Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. WittlCh, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 114 Jieuefle Tlacßri^fen Freitag, 10. November 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Zusätzlich 100 000 Wohnungen

Berückfichtigung der ärmeren Sıhidzten - Schnelliter Ban, geringere Kolten

Hi. Bonn, 9. November, Bundeswohnungsbauminister Wildermuth erklärte in Bonn, es sei aus Gründen der sozialen Sicherheit dringend notwendig, neben dem sehr beachtlichen Wohnungsbauprogramm der Bundesregierung den Versuch zu machen, in den nächsten Jahren noch etwa hunderttausend'Wohnungen pro Jahr zu bauen.

Die Erstellung einer Wohnung dürfe im Durchschnitt nicht 10 000, sondern nur 5 000 Mark kosten, um damit zu erreichen, den ärmeren Schichten, die heute zum Teil noch sehr provisorisch wohnen müßten, schnell und billig ausreichenden Wohnraum zu verschaffen. Denn es gelte, diese Deutschen möglichst schnell unterzubringen. Es müsse an entbehrlichem Komfort gespart werden. Wildermuth denkt dabei nicht an sogenannte primitive Miniaturwohnungen. „Ich fürchte“, so erklärte der’ Minister, „daß die Volkszählung zeigen wird, wie erschreckend hoch die Zahl der noch in Bunkern und Notwohnungen unter gebrachten Menschen ist“.

Außerdem müsse erreicht werden, daß trotz der Lohn- und Preissteigerungen die Herstellung einer Wohnung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaues statt 10 000 nur 8 500 Mark koste. Man müsse eine Obergrenze für die Baukosten auflegen, die nicht über den heutigen Kosten liegen dürfe. Die Diskonterhöhung sei kein geeignetes Mittel für die Aktivierung des Wohnungsbaues gewesen. Die in der Bauwirtschaft laufende Zwischenfinanzierung habe dadurch die Unkosten verdoppelt. Deshalb sei, auf lange Sicht gesehen, diese Diskonterhöhung nicht zu halten.

Wie Wildermuth weiter erklärte, werde er alles daransetzen, trotz zu erwartender Schwierigkeiten für den Wohnungsbau infolge Bauabsichten der Amerikaner das Wohnungsbauprogramm für 1951/52 in gleichem Umfange, wie im Jahre 1950/51 aufrechtzuerhalten.

Ingdwaffenverordnung

von den Alliierten genehmigt

Hamburg, 9. November, (dpa) Der deutsche Jagdschutzverband teilt mit, daß die deutsche Waffenverordnung für Jäger nach viermonatiger Wartezeit vom militärischen Sicherheitsamt genehmigt worden ist.

Muß Opel schließen?

Rüsselsheim, 9. November. (AP.) Die Rüsselsheimei' Opelwerke, die rund 20 000 Personen beschäftigen, werden, wie wir bereits gestern kurz im Handelsteil berichteten, am 17. November vorübergehend schließen müssen, wenn nicht dem Kohlenmangel des Betriebes in" kürzester Frist abgeholfen wird, teilt die Werksleitung am Donnerstag mit.

Opel habe in den Monaten September und Oktober statt der benötigten 19 000 Tonnen Kohle nur 7 500 Tonnen erhalten. Für November sei bisher überhaupt noch keine Lieferung erfolgt. Die Schlie- Bung der Opel-Werke würde das gesamte rheinische Wirtschaftsgebiet in eine schwere Notlage bringen.

Nachdem der Betriebsrat der Opel-Werke mit dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Rücksprache genommen hatte, wurden einige sozialdemokratische Abgeordnete, darunter die hessischen Bundestagsabgeordneten Professor Bergsträsser und Imig, ferner Ministerpräsident Altmeier delegiert, die mit Minister Storch und Wirtschaftsminister Erhard verhandelten. Wirtschaftsminister Erhard, der über die drohend® Schließung der Opel-Werke betroffen war, versprach, daß die Opel-Werke „am Dienstag nicht schließen“.

Indien wegen Nepal beunruhigt

Es will den nepalesischen Umsturz nicht anerkennen

Neu-Delhi, 9. November, (dpa) Der stellvertretende indische Ministerpräsident Patel ließ am Donnerstag durchbiicken, daß die indische Regierung einen vor zwei Tagen in dem Nachbarstaat Nepal vollzogenen Umsturz nicht hinnehmen werde. In gleicher Weise äußerte sich ein Sprecher des indischen Außenministeriums.

In Neu,Delhi wurde ferner bekannt, daß der nepalesische Ministerpräsident die Einstellung des Luftverkehrs zwischen Indien und Nepal angeordnet habe. Außerdem habe die nepalesische Regierung allen Reisenden, die von Indien aus die Grenze nach Nepal zu überschreiten wünschen, die Einreise , verboten. Nur wer im Besitz einer persönlichen Genehmigung des Ministerpräsidenten ist, dürfe die Grenze überschreiten.

Sachverständige der indischen Regierung prüfen gegenwärtig, ob die Ausrufung des dreijährigen Enkels des Maharadschas von Nepal zum neuen Herrscher des Landes rechtsgültig ist. Der Sprecher des indischen Außenministeriums dementierte, daß der Maharadscha abgedankt hat.

Unbesiegbares China?

Seattle (Washington), 9. November, (dpa) Der amerikanische General Wedemeyer, der lange Tschiang Kai-scheks Generalstabschef war und jetzt die amerikanische sechste Armee befehligt, vertrat in Seattle die Ansicht, die Vereinigten Staaten könnten die Militärmacht des kommunistischen Chinas nicht besiegen. „Wenn zehn Millionen Nordkoreaner bereits fünfzehn gute Divisionen aufstellen konnten, wieviel Divisionen könnte dann erst das kommunistische China mit seinen vierhundertfünfzig Millionen Einwohnern aufstellen?“

Das vorläufige Grgebnis

Washington, 9. November. (AP.) Nach den letzten Ergebnissen der amerikanischen Wahlen haben die Demokraten einen weiteren Sitz im Repräsentantenhaus gewonnen, so daß sie jetzt über 233 Sitze gegenüber 199 republikanischen verfügen. Die Demokraten haben damit 26 Sitze verloren, die Republikaner 30 Sitze gewonnen. Ueber zwei Sitze steht die Entscheidung noch aus. Es kann vielleicht noch 24 Stunden dauern, bis daß die endgültigen offiziellen Ergebnisse bekanntwerden.

Der Erzbischof von York, Garbett, setzte sich für eine sofortige Aufrüstung Europas ein.

Gustaf V. wurde zu Grabe getragen

Tausende säumten die Straßen des langen Trauerzuges

Stockholm, 9. November, (dpa) König Gustaf V. von Schweden wurde am Donnerstagmittag unter der Anteilnahme des schwedischen Volkes und der ganzen Welt in der Riddarholm-Kirche von Stockholm beigesetzt. Tausende säumten die Straßen, als der über einen Kilometer lange Trauerzug von der Kapelle des Königsschlosses, wo der Verstorbene aufgebahrt war, zur Riddarholm-Kirche zog. Dem von sechs Pferden gezogenen schwarzverkleidetenKatafalk-Wagen folgten unter Führung des Königs Gustaf VI.

die Mitglieder des Hauses Bernadotte, die Könige von Dänemark und von Norwegen, der finnische Staatspräsident Paasikivi, Fürsten aus Belgien, Deutschland Großbritannien, Holland, Luxemburg und Abessinien sowie Botschafter und Gesandte aus 44 Staaten.

Der Sarg Gustafs V. wurde von der Königin und den weiblichen Trauergästen in der Kirche erwartet. Unter den zweimal 42 Salutschüssen der auf dem Mälarstrom vor dem königlichen Schloß liegenden schwedischen, amerikanischen und britischen Kriegsschiffe erfolgte dann die Beisetzung in einem Granitsarkophag, der in der Kapelle zur Rechten des Hauptaltars steht.

Der als Vertreter der’Bundesrepublik zu den Trauerfeierlichkeiten nach Stockholm entsandte Chef des Protokolls, Dr. von Herwarth, übermittelte dem schwedischen Königspaar das Beileid des deutschen Volkes zum Tod König Gustafs V. Gleichzeitig brachte ei' den Dank für die auf Initiative des verstorbenen Königs nach beiden Weltkriegen in Deutschland durchgeführten Hilfsmaßnahmen Schwedens zum Ausdruck.


Der Rückzug der chinesischen Kommunisten dauert an allen Abschnitten der koreanischen Front an. Die Streitkräfte der Vereinten Nationen gehen vor, ohne auf Widerstand zu stoßen. Unser Bild zeigt rotchinesische Gefangene, die sich ohne Widerstand ergeben haben. z Foto: United Press
Der Rückzug der chinesischen Kommunisten dauert an allen Abschnitten der koreanischen Front an. Die Streitkräfte der Vereinten Nationen gehen vor, ohne auf Widerstand zu stoßen. Unser Bild zeigt rotchinesische Gefangene, die sich ohne Widerstand ergeben haben. z Foto: United Press

Lhasa von Chinesen besetzt

Peking stellt seine Forderungen an Tibet

Kalimpong, 9. November, (dpa) Der Sender Peking berichtet am Donnerstag, daß Truppen der chinesischen Volksrepublik die tibetanische Hauptstadt Lhasa besetzt haben.

Tibetanische Kreise in Kalimpong erklärten, die seit Ende voriger Woche in Lhasa ständig tagende tibetanische Nationalversammlung, die aus linksgerichteten Reformisten zusammengesetzt sein soll, erörtere Vorschläge der chinesischen Volksrepublik über die künftigen Beziehungen Tibets zu Peking.

Diese Vorschläge sollen vorsehen, daß China sich nicht in die innertibetanischen Angelegenheiten einmischen, aber die Verantwortung für die Verteidigung und die Außenpolitik Tibets übernehmen wird. China würde eine symbolische Streitmacht in Lhasa stationieren und Militärberater ernennen, die die tibetanischen Streitkräfte reorganisieren sollen. Ferner soll China fordern, daß das Bildungswesen in Tibet verbreitert wird. Peking fordere schließlich eine Verfassungs- und Bodenreform.



Taft

** * Man wird sich daran gewöhnen müssen, von jetzt an bei allen Fragen der internationalen Politik damit zu rechnen, daß eine neue Persönlichkeit ein gewichtiges Wort mitspricht oder wenigstens versuchen wird, seinen Einfluß geltend zu machen. Es ist dies der wiedergewählte republikanische Senator Robert E. Taft.

Der massive Sechzigjährige gilt als glänzende juristische und politische Begabung. Kein Wunder, er ist der älteste Sohn des früheren republikanischen Präsidenten William Howard Taft, der die Politik der Vereinigten Staaten von 1909 bis 1913 leitete. Man sagt dem Senator Taft nach, er sei: immer dagegen. Seine erste Rede, die er 1931 im Senat hielt, richtete sich gegen das - Valley-Projekt, eine der größten Staudamm-Anlagen des New Deal, 1941 lehnte er das Leih- und Pachtgesetz ab, wie er auch alles tat, um den Eintritt Amerikas in den Krieg mit Deutschland zu verhindern. Es darf aber auch nicht verschwiegen werden, daß Taft im Oktober 1946 die Nürnberger Prozesse als eine „Rechtsbeugung“ bezeichnete, die die Amerikaner noch lange bereuen würden.

Taft hat als schärfster Gegner des Präsidenten Truman sofort nach seiner Wahl die Politik des Präsidenten in entscheidender Weise angegriffen. Er hat seine Regierung der Geheimpolitik in außenpolitischen Dingen beschuldigt und dabei eine Frage aufgeworfen, die in der außenpolitischen Debatte des Bundestages die wichtigste Rolle spielte: kann Westeuropa überhaupt verteidigt werden? Taft hat noch weitere fünf Fragen an die Regierung gestellt, die sich alle auf die Möglichkeit eines dritten Weltkrieges beziehen. Die eben angeführte Frage dürfte davon für uns lebenswichtig sein, denn Taft wird es von der Antwort der Regierung abhängig machen, inwieweit die Republikaner ihre Zustimmung zu Plänen einer militärischen Europa-Hilfe geben.

Es hat den Anschein, als ob Taft größeren Wert auf eine entschiedene Haltung der Vereinigten Staaten in Ostasien, als in Europa lege. Man nimmt an, er werde im Sinne Mac Arthurs die Wiederherstellung enger Beziehungen zu Tschiang Kai-schek und die Sicherung Formosas verlangen. In diesem Zusammenhang ist es auch zu verstehen, daß Taft den Rücktritt des Außenministers Acheson gefordert hat.

Die Republikaner bezeichnen Taft als die „mächtigste Persönlichkeit“. Er wird zweifellos bei den nächsten Präsidentenwahlen in zwei Jahren als Gegenkandidat Trumans auftreten.

Politische Bewußtseinsspaltung

Von Hans Baumgarten

Die außenpolitische Aussprache im Bundestag hat uns nicht weitergebracht. Was herausgekommen ist für die Bundesrepublik, ist eine Bewußtseinsspaltung. Nicht nur im deutschen Volk, auch bei den westlichen Alliierten ist häufig genug hervorgehoben worden, daß ein deutscher Beitrag zur Verteidigung Europas und des Westens nicht gegen eine innerdeutsche Opposition möglich sei, die fast die Hälfte der Bevölkerung erreiche. Jetzt hat die Sozialdemokratie nein gesagt.

Irgend etwas stimmt nicht

Was soll werden? Was kann werden? Wer die Ausführungen Adenauers im Bundestag oder am Rundfunk hörte, wer sie in der Presse liest, wird sagen: Der Kanzler hat recht. Und wer die Antwort Schumachers hört oder liest, wird meinen: Der Führer der Opposition hat nicht unrecht. Dennoch kam der eine Redner zur Schlußfolgerung: Ja; und der andere kam zur Schlußfolgerung: Nein. Irgend etwas kann da nicht stimmen. Keine Meinungsverschiedenheit besteht zwischen den beiden — das weiß man jetzt einwandfrei

— darüber, daß Deutschland sich an der Verteidigung seiner selbst und des Westens beteiligen soll. Wenn man sich diese Tatsache klarmacht, hat man erst recht Grund, über den Ablauf der außenpolitischen Aussprache betrübt, ja erschüttert zu sein. Mit ein wenig mehr Lenkungskunst, mit ein wenig mehr gutem Willen und Rücksichtnahme auf den Ernst der außenpolitischen Stunde hätte die Diskussion in eine positive Richtung gelenkt werden müssen, also in eine, die einen Weg in das Freie sichtbar werden läßt. Was hätte für die Regierung nähergelegen, als daß sie nach einer Darstellung der Lage, wie sie sie sieht, die Opposition aufgefordert hätte, mit ihr gemeinsam an der Erarbeitung der Voraussetzungen zur Erreichung der Ziele mitzuwirken. Und was hätte sich mehr empfohlen für die Opposition, als daß sie die Regierung aufgefordert hätte, ihren Gesichtspunkten bei Verhandlungen mit den Westmächten Rechnung zu tragen, damit auch die Opposition aus ehrlichem Herzen ja sagen könne. Anstatt dessen hat die Regierung an den Anfang der ganzen Debatte eine Entschließung des Kabinetts gestellt, die zwar nicht als Antrag an das Parlament aufzufassen war, aber doch die Meinung der Regierung sozusagen schon vorweg und ohne Rücksicht auf das, was sie eventuell aus der Debatte würde entnehmen können, festlegte. Und Dr. Schumacher hat an den Beginn seiner Rede ein Nein gesetzt, gleich als ob dieser erste parlamentarische Tag einen Endpunkt darstellte und nicht zu einem Ausgangspunkt für Angleichungen der Auffassungen über die Verteidigung werden konnte.

Der Außenminister fehlt

Wie der Start der Auseinandersetzungen unglücklich war, so war es ihr Verlauf. Es stellte sich heraus, daß die Regierung, die Regierungsparteien und die Opposition auch über die Voraussetzungen für einen deutschen Verteidigungsbeitrag eigentlich einig waren: volle deutsche Gleichberechtigung und eine ausreichende militärische Kraftentfaltung der westlichen Alliierten an der europäischen Ostgrenze, also in Deutschalnd selbst. So blieb die, freilich wesentliche, Frage, ob und wann diese beiden Voraussetzungen als erfüllt anzusehen seien. Schumacher hat erklärt, seine Partei werde erst ja sagen, wenn die unzweideutige Entscheidung für die Solidarität der anderen mit uns durch militärische und politische Tatsachen geschaffen sei. Das entspricht zweifellos den Gefühlen und Wünschen des ganzen deutschen Volkes. Es entspricht

auch der Vernunft. Leider nur ist die Politik keine einseitige Angelegenheit und deshalb nicht immer vernünftig. Die Vernunft geht in außenpolitischen Dingen meist Zickzackwege, weil sie auch auf die Empfindungen anderer Völker Rücksicht nimmt und vielleicht nehmen muß. Ein wenig erinnert die Absolutheit, mit der Schumacher seinen, unseren Anspruch verficht, an die schönen gedanklichen Einteilungen der Planwirtschaftler, die uns mit dem einzigen Experiment, das sie bei uns bisher durchexerziert haben, nämlich dem des Dritten Reiches, in den Krieg und in den Zusammenbruch führten. Schumacher hat auf militärischem Gebiet seine Auffassung noch verdeutlicht. Ei’ hat eine Unterstützung durch Truppen des Westens verlangt, die garantiere, daß ein aggressiver militärischer Vorstoß gegen die Bundesrepublik in sofortigem Gegenstoß auf das feindliche Gebiet getragen werden könne. Wenn die Aussprache am Mittwoch darum gerungen hätte, zu einem gemeinsamen Standpunkt zu kommen, und wenn wir in der Bundesrepublik einen Verteidigungsminister hätten (den wir nicht brauchen), dann wäre dieser wahrscheinlich aufgestanden und hätte daran erinnert, daß es die Zielsetzung einer jeden Armee zu allen Zeiten gewesen ist, den Krieg nicht im eigenen Land führen zu lassen. Er würde darauf aufmerksam gemacht haben, daß trotz dieser verständlichen Absicht und der auf ihre Verwirklichung gerichteten Vorbereitungen eine der beiden Parteien dennoch immer sich nach Ausbruch des Krieges in ihren Hoffnungen getäuscht sah, die Schrecken ihrem Land fernhalten zu können. Kurz, ein Verteidigungsminister hätte klarzulegen versucht, daß der Wunsch Schumachers und des deutschen Volkes, Deutschland nicht Kriegsschauplatz werden zu lassen, berechtigt sei, im Interesse auch der übrigen westlichen Welt liege, daß ihm deshalb stärker Rechnung getragen werden müsse, daß es aber eine restlose Garantie für seine Erfüllung nicht gebe.

Leider haben wir auch noch keinen Außenminister (den wir dringend benötigen), ein Kabinettsmitglied, das seine ganze Arbeitskraft und Zeit dem Studium und der Behandlung der Beziehungen mit den anderen Völkern zu widmen vermag. Sonst hätte nach dem Verteidigungsminister dieser Außenminister bestimmt das Wort erbeten. Schumacher hatte erklärt, daß es sehr schön sei, zu wissen, man werde die letzte Schlacht in einem kommenden Kriege gewinnen, aber für uns Deutsche würde es genügen, wenn wir die erste Schlacht in demselben Kriege verlören. Nun, darauf hätte ein Außenminister erwidern können: Daß die Debatte dazu diene, den Frieden und nicht den Krieg zu gewinnen. Daß der etwaige Angreifer, wenn man nur ein wenig Verstand bei ihm voraussetze (und das darf man wohl), für sich keinen Segen darin sehen würde, die erste Schlacht zu gewinnen und die letzte zu verlieren. Dieser vermutliche Angreifer würde es wohl deswegen lieber auf beides nicht ankommen lassen. Und in dieser Möglichkeit würde der Außenminister die Rechtfertigung gesehen haben, durch einen Verteidigungsbeitrag die Sorge des Gegners vor einem Verlust der letzten Schlacht in möglichste Gewißheit zu steigern und dafür auch ein gewisses Risiko einzugehen, nämlich das unwahrscheinliche Risiko der Dummheit des Gegners.

Das gefährliche Nein

Diese Gelegenheiten zu einer wirklichen Vertiefung sind in der Aussprache verpaßt worden. Man hat sich noch einmal zum Schluß hier „ja-ja“, dort „nein-nein“ zugerufen und sich gegenseitig bestätigt, daß der andere den deutschen Interessen mit seiner Auffassung schade. Wenn Dr. Schumacher dabei immer wieder die Fanfare der Neuwahlen blies, so muß man ihm in Anlehnung an sein eigenes Wort entgegenhalten, daß eine Forderung nicht dadurch begründeter wird, daß man sie recht laut und oft wiederholt. Eine Neuwahl des Bundestages widerspricht dem Grundgesetz und all dem, was die Sozialdemokratie selbst bei Abfassung des Grundgesetzes gewollt hat. Zumindest zweifelhaft freilich bleibt — das muß zugegeben werden — die Frage, ob eine Aufstellung von Truppen nicht ein verfassungsänderndes Gesetz voraussetzt. Aber diese Frage ist politisch ziemlich gleichgültig, solange, wie jetzt mit der Bewußtseinsspaltung der politische Wille überhaupt gelähmt ist. Die ganze Zeit über ist dem Kanzler vorgeworfen worden, daß er angeblich voreilig ja gesagt habe. Nun hat die Opposition selbst die politische Weisheit vergessen, daß man niemals nein sagen soll. Ein solches Nein muß, selbst wenn sich die Dinge außenpolitisch günstig entwickeln würden, immer stören. Ob sie sich günstig entwickeln können, ob der Westen den innerpolitischen Schwierigkeiten der Bundesrepublik im Sinne der Vernunft Rechnung trägt, mag die Reaktion des Auslandes in den nächsten Wochen zeigen.

Daß das Gefühl der Sicherheit im deutschen Volk aber durch die außenpolitische Aussprache gewachsen ist, wird bis dahin kaum jemand zu behaupten wagen.

Doch Hinrichtungen?

McCloy prüft Landsberger Urteile

Frankfurt, 9. November, (dpa) Oberkommissar McCloy entscheidet dieser Tage endgültig über die in verschiedenen Nürnberger Prozessen gegen rund hundert Deutsche wegen Kriegsverbrechen ausgesprochenen Urteile.

Amerikanische Beamte erklärten, daß ein weitgehender Gnadenakt in die Wege geleitet ist. Nach zuverlässigen Informationen muß bei einigen der sechzehn zum Tode Verurteilten früheren SS- und SD-Führer mit einer Bestätigung des Urteils gerechnet werden.

10. November

M. G. Es war am Vormittag nach dem 9. November 1938, nach der Schreckensnacht in Berlin. Alle anständigen Menschen standen auf den Straßen erschrocken zusammen. Die Westend-Synagoge war in den späten Abendstunden angezündet worden. Laden- und Fensterscheiben lagen zertrümmert vor ausgeraubten Geschäften und Wohnungen. Wüste Zerstörungen straßauf, straßab. Da begegnete man einem Parteimitglied von nicht unbedeutender Stellung find fragte ihn erregt, was das bedeuten solle. Er wurde bleich und sagte ernst und bitter:

„Das Ende!“ Er ist bald darauf in ein Konzentrationslager gekommen. Man hat nie wieder etwas von ihm gehört. So war es in jenen von Schuld und Schicksal bestimmten Zeiten! Millionen sahen über den brennenden Synagogen die Flammenschrift des „Menetekel“, jene dunklen, den nahen Untergang verkündigenden Worte, die einst von Geisterhand in die Lüfte geschrieben wurden, als König Belsazar aus dem Tempel von Jerusalem geraubte Kult-Gefäße bei einem Gastmahl entweihte.

Die Millionen Anständiger wuchsen in den letzten Jahren des Krieges zu einer in ihrem Willen grausam gefesselten Macht an. Gewalt stand drohend hinter jedem einzelnen. Nach der Katastrophe aber sind diese Menschen eine nicht Öffentlich erkennbare, aber festgeschlossene Masse geworden, die keinerlei Übergriffe irgendwelcher Art mehr dulden wird. In allen Ländern gibt es Dummköpfe, deren enge Gehirne keine neuen Gedanken und Empfindungen aufnehmen können. Von ihnen wird nicht viel gesprochen, aber, wenn sie sich bei uns unliebsam bemerkbar machen, Dummes reden oder tun, dann wird immer noch versucht, mit ihrer Verurteilung die Einstellung der Gesamtheit zu verdunkeln. Es ist wie bei den Familien, die in ihrem Bereich auf Sauberkeit und Anstand halten, von ihnen redet kein Mensch; als seien sie gar nicht vorhanden. Aber von dem Üblen, das sich hier und da ereignet, sind die Gazetten voll.

Man darf mit gutem Gewissen behaupten, daß heute alle Deutschen mit tiefer Abscheu auf jene Dinge zurück blicken, die sich vot zwölf Jahren ereignet haben. Sie atmen auf, wenn sie hören, daß dieses und jenes jüdische Gotteshaus wieder erstanden ist. Sie sind entschlossen, keinerlei Gewaltregime mehr zu dulden, das dem Menschen sein Köstlichstes, seine Freiheit nimmt, sein Gewissen zu vergewaltigen und die teuflischen Dämonen zu wecken sucht, die in jedes Menschen Brust schlummern. Jener Widerschein des „Menetekel“ geistert immer noch über unseren Landen. Er rührt nicht nur von den verbrannten Synagogen her. Die Erinnerung daran kann nur immer wieder dazu beitragen, die Wandlung, die ein geschlagenes, sich mühsam wieder aufrichtendes Volk durchzumachen hat, weiter zu treiben.

Der Mensch lernt durch Schuld und Unglück mehr als in Jahrzehnten der Sicherheit und des Glückes. Man darf nur nicht bemüht sein, ihn immer wieder auf die Bank der Sünder zurückzudrücken. In solcher Verfassung ist er weder sich selbst, noch anderen nützlich. Niemand jedoch wird heute noch ohne. Scham an den auf so bestialische Weise mitten im Frieden zerstörten Synagogen vorübergehen können, denn da wurde das heiligste verletzt, was ein Volk besitzt.

„Weder Inflation noch Deflation“

Bundesfinanzminister Schäffer erläutert den Bundeshaushaltsplan

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 9. November. Der Haushaltsplan 1950/51, den Bundesfinanzminister Schäffer Donnerstagmittag im Bundestag einbrachte, ist der erste Jahreshaushaltsplan in der Bundesrepublik Deutschland. Er schließt in Einnahmen und Ausgaben mit je 13 067 882 400 Mark, von denen 795 032 600 Mark auf den außerordentlichen Haushalt entfallen.

In der ersten Lesung des Haushaltsplanes, die am Donnerstag von Bundesfinanzminister Schäffer mit einer großen Rede eingeleitet wurde, findet nur eine Generaldebatte statt, bei der es sich nicht nur um eine Stellungnahme zur Finanzpolitik, sondern auch zur Gesamtpolitik der Bundesregierung handelt.

In seiner Etatrede betonte Minister Schäffer, das Grundgesetz gebe für die Finanzierung der Finanzpolitik bindende Richtlinien, durch die das deutsche Volk und insbesondere der deutsche Sparer für alle Zeiten vor den grausamen Enttäuschungen einer Inflation geschützt wird. „Die Bundesregierung“, so erklärte der Minister, „wird nach wie vor dem deutschen Volk gegenüber ehrlich sein, eine betrügerische Inflationspolitik vermeiden und den sozialen Verpflichtungen dabei doch voll Rechnung tragen.“ Wegen der sozialen. Verpflichtungen, betonte der Minister an anderer Stelle seiner Ausführungen, würde auch unter keinen Umständen der Weg der Deflation gegangen werden. Weil der Bund auf Umsatz- und Verbrauchssteuern angewiesen sei, müsse eine Ueberlastung des Steuerzahlers vermieden werden.

Die Steuerschätzungen, so betonte der Finanzminister, seien von vorneherein aufgebaut gewesen auf die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung, die eine Belebung der Wirtschaft zur Folge hätten. Diese Schätzungen dürften sich bewahrheiten, denn der monatliche Eingang an Bundessteuern, der im April 594 Mil-

Honen Mark betragen habe, habe im August 751 Millionen Mark und im September sogar 819 Millionen Mark erreicht.

Zu der. Bundesanleihe von 409 Millionen Mark, die auf Grund des außerordentlichen Etats aufgelegt werden soll, sagte der Minister, diese Anleihe könne erst aufgelegt werden, wenn das Anleiheermächtigungsgesetz in Kraft getreten sei.

Die Weihnachtsgratifikationen

Keine höhere Steuergrenze vorgeschen

Bonn, 9. November, (dpa) Das Bundesfinanzministerium beabsichtigt nicht, die geltenden steuerlichen Bestimmungen über die Steuerfreiheit von Weihnachtsgratifikationen abzuändern. Wie ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums erklärte, ist in der neuen Fassung der Lohnsteuerdurchführungsverordnung vom 10. Oktober 1950 eine steuerliche Freigrenze für Weihnachtsgratifikationen von hundert Mark festgelegt worden.

Die Vermögensstener

Die Länder wollen sie behalten

Wiesbaden, 9. November, (dpa) Fachleute der elf Bundesländer kamen auf einer Tagung des Arbeitsstabes Lastenausgleich im Bundesrat, die in Eltville im Rheingau stattfand, übereinstimmend zu der Auffassung, das Vermögensteueraufkommen müsse den Ländern verbleiben und nicht, wie es der Lastenausgleichsentwurf des Finanzministers vorsieht, in den Lastenausgleich einbezogen werden.

Soforthilfedarlehen für Wohnungsbau

Antragsberechtigte können Zuschüsse erhalten

Frankfurt, 9. November, (dpa) Geschädigte im Sinne des Soforthilfegesetzes können als Ersatz für fehlende Eigenmittel oder Mieterzuschüsse zum Wohnungsbau Da.rlehen aus dem Soforthilfefonds beantragen.

Der Kontrollausschuß beim Hauptamt für Soforthilfe hat einer „Weisung über das Gewähren von Finanzierungshilfen für Eigenheime, Kleinsiedlungen und Mietwohnungen“ zugestimmt, die solche Individual-Hilfe erstmalig vorsieht.

• Die Finanzierungshilfe wird, wie vom Soforthilfehauptamt in Bad Homburg verlautet, als zinsloses Darlehen gewährt, das jährlich mit 4 Prozent zu tilgen ist. Sie kann auch zurp Erwerb von Anteilen an Wohnungsbaugenossenschaften oder zur Einzahlung auf einen Bausparvertrag verwendet werden, sofern dieser mit dem eingezahlten Betrag zuteilungsreif wird. Zur Errichtung eines Eigenheimes oder einer Kleinsiedlung ist für Darlehen an Füchtlinge ein Höchstbetrag von 2000 Mark und für sonstige Geschädigte von 1500 Mark vorgesehen. Bei Mietwohnungen ist er auf 1000 Mark je Wohnung festgesetzt.

Voraussetzung für die Beihilfe ist, daß der Geschädigte durch den Schadensfall oder durch Kriegsereignisse die Wohnmöglichkeit verloren hat und ihm am Arbeitsort keine geeignete Wohnmöglichkeit zur Verfügung steht. Er muß Familie haben und wirtschaftlich nicht in der Lage sein, Eigenkapital oder Mieterzuschuß selbst aufzubringen.

Anträge sind bei Eigenheimen und Kleinsiedlungen vom Geschädigten und bei Mietwohnungen in der Regel vom Geschädigten und dem Bauherrn gemeinsam an das zuständige Soforthilfeamt zu richten. Bauherren können auch selbständig Soforthilfedarlehen als Ersatz von Mieterzuschüssen beantragen, wenn sie sich verpflichten, Geschädigte in den neuerstellten Wohnraum aufzunehmen.

Kennzeichen für Behördenwagen

fordert der Bund der Steuerzahler

Stuttgart, 9. November, (dpa) Vom Bund der Steuerzahler in Württemberg-Baden wurde angeregt, die Kraftwagen der Ministerien und Behörden besonders zu kennzeichnen. Dadurch werde zweifellos erreicht, daß die Regierungsstellen mit ihren Fahrten vorsichtiger würden und manche Fahrt, hauptsächlich an Sonntagen und in den Abendstunden, ganz unterbleibe.

Absetzbewegungen der Kommunisten

Will Peking größere Kampfhandlungen in Korea vermeiden?

Söul, 9. November. (AP.) Die Absetzbewegungen der rotchinesischen und nordkoreanischen Truppen in ganz Korea halten weiter an. An der Nordwestfront haben die Truppen der Vereinten Nationen den C^onchong auf ganzer Breite überschritten und sind zum Teil bis zu sechs Kilometer nach Norden vorgestoßen. Zwischen Anju und P ak c h o n wurden mehrere Ortschaften kampflos besetzt. Seit zwei Tagen haben die UN-Truppen fast keine Kampfberührung mit dem Gegner.

Ein Sprecher der achten Armee erklärte dazu, es sei möglich, daß die Chinesen größere Kampfhandlungen bis zum Abschluß der diplomatischen Besprechungen über die Intervention Pekings vermeiden wollten. Der amerikanische Geheimdienst im Hauptquartier General Mac Arthurs schätzt die Zahl der zur- Zeit auf koreanischem Boden befindlichen Chinesen auf 60 000 Mann. Neue Truppen überschritten laufend die mandschurische Grenze. Es soll sich insgesamt um wesentliche Bestandteile von vier rotchinesischen Armeegruppen handeln. Die Zahl der nordkoreanischen Truppen wird ebenfalls auf 60 000 geschätzt.

Im Nordosten Koreas haben amerikanische'und südkoreanische Truppen im Raum nördlich von Pungsan einen Punkt erreicht, der nur 36 km südlich der Grenzstadt Hye s a nj i n liegt. Im Gebiet des Chang jin-Reservoirs haben sich die rotchinesischen Truppen zurückgezogen. Die amerikanische Marinedivision hat die Verfolgung nur zögernd autgenommen, um eine Falle zu vermeiden.

Amerikanische Trägerflugzeuge haben am Donnerstag zwei Brücken über den Ya 1 u durch Bombenwürfe vernichtet. Bei Luftkämpfen wurde ein weiterer Düsenjäger sowjetischer Bauart abgeschossen.

Nordkoreas Führnng gespalten?

Tokio, 9. November, (dpa) Die nordkoreanische Führung soll sich in eine pro-sowjetische und eine pro-chinesische gespalten haben. Diese Mitteilung entstammt den Aussagen eines Nordkoreaners, der gegenwärtig als politischer Häftling in einem Gefängnis in Pyöngyang sitzt.

3timmen der Anderen

Die Bundestags-Debatte

Zur außenpolitischen Debatte des Bundestages schreibt das Pariser Linksblatt „Comba t“:

„Welche Aufmerksamkeit die Adenauer-Erklärung auch verdienen mag, unser Interesse wird vor allen Dingen durch die Argumentation von Dr. Schumacher in Anspruch genommen. Es ist bekannt, daß die von Schumacher angekündigte Opposition gegen die Aufrüstung Deutschlands Ausdruck einer ständig stärker werdenden Bewegung in der Bundesrepublik ist, die von der Sozialdemokratie und von den protestantischen Kirchen beeinflußt wird. Muß man annehmen, daß Dr. Schumacher zum Vorkämpfer eines revolutionären Pazifismus geworden ist? Das ist wohl kaum wahrscheinlich. Seine eigentliche Zielsetzung scheint ein großzügig angelegter antisowjetischer Kreuzzug zu sein, dessen erste Kosten nicht das deutsche Volk zu tragen hätte. Was Schumacher will, ist weniger der Friede als die Vorbereitung eines mit Sicherheit siegreich endenden Krieges. Er weigert sich nicht, übermorgen an der Elbelinie, auf die er die Augen gerichtet hat, deutsche Soldaten zu sehen. Er will Vorhuten, die des Sieges sicher sind, und nicht Nachhuten, die für eine Verzögerungsstrategie geopfert werden. Als solche erscheinen ihm die Pläne Bradleys und Montgomerys. So macht sich Dr. Schumacher zum Verteidiger einer Idee, die Jules Moch in den letzten Tagen mit besonderem Nachdruck verurteilte, als er erklärte: „Wir wollen nicht sterben, damit die Preußen Königsberg zurückerobern können1.“

Die „Basler Nachrichten“ schreiben:

„Was über die parlamentarische Szene ging, zeigt die Geschlossenheit der Regierungskoalition und ebenso die gegensätzliche Einstellung der Sozialdemokratie als maßgebliche Oppositionsgruppe. Für das deutsche Volk bedeutet dies vor allem die erneute Bestätigung der Tragik deutscher Politik, daß Opposition und Regierung sich immer wieder in außenpolitischen Fragen als Gegner gegenüberstehen und nicht zum fördernden Spiel der Kräfte gelangen wollen. Der deutschen Sache in ihrer Gesamtheit mag ebensowenig dienlich sein, daß Dr. Schumacher unter Abkehr von der Mäßigung, die er in den letzten Monaten zeigte, wieder in den Ton eines überpointierten Nationalismus verfiel. Die Einbeziehung der Saarfrage in die Debatte, nur um die Regierung eines nicht ausschließlich nationalen Gewissens zeihen zu können, ist hierfür lediglich eines der Beispiele, die seine Rede lieferte, das aber auch die Opposition in ein schiefes und von der Mehrzahl ihrer Mitglieder nicht einmal verdientes Licht bringt.“

Verschärfte Postkontrolle

Berlin, 9. November. (O) Eine verschärfte Kontrolle des Brief-, Fernsprech¬ - Telegraphenv^rkehrs zwischen der Sowjetzone und Westdeutschland sowie West-Berlin und dem Ausland hat die Sowjetzonenregierung angeordnet.

Neue Lohntarife wurden in der pfälzischen Sägeindustrie und im Holzhandel beschlossen. Die Lohntarife werden rückwirkend vom 15. Oktober um durchschnittlich acht Prozent erhöht.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

60) Henriette behelligte den Herzog so selten wie möglich mit häuslichen Ärgernissen, und sie zögerte, bevor sie es diesmal tat, da sie ja wußte, wie sehr seine neue politische Tätigkeit ihn in Anspruch nahm. Aber weil sie nicht daran zweifelte, daß Lisette die Situation ausnutzen würde und weil sie Berthes baldige Gesundung in Frage gestellt sah, teilte sie ihm noch am selben Abend das Vorgefallene mit.

„Sie muß sofort das Haus verlassen!" entschied er. „Das ist wahrhaftig unglaublich! Nächstens wird sie Berthe noch Laudanum zu essen geben. Sie hät-

ten sie auf der Stelle entlassen sollen!“ „Aber, Monsieur, dazu habe ich doch gar nicht die Befugnis. Sie wissen doch, wie sehr die Herzogin an Lisette hängt; es wäre mir lieber, Sie sprächen zuerst mit Ihrer Frau darüber.“

Widerwillig erklärte er sich dazu bereit; und obwohl Lisette am nächsten Tag mit ihren Siebensachen auszog, hatte ihre Entlassung noch weittragende Folgen. Der Herzog und die Herzogin hatten sich so heftig gestritten, daß die Herzogin eine ganze Woche das Bett hüten mußte, während der Herzog sich in seinen Zimmern abschloß und jeden Abend auswärts speiste. Er berührte das Thema nicht wieder; aber Henriette vermutete, daß der Streit sich mehr um sie und ihren Einfluß im Haushalt gedreht hatte. als um die Ungehörigkeit des Mädchens.

Lisette jedoch blieb der alten korsischen Tradition treu. Die Herzogin war gerade wieder aufgestariden und Berthe halbwegs genesen und der Friede wieder einigermaßen hergestellt, da brach eine neue Krise aus. Lisette war offenbar so erwies es sich unverzüglich in die Redaktion der Zeitung gegangen, die damals die erste Skandalnotiz gebracht hatte, und hatte dort ihre eigene Darstellung von ihrer Entlassung zum besten gegeben. Sie ließ nichts aus, was ein schlechtes Licht auf Mademoiselle Deluzy werfen konnte, und die Redakteure dieses Hintertreppenblattes waren nur zu gerne bereit, die Geschichte, wo sie es für nötig hielten, mit unerfreulichen Einzelheiten eigener Erfindung auszuschmükken. So wurde wieder einmal das eheliche Zerwürfnis im Hause Praslin und die Vernarrtheit des Herzogs in eine gewissenlose und berechnende Erzieherin zum Gegenstand allgemeinen Klatsches auf dem rechten wie auf dem linken Ufer der Seine, bei Hofe nicht weniger als in den Läden und den Cafes. Zufälligerweise waren die Zeitungen zu dieser Zeit überdies um Neuigkeiten verlegen, und infolgedessen verbreiteten sich die Blätter an mehreren Tagen hintereinander ausführlich über den offenen Skandal eines solchen Vorfalls in einer der vornehmsten Adelsfamilien. Man deutete an, die Herzogin habe durch all die Kränkungen und durch die grausame Behandlung ihres Gatten den Verstand verloren; der Kummer habe sie in ein Kloster getrieben; sie werde daran gehindert, ihre Kinder zu sehen; dieses sei nicht die erste Eroberung der schönen, aber schamlosen Mademoiselle D., ja, sogar der König selbst solle gedroht haben, einzugreifen, falls der Herzog in seiner Verblendung verharre.

Henriette erfuhr von dieser letzten Attacke erst, lange nachdem die Zeitung, die sie eingeleitet hatte, in der Gesindestube gelesen und eingehend erörtert worden war. Der Sturm brach an Raynalds Geburtstag los, gerade als sie besonders beschäftigt gewesen war; der Unterricht wurde auf den Morgen zusammengedrängt, damit der Nachmittag zur Feier frei blieb. Albert Remey war gebeten worden, mit ihnen allen zu einer Kindervorstellung von Einaktern in der Passage Choiseul zu fahren. Der große Landauer war mit weiten Reifröcken und guter Laune gepackt voll, als er abfuhr. Es war ein sonniger Junitag, aber noch nicht so sommerlich heiß und staubig, um das frische Grün allenthalben zu beeinträchtigen. UeberaU Blumen — in den Parks, den Blumenständen, in Körben und Fensterkästen und auf den Hüten der Damen.

„Du hast wirklich Glück, im Juni Geburtstag zu haben“, beglückwünschte Henriette den Jungen, der in seinem neuen Leinenanzug und rot eingefaßten Schuhen neben ihr saß. „Selbst ohne Geschenke ist das noch ein Vorzug.“

Aber Raynald war der Ansicht, daß Geschenke ein sehr notwendiger Bestandteil seien. Ja, auf der Heimfahrt faßte er plötzlich den Entschluß, Mademoiselle an seipem Geburtstag teilhaben zu lassen und ihr von seinem Taschengeld ein Geschenk zu erstehen. In seinen Taschen brannten' geradezu die Silberfranken und Zehnfrankenscheine, die sein Vater, sein Großvater und die beiden stolzen Großonkel Sebastian! ihm an diesem Morgen zugesteckt hatten. Er gab sich nicht eher zufrieden, bis sie vor dem kleinen Laden dicht bei der Rue de Rivoli hielten, in dem sie schon so oft dem Juwelier zugeschaut hatten, wie er Kameen schnitt.

Raynald hatte es sich in den Kopf gesetzt, eine solche Kamee für seine Mademoiselle zu kaufen, obwohl diese sich alle Mühe gab, ihm eine derartige Verschwendung auszureden. Albert Remey begleitete Raynald in den Laden, um ihm beim Aussuchen zu helfen, während Henriette mit den Mädchen draußen im Wagen wartete. Aber die Auswahl bot so viele Schwierigkeiten, daß Henriette schließlich doch hinzugezogen werden mußte.

„Er hat zwei kleine ausgesucht, die ihm der Juwelier zum halben Preis lassen will“, flüsterte Albert zu ihr. „Ich glaube ja nicht, daß sie Ihnen besonders gut gefallen werden; aber Sie machen ihm wohl besser die Freude. Es würde ihn gewiß sehr kränken, wenn Sie seine Wahl nicht gutheißen.“

Nach der Helligkeit der Straßen wirkte der Laden ungewöhnlich dunkel, und soweit sie es erkennen konnte, schienen ihr die kleinen Kameen, deren Schönheit der ältliche Juwelier seinem jungen Kunden anpries, sehr fein geschnitten.

„So, Mademoiselle, jetzt dürfen Sie wählen!“ forderte Raynald sie mit einer großartigen Geste auf.

Es war deutlich, daß der Junge die bevorzugte, die einen Mönch darstellte, der einen bleichen Totenkopf vor einem braunen Hintergrund in der Hand hielt. Raynald befand sich gerade in dem Alter, in dem Totenschädel eine Hauptrolle in abenteuerlichen Knabengeschichten spielen, und es war nicht zu leugnen, daß der Kameenschneider hier ein kleines Meisterwerk geschaffen hatte. „Kein Wunder“, dachte Henriette jedoch, „daß er ihm das Schmuckstück billiger verkaufen will; sehr heiter ist es ja gerade nicht.“

„Sie werden nirgends etwas Aehnliches finden , bemerkte der Juwelenhändler. Henriette gab zu, daß er damit sicher recht habe, aber als sie die schenkfreudige Begeisterung in Raynalds Augen leuchten sah, brachte sie es nicht übers Herz, ihn zu enttäuschen.

„Was für ein sonderbarer Geschmack!“ sagte sie leise zu Albert, während die Kamee in Watte gehüllt und in eine kleine Schachtel getan wurde. „Er ist doch ein merkwürdig eigenwilliger Junge. Hoffentlich hat er nicht sein ganzes Geld dafür ausgegeben.“

Albert antwortete nichts darauf. Er beugte sich über eine Zeitung, die aufgeschlagen auf dem Ladentisch lag. Der Ausdruck in seinem Gesicht überraschte sie Sein Mund stand offen, und er sah plötzlich in dem Dämmerlicht ganz blaß aus. Ihre Augen folgten seinem Blick zu der Zeitung, und es durchfuhr sie wie ein Blitzschlag, als sie dort den Namen Praslm und ihren eigenen las. Die Buchstaben schienen ins Riesenhafte zu wachsen. Ihre Hand suchte den Rand des Tisches und klammerte sich krampfhaft daran Wie von weit her vernahm sie die höflichen Worte, mit denen der Juwelier sich bedankte und empfahl.

„Und wenn der Herr sich für die Zei¬ ™ng interessiert, dann würde es mir ein Vergnügen sein, sie ihm anbieten zu dürfen. Ich habe sie bereits gelesen.“

. „Nein, . nein, ich danke Ihnen, Monsieur“. hörte Henriette Albert hastig entgegnen, und sie fühlte seine Hand auf ihrem Arm und merkte seiner Stimme an, wie erregt er war. (Fortsetzung folgt.)

Heftiger Wahlkampf in Aussicht

Landeswahlleiter Dr. Maier erläuterte die Wahlvorschläge

9- November. (Eigener Bericht.) In einer Pressekonferenz am Donnerstag erläuterten Innenminister Zinnkann sowie der hessische Landeswahlleiter. Ministerialrat Dr. Hans Maier, d'e nunmehr abgeschlossenen Wahlvorschläge zur Landtagswahl in Hessen.

Danach sind in sämtlichen 48 Wahlkreisen die vier bisher im Landtag vertretenen Parteien (SPD, CDU, FDP, KPD) zugelassen. Die Nationaldemokratische Partei/Deutsche Reichspartei (NDP/DRP), die in 27 Wahlkreisen Vorschläge eingereicht hatte, wird in fünf Wahlkreisen vertreten sein, und zwar in: Frankenberg/Ziegenhain, Biedenkopf, Marburg-Stadt, Alsfeld, Büdingen. Der Block der Vaterländischen Einigung (BVE) stellt in den Wahlkreisen Wiesbaden-West (Rehbein) und in Frankfurt-Nordost Kandidaten auf. Die Hessische Bauern- und Landvolkpartei (HB und LVP), die ursprünglich auch im Kreis Hünfeld kandidieren wollte, wird jetzt nur im Wahlkreis Fulda-Stadt vertreten sein. Als

„Parteilose“ wurden in Biedenkopf Otto Schneider und Dr. Kuno Stock aufgestellt. Bei den zurückgewiesenen Wahlvor-Wahlberechtigung, wie auch festgestellt Wahlausschüsse eine nicht ordnungsgemäße oder vollständige Nominierung ergeben. So wiesen z. B. die 22 abgelehnten Vorschläge der NDP/DRP Unterschriften von nur 10 bis 100 Personen auf. Ebenso fehlte in zahlreichen Fällen die erforaerliche Bescheinigung einer Wahlbescheinigung, wie auch festgestellt wurde, daß sechs Unterschriften nicht selbst vollzogen worden sind

Nach dem neuesten Stand, so erklärte Dr. Littmann vom Landeswahlbüro, habe inzwischen der Parteilose. Rechtsanwalt Schneider, Biedenkopf, seine Kandidatur zurückgezogen. Auch die DRP, die in fünf Wahlkreisen gemeinsam mit der NDP antritt, wolle — offenbar ohne Zustimmung der Nationaldemokraten—von von einer Beteiligung an der Landtagswahl Abstand nehmen.

Zehn der in den Wahlkreisen zugelassenen 202 Spitzenkandidaten sind nach der abgeschlossenen Uebersicht Frauen, während die 199 Personen zählende Nachfolgerliste 17 weibliche Kandidaten umfaßt. Bei der Landesergänzungsliste mit 180 Vorschlägen beträgt der Anteil an Frauen 14.8 Prozent, d. h. es wurden 26 weibliche Kandidaten aufgestellt.

Nach einem Bericht der Landräte und Oberbürgermeister gestaltete sich der Wahlkampf seither im Lande recht schleppend. Plakate wurden in den Städten wenig, in den Dörfern nur vereinzelt angetroffen. Man rechnet mit einer kurzen, aber heftigen Wahlkampagne während der letzten zehn Tage. Auch die Bevölkerung habe bisher nur wenig Interesse für die bevorstehende Wahl gezeigt; lediglich Wahlversammlungen mit prominenten Rednern hätten eine größere Besucherzahl anziehen können. Nach Auffassung der Landräte in Hessen scheinen die Neubürger mehr Interesse an der Wahl zu haben als die Alteingesessenen. Schätzungen über eine etwaige Wahlbeteiligung bewegen sich zwischen 65 und 80 Prozent.

Enthüllungen im „Spiegel“ -Ausschuß

Der Name des Gewährsmannes ist nun bekannt

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 9. November. „Kaum war mir das Wort entfallen“, so möchte man die wirklich verblüffende Szene überschreiben, die sich am Donnerstagvormittag vor dem „Spiegelausschuß“ abspielte, als dem Münchener „Spiegel“-Vertreter Volkmar der Name des Gewährsmannes entfuhr, der die Baumgartnerschen Gesprächsprotokolle dem Journalisten zugeleitet hatte, von dem sie Volkmar erhalten hat.

„Alle wissen es, nur der Ausschuß weiß es nicht“, hatte Volkmar in einem Gespräch mit anderen Pressevertretern gesagt, das von Abgeordneten mitangehört wurde. Nun wurde er wegen dieser Aeußerung erneut als Zeuge zitiert und dabei entfuhr ihm die Bemerkung, nichts „im Zusammenhang mit Baumann“ gesagt zu haben. Der Vorsitzende der Bayernpartei, Dr. Baumgartner, erklärte dann vor dem Ausschuß, daß Baumann ein Angestellter des kürzlich tödlich verunglückten Generalsekretärs der Bayernpartei, Dr. Falkner, war. Angeblich ist Baumann am Mittwoch von der Bayernpartei entlassen worden.

Die mehrfache Vernehmung Dr. Baumgartners am Donnerstagvormittag brachte einige erregte Auftritte, wie sie sich beim Temperament des Bayernparteivorsitzenden von selbst ergeben. Vor allem kam es zu Zusammenstößen mit Abgeordneten der Christlich-Sozialen Union des Ausschusses, denen Dr. Baumgartner vorwarf, sie hätten „selbst viel mehr Schmutz“ und seien befangen. Ihnen gehe es nur darum, der Bayernpartei zu schaden. Außerdem verlangte Dr. Baumgartner, daß der Ausschuß in erster Linie der „Schäffer-Angelegenheit“ weiter nachgehe. Der Vorsitzende Dr. Semler machte

Dr. Baumgartner darauf aufmerksam, daß die hierfür notwendigen Zeugen bereits vor der Türe warteten.

„Cine üble Wahlmache“

Wiesbaden, 9. November. (Eigener Bericht.) Der hessische Innenminister Zinnkann beschäftigte sich am Donnerstag vor Pressevertretern erneut mit der Auslieferung des deutschen Staatsangehörigen Georg Hübenthal, nachdem in einer Bildreportage der „Schwäbischen Illustrierten“ eine unrichtige Darstellung der Vorgänge veröffentlicht worden ist. Der Minister bezeichnete alle Versuche, der hessischen Staatsregierung ein schuldhaftes Verhalten in dieser Angelegenheit vorzuwerfen, als üble Wahlmache.

Minister Zinnkann erhob die Forderung, daß nun endlich von seifen der Bundesregierung Klarheit in allen Auslieferungsangelegenheiten geschaffen werden müsse, damit ein unrechtmäßiges Vorgehen der Besatzungsmächte, wie im Falle Hübenthal, künftig vermieden werde.

Vernehmung der Frau Pleil

Sie ist seit 1948 von dem Massenmörder geschieden

Braunschweig, 9. November. (AP) Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und der Presse ist am Donnerstag die geschiedene Ehefrau des „Totmachers“ Pleil vom Gericht vernommen worden. Frau Margarete Knab, so lautet der jetzige Name der einstigen Frau Pleil, war aus Zöblitz im Erzgebirge gekommen, nachdem sie erst vor wenigen Tagen ihren Interzonenpaß erhalten hatte.

Frau Knab teilte später der Presse mit, sie habe dem Gericht ihr Eheleben geschildert. Pleil, von dem sie seit 1948 geschieden ist, habe während ihrer Aussage völlig gleichgültig dagesessen. Entgegen den Behauptungen, die Pleil in seinen Aufzeichnungen aufgestellt hatte, habe sie dem Gericht gegenüber ihre Beziehungen als normal bezeichnet.

Frau Knab drückte ihre Ueterzeugung darüber aus, daß ihr ehemaliger Mann die ihm zur Last gelegten Mordtaten begangen hat. „Ich bin mit Rudolf fertig“, sagte sie nach ihrer Vernehmung. „Er will auch mit mir nichts mehr zu tun haben, aber ich soll die Kinder von ihm grüßen.“

Widersprechende Gutachten

Die beiden Sachverständigen gaben widersprechende Gutachten ab. Während der Göttinger Psychiater, Professor Dr. Gottfried Ewald, den Angeklagten als vermindert zurechnungsfähig bezeichnete und ihm den Schutz des Paragraphen 51 zubilligte, erklärte ihn der Sachverständige für gerichtliche Medizin, Prof. Dr. Gottfried Jungmichel, Göttingen, als vollverantwortlich für seine Taten.

Kriegsverbrecherprozeß

General Ramcke unter Anklage

Paris, 9. November, (dpa) Vor dem Pariser Kriegsgericht beginnt am 11. Dezember der Prozeß gegen den ehemaligen deutschen General der Fallschirmjäger, Ramcke. Er steht unter Anklage, Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Forderungen der Heimatvertriebenen

Hessenplan als Grundlage / Aussprache mit Minister Hilpert und Zinnkann

Wiesbaden, 9. November. (Eig. Bericht.) Der Vorstand des Landesverbandes der Heimatvertriebenen in Hessen hatte am Mittwoch und Donnerstag mit den Staatsministern Dr. Hilpert und Zin n - kann längere Aussprachen über die Lösung des Vertriebenenproblems und überreichte dabei in einer Denkschrift „grundsätzliche Forderungen der Heimatvertriebenen ap die künftige Regierung des Landes Hessen und an den künftigen Landtag“. Danach erwarten die Heimatvertriebenen vom künftigen Landtag die Anerkennung des Hessenplanes als eine Voraussetzung für eine sinnvolle und zweckmäßige Eingliederung der Heimatvertriebenen in das Erwerbsleben.

Der Hessenplan, der im Laufe der nächsten Jahre die Umsetzung von 25 000 heimatvertriebenen Familien vorsieht, will 2500 neue Arbeitplätze und ebensoviele neue Wohnungen schaffen. Dabei wird die Bereitstellung von Etatmitteln für die Erweiterung des Landesamtes für Flüchtlingswesen, für die Gewährung von gewerblichen Krediten in ausreichendem Maße und zu tragbaren Bedingungen sowie eine entsprechende Gewährung von Wohnbaukrediten die unbedingte Notwendigkeit sein.

Zu ihren weiteren Forderungen zählen die Flüchtlinge noch eine Verbesserung des Flüchtlingssiedlungsgesetzes, um der Gefahr einer endgültigen Landflucht der heimatvertriebenen Bauern zu begegnen. Weiterhin wünscht man eine Novellierung des Bodenreformgesetzes in allen den Teilen, die der beschleunigten Erfassung anfallenden Bodens und seiner Versiedlung hemmend entgegenstehen. Auch sollen die Richtsätze der öffentlichen Fürsorge den erhöhten Lebenshaltungskosten angepaßt werden.

Wie bei der Besprechung mit Beamten der hessischen Flüchtlingsverwaltung zu entnehmen war, wird allein die Beschaffung von 25 000 neuen Arbeitsplätzen im Rahmen des Hessenplanes den Staat etwa 75 Millionen DM kosten. Dabei denkt man u. a. an die Errichtung von tausend neuen handwerklichen und 200 neuen industriellen Betrieben. Auch ist eine Erweiterung der bereits bestehenden Unternehmen sowie eine Vollausnutzung ihrer betrieblichen Kapazität durch zusätzliche Betriebsmittel vorgesehen.

Weiterhin übergab der Vorstand des Landesverbandes der Heimatvertriebenen der hessischen Landesregierung eine mit der hessischen Flüchtlingsverwaltung gemeinsam ausgearbeitete Erklärung, die an die Bundesregierung sowie an die Alliierte Oberkommission gerichtet ist.

In ihr bitten die Heimatvertriebenen die hessische Landesregierung, bei der Bundesregierung mit allem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß die Maßnahmen zur Erhöhung der äußeren Sicherheit nicht auf Kosten der wirtschaftlichen und sozialen Existenznotwendigkeiten der Vertriebenen gehen dürfen.

Die Heimatviertriebenen sind der Auffassung, daß man von Westdeutschland für Verteidigungszwecke nicht zehn Prozent des Sozialproduktes fordern könne, solange Millionen Vertriebene keinen gerechten Anteil an diesem Sozialprodukt hätten.

Die Heimatvertriebenen weisen nachdrücklich auf die Verpflichtung sowohl der deutschen Regierung als auch der Westalliierten hin, wonach der Hilfeleistung für Vertriebene die gleiche Dringlichkeit wie den Maßnahmen zur Verstärkung der äußeren Sicherheit eingeräumt werden müsse.

Taft stellt an Truman Fragen

Er wirft der amerikanischen Regierung Geheimpolitik vor

Washington, 9. November. (AP.) Der als scharfer Gegner Trumans bekannte, soeben wiedergewählte republikanische Senator Taft hat die Regierung der Geheimpolitik in außenpolitischen Fragen beschuldigt und gefragt, ob Westeuropa überhaupt verteidigt werden könne. Taft

forderte eine öffentliche Darlegung der bisher eingegangenen Verpflichtungen zur Verteidigung Westeuropas, bevor weitere Zugeständnisse gemacht würden.

Taft stellte folgende sechs Fragen an die Regierung:

1. Wie stark müssen die amerikanischen Truppen sein und wie hoch sind die zusätzlichen Kosten dafür?

2. Wird sich die Notwendigkeit der Einziehung aller jungen Amerikaner mit Erreichen des 18. Lebensjahres ergeben?

3. Kann Westeuropa überhaupt verteidigt werden?

4. Wenn die Sowjetunion im Besitz von Atombomben ist, mit denen sie die amerikanischen Städte bombardieren kann, kann sie dann nicht auch die Nachschubhäfen Europas zerstören und die Truppen von ihren Versorgungsbasen abschneiden?

5. Wie wird der dritte Weltkrieg aussehen?

6. Wie können wir ihn gewinnen?

Niemand wird bezweifeln, daß durch eine ausreichende Luftwaffe die Vereinigten Staaten vor einem sowjetischen Angriff geschützt und die Sowjetunion durch die Möglichkeit einer Bombardierung ihrer Städte und industriellen Anlagen von einem Weltkrieg abgehalten werden könne. Eine öffentliche Diskussion dieser Fragen sei aber unbedingt notwendig, da die Bevölkerung die finanziellen und Blutopfer zu tragen habe.

Rot-China wurde eingeladen

Weltsicherheitsrat beschließt Peking anzuhören

Lake Success, 9. November (BBC). Der Weltsicherheitsrat wird einen Vertreter der chinesischen kommunistischen Regierung auffordern, an der Debatte über die chinesische Einmischung in Korea teilzunehmen. Der Antrag hierzu wurde am Mittwochabend von dem britischen Delegierten gestellt und mit acht gegen zwei Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Sowohl der amerikanische als auch der russische Delegierte stimmten für den Antrag. Der Vertreter der chinesischen kommunistischen Regierung wird nur an den Verhandlungen über den Teil von General Mac Arthurs Bericht teilnehmen, der die Beschuldigungen gegen Chinas Einmischung enthält.

Deutsches Potential nötig

Genf, 9. November. (AP.) Das deutsche Kriegspotential werde dringend für die Sicherheit Europas benötigt, hat Graf Richard Coudenhove-Kalergi, der Präsident der Paneuropabewegung, am Donnerstag in einem Memorandum erklärt.

Wirtschaftsblatt

Baubilanz

Wie aus dem Lagebericht des Wohnungsbauministers für den September zu entnehmen ist, ballen sich im Augenblick die Arbeiten an den Bauten, die noch vor Einbruch des Winters fertiggestellt werden sollen, zusammen. Gleichzeitig werden aber noch neue Bauvorhaben in großer Zahl begonnen, deren Fertigstellung jedoch erst im kommenden Jahr erwartet werden kann. In den ersten neun Monaten des Jahres 1950 wurden rund 165 000 Wohnungen fertiggestellt.

Die Zahl der arbeitslosen Baufach- und Bauhilfsarbeiter verminderte sich von Ende August bis Ende September um rund achttausend. Im dritten Vierteljahr wuchs die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe auf 1 331 000 Ende September, das heißt um 124 000 an. Der Kräftezustrom in die Baubetriebe war also wesentlich stärker als der Rückgang der Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter.

Die Indexziffer der Baustoffproduktion erhöhte sich im September auf vorläufig 118 (Jahresdurchschnitt 1946 = 100). In der Kohlenversorgung traten Schwierigkeiten auf.

Von den Bundeshaushaltsmitteln waren Anfang Oktober 230 Millionen ausgezahlt. Die Hypothekenzusagen der Kapitalsammelstellen seit Anfang 1950 erhöhten sich bis Ende September auf rund 1,7 Milliarden Mark einschließlich eines Uebergangs von 234 Millionen aus dem Vorjahr. Die Kapitalsammelstellen einschließlich Bausparkassen zahlten rund 907 Millionen Mark für die Wohnungsbaufinanzierung aus.

Rekordumsatz in Zuteilungsrechten

Tendenzrückschläge zum Herbst-Ultimo

Bz. Das Wertpapiergeschäft an den deutschen Effektenbörsen hat in den jüngsten Wochen eine beträchtliche Ausweitung erfahren. Dies gilt weniger von dem Handel in effektiven (greifbaren) Aktien. Einen Hauptantrieb für das Geschäft in „Zuteilungsrechten“ (früher Girostücke) brachte das Gesetz „Ueber die Ausübung von Mitgliedschaftsrechten aus Aktien während der Wertpapierbereinigung.“

Durch dieses Gesetz vom 1. Oktober 1949 sind bekanntlich alle Aktien aus dem Girosammelverkehr „kraftlos“ geworden. Mithin können alle Aktionäre ihre Mitgliedschaftsrechte erst dann wieder ausüben, wenn ihnen eine Gutschrift auf Sammeldepotkonto erteilt werden wird. Die Dauer dieses ausweislosen Zustandes schätzen die zuständigen Stellen auf weitere ein bis zwei Jahre. Bei den Beschlüssen über die DM-Eröffnungsbilanz und die Kapital-Neufestsetzung müssen aber alle Aktionäre mitwirken.

Diesen Zustand hat das neue Gesetz beseitigt. Für die Dauer des Wertpapierbereinigungsverfahrens ist jetzt ein neues Ausweisverfahren für „Aktien ohne Lieferbarkeitsbescheinigung“ eingeführt worden. Damit erhält der Aktionär „die formelle Berechtigung zur Ausübung seiner Mitgliedschaftsrechte“.

Diese neuen Bescheinigungen werden von den Kassenvereinen ausgestellt. Die Banken selbst haben vielfach die Beobachtung gemacht, daß aller Voraussicht nach Befürchtungen wegen zu hoher Anmeldungen von Aktien oder wegen Verkaufs von nicht rechtmäßig erworbenen Aktien weitgehend nicht zutreffen. Im übrigen hat sich immer mehr die Ansicht durchgesetzt, daß das Zuteilungsrecht aus der Aktie des Giro-Sammeldepots nahezu gleichwertig den greifbaren Stücken sein dürfte. Die Umsätze in Zuteilungsrechten erreichten in den jüngsten Wochen Hunderte von Millionen, Ja, am Frankfurter Platz dürften mehr als eine Milliarde des Nominales den Besitzer gewechselt haben. Die frühere Minderbewertung gegenüber dem amtlichen Kurs der lieferbaren Aktie hat sich bei den meisten Werten bedeutend verkleinert. Nicht selten beträgt der Unterschied nur noch zwischen 5 und 10 Prozent. In den aller jüngsten Tagen wurde allerdings ein gewisser Rückschlag angesichts der Maßnahmen der Notenbank fühlbar.

In den deutsch-griechischen Handels¬ vertragsverhandlungen ist eine weitgehende Einigung erzielt worden. In Frage kommt eine Einfuhr griechischer Waren im Werte von rund 15 Millionen Dollar und ein Export deutscher Erzeugnisse nach Griechenland in Höhe von 45 Millionen Dollar.

Verhandlungen zwischen der deutschen Bundesrepublik und Norwegen haben zur Paraphierung eines neuen Warenabkommens geführt. Das Volumen des Handelsverkehrs soll 70 bis 80 Millionen Dollar betragen.

Ein neues Handelsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Norwegen wurde abgeschlossen. Das Abkommen hat ein Gesamtvolumen von etwa 294 000 000 bis 336 000 000 DM.

Wein aus Frankreich

Das Handelsabkommen mit Frankreich steht vor seinem Abschluß. Danach soll Frankreich liefern: 175 000 Tonnen Weizen, 25 000 Tonnen Weizenmehl, 125 000 Tonnen Zucker, für 5,25 Mill. Dollar Weine und Spirituosen (darunter für 400 000 Dollar Champagner), für 4 Mill. Dollar Gemüse, Schmalz und Speck, für 12,5 Mill. Dollar Fleisch.

Doch Lebensmitteleinfuhren?

(vwd) Das Bundesernährungsministerium dementiert, daß der interministerielle Einfuhrausschuß einen Importstopp für Lebensmittel aus den Ländern der europäischen Zahlungsunion beschlossen haben soll. Das Ministerium weist darauf hin, daß die Lebensmitteleinfuhren aus diesen Ländern im liberalisierten Verfahren, uneingeschränkt fortgesetzt werden. Auch im kontingentierten Einfuhrverfahren erfolgen laufend Ausschreibungen für Lebensmittel. Für den Umfang dieser Ausschreibungen sei jedoch die deutsche Devisenlage maßgebend.

Ausschreibungen für Lebensmittel

Bz. Der Einfuhrausschuß schreibt neue Lebensmittelemfuhren aus. So sollen aus Australien Weizen und Weizenmehl im Gegenwert von 2,50 Millionen Dollar oder 10.5 Millionen DM in nächster Zeit eingeführt werden. Ebenso sind für die gleichen Einfuhren aus Uruguay 2.0 Millionen Dollar verfügbar. Aus Polen kann Roggen in Höhe von 1.5 Millionen Dollar importiert werden. Für den Import von Weißzucker sind 4.0 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt worden. Für Einfuhren aus Ungarn stehen dem deutschen Importhandel 1.0 Millionen'Dollar und 100 000 Dollar für die Einfuhr von Dauerwurst (Salami) zur Verfügung.

Notenbankgesetz beim Kabinett

dpa Das Bundesfinanzministerium hat dem Kabinett den Entwurf eines Bundesnotenbankgesetzes zugeleitet. Danach soll das Landeszentralbanksystem bestehen bleiben und die Währungspolitik der Notenbank wie bisher von einem Zentralbankrat bestimmt werden. Die Bank ist gehalten, ihre Währungspolitik nur im Rahmen der von der Bundesregierung verfolgten Wirtschaftspolitik zu treiben. Bei Differenzen zwischen Notenbank und Bundesregierung tritt ein Vermittlungsausschuß in Aktion, dem je drei Vertreter der Bundesregierung und der Notenbank angehören. Da die Stimme des Bundeskanzlers bei Stimmengleichheit den Ausschlag gibt, wird der Regierung entscheidender Einfluß auf die Währungspolitik gesichert.

Milderungsmaßnahmen gefordert

Dg. Das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes hat wiederholt darauf hingewiesen, daß das Steuersystem und die Erhebung der Soforthilfeabgabe es der Landwirtschaft unmöglich machen, ihre Aufgabe zu erfüllen. Aufgabe der Finanzverwaltung müsse es sein, durch Steuererlaß und sonstige Milderungsmaßnahmen, auch bei der Erhebung der am 20. November fällig werdenden Soforthilfeabgabe, die Zeit bis zu einer Steuerreform und einem tragbaren Lastenausgleich zu überbrücken. Das Präsidium ist der Auffassung, daß die Weiterleitung der Bundessiedlungsmittel an die regionalen Kreditinstitute zweckmäßig dem zentralen Agrarkreditinstitut, der Landwirtschaftlichen Rentenbank, übertragen wird. Sie wird auch am ehesten in der Lage sein’ langfristige Ablösungsmittel zu beschaffen.

Zentralbankrat tagt

vwd Auf der Tagesordnung der zweitägigen Sitzung des Zentralbankrates steht die Erörterung der Empfehlungen des EZU-Direktoriums an den Ministerrat der OEEC. Den Empfehlungen liegt das Gutachten der beauftragten Finanzsachverständigen, Jacobsen und Cairncross, zugrunde. Wie verlautet, haben die Sachverständigen festgestellt, daß die Bundesrepublik handelspolitisch in keiner Weise schuldhaft gehandelt hat. Auch wird an der Liberalisierung des deutschen Außenhandels festgehalten. Man erhofft einen Ausgleich in der Zahlungsbilanzsituation bis zum Frühjahr 1951.

Die Empfehlungen sehen eine Ueberbrückungshilfe für das Bundesgebiet in Form eines Sondqrkredites vor. Der Ministerrat der OEEC wird Dienstag zusammentreten, um die Vorschläge auszuarbeiten, die der Bundesregierung zur Wiederherstellung des Gleichgewichts ihrer Zahlungsbilanz innerhalb der EZU gemacht werden sollen. Auf deutscher Seite dürften solange keine neuen Maßnahmen von Bedeutung ergriffen werden, als nicht die Vorschläge des OEEC-Rates vorliegen.

Nur zu 70 Prozent gedeckt

WID Die frische Förderung des westdeutschen Steinkohlenbergbaus reicht für die Versorgung des Bundesgebietes nicht aus, erklärte Dr. Kost in Duisburg. Die Bundesregierung habe daher für die Zuteilung des Inlandsabsatzes den Verkaufsdirektor der DKBL bestimmt. Während die Kraftwerke voll beliefert werden müssen, bleibt nach Kosts Auffassung für die übrige Industrie nur so viel übrig, daß diese nur mit 70 bis 75 v. H. beliefert werden kann.

Zahlungsmittelumlauf gestiegen

(Idn) Der Monatsausweis der Landeszentralbank von Rheinland-Pfalz vom 31. Oktober 1950 zeigt gegenüber September ein Anwachsen der gewährten Kredite um 52,4 Mill. DM, der Wechselbestand verringerte sich um 4,4 Mill. DM, während sich die Indossamentsverbindlichkeiten um 32,8 Mill. DM, die ausstehenden Lombarddarlehen um 19,1 Mill. DM und der Kassenkredit an das Land um 4,9 Mill. DM erhöhten. Die Gesamteinlagen auf den Girokonten stiegen gegenüber dem Vormonat um 27,6 Mill. DM.

Steuervorauszahlung erhöhen

dpa Bundesfinanzminister Schäffer hat den Länderfinanzministerien empfohlen, die Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer höher anzusetzen, als es dem Vorjahreseinkommen entsprechen würde, wenn von einem erhöhten Umsatz auf einen erhöhten Gewinn geschlossen werden kann.

(vwd) Auf eine Vereinfachung der zoll¬ amtlichen Ausfuhrüberwachung will das Bundeswirtschaftsministerium hinwirken. Der- Exporteur soll die Möglichkeit erhalten, vor Beginn der Verpackung dem inländischen Zollamt seine Ausfuhrerklärung mit Angabe des Zeitpunktes von Verpackung und Versand vorzi|legen.

Börsenberichte

Bz Das Wertpapierbörsengeschäft in effektiven Stücken bewegte sich in kleinem Rahmen. Bei einem Teil gab es Abbröckelungen von 0,5 bis zu einem Punkt, andererseits bleiben Spezialwerte, wie Hartmann-Offenbach (Maschinenfabrik) 105 ( + 5), Stollwerck 34 (+ 3), Lindes Eis 96. Schramm Lackfabrik 105 (je + 2). weiter gesucht. Gut behaupten konnten sich Bankaktien. Das Geschäft in Giroansprüchen belebt sich weiter. Große Umsätze hatten erneut Zellwollwerte. Bei den effektiven Aktien gaben Elektropapiere ^vereinzelt 1 bis 1,5 ab. Aehnlich war die Haltung bei Maschinenaktien.

Freie Devisenkurse

Bz Am 9. November 1950 hörte man im Frankfurter Freiverkehr folgende Devisenkurse: für den US-Dollar 5,15 bis 5,25 DM, für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für dep holl. Gulden 1.15 bis 1,25 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1.25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM. für die schwedische Krone 0,72 bis 0,78 DM, für den österreichischen Süiilling 0,14 bis 0,16 DM.

Feuilleton

Die Darmstädter Spielgemeinschaft

BRINGT AM 15. NOVEMBER RÜTHLEINS „GLASSCHRANK“

Im Dezember werden es 25 Jahre, daß die „Darmstädter Spielgemeinschaft“ ins Leben trat und zunächst Niebergalls „Datterich“ aufführte. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Darmstädter Mundartdichtung zu pflegen, Anregung zu neuen Mundartstücken zu geben, diese Stücke den Darmstädtern zu bieten, sie heimisch zu machen und im Rahmen vorhandener Mittel Beihilfe an bedürftige Förderer ihrer Idee zu gewähren.

Das sind hohe Gesichtspunkte, fern jeden Eigennutzes — und heute wertvoller und nötiger als je. Ernst Legal, der unvergessene damalige Intendant des Landestheaters, lieh der Gemeinschaft seine wärmste Unterstützung (wie übrigens auch die späteren Intendanten); in Eduard Göbel, ihrem langjährigen, vielgerühmten Darsteller des „Datterich“, fand sie einen Spielleiter, dem Zeit, Gaben, Beziehung zum Theater und eine glückliche Hand zur Verfügung standen. Ihm hat die Gemeinschaft viel zu danken.

Nach 1945 trat sie besonders hilfreich auf den Plan, als sie unter Eugen Vogt, ihrem jetzigen Spielleiter, mit 25 Datterich-Aufführungen wesentlich zur Repertoire-Gestaltung beitrug.

Neben Niebergalls Meisterwerk brachte sie von dem jüngst in einem Gedächtnisabend der Volkshochschule gefeierten Heinrich Rüth 1 e i n „Pistole und Tabakspfeife“ und den „Gia s s ehr ank*.

Heinrich Rüthlein, dem die Kritik zugestand, daß er das Erbe Niebergalls angetreten hat, ohne den Marktschrei geistiger Gleichstellung vermessen auszustoßen, dieser zarte, feine, zurückhaltende, sehr verinnerlichte Mensch hat in seinen Stücken mit gesundem, stillen Humor beachtenswertes Können gezeigt und Zeit- und Ortsgemäßes sehr sauber und immer bedeutsam in leicht und flüssig angelegtem Dialog, mit sicherem Instinkt für Theaterwirkung und feingespitztem Spielwitz zu erheiternder Handlung geformt.

Von alledem gibt beispielhaft sein „Glasschrank“ eine gute Vorstellung, und es ist begrüßenswert, daß die Spielgemeinschaft dieses Stück am 15. November dem Publikum wieder zeigt. Es fand bei seinem Erscheinen im Jahre 1920 starke Beachtung und Förderung durch die damalige Zentralstelle für Volksbildung.

Möge auch diese Aufführung allen Besuchern Freude bringen und das Schauspielerensemble sich die Anerkennung der Darmstädter verdienen, damit man mit Lust und Zuversicht an die Arbeit herantreten kann, wenn zum 25jährigen Bestehen der Gemeinschaft im Dezember, der „Datterich“ neu herausgebracht wird. E.L.

Klavierspiel in Reinkultur

WALTER GIESEKING IN DARMSTADT

Bei allen Klavier-Enthusiasten in Darmstadt herrscht eitel Freude und Wonne. Erst die junge, in Virtuosität und Temperament überschäumende Bruchollerie und dann der klassische Meister einer kultivierten Pianisten-Tradition, Walter Gieseking. Die Musikzentrale als Vermittler konnte in diesem Falle wie jüngst das Landestheater ein ausverkauftes Haus annoncieren.

Es sind viele Jahre her, daß ich Walter Gieseking am Podium sehen und hören konnte. Die Bekanntschaft reicht bis in jene Tage zurück, da er mit Eduard Erdmann vierhändige Werke von Mozart bis zur Gegenwart spielte. Wie früher gehört sein Spiel zur „Nah-an-die-Tasten“- Schule. Daher die Treffsicherheit, daher aber auch der abwägende Abstand zur Komposition selbst. Es perlt in den Läufen und es leuchtet in den Farben, es herrscht ein ungemein überlegener Geist in der architektonischen Anlage. Der rhythmische Fluß der Musik wird nirgends gestört und die Spielweise ist autoritativ und bietet keinerlei Anlaß zur Ablenkung — und doch ist irgendwo ein Abstand bemerkbar, der jene goethische Distanzierung von letzter Hingabe zur Parallele hat.

Bachs Englische Suite in d-moll gewinnt dadurch in der Wiedergabe an organischer Gestalt. Bei Beethovens op. 109 werden die Variationen des letzten Satzes zu subtiler Höhe erhoben, die Kreisleriane von Schumann zum Gemälde einer überfeinerten Stilkunst — im besten Sinne des Wortes — aus gemalt. Aber Debussys impressionistische Klangvisionen (Pagodes, Soiree dans Grenade, Cloches, Poissons d‘or) erhalten eine lebendige Tontransposition, in der sich die pianistische Ueberlegenheit mit der inneren Ausdruckstiefe derart verbindet, daß die letzten künstlerischen Wünsche des Nachschaffens erfüllt werden.

Auch die zahlreichen Zugaben, die das Publikum von der einmaligen Kunst Walter Giesekings erzwingt, bewegen sich am großartigsten in den pointierten Poesien Schumanns, Richard Strauß’ und Debussys. Walter Gieseking ist heute einer der authentischen Meister seines Instruments und die Auswahl seines Programms identifiziert sich mit einer Epoche unserer Kultur, an der weiterzuarbeiten das Ziel unserer Gegenwart und Zukunft ist. G. I.

Kafka-Aufführung in Mainz

Der Mainzer Zimmerspielkreis, junge Schauspieler und Studenten, trat mit der Aufführung von Kafkas Fragment „Der Gruftwächter“ zum erstenmal an die Öffentlichkeit. Der intime Raum des „Hauses am Dom“ eignete sich vorzüglich für dieses Werk.

Eine äußere Handlung, wie sie dem Leser in Kafkas Roman „Der Prozeß“ wenigstens als Anhalt gegeben ist, läuft hier nur angedeutet ab. Ein Gruftwächter, nein, der Gruftwächter schlechthin, ist vom Fürsten an die Grenze zwischen Realität und Transzendenz (dem „Anderen“) gestellt. Er berichtet seine imaginären Kämpfe mit dem zum Ausbruch aus der Fürstengruft drängenden Toten: der Vordergrund für den Kern der Dichtung, der den Kampf des Guten mit dem Bösen und die tiefe Zwiespältigkeit des Menschen birgt.

Die Regie (Rudolf Bartsch) fand für dieses seinem Wesen nach undramatische Fragment, in dem die symbolreichen, oft eigentlich Monologe darstellenden Dialoge isoliert dastehen, keine verdeutlichende adäquate Form. Kafkas Gestaltung, in ihrer oft schwerverständlichen Bildlichkeit (ein Satz kann für eine ganze Welt stehen) hätte einen neuen Weg der Regie erfordert.

In der Rolle des Gruftwächters, eine der wenigen theatergemäßen Figuren des Stückes, bot Hans Dieter Hüsch eine ausgezeichnete Leistung. rw

Märchen der Nomaden

Baronin von Kampfoevenen erzählte im überfüllten Saale des Amerikahauses Märchen aus dem anatolischen Hochland.

„Ich komme aus meiner Heimat, dem Orient... Ich erzählte Ihnen die Märchen eines analphabetischen Volkes. Sie, meine lieben Zuhörer, sind wahrscheinlich sehr klug und gebildet, aber glauben Sie mir bitte, daß der Nomade uns für unendlich mehr ungebildet hält, als wir ihn betrachten, und am nächtlichen Feuer fragte mich einmal ein Nomade: sag mir, warum haben die Schriftmenschen eigentlich einen Kopf? Sie könnten doch ein beschriebenes Blatt an dessen Stelle setzen... Jede Familiengruppe hat ihren eigenen Märchenschatz, denjenigen einer anderen Familie zu erzählen, ist schlimmer, als ein Pferdedieb zu sein; und das ist, weiß Gott, schlimm ... Nie dürfen die Märchen aufgeschrieben werden, und so erzähle ich Ihnen alles aus dem Kopf..“

Auf ihren langen Reisen in das anatolische Hochland, den Karst, durch die Gebiete der unendlichen Rosenfelder, während der Ritte durch die Steppe, lernte sie die Märchen und deren Erzähler kennen und lieben. Wie die Landschaft sind die Menschen. — Die Baronin ist die einzige türkische Märchenerzählerin in Europa, und die einzige weibliche überhaupt. — Der Beifall für die zarten und von uralter Weisheit getragenen Geschichten des Volkes überschritt das Maß des Ueblichen und galt dem besonderen Fluidum des Abends. Sg

Englische Landschaftsmalerei

Im Rahmen der Wintervorlesungen der Darmstädter Volkshochschule hielt Frau Marie Fröhlich einen Lichtbildervortrag über „Englische Landschaftsmalerei“, der gleichzeitig als Vorschau auf die in Kürze in Wiesbaden stattfindende - Aus-Etellung gedacht war.

Die englische Landschaftsmalerei ist noch nicht sehr alt. Erst im 18. Jahrhundert geht man dazu über, der Landschaftsmalerei einen Vorrang gegenüber der bisher üblichen Porträtmalerei einzuräumen. Kauften sich bis dahin die Liebhaber ihre Bilder von den exportfreudigen Holländern, so begann S. Scott, der Vater der englischen Landschaftsmalerei, einen eigenen, englischen Stil zu entwickeln. Die Engländer fangen in diesem Genre der Malerei sehr einfach an, sie schreiben lediglich nieder, was sie zu sehen glauben, Erinnerungsbilder eines Landschaftsideals, das in den dunklen, leuchtenden Farben der holländischen Schule auf die Leinwand gebracht wird. Die klassischen drei Zonen, des Vorder-, Mittel- und Hintergrunds, der Raumaufteilung beherrschen die kompositorische Technik, die bei Rubens und Rembrandt eine geniale Ausdeutung erfuhr.

Erst später beginnt sich in England ein eigenartiger Stil zu entwickeln, der im Aquarell, als besondere Spezialität der Landschaftsmalerei, seinen Niederschlag findet. Eine besondere Meisterschaft der Landschaftsmalerei entwickelte der 1823 geborene „old Crome“, der nur sehr selten im Handel erhältlich ist, und der als einer der ersten die Natur nicht als Komposition sah, sondern sein künstlerisches Erleben unmittelbar aus dem Visuellen schöpfte. John Constable, der 1824 durch seine Ausstellung in Frankreich eine künstlerische Revolution hervorrief, gilt als der stärkste Maler des Grün, seine Farben sind offener und natürlicher als die seiner Vorzeit, und der Schleier, der bislang über den Gemälden gelegen hatte, verlor sich zugunsten einer klaren Aufgliederung des Hintergrundes. Am berühmtesten aber wurde William Turner, 1775 als Sohn eines Barbiers geboren, der sich besonders das Studium des Lichts angelegen sein Heß, und dessen Alterswerke aufgelöste Farbkompositionen sind, die eine ungeheure intensive Wirkung in seinen Aquarellen ausstrahlen. Er brachte zum ersten Male Farben zu Papier, die bis dahin dem Abendland unbekannt waren, und seine Vision der Auflösung aller Gegenstände in reine Farbkonturen ist wohl unerreicht. Er unternahm weite Reisen ins Ausland, immer auf der Suche nach der Landschaft’ und Turner ist es auch, der den Ruf der englischen Landschaftsmalerei weit über sein Jahrhundert hinaus begründet hat. Eine in nächster Zeit in Wiesbaden stattfindende Turner-Ausstellung wird mit dem Schaffen dieses genialen Malers vertraut machen. no

Reise um das Mittelmeer

EIN FILMVORTRAG IN DER T. H.

Im Rahmen der Volkshochschule hatten die Schweizer Matinee-Freunde zu einem Filmvortrag eingeladen. Dr. Erich Tilgenkamp, Zürich, zeigte in Erstaufführung seinen Farbfilm „Das Mittelmeer gestern und heute“.

Die technischen Zwischenfälle bei der Vorführung konnten den Eindruck nicht mindern, den die prachtvollen Aufnahmen machten. Die Reise ging mit dem Flugzeug von Marokko aus und führte über Portugal, Spanien und entlang dem Rhonetal. Der Mont Blanc wurde umkreist, und weiter ging es nach Italien, nach Tyrrhenia, der Inselwelt, die einst im Schnittpunkt der sich bekriegenden Völkerschaften um das westliche Mittelmeer lag. Aus den blauen Fluten hoben sich Griechenland, der Peloponnes und die östlichen Inseln, bis dann Palästina auftauchte, Ägypten überquert wurde und die Fahrt in Nordwestafrika endete.

Das Eigentliche aber boten die Zwischenlandungen bei dieser Reise: da führte uns Dr. Tilgenkamp mit Vortrag und Kamera zu den Menschen dieser Landschaften, ihrem Tagewerk und ihren Festen, ihren Überlieferungen und Gepflogenheiten, zu den Bauten und Ruinen tausendjähriger Vergangenheit und den historischen Stätten vorklassischer, klassischer und abendländischer Geschichte. So spannten sich die Bogen von den Felsen der Bluträcher auf Korsika bis zu den Schlachtfeldern von El Alamein, von den Stierkämpfen in Lissabon bis zur Wüstenpolizei Ägyptens, von der großen Prozession in Madrid bis zur Akropolis, vom Forum Romanum bis zum Grabmal des Tut-ench-Amun und überwölbten vieltausendjähriges Geschehen. Untergang und Neugeburt im uralten Kulturraum der mittelmeerischen Länder. D-s

Notizen

Wolfgang: Fortner hat in einer „Arie nach orten von Eliot für Mezzosopran mit Begleitung, Bratsche und Kammerorchester“ Eroffnungschor des zweiten Teils von „Mord im Dom“ (Singt der Vogel im Sürier’ ^Das Werk wird während der „festlichen Tage neuer Kammermusik“ (vom 14 bis 18. November) in Braunschweig uraufgefuhrt werden.

Unter dem Titel „Bernhard Shaw, Klassische Stucke“, hat der Suhrkamp-Verlag, Berlin und Frankfurt a. M., soeben eine Auswahl der zum ständigen Repertoire der deutschen Theater gehörenden Dramen des ver-Richters vorgelegt. Der Band enthalt „Frau Warrens Gewerbe“, „Candida“ „Cäsar und Kleopatra“, „Major Barbara“.’ „Pygmalion“ und „Die heilige Johanna".

Darmstadt und Umgedung

Die Säuglingszigarre

L. C. Als ich Rauchen lernte — ich meine, Zigarrenrauchen, denn Zigarettenrauchen ist ja nur eine Verlegenheitspantomime — also damals, da sah man sich seine Flor fina oder Rara Avis mit genießerischer Kennerschaft an, wie ein alter Zecher den Wein im Glas. Das glänzende oder matte, bräunliche, ein wenig grauere oder schwärzliche Blatt war lebendes Zeugnis: woher der Tabak kam, wie reif er geerntet, wie sorgsam bereitet. Weißer Brand, natürlich, war dann die Probe, ob man richtig gewählt. Und die Asche mußte sie halten — sonst litt der volle, milde Geschmack. Das waren Zeiten!

Damals puderte man die Säuglinge. Wenn man heute Zigarren betrachtet, sieht man sie gar nicht. Die Zigarren haben das „make up“ entdeckt. Sie sind nicht gerade geschminkt — vorläufig. Aber das kann noch kommen. Vorläufig sind sie gepudert. Ob sie „eigentlich“ graubraun, sattbraun oder getigert, ob sie seidigschimmernd sind oder ledrig derb in der Decke, niemals wird das Auge des Rauchers es sehen. Dafür haben wir etwas voraus vor unseren Vätern: an den Lippen klebt uns der Staub von Havana. Ist das nicht auch etwas?

Drei Zigarren, Herr Ober, und eine Serviette!

Hoffnung auf baldige Regelnng

Ostzonenslüchtlinge tagten

Der Vorstand für Südhessen der „Vereinigung der Flüchtlinge und Geschädigten aus der Sowjetzone“ hatte am vergangenen Mittwochabend Mitglieder und Interessenten zu einer Versammlung in die „Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung“ eingeladen.

Der Leiter der Vereinigung, Herr Pilger, gab einen Abriß des augenblicklichen Standes der Besprechungen und Verhandlungen mit den ministeriellen und administrativen Stellen zur Festlegung des Rechtsstandpunktes für die Ostzonen-Flüchtlinge in der Bundesrepublik. Der Redner klärte alle aufgeworfenen Fragen. Es ginge nicht an, daß asoziale Elemente oder Spitzel die Stellung der wirklich politisch Verfolgten und anständigen Menschen schädigten. Einem Teil der Ostzonenflüchtlinge sei es auf Grund ihrer materielle^ Möglichkeiten gelungen, Kennkarte, Zuzugsgenehmigung und Flüchtlingspaß zu erhalten.

Man wolle nunmehr aus der Zentral-Partei in Frankfurt Wohnort, frühere Betätigung und die tatsächlichen Gründe des Verlassens der Ostzone ersehen. Dabei sei es nötig, daß die wirklich politisch Verfolgten, also diejenigen, die „Not an Leib und Seele“ erlitten hätten, vordringlich in den Genuß staatlicher und wirtschaftlicher Rechte kämen. In Zweifelsfällen juristischer Art könne man die Gesetzgebung vor dem Jahre 1933 als Maßstab anlegen.

Der Redner sprach am Schluß seines ausführlichen Vortrages die Hoffnung aus, bald eine Regelung für die Flüchtlinge und Geschädigten aus der Sowjetzone zu erreichen. Sg.

Das Nachbarschaftsheim ladet zu einem Musikabend am Sonntag, dem 12. November, 19.30 Uhr, ein. Frau Helene Bauer (Mezzosopran). Frau Cäcilie W alter (Klavier) und Herr Adolf Schumann (Geige) bringen Werke von Händel, Mendelssohn, Bach. Schenelli, Beethoven, Brahms, Schubert und Reinecke zu Gehör. Der Eintritt ist frei.

Auf parkenden Lastzug anfgefahren

Am 9. November gegen 5 Uhr hielt ein Lastzug in der Höhe von Kilometer 536,4 (Gemarkung Gernsheim), um einen Schaden an der Hinterachse zu beheben. An seinem Anhänger brannte die Schlußbeleuchtung nicht. Aus diesem Grunde bemerkte der Fahrer eines amerikanischen Pkw.s den Lastzug zu spät. Es gelang ihm zwar, noch vor dem Lastzug vorbeizukommen. doch konnte er es nicht verhindern. den Fahrer des Lastzuges, der sich neben dem Lastzug aufhielt, anzufahren. Der Fahrer des Lastzuges wurde auf die Ueberholungsfahrbahn geschleudert. dort blieb er schwerverletzt liegen. Sg.

Dieser Bericht, den uns gestern unser Mitarbeiter auf den Redaktionstisch legte, ereignete sich zu genau der gleichen Zeit, als die gestrige Ausgabe des DT mit dem Artikel „Auf geparkten Lastzug aufgefahren“ durch die Rotationsmaschine lief. Es ist der schlagende Beweis, wie recht wir mit unserer Meinung hatten und wie dringlich eine primitive narrensichere Warnvorrichtung für parkende Lastwagen auf der Autobahn gefordert werden muß. Wir schlugen einen Rückstrahlwarnstreifen vor, der hinter dem abgestellten Fahrzeug in geeignetem Abstand auf die Fahrbahn gelegt wird. agt.

Um Kohlenzuteilung

bemüht sich die Stadtverwaltuns weiter

Die Stadtverwaltung teilt uns mit, daß die Vereinigung des Kohlenhandels in Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Magistrat an den Bundeswirtschaftsminister und den hessischen Wirtschaftsminister eine Eingabe gerichtet hat. Darin wird insbesondere darauf hingewiesen, daß der veraltete Verteilungsschlüssel, der den jetzigen Kohlenlieferungen zugrunde liegt, den besonderen Verhältnissen der Stadt Darmstadt als eines zerstörten und im Wiederaufbau befindlichen Gemeinwesens nicht gerecht wird und die Stadt Darmstadt den . weniger zerstörten Städten gegenüber benachteiligt. Die Bemühungen um eine Gleichstellung der Stadt Darmstadt mit anderen Städten in Fragen der Kohlenzuteilung werden fortgesetzt.

„Fürsorgezögling“ ist kein Werturteil

Aus dem Arbeitsbereich des Jugendamtes / Genug Raum noch zu persõnlicher Hilfe

Die Bezeichnung „Fürsorgezögling“ hat im allgemeinen Sprachgebrauch einen unangenehmen Beigeschmack bekommen und schließt ein Bausch- und Bogenurteil im Sinne nicht unverschuldeter Armut, asozialer, ja verbrecherischer Neigung in sich. Zum Schimpfwort wird es, wo Kinder roh miteinander streiten, zu überheblicher Abfertigung, wo ein „Wohlsituierter“ sich seiner bedient.

Was aber ist die sachliche Bedeutung des Wortes? Im Jugendamt der Stadt Darmstadt ■erhalten wir bereitwillig Antwort auf unsere Fragen und dürfen auch Einblick nehmen in die praktische Arbeit, die hier geleistet wird.

Unter der Leitung von Direktor Planck sind in Darmstadt die beiden A ernte r vereinigt, deren Aufgabengebiete bei vielen Problemen mein andergr elfen: das Jugendamt und das Fürsorgeamt. Die beiden Bereiche ergänzen sich günstig zu tatkräftiger Hilfe für leiblich und seelisch Notleidende, denn das Fürsorgeamt nimmt sich der Familien und ihres wirtschaftlichen Elends an, während das Jugendamt im erzieherischen Sinne eingreift und mit seinen Maßnahmen zu bessern sucht, wo immer Kinder und Jugendliche in ihrer menschlichen Entwicklung gefährdet erscheinen.

Zunächst befinden sich alle unehelich geborenen Kinder unter Vormundschaft des Jugendamtes, Können die Familienverhältnisse geklärt werden und scheint für das Wohl des Kindes hinlänglich gesorgt zu sein, so scheidet der Mündel aus der Amtsvormundschaft aus.

Wie oft aber wird das Kind in ungesunde, traurige Verhältnisse hineingeboren, in denen es verkommen würde, wollte die Fürsorge nicht darüber wachen, es nötigenfalls aus der gefährdenden Umgebung fortnehmen und in eins der Heime und Pflege-

Stätten geben, wie sie" bei Neckarsteinach, bei Urberach und in Lindenfels für unseren Bezirk zur Verfügung stehen.

Dort wachsen sie heran, die unverschuldet zu „Fürsorgpzöglingen“ geborenen, wohlversorgt zwar, doch ohne Vater und Mutter, wenn nicht eine Familie aus dem Wunsche heraus, ein Kind anzunehmen, ihnen das Tor auftut und ein elterlich behütetes Zuhause schenkt.

„Wir haben viele solcher Pflegestellen, doch längst nicht genug“, berichtet Oberinspektor Welker. Es mögen heute wohl vor allem die beschränkten Wohnverhältnisse viele kinderlose Ehepaare davon abhalten, ein Kind in Pflege zu nehmen. Viele scheuen mehr noch die Verantwortung, doch hilft das Jugendamt auch weiterhin mit Rat und Tat bei der Erziehung eines solchen in Pflege gegebenen Kindes.

' In einzelnen Fällen aufmerksam gemacht durch Nachbarn, die örtliche Fürsorgerin, die Schule, die Polizei oder sonst verantwortlich denkende Mitbürger, kümmert sich das Jugendamt um die Heranwachsenden, für dteren Wohl in der Familie nacht ausreichend gesorgt scheint. Helfen Ermahnungen und Ratschläge an die Eltern und Angehörigen nicht, so wird das Kind in andere Umwelt, häufig eben wiederum in ein Fürsorgeheim oder eine Erziehungsanstalt vermittelt. Doch tut man dies nur in krassesten Fällen, und selbst dann ist man noch bemüht, die Verbindung zwischen dem Zögling und seiner Familie möglichst aufrechtzuerhalten, denn „die Bindung an die Familie ist das wichtigste“, gesteht -auch Oberinspektor Welker aus der Fülle seiner Erfahrungen zu,

Oft genug aber können auch solche gefährdete Kinder und Jugendliche in Familienpflegestellten vermittelt werden. Hier nun tritt ein dritter Helfer dem Heranwachsenden zur Seite, eine zwischen Pflegestelle und Jugendamt vermittelnde Vertrauensperson, an die sich der Jugendliche mit Frager» und Kümmernissen wenden kann, ohne jenen amtlichen Fürsorgecharakter dabei zu verspüren.

„Hier dem Jugendlichen Freund und Vertrauter, Kamerad und Helfer zu sein, ist eine schöne menschliche Aufgabe. Leider finden sich viel zu wenige dazu bereit. Dem Jugendamts fehlen hier die freiwilligen Helfer aus der Bevölkerung, die vieles ausgleichen könnten, ehe es zum Problem wird, vieles zum Guten führen, ehe es sich ins Arge wendet“, sagt Oberinspektor Welker, und wir möchten die Frage stellen, warum denn immer nur auf Hilfe von Amtes wegen gewartet wird, wo so manches in unserem Jugendproblem schon durch die Initiative einzelner warmherziger und verantwortlich fühlender Mitbürger gebessert werden könnte.

Noch auf eine dritte Weise kann ein junger Mensch zum „Fürsorgezögling“ werden, und das ist die Art, die dem ganzen Begriffe die bedenkliche Atmosphäre gegeben hat, wiewohl auch hier zu Unrecht. Durch Beschluß des Jugendgerichtes kann ein angeklagter Jugendlicher in eine Erziehungsanstalt der Fürsorge eingewiesen werden. Es ist aber zu beachten, daß dies eine Erziehungsmaßnahme und keine Strafe bedeutet. Sorgsam wird in den Voruntersuchungen und in der Verhandlung geprüft, ob nach Lage der heimischen Verhältnisse und der bisherigen persönlichen Führung des Jugendlichen selbst eine solch eingreifende Erziehungsmaßnahme das Rechte für den jungen Menschen bewirkt. Das Jugendamt entsendet zu jeder Jugendgerichtsverhandlung den Jugendgerichtshelfer oder die Jugendgerichtshilfe, die sich mit den Akten und den häuslichen Verhältnissen des Beklagten vertraut gemacht hat und nun zur Klärung beiträgt und zur Erziehungsmaßnahme oder zur Bestrafung rät. Nicht für alle Verhältnisse, in die Jugendliche geraten, sind gesetzliche Regelungen vorgesehen, und nicht allen vermag das Jugendamt zu helfen.

Was wird aus ihnen? Hier kann nur der Mensch als einzelner dem jungen Bruder in Not die helfende Hand reichen, und dazu braucht es immer wieder väterlich und mütterlich Gesinnte, die nicht nur an die eigenen Kinder denken, wenn von der Verantwortung für unsere Jugend gesprochen wird. D-s

Darmstädter Tagblatt am Sonntag

Sie lesen in der nächsten Ausgabe des „Darmstädter Tagblatt am Sonntag" unter anderem: Grenzgang der Darmstädter Stadtväter S. 2 Frauen im Sturm der Zeiten S. 3 Zauberhafter Mount Everest S. 4 Einsames Memelland S. 5 Wann kann eine Witwe heiraten? S. 6 Blick in die Welt 3


Der 1950 er ist im Faß: „Unterstützt auch den kleinen Winzer"
Der 1950 er ist im Faß: „Unterstützt auch den kleinen Winzer"

Ehe und Familie

Ein Vortrag von Dr. med. Geißler

Der 1. Vorsitzende des Darmstädter Vereins für katholische Kaufleute und Beamte, Herr Baumann, begrüßte die zu dem Vortragsabend erschienenen Mitglieder und Freunde, insbesondere Pater Ansgar (St. Ludwig) und Dr. Geisler.

Die Frage nach dem rechten Leben in der Ehe sei in der jetzigen Zeit wieder besonders wichtig, führte Dr. Geisler aus, denn die Anzahl der schlechten Ehen sei sehr groß. Es wäre daher wichtig, daß auch vom medizinischen Standpunkt hierzu einmal Stellung genommen werde.

Hauptzweck der Ehe sei die Fortpflanzung. Die Sehnsucht nach dem anderen Geschlecht sei deshalb wesensbedingt und der natürliche Trieb gottgewollt und gut. Zum Erhalt einer guten Ehe gehöre der Gleichklang von Körper und Seele und neben der rechten Liebe Treue, Ehrfurcht und die Bereitschaft zum Zurückstellen des eigenen „Ich“. Dabei sollten beide Teile die notwendigen Opfer freiwillig auf sich nehmen. Zum Schluß sprach Dr. Geisler über die Fragen der Geburtenregelung und ihre ethische Berechtigung.

Mit großem Beifall wurde dieser erläuternde Abend aufgenommen. Herr Baumann sprach dem Referenten seinen Dank aus und stellte die Probleme zur Diskussion.

Pater Ansgar gab abschließend bekannt, daß er im Januar zu dem gleichen Thema von theologischer Seite aus Stellung nehmen werde. Scg.

Kirchenchor „Cäcilia“

feiert 26jähriges Jubiläum

Am 5. November 1925 wurde der katholische Kirchenchor „Cäcilia“ der St.- Fidelis-Pfarrei in Darmstadt gegründet. Er fand in den 25 Jahren seines Bestehens viele Freunde, und reges Leben blühte in ihm.

Die Jubiläumsfeier am Sonntag, dem 12. November, beginnt morgens um 8 Uhr in der St.-Fidelis-Kirche, Feldbergstr. 27, in dem levitierten Choralhochamt mit Festpredigt von Pfarrer Danz. Priester, Chor und Gemeinde werden dabei die Choralmesse VIII, die „Missa de Angelis“, singen.

Am Nachmittag findet um 17 Uhr in der gleichen Kirche eine kirchenmusikalische Weihestunde statt, wobei Männerchor und Gemischter Chor mitwirken werden. Es kommen unter anderen Werke von J. S. Bach, Ottavio Pittoni, J. Händl und neueren Komponisten zum Vortrag. Die Leitung der Chöre hat Wilhelm Leyerer; an der Orgel: Dr. Adler.

Kleiner Kollege ganz groß

Der „Schulkurier“ konkurrenzlos billig dazu Kinofreikarten

Vom Darmstädter „Schulkurier“, unserem kleinen Kollegen, von dem wir schon in einer früheren Ausgabe berichteten, flatterte uns eine Einladung zur Filmstunde im Amerikahaus auf den Tisch.

„Man muß Ideen haben“, sagt Wolfgang Wacker, der Chefredakteur vom „Schulkurier“. Also begannen sie, jedem Bezieher zum Bezugspreise von zehn deutschen Pfennigen je Ausgabe nicht nur den „Kurier“ zu liefern, sondern auch zwei Freikarten für zweimal eine Jugendfilmstunde, die wöchentlich im Amerikahaus stattfindet.

Englische, amerikanische, französische Filme laufen ab, die unterhalten, Wissen vermitteln und das Weltbild erweitern. Die deutsche Wochenschau zeigt jeweils aktuelle Ereignisse aus aller Welt. „Manchmal reichen uns schon die Plätze hier nicht aus“, erklärt uns der junge Kollege am Filmgerät nicht ohne Stolz.

Am Mittwoch wurden gezeigt: der englische Film „Millionen auf Achse“, der Einblick in die technische Bewältigung des Londoner Weltstadtverkehrs gab, der amerikanische Film „Die Freiheit unter Anklage“, eine historische Erinnerung an die Erkämpfung der Pressefreiheit in den Staaten, und der Film „Der Pueblo-Junge“, der mit seinen farbigen Bildern von den Resten indianischen Lebens und indianischer Kultur erzählte.

Die Wochenschau beschloß die Filmvorführungen, denen der große jugendliche Zuschauer- und -hörerkreis gespannt gefolgt war. Di

Schwimmabende für Schwerbeschädigte

Wie uns der Kreisvorstand des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen Darmstadt mitteilt, findet am kommenden Montag, den 13. 11. 1950, abends 19.00 Uhr, im Städt. Hallenschwimmbad in Darmstadt erstmals ein Schwimmabend für Schwerbeschädigte statt. Hierzu sind alle Schwerbeschädigten und insbesondere die Amputierten und Gehbehinderten des Stadt und Landkreise? Darmstadt herzlich eingelladen. Die Schwiimmabende stehen unter Leitung eines Schwimmlehrers und sollen von jetzt ab regelmäßig jeden Montag abend um 19.00 Uhr stattfinden. Für die Teilnehmer entstehen keinerlei Unkosten. Mitzubringen sind der Schwerbeschädigtenausweis sowie Badezeug.

Die Teilnehmer- am ersten Schwimmabend treffen sich am Montag, dem 13. 11. 1950 um 18.50 Uhr vor dem Städt. Hallenschimmbad.

Dr. Schachtschabel ausgeschieden

aus dem Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Darmstadt

Die Arbeiten des Instituts, das unter Leitung der Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt am Main steht, haben bisher die Mitglieder des Instituts und Herr Dr. Schachtschabei gemeinsam ausgeführt. Dr. Schachtschabei ist aus diesem Institut Ende Oktober d. J. ausgeschieden. Die wissenschaftlichen Arbeiten werden unverändert durch seine bisherigen Mitglieder durchgeführt. Die Herren Professoren Rolfes, Gießen, und Dr. Adorno, Frankfurt am Main, haben sich bereit erklärt, dem Institut beratend zur Verfügung zu stehen.

Darmstadte Kandidafen

zur hessischen Landtagswahl

Nach einer Mitteilung des Kreiswahlausschusses des Wahlkreises 43 ( Stadtkreis Darmstadt) wurden für die bereits von uns in Wort und Bild vorgestellten Spitzen-Kandidaten der vier Parteien folgende Nachfolger im Verhinderungsfälle zugelassen:

Für Ludwig Metzger (SPD): Fritz Wer n a th , geb. 6. 4. 1899 in Sondershausen; Beruf: Geschäftsführer; wohnhaft in Darmstadt-Arheilgen, Jahnstraße 10.

Für Georg Brust (CDU): Dr. Franz Scholles, geb. 15. 8. 1897 in Wiesbaden; Beruf: Dipl-Ing.; wohnhaft in Darmstadt-Eberstadt, Alicenstraße 1. Für Heinrich R o d e m e r (FDP): Friedrich Pfeiffer, geb. 22. 10. 1892 in Darmstadt; Beruf: Geschäftsführer; wohnhaft in Darmstadt, Viktoriastr. 87.

Für Ludwig Keil (KPD): Else Schäfer, geb. 21. 8. 1916 in Altenheim; Beruf: Kaufmännische Angestellte; wohnhaft in Darmstadt, Scheppallee 32. *


„Am Pädagog hawe se seit Joarn nix mehr dro gemacht!“ „Genn ich, genn ich! Haawe ooch so’n Hauswirt!“
„Am Pädagog hawe se seit Joarn nix mehr dro gemacht!“ „Genn ich, genn ich! Haawe ooch so’n Hauswirt!“

Kurze Meldungen aus der Stadt

Die im sogenannten „Plakatkleberpro¬ zeß“ von einem amerikanischen Gericht im August zu je vier Monaten Gefängnis verurteilten Heinrich B. und Walter W. sind gestern — wie verlautet — wieder aus der Strafanstalt Butzbach zurückgekehrt. Wegen guter Führung wurde Ihnen ein Teil der zu verbüßenden Freiheitsstrafe erlassen. Der damals zu zwei Monaten Gefängnis verurteilte Karl F. ist bereits schon seit längerer Zeit wieder zu Hause. wst.

Pfarrer Ernst Dahmer, Griesheim, wurde von der evangelischen Kirchenleitung in Wiesbaden zum Pfarrverwalter der Pfarrei Grebenau bei Alsfeld ernannt unter Wahrung seiner Rechte als definitiver Pfarrer. Pfarrvikar Werner K e s - sei, Darmstadt-Arheilgen, wurde widerruflich mit der Verwaltung der Pfarrei Arheilgen und Pfarrvikar Friedrich von der Au, Ernsthofen, widerruflich mit der Verwaltung der Pfarrei Ernsthofen betraut.

Das Ehepaar Karl Schm a 11 z und Frau Anna geb. Seipel. Darmstadt, Moosbergstraße 53, begingen dieser Tage das Fest der silbernen Hochzeit.

Ein Lichtbildervortrag mit dem Thema: „Ameisen, Termiten und Menschen" findet am 17. November, 20.00 Uhr, im Rathaussaal in Eberstadt für die Mitglieder aller Vereine und sonstige Inteessenten statt. +

Eine Radtour der Naturfreunde Eber¬ stadt findet am Samstag, 11. November, nach dem Rimdidim statt. Die Rückfahrt erfolgt am Sonntag, 12. November. X

Die Sport- und Kulturgemeinde e. V. Eberstadt hält am Samstag. 11. November, um 20 Uhr im Lokal ..Zur Eisenbahn“ eine Mitgliederversammlung ab.

Eine Tagung- der blechverarbeitenden Industrie findet in der Zeit vom 17. bis 18. November im Zintl-Institut der Technischen Hochschule Darmstadt statt, -st.

Unter dem Thema „Ernstes und Hei¬ teres aus dem Reiche der Musik“ findet am Sonntag, dem 12. November, um 19.30 Uhr, im Nachbarschaftsheim ein Konzert statt. Es kommen Werke von Händel, Mendelsohn, Beethoven, Brahms, Schubert und anderen zum Vortrag durch Frau Helene Bauer (Mezzo-Sopran), Frau Cäcilie Walter (Klavier) und Adols Schumann (Geige).

Betriebsfußball: In einem Fußball-Freundschaftsspiel verlor die Mannschaft der HEAG gegen die Staatebavschule Darmstadt mit 4:5 Toren. Die Gäste zeigten das bessere Spiel und konnten infolge der anfänglichen Unsicherheit der HEAGs-Hintermannschaft bis zur Halbzeit mit 1:5 Toren in Führung gehen. Obwohl die HEAG in der zweiten Hälfte nur mit 10 Mann spielte, wurde das Torverhältnis auf 4:5 verbessert.

Beim Training der 1. Mannschaft des SV Darmstadt 98 am Donnerstag wurde Torhüter Müller bei einem Zusammenprall mit Leichtlein verletzt. Müller warf sich seinem „Gegner“ so unglücklich in den Schuß, daß er über dem rechten Auge getroffen wurde und eine größere Platzwunde davontrug. Im Marienkrankenhaus wurde die Wunde genäht, und Müller konnte nach Hause entlassen werden. Wie wir von dem ihn behandelnden Arzt hörten, wird Müller Mitte nächster Woche wieder hergestellt sein, so daß er aller Voraussicht nach seinem Verein bei dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg wieder zur Verfügung steht. RG

Wie wied das Wetter?

Wechselnd wolkig

Vorhersage: Am Freitag wechselnd wolkig, Schauerneigung, verhältnismäßig mild, südwestliche bis westliche Winde. Weitere Aussichten: Keine wesentliche Aenderung.



Wohin gehen wir heüte?

Landestheatcr, Orangerie: 20.00 Uhr „Die Csardasfürsti n“, Operette von Emmerich Kalman. Ende 22.30 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Lied des Orients“; Thalia: „Jetzt schlägt's 13“; Beli da : „Die Stunde der Vergeltung“; Palast: „Ekstase“; Hansa: „Tarzan und die Amazonen“, 22.30 Nachtvorstellung „Der Rächer von Texas“. Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3a: 10 bis 18 Uhr Austeilung „Gesundes Leben“. Volkshochschule: 19.30 Uhr Techn. Hochschule R 167: Prof. Dr. O. F. Bollno w, Univ. Mainz. „Philosophie und Sprache“. Amerikahaus: 19.30 Uhr „Von der amerikanischen Operette zum volkstümlichen Lied“, Konzert des amerik. Tenors John Hendrick; 14.30 und 17.00 Uhr Filmvorführungen; 15.00 bis 17.45 Uhr aus Opern. Evangel. Akademie: 19.30 Uhr Pauluskirchensaal, Kreisdekan D. Dr. Maas (Heidelberg): Probleme des Staates Israel. Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik: 20.15 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal „Zur Rose“ in Eberstadt.

Wir gratǔlieren

30jähriges Geschäftsjubiläum: Herr August Muth, Darmstadt, Lichtenbergstraße 65, 75. Geburtstag: Herr Philipp Blechsc hm i 11, Darmstadt-Eberstadt, Schwanenstraße 37.

STARKENBURK

24 Stunden unter Null

Die Beobachtungsstation der Wetterwarte Frankfurt an der Tromm hatte im Oktober wiederum etliche Absonderlichkeiten zu registrieren. So blieb das Thermometer einmal während 24 Stunden konstant unter Null Grad. Am wärmsten Tag wurden plus 19 Grad festgestellt (16. Okt.), in der kältesten Nacht (31. Okt.) minus 5.2 Grad. Drei von sieben Frostnächten war Schneefall beschieden. davon am 28. Oktober morgens eine Höhe von 4 cm. Sieben ausgesprochen heiteren Tagen standen ebensoviel ausgesprochen trübe Tage gegenüber. Die Niederschlagsmenge des Gesamtmonats blieb jedoch um mehr als die Hälfte gegenüber dem September zurück: 55,3 mm (September 1950 116,5 mm). -r.

Politisches Zwiegespräch

zwischen Dr., v. Brentano und Heinrich Ritzel

Das von der Bensheimer Bevölkerung seit langem erwartete Zwiegespräch zwischen dem Bundestagsabgeordneten Dr. von Brentano (CDU), als Vertreter der Regierungsparteien, und dem Bundestagsabgeordneten Heinrich Ritzel (SPD), als Vertreter der Opposition, findet heute um 20 Uhr im Bensheimer Hof statt.

Der Veranstalter dieses Gesprächs, der Ortsverein Bensheim der SPD, macht hierdurch den erstmaligen Versuch, den Wählern in einer Versammlung Gelegenheit zu geben, den Standpunkt der Regierung und der Opposition kennenzulernen.

Die politischen Erfahrungen und die Fairneß beider Gesprächspartner bürgen dafür, daß das Zwiegespräch in sachlicher Weise geführt wird, so daß die Wählerschaft Gelegenheit hat, sich ein politisches Urteil zu bilden.

Die Veranstaltung dürfte insbesondere für junge Menschen interessant sein.

Ritzel regt an:

Schutzkontrollen für Bauarbeiter

Bundestagsabgeordneter Heinr. Ri t - z e 1 regte in einer Eingabe an die Kreisverwaltung, den Kreisausschuß und den Kreistag des Landkreises Erbach an, wieder wie in füherer Zeit Bauarbeiterschutzkontrollen innerhalb des Landkreises Erbach einzuführen. Die wesentlich gesteigerte Bautätigkeit und vor allen Dingen die Beschäftigung zahlreicher ungeübtei' Arbeitskräfte an Baustellen erhöht die Unfallgefahr. Das Gehalt für einen Bauikontrolleur stehe in keinem Verhältnis zu den durch seine Arbeit einzusparenden Beträgen an Kranken- und Invalidenrenten. Abgesehen davon würden zahlreiche Bauarbeiterfamilien vor schwerem Leid bewahrt.

Heinrich Ritzel vertritt den Standpunkt, daß der arbeitende Mensch in erster Linie ein Recht auf weitgehende Schutzmaßnahmen hat. Vorbeugen sei in jedem Fall besser als Heilen. -ch

Was wurde aus „Hennecke“ und „Hainerhof“?

Hähnlein eine Züchtergemeinde von Ruf

In der Gemeinde Hähnlein wird seit Jahrzehnten besonderer Wert auf eine hochstehende Rinder- und Ziegenzucht gelegt. Bei landwirtschaftlichen Ausstellungen, auf denen Hähnleiner Ziegen ausgegestellt wurden, konnte dieses hervorragende Zuchtmaterial eine Reihe erster Preise holen.

Bürgermeister Gerhard berichtete uns über die Entstehungsgeschichte des Ortes, der seit 1333 urkundlich unter dem Namen „Hennecke“ nachweisbar ist. Die Unsicherheit der zerstreutliegenden Höfe und die ständigen Fehdfen mit der Herrschaft von Tannenberg veranlaßten seine Bewohner, sich um die Laurentius-Waldkapelle anzusiedeln, um sich gemeinsam gegen Ueberfälle zu schützen. In der Nähe dieser Waldkapelle befand sich der Hainhof, auch Hainerhof genannt. Es wird heute mit Sicherheit angenommen, daß das Haus der jetzigen Bürgermeisterei mit seinen Nebengebäuden und dem Anwesen Georg Ritzert der ehemalige Hainerhof war. Das langgestreckte Gebäude der Bürgermeisterei beherbergte — ehe es 1940 in Gemeindebesitz überging — Waisenkinder und verwahrloste Knaben. Zur Entstehung des Namens „Hähnlein“ wird angenommen, daß der Name vom alten Hainoder Hainerhof abgeleitet ist.

Hähnlein hat heute keine Industrie mehr. Jahrelang unterhielten die Fissan-Werke (Zwingenberg) eine Zweigstelle im Ort, die aber nach Freigabe der Fissan-Werke aufgegeben wurde. Der zweite Betrieb, der nach dem Kriege hier eröffnet hatte, war eine Weberei aus dem Egerland, ein Flüchtlingsbetrieb, der aber 1949 nach Alsbach verzog.

Dank dem Unternehmungsgeist der Gemeindeverwaltung ist es gelungen, in den Jahren nach dem Währungsschnitt eine

rege Bautätigkeit zu entwickeln. Im letzten Halbjahr wurden fünf Häuser bezugsfertig, weitere fünf Häuser sollen demnächst beendet werden, drei stehen noch im Rohbau, aber auch diese sollen noch vor Beginn des Witterungsumschwungs unter Dach kommen.

Heute zählt der Ort 2300 Einwohner, darunter 380 Flüchtlinge und Evakuierte. Etwa 60 Prozent der Einwohner fährt nach Darmstadt zur Arbeit, und nur die restlichen 40 Prozent sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Seit einem Jahr' hat Hähnlein durch die Schaffung der HEAG-Omnibuslinie direkten Anschluß an den Verkehr. hl.

Jugendheim für Siedelsbrunn

Der Siedelsbrunner Sportplatz sowie angrenzendes Gelände, das im Besitz der staatlichen Forstverwaltung ist, soll auf Grund intensiver Bestrebungen, deren eifrigster Förderer Lehrer Jungmann ist, durch einen Geländetausch in den Besitz der Gemeinde kommen, um dort den seit längerer Zeit bestehenden Plan eines Jugendheimes. in dem etwa 50 Uebernachtungsmöglichkeiten gegeben sind, ' zu verwirklichen. Falls die Verhandlungen zu einem günstigen Ergebnis führen, soll unverzüglich mit den Vorarbeiten begonnen werden. -r.

Neues Arbeitsamt für Groß-Gerau

Während augenblicklich die Diensträume des Arbeitsamtes Groß-Gerau an mehreren verschiedenen Stellen untergebracht sind, soll mit der Grundsteinlegung zu einem eigenen Gebäude in der Oppenheimer Straße, die am Samstagvormittag stattfindet, diesem untragbaren Zustand bald ein Ende gesetzt werden.

Die Entschließung hierzu wurde vom Präsidenten des hessischen Landesarbeitsamtes gefaßt. Kr.

Scheuer als Riesenfackel

Die Scheuer des Bauern Ludwig N i e - ratzky in Erbach, Brunnenstraße, wurde gestern nachmittag gegen 15.45 Uhr in wenigen Minuten ein Raub der Flammen. Kinder des Bauern hatten am Giebel der Scheuer, in der gerade die Dreschmaschine lief, eine Stichflamme bemerkt und Alarm geschlagen, als auch schon das ganze Dach in hellen Flammen stand. Inmitten zahlreicher Wohn- und Stallgebäude in unmittelbarer Nähe der Erbacher Tuchfabrik und der Habra-Werke bildete die Scheuer eine riesige Brandfackel.

Die Werksfeuerwehr der Erbacher Tuchfabrik war sofort zur Stelle und schützte die vom Feuer schwer bedrohten Nachbargebäude. Auch die Freiwillige Feuerwehr und das Tank-Löschfahrzeug griffen in die Brandbekämpfung ein. Dennoch wurde die gesamte Frucht des Bauern und die Dreschmaschine vernichtet. Der Schaden wird auf über 30 000 DM geschätzt. Die Untersuchung der Brandursache ist eingeleitet. -ch-

Was aũch interessiect:

Zum dritten Male stand gestern die 21jährige Lina St. aus Neu-Isenburg vor dem Schwurgericht in Darmstadt. Nachdem frühere Urteilssprüche zweimal in die Revision gegangen waren, wurde sie gestern im dritten Meineidsprozeß zu einem Jahr Gefängnis und einem Jahr Ehrverlust, verurteilt, weil sie wissentlich einen falschen Offenbarungseid geleistet hat. wst.

Karnevalverein „Ulk“, Erbach, eröffnet am Samstag, um 20.11 Uhr, im Saal des Cafe Glenz die närrische Saison mit einer Generalversammlung. Ab 11.11 Uhr findet dort ein buntes Programm unter Mitwirkung der bekannten Schloßkapelle Strubel statt. -ch

Ein Fuchs schlich in den Hühnerstall eines Waldmichelbacher Bauernhofes und konnte erst, nachdem er bereits ein Huhn totgebissen hatte, durch rasch herbeigeholte Hilfe aus der Nachbarschaft getötet werden. -r

Aus Gesundheitsrücksichten legte Josef Merkel, Königstädten (KPD), seinen Posten als zweiter Kreisdeputierter für Groß-Gerau nieder. Die Ersatzwahl soll in die Tagesordnung der nächsten Kreistagssitzung aufgenommen werden.

Mümling - verwahrloste Schönheit des Odenwaldes

Bachschau der Kreisverwaltung Erbach und des Wasser wirtschaftsamtes Darmstadt

Unter Vorsitz von Regierungsrat Zörgiebel von der Kreisverwaltung Erbach wurde in Anwesenheit von Regierungs-Oberbaurat Krause und Bauinspektor Jung vom Wasserwirtschaftsamt Darmstadt im Landratsamt Erbach eine Besprechung über die dringend notwendige Regulierung der Mümling durchgeführt, an der die Bürgermeister sämtlicher Gemeinden des Miimlingtales teilnahmen.

Der Aussprache war eine Bachschau aller Teilnehmer vorausgegangen. Dabei wurde mit erschütternder Deutlichkeit offenbar, daß der ganze Bachlauf der Mümling in ungewöhnlichem Maße verwahrlost ist und sich stellenweise sogar verlagert hat. Das ist um so bedauerlicher, als die Mümling in ihrem pittoresk gewundenen Lauf durch das größtenteils enge Tal von so anziehender Schönheit ist, daß ihr Anblick aus der Ferne jeden Beschauer erfreuen muß.

Erst beim näheren Zusehen entdeckt man mit Befremden, daß es sich bei diesem Gewässer um eine recht „verwahrloste Schönheit“ handelt, wofür aber weniger sie selbst, als ihre Hüter verantwortlich zu machen sind. Die Verwachsungen des Mümling-Bettes sind an vielen Stellen so weit vorgeschritten, daß der Strom des Wassers stark behindert ist, wodurch Uferbeschädigungen und Grundstücksverwüstungen verursacht werden.

Nach dem Bachgesetz sind die Besitzer der an einem Bach gelegenen Grundstücke verpflichtet, Hindernisse des regelmäßigen Wasserlaufs zu beseitigen. Statt diese eindeutige Verpflichtung zu erfüllen, benutzen — wie bei der Bachschau wiederholt festgestellt werden mußte —■ viele Uferanlieger das Bachbett der Mümling und die beiderseitigen Ufer als Abladeplatz für Unrat, Pflanzenreste usw. Teilweise ist der Wasserstrom derart behindert, daß die angrenzenden Wiesen stark versumpft sind, wodurch die Futtererträge vermindert und herabgewertet werden.

Die Bürgermeister ließen sich bei der Bachschau von der Notwendigkeit der beschleunigten Instandsetzung des Mümlinglaufs überzeugen und erklärten sich zur Bewilligung der erforderlichen Mittel im kommenden Jahr bereit. An den nicht unerheblichen Kosten wird sich das Land Hessen mit größeren Zuschüssen beteiligen. Mit den Regulierungsarbeiten soll im Frühjahr 1951 begonnen werden. Dabei wird Vorsorge getroffen, daß Landschaftsbild und auch Vogelschutz gewahrt werden. Mit diesen Arbeiten soll gleichzeitig auch der Hochwasserschutz an d e n Stellen durchgeführt werden, an denen in der Vergangenheit immer wieder Schäden aufgetreten sind, so in Erbach und vor allen Dingen in den großen Gummiwerken Sandbachs.

Regierungsrat Zörgiebel schlug zu diesem Zweck die Schaffung von Staubecken vor, die gleichzeitig zu einer Verschöne-

rung und Belebung des Landschaftsbildes beitragen könnten.

Er wies nachdrücklichst darauf hin, daß ein großer Teil der durch diese Arbeiten entstehenden Kosten vermieden werden konnte, wenn die Bevölkerung mehr Sorgfalt auf die Reinhaltung und Pflege des Mümlinglaufes verwenden würde. Auch im Interesse der Fremdenverkehrswerbung sei das von größter Wichtigkeit. Jeder einzelne müsse aus ureigenstem Interesse mit dazu beitragen, daß das Mümlingtal wie der gesamte Odenwald zu einem schönen und gepflegten Garten werde. -ch

Keine Einigung in Groß-Umstadt

Darlehen für den Krankenhauserweiterungsbau und Bauvorhaben Ritzert Hauptberatungspunkte im Stadtrat

In der Mittwochsitzung des Groß-Umstädter Stadtrats stand das geplante Darlehen der Allgemeinen Ortskrankenkasse für den Kreis Dieburg zur Erweiterung des Kreiskrankenhauses in Höhe von 55 000 DM zur Debatte, die sich nahezu zwei Stunden hinzog, ohne daß es zu einer definitiven Entscheidung kam.

Bürgermeister Hartmann, Chefarzt Dr. Lutz und Verwaltungsdirektor Münchhoff von der AOK behandelten jeden einzelnen der im Vertrag vorgesehenen Paragraphen eingehend. Nach ■allseitiger Darlegung der Gründe und Gegengründe, die in den drei vorliegenden Vertragsentwürfen und in persönlichen Darlegungen zum Ausdruck kamen, machte Stadtrat Ackermann die Feststellung, daß die dritte als endgültig anzusehende Fassung den Fraktionen nicht bekannt sei und sie deshalb wegen der unzulänglichen Vertrautheit mit der Materie noch keine Stellung zu der Angelegenheit nehmen könnten. Der Antrag der CDU, den Vertrag durch eine besondere Kommission prüfen zu lassen, wurde angenommen. Für diese Kommission wurden der Bürgermeister,.die Beigeordneten, Chefarzt Dr. Lutz, Direktor Münchhof und aus dem Stadtrat ein Sozialversicherungsnehmer bestimmt.

Die Behandlung des Punktes „Bebauung des Herrnbergs“ führte hinsichtlich des von Landrat Ritzert geplanten Neubaues und der Anlegung eines Privatweges dorthin erneut zu längeren Ausführungen des 2. Beigeordneten Wedel, der betonte, daß der Bauentwurf des

Kreisplanungsamtes noch keine Gesetzeskraft habe, weil er weder auf der Bürgermeisterei offengelegt noch im Kreisausschuß oder im Kreistag behandelt worden sei.

Die Beigeordneten Siegler und Wedel widersprachen u. a. der in einem Brief des Landrats enthaltenen Bemerkung, nach der dem Landrat der Bauplan erst nach Genehmigung durch den Regierungspräsidenten vorgelegen habe, mit der Erklärung, daß der Plan in ihrem und Regierungsbaurat Gasserts Beisein vorher mit dem Landrat besprochen worden sei.

Die weiteren Punkte der Tagesordnung wurden ohne größere Aussprache erledigt. Der Antrag Georg Füßler auf Abtretung der bisher von der Stadt an den Anschlagtafeln betriebenen Insertion an die von ihm geplante dreimal wöchentlich erscheinende örtliche Zeitung wurde der Finanzkommission überwiesen. Ueber Anbringung neuer Straßenlampen und teilweise Umstellung der öffentlichen Beleuchtung auf halbnächtliche Brenndauer soll erst nach Einholung eines Voranschlages bei der HEAG entschieden werden. RG

Aktuelles zwischen gestern und heute

Kaufmann vor Gericht

Nichts nachgewiesen

Staatsanwalt beantragie Zuchthaus Gericht entschied auf Freispruch

Mit einem Freispruch endete am Mittwochabend die zweitägige Hauptverhandlung der Zweiten Darmstädter Strafkammer gegen den 42 jährigen Kaufmann Ernst J. aus Bürstadt. Zuvor hatte der Staatsanwalt wegen betrügerischen und einfachen Bankrotts, Urkundenfälschung und Betrugs zwei Jahre und drei Monate Zuchthaus beantragt.

Der Angeklagte, der mit großem Optimismus verschiedene von ihm gegründete Unternehmen hochzubringen versuchte. damit jedoch nur Mißerfolge und Schiffbruch erlitt, war von der Staatsanwaltschaft betrügerischer Manipulationen beschuldigt worden.

Die Beweisführung des Anklagevertreters brach jedoch zusammen. J., der ehemals Inhaber des . .Versicherungshauses Ernst J.“ und später Geschäftsführer einer Großhandelsgesellschaft für kosmetische Artikel war, verteidigte sich sehr geschickt und erbrachte zahlreiche entlastende Beweise, so daß ihm die Strafkammer keine Täuschungsabsichten und Fälschungen nachzuweisen vermochte. wrst.

Tragischer Todessturz

Gestern morgen wurde gegen drei Uhr der 30 Jahre alte Bäckermeister Karl W. in der Backgrube seiner Backstube in der Darmstädter Straße 25 in Oberramstadt von seinen Angehörigen tot aufgefunden.

Die örtliche Schutzpolizei verständigte sofort die Kriminalpolizei-Inspektion in Darmstadt. Beamte dieser Dienststelle kamen nach kurzer Ermittlungsarbeit zu dem Ergebnis, daß es sich um einen tragischen Unglücksfall handelt und ein Verschulden dritter Personen ausscheidet.

Der Bäckermeister war — so stellte man fest — in den frühen Morgenstunden beim Betreten der Backstube infolge der Dunkelheit ausgerutscht und kopfüber in die vor dem Backofen befindliche. tiefe Backgrube gestürzt. Dabei kam er so unglücklich zu Fall, daß der Tod auf der Stelle eintrat.

Die Leiche wies Kopfverletzungen auf, die von dem Sturz herrühren. wst.

Freitod durch Gas

In den Morgenstunden des Mittwoch wurde die 59jährige Ehefrau L. H. in der Küche ihrer Wohnung in Bensheim-Auerbach tot aufgefunden. Sie hatte durch Gas ihrem Leben ein Ende bereitet. Da Frau H. leidend war, dürfte das Motiv ihrer Tat hierin zu suchen sein. Die Bensheimer Polizei betont ausdrücklich, daß es sich, entgegen anders lautenden Pressenotizen, nicht um das Ehepaar, sondern lediglich um Frau H. handelt. H.B.

Betrunken am Steuer

Weinvertreter G. aus Harreshausen, der am Mittwoch gegen 0.30 Uhr aus einer Babenhäuser Wirtschaft kam, setzte sich, obwohl er betrunken war, an das Steuer seines Pkw., wendete und fuhr mit hoher Geschwindigkeit Richtung Bahnhof. Von dort kam ihm eine Miettaxe entgegen. Der Taxifahrer konnte dem Rasenden an der engsten Stelle der Fahrbahn bei Bäckerei Eller gerade noch ausweichen, allerdings wurde der hintere Kotflügel der Miettaxe abgerissen. Ohne sich um den Vorfall zu kümuern, fuhr der weinselige G. weiter. Die Insassen der Taxe kamen mit dem Schrecken davon. NB.

Zwei Schwerverletzte durch unbeleuchtet abgestelltes Fahrzeug

In den Abendstunden des Mittwoch prallte ein aus Richtung Zwingenberg kommender Motorradfahrer in der Darmstädter Straße in Benshei m-Auerbach auf einen abgestellten unbeleuchteten Anhänger eines Lastzuges auf. Fahrer und Soziusfahrer wurden erheblich verletzt und mußten sich in ärztliche Behandlung begeben. H.B.

Wer auf der Fahrbahn läuft ...

Am Mittwoch wurde in der Bahnhofstraße, Bad König, die Marie Kos aus Zell, die unvorschriftsmäßig auf der Fahrbahn ging, von dem Personenwagenanhänger des Metzgers Philipp Sch ä - fe r zu Boden geschleudert. Der Wagenführer, der die Frau überholen wollte, mußte wegen eines entgegenkommenden Fahrzeuges bremsen und riß seinen Wagen scharf nach rechts herum, so daß er auf den Bürgersteig fuhr und einen Gartenzaun beschädigte.

Dabei wurde der schwerbeladene Anhänger mit Wucht herumgeschleudert und die Fußgängerin erfaßt. Mit einem doppelten Knöchelbruch am rechten Fuß wurde sie in die Zandersche Klinik gebracht. -ch-

Vereint in Sorge um die Jugend

Die Jugend von heute — Gemeindemitglieder von morgen

In einer sehr gut besuchten Elternversammlung, die den Abschluß der Jugendwoche bildete, sprach Kreisschulrat Dr. Ploetz in Bickenbach über das Thema: Elternhaus und Schule.

Er betonte, daß sich in unserer von mancherlei Sorgen erfüllten Zeit alle Erziehungsfaktoren, insbesondere Elternhaus und Schule, vereinen sollten in der Sorge um unsere Jugend. Das Fehlen der leitenden, starken Hände vieler aus Krieg und Gefangenschaft nicht zurückgekehrter Väter erschwere die Erziehungsarbeit ungemein. Die Kräfte aber, die man später im Gemeinde- und Staatsleben brauche, sollten bereits in der Jugend entbunden werden, wolle man nicht anstatt tätiger und freudiger Mitarbeiter — Kritiker und Nörgler erziehen. Zur Erreichung dieser Ziele seien Heimatwanderungen und Zeltlager besonders geeignet.

Die Schülerselbstverwaltung solle man nicht als Spielerei ansehen, gerade sie sei eine Quelle der Kräfte, die geweckt werden müßten. Die Eltern sollten Ver-

ständnis dafür haben, wenn die moderne Erziehung andere Wege wie früher gehe. In der Aussprache fanden die Ausführungen von Kriminalrat a: D. Weidmann besondere Aufmerksamkeit. An Beispielen seiner 30jährigen beruflichen Tätigkeit zeigte er, welch verhängnisvolle Folgen die Vernachlässigung der elterlichen Aufsichtspflicht nach sich ziehen könne. Er verwies auf die dauernden Sittlichkeitsverbrechen als den Schwerpunkt der heutigen Kriminalität und forderte die Eltern auf, ihre Kinder so zu erziehen, daß sie sich niemals einem Fremden anschlössen. Der Ortsjugendausschuß in Gemeinschaft mit Gemeindeverwaltung und Lehrerschaft weise den rechten Weg, wie die Freizeit der Jugend durch Kulturfilme, Laienspiele, Puppenspiele, Sport und durch verschiedene Arbeitsgemeinschaften gestaltet werden könne. Es müsse alles getan werden, um die Jugend aus Gedankenlosigkeit, Lethargie und Vergnügungssucht herauszuführen und sie zur Erkenntnis zu bringen, daß nur im Wahren, Schönen, Guten der Menschheit Zukunft liege. (rh)

Volkshochschule Bergstraße im November

Die Volkshochschule Bergstraße (Jugenheim) in Verbindung mit dem Pädagogischen Institut und der Kulturgemeinde Jugenheim hat für November im Education Service Center (Gartensaal des Hotels „Goldene Krone“) bedeutsame Veranstaltungen vorgesehen.

Am Dienstag, dem 14. November, 18 Uhr, wöchentlich: „Künstlerische Schriften (Antiqua und Gotik)“ von Dr. Meyers; Dienstag, 14. November, 20 Uhr, wöchentlich: „Flausliches Musizieren und Werkbetrachtung“ von Dr. Teuscher; Mittwoch, 15. November, 20 Uhr, wöchentlich: Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene, Leitung Fräulein H. Block und Dr. Dexheimer (je Stunde 0,50 DM); Freitag, 17. November, 17.30 Uhr, wöchentlich: „Die Familie und ihre Bedeutung in der Jugendfürsorge“ von Prof. Dr. Scherpner; Donnerstag, 16. November, 20 Uhr: Stefan Andres liest in der Vortragsreihe Dichterlesungen; Freitag, 17. November, 20 Uhr, wöchentlich: „Rede, Vortrag und Diskussion“ von Dr. Krumb; Montag, 20. November, 20 Uhr, vierzehntägig: „Entwicklung und Erziehung des Kleinkindes (bis zum Schulbeginn) von Dr. Ruppert; Dienstag, 17 bis 19 Uhr, wöchentlich, Beratungsstunden für Eltern, Leitung Frau Dr. Stahl. hl.

Hinein mit „Aela!“

Am Abend des Elften im Elften, wenn der alte Schlachtruf zum Auftakt des Karnevals: „Hinein mit Aela“ erklingt, steht Dieburg wieder Kopf.

Der Karnevalverein eröffnet die Fastnachts-Saison in der „Ludwigshalle“. Der Abend wird unter der bewährten Leitung des Präsidenten Ernst Geisler, dem junge Karnevalisten zur Seite stehen, durchgeführt.

Die Eröffnungssitzung des CC, die mit einer Fahnenweihe verbunden ist, findet im „Mainzer Hof“ statt und steht unter dem Motto: „Unn wenn die Wält sich noch sou haßt, mer lache trotzdem, wanns uns baßt.“ rfd

„Angst und ihre Ueberwindung“

Mit dem gegenwärtig außerordentlich aktuellen Thema „Die Angst der Gegenwart und ihre Ueberwindung“ wird sich heute in Groß-Gerau, um 20 Uhr, im kleinen Saal des Hotels „Adler“, Frau Dr. Grete Dripp-Stulz aus Basel beschäftigen.

Frau Dripp-Stulz, deren Ruf als Psychotherapeutin weit verbreitet ist, gilt als Kennerin der für unsere heutige Zeit weit verbreiteten Angstpsychose. Kr.

Unsere Geburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Eheleute Fritz Götz, Groß-Bieberau, Gartenstraße 11. 81. Geburtstag: Herr Gustav Nikolai, Groß-Gerau, Neckarstraße 2. 76. Geburtstag: Frau Lina Eckert, Bickenbach, Zwingenberger Straße. 71. Geburtstag: Frau Margarete Meier Dornheim, Heißfeldstraße 11. 40 jähriges Dienstjubiläum bei Opel: Herr Friedrich Treutel, Kelsterbach Saalburgstraße 15.

Der Gemeinfchaft und Tühigkeit verantwortlic

Elternversammlung in Nieder-Ramstadt

Zu dem überall akuten Thema „Elternhaus und Schule“ wurde anläßlich einer t ternversammlung in Nieder-Ramstadt durch Frau Dr. Stahl, Dozentin für JMternerziehung am Pädagogischen Institut Jugenheim und Herrn Rektor i raut ma n n ein wertvoller Beitrag geleistet.

Rektor Trautmann wies in seinen einleitenden Worten unter anderem auf die Schulraumknappheit in Nieder-Ramstadt hin, die es jetzt im Winter erforderlich mache, den Stundenplan zu kürzen, damit die Kinder nicht erst in der Dunkelheit nach Hause gehen müssen.

Anschließend legte Frau Dr. Stahl in einem ausführlichen Referat die Grundzüge der heute angestrebten schulischen und häuslichen Erziehung dar. Der moderne Lehrer will nicht mehr nur den Verstand schulen und alle Kinder auf das gleiche Niveau ausrichten: Er will die Kinder zur eigenen festen Persönlichkeit in der Gemeinschaft erziehen. Dabei müssen Schule und Elternhaus Zusammenarbeiten. Die Kinder sollen selbständig denken und handeln und sich dabei der Gemeinschaft je nach ihren Fähigkeiten verantwortlich fühlen.

Diese Erziehung hat nichts mit poli* tischen, sozialen oder konfessionellen Unterschieden zu tun. Ihr Ziel kann aber nur bei einer Erziehung ohne Furcht und Angst erreicht werden, die Vertrauen braucht. Dabei müssen die Eltern die Schule unterstützen. Sie dürfen niemals, wenn heute andere, unserer Generation scheinbar unverständliche Methoden angewandt werden, den Lehrer in den Augen der Kinder herabsetzen. Der Lehrer ist für das Kind, das ja ständig zwischen Elternhaus und Schule hin- und hergeht,

ein Teil der Familie, d. h. neben den Eltern der Erwachsene, der den meisten Einfluß auf das Kind ausübt.

Als ein weiteres sehr wesentliches Ziel der Erziehung bezeichnete Frau Dr. Stahl die Erziehung zur Ehrfurcht. Diese sei wohl die schwerste und erfordere eine behutsame Hand. Respekt vor sich selbst und vor dem Kinde bedeute eine wichtige

Voraussetzung hierfür. Alle diese Fragen wären nicht so brennend, wenn wir in einer ruhigen, gefestigten Welt lebten, wie z. B. noch unsere Großeltern. Aber unsere Generation selbst ist so zerrissen und haltlos, daß wir oft den verkehrten Weg einschlagen und, statt unseren Kindern Halt und Schutz zu geben, selbst bei ihnen Halt suchen. Eltern und Lehrer müßten sich deshalb gemeinsam bemühen, den Kindern wieder dieses Gefühl der Geborgenheit zu geben, im Vorbild an uns und in der Gemeinschaft mit den anderen Kindern.

In der Diskussion wurden die angeschnittenen Fragen noch präzisiert und einige Einzelfälle besprochen. Zum Abschluß schilderte Rektor Trautmann mit kurzen Beispielen die moderne Art der Schularbeit und forderte die Eltern auf, sich den Unterricht selbst anzuhören, um einen direkten Eindruck zu erhalten. F.-L.

Bachfeier in Habitzheim

Am Sonntag veranstaltet der evang. Kirchenchor in der Habitzheimer Kirche zum Gedenken an den 200. Todestag von Joh. Seb. Bach, eine Feierstunde, bei der Einzelwerke aus Kantaten, Orgelwerken und Chorälen zu Gehör kommen. Als Solisten wirken mit: Mili Merkel, Sopran, Traudel 111 man n, Violine, Konzertmeister Uhrhan. Cello. Herbert Kissler. Orgel; ferner der Posaunenchor von Gr. Zimmern und der Kirchenchor von Habitzheim. Pfarrer Re d - h a r d t hält einen Vortrag über das Leben und Schaffen Joh. Seb. Bachs und gibt zu den dargebotenen Werken erklärende Angaben. Jg.

Kaninchenschau in Michelstadt

Der Kaninchenzuchtverein Michelstadt wird seine große Jahresausstellung, verbunden mit Pelzschau, am 2. und 3. Dezember in „Schmerkers Garten“ veranstalten. Nicht nur die Züchter des Erbacher Kaninchenzuchtvereins, sondern auch die Kürschnerei Loudwin von Erbach wird an der Ausstellung teilnehmen. -ch

6 Monate Gefängnis für Rachestr eich

250 Zentner Stroly ein Raub der Flammen

Bruderzwist veranlaßte 20jährigen zur Brandstiftung

Wegen einfacher Brandstiftung verurteilte gestern die Erste Strafkammer beim Landgericht Darmstadt den 20jährigen Landwirt Otto H. aus Wolfskehlen zu sechs Monaten Gefängnis.

Der gegen ihn erlassene Haftbefehl wurde aufgehoben. Da der 20jährige einmal einen Fluchtversuch aus der Haftanstalt unternommen hatte, konnten ihm nur zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet werden.

Was diesen jungen Burschen auf die Anklagebank brachte, war ein im Affekt verübter, unüberlegter Rachestreich. Mit einem Streichholz hatte er in der Nacht zum 22. August dieses Jahres den Strohhaufen seines Vaters in Wolfskehlen angezündet. Die 250 Zentner Stroh, die einen Wert von 300 DM besaßen, wurden dabei völlig vernichtet.

Die Veranlassung zu dieser Brandstiftung gaben Erbschaftsstreitigkeiten mit dem zwei Jahre älteren Bruder, der den Hof des Vaters bewirtschaftete. Die beiden lebten in ständiger Fehde und der verärgerte Otto beschloß in einer Gastwirtschaft am 21. August — nicht zuletzt unter dem Einfluß von Alkohol —, in der Dunkelheit dem anderen „eines auszuwischen“.

Vor Gericht bereute er gestern bitter seine dumme Tat. Die Strafkammer billigte dem Angeklagten weitgehende Milderungsgründe zu und packte — wie der Vorsitzende hervorhob — den Prozeß von der menschlichen Seite an. Landgerichtsdirektor F o r c h erklärte, man habe auf Grund verschiedener Umstände auf die Mindeststrafe erkannt. Der Angeklagte lasse sich, wie dieser Fall und der spätere Fluchtversuch bewiesen hätten, sehr leicht zu unbedachten Affekthandlungen hinreißen. Der Streit mit dem Bruder und seinem Schwiegervater, der Verlust der Mutter und auch ein bestimmter Alkoholeinfluß hätten das Handeln des 20jährigen zudem stark gefördert, wst.

30 Jahre Landwirtschaftsschule

Der 28. Lehrgang der Landwirtschaftsschule Reichelsheim wurde mit einer schlichten Feier eröffnet. Da der Direktor des Instituts, Landwirtschaftsrat Dr. Werner, noch erkrankt war, begrüßte Landwirtschaftsassessor E i den - mü 11 e r die 21 weiblichen und 35 männlichen Teilnehmer am Wintersemester 1950/51. Voraussichtlich im Februar will der Verein ehemaliger Landwirtschaftsschüler eine Gedenkfeier anläßlich des 30 jährigen Bestehens der Landwirtschaftsschule Reichelsheim veranstalten. ch.

Grenzgang in Ober-Ramstadt

Da die Gemarkungsgrenze der Gemeinde Ober-Ramstadt für einen gemütlichen Spaziergang zu weit reicht, wurde der Grenzabgang in mehrere Abschnitte eingeteilt. Dieses Jahr soll nun ein Teil der östlich der Ortschaft gelegenen Grenze begangen werden. Am Sonntag ist der Abmarsch um 13 Uhr am Rathaus vorgesehen. Am Reinheimer Pfad wird die Odenwaldbahn überschritten und der Wiesenweg führt dann auf das Hofgut Dilshofen, das durch die Gemarkungsgrenze teilweise zu Zeilhard und Oberramstadt gehört. Durch den Wald geht dann die Wanderung nach Rohrbach weiter, wo der Grenzgang beendet wird. -D-

Dorfjugendabend im Ueberwald

Als erste Gemeinde des Landkreises Bergstraße wird auf Grund des Zusammenfindens einer Schar junger Leute, die sich aus verschiedenen Parteirichtungen und Konfessionen zusammensetzt, in Kürze in Waldmichelbach ein Dorfjugendabend für den Ueberwald stattfinden.

Die Vorbereitungen dazu wurden nach einer am Dienstagabend stattgefundenen Zusammenkunft aufgenommen. Ziel dieser Abende soll es sein, ernste und lebenswichtige Dinge wie Politik, Wissen und Geschehen des Alltages der Jugend nahezubringen. Ursache zu dieser Zusammenkunft war die Erkenntnis, daß vor allem dem politischen Tagesgeschehen seitens der Oeffentlichkeit viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. -r.

Müllabfuhr und Rattenplage vor dem Gemeinderat in Groß-Gerau

Die Debatte um die Einrichtung einer städtischen Müllabfuhr in Groß-Gerau ist, nachdem sich die Mitglieder des Bau- und Finanzausschusses sowie Beigeordneter Gerlach an Hand des Darmstädter Beispieles von dem Vorteil einer solchen Einrichtung überzeugen konnten, nunmehr in ein entscheidendes Stadium getreten.

Bürgermeister Dr. Lüdecke hatte sich in einer kürzlich stattgefundenen Gemeinderatsitzung für eine Müllabfuhr eingesetzt. Der Stadtverwaltung liegt ein Antrag der Firma Mercedes-Benz für einen motor-hydraulischen Meiller-Dreiseiten-Kipper vor. Dieses Fahrzeug kann nicht nur genormte Mülltonnen, sondern auch behelfsmäßige Müllgefäße aufnehmen und entleeren.

In der nächsten Sitzung des Gemeinderates wird der Entwurf einer Polizeivorschrift für die Müllabfuhr zur Billigung dem Stadtparlament vorgelegt werden. In diesem Zusammenhang soll noch eine polizeiliche Anordnung erlassen werden, die es allen Einwohnern der Stadt Groß-Gerau zur Pflicht macht, sich an einer großangelegten Rattenbekämpfungs-Aktion zu beteiligen. Anlaß zu dieser Entschließung ist die in der Bahnhofsgegend herrschende Rattenplage. Kr.

Von einem entgegenkommenden Post¬ omnibus geblendet, fuhr dieser Tage ein Motorradfahrer auf der Landstraße nach Unter-Flockenbach einen Radfahrer an und verletzte ihn schwer. Der Motorradfahrer kam mit Sachschaden an seiner Maschine davon. -r

Meldung en aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Weiterstadt. - Der Gerätewettkampf der Turnerinnen zwischen den Vereinen SKG und TV Büttelborn, TV Worfelden und ^G Weiterstadt mußte auf Samstag, den 2. Dezember, verlegt werden. Dadurch verschiebt sich auch der Elternabend der Sportgemeinde vom 10. auf den 17. Dezember, da am 25. November der Geflügelzuchtverein bei Gastwirt Schöneberger eine Geflügelausstellung durchführt.

He

Jugenheim. Für Kinder im Alter von 6 bis 12 Monaten wird heute während der Säuglingsberatungsstunde kostenlos Lebertran ausgegeben. hl.

DIEBURG

Zeilhard. Im Saale „Zur Krone“ wurde vor kurzem die Gründung eines Männergesangvereins durchgeführt. Das Amt des ersten Vorsitzenden übernahm Herr P o t h. Stellvertreter wurde Georg Ziergöbel, Rechnungsführer Philipp Rothenhäuse r, Schriftführer Herr Ripper, -gi-

Groß-Bieberau. Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel und der Leiter der AOK Dieburg, Münchhoff, sprechen am kommenden Samstag um 20.30 Uhr im Rahmen einer Wahlversammlung der SPD im Gasthaus „Zur Linde“. GD

Reinheim. Der Karnevalverein veranstaltet am 11. November im Gasthaus „Zum kühlen Grund“ um 20.11 Uhr einen karnevalistischen Abend, bei der die 650- Jahr-Feier der Stadt einer „kritischen Betrachtung“ unterzogen werden soll.

ERBACH

Vielbrunn. Am 10. November hält Missionar Michel aus Darmstadt im Gemeindehaus einen Lichtbildervortrag über „Kampf und Sieg des Evangeliums in Indien“. im

BERGSTRASSE

Lorsch. Am Sonntagvormittag nahm Kreisfeuerwehrinspektor Fässer, Bensheim, die Inspektion der Freiwilligen Feuerwehr Vor. Nach Besichtigung der Geräte wurde eine Brandübung durchgeführt. Hirschhorn. Der Männergesangverein „Eintracht“ veranstaltet am 12. November unter Mitwirkung des Neckarsteinacher Bläserchors einen Musik- und Liederabend im „Erbach - Fürstenauer Hof“. Das Preichhaltige Programm bringt u. a. Werke von Bach, Beethoven, Schubert und Silcher. W 1

GROSS-GERAU

Nauheim. Am Samstag veranstalteten die „Falken“ in der Sporthalle einen gutbesuchten bunten Abend. Bei Gesang, Tanz und Spiel bereiteten die jungen Künstler den Besuchern einige unterhaltsame Stunden. Kb.

Der SPORT

Der Fußball im Schatten der Auswahlspiele

Bezirksklasse ohne Höhepunkte — Spitzenkämpfe in den Kreisklassen

In der Fußball-Bezirksklasse, Grupe 1, hilft der Spielplan für den 9. Sonntag dem immer noch ungeschlagenen Tabellenführer Lorsch weiter, Punkte zu sammeln. Die Olympia wird von ihrem Sprung nach Bensheim wohl wieder mit einem Sieg nach Hause kommen. Sein Gastgeber geht auch auf eigenem Gelände weidlich aussichtslos ins Rennen. Für Bürstadt steht bei seiner Fahrt nach Hofheim der 2. Platz auf dem Spiel, den zu erhalten es vollster Anstrengung bedarf: Ober-Ramstadt hat nämlich starke Ambitionen auf diese Position und dazu berechtigte Aussichten, auch dorthin zu kommen. Eberstadt, das dort gastiert, kann sich kaum mehr Chancen ausrechnen als Bensheim. Roßdorf hat mit Viktoria Urberach den Viertplacierten zu Gast, dem es nichts schenken wird. Seine Aussicht, durch Spielgewinn zum 9. und 10. Punkt zu kommen und damit nach oben aufzuschließen, werden die Mannschaft vorwärtstreiben. Die Rodgauer aber haben auch ihren Stolz; sie können bei Sieg aussichtsreich in die Spitzengruppe aufrücken. Zudem sitzen ihnen die Bobstädter im Nacken, die sich auf eigenem Grund und Boden gegen den VfR Langen auch einen Doppelgewinn ausrechnen werden. Völlig offen bleibt das Treffen Heppenheim—Groß-Gerau, die beide mit 8:8 Punkten und einem Torverhältnis von 1,14 bzw. 1,5 fast gleicher Spielstärke sind. Unter Umständen entscheidet hier lediglich der Platzvorteil. Pfungstadt empfängt mit Biblis eine Mannschaft, gegen die es nur Aussichten hat, wenn es schneller und kräftiger ins Spiel kommt als am Vorsonntag.

In der Gruppe 2 werden die Würfel zugunsten Bischofsheims nicht so leicht fallen. Seine Fahrt zur KSV Urberach hat jedenfalls ihre Haken. Hassia Dieburg fährt mit gutem Dampf aus den beiden letzten Begegnungen — sie brachten 14:5 Tore — nach Mörfelden. Allerdings muß sie sich dort auf dem neuen Waldsportplatz genügend zurechtfinden, sonst wird am Montag RW Walldorf ihren Platz einnehmen. Die Rot-Weißen treten nämlich in Trebur an. von wo sie vollbeladen wieder abfahren dürften. Und Ober-Roden? Die Germanen können auch mit Fug und Recht auf beide Punkte (das wäre Nr. 11 und 12) rechnen, von denen ihnen Messel ernsthaft keinen streitig machen dürfte. Michelstadt hat zwar letzthin gegen Trebur 2:0 gewonnen, aber diesmal kommt aus Wixhausen eine Elf zu ihnen, gegen die man auch im Heimspiel die Ohren steifhalten muß, um nicht unterzugehen. Das Spiel Egelsbach gegen Erbach ist»auf einen späteren Termin verlegt worden.

Es spielen: Hofheim—Bürstadt, Pfungstadt gegen Biblis, Bensheim—Lorsch, Ober-Ramstadt—Eberstadt, Heppenheim—Groß-Gerau, Roßdorf—Viktoria Urberach, Bobstadt—Vfß Langen; spielfrei Groß-Rohrheim. — In Gruppe 2: Mörfelden—Dieburg, Michelstadt gegen Wixhausen, Ober-Roden—Messel, Trebur-Walldorf, KSV Urberach—Bischofsheim; spielfrei Münster, Eppertshausen, Nauheim, Egelsbach und Erbach.

Der Spielbeginn aller Bezirksklassenspiele ist ab 12. November auf 14.30 Uhr festgesetzt worden. RG

Kreisklasse Darmstadt

Vor entscheidenden Spielen

Allmählich geht's dem Schluß der Vorrunde entgegen und ein gewisser Endspurt macht sich bei verschiedenen leicht favorisierten Vereinen bemerkbar. Beide Spitzenkandidaten haben schwere Aufgaben auswärts zu lösen und wären vielleicht froh, die Partie als gewonnen schon hinter sich zu haben. Im 10. Spielsonntaß begegnen sich folgende Vereine: Seeheim—Erzhausen, Hahn-Weiterstadt, SSG Langen—Gräfenhausen. Hähnlein—Bickenbach, TSG 46 Darmstadt—TuS Griesheim, Nieder-Ramstadt—Alsbach.

Seeheim das am letzten Sonntag mit Glück beide Punkte aus Griesheim mitnehmen durfte, steht vor einer schweren Aufgabe, denn auch Erzhausen zeigt Formverbesserung. Ob die Heimmannschaft Hahn im Spiel gegen den Tabellenersten Weiterstadt als Sieger hervorgehen wird. bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall wird das Spiel mit entscheidend für die Herbstmeisterschaft sein T.anepn ,lnd tri«t

Gräfenhausen fährt nach Langen und tritn dort auf einen verbissenen Gegner. Hähnlein bestreitet sein zweites Lokalderby mal zu Hause. Die Gäste müssen sich jedenfalls mächtig anstrengen wenn sie ihre errungene Position halten wollen.

Die Woogsleute haben diesmal ein leichtes Spiel gegen TuS Griesheim und brauchen um diese Punkte nicht zu bangen.

Wer in Nieder-Ramstadt der Bessere ist, bleibt abzuwarten, denn beide Vereine verstehen bis zum Schluß zu kämpfen Trotzdem sollte man den Einheimischen ein kleines Plus zugestehen. . . _.. .

In der B - K 1 a s s e wird der SC Griesheim voraussichtlich als Herbstmeister hervorgehen. Die Griesheimer werden von Eschollbrücken und Jugenheim verfolgt, so daß das Spiel gegen Jugenheim eine Vorentscheidung bringen wird. Es spielen: Union Darmstadt— Nieder-Beerbach. Traisa—SV 98 Darmstadt 11, SC Griesheim-Jugenheim, Eschollbrücken— Ober-Beerbach, Brandau—VFß Langen, Rohrbach ist spielfrei.

Die Darmstädter werden gegen den Neuling aus dem Odenwald zu einem Sieg kommen und ihre Tabcllenstellung wesentlich verbessern können. Ob Traisa natürlich trotz eigenem Platz gegen die 11. von Darmstadt etwas ausrichten kann, bleibt abzuwarten . Eschollbrücken wird leichtes Spiel haben und seine Position verbessern können. Brandau empfängt die Soma aus Langen und wird sich anstrengen müssen, ehrenvoll abzuschneiden.

Kreisklasse Dieburg

Nieder-Roden vor dem 60. Tor

Mit einer einfachen Rechnung läßt sich die Fußball-A-Klasse des Kreises Dieburg an. Mit dem weitaus besten (fast möchte man sagen unwahrscheinlich hohen) Torverhältnis von 59:7 und 18:0 Punkten aus neun Spielen tritt die SG Nieder-Roden beim Schlußlicht Kleestadt (13. Platz) an. Wieder wird für die Rodgauer mehr als ein Tor herausspringen, der hohe Durchschnitt von mehr als sechs Treffern je Spiel also weiter erhalten bleiben. Selbst wenn auch Götzenhain für zwei Punkte in Mosbach gut ist, wird sich unter ungünstigstem Ablauf der Dinge an der Tabellenführung nichts ändern. Überau hat diesmal seine 5:2- Niederlage in Groß-Umstadt wieder gutzumachen. Das müßte man ihm im Heimspiel gegen Dreieichenhain zutrauen. Offenthai bleibt im Kreis Offenbach; zu ihm kommt Groß-Umstadt, das sich, eingedenk seiner letzten guten Leistung, nicht ohne weiteres abfertigen lassen wird. Die TG Ober-Roden bleibt zwar zu Hause, aber ihr Gast Lengfeld wird nach dem mageren 1:1 gegen Mosbach doch zeigen wollen, daß es den Mittelplatz zu Recht innehat. Spachbrücken hat gleichfalls ein Heimspiel, und Klein-Zimmern, das zu ihm kommt, darf den hohen 6:0-Sieg der Nieder-Röder über die Platzherren nicht als Maßstäb für seine Aussichten nehmen; es könnte sonst leicht zu einem Erfolg für die Einheimischen reichen.

Es spielen: Offenthai—Groß-Umstadt, Kleestadt — Nieder-Roden, Spachbrücken — Klein-Zimmern, Ober-Roden—Lengfeld, Mosbach geg. Götzenhain, Überau—Dreieichenhain; spielfrei Reinheim und Groß-Zimmern.

Nach der Pause geht die B - K 1 a s s e nun in die Rückrunde. Dabei müßte in Gruppe 1 der Tabellenführer Groß-Bieberau im Heimspiel gegen Wersau seinen Platz behaupten können, während Georgenhausen nach Dieburg zu einem schweren Treffen fährt. Niedernt^usen darf sich eine leichte Chance gegen Hering ausrechnen, ebenso wie Fränkisch-Crumbach mit seinem Gast Brensbach ins Reine kommen sollte. Es spielen: Niedernhausen—Hering, Hassia ll—Georgenhausen, Groß-Bieberau—Wersau, Fränkisch-Crumbach gegen Brensbach.

Stärker gefährdet ist der 1. Tabellenplatz, den Schaafheim in der Gruppe 2 innehat. Hergershausen könnte gar leicht auf Grund des Platzvorteils zu beiden Punkten kommen und damit dicht nach oben aufschließen. Die Freie Svg Münster reist nach Wiebelsbach, wo die 90 Minuten ihren 2. Platz unter Umständen gefährden können, Klein-Umstadt dagegen sollte gegen seinen Nachbarn TV Groß-Umstadt mindestens zu einem Teilerfolg kommen. Es spielen Wiebelsbach—FSvg Münster, Hergershausen—Schaafheim, Klein-Umstadt —TV Groß-Umstadt. RG

Halbzeitstand der Gruppe 1:

Gruppe 2:

Groß-Bieberau 7 6 1 35: 5 13: 1
Georgenhausen. 7 5 1 1 26: 3 11: 3
Niedernhausen 7 4 3 10:10 8: 6
Fränkisch-Crumbach 7 3 1 3 12:16 7: 7
Hering 7 3 1 3 18:24 7: 7
Wersau 7 2 1 4 14:19 5: 9
Ober-/Nied.-Klingen 7 1 1 5 8:29 3:11
Brensbach außer Konkurrenz: 7 1 - 6 8:25 2:12
Hassia Dieburg II 8 5 - 3 32:21 10: 6
Schaafheim 7 5 2- 32: 7 12: 2
FSVg Münster 7 5 1 1 28: 7 11: 3
Hergershausen 7 4 2 1 27: G 10: 4
Klein-Umstadt 7 3 1 '3 16: 8 7: 7
Wiebelsbach 7 3 13 12:26 7: 7
Heubach 7 - 5 2 12:17 5: 9
TV Groß-Umstadt 7 - 2 5 7:37 2:12
Raibach 7 - 2 5 6:32 2:12

Kreisklasse Bergstraße

Das Duell der Spitzenreiter

In der Fußball-Kreisklasse Bergstraße treffen am Sonntag aufeinander: Reichenbach —Aschbach, Mörlenbach—FC Fürth, Einhausen-Affolterbach, Auerbach—Weiher. Waldmichelbach und Lampertheim sind spielfrei.

— - UHVIIU OHiU dpiClllCl. Das vor vierzehn Tagen ausgefallene Treffen der Spitzenreiter wird diesmal unter umgekehrten Vorzeichen nachgeholt: Die durch die vorsonntägliche Niederlage auf die zweite Position abgerutschten Reichenbacher empfangen den nunmehrigen Tabellenführer Aschbach. Nach den bisherigen Erfahrungen ist hier ein sehr zähes Treffen zu erwarten, dessen Sieger wohl kaum vorherbestimmt werden kann, wir halten es — gefühlsmäßig — mit den Platzherren. Im Weschnitztal treffen zwei gutbekannte Nachbarn aufeinander. Neuling Fürth gewann letzthin knapp, oid-timer Mörlenbach verlor katastrophal. Darin wären die Aussichten beinahe ausgedeutet, wenn nicht gerade die Platzherren immer wieder für die tollsten Ueberraschungen sorgen würden. Einhausen hat Affolterbach, also den Ueberraschungssieger vom vorigen Spieltag, zu Gast und dürfte, wenn zu Hause nicht mehr gezeigt wird als in Aschbach, auch diesmal Federn lassen müssen.

Immerhin — möglich ist auch hier alles. Weiher besucht Auerbach. Die Platzherren scheinen sich in aufsteigender Linie zu bewegen und sollten auch über den Odenwälder Neuling zum Siege kommen. Das Spiel Fehlheim —Lindenfels wurde abgesagt, da nach Mitteilung des Kreispressewarts Lindenfels seine Fußballmannschaften aus dem Spielbetrieb zurückgezogen hat. Ueber die Wertung der bereits ausgetragenen Spiele entscheidet in Kürze der Fußballfachwart.

In der B-Klass e Gruppe Rie d ist mit Hambach der ungeschlagene und verlustpunktfreie Herbstmeister bereits festgestellt worden. Die Vorrunde wird an diesem Sonntag mit drei Treffen abgeläutet. Es treten an: Nordheim—Schönberg, Hüttenfeld—Zwingenberg, Elmshausen—RW Heppenheim.

Da in der Gruppe Odenwald der Spitzenreiter RW Wahlen (14:0 Punkte) spielfrei ist, konzentriert sich diesmal das Interesse auf die Begegnungen seiner Verfolger: SV Fürth— Ober-Abtsteinach, Rimbach — Zotzenbach, Unter-Abtsteinach—Unter-Schönmattenwag, Reichelsheim—Hammelbach. Mitlechtern und Wahlen sind spielfrei. <ni)

Kreisklasse Groß-Gerau

Das Spiel des Tages: Gernsheim—Ginsheim

Der vergangene Sonntag brachte völlig unerwartete Ergebnisse. Schon aus diesem Grund darf man auf die Spiele am kommenden Sonntag gespannt sein. Es spielen: Klein-Gerau—Walldorf, Dornheim —Raunheim 07. Büttelborn—Wolfskehlen, Gernsheim—Ginsheim, Astheim—Biebesheim, Gustavsburg—Stockstadt.

In Klein-Gerau treffen zwei Mannschaften aufeinander, die beide am letzten Sonntag enttäuschten. Eine Vorhersage über den Spielausgang ist daher sehr schwer. Der Tabellenletzte hat Raunheim 07 zu Gast. Dornheim wird sich mächtig anstrengen müssen, um gegen die sich zur Zeit in guter Form befindlichen Raunheimer bestehen zu können. Zu einem spannenden Derby kommt es in Büttelborn. Beide Mannschaften lieferten sich schon von jeher spannende Spiele. Der Gastgeber, vom Platzvorteil begünstigt, wird diesmal die größeren Aussichten auf Sieg und Punkte haben. Die beiden Tabellenersten Gernsheim und Ginsheim treten einander erstmals gegenüber. Beide Mannschaften sind sich ihrer Spielanlage nach recht verwandt, so daß die Frage nach dem Sieger erst durch das Treffen selbst beantwortet .werden kann. — In Astheim stehen sich die beiden Neulinge der A-Klasse gegenüber. Astheim müßte nach seinen bis jetzt absolvierten Spielen zu urteilen, zu einem klaren Erfolg kommen. — Die Rheinstädter stellen sich am Sonntag in Gustavsburg vor. Obwohl Gustavsburg am vergangenen Sonntag in Dornheim einen klaren Sieg landen konnte, wird es gegen Stockstadt nicht um eine Niederlage herumkommen.

In der B-Klasse spielen: Erfelden —Worfelden, Leeheim—TSV Rüsselsheim. Geinsheim—Opel Rüsselsheim Ib, SSV Raunheim gegen Bischofsheim Tb, Wallerstädten gegen Goddelau, Königstädten ist spielfrei.

Die Erfelder werden sicherlich gegen Worfelden zu einem weiteren Sieg kommen. Ob der TSV Rüsselsheim in Leeheim seine Siegeszüge fortsetzen kann, bleibt abzuwarten. In den übrigen Begegnungen werden sicherlich die Gastgeber als einwandfreie Sieger hervorgehen. -od-

Stürze verringern weiter das Feld

Kamber und „Wüste‘“ Hoffmann mußten in München aussteigen

Die letzte Nacht des Münchener Sechstage-Rennens stellte noch einmal das vollbesetzte Haus auf den Kopf. In den Abendstunden verboten die Aerzte dem Schweizer Kamber wegen einer Lungenentzündung das Weiterfahren, während der Berliner Hoffmann nachts wegen einer schweren Erkältung ausstieg. Schorn war mehrfach gestürzt. stieg aber nach einer Neutralisation nach Mitternacht wieder in den Sattel.

Am Ende des fünften Tages hatte es zunächst den Anschein, als wollten die Franzosen Seres/le Nizerhy das Rennen schon frühzeitig zur Entscheidung bringen. Nach einer Reihe von Spurts lagen die Franzosen mit sechs Runden Vorsprung allein an der Spitze, wurden aber bis zur Abendwertung bis auf eine Runde Vorsprung wieder eingeholt. In den Mitternachtsstunden war dann die Hölle los. Vor ausverkaufter Halle löste eine Jagd die andere ab, und es scheint so, daß nun die stärksten Paare auch an der Spitze fahren.

Nach 124 Stunden Fahrzeit ist der Stand des Rennens: 1. Arnold/Ludwig Hörmann 260 Punkte; 2. Mirke/Preiskeit 254 Punkte; 3. van der Meerschaut I Dekuysscher 207 Punkte. Eine Runde zurück 4. Middelkamp/ Berger 141 Punkte. Zwei Runden zurück 5. Seres/le Nizerhy 141 Punkte. Drei Runden zurück 6. Schorn/Hans Hörmann 128 Punkte; 7. Ehmer/Kohlbeck HO Punkte. Vier Runden zurück 8. Schär/Kittsteiner 103 Punkte und sechs Runden zurück 9. Rühl/Mlady 59 Punkte.

Spannung bis zum Schluß Das Münchener Sechstagerennen nimmt einen auch von den größten Optimisten nicht erwarteten spannenden Ablauf. Sechs Stunden vor Schluß liegen fünf Mannschaften rundengleich in Führung, denn der Stand nach der 17-Uhr-Wertung am Donnerstag lautete: 1. Arnold/Ludwig Hörmann 307 Punkte, 2. Mirke/Preiskeit 292 P., 3. van den Meerschaut/ Dekuysscher 228 P„ 4. Seres/Le Nizerhy 161 P., 5. Middelkamp/Berger 159 P. Zwei Runden zurück: 6. Schorn/Hans Hörmann 206 P., 7. Ehmer/Kohlbeck 133 P„ 8. Rühl/Mlady 66 P.

Die Sieger

Sieger des Münchener Sechstagerennens wurden am Donnerstagabend Dekusscher/ van den Meerschaut,

Die Reit- und Fahrvereine von Pfungstadt und Hahn schlossen sich zum „Reit- und Fahrverein Frankenstein“ zusammen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Dr. Fritz Krichbaum Hahn, gewählt.

vP®m Dieburger Protest gegen das Spiel KSV Urberach gegen Dieburg (3:2) wurde vom Rechtsausschuß stattgegeben. Es wird wiederholt und ist in unserer Tabelle gestrichen.

Michelstadt. Die Turnerinnen und Turner des VfL Michelstadt werden am Samstag, dem 11. November, im Saal von „Schmerkers Garten“ im Rahmen eines großen Schauturnens einen Ueberblick über ihre Jahresarbeit geben. -ch

s°9fen sck°n 1 G=,er f: ? wRiIW Wwääwi n Uie Amerikaner meinten, daß man inzwischen gelernt habe und wählten für ihre weltbekannten Cigaretten eine vierfache Mischung: WF VIRGINIA-TABAK aus den Staaten Georgia, Carolina,Virginio BURLEY-TABAK aus den Staaten Kentucky und Tenessee MARYLAND-TABAK aus denr Staate Maryland ORIENT-TABAK aus der Türkei und aus Mazedonien. So entstand die (zu deutsch: amerikanische Mischung) Cigarette. Ihrer vierfachen Mischung verdankt sie ihren Weltruf: Die ist eine richtige ■ggQBBM c ^>-5 W '■'Ww

[CJ.Wenz und QcuiöQloack eröffnen amll.Nov.Schulstr.3

CJ.WENZ Eisenhandlung / Öfen / Herde / Haus- und Küchengeräte eröffnet Samstag, 11. Nov. 1950,10 Uhr seine nach modernsten Gesichtspunkten eingerichteten Geschäftsräume Schulstra^e 3 Das Geschäft Alicestraße 2/Ecke Frankfurter Straße bleibt als Filiale bestehen

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I . s Bestattungen am Freitag, dem 10. 11. 1950 | Beerdigung: Alter Friedhof I 14.30 Brusius, Anna, Kranichsteiner Str. 59, 84 Jahre

Amtliche Bekanntmachungen Oeffentliche Ausschreibung Die Herstellung einer wassengebundenen Schotterdecke im Zuge der Landstraße 11. Ordnung 157, Dornheim—Leeheim, km 0,454 bis 2,972, soll an einen erfahrenen und sachkundigen Unter¬ nehmer vergeben werden Ausgabe der Angebotsunterlagen — solange Vorrat — ab Frei¬ tag, den 10. November 1950, gegen Erstattung eines Betrages von 1,50 DM (Neckairstraße 3a, II.) Oeffnung der Angebote am 20. November 1950, 10 Uhr. Darmstadt, den 8. November 1950. Hessisches Straßenbauamt Darmstadt.

Bekanntmachungen Der Kreiswahlausschuß des Wahlkreises 43 (Stadtkreis Darm¬ stadt) hat in seiner öffentlichen Sitzung am 4. 11. 1950 folgende Kreiswahlvorschläge für die Landtagswahl am 19. 11. 1-950 zugelassen: 1. Bewerber: Metzger, Ludwig, geb. 18. 3. 1902, in Darmstadt, Beruf: Oberbürgermeister, . wohnh.: Darmstadt, Claudius¬ weg 15; Nachfolger: Wernath, Fritz, geb. 6. 4. 1899 in Sondershausen, Beruf: Geschäftsführer, wohnh.: Darmstadt- Arheilgen, Jahnstraße 10 — für die SPD. 2. Bewerber: Brust, Georg, geb. 15. 6. 1905, in Darmstadt, Beruf: Kaufmann, wohnh.: Darmstadt, Kirchbergweg 6; Nach¬ folger: Dr. Scholles, Franz, geb. 15. 8. 1897, in Wiesbaden, Beruf: Dipl.-Ing., wohnh.: Darmstadt-Eberstadt, Alicenstraße 1, für die CDU. 3. Bewerber: Rotlemer, Heinrich,geb. 21. 1. 1908, in Frankfurt a. M., Beruf: Journalist, wohnh.: Darmstadt, Taunusstr. 40; Nachfolger: Pfeiffer, Friedrich, geb. 22. 10. 1892, in Darm¬ stadt, Beruf: Geschäftsführer, wohnh.: Darmstadt, Viktoria¬ straße 87 — für die FDP. 4. Bewerber: Keil Ludwig, geb. 1. 8. 1896, in Bickenbach, Be¬ ruf: Metallarbeiter, wohnh.: Darmstadt, Liebfrauenstr. 11; Nachfolger: Schäfer, Else, geb. 21. 8 1916, in Altenheim, Beruf: Kaufm. Angestellte, wohnhaft: Darmstadt, Schepp allee 32 — für die KPD. Die Bekanntmachung geschieht gemäß § 26 des Landtagswahl¬ gesetzes und § 41 der Wahlordnung. Darmstadt, den 9. November 1950. Der Kreiswahlleiter des Wahlkreises 45 Dr. Feick, Stadtkämmeren

Zwangsversteigerung Samstag, den 11. November 1950, vorm. 9 Uhr, versteigere ich mit Zusammenkunft Darmstraße 24 meistbietend: 1 Radioappa¬ rat, 70 Lederarmbänder für Uhren, 4 Dutzend Nadeletuis, 1 Pkw. anschließend Wilhelm-Glässig-Straße 9 ca. 60 Heraklithplatten, 5 Zentner Zement. Darmstadt, den 9. November 1950 Röder, Gerichtsvollzieher.

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|| M 1 A M Ein berrlicber Farbfilm U 11 I V 81 LIED DES ORIENTS (Scheherazade) . mit Yvonne de Carlo, Brian Donlevy, Charles Kullmann und der wunderbaren Musik Rimsky-Kors^koffs Anf.: 13.45 - 16.00 ■ 18.15 - 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr Sonntag, vorm. 11.00 Uhr: Eine Freude für groß und klein. Der neue große Film der Hohnsteiner Puppen¬ spieler; Kaspers Reise um die Welf Ruf 33 73 Vorverkauf an der Tageskasse Kinder -,60, Erwachsene 1,- THAIIA Jetzt schlägt's 13 I IIMLIH mit THEO LINGEN, HANS MOSER u.v.a. Oer große Lustspielschlager — Pausen- loses Gelächter Anf.: 14.00 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr Ruf 33 90 Vorverkauf ab 11.00 Uhr BELIDÄ Erstaufführung Louis Hayward, Joan Benett in Die Stunde der Vergeltung (Der Sohn v. Monte Christo) nach Dumas Ein Welterfolg als Buch und Film! Ruf 395 'J6 o° ■ 18.15 - 20.30 Uhr und ln Nachtvorstellung 22.30 Uhr PALAST Gustav Machatys Meisterwerk mit Hedy I EKSTASE Dei Hirn, auf den alle warten. Dieser W Privatsave Hermann Go rings gefunden und erst jetzt für fh«“ hc ?nd- frei8eBeben. Der Autor be¬ ,cht,St nicht, ihnen eine nackte Frau vorzustellen, sondern behandelt in würde- Fk<uLpFrm» ~ das sexuelle Then a. S,’.se z-: New York seit 28 Wochen - Paris 24 Wochen - Frankfurt 4. Woche tur Jugendliche unter 18 Jahren streng verboten! Ruf 22 40 Anf.: 13.00, 15.00, 17.00, 19.00, 21.00 Vorverkauf 4 Tage im voraus II $ A zeigt in Erstaufführung Tarzan und die Amazonen »I mit Johnny Weissmüller in deutscher Sprache Anfg.: 14.00 - 16.00 - 18.15 ■ 20.30 Uhr Freitag, Samstag, Sonntag 22.30 Uhr Puf '»■t in Nachtvorstellung Oer Rächer von Texas ANKER Freitag bis Montag 20.00 • Sonntag 17.00 und 20.00 Wunderschöne Galathee Jugenheim mit Hannelore Schroth und Viktor de Kowa u. a. SCALA Eine Nacht in Venedig Melodien von Johann Strauß • 20'15 " Sonntag 16.00, is.oo, 20.15 - Samstag und Sonntag 22.30 Nachtvorstellung Sonntag. 14.00 Jugendvorstellung: ^r®^°°*^°^HöUevonOklahoma