eines Täters gewesen.
Der Zeuge schilderte dann das spätere Geständnis und die Gegenüberstellungsszene und betonte, daß Frau Heil von sich aus den Tathergang dargestellt und ihren Weg zum Tatort mit einem Rotstift auf einer Karte eingezeichnet habe. Er sei von der Wahrheit ihres früheren Geständnisses überzeugt. Der Verdacht gegen Rückert ergebe sich lediglich aus dem früheren Geständnis der Angeklagten Heil.
Heil belastet seine Frau Der Ehemann der Heil machte präzise Angaben, die die Angeklagte Heil erheblich belasteten. Er erklärte sich bereit, auszusagen, obwohl man ihn auf das Aussageverweigerungsrecht aufmerksam machte, da der Verdacht der Täterschaft von ihm von Frau Heil geäußert worden sei. Er sagte, seine Frau sei sparsam und fleißig gewesen, habe ihn jedoch überall heruntergewürdigt. Von ihren intimen Beziehungen zu anderen Männern habe er nichts gewußt. Zuletzt habe sich ihr Verhältnis zu ihm gebessert, das zu Rückert verschlechtert. Er sprach von Selbstmordabsichten seiner Frau und ihrem launigen Verhalten zu ihrem Kinde und ihrer Streitsüchtigkeit, besonders gegenüber Frau Rückert.
Am Abend des 5. März sei seine Frau zweimal weggegangen. Sie habe ihm gegenüber mehrfach betont, daß sie in Hausschuhen gehe. Beim ersten Male zwischen 20 und 21 Uhr habe sie Rückert angeblich beobachtet und beim zweiten Male zwischen 21.30 und 23 Uhr, nachdem sie mit Rückert zusammen gewesen sei, ihr Rad geputzt und in der Pforte gestanden. Als er sie nach der Nachricht vom Tode der Frau Rückert gestellt habe, habe sie ihn gebeten, nichts zu sagen, daß sie damals abends weg gewesen wäre. Die Nacht über sei sie sehr unruhig gewesen und habe nicht geschlafen.
Als er am nächsten Tage von der Erdrosselung hörte, habe er sich sofort ge-
dacht, daß seine Frau etwas damit zu tun habe. Sie sei später immer unruhiger geworden, so daß er fürchtete, daß sie etwas dem Kinde tue. Aus verschiedenen Verdachtsgründen habe er um eine Vernehmung durch die Kriminalpolizei gebeten. Nachdem er ihr eröffnete, daß er vernommen worden sei, habe sie mehrfach gefragt, ob er nichts von ihrem Fortgehen am 5. März gesagt habe. „Du Schuft hast mich doch verraten“, habe sie später in der Wohnung in der Gegenwart eines Kriminalbeamten zu ihm gesagt und dem Kinde ihren Ring zum Tragen gegeben mit der Bitte, „sie nicht zu vergessen“. Als eine Seltenheit bezeichnete er außerdem ihren Spaziergang mit dem Kinde am Sonntagnachmittag an der Schwarzbach. Auf seine späteren Vorhaltungen im Wagen der Kriminalpolizei habe sie dann auch ein Geständnis abgelegt.
„Alibi-Mann“ von 73 Jahren
Gelächter gab es, als der Zeuge Andreas Baumgart in den Saal trat. Da er ein alter Mann von 73 Jahren mit einem großen Schnurrbart war, war es allen im Gerichtssaal klar, daß es sich nicht um jenen „Alibi-Mann“ handeln konnte, mit dem die Heil angeblich am Tatabend in der Waschküche gewesen sein soll. Er war aber der einzig Auffindbare mit diesem Namen.
Die Zeugin Kanstein gab zu, einmal einen anonymen Brief für Frau Heil an Frau Rückert geschrieben zu haben. Diesen Brief will die Heil angeblich nicht abgesandt, sondern vernichtet haben. Andere anonyme Briefe habe sie nicht verfaßt, sagte die Zeugin.
Der Zeuge Feick, ein Korrespondenzpartner der Angeklagten und wahrscheinlich Vater des Kindes von Frau Heil, bestritt, im März einen Brief von ihr erhalten zu haben. Sie hatte behauptet, diesen am 1. März außerhalb der Anstalt eingeworfen zu haben. Man vermutet, daß es sich um einen anonymen Brief an Frau Rückert damals handelte.
Der Zeuge Wenner hatte am 5. März gegen 19 Uhr Frau Rückert auf dem Wege von Stockstadt nach der Anstalt gesehen.
Zeugenvernehmung dauert noch an
Der Zeuge Krumb berichtete, die Angeklagte habe einmal im letzten Herbst Frau Rückert zur Anstalt bestellt und dort mit ihr bis nachts ein Uhr am Friedhof gewartet, bis Rückert angeblich mit einer Dritten komme. Frau Rückert habe immer geäußert, ihr Karl rühre sie nicht an und er, der Zeuge brauche nicht zu ihrem Schutze mitzugehen. Er berichtete dann, daß er bei dem Aufflnden der Leiche in der Schwarzbach gegen seinen Willen von der Gendarmerie aufgefordert worden sei, die Leiche aus dem Wasser zu holen und den doppelt verknoteten Schal um den Hals der Frau zu öffnen. Er halte Frau Heil oder eine dritte Person, nie aber Rückert für den Täter.
Die Zeugenvernehmung dauerte bis in die späten Abendstunden an und wird heute fortgesetzt. Wst.
Wieder alpiner Skikurs
Die Oberrealklassen des Realgymnasiumg Michelstadt können auch in diesem Jahr wieder an einem alpinen Skikurs im Kleinen Walsertal teilnehmen, wie er bereits im Vorjahr sehr großen Anklang gefunden hatte. Der bekannte Bergführer und Trainer der letzten deutschen Wintersport-Olympiamannschaft in Garmisch, Regierungsrat E. Solling er, Darmstadt, hielt im Kinosaal der Michelstädter Stadtschule für die jugendlichen Interessenten einen Lichtbildervortrag über das Kleine Walsertal. Unter Leitung von Sportlehrer Busch werden Anfang Februar etwa 20 Schülerinnen und Schüler des Realgymnasiums für 10 Tage in das Ski-Paradies fahren. -ch-
Lob der Freiwilligen Feuerwehr
In Dornheim führte die Freiwillige Feuerwehr am Sonntag um 14 Uhr eine Brandübung durch, bei der auch Kräfte des Roten Kreuzes mitwirkten. Kreisbrandinspektor Schrötwieser, die Gemeindevertretung und eine große Anzahl schaulustiger Ortseinwohner waren kritische Beobachter.
Nach Beendigung zog die Wehr mit Ihren Geräten unter Führung der Musikkapelle und des Spielmannszuges zum Rathausplatz zur allgemeinen Kritik. Der Kreisbrandinspektor führte in seiner Ansprache, die vom neuerbauten Ortsfunk übertragen wurde, aus, daß erfreulicherweise eine stattliche Anzahl junger Männer in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr zu sehen wären. Anschließend wurden die Alterskameraden Johann Heinrich Feldmann für 50 jährige und Ludwig Albrecht für 25- jährige Zugehörigkeit geehrt.
Abends traf sich jung und alt in der Brauerei Leroh bei Tanz und Unterhaltung. -od-
Unsere Geburtstagskinder
88. Geburtstag: Frau Luise Storck, Groß-Bieberau, Römerstraße 27. 85. Geburtstag: Herr Adam Engert, Roßdorf, Am steinigen Berg. 80. Geburtstag: Herr Christian Appel, Landwirt in Harpertshausen.
Was aũch interessiert:
Die Gründung eines Jugendringes für Zwingenberg nach den Plänen von Bürgermeister Kiel steht auf Grund der mit dem Resident Office Heppenheim geführten Verhandlungen kurz bevor. Eine demnächst stattfindende Jugendversammlung soll zur Konstituierung führen. HB
Eine große Reisebrieftaubenausstellung veranstaltet am Samstag und Sonntag der Brieftaubenverein Nauheim bei Groß-Gerau, die mit rund 250 Tauben beschickt wird. WK.
Die Verpachtung eines Teiles des Flug¬ platzes bei Biblis an die amerikanische NCFE zur Errichtung eines Senders, die in einer der letzten Sitzungen des Gemeinderats abgelehnt worden war, wurde jetzt nach eingehender Diskussion in geheimer Abstimmung mit 8 gegen 2 Stimmen, bei zwei ungültigen Scheinen angenommen. Ka
„Für jeden etwas“ ist das Motto eines Liederabends, der am Samstag um 20 Uhr im Hotel Hufnagel, Seehe 4m, durch die Sängervereinigung 1891-1948 in Verbindung mit einem Instrumental-Konzert durchgeführt wird. hw
Ein Kirchenkonzert, das die Gesangsabteilung Rohrbach in Verbindung mit dem Gesangverein „Liederkranz“ Wembach/Hahn zur Zeit vorbereitet, soll im Dezember zur Aufführung gelangen. Der Reinerlös wird der Anschaffung neuer Glocken dienen. AHT
Den Bau eines Sportplatzes hat die SKG 48 Rohrbach in Angriff genommen. Man hofft, ihn bis zum Frühjahr seiner Bestimmung übergeben zu können. AHT
Aus Anlaß des 75jährigen Bestehens des Weltpostvereins im kommenden Frühjahr beabsichtigt der „Verein für Briefmarkenkunde 1948“ von Wal d - michelbach in einer kürzlich abgehaltenen Monatsversammlung eine großangelegte Werbeschau zu veranstalten. Während des kommenden Winters soll vor allem die Jugend Philatelie verstärkt betreut werden. -r
Lokal-Geflügelausstellung
am Wochenende in Hähnlein
Der Geflügelzuchtverein, der im nächsten Jahre sein 40jähriges Jubiläum feiern kann, hält seine diesjährige Lokalgeflügelausstellurig am 18. und 19. November im Saale von Gerhard in Hähnlein ab. Die Schau wird mit über 200 Nummern erstklassiger Rassetiere beschickt werden. Zwei namhafte Preisrichter, die Herren Beck, Sprendlingen, und Pfeffer, Darmstadt, werden die
Tiere bewerten. Eine größere Anzahl Ehrenpreise kommen zur Verteilung und eine reichhaltige Tombola wird mit wertvollen und auch vielen lebenden Gewinnen die Besucher überraschen. rch.
Richtig wählen - aber wen?
Adam Günderoth (MdL)
Kandidat der CDU im Wahlkreis 48
Bürgermeister der Gemeinde Lampertheim, seit 1946 Abgeordneter des Hessischen Landtages, 57 Jahre, früherer Beruf Werkmeister, seit 1910 ehern, christlicher Gewerkschaftler. 1933 vorübergehend Haft und KZ-Lager. Mitglied der Verfassungsberatenden Versammlung.
Kurt Ritz
Kandidat der FDP im Wahlkreis Offenbach-West
1888 im Oberhessischen in Bernshausen geboren, Bauernsohn, von der Volksschule in die Verwaltungslehre. Eifrig und erfolgreich am sportlichen Leben beteiligt. Frei von klassenkämpferischen und konfessionellen Bindungen.
Hessische Erzieher vor einer Fülle neuer Anfgaben
Kultusminister Dr. Stein sprach vor der Lehrerschaft des Kreises Bergstraße über die Schulreform in Hessen
am die Unterzeichnung des seit drei Jahren geplanten Gesetzes zur Schulreform in Hessen erfolgte, den F,StUSm-R Stel-Dr' S*e 1 n an,äßlich der estrigen Kreislehrerversammlung in Heppen hei m zu den an wesen - aen Erziehern über die neue Reform.
In seiner Einleitung erwähnte der Minister, daß die derzeit allgemein erkennbaren Faktoren des Lebens, Unsicherheit und Angst, den Sich mit Schulproblemen Beschäftigenden unzweideutig in eine ganz bestimmte Richtung zwängen. Die Erschütterung aller heutigen Lebensverhaltnisse führe leicht zu Nihilismus oder dessen Einzelerscheinungen: Bolschewismus, Technokratismus und Bürokratismus. Er sei jedoch fest überzeugt, daß ausreichende Kräfte zur Regeneration vorhanden seien.
Dr. Stein ging dann näher auf das Schulgrundgesetz ein und betonte, daß Schule, Jugend und Erzieher ein gemeinsames Ganzes bilden müßten. Die jüngste Vergangenheit habe gezeigt, wie falsch die reine Wissensvermittlung ohne entsprechende Menschenbildung gewesen sei. Aus Verstand, Gehorsam und Gedächtnis entstehe nur eine Maschine, die in ihrem Endprodukt Katastrophen heraufbeschwöre. Alle jene Kräfte aber zu wecken und zu fördern, die dem deutschen Volke und der Menschheit dienen, sei die Hauptaufgabe eines guten Erziehers im Sinne von Pestalozzi und Sokrates. Eine rein positivistische Ausbildung führe zwangsläufig zur Lebensuntüchtigkeit, da buchmäßigem Wissen das entsprechende Gegengewicht humaner Geistesbildung fehle.
An Hand der Schulfächer Geschichte und Religion zeigte Dr. Stein in seinen weiteren Ausführungen seine persönliche Einstellung auf, wie er sich die Arbeit der Erzieher im Sinne des Gesetzes vorstellt. Er erklärte hierbei, daß vor allem die vorhandenen inneren Spannungen beseitigt werden müßten.
Auch der politische Unterricht habe für Lehrer wie Schüler mehr zu bedeuten als etwa ein nur widerwillig abgesessenes Pflichtfach. Im Religionsunterricht sei eine grundsätzliche Neuorientierung erforderlich. Die berufsbildenden Schulen würden nun gleichfalls, und zwar erstmalig, die regelmäßige religiöse Unterweisung einführen, mit dem Ziele, die Beziehungen zwischen dem werktätigen jungen Menschen und den grundsätzlichen geistigen Lebensfragen der Welt zu klären.
Als Voraussetzung zum Gelingen der Schulreform nannte der Minister die Gewinnung des Vertrauens der Schüler, die Erfüllung der erzieherischen Aufgaben mit Freude und innerer Bereitschaft und die sorgfältige Heranbildung des Kindes bis zum mündigen, selbstdenkenden Menschen. Für den pädagogischen Erfolg sei der Gerechtigkeitssinn des Erziehers, die Freude am Beruf sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zum eigenen Urteil von entscheidender Bedeutung.
Vor allem des Lehrers auf dem Lande harre hier eine Fülle neuer Aufgaben, nicht nur dem Kinde, sondern auch dem erwachsenen Mitbürger gegenüber. Gerade im Verschmelzungsprozeß zwischen Alt- und Neubürgern, der sich in der Schule bereits nahezu vollzogen habe, sei ihm eine große Chance geboten. Nur der beste Lehrer sei gut genug, um auf dem Lande zu unterrichten.
Nach einigen ausführlichen Einzelheiten über die Voraussetzungen, die ein Lehrer naturnotwendig mitzubringen habe, um aus seinem Beruf eine wirkliche Berufung werden zu lassen, betonte der Minister, daß jegliche körperliche Züchtigung in der Schule die Würde sowohl des Erziehers wie des Kindes verletze.
Abschließend sprach Schulrat Reg - nit z, der vorher bereits die Zusammenkunft eröffnet hatte, bei der u. a. auch Landrat Dengler, Regierungsrat Göbel (Darmstadt) und Ministerialrat Hauck (Wiesbaden) anwesend waren, zu den Ausführungen des Kultusministers und betonte, daß über dem Erzieher gegenwärtig eine aus persönlichen und sachlichen Imponderabilien zusammengesetzte Tragik schwebe; er zeigte an Hand verschiedener, grundsätzlicher Beispiele die Berechtigung dieser Feststellung auf.
In der Diskussion prallten die Gegensätze oft hart aufeinander; grundsätzlich hielten sich jedoch Zustimmung und Ablehnung des Schulreformplanes die Waage. <-r)
Auch in Münster Bürgerforum
Bürgermeister Ries referiert in der Gründungsversammlung über Baugebiet „Sandstraße“ und das Gemeindeplatzproblem
, Ueberraschenderweise hatte die erste Forumsveranstaltung in Münster einen guten Besuch zu verzeichnen, obwohl in den vorausgegangenen Gründungsversammlungen nur wenige Interessenten erschienen waren.
Nachdem Herr Agnes die vorläufige Forumsleitung übernommen hatte, gab Bürgermeister Ries einen ausführlichen Bericht über das Baugebiet „Sandstraße“ und die Bauplatzpreise. Von verschiedener Seite war die Gebühr für einen Quadratmeter Bauland in Höhe von 80 Pfennig als zu hoch bezeichnet worden. Angeblich solle die Gemeinde daran 100 Prozent verdienen. Der Bürgermeister brachte daraufhin Klarstellung, wonach schon die Vorarbeiten zur Erschließung des Baulandes große Unkosten bringen, und die Gemeinde an diesem Projekt eher zuzahle, als verdiene.
Recht lebhaft diskutiert wurde die Umlegung des neuen Gemeindeplatzes in das Gelände Schiedgarten-Bahnhofplatz. Diplom-Ingenieur Kaiser bedauerte, daß man in der Frankfurter Straße den einzigen Lichtschein durch Geschäftshäuser verbauen ließe. In seinen Erläuterungen stellte Bürgermeister Ries die Vorteile des neuen Platzes hervor. Rund 5000 Quadratmeter wurden für den eigentlichen Zweck bereitgestellt, während ein gleichgroßes Gelände für den späteren Bau eines Volks- und Rathauses dienen soll. Die Versammlung vertrat — abgesehen von der Zustimmung des Kultur- und Staatsbauamtes — den Standpunkt, daß die Geschäftshäuser nun einmal in die Hauptstraße gehören und darum auch nicht abzulehnen sind. — In der nächsten Forumsveranstaltung sollen aktuelle Schulfragen besprochen werden. gi
Kirchenkonzert in Pfungstadt
Unter dem Thema „Der Bachchoral im Kirchenjahr“ gab am Sonntagabend der Kirchenchor in Verbindung mit dem Kinderchor und dem Streichorchester des hiesigen Musikvereins unter Leitung von Lehrer Schreyer ein Konzert. Für alle Zeiten und Feste des Jahres erklangen Choräle, die zum Teil vom Orchester begleitet waren. Mit dem wunderbaren „Largo" aus dem Doppelquartett in d-Moll wurde durch das Orchester ein Werk geboten, das zu den schönsten Schöpfungen für Kammerorchester gehört. Die fünfstimmige Fuge „Ehre und Preis sei Gott“ aus dem „Magniflcat“ — von Gesamtchor gesungen, die beiden bedeutenden Orgelwerke Präludium und Fuge in g-Moll und zum Schluß die gewaltige Toccata und Fuge in d-Moll waren Höhepunkte der abendlichen Feierstunde.
„Kreis-Milchrat“ für den Landkreis Erbach
Maßnahmen zur Steigerung des Milchkonsums unerläßlich
Im Sitzungssaal des Landratsamts Erbach fand eine Tagung unter Vorsitz von Kreislandwirt Philipp statt, bei der nach eingehender Erörterung der Lage der Odenwälder Milchwirtschaft ein „Kreis-Milchrat“ gebildet wurde, dessen Aufgabe es sein wird, alle Möglichkeiten zur Steigerung des Milchverbrauchs im Kreis Erbach praktisch zu erproben.
An der Aussprache beteiligten sich neben Kreislandwirt Prilipp und dem Leiter der Landwirtschaftsschule und Wirtschaftsberatungsstelle Michelstadt, Landwirtschaftsrat Dr. Barth, Landrat Neff, Regierungsrat Zörgiebel, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Bürgermeister Ludwig Siefert, Airlenbach, und Geschäftsführer Marquard, Kreisschulrat Schw am b , Kreisberufsschuldirektor Schwantes, der Vorsitzende der Industrievereinigung
Erbach, Franz Holl, Gewerkschaftssekretär Gottschalk, der Leiter der amerikanischen Zivilverwaltung im Keis Erbach, Mr. Ouverson, sowie Vertreter der Molkereien des Kreises Erbach.
Landwirtschaftsrat Dr. Barth erläuterte an Hand statistischen Materials die volkswirtschaftliche Bedeutung der Milchwirtschaft, die den 2. Platz in der Nahrungsmittelproduktion einnimmt. Während im Bundesgebiet eine Steigerung der Gesamtmilcherzeugung um 28 Prozent festzustellen ist, haben alle seitherigen Werbemaßnahmen zur Erhöhung des Milchverbrauchs keinen Erfolg gehabt. Der Rekordvollmilchverkauf von 220 000 Tonnen im Oktober 1949 ist nie wieder erreicht worden.
Die Molkereien des Kreises haben seit 1947 eine Steigerung des Milchanfalls um mehr als die Hälfte zu verzeichnen. Bei der Molkerei Beerfelden beträgt sie 47 Prozent, Zell 53 Prozent, Höchst 67 Prozent und Hüttenthai 81 Prozent. Außerdem gehen aus dem Kreisgebiet noch erhebliche Milchmengen an die Molkereien in Fürth und Heidelberg.
Die Absatzkrisen auf dem Milch-, Obst- und Gemüsemarkt sind durch den Minderverzehr verursacht, der gegenüber guten Friedens jähren etwa 33 Prozent ausmacht. Das zwingt die Landwirtschaft zu verstärkter Werbung für ihre Erzeugnisse. In der Aussprache hierüber wurden von allen Seiten praktische Vorschläge zur Steigerung des Milschkonsums in Schulen, Fabriken und im Straßenverkauf gemacht. Kreisschulrat Schwamb hielt die Ablösung der Schulspeisung durch Flaschenmilch- oder Kakao-Verkauf in den Schulen für zweckmäßiger, um Zeit, Geld und Personal zu sparen. Bürgermeister Siefert vom Kreisbauernverband schlug die Bildung eines Keis-Milchrates vor, dem Vertreter der Kreisverwaltung, der Bauernschaft, der Gewerkschaften, der Industrie, der Schulverwaltung sowie sämtlicher Molkereien angehören. Dieses Gremium soll alle erforderlichen Maßnahmen zur dringend notwendigen Steigerung des Milchkonsums im Kreise Erbach beraten und durchführen. Der Vorschlag fand einstimmige Billigung. Der Kreis-Milchrat soll unverzüglich seine Arbeit auf nehmen. -nh
Heppenheim plant Fremdenwerbung
Für das kommende Jahr plant die Stadtverwaltung Heppenheim im Zusammenwirken mit dem Verkehrsverein die Herausgabe eines neuen Prospektes zur Fremdenwerbung. Mit dem künstlerischen Entwurf wurde Kunstmaler Keim aus Gadern beauftragt. In dem Werbeprospekt sollen Heppenheims Sehenswürdigkeiten, Altertümer und besonders schöne Plätzchen im Bild festgehalten werden, deren Gestaltung den Photogeschäften Schröder und Öser übertragen wurden.
Der neue Prospekt soll einen Umfang von 20 Seiten haben und durch historische Schilderungen alle bisherigen übertreffen. Der Werbung dient weiterhin ein Poststempel, der die Aufschrift „Heppenheim — Glanzpunkt der Bergstraße“ tragen wird. erh
Freireligiöse Feierstunde
Wixhausen. Die Freireligiöse Kreisgemeinde hielt im Gasthaus zur Eisenbahn eine Feierstunde ab, die sehr gut besucht war. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden der Kreisgemeinde Darmstadt sprach Ernst Rotter-Eppstein über das Thema „Warum sind wir freireligiös?“
Ausgehend vom Gesetz des Werdens und Vergehens erläuterte er, warum der freireligiöse Mensch dogmatische Glaubensbekenntnisse ablehne und im Einklänge mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft sich seine religiöse Weltanschauung bilde. Musikalische Darbietungen von Fräulein Kunze umrahmten die Feierstunde, die den Anwesenden zu Herzen ging.
170 Betten dauerbelegt
Von den insgesamt 100 Pendelwanderern, die aus Hammelbach vor Jahresfrist noch täglich zur Arbeit in die Opelwerke fuhren, sind inzwischen über 70 nach Rüsselsheim oder Umgebung verzogen, so daß der täglich verkehrende Omnibus nur noch 28 bis 30 Mann zu befördern braucht. Trotzdem konnte der Fremdenverkehr auch 1950 nicht bewältigt werden, da von den einst 200 Betten, die während der Hauptsaison in Privathäusern zur Verfügung standen, noch mindestens 170 dauerbelegt sind. r
Achtzehn neue Wohnungen für Unter-Flockenbach
Die 18 Neubauwohnungen, die der Bauunternehmer Heckmann in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung Unter-Flockenbach im Laufe dieses Jahres errichtet hat, sind fast alle bezogen. In drei Häusern mit je sechs Zweizimmer-Wohnungen haben nun die Mieter, zum großen Teil Heimatvertriebene. endlich menschenwrdige Wohnräume erhalten. Die Lösung der Baufrage war angesichts der geringen vorhandenen Bauflächen — das Steinachtal ist hier, wo es zum Gorxheimer Tal wird, besonders eng — schwierig.
Dank der verständnisvollen Hilfe des Landratsamtes konnte somit eine fühlbare Last von den Schultern der Gemeindevertretung genommen werden, da nun nur noch wenige Wohnungs-Dringlichkeitsfälle I vorhanden sind. -r
Kreisgeflügelschau in Nieder-Roden
Mit der Ausrichtung der Kreisgeflügelschau des Bezirkes Odenwald-Dieburg wurde der Geflügelzuchtverein Nieder-Roden, der gleichzeitig sein 25 jähriges Stiftungsfest feiert, betraut. Landrat Ritzert, Schirmherr der Veranstaltung, eröffnet am Samstagnachmittag die Schau im Frankfurter Hof. Bereits am Vormittag werden die Tiere von sechs Sachverständigen beurteilt. Neben vielen verschiedenen Hühnerrassen mit über 600 Ausstellungsnummern, kommen Schautauben zur Ausstellung. gi.
Vortrag über Jugendpflege
Anläßlich einer von der Sport- und Kulturgemeinde Stockstadt veranstalteten Versammlung im „Deutschen Haus“ wird in Kürze die mit Fragen der Jugenderziehung gut vertraute Frau Dr. Stahl sprechen. Im Anschluß an den Vortrag findet eine öffentliche Aussprache statt, die allen an diesen Fragen Interessierten Gelegenheit bietet, mit der Referentin über die verschiedenen Ansichten zu sprechen. kr.-
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Braunshardt. Am Samstag, dem 2. De¬ zember, hält der Gesangverein „Frohsinn“ seinen diesjährigen Familienabend im Saalbau von Ph. Bender ab. Bd
Rohrbach. Kirch- und Schulstraße erhielten festen Steinuntergrund und eine neue Schotterdecke. Im Frühjahr sollen die beiden Straßen noch eine Teerdecke erhalten. PHT
Hähnlein. Der Geflügelzuchtverein veranstaltet am 18. und 19. November «eine Geflügel-Ausstellung, die von etwa 240 Tieren aller Rassen beschickt wird. Auch die Hähnleiner Jugendgruppe, die sich eifrig der Geflügelaufzucht widmet, ist an der Ausstellung beteiligt. hl.
DIEBURG
Groß-Umstadt. Ueber Pflege und Ausbildung von Hunden spricht am Freitag im Gasthaus „Zum Bahnhof“ der Dieburger Züchter Arnold. -gi-
Langstadt. Einen Lichtbildervortrag über die Missionsarbeit in China hält heute Missionar Michel, Darmstadt, im Gemeihdesaal. -nb.
Brensbach. Kürzlich veranstaltete die Firma Repp, Groß-Bieberau, im Saale Hofmann eine Rundfunk- und Elektrogeräte-Schau. Gezeigt wurden die neuesten Modelle der Düsseldorfer Funk-Ausstellung. Besonderen Anklang fanden bei den Besuchern die neuen UKW-Geräte. si.
Reinheim. Von der Orthopädischen Untersuchungsstelle Frankfurt werden jeden dritten Montag eines Monats von 9—ll Uhr und von 14—16 Uhr Untersuchungssprechstunden abgehalten, -gi-
ERBACH
Vielbrunn. Die katholische Gemeinde führt heute im Gasthaus „Zum Engel“ einen Filmabend durch, bei dem der Missionsfllm „Blut über Japan“ gezeigt wird. im
Hiltersklingen. Am Sonntag hält Gesangverein „Liederkranz“ einen Tanzabend ab. -ih
BERGSTRASSE
Crumstadt. Der 83jährige Ehrenvorsitzende des Männergesangvereins „Germania 1841“, Schreinermeister Michel, legte nach langjähriger, unermüdlicher Vereinstätigkeit aus Altersgründen den Vorsitz nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Landwirt Jakob Keeves gewählt. -od-
Lorsch. Das Gründungskonzert des Harmonika-Orchesters „Laurissa“ wird am Sonntag auf vielseitigen Wunsch wiederholt. el
GROSS-GERAU
Dornheim. Die Bearbeitung von Wohnungsangelegenheiten wurde bei der letzten Gemeinderatssitzung auch für die Zukunft dem Bürgermeister übertragen. Vertreter der einzelnen Fraktionen des Gemeinderates werden jedoch das Ortsoberhaupt in schwierigen Fällen unterstützen. -Kr-
Der SPORT
Heidelbergs Mannschaften führen im Basketball
Wie wir bereits meldeten, gewann der TB Heidelberg gegen den BC Darmstadt mit dem überraschend klaren Resultat von 48:16 Körben. _ .
Die anderen Oberligaspiele nahmen den erwarteten Verlauf. So kehrte der Heidelberger TV 1846 mit zwei Siegen aus Hessen zurück. Mit 48:37 Körben wurde am Sonnabend die Mannschaft der Homburger TG von den badischen Gästen bezwungen. Am Sonntag schließlich erspielten sich die Heidelberger einen zweiten Sieg in Gießen gegen die Mannschaft des MTV. Hier lautete das Ergebnis 43:29. Nach zwei Niederlagen kam der VfL 1848 Bad Kreuznach in Karlsruhe zu einem 44:27-Erfolg gegen den Basketball-Club.
UVH UdonuvMu... Nach den letzten Spielen hegt jetzt der TB Heidelberg nach wie vor ungeschlagen an der Spitze und dürfte z. Zt. von den anderen Oberligamannschaften kaum gefährdet sein. Den zweiten Platz gewann der Heidelberger TV 1846 vom BC Darmstadt zurück. Die Darmstädter sind nach ihrer Niederlage gegen den TBH an die 4 Stelle zurückgefallen und mußten auch den Bad Kreuznachem den Vortritt lassen. Punktgleich mit demBCD rangiert der MTV Gießen auf dem 5. Platz, während die beiden noch immer sieglosen Vereine Homburger TG und BC Karlsruhe die Schlußgruppe bilden.
BC Frankfurt (Männer) und TV Heppenheim (Frauen) siegten in der Basketball-Landesliga
Die Landesligaspiele des vergangenen Samstags brachten die Siege der favorisierten Mannschaften. Die Mannermannschäft des BC Frankfurt setzte sich in Heppenheim mit 52:37 (28:15) Körben durch und bei den Frauen gab es mit 24:21 (10:12) einen Heppenheimer Sieg.
Das Männerpiel stand von Anfang an ganz im Zeichen der Gäste, die sich im Verlaufe der 1. Halbzeit klare Vorteile herausspielen konnten. Nach Wiederbeginn hingegen verlief das Treffen ausgeglichener. Die Gastgeber zeigten jetzt gleichwertige Leistungen, was auch im Resultat der 2. Halbzeit (24:22 für den BCF) zum Ausdruck kommt. Schließlich blieben aber die Frankfurter mit 52:37 noch sicherer Sieger. Beste Spieler: Schiep, Spieß, Seite (BCF), Ristok, Scheerer, Klemencic (TV Heppenheim).
Das Frauenspiel stand auf keinem hohen Niveau. Heppenheim traf auf überraschend harten Widerstand der stark verbesserten Frankfurter Mannschaft, die bei der Pause einen 12:10-Vorsprung zu verzeichnen hatte, an dem besonders Frankfurts beste Spielerinnen Schmitthenner und Müller beteiligt waren. Später sorgte ständiger Führungswechsel für einen dramatischen Ablauf des Spiels, nur schade, daß völlig unnötiges Foulspiel, besonders auf Frankfurter Seite das Spielgeschehen trübte. Kurz vor Spielende hieß es noch 20:20 unentschieden, doch schließlich gelangen den Heppenheimerinnen durch ihre erfolgreichsten Spielerinnen A. Schork und Schäfer die Punkte zum verdienten 24:21- Erfolg.
| TB Heidelberg | ||||
| 4 | 4 | 0 | 195:105 | 8:0 |
| Heidelberger TV 1846 | ||||
| 5 | 4 | 1 | 224:187 | 8:2 |
| VfL 1848 Bad Kreuznach 5 | ||||
| 3 | 2 | 174:146 | 6:4 | |
| BC Darmstadt | ||||
| 4 | 2 | 2 | 139:156 | 4-4 |
| MTV Gießen | ||||
| 4 | 2 | 2 | 98:114 | 4:4 |
| Homburger TG | ||||
| 4 | 0 | 4 | 95:152 | 0:8 |
| BC Karlsruhe | ||||
| 4 | 0 | 4 | 104:169 | 0:8 |
Ruhiger Nachmittag in Hannover
Im Sechstagerennen zu Hannover machten sich am Mittwochnachmittag bei den Fahrern die Anstrengungen der pausenlosen Jagden in der letzten Nacht bemerkbar. Alle Fahrer hielten sich stark zurück. Um 15 Uhr stürzte Theißen (Hannover) in einem Prämienspurt schwer und mußte zur Untersuchung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zu dem Rennen waren 4000 Schulkinder eingeladen, deren Lieblinge vor allem der Schweizer von Büren, das Paar Kilian/Roth und Piet van Kempen jun. waren. Um 17 Uhr am Mittwoch waren 2 679,73 Kilometer zurückgelegt. Der Stand des Rennens um diese Zeit lautete: 1. Koblet/von Büren 200 Punkte; 1 Runde zurück 2. Rigoni/Intra 170 Punkte; 3. Weimer/Müller 158 Punkte; 4. Lapebie/Saager 57 Punkte; 2 Runden zurück 5. Vooren /Nuthdurft 151 Punkte; 6. Vopel/Zoll 90 Punkte,- 7. Kilian/Roth 88 Punkte; 8. Giorgetti/Bautz 30 Punkte; 3 Runden zurück •
Walter Lohmann (Bochum) kam bei den Steherrennen in Zürich (zwei Läufe zu 25 und 40 km) hinter dem Schweizer Heimann nur auf den zweiten Platz. Die Ergebnisse: 1. Heimann 64 990 m, 2. Lohmann 64 987 m, 3. Diggelmann 63 620 m, 4. Seres 63 070 m, 5. Besson 62 895 m. (sid)
Mit „lOOlmal rund“ wird am 25. November die zweite Veranstaltung auf der Winterbahn in der Halle Münsterland durchgeführt. Neben Mirke/Preiskeit und Dekker/Bolten wurden auch die Holländer Bakker/van Beek und Smits/Vinken verpflichtet. (sid)
Das Pariser Steherrennen, an dem auch der Kölner Jean Schorn teilnahm, hatte bei zwei Läufen (30 und 50 km) folgendes Gesamtklasseiment: 1. Godeau 2 P., 2. Lesueur 6 P., 3. Lemoine 6 P., 4. Chail'löt 8 P., 5. Schorn 10 P. (sid)
Am Sonntag, dem 19. November, unternimmt die Wanderabteilung der TSG 46 Darmstadt eine Halbtagswanderung durch die Teufelshölle (Täubches Höhle). Abmarsch 13.30 Uhr vom Elektrizitätswerk, Dornheimer Weg. Endstelle der Linie 1. Marschzeit drei Stunden. Einkehr in der Gaststätte Klöpfer, Rhönring, Ecke Pankratiusstraße. Gäste willkommen.
Sport in Kürze
Der 1. FC Nürnberg, Tabellenzweiter der 1. Liga Süd, bestreitet das mit großer Spannung erwartete Punktspiel gegen den SV Darmstadt 98 am Sonntag im Hochschulstadion in seiner derzeit stärksten Aufstellung mit Fischer; Miersberger, Uebelein; Sippel, Kennemann, Baumann; Herbolsheimer, Morlock, Brenske, Winterstein und Ucko.
Das nächste Auswärtsspiel des SV 98 auf dem Bieberer Berg gegen die Offenbacher Kickers findet bereits am Samstag, dem 25. November, 14.30 Uhr, statt.
Deutsche Studentenelf aufgestellt
Für das am 22. November im Darmstädter Hochschulstadion stattfindende Studenten-Länderspiel Deutschland — Schweiz 'ist die deutsche Elf endgültig wie folgt aufgestellt worden:
Herkenrath (Preußen Dellbrück); Baum (SSV Reutlingen), Szilinski (VfL Köln 99); Neumeier (Schwenningen), Müller (1860 München), Seemann (1860 München); Trautmann (SV Waldhof), Lauxmann (1860 München), Scheufeie (SSV Reutlingen), Schweizer (Bayern München), Lammers (1860 München).
Die deutsche Mannschaft wird in den Bundesfarben spielen: schwarze Stutzen, rote Hosen und gelbes Hemd.
Die Spieler sind unter sich
Stuttgart, (sid.) Bundestraiiner Sepp Herberger ist, wie er es am Sonntag in Frankfurt der Sportpresse mitteilte, mit seinen Kandidaten für die Ländermannschaft seit Montagnachmittag allein in Murhard, einem kleinen Luftkurort im Murharder Wald, etwas mehr als 40 km von Stuttgart entfernt. Auch weitere Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes sind nicht im Trainiingsquartier, so daß die Spieler mit ihrem Trainer völlig unbelastet und vor allem unbelästigt arbeiten können. Da es seit Sonntag fast ununterbrochen regnet, kann allerdings von Arbeit im Freien nicht die Rede sein. Um so mehr gilt Herbergers Sorge dem körperlichen Zustand der Spieler, vor allem der Verletzten, die durch eine sachgemäße Behandlung wahrscheinlich am nächsten Sonntag alte ihren Vereinsmannschaften wieder zur Verfügung stehen werden.
Am Freitagmorgen trennt sich die kleine Gesellschaft wieder, und die für das Länderspiel gegen die Schweiz berufenen Spieler werden im Laufe des kommenden Montag wieder in Stuttgart erwartet.
Baumann anstelle von Liebrich
Stuttgart, (sid.) Im Verlauf des Dienstag wurde im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft bekannt, daß Werner Diebrich (1. FC Kaiserslautern) von einem Gericht seiner Heimatstadt wegen Körperverletzung verurteilt worden ist.
Sepp Herberger hat Liebrich von einer weiteren Teilnahme an diesem Lehrgang entbunden, so daß er auch nicht gegen die Schweiz spielen wird.
In einer späteren Mitteilung gab der DFB bekannt, daß Bundestrainer Herberger den Nürnberger Baumann anstelle des ausgeschiedenen Liebrich nach Murhard eingeladen hat. Der 1. FC Nürnberg hat sich bei einer Rücksprache beredt erklärt, Günter Baumann sofort in das Trainingslager zu entsenden.
Prof. Dr. Altrock spricht heute in Darmstadt
Das Sportamt des Studentenwenks an der Technischen Hochschule Darmstadt veranstaltet heute Donnerstag, 20 Uhr, im Hörsaal 163 der Technischen Hochschule einen öffentlichen Vortragsabend. Herr Prof. Dr.
Altrock, der Direktor des Institutes für Leibesübungen an der - Wolfgang-Goethe-Universiität Frankfurt, wird über das Thema: „Die kulturelle Bedeutung der Sportbewegung“ sprechen. Allen Freunden der Leibesübungen ist der Vortrag dieses bedeutenden Sportwissenschaftlers wärmstens zu empfehlen. Eintritt frei. Am 9. Dezember wird der Deutsche Mittelgewichtsmeister Peter Müller, wie der amerikanische Manager Fred Sommers bekanntgab, in Frankfurt mit Burl Charity (USA) durch die Seite klettern. (sid)
Schreibt an Fritz Kuippelius
Das Mariendogma (II)
In Ihrem Tagblatt vom 2. November 1950 haben Sie in der Protestnote von dem evangelischen Herrn Bischof Dr. Stählin von dem Mariendogma geschrieben Ich möchte mich dem dazu anschließen und auf das Wort Gottes in der hl. Schrift. Offenbarung 22 vom 18. Vers an verweisen:
Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und, so jemand davontut von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil vom Holz des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buche geschrieben ist.
Ich möchte das mit dem Dichter abschließen:
Herr, Dein Wort, die edle Gabe, dieses Gold erhalte mir: denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für.
Wenn Dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruh’n? Mir ist’s nicht um tausend Welten. aber um Dein Wort zu tun.
Frau Emilie Kubitza, Marienhöhe bei Darmstadt
„Taxischofför verweigert Hilfe“ mit anderen Augen (I)
Der friedliche Bürger macht seinen Morgengang durch die Stadt und freut sich, daß doch allmählich wieder Ordnung herrscht in den Straßen, daß es bei einiger Aufmerksamkeit doch wieder möglich ist, ohne direkte Lebensgefahr seines Weges zu gehen, da — ein Krachen, ein Knirschen von Bremsen — der Zusammenstoß eines Radfahrers mit einem Auto bringt im Nu eine Menschenmenge zusammen. Ein blutender Schwerverletzter liegt auf der Straße. „Schnell ein Auto, schnell wegbringen“, ist der allgemeine Ruf. Und siehe da, am Straßenrand steht eine freie Taxe.
„Warum lädt der Chauffeur den Mann nicht ein? Seht nur, wie er blutet, er ist schon nicht mehr bei Bewußtsein — los, los, in die Taxe!“ Aber der Fahrer tut nichts, im Gegenteil, er setzt sich in seinen Wagen und fährt weg.
Unterdessen ist die Rettungswache angefahren, der Verletzte wird sachgemäß betreut und weggebracht. Zurück bleiben einige Trümmer, eine Blutlache und die debattierenden Zuschauer.
„So ein Schuft, der gehört öffentlich gebrandmarkt, läßt den armen Menschen da liegen, nur aus Angst, sich den Wagen schmutzig zu machen“ — die mitfühlende Frau Müller ist ganz außer sich.
Aber halt mal, liebe Frau Müller, wenn der Verunglückte nun etwa eine Rückenwirbelverletzung hatte? Oder eine schwere Gehirnerschütterung oder andere nicht sichtbare innere Verletzungen? Wenn er durch unsachgemäßen Transport vielleicht mehr gefährdet wäre als durch ein paar Minuten Ruhigliegen?
Es könnte sein, daß der Taxichauffeur ein ruhiger, überlegener Mann war. der weiß, daß er keinerlei Sanitätsausbildung hat; der weiß, daß es schwer ist, aus dein zuschauenden Publikum einen sachverständigen Helfer zum Einladen zu finden. Ist er wirklich verpflichtet, das Risiko auf sich zu nehmen und trotz allem den Verletzten wegzubringen?
Guter Wille ist schön, als Zuschauer ein rasches Urteil zu haben, ist leicht. Aber ein Helfer soll kein Schadenbringer sein.
„Taxischofför verweigert Hilfe“ (II)
Ich bin zwar nicht selbst der Taxischofför, der bei dem Verkehreunfall an der Ecke Dieburger und Mühlstraße angeblich seine Hilfe verweigert hat, aber ich sehe mich veranlaßt, meinen Kollegen in Schutz zu nehmen, da die ganze Angelegenheit auch mit ganz anderen Augen angesehen werden kann.
1. Der Arzt, der die Taxe meines Kollegen anhielt, gab sich nicht als solcher zu erkennen, so daß mein Kollege nicht wußte, mit wem er es zu tun hatte.
2. Der betreffende Arzt hatte selbst — wie sich später herausstellte — einen viertürigen Opel - Olympia, während mein Kollege nur einen zweitürigen Opel-Kadett zur Verfügung hatte. Warum hat der Arzt den Verletzten nicht selbst ins Krankenhaus gebracht, nachdem dieser schon etwa 20 Minuten an der Stelle lag, bis mein Kollege ankam?
3. Mein Kollege hat während'seines Berufes schon oft Leichen- und Krankentransporte durchgeführt. Es ist ihm daher bekannt, daß man einen Schwerverletzten nicht in einen solchen kleinen Personenwagen hineinschieben kann, wenn man die Verletzungen nicht noch verschlimmern will.
Ich bin überzeugt, daß mein Kollege bestimmt geholfen hätte, wenn es für den Verletzten einen Sinn und Nutzen gehabt hätte. Ich kenne ihn lange genug, um sagen zu können, daß er ein hilfsbereiter Mensch und bestimmt nicht so schändlich ist, daß man in der Zeitung ihn derartig verurteilen könnte.
Lothar Waginer, Darmstadt, Helfmannatraße 32.
So nicht, Mr. Orson Welles!
Unter diesr Ueberechrift brachten Sie in Ihrer Nummer 99 vom 24. 10. einen Bericht, wonach sich Mr. Orson Welles, in einem in einer „Pariser Zeitung“ erschienenen Artikel sehr abfällig über die Deutschen ausgelassen haben 5011...
Es steht Mr. Orson Welles völlig frei, eine persönlich schlechte Meinung von Deutschland und den Deutschen zu halben. Er kaifn seine Meinungen und Eindrücke auch einer Zeitung zur Veröffentlichung geben. Die Deutschen sollten es in dem vorliegenden Fall aber machen wie Cyrano de Bergerac, in seinem Monolog während seines Duells mit dem Marquis, in Rostands heroischer Komödie und Mr. Orson Welles die entsprechende und ohne Zweifel sehr wirksame Antwort nicht schuldig bleiben. Das könnte insofern geschehen, als die Schriftleitungen in Deutschland Mr. Orson Welles Filme nicht besprachen, bzw. daß die Kinobesucher den Filmen Orson Welles fernbleiben, auch wenn sie so gut sind wie „Der Dritte Mann", „Die Lady von Schanghai“ oder „Cesare Borgia“.
Worin sich Mr. Orson Welles nicht geirrt hat, das ist in der Annahme, daß man den Deutschen ziemlich viel zumuten kann, auch in der Persiflage, obwohl in dieser Hinsicht ein Volk, das einen Wilhelm Busch hervorbrachte, keine Anleihen bei Fremden zu machen braucht.
Mit keinem anderen Volk könnte man ungestraft so verfahren, wie es Mr. Orson Welles angeblich mit den Deutschen getan hat...
Mr. Orson Welles zieht aus Deutschland mit seinen Filmen riesige Summen. Er denkt aber vielleicht wie der römische Kaiser Vespasianus, der seinem Sohne Titus, der ihm vorhielt, eine Latrinensteuer eingeführt zu haben, antwortete: „Das Geld stinkt nicht!“ Ich glaube, daß es Mr. Orson Welles sehr bedauern würde, seinen Pariser Artikel vom Stapel gelassen zu haben, wenn auf einmal die deutschen Kinotheater leer wären, wenn dort seine Filme liefen ...
Adolf Ziegler Darmstadt
„Leistungen“ entscheiden
Wie wird man Landgerichtspräsident? Man studiert 3’/2 Jahre Rechtswissenschaft, legt 3'/2 Jahre Vorbereitungsdienst zurück, wird Assessor und kann sich dann anschicken. die steile Leiter der Beamtenhierarchie hinaufzuklettern. Und wenn man einen guten Verstand und sehr reiche Erfahrungen gesammelt und obendrein noch Glück hat, dann kann man in bejahrtem Alter Würde und Rang des so wichtigen Amtes eines Landgerichtspräsidenten erreichen. So bei uns in der Westzone.
Ganz anders und sehr wesentlich einfacher in der Ostzone, wie die nachstehenden Auszüge aus dem Artikel einer Bautzener Zeitung vom 29. 8. 1959 beweisen:
„Vor einigen Tagen wurde der neue Landgerichtspräsident Genosse Jacob Grass . . . in sein Amt eingeführt. Am 1. Juni wurde Genosse Grass mit der kommissarischen Leitung der Geschäfte des Landgerichts Bautzen betraut und erhielt jetzt seine Bestätigung
als Landgerichtspräsident. Genosse Grass entstammt einer Arbeiterfamilie und war bis vor Jahren noch als Dreher beschäftigt. Als die Richterlehrgänge in Bad Schandau anliefen, meldete sich Genosse Grass zu einem dieser Lehrgänge. Er absolvierte ihn mit Erfolg. Genosse Grass wurde dann in Lichtenstein als Volksrichter eingesetzt und später nach Zwickau berufen, wo er als Vorsitzender der Strafkammern und als Vorstand des Amtsgerichts in Zwickau amtierte.“
Wie simpel und schnell geht das also in der Ostzone vor sich: Man ist Dreher, absolviert einen „Richter“-Lehrgang von 8 Monaten, wird für zwei bis drei Monate „Volksrichter“, Amtsrichter und Strafkammervorsitzender, und dann steigt man schlankweg zum Landgerichtspräsidenten auf.
„Damit ist der Beweis erbracht, daß es uns gelingt, aus den proletarischen Kreisen nicht nur politisch klare, sondern auch rein fachlich qualifizierte Kräfte für die Rechtspflege in der Deutschen Demokratischen Republik zu entwickeln . . •“ Ist das nicht eine herrliche Logik? Und wie werden sich da die Bewohner der Ostzone für ihre Richter und Gerichte begeistern!
„Genosse Grass hat sich als Vorsitzender des Betriebsfriedenskomitees das Ziel gesetzt, mit jedem einzelnen Kollegen in der Justiz persönlich über die Bedeutung der Oktoberwahlen zu diskutieren. Er sagte: Es darf in unserer Behörde am 15. Oktober niemanden mehr geben, der nicht von der Wichtigkeit und Bedeutung dieser Wahlen überzeugt ist. Dafür werde ich mich einsetzen. Gerda Hartmann, Volskorrespondentin.“
Ich nehme an, lieber Fritz Knippelius, daß der obige Zeitungsausschnitt auch Dein Interesse finden wird.
O. L„ Darmstadt.
Noch einmal Arbeitsdienst?
Sie berichten über eine ganze Seite Ihrer Zeitung über den Jugenddiskussionsabend in Pfungstadt „Noch einmal Arbeitsdienst“ (26. 19. 59). Wäre es nicht zunächst angebrachter gewesen, vor dieser Veranstaltung eine etwas auffallendere Notiz mit dem Hinweis auf diesen Abend zu bringen? Oder sollte er im „engsten Kreis“ stattfinden? Vielleicht hätten sich dann außer den Vertretern einzelner, mehr oder weniger parteigebundenier Jugendorganisationen auch noch Jugendliche eingefunden, die unvoreingenommen und ohne Manuskript ihre eigene Meinung zu diesem schon sehr diskutablen Problem gesagt hätten. Vielleicht wären dann auch Mädels dagewesen, die sich etwas mehr mit der Diskussion als ihrer Handarbeit beschäftigt hätten.
Sie sagen selbst, daß die gesprochenen Worte von Dogmen und Zeitungsschlagzeilen strotzten und im großen ganzen mit dem Arbeitsdienstproblem wenig zu tun haben (wahrscheinlich mehr mit den bevorstehenden Wahlen).
Richtig wäre, die jungen Leute von der Straße zu nehmen, denn das kostet den Staat mehr als 8 DM am Tag, wenn man richtig nachrechnet. Das wäre durch einen Arbeitsdienst gewährleistet. Wichtiger noch sind die erzieherischen Momente: Das Anpassen an die Gemeinschaft, das Hintenanstellen des eigenen „Ichs“.
Viele junge Menschen haben die Achtung vor dem Geld und vor der Arbeit verloren, sie sind nur noch darauf erpicht, möglichst viel Geld zu „machen“, statt zu verdienen. Ich gebe zu, eine Ideallösung der Jugendfrage ist der Arbeitsdienst nicht. Es wäre besser, wenn jeder Mensch seinen Arbeitsplatz, sein Auskommen und seine Wohnung für sich hätte. Dieser Zustand wird aber in den nächsten !ahren noch nicht da sein, wer oder was daran schuld ist, gehört nur am Rande hierher (und ist übrigens in Pfungstadt als Hauptsache besprochen worden). Darum ist der Arbeitsdienst (d. h. nämlich wörtlich der Arbeit dienen, nicht dem Geld mail ausnahmsweise) als Notlösung doch immer noch besser, als wenn man dem einzelnen Jugendlichen überläßt, sich irgendwie durchzuschlagen.
Ist es z. B. schlimmer für ein junges Mädel, wenn es für 25 Pf. am Tag lernt, wie man eine Mehlschwitze macht und den Besen führt, wenn es die Arbeit des Bauern schätzen lernt und seine Freizeit mit anderen jungen Menschen nett zuibringt, als wenn sie den ganzen Tag nicht weiß, was andrehen und dabei auf die eigenartigsten Gedanken kommt.
Was ich rede, ist keine Theorie, ich habe an mir selbst erlebt, wie erzieherisch im besten Sinne das Gemeinschaftsleben sein kann, wenn, und da bin ich wieder am Ausgangspunkt, die richtigen Menschen diese Gemeinschaft leiten.
Man kann, möchte ich abschließend betonen, einen Arbeitsdienst nicht einfach ablehnen, weil diese Organisation auch vom Nationalsozialismus für seine Zwecke mißbraucht wurde. Den Mitgliedern der FDJ sei übrigens gesagt, daß es da, wo sie ihre Richtlinien herbeziehen, auch „Arbeitsdienst“ gibt, wie überall in der Welt. Und da alle diese Staaten äußerst friedliebend sind, dürfte man doch annehmen, daß der »Arbeitsdienst ebenfalls eine sehr friedliche Angelegenheit ist.
NB: Wenn Sie, sehr geehrte Redaktion, meinen Brief für den Papierkorb bestimmt haben sollten, so wäre ich. sehr dankbar, wenn Sie mein Gnadengesuch genehmigen würden, und mein Schreiben dem Diskussionsleiter, Herm Kaiser, zuleiten würden. Uebrigens bitte ich für die Flüchtigkeit sehr um Entschuldigung, ich habe diese Zeilen schnell vor dem Dienstbeginn geschrieben, weil es mir gerade so in den Sinn kam. Melitta P. , Darmstadt
Da kam Ihnen, liebes Fräulein Melitta, gerade vor dem Dienstbeginn ein sehr ernstes Problem in den Sinn. Und es hieße den Kopf in den Sand stecken, wenn wir solche Probleme mit einem eleganten Wurf in den Papierkorb erledigen wollten. Was meint Ihr, liebe Leser, zu diesem Problem?
Euer Fritz Knippelius
Nicht der Erste gewesen?
Zu der in einer Tageszeitung erschienenen Notiz über die jetzt erfolgte „erst e“ wissenschaftliche Untersuchung der Zusammenhänge alter Bauernregeln und Sprüchwörter mit Wettierumschilägen und Voraussagen durch den Profesor für Meteorologie an der Wayne University, USA, ist folgendes zu bemerken:
Bereits im Jahre 1945 ist durch den Professor für physik. Geographie Dr. G. Greim, München-Darmstadt, in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Gerlands Beiträge zur Geophysik“, Heft 1, in ausführlichen Tabellen genau berechnet festgestellt worden, daß solche Bauernregeln und Sprüchwörber sich in vielen Fällen wissenschaftlich belegen Hassen'.
F. G., Darmstadt
Bestattungen I am Donnerstag, 16. November 1950 Bessunger Friedhof: ■ 15.00 Uhr: Guthier, Barbara, 93 Jahre, Wei- I terstädter Straße 4 ’
Die glückliche Geburt ihrer Tochter Christiane Anna-Margarethe zeigen dankbar an Charlotte Böttiger geb. Denecke Dr. med. Wilh. Böttiger Am 13. 11. 1950 Pfungstadt (Rügnerstr. 73) Frauenklinik Jugenheim
Amtliche Bekanntmachungen Schlachthof (Freibank) Freitag von 8.00—11.30 Uhr Nr. 350—600 Samstag von 8.00—11.30 Uhr Nr. 601—850 Bekanntmachung Betr.: Tanzveranstaltungen am Totensonntag. Ich weise darauf hin, daß nach den §§ 6 und 8 der Verordnung über den Schutz der Sonn- und Feiertage vom 16. 3. 1934 musikalische Darbietungen aller Art und alle anderen zur Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen, sofern bei ihnen nicht der diesem Tage entsprechende ernste Charakter gewahrt ist, am Totensonntag (26. November 1950) untersagt sind. Von der Einreichung von Anträgen auf Genehmigung von Tanzlustbarkeiten für diesen Tag bitte ich daher abzusehen. Heppenheim, den 8. November 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Dienstnachrichten Die Nachgenannten wurden am 7. November 1950 als Feldgeschworene der Stadt Heppenheim verpflichtet: Adam Johann Stappel, geb. 12. 3. 1881, wohnhaft in Heppenheim, Adam Ehrhart, geb. 20. 12. 1877, wohnhaft in Heppenheim, Jakob Schmitt, geb. 13. 10. 1901, wohnhaft in Heppenheim, und Hans Wattendorf, geb. 4. 4. 1905, wohnhaft in Heppenheim. Peter Steinmann, geb. 19. 12. 1907, wohnhaft in Eilenbach, wurde am 9. 11. 1950 als Rohrmeister der Gemeinde Eilenbach verpflichtet.
Am 17. November 1950 werde ich voraussichtlich öffentlich meist¬ bietend gegen Barzahlung versteigern: um 10.00 Uhr in Darmstadt, Pfandkammer, Amtsgericht, Seiten¬ eingang: 1 Wohnzimmerschrank, 1 Schleifmaschine, 4 Motoren ä 1 PS, 1 Radio, 1 Teppich, 3 Ölbilder, 1 Posten Polier-Spiritus, Fixativ, Fußbodenfarbe, 1 Klavier, 2 Schreibmaschinen, 2 Schreibtische, 2 Sessel, Pwtztücher, 1 Teppich, 1 Frisier¬ toilette, 1 Dauerwellenapparat, 2 Sprungrahmen, 1 Couch¬ gestell, 1 Blechbearbeitungsmaschine; um 12.00 Uhr in Arheilgen: Bieter um 12.00 Uhr am Rathaus: 1 Klavier, 1 Tankholzmaschine, 1 Lastwagen-Anhänger, zwei Pkws., ca. 80 Fässer Birnenmark, 3 Büfetts, 1 Couch, 4 Ses¬ sel, 1 elektr. Kocher, 2 Chaiselongues, 2 Stühle, 2 Sofas, 1 Posten Wirtschaftsgeräte, 1 Rübenreinigungsmaschine, 1 Standuhr, 1 Schreibmaschine, 1 Glasschrank, 1 Stehlampe, 1 Radio; um 14.30 Uhr in Erzhausen: Bieter um 14.30 Uhr am Bahnhof: 1 Elektro-Motor 25 PS. Illas, Ober-Gerichtsvollzieher, Darmstadt iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiixiiiiiiiiiiiiiiiuiu I Die Fundgrube | niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH Offene Stellen Lehrling’ für Labor einer Lackfabrik Nähe Darmstadt gesucht Mittlere Reife Bedingung Eintritt möglichst sofort Bewerbungen mit Unterlagen unter DT 1732 an die Geschäftsstelle
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