Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt HEUTE: sPORT VON Sonntag vlVug^Dar^r^ ERICH DOMBROWSKI Darmsty?. L- c- Wittich, tuscheln. .‘A>e^ 23 Telefon 3925. erscheint tägnch außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 116 ÄeffiW« Tleuefle Jiadjridjfen Montag, 13. November 1950 glich 0.40 DM Trägerlohn. —M^^^^^^^Rfgenpreise: Preisliste Nr 3 v. l 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Derlängerung der Europahilfe?

Trumans Sonderberater Gran für Marshall-Leistungen bis zum Jahr 1956

Washington, 12. November. (AP.) Die Verlängerung der amerikanischen Wirtschaftshilfe neben den militärischen Hilfe-Maßnahmen für Westeuropa um weitere drei bis vier Jahre schlägt der Sonderberater des Präsidenten Truman für Wirtschaftsfragen, Gray, in einem Bericht vor, der dem Präsidenten vorgelegt wurde.

Es würde ein verhängnisvoller Fehler sein, heißt es in dem Bericht Grays, wenn sich die Vereinigten Staaten nach dem Ablauf des Marshall-Plans im Jahre 1952 auf die rein militärische Unterstützung Westeuropas beschränken würden. Auch für nichtmilitärische Zwecke müsse Europa weiterlaufende Dollarzuwendungen erhalten, wenn es seine Verteidigungsstellung gegen den Kommunismus rasch und wirksam aufbauen solle. Westeuropa sei ganz offensichtlich die wichtigste Position der freien Welt im Kampf um ihre Sicherheit.

Der Bericht enthält keine näheren Angaben über den Umfang der Zuwendungen, die Westeuropa nach dem Auslaufen des Marshall-Plans für wirtschaftliche Zwecke nach Grays Vorschlag erhalten soll, doch war* in den Voruntersuchungen von eineinhalb bis zwei Milliarden Dollar jährlich die Rede.

In einer ersten Stellungnahme zu dem Bericht sagte Präsident Truman, eine Anzahl der ihm gemachten Vorschläge setzten ein Festhaltenan der bisherigen politischen Linie voraus. Er werde den dafür zuständigen staatlichen Stellen empfehlen, entsprechende verwaltungstechnische und gesetzgeberische Vorschläge im gesamten Bereich der Wirtschafts- und Außenpolitik zu machen.

Keinr Söldner

Arnsberg, 12. November, (dpa) Bundesinnenminister Dr. Lehr wiederholte in Arnsberg, daß die völlige militärische und wirtschaftliche Gleichberechtigung Voraussetzung für eine deutsche Teilnahme an der europäischen Verteidigung sei. Die Bundesrepublik werde keine Landsknechte und Söldner für fremde Truppenteile stellen.

Ein ernstes Wort

Blücher zur Rüstungsfrage

München, 12. November. (AP.) Die Deutschen sehnen sich nicht nach einer Armee, sie wären — bei völliger Gleichberechtigung ■— lediglich bereit, ein Opfer für die Freiheit zu bringen, erklärte Vizekanzler Blücher in München.

Es sei töricht, darauf zu pochen, daß die westliche Welt auf deutsche Hilfe angewiesen sei. sa&t® Blücher. „Die Amerikaner haben uns bestimmt nicht so nötig wie wir im Ernstfall sie. Blücher betonte, daß das Zögern und die Uneinigkeit der freien Völker Europas gefährlicher sei als ihre militärische Unterlegenheit gegenüber dem Osten.

Zur Polizeifrage erklärte der Vizekanzler, wenn die Ruhrindustrie eines Tages durch Terrorakte stillgelegt werden sollte, werde man Zeit haben zu überlegen, ob der Bund über die Polizei verfügen dürfe „oder ob das eine Sünde wider den heiligen Geist des Föderalismus ist“.

Dr. Muench Grzbischof

Bonn, 12. November, (dpa) Der Regent der apostolischen Nuntiatur in Deutschland Bischof Dr. Aloysius Muench hat von Papst Pius XII. den persönlichen Titel eines Erzbischofs erhalten.

Moncay wird geräumt

Saigon, 12. November. (AP.) Die französischen Militärbehörden in Nordindochina haben am Wochenende mit der Evakuierung der Zivilbevölkerung aus der Festung Moncay, im Küstenzipfel des Golfes von Tonkin, begonnen. Moncay liegt bereits unter dem Artilleriefeuer der kommunistischen Vietminhtruppen.

Gleichzeitig hat sich der Druck der Vietminhtruppen auf das Fort Dinhlap verstärkt. Kommunistische Angriffe an der nach Südosten führenden einzigen Nachschubstraße nach Tienyen drohen das Fort abzuschließen.

China vermweigert Ansfprache

Tokio, 12. November. (AP.) Das kommunistische China ist nicht bereit, vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die chinesische Intervention in Korea auszusagen. Der chinesische Außenminister Tschou En-lai hat das Ersuchen des Sicherheitsrates, an der Debatte über diesen Punkt teilzunehmen, abgelehnt.

Friedenskungrßnach Warschanverlegt

England machte „zuviel Schwierigkeiten“

London, 12. November. (AP.) Der kommunistische „zweite Weltfriedenskongreß“, der am Montag in Sheffield beginnen und eine Woche dauern sollte, ist nach Warschau verlegt worden.

Die wenigen Delegierten, die die Genehmigung erhielten, nach Großbritannien einzureisen, werden am Montag in Sheffield nur zu einer einzigen Sitzung zusammenkommen und dann sofort nach Warschau fahren, wo die übrigen Sitzungen in der Zeit vom 16. bis 21. November abgehalten werden sollen.

Das britische Friedens-Komitee erklärte, der Kongreß könne wegen der Schwierigkeiten, die die britischen Behörden machten, in Sheffield nicht als „vollständige repräsentative und autoritative Körperschaft tagen.

Britische Sicherheitsbeamte gingen am Samstag sofort nach dem Anlegen der Laufplanken auf jedes Schiff, das in einen britischen Hafen einlief und entfalteten auch auf den Flugplätzen eine rege Tätigkeit. Von den 41 französischen Delegierten durften nur 19 an Land, von 65 sowjetischen Delegierten 40, von 53 Tschechoslowaken 30, von 32 Bulgaren 12, von 14 Israelis sieben, von 40 Polen 19^ von 13 Kubanern sieben, von 25 Finnen sieben und von 30 Rumänen 13. Von den amerikanischen Delegierten wurde keiner, von den vierzig niederländischen Delegierten wurden nur zwei angehalten. Die 220köpfige italienische Delegation wurde bereits vor dem Besteigen der Fähre in Dieppe von britischen Beamten zurückgewiesen.

Zu Yerhandlungen hereit

Thionville, 12. November, (dpa) Der französische Außenminister Schuman erklärte in Thionville (Lothringen), Frankreich sei zu Verhandlungen mit der Sowjetunion bereit, wenn die Sowjets vorher konkrete Beweise für ihren guten Willen geben.

Aus Ickte Kruftwerk besekt

Die Truppen der Vereinten Nationen in Nordkorea wieder im Angriff

Söul, 12. November (AP.) Verbände der amerikanischen 24. Infanterie-Division und der britischen 27. Commonwealth-Brigade sind am Wochenende aus dem Brückenkopf am Chongchon zum Angriff angetreten und haben die Ausläufer der Stadt Pakc h o n und die benachbarten Höhen erreicht. Pakchon liegt etwa fünfzehn Kilometer nördlich von Anju, der alliierten Nachschub-Basis am wichtigsten Uebergang über den Chongchon. Werter östlich dringt die erste amerikanisehe Kavalleriedivision ebenfalls nach Norden vor.

An der Nord-Ost-Küste besetzten US-Marinetruppen das letzte der vier großen Wasserkraftwerke bei Changjin, die Nordkorea und Teile der Mandschurei mit elektrischem Strom versorgen. r

Die südkoreanische Division „Söul“ hat am Sonntag zehn Kilometer nördlich von Myongchon Angriffe von sieben kommunistischen Bataillonen unter schweren

Verlusten für den Feind zurückgewiesen. Im Westabschnitt sind Einheiten der ersten US-Kavallerie-Division etwa zwei Kilometer gegen die Hochfläche um Yong b y o n vorgestoßen. Der Feind leistete nur an wenigen Stellen schwachen Widerstand.

Ein Großeinsatz von über hundert alliierten Bombern und Kampfmaschinen, die von Flugzeugträgern aus operierten, richtete sich gegen strategische Ziele im nordkoreanischen Hinterland. Dabei wurde die Jalu-B r ü c k e in Sinuiju zerstört, über die bisher der größte Teil des chinesischen Nachschubmaterials geschleust wurde. Im Mittelabschnitt der Front herrschte lediglich Spähtrupptätigkeit.


Zum ersten Male nach dem Kriege ist an Deutsche wieder der Nobelpreis verliehen worden. Den Chemiepreis erhielten die Professoren Otto Diels (Kiel) und Kurt Alder (Köln). Unsere Bilder zeigen rechts Prof. Diels, links Prof. Alder Bilder: UP
Zum ersten Male nach dem Kriege ist an Deutsche wieder der Nobelpreis verliehen worden. Den Chemiepreis erhielten die Professoren Otto Diels (Kiel) und Kurt Alder (Köln). Unsere Bilder zeigen rechts Prof. Diels, links Prof. Alder Bilder: UP

Straßensperren in Berlin

Weitere Einschränkung des Zugangs zu den Westsektoren

Berlin, 12. November. (AP.) Alle Anzeichen deuten darauf, daß von sowjetzonaler Seite über die bisherigen Maßnahmen hinaus jede Möglichkeit ausgeschlossen werden soll, unter Umgehung der festgelegten* Kontrollpunkte aus der Sowjetzone in die Berliner Westsektoren zu gelangen.

Nach Feststellungen des West-Berliner Polizeipräsidiums ist jetzt der größte Teil der Straßen und Zufahrtswege aus der Sowjetzone in die Berliner Westsektoren durch Sperren verschlossen worden. Bisher sind 28 Straßen und 30 Wald- und Feldwege für jeden Fahrzeugverkehr gesperrt worden.

Auf den größeren Straßen wurden Schlagbäume errichtet, an denen je zwei Volkspolizisten und Soldaten der sowjetischen Besatzungsarmee postiert sind. Die kleineren Straßen und die Feld- und Waldwege sind durch Baumstämme, Gräben oder Pfähle unpassierbar gemacht worden. Während sich der Fußgängerverkehr reibungslos vollzieht, ist Fahrzeugen die Durchfahrt an den Sperren grundsätzlich verwehrt, sie werden auf die Benutzung der von ostzonaler Seite eingerichteten Kontrollstellen verwiesen.

Die Kontrollmaßnahmen und Sperrung der Straßen werden mit dem am 21. April 1950 erlassenen ostzonalen Gesetz zum „Schutz des innerdeutschen Handels“ begründet.

Wie weiter von West-Berliner Seite betont wird, sah sich auch der West-Berliner Magistrat gezwungen. Kontrollen durchzuführen, um den Schmuggel und illegalen Handel zwischen dem Ostmark- und dem Westmarkwährungsgebiet zu verhindern. Dieser hatte in den letzten Monaten erheblichen Umfang angenommen.

Nach Moskau

** * Nicht wenige westliche Politiker waren der Annahme, Mao Tse-tung werde nach der Eroberung Chinas sich Moskau gegenüber selbständig machen und sozusagen ein chinesischer Tito werden. Das Gegenteil ist eingetreten. Mao Tse-tung führt getreulich alle Aufträge des Kremls in Tibet und Korea aus. Er hat jetzt sogar in Lake Success mitteilen lassen, das kommunistische China sei zwar bereit, sich an einer Aussprache über Formosa zu beteiligen, nicht aber vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die chinesische Einmischung in Korea auszusagen.

Statt Mao Tse-tung scheint aber ein anderer Kommunistenführer von Moskau als Titoist betrachtet zu werden, nämlich der Franzose Maurice Thorez. Der robuste frühere Bergarbeiter, der im fünfzigsten Lebensjahre steht, hat einen erstaunlichen Aufstieg hinter sich. 1920 trat er in die Kommunistische Partei ein, 1925 wurde er Mitglied des Polit-Büros und 1930 bereits Generalsekretär der Partei. Der „schöne Maurice“ trug durch seine Beliebtheit sehr zum Aufschwung der Kommunistischen Partei in Frankreich bei. Aber als er im September 1939 seinen Gestellungsbefehl erhielt, entfloh er nach Moskau, worauf er als Deserteur verurteilt wurde. Durch den Moskauer Rundfunk stärkte er den Widerstand seiner im Maquis kämpfenden Anhänger, und als er 1944 nach Paris zurückkehrte, Wurden ihm derartige Ovationen bereitet, daß de Gaulle seine Strafe durch einen Amnestie-Erlaß tilgte. In mehreren Kabinetten bis zum Jahre 1947 war Thorez Staatsminister. Er galt als so guter Franzose, daß Stalin selbst zu de Gaulle im Kreml sagte: „Ihren Maurice Thorez habe ich kennengelernt, und ich habe plötzlich den Eindruck, daß er ein guter Franzose ist.“

Thorez gab als einer der ersten Kommunistenführer im Februar 1949 die bekannte Erklärung ab, das französische Volk werde sich im Falle eines Krieges „unter allen Umständen auf die Seite stellen, auf der sich die Sowjetunion und ihre heldenhafte Armee befinde“. Dennoch muß man im Kreml von ihm den Eindruck behalten haben, er sei in erster Linie Franzose und erst in zweiter Linie ein willfähriges Werkzeug Moskaus. Thorez ist nämlich am Samstag mit seiner Frau und dem führenden französischen Kommunisten Lecoeur, der ursprünglich als sein Nachfolger galt, im Flugzeug nach Moskau gebracht worden. Der „schöne Maurice“ soll am 10. Oktober einen Schlaganfall erlitten haben, von dem er sich jedoch ziemlich erholt hat. Das offizielle kommunistische Organ hatte seine Krankheit immer nur als „erhöhten Blutdruck“ bezeichnet. Jedenfalls hat die Krankheit dem Kreml den Vorwand gegeben, Thorez im Privatflugzeug Wyschinskis zur „ärztlichen Behandlung“ nach Moskau bringen zu lassen. Die französische Zeitung „Figaro“ behauptet, der Krankentransport sei nur vorgenommen worden, weil Thorez des Titoismus verdächtig sei, und eine andere Zeitung, „Ce Matin - Le Pays“, erinnert daran, auch der bulgarische Kommunist Georges Dimitroff sei am 14. April 1949 „zur Spezialbehandlung“ im Flugzeug nach Rußland transportiert und drei Monate später „als einbalsamierter Leichnam“ zurückgebracht worden.

Für ein totalitäres Regime spielt ein Menschenleben keine Rolle. Ihm kommt es nur darauf an, Marionetten zu dirigieren, die keinen eignen Willen zeigen. Auch der italienische Kommunistenführer Togliatti, der seit einiger Zeit erkrankt ist, soll nicht mehr auf der politischen Bühne erscheinen dürfen.

„Gegenfäke waren nienals aröker“

Dr. Schumacher über das Verhältnis der Opposition zur Regierung

Kassel, 12. November, (dpa) In einer großen Wahlkundgebung vor fast zehntausend Menschen in der Kasseler Stadthalle erklärte Dr. Schumacher, solange die Bundesrepublik unter den Völkern Europas nicht völlig gleichberechtigt sei, sage die SPD nein zur Wiederbewaffnung. Er wies die Ansicht zurück, daß die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in den entscheidenden Fragen eigentlich gar nicht so groß seien. Der Unterschied komme im Gegenteil dem zwischen schwarz und weiß gleich. Die Gegensätze seien niemals größer gewesen als in diesen Tagen, in denen versucht werde, sie zu vertuschen.

Am Samstag hatte Dr. Schumacher in Bad Hersfeld vor etwa 3000 Zuhörern erklärt, es sei „eine Lüge, wenn gesagt wird, die SPD wolle die Freiheit nicht verteidigen“. Eine zustimmende Haltung der Opposition könne die Bundesregierung erst dann erwarten, „wenn der deutsche militärische Beitrag Aussicht hat, unser Vaterland vor dem Schicksal der bereits zweimal verbrannten Erde zu bewahren“.

Zu der Forderung, daß die Bundesrepublik etwa acht bis zehn Milliarden D-Mark jährlich als Beitrag zur westeuropäischen Verteidigung werde aufbringen müssen, erklärte Dr. Schumacher, daß die Kriegsfolgelasten des Bundes ungleich größer seien, als die anderer Länder.

Zur Kriegsdienstverweigerung betonte Dr. Schumacher einigen Journalisten gegenüber, er erkenne das Recht der Verweigerung zu töten an, aber nicht das Recht, sich einer allgemeinen, dem Volke drohenden Gefahr zu entziehen.

In Fulda begründete Professor Carlo Schmid das „Nein“ der SPD zur Teilnahme Deutschlands an der europäischen Verteidigung mit dem Hinweis, daß bei 30 Divisionen auf der einen gegen 105 auf der anderen Seite eine Verteidigung „blutiger Dilettantismus“ sei. Das Dilemma heißt nicht: Soll man Europa verteidigen oder nicht? sondern: Ist man imstande und bereit, in Europa eine Streitmacht auf die Beine zu stellen, die tatsächlich Chancen hat, Europa zu verteidigen? Erste Aufgabe sei es, zunächst die dringendsten Kriegsfolgen zu liquidieren.

Notwehr-Recht der Bundesrepublik Auf einer Kundgebung der Freien Demokraten in Kassel bezeichnete Bundestagsabgeordneter Erich Mende Deutschlands Teilnahme an der europäischen Verteidigung als ein Notwehrrecht der Bundesrepublik. Die westdeutsche Bevölkerung müsse aber vorher wissen, was überhaupt verteidigungswert ist. Daher müsse jede Diffamierung vorher wieder gutgemacht werden. Deutschland könne die Ueberheblichkeit und Unritterlichkeit der westlichen Alliierten bei der Kapitulation nicht vergessen, wo Divisionen Gefangener „in den Schweinestall“ gesperrt worden seien. „Nie werden wir Kreuznach und Remagen vergessen“, rief Mende aus. „Deutschlands Soldaten, die in Gedanken an Abraham Lincoln und die Freiheitsstatue sich unter den Schutz der Amerikaner stellten, sind den Russen ausgeliefert und nach Sibirien verraten worden.“

„Wir gehen unsere eigenen Wege"

„Weil wir zu den historischen Parteien mit dem ellenlangen Stammbaum kein Vertrauen mehr haben, gehen wir unsere eigenen Wege“, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, W aldem ar Kraft, in Kassel auf einer Wahlkundgebung des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE). Kraft bezeichnete das Wahlbündnis FDP-BHE in Hessen als ein wahltechnisches Abkommen, das aber nichts an der politischen Selbständigkeit des BHE als Partei ändern werde.

Eigene BHE-Fraktion

Rudolf Wollner, Mitglied des Landesverbandes des BHE Hessen, erklärte in Frankfurt, der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten habe es nicht verantworten können, daß bei den jetzigen Landtagswahlen die Stimmen von 250 000 unabhängigen Wählern verlorengingen. Deswegen sei der Zusammenschluß mit einer in Opposition stehenden Partei, der FDP, erfolgt. Im neuen Landtag werde der BHE seine Kandidaten in einer eigenen Fraktion zusammenfassen.

Hilpert: Grundsatzlos

Die Wahlfusion der FDP mit dem BHE in Hessen sei das Grundsatzloseste, was er je gesehen habe, erklärte Finanzminister Dr. Hilpert auf einer Wahlversammlung der CDU in Burghaun. Er werde in den nächsten Tagen Fotokopien eines Abstimmungs-Protokolls vorlegen, aus dem hervorgehe, daß die Abgeordneten Euler und Faßbender von der FDP die einzigen gewesen seien, die im Wirtschaftsrat gegen das Soforthilfegesetz gestimmt hätten.

Ehlers für Gleichberechtigung

In Seeheim erklärte auf einer CDU-Wahlversammlung Bundestagspräsident Dr. Hermann Ehlers, ein westdeutscher Verteidigungsbeitrag sei nicht möglich, solange in Frankreich die Ansicht vorherrsche, daß die Deutschen gefährlich und deshalb nur begrenzt zu bewaffnen sein.

Protest der Weftmächte

Gegen sowjetische Einmischung

London, 12. November. (AP.) Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich haben bei der Sowjetregierung gegen die sowjetische Einmischung in österreichische Polizeiangelegenheiten im Verlauf der kommunistischen Streikunruhen in Wien am 4. und 5. Oktober protestiert.

Der Text der überreichten britischen und amerikanischen Noten ist in den Hauptstädten der beiden Westmächte veröffentlicht worden. Die Veröffentlichung der französischen Note steht noch aus.

Untergrund-Nüfungsfabrik

Tokio. 12. November. (AP.) Ein ausgedehnter unterirdischer Rüstungsbetrieb mit maschineller Ausrüstung amerikanischer, sowjetischer und japanischer Herkunft wurde in einem Bleibergwerk 45 km nordöstlich Pyöngyang von Streifen der amerikanischen zweiten Division aufgefunden. In dem Betrieb waren unter der Aufsicht von sieben sowjetischen Technikern Schnellfeuergeschütze sowjetischer Bauart sowie Munition und Granatwerferteile hergestellt worden.

Keine Intervention

Kalkutta, 12. November, (dpa) Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Indien, Henderson, erklärte in Kalkutta, die Vereinigten Staaten beabsichtigen nicht, in Tibet zu intervenieren. Sie betrachten die Tibetfrage als eine Angelegenheit, die ausschließlich zwischen Tibet und der chinesischen Volksrepublik zu entscheiden sei.

Kümpfe in Nepal

Raxaul (Indisch-nepalesische Grenze), 12. November, (dpa) Truppen der nepalesischen Kongreßpartei, die nach Meldungen vom Freitag von Indien her nach Nepal eingedrungen sind, griffen am Samstag gleichzeitig an neun verschiedenen Stellen auf dem Gebiet von Nepal an. Das Ziel der eindringenden Truppen soll die Hauptstadt von Nepal, Katmandu, sein. Die Truppen haben bereits die Grenzstadt Birganj erobert und den dortigen nepalesischen Gouverneur sowie hohe Offiziere gefangengenommen. Viertausend in Indien lebende Nepalesen wollen freiwillig an dem Kampf gegen die Feinde des Maharadschas von Nepal teilnehmend

Daut Yorsche Düsennutos?

Herstellung des ersten Modellwagens in Kürze

Wien, 12. November, (dpa). Aus Kreisen, die dem deutschen Automobil-Konstrukteur Professor Ferdinand Porsche nahestehen, erfährt Reuter, daß Porsche zur Zeit in Kärnten insgeheim an der Konstruktion eines neuen Düsen - autos arbeite. Dieses Projekt, so wurde gesagt* werde eine Weltsensation werden. Die Pläne sollen schon so weit fertiggestellt sein, daß in Kürze mit der Herstellung des ersten Modellwagens begonnen werden kann. Später solle der Wagen serienweise in Deutschland hergestellt werden.

Zusammen mit Dr. Porsche sollen deutsche Wissenschaftler arbeiten, die früher an der Düsenforschung teilnahmen.

1000 gönnet für Opel-Arbeiter

Rüsselsheim, 12. November.’ (dpa) Der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann sagte am Sonntag in der Generalversammlung des Baurings in Rüsselsheim im Hinblick auf die Neubildung der Regierung nach den Landtagswahlen, für keine Regierung, und wäre sie nur aus Heimatvertriebenen zusammengesetzt, gäbe es eine andere Möglichkeit, als auf dem von der augenblicklichen Regierung eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Der „Bauring, der Schwerpunktgemeinschaft Rüsselsheim und Umgebung“ beabsichtigt, in den Mainspitzgemeinden Raunheim, Bischofsheim und Flörsheim 1000 Siedlungshäuser, in erster Linie für die Opelarbeiter zu bauen, die auswärts wohnen oder in Notwohnungen untergebracht sind. Die ersten Bauarbeiten für 46 Häuser sind in Raunheim begonnen worden.

Die Siedlerstelle ist rund' 400 qm groß mit einer Wohnfläche von 70 qm, zwei Zimmer, Küche, Bad und Kammer. Der Siedler muß mit der Bausparkasse Mainz einen Bauvertrag über 9000 Mark abschließen, den die’ Volksbank Rüsselsheim zwischenfinanziert. Die Zurückzahlung erfolgt in Monatsraten von 52 Mark.

Schlüchtern-Plan als „Modell“

Schlüchtern, 12. November. (Eigener Bericht.) Zu dem im Landkreis Schlüchtern (Reg.-Bez. Wiesbaden) in Angriff genommenen „Schlüchtem-Plan“, der eine individuelle Umsiedlung und Arbeitsbeschaffung für die im Landkreis wohnenden Vertriebenen vorsieht, erklärte Minister Lukaschek unserem Korrespondenten, daß dieser Plan als Modell für ähnliche Maßnahmen im ganzen Bundesgebiet gelten werde.

„Höcchst unermünfkdte Initiatiue“

Die Dienststelle Graf Schwerin tat sehr geheimnisvoll

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da Bonn, 12. November. Pressemeldungen, wonach die Dienststelle Graf Schwerin in ihrer bisherigen Besetzung als „Wirtschaftliche Forschungsstelle“ in Bad Godesberg weiter arbeite, wurden im Bundeskanzleramt kategorisch dementiert. Es wurde erneut bestätigt, daß allen Angehörigen der Dienststelle zum 30. November gekündigt worden ist. Nur vier Angestellte, zu denen aber der frühere Panzergeneral Graf Schwerin nicht gehört, werden voraussichtlich trotz der Kündigung, die auch sie erhalten haben, weiter beschäftigt werden. Ihre Aufgabe wird sich darauf beschränken, den Kanzler als militärische Sachverständige zu beraten, falls in Besprechungen mit den Oberkommissaren Fragen behandelt werden, die das notwendig machen. Von unterrichteter Seite wird erklärt,

daß die „Wirtschaftliche Forschungsstelle“ in Bad Godesberg nichts anderes als die Personalstelle der Dienststelle Graf Schwerin gewesen sei. Es sei ein Hauptfehler dieser Dienststelle gewesen, daß sie sich in geheimnisvoller Weise getarnt habe, was wahrscheinlich damit zusammengehangen habe, daß sie eine höchst unerwünschte Initiative entfaltet habe. So sei den deutschen Vertretern bei der ersten Besprechung mit dem alliierten Sicherheitsausschuß eine Denkschrift des Grafen über die Bewaffnung der Bereitschaftspolizei mitgeteilt worden, die Graf Schwerin ohne Kenntnis des Bundeskanzlers dey Oberkommission zugeleitet habe und in der außer den notwendigen Polizeiwaffen auch Minenwerfer und Panzerwagen angefordert worden seien. Im Bundeskanzleramt habe niemand etwas von diesem Schritt des Grafen Schwerin gewußt.

Gewisse Besorgnisse hat in Bonn eine Information ausgelöst, wonach die deutschen Arbeitsdienstgruppen in der britischen und in der amerikanischen Zone verstärkt werden sollen. In Regierungskreisen glaubt man, daß Dr. Schumacher hiervon bereits unterrichtet war, als er in der außenpolitischen Bundestagsdebatte die Bewaffnung der Arbeitsdienstgruppen kritisierte. „Unter Ausnutzung einer sozialen Notlage“, so sagte Dr. Schumacher im Bundestag, „werden die Angehörigen dieser Arbeitsdienstgruppen in einer paramilitärischen Institution zu Diensten gezwungen, die sie nach ihrem eigenen Willen nicht akzeptieren würden“. Politische Kreise in Bonn machen darauf aufmerksam, daß eine Verstärkung der bewaffneten Arbeitsdienstgruppen eine Oppositionsfront entstehen lassen würde, die von den Sozialdemokraten bis zur äußersten Rechten reichen würde. Der Gedanke, Deutsche unter fremdem Befehl zu bewaffnen, sei für Deutschland nicht tragbar.

Weihnacts-Paketaktion

Pakete für Kriegsgefangene

Hamburg,. 12. November. (AZ.) Die freien Wohlfahrtsverbände haben zu einer Weihnachtspaketaktion für alle deutschen Kriegsgefangenen aufgerufen.

Für Gefangene in westeuropäischen Ländern, sowie in Jugoslawien, Albanien, Polen und der Tschechoslowakei können die Angehörigen Fünf-Kilo-Pakete selbst packen und bei der nächsten Wohlfahrtsorganisation abgeben.

Für die Gefangenen in Rußland sind Standardpakete im Wert von zehn D-Mark vorgesehen, die Schweinefleisch, Fischkonserven, Seife, Tabak, Schokolade und Kondensmilch enthalten. Angehörige müssen den Wohlfahrtsorganisationen zwei mit der letzten Anschrift des Vermißten , versehene Paketadressen zusenden.

Teuerungszuülagen

Frankfurt a. M.. 12. November, (dpa) Die Eisenbahnarbeiter im Bundesgebiet erhalten rückwirkend für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Januar nächsten Jahres eine Teuerungszulage. Sie ist nach Ortslohngruppen gestaffelt und beträgt vier bis 14 Pfennig in der Stunde.

Blohur und Moß darf bauen

Bonn, 12. November, (dpa) Die fast völlig demontierte Hamburger Werft Blohhi und Voß hat die Erlaubnis bekommen Maschinen zu bauen.

Dir neue Bereitschaftspolitei

Bundesinnenminister Dr. Lehr gibt Einzelheiten bekannt

Bonn, 12. November. (PA.) Bundesminister Dr. Lehr teilt in einem der „Welt“ gewährten Interview mit, daß sich die Anwärter für die Bereitschaftspolizei bei den Ländern bewerben müssen. Sie sollen gesund, kräftig und im Alter zwischen 19 und 29 Jahren sein. Außerdem wird eine kleine Zahl von Männern benötigt, die möglichst im Polizeidienst erfahren sind und das Gerüst der Bereitschaftspolizei bilden sollen. Bisher habe er 30 000 Bewerbungen erhalten, die er den zuständigen Ländern zugeleitet habe. Der Minister betont, daß zur Abwehr eines Notstandes, bei dem der Bund nach Artikel 91 des Grundgesetzes den Polizeieinheiten der Länder Befehle erteilen kann, ein Plan erforderlich sei, der für alle möglichen Fälle vorsorgt. Die Arbeiten zu diesem Plan erforderten einen erfahrenen Stab im Bundesinnenministerium. Der Bund habe außerdem einige geeignete Persönlichkeiten auf die Polizeiführerschulen Bad Traunstein und Hannoversch-Münden geschickt, auf denen gegenwärtig Polizeiführungskurse stattfinden.

Dieser Mobilisationsplan soll von dem künftigen Inspekteur des Bundes für die Bereitschaftspolizei aufgestellt werden. Der Inspekteur soll für das Beschaffen aller technischen Einrichtungen verantwortlich sein, die für die Befehlsübermittlung und Beweglichkeit der Bereitschaften notwendig sind. Außerdem ist er für die einheitliche Bekleidung, Besoldung, Bewaffnung und Ausbildung der Bereitschaftspolizei verantwortlich.

Eine Bonner Wachmannschaft wird nach den Worten Lehrs die höchsten Regierungsstellen, die Dienstgebäude und den gesamten parlamentarischen Apparat in der Bundeshauptstadt schützen. Lehr sagte, er beabsichtige, einen Ehrenschutz der Bundeshauptstadt durch die Länder aufzubauen.

Vrotelt gegen Kegierungsentunurf

Stuttgart, 12. November, (dpa) Der Zentralverband der Flieger- und Währungsgeschädigten will am ersten Dezember in allen Ländern der Bundesrepublik Protestkundgebungen gegen den Regierungsentwurf zum Lastenausgleich veranstalten.

Der Verband verlangt baldige Feststellung des Schadenersatzes und der Entschädigungspflicht, Einbeziehung der in Berlin und der Sowjetzone entstandenen Schäden, gleichzeitige und gleiche Entschädigung der Währungsgeschädigten.

In wenigen Zeilen

Der Oberkommandierende der ägyptischen Streitkräfte, General Mohammed Haidar Pascha, ist zurückgetreten.

Einer Volkszählung zufolge hat die jugoslawische Bevölkerung mit 16 250 000 Personen nahezu den Vorkriegsstand erreicht.

Ueber eine Lieferung von 100 000 Ton¬ nen Mehl aus Westdeutschland und Italien an Jugoslawien sind Verhandlungen im Gange.

Bei Abbrucharbeiten in einer Kölner Hauptverkehrsstraße wurden vier Arbeiter getötet.

Zwei Schüler wurden auf dem Gelände des Bahnhofs Schwetzingen von einer Lokomotive erfaßt und auf der Stelle getötet. *

Am Sonntag warteten am Autobahnkontrollpunkt Marienborn 260 Lastwagen aus Westdeutschland auf ihre Abfertigung. *

Die Intendanten der westdeutschen Rundfunksender haben sich mit dei’ Möglichkeit der Einführung des Fernsehfunks in der Bundesrepublik beschäftigt. *

Ein westdeutscher Grenzpolizist ist auf seinem Kontrollgang an der sowjetischen Zonengrenze erschossen worden.

Der „Bund der Frontsoldaten“ (BdF) in Frankfurt wandte sich in einem Aufruf gegen die politischen Parteien und Gewerkschaften mit der Forderung einer „inneren Einigung der Arbeiter und Unternehmer“.

Stimmen der Anderen

Wo bleibt Loraruo?

Zur Erinnerung an den Waffenstillstand von 1918 schreibt der linkssozialistische „Franc Tireur“:

„Die große Illusion des Jahres 1918 erneuerte sich im Jahre 1945 nicht.’Man wartet noch immer auf ein neues Locarno, wo sich die Staatsmänner von Ost und West um einen Tisch versammeln. Man erwartet und wünscht naturgemäß etwas anderes als von Locarno. Kriegerische Paraden finden auf dem Roten Platz in Moskau statt. Die Nationen machen riesenhafte Anstrengungen zur Wiederaufrüstung. Die Zukunft ist dunkel. Die Erinnerung ist reich an Lehren. Der Frieden, ein dauerhafter Frieden kann nur in einer freien Welt bestehen, in der es keine alten Vorurteile und Ungerechtigkeiten mehr gibt. Aber eine erste Etappe erscheint uns möglich — Europa. An diesem 11. November 1950 begrüßen wir diese neue Hoffnung für unseren alten Kontinent.“

Pieyerkonferenz

Die britische Wochenzeitschrift „Economist“ schreibt zu dem sowjetischen Vorschlag für eine neue Viererkonferenz:

Eine solche Konferenz könnte der erste

Schritt zur Regelung der Deutschlandfrage sein. Nur müsse Bundeskanzler Dr. Adenauer an Stelle des sowjetischen stellvertretenden Ministerpräsidenten Molotow der vierte Mann am Konferenztisch sein. „Die Russen haben wesentlich deutlicher als der Westen erkannt, daß Deutschland das entscheidende Schlachtfeld ist“, schreibt die Zeitschrift. Die Seite, die tatsächlich Deutschlands Unterstützung gewinnt, wird

in der Lage sein, Europa zu kontrollieren.“ Der „Economist“ verlangt eine Revision der Deutschlandpolitik der Westmächte unter dem Gesichtspunkt, daß die Bundesrepublik in das westliche Verteidigungssystem aufgenommen werden muß.

„Seit 1945 gab es nur eine gesunde Grundlage für die Deutschlandpolitik. Die Westmächte hätten eine sehr kurze Liste von Beschränkungen und Forderungen für Deutschland ausarbeiten müssen. Wäre diese Liste einmal fertiggestellt und tatsächlich aus das Wesentliche begrenzt, dann müßten alle anderen Beschränkungen, die Deutschland in der Waffenstillstandsperiode auferlegt wurden, schrittweise beseitigt werden, und zwar früh genug, damit die Westmächte einige Früchte von dieser Maß-

nahme ernten könnten. Es steht nicht zur Diskussion, ob solche Dinge wie Demontagen und Handelsdiskriminierungen beseitigt werden. Die einzige Frage ist, ob die Umstände ihrer Beseitigung den Anhängern des Westens in Deutschland helfen werden oder aber den Anstiftern von Klagen gegen den Westen Gelegenheit zu Triumphen geben.“

Neue Säubrerungswelle

Berlin, 12. November. (AP.) Ein Drittel der leitenden Beamten der Reichsbahndirektion Magdeburg, darunter der Präsident und Vizepräsident, sind kürzlich vom sowjetzonalen Staatssicherheitsdienst festgenommen worden. Ihre Festnahme ist im Zuge einer Säuberung der „zweiten Garnitur“ des Funktionärkörpers der Sozialistischen Einheitspartei erfolgt.

Hölle woist Dein Sigg?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beitn Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

62) Er hielt den Kopf zur Seite geneigt, sein Profil, sich gleich einer Silhouette vom Lampenschirm abhebend, erinnerte sie an etwas. Da fiel es ihr ein: er hätte das Modell für den Mönchskopf auf der Kamee sein können — da war dieselbe blasse Strenge der Züge, als habe sich das Fleisch zu der gleichen steinernen Unpersönlichkeit verhärtet. Ihr Widerwille gegen dieses Schmuckstück konnte fast prophetisch genannt werden. Hätte er einen Totenschädel in der Hand gehalten, wäre die Aehnlichkeit vollkommen gewesen.

So versunken war sie in ihrer Betrachtung, daß es sie Mühe kostete, sich von dem Profil des Abbes abzuwenden und ihre Aufmerksamkeit auf die Worte des Marschalls zu konzentrieren.

„Sie wissen, Mademoiselle, weshalb wir Sie haben rufen lassen? Sie haben doch die Zeitungen gelesen?“

„Ja, ich habe genug gelesen. Dieselben bösartigen Lügen wie vorher auch!“

„Wohl möglich, daß es Lügen sind“, erwiderte er und tauschte einen bedeutsamen Blick mit dem Abbe, „aber diesmal sind sie zu weit gegangen. Wir dürfen uns diese Beleidigungen nicht mehr ruhig gefallen lassen."

„Ich freue mich, daß Sie ,wir* sagen. Monsieur; und ich hoffe, daß ich das so verstehen darf, daß Sie auch für

meine Lage Verständnis auf bringen wollen.“

„Die Lage ist durch Sie für uns alle unerträglich geworden.“ Seine tiefliegenden Augen funkelten drohend. Der Abbe und ich sind uns darüber einig, daß es nur noch einen Ausweg gibt: Sie müssen dieses Haus unverzüglich verlassen.“

Totenstille herrschte im Zimmer — die Stille, die einem Donnerschlag folgt. Henriettes Herz klopfte zum Zerspringen, obwohl sie sich am ganzen Körper wie gelähmt fühlte.

„Einen Augenblick bitte!“ Endlich fand sie ihre Stimme wieder. „Darf ich Sie daran erinnern, Monsieur, daß ich schon damals freiwillig dieses Haus verlassen wollte, bevor die Dinge sich so zugespitzt hatten. Aber immer wieder wurde ich überredet zu bleiben. Vor zwei Jahren in Korsika waren Sie es selbst, der darauf bestand. Sie meinten damals, auf diese Weise würden wir am sichersten allen Gerüchten entgegentreten.“

„Offenbar habe ich mich eben geirrt. Diese Gerüchte, wie Sie sie nennen, haben eine beängstigend große Verbreitung gefunden.“

„Aber Sie wissen doch ebensogut wie ich, Monsieur, und der Herr Abbe muß das auch wissen, daß meine Entlassung zu diesem Zeitpunkt mich in ein falsches Licht setzt.“

„Mademoiselle, es gibt andere, an die wir zuerst denken müssen.“ Der Abbe sprach jetzt. Er beugte sich etwas vor, und seine langen, farblosen Hände lagen wie durchsichtiges Pergament auf seinem schwarzen Gewand. „Ich bin hier in meiner Eigenschaft als Beichtvater einer liebevollen, frommen, aufopfernden Mutter — einer Frau, die grausame Qualen erlitten hat, seit Sie ihr Haus betraten.“

„Ich habe auch leiden müssen.“ Henriette klammerte sich. Halt suchend, an die Stuhllehne. Sie wußte, es hatte keinen Zweck mehr. Widerstand zu leisten; aber sie war entschlossen, mit fliegenden Fahnen unterzugehen. „Sechs Jahre lang habe ich es entbehren müssen, mit Achtung und Rücksichtnahme behandelt zu werden, außer vom Herzog und den Kindern. Meine Ergebenheit ist in etwas Häßliches und Unrechtes verdreht worden. Auf Schritt und Tritt wurde ich bespitzelt; alle meine Worte und Handlungen wurden verdächtigt und verleumdet. bis ich schließlich fast an die Grenze dessen getrieben worden bin. was ein Mensch ertragen kann.“

„Sie haben recht, Mademoiselle", entgegnete der Abbe mit einem sarkastischen Ton, „ich habe mich oft über Ihre Ausdauer gewundert. Diese Eigenschaft Wird Ihnen zweifellos in Ihrer nächsten Stellung zustatten kommen. Aber ich bin leider weniger an Ihrem Kummer als an dem Wohlergehen der Herzogin interessiert. Ich kann nicht mehr länger untätig zusehen, wie sie in ihrem Haus zur Fremden gemacht und von jenen in Acht und Bann getan wird, die sie liebt und mit denen sie durch die heiligsten Bande verknüpft ist.“

„Die heiligen Bande in Ehren; aber sie können doch nicht die Liebe, die aus Zuneigung und Vertrauen entsteht, ersetzen. Wir können uns nicht die Liebe anderer erzwingen; wir müssen sie uns verdienen, so wie wir uns auch das Recht verdienen müssen zu lieben. Die Herzogin tut mir herzlich leid. Ich habe mich aufrichtig bemüht, ihr zugute zu halten, daß sie kränkelt und so leicht erregbar ist; und ich will mir auch jetzt kein Urteil über sie erlauben; aber wenn sie in ihrem eigenen Heim eine Fremde geworden ist, wie Sie sagen, dann liegt das doch nur an ihr selbst. Ihre eigenen unberechenbaren Launen haben die Gefängnismauern um sie gebaut, die ihre Lieben von ihr fernhalten.“

„Mademoiselle, wir sind nicht dazu hier, um uns über Charaktere zu unterhalten. Sie besitzen viele gute Eigenschaften; aber Bescheidenheit scheint mir nicht darunter zu sein."

„Bescheidenheit an sich hilft einem nicht _ weiter, wenn man sich allein durch’s Leben schlagen muß.“ Henriette empörte sich dagegen, einfach so beiseitegeschoben zu werden wie eine Fliege, die man sich von der Stirn scheut.

„Wie dem auch sein mag“, fuhr der Abbe eisig fort, „der Marschall und ich wünschen nicht, daß Sie noch länger im Hause bleiben.“

„Ja, ja. wir müssen nüchtern denken“, fiel der aftdere hastig ein. „Es handelt sich ja nicht nur um das Leid meiner Tochter und die Demütigung dieses letzten Skandals, sondern auch um den Herzog, der jetzt im öffentlichen Leben steht. Solche Affären können sogar auf den König und den Hof zurückwirken. Eine Wiederholung würde sehr ernste Folgen zeitigen, und wir müssen an die Zukunft denken."

„Ich muß auch an meine Zukunft denken. Ob der Hof davon betroffen wird oder nicht ich werde ganz gewiß am schwersten davon betroffen." „Zweifellos, Mademoiselle." Ihre Ironie war an den Marschall verschwendet, doch nicht, hoffte sie, an den Abbe. „Das meinte ich ja gerade — wir müssen ganz sachlich denken, und selbstverständlich werde ich dafür sorgen, daß Sie wirtschaftlich keinen Schaden erleiden.“

„Aber was für Aussichten bleiben mir denn noch, Monsieur? Ich brauche Sie wohl kaum darauf hinzuweisen, daß meine Entlassung unter diesen Umständen es mir unmöglich machen wird, eine neue Stellung in Frankreich zu finden.“

„Eben. Daher wird es für Sie das beste sein, nach England zu gehen, wo Sie ja, ■wie ich hörte, einflußreiche Freunde besitzen. Denen sollte es doch gewiß nicht schwerfallen, einen angemesseneren Posten für Sie zu finden, als es Ihnen in Paris möglich sein würde. Wir sind der Meinung, daß dies der vernünftigste Plan ist. und ich bin durchaus bereit, Sie geldlich zu unterstützen, wenn Sie damit einverstanden sind.“

„Ach so, ich soll also aus dem Land gewiesen werden wie irgendein unerwünschtes Element. Nein, ich danke Ihnen, Monsieur, Sie haben das Recht, mich aus Ihrem Hause zu weisen; aber nicht aus Frankreich.“

„Warten Sie", unterbrach sie der Marschall, dessen Gesicht sich bei ihren Worten blutrot gefärbt hatte. „Hören Sie mich zu Ende an. In Anbetracht Ihrer Verdienste um meine Enkelkinder bin ich gewillt. Sie mit einer Rente vor jeder Not zu schützen.“

_ „Bitte, mißverstehen Sie mich nicht", fiel Henriette ein, „ich habe das Gespräch nicht auf das Geldthema gebracht!“

„Wir dürfen es aber nicht außer acht lassen, Mademoiselle. Wenn ich recht unterrichtet bin, dann gehen Sie, wenn Sie uns jetzt verlassen, der Rente verlustig, die der Herzog Ihnen zusagte, falls Sie bis zur Verheiratung der beiden älteren Mädchen hierbleiben.“ (Fortsetzung folgt)

Darmstaat und Umgebung

Palakeruolution

HFL. Bei der am vergangenen Freitag erfolgten Darmstädter Erstaufführung des Filmes „Ekstase“ haben sich laut Zeitungsmeldungen eine Reihe von Studenten an einem Tumult im Zuschauersaal beteiligt. Darüber hinaus versuchten sie nach der Vorstellung am Eingang weiteren Besuchern den Zutritt zum Kino zu verwehren.

Man kann zu diesem Film Stellung nehmen wie man will. Man kann ihn begrüßen oder ablehnen, man kann diese oder jene Leistung anerkennen oder verwerfen, es handelt sich hier um Geschmacksdinge, die keiner festen Norm unterworfen sind. Was man aber nicht tun darf, das ist das, was einige Studenten in jugendlichem Tatendrang versuchten, — Unduldsamkeit zu zeigen. Selbst bei größter Voreingenommenheit wird niemand sagen können, daß dieser Film, das sittliche oder gar ästhetische Gefühl des Menschen verletzt habe. Keiner, der auf erotische Sensationen aus war, wird auf seine Kosten gekommen sein. Und niemand wird ernstlich behaupten können, daß er an der Darstellung einer unbekleideten Frau Anstoß genommen hat.

Was also kann die Studenten bewogen haben, ihrer Mißstimmung solcherart Ausdruck: verliehen zu haben? War es etwa die Enttäuschung über den Film, der nicht versprach, was sie sich erhofft hatten? War es der Unmut über eine unverantwortliche Reklame, die diesen Film zur Sensation aufbauschte, die ein sexuelles Aufklärungswerk ankündigte, das seinesgleichen suchte, und dabei nur eine, zwar ausgezeichnet photographierte, uralte menschliche Problematik wiedergab, die darstellerisch mit den heutigen Maßstäben gar nicht mehr zu vergleichen ist?

Es ist an sich völlig unerheblich, welcherart die Gründe gewesen sein mögen, die einige junge Menschen zu lauten, Mißfallskundgebungen veranlaßt haben. Was viel ernster zu werten ist, ist die Tatsache, daß sich heute wieder Strömungen bemerkbar machen, die denen des vergangenen Regims sehr ähnlich sind. Wenn wir damit beginnen, Filme auszupfeifen, die uns aus irgendeinem Grunde nicht gefallen, dann sind wir auf dem besten Wege, die Bücherverbrennungen und andere Taten heraufzubeschwören, die den Untergang einer freiheitlichen Gesinnung und Erziehung unserer Generation ausmachen würden. Demokratie liegt in der Aufgabe, Gleichberechtigung und Verständnis auch da walten zu lassen, wo wir uns als einzelne nicht mit den Verhältnissen identifizieren können.

Einen eigenen Standpunkt haben, heißt noch lange nicht, die Ansicht des Nachbars zu verdammen, um aus der individuellen Anschauung ein heilbringendes Dogma zu verkünden.

Yersammlung des Yerwaltungsrduluerbandes

Die Verbandsversammlung des Hessischen Vcrwaltungsschulverbandes, dem das Land Hessen, die Bezirkskommunalverbände, die Stadtkreise, die Landkreise, der Hessische Sparkassen- und Giroverband und die Träger der Sozialversicherung angehören, fand in diesen Tagen unter Leitung des Verbandsvorstehers, Oberbürgermeister Ludwig Metzger, in Darmstadt statt.

Nach Ablauf ihrer Wahlzeit wurden wiedergewählt: Oberbürgermeister Ludwig Metzger als Verbandsvorsteher, Staatssekretär Dr. Bach als 1. Stellvertreter und Stadtrat Ludwig Schrauth als 2. Stellvertreter für die Führung der laufenden Geschäfte des Verbandsvorstehers.

Den Geschäftsbericht erstattete der Schulleiter, Ministerialrat Rohrbach, Wiesbaden. Er gibt Auskunft über die umfangreiche Ausbildungs- und Prüfungstätigkeit der Verwaltungsseminare Darmstadt mit den Außenlehrgängen

in Bensheim und Groß-Gerau, Frankfurt a. M. mit den Außenlehrgängen in Offenbach, Friedberg, Bad Nauheim, Hanau und Gelnhausen, Kassel mit den Seminarabteilungen Bebra (Internat), Fulda, Marburg (mit Unterabteilung Wabern), Korbach und Wiesbaden mit Wetzlar sowie Limburg, Usingen, Dillenburg und Rüdesheim.

Es liefen am 31. März 1950 Lehrgänge für Dienstanfänger, Sekretäre, Inspektoren, für Sparkassenanwärter (I und II) Fortbildungslehrgänge und Sonderlehrgänge in Darmstadt 10, in Frankfurt a. M. 19, in Kassel 29 und in Wiesbaden 10. Es wurden im Schuljahr 1949/50 eine ganze Anzahl Abschlußprüfungen abgehalten, an denen insgesamt 1116 Prüflinge teilnahmen. Unterrichtet wurden in dem Schuljahr 1949/50 in Darmstadt 310, in Frankfurt a. M. 513, in Kassel 678 und in Wiesbaden 369 Teilnehmer.

Das Durchschnittsalter der Prüflinge lag zwischen 20 und 35,5 Jahren. Die Jüngsten waren 17 Jahre alt und unter den Aeltesten befanden sich Leute im Alter von 52 Jahren. Die Erfolge der Schulungen und Ergebnisse der Prüfungen waren im allgemeinen zufriedenstellend.

Nach Abhören der Jahresrechnungen und nach Genehmigung der Haushaltspläne schloß der Vorsitzende die anregend verlaufene Versammlung mit dem Dank an die Lehrkräfte, die mit wenigen Ausnahmen nebenamtlich tätig sind, für ihre Hingabe im Dienste der Schulung des Beamtennachwuchses.

Die Versammlung sprach dem Verbandsvorsteher, Oberbürgermeister Metzger, dem geschäftsführenden Vorsitzenden, Stadtrat Schrauth und seinem Mitarbeiter, Stadtoberinspektor Bernhard, Anerkennung und Dank für ihre Mühewaltung aus.

Der ungeirenr Briefträger

Wegen schwerer Amtsunterschlagung und Verletzung des Postgeheimnisses wurde der 38jährige Briefträger Georg E. aus Darm-, Stadt vom Bezirksschöffengericht am Wochenende zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Um die Weihnachtszeit des vergangenen Jahres hatte er Päckchen mit nach Hause genommen, dort geöffnet, einen Teil des Inhaltes herausgenommen und neu verschnürt an den Empfänger weitergeleitet. Nebenbei unterschlug er noch 60 DM Zeitungsgelder. Seine geschiedene Ehefrau, die damals mithalf, erhielt wegen Hehlerei eine Geldstrafe. Im Laufe eines Streites mit ihrem Manne meldete sie später die Angelegenheit bei der Post. Dort waren keinerlei Verlustmeldungen eingegangen. wst.

Jmmer wieder!

Weil er an einem Mädchen unter vierzehn Jahren unzüchtige Handlungen vornahm und das Kind zur Duldung verleitete, erhielt der 24jährige Lagerarbeiter Helmut R. aus Darmstadt von der Dritten Strafkammer beim Landgericht Darmstadt eine Gefängnisstrafe von einem Jahr drei Monaten. Ein Zeuge hatte von seinem Arbeitsplatz aus das schändliche Treiben des Mannes bemerkt und diesen daraufhin der Polizei gemeldet. wst.

26, Unfall kei Kilometer 512

Am Sonntag ereignete sich bei Kilometer 512 ein Verkehrsunfall, als ein Personenwagen mit Anhänger, der von Darmstadt nach Frankfurt fuhr, die Absperrung bei Kilometer 512 durchfuhr. Es entstand Sachschaden.

Fenerwehrball in Gherstadt

„Wir dürfen keinen Festball mehr halten, weil es dann jedesmal brennt“, so sagten die am Samstagabend in der Turnhalle mit ihren Frauen feiernden Eberstädter Wehrmänner. Während sie im vorigen Jahr just an diesem Tag einen Brand in Eberstadt löschen mußten, waren sie diesmal gerade von einer Brandstelle in Malchen, wo eine Scheuer niedergebrannt war, gekommen. Aber nachdem Kommandant Geibel in herzlichen Worten die Begrüßungsansprache gehalten hatte und alle bei den Klängen der Bensheimer Feuerwehrkapelle und rheinhessischem Wein tüchtig in Schwung kamen, sah es keinesfalls so aus, als ob die Eberstädter ihren traditionellen Feuerwehrball in Zukunft von ihrem Programm streichen wollten. In froher Stimmung blieben sie bis zum Morgen zusammen. t-s

Der Part ist ab

Mit Faust und Gretchen wurde es nichts, weil Faust ewig unrasiert erschien und dämonische Reden bevorzugte. Und wenn Rasputin den elektrischen Philips-Rasierapparat Type „Weiß'* benutzt hätte, wäre vielleicht viel Unglück verhindert worden.

Im Weinrestaurant Stolzenfels in der Frankfurter Straße zeigen drei Herren die Vorteile elektrischen Rasierens und Herr Hannemann, der Leiter der Sonderschau, erzählt von Erfahrungen und Erlebnissen.

In München brachte ein dankbar der Bartflechte enthobener Herr drei große Apothekerschachteln, die die Haare von 10 Jahren enthielten. Dieses borstige Geschenk sollte den Dank für 10jährige, ununterbrochene angenehme Rasur mit demselben Messer darstellen. Durch gegensätzliche Materialhärte— der Scherkopf ist aus Chrom-Nickel und das sechsschneidige Messer aus Silberstahl — kann die Schneidefläche nie stumpf werden;

Falls Sie ohne schmerzverzerrtes Gesicht in Zukunft vor dem Spiegel stehen wollen, wird man Ihnen noch bis zum heutigen Abend den Beweis für die verschwundene Qual antreten. Der Bart ist ab! — Wie vom Winde verweht. Sg. /

„Waldi“ auf Spurenfuche

Schweißsuchprüfung des Teckelklubs

Der Deutsche Teckelklub 1888, Ortsgruppe Darmstadt, veranstaltete am Sonntagvormittag für seine Mitglieder eine offene Schweißprüfung auf Kunstfährte mit natürlichem Wildschweiß.

Unter Leitung des Vorsitzenden der Darmstädter Ortsgruppe, Herrn Johann Schnellbacher, wurde die Prüfung auf einer etwa 600 Meter langen Fährte vorgenommen. Jeweils drei Hunde wurden auf die Spur angesetzt. Das feuchte Wetter begünstigte die Prüfung, da sich die Schweißfährte, die mit Wildblut gelegt war, besonders gut hielt. Als Zuschauer waren der Regierungsjägermeister Dörr und Herr Hofmann von der Interessengemeinschaft Kynologischer Organisationen im Stadt- und Landkreis Darmstadt sowie der Präsident des Darmstädter Jägdklubs, Dr. Dahlem, anwesend. Für die Preisverteilung hatten bekannte Darmstädter Geschäfte Geschenke gestiftet. Den ersten Preis erhielt „Anuschka von der Wasserschaft“, ein Langhaardackel im Besitz von Werner Thiemann. Den zweiten Preis erhielten die beiden Rauhhaardackel „Wicht vom Heubachtal“, Besitzer Hans Hermann, Mannheim und „Hansel vom Moosberg“, Besitzer Jakob Wambold, Darmstadt, zuerkannt. -st.

Die Stirafe blieb nicht aus

Arheilger Geschehnisse 1933 und 1938 Gegenstand einer Schwurgerichtsverhandlung — Dreieinhalb Jahre Gefängnis für Ludwig B.

Nach zweitägiger Verhandlung und einem Lokaltermin in Arheilgen verhängte das Schwurgericht Darmstadt am Samstag gegen den 39jährigen, vorbestraften Ludwig B. wegen versuchter Nötigung im Amt und schweren Landfriedensbruchs dreieinhalb Jahre Gefängnis. Die fünfmonatige Untersuchungshaft wurde angerechnet. Der Staatsanwalt hatte auf versuchten Totschlags plädiert und 4 Jahre Zuchthaus sowie 5 Jahre Ehrverlust beantragt.

Aus Furcht vor einer Bestrafung wagte es B. nach Kriegsende nicht, nach Hause zurückzukehren. Er wurde im Mai 1950 verhaftet, als er heimlich nachts nach Arheilgen gekommen war.

B. gehörte einem SA-Trupp, der in der Nacht zum 7. März 1933 zum Anwesen des SPD-Funktionärs Nikolaus zog, um diesen unter dem Vorwand einer Waffenbeschlagnahme zu schikanieren. B. gab einen Karabinerschuß ab, schlug die Fensterläden ein und' feuerte eine Pistolenkugel ins Wohnzimmer. Bei der wüsten Knallerei, bei der andere mithalfen, wurde ein SA-Mann durch einen Querschläger verwundet, worauf die „wilde Horde“ abzog. Der SPD-Funktionär wurde noch am gleichen Tage verhaftet und in bewußter Tatsachenverdrehung beschuldigt, er habe den betreffenden SA-Mann angeschossen.

8., im wesentlichen offen und geständig, Erregte durch seine „soldattischen“ Ausdrücke und Bewegungen Heiterkeit im Gerichtssaal. Er weigerte sich die Namen seiner Komplizen zu nennen und meinte, „nur in Hessen würden solche Verbrechen noch verknackt“. In seinem Schlußwort bat er nicht um Gnade, sondern um eine Strafe, die „ihm die Wehrwürdigkeit erhalte“.

In der Verhandlung herrschte zuweilen eine erregte Atmosphäre. Es kam mehrfach zu Kontroversen, in deren Verlauf der Anwalt sogar einmal drohte, „er werde seine Verteidigung niederlegen, wenn man ihn weiterhin in seiner Funktion beschränke“. Zwischen ihm und dem Zeugen Nikolaus entspann sich ein agressiver Wortwechsel.

Landgerichtsdirektor Hahn widersprach in seiner Begründung der Auffassung, daß die Taten des Angeklagten ..Bagatellverbrechen“ seien. Es handele sich vielmehr um schwerwiegende Delikte, die eine harte Strafe verdienten. Wenn auch der Fall 1933 nahe an Totschlagversuch grenze, so fehle doch der einwandfreie Nachweis der Vorsätzlichkeit des Angeklagten. Als Hilfspolizist habe B. jedoch maßlos die Grenzen seiner Befugnis überschritten. wst.

Kurze Meldungen aus der Stadt

Zu einem Verkehrsunfall auf dem Marienplatz kam es gestern morgen, als ein aus der Tankstelle ausfahrender amerikanischer Pkw. gegen einen .durch die Neckarstraße fahrenden Personenwagen stieß. An beiden Fahrzeugen gab es Sachschaden. *

Zu einem Zusammenstoß zwischen zwei Personenwagen kam es gestern mittag auf der Kreuzung der Hindenburgallee und Eschollbrücker Straße. An den Fahrzeugen entstand ein Sachschaden von etwa 500 DM. *

Einen bunten Abend mit Tanz für die Jugend veranstaltete am Sonntag die katholische Pfarrei St. Liebfrauen im Martinssaal in der Klappacher Straße, t-s

Die Industrie-Gewerkschaft Chemie, Papier und Keramik, Eberstadt, hielt im Gasthaus „Zur Rose“ eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Der Geschäftsführer der Verwaltungsstelle Darmstadt, Herr Sievers, berichtete in einem lebendigen Vortrag ausführlich über den Münchner Verbandstag und den Fuldaer Bezirkstag. Anschließend fand eine Aussprache statt. t-s

Die Interessengemeinschaft Kynologi¬ scher Organisationen im Stadt- und Landkreis Darmstadt hält am Freitag, dem 24. November, um 20 Uhr, im Hotel Knauf eine Versammlung ab, auf der wichtige Fragen auf der Tagesordnung stehen. -st

Der Bund für Vogelschutz, Gruppe Darmstadt, veranstaltet heute, Montag, einen Vortragabend, bei dem Ö. Schäfer, Darmstadt, einen Vortrag mit Farbfilm „Aus der Heimatnatur“ bringen wird. Die Veranstaltung findet um 18 Uhr im Stadthaus, Lagerhausstraße, Saal 209, statt. *

Ueber die Zoologische Station Neapel wird am Mittwoch, dem 15. November, um 17.15 Uhr, in Saal 163 der Technischen Hochschule Professor Dr. W. E. An k e 1 einen Vortrag mit Lichtbildern halten. *

Einen Einführungsvortrag in die Oper „Troubadour“ hält heute, Montagabend, im Rahmen der Volkshochschule Musikpädagoge Alfred Paetsch im Saal 202 der Technischen Hochschule um 20 Uhr.

Die Wintervortragsreihe des Deutschen Alpenverein, Sektion Darmstadt, wird am Donnerstag, dem 16. November, um 19.30 Uhr, im Zintl-Hörsaal der T. H. durch einen Lichtbildervortrag des Alpen- Lichtbildners Ernst Baumann, Bad Reichenhall, über das Thema „Berchtesgadener Land, Land Salzburg und Tirol im Wechsel der Jahreszeiten“ eröffnet. *

In der Künstler-Weihnachtsmesse im Landesmuseum wird auch in diesem Jahre der Hessische Kunstverein den bildenden Künstlern Darmstadts und der näheren Umgebung Gelegenheit geben, gute und preiswerte Werke — Bilder, Plastiken, Graphik — vor Weihnachten zu zeigen. Die Künstler sind aufgefordert, bis zu 5 Arbeiten zur Begutachtung durch eine Jury einzuliefern. Die Annahme erfolgt am Montag, dem 27. November, von 9 bis 17 Uhr im Landesmuseum. Die Messe findet vom 3. bis 23. Dezember statt. *

Wie wird das Wetter?

Weiter unbeständig

Vorhersage: Am Montag meist stärker bewölkt und einzelne Regenfälle. Mittagstemperaturen um 10 Grad, Tiefsttemperaturen nachts über 5 Grad, auffrischende südwestliche bis westliche Winde.



Wohin gehen wir heŭte?

Landestheater, Orangerie: 19.00 „Don Carlos“, Ende 23.00 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Lied des Orients; Thalia: „Jetzt schlägts 13“ i Belida: „Die Stunde der Vergeltung“; Palast: „Ekstase“; Hansa: „Tarzan und die Amazonen“. Amerikahaus: 19.30 Vortrag des amerikanischen Komponisten Everett Helm über „Darius Milhaud“; 15—17.30: Musikprogramm: „Alte Meister“; 14.30 und 17 Uhr Filmprogramm. Volkshochschule: 19.30: Technische Hochschule. R. 202, Musikpädagoge A. W. Paetsch: „Einführung in die Oper .Troubadour“1. Ev. Akademie: 19.30 Pauluskirchensaal, Dozent Lic. Sucker (Bensh.): „Das Mariendogma in der Geschichte der Kirche“. Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3a: 10 bis 18 Uhr: Ausstellung „Gesundes Leben“. Bund für Vogelschutz: 18.00 Uhr im Stadthaus, Saal 209, O. Schäfer, Darmstadt: Vortrag mit Farbfilm „Aus der Heimatnatur“. Kulturfilmveranstaltung: 20.00 Uhr, Eberstadt, Freischar.

Starkenburg meldet

Heppenheims Richtfest von 36 Wohnungen

Mit größtem Interesse verfolgten Heppenheims Einwohner das rasche Fortschreiten des am 10. August 1950 begonnenen Baues von zwei Wohnblocks. Sie umfassen je 12 Zweizimmerwohnungen mit Küche und Bad und 6 Einzimmerwohnungen, ebenfalls mit Küche und Bad. Somit kommen in absehbarer Zeit 36 Familien in den Besitz gesunder und hygienischer Wohnräume. .

Die Erstellung eines weiteren Blocks *mit 18 Wohnungen ist von der Stadtverwaltung geplant und soll gegebenenfalls noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden. Dank der vorzüglichen Leitung durch Stadtbaumeister Henkes und des freudigen Einsatzes der Arbeiterschaft mit ihren Handwerksmeistern konnte bereits das Richtfest im Winzerkeller gefeiert werden. _

Nach dem Richtspruch eines Maurers ergriff Bürgermeister Holzamer das Wort Er dankte allen am Bau Beschäftigten für ihren Fleiß, der den Bau vor Eintritt der kalten und nassen Jahreszeit SerDach gebracht habe Bei kräftigem Imbiß und Bergsträßer „Woi“ nahm die Frier einen fröhlichen Verlauf. erh

Gewerbeverein in Groß-Gerau

Auf eine Anregung von Bürgermeister Dr. Lüdecke wurde am Freitag im Hotel „Adler“ in Groß-Gerau ein Ortsgewerbeverein gegründet. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Mechanikermeister Fritz Walter, zum 2. Vorsitzenden Karosseriemeister Adam Krämer gewählt. Das Amt des Schriftführers wurde Frau Kuppinger, das des Kassierers Herrn Christoph Gescheidle übertragen. Die Versammlung stimmte einstimmig einem Antrag zu, nach dem der Vorsitzende des früheren Ortsgewerbevereins, Altmeister Dasbach zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.

Heute werden sich die einzelnen Ortsgewerbevereine in Gernsheim zur Bildung eines Kreisgewerbevereins zusammenflnden. kr.-

Bundesinnenminister in Erbach

Am kommenden Mittwoch wird um 19 Uhr Bundesinnenminister Dr. Robert L e h r im Saale der Gastwirtschaft „Zum Hirsch“ in Erbach auf einer Wahlkundgebung der CDU sprechen. -ch

Spezialisten für Ladenkassen

In Steinbruch wurde innerhalb weniger Wochen zum zweiten Male ein Ladenkassendiebstahl festgestellt. Es sind keinerlei Anhaltspunkte da, die auf den Täter schließen lassen. Diesmal wurde der Gast- und Landwirt Adam Gölz Opfer des dreisten Diebstahls, dem der gesamte Kasseninhalt von rund 100 DM zum Opfer fiel. -ch

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LANE

Jugenheim. Marie Fröhlich zeigt am Mittwoch um 20 Uhr im kleinen Hörsaal des Ed. Serv. Center Lichtbilder über Rubens und seine Werke. — Am Donnerstag hält Frau Klose-Roger im oberen Vorführsaal des Ed. Serv. Center einen Lichtbildervortrag über Oberitalien. hl.

DIEBURG

Babenhausen. Landrat R i t z e r t spricht heute, um 20.30 Uhr, im Gasthof Micheisbräu in einer öffentlichen Wählerversammlung der CDU. NB

Babenhausen. Der Beginn des diesjährigen Lehrgangs für erste Hilfe der Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes wurde auf heute, 20 Uhr, im Uebungslokal der Berufsschule an der Kirche

festgesetzt. NB Reinheim. Im vollbesetzten Saale des Gasthauses „Zur Burg Breuberg“ fand unter Leitung des Dirigenten Richard Herbert ein Konzert des Herbertschen Männerchors „Eintracht“, Höchst, statt.

BERGSTRASSE

Lorsch. Durch Unfug zweier „Privatrennfahrer“ kam es fast zu einem Verkehrsunfall, als plötzlich ein Volkswagen aus Frankfurt an dieser „Rennstrecke“ vorbeifuhr und nur noch im letzten Augenblick nach links ausbiegen und abbremsen konnte. Der Pkw-Fahrer erstattete bei der Polizeistelle Anzeige, nachdem er die Personalien festgestellt hatte. el.

GROSS-GERAU

Trebur. Der Verband der Körperbeschädigten und Kriegshinterbliebenen beabsichtigt, in Kürze einen Unterhaltungsabend zu veranstalten. An Weihnachten will die Ortsgruppe wieder wie im Vorjahre den Waisenkindern und Kriegerwitwen helfend zur Seite stehen.

„Grüß Gott mit hellem Klang“

Klassische Musik und Volkslieder in Traisa

Die Gesangsabteilung der Kultur- und Sportgemeinde Traisa veranstaltete am Samstagabend im Saale Scheerer ihr zweites Konzert in diesem Jahre.

Auf der mit Herbstlaub geschmückten Bühne gab der Chor nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden Kredel, den Auftakt des Festes.

In schöner Reihe folgten Chöre von Schumann, Weber und Beethoven, unterbrochen von zwei Sololiedern, gesungen von Georgie May (Sopran) und dem Andante con moto aus dem Streichquartett d-moll von Schubert, gespielt von Paula Mulder, Fiermann Boss a r t, Konrad Winkler und Paul Tilling.

Nach dem Opferlied von Beethoven sprach der Bezirksvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Sängerbundes, D e n - necke, über die Freude und Lebendigkeit, die der Chorgesang zu geben vermag. Er überbrachte die Grüße des Allgemeinen Deutschen Sängerbundes und nahm die Ehrung verdienter Sänger vor. 16 Sänger, die 25 Jahre ihrem Vereine treu waren, und 5, die 40 Jahre lang des Singens trotz Not und Sorge nicht müde wurden, erhielten Ehrenauszeichnungen. Zwei waren sogar zugegen, die über 50 Jahre in den Reihen des Bundes standen, Philipp Held und Friedrich Fischer. Sie wurden mit Bundesdiplom und der goldenen Nadel ausgezeichnet.

Nach der Pause kamen Chöre im Volkston zum Vortrag, und das Quartett spielte zwei Sätze aus dem F-dur-Quartett von Dvorak. Mit dem immer wieder gern gehörten Chor „Muß i denn, muß i denn“, der wiederholt werden mußte, schloß das Programm ab.

Chorleiter Wilhelm Poth hatte mit den Männern und Knaben gute Leistun-

gen erarbeitet, die viel Freude brachten. Schlicht, mit müheloser Tongebung, warm und klar sang Frau May ihre Lieder, und das Quartett trug die Stücke ausdrucksvoll und mit Liebe zum Werk vor. Die große Zuhörerschaft dankte mit herzlichem Applaus und war stolz, daß die schönen Darbietungen aus der eigenen Dorfgemeinschaft gestaltet worden waren. Di

„Odenwälder Liesl“ auf Abwegen

Das „Odenwaldliesl“ des Autobusbetriebs H. Hüb b e in Höchst, das den Pendelverkehr . zwischen Höchst, Neustadt und Breitenbrunn unterhält, kam bei Breitenbrunn von der Straße ab und stürzte die Böschung hinunter, wobei sich der Wagen überschlug. Zum Glück befanden sich nur 3 Insassen im Omnibus, die mit leichteren Verletzungen davonkamen. -ch

„Der eingebildete Kranke“

Die Laienspielgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten und -hinterbliebenen von Heppenheim veranstaltete in der Stadthalle unter Leitung von Karl Ott einen erfolgreichen Theaterabend. Die jungen Kräfte gaben bei dem Stüde „Der eingebildete Kranke“ von Moliere ihr Bestes und erfreuten das beifallsfreudige Publikum mit überdurchschnittlichen Leistungen.

Der Reinerlös der Veranstaltung soll für die am 23. Dezember itn Vereinshaus stattfindende Kinderbescherung verwandt werden. erh

Narrenschellen fangen an zu klingen

In den närrischen Metropolen am Rhein, den großen und kleinen Städten des Hessenlandes, im Schwarzwald und wo immer auch die Narrenschellen klingen, begann es sich zu regen. Und je nach Temperament und Brauch waren es nüchterne Generalversammlungen, die in einer gemütlichen Kneiperei endeten oder rauschende Feste, die den Untertanen „Seiner Tollität“ einen Vorgeschmack künftiger Herrlichkeiten vermittelten.

Redaktionsmitglieder und Mitarbeiter des „Darmstädter Tagblatt“ haben mit Kamera und Bleistift für Sie, verehrte Leser, festgehalten, was sie am vergangenen Wochenende sehen und erleben durften.

Die Reihe der von uns besuchten Veranstaltungen ist leider nicht vollständig, da einzelne Vereine ihren Veranstaltungskalender der Redaktion aus Versehen noch nicht zugehen ließen.

„Du mol Schnell fünf Mark mer bumbe ‘

Die Feier des Elften im Elften bei der Narrhalla Darmstadt

Der, der diese Zeilen schreibt, will sich bei den Narrhallesen rächen. Man kann auch revanchieren sagen. Ist völlig egal. Wenn man einen Brummschädel hat und in seliger Stimmung doof ins Morgengraue döst, keinen Schlaf findet, weil einen das Geschehen im „Arheilger Löwen“ mit Polypenarmen wach- und festhält, dann liegt’s einem nicht, kristallklare Wortdefinitionen zu formulieren, sondern gerade das zu sagen, was einem in solchen Augenblicken im Herzen und im Sinn ist. Manchmal kann das etwas verworren sein, wenn sich der Leser nicht bei jedem Wort, bei jeder Zeile daran erinnert, daß der Schreiber verzeihlicherweise durch eine regenbogenfarbene Brille sieht...

Zuerst hatte ich ein wenig Hemmungen, denn so viele Menschen auf einmal hatte ich seit „damals“ nicht mehr gesehen. Bei den Fahnen und Girlanden überwog die blaue Farbe, was mich wieder beruhigte. Außerdem schimpfte gerade einer mordserbärmlich und gründlich über g r u n d - sätzliche Fragen. Das tat gut, belehrte mich, daß ich partout nicht alleine war. Mit

einem schneidigen „Hähhopp“ verließ nun der Schimpfende — der, der mir am Eingang ein Programm andrehte, sagte, das wäre der Protokoller Herter, genannt Mickedormel, gewesen — die Bütt, was ich zum Anlaß nahm, mich nach vorne zu bewegen.

Wie „e Mick“ kam ich mir vor, die „dormelig“ auf einen Fliegenfänger zusteuert, ganz klein und häßlich, als ich auf die Elf des Hohen Rates zuschritt, die vor der Bühne bekappt, ordengeschmückt, mit aufgehellten Gesichtern und lustig zwinkernden Augen einträchtig nebeneinander saßen und nonchalant darauf bedacht waren, das Narrenschiff bei guter Fahrt

zu hallen. Auf der Bühne — voi' dem Sokkel des langen Ludewig — kauderwelschte gerade einer amerikanisch, Mister Baconbill (Mund), „der aus den Staaten gekommen war“, um sich beim Sekretär Mickrich vom Verkehrsverein (Görner) über den Fortschritt der Darmstädter Demokratie zu informieren. Und Mickrich informierte den neugierigen Amerikaner nicht schlecht . . .

Da war zunächst der Heinerbub (Steinmann), der mit sich selbst in Gewissenskonflikte gekommen war, weil er nicht so recht wußte, wie er grüßen sollte. Ein heller, nicht auf den Mund gefallener Bursche, denn er erkannte, daß der „Hähopp-Gruß“ für die Darmstädter der gegebene sei. Fraa Heweklees (Christel Hummel) kippte mit ihrem Esprit den Amerikaner beinahe aus den Latschen, der mit offenem Mund den Redeschwall dieser waschechten, geistvollen, zungenspitzen und -spältigen Darmstädterin übersieh ergehen ließ und sich erst wieder von der Moralpauke der Hewekleesen über die Männer im allgemeinen und die amerikanischen im besonderen erholte, als der Straßenkehrer (Metz) mit Schwung „rein Schiff“ machte. Zwischendurch begeisterten die sechs frohen Sänger, alle von namhaften Darmstädter Textilfirmen uniform eingeschalt, und als Solisten Herr Metzger und Fräulein Göttmann. Daß der Humorist Gutkäse mit seinen sechzig Lenzen zu einem solch zackigen Parademarsch, wie er ihn gezeigt hat, fähig gewesen wäre, hätte ich wirklich nicht gedacht, zumal er vorher noch über seinen zeitgemäßen und zeitbedingten bauchigen Ansatz klagte. Gutkäse bewies, daß er weiß, wo die Menschen ihr Zwerchfell haben. Den Vogel abgeschossen hat Mickedormel. Sein Sportvortrag war so brillant, so voller Pointen, daß man wünschte, er würde vom Rundfunk übertragen werden. Was Mickedormel an diesem Abend gezeigt hat, war große Klasse. Mister Baconbill ließ sich zu dem Ausspruch hinreißen: „... und ich kann ihnen versichern: wir haben in den Staaten keinen solchen Dormel... “ Wie man östliche Politik macht, das heißt, wie man „Politiker“ hübsch am Gängelband führen kann, ohne daß sie aus der Reihe tanzen, zeigte die Tanzgruppe Maurer, die Fräuleins Wolf, Jährling, Wolf. Nicht zu vergessen seien die Brezelfraa (Frau Wagner) und der Heiner Dunkes (Degenhardt), die vor dem Lui lungerten und den Amerikaner dann und wann ein wenig auf die „Schipp" nahmen.

Alle, die an der vortrefflich gelungenen Gestaltung des Abends mitgewirkt haben, haben ihre Orden (die Sekretär Mickrich austeilte), ihren Kaugummi und das Fläschchen Coca-Cola von Mister Baconbill verdient erhalten. Noch einige Daten: Die szenische Leitung hatte Karl Weißgerber. die technische Leitung die Herrren Frickel und Metz und für die Saal- und Bühnenausstattung sorgte Heinrich Bender. Nach dem Auszug des Hohen Rates, der ebenfalls mit einem weiteren Orden beschwert wurde, spielte sich die ausgezeichnete Tanzkapelle Bähnisch in die Herzen der Tanzlustigen hinein. Die Feier der Narrhalla ließ erkennen, daß man bei ihren kommenden Veranstaltungen auf einiges gefaßt sein muß; sie hatte Niveau und war würdig des ruhmreichen Namens — Narrhalla. HGR


Wer kennt sie nicht, die „Hewekleesen" Foto: Hemme
Wer kennt sie nicht, die „Hewekleesen" Foto: Hemme

Uebernächtigte Beratung

Heppenheims närrischer Rat, das Präsidium der Bottschlorum-Gesellschaft, war am 11. im 11. unter Vorsitz ihres Oberpräsidenten Georg Frank im Saalbau Kärchner zusammengekommen. Einleitend nahmen die Brüder Flath mit kernigen Worten und zur Politik und zum Lokalgeschehen der Stadt Stellung. Ihre Rede wurde von den Stadtvätern mit ernster Spannung erwartet und angehört. Alois Löffler als Christian von Unkental und seine Apollonia gaben „Bäuerliches“ zum besten. Liesel Bärbels gutes Gedächtnis und ihre scharfe Zunge kramten aus verborgensten Winkeln das ,; Vor jährige“ hervor. Der Singe-Klub mit Monsieur Knapp und anderen Sangesbrüdern warteten mit den neuesten, auf die Stadt abgestimmten Schlagern auf. Sie werden, saisonsbedingt, den Rhythmus des Jahres bestimmen. Prinz Karnevals Gegenwart — Fabrikant Oskar Widmer — verlieh der launigen Generaldebatte im Anschluß an die Uebernachtversammlung und der darauffolgenden magischen Sitzung festlichen Glanz. Unter einstimmigem Beschluß wurde das Ende aller Parteien verlangt. Der Elferrat, völlig erschöpft, ging dann zur weiteren Tagesordnung über. Mit einer Tanzquadrille begann das Tanzamüsement.


„OTTO DER EINZIGE, RITTER VOM. DORNRÖSCHEN" begrüßt mit umfassender Bewegung und einem geschmetterten „Halaaa“ den weiblichen Teil seiner närrischen Groß-Umstädter Gemeinde.
„OTTO DER EINZIGE, RITTER VOM. DORNRÖSCHEN" begrüßt mit umfassender Bewegung und einem geschmetterten „Halaaa“ den weiblichen Teil seiner närrischen Groß-Umstädter Gemeinde.

„Eulentia‘‘ Gernsheim

Niemand zweifelte daran, daß die Gernsheimer es verstehen, Karneval zu feiern, aber die Eröffnungssitzung am Samstag, beginnend mit der Vorstellung des närrischen Kabinetts und den mit spritzigem Humor verblüffend pointierten Büttenreden, stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Im vollbesetzten Saalbau Haas, dem Hauptquartier des „GCV Eulentia“ nahmen die Lachstürme kein Ende und bis in die frühen Morgenstunden wiegten sich die Paare im Tanz. Gernsheim hatte einen guten Start zur diesjährigen Saison.

ES wunderte Sich die Säulenhalle

„Narrhalla“ Groß-Umstadt vereidigte den Elferrat

Der Vörstand hatte keine Kosten und Mühen gescheut. An Pappe, Leim und Farben war nicht gespart, das Auge hatte seine helle Freude an den mit kluger Absicht sparsam bekleideten „Backfischen“ vom Ballett Alisch und selbst der gute alte Schiller mußte einmal mehr mit seinem Rütli-Schwur herhalten. (Diesmal schwur ihn der Elferrat von Groß-Umstadt, nachdem er sehr geschickt im „Wendelinuspark“ von einem Zauberer herbeigezaubert war.) Vorher waren im gleichen Park „Er und Sie“ und die Elfen herumspaziert und -getanzt. Nachher wurden Reden gehalten, mal schlecht, mal besser, die „Elfer“ bekamen ihren Schlag mit dem Vorschlaghammer auf den Vorderkopf. (Daß leichte Schläge auf den Hinterkopf das Denkvermögen erhöhen sollen, wurde oft gesagt und geschrieben, ob aber diese harten Schläge eine ähnliche Wirkung hervorbringen, muß noch bewiesen werden.) Die „Familie Schnuddelbart“ schnuddelte vierköpfig und einer fuhr dabei mit dem Roller, das war sehr gut.

Schließlich war die kleine Pause, Die „Elfer“ zogen wieder ein, der Präsident begrüßte nach bewährtem Muster und dann kam der Protokoller: Wir hörten ihn schon oft und auch jetzt brauchte er wieder seine Zeit, um in Fahrt zu kommen. Als er aber mal in Fahrt war, gab’s kein Halten und er machte seinem Namen „Löwenmaul“ alle Ehre. Auch für die Stimmung gab’s kein Halten mehr, Vorträge wurden vorgetragen, Lieder gesungen, die was sahen, freuten sich, die nichts sahen (wegen der dicken Säulen) waren bös’ und schließlich war auch dieses Fest zu Ende, dem, so möchten wir für die „Narrhalla“ hoffen, noch eine Reihe herrlicher Feste folgen werden. Bliebe noch, der „Blue-Skies-Tanzrhythmiker“ zu gedenken, die gut wie immer waren. We

Heiterkeit mit Tiefensteuer

Eröffnung der Dieburger Saison in der „Ludwigshalle“

Klein-Marlenchen unter der Laterne (Maria Gruber) und die „Kabinetts“- Frau (Maria Spieß) brachten in einem von Ernst Geisler geschriebenen Eröffnungsspiel schon beim Entree zu dem goldechten Narrenabend Pointe auf Pointe. Und als gar die Oeffentlichkeit zur UNO-Vollversammlung zugelassen wurde — es hob sich der Vorhang — saßen die wohlbestallten Vertreter von zehn Nationen und der Michel an langer Tafel. Hellblauseidener Horizont und Bühnenseiten, darauf die 11 wie Schneeflocken saß. Schnell waren dann Uncle Sams Zylinderhut, die Bären- und die Baskenmütze, der Chinesenzopf, das Türkenfez mit der Schellenkappe vertauscht:

Das Narrenschiff ging froh auf Fahrt, An Brennstoff wurde nicht gespart.

Auf der Kommandobrücke stand zunächst das verflossene Prinzenpaar (Erika Bonifer, Hans Rupp) und verlas seine Memoiren vom Fasching 1950. Humor vom Main brachte „Stammgast“ Heini Zimmermann, der Protokoller vom Frankfurter Karneval-Verein 1911, in seiner „Hymne an die Narretei“. Nach ihm stieg der längste Dieburger in die Bütt’: Beigeordneter Heinrich Hach. Seine wohlbedachten und ausklingend in Reime gefaßten Worte waren der Gruß der Stadt an den Dieburger Fasching 1950/51. „Freut Euch des Lebens ■— Und wär’s noch so schwer“, war der gut lachende Rat, den Walter Kern in humorgewürzten Versen dem dicht besetzten Saal zurief. Am Knöpfchen des Abends aber saß altbewährt Präsident Ernst Geisler, der wieder auf sein unerschöpfliches Re’servoir prächtiger Einfälle und pfiffiger Ideen zurückgreifen konnte, und dessen treffende Zwischentexte zu einer führigen Schnur wurden, an der er Knaller nach Knaller aufreihte. r, g.

„Mer läwe ah so!“

Die „Grießheimer“ feierten mit Schmiß und Schwung eine Karnevals-Sitzung, die sich gewaschen hatte.

Höhepunkte gab es in Griesheim nicht, weil der ganze Abend ein einziger Höhepunkt war. Der Schlachtruf des vorigen Jahres: „Hie Schlott“ donnernd und einstimmig vorgebracht, riß die letzten noch zögernden Besucher in die Ausgelassenheit Griesheimer Stimmung. Die Kapelle Kahl schmetterte und schmeichelte, je nach Notwendigkeit, ihre Melodien im überfüllten Saal zum „Grünen Laub“, und der Zeremonienmeister im roten Frack und rotem Zylinder, Willi Schick, der mit ungeheurem Temperament ausgestattete Elferrat — alle zeigten eine für den 11. 11. nicht zu überbietende Karneval-Narretei. Die Tanzgruppe Wicht tanzte heiter und beschwingt. Es gab Musik und Büttenreden in jeder Menge. Heinrich Kunz, der frühere Präsident, lobte seine Nachfolger, die einschließlich aller Mitwirkenden rauschenden Beifall ernteten. Zum Schluß eine Verlosung, der Elferrat zog — noch einmal umtost vom Beifall der Menge — aus dem Saal, in dem das närrische Volk bis in den frühen Morgen hinein tanzte „wie die Lumpe am Stecke“. sg.

Mit „Ulk“ in den Karneval

Faschingsauftakt in der Kreisstadt Erbach

Mit Aerger fing es an. Regen, Regen und nochmals Regen. Während sich die Scheinwerfer unseres Wagens durch das Dunkel der Nibelungenstraße fraßen, lief mir das Wasser in die Hose. Wegen der undichten Kühlerhaube... Und ich erinnerte mich meiner Säuglingszeit. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich glaube.

In den Straßen der Kreisstadt Totenstille. Mit hohen Stehleitern werden an der „Odenwaldtaverne“ letzte Vorbereitungen an der Lichtreklame getroffen. Vor dem Schloß-Cafe parkende Wagen, im Cafe Glenz — ein wartender Elferrat. Eine Bierleiche wankt bereits kurz nach acht durch den Saal. Und an die Scheiben der’ Fenster prasselt der Regen. Schlechte Vorzeichen närrischer Regentschaft.

Leere Stühle amüsieren sich wie in einer Wahlversammlung. In einer Ecke sitzt einer und döst. Ab und zu bejammert er Frau und Kinder, die zu Hause sitzen. Nicht weil man bei diesem Wetter keinen Hund vor die Türe lockt, sondern weil der Vadder Geldbeutel und Hausschlüssel annektiert hat. Endlich gibt man sich einen Ruck, wählt Vorstand und närrischen Rat und im Jauchzen der Geige und dem dumpfen Schlag der Pauke drehen sich die ersten Paare.

Es wird spät und später. Und siehe... es füllt sich der Saal. Bunte' Kappen fühlen sich auf verwegenen, närrisch geladenen Köpfen so wohl wie ehedem. Man steigt in die Bütt und lästert und prahlt. Und hat auch Worte der Anerkennung und des Verstehens. Langsam rückt der Zeiger auf Eins. Die Stimmung steigt höher und höher. Kapellenwechsel: Die „Strubels“ ergreifen das Zepter des Prinzen und hinein gehts mit schräger Musik bis in den frühen Morgen. „Ulk“ Erbach entpuppt sich als ein fideles Völkchen. Alles übrige managt „Charly“ und „Toni“ mit Saxophon und Schlagbaß. Dazwischen wimmert der Guittarist und orgelt die Harmonika.

Trotz Regen ward er geschafft: Der Start in der Kreisstadt Erbach. arco


Peter Hanauer waltet seines Amtes Foto: Hemme
Peter Hanauer waltet seines Amtes Foto: Hemme

Faßnachtsahnen im Lorbseerrevier

Die Erbacher nahmen es Sanz genau mit der Narrenherrlichkeit. Um 20.11 Uhr hatte zwar der alte Vorstand des Erbacher Karnevalvereins „Ulk“ am Samstagabend die Jahreshauptversammlung im Cafe Glenz angesetzt, aber außer den Vorstandsmitgliedern Und der Kapelle Schmidt-Leun war um diese Zeit kaum einer der unentwegten „Narreschoude“ im Saal.

Erst als die Uhr auf 11.11 zuging, füllte sich der Saal, und die Stimmung begann die ersten Wellen zu schlagen, schüchtern zunächst noch, aber bald auch in der altbekannten Lorbser Urwüchsigkeit.

Schließlich mußte sich der Vorstand dazuhalten, daß er seinen geschäftlichen Teil noch unter Dach und Fach brachte. Die Vorstandswahl zeigte eine beispielhafte Einmütigkeit. Der alte Vorstand

mit Christian Golde, Karl Bereiter, V alentin Diehm, Georg Eck er 1 in, Karl Holm, Konrad Kiehl, Wilhelm Krämer, Johann Nohr, Georg Schöpp, Georg T ö n gi, Philipp Zick und Heinrich Köhler wurden einstimmig wiedergewählt.

Neu hinzugewählt wurden mit gleicher Einstimmigkeit Erbgraf Franz zu Erbach-Erbach, Kammerdirektor Heinrich, Leonhard Neff, Walter W o 11, Willi Schuck und Jakob Ürner.

An offiziellen Veranstaltungen der Faschingszeit in Erbach wurden bereits festgelegt: ein großer Eröffnungsmaskenball im Laufe des Januar, die erste Gala-Eröffnungssitzung am 3. Februar, eine Fremdensitzung am 4. Februar, Rosenmontagsmaskenball am 5. Februar, der traditionelle Erbacher Fastnachtsdienstagsfestzug mit abschließendem Lumpenball am Abend. _Ch


Die „Strubels“ bei einer „Strubelei“ DT-Foto: Schröder
Die „Strubels“ bei einer „Strubelei“ DT-Foto: Schröder

STARKENBURG

Vom Fahrrad gezerrt

Ani 24. Juni dieses Jahres hatte der 38jährige schwachsinnige Heinz L. aus Raunheim eine Frau in Rüsselsheim mit Gewalt vom Fahrrad gezerrt und sie in unsittlicher Weise belästigt. In der Verhandlung des Bezirksschöffengerichtes Darmstadt, vor dem er sich nun zu

verantworten hatte, gab er seine Tat zu. Unter Zubilligung des Paragraphen 51 Absatz 2 erhielt er wegen Unzucht drei Monate Gefängnis. wst.

Metzger als Verführer

Die Erste Strafkammer beim Landgericht Darmstadt verurteilte den 52 jährigen. einschlägig vorbestraften Metzger Wilhelm G. aus Mümling-Krumbach wegen Verstoß gegen den Paragraphen 175 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Ein mitangeklagter junger Mann aus dem gleichen Ort erhielt 20 DM Geldstrafe. Bei einem weiteren Mitangeklagten sah man von einer Bestrafung ab. Der Angeklagte, ein verheirateter Mann, der bereits wegen des gleichen Deliktes mit Gefängnis bestraft wurde, hat seit 1948 seine widernatürlichen Handlungen fortgesetzt. Er scheute sich nicht, zwei junge Burschen unter 21 Jahren. die in seinem Betrieb Gelegenheitsarbeiten verrichteten bzw. in seiner Gastwirtschaft verkehrten, zu diesen Unzuchtshandlungen im Kuhstall oder in der Küche zu verführen. wst.

Scheunenbrand in Malchen

Am Samstag geriet gegen 18.30 Uhr in Malchen eine Scheune .im Anwesen Hauptstraße 21 in Brand. Heu und Stroh gaben dem Feuer reichliche Nahrung, jedoch konnte bis zum Eintreffen der Berufsfeuerwehi- aus Darmstadt und der Wehren aus S^eheim und Jugenheim der Brand durch die Malchener Wehr lokalisiert werden. Infolge starken Funkenflugs waren die benachbarten Wäschereien besonders gefährdet. Das Feuer ist vermutlich durch von Kindern geworfene Knallkörper ausgebrochen. Polizeiliche Ermittlungen sind noch im Gange.

Bremsvorrichtung versagte

Glück im Unglück hatten die Arbeiter beim Schulhausneubau in Groß-Bieberau, als bei dem vollbeladenen Aufzug die Bremsvorrichtung versagte und er in die Tiefe stürzte. Der mit dem Entladen beschäftigte Arbeiter konnte rechtzeitig zurückspringen, so daß lediglich beträchtlicher Sachschaden entstand. GD

Hemilitarikierung - eine Narretei!

Dr. v. Brentano (CDU) und Heinrich Ritzel (SPD) diskutierten in Bensheim

Am Freitagabend trafen sich die Bundestagsabgeordneten Dr. von Brentano (CDU) und Heinrich Ritzel (SPD) auf Einladung der SPD in Bensheim im „Bensheimer Hof“ zu einer öffentlichen Diskussion, zu der die Bevölkerung von Bensheim und Umgebung zahlreich erschienen war.

Heinrich Ritzel verurteilte in einleitenden Worten die Agitation der FDP anläßlich des Wahlkampfes, besonders in den Fällen Minister Wagner und Ministerialrat Engler. Nach Eintreffen Dr. von Brentanos schritt man zur Diskussion.

Als erster Redner schnitt Heinrich Ritzel die außenpolitischen Fragen im Europarat, vor allem die Frage der Gleich-

berechtigung Deutschlands an. Er betonte, daß weder er selbst noch Dr. Schumacher Nationalisten seien, daß aber die SPD kein Vertrauen zu Straßburg habe Dr. von Brentano entgegnete hierauf, politisches Leben und Demokratie seien ohne Toleranz undenkbar. „Nicht die Politik verdirbt den Charakter, sondern

schlechte Charaktere verderben die Politik.“ Jeder habe gewußt, daß das deutsche „Ja“ zum Europarat mit unangenehmen Bedingungen verbunden sei, dennoch wäre beispielsweise das Flüchtlingsproblem ohne Deutschland nie zur Sprache gekommen. Er sei, so sagte Dr. von Brentano, für ein Europa ohne jeden Vorbehalt. Es sei in Straßburg eine nahezu einmütige Zustimmung zur Abänderung der Statuten und Abschaffung des Vetorechtes erzielt worden.

Heinrich Ritzel erinnerte hierauf daran, daß auch heute noch wesentliche Einschränkungen für die deutsche Wirtschaft, den Handel und die Politik bestehen und erwähnte die Jagdbeschränkungen, die Zerstörung Helgolands, das Ruhrstatut, die Auslieferung deutscher Staatsbürger an Gerichte fremder Länder u. a. Des weiteren forderte er die Bildung einer starken europäischen Polizei zur Aufrechterhaltung eines ehrenhaften und sozialen Friedens. Vor allem die deutsche Jugend wünsche nicht noch einmal in ein militärisches Abenteuer hineingestürzt zu werden. Bei einer Remilitarisierung sollten sich die Kollegen vom Bundestag verpflichten, zuerst zu marschieren. Dr. von Brentano antwortete hierauf, das deutsche Volk habe so viele Opfer gebracht, daß man sich heute nicht wundern dürfe, daß jeder Deutsche nur den einen Wunsch habe, den Frieden mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. Wörtlich sagte von Brentano: „Wer in Deutschland an eine Remilitarisierung denkt, ist ein Narr und gehört eingesperrt.“

In seinem Schlußwort verurteilte Heinrich Ritzel die Erhardsche Wirtschaftspolitik und schloß mit den Worten: „Wir wollen aus Erfahrungen klüger für das nächste Mal werden!“

Dr. von Brentano betonte in seinem Schlußwort, man müsse zwar bedenken, daß Macht gefährlich sein könne, Ohnmacht schließe jedoch nicht weniger Gefahren in sich ein. Das Publikum folgte der fairen Diskussion mit sichtlichem Interesse. HB


Dr. von Brentano bei seiner Rede. Links daneben Abgeordneter Heinrich Kitzel. Foto: Schuch
Dr. von Brentano bei seiner Rede. Links daneben Abgeordneter Heinrich Kitzel. Foto: Schuch

Unsere Geburtstagskinder

91. Geburtstag: Herr Adam Tramer, Spachbrücken.

91. Geburtstag: Herr Christian Herd, Ober-Ramstadt.

80. Geburtstag: Frau Anna Habel, Heppenheim, Ludwigstraße 50.

Zuchthaus für Yolksschullehrer

Er hatte zwei Schülerinnen unsittlich belästigt

Nach einem mehrtägigen Prozeß wurde der 31jährige frühere Hauptlehrer der Volksschule in Hüttenfeld, Peter L. wegen Unzucht mit Abhängigen in zwei Fällen zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und sieben Monaten^verurteilt.

In der Anklage war von mehreren Belästigungsfällen gegenüber seinen Schülerinnen die Rede. In der Beweisaufnahme wurden ihm eine ganze Reihe von zumeist 13- bis 14jährigen Mädchen gegenübergestellt, die von den Nachstellungen des „Herrn Lehrers“ berichteten. Zum Teil scheu, zum Teil anklagend, zum Teil zornerfüllt. Weinend erklärte ein Mädchen: „Sie waren doch unser Erzieher. Sie haben ein Verbrechen an uns begangen“.

Der Angeklagte leugnete jede Schuld und erklärte, die Kinder seien bewußt gegen ihn aufgehetzt worden. Weil er nicht die Nichte des Zeugen R. geheiratet habe, sondern seine jetzige Frau, habe man durch eine Anzeige und die Beschuldigungen ihm einen Schlag versetzen wollen. Die Strafkammer hielt jedoch zwei Fälle für einwandfrei nachgewiesen.

So habe er 1946 kurz vor seiner Heirat auf dem Speicher der Schule an einer Schülerin unzüchtige Handlungen vorgenommen. In einem anderen Falle war es die Bibliothek im Schulkeller, wo er sich an einer anderen Schülerin verging. Auch bei anderen Anlässen stellte er dieser „Lieblingsschülerin“, der Besten seiner Klasse, nach. Das Gericht sah die beiden Fälle als in sich fortgesetzte Handlungen an. Rechtsanwalt Jockel, Lampertheim, hatte das Gericht gebeten, Rücksicht auf Frau und Kind des Angeklagten zu nehmen und auf eine Gefängnisstrafe zu erkennen.

Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Dr. Zimmermann, führte in seiner Urteilsbegründung aus, das Verhalten des Angeklagten sei derart verwerflich, daß man auf eine Zuchthausstrafe erkennen müsse. Das Ansehen der gesamten Lehrerschaft sei dadurch geschädigt worden. Die Eltern müßten die Gewißheit haben, daß ihre Kinder in der Schule in guter Obhut

sind und es sei ein schweres Verbrechen, wenn ein Lehrer dieses Vertrauen mißbrauche. Weil er nicht vorbestraft ist, wurden L. die bürgerlichen Ehrenrechte nicht aberkannt. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer vier Jahre Zuchthaus und Aberkennung der Ehrenrechte für fünf Jahre beantragt. wst.

Ein Akt der Wiedergutmachung

In den Nachmittagstunden des Samstag öffnete Bürgermeister Dr. Lüdecke als symbolische Handlung für den vollzogenen Anschluß der Siedlung in Groß-Gerau an das Gruppenwasserwerk „Gerauer Land“, den Wasserhahn.

Der Bürgermeister nannte das Ereignis, das gegenüber der bisherigen Wasserversorgung dieser Wohngegend besonders auch in gesundheitlicher Hinsicht eine wesentliche Verbesserung darstellt, einen Akt der Wiedergutmachung, da es in der Zeit des Dritten Reiches trotz der damals vorhandenen Mittel verabsäumt worden war, die Siedlung an das Wassernetz anzuschließen. Zusammenhängend mit der Eröffnung der Wasserversorgung der Siedlung betonte Bürgermeister Dr. Lüdecke, daß man bestrebt sei, die Siedlung enger an den Stadtkern anzuschließen; geplant sei weiterhin auch die Verlagerung einer Gasleitung. Dr. Lüdecke dankte allen an den Arbeiten für den Anschluß der Groß-Gerauer-Siedlung an das Versorgungsnetz beteiligten Körperschaften, Behörden und Firmen.

Das bisher fertiggestellte Netz erforderte den Betrag von 15 000 DM. Eine Verbilligung der Arbeiten konnte durch den Einsatz der produktiven Arbeiterfürsorge durch das Arbeitsamt Groß-Gerau erreicht werden. Kr.

Für Frieden, Freiheit und Menrchenrechte

Feierliche Grundsteinlegung zum Neubau des Groß-Gerauer Arbeitsamtes

Der Präsident des Landesarbeitsamtes in Hessen, Heinrich Sauer, vollzog am Samstagvormittag die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau eines Arbeitsamtes in der Oppenheimer Straße in Groß-Gerau.

Der Feier wohnten außerdem der Direktor des Arbeitsamtes Groß-Gerau, Höner, Kreisamtmann Seipp und Bürgermeister Dr. Lüdecke bei.

Nach altem Brauch wurde in den Grundstein eine Kapsel mit verschiedenen Urkunden, den heute gültigen Münzen und eine Tageszeitung versenkt. Der Neubau wird von der Frankfurter Firma Butzer, die das Hochhaus am Main baute, erstellt werden und soll nach den Worten des Präsidenten Sauer am 1. Mai des kommenden Jahres seiner Bestimmung übergeben werden. Die Baukosten werden auf 170 ÖÖO bis 180 000 DM beziffert.

In einem anschließenden Zusammensein ergriff Präsident Sauer das Wort und führte aus, daß dem Arbeitsamt eine dreifache Aufgabe obliege. Diese sei einmal die Versicherung des Menschen gegen Arbeitslosigkeit, dann die Vermittlung von Arbeit und schließlich die Beratung von Jugendlichen, die in das Berufsleben einzutreten gewillt sind. Als soziale Behörde sei neben einer sozialen Struktur auch eine soziale Empfindlichkeit das Hauptmerkmal der Arbeitsverwaltung, die das höchste Gut der Nation, die Arbeitskraft zu verwalten habe.

Sauer sagte weiter, daß eine zweckmäßige räumliche Gestaltung der Arbeitsämter die notwendige Voraussetzung sein müßte, um die Vermittlung und Beratung von Arbeitsuchenden in menschenwürdiger Form durchführen zu können. Kreisamtmann Seipp wünschte in seiner Ansprache, daß das Arbeitsamt im

Kreise Groß-Gerau vielen jungen Menschen in der aufstrebenden und rührigen Industrie des Kreises Arbeit und Brot zu geben in der Lage sein möge.

Bürgermeister Dr. Lüdecke wies auf die enge Verbindung zwischen Arbeitsamt und Bürgermeisterei hin und gab bekannt, daß der Rathaussaal des Arbeitsamt wieder zur Verfügung stehe.

Der Präsident des Landesarbeitsamtes in Hessen gab an Hand einiger Zahlen die Leistungen der Arbeitsämter in Hessen bekannt, wonach im vergangenen Jahre

an Arbeitslosenunterstützung, Arbeitslosenfürsorge und Entlohnung von Kurzarbeit der Betrag von insgesamt 132 Mill. D-Mark ausgegeben worden sei. Täglich würden vor den Schaltern der Arbeitsämter etwa 1000 Arbeitsuchende vermittelt und für rund 38 000 junge Menschen hätten Lehrstellen und.Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden können. kr.-

Die Gründungsversammlung des Beerfeldener Verkehrsvereins findet heute abend 20.30 Uhr im Hotel „Zum Schwanen“ satt. -ch.

In Hiltersklingen stürzte der Landwirt Georg Holschuh so unglücklich vom Heuboden auf die Tenne, daß er auf einen Handwagen fiel und sich schwere innere Verletzungen zuzog. -ch.

Der Bergsträßer Jugendklub besuchte unter der Leitung des Vizepräsidenten des BJC, Braun, das Bensheimer Telefon- und Fernamt. HB

Richtig wählen - aber wen?

Kandidat der SPD für den Wahlkreis 42 Groß-Gerau Sügd

Am 18. März 1920 in Biebesheim geboren. Sechsjähriger Besuch der Realschule Gernsheim bis zur Obersekundareife. 1936 als kaufmännischer Lehrling zur Firma Merck, Darmstadt. 1939, vor der Einberufung zum RAD, Ablegung der Verwaltungsprüfung A für Sozialversicherung vor dem Oberversicherungsamt Darmstadt. Zwischen RAD- und Wehrdienstzeit im März 1941 Begabtenabitur „mit Auszeichnung“ an der Universität Heidelberg. Ab 1946 Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Frankfurt. Am 1. Juli 1948, mit 28 Jahren, zum jüngsten Bürgermeister Hessens in seiner Heimatgemeinde und in den Kreistag des Landkreises Groß-Gerau gewählt. Seit 1. Juli 1950 als Vorsitzender des Hessischen Gemeindetages für den Regierungsbezirk Darmstadt tätig.


Bürgermeister Hans Sudheimer
Bürgermeister Hans Sudheimer

Kandidat: der KPD im Wahlkreis 46 Erbach

Als Sohn des Steinmetz Johann Brunner am 11. August 1902 in Neustadt/Odw. geboren. 1908-16 Volksschule, anschließend dreijährige Lehrzeit im Schlosserhandwerk, in dem er bis 1947 als Geselle arbeitete. Im Alter von 10 Jahren in die Schülerabteilung der Arbeitersportbewegung. Mit 17 Jahren in die Arbeitersängerbewegung. Seit dem 19. Lebensjahre im Deutschen Metallarbeiterverband gewerkschaftlich organisiert. Mit 21 Jahren Eintritt in die KPD. 1929 als deren Vertreter in den Gemeinderat in Neustadt gewählt. 1933 ausgeschlossen. Während des 3. Reiches zweimal verhaftet und über 21 Monate inhaftiert. 1941 zur Wehrmacht eingezogen. 1945 in französische Kriegsgefangenschaft, Mai 1947 entlassen. Zwei Monate nach Rückkehr zum Bürgermeister von Neustadt gewählt.


Bürgermeister Franz Brunner
Bürgermeister Franz Brunner

Remidemi im Spargeldorf

Weiterstadt intronisiert Prinz Karneval

Am Elften im Elften eröffnete der Carneval-Verein Weiterstadt mit einer großen Sitzung die Faschingszeit. Der Saal des Gasthauses „Zur schönen Aussicht“ festlich geschmückt und mit bunten Girlanden über und über behangen — war bis auf den letzten Platz besetzt.

Mit einer Gemeinderatssitzung aus dem Jahre 1900 begann in zünftiger Weise der Trubel, dargeboten von den später unter Leitung ihres bewährten Dirigenten Fischer mit verschiedenen Liedern und Potpourris verdienten Applaus erntenden Spargel-Finken“. Noch ehe man sich über die Gründung eines Kanevalvereins einigen konnte, war Se. Majestät Prinz Adam I. von Weiterstadt schon mitten unter ihnen und stellte seinen Ministerrat vor.

Mit ordengeschmückter Brust trat dann als erster der Protokoller des Elferrates Hannes Diehl in die Bütt die in ihrer Ausgestaltung (Eule mit leuchtenden Augen) schon eine Sehenswürdigkeit für sich bildet. Mit großem Hallo wurde später Hannes Führer einer Darmstädter Straßenbahn (CV Bessungen 05) als Gast empfangen. Die Begeisterung steigerte sich noch, als Aenne Dieter vom gleichen Verein das Lied der „Lies vun Erwelle“ in neckiger Unterstützung durch ihren Nachwuchs zu Gehör brachte. Frau Ditta Dreesen vom Landestheater Darmstadt war gekommen, um sich mit Operettenmelodien die Herzen des ganzen Saales (und die schmachtenden Blicke von elf Ministern!) einzufangen.

Abkühlend wirkte, daß in dem turbulenten Ablauf des gelungenen Festes auch Dinge auftraten, die nicht ganz reif für einen karnevalistischen Abend schienen. Es waren einmal vier ein wenig geizig bekleidete Mädchen, die erst bei ihrem zweiten Auftreten bewiesen, daß sie außer für das Auge des Beschauers auch für sein rhythmisches Empfinden etwas zu bieten hatten und der Büttenredner Philipp Hahn, dessen Rede etwas zu tragisch war. Den Höhepunkt erreichte der Abend, als dem Prinzen für das kommende närrische Jahr der prinzliche Orden feierlich überreicht wurde, was er mit prinzlich „klingenden“ Dankesworten zu quittieren versprach. „Tief gerührt“ empfing auch Herr Reinowski — Ehrenpräsident des CVW — einen Orden.

Aus zwei Bütten unterhielten sich in gelungener Weise Geschwister Linnert über lokale Vorkommnisse, und auch Familie Leineweber brachten in netter Kostümierung noch nettere Scherze und Spitzen gegen die Unzulänglichkeiten ihrer Mitmenschen.

An den überaus gelungenen Abend schloß sich bis in die Morgenstunden des gestrigen Tages Tanz an, bei dem — wie während des ganzen Abend — die Kapelle Fries den Ton angab. -bst.

Signal zum Generalangriff

Elf Narren machen große Politik in Reinheim

— Wenn elf frackbewehrte Ordensträger im Stechschritt durch die Saalflucht schreiten, gefolgt von lanzenschwingenden Paladinen mit Kartoffelköpfen (auf den Holzlanzen natürlich) dann kann man gemeinhin behaupten, daß die Karnevalszeit beginnt. So auch am Samstagabend in Reinheim, wo sich die Narren der näheren und weiteren Umgebung im „Kühlen Grunde“ ein Stelldichein gaben. Festliches Gepränge des Saales, unterstrichen von triefenden Besuchern, die sich todesmutig durch die Winternebel und Novemberschauer auf naßglänzenden Landstraßen zum Treffpunkt des Unsinns durchkämpften. Der CVR, ein neuer Geheimbund der Lebensfreude, hatte bei Nacht und Dunkelheit die Stadt mit Plakaten bekleistert, und die Besucherzahl schien zu beweisen, daß der Propagandafeldzug Erfolg gehabt hatte.

Mächtige Stimmung bei einem kleinen Glas Bier, mächtigere Stimmung auf dem Thronpodest der Narren, wo Humpen auf Humpen hinter die Frackschleife donnerte, gefolgt von wohligem Rülpser und genießerischen Augenaufschlag. „Seine Majestät Prinz Karneval“, voll jovialer Untertanenlaune, mit goldener Halskette und kräftigem Schluck, verspricht eine Nacht voll fröhlichen Unsinns, entbietet Fürstengruß den ungeküßten und verführten Jahrgängen. Der Staatsrat setzt Prinz Karneval in seine angestammten Rechte ein.

Allen Unsinns sieghafteste Symbolik: das Eröffnungslied aus Kehlen aristokratischen Geblüts. Das über der Bühne aufgehängte Narrenschiff gerät in wildes Schaukeln. Verlesung des Narrenprotokolls: politische Rundschau mit Einblendungen in das Narrenhaus von Lake Success, wie in befreundete Häuser in Bonn und näherer Umgebung. Uebliche Geste des Prinzen: Ordensverleihung an Protokollführer. Viel Blech und Pappe. Applaus. Heinz Zander stellt sich als abendlicher Ansager vor: Format eines Heinz Rühmann mit der Bissigkeit einer Ratte, galant drapiert mit dem Schaum liebenswürdiger Unverfrorenheit.

Generalangriff sämtlicher Narren des „Elferrates“. Sturm auf das Zwerchfell, bei dem in der ersten Runde einige Gäste bleich auf die Bretter gehen. Politische Sensatiönchen mit Lokalkolorit geistern durch markige Reden, Kommentare zu einer herrlichen Zeit erfreuen Herz und Kehle, und der Wein fließt „oben“ in Gießbächen durch ausgemergelte Kehlen.

Abschlußlied der sechs singenden Narren, Tusch und Ordensverleihung an Kapellmeister Fischer. Der Zuschauer bestellte sein zweites Helles und Seine Hoheit ließ den Saal räumen, von Tischen und überflüssigen Gästen, um dem zweiten Teil des Programms, dem Tanz, den Einzug zu gewähren. Nun, er kam dann ja auch ... hfl

Gehn mer mol zum Specht enoi!

Erste Herren -und Damensitzung in Pfungstadt

„Laßt uns Narrenfreiheit üben!“ forderte der Protokoller des Karnevalvereines. — „Wir sind höchst’ ein paar Wochen närrisch, doch die Politik das ganze Jahr!“ Ernst, Kummer oder Sogen mußten darum bereits beim Einzug des Ehrenpräsidenten mit dem Elferrat das Feld räumen.

Nach der Begrüßungsansprache stieg der Protokoller in die Bütt. Er hatte mit seiner spritzigen Ansprache den ihm verliehenen Karnevalistenhausorden wohlverdient. „Heute soll uns die ganze Welt den Buckel runter rutschen“ gelobte der beliebte Büttenredner und Kappenbruder Treffer. Man bestätigte ihm mit großem Beifall, daß es nur zwei wirkliche Feste gäbe: Fastnacht feiern und „heiem“.

Doch was nützen alle klugen Männerreden, das letzte Wort hat doch die Frau. Deshalb wurde es sehr still im Raum, als die kleine und temperamentvolle Frau Knopf mit befehlender Stimme: „Von jetzt ab hab ich hier das Wort“ in den Saal rief. In das gleiche Horn stieß etwas später noch einmal Greta Edelmann. Schokolade und großen Beifall gab es für den kleinen, 12jährigen Hilarius Web er j der mit seinen Mickedormel-Witzen die Lacher auf seiner Seite hatte. Sein Schritt wurde bestimmter und sein Gruß jovialer nach der Verleihung des Sonderordens mit ausziehbarer Selbstfahrlafette und Schwertern. Bevor die 2mal-11- Minuten-Pause begann, zeigte noch Kappenbruder Kramer, gen. „geh flott“ mit starkem Paukenschlag seine Rednerkünste. Gute Stimme und viel Witz ließ Adam C rö firn a n n in seinen Couplets hören.

Nach der Pause kam „Mister Werner vom Rias Berlin“ und gab den „Bericht zur Lage“. Hinter ihm versteckte sich der 1. Schriftführer des Langener Karnevalvereines. Georg Kramer schnuddelte wahre Begebenheiten aus dem vergangenen Jahr.

Zum Schluß wäre noch die Griesemer Gemisfraa zu erwähnen, deren Korb Ausmaße hatte, für deren Beschreibung der Platz uns mangelt. So war es und so bleibt es im närrischen frohen Pungscht. ScG.

DER SPORT AM SONNTAG

Süd-Auswahl brachte das Kunststück fertig

Sie rang den Westen nach einem 0: 3 - Rückstand in den Schlußminuten mit 5 : 4 nieder - Matzkowski (Beinbruch) und Turek verleitzt - Mebus ein großartige Läufer - Vorbildlicher Sportsmann Herrmann

Dramatischer hätte selbst der beste Regisseur den Ausw Jkampf zwischen Süddeutschland und Westdeutschland nicht gestalten können, als es die Spieler im regennassen Frankfurter Station taten. Als kurz nach rer Pause der Westen überraschend glatt mit 3:0 führte, wurden die Tipzettel voll Trauer wieder in die Tasche gesteckt, und die ersten Pfiffe gellten über das weite Rund. Dann kam der Süden heran, holte auf und ging in Führung. Das bedeutete rechte Fußball-Stimmung, und das Spiel erlebte nochmals eine Steigerung, die man kaum für möglich gehalten hätte. In den vielbejubelten 5:4-Erfolg der Südmannschaft mischt sich die Trauer über das Mischgeschick, das zwei von denen ereilte, die in Stuttgart Deutschlands Farben tragen sollten. Matzkowski erlitt einen Schienbeinbruch und Turek wurde ebenfalls verletzt.

Süddeutschland: Höger (Fürth); Knoll (Fürth), Picard (Offenbach); Dannenmeyer (Mühlburg), (Schreiner Offenbach), Gärtner (Mühlburg), Barufka (Stuttgart); Kaufhold (Offenbach), Morlock (Nürnberg), Schade Fürth); Herrmann (Frankfurt), Blessing (Stuttgart). •

Westdeutschland : Turek (Düsseldorf), (Mierzowski Münster); Lesch (Münster), Graf (Köln); Mebus (Benrath), Matzkowski (Schalke), (Krüger Düsseldorf), Röhrig Köln); Gerritzen, Preißler (beide Münster), Hetzel (Meiderich), Schäfer (Köln), Klodt Schalke).

Schiedsrichter: Dusch (Kaiserslautern). Zuschauer: 20 000.

Tore: 0:1 (71 Minute) Schäfer; 0:2 (24'. Minute) Hetzel; 0:3 (52. Minute) Gerritzen; 1:3 (59. Minute) Blessing; 2:3 (64. Minute) Morlock; 3:3 (67. Minute) Gärtner (Elfmeter); 4:3 (74. Minute) Herrmann; 4:4 (84. Minute) Picard (Selbsttor); 5:4 (89. Minute) Morlock.

Der Süden in roten Trikots (ohne Rückennummern!) und schwarzen Hosen stößt an, aber die grün-weißen Westspieler sind zunächst besser im Bilde, kombinieren schneller und die Mittelfeld-Beherrchung durch Mebus beginnt bereits jetzt. Als Schade Morlock weich bedient, steht der Nürnberger abseits und vergibt die erste große Chance Picard „schwimmt“, dadurch erhält Gerritzen mehrfach Gelegenheit zu guten Flankenläufen. Als Hetzel eine Kombination einleitet, überköpft Schäfer Höger, der sich irgendwo im Strafraum aufhält. Der Westen führt 1:0.

D>e Grünen beherrschen weiter das Feld, Preißler verschießt, als er aussichtsreich steht, und auf der anderen Seite bringt Herrmann den Stuttgarter Blessing zu wenig zur Geltung. Böse sieht es dann vor dem West-Tor aus, als eine Blessing-Flanke an der Latte tänzelt, doch Matzkowski klärt mit Kopfstoß zur Ecke. Der Westen bleibt schneller und beherrscht das Spielgeschehen. Nach der zweiten Ecke bietet sich Süd eine Ausgleichsmöglichkeit. Barufka setzt Blessing ein, der Ball kommt zu ihm zurück, aber sein Schuß verfängt sich in der Abwehr. Der Aboraller kommt Morlock vor die Füße — doch Turek hält.

Gerritzen wird in der Folgezeit gegen den schwachen Picard mehrfach gut eingesetzt. Einen seiner vielen Flankenbälle veroaßt der wieder falsch stehende Höger und von Hetzels Kopf fliegt das Leder zum 2:0 ins Netz. Im Gegenstoß führt ein echter Herrmann-Lauf ihn an der gesamten gegnerischen Hintermannschaft vorbei. Schon zeigt Schiri Dusch zur Mittellinie und die begeistert mitgehenden Zuschauer jubeln, da gibt Herrmann in fairer Haltung zu, daß er die Hände im Spiel hatte. Bei einem Preßschlag wird Matzkowski verletzt und vom Platz getragen. Für ihn übernimmt der Düsseldorfer Krüger die Stopper-Rolle. Zu diesem Zeitpunkt drängt der Süden, doch bleibt der Westen bei seinen gelegentlichen Druchbrüchen sehr gefährlich. Dannenmeyer kann einmal nur mit Mühe eine weitere Erhöhung der Torquote für die Gäste verhindern. Auch Picard muß schon sein ganzes Gewicht in die Waagschale werfen, als Klodt wieselflink vor Högers Tor auftaucht. Herrmann verschießt völlig freistehend und Schades Kopfball streicht knapp über die Latte. Dann ist Halbzeit. f

Nach Wiederbeginn hat Schreiner den Posten von Dannenmeyer eingenommen. Der Süden drängt auf das Anschlußtor. Schade zögert in aussichtsreicher Position zu lange, wird schließlich gefault und schießt den Strafstoß in die Mauer. Als Gärtner mit mit weitem Schlag hinten Luft schafft und Lesch über den Ball schlägt, war Blessing auf diese Chance nicht gefaßt. Da hat plötzlich Klodt alles überlaufen, seine Flanke ist für den falschstehenden Höger unerreichbar, und Gerritzen hat keine Mühe, den Ball ins leere Tor zu schieben. Der Westen führt 3:0.

Südwirbel macht aus 0:3 ein 4:3

Das Publikum ist unzufrieden. Obwohl der Süden meist, ausgeglichenes Spiel erzwingt, will und will das schon längst verdiente Anschluß-Tor nicht klappen. Eben noch pfeift ein Barufka-Schuß aus 39 Meter an der oberen Torecke vorbei, da hebt Schade eine weiche Vorlage zu Blessing, die dieser aus vollem Lauf in die Maschen knallt. 1:3. Nun läuft die Süd-Kombination, vom Publikum lebhaft unterstützt, und man wartet förmlich auf den zweien Treffer. In dieser Phase hat der Westen Pech, denn Turek wird verletzt und durch den baumlangen Mierzowski ersetzt, der seine Sache gut macht. Eben noch verwehrt er einer Herrmann-Bombe den Weg ins Netz, da paßt Barufka zu Herrmann, dieser setzt Morlock ein und schon heißt es 2:3. Der Beifall ist

noch nicht recht verklungen, als der immer mehr in Fahrt kommende Herrmann in aussichtsreicher Schußposition von Lesch recht unsanft im Strafraum gelegt wird. Gärtner verwandelt den fälligen Elfmeter mit Bombenschuß zum 3:3.

Jetzt ist die S.üd-Mannschaft wie ausgewechselt. Aus allen Lagen wird auf das von Mierzowski gut behütete Tor geschossen, aber es vergehen weitere sieben Minuten, ehe Schade dem Frankfurter Herrmann den Ball in die Gasse schiebt, dessen Flachschuß vom Innenpfosten ins Netz springt.. Der Süden führt und hat Glück, als Hetzel knapp an dem wieder einmal von Höger unbewacht gelassenen Tor vorbeischießt. Der Regen wird stärker, der Platz glatter. Gärtner kann gerade noch vor Schäfer zu Ecke lenken, da ist der Ausgleich bereits da. Fein abgezirkelt tritt Klodt diese Ecke und Picard köpft ins eigene Tor.

Mit dem Torsegen und mit dem Tempo sind die Tausende zufrieden. Sie wandern ab. Das Spiel verläuft im Mittelfeld und als Dusch bereits nach der Uhr sieht, verschafft Barufka dem Nürnberger Morlock nochmals eine Schußmöglichkeit. Wie ein Wiesel dreht sich der „Maxe“ um sich selbst und knallt fast mit dem Abpfiff zusammen zum glücklichen und nicht ganz verdienten Siegestor für den Süden ein. Im Jubel geht der Schlußpfiff unter, der ein b:s zur letzten Minute spannungsgeladenes Spiel beendet. KURT DANGSCHAT

60000 gerieten ins Nachdenken

Nur sechs Spieler entsprachen den Erwartungen / Fritz Walter bleibt ein Fragezeichen

IN LUDWIGSHAFEN SAH BERNHARD GNEGEL DAS SPIEL

Ludwigshafen, 11. November. — Die Fußballkämpfe am 11. und 12. November in den Stadien von Ludwigshafen und Frankfurt waren keine für sich alleinstehenden Kraftproben der Verbände von Süd-, Südwest- und Westdeutschland, sie standen im unmittelbaren Zusammenhang (aber auch im Schatten) des schnell näherrückenden ersten Länderspieles der Nachkriegszeit. Die zweimal 60 000 Zuschauer hatten ihre Augen nicht nur bei den Leistungen der Verbandsmannschaften, sie blickten schon voraus auf das Zusammentreffen der Nationalmannschaft mit der Schweiz am 22. November in Stuttgart. Bei dieser Vorauschau haben sie vom Spiel in Ludwigshafen nicht viel Optimismus mitnehmen können. Elf starke Spieler braucht der Bundestrainer für den gewiß nicht leichten Kampf am Bußtag. In Ludwigshafen aber hat er wohl kaum mehr als fünf, sechs wirklich brauchbare Kräfte gefunden. Aufgeboten waren zum Spiel Süd- gegen Westdeutschland:

Süddeutschland: Fischer (1. FC Nürnberg); Retter (Vfß Stuttgart), Plawky (Fürth); Kupfer (Schweinfurt), Keuerleber (VfR Mannheim), Baumann (1. FC Nürnberg); Läpple (Vfß Stuttgart), Balogh (VfL Neckarau), Langlotz (VfR Mannheim), Beitinger (Vfß Stuttgart), de la Vigne (VfR Mannheim).

Südwestdeutschland: Jahn (Neuendorf); Voigtmann (Neuendorf), Kohlmeyer (1. FC Kaiserslautern); Miltz (Neuendorf), Liebrich II (1. FC Kaiserslautern), Laag (FK Pirmasens); Wettig (1. FC Kaiserslautern), Lipponer (Phönix Ludwigshafen), Othmar Walter (1. FC Kaiserslautern), Blankenberger, Müller (beide Wormatia Worms).

* Für eine Viertelstunde .wirkte beim Südwesten als Halbrechter Fritz Walter mit. Der normalerweise beste deutsche Angriffsspieler hatte uns vorher schon auf der Fahrt nach Ludwigshafen selbst gesagt, daß er nur probeweise eine Viertelstunde spielen würde. Er spürte in diesem Moment noch starke Schmerzen im linken Knie, das seit dem Spiel gegen Andernach am 5. Novemterdurch einen Bluterguß mitgenommen ist. Die Schmerzen konnten im Ludwigshafener Stadion durch eine Spritze gemildert werden, das Kniegelenk aber wur de selbst durch starke Bandagen nicht beweglicher gemacht. So blieb es beim Versuch. Fritz Walter hofft jedoch, bis zum 22. November voll aktionsfähig zu sein.

Nach dem Ausfall von Fritz Walter überraschte es, daß der Südwesten das Spiel gegen die starke Süd-Elf 2:2 (1:1) halten konnte. Das Verdienst kommt in erster Linie den beiden Spielern Liebrich II und Lipponer zu. Der ungemein bewegliche und ballsichere, aber auch lungenkräftige Stopper Liebrich II und der Durchreißer Lipponer haben sich an diesem Tage für die Nationalmannschaft empfohlen, obwohl bei Lip-

poner einschränkend zu sagen ist, daß er in der zweiten Halbzeit vorübergehend zurückscha'lten mußte und auch nicht hinreichend Gefühl für das Mannschaftsspiel erkennen ließ. Was man sonst in der Südwest-Elf sah, war nicht sehr erbaulich. Entwicklungsfähig ist der junge Rechtsaußen Wettig, recht brav schlugen sich Voigtmann, Kohmeyer und Miltz, reichlich unsicher wirkte Jahn auf dem allerdings sehr glatten Boden des Ludwigshafener Stadions, und ausgesprochen schwach spielten Othmar Walter (der nach dem Ausscheiden seines Bruders augenscheinlich auch sein Selbstvertrauen dahingehen sah), sowie der viel zu langsame Wormser Flügel Müller-Blankenberger.

„Länderspielreif“ wirkten also bei Südwest Liebrich II und Lipponer, beim Süden verdienten sich der Tormann Fischer, der

Verteidiger Retter und als einziger Stürmer der Halbrechte Balogh dieses Prädikat. Für de la Vigne und Langlotz mag zur Hälfte die Entschuldigung gelten, daß zwischen diesen beiden sonst gut harmonierenden Stürmern ein so mäßiger Mann wie Beitinger stand. Kaum mehr sah man auch von Läpple.

Zu den „Länderspielreifen“ möchte man auch noch Andreas Kupfer zählen. Der Nationalspieler aus großen Länderspieljahren Wirkte lange Zeit verblüffend beweglich und so ballsicher und überlegt wie einst, doch verließ auch ihn in der Schlußphase die Kraft. Viel eher war noch Baumann am Ende, der in der ersten halben Stunde überzeugend gespielt hatte. Einer der wenigen Steher war der Verteidiger Retter, neben ihm wirkte Keuerleber matt (ein Othmar Walter war an diesem Tage leicht zu halten) und der Fürther Plawky noch schwächer.

Das Spiel hatte nur in den ersten 45 Minuten Farbe. Streng genommen sogar nur in der ersten haben Stunde. Auf welche Ursachen mag wohl das unzulängliche Stehvermögen unserer Oberligaspieler zurückzuführen sein? Vor zwei Jahren konnte man noch von Ernährungsmängeln sprechen, aber diese Ausrede zieht heute wohl kaum noch. Es scheint doch, daß zwei Trainingstage für Oberliga- und Vertragsspieler nicht reichen.

Das 1:1 bei der Pause war annehmbar. Der Südwesten hatte im Aanfang mehr Möglichk-eiten, der Süden aber schoß überraschend in der 26. Minute durch den von Kupfer gut bedienten Balogh den ersten Treffe. Allerdings kam postwendend der Ausgleich von Lipponer. Nachher und auch in der oft enttäuschend schwachen zweiten ' Halbzeit bäte der Süden mehr Kraft und Vorteile. Langlotz schloß in der 52. Minute eine der wenigen eindrucksvollen Kombinationen (der Ball tanzte zum Schluß über Läpple und Balogh zum Schützen) mit einem haltbaren Schuß ab. Lipponer jagte zwanzig Minuten später mit dem Kopf, aber in der Gewalt eines Schusses, den zweiten Südwest-Treffer ins' Netz.

Feist (Duisburg) kam über einige Start-Nervositäten zu einer brauchbaren Schiedsrichterleistung. Als äußerst unangenehm und überflüssig wurde von den 60 000 Zuschauern (unter ihnen Ministerpräsident Altmeier und Staatsminister Haberer von Rheinland-Pfalz) die Mobilisierung einer starken Polizei-Reserve zur Beschwichtigung einiger weniger Schreier empfunden.

Handball-Endspiel ohne Sieger

Li. Kassel. Da im Pokalendspiel der Handball-Ländermannschaften im Vorjahr die Süddeutschen einen etwas glücklichen 8:7- Sieg gegen den Norden erkämpft hatten, räumte man ihnen auch für das Kasseler Spiel die besseren Chancen ein. Es reichte aber zu keinem Sieg, sogar zu keiner Entscheidung.

Obwohl unaufhörlich ein Landregen vom grauen Himmel herunterrieselte und die sechstausend Besucher veranlaßte, unter ihren Regenschirmen Schutz zu suchen, stellten sich die beiden Teams in ausgezeichneter Kondition vor. Während die aus den Vereinen Polizei Hamburg, Polizei Kiel und dem Deutschen Meister Hassee-Winterbek zusammengestellte Nordelf ein reines Zweckmäßigkeitsspiel vorführte, gefielen die Süddeutschen durch ihre Technik, das schöne Instellunglaufen und ihre ideenreichen Tricks. Auf beiden Seiten zeigten die Torhüter überdurchschnittliche Leistungen. Für den Süden hielt Thome prächtig und sein Gegenüber Hesch stand ihm in nichts nach. Nach einem Pausenstand von 3:3 (der Norden hatte die Führung’ des Südens immer wieder ausgeglichen) brachte Dahlinger den Norden 4:3 in Führung. Kempa egalisierte, aber der Nordmittelstürmer brachte seine Elf wieder mit 5:4 nach vorne. Von den Zuschauern mächtig angefeuert, gelang dem Süden dann noch der verdiente Ausgleich. Schiedsrichter Kühne (Berlin) leitete das faire Spiel ohne Tadel.

Belgien—Holland 7:2

In Antwerpen kam die belgische Fußballvertretung zu einem klaren 7:2-Sieg über die holländische Fußballmannschaft, nachdem sie bereits bis zur Pause eine beruhigende 3:0-Führung herausgeholt hatte. Die fußballfreundlichen Straßenbahner Antwerpens verschoben aus Anlaß des Länderspiels einen für Sonntag angesetzten 24stündigen Streik, um die Veranstaltung nicht zu beeinträchtigen.

Die kritische Sonde

LEGTE ROBERT LUDWIG AN DIE AKTIVEN

Wenn man die kritische Sonde an die Leistungen und die Spieler dieses Treffens legt, kann man das nur — will man zu einem möglichst gerechten Ergebnis kommen — wenn man si chmit dem Rahmen befaßt, der das Geschehen sowohl in den Sporthotels der Stadt wie im Stadion selbst berücksichtigt.

Den November hat der liebe Gott an einem Tag in den Kalender aufnehmen lassen, an dem er schlecht gelaunt gewesen sein muß. Nebel, Regen, tiefhängende Wolken hüllen alles in ein grämliches Grau. Die fallenden Blätter im Frankfurter Stadtwald tun ihr übriges, und man könnte den Zustand der Melancholie, der einen unter solchen Umständen überfällt, nur mit Erfolg bekämpfen, wenn man dem Dichterwort folgte: „Der Nebel steigt, es fällt das Laub, schenk’ ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag vergolden, ja vergolden.“ Leider kann es sich der Sportberichter nicht leisten, den holden Wein zu genießen, ehe er mit der Sonntagsarbeit fertig ist.

In Frankfurt war so ziemlich alles versammelt, was im deutschen Fußball Klang und Namen hat... und auch solche ohne diese Prädikate. Die Spieler wissen, daß sie vor kritischen Augen spielen — die kritischsten hat Herberger. Sie wissen, daß die ganze Fachwelt auf ihre Leistungen blickt und sie am nächsten Tag der Oeffentlichkeit unterbreitet. Das beeinflußt natürlich die seelische Einstellung der Spieler. Es ist wie in einem Examen: Wenn es losgeht, kommt man sich vor wie der „erste Mensch“, der vom Tuten und Blasen keine Ahnung hat.

Das Wetter hatte den Rasenboden des Stadions glatt und schmierig gemacht. Es waren geradezu „englische Verhältnisse“, Regen und „muddeiiger“ Boden. Auf diesem Fußballboden aber beweist sich am sichersten das Können des wirklichen Könners.

Im allgemeinen ist zu sagen, daß der Süden in besserer Kondition war. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, daß die Gäste eine 3:0-Führung nach der Pause noch aus der Hand gegeben hätten. Man darf freilich nicht vergessen, daß die Männer vom Niederrhein und aus dem Kohlenpott das Pech hatten, erst den hervorragenden Schalker Mittelläufer Matzkowski und dann den Tormann Turek durch Verletzung zu verlieren. Aber da ja ausgewechselt werden konnte und Krüger sowie Mierzowski keineswegs schlecht waren, za, weil damit sogar ein kleiner Vorteil verknüpft war, da Krüger nur eine Stunde zu spielen brauchte, während die anderen Feldspieler das komplette Pensum von 90 Minuten absolvieren mußten

Und nun zur Kritik im Einzelnen: Turek lieferte eine gute Torwartpartie. Man hat bei ihm din Eindruck, daß er vor allem über eine Riesenportion Ruhe verfügt, die freilich manchmal etwas beklemmend wirkt. Der. Münsteraner Preuße mußte zwar vier Treffer passieren lassen, während Turek nur einmal hinter sich zu greifen brauchte. Aber Turek stand zwischen den Pfosten, als seine Elf das Feld beherrschte, und Mierzowski hatte das Trommelfeuer des Südangriffs auszuhalten, als dieser seine große Zeit hatte. Lesch spielte nicht schlecht, war schnell und schlagsicher, oft aber in der Gangart zu unrein. Graf fiel weder auf noch ab. Matkowski war glänzend, und umso mehr war sein Ausfall zu bedauern. Auch Röhrig lieferte eine wackere Partie, ohne allerdings Länderspielformat zu erreichen. Kreuzbube in der Skatkarte des Westens war das dürfte unwidersprochen sein Mebus aus dem zweitklassigen VfL Benrath. Er kann alles, aber auch alles, was man von einem modernen Seitenläufer verlangt, und er hat das große Etamen als Bester aller Prüflinge bestanden. Im Angriff des Westens waren die Flüge Idle Träger des Geschehens. Klodt war in grandioser Verfassung, und wie er beim dritten Gästetreffer die ganze Süddeckung förmlich stehen ließ und Gerritzen noch eine Musterflanke zum mühelosen Einschuß präsentierte, das allein macht Berni Klodt zum bombensicheren Anwärter auf den Posten des Rechtsaußen in Stuttgart. Auch Gerritzen imponierte, doch hatte er in Picard nickt viel zu schlagen, während Klodt mit dem keineswegs begeisternden, aber doch gut zerstörenden Knoll wesentlich mehr Mühe hatte. Preißler ist nur noch ein Schatten jenes Preißler, der im Sommer 1949 jenen so großen Anteil daran hatte, daß Borussia Dortmund bis ins Endspiel vordrang. Für seine Elf mag er noch immer die Nummer eins sein, für die Ländermannschaft ist er zür Zeit nicht reif, und das Gleiche gilt von Schäfer und Hetzel, die ausgezeichnete Momente hatten und von manchen übyerschätzt wurden, die Frankfurt nicht mit dem Stuttgarter Länderspiel-Zollstock maßen.

Höger im Südtor war eine grausame Enttäuschung. An allen vier Toren des Westens war er „mitschuldig“, weil er sich schlecht stellte. Picard schlug manchmal klar ab, meistens aber kreuz und quer. Das Selbsttor soll ihm nicht einmal angekreidet werden, so etwas „kommt in den besteh Familien vor“. Von allen vier- Läufern (Dannenmeyer, Gärtner, Schreiner und Barufka) erschien uns — wiederum trotz guter Zensuren, wenn man nur Oberligamaß anlegt

— lediglich Barufka „teamreif“. Sein Abspiel ist nicht immer ideal. Aber er hat die berühmten „zwei Lungen“, macht geistvolle Flankenwechsel und schießt auch einmal kräftig und gut gezielt aus dem Hinterhalt.

Im Sturm wurde der Offenbacher Kaufhold zu wenig eingesetzt. Als es einmal geschah, operierte er so geschickt, daß aus seiner abschließenden Vorlage ein Südtor wurde. M o r 1 o c k amtierte, wie immer, als „Bagger“, der die Bälle unermüdlich aus dem Mittelfeld herausholt. Die Art, wie er nach schwieriger Ballannahme und geschickter Täuschung mit einer Körperdrehunig von 180 Grad seine beiden Trester placierte, macht ihm so leicht kein anderer deutscher Spieler nach. Schade war ein Mittelstürmer von Klasse, der in seiner ganzen Art an den Helmut Schön aus dessen Glanzzeit erinnert. Wir können uns keinen besseren Mittelstürmer für Stuttgart denken als Horst Schade. Blessing lief, flankte und schoß, daß es eine Freude war. Herrmann kam nach schwachem Start immer besser heraus. Er vermittelte allen Anwesenden die bleibende Erinnerung an diesen Tag, als er nach dem von ihm erzielten Anschlußtreffer (beim Stande von 0:2) sein Handspiel zuga in der Art G. v. Gramms, der einmal aus eigenem Antrieb eine Fehlentscheidung des Schiedsrichter richtigstellte, die ihn ins Wimbledon-Finale geführt hätte. Respekt vor solchen Leuten!

Schiedsrichter Dusch, Kaiserslautern, war dem Kampf ein aufmerksamer und sicherer Leiter. Daß ihm auf dem schweren Boden und dem wilden Tempo des Kampfes vielleicht die eine oder andere Fehlentscheidung unterlief, ändert nichts an diesem Urteil!

Der richtige Tip

(ohne Gewähr) Hessen: 1,2, 1,1, 0,0, 2,0, 0,2, 1,1, 0, 1 Bayern: 1,2, 0,0, 2,0, 1, 1,1 Rheinland-Pfalz: 2,2, 0,1, 0,0, 0,2, 1,1, 1,0, 1,1 Württemberg-Baden: 1,0, 1,2, 0,0, 2,0, 1. 0,1, 1,1, 1 Nordblock: 1,0, 0,1, 1,1, 1,2, 0,1, 0, 2,1, 0 Westdeutschland: 1,0, 0,1, 0,0, 2,0, 0, 1, L 0,1, 2 Bayern Internationale IQ: 1,1, 1,1, 2,1, 2,1, 1,2, 2,0, 0

VfL Osnabrück führt wieder im Norden

In der norddeutschen Oberliga gab es mit einer Ausnahme knappe Ergebnisse, die in der Spitzengruppe keine wesentlichen Aender rungen verursachten. Der VfL Osnabrück schlug den Vfß Oldenburg 3:1 und steht nun mit 17:7 Punkten vor Göttingen (16:6 Punkte) an erster Stelle. Werder Bremen machte einen Satz von vier Plätzen nach vorne. Der 7:2-Sieg der „Texaner“ war auch beachtlich. Der norddeutsche Meister Hamburger SV verlor in Braunschweig bei der Eintracht mit 2:2 vor 35 000 Zuschauern einen wichtigen Punkt. Alle vier Treffer dieses Spieles waren verwandelte Elfmeter. Braunschweig führte in der 50. Minute 2:0 (Thamm); dann erst kamen die Hamburger Rothosen zum Ausgleich (Klatte und Dammers). Werder Bremen gewann in Altona sicherer als erwartet. Der 7:2-Sieg war verdient. Nach starkem Widerstand in der ersten Halbzeit (3:2) brach Altona im zweiten Akt zusammen. An den Toren für Bremen war der ganze Sturm beteiligt. Jackstell und Erb waren für den Aufsteiger Altona 93 erfolgreich.

Mit Ach und Krach gewann Hannover 96 3:2 (2:0) in Hannover über den anderen Neuling Itzehoe. Wewetzer schoß nach 10 Minuten das Führungstor für Hannover, und kurz vor der Pause erhöhte Hundertmark auf 2:0. Im zweiten Teile, in dem Scheffler und Klinger die Gegentore für Itzehoe erzielten und die Platzherren nur noch einmal erfolgreich waren (Loth), mußten die Hannoveraner froh sein, beide Punkte behalten zu haben. Mit etwas Glück gewann der VfL Osnabrück 3:1 (1:0) über den VfL Oldenburg. In der 82. Minute wurde der Oldenburger Verteidiger Schlag vom Platz gestellt, und 2 Minuten später verhalf ein Elfmeter, den Osnabrücks Torhüter Thiele verwandelte, zum Sieg.

Im „Kleinen Hamburger Fußballderby“ gab es ein 0:5 beim Spiel zwischen St. Pauli und Eimsbüttel. Das Spiel stand beiderseits im Zeichen starker Deckungen, so daß die Torhüter Schönbeck und Kowalkowski nur wenig einzugreifen brauchten.

Der Bremer SV schlug überraschenderweise in Bremen die Arminia 3:1. Die Torfolge: Richter (Bremen) und Apel (Arminia) 1:1, 2:1 und 3:1 durch Sontowski und Erdmann. Im zweiten Abschnitt änderte sich nichts mehr. Holstein Kiel gewann auch sein 7. Heimspiel mit 1:0 gegen Bremerhaven 93. Der entscheidende Treffer fiel schon nach 10 Minuten (Schmidt).

Schweinfurt an der Spitze

Infolge der beiden Repräsentativspiele standen in der 1. Liga Süd nur zwei Nachholspiele auf dem Programm, so daß jetzt alle Mannschaften gleiche Spielzahl haben. Die Schweinfurter Grünhemden erzwangen dabei die erwartete Tabellenführung, denn sie schlugen den FC Singen 04 mit 3:0, einem Ergebnis, das schon bei der Pause feststand. Meusel (2) und Fischer waren für den Spitzenreiter erfolgreich. Nach dem Wechsel verflachte das Spiel auf dem schlechten Boden mehr und mehr und brachte beiden Mannschaften die gleichen Tormöglichkeiten.

An der Grünwalder Straße in München hatten sich 30 000 Zuschauer zum „Derby“ zwischen Bayern und 1860 eingefunden, das die Löwen schließlich verdient mit 3:2 Toren gewannen. Thanner brachte die Löwen in Führung, aber Siedl gelang fast mit dem Pausenpfiff der Ausgleich. Dann kamen die Löwen in Fahrt und erzwangen durch Thanner und Mondschein eine 3:1-Führung. Die Bayern setzten nun alles auf eine Karte, Witt ging in den Sturm, aber nur einmal war Seemann für die Rothosen erfolgreich, während einem schönen Schuß von Witt die Latte den Erfolg verwehrte.

Schweiz besiegt Schweden 4:2

Bei sehr ungünstiger Witterung konnten die Eidgenossen am Sonntag in Genf vor 25 000 Zuschauern gegen die schwedische Fußball-Elf mit 4:2 Toren ihren sechsten Sieg gegen die Nordländer feiern. Abgesehen von kleinen Unterbrechungen waren die Schweizer fast während des ganzen Spieles überlegen. Nach einer anfänglichen Drangperiode der schwedischen Gäste, machten sich die Eidgenossen nach 20 Minuten aus der gegnerischen Umklammerung frei und gingen durch Friedländer 1:0 in Führung. Antenen erhöhte zwei Minuten später auf 2:0. Ein Eigentor des Schweizer Verteidigers Bocquet erbrachte

den 2:1-Pausenstand. Nach dem Wechsel konnten die Schweden sogar durch einen von Emanuelsson verwandelten Elfmeter gleichziehen. Auf Zuspiel von Antenen konnte jedoch vier Minuten später Fatton zum 3:2 einschießen. Der gleiche Spieler war es auch, der für das Ergebnis verantwortlich war.

Die Tabellenführer der Bezirksklasse strauchelten

Lorsch spielte in Bensheim nur untenschieden Bischofsheim 3:0 geschlagen

Bezirksklasse Gruppe 1

Hofheim — Bürstadt 2:3 (2:2)

Bürstads Sieg beim alten Rivalen Hofheim ist glücklich aber verdient. Die Gäste zeigten zweifellos das schnellere und reifere Spiel, Hofheim dagegen spielte, von den stimmgewaltigen Zuschauern unterstützt, mit größerem Eifer. Seib brachte die Hofheimer in der 8. Minute in Führung. Bei verteiltem Spiel glich Kilian in der 17. Minute aus. Wenig später mußte Bauer, Bürstadt, einige Zeit verletzt ausscheiden und Hofheim bekam starken Auftrieb. In der 38. Minute erzielte wiederum Seib für die Gastgeber die Führung. 6 Minuten später glich Brückmann aus. Nach dem Wechsel sah man ein beiderseits schönes Spiel mit flüssigen Kombinationen von Tor zu Tor. Es sah schon nach einem Unentschieden aus, als sich Bauer wenige Mihuten vor Schluß einen Ball erlief und zum Siegestreffer einschoß. -Ka-

Pfungstadt—Biblis 4:1 (1:0)

Biblis brachte mit einem schnellen Start Bewegung in dieses von Anfang an spannende Spiel. Lange Zeit waren die Gäste durch ihr Tempo obenauf und machten der Pfungstädter Verteidigung allerhand zu schaffen. Dann gaben aber die Einheimischen ihr anfänglich planloses Spiel auf und konnten nach einigen vergeblichen Durchbrüchen in den letzten Minuten der ersten Halbzeit das Führungstor erzielen. Von nun an war Pfungstadt völliger Beherrscher des Spielverlaufs. Großes Pech verhinderte jedoch einen noch größeren Erfolg. Erst als in der 65. Minute Biblis wieder aufkam und gleichzog, so daß der Ausgang wieder offen war, konnte Daum noch durch drei wohlplacierte Tore für seine Mannschaft den verdienten Sieg sicherstellen. -Md-

Bensheim — Lorsch 3:3 (2:1)

Etwas überraschend mußte Lorsch bei dem Nachbarn Bensheim den ersten Punkt lassen. Zwar waren die Gäste spielerisch die Besseren, aber Bensheim hielt mit seiner konsequenten Deckung lange Zeit den Strafraum und das Tor sauber. Die jungen Bensheimer Stürmer starteten nur wenige, aber gefährliche Angriffe und erarbeiteten sich die zwingenderen Torchancen. Neumann brachte durch einen haltbaren 50-Meter-Schuß die Bensheimer in Führung. Groß erhöhte wenig später durch einen Kopfball auf 2:0. Dann kam Lorsch durch Leibold zu seinem Anschlußtreffer. Nach dem Wechsel spielte Lorsch durchweg überlegen. Aber wiederum war es Groß, der Bensheim die 3:1-Führung brachte. Dann vernachlässigte Bensheim seine konsequente Deckung und begann offensiv zu spielen. Damit war den Lorschern die Gelegenheit gegeben, in den letzten 10 Minuten durch Leibold und Gärtner den Ausgleich zu erzielen. -Ka-

Ober-Ramstadt — Eberstadt 4:0 (0:0)

In der ersten Halbzeit zeigten beide Mannschaften ein ausgeglichenes Spiel, das allerdings durch den schweren Boden sehr beeinträchtigt wurde. Eberstadt konnte sich mit den Platzverhältnissen nicht so gut abfinden wie die Einheimischen und so kam es, daß Oberramstadt nach dem Wechsel nacheinander vier Tore erzielen konnte, die den Sieg sicherstellten. Die Tore fielen durch Reinig, Ackermann, Kern und Becht. D

Heppenheim — Groß-Gerau 1:2 (0:1)

Auch das Spiel in der Kreisstadt litt unter den schlechten Platzverhältnissen. Hier gelang es dem Neuling Groß-Gerau, überraschend beide Punkte zu entführen. Allerdings halfen die Heppenheimer Verteidiger dabei kräftig mit. Das Spiel selbst war sehr fair und anständig, hatte keine besonderen Höhepunkte und war über die größten Strecken ausgeglichen. Groß-Gerau kam durch ein Eigentor der Heppenheimer in der ersten Halbzeit in Führung. Ein weiteres Eigentor Heppenheims erbrachte ihnen nach dem Wechsel sogar das 0:2. Dann fanden sich die Gastgeber und wurden wesentlich offensiver. Schließlich gelang es Jäger, den Anschlußtreffer zu erzielen. Der Sieg der Gäste ist etwas schmeichelhaft, ein Unentschieden hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. -Ka-

Roßdorf—Vikt. Urberach 1:1 (0:0)

Roßdorf vergab in der 25. Minute die erste Torchance, als der Halbrechte Babel einen Handelfmeter unplaciert schoß. Die Gegner lieferten sich in der ersten Halbzeit ein ausgeglichenes Spiel und wechselten beim Stande von 0:0 die Seiten. Nach der Pause kam Roßdorf stark auf und verhinderte durch hervorragende Abwehr-Aktionen einen Torerfolg der Gaste. Jedoch in der 55. Minute umspielte der Urberacher Mittelstürmer die gegnerische Deckung und schoß entschlossen zum 1:0 ein. Doch Roßdorft konnte kurze Zeit darauf nach einer schönen Kombination durch Mittelstürmer Korndörfer den Ausgleich erzielen. sl.

Bobstadt — Langen 1:1 (1:0)

Eine beachtliche Leistung vollbrachte der Neuling Langen auf dem gefährlichen Bobstädter Gelände. In dem mitunter etwas zu harten Spiel, das stark unter der schlechten Witterung zu leiden hatte, gelang es den Gästen. einen Punkt mitzunehmen. Bobstadt scheint sich von der Niederlage in Biblis noch nicht so recht erholt zu haben, denn obwohl Cornelius wieder mit von der Partie war, klanpte vieles nicht so wie es sollte. Gerber brachte in der 12. Minute die Bobstädter durch Verwandeln eines Strafstoßes in Führung. Nach dem Wechsel konnte Langen sogar ausgleichen. Ueberhaupt war die zweite Halbzeit ausgeglichen und stand unter dem Zeichen der beiderseits starken Hintermannschaften. Gegen Schluß nahm das Spiel härtere Formen an und 2 Spieler Bobstads wurden wegen unfairen Spieles des Feldes verwiesen.

Bezirksklasse Gruppe 2

Mörfelden—Dieburg 2:2 (1:1)

Es war wohl das schönste Spiel, das man seither in Mörfelden sah. Erstaunlich, mit welchem Eifer Mörfeldens junge Mannschaft den technisch überlegenen Gästen die Waage hielt. Mörfelden ging denn auch nach einer Viertelstunde durch seinen Torjäger Knodt in Führung, mußte aber einige Minuten vor dem Wechsel durch einen Deckungsfehler den Ausgleich hinnehmen. Die abermalige Führung durch denselben Torschützen konnte der Gastgeber bis eine Minute vor Schluß halten. Erst mit dem Abpfiff gelang Dieburg abermals der Ausgleich. -ir_

VfL Michelstadt—Wixhausen 2:2 (1:1)

Bei strömendem Regen und denkbar ungünstigen Platzverhältnissen lief in Michelstadt ein Spiel, das die Platzbesitzer durchweg für sich überlegen gestalten konnten. Zwar gingen die Gäste bereits in der 3. Minute, noch ehe sich die VfL-Hintermannschaft mit den schwierigen .Bodenverhältnissen abgefunden hatte, nach einem Durchbruch des Halblinken Stork* 1:0 in Führung. In der 8. Minute glich Flechsenhar aus. In der 51. Minute brachte ein unerwarteter Durchbruch von Wixhausen die 2:1-Führung durch Knöß, der eine Flanke des Rechtsaußen in die obere Torecke leitete. In der Folge präsentierte sich die Michelstädter Elf mit einem ideenreichen Kombinationsspiel, ohne allerdings ihre Ueberlegenheit in Tore verwandeln zu können. Erst 4 Minuten vor Abpfiff waren die Gastgeber durch Erl noch einmal erfolgreich. Bei Wixhausen wurde Weckmann des Feldes verwiesen.

Germania Oberroden—Messel 7:1 (2:1)

Mit Elan ging der Neuling in Oberroden an den Start. Allerdings stand das Spiel im Zeichen der Gastgeber, die wieder Keck zur Stelle hatten. Schnelle Flügel schufen gefährliche Situationen vor dem Gästetor. Ueberraschenderweise konnte Laumann nach einem Alleingang die Messeler 1:0 in Front bringen. Nach einem Foul an Keck verwandelte Keller den Elfmeter sicher. 4 Minuten später hatte Keck die 2:1- Halbzeit-Führung herausgeschossen. Nur wenige Vorteile hatte der Neuling auch nach der Pause. In der 50. und in der 60. Minute konnte Oberroden auf 4:1 erhöhen. Aus den pausenlosen Angriffen heraus erzielte dann Keck den 5. und 6. Treffer, zu denen sich noch ein 7. Tor von Roth gesellte. _gj_

Trebur — Rot-Weiß Walldorf 0:3 (0:1)

Das Spiel stand für die einheimische Mannschaft unter einem unglücklichen Stern. Während die Hintermannschaft sehr geschickt operierte und den äußerst schnellen Walldörfer Sturm gut abdeckte, fand sich die Fünferreihe zu keiner geschlossenen Leistung zusammen, so daß die Deckung überlastet war. So waren auch die drei Tore auf die Dauer nicht zu verhindern. In der 35. Minute schoß der Walldörfer Halblinke Wirth den ersten Treffer und in der 2. Halbzeit mußte Treburs Tormann, der durch seine gute Leistung eine noch höhere Niederlage verhinderte, noch ein zweites und drittes Mal hinter sich greifen. -ir-

KSV Urberach—Bischofsheim 3:0 (2:0)

Der KSV spielte überlegen, und schon in der 10. Minute konnte Herrmann I ein schönes Feldtor erzielen. Hierdurch gestärkt kurbelten die Gastgeber immer wieder neue Angriffe an. Nur wenige Gegenstöße brachten den Gästen Entlastung. Ein schöner Flachpaß und einwandfreie Deckungsarbeit führten in der 40. Minute durch einen weiteren Treffer des gleichen Spielers zum 2:0. Nach dem Seitenwechsel versuchten die Vorstädter vergebens, die stabile Abwehr der Platzherren zu durchbrechen. Immer zwingender wurden die Chancen der Gastgeber, und aus dem Gedränge heraus erzielte Herrmann II den 3. Treffer. -gi_

F ußball-Kreisklassen A-Klasse Darmstadt

Seeheim—Erzhausen 3;o Hahn—Weiterstadt 0-3 SSG Langen—Gräfenhausen 2:1 Hähnlein—Bickenbach 3:0 TSG 46 Darmstadt—TuS Griesheim 9:1 Nieder-Ramstadt—Alsbach 2:2

B-Klasse Darmstadt

Union Darmstadt—Nieder-Beerbach 6 2 Traisa—SV 98 (Soma) H 9 SC Griesheim—Jugenheim 3;2 Eschollbrücken—Ober-Beerbach 7:0 Brandau—Vfß Langen ausgef.

A-Klasse Dieburg

Offenthai—Groß-Umstadt 1:4 Kleestadt—Nieder-Roden 2:4 Spachbrücken—Klein-Zimmern 3-5 Ober-Roden—Lengfeld 2;3 abgebr. Mosbach—Götzenhain 4:2 Ueberau—Dreieichenhain 3:0

B-Klasse Dieburg Gruppe 2

Hergershausen—Münster 5:o Klein-Umstadt—Wiebelsbach 1:3 Raibach—Schaafheim o-6 Heubach—TV Groß-Umstadt 6:1

A-Klasse Groß-Gerau

Klein-Gerau—Walldorf 3;i Dornheim—Raunheim 07 m Büttelborn—Wolfskehlen 4:3 Gernsheim—Ginsheim 5:0(1) Astheim—Biebesheim s;i Gustavsburg—Stockstadt 2:1

B-Klasse Groß-Gerau

Erfelden—Worfelden i:o Leeheim—TSV Rüsselsheim 1:3 Geinsheim—Opel Rüsselsheim Ib ausgef. SSV Raunheim—Bischofsheim Ib 1:0 Wallerstädten—Goddelau 3:1

A-Klasse Bergstraße

Reichenbach—Aschbach 10:3 Mörlenbach—FC Fürth 2:3 Einhausen-—Affolterbach 2:0 Auerbach—Weiher ' 2:0

B-Klasse Gruppe Ried

Nordheim—Schönberg 14:0 Hüttenfeld—Zwingenberg 1:5 Elmshausen—RW Heppenheim ausgef.

B-Klasse Gruppe Odenwald

SV Fürth—Ober-Abtsteinach 0:1 abgebr. Rimbach—Zotzenbach 11:1 Unt.-Abtsteinach—U.-Schönmattenw. ausgef. Reichelsheim—Hammelbach 3:1 Wahlen—Fränkisch-Krumbach 4:1

i A-Klasse Erbach

Neustadt TSV Höchst 5:2 TSG Badl König—Günterfürst 2:2 Würzberg—Lützel-Wiebelsbach ausgef. KSV Erbach (Soma)—Sandbach 2:1 Steinbach—Hainstadt 2:0

B-Klasse Gruppe Unterzent

Höchst (Soma)—Vielbrunn 3:2 Kirchbrombach—Wald-Amorbach 1:0 VfL Höchst—Haingrund 5:2 Mümling-Grumbach—Fürstengrund 10:2

DFC in Aschaffenburg Herrenflorett 22:14, Damenflorett 7:9

Darmstadt Fechter waren am Sonntag zum fälligen Rückkampf beim Turnverein 1860 in Aschaffenburg. Wie zu erwarten, siegten die Herren überlegen und viel eindeutiger als das Ergebnis besagt. Die Aschaffenburger konnten nie gefährlich werden, und erst als bereits der Endsieg der Darmstädter feststand, ließ der Eifer der Gäste nach, und Aschaffenburg konnte etwas aufkommen. Die Gefechte zeigten sehr deutlich eine Leistungsverbesserung der Darmstädter. Das Spezialtraining durch Fechtmeister Adalbert Kötting beginnt sich auszuwirken. Die besten Darmstädter Fechter waren Melcher, Haun und Weickert. Zu erwähnen ist noch Schreber, der nach einigen Fehlschlägen mit 3 sauberen Siegen seine Mannschaft bestens unterstützte. Am Nachmittag wurde das Florettfechten der Damen gestartet. Die Aschaffenburger konnten ihren Darmstädter Sieg wiederholen. Die Mannschaftsleistung der Darmstädter Fechterinnen war ausgeglichen, ein Sieg lag durchaus im Bereich der Möglichkeit. Herr Weicker und Herr Haun zeigten anschließend noch eine Fechtakademie im Säbelfechten.

Tischtennis TG Rüsselsheim — SV Darmstadt 98 3:9

Am Sonntag standen sich in Rüselsheim im Verbandsspiel um die hessische Meisterschaft der Neuling TG Rüsselsheim und der SV 98 gegenüber. Auch in ihrem weiteren Heimspiel blieben die Gastgeber ohne Sieg. Die Darmstädter dagegen sind nun von der Abstiegsgefahr befreit. Die einzelnen Spiele standen eindeutig im Zeichen der Gäste. Den jungen Spielern der TG Rüsselsheim fehlt noch die notwendige Erfahrung für diese schweren Kämpfe in der obersten hessischen Spielklasse. Nach den ersten Einzelspielen stand es bereits durch Siege von Lutz, Haller, Wittmann, Kappes, Hartmann und Hardt 6:0 für die Lilienträger. Nachdem die beiden Doppel ebenfalls Gästesiege durch Hardt/Kappes und Haller/Hartmann brachten stand die Partie 8:0 für die Darmstädter. Leichtfertiges Spiel von Hartmann und Hardt (98) brachte den Gastgebern durch Stiehl und Wolf eine Verbesserung des Ergebnisses. Ein weiteres Einzel wurde kampflos den Gastgebern geschenkt. Lutz (98) stellte schließlich in einem weiteren Einzelspiel über Schröder den glatten Erfolg sicher.

In der Bezirksklasse Darmstadt war die D :5-Niederlage der TG 75 gegen Mörfelden die große Ueberraschung. Der bisher ungeschlagene Tabellenführer ließ sich auf eigener Platte die ersten Punkte entführen. Die beiden Mannschaften, die sich schon von den Aufstiegsspielen her nicht mehr unbekannt waren, boten eine schöne Leistung.

Auf April 1951 verschoben wurde die Deutschlandreise der Schwimmer von Entente Ca*alane Barcelona.

Zur Internationalen Eishockeywoche nach Davos erhielten der EV Füssen und die Düsseldorfer EG eine Einladung.

Helmut Schön will nicht mehr aktiv tätig sein, sondern sich in Zukunft nur noch auf seine Trainertätigkeit bei Hertha BSC und BFC Nordstern beschränken.

Hof heim—Bürstadt
2:3 (2:2) Pfungstadt—Biblis
4:1 (1:0) Bensheim—Lorsch
3:3 (2:1) Ober-Ramstadt—Eberstadt
4:0 (0:0) Heppenheim—Groß-Gerau
1:2 (0:1) Roßdorf—Vikt. Urberach
1:1 (0:0) Bobstadt—Vfß Langen
1:1 (1:0)
Lorsch
9 8 1 0 39:8 17:1 Bürstadt
10 7 1 2 24:12 15:5 Ober-Ramstadt
10 7 0 3 32:19 14:6 Vikt. Urberach
9 5 2 2 21:12 12:6 Bobstadt
11 5 2 4 30:19 12:10 Groß-Gerau
9 5 0 4 26:19 10:8 Hofheim
10 4 1 5 13:13 9:11
Pfungstadt
10 4 1 5 18:26 9:11 Roßdorf
11 4 1 6 26:42 9:13 VfR Langen
8 3 2 3 17:16 8:8
Heppenheim
9 4 0 5 17:17 8:10
Biblis
11 3 2 6 26:38 8:14
Bensheim
10 3 1 6 14:29 7:13
Eberstadt
10 1 4 5 14:22 6:14
Groß-Rohrheim
9 0 2 7 4:31 2:16
Mörfelden—Dieburg
2:2 (1:1) Michelstadt—Wixhausen
2:2 (1:1) Ober-Roden—Messel
7:1 (2:1) Trebur—Walldorf
0:3 (0:1) KSV Urberach—Bischofsheim
3:0 (2:0) Bischofsheim 10 7 1 2 30:16
15:5 Walldorf 10 7 0 3 17:8
14:6 Dieburg 10 5 3 2 37:19
13:7 KSV Urberach 8 5 2 1 19:8
12:4 Oberroden 10 5 2 3 28:17
12:8 Mörfelden 9 3 4 2 19:17
10:8 Wixhausen 10 4 2 4 16:14
10:10 Münster 10 3 4 3 19:19
10:10 Erbach 8 4 0 4 21:27
8:8 Nauheim 9 2 4 3 16:19
8:10 Michelstadt 10 3 2 5 18:31
8:12 Messel 9 2 3 4 18:26
7:11 Egelsbach 10 2 3 5 25:29
7:13 Eppertshausen 9 0 5 4 12:22
5:13 Trebur 10 1 1 8
6:29 3:17

Peter Müller gehört zur Spitzenklasse

Der Deutsche Mittelgewichtsmeister schlägt Stock nach Punkten

-il. Frankfurt. (Eigener Bericht.) Neuntausend Zuschauer erlebten im FranKtausena Technik“ am Samstag lUrlnr verdienten Punktsieg des deutschen Mittelgewichtsmeisters Peter Müller (Köln) über den französischen Ranghstenboxer liinLri stock Der Franzose erwies sich fls überaus tapfere'r Fighter, der auch die härtesten Schläge des deutsdien Meisters ^geradezu stoischer Ruhe einsteckte ^oinnrseits kräftig mitmischte. Besonders im Nahkampf mußte Müller sehr Ä Hut sein. In der sechsten Runde sah es so aus als sollte der Deutsche Meiner entscheidend siegen, denn in dieser Pha«e des Kampfes kam er mit einigen Aufwärtshaken gut durch, so daß der Franzose etwas „groggy“ erschien. Se)n Stehvermögen und seine gute Deckung verhalfen ihm jedoch über diese gefährlichen Augenblicke hinweg. Der Punktsieg Müllers ging auf alle Fälle in Ordnung.

In einem weiteren Mittelgewichtskampf zwischen Fredy Teichmann (Berlin) und dem Amerikaner Charity brach Ringrichter Max Schmeling nach zweimaliger Verwarnung des Amerikaners nach einem dritten Tiefschlag den Kampf ab und disqualifizierte Charity. Der Leichtgewichtler Heinz Sanders (Hildesheim) punktete den Kasseler Ludwig Petri sicher aus. Im Weltergewicht trennten sich Jakob Schöneberger (Frankfurt) und Jupp Mönnichhoff (Köln) unentschieden, und im Leichtgewicht siegte Handke (Berlin) gegen Pinsdorf (Köln) nach Punkten.

Arheiligen auch vom Tabellenletzten besiegt

SV Tübingen—SG Arheilgen 5:2 (3:0)

Auf einem schmierseifenähnlichen Grasboden mit lehmigem Untergrund wurden die Arheilger in Tübingen geschlagen. Schon in den ersten Minuten zeigte sich, daß der Arheilger Hintermannschaft dieser Spielgrund viel zu schwer war. Trotzdem griffen in den ersten Minuten die Arheilger an, aber Torwart Gitszhier hielt sowohl einen Flachschuß von Becker als auch einen Weitschuß von Zöller. In der 5. Minute war es Mahr, der nicht schnell genug an das Durchspiel der Tübinger herankam. Der Halbrechte Scheffbuch ging mit einem Steildurchspiel durch und sandte für Seibel unhaltbar zum 1:0 ins linke Eck. Im Gegenzug war es erneut Gitszhier, der eine Ecke von Traser in feiner Manier unschädlich machte. Wenzel fand in der Arheilger Hintermannschaft zunächst keinen Kontakt, so daß es weiterhin zu brenzligen Situationen vor dem Arheilger Tor kam, die aber geklärt werden konnten. Becker war bei einem Arheilger Gegenangriff schon an dem Torwart vorbei, kam zu Fall und schoß den Ball ins Aus. In der 18. Minute waren es Wenzel und Mahr, die auf der linken Seite an einem Ball vorbeirutschten, und Baessle konnte diese Gelegenheit zum 2:0 ausnützen. Nun griffen die Arheilger stärker an, aber Torwart Gitszhier bewahrte seine Mannschaft vor. einem Gegentreffer. In der 23. Minute brachte Esterriedt die Tübinger sogar mit 3:0 in Front. In zügigen Gegenangriffen versuchten die Arheilger das Ergebnis zu verbessern.

Nach Wiederangriff waren es die Arheilger, die mit aller Kraft eine Verbesserung des Ergebnisses anstrebten. Bereits in der zweiten Minute behielt Becker den Ball im Kampf mit Mittelläufer Diehl, und sein Steildurchspiel zu Lieber führte zum 3:1. Vier Minuten später kam Becker erneut zum Schuß, und! vom Pfosten prallte der Ball zum 3:2 ins Netz. Die Arheilger zeigten sich nun den Tübingern im Mittelfeld überlegen. Mit einem gepflegten Paßspiel von Mann zu Mann erspielten sie sich die Oberhand. Es schien nur eine Frage der Zeit, wann der Ausgleich fallen sollte. Ein Strafstoß jedoch, von Scheffbuch durch leichtes Antippen ins leere Tor gelenkt, brachte die Tübinger wieder mit 4:2 in Führung. In der 76. Minute gelang es Esterriedt, Seibel erneut zu überwinden. Die Arheilger gaben sich nunmehr ' geschlagen. SG Arheilgen spielte mit: Seibel; Marko, Wenzel; Wendler, Mahr, Zöller; Dilfer, Müller, Becker, Lieber, Traser.

Der Vorverkauf für das Oberligaspiel SV Darmstadt 98—1. FC Nürnberg beginnt am Dienstag, 9 Uhr, in den bekannten Vorverkaufsstellen.

Zahlen und Tabellen Fußball

Länderspiele

Schweiz—Schweden 4:2 Belgien—Holland 7:2

Auswahlspiele

Süd A—West 5:4 Südwest—Süd B 2:2

Amateur-Länderpokal

Niederrhein—Nordbaden 4:4 nach Verl. Westfalen—Nordwürttemberg 4:0 Bayern—Mittelrhein 6:0 Berlin—Hamburg 5:2

Freundschaftsspiele

Schalke 04—Belo Horizonte 1:3 Bayer Leverkusen—TuS Neuendorf 2:1 Rheydter SV-FSV Frankfurt 3:2 VfL Benrath—Alemannia Aachen 3:5 Wormatia Worms—l. FC Nürnberg 7:2 Saarland-Pokal FC Saarbrücken—Vfß Mühlburg 1:2

Erste Liga Süd

Schweinfurt 05—FC Singen 04 3:0 Bayern München—lß6o München 2:3

Tabelle

Zweite Liga Süd ASV Dur lach—Wacker München 5:2 SV Tübingen—SG Arheilgen 5:2 ASV Cham—l. FC Bamberg 3;0 Tabelle

Erste Liga West Barussia Dortmund — Duisburger SV 0:0 Bor. München-Gladb. —Pr Dellbrück 3:3 Spvgg Erkenschwick — Rot-Weiß Essen 1:1 Hamborn 07 —Horst Emscher 2:0

Erste Liga Nord Eintr. Braunschw. — Hamburger SV 2’2 Hannover 96 — SV Itzehoe 3:2 FC St. Pauli — Eimsbüttel 0:0 Bremer SV — Arm. Hannover 3:1 Altona 93 — Werder Bremen o;o VfL Osnabrück — Vfß Oldenburg 3:1 Holstein Kiel — Bremerhaven 93 1:0

Oberliga Südwest ASV Landau—Eintracht Trier 1:3 VfR Kaiserslautern—VfL Neustadt 0:0 Spvgg Andernach—Mainz 05 3;0 Eintr. Kreuznach—Phönix Ludwigshafen 1:2

England 1. Division Arsenal—Sunderland g.« Burnley—Wolverhampton Wanderers 2;0 Chelsea—Manchester United i-’n Everton—Tottenham Hotspurs i;2 Huddersfield Town—Liverpool FC 2'2 Middlesbrough—Derby County i’-j Newcastle United—Fulham pg Portsmouth FC—Charlton Athletic 3:3 Sheffield Wednesday—Aston Villa 3-2 Stoke City—Blackpool FC 1:0 West Bromwich Albion—Bolton Wanderers 0:1

FC Schweinfurt 12 8 1 3 24:13 17:7
FC Nürnberg 12 7 2 3 28:10 16:8
Spvgg Fürth 12 8 0 3 29:14 16:8
FSV Frankfurt 12 7 2 3 25:18 16:8
Vfß Mühlburg 12 7 1 4 38:18 15:9
Eintr. Frankfurt 12 5 5 2 21:17 15:9
Vfß Stuttgart 12 6 2 4 28:17 14:10
VfR Mannheim 12 7 0 5 34:23 14:10
München 1860 12 6 1 5 25:25 13:11
Schwaben Augsb. 12 5 3 4 21:22 13:11
Kickers Offenbach 12 5 1 6 24:23 11:13
Bayern München 12 4 2 6 24:24 10:14
Singen 04 12 4 2 6 19:38 10:14
SV Darmstadt 98 12 3 3 6 17:31 9:15
SV Waldhof 12 3 2 7 18:24 8:16
VfL Neckarau 12 3 1 3 17:32 7:17
SSV Reutlingen 12 3 1 8 16:44 7:17
BC Augsburg 12 1 3 8 10:25 5:19
Kickers Stuttgart 12 9 2 1 33:16 20:4
ASV Cham 13 8 4 1 28:12 20:6
Bayern Hof 12 8 2 2 23:10 18:6
Jahn Regensburg 12 7 3 2 27:13 17:7
Hessen Kassel 12 6 4 2 36:21 16:8
FC Bamberg 13 6 4 3 20:15 16:10
Vikt. Aschaffenb. 12 6 3 3 32:19 15:9
FC Pforzheim ' 12 5 3 4 28:23 13:11
Wacker München 13 6 1 6 30:26 13:13
ASV Durlach 13 5 2 6 29:28 12:14
TSV Straubing 12 4 2 6 26:28 10:14
Union Bückingen 12 4 2 6 18:22 10:14
Ulm 46 12 4 2 6 14:25 10:14
VfL Konstanz 12 4 1 7 13:25 9:15
FC Freiburg 12 3 2 7 17:30 8:16
SV Wiesbaden 12 3 1 8 25:24 7:17
SG Arheilgen 13 2 1 10 15:42 5:21
SV Tübingen 13 1 0 12 15:51 2:24
Schalke 04 11 a 2 1 28:8 18:4
Boruss. Dortmund 12 7 4 1 27:15 18:6
1. FC Köln 11 8 0 3 23:8 16:6
Preußen Münster 11 7 1 3 16:8 15:7
Rot-Weiß Essen 12 7 1 4 32:18 15:9
Fortuna Düsseld. 11 5 3 3 17:13 13:9
Spvgg Erkenschw. 12 4 5 3 11:9 13:11
Preußen Dellbrück 12 4 4 4 19:17 12:12
Alemannia Aachen 10 4 3 3 16:20 11:9
Rheydter SV 11 4 2 5 17:25 10:12
Hamborn 07 12 4 2 6 16:22 10:14
Horst Emscher 12 2 4 6 14:18 8:16
Rot-Weiß Oberhs. 10 2 3 5 10:18 7:13
Boruss. M.-Gladb. 12 2 2 8 16:40 6:18
Spfrd Katernberg 11 2 1 8 15:26 5:17
Duisburger Sv 12 2 1 9 7:19 5:19
VfL Osnabrück 12 7 3 2 31:18 17:7
Göttingen 05 11 7 2 2 35:20 16:6
Werder Bremen 11 6 3 2 31:16 15:7
Eimsbüttel 11 6 3 2 19:13 15:7
St. Pauli 12 5 5 2 29:15 15:9
Hamburger SV 12 6 3 3 36:19 15:9
Holstein Kiel 11 7 0 4 19:18 14:8
Bremerhaven 93 12 6 2 4 22:21 14:10
Vfß Oldenburg 12 4 4 4 23:24 12:12
Arm. Hannover 11 5 1 5 21:17 11:11
Eintr. Braunschw. 12 4 3 5 27:23 11:13
Bremer SV 12 5 1 6 25:28 11:13
Hannover 96 11 2 4 5 19:23 8:14
Altona 93 12 2 3 7 20:43 7:17
Cone. Hamburg 10 2 2 6 12:27 6:14
Eintr. Osnabrück 10 0 5 5 14:25 5:15
SV Itzehoe 12 1 0 11 14:47 2:22
1- FC Kaiserslautern. 11 10 1 0 38:6 21:1
Wormatia Worms 11 9 1 1 39:14 19:3
Phönix Ludwigshafen 12 633 37:23 15:9
Eintracht Trier 12 7 1 4 23:16 15:9
FK Pirmasens 10 6 2 2 24:13 14:6
VfL Neustadt 11 443 19:22 12:10
VfR Kaiserslautern 10 3 4 3 13:19 10:10
ASV Landau 12 4 1 7 17:40 9:15
TuS Neuendorf 8323 16:18 8:8
FV Engers 11 407 15:24 8:14
Spvgg Andernach 11 3 1 7 19:27 7:15
Eintracht Kreuznach 10 127 11:21 4:16
Tura Ludwighafen 10 2 0 8 15:27 4:16
Mainz 05 11 128 10:26 4:18

Verdientes Unentschieden der 98 er Ringer

SV Darmstadt 98—Germania Hösbach 4:4

In der gut besuchten Goetheschule war am Samstagabend die Staffel aus Hösbach zu Gast. Die Gäste, die in dem Meisterschaftswettbewerb an dritter Stelle stehen, brachten eine ausgeglichene und kampfstarke Mannschaft mit. Erstmals konnten die Lilienträger seit geraumer Zeit wieder komplett ringen. So war Gerhardt und Ebert mit von der Partie, so daß die Gastgeber eine ebenbürtige Mannschaft stellen konnten. Die hohe 1:7 - Vorkampfniederlage wurde gründlich revidiert. Der Punktgewinn kann zweifellos als Überraschung angesehen werden. In den beiden noch ausstehenden Kämpfen können mit dieser Mannschaft bestimmt noch Punkte errungen werden. Ob sie allerdings zum Verbleib in der Klasse reichen? Selten gab es derart spannende und technisch schöne Kämpfe, wie sie bei dieser Begegnung geboten wurden. Kampfrichter Kaffenberger (Nieder-Ramstadt) hatte nicht immer ein leichtes Amt, seine Entscheidungen waren jedoch einwandfrei.

Die Kämpfe begannen verheißungsvoll für die Gastgeber. Im Fliegengewicht war es Arancio (98), der einen wichtigen Punkt durch einen Punktsieg* sicherstellen konnte. Die folgende Begegnung zwischen Schneidler (98) und Rettinger (Hösbach) sah den Darmstädter stets im Angriff, so daß dessen Punktsieg nicht in Frage stand. Den ersten Gästeerfolg gab es schließlich im Bantamgewicht, wo Schnauber (98) auf den überaus starken Bohrmann (Hösbach) traf. Ein Rückreißer in der 2. Minute aus dem Stand besiegelte das Schicksal des Darmstädters. Im Halbschwergewicht gelang es Gerhardt (98) nicht, seinen Vorkampfsieg zu wiederholen, Rausch Hösbach zog in der 6. Minute eine Brustschleuder und Gerhardt kam außerhalb der Matte schwer zu Fall. Leicht erschüttert setzte er den Kampf nach fünf Minuten fort, hatte aber nicht mehr die nötige Kraft. Ein Aufreißer brachte für die Gäste den Gleichstand. Im Federgewichtskampf konnte Heckhaus (98) durch einen knappen Punktsieg abermals die Führung für die Lilienträger erringen. Im Gegenzug war es aber Sauer (Hösbach), der im Mittelgewicht über Waldhaus (98) in der 7. Minute durch Rückreißer siegreich blieb. Trotz seiner Niederlage lieferte Waldhaus einen guten Kampf. Im Weltergewichtskampf sahen die Zuschauer die Punkte wegschwimmen. Mischke (98) mischte mit Hepp (Hösbach) tüchtig mit, eine Soublesse in der 2. Minute brachte aber den Gästen erstmals die Führung. Die letzten Hoffnungen waren auf Ebert (98) in der Weltergewichtsbewegung gestellt. Er hatte in dem 47jährigen Wetzel (Hösbach) einen zähen und routinierten Kämpfer gegen sich. Wegen Mattenflucht wurde der Gästeringer einmal verwarnt. Ebert, der in den ersten sechs Minuten seinen Gegner beherrschte, bekam einen verdienten Punktsieg zugesprochen.

Gemessen an den guten Leistungen der Darmstädter in diesem Kampf, ist es bedauerlich, daß sie nicht immer diese Mannschaft zur Stelle bringen konnten. -eri-

Darmstadt 1910 weiterhin Tabellenführer SKG Sprendlingen—Darmstadt 1910 4:4

Am Sonntagmorgen standen sich in Sprendlingen die beiden Tabellenersten gegenüber. Bei den nur noch wenigen Begegnungen war dieser Kampf für die Meisterschaft von größter Wichtigkeit. Beide Mannschaften konnten dabei in stärkster Aufstellung antreten. Die Gastgeber hatten diesmal Heinl ins Halbschwergewicht gestellt und erhofften sich damit ein besseres Abschneiden über die Gäste, die bekanntlich den Vorkampf klar mit 6:2 gewinnen konnten. Trotzdem kann dieser Punktgewinn der Darmstädter als Erfolg gewertet werden. Sie behaupten weiterhin die Tabellenspitze mit 14:4 Punkten vor Sprendlingen mit 12:4 Punkten.

Im Fliegengewicht war es Geron/1910, der durch einen Schulterschwung in der 7. Minute die Führung für die Gäste erzielte. Im Schwergewicht konnte Veith jun. die Führung weiter ausbauen. Ueberraschend gelang ihm in der 2. Minute ein Untergriff über Specht sen. Den dritten Darmstädter Punkt holte schließlich Ditter, K. im Bantamgewicht. Sein Gegner Neubecker gab bereits in der 15. Sekunde wegen einer Verletzung auf. Nach diesem Kampf schien das Rennen für die Gäste gelaufen zu sein. Im Halbschwergewicht hatte der Senior der Darmstädter Mannschaft, Veith sen., nichts zu bestellen, und Heinel/Sprendlingen siegte bereits in der ersten Minute durch Hüftschwung. Etwas überraschend kam diesmal Ditter H. im Federgewicht nicht zum Sieg. Sein Gegner Storck/Sprendlingen bekam einen knappen Punktsieg zugesprochen. Im Mittelgewichtskampf konnten die Gastgelier das Ergebnis egalisieren. Schäfer/1910 konnte seinen Vorkampfsieg über Schamberg nicht wiederholen und verlor ebenfalls knapp nach Punkten. Nochmals waren die Darmstädter in Front. Im Leichtgewicht war es einmal mehr Winkel, der einen überlegenen Kampf führte und seinen Gegner Schlapp in der siebten Minute durch Eindrücken der Brücke besiegte. Die letzten Hoffnungen der Gäste waren auf Trüber gesetzt. Die Gastgeber hatten in Specht jun. einen guten Kämpfer auf der Matte, der schließlich in der 11. Minute nach heftiger Gegenwehr des Darmstädters durch Hüftzug am Boden siegreich blieb.

Nach diesem Kampfsonntag können die Darmstädter den letzten zwei Begegnungen ruhig entgegensehen, sie dürften der Meisterschaft ienen großen Schritt näher gekommen sein. efi>

Handball-Gruppenliga 4

TG Rüsselsheim TSG 46 Darmstadt 12:5 (9:1)

Etwa 500 Zuschauer sahen am Sonntagnachmittag auf dem Sportplatz in der Haßlocher Straße in Rüsselsheim ihre Elf in einer glänzenden Verfassung und in guter Schußlaune. Die Einheimischen können nach diesem Spiel das Prädikat für sich in Anspruch nehmen, die beste Mannschaft der Gruppenliga 4 zu sein. Ein äußerst schneller und ideenreich spielender Sturm, eine harte, aber gut markierende Hintermannschaft mit sehr offensiven Außenläufern und ein sicherer Schlußmann gewährleisteten Sieg und Punkte. —

Die Gäste spielten in der altbekannten Aufstellung, kamen aber nicht so zur Entfaltung, wie es wünschenswert gewesen wäre. Trotz eifrigen Spiels konnten sie sich nicht durchsetzen. —

Durch konsequentes Ausnutzen einiger Mißverständnisse in der Darmstädter Hintermannschaft sowie durch unhaltbar geschossene Freiwürfe lagen die Platzbesitzer nach etwa 15 Minuten Spielzeit bereits mit 5:0 Toren in Führung. ehe den Gästen der erste Gegentreffer gelang. Bis zum Seitenwechsel konnten die Opelstädter die Führung sogar auf 9:1 Tore erhöhen. — Nach dem Wechsel hatten sich die Darmstädter viel vorgenommen, aber schon 5 Minuten später wurde der ausgezeichnet spielende Mittelläufer der Woogsleute von dem als Ersatzmann eingesprungenen Rüsselsheimer Schiedsrichter aus nicht ganz durchsichtigen Gründen des Feldes verwiesen. Trotzdem resignierte die Mannschaft der Gäste nicht und konnte sögar auf Grund ihres großartigen Einsatzes in der zweiten Spielhälfte ein Treffer mehr als die Gäste anbringen. Der Endstand von 12:5 Toren entspricht, infolge der spielerischen Ueberlegenheit der Einheimischen in der ersten Halbzeit, vollkommen dem Spielverlauf.

ClölCH iidiutcii, vuiiAuniiiicu ucm opici vci iaml. — Das Spiel der Reserven endete mit einem 9:6-Sieg der Rüsselsheimer. Damit verlor die Reservemannschaft der Gäste ihr erstes Spiel in dieser Runde. -th-

Handball-Bezirksklasse Odenwald

Fränkisch-Crumbach — Seeheim 6:7 (2:3) Urberach — Groß-Bieberau 11:9 (6:6) Mörfelden — Langen 16:3 (6:0) Eppertshausen — Kirch-Brombach 6:7 (2:6)

Eine Riesenüberraschung gab es in Fränk.- Crumbach, wo der seitherige Tabellenführer sich vor eigenem Publikum von der eifrigen Neulingsmanrischaft aus Seeheim schlagen ließ. Wohl hatten die Einheimischen großes Schußpech, aber die gegnerische Angriffsreihe nutzte schonungslos die vorhandenen Schwächen der Fränk.-Crumbacher Hintermannschaft aus. Durch diese zweite Heimniederlage mußte Fränk.-Crumbach den schon so greifbaren Herbstmeistertitel an Mörfelden abtreten.

In Urberach gab es wie erwartet ein ausgeglichenes und kampfbetontes Spiel, welches der Gastgeber besonders durch seine glänzende Form in den ersten Minuten für sich entscheiden konnte. Wohl konnte der Gast aus Groß-Bieberau bis zur Pause gleichziehen, mußte sich aber im Endspurt geschlagen bekennen.

Der neue Tabellenführer Mörfelden konnte zu Hause gegen die in den letzten Spielen schwächer erscheinende Elf aus Langen einen hohen Sieg erringen. Besonders die einheimische Stürmerreihe konnte vollauf überzeugen. Durch diesen Sieg hat sich die Mannschaft von Mörfelden wegen der gleichzeitigen Niederlage von Fränk.-Crumbach den Herbstmeistertitel sichern können.

Auch in Eppertshausen gab es eine Ueberraschung, da die am Vorsonntag noch so glänzend spielende einheimische Elf sich von der Odenwaldmannschaft Kirch-Brombach auf eigenem Platz besonders in der 1. Halbzeit überrumpeln ließ. Aller Einsatz in der 2. Halbzeit konnte nichts mehr an dem Sieg der Gäste ändern.

Von der Vorrunde muß nur noch das am 24. 9. ausgefallene Spiel Reichelsheim — Groß-Bieberau nachgeholt werden.

Handball-Bczirksklasse Darmstadt

Gruppe I: 75 Darmstadt — Nieder-Ramstadt 10:6 Arheilgen — 98 Darmstadt jr. 16:4 TV Langen — Büttelborn 8:3

Handball-Kreisklasse Bergstraße

Gruppe II: Kirschhausen — Bonsweiher 8:6 Erbach — Heppenheim 1:19 LorsCh — Auerbach 7:8 Ober-Mumbach — Einhausen 2:3 Zell — Krumbach 15:8

Handball-Kreisklasse Erbach

Pfaffenbeerfurth — Böllstein 10:5

Mörfelden 8 7 0 1 66:40 14:2
Fränk.-Crumbach 8 6 0 2 72:43 12:4
Urberach 8 5 1 2 70:59 11:5
Seeheim 8 4 0 4 56:55 8:8
Kirch-Brombach 8 3 1 4 60:56 7:9
Groß-Bieberau 7 3 0 4 46:54 6:8
Eppertshausen 8 3 0 5 53:50 6:10
Langen 8 2 2 4 39:66 6:10
Reichelsheim 7 0 0 7 39:77 0:14

Handball-Kreisklasse Dieburg

Gruppe I: Babenhausen — Schaafheim 5:9 TV 88 Reinheim — Langstadt I 2:6 Richen — Semd ausgefallen Gruppe II: SV 45 Reinheim — Nieder-Klingen 10:5 Brensbach — Groß-Zimmern 3:14 Habitzheim — Groß-Umstadt ausgefallen

Hohe Niederlage des BC Darmstadt BC Darmstadt—TB Heidelberg 19:48

Nach einem Kampf von 40 Minuten, der nur in der ersten Hälfte spannend, kämpferisch und mit Höhepunkten verlief, siegte der TB Heidelberg verdient mit 48:19 über die Darmstädter. -■

Vom Anpfiff weg gingen die Heidelberger in Führung. Darmstadt ließ sich nicht verwirren und bot zunächst eine durchaus gleichwertige Leistung. Bei 4:0 errangen die Einheimischen den ersten Punkt, In regelmäßigem Wechsel fielen auf beiden Seiten die Tore. Nach 8 Minuten jedoch wurden die Darmstädter sichtlich nervös und vergaben manche große Chance. Dadurch gelang es Heidelberg, seinen Vorsprung von 10:8 auf 16:8 zu erweitern, bevor der Club sich wieder fing. Mit 18:9 wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Halbzeit fiel der Club stark zurück und. überließ den Heidelbergern über lange Strecken das Spielgeschehen. Die Gäste stellten in zügigen Kombinationen das Endergebnis von 48:19 her. ohne daß dem BCQ noch ein Punkt gelungen wäre.

Die Frauen des BC Darmstadt, die nach l’/s Jahren zum ersten Male wieder spielten, wurden vom TB Heidelberg mit 12:6 geschlagen. Jugend 21:14 für Heidelberg, Schüler 24:15 für Heidelberg. St

Kaiserslautern. (AP.) Werner Basler vom 1. FC Kaiserslautern hat mit dem VfR Mannheim für das Spieljahr 1950/51 einen Vorvertrag abgeschlossen. Kaiserslautern bedauert zwar den Abgang Baslers, glaubt jedoch, mit einem der in letzter Zeit „entdeckten“ talentierten» Nachwuchsstürmer die Lücke wieder schließen zu können.

Die russische Leichtathletin Anna Andressewa stellte in Bukarest mit 15,02 m einen neuen Weltrekord im Kugelstoßen auf (bisheriger Rekord: Tetchenowa (Rußland) 1949: 14,80 m).

Mit Sepp Weiler an der Spitze wird eine vierköpfige deutsche Mannschaft an der Internationalen Springerwoche 1951 teilnehmen, die vom 27. Januar bis 4. Februar vier Konkurrenzen In St. Moritz, Unterwasser, Arosa und Le Locle vorsieht und von den Spitzenkräften aus acht Nationen beschickt werden soll.

WMWWWMin Wil n— Heute verschied sanft nach langer, mit großer Geduld ertragener Krankheit meine heißgeliebte, letzte Schwester und unsere teuere Kusine, Fräulein Karoline Planz im 83. Lebensjahre. In stiller Trauer: Anna Planz Lausanne (Av. L. Clysee 24), Seeheim (Bergstr.), 11. Nov. 1950. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 15. November 1950, um 11.00 Uhr von der Kapelle des alten Friedhofs, Nieder-Ramstädter Straße, statt.

Bestattungen am Montag, dem 13. November 1950 Beerdigungen: Bessunger Friedhof: 14.00 Uhr: Luise Stephan, 63 Jahre, Weinbergstraße 57 Alter Friedhof: 14.30 Uhr: Margarete Hofmann, 73 Jahre, Bessunger Straße 112 15.00 Uhr: Käthe Schäfer, Münster b. Dieburg, 64 J., früher Dst. Schützenstraße 15.30 Uhr: Georg Adam Rühl, 67 Jahre, Alicenstraße 39

„DT-Schlachtenbummler" Das „Darmstädter Tagblatt“ lost in der Saison 1950/51 für die Dauer der Oberligaspiele jeweils drei sportlich interessierte Leser aus die auf seine Kosten die Mannschaft des SV 98 Darmstadt bei ihren Auswärtsspielen als Schlachtenbummler begleiten. Jeder, der sich für diese Freifahrten interessiert und die Elf des SV 98 nach auswärts begleiten möchte, schneidet im Sportteil des „Darmstädter Tagblatt“ den dafür bestimmten‘Schein aus trägt Name und genaue Anschrift (in Druckschrift schreiben') darauf ein und klebt ihn auf eine Postkarte, die an die Sportredaktion des „Darmstädter Tagblatt“, Darmstadt, Rheinstraße 23 adressiert u. mit dem Stichwort „DT-Schlachtenbummler“ versehen sein muß. Letzter Einsendetermin ist jeweils der Mittwoch nach der Ver¬ öffentlichung. Am Freitag wird die Verlosung der Teilnehmer von einer pro¬ minenten Persönlichkeit und unter Aufsicht eines Notars vor¬ genommen. Die drei Gewinner werden dann jeweils an den Sonn¬ tagen der Heimspiele im Stadion durch Lautsprecher bekannt¬ gegeben bzw. im Sportteil unserer Montagsausgabe veröffentlicht. Die drei Auserwählten erhalten folgende Gewinne: 1. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte, Tribünenkarte, 5 DM Ver- ’ pflegungsgeld. 2. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte, Tribünenkarte. 3. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte. Und nun auf zum nächsten Auswärtsspiel! Sichert Euch die Montagsausgaben des „Darmstädter Tagblatt"! Jeder kann „DT- Schlachtenbummler“ werden! Hier abschneiden!

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