Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt ERICH DOMBROWSKI. D a r m uarmstädter TaSblatt U C. Wittich, Ers^heinVta???18^ 23' Tele*°n 3925. c-rscneint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 117 Äetieffe iTtadkidHen Dienstag, 14. November 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße23.Tel. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Yaushaltfrom bleibt unverändert

Aber Einscheänkung von Schaufenfer- und Reklamebeleuchtuug

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da-Boim, 13. November. Nachdem in Hamburg die Schaufenster- und Keklamebeleuchtung zur Stromersparnis bereits eingeschränkt worden ist, hat das Bundeswirtschaftsministerium jetzt an sämtliche Lander die Aufforderung gerichtet, in Anbetracht der außergewöhnlichen Anspannung bei der Kohlenversorgung die Einschränkung der Schaufenster- und Reklamebeleuchtung anzuordnen.

Von Seiten des Bundeswirtschaftsministeriums wird betont, daß auch in den Gebieten, die von Wasserkraftwerken mit Strom versorgt werden, Einsparungen unvermeidlich seien, da die Wasservorräte in den Winterspeichern im Monat Oktober über Gebühr in Anspruch genommen worden seien. Es besteht in Bonn allerdings der Eindruck, daß die Länder, deren Stromversorgung im wesentlichen auf Ausnutzung von Wasserkraft beruhen, verhältnismäßig wenig Neigung zeigen, mit der Stromeinsparung Ernst zu machen. Wie ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums betonte, sind die Länder ersucht worden, den Stromverbrauch ungefähr auf den Verbrauch der ersten Septemberwochen einzuschränken.

Diese Aufforderung bedeute aber nicht, daß auch der Verbrauch von Haushaltsstrom eingeschränkt werden solle. Weiter wurde uns versichert, daß das Bundeswirtschaftsministerium die Lage in der Kohlenversorgung nicht mehr als alarmierend betrachtet und daß Maßnahmen, die über die jetzt den Ländern gemachten Vorschläge hinausgehen würden, nicht geplant seien.

Schließlich erfahren wir aus dem Bundeswirtschaftsministerium, daß mit einer durchschnittlichen Erhöhung der Kohlenpreise um fünfzehn Prozent zu rechnen ist.

dpa Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard sagte auf einer CDU-Wahlversammlung in Augsburg ein baldiges Ende der Kohlenknappheit voraus. Zur Zeit fehlten im vierten Quartal noch etwa eineinhalb bis zwei Millionen Tonnen Kohle. Da jedoch die vereinbarten Mehrleistungen des Kohlebergbaus monatlich eine Mehrförderung von einer Million Tonnen ergäben, werde der Kohlenengpaß bald beseitigt sein.

Sofort beantragen!

Die steuerfreien Beträge für 1950

Bonn, 13. November. Wie vom Bundesfinanzministerium erklärt wird, kann nicht damit gerechnet werden, daß Werbungskosten oder Sonderausgaben für 1950 wie bisher in einem Lohnsteuerjahresausgleich nachträglich angerechnet werden. Das Ministerium empfiehlt daher, eventuelle Aenderungen der Werbungskosten oder Sonderausgaben für 1950 noch jetzt dem zuständigen Finanzamt vorzulegen.

Geheimbelprechungen

Taipeh, 13. November (AP.) Der Staatspräsident des kommunistischen Chinas, Mao Tse-tung, soll gegenwärtig in der Mandschurei mit hohen sowjetischen und nordkoreanischen Regierungsvertretern Beratungen führen, berichtet der nationalchinesische Geheimdienst am Montag. Thema der Beratungen sei die Weiterführung des koreanischen Krieges.

Unterhändler untermwegs

um Einigung mit Peking zu erzielen

Lake Success, 13. November. (AP.) Der australische Vertreter im Koreaausschuß der Vereinten Nationen, Plimsoll, hat sich nach dem Fernen Osten begeben, um direkte Verhandlungen mit den Kommunisten über die durch die Intervention Rotchinas entstandene Lage in Korea, aufzunehmen.

Yor neuem Grokangriff?

Die Lage in Indochina

Saigon, 13. November. (AP.) Die Konzentration kommunistischer Vietminh- Truppen im Raum von Dinhlap und Moncay läßt darauf schließen, daß die Kommunisten in Kürze einen größeren Angriff auf die letzten 160 Kilometer der französischen Verteidigungsfront in Tonking an der chinesischen Grenze beginnen werden.

Der nördliche Eckpfeiler dieser Front, das Fort Dinhlap, ist bereits halb umzingelt. Vietminh-Verbände drohen, die einzige in südöstlicher Richtung nach Tienyen verlaufende Nachschubstraße zu überqueren und damit das Fort abzuschneiden.

Matthenrs flirgt zu Mac Arthur

Washington, 13. November, (dpa) Der amerikanische Marineminister Matthews ist in der Nacht zu einer Zusammenkunft mit Mac Arthur in Tokio nach dem Fernen Osten abgeflogen.

Pekings Antwort an MarArthue

Zurückziehung aller ausländischen Truppen aus Korea gefordert

Peking 13. November, (dpa) Die kommunistische Nachrichtenagentur „Neues China“ veröffentlicht am Montagmorgen die Antwort der Volksrepublik China auf Ln Bericht des Oberkommandierenden der Vereinten Nationen, Mac Arthur, über das Eingreifen chinesischer Truppen in den Koreakonflikt.

In einer Erklärung des chinesischen Außenministeriums wird der Bericht als Entstellung der Tatsachen und als Einschüchterungsversuch gegenüber China bezeichnet. Das chinesische Außenministerium erklärt, die freiwillige Unterstützung der Koreaner durch das chinesische Volk und der Widerstand «egen die amerikanische Aggression hatten eine gesunde moralische Grundlage. Der Kampf gegen diese Aggression werde nicht aufhören, wenn die Angriffshandlungen nicht eingestellt würden.

Das Pekinger Außenministerium veröffentlicht dann eine „unvollständige Liste“ von angeblichen Verletzungen der chinesischen Gebietshoheit durch die Amerikaner, in der »7 Einzelfälle von Grenzverletzungen aufgeführt werden. Dabei seien insgesamt 12 Chinesen getötet, 40 Chinesen verletzt und außerdem erheblicher Sachschaden angerichtet worden.

Als erste Voraussetzung für eine friedliche Regelung des Koreakonfliktes wird in der Erklärung die Zurückziehung aller ausländischen Truppen aus Korea gefordert. Die Koreafrage könne nur durch die Bevölkerung Süd- und Nordkoreas selbst gelöst werden.

Tramöfflde Gundenerlalte

Francois-Poncet antwortete Bundeskanzler Dr. Adenauer

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn. 13. November. Am Gedenktag für die deutschen Kriegsgefangenen hatte Bundeskanzler Dr. Adenauer im Bundestag an die französische Regierung und an das französische Volk die Bitte gerichtet, die gegen frühere deutsche Soldaten eingeleiteten Verfahren möglichst bald in gerechter Weise zu Ende zu führen.

Der französische Oberkommissar, Botschafter Francois-Poncet, hat hierauf dem Bundeskanzler mitgeteilt, daß die französische Regierung zahlreiche Maßnahmen getroffen habe, um die Verfahren gegen die Kriegsverbrecher möglichst zu beschleunigen. Der Präsident der fran-

zösischen Republik habe bereits zahlreiche Begnadigungen von Verurteilten ausgesprochen, ohne eine endgültige Lösung dieser Angelegenheit abzuwarten. Die Gesamtzahl der Gnadenerweise, durch die die Strafen zugunsten der in Frankreich verurteilten deutschen Staatsangehörigen ganz oder teilweise erlassen wurden, habe sich auf 234 (davon siebzig seit dem 1. Januar) erhöht, was die Ueberprüfung eines Drittels der verhandelten Fälle darstelle.

Ungefähr die Hälfte der Todesurteile sei ebenfalls auf dem Gnadenwege zu Freiheitsstrafen umgewandelt worden.


Dcr vor mehreren Wochen erkrankte Generalsekretär der französischen Kommunistischen Partei, Thorez, ist in einer Maschine des sowjetischen Außenministers Wyschinski zur ärztlichen Behandlung nach Moskau geflogen. — Maurice Thorez wird auf dem Flughafen Orly bei Paris durch die Reihen der Photoreporter in das Flugzeug getragen
Dcr vor mehreren Wochen erkrankte Generalsekretär der französischen Kommunistischen Partei, Thorez, ist in einer Maschine des sowjetischen Außenministers Wyschinski zur ärztlichen Behandlung nach Moskau geflogen. — Maurice Thorez wird auf dem Flughafen Orly bei Paris durch die Reihen der Photoreporter in das Flugzeug getragen

Hefriedungsplan „unrealiftisch“

Amerikanisches Oberkommissariat lehnt Niemöllers Plan ab

Frankfurt a. M., 13. November, (dpa). Politische Beamte des amerikanischen Oberkommissariats in Frankfurt nannten am Montag den Vorschlag des hessischen Kirchenpräsidenten Niemöller über eine Besetzung Deutschlands mit Streitkräften der Vereinten Nationen unrealistisch und auf Grund der aktuellen politischen Situation nicht ausführbar.

Die Bundesrepublik habe durch ihren Wunsch nach alliierten Truppenverstärkungen unmißverständlich gesagt, von wem sie geschützt zu werden wünsche. Der Berliner Bürgermeister Dr. Friedensburg erklärte, daß sich die Geistlichen in der Sowjetzone angesichts der von den dortigen Zeitungen mit den Aeußerungen Niemöllers getriebenen Propaganda bei ihrem mannhaften Kampf für die Freiheit des Gewissens bedroht und im Rücken angegriffen fühlten.

Cine unmögliche Entscheidung

Memmingen, 13. November, (dpa) Der nach sechsjähriger Kriegsgefangenschaft aus Rußland heimgekehrte Karl Türr erhielt vom Amtsgericht Memmingen einen Strafbefehl, ersatzweise vier Tage Haft, weil er ohne Genehmigung des Wohnungsamtes zu seiner in Memmingen wohnenden Frau gezogen ist.

Frau Türr ist als politischer Flüchtling aus der Sowjetzone mit ihrem Kind nach Memmingen gekommen und hat dort Arbeit als Buchhalterin gefunden. Das Flüchtlingsamt hatte ihr zunächst den Zuzug mit der Begründung verweigert, daß auch ihr Mann nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft dem Memminger Wohnungsmarkt zur Last fallen würde. Frau Türr hatte in ihrer Not erklärt, sie werde sich von ihrem Mann scheiden lassen.

Türr wohnte nach seiner Entlassung zunächst bei seinen Eltern und zog zu seiner Frau, als er deren Anschrift erfuhr. Da der Spätheimkehrer bei seiner Frau wohnen blieb, obwohl ihm die Zuzugsgenehmigung verweigert wurde, hatte das Wohnungsamt Memmingen Klage beim Amtsgericht erhoben.

Der keker

*** Als Ketzer wird bezeichnet, wer die Dogmen eines Glaubens bestreitet. Heute muß auch der Stalinismus als eine Glaubensrichtung aufgefaßt werden. Unerbittlicher, als das je eine Religion getan hat, verfolgt er die Ketzer, das heißt, die nicht linientreuen Genossen. Den Trotzkismus hat er vernichten können. Als Hauptfeind betrachtet er heute den „Titoismus“. Den Namen für diese Ketzerei mußte der jugoslawische Marschall Tito hergeben, der in seinem Lande einen nationalen Kommunismus zu entwickeln versucht hat.

Nun ist es sehr interessant, daß Tito in einem der Interviews, die er in letzter Zeit westlichen Journalisten gibt, erklärt hat, es gäbe keinen Titoismus. Das will besagen, er selbst sei kein Ketzer, sondern der Kreml habe sich von der wahren Lehre eines Marx und Lenin entfernt und revisionistische Aenderungen vorgenommen, die er, Tito, ablehne.

Der kroatische Bauernsohn Josip Broz-Tito, der 1892 geboren wurde, hat sich seinen Namen gemacht, als er 1939 den Partisanenkrieg in seinem Lande gegen die Deutschen organisierte. Nach der Befreiung Jugoslawiens wurde er mit dem Ehrentitel Marschall zunächst Ministerpräsident, dann Staatschef. Moskau betrachtete ihn als seinen treuen Vasallen, bis es ihm im März, 1948 einen scharfen Verweis erteilte, besonders deshalb, weil er es unterließ, die Bauern in Kolchosen zusammenzufassen. Tito hatte den Mut, eine Unterwerfung abzulehnen. Daraufhin ordnete das Kominform den Boykott Jugoslawiens durch die Satelliten-Staaten an. Das brachte Tito in erhebliche Schwierigkeiten. Er wußte sie zu überwinden. Aber obwohl er auch heute noch versichert, er wolle ein Beispiel dafür geben, daß man eine sozialistische Gesellschaft auch mit humanen Mitteln aufbauen könne, verschließt er sein Land nicht mehr den „kapitalistischen“ Westmächten. Er will mit ihnen zusammenarbeiten und hat bereits ihre finanzielle Hilfe in Anspruch genommen. Der Marschall hat sich sogar von England und Amerika vor Monaten eine Garantie-Erklärung geben lassen, daß er im Falle eines nicht herausgeforderten Angriffes auf sein Land auf militärische Hilfe rechnen könne.

Diese Tatsachen muß man wissen, weil Tito sich in einem neuen Interview für die Herstellung guter Beziehungen zwischen Deutschland und Jugoslawien ausgesprochen hat. Er möchte einen erweiterten Warenaustausch. Tito weiß wohl, welche psychologischen Hemmungen bei uns einem solchen gegenüberstehen. Und so hat er ausdrücklich erklärt, 'seine Regierung werde im Rahmen einer geplanten Amnestie auch Urteile gegen deutsche Kriegsgefangene überprüfen und Entlassungen vornehmen, wenn sie überzeugt sei, daß diese gerechtfertigt seien. Unter den obwaltenden Umständen ist anzunehmen, daß der „Ketzer“ sein Wort wahrmacht.

Der Kampf um die Amneflie

Von unserem Pariser Me-Korrespondenten

In dieser Woche beschäftigt sich die französische Nationalversammlung mitder Frage eines allgemeinen Straferlasses für politisch Verurteilte. Es mag erstaunlich sein, daß mehr als sechs Jahre nach der Befreiung des Landes keinerlei Amnestie allgemeiner Natur beschlossen wurde.

Der Fall des mehr als neunzigjährigen Marschalls Petain ist typisch. Nicht unmenschliche Härte hat eine solche längst fällige Amnestie verhindert. Die Politik allein ist schuld. Genauer: der Umstand, daß es seit der Befreiung keine wirkliche, stabile Parlamentsmehrheit gibt. Die Folge ist, daß die Koalitionen, die sich unter Zwang bilden und meist auf negativen Voraussetzungen beruhen, aus dieser Frage, deren Lösung eine Brücke zur inneren Verständigung bilden könnte, einen Gegenstand von immer tiefer gehenden inneren Zwisten der Nation gemacht haben.

Uebereilte Urteile

Niemand verlangt, daß Denunzianten und französische ,Gestapisten‘, also wirkliche Verbrecher — man weiß, daß es auch solche in großer Zahl gab — begnadigt werden sollen. Was gefordert wird ist eine ganz natürliche, in der menschlichen Natur liegende Sache: Nachsicht zu üben mit den Mitläufern, den Opportunisten, den Irregeführten und denen, die es einfach ehrlich gemeint haben. Der zweite Gesichtspunkt, der dabei zu berücksichtigen ist, liegt in dem heute von niemanden mehr geleugneten Umstand, daß die Gerichtshöfe der ersten Befreiungszeit nicht nur von gefühlsmäßig geleiteten Partisanen der Resistance erdrückend beeinflußt waren, sondern, daß in sehr vielen Fällen auch in den Strafbemessungen wirklich großes Unrecht begangen wurde. Eine ganze Reihe von Politikern und Schriftstellern, die in den ersten sechs oder zwölf Monaten nach der Befreiung zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, wären, wenn ihre Prozesse nur ein oder zwei Jahre später geführt worden wären, wie es mit anderen Angeklagten häufig der Fall war, heute zumindest am Leben.

National Geächtete

Die zahlenmäßig größte Kategorie besteht aus denen, die zur neugeschaffenen Strafe der .indignite nationale*, der nationalen Ächtung verurteilt wurden. Sie sind, bis auf eine Minderheit, in Freiheit, können weder wählen nodi sind sie wählbar, können weder ein öffentliches Amt bekleiden noch Geschäftsführer sein oder im Handelsregister eingetragen werden, und die Mehrheit unter ihnen findet auch in bescheideneren Posten der Privatwirtschaft nur höchst selten Arbeitsmöglichkeit, weil die meisten Banken und Firmen indirekt unter politischem Druck stehen... Man schätzt ihre Zahl auf nahezu eine Million Menschen! Ihre früheren Arbeitsplätze sind natürlich in der Regel von ehemaligen Resistenzlern besetzt. Die selbstverständliche Reaktion auf diesen Zustand ist, daß sich die Geächteten zusammen’chließen. Wenn nicht menschliche Erwägungen Platz greifen, hätten es elementar-politische Erwägungen längst tun müssen.

Aber es ist nicht nur die Schuld der Politik, wenn dem nicht so ist. Ein sehr beträchtlicher Teil der Schuld liegt an den Betroffenen selbst. Auch dafür ist der Fall Petain typisch. Statt ganz auf dem Terrain des Menschlichen zu bleiben, auf dem der Vernunft des Herzens oder der psychologischen Zweckmäßigkeit, haben sie und ihre Befürworter das Problem von Anfang an auf politischen Boden gestellt. Sie gingen nicht auf eine Amnestie aus, sondern auf eine moralische Revision, auf einen Freispruch durch die Nation, in Wahrheit auf noch mehr: auf eine Anerkennung, auf ein nachträgliches Gutheißen ihrer Haltung oder ihrer Taten. Das hat, von Anfang an, das Problem vergiftet. Nur so ist zu verstehen, daß auch kluge und mutige Männer, die in den Regierungen saßen, diesem vergifteten Thema auswichen.

Wahlen stehen bevor

Wenn heute die Regierung Pleven, wenn auch mit großem Unbehagen, an das Problem herangeht, so tut sie es aus wahlpsychologischen Gründen. Die Legislaturperiode geht in neun Monaten zu Ende! Die Rechtsparteien haben die Debatte und eine Amnestie als Bedingung für ihre weitere Unterstützung der Koalition gestellt. Das allein schon macht die Sache nicht besser. Aber sie wird noch bedenklicher durch ... das Problem der deutschen Bewaffnung, über das die Nationalversammlung vor kurzer Zeil debattiert hat. Wirft man nicht den .Geächteten der Nation' gerade ihre .Kollaboration' mit den Deutschen vor, mit denen man sich jetzt — wenn auch unter Protesten — zu kollaborieren anschickt?

Inzwischen hat sich die französische Nationalversammlung entschlossen, sich im Falle eines Gnadenaktes für Petain als „nicht zuständig“ zu erklären.

Der wahre Grund

Die Taktik der Moskauer „Friedenspolitik“

Paris, 13. November, (dpa). Als Grund für die Nichteinmischung der Sowjetunion in den Koreakonflikt gab der Spitzenfunktionär der Kommunistischen Partei Frankreichs, Waldeck-Rochet, an, die Sowjetunion benötige noch eine gewiss e Z eit zur Vervollständigung ihrer Rüstungen.

In einer Rede, die Waldeck-Rochet vor Parteifunktionären gehalten hat, heißt es, der Koreakrieg wäre schnell beendet, wenn die Sowjetunion eingreifen würde. Das aber würde zum Ausbruch eines neuen Weltkrieges führen, der im Augenblick nicht der von der Sowjetunion verfolgten „Friedenspolitik“ entsprechen würde. Jedes gewonnene Friedensjahr werde von der Sowjetunion intensiv zum Ausbau ihrer Streitkräfte und der der Volksdemokratien ausgenützt. Um diese Aufrüstung zu ermöglichen und die Macht der Sowjetunion und der Volksdemokratien zu stärken, müsse die Friedenspropaganda tatkräftig fortgesetzt werden.

Schwabenfterich

-y- Bekanntlich ist bei seiner jüngsten Rede in Stuttgart Dr. Adenauer von einer großen Zahl von Angehörigen der Freien Deutschen Jugend so planmäßig und empfindlich gestört worden, daß er seine Ausführungen auf einige Zeit unterbrechen mußte. Er tadelte damals in scharfen Worten die Polizei. Darüber entspann sich eine Kontroverse, in die sich nun auch der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Klett einschaltete. Er erklärte, die Stuttgarter städtische Polizei habe korrekt gehandelt. Es sei ein Unterschied, ob Dr. Adenauer in seiner Eigenschaft als Bundeskanzler oder als Parteimann spreche. In Stuttgart sei letzteres der Fall gewesen und er hätte sich deshalb Kritik gefallen lassen müssen.

Die hier ausgesprochene Leseart ist nicht mehr neu. Sie wurde von den Vertretern der Westmächte geprägt, als deutsche Bundesminister in der vergangenen Zeit immer häufiger scharfe außenpolitische Formulierungen fanden, bei denen sie nie hinzuzusetzen vergaßen, sie hätten nicht als Minister, sondern als Parteileute gesprochen. Daß Herr Dr. Klett diese Formulierung auf einer anderen Ebene abzuwandeln versucht, macht sie weder besser, noch richtig.

Es ist guter alter Brauch, daß der Verantwortliche sich im Notfälle vor sein Personal stellt, um es zu decken. Gut. Nicht gut aber die Begründung, die er dafür fand. Er hat damit weder sich, noch der Stuttgarter Polizei, schon gar nicht aber der deutschen Sache im In- und Auslande, einen Gefallen getan. Es glaubt doch niemand, die Freie Deutsche Jugend hätte geschwiegen, wenn Dr. Adenauer als Bundeskanzler gesprochen hätte. Man erinnere sich daran, daß es die gleichen Radaumacher waren, die vor einigen Wochen im Ruhrgebiet eine gewerkschaftliche Massenkundgebung sprengen wollten, auf der Prof. Dr. Heuss in seiner Eigenschaft als Bundespräsident sprach.

Es geht hier wohl um nichts anderes, als um das Prinzip der Ordnung und der Ruhe, der privaten und der politischen Kinderstube. Gegen Zwischenrufe hat niemand etwas, auch nicht Herr Dr. Adenauer. Gegen Flegeleien aber wehrt er sich mit Recht, und nicht nur er, sondern die gesamte Oeffentlichkeit. Vor allem dagegen zu wehren aber hat sich die Polizei, auch die Stuttgarter Stadtpolizei.

Kämpfe in Schneesturm und Kälte

Angriffe und Gegenangriffe in Nordkorea

Söul, 13. November. (AP.) Trotz starker Schneestürme und eisiger Winde ist die Kampftätigkeit an der gesamten Koreafront am Montag wieder aufgeflackert. Nördlich von Hamhung sind amerikanische Marinetruppen in verschneitem Gelände rund 10 km vorgestoßen und stehen nur noch sechs Kilometer vor dem wichtigen Stausee von C h a n g j i n.

Während die UN-Truppen auch im Nordwesten Geländegewinne erzielen konnten, griffen nordkoreanische und rotchinesische Verbände die südkoreanischen Stellungen im äußersten Nordosten und im Mittelabschnitt der Front bei Morgengrauen an. Bei Tokc ho n mußten sich die UN-Truppen drei Kilometer zurückziehen, bevor amerikanische Düsenjäger den Chinesen schwere Verluste zufügen und den Vorstoß zum Stehen bringen konnten.

Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die Chinesen im Mittelabschnitt der Front Truppen zusammenziehen.

Seit zwei Tagen läßt sich nicht mehr feststellen, ob weitere chinesische Verstärkungen aus der Mandschurei den J alu flu ß überqueren.

Um die schwache V erbindungsfront an der engsten Stelle der Halbinsel zu stärken, ist die inzwischen vollständig in Korea eingetroffene dritte US-Infanteriedivision in diesen Abschnitt verlegt worden.

Superfestungen vom Typ 829 haben auch am Montag feindliche Nachschubzentren und Truppenansammlungen, vor allem in Sinuiju, mit Bomben und Bordwaffenfeuer belegt.

Ueber den Ortschaften Ma jopin am Jalu, S o n c h o n und Pu chin wurden 35 000 Brandbomben abgeworfen.

Seit Anfang November wurden an der Nordostfront 3000 Nordkoreaner und 65 chinesische Soldaten von den UN-Truppen gefangengenommen. In der letzten Woche wurden 46 feindliche Panzer von UN-Flugzeugen abgeschossen und 23 weitere beschädigt.

Präsident Truman hat die Verleihung des Korea-Ordens an alle amerikanischen Soldaten verfügt, die seit dem 27. Juni im koreanischen Gebiet kämpfen.

Eifert beugt

Kalimpong, 13. November, (dpa) Das tibetanische Parlament in Lhasa hat nach am Montag vorliegenden zuverlässigen Berichten die Vorschläge des kommunistischen Chinas über den künftigen politischen Status Tibets angenommen. Die Vorschläge enthalten die Zusicherung, daß sich die Pekingregierung zwar nicht in die innere Verwaltung Tibets einmischen, jedoch die Verantwortung für die Verteidigung, die Außenpolitik und das Nachrichtenwesen des Landes übernehmen wird.

Die Somjetdentsche Yolksarmee

Der Stand der Aufrüstung in der Sowjetzone

Zürich, 13. November. Die bekannte schweizerische Zeitung „Die Tat“ befaßt sich in einem interessanten Artikel „Die sowjetdeutsche Volksarmee“ mit dem derzeitigen Stand der Aufrüstung in der Sowjetzone. Wir geben nachstehend einen Auszug:

Der sowjetdeutsche Ostzonenstaat verfügt zu Beginn der jetzt angelaufenen grundlegenden Umorganisation über folgende Kader-Einheiten des Heeres:

20 Infanteriebereitschaften, 4 Infanterieschulen, 9 Artilleriebereitschaften, 4 Artillerieschulen, 6 Panzerbereitschaften, 1 Panzerschule, 3 Pionierbereitschaften, 3 Sondereinheiten, 2 Kradschützenbereitschaften,

2 Nachrichtenbereitschaften, 1 Nachrichtenschule, 2 Sanitätsschulen, 2 Waffenmeistereien, 1 Schirrmeisterei, 2 Schulen für höhere Polizeioffiziere und 1 Schule für Polizei- Polit-Kommissare. Jede dieser Bereitschaften und Schulen erhielt eine Stammeinheit von anfänglich etwa 700 Mann, die später bis zur Norm von drei Kommandos zu je 300 Mann, einem Sonderkommando von 100 bis 200 Mann und einem Stab von 100 Mann auf eine Gesamtsollstärke von 1200 Mann gebracht wurde. Charakteristisch für die hier behandelten 63 Einheiten mit insgesamt 75 000 Mann ist der in ihnen enthaltenene relativ hahe Prozentsatz von ungefähr 100 Offizieren je Bereitschaft. Darin und in der Art der Ausbildung wird der Verdacht bestärkt, daß es sich bei den bisher im Osten auf¬ gestellten Folizeiformationen um eine Art „schwarze Reichswehr" handelt, die jetzt im Zuge der Neuorganisation zur regulären Volksarmee erweitert werden könnte. Sämtliche der hier aufgeführten 63 Einheiten sind ihrer Bestimmung entsprechend ausreichend mit Infanteriewaffen — Pistolen 0,8, Karabinern 98 k, schweren und leichten Maschinengewehren und Granatwerfern sowie maschinellen Handfeuerwaffen, Handgranaten und Panzerfäusten — versehen. Für die Ausbildung an schweren Waffen wurden von den Sowjets mehr als 120 gepanzerte Fahrzeuge — 50 T-34, 20 Sturmgeschütze, 15 Panzerspähwagen, 5 Tiger-Panzer, 6 englische Schützenpanzer, 1 Sherman-Panzer und 23 Munitions-Kettenfahrzeuge zur Verfügung gestellt. Die Artilleriebereitschaften exerzieren an 70 schweren Geschützen: 10 schweren Feldhaubitzen, 40 schweren Infanterie-, 18 Pak-, und 2 8,8-Flakgeschützen. 8 leichte Feldhaubitzen und 10 leichte Infanteriegeschütze

vervollständigen diese Sammlung. Selbstverständlich sind Exerzieren und politische Schulung obligatorisch. Daneben rangieren: taktisches Fahren, in Stellung gehen mit Fahrzeugen und Geschützen, Panzerabwehr, Anbringen von Sprengmitteln, Straßen- und Waldkampf, Stoß- und Spähtrupptätigkeit, Einbruch in die feindlichen Linien, Umfassungsangriff mit Gegenstoß durch Artillerieunterstützung und anderes mehr. In der höheren Polizeioffiziersschule Köchstedt werden unter Leitung des Chef-Inspektors Freytag bei Taktik-Übungen am Sandkasten zur Zeit 500 Offiziere zu Regiments- und Bataillonskommandanten herangebildet.

Von den genannten Einheiten ist bei dreien bekannt, daß sie ihre Ausbildung gemeinsam mit Formationen der Roten Armee arbeiten. Fast alle diese Volkspolizeibereitschaften und Schulen haben an sowjetischen Manövern mitgewirkt. Über das im Osten angesetzte Polizeibud-

get, das weder im Staatsbudget noch in einem der Länderhaushalte erscheint, wird peinlichstes Stillschweigen bewahrt. Würde man jedoch die auch dort zutreffende Kalkulation der SPD zugrunde legen, so ergäbe sich für 140 000 Mann eine jährliche Mindestsumme von 1,4 Milliarden Mark.

Die Wirtfdynftlichkeit der Dundeshahn

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vorgeschlagen

Bonn, 13. November, (dpa) Das deutschalliierte Gutachten zur Sanierung der Bundesbahn, das kürzlich vom Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm unterzeichnet worden war, liegt jetzt der Bundesregierung vor. In s,ieb en entscheidenden Forderungen, die vom Bund gesetzlich geregelt werden müssen, werden Sparmaßnahmen vorgeschlagen, die die Bundesbahn wieder rentabel machen sollen.

Dabei ist unter anderem vorgesehen, die Berufsverkehrstarife um 50 Prozent zu erhöhen und das Bundesbahnpersonal durch eine Einstellungssperre und beschleunigte Versetzung von Beamten in den Ruheoder Wartestand bis Ende 1951 um 20 000 zu verringern. Außerdem sollen 4200 Bahnpolizisten an Bund oder Länder abgegeben werden. Ferner soll die Bundesbahn von allen betriebswirtschaftlich nicht vertretbaren Lasten befreit werden.

Außer diesem Programm soll von der Bundesbahn selbst ein Reformprogramm abgewickelt werden, das ebenfalls in deutsch-alliierten Beratungen ausgearbeitet wurde, um den technischen Betrieb zu vereinfachen. Unter anderem sollen danach 50 Prozent aller Schranken an Wegeübergängen durch einfache Wegkreuze ersetzt werden. Dadurch könnten allein im britischen und amerikanischen Besatzungsgebiet zehn Millionen Mark eingespart werden. Viertausend Lokomotiven sollen aus dem Verkehr gezogen und die Ausbesserungswerke für Lokomotiven von 20 auf 13 heruntergesetzt werden, was eine Ersparnis von neun Millionen Mark ergäbe. Außerdem können neun Millionen Mark eingespart werden,.wenn die Waggonausbesserungswerke vön 31 auf 20 vermindert werden. Nicht voll ausgelastete Züge sollen aus dem Fahrplan gestrichen, unrentable Nebenstrecken stillgelegt und auf verkehrsarmen Strecken die zweiten Gleise abgebaut werden.

Wieder auf dem toten Punkt

Bundespolizei kann keine Waffen bekommen

Bonn, 13. November. (AP.) Die Alliierten habender Bundesregierung die Herstellung von leichten Waffen für die Ausrüstung der 30 000 Mann starken Sicherheitspolizei verboten.

Auf deutscher Seite weist man darauf hin, die Bundesregierung könne es sich nicht leisten, diese Waffen für Dollars in den Vereinigten Staaten zu kaufen.

Der stellvertretende amerikanische Oberkommissar Hays hat dazu erklärt, da sich die drei Alliierten über diesen Punkt nicht einigen konnten, sei den Deutschen mitgeteilt worden, daß die Waffenherstellung nicht gestattet würde.

Mit dieser Entscheidung der Alliierten scheinen die Vorbereitungen für die Aufstellung der von der Neuyorker Außenministerkonferenz gebilligten 30 000 Mann Sicherheitspolizei an einen toten Punkt geraten zu sein.

Ein deutscher Regierungssprecher erläuterte dazu, daß von britischer und französischer Seite Verkaufsangebote für alte Waffen zur Ausrüstung der Polizei gemacht wurden. Die Munitionsversorgung für alte Waffen würde allerdings Schwierigkeiten bereiten, was bedeuten würde, daß die Polizei schon nach kurzer Zeit neu ausgerüstet werden müßte.

Keuin fant: „Alnannehubar“

Die Prager Deutschland-Vorschläge werden von England abgelehnt

London, 13. November. (AP.) Der britische Außenminister Bevin hat die sowjetischen Prager Vorschläge am Montag im Unterhaus als „unannehmbar“ bezeichnet. Er ließ durchblicken, daß Großbritannien den sowjetischen Vorschlag einer Vier-Mächte-Konferenz über Deutschland deshalb ablehnen werde. „Nach Ansicht der britischen Regierung“, sagte Bevin, „ist das Prager Kommunique keine geeignete Basis für eine Behandlung dieser großen Probleme. Es enthält Vorschläge, die bereits früher gemacht wurden — und sich als unannehmbar für die anderenßesatzungsmächte und weiterhin für das deutsche Volk erwiesen.“ Außerdem hat es die sowjetische Regierung bisher abgelehnt, obwohl die Westmächte im Mai dieses Jahres entsprechend vorstellig wurden, die in der Ostzone geschaffene große und schwer bewaffnete, halbmilitärische Organisation aufzulösen. Dies und andere Verletzungen des Potsdamer Abkommens durch die sowjetische Regierung lassen Besprechungen zur Durchführung dieses Abkommens als wenig zweckmäßig erscheinen.“

Atlantikansfcdhuß lagt wieder

London, 13. November, (dpa). Der aus den Stellvertretern der Außenminister bestehende Ständige Vollzugsausschuß der atlantischen Paktorganisation nahm am Montag seine Arbeit wieder auf. Londoner diplomatische Kreise erwarten, daß es dem Ausschuß gelingen wird, die zur Zeit festgefahrene Frage eines deutschen Vev¬ teidigungsbeitrags zu lösen.

Stimmen der Anderen

Zwei Gedichte

In der „Neuen Zeitung“ lesen wir: Folgendes Gedicht iMt kürzlich ein Heidelberger Schauspieler an Bundespräsident Dr. Theodor Heuss geschickt:

ui Warnung an den Bundespräsidenten

Warum wird unser Theodor In letzter Zeit so dick? Er hat doch keinen Wettstreit vor Mit Ostkollegen Pieck?

Das wäre ja ein Schwabenstreich. An den man nie gedacht! Man will ja nicht vom Schwaben gleich, Daß er sich dünne macht.

Daß er die jetz’ge Form bewahrt, Das hielten w.r für gut, Denn ’s ist doch nicht des Schwaben Art, Daß er sich dicke tut.

Ach je, Wie war das or’ginell; Ein dünner Präsident! Doch wird er dicker, sagt man schnell: Sieh, wie die Zeit verrennt!

Kriegt einer mal vom Staat Gehalt, Sitzt nah dem Kabinett, Verliert er seine, Linie bald Und wird allmählich fett. Arno Kießling

Die gereimte Warnung beantwortete der Bundespräsident mit einer gereimten Antwort, die folgendermaßen lautete:

Antwort auf die Warnung von Herrn Kießling

Was Arno sieht, seh'n andre auch: — schon rundet sich ein Bürgerbauch, < Was meistens leichten Beifall findet, Weil manche Sorge mit ihm schwindet.

Der Vorgang selber ist ganz klar. Er stellt ein Durchschnittsschicksal dar, Bei dem der Bundespräsident Sich nicht von seinem Volke trennt.

Nur eines, Arno, siehst Du nicht: Noch fehlt’s zu dem „Normalgewicht“, Wie es im Hauskalender steht. — Ist’s mal so weit, so hilft Diät...

Doch nebenbei dem Warnungsraben: Ich möchte Arnos Sorgen haben! Theodor Heuss

Der Fall Stutgart

„Pack oder nicht Pack“, erklärt die „Deutsche Zeitung“: Bestimmt habe der Bundeskanzler nur ausgesprochen, was jeder an seiner Stelle auch gesagt haben würde. Notfalls müsse die Polizei den Störenfrieden Raison beibringen. Nur solle man sich von der Methode der Gewalt nicht allzuviel versprechen. „Die besseren Argumente müssen ihren Rückhalt in den überzeugenden Erfolgen der politischen Arbeit haben“:

„Die Bundesregierung hat solche Erfolge zweifellos aufzuweisen. Aber hat sie es auch verstanden, die Oeffentlichkeit davon zu überzeugen? An Disziplin haben es die Staatsbürger mit Ausnahme der professionellen Radaumacher seither nicht fehlen lassen. Deshalb sollten auch gelegentliche Mißakkorde nicht verallgemeinert werden. Es wäre jedenfalls gut, wenn die Bundesregierung aus dem Stuttgarter Vorfall nicht die Lehre zöge, in Zukunft auch jede sachliche, aber ihr unbequeme Kritik in einen Topf mit dem Geschrei der unsachlichen Radaumacher zu werfen. Sie hat sieh der Kritik bisher nicht sehr zugänglich gezeigt. Der Kontakt von oben nach unten ist oft zu lose. Dann entstehen Fehlzündungen, die zu vermeiden wären. Diese Einschränkung schließt jedoch nicht aus, daß überall dort, wo ohne sachliche Argumente, nur um des Radaus willen, politisiert wird, deutlich und herzhaft dreingefahren werden muß. So zimperlich wie vor 1933 darf der zersetzenden Parteipolemik nicht mehr zugesehen werden.“

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

63) „Ich bin nicht aus diesem Grunde geblieben. Ich habe jetzt nur den einen Wunsch, meinem Beruf ungehindert nachgehen zu können.“

„Deswegen werden Sie gut daran tun, nach England zu fahren, und mit einer jährlichen Rente, die ich Ihnen sichersteile, sollten Sie Ihr bequemes Auskommen haben. Wollen wir zwölf hundert Francs im Jahr sagen?"

„Ich rede nicht von Francs und nicht von England, Monsieur. Ich werde in Frankreich bleiben und wenn möglich in Paris; und ich verlange keine Schmerzensgelder. Ich bitte aber um eine Zusicherung, daß alles, was während meiner Tätigkeit in diesem Haus vorgefallen ist, mir das nicht beeinträchtigen wird, was der wertvollste Besitz einer Erzieherin ist — nämlich ihr guter Ruf."

„An Ihren guten Ruf hätten Sie eher denken sollen“, warf der Abbe ein. „Ich fürchte, den werden wir Ihnen kaum unversehrt wiedergeben können. Mir will scheinen, daß der Marschall Ihnen gegenüber mehr als großzügig ist.“

„Ich brauche keine Almosen, weder vom Marschall noch von irgendwem sonst. Aber ich will mir das Recht nicht nehmen lassen, mir meinen Unterhalt zu verdienen, wie und wo ich will. Wenn Sie es mir erlaubt hätten; noch den Sommer über zu bleiben oder doch so lange, bis über diese leidige Angelegenheit Gras gewachsen ist, dann wäre das die einfachste Lösung gewesen; indessen, darüber habe ich ja nicht zu bestimmen. Es ist jedoch wichtig für mich, daß ich einen Empfehlungsbrief von der Herzogin erhalte. Ich glaube, ich habe das nach den sechs Jahren treuer Dienste verdient.“

„Sie machen es uns sehr schwer.“ Die kräftigen Finger des Marschalls trommelten auf der Stuhllehne. „Sehr schwer. Ich möchte Ihnen nochmals den Rat geben, nach England zu fahren. Wollen Sie das nicht erwägen?“

„Nein, Monsieur. Ich ziehe Frankreich vor. loh bin niemals dafür gewesen, vor einer Schwierigkeit davonzulaufen.“ „Nun gut, dann habe ich nichts mehr zu sagen.“

„Aber Sie werden bitte mit der Herzogin wegen des Briefes reden. Sagen Sie ihr, daß ich morgen das Haus verlassen haben werde. Meine Adresse werde ich noch angeben, damit der Brief mir geschickt werden kann.“

Es war schrecklich, dort sitzen und miteinander handeln zu müssen wie feilschende Bauern auf einem Marktplatz. Henriette war sich jedoch bewußt, daß sie um ihr Recht kämpfte und daß ihre ganze Zukunft auf dem Spiele stand.

„Ich werde mit meiner Tochter sprechen“, gab der Marschall zögernd nach. „Aber ich kann nichts versprechen; sie hat schon zu viel erdulden müssen.“ „Die Herzogin ist bekannt für ihre Güte“, bemerkte Henriette und erhob sich. „Ich bin überzeugt, daß sie mir nicht die paar Worte einer ehrenvollen Verabschiedung vorenthalten wird. Vielleicht ist sie sogar so großzügig, durchblicken zu lassen, daß ich aus freien Stücken gegangen bin.“

„Sie gehen zu weit, Mademoiselle“, ließ der Abbe sich an Stelle seines Freundes vernehmen. „Es steht Ihnen nicht zu, denen Ihre Bedingungen zu diktieren, die sich schon so lange Ihre Anmaßung und Ihre Ueberheblichkeit haben gefallen lassen müssen. Mir kommt es vor, als beteuerten Sie Ihre Unschuld allzu beredt.“

Diese kaltblütige Unterstellung des Abbe brachte sie mehr auf. als alle Wutausbrüche der Herzogin es je vermocht hatten. Sie warf den Kopf in den Nakken und sah ihm offen ins Gesicht.

„Das könnte ich gar nicht, Herr Abbe: gegen solche Lügen kann man sich gar nicht beredt genug verwahren.“

„Sie sind sehr schnell mit dem Wort ,Lüge‘ bei der Hand; aber vergessen Sie dabei nicht, daß es auch Lügen gibt, die nicht ausgesprochen oder niedergeschrieben werden, und für die werden wir auch zur Verantwortung gezogen — so wie Sie sich für das Leid zu verantworten haben werden,4 das Sie einem anderen Menschen zufügten — einer guten Frau, deren Gebet Sie verhöhnen.“

„Herr Abbe“, sagte sie, „Sie werden vielleicht nicht wissen, daß auch ich einem Beichtvater Rede und Antwort stehen muß, meinem Gewissen nämlich, und ein reines Gewissen vermag ebenfalls Absolution zu erteilen.“

Sie erinnerte sich nicht mehr, ob sie sich von den beiden Herren verabschiedet hatte und wie sie aus dem Zimmer gekommen war. Sie hatte keine Vorstellung davon, ob die Unterredung eine Stunde oder nur ein paar Minuten gedauert hatte klar stand ihr lediglich vor Augen, daß dies das Ende eines Lebensabschnittes für sie bedeutete, und es kam ihr merkwürdig vor, die älteren Mädchen immVr noch beim Lampenschein mit ihren Büchern und Handarbeiten beschäftigt zu finden.

„Da sind Sie endlich wieder, Mademoiselle!“ Louise sprang der Eintretenden entgegen. „Papa war hier und ist vor wenigen Augenblicken erst fortgegangen. Er hat Ihnen ein paar Zeilen geschrieben und trug mir auf, sie Ihnen bestimmt heute noch zu geben. — Aber ist Ihnen nicht gut, Mademoiselle? Sie sehen so blaß aus. und Ihre Hände zittern ja.“

„Nun, ich werde es Euch lieber gleich sagen, meine Lieben.“ Sie ließ sich erschöpft inmitten ihrer kleinen Schar auf einen Stuhl fallen. „Ich habe heute abend schlechte'Nachrichten bekommen.“

„O Mademoiselle, das tut mir leid. Sie sind doch aber nicht krank?“

„Nein, nein.“ Sie versuchte mit ihrem Lächeln eine Beruhigung zu übermitteln, die sie selbst nicht spürte, während sie hastig nach einer glaubwürdigen Erklärung suchte. „Mir geht es so gut wie immer; aber mein Großvater ist krank, und ich muß zu ihm.“

„Immerhin“, verteidigte sie sich in Erinnerung an die Worte des Abbe gegen ihr eigenes Gewissen, „in gewisser Hinsicht trifft es ja zu Krank ist er wirklich, und es ist nicht meine Sache, mich jetzt mit Einzelheiten abzugeben. Morgen wird es nicht mehr zu meiner Aufgabe gehören, den Mädchen noch irgend etwas zu erzählen.“

„Aber Sie kommen doch bald wieder?" Henriette wich dem fragenden Blick der klaren jungen Augen aus. „Ich weiß noch nicht wann — es kann lange Zeit dauern.“

„Aber, Mademoiselle! Wie komisch — ich wußte überhaupt nicht, daß Sie einen Großvater haben. Sie haben uns nie etwas von ihm erzählt.“

„Warum sollte ich, Louise? Es interessiert euch doch nicht.“

„Doch, Mademoiselle, alles, was Sie interessiert, interessiert uns auch.“

Ihre Teilnahme und ihre Anhänglichkeit setzten ihr mehr zu als der Schock des Zeitungsartikels und auch mehr als die Unterredung, die sie gerade hinter sich hatte. Sie konnte es den Mädchen nur mit Mühe ausreden, ihr beim Packen zu helfen. Sie wollten sie auf ihr Zimmer begleiten und noch lange nach Schlafenszeit bei ihr bleiben. Sie brachten sie immer wieder in Verlegenheit durch ihre Fragen nach ihrem Großvater. seiner Krankheit und der voraussichtlichen Dauer ihrer Abwesenheit. Sie antwortete ihnen, so gut sie konnte. U"d während diese jungen unbekümmerten Menschenkinder sie umdrängten und die hellen Stimmen ihr in den Ohren klangen, sagte Henriette sich im stillen, daß nun alles zu Ende sei. Nie wieder würden sie wie jetzt zusammen sein, sich um den Tisch unter der Lampe versammeln, wo sie die Schlachten längst vergangener Armeen noch einmal durchfochten hatten und auch persönlichere Kämpfe gegen Zahlenreihen und die Tücken der unregelmäßigen Verben. „Zum ersten — zum zweiten — zum dritten!“ tickte die alte braune Wanduhr — wie der Hammer eines Auktionators, empfand Henriette.

Schließlich war auch die Qual des Gutenachtsagens überstanden, das Schulzimmer aufgeräumt, und endlich war sie in ihrem eigenen Zimmer. (Fortsetzung folgt)

Wirtschaftsblatt

Großbanken-Entwurf

liegt dem Bundeskanzler vor

P®1* Entwurf eines Gesetzes über die Niederlassungsbereiche von Kreditinstituten, aas die Neuordnung auf dem Gebiete der Großbanken herbeiführen soll, ist aem Bundskanzler zugeleitet worden. Auch die Oberkommission dürfte bereits über die Einzelheiten unterrichtet worden sein.

Nach Ansicht von Bankkreisen liegt der Vorzug dieses Entwurfs in der Bestimmung, daß die Großbanken Niederlassungen in sechs Ländern betreiben dürfen, wodurch nicht mehr fest umrissene, sondem nunmehr variable Bankbezirke geschaffen werden können. Lediglich Kreditinstitute, die in Nordrhein-Westfalen eine Niederlassung haben, dürfen keine weiteren Niederlassungen in anderen Ländern der Bundesrepublik gründen. Die Anpassung der Großbanken kann nach dem Gesetz dadurch erfolgen, daß Nachfolgeinstitute ausgegründet werden. In diesem Falle sind das für die Durchführung des Geschäftsbetriebes wesentliche Vermögen sowie die entsprechenden Verbindlichkeiten gegen Gewährung von Anteilen auf das neue Kreditinstitut zu übertragen. Besonderen Wert legt der Entwurf auf die völlige Unabhängigkeit der Nachfolgeinstitute. So soll ein Nachfolgeinstitut nicht Gesellschaftsanteile eines anderen Nachfolgeinstitutes erwerben können. Auch die gleichzeitige Mitgliedschaft in Vorstand und Aufsichtsrat zweier Nachfolgeinstitute soll nicht gestattet sein. Der Entwurf gibt weiterhin den Aktionären der alten Bankinstitute Anspruch auf Aktien jedes der Nachfolgeinstitute und zwar in einer Höhe, die dem Anteil an dem Gesellschaftskapital des auszugründenden Kreditinstitutes entspricht.

Nach Ansicht von Bankfachleuten setzt der Entwurf vor seinem Inkrafttreten allerdings die Beseitigung der alliierten Dezentralisierungsvorschriften voraus. Auch wird darauf hingewiesen, daß die 35. Durchführungsverordnung zum Umstellungsgesetz nunmehr auch auf die Großbanken für anwendbar erklärt werden muß. Erst dann würde es den Großbanken möglich sein, die Umstellungsrechnung vorzunehmen.

Dem Entwurf, der die Dreierlösung anstrebt, liegen insbesondere die Vorarbeiten eines beim Bundesfinanzministerium gebildeten SacShverständigenausschusses zugrunde, dem Vertreter dieses Ministeriums sowie der Bundesministerien für Wirtschaft und Justiz, der Bank deutscher Länder und der Bankenaufsichtsbehörden verschiedener Länder angehörten. Der Gesetzentwurf selbst ist vom Bundesfinanzministerium ausgearbeitet und bereits Ende Oktober mit dem Bundesjustizministerium abgestimmt worden.

Für höhere Habenzinsen

Volksbanken zur Kreditpolitik / Ausbau der Lieferungsgenossenschaften

Arbeitsausschüsse des Deutschen Genossenschaftsverbandes (Schulze-Delitzsch) e. V besprachen in Wiesbaden die kreditpolitische Lage, die sich für die an 1200 Plätzen der Bundesrepublik vertretenen Volksbanken aus den Krediteinschränkungen der Bank deutscher Länder ergibt, nachdem bereits vorher in Frankfurt a. Main auf einer Sitzung der Zentralkassenvereinigung die Fragen der Refinanzierung überprüft worden waren.

Grundsätzlich habe sich die bisherige Kreditpolitik nach den Kreditlinien des DGV bewährt. Die Volksbanken betonen, daß sie wohl kaum zu der Kreditausweitung beigetragen haben. Um so härter treffen die Restriktionsmaßnahmen sie selbst und die mittelständische Wirtschaft.

Die Kreditversorgung des Mittelstandes mache eine allgemeine Rückführung des Kreditvolumens unmöglich. Allerdings sei auch eine weitere Kreditausweitung zu vermeiden. Ein Abbau der langfristig gewordenen Kredite durch Umschuldung müsse unbedingt versucht werden.

Bei 863 Millionen DM Gesamteinlagen (578 Millionen DM Sicht- und Termineinlagen und 285 Millionen DM Spareinlagen) und 380 Millionen DM Beanspruchung durch Ausgleicnsforderungen und Mindestreserven stehen 483 Millionen DM verfügbarer eigener Mittel Gesamtausleihungen in Höhe von 846 Millionen DM gegenüber. Ohne Berücksichtigung des Eigenkapitals stellt sich der Refinanzierungsbedarf der Volksbanken mithin auf etwa 350 Millionen DM.

Eine solche Kreditpolitik setze voraus, daß den Volksbanken die bisherigen Refinanzierungsmöglichkeiten bei den Landeszentralbanken voll erhalten bleiben. Auf das Bankakzept ohne eine Erhöhung der bisherigen Grenze für Debitorenwechsel (10 000 DM) könne nicht verzichtet werden. Die stärkere Verwendung des Handelswechsels scheitere an den Lieferanten und den gewährten hohen Barzahlungs-Skontis. Prompte Warenlieferung sei oft nur bei Barzahlung zu erreichen. so daß die Buchkredite bei den Banken und Zentralkassen ansteigen und die Ueberziehung von Konten nicht zu vermeiden sei.

Ueber die kreditpolitischen Maßnahmen der Bank deutscher Länder hinaus halten die Volksbanken die Wiederherstellung eines funktionsfähigen Kapitalmarktes für erforderlich durch Schaffung zinsgerechter Verhältnisse in der Bauwirtschaft und die Beseitigung des künstlich niedrig gehaltenen Kapitalmarktzinses, der die Emission von Bundesanleihen von vornherein aussichtslos mache. Eine Aenderung der Steuerpolitik sei notwendig, weil durch Begünstigung von übertriebener Selbstfinanzierung wirtschaftliche Fehlinvestitionen und einseitige Vermögensbildung sozial nicht zu rechtfertigen sei. Durch das staatliche Investitionsprogramm müßtert auch die kleinen und mittleren Betriebe zum Zuge kommen.

Das Volk dürfe fordern, daß es an den Vorteilen der Rüstungskonjunktur in gleichem Umfange wie andere Länder beteiligt wird. Es wurde weiter die Frage eines Wettbewerbsabkommens mit den Sparkassen besprochen. Mit dem Handwerk wurde Uebereinstimmung über den Wiederausbau der handwerklichen Lieferungsgenossenschaften erreicht.

Der DGV. der in die Kommission zur Gründung eines „Internationalen Bundes der Volksbanken“ beigetreten ist, hat beschlossen. den Deutschen Genossenschaftstag 1951 zusammen mit der Deutschen Handwerksmesse in München abzuhalten.

Vorschläge zur IG-Neuordnung

vwd Der von deutschen Regierungsstellen zusammen mit dem Montan-Entflechtungsplan der alliierten Oberkommission übergebene IG-Neuordnungs-Voi schlag sieht die Bildung von drei Werksgruppen sowie von acht selbständigen Aktiengesellschaften vor. Die drei Gruppen sind: Badische Anilin- und Sodafabrik-AG in Ludwigshafen, Farbwerke Hochst-AG in Frankfurt-Hochst und Farbenfabriken Baver-AG in Leverkusen. Die Badische Anilin- und Sodafabrik-AG und die Baverwerke-AG sollen nach dem deutschen Vorschlag, der zur Zeit von den zuständigen alliierten Stellen überprüft wird, das in den vorherigen Verwaltungseinheiten zusammengefaßte Vermögen übernehmen.

Eine deutsche Abwicklungskommission soll ferner aus dem restlichen IG-Torso folgende selbständigen Werke bilden: Chemische Werke Hüls in Marl bei Recklinghausen, Zeche Auguste Viktoria Marl-Hüls, Braunkohlengrube Wachtberg in Frechen-Hüls, Fa. Kalle und Co. in Wiesbaden-Biebrich, Dynamit-AG in Troisdorf, Dr. Alexander Wacker-GmbH in München, Fa. Wolff und Co. in Walsrode und die Chemiewerke Homburg-AG

Was die Befriedigung der Aktionäre anbelangt, so sollen ihnen anstatt der bisherigen IG-Aktien Gesellschaftsanteile der nachfolgenden Unternehmen übertragen werden. Eine Abwicklungskommission soll die Entflechtung des IG-Komplexes durchführen.

Maschinen gegen Rohstoffe

vwd Die Warenlisten und sonstigen Anlasen zu dem neuen deutsch-französischen Handelsabkommen für das Vertragsjahr 1950/51 sind nunmehr fertiggeste 1t worden. Der Vertrag bestimmt u a daß die Ein- und Ausfuhren die steigendes Passivum zu Lasten der Bundesrepublik aufwiesen, sich innerhalb des neuen Rahmens von je 240 Millionen Dollar nach jeder Seite ausgleichen sollen An die Stille der bisherigen bilateralen tritt die multilaterale Liberalisierung.

Für die noch kontingentierten waren sind Kontingentslisten im Wert von je etwa 100 Millionen Dollar vereinbart wor-Auf Seiten der deutschen Einfuhr entfällt hiervon etwa je die Hälfte auf “„dwirtXtm und sterbliche Einfuhren während es sich bei der französischen Einfuhr hauptsächlich um Maschiie?und Chemikalien handelt. Die französische Einfuhr verteilt sich mit 80 Millionen Dollar auf das Mutterland und mit 20 Millionen Dollar auf die überseeischen Gebiete.

Bei den französischen Ausfuhrverpflichtungen handelt es sich insbesondere um Getreide, Zucker, Eisenerze, Bauxit, Rohphosphate, Kolonialhölzer, Dieselöl, während die Ausfuhrverpflichtungen der Bundesrepublik sich hauptsächlich auf Koks erstrecken.

Die Lehnkering AG. in Duisburg will einer für die zweite Hälfte Januar 1951 vorgesehenen HV. Umstellung des Grundkapitals 1:1 vorschlagen. Für die Zeit vom 21. 6. 1948 bis zum 31. 12. 1949 sollen 3°/o Dividende verteilt werden. H. W. Lumme ist aus dem Vorstand ausgeschieden. Seine Zuwahl in den Aufsichtsrat ist vorgeschlagen. Carl Glogner, Hamburg, Vorstandsmitglied der Unterweser Reederei AG. in Bremen, wurde zum Vorstandmitglied neu bestellt.

Handwerk findet Anschluß

3,1 Millionen Beschäftigte / Verknappungen an Roh- und Hilfsstoffen

-g Das Handwerk hat nunmehr offenbar den Anschluß an die allgemeine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung gefunden. Nach dem Lagebericht des Bundeswirtschaftsministeriums haben sich in einigen Handwerken die Marktverhältnisse bereits dahin verschoben, daß das Angebot durch die Nachfrage überdeckt wird. Trotzdem ist der Konkurrenzkampf nicht geringer geworden. Er hat sich vielmehr — allgemein gesehen •— noch verstärkt. Die Betriebe versuchen ihm durch Modernisierung der Betriebseinrichtungen und Verbesserungen der Arbeitsmethoden zu begegnen.

Bei einer Reihe von Roh-, Werk- und Hilfsstoffen traten erstmals wieder Verknappungen auf. Dabei stiegen die Preise zum Teil nicht unerheblich an. Zusammen mit den bereits eingetretenen oder noch zu erwartenden Lohnerhöhungen drohen die gestiegenen Preise die Kosten des Handwerks ungünstig zu beeinflussen. Das Handwerk glaubt nicht, diese in Bewegung geratenen Selbstkosten durch Rationalisierung auffangen zu können, besonders da die Betriebe noch nicht über nennenswerte Investitionskapitalien oder -kredite verfügen.

Der wirtschaftliche Aufschwung im Handwerk läßt sich sowohl auf die günstige Entwicklung der Bauwirtschaft als auch auf die Produktionssteigerung der Eisen- und Maschinenindustrie und schließlich auch auf Erhöhung der Ausfuhr zurückführen. So konnte der handwerkliche Export in vielen Gebieten der Bundesrepublik oft um ein Drittel gesteigert werden Gute Voraussetzungen für eine Steigerung des Handwerksexportes hat die Beteiligung des Kunsthandwerks an der Messe in Chikago geschaffen. Die dort angeknüpften Geschäftsverbindungen führten bereits zu mehreren größeren Aufträgen.

Die Schwarzarbeit erweist sich nach wie vor als hemmend. Ungünstig wirken sich auch die Regietätigkeit der öffentlichen Hand und die ungewöhnlich hohen Außenstände aus. Der Arbeitsmarkt verzeichnete im Handwerkssektor eine weitgehende Entlastung. Entlassungen dürften kaum noch vorgekommen sein. Verschiedentlich macht sich bereits ein Mangel an qualifizierten Fachkräften bemerkbar. Die mangelnde Einheitlichkeit des Handwerksrechtes im Bundesgebiet ist der wirtschaftlichen Entwicklung und der handwerklichen Organisationsarbeit stark abträglich. Die Bundesregierung will jetzt durch ein Gesetz das Handwerk neu ordnen. Inhaltlich sieht dieses Gesetz die Beibehaltung bzw. Wiedereinführung des Großen Befähigungsnachweises und die Wiederherstellung der alten handwerklichen Organisationsformen (Handwerkskammern), Innungen und Fachverbände) vor.

Nach der letzten statistischen Handwerkserhebung zählt das Handwerk im westdeutschen Bundesgebiet (ohne Berlin) etwa 865000 Betriebe mit 3,1 Millionen Beschäftigten. Etwa 35 000 heimatvertriebene Handwerker konnten sich selbständig machen, ebenso rund 12 000 Zuwanderer aus der Sowjetzone. Der Gesamtumsatz des Handwerks liegt bei 20 Milliarden im Jahr (einbegriffen rund 4 Milliarden Handelsumsatz).

Die Werkspensionen

dag. Im Anschluß an die Beschlüsse des Bundestagsausschusses für Geld und Kredit über einen Gesetzentwurf, der die Umstellung der Renten auf Werkspensionskassen regeln sollte, sind Hemmungen aufgetreten, die das Zustandekommen des Gesetzes gefährden. Die DAG (Deutsche Angestellten-Gewerkschaft) drängt im Interesse der alten Werkspensionäre auf rascheste Beschlußfassung des Bundestages über den Gesetzentwurf.

Einzelhandels-Umsätze steigen

Auf dem Gebiete der Einzelhandelsumsätze weist der Monat September eine weitere Steigerung um sechs Prozent auf. Nach dem Umsatzwert ergibt sich eine Erhöhung um 17 Prozent.

Billigere schwarze Zigaretten

Id Die von etwa 300 Vertretern aus den Tabakbaugemeinden der badischen Rheinebene besuchte Hauptversammlung des Landesverbandes der südbadischen Tabakbauvereine e. V. in Offenburg stellte folgende Forderungen an den Bundesfinanzminister:

1. Einführung eines Feinschnitts zu 30 DM mit 50proz. Beimischung und 3proz. Banderolen-Nachlaß sowie eines Feinschnitts für 35 DM mit ebenfalls 50proz. Beimischung und 3 °/o Steuersenkung.

2. Schaffung einer „schwarzen“ Zigarette mit einer Materialsteuer von 4 DM je kg und Belassung der bisherigen Banderolensteuer oder Materialsteuer in voller Höhe und sproz. Banderolensteuersenkung.

In einer anderen Eingabe wird auf die Tatsache hingewiesen, daß die Tabakerzeugung den Bedarf des Bundesgebietes zur Zeit um etwa 300 000 Ztr. übersteige. Gefordert wird die sofortige Wiedereinführung der Anbauflächen-Kontingentierung.

Die Tabakpflanzer betrachten, wie ferner zum Ausdruck gebracht wurde, die Tabaksteuersenkung für Zigarren nur als Teillösung. Dadurch sei die Existenzsicherung der Tabakpflanzer nicht erreicht worden.

Börsenberichte

Bz. Die Frankfurter Börse eröffnete die neue Woche in widerstandsfähiger Haltung. Trotz der Fortdauer der schwierigen Geldmarktlage kamen immer wieder Anlagekäufe in den verschiedensten Werten zur Ausführung. So stieg Rheinische Strohzellstoff um 10 Prozent auf 130.

Freie Devisenkurse

Bz. An der Frankfurter Börse vom 13. 11. hörte man folgende freie Devisenkurse: für den USA-Dollar 5,15 bis 5,25 DM, für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den Hollandgulden 1,15 bis 1,25 DM, für den Schweizerfranken 1,15 bis 1,25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,72 bis 0,78 DM, für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben wurden für 1 DM-West 5,10 bis 5,30 Ostmark gezahlt bzw. für 5 Ostmark 1 DM-West geboten.

Feuilleton

Die Ballade vom „Troubadour"

GROSSER TAG DER DARMSTÄDTER OPER

Um ein stilisiertes Felsenpodest in der Mitte der Bühne, das leicht verändert die jeweilige Situation symbolhaft andeutet, spielt sich das Schicksal des Troubadour Manrico, des Grafen Luna und der- Zigeunerin Azucena, die entromantisierte Geschichte eines Adelsgeschlechtes ab. Das Bühnenbild von Paul Pilowski als Gast paßt sich ausgezeichnet den engen Verhältnissen unserer Bühnen an. Es ist so einfach und doch monumental, betont mit den schwarzen Seitenvorhängen die düstere Atmosphäre und steht einheitlich wie aus einem Guß da. Dieses Bühnenbild verrät Bühnenkenntnis und vor allem künstlerischen Stil, der die ganze Neuinszenierung in seinen Bann zieht und der in der transparenten musikalischen Diktion von Richard Kotz hervorragend unterstützt wird. Wie in einer musikdramatischen Ballade folgen die Szenen, bewegen sich die Personen, die in der Melodik Verdis nicht mehr bloß als Charakteure, sondern als Tragöden illustriert und in dieser Gestalt auch zu neuem Leben erweckt werden.

Die Regie von Curt Haug hat nur wenig den abstrahierten Innenrahmen zu ergänzen. Sie tut es unkonventionell, besonders in den Auf- und Abgängen, verjüngt mit einigen Strichen die Handlung auf das Wesentliche, stilisiert die Dialoge und Gruppen und formt so bis auf einige Kleinigkeiten reine Oper des singenden Menschen, der mehr expressiv als real oder lyrisch zu handeln hat. Sie war einheitlich in der gesamten Konzeption, in der Farbe der Gewänder (das Schwarz-Weiß der Nonnen fiel allein heraus, eine Kostenfrage für unser Theater) und in der gestellten Menschenkulisse (Der diminuierte Fahnenumzug hätte fehlen können.) Für eine schattierte Beleuchtung sorgte Franz Leminger, für das Funktionieren des Ablaufs der Inspizient Josef Benesch. Die Chöre werden von Mal zu Mal besser, in der Aussprache übertreffen sie sogar Solisten. Das Miserere, die Chöre der Zigeuner- und Nonnen gelangen ausgezeichnet. Das große Verdienst von Paul Cadow. Nach längerer Zeit eine Aufführung, die in sich geschlossen war, in der alle Glieder auf ein wesentliches Ganzes bezogen wurden, die jede dekorative und naive Theatralik vermied, die überholte Vergangenheit in eine zeitgemäße Gegenwart übersetzte und daher einen großen Erfolg für alle Ausführenden brachte, für Auge und Ohr des Besuchers aber einen seltenen Genuß.

Willibald Vohla (Luna) und Nicolo Jussa (Manrico) lebten und sangen ihre Rollen mit großartiger Eindringlichkeit. Vohlas Stimme wird jetzt immer „schwerer“ und charaktervoller, ohne an Schönheit zu verlieren. Jussa fand sich nach anfänglicher Belegtheit in seiner heiklen Mittellage bald im Element der von ihm beherrschten Höhen und wiederholte die Stretta vor dem Vorhang. Martha Geister (Leonore) ist eine große Schauspielerin, deren Stimme nicht immer ganz mithält, die aber über eine routinierte Gesangstechnik verfügt, um ein einschleichendes Flackern wieder zu festen Tönen zu formen. Petra Böser (Azucena) findet in der Figur der Zigeunerin vorzüglich Gelegenheit, ihr respektables Können zu beweisen. Manchmal erscheint sie etwas distanziert im Spiel und ihr Stimmtimbre erreicht nicht immer das Hochdramatische, aber insgesamt kam sie zu einer großen Leistung. Sehr gut fügte sich Helga Fortmann mit ihrem Debüt als Ines in das Ensemble ein. Heiner Horn (Ferrando) kennt man immer nur gut und zuverlässig. Ferdi Küppers, Milo Reneerkens und Karl Wiest ergänzten den Reigen des Wohlklangs.

Ueber allen schwebte das musikalische Zepter von Richard Kotz, der selten so ausgewogen, sicher, klangrein, stilecht und trotz aller kühlen Zurückhaltung so blutvoll und im feinsten Detail so energisch musiziert hat. G. I.

Unterhaltung mit Lolita

VON PETER SCHER

Damals waren wir viel jünger und die Welt sah anders aus. Aber eben darum ist es vielleicht nicht unerwünscht, daß man von solchen Erlebnissen berichtet.

In Granada wurde ich mit einer spanischen jungen Dame bekannt, die durch den vorübergehenden Umgang mit einer Berlinerin etwas Deutsch gelernt hatte — ungefähr so viel wie ich Spanisch. Sie hieß Lolita und war sehr hübsch: blauschwarzes Haar, olivenfarbene Haut, Kirschenaugen — wie man es eben in Andalusien hat.

Wer dieses Land nur ein bißchen kennt, der weiß, wie feierlich und ungemütlich es zugehen kann, wenn Damen und Herren sich zum ersten Mal begegnen. Geradezu eih Wunder aber ist es, wenn zwischen einem ausländischen Mann und einei- einheimischen Frau die allerharmloseste Plauderei zustande kommt. Trotzdem geschah es, daß die schöne Lolita und ich jeden Morgen, wenn ich an ihrem vergitterten Balkon vorüberging, jene Aussprache hatten, über die ich hier berichten will, weil sie in ihrer Art bemerkenswert war.

Die vorhin erwähnte Berlinerin hatte in Donna Lolita das Verlangen entfacht, mit ihrem kostbaren Deutsch Eindruck zu machen. Ich wiederum fiel täglich aufs neue der Versuchung zum Opfer, mein Spanisch leuchten zu lassen — noch dazu vor einer so reizenden jungen Dame. Die Folge war, daß ich über Lolitas Deutsch ebenso in Verzückung geriet wie sie über mein Spanisch. Nur schade, daß weder sie noch ich eine Ahnung hatten, wie komisch wir wirkten. Wir merkten es nur immer beim andern — was ja im allgemeinen und vom Spanischen ganz abgesehen, auch sonst nicht selten der Fall sein soll. Indessen wurde auch diesem Mangel abgeholfen. Don Esteban, ein junger Herr, der in Heidelberg studiert hatte und mit Stolz das Deutsche wie seine eigene Sprache beherrschte, machte sich das Vergnügen, unsere Unterhaltungen zu belauschen und stenografisch festzulegen. Aus diesen Protokollen ersah ich übrigens, daß jener Berlinerin ein Hang zur Satire eigen gewesen sein mußte, denn die arglose Lolita förderte Ausdrücke zutage, die mit dem berühmten spanischen Hofzeremoniell

nicht ganz in Einklang zu bringen waren. Hier eine unserer Morgenplaudereien, wortgetreu nach dem Protokoll des jungen Don Esteban:

„Guten Morgen, Fräulein Lolita!“ „Guten Morgen, meine Herr!“ „Bin Sie gut zerfrühstückt, gnädiger Dame?“

„Tausend Dank, schöne Herr.“ Pause. Heftiges Nachdenken ihrerseits. Dann triumphierend: „Guter Nacht, du Schaffkopft!“

Nun wieder ich: „Dei- Himmel serr blau. Sie seien schön groß, meiner Dame!“. Darauf Lolita: „Isch libbe disch! Schlaffen Sie gutt!“

Hier muß meine freudige Überraschung so offenkundig gewesen sein, daß Lolita noch einen Trumpf draufsetzen und mich mit einem Kompliment in meiner Sprache berauschen wollte. Heftig und errötend sagte sie: „Alter Ziege!“

Worauf ich lyrisch: „Ihrer Stimme macht den Nachtigall pleite!“

Was offenbar etwas übertrieben war, denn wenn Lolita auch eine Schönheit ersten Ranges genannt werden mußte, so erinnerte ihre südlich dunkle Stimme doch mehr an einen Auktionator als an eine Nachtigall. Indessen nahm sie das Kompliment gnädig entgegen. Das Bemühen, ihrem Wortschatz ein überwältigendes Gegenkompliment zu entreißen, blieb nicht ohne Erfolg. „Meiner Liebling [ “zwitscherte sie, so melodisch ihr Bariton es erlaubte, vom hohen Balkon, und ich entfernte mich rasch, weil ich das Verlangen empfand, mich irgendwo im Grünen vor Heiterkeit zu wälzen.

Es läßt sich gar nicht sagen, wieviel Freude wir beiden Beteiligten sowohl wie der- nur indirekt beteiligte Protokollführer von solchen Unterhaltungen gewannen. Nie im Leben — und bestimmt nicht in Spanien — hätten wir auch nur einen Bruchteil dieses Vergnügens genossen, wenn uns die Sprache geläufiger gewesen wäre. Obendrein hatten wir noch den besonderen Vorteil, daß der junge Esteban, der mit Lolita verwandt war, bei der Familie eine sensationelle Begünstigung erwirkte: Die junge Dame durfte mich unter Aufsicht des Jünglings sogar in die Alhambra begleiten, wo sich in dem berühmten Löwenhof eine romantische Plauderei zwischen Lolita und mir ereignete, die der junge Mann mit unendlicher Erheiterung wiederum schriftlich festhielt.

Danach soll ich angesichts der maurischen Pracht und von der Schönheit des Mädchens hingerissen, mit Begeisterung ausgerufen haben: „Sie schönster Blume!“ Worauf sie, vom Zauber der poetischen Stunde überwältigt, mit leuchtenden Augen erwiderte: „Du bis serr knorrke!“ Seither klingen diese zauberhaften Worte in mir nach, wenn ich an Andalusien denke.

Annette de Vries, die langjährige Darstellerin des Theaters der Stadt Gießen, früher Mitglied bedeutender Theater in Beuthen, Königsberg, München, Kassel und Frankfurt a. d. 0., starb in Gießen im Alter von 55 Jahren. Ihre letzte große Rolle in Gießen war vor einigen Monaten dieFrayken in Zuckmayers „Barbara Blomberg“. -se.

Oper auf dem Dorf

EIN DARMSTÄDTER SPIELT DEN „TROUBADOUR“ MIT PUPPEN

Duplizität der Ereignisse! Während im Landestheater der „Troubadour“ mit allem Glanz der großen Bühne seine Wiederauferstehung feierte, gab ein alter Darmstädter, Walter Röhler, von dessen Heimbühne das „Tagblatt“ früher schon berichtet hatte, auf seiner Bühne auch den „Troubadour“, zwar nur mit Schallplatten, dafür aber in der Besetzung mit Franz Völker und anderen berühmten Künstlern.

Nach Mörstadt in Rheinhessen verschlagen, pflegt Röhler dort außer seinem bekannten „Südwestdeutschen Institut für Puppenspiel“, das sich besonders die Erforschung des Kindertheaters des 19. Jahrhunderts angelegen sein läßt, noch eine spezielle Abart: Die Puppenspieloper. Die kleine, im Rahmen des Instituts fest eingebaute Bühne ist mit raffinierten Beleuchtungs- und sonstigen technischen Einrichtungen versehen und die sieben Bilder der Oper zeichnen sich durch eine derart vortreffliche, plastische, das Lokalkolorit in Bau, Form und Farbe kennzeichnende Inszenierung aus, wie sie heute aus wirtschaftlichen und technischen Gründen keine große Bühne sich mehr leisten kann. Von Röhler, der — an sich schon eine Leistung — die ganze Oper allein vorführt, stammen neben den Dekorationen auch die halbplastischen, von der Seite geführten und beweglichen Figurinen, welche die Illusion vollkommen machen. Die einleitende Schallplatte gab nicht nur das „Stimmen der Instrumente^, sondern auch die mancherlei Geräusche eines großen, vollbesetzten Opernhauses wieder ... Schade nur, daß diese entzückende Miniaturoper so weltabgelegen und sonntags nur zu Fuß über zuckerrübenwagendurchfurchte Straßen zu erreichen ist. H.W.W.

Philosophie und Sprache

Professor Bollnow, Mainz, sprach innerhalb der Vortragsreihe, die die Gesellschaft für Deutsche Sprache in Verbindung mit der Volkshochschule durchführt, in Darmstadt über das Thema „Philosophie und Sprache". Ausgehend von der Bedeutung der Konjunktion „und" in seiner Themastellung, legte er die wechselseitigen Beziehungen zwischen Philosophie und Sprache dar, wobei er die ineinandergreifenden Problemkreise klar nachzog und mit der sanften Bestimmtheit zwingender Gedankenfolge zum Kernproblem führte: der Hinwendung der gegenwärtigen Philosophie zur Sprache.

Die Frage, wieweit die Philosophie von der Sprache abhängig ist, beschäftigt erst in unserer Zeit die Philosophen in stärkerem Maße. Von einer eigentlichen Sprachphilosophie kann bis ins 19. Jahrhundert, von wenigen Ausnahmeversuchen abgesehen, nicht die Rede sein —, während heute die Sprachphilosophie danach drängt, die Zentrale aller Disziplinen zu werden.

Diese. Entwicklung geht einmal vom sprachschöpferischen, sprachgestaltenden Dichterischen aus (Hölderlin, Rilke), zum anderen vom philosophischen Ergründenwöllen vorsprachlicher, 'unsprachlicher Wirklichkeit.

Seit die Menschen eine Sprache ausgebildet haben, können sie nicht mehr unmittelbar mit der Wirklichkeit in Verbindung treten (Humboldt), denn die Welt, in der wir leben, ist immer so, wie die Sprache sie uns zuführt. Durch die Sprache, durch die darin geformten Begriffe sind wir an eine bestimmte Seinsweise gebunden, an eine bestimmte Art, die Welt zu sehen und als wirklich zu nehmen. Zu sprengen ist diese Gebundenheit in einer Hinsicht durch den Uebergang in eine andere Sprache.

Das Zurückgehen hinter die bindenden logischen Begriffe erscheint darum als philosophisches Bedürfnis, um dem Eigentlichen näherzukommen. Denn da Sprache sich wandelt im'Laufe der Zeit, wandelt sich auch das Denken, und die Philosophie hat es so mit einem dauernd sich Verwandelnden zu tun.

Das Geformte in der Sprache steht dem Ungeformten gegenüber. Die Form kann nie wieder ins Ungeformte aufgelöst werden. Was genannt und durch Sprache gebunden wurde, ist gestiftet als „Bleibendes“ und wirkt fort. Darin beruht die Gewalt des Wortes, die wir bei allen Primitiven feststellen können, beruht das Unheimliche der Beleidigung, die Gültigkeit überlieferter Sprüche, die Bedeutung des „Bekenntnisses“, das ein Faktum setzt, das vorher nicht war, beruht auch die Treue zu dem einmal gegebenen Wort.

Bisher hat man einen unheimlichen Einfluß der Sprache auf die Philosophie gesehen. Sprachkritik wurde deshalb bis zur Uebersteigerung der modernen Logistik durchgeführt, die den scheinbaren Unexaktheiten der Sprache durch Zeichensetzungen ausweichen wollte.

Jedoch liegt gerade im Fließenden, in den Uebergängen und Verbundenheiten der Wortgruppe das Lebendige und Darstellende dessen, was gemeint ist. Von Plato bis zu Heidegger, der vor allem durch die Beschäftigung mit Hölderlin zur Sprachphilosophie kam, suchten die Philosophen auf sprachliche Urelemente zurückzugehen und ihre sachliche Analyse von einem sehr feinen Hinhorchen leiten zu lassen, das durch sprachliche und dichterische Weltauslegung bis zur vorbegrifflichen Weltauslegung hinabreichen möchte.

Die Beschäftigung mit dem Dichter, dem Künstler, dem aus dem Urerlebnis Formenden, ergibt sich als notwendige Folgerung für die heutige Philosophie. Sie kommt damit zur philosophischen Interpretation der Rilkeschen Einsicht, die im Sagen der Dinge die eigentliche Aufgabe des Menschen erkannte. D-s

Notizen

Direktor Dr. ing. e. h. Karl Schnetzler, Mitglied des Aufsichtsrates und langjähriges leitendes Vorstandsmitglied der Brown, Boveri und Cie. Aktiengesellschaft, starb in Mannheim. Der aus Karlsruhe gebürtige Direktor gehörte zu den namhaften Wirtschaftlern Süddeutschlands. Die T. H. Darmstadt hatte ihn 1927 für seine hervorragenden Verdienste ehrenhalber zum Doktor der Ingenieurwissenschaften promoviert. 1944 wurde er von der T. H. Karlsruhe für seine technisch-wissenschaftlichen Leistungen, besonders auf dem Gebiet der Förderung der Elektrotechnik mit der akademischen Würde des Ehrensenators ausgezeichnet. -se.

Charles West, vom Weltkirchenrat für zwei Jahre als Vertreter der Ökumene abgeordnet, wird ab 1. Januar 1951 in der theologischevangelischen Fakultät der Universität Mainz Vorlesungen über Probleme auf dem Missionsfelde halten, und zwar mit besonderer Berücksichtigung der evangelischen Verkündigung in der nichtchristlichen Welt Chinas, wo er bis zum Sommersemester als Dozent und Studentenpfarrer tätig war. -se

DJ Film-Forum

Ein Stück Erde und - Wildheit!

Die Schauspielerin; von der einstmals ein Kritiker gesagt hat, sie sei ein Stück Erde und Wildheit, ist niemand anders als Brigitte Horney. Und der aufmerksame Kritiker hat damit ihr Wesen in meisterhafter Weise gekennzeichnet! Schmiegsam, naturnah, wie ein lauerndsprungbereites schönes Tier, katzenhaft: So kennen wir sie aus manchem Film .. * und schwer nur können wir uns vorstellen, daß diese Frau einstmals an einer schier unüberwindlichen Scheu vor öffentlichem Auftreten litt! Das kam wohl daher, daß ein Lehrer ihr, als sie einmal deklamierte, mahnend sagte, sie verschwende zu viel Gefühl... das wirkte so auf sie ein, daß sie ihre unbändigen Gefühle tief in sich verschloß und ganz scheu wurde.

Dabei war sie von Haus aus wirklich gar nicht scheu, sondern, mit zwei Schwestern aufwachsend, fast wilder als ein Junge! Karl May, alle dreißig Bände, waren ihre Lieblingslektüre, und kein Baum war ihr zu hoch, wenn es galt, einen Indianersitz hineinzubauen! Verständnisvolle Eltern — die Mutter war Nervenärztin — legten der inneren und äußeren Entwicklung dieser Kinder keine Hemmnisse in den Weg, und so konnte sie, als sie die Scheu vor dem öffentlichen Auftreten überwunden hatte, ihren Weg zielbewußt gehen. Aber ein erstes Vorsprechen vor einer gestrengen Lehrerin lag noch zwischen ihrer Kinderzeit und diesem Start in die große Welt, und das hat ihr solche Pein verursacht, daß sie mit Fieber ins Bett mußte: Solche Leidenschaften toben in dieser Künstlerin! ■

In Würzburg hat sie dann zuerst auf der Bühne gestanden, und als sie dort ihre ersten Rollen spielte, bewarb sie sich um einen Preis für die beste Nachwuchsschauspielerin — und bekam ihn. Das aber löste nun alles aus, was sie in ihren kühnsten Träumen nur hatte ersehnen können! Ihr Bild war in den Berliner Zeitungen abgedruckt, schon klingelte das Telefon in ihrer elterlichen Wohnung in Dahlem: Und da war also die UFA und holte sie zu einem neuen Film... Probeaufnahme, Vertrag... so ging da alles ruck-zuck. Ihr Würzburger Jahr hat sie dennoch erst in aller Ordnung beendet, aber als sie dann nach Berlin zurückkehrte, war sie keine Unbekannte mehr! Das zeigte schon ihr Einlaufen auf dem Bahnhof: Da standen zwei Herren und steckten sie glatt in ein Auto und fuhren mit ihr zum^Lessing-Theater... und erst, als sie dort zugesagt hatte, in vier Tagen in einer Neuaufführung mitzuwirken, konnte sie heimfahren und ihre Angehörigen begrüßen! —

Der weitere Weg? Deutsches Theater; Volksbühne, und dann Film, Film und immer wieder Film... aber aus diesen Filmen kennt sie ja jeder, der den deutschen Film der letzten zwei Jahrzehnte miterlebt hat. Die Namen dieser Filme? Nennen wir einige: „Der grüne Domino“, „Stadt Anatol“, „Das Mädchen von Fanoe“, „Anna Fragetti“, „Illusion“, „Liebe, Tod und Teufel“, „Befreite Hände“ und nun, nach dem Zusammenbruch, steht sie vor der Kamera in einem neuen Film: „Inspiration“. Das ist deshalb um so höher zu bewerten und um so freudiger zu begrüßen, als sich eine Zeitlang das böse Gerücht hartnäckig hielt, sie sei in den schrecklichen letzten Tagen des Krieges ums Leben gekommen. Sie lebt noch! Alle ihre Freunde werden das mit Genugtuung vernommen haben!

Woher kommt diese starke künstlerische Begabung? Ihre Mutter hatte schon den leidenschaftlichen Wunsch gehabt, Schauspielerin zu werden, aber allerlei Vorurteile der Familie sagten nein dazu; der Tochter gelang, was der Mutter versagt blieb...


BRIGITTE HORNEY
BRIGITTE HORNEY

(Foto; Junge Film-Unionz-Foto Wesel)
(Foto; Junge Film-Unionz-Foto Wesel)

Ultraschall ist keine Hexerei

ABER AUCH KEIN „MÄDCHEN FÜR ALLES“

G.Gr. Aerzte, Krankenschwestern und Laien hatten sich in der Oranien-Aula zu Dr. Hintzelmanns Volkshochschul-Vortrag über das Wesen des Ultraschalls eingefunden. Der erfahrene Praktiker der noch jungen Therapie wandte sich selbst humorvoll gege- den Irrglauben an die universale Wunderkraft des neuen Heilverfahrens.

Ultraschall ist keine Hexerei. So, wie das menschliche Auge Lichteffekte von sehr niedriger oder sehr hoher Schwingungszahl (ultrarot, ultraviolett) nicht wahrzunehmen vermag, so geht es dem menschlichen Ohr mit Schallwellen oberhalb des Bereiches von 16 000 Schwingungen in der Sekunde. Bei Fröschen liegt diese Grenze bereits bei 10 000, bei Fledermäusen erst bei 50 000 Schwingungen, Als die physikalische Forschung erkannte, daß sich die sehr hohen Schwingungen des elektrischen Wechselstromes beim Durchgang durch eine Quarzplatte in mechanische „Stöße“ von gleicher Schwingungszahl verwandeln, lag es nahe, diese Schallwellen für technische und medizinische Zwecke zu verwenden.

An einer Reihe einfacher, jedoch anschaulicher Versuche im Reagenzglas machte Dr. Hintzelmann mit den physikalischen und chemischen Wirkungen des Ultraschalls bekannt.

Die Heilbehandlung mit Ultraschall hat ihre Bewunderer, die in dem Verfahren ein „Mädchen für alles“ sehen, und ihre Gegner, die nicht müde werden, vor den angeblichen Gefahren zu warnen. Der Redner wies beide Auffassungen zurück. Die zweifellos feststellbaren Schäden der Ultraschall-Behandlung beruhen in der unsachgemäßen Dosierung der (an der Millionengrenze sich bewegenden) Schwingungen der Schallwellen, teilweise auch in dem Versuch, den Anwendungsbereich dieser Therapie auf Krankheiten zu erweitern, die sich ihr entziehen.

Mit gutem Heilerfolg lassen sich Ultraschallwellen bei vielen rheumatischen Erkrankungen, bei Neuralgien und Blutgefäß-Veränderungen verwenden, indem man die erkrankten Stellen äußerlich „beschallt“. Neuerdings ist es auch möglich, auf dem Wege über das zentrale Nervensystem im Rückenmark die eigenen Abwehrkräfte des Körpers anzuregen und sozusagen eine selbsttätige Heilung zu erzielen, die bei äußeren und inneren Geschwüren schon verblüffende Erfolge gezeitigt hat. Ein verantwortungsbewußter Arzt kann mit der Ultraschall-Therapie segensreich wirken, wenn er die individuelle Reaktion jedes menschlichen Organismus berücksichtigt.

Eine lebhafte Aussprache und reicher Beifall zeigten dem Redner, daß der instruktive Vortrag dazu beigetragen hat, den „Nebel um Ultraschall“ ein wenig zu lichten.

Neuer Film

UNION: „Die Verjüngungskur“. Wenn ein rüstiger Fünfziger eine lebenshungrige Frau heiratet, dann kann leicht geschehen, daß die Frau mit dieser Ehe nicht zufrieden ist. Der Erfolg? Der Mann sieht sich nach einer Verjüngungskur um, die ihm die Schönheit und jugendliche Tatkraft eines Adonis wiedergibt. Leider ist aber das Lebenselixier noch nicht erfunden worden, und daher muß der Neffe herhalten, der nun plötzlich mit Ungestüm und feschem Augenaufschlag den „wiedererstandenen“ Gatten mimt. Aber der Alte ist ein Hallodri, der seinen Neffen in unangenehme Situationen bringt. Man sieht sich veranlaßt, den alten Großvater zu verjüngen, damit der eigentliche Mann der schönen Poldi im Lehnsessel des Urahn die häuslichen Ereignisse an Ort und Stelle verfolgen kann. Inzwischen fensterln einige mehr und weniger handfeste Burschen bei Dienstmagd und Tochter, und zuletzt platzt die Seifenblase mit hörbarem Knall. Das Ergebnis? Die Poldi ist mit ihrem neuen, alten Mann ausgesöhnt, der Neffe bekommt die Tochter und auch die Dienstmagd wird mit einem Mann belohnt. Der Urahn aber begnügt sich mit einer schikken Blonden aus der Stadt.

Diese ländliche Komödie ist in ihrer Art nicht neu. Sie lebt von der Verwechslung und der Situationskomik. Großartig die Gestalt des vertrottelten Großvaters mit alkoholischem Rülpser. Gut die Figur des Neffen, und die liebeheischende Gestik der Dienstmagd. Ein lustiger Film aus dem österreichischen Alpenland, der sicher seine Liebhaber finden wird, hfl

Darmstadt und Umgebung

Scießpulver und brennende Zignretten

Zwei Tote, fünf Schwerverletzte

-■ V 1 ^er Näeht zum Montag ereignete ®™Lein schw«res Unglück in der Wohnung des Schrotthändlers Valentin g„u U m ?,f he 11 e r an der Kreuzung öcneppaüee und Haardtring. Mehrere ngehonge der Familie saßen in einem meinen Raum um einen Tisch und entschärften Gewehr- und Pistolenmunition, indem sie die Patronenhülsen aufbrachen und das Pulver auf den Tisch leerten. Einige der Anwesenden rauchten bei dieser Beschäftigung. Dabei soll Valentin Trumpfheller seinen Sohn, der einen Zigarettenstummel auf den Boden warf, zur Rede gestellt haben, wobei von seiner eigenen Zigarette Glut auf den Pulverhaufen auf dem Tisch gefallen sei. Das Pulver entzündete sich mit einer explosionsartigen Stichflamme, wodurch Fenster und Türen schwer beschädigt wurden. Sämtliche Anwesenden erlitten schwere Verbrennungen. Frau Anna Sie gm a i e r. die in einem Waschgefäß ihre brennenden Haare zu löschen versuchte. starb anscheinend durch den Schock im Raum, während die übrigen Familienangehörigen brennend ins Freie liefen und sich ablöschten. Sie wurden in das Krankenhaus eingeliefert, wo bald darauf Frau Karoline Trumpfheller starb. Glücklicherweise konnte die Entwicklung eines Zimmerbrandes verhütet werden, da in dem engen Raum die in Blechgefäßen und Säcken zu mehreren Zentnern herumliegende Munition eine furchtbare Wirkung gehabt hätte.

Valentin Trumpfheller und vier weitere Personen schweben noch in Lebensgefahr. Bewohner der Umgebung erklärten. daß sie schon öfters die Kinder mit Munition spielen sahen, ihre entsprechenden Hinweise jedoch nichts genutzt hätten. •

Lebertran für Kleinkinder

Das Weltkinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hat auch in diesem Jahr zur Durchführung der Anti-Rachiis - Aktion dem Gesundheitsamt barmstadt Lebertran zur Verfügung gestellt. Die Ausgabe des Lebertrans erfolgt unentgeltlich im Rahmen der Säughngsberatung. Erfaßt werden sollen Kinder im Alter von 6—24 Monate. Die Ausgabe des Lebertrans für den Stadtkreis findet an folgenden Tagen statt: 1. Nachbarschaftsheim, Prinz Emilgarten, 15.11. 50 ab 15 17 Uhr; 2. Gesundheitsamt Darmstadt, Heinheimerstr. 22, 20. 11. 50 ab 14 bis 17 Uhr; 3. Ev. Gemeindehaus, Da-Arheilgen, 23. 11. 50, ab 15—17 Uhr; 4. Ev. Gemeindehaus, Da-Eberstadt, 27. 11. 50, ab 15—17 Uhr; 5. Lessingschule, Waldkolonie, 11. 12. 50, ab 14—16 Uhr.

Entsprechende Gefäße, die IV2 Liter fassen, sind mitzubringen, da dem Gesundheitsamt keine Einzelgefäße zur Ausgabe des Lebertrans zur Verfügung stehen.

Mehr Jugendarheit

’n einer Mitgliederversammlung der SKG Eberstadt im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ Eberstadt am Samstag erstattete der 1. Vorsitzende Bergsträßer Bericht über die Tätigkeit der einzelnen Abteilungen (Fußball, Handball, Sänger, Turner, Radfahrer und Tischtennis) im ersten Halbjahr 1950. In den Besprechungen über die Arbeit des kommenden Jahres wurde von den Versammlungsteilnehmern eine intensivere, auch erzieherische, Betreuung der Jugend gefordert. Die Arbeiten auf dem Waldsportplatz, der zu einem Stadion ausgebaut wird, sollen bei guter Witterung fortgesetzt werden. Für die erste Reihe der Stehtribüne wurden bereits 100 qm Betonplatten und -pfosten versetzt.

Die Versammlungsteilnehmer beschlossen, die Gestaltung von Feiern um die Weihnachtszeit den einzelnen Abteilungen selbst zu überlassen. t-s

Taufend Befucher täglich im Hallenbad

Auch im Winter wird gebaut

Wenn auch seit einigen Wochen der Betrieb im städtischen Hallenschwimmbad schon im Gange ist, so gibt es doch noch eine ganze Menge aus- und aufzubauen, bis das Schwimmbad in seiner alten Ausdehnung auf „Hochglanz“ gebracht ist. In diesen Tagen werden die kleinen Säulengänge zu beiden Seiten des Hauptgebäudes ausgebaut, und zwar wird in dem Gang, der der - Georg-Straße zugewandt ist, eine bewachte Fahrradaufbewahrung untergebracht. Auch entlang der Vorderfront des Schwimmbades werden Radständer montiert, so daß auch der Unbemittelte sein Roß“ ohne Furcht vor Diebstahl anschließen kann. Der Säulengang auf der Südseite wird den neuen Toiletten Vorbehalten bleiben, die einem alten Mißstand, besonders während der „Messezeit“ ’ abhelfen werden. Die Hofseite der Schwimmhalle wird gerade verputzt.

In absehbarer Zeit ist damit zu rechnen, daß auch das „Herz der Anlage“, das Kesselhaus, mit seinen Nebenräumen für die Heizer, trotz aller auftretenden Finanzierungsschwierigkeiten unter Dach und Fach gebracht wird. Als weitere Arbeit ist die Verschalung des Daches der Männerseite vorgesehen, um einen besseren Wärmeausgleich zu erzielen. Diese Arbeiten werden viel dazu beitragen, die Besucherzahl weiter zu erhöhen.

Im Monat Oktober haben 26 314 Personen das städtische Hallenschwimmbad besucht. 18 332 stürzten sich in die Fluten des Hallenbades, 2856 nahmen Wannenbäder und 3709 Brausebäder. Seit der Schulunterricht wieder begonnen hat, wird das Bad auch klassenweise von den einzelnen Schulen aufgesucht. 30 Kinder erhalten zur Zeit Schwimmunterricht durch bewährte Fachkräfte, und die zwei Erwachsenen, die sich an die „Angel“ wagen, scheinen zu beweisen, daß es unter den „Großen“ nicht viele gibt, die des Schwimmens unkundig sind.

Inzwischen ist auch die Preisermäßigung, entsprechend dem Beschluß der Stadtverordneten, auf die Erwerbslosen ausgedehnt worden, die in Zukunft nur noch die Eintrittspreise für Jugendliche zu zahlen brauchen. Zweimal in der Woche

hat das Studentenwerk der TH das Schwimmbad „beschlagnahmt“, damit alle Studenten ihren Wassersportgelüsten nachgehen können. hfl

Wanderungen im Spätherbft

Odenwaldcelub:

Der Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmstadt, führte am Sonntag die vorletzte (15.) Wanderung des Wanderjahres 1950 trotz dem nassen Wetter mit nahezu einhundert Teilnehmer durch, von denen die meisten die Bedingungen für das Goldene“ erfüllt haben. Die Wanderung führte über Messel, Thomashütte, Eppertshausen, das Endziel, die alte Residenzstadt des Grafen von Hanau-Lichtenberg. Der ganze Wanderweg führte durch die herbstlandschaftlichen Wälder unterbrochen durch schon größtenteils von ihrem Laub befreiten Bäume „Wanderopa“ Beyer ließ es sich mit seinen 70 Jahren nicht nehmen die Wanderer auf der Höhe von Hergershausen im Namen der Ortsgruppe Babenhausen zu begrüßen.

Unter Führung des Mitgliedes Beyer wurde die evangelische Stadtkirche mit dem bekannten Holzschnitzaltar von Riemenschneider und den Grabplatten der gräflichen Familie sowie das vor kurzem |rst eingeweihte Mahnmal für alle Kriegsopfer besichtigt. Den Dank an die Führer, die Klubgenossen Leh und Wolff, sprach ’ der 1. Vorsitzende, Stadtrat Sch ra u th , der selbst ein geborener Babenhäuser, ist aus. rmb

Wanderclub „Falke“ 1916:

Am Sonntag trafen sich zahlreiche Teilnehmern des Wanderclubs „Falke 1916“ Darmstadt, am Böllenfalltor. Nach kurzei' Fahrt bis Trautheim begann die Wanderung, welche durch die Villenkolonie nach Nieder-Ramstadt — Waschenbach — den Diebspfad entlang auf die Straße — Nieder-Modau — Frankenhausen führte. Nach zeitweiser Aufklärung versprach das Wetter schön zu werden, Zur Rechten grüßte der Frankenstein; der Wald bot in seinem bunten Blätterschmuck ein farbenprächtiges Bild.

Die Landstraße Ernsthofen — Brandau kreuzend, gelangten die Wanderer nach dreistündigem Marsch in Herchenrode an. Nach einer Stärkung bei Gastwirt von Stein ging es auf teils morastigen Wegen weiter über Rohrbach nach Wembach. Unterwegs genoß man herrliche Fernblicke auf den Kaiserturm, Asbach, Schloß Lichtenberg und den Otzberg. Inzwischen setzte Regenwetter ein und die Teilnehmer waren froh, bei Wirt Keller Unterkunft und Stärkung zu finden. Der 11. Vorsitzende, A. Fleischmann, dankte den Wanderführern K. Bieger und F. Zimbrich für die gute Vorbereitung und Führung. Ueber Hahn führte der Heimweg nach dem Rondell Ober-Ramstadt, wo der Obus die Teilnehmer in Empfang nahm.

Ueber „Das Königreich der Tiere“ und „Tiere in der Landschaft des Yosemite-Parkes“ werden am Mittwoch, dem 15. November, um 19.30 Uhr, im Saal 167 der TH. im Rahmen der Volkshochschule zwei Farbfilme gezeigt werden. *

„Deutfche Budgemeinfchnft“ baut in Darmstadt

Am gestrigen Vormittag fanden sich auf dem Baugelände in der unteren Rheinstraße die Vertreter der Stadt, der „Deutschen Buchgemeinschaft“ sowie die Bauführung mit ihren Männern zu einer kleinen Feier zusammen, um den Grundstein für das neue Verlagshaus der „Deutschen Buchgemeinschaft“ zu legen.

Bauführer Adam gelobte im Namen seiner Arbeiter, gute handwerkliche Leistungen zu vollbringen. Oberbürgermeister Metzger legte daraufhin den Grundstein und betonte in einer kurzen Ansprache, er hoffe, daß dieses Gelände in Zukunft der deutschen Kultur dienen möge. Die Dichtung solle eine Verbindung mit allen in der Welt schaffen, die guten Willens seien, den Frieden zu fördern. Er müsse seiner Freude darüber Ausdruck verleihen, daß gerade Darmstadt als Sitz der' ..Deutschen Buchgemeinschaft“ gewählt worden sei. Da sich Darmstadt seit jeher die kulturellen Belange sehr angelegen habe sein lassen, sei zu hoffen, daß Darmstadt das richtige Klima für kulturelle Arbeit sei.

Nachdem der Sitz der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung nach Darmstadt verlegt worden sei, müßten nun auch Verlage und Druckereien in die Stadt gezogen werden, um der Verpflichtung einer alten kulturellen Tradition nachkommen zu können. Unter diesen Voraussetzungen wäre ein ständiges

„Darmstädter Gespräch“ möglich, das weit über seine engeren Grenzen hinweg richtungsweisend werden könnte. Der Vermittlung deutschen Kulturgutes diene die „Deutsche Buchgemeinschaft“ in erster Linie, und ihre Arbeit könne mit dazu beitragen, die Leistungen deutscher Literatur einer breiten Lesergemeinde zugänglich zu machen.

Frau Leonhard dankte dem Oberbürgermeister im Namen des Verlages und gab dem Wunsch Ausdruck, daß die ..Buchgemeinschaft“, die bisher in Hamburg ihren Sitz hatte, in Darmstadt eine bleibende Heimstatt finden möge. Das Gebäude, Soll im Laufe des nächsten Jahres bezugsfertig sein, und wird mit zwei Stockwerken 2000 Quadratmeter Bürofläche enthalten. -st

Gberstädter „Narretei“

Die Karnevalsaison eröffntee der Gesangverein „Frohsinn“, Eberstadt, am Samstag mit einer Veranstaltung des Mitgliederkreises im Gasthaus „Zur Harmonie“. Schon seit 50 Jahren bestreitet dieser Verein die traditionellen Fastnachtsveranstaltungen des Darmstädter Vorortes. Im Programm traten verschiedene alte Karnevalisten auf, allen voran der Nestor der Narrengilde, der 83jährige Ludwig Brückmann. Ihm folgten Wilhelm K n i e ß , Otto Küfner, Christian Böhm und zum Schluß Frau D ä - chert aus dem Frauenchor. Die Vortragenden, das Quartett des Männerchors und der Frauenchor, konnten reichen Beifall einheimsen. Die große „Frohsinn“- Familie schunkelte und sang bis in den Morgen hinein. Damit nahm auch die Karnevalszeit in Eberstadt ihren glänzenden Anfang. t-s

Rohrdommel und Kampfläufer

Der Bund für Vogelschutz zeigte gestern im Stadthaus einige Farbfilme aus der Natur- und Vogel weit. Herr Schäfer, der Referent des Abends, begrüßte die zahlreich erschienenen Zuschauer und überbrachte die Grüße des Oberlandforstmeisters, der infolge eines Aufenthaltes in Wiesbaden nicht ercheinen konnte. Herr Schäfer gab die geplante Vortragsfolge für die nächste Zeit bekannt.

Im ersten Buntfilm wurde ein Streifzug durch die Jahreszeiten bzw. deren Schönheit und die Vogelwelt gezeigt. Ausgezeichnete und seltene Aufnahmen zeigten Goldammern, Dompfaff, Buchfink, Stare, Kohlmeisen und Blumen aller Arten. Ein weiterer Buntfilm führte die Besucher sodann kreuz und quer durch das Naturschutzgebiet — Federsee, schloß Buchau und Umgebung —, das schon im Jahre 1911 gekauft wurde und zu dessen Erwerb der Bund für Vogelschutz einen wesentlichen Beitrag lieferte. Seltenheiten des Moores — wie z. B. Sonnentau, eine fleischfressende Pfalnze — die große Rohrdommel, die Rohrweihe sowie die verschiedensten Moos- und Baumsorten, waren die besonderen Schönheiten dieses Streifens.

Das ist nur ein relativ kleiner Abschnitt aus der Menge der seltenen und schönen Bilder, die durch die farbigen Kontraste besonders zur Wirkung kamen. Ein weiterer sehr interessanter und lehrreicher Film behandelte das Leben und Treiben der Eulen. Sg.

69000 Darmstädter zur Wahl aufgeufen

Das Wahlamt hat seine Vorbereitungen abgeschlossen / Frauen als Helferinnen / Wahlscheine nur bis zum 17. November, 12 Uhr

Zu den wenigen Dingen, die durch häufigen Gebrauch sich nicht abnützen, sondern besser werden, gehört die Wahlkartei. Die Wahlämter kamen in den letzten Jahren nicht zur Ruhe. Ihre Karteien gewannen dadurch an Zuverlässigkeit. Schon bei der Volksabstimmung gab es keine Beanstandungen. So erklärt es sich, daß der Wähler sich diesmal darauf verlasen hat, daß er richtig eingetragen ist, denn es gab nur wenige Einsichtnahmen. Am 4. November war die Frist dafür verstrichen. Bis dahin sind auch alle Wohnungsveränderungen berücksichtigt worden. Wer danach noch umgezogen sein sollte, muß sein altes Wahllokal auf suchen. Es gibt deren 13 in der Innenstadt, zwei in Eberstadt und eines in Arheilgen.

Vier neue Wahlbezirke Darmstadt ist für die Landtagswahl am Sonntag in 48 statt zuletzt 44 Wahlbezirke eingeteilt. In dieser Erweiterung spiegeln sich die Bevölkerungszunahme und die Neubautätigkeit wider. Hinzu, kommen noch zwei „fliegende Wahllokale“ für Krankenhäuser, Altersheime und geschlossene Anstalten. Ihre Insassen wählen mit Wahlscheinen, wobei die Geheimhaltung — wie für die gesamte Wahl — gesichert ist. Auch die Untersuchungsgefangenen. nicht dagegen die Strafgefangenen, sind wahlberechtigt. Aus politischen Gründen sind noch 136 Personen von der Wahl ausgeschlossen, während es bei der Bundestagswahl noch 502 waren. Bei 69 000 Wahlberechtigten ist das nur ein sehr kleiner Bruchteil. Wer mit einem Wahlschein wählen muß, weil er am Wahltag verreist oder als Auswärtiger in einem Darmstädter Krankenhaus liegt, tut gut daran, ihn sich sofort zu besorgen. Der letzte Termin ist. der 17. November 12 Uhr. Bisher wurden, von den Anstalten abgesehen, nur wenige Stimmscheine angefordert. Wenn auch nur besondere Gründe dazu berechtigen, so kommt es doch vor, daß übereifrige Anhänger der Persönlichkeitswahl ihrem Lieblingskandidaten in seinen Wahlkreis nachreisen, wie es letzhin eine vielköpfige Familie tat, die dem Herrn Papa zuliebe —, sagen wir in Groß-Gerau wählte.

Wählerinnen, Wahlhelferinnen Wie bei früheren Wahlen werden auch diesmal in Darmstadt die Stimmen der Männer und Frauen gesondert gezählt. Da das Verhältnis beider 46,8 :53,2 ist, wird der Einfluß der Frauenstimmen, die sich erfahrungsgemäß durchaus nicht gleichmäßig auf die einzelnen Parteien verteilen, nicht ohne Einfluß auf das Gesamtergebnis sein. Die Frauen treten überdies nicht nur als Wählerinnen, sondern auch als Wahlhelferinnen in Erscheinung. Damit nimmt unsere Stadt diesmal eine Sonderstellung ein.

Für jeden Wahlbezirk werden zehn ehrenamtliche Wahlhelfer benötigt. Sie zusammenzubringen war eine der Hauptsorgen des Wahlamtes. Der Aufruf, sich zur Verfügung zu stellen, hat kein übermäßiges Echo gefunden. Unter den 500 Angeforderten sind nur an zwanzig Frei¬ .willige. Um so höher darf deswegen der Eifer eines sich seiner staatsbürgerlichen Pflichten bewußten Mitbürger gewertet werden, der nicht nur sich selber meldete, sondern zugleich noch sieben seiner Bekannten. Weniger Eifer zeigten die Parteien, obwohl gerade sie Wert darauf legen müßten, in jedem Stimmbezirk vertreten zu sein. Rühmenswert ist auch die Bereitwilligkeit der Hilfskräfte bei der Volkszählung, die ohne Anspruch auf Entgelt ihren Sonntag opfern werden. Ueber allem aber steht der Helferwille der Frauen, die aus den Reihen der Akademikerinnen und des Frauenverbandes sich zur Verfügung stellten. Man sollte sich dessen bewußt sein, wenn es einmal wieder an die Kandidatenaufstellung geht!

Der neue Stimmzettel Der Stimmzettel weist — und nicht nur in unserem Wahlkreis! — nur Namen von Männern auf. Vier sind es und vier Nachfolger. Sie rangieren in einer Reihenfolge. die durch die Stimmzahl bei der letzten Landtags wähl gegeben ist: SPD, CDU, FDP, KDP. Im Unterschied zu anderen Wahlkreisen springt aber nicht der Namen der Partei ins Auge, sondern der des Bewerbers. Ein Zugeständnis an die Forderung der Persönlich k?e itswahl, das nicht ohne psychologischen Einfluß auf die Wähler sein dürfte! Das Format des Stimmzettels (10.5 X 14 8 cm) ist kleiner als bisher. So kann er ungefalzt in den Umschlag getan werden.

Wer ersetzt die Kosten? Obwohl der Hauptteil der Wahlarbeit von ehrenamtlichen Helfern geleistet wird, kostet natürlich auch eine Landtagswahl Geld. Das Wahlgesetz sieht zwar vor, daß das Land den Gemeinden ihre Auslagen ersetzt, aber das steht nur im Gesetz. Nach den gestaffelten Einheitssätzen erhält Darmstadt für jeden Wähler 5 4 Pfg., das macht insgesamt 3 770 Mark. Die Kosten für Drucksachen, Anschläge, Lokalmieten und Heizung betragen jedoch zwischen 7 000 und 8 000 Mark. Ob der Stadtkämmerer seine Ansprüche gegenüber dem Land durchsetzen kann?

Nach den Wahlvorbereitungen der Parteien zu schließen, verfügen sie diesmal nicht gerade über übermäßig gefüllte Kassen. Langsam nur läuft die Plakataktion an. Erfreulich, daß (unberufen!) die Schmierereien an den Hauswänden auf gehört haben! Es soll Wähler geben, die grundsätzlich keine Partei wählen, die sich nicht an Ordnung und Sauberheit hält. P>D.


Fräulein Dr. von Westerhagen und Dr. Dietrich überprüfen noch einmal die Wahlkartei DT-Foto: Hilde Roth
Fräulein Dr. von Westerhagen und Dr. Dietrich überprüfen noch einmal die Wahlkartei DT-Foto: Hilde Roth

Kurze Meldungen aus der Stadt

Der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner, Ortsgruppe Arheilgen, hielt am 10. November eine gut besuchte öffentliche Versammlung in der Turnhalle ab. Sprecher des Abends war Regierungsoberinspektor Meckes von der Hauptfürsorgestelle des Regierungspräsidiums. In anschaulicher Weise erklärte er das neue Bundesversorgungsgesetz und gab nach seinem Vortrag auf gestellte Fragen Auskunft. ♦

Das Erntedankfest wurde in Griesheim erst am vergangenen Sonntag gefeiert, nachdem die restlichen Felder alle abgeerntet waren. Eine Haussammlung, die die Konfirmanden durchführten, brachte Lebensrnittel und Gemüse ein, die dem Elisabethenstift zur Verfügung gestellt wurden.

msch Eine große Geflügel- und Kaninchen¬ ausstellung veranstaltet der Kleintierzuchtverein Darmstadt am Samstag, dem 18., und Sonntag, dem 19. November, durchgehend von 9 bis 17 Uhr in der Holzhofallee 13. Ueber 200 Tiere vieler Rassen und Farben werden zur Ausstellung kommen. ♦

Auch beim VCD war's „schee“

Auch dei’ Karnevals ausschuß des Velocipedclubs Darmstadt hatte am Elften im Elften seine Mitglieder zu einem gemütlichen Abend karnevalistischer Prägung in den Räumen des Jagdschlosses Kranichstein eingeladen. Pünktlich um 11 Uhr 11 hielt unter den Klängen des Narrhalla-Marsches der Elferrat der diesjährigen Fastnacht seinen Einzug. Der Präsident des närrischen Komitees, Georg Schäfer, eröffnete die Kamevalszeit 1950/51 und tat seinem „Volke“ kund, daß auch in der nun anbrechenden närrischen Zeit der VOD an seine alte Tradition anknüpfen wird. So finden am 13. 1. ein Maskenball, am 21. 1. die traditionelle Damen- und Herrensitzung und nicht zuletzt am 6. 2. der Schlußrummel statt. -ei- Dr. Carl Happich, ein Mensch unserer Zeit, ist das Thema eines Vortrages, den Dr. Wolfgang Kretschmer von der Universitätsklinik Tübingen, am Donnerstag, dem 16. November, um 19.30 Uhr, im Saal 167 der TH. halten wird. *

Eine Hausmauer des Trümmergrundstiicks Karlstraße 95 stürzte am Montag bei dem Unwetter zusammen. Die Trümmer bedeckten Bürgersteig und Straßenbahnschienen. Der Grundstücksbesitzer hatte kurz zuvor die Ruine verlassen. Da die Straße im Augenblick des Einsturzes ohne Verkehr war, kam niemand zu Schaden. t-s.

Zur Einweihung des neuen Studenten¬ heimes wird Oberbürgermeister Metzger am Mittwoch, dem 15. November um 18.00 Uhr in dei’ Technischen Hochschule zu den Studenten sprechen. Das neue Studentenheim wird am Donnerstag, dem 16. November um 17.00 Uhr in der Riedeselstraße eingeweiht. Namhafte Vertreter der Regierung wurden eingeladen.

An eine Hausecke rannte gestern an der Kreuzung Odenwald- und Hügelstraße in Eberstadt ein amerikanischer Pkw. Das Fahrzeug wurde erheblich beschädigt, die Insassen wurden leicht verletzt. Nach Altmaterial suchte gestern abend im Keller der Versuchsanstalt der Technischen Hochschule ein Einbrecher, der aber bei seiner „Tätigkeit“ gestört wurde und schleunigst wieder das Weite suchte. *

Wie wird das Wetter?

Temperaturrückgang

Vorhersage: Am Dienstag wechselnd, noch vorwiegend starke Bewölkung, Schauer, im Gebirge als Schnee. Tagestemperaturen s—B Grad, etwas nachlassende westliche Winde. , Weitere Aussichten: Ruhiger, nachts Temperaturen nahe 0 Grad.



STARKENBURG

Zur Nachahmung empfohlen

Die Stadtverwaltung Groß-Gerau hat an verschiedenen, besonders verkehrsreichen Stellen des Stadtgebietes in gleichgroße Felder eingeteilte Holztafeln aufstellen lassen, die den Parteien zum Anbringen ihrer Plakate für die Zeit der Wahlkampagne dienen sollen. Dadurch soll vermieden werden, daß Hauswände, Mauern, Gartenzäune usw. beklebt werden und die Plakatreste noch lange nach der Wahl das Stadtbild verunzieren. Dieses freundliche Entgegenkommen der Groß-Gerauer Stadtverwaltung sollte anderen Gemeinden als Beispiel und Ansporn dienen, die geringen Mittel nicht zu scheuen, die zur Schaffung solcher Tafeln nötig sind. -th-

Soziale Arbeit in Bickenbach

In vorbildlicher Eintracht bilden Alt- und Neubürger eine gemeinsame Familie, die in jeder Weise von Bürgermeister Blum und seinem Gemeinderat unterstützt wird.

Als vordringlichste Arbeiten werden zur Zeit die Weihnachtsvorbereitungen getroffen. Die Arbeiterwohlfahrt wird am 2. Advent alle über 70 Jahre alten Leute zu einem fröhlichen Nachmittag bei Kaffee, Kuchen und künstlerischen Darbietungen in Daums Gasthaus „Wal¬ - einladen. Am 17. Dezember ist eine Bescherung von 120 bis 150 Kindern im Kindergarten mit Spinnstoffen, Schuhen und Kleidung vorgesehen. 50 Familien sollen mit Lebensmittelpaketen bedacht werden.

Der Verein der Kriegsbeschädigten bereitet für den 10. Dezember eine Weihnachtsbescherung vor, um etwa 160 Kinder mit praktischen Gegenständen eine Freude zu bereiten.

Wie im Vorjahr stellte Firma Dietrich, Bickenbach, den Kriegsbeschädigten auch für diesen Winter verbilligtes Brennholz zur Verfügung. erh.

Kreisgewerbeverband geplant

Am Montag fanden sich die Vertreter des bisher bestehenden Ortsgewerbeverbandes in Gernsheim zusammen, um über den Zusammenschluß zu einem Kreisverband zu beraten. Nach einer längeren Diskussion entschloß man sich, einen vorläufigen Vorstand zu bilden, dem die Herrn Diehl aus Nauheim, Thyssen, Förster und Stephan aus Bischofsheim angehören.

Es soll der Versuch gemacht werden, in verschiedenen Versammlungen die einzelnen Ortsverbände dazu zu bewegen, sich in einem Kreisverband zusammenzuschließen und in denjenigen Gemeinden, die noch keinen Gewerbeverband haben, einen solchen zu bilden. Dank der Initiative des Gernsheimer Gewerbevereins war es möglich, die bisher lose Verbindung der einzelnen Ortsverbände dahingehend zu festigen, daß man sich entschlossen hat, die einzelnen Ortsverbände im Rahmen des Kreisgebietes zusammenzuschließen. Kr.

Anbelfeier für kleiug Kinder

Fünfzig Jahre Groß-Umstädter Kindergarten

Der Kindergarten der Evangelischen Gemeinde Groß-Umstadt kann in diesen Tagen auf sein Fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand am vergangenen Sonntag in der evangelischen Stadtkirche ein Festgottesdienst statt, dem am Nachmittag eine Feier für die Kinder und deren Eltern in der Turnhalle des Realgymnasiums folgte.

Pfarrer Hartmann erzählte in seiner Ansprache am Nachmittag die Geschichte des Hauses, zu dem die Gemeinde Groß-Umstadt den Bauplatz stiftete und das mit gestifteten Geldern der Mitglieder des Frauenvereins erbaut, wurde. Seit dem 22. November 1900 schicken die Mütter Groß-Umstadts ihre Kinder zu den Diakonissen, die vom Mutterhaus dem Elisabethenstift in Darmstadt kommen.

Dekan Reichert, Lengfeld, überbrachte die Grüße des Dekanats und Pfarrer Knell, der am Morgen die Festpredigt gehalten hatte, übermittelte die guten Wünsche des Elisabethenstifts. Bürgermeister Hartmann versicherte, daß die Stadt Groß-Umstadt wie in den vergangenen Jahren die Arbeit der Diakonissen und Kindergärtnerinnen unterstützen werde.

Und dann spielten die kleinen Mädchen und Buben für ihre Eltern und Geschwister. Sie zeigten, was sie bei ihrer geliebten Tante Ursula und der Helferin Inge — denen für ihre aufopfernde Tätigkeit besonderer Dank gebührt — alles gelernt haben. Nachdem von den älteren Mädchen das Märchen „Rumpelstilzchen“ aufgeführt war, gab es für die kleine Gesellschaft Brezeln.

Am Schlüsse der gelungenen Feier meinte Pfarrer Ittmann, daß es jetzt mit Macht auf die Hundertjahrfeier zugehe, bei der sich die Kleinen von heute sicher noch an das „Fünfzigjährige“ erinnern werden. eha

Tragischer Verkehrsunfall in Bensheim-Auerbach

Am Sonntagnachmittag kam eine Radfahrerin in der Heidelberger Straße Auerbachs gegenüber dem Hotel „Zur Krone“ zu Fall und geriet hierbei so unglücklich zwischen Motorwagen und Anhänger eines in gleicher Richtung fahrenden Lastzuges, daß sie schwerverletzt in das Bensheimer Hospital eingeliefert werden mußte. Sie verstarb noch am gleichen Abend an den Folgen ihrer Verletzungen. H. B,

Die Spurstange brach

Auf der Ortsstraße in Kailbach brach an einem Lkw. mit Anhänger aus Groß-Eichelsheim (Kreis Buchen) die Spurstange, so daß der Fahrer die Herrschaft über den Lastzug verlor. Er fuhr nach rechts in den Straßengraben und in die Einfriedigung der Gastwirtschaft Karl Hironymus. Es entstand nur Sachschaden. -ch-

Radfahrer ohne Licht verursacht schweren Unfall

In Bensheim-Auerbach wurde am Freitag gegen 19 Uhr eine ältere Dame, die sich gerade auf dem Wege zur Bäckerei Wil c h befand, im Hochzeitsweg von einem Radfahrer, der ohne Licht fuhr, angefahren und zu Boden geschleudert. Die Dame mußte mit einer Kopfverletzung in das Bensheimer Hospital eingeliefert werden. H. B.

An den Folgen verstorben

Der am vorigen Donnerstagabend auf der Straße Babenhausen-Schaafheim durch Zusammenstoß mit dem dort verkehrenden Omnibus verunglückte Radfahrer, ein Neubürger aus Sickenhofen. ist nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus an den Folgen des Unfalles verstorben. io

Acht Schaffer — 120 Gucker

Gestern war die Erbacher Ortsdurchfahrt durch die Haupt- und Jahnstraße gesperrt, weil große Eisenträger für den Neubau der Küchler-Brücke abgeladen wurden. Die acht 12 Meter langen Doppel-T-Träger wiegen je annähernd 2 Tonnen. Acht Mann des Erbacher Bauunternehmers Saul, die den Brückenneubau ausführen, hatten mit aller Kraft zu schaffen, um die Eisenkolosse über eine Rutsche zu Boden zu lassen. Das Schauspiel war jedesmal so interessant, daß zu beiden Seiten des langen Spezialfahrzeuges weit über 120 Leute mit großer Ausdauer zusahen. Weder die Schaffer noch die Gucker ließen sich dabei durch den Bindfadenregen stören. -ch-

Bobstädter Feuerwehr

Am Samstagnachmittag inspizierte Kreisfeuerwehrinspektor Fässer, Bensheim, die Bobstädter Wehr und äußerte sich befriedigt über ihren derzeitigen Stand. Auch die Ausbildung, welche in einer sich anschließenden Nachtübung gezeigt wurde, ließ nichts zu wünschen übrig. Danach fanden sich die Feuerwehrmänner zu einem Kameradschaftsabend im „Kühlen Grund“ zusammen, in dessen Verlauf zwei Jubilare (Ehrenkommandant Franz Stumpf 2 und Zeugwart Johann Wilhelm 3) für über 40- jährige Dienstzeit bei der Bobstädter Feuerwehr geehrt wurden. bb.

Junger Meilter einer uralten Zunft

Gerhard Stumpf sprach über Orgelbau und seine Geschichte

Im großen Saal der amerikanischen Lesehalle in Erbach hielt Orgelbaumeister Gerhard Stumpf aus Höchst i. O. einen interessanten Vortrag über den „Orgelbau und seine Geschichte“. Leider hatte sich trotz rechtzeitiger Ankündigung der Veranstaltung nur ein sehr kleiner Kreis der Erbacher und Michelstädter Musikfreunde eingefunden.

Die meisten Zuhörer waren überrascht, in dem durch seine hervorragenden Arbeiten in der jüngsten Zeit recht bekannten Orgelbaumeister einen jugendfrischen Mann von 26 Jahren zu sehen. Unwillkürlich erwartete jeder von einem Meister dieses ernsten Berufes, in dem die größten und in der Klangwirkung gewaltigsten Musikinstrumente, die man „die Königin der Musikinstrumente“ nennt, geschaffen werden, daß er ein patriarchalischer alter Herr sei. Gerhard Stumpf besitzt den Elan und das Aeußere eines Jugendlichen, aber das Können und die Berufsbegeisterung eines alten, erfahrenen Fachmannes. Der Ruf, den er genießt, bringt es mit sich, daß sein Arbeitsgebiet weit über Hessen hinausreicht und sich über ganz Südwestdeutschland erstreckt.

Zunächst führte der Orgelbaumeister seine Zuhörer durch die Jahrtausende alte Geschichte der Orgel, die vielleicht älter als die christliche Religion ist und alle Kulturvölker der Erde umschließt. Geschickt leitete er über zu dem weiten Gebiet der technischen Erläuterungen einer Orgel und der Vielseitigkeit des Orgelbauerberufes, der gleich gute Fähigkeiten als Schreiner, Zinngießer, Lederarbeiter, Elektriker, Innenarchitekt und Musiker voraussetzt. Trotz aller technischen Verbesserungen im Laufe der Jahrtausende ist der Orgelbau im wesentlichen Handarbeit geblieben; während noch vor einhundert oder zweihundert Jahren ein Orgelbaumeister bis zu 30 Jahren an einem Instrument baute, kann heute ein modern eingerichtetes Unternehmen schon eine große Orgel in acht bis zehn Wochen fertigstellen. Meist ist aber auch heute noch die Arbeit sehr langwierig und fordert feinstes Fingerspitzengefühl.

Gerhard Stumpf verstand es nicht nur ausgezeichnet, seinen Zuhörern die mannigfaltigen Spezialbezeichnungen anschaulich zu erläutern, er machte ihnen auch an Hand von Orgelbildern klar, daß eine Orgel nicht nur aus dem nur zur Verzierung vorhandenen sichtbaren Prospekt besteht. Er führte sie durch das Gewirr von Windkanälen, Windlagen und Windkästen, Labialpfeifen und Zungenstimmen, Registerzügen und Trakturen, die fremdartigen Begriffe unterhaltsam mit Anekdoten und persönlichen Erlebnissen würzend. Wie gebannt lauschten die Zuhörer Stunde um Stunde, und dennoch war zu guter Letzt nur ein grober

Ueberblick über das umfangreiche Gebiet des Orgelbaues gegeben. Gerhard Stumpf will deshalb demnächst einen weiteren Vortrag folgen lassen und bei dieser Gelegenheit auf der kleinen Barockorgel aus der Erbacher Friedhofskapelle, die er zur Zeit in Arbeit hat, vorspielen.

Er schlug vor, auf dieser Orgel zusammen mit der großen romantischen Orgel in der evangelischen Stadtkirche zu Erbach das Doppelkonzert für 2 Orgeln von Händel in der Bearbeitung von Prof. Walcher aufzuführen. Stadtpfarrer Hahn erklärte sich mit diesem Vorschlag einverstanden, behielt sich aber die Stellungnahme des Kirchenvorstandes vor. -ch.

Sechs- Wochen Gefängnis

Wegen Trunkenheit am Steuer

Das Amtsgericht Hirschhorn verurteilte einen 35jährigen verheirateten Handelsvertreter aus Wiesbaden wegen fahrlässiger Körperverletzung und Uebertretung der Straßenverkehrsordnung zu sechs Wochen Gefängnis. Der Angeklagte hatte unter Alkoholeinfluß im vergangenen März an einer Baustelle bei der Bahnunterführung Hirschhorns, unterhalb von Neckarsteinach einen Verkehrsunfall verschuldet.

Er kam mit einem entliehenen alten Auto in hohem Tempo — die aufgestellten Warnschilder will er nicht gesehen haben — auf die Brücke zugefahren, rammte einen entgegenkommenden Pkw., wodurch er die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor und über eine hohe Böschungsmauer auf das Bahngelände stürzte.

Bei der Strafbemessung wurde berücksichtigt, daß der Angeklagte inzwischen durch einen gemeinen Racheakt fast erblindet ist und seine Stellung verloren hat. w. L.

Der Mord an der Schwarzbach

Wer hat Helene Rückert umgebradcht?

Der Mordprozeß mit dem großen Fragezeichen / Keine Klärung vor dem Schwurgericht / Karl R ü c k e r t und Elisabeth Heil bestreiten jede Schuld / Heute Lokaltermin in Goddelau

Der aufsehenerregende Mordprozeß mit der großen Frage „Wer ist der Mörder der Helene Rückert“ hat begonnen. Punkt neun Uhr eröffnete gestern Landgerichtsdirektor Hahn die Schwurgerichtsverhandlung gegen den 42jährigen Spengler Karl Rückert aus Stockstadt und die 34jährige Ehefrau Elisabeth Heil aus Goddelau.

Beide, seit März in Untersuchungshaft sitzend, sind angeklagt, am 5. März 1950 in der Nähe des Goddelauer Philippshospitals an der Schwarzbach vorsätzlich und aus niedrigen Beweggründen die Ehefrau Helene Rückert durch Erdrosseln getötet zu haben. Am Nachmittag des 7. März war die Leiche der Frau mit Strangulationsmerkmalen und einem doppelt verknoteten Wollschal in der Schwarzbach aufgefunden worden, nachdem man sie am 5. März zum letzten Male gesehen hatte.

Lange vor Beginn des Prozesses drängten über 100 Zuhörer in den Gerichtssaal. Als Oberstaatsanwalt Dr. Kant die Anklage verlas, war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Für Rückert hat Rechtsanwalt Dr. Feigl, für die Heil Rechtsanwalt Gotzmann die Verteidigung übernommen. Als Sachverständige wurden Obermedizinalrat Dr. B i n s a c k, Professor Rauch, Professor Wie t - hold, Dr. med. Lange und Oberarzt Dr. Ohm geladen.

Das Gericht begann zunächst mit der Vernehmung der beiden Angeklagten. Während der Erörterung des sexuellen Komplexes, der in diesem Fall eine maßgebliche Rolle spielt, wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Rückert, ein kleiner, schmächtiger Mann mit scharfen Gesichtszügen und einem sauberen dunklen Anzug machte einen nervösen und erregten Eindruck. Er beteuerte mit allem Nachdruck seine Unschuld. Diesen Standpunkt bezog er konsequent seit dem Tage seiner ersten Vernehmung.

Die Heil war im Gegensatz zu ihrem früheren Geliebten auffallend ruhig und wurde erst lebhafter, als sie sich in einen Engpaß bei ihren Aussagen getrieben sah. Wie Rückert, bestritt auch sie, sich tätlich schuldig gemacht zu haben. Eine moralische Schuld an dem Geschehenen durch ihr ehebrecherisches Verhalten gab sie zu. Sie hat allerdings schon verschiedene Geständnisse während des Verfah-

rens abgelegt und sie alle plötzlich widerrufen. Hartnäckig versteifte sie sich gestern auf ihre Behauptung, daß sie keine Hand an Frau Rückert gelegt habe und bezog sich auf einen „Alibi-Mann“, einen etwa 50- bis 60jährigen Andreas Baumgart, mit dem sie an dem betreffenden Abend ein Rendezvous gehabt haben will. Dieser Mann war aber bis zum heutigen Tage nicht aufzufinden.

Karl Rückert und Frau Heil erklärten sich bereit, sich dem allerdings verbotenen Verfahren des „Lügendetektors“ zu unterziehen.

Im Gegensatz zu ihren früheren Angaben wollte Frau Heil gestern nichts über die Herkunft dreier anonymer Briefe wissen, die die Ermordete kurz vor der Tat erhalten hatte. Zu den Vorhaltungen des Vorsitzenden bezüglich ihrer verschiedenen Geständnisse und ihres Widerrufs meinte die Angeklagte, sie sei durch die Kriminalpolizei zu einem lügenhaften Geständnis gedrängt worden. Um Rükkert wegen seiner Kinder zu schonen, habe sie sich mitbelastet und behauptet, beide hätten gemeinsam Helene Rückert erdrosselt. (Die Angeklagte hatte eine genaue Tatschilderung gegeben.) Die spätere Aeußerung „Ich widerrufe alles, weil ich weiß, daß Rückert alles ableugnet“, habe sie nicht in dieser Form getan.

Bis auf einige verdächtige Widersprüche und Aeußerungen bei der Aussage der Heil konnte das Gericht bis zum Abend des gestrigen Verhandlungstages kein klares Bild vom Tatbestand gewinnen.

Zunächst findet morgen in Goddelau an der vermutlichen Tatstelle ein Lokaltermin statt. Um zehn Uhr beginnt dann im Philippshospital in Goddelau die Zeugenvernehmung. Der dritte Verhandlungstag am Mittwoch dürfte wieder in Darmstadt durchgeführt werden. wst

Werner Bergengruen las

vor der Bensheimer Goethe-Gesellschaft aus seinen Werken

Im dichtgedrängten Saale des Gymnasiums las am Sonntag der Dichter Werner Bergengruen im Rahmen der Veranstaltungen der Bensheimer Goethegesellschaft aus seinen Werken.

Von Geburt Deutsch - Balte, hat Bergengruen mehrere Jahre in Lindenfels gelebt und ist so mit Odenwald und Bergstraße nahe verbunden, was er auch in einer Skizze „Es ist schön, in Bensheim einkehren zu können“ ausdrückt. Zur Lesung wählte er die Novelle „Die Steine“ aus seinen „Rodensteingeschichten“, die er mit Balladen und lyrischen Gedichten umgab.

Es ist immer eindrucksvoll, einen Dichter selbst als Mittler seiner Werke zu erleben und dadurch etwas von der besonderen Dynamik zu erspüren, aus der sein dichterisches Wort entspringt; Bergengruen vermag dies Erlebnis stark und unmittelbar zu vermitteln. Aus kraftvoller, blutwarmer Erdnähe und einer geradezu mythischen Verbundenheit mit den Naturgewalten dringt er — vor allem in seinen Gedichten — vor zu transzendenten Deutungen, ohne

sich dabei je von der unmittelbaren Erdenwirklichkeit zu entfernen. Seine bilderreiche, farbenfrohe Sprache und ein immer wieder unvermutet aufblitzender Humor verstärken die Lebendigkeit des Eindrucks. Von den Gedichten seien besonders die „Ballade vom Wind“, „Die Meise“, „Bestimmung“, „Unersättlich“ und „Die vier Elemente“ mit dem Ausklang „Wand'rer. heiße alle Aengste schweigen, niemals fällst du aus der Schöpfung Schoß“ erwähnt. Der Dichter verstand es, durch das gesprochene Wort gleichsam „Den goldenen Diskus zu werfen in die Unendlichkeit“, wie er es im „Diskuswerfer“ ausdrückt. Die starke Resonanz der Zuhörer äußerte sich in lebhaftem Beifall. Als nächste Veranstaltung bringt die Goethegesellschaft am 10. Dezember einen Liederabend mit Karl Schm ill - Wal . ter- HB

KRebhuhnfarbige Wiener Blnasflitsch

Lokalschau des Kleintierzuchtvereins Groß-Zimmern

Der Herbst ist die gegebene Zeit für den Kleintierzüchter, in Lokal-, Kreis-, Bezirks- und schließlich Landesschauen und -ausstellungen vor die Oeffentlichkeit zu treten. Die Punktrichter müssen Sonntag für Sonntag durchs Land reisen, denn draußen in den Dörfern und Gemeinden haben Hühner, Kaninchen und Tauben ihre Heimat.

Der „Löwensaal“ in Groß-Zimmern war übers Wochenende Treffpunkt vieler Züchter. Ueber 300 Tiere — 190 Stück Geflügel, 100 Kaninchen und 60 Tauben — standen zur Schau. Doch damit sich der Fachmann erst einmal von seinem Schreck über die unmögliche Ueberschrift erholen kann, sei dem Laien das Geheimnis gelüftet: „Rebhuhnfarbig“, verkörpert Hühner — „Wiener“ (ob weiß, ob blau) sind Kaninchen und „Blauflitsch“ heißt hierzulande eine Taubenrasse — das weiß also auch der Zeitungsmann. Und nun wieder nach Groß-Zimmern.

Der unbefangene Besucher dieser Ausstellung wird jedenfalls den Eindruck mitgenommen haben, daß Huhn nicht einfach Huhn und schon gar kein „Hinkel“ ist, und Has’ nicht Has’, sondern, daß es liebevoller Pflege und Wartung bedarf, ehe durch Zuerkennung einer guten Beurteilung oder gar eines Ehrenpreises die Mühe mit dem Kleintier und seiner Zucht belohnt wird. Beim Zimmerner Kleintier-Zuchtverein gab es eine recht stattliche Zahl jener begehrten Prädikate, die als äußeres Zeichen guter Arbeit zu werten sind.

Die Rangliste lautete schließlich: Kaninchen: 22 Ehrenpreise, darunter Georg K ö b e 1 3 EP, Georg Dietrich X, Franz Gries lin g , Anton Haller und Geflügelhof Keller je 2 EP, Heinrich Ohl, Fritz Stumpf, Jean Bühler (Dieburg), Johann Schott je 1 EP; Gef 1ü ge 1: 17 Ehrenpreise, darunter Geflügelhof Keller und Heinrich Dietrich je 3 EP, Willi Steinbeck 2 EP, Robert Reitzel, Ernst Arras, Heinrich Pullmann, Georg Göbel, Karl Bohland, Leonhard Reitzel, Franz Griesling Peter E b e r h a r d t je 1 EP; T a u b e n : Philipp Fröhlich 2 EP, Heinrich Reitzel V, und Wilhelm Obmann je 1 EP.

Darüber hinaus wurde den Züchtern Willi Steinbeck und Robert Reitzel und der Jugend gruppe des Vereins, die mit einer Sonderschau vertreten war, besondere Anerkennung von den Schiedsrichtern Georg Kraus, Darmstadt (Kaninchen) und Georg H e 11, Bad Homburg (Geflügel) ausgesprochen. RG

Richtig wählen - aber wen?

Kandidat der CDU im Wahlkreis 47

Am 5. 5. 1915 in Nieder-Lisbersbach (Kreis Bergstraße) geboren. Seit 1912 in Heppenheim wohnhaft. Abitur am Gymnasium Bensheim, Studium alter Sprachen, Geschichte und Archäologie in Heidelberg und Berlin. Arbeitsdienst und Wehrmacht. Nach Gefangenschaft aus hessischem Staatsdienst zur Tätigkeit an der privaten Albertus-Magnus-Schule in Viernheim beurlaubt. Hervorgegangen aus der katholischen Jugendbewegung, Mitglied der Kolpingsfamilie. Mitbegründer und seit 1949 Vorsitzender 'der Jungen Union im Kreis Bergstraße. Kulturreferent im Landesvorstand der Jungen Union und stellvertretender Vorsitzender des Kulturbeirates der hessischen CDU.


Dr. phil. Hans Wagner
Dr. phil. Hans Wagner

Kandidat der FDP im Wahlkreis 45

1900 in Nordheim im hessischen Ried geboren. Studium der Rechts- und Staatswissenschaften und Nationalökonomie in Heidelberg. Als Wirtschaftsjournalist lange Jahre im Ausland, arbeitete als Betriebswirtschaftler und Verlagsfachmann. Offizier im letzten Krieg. Nach Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft im Bund der Fliegergeschädigten und im Heimkehrerverband tätig. Nach Heimkehr arbeitslos, Arbeiter, dann Industrietätigkeit und Syndikus. Jetzt selbständiger Betriebswirtschaftler, im Großhandel tätig.


Dr. Alexander Kaul
Dr. Alexander Kaul

„Cija“ mit der BKG

Bensheimer Narren starten in den Karneval

Mit einem großen hupten Abend und anschließender Elferratssitzung eröffnete auch in diesem Jahre die Bensheimer Karnevalsgesellschaft BKG traditionsgemäß ic narrische Saison. Wegen der schwierigen Saalverhältnisse war dieser erste end nur für Mitglieder, geladene Gäste und Vertreter der Stadtverwaltung und Presse bestimmt.

. Der erste Teil des Abends führte uns ln ®ine Künstleragentur, wo wir miterleben konnten, was ein geplagter Konzertdirektor bei der Vorstellung einer tibetanischen Schlangentänzerin über eine trotz ihrer vorgerückten Jahre immer noch unendlich „jugendfrischen“ alten Jungfer, einem Pseudoathleten bis schließlich zu der charmanten Operettensängerin Annelie Witt, die gleich einige Kostproben aus „Prinzeß Monika“ von Hermann Kunz darbot. alles durchzumachen hat. Selbstverständlich fehlten auch die „Käichbäigschbazze“ in den verschiedenartigsten Aufmachungen nicht, und auch eine Pantomime „Der U-Bahnhof Bensheim“ fand ebenso wie das mit „Gruß an Theo und Siegheil!“ beendete Telefongespräch nach Bonn viel Beifall.

1 Im zweiten Teil tagte zum ersten Male in der neuen Saison der Elferrat, der nichts an Humor und Schlagfertigkeit eingebüßt hat, obwohl in diesem Jahre manches neue Gesicht an dem prunkvoll geschmückten Tisch zu sehen war. Mit närrischen Worten, in denen Bensheims Stadtoberhaupt über seine „bisherige Tätigkeit“ berichtete und seinen „Rücktritt“ begründete, übergab Bürgermeister Treffert dem Elferrat den Schlüssel zum Rathaus (vielleicht auch zum Weinkeller?!).

Zum Ehrenpräsident des Rates wurde Bensheims beliebter Heimatdichter Josef Stoll ernannt und bereitete wieder viel Freude mit seinen volkstümlichen, humorvollen aber dabei oft so philosophischen Versen. Selbstverständlich mußten

bei den verschiedenen Büttenreden alle Ereignisse des letzten Jahres herhalten von der Bundesregierung in Bonn, dem Europarat, der Remilitarisierung in Gestalt des mit einem Miniaturgewehr „wiederbewaffneten“ sächsischen Herrn Blümchen, dem politischen Rückblick über die vergangenen 50 Jahre bis zu den kleinen Stadtgeschichten und -geschichtchen, die die beiden Waschweiber mit ihrer Wäsche für Fastnacht in „Flamil“ einweichten, die die „Meenzer Gemiesfraa“ zum Besten gab. und schließlich die „Käichbäigschbazze“ noch einmal in Kürze als „Bensemer Geschichte“ berichteten. Im ganzen gesehen war auch in diesem Jahre die Veranstaltung am 11. 11. wieder ein guter Auftakt für den beginnenden Karneval. Der Abend wird am kommenden Donnerstag für Kriegsversehrte im Bensheimer Hof und am Samstag in Auerbach im Saale Daum für die OÖffentlichkeit wiederholt. Bis dahin, ein frohes „Eijo“! HB


Wußten Sie, daß es in Gernsheim Neger gibt? Foto: Schuch
Wußten Sie, daß es in Gernsheim Neger gibt? Foto: Schuch

Startschuß beim CCD

Mehr lache drotzdem wann’s uns paßt!“

Auch Narretei kann festlich sein. Das bewies am Samstag der Carneval-Club Dieburg bei seiner ersten Sitzung dieser Saison im „Mainzer Hof“ vielen hundert Besuchern. Die Bühne war auf drei Seiten zu einem großen, in mattem Weiß erstrahlenden Transparent geworden, in dem hinter den elf Elfchen der Elferrat posto bezogen hatte. Das Orchester Willi Danz eröffnete den Abend und begleitete alle Ereignisse jener frohen Stunden mit zündenden Weisen. Eine an beiden Bütten und beim Präsidenten angebrachte Mikrofonanlage und ein hochmodernes Haustelefon sorgten für beste Verständigung vor und hinter den Kulissen.

August Haas setzte diesen Dieburger Sender in Betrieb, der Elferrat mit großem Gefolge zog ein, das Zepter wurde dem Präsidenten Josef Weber überreicht, der mit seiner närrischen Begrüßungselegie das Fastnachtserwachen verkündete und den langen Reigen des närrischen Treibens eröffnete. Und es war ein schöner Reigen, dessen einzelne Figuren aufzuzählen uns leider wegen des mangelnden Platzes nicht möglich ist.

Fest steht auf jeden Fall: Auch der CCD hat seine Saison mehr als vielversprechend begonnen, was gerade das „DT“ mit besonderer Freude feststellt. RG

Prinz Karneval erobert Neuland

Der neugegründete - Ram-Städter Karnevalsverein hielt am 11. 11. um 8.11 Uhr seine Gala-Eröffnungssitzung. Nach einem nett zusammengestellten Eröffnungsspiel gratulierte Bürgermeister Keil zu der Gründung des Vereins und wünschte für die Zukunft alles Gute. Danach sprachen Präsident Neff und sein Protokoller , Steinmacher in launigen Worten zu den Versammelten. „Jedem sein Tüppchen wird aufgedeckt“, drohten sie den fröhlichen Menschen.

Natürlich spielte die 750-Jahr-Feier des vergangenen Sommers eine große Rolle und wurde immer wieder glossiert. Lachstürme und Schunkellieder wechselten sich ab. Originale wie das „alte Settche“ und der „Heißer-Heiner“ wurden zur Freude aller Anwesenden parodiert. Dieser erfolgversprechende Anfang läßt uns für die Faschingszeit viel Gutes erwarten. F.-L.


Wir stellen vor: F r au Knertzel aus Gernsheim Foto: Schuch
Wir stellen vor: F r au Knertzel aus Gernsheim Foto: Schuch

Der Bürgermeister in der Bütt

Auch die Zwingenberger Narren begannen am Samstag, dem 11. 11., alter Tradition gemäß mit einer großen Prunksitzung im festlich geschmückten Adlersaal die närrische Zeit. Die gute Stimmung der überaus zahlreich erschienenen Gäste stieg immer mehr und der „Neger aus Korea“ sowie die Vertreter der „Hohen Kommission“ fanden ungeteilten Beifall. Sogar der Bürgermeister stieg in ■höchsteigener Person in die Bütt und ließ eine humorvolle Rede vom Stapel. Die närrische Sitzung fand erst am frühen Morgen ihr Ende. H. B.

* Der Karnevalverein Messel eröffnete mit einer gutbesuchten Damen- und Herren-Sitzung die diesjährige Faschingszeit. es

Reiterverein „Roßberg“ ritt

Anläßlich des traditionellen Hubertustages, der alljährlich am 4. November stattfindet, dieses Jahr jedoch verlegt wurde, führte der Reiterverein „Roßberg“ aus Roßdorf am Sonntagmorgen eine Schnitzeljagd durch. Die Jagd, die in den Vormittagsstunden begann, endete mit der Ueberreichung des „Eichenbruchs“ an alle Teilnehmer durch Frl. Ahrens.

Als erste Sieger gingen die jugendlichen Reiter Gg. Stumpf, Roßdorf, und Breidenbach, Gundernhausen hervor. Anschließend traf man sich in der Hubertusschenke am „Einsiedel“. Der 1. Vorsitzende des Reitervereins, Gg. Stumpf, begrüßte in einer Ansprache die Teilnehmer der Schnitzeljagd und ging im Verlaufe seiner Ausführungen auf die Bedeutung des Hubertustages ein. Im Anschluß verbrachte man noch einige gemütliche Stunden und kehrte in den frühen Nachmittagsstunden mit Musikbegleitung nach Roßdorf zurück. St.

Spachbrücken. Am Sonntag hielt der Gesangverein „Sängerlust“ ein gut besuchtes volkstümliches Konzert im Saalbau Schröder ab. Si.

Dorfjugendabend in Ober-Kinzig

Ober-Kinzig hatte seinen ersten Dorfjugendabend ganz aus eigenen Mitteln gestaltet. Lehrer Breckner verstand es vorzüglich, Buben und Mädchen mit spannenden Geschichten eines Journalisten, lustigen Quizzrunden und „Heißoder-Kalt“-Spielen, besonders aber mit schönen Liedern zu unterhalten, so gut, daß sie schon jetzt auf den nächsten Abend drängen. -ch

Kleine Tiere sehr begehrt

Der allgemeine Kaninchenzuchtverein veranstaltete am Sonntag im Gasthaus zur Krone eine gut besuchte Ausstellung mit 158 Tieren (22 Rassen). Gutes Material zeigte auch die Jugendgruppe, deren Lehrmeister alte und bewährte Züchter sind.

Im Anschluß an den offiziellen Teil fand ein gemütliches Beisammensein statt. Hierbei wurde dem Ehrenvorsitzenden Christof Bersch die goldene Ehrennadel für 40 jährige und Georg Engelhardt die silberne Ehrennadel für 25jährige Züchtertätigkeit verliehen.

Der! Verein ist bestrebt, möglichst einwandfreies Kürschnermaterial zu liefern; d. h. weißledrig, gleichmäßiges Fell und gute Wolle. Hierbei ist interessant, daß sich zum Färben alle Felle außer den gescheckten eignen. Ein Zeichen für den bisherigen Erfolg sind 26 Ehrenpreise und etwa 40 erste Preise. Den Landesfachgruppen-Ehrenpreis in Form eines Lehrbuches konnte ein Jugendlicher für sich in Anspruch nehmen.

Füchse zwischen Malchen und Seeheim

Unter starker Beteiligung auswärtiger Reiter, unter denen auch sieben Reiter des Landesgestüts mit Landesstallmeister Dr. Friehlinghaus an der Spitze erschienen waren, fand am Sonntag die Fuchsjagd des Pfungstädter Reit- und Fahr-Vereins statt. Die Jagd, die sich im Walde zwischen Malchen und Seeheim abspielte, endete auf den Pfungstädter Wiesen, wo es Ludwig Kramer, Pfungstadt, gelang, den Fuchsschwanz zu erbeuten. Am Abend trafen sich die Teilnehmer und Freunde des Reitsports zum Reiterball im „Rheinischen Hof“.

Kreismittel für Gesundheitswesen

Nachdem Obermedizinalrat Bin sack vor dem Kreisausschuß des Kreises Groß-Gerau auf die besorgniserregende Entwicklung auf dem Gebiete des Gesundheitswesens hingewiesen hatte und somit den Spitzen der Kreisverwaltung einen Ueberblick über die gegenwärtige Lage des Gesundheitswesens vermittelt hatte, sprachen sich sowohl Landrat Harth als auch Kreisamtmann Seipp für sofortige Unterstützungsmaßnahmen aus und versprachen alles zu tun, um dieser Gefahr erfolgreich begegnen zu können. kr.-

Der SPORT

Der Punktekampf in den Kreisklassen

Kreisklasse Darmstadt

Bickenbach und Grafenhausen geschlagen

Erzhausen trat vollzählig in Seeheim an und mußte sich am Ende mit 3:0 geschlagen bekennen, obwohl Seeheim schon in den ersten Minuten auf ihren verletzten Petitjean verzichten mußten und nur mit zehn Mann das Spiel zu Ende führte. Die Torschützen waren Paul und Beilstein. Der Taballenführer Weiterstadt nahm in Hahn eine weitere schwere Hürde und gewann ziemlich deutlich mit 0:3. Die Einheimischen waren wohl schnell und ehrgeizig, aber vor dem Tor zu hilflos, so daß die sichere Hintermannschaft stets klären konnte. Die noch aussichtsreife Elf aus Grafenhausen fuhr nach Langen und mußte in einem harten, aber fairen Spiel gegen SSG die Segel streichen. Erst nach Wiederanpfiff kamen die Gräfenhäuser mehr auf und Best konnte den Anschlußtreffer erzielen. Zum Ausgleich, der mehrmals in der Luft hing, reichte es nicht. Den größten Schnitzer erlaubte sich Bickenbach in Hähnlein, wo sie mit 3:0 nach Hause geschickt wurden. Schon nach zwei Minuten konnte Götz mit einem Schrägschuß den Tormann Leuthner zum ersten Male schlagen. Der Bickenbacher Mohr verhalf Hähnlein durch zwei Eigentore zum verdienten Sieg.

TuS Griesheim hatte auf der Woogswiese nicht viel zu bestellen und unterlag in einem etwas einseitigen Spiel mit 9:1 Toren. Für TSG schossen Metzger (4), Kern (2), Spamer (2) und Bauer (1) die Tore.

Ein viertes Unentschieden leistete sich Nieder-Ramstadt im Spiel gegen Alsbach. Die Platzherren, die auf ihren etatsmäßigen Verteidiger Mahler verzichten mußten, lagen bis zur Pause mit 0:1 im Rückstand und nach Wiederanpfiff sogar mit 0:2. Erst jetzt wurden sie dank des Regens wach und konnten durch den torhungrigen Poschmann und Mager auf 2:2 aufholen.

8.-Klasse. Jugenheim, ein ernster Verfolger des Tabellenführers, hatte etwas Pech in Griesheim und unterlag erst in der Schlußminute knapp mit 3:2 Toren. Union Darmstadt schlug seinen Gegner Nieder-Beerbach klar und deutlich 6:2. Die 11. Mannschaft des SV 98 Darmstadt hatte in Traisa keinen allzu großen Gegner und fertigte diesen mit 1:9 Toren ab.

Eschollbrücken hatte Ober-Beerbach als Gast und konnte sie mit 7:0 besiegen. Essinger, Bein, Pohl und Plösser schossen die

Tore. Weiterstadt
10 8 1 1 35:11 17:3 TSG 46 Darmst.
10 6 3 1 32:12 15:5 Bickenbach
10 6 2 2 27:14 14:6 Gräfenhausen
9 6 1 2 23:13 13:5 Nied.-Ramstadt
10 4 4 2 23:13 12:8 Hähnlein Seeheim Hahn SSG Langen
9
10 10 3 4 4 2 0 0 4 6
6 19:20 19:24
21:32 8:10 8:12 8:12
10 2 4 4 18:25 8:12 Alsbach Erzhausen TuS Griesheim
10 10 10 2 3 0 3 1 1 5 6
9 22:23 15:26 7:50 7:13 7:13 1:19

Kreisklasse Dieburg

Respekt vor Mosbach und Groß-Umstadt

In der Fußball-A-Klasse des Sportkreises Dieburg ist die SG Nieder-Roden ihren spiel¬ «■leichen Verfolgern nun ein gutes Stück entwetzt. Ihr im voraus errechenbarer Sieg in Kleestadt war allerdings im Verlauf des Spieles vorübergehend fraglich, aber bekanntlich heißt’s im Hessischen (und auch, im Fußball): „Hinne steche die Biene“. Die Gastgeber hatten dem Führungstreffer Nieder-Rodens zwei Tore gegenübergestellt, bis ein sehr umstrittener Elfmeter den Ausgleich und die Kleestädter Elf in solche Unsicherheit brachte, daß sie noch das 3. und 4. Tor zuließ. Die SG Ueberau hat ihren zweiten Tabellenplatz nicht ganz aus eigener Kraft wiedererlanigt. Ihr 3:0-Sieg über Dreieichhain durch Tore von Ramscher (2) und Büdinger ist zwar eindeutig, der doppelte Punktgewinn stand mit 2:0 beim Wechsel auch bereits fest, Helferdienst leitete aber Götzenhain, das aus Mosbach keinen Punkt mitnehmen konnte. Die „Bayerngrenzer“ jedenfalls haben sich durch die vier Tore, von denen Daniel allein drei erzielte, und tnit ihrer 3:1-Führung schon bei der Pause Respekt bei all denen verschafft, die sich in Zukunft noch mit'ihnen auseinanderzusetzen haben. Die Spvgg Groß-Umstadt hat sich zwar zu keiner Favoriten- aber immerhin zu so steter Form gefunden, daß sie bereits zu schöner Position gekommen ist. Ihre technische Leistung während weit mehr als der Hälfte des Spieles genügte, um Sich mit drei Toren von Baum und einem Treffer Wolfs zufrieden zu geben den einzigen Gegenzähler der Einheimischen nicht allzu tragisch zu nehmen. In Spachbrücken fielen zwar die meisten Tore dieses Sonntags, aber sie wurden so aufgeteilt, daß die Punkte abwanderten. Sauerwein (3) und Seibert(2) hatten den 5:0-Stand für den Gast Klein-Zimmern bereits erreicht, als die Heimmannschaft doch noch einmal alle Kräfte zusammennahm und ihre Anstrengung mit drei Gegentoren belohnt sah. Bei der TG Ober-Roden hatte Lenfeld seine liebe Not, im Vorteil zu bleiben, denn 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 2:3 war die Folge der „Netz“bälle, als das Treffen wegen Unwetters abgebrochen wurde .. • wer weiß, ob die vom Otzberg tatsächlich der lachende Sieger geblieben wären.

In der Fußball-B-Klasse Dieburg blieb Schaafheim auch diesmal ohne Punktverlust auf seinem Ausflug nach Raibach. Dort sorgten in einem glatten Spiel Kreh und Sauerwein mit je 2, Kneisel und Krauwurst mit je 1 Tor für ein abgerundetes halbes Dutzend Treffer, während der Gastgeber leer ausging. Die Hergershäuser Kickers dagegen haben sich durch einen handfesten Streich der Fr. Spvgg Münster vor die Nase gesetzt. Ihr 5:0-Sieg hat sie nun vor eine Elf auf den 2, Tabellenplatz gebracht, die bei ihr am Sonntag ohne jeden Druck des Angriffs spielte; In diese bisherige Spitzengruppe hat auch Wiebelsbach mit seinem 1:3-Sieg in Klein-Umstadt nicht einbrechen können, aber es wird sich sicherlich kräftig bemühen, dorthin zu .kommen. Allerdings müßte die Mannschaft von jetzt an über die volle Zeit so erfolgreich spielen, wie ihr das diesmal nach dem Halbzeitstand (0:0) erst nach der Pause und dem zwischenzeitlichen Gleichstand gelang. Heubach konnte sozusagen doppelt feiern: den ersten Sieg überhaupt — zu Hause über TV Groß-Umstadt — der dazu noch zweistellig ausfiel — 10:0. RG

Nieder-Roden 10 10 0 0 63: 9
20: 0 Ueberau 10 7 2 1 30:14
16: 4 Götzen ha in 10 7 0 3 39:20
14: 8 Reinheim 9 5 2 2 29:13
12: 6 Offenthial 9 5 2 2 23:21
12: 6 Groß-Umstadt 9 5 1 3 18:15
11: 7 Klein-Zimmern 10 4 2 4 21:42
10:10 ■Lengfeld 9 3 2 4 15:17
8:10 Mosbach 8 2 3 3 21:21
7: 9 Groß-Zimmern 10 2 2 6
9:21 6:14 TG Ober-Roden 8 2 0 6
8:23 4:12 Dreieichenhain 9 2 0 7
9:25 4:14 Spachbrücken 8 1 0 7
9:36 2:14 Kleestadt 9 0 2 7
9:26 2:16

Kreisklasse Erbach

Platzherren kamen zu Punktgewinnen

Neustadt kam vor einheimischem Publikum in seinem „Derby“ gegen den TSV Höchst zu einem 5:2-, die Erbacher Sondermannschaft gegen den Tabellenführer Sandbach zu einem 2:1- und Steinbach gegen Hainstadt zu einem 2:0-Erfolg. Die in den letzten Wochen stark verbesserte Elf aus Günterfürst brachte durch ihr ansprechendes 2:2 in Bad König einen wertvollen Punkt mit nach Hause. Die Begegnung Würzberg — Lützel-Wiesenbach ist ausgefallen. Durch einen Deckungsfehler der Günterfürster Hintermannschaft ging Bad König in der 6. Minute durch Triebs 1:0 in Front. Sattler zog in der 28. Minute gleich. Wenig später traf W. Holschuh zum 2:1 für Günterfürst ins Schwarze. Nach Wiederanpfiff waren die Gastgeber überlegen. Erst fünf Minuten vor Spielende kam Bad König durch seinen Rechtsaußen unter Mitwirkung des Günterfürster Bechtold auf 2:2 heran. Die Sondermannschaft der KSG Erbach fertigte den Tabellenführer Sandbach vor einheimischem Publikum mit 2:1 ab. Erst nachdem die Platzherren durch Savelsberg und Syrotck 2:0 in Führung gegangen waren, kamen die Gäste zum verdienten Eh renitreff er. Höchst, das in Neustadt mit nur vier Stammspielern angetreten war, hatte gegen den Tabelienzweiten keine Chance. Die Steinbacher Elf, die nach ihrem zweifelhaften Start erneut ins Mittelfeld vorgerückt ist, erwies sich gegen Hainstadt in einer vortrefflichen Schußlaune und siegte verdient mit 2:0.

Wie bereits berichtet, hatte der TSV Höchst wegen der Vorkommnisse beim Spiel Würzberg — Höchst am 5. November. Protest eingelegt. In der Schiedsgerichtstagung, die am Sonntagvormittag im Gasthaus „Schönberger Hof“ in Bad König stattfand, wurde der Einspruch von Höchst kostenpflichtig abgelehnt. Die Spieler Allmann und Pilger (beide Höchst) wurden mit 2 bzw. 6 Wochen Sperre, Schiedsrichter Glöckner (Groß-Umstadt) mit einer Ordnungsstrafe betagt.

In der Fußball-B-Klasse Gruppe Unterzent erzielte die Sondermannschaft des TSV Höchst vor einheimischem Publikum einen unerwarteten 3:2-Erfolg über Vielbrunn. Kirch-Brombach, das im seitherigen Verlauf der Verbandsrunde nicht immer gefallen konnte, erzielte ein ansprechendes 2:1 über Walid-Amorbach. Auch der VfL Höchst, der in seinem Heimspiel auf Haingrund traf, siegte mit 5:2. Das höchste Ergebnis erreichte Mümling-Grumbach, das Fürstengrund mit einer 10:2-Niederlage heimschickte.

Sandbach 9 6 3 0 28:12 15: 3
Neustadt 8 5 1 2 31:16 11: 5
Rimhbm 8 3 4 1 22:13 10: 6
Bad König 8 4 1 3 29:17 9: 7
TSV Höchst 8 4 0 4 17:15 8: 8
Steinbach 8 3 2 3 14:16 8: 8
L ütz el- Wiebe Isb. 7 2 3 2 16:15 7: 7
Beerfelden 7 2 3 2 14:16 6: 8
Günterfürst 8 1 4 3 15:20 6:10
Würzberg 8 2 1 5 13:33 5:lil
Hains tadt 9 1 1 7 17:44 3:15
Erbach Ib a.K. 9 4 2 3 29:19 10: 8

Kreisklasse Bergstraße

Tabellenführer verlor 10:3

Reichenbach—Aschbach 10:3, Mörlenbach— FC Fürth 2:3, Einhausen—Affolterbach 2:0, Auerbach—Weiher 2:0.

Der neugebackene Tabellenführer Aschbach mußte Reichenbachs Zorn über die jüngstvergangene erste Niederlage gewaltig verspüren und wurde durch Treffer von Burk (4), Fink (2), Kindinger (2), Germann und Vonderheid 10:3 seinerseits zum ersten Male geschlagen. Aschbachs Deckung konnte Reichenbachs Angriff in keiner Spielphase halten; nach 10 Minuten stand die Partie bereits 4:1. Ritter (2) und Riesinger besorgten die Gegentore. — Mörlenbach, mit Ersatz für Lenk und Schmittinger antretend, verlor unverdient. Ursache: Sein - Klein-Spiel, für das der aufgeweichte Platz Gift war. Fürth holte die Erfolge mit zügigem Flügeleinsatz. Seiler und Heckmann waren für die Platzherren, Germann, Ali Weber und Knapp für den Sieger erfolgreich. — 82 Minuten lang berannte Affolterbach mit sieben Stürmern das Tor Einhausens, ohne den Ball über die Linie zu bringen. Dann gab es, als Trautmann einem einheimischen Alleingänger zu hart nachstieg, einen Strafstoß und 1:0. Nun stürmten 10 Affolterbacher, aber 30 Sekunden vor dem Abpfiff trudelte sich Galley durch und machte das 2:0 fertig. — Auerbach wußte dem gefälligen Kombinationsspiel Weihers mit scharfem Markieren begegnen und konnte den strekkenweise stark überlegenen Odenwäldern Sieg und Punkte abjagen. — Wie seitens des Kreisfußballfachwartes bekanntgegeben wird, nimmt Lindenfels bis zum Abschluß der Vorrunde an den Spielen der Kreisklasse teil. Die gestern nicht ausgetragene Begegnung Fehlheim—Lindenfels wird mit 0:0 für Lindenfels als gewonnen gewertet.

Fußball-B-Klasse Ried: Nordheim —Schönberg 14:0; Hüttenfeld — Zwingenberg 1:5; Elsmhausen —RW Heppenheim ausgefallen.

Tabellenzweiter Nordheim kanzelte mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig ließ, die immer mehr auseinanderfallenden Schönberger nieder, die in keiner Phase im Bilde waren. — Auch die klare Heimniederlage Hüttenfelds gegen die imponierenden Zwingenberger kommt in ihrer Höhe überraschend und verdeutlicht die Formverbesserung der Bergsträßer.

Fußball -B - Klasse Gruppe Odenwald: Rimbach — Zotzenbach 11:1; Reichelsheim gegen Hammelbach 3:1; SV Fürth — Ober-Abtsteinach 0:1 abgebrochen; Unter - Abtsteinach — Unter-Abtsteinach ausgefallen. Rimbach fertigte den Neuling Zotzenbach nach Belieben ab und siegte souverän. Das Ehrentor buchte W. Rauch. Doubietten schossen Weigold, P. Schmitt, Gg. Haag und Keßler, mit nur einem Tor begnügten sich Günthert, Fütterer und Fr. Haag. In Reichelsheim stand es bis fünf Minuten vor Spielende 1:1; erst dann gelang der verdiente Sieg der Einheimischen. In Fürth wäre man besser gar nicht erst auf den Platz gegangen; Boden- und Wolkenverhältnisse zwangen nach sechs Minuten ohnedies zum Abbruch. -ni-

Reichenbach 9 6 2 1 40:15 14:4
Aschbach 8 6 1 1 27:18 13:3
FC Fürth 10 5 2 3 23:17 12:8
Fehlheim 10 4 2 4 19:24 10:10
Waldmichelbach 9 4 1 4 24:18 9:9
Affolterbach 9 4 1 4 17:18 9:9
Auerbach 9 3 2 4 24:19 8:10
Mörlenbach 9 3 2 4 26:25 8:10
Lampertheim 9 4 5 19:29 8:10
Weiher 9 2 3 4 18:18 7:11
Einhausen 9 3 1 5 14:27 7:11
Lindenfels 8 1 1 6 12:35 3:11

Kreisklasse Groß-Gerau

Gernsheim schlug Ginsheim 5:0

Neuling Astheim auf dem dritten platz!

Die Walldörfer hatten es auf dem aufgeweichten Klein-Gerauer Platz sehr schwer und mußten sich eine Niederlage gefallen lassen. Klein-Gerau lag bis zur Pause durch Tore von Schamber und Mansfeld 2:0 in Führung. Gleich nach Wiederbeginn erhöhte Laun auf 3:0. — In Dornheim lieferten sich beide Mannschaften eine sehr schwache Partie. Dornheim schien sichtlich vom Pech verfolgt, als schon nach 5 Minuten sein Linksaußen — der sich bei einem Sturz einen Beinbruch zuzog — ausschied. Nach torloser ersten Halbzeit ging Dornheim in der 55. Minute durch Müller in Führung. Noch kurz vor Schluß glich der Gast durch einen verwandelten Elfmeter aus. — Schon nach 30 Minuten lag Büttelborn durch Tore von Storck und Führer 3:0 in Führung. Kurz vor und nach dem Wechsel kam der ersatzgeschwächte Gast auf 3:2 heran, mußte sich aber noch ein Tor gefallen lassen, dem es nur noch eins entgegensetzen konnte. — Die noch ungeschlagenen Ginsheimer mußten in Gernsheim am Kaffeedamm eine dem Spielverlauf entsprechende Niederlage einstecken. Durch diesen 5:0-Erfolg kann man Gernsheim fast schon als Halbzeitmeister ansprechen. — In Astheim standen sich die beiden Neulinge gegenüber. Durch den Platzvorteil begünstigt und auch durch sein zweckmäßiges Spiel konnte Astheim die Gäste aus Biebesheim mit 5:1 abfertigen. — Bei strömendem Regen und denkbar ungünstigen Platzverhältnissen mußte Stockstadt in Gustavsburg eine nicht ganz verdiente Niederlage einstecken.

In der B-Klasse konnte der Tabellenführer Wallerstädten durch einen sicheren 3:1-Erfolg über Goddelau die Vorrunde beenden. Es bleibt nun abzuwarten, ob ihm nicht die verlustpunktenmäßig besser stehenden Rüsselsheimer den Titel eines Herbstmeisters streitig machen. Der TSV Rüsselsheim kam ebenfalls in Leeheim zu einem glücklichen 3:1-Erfolg. Zu seinem ersten Sieg kamen die Erfelder, die durch ein Tor von Seebold Sieg und Punkte errangen. Ebenfalls mit 1:0 gewann der SSV Raunheim zu Hause gegen Bischofsheim Ib. Das Spiel zwischen Geinsheim und der Opler Ib-Mannschaft fiel aus. Königstädten war spielfrei.

Gernsheim 10 8 1 1 26:8 17:3
Ginsheim 10 7 2 1 20:13 15:5
Astheim 10 6 1 3 23:13 13:7
Büttelborn 10 6 1 3 22:14 13:7
Stockstadt 10 5 2 3 22:16 12'8
Klein-Gerau 10 5 1 4 20:18 11:9
Walldorf 10 4 1 5 14:18 9:11
Wolfskehlen 10 4 0 6 20:19 8:12
Biebesheim 10 3 1 6 20:29 7:13
Gustavsburg 10 3 1 6 13:25 7:13
Raunheim 10 1 4 5 14:23 6:14
Dornheim 10 0 2 8 9:27 2:18

Hessens Turner tagten in Oberursel

F. W. Beck, Wiesbaden, wieder Landesvorsitzender

Zum 5. Landesturntag versammelten sich die Vertreter des Hessischen Landesturnverbandes in der Turnhalle zu Oberursel. Bei seiner Begrüßung der Turnervertreter konnte der Erste Vorsitzende Kolb (Frankfurt), den Bundesvorsitzenden des LSB Hessen, Regierungsrat Lindner sowie den Landrat und Bürgermeister der Tagungsstadt Oberursel mit einschließen.

Mit einer Feierstunde, die ein stattlicher Männerchor einleitete, und all den Turnfreunden galt, die heute nicht mehr unter den Lebenden sind, verband man noch die Ehrung verdienter Turnfreunde sowie die Herausstellung der Vereine, die mehr als 75 Jahre bestanden.

Professor Herzfeld, Direktor des Jugendbeirates Wiesbaden, ging in seinem Referat auf die turnerische Jugendarbeit ein und stellte die Worte Freiheit — Freude — Freundschaft und Friede in Verbindung mit den 4 F besonders heraus. Erster Vorsitzender Beck ging in kurzen Ausführungen auf den im Druck vorliegenden Jahresbericht ein und stellte die große Arbeit heraus, die im vergangenen Jahr geleistet wurde. Dies konnte auch der Erste Vorsitzende des DTB, Tfd. Kolb unterstreichen, der in seinem Kurzreferat besonders die Stellung der Turner zum künftigen Dachverband herausstellte, und dabei betonte, daß Freundschaft und Kameradschaft mit allen anderen Fachverbänden und den Landessportverbänden zum Wohle unserer Jugend an oberster Spitze stehen sollen. Ueber all dem aber und vor allen Spitzenleistungen ist für die Turner wichtiger die turnerische Breitenarbeit. Regierungsrat Lindner, der Bundesvorsitzende im LSB Hessen, hob in seinen Worten die gute Zusammenarbeit mit dem Hesssichen Turnverband hervor und legte, wie schon so oft, die aufrichtige Zusammenarbeit zum Wohle des deutschen Sportes klar. Ueber die mangelnde Zuverlässigkeit einzelner Vereine beklagte sich noch Tfd. Beck, denn viele Vereine haben bis heute noch keine Bestandsmeldung abgegeben, dies sehr zum Nachteil des HTV. Die Neuwahl brachte, nachdem sich Vorstand und Turnausschuß wieder bereit erklärten, keine nennenswerte Veränderung. Auch der Jahresarbeitsplan vom Landesoberturnwart Schick verlesen, wurde genehmigt. Das Jahr 1951 ist das Jahr der Krise, wesentliche Unterstützung wird seitens des HTV zugesagt.

Verschiedene Anträge, technischer und organisatorischer Art, wurden behandelt, und auf den Frühjahrsturntag verwiesen. Die lebhafte Teilnahme der Vertreter bewies, daß man gewillt ist, das Turnen weiter zu heben und wieder zu dem zu machen, was es einstmals in Hessen war. Um diesen Erfolg zu bekommen, ist es notwendig, daß die Vereine mit größter Pünktlichkeit und auch Gewissenhaftigkeit ihre Verpflichtung an den Verband erfüllen.

Mit besonderem Nachdruck warnte noch der Erste Vorsitzende vor einer Inflation der Feste und bat die Kreisvorsitzenden hier ihr besonderes Augenmerk darauf zu richten.

Der nächste Turntag, der im Frühjahr; 1951 stattfindet, ist in Dillenburg. kof.

Silberschild-Vorschlußrunde

Finale mit Hamburg und Westdeutschland

Düsseldorf, (sid) Favoritensiege kennzeichneten die Vorschlußrunde um den Hockey-Silberschild 1950. In Mülheim (Ruhr) kämpften die Bayern zwar verbissen, mußten jedoch der westdeutschen Vertretung nach einem begeisternden Endspurt einen 5:2 (l:l)-Sieg überlassen. Innerhalb vier Minuten fiel in Hamburg zwischen der einheimischen Vertretung und Niedersachsen die Entcheidung. Hamburg kam zu einem knappen 2:1 (0:0)- Erfolg. Das Endspiel am 26. November an einem noch nicht festgelegten Ort bestreiten somit der Schildverteidiger Nordrhein-Westfalen und Hamburg.

Silberschild-Endspiel in-Hamburg

Hamburg, (sid) Das Endspiel um den 'Hockey-Silberschild zwischen den am 12. November siegreichen Auswahlmannchaften vember siegreichen Auswahlmannschaften wird am 26. November in Hamburg ausgetragen, und zwar auf der Anlage des HTHC.

Zur gleichen Zeit findet in Hamburg unter Leitung des 1. Vorsitzenden des DHB, Paul Reinberg (Hamburg), eine Präsidialsitzung des Deutschen Hockey-Bundes statt, die sich u. a. mit der Frage der Wiederaufnahme Deutschlands in den .internationalen Hockeyverband befassen wird.

Handballpokal-Wiederholung in Wuppertal

Kassel, (sid) Das Endspiel um den deutschen Handball-Pokal das am Sonntag in Kassel zwischen dem Pokalverteidiger Süddeutschland und Norddeutschland nach 60 Minuten 5:5 (3:3) endete, wird am 17. Dezember, vormittags 11 Uhr, in Wuppertal wiederholt. Eine Durchführung in Norddeutschland ist in Anbetracht der Terminnöte und der klimatischen Verhältnisse im Norden nicht möglich.

Handball in den unteren Klassen

Kreisklasse Darmstadt Gruppe I : Arheilgen—9B Darmstadt Jr. 14:6, TG 75 Darmstadt—Nieder-Ramstadt 10:6, Ober-Ramstadt—Jugenheim (ausgef.), Bickenbach—Bessungen 1:9.

Auch die Junioren des Sp 98 konnten nicht den Siegeszug des auch weiterhin ungeschlagenen Tabellenführers Arheilgen aufhalten. Deutlicher als erwartet mußten sie Sieg und Punkte in Arheilgen lassen. Dadurch ist Arheilgen Herbstmeister der Gruppe I. TG 75 Darmstadt scheint ihre Krise überwunden zu haben, denn gegen die Gäste aus Nieder-Ramstadt kamen sie zu einem klaren Erfolg. Auch in Ober-Ramstadt trat die Mannschaft von Jugenheim nicht an, denn SKG Jugenheim hat unterdessen seine Mannschaft zurückgezogen. Das Spiel ist in der folgenden Tabelle mit 3:0 Toren als gewonnen für Ober-Ramstadt gewertet. Einen In dieser Höhe nicht erwarteten Sieg brachte Bessungen aus Bickenbach nach Hause, wodurch es sich auf den 5. Tabellenplatz vorschieben konnte.

Gruppell: TV Langen—Büttelborn 8:3. In dieser Gruppe mußte sich das bisher noch ungeschlagene Büttelborn in Langen geschlagen bekennen. Die Niederlage fiel unerwartet hoch aus. Auch weiterhin steht Büttelborn, nach Verlustpunkten gerechnet, am günstigsten, aber erst das kommende Spiel in Schneppenhausen bringt Klarheit, wer Herbstmeister wird.

Am Samstag, dem 18. 11., findet um 15.30 Uhr bei Arnold in Darmstadt eine Vereinsvertreter-Tagung für die Kreisklasse Darmstadt zwecks Festlegen der Rückspieltermine statt. -ei-

Handball-Bezirksklasse Ried: Crumstadt ist Herbstmeister!

nei Dbtniciavci ; Bürstadt—Erfelden 10:6 Pflffligheim—Westhofen 4:5 Heppenheim—Wies-Oppenheim 5:8

Der Tabellenzweite Erfelden konnte die schwere Hürde Bürstadt nicht nehmen und mußte eine vielleicht etwas zu hohe Niederlage einstecken. Dadurch ist das spielfreie Crumstadt alleiniger Tabellenführer. In Pflffligheim stellte Westhofen unter Beweis, daß es momentan die beste linksrheinische Mannschaft ist. In dem Treffen der- beiden Tabellenletzten siegte erwartungsgemäß die Mannschaft von Wies-Oppenheim.

Handball-Bezirksklasse Darmstadt-Odenwald Am Samstag, dem 18. 11., findet um 16 Uhr im Lokal Arnold (Bismarckstraße) eine Vereinsvertreter-Tagung für die Bezirksklassenvereine der Gruppe Darmstadt statt. Tagungsordnung: Terminbesprechung der Rückrunde. Außerdem findet im gleichen Lokal um 14.30 Uhr die Bezirksspielausschuß-Sitzung statt. -ei-

Kreisklasse Dieburg Von insgesamt sechs Begegnungen in den beiden Gruppen fielen zwei aus. In Richen und auch in Habitzheim waren die Schiedsrichter nicht erschienen. In der Gruppe I eilen Langstadt/Schlierbach und Schaafheim den anderen Mannschaften immer weiter davon. Mit 9:5 siegte Schaafheim bei dem gewiß nicht schlechten Tabellendritten Babenhausen. In Reinheim sah es zunächst für Langstadt I sehr schwarz aus, stand die Partie doch in der Halbzeit noch 1:1. Erst gegen Schluß des Spieles konnten die Gäste ihre gewohnte Form finden. Schaffner und Wetterich waren für Reinheim 88 und Reinig I, Reinig II und Fischer für Langstadt erfolgreich. Im zweiten Spiel der Reinheimer Doppelveranstaltung siegte der SV 45 Reinheim gegen Nd.-Klingen mit 10:5 Toren. Für die Platzherren waren Krämer (3), Hörr (3), Knecht (2), Heinz und Schudhmann erfolgreich, und für die Gäste trafen Büchler (3), Storck und Hild ins Schwarze. Beide Mannschaften konnten je einen 13-Meter nicht verwandeln. In Brensbach holte sich der TV Groß-Zimmern die beiden noch zum Herbstmeistertitel fehlenden Punkte. K. Hoffmann und H. Bauer schossen für Brensbach und Mohr, Schreiber, Burger, Danieder sowie Fornoff für Groß-Zimmern die Tore, -ff-

Kreisklasse Erbach

In der Handball-Kreisklasse Erbach wurde am Sonntag nur eine Begegnung ausgetragen. Böllstein war in Pfaffen-Beerfurth zu Gast und unterlag auf dem aufgeweichten Boden etwas unglücklich mit 10:5. Für die Platzherren waren Pöschel, Ihrig und Bartosch, für Böllstein Scholl und Gaschert die erfolgreichsten Torschützen.

Kreisklasse Bergstraße

Kirschhausen—Bonsweiher 8:6; Erbach —Heppenheim 1:19; Lorsch—Auerbach 7:8; Ober-Mumbach—Einhausen 2:3; Zell—Kreidach 15:8; 09 Weinheim—Nieder-Liebersbach 10:3; Reisen— Hemsbach 2:2 abgebrochen.

Bonsweiher machte es den stark favorisierten Kirschhausenern schwerer als erwartet, um zum Siege zu kommen. Die zwei Tore spiegeln etwa den Leistungsunterschied wider. — Erbach hatte die Kreisstädte!’ zu Gast und erfuhr eine Handball-Lektion; erfreulich, mit welcher Unbekümmertheit die jungen Leute immer wieder in den Kampf gehen. — Die Nachbarschaftsbegegnung in Lorsch hatte alle Anzeichen eines heißen Lokalderbys, in dem bis zum Schlüsse alles offen war. Es hätte auch andersherum lauten können. — Kreidach stellte sich in Zell merklich verbessert vor und dürfte in der Rückrunde noch manche Ueberraschung bringen. — Ein Fußballresultat gab es in Ober-Mumbach, wo zwei starke Hintermannschaften den Sturmreihen wenig Entfaltungsmöglichkeiten ließen. Bei etwas mehr Schußglück hätten die Platzherren auch ihrerseits gewinnen können. — Nieder-Liebersbach lag gegen die routinierten Weinheimer von Beginn an auf Außenbahn und kam nie für den Sieg in Frage. — In Reisen war eigentlich schon vorher klar, daß man nicht würde spielen können. Nachdem Männer und Trikots schmutzig waren, sah es auch der Schiedsrichter ein und pfiff ab. (nl)

Arheilgen 10 10 0 0
104:34 20:0 Ober-Ramstadt 8 7 0 1
47:33 14:2 Hahn 9 7 0 2
61:39 14:4 75 Darmstadt 7 5 0 2
61:27 10:4 Bessungen 8 4 1 3
55:44 9:7 Sp 98 Jr. 10 3 2 5
81:79 8:12 Bickenbach 7 3 1 4
52:58 7:9 Roßdorf 5 1 1 3
24:65 3:7 Nieder-Ramstadt 8 1 1 6
44:76 3:13 Eberstadt 9 1 2 6
44:81 3:15 Jugenheim 8 0 0 8
10:77 0:16
TV Groß-Gerau 5 7 1 1
72:52 15:3 Büttelborn 8 7 0 1
74:38 14:2 TV Langen 8 6 1 1
82:43 13:3 Egelsbach 8 6 0 2
69:49 12:4 Walldorf 8 4 0 4
74:51 8:8 Worfelden 8 4 0 4
53:62 8:8 Schneppenhausen 7 3 0 4
47:33 6:8 Mörfelden 1b 8 2 0 6
32:57 4:12 Weiterstadt 7 0 0 7
33:101 0:14 VfR Groß-Gerau 8 0 0 8
30:66 0:16
Crumstadt 9 8 0 1 109:39 16:2
Erfelden 7 5 0 2 82:41 10:4
Westhofen 8 5 0 3 73:55 10:6
Mörstadt 8 4 1 3 52:61 9:7
Pfeddersheim 7 4 0 3 61:42 8:6
Bürstadt 7 4 0 3 44:44 8:6
Offstein 6 3 0 3 58:62 6:6
Pfiffligheim 8 3 0 5 67:71 6:10
Wies-Oppenheim 9 1 1 7 39:86 3:15
Heppenheim 7 0 0 7 23:117 0:14

Die „Möglichen" für Stuttgart

Bundestrainer Herberger sprach vor der Presse

Frankfurt. (AZ.) Bundestrainer Sepp Herberger hat am Sonntagabend in Frankfurt nach den Erfahrungen aus den beiden Auswahlspielen in Ludwigshafen und Frankfurt seine Entscheidung über die Länderelfaspiranten getroffen. Insgesamt 19 Spieler werden ab Montag im Trainingsquartier Murrhardt (Württemberg) mit den Vorbereitungen beginnen, nach denen der Bundestrainer die elf Nationalspieler für das Stuttgarter Länderspiel gegen die Schweiz am 22. November auswählen wird. Folgende Spieler wurden zur engeren Auswahl eingeladen:

Tor: Turek (Fortuna Düsseldorf). Fischer (1. FC Nürnberg); Verteidiger: Burdenski (Werder Bremen), Streitle (Bayern München), Picard (Kickers Offenbach); Läufer: Mebus (VfL Benrath), Kupfer (Schweinfurt 05), Matzkowski (Schalke 04), Liebrich (1. FC Kaiserslautern), Barufka (Vfß Stuttgart), Röhrig (1. FC Köln); Sturm ; Berni Klodt (Schalke 04), Morlock (1. FC Nürnberg), Othmar und Fritz Walter (beide 1. FC Kaiserslautern), Blessing (Vfß Stuttgart), Balogh (VfL Neckarau), Herrmann (FSV Frankfurt), Schade (Spvgg. Fürth).

Einladungen aus Portugal und der Türkei Frankfurt, (sid) Gelfegenttich der Pressekonferenz des DFB in Frankfurt teilte der Spielauss-chußobrnatnn des DFB, Hans Körfer, mit, daß Einladungen zu Länderspielen von Portugal (für den 31. Januar 1951) und aus der Türkei vorliegen. Alle Meldungen über sonstige Einladungen an den DFB und seitens des DFB an andere Nationen entsprechen nicht den Tatsachen. Der DFB wird das Länderspiel gegen die Schweiz abwarten, um dann über sein weiteres Programm au beschließen.

Hockey

TEC _ Darmstadt—RK Rüsselsheim 4:2 (2:1)

dr. Nach mehrstündiger Verspätung begannen die Herren des TEC und des RK Rüsselsheim ein Freundschaftsspiel, wie es spannender beim Kampf um die Punkte kaum zu denken ist. Der Platz am Böllenfalltor hatte die Regenzeit verhältnismäßig fest überstanden — nur in den Schußkreisen stand etwas Wasser — und ließ so das erwartete schnelle Spiel zu. Vom Bully weg zogen die Gäste mit harten Schlägen los, aber schon Augenblicke später brannte es in ihrem eigenen Schußkreis. In diesen ersten Minuten zeigten beide Verteidigungen bereits Schwächen, die eigentlich zu mehr Toren hätten führen müssen. Rieß und Wolf vergaben frei vor dem Gästetor stehend, ehe Rieß eine Strafecke verwandeln konnte. Ein aufmerksamer Hüter hätte diesen Treffer verhindern können. Wenige Minuten später war Rüsselsheim auf seiner rechten Seite durch gebrochen und hatte den Ausgleich erzielt Nachdem mehrere Chancen auf beiden Seiten ausgelassen wurden, spielte der Darmstädter rechte Läufer Strompen die Kugel spitz an seinen Linksaußen Wolf, der nach einem rasanten .Alleingang den TEC abermals in Führung brachte. Sofort nach dem Wechsel waren wieder beide Tore in Gefahr und die - Rot-Schwarzen aus der Opelstadt erzielten durch ein Mißverständnis der Darmstädter Hintermannschaft wiederum den Ausgleich. Frei vor dem gegnerischen Kasten stehend vergaben die Darmstädter Stürmer dreimal die mögliche Führung. K. Pabst sprang in dieser Zeit ebenso oft für seinen bereits geschlagenen Hüter ein. Aus dem Gedränge heraus gelang Schäfer endlich die erneute Führung für Darmstadt, die aber noch mehrmals entrissen zu werden drohte. 15 Minuten vor Schluß schied Wohlert beim TEC verletzt aus und Schäfer mußte in die Läuferreihe zurück. In einem großen Endspurt schoß Wolf das 4. Tor für Darmstadt. Trotzdem schien das Spiel noch nicht entschieden. Beide Tore waren noch in Gefahr, aber der TEC, der trotz der beiderseitigen Chancen etwas mehr vom Spiel hatte, gab den Sieg nicht mehr aus der Hand. Damit ist die im Vorspiel erlittene Niederlage wieder wettgemacht und. der TEC weiter seit Monaten ohne Niederlage oder Unentschieden.

East 87 000 DM nach Wiesbaden

Rheinland-Pfalz: 81 000 DM im 1. Rang

Mainz. (AZ.) Der 12. November hat, wie nach den Ergt buissen nicht anders zu erwarten, einige geradezu klotzige Quoten gebracht. Nach den bisher vorliegenden Meldungen erhält ein Gewinner im 1. Rang von Württemberg-Baden den Betrag von 86 950 DM. Der Glückliche wohnt in Wiesbaden. Mit 81 000 DM für einen Gewinner folgt Rheinland-Pfalz dichtauf. Dieser Betrag fällt an eine Postwetterin aus Bielefeld. Nachstehend die bisher bekanntgewordenen Quoten:

Rheinland-Pfalz. 1. Rang (ein Gewinner) 81 000 DM; 2. Rang (106 Gewinner) 770.50 DM; 3. Rang (1353 Gewinner) 60,35 DM. — Kleintip: drei Gewinner je 7375 DM.

Hessen-Toto. 1. Rang (ein Gewinner) 13 266 DM; 2. Rang (29 Gewinner) 457 DM; 3. Rang- (466 Gewinner) 28,30 DM. — Zusatzwette (ejn Gewinner) 4771 DM.

W. -Bad en. 1. Rang (ein Gewinner) 86 950 DM; 2. Rang (145 Gewinner) 599 DM; 3. Rang (1745 Gewinner) 49,50 DM. — Zusatzwette: 2016 Gewinner je 24,50 DM.

Bayern-Toto. 1. Rang (463 Gewinner) 214,80 DM; 2. Rang (6622 Gewinner) 15 DM; 3. Rang: keine Ausschüttung, da Quoten unter zwei DM liegen. — Leichte Sieben: 1. Rang (535 Gewinner) 410,50 DM: 2 Rang (10 987 Gewinner) 20 DM.

Nordblock-Toto. 1. Rang (87 Gewinner) 3937,50 DM; 2. Rang (2059 Gewinner) 166 DM; 3. Rang (18418 Gewinner) 18.60 DM.

Bestattungen am Dienstag, dem 14. November 1950 Alter Friedhof: 14.00 Uhr: Hofmann, Rudolf, 73 J„ Landskronstraße 55 Bessunger Friedhof: 9.00 Uhr: Fell, Berta, 79 J., Wormser Str. 32

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