Auslieferung und Hinrichtung
Bundestag und Regierung bedauern die Haltung her Westmächte
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 14. November. (Eigener Drahtbericht). Der Bundestag hat am Dienstag in einer Interpellation aller Fraktionen gegen die Auslieferung und die Hinrichtung deutscher Staatsangehöriger protestiert. Namens der Regierung kündigte Bundesjustizminister Dr. Dehler erneute ernste Vorstellungen bei der Alliierten Oberkommission an.
Die Interpellation wurde von dem Abgeordneten der Christlich-Demokratischen Union, Höfler, eingebracht, der zunächst darauf hinwies, daß am 25. Oktober ein Deutscher durch alliierte Gewalt an die Polen ausgeliefert worden sei. Es gehe hier nicht darum, daß ein Mensch der verdienten Strafe entzogen werden solle, sondern es gehe um das Recht.
Höfler befaßte sich dann vor allem mit den Gerüchten über in Landsberg bevorstehende Hinrichtungen. Es sei einfach unmöglich, sagte er, daß Todesurteile noch 41 Monate, nachdem sie ausgesprochen worden seien, vollstreckt werden sollten. Einen solchen Fall könne man nur mit tiefstem Bedauern registrieren. Auch an Frankreich und Holland richtete er die Bitte, solche Todesurteile nicht mehr zu vollstrecken. Es gehe nicht um die Vermeidung der Sühne für todeswürdige Verbrechen, sondern es gehe um das Recht und das sei eine Frage der europäischen Zukunft.
Bundesjustizminister Dr. Dehler erklärte, daß die Besatzungsmächte bei der Auslieferung von Deutschen zum Schmerz für alle guten Demokraten die Bestimmungen des Grundgesetzes nicht anerkennen würden. Die Bundesregierung sei seit langem bemüht, die Besatzungsmächte zu veranlassen, von Auslieferungen abzusehen. Die Auslieferungspraxis sei mit der allgemeinen politischen Entwicklung nicht vereinbar. Um so schmerzlicher sei man von der Tatsache berührt, daß seit kurzem erneut in mehreren Fällen, besonders in der amerikanischen Zone, die Auslieferung verlangt und durchgeführt werde. Die Zahl der zum Tode Verurteilten betrage in Landsberg 28, in den Ländern des Westens rund dreißig Personen, die noch nicht hingerichtet worden seien. Insbesondere für die zum Tode Verurteilten, die in Landsr berg festgehalten werden, betonte der Minister, daß eine Hinrichtung nach einer angemessenen Frist erfolgen müsse und das lange Warten unmenschlich sei.
Für Freilaffung Yacders
Bonn, 14. November, (dpa). Admiral Hansen, der Vorsitzende des Bundes der versorgungsberechtigten ehemaligen Wehrmachtsangehörigen und ihrer Hinterbliebenen, tritt in einem Schreiben an die Oberkommission für die Freilassung des früheren Oberbefehlshabers der deutschen Kriegsmarine, Großadmiral Dr. Raeder, ein.
Hansen erinnert gleichzeitig daran, daß noch „Hunderte unschuldiger deutscher Männer in den Gefängnissen oder im Gewahrsam der westlichen Alliierten schmachten“.
Yengzuelns Prüßndent ermordet
Caracas, 14. November, (dpa) Der vor zwei Jahren durch einen Militärputsch an die Macht gekommene Präsident Venezuelas, Oberst Chalbaud, wurde am Montag ermordet. Als er sein Haus in Begleitung eines Offiziers verließ und gerade in seinem Wagen Platz genommen hatte, wurde er von etwa zwanzig Männern, die in fünf Autos herangekommen waren, gefangengenommen. Er wurde in ein unbewohntes Haus einer Vorstadt von Caracas gebracht, dort erst mißhandelt und dann erschossen. Die Aufrührer standen unter dem Befehl von General Urbina. Urbina und verschiedene der Mittäter konnten festgenommen werden.
Neue Ginberufungen
Washington, 14. November. (AP.) Die amerikanische Armee hat die Einberufung von weiteren 40 000 Dienstpflichtigen im Januar angekündigt.
Ein nenes Besakungstatut
Vetrringerung des Stabes der amerikanischen Oberkommission
Frankfurt a. M., 14. November. (AP-) Die Uebertragung größerer Vollmachten an die Bundesregierung durch ein neues Besatzungsstatut werde wahrscheinlich eine 25prozentige Verkleinerung des Stabes der amerikanischen Oberkommission im Gefolge haben.
Von autoritativer Seite wird dazu bekannt. daß man mit einer Entlassung von rund 400 des gegenwärtig über 1600 Personen betragenden Angestelltenstabes der" amerikanischen Oberkommission im Laufe der kommenden zwölf Monate rechne. Aehnliche Einschränkungen würden auch von der britischen und französischen Oberkommission geplant.
Unter den Abteilungen, die die Oberkommission entweder ganz oder teilweise aufzulösen hofft, befinden sich das alliierte Reiseamt, die Abteilung für auswärtige Angelegenheiten, die Abteilung für Stahl- und Kohlenkontrolle, die Dekartellisierungs-Abteilung und die Kömmission zum Studium der Gesetzgebung.
Die Befakungskoften
London bespricht Senkungsmöglichkeiten
London, 14. November, (dpa) Ein Sprecher des britischen Außenministeriums erklärte, daß zuständige britische Stellen gegenwärtig in London die Frage der deutschen Besatzungskosten erörtern. Dabei werde die Möglichkeit eines deutschen Beitrags für die westliche Verteidigung in Rechnung gestellt. Man wolle festlegen, inwieweit die Ausgaben für zusätzlich in Deutschland stationierte Besatzungstruppen von der Bundesregierung bestritten werden sollen. Eines der Ziele der Besprechungen sei es, die Besatzungskosten zu verringern.
Maßfenflucht nady Wel-Berlin
Berlin, 14. Nov. (dpa) In Berlin hat eine Massenflucht der Ost-Berliner Fuhrunternehmer nach West-Berlin eingesetzt, nachdem im Sowjetsektor Ende Oktober mit der Verordnung über Anforderungen für den Wirtschaftsaufbau durch den Ost-Berliner Magistrat eine „rechtliche Grundlage“ für Enteignungen geschaffen worden ist. Nach den vorliegenden Informationen soll das Fuhrunternehmergewerbe am ersten Januar in „Volkseigentum“ überführt werden.
Nur örtliche Gefechte
Der Winter behindert die Kampfhandlungen in Korea
Söul, 14. November. (AP.) Die Kämpfe in Korea beschränkten sich am Dienstag auf örtliche Angriffe der UN-Truppen. Die siebente amerikanische Division hat im Raum nördlich von Pungsan bei starker Kälte ihren Vormarsch in Richtung auf die 40 km entfernte mandschurische Grenze wieder aufgenommen.
Trotz starker Schneeverwehungen und vereister Straßen hat sich weiter westlich die amerikanische Marinedivision näher an den Stausee von Changjin herangeschoben. Im Chongchon- Brükkenkopf haben UN-Verbände drei wichtige Höhenzüge besetzt und die Ortschaft Yong b i o n erreicht. Aus dem Mittelabschnitt liegen keine Berichte vor. Dem ersten Armeekorps in Nordwestkorea stehen nach einer Mitteilung eines Sprechers zur. Zeit drei rotchinesische Armeegruppen mit insgesamt neun Divisionen gegenüber. Das erste Armeekorps umfaßt lediglich zwei amerikanische und eine südkoreanische Division sowie die britische Brigade.
Die Gesamtstärke des Feindes an der Nordwestfront wird auf 90 000 Mann geschätzt.
Zwei Superfestungen vom Typ 829 mußten am Dienstag auf einem eigenen Flugplatz eine Bauchlandung vornehmen, nachdem sie mit 18 anderen Bombern beim Anflug auf feindliche Truppenansammlungen von „MIG 15“-Düsenjägern sowjetischer Produktion angegriffen worden waren.
Das große Wasserkraftwerk von Changjin, das von US-Marinetruppen besetzt wurde Foto: UP-Acme
Polizeichef von Pyanayang wurde verhaftet
Söul, 14. November, (dpa) Der neue Polizeichef von Pyöngyang, Kim In-gil, ist von der südkoreanischen Militärpolizei unter der Beschuldigung verhaftet worden, in die „neue demokratische Polizei“ über siebenhundert frühere Kommunisten oder Kommunistenanhänger eingestellt zu haben.
Ueber fünftausend Einwohner von Pyöngyang sollen, wie weiter verlautet, seit dem Fall der Stadt verhaftet worden sein.
Brigaden statt Regimenter
Französische Kompromißbereitschaft in der Rüstungsfrage
Paris, 14. November, (dpa) Als Ergebnis der letzten Ministerratssitzung am Montag verzeichnet die französische Presse am Dienstag früh eine Kompromißbereitschaft der Regierung in der Frage des deutschen Beitrags zur westlichen Verteidigung.
Danach soll Frankreich nunmehr bereit sein, der Bundesrepublik die Aufstellung von etwa fünftausend Mann starken Brigaden zuzugestehen. Bisher wollte Paris höchstens deutsche Streitkräfte in Regimentsstärke zugestehen.
Als Garantien fordert Frankreich außer dem grundsätzlichen Verbot eines deutschen Generals t a b s , daß keine deutsche Kriegsmarine und keine deutsche Luftwaffe aufgestellt werden. Ferner soll der Bundesrepublik die Forschung auf dem Gebiet der Atomenergie und die Herstellung schwerer Waffen verboten bleiben.
Frankreich soll seinerseits über die Billigung deutscher Brigaden hinaus bereit sein, auf seinen Plan einer europäischen Armee unter einem europäischen Verteidigungsminister zu verzichten. Dafür bestehe es wiederum auf dem vorherigen Zustandekommen der Montanunion und auf dem Plan, daß die finanziellen Mittel der westlichen Mächte gemeinsam für die Aufrüstung eingesetzt werden.
Das Humägbare
*** In der Politik pflegt man öfters von Imponderabilien zu sprechen. Dieses aus dem Lateinischen abgeleitete Wort bedeutet unwägbare Umstände, die bei irgendwelchen Fragen den Ausschlag geben oder Ereignisse auslösen. Damit ist gesagt, daß sich nicht alles mit groben Gewichten abwägen läßt, sondern daß es manchmal lediglich Gefühlsmomente sind, die das Zünglein an der Waage nach der einen oder anderen Seite bewegen.
Von den Westmächten ist in der letzten Zeit wiederholt betont worden, Deutschland solle als gleichberechtigtes Mitglied der Völkerfamilie betrachtet und behandelt werden. Es wird von den Westmächten weiter erwartet, Deutschland solle seinen Beitrag zur Verteidigung Europas aus innerster Ueberzeugung liefern und mit dem Bewußtsein, den anderen westlichen Völkern dabei gleich geachtet zu sein. Bestimmt sind die Deutschen, von denen einmal dies und dann jenes verlangt wurde, die im Innersten unsicher und auch in mancher Hinsicht mißtrauisch geworden sind, nicht leicht zu behandeln. Es gehört Fingerspitzengefühl dazu, es in der richtigten Weise zu tun. Dieses Fingerspitzengefühl ist von den Westmächten leider nicht immer aufgebracht worden.’
Es sollen hier keine alten Fehler wieder aufgegriffen werden. Aber wir würden unsere publizistische Pflicht gröblich vernachlässigen, wenn wir nicht mit aller Deutlichkeit darauf hinwiesen, daß die Notwendigkeit eines Protestes, den der Bundestag gegen die Auslieferung und Hinrichtung deutscher Staatsangehöriger fünf Jahre nach Kriegsende erheben mußte, einen sehr bedauerlichen Mangel der Westmächte erkennen läßt, das Unwägbare in den Beziehungen zwischen den Völkern richtig zu beurteilen.
Die Deutschen empfinden sich, ungeachtet aller gegenteiligen Versicherungen, immer noch als ein Volk minderen Rechtes. Sie sind jedoch kein Volk minderen Gefühles. Gibt es bei den Westmächten wirklich keine Staatsmänner, die das erforderliche Fingerspitzengefühl dafür aufbringen, ehe es zu spät ist, doch noch das Richtige zu finden und Entscheidungen
— obgleich sie sich vielleicht auf formales Recht stützen können — von einem höheren menschlichen und völkerversöhnenden Standpunkte aus zu betrachten?
England wncht auf
Von unserem Londoner G-Korrespondenten
Das „Wunschdenken“ ist von jeher eine der auffallendsten politischen Eigenschaften Großbritanniens. Auch die Nachkriegspolitik der Insel ist in erheblichem Maße davon beeinflußt worden. Ungezählte Engländer haben sich ebenso wie ihre Regierung fünf Jahre lang nicht von ihrem Traum trennen können, eines Tages die alte „Waffenbrüderschaft“ mit Rußland aus der Zeit des Krieges wiederherzustellen und dadurch alle Gefahren eines neuen Krieges zu bannen. Während ein Land nach dem anderen in der Welt, wenn auch zögernd seine Hoffnungen begrub, seine Verteidigung erneuerte und Schutzmaßnahmen für seine innere Sicherheit zu treffen begann, beharrte die Insel nach wie vor in ihrem wirklichkeitsfernen Optimismus. Man erkannte die rotchinesische Regierung an, weil man auf eine Verständigung hoffte, man begünstigte den Export auf Kosten der Verteidigung, und man sah in den englischen Kommunisten eine Partei wie jede andere und billigte ihr daher die gleichen Rechte und Freiheiten zu.
Neue Einstellung
Erst jetzt, sehr spät und gleichsam über Nacht, hat sich dies geändert. Erstmals hat dieser Tage ein russischer Vorschlag für eine neue Viermächtekonferenz in London eine sehr skeptische, fast ablehnende Aufnahme gefunden. Plötzlich sind die Erinnerungen an die russische
„Kriegskameradschaft“, die • noch vor wenigen Wochen immer wieder in Gesprächen und Unterhaltungen auftauchten, verstummt. Und während man zögernd trotz der noch immer fehlenden amerikanischen Unterstützung darangeht, die Rüstungsproduktion zum Anlaufen zu bringen, macht sich in der Bevölkerung ein rasch wachsendes Mißtrauen gegenüber den Kommunisten und ihren Zielen auch im eigenen Lande bemerkbar.
„Auch die englischen Kommunisten sind in erster Linie Engländer“, erklärte noch vor einigen Monaten ein britischer Unterhausabgeordneter, „und wir sind über ihre Maßnahmen und Pläne durchaus unterrichtet. Da sie bei uns volle politische Freiheit genießen, haben sie ja auch gar keine Veranlassung zur Untergrundarbeit und sie würden hier auch kein Glück damit haben.“
Seit einigen Wochen ist man sich dessen jedoch auf der Insel nicht mehr so sicher. Schon die Kette der wilden Streiks im September und Oktober hatte gezeigt, wie leicht der arglose britische Arbeiter der geschickt getarnten Propaganda Moskaus erlag. Darüber hinaus hat der Fall des Professors Pontecorvo ein deutliches Schlaglicht auf die kommunistische Agententätigkeit in England geworfen.
Verlängerung der Arbeitszeit?
Die Folge dieser Erkenntnisse sind Mißtrauen und Unsicherheit auf der einen und Beschleunigung der bisher nur zögernd geplanten Verteidigungsvorbereitungen auf der anderen Seite. Ein geheimes Komitee ist dieser Tage in London gebildet worden unter Vorsitz des neuen Finanzministers Hugh Gaitskell, das die Aufgabe hat, die Regierung in den Fragen der Rüstungsproduktion zu beraten. Eines der ersten Probleme, mit dem dieses Komitee sich zu beschäftigen haben wird, ist eine Erhöhung der englischen Arbeitszeit. Der englische Arbeiter arbeitet zur Zeit durchschnittlich 45 Stunden in der Woche. Eine Erhöhung der Rüstungsproduktion unter Aufrechterhaltung der Ausfuhr muß aber zwangsläufig zu einem weiteren Rückgang des Angebots auf dem heimischen Markt und damit zu einer weiteren Verstärkung der inflatorischen Tendenzen führen, falls nicht durch eine erhöhte Produktionsfähigkeit des Landes ein Ausgleich geschaffen wird. Eine solche ist aber nur möglich durch eine Verlängerung der Arbeitszeit. Grundsätzlich haben sich damit auch bereits sämtliche Stellen einverstanden erklärt einschließlich der Gewerkschaften.
Warnungen
Auf propagandistischem Gebiet hat die britische Regierung nunmehr auch im In.- land offen den Kampf gegen die Kommunisten aufgenommen, unterstützt von der Opposition. Ministerpräsident Attlee hat, gefolgt vori Außenminister Bevin, scharfe Warnungen sowohl an die in- und ausländischen Kommunisten wie an die englische Bevölkerung gerichtet, die politische Freiheit des Landes nicht zu mißbrauchen. Bisher ist es allerdings bei diesen Warnungen geblieben.
Der Grund dafür liegt in einem scharfen Widerstand gegen derartige Maßnahmen nicht nur vom linken Flügel der Labour Party, sondern vor allem auch von Seiten der Konservativen und Liberalen, wo man eine derartige Gesetzgebung für unvereinbar mit den Grundsätzen der politischen Freihet des Einzelnen hält. Die Regierung möchte aber zur Zeit einen Zusammenstoß mit der Opposition in einer Frage, in der sie im Parlament in eine Minderheit, geraten könnte, wenn irgend möglich vermeiden, da dies notwendigerweise zur Parlamentsauflösung und damit zu Neuwahlen führen müßte, an denen man im Augenblick nicht interessiert ist.
Neuwahlen in Sicht?
Man hat in den letzten Monaten häufig von bevorstehenden Neuwahlen in England gesprochen, und es ist bekannt, daß insbesondere der linke Flügel der Labour Party sich stark für eine solche Maßnahme einsetzte, da man hier sicher zu sein glaubte, daß Neuwahlen die sozialistische Majorität nicht nur keinesfalls vermindern, sondern sogar wahrscheinlich verstärken würden. In den letzten Wochen hat sich jedoch dieses Bild stark geändert. Das wachsende Mißtrauen der Bevölkerung gegen den Kommunismus stärkt die konservativen Elemente des Landes, obwohl auch der linke Flügel der Labour Party dieser Tage deutlich von all seinen früheren kommunistischen Sympathien abgerückt ist. Das Steigen der Preise und Lebenshaltungskosten beunruhigt vor allem die Arbeiterschaft und die Hausfrauen und schürt die Mißstimmung gegen die Regierung.
Die beiden letzten englischen Parlamentswahlen haben eine Vergrößerung der konservativen Majorität um 100 bzw. 300 Prozent und ein erhebliches Absinken der sozialistischen Stimmen gebracht. Ihr Ergebnis zeigt darüber hinaus, daß die Mehrzahl der liberalen Wähler bei Fehlen eines liberalen Kandidaten es vorziehen, ihre Stimme den Konservativen zu geben, eine Tatsache, die angesichts der zunehmenden politischen und finanziellen Schwäche der Liberalen in England bei den nächsten Wahlen leicht von ausschlaggebender Bedeutung sein kann.
Es mehren sich daher auch im sozialistischen Lager bereits die Stimmen, die der Ansicht sind, die Regierung habe die Stunde für Neuwahlen verpaßt, und das Pendel sei bereits dabei, zu den Konservativen zurückschwingen.
Schlafende Soldaten
L. So unwahrscheinlich es klingt, dem Weltfrieden winkt eine rettende Chance. Und zwar durch die Wissenschaft, die bisher nicht gerade im Geruch stand, viel für ihn getan zu haben. Ein weiterer Hintertreppenwitz ist es, daß ausgerechnet die Generalstäbler weitgehend an dieser Geschichte beteiligt sind. An zwei wissenschaftlichen Entwicklungen wird sowohl in Rußland, als auch in Amerika unter dem Siegel tiefster Geheimhaltung gearbeitet. Die eine beschäftigt sich mit der Ausbildung des Supersoldaten. Ein Supersoldat ist ein solcher, der unentwegt kämpfen kann, ohne müde zu werden. Klar, daß die Eroberung von Weltreichen für übermüdete Armeen bis dato ein betrübliches Hemmnis darstellte. Gelingt es, durch Ausschaltung des Schlafzentrums im Gehirn die Ermüdungserscheinungen auszuschalten, dann ist damit der Idealsoldat entdeckt. Vermochten schon normale Willensmenschen wie Friedrich der Große oder Napoleon 16 Stunden am Tag zu kämpfen, dann müßte es mit Hilfe der neuen Erfindung möglich sein, einen Kämpfertyp zu entwickeln, der 24 Stunden am Tag kein anderes Bestreben in sich fühlt als zu feuern, vorzugehen und zu erobern.
Nun, nicht dieser Blitzsieger in spe ist es, der den Weltfrieden retten wird. Was nützt es schließlich, wenn der Gegner dieselbe Erfindung macht und ebenfalls pausenlos um sich haut. Für den bösen Feind arbeiten darum Rußland und Amerika getrennt gemeinsam an einem anderen Mittel. Und zwar an der Entwicklung eines unschädlichen Schlafgases, das abgeblasen den gegnerischen Super-Hennecke-Kämpfer in einen ebensolchen Penner verwandelt.
Die Erfindung dünkt uns sympathisch. Mit friedlich schlummernden Armeen auf beiden Seiten müßte der Krieg in sich selbst zusammenfallen und dem Frieden eine Brücke bauen. Welch eine tröstliche Zukunftsaussicht, wenn diese Erfindung auf beiden Seiten so gelänge, daß sie unbemerkt von jedem Partner zur totalen Anwendung gebracht werden könnte!
Sehr peinlidy
Hz. Zu einer der delikatesten diplomatischen Verwicklungen zwischen zwei befreundeten Nationen ist es dieser Tage in Washington gekommen, und es liegt im Interesse aller Beteiligten, daß diese peinliche Affäre nicht zu einer nachhaltigen Trübung der internationalen Atmosphäre führt. Nur wer das Gewicht des Unwägbaren, der sogenannten Imponderabilien, in der großen Politik nicht zu würdigen weiß, kann diesen Zwischenfall, der sich bei einer Cocktail-Party zugetragen hat, mit der linken Hand abtun wollen. Seit dem trojanischen Krieg ist ja für alle Zeiten hinreichend belegt, welches Unheil gekränkte weibliche Herzen anzurichten vermögen.
Auf jener Cocktail-Party also, bei der die Damen einen stummen Wettbewerb der Eleganz veranstalteten, erschien die Gattin des französischen Botschafters, Madame Bonnet, mit einem bezaubernden Hütchen, elefantengrau, mit Perlmutt-Klipsen und zarten Halbschleiern drapiert. Die allseitige Bewunderung gefror jedoch zu eisiger Betroffenheit, als Frau Mesta, die Gesandte der Vereinigten Staaten in Luxemburg, den Raum betrat, auf dem Kopf die Doublette des elefantengrauen Modells mit Perlmutt-Klipsen und zarten Halbschleiern. Mein Gott, wie mag das enden! Die französisch - amerikanischen Beziehungen dürfen sowieso nicht allzusehr strapaziert werden.
Anleihe für lugoflanien
London, 14. November, (dpa) Großbritannien hat Jugoslawien zum Ankauf von Lebensmitteln und Verbrauchsgütern eine Anleihe in Höhe von drei Millionen Pfund (etwa 35 Millionen DM) gewährt.
In Tibet ift alles vorbhei
Ende der Kämpfe / Die Chinesen in Lhasa
Kalimpong, 14. November, (dpa) „Es ist alles vorüber in Tibet“, erklärte ein Sprecher der indischen Regierung in Kalimpong. Zwischen Lhasa und Peking sei eine Einigung erzielt worden. Die Kämpfe seien zu Ende.
Der Sprecher sagte, zwischen Tibet und China seien bereits Friedensbedingungen vereinbart worden. In ganz Tibet hätten die Kämpfe aufgehört. Schon in den letzten Tagen sei es nicht mehr zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen tibetanischen Regierungstruppen und Verbänden des kommunistischen Chinas gekommen. In der Hauptstadt Lhasa seien tibetanische „Volkstruppen“ gemeinsam mit einer kleinen symbolischen chinesischen Einheit eingezogen.
Nach dem .jetzt erzielten vorläufigen Abkommen, erkenne Tibet die chinesische Oberherrschaft an. China übernehme gleichzeitig die Verantwortung für die tibetanische Außenpolitik und das Nachrichtenwesen des Landes.
Beobachter in Kalimpong glauben, daß die Vereinten Nationen den Fall Tibet nach der direkten Einigung zwischen Lhasa und Peking nicht mehr erörtern werden.
Nach letzten Meldungen ist in dem chinesisch-tibetanischen Abkommen festgelegt, daß sich Tibet vor allen außer den China freundlich gesinnten Mächten fernhält. Chinesische Berater sollen die tibetanischen Regierungsvertreter bei der Durchführung umfassender Reformen in Erziehungswesen, der Bodenbewirtschaftung und in der Politik unterstützen. China hat seinerseits zugesagt, daß es die Einrichtungen des Dalai Lama und des Pantschen Lama sowie die tibetanischen Klöster unangetastet läßt. Ferner will China auf seine Kosten das unzulängliche tibetanische Straßennetz ausbauen.
Die Kämpfe in Nepal
Weiterer Vormarsch der Aufständischen
Neu-Delhi, 14. November. (AP.) Die aufständischen Truppen in Nepal sind nach den letzten Berichten von ihrer provisorischen Hauptstadt Birganj aus etwa 40 Kilometer nach Norden vorgestoßen. Nach anderen Meldungen sollen die Truppen der königstreuen „Kongreßbewegung“ bereits an dem Endpunkt der Eisenbahnlinie Amlkegani kämpfen, der nur 80 km südlich der nepalesischen Hauptstadt Khatmandu liegt. Zahlreiche in Burma lebende nepalesische Staatsangehörige haben sich als Freiwillige zur Unterstützung der königstreuen Aufständischen in ihrer Heimat gemeldet.
Aufgegehen
Saigon, 14. November, (dpa) Ein französischer Sprecher gab bekannt, daß die französischen Streitkräfte im Nordwesten Indochinas die Stützpunkte Binhlu und Phongto geräumt haben. Beide Stützpunkte liegen südlich des Roten Flusses
Europäischer Aktionssat
Straßburg, 14. November, (dpa) Neben der beratenden Versammlung des Europarats wird in Straßburg ein europäischer Aktionsrat vom 20. bis 24. November tagen. Dieser Aktionsrat wird als repräsentatives Organ der zu raschem Handeln drängenden Kräfte von den drei stärksten Europaverbänden getragen. In ihm werden die Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg, England, Griechenland und das Saargebiet vertreten sein.
Cin neuer Angreif Niemöllers
Vorwürfe gegen die Amerikaner und die Bundesregierung
Tübingen, 14. November, (dpa). Kirchenpräsident Niemöller sagte in Tübingen, die Amerikaner und die „sogenannten westdeutschen Politiker“ nähmen den Bolschewismus viel zu leicht, wenn sie glaubten, man könne ihm mit der Waffe den Garaus machen. Es könne sehr leicht sein, daß die Amerikaner den Feldzug gegen die Russen begönnen und schließlich als Bolschewisten heimkehrten. Die Angst mache so blind, daß man gar nicht sehe, wie hier Dinge geschähen, die in keiner Verfassung stünden und keine gesetzliche Grundlage hätten.
Niemöller versicherte, daß er nicht grundsätzlich gegen die Rüstung sei, sie aber in der jetzigen Situation ablehne. Er warf Dr. Adenauer und Bundesminister Kaiser vor, daß sie den Menschen in der Sowjetzone in unverantwortlicher Weise Hoffnung auf Befreiung machten. Man habe ihm bereits nachgesagt, daß er" für seine Haltung von den Russen bezahlt werde. Er habe deshalb Strafantrag gegen Unbekannt wegen verleumderischer Beleidigung gestellt.
Das neue Sienerprogrannt
Hi. Bonn, 14. November. (Eigener Drahtbericht.) Wie in Bonn verlautet, will der Bundesfinanzminister auf der Sitzung des Bundesrats am kommenden Freitag grundsätzlich über die von ihm geplanten steuerlichen Maßnahmen sprechen. In Kreisen des Bundesfinanzministeriums wird damit gerechnet, daß die Vergünstigungen aus dem Einkommensteuergesetz ab 1. Januar in Wegfall kommen und daß die vom Kabinett gebilligte Erhöhung der Treibstoffsteuer und die Einführung einer Autobahngebühr ebenfalls zum 1. Januar wirksam werden.
Weilungsrecdt der Länder
Bonn, 14. November, (dpa) Die Oberkommission hat der Bundesregierung mitgeteilt, daß die Innenminister der Länder nunmehr ein Weisungs- und Verfügungsrecht über die kommunalen Polizeieinheiten erhalten.
Ferner können alle Polizeibeamten in Zukunft mit den „üblichen leichten Polizeiwaffen“ ausgerüstet werden. Bisher war die Zahl der Polizeibeamten, die Schußwaffen tragen durften, beschränkt gewesen.
Doch 200 Marh?
Die Besteuerung der Weihnachtsbeihilfe
Bonn, 14. November, (dpa) Auf Ersuchen der Bundesregierung wird Bundesfinanzminister Schäffer dem Bundesrat vorschlagen, die Steuerfreigrenze für Weihnachtsgratifikationen von 100 auf 200 Mark zu erhöhen. Eine solche Maßnahme bedarf der Zustimmung des Bundesrates.
Es soll bei den neuen Steuern hleiben
Das Bundeskabinett hält an Treibstoff- und Autobahnsteuer fest
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 14. November. Das Kabinett hat am Dienstag beschlossen, sowohl an der Autobahngebühr als auch an der Erhöhung der Treibstoffsteuer fe s t zuha 11 en . In parlamentarischen Kreisen ist man überzeugt, daß die Regierung für diese Vorschläge im Bundestag keine Mehrheit findet.
Der Kabinettssitzung lag am Dienstag ein Gesetzentwurf vor, den die Bundesministerien für Finanzen, Wirtschaft, Verkehr und Ernährung im Einvernehmen mit dem Finanzausschuß des Bundesrates ausgearbeitet hatten. Dieser Entwurf sah eine Erhöhung der Steuer für sämtliche Mineralölprodukte vor und wollte auch das schwarz eingeführte Benzin steuerlich erfassen. Auf diese Weise sollte das steuerliche Mehraufkommen, das die bisherigen Vorschläge der Bundesregierung bringen würden, verdoppelt werden, während das Benzin statt um 15 nur um 10 Pfennig pro Liter teurer geworden wäre.
Außerdem hat das Kabinett am Diens- tag beschlossen, den Gesetzentwurf über den Finanzausgleich in seiner ursprünglichen, vom Kabinett verabschiedeten Form beim Bundestag einzubringen. Der Finanzausschuß des Bundesrates hatte zum Finanzausgleich Abänderungen vorgeschlagen, aber auch mit diesen Abänderungen war der Finanzausgleich vom Bundesrat abgelehnt worden.
Grelände-Befdhlngunhue
Siegen, 14. November. (Id) Der ehemalige Militärflughafen Lippe/Westerwald und Teile des Truppenübungsplatzes Truppach sind für die belgischen Besatzungstruppefn beschlagnahmt worden Die deutsche Bevölkerung betrieb auf dem Gelände Acker- und Weidewirtschaft.
Flug in den Tod
58 Personen kamen ums Leben
Ma rse ill e. 14. November. (AP.) Eine kanadische Verkehrsmaschine vom Typ DC-4 mit 58 Personen an Bord ist am Montag in der Nähe des Obiou, eines 2500 m hohen Berges, 45 km südlich von Grenoble, abgestürzt. Bei den Insassen handelte es sich um kanadische Rompilger.
Das Wrack der kanadischen Verkehrsmaschine. die am Montag im dichten Schneesturm am Mont Obiou abstürzte, ist am Dienstagmittag 500 Meter unter dem Gipfel des Berges in 2100 Meter Höhe gefunden worden. Erste Berichte lassen erkennen, daß die 58 Insassen den Tod gefunden haben..
Yerkehreftreik in Italien
Rom, 14. November, (dpa). Millionen von Italienern mußten am Dienstag zu Fuß gehen, weil Autobusse und Straßenbahnen durch einen Streik der Verkehrsangestellten außer Betrieb sind. Der Streik wird von den drei großen italienischen Gewerkschaften unterstützt.
Am Dienstagnachmittag begannen die Industriearbeiter in ganz Italien einen vierstündigen Proteststreik. Die Streiks wurden von dem kommunistisch beherrschten Gewerkschaftsbund und den nicht kommunistischen Gewerkschaften gemeinsam ausgerufen.
Ein kurzer Konareß
Sheffield, 14. November, (dpa) Die einzige Veranstaltung des ursprünglich auf sechs Tage berechneten, kommunistisch inspirierten „Weltfriedenskongresses“ war eine kurze Versammlung am Montagabend im Rathaus von Sheffield. Auch diese wurde noch von Gegenkundgebungen unterbrochen, und einer der Hauptredner vertrat nicht linientreue Ansichten.
Stimmen der Anderen
Kirdhe und Politik
Für den deutschen Leser dürfte es nicht uninteressant sein, wie die Haltung des Kirchenpräsidenten Niemöller im Auslande beurteilt wird. Wir geben daher nachstehend die Meinung der „Neuen Z üri ch ej? Zei tun g“ wieder, ohne uns mit ihr zu identifizieren.
„Man konnte für den religiös als Gewissenssache motivierten Pazifismus Niemöllers und seines Anhangs, so merkwürdig er bei der heutigen Lage ist, vielleicht noch einiges Verständnis haben. Die Billigung Luthers freilich, der in diesen Kreisen sonst oberste Autorität zu sein pflegt, hätte diese Haltung nicht gefunden — hat Luther doch in seiner Schrift ,Ob Kriegsleute in seligem Stand sein können?“ nicht nur diese Frage bejahrt, sondern auch überhaupt mit dem ihm eigenen, aller Schwarmgeisterei abholden Wirklichkeitssinn erklärt, daß man Krieg wohl möglichst verhüten oder verhindern, aber nicht aus der Welt schaffen könne, ,um des Bö^en willen“.
Inzwischen aber ist in der Auseinandersetzung um den deutschen Beitrag zur Aufrüstung des Westens an die Stelle des religiös motivierten Pazifismus durch die von Niemöller gemeinsam mit Dr. Kurt Schumacher aufgestellte Forderung der Veranstaltung von Neuwahlen zum Bundestag eine ausgesprochen politische Kampfansage getreten. Ein so gewiegter Taktiker wie Dr. Schumacher wird die Hilfe, die ihm ein protestantischer Kirchenführer von hohem Rang und großem Namen anbietet, kaum unter einem anderen Gesichtspunkt als dem ihres propagandistischen Werts für die Interessen seiner Partei betrachten. Für Niemöller aber ist der Eindruck sehr fatal, daß er, unbekümmert um die politisch, wirtschaftlich und seelisch heute so schwer belastete Situation des westdeutschen Staates und der jungen deutschen Demokratie, sich in dieser Weise in die politische Arena hinausbegeben hat, ohne an die Auswirkung seines Schritts auf die evangelische Kirche zu denken. Was uns dieser Tage ein kirchlich sehr interessierter evangelischer Christ sagte: ,Dieses Hineintragen der Politik in die Kirche .ist das Schlimmste, was ihr widerfahren kann“, dürfte dem Gefühl ungezählter Protestanten und nicht zuletzt vieler kirchentreuer Glieder entsprechen. Es wird in die Kirche damit ein politischer Kampfruf hineingetragen, ihre Glieder sind von prominenter kirchlicher Stelle aufgerufen zu einer politischen Entscheidung in einer Sache, die die Nation aufwühlt, den Frieden in der Kirche stört, sie verwirrt, v-runeinigt. Dabei ergibt sich die geradezu groteske Erscheinung: nachdem die evangelische Kirche sich mit Erfolg gegen ihre Politisierung durch den Nationalsozialismus gewehrt hat, und zwar vor allem dank der Bekennenden Kirche, wird nun ausgerechnet von derselben Stelle aus die Politik in die Kirche hineingetragen!“
Zunterttaufend Atombonchen
Die „Continental Daily Mail“ schreibt: „Es ist eine gefährliche Illusion anzunehmen, daß die Atombomben-Produktion durch den Mangel an Uranium behindert ist. Die Weltvorräte werden auf 6 Millionen Tonnen geschätzt. Seit Hiroshima sind in Belgisch-Kongo 12 000 Tonnen Uranium — etwa die Hälfte der westlichen Weltproduktion — gefördert worden. 1950 wird sich die Ausbeute verdoppeln. Gleichzeitig ist auch die Ergiebigkeit der Pechblende um 100 % verbessert worden. Die Hiroshima-Bombe enthielt ein Kilo Uran-Sprengstoff, der damals aus 306 Pfund Uran hergestellt werden mußte. Das im Kongo gewonnene Uran hätte damals nur für 200 Bomben gereicht. Heute könnten daraus 25 000 gemacht werden und unter Berücksichtigung der steigenden Förderung 50 000. Berücksichtigt man die übrigen Funde in der westlichen Welt, so käme man auf rund 100 000 Bomben. In allerletzter Zeit sind besonders in Nordkanada große Funde gemacht worden, die zu einem regelrechten ,Uran-Rush“ geführt haben.“
Hölle wo ist Dein Sieg?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdrucls. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.
64) Erst dort wagte sie — die Tür gegen jede Störung zugeriegelt — den Brief zu lesen, den Louise ihr gegeben hatte. Abgesehen von zwei oder drei kurzen, unpersönlichen Anweisungen, ihre Arbeit betreffend, hatte der Herzog ihr niemals geschrieben. Dieses Schreiben trug keine Ueberschrift, und sie sah, daß die Worte hastig mit einem Bleistift auf eine herausgerissene Seite aus einem Schulheft der Mädchen gekritzelt waren.
.Mein Herz ist übervoll; aber ich weiß nichts zu sagen und nicht, was ich tun soll. Meine Hände sind gebunden, und ich habe nicht die Möglichkeit, Ihnen, meine liebe Freundin, zu helfen, so wie Ihre Unterstützung oft mir geholfen hat. Das Unglück hat mich mit seinem Bann belegt, und was ich auch tun mag, ich scheine anderen nur Verderben zu bringen; besonders Ihnen, die ich am meisten zu schonen wünschte. Es ist so, wie Sie sagten — wir können andere nur an unserem Glück teilnehmen lassen, nicht an unserem Leid. Und dennoch bin ich mir bewußt, daß ich die Verantwortung trage für das Schicksal, das Sie jetzt allein auf sich nehmen müssen. Aber denken Sie immer daran: auch ich bin allein. Wahrhaftig, ein geringer Trost; doch vielleicht können Sie ein wenig Kraft daraus ziehen. Sie sind tapferer als ich. Für Sie fürchte ich nicht so wie für mich selbst.
Lassen Sie meine Töchter ständig wissen, wo Sie sich befinden; Sie können gewiß sein, daß wir Sie besuchen werden. Gute Nacht, und vergeben Sie mir diese armseligen Worte.“
Das Schreiben trug auch keine Unterschrift; es war nicht schwer zu erraten, daß er es selbst an diesem letzten Abend nicht gewagt hatte, sich einem solchen Risiko auszusetzen. Die Schriftzüge verrieten Hast und Erregung; sie waren unausgeglichen, mal heller, mal dunkler, und an einer Stelle schien der Bleistift unter dem Druck der kräftigen Hand abgebrochen zu sein.
Sie saß an ihrem kleinen Schreibtisch und erwog, ob sie ihm vielleicht auf eigendeine Weise eine Antwort zukommen lassen sollte. Aber sie ließ den Gedanken wieder fallen: auch das förmlichste, höflichste Schreiben konnte mißdeutet werden; und überdies hatte der Herzog diesen Impuls vorausgeahnt und ihm zuvorkommen wollen, da er sie so ausdrücklich bat, seine Töchter von ihrem Aufenthalt in Kenntnis zu setzen. Henriette lächelte verloren. Er hatte sie im Stich gelassen; aber sie konnte ihm keinen Vorwurf machen. Sein Widerstand hätte ihr doch nichts nützen können. Und er war nicht tapfer, wie er selbst zugegeben hatte. Sie hatte ihm ihre Hand gereicht, und sie waren in der Gegenwart des anderen glücklich gewesen. Etwas anderes hatte zwischen ihnen nicht bestanden. Und jetzt war auch das vorbei. Es war jetzt Zeit für sie, zu gehen.
NEUNZEHNTES KAPITEL
Und wieder in der Rue du Harlay, wieder die schrägen Dachwände und die ungemütliche Enge des „Nadelöhrs“.
„So“, begrüßte die alte Frau sie bei ihrem Einzug, der nun schon einen Monat zurücklag, „da sind Sie ja wieder mit Sack und Pack, ganz wie ich es bereits seit Jahr und Tag erwartet habe. Sie haben länger ausgehalten, als ich dachte; aber es mußte ja so enden, ich habe es Ihnen gleich gesagt.“
„Das haben Sie, Madame Le Maire.“ Henriette lächelte müde. „Das muß ich Ihnen lassen.“
„Sehr viel mehr werden Sie mir wohl auch nicht lassen können, wie?“
„Doch, vorläufig reicht's noch. Ein bißchen habe ich sparen können, und ich werde auch zahlen; aber natürlich ist es im Sommer schwierig, eine neue Stellung zu finden, ich werde vielleicht lange warten müssen, und bis dahin —“
„Bis dahin müssen Sie leben; und in Paris gibt es nicht sehr viele Pensionen, deren Türen der berüchtigten Mademoiselle D. offenstehen, nachdem sie das Haus Praslin hat verlassen müssen. Nein, nein. Sie brauchen nichts zu erklären. Was ich in den Zeitungen nicht gelesen habe, habe ich aus Albert Remey herausgeholt.“
Henriette stattete Albert wortlosen Dank ab, als sie hörte, er sei schon bei Madame gewesen, um sie vorzubereiten. Er und Marie hatten sie gebeten, zu ihnen zu ziehen; aber Henriette hatte es abgelehnt. So knapp wie möglich erzählte sie Madame Le Maire jetzt von ihrem Mißgeschick. Sie würde ja für alles zahlen und jede Arbeit annehmen, die sich ihr bot; geschenkt wollte sie nichts haben.
„Nun, Mademoiselle Desportes“, Madame sprach ihren alten Namen mit nachdrücklicher Betonung aus, „jede andere an meiner Stelle würde Sie abweisen. Es handelt sich ja nicht nur um den Skandal, mit dem man sie früher oder später auch in meinem Haus in Verbindung bringen wird, sondern um Sie selbst: Sie sind nun einmal ein Mensch, der Ungewöhnliches erlebt, und daran wird sich wohl nichts mehr ändern.“
„Kann ich etwas dafür?“ fragte Henriette.
„Das habe ich nicht gesagt, und in einer Weise hat gerade das mir immer an Ihnen gefallen. In meiner Jugend pflegte man zu sagen, daß man nur nach fruchtbeladenen Bäumen mit Steinen wirft.“
Aus dieser unwillig hervorgebrachten Anerkennung allein mußte Henriette die Zusicherung entnehmen, daß sie sich der zweifelhaften Geborgenheit jenes so herzlich verabscheuten Zimmers erfreuen durfte. Ein Versprechen, sie dazubehalten, hatte Madame Le Maire nicht abge-
geben; und wie die Wochen verstrichen und das Empfehlungsschreiben von der Herzogin immer noch nicht eintraf, fing die alte Frau an zu drängen. Obwohl hierüber nichts schriftlich vereinbart worden war, hatte Henriette bei ihrem Fortgang die feste Zusage erhalten, einen solchen Brief nachgeschickt zu bekommen. Sie hatte der Herzogin geschrieben, um sie daran zu erinnern, und ihre Adresse in der Rue du Harley angegeben. Auch den Herzog hatte sie bei seinen beiden Besuchen daran erinnert.
In einer erstickend heißen Julinacht lag Henriette schlaflos auf ihrem harten Lager. Der Nachmittag war nicht dazu angetan gewesen ihre Widerstandskraft zu stärken. Sie hatte ihre früheren Zöglinge und den Herzog zum zweitenmal wiedergesehen; und diese neuerliche Begegnung hatte sie wieder sehr mitgenommen. Sie war mit Marie, Berthe und Raynald zum Zahnarzt gegangen, weil ihre Gegenwart und ihr Zuspruch die Kinder diese qualvollen Stunden leichter überstehen ließ. Es war ihr ganz wie in alten Zeiten vorgekommen, und solange es währte, hatte sie ihren Kummer vergesessen. Dann waren sie in den Luxembourg-Garten gegangen; der Herzog hatte sich ihnen angeschlossen, und sie hatten Sahnenbaisers gegessen und dem Konzert der Kapelle unter den Bäumen gelauscht. Aber es war kein erfreuliches Beisammensein; der Herzog hatte sich düster und verschlossen gezeigt und kaum gesprochen. Sie vermutete, daß er es nicht wagte, das ihm schmerzliche Thema ihres Fortgehens anzuschneiden. Der König hatte Paris verlassen; und daher nahm ihn seine Tätigkeit in der Pairskammer gegenwärtig nicht in Anspruch, Sehr schade, dachte sie, denn so blieb ihm zu viel Zeit, um über seine hoffnungslos verwirrte häusliche Gage nachzugrübeln.
In seiner unverhohlenen Besorgnis um sie sprach er von ihrem bleichen und müden Aussehen; er beschwor sie, sich eine kurze Erholungsreise zu gönnen oder doch wenigstens den Praslinschen Hausarzt wegen ihrer Gesundheit zu konsultieren. Henriette aber erwiderte mit gespieltem Gleichmut, das läge nur an der Hitze; sobald es wieder etwas kühler sein würde, würde sie auch wieder schlafen können — noch besser wäre es natürlich, wenn sie irgendeine Arbeit finden könnte, um sich abzulenken und zu beschäftigen. Bei dieser Gelegenheit erinnerte sie ihn an den versprochenen Brief der Herzogin. Bisher war er nicht eingetroffen; und Madame Le Maire wurde immer dringlicher in ihren Fragen danach. (Fortsetzung folgt)
Abbau der Wirtschaftsfesseln
Die Bundesregierung arbeitet ein Memorandum an die West-Alliierten aus
Bonn, 14. November. (AP.) Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet gegenwärtig ein Memorandum aus, in dem eine wesentliche Erhöhung der Stahl-Produktionskapazität, die Wiederaufnahme der Erzeugung von Buna und künstlichem Treibstoff und die Aufhebung sämtlicher Beschränkungen für den deutschen Schiffsbau vorgeschlagen wird.
Die Vorschläge zielen auf eine Abänderung des alliierten Gesetzes Nr. 24 ab, das den Umfang und die Höhe der deutschen Industrieproduktion bestimmt. Das Gesetz wurde seinerzeit zum Zweck der Entmilitarisierung erlassen. Von seiten des Wirtschaftsministeriums wird geltend gemacht, daß sich die neuen Vorschläge auf das Kommunique der Neuyorker Außenministerkonf e r e n z stützen, in dem eine Revision der alliierten Industriekontrollen über die „beschränkten und verbotenen Industrien“ angekündigt wurde.
Im einzelnen werden vom Wirtschaftsministerium folgende Vorschläge gemacht:
1. Durch den Wiederaufbau der August-Thyssen-Hütte und der Reichswerke Watenstedt-Salzgitter soll die gegenwärtige Kapazität der Eisen- und Stahlindustrie von 14,5 Millionen Tonnen auf 15,5 Millionen Tonnen jährlich erhöht werden. 2. Das Produktionsverbot für Buna und die Pi*oduktionsbeschränkungen für künstlichen Treibstoff nach dem Bergius- und Fischer- Tropsch-Verfahren sollen aufgehoben werden.
Das betrifft in erster Linie die Werke Gelsenberg, Wesseling und Gewerkschaft Viktor. Ferner sollen die Produktionsbeschränkungen in der chemischen Industrie für Chlor, Ammoniak, Sterro und weißen Phosphor fallen. Das gegenwärtig bestehende Lizenzverfahren soll durch entsprechende Mitteilung an das alliierte militärische Sicherheitsamt ersetzt werden.
3. Der Schiffsbau für Inlandzwecke soll die gleichen Erleichterungen wie der Exportschiffsbau erfahren.
In Neuyork beschlossen die Außenminister, alle Beschränkungen für den Exportschiffsbau auf deutschen Werften aufzuheben.
4. Der bestehende Mangel an Blechen soll durch Ingangsetzung der Mittelblechstraße in Hörde gemildert werden. Bei der Produktion von Werkzeugmaschinen soll das durch das Gesetz Nr. 24 begründete Lizenzverfahren beseitigt werden, ferner sollen die Bestimmungen über die Herstellung von Walzlagern und anderen „Engpaßmaschinen“ großzügiger ausgelegt werden.
5. In der elektrotechnischen Industrie soll die Leistung der Röhren für Kurzwellensender von 240 mH auf 250 bis 300 mH und die für Röntgenröhren von 150 000 Volt auf 250 000 Volt erhöht werden.
Die Glirderung der Polizei
Empfehlungen der Stuttgarter Konferenz
Stuttgart, 14. November, (dpa) Auf der Stuttgarter Konferenz von Polizeifachleuten wurden am Dienstag Empfehlungen über die Gliederung der künftigen Bereitschaftspolizei ausgearbeitet. Die Bereitschaftspolizei in einer Gesamtstärke von zunächst zehntausend Mann soll danach Abteilungen zu je vier Hundertschaften erhalten. Die Einheiten sollen voll motorisiert sein. Der Abteilungsführer soll im Rang eines Polizeirates, der Hundertschaftsführer im Rang eines Polizeiamtmanns stehen.
Auf der Konferenz, die voraussichtlich bis Freitag dauert, werden noch Ausrüstung, Besoldung und andere Probleme erörtert, die mit der Bereitschaftspolizei Zusammenhängen.
Beflaggung am Wuhltag
Wiesbaden, 14. November. Aus Anlaß der Landtagswahlen am 19. November ordnete Innenminister Zinnkann die Beflaggung der Dienstgebäude und sonstigen öffentlichen Gebäude des Landes und der hessischen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen an. Die Bevölkerung wird aufgefordert, ebenfalls die Bundes- oder Landesflagge zu zeigen.
100 000 Mark für Hessens Spartler
Wiesbaden, 14. November. Oberregierungsrat Becker überreichte im Auftrage des hessischen Finanzministeriums dem 1. Vorsitzenden des Landessportbundes Hessen, Regierungsrat Heinz Lindner, Darmstadt, als dritte Ausschüttung der Staatlichen Sportwetten-GmbH. eine Anweisung über 100 000 DM als Beitrag der hessischen Landesregierung zur Bewältigung der wichtigen Aufgaben auf dem Gebiet des Sportes.
Ziredit genehmigt
Paris, 14. November. (AP.) Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC) ist am Dienstag in Paris im Prinzip übereingekommen, Westdeutschland einen Sonderkredit in Höhe von 120 Millionen Dollar (504 Millionen DM) zu gewähren.
Hilfe für die Zugend
Das „Deutsche Jugendwerk“ soll in Kürze verkündet werden
Bonn, 14. November. (AJ5.) Ein „Deutsches Jugendwerk“ für die schätzungsweise 500 000 Jugendlichen, die ohne Arbeit und Berufsausbildung sind, soll in Kürze von der Bundesregierung verkündet werden, gab am Dienstag die FDP-Korrespondenz bekannt.
Das Jugendwerk, das im Haushalt des Bundes mit 35 Millionen D-Mark veranschlagt ist, urpfaßt nach Angaben des Bundestagsabgeordneten Erich Mende (FDP) folgende Hauptpunkte:
' Gewinnung von neuen Lehr- und Arbeitsstellen, Förderung der Grundausbildung von Jugendlichen, die nicht in Lehr- und Arbeitsstellen vermittelt werden können, vermehrte Unterbringung von Jugendlichen in der Landwirtschaft. Ein „Jugendgemeinschaftswerk“ als freiwilliger Jugendhilfsdienst, ausreichende Fürsorge für die heimat- und arbeitslose Jugend und besondere Maßnahmen für die noch nicht berufsfähige Jugend.
Cllv X4XXVXX XXXVXIV vl X'O L CLX XX g C w UAg^XlxX» Darüber hinaus soll das „Deutsche Jugendwerk“ das „staatsbürgerliche Denken und Empfinden fördern“. Der internationale Austausch von Jugendlichen und seine Ausweitung auf die sechs Schumanplan-Staaten soll ebenfalls beabsichtigt sein.
Ueberchwemmungen durch Regenfälle
Teilweise erhebliche Verkehrsbehinderungen in Hessen
Frankfurt, 14. November. (H. R.) Durch die andauernden Regenfälle sind in vielen Gebieten Hessens Ueberschwemmungen aufgetreten. In Oberhessen haben die kleinen Flüsse und Bäche an mehreren Stellen die Straßen überschwemmt und den Verkehr unterbrochen. Auf der Eisenbahnstrecke Gießen ereignete sich in der Nähe von Alsfeld ein Erdrutsch, der das Gleis zuschüttete. Im Kreis Lauterbach haben die Lauter und die Fulda weite Wiesenflächen überschwemmt.
Im Südteil des Kreises Hersfeld standen am Dienstagvormittag
die Landstraßen teilweise bis zu einem halben Meter unter Wasser,
Die Kinzig, die bereits am Montag weite Gebiete überschwemmte, führte auch am Dienstag noch Hochwasser. Im Hintertaunus sind bisher noch keine Ueberschwemmungen aufgetreten, da hier im letzten Sommer in Notstandsarbeiten die Bäche reguliert wurden.
Der Wasserspiegel des Mains ist infolge der starken Zuflüsse vor allem am Obermain erheblich gestiegen. Für die Schifffahrt besteht jedoch vorläufig noch keine Gefahr, da der Wasserstand zur Zeit noch geregelt werden kann.
Für die Rheinschiffahrt haben sich die starken Regenfälle sogar günstig ausgewirkt. Der Rhein führte bisher zu wenig Wasser, so daß die Lastkähne nur etwa zu siebzig Prozent beladen werden konnten. Die Kähne werden in den nächsten Tagen wieder voll ausgeladen, nachdem am Mittelrhein das Wasser um dreißig Zentimeter gestiegen ist.
Gebhietenbgrenzung
Hünfeld, 14. November, (dpa) Eine Neuaufstellung der Einheitswerte in der Landwirtschaft, besonders im Hinblick auf den endgültigen Lastenausgleich, forderte Wer stellvertretende hessische Ministerpräsident Dr. Werner Hilpert am Dienstag in Hünfeld. Hilpert, der im Wahlkreis Hünfeld-Lauterbach für die CDU kandidiert, erörterte mit den Rhönbauern landwirtschaftliche Probleme. Im Interesse der hessischen Kartoffelerzeuger hält der Minister eine Gebietsabgrenzung gegenüber Bayern für notwendig.
Tumult in der Birche
Gießen, 14. November (AP.) Zu erregten Auseinandersetzungen und tumultartigen Szenen kam es in der Johanniskirche in Gießen, wo über 1000 Gemeindemitglieder gegen die bevorstehende Versetzung ihres Seelsorgers protestierten.
Der Vorsitzendel der Hessen-Nassauisohen Kirchenleitung, Propst Weinberger, wurde von der aufgeregten Menge des öfteren unterbrochen und daran gehindert, ein Schlußwort zu sprechen.
Zahlreiche Sprecher der evangelischen Gemeinde warfen der Kirchenleitung vor, den Willen der Gemeinde zu mißachten, die „alten Kämpfer der bekennenden Kirche“ zu bevorzugen und sich bürokratisch auf die Paragraphen der Kirchenordnung zu stützen.
Dr. Karl Hikeroth geftorben
Marburg, 14. November, (dpa.) Dr. Karl Hitzeroth, einer der Nestoren des Zeitungswesens in Hessen, ist im 71. Lebensjahr an einem Herzschlag gestorben. Dr. Hitzeroth war bis zum Kriege vierzig Jahre Herausgeber der „Oberhessischen Zeitung“ in Marburg, die seit einigen Wochen unter der Leitung seines Sohnes, Dr. Otto Hitzeroth, im 80. Jahrgang wieder herausgegeben wird.
Wirtschaftsteil
Außenhandelstechnik
BW Der Devisenengpaß besteht. Wie es dazu kam, ist oft gesagt worden. Zu erwähnen bleibt noch, wie im einzelnen die devisentechnischen „Kleinigkeiten“ an dieser Entwicklung mitgeholfen haben.
Dem Buchstaben der Verträge nach sind nur diejenigen Waren liberalisiert, die vom Herstellungsland verkauft werden. In „Ursprungszeugnissen“ wird der Nachweis hierüber geführt. Die Kontrolle hat der Zollbeamte an der Grenze vorzunehmen. Aber da stellt die Bank deutscher Länder fest, daß in den ersten acht Monaten dieses Jahres, Waren für 173 Mill. DM unter der Liberalisierungsflagge importiert wurden, bei denen das Lieferland mit dem Ursprungsland nicht - übereinstimmte.
Ein anderes Beispiel: Der devisenfreie Betrag in Höhe von 20 v.H. für Exporte, mit denen man direkt Dollars erlösen kann, ist nicht übertragbar. Das Wirtschaftsministerium will, daß die freien Dollars in der Hand freier Kaufleute für die Exportförderung im weitesten Sinne eingesetzt werden. Was aber geschieht? Der „Bonus“ wird frei gehandelt. Er kommt in die Hand von Importeuren, die mittels dieser Dollars Dinge einführen, die unnötig sind. Aber Verweise oder Strafurteile hat es deswegen noch nicht gegeben.
Ein anderer Fall ist der der aufgesparten Importlizenzen. Wenn ein Importeur die Freiheit hat, nach der Lizenzerteilung noch lange Zeit auf die günstigsten Einfuhrmöglichkeiten zu warten (geschäftlich völlig richtig), dann müssen sich bei ersten Anzeichen der Unruhe die Lizenz-Realisierungen häufen. Diese Unruhe trat ein. Am 7. Oktober verfügte die Bank deutscher Länder den „Lizenzstopp“ mit der Maßgabe, daß bis zum 14. Oktober bereits erteilte Lizenzen ausgenutzt werden könnten. In dieser Woche ballten sich folglich die Devisenanforderungen bei der Notenbank. Man spricht von 400 Millionen Dollars.
Ein letztes Beispiel: Wohl in der Erwartung, daß die Notenbank bei dem sich abzeichnenden Korea-Boom bremsend in die Kreditpolitik eingreifen würde, sind die Banken dazu übergegangen, Eigenakzepte, die bisher im eigenen Portefeuille verblieben, bei der Zentralbank diskontieren zu lassen. Sie haben auf diese Weise ihr Eigenakzept-Limit beim Zentralbanksystem nach oben gedrückt. Das trifft insbesondere auf die vorwiegend den Import finanzierenden Banken in Hamburg und Bremen zu. So entfielen von der Kreditsteigerung in der zweiten Hälfte des September in Hamburg nicht weniger als 82 v.H. und in Bremen 81 v.H., in Hessen dagegen nur 12 v.H. auf Akzeptkredite, wie die Bank deutscher Länder feststellt.
Diese Beispiele sollen nur zum Ausdruck bringen, daß man über die „große Linie“ nicht die Devisenorganisation und die Devisentechnik vergessen darf. Hier müssen alle Faktoren, die an der Gestaltung unserer Devisenzwangswirtschaft beteiligt sind, zusammenarbeiten.
Gegen Prämien-Nacherhebungen
H. R. Der Deutsche Industrie- und Handelstag hatte sich an das Bundeswirtschaftsministerium gewandt, um zu klären, ob die Kraftverkehrsversicherung nach der mit Wirkung ab 23. 8. 1950 verordneten Prämienerhöhung berechtigt sei und auf die bis zu diesem Termin voll gezahlten Jahresprämien eine Nachzahlung in Höhe des Unterschieds zwischen altem und neuem Tarif zu fordern. Das Ministerium hat in seiner Antwort auf die Entscheidung des Deutschen Obergerichts vom 21. 6. 1950 hingewiesen, wonach die Erhebung von Nachzahlungen auf solche Prämienforderungen unzulässig ist, die beim Inkrafttreten der Verordnung beglichen waren. Obwohl diese Entscheidung — so heißt es in der Antwort — die Gerichte und Behörden nicht binde, habe sich das Bundeswirtschaftsministerium den vom Obergericht aufgestellten Grundsatz zu eigen gemacht. Das Ministerium erinnert daran, daß zwar die Versicherungsaufsicht — ohne Beteiligung des Wirtschaftsministeriums
— bestimmt habe, daß Aenderungen des Einheitstarifs für Kraftverkehrsve'rsicherungen von ihrem Inkrafttreten an auch für bereits bestehende Versicherungsverhältnisse gelten. Dazu teilt das Wirtschaftsministerium mit, es sei Sache der Gerichte, zu entscheiden, inwieweit diese Bestimmung die durch die Verordnung des Bundeswirtschaftsministeriums vom 9. 8. 1950 geschaffene Rechtslage beeinflusse.
Kohlenknappheit noch einige Zeit
vwd Die Ergebnisse einer Fördersteigerung im Steinkohlenbergbau, die aus der Bereitwilligkeit des Bergbaus und der Bergarbeiterschaft zu zusätzlicher Schichtarbeit erwartet werden, könnten sich bei den einzelnen Verbrauchern erst in einiger Zeit auswirken, stellte der Beauftragte für die inländische Kohlenversorgung, Dr. Martin Sogemeier, in einer Erklärung zur gegenwärtigen Kohlensituation fest. In der Zwischenzeit werden sich allerdings die bisher auf getretenen Schwierigkeiten in vielen Fällen noch verschärfen. Hinsichtlich der Exportansprüche des Auslandes hofft Dr. Sogemeier auf das Verständnis der Ruhrbehörde für die schwierige Kohlenlage der Bundesrepublik.
Ausfuhr stark gestiegen
Da. Nach vorläufigen Berechnungen ist die Einfuhr der Bundesrepublik‘im Oktober 1950 um dreißig Prozent, auf 1,308 Milliarden DM gestiegen. Die Ausfuhr nahm gleichzeitig um 32 Prozent auf 920 Millionen DM zu. Die Zunahme in Ein- und Ausfuhr ist teils jahreszeitlich bedingt, teils wurde sie durch die Ausweitung des Welthandels seit der Koreakrise verursacht. Ein Regierungssprecher betonte, daß die Deckung des Einfuhrbedarfs durch deutsche Exporte innerhalb eines Jahres von 50 auf 75 Prozent gestiegen ist.
588 Millionen DM Austausch
AP. Zwischen der Bundesrepublik und Italien wurde ein Handelsabkommen unterzeichnet, das einen Warenaustausch im Wert von 140 Millionen Dollar (558 Millionen DM) vorsieht. Das neue Abkommen übersteigt den am 30. Juni abgelaufenen Vertrag um 35 Mil-? lionen Dollar (147 Millionen DM).
Zahlungsmittelumlauf geht zurück
Bz. Die erste Novemberwoche brachte einen stärkeren Rückfluß an Zahlungsmitteln zur Notenbank. Damit wurde die Bank deutscher Länder um 258 Millionen DM entlastet. Die im Verkehr befindliche Zahlungsmittelmenge betrug am 7. November noch 8,01 Milliarden D-Mark (Abnahme gegen den 7. 10. 1950 um 104 Millionen). Gleichzeitig haben sich die Guthaben der Landeszentralbanken um 144 Millionen D-Mark auf 473,0 Millionen D-Mark erhöht, während sich die In Anspruch genommenen Kredite um 148.0 Millionen D-Mark auf 4,67 Milliarden D-Mark verringerten.
Verkauf von Woolworth-Aktien?
(AP) Zwei Millionen Aktien der Firma Woolworth sollen zum Preise von 11 200 000 Dollar von einem Mitglied der amerikanischen Familie Woolworth an britische Interessenten verkauft worden sein. 750 000 Aktien sollen von Versicherungsgesellschaften und der Rest von einem Banksyndikat erworben worden sein.
Zwischen der Bundesrepublik und der Schweiz wurde ein neues Abkommen geschlossen, durch das gewisse Prioritätsfristen bis zum 31. Juli 1951 verlängert werden.
Besprechungen der Europa-Wirtschafts¬ kommission der Vereinten Nationen zur Intensivierung des Getreidehandels zwischen West- und Osteuropa begannen in Genf. Durch den Abschluß von Verträgen über die Lieferung von Weizen, Gerste, Hafer und Mais aus den osteuropäischen Staaten sollen die westeuropäischen Getreideimporte aus Dollarländern vermindert werden. An diesen Verhandlungen nimmt auch die Sowjetunion teil.
Die Bank deutscher Länder stimmt nur dann Exporten in dritte Länder gegen Bezahlung in Pfund Sterling zu, wenn in jedem Antrag bestätigt wird, daß der deutsche Exporteur den Exportauftrag verliert, falls er auf Bezahlung in freien US-Dollar besteht.
Die westdeutsche Steinkohlenförderung erreichte am Montag ein Tagesergebnis von 391 199 Tonnen. Damit wurde die ^bisherige Nachkriegshöchstleistung vom vergangenen Samstag um rund 6 400 Tonnen übertroffen.
Jugoslawien soll von England eine An¬ leihe von fünf Millionen Pfund Sterling zum Ankauf von Lebensmitteln gewährt werden.
b Die Hüttenwerke Oberhausen AG. legt ihre Abschlüsse für die Zeit vom 1. Oktober 1947 bis 20. Jund 1948, die DM-Eröffnungsbilanz und den Abschluß vom 21. Juni 1948 bis 30. September 1949 vor. Das Werk wurde 1947 aus der Gutehoffnungshütte ausgegliedert. Die Produktion war im Juni 1950 auf 100 000 Tonnen angestiegen. Das Werk hat wieder "5 Hochöfen in Betrieb.
Die Ertragsrechnung für das erste DM-Jahr weist einen Rohüberschuß von 71,46 Mill. DM aus. Die Aufwendungen betrugen 57,03 Mill. DM. Der Rest (14,43 Mill. DM) wurde wieder für Wertminderung des Anlagevermögens und Nutzungsgebühr gutgeschrieben. Damit ist die Gewinn- und Verlustrechnung ausgeglichen.
bz Die Felteri & Guilleaume AG., Köln-Mülheim, schlägt vor, das Aktienkapital von 96,75 Millionen RM auf 77,4 Millionen DM umzustellen und einen Betrag von 11,440 Millionen DM in die gesetzliche Rücklage, 6,500 Millionen DM in die freie Rücklage zu stellen. Zum 31. Dezember 1949 bezifferte sich der Rohüberschuß auf 33,840 Millionen DM, hinzutreten 0,140 Millionen DM ao. Erträge. Nach Abrechnung der Gesamtaufwendungen, resultiert ein Gewinn von 0,718 Millionen DM. Der HV (28. November) wird vorgeschlagen 0,700 Millionen DM an die freie Rücklage zu überweisen und den Rest von 0,019 Millionen DM neu vorzutragen.
Die Orenstein & Koppel (Waggon- und Fahrzeugbau), Berlin, beruft eine aoHV ein, auf der die Aenderung der Firma in Orenstein-Koppel und Lübecker Maschinenbau-AG. beschlossen ■werden soll. Eine vorhergehende aoHV der Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft, Lübeck, soll Beschluß fassen über die Uebertragung des Vermögens der Gesellschaft auf die Orenstein & Koppel AG.
Schwieriger Interzonenhandel
Aussichten auf Abschluß eines neuen Abkommens gegeben
Bz Die Hoffnungen auf ein neues Interzonenabkommen nach Ablauf des Frankfurter Abkommens am 30. Juni scheinen erfüllt zu werden. Seinerzeit hatte das Stahl-Embargo eine wesentliche Minderung der Umsätze gebracht. Die Einstellung der elektrischen Stromlieferung nach West-Berlin am 20. September hat weiterhin eine der Voraussetzungen für neue Vertragsverhandlungen erschwert. Vom 30. September 1950 an besteht ein vertragsloser Zustand.
Nach dem Stand von Anfang Oktober hatte Westdeutschland noch Bezüge in Höhe von 140 Millionen Vertragseinheiten zu erwarten. Die Durchführung der Lieferungen von Holz, Dieselkraftstoff und ähnlichen Waren erscheinen aber fraglich, nachdem die Voraussetzungen in der russischen Zone immer unwahrscheinlicher werden. Sollten diese Rückstände nicht beglichen werden, so dürfte die Bezahlung der westdeutschen Restguthaben schwierig werden. Bis zum 3. Oktober hatte die Ostzone bereits einen Schuldenüberhang von 10,28 Millionen DM. Inzwischen dürfte dieser noch weiter auf mindestens 15 Millionen DM angewachsen sein. Nun läuft die Garantie des Bundesministers für Ostlieferungen nur bis zum 31. Dezember 1950. Mithin müßte die Ostzone den Schuldsaldo bis zu diesem Zeitpunkt abgedeckt haben. Außerdem zahlt die Bank deutscher Länder die Forderungen der westdeutschen Lieferer nicht mehr, wenn der Schuld^iberhang der Ostzone 15 Millionen DM erreicht hat.
(vwd) Das Stromlieferungsabkommen zwischen West-Berlin und der Sowjetzone wurde von dem Beauftragten der Sowjetzonenregierung und dem Leiter der Berliner Treuhandstelle für den Interzonenhandel unterzeichnet. Es wurde festgelegt, daß diese Vereinbarung ein wesentlicher Bestandteil des abzuschließenden neuen Abkommens über den Interzonenhandel darstellt. Unmittelbar nach der Unterzeichnung wurden die Verhandlungen über die Liquidierung des Frankfurter Abkommens und über das zukünftige Handelsabkommen aufgenommen.
Wolle aus Chile
vwd. Im Rahmen des Handelsabkommens zwischen der deutschen Bundesrepublik und Chile sollen im Wege des Vorgriffs für zwei Millionen Dollar Wolle und für eine Million Dollar Kupferkonzentrate aus Chile eingeführt werden. Die chilenische Regierung ist mit dem Vorgriff einverstanden.
Börsen und Märkte
bz. Bedingt durch die außenpolitische Lage zeigte die Frankfurter Börse auf nahezu allen Märkten eine starke Zurückhaltung. Es überwogen die Kursrückgänge. Trotzdem blieb aber die Grundstimmung widerstandsfähig. Elektropapiere mußten etwa 0,5 bis ’/« Prozent abstreichen, darüber hinaus Siemens Vorzüge 41,75 (— 1,25), RWE 71 (—1,75). Maschinenwerte stellten sich 0,5 bis 1 Punkt niedriger. Den stärksten Rückgang verbuchten Heidelberg Zement mit 102 (— 4,5), daneben Berger 32 Bf (—1,5). Einzelne Bergbauwerte gingen ebenfalls stärker zurück. Etwas höher tendierten nur Dierig 86,50 (+ 1), Zellstoff Waldhof 53,50 (+ 0,5) sowie Bankaktien.
Freie Devisenkurse
bz. Am 14. November 1950 wurden an der Frankfurter Börse folgende freie Devisenkurse genannt: für. den US-Dollar 5,15 bis 5,25 DM. für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den holl. Gulden 1,15 bis 1,25 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0.52 DM. für die schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM • - ««- den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM. In den Berliner Wechselstuben wurden für eine DM-West 5,20 bis 5,40 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.
Deutsche Wertpapiere im Ausland
w In der Schweiz stellte sich der AEG-Kurs Ende Oktober auf 24 bis 24.25. am 10. November dagegen auf 26,50. Der Bemberg-Kurs ist von Ende Oktober bis zum 10. November mit 60 bis 64 ziemlich unverändert geblieben. Elektrische Licht- und Kraftanlagen sind in dieser Zeit von 29 G auf 30 bis 32 gestiegen, IG-Farben von 35 auf 38, während Kraftübertragungswerke Rheinfelden von 730 G auf 710 G gesunken sind.
Internationale Warenpreise
♦ Die Preise für Malaya-Zinn stiegen auf 525 Straitsdollar für eine sechzehntel Tonne.
| New York Getreide | 6. 11. | 13. 11. | |
| Weizen, Hardwinter Nr. 2 ... | 260,— | 259,25 | |
| Mais, gelber Nr. 2 | 179,80 | 186,2 | |
| Hafer, weißer Nr. 2 | 101,50 | 111,2 | |
| Koggen, Western fob NY | 178,— | 184,4 | |
| Gerste Nr. 2 | — | • — | |
| Mehl, Hardwinter | 5,99 N 5,85-6,00 W | ||
| Koggenmebl | 4,75 N | 5,00-15 N | |
| Kolonialwaren | |||
| NY. Zucker Nr. 5 loco | 6,20 | 6,20 | |
| NY. Kaffee, Santos loco | 52,50 N | 53,00 N | |
| NY. Kakao, Accra loco | 34.64.N | •37,5 N | |
| Fette und Gele | |||
| Chicago Schweine, leichte ... | 18,75 | 17,50 | |
| Chicago Schmalz, loco | 12,87 N | 14,00 N | |
| Textilrohstoffe und Häute | |||
| NY. Baumwolle, loco | 41,20 | 43,24 | |
| NO. Baumwolle, loco | 40,15 | 42,— | |
| Sao Paulo Baumwolle per Dez. | — | ||
| Jute, Ld. Daisy 2/3 | 111,— | 28,95 | 111,5 W |
| Häute, Ny. per Dez | 29,65 | ||
| Kautschuk | |||
| London, loco | ■ 62,—N | 66,—N | |
| New York, loco | 70,—N | 81,5 N | |
| New York Loco ■ Metalle | Aluminium | 19—, | 19.— |
| Blei, loco NY | 17,— | 17,— | |
| Kupfer, midwest | 24,72 | 24,6 | |
| Nickel | 48,— | 48,— | |
| Quecksilber, einh | Zink, St. Louis | 92,50 | 92,5-95 |
| 17,50 | 17,5 | ||
| Zinn Grad „A“ | 127,—N | 137,—N | |
| Alexandria-Baumwolle | 7. 11. | 14. 11. | |
| Karnak per Nov | 123,50 | 114,— | |
| Ashmouni per Dez | 123,60 | 107,— | |
| Westdeutsche Metalle | |||
| Blei | 164,38 | 164,38 | |
| Hüttenzink | 171,88 | 171,88 | |
| Kupier | 239,50 | 239,50 | |
| Zinn | 1212,— | 1301,— |
Feuilleton
Vor und nach dem Auftritt
„Erstens denkt man, zweitens handelt man dagegen“, sagte Delia, die blonde Tänzerin zu dem Manne, der seit dreißig Tagen umihre Liebe warb. „Sie haben vielleicht recht und mein ganzes Tun ist ein Unding. Aber das ist gleichgültig. Möglicherweise sind Sie auch ungeschickt. Denn Ihre täglichen Besuche sind eine gefährliche Gewohnheit geworden. Sie werden sie nicht mehr unterlassen können, und mich langweilen sie immer heftiger!“
„Delia, ich sehne mich nach Ihnen und kann ohne Sie nicht sein!“
„Ja! Und Sie sind so egoistisch, diese Sehnsucht für sich in Anspruch zu nehmen i Vielleicht, wenn Sie nach vierzehn Tagen plötzlich ausgeblieben wären, vielleicht wären heute unsere Rollen vertauscht und ich säße hier von Sehnsucht nach Ihnen verzehrt, nervös bis in die Fingerspitzen und könnte nicht tanzen!“
„Delia, ich habe Ihnen in Gedanken unrecht getan!“ Er nahm ihre Hand und küßte sie.
„Lassen Sie das! Es ist so uninteressant, ob Sie mir in Gedanken recht oder unrecht getan haben, das Leben geht weiter. Und ich bin weiter unerfüllt. Es ist täglich das gleiche. Einer benimmt sich wie der andere: Blumen, Schmuck, Einladungen, Liebeserklärungen, Selbstmorddrohungen, Kniefälle in der Garderobe, Flehen, Stammeln. Wie langweilig! Wenn ich Ihnen sage, daß Sie sich hinknien sollen, Sie werden es tun. Und wenn ich von Ihnen verlange, daß Sie sich auf den Kopf stellen, dann werden Sie es versuchen ... na, lassen wir das!“
Sie tupfte ihm mit der großen Puderquaste auf die Nase und lachte: „Jetzt sagen Sie einen Ihrer besonders klugen Gedanken ohne sich vorher die Nase abzuwischen, denn das wirkt köstlich!“
„Sie sind beleidigend.“ „Vielleicht habe ich Sie zu meinem Lieb-
lingsspielzeug erkoren?“
„Ich danke!“
„Das dürfen Sie!" Sie rief die Garderobiere: „Schließen Sie die Spange, mein kleiner Doktor hat keine — Geschicklichkeit ..
Ken,... „Gnädige Frau!“
„Haben Sie einen amüsanten Einfall? Ja? Erzählen Sie ungeniert! Ich bin ganz Ohr. Ich bin überhaupt nichts anderes als Ohr. Dazu haben Sie mich erzogen. Sie kommen, und ich höre! — Was machen Sie eigentlich, wenn Sie allein sind? Halten Sie dann Monologe? Haben Sie eine Stenographin, die mitschreibt? — Oh, nur. damit keines Ihrer Worte verloren geht.“ Und zur Garderobiere: „Danke, Sie können gehn!“
Zum Doktor: „Sie finden wohl keine Worte, Doktor? Sie sitzen stumm, lassen den Kopf hängen, ein Bild des Lebensüberdrusses ..., bleiben Sie so ruhig, ich werde Ihnen jetzt einen kleinen Kuß geben, wenn Sie sich wirklich nicht rühren!“ '
Während sie ihn küßte, umfing er sie: „Delia, wie ich Sie liebe!“ Sie stieß ihn zurück; „Wie Sie mich lieben? Wie ein Dummkopf! Sie sollten ..., Himmel, das Zeichen zum Auftritt! Addio!
VON KARL JOHANN ANDERNach zehn Minuten bin ich wieder zurück. Denken Sie nach, vielleicht fällt Ihnen etwas Gutes ein!“
Dr. Ewin Kadosch blieb allein in der Garderobe. Seine Gefühle verwirrten ihn. Er begehrte diese Frau nicht Er liebte sie. Er sehnte sich nach ihrer Nähe. Er hätte gern für immer mit ihr zusammen gelebt. Delia wirkte nicht auf ihn wie andere Frauen. Ihr gegenüber fühlte er nur Sehnsucht nach Nähe, nach Gespräch, nach dem vielen Duft, nach dem schimmernden Blond ihrer Haare, nach dem Blau dieser Augen, die ihn hypnotisierten. Wenn er ihr in die Augen sah, erfüllte ihn eine gewaltige Neugier aufs Leben, Er wollte noch gar nicht gelebt haben, bevor er sie kennen gelernt hatte. Er wollte erstaunt, überrascht, erfüllt und beglückt sein! Gewissermaßen wollte er dreizehn Jahre und gleichzeitig dreiunddreißig Jahre alt sein. Er wunderte sich über sich selbst. Er war den Frauen gegenüber, was man einen Draufgänger nennt. Aber vor Delia wurde er ein Kind. Er dachte plötzlich an den ersten Weihnachtsbaum mit den Wachslichtern und dem vielen goldenen Engelshaar. Delia und Weihnachtsbaum. Ja, so ergriffen, verwundert, erschauernd fühlte er sich vor Delia, wie als Kind vor dem ersten Weihnachtsbaum! Aber das konnte er Delia nicht sagen.
Es fiel ihm ein. daß er eine alte Photographie seiner verstorbenen Mutter bei sich trug. Das Bild zeigte sie im Alter von achtzehn Jahren. Er nahm es hervor und steckte es, einem plötzlichen Einfall folgend, an den Garderobenspiegel und lächelte. „Die Mama“ und „die Geliebte" dachte er und fühlte deutlich, daß er zum ersten Male liebe!
Da ging hinter ihm die Tür auf und Delia eilte herein. „Oh, wie das müde macht!“ Sofort fiel ihr Blick auf das Bild.
„Das ist meine Mama, als sie achtzehn Jahre alt war.“
Delia betrachtete das Bild aufmerksam und nahm es dabei in die Hand. „Delia, ich möchte mich jetzt verabschieden. Ich fühle, daß ich mich nicht verständlieh machen kann. Sie können von mir denken, was Sie wollen. Sie können über mich die Achseln zucken und sagen, daß ich kein Mann sei... Es ist mir gleich! — Ich — kurz ich will Ihnen sagen: ich war wie jeder andere, bis ich Sie kennengelernt hatte. Da empfand ich zum ersten Male in meinem Leben — Liebe. Ich weiß nur, daß mein Herz glücklich ist, wenn ich Sie sehe. So glücklich wie es war, wenn zu dem kleinen Jungen die Mama kam. Meine Mama sah lange so aus wie auf diesem Bilde. Ich kann nicht sagen, daß ich meine Mama tyrannisiert habe. Im Gegenteil! Aber es war viel Liebe dabei! Ja, und nun weiß ich nichts mehr zu sagen. Ich hatte den Einfall, Ihnen das Jugendbild meiner Mama zu schenken — als Andenken!“
„Warum als Andenken?“ „Weil ich nicht wiederkommen will. Ich bin sehr glücklich, weil ich Sie kenne, weil ich Sie liebe! Aber das ist kein Grund für Sie!“
Delia erhob sich und legte ihre Hände auf Erwins Schultern, sie blickte ihm ängstlich und, wie er zu erkennen meinte, unsicher in die Augen.
in xxix. Dann aber umarmte sie ihn, und gar nichts Kapriziöses war in der Umarmung. Und gar nichts Ironisches klang in ihrer Stimme, als sie sagte: „Ich gehe mit dir wohin du willst und tue für dich was du willst...!“
„Delia“, sagte er, „es ist schön! Leben ist schön!“
„Ja“, sagte sie lächelnd, „erstens denkt man, zweitens handelt man dagegen, weil man fühlt und glücklich sein will.“
Neues vom Film
HANSA: „Der prämiierte Leberfleck“. Der prämiierte Leberfleck ist die Moral unter der Lupe, oder besser: dem moralinsauren Sittenverein von Rabing, einem Ort in Oesterreich, wird sichtbare Schwärze des Gemütes nachgewiesen; die Farbgebung und Dunkelheit des aufgedeckten Sündenfalles steht in nichts den plackengroßen Muttermalen der Tugendwächterinnen nach. Der Ort des gesuchten Leberfleckens, nämlich an pikanter Stelle des weiblichen Körpers, bringt erwachsene Männer dazu, Löcher in die Wände zu bohren und für den Beobachtungsstand davor einen Betrag von fünfzig Schillingen zu bezahlen.
Wegen des Guckloches zur Frontal-Sicht der sich ausziehenden Frauen wurde der Film, für Jugendliche verboten, was aber keinesfalls die Erwachsenen hindern sollte sich an Handlung und Bildern eines Streifens zu erfreuen, der das Glashaus zeigt, von dem aus die a priori Unbefleckten Steine auf die Mitmenschen werfen. In diesem Fall sind es 'die braven Ehefrauen von Rabing, die das Heft in der Hand und den ominösen Leberflecken am Bein haben, und wegen 10 000 Dollar frühere
„außigegangene“ Wege zugeben. Mehr soll von diesem lustigen Streifen nicht gesagt werden, den Rudolf Carl inszenierte, und in dem er die Hauptrolle spielt. Sein Gemeindediener hat all die trotteligen Feinheiten die man von ihm erwartet, und Oscar Sima als Bürgermeister zeigt Jovialität mit Präzision im Dialekt. Hans Olden, er ist der dollarbringende Amerikaner, persifliert den Mann von Uebersee gut und zurückhaltend. — Bei dem Aufgebot an Schauspielern hatte es die Regie nicht schwer, ein erfolgreiches Lustspiel zu drehen und die Zuschauer auf ihrer Seite zu haben.
„Vom Abbild zum Sinnbild”
GEDANKEN ZUR AUSSTELLUNG ROLF MÜLLER IN FRANKFURT
Ein Freund prägte kürzlich in aller Einfachheit den Satz „Der Künstler hat die Aufgabe, immer jung zu bleib'en, so daß der Anschluß zur Jugend erhalten bleibt.“ Rolf Müller gibt dafür die Bestätigung. Schon bei unserem ersten Zusammensein sah man einen ehrgeizlosen Mann, der wachsam und mit einer Gelassenheit, die vom Erleben abzuleiten ist, immer interessiert an den Gesprächen teilnahm, obwohl sicher schon vieles von dem, was wir vorbrachten, durch die Fülle seines Werkes verarbeitet war. Die kleinen und großen Revolutionen, jener bitter ironische Zug, der zur heutigen Jugend gehört, all die Anzeichen, unsere Zeit zu begreifen und das Suchen nach der Form, die jede echte Aussage hat, fielen bei ihm auf keinen pastoralen Boden. Im Gegenteil, es war mir, als müsse er genau hinhören, um nichts zu versäumen. Bei unserer letzten Begegnung fragte er mich ganz unvermittelt, „Wie geht es Ihnen beim Malen in der Natur?“. Ich war überrascht, diese Frage von ihm zu hören, in der Annahme, meine Erwiderung wäre ebenfalls abzuleiten von den dauernden Schwankungen, denen wir alle heute ausgesetzt sind, und entgegnete ihm, ich hätte im Spätsommer dieses Jahres des öfteren den Anlauf genommen, draußen vor der Natur zu malen, doch es sei alles so entsetzlich wenig, daß es mich kaum interessiere. Eine Geste der inneren Freude war bei ihm spürbar, und er erzählte mir aus all den Jahren, in welchen er von den Kunsthistorikern als Impressionist bezeichnet wurde. Die Valeurs, die Differenziertheit des Tones und die herrliche Illusion des Tiefenraumes, kurz eine Welt, die sich aus der ihr eigenen Gebärde nach außen wendet, um zu beglükken, zu erfreuen, ist ihm eigen. Doch wieviel anders geht es uns heute, fuhr er fort, der Mensch ist anonym geworden und die Fragmente als deutliche Zeichen der Auflösung jener vergangenen Aera sehen uns alle mit geheimnisvollen Augen an. Zwar sind sie versteckt, doch sie werden von uns bemerkt.
Wenigstens der Künstler muß ehrlich sein, meinte Rolf Müller, und die Wahrheit ist nicht relativ. Es gibt nur eine Wahrheit. Wenn Corot ein Wasser malte, war es Labsal und Erfrischung, wenn wir es malen, ist es H2O. Die Formel ist es, die wir diesem großen Anonymen aufzuprägen haben, „vom Abbild zum Sinnbild“. In diesen Sätzen schien sich unser Gespräch zuzuspitzen. Diese Erkenntnisse sind für schöpferisch denkende Menschen unserer Zeit schon lapidar und selbstverständlich geworden. Doch hört hier, für den Künstler jedenfalls, die Diskussion auf, alles andere würde zu einem Kaffeehausgeschwätz führen.
Von hier aus will ich versuchen, auf die Bilder Rolf Müllers einzugehen, die die Galerie Hanna Becker vom Rath, Frankfurt, zur Zeit zeigt, und in dieser Aufstellung den feinen Klang einer Kammermusik haben.
Musik kann man diese Malerei nennen, die der lebensfrohe, jedoch tiefschürfende Rolf Müller zeigt. Zwei Elemente bestimmen den Eindruck. Auf der einen Seite die Beschäftigung mit dem Tode vom Thema ausgegangen und auf der anderen Seite das heitere Leben in der Pfalz, seiner Wahlheimat, in welcher der in China geborene Maler schon seit langer Zeit lebt. Formales Bauen und farbige Musik über alle Skalen seiner reichen Palette zeichnen diese Persönlichkeit. Beide Dinge gehören unmittelbar zusammen, und dort, wo der Funken überspringt und die Farbe in der Form gleichsam Syunbol des Gedankens wird, erreicht Rolf Müller etwas Zeitloses, alle Tendenzen unserer Zeit überdauerndes.
Es steht mir nicht an, Rolf Müller zu analysieren, eines jedoch muß gesagt sein: Wie immer die Verankerungen von Erbmasse, Erlebnis und innerer Schau: Todeskampf und gewaltige Vitalität zusammenfassen, zwischen all den Bildern lauert Dämonie und magische Spannung, eine fast unmerkliche Reise yom fernsten Osten bis in die gesegnete pfälzische Landschaft. E. S.
Notizen
(AP.) 2600 Jahre altes Grabmal. Eine Gruppe ägyptischer Archäologen hat das 2600 Jahre alte Grabmal des ^.ltägyptischen Hohepriesters Mentemhet, auch „Prinz von Theben“ genannt, guterhalten ausgegraben. Es beflndert siich auf dem Gräberfeld von Luxor in der Nähe des Tempels Deir El Bahari und besteht aus einem unterirdischen Vorraum, einer großen, von Säulen getragenen Halle, einem Hof, und mehreren in Stein gehauenen Grabkammern. Zahlreiche unbeschädigte Skulpturen, 12 Sarkophage, Opfertische und Reliefs in dem seltenen saitischen Stil wurden aufgefunden. Der ägyptische Hohepriester, dem zu Ehren das Grabmal gebaut wurde, soll im siebenten Jahrhundert vor Christi Gouverneur von Südägypten und Theben gewesen sein, und im Jahre 671 die Invasion Aegyptens durch die Assyrer erlebt haben. Man vermutet in der Nähe weitere Grabmäler der gleichen Periode.
Für Blutspender und Blutkonservierung will ein in der Tübinger chirurgischen Universitätsklinik hergestellter Kulturfilm werben, der am Sonntag in Tübingen uraufgeführt worden ist. Für diesen Film um die „Blutbank“ haben medizinische Kreise in Schweden schon während der Herstellung großes Interesse gezeigt. Der Film soll synchronisiert In Schweden gezeigt werden.
„Frisches Leben“
Das Schöne und Häßliche im Märchen
Die Sehnsucht nach dem Schonen ist so alt wie die Menschheit selbst. Hausgerät, Kleidung, Geschirr — alles das erhielt nach und nach neben der zweckmäßigen eine schöne Form. Doch nirgends haben die Menschen dem Suchen nach Schönheit so deutlich Ausdruck gegeben wie in ihrer Kunst.
Schon in der Volkskunst ist die Frage nach der Schönheit zugleich die Frage nach dem Guten. Umgekehrt ist das Häßliche nicht vom Bösen zu trennen. Die Prinzessin im Märchen ist ,immer
schön und gut, die Hexe ist stets häßlich und sucht den Menschen Schaden zuzufügen.
Gibt es etwas Lieblicheres als die Königstochter aus dem Märchen vom Froschkönig oder vom Dornröschen? Könnt ihr sie euch anders vorstellen als elfenhaft zart’ zwischen den Blumen im königlichen Park schreitend, mit langem glänzendem Haar unter einer kleinen goldenen Krone?
Doch was wäre alle äußere Schönheit vom Schneewittchen, von Rapunzel oder vom Allerleirauh, würde sie nicht durchstrahlt von innerem Liebreiz! Aeußere Schönheit ist ein Spiel der Natur, nichts als Zufall. Die Schönheit der Seele komt von innen. Sie durchscheint die äußeren Formen und läßt die Augen der Prinzessinnen im Märchen so schön strahlen, daß sie zwei Sonnen gleichen. So ist Aschenputtel erst richtig schön, weil es bescheiden ist. Schneewittchen nur darum noch schöner als die Königin, weil es zu jedermann lieb und gut ist, während Haß und Bosheit die Züge der Stiefmutter entstellen.
Seht euch einmal die Menschen an, die euch im Alltag begegnen! Da werdet ihr bestätigt finden, was jedes Kunstwerk ausdrückt, was das Volksmärchen aber in einfachen und darum besonders schönen Worten sagt: daß nicht alle hübschen Menschen zugleich schön sind, daß Zorn und böse Worte ein Gesicht ent-< stellen; daß jeder Mensch, der glücklich ist in seiner Arbeit für andere, der hilfsbereit und bescheiden ist, in seinen Augen dasselbe Leuchten hat wie die Königstochter im Märchen — jenes
Strahlen von innen heraus, das den Märchendichter dazu bewog, es mit dem Glanz der Sonne zu vergleichen.
Noch eine andere Lebensweisheit ist im Volksmärchen enthalten. Daß die Guten unter den Bösen leiden müssen. Wie höhnisch lacht die Hexe, als Dornröschen sich an der Spindel sticht und wie tot zur Erde fällt! Wie boshaft freut sie sich, Hänsel und Gretel in ihr Knusperhäuschen locken zu können! Dem Wanderer erscheint sie zu nächtlicher Stunde als Eule, als Kröte oder als hilfsbedürftige Holzsammlerin. Sie scheut keine Verwandlung, den Obdachsuchenden in eine Falle zu locken. Die böse Fee ist das Symbol der bösen Macht schlechthin, jener Macht, die dem Menschen auf seiner Wanderung durch das Leben in mannigfacher Gestalt begegnet und ihn versucht.
Neben der Gestalt der Hexe ist es die der Stiefmutter, die im Märchen das Böse verkörpert. Manchmal gehen auch beide Gestalten ineinander über. So besitzt zuip Beispiel im Märchen vom Brüderlein und Schwesterlein die Stiefmutter böse Zauberkräfte.
Doch am Schluß des Märchens tragen stets die guten Kräfte den Sieg über die bösen davon. Der Gänsehirtin fällt die häßliche Haut vom Gesicht: Aschenputtel wird Königin; das in ein Reh verzauberte Brüderlein .erhält seine ursprüngliche Gestalt wieder; das Kätzchen wird zur Königstochter und der arme Müllerbursch zum Prinzen. Der Sieg des Guten ist von vornherein entschieden. Die Hexe möchte so oft durch Lüge und Haß Schaden stiften! Zum Schluß verhilft sie selbst gegen ihren Willen einer um so größeren Wahrheit zum Sieg. So ist das Schlechte nur ein Mittel zum Guten.
Wenn ihr nun das Leben um euch herum beobachtet, kann es wohl sein* daß ihr denkt, eine Lüge habe gesiegt oder sei unentdeckt geblieben — dann feeid nicht mutlos in eurem Suchen nach dem Wahren und Guten. Denkt daran, daß das Königskind sieben Jahre dulden und schweigen mußte, ehe es seine in wilde Schwäne verwandelten Brüder erlösen konnte! Daß Brüder- und
Schwesterlein durch finstere Wälder und steinige Wege wandern und Durst leiden mußten, ehe der Zauber der bösen Stiefmutter von ihnen genommen wurde! Oder denkt gar an das Märchen von der Lüge, in dem es am Schluß heißt: „Die Sonne bringt eg an den Tag“.
Dann werdet ihr erkennen, daß die Begriffe des Schönen und des Häßlichen noch weitere Kreise ziehen als nur in das Gute und Böse hinein. Das Schöne berührt letzten Endes das Wahre, denn die Wahrheit ist das Schönste und die Lüge das Häßlichste, was es nur gibt. So ist alles schön — im Märchen wie in der höheren Kunst und im Leben — was wahr und echt ist. Das Wahre, das Gute und das Schöne, das sei euer Ideal. Daß ihr daran nicht irre werdet, dazu mögen euch eure Märchenbücher helfen! Erika Lehmann
Das Laub fällt
Das Laub fällt von den Bäumen, das zarte Sommerlaub; das Leben mit seinen Träumen zerfällt in Asch' und Staub
Die Vöglein traulich sangen, wie schweigt der Wald jetzt still! Die Lieb ist fortgegangen, kein Vöglein singen will.
Die Liebe kehrt wohl wieder im künft'gen, lieben Jahr, und alles tönt dann wieder, was hier verklungen war.
Der Winter sei willkommen, sein Kleid ist rein und neu! Den Schmuck hat er genommen, den Keim bewahrt er treu. S. A. Mahlmann
Sage der Heimat
Das Bubenried
In der Großbieberauer Gemarkung am Odenwald liegt ein Tal gegen Überau zu, das nennen die Leute das Bubenried und gehen nicht gern zu nächtlicher Stunde hindurch.
Vor Zeiten, als Krieg und Hungersnot im Reiche herrschten, gingen zwei Bettelbuben von Überau zurück, die hatten sich stets zueinander gehalten und in dem Tal ihre Almosen geteilt.
Einmal hatten sie mur Blechpfennige bekommen, aber dem einen hatte der reiche Schulze einen Laib Brot geschenkt, den er mit seinem Gesellen teilen sollte. Als nun die Pfennige redlich geteilt waren und der Bub das Brot aus dem Schubsack zog, roch es ihm so lieblich in die Nase, daß er's für sich allein behalten und dem andern nichts davon abgeben wollte. So nahm der Friede sein Ende. Sie zankten sich, und nach den Worten kam’s zum Raufen und Balgen, und als keiner den anderen bezwingen konnte, riß sich jeder einen Pfahl aus dem Pferch. Damit schlugen sie aufeinander ein, bis sie sich gegenseitig zu Tode gebracht hatten.
Drei Tage lang nach dem Mord regte sich kein Blatt, und es sang kein Vogel im Ried; seitdem ist’s da ungeheuer, und man hört die Buben nächtens wimmern und winseln.
Unsere Bädtelkiste
Für unsere Bastelkiste könnt ihr selbst sorgen! Reicht uns gute Vorschläge zum Basteln ein, vielleicht sogar mit Zeichnung. Die besten werden wir in jeder Woche hier veröffentlichen und honorieren!
Allerlei Puppenstubenmöbel können aus leeren Streichholzschachteln entstehen. Zu einer Kommode werden je 3 aufeinandergesetzt und zusammengeklebt. Dann klebt ihr die beiden Gruppen nebeneinander ebenfalls zusammen und überzieht das Ganze mit schönem holzfarbenem Packpapier. Nur eine Seite bleibt offen, an der die Schubfächer herausgezogen werden sollen. In jedes Fach drückt ihr als Griff eine Heftzwecke, deren Dorn innen umgebogen wird, damit sie nicht herausfällt.
Aehnlich könnt ihr einen Schreibtisch mit Schubfächern für die Puppenstube basteln: rechts und links je drei aufeinandergesetzte und zusammengeklebte Streichholzschachteln, mit braunem Packpapier überzogen, werden in gefälligem Abstand überklebt und verbunden durch ein entsprechend großes, dünnes Brettchen oder eine Pappe.
3 oder 4 Streichholzschachteln mit der Breitseite aneinandergeklebt, bilden den festen Untergrund zu einer Couch in der Puppenstube. Ueber die Schachteln schichtet ihr Watte oder Wollreste, an einem Ende zum Kopfteil erhöht, und überzieht das Ganze mit einem bunten Flicken, der sich längs der Schachteln gut ankleben läßt. Ein paar kleine Kissenpolster aus Watte, mit dem gleichen Stoff überzogen, kann man als Rückwand annähen oder lose auflegen. So bekommen die Puppen eine ganz „moderne“ Einrichutng!
BÜCHER
die win uns wünschen
Wilhelm Meinhold: „Maria Schweidler, die Bernsteinhexe“, 140 Seiten, Halbleinen 3.80 DM.
Wie eine alte Chronik liest sich die Geschichte von der Pfarrerstochter Maria Schweidler, die Hunger und Not mit ihrem Vater und der ganzen Gemeinde im 30jährigen Krieg erduldet. Uebelwollende bringen sie in den Verdacht der Zauberei, so daß sie als Hexe in Gewahrsam genommen, verhört und gemartert wird. Im Gottvertrauen durchleidet sie standhaft die seelische und leibliche Not und wird in letzter Minute vor dem Scheiterhaufen gerettet.
In der schlichten Erzählung dieses Einzelschicksals wird uns ein farbiges Gemälde jener Zeit des 30jährigen Krieges gegeben, ein lebendiges Bild von der Daseinsnot jener Menschen, von 'der Furcht und Finsternis, die die Gemüter umdunkelte und sie in den Aberglauben trieb. Selbst die Gottvertrauenden, glauben an die Möglichkeit von Zauberei und Hexenwesen.
Das Buch ist für Jugendliche über 14 Jahre angezeigt; sieht beim Lesen schon ein klarer Sinn den Abstand von jener Zeit und die Parallelen in gleichbleibender Menschennatur, so festigt diese Erzählung den Willen zur Unerschrockenheit, zur Freiheit des Geistes wider alle Gewalt und bereichert das tiefere Wissen um Menschen und Mächte. D-s ♦
Rheinlandsagen, der deutschen Jugend erzählt von Heinrich Pröhle. Verlag der Internationalen Bibliothek Freiburg i. Br. und Frankfurt a. M. 154 Seiten.
In schöner Ausstattung ist diese Sagen-Sammlung von Pröhle erschienen. Die Bilder von Renate Rieß entsprechen dem volkstümlichen Gehalt der Texte, die uns weit zurück in die Jahrhunderte führen und mit den Gestalten uralter Mythen und Legenden, der Stadt- und Klostergeschichten und mit allen Farben der Ritter- und Heldensagen die Ufer des Rheins beleben. Auch diese Ueberlieferungen zeigen das Rheintal als Völkerstraße-, -Kampfplatz und -Brücke, zeigen fröhliches Volk im Guten wie im Bösen und spiegeln im Sagenhaften Schicksal und Geschichte von Generationen. Einen reichen Schatz bewahrt, wer die Sagen um die Berge und Ruihen, Seen und Klöster, Täler und Städte kennt! Di.
Darmstadt und Umgebung
Der tägliche Weng
D-s. Manchmal sehen wir ihn gar nicht, unseren täglichen Weg zwischen Hausung und Arbeitsstätte. Die Gedanken sind schon oder noch verflochten in Forde misse des Berufs, die Nerven haben abgeschaltet gegen das Gedränge in Bus und Bahn, doch auch die Ohren sind verschlossen gegen Windgebrause und Vogelruf, die Augen gegen letztes Blühen und buntes Laub, und es fällt der Hand nicht ein, rasch einmal dem Büblein übern Schopf zu streichen, das zeitlos sinnend mit runden Augen die Welt betrachtet, mitten auf dem Gehsteig. Oft genug, wenn es spät wurde im Dienst, nehmen wir mürrisch und erbost des Weges wahr: dieser erbärmliche Weg, daß er nicht kürzer ist; wieviel Zeit er kostet, wie lange das Warten an der Haltstelle wieder dauert . . .
Aber der Weg ist geduldig und wird uns um solcher Gedanken nicht gram. Er will nichts für sich und hält sich still, bis einmal wieder für ihn der Augenblick kommt und er sich uns zeigen darf.
Denn zuweilen sind wir wach auf unserem täglichen Wege, und sein Dasein, seine Verwandlungen, seine Gestalten und Ueberraschungen, seine Begebnisse und Farben stürzen in unsere geöffneten Sinne.
Wo denn sonst sollten wir zuerst erfahren, daß es Frühling, Sommer, Herbst und Winter wird mit allen wechselnden Wettern? An der Haustüre heben wir witternd die Nase: es riecht nach Schnee, Regen empfängt uns oder die Sonne. Wir sehen: drüben ist das Strauchwerk am Zaune geschnitten worden, und der Neubau hat sein Dachgebälk bekommen. Aus dem Parterrefenster klingt eine Geige, und das Lied begleitet uns für den ganzen Tag, Geschenk unseres Weges, für den wir heute wach sind.
Ein andermal haben wir mit der Bürooder 'Geschäftstüre auch die Arbeitsgedanken abgeschlossen. Offnen Sinnes gehen wir heim. „Abendrot“ stellen wir plötzlich fest und schauen in rotgoldenen Glanz hinter dem schwarzen Geäste des Obstgartens. Fast wie Schrecken durchdringt es das Herz: daß es dies also gibt, lange vergessen und ungewußt entbehrt, o lieber täglicher Weg, daß ich es auf dir sehen kann!
Ja, Tröstung, Wohltat und Schönheit hält der tägliche Weg bereit, und er führt durch ein Restchen Niemandsland der Arbeit, das unser ist, unser allein. Wir kommen aus der Arbeit und den Sorgen und gehen zu Arbeit und Sorgen, gleich, ob wir zum Berufsplatz oder nach Hause eilen. Aber dazwischen liegt der Weg. Er gehört uns und beschenkt uns mit einer kurzen Spanne Zeit, zu gehen, zu atmen, zu horchen und zu schauen; gesegnet sei er!
Körperbehinderte
lernen schwimmen
Lebensfreude und Mut zum Dasein sollen durch die jetzt angelaufenen Schwimmkurse den Schwerkriegsbeschädigten gebracht werden. Am Montagabend versammelten sich zum erstenmal sechzig Schwerbeschädigte im städtischen Hallenschwimmbad, um in Anwesenheit von Oberbürgermeister Metzger und verschiedener Stadtverordneter mit kühnem Schwung ins Wasser zu springen.
Yielfältiges Geficht der Nacht
Unser HFL-Berichter bummelte durch das nächtliche Darmstadt
Vielfach sind die Gesichter einer Stadt. Am beginnenden Morgen füllen sich die leeren Straßen mit Menschen, die zu ihren Arbeitsstellen eilen. Hausfrauen gehen ihren Einkäufen nach und der zunehmende Verkehr prägt das Gesicht der Stadt, deren pulsendes Leben mit Geschäftigkeit und Strebsamkeit erfüllt ist. Aber in den Stunden zwischen Mitternacht und Morgengrauen, wenn die meisten Menschen in den Betten liegen, wenn der Gluthauch der Sonne der erfrischenden Kühle des Sternenhimmels Platz gemacht hat, dann zeigt sich die Stadt in einem anderen Gewand, dann trägt Darmstadt das Gesicht der Nacht.
23 Uhr. Am Luisenplatz drängen sich die Menschen um die Haltestellen der Straßenbahn, um die letzten Züge in die Vororte zu bekommen. Das Theater ist aus, die
Lichtspielhäuser schließen ihre Pforten und die erleuchteten Schaufenster locken noch zu einem nächtlichen Spaziergang. Es ist die Stunde, wo die Stadt zu sterben beginnt, wo alles hinüberdämmert in den Vorschlaf der Nacht, gleichsam, als sei das Uhrwerk abgelaufen, um erst zum neuen Tage anzuschwingen. Aus einem Fenster tönt im Vorbeigehen das Schreien eines Kindes. Lichter verlöschen, als seien Kerzen ausgebrannt.
23.45 Uhr. Auf der Rheinstraße rasselt eine Straßenbahn zum Monument. Der Schaffner macht seine Abrechnung und ein einziger Fahrgast sieht wie aus einem fahrbaren Aquarium auf die Straße hinaus. Auf der Neckarstraße werde ich um ein Haar von einem rasenden Jeep überfahren. „Military Police“ — sie haben es immer eilig, warum, das weiß kein Mensch. Am Feuerwehrdepot wird wieder ein rotes Auto geputzt, hinter dem Holzhaus glimmen ein paar leuchtende Punkte, Zigaretten. Mit den Fernlastzügen ist es wie mit den Schwärmern, sie kommen erst bei Nacht heraus. Unheimliche Kolosse, mit zwei und drei Anhängern, moderne Ritter -der Landstraße, die Schwert und Hellebarde mit Steuerrad und Luftpumpe vertauscht haben. Sie donnern über das Pflaster und verlieren sich als winzige Punkte in der Ferne. Am Prinz-Emils-Garten treffe ich eine Polizeistreife und frage nach der Zeit. Es ist
0.30 Uhr. In Bessungen ist immer Betrieb. Vielleicht wegen der Amerikaner? In der Nähe vom „Belida“ stehen sie Unter
den Bäumen. Die künstliche Beleuchtung gereicht ihnen zum Vorteil, trotz Nylonstrümpfen und trägerlosen Büstenhaltern. Ich rechne im Stillen, was sie noch verdienen können, Zigaretten ziehen nicht mehr. Aber es ernährt noch die Frau, will es scheinen. Hin und wieder hält ein Wagen, dann steigen sie ein, ruhig und sachlich’ vielleicht mit einem freundlichen „Hallo!“. In kurzer Zeit sind es weniger geworden und einige gehen sogar zu Fuß davon. Ein gummikauender Jüngling mit dem Hemd über der Hose steht unter einer Latern« und zeigt einem anderen einen Stapel Lichtbilder. Sie schnattern erregt und stecken sie eilig fort, als ich vo .rbeigehe. Aus einem Ecklokal kreischen Stirn-
men, ein Jazzfan hämmert wild auf einem ausgedienten Klavier.
1.15 Uhr. Ein abgerissener Mann mit einem Bündel unter dem Arm fragt mich in der Nähe des Bahnhofs nach einer Unterkunft. Er hält mich für einen „Kriminalen“, — sagt er. Hinter mir nähert sich auf leisen Sohlen ein Mann, der ein Fahrrad schiebt. Eigentlich schiebt er es nicht, sondern hebt es am Gepäckständer hoch. Beim Ueberholen murmelt er etwas von „Schlüssel verloren“, obgleich ich ihn nicht danach gefragt habe. Aber es muß peinlich sein, nachts ein abgeschlossenes Fahrrad zu transportieren und nicht Verdacht zu erregen.
2 Uhr. Man gewinnt den Eindruck, als ob man nicht mehr dazugehört. Die Stadt wird einem fremd. Selbst Straßen, die man tagsüber dutzendmal geht, haben jetzt ein anderes Aussehen. Ich sehe Häuserfronten, die ich niemals zu sehen geglaubt habe. Am Tage bleibt man mit den Augen in Kopfhöhe. Nachts schaut man aufwärts und wundert sich, Gebäude zu finden, die einem neu sind. Man kennt nur die Läden, vom ersten Stock an nichts. Unter einem Baum rasselt jemand mit einem dicken Schlüsselbund. Eine Taschenlampe leuchtet auf, eine Dienstmütze, „Wach- und Schließgesellschaft“. In großen Abständen kommen Autos in die Stadt hinein. Die Scheinwerfer stechen kalt in das Zwielicht der Sterne und des neuen Tages. Sie teilen für Sekunden die Nacht, bohren sich in die Dunkelheit hinein und verschwinden.
3.30 Uhr. Aus einem Torbogen kommt der Geruch von Mehl und frischem Brot. Eine Bäckerei hat mit der Arbeit begonnen. Am Gaswerk ist Licht in den Maschinenhallen, und bei Merck steht der Portier vor dem Haupttor und sieht in den Himmel. Dann fährt ein Krankenwagen in Richtung Stadt. Ich mache kehrt und gehe an einem Laboratorium der Fabrik vorbei, aus dessen Fenster gelbrote Gasflammen zucken. Seit Jahren brennen sie dort schon und allmählich ärgert es mich, daß ich nicht weiß, was es damit auf sich hat.
4.45 Uhr. Am Hauptbahnhof ist es noch ruhig. Der Taxistand für die Amerikaner ist bis auf wenige Fahrzeuge leer. Unter bösem Fauchen rangiert eine Lokomotive einen Güterzug auseinander. Auf den Güterböden wer-
den Zeitungen ausgeladen. Ein Lastwagen mit Milchkannen rasselt vorüber, und der Beamte hinter dem Gepäckschalter gähnt anhaltend. Es ist schon hell, als ich mich entschließe, die Rheinstraße hinaufzugehen. Hinter mir kommen Leute aus dem Bahnhof. Ein, zwei Autos in kurzem Abstand folgen, und plötzlich sind auch die kleineren Straßen belebt. Die Polizeistreifen sind in
der zunehmenden Helle untergetaucht, und wenn man den Menschen ins Gesicht sieht, erkennt man den einen oder anderen, der von der Nacht gezeichnet ist, der nun müde nach Hause geht, und für den der Tag so seltsam sein muß, wie für uns die Nacht. Alle diese Menschen, die der Nacht angehören, sie sind ein Teil des zweiten Gesichts der Stadt, jener Maske zwischen Abenddämmerung und Morgengrauen. HFL.
Kurze Meldungen aus der Stadt
Die Spielschar der katholischen Jugend Frankfurts bringt am Donnerstag, dem 16. November, 20 Uhr, im Concordiasaal das Lustspiel „Familie Hannemann“ zur Aufführung. Dieselben Laienspieler erfreuten im letzten Jahr ein dankbares Publikum mit dem mit echtem Humor geladenen „Extemporale“. Sie werden diesmal in gleicher Weise den Besuchern zwei Stunden voller Lachen und Frohsinn bereiten.
lieber Erkältungskrankheiten, Katarrhe und Mittelohrentzündung spricht auf Einladung des Biochemischen Vereins und Naturheilvereins am Donnerstag, dem 16. November um 19.30 Uhr in der Aula der TH, Heilpraktiker Rudolf Siegert
Grundzüge der russischen Außenpolitik lautet eine Vortragsreihe, die Michael Morosow am Donnerstag, dem 16. November um 18.30 Uhr in der Eleonorenschule (Stadthaus) beginnt. *
Der Elferrat des Gesangvereins „Froh¬ sinn“ wird am Samstag, dem 18. November, von dem Quartett des Männerchores, dem Frauenchor und dem Vergnügungsausschuß bestimmt. t-s Die reichhaltige Leihbücherei der Ge¬ werkschaft in Griesheim ist jeden Mittwoch wieder geöffnet. Mit einem regen Besuch in den Wintermonaten wird gerechnet. msch.
Zu einem Zusammenstoß kam es gestern mittag auf der Kreuzung der Emil- und Frankfurter Straße zwischen einem amerikanischen Pkw und einem Lastkraftwagen. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. *
Ein Lkw und ein Pkw stießen gestern morgen auf der Kreuzung Taunusring und Landwehrstraße zusammen. Es entstand lediglich Sachschaden. *
Von einem vorbeifahrenden Liefer¬ wagen gestreift wurde gestern morgen in der Wilhelm-Leuschner-Straße ein geparkter Personenkraftwagen. Es entstand Sachschaden. *
Einen anfahrenden Pkw, der vor dem Cafe Hauptpost gestern morgen geparkt hatte, streifte ein vorbeifahrender Pkw. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. *
Althuın und Rachitis vorbengen
Jahraus jahrein müssen zahlreiche Kinder nach Bad Reichenhall, Bayerisch-Gmain und anderen Orten zum Gebrauch von Heilkuren gegen Asthma. In den Heilstätten ergibt sich immer wieder, daß die Ursachen der Kurbedürftigkeit gar nicht auf wirkliche Asthmaleiden zurückzuführen sind, sondern auf Beengung oder Verkümmerung der Atmungsorgane wegen schlechter Haltung und ungenügender Atmungstechnik. Deshalb wird in den Kurheimen auf Übung richtigen Atmens und auf Heilgymnastik zur Ausmerzung der Haltungsfehler größter Wert gelegt.
Es hat sich auch herausgestellt, daß oft als Folgen von Rachitis gekennzeichnete Zustände mit Rachitis gar nichts zu tun haben, sondern Auswirkungen schlechter Haltung sind.
Der in diesen Fragen sehr erfahrene Chefarzt der Asthmakinderheilstätte in Bad Reichenhall, Dr. med. Franz Braun, wurde nach Darmstadt eingeladen, damit er vor einem größeren Kreis interessierter Eltern, Schulleiter, Lehrer (insbesondere Sportlehrer), Krankenkassenbeamten, Fürsorgerinnen, Heilgymnastikerinnen oder Krankenanstalten usw. über das sehr ernste und wichtige Problem spricht und Wege aufzeigt, wie alle helfen können, die Ursachen der Not rechtzeitig zu erkennen und ihren Folgen vorzubeugen.
Der Vortrag wird am Donnerstag, dem 16. November 1950, 16 Uhr, in der Aula der Technischen Hochschule in Darmstadt stattflnden. Lichtbilder und Vorstellung von Kindern, die Kuren mitgemacht haben, werden die Ausführungen des Vortragenden verdeutlichen und illustrieren. Für die hiesige Aerzteschaft wird ein besonderer Vortrag veranstaltet werden.
Die Zirafe blich nicht aus
Zu unserem Bericht in der Montagsausgabe „Die Strafe blieb nicht aus“ tragen wir nach, daß der wegen versuchter Nötigung im Amt und schweren Landfriedensbruchs vom Schwurgericht Darmstadt zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilte 39jährige, ehemalige Arheilger SA-Sturmführer Ludwig B. auch maßgeblich an der Judenaktion in der Nacht des 10. November 1938 in Arheilgen beteiligt war. Zusammen mit anderen SA-Männern, die bereits abgeurteilt sind, demolierte er im Anwesen des Israeliten Wechsler die Wohnungseinrichtung und warf aus dem ersten Stock des Hauses Reinhard Bett und Bücher. Nicht nachgewiesen werden konnte ihm eine Mitwirkung an den sadistischen Vorgängen im Schlafzimmer der Johanna Reinhard. „Aus Jux“ wie der Angeklagte sagte, hätten SA-Männer diesem schlafenden Mädchen mit einem Messer gedroht, worauf dieses völlig verängstigt aus dem Fenster sprang. Es starb an den Folgen des Sturzes, worauf sich auch sein Vater das Leben nahm. Weil sich damals Pfarrer Grein als einziger der Verletzten angenommen hatte, schmierte man an die Wände des Arheilger Pfarrhauses die Worte „Judenknecht, Volks Verräter“, wst.
Von einer Zugmaschine mitgeschleift wurde vorgestern der Hilfsarbeiter G. Mees, auf der Ladestraße des Bahnhofs Darmstadt - Eberstadt. Er war während des Umsetzens des Lastzuges auf ungeklärte Weise zu Fall gekommen und wurde dabei von der Zugmaschine erfaßt.
Er hatte den Anfchluk verloren ...
Kriegs- und Nachkriegszeit spielten in der gestrigen Bezirksschöffengerichts-Verhandlung eine große Rolle. Der 23 jährige Klaus L., der in Königsberg geboren ist und seine Eltern auf dem sogenannten „Transport ins Reich“ verloren hat, mußte sich vor dem Gericht wegen Diebstahls sowie Diebstahl-Versuchs veranworten.
Der junge Mann, der den Anschluß an das bürgerliche Leben verloren hat, ist schon von mehreren Gerichten im Bundesgebiet abgeurteilt worden. Kaum einen Monat aus der Haft entlassen und — keine Arbeit gefunden — wurde er erneut straffällig. Er versuchte in Darmstadt einige Einbrüche, die ihm aber zum größten Teil mißlangen. Auch vor dem Mausoleum schreckte er nicht zurück. Aber auch bei diesem Einbruch hatte er kein Glück. Zuletzt schlug er mit dem 26jährigen Mitangeklagten Georg L. aus Eberstadt ein Schaufenster in einem Pelzgeschäft am Mathildenplatz ein. Von dort ließen sie einen Mantel mitgehen. In Lampertheim wollten sie das kostbare Stück verkaufen und stellten sich eine Bescheinigung aus, das Verfügungsrecht über den Mantel zu besitzen. Den Stempel hierzu fertigte Georg an und unterschrieb großzügig „Der Polizeipräsident, im Auftrag Wachtmeister L.“
Das Gericht billigte dem Angeklagten Klaus L. noch einmal mildernde Umstände zu und verurteilte ihn wegen versuchten Diebstahls, Rückfalldiebstahls und wegen Urkundenfälschung zu 2 Jahren Gefängnis. Der Mitangeklagte Georg L. wurde unter Einbeziehung einer früheren Strafe zu einem Jahre und 6 Monaten verurteilt. —ri
Drinnerum un drumerum
Wie mers macht, is es verkehrt, besunners, wann mer verheirat is. Glaawe se mir, ich halt Ordnung un kann meu Sache jedesmol greife, wann ich morjens aus de Feddern krawwel. Allminanner, bis uffs Kraacheknebbche. Wann mer sichs owends bequem mache will, do zieht mer doch zuerst seun Kraache aus un leggt en do hie, wo mer grad hoggd. Is do was debei? Mer muß doch wäje dem Drecksknebbche net extra in die Schloofstubb laafe un des Knebbche in seu Deesje leje. Wann ich waaß,. wo’s leit, do kann ichs doch widder nemme, wann ichs brauch.
No, un morjens? Do is es fort. Wie verhext! Bis ich uffstei, hot meu Luwies schun die Stubb dorchgemobbt un de Kraache samst de Krawadd uffgehowe. Deß Kraacheknebbche weer net debei gewäse, behaubd se. Streit gibts grad kaan, dann mit de Tatsach, daß es net do is, beweist se, daß se recht hot. Was soll ich mich do lang erummache? Ich waaß jo, daß es beim Kehrn doch gefunne werd.
Scheinbar is se deß ewig Gedees mied un hot mer gerate, ich sollt mer emol e Hemd kaafe, wo de Kraache dro wer, do braicht ich kaa Knebbche mehr zu suche.
Ich habs ernst genumme un bin in de ganz Stadt erum un hab in alle Läde geguggt. Do hab ich zum erste mol gemerkt, daß mer kaum noch e Hemd krieje kann, wo de Kraache allaans is. Deß kann ich net versteh, wo deß so unbraggdisch is. Mer kann doch wäjem Kraache net alle Daach e frisch Hemd aziehe, besunners im Winter, wo mer e Hemd sowieso als verzeh Daach uff em Leib hawwe muß. En Kraache is glei gewesche, awwer for e Hemd, wo "noch sauwer is, is es Mord.
Un net emol billiger sin die Sort Hemder. Mein Wahlspruch is, billig, gut un braggdisch! Un do bin ich uff die Idee kumme, mir emol e bundisch Hemd zu kaafe. Do war die Wahl schwer, hett ich nor meu Lißbedd bei mer gehatt. Ich waaß net mehr, wieviel ich an mich gehalte. un in de Spiejel geguggt hab. Un ich dhet heit noch suche, wann mer net deß Freileun e grie, blau un rot karrierdes empföhle hett. E Buschhemd wers, hot se gesacht. Am liebste hett ichs aach noch aprowiert. dann ich kaaf net gern die Katz im Sack, awwer des Freileun hot abselut net reachiert, wie ich druff agespielt hab.
Dehaam hab ichs in de Schlofstubb glei agedah un ich mußt mich doch selwert erst e parmol im Spiejel bedrachte, bevor ich mer gefalle hab. un dann bin ich mit e bißje Herzklobbe in die Kich. Aan Blick und en Krisch war aans. Deß tregst de glei widder fort, hots gehaaße. Bist de schläächt worn? Gell du host gelese. daß die Faßnacht losgeht. Geh doch zu de Narrhalla heit owend. awwer ohne mich! For die Spuzze bist de doch zu alt. Mit dem Ding kannst dr doch am helllichte Daach net unner die Leit geh, deß kannste aziehe im Keller beim Holzhacke un Kohlehole (Sie waaß, daß se mer dodemit en Stumber gibt, wo ich doch so mit em Ichjaß geblagt bin.)
I Was hab ich gemacht? Nix. Ich hab se ausredde losse un dann hab ich er klargemacht, daß mer mit so eme Hemd iwwerall hiegeh kann, sogar bis zum Owerborjemaster, der wo sich schun bei seuner Raas dro gewehnt hot. Und wie ich er all die Vorziech klargemacht hab, do hot se beim Kabiddel Saafsparn doch emol gestutzt. Un wann se afengt zu iwwerleje, do hot se schun verlorn.
Mir hawwe nemlich ausgemacht, daß ichs behalde derf. wann ichs bloß dehaam in de vier Wend trage dhu. Schun gewunne. Es werd schun emol en brässande Gang gewwe, wo ich net erst rasch es Hemd wechsle kann. Wann emol de Afang gemacht is. do werd ihr schun bald emol sehe, daß ich en gute Geschmack hab, wann der mer- begäjend.
. Bis dohie winscht eich grad so e Hemd un alles Gude eier Anton Berzel.
Wie wird das Wetter?
Noch unbeständig
Vorhersage: Am Mittwoch noch wechselnde Bewölkung, noch einzelne Schauer, gelegentlich aufheiternd. Tagestemperaturen um plus 5 Grad. Tiefsttemperaturen nachts nahe 0 Grad. Zeitweise nordwestliche bis westliche Winde.
Wohin gehen wir heŭte?
Landestheater, Orangerie: 19.30 Uhr „Der Troubadour“ (B/4 u. TB/2). Lichtspieltheater: Union : „Die Verjüngungskur“; Thalia: „Der Postmeister“; Belida: „Via Mala“; Palast: „Ekstase"; Hansa: „Der prämiierte Leberfleck“. Amerikahaus: 19.30 Uhr das Bastiaan-Quartett Berlin (früher „Quartett der Berliner Philharmoniker“) spielt Werke von Honegger, Piston, Schumann; 15.00-17.00 Uhr Wunschkonzert; 17.00—18.00 Uhr Stunde für den Jazzfreund; 14.30 und 17.00 Uhr Filmprogramm. Deutscher Akademikerinnen-Bund, Orts¬ gruppe Darmstadt: 20.00 Uhr im Amerikahaus, Schustengasse, Dipl.-Arch. Weiß über „Wie wolien wir wohnen?“, Techn. Hochschule; 17.15 Uhr im Saal 163 „Die Zoologische Station Neapel (Geschichte und Gegenwart)“, Vortr. von Prof. Dr. W. E. Am ke 1 (mit Lichtbildern). Volkshochschule: 19.30 Uhr in der Techn. .Hochschule, Baum 167, „Tierfllmaibend mit Vortrag“. Kulturfilmveranstaltung: 19.30 Uhr Aula iderTechn. Hochschule. A- Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3ä: 10 bis 48 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“. Landesmuseum: 10—18 Uhr Gedächtnisausstellung Alexander Posch. Stadthalle: 20—22 Uhr Darmstädter Spielgemeinschaft: „Der Glasschnank“ von R ü t h 1 ei n. Concordia-Saal: 20.30 Uhr 50jähriges Stiftungsfest des Bundes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten UG., Ortsgruppe Darmstadt.
Wir gratǔlieren
72. Geburtstag: Frau S-t o r c k, Darmstadt, Taunusstr. 51. 70. Geburtstag: Frau Luise Schäfer, geb. König, Darmstadt, Lichtenbergstr. 60 pt. 40jähriges Dienstjubiläum bei der Südd. Eisenbahn-Gesellschaft AG.- Herr Friedrich Münker, Eisenbahn-Inspektor, Darmstadt, Taunusstr. 44.
STARKENBURG
Tumult in der Wahlversammlung
Am Montagabend sprach Landrat R i tz e r t in der Wirtschaft „Micheisbräu“ in Babenhausen in einer öffentlichen Wahlversammlung der CDU, die von 54 Personen besucht war.
Anschließend referierte Bundestagsabgeordnete Frau Dr. Steinmetz, Bielefeld, über die Arbeit der CDU im Bundestag. Zwischenrufe ließen auf eine lebhafte Diskussion schließen, die auch eintrat.
Gewerkschäftssekretär Gertig widerlegte in der Diskussion teilweise die Ausführungen der beiden Redner. Als das Stichwort durch den Versammlungsleiter fiel: „Wo war Bundestagsabgeordneter Ritzel von der SPD 1945?“ konnte er sich nicht mehr durchsetzen und klingelte die Versammlung ab, die durch laute Zwischenrufe unterbrochen wurde.
Fähre geriet in Seenot
In arge Bedrängnis geriet die kürzlich eingeweihte Fähre in Gernsheim, als in den Mittagsstunden des Montag eine heftige Regenböe aufzog und das Fahrzeug etwa 300 Meter in Richtung zum „Schwarzen Ort“ abtrieb. Die Besatzung, die gegen die unfreiwillige Kursänderung der Fähre nichts auszurichten vermochte, gab sofort Notsignal. Ein zur Hilfe eilendes Schleppboot der Mannheimer Firma Frank konnte das Fahrzeug aus seiner kritischen Lage befreien und an Land bringen. Fachleute sehen in der Anlage der Voigt-Schneider-Propeller den Grund der Manövrierunfähigkeit der neuen Fähre bei starkem seitlichem Winddruck.
Schöne Aussichten!
Abseits der großen Verkehrswege, von dichtem Wald umsäumt, liegt Hiltersklingen. Es zählt 480 Einwohner und hat als Winterbreninstoff ganze 3 5 Meter Holz. Weder Kohlen noch Koks kommen in das kleine Dorf, nur Abfälle vom Sägewerk und Späne eines Schindlergeschäftes.
Es sieht — gelindä gesagt — so aus, als würden die Einwohner einem recht unangenehmen Winter entgegengehen. ■
Rufer undy Srieden und befferer Zukunft
Feierlicher Einzug der neuen Glocken in Schaafheim
Nach einem gameinslamen Lied und dem G-esangsvortrag des Arbeitergesangvereins setzte sieh der- Festzug in Bewegung. Begleitet von den evangelischen Jugendverbänden, der Gemeindevertretung, der Lehrerschaft, der Feuerwehr, den Gesangvereinen * und zahlreichen Ehrengästen durchzogen die bekränzten und auf mit Tannengrün und Blumen geschmückten Wagen stehenden Glocken ihre neue Hedmatgemeinde.
Pfarrer Kloß, Bürgermeister Sehnert und Lehrer Schmidt als Vertreter der Schule hielten auf dem Rathausplatz vom Glockenwagen aus ihre Ansprachen. Alle drei brachten den Wunsch zum Ausdruck, daß die Stimmen der Glocken ein Aufruf zur Niederringung von Neid, Haß und Mißgunst in der Gemeinde sein mögen und die Hoffnung, daß sie über die Gemeinde hinaus in aller Welt als Rufer des Friedens d|e Menschheit einer besseren, glücklicheren und friedvolleren Zukunft entgegenführen mögen.
Im festlichen Geleit wurden sie dann zur Kirche gefahren, wo die Gemeinde sich, mit Rücksicht auf das schlechte Wetter, zu einer Feier versammelte. In eindringlichen Worten sprach Pfarrer Kloß über die Bedeutung des freudigen Ereignisses und wies darauf hin, daß Glocken nicht mehr seien als klingende Schellen und tönendes Erz. wenn die Herzen der Menschen nicht mitklängen. Dannach ergriff Hochwürden Pfarrer Merkelbach aus Radheim das Wort. In dankenden Worten brachte er zum Ausdruck, daß er gerne der Einladung gefolgt sei. Versinnbildlichend führte er der Gemeinde vor Augen, daß alle Menschen ein Glockenspiel in der Hand des höchsten Meisters sein sollten und es traurig um den bestellt sei. der nicht in gleicher Harmonie in diesem Geläute klinge.
Zum Abschluß der durch gemeinsamen Gesang, Gesangsvorträge des Jugendkreises und des Gesangvereins und den Klängen des Posaunenchores ausgeschmückten Feier, kündigte Pfarrer Kloß für Totensonntag die Glockenweihe an. io
Die den Toten des zweiten Weltkrieges geweihte neue Glocke wurde zusammen mit ihrer kleinen, ebenfalls neuen Schwester zu Beginn des Festzuges durch Pfarrer Kloß willkommen geheißen. An die Gemeinde erging der Aufruf, den neuen Glocken Heimatrecht zu geben.
Glockenweihe in Messel
Am Sonntagvormittag fand anläßlich der Einweihung der neuen Kirchenglocke unter reger Beteiligung der Bevölkerung ein Festgottesdienst statt. Die Festpredigt des Pfarrers wurde von Liedern und Chören des Kirchenchores und des Männergesangvereins Sängerbund-Eintracht würdig umrahmt. -es.
Neue Glocke für Erbach
Eine Stiftung des Grafen A. zu Erbach-Erbach
Am Sonntag wurde die Eberhard-Glocke geweiht, die Graf Alexander zu Erbach-Erbach zum Andenken an seinen im Kriege gefallenen ältesten Sohp Eberhard für das Geläut der Erbacher Stadtkirche gestiftet hatte.
Nachdem der Graf dem Gemeindevorstand die Stiftungsurkunde im Gemeindehaus übergeben hatte, weihte Stadtpfarrer Hahn die Glocke im anschließenden Gottesdienste. Er verlas den Nachruf für den Erbgrafen Eberhard und die Namen der 192 Vermißten des Erbacher Kirchspiels.
Die von Albrecht G 1 en z. dem Direktor der staatlichen Fachschule für Elfenbeinschnitzerei künstlerisch gestaltete Glocke trägt die Inschrift: „Dem Andenken des Eberhard, Erbgraf zu Erbach-Erbach, geboren 23. 8. 1922, gefallen in Rußland am 23. 11. 1943“. das gräfliche Wappen und die Devise des Grafenhauses in lateinischer Schrift, die in der deutschen Uebersetzung besagt „Alles mit Gott, nichts ohne ihn“. Die sieben Zentner schwere Glocke vervollständigt nun das Erbacher Geläute. -ch
Dekorierungsfest des Odenwaldklubs Babenhausen
Der Wanderklub „Berg auf“ des Odenwaldklubs führte am Sonnabend im Saale des Hotels „Zum Löwen“, der dieses Jahr auf 25jährige Zugehörigkeit zum Odenwaldklub zurückblicken kann, sein Dekorierungs- und Wanderehrungsfest durch. Nach einem Prolog begrüßte der 1. Vorsitzende, Bürgermeister i. R. Fritz Klein, die Wanderkameraden. Anschließend nahm der Vertreter des Hauptausschusses, Dipl.-Ing. Ernst Pfeifer. Birkenau, mit Wandermeister Georg Will die Dekorierung mit dem „Goldenen“ vor.
Nach dem feierlichen Akt wurde die volkstümliche Komödie „Seine Durchlaucht“ des bekannten Heimatdichters Josef Stoll aufgeführt. NB
Die Chorgemeinschaft 1950 von Groß-Bieberau veranstaltet am Sonntag einen bunten Abend im Saal „Zur Linde“ unter Mitwirkung der Kapelle Heinz Schmuck und der Chorgemeinschaft.
Unsere Geburtstagskinder
Silberne Hochzeit: Herr Bürgermeister Friedrich Keller, und Ehefrau Marie, geb. Wißmann, Wald-Amorbach.
Silberne Hochzeit: Herr Heinrich Schnellbächer V., Drehermeister, und Ehefrau, Groß-Bieberau, Römerstraße 46.
80. Geburtstag: Frau Helene Richter geb. Richter, Heppenheim, Werlestr. 21.
80. Geburtstag: Herr Georg Fluth, Schuhmachermeister, Lengfeld, Azbergstraße.
80. Geburtstag: Frau Elisabeth H e e b, Bensheim, Friedhofstraße 92.
80. Geburtstag: Herr Johann Geigenmüller, Bensheim - Schönberg, Kirchweg 5.
77. Geburtstag: Frau Helene Lortz, Groß-Bieberau, Brensbacherstraße 21.
75. Geburtstag: Frau Margarete Vierheller, Groß-Bieberau, - Ludwig-Straße 7.
71. Geburtstag: Frau Elis. Schnellbächer, Groß-Bieberau, Ober-Ramstädter Straße 10.
70. Geburtstag: Herr Leonh. Jäger, Schneidermeister, Ober-Ostern.
Weiterhin Dunkel um Mord an der Schwarzbudch
Zweiter Prozeßtag und Lokaltermin in Goddelau / Verstärkte Verdachtsmomente gegen Elisabeth Heil / Auffallende Widersprüche / Zeugen berichten über früheres Geständnis der Angeklagten
Am gestrigen zweiten Tag im Mordprozeß Heil-Rückert verhandelte das Schwurgericht Darmstadt in Goddelau. Nach einem Augenscheinstermin an den Lokalitäten der Geschehnisse vom 5. März 1950 und an der Leichenfundstelle an der Schwarzbach begann das Gericht mit der Zeugenvernehmung im Festsaal der Heil- und Pflegeanstalt Goddelau.
Ruhiger als am ersten Tagsaß Rückert auf der Anklagebank. Frau Heil machte einen verschlossenen und bei verschiedenen Aussagen einen unsicheren Eindruck. Gespannt folgte sie jeder Prozeßphase und beteuerte immer wieder — ebenso wie Rückert —, nichts mit dem Mord zu tun zu haben. Sie verstrickte sich jedoch in widerspruchsvolle Aussagen und auffallende Unklarheiten. Wenn sich auch am gestrigen Tage gegen sie die Verdachtsmomente verdichteten, so bleibt doch nach wie vor ein mysteriöses Dunkel über dem Fall. Mit großer Mühe versucht das Gericht Steinchen um Steinchen für das Ueberführungsmosaik zu bekommen. Breiten Raum widmete man gestern der Erörterung ihrer früheren klaren Geständnisse, in denen sie zugegeben hatte, daß beide Helene Rükkert umgebracht haben.
Als erster Zeuge sagte Staatsanwalt Freiherr von Schenck zu Schweinsberg aus. Er leitete das Ermittlungsverfahren. Er berichtete von dem Geständnis, das die Heil am 15. März abgelegt hatte. Danach wollte sie, abends an die Schwarzbach gekommen, plötzlich von Rückert angerufen und aufgefordert worden sein, neben einer ihr zunächst unbekannten Frau nieder-
zuknien. Sie habe die Enden eines bereits um den Hals der regungslosen Frau verknoteten Schals erfaßt. Daraufhin habe Rückert von hinten ihre Hände ergriffen und ruckartig zugezogen. Auf seine Aufforderung hin habe sie noch einen zweiten Knoten gebunden. „Mach, daß du fortkommst“, sei Rückerts Antwort auf ihre Frage „Was soll das?“ gewesen. Beim Weggehen habe sie dann einen Platsch
gehört. Ganz freiwillig — so betonte der Zeuge — habe sie nach diesem Geständnis auf einer Decke den Tathergang vorgeführt. „Er hat so fest gedrückt, daß ich Schmerzen an beiden Handgelenken bekam“, habe sie noch beim Verhör gesagt. Zum Schluß habe ihre Aeußerung gelautet: „Ich habe die Wahrheit gesagt und mein Gewissen entlastet.“ Völlig ruhig sei sie dabei gewesen, nachdem sie bei einem Lokaltermin das Ganze nochmals bestätigt und bei einer Gegenüberstellung Rückert ins Gesicht geschleudert habe: „Ich habe dich bisher geschont und für dich gelogen, du bist ein Lügner; ich habe nun die Wahrheit gesagt, tue es auch du.“ Rückert sei dabei fast zusammengebrochen. Danach habe die Angeklagte einen erleichterten Eindruck gemacht. Einige Tage später habe sie ihn dann bestellt und ihr Geständnis widerrufen, dies aber dann doch aufrechterhalten und erklärt, sie habe widerrufen wollen, weil Rückert alles ableugne. Dabei habe sie sich auch als Schreiberin der drei anonymen Briefe ausgegeben. „Ich hatte den Eindruck, daß sie damals ihr Gewissen tatsächlich erleichtern wollte und stets darauf gesehen, daß sie selbst alles erzählte“, sagte der Staatsanwalt. Niemals habe man Frau Heil — die eine gewisse Schläue zeige — etwas in den Mund gelegt oder sie gar bedroht. Er habe das Geständnis nicht für ein Produkt ihrer Phantasie gehalten, sondern sei der Meinung, daß ein Mensch, der solche Tötungseinzelheiten schildere, es auch gemacht haben müsse.
„Ich habe in meiner Praxis noch nie eine Frau gehabt, die so gelogen hat“, erklärte Kriminalrat a. D. Weidmann als Zeuge. Auch er betonte nachdrücklich, daß die Angeklagte niemals, wie sie behaupte, unter Druck gesetzt worder/ sei, sondern daß sie ihr Geständnis freiwillig damals abgelegt habe. Die Schilderung des Tathergangs stamme nicht, wie von ihr behauptet, von ihm, sondern von Frau Heil. Weil er aus Erfahrung wisse, daß sich Verbrecher immer gerne auf das sogenannte Erpressen durch die Kriminalpolizei beriefen, habe er sofort den Staatsanwalt verständigt, vor dem die Heil ihr Geständnis dann wiederholt habe. Er bestätigte im übrigen die Aussagen des Staatsanwalts von Schenck.
Auch Amtsgerichtsrat Hilger, dem sie am 10. März vorgeführt wurde und der auch den Haftbefehl erlassen hatte, berichtete, daß Frau Heil bei ihrem Geständnis von niemand beeinflußt worden sei. Zunächst seien ihre Aussagen verschwommen gewesen. Schrittweise habe sie sich dann jedoch bequemt, zu bestätigen, daß sie bei der Tat dabei gewesen sei. Bei der Gegenüberstellung mit Rükkert habe sie dann „ausgepackt“' und gesagt: „Du Schuft, du leugnest noch immer.“
Temperamentvoll erklärte der Angeklagte Rückert am Abend, es habe keinen Zweck, daß sie sich herumstreite, man glaube ihr doch nicht. Die Zeugenvernehmung wird fortgesetzt.
Gegen Schwarzarheit und Aliegende Händler
Zusammenschluß der Ortsgewerbevereine im Kreis Groß-Gerau
Wie wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, wurde aus Kreisen der in Gernsheim versammelten Vertreter der Ortsgewerbevereine im Gebiete des Kreises Groß-Gerau ein vorläufiger Vorstand gebildet, dem vorerst die Aufgabe eines Organisationsausschusses zukommt.
Die Versammlungsteilnehmer, unter denen sich Bürgermeister Hans Su d - hei me r in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des hessischen Gemeindetages im Regierungsbezirk Darmstadt, Kreishandwerksmeister Gruber sowie der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Moo g k befanden, trafen sich in ihren Diskussionen in der allgemein vertretenen Auffassung, sich auf Kreisebene zusammenzuschließen.
Insbesondere befürwortete Sudheimer einen solchen Zusammenschluß und sagte den Gewerbetreibenden die Unterstützung des Gemeindetages zu, der bemüht sei, die Belange und Wünsche des Gewerbes zu fördern. Gerade in einer Zeit, da sich in den Großstädten die Tendenzen einer
„City-Bildung“ immer stärker durehzusetzen beginne, müsse das ortsansässige Gewerbe alles daransetzen, um nicht durch solche Bestrebungen, die sich zum Ziele gesetzt hätten, ländliche Käufer in die Stadt zu ziehen, ernsthaft geschädigt zu werden.
Geschäftsführer Schwöre r, von der Kreishandwerkerschaft Groß - Gerau, warnte vor einer Verpolitisierung der Gewerbevereine und nannte den zweckgebundenen Zusammenschluß sowie die Organisation der Handwerkerschaft eine staatstragende Säule. Die Kreishandwerkerschaft verfolge im Verein mit den Gewerbetreibenden das gleiche Ziel und wende sich insbesondere gegen Schwarzarbeit. Gegenwärtig, so erklärte er, beschäftige sich der Kreisvorstand der Handwerkerschaft mit 100 Eintreibungs-Fällen von Außenständen und mit 75 Fällen von Schwarzarbeit. Weitere Aktionen gegen Schwarzarbeit seien in Vorbereitung.
Kreishandwerksmeister Gruber sprach sich gegen eine Dachorganisation des Gewerbes auf Bundesebene aus, wie es der Vertreter des Einzelhandels, Moogk, in Vorschlag gebracht hatte. Er forderte die Versammlung auf, bei den bevorstehenden Wahlen die Kandidaten zu
unterstützen, die Handwerk und Gewerbe im Parlament vertreten wollten.
Am Ende der Versammlung beschlossen die Teilnehmer, unter denen sich auch Vertreter des kürzlich gebildeten Ortsgewerbevereins Groß-Gerau befanden, einen vorläufigen Organisationsausschuß zu bilden, um in absehbarer Zeit die Voraussetzungen zur Bildung eines Kreisverbandes zu schaffen.
Der Vorsitzende des Ortsverbandes Gernsheim, Thyssen, gab noch bekannt, daß bisher im Kreise Groß-Gerau insgesamt 10 Ortsgewerbevereine bestünden. Innerhalb dreier Tage hätte sich die Zahl der Mitglieder des Gewerbevereins in Gernsheim um 50 erhöht.
Thyssen gab der Hoffnung Ausdruck, daß der gebildete Organisationsausschuß bereits in absehbarer Zeit sein Ziel erreicht haben werde, besonders, wenn die Bürgermeister der einzelnen Gemeinden die Arbeit der örtlichen Gewerbevereine unterstützen würden. Er erklärte weiterhin, daß diese Organisation niemals politische Ziele verfolgen oder sich parteipolitisch festlegen würde. kr.-
Herbstkonzert
der Sängervereinigung 1946 Crumstadt
Die Sängervereinigung 1946 Crumstadt führte am vergangenen Sonntag ihr Herbstkonzert durch. Der Chor brachte zeitgenössisches Liedgut moderner Komponisten, Männerchöre und variierte Volkslieder zu Gehör. Als Solistin wirkte Frau Lotte Leist-Veite (Darmstadt) (Sopran) mit, die Arien aus Mozarts Opern sang. Ferner Alexander Helfm a n (Bariton), der Lieder und Chansons zum Vortrag brachte. Das Schnurrbusch- Streichquartett spielte Werke von Grieg, Haydn und Boccherini.
Das Konzert war ein voller Erfolg für die Sängervereinigung 1946 Crumstadt. Die Leitung hatte Chormeister Aug. Merker.
„Glaube übermwindet die Angit“
Frau Dr. Tripp-Stulz auf ihrer Vortragsreise in Groß-Gerau
Im Rahmen ihrer Vortragsreise durch das Gebiet der Bundesrepublik sprach kürzlich Frau Dr. Tripp-Stu 1z in Groß-Gerau zu dem Thema: Die Angst und ihre Ueberwindung."
Die Rednerin, die während des dritten Reiches verfolgt worden war und in die Schweiz emigrierte, nachdem sie mehrmals kurz vor dem Vergasungstod gestanden hatte, ging in ihrem interessanten Vortrag von der Voraussetzung aus, daß nur der Mittel zur Ueberwindung der Angst kenne, der sie selbst an sich erlebt habe. Sie zählte dann die verschiedenen Aengste unserer Zeit, angefangen von der Angst vor dem Kommunismus und der Atombombe bis zur Angst vor Arbeitslosigkeit und Inflation auf.
Sogar auf die Kinder habe sich dieser Zustand übertragen, wofür sie erschütternde Beispiele erzählte.
Frau Dr. Tripp-Stulz, die neben einem psychologischen Studium Theologie studierte und Pfarrer wurde, definierte den Begriff Angst als ein Gefühl des Gelähmtseins gegenüber einer vorgestellten Gefahr und führte aus, daß es nur ein Mittel gebe, die Angst zu überwinden, und dies sei der Glaube. Nicht der Kommunismus oder die Atombombe und all die anderen Erscheinungsbilder unserer Zeit, die den Menschen Angst einflößten, sondern die hinter den Dingen stehenden dämonischen Mächte seien die Hauptursache dieses Zustandes. Der Glaube an die Erlösung der Menschheit durch Christus, der auch die Dämonen besiegt habe, sei das beste Mittel, um mit dem Phänomen Angst fertig zu werden.
Die Referentin stellte die Verbindung zum christlichen Glauben in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen und nannte kein Universal-Mittel, die physische Angst zu bannen. Mit den Worten: „Wir haben nur eine einzige Entscheidungsfreiheit, nämlich den Weg zu unserem Schöpfer“, schloß die Rednerin ihren vielbeachteten Vortrag. kr.—
„Schneider Wihbbel“
kam aus Waldmichelbach
Unter-Schönmattenwag und Hammelbach erlebten am Wochenende die Erstaufführungen von M ü Iler-Sc h 1 ö s s e rls ^Schneider Wibbel“ durch die oberen Klassen des Realgymnasiums Waldmichelbach. Die Erfahrungen, die die Bevölkerung des Ueberwaldes mit den bisher gezeigten Bühnenwerken (Kleist's ..Zerbrochener Krug“, Molieres „Der eingebildete Kranke“, Strauß' Operette „Fledermaus“) gemacht hat. brachte auch diesem Schwank ein volles Haus.
Herzlicher Beifall dankte den Darstellern. denen man vor allem im Ulfenbachtal eine größere Bühne gewünscht hätte. Am kommenden Wochenende gastiert die Gruppe in Affolterb ach, dann folgen zwei Aufführungen zu Hause.
Die Einstudierung hatte Kammersänger Karl Wagner übernommen, der auch für Modernisierung der Texte sorgte; Studienrat. Fischer und die Spieler transponierten das Schriftdeutsch in Odenwälder Mundart.
Richtig wählen - aber wen?
Kandidat der SPD für den Wahlkreis 48
1904 als Sohn eines Fabrikarbeiters geboren. Mit 16 Jahren in die Gewerkschaften eingetreten. Unterhält als junger Mensch mit kargem Lohn eine vielköpfige Familie. Nimmt neben harter Arbeit Musikunterricht und ruft später mehrere ländliche Gesangvereine ins Leben. 1946 von der SPD zum Bürgermeister vorgeschlagen und mit großer Mehrheit gewählt. Nach 2 Jahren einstimmige Wiederwahl.
Adam Schmitt
Kandidat der FDP für den Wahlkreis 47
Geboren am 2. September 1922, also erst 28 Jahre alt. Volks- und Handelsschulbildung, 5 Jahre Soldat, bei Rückkehr aus der Gefangenschaft Gründung eines Handwerksbetriebes gemeinsam mit seinem Bruder. Seit U/s Jahren Vorsitzender der Deutschen Jungdemokraten Hessens und Mitglied des Landesvorstandes der FDP.
Bruno Kalusche
Was aŭch interessiert:
Vertreter der Rennvereine von Bad Kreuznach, Hassloch, Buchen, Seckenheim, Viernheim, Zweibrücken und Erbach i. O. treffen sich am 22. November im Schloß-Cafe zu Erbach, um den Verband südwestdeutscher Rennvereine zu gründen. -ch
Nur 468 Seelen sind gegenwärtig in der als Luftkurort beliebten Gemeinde Gras-Ellenbach gemeldet, nachdem in den vergangenen zwei Jahren über 10 Prozent der Bevölkerung abgewandert ist. Der Grund hierfür liegt in der geringen Möglichkeit innerhalb der Gemeinde Arbeit zu finden. -r
Ein gemeinsames Chor-Konzert veranstalten unter der Leitung von Kapellmeister Hans Kullmann die Gesangvereine „Harmonie“ Biebesheim, „Eintracht“ Messel und der Männerchor der SKG Roßdorf, am 18. November, um 20 Uhr, im Saale „Zur Sonne“ in Roßdorf.
Auf hundert Beschäftigte kommen im Kreisgebiet Groß-Gerau nur etwa 1,8 Erwerbslose. Diese günstige Entwicklung ist durch den Umstand bedingt, daß im Raume des Kreises die beiden Großfirmen Adam Opel, Rüsselsheim, und MAN, Gustavsburg, ansässig sind, kr
Die Gemeinde Hassenroth kann am Samstag ihre neue Wasserleitung in Anwesenheit von Vertretern des Landratsamtes Erbach und des Wasserwirtschaftsamtes Darmstadt einweihen. hm
Auf der nassen Nibelungenstraße kam dieser Tage ein Pkw.-Fahrer aus Worms zwischen Bensheim und Lorsch ins Schleudern und rammte einen Telegrafenmast. Der Wagen wurde schwer beschädigt, eine Mitfahrerin verletzt, el
Die Kulturfilme des Resident-Office Darmstadt laufen wieder an. Sie werden, jeweilig wechselnd, donnerstags einmal in Ober- und einmal in Nieder-Modau gezeigt. Die Anfangszeiten sind an den Anschlagbrettern zu ersehen. — Für Anfang Dezember ist ein Nikolausabend geplant. wa-
Trotz Warnung kam ein Kind aus der Biengartenstraße in Lorsch dem hier auf gestellten Karussell zu nahe und wurde von der Schaukel getroffen. Aerztliche Hilfe mußte sofort in Anspruch genommen werden el
Preisgekröntes Federvich
Geflügelausstellung in Ernsthofen eröffnet / Silberner Wanderpokal von
Deutsch-Amerikaner gestiftet
Am Samstag wurde die reichbeschickte Ausstellung durch Kreislandwirt Peter in Anwesenheit des Landrates vom Landkreis Darmstadt und einer großen Anzahl Ehrengäste feierlich eröffnet. Unter den 120 ausgestellten Hühnern und 48 Tauben im Saale der Gastwirtschaft „Zum Odenwald“ befand sich kein Tier, das sich nicht zur Zucht eignete.
Den ersten Preis holte sich Züchter E. Berges für Wyandotte weiß, der auch für die beste Gesamtleistung mit 78 Punkten diesmal den von Edmund Stirn, Neuyork, gestifteten silbernen Wanderpokal errang. Wer bei drei Ausstellungen hintereinander mit dem 1. Preis ausgezeichnet wird, erhält den Pokal zu eigen. Zwei weitere Bewerber, Gg. Keil, Asbach, und Ludwig Matthes, Ernsthofen, errangen jeder 38 Punkte. Den zweiten Preis holte sich für einen rebhuhnfarbigen Italiener-Hahn P. Trautmann.
Die 15 Ehrenpreise fielen auf folgende Rassen und Personen:
Hühner: Sussex, hell: Ludwig Matthes; Wyandotte, weiß: E. Bernges; Italiener, gold: E. Bernges; Italiener, gestreift: Fr. Flügel, Asbach; Italiener, schwarz, Gg. Keil, Asbach; Italiener, gescheckt: Philipp Peter; Leghorn, weiß: E. Bernges; Cabo-Zwerg, goldfarbig: Erwin Rauth, Asbach; Plymouth-Rock, Zwerg, gestreift: Peter Trautmann; Lerchen-Silber: G. Keil, Asbach; Schildtaube: Helmut Klenk; Pfauentaube: Erwin Rauth, Asbach; Eistaube: Willy Müller.
Außerdem wurden noch 15 Preise an verschiedene Züchter und Rassen verteilt.
Mit einer Tombola und anschließendem Tanz klang die Veranstaltung fröhlich aus. -wa-
Bad-König rüstet
zum Feuerwehrfest 1951
Der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Bad König hatte am Samstag seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Hauptversammlung im Gasthaus „Deutscher Hof“ eingeladen.
Die Tagesordnung galt dem Kreisfeuerwehrtag am 2., 3. und 4. Juni 1951 in Bad König, verbunden mit dem 70jährigen Jubiläum und der Bannerweihe der Bad Königer Freiwilligen Feuerwehr. Als Präsident des Festausschusses wurde Ehrenbrandmeister Karl Koch 111. von der Versammlung einstimmig gewählt.
Kreisbrandinspektor Küchler versprach der Wehr seine volle Unterstützung zur Ausgestaltung des Festes und auch Bürgermeister Pröhl will seitens der Gemeindeverwaltung alles daransetzen, dem Ehrentag der Feuerwehr den gebührenden Rahmen zu bereiten.
Ohne Einigkeit kein Erfolg
Gewerkschaftssekretär Kaiser in Schönmattenwag
Im Rahmen einer Gewerkschafts- und Funktionärskundgebung für Ueberwald und Ulfenbachtal gab am Sonntag in Schönmattenwag Gewerkschaftssekretär Kaiser (Darmstadt) einen Ueberblick über die derzeitige Situation des Odenwälder Arbeiters. Er ging dabei namentlich auf zwei dicht nebeneinanderliegende Fabrikkomplexe mit je über 300 Arbeitskräften ein; in dem einen Betrieb würde, wie er behauptete, der Versuch gemacht, eine Unterzahlung durch Nichteinhaltung der Ortsklassenvereinbarung zu erzwingen, im Nachbarbetrieb würde versucht, alle Bestrebungen auf Beseitigung der schlechtesten Ortsklasse, die hier noch Gültigkeit habe, unmöglich zu machen. Der Redner forderte die anwesenden Gewerkschaftler auf, solchen Zumutungen geschlossen und energisch entgegenzutreten. Das Ziel des Arbeiters könne nicht erreicht werden, wenn er uneinig sei.
Auch zwischen Gewerkschaft und Unternehmern brauche kein Unfrieden zu bestehen, wenn sich letztere an die vereinbarten Abmachungen halten würden und zugleich bereit seien. Lebensnotwendiges anzuerkennen.
Solange die Lebenshaltungskosten unaufhaltsam nach oben gingen, könne vom Arbeiter nicht erwartet werden, daß er mit seinen Lohnforderungen zurücktrete.
Bachfeier in Zwingenberg
Zur Finanzierung der Glockenanschaffung fand am Sonntagnachmittag in der Zwingenberger Kirche eine Bachfeier statt, die sehr gut besucht war. Prof. Borngässer, dessen herrliche Orgelfeierstunden in der Stadtkirche zu Darmstadt allgemein bekannt sind, trug durch großes technisches Können und tiefes Verständnis für Bachs Musik wesentlich zum Gelingen dieser Feierstunde bei. Man bedauerte nur, daß der Künstler nicht mehr spielte. Unter der Leitung von Rektor Bauer sang der Kirchenchor, sichtlich bestrebt, dem Stile Bachs gerecht zu werden. Der Posaunenchor unter Walter Barthel vermochte jedoch, was Tonreinheit und Exaktheit anbetraf, nicht ganz seiner Aufgabe gerecht zu werden. August Rasch (Tenor) sang die schlicht-schönen Bachlieder mit einer weichen, warmen Stimme. Pfarrer Höfle sprach Worte zum Bachjahr.
...undßensheim
Mit einem anspruchsvollen Programm trat das Kammerorchester Bergstraße am Sonntagabend im Rathaussaal vor das Bensheimer Publikum. Das Kammerorchester spielte die Suite in h-moll, das brillante Doppelkonzert in d-moll und das anspruchsvolle 4. Brandenburgische Konzert von Bach. Aufgelockert wurde diese Folge durch zwei geistliche Arien, die Hildegard Linck mit geschulter, wohlklingender Sopranstimme vortrug. Unter der bewährten Leitung von Adam Rettig, der auch im Verein mit Hermann U n g e f u g hohes solistisches Können zeigte, waren die einzelnen Partituren bis in kleinste Feinheiten ausgearbeitet, so daß die Wiedergabe für den Zuhörer ein Erlebnis war. Nicht vergessen seien auch Willy Hafenreffer, der die Flötensoli spielte und die unermüdliche Pianistin Inge Schuster, die mit viel Feingefühl am Flügel konzertierte. Die Darbietungen fanden überaus reichen und herzlichen Beifall. HB.
Geschworene und Schöffen in Pfungstadt gewählt
In der am Montag einberufenen außerordentlichen Gemeinderatssitzung wurde der Antrag zur Aufnahme in die Vorschlagsliste zur Wahl’ der Schöffen und Geschworenen mit 17 Stimmen angenommen. Die Liste liegt ab sofort für jedermann zur Einsicht offen. Etwaige Einwendungen sind schriftlich an die Stadtverwaltung einzureichen.
Weiterhin wurde die Vergebung der Kanalisationsarbeiten in der Seeheimer Straße ausgeschrieben und die Bestellung einer neuen Pumpe für die Kläranlagen vorgesehen. Das Schwimmbad soll auf Vorschlag der Verwaltung wegen der Kohlenknappheit in Zukunft nur noch Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntagvörmittag geöffnet sein.
... und in Alsbach
Der Gemeinderat befaßte sich in seiner Montagsitzung mit der Aufstellung der Vorschlagsliste der Schöffen und Geschworenen, da nach den einschlägigen Bestimmungen Schöffen und Geschworene alle 2 Jahre neu aufzustellen sind.
Die Zahl der vorzuschlagenden Schöffen und Geschworenen richtet sich nach der Einwohnerzahl. Für Alsbach mit 2334 Einwohner mußten 15 Personen in Vorschlag gebracht werden. Es wurden bestimmt: Georg Wenz 111., Georg Nickels, Walter Pohl, Arthur Domke, Georg Mahr, Ludwig Klein 11., Frau Emma Glock, Frau Knirsch, Frau Lydia Dingeldey, Robert Munk eis, Ludwig Frank, Georg P 1 öss e r 11., Heinrich Schäfer, Ludwig Schneider 111. und Philipp Bonin 111. hl.
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Messel. — Der Feldschütz wurde ganzjährig verpflichtet unter der Bedingung, das Gräben- und Wegenetz der Gemeinde ebenfalls in Ordnung zu halten. es.
Jugenheim. Am 15. und 29. November und am 6. Dezember hält Fr. Marie Fröhlich im Education Service Center drei Lichtbilder-Vorträge über „Rubens und seine Werke.“ Beginn der Vorträge jeweils 20 Uhr. hl.
Ober-Modau. Die Nebenspielstelle Ober-Modau der Groß-Bieberauer Lichtspiele brachte zum Beginn der Wintersaison am Sonntag den Film: ..Der Mann, der sich selber suchte“; es soll nun wieder alle 14 Tage ein Film laufen. wa.
DIEBURG
Kleestadt. Der Schaafheimer Feldschütz traf zwei in Kleestadt zugezogene Einwohner beim Kartoffeldiebstahl an. Er wurde von ihnen bedroht, so daß er an der Ausübung seiner Pflichten gehindert war. RG
Reinheim. Am Samstagabend feierte die SPD, Ortsverein Reinheim unter Teilnahme vieler Einwohner der Stadt im Volkshaus den 75. Geburtstag ihres altverdienten und weit über die Grenzen "Reinheims hinaus bekannten Mitgliedes Friedrich Schmidt. Vertreter der Stadt Reinheim, aller Parteien sowie des Bundes der Heimatvertriebenen brachten in Ansprachen ihre herzlichsten Glückwünsche dar. Die Kapelle Kohlbacher, Wersau sowie der Arbeiter-Gesangverein Reinheim verschönten den Abend mit musikalischen und gesanglichen Darbietungen. Si.
ERBACH
Lützel-Wiebelsbach. Die Gemeinde stellt Baugelände und Steine zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. So sind „An der Hardt“ 8 neue Häuser entstanden und 4 weitere geplant. -hm-
BERGSTRASSE
Zwingenberg. Ein in Darmstadt gestohlener Jeep wurde vergangene Woche herrenlos im Feld aufgefunden. — Ein Lieferwagen fuhr in der Darmstädter Straße auf einen parkenden Pkw; es entstand Sachschaden. HB
Groß-Rohrheim. Mit der Aufführung des Bühnenstückes „Der Schuß im Erlengrund“ fand der.MGV am Samstag und Sonntag den verdienten Beifall des zweimal vollbesetzten Saales. bb
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Die Bauberatungsstelle der Landwirtschaftskammer hält im Winterhalbjahr an jedem 3. Dienstag im Monat vormittags von 9 bis 13 Uhr im Büro, Steintraße 6, Sprechstunden ab. Auf Anmeldung können auch Bauberatungen an Ort und Stelle in den Hofreiten durchgeführt werden. Kb.
Der SPORT
Eckenheims Ringer wieder Meister
Nach dem klaren Erfolg des mehrfachen hessischen Meisters über den Tabellenzweiten, Germania Dettingen, ist dem Altmeister auch in diesem Jahr die Meisterschaft kaum mehr zu nehmen. Für den wichtigen zweiten Platz kommen lediglich noch die Mannschaften von Hösbach und Dettingen in Frage. Nach den letzten Kämpfen ergibt sich folgender Tabellenstand:
Landesliga: Die Meisterschaftsfrage ist nach wie vor ungeklärt. Die Mannschaft der SKG Ober-Ramstadt, die zur Zeit an dritter Stelle rangiert, hat sich mächtig in den Vordergrund geschoben. Nachdem sie in Darmstadt beim Tabellenführer bereits ein Unentschieden erzielte, konnte sie in Arheilgen und Neu-Isenburg siegreich bleiben. Sie hat das Plus, die beiden führenden Mannschaften, Darmstadt 1910 und Sprendlingen, im Rückkampf auf eigener Matte empfangen zu können. Nach wie vor wird die Tabelle angeführt von Darmstadt 1910, gefolgt von Sprendlingen und Ober-Ramstadt. Diese Mannschaften werden in den noch wenigen Kämpfen beweisen müssen, wer die ausgeglichenste Staffel zur Verfügung hat. Neu-Isenburg, Kostheim und Arheilgen bilden die Mittelgruppe, abgeschlagen und nicht mehr zu retten ist die Mannschaft von Wiesbaden, die immer noch ohne Punktgewinn am Tabellenende steht. -eri-
Kreisklasse: Nieder-Ramstadt erstmals unterlegen / Punkteteilung in Fürth
Die Begegnungen der Ringer-Kreisliga, Gruppe 1, entsprachen nicht den Erwartungen. Dafür gab es in Gruppe 2 gleich zwei Ueberraschungen. Die Bensheimer erzielten über den ungeschlagenen Tabellenführer einen Punktegewinn und Ober-Ramstadts Reserve mußte bei dem Neuling einen wertvollen Punkt lassen.
Die Ergebnisse in Gruppe 1: Groß-Zimmern II — Schaafheim 8:0 und Roßdorf— Wersau 4:4.
Zum drittenmal verloren die Schaafheimer schon an der Waage die Punkte. Diesmal kamen sie durch eine Autopanne zu spät. Den ausgetragenen Freundschaftskampf konnten die Gastgeber mit 7:1 Punkten für sich entscheiden. — In Roßdorf trennten sich die Mannschaften 4:4 unentschieden. Etwas enttäuscht verließen die zahlreich erschienenen Zuschauer den Saal. Die Gäste kamen ohne Eisenhauer, Quick und Czrata, auch Fröhlich (R) ist von seiner Verletzung noch immer nicht genesen. Leider war kein Kampfleiter erschienen, weshalb der Kampf nur als Freundschaftstreffen gewertet wird und nachgeholt werden muß. Die Wersauer siegten im Flieger-, Welter-, Mittel- und Halbschwergewicht durch Plößer, Gaydoul, Daum und Kollbacher. Moter, Feiger, Kurt Emich und Huck waren für Roßdorf erfolgreich.
Die Resultate der Gruppe 2: Pfungstadt-Rimbach 6:2, Bensheim — Nieder-Ramstadt 5:3 und Fürth—Ober-Ramstadt II 4:4.
Die Nieder-Ramstadter mußten sich in Bensheim nach hartem Kampf geschlagen geben. Selten sah der Anhang der Gastgeber seine Mannschaft mit solchem Einsatz und Siegeswillen kämpfen. Hart und verbissen wurde um jeden Vorteil gerungen. Die Gastgeber siegten durch Schröder, Mohr, Wahlig, Wölfel und Wolf. Für Nieder-Ramstadt waren Keller, Burkhard und Faldermann erfolgreich. — Auch im Rückkampf wurden die Rimbacher von Pfungstadt klar geschlagen. Die Einheimischen begeisterten durch ihre Einsatzfreudigkeit. Mit diesem Sieg haben sie ihren Platz in der Mittelgruppe weiter gefestigt und haben noch Aussicht, weiter zur Spitze aufzurückien. Koch, Steinmetz, Hofmann, Frommherz, Koch I und Weber waren für Pfungstadt erfolgreich, Trautmann und Hechler für Rimbach. — Fürth und Ober-Ramstadt II teilten sich in die Punkte. Der Neuling hat sich gefangen und lieferte den Gästen einen harten Kampf. Die zu Beginn der Runde stark sichtbare Mattenunsicherheit scheint überwunden. Wenn er auch noch nicht die Technik besitzt wie die übrigen Kreisligisten, so darf er doch nicht unterschätzt werden.
| 1. SG Eckenheim | ||
| 16:2 | (51:21) | 2. Dettingen |
| 13:7 | (41:31) | 3. Hösbach |
| 10:8 | (37:35) | 4. Frankfurt 86 |
| 9:9 | (35:35) | 5. Hanau |
| 9:9 | (33:39) | 6. Groß-Zimmern |
| 6:14 | (33:47) | 7. Darmstadt 98 |
| 3:17 | (25:54) |
| Groß-Zimmern II | 5 | 5 | 0 | 0 | 34:6 | |
| 10:0 | Wersau | 4 | 3 | 0 | 1 | 18:14 |
| 6:2 | Roßdorf | 4 | 2 | 0 | 2 | 18:14 |
| 4:4 | Schaafheim | 5 | 1 | 0 | 4 | 9:31 |
| 2:8 | Münster | 4 | 0 | 0 | 4 | 9:23 |
| 0:8 |
| Nieder-Ramstadt | 6 | 5 | 0 1 | 36:12 | |
| 10:2 | Bensheim | 6 | 4 | 1 1 | 29:19 |
| 9:3 | Pfungstadt | 5 | 2 | 2 1 | 22:18 |
| 6:4 | Ober-Ramstadt II | 5 | 0 | 3 2 | 15:25 |
| 3:7 | Rimbach | 6 | 1 | 1 4 | 18:30 |
| 3:9 | Fürth | 4 | 0 | 1 3 | 8:24 |
| 1:7 |
Deutscher Fußball-Kalender 1951
In diesen Tagen ist der neue Fußball-Kalender wieder erschienen, mit dem die „Neue Darmstädter Verlagsanstalt GmbH.“ der Fußball-Anhängerschar eine große Freude bereitet. In 53 geschickt ausgewählten Fotos im Großformat, von ersten Sportbildberichtern aufgenommen, ist die ganze Schönheit des Fußballspiels im Bilde eingefangen. Die großen Geschehnisse des Jahres rollen noch einmal an unserem geistU gen Auge vorbei: Die Weltmeisterschaft in Brasilien, der Länderkampf England gegen Italien, das traditionelle Repräsentativspiel Nord gegen Süd, das Bundespokalendspiel, die großen internationalen Begegnungen deutscher mit ausländischen Mannschaften und die Punktekämpfe in Nord-, West- und Süddeutschland, wobei auch die 98er nicht vergessen sind. Der Kalender wird wieder ein begehrtes Geschenk für jeden Sportfreund sein. Der Verkaufspreis beträgt zwei D-Mark. »
Torwart Ruhl (SV 98) wurde im schriftlichen Verfahren vom Rechtsausschuß des DFB für 2'/2 Monate, also bis zum 6. Januar, gesperrt.
Die Spiele am 19. November
1. Liga Süd
FSV Frankfurt—Bayern München Darmstadt 98—1. FC Nürnberg Spvgg Fürth—Eintracht Frankfurt VfR Mannheim—Kickers Offenbach Vfß Mühlburg—Vfß Stuttgart TSV 1860 München—SV Waldhof BC Augsburg—VfL Neckarau FC 04 Siegen—SSV Reutlingen Schweinfurt 05—Schwaben Augsburg
2. Liga Süd
Wacker München—Bayern Hof (Sa.) SV Wiesbaden—Jahn Regensburg Vikt. Aschaffenburg—TSV Straubing Hessen Kassel—VfL Konstanz FC Freibung—SG Arheilgen ASV Cham—l. FC Bamberg SV Tübingen—ASV Durlach 1. FC Pforzheim—Union Böckingen Stuttgarter Kickers—Ulm 46
Hessische Landesliga
Hermannia Kassel—Rot-Weiß Frankfurt Germania Bieber—VfL Biedenkopf Hess. Lichtenau—Spvgg Griesheim 02 VfL Kassel—Union Niederrad Spvg Bad Homburg—Vfß Friedberg Opel Rüsselsheim—Hessen Bad Hersfeld 1. FC Rödelheim—Olymp. Lampertheim Borussia Fulda—VfL Marburg Eintracht Wetzlar—SC Kassel 03 Hanau 1893 Spvg Kassel
Unser Tip
für den Hessentoto SV Darmstadt 98—1. FC Nürnberg 1 (1) FC Singen 04—SSV Reutlingen 1 (0) VfR Mannheim—Kickers Offenbach 1 (0) Spvgg Fürth—Eintracht Frankfurt 1 (1) FSV Frankfurt—Bayern München 1 (1) SV Wiesbaden—Jahn Regensburg 2 (0) Sportfr. Katernberg—Bor. Dortmund 2 (2) Arminia Hannover—Göttingen 05 0 (1) Vfß Mühlburg—Vfß Stuttgart 1 (1) Bremer SV—Holstein Kiel 1 (0) 1860 München—Waldh. Mannheim 1 (1) BC Augsburg—VfL Neckarau 1 (1) Schweinfurt 05—Schwaben Augsburg 1 (1) KSV Hessen Kassel—VfL Konstanz 0 (1)
Spitze in Hannover gesprengt
Hannover, (dpa) Unmittelbar nach Aufhebung der Neutralisation am Dienstag um zwölf Uhr mittags setzten beim Hannoverschen Sechstagerennen lebhafte Verschiebungen in der Spitzengruppe ein. Es wurden Runden am laufenden Band gewonnen und wieder verloren. Dabei ereigneten sich mehrfach Stürze, von denen besonders Grauß, van Bueren, Rigoni und Saager betroffen wurden. Für die Mannschaft Saager/ Schwarzer war das Rennen auf Grund der erlittenen Sturzverletzung Saagers noch um 16 Uhr neutralisiert. Am Nachmittag waren über viertausend Schulkinder im Messesportpalast, die von den wilden Jagden der Fahrer restlos begeistert waren. Bis 16 Uhr waren 2164,168 Kilometer zurückgelegt und der Stand des Rennens wie folgt: 1. Koblet/van Bueren 172 Punkte, 2. Weimer/Müller 109; eine Runde zurück: 3. Rigoni/Terruzzi 148, 4. Intra/Siefert 128, 5. Kilian/Roth 64, 6. Janssens/van Kempen jr. 57, 7. Giorgetti/Bautz 19; zwei Runden zurück: 8. Lakeman/Holthöfer 100, 9. Vopel/Zoll 64, 10. Lapebie/Grause 42. Die anderen Paare lagen drei bis sieben Runden zurück.
Tennis im Spiegel des Jahres
Der TEC mit 5 Herren und 4 Damen in der hessischen Rangliste
Wenn auf den Tennisplätzen die Netze längst gesunken sind und statt der Bälle nur ein paar welke Blätter über die nicht mehr blendend weißen Linien fliegen, setzen sich die Tennisexperten zu strengem Gericht über die Ergebnisse der abgelaufenen Spielzeit zusammen. Da werden Siege und Niederlagen gegeneinander abgewogen, Resultate aus Turnieren, Meisterschaften und Medenspielen gesichtet, jeder erhält seine Plus- und seine Minuspunkte. Dann werden viele Ansichten vorgetragen, widerlegt, angenommen und wieder verworfen, schließlich wird ein Kompromiß vorgeschlagen und dann ist sie fertig, die Rangliste. Sie hat folgendes Aussehen:
Hessische Tennisrangliste 1950
Innerhalb der einzelnen Gruopen ist die Reihenfolge durch das Alphabet. bestimmt.
Herren: 1. Günther, Wiesbaden, 2. Blenk, Bad Nauheim, 3. B. Schmitt, Ffm.- Höchst, 4. Plitt, Bad Nauheim. 5./6. Schomburgk, Kronberg. Stipanski, Kassel, 7./10. Bäumer, Wiesbaden, Gertitschke, Kassel, Sinclair, Frankfurt, Thomas-Morr, Frankfurt, 11./15. Klein, Frankfurt, Kleinlogel, Darmstadt, Philipp, Marburg. Röhn, Marburg, Sigwart, Darmstadt, 16./19. Dubek, Marburg, Pfundtner, Darmstadt, H. Schmidt, Wiesbaden, Weber, Ffm.-Höchst, 20./25. Eichler. Frankfurt, Jacob, Marburg, Redslob, Kassel, Scheffler. Frankfurt, Schneider, Frankfurt, Zur, Bad Homburg, 26./30. Hahn, Darmstadt. Pfad, Bad Nauheim, Reinbold. Bad Homburg. Stapenhorst, Bad Homburg, Wittich, Darmstadt. Nicht eingereiht mangels ausreichender Ergebnisse: Endriß, Darmstadt. Pfaff, Kronberg.
Damen: 1. Frau Jencquel, Wiesbaden, 2. Frl. Schmitthenner. Frankfurt, 3. Frau v. Gerlach, Wiesbaden, 4. Frau Artelt, Wiesbaden, 5. Frau Stoepel. Wiesbaden, 6. Frau Gacek, Frankfurt, 7./8. Frau Köhler, Marburg, Frau Rau, Wiesbaden, 9./13. Frau Diehl, Bad Homburg, Frl. Fiege, Marburg, Frau Keller, Frankfurt, Frl. Scholl, Kassel, Frl. Weyer, Marburg. 14-/18. Frau Becker, Frankfurt, Frau Hermann, Frankfurt, Frau Höhmann, Kassel, Frau Schubert, Darmstadt, Frau Wettlauffer, Darmstadt. 19./22. Frau Feindei, Wiesbaden, Frau Geiß, Darmstadt. Frau Kleinlogel, Darmstadt, Frau Schubert, Wiesbaden.
Bei den Herren hält’ der Wiesbadener Günther mit Klassenabstand die Spitze, auch der Zweite, der Nauheimer Blenk. hebt sich noch klar aus dem übrigen Feld heraus. Der dritte Platz des Frankfurter Meisters B. Schmitt ist ebenso unstreitig wie der vierte des Nauheimers Plitt. Doch dann wurde schon die Bildung einzelner Gruppen notwendig, um anzudeuten, daß wegen widersprechender Gewinn- und Verlustresuitate eine klare Einstufung nicht mehr möglich ist und die Spieler innerhalb einer Gruppe als gleichwertig anzusehen sind.
Die Darmstädter Spieler sind nicht mehra in den Spitzengruppen vertreten, doch stellt der TEC mit Sigwart, Kleinlogel. Pfundtner, Hahn und Wittich die größte Anzahl von Ranglistenspielern eines Clubs. Diese Gleichmäßigkeit der TEC-Mannschaft hat in diesem Jahr ihren sichtbaren Ausdruck in der Erringung der Hessischen Mannschaftsmeisterschaft gefunden. Schwieriger war die Aufstellung der Damenrangliste. da gerade an der Spitze die Spielstärke ziemlich ausgeglichen ist. Der erste Platz ist Frau Jencquel-Horn zugesprochen worden, die die letztjährige Ranglistenerste Frau v. Gerlach schlug und gegen keine hessische Spielerin verlor. Frau Jencquel konnte damit ein seltenes Comeback feiern. An zweiter Stelle erscheint die Deutsche Studentenmeisterin Frl. Schmitthenner, die ebenfalls einen Sieg über Frau v. Gerlach zu verzeichnen hat, so daß diese trotz ihres Sieges in der Hessischen Meisterschaft erst an dritter Stelle folgt. Die Darmstädter Damen haben in diesem Jahr nicht so gut abgeschnitten, doch sind immerhin Frau Schubert, Frau Wettlauffer. Frau Geiß und Frau Kleinlogel aufgenommen worden. hex
Sport in Kürze
Sonntagslehrgänge im Städtischen Hallenbad Einem dringenden Bedürfnis nachkommend, hat sich der Bezirk Süd des Hessischen Schwimmverbandes entschlossen, während der Wintermonate, insbesondere für die Schwimmer, Springer und Wasserballer der Vereine ohne Winterbad im Gebiet Starkenburg einen geregelten Lehrgangsbetrieb aufzunehmen. Die Lehrgänge finden einmal im Monat, Sonntag vormittag von 10 bis 12 Uhr, statt und dienen der technischen und leistungsmäßigen Fortbildung der Wettkampfmannschaften, nebenher läuft eine praktische und theoretische Ausbildung von Kampf- und Schiedsrichtern in allen drei Sparten. Die Lehrgänge stehen unter der Leitung »bewährter Fachleute und beginnen am kommenden Sonntag, dem 19. November.
Abnahme des Bundessportabzeichens Die nächsten Abnahmen finden wie folgt statt: Leichtathletik: kommenden Samstag, 14.00 Uhr, Woogswiese; Schwimmen: Donnerstag, den 23. November. Teilnehmer treffen sich um 18.30 Uhr am Eingang zum Hallenbad.
Der Tischtennis-Länderkampf Schweden gegen Deutschland kommt am 6. Dezember in Kalmar zum Austrag. Die deutsche Mannschaft soll sich aus Raack (Berlin), Dr. Mauritz. Braun (beide Wuppertal) und Vossebein (Bochum) zusammensetzen. (sid)
Stuttgart, (sid) Der bekannte britische Unparteiische A. E. Ellis wird am 22. November in Stuttgart das erste Nachkriegs-Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz leiten.
Europameister Herbert Klein startete auf seiner Schwedenreise erneut in Stockholm, wo er über 200 Meter Brust in 2:37,0 Minuten zu einem weiteren Sieg gegen den jungen schwedischen Meister Bengt Bask (2:43,2 Minuten) kam. Im Kunstspringen siegte Europameister Hans Aderhold knapp vor dem schwedischen Meister G. Johansson. , (sid)
Die Frau und ihre Welt
Philipp der Unentbehrliche
Liebe Kinder haben viele Namen. Unser Teewagen zum Beispiel, von allen im Haus nur Philipp genannt, heißt anderswo vielleicht Lisettchen oder „Boy", stummer Diener, Servierwagen ... Die Abstufung vom Persönlichen zum Unpersönlichen in dieser Namensreihe ist kein Zufall. Wer seinen Teewagen, dieses leicht bewegliche, überall dienstbereite Abstellmöbelchen richtiggehend zu benutzen weiß, wird mit ihm sicherlich auf Du und Du stehen. Aber wieviele tun das? Da, wo der stumme Diener, aufgeputzt mit Deckchen und Kristall, elegant schräg hingestellt, nichts als den sogenannten guten Eindruck macht, heißt er bestimmt nicht Philipp oder Wendelin.
Philipp ist für uns der Inbegriff von Fixigkeit und willigem Zurhandgehen. Daß er bei keiner Mahlzeit fehlt, ist selbstverständlich. Wir haben ihm unter seiner oberen Platte eine nach beiden Schmalseiten herausziehbare, in einfach untergeschraubten Profilschienen laufende Besteckschublade machen lassen, die das Tischdecken ungemein erleichtert, da das, was regelmäßig an Löffeln, Messern und Gabeln gebraucht wird, gleich nach dem Abspülen wieder in diese Schublade hineinkommt. Philipp begleitet uns also auch nach Tisch in die Küche, er lädt dort das gebrauchte Geschirr brav ab und hat es am liebsten, wenn wir ihn in einem Zuge mit dem Abwaschen und Kücherichten alles fürs Kaffeetrinken Nötige gleich wieder aufpacken, so daß die Hausfrau nach ihrer kurzen Mittagsruhe das meiste schon fertig vorfindet und nur noch den Kaffee zu kochen und das Brot zu schneiden braucht. Sein fester Standort ist ein Eckchen unseres kleinen Flurs, wo er von überallher einfach zu greifen ist.
Die Besteckschublade ist nicht das einzige, wodurch sich unser guter Philipp von anderen Teewagen unterscheidet. Seine obere Platte hat an den Längsseiten schmale Klappbretter, die — hochgestellt — seine Fläche auf ein Quadrat vergrößern können. So ist er zum Kaffee- und Teetrinken zu Zweien gerade recht, behaglicher weil nicht so hoch wie der Familientisch und außerdem beweglich: wir fahren mit ihm ans Fenster, wenn die Sonne uns gerade dahinzieht, wir gehen mit ihm an den Ofen, wenn Wärme uns erstrebenswert erscheint, vielleicht sogar einmal in Radionähe, um die Musik auch leisegestellt noch zu hören und den Kindern nebenan die Konzentration auf ihre Schularbeit zu erleichtern. Untermieter sollen übrigens gleichfalls für solche hin und wieder geschenkte Funkstille empfänglich und mehr als dankbar sein.
Zu unserer ausgesprochenen Lieblingsbeschäftigung, dem Strümpfestopfen, holenwir uns unseren Philipp mit einer Tischlampe darauf ganz dicht an die Nähschublade heran; so bleibt die beim Nähen unvermeidliche
Unordnung wenigstens auf diese Ecke des Zimmers beschränkt, und am großen Tisch kann jemand anders seinen abendlichen Liebhabereien nachgehen und nach Herzenslust basteln, Briefmarken sortieren oder was ihm sonst gefällt. Es ist so wichtig, daß jeder zu* Zeiten seinen eigenen kleinen Wohnbereich hat; ein Teewagen, eine handliche Tischlampe und ein, zwei Steckkontakte mehr im Raum können einem da schon viele Wünsche erfülllen.
Wird frische Wäsche in den Leinenschrank geräumt, steht sicherlich der Philipp auch dabei, trägt die großen oder kleinen Stapel und macht das Einsortieren leicht; wird im Badezimmer geputzt, macht er sich gleichfalls unentbehrlich, nimmt uns die vielen kleinen Dinge aus der Hand, die auf der Glasplatte unterm Spiegel stehen, hält auf dem unteren Brett das Putzzeug, Staub- und Gläsertuch bereit und folgt uns so auf dem morgendlichen Weg durch die ganze Wohnung, von seiner Hilfsbereitschaft in der Hausputzzeit erst ganz zu schweigen. Wie soll man Schränke ausräumen ohne ihn?
Es gibt Teewagen, die auf ihrer oberen Platte noch ein genau eingepaßtes Tablett liegen haben. Hat man hierauf seine Nähsachen ausgebreitet, so werden sie mitsamt dem Tablett an die Seite gesetzt, wenn Philipps Dienste vorübergehend beim Abendessen nötig sind, eine große Erleichterung, denn das Forträumen und Wiederherausholen des ganzen Kleinkrams ist oft mühseliger als die Flickarbeit selber. — In einer Einraumwohnung sah ich einen Servierwagen, der zwischen unterer und oberer Platte ein als Kochkiste ausgepolstertes hohes Schubfach eingebaut hatte, dies für eine Berufstätige, die morgens ihr Essen vorbereitete und sich abends ohne weitere Brutzelei an ihren Tisch setzen wollte. So gibt es viele Möglichkeiten, sich durch einen Philipp das Leben leicht machen zu lassen. Bloß: denken kann der Philipp nicht. Das, was er uns tun soll, müssen wir zuvor für ihn gedacht haben. Also denken wir nach ... Margarete Richter
Frau und Industrie
AUF DER INDUSTRIE-AUSSTELLUNG BERLIN
Auf der Industrie-Ausstellung können Sie einen Motorrad-Anzug, eine sogenannte Kombination, sehen und erstehen, der äußerst praktisch ist. Die Hose hat einen praktischen, den Fuß vor Staub schützenden „Lappen", der mit dehnbaren Haltern über den Spann gehalten wird. Damit der Fuß nicht etwa „einschläft", sind diese Halter aus Spiralfedern mit Gummi überzogen. Dazu ein Lumberjack, das winddicht ist. Der Mptor-Roller ist auch im Winter bei schlechtem Wetter mit dieser Bekleidung zu benutzen.
Für die festlichen Abende (für gefüllte Geldbeutel) gibt es ein reizendes Bolerojäckchen, das ganz aus getollter, schwarzer Valenciennespitze besteht. Ein älteres Abendkleid kann durch einen Empire-Kragen ebenfalls aus getollten Valenciennespitzen aufgefrischt werden. Er ist mit Strassteinen, besetzt, und man kann den dazu passenden Spitzenpompadour erstehen. Aber vielleicht gefällt ein Capekragen aus Goldsoutache auf schwarzem Tüll mehr, auch hierzu gibt es einen passenden Pompadour.
Sehr viele elegante Stoffmäntel werden zu sehen sein, denn sämtliche westzonalen Firmen wetteifern mit der Berliner Haute Couture. In diesem Jahr kreiert man viel kostbaren ‘Pelzbesatz neben Pelzmänteln.
Spielsachen sind jetzt — wie schon in Amerika — aus Plastik, damit sich die Kleinen nicht verletzen. Sie können Ihren Kindern ein Miniaturtelefon spendieren, das von einer Batterie gespeist wird. Man kann damit vom Badezimmer ins Kinderzimmer telefonieren oder sogar in die Küche, wenn es erlaubt wird. — Autos sind immer beliebte Spielzeuge — nicht nur für Erwachsene. Die neueste Konstruktion aus Fürth ist das „Gama"-Auto, das nicht mehr die Neigung hat, über den Tischrand fortzurollen; hier wird es durch eine sinnreiche Vorrichtung festgehalten, und wenn man ihm dann einen kleinen Schubs gibt, wendet es und fährt weiter. Könnte man eine solche Konstruktion nicht auf die richtigen Autos anwenden? Wie herrlich, wenn ein Lastwagen nicht mehr umschlüge, wenn er über dem Chausseerand hängt, sondern selbständig wendet und weiterfährt.
Da gibt es die neuartigen Transart-Drucke, es ist eigentlich das Prinzip der Papier-Ankleidepuppe, nur viel hübscher und plastischer. So wird zum Beispiel ein Kessel in die einzelnen Bestandteile zerlegt oder eine Nähmaschine. Das Ganze ist bunt auf Zellophan-Folien gedruckt und gestattet, daß man alles genau sieht, ohne Überschneidungen, da man nur umblättern muß.
Sie können sich eine farbenprächtige Registratur einrichten nach dem Prinzip des „Herrn Pfiffig". Durch die Farben soll es nur Sekunden dauern, daß eine tüchtige Regisfratorin das Gewünschte findet — wenn sie nicht farbenblind ist.
Knallbonbons als Frohsinnspender werden von einer Firma angekündigt, die die herrlichsten Überraschungen in die Bonbons packt und sich immer neue Möglichkeiten der Gestaltung ausdenkt. Kunststück, sie ist nur mit dieser Herstellung beschäftigt.
Für große Kinder und Bastler wohl mehr als für Kinder dürfte der gläserne Motor eine unwiderstehliche Anziehungskraft haben. Er wird erstmalig ausgestellt und wird nicht auseinandergenommen, sondern zusammengebaut. Hoffentlich behält man nicht einige Glasröhrchen übrig.
Kodce in 10 Minuten
Der Franzose Edouard de Pomiane hat ein entzückendes Kochbuch geschrieben. Koche in zehn Minuten! heißt es, Margaretha von Reichenbach-Scheffel hat es ins Deutsche übertragen, erschienen ist es bei F. A. Herbig, Verlagsbuchhandlung, Berlin-Grunewald. Ein Feinschmecker erster Klasse hat seine Vorschläge und Rezepte in erster Linie wohl für Leute geschrieben, die wenig Zeit haben, das sind also die Berufstätigen, die sich selbst verköstigen und in einer knappen Mittagspause sich ihre Mahlzeit schnell zubereiten müssen. Wenn die Köche die Anweisungen des sehr humorvollen Franzosen beherzigen, werden sie mit Vergnügen feststellen, daß sie sich in 10 Minuten tatsächlich ihre Suppen, Saucen, Eierspeisen, Teigwaren, Fische usw. servieren können. Voraussetzung ist, daß für dieses „Blitzkochen" Gas zur Verfügung steht. Große Familien, die in Mengen kochen müssen, können allerdings mit diesen Schnellkochrezepten nicht auskommen, aber die Junggesellen beiderlei Geschlechts werden sich freuen, hier einen zeitgemäßen Helfer in der Not gefunden zu haben. eha.
Backpulver, Liebe und Ehe
DIE REZEPTE EINES WEISEN / VON KEY
Um es von vornherein klarzustellen: Das Wort „Ehe" ist kein Zeitbegriff, z.B. „Ehe wir verheiratet waren . Das Wort „Ehe" entstammt dem altdeutschen „ewa" und heißt: Gesetz. Gesetz heißt „Du mußt!" Und das ist oft nicht leicht!
Immerhin — Lord Byron hat gesagt: „Das Glück ist als Zwilling geboren." Er meinte damit die Ehe. Die schlackenlos glückliche, knitterfreie Ehe, die er nicht hatte und die keiner hat. Entweder man huldigt der These, daß sich die Ehegatten im Laufe der Zeit immer ähnlicher werden. Das wäre entsetzlich (sagt meine Frau).
Oder aber man greift zu einem Rezept — ähnlich wie man ein Laxin benutzt. Sie stehen öfter in Zeitschriften und werden gern gelesen.
Ich persönlich habe mich für die Gebrauchsanweisung entschieden, die der ehrenwerte irisch^ Geistliche Dr. J. M. Mcllrath der leidenden Menschheit in einem Aufsatz „Liebe, Werbung und Ehe" übermittelte. Den Frauen gibt der 89jährige den Rat: „Verlaßt euch nicht zu sehr auf die Kosmetik. Gesichtspuder ist vielleicht gut, wenn man einen Mann gewinnen will — will man ihn aber ein Leben langfesseln, ist Backpulver besser."
Den Männern predigt dieser weißhaarige Schlauberger: „Will man sein Leben lang eine glückliche Ehe führen, dann muß man seiner Frau täglich einmal eine Liebeserklärung machen, und an Sonn- und Feiertagen soll man es mindestens dreimal tun.“
Hier gibt es allerdings einiges zu bedenken. Der ehrwürdige Ratgeber ist 89 Jahre alt. Er hat, sagen wir, mit 20 Jahren geheiratet, denn Geistliche heiraten früh und haben viele Kinder. Er benötigte also für 69 Jahre je Tag eine Liebeserklärung. Das sind 69 mal 365 = 25 285 Liebeserklärungen. Dazu die Schaltjahre. Dazu die Mehrarbeit an Sonn- und Feiertagen. Nicht auszurechnen, denn Feiertage sind in Irland ebenso häufig wie Sommersprossen.
Heiliger Patrick, welche Leistung! Und die Frau Reverend? — Hut ab vor der rüstigen Dame, daß sie diese Kur überstand. (Vielleicht aber war sie schwerhörig.) Doch der Erfolg entscheidet. Dem Weisen auf der schönen grünen Insel gebührt ohne Zweifel das Verdienst, das für jeden von uns so wichtige Problem „Liebe, Werbung, Ehe" ins Rollen gebracht zu haben. Was mich angeht, so kann ich nur sagen: „Reverend, Sie haben mich bekehrt!"
Ich fange heute an mit der neuen Methode oder morgen bestimmt.
Nur: meine Arbeitsweise ist anders. Mal sprudelt es aus mir heraus. Mal bin ich unergiebig wie ein rostiger Eimer. Ich werde also auf Vorrat arbeiten. Am besten lege ich mir einen kleinen Kalender an, wie ich ihn für den Garten habe. Z. B. Montag Karotten pikieren — Dienstag Flaschenbier holen — Mittwoch Schnecken absuchen usw.
Jeden Abend vor dem Zubettgehen eine kleine Dosis aus dem homöopathischen Liebeskalender. Das ist sehr anregend — oder aber es spart auf die Dauer die teuren Schlafmittel. Was halten Sie davon?
Der Herbst im Kleiderschrank
O Lust, nach Schluß der Sommerzeit in einem Modeheft zu blättern! Der bunte Herbst ist da und schreit die Mode aus in lauten Lettern! Bis in die Eingeweide krank steht nackt und bloß der Kleiderschrank, und seine sommermüde Seele vernimmt die herbstlichen Befehle!
Da heißt's von dem Kostüm, mein Schatz: Die kürzern und auch knappem Jacken, tailliert, mit kleinem Pelzbesatz, umschmiegen Hüfte, Rumpf und Nacken. Die Röcke werden wieder schmal, doch nicht, wie einst, so schmal-fatal, daß alle uns’re lieben Damen dabei die Trittbrettangst bekamen.
Am sportbetonten Mantel schätzt, so liest du, innerlich erheitert, man Taschen, sehr groß aufgesetzt, die Schultern sind nur leicht verbreitert. Dies alles unterstreicht mit List die Weite, die leicht glockig ist, die Ärmel werden weit getragen und mit und ohne Pelz die Kragen.
Vom neuen Kleid Frau Mode spricht: Der Rock verengt die weite Weite, die Farben steh’n im Herbsteslicht, viel Biesen geben das Geleite. Hübsch wirken Falten und Plissees am Kleide bei den Damen-Tees, und auch die Perlenstickereien sich wieder hoher Gunst erfreuen.
Das Abendkleid hingegen gibt sich schlank geneigt bis zum Parkette, es ist in das Empire verliebt,
wie einst Marie Antoinette! An Stoffen ist die Auswahl groß, wer Geld hat, wird es spielend los, und aus dem vollen Kleiderschranke tönt es vernehmlich: Danke! Danke! Willi Lindner
Das Herbstlaub fällt...
Wir Mütter haben schon unsere Sorgen, jSu mit iedem Ta&e spürbarer auf die kalte Jahreszeit losgeht. Nicht nur, daß wir für Vorräte in Küche und Keller sorgen müssen, auch der Wechsel in der Kleidung der ganzen Familie bereitet uns oft großen Kummer und einiges Kopfzerbrechen.
Da sind vor allem unsere Kinder, die nicht frieren sollen, die aber in der Zwischenzeit fast aus allem herausgewachsen sind. Hier wird es für die selbstschneidernde Mutter leichter sein, alles wieder in Ordnung zu bringen oder Neues zu schaffen, als für die nadelungewohnten Frauen, die den Geldbeutel bemühen müssen.
Unsere Babys verlangen in erster Linie mollig-warm angezogen zu werden, damit ihnen auf ihrer Ausfahrt nicht kalt wird. Nette Jäckchen und Mützchen, die wir nach Anleitung aus den jetzt wieder erhältlichen besonders weichen Wollefi selbst herstellen können, sind ein guter Schutz für unsere Kleinsten. Zu Hause steckt man sie in ein Tragkleidchen aus getupftem
Für -die Kleinen, die noch nicht zur Schule gehen, jetzt aber mehr, als in den Sommertagen zu Hause sein werden, bietet der Hausanzug in gestreiftem Flanell für Jungen oder geblümt für Mädchen einen sicheren und warmen Schutz, zumal er an den Beinen mit Bündchen versehen wird. Ein einfarbiges nettes Blüschen mit langem Ärmel ergänzt das Ganze.
hören mit zu den am liebsten verarbeiteten Modellen. Für den Alltag verwendet man gern Flanell, Barchent oder einen leichten Wollstoff, für festliche Gelegenheiten Jerseys, wollner Crepe de Chine oder die schmeicheln- Unzählige Abwandlungsmöglichkeiten bietet, wie auch bei uns Großen, das zweiteilige Kleid. Ein netter Trägerrock aus Schottenstoff (auch hier wäre das nicht mehr passende Kleid des Vorjahres heranzuziehen), dazu eine passende Bluse, Jumper oder auch eine einfarbige Jacke. Außer Schottenstoff verwendet man für diese Machart gern Ripssamt, getupften Samt, dunklen Shetland.
Einfache Sportkleidchen, geschickt mit einigen tiefen Falten verarbeitet, bieten im nächsten Jahr die Möglichkeit, sie mühelos zu ändern. Plissee- und Faltenröckchen
werden wie immer gern getragen.
Fast schon damenhaft wirken die Mäntel unserer Elf- bis Vierzehnjährigen. Auf Taille gearbeitet sind sie bei unseren jungen Damen sehr beliebt. Ein kleiner Pelzbesatz aus Mutters altem Bestand oder eine nette Pelzverbrämung in Krimmer, Kanin oder einer anderen Imitation geben dem Mantel das gute Aussehen.
Für die Nacht geben wir jetzt unseren Kleinen ein langes Nachthemd aus gemustertem Waschflanell, bis zum Halse geschlossen. Ein Schlafanzug mit Passenärmeln, die, wie auch die Hosenbeine, mit Bündchen fest zu schließen sind. Diese Art Schlafanzüge nehmen der Mutter die Sorgen, daß sich das Kind erkältet, wenn es sich in den kalten Wintertagen einmal bloßstrampelt. Für 'unsere kleinen Mädchen ist dieser Nachtanzug ebenso zweckmäßig wie für die jungen. Der verdeckte Knopfverschluß liegt in der Mitte.
Wenn wir schon jetzt darauf bedacht sind, unsere Kinder den Jahreszeiten entsprechend anzuziehen, werden wir sie in den kommenden Monaten weniger als „Kranke" zu betreuen haben. Irene Modelle: Wiener Kindermoden - Zeichnung: Krahd
Flanell mit Banddurchzug. Unten wird das Kleidchen geknöpft. Es muß sehr reichlich sein, damit sich das Kind ordentlich bewegen kann.
Die Hängerchen für unsere Mädchen, evtl, aus zwei nicht mehr passenden Kleidern zusammengesetzt, sind zweckmäßig und ge-
den Pastellfarben in Seide. Smoknäherei ist wieder sehr bevorzugt und wird auch bei Kinderkleidchen gern verwendet.
Tage des Vebergangs
Wir befinden uns in den Tagen des Übergangs. Sie verlangen von jedem von uns einen Wechsel in der Kleidung. Nicht alles, was wir im Frühjahr sorgfältig verpackten, können wir nun auf gebügelt wieder anziehen. Einiges muß modernisiert werden, denn die Frauen legen nunmal großen Wert darauf, modisch gekleidet zu sein. Manches von unseren guten Sachen rangiert nunmehr zweitrangig und rpuß durch ein neues Stück ersetzt werden. Da heißt es gründlich überlegen, um immer das Beste herauszufinden. In diesen Dingen sind die Modejournale unsere besten Ratgeber
„Bayers Modeführer" / Herbst — Winter 1950/51, Verlag Otto Bayer, Wiesbaden (Preis 5,50 DM), bringt eine Fülle schöner und moderner, aber nicht ausgefallener Schnitte, die man immer und zu jeder Gelegenheit tragen kann: Die schmale Rocksilhouette — sportliche Kleider—, das elegante Tageskleid mit Garnitur, Knopf- oder Biesenverarbeitung — sehr vornehm und apart das Nachmittagskleid' mit den Stickereimotiven oder dem Sonnenplisseerock. Das für den Winter wieder öfters benötigte Abendkleid ist besonders reizvoll. Den Braut- und Tanzkleidern wurde viel Raum geschenkt. Modelle für den Wintersport beschließen den Reigen dieser Auswahl neuester Modeschöpfungen. Zwischen den großen Blattseiten finden wir Bildstreifen über neue Kleider- und Pelzgarnituren sowie sportliche Kleinigkeiten. Alle Schnitte sind als „Bunte Bayer-Schnitte" lieferbar. Außerdem liegt ein Schnittmusterbogen bei.
„Inspiration", die Zeitschrift für die Dame, bringt in ihrem Septemberheft eine bunte' Auslese geschmackvoll zusammengestellter Beiträge aus allen Wissensgebieten, um damit vor allem die anspruchsvolleren Leserinnen anzusprechen. Die elegante Aufmachung des Heftes im Vierfarbendruck, die neuesten Modezeichnungen aus den Pariser Herbstkollektionen, Wissenswertes über amerikanische Wohnkultur, Gestaltung der Innenräume, der deutsche Kulturspiegel usw. sind einige Beiträge aus dem vielseitigen Inhalt der Zeitschrift mit besonderer Prägung. Eine Musterkarte original-schweizerischer Wollstoffe gibt Proben von leichtesten Kammgarnstoffen bis zu den schwersten Velours für Herren- oder Damenmäntel. Beiträge aus der Feder internationaler, bekannter Autoren vervollkommnen den Inhalt des Heftes. (Verlag Karl Gabler, München. Preis monatlich 1,80 DM).
Praktikus — Modenblatt (Sebaldus-Verlag, Nürnberg, Preis 1,10 DM) bringt in seinem Oktoberheft viele und besonders kleidsame Modelle für Vollschlanke. Die modisch interessierte Frau, die ihre schlanke Linie etwas eingebüßt hat, aber dennoch gut und schick gekleidet sein möchte, findet unter den vielen Variationen für alle Gelegenheiten nette Modelle, vom frühen Morgen bis zur festlichen Eleganz des Abends. Allen Stunden ist Rechnung getragen. Dabei wurden auch die „Schlanken" nicht vergessen. Außerdem Vorschläge für warme Winterwäsche, Strickmodelle, etwas für „ihn" und für die Kinder. Monika
Loh des Veberziehers
Im März hängt man ihn in den Schrank und seufzt erleichtert: Gott sei Dank! Man trägt dann leicht're Sachen, weil mit der Frühlingslüfte Hauch die wärmeren Gefühle auch im Busenschacht erwachen!
Im Herbst, wenn rauh die Stürme wehn und Tümpel auf den Straßen stehn von trüben Regenlachen, läßt sich beim Gang durch die Natur in einem warmen Mantel nur ein warm Gefühl entfachen!
So wird der dicke Paletot,' dem man im März vergnügt entfloh, jetzt wieder auf gemöbelt, ein sich'rer Schutz bei Sturm und Wind, an Tagen, wo der Nebel rinnt und sich die Welt vernebelt!
In seine Schwere eingesthmiegt, weiß man, daß ihn nicht unterkriegt der Wolken trüb Gegreine. Man geht mit ihm durch dünn und dick, den Kragen schlägt man ums Genick, die Schöße um die Beine!
So steckt man wie im Etui, und Gummischuh’ und Parapluie tun andrerseits das ihre, daß man, in Wärme eingebaut, fidel und ohne Gänsehaut durch Schnee und Frost marschiere!
Und wenn die Windsbraut, sturmerprobt, um unsere Fassade tobt mit mißlichem Gewieher: wir trotzen ihr zu jeder Frist, wenn uns're Haut geborgen ist im dicken tlberzieherl Kuckuck
Ein Mann und eine Modenschau
Nicht er zeigte Moden, etwa in Ringelstrümpfen und wieder neu zu uns gekommenen Westen, nein, er saß ganz einfach da mit mir als Publikum, und um ihn zu beruhigen bemerkte ich, daß außer ihm mindestens noch vier Männer anwesend wären. Das beruhigte ihn zwar, aber das Publikum gefiel ihm nicht, es waren ihm zuviel ältere Damen. Ich tröstete ihn im Hinblick auf die zu erwartenden Mannequins. Die Kapelle begann. Sie trug einen bekannten Namen, und wäre er nicht dabei gewesen, hätte sie mir vielleicht gefallen. Aber so mußte ich manches ironiegeladene Wort über sie einstecken. Es war belustigend. Das erste Mannequin im kastanienbraunen Haar, mit zugekniffenen, leicht fremdartigen Augen, trug einen weichen, weiten-Wollmantel. Mich interessierte der Preis, auch von Hut und Tasche. Aber er, er sprach von Pfadfindergang und wußte von einer Tagung)' die gerade stattfand. Bei der zweiten Dame suchte er lange, bis es herauskam: „Hamster". Ich war gerade in den Anblick eines Jersey-Modells vertieft: „Wieso Hamster?" „Die Backen!" Und da wir gerade bei den Tieren waren und er ein besonderes Herz für sie hat, bekam ich auch sogleich die Geschichte mit den beiden schwarzen Kätzchen erzählt. Das nächste Kleid habe ich dadurch nicht gesehen. Dann trug man ein schwarzes Kleid vor, einfach, elegant, als Schmuck eine Schmelzperlenkette. Genau so eine wie ich sie mir wünsche. Er fragt nicht nach dem Preis, nur: „Irene trug heute auch so eine." Irene, ewig Irene, das kann einen mit der Zeit doch ärgern und mit: „Ach, Irene steht doch so etwas gar nicht" beendete ich leicht gekränkt und mit dem Versuch, meinen normalen Tonfall beizubehalten, das Gespräch. Mittlerweile hatten die vorführenden fünf Mannequins ihre erste Laufstegpromenade gemacht. Nun begannen sie von neuem. Er protestierte. Nur fünf Mannequins? Es müßten jedesmal andere sein. Wie langweilig, immer dieselben. Zudem konnte er die Beine nicht sehen. Wir saßen zu weit in der Ecke. Herbst- und Wintermoden, was war das schon! Bade- und Strandanzüge wollte er haben. Im übrigen: In was schläft man in diesem Winter? Der Unglückliche, es kamen nur Mäntel und Kleider und immer wieder Mäntel, zugeknöpft bis oben hin. Dann passierte die große Dame (das Mutti-Mannequin) mit schwarzem breitumrandeten Hut Revue. Ich war gebannt. Das war d i e Kopf-
bedeckung, wie ich sie mir wünsche, zu jedem eleganten Kleid passend. Er kriegte einen Stoß: „Schau, diesen Hut!"
Da beugte ich mich andächtig über mein Glas. Eine Fliege zappelte auf der Weinoberfläche. Ich hielt das Glas (vorher war bereits der gegenübersitzenden Dame die Sahne umgekippt). Die Tischkarte wurde von ihm zur Angel gerollt. Aber die Fliege wollte nicht, sie fand immer eine andere Richtung, um unserer Hilfe zu entkommen. Wir starrten in das Glas. Zwei hübsche Mannequins waren mir entgangen. Nun wollte ich wieder aufmerksam sein. Herrlich war der Silberfuchskragen, der mit einem Handgriff zur Kapuze wurde. Die Frauen waren begeistert. Ein Herr am Nachbartisch saß blaß und in sich gesunken, vielleicht hatte seine Frau sich gerade diesen Silberfuchskragen gewünscht, und solche Wünsche können Männer erbleichen lassen. Der Clou des Abends war die auffallend aparte Abendtoilette: Rücken frei, Schultern frei; Ein Problem, wie diese Kleider halten! Ein tappiger Schritt auf den Rock, oh blühende Männerfantasie! Herrlich braune Rücken betonten noch das rüschenbesetzte schwarze oder lila Abendkleid. Das war das Ende.
Die Dame gingen vollgepfropft mit neuen Ideen für den kommenden Winter, die Herren mit einem festen Griff nach ihrer Brieftasche. Inge
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* Bestattungen am Mittwoch, dem 15. November 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 11.00 Uhr: Planz, Pauline, 83 Jahre, Seeheim 15.30 Uhr: Griesheimer, Christine, 72 Jahre, Barkhausstraße 63 Bessunger Friedhof 14.30 Uhr: Kredel, Adam, 81 J., Tannenstr. 33 lArheilger Friedhof: 15.00 Uhr: Barnewald, Johann, 80 Jahre, Große Hundsgasse 3 Feuerbestattungen: > Waldfriedhof: 13.45 Uhr: Schiemann, Ernst, 59 Jahre, Groß- Bieberau 14.00 Uhr: Zaiger, Barbara, 81 Jahre, Ro߬ dörfer Straße 112 14.30 Uhr: Huxhorn, Ph., 72 Jahre, Pfungstadt
Bekanntmachungen Konkursverfahren JN 36/50. Ueber das Vermögen des Maurermeisters Johann Stehling, Hoch- und Tiefbau, Darmstadt, Alexandraweg 3, wurde am 10. November 1950, 17 Uhr, Konkurs eröffnet, da dieser zahlungsunfähig ist. Konkursverwalter: Rechtsanwalt Kurt Beck. Darmstadt, Luisen¬ platz, Telefon 21 36. Forderungsanmeldungen bis 4. Dezember 1950 beim Gericht zfweifach. Gläubigerversammlumg mit der Tagesordnung der §§ 132, 134 und 137 KO., und Prüfungstermin: 12. Dezember 1950, 9 Uhr, Zimmer 324. Offener Arrest mit Anzeigepflicht bis 4. Dezember 1950 dem Konkursverwalter. Darmstadt, den 10. November 1950. Amtsgericht — Abt. 3. Zwangsversteigerung Am Donnerstag, dem 16. November 1950, 10 Uhr, wird zwangs¬ weise, meistbietend, gegen sofortige Barzahlung in Darmstadt versteigert: 1 Bandmesserschneidemaschine für Kleiderfabrikation, 2 Tafeiblechscheren, 1 Zumbilt-Rühr- und -Anschlag¬ maschine, 1 Drehkandelrundmaschine, 1 Schlosserschraub¬ stock, 2 Rundmesserblechscheren. 1 Eßeisen. 1 Exhauster mit elektr. Motor, 1 Holzdrehbank Heiligenstadt mit elektr. Motor, 1 Teigknetmaschine mit elektr. Motor, eine Säulenbohrmaschine, 1 Tischbohrmaschine, 1 Gewinde¬ schneidmaschine, um 11.00 Uhr: einen Radio, Telefunken. Zusammenkunft der Steigliebhaber: AG., Darmstadt, Mathilden¬ platz. Eingang Schleiermacherstraße. Darmstadt, den 13. November 1950. Neubert, Gerichtsvollzieher (b).
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