Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt V HEÜTE BE\LAGE-. m /;-'=f ja ?-«’ä;(/’£ 7E O v»hLRERAKTEUR: erich DOMBROWSKI. X,frm Tagblatt L. C. Wittich. fr« r k J<a dt • Rheinstraße 23 Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 115 Jknefte Tla^ri^fen Samstag, 11. November 1950 Bezugspreis: ^^ffi®SWWWizijzüglich 0.40 DM Trägerlohn. ^H^RTgenpreise: Preisliste Nr 3 v. t 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Belnbungsfintut mird reuidiert

Yor der Yerwirklichung der Berchläülfe der Aunßenminilterkonferenz

Frankfurt am Main, 10. November (dpa) Die alliierte Oberkommission beabsichtigt, innerhalb der nächsten vier Wochen eine erste Revision des Besatzungsstatuts zu verkünden. Es werden dabei einige Beschlüsse verwirklicht, die die Außenminister der drei großen Westmächte auf ihrer Neuyorker Konferenz gefaßt haben.

Amerikanische Beamte in Frankfurt nennen diese bevorstehende Zwischenrevision eine Änderung der alliierten Kontrollen und eine Basis für die künftige deutsch-alliierte Zusammenarbeit. Die Westmächte würden der Bundesregierung größere Vollmachten geben, wofür die deutsche Seite einige Verpflichtungen, vor allem wirtschaftlicher Natur, eingehen müsse. Mit der nächsten Neuordnung des Besatzungsstatuts ist Anfang 1951 zu rechnen.

Von amerikanischer Seite verlautet im einzelnen, daß der Bundesregierung mit dieser ersten Neuordnung des Besatzungsstatuts ein eigenes Außenministerium und damit eine eigene Außenpolitik zugestanden werden soll. Das bedeute, daß die Bundesrepublik diplomatische Vertretungen im Ausland unterhalten kann und daß sich die diplomatischen Missionen des Auslandes im Bundesgebiet künftig bei der Bundesregierung akkreditieren lassen müssen. Ausgenommen sind die drei westlichen Hauptstädte Washington, London und Paris, für die die alliierte Oberkommission die diplomatischen Aufgaben vorläufig noch selbst wahrnimmt. Von amerikanischer Seite wird angedeutet, daß die Westmächte in der Außenpolitik der Bundesrepublik einige Vorbehalte festlegen werden.

Amerikanische Beamte unterstreichen, daß die Bundesregierung im Zusammenhang mit den größeren Vollmachten auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet einigen Verpflichtungen zustimmen muß. Es wurden unter anderem die Anerkennung der Vorkriegsschulden Deutschlands durch die Bundesregierung und Verpflichtungen bei der Dekartellisierung im Bundesgebiet genannt. Die erste Revision des Besatzungsstatuts wird nach den vorliegenden Informationen keine militärischen Probleme oder Sicherheitsfragen betreffen.

Konfularrechte entzogen

Frankfurt (Main), 10. November. (AP.) Der Tschechoslowakei und Polen sind die konsularischen Vorrechte in der Bundesrepublik entzogen worden, teilen die alliierten Behörden am Freitag mit. In der amtlichen Mitteilung darüber heißt es, daß Polen und die Tschechoslowakei es unterlassen haben, um ihre Akkreditierung bei der alliierten Oberkommission nachzusuchen.

In Kiew ausachildet

Hannover, 10. November, (dpa). Holländische Heimkehrer aus der Sowjetunion haben berichtet, daß Volkspolizeioffiziere und Angehörige sowjetischer Satellitenstaaten an einer Schule in Kiew (Ukraine) ausgebildet werden.

Bei ihrer Heimfahrt durch die Sowjetunion hätten sie ehemalige deutsche Kriegsgefangene wieder getroffen, die einst Schüler der dortigen Politschule gewesen seien. Heute seien sie Begleiter und Berater deutscher Delegationen, die im Auftrag der Sowjetzonenregierung die Sowjetunion bereisten.

Schulung für Subotage

Düsseldorf, 10. November. (AP.) Der Bund der Verfolgten des Naziregimes teilte mit. daß sich gegenwärtig . eine große Anzahl westdeutscher Mitglieder der Freien Deutschen Jugend zu Schulungskursen in der Sowjetzone befänden. Wie der Bund aus absolut sicherer Quelle erfahren habe, erhielten die ausgewählten Mitglieder in Lehrgängen in der Mark Brandenburg Anweisungen für Sabotageakte an der Bundesbahn und westdeutschen Versorgungsbetrieben.

„Bis yum äukersten!“

Eine Erklärung Attlees

London, 10. November, (dpa) Der britische Premierminister Attlee erklärte, Großbritannien bemühe sich unermüdlich um den Frieden, doch sei das britische Volk entschlossen, seine Lebensart bis zum äußersten zu verteidigen.

In der Frage der atlantischen Verteidigung, sagte Attlee, werde eine volle Einigung noch durch gewisse Schwierigkeiten behindert, vor allem über ein ..dorniges Problem“ wie die Beteiligung Deutschlands an der Verteidigung Westeuropas. Die britische Regierung sei der Ansicht, daß Deutschland unter angemessenen Sicherungsvorkehrungen seinen Beitrag zu dieser Verteidigung leisten solle.

CGin Sperrgürtel

Hanoi, 9. November. (AP.) Die französischen Streitkräfte in Indochina haben an dem Halbkreis der etwa 50 km nordwestlich von Hanoi verlaufenden Front mit dem Bau von rund 20 kleineren Befestigungen begonnen. Sie sollen von den Truppen besetzt werden, die aus den Befestigungen jenseits des Schwarzen Flusses zurückgezogen wurden.

Französische Jäger und Bomber griffen am Freitag ein Dorf an der indochinesisch-chinesischen Grenze an, wo der Führer der Vietminh-Bewegung, Ho Tschi-minh, nach Meldungen des französischen Nachrichtendienstes mit sowjetischen und chinesischen Militärberatern eine Konferenz abhalten soll.

Kein Kurswech felder Wirchschaftspolitik

Konsumeinschränkungen von Amerika abhängig

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 10. November. Vermutungen über einen eventuellen wirtschaftspolitischen Kurswechsel der Bundesregierung wird in Bonner Regierungskreisen mit der größten Entschiedenheit widersprochen. Die Etatrede, die der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Schöttle am Freitag hielt und in der er darauf hinwies, daß auch Professor Erhard schon von der „Notwendigkeit einer Steuerung spreche“, gibt Regierungskreisen Anlaß, erneut zu betonen, daß man an den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft unbedingt festhalte.

Aber in den wirtschaftspolitischen Fragen besteht der Gegensatz zwischen Regierung und Opposition um so unverminderter fort, wie gerade am Vortage der Generaldebatte zum Etat zwei entscheidende Besprechungen stattgefunden haben, von denen die eine das Problem der Kohlennot ge-

löst hat, während die andere, die mit der Bank deutscher Länder geführt worden ist, in Regierungskreisen den vonSchöttle angezweifelten Optimismus bestärkt hat, durch Steigerung des Exports das Defizit in der Devisenbilanz ausgleichen zu» können.

Zur Förderung des Exportes wird jetzt eine Steuerbegünstigung für den Export angestrebt, während andererseits die Vergünstigungen für Selbstinvestitionen fortfallen sollen. Der Bundesfinanzminister hat sich bis jetzt noch nicht entschließen können, diesem Vorschlag zuzustimmen.

Mit Nachdruck wird in Bonner Regierungskreisen betont, daß gewisse Einschränkungen bei Konsumgütern, wovon unlängst in der Presse die Rede war, nur dann in Frage kommen, wenn sie durch amerikanische Maßnahmen erforderlich werden.

Zuftangrife mit 500-Kilo-Bomben

Amerikanische Superfestungen in pausenlosem Einsatz in Nordkorea

Söul, 10. November. (AP.) Bei fast völliger Kampfruhe an allen Abschnitten der Korea-Front griffen die Flugzeuge der Vereinten Nationen am Freitag in pausenlosen Einsätzen die kommunistischen Stellungen und Nachschubwege mit schweren Bomben und Bordwaffenfeuer an.

Superfestungen vom Typ B 29 richteten mit Großangriffen auf Sinu i j u, dem 15 Kilometer weiter nordöstlich am Jalufluß gelegenen U i j u und in der ostkoreanischen Hafenstadt Chongjin durch den Abwurf von 500-Kilo-Bomben beträchtliche Zerstörungen an. Eine Eisenbahn- und Straßenbrücke bei Sinuiju wurde schwer beschädigt. Die UN-Flugzeuge stießen im Nordwesten auf erhebliehe kommunistische Jagd- und Flakabwehr.

Die Bodentruppen hatten auch am Freitag an den meisten Frontabschnitten keine Feindberührung. Nur im Mittelabschnitt der Westfront war eine schwache Spähtrupptätigkeit zu verzeichnen.

Nach Gefangenenaussagen befinden sich gegenwärtig 120 000 Mann kommunistischer Truppen in Nordkorea, von denen die Hälfte Chinesen sind.

Weitere 300 000 Mann chinesischer Kommunisten sollen nach zuverlässigen Informationen hinter dem Jalu in Reserve stehon.

An der Nordwestfront sind britische und amerikanische Verbände weiter vorgerückt. Die Kommunisten haben sich aus diesem Abschnitt in das bergige Gelände bei C h o n g j u zurückgezogen. Die Ortschaft Won, etwa 25 Kilometer nordöstlich von Anju, fiel kampflos in die Hände der siebenten südkoreanischen Division. A x ITC?

An der Ostfront haben sich die US-Marinetruppen den Kraftwerken am Changjin-Staudamm auf weniger als zwei Kilometer genähert.

Verbände der achten US-Armee haben sich am Freitag in Mittelkorea mit Einheiten des zehnten amerikanischen Armeekorps vereinigt und damit die« Verbindung zwischen der Nordost- und der Nordwestfront in Korea hergestellt.

Die Vereinigung erfolgte südöstlich der Stadt T o kc h on, etwa 65 km nordöstlich von Sinanju an der Westküste, und 110 km südwestlich von H a m h u n g.


Zu Ehren des verstorbenen Königs Gustaf V. von Schweden fand in Bonn ein Trauergottesdienst statt, an dem neben Bundespräsident Professor Dr. Heuss auch die drei alliierten Oberkommissare und zahlreiche Kabinettsmitglieder teilnahmen. Unser Bild zeigt Bundespräsident Heuss, der den schwedischen Gesandten Ragnar Kumlin vor der Luther-Kirche in Bonn begrüßt. (Bild: UP)
Zu Ehren des verstorbenen Königs Gustaf V. von Schweden fand in Bonn ein Trauergottesdienst statt, an dem neben Bundespräsident Professor Dr. Heuss auch die drei alliierten Oberkommissare und zahlreiche Kabinettsmitglieder teilnahmen. Unser Bild zeigt Bundespräsident Heuss, der den schwedischen Gesandten Ragnar Kumlin vor der Luther-Kirche in Bonn begrüßt. (Bild: UP)

50 000 ermorbet

Söul, 10. November, (dpa) Der katholische Bischof von Söul, Paul Maria Ro, erklärte, daß nach vorläufigen Schätzungen ungefähr 50 000 Zivilisten während der Zeit der Besetzung Söuls durch kommunistische Truppen ermordet worden seien.

Dir Wettereke

*** Das Tiefdruckgebiet der politischen Weltwetterlage liegt zur Zeit am Rande der chinesischen Volksrepublik. Die Zahl der bolschewistischen Truppen, die sich den Nordkoreanem angeschlossen haben, wird auf 120 000 Mann geschätzt, während weitere 300 000 Mann chinesischer Bolschewisten hinter dem Jalu in Reserve stehen sollen. Nach Angaben Wyschinskis handelt es sich allerdings lediglich um „eine Handvoll Freiwilliger“. Im Sicherheitsrat ist immer noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, ob die chinesische Hilfe für die Nordkoreaner als Einmischung Rotchinas anzusehen ist. Vorsorglicherweise haben die Russen bei den Vereinten Nationen einen Vorschlag über die Begriffsbestimmung von Angriffshandlungen eingebracht, durch die weder Bürgerkriege noch das Eingreifen ausländischer Streitkräfte, die von Gebieten einer ausländischen Macht aus operieren, erfaßt werden.

Würde, was kaum zu erwarten ist, der russische Plan angenommen werden, so könnte weder gegen die chinesischen Truppen in Nordkorea etwas eingewendet werden, noch gegen den chinesischen Vormarsch in Tibet. Der Hilferuf vom Dadi der Welt, der jetzt beim Sicherheitsrat eingegangen sein soll, würde dann völlig unberührt verhallen müssen. Es wird sowieso schon schwer sein, etwas für den Dalai Lama zu tun, denn praktisdi ist Tibet von England und Indien als autonomer Bestandteil des chinesischen Reiches anerkannt worden.

Man wird das sicher gerade in Indien bedauern, weil man dort mit Sorge sieht, daß sich die Bolschewisten unaufhaltsam den Grenzen nähern. Das Gefühl der Bedrohung wird verstärkt, weil in dem Pufferstaat Nepal, einem selbständigen Fürstentum zwischen Indien und Tibet, der Maharadscha Tribuvana seinen Thron einem dreijährigen Prinzen überlassen hat. Ob auch dieser Thronwechsel, der nicht freiwillig erfolgte, auf bolschewistische Umtriebe zurückzuführen ist, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Die Vorgänge in Nepal müssen jedoch im Zusammenhang mit denen in Tibet und Korea betrachtet werden. Dann sieht man, daß sich ein gefährliches Tief gebildet hat, das zu Sturmwarnungen berechtigt.

Wenn Zahlen anfmarsdieren

Von Erich Dombrowski

Hat man schon je in Deutschland einen glücklichen Finanzminister gesehen? Nein. Alle stotterten sich, solange man zurückdenken kann, kümmerlich von einem Etat zum andern durch. Löcher mußten immer wieder mit Anleihen gestopft werden. Nur einen gab es, der eine Ausnahme machte. Das war der . preußische Finanzminister Johannes Miquel, der es, einst vom Frankfurter Oberbürgermeister-Posten auf den Ministersessel berufen, wie ein Zauberkünstler fertigbrachte, den schwierigen preußischen Etat nicht nur auszugleichen, ohne irgend einen Kredit zu beanspruchen, sondern auch noch einen Ueberschuß von hundert und mehr Millionen zu erzielen. Das ist nun allerdings schon über ein halbes Jahrhundert her. Er war der einzige Plus- unter lauter Minus-Ministern, deren Schicksal es ist, immer zu wenig im Portemonnaie zu haben und zu viel ausgeben zu müssen, um all die offenen Mäuler zu stopfen. Jede Hausfrau kennr das. Es langt allemal nicht. Der Monat hat für sie, zu ihrer größten Ueberraschung bereits nach der ersten Woche, dreißig Tage oder einen noch mehr, und für den Finanzminister hat das Jahr dreihundertfünfundsechzig Tage, die durchgefüttert werden sollen. Im Bundestag legte Dr. Schäffer, der Bundesfinanzminister, den Haushaltsplan vor und machte dabei ein nur halb vergnügtes Gesicht. Nicht äußerlich. Ihm liegt es nicht, auch in schwierigen Situationen, einen freudevoll strahlenden Sonnenball mit Kneifer zu zeigen wie sein einstiger Kollege, der reformbesessene Mathias Erzberger. Das, was Schäffer ausstrahlt, ist ein destillierter Optimismus. Ein Zweckoptimismus. Zahlen und wieder Zahlen läßt er aufmarschieren. Sie verlieren sich scheinbar auf Seitenwegen, verkrümeln sich wohl auch im Dickicht, aber zuletzt, wenn es darauf ankommt, finden sie sich, in Reih und Glied geordnet, auf der breiten Heeresstraße zusammen. Ueberall hat er, in dem Kampf für einen Ausgleich des Etats, Scharmützel, oft auch ganze Schlachten, drinnen und draußen, schlagen, hat tausend auf ihn einstürmende Wünsche und Forderungen abwehren müssen, und nun, da der Etat ausgefeilt und ausbalanciert dem Parlament vorliegt, glänzt ein blauer Himmel über ihm. Aber das Jahr hat, wie gesagt, dreihundertfünfundsechzig Tage, hat vier Jahreszeiten und hat ein ewig wechselndes Wetter. Das heißt, allerlei Ueberraschungen können in ihm versteckt liegen, die womöglich sämtliche Berechnungen über den Haufen werfen werden.

Den größten Posten im Etat machen die Besatzungsanforderungen aus. Sie verschlingen mehr als ein Drittel aller Ausgaben des Bundes und übersteigen damit die Heer- und Marinekosten der Weimarer Zeit um das Vierfache. Die Hunderttausend-Mann-Armee des Generals von Seeckt kostete rund eine Milliarde Mark. Die Besatzung dagegen verlangt heute von uns vier und eine halbe Milliarde. Wenn wir uns nun mit den Westmächten zur gemeinsamen Sicherung Europas auf die Gestellung eines Truppenkontingents von zweihunderttausend Mann verständigen sollten, die politische und militärische Gleichberechtigung vorausgesetzt, dann würden wir über kurz oder lang weitere Gelder flüssig zu machen haben, die den Etat völlig aus dem Gleichgewicht schleudern würden. Die Alliierten haben zehn Prozent des gesamten National-

einkommens aller Teilnehmer an der europäisch-atlantischen Gemeinschaft als Norm für den Wehrbeitrag festgesetzt und haben das deutsche Sozialprodukt auf neunzig Milliarden eingeschätzt. Wir hätten danach im ganzen künftig neun Milliarden jährlich für den militärischen Beitrag bereitzustellen. Das ist doppelt so viel wie. die augenblickliche Leistung für die Besatzung. Das ist für uns einfach unmöglich. Denn kein Land ist so kriegsverwüstet wie Deutschland, und wir haben erst einmal daran zu denken, unsere wirtschaftliche und soziale Existenz in unserem unvergleichlich übervölkerten Lebensraum, wenigstens bis zu einem Mindestmaß, zu sichern. Wir haben noch nicht gehört davon, daß Gläubiger auf einen Friedhof Hypotheken zu geben bereit sind. Die Westmächte scheinen denn auch, nach den letzten Verlautbarungen, Deutschland gegenüber von diesem Berechnungsschema abgehen und sich damit begnügen zu wollen, wenn es zu den 4,5 Milliarden für die Besatzung noch jährlich mit 2,5 Milliarden für die Aufstellung und Unterhaltung seines Militärkontingentes herangezogen wird. Diesen Betrag durch die Erhöhung schon bestehender oder durch die Einführung neuer Steuern aufzubringen, wird nicht angängig sein. Wir sind heute bereits an der Grenze des Erträglichen angelangt. Man darf dabei nicht übersehen, daß fast dreißig Prozent des Bundesetats auf die sozialen Kriegsfolgelasten entfallen und elf auf die sonstigen sozialen Verpflichtungen. Was bleibt zu tun übrig? Die deutsche Wirtschaft muß auf höhere Touren gebracht werden, um auf diesem indirekten Wege den Zufluß der Steuern erheblich zu verstärken. Das setzt voraus, daß endlich all die Bindungen und Fesseln der Statuten fallen, die Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung noch immer hemmen. Das setzt weiter voraus, daß wir weitgehend in den Produktions- und Warenaustausch, nicht zuletzt im Zusammenhänge mit der Sicherungsrüstung, eingeschaltet werden. Gegenwärtig haben wir noch eine passive Handels- und Zahlungsbilanz und schlagen uns mühsam auf den Krücken der Marshall-Hilfe durch. Aber wir haben nicht bloß darauf zu sehen, wie wir uns mehr Einnahmen zu beschaffen vermögen, sondern auch darauf, wie wir unsere Ausgaben verringern, wie wir Einsparungen vornehmen können. *

Der Finanzminister hat ausdrücklich hervorgehoben, daß die sozialen Leistungen unter allen Umständen aufrechterhalten werden sollen. Dazu gehören nicht zuletzt der Wohnungsbau und der Lastenausgleich. Aber auch da gibt es Grenzen, die man leichthin nicht überschreiten darf, ohne das ganze Gefüge unserer Finanzpolitik zu erschüttern. Zwei Inflationen innerhalb einer Generation liegen uns noch in den Gliedern. Eine dritte könnten wir nicht mehr ertragen. So gab Schäffer denn auch die feierliche Versicherung ab, daß das unter keinen Umständen der Fall sein werde. Die Beteiligten werden denn auch, so schwer ihr Einzelschicksal sein mag, einsehen müssen, daß Forderungen über das von der Regierung bis zum letzten Pfennig Auskalkulierte hinaus nicht zu erfüllen sind, wenn man nicht ins finanzielle Ungewisse frisch, fröhlich und gewissenlos lossteuern will. Die Verwaltung ihrerseits hat wieder und wieder darauf zu achten, daß jede unnötige Ausgabe vermieden wird, jeder Personalaufwand unterbleibt und der Regierungsapparat bis in seine untersten Instanzen sich in dem bescheidenen Rahmen hält, der unseren heutigen verarmten Verhältnissen entspricht. Gegenüber den Ausgaben des Bundes für die Besatzung und für die sozialen Aufgaben, die allein 75 Prozent des Etats ausmachen, ohne die künftige Militärlast, fallen die Verwaltungskosten mit 3,4 Prozent, mit nicht ganz einer halben Milliarde, allerdings nicht so sehr ins Gewicht. Und doch ist jede Mark, die zuviel ausgegeben wird, anstoßerregend. Nicht zuletzt aus moralischen Gründen. Denn wenn man jammert und stöhnt unter der finanziellen Bürde, wenn man die Bevölkerung dazu auffordert, zu sparen, um Kapital der Wirtschaft für eine Erweiterung der Produktionsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, dann muß man zunächst bei sich selber anfangen. Also bei der Verwaltung. Die Bevölkerung wird sich künftig sowieso ihanche Beschränkungen in ihrer Lebensführung äuferlegen und auf den Genuß und die Verwendung ausländischer Luxuswaren bis .zu einem bestimmten Grade verzichten müssen, um auch ihrerseits, von der Konsumseite her, durch eine gewisse Enthaltsamkeit zur Gesundung unseres Waren- und Devisenaustäusches mit dem Auslande beizutragen. Im Augenblick sind wir durch eine Ueberspannung der Einfuhr in eine Devisenklemme geraten. Der. uns zur Verfügung stehende Devisenfonds, der bis zum Ende März nächsten Jahres reichen sollte, ist heute schon, bis zu einem Restbetrag von. zwanzig Millionen Dollar, erschöpft, und wenn sich die Europäische Zahlungsunion nicht entschlossen hätte, uns rasch einen Sonderkredit von 120 Millionen Dollar, gegen Zinsen, einzuräumen, hätten sich unabsehbare Folgen für uns daraus ergeben. Wir werden also auch nach dieser Richtung hin künftig mehr haushalten müssen als bisher, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, auf dem Umwege über die Europäische Zahlungsunion unter eine internationale Finanzkontrolle zu geraten. So gibt der jetzt im Bundestag vorgelegte Haushaltsplan allen Anlaß zum Nachdenken und . zur Selbstbesinnung. Wir sehen die Zahlen aufmarschieren, Milliarden über Milliarden, und wir . fühlen einen Alpdruck uns beschleichen.

Prinz Zudmwig unk Land abgeben

Kassel, 10. November, (dpa) Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein, der in Hessen über Güter und landwirtschaftliche Nutzungsflächen in Größe von insgesamt 204 Hektar verfügt, wird nach einem am Freitag vom hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel gefällten Urteil 89 Hektar seines Besitzes dem hessischen Staat für Siedlungszwecke zur Verfügung stellen müssen.

Generaldchntie-über den Hanshalt

Scharfe Angriffe der Sozialdemokraten

Dr a h tberich t uns er e s Korrespondenten

Da. Bonn, 10. November. Bundestagspräsident Dr. Ehlers hat die nicht für alle Abgeordneten angenehme Eigenschaft der Pünktlichkeit; unbekümmert darum, daß erst knapp fünfzig Abgeordnete anwesend wacen, eröffnete er am Freitag fast mit dem Stundenschlag neun Uhr die hundertste Sitzung des deutschen Bundestags und damit die Generaldebatte über den Bundeshaushalt 1950/51.

Der Abgeordnete Bausch ( Christlich-Demokratische Union), der als erster Redner das Wort erhielt, widmete einen großen Teil seiner Rede dem Versuch, aus Anlaß der Generalaussprache die geistige Situation der Bundesrepublik aufzuzeigen. Eine Demokratie, für die sich nicht breite Schichten des Volkes mit Leidenschaft und Hingabe einsetzen würden, sei zum Tode verurteilt. Der sozialdemokratische Abgeordnete Schöttle benutzte die Haushaltsdebatte zu

einem Generalangriff auf die Bundesregierung, für deren Politik der Finanzminister ein getreuer Interpret gewesen Sei. Diese Politik sei eine Politik- der „planmäßigen Restauratio n“: Aufgabe jeder deutschen Regierung Sei nicht einfach die Wiederherstellung des Alten, sondern die Neuordnung des Volkes auf Grund seiner sozialen Umschichtung und seiner von Grund auf umgestürzten Position in der Welt. Der Riß, der seit 1945 durch das deutsche Volk gehe, sei nicht nur nicht geschlossen, sondern noch vertieft worden.

Der Abgeordnete der Freien Demokratischen Partei Wellhausen verlangte nicht zuletzt mit Rücksicht auf das hohe Alteides Bundeskanzlers die Errichtung eineis Außenministeriums und kritisierte das Bundespresseamt, das mehr Schwung erhalten und umgestaltet werden müsse.

Wieder Deutsche Cruger des Nobelpreifes

Die Professoren Diels und Alder erhielten Nobelpreis für Chemie

Frankfurt/Main, 10. November. (AP.) Den diesjährigen Nobelpreis für Chemie erhielten die beiden deutschen Forscher Professor Dr. Otto Diels (Kiel) und Professor Dr. Kurt Alder (Köln) für die gemeinsam von ihnen seit 1927 entwickelte Dien-Synthese.

Diese Synthese, ein vielfach anwendbares Verfahren zur Darstellung von ringförmigen Kohlenstoff-Verbindungen, gestattete in der Folgezeit die technische Bereitung zahlreicher Natur- und Kunstprodukte und hat besonders in den Vereinigten Staaten bereits mehrere tausend Anwendungsmöglichkeiten gefunden. Die durch die Dien-Synthese erzielten Fortschritte in der organischen Chemie bieten unter anderem die Möglichkeit der künstlichen Darstellung von Riechstoffen wie Kampfer und Lupinen, von Ausgangsmaterialien für Farbstoffe, Textilhilfsmittel, Lacke und Ueberzugsmassen. Wegen ihrer ungeahnten Ariwendungsmöglichkeiten wird die Dien-Synthese daher als die fruchtbarste Synthese der ganzen organischen Chemie bezeichnet.

Der britische Philosoph Bertrand Russel! und der amerikanische Schriftsteller- William Faulkner sind mit den Nobelpreisen für Literatur der Jahre 1950 rmd 1949 ausgezeichnet worden. Im vergangenen Jahr war der Preis von der Schwedischen Akademie nicht verteilt worden. Russell und Faulkner wurden aus einem Kreis von über fünfzig Kandidaten ausgewählt. Der Preis wird ihnen auf der 50. Jahrestagung der Nobelpreis-Stiftung am 10. Dezember von König Gustaf VI. von Schweden überreicht werden. Die Summe des Nobelpreises 1950 beläuft stich auf 164 303 Kronen (133 200 DM), die gleichzeitig mit den 156 229 Kronen (126 000 DM) des vorjährigen Nobelpreises ausgegeben werden.

Bisher 138000 neur Wohnungen

Der Wiederaufbau in fünfeinhalb Jahren

Wiesbaden, 10. November (dpa). Seit Mai 1945 sind in Hessen 138 000 Wohnungen im Neu- und Wiederaufbau errichtet worden, stellte das hessische Innenministerium in einem Bericht über den Stand des» sozialen Wohnungsbaues fest. In dieser Zahl sind 75 000 Wohnungen enthalten, die vor dei’ ÄYährungsreform fertiggestellt wurden. Vom Sommer 1948 bis zum Ende des Jahres 1949 wurden rund 27 000 Wohnungen — davon 22 000 mit öffentlichen Mitteln — und im Jahre 1950 rund 36 000, Wohnungen — davon 30 000 mit öffentlichen Mitteln — in Hessen errichtet.

Hessen soll für he forgen

Bund kann Eisenbahnern nicht helfen

Kassel. 10. November, (dpa) Bundesfinanzminister Dr. Fritz Schaeffer hat in der Frage der Unterstützung der in einer besonderen Notlage befindlichen Eisenbahnbediensteten an der Zonengrenze bei Kassel erklärt, daß eine Bereitstelung von Bundesmitteln aus grundsätzlichen Erwägungen nicht möglich sek Die Versorgung der Betroffenen sei in erster Linie eine Frage des Landes Hessen^ Er habe die Angelegenheit dem hessischen Staatsministerium übergeben.

Hohlenkrife mird behaben

Einschneidende Maßnahmen zur Hebung der Produktion

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 10. November. In einer Verhandlung unter dem Vorsitz des Bundeswirtschaftsministers ist eine Vereinbarung mit der Deutschen Kohlehbergbauleitung und dem Industrieyerband Bergbau abgeschlossen worden, die die Steigerung der deutschen Kohlenförderung sicherstellt. Bereits bis zum 31. Dezember dieses Jahres wird eine Mehrförderurig von 1,4 Millionen Tonnen erzielt werden. Regierungskreise versichern, daß damit das Kohlenproblem gelöst sei;

Auf Grund der Vereinbarungen, die „zur Behebung der technischen Schwierigkeiten in der Kohlenversorgung im Bundesgebiet; Vor allem zur Vermeidung drohender Still-

legungen von zahlreichen Betrieben und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit“ abgeschlossen worden sind, wird der Steinkohlenbergbau monatlich, bis 31. März 1951, die

zusätzliche Förderung von zwei

Arbeitstagen in regelmäßiger Mehrarbeit zur Verfügung stellen. Gegenüber dem bisherigen Zuschlag für Mehrarbeit von 25 Prozent beträgt der Zuschlag für diese regelmäßige Mehrarbeit 50 Prozent und bleibt trotzdem steuerfrei. Das bedeutet für den einzelnen Bergmann ein steuerfreies monatliches Mehreinkommen von etwa fünfzig Mark.

Infolge der Lohnerhöhungen im Kohlenbergbau müssen die Kohlenpreise erhöht werden. Von unterrichteter Seite wird erklärt, daß die Forderungen der. Deutschen Kohlenbergbauleitung zur Zeit überprüft und voraussichtlich nicht in vollem Umfang erfüllt werden. Man rechnet mit einer Preiserhöhung von sechs bis sieben Mark je Tonne.

Behrn mwird nufgelöft

648 000 Heimkehrer durchgeschieust

Kassel, 10. November, (dpa). Die seit Juli 1945 in Bebra bestehende Flüchtlings-Austauschstelle wird am 31. Dezember aufgelöst. Seit Bestehen der Flüchtlingsaustauschstelle wurden im wechselseitigen Durchgangsverkehr rund 648 OÖO Heimkehrer und sonstige Personen über Bebra geleitet, darunter 106 000 für die amerikanische Zone bestimmte Rußlandheimkehrer. Außerdem passierten 186 000 ehemalige Kriegsgefangene aus Frankreich auf dem Wege in die Sowjetzone die Austauschstelle. Im gleichen Zeitraum wurden 196 000 Zivilisten aus der sowjetischen Zone über Bebra in die US-Zone gebracht. In umgekehrter Richtung wurden 160 000 Zivilisten in Bebra registriert.

Talkenhaufens Yerhältnis zu Hitler

Ehemaliger Verbindungsoffizier antwortet

Brüssel, 10. November. (AP.) Im Falkenhausen-Prozeß sagte am Freitag der ehemalige Verbindungsoffizier beim deutschen Generalstab, Engel, aus, er habe in den Jahren 1938 bis 1943 an mehreren Konferenzen teilgenommen, auf denen Hitler den General stark kritisiert habe.

'1941 habe Hitler gesagt, die Tage Falkenhausens seien gezählt, da die Verwaltung Belgiens in starkem Widerspruch zu Hitlers Wünschen gestanden habe. General von Brauchitsch habe Hitler entgegengehalten, wenn er Falkenhausen von seinem Posten entferne, würde er auch seine Pläne für eine Invasion Englands auf geben müssen. Bis zum Kriege gegen die Sowjetunion habe in Belgien Ruhe geherrscht, fuhr Engel fort. Später' habe Himmler jedoch gemeldet, daß sich der Widerstand in Belgien verstärke und Falkenhausen nichts tue, um ihn zu unterdrücken.

Im Jahre 1942 habe der ehemalige Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Sauckel, Hitler berichtet, daß er mit Falkenhausen Schwierigkeiten wegen der Deportierung von belgischen Zwangsarbeitern nach Deutschland hätte. Saukkel habe Hitler ersucht, Falkenhausen einen Befehl zur Entsendung von Fremdarbeitern zu geben, da sie ihm von dem General verweigert worden seien.

Zwei Inhre Gefänguis

Der Frankfurter Spionageprozeß

Frankfurt (Main), 10. November, (dpa) Das amerikanische Militärgericht in Frankfurt verurteilte am Freitag den 41 jährigen Chemiker Scholz und den 29jährigen Holzkaufmann Cossmann aus Wiesbaden zu je zwei Jahren Gefängnis.

Die Angeklagten wurden für schuldig befunden, im Juli dieses Jahres in Wiesbaden mit der aus Leipzig stammenden Hauptzeugin Hildegard Kühnen vorsätzlich geplant zu haben, den Sowjets Informationen zuzuleiten, die die Sicherheit und das Eigentum der alliierten Streitkräfte gefährden konnten.

Nada den Aussagen, die sich im Laufe des Prozesses öfter widersprachen, waren Cossmann und Hildegard Kühnen Anfang Juli dieses Jahres nach Magdeburg gefahren, um den Sowjets Informationen, chemische Verfahren und Pläne, darunter solche des amerikanisdien Ördonance-Depot in Frankfurt-Griesheim für insgesamt 50 000 Mark (West) zu verkaufen. Das Material stammt von Scholz, der früher Angestellter der Sicherheitsabteilung im amerikanischen Landeskommissariat für Hessen war.

90000 Hanbwerksbetriebe

Kassel, 10. November, (dpa) In Hessen gibt es zur Zeit insgesamt 90 058 Handwerksbetriebe mit rund 310 000 Beschäftigten. 4701 Betriebe, das sind rund 5,2 Prozent, gehören Heimatvertriebenen. An erster Stelle steht das Bekleidungs-, Textil- und Lederhandwerk mit 27 620 Betrieben und 58 461 Beschäftigten, davon über 6000 Heimatvertriebenen. Es folgt das Bauhandwerk mit 18 833 Betrieben und 110 858 Beschäftigten, davon über 15 000 Heimatvertriebenen.

Stimmen der Anderen

„Wir haben's uicht eilig“

Unter der Ueberschrift „Wir haben’s nicht eilig“ nimmt die „New York Times“ zu dem sowjetischen Vorschlag Stellung, eine Viermächte-Konferenz über das Deutschlandproblem abzuhalten.

„Moskau weiß, daß die drei Westmächte an jedem Anzeichen darüber interesisert sind, daß die Sowjetunion zur Aenderung ihrer Politik bereit ist. Aber die Westmächte haben es nicht eilig, und sie werden nicht unter dem Druck von Angriffshandlungen in Asien ihre Zustimmung zu Viererbesprechungen geben. Wenn den Sowjets aufrichtig an dieser Konferenz gelegen ist, muß man sie auffordern, Beweise guten Willens in Oesterreich, der Sowjetzone Deutschlands und vor der UNO zu geben.“

Die unabhängige „Time and Tide“ beurteilt die Vorschläge sehr skeptisch, während der linksorientierte „New Statesman and Nation“ in dem sowjetischen Plan eine Lösungsmöglichkeit für das Deutschlandproblem sieht. „Time and Tide“ schreibt:

„Die Gefahr der sowjetischen Vorschläge auf Abhaltung einer Deutschland-Konferenz liegt darin, daß die Vorschläge einfältigen Gemütern als vernünftige Friedensangebote erscheinen können. Jedesmal, wenn die Sowjetunion vor der Möglichkeit stand, ihren guten Willen durch konkrete Abmachung über eine bestimmte Frage zu beweisen, hat sie abgelehnt. Wenn dieses Manöver wieder gelingt und sich die Westmächte zu einer Konferenz bereit finden, müssen sie entweder einer zu hundert Prozent für die Sowjetunion günstigen Regelung zustimmen, oder ihnen wird, wenn sie das ablehnen, vor aller Oeffentlichkeit die Verantwortung für das Scheitern der Konferenz zugeschoben.“

„New Statesman and Nation“

meint:

„Eine der wenigen noch bestehenden Bindungen zwischen Ost und West ist das gemeinsame Interesse, Deutschland entmilitarisiert zu lassen. Die von der Sowjetunion vorgeschlagene Konferenz gibt der britischen Regierung die Möglichkeit, ihre Handlungsfreiheit wiederzugewinnen, die britischen Beziehungen zu Frankreich zu verbessern und die britische Außenpolitik von der Verskavung an das Pentagon zu befreien. Die Westdeutschen als Partner in das atlantische Verteidiigungssystem aufzunehmen und damit die letzte Brücke zwischen West und Ost zu verbrennen, ist eine verbrecherische Torheit. Vorher muß man unbedingt feststellen, ob sich die Sowjets zu einer begrenzten Regelung bereitfinden, bei der Deutschland zwar gespalten, aber auch entmilitarisiert bleibt.“

„Fartidjrittliches Heffen“

Feststellungen des Innenministers

Esehwege, 10. November, (dpa) Kein Land Westdeutschlands habe seine Verwaltung so reduziert wie Hessen, erklärte der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann in einer SPD-Wahlversammlung in Esehwege. Die SPD würde jedoch die Abschaffung der elf Länder und die Bildung einer Gesamtregierung am meisten begrüßen. In der Betreuung der Heimatvertriebenen sei Hessen ebenfalls das fortschrittlichste Land des Bundes.

Hölle wo ist Dein Sigg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Woffgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

61) Er drängte sie förmlich aus dem Laden; doch bevor sie die Tür erreichte, hatte das Schwindelgefühl sie verlassen, und sie wandte sich noch einmal zurück.

„Ach bitte, wenn Sie mir die Zeitung geben würden, wäre ich Ihnen sehr dankbar, falls Sie sie wirklich nicht mehr benötigen.“ Ihre Hand umschloß das Blatt. Zwischen ihren Fingern erblickte sie wieder das Wort „Praslin“. Mit Ruhe und Ueberlegung faltete sie die Zeitung so zusammen, daß der betreffende Artikel nicht sichtbar war. Sie mußte es unter allen Umständen vermeiden, daß die scharfen Augen der Mädchen diesen Namen entdeckten.

Sie hörte sich mechanisch Fragen beantworten, während sie die kurze Strecke nach Hause zurücklegten. Albert saß ihr schweigsam gegenüber, und sie wich seinem Blick aus. Als sie angelangt waren, verabschiedete er sich noch nicht, unter dem Vorwand, aus dem Schulzimmer einige Bücher holen zu müssen. Während die Kinder ihnen voraus die Treppe hinaufliefen, blieb er Henriette zur Seite und sagte leise zu ihr:

„Wie gemein ist dieser feige Angriff! Wo können sie nur diese infamen Lügen hergenommen haben? Wer mag wohl dahinterstecken?“

Henriette zerknüllte unwillkürlich die Zeitung in ihrer Faust, und während sie die Treppe hinaufstiegen, lag ein hartes Lächeln auf ihren Lippen: Lisettes haßerfüllte Drohungen bei ihrem Fort-

gang waren ihr gerade wieder eingefallen.

„Ich glaube zu wissen, wer für diese neue Verleumdung verantwortlich ist“, sagte sie. „Aber was nützt das jetzt. Haben Sie alles gelesen, Albert?“

„Ja, fast alles; aber ich war so entsetzt, als mein Blick im Laden plötzlich auf diesen Artikel fiel, daß mir die Worte in ihrer ganzen Bedeutung kaum aufgingen. Ich fürchte, diesmal ist es noch ärger als damals.“

„Ja“, entgegnete sie, „ich fürchte das auch. Und selbst wenn es nicht so bösartig wäre — der Herzog ist erst so kürzlich in die Pairskammer aufgenommen worden, daß die Folgen für ihn doppelt schlimm sein werden. Was mich anbetrifft, ich — nun —.“ Ihr Achselzucken drückte mehr aus, als sie mit Worten zu sagen vermochte.

„Ich weiß, Henriette, aber jeder kann Sie doch täglich so sehen, wie ich es tue. Es muß doch jedem klar sein, daß kein Deut Wahrheit an diesen Behauptungen ist, daß Sie und der Herzog —,“ er brach verlegen ab.

„Warum zögern Sie, es auszusprechen,“ fragte sie bitter. „Ganz Paris sagt es doch.“

„Ich weiß, daß es eine Lüge ist, und ich gehe jetzt mit Ihnen zum Herzog und zur Herzogin, um es denen zu sagen.“ ..Nein, Albert, nein! Sie dürfen hierin

nicht verwickelt werden. Was Sie auch sagen wollen, Sie können mir nichts nützen, und sich selbst würden Sie nur schaden.“

„Ich werde nicht schweigen, solange Ihr anständiger Name überall in den Dreck gezogen wird. Ich muß irgend etwas tun, um Ihnen meine Freundschaft und mein Vertrauen zu beweisen.“

„Dazu werden Sie noch genügend Gelegenheit bekommen“, meinte sie. Es lag eine außergewöhnliche Unnachgiebigkeit in ihrer Stimme, wenn die Hand auch zitterte, die sie impulsiv auf die seine legte.

„Bitte, Albert, gehen Sie jetzt, und wenn Sie morgen kommen, dann benehmen ^e sich so, als ob Sie von nichts wüßten.“

Sie standen vor dem Schulzimmer, und er hielt ihre Hand und durchforschte ihr Gesicht mit einem besorgten und ratlosen Ausdruck in seinen bebrillten Augen.

„Aber, mein Gott, wie soll ich eine solche Komödie spielen können, während Sie sich in dieser scheußlichen Lage befinden? Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll.“

„Tun Sie bitte, was ich sage, und vergessen Sie nicht, daß Sie ein Gelehrter sind, der in seinen Büchern lebt. Sie lesen niemals Zeitungen, und von diesem Skandalblatt haben Sie überhaupt nie etwas gehört.“

Fast gefühllos wusch sie sich und schlüpfte in ein neues Kleid. Es war aus einem dünnen, zartgrünen Stoff, mit kleinen metallisch glänzenden Blumen von der Farbe ihres Haares bestreut. Erst vorgestern hatte die Schneiderin es abgeliefert, und doch schien es ihr eine Ewigkeit herzusein.

„Bien“, dachte sie, als sie sich das Haar vor dem Spiegel zurechtstrich und die Emailbrosche mit dem Drachenkopf, diese Friedensgabe der Herzogin aus jenem ersten Frühling ihres Hierseins, ansteckte. „Ich sehe heute abend so gut aus wie selten, und für wen und wozu? Aber ich verstehe jetzt, warum die zum Tode Verurteilten sich so viel Mühe mit ihrer äußeren Erscheinung geben, wenn sie sich zum letztenmal der Oeffentlichkeit zeigen sollen.“

Das Abendessen verlief ungetrübt. Das junge Volk war so ausgelassen und gesprächig, daß es ihre bedrückte Stimmung nicht bemerkte. Henriette hatte befürchtet, der Herzog könnte heute wieder seinen Platz am Tisch der Kinder einnehmen, und atmete erleichtert auf, als sie sah, daß er leer blieb. Es wäre ihr jetzt sehr peinlich gewesen, ihm gegenübersitzen zu müssen und zu wissen, was sie wußte und was er inzwischen wohl auch schon erfahren hatte.

„Ich werde Papa bitten, Ihre Kamee in Gold fassen zu lassen“, sprach Raynald gerade auf sie ein, „dazu habe ich noch zu wenig Geld. Und auf der Rückseite muß etwas stehen; Mama hat das auch auf ihren Broschen und Ringen. Was möchten Sie darauf haben, Mademoiselle?“

„Ich weiß nicht recht, Liebling, ich habe noch nicht darüber nachgedacht.“ „Man graviert immer Namen und Daten ein“; erläuterte Berthe.

„Dann Wollen wir ,Raynald, 18 .Juni 1847' eingravieren lassen“, bestimmte der Junge, „dann werden Sie sich immer an heute erinnern.“

„Ich werde diesen Tag auch ohne eine solche Mahnung nicht vergessen", versicherte Henriette ihm. und dann bewunderten sie alle das Schmuckstück im Lampenlicht.

Um neun Uhr erhielt sie die Vorladung, auf die sie schon gewartet hatte: Empfehlung von dem Herrri Marschall, und würde Mademoiselle Deluzy sich bitte unverzüglich bei ihm einfinden' Während sie dem Diener durch den langen Flur folgte und die Treppen hinab, bereitete sie sich, so gut sie konnte, auf die ihr bevorstehende Prüfung vor. Sie mußten die Lage für sehr kritisch halten, schloß sie; sonst hätte die Herzogin sie zur Rechenschaft gezogen und nicht ihr Vater. Auch würde der Marschall höchstwahrscheinlich die Unterredung bis zum nächsten Tag aufgeschoben haben, wenn er nicht der Meinung gewesen wäre, daß ein Verzug verderblich sein könne. Nun, immerhin zog sie den Vater der Tochter vor.

Die Tür öffnete sich. Sie trat in den Salon des Sebastiani-Flügels, in dem sie zwei alte Herren antraf. Dort in dem einen Stuhl saß die untersetzte, kräftige Gestalt des Marschalls, und in einem anderen erkannte sie die des hageren, finsteren Abbes. Die Herzogin und der Herzog waren beunruhigenderweise nicht anwesend. Man bat sie, zwischen ihnen Platz zu nehmen, und als sie sich setzte und ihr Kleid züchtig über ihre Füße fallen ließ, spürte sie nur allzu deutlich» daß sie ebensogut ihr ältestes Arbeitskleid hätte tragen können, so wenig Eindruck rief ihre Erscheinung hervor.

Es kam ihr so vor, als ob diese beiden. Männer, die zusammen die weltliche und die kirchliche Macht repräsentierten» während des gespannten Schweigens in den ersten Minuten nach ihrem Eintreten sich sammelten, bevor sie das Urteil über sie fällten. Der Marschall glich mehr denn je dem harten, ungeschlachten Korsen, dessen Tiefgründigkeit und Kraft die Eleganz seiner Umgebung vergessen ließ. Aber diesen aufrechten Mann fürchtete Henriette nicht so sehr wie den Abbe, der bewegungslos, in sein langes Gewand und in seine abweisende Unnahbarkeit gehüllt, dasaß. (Fortsetzung folgt)

Gibts jetzt Ruhe bei Kilometer 512?

Von Heinz G. Roth

Der Kilometer 512 auf der Autobahn bei Grafenhausen hat die ersten Todesopfer gefordert. Eine traurige Bilanz, die wir heute ziehen müssen. Unsere Warnsc'lon am 5. September, nach dem iz. Unfall an der gleichen Stelle, erlauben wir uns die Frage: „Muß erst einer zu Tode kommen?“ — unser Appell an oie verantwortlichen Behörden, unsere Bitte, endlich etwas zu unternehmen, um die Unfälle abzustoppen, wurden zwar, wie die Reaktion bewies, gehört, aber nicht bis zur letzten Konsequenz ernst genommen. Denn, so erklärte man, schuld sind in erster Linie die Kraftfahrer selbst. Sie sollen nicht pennen, sondern auf die Fahrbahn achten, sie sollen nicht rasen, sondern vernünftig fahren...

Wir glaubten auch nicht bedingungslos, daß nur die Straßendecke die Schuld an diesen Serien-Unfällen trage. Wir mutmaßten andere Ursachen. Mag sein, daß sie in den Augen dieses oder jenes Verantwortlichen zu romantisch, zu okkultisch oder auch zu sensationell gewertet wurden. Gerade das Wort „sensationell“ hörten wir oft. Wie schön, daß wir dieses Wort in unseren Sprachschatz aufgenommen haben. Es huscht beschwingt über die Lippen und drückt so vieles aus, für das man sonst keine Erklärung findet.

„Zufall“, sagte man, als wir auf Grund unseres statistischen Materials, das wir in mühevoller Kleinarbeit über den Kilometer 512 gesammelt hatten, den 13. Unfall fast auf die Stunde genau prophezeiten. Eine Sensation war es in diesem Augenblick lediglich für ein paar sensationshungrige Journalisten, die sich weniger darüber Gedanken machten, wie der Gefahr am Kilometer 512 am besten zu begegnen sei, sondern mehr darauf bedacht waren, ihre Leser wieder einmal gruseln zu machen. Und das noch ohne stichhaltige Angaben, weil es sehr bequem war, unsere Meldungen zu übernehmen, ohne indes ihre Vorgeschichte zu kennen. Das Gespenst „km 512“ tauchte plötzlich überall auf: in Tageszeitungen, in Wochenzeitschriften und in Illustrierten. Es gab sogar Reporter, die uns um Einzelheiten baten, uns an Ort und Stelle ausquetschten und fotografierten. Daß wir

uns eines Tages in manchem Blatt als Statisten wiederfanden, machte uns wenig aus, besonders deshalb nicht, weil die Schlagzeilen im allgemeinen lauteten: „Lauert bei Kilometer 512 der Tod?“

Natürlich lauerte er da. Aber warum? Das war doch die entscheidende Frage. Vielleicht hat man sie deshalb übergangen, weil damit keine Sensation zu machen war. Wir jedenfalls haben diese Frage gestellt, haben uns die Mühe gemacht, sie selbst zu beantworten — noch vor Eintritt eines Todesfalles .. Wir vermuteten erdmagnetische Feldstärkenänderungen, ließen einen Wünschelrutengänger die Gefahrenstrecke abgehen und einige Tage später dessen'" Ergebnisse mit einem Gerameter — einem wissenschaftlich anerkannten Gerät, mit dem unterirdische Wasserläufe, Erzlager, Petroleumfelder und Änderungen in der magnetischen Feldstärke der Erdoberfläche exakt zu bestimmen sind — nachprüfen.

Es wurde damit der Beweis erbracht, daß auf der Gefahrenstrecke — km 512 bis km 513 — Magnetfeldänderungen vorhanden sind, die auf das Steuerrad eines sensiblen Kraftfahrers, der über den „Reizstreifen“ fährt, genau so einwirken, wie die Rute auf einen Rutengänger. Mit anderen Worten: Durch die infolge der Reaktion ausgelöste Muskelzusammenziehung wird ein Drehmoment ausgelöst, das beim Rutengänger den Rutenausschlag, beim Kraftfahrer eine Drehung des Steuerrades bewirkt. „Da nicht jeder Mensch gleich stark reagiert, sind folglich auch nicht alle Kraftfahrer, die einen solchen Reizstreifen passieren, gefährdet.“ Hinzu kam bei Kilometer 512 die ungünstige Beschaffenheit der Straßendecke.

Man tat etwas bei Kilometer 512. Das sei anerkannt. Ob man aber das tat, was erforderlich gewesen wäre, zweifeln wir an. Am 16. September schrieben wir unter der Überschrift: „Polizeimeister Möller — ein Chronist des Unheils“: „Es wäre für eine wissenschaftliche Untersuchungskommission zweifellos eine dankbare Aufgabe, wenn sie. einmal ernstlich den Ursachen nachgehen würde. — Fast möchten wir sagen: Die Bevölkerung erwartet das ..“ Nach Lage der Dinge heute mehr denn je.


Heute soll, wie wir vom Autostraßenamt Frankfurt erfahren, die instandgesetzte zweite Fahrbahn bei Kilometer 512 auf der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt für den Verkehr wieder freigegeben werden. Wir hoffen, daß damit die verhängnisvolle Serie von 25 Unfällen mit drei Todesopfern in vier Monaten ihren Abschluß fand. Wir müssen allerdings nach guter Kenntnis der Eigenarten dieser Strecke befürchten, daß nach einer mehrmonatigen Ruhepause bis zum Glattfahren der Straßendecke das alte Lied beginnt. Unsere Berichterstattung über die Unfälle bei Kilometer 512 hatte solches Aufsehen erregt, daß nicht nur die Tageszeitungen der Umgebung aufmerksam gemacht wurden, sondern auch eine Reihe illustrierter Zeitschriften seitenlange Bildreportagen brachten. Unsere Montage zeigt Ausschnitte aus den Bildreportagen verschiedener Illustrierten.
Heute soll, wie wir vom Autostraßenamt Frankfurt erfahren, die instandgesetzte zweite Fahrbahn bei Kilometer 512 auf der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt für den Verkehr wieder freigegeben werden. Wir hoffen, daß damit die verhängnisvolle Serie von 25 Unfällen mit drei Todesopfern in vier Monaten ihren Abschluß fand. Wir müssen allerdings nach guter Kenntnis der Eigenarten dieser Strecke befürchten, daß nach einer mehrmonatigen Ruhepause bis zum Glattfahren der Straßendecke das alte Lied beginnt. Unsere Berichterstattung über die Unfälle bei Kilometer 512 hatte solches Aufsehen erregt, daß nicht nur die Tageszeitungen der Umgebung aufmerksam gemacht wurden, sondern auch eine Reihe illustrierter Zeitschriften seitenlange Bildreportagen brachten. Unsere Montage zeigt Ausschnitte aus den Bildreportagen verschiedener Illustrierten.

Das Autostraßenamt schrieb - wir antworten

Zu unseren Berichten über die Unfälle am Kilometer 512 schrieb uns vor einiger Zeit das Autostraßenamt, Frankfurt am Main:

Mehrere Meldungen Ihres Blattes über die Unfälle an der genannten Stelle der Autobahn geben Veranlassung, darauf hinzuweisen. daß die Berichte zum großen Teil auf falschen Informationen zu beruhen scheinen.

Vor allem muß der Behauptung auf das schärfste entgegengetreten werden, daß sich die zuständigen und verantwortlichen Stellen nicht um die Beseitigung der erkannten Gefahrenquellen für Unfälle bemühen würden. Es ist selbstverständlich, daß dem Autostraßenamt Frankfurt (M) nichts so sehr am Herzen liegt, als die Autobahnstrek¬ •ken innerhalb seines Verwaltungsbereichs so verkehrssicher wie nur irgend möglich zu gestalten.

Es ist eine Tatsache, daß sich an der genannten Stelle km 512,2—512,5 in den letzten 21/2 Monaten die Zahl der Unfälle wesentlich. vermehrt hat. Die Gründe dafür konnten bisher trotz eingehender Beobachtungen und Untersuchungen noch nicht in eindeutiger Weise festgestellt werden. Der Gefahrenpunkt befindet sich noch innerhalb einer Kurve mit einem Halbmesser von 2000 m, die Querneigung der Fahrbahn beträgt an dieser Stelle 41/2 Prozent. Die dort angewendete sogenannte Schlämme zum Schutze der Oberfläche der stark beschädigten darunter liegenden Teerbetondecke wurde nach reiflichen Ueberlegungen, unter Hinzuziehung von anerkannten Fachleuten, aufgebracht und liegt nicht nur auf den geschilderten 300 Metern, sondern ist innerhalb des Straßenmeisterei-Bereiches Darmstadt in einer ungefähren Länge von 10 Kilometern vorhanden.

Man muß berücksichtigen, daß innerhalb 24 Stunden etwa 4000 Fahrzeuge in Richtung Frankfurt (M) diese Stelle passieren ohne Schaden zu nehmen.

Selbstverständlich gibt sich die Autobahnverwaltung alle erdenkbare Mühe, Mittel und Wege zu finden, die Verkehrssicherheit an jener Stelle zu erhöhen. Deshalb, und nicht auf eine Anordnung des Regierungspräsidenten hin, welchem die Autobahnen nicht unterstehen, wurde die betreffende Stelle auf eigene initiative des Autostraßenamtes am 7. September für den Verkehr gesperrt.

Abschließend möchten wir nochmals feststellen, daß die primäre Ursache der Unfälle nicht in einer abnormalen Deckenglätte eu suchen ist, sondern in der gebotswidrigen Geschwindigkeit im Zusammenhang mit einem nicht ordnungsgemäßen Funktionieren der Bremsen oder abgenutzten Reifen.

Trotzdem bleibt es das Bestreben der Autobahnverwaltung, alle technischen Maßnahmen anzuwenden, um jeden Verdacht zu beseitigen, daß die Deckenbeschaffenheit an jener Stelle eine Gefahrenquelle bilden könnte.

Im Interesse einer objektiven Berichterstattung bitten wir, eine entsprechende sachliche Darstellung in Ihrer Zeitung zu veröffentlichen. gez.: Renz. *

Da wir um eine sachliche Darstellung der Vorgänge gebeten wurden, die wir — unseres Erachtens — auch in der seitherigen Berichterstattung über die Unfälle bei Kilometer 512 immer beobachtet haben, möchten wir folgendermaßen Stellung nehmen:

1. Unsere „falschen Informationen“ holten wir uns bei der Straßenpolizei der Autobahn. Selbst die Gerichte geben diese „Informationen“ der Straßenpolizei als die maßgeblichen und richtigen an.

2. Wir müssen feststellen, daß das Autostraßenamt erst an dem Tage eine sichtbare Initiative an Kilometer 512 ergriff, als wir in unserer aufsehenerregenden „Prophezeiung“ — eine völlig nüchterne Berechnung! — den 13. Unfall an dieser Stelle voraussagten und der Unfall sich prompt ereignete. Ueberraschend folgte die „eigene Initiative“ des Autostraßenamtes gerade einen Tag nach unserem energischen Hinweis.

3. Von der so hochgelobten Straßendecke erfuhren wir unter der- Hand in der Zwischenzeit, daß sich ein Fehler in der Substanzzusammenstellung herausgestellt habe.

4. Die „Mühe, Mittel und Wege zu finden, die Verkehrssicherheit an jener Stelle zu erhöhen“, war bedauerlicherweise nicht so groß, innerhalb von zwei Monaten — seit dem 7. September bis jetzt — eine Strecke von etwa 500 Metern in verkehrssicheren Zustand zu versetzen und dadurch die 11 — in Worten: elf! — Unfälle zu verhindern, die sich während dieser Zeit auf und an der eingleisigen Strecke ereigneten.

5. Auf die „gebotswidrige Geschwindigkeit“ kann man leicht die Schuld schieben. Für welche Geschwindigkeit wurde eigentlich die Autobahn gebaut, wenn sie als schnelle Verkehrsverbindung zwischen weit entfernten Punkten dienen sollte? DT.

Nicht im Sinne des Erlinders

Von Albrecht G. Thaer

Als man seinerzeit die Autobahnen plante und anlegte, ging man von dem Gedanken aus mit diesem an ein internationales Verkehrsnetz anzuschließenden deutschen Straßennetz eine schnelle Verbindung entfernt liegender, verkehrstechnisch wichtiger Punkte zu erreichen. Man legte die Fahrbahnen grundsätzlich in dem bei jedem Wetter haftfesten Beton an, überhöhte die Kurven entsprechend hoher Geschwindigkeiten, baute die Kurven möglichst mit einem Mindestradius von 2000 Metern und pflanzte an jeder Brückendurchfahrt seitlich der Fahrbahn Sträucher an, um die mit hoher Geschwindigkeit fahrenden Kraftwagen vor plötzlich verändertem seitlichem Winddruck zu schützen. Um Unebenheiten der Fahrbahnen zu vermeiden, konstruierte man

breite Straßenbaumasc>finen, die, die gesamte Fahrbahnbreite überspannend, den Bau „tischebener“ Flächen ermöglichten. Die Fahrzeuge sollten diese Straßen mit Geschwindigkeiten bis zu 180 Stundenkilometern befahren können, um durch den Vorteil schneller Verkehrsmöglichkeiten die in den Autobahnen investierten Riesensummen einigermaßen zu rechtfertigen.

Diese Autobahnidee konnte selbst durch die strategischen und repräsentativen Nebengedanken bei ihrer Ausführung nicht verwässert werden.

Erst der Nachkriegszeit gelang es, sie „erfolgreich“ mit dem Blei der Gedankenlosigkeit zu beschweren, so daß heute der Wert der Autobahnen fast zweifelhaft erscheinen muß.

„Verkehrsexperten" brachten es fertig, den Fahrrädern mit Hilfsmotor das Fahren auf der Autobahn zu ei-möglichen. Höchst» geschwindigkeit 18 Kilometer! Die gleichen „Verkehrsexperten“ gestatten Traktoren, Langholzlastzügen und sonstigen, langsam vor sich hinkrebsenden Fuhrwerken, auf der Autobahn herumzunuckeln. Wo man mit 180 Stundenkilometern nach den einstigen Plänen fahren können sollte, muß nun der Kraftfahrer, der als solcher auf die Autobahn gehört, achtgeben, daß er nicht mit 18 Kilometern ein wildgewordenes Fahrrad über den Haufen fährt.

Diese langsamen Fahrzeuge gefährden auf der Autobahn den Verkehr! Sie verhindern auf einer Strecke, die, wie zwischen Darmstadt und Frankfurt, etwa 4000 Kraftfahrzeuge in 24 Stunden aufnimmt, ein schnelles Abrollen des Verkehrs, da sie alle paar hundert Meter überholt werden müssen und zeitweilig dadurch praktisch den rechten Streifen der Fahrbahn sperren. Durch diese langsamen „Kraftfahrzeuge“ ereignet sich immer wieder der Fall, daß zwei nachfolgende Fahrzeuge unterschiedlicher Geschwindigkeit zu gleicher Zeit zum Ueberholen ansetzen. Den Rest besorgt das Sanitätsauto und Unfallkommando.

Auf der Eisenbahnstrecke bei Kilometer 512 gondelte vor einigen Tagen ein Fahrrad mit Hilfsmotor in aller Gemütsruhe dahin. Dahinter im gleichen 18-Kilometer-Tempo eine lange Kfz-Schlange, die, laut verständlicher Vorschrift, an dieser Stelle nicht überholen durfte. Einer tat’s doch, wurde erwischt und verknackt. Durchaus zu Recht, denn Vorschrift ist Vorschrift, und gerade an dieser Strecke waren einige Unfälle durch verbotswidriges Ueberholen zu verzeichnen. Ob aber dieser Kraftfahrer deshalb einen Kraftwagen zwischen Frankfurt und Darmstadt benutzte, um einen Kilometer lang im 18- Kilometer-Tempo dahinzutrödeln, das ist die Frage. Und nicht im Sinne des Erfinders!

Kraftfahrzeuge, die nur eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 40 Kilometern erreichen, gehören nicht auf die Autobahn! Der Autobahnverkehr muß auf dem rechten Fahrbahnstreifen etwa im 60- Kilometer-Tempo flüssig dahinrollen und auf dem linken Fahrbahnstreifen schnelleren Fahrzeugen die Möglichkeit geben, mit 120 Stundenkilometern vorwärts zu kommen. Sonst haben die Autobahnen ihren Zweck restlos verfehlt und die Unfallziffern nehmen auf der Autobahn niemals ab!

Bei der deutschen Gründlichkeit im Erfinden von Verkehrsbestimmungen dürfte es nicht schwer fallen, langsame Fahrzeuge vom Befahren der Autobahn auszuschließen, agt

Eine vermeidbare Chronik:

11 weitere Unfälle und 3 Tote... ...in zwei Monaten

Am 7. September wurde die eine Fahrbahn zwischen Kilometer 512 und 513 auf der Autobahn bei Gräfenhausen gesperrt, da innerhalb von 2 Monaten an dieser Stelle sich 14 Unfälle ereignet hatten.

Leider, gelang es erst innerhalb von 9 Wochen, das einige hundert Meter lange Stück wieder instandzusetzen. Einige Wochen lang war die Strecke nur abgesperrt, ohne daß etwas an der Straßendecke getan wurde.

Am 7. November, also genau 2 Monate nach der Absperrung, wurde der weiße Mittelstrich auf die neue Fahrbahn aufgemalt und damit die Möglichkeit geschaffen, die Strecke am folgenden Tage wieder freizugeben.

In dieser bedauerlich langen Zeit ereigneten sich im gleichen Autobahnabschnitt — durch die durch die Absperrund verursachte Verkehrsbehinderung — fast die gleiche Anzahl von Unfällen wie in den beiden Vormonaten. Drei Menschenleben fielen einem der elf Unfälle zum Opfer.

8. 9. Jeep überholt, stößt mit Motorradfahrer zusammen. Motorradfahrer schwer verletzt.

12. 9. Lkw irrt von der Fahrbahn, die Böschung hinunter.

14. 9. Beim verbotenen Ueberholen stoßen zwei Pkw zusammen.

14. 9. Ein Kraftwagen durchfährt die Sperre, Sachschaden.

18. 9. Unfall durch Achsenbruch eines Kraftwagens.

25. 9. Kraftwagen irrt von Fahrbahn ab.

2.10. Amerikanischer Pkw rennt gegen

Lastzug.

5.10. Verbotswidriges Ueberholen zweier Lastwagen: Sachschaden.

12.10. Weltrekordläufer Dr. Peltzer schwer verletzt bei Sturz mit Leichtmotorrad.

17.10. Kraftwagen fährt die Böschung hinab.

2.11. Zwei Pkw stoßen zusammen: 3 Tote.

Es ist selbstverständlich einfach, bei allen diesen Unfällen einen Schuldigen zu finden. Entweder wurde eine Verkehrsregel nicht beachtet, zu schnell gefahren oder ein Verkehrsschild übersehen. Aber es erhebt sich die schwerwiegende Frage, ob sich alle diese Unfälle an dieser Stelle ereignet hätten, wenn man sich mit der Instandsetzung der Strecke etwas mehr geeilt hätte. Zumindest der letzte — der 25.! — Unfall hätte wahrscheinlich vermieden werden können und das Ehepaar Ulsenheimer mit ihrem Fahrer Schey wären nicht das Opfer dieses Stückes Autobahn geworden.

Weniger Nerkehraunfalle im Oktober

Aus dem Polizeibericht

Wie der Polizeibericht für den Monat Oktober in Darmstadt nachweist, ist die Zahl der Verkehrsunfälle im Vergleich zum Vormonat etwas zurückgegangen. Während es im September noch 84 Verkehrsunfälle waren, sank die Zahl im Oktober auf 79. Auch die Karambolagen amerikanischer Kraftfahrzeuge mit deutschen Wagen gingen von 25 auf 16 zurück. Zwei Todesopfer waren durch Verkehrsunfälle im Stadtbezirk zu beklagen. Der Sachschaden wird auf etwa 21000 DM ge» schätzt.

Die Kriminalpolizei bearbeitete im Oktober 352 Straffälle, 107 Personen wurden vorläufig festgenommen und unter den bekannten und ermittelten 199 Tätern strafbarer Handlungen waren 21 Jugendliche zu verzeichnen.

Andere Abteilungen des Polizeipräsidiums stellten im Oktober 589 Personalausweise oder Interzonenpässe, 129 Kraftfahrzeugführerscheine und 360 polizeiliche Führungszeugnisse aus. In Darmstadt wurden im gleichen Monat 3646 auswärtige Besucher In Hotels gemeldet. *

Darmstadt und Umgebung

Gold in Alnska!

„Rückzug der Chinesen in Korea!“ „Fliegende Untertassen im Atlantik!" „Ingrid Bergman verliert Scheidungsprozeß!“... Kräftige, entschiedene, kehlige Stimmen rufen die Schlagzeilen ihrer Blätter an den belebten Plätzen unserer Stadt aus. Und in den abendlichen Cafes und Gaststätten: „Kaufen Sie Veilchen, gnä’ Frau, frische Veilchen“ sagen sammetweiche Stimmen, die sich in das Fluidum schöner Pelze, teurer Parfüms, der Weingläser und des schmeichelnds gespielten „la mere“ des schwarzhaarigen weitgereisten Kapellmeister einfügen.

Und wenn sie Rasierklingen verkaufen, die jungen Menschen, bald schon können sie eine Brücke konstruieren, odei- in nicht mehr allzu ferner Zeit sind sie der Erzieher unserer Kinder. Es bringt kein Glück, wenn man sie, verächtlich vielleicht sogar, abweist. Schauen Sie sich die Hände an, die schmalen Gesichter, die trotzigen übermüdeten Augen'

Wepn die Bar schon geschlossen hat, sitzen die Zeitungs-, Blumen- und Rasierklingenverkäufer über dem Reißbrett oder dem Ovid in einem nicht immer geheizten Zimmer. Es ist schwer, ohne „couleur“ sein Studium zu verdienen. Und was wäre eine Stadt ohne die Lebhaftigkeit der Straßenverkäufer! Esblieben nur Arkaden und der Eindruck des Starren im abendlichen November.

Am Luisenplatz steht solch ein junger Mann, der die Schlagzeilen ausruft. Er fröstelt ein wenig in dem regennassen Abend, die Finger sind schon klamm geworden nach vielstündigem Stehen, und die Stimme beginnt heiser zu werden. Er hat ein schönes Profil, etwas florentinisch, und spricht akzentfreies Deutsch. Das Studium an der Ingenieurschule führte ihn nach Darmstadt, dessen traditionsreichen, Institute Techniker und Ingenieure in die ganze Welt entließen.

„Hamburger?“ frage ich. „Ja, wir wurden dort während des Krieges ausgebombt und mußten nach Arolsen evakuiert werden. Ich wollte so gerne das technische Studium beginnen, aber dort gab es keine Möglichkeiten: so kam ich hierher. Ich werde es schon schaffen ... Die Menschen treten mir im allgemeinen freundlich gegenüber, aber es gibt natürlich auch abfällige Bemerkungen. Das ist jedoch der geringste Teil des Publikums. Die aufgeschlossene Art der anderen macht das doppelt wett.“

Es hat angefangen zu regnen. Der junge Mann schlägt sich den Mantelkragen hoch. ..Rückzug der Chinesen aus Korea!“ ruft er den Menschen entgegen, die aus der Straßenbahn steigen, „Rückzug aus..."

„Ady möcte einen Ofen kaufen“

Vortrag über Ofenarten und wärmetechnisch einwandfreie Feuerung vor dem v Eisenwaren-Fachhandel

Wärme-Ingenieur W.-Otto Obst sprach am Donnerstagabend im Hotel Knauf im Auftrage des Fachverbandes Heiz- und Kochgeräte-Industrie (HKI) und des Vereins Deutscher Eisenwarenhändler (VDE) vor dem hiesigen Eisenwarenfachhandel.

Es ging um die wärmewirtschaftliche Unterweisung des Kunden, der einen Ofen kaufen möchte und mit seinen Wünschen zum Einzelhandel kommt. Temperamentvoll und eindringlich wußte Ingenieur Obst die wissenschaftlichen Ausarbeitungen und technischen Erfahrungen darzulegen, die zu Ofenkonstruktionen führten, die heute den verschiedenen Brennstoffen gerecht werden und bei sparsamstem Verbrauch und fast müheloser, sauberer und hygienischer Bedienung höchste Heizkraft beweisen.

Ansetzend bei der erdgeschichtlichen Entstehungweise unserer Brennstoffe, erläuterte Ingenieur. Obst mit Zeichnungen an der Tafel die Ofenbauarten, die gasreichem Heizmaterial (großflammig) und gasarmem (kleinflammig) gerecht werden.

Der Verkäufer müsse vom Kunden genaue Auskunft über Lage, Größe und Beschaffenheit des Raumes, für den der Ofen gewünscht werde, erhalten, damit die wärmewirtschaftlich günstigste Ofengröße errechnet werden könne. Um die geforderte Leistung des Ofens auch wirklich zu erzielen, sei sein fehlerfreier Anschluß an den Kamin nötig und die genaue Beachtung der Brennstoff- und Bedienungsvorschriften, die, in ihrer Begründung und Zweckmäßigkeit einmal verstanden, leicht einzuhalten seien.

Wünschenswert wäre eine wärmewirtschaftliche Unterweisung der Hausfrauen gerade im Hinblick auf die Verknappung des Hausbrandes und die ungünstigen Bedingungen (Ausbau auf einem Trümmergrundstück, Dachgeschoß, dünnwandiges Einzelhaus), unter denen Wohnraum geheizt werden muß. Herr Obst hofft deshalb, daß er im eigenen Interesse der Haushalte und Betriebe bald im größeren Kreise über zweckmäßige Heiz- und Kochgeräte und ihre Bedienung sprechen kann. Di

Zu einem Tumult kam es gestern nachmittag in den Vorräumen des Palast-Kinos in der Grafenstraße, als Studenten gegen die Aufführung des Filmes „Ekstase“ opponieren und Kinobesucher am Zutritt hindern wollten.

Von Gilenwaren bie zum Porzellan

In neuen geschmackvoll und praktisch eingerichteten Räumen wird die Fa. C. J. Wenz heute, in der Schulstraße 3, ihr 1861 gegründetes Unternehmen wieder eröffnen. Nachdem das Geschäft 194 total ausgebombt wurde, konnte der jetzige Inhaber, Herr Heydt, die Räume in der Alicestraße 2 unterbringen. Dank der erfreulichen Entwicklung ist eine Erweiterung unbedingt notwendig geworden, und es gelang endlich wieder, in die unmittelbare Nähe des Geschäftszentrums zu kommen. Besonders auffallend sind die sehr praktischen und neuartigen Spezialwandschränke in der Abteilung für Eisenwaren. Für Ausstellungen von Oefen, Herden, Werkzeugmaschinen und sanitäre Anlagen ist ein besonderer Raum vorgesehen.

Das seit 1822 in Darmstadt bestehende Spezialgeschäft für Kristall, Glas und gutes Porzellan, Louis Noack, wird unter Leitung seiner jetzigen Besitzerin, Frau Heydt, ebenfalls heute im Hause Schulstraße 3 wieder eröffnen. Hinter hohen Glasschränken und schönen Glasvitrinen kann man Auge und Herz erfreuendes Geschirr, Kristallschalen und Vasen bewundern. Scg.

67. Stiftungsfest

des KKV „Constantia“

Am morgigen Sonntag begeht der KKV (Verein für katholische Kaufleute und Beamte) in Darmstadt sein 67. Stiftungsfest. Um 8 Uhr ist in St. Ludwig feierliches Hochamt mit Predigt des geistl. Beirats Dr. Degen. Im „Heilig Kreuz“ findet um 19 Uhr die weltliche Feier statt, bei der Herr P. Ansgar Schröder die Festrede halten wird. Nach verschiedenen musikalischen Darbietungen spielt eine ausgezeichnete Kapelle zum Tanz. — Der KKV hat nach der Wiedergründung in vielen Gemeinden des Bundesgebietes die kath. Kaufleute und Beamten in Ortsvereinen zusammengefaßt. Auf dem Bundestag in Bilstein haben 350 Vertreter aus dem Bundesgebiet und der Ostzone, in Anwesenheit von Vertretern aus Holland und Belgien, die- geistige Linie des Bundes erarbeitet.

Geschäftliche Mitteilungen

ohne Verantwortug der Redaktion

Einem Teil unserer heutigen Auflage liegt ein Prospekt der Firma Kurt E s 1 y, Koblenz (Toto Rheinland-Pfalz) bei.

Richtfelt des nenen Kreishaufes

Unter starker Beteiligung prominenter Vertreter unserer Stadt fand gestern nachmittag in der unteren Rheinstraße das Richtfest des neuen Kreishauses für die Kreisverwaltung des Landkreises Darmstadt statt.

Nachdem der- Richtkranz mit dem Kran hochgezogen war, sprach ein' Zimmermannsgeselle den traditionellen Richtspruch, worauf sich Landrat Wink herzlich bedankte und anschließend den Gästen den vorgesehenen Verwendungszweck des Baues erklärte. Im Parterre-Geschoß, das an der Südseite von Arkaden flankiert wird, werden Läden und einige Wohnungen eingerichtet. Im ersten Stock sind die Diensträume und das Tagungszimmer vorgesehen, in der- zweiten, dritten und vierten Etage weitere Wohnungen. Die Bauleitung hatten die Architekten W. Größmann (Pfungstadt) und M. Müller (Jugenheim) übernommen. Die Erd-, Mauer-, Beton- und Isolierungsarbeiten führte die Firma Gabriel Dreßler & Sohn (Darmstadt) aus.

Im „Braustübel“ fand anschließend der Richtschmaus statt. Landrat Wink erklärte, daß das Kreishaus das erste eigene Heim der Kreisverwaltung in der 150 jährigen Geschichte des Kreises sei. Die bisherigen Erfahrungen hätten gelehrt, daß es wirtschaftlicher sei, ein eigengs Haus zu erstellen, um so die hohe Miete für fremde Räume einzusparen. Der Dank des Landrats galt den Geldinstituten, die sich bei der Finanzierung sehr bereitwillig gezeigt hätten, sowie dem Regierungspräsidenten, der das Baugesuch sehr rasch befürwortet habe. Außerdem sei es nicht zuletzt der Firma Dreßler & Sohn zu verdanken, daß der gesetzte Termin eingehalten werden konnte. Vermutlich könne das neue Kreishaus im Mai des nächsten Jahres seiner Bestimmung übergeben werden.

Oberbürgermeister Metzger führte aus, daß er sich mit dem Kreishaus sehr verbunden fühle, da er dort als ganz junger Mensch seine Laufbahn begonnen habe. In Vertretung des Regierungspräsidenten Arnoul sprach Regierungsdirektor Kuhn allen Beteiligten seine Bewunderung aus für das moderne Tempo, mit dem sie den Bau seiner Vollendung entgegengeführt haben. Den gemütlichen Teil bestritten ein paar Zimmerleute, die für ihre nette Unterhaltung reichen Beifall ernteten. r/DT


Foto: Hilde Roth
Foto: Hilde Roth

Yraktifd, Mauber und fortrvittlich

Die HEAG hatte die Darmstädter Architekten am gestrigen Freitag zu einem Vortragsabend in die Luisenstraße eingeladen.

Der Sitzungssaal mit seinen 6 Marmorsäulen, den viereckigen, flachen Lichtschirmen und sämtlichen zur Ansicht aufgestellten elektrischen Einrichtungen bot Platz und Möglichkeit zu sachlicher Arbeit sowie zwangloserem Beisammensein.

Direktor Strahringer begrüßte die in größerer Zahl erschienenen Architekten. Zum ersten Male nach dem Kriege sei es möglich gewesen, in dieser Form gegenseitig Fühlung aufzunehmen. Die HEAG bemühe sich, die Wünsche und Bedürfnisse der Architekten zu berücksichtigen und dieses Treffen sei dazu angetan, das Feld der Beziehungen abzustecken. Wenn auch der Architekt ein guter Finanzverwalter des Bauherrn sein müsse, so möge man doch daran denken, bei neuer Planung das Innere der Stadt zuerst aufzubauen. Bauten in nicht fertig angelegten Straßen führten zu unnötigem Kostenaufwand in jeder Beziehung. Stadt, Staat und den Bauenden selbst sei damit ein gleich guter Dienst erwiesen. Seine Gesellschaft habe 400 Millionen DM investiert, 1400 Personen seien augenblicklich beschäftigt, städtische und staatliche Behörden verlangten Steuern, und doch habe der Strompreis keine Veränderungen erfahren, obwohl der Kohlenpreis gegenüber der Vorkriegszeit erheblich gestiegen sei.

Der Direktor gab sodann allgemein interessierende und genaue statistische Aufstellungen über prozentualen Stromverbrauch der einzelnen Berufssparten und bat die Anwesenden grundsätzlich gleichfalls dafür zu sorgen, daß in Zukunft keine Küche mehr ohne Kochgelegenheit erstehen möge, da nachträgliche Anlagen unnötig Zeit und Geld kosteten.

Dipl.-Ing. A. Fischer wies auf den „beachtlich hohen Stand“ der vorhandenen elektrischen Energiequellen seit dem letzten Architektentreffen vor einem Jahrzehnt hin. Zehntausend Herde seien in zwei Jahren angeschlossen worden. Sodann machte er präzise Angaben über wärme- und kochtechnische Fragen, Betriebskosten, Erklärungen über Bad- und Warmwasserspeicher, und zeigte anhand von Lichtbildern vorschriftsmäßige Anlagen der Energievollversorgung.

Ing. E. Bohne gab innerhalb eines theoretischen Rund ganges durch ein Mehrfamilienhaus im Telegrammstil intensive Auskünfte und Erklärungen über strittige Fragen, technische Anlagen und Möglichkeiten. Am Schluß seiner Ausführungen stattete er den Zuhörern seinen Dank für die Mithilfe an der Einrichtung elektrischer Energiequellen ab, die von den Hausfrauen dankbar anerkannt werde. Es standen weiterhin Fragen zur Diskussion und ein längerwährendes gemütliches Beisammensein schloß den Abend. Sg.

Mäuner am Herd

Manche Herrn der Schöpfung zeige oft e frauliches Talent, wesche, koche, un dhun kreische im Hunnertsilwe-Temprament.

Dhut e Fraa sich kränklich fiehle, kimmt de Storch ins Haus geschneid, muß de Vati „Mutti“ spiele un begreift was des bedeit.

In „Krunstaa“ lag a e Mamme krank e paar Dag in ihrm Bett, nachts hot er un sie zusamme iwwern Dageskoch geredd.

„Koch heit Kulasch“ sagt betreuend sie zu ihm, „halt dich beim Zeich, raum schee off un hol de meujend glei beim Metzjer halb Pund Fleisch“.

Tapfer ging der Mann dewedder, macht die Wohnung ganz akrat, butzt un kehrt, macht noch die Better, holt sei Rindfleisch un Salat.

Un es brotzelt in seim Dibbche, in die Sooß e Schißje Wei’ selbst die Muddi in ihrm Stiebche schnauft den Duft mit Wollust ei.

Siewe Dibbe worn indesse aus em Schrank, un vollgeschmiert, doch was macht des, wann beim Esse sich die „Köchin“ net blamiert.

„Männche!“, ruft vun drin es Fraache, „ich geh heit emol eraus, brauch dann net so viel zu schlafe, mir esse schnell zusamme draus.“

Sie kimmt in die Kich geschliche, wankend, un noch ziemlich bleich, dhut de Kulaschtopf erwische un erschreggt, „O Gott, was Fleisch“ —

Friedlich hogge se beisamme, schebbe in ihrn Deller nei, da, jetzt gixt un schneid die Mamme entsetzt ins Kulaschfleisch enei...

„Mann, was biste doch e Rindche, du kannst koche ganz famos — liggt ja bei dem halwe Pindche de Topflabbe noch in de Sooß!“ Lies je


Unter den vielen Ansichten des Großen Woogs nimmt die hier zum ersten Male wiedergegebene eine besondere Stellung ein. Man wird von dieser Dilettantenzeichnung nicht ein getreues Abbild der Landschaft erwarten dürfen. Aber immerhin ist zu erkennen, daß am schilfumstandenen Woog Tuchbleicher ihren Arbeitsplatz hatten und das Mühlrad sich noch drehte. „Vue du grand voguet du moulin troche de Darmstadt, desine d’apres nature“ — Ansicht des Großen Woogs und der Mühle nahe Darmstadt, nach der Natur gezeichnet — ist das Bild beschriftet. Es stammt von der damals 17jährigen Prinzessin Wilheimine Auguste. Das Entstehungsjahr 1782 war zugleich das Sterbejahr ihres Vaters, des Landgrafen Georg Wilhelm, der nach dem Tode der großen Landgräfin den Hof in Darmstadt repräsentierte, indes sein regierender Bruder in Pirmasens seine Soldaten drillte. Drei Jahre später heiratete die malende Prinzessin den Prinzen Maximilian von Pfalz/Zweibrücken, den späteren König von Bayern. DT
Unter den vielen Ansichten des Großen Woogs nimmt die hier zum ersten Male wiedergegebene eine besondere Stellung ein. Man wird von dieser Dilettantenzeichnung nicht ein getreues Abbild der Landschaft erwarten dürfen. Aber immerhin ist zu erkennen, daß am schilfumstandenen Woog Tuchbleicher ihren Arbeitsplatz hatten und das Mühlrad sich noch drehte. „Vue du grand voguet du moulin troche de Darmstadt, desine d’apres nature“ — Ansicht des Großen Woogs und der Mühle nahe Darmstadt, nach der Natur gezeichnet — ist das Bild beschriftet. Es stammt von der damals 17jährigen Prinzessin Wilheimine Auguste. Das Entstehungsjahr 1782 war zugleich das Sterbejahr ihres Vaters, des Landgrafen Georg Wilhelm, der nach dem Tode der großen Landgräfin den Hof in Darmstadt repräsentierte, indes sein regierender Bruder in Pirmasens seine Soldaten drillte. Drei Jahre später heiratete die malende Prinzessin den Prinzen Maximilian von Pfalz/Zweibrücken, den späteren König von Bayern. DT

Mit den Zeppelin um die Welt

Zum Vortrag des Luftschiffkapitäns Max Pruß im Zintl-Institut

Sein Gesicht war noch von den Brandnarben jener Katastrophe, die die Welt in Atem hielt, und deren Ursache heute noch nicht restlos geklärt ist, gezeichnet. Sein Vortrag fesselte, und auch das Fluidum, das von ihm, dem Weltenbummler, der 169 mal den Atlantik überquerte, ausstrahlte.

Seine interessanten Ausführungen waren mit viel Witz garniert. Man ließ sich von ihm als Passagier des LZ „Hindenburg“ über ferne Länder tragen, in warme und kalte Gegenden; man zog den Mantel noch enger an den Körper, als der surrend ablaufende Filmstreifen ein mondlandschaftsähnliches, 500 m hohes, Gebirge am Nordpol zeigte; oder man steckte sich hastig eine Zigarette an, als man Vom „Hindenburg“ an die verlockenden Gestade von Rio de Janeiro geführt wurde.

Man schmunzelte, daß es in Pernambuco im Jahre 1934 nicht möglich war. die mitgefühHe Postladung zu löschen, weil die temperamentvollen Südamerikaner wieder einmal revolutionierten; man lächelte verständnis-voll über die junge deutsche Auswanderin in Brasilien, deren Sohn nur deshalb ein wenig zu spät zur Welt kam, weil die hoffnungsfrohe Mutti erst noch den Zeppelin sehen wollte; man freute sich über Beifallskundgebungen, die der Zeppelin und seine Besatzung in der Welt errangen; und man wurde ernst, als uns der Filmstreifen die grausigen Szenen der Katastrophe von Lakehurst im Jahre 1937 zeigte.

Damals sprach die Welt von Sabotage und allen anderen Möglichkeiten, die angeblich zur Katastrophe führten. In Wahrheit wußte keiner Genaues. Tatsache aber ist. daß vorübergehend das Vertrauen in den „todsicheren“ Zeppelin dahin war. Mit de mneuen „Hindenburg“ der in den Jahren nach der Katastrophe gebaut wurde, wurden keine Passagiere mehr befördert. Aber auch er überlebte unsere Zeit nicht. Im Jahre 1940 mußte «er, wie die Werft tin Friedrichshafen, „auf höheren Befehl“ ebenfalls dran glauben.

In Amerika sollen sich deutsche und amerikanische Wissenschaftler mit Neubauplänen befassen. Bauen wollen sie aber erst, wenn Frieden .ist. „Es spielt keine Rolle, unter welcher Flagge das Luftschiff fährt, für uns bleibt es doch unser Zeppelin“, meinte abschließend unter großem Beifall der Vortragende,

Luftschiffkapitän Max Pruß, dem wir ' den genußreichen Abend im Zintl-Institut der Technischen Hochschule verdanken. -zr-

Zwei Zentuer schwerer Zuchteber

Ueber 50 Zuchteber aus allen Teilen des Starkenburger Zuchtgebietes waren auf der gestrigen Eberversteigerung in Darmstadt, der letzten für dieses Jahr, aufgetrieben. Es bestand großes Kaufinteresse, besonders seitens Odcnwälder Gemeinden.

Die Spitzeneber stammten aus der Zucht von Richard Seeger- Habitzheim (Käufer: Gemeinde Richen). Heinrich Böhm vom Kohlbacher Hof (Käufer: Gemeinde Güttersbach) und A. Poths vom Hof Wasserbiblis (ging in Privatbesitz über). Im Durchschnitt kosteten die Eber 400 bis 500 DM. Ihr Durchschnittsgewicht betrug zwei Zentner. oa

Bereitfdaftsdienft amı Sonntag

Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst (vom 11. 11. bis 18. 11., 8.00 Uhr): Darmstadt: Nordend-Apotheke, Friedrich-Ebert-Platz 17. Tel. 978; Stadt-Apotheke. Rheinstraße 32, Tel. 3460; Bessunger Apotheke, Hermannstraße 4, Tel. 598.

Da. -Ebers tad t: Alte Eberstädter Apotheke, Oberstraße 10, Tel, 219. Da. - Arheilgen : Goethe-Apotheke, Darmstädter Straße 65, Tel. 2022. Zahnärztlicher Sonntagsdienst (von 10 bis 12 Uhr): 12. 11. 50 Zahnarzt Münch, Darmstadt, Frankfurter Straße 40. Sonntagsdienst der Dentisten (von 10 bis 12 Uhr): 12. 11. 50 Dentist Friedrich Fischer, Darmstadt, Kranichsteinei’ Str. 32. Einen Feuerwehrball veranstaltet heute, Samstag abend, die Freiwillige Feuerwehr in der Eberstädter Turnhalle. ‘

Wie wird das Wetter?

Mild

Vorhersage: Am Samstag meist stark bewölkt und wiederholt Regenfälle. Höchsttemperatur um 10 Grad, leblafte Winde um Südwest. Am Sonntag leichte Besserung, nicht ganz so mild. Weitere Aussichten: wechselhaft.



Wohin gehen wir heŭte?

Landestheater, Orangerie: 19.00 „Die Csardasfürstin“, Ende 21.30. Lichtspieltheater: Union: „Lied des Orients“; Thalia: „Jetzt schlägt's 13“; B e 1 i d a : „Die Stunde der Vergeltung“, auch 22.30 als Nachtvorstellung: Palast: „Ekstase“; Hansa: „Tarzan und die Amazonen“, 22.30: Nachtvorstellung „Der Rächer von Texas“.

Amerikahaus: 19.30 Farblichtbildervortrag: „Der Wilde Westen von heute“; um 14.30 Kinderfilm; 15.00 bis 17.45 Musikprogramm „Sie wünschen, wir spielen ...“ Evang. Paulusgemeinde: 20.00 Pauluskirche, Musik. Vesper.

VCD: Karnevalistische Eröffnungssitzung im Jagdschloß Kranichstein. 20.00 bis 21.00 Pendelverkehr ab Ecke Kranichsteiner Straße/Rhönring.

Karnevalsges. Narrhaila: 19.11 im Löwensaal in Arheilgen „Feier des Elften im Elften“, - Eröffnungs-Sitzung.

SKG Eberstadt: 20.00 Mitgliederversammlung im Lokal „Zur Eisenbahn“.

Gesangverein Frohsinn Eberstadt: um 20.00 Elferrat-Sitzung im Gasthaus „Zum Bismarck“.

. . . ŭnd morgrn ?

Landestheater, Orangerie: 19.00 „Der Troubadour“, Oper von Giuseppe Verdi, Ende 21.45 Uhr. Lichtspieltheater: wie am Samstag. — Union : vorm. 11.00 „Kaspers Reise um die Welt“. Nachbarschaftsheim, - Emil-Garten: 19.30 Konzert, veranstaltet

PHOTO -HAUSCHILDT DARMSTADT, LUDWIGSTR. 3

von Frau Helene Bauer (Mezzosopran), Frau Cäcilie Walter (Klavier) und Herrn Ad. Schumann (Geige). Werke von Händel, Mendelssohn, Bach-Schenelli, Beethoven, Brahms, Schubert und Reinecke. Eintritt frei. Hygiene-Lichthof, Neckar st r. 3a: 10. bis 18 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“.

Wir gratǔlieren

Goldene Hochzeit: Herr Gustav Mahler, Zugführer a. D., und Frau Wilhelmine geb. Eberhardt, Darmstadt, Liebfrauenstraße 27. Silberne Hochzeit: Herr Hermann Ende re s und Frau Helene geb. Treß, in Darmstadt, Kaupstraße 51. 12. November 1950 84. Geburtstag: Freifrau Mathilde van der Hoop, Darmstadt, z. Z. Pension Bauer in Hammelbach i. Odw.

Wirtschaftsblatt

20 Stahlgesellschaften

vwd. Noch im November will die Bundesregierung den Alliierten den endgültigen Neuordnungsplan für den Kohlenbergbau und die Eisen- und Stahlindustrie zur Genehmigung vorlegen. Wie eine maßgebende Persönlichkeit aus der Wirtschaft erklärte, steht bereits fest, daß über zwanzig Stahlkerngesellschaften und 23 Kohlengesellschaften gebildet werden sollen.

Nach dem neuesten Stand sind folgende Stahlkerngesellschaften vorgesehen:

Deutsche Edelstahlwerke AG — Eisenhüttenwerke AG, Werk Rasselstein — Hüttenwerke Oberhausen AG — Hüttenwerke Siegerland AG — Hüttenwerk Rheinhausen AG — Westfalenhütte AG

— Dortmund-Hörder Hüttenverein, in Verbindung mit Hüttenwerk Hörder AG — Hüttenwerk Hückingen AG, in Verbindung mit Westdeutsche Mannesmann-Röhren-Werke AG — Hütten-Geisweid AG — Stahl- und Röhrenwerk Reisholz AG — Stahl- und Walzwerk Großenbaum

AG — Hochofenwerk Lübeck — Hüt-

tenwerke Buderus Wetzlar —

Hüttenwerke Watenstedt-Salzgitter — Hüttenwerke Ilsede Peine — Max-Hütte Sulzbach-Rosenberg — Luitpold-Hütte Amberg — Hüttenwerke Ruhrort-Meiderich AG, in Verbindung mit Rheinische Röhrenwerke AG, Mülheim — Hüttenwerk Haspe AG, in Verbindung mit der Georgs-Marien-Hütte AG, einschließlich Stahlwerk Osnabrück AG — Eisenwerke Mülheim-Meiderich AG, in Verbindung mit Eisenwerke Gelsenkirchen AG und Gußstahlwerk Gelsenkirchen AG und Gußstahlwerk Oberkassel AG — Bochumer Verein, in Verbindung mit Stahlwerke Witten AG. Wahrscheinlich ist die Verbindung von Hüttenwerk Niederrhein AG mit dem Hüttenwerk Hückingen AG. Die August-Thyssen-Hütte nimmt eine Sonderstellung ein.

Das Bundeswirtschaftsministerium vertritt den Standpunkt, daß die Eisenindustrie eigentumsmäßig am Kohlenbergbau beteiligt sein muß, etwa in der Größenordnung zwischen 20 und 30 Prozent.

Investitions-Beschränkung gefordert

Die Bank deutscher Länder soll größere Vollmachten erhalten

AP. Der Exekutivausschuß der europäischen Zahlungsunion (EPU) hat empfohlen, der Bundesrepublik einen Sonderkredit in Höhe von 120 Millionen Dollar (525 Millionen D-Mark) zur Auffüllung ihrer erschöpften Kreditreserven bei der EPU zur Verfügung zu stellen. Weitere 60 Millionen Dollar sollen der Bundesrepublik aus Marshallplangeldem überlassen werden.

Der Sonderkredit soll zu erhöhten Zinssätzen ausgegeben und bis zum 31. Dezember 1951 zurückgezahlt werden. Als Bedingung für die Gewährung des Sonderkredits werden Wirtschaftsreformen in der Bundesrepublik gefordert, die sich vor allem aus schärferen-Kreditkontrollen, Beschränkung der Investitionen und größeren Vollmachten für die Bank deutscher Länder zusammensetzen sollen.

Richtmenge für Kohle

Hi. Der Bundeswirtschaftsminister hat für die Kohleversorgung der Hauptverbrauchergruppen für den Monat November folgende Lieferrichtmengen festgesetzt: für Hausbrand- und Kleinverbraucher 1,3 Millionen Tonnen, für die eisenschaffende Industrie 1 185 000 Tonnen, für Kraftwerke 1 Million Tonnen, für die Bundesbahn 825 000 Tonnen, für die Gas- und Wasserwerke 370 000 Tonnen, für Berlin 220 000 Tonnen, für Kleinbahnen 30 000 Tonnen, für den Verkehr außer Bundesbahn und Kleinbahnen 165 000 Tonnen, für Truppenbedarf 180 000 Tonnen, für die Ostzone 20 000 Tonnen, für die Industrie, außer den bereits genannten, 1 827 700 Tonnen. Wie weiter verlautet, sollen ab 1. Januar die Richtmengen für ein Vierteljahr festgesetzt werden.

Stromsparen empfohlen

Hi. Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Ländern Stromeinsparungen empfohlen. Diese Stromrichtlinien sollen Einschränkungen im Stromverbrauch veranlassen. Die Strombeschränkungen sehen jedoch bei den einzelnen Verbrauchergruppen lediglich Sparmaßnahmen und noch keine drastischen Einschränkungen vor.

Umkämpfte Ufa-Liquidation

Hi. die Ablehnung des deutschen Ufa-Gesetzentwurfs durch die alliierten Sachverständigen hat in Bonn unangenehm überrascht. Der Bundestag dürfte an die Bundesregierung in Form einer Interpellation herantreten. Eine Liquidierung der Ufa ohne jeden deutschen Einfluß sei völlig untragbar.

Geringerer hessischer Export

DT Die hessische Wirtschaft exportierte im Berichtsmonat August 1950 Waren im Werte von 57,0 Mill. DM gegenüber 59,6 Mill. DM im Vormonat und 16,9 Mill. DM im August des Vorjahres.

Die Ausfuhr setzte sich u. a. zusammen aus 43,5 Mill. DM (76,3 °/o) Fertigwaren, 9,3 Mill. DM (16,2%) Halbwaren, 1,2 Mill. DM (2,2 %) Rohstoffe und 3,0 Mill. DM (5,3 %) Waren der Ernährungswirtschaft. Hessen exportierte im August nach 90 Bestimmungsländern.

Keine Beschlüsse

(vwd) Der Zentralbankrat schloß seine Erörterung über die Empfehlungen der beiden Finanzsachverständigen Jacobsen und Cairncross. Der Rat war ursprünglich für eine zweitägige Sitzung einberufen worden. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die nächste Sitzung des Zentralbankrats findet am 15. und 16. November

statt.

Außenhandelslage erörtert

vwd Mitglieder der Bundesregierung, Vertreter der Regierungskoalition im Bundestag, der Präsident der Bank deutscher Länder, Dr. Heinrich Vocke, und der Vorsitzende des Zentralbankrats, Bernard,

erörterten in Bonn die Wirtschaftsprobleme der Bundesrepublik. Die Aussprachen sollen laufend fortgesetzt werden. Wie wir erfahren, wird das monatliche Außenhandelsdefizit der Bundesrepublik auf höchstens 50 Millionen Dollar geschätzt. In den Besprechungen kam zum Ausdruck, daß die zur Beseitigung des Defizits notwendige 30prozentige Exportsteigerung sich durchaus erreichen ließe. Unter keinen Umständen käme jedoch eine Einfuhrdrosselung oder eine Einschränkung der Liberalisierung in Frage.

(vwd) Die Baumwollernte der Vereinig¬ ten Staaten wird nach der Novemberschätzung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums 9,94 Millionen Ballen betragen (1949 16,12 Millionen Ballen).

810 Millionen DM Hypothekendarlehen wiesen die öffentlichen Sparkassen am 30. September aus. Davon entfallen 218 Millionen DM auf umgestellte Reichsmark-Hypotheken und 592 Millionen DM auf Hypothekendarlehen, die neu gewährt Wurden.

670 000 Dollar aus ECA-Mitteln zur Ausrüstung neuer Erdölraffinerien wurden der Bundesrepublik zugeteilt.

Dem internationalen Zoll- und Handels¬ abkommen sind 7 weitere Länder, darunter die Bundesrepublik Deutschland, beigetreten.

(vwd) Die Verbraucherhöchstpreise für die mexikanischen Rindfleischkonser¬ ven sind von den Ministern für Wirtschaft und Ernährung auf 95 Pfennig für eine 567-Gramm-Dose und 1,30 DM für eine 794-Gramm-Dose festgesetzt worden.

20 Spielfilme kann Oesterreich in der Zeit vom 1. September 1950 bis 31. August 1951 nach Deutschland liefern. Dafür wird es 100 deutsche Spielfilme übernehmen.

(vwd) Die Produktion von Kraftfahr¬ zeugen im Bundesgebiet ist im Oktober gegenüber dem Vormonat um neun Prozent auf 32 963 Kraftwagen und Straßenzugmaschinen gestiegen. Die Zunahme beträgt bei Personenkraftwagen 10,4 Prozent. naiMal r.;-.?» k. < ... ; i:.:

Wege aus dem Engpaß

Von Fritz Peter Claus

Der Mangel an Verrechnungsdevisen hat für die Bundesrepublik ernste Probleme aufgeworfen. Sie werden, so kündigte es ein Sprecher des ERP-Ministeriums in Bonn an, den verschiedensten Schichten der Bevölkerung fühlbar werden. Eine Besteuerung des Luxusverbrauches und vorübergehende Einfuhrbeschränkungen nicht lebensnotwendiger Güter, solche Projekte werden in Bonn erwogen, sollen den zivilen Verbrauch zu Einschränkungen veranlassen. Die Einfuhren an lebenswichtigen Rohstoffen und Lebensmitteln wollen die Lenker der deutschen Wirtschaft durch diese Maßnahmen sicherstellen.

Man will also möglichst geräuschlos, gleichsam hinter den Kulissen, Pfähle abstecken, um den Inlandsverbrauch für eine Uebergangszeit abzugrenzen. An eine Rationierung denkt man in Bonn nicht. Das hat die Bundesregierung nachdrücklich verkündet. Mit dem erneuten Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft und zu den Grundsätzen der Liberalisierung würden sich Rationierungsmaßnahmen auch nicht vereinbaren lassen. Auch unter den veränderten Verhältnissen hält der Bundeswirtschaftsminister an den Grundsätzen der Marktwirtschaft fest.

Grundsätzlich weiter Marktwirtschaft

Die Aufrüstung der Westmächte hat in Washington planwirtschaftlichen Ideen vorübergehend die Tür geöffnet. Die erstrebte Kontingentierung wichtiger Rohstoffe in allen von der Marshall-Hilfe abhängigen Ländern könnte planwirtschaftlichen Gedanken auch in der Bundesrepublik leicht die Wege ebnen. Professor Erhard kann nach dem von der letzten Sitzung des Zentralbankrates der Bank deutscher Länder herausgegebenen Bericht mit um so größerer Befriedigung feststellen, daß die Grundsätze seiner Wirtschaftspolitik auch in der jüngsten Vergangenheit die Anerkennung zweier angesehener internationaler Sachverständigen gefunden haben.

Das Urteil von Dr. Per Jacobsen von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel und von Caincorst, dem Vertreter der Finanzabteilung OEEC (Organisation für die europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit) in Paris ist darüber hinaus nach den bisher bekanntgewordenen Ergebnissen eine Rechtfertigung auch der Außenhandelspolitik der Bundesregierung geworden. Das Ausland hat die aus den Fugen geratene Zahlungsbilanz der Bundesrepublik bis in die jüngsten Tage mit kritischem Interesse betrachtet. Westdeutschland, so hat man gesagt, habe übermäßig importiert und überflüssige Luxusware aus dem Ausland

bezogen. Auch der Vorwurf der Kapitalflucht fehlte nicht.

Die neueste Behandlung der deutschen Zahlungs- und Einfuhrkrise in der Finanzpresse des Auslands deutet darauf hin, daß man sich um ein objektives Bild bemüht. Die Ursachen dieser Krise haben wir in der jüngsten Zeit wiederholt beleuchtet. Der Konjunkturanstieg hat Westdeutschland zu umfangreichen Importen an Rohstoffen genötigt. Dafür sind Devisenvorräte eingesetzt worden. Die scharf anziehenden Preise auf den Weltmärkten machten aber ein solches Handeln notwendig.

Liberalisierung auch der Anderen

Die Bundesrepublik hat zweifellos auch nicht lebensnotwendige Auslandswaren hereingenommen. Sie glaubte die Bestimmungen der Liberalisierung vorbehaltlos anwenden zu müssen. Ihre Vertragspartner drosselten aber durch indirekte Maßnahmen die Einfuhr deutscher Waren, die zwar auf der allgemeinen Freiliste standen, die ihnen aber unerwünscht schienen. Auch diese Erscheinungen haben dazu beigetragen, die Verschuldung der Bundesrepublik im kommerziellen Außenhandel zu erhöhen. Noch stärker ist das Loch in der Zahlungsbilanz durch eine andere Erscheinung ausgeweitet worden. Die Rohstoffländer als Handelspartner sind auch heute noch weit stärker als die Länder, die Fertigwaren liefern. Sie verlangen von der Bundesrepublik Barzahlung. Die Exporteure der Bundesrepublik aber müssen Zahlungsziele bis zu 5 Jahren einräumen. Selbst einem Land wie Jugoslawien, über dem die Schatten politischer Unsicherheit liegen, muß die Bundesrepublik im neuen Kreditabkommen über 80 Prozent der zugesagten Lieferungen langfristig stunden.

Der der Bundesrepublik bei der Gründung der europäischen Zahlungsunion eingeräumte Kreditspielraum ist deshalb zu eng. Auch eine Erweiterung von 320 auf 500 Millionen Dollar dürfte nicht ausreichend sein. Die Bank deutscher Länder hat durch ihre einschneidenden Maßnahmen im Geld- und Kreditbereich ihrerseits versucht, die Verzerrungen im Außenhandel und im innerdeutschen Wirtschaftsgefüge geradezubiegen. Die um die Hälfte zurückgegangenen Einfuhrlizenzanträge zeigen die Wirkung ihrer Eingriffe. Nicht alle ihre Maßnahmen wird sie auf die Dauer ohne Gefahren aufrechterhalten können. Um so notwendiger wird es sein, daß alle in Frage kommenden Länder wirklich mit der Liberalisierung Ernst machen. Nur dann werden sich die Engpässe ausweiten lassen, in denen die westdeutsche Wirtschaft heute stecken zu bleiben droht.

Nach einem Leben der Arbeit und Pflichterfüllung verschied gestern unser Mitarbeiter. Herr Georg Becker Kaufmann In fast 50jähriger Tätigkeit hat er sich mit seinem Wissen und fastlosem Fleiß unermüdlich und erfolgreich für unser Werk eingesetzt und eine allumfassende Kameradschaft geübt. Wir werden seiner stets in Treue und Dankbarkeit gedenken. Geschäftsleitung und Belegschaft I der Firma Wacker & Doerr Nieder-Ramstadt, den 10. November" 1950 Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 12. November, um 14^2 Uhr vom hiesigen Friedhof aus statt.

Nach langem, schwerem, standhaft ertragenem Leiden ging 3 ganz unerwartet mein geliebter Mann, unser lieber Vater, 3 Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager Rudolf Hofmann Stadtbaurat a. D. und Bildhauer im Alter von 73 Jahren, gestärkt durch die Tröstungen der H hl. kath. Kirche, in Gottes ewigen Frieden ein. Im Namen der trauernden Familie: | Maria Hofmann geb. Balser Darmstadt, den 10. November 1950 Landskronstraße 55 Beerdigung am Dienstag, dem 14. November, um 14 Uhr auf P dem Alten Friedhof, Nieder-Ramstädter Straße. — Seelenamt | | am Mittwoch, dem 15. November, um 8.05 Uhr in der Lieb- i frauenkirche, Klappacher Straße.

STARKENBURG

Besinnliches zum Sonntag

Wenn ein Mensch die letzten 40—50 Jahre der Geschichte unseres Volkes mit Bewußtsein erlebt und durchgemacht hat, dann überrascht er sich selbst oftmals dabei, wie er sinnt und grübelt, warum wohl alles s o gekommen sei?! Und dann ist er geneigt zu sagen: der Deutsche ist doch an sich keine explosive Natur, ist fleißig und zufrieden, wenn er das tägJ liehe Brot hat und sich nach getaner Arbeit ein bißchen blauen Dunst um die Nase blasen kann...

Eine solche Betrachtung zeigt aber auch eindeutig, daß ja gar nicht das Volk selbst, d. h. der schlichte, einfache Mann, ob Hand- oder Kopfarbeiter, die Entscheidungen geschichtlicher Art bisher oetroffen hat, sondern seine Exponenten, seine führende Schicht in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

Darf man sich nach alledem, was mit uns geschehen ist, wundern, wenn gerade heute bei uns vom breiten Volke selbst aus mehr und mehr das Bestreben laut wird, die Regierenden und irgendwie Leitenden unter die Lupe zu nehmen, ihr Gebahren im Amt, besonders aber ihre Finanzgebahrung mit unseren Steuergroschen zu überprüfen?

Das ist doch letzten Endes das Ziel all der neuen Mitbestimmungsforderungen, Foren. Bürgerversammlungen, Gemeindetage, Nachbarschaften usw,: zu verhindern, daß die deutschen Menschen wieder bloß zweibeinige Grammophone einer Ideologie werden, die mit großem Tamtam in sie hineingetrichtert worden ist.

Diese Entwicklung ist gesund! Und warum? Weil sie die endgültige Vermassung verhindert, weil sie ein Erziehungsmittel zum selbständigen Denken, zum eigenen Urteil darstellt. Ja, weil sie uns lehrt, auch alle Organisation als Hilfsmittel und nicht als Selbstzweck anzusehen! Persönliche Ueberzeugung gegenüber Abhängigkeit vom organisatorischen Apparat, Mensch gegenüber relativ-gültiger Form — das ist das Problem.

Es ist ein Teilproblem der wichtigsten Lebensfrage überhaupt, nämlich der: soll der Mensch bloß ein Spielball irdischer Kräfte und Mächte sein, oder eine Persönlichkeit, die von der absoluten Persönlichkeit, von Gott, angesprochen und ernst genommen wird? Gott nimmt dich und mich ernst! Verbitten wir es uns, wenn Menschen oder Apparate uns zum Objekt ihrer Willkür oder Eigensucht machen wollen! Dagegen hilft nur echte Frömmigkeit.

Ein frommer Mensch ist ein eigener Mensch. M

Urgroßvater und Vater ebneten den Weg zum Erfolg

100 „Hofgut Heil"

Vorwärtsstrebende Menschen gaben seinem Namen Klang und Ansehen

Auf den Tag genau 100 Jahre sind es heute, daß der ehemalige Besitz des Fürsten Löwenstein-Wertheim (Rosenberg) in seiner Gesamtheit an Johann Heinrich Heil, den Urgroßvater des jetzigen Pächters des „Hofgutes Heil“ in Habitzheim, verpachtet wurde. Was es mit der Entwicklung des Gutes, das weit über die Grenzen des Kreises Dieburg einen wohlklingenden Namen hat, und vor allem mit seinen bisherigen und jetzigen Pächtern auf sich hat, erfuhren wir bei unserem Besuch, den wir Heinz Heil kurz vor dem Jubiläum auf seinem Gut abstatteten.

Wenn man das sich von der Kirche bis zum Rande der Gemeinde ausdehnende Gut betritt, kann man sich vorstellen, welches Maß an Arbeit erforderlich ist, um in diesem Anwesen alles zu ordnen: Um den großen Hof reihen sich die Gebäude, Stallungen, Scheunen. Keller, Werkstätten und Wagenhallen. In den Ställen stehen in langen Reihen kräftige, gesunde Kühe— sie

geben täglich rund 500 Liter Milch-, liegen fette Muttersauen, um die sich rosige Ferkel streiten, scharren herrliche Pferde mit ihren Hufen und wiehern zur Begrüßung.

Auf dem Hof selbst herrscht rege Betriebsamkeit: Da werden Aepfel zu Most gepreßt, Kartoffeln ■ abgeladen, Rüben eingekellert — und zwischen den Knechten und Mägden gescherzt und gelacht. Alles strahlt Gesundheit aus, um die wir diese Menschen beneiden möchten.

In dem Büro des Wohnhauses, an dessen Wänden mehr Ehrenplaketten und Diplome hängen als in anderen Wohnungen Bilder, sitzen wir Heinz Heil gegenüber und

unterhalten uns über seine Vorfahren und das Gut.

Bis zur Feldbereinigung — im Jahre 1903 — umfaßte der Hof etwa 230 Hektar. Durch sie ging er auf etwa 205 zurück und behielt diesen Umfang bis zum Jahre 1920, in dem weitere 40 Hektar als Siedlungsland verpachtet wurden. 1904 übernahm der Vater des jetzigen Pächters, Georg Heil, den Hof. den er zu einem Unternehmen emporarbeitete, das ihm in weitesten Kreisen der Landwirtschaft seinen heutigen Namen sicherte. Er war es übrigens, zusammen mit Seinem Vater, der dem Gründer der Kartoffelzucht Böhm in Groß-Bieberau den ersten Großanbau zu dessen Zuchtversuchen ermöglichte.

. Georg Heil gehörte dem Vorstand der Landwirtschaftskammer Hessen-Darmstadt ‘•'üfid dem 'Kämmeräüsschüß für die Provinz Starkenburg art. rlm dör> Pferdezucht und im Pferdesport erwarb er sich große Verdienste und war lange Jahre Vorsitzender des Verbandes der ländlichen Reit- und Fahrvereine der Provinz Starkenburg. Einer seiner besten Zuchterfolge war die Stute „H a 1i n a“, die 14 Jahre alt wurde, acht Fohlen zur Welt brachte und 1940 leider an einer Infektion einging. Aber auch der Rindvieh- und Schweinezucht widmete man sich schon seit Jahrzehnten auf dem Gute.

Nachdem Georg Heil im Jahre 1936 verstorben war, übernahm Heinz Heil zusammen mit seiner Mutter das Gut, um es, wie seine Vorfahren, in vorbildlicher Weise weiterzuführen. Erst kürzlich wurden wieder die Zuchtpferde des Heilschen Hofgutes auf dem Pferde, und Zuchtviehmarkt in Groß-Umstadt prämiiert, wie auch bei den Reit- und Fahrturnieren der Name Heil immer wieder als Besitzer anzutreffen ist.

So wie man sich aber der Tierzucht zuwendet, ist man gleichermaßen um die Saatgutvermehrung sämtlicher Getreidearten bemüht. Alles also Aufgaben, die sich ein kleiner oder mittlerer landwirtschaftlicher Betrieb niemals stellen könnte, und die auf dem Hofgut Heil etwa 60 Menschen dauernd beschäftigen.

Wer die vergangenen 100 Jahre des Gutes überblickt, kann nur mit Hochachtung von der bisher geleisteten Arbeit sprechen und für die Zukunft weitere von Erfolg begleitete Wege für die vorwärtsstrebenden Leistungen des Gutes wünschen. -bst.


Teilansicht des Hofgutes, von der Einfahrt aus gesehen DT-Foto: Schröder
Teilansicht des Hofgutes, von der Einfahrt aus gesehen DT-Foto: Schröder

Aktuelles zwischen gestern und heute

Großfeuer vernichtet Vorräte

In den ersten Stunden des gestrigen Tages brach in der Fabrik für chemische Produkte, Rübelmann in Viernheim, ein Großfcoer aus, bei dem die Lagerhalle, in der sich große Vorräte an Fetten, Teer und anderen Chemikalien befanden, eingeäschert wurden. Die Viernheimer Feuerwehr, der ein Mannheimer Löscbzug zu Hilfe eilte, konnte sich lediglich auf den Schutz der angrenzenden Büro- und Arbeitsgebäude beschränken. Der Schaden wird auf 40- bis 60 000 D-Mark geschätzt. -r-

Der „Dritte Mann“

Neue Spur im Mordversuchsfall Storck

Nach neuesten Ermittlungen der Kriminalpolizei-Inspektion Darmstadt ist der 26jährige Georg E ck h a r t aus Erbach dringend verdächtig, den Regierungsbaurat a. D. Storck am 1. Oktober in dessen Keller überfallen und niedergeschlagen zu haben.

Eckhardt, der Ende September und Anfang Oktober in Nieder-Kainsbach ohne Entgelt beschäftigt war, ist im Mai 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er trieb sich bisher ohne Arbeit vagabundierend in Darmstadt, Worms und Frankfurt umher, wo er vermutlich aus dem Erlös von strafbaren Handlungen lebte und sitzt zur Zeit wegen einer anderen Straftat in Untersuchungshaft.

Wer hat Eckhart am 1. Oktober 1950 vormittags gesehen? Ist er in der Nähe des Tatortes bemerkt worden und aus welcher Richtung kam er? Ist er vor der Tat beim Auskundschaften in der Nähe des Tathauses gesehen worden? Wer hatte mit Eckhart in letzter Zeit Beziehungen? Wer kann Angaben über das Verhalten des Verdächtigen nach der Tat machen? Welche verdächtige Redensarten führte er nach der Tat? Welchen Personenumgang hatte Eckhard vor und nach der Tat?

Jeder Hinweis wird von der Kripoinspektion Darmstadt, Holzhofallee 25, entgegengenommen und auf Wunsch vertraulich behandelt. wst.

Mißlungener Einbruch

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag versuchten Diebe einen Einbruch in das Textilhaus Förster, Gernsheim. Die Sicherungsvorrichtungen hinderten die Diebe jedoch an ihrem Vorhaben, so daß sie ohne Beute wieder abziehen mußten kr.-

Zwei jugendliche Ausreißer

In Garmisch-Partenkirchen wurden von der dortigen Polizei zwei 19jährige Bursehen aus Mörfelden aufgegriffen, die sich über Tirol und Italien nach Nordafrika zu einer Fremdenlegion durchschlagen wollten. Nach Aussagen der beiden Ausreißer wollte man sogar bis nach Australien. Die Polizei hat die beiden in Gewahrsam genommen. Kb. I

... und dann zerbrach ein Nasenbein

Beim Herbstball eines Mörlenbacher Vereins gerieten sich zwei junge Männer wegen belangloser Nichtigkeiten in die Haare. Der auf der Tanzfläche improvisierte Faustkampf endete, noch ehe die übrigen Anwesenden eingreifen konnten, mit dem Nasenbeinbruch eines Beteiligten. -r

65 Polen wurden gestern mit Sonderzug aus dem US- Zonen-Repatriierungslager Bebenhausen nach Stettin zurückgeführt. nb

Am Fensterkreuz seines Schlafzimmers in einem Haus der Heppenheimer Straße in Lorsch erhängte sich dieser Tage ein Einwohner. el

Als Fahrraddieb und Betrüger konnte kürzlich ein auswärtiger Flüchtling entlarvt werden, der in Lorsch ein gestohlenes Fahrrad bei Bekannten für

30 DM als Pfand hinterließ, um nicht wiederzukommen. In Gießen wurde er jetzt festgenommen. cl

DT-Reporter schrieben und bebilderten die „Wochenend-Reportage“

„Wir schaffen den Kindern eine nene Familie“

Ein Besuch im Caritas-Kinderheim „Schloß Falkenhof“ in Bensheim

Wenn dieser Tage die Caritas-Verbände zu einer Opfer woche anfgerufen haben, so ist es an der Zeit, sich zu erinnern, welche bedeutsame soziale und karitative Aufgabe die Caritas übernommen hat. Unzählige Erholungs- und Altersheime, Kindergärten und Kinderheime werden vpn ihr unterhalten, und über aller Arbeit steht das christliche Gebot der Nächstenliebe.

An der Ausfahrt von Bensheim nach Lindenfels liegt zu rechter Hand „Schloß Falkenhof“. Ehemals war es Wohnsitz der Ritter von Marx, später ein NSV-Müfterheim, bis die Besetzungsmacht einzog, die es schließlich der „Caritas“ übergab Viel Inventar war nicht übriggeblieben, die Möbel mußten wieder zusammengesucht werden und es gehörte viel Liebe und Begeisterung zur Sache, trotz der auftretenden Schwierigkeiten dem einmal gesteckten Ziel nachzugehen.

Heute ist „Schloß Falkenhof“ zu einem vorbildlichen Heim für erholungsbedürftige Kinder geworden. Mit hundert Betten bietet es das ganze Jahr über bedürftigen Kindern aus dem gesamten Bundesgebiet einen sechswöchigen Aufenthalt. Gleichzeitig sind auf „Falkenhof“ vierzig Heimkinder untergebracht, denen das Heim die verlorene Familie ersetzen soll. Die erholungsbedürftigen Kinder werden jeweils von den zuständigen Gesundheitsämtern ausgesucht. Die Kosten für den Aufenthalt werden entweder von den Landesversicherungsanstalten, der Caritas oder von den Flüchtlingsfürsorgeeinrichtungen aufgebracht. Dabei

werden keine Unterschiede in der Konfession gemacht. „Schloß Falkenhof“ beherbergt evangelische und katholische Kinder in gleichem Verhältnis — und hier liegt schon der Sinn des Heimes: dort zu helfen, wo Hilfe notwendig ist. ohne daß die christliche Einstellung eine ausschlaggebende Rolle spielen darf.

Die Heimleitung sieht ihre große Aufgabe darin, den zur Erholung weilenden Kindern zunächst das seelische Gleichgewicht wiederzugeben. Dreiviertel der Kinder kommen für sechs Wochen aus disharmonischen Ehen, aus asozialen Familienverhältnissen, und die eigentliche Erholung kann erst einsetzen, wenn das Kind in einem geregelten Tagesablauf lebt, was voraussetzt. daß die Kindergärtnerinnen verstehen, das Kind psychologisch zu erfassen und ihm eine individuelle Behandlung zü sichern. Für die Erholungskinder bewegt sich die Altersgrenze bei Knaben von sechs bis zwölf, bei Mädchen von sechs bis vierzehn Jahren.

Das Personal von „Schloß Falkenhof“ ist im Verhältnis zu der riesigen Raumausdehnung des Gebäudes und für die hundert Kinder gering. Vier ausgebildete Kindergärtnerinnen stehen, zusammen mit der der 40 Heimkinder machen sich auf den Weg zur Schönberger Volksschule. Der Nachmittag bleibt den Schularbeiten Vorbehalten, Lesestunden werden abgehalten und das Wetter kann gar nicht so schlecht Hauswirtschaftsleiterin und der erzieherischen Heimleiterin, dem Unternehmen vor. Sechs bis sieben Schülerinnen, die ihre Arbeitszeit als Vorbereitung für soziale Schulen betrachten, unterstützen im Verein mit zwei Praktikantinnen, die alle sechs Wochen wechseln, die Heimleitung.

Früh am Morgen beginnt der Tag. Um einhalb sieben stehen die Heimkinder auf, •die Aeltereni machen ihre Betten selbst, trinken dann gemeinsam Kaffee und 32

sein, als daß die Kinder nur einen einzigen Tag im Haus bleiben.

Das Heim ist nicht pompös eingerichtet, es verrät eine saubere Sachlichkeit und eine angenehme Atmosphäre, in der sich Kinder wie Besucher wohl fühlen Die hohen, Zimmer besitzen nicht einmal Vorhänge an den Fenstern und die Schlafzimmer, in denen bis zu zwölf Betten stehen, sind von fast spartanischer Einfachheit. Die dunklen Parkettfußböden glänzen vor Sauberkeit, wie überhaupt das ganze Anwesen einen unglaublich ordentlichen Eindruck hinterläßt.

Große Sorgfalt wird auch auf die Körperpflege verwendet, Waschgelegenheiten sind in ausreichendem Maße vorhanden, und die Reinlichkeit wird schon dadurch dokumentiert. daß, wie die Heimleiterin berichtete, keines der Kinder etwa ein Handtuch oder eine Schlafdecke benutzen würde, die ihm nicht gehört. Eine ständige ärztliche Ueberwachung sorgt für die Gesunderhaltung, und falls leichtere Erkrankungen eintreten, steht ein wohleingerichtetes Krankenzimmer mit Höhensonne und einem umfangreichen Arzneimittelsortiment zur Verfügung.

Erst in diesem Jahre konnte ein Teil der notwendigen Metallbetten und Matrazen angeschafft werden, und langsam dürften die selbstgestrichenen Luftschutzbetten verschwinden. Das Essen ist gut und reichlich, und wer Hunger hat kann soviel essen, wie er mag. Fünf Mahlzeiten sind am Tag vorgesehen und die butterbrotkauenden Kinder im Frühstückssaal bewiesen, daß sie von den Möglichkeiten ausgiebig Gebrauch machen. Was gleichfalls auffiel, war, daß in keinem Raum eine Ueberbetonung des Religiösen vorhanden ist. Ein schlichtes Holzkreuz oder ein selbstgefertigter Leuchter sind meist der einzige Schmuck.

Aber trotz der betonten Schlichtheit des Heimes sind gewaltige Summen zum Unterhalt erforderlich, die ausschließlich durch Caritas-Spenden aufgebracht werden müssen. Vieles gibt es noch anzuschaffen, wie etwa Federbetten für die Kleinen, die restlichen Bettgestelle oder Matrazen. und die Beheizung des Gebäudes erfordern hohe Ausgaben.

Denken wir daran, wenn dieser Tage die Caritas an unsere Türe klopft, um eine Spende für die praktischen Werke christlicher Nächstenliebe zu erbitten. HFL


Peter war sehr überrascht, als wir ihn beim Frühstück störten -^1
Peter war sehr überrascht, als wir ihn beim Frühstück störten -^1

Was auch interessiert:

Zu einem ungleichen Zusammenstoß kam es am Donnerstagabend auf der Straße von Schaafheim nach Babenhausen zwischen dem dort verkehrenden Kraftomnibus und einem Radfahrer. Verständlicherweise entstand an dem Bus nur mäßiger Sachschaden, der Radfahrer aber mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden. io.

Am hellen Tage wurde aus einem Anwesen der Frankfurter Straße Mörfeldens ein Fahrrad gestohlen. Die Diebe konnten schon einen Tag nach dem Diebstahl von der Polizei gefaßt werden.

Jugendliche Diebe, die Gartendrähte zerschnitten und stahlen, konnten nach längerer Fahndung in Lorsch gefaßt werden. Gegen die Eltern mußte Strafanzeige erstattet werden. el

Die Hessische Landcsmusikschule Darmstadt veranstaltet am Sonntag um 16.15 Uhr im Ed. Serv. Center (Gartensaal Krone) in Jugenheim eine Werbeveranstaltung für ihre an der Bergstraße ansässigen Lehrkräfte. *

„Mer mache weirer“ ist das Motto, mit dem heute abend die Sport- und Kulturgemeinde Roßdorfs unter Mitwirkung aller Abteilungen im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ die kommende Karnevalszeit eröffnet. sl

Gernsheims Karnevalsverein „Eulen¬ tia“, der erst kürzlich gegründet wurde, tritt heute mit einer närrischen Sitzung bei der Gernsheims bewährteste Büttenredner auftreten, an ihrer Spitze der bekannte Karnevalist Seppi G 1 ük - ker t, Mainz, in die Oeffentlichkeit. kr

Jugendhilfe eine Fozinle Pflicht

Erweiterter Fürsorgeausschuß der Kreisstadt beriet Jugendfragen

Neben den ständigen Mitgliedern des Fürsorgeausschusses versammelten sich am Donnerstag im alten Groß-Gerauer Rathaussaal Vertreter des Stadtjugendringes, der karitativen Verbände, des Stadtfrauenringes, der Krankenkasse, der Heimatvertriebenen und Kriegsbeschädigten sowie die Leiter der Schulen, um unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Lüdecke Hilfsmaßnahmen zu schaffen, die geeignet erscheinen, der vielfältigen Not der Jugend nach dem Kriege zu steuern.

Bürgermeister Dr. Lüdecke forderte in seiner Eröffnungsansprache die Zusammenfassung aller im sozialen Leben tätigen Kräfte und aller im Rahmen des Fürsorgewesens geplanten und geeigneten Hilfsmaßnahmen.

Obermedizinalrat Dr. B in s ac k wies in seinem Referat auf die große Not hin, in der sich die Jugend und das ganze deutsche Volk befinde und richtete an alle mit der Jugendarbeit betrauten Menschen die dringende Aufforderung, mit dazu beizutragen, die Jugend körperlich und sittlich zu bessern. Etwa 50 Prozent aller Kinder müßten heute als gesundheitlich nicht vollwertig an^sehen werden, dazu kämen die erschreckend hohen Zahlen der Tuberkulose- und Geschlechtskranken. Es sei gegenwärtig unmöglich, genaues statistisches Material über den wirklichen Umfang der Geschlechtskrankheiten in Deutschland zu erstellen. Der Redner beschäftigte sich dann mit den Ursachen, die zu den nachteiligen Folgen innerhalb der Bevölkerung führten. So sei heute der Schwarzmarkttyp zwrar weniger vertreten, wogegen an dessen Stelle nunmehr der Arbeitsunwillige getreten sei. Auf dem Gebiet der Literatur und des Films würden heute in breitesten Kreisen sensationelle und sinnliche Stoffe bevorzugt, eine Erscheinung. der insbesondere die Erzieher entgegenwirken müßten. „Erziehung ist Beispiel“, diese Wahrheit müßten sich alle Verantwortlichen zu eigen machen, um mit den Gefahren der Zeit fertig zu werden.

Kreisschulrat Sch wed es nannte die Schulreform ein Mittel, die Not der jungen Menschen an der Wurzel zu fassen

und setzte sich für eine bessere schulärztliche Versorgung der Kinder ein. Die Belange der berufstätigen Jugend vertrat der Vorsitzende "des Ortskartells der Gewerkschaft, worauf Dr. Lüdecke ausführte, die Gemeinde sei bestrebt, für schulentlassene Jugendliche Lehrwerkstätten zu schaffen,

Gegenstand weiterer Aussprachen war die Schaffung von Räumen für die Volksbücherei und geeigneter und heizbarer Leseräume für Jugendliche.

Als Sofortmaßnahme beschloß der erweiterte Fürsorge-Ausschuß die Durchführung einer Sammlung für Notleidende. An die Jugend der Stadt erging die Aufforderung. alte und gebrechliche Leute durch praktische Arbeit zu unterstützen. kr.


Unter Anleitung einer Kindergärtnerin basteln die Kleinen, reparieren Bücher und binden sie ein DT-.Fotos (2): Schröder
Unter Anleitung einer Kindergärtnerin basteln die Kleinen, reparieren Bücher und binden sie ein DT-.Fotos (2): Schröder

Unsere Geburtstagekinder

82. Geburtstag: Herr Philipp Buxmann, Reinheim, Hofgasse. 81. Geburtstag: Frau Luisa Kolm er, Auerbach, Darmstädter Straße 43. 80. Geburtstag: Herr Leonhard Nicklas, (Gastwirtschaft „Zur Wartburg“), Kranichstein. 75. Geburtstag: Herr Friedrich Schmidt, Reinheim, Heinrichstraße. 72. Geburtstag: Frau Grab, Höchst 1. 0., Siedlung 2. 70. Geburtstag: Frau Margarethe L a utenschläger, Breitenbrunn i. 0., Haingasse 12. Silberne Hochzeit: Herr Heinrich Schnellbächer und Frau Käthe geb. Volz, Groß-Bieberau, Römerstraße 44.

Black in die Narrenseligkeit


Heute wird der Vorhang, der die — nach Meinung der Narren völlig anomale —■ Welt vom Reich des Prinzen mit der Schellenkappe trennt, an einem Eck gelüftet. In den großen und kleinen Städten, in vielen, oft winzigen Ortschaften werden die elfköpfigen Regierungen zusammentreten und ihr Regierungsprogramm entwerfen, das, wie in jedem Jahr, für das närrische Volk Narretei in jeder Form bringen wird. Die Komitees werden mit Volldampf an die Arbeit gehen, und schon zu Silvester können Männlein und Weiblein das in Wirklichkeit erleben, was sie heute nur auf diesem Bilde sehen. Foto: Schuch
Heute wird der Vorhang, der die — nach Meinung der Narren völlig anomale —■ Welt vom Reich des Prinzen mit der Schellenkappe trennt, an einem Eck gelüftet. In den großen und kleinen Städten, in vielen, oft winzigen Ortschaften werden die elfköpfigen Regierungen zusammentreten und ihr Regierungsprogramm entwerfen, das, wie in jedem Jahr, für das närrische Volk Narretei in jeder Form bringen wird. Die Komitees werden mit Volldampf an die Arbeit gehen, und schon zu Silvester können Männlein und Weiblein das in Wirklichkeit erleben, was sie heute nur auf diesem Bilde sehen. Foto: Schuch

Spanuungen in den Hessisden Hölzermerken

Allgemeine Betriebsbesprechung für die kommende Woche angesetzt

Obwohl geheimgehalten, drangen bereits vor einiger Zeit Gerüchte an die Oeffentlichkeit, die von bestehenden grundsätzlichen Spannungen zwischen Betriebsrat und Betriebleitung der Hessischen Hölzerwerke in Waldmichelbach wissen wollten. Es wurde u. a. kolportiert, was allerdings am Freitag offizielle Bestätigung erfahren konnte, daß der Gesamtbetriebsrat bereits am 28. Oktober geschlossen zurückgetreten sei, weil seine einzelnen Mitglieder in der Sorge um ihre persönliche Existenz die Tätigkeit darin nicht mehr verantworten zu können glaubten.

Nachdem nun gestern seitens der Betriebsleitung erneut in objektiver Form die vorhandenen Mißverständnisse aufgezeigt und der gute Wille zur Zusammenarbeit bekundet worden ist, erklärten sich die Betriebsratsmitglieder einschließlich ihres Vorsitzenden bereit, die seitherigen Funktionen vorläufig wahrzunehmen. Um jedoch eine endgültige Klärung der strittigen Punkte erreichen zu können, wurde für kommende Woche eine allgemeine Betriebsbesprechung angesetzt, an der sowohl alle 330 Angehörige des Werkes, wie auch der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Holz, Bach, Düsseldorf, sowie der Geschäftsführer des Gewerkschaftsbundes Hessen, Albert Maier, Darmstadt, teilnehmen werden.

Seitens des Betriebsratsvorsitzenden Alter wurde erklärt, daß der Betriebsrat im Interesse des internen Arbeitsfriedens trotz erheblicher Bedenken dieser Lösung zugestimmt habe und nun eine definitive Lösung, vor allem auch hinsichtlich der neugeschaffenen Tarifbestimmungen, abwarten wolle.

Die Betriebsleitung hielt eine Stellungnahme zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht für gerechtfertigt und will erst in der kommenden Woche eine Erklärung abgeben.

Kreisgeflügelschau in Vielbrunn

Am 18. und 19. November findet im Saale Wolf-Hasenfratz in Vielbrunn die vierte Kreisgeflügelschau des Kreises Erbach in Verbindung mit dem 25 jährigen Jubiläum des Rassegeflügelzuchtvereins Vielbrunn statt. Bei der Ausstellung, für die Landrat Neff die Schirmherrschaft übernommen hat, werden sieben Kreisvereine mit zirka 400 Tieren vertreten sein.

Bad-Königer Schweinemarkt

Auf dem November-Schweinemarkt in Bad König standen etwa 95 Ferkel und Läuferschweine zum Verkauf. Für Jungferkel wurden 35—40 DM, für 10—12 Wochen alte Tiere 60—65 DM und für Läufer je nach Qualität und Gewicht 80 bis 115 DM verlangt. Obwohl ziemlich viele Interessenten den Markt bevölkerten, blieb das Verkaufsgeschäft in mäßigen Grenzen. -ch

Auf zur Wahl!

Zur bevorstehenden Landtagswahl am 19. November hat der Landrat des Landkreises Dieburg an die Bevölkerung seines Kreises einen Wahlaufruf erlassen, dem wir im Folgenden Raum geben:

Für den kommenden Sonntag ist das hessische Volk aufgerufen, in freier, gleicher und geheimer Wahl sein Landesparlament zu wählen. Es gilt dabei, die besten Kräfte unserer Bevölkerung zu berufen und unsere Belange in die Hände verantwortungsbewußter Männer und Frauen zu legen.

Ein klares und unverfälschtes Bild des wahren Willens der Bevölkerung läßt sich nur gewinnen, wenn alle Wahlberechtigten, ob Mann oder Frau, im Wahlrecht eine staatsbürgerliche Verpflichtung erblicken und durch ftire Stimmabgabe zur Bildung des Gemeinschaftswillens beitragen.

Mein besonderer Ruf ergeht an die Frauen, auf deren gleichberechtigte Stimmen es unbedingt ankommt. Jede Frau sollte bedenken, daß sie sich bei Fernbleiben leichtfertig ihres so wesentlichen Einflusses auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens begibt.

Auch unsere Jugend möchte ich besonders ansprechen, denn eine rege Anteilnahme gerade der jungen Generation am öffentlichen Leben ist dringend notwendig. Darum, Ihr jungen Männer und Frauen, bekundet durch Eure restlose Beteiligung an der Wahl Eure Bereitschaft zu tätiger Mitarbeit.

Schließlich gilt mein Aufruf den aus ihrer angestammten Heimat Vertriebenen sowie den durch die Zerstörungen des Luftkrieges ihrer Lebensgrundlage Beraubten. Haltet Euch immer vor Augen, daß es gilt, nicht etwa noch vorhandene Gegensätze in den Daseinsbedingungen weiterhin zu vertiefen, vielmehr dazu beizutragen, die trennenden Umstände zu überbrücken. Dies geschieht nicht zuletzt durch eine Stimmabgabe im Sinne des Gemeinschaftsgedankens.

So gilt es, am kommenden Sonntag für Mann und Frau, jung und alt, Einheimische wie Neubürger, von dem vornehmsten Recht des Staatsbürgers, welches gleichzeitig eine ernste Verpflichtung darstellt, vollzählig Gebrauch zu machen. Ein jeder gebe nach reiflicher und gewissenhafter Prüfung seine Stimme dem Wahlbewerbe.r, der ihm nach seiner Persönlichkeit die bestmögliche Verkörperung des Volkswillens verbürgt. Ein Fernbleiben von der Wahl wäre unverzeihliche Flucht aus der Verantwortung, die Abgabe der Stimme nach bestem Wissen und Gewissen hingegen ist selbstverständliche Erfüllung der höchsten staatsbürgerlichen Pflicht im Sinne ehrlicher Mitarbeit am Wiederaufbau unseres noch immer aus tausend Wunden blutenden Vaterlandes. gez. Ritzert Landrat

Sie brauchen ein Heim

Erstes Problem des Jugendrings Erbach-Michelstadt

Am Mittwochabend kamen in der Erbacher Jugendherberge die Vertreter aller Jugendorganisationen der beiden Nachbarstädte Erbach und Michelstadt zusammen. Nach kurzen Referaten jeder Gruppe über ihren Aufbau und ihre Ziele wurde der Vorstand des neuen Jugendringes gewählt. Ihm gehören Vertreter fast aller Bünde an; aus Michelstadt: Anneliese Schm all für das IRK, Hellmut Kaffenberger für die „Roten Falken“, Ludwig Mag sa m für die Sportjugend und Heinz Ripper für die Gewerkschaftsjugend; aus Erbach: Ursula Geiger als Unorganisierte, Edmund Zick für die kath St.-Georgs-Pfadflnder, Werner Schreiber für den BEJ und Otto Horn für die evang. Jugend.

Als brennendstes Problem ergab sich aus allen Ausführungen die Frage: Wie kommt die Jugend beider Städte zu einem Jugendheim? Diese Frage soll auch zum Gegenstand der ersten öffentlichen Versammlung des Jugendringes Erbach-Michelstadt gemacht werden, die am Mittwoch, dem 15. November 1950, um 20 Uhr, im Sitzungssaal des Landratsamtes Erbach stattfinden wird. ch

Haushaltsplan für Wolfskehlen

Unter Vorsitz von Bürgermeister Hamann verabschiedete der Wolfskehler Gemeinderat in seiner letzten Sitzung den Haushaltsplan für das Jahr 1950. Der Plan schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 111 852,77 DM ab und wurde von allen Fraktionen (außer den Stimmen der KPD) gutgeheißen. Da man im kommenden Jahr den Etat so früh wie möglich verabschieden möchte, will man schon jetzt mit entsprechenden Vorarbeiten beginnen. Für eine Anzahl Ortsstraßen, deren Instandsetzung dringend erforderlich ist, sollen größere Mittel eingesetzt werden. KB.

Bachfeier in Zwingenberg

Am Sonntag findet um 17 Uhr in der evangelischen Kirche Zwingenbergs eine Bachfeier statt, deren Reinerlös für die Anschaffung der Kirchenglocken bestimmt ist. Es wirken mit: Professor Borngässer, Darmstadt (Orgel), August Rasch, Zwingenberg (Tenor), der Zwingenberger Kirchenchor, Leitung Rektor Bauer, und der Zwingenberger Posaunenchor, Leitung Walter Barthel. HB.

Notizen aus Trebur

Das kommende Wochenende steht in Trebur im Zeichen mehrerer Veranstaltungen. Am Samstag wird der von der SPD aufgestellte Bürgermeister Hans Sudheimer aus Biebesheim im Saalbau „Eigenheim“ in einer Wahlversammlung sprechen.

Dei’ Karnevalverein A s t h e i m eröffnet ebenfalls am Samstag mit einer vielversprechenden Veranstaltung in Trebur die diesjährige Karnevals-Saison.

Skatfreunde aus Trebur und Umgebung treffen sich am gleichen Tag zu einem Preis-Skatabend im „Eigenheim“. Den

Meistern des Skatspiels winken eine Reihe schöner Preise, in der Hauptsache Nahrungsmittel.

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Roßdorf. Die Ortsgruppe des Landes-

verbandes der Heimatvertriebenen bringt heute und morgen jeweils um 20 Uhr im Saale des Gasthauses „Germania“ das sudetendeutsche Theaterstück „Die Annenruh“ zur Aufführung. Der Reinertrag ist für die Weihnachtsbescherung heimatvertriebener Kinder bestimmt. st

Messel. Kommenden Sonntag, 10 Uhr, findet in der Kirche die Glockenweihe unter Beteiligung der örtlichen Gesangvereine statt. es

Pfungstadt, Im Saale der „Krone“ findet am Sonntag eine große Kaninchenausteilung statt, die vom hiesigen Kaninchenzuchtverei n in Verbindung mit den Brudervereinen von Eberstadt und Hahn durchgeführt wird. ler Jugenheim, Heute um 20 Uhr veranstaltet der Geflügelzuchtverein im Gasthaus Philipp Metzger einen Familienabend mit Ueberraschungen. hl. Alsbach. Für die Kinder von 6 bis 12 Monaten wird am 17. November von 14 bis 15 Uhr während der Säuglingsberatungsstunde Lebertran kostenlos ausgegeben.

DIEBURG

Schaafheim. Rektor Darmstädter wurde gemäß Kabinettsbeschluß vom 16. Oktober mit Wirkung vom 1. November im Alter von 63 Jahren pensioniert. Der Rektor erklärt hierzu, daß er beim Kultusministerium statt dessen eine vierwöchentliche Beurlaubung ei> wirkt und nicht die Absicht habe vor 1952 in den Ruhestand zu treten, io.

Groß-Zimmern. Einer in der Opelgasse wohnenden Witwe wurde aus einem Nachtschrank ihre gesamte Rente in Höhe von 77 DM aus der verschlossenen Wohnung gestohlen. RG

ERBACH

Kirch-Brombach. Das Kreiskrankenhaus wird zur Zeit mit einer modernen Heizungsanlage versehen. -hm-

Steinbach. Drei Oberfeuerwehrmänner der Freiwilligen Wehr erhielten Ehrenurkunden des L,andrats und Ehrenbroschen des Bezirksverbandes. Für 40 Dienstjahre Joihann Ihrig, für 25 Dienstjahre Johann Kaffenberger und Jakob Haas. ch.

BERGSTRASSE

Bensheim. Die Südhessische Vereinigung der Flüchtlinge und Geschädigten aus der Ostzone hält am Samstag um 19.30 Uhr im Gasthof zur Eisenbahn, Rodensteinstraße, eine Versammlung ab.

Groß-Rohrheim. Einen Theaterabend mit der Aufführung des Stückes „Der Schuß im Erlengrund“ veranstaltet am Samstag und Sonntag der Männergesangverein „Liederkranz“ im „Deutschen Haus“, Ka.

GROSSO-GERAU

Wolfskehlen. Heute abend veranstaltet die Sängervereinigung 1878 im Saalbau „Darmstädter Hof“ einen großen bunten Abend. Kb.

,Erziehung ist Sache der Mütter'

Ausschuß für Erwachsenenbildung im Kreis Dieburg

„Für uns liegt der höchste Sinn der Erwachsenenbildung darin, die jungen

Frauen und Mütter im Alter von 20 bis 30 Jahren in unsere Arbeit hereinzunehmen, weil in ihren Händen die Grundlage der Erziehung liegt und wir vieles zuzudecken haben, was in den vergangenen Jahren an Schlechtem an sie herangetreten ist“, sagte Frau Hildegard Pick, Groß-Umstadt, bei der ersten Sitzung des neugegründeten Ausschusses für Erwachsenenbildung im Kreis Dieburg.

Sie begründete damit vor allem ihre Auffassung, daß auch die Frau im Ausschuß und im Vorstand ihrer Bedeutung entsprechend vertreten sein müsse. Nach der Beratung der Satzungen, die in vorläufiger Fassung angenommen wurden, wurde der Vorstand gewählt. Er besteht aus Berufsschuldirektor Mathern (1. Vorsitzender), Frau Hildegard Pick, Groß-Umstadt (2. Vorsitzende), Adolf Zimmer, Babenhausen (Schriftführer), Bürgermeister Steinmetz, beide Dieburg, Gewerkschaftssekretär Buchsbaum, Groß-Zimmern, und Dr. Kolb, Darmstadt, als Beisitzer. RG

Die Lehrkräfte des Neckartals trafen sich kürzlich in Hirschhorn zu einer Arbeitstagung in der die Gestaltung des neu in den Lehrplan aufgenommenen berufskundlichen Unterrichts in Oberklassen der Volksschule erörtert wurde. WL

Von der Synode des evangelischen Dekanats D reie ich, die im evangelischen Gemeindehaus in Sprendlingen tagte, wurde der Langener Pfarrer Hans Hemmes zum neuen Dekan gewählt. -se

Mit der goldenen Medaille wurde Gustav Mitzlaff; Ehrenmitglied des Reit- und Fahrvereins „ Vorder-Odenwald“, Babenhausen, wegen seiner Verdienste um die Reiterei vom Provinzial-Reiterverein Westfalen ausgezeichnet. -se

Sfadtrat billigt Kündigungen von Kommuniften

20 000 DM für den Ausbau der Bensheimer Fabrikstraße

Auf der Tagesordnung der Bensheimer Stadtratssitzung am Donnerstagnachmittag standen 14 Punkte, von denen allerdings das in Punkt 2 vorgesehene Referat von Regierungsbaurat Gaßner, Darmstadt, über „Probleme der Bauleitplanung in Bensheim“ wegen Verhinderung des Referenten ausfallen mußte. Das Referat soll in einer Sitzung am 15. Dezember nachgeholt werden.

Zunächst gab Bürgermeister Tre f - f e r t bekannt, daß die frühere Gauschule, in der außer dem GYA-Klub auch einzelne Klassen der Gewerbeschule untergebracht waren, bis 8. November in aller Eile geräumt werden mußte, da das Haus, ebenso wie das Hotel „Krone“ in Auerbach, wieder mit Besatzungstruppen belegt werden soll.

Die Zündholzaktion habe der Stadt bis jetzt 1540 DM eingebracht. Der im vergangenen Jahre genehmigte Flächenbebauungsplan ist vom Regierungspräsidenten. mit einigen kleinen Veränderungen genehmigt worden und wurde vorgelegt. Besonders bei der Frage einer Sportplatzneuanlage entstanden längere, sehr temperamentvoll geführte Debatten; der Plan wurde jedoch schließlich mit zwei Stimmenthaltungen angenommen. 20 000 DM für den Ausbau der Fabrikstraße wurden ebenso wie eine Nachforderung von 5400 DM für den Ausbau der Mühltalstraße bewilligt. Für die Erweiterung der Feuerwehrunterkunft in Auerbach wurden von 7678 DM vorerst 3800 DM bewilligt, während die Handwerker den Rest vorläufig stunden.

Bezüglich der Erstellung von 18 Wohnungen durch die Nassauische Heimstätte erklärte der Bürgermeister, daß der Bau dieser Wohnungen zunächst abgelehnt worden sei, da die Wohnungen für 18 gegenwärtig im Odenwald untergebrachte und nicht für in Bensheim wohnende Flüchtlingsfamilien bestimmt seien. Man habe erst dann zugestimmt, als man erfahren habe, daß die Stadt Bensheim die Familien aufnehmen und unterbringen müsse. Für die Fürsorgeempfänger wurde eine Winterbeihilfe von 15 DM pro Haushaltungsvorstand und 5 DM pro Kind bewilligt. Für den Ankauf von Zuchtvieh für die Faselhöfe wurde ein Betrag von 2268 DM genehmigt.

Wegen der Kohlenversorgung wurde der Bürgermeister vom Stadtparlament ermächtigt, weitere Schritte zu unternehmen. Zu dem Antrag der CDU-Fraktion, die Straßenbeleuchtung in Auerbach betreffend, gab der Bürgermeister eine Übersicht über die bisherigen Verbesse-

rungen. Einem Antrag der CDU auf Aufhebung der Gebühr bei Wohnungsanträgen wurde stattgegeben; ein Dringlichkeitsantrag der KPD, die Entlassung einiger Angestellter der Stadtverwaltung aus politischen Gründen betreffend, wurde in die geheime Sitzung verwiesen. Darin billigten im Laufe der Diskussion sämtliche Fraktionsvorsitzenden, mit Ausnahme der KPD, die Handlungsweise des Bürgermeisters, zumal er sich an die Verordnungen der vorgesetzten Behörden halten müsse. In einer Abstimmung entschied sich das Parlament mit 12 gegen 5 Stimmen für die Aufrechterhaltung der Kündigungen. HB

Verstärkter Wohnungsbau

Um den Wohnungsbau weiter zu forcieren und sowohl den 20 vorliegenden als auch den 22 derzeit von auswärts beantragten Zuweisungsgenehmigungen gerecht werden zu können, wurde am Mittwochabend auf Anregung von Bürgermeister Bachmann in Waldmichelbach ein „Gemeinnütziger Wohnungsbauverein für Waldmichelbach und Umgebung“ gegründet. Die Gemeindeverwaltung stellt die derzeit noch offenstehenden, in regelmäßigen Abständen zurückfließenden Gelder des seitherigen Wohnungsbaufonds, mit dem bisher etwa 30 Neu- und Ausbauten zwischen- oder vollfinanziert werden konnten, als Grundstock des Vereins zur Verfügung, während die aus Baulustigen, Bauhandwerkern und sonstigen Gewerbetreibenden sich zusammensetzende Mitgliederschaft sich verpflichtet, durch regelmäßige Beiträge ständig Gelder flüssig zu halten.

Als erstes Mitglied hatten sich bereits die Hessischen Hölzerwerke angetragen, die für einen Teil ihrer nun auf 330 Betriebsangehörige angestiegenen Arbeiterschaft weitere Wohnstätten in Waldmichelbach schaffen will. Gemeinderat, Gemeindeverwaltung, Finanz- und Baufachleute sowie zwei Baulustige stellten die Vertreter des erweiterten Vorstandes. -r

Richtig wählen - aber wen?

Kandidat der FDP für den Wahlkreis 42 Groß-Gerau Süd

Am 23. Oktober 1898 in Leeheim geboren. Bis 1916 praktische Tätigkeit in der elterlichen Landwirtschaft. 1916-18 Frontsoldat, schwerkriegsbeschädigt (beinamputiert). 1922 Abitur, anschließend Studium der Rechte und Volkswirtschaft. 1926 Diplomvolkswirt. 1927 Promotion zum Dr. der Staatswissenschaften, 1928-45 im höheren Dienst der Reichsarbeitsverwaltung, zuletzt Gauarbeitsamtpräsident. Seit 1948 freiwirtschaftliche Tätigkeit.


Dr. Wilhelm Seipel
Dr. Wilhelm Seipel

Kandidat der KPD im Wahlkreis 45 Dieburg

Am 8. Februar 1910 zu Dieburg geboren, daselbst auch die Volksschule besucht. Erlernung des Schreinerhandwerks. Bis 1930 im Beruf gearbeitet, dann arbeitslos. Mit 15 Jahren der Gewerkschaft beigetreten. 1927 Eintritt in die SPD, 1932 ausgeschieden und zur KPD übergetreten. Ab 1933 aktiv am Widerstand gegen den Faschismus beteiligt. Im Frühjahr 1935 von der Gestapo verhaftet, zu 4'A Jahren Zuchthaus verurteilt, September 1939 aus der Haft entlassen; anschließend unter Polizeiaufsicht. Im Februar 1943 zur Strafdivision 999 eingezogen. Nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft wieder aktive Teilnahme am politischen Leben. Kreissekretär der KPD, Stadtrat der Stadt Dieburg, Kreisausschußmitglied des Landkreises Dieburg. Seit 1946 außerdem Leiter der Betreuungsstelle für politisch, rassisch und religiös Verfolgte für P.en Kreis Dieburg. Seit September 1949 Mitglied des Hessischen Landtages.


Franz Gondolf MdL
Franz Gondolf MdL

Feuilleton

Traktat über die Gänse

EINE TISCHREDE ZUM MARTINSTAG — VON KURT LÜTGEN

Motto: Martini man die Gänse schlachtet. Ein Narr ist, wer ihr Fleisch verachtet.

Die Beziehungen zwischen Mensch und Gans sind zwiespältieger Natur, und das hat seinen Grund in der nicht zu leugnenden Tatsache, daß es dem Menschen gemeinhin schwer fällt, den Gänsen gegen-

über objektiv zu bleiben. Man verabscheut sie entweder (so lange sie lebendig sind) oder schätzt sie mehr, als dem Magen und dem Geldbeutel bekömmlich ist (sobald sie gebraten vor uns auf der Schüssel liegen).

Ich habe mich überzeugt, daß die meisten Menschen mit Gänsen ebenso unangenehme Erfahrungen gemacht haben wie ich und davon ein dauerhaftes Ressentiment ihnen gegenüber behielten. Meine erste Begegnung mit Gänsen hatte ich, als ich im Alter von vier Jahren zu Besuch auf einem Bauernhof war. Unversehens sah ich mich von einer schnatternden Herde umdrängt. Mag sein, daß ihr Geschnatter nichts als Neugier ausdrückte; mir aber kam es so vor, als ob sie sich über mich lustig machten. (Viele Menschen haben mir später bestätigt, daß Gänsegeschrei bei ihnen ähnliche Empfindungen auslöst.) Peinlich berührt, wandte ich mich zur Flucht. Das aber kränkte offenbar den Gänserich; er verfolgte mich kreischend und kniff mich schmerzhaft in die Wade. Ich frage: Wie soll man nach einer solchen Erfahrung noch objektiv bleiben können? .

Weil das kaum jemand über sich ver-

mag, ist es bisher auch nicht gelungen, die Frage zufriedenstellend zu lösen, ob Gänse wirklich so dumm sind, wie man ihnen nachsagt. Aussage steht hier gegen Aussage. Ein namhafter Zoologe will durch Testprüfungen nachgewiesen haben, daß die Intelligenz einer Gans etwa der eines drei Monate alten Kindes entspricht. Die Gänse verteidigen sich mit dem Hinweis, daß sie immerhin klug genug waren, seinerzeit Rom vor der Vernichtung zu retten, indem sie durch rechtzeitiges Geschnatter die Besatzung des Kapitols auf den nächtlichen Angriff der Gallier aufmerksam machten. Der antike Naturforscher Plinius hat, ihnen deswegen ein glänzendes Zeugnis ausgestellt. Ich frage: War er als Römer in dieser Sache objektiv? und antworte: Nein, er war es nicht!

Uebrigens verdanken wir dieser Niederlage der Gallier eine kulinarische Kostbarkeit. Erbost über ihren Mißerfolg, den sie mit Recht den Gänsen zuschrieben,

rächten sich die Gallier, daheim angelangt, indem sie das Nudeln der Gänse und die Gänseleberpastete erfanden. Des weiteren berufen sich die Gänse gern auf den griechischen Philosophen Lacydes, der sich eine Gans als ständige Begleiterin erwählt hatte. Dieser Lacydes muß entweder ein auserlesener Snob gewesen sein, oder aber — und das erscheint mir glaubwürdiger — er hat aus der Not eine Tugend gemacht. Wer Gänse kennt, weiß, wie gern sie sich hartnäckig und töricht schnatternd an die Fersen nichts Böses ahnender Spaziergänger heften. Wenn nämlich eine Gans erst einmal eine Zuneigung zu einem Manne gefaßt hat, so kann er sich höchstens’ durch schleunigste Flucht vor ihrer Anhänglichkeit retten. Und was Herrn Lacydes angeht, so darf man wohl bemerken, daß gerade die weisesten Philosophen in der Wahl ihrer Gefährtinnen durchaus nicht immer klug gewesen sind.

Zum Ruhm der Gänse wird ferner gern noch der Volksaberglaube angeführt, der besagt, Gänse lebten in Einehe. Dieser Glaube beruht sicherlich auf einem Gehaben, um ihre jedem Gänsekenner nur zu bekannten Pascha-Allüren zu bemänteln. Ich jedenfalls kann in diesem Gerücht nur einen weiteren Beweis für den ausgesprochen heimtückischen Charakter der Gänse sehen, vor dem man selbst dann noch nicht ganz sicher ist, wenn der Vogel gebraten auf der Schüssel liegt. Eine gebratene Gans nämlich — behaupteten die Schlemmer vergangener Zeiten — ist zum Frühstück zu wenig; zwei hingegen verderben einem df/i Appetit aufs Mittagessen.

Für uns bescheidene Esser der Gegenwart bleibt es dabei, daß eine lebendige Gans eine Plage ist, jedoch — nach der berlinischen Redensart — eine „jut jebratene Jans eine jute Jabe Jottes“.

Der Weg, der sich im feuchtverhangnen und nebelblinden Nichts verliert, er gleicht dem großen, vielbegangnen, auf dem wir alle ungeführt

und scheinbar endlos wandern müssen, denn keiner kennt das letzte Ziel, Wir geh’n dahin im Ungewissen, das weiße Licht umfängt uns still.

Des and’ren Hände zwar gewähren im Wandqrn den vertrauten Halt, doch geht auch er im Ungefähren, verbirgt die wirkliche Gestalt.

Wir sind allein. Wir gehen lange .., Der Schuh streift das bereifte Gras, Allmählich werden Haar und Wange im feinen Nebel kalt und naß. Karin Helm







DJ Film-Forum

Sein Gaebeln eroberte die Welt!

Es war im Jahre 1921 ... ein halbes Hundert junger Männer stand vor der Kamera bei der UFA, machte ein paar Schritte hin, ein paar Schritte her, bewegte sich so, wie ein junger Mann meint, daß man sich im Film bewegen müsse, die Kurbel drehte sich, und hinterher besahen die Regisseure der UFA das Ergebnis. Ist einer dabei, mit dem man es riskieren kann?

Es war im Jahre 1921 ... in tiefster Stummfilmzeit. Kein Ton hallte aus dem Filmstreifen hervor, keine betörende, bezaubernde, herzenbewegende Stimme voll dunkler Verführungskunst tönte da auf . . . aber etwas war zu sehen: Ein Lächeln, wie es ganz selten nur einem jungen Mann glückt und dieses Lächeln entschied über die damaligen Probeaufnahmen der UFA, über das Schicksal eines Films, der gerade in Arbeit war und über das Leben von WilliFritsch, denn der hatte so zu lächeln verstanden. Der gerade im Atelier befindliche Film wurde abgeändert, um dieses Lächelns willen bekam er eine heitere Tendenz

er war vordem ernsthaft gewesen und so lächelte Willi Fritsch sich in die Herzen der Zuschauer und in eine sensationelle Filmlaufbahn hinein. Es hat wohl wirklich, wie kaum ein anderer, Millionen jungen Mädchen und auch reiferer Frauen den Kopf und das Herz verdreht! Selten wohl ist ein Mann so bedingungslos umschwärmt worden wie er! Sein Lächeln riß die Menschen zu turbulenten Begeisterungsausbrüchen hin, sein Lächeln entschied das Schicksal der meisten UFA-Filme. Sein Lächeln war der größte Kassenmagnet der UFA und eroberte die Welt. Und dabei ist die größte Leidenschaft dieses sieghaft lächelnden Mannes . . .

Ja, was wohl? Rauchen? Trinken? Spielbank? Malerei? Bergsteigerei? Markensammeln? Weltreisen? .. . Umsonst, niemand wird es erraten, denn es ist das Verblüffendste, das man bei diesem Schwerenöter, Don Juan, Herzensbrecher und Backfischtraum erwarten dürfte: Seine Hauptleidenschaft ist Pünktlichkeit !!! (Das Autofahren allerdings mit eingerechnet!) — Pünktlich sein ist ihm absolute Selbstverständlichkeit, nichts kann er so hassen als Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit,

Als 1929 der große Umschwung kam und der Tonfilm an die Stelle des Stummfilm trat, als viele bis dahin prominente Schauspieler abtraten, weil ihr stimmliches Material den neuen Anforderungen nicht genügte, da fand Willi Fritsch den Uebergang zum Tonfilm ohne Schwierigkeiten, und er setzte im Tonfilm-Zeitalter nur fort, was er in der Stummfilmzeit begonnen hatte: Seine märchenhafte Laufbahn, die ihn zu den höchsten Triumphen der Filmwelt hinaufführte.

An einem 27. Januar ist er geboren, zusammen mit dem letzten deutschen Kaiser, weshalb er auch den Namen Wilhelm bekam, der sich aber im Alltagsgebrauch zum verbindlicheren Willi abmilderte. Oberschlesien ist seine Heimat, ursprünglich sollte er Ingenieur werden . . . aber was sind schon Absichten und Pläne der Eltern, wenn einer so herrlich filmgerecht lächeln kann? Heute lebt er nahe bei Hamburg, ist glücklich verheiratet — mit der Tänzerin Dinah Grace — hat zwei entzückende Buben namens Thomas und Michael und hat wieder einmal einen entscheidenden Uebergang vollzogen: So, wie er einstmals vom Stummfilm zum Tonfilm hinüberwechselte, so hat er nun, da er allmählich in die Klasse der Väter mit hcranwachsenden Söhnen hineinkam, den Uebergang vom Liebhaber zur reifen Charakterrolle bestanden, und sein „neues“ Gesicht entpuppt sich als ebenso filmgerecht und mitreißend wie damals das jugendlich-liebhaberhaft-siegreich-strahlend-lächelnde Gesicht.


WILLI FRITSCH
WILLI FRITSCH

(Foto:.Junge Film-Union / Foto Wesel)
(Foto:.Junge Film-Union / Foto Wesel)

Alexander Koch - ein Darmstädter Verleger

In der Vorlesungsreihe „Darmstadt in Literatur und Kunst“ sprach Günter Michel über den Darmstädter Verleger Alexander Koch. Obwohl Koch 1860 in Köln geboren sei. müsse Darmstadt als der eigentliche Nährboden seines Schaffens betrachtet werden. Als Siebzehnjähriger trat er in eine Schriftgießerei ein, sehr früh den realen Dingen des Daseins zugewandt, und beschäftigte sich in seiner Jugend mit der Schaufenstergestaltung, die in jenen Tagen noch eine ziemlich unbedeutende Rolle spielte. Er heiratete verhältnismäßig früh die zweite Tochter des Darmstädter Tanetenfabrikanten Karl Hochstädter und arbeitete im schwiegerelterlichen Geschäft. Dabei stellte er fest, daß keinerlei Lehrbücher oder ähnliche Unterlagen zu bekommen waren. ' und daß die Tapetenindustrie ohne sichere Kalkulationsunterlagen auskommen mußte. So gab Koch im Jahre 1888 die erste deutsche Tapetenfachzeitschrift heraus, die sehr bald lebensfähig war. Koch zog sich aus dem Unternehmen seines Schwiegervaters zurück und widmete sich in Zukunft nur noch der verlegerischen Arbeit. In der damaligen Steinstraße befand sich das Büro in einem Gartenhäuschen. Schon im ersten Jahr warf die junge Zeitschrift einen Reingewinn von 8 000 Mark ab. Koch versuchte mit seiner Zeitschrift die Einordnung der Tapeten in den künstlerischen Geschmack der Zeit zu erreichen.

Bald folgten weitere Zeitschriftengründungen. wie „Innenarchitektur“ und „Deutsche Kunst und Dekoration“. Das Ziel dieser Publikationen war. die Kunst in den Dienst des Lebens zu stellen. Alexander Koch wollte beweisen, daß es möglich ist, die Kunst in ein Verhältnis mit dem Leben zu bringen. Auch an der Reform des Ausstellungswesens arbeitete er. und die große Ausstellung

„Darmstadt 1901“ ging auf seine Initiative zurück. Aus dem Gedanken heraus, daß die Kun^t nicht auf München als damaliger Kunstmetropole allein beschränkt bleiben dürfe, entstand auch die Idee der Schaffung einer Künstlerkolonie. 1899 verfaßte Koch eine Denkschrift an den Großherzog, in der er seine Pläne darlegte.

Auch die aufblühende Darmstädter Möbelindustrie verdankt Alexander Koch sehr viel. Er war ein Mensch mit einem hohen künstlerischem Geschmack, einer unglaublichen Feinheit in der Auswahl der Farbe. Günter Michel, ein Neffe des Verstorbenen, zeigte an Hand einer Reihe von Lichtbildern den wunderbaren Reichtum an Schönheit, den Alexander Koch in seinem Haus, das ein einziges Museum war. zusammengetragen hatte. Abonnenten in allen Ländern der Erde bewiesen, daß die wertvollen Zeitschriften seines Verlages ein hohes deutsches Kulturgut repräsentierten, die Darmstadts Namen in alle Erdteile trugen. hfl.

Wunderwelt der Adria

Der Forscher und Taucher Dr. Albrecht Beckh berichtete im Amerikahaus von seinen Erfahrungen und Erlebnissen auf dem Meeresgrund der Adria. Dr. Beckh erklärte die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt auf dem Meeresgründe, dessen Fruchtbarkeit, und zeigte die verschiedenartigsten Ausrüstungen, die das Tauchen ermöglichen. — Der Expedition des Vortragenden gelang es mit Schwimmflossen an den Füßen, einer Schutzbrille und der Kamera, bis zu 35 Meter Tiefe vorzudringen, und dort die interessanten und schönen Filme zu drehen. Allerdings könnten nur bis 18 m Buntaufnahmen gemacht werden. Märchenhaft schöne Meerestiere in blauen und korallenroten Farben, skurrile Landschaften. Kollektiv-Siedlungen der Tiere und Pflanzen, eigenartige und kaum faßbare Fisch-Formen und zarteste Seestern-Ornamente wurden in Bildern gezeigt. Sg.

Notizen

Heli Kerzisnik, die vierzehnjährige Tochter des vielen Mainzer bekannten verstorbenen 1. Konzertmeisters vom Städt. Orchester Gießen, stellte sich in einem Sonntagskonzert in der Aula des Gießener Gymnasiums der Oeffentlichkeit als ein beachtliches geigerisches Talent vor. Die Kritik rühmt an ihrem Vortrag des a-moll-Konzertes von Bach, der F-dur-Sonate von Mozart, der Sonate op. 137 von Schubert und der F- dur-Romanze von Beethoven hohe Musikalität, Gestaltungswillen und große technische Sauberkeit, die eine bemerkenswerte Entwicklung erwarten lassen.

Die Niere einer toten Frau, die vor vier Monaten in den Körper der Frau Howard Tucker verpflanzlt woden war, funktioniert heute noch, wie die Zeitschrift der amerikanischen Medizinischen Gesellschaft berichtet. Die 44 Jahre alte Frau Tucker fühlt sich wohl und ist imstande, ihre Hausarbeiten zu verrichten. Die Aerzte, die die Uebertragung vornahmen, erklärten jedoch, daß die Tätigkeit der Niere unterdurchschnittlich sei, und es müsse abgewartet werden, ehe ein endgültiges Urteil gefällt werden könne.

Die „Königsteiner“ im Nachbarschaftsheim

HANDPUPPEN ERFREUEN JUNG UND ALT

Die bekannten Königsteiner Puppenspieler, die demnächst die 250. Aufführung ihres „Faust“ in Darmstadt feiern wollen, spielen eben im Land- und Stadtkreis Darmstadt.

Unruhig schwatzende, selig singende Erwartung herrscht bei den Kindern vorm geschlossenen Vorhang der „Königsteiner“ im Nachbarschaftsheim am Nachmittag, bis endlich das Spiel beginnt.

In schlichter, freundlicher Märchenhaftigkeit, verwoben mit der Ueberlieferung von Großmutter, Hexe, Teufel, Waldgeist finden in „Wer gewinnt“ und der „Zaubermusik“ Begebnisse und Techniken aus aus der heutigen Kinderwelt ihre Gestaltung. Handpuppenspiel und Seifenkistlrennen und Radio mit reizenden, feinen Einfällen! Begeistert gehen die Kinder mit und leiten, wie vorgesehen, durch Zuruf das Geschehen weiter, Kasperl warnend, Seppi beratend und in besonderem Jubel stets über „Struppi“, den possierlichen Kasperl-Hund. „Knolle“ in seiner egoistischen Bösartigkeit wird dabei ebenso verstanden und findet sein Urteil wie die Kameradschaft zwischen Kasperl und Seppi. Trefflich wurde der Eindruck aufgeregter Zuschauermenge beim Seifenkistlrennen gegeben, so daß sich die gespannte Erregung allen lauschenden Kinderohren mitteilte, und das Freudentänzchen mit der Großmutter entzückte wie seit Generationen auch hier die Augen und Herzen. Di

Der Leiter der Königsteiner, Rudi Fischer, stammt aus der Schule von Altmeister Jacob, den weltberühmten „Hohnsteiner". Aber die Königsteiner sind keine Nachahmer, sondern haben den Hohnsteiner Stil fortentwickelt und sich ihren eigenen geschaffen. Im Mittelpunkt steht bei ihnen der Kasperl und zwar ein natürlich kritischer, aktueller und witziger, aber nie verletzender Kasperl, bei dem Herz und Gemüt über seine Zunge gebieten. So finden die Königsteiner auch bei Erwachsenen einen echten, begeisterten Widerhall, mag es sich hierbei um Erwachsene handeln, die sich aus der Jugend ihr kindliches, aufnahmebereites Herz erhalten haben oder um solche, die um die besonderen Gegebenheiten des Puppenspiels wissen. Um Erwachsene also, die das hintergründige im Puppenspiel kennen, das maskenhafte, und miterleben, wie ays den Händen der Spieler die Handpuppen Leben gewinnen, Wirkung erzielen, ein in sich abgeschlossenes Kunstwerk immer wieder neu schaffen. Immer steht der Kasperl bei den Königsteinern im Vordergrund — und das ist recht so!

In der Abendvorstellung für die Großen spielt man das sehr sinnfällige Märchen von der „Klugen Bauerntochter“, vor farbigen Vorhängen, mit schöner Beleuchtung und guter Begleitmusik. Kasperl hatte vom ersten Auftreten an die Herzen der Zuschauer auf seiner Seite und die eingestreuten so verschiedenartigen Tänze wie die Szene zwischen Kasperl, der Bettdecke und der Maus bekamen besonderen Beifall. Vergessen wir nicht „Struppi“, den goldenen Hund und unzertrennlichen Begleiter der Königsteiner, der mit seinen drolligen Bewegungen, seinem Bellen und Jaulen von der Spielleiste her die Zuschauer bezauberte. H. W. W.

Neue Filme in Darmstadt

PALAST. — „Ekstase“. Dieser Film wurde 1932 von dem tschechischen Regisseur Gustav Machaty gedreht und bald darauf verboten. Nun wurde er wieder „entdeckt“, lief im Ausland, dann in Deutschland und fand geteilte Aufnahme: teils begeisterte Zustimmung, teils strikte Ablehnung.

Ein junges Mädchen wird mit einem alten, pedantischen, „abgeklärten“ Mann verheiratet, der ihr das nicht mehr zu geben vermag, was sie als großes Glück der Ehe erträumt. Erst an der Seite eines Jüngeren, eines Ingenieurs, gehen ihre sehnlichsten Wünsche in Erfüllung.

„Ekstase“ steht zwischen Stumm- und Tonfilm. Der Dialog fand eine mehr als spärliche Verwendung, was an sich durchaus kein Negativum bedeutete, wenn das gesprochene Wort nicht so unpersönlich, so ganz der Handlung inadäquat auftauchte. Zumeist ergeht es sich nur in Satzfetzen oder einzelnen Wörtern. Das Uebrige macht die untermalende Musik, geben die Schauspieler in Mimik und Gebärde mit einem der Stummfilmzeit entnommenen Pathos. Und was darüberhinaus noch nicht ganz klar zum Ausdruck kam, bringt der Regisseur in gleichnishaften, fast ins Symbolische gehenden Bildern, die häufig, fast zu oft, wiederkehren. Die Kamera arbeitete über weite Strecken hervorragend, brachte Perspektiven, Tricks, Großaufnahmen, die in ihrer Ausdruckskraft mittlerweile zum festen Repertoire des Filmschaffens gehören. Andererseits ist es keine Frage, daß ein heutiger Regisseur nicht so endlos lange bei den einzelnen Szenen stehengeblieben wäre.

Wie gesagt: 20 Jahre sind seit jenem Zeitpunkt vergangen, daß man „Ekstase“ verboten hat. Inzwischen hat sich vieles geändert, auch die Auffassung über die Behandlung eines Themas durch den Film. Die Geschichte von der jungen Frau, die mit ihrem alten Gatten nicht zufrieden ist, erschien inzwischen schon mehrmals und besser auf der Leinwand, als es hier der Fall ist. Geschmacklos ist die Art und Weise, in der der Verleih seinen Film in der Reklame dem Publikum bekannt zu machen versucht. hn.

HANSA. „Tarzan und die Amazonen“. Um das Schönste vorweg zu nehmen: Der Schimpanse Cheta! Cheta geistert durch den ganzen Streifen. Er meckert und rennt, benimmt sich menschlich wie ein Mensch und treibt Unfug, daß einem nichts anderes übrig bleibt, als zu lachen. Ansonsten ist es ein richtiger „Tarzan“, (so wie ihn Hollywood erfunden hat). Es spielen etwas viel Menschen mit und die Amazonen in ihren neckischen Röckchen wirken nicht so streitbar, wie sie sein sollten. Zwei Namen muß man noch nennen: Maria Ouspenskäya als Königin der Amazonen und Johnyy Sheffield als Tarzans Sohn. We.

BELIDA. — „Die Stunde der Vergel¬ tung“. Zwischen Rußland und Napoleon irgendwo liegt das Großherzogtum Lichtenburg, dessen schöne Großherzogin der böse Diktator Lanen außer dem Land, das er schon geschluckt hat. heiraten und sich so „legal“ auf den Thron schwingen will. Aber der junge Graf von Monte Christo (frei nach Alexander Dumas) greift ein — und nun wird nicht an den nötigen Requisiten gespart. Schüsse blitzen. die Garde marschiert auf, in finsteren Kellern drucken die Verschwörer die „Fackel“ der Freiheit. Und Monte Christo rettet alles! Der General stürzt durch brechende Glasdächer tief in den Tod, die schöne Großherzpgin kann der Stimme ihres Herzens* folgen (hoffentlich tut sie es) und das unausbleibliche gute Ende kommt nach viel Dunkel, vielen Zweifeln und vieler Aufregung doch noch! Joan Bennet und Louis Hayward sowie George Sanders in den Hauptrollen taten mit. Erfolg ihr Bestes, um diesem Dumas-Stoff auch von der Leinwand her zum Erfolg zu verhelfen. H. W. W.

DER SPORT

Zweimal „Länderkampf im Kleinen“

Süd gegen Südwest in Ludwigshafen / West gegen Süd in Frankfurt

f. kr. — Das kommende Wochenende bringt unseren süd- und südwestdeutschen Fußball zwei Begegnungen, die (und deren Ausgang) überall mit großer Spannung erwartet werden. Es handelt sich dabei nur um ein Kräftemessen deutscher Fußballverbände untereinander, das der Ermittlung einer deutschen Nationalmannschaft für das Spiel gegen die Schweiz (am 22. November in Stuttgart) dienen soll. Sportlich steckt aber in diesen Spielen genau so viel wie in diesem Länderspiel selbst. Wer einigermaßen die Verhältnisse kennt, weiß, daß jeder der vier Großverbände der Bundesrepublik in der Lage ist, eine Mannschaft zu stellen, welche getrost gegen die' Eidgenossen antreten könnte. Da es sich gegen diese aber um einen wirklichen „Länderkampf“ handelt, muß von deutscher Seite das Beste gestellt werden. Deshalb diese beiden Repräsentativtreffen in Ludwigshafen und Frankfurt.

Es geht um das Prestige

Hinzukommt, daß bei aller guten Zusammenarbeit zwischen den deutschen Verbänden spielerisch zwischen ihnen schon immer ein gewisser Prestigekampf geht. Das ist nicht nur zwischen West und Süd der Fall (der Norden ist diesmal nicht dabei), sondern im .kleineren Maße auch zwischen Süd und Südwest, obwohl Südwest, gemessen an der Zahl der wirklich starken Mannschaften, gegenüber der Vielzahl der Südler nur eine David-Rolle gegen den Goliath spielen kann. Trotzdem steht gerade dieses Spiel im Vordergrund des Interesses im Süden. Die Leistungen eines 1. FC Kaiserslautern, der

„Wormatia“ und von TuS Neuendorf sind überall anerkannt, und man weiß, daß auch Südwest eine Mannschaft stellen kann, die gleichwertig neben der anderer Verbände steht.

Noch andere Ursachen rücken diese beiden Treffen in den Vordergrund. Eine Fahrt zum Länderspiel nach Stuttgart an einem Werktag, auch wenn er als Feiertag anerkannt ist, bedeutet 'für die meisten Interessenten außerhalb des schwäbischen Raumes Ausgaben, die nicht jeder auf Sich nehmen kann. Wenn nun aber den Fußballfreunden unserer weiteren Umgebung acht Tage vorher in Ludwigshafen und Frankfurt genau so reizvolle Spiele geboten werden, so ist damit zu rechnen, daß die Masse unserer Fußballfreunde in Ludwigshafen und Frankfurt anwesend sein wird. Das Stuttgarter Neckar-Stadion wird auch ohne sie noch genug Zuspruch finden und gefüllt sein.

Kann Südwest gewinnen?

In Ludwigshafen sollen unter Leitung des Duisburger Schiedsrichters Feist folgende Mannschaften spielen:

Süd (rot/weiß): Fischer (1. FC Nürnberg); Plawky (Fürth), Retter (Vfß Stuttgart); Baumann (1. FC Nürnberg), Keuerleber (VfR Mannheim), Kupfer (Schweinfurt); Läpple (Vfß Stuttgart), Balogh (Neckarau), Lehmann (Mühlburg), Langlotz, de la Vigne

(VfR Mannheim). Südwest (grün/schwarz): Jahn (Neuendorf); Voigtmann (Neuendorf). Kohlmeier (Kaiserslautern); Laag (Pirmasens), Liebrich II (Kaiserslautern). Miltz (Neuendorf); Lipponer (Phönix L.), Fr. Walter, Othmar Walter (Kaiserslautern). Blankenberger, Müller (Wormatia).

Beim Süden wurde nun Lehmann vom Vfß Mühlburg als nicht einsatzfähig zurückgezogen. Für ihn wurden Baitinger (Vfß Stuttgart) und Löttke (VfR Mannheim) nach Ludwigshafen beordert. Wer und an welcher Stelle einer der beiden spielt, soll erst am Sonntag entschieden werden.

Nach Lage der Dinge steht und fällt Südwest zur Zeit noch mit Fritz- Walter. Um seine Spielfähigkeit geht es. Ist er nicht dabei, so soll Lipponer nach Halbrechts wechseln, und als Rechtsaußen erhält der Ex-Mainzer Wettig eine Chance. Gemessen an den gegnerischen Namen scheint die Südwestelf schwächer als Süd. Aber wenn diese Fritz Walter dabeihat und gut ins Spiel kommt, so kann sie klar gewinnen. Normalerweise halten wir mehr zum Süden. Aber Gewinn oder Niederlage scheint uns hier nicht so wichtig wie die Forderung nach einem wirklich guten Spiel, auf das alle Fußballfreunde warten.

Im Frankfurter Stadion

Süd (rotes Hemd, schwarze Hose): Höger (Fürth); Knoll (Nürnberg), Picard (Offenbach); Dannenmeier (Mühlburg), Gärtner (Mühlburg), Barufka (Stuttgart); Kaufhold (Offenbach), Morlock (Nürnberg), Schade (Fürth), Herrmann (FSV Frankfurt), Blessing (Stuttgart).

West (grün/weiß): Turek (Fortuna D.); Lesch (Münster), Graf (Köln); Mebus (Benrath), Matzkowski (Schalke), Röhrig (Köln); Geeritzen, Preißler (Münster), Hetzel (Meiderich), Schäfer (Köln), Klodt (Schalke).

Die Westmannschaft wurde erst gestern abend bekannt. Die vorgesehenen Spieler Islajer und Günther wurden wegen Verletzungen herausgenommen. Dafür hatte der ÄTSV-Spielausschuß die Genugtuung, daß Schalke Matzkowski und Klodt doch freigab. So kam eine schlagkräftige Elf zustande, die als Ersatzleute noch Spieler wie Miescowski (Münster), Rachuba, Krüger und Bornemann im Hintergrund stehen hat.

Beim Süden ist der Mühlbunger Trenkel ausgefallen. Die jetzt stehende Mannschaft verdient aber volles Vertrauen. Das soll aber nicht heißen, daß wir nun die Südelf ohne weiteres als Sieger erwarten. In der Westelf stecken große Könner und dazu auch Kämpfer. Sie könnten überraschen. Auf alle Fälle wird man in Frankfurt ein nicht weniger spannendes Treffen sehen, für das wir dem Süden etwas größere Chancen geben. Aber letztlich wird auch hier die Tagesform den Ausschlag geben. Jedenfalls freuen wir uns, wieder einmal zwei solche Großtreffen in unserer nächsten Nähe besuchen zu können.

Nur im Norden volles Oberliga-Programm

Im Schatten von Frankfürt und Ludwigshafen

H. KI. Da Süd-, West- und Südwest-Deutschland an den Repräsentativkämpfen in Ludwigshafen und Frankfurt beteiligt sind, meldet lediglich der Norden ein volles Meisterschaftsprogramm der ersten Liga für das Wochenende. Im einzelnen gibt es fol-

gende Paarungen auf den Fußballplätzen der Vertragsspieler in der Bundesrepublik: Oberliga Südwest ASV Landau—Eintracht Trier VfR Kaiserslautern—VfL Neustadt Spvgg. Andernach—FSV Mainz 05 ' Eintracht Kreuznach—Phönix Ludwigshafen Freundschaftsspiele Wormatia Worms—1. FC Nürnberg TuS Neuendorf—Bayer Leverkusen ■ 1. FC Kaiserslautern—VfR Mannheim 1. Liga Süd Bayern München—18G0 München Schweinfurt 05—FC Singen 2. Liga Süd ASV Durlach—Wacker München SV Tübingen—SG Arheilgen ASV Cham—l. FC Bamberg 1. Liga West Borussia Dortmund—Duisburger SV Erkenschwick—Rot-Weiß Essen Hamborn 07—STV Horst Bor. M.-Gladbach—Preußen Dellbrück 1, Liga Nord VfL Osnabrück—Vfß Oldenburg Eintr. Braunschweig—Hamburger SV FC St. Pauli—TSV Eimsbüttel Hannover 96—SV Itzehoe Bremer SV—Arminia Hannover ■ Altona 93—Werder Bremen Holstein Kiel—Bremerhaven 93 In der Oberliga Süd west stehen aus unserem engeren Verbreitungsgebiet nur zwei Mannschaften im Kampf. Dabei hat es Mainz 05 wohl ebenso schwer wie Eintracht Kreuznach, die daheim gegen den wiedererstandenen Phönix aus Ludwigshafen wohl auf verlorenem Posten steht und lediglich eine Außenseiterchance hat. Nicht günstiger sind die Chancen der Mainzer, die in Andernach zwar einen leichteren Gegner antreffen, aber dafür auf den Vorteil des eigenen Platzes verzichten müssen. Eintracht Trier wird es trotz seines guten Tabellenplatzes schwer haben, sich in Landau durchzusetzen. Auch der VfR Kaiserslautern sollte Neustadt ohne Punkte nach Hause entlassen.

Nur zwei Paarungen weist das Programm der ersten Liga Süd auf. die dafür aber um so spannender sind. Im Vordergrund des Interesses steht die Münchener Lokalbegegnung zwischen Bayern und 1860, aber auch das Schweinfurter Spiel entbehrt nicht eines gewissen Reizes. Ohne A. Kupfer, der in der Südauswahl spielt, müssen die Gastgeber auf der Hut sein, wenn sie mit einem Sieg über den FC Singen die Tabellenspitze erreichen wollen.

Zweitrangig ist auch das Programm des Westens, da hier die wirklichen Favoriten zusehen. Allerdings wird es in Erkenschwick hart auf hart gehen, da der Unterlegene des Treffens Erkenschwick gegen Rot-Weiß Essen vorläufig aus dem engeren Wettbewerb ausscheidet.

Im Norden ist man gespannt auf das Abschneiden des Hamburger SV bei der Braunschweiger Eintracht. Haben die Hamburger ihre Krise endlich überwunden, dann sollte es ihnen gelingen, sich durchzusetzen und wieder bei den führenden Mannschaften aufzutauchen. Groß ist der Abstand ohnehin nicht mehr. Dabei kann es dem HSV nur gelegen kommen, wenn sein Bezwinger St. Pauli auch den TSV Eimsbüttel ausschaltet. Die Spitze aber wird vorläufig der VfL Osnabrück mit einem Sieg über den Vfß Oldenburg übernehmen.


Vor Vorsonntag ein rein Gewissen, ein wahrlich sanftes Ruhekissen. Drum laßt mal „Heiner“ richtig pennen, denn das gibt Kraft für’s nächste Rennen
Vor Vorsonntag ein rein Gewissen, ein wahrlich sanftes Ruhekissen. Drum laßt mal „Heiner“ richtig pennen, denn das gibt Kraft für’s nächste Rennen

Hockey

RK Rüsselsheim Gast beim TEC

dr. Die Damen und ersten Herren des TEC empfangen am Sonntag die Mannschaften des RK Rüsselsheim. Im Vorspiel bei den Damen sollten die Gäste zu einem Siege kommen. Die Darmstädter Damen sind zwar besser geworden, aber die Gäste demonstrieren immer noch gutes Hockey. Vor allen Dingen fehlt den Darmstädterinnen Erfahrung. — Die ersten Herren treffen im RK auf einen Gegner, der in der Verbandsrunde nicht mitspieit, aber trotzdem recht spielstark ist. Im Vorspiel — eine Woche vor Beginn der diesjährigen Verbandsrunde — unterlagen die Darmstädter im Opelstadion in der 2. Halbzeit mit 3:0 Toren. Seitdem gewannen die Darmstädter alle Spiele und führen mit 11:2 Toren verlustpunktfrei die Tabelle in der Landesliga. Sollten die Darmstädter am Sonntag mit stärkster Besetzung antreten können, so dürfte die Revanche möglich sein. — Damit stellen sich die Herren des TEC erstmals nach Wochen wieder in Darmstadt vor und werden in der augenblicklichen Form ihre Anhänger nicht enttäuschen. -dr-

Als weitere Auswechselspieler für die süddeutsche Mannschaft in Ludwigshafen wurden die Waldhöfer Skudlarek und Rendler berufen.

Nur drei Spiele in der zweiten Liga Süd

Arheilgen beim Tabellenletzten Tübingen

Zum einzigen Spiel der 2. Liga Süd fährt am Sonntag «die SG Arheilgen zu ihrem Tabellennachbar nach Tübingen. Die Leute der Universitätsstadt werden nun mit aller Macht versuchen, ihre ersten Punkte einzuheimsen, so daß die Darmstädter Vorstädter gerade dieses Spiel sehr efnst nehmen müssen, um keine Ueberraschung zu erleben. Wenn auch die Totovorschau den Mülchesleuten die Chance gibt und dabei zum Ausdruck bringt, daß die Arheilger schon manches Spiel sehr unglücklich verloren haben, so ist dies doch kein Freibrief auf die unbedingte Entführung der Punkte. Arheilgen fährt mit derselben Mannschaft, die am vergangenen Sonntag eine so gute erste Halbzeit hinlegte, daß kaum mehr jemand etwas für die Stuttgarter Kickers gab. Erst als in der zweiten Halbzeit Solospiel, Umstellung und Uneinigkeit in der Mannschaft um sich griffen, bekamen die Kickers Oberwasser und führten doch noch die Punkte heim. Die Tübinger haben eine gute Verteidigung, während der Sturm weniger gefährlich ist. Damit dürften zwei gute Verteidigungen zwei schwächeren Stürmerreihen gegenübertreten, wenn die Mülchesleute nicht noch eine vollständige Umstellung ihrer Mannschaft vornehmen,

mit dem Ziel, ein ausgesprochenes Angriffsspiel gegen Tübingen zu organisieren. Das Spiel steht terminmäßig erst am 17. 12.. ist aber auf Wunsch von Tübingen auf Sonntag vorverlegt worden.

Die Abfahrt der Mannschaft erfolgt am Sonntag um 7.00 Uhr ab Vereinshaus. Teilnehmerkarten (6 DM für Mitglieder und 10 DM für Nichtmitglieder) sind im Vereinshaus zu haben. Hewe

Die übrigen Spiele der 2. Liga Süd finden in Cham und Durlach statt.

In Cham kann es bei einem Siege der Platzherren über den 1. FC Bamberg dazu kommen, daß die Männer aus dem Bayerischen Wald (nach Pluspunkten) zu den führenden Stuttgarter Kickers aufschließen.

Die Durlacher haben hintereinander daheim den SV Wiesbaden 4:1 und den Tabellenersten Bayern Hof 3:1 gschlagen, und in ihrem dritten Heimspiel in aufeinanderfolgender Reihe werden sie auch Wacker München das Punkteleben schwer machen, zumal die „Blausterne“ von der Isar am Vorsonntag ihren Rechtsaußen Reif durch Platzverweis und den Torjäger Schleicher infolge Verletzung verloren. Durlach hat alle Chancen.

Kassel erneut in Gefahr

Die im Frankfurter Raum angesetzten Spiele der hessischen Landesliga werden mit Rücksicht auf das Repräsentativspiel Süd-West bereits am Samstag oder in den Vormittagsstunden des Sonntags ausgetragen. Tabellenführer Kassel 03 steht beim VfL Marburg wieder vor einer schweren Aufgabe, die einen Punkt kosten kann. Lampertheim ist als Gastgeber Favorit gegen Borussia Fulda und kann mit einigem Glück zum neuen Tabellenführer werden. Nada Rüsselsheim fährt der Vfß Friedberg mit guten Aussichten, während in den Treffen zwischen Rot-Weiß und VfL Biedenkopf, Germania Bieber und Hessisch Lichtenau, Griesheim 02 und VfL Kassel sowie Union Niederrad und Bad Homburg die Platzbesitzer als vermutliche Sieger gelten. Offen sind die Begegnungen Hessen Hersfeld—l. FC Rödelheim und SV Kassel—Eintracht Wetzlar. Die Kasseler Hermannen werden schließlidi gegen den Pokalmeister Hanau 93 den kürzeren ziehen.

Der Kampf um den ersten Platz im Tischtennis

Frankfurt oder Flörsheim, wer bleibt ungeschlagen? / SV 98 in Rüsselsheim

Die oberste hessische Spielklasse bringt am Wochenende wieder interessante Paarungen. Dabei werden sich die Spitzenreiter wie auch die am Tabellenende stehenden Mannschaften gegenüberstehen. Im einzelnen spielen: TG Rüsselsheim —SV Darmstadt 98, Eintracht Frankfurt —SV Flörsheim, SG Höchst — TTC Biblis, Weiß-Blau Frankfurt —l. ABC Wiesbaden, SG Klein-Krotzenburg —SV Wiesbaden. Bad Nauheim und Friedberg spielfrei.

Nach den letzten Ergebnissen zu urteilen, erscheint die Eintracht Frankfurt in diesem Jahr die Rolle des mehrfachen Meisters SV Wiesbaden übernehmen zu wollen. Ihr vorsonntäglicher Sieg beim Meister Wiesbaden spricht eine deutliche Sprache. Am kommenden Sonntag empfangen sie den SV Flörsheim, der außer den Gastgebern die einzige Mannschaft ist. die bisher noch ohne Punktverlust die Spiele bestreiten konnte. Der Sieger dieser Begegnung dürfte bei der Vergebung des Titels ein ernstes Wort mitreden. Die junge spielfreudige Mannschaft der SG Klein-Krotzenburg empfängt den SV Wiesbaden und hat durchaus berechtigte Aussichten, zum Punktgewinn zu kommen. Die Gäste, die mit Hartwig einen hoffnungsvollen Klassenspieler verloren haben, dürften diese Lücke nicht so schnell schließen können. In Rüsselsheim empfängt der Neuling den SV Darmstadt 98, der auch in diesem Jahr noch nicht überzeugen konnte. Die Gastgeber, die hoffnungslos am Tabellenende stehen, werden in diesem Spiel die letzten Chancen haben. Die Lilienträger bestreiten dieses Spiel in der Aufstellung Hardt. Hartmann, Kappes, Lutz. Römer und Haller. Als weiterer Vertreter des Bezirkes Darmstadt ist der TTC Biblis auf Reisen und Gast bei der SG Höchst. Dort sollte ein klarer Punktgewinn für die Gäste herausspringen. In der letzten Begegnung müßte sich die Mannschaft des 1. ABC Wiesbaden in Frankfurt bei Weiß-Blau knapp durchsetzen.

Nur ein Spiel in der Basketball-Landesliga

In der Basketball-Landesliga kommt es am Wochenende nur zu zwei Begegnungen. Der TV Heppenheim und der BC Frankfurt stehen sich am Samstag in der Heppenheimer Stadthalle mit Männer- und Frauenmannschaften gegenüber. Nach den bisher gezeigten Leistungen sollte sich die Männermannschaft der Gäste durchsetzen können, wogegen man den Heppenheimer Frauen trotz der überraschenden 12:18-Niederlage gegen Roßdorf die besseren Aussichten einräumen muß, denn ein zweitesmal wird sich der Hessenmeister nicht die Punkte in eigener Halle abnehmen lassen. -er-

Hessens Turner tagen in Ober-Ursel

Am 12. November kommen die Vertreter der hessischen Turnkreise, 28 an der Zahl, in der Turnhalle zu Ober-Ursel zusammen. Es ist der' 5. Turntag seit der Gründung des Hessischen Turnverbandes, und er soll, wie seine Vorgänger, die Geschlossenheit nach innen und außen wiederum dokumentieren. Im Vorjahre stand der Beschluß über das abzuhaltende Landesturnfest im Mittelpunkt des Geschehens, diesmal werden wiederum wichtige Beschlüsse gefaßt werden, z. B. ob im kommenden Jahr nur Kreisturnfeste stattfinden und 1952 wiederum ein Landesturnfesi., denn 1953 ist das Deutsche Turnfest nach Hamburg vorgesehen. Neben diiesen organisatorischen Fragen stehen noch die verbandspolitischen Aufgaben und darüber hinaus der Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr. Neuwahlen für den Landesturnrat und die Beschlußfassung über eingegangene Anträge werden außerdem gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Zu Beginn wird die TSG Ober-Ursel in einer Feierstunde die Gäste begrüßen, wobei auch Prof. Dr. Gottfr. Herzfeld sprechen wird. Möge der diesjährige Landesturntag dem Turnen in den Vereinen durch seine Beschlüsse neuen Auftrieb verleihen. kof.

Der nächste Gegner des SV 98 im Film

Die Wochenschau „Welt im Film“ bringt im Sport Ausschnitte vom Münchener Sechstagerennen, vom Sieg des 1. FC Nürnberg über den VfR Mannheim und von der Eishockeypremiere Arosa—Füssen.

Prof. D r. Altrock, der Direktor des Instituts für Leibesübungen an der Johann-Wolfgang - Goethe - Universität Frankfurt, spricht. am Donnerstag, dem 16. November 1950, 20 Uhr, im Hörsaal 163 der Technischen Hochschule über „Die kulturelle Bedeutung der Sportbewegung“.


Der erste Nachkriegsländerkampf unserer Fußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz ruft die Erinnerung an das letzte Ländertreffen der beiden Nationen im Jahre 1941 wach. Unser Bild zeigt Helmut Schön im Kampf mit der Hintermannschaft der Eidgenossen. Foto: Schirner
Der erste Nachkriegsländerkampf unserer Fußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz ruft die Erinnerung an das letzte Ländertreffen der beiden Nationen im Jahre 1941 wach. Unser Bild zeigt Helmut Schön im Kampf mit der Hintermannschaft der Eidgenossen. Foto: Schirner

Ringermeisterschaft im entscheidenden Stadium

SV 98 empfängt Hösbach Darmstadt 1910 muß nach Sprendlingen

Die Ringer haben niur noch wenige Kampftage. Das kommende Wochenende wird von ausschlaggebender Bedeutung für die Meisterschaft sein. Die einzelnen Paarungen lauten: Oberliga: SV Darmstadt 98 —Germania Hösbach, SG Eckenheim—Germania Dettingen, Groß-Zimmern—Eiche Hanau, ASV 86 Frankfurt frei.

In Darmstadt bestreiten di‘e Lillenträger am Samstagabend, 20.30 Uhr. in der Goetheschule einen weiteren schweren Kampf. Gegner ist diesmal Germania Hösbach, die starke Mannschaft aus dem Spessart, die erst am vergangenen Wochenende einen überlegenen. S|i^g .über Vorwärts. Groß-Zimmern erzielte. Die Gäste, die in Bohrmann und Sauer ihre besten Kräfte besitzen, stehen auf dem 3. Tabellenplatz und wollen ihre Chance für den begehrten 2. Platz wahren. Die Gastgeber, die in ihren letzten Auswärtskämpfen unter Wert hoch geschlagen wurden, werden in ihrer z. Z. stärksten Aufstellung diesen Kampf bestreiten, der vielleicht die letzten Hoffnungen auf Erhalt ■der obersten Kliasse verspricht. Der Altmeister SG Eckenheim empfängt den Tabelenzweiten und Neuling Dettingen, der sich überraschend gut geschlagen hat und den Gastgebern seit Jahren erstmals eine Niederlage in der Vorrunde beibrachte. Dieser überraschende Sieg wird in Frankfurt sicherlich nicht wiederholt werden können. Ein Sieg der Eckenheimer würde gleichzeitig die Meisterschaft für die Männer um Max Leichter bedeuten. In Groß-Zimmern tritt die Staffel von Eiche Hanau immer noch ersatzgeschwächt an und dürfte um eine Niederlage nicht herumkcmmen.

Die Paarungen der Landesliga: Kostheim—SG Arheilgen, SKG Sprendlingen— Darmstadt 1910, KSV Neu-Isenburg—SKG Ober-Ramstadt, Wiesbaden, frei.

In der Landss'liga Süd dürfte die Meisterschaft in diesem Jahr zwischen den beiden Gegnern des Wochenendes zu suchen sein. Die Gastgeber, die in Darmstadt die einzige Niederlage bekamen, werden alles aufbieten, um im Rückkampf Revanche zu nehmen. Der Sieger dieser Begegnung ist der Meisterschaft einen großen Schritt nähere .Die Gäste besitzen zweifellos in den unteren Klassen ein kleines Plus, das jedoch die Mannschaft der SKG Sprendlingen in den oberen Klassen, ausgleichen dürfte. Die Darmstädter, die diesen Kampf mit ihrer stärksten Mannschaft bestreiten, fahren am ■Sonntag, 8.45 Uhr, ab Theaterplatz. Schlachtenbummlern ist Gelegenheit gegeben, die Mannschaft zu begleiten. Die Aufstellung: Geron, Ditter K., Ditter H., Winkel, Schäfer, Trüber, Veith sen. und Veith jun. Die SG Arheilgen trifft in Kostheim auf einen Gegner, der auf eigener Matte noch unbesiegt ost. Der Vorkampf ging zwar knapp für 'die Vorstädter gewonnen, doch sollte die eigene Matte für die Gastgeber ein Plus bedeuten. Eine Punkteteilung wäre für die Gäste ein großer Erfolg. Die Staffel der SKG Ober-Ramstadt, die einen mächtigen Auftrieb zu verzeichnen hat, bestreitet in Neu-Isenburg einen schweren Kampf. Man ist geneigt, nach dem Unentschieden des Vorkampfes auch bei neuerlicher Begegnung diese Voraussage zu treffen, zumal bei den Gastgebern der deutsche Ex-Meister Euler nicht mit von der Partie ist. -eri-

Darmstädter Fechtclub in Aschaffenburg

Am Sonntag fährt der DFC 1890 zum fälligen Rückkampf nach Aschaffenburg zum dortigen Turnverein. Den Vorkampf in Darmstadt im September konnten die Herden des DFC sicher gewinnen und der Rückkampf dürfte ebenfalls wieder die Darmstädter als Sieger sehen. Die Damen des DFC haben dagegen eine Scharte auszuwetzen. da der Vorkampf 8:8 endete und die erhaltenen Treffer den Ausschlag für Aschaffenburg gaben. Ob ein Sieg gelingt, wird die Tagesform entscheiden.

Mannschaftsaufstellung: Herren - Fl o. rett: Melcher, Haun, Weicker, Dr. Vix, Schreher und Leicht; Damen- Florett: Frau Haun, Frau Getrost, Frl. Niebel und Frau Schreher. -icke-

Nach einer dpa-Meldung ist das Stuttgarter Neckar-Stadion für den Länderkampf gegen die Schweiz bereits ausverkauft. ehe der Vorverkauf begonnen hat. Sämtliche Karten sind bereits fest vorbestellt.

In der gleichen dpa-Meldung jheißt es dann, daß in den letzten Tagen in allen Städten des Bundesgebietes die Plakate für das Länderspiel angeschlagen werden (Anmerkung der Redaktion; Wozu die Ausgabe für die Plakate, wenn alle Plätze bereits vor Beginn des Vorverkaufs vergriffen sind? Mit dem Geld, das für diese Plakatierung aufgewendet wird, hätte der DFB marehem kleinen Verein eine Unterstützung zukommen lassen können).

Wohin zum Wochenende?

Samstag: 20 Uhr Basketball Oberliga BC Darmstadt—Tß Heidelberg. Bereits ab 18 Uhr Spiele der Schüler, Frauen und Jugend (Quatermaster School). — 20.30 Uhr Ringen Oberliga SV 98 gegen Germania Hösbach (Goetheschule). Sonntag: 10.45 Uhr Hockey Herren, TEC—RK Rüsselsheim, 9.45 Uhr Damen (Böllenfalltor). 14.30 Uhr Fußball-Kreisklasse Union Bessungen— Nieder-Beerbach (Rennbahn).

Die Sendeprogramme vom 12. bis 18. November 1950

Hessischer Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)

Mittelwelle: 208,47 m (1439 kHz)

UKW-Sender: Feldberg 92,9 MHz, 3-m-Band

Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der

hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.

Sonntag, 12. Nov. 6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Katholische Morgenfeier 9.15 Elisabeth von Thüringen 9.30 „Der Friede wird geboren" Ein Hörbild 10.00 Klaviermusik von Mozart und Chopin 10.30 Frankfurter Gespräch 11.15 Unterhaltungs-Matinee 13.00 Musik nach Tisch 14.30 „Was wollt Ihr wissen?" Unsre Kinderpost 15.00 Aus dem Tagebuch Ihres Senders 15.15 Die Stunde des Chorgesangs 15.45 Kriegsgefangenen- und Heimkehre enrogramm 16.00 Sport und Musik 17.00 Tanztee mit Willy Berking 17.45 Die Grafen von Rieneck 18.00 Qrchester der Welt Es spielen die Wienei Philharmoniker 20.00 Unser Sonntagabend 22.10 Sportberichte 22.25 Drei weibliche Temperamente und Chanson 23.00 Tanzmusik

Montag, 13. Nov. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Heimkehrer-Meldungen 11.15 Schulfunk 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau anschl. Musik 14.15 Schulfunk Wolfgang Amadeus Mozart 14.45 Kindersuchdienst 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Berühmte Opernchöre 16.45 Die Flucht, Erzählung 17.00 Humor in Volkslied und Volksmusik 18.00 Hallo, Hilversum! 18.30 Zum Feierabend 20.00 Die kühne Operation Hörspiel 21.05 Unterhaltungsmusik 21.45 Probleme der deutschen Politik 22.15 Kompositionen von Hans Vogt und Carl Ehrenberg 23.00 Briefmarkenplauderei 23.15 Zärtliche Melodien

Dienstag, 14. Nov. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Heimkehrer-Meldungen 11.15 Schulfunk Wolfgang Amadeus Mozart 12.00 Musik am Mittag 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Schulfunk Minna von Barnhelm Nathan der Weise 14.45 Kindersuchdienst 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Romanische Orchester und Opernmusik 17.00 Bücherstunde 17.15 Böhmisches Liederspiel 18.00 Alltägliche Fragen einer ärztlichen Kinderpraxis 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.25 Intime Musik 20.00 „Mein Herz ist in Musik verliebt“ 22.15 Das Abendstudio

Mittwoch, 15. Nov. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 8.15 Volkstümliche Klänge 9.05 5 Minuten Außenhandel 9.10 Alte und neue Musik für Sopran, Blockflöte und Klavier 9.45 Heimkehrer-Meldungen 11.15 Schulfunk 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Beschwingte Musik 14.00 Virtuose Stücke 14.15 Schulfunk 14.45 Musik an zwei Klavieren 15.05 Ein Ständchen für die Hausfrau 15.25 Hoppla, die Purzel sind da 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Der Dichter u. sein Werk 16.15 Nachmittagskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Für unsere Studierenden 18.20 Musik zur Dämmerstunde 20.00 Oeffentliches Sinfonie-Konzert 22.15 Filmrevue aus aller Welt 23.00 Willy Berking spielt

Donnerstag, 16. Nov. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Heimkehrer-Meldungen 11.15 Schulfunk 12.00 Musik am Mittag 13.00 Unterhaltsame Musik ' 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Schulfunk: Kapp-Putsch 14.45 Heimkehrer-Suchdienst 15.15 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Nachmittagskonzert 16.50 Was Frauen interessiert 17.00 Das vergessene Lied 18.00 Hörerlieblinge .18.30 Musik am laufenden Band 20.00 „Gut aufgelegt" 21.00 Blick auf Europa 21.10 Geza Anda spielt Klavierwerke 21.45 Passiert — Glossiert 22.15 Den Freunden der Dichtung 22.45 Nachtkabarett 23.00 „Rhythmus der Welt“

Freitag, 17. Nov. 5.30 Musik für Frühaufsteher en 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Heimkehrer-Meldungen 9.55 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 11.15 Schulfunk: Kapp-Putsch 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 14.00 Kulturelle Wochenscnau 14.15 Schulfunk: Der Markt 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Solistenkonzert 16.45 Für junge Menschen 17.00 Oberhessische Bauernhochzeit 17.40 „Am Rande bemerkt“ 18.00 Funk-Feuilleton 18.15 Konzert für die Jugend 20.00 Melodien aus Kalman-Operetten 20.45 Offenbachiana: „Die verwandelte Katze“ 22.15 Tanzpotpourri mit Willy Berking 23.00 Walter Mehring: Werk und Persönlichkeit 23.25 Der Jazzclub

Samstag, 18. Nov. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Volkstümliche Klänge 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Heimkehrer-_.xeidungen 10.00 Kindersuchdienst 11.15 Schulfunk: Das Hörspiel 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Unterhaltsame Musik 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen Hessenrundschau 14.15 Vergnügen mit Musik 15.00 Durch die weite Welt Luxemburg 15.15 Volkstümliches Wissen 15.45 Deutsche Fragen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 Familie Hesselbach 18.00 Recht für Jedermann 18.15 Musik für Alt und Jung 20.00 Eintritt frei! Eine heitere Stunde 21.00 In diesen Tagen 21.10 Funk-Karussell 22.10 Sportergebnisse 22.20 Musik der Heimat 23.00 Tanz zum Wochenende

UKW-Programm des Hessischen Rundfunks

18.00 Kleine Abendmusik 18.45 Das Neueste vom Sport 18.55 Unseren jüngsten Hörern zur guten Nacht 20.00 Die Frau des Potiphar Hörspiel 20.45 Musikalisches Intermezzo 21.02 Moderne Tanzmusik 22.10 Sportberichte 22.25 Programm der Mittelwelle

18.00 Kleine Abendmusik 18.10 „Maria Franziska de Voewina“ 18.55 Unseren jüngsten Hörern zur guten Nacht 20.00 Von Honolulu bis Tahiti 20.45 Die Zeit am Mikrophon 21.02 Johann Sebastian Bach 21.45 Skizzen von Peter Scheer 22.15 Programm der Mittelwelle

18.00 Kleine Abendmusik 18.30 Raketen und Planeten 18.55 Unseren jüngsten Hörern zur guten Nacht 20.00 La Boheme Oper in 4 Akten von Giacomo Puccini 22.15 Programm der Mittelwelle

18.00 Kleine Abendmusik 18.40 „Die Kinder sollen’s besser haben“ 18.55 Unseren jüngsten Hörern 20.00 „Es war in Schöneberg“ Erinnerungen an Walter Kollo 21.02 Rhythmische Klänge 21.30 Claudel und Gide 22.15 Programm der Mittelwelle

18.00 Kleine Abendmusik 18.40 Schwälmer Liesl, hebs Fissl 18.55 Unseren jüngsten Hörern zur guten Nacht 20.00 Orchesterkonzert 21.02 Tanzmusik 21.30 Die Romantik 22.15 Programm der Mittelwelle

18.00 Kleine Abendmusik 18.30 „Auch Tiere helfen einander“ 18.55 Unseren jüngsten Hörern 20.00 Tanzmusik für alt u. jung 20.45 „Soll die Frau den Mann verwöhnen?“ 21,02 Musik aus Italien 21.30 Gehirnoperation 22.15 Programm der Mittelwelle

18.00 Kleine Abendmusik 18.55 Unseren jüngsten Hörern zur guten Nacht 20.00 Sinfonie-Konzert 21.30 Kabarett zu Zweien 22.10 Sportergebnisse 22.20 Programm der Mittelwelle

Südwestdeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) 195 m (1538 kHz)

(Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)

Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr 22.00, 24.00 Uhr

12.20 Mittagskonzert 13.30 Opernmelodien 14.15 Frohe Melodien 15.00 Kinderfunk 15.30 Viel Musik und wenig Worte 17.00 Sinfonie-Konezrt 18.30 Sportberichte 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Das Südwestfunk-Unterhaltungs-Orchester 21.30 Schlager-Intermezzo 22.15 Sport und Musik 23.00 „Im Rhythmus der Freude"

12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Mächte und Gestalten um Christus 15.00 Tanztee 16.30 „Lorelei“ 17.30 Für die Bücherecke der Familie 18.20 Aus der Welt des Sports 20.00 Sendung neuer Schallplatten 21.00 „Der Bajazzo“ Drama von Leoncavallo 22.20 Klaviermusik

12.20 Mittags-Konzert “ 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Wir jungen Menschen 15.00 Für die Schuljugend 15.15 Sang und Klang im Volkston 16.00 Sinfonie-Konzert 17.00 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Volksmusik u. Chorgesang 20.30 Hörspiel: „Protokolle der Familie F." 22.30 Musik der Welt 23.30 Jazz 1950!

12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Künstliche Verkehrswege 15.00 Nachmittagskonzert 17.10 Sang und Klang im Volkston 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Das große Unterhaltungs-Konzert 21.40 „Also wissen se nee!“ 22.20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio: Nerval, der chimärische Vagabund 23.00 Tanzmusik

12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingen 15,45 Lyrik der Zeit 16.45 Carl Hauptmann, 17.00 Klaviermusik 18.20 Jugend spricht zu Jugend 13.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Ein Lied geht um die Welt“ 21.00 „Dr. Katzenbergers Badereise“, Hörfolge 22.30 Konzert 23.30 Musik zur Nacht

12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Dichtung der Gegenwart 15.00 Musik am Nachmittag 16.00 Solisten-Konzert 16.45 Unterhaltungs-Konzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 20.45 Elternsorgen - Jugendnöte 21.00 Die großen Meister 22.30 Neue Musik für zwei Klaviere 23.30 „Schweizer Humor“

12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Wir jungen Menschen 14.30 Allerhand Schlager 15.00 Aus der Welt der Oper 16.00 Die Reportage 16.30 Unser Samstagnachmittag 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Drei Walzer“, Operette von Robert Gilbert 22.15 Sportrundschau 22.30 Der SWF bittet zum Tanz

Süddeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 523 m (574 hHz)

(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)

Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00,.12.45 Uhr 17.55, 19.45,21.45, 23.45 Uhr -r» nn 'n r :T. — TL T «rt IO Afi 1c i V O ITVT i♦t D 0

12.10 Musik am Mittag 13.00 Frisch vom Plattenteller 13.30 „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ 14.00 Stunde des Chorgesangs 14.30 Kinderfunk, Hörspiel: 15.00 Operettenmelodien 16.00 In Dur und Moll 17.00 „Kain lebt!“ Ein Hörspiel 18.00 Friedrich Smetana, 18.20 Das - Unterhaltungs-Orchester 20.05 Giacomo Puccini, Mensch und Werk 22.00 Klaviermusik

12.00 Musik am'Mittag 15.00 Schulfunk 15.30 Kinderfunk: Basteln 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Konzertstunde 18.25 Volkstümliche Lieder 20.05 Musikalische Abendunterhaltung 21.15 Rendezvous am Montagabend 22.05 Zeitgenössische Musik 22.45 „Jäh verlodei-te Flamme“ 23,15 Äus klassischer Zeit

12.00 Musik am Mittag 15.00 Schulfunk: „Der Volksfeind" von Ibsen 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Kleines Konzert 18.20 Klänge der Heimat 20.05 „Land ohne Musik“ Eine Operette von Ernst Fischer 22.05 Ludwig Spohr, Duo für Violine und Bratsche 22.30 Erich Ponto liest Jean Paul 22.50 Die Rundfunktanzkapelle

12.00 Musik am Mittag 14.00 Unterhaltungsmusik 14.30 Kinderfunk 15.00 Schulfunk 16.00 Von Dichtern und Dichtung 16.15 Konzertstunde 17.00 Für Eltern und Erzieher 17.15 Volksweisen aus aller Welt 18.20 Musik zum Feierabend 20.05 „Der lebende Leichnam“ Ein Drama von Leo Tolstoi 21.05 Selten gehörte Musik 23.00 Orchesterkonzert

12.05 Musik am Mittag 15.00 Schulfunk 16.00 Kaffeestunde für die Hausfrauen 17.10 Kleines Konzert 18.25 Schöne Opernmelodien 20.05 Ein Bunter Abend 22.05 Einführung in die Bachsche Klaviermusik 22.35 Chormusik 23.00 „Kulturgeschichte als Kultursoziologie“ ■ 23.30 Johannes Brahms 3 Intermezzi u. Rhapsodie 23.50 Nacht-Feuilleton

12.00 Musik am Mittag 15.00 Schulfunk, Geschichte: Vater ist arbeitslos 1530 Kinderfunk Lustige Musikstunde 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Froh und heiter 18.20 Musik zum Feierabend 20.05 Symphoniekonzert 21.05 Organismus Großstadt 22.05 Tanzmusik 22.45 Die Schmunzelecke 23.15 Zur Unterhaltung

12.00 Musik am Mittag 15.00 Unsere Volksmusik 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Filmprisma 17.00 Vom guten das beste 17.15 Das Orchester Heinz Hoffmann-Giev'e 18.20 Kleines Konzert 20.05 Frohes Raten — gute Taten 20.45 Wie Sie wünschen 22.05 Die schöne Stimme 22.30 Das Kammertanzorchester Hans Conzelmann 23.00 Melodie zur Mitternacht

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Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 11. November 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Uhr Bessunger Kirche; 17.30 Martinstift; 20.00 Johannesgemeinde, Elisabethenstift, Paulus¬ kirche (mus. Vesper). Sonntag, den 12. November 1950 Bessunger Kirche: 9.30 Hgd.; 12.00 Tgd.; 14.30 Kgd. Pfarrer Mappes; Mi. 15. 11.: 20.00 Bibelstunde/Gem.Haus Pir. Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd. Pfr. Knodt. Ver. Martinsgemeinde: 100.00 Hgd. O.Ki.Rat Dr. Berger; 11.15 Kgd./Martinstift, Pfr. Köhler; 11.15 Kgd./Gem.-Haus, O.Ki.Rat Dr. Berger; 17.00 Abdgd., Pfr. Wiemann. Matthäuskirche: 9.30 Hgd.; 10.45 Kgd. Pfr. Ring; Do„ 16. 11.: 20.15 Bibelstunde. Johannesgemeinde: 9.30 Hgd. Einf. d. bd. Gem.Pfr. durch Propst Rau; 11.00 Kgd.; Mi., 15. 11.: 20.00 Abdgd. Pfr. Jaeschke; Fr., 17. 11.: 20.00 Bibelstd. Pfr. Orth; Sa., 18. 11.: Ge: meindebazar; jed. Morgen 7.30, Do. 6.45 und 7.30 Morgengeb. Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd. Pfr. Rathgeber; Mi., 15. 11.: Abendgd. Pauluskirche: 9.30 Hgd. Pfr. Britz; 11.00. Kgd. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abdm.; 11.00 Kgd. Stadtmission, MUhlstraße 24: 8.30 Gebtsstd.; 11.00 Kgd.; 15.30 Evangelisation; Di.: 15.30 Frauenbstd.; 19.30 Jgdbd. f. EC.; Do.: 20.00 Bibelstd. Da.-Eberstadt: 7.30 E.M.; 9.45 Hgd.; 11.15 Kgd. Da.-Arheilgen: 10.00 Gd.; 11.15 Kgd.; 14.00 Gd. i. d. Schloßk. Kranichstein; 15.00 Landeskirchl. Gemeinschaft; Di., 14. 11.: 20.00 Männerabend; Do., 16. 11.: 20.00 Gemeindebibelstde. Eschollbrücken: 14.00 im Gemeindehaus, Liebfrauenstr. 6, Got¬ tesdienst mit Feier d. hl. Abendm. für Gehörlose, Pfr. Dr. Uhrig. Katholische Gottesdienste Sonntag, den 12. November 1950 St. Ludwig (Nied.-Ramstädter Str. 30): 6.30 Frühmesse; 8.00 Hochamt anl. des ö7jährig. Stiftungsfestes des KKV „Constan-

tia" mit Generalkomm, der Mitgl.; 9.30 Hochamt (der Pfarrei) mit Pred.; 11.00 Studentengd. m. Pr.; 18.00 Andacht. - Werk¬ tagsgd.: tägl. 6.45 und 7.30 hl. Messe; Beichte: Samstag 18 bis 20.00 liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pr.; 8.15 Hochamt m. Pf.; 10.00 Kgd. m. Anspr.; 18.30 Andacht. — (Werktags: tgl. 6.30 hl. Messe; Di., Mi., Fr. und Sa. 2. hl. Messe 8.05; Do.: 19.00 Jugend- und Kindermesse; jed. Mi. 8.05 Gemeinschaftsmesse für die Frauen.) St. Elisabeth: 6.30 Frühm.; 7.45 Singm. m. Pr. u. Komm, der Männer, danach Vers. d. Männerwerkes; 9.00 Kdg.; 10.45 Andacht; Sa.: 16.30 bis 18.30 und 20.00 Beichtgel.; Firm¬ unterricht; Sa., 11. 11.: 14.30 Knaben, 15.30 Mädchen. St. Fidelius: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schwestern (Feldberg¬ straße 32); 6.45 Beichte; 8.00 feierl. Levitenamt m. Festpr. u. Generalkomm, des akt. u. inakt. Kirchenchors; 8.00 Hoch¬ amt m. Pr. u. Komm, in Weiterstadt; 10.00 Singm. m. Pr. und Komm.; 17.00 Kirchenmus. Weihestunde. (Werkt.: 6.30 u. 7.30 hl. Messen; Sa.: 17.00 bis 19.00 und 20.00 Beichte, sonst vor jd. hl. Messe). Da.-Eberstadt: 7.30 Gemeinsch.Messe d. Männer m. Anspr. und Monatskomm.; 9.45 Hochamt m. Pr.; 15.00 Firmst, d. Kind.; 18.00 Abendand. m. S.; 20.00 Männervortr. i. Schwesternhaus; (Werktags: 7.00 Amt oder hl. Messe; Sa,: 16.00 bis 18.30 Beichtgelegenheit.) Da.-Arheilgen: 7.00 hl. Messe; 8.30 Kgd.; 9.45 Hochamt; 20.00 Andacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Curch of Christ, Scientist), Taunusstr. 40: Sonntagsgottes¬ dienst 14.30. — (Mi. 18.30 Zeugnisversammlung). Christengemeinschaft, Herdweg 31 So. 10.00, Di. 7.00, Mi. und Sa. 8.00 Menschenweihehandlg.; Do. 19.30 Einführungsabend. Sa. 19.30 Chorkonzert m Werken v. Joh. Seb. Bach (Ludwig I Rauch, Frankfurt). So. 19.30 Kammer-Konzert m. Werken v. Joh. Seb. Bach (Lotte । Seeger, Eleanor Day, Matthäus Reisch).

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Wahlversammlungen der CDU 1. Montag, den 13. 11. 1950: 20 Uhr im Concordiasaal, Adelungstraße. — Redner: Ehemaliger Ostzonen-Versorgungsminister Grosse. Kandidat Georg Brust. 2. Dienstag, den 14. 11. 1950: 20 Uhr. in der Gaststätte Arnold, Bismarckstraße. Redner: Kandidat Georg Brust und Bürgermeister a. D. Köhler. 3. Mittwoch, den 15. 11. 1950: 19.30 Uhr, in der Gaststätte Paprika, St.-Stephan-Siedlung. Redner: Kandidat Georg Brust und Bürgermeister a. D. Köhler; 4. Mittwoch, den 15. 11. 1950: 20 Uhr. in der Gaststätte Harmonie, Darmstadt-Eberstadt. Redner: Louis M a r x , M. d. L. und Kandidat Georg Brust. 5. Donnerstag, den 16. 11. 1950: 20 Uhr, in der Gaststätte Ritter Georg, Ludwigshöhstraße. Redner: Kandidat Georg Brust und Bürgermeister a. D. Köhler. 6. Freitag, den 17. 11. 1950: 20 Uhr, in der - Ebert-Schule, Heimstätten-Siedlung. 7. Samstag, den 18. 11. 1950: 20 Uhr, in der Stadthalle Darmstadt. Redner: Finanzminister Dr. Werner Hilpert und Kandidat Georg Brust.

Amtliche Bekanntmochungen Bekanntmachung Oie Schwimmhalle im städt. Hallenschwimmbad ist ab sofort jeden Montag von 19.00—20.00 Uhr für den öffentlichen Badebetrieb gesperrt und steht während dieser Zeit ausschließlich den Schwerkriegsbeschädigten zur Verfügung. Darmstadt, den 10. November 1950 Städt. Badeverwaltung AMTSGERICHT DARMSTADT Neueintragungen: Für Angaben in ( ) keine Gewähr HRA. 966. 2. November 1950 Parkhotet Aachener Hof Inh. Claire Merz, Darmstadt (Rheinstraße 41). Geschäftsinhaber ist .Claire Merz geb. Becker, Hotelbesitzerin, Darmstadt. HRA. 967. 3 November 1950. Philipp Vetter, Textilwaren, Pfungstadt (Pfarrgasse 37). Inhaber: Philipp Vetter, Kaufmann, Pfungstadt. Erloschen: HRA. 354. 3. November 1950 Menachem Wosk, Darmstadt. Das Geschäft wurde in die ~M. Wosk-Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ eingebracht. Die Firma ist erloschen. Veränderung: HRB. 100. 4 November 1950. Wa-Be-Häuserbau Gesellschatt mit beschränkter Haftung. Sitz: Darmstadt. Durch Gesellschafterbeschluß vom 8. August 19'50 ist die Gesellschaft aufgelöst. Der bisherige Geschäftsführer Willi Becker in Darmstadt-Eberstadt ist zum Liquidator bestellt. Amtsgericht Darmstadt Abt. 8.

Bekanntmachung Betr.: Aufbaugesetz vom 25. 10. 1948; hier: Offenlegung des Fluchtlinienplanes der Gemeinde Wald-Michelbach bezügl. Aenderung und Neufestsetzung der Straßen- und Baufluchtlinien in der Verlängerung der LudwigstraOe in Wald-Michelbach. Der von dem Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreistag des Landkreises Bergstraße am 26. Oktober 1950 beschlossene

Fluchtlinienplan der Gemeinde Wald-Michelbach, Verlängerung der Ludwigstraße in der Gemarkung Wald-Michelbach, liegt 14 Tage lang vom Tage der Veröffentlichung der Bekanntmachung auf der Bürgermeisterei in Wald-Michelbach zu jedermanns Einsicht offen. Mit der Offenlegung dieses Fluchtlinienplanes wird gleichzeitig die Aufhebung der alten Straßen- und Baufluchtlinien bekanntgegeben. Einwendungen gegen den Fluchtlinienplan können, gehörig begründet, innerhalb einer Frist von 3 Wochen, vom Tage der Veröffentlichung an gerechnet, bei dem Kieisausschuß des Landkreises Bergstraße in Heppenheim — Landratsamt — schriftlich über den Bürgermeister der Gemeinde Wald-Michelbach erhoben werden. Die Offenlegung hat die Wirkung, daß Neubauten, Aus- und Umbauten über die Baufluchtlinie hinaus untersagt sind. (§ 8 Absatz 5 Aufbaugesetz vom 25. 10. 1948, GVBI. S. 139.) Heppenheim, den 28. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße

Bekanntmachung Betr.: Aulbauhilfe (Existenzaulbau) 11. Zuweisung — Meine Bekanntmachung vom 27. 9. 1950 — Im mache die an dem Erhalt einer Aufbaultilfe Interessierten darauf aufmerksam, daß die Frist für die Einreichung von Anträgen auf Gewährung von Aufbauhilfe (Existenzaufbau) am 13. November 1950 abläuft. Anträge, welche nach diesem Termin bei mir oder der zuständigen Bürgermeisterei eintreffen, können im Rahmen der Verteilung der Geldmittel aus der 11. Zuweisung nicht mehr bearbeitet werden. Heppenheim, 8. November 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße

Bekanntmachung Betr.: Aufbaugesetz vom 25. 10. 1948; hier: Offenlegung des Fluchtlinienplanes der Gemeinde Rimbach/Odw. für die verlängerte Annastraße in Rimbach. Der von dem Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreistag des Landkreises Bergstraße am 26. Oktober 1950 beschlossene Fluchtlinienplan der Gemeinde Rimbach/Odw. liegt 14 Tage lang vom Tage der Veröffentlichung der Bekanntmachung auf der Bürgermeisterei in Rimbach zu jedermanns Einsicht offen. Mit der. Offenlegung dieses Fluchtlinienplanes wird gleichzeitig die Aufhebung der alten Straßen- und Baufluchtlinien bekanntgegeben. Einwenoungen gegen den Fluchtlinienplan können, gehörig begründet, innerhalb einer Frist von 3 Wochen, vom Tage der Veröffentlichung an gerechnet, bei dem Kreisausschuß des Landkreises Bergstraße in Heppenheim — Landratsamt — schriftlich über den Bürgermeister der Gemeinde Rimbach/Odw. erhoben werden. Die Offenlegung hat die Wirkung, daß Neubauten, Aus- und Umbauten über die Baufluchtlinie hinaus untersagt sind. (§ 8 Absatz 5 Aufbaugesetz vom 25. 10. 1948, GVBI. S. 139.) Heppenheim, den 28. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Dienstnachrichten Herr Dr. Horst Schreiter wurde mit Wirkung vom 1. 11. 1950 zum Fleischbeschauer für den Bezirk Hirschhorn bestellt. Betreffend: Dienstjubiläum von Feuerwehrleuten Für ununterbrochenen, treuen und aufopfernden Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr Steinbach habe ich dem Oberfeuerwehrmann Johann Ihrig anläßlich seines 40jährigen Dienstjubiläums und den Oberfeuerwehrmännern Johann Kaffenberger und Jakob Haas anläßlich ihres 25jährigen Dienstjubiläums Anerkennung und Dank ausgesprochen. Erbach, den 8. November 1950. Dtr Landrat

Betreffend: Beratungsstelle für „Menschen in seelischer Not" findentäamte Beratun£SStunde ,ür »Menschen in seelischer Not" Dienstag, dem 14. November 1950, 14.30 Uh- im Kreisgesundheitsamt Erbach statt. Erbach, den 8. November 1950 Der Landrat

Ins AVBI. Betr.: Die deutsche Arzneitaxe; hier: Aenderung des seitherigen Festpreises in einen Höchstpreis. Die deutsche Arzneitaxe in der am 15. 8. 1947 geltenden Fassung war nach § 2 Ans. 1 Ziffer 5 der Anordnung über Preisbildung und Preis-Überwachung nach der Währungsreform vom 25. 6. 1948, WiGBR S. 61 als Festpreisvorschrift anzuwenden. Durch die Verordnung vom 27. 7. 1950 Pr 47'50 ist dieser Festpreis in einen Höchstpreis umgewandelt worden. Erbach, den 8. November 1950. Der Landrat des Kreises Erbach.

Bekanntmachung Der Hessische Minister des Innern hat gemäß § 16 Abs. 1 des Gesetzes über die Wahlen zum Landtag des Landes Hessen (Landestagswahlgesetz) vom 18. 9. 1950 Herrn Landrat Neff zum Wahlieiter des Wahlkreises 46 Erbach/Odenwald und Herrn Regierungsrat Zörgiebel zum Stellvertreter ernannt. Dem gemäß § 17 des Landtagswahlgesetzes vom 18. 9. 1950 nach Anhörung der örtlichen Parteileitungen gebildeten Kreiswahlausschuß des Wahlkreises 46 gehören an: als Beisitzer: Georg Grasmück, Michelstadt; Jakob Stock, Erbach; Albrecht Glenz, Erbach; Dr. Kurt Petzel, Beeffelden; Wilhelm Jäger, Ober-Mossau; Walter Jakobs, Erbach; als Schriftführer: Kreis-Verw.-Insp. Leidermann. Erbach, den 9. November 1950. Der Landrat — Kreiswahlleiter.

Von Sonntag, den 12. November, bis einschl. 19. November 1950 finden Evangelisations-Vorträge statt in der Technischen Hochschule (Eingang Hauptportal) jeweils abends um 20.00 Uhr Thema: Das völlige Heil in Christo Eintritt frei! Keine Kollekte!

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Darmstädter Tagblatt an Sonntag Sonntag, 12. November 1950

Der 1950 er ist im Faß: „Unterstützt auch den kleinen Winzer !“


Aufnahme: PHif©
Aufnahme: PHif©

Grenzgang der Darmstädter Stadtväter

BEOBACHTETES UND ERLAUSCHTES BEI DER DIESJÄHRIGEN VERANSTALTUNG

Jedes Jahr, wenn der Kalender den letzten Freitag des Oktober anzeigt, wenn die Natur ihr herbstliches Kleid angelegt hat und die Erde betörend duftet, brechen die Stadtväter von Darmstadt zu ihrem traditionellen Grenzgang auf. Zum ersten Male vor 344 Jahren, also im Jahre 1606. In jener Zeit — so berichtet die Chronik — waren die Grenzgänge noch eine ernste Angelegenheit, und zwar in erster Linie deshalb, weil die Stadtväter peinlich darauf achteten, daß die Grenzsteine nicht etwa im Verlauf des letzten Jahres von bösen Nachbarn versetzt worden waren. In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich daraus die beliebten herbstlichen Wanderungen unserer Stadtväter. In fairem Wettstreit versuchen jedes Jahr die Stadtteile Arheilgen und Eberstadt, die Grenzgänger in ihre Gemarkungen zu locken, ihnen einen schönen Tag zu bereiten und manche nette Überraschung zu bieten. In diesem Jahr war Eberstadt der Ausgangspunkt des Grenzganges . . .

Das Wetter war diesig. Leichte Schneefälle wechselten mit Nieselregen ab. Von zeitweiser Aufheiterung, wie es im Wetterbericht stand, war nichts zu sehen. Heiter und aufgehellt waren aber die Mienen der Wandernden. Die Führung hatte Amtmann D ä c h e r t und Oberinspektor M e r c k e 1 (beide Eberstadt) übernommen. Nach einem kurzen Verweilen an der Eberstädter Kirche, deren Geschichte Pfarrer Weißgerber jedem, der sie noch nicht kannte, anschaulich näherbrachte, bewegte sich der Zug in den Gemarkungsteil „Im Escholl". Als es von dort weiterging, diskutierte man eifrig über die Grenzbereinigung, die sich Eberstadt für sein „Industriegebiet" wünscht, das auf Pfungstädter Gelände steht. Einen tiefen Eindruck hinterließ die Kirchtannsiedlung, in der allein im letzten Jahr über 70 Wohnungen — aufgeteilt in Kleinhäusern und Wohnblocks — vornehmlich für Flüchtlinge und Evakuierte aus Darmstadt entstanden sind. Mit Stolz wies Amtmann Dächert darauf hin, daß in der Zukunft an dieser Stelle Darmstadts „Blumenstadt" erstehen würde.

Während des weiteren Marsches durch den verschneiten Wald sprach man hier und da noch über die letzte Stadtverordnetensitzung, erwog, wie man dieses oder jenes Projekt am besten und rationell sten zu Ende führen könne, schenkte bisweilen auch der Natur einen liebevollen Blick und unterhielt sich schließlich angeregt über die prophezeiten Überraschungen. Indessen näherte man sich dem Frankenstein, von dessen Kamm plötzlich Hörnerschall ertönte, der die Gespräche der Wandernden unterbrach und ihre Augen auf ein selten schönes Schauspiel lenkte . . .

Hinter verschneiten Hecken brachen, hoch zu Roß, der Junker vom Frankenstein (Friedel Fischer), seine stolze Gattin (Gisela Hildebrandt) und ein stattliches Gefolge von Edelleuteh und Knappen hervor, ritten den Berg hinab und hielten vor den verblüfften Stadtvätern, denen sie freundlich ihre Grüße, entboten . . . „Wohin des Wegs, — ihr Mämner und ihr Frau'n . . .?" Diese Rezitation, die viel

Beifall auslöste, wollte der Frankensteinerin, die — wie ihre Partner —ein echtes Kostüm trug, das das Landestheater zur Verfügung gestellt hatte, nicht' so recht von den Lippen, alldieweil ihr Gaul ein wenig störrisch war und Anstalten traf, seine süße Last gelegentlich auf den aufgeweichten Waldweg zu setzen. Gottseidank kam es nicht soweit...

Jedenfalls war nun der Zeitpunkt gekommen, da man sich den berühmten Eberstädter Wurstweck munden ließ und sich mit einem guten Kognak erwärmte. Klar, daß die Stimmung dabei von Minute zu Minute besser wurde, klar, daß man erst recht in Stimmung kam, als es dann im „Schweizerhaus" weiterging. (Wir haben bereits darüber berichtet.) Das Fazit: Den Grenzgang 1950 wird so schnell keiner, der mit dem Herzen dabei war, aus seiner Erinnerung verwischen können. Heinz Roth

Der Dorfteich und die neue Hose

SOLCHE GESCHICHTEN PASSIEREN BEI UNS

Der alte Dorfteich wird sich wundern, wenn er erfährt, daß er heute in der Zeitung steht. Aber er wird schmunzeln, wenn er die Geschichte liest. Er wird lachen, daß die Wellen über seine Ufer schlagen!

Im vergangenen Sommer badeten drei Pfadfinder im Teich. Sie schwammen, spritzten, tobten, daß selbst dem kühlen Teich warm ums Herz wurde. Dann krochen sie ans Ufer.

„Heiliger Strohsack!" schrie der eine. „Denkt euch, Leute, meine Klamotten sind geklaut!"

„Mach' keine Witze!" sagten die anderen. „Wie kann das sein?" Und sie suchten die Kleider wie eine Stecknadel: mit gleicher Gründlichkeit und gleiehern Erfolg. Denn die Kleider waren weg — einfach weg!

„Was sollen wir machen?" grübelten die Pfadfinder und suchten einen Pfad aus der Verlegenheit. „Heureka, ich hab's!" rief da der eine. „Es bleibt keine andere Möglichkeit — du mußt zum Bürgermeister. Er muß dir eine andere Hose geben, damit du wenigstens was um die Beine hast!"

Gesagt — getan: beim Bürgermeister klingelte die Klingel.

„Was gibt es?" steckte der Ortsgewaltige den Kopf durchs Fenster.

„Ich brauche dringend eine neue Hose, Herr Bürgermeister", sagte der Pfadfinder, „meine wurde mir beim Baden gestohlen!"

„Na, dann wollen wir mal sehen, was sich machen läßt", lächelte das Ortsoberhaupt und öffnete die 1 ür. „Hier in diesem Zimmer ist eine Wohlfahrtssteile. Die hat immer Hosen. — Ah, da sind ja schon die Hosen! Wie wär's mit dieser da?"

Dem Pfadfinder verschlug's die Sprache. Als er sie wiedergefunden hatte, keuchte er: „Um Gotteswillen, Herr Bürgermeister, woher haben Sie denn diese Hose? Das ist ja meine eigene!"

„Diese Hose", sagte der Ortsgewaltige und verbiß sich mühsam ein Lächeln, „diese Hoss brachte vor einer Stunde ein Mann und tauschte sie um, weil sie ihm zu klein war!"

*

Der Gemeinderat tagte. Herr Becker IV. schlug auf den Tisch des Hauses: „Meine Herren, die ganze Karpfenzucht geht uns ein, weil sich kein Mensch im Dorfe um die Fische kümmert und alles im Teich baden geht."

„Was sollen wir tun?" resignierte der Bürgermeister. „Wir haben doch ein Schild hingehängt: Das Baden im Teich ist wegen der Fischzucht streng untersagt. Die Ortspolizeibehörde."

„Ach was — verboten! Da muß energisch durchgegriffen werden!" trumpfte Becker IV. auf. „Das muß man ganz anders machen! Ich mache folgenden Vorschlag: "

Am anderen Tag hing ein neues Schild am Teich: „Vorsicht beim Baden! Der Teich enthält große Mengen an Gasterosteus Aculeatus!"

Seither hat kein Mensch mehr im Teich gebadet. Die Karp'fen gedeihen prächtig, bald kommt Weihnachten und Neujahr ....

„Ela, ha!" schmunzelte der Bürgermeister hinter seiner Flasche und blinzelte listig mit den Äuglein. „Ha, ha, dabei ist Gasterosteus Aculeatus nur der lateinische Ausdruck für Karpfen!" G. R.

Heimatgefühl

Von Clemens Brentano

Wie klinget die Welle, Wie wehet ein Wind! O selige Schwelle, Wo wir geboren sind!

Du himmlische Bläue, Du irdisches Grün, Voll Lieb und voll Treue, Wie wird mein Herz so kühn.

Wie Reben sich ranken Mit innigem Trieb, So, meine Gedanken, Habt hier alles lieb. Treib nieder und nieder, Du herrlicher Rhein, Du kommst mir ja wieder, Läßt nie mich allein.

Lorsch, kleiner Ort mit großer Vergangenheit

Es war an einem Sommertag. Der Bahnwärter, den ich nach dem Weg nach Worms fragte, riet mir, über Lorsch zu fahren. Der andere Weg sei zwar etwas kürzer; aber ich könnte es mir nicht entgehen lassen, das „Kloster" in Lorsch anzusehen. Obwohl man nach mehrtägiger Fahrradtour nicht gerade geneigt ist, größere Umwege zu machen, entschloß ich mich, seinem Rat zu folgen.

Am Eingang des etwa 8000 Einwohner zählenden Marktfleckens an der Weschnitz zog sich auf der linken Straßenseite eine Mauer am Bürgersteig entlang. Auf der Innenseite saß ein alter Mann. Etwa 30 Meter weiter erblickte ich eine Torhalle im Mosaikbau. Ich war nicht sehr verwundert, als mir plötzlich der alte Mann — der eben noch auf dem Mauerrand gesessen hatte — entgegentrat und sich anbot, mir etwas Näheres über den Bau der Karolingerzeit zu erzählen. Ohne meine Antwort abzuwarten, zog er mich durch eines der drei Tore ins Innere. Dann begann er zu erzählen. Er sagte alles dreimal, und ich merkte, daß ich nicht der erste war, dem er Aufschluß über den jahrundertealten Bau gab.

Im Jahre 764 ließ Karl der Große die sogenannte Königshalle bauen. 16 Langobarden, die er damals als Sklaven aus Italien mitgebracht hatte, arbeiteten daran. Die Nachbarortschaft Lampertsheim soll früher Langobardenheim geheißen haben; und es ist naheliegend, daß die Langobarden diesen Ort einstmals gründeten. Die Torhalle soll vornehmlich weltlichen Zwecken gedient haben. Durch eine Treppe an der rechten Seite gelangt man in einen großen Saal, in dem vor vielen Jahrhunderten Karl der Große seine Zusammenkünfte abgehalten haben soll. Als man in diesem Saal im Jahre 1936 eine neue Holzdecke einzog, bröckelte der Putz von den Wänden. Dabei traten Wandgemälde zum Vorschein, die im 8. Jahrhundert geschaffen sein dürften.

Etwa sechs Meter hinter der Torhalle erblickte ich die Ueberreste des früheren Klosters. Das Kloster wurde 764 gestiftet; zehn Jahre später geweiht. Nach dem Vorbild des Petersturmes in Rom war es in einer Länge von 165 Meter erbaut worden. Der gewaltige Bau fand seine Fortsetzung in zwei Mauern zu beiden Seiten in Richtung der Torhalle. Diese bildete den Abschluß nach vorn, so daß sich zwischen ihr und dem Kloster ein größerer Hofraum befand. In seiner Höhe soll der Turm des Klosters den Kölner Dom um 9 Meter überragt haben. Bis 2000 Benediktiner lebten damals im Kloster Lorsch. Hunderte berittener Soldaten standen dem Kaiser zur Verfügung.

Im Jahre 1621 wurde das Kloster zum erstenmal durch den spanischen General Cordoba zerstört; zum zweiten Male im Jahre 1689 von dem französischen Feldherrn, Grafen Melac, der damals auf Befehl Ludwigs XIV. die Pfalz verwüstete. Heute ist nur noch ein Teil des großen Kirchenbaues zu sehen. Ueber der Eingangstür befindet sich ein Fenster im gotischen Stil. Es wurde erst später eingesetzt. Neuerdings will man aus dem früheren Kloster wieder ein Gotteshaus machen. 38 Aebte fanden in Lorsch ihre letzte Ruhestätte; Ludwig der Deutsche, der Enkel Karls des Großen, ruht unter den Mauern des Klosters. An ihn erinnert noch eine Gedenktafel, die im Innern des Klosters zu finden ist.

„Zum Gedächtnis an König Ludwig den Deutsehen, Karls des Großen Enkel, DCCCLXXVI. Wie sein Sohn Ludwig DCCCLXXXII einst bestattet im Kloster Lorsch, wurde diese Tafel errichtet im Jahre Chr. MDCCCLXXVII, dem Siebenten des Neuerstandenen Deutschen Reiches."

Der Alte hatte seine Führung beendet. Mit einem zufriedenen Lächeln erzählte er mir noch, daß ich an diesem Tag der 89. Besucher war. Er setzte sich wieder auf den Rand der Mauer, und ich fuhr gen Worms, nicht bereuend, einen Umweg gemacht zu haben. Siegfried Löffler.

Frauen IM STURM DER ZEITEN

VON PETER GRIESENBRUCH

5. Fortsetzung ber bevor es die anderen erfahren, sollen Sie es von mir erfahren, Sie alter Griesgram, von dem ich doch weiß, wie sehr er mir ergeben ist. Meiner Mutter aber werde ich es selber schrei* ben. Sie wissen selbst am besten, wie wenig es mir das französische Volk verziehen hat, daß ich dem König keine Kinder geschenkt habe. Und ich .. . ich habe oft in meine Kissen geweint, wenn ich von den Maskenfesten heimgekehrt war, die Sie mir so wenig gönnen. Sind Sie jetzt zufrieden mit mir? Von dem Grafen Mercy ist aller Kummer ab* gefallen. So war es doch richtig, was er vorgeschla* gen hatte, so hat also die Unterredung des kaiser* liehen Schwagers bei seinem Besuch im Frühjahr mit dem König, diese offene Unterredung mit nahen Verwandten über ein heikles Thema, so hat sie doch den erhofften Erfolg gehabt; so war die winzige Operation, der sich der König unterzogen hat, doch dem Hause Bourbon und damit auch dem Hause Habsburg zum Heile ausgefallen. Nun, da die Königin Mutter wird, muß sich, wird sich sicherlich alles wenden .. “

Der Graf Mercy beugt sich tief über die Hand, die ihm die Königin entgegenstreckt: „Ich bin sehr glücklich, Majestät."

Hoffnung

Und wirklich, noch einmal scheint sich das Schicksal Marie Antoinettens zu wenden, wie es als Verein* samung und Verleumdung lautlos und tückisch herankriecht. Schon bei der Geburt einer Prinzessin vergießen die Pariser, die eben noch über die Königin gezischelt und gespottet haben, Tränen der Freude. Als sie dem König und dem Volke den ersehnten Kronprinzen schenkt, kennt der Jubel des Volkes keine Grenzen mehr. Die junge Mutter wird bei ihrem ersten Wiedererscheinen in der Oeffentlichkeit mit einer solchen Kundgebung der Begeisterung überschüttet, daß ihr das Herz höher schlägt. Und bald spürt sie im fröhlichen Herumtollen mit ihren Kindern größere Freude als in Bällen und im Karten* spiel um hohe Beträge; bald freilich verscheuchen auch die Sorgen der Mutter oft die Gedanken an Feste und Toiletten und Frisuren. Marie Antoinette beginnt sich langsam auf ihre Familie, auf sich selbst zurückzuziehen, und sie ist in der Stille glücklicher als in der nervösen Unrast ihrer früheren Zer* Streuungen. Wird das Erlebnis der Mütterlichkeit ausreichen, ihren innersten Kern zu Tage treten zu lassen, den eine oberflächliche Erziehung bisher hat verkümmern lassen? Wird sie auf diese Weise eine echte Königin werden, ein wahrer Verbündeter ihres Gatten und ihres Volkes?

Die Geschichte wird nicht geruhen, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Bevor es Marie Antoinette vergönnt wird, sich ganz als das zu entfalten, was sie selber ist, beleuchtet ein Blitzstrahl den Abgrund, vor dem sie immer noch steht. Vielleicht sind ihre Kinder zu spät gekommen.

Sechs, vielleicht nur drei Jahre früher . . . und die Welt um Marie Antoinette sähe anders aus. So aber ist ihr Ruf, der Ruf der Verschwenderin, der un* ersättlichen Vergnügungslüsternen, der schamlos Sittenvergersenen zu stark in den Herzen der Men* sehen geworden, die selber entweder verdorben sind oder zu viele Beispiele der Verdorbenheit vor sich sehen, als daß sie zögern könnten, von ihrer Königin das Schlimmste anzunehmen, da sie sich doch selber so oft ins Zwielicht begeben hat.

Vielleicht würde es noch gelingen, das Volk wieder daran zu gewöhnen, daß Marie Antoinette nur jung und lebenslustig und unklug war, und daß eine andere Marie Antoinette heranzuwachsen beginnt, daß sich langsam eine Verwandlung zur Reife voll* zieht. Aber da ist die Hofgesellschaft in Versailles; zu tödlich hat die Königin sie gekränkt, als sie nach Trianon ging und den alten Adel gleichgültig über* sah. Niemals wird er sich mit ihr aussöhnen. Von ihm aus gehen die Spottgedichte und die Schmähun* gen-weiter ins Volk. Da ist vor allem der Graf von Provence, der mittlere der drei Brüder, dessen ältester Ludwig der Sechzehnte ist. Der Graf von Provence hat in den Jahren der Kinderlosigkeit seiner Schwägerin sich an den Gedanken gewöhnt, er selber werde einmal die Krone Frankreichs tragen, wenn sein Bruder gestorben ist. Indem Marie Antoinette Mutter wurde, hat sie ihm seine schönsten Hoffnun* gen zerstört. Er wird es ihr nie verzeihen. Er ist das

Abend im Park

Haupt der Partei am Hofe, die Marie Antoinette haßt. Von ihm stammen die giftigsten Verse auf den Flugzetteln, er gibt das Geld zu ihrer Verbreitung. Niemand wird jemals wissen, mit welchen verborge* nen Gedanken er sich in diesen Jahren trägt, ob er bereits das furchtbare Ende seiner Schwägerin voraus* sieht und mit ihm als mit einer Hoffnung spielt. Sicher ist nur, daß Marie Antoinette am ganzen Hofe keinen ärgeren Feind hat als ihn und — ihre eigene Unbesonnenheit während der letzten Jahre.

Noch hüllt sie sich in süße Träume von Volks* tümlichkeit, wenn die Menge den kleinen Kron* prinzen und sie bei den Ausfahrten stürmisch begrüßt. Aber der Tag kommt bald, an dem sie erkennt, wie trügerisch dieser Jubel ist. Zum erstenmal erblickt sie den Abgrund, der sich zwischen ihr und dem Hofe, der sich zwischen ihr und dem Volke aufgetan hat. Zum ersten Male begreift die Königin von Frankreich, daß sie auf dem schönsten Throne Europas allein ist.

10. August 1784. Die helle Sommernacht spannt ihren Bogen über den Park von Versailles. Wie Schatten wirken Büsche, Hecken, Bäume in dem ungewissen Licht der Sterne.

Die Gänge des Parks entlang eilen zwei Menschen, geduckt, oft stehen bleibend und um sich spähend, sich immer entlang den Hecken haltend. Der eine, der vorangeht, ist eine Frau in weitem Mantel. Sie gibt offenbar die Richtung an, sie weist sie dem Manne, der ihr folgt, und einmal legt sie den Finger auf den Mund.

Aber der Mann weiß ohnehin, daß man schweigen muß, daß man sich auf keinen Fall verraten darf. Der schwarze Mantel verdeckt die hohe Gestalt fast völlig, aber wer ihr ganz nahe wäre, könnte darunter die violetten Strümpfe sehen.

Violette Strümpfe? Der Mann ist ein hoher Geist* licher, mehr noch, er ist Kardinal. Er ist der Prinz Ludwig von Rohan, Bischof von Straßburg, Mitglied eines der ältesten Adelsgeschlechter von Frankreich, ein ungläubiger, leichtfertiger und sittenloser Mensch, den der Papst seufzend und sehr gegen seinen Willen auf den Druck der Dynastien und des hohen Adels zum Kardinal gemacht hat, wie das in diesen Zeiten der Adelsherrschaft in Europa von Zeit zu Zeit geschieht. Und jetzt ist der Prinz auf dem Wege zu einem Stelldichein mit einer Dame — mit der Königin von Frankreich.

Als Rohan noch nicht Bischof war, hatte ihn der Großvater des jetzt regierenden Königs nach Wien als Botschafter gesandt. Aber dort hatte er durch die Anzahl seiner Abenteuer mit Frauen, seine Ver* schwendungssucht, seine kindische Eitelkeit und nicht zuletzt seine Dummheit den Zorn der Kaiserin Maria Theresia erregt, der unversöhnlich war. Und ihre Tochter, die Königin von Frankreich, hatte genug von ihrer Mutter gehört, um den Prinzen ebenso zu verachten wie es die Kaiserin tat. Marie Antoinette ist, wenn auch kein großer, so doch ein stolzer Charakter, treu in ihrer Liebe wie in ihrer Ab* neigung. Acht Jahre ist jetzt der Prinz zurück, acht Jahre ist er wieder auf Festlichkeiten und Empfän* gen — und acht Jahre hat ihm die Königin nicht ein leises Zeichen der Beachtung geschenkt, acht Jahre hat sie ihm das kühlste Lächeln, hat sie ihm das leiseste Wort verweigert. Und in solchen Dingen hat Marie Antoinette großen Einfluß auf ihren Gemahl. Ganz Versailles, ganz Frankreich, ganz Europa weiß, daß der Prinz von Rohan in Ungnade ist, seitdem die Habsburgerin auf dem Throne sitzt.

Und so merkwürdig ist es in Versailles: Marie Antoinette ist verhaßt beim Adel, aber sie bleibt doch die Königin . . . Von ihr und ihrem Gatten allein gehen die Strahlen der Sonne aus, ohne die ein Höfling nicht leben kann. Kann er sie nicht mehr sehen, ist er unglücklich wie ein gescholtenes Kind. Der Prinz von Rohan, reich, Liebling der Gesellschaft, Liebling der Frauen, leidet schwer darunter, daß Marie Antoinette ihn verachtet.

Aber nun muß sich alles wenden. Seit Wochen hat sich die Dame, die jetzt vor ihm geht, die Gräfin de la Motte, bereits bei der Königin für ihn ver* wendet. Schon trägt er an seinem Herzen ein halbes Dutzend kleiner blauer Briefkarten, in denen ihm die Königin versichert, sie beginne über sein trauriges Los nachzudenken, und vielleicht werde sie ihm eine Audienz beim König verschaffen. Und jetzt führt ihn die Gräfin zu ihr selber, zur Königin, die ver* sprochen hat, ihn heute an der großen Hecke zu er* warten.

Das Herz des Prinzen schlägt bang vor Erregung und auch ein wenig vor Furcht. Da bleibt die Gräfin stehen, sie deutet auf eine Biegung, dann ver* schwindet sie taktvoll hinter ein Gebüsch.

Vor dem Prinzen steht eine hohe schlanke Frauen* gestalt in weißem Kleide. Das blonde Haar schimmert selbst in der Nacht, und im flirrenden Licht der Sterne erkennt der Prinz, undeutlich zwar, die lange nicht mehr gesehenen Züge der Königin. Kein Zweifel, es ist Marie Antoinette.

Langsam, ehrfürchtig nähert sich ihr der Prinz. Er beugt ein Knie. Wie er sein Haupt wieder erhebt, fühlt er eine Rose in seine Hand gleiten, und eine weiche Stimme murmelt: „Sie wissen, was dies be* deutet. .

Der Prinz, das Herz laut schlagend vor Glück, will antworten, stammelt, verwirrt sich. Ehe er noch einen Satz hat finden können, ist die Gräfin de la Motte wieder da, sie ist in fliegender Eile: „Schnell, schnell", ruft sie, „die Gräfinnen von Artois und von Provence kommen."

Der Prinz verbeugt sich noch ein letztes Mal tief vor der schon entschwindenden weißen Gestalt. Dann eilt er mit Frau de la Motte wieder von dannen, den Schlapphut tief in die Stirne gedrückt. Er möchte seine Freude in die Welt rufen. Der Weg zur Gnade, der Weg zum Glanz des Hofes ist ihm wieder offen...

Das Halsband

Nun hat die Gräfin de la Motte den Prinzen so weit, wie sie ihn haben will. Sie bringt ihm Briefe der Königin, in denen sie ihn bittet, für Leute, die sie kennt und die bedürftig sind, sechzigtausend, dann hunderttausend Livres zu bezahlen. Der Prinz gibt sie der Gräfin, ohne mit der Wimper zu zucken, immer in der Hoffnung, sich so die Gnade der Königin erkaufen zu können. Schließlich kommt der Hauptschlag für die Gräfin: die Königin möchte gerne ein wundervolles Diamantenhalsband bei dem Juwelier Böhmer kaufen. Aber das Halsband kostet fast zwei Millionen; so viel Geld hat die Königin gerade nicht flüssig, und im Augenblick wagt sie auch nicht den König darum zu bitten. So schreibt sie, ob der Prinz nicht so freundlich wäre, den Kauf für sie zu vermitteln, also für sie zu bürgen. Der Prinz ist überglücklich, der Königin wieder einen Gefallen tun zu können; er kauft das Halsband im Auftrag der Königin und läßt es ihr durch die Gräfin de la Motte zustellen. Er vereinbart auf die Bitte der Königin vier Zahlungstermine; dem Juwelier zeigt er den Brief der Königin. Vor der Unterschrift Marie Antoinettes schwinden alle Bedenken.

So wenig wie dem Prinzen Zweifel gekommen sind, als er hörte, die erste Frau des Königreiches wolle sich mit ihm abends hinter einer Hecke treffen, so wenig hat er jetzt ein Arg, als er hört, die Königin wolle sich durch ein einfaches Briefchen zwei Mil» lionen leihen. Und auch der Juwelier zweifelt nicht. Ist sie nicht eine Verschwenderin, die Königin? Hat sie nicht immer die ungeschriebenen Gesetze der Hofetikette und des Anstandes vernachlässigt? Warum sollte man ihr dieses Stelldichein und dieses Briefchen nicht glauben? (Fortsetzung folgt)


Marie Antoinette und ihre Kinder
Marie Antoinette und ihre Kinder

Zauberhafter MOUNT EVEREST

Um den höchsten Berg der Erde, der 1857 von den Engländern zu Ehren des früheren Vor=Standes der indischen Landvermessung, Oberst Sir George Everest, der den Berg übrigens nie gesehen hat, mit dessen Namen Mount Everest genannt wurde, ranken sich von alters her viele geheimnisvolle indische und tibetanische Sagen.

Durch die letzten gewaltigen Erdbeben in Innerasien ist der Mount Everest erneut in das Interesse der Wissenschaft und aller internationalen Bergsteigerkreise gerückt. Nach den zu uns gelangten dürftigen Nachrichten übe, die Folgen und Wirkungen des großen Bebens der Erdoberfläche der mehr als 2500 km langen Kette des Himalaya entlang und

weit über seine Nachbargebiete hinaus bis nach Assam und in die indische Tiefebene, dem Unterlauf des Brahmaputra — Sohn des Brahma, den der große Gott durch seine seelische Anstrengung schuf — folgend, wäre der Mount Everest um fast 100 m gewachsen. Damit käme er fast an 9000 m Höhe.

In der verhältnismäßig jungen Geschichte der Erforschung des Himalaya hat der Mount Everest stets als ein Reservat englischer Wissenschaft und englischer Bergsteiger gegolten, und alle Himalaya=Expeditionen von nichtenglischer Seite, von Deutschen, Italienern, Schweizern, Norwegern, Franzosen, haben andere Berge und Gipfelunternehmungen gewählt. Englische Besteigung gen des Mount Everest führten 1921/22 sowie 1924 bis zu einer Höhe von 8572 m (Norton), und Mallory und Irvine haben 1924 vielleicht sogar den Gipfel erreicht, aber sie kehrten nicht zurück, und ihr Schicksal und ihre Leistung am Berg bleibt im Dunkeln. 1933 wurde der Mount Everest von Engländern überflogen. Neuerdings gingen Pläne, wieder einmal eine Gipfelbesteigung zu versuchen; wieweit ein solcher Plan angesichts der politischen Unsicherheit in Ostasien sich in absehbarer Zeit verwirklichen läßt und ob nicht auch die durch die letzten gewaltigen Beben der Erde hervorgerufenen starken geologischen Veränderungen zu viele Schwierigkeiten bereiten, läßt sich noch nicht übersehen.

Im Mittagslicht der Sonne zeigen die höchsten Gipfel des Himalaya, und vor allem der Mount Everest, häufig ein ganz besonders prächtiges Farbenspiel. Aber dann jagen ganz plötzlich große Wolkenwände aus dem Südwesten daher, und in einem einzigen Augenblick ist das prächtige Schauspiel zu Ende. Das ist dann wohl der von den Bergsteigern so gefürchtete „Fisch”, der Bote des Monsuns. Vom Indischen Ozean kommend, bringt er der indischen Ebene südlich der Berge die ersehnte Feuchtigkeit, aber dann stürmt er die ganze Kette des Himalaya entlang, die gewaltigen Bergmassive unter Schnee begrabend, und als trockener Sturm braust er über die Steppen Innerasiens, vor allem auch über das mitleidlose Land der tibetanischen Hochebene, um sie immer noch mehr auszudörren. In klaren Nächten jedoch tanzen die Sterne auf den Gipfeln des Himalaya. Ein ganz unwirkliches, wunderbares Schauspiel. Ohne auch nur eine Sekunde stillzustehen, machen die Sterne Sprünge in die Luft, taueben dabei bisweilen auch bis unter den Horizont hinab, um gleich darauf wieder emporzuschnellen.

Die Erklärung dieses Rätsels der Natur ist an sich einfach. Die Lichtstrahlen der Sterne werden durch die vom ständig wehenden Winde aufgewirbelten feinen Schneekristalle auf der Spitze des Berges gebrochen, und wenn diese Kristalle in dauernder schneller Bewegung sind, täuschen sie dem Beschauer die tanzenden Bewegungen der Sterne vor. Aber die tanzenden Sterne auf den Gipfeln der göttlichen Berge sind ein wesentlicher Grund mit, daß die Bewohner des Landes den Bergen Ehrfurcht und Anbetung bezeigen. Aufnahmen: Dt. Him.-Stiftung


"Yaks, die tibetanischen Hochlandrinder
"Yaks, die tibetanischen Hochlandrinder

Ver König der Berge, der Mount Everest, mit 8882 m immer noch unbezwungen
Ver König der Berge, der Mount Everest, mit 8882 m immer noch unbezwungen

Vor einem tibetanischen Nomadenzelt
Vor einem tibetanischen Nomadenzelt

Tibetanischer Hirte in der Morgensonne
Tibetanischer Hirte in der Morgensonne

Verlorene Heimat:

EINSAMES Memelland

Schon vor 30 Jahren nach dem Weltkrieg 1914=18 stand dieser nördlichste Teil Ostpreußens im Brennpunkt politischer Ereignisse. War auch die Volksabstimmung ein einziger Ruf, beim deutschen Vaterland zu verbleiben, wurde trotzdem gegen den Volkswillen das Gebiet Ostpreußens nördlich der Memel 1920 abgetreten. Im Jahre 1923 wurde dann das Memelgebiet von den Litauern annektiert, und am 22. März 1939 kam es dann zum alten Vaterland zurück. Man kann wohl sagen, seit 1918 sind die Memelländer nicht mehr zur Ruhe gekommen. Jetzt haben sie auch, wie all die anderen Brüder und Schwestern der deutschen Ostgebiete, die Heimat verloren.

Welch herrliches Fleckchen Erde, dieses landwirtschaftlich reiche Gebiet mit seinen größeren und kleineren Städten und Dörfern. An der Spitze steht die alte See= und Handelsstadt Memel, welche die älteste Stadt Ostpreußens ist und 1952 ihre Siebenhundertjahrfeier feiern könnte. Wie oft wandern die Gedanken auf alten, vertrauten Wegen der Kindheit und Jugend. Da war die Parkstraße mit der Augusta=Viktoria=Schule, in welcher man, wenn man es jetzt bedenkt, die schönsten, sorgenlosesten Jahre seines Lebens verbracht hat. Das Elternhaus in der Libauer Straße mit dem großen Garten, das in der Erinnerung als traute, behütende Stätte auch heute noch als leuchtender Stern aufblinkt und uns als Wegweiser durchs Leben begleitet. Der abendliehe „Bummel" auf der Libauer Straße war für die Jugend Ehrensache und manche Ausrede mußte herhalten, um bei der Mutter die Erlaubnis zu erhalten. Festungsgraben und Zitadelle waren der Tummeb platz köstlicher Jugendspiele.

Das Stadttheater, welches durch seine künstlerischen Leistungen sich eines guten Rufes erfreute, war in der Spielzeit der Treffpunkt aller kunstbegeisterten Memeler. Vor dem Theater stand der Simon=Dach=Brunnen mit dem „Ännchen von Tharau". Am Winterhafen und Fischereihafen und der Dange herrschte immer reger Schiffsverkehr. Besonders beliebt waren die Ankunftstage der Dampfer „Preußen" und „Hansestadt Danzig", da war ganz Memel am Hafen zur Begrüßung.

Der zweimal wöchentliche Markt mit seiner Überfülle an landwirtschaftlichen Produkten, Fleisch und Fischen war besonders in den Jahren der Abtretung des Memelgebietes an Litauen eine Sehenswürdigkeit. Memel war auch eine Industriestadt und gab dadurch Tausenden von Männern und Frauen Arbeit. Als größter Vorzug dieser Stadt galt ihre Lage am Haff und See. Man konnte in kürzester Zeit zu den nahegelegenen Seebädern gelangen.

Auf der Kurischen Nehrung lagen die Bäder: Süderspitze, Sandkrug, Schwarzort und Nidden. Das malerische Nidden mit seinen Dünen, welches die Maler „Klein=ltalien" nannten, war ebenso wie das blauschwarz schimmernde Schwarzort im Sommer sehr besucht. Das Elchrevier zwischen Nidden und Schwarzort war wohl für alle Besucher der Nehrung von ganz besonderem Reiz.

Auch auf der Festlandseite gab es schöne Gegenden. War ein Herbstspaziergang von Memel durch die Plantage über die Palve nach Försterei bei klarblauem Himmel nicht ein Genuß? Wenn die Luft so köstlich nach Pilzen, Moos und harzigen Kiefern und Fichten duftete und wir mit einer Tüte Pilze und einem Erikastrauß heimwärts zogen? Oder wenn wir uns von einem zünftigen Ostwind auf der Mole bei Strandvilla durchpusten ließen? Um nachher mit frischer Farbe und gutem Hunger bei Muttern die köstlichen „Schmandkartoffeln mit Würstchen" zu verspeisen.

Heydekrug, Prökuls, Ruß und all die anderen Orte des Memelgebietes waren ein Bild des Wohl=Standes und guten Auskommens.

Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und Treue zur Scholle zeichnen den Memelländer aus, und alle, die im Memelland waren, haben diese Eigenschaften tief empfunden.

Heute sind die Memelländer in alle Winde verstreut. Doch bei ihren Treffen bekunden sie immer wieder durch das „Memellandlied" ihre Treue und Liebe zur Heimat. G. K.


Einspännige Gig in einem memelländischen Fischerdorf
Einspännige Gig in einem memelländischen Fischerdorf

Elch auf der Kurischen Nehrung
Elch auf der Kurischen Nehrung

Schwarzort, Blick auf Kirche und Haff
Schwarzort, Blick auf Kirche und Haff

Abendstimmung über der Kurischen Nehrung
Abendstimmung über der Kurischen Nehrung

§ Der Rechtsberater hat das Wort

Wann kann eine Witwe heiraten?

DIE GESETZLICHEN VORAUSSETZUNGEN MÜSSEN VORHANDEN SEIN

Wenn eine Witwe —das gleiche gilt für eine geschiedene Frau — sich wiederverheiraten will, so muß sie prüfen, ob alle hierzu erforderlichen Vor» aussetzungen erfüllt sind. Natürlich müssen die Partner vor jeder Eheschließung sich darüber im klaren sein, ob die allgemeinen gesetzlichen Vor» aussetzungen vorliegen. Hierher gehören Volljäh» rigkeit oder mindestens beschränkte Geschäfts» fähigkeit mit elterlicher Einwilligung (evtl. Volljäh» rigkeit und dazu bei dem Mann noch die Ehemün» digkeitserklärung). Die Eheverbote wegen Ver» wandtschaft und Schwägerschaft, wegen Ehebruchs, wegen Adoptivverwandtschaft und auch wegen Dop» pelehe sind noch zu beachten. Neben diesen all» gemeinen Vorschriften muß eine ehemals verhei» ratete Frau noch die im § 8 des Ehegesetzes vom 20. 2. 1946 vorgesehene Wartezeit beachten. Das Gesetz bestimmt, daß eine Frau nicht vor Ablauf von zehn Monaten nach der Auflösung oder Nich» tigerklärung ihrer früheren Ehe eine neue Ehe eingehen soll. Der Sinn dieser Vorschrift wird aus der im Gesetz angefügten Einschränkung klar. Die Frist von zehn Monaten braucht nicht abgewartet zu werden, wenn die ehemals verheiratete Frau inzwischen ein Kind geboren hat. Der Gesetzgeber will verhindern, daß durch rasch auf» einander folgende Ehelösung und Eheschließung die Zurechnung der Nachkommenschaft zu einer bestimmten Ehe unklar und unrichtig wird. Die Er» mittlung der zu einer bestimmten Ehe gehörenden Kinder soll durch die Einhaltung der Wartezeit erleichtert werden, damit nicht die einer früheren Ehe entsprossenen Kinder durch ihre Geburt in der späteren Ehe dieser neuen Ehe zugerechnet werden. Wenn aber eine Witwe oder geschiedene Frau kurz nach Auflösung oder Nichtigerklärung der früheren Ehe entbunden wurde, dann ist die durch die Wartezeit auszuräumende Unklarheit beseitigt, und die neue Ehe kann geschlossen werden.

Der Standesbeamte, vor dem die neue Ehe geschlossen werden soll, kann von der Einhaltung der Wartezeit befreien, und zwar nur dann, wenn durch ein neuestes amtsärztliches Zeugnis däs Nicht» bestehen einer Schwangerschaft erwiesen ist. Eines solchen ärztlichen Zeugnisses bedarf es nicht, wenn die Frau das 45. Lebensjahr vollendet hat oder wenn sie mit ihrem früheren Ehemann die Ehe eingehen will.

Das Gebot der Einhaltung der Wartezeit von 10 Monaten begründet nur ein aufschiebendes Ehe» hindernis. Das bedeutet, daß eine entgegen dem Gebot geschlossene Ehe gleichwohl gültig ist.

Außerdem muß die vor der Wiederverheiratung stehende Frau prüfen, ob sie eines Auseinander» setzungszeugnisses des Vormundschaftsgerichts bedarf (§ 9 Ehegesetz). Wenn aus der früheren Ehe ein Kind hervorgegangen war, das minderjährig oder unter der Vormundschaft der Frau steht, oder wenn die Frau mit dem minderjährigen oder bevormundeten Abkömmling in fortgesetzter Güter* gemeinschaft steht, so muß vor der neuen Ehe* Schließung ein Zeugnis des Vormundschaftsrichters beigebracht werden. Dieses Zeugnis des Vormund* Schaftsgerichts stellt fest, daß die Witwe oder geschiedene Frau dem Kinde oder Abkömmling gegenüber die ihr aus Anlaß der Wiederverheira* tung obliegenden Pflichten erfüllt hat, oder daß ihr solche Pflichten nicht erwachsen.

Dieses Auseinandersetzungszeugnis muß auch jeder Witwer oder geschiedene Ehemann vorlegen. Da es sich auch hier um ein aufschiebendes Ehe* hindernis handelt, so ist die Ehe gleichwohl gültig, auch wenn das Zeugnis bei der Eheschließung nicht vorgelegen hat. Durch das Auseinandersetzungs* Zeugnis des Vormundschaftsrichters soll das ehe* liehe Kind vor vermögensrechtlichen Nachteilen bei Wiederverheiratung der Eltern geschützt werden. Dr. St.

Arbeitsstelle und Papiere

Sehr oft besteht in Kreisen der Arbeitgeber die Meinung, daß bei irgendwelchen Ersatzansprüchen gegenüber einem ausgeschiedenen Arbeitnehmer, dessen Arbeitspapiere zurückbehalten werden könnten, bis die Unstimmigkeiten endgültig berei* nigt sind. Diese Frage ist im Gesetz nur zum Teil geregelt. Die Reichsversicherungsordnung und das Angestelltenversicherungsgesetz verbieten ausdrück* lieh die Zurückbehaltung von Versicherungspapie* ren. Hinsichtlich der übrigen Papiere verlangt die herrschende Rechtsprechung eine Abwägung der beiderseitigen Interessen.

Man muß besonders berücksichtigen, daß der Arbeitnehmer im allgemeinen ohne seine Arbeits* papiere keine neue Arbeitsstelle sich verschaffen kann. Aber eine neue Arbeitsstelle muß der aus* geschiedene Arbeitnehmer wieder haben, sonst wäre er meist wirtschaftlich nicht in der Lage, etwaige geldliche Ersatzansprüche des früheren Arbeitgebers zu befriedigen. Wenn also eine Zurückbehaltung der Arbeitspapiere verboten ist, so liegt dieses Ver* bot im Interesse des Arbeitgebers. Nach der Recht* sprechung ist die Zurückbehaltung immer dann ver* boten, wenn die Ersatzansprüche des Arbeitgebers nur auf Fahrlässigkeit und nicht auf grobes Ver* schulden (Vorsatz) des Arbeitnehmers zurückzu* führen sind. Dcht.

Die Versicherung dei- Heimkehrer

Die Vorschriften der Sozialversicherung bestimm* ten, daß die Einberufung zum Wehrdienst ein bestehendes Versicherungsverhältnis nicht berührt und daß die Versicherung ohne Beitragszahlung für die Dauer der Wehrdienstleistung weiterläuft. Das Heimkehrergesetz vom 19. Juni 1950 hat diese An* Ordnungen dahingehend erweitert, daß die Zeiten der Kriegsgefangenschaft oder der Internierung in der Invaliden* oder Angestelltenversicherung auch als Ersatzzeiten für die Erfüllung der Wartezeit und die Erhaltung der Anwartschaft gelten, wenn die Versicherung vor der Kriegsgefangenschaft oder der Internierung bestanden hat. Hieraus ergibt sich, daß nach dem Heimkehrergesetz auch für die Zeit der Kriegsgefangenschaft Steigerungsbeträge bei der späteren Rentenberechnung gutgeschrieben werden. Für jeden rentenversicherten Heimkehrer ist dem* nach die sorgfältige Aufbewahrung des Entlassungs* Scheines und der Wehrmachtspapiere notwendig, damit er später einwandfrei nachweisen kann, wie lange er sich in Kriegsgefangenschaft befand.

Das gepfändete Klavier

Herr Mayer hat Schulden. Sein Gläubiger schickt den Gerichstvollzieher, der in der Wohnung des M. als einzig pfändbaren Gegenstand ein Klavier findet. Mayer macht geltend, daß das Klavier nicht ihm, sondern einem Bekannten gehört, der es bei ihm untergestellt habe. Der Gerichtsvollzieher beachtet die Einwendungen nicht und führt die Pfän* dungshandlung durch.

Damit gibt sich Mayer jedoch nicht zufrieden und wendet sich beschwerdeführend an das zuständige Amtsgericht, das ihn darüber belehrt, daß der Gerichtsvollzieher richtig gehandelt hat. Dieser sei berechtigt, alle Gegenstände zu pfänden, die er bei dem Schuldner vorfindet. Er ist nicht verpflichtet, die Eigentumsverhältnisse zu prüfen und braucht deshalb die Einwendung des Schuldners, daß der gepfändete Gegenstand nicht sein Eigentum sei, nicht zu beachten. Dagegen ist es Sache des Eigen* tümers eines gepfändeten Gegenstandes sein Eigen* tumsrecht bei dem Pfändungsgläubiger geltend zu machen und ihn zur Freigabe aufzufordern. Seine Behauptungen müssen aber glaubhaft gemacht wer* I^’, er muß beweisen, daß die streitige Sache wirklich sein Eigentum ist. Lehnt der Gläubiger trotzdem die Freigabe ab, dann kann der Eigen* tumer Klage auf Freigabe bei dem zuständigen Gericht erheben.

Sprechstunde des Hausarztes

Die epidemische oder ansteckende Gelbsucht

^chon im vorigen Jahrhundert wurde beobachtet, daß die Fälle von Gelbsucht sich zu gewissen Zeiten häuften. Es kann heute kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß wir es bei dieser Erkran» kung mit einer Infektionskrankheit, d. h. einer ansteckenden Krankheit zu tun haben.

Der Laienstandpunkt, daß durch Ekel vor einer Speise eine Gelbsucht auftreten könne, ist falsch. Die Erkrankung ist ansteckend von Mensch zu Mensch, sie kann aber auch durch Gegenstände oder Nahrungsmittel übertragen werden. Es kommt beim Auftreten der Gelbsucht zu einer vorübergehenden Leberschädigung, so daß die Leber ihren Aufgaben im Gesamtstoffwechsel nur noch mangelhaft nach» kommen kann. Als sichtbares Zeichen der Leber» funktionsstörung ist eine Gelbfärbung der Haut und der Schleimhäute vorhanden, da infolge der gestör» ten Funktion Gallenfarbstoff ins Blut und somit in alle Bezirke des Körpers gelangt.

Die meisten Erkrankungen sind im Frühjahr (Februar—März) und im Herbst (Oktober—Novern» ber) zu verzeichnen. Bevorzugt wird das zweite und dritte Lebensjahrzehnt. Fast immer bleibt ein dauernder Schutz vor nochmaliger Ansteckung nach Überstehen der Krankheit zurück. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, also Menschen, die eine an» steckende Gelbsucht mehr als einmal mitmachen.

Interessant ist, daß es auch eine ansteckende Gelb» sucht ohne „Gelbsucht" gibt, d. h. ohne eine Gelb» färbung der Haut. Diese Fälle sind sehr schwer als Gelbsucht zu erkennen. Besonders die Kinder machen die Erkrankung oft auf diese kreise durch: sie er» kranken an Verdauungsstörungen, dazu noch an Grippeerscheinungen mit Fieber, Husten und Bron» chitis, sie haben dabei aber eine Leberschwellung, jedoch ohne Gelbfärbung der Haut. Auch die Er» wachsenen kommen manchmal schnell ohne Gelb» färbung über die Erkrankung hinweg. So wird die Krankheit oft unbemerkt durchgemacht.

Zu bemerken ist, daß natürlich nicht jede Gelbsucht eine ansteckende Gelbsucht sein muß. Es gibt noch andere Erkrankungen, die mit einer Gelbfärbung der Haut einhergehen (z. B. die Weilsche Erkrankung, Schlammfieber, Vergiftungen und dann die Gruppe der Gallensteinerkrankungen mit Verschluß der Gallenwege). Jedoch fällt der größte Prozentsatz von auftretenden Gelbsuchtfällen unter die ansteckende Gelbsucht.

Der Erreger ist unbekannt, aber mit höchster Wahr» scheinlichkeit ein Virus, das heißt ein Erreger, der kleiner ist als ein Bakterium und im Gegensatz zu diesem im einfachen Mikroskop nicht gesehen werden kann. Nachdem man sich angesteckt hat, vergehen immer noch drei bis fünf Wochen, ehe die ersten Krankheitserscheinungen auftreten. Meist handelt es sich hierbei um ein fieberhaftes Vorstadium von einigen Tagen Dauer. Das Fieber ist niedrig bis mittelhoch. Es kann auch manchmal ganz fehlen. Hierbei findet sich oft Husten wie bei einer Grippe* erkrankung. In diesem Vorstadium fühlt sich der Kranke zerschlagen und ausgesprochen „krank". Er leidet unter einer völligen Appetitlosigkeit mit Ekel vor allen Speisen. Auch Erbrechen und Durchfälle können hinzutreten. Die sich einstellenden „Magen* schmerzen sind meist schon Leberschmerzen und auf die beginnende Leberschwellung zurückzuführen. Nach einigen Tagen der Fieberfreiheit, die manchmal fast beschwerdefrei sein können, bemerkt der Kranke auf einmal, daß das Weiß des Augapfels und oft auch schon die Körperhaut gelb gefärbt sind. Der Druck in der Lebergegend verstärkt sich. Die Gelb* färbung nimmt innerhalb weniger Tage zu und er* reicht nach einer Woche ihren Höhepunkt. Die Leber ist inzwischen viel größer geworden. Auch die Milz ist vergrößert. Der Harn ist dunkelbraun und der Stuhlgang hellbraun; ganz farblose Stühle sind sei* ten. Der Appetit ist jetzt nicht gerade gut, aber besser als im Vorstadium überhaupt geht es dem Kranken in seinem Allgemeinbefinden, sobald seine Haut gelb geworden ist, besser als im Vorstadium. Manche Kranke klagen während der Gelbfärbung über star* kes Hautjucken. Dies tritt jedoch ganz unberechenbar auf und hängt nicht von dem Grad der Gelbfärbung ab. Leichtere Fälle klingen schon nach zwei bis drei Wochen ab, die meisten innerhalb von drei bis vier Wochen. Der Erkrankte ist empfindlich gegen Diät* fehler.

Beim Auftreten einer ansteckenden Gelbsucht ist immer Vorsicht geboten. Es kann — heute häufiger als zu früheren Zeiten — zu ganz schweren Verlaufs* formen kommen, die oft durch Leichtsinn herauf* beschworen werden. Jeder Gelbsuchtkranke gehört in ärztliche bzw. in Krankenhausbehandlung. Er ge* hört vor allem ins Bett für die gesamte Dauer der Gelbfärbung. Die Diät ist vom Arzt zu bestimmen.

Eine Isolierung der Kranken erübrigt sich. Wahr* scheinlich ist die Ansteckungsgefahr während des fieberhaften Vorstadiums am größten. Doch ist die Erkrankung zu dieser Zeit meist noch nicht diagnosti* ziert. Dr. L. Meyer

Im Kindertand

St. Martin und Sandmann Rutschfuß

Ein Märchen von Ria Weil

j n jedem November reitet der Ritter Sankt Martin über die Welt und zuletzt kommt er in den Kindel» wald. So war es auch in diesem Jahr.

An einem Abend ritt er aus dem hohen Moor» wiesennebel heraus und hinauf zum Waldberg bis unter die höchste Tanne. Dort blieb er die Nacht, und der Baum stand wie ein Haus um ihn. Am frühen Morgen stieg er vom Pferd und klopfte drei» mal auf die Erde. Da kam der Sandmann Rutschfuß und begrüßte den Ritter:

„Kommt herein, ihr werdet müde sein, Auf meinem Tisch steht ein Krug voll Wein, Dabei liegen der Äpfel vier, Kommt, eßt und trinket doch mit mir. Sieben Brote liegen auf meinem Tisch, Dazu auch noch gebackener Fisch. Für euer Pferd habe ich Würfelzucker."

Er nahm das Tier beim Zaum und führte es in die weite Erdsandkammer. Der Ritter folgte ihm lächelnd und aß vom Brot und aß vom Fisch, dann trank er vom Wein und aß von den Äpfeln. Danach schenkte er Rutschfuß einen sehr hellen Stern, bis zum nächsten November machte dieser die dunkle Erdsandkammer hell und warm.

Rutschfuß hängte das Sternenlicht sorgsam an die Decke und stampfte zweimal auf den Boden. Und es dauerte nicht lange, so kamen Sträucher in die Kammer geraschelt, es dauerte wieder nicht lange, so rauschten die Bäume herbei, und wieder nach einer kurzen Zeit kamen auch die Tiere.

Aber die Sträucher waren dürr, die Bäume hatten geknickte Äste, die Tiere gequetschte Füße oder Flügel, dem einen fehlte das halbe Ohr, dem andern war der Schnabel verbogen. Alles stöhnte und ächzte so sehr, daß dem Sandmann vor Mitleid sein

halbes Sandherz ausrieselte. „Ritter Martin, dieses Jahr gibt es viel zu tun hier", brummte er.

Der Ritter nickte, dann nahm er seinen Mantel von der Schulter, hob ihn hoch und sagte: „Schneeweiß war der, als ich zur Erde ritt, nun ist er fast schwarz geworden, von aller Not und

allem Leid, das ich hineingesammelt." Er ging mit seinem Mantel von Tier zu Tier, von Baum zu Baum, von Strauch zu Strauch, deckte ihn sorgsam darüber und sprach jedesmal:

„Schmerz und Not seid still, Weil Gott es will."

Da bekamen die Sträucher kräftigen Wurzelsaft, schön grünen konnten sie nun im kommenden Jahr, die Bäume hatten mit einem Male gesunde Äste, die Tiere heile Füße und Flügel. Aber der Martinsmantel war schwarz wie die Nacht und schwer wie Blei von allem Elend.

Rutschfuß trug ihn hinunter in die Erde zu dem großen Wasser, legte ihn hinein, und nach einer Zeit sagte er:

„Wasch heraus den Erdenstaub, Alles Gras und welkes Laub, Alles, was d'rin ist verborgen: Leid vom Tier und Menschensorgen. Wasch ihn wieder hell und klar, Wie er vor dem Wandern war."

Erst am andern Morgen war der Mantel wieder weiß gewaschen. Rutschfuß stieg durch die Stein» kammern der Erde hinab, bis er zu den Feuermän» nern kam; die wohnen nämlich zu unterst in der Erde.

Dort wurde der Mantel über dem wärmsten Feuer getrocknet, und gegen Abend kam der Sandmann zurück.

Sankt Martin aß den letzten Apfel, dann ritt er aus dem Wald hinaus, über die Moorwiesen zum Dorf und hinter dem Kirchturm hinauf in die Wolken.

Im Kindelwald brannten schon die Martinsfeuer, und die Kinder sprangen fröhlich umher und riefen:

„Sankt Martin mit dem guten Herzen, Wie hell brennen die Feuerkerzen, Tu, bitte, recht viel an uns denken, Vergiß auch nicht, uns was zu schenken."

Manchmal leuchtete das Feuer so hell, daß man die Hufeisen von des Ritters Pferd in den Wolken aufblitzen sah. Hin und wieder fiel auch ein Zucker» stern vom Himmel, und immer einem lieben Kind in den Mund.

Rutschfuß aber schloß das Tor zur Erdsandkammer wieder fest zu, freute sich an seinem hellen Stern» licht und wartete, bis im nächsten November Sankt Martin wiederkam.

Schnuckis Ausflug

Eine wahre Geschichte

Es war einmal eine kleine, weiße Maus, die hieß Schnucki. Sie wohnte mit noch anderen Gefährten und Gefährtinnen in einer großartigen Mausevilla. Die sah einem Menschenwohnhaus von außen sehr ähnlich, bestand aber in Wahrheit aus einer tüch» tigen, mit Zinkblech ausgeschlagenen Kiste. Innen hatte sie mancherlei Zellen und Abteilungen, Treppen und Vorschläge, und alles war mehr oder weniger mit schöner, weicher Holzwolle ausgestopft. In dies Holzwollengeriesel hatten die Mäuse ihre Gänge gegraben, kostbare Laufgräben, die samt und sonders im untersten Stockwerk mündeten. Dort war ein freier, aber sehr nahrhafter Raum; denn jeden Tag stapelte der Besitzer des Mause» hauses hier Futter auf. Er hieß Hans, der Tierban» diger, weil er Spaß an allem Lebendigen hatte und außer den Mäusen auch Schlangen, Vögel und Fische, ja sogar einen Igel hielt. Seine Tiere fütterte und versorgte er gut und kannte sie genau.

Für Schnucki, die weiße Maus, bestand gar keine Veranlassung, ihren Herrn zu verlassen aber trotz» dem bekam sie einmal Lust zu einem Ausflug. An einem Sonntagmorgen fand sich eine passende Gelegenheit. Hans fütterte eben seine Tiere, schaute -erade nach den Eidechsen, und den Augenblick benutzte Schnucki. Durch die offene Tür ent» schlüpfte sie und machte es sich in der Rocktasche ihres Herrn bequem. Dann stand sie mit Hans auf dem Balkon, hopste mit ihm die Treppe hinunter und befand sich plötzlich auf der Straße. Da der Junge ein rechter Filmnarr war, so stand er vor einem Filmtheater lange Zeit still, und diese Minu» ten benutzte Schnucki, um aus der Rocktasche zu entrinnen.

Sie hatte den Fußboden gerade neben einer Hauswand erreicht, streunte daran entlang, über» querte den Bürgersteig und rannte stracks auf die Straße. Plötzlich hemmte sie ihren Lauf. Ein feiner, blanker Weg tat sich auf. Sie war in die Geleise einer Straßenbahn geraten und nahm sie als ihren

vorbestimmten Weg. Ja, das huschte sich fein und glatt!

Dann hielt Schnucki plötzlich an. Ein schreck» licher Schrei hatte sie stutzig gemacht. Da war auf dem Bürgersteig ein kleines Mädchen gegangen und das hatte die Maus erblickt und gleich laut los» geschrien: „Eine Maus! Eine weiße Maus!" Und als nun das kleine Mädchen schrie, da folgten viele Augen seiner ausgestreckten Hand. Und alle sahen, wie Schnucki in dem Geleise saß, weiß, mit herr» lichem, rotem Schnäuzchen und roten Augen. Da fuhren plötzlich die Autos ganz langsam, ganz vor» sichtig, und Fahrer und Fahrgäste spähten auf die Straße. Die Radler sprangen ab, schauten mit run» den Augen und lachten ihr Teil. Spaziergänger blieben stehen und schauten auf Schnucki. Da aber kam die Straßenbahn.

Der Wagenführer merkte etwas und fuhr ganz vorsichtig heran, sprang dann ab und hatte — husch! husch! — Schnucki in der hohlen Hand. Dann nahm er aus seinem Futterkoffer ein Wasserglas, setzte Schnucki neben seinen Führerstand und stülpte das Glas über sie. Anfangs hatte Schnucki einiges Herzklopfen, aber dann wurde die Sache lustig. Sie konnte alles sehen, was es zu sehen gab und machte dabei die herrlichste Rundfahrt durch die Stadt. Das dauerte nicht weniger als sechs Stunden. Dann mußte sie in die Frühstücksdose des Wagenführers schlüpfen, saß in dicker Dunkelheit, aber bei fetten Butterbrotbröseln, und hörte dann, wie der Mann sagte: „Hans, heute habe ich dir was mitgebracht für deine Menagerie, eine weiße Maus!" Sie vernahm auch, wie der Mann die ganze Geschichte erzählte und dann — und dann — schaute sie ihrem alten Besitzer in die lachenden Augen. Und schon rief Hans: „Vater, Vater, es ist wahr» haftig meine Schnucki, ich kenne sie am linken Ohr! Sie hat einen Ausflug gemacht, einen rieh» tigen Sonntagsausflug!" Und damit steckte er sie wieder in die Mausevilla. Da lebt sie heute noch. Otto Stückrath.

Wer lacht mit?

Hannöversches

„Geben Sie mir 'n halb Liter Säohne!" „Säohne is da nich inne." „Nanu, da s=teht aber doch an Ihrem Wägn: Milch und Säohne." „Dscha — sehen Se, da s=teht auch anne: Müller un Söhne — un die Söhne sinn auch nich inne!"

—mpfo

Pfälzisches

„Ich hätt gern e Billettl uff Mannern!" „810ß hin?" „Ei, wo soll ich dann hinblose?" —mpfo

Lebensweisheit

„Man muß klug sein", sagt Federmann. „Wenn ich mal eine Dummheit gemacht habe, bin ich der erste, der sich darüber lustig macht." „Ja, ja", sagt sein Freund, „darum kommst du ja aus dem Lachen nicht mehr heraus." —mpfo

„Verzeihung, wohnt hier im Hause ein gewisser Vogel?" „Ja — zweite Etage rechts — Fink heißt er!"



Der Musikfreund

„Wo waren Sie eigentlich gestern?" fragt Bobby „Ich habe den ganzen Abend vergeblich auf Sie gewartet." „T.:h habe mit meinen Freunden Mozart gespielt. Wir haben ein Quartett." „O wie interessant. Hoffentlich haben Sie ge=Wonnen! —mpfo

Stammbuchvers der Woche

Nicht nur beim Schachspiel nimm dir die Zeit, Zu überlegen, ob etwa bereit Ein tückischer Läufer, um deinen Recken Mit plötzlichem Streiche niederzustrecken!





Blick in die Welt

Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung


General Franco besucht Spanisch=Marokko. Marokkanische Frauen tanzen ihm und seiner Gattin zu Ehren
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Parade in Indochina. Der französische General Juin unterhält sich mit Bao Dai, dem Kaiser Indochinas
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Totoschalter in Heidelberg - eine Neuerung zur Erleichterung des Verkehrs Aufnahmen: DPA, UP
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Seidenstrümpfe jetzt laufmaschenfest! Links der Erfinder Alfons Cryus
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Junger Amerikaner aus der nordkoreanischen Hölle gerettet
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DP=Kasernen werden für USA=Truppen geräumt
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AUS DEM INHALT: Grenzgang der Darmstädter Stadtväter S. 2 Frauen im Sturm der Zeiten S. 3 Zauberhafter Mount Everest S. 4 Einsames Memelland S. 5 Wann kann eine Witwe heiraten? S. 6 Blick in die Welt S. 8